Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt ERICH DOMBROWSKI. DarmsTa^t L‘ c- wlttich-E r s c he i n t i nß^^instraße 23. Telefon 3925. 1 täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 48 ÄeffiWje Tieuefte Freitag, 25. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis. 2.60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

London stimmt zu

Volles Verständnis für die Sicherheitsforderungen des Bundeskanzlers

ondon, 24. August. (AP.) Ein Sprecher des britischen Außenministeriums hat am Donnerstag erklärt, Großbritannien habe c* u Verständnis für die Besorgnisse Dr. Adenauers um die icherheit Westdeutschlands. Die Forderung des Bundeskanzlers nach einer Verstärkung der deutschen Polizeieinheiten und der westlichen Besatzungstruppen werde im kommenden Monat von den westlichen Außenministern in Neuyork erörtert werden.

Zu der Forderung Dr. Adenauers auf Bildung einer deutschen Polizeitruppe in Stärke von etwa 65 000 Mann, führte der Sprecher aus, der Bundeskanzler habe dabei eine Bewaffnung mit Panzern und schweren Waffen sowie eine Kasernierung der Einheiten verlangt.

Auf die Frage eines Pressevertreters, was der Unterschied zwischen einer solchen Polizeitruppe und der ehemaligen deutschen Wehrmacht sei, antwortete der britische Sprecher, daß diese Frage von militärischen Sachverständigen beantwortet werden müsse.

Diplomatische Beobachter meinen, es sei kein Zweifel, daß Großbritannien und die Vereinigten Staaten der zweifachen deutschen Forderung nach deutschen Polizeitruppen und einer Verstärkung der Besatzungstruppen zustimmen würden. Die Frage für die drei westlichen Regierungen sei nur, in welchem Umfang der Bundesrepublik eine Wiederaufrüstung, einschließlich der Bildung einer Polizeitruppe erlaubt werden solle. Die endgültige Entscheidung werde voraussichtlich von den drei Außenministern der Westmächte auf ihrer Tagung im September in Neuyork getroffen.

Öberkommissar McCloy erklärte, Westeuropa müsse und werde gestärkt werden. Die Verteidigung Europas sei eine gemeinsame Aufgabe. Zu dieser Aufgabe werde auch die Bundesrepublik herangezogen werden. Von der Bevölkerung der Bundesrepublik und ihren Vertretern werde ehrliche Mitarbeit gefordert.

Paris zur deutschen Aufrüstung

Washington, 24. August, (dpe) Außenminister Acheson hat den französischen Botschafter Bonnet zu einer Unterredung empfangen. Unterrichtete Kreise in Washington halten es für wahrscheinlich, daß der französische Diplomat , Acheson die Ansichten seiner Regierung 'über die Frage der deutschen Wiederaufrüstung vorgetragen habe.

Nach der Unterredung erklärte Botschafter Bonnet, er habe dem amerikanischen Außenminister die Entschlossenheit der französischen Regierung mitgeteilt, nachdrückliche und wohlkoordinierte Anstrengungen für die Verstärkung der westlichen Verteidigung zu machen. Bonnet deutete an, daß er Acheson mündliche Erläuterungen zu den beiden Memoranden Frankreichs über die französischen Verteidigungsbemühungen gegeben habe.

Die Vorräte an Atombomben

Washington, 24. Aug .(dpa) In einem Bericht des Atomenergien-Ausschusses heißt es, der Abwurf von mindestens 775 000 Atombomben würde notwendig sein, um die Atmosphäre der Erde radioaktiv zu vergiften. Ein Atomkrieg würde daher gegenwärtig nicht eine völlige Auslöschung der Menschenrasse bedeuten.

Amerikanische Sachverständige schätzen, daß die Vereinigten Staaten über tausend und die Sowjetunion etwa fünfzig Atombomben besitzen. Sie erklären dazu, selbst bei Berücksichtigung der weit stärkeren Wasserstoffbombe könnte also nicht etwa die Bevölkerung der Erde vernichtet werden.

Modernisterte Kriegsschiffe

London, 24. August. (BBC.) Im Rahmen des neuen britischen Verteidigungsprogramms sollen 89 kleine Kriegsschiffe der britischen Reserveflotte modernisiert werden, und zwar sieben Zerstörer, neun Fregatten, sechzehn Minenräumboote und eine große Anzahl von Landungsbooten.

Ramin nicht geflohen

Wien, 24. August. (AP.) Der Leipziger Thomaskantor, Professor Günther Ramin, hat am Donnerstag die Meldung einer West-Berliner Zeitung dementiert, daß er nach dem Westen geflohen sei. Professor Ramin erklärte der Associated Press, er habe die Sowjetzone völlig legal am 31. Juli zum Besuch der Salzburger Festspiele verlassen. Er werde um den 4. oder 5. September herum wieder nach Leipzig zurückkehren. Im Augenblick halte er an dem Salzburger Mozarteum Vorträge über Johann Sebastian Bach, besuche Opern und Konzerte und erfreue sich eines langverdienten Urlaubs.

300 000 schmachten im Uranbergbau

Britischer Bericht über die Ausbeutungsmethoden der Wismut-AG.

Berlin, 24. August, (dpa) Die Britische Kontrollkommission in Berlin hat am Mittwoch umfangreiches Material über die sowjetisch verwalteten Uranbergwerke in der Deutschen Demokratischen Republik eröffentlicht. Darin heißt es die sowjetische Urangesellschaft Wismut AG.“ stelle mit ihren 15 000 Verwaltungsangestellten einen autonomen Staat im Staate dar und unterwerfe annähernd 300 000 deutsche Arbeiter einem kolonialer Ausbeutung. Dabei werde a Menschen- und Materialverschleiß keine

Das gesamte Uranbergbaugebiet unterliege der Kontrolle der NKWD-Truppen des sowjetischen Innen^inist^^n X Stärke von 5000 Mann. Dazu kamen die Bergpolizei und die Bergkrimma pohzei der sowjetischen Zone. Die ReSl?l. SGe_ sowjetischen Zone besitze in i t bieten keinerlei Autorität, da d . AG. nach eigenen sowjetischen Gesetze handele und das Bergbaugebiet praktisch von der übrigen Republik sei. Der Sonntag sei abgeschafft und dm sowjetische Zehntagewoche inJ^eln Betrieben des Uranbergbaus bereits ein ge_führt. t daß

In dem Bericht wird ferner — sich der sowjetische Ul\anbero über das Erzgebirge, das Vogtland das Görlitzer Gebiet, den „ und den Harz erstrecke. In Zeit seien 232 Ortschaften neu bergbau betroffen dringen zu den neuen Schm zwangsden immer wieder Bergarbeiter zwangs einquartiert und Häuser beschlagnahmt. Das friedliche Leben in Hunderten von Ortschaften werde dadurch zerstört. Verurteilte Verbrecher müßten in Straflagern des Urangebietes ihre Zuchthausstrafen abarbeiten. Neben den kriminellen seien jedoch auch solche Häftlinge zum Untertagebau eingesetzt, die wegen angeblicher Verbrechen gegen den Staat oder wegen Wirtschaftsverbrechen verurteilt worden seien. Die Insassen solcher Straflager, die unter härtesten Bedingungen lebten und arbeiteten, müßten zu ihrer zehnstündigen Arbeitszeit täglich noch einen zweistündigen Anmarschw.eg zurücklegen.

Die Verhältnisse im Uranbergbau zeigten, warum in dem kürzlich erlassenen Arbeitsgesetz die Untertagearbeit für Frauen nicht verboten sei. Die Zahl der im Uranbergbau beschäftigten Frauen und Mädchen sei außerordentlich groß. Die Frauen und Mädchen seien äußerst primitiv in Baracken untergebracht.

Infolge der rapiden Entwicklung im Uranbergbau und des überstürzten Abbaues ließen die Sicherheitsmaßnahmen viel zu wünschen übrig. Gasexplosionen und Unglücksfälle seien an der Tagesordnung. Bei den häufigen Massenkatastrophen dürften die örtlichen Rettungsmannschaften nicht in die Schächte einfahren, damit Einzelheiten des Unglücks geheim blieben. Es seien Fälle bekannt, in denen den Angehörigen tödlich verunglückter Bergleute mitgeteilt worden sei, diese seien nach dem Westen geflüchtet.

Brücke zwischen den Völkern

François-Poncet über die Mission der Metropole am Rhein

Na Mainz, 24. August. (Eigener Bericht.) Auf dem Empfang, den der Landeskommissar Boislambert anläßlich seiner Uebersiedlung von Koblenz in die neue Landeshauptstadt Mainz auf Schloß Waldthausen am Donnerstag veranstaltete, gab der französische Oberkommissar Francois-Poncet seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß nun die Landeshauptstadt des Landes Rheinland-Pfalz nach Mainz verlegt worden sei. Allerdings solle man in Koblenz dieses Gefühl nicht mißverstehen. Diese Stadt solle nicht im geringsten geschädigt werden. Aber Mainz sei nun einmal von der Natur, von der Geographie und von der Geschichte dazu prädestiniert, wiederum eine Metropole am Rhein zu werden. Diese Stadt mit ihrem Bistum, ihrer Universität und ihren schönen Bauten, die wir alle wiederhergestellt söhen werden, habe damit die Sendung erhalten, zwischen Westen und Osten, zwischen Deutschland und Frankreich ein Austauschzentrum, eine Brücke zu bilden. Vielleicht beliebe es furchtsamen Naturen gelegentlich, zu argwöhnen, daß Frankreich die Absicht habe, Mainz als Einfallstor nach Ostdeutschland offenzuhalten. Diese Leute möchten sich beruhigen. Frankreich denke eher an eine gemeinsame Verteidigung vor einem gemeinsamen Gegner, als an eine Invasion Deutschlands. Auch sei es sicherlich kein Unglück, wenn der französische Einfluß über Mainz nach Osten vordringe; Deutschland könne er sicherlich nicht verderblich sein.

Der deutsche Einfluß aber, davon sei er überzeugt, könne auch seinen Landsleuten von großem Nutzen sein. Gerade hier liege die vielverheißende Zukunft für Mainz. Hier in dieser Stadt sollte sich der Franzose mit Vorliebe einfinden, der sich mit deutschem Wesen vertraut machen wolle, und für den Deutschen, der sich für das Studium französischen Wesens vorbereiten wolle, sohe Mainz der geeignetste Ort sein.

Der Botschafter schloß mit der Hoffnung auf eine schöne, mächtige Stadt, die, mit Wiesbaden eng verbunden, ein einziges Ganzes bilden werde, von dem aus wohltuende Strahlen demokratischen Geistes sich auf unsere abendländische Welt verbreiten werden.

Truman gegen Spanien-Anleihe

Das Kriegsende in Korea noch nicht abzusehen

Washington, 24. August, (dpa). Präsident Truman hat am Donnerstag erklärt, die amerikanische Regierung hoffe, daß alle mit den Vereinigten Staaten alliierten und befreundeten Mächte ohne Ausnahme an der unerfreulichen Aufgabe der militärischen Operationen in Korea teilnehmen würden und daß möglichst viele Staaten Streitkräfte zu den unter der Flagge der Vereinten Nationen kämpfenden amerikanischen Truppen in Korea entsenden könnten.

Auf die Frage eines Pressevertreters sagte der Präsident auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz, es sei im Augenblick unmöglich, einen genauen Zeitpunkt für den Abschluß des koreanischen Feldzuges anzugeben. Der Journalist hatte die Frage an den Präsidenten im Zusammenhang mit der von dem amerikanischen Verteidigungsminister Johnson vor einem Repräsentantenhaus-Ausschuß abgegebenen Erklärung gestellt, daß der Koreakrieg bis zum Februar beendet sei.

Präsident Truman meinte, er könne zur Zeit noch nicht sagen, ob die von ihm für den Koreakrieg geforderten 4,5 Milliarden Dollar für die Dauer des gesamten Feldzuges ausreichten. Der Präsident sprach sich erneut gegen den Beschluß des amerikanischen Senats aus, Spanien eine amerikanische Anleihe in Höhe von einhundert Millionen Dollar zu gewähren.

Zu dem von den amerikanischen Eisenbahnergewerkschaften für kommenden Montag angekündigten allgemeinen Streik sagte Truman, dieser Schritt der Gewerkschaften sei eine völlige Überraschung für ihn und stehe im Gegensatz zu den Versprechungen der Gewerkschaftsführer.

Auf großer Fahrt

Neuyork, 24. August. (HR.) Der französische Luxusdampfer „Liberte“ ist am Mittwoch mit über 1200 Passagieren an Bord in den Hafen von Neuyörk eingelaufen. Die „Liberte“, das ehemalige deutsche Passagierschiff „Europa“, überquert den Atlantik zum erstenmal unter französischer Flagge. Die „Europa“ wurde auf Reparationskonto an Frankreich geliefert und ist dann neu ausgestattet und umgebaut worden.

Ferngelenkte Maschinengewehre

Washington, 24. August, (dpa) Die Sowjetunion hat nach Berichten, die dem amerikanischen Geheimdienst vorliegen, ein ferngelenktes Maschinengewehr entwickelt. Es kann entweder durch elektrische Fernauslösung ■ oder aber auf dem Funkwege aus einer Entfernung von mehreren hundert Metern bedient werden. Die Mannschaft, die normalerweise zur Bedienung eines einzigen Maschinengewehrs erforderlich ist, kann aus sicherer Deckung etwa ein Dutzend dieser neuen, ferngelenkten Mg‘s bedienen.

Das Ende der Lebensmittelrationierung ist von der alliierten Kommandantur für West-Berlin gebilligt worden.

Annäherung

an. Der Bundeskanzler hat mit seinen letzten Erklärungen über die deutsche Sicherheit bei den westlichen Staaten ein günstiges Echo gefunden. Es gibt auch Ablehnung, es gibt auch Kühle; im ganzen überwiegt die Zustimmung, und dies offenbar auch in Regierungskreisen. Das ist vor allem der Tatsache zuzuschreiben, daß der Kanzler kein neues deutsches Heer, sondern nur eine Verstärkung der Polizei gefordert hat.

Mit diesem Wunsch hat er auf der einen Seite diejenigen Kreise im Auslande beschwichtigt, die einer deutschen Wiederbewaffnung immer noch mißtrauisch gegenüberstehen. Auf der anderen Seite hat er diejenigen entwaffnet, die sich in der letzten Zeit darüber beklagten, Deutschland tue nicht genug für die Verteidigung des Westens.

Wie es scheint, haben die Erklärungen des Kanzlers zu einer gewissen Annäherung zwischen der deutschen Auffassung und dem Standpunkt der Westmächte geführt. Das wird vor allem auch deutlich aus der Mitteilung eines Vertreters des britischen Außenministeriums, Großbritannien habe volles Verständnis für die Besorgnisse Doktor Adenauers. Der britische Diplomat hat nicht ausdrücklich erklärt, daß seine Regierung die deutschen Forderungen annehme. Das konnte er um so weniger, als die britische Regierung darüber nicht allein zu befinden hat. Aber man weiß jetzt ziemlich Bescheid über die Haltung Bevins. Es ist wahrscheinlich, daß er im September in Neuyork die deutschen Wünsche unterstützen wird.

Der Hessenplan - und was er bedeutet

Von Fritz Walter

Als der Bundestag im Mai dieses Jahres beschloß, die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern zu entlasten und ihnen sechsmalhunderttausend Flüchtlinge abzunehmen, hatten gutgläubige Optimisten geglaubt, daß nun für das Unglücksheer der Heimatlosen die endlichen „besseren Zeiten“ anbrächen. Daß man sich dagegen in Bonn allseitig über die Aufnahmefähigkeit der westlichen Bundesländer klar gewesen ist, kann in Frage gestellt werden. Oder was hat sich alsbald ergeben?

Wasserkrug — Rettungsboot

Folgendes hat sich ergeben:

a) Ist der Wasserkrug randvoll bis zum Ueberlaufen, dann ist es nicht übermäßig sinnreich, wenn man ihm noch weitere Zugüsse zumutet. Er läuft dann einfach über, das kostbare Naß verrinnt und richtet, statt zu nützen, Unheil an.

b) Erleidet ein Schiff eine Katastrophe, danp schwingt man zwar die Rettungsboote aus und läßt sie zu Wasser. Rettungsboote sind kleiner als das Schiff. An Schiffbrüchigen können sie, darüber mag man zetern oder sich entsetzen, nicht mehr aufnehmen, als ihrem Fassungsraum entspricht. Für jedes Rettungsboot kommt der Moment, wo alle christliche Barmherzigkeit und alle grundsätzliche Menschlichkeit nichts mehr helfen kann. Das ist der Moment, wo es bis zum Rande überbelastet ist: Noch ein einziger, und das ganze Boot geht unter.

Mit der Unterbringung der Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen in den restlichen Bundesländern steht es ähnlich. Kein Zweifel, daß die Zustände in Schleswig - Holstein, Niedersachsen und Bayern unerträglich und vielfach nicht mehr menschlich sind. Diese „Rettungsboote“ — ein wahres Wunder, daß sie nicht schon längst gekentert sind —, ein Beweis schließlich auch, daß die Leidensfähigkeit deutscher Menschen unvorstellbar groß ist.

Aber es hat sich auch gezeigt, daß man den Vertriebenen keinen christlichen Dienst erweist,.wenn man sie zu vielen Zehntausenden irgendwohin abzudrängen sucht, wo man — mangels besserem Wissen eine Unterkunftsgelegenheit für sie vermutet.

Händeringende Abwehr

Das Land Württemberg - Hohenzollern war das erste, das die Hände gerungen und um Einstellung der Zuweisungen gebeten hat, schriftlich, telephonisch, telegraphisch. Das Land Rheinland-Pfalz ist ihm nach einiger Zeit gefolgt. Beide Länder haben Männer an ihrer Spitze, deren christliches Bewußtsein ebensowenig anzuzweifeln ist wie ihre Menschlichkeit. Beide Länder können sich darauf berufen, daß ihre Landräte mit treuem Biedersinn alles Menschenmögliche getan haben, Um den Vertriebenen beizustehen und ihnen ein neues, menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Aber überall hat dieselbe Erfahrung gemacht werden müssen, und sie war überall gleich leidvoll: „Mehr, als er kann, kann keiner.“ Wenn wir an alle Landräte denken, von Trier und Montabaur bis nach Frankenthal, von Hofgeismar bis nach Dieburg, Heppenheim und Erbach —, an diese Landräte, die gewiß alles Menschenmögliche getan haben, was ein christlich-gesinnter Deutscher tun kann —, dann sehen wir uns überfahren von ihrer Tragödie: Sie tun, was menschenmöglich ist; aber was ihnen obliegt, das ist allzuhäufig zum Verzagen. Denn mit der bloßen Aufnahme und vorläufigen, also zunächst behelfsmäßigen Unterbringung der Zugewiesenen ist ja ganz und gar nichts getan. Aus der behelfsmäßigen Wohnung in Wirtshausoder Tanzsälen, in Baracken und dergleichen muß eine Art von „Wohnung“ werden. Woher sie nehmen? Sämtliche Landräte im Hessenland, in deren Verwaltungsbezirk wir uns umgesehen haben, nehmen die Summen aus den Landesbau-Darlehen, ergänzen sie durch Zuschüsse aus ihrem Kreisetat und bauen damit Wohnungen und Wohnungen, so billig und gut wie irgend möglich. Aber was kommt dabei heraus? Der Kreis Dieburg, um nur ihn als einen der tapfersten herauszugreifen, baut etwa 450 Wohnungen, aber er hat über fünftausend Zugewiesene.

Schlimmer steht es mit der größten aller Lebensfragen:

Lohn und Brot

Auf der Suche nach Lohn und Brot ist der Vertriebene oder Flüchtling stets und immer hintenan. Er ist der zuletzt Angekommene. Bis er anlangt, haben ihm die anderen, die früher gekommen waren, schon längst die Arbeitsplätze weggenommen. Er wohnt weitab. Das Innenministerium in Wiesbaden hat ermittelt, daß unzählige Neuankömmlinge, also Vertriebene und Arbeitslose, bis zu 18 Kilometer vom nächsten Arbeitsort entfernt wohnen. Wie sollen sie diese Entfernungen überbrücken? Mit dem Fahrrad natürlich, falls sie sich eines beschaffen können. Aber was dann? Zur Arbeit hin und von ihr nach Hause jeweils zwei ünd mehr Stunden strampeln, bei jeder Witterung, das ist schwer. Also sucht man, am Arbeitsort eine Notunterkunft zu finden. Das bedeutet doppelten Haushalt. Rechnet man, was dabei übrigbleibt, dann kommt man, verwünscht und vermaledeit, zur Erkenntnis: Mit der geringen Arbeitslosen - Unterstützung an Ort und Stelle verblieben, dabei kommt wahrhaftig mehr heraus. So hegen die Dinge weitaus in Hessen. Aber sie liegen nicht überall gleichmäßig. Wie hegen sie?

Auf dem „platten Land“, das mit Vertriebenen großenteils überbelegt ist, gibt es wenig Arbeitsplätze für Industriearbeiter. In den Städten gibt es noch solche Plätze, zum Teil in ansehnlichem Umfange. Es gibt sie in Kassel, in Fulda, in Marburg, in Hanau, selbst in Frankfurt und Offenbach — aber alle diese Städte sind gleichzeitig, durch die Anordnung der Besatzung, „Brennpunkte der Wohnungsnot“. — Das Hessenkabinett, richtiger: dessen Innenministerium, hat sich die Bevölkerungsdichte genau angesehen und gefunden: Es gibt in Hessen überbelegte Kreise mit genau denselben Prozentzahlen wie in Bayern, dem die hohen Herren in Bonn zugestanden haben, daß es „Abgabe-Land“ ist, also „erleichtert“ werden muß. Dächte man in Wiesbaden, Adolfsallee 34, weniger christlich und menschlich, dann wäre man berechtigt zu erklären: „So nicht! Wir sind genau so überbelegt!“ So denkt man nicht, und daß man nicht so denkt, ist ein Ehrenzeugnis für das Hessenland. Aber wie denkt man?

Umsiedlung — der Hessenplan

Das Hessen-Kabinett — mag zu ihm jeder stehen, wie er will — hat gedacht: In Bonn zu lamentieren und gegen die weitere Zuweisung von Vertriebenen Protest zu erheben, das ist weder demokratisch noch christlich noch menschlich. Also handelt es sich darum: Alle Möglichkeiten zu ermitteln, um irgendwo und irgendwie auf hessischem Boden alle die Vertriebenen unterzubringen, die untergebracht werden können. Also muß man die nördlichen Landesteile — von Hofgeismar bis Offenbach und Hanau — gegen den Süden abwägen. Die Südteile von Hessen-Darmstadt und Starkenburg, — klar, daß sie ohnehin schon das Aeußerste dessen tun, was in ihren Kräften steht. Sollen sie weitere Tausende und vielleicht aber Tausende auf nehmen, dann muß ihnen das Land, muß ihnen „Wiesbaden“ beispringen. Man muß ihnen Geld geben, daß sie Wohnungen bauen können. Sie haben selber namhafte Mengen von Arbeitslosen. Aber, um beiden Teilen zu helfen: allen Arbeitslosen, den eingesessenen wie den neuen, muß durch „Streuung der Investitionen“, wie der ministerielle Fachausdruck lautet, dafür gesorgt werden, daß auch in diese industriearmen Bezirke und Kreise des Hessenlandes industrielle Betriebe kommen. Woher und wieso? Man ist in dieser Hinsicht in Wiesbaden vertrauensvoll, auf Grund von Unterlagen.

Die drei Stufen

Der „Hessenplan“ sieht drei Stufen vor, auf denen sich diese Umsiedlung vollziehen soll.

Erste Stufe: Umsiedlung innerhalb der Kreise. Das hat Sinn und Zweck. Beispielsweise: Der große Kreis Heesfeld beherbergt eine gewaltige Anzahl von Unglücksopfern, die dahinvegetieren, ohne in Lohn und Brot zu kommen. In der Kreisstadt hingegen sind Arbeitsplätze vorhanden, zwar nicht in Hülle und Fülle, aber immerhin, alles in allem, in beträchtlicher Anzahl. Ebenso steht es mit den Landkreisen Kassel, Fulda, Marburg, — man kann die ganze Reihe der nordhessischen Kreise von oben bis unten durchgehen: Siedelt man um, innerhalb der Kreise, dann schafft man es.

Zweite Stufe: Umsiedlung innerhalb der Regierungsbezirke. Die Regierungspräsidenten von Kassel, Darmstadt und Wiesbaden sind Männer vom Fach und Männer mit deutschem Herzen: Wie es sein müßte und sein könnte, wissen sie, und sie haben es in Wiesbaden, im .Innenministerium des Herrn Zinnkann, dargetan. Sie sind gehört und respektiert worden. Innerhalb der Regierungsbezirke des Hessenlandes kann viel dazu getan werden, daß die Notlage der Vertriebenen gelindert wird. Und es wird auch getan werden.

Dritte Stufe: Umsiedlung innerhalb des Hessenlandes. Hier liegt die Federführung im Wiesbadener Innenministerium. Bei der Abteilung des Ministerialdirektors Dr. Nahm. Wir können uns, nach allen Ermittlungen, nicht denken, daß diese Sache irgendwo anders in besseren Händen liegen könnte.

Der Hessenplan kann nicht verwirklicht werden, ohne daß nicht alle mittun. Alle, das heißt in diesem Falle: Sämtliche Behörden im Hessenland müssen willig, mit innerer Hingabe, im Vollgefühl ihrer deutschen, menschlichen und christlichen Pflichten, mittun. — Dafür ist gesorgt.

Es müssen aber ebenso auch die Verbände der Vertriebenen mit derselben Willigkeit mittun können. Auch dafür ist gesorgt. Anfangs dieser vorletzten Augustwoche hat man sich beiderseits zusammengesetzt. Und so angespannt, erhitzt und bedrohlich auch das Verhältnis zwischen den Unglücksopfem einerseits und den „anderen“ andererseits ist: Die Sachwalter und Wortführer der Vertriebenen in Hessen haben willig anerkannt: Das sei der rechte Weg, um die Katastrophe zu liquidieren und die Vertriebenen wieder einigermaßen mit dem Leben zu versöhnen.

Wäre es überall, in allen Ländern der Bundesrepublik, so wie in Hessen, — die Heimatlosen, Entrechteten, die Unglücksopfer des deutschen Verhängnisses — so erklären sie — würden zufrieden sein (soweit eben einer von ihnen jemals würde zufrieden sein können).

Drohende Lohnbewegung

Bochum, 23. August, (dpa) Der Vorstand der Industriegewerkschaft Bergbau hat in einer außerordentlichen Sitzung gedroht, daß er die Lohntarife kündigen werde, wenn die seit Juni eingetretenen Preissteigerungen nicht rückgängig gemacht würden. Der Gewerkschaftsvorstand betonte, daß das Realeinkommen der Bergarbeiter nicht vermindert werden dürfe.

Kommunistische Angriffe überall abgewiesen

Die Amerikaner festigen die Front — Rote Verstärkungen im Anmarsch

Pusan, 24. August. (AP./dpa/Reuter; Fast an allen Stellen der zweihundert Kilometer langen Front auf dem nordkoreanischen Kriegsschauplatz haben am Donnerstag amerikanische Truppen in heftigen Kämpfen gegen eingesickerte Verbände der Nordkoreaner und Partisanen gestanden. Es gelang der amerikanischen Führung jedoch, die Front vor allen Dingen im Abschnitt bei Taiku zu festigen. Hier sind amerikanische Verstärkungen herangezogen worden und der Feind, der an manchen Stellen bis zehn Kilometer vor Taiku vordringen konnte, wurde überall abgeriegelt. Die Amerikaner, die ihre Stellungen fest in der Hand halten, erwarten die Großoffensive des Feindes. Am Donnerstag hatte der direkte Druck nachgelassen. Dafür stellte aber die amerikanische Aufklärung fest, daß immer neue Verbände des Feindes in die Bereitstellungsräume geführt werden.

Blutig abgewiesen

Bei Pohang im Norden versteifte sich der nordkoreanische Widerstand. Teile eines südkoreanischen Regiments mußten sich etwas vom Feind absetzen. Im Südabschnitt der Front ist die Lage noch ungeklärt. Die Amerikaner konnten sich an allen Stellen behaupten und ihre Stellungen festigen. Ueberall, wo der Feind vorstieß, wurde er blutig abgewiesen. Auch die Nachtangriffe des Feindes, vor allem im Mittelabschnitt, führten zu keinem Erfolg. Zahlreiche Panzer wurden abgeschossen. Unter dem Eindruck der letzten Kampftage konnte der amerikanische Verteidigungsminister vor republikanischen Senatoren erklären, die Stellungen der Truppen der Vereinten Nationen seien soweit gefestigt, daß keine Gefahr mehr bestehe, die Halbinsel räumen zu müssen.

Landungen

Die alliierten Truppen haben wiederum Landungen auf Inseln vorgenommen, die der koreanischen Halbinsel vorgelagert sind. Südkoreanische Truppen gingen unter dem Schutz alliierter Seestreitkräfte auf der südlichsten Insel Uido am südlichsten Punkt Koreas an Land. Eine weitere Landung wurde weiter nördlich vorgenommen, bei der kanadische Seestreitkräfte beteiligt waren.

Schläge aus der Luft

Am Donnerstag haben amerikanische Superfestungen das wichtige chemische Werk von Hungnan mit vernichtender Wirkung bombardiert. Insgesamt wurden 559 Einsätze geflogen. Ein Verband leichter Kampfflugzeuge konnte in dem Augenblick von einem amerikanischen Funkoffizier herangeholt werden, als durchgebrochene nordkoreanische Truppen einen amerikanischen Hauptverbandplatz etwa drei Kilometer hinter der Front angriffen und mit Maschinengewehren beschossen. Die amerikanischen Maschinen hatten ihre Splitterbomben nicht auf das befohlene Ziel abwerfen können, weil die Witterungslage keine Beobachtung zuließ. Sie waren deshalb noch voll beladen, als sie sich auf dem Rückflug befanden und konnten dem durchgebrochenen Feind an dieser Stelle große Verluste zufügen.

Weltfrieden ohne Nachgiebigkeit

Aus der Arbeit der Ausschüsse in Straßburg

Straßburg, 24. August. (AP./dpa) Der Wirtschaftsausschuß und der Ausschuß für Menschenrechte haben ihre Arbeiten abgeschlossen. Der Ausschuß für Menschenrechte hat beschlossen einen europäischen Obersten Gerichtshof zu bilden. Der Wirtschaf' Ausschuß hat einen britischen Entschließungsentwurf angenommen, in welchem die Mitgliedsstaaten des Europarates aufgefordert werden, die Vollbeschäftigung zur Grundlage ihrer Wirtschaftspolitik zu machen.

Der konservative britische Abgeordnete MacMillan hat am Donnerstag im Büro der Beratenden Versammlung des Europarates einen neuen Antrag eingebracht, in dem ein Vorschlag über die Organisation der europäischen Kohle- und Stahlunion gemacht wird. MacMillan hofft mit seinem Vorschlag eine engere Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und den Staaten, die sich für die Montan-Union entschieden haben, herbeiführen zu können. Der britische konservative Vorschlag geht darauf hinaus, dem Europarat d:e Kontrolle über die Verwirklichung des Schuman-Planes zu geben. MacMillans Plan ist abgeändert worden und hatte ursprünglich vorgesehen, die Oberste Behörde für die Montan-Union einem Unterausschuß des Europäischen Minister - rates zu unterstellen.

Die Mitglieder des Verteidigungsunterausschusses haben darauf hingewiesen, daß es sich bei dem Vorschlag Churchills um ein viel zu wichtiges und viel zu kompliziertes Problem handele, als daß man es in wenigen Tagen abhandeln könne.

Frau Louise Schröder, die Berliner Bürgermeisterin, forderte die Beratende Versammlung des Europarates, die zum erstenmal wieder zu einer Vollsitzung zusammengetreten war, auf, eine europäische Konvention über die soziale Sicherheit als eine Garantie gegen die totalitäre Diktatur zu bilden. „Diese Versammlung kann nicht auseinandergehen, ohne den europäischen Völkern ein Dokument zu geben, in dem ihnen versprochen wird, alles Erdenkliche für die soziale Sicherheit zu tun.“

Ein besseres Bild des Lebens

Tagung der Liberalen Weltunion in Stuttgart

Drahtbericht unseres Korrespondenten

St. Stuttgart, 24. August. Der Vierte Internationale Kongreß der Liberalen Weltunion ist am Donnerstag von Vizekanzler Blücher, dem württemberg-badischen Ministerpräsidenten Dr. Reinhold Maier und dem wiedergewählten Präsidenten der Internationalen Don Salvadore de Madariaga in Stuttgart eröffnet worden. An dem Kongreß nehmen etwa 150 Delegierte aus 23 Ländern teil. Die Delegierten sind zum größten Teil Mitglieder liberal-demokratischer Parteien, aber auch Mitglieder anderer Parteien wohnen als Delegierte dem Kongreß bei.

Vizekanzler Blücher begrüßte den Kongreß im Namen der Bundesregierung und des Bundespräsidenten. Er sagte, wenn überhaupt Tagungen wie diese, einen Sinn haben sollten, dann müßten sie heute abgehalten werden. Den Gefahren des Bolschewismus dürfe man nicht ängstlich gegenüberstehen, sondern müsse der Welt mit Mut und Klugheit ein besseres Bild des Lebens aufzeigen.

Es sei deshalb nötig, selbst das Problem anzugreifen und nicht immer in der Verteidigung zu sein. „Beweisen wir durch die Einheitlichkeit unseres Willens, daß wir die Freiheit zu verteidigen gewillt sind. So schaffen wir damit die Kraft, die den Völkern seit 1945 gefehlt hat.“ Blücher verlas dann einen Gruß des Bundespräsidenten, der seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß der liberale Kongreß gerade in diesem Jahr in Stuttgart abgehalten werde.

„Ob Gelb- oder Rotchina...“

Wilkening: Im Osten ist unser Markt

el. Hamburg, 24. August. (Eigener Drahtbericht.) Der Hamburger Politiker Eduard Wilkening, der nach seinem Ausscheiden als Fraktionsführer der Freien Demokratischen Partei in der Hamburger Bürgerschaft durch seine freundliche Haltung gegenüber den Instanzen der Sowjetzone von sich reden gemacht hat, hat erklärt, weder die von ihm gegründete Liberale Vereinigung, noch die Gesellschaft für Osthandel, deren akkreditierter Unterhändler in Ost-Berlin er sei, würden politisch oder finanziell von ii’gendwelchen Gruppen beeinflußt. Der auch von Bonn bejahte Osthandel wäre weiter gediehen, wenn die bürokratischen Hemmungen im Westen beseitigt worden wären. „Ob Gelb- oder Rotchina, das ist uns Kaufleuten völlig egal, wir haben dafür zu sorgen, daß die Mägen unserer Millionenbevölkerung gefüllt werden. Unser natürlicher Markt ist der Osten.“

Aunßer Kraft gesetzt

Verordnung zur Wiedergutmachung

F.A.Z. Frankfurt. Die Oberkommission hat einzelne Bestimmungen der hessischen und Bremer Verordnungen zum Wiedergutmachungsgesetz aufgehoben, da diese Bestimmungen die außerhalb Deutschlands lebenden Verfolgten diskriminiert hätten. Auf Grund dieser Bestimmungen wären außerhalb Deutschlands lebende Verfolgte nicht in der Lage, ohne die Genehmigung einer besonders bezeichneten deutschen Landesstelle die ihnen zustehende Rente in Empfang zu nehmen.

Keine Zuckerhortung

Hamburg, 24. August. (NWDR.) Zur gegenwärtigen Versorgung mit Zucker teilte am Donnerstag der Einzelhandelsverband Hamburg, Fachgemeinschaft Lebensmittel, mit, daß dem Einzelhandel nur etwa ein Viertel der normalen Durchschnittsmenge des ersten Halbjahres 1950 zur Versorgung der Verbraucher zur Verfügung stehe. Bis zur neuen Ernte könnten nur mit 50 000 bis 60 000 Tonnen Zuckerimporten gerechnet werden, das sei knapp die Hälfte des tatsächlichen Bedarfs.

Der Verband wies die Behauptung, daß von den Einzelhändlern Zucker gehortet würde, entschieden zurück. Die Zuckerverknappung sei für den Groß- und Einzelhandel ebenso überraschend gekommen wie für den Verbraucher. Nach der Ansicht des Verbandes lagerten auch in den Fabriken keine Vorräte aus der vorjährigen Ernte. Vor Angstkäufen werde gewarnt, da nach der kommenden Ernte die Versorgung mit Zucker durchaus gesichert sei.

Peinlicher Zwischenfall

el. Hamburg, 24. August. (Eigener Drahtbericht.) Bei den Plädoyers der Verteidigung im Prozeß gegen zwei ehemals führende Mitglieder der Hamburger Schulverwaltung, denen die Auslieferung der Studienassessorin Ivon Mewes an die Gestapo und dadurch die Mitschuld an ihrem Tode im Konzentrationslager Ravensbrück vorgeworfen wird, ist es zu einem peinlichen Zwischenfall gekommen.

Der Verteidiger Dr. Herbert Fischer versuchte die Ermordete sehr negativ zu beurteilen, das feindliche Verhalten einer Zeugin gegenüber dem • Nationalsozialismus und anti-nationalsozialistische Aeußerungen eines im Konzentrationslager Neuengamme ermordeten Gewerbeoberlehrers für strafwürdig zu erklären. In einer scharfen Erwiderung sagte Staatsanwalt Dr. Koch, die Bemerkungen des Verteidigers stimmten ihn unendlich traurig, bewiesen sie doch, daß die Bundesrepublik ein Rechtsstaat von selbstmörderischer Konsequenz sei.

Für den Interzonenhandel

Ein Koordinierungsbüro

Berlin, 24. August. (NWDR.) Die Einrichtung eines Koordinierungsbüros für Fragen des Interzonenverkehrs bei der Treuhandstelle für Interzonenverkehr ist auf einer Konferenz in Berlin beschlossen worden, an der Bundesverkehrsminister Seebohm, Vertreter des Berliner Magistrats und der Bundesbahn teilnahmen. Das Koordinierungsbüro soll die Dienstanweisungen der Sowjetzonenbehörden beschaffen und die westdeutschen und West-Berliner Behörden sowie die Interzonenreisenden laufend über die Kontrollbestimmungen an der Zonengrenze unterrichten. Außerdem wird sich das Koordinierungsbüro darum bemühen, die Aufhebung der Geldstrafen zu erreichen, die von den Grenzbehörden der Sowjetzone erhoben werden.

Kürzungen der Guropa-Hilfe

Washington, 24. August. (AP.) Ein Konferenz-Ausschuß beider Häuser des amerikanischen Kongresses hat am Donnerstag beschlossen, die Europahilfemittel für das laufende Jahr um 200 Millionen Dollar (840 Millionen Mark) zu kürzen.

Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

29) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

Der Manager sieht zur Uhr. „Kommen Sie jetzt bitte.“ Frau Steen erhebt sich, um ihre Leute zu verabschieden.

„Sei nicht so eifersüchtig, Mama“, flüstert Knut ihr zu.

Eva Steen sieht ihn böse an. „Einem Mann, der mit seinem eigenen Sohn die Nächte durchsumpft, ist vielerlei zuzufrauen“, erklärt sie.

„Aber nicht Frau Fahr", widerspricht Mary. „Idi weiß das, seif ich bei ihr war."

Frau Steen schweigt.

Die drei gehen los. Schon i i der Hotelhalle schießen ein Dutzend Blitzlicht nach ihnen. In dem Wagen sitzt ein Mann, der Mary über ihre Eindrücke in der Hauptstadt interviewt, und im Filmstudio warten wieder die Dekorationen, die Sfarklichfe, Kameras und Aufnahmeleiter.

Der Tag wird schwer. Im Warenhaus macht Frau Fahr ihre Sache großartig, besser als Frau Steen, nämlich ganz so, als wäre sie jene Frau Steen, die man aus Knuts Mutter machen will. Sie hat drei andere Warenarten zu wählen, die Posten der ersten sind ausverkauff. Aber sonst rollt das Programm genau wie das erstemal. Und ein ganz anderes, für immer fremdes Mädchen tut Jo Tompsons Arbeit mit den Taschentüchern.

Knut wirft,... er mustert das Mädchen. Wirft...

Er sieht, daß dieses Mädchen seinen Blick meidet.

Wirft weif.. .

Er überlegt: Dieses Mädchen kennt Jo, sonst sähe sie mich frei an. Die nächsten Packen dieser K.-St. -Taschentücher nach rechts unten und nach links.

Knut wendet sich um.

„Ich wette, Sie kennen Jo Tompson.“

Das Mädchen rührt sich nicht.

Knut wirft.

„Wohin ist Jo Tompson gefahren?“

Diese Mädchen reicht ganz gut Taschentücher zu, aber es hat kein Herz.

Knuf gibt es auf.

Im Wagen versichert Frau Fahr ihm zum zweiten- oder drittenmal, daß nie-

mand weiß, wohin die Tompsons in Urlaub reisten.

„Niemand?"

„Niemand, Knut... Es tut mir sehr leid."

Sie fahren in das Studio zurück. Nach ein paar Aufnahmen wird Frau* Fahr wieder in den Wagen verpackt, Mary dazu. Sie rauschen ab, um ein neues Kinderheim einzuweihen.

„Das macht sie bestimmt gut, besser als Mama es könnte“, bemerkt Georg J. Steen in der Mittagspause. Mary und Frau Fahr sind noch nicht zurück. „Sie isf eine neffe Frau", sagt Mary.

„Du scheinst wirklich Lust zu haben, mit ihr in das Berghotel zu fliegen.“ Knut lacht.

„Nein, aber warum eigentlich nicht?“ wehrt sich Georg J. Steen.

„Und was haftest du heute morgen beim Frühstück?“ drängt sein Junge.

„Mir war etwas schlecht."

„Aber du gingst doch garnicht in das Badezimmer. Du setztest Dich nur auf das Bett“, forscht Knut seinem Vater nach. „Nun". Das isf alles, was Georg J. Steen zu sagen hat. Und dann steht er auf und geht zu einem der Manager.

Was mag da los sein, fragt sich Knut. Er ermüdet jetzt langsam und ruft den Äufwärfer, um Kaffee zu bestellen, recht starken Kaffee. Er trinkt langsam. Er grübelt darüber nach, ^uf welche Weise er herausfinden könne, wo die Tompsons stecken. Es fällt ihm auch etwas ein. Er beschließt, heute abend mit Begger in die Uferstraße zu fahren, wenn Begger einwilligf. Er wird vielleicht das Glück haben, jemanden anzufreffen, der wenigstens eine Ahnung hat, wo die Tompsons ihren Urlaub verbringen.

Kurz nach der Mittagspause sind auch Mary Steen und Frau Fahr wieder im Studio. Mary sieht sehr vergnügt aus. Sie bringt aus diesem Kinderheim Fotos mit, lauter Aufnahmen von sehr kleinen Kindern. Sie zeigt sie Knut, als es gerade eine Gelegenheit gibt. Sie ist entzückt von den Bildern der kleinen Wichte.

- ——- <x. Mciucii wiaiLC. „Du machst dir doch sonst nichts aus ihnen“, wundert sich Knut

„Das tut doch jeder“, behauptet sie.

„Man kennt dich nicht wieder, seit du entdeckt hast, daß die Filmerei eine scheußliche Sache isf", sagt Knut.

Mary nickt und geht wieder in das Sfarklichf. Sie hat eine Aufnahme, bei der sie Strümpfe mit einer flüssigen Seife waschen muß („Mary Steen geht gerne aus"). Knut sieht ihr zu. Er findet, daß sie doch ein recht nettes Mädchen ist. Wenn Teddy Beer einen Laden hätte, könnte er sich freuen, sie zu heiraten, denkt Knut. Teddy hat nur keinen Laden und nicht die geringste Chance.

Da wird Knut gerufen.

Die Leute rollen dort einen großen, schweren Wagen in das Studio und bringen ihn vor eine prächtige Dekoration aus gestutzten Parkbüschen, kurz gehaltenem Rasen, mit einer Hügellandschaft im Hintergrund. Vor diesem Wagen sollen Georg J. Steen und sein Sohn fotographiert werden. Ein Mikrofon wird montiert.

„Ist dieser Wagen nicht viel zu feuer für Leute meines Standes?'- fragt Steen einen Herrn, der den Äufnahmesfab berät.

„Natürlich“, antwortet der Herr. „Aber ich habe den Werbespruch, der es gestattet, meine Werbung an den Steen-Rummel anzuhängen. Der Titel heißt „Wenn wir erst zu zweit verdienen.“

Die Steens treten zusammen zu diesem Wagen. Der Kameramann sucht die beste Einstellung. Knut betrachtet die Steuerung des Wagens, die Schaltung, das Armaturenbrett. Er bückt sich ganz schnell einmal nach der Federung. Es isf eine Stabfederung, sehr neuartig angeordnef.

„Gefällt er Ihnen? Verstehen Sie etwas davon?" fragt der Herr mit den ausgekochten Werbetricks.

„Ich denke“, antwortet Knut. „Ich möchte als Einfahrer arbeiten.“ Der Herr horcht auf. Die Aufnahmen rollen an. Steen muß den Satz in das Mikrofon sprechen: „Knut, wenn wir erst zu zweit verdienen ...“ Er muß ihn eben sprechen, diesen Werbesafz, der die Leute verführen soll, einen Wagen zu kaufen, der eigentlich zwei Klassen zu feuer für sie isf, ihn zu kaufen, um sich nach drei Wochen über die Aufteilung der Benzinrechnung zu streifen.

Die Steens gehen nach dieser Aufnahme wieder auseinander. Jeder wird bei verschiedenen Dingen gebraucht. Da geht der Auto-Herr hinter Knut her. „Knut, wenn Sie Einfahrer werden wollen, warum nicht bei uns“, sagt er. „Ich könnte das auf der Stelle mit Ihnen abmachen.“ Knut nickt. Er sieht einmal schnell zu seinen Schuhspifzen. Er erlebt es, daß er blitzschnell um diesen Vorschlag herum denkt.

„Wir würden Ihnen einen Vertrag als Äblieferungsfahrer geben Knut...

Knut sieht auf und nickt.

„Es ist mir recht“, sagt er.

Der Herr gibt ihm die Hand und schüttelt sie lächelnd.

Knut wird zur Aufnahme gerufen. Bei dieser Aufnahme mit Gummisohlen, die man sich selber unter die Schuhe kleben kann, kommt der Chefmanager vorbei.

„Knut, die Luftverkehrsleute mit dem Berghofei haben sich für Sie und Frau Fahr entschieden. Ich lasse Sie kurz nach acht Uhr im Hotel abholen. Verstanden?“

Knut Steen nickt.

Ich muß also vorher noch in die Uferstraße, beschließt er.

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„Bis nachher, Knut“, lächelt Frau Fahr. „Wir treffen uns auf dem Flugplatz. Mary bringt mich in ihrem Wagen nach Hause, dßmit ich noch etwas packen und die Wohnung besorgen kann.'

Mary hakt Frau Fahr unter und geht mit ihr zum Wagen. Steen und sein Sohn fahren mit Begger zum Hotel.

„Wie geht es Ihnen?" fragt Georg J. Steen aus dem Rücksitz nach vom. „Danke, Herr ‘Steen“, lacht Begger. Er fährt sehr schnell. „Ich glaube, es war eine glückliche Nacht. Ich habe heute nachmittag dreißig Seiten an meinem Buch geschrieben."

„Gratuliere", brummt Steen, offenbar mehr aus Höflichkeit als aus Verständnis für Leute, die an einem Buch schreiben.

Knut legt Begger die Hand aut die Schulter.

„Wäre es Ihnen recht, Papa jetzt in das Hotel zu bringen und mit mir ganz schnell in die Uferstraße zu fahren?“ fragt er. „Uferstraße 14 ..."

Obwohl er so schnell fährt, nimmt Begger den Kopf herum und sieht Knut voll an. „Uferstraße 14?" fragt er. „Da wohnt doch Jonas Tompson. Sie kennen seine Gedichte?“ Knut will antworten, daß er Tompsons Gedichte kennt, daß er jedenfalls zwei Gedichte kennt und außerdem...

Aber da meldet sich Steen, der Vater.

„Was höre ich“, ruft er streng. „Das gibt es nicht, Knut. Du fährst mit in das Hotel." Er wird schnell laut und böse. „Ich leide nicht, daß du in solchen Kreisen verkehrst, es ist kein Umgang für dich.“

„Aber wdeso nicht, Papa?"

„Ach, was!“ schreit Steen. „Du wirst doch diesem Mädchen nicht nachlaufto. Du siehst sie ohnehin nicht wieder. Es ist doch lächerlich, Knut. Ich verbiete es dir!“

Knut wirft sich in seinem Sitz herum. „Warum regst du dich auf?“ Will er wissen, und da er es wirklich wissen möchte, redet er lauf und eifernd. „Ich hätte gelaubf, daß du dir deinen mittelalterlichen Ton jetzt abgewöhnt hast. Du hattest schon heute früh solche Mucken, als die Rede aut Tompsons kam.“

„Weil ich ahnte, du Narr, daß du dich dorthin verlaufen möchtest“, schreit Steen.

„Was ahnst du?“ Knuts Stimme klingt plötzlich sehr kühl, sehr überlegen. „Du solltest lieber ahnen, was Jonas Tompson für ein Mann war. Von seinen Gedichten solltest du etwas ahnen.“

„Ich ahne, daß er ein Hungerleider war“, faucht Steen.

„Und wenn er es war", Knut schreit plötzlich los. „Es kommt auf das an, was er- in seine Bücher steckte, nicht auf das, was er in seinen Magen tat. Was weißt du denn wirklich von Tompson?“ Knut schaltet plötzlich um. „Sage mal, Papa, weißt du irgendetwas von Tompson?“ fragt er plötzlich ganz ruhiö.

„Keine Spur... woher denn?“ brummelt Steen verdrossen. Es ist eine müde, verzweifelte ratlose Art von Verdrossenheit.

„Dann stelle dich auf den Kopf, Älter!" schließt Knut ganz gelassen, wendet sich im Sitz wieder nach vorn und nimmt eine Zigarette. „Ich fahre also zu Tompson. Sie sind zwar nicht zu Hause, aber vielleicht weiß jemand im Hause, wo sie stecken oder wann sie wiederkommen."

„Wenn wir erst wieder daheim sind, ohne mich, Alter. Ich werde „Einfahrer“ hier bei der Firma .Progreß', basta!“ schließt Knut.

Steen schweigt. Er hockt geschlagen auf dem Rücksitz.

Begger sieht im Rückspiegel, wie geschlagen und verstockt er aussieht. Vor dem Hotel steigt er aus, rückt sich mühsam zurecht und geht hinein. Begger fährt weiter. „Entschuldigen Sie, Begier“, sa^f Knut.

(Fortsetzung folgt)

Ein notwendiges Gesetz

Die Unterbringung in Heil- und Entziehungsanstalten

Wiesbaden, 24. August, (dpa) Der Entwurf zum „Gesetz über die Unterbringung gemeingefährlicher, schwachsinniger, rauschgift- und alkoholsüchtiger Personen“ ist jetzt vom hessischen Innenministerium nach sechsmonatiger Vorarbeit fertiggestellt worden. Nach Ueberprüfung durch das Justiz- und Finanzministerium wird der Entwurf dem hessischen Kabinett zugeleitet.

Nach dem Entwurf kann eine Einweisung in eine Hedi- oder Entziehungsanstalt nur auf Antrag der Kreisverwaltungsbehörde durch amtsrichterlichen Beschluß erfolgen. Dem Antrag muß ein Gutachten des Kreis- oder Stadtarztes oder eines Facharztes der Psychiatrie beigefügt sein.

Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt darf zwei Jahre nicht überschreiten. Bei Unterbringung in einer Heilanstalt muß vor Ablauf des zweiten Jahres eine richterliche Entscheidung erfolgen. Auf Antrag der Kreisbehörde des Untergebrachten oder gegebenenfalls seines Ehegatten, der Eltern, eines Vormundes oder Pflegers, muß das Gericht auch während dieser zwei Jahre neue Entscheidungen fällen.

Vor Entscheidung des Gerichts über Unterbringung in einer Anstalt müssen außer dem Unterzubringenden auch die nächsten Familienangehörigen, der Vormund oder der Pfleger gehört werden. Außerdem müssen Sachverständige, die den Unterzubringenden untersucht haben, ihre Gutachten abgeben. Auf Antrag des Unterzubringenden ist ihm ein Rechtsanwalt beizuordnen.

Vor der endgültigen Beschlußfassung über die Unterbringung kann das Gericht die Beobachtung in einer Heil- oder Pflegeanstalt anordnen. Die Beobachtungszeit darf sechs Wochen nicht überschreiten. Bei Dringlichkeitseinlieferungen ist eine richterliche Entscheidung bis Ende des darauffolgenden Tages einzuholen. Kann die Entscheidung in diesem Zeitraum nicht erreicht werden, hat das Gericht eine einstweilige Unterbringung anzuordnen, die zwei Wochen nicht überschreiten darf.

Vor jeder Entlassung sind Sachverständigenurteile einzuholen. Bei offensichtlich unbegründeten Entlassungsanträgen kann das Gericht eine Entscheidung ablehnen.

Pflegegeld für Ziwilblinde

H. G. R. Wiesbaden, 24. August. (Eigener Bericht.) Der Landtag hat in seiner letzten Plenarsitzung einstimmig beschlossen, Zivilblinden Pflegegeld zu gewähren. Die Durchführungsverordnungen zu diesem Gesetz sind nun vom Innenministerium und vom Finanzministerium ausgearbeitet worden. Sie bedürfen noch der Genehmigung durch den amerikanischen Landeskommissar.

Im einzelnen sehen die Bestimmungen vor: Die Einkommensgrenze, innerhalb der Zivilblinde als bedürftig im Sinne des Gesetzes gelten, liegt bei Alleinstehenden bei 160 DM netto im Monat, bei Zivilblinden mit einem unterhaltsberechtigten Angehörigen bei 165 DM und steigert sich bis zu 260 DM bei Zivilblinden mit 6 und mehr Unterhaltsberechtigten.

Das Pflegegeld beträgt für Alleinstehende 80 DM, im übrigen 60 DM. Von diesen Sätzen werden die Beträge des Einkommens abgezogen, die den nach fürsorgerechtlichen Vorschriften für den notwendigen Lebensbedarf erforderlichen Unterstützungssatz überschreiten. Volles Pflegegeld erhält der alleinstehende Zivilblinde nur bis zu 80 DM Netto-Einkommen, der Zivilblinde mit einem unterhaltsberechtigten Angehörigen nur bei Einkommen bis zu 105 DM, der Zivilblinde mit 6 oder mehr Angehörigen bei Einkommen bis zu 200 DM. Für erwerbstätige Zivilblinde erhöht sich der freie Einkommenssatz und die Einkommensgrenze, innerhalb deren Bedürftigkeit geltend gemacht werden kann, um 40 DM. 1

Gelbsthilfe gegen Wildschäden

Der Landtag soll die Bauern schützen

H. G. K. Wiesbaden, 24. August. (Eigener Bericht.) In der 81. Sitzung des Hessischen Landtages hatte Frau Abgeordnete Menne von den Freien Demokraten darauf aufmerksam gemacht, daß im Kreise Ziegenhain einige Gemeinden zur Selbsthilfe gegen die Schwarzwildplage gegriffen hatten. Sie hatten in der Nähe von Landsburg durch Treibjagden die Frischlinge aufgestöbert und vernichtet. Frau Menne hatte damals unter allgemeiner Zustimmung des Landtags gebeten, sich schützend vor die Bauern zu stellen, über die formale Verletzung des Jagdrechtes hinwegzusehen und die Beteiligten straffrei ausgehen zu lassen. Eine Kleine Anfrage der Freien Demokraten an den Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft fragt an, was in dieser Angelegenheit, zu der übrigens kein formeller Beschluß gefaßt worden war, getan worden sei.

Nenes Jagdgesetz

F. A. Z. Frankfurt, 24. August. Wie die alliierte Oberkommission mitteilt, hat der amerikanische Oberkommissar ein neues Jagdgesetz für die amerikanische Zone gebilligt, wonach Deutsche jetzt zur Jagd zugelassen werden. Zwei Verordnungen Nr. 5 und 6 der alliierten Oberkommission werden noch im Laufe dieser Woche veröffentlicht.

Die neue Gesetzgebung sieht allerdings die Beibehaltung der Jagd- und Fischereirechte des Besatzungspersonals vor. Es sollen Jagdquoten in jedem Land bestimmt werden. Die Deutschen erhalten zwanzig Prozent der Quoten in staatlichen Wäldern und sechzig Prozent der Quote auf Privatbesitz für ihre Zwecke zugewiesen. Angehörige der Besatzung können im gesamten Gebiet der amerikanischen Zone frei jagen und fischen, sofern sie einen Jagdschein besitzen, der am 15. Oktober 1950 ausgegeben wird.

Zur Jagd von Großwild einschließlich Wildschweinen müssen Deutsche und Besatzungssoldaten im Besitz von besonderen Jagdscheinen sein, die von den amerikanischen Kreisbevollmächtigten ausgestellt werden.

Entschädigung für Verfolgte

Frankfurt, 24. August (dpa) Die Alliierte Oberkommission hat am Donnerstag die gesetzlichen Bestimmungen über die Entschädigung von Verfolgten des Naziregimes in den Ländern Hessen und Bremen abgeändert. In den Hessischen und Bremischen Durchf üh r ungsverordnungen zum Entschädigungsgesetz wurden Artikel annulliert, die im Ausland lebende Verfolgte benachteiligt hätten. Nach der neuen Regelung sind Verfolgte, die im Ausland leben, in die Lage versetzt, die ihnen zu^tehenden Jahresrenten der Wiedergutmachung ohne die besondere Zustimmung des Hessischen Innenministers bzw. des Bremer Senators für Arbeit zu empfangen. Die Konvertierung dieser Beträge in ausländischen Währungen ist zur Zeit allerdings durch die geltenden Devisenbestimmungen noch verboten.

Kein „evangelisches Bückeberg“

Glocken aus Ruhrstahl begrüßen die evangelischen Christen

K. H. H. Essen, 24. August. An vier Stellen der Stadt Essen sind auf den kürzlich enttrümmerten Plätzen stählerne Glockentürme errichtet worden. Die Glokken sind zum größten Teil aus Stahl und in den Werken der Ruhr gegossen worden. Dem christlichen Brauche nach tragen die meisten althergebrachte lateinische Namen: Jubilate, Lätare, vivis voco. Unsichtbar jedoch steht auf ihnen das mahnende und zugleich verheißende Wort geschrieben, daß sie in diesen Tagen von Essen aus über die Lande läuten werden: Rettet den Menschen.

Es soll hier nicht verschwiegen werden, daß ein großartiger organisatorischer Rahmen den Essener Kirchentag umgibt. Das Gesicht dieser Stadt, das bisher noch allzudeutlich die Schminke von 106 Millionen Stabbrandbomben trug, bietet zum ersten Male nach dem Kriege einen freundlichen und festlichen Anblick.

Deswegen auch ist der Ruf des Essener Kirchentages zu einer christlichen -Versammlung größten Stils nicht überall ohne Skepsis aufgenommen worden. So hat ein weit gehörter Kritiker in der Sorge, der Kirchentag könnte so etwas werden, wie ein „Bückeberg der evangelischen Massen“ im voraus sein apodiktisches Nein mit der Schärfe eines biblischen Propheten ausgerufen. Aber das Maß der aufgewandten technischen und organisatorischen Mittel ist nicht größer als notwendig, um eine Zahl von 150 000 Besuchern an die Orte zu lenken, die sie aufsuchen wollen und ihnen das Bewußtsein zu erhalten, an einer festlichen Tagung teilzunehmen. Denn diesen Eindruck wird auch ein skeptischer Besucher nicht verdunkeln wollen, daß der Essener Kirchentag von der ersten Stunde an von einem Fluidum festlicher Freude und Hoffnung umgeben war. Die Menschen, die in diesen Tagen nach Essen strömen, sind nicht um einer Demonstration willen gekommen, sondern weil sie hoffen, in Essen eine Botschaft zu hören, die sie aus der mannigfachen Not ihres Lebens herausführen wird.

Es ist gewiß nicht wichtig, ob der Gottesdienst am Mittwoch, den Bischof Dibelius abhielt, von 5000 oder 6000 Menschen besucht wurde. Wichtig ist die Tatsache, daß die Ohren und Herzen der Menschen in und außerhalb Essens weit geöffnet sind. Wenn nicht alles trügt, ist diese Aufgeschlossenheit größer, als dies in Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert bisher der Fall war.

Aunsklang der Bischofskonferenz

Fulda, 24. August. (AP.) Die 82. Konferenz der deutschen Bischöfe ist am Donnerstag mit einer feierlichen Schlußandacht im Dom zu Fulda beendet worden. Vor fünftausend Gläubigen, die den Dom und den Domplatz füllten, hielt Dr. Keller, Bischof von Münster, die Schlußpredigt. Das Schicksal der Kirche Mitteleuropas werde in Deutschland entschieden.

Keine Freigabe der Treibstoffe

Bonn, 24. August, (dpa) Die für Anfang September in Aussicht genum — - Freigabe des Dieselöls ist ebenso wie die für einige Monate später angc.etzte Freigabe des Benzins vom Bundeswirtschaftsminis' 'um vorerst auf unbestim ite Zeit verschoben worden. Gr -nd hierfür ist, wie am Donnerstag von zuständiger Seite verlautet, die Empfindlichkeit dc- Mineralölmarkte gegen weltpolitische Störungen und außerdem in einem gewissen Maße die in den letzten Wochen zutage getretene Hortungsneigung weiter Kreise der Bevölkerung.

Wirtschaftsblatt

Die unfreie Kohle

M. Es ist noch keine sechs Wochen her, daß die Stadtvertreter großer Kohlenhandelsfirmen den Grundstückseigentümern, die Zentralheizung in ihren Häusern haben, die „Klinken putzten“, wie es in der Vertretersprache heißt, um Aufträge über Kokslieferungen verbuchen zu können. Im Herbst werde der Koks knapp, so sagte man damals; „decken Sie sich rechtzeitig ein, ehe es zu spät ist“ — aber man kennt ja diesen Ton der Absatzwerbung, und viele von den Vertretern haben wohl damals selbst nicht recht an ihr Sprüchlein geglaubt. Inzwischen ist es Wahrheit geworden, und jetzt taucht schon wieder der Kassandra-Ruf von der Kohle als der wesentlichsten Konjunkturbremse auf: Die Pessimisten prophezeien, daß die Ausdehnung der allgemeinen industriellen Produktion über kurz oder’ lang ihre Grenze finden werde in der Unmöglichkeit, die Steinkohlenförderung zu steigern.

Himmelhoch jauchzend — zu Tode betrübt —, der Kohlenmarkt schwankt in immer kürzer werdenden Zeitabständen zwischen Schwemme und Verknappung hin und her. Vor drei Monaten hätte man darangehen können, die Politik der starren Preise aufzugeben und einen echten Markt der Kohle herzustellen, aber wahrscheinlich hatte man Angst vor der Eventualität sinkender Preise (wär diese Gefahr wirklich so groß?). Heute wird man sich im Gegenteil auf den Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes berufen, aber niemand wird diesen denaturierten Markt davor schützen können, daß demnächst wieder schwarze Kohlen angeboten und natürlich auch gefragt werden.

Dabei mehren sich die Stimmen derer, die noch vor Jahresfrist gerade in diesem Wirtschaftszweig sich nicht von den Vorteilen beweglicher Preise überzeugen lassen wollten, die aber heute einzusehen beginnen, daß der notorische Tiefstand der Investitionstätigkeit im Bergbau letztlich doch eine Folge der Preisknebelung gewesen ist und auch heute noch ist. Darf man hoffen, daß die von sehr zahlreichen Behörden und halbstaatlichen Instanzen kontrollierte Kohle doch endlich auch wieder einmal den Weg ih eine marktwirtschaftliche Betrachtungsweise finden wird? Daß ein so großer und fundamental wichtiger Industriezweig wie der Bergbau nun schon wieder zu dem zweifelhaften Ruhm gelangt, als Konjunkturbremse zu fungieren, sollte doch eigentlich genügen, um die ganze Problematik dieses Restbereiches der Unfreiheit klarzustellen.

Getreideernte auf Vorjahrshöhe

vwd. Die diesjährige Getreideernte im Bundesgebiet kann nach den bisher vorliegenden Ergebnissen auf 10,15 Millionen Tonnen geschätzt werden und bringt damit annähernd den gleichen Ertrag wie im Vorjahr. Für die Brotgetreideernte rechnet man mit 5.80 Millionen Tonnen gegenüber 5,95 Millionen Tonnen 1949. Die Hektarerträge liegen allgemein etwas niedriger als im vergangenen Jahr, das ungewöhnlich hohe Erträge brachte. Die Futtergetreideernte kann auf 4,35 Millionen Tonnen beziffert werden.

Unerwartet hohe Umsätze

vwd. Die deutsche Funkausstellung 1950 in Düsseldorf verzeichnet einen anhaltend starken Besuch. Neben den Rundfunkgeräten stehen vor allem die neuartigen Systeme der Tonaufzeichnung und -Wiedergabe im Brennpunkt des Interesses. Die Umsätze der bisherigen Ausstellungstage übertreffen alle Erwartungen.

Gute Hopfenernte

We. Nach den bisher vorliegenden Schätzungsergebnissen wird die deutsche Hopfenernte 1950 die des Vorjahres bedeutend übertreffen. Im Anbaugebiet Tettnang ist sie auf 10 000 Zentner gegenüber 7200 Zentner 1949 geschätzt worden. Die Steigerung ist zum großen Teil auf die Vermehrung der Anbaufläche um 10 Prozent und verstärkte Schädlingsbekämpfung zurückzuführen. Bei. sehr vorsichtiger Schätzung kann der Gesamtgenommen werden. Auch qualitativ ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr festzustellen.

Eine Prognose über die Preisgestaltung ist schwierig. Genannte Preise bis zu 800 DM je Zentner werden auch in maßgeblichen Erzeugerkreisen als eine unerwünschte Entwicklung bezeichnet.

Tagung des Zentralbankrates

k. Nach längerer Ferienzeit hat sich der Zentralbankrat auf seiner.turnusmäßigen Sitzung am Mittwoch und am Donnerstag wieder ausführlich mit der währungspolitischen Lage beschäftigt. Erwartungsgemäß sind Beschlüsse von weittragender Bedeutung nicht gefaßt worden. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, kam der Zentralbankrat zu dem Schluß, daß zur Zeit irgendwelche kreditpolitischen Maßnahmen nicht erforderlich sind.

Bz Mainzer Textiletage GmbH, Mainz. Mit 140 000 DM Stammkapital ausgestattet, betreibt die Firma ein Handelsgeschäft mit Textilien und verwandten Artikeln. Als alleiniger Geschäftsführer zeichnet Kaufmann Friedrich Kreß in Reihen bei Heidelberg.

fe. Chemische Fabrik Flörsheim AG, Flörs¬ heim am Main. Das früher unter dem gleichen Namen mit dem Zusatz vorm. Dr. A. Noerdlinger firmierende Unternehmen hat das Grundkapital von 0,16 Millionen RM im Verhältnis 1:1 auf 0,16 Millionen DM umgestellt.

Trotz Hamsterkäufen höhere Einlagen

pt. Im Zusammenhang mit der Hamsterpsychose entstand hier und da die Auffassung, daß große Abhebungen bei den Sparkassen vorgenommen worden seien, um Vorratskäufe durchzuführen. Die Statistik des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes zeigt nun aber, daß tatsächlich die Einzahlungen neuer Spargelder bei den Sparkassen erfreulicherweise immer noch die Abhebungen übertreffen. Das ist besonders bemerkenswert, weil der Monat Juli als Reisemonat regelmäßig überdurchschnittlich hohe Abhebungen mit sich zu bringen pflegt. Natürlich sind diese Abhebungen noch verstärkt worden durch die Hamsterpsychose der vergangenen Zeit. Aber aus den Zahlen des Hessischen Sparkassenverbandes erkennt man, daß die Bevölkerung besonnen genug geblieben ist, um eine übertriebene Entwicklung zu verhüten. Bei den hessischen Sparkassen betrugen die Einzahlungen im Sparverkehr im Juli 15,8 Mill. DM, während die Auszahlungen 14,3 Mill. DM ausmachten. Der Einzahlungsüberschuß stellte sich also auf 1,48 Mill. DM. Im Juni betrug allerdings der Ueberschuß 7,3 Mill. DM, aber der Juni ist noch nicht der volle Reisemonat.

Im Bundesgebiet hat sich der Bestand an Spareinlagen bei den Sparkassen im ersten Halbjahr 1950 um ingesamt über eine halbe Milliarde DM erhöht. Sie stiegen vom Jahresende 1949 bis zum 30. Juni 1950 um 523,5 Millionen DM oder 24,7 Prozent auf 2640,8 Millionen DM. Die sonstigen Einlagen erhöhten sich um 455,2 Millionen DM. Die Gesamteinlagen demnach um 978,7, also um fast eine Milliarde DM.

Ein umstrittenes Saatgutgesetz

Besonderes Patentamt für Saaten vorgesehen

F.A.Z. Das Bundesernährungsministerium beschäftigt sich gegenwärtig mit einem Gesetzentwurf für ein neues Saatgutgesetz. Obwohl die Länder, die interessierten Wirtschaftsverbände und Fachleute der landwirtschaftlichen Wissenschaft zu dem Inhalt des Entwurfes nur unzulänglich gehört wurden, soll er, wie verlautet, bereits in Kürze dem Kabinett zur Verabschiedung vorgelegt werden.

Schwerwiegend sind die Eingriffe des neuen Gesetzes in Fragen der Saatguteinfuhr. Der Entwurf sieht vor, daß erst dann Saatguteinfuhren durch eine zentrale Genehmigungsstelle gestattet sein sollen, wenn das eigene deutsche Saatgut restlos abgesetzt worden ist. Solche Vorbehalte sind für Getreide, Kartoffel- und Zuckerrübensaatgut völlig unnötig, weil hier sowieso nur deutsche Sorten verwendet werden. Kartoffel- und Zuckerrübensaatgut wird sogar in zunehmendem Maße ausgeführt. Dagegen muß die deutsche Landwirtschaft heute 70 Prozent aller Klee- und Grassaaten importieren. Ebenso werden 50 Prozent der Gemüsesämereien eingeführt. Selbst vor dem Kriege waren immer größere Einfuhren an Saaten notwendig. Die Monopolstellung des Saatenamtes durch die Schaffung einer Einfuhrschleuse würde dazu führen, daß ein freier Wettbewerb zwischen den deutschen Züchtern und dem Auslande künstlich' behindert wird.

Die „Interessengemeinschaft des Groß- und Importhandels in Gemüsesämereien hat bereits die Abgeordneten im Bundestag auf die Folgen eiper solchen Entwicklung hingewiesen und um Abänderung des Gesetzentwurfes gebeten. Die Gemeinschaft tritt, durchaus für einen verstärkten Verbraucherschutz oesonders bei Importwaren ein. Sie wünscht daher, daß nur anerkannte ausländische Sorten zur Einfuhr zugelassen werden. Darüber hinaus könnte eine laufende Kontrolle das Importsaatgut erfassen. Die Monopolstellung des Sortenamtes aber müßte fallen, gerade weil die deutsche Landwirtschaft im Interesse einer gesteigerten Erzeugung nur das beste Saatgut verwenden sollte, das aber nicht immer in der Bundesrepublik selbst zu finden ist.

Gegen Preiserhöhungen

F. A. Z. Der Vorsitzende des Landesverbandes des Groß- und Außenhandels in Hessen, Fritz Dietz, erklärte auf der Jahresmitgliederversammlung des Verbandes, daß der Nahrungsmittelgroßhandel in seiner Gesamtheit an der Erhaltung eines stabilen Preisniveaus interessiert sei und ungerechtfertigte Preiserhöhungen scharf ablehne. Von den Mitgliedsfirmen wird erwartet, daß sie sich bei ihren Kalkulationen auf das unbedingt Notwendige beschränken.

Mehr Aluminium?

Hi. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte, daß die deutsche Aluminium-Industrie vor dem Abschluß eines Liefervertrags mit den USA steht, der die Einschaltung des stilliegenden Aluminiumwerkes Lüne in den Produktionsprozeß erhoffen läßt und gleichzeitig die Demontage des Ofenhauses 111 des Aluminiumwerkes Toeging abwenden könnte. Gleichzeitig wird bestätigt, daß eine USA-Gruppe zur Zeit mit allen Tonerdefabriken der Bundesrepublik mit dem Ziel verhandelt, gegen die Lieferung von Bauxit aus Griechenland aus Westdeutschland Aluminium zu beziehen. Die westdeutschen Aluminiumbestände sollen nur noch 15 000 bis 20 000 Tonnen betragen, so daß für den Amerikaauftrag eine Erweiterung der Aluminium-Kapazität und eine Erhöhung der durch das Washingtoner Abkommen gestatteten Produktion von jährlich 85 000 Tonnen notwendig wäre.

Mehr und billigere Hypotheken

dpa Im Bundesfinanzministerium und im Bundeswohnungsbauministerium werden Vorbereitungen getroffen, dem Bundestag bis zum 1. Oktober den angeforderten Bericht über die Zinsverbilligung für erste Hypotheken im Wohnungsbau vorzulegen. Das Parlament hatte die Bundesregierung ersucht, „geeignete, nicht zwangswirtschaftliche Maßnahmen einzuleiten, die die Gewinnung von ersten Hypotheken für den Wohnungsbau zu einem billigen, dem Vorkriegsstand entsprechenden Zinsfuß herbeiführen können“. Unter den erörterten Vorschlägen haben Pläne der Lebensversicherungen besondere Beachtung gefunden. Danach sollen die erststelligen ‘ Hypotheken durch den Einsatz der hierfür vorgesehenen öffentlichen Mittel im Zusammenhang mit den Ausgleichsforderungen verbilligt werden. Die Lebensversicherungen sind bereit, im doppelten Ausmaß der ihnen abgenommenen Ausgleichsforderungen erste Wohnungsbauhypotheken zu begeben, die nur noch mit 4,5 Prozent jährlich zu verzinsen sind, während der Zinssatz jetzt allgemein 6 Prozent beträgt. Auch das bisherige Disagio — die Ausgabe der Gelder an den Hypothekennehmer — zu nur 95 Prozent könnte dadurch verringert werden.

Der Plan findet ein starkes Interesse, weil er im Laufe einiger Jahre powohl die Ablösung der Ausgleichsforderungen als auch die Senkung der Hypothekenzinsen wesentlich voranbringen und dabei die Finanzen des Bundes und der Länder nicht zusätzlich belasten würde. Wie es heißt, sind die Pläne der Lebensversicherungen mit maßgeblichen Persönlichkeiten des gemeinnützigen Wohnungswesens erörtert worden und haben deren grundsätzliche Zustimmung gefunden.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. Die Frankfurter Donnerstagbörse verzeichnete nur wenig Publikumsaufträge, so daß auch die berufsmäßigen Kreise in ihrer ab wartenden, jedoch freundlichen Grundhaltung verharrten. Wie bereits am Vortag notierte der größte Teil der Aktienkurse unverändert. Vereinzelte, über den durchschnittlichen Satz von ein viertel bis einhalb Prozent hinausgehende Veränderungen beruhten meist auf Zufall und waren durch die Enge der Märkte bedingt. In einigen Papieren hielten kleine Meinungskäufe an. An den Rentenmärkten herrschte weiter feste Stimmung.

Ausreichende Kartoffelversorgung

vwd. Der Uebergang vom alten zum neuen Kartoffelwirtschaftsjahr hat sich 1950 ohne Schwierigkeiten vollzogen, wie das Bundesernährungsministerium mitteilt. Aus allen Ländern des Bundesgebietes wird ein verhältnismäßig starker Angebotsdruck bei Frühkartoffeln gemeldet, der sich in einer Abwärtsentwicklung der Preise bemerkbar macht.

Frankfurter Produktenbörse

Bz. Eine geringe E. 'Spannung am Getreidemarkt löste die an der Fron’: "urter Getreidebörse beim ‘gewordene Zuteilung von tschechische’-' a|ls Der prejs stellt sich auf 31,95 DM. Hinzu treten 0.64 DM Spanne für 100 Kilogramm lose, frei Paritätspunkt. Es sind weitere Zuteilungen in Auslandsweizen zu erwarten. Die Angebote in ausländischem Wc'zen sind flüssiger geworden., Dabei richten sich die Erzeugerpreise nach der vorgesehenen Anordnung 38/50. Roggen liegt ziemlich ausgeglichen. Das Angebot ist normal und findet laM. 1 Abnehmer.

Am Futtermittelmarkt bewegen sich die Notierunr für Braugerste besserer Qualitäten zwischen 33 und 34 DM je 100 Kilogramm Großhandelspreis ab Statin, für mindere Qualitäten narr man 30 b: ?32 DM. Futterhafer, lose je 100 Kilogramm ab Station, wii. mit 25 bis 26 DM bezahlt. Weizenkleie bedingt ab Großmühle einschließlich Sack 14 bis 14,50 DM. Weizenfuttermehl schwankt zwischen 16 und 17 DM. Ohne Angebot bleibt dagegen Weizennachmehl. Roggenkleie einschließlich Sack ab Mühle kostet ungefähr 12 DM, ist aber wenig gesucht. Für Geflügelkörnerfutter besteht immer noch starker Bedarf. Man hörte Preise von 34,75 bis 35,25 DM einschließlich Sade.

Feuilleton

Der Prophet wider Willen

ZUM 50. TODESTAG VON FRIEDRICH NIETZSCHE

Vor fünfzig Jahren schloß Friedrich Nietzsche die Augen. Sie erblickten nicht mehr die Greuel der nahenden Weltkriege, und wenn das Auge eine simple Plattenkamera wäre, fänden wir bei dem Toten lauter niedliche und ergötzliche Bildchen aus der „guten alten Zeit“. Aber Nietzsche hatte hinter den Pupillen ein zweites Gesicht. Ueber das platt Vordergründige hinweg tastete er mit geistigen Okularen die tieferen Gründe ab, denen sich sein Jahrhundert näherte. Dieser ungleich schärfere Blick befähigte ihn, die Verwirrungen des Lebens in durchsichtigen und einfachen Modellen, in bildkräftigen Gleichnissen darzustellen. Da jedes Modell, sofern es die Dinge in der Bewegung erfaßt, über die Spitzen seiner modellierenden Drähte hinaustanzt, da also immer ein zukunftsträchtiges Element in ihm enthalten ist, wächst dem Beobachter der Gegenwart unter der Hand und ohne sein Zutun die Zukunft ins Gesicht. Visionen steigen auf wie flüchtige Luftballons, sie entfernen sich, entschwinden dem Blick und platzen schließlich, um als chaotische Fetzen ins Jetzt und Hier einzufallen, überraschend, zusammenhanglos und erschreckend verwandelt. Was vordem ein schönes rundes Ding war, scheint nun verzerrt und zerrissen, denn nur die Zukunft hat einen faßbaren vollen Sinn, die Gegenwart sind wir selbst, unfaßbar auch dann noch, wenn wir uns an die eigene Nase greifen. So wird die eigentümliche Umfärbung der Visionen verständlich; zunächst ist auch das Furchtbarste irgendwie sinnvoll, aber wenn es zur Tatsache wird, reißt es uns in Stücke und zerstört jeden Sinn. Diese grausame Metamorphose bestimmte die letzten fünfzig Jahre seit Nietzsches Tod. Seine Visionen sind nicht mehr ästhetische Symbole, sondern kompakter Alltag. Sie haben sich erfüllt und die Wirklichkeit übertrifft sie bei weitem.

Man nennt die Seher mit dem zweiten Gesicht auch Propheten. Prophet zu sein ist eine der undankbarsten Aufgaben, die die geschäftige Muse Klio zu vergeben hat. Auch der Prophet ist in der Hauptsache Mensch und Leidender. Wie das Janushaupt zeigt er zwei verschiedene Ansichten. Auf der schrecklichen Seite eröffnen sich die düsteren Prognosen. Nietzsche hat sie in aller Klarheit schmerzlich empfunden. Auch sich selbst sah er in diesem grauenhaften Spiegel, und angeekelt wandte er sich ab. Da er ein Mensch war, wehrte er sich gegen das einbrechende Verhängnis, machte er Pläne, schuf er Illusionen, die das vollkommene Glück heraufbeschwören sollten. Gerade er wollte das Unheil abwenden, weil er es doppelt deutlich sah. Die Revolte gegen das Leid wurde ihm zum alles ausfüllenden Lebensinhalt, zur heiteren Seite des Janushauptes, so sehr, daß er im Leid noch Genuß zu empfinden meinte. Darin steckt die geheime Absicht, die Welt zu verbessern. Jeder Prophet ist ein halber Weltverbesserer, der auf die letzte Chance wartet, der gegen die eigene Voraussicht kämpft. Ein tragischer Kampf, ein unaufhörlicher Sieg der Abstraktion über den guten Willen! Es ist schlechthin das Vorhaben des Sisyphus, den Stein in die sinnlose Tiefe hinabrollen zu lassen und dennoch an einen versteinten Sinn zu glauben. Daher spielt der Prophet leicht die Rolle des Absurden, und er setzt ihm die Krone auf, wenn er dahinter das „goldene Zeitalter“ vermutet.

Die Untergangsstimmung des vergangenen „dekadenten“ Jahrhunderts lieferte den besten Nährboden für die Treibhauspflanzen des Absurden. Hier hatten die Propheten, die immer das Furchtbare ahnen, aber es mit wunderbarer, rosiger Phantasie vergolden, die mit sich selbst einen dauernden Ringkampf aufführen, um schließlich hoffnungslos die eigne Brust zu umklammern, hier hatten jene Zwitterexistenzen die rechte Luft zum Atmen. Den Beginn machte der romantische Seher Novalis. Seih Traum war gemischt aus Angst vor dem Dunkel und seligen Hymnen an die Nacht. Von christlicher Tradition befangen, glaubte er an die Niederkunft des Idealstaats, an den ewigen Gott im Menschen, der sich endlich auf Erden im Geiste offenbaren werde, in jedem wirke und alles Handeln vollkommen mache. Am Ende des rosigen Traums sprach Zarathustra — Nietzsche die Gegenformel aus: Gott ist tot — es lebe der Uebermensch!

Wir sehen verblüfft: eine gute Konzeption hat sich unversehens ins böse Gegenteil verwandelt. Und ein altes Gesetz tritt zutage: wer einen Gott auf die Erde zwingt, macht ihn zum Menschen, wer seinen Gott vermenschlicht, tötet ihn. Es brauchte nur einen sanften Augenaufschlag der schläfrigen Klio, um die Verwandlung sichtbar werden zu lassen. Nietzsches „Uebermensch“ ist der zweifelhafte und verzweifelte Versuch, den Menschen göttlich zu machen, das Glück an die Erde zu ketten. Endlich sollte die Fehlleistung des Schöpfers ausgemerzt werden. Wie der vollkommene Mensch aussehen soll, darüber sind sich allerdings die Geister nicht einig. Die einen nennen ihn den „Superman“ und bewundern die Muskelkraft des zukünftigen Riesen. Die andern meinen den aristokratischen Herrscher odei’ „Führer“, der schließlich den alten Gott ersetzen könne. Einige sprechen vom künstlerischen Menschen, dessen Gestaltungsfähigkeiten um die Dimension der Synästhesie erweitert seien. An Stelle des rationalen Denkens soll das emotionale treten, das die Wirklichkeit machtvoll nachbildet und so den Menschen zum Beherrscher der Natur erhebt. Die Figur des „Dichters“, in der Novalis den idealen Menschen erblickt, hat ähnliche Züge, und er zeichnet sich aus durch das Zusammenwirken aller Sinne und Triebe bei der Erfahrung und Formung der Welt. Daß diese Synästhesie zur Verinnerlichung und schließlich zur Loslösung von der äußeren Welt führen muß, das lehrt die Mystik des Symbolismus und der abstrakten Kunst deutlich genug, und alle Versuche, das Bild des inneren Menschen auf den Körper zu übertragen, sind fehlgeschlagen. Das ist auch das Verhängnis von Nietzsches Existenz: er wollte die vollkommene Ge-» sundheit, aber er endete im Verfall und starb als ein hilfloses Wrack, von dem nur die Sage erzählt, was es einstmals sein wollte. Günter Pfeiffer

Ernst Wiechert gestorben

Der Dichter Ernst Wiechert ist in den frühen Morgenstunden des Donnerstag nach schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren auf seinem Schweizer Wohnsitz in Uerikon am See gestorben.

Ernst Wiechert stammt aus einem ostpreußischen Forsthaus. Die Einsamkeit der masurischen Wälder, das einfache Leben unter Jägern, Fischern und Hirten ist als gestaltete Wirklichkeit, aber auch als Wunschtraum in vielen seiner Bücher. Der außerordentliche Erfolg, den sie ihm einbrachten — Wiechert gehört zu den meist gelesenen und übersetzten Autoren der Gegenwart — hat zum Teil hier seinen Grund: In dem Bedürfnis vieler Menschen, der Zeit und ihren Widerwärtigkeiten innerlich zu entfliehen. Der schwärmerische, mitunter gefühlsselige Ton, die schwermütige Hinneigung zu den Leidenden mochten ihm ferner eine Gemeinde von Lesern gewinnen, die sich im härteren und kälteren Klima der gegenwärtigen Literatur nicht zurechtfinden konnten. Wiecherts tapferes Eintreten für Gerechtigkeit und Menschenwürde, die zum Zusammenstoß mit den Machthabern des Dritten Reiches führte, brachte ihm namentlich unter der Jugend, an die er 1935 eine vielbeachtete Rede hielt, viele Verehrer und Freunde. Manchen von ihnen wird es eine Enttäuschung gewesen sein, daß Wiechert nach 1945 Deutschland verließ und in die Schweiz ging. Sicher wird man die Resignation, die in diesem Schritt lag, nicht leugnen können. Doch legt der Tod des nur Dreiundsechzigjährigen den Gedanken nahe, daß sie zugleich Ausdruck des persönlichen Lebensgefühls war. Auf das dichterische Werk werden wir noch zu sprechen kommen, n

Der Luise-Ullrich-Film „Annelie“ ist auf Veranlassung des Amtes für Information der Sowjetzone für das Gebiet der Sowjetzonen-Republik zurückgezogen worden.

Musik der Jungen Generation

Seit den letzten „Internationalen Ferienkursen für Neue Musik“ stehen die Werke junger Komponisten aus den Jahrgängen 1915—1930 in den Abschlußkonzerten zur Debatte und Diskussion. Unter den über 250 eingesandten Kompositionen aller Gattungen sind 21 in diesem Jahr von einer Jury zur Aufführung bestimmt worden und werden in zwei Kammer- und zwei Orchesterkonzerten herausgestellt. Wie bei aller neuen Musik ist es gerade für die jungen und um Anerkennung ringenden Komponisten von größter Wichtigkeit, einwandfrei und repräsentativ aufgeführt zu werden. Daher hat sich Prof. Dr. Scherchen mit dem Landestheater-Orchester Darmstadt der Orchesterwerke angenommen, während die Kammermusikstücke von jungen aber bereits bekannten Künstlern wiedergegeben werden. Der junge Nachschaffende und der junge Schaffende vereinen sich damit, um ihre Kunst vor eine breite Oeffentlichkeit zu bringen.

Außer den Werken der Komponisten, die uns einige kurze biographische und analytische Notizen zur Verfügung stellten, werden noch Werke von B. A. Zimmermann (Köln), Gottfried von Einem (Salzburg), Dika Newlin (Neuyork), Racine Fricker (London), Nevit Kodalli (Ankara), Bruno Maderna (Venedig), Camillo Togni (Brescia), Bernhard Lewkovitsch (Kopenhagen), Luigi Nono (Venedig), Serge Nigg (Paris) und H. W. Henze (Wiesbaden) zur Aufführung gelangen.

Sas Bunge

Geboren 1924 in Amsterdam. Studierte am dortigen Konservatorium (Theorie und Klavier) bei Hendrik Andriessen. Erhielt 1949 für seine „Ballade des Pendul“ (Villon) für Solostimme und Orchester den Städtischen Musikpreis von Den Haag. Andere Werke:

„Preludio, Variazioni e Capriccio für Orchester, Klavierkonzert (Erstaufführung Haarlem 1948), Kammermusik, Lieder.

Mein Streichquartett lehnt sich formal an die Suite an. Der erste Satz hat nur ein Thema, das in seiner gedehnten Gestalt Anfang und Ende des Stückes bildet. Der wirkliche Hauptteil aber wird eröffnet mit der 6/s-Gestalt des Themas, kanonisch gebracht von den vier Instrumenten. Den beiden Zwischensätzen liegt die bekannte Kombination von Schreittanz und Springtanz des 16. und 17. Jahrhunderts zugrunde. Der vierte Satz ist eine Jagdfuge, gebaut auf ein kurzes, fanfarenartiges Motiv.

Edward Downes

Geboren 1924 in Birmingham (England). Studierte an der Universität Birmingham, am Royal College of Music in London und bei Prof. Dr. Hermann Scherchen in Zürich.

Mein Rondo für 18 Instrumente ist mit den gewöhnlichen Instrumenten der Beethovenschen

Zeit besetzt: Pauken, ein Klavier, eine Harfe, Solo-Violine, Solo-Bratsche und Solo-Cello. Das Stück fängt an mit dem Hauptthema, gespielt vom Tutti. Es folgt die erste Episode (Allegro Giocozo), in der die Violine als konzertantes Instrument eingesetzt ist. In der Wiederholung des Hauptthemas stehen die Blechbläser im Vordergrund. Danach folgt die zweite Episode (Adagio) mit dem Cello als konzertantes Instrument. Klavier und Harfe spielen die zweite Wiederholung des Hauptthemas, und die Bratsche ist konzertantes Instrument in der letzten Episode (Allegro). Am Schluß tritt das Hauptthema, gespielt vom Tutti mit den drei Streichern, wieder in den Vordergrund.

Talwaldis Kcnnins

Geboren 1919 in Libau (Lettland). 1939—1944 Studium in Klavier und Komposition bei Prof. J. Wihtol am Staatskonservatorium Riga. Seit 1945 am Pariser Konservatorium. Studien über Fugen und Kompositionen bei Prof. Tony Aubin. 1950 erhielt er für seine

Sonate für Cello und Klavier, die auch für die kommenden Konzerte von Radio National, Frankreich, erworben wurde, den ersten Preis.

Das Septett für Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Cello und Kontrabaß ist in Wirklichkeit eine konzertante Suite für Soloinstrumente. Für den ersten Satz wählte ich als Einleitung ein ruhiges Thema, welches sowohl thematisch als auch rhythmisch das Hauptstück des nachfolgenden Scherzos bildet, das in klassischer Form behandelt ist und dessen Trio eine Erweiterung des Hauptthemas ist. In einer Andante in Sonatenform wird dann das Hauptthema vom Horn mit Untermalung der Streicher getragen. Das 2. Thema ist episodisch, taucht nur einmal auf und besteht im wesentlichen aus einem Fugato über das 1. Thema. Das Finale im 7/e-Takt, sehr lebhaft, ist durch ein Kontrapunkt-Thema aller 7 Soloinstrumente charakterisiert.

Victor Legiey

Geboren 1915 in Hazebrouk (Frankreich), aber belgischer Staatsangehöriger. Studierte am Konservatorium in Brüssel Komposition bei Jean Absil. Arbeitet zur Zeit bei Radio Brüssel und ist Professor für Harmonielehre am Konservatorium.

ixuiibci vdiuiium. Das 2. Streichquartett habe ich 1949 komponiert. Es besteht aus 5 Sätzen. Der erste Satz „Allegro con brio“ steht in der klassischen Sonderform. Er wird abgelöst von einem sehr eindrucksvollen Adagio. Der dritte Satz „Allegro commodo“ ist in der Art eines „sehr gemütlichen Themas“ geschrieben trotz eines komplizierten Rhythmus. Der vierte Satz ist in freierer Form gehalten, und das Finale „Allegro moderato e molto deciso“ wurden zum ersten Male vom Amsterdamer Streichquartett aufgeführt.

Dieter de la Motte

Geboren 1928 in Bonn. 1946 bis 1950 Studium an der N ord westdeutschen Musikakademie Detmold; neben Klavier und Dirigieren vor allem Komposition bei Prof. Wilhelm Maler. Tritt im Herbst 1950 seine Stelle als Lehrer an der Rheinischen Kirchenmusikschule in Kaiserswerth an.

Das „Kammerkonzert für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott untl Streichorchester“ schrieb ich Ende 1949. Es handelt sich bei diesem dreisätzigen Werk um eine Kammerorchesterkompositiön. Die Holzbläser heben sich also nur an wenigen Stellen solistisch ab, vor allem im ruhigen Mittelsatz.

Arnim Schibier

Geboren 1920 in Zürich. Studierte in seiner Heimatstadt und inLondon. Wichtigste Werke: „Der spanische Rosenstock“ (Oper), „Der Richter im Kerker“ (Funkoper), Sinfonie op. 17, Passacaglia für Orchester op. 24, zahlreiche Vokal- und Kammermusikwerke.

Das Duo für Violine und Klavier ist die Neufassung einer 1946 in London komponierten Violinsonate, von der nur Teile des letzten Satzes in das neue Werk übergegangen sind. Die vier Sätze des Duos sind durch ein Viertonmotiv zyklisch verbunden, sonst aber völlig eigengesetzlich und stark kontrastierend. Auf eine „Fantasia“ folgt ein impetuoses „Capriccio“ und auf das langsame „Intermezzo“ ein mächtig gesteigerte „Doppelfuge“, die, nach freier Fugatotechnik entwickelt, schließlich in einen besinnlichen Ausklang mündet, wodurch das Werk zur Stimmung des Anfangs zurückfindet.

Reinhold Schubert

Geboren 1928 in Hannover. Studium an der Musikhochschule Köln bei Philipp darnach, Frank Martin (Komposition) und Günter Wand (Dirigieren). Meine Klavier¬ sonate (geschrieben Anfang 1950) will versuchen, sich einer eigenen Lösung des Zwölfton - Problems

zu nähern. Der erste Satz bewegt sich in freier Atonalität und sammelt gleichsam Erfahrungen für den zweiten, in Zwölfton-Ordnung komponierten Satz. Formal gliedert sich das Stück in fünf, aufeinander Bezug nehmende Großabschnitte: Teil 1 und 3 mit dem langsamen Mittelteil 2 binden den ersten Satz, Teil 4 und 5 den zweiten, wobei die Rückbeziehung des 4. Teils auf den 2. Abschnitt die beiden Sätze der Sonate ineinander verschränkt. Die Entwicklungen des Stückes leiten sich weniger vom Ausgang eines Themas im Sinne der klassischen Sonate her, als vielmehr vom Impuls zweier auch harmonisch konstitutiver Akkorde, die immer neue harmonische Bildungen verursachen. Man könnte die Art der Formbildung als „assoziativische Reibung“ bezeichnen.

Humphrey Searle

Geboren 191 a in Oxford. Erste Studien bei John Ireland am Royal College of Music und in Wien bei Anton Webern. Werke von ihm wurden bei den Tagungen der IGNM 1948 und 1949 aufgeführt. Humphrey Searle ist der Generalsekretär der IGNM. Bei der Musik der jungen Generation wird sein „Poem für 22 Solostreicher“, op. 18, zur Aufführung kommen.

Mathias Siedel

Geboren 1929 in Leipzig. Erhielt seine erste musikalische Ausbildung 1939—1942 bei den Wiener Sängerknaben. Besuchte von 1942—1945 das Musische Gymnasium in Frankfurt. 1945 bis 1947 privates Musikstudium (Dirigieren,Komposition) bei Prof. Kurt Thomas. Seit 1947 an der Nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold (Klavier, Dirigieren, Opernschule, Kirchenmusik mit dem Ziel der kirchenmusikalischen A-Prüfung für Orgel).

In der Sonate 1949 für Violine und Kla¬ vier bin ich durch Jazz-Improvisationen angeregt worden. Ostinate Figuren sind die architektonischen Grundlagen in der Begleitung und dienen als Stütze der Improvisationen des Soloinstruments.

Festspiele in Oberwesel. Am kommenden Samstag beginnen auf der Schönburg bei Oberwesel die Freilichtaufführungen des „Nachfolge-Christi-Spiels“ von Max Mell. Die Bundesbahn gibt für diese Freilichtaufführungen Sonntagsrückfahrkarten von allen Stationen im Umkreis von 150 km aus, die schon am Samstag ab 0.00 Uhr gültig sind.



















Studienkonzert in der Stadthalle

Das Studienkonzert in der Stadthalle wurde mit dem Konzert für Violine, Klavier und 13 Bläser von Alban Berg eröffnet. Es war dem 50. Geburtstag Schönbergs gewidmet. Die Persönlichkeit Arnold Schönbergs hat ihren Niedersc1 ’ag in diesem Werk gefunden und Alban Berg hat ihn in eigene Audruckswerte umgewandelt. Berg ist von all denen, die zu Schönbergs Kreis gehören, wie Webern, Wellesz und Horwitz, der Stärkste. Er gebraucht die neuen Kräfte, flüchtet aber nicht in einen neuen Ausdruck hinein. Er hat wesentlich konstruktive Werte und seine Musik wirkt hierdurch lebendig. Die Klänge haben auch hier noch eine lose Bindung an das funktionelle harmonische Geschehen und verursachen einen Eindruck des Abgelösten, Transzendentalen. Wesentliche Vorgänge spielen sich in kleinsten Zeitwerten ab. Berg hat noch die Kraft, den Zersetzungsprozeß, dem Webern ausgesetzt ist, zu überwinden.

Von Matthias Hauer wurden die Zwölftonstücke op. 73 aufgeführt. Bei Hauer ist wieder ein anderes Prinzip des Gestaltens zu bemerken. Er sucht eine neue Gesetzmäßigkeit in der Melodie-Bildung und erreicht eine Beschränkung des melodischen Stoffes durch die immer wiederkehrenden Töne. Eine wirkliche Bindung an das Stoffliche bedeutet eine Entfernung von einer aus seelischer Spannung erzeugter Melod’k. Alles Uebertriebene ist in diesen Zwölftonstücken vermieden, die Stimmen fließen klar auf einer Ebene, und das Uebersteigerte wird vermieden.

Es folgten von Ernst Krenek das Streichquartett Nr. 7 (1944) sowie die Sonoate für Violine und Klavier (1945). Kreneks Kraft liegt in der ungeheuren Stetigkeit seiner Entwicklung. Die Konturen der Stimmen sind fest und bestimmt, vor allem das Streichquartett ist schwer und intensiv gehalten. Krenek ist abgeklärt, ohne Glätte und Eleganz. Aber der Klang bleibt lebendig und gewinnt immer neue Gestalt. Die konstruktiven Kräfte ordnen sich einem höheren Zusammenhang unter. Das Formgefühl ist sehr stark ausgeprägt. Krenek, der in seiner frühen Periode in erster Linie durch lebendige, elementare und rhythmische Kräfte beeinflußt wurde, schreibt jetzt, bedingt durch seine Rückkehr zur Form, eine geistige, kultivierte Musik. Seine menschliche Kraft, sein musikalisches und technisches Können hat den übersteigerten Individualismus gemeistert.

Wiedergegeben wurde das Werk von Alban Berg durch Tibor Varga (Violine), Peter Stadien (Klavier), sowie den Bläsern des Hessischen Landestheaters-Orchesters unter Leitung von Professor Hermann Scherchen. Scherchen hat mit sehr sparsamen Mitteln eine äußerst profilierte Ausdeutung erreicht. Tibor Varga und Peter Stadien sind ausgesprochen prädestinierte Interpreten für neue Musik, was sie wiederum unter Beweis stellten.

Das Streichorchester von Krenek wurde von Studierenden der Kammermusik-Klasse Maurits Franks gespielt: Werner Neuhaus, Günter Roßbach (Violine, Erich Bohlscheid (Viola- und Betty Hindrichs (Violon-Cello). Die vier jungen Künstler zeigten eine sehr beachtliche Leistung. Sie gefielen durch die Präzision ihres Zusammenspiels und ließen eine echte, natürliche Musikalität erkennen. Mitreißend und faszinierend war die Wiedergabe der Violinsonate Ernst Kreneks, die von Tibor Varga und Ernst Krenek gespielt wurde. ch.

Neue Filme

UNION. „1001 Nacht“. Scheherazade war es, die, um ihr Leben zu retten, dem Kalifen jede Nacht ein neues Märchen erzählen mußte. Darunter auch das von Aladin und der Wunderlampe, das die Columbia in freier Gestaltung verfilmte. Die ganze zauberhafte Atmosphäre, der Reiz des Orients, so wie wir als Kinder nach dem Lesen dieser Märchen von ihm träumten, wird hier lebendig. Ein feiner Humor durchzieht die Handlung. Er läßt schmunzeln, wenn Abdullah anachronistisch aus der Rolle fällt, wenn die Fee schmollend ob ihrer unerwiderten Liebe zu Aladin allerlei Dummheiten macht und läßt manchen Zuschauer vernehmlich darüber seufzen, daß sie sich die Zweitausfertigung des Traums ihrer schlaflosen Nächte mit Hilfe der Wunderlampe bestellen kann. Wesentlich gesteigert wird die Wirkung des Films durch die hervorragende Farbwiedergabe. Ein Schwarz-Weiß-Film hätte niemals den ganzen märchenhaften Zauber dieses zauberhaften Märchens wiedergeben können. hn

Hermann Heiß, der im Juli im musikwissenschaftlichen Seminar der Freien Universität Berlin Kurse über Zwölftonmusik abgehalten hat, ist vom Direktorium und der philosophischen FakuHät der Freien Universität zu weiteren Gastvorlesungen eingeladen worden. Die Uraufführung seines Duo-Konzertes für Violine und Klavier mit Orchester findet am 4. September auf dem Internationalen Musikfest in Bad Pyrmont durch Schmidt-Iserstedt mit dem Duo Benda-Schweiz und dem NWDR-Orchester statt.

Notizen

Die Neugründung einer deutschen Sektion der pädagogischen Weltbewegung (pedagogical world movement) ist auf der Pädagogentagung in Jugenheim an der Bergstraße, der 182 Erzieher aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Holland, Oesterreich, Italien, der Schweiz, Dänemark, den Vereinigten Staaten und Australien beiwohnten, beschlossen worden. Damit hat die Bundesrepublik — nach siebzehnjähriger Unterbrechung — ihre internationalen Beziehungen auf dem Gebiet der Erziehungsarbeit wieder angeknüpft.

Gustaf Gründgens wandte sich in Hamburg gegen die beim Theater heute so häufig geübte „Originalität um jeden Preis“. Gründgens erklärte, ein Stück müsse so gespielt werden, wie der Autor es gemeint hat. Es komme daher nicht darauf an, „ob gut oder schlecht, sondern ob richtig oder falsch gespielt wird.“ Das Düsseldorfer Ensemble gibt in Hamburg ein neuntägiges Gastspiel mit Shakespeares „Hamlet“ und Bruno Franks „Nina“.

Mond-Expedition. Probleme und Möglichkeit einer Expedition zum Mond sollen auf dem ersten Internationalen Astronautischen Kongreß erörtert werden, der vom 30. September bis zum 2. Oktober in Paris stattfindet. Der französische Astronom und Ingenieur Professor Alexander Ananoff, der ein Projekt, ein mit Raketenantrieb ausgestattetes „Raumschiff“ zum Mond zu senden, ausgearbeitet hat, wird die Eröffnungssitzung in der Sorbonne leiten. Auf dem Kongreß, an dem Wissenschaftler aus zehn Ländern teilnehmen, werden zum ersten Mal Filme von der Anwendung der Raketen und der geplanten Mondexpedition gerpiat

Darmstadt und Umgebung

Bettelnde Kiuder

Sg. Im Golf von Neapel gibt es neben überirdisch schönem blauen Wasser und freudvollen Liebesliedern der Gitarren-Gondolieris eine zusätzliche Honorierung der märchenhaften Landschaft durch die schwarzgekyikten Bettler. Die kleinen Randolfos verdienen den Lire ihrer braunen Samtaugen bzw. dem malerischen Aufzug des Kindlichen und ihrer textilischen Mangelerscheinungen wegen, während die Größeren und Großen mit (dahinter) listiger Erbarmungswürdigkeit den Hut füllen wollen. Der Bakschisch-Bettler — motiviert mit den bekannten zahlreichen Geschwistern, den toten, das Geld in Empfang nehmenden Eltern, einschließlich der hochgebundenen Beine oder der Aussatzhand — hat seinen Stammsitz im Orient, zumindest im Süden.

Bei uns in Deutschland verkaufte man wenigstens noch anstandshalber gebrauchte Rasierklingen, oder tat schlichten Flußsand in den unteren Teil der Seifenpulverpackung. Nunmehr scheinen aber auch in Darmstadt viele tote Eltern ihre Kinder auf die Straße zu schicken. Der Umweg über den mit herzerweichendem Weinen vorgebrachten 5-DM-Schein wird ihnen wahrscheinlich als absolut zeitvergeudend, und unseres präzisen Nationalcharakters unwürdig, dargestellt. So gehen sie gleich auf’s Ganze und fragen militärisch kurz — nach Geld.

Ich gab einem der Piefkes 5 Pfennig und erhielt als Ergebnis zunächst einen vernichtenden Blick aus wachen Kinderaugen; sodann besah er sich intensiv Krawatte, Hose und Schuhe, kritisierte die Billigkeit meiner Hupe und sagte mir zu Herzen gehende Worte: „Sie san aach a(r)rn wenn ich von jede so wenich wie aus ihne ihr Portmonä krieche tät, ei wo kennt ich mir dann des dächliche Eis un fir Vater de Texas kaafe?“ Der Knirps hatte meine eingehend mitleidsvolle Unterhaltung mit ökonomischer Trockenheit beantwortet. —

Schlagfertigkeit und selbständiges Handeln in allen Ehren! Man kann vielfach bei den häuslichen Verhältnissen nicht verlangen, daß die Kinder an den Osterhasen glauben. Auch können die Eltern ihnen in nur wenigen Fällen Grimms Märchen oder Karl May kaufen. (Zumal „Rotkäppchen“ bei der geradezu schmerzhaften Sachlichkeit der frühreifen Jungen und Mädchen — es ist nicht ihre Schuld — als keineswegs glaubhaft und wirklichkeitsnah empfunden wird.) Schule oder gar Polizisten können im Grunde auch nichts entscheidend ändern. Hier kann nur der Vater oder die Mutter Abhilfe schaffen. Bei manchen Kindern bleibt es nämlich nicht beim Betteln. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Weg vom geforderten Groschen über das gestohlene Fahrrad gehen kann.

Außer den „Verhältnissen“ zeichnen die die Kinder zum Betteln fortschickenden Eltern für evtl. Strafen im Jugendgefängnis verantwortlich.

Foto -Apparate zu verschenken

Schulklassen sollen das fotografieren lernen

Es gab eine Zeit — noch gar nicht lange her — da mußte man seinen Fotohändler schon recht gut kennen, um einen Film für seinen Fotoapparat zu bekommen. Und eine Leica wurde mit Fantasiepreisen gehandelt.

Heute liegen Fotoapparate und Filme wieder in allen Preislagen in den Fotogeschäften und manche Jungensnase drückt sich an den Schaufenstern platt, aus Sehnsucht nach einem solchen chromglänzenden Ding, mit dem man so schöne Aufnahmen von den Schulkameraden, vom Schulausflug und in den Sommerferien machen kann.

Aber — das Fotografieren kostet Geld und vor allem der Kauf des Fotoapparates ist ein schwerer Schlag für den Geldbeutel, besonders wenn sich dessen Inhalt aus dem pfennigweisen Nachschub von Schülertaschengeld ergänzt. Das brachte den Inhaber eines Darmstädter Fotogeschäftes auf die Idee, Fotoapparate für Schulklassen als Prämien für eifrigen Verkauf von Postkarten auszusetzen. Er besprach sich mit den zuständigen Behörden, die durchaus einsahen, daß das Fotografieren dem Kind manche wertvolle Anregung gibt und sie sagten „ja“ zu dem Plan.

Sie hätten bestimmt nicht ihre Zustimmung gegeben, wenn es sich bei dem Vertrieb der Postkartenserien um billigen Krimskrams gehandelt hätte. Aber das Archiv des Darmstädter Fotohändlers barg noch aus der Zeit vor der Zerstörung Darmstadts eine Unmenge schöner Ansichten, die nun, zu Postkartenserien zu je 12 Stück zusammengestellt, ein anschauliches Bild des früheren Darmstadt darstellen. Es wird den Schülern und Schülerinnen nicht schwerfallen, die Postkarten an die Freunde des alten Darmstadt in kurzer Zeit zu vertreiben.

Schon beim Verkauf von 25 Postkar¬ . n gibt es für die Schulklasse eine einfache Agfa-Box, mit der sich schon recht ordentliche Bilder machen lassen. 50 Serien bringen eine Reflex-Box; bei 100, 125 und 150 Serien wird es eine ansehnliche Kamera im Werte von 40 bis 70 DM, die einem Schüler oder einer Schülerin der Klasse anvertraut wird. Sie soll dazu dienen, bei allen Schulveranstaltungen das Geschehen im Bild festzuhalten und einem großen Kreis junger Menschen die Möglichkeit zum Fotografieren geben. Nach Abschluß dieser ersten Aktion soll beim Verkauf weiterer neuer Serien den besten Postkartenverkäufern die Möglichkeit zum Besuch kostenloser Fotokurse gegeben werden. Die Schüler sollen dabei neben neben der eigentlichen Aufnahmetechnik in die ersten Geheimnisse der Dunkelkammerarbeit eingeweiht werden. Wie wenig der die Aktion betreibende Darmstädter Fotohändler die Absicht hat, bei dieser Gelegenheit für sein eigenes Geschäft allein die große Werbetrommel zu rühren, geht daraus hervor, daß er bei der Mitteilung seines Planes uns bat, auf die Bekanntgabe seines Firmennamens zu verzichten. Ihm war es vor allem darum zu tun, die Freude am Fotografieren allgemein zu verbreiten. Das verpflichtet auch uns vom „Tagblatt“, keinen besonderen Reklameerfolg für uns herausschinden zu wollen, und wir bitten alle interessierten Schüler und Lehrer, uns zur Bekanntgabe der Firmenanschrift anrufen oder anschreiben zu wollen, die wir dann gerne vermitteln werden.

Immerhin: Der Anruf oder die Postkarte wird es wert sein, denn 25 Postkartenserien sind von einer Klasse schnell verkauft. agt.


Selbst fotografieren, das macht den Jungen erst richtigen Spaß. Auch wenn das Bild verwackelt ist, noch nach Jahren freuen sich die dann erwachsenen Männer über das Bild von diesem Reiterkampf.
Selbst fotografieren, das macht den Jungen erst richtigen Spaß. Auch wenn das Bild verwackelt ist, noch nach Jahren freuen sich die dann erwachsenen Männer über das Bild von diesem Reiterkampf.

Wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt

Kein Sittlichkeitsverbrecher — ein Kinderfreund

Freigesprochen wegen Sittlichkeitsverbrechen wurde gestern vor der 3. Strafkammer der 53jährige Flüchtling Johann W. aus Raunheim. Die Anklage warf ihm vor, sich in der Zeit von 1946 bis 1947 an 8 Kindern unsittlich vergangen zu haben.

Wegen Mietstreitigkeiten kam er auf die Anklagebank. Der Flüchtling hatte es bei/ seinen Mietern in Raunheim nicht leicht, denn er sollte DM 50.— Miete zahlen. Durch eine Preisprüfungskommission wurde jedoch der Mietpreis auf DM. 35.— festgesetzt. Das ärgerte den Vermieter, und man suchte . . . W. ist ein kinderliebender Mann. Er zeigte den Mädchen aus seinem Fotoatelier Bilder, bewunderte die Kleider der damals Sechsbis Zwölfjährigen und erzählte ihnen von seiner schlesischen Heimat.

Das Gericht schenkte dem Angeklagten in der Beweisaufnahme keinen Glauben, und die 8 Mädchen wurden vor den Richtertisch zitiert. Alle 8 wiesen scharf die Belastungsmomente, die gegen W. vorlagen, ab. Sie sagten im Durchschnitt, „er hat uns nur den Arm getätschelt“. Eine Sechsjährige sagte aus, W. habe einen Hund, der maßlos eifersüchtig sei, und sie habe sich nur auf Ws. Schoß gesetzt, um den Hund zu ärgern. Die vernehmende Kriminalbeamtin wurde als Zeugin vernommen, die Kinder ihr noch einmal gegenübergestellt, wobei sie eindeutig und klar die Vemehmungsmethode der Kriminalbeamtin schilderten: „Sie habe uns Sachen vorgelesen, und wenn wir darauf mit nein geantwortet haben, bezichtigte sie uns der Lüge.“ Andere Kinder sagten: „Uns drohte sie mit Erziehungsanstalt. Wir hatten Angst und sagten, W. hat bei uns unzüchtige Handlungen vorgenommen . . .“

Der Staatsanwalt beantragte nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme Freispruch. Er führte aus, die Hauptverhandlung habe nicht ergeben, daß man W. durch das Betätscheln der Arme Wohllust nachweisen könne. Das Gericht schloß sich ebenfalls dem Antrag des Staatsanwaltes an. Der Vorsitzende führte aus, daß es zweckmäßig und wünschenswert gewesen sei, wenn die Kriminalbeamtin ihr Vermittlungsverfahren mit besserem Geschick geleitet hätte. Die Protokolle, die sie aufgenommen habe, entsprächen nicht den Anforderungen. n

Zahlen aus der Stadt

8 Konzerte und Studiovorführungen wurden bis heute bei den „Internationalen Ferienkursen für Neue Musik“ seit dem 15. August gegeben. Es stehen noch 4 weitere Konzerte bevor.

82 Darmstädter Einwohner starben im Monat Juli, wie das Statistische Amt mitteilte. Dagegen wurden 87 Kinder im gleichen Zeitraum geboren.

1600 ehrenamtliche Helfer müssen bei der im Herbst stattfindenden Volkszählung allein im Stadtbezirk Darmstadt eingesetzt werden, um die umfangreichen Arbeiten sachgemäß durchzuführen.

3605 Tonnen Obst und Gemüse wurden im Jahre 1949 insgesamt in der Darmstädter Markthalle angeliefert.

95 120 Einwohner zählte Darmstadt am 31. Juli. Damit hat seit dem 1. Januar 1950 die Darmstädter Bevölkerung um 3274 Personen zugenommen. Bei gleicher Zunahme der Bevölkerung ist erst im nächsten Jahre mit dem Ueberschreiten der 100 000-Grenze zu rechnen.

Heimatvertriebene Beamte

fordern ihr Recht

Der Landesverband Hessen des Allgemeinen Beamtenschutzbundes hielt eine Sonderarbeitstagung ab, auf der er sich insbesondere mit dem Kabinetts-Entwurf zum Gesetz zu Artikel 131 des Bonner Grundgesetzes befaßte. In Anwesenheit von Vertretern sämtlicher Kreisverbände wurde folgende Entschließung einstimmig gefaßt-

„Die Grundsätze der Gleichheit und Menschlichkeit wurden vom Bonner Grundgesetz im Einklang mit dem geltenden Völkerrecht festgelegt. Während überall der Ruf erschallt: Schluß mit der Entnazifizierung!, legt die Bundesregierung jetzt einen Gesetzentwurf zur Regelung der Rechtsverhältnisse des unter Artikel 131 des G. G. fallenden Personenkreises vor, der die politische Verfolgung verewigt, sie auf Witwen und Waisen ausdehnt und damit einen ganzen Bevölkerungsteil dauernd diskriminiert.

Was die Bundesregierung vom Ausland verlangt, eine gerechte Behandlung Deutschlands, verweigert sie selbst einem großen Teil der eigenen Staatsbürger.

Finanzielle Erwägungen werden in den Vordergrund gestellt; dabei hat sich der Behördenapparat in Bund, Ländern und Gemeinden derartig mit ungenügend vorgebildeten und zum großen Teil unfähigen Kräften aufgebläht, daß seine Unkosten die gleichartigen Aufwendungen des gesamten Dritten Reiches um mehr als ein Drittel übersteigen. Hier wären Einsparungen unumgänglich notwendig. Wir, die im Landesverband Hessen-Rheinland-Pfalz des Allgemeinen Beamtenschutzbundes zusammengeschlossenen Beamten und Angestellten, verwahren uns entschieden dagegen, daß wir unter Ausnahmerecht gestellt und zu Staatsbürgern 2. Klasse gestempelt werden.

Wir verlangen keine Sonderrechte, sondern lediglich Gleichstellung aller heimatvertriebenen und entnazifizierten Beamten und Angestellten einschließlich der Wehrmachtbeamten und Beamten ohne Dienststelle sowie der Pensionäre, Witwen und Waisen mit den im Dienst befindlichen Behördenbediensteten bzw. deren Hinterbliebenen. Hieraus ergibt zwangsläufig:

Noch dienstfähige Beamte und Angestellte sind sofort unter Wahrung ihrer Rechte wieder zu beschäftigen, Nichtdienstfähige sind in den Ruhestand zu versetzen. Damit verlangen wir nichts Unbilliges, sondern lediglich das, was in allen Kulturnationen rechtens ist. ‘

Professor Grund

baut für Stockholm

Der Oberbaudirektor bei der Stadt Darmstadt, Professor P. Grund, erhielt jetzt aus Stockholm die Nachricht, daß sein zu dem internationalen stadtbaulichen Wettbewerb geschaffenes Projekt einer Hängebrücke mit stadtbaulicher Aufteilung von Nord- und Südstockholm von der Preiskommission angekauft worden ist.

Schwerer Autobahnunfall

Ein auf der Fahrt nach Darmstadt auf der Autobahn am Mitwochmorgen befindlicher Ford-Pkw überschlug sich plötzlich und kam erst auf der gegenüberliegenden Fahrbahn zum Stehen. Der Wagen wurde total zerstört, die Fahrerin, Tochter des Wagenbesitzers, wurde schwer verletzt aus dem Fahrzeug geborgen. Der Beifahrer kam mit leichteren Verletzungen davon. DT

Abgrenzung der Dekanatsbezirke

Im Zuge der Neueinteilung der Dekanatsbezirke im Visitationsbezirk Starkenburg sind'jetzt durch eine Verordnung der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau die Gemeinden von Darmstadt und Umgebung einer Neuabgrenzung bezüglich ihrer Dekanatszugehörigkeit unterzogen. Danach gehören fortan zum Dekanat Darmstadt-Stadt die Kirchengemeinden: Petrusgemeinde, Paulusgemeinde, Matthäusgemeinde, Martinsgemeinde, Michaelsgemeinde, Johannesgemeinde, Paul-Gerhardt-Gemeinde, Stadtkirchengemeinde, Arheilgen, Eberstadt und Griesheim, zum Dekanat Darmstadt-Land die Kirchengemeinden: Ernsthofen,. Erzhausen, Eschollbrücken mit Hahn, Gräfenhausen, Gundernhausen, Messel, Nieder-Beerbach, Nieder-Modau, Nied.-Ramstadt mit Traisa, Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Rohrbach, Roßdorf, Weiterstadt und Wixhausen, (-se.)

Pädagoge aus Leidenschaft

Zum 88. Geburtstag des Lehrers Theodor Hilsdorf

Es ist selten, daß ein Lehrer am Ende eines arbeitsreichen, ganz auf die Schule ausgerichteten Lebens geistig noch immer jung, im hohen Alter einen weiten Kreis, ihn hooh verehrender Schüler um sich sieht. Ein solcher Lehrer ist Theodor Hilsdorf, der heute, am 25. August, seinen 88. Geburtstag feiert und dem heute noch seine ehemaligen Schüler aus der Ballonschule, die schon selbst Männer von 50 Jahren sind, mit unvergleichlicher Anhänglichkeit nahe stehen.

Das war auch der Eindruck, den kürzlich Prof. Thy e n vom pädagogischen Institut an einem Abend im kleinen Kreis um Lehrer Hilsdorf offen aussprach. Vier

seiner Schüler aus der Ballonschule, die er an Ostern 1905 als A-B-C-Schützen aufnahm, saßen an jenem Abend mit ihm um den Tisch und besprachen das Schülertreffen, das sie ihm zu Ehren am 2. September in der Gaststätte Arnold in der Bismarckstraße veranstalten wollen. Dabei wurde viel von den alten Zeiten erzählt, und Lehrer Hilsdorf packte seinen reichen Schatz an Erfahrungen aus, der ihn auch heute noch immer neuen Erkenntnissen in der Anwendung von Lehrmitteln bringt.

Sein Steckenpferd: Der Arbeitsunterricht

Als fünfter hessischer Lehrer,, der mit dem Abitur in den hessischen Schuldienst kam, wurde er ihm Jahre 1899 an die Darmstädter Ballonschule versetzt. Dort begann er nach neuen Lehrmitteln zu suchen und sie zu erproben. Das Kind sollte nicht nur mit den Augen und dem Gedächtnis lernen, die Hände sollten mithelfen dabei. Als dann 1905 der Jahrgang 98/99 zur Schule kam, begann er mit dieser Klasse, die er 7 Jahre lang führte, intensiv seine neuen Methoden einzuführen, die er später in seinem Buch „Der Darmstädter Arbeitsunterricht“ niederschrieb. An praktischen Arbeitstischen saßen die Jungens in der Ballonschule und hatten in geradezu „konkurrenzlos“ kurzer Zeit schwierige Rechenaufgaben erfaßt, Geometrie verstanden und deutsche Rechtschreibung gelernt. Schwierige physikalische Begriffe dem Laien einigermaßen klar zu machen, war ihm ein Sondervergnügen.

Wir sprechen falsch

So hat et auch heute noch Pläne und Anregungen zu neuen oder verbesserten Lehrmitteln. In liebevoller Bastelarbeit hat er z. B. eine neuartige Rechen-; maschine herstellen lassen, die die sogen, russische Rechenmaschine mit den Kugeln auf den Drahtstäben entbehrlich macht. Lehrer Hilsdorf möchte mit einem gelochten Brett arbeiten, in das man Pfennig- und Zehnpfennigstücke einstecken kann. Er hofft damit, dem Kind das Dezimalsystem schneller und leichter verständlich zu machen und vor allem wieder einmal die Aufmerksamkeit auf den Widerspruch in der deutschen Sprache beim Zählen der Zehnerstellen lenken: „Alle Völker um uns, die Engländer, die Franzosen und die Russen zählen „zwanzig-fünf“ und „ zweihundert-zwanzigfünf“. Nur wir Deutsche springen beim Lesen der Zahlen hin und her und lesen „fünf-und-zwanzig“ und sogar „zweihundert-und-fünf-und-zwanzig“, anstatt richtig und logisch beim Vorlesen der Zahl links anzufangen und rechts aufzuhören. Das Kind wird dadurch irritiert, schreibt oftmals die Zahlen auf, wie es sie spricht, also 52 statt 25. Ihm fiele es zweifellos leichter, wenn wir diese Sprechweise reformieren würden, was ein anerkennenswerter Beitrag zu einem einigen Europa sein könnte. „Obwohl bereits Versuche dieser Art 1905 und 1934 gemacht wurden, äußerte Professor Thyen, sei diese neuerliche Anregung doch sehr bemerkenswert.

Alter Herr, jung geblieben.

Nach der Bombennacht — obwohl schon lange pensioniert r- sammelte der „alte Herr“ in seinem nicht ausgebombten Haus die Kinder aus der Umgebung und unterrichtete sie mit dem Eifer des Pädagogen aus innerer Berufung. Sein hohes Alter hinderte ihn nicht, bei den Schulbehörden anzuregen, daß er im nächsten Winter einen Kursus für Junglehrer halte, bei dem er diesen von seinen Erfahrungen im Arbeitsunterricht berichten und sie zur Weiterverfolgung seiner Gedanken anregen könne. Außerdem hat er noch — neben anderen Neuerungen — dem Plan zu einem neuartigen Lesebuch vorliegen, bei dem von der Lautformung des Mundes ausgegangen wird.

Wenn er am 2. September im Kreise ehemaliger Schüler, von denen viele — das betonen sie ausdrücklich — dank des bei Lehrer Hilsdorf erlebten Schulunterrichtes zu guten Positionen im Leben kamen, dann wird unter diesen Herren ein junggebliebenes Herz schlagen, das sich mit Freude der Zeit erinnert, als es in Darmstadt noch einen Ballonplatz mit Bäumen und dahinter die Ballonschule gab. agt.


Lehrer i. R. Theodor Hilsdorf feiert heute seinen 88. Geburtstag. Wir gratulieren dem verdienten Pädagogen!
Lehrer i. R. Theodor Hilsdorf feiert heute seinen 88. Geburtstag. Wir gratulieren dem verdienten Pädagogen!

Steuer-und Wirtschaftskalender

Ausschneiden! Auf bewahren!

20. August: Beförderungssteuer im Gü¬ terfernverkehr, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer.

20. August: Soforthilfe: Abgabe auf Grund der abgegebenen Vermögensaufstellung für Nichtlandwirte. (Für Land-

wirte nächster Termin erst im November.) 24. August: Ortskrankenkasse: Letzter Tag, an dem der Beitrag für den Vormonat an die Allgemeine Ortskrankenkasse Darmstadt noch ohne Kosten gezahlt werden kann.

31. August: Feuerschutzsteuer: Einreichung der N chweisung und Entrichtung der Steuer.

31. August: Versicherungssteuer: Zah¬ lung nach dem Prämien -Ist- Betrag, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer für die monatlichen Zahler.

31. August: Ortskrankenkasse: Fälligkeit des Beitrages an die Allgemeine Ortskrankenkasse in Darmstadt für den Monat August 1950. H. W. W.

In der Stadt notiert

Zu zwei neuen Wohnblocks wurden in diesen Tagen an der Ecke der Schlosser- und Soderstraße die Erdarbeiten begonnen. Herr Deußer aus Erzhausen arbeitet mit seinen Leuten von der Firma L. Werner als Polier an den beiden Bauten, die von der GAGFA errichtet werden. In den beiden Wohnblocks sollen Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen eingerichtet werden.

Die Frauen des „Mütterabends“ der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde unternahmen mit ihren Angehörigen eine Rheinfahrt. Bei den Klängen einer Musikkapelle ging es auf einem Schiff stromabwärts bis St. Goar. Müde, aber tief beeindruckt kamen die Fahrtteilnehmer um Mitternacht nach Darmstadt zurück.

Heimkehrer und Vermißtenangehörige werden sich am Sonntag, 27. August, im Ausschank der Brauerei Fay in der Alexanderstraße vormittags 10.00 Uhr zur monatlichen Aussprache treffen.

Leicht verletzt wurde ein Kind am Donnerstagnachmittag in der Taunusstraße, als es von einem vorbeifahrenden Personenkraftwagen gestreift wurde. Es wurde zur Behandlung und Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht.

Vorbereitungen zu einer Hundeausstellung an Pfingsten 1951 nahm die Interes- sengemeinschaft Kynologischer Verbände bereits jetzt schon auf. DT

Bewölkt bis heiter

„DT“-Wetterbericht

Am Freitag neben Aufheiterungen noch zeitweise stark bewölkt, aber nur noch vereinzelte und leichtere Schauer. Höchsttemperatur 23 —24 Grad. Schwache bis mäßige Südwestwinde.

Weitere Aussichten: Am Samstag sonnig und meist trocken.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil.

Amerikahaus: Alle Ausstellungen sind wegen Umzugs geschlossen.

Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Amerikahaus: 20.00 Uhr, Auditorium, Farb-Lichtbildervortrag, Bergingenieur Kurt Herdemerten: „Wissenschaftliche Forschung in Grönland“.

Technische Hochschule: 20.00 Uhr, Aula: Erstes Kammerkonzert der Reihe „Musik der jungen Generation“.

Wir gratulieren

Goldene Hochzeit: Herrn Heinrich Valentin Heckwolf und Frau Luise Emilie geb. Proß, Babenhausen, Gaylingsgasse 4.

88. Geburtstag: Herrn Theodor Hilsdorf, Lehrer i. R., Darmstadt, Herderstraße 2.

Starkenburg

Alle gegen alle in Groß-Umstadt

Turbulentes politisches Leben auf der Odenwälder Weininsel

Seit Beginn der Wahlperiode des Groß-Umstädter Gemeindetages hat es immer wieder Schwierigkeiten gegeben. Krankenhaus, Realschule und Landsgemeindetag beschäftigten die Oeffentlichkeit. Heute liegt uns eine „Erklärung zu den jüngsten gemeindepolitischen Vorgängen in Groß-Umstadt“ vor, für die die Fraktionen der CDU und FDP verantwortlich zeichnen. Ohne dazu heute schon Stellung zu nehmen, halten wir es für notwendig, sie im Auszug zu veröffentlichen.

„Die für Freitag, den 18. August 1950, angesetzte Gemeinderatssitzung konnte nicht durchgeführt werden, weil infolge des Fehlens der SPD-Fraktion der Gemeinderat beschlußunfähig war. Die dafür am Samstag, dem 19. August 1950, einberufene Gemeinderatssitzung mußte vertagt werden, weil wiederum bei Abwesenheit der SPD-Fraktion auf Antrag dem Bürgermeister Hartmann (der der SPD angehört, d. Red.) Gelegenheit gegeben werden sollte, die zur gleichen Stunde angesetzte Mitgliederversammlung und Fraktionsversammlung der SPD zu besuchen und sich gegen die ihm gemachten Vorwürfe verteidigen zu können. Unter anderem sollte in dieser SPD-Versammlung Bürgermeister Hartmann wegen parteischädigenden Verhaltens aus der SPD ausgeschlossen werden.

Worin liegt nun das parteischädigende Verhalten Bürgermeister Hartmanns? 1. Er hat sich geweigert, den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Groß-Umstädter Gemeinderat, Herm Bohland, als Hausverwalter des hiesigen Krankenhauses einzustellen.

2. Er hat dafür den Herrn Kaufmann eingestellt. Für diese Entschließungen des Bürgermeisters waren rein sachliche Erwägungen maßgebend, ganz abgesehen davon, daß dem Bürgermeister der Gemeindeordnung dieses Recht, allein zu entscheiden, zusteht, ohne die Gemeindevertretung oder seine Partei befragen zu müssen. (§ 37 Gemeindeordnung). Mit dieser Maßnahme des Bürgermeisters war außer Herm Bohland in erster Linie der Präsident des Umstädter Gemeindetags, Kreisdeputierter und 2. Beigeordneter der Stadt Groß-Umstadt, Herr Ludwig Wedel nicht einverstanden.

Seine Gründe hierfür waren aber nicht sachlicher, sondern u. a. persönlicher Art. Ihm war daran gelegen, den Herrn Bohland möglichst bald eine sichere Anstellung zu verschaffen, um seine bislang gefährdete finanzielle Forderung gegen den Fraiktionsführer der SPD, Herm Bohland, schnellstens einzutreiben. „Er (Wedel) ließ in der SPD-Versammlung vom 19. August 1950 einen Mißtrauensantrag gegen Bürgermeister Hartmann und einen weiteren Antrag annehmen, der dem Bürgermeister zur Pflicht macht, die Einstellung des Herm Kaufmann binnen 8 Tagen rückgängig zu machen und dafür Herrn Bohland, den Fraktionsvorsitzenden der SPD, einzustellen. Wie weiter verlautet, soll im Weigerungsfälle der Bürgermeister, der hier völlig korrekt und im finanziellen Interesse der Gemeinde gehandelt hat, sogar aus der SPD ausgeschlossen werden.“ „Sie (die Fraktionen, d. Red.) fühlen sich im Interesse der Gesamtgemeinde verpflichtet, diese Vorgänge der Öffentlichkeit bekanntzugeben, um zu verhindern, daß der Bürgermeister, der nach dem Gesetz und nach demokratischer Auffassung der Repräsentant und Diener der Gesamtbevölkerung der Gemeinde Groß-Umstadt ist, zu einem Handlanger und Vollstrecker rein persönlicher, parteiegoistischer Ziele einiger SPD-Funktionäre herabgewürdigt werden soll.“ eha.

Kelbstmord im Rhein

Am Mittmochmorgen wurde gegen 11 Uhr eine Frau im Rhein bei Stockst ad t ertrunken aufgefunden. Die sofort angestellten Ermittlungen ergaben, daß es sich um eine Frau aus Stockstadt handelte, die wegen Familienauseinandersetzungen ins Wasser gegangen war. Der ursprüngliche Verdacht, daß es sich um Mord gehandelt habe, weil sie mit verbundenem Mund aufgefunden worden war, bestätigte sich nicht. In ihrer Wohnung fanden sich Notizen, die auf die Absicht zum Selbstmord hinwiesen. Aus der gleichen Familie haben sich in früheren Jahren bereits mehrere Mitglieder aus ähnlichen Motiven das Leben genommen. DT.

Schüler brach den Schädel

Auf der von Geinsheim kommenden Straße wurde der Schüler Herbert Wolf kurz vor Wallerstädten von einem Pkw. zu Boden geworfen und mußte mit einer Gehirnerschütterung und einem Schädeilbruch in das Groß-Gerauer Krankenhaus gebracht werden. Der Junge war heimlich von hinten auf ein Pferdefuhrwerk geklettert. Er war dann abgesprungen und wollte die Straße überqueren, ohne jedoch das Auto zu bemerken, (eg)

Ein entscheidender Schritt

Ortskartell für kulturelle Zusammenarbeit in Bickenbach gegründet

Auf Veranlassung des 1. Vorsitzenden der Sport- und Kulturgemeinde, Kriminalrat Weidmann, waren die Vorsitzenden aller Vereine und Organisationen, einschließlich der Vertreter von Kirche und Schule, zu einer Sitzung zusammengerufen worden, um über die Gründung eines Ortskartells für kulturelle Zusammenarbeit zu beraten. Dieses soll eine Dachorganisation für alle das kulturelle Leben der Gemeinde tragenden Vereine und Organisationen bilden und für eine größere Einheitlichkeit in der kulturellen Arbeit sorgen. Als besondere Aufgabe sieht das Ortskartell die Wahrnehmung der Belange der Jugend an. Der Bildung und Erziehung der schulentlassenen Jugend will man besondere Förderung angedeihen lassen.

In der Aussprache wurde die dringende Notwendigkeit der Beschaffung geeigneter Räume betont, damit die Vereine und Organisationen in völliger Freiheit und Unabhängigkeit sich ihren Aufgaben widmen können. Es wurde daher der Beschluß gefaßt, eine Turnhalle mit anschließenden, entsprechenden Räumen für die Vereinsarbeit zu bauen. Bau- und Finanzierungspläne sollen demnächst ausgearbeitet und dem Gesamtvorstand vorgelegt werden. Die Gelder sollen durch freiwillige Spenden aufgebracht werden. In den geschäftsführenden Vorstand wurden zum 1. Vorsitzenden Kriminalrat Weidmann, zum 2. Vorsitzenden Herr Schreiber, zum Schriftführer Pfarrer Dr. Hild und zum Kassierer Herr Emmrich gewählt. (rh)

Tod an der Kreuzung

An der Kreuzung der Bundesstraße 26 und 45 (Darmstadt—Aschaffenburg und Frankfurt—Neckartal) überfuhr der Bürgermeister von Dörnigheim (Landkreis Hanau), Lapp, mit seinem Pkw., in dem er von seiner Frau und einem Jungen begleitet war, das Halteschild und rannte in einen Fernlastzug. Die Wucht des Zusammenstoßes war so stark, daß beide Fahrzeuge aus ihrer Fahrtrichtung geschleudert wurden. Bürgermeister Lapp und der Junge erlitten schwere Schädelverletzungen und Gehirnerschütterungen. Die Frau kam mit verhältnismäßig leichten Verletzungen davon. Der Pkw. wurde fast vollständig zertrümmert. An dem Lastzug entstand Sachschaden im Werte von etwa 1000 D-Mark. Bürgermeister Lapp starb wenige Stunden nach seiner Einlieferung in das Dieburger Krankenhaus. RG.

Nadfahrer zusammengefahren

Ein aus Richtung Groß-Gerau kommendes Motorrad geriet am Mittwochabend gegen 22 Uhr bei Nauheim auf der regennassen Bundesstraße 26 ins Rutschen und fuhr mit einen entgegenkommenden Radfahrer zusammen. Dieser mußte mit leichteren Verletzungen im Krankenwagen nach seinem Wohnort Eberstadt gebracht werden. cg.

Blick in die deuntsche Schule

Lehrer und Schüler der Volksschule Höchst bei den Teilnehmern der ökumenischen Freizeit

Am Dienstagnachmittag waren Lehrer und Schüler der Volksschule Höchst Gäste der ökumenischen Freizeit, um den ausländischen Teilnehmern ein Bild von der musischen Erziehung an einer deutschen Volksschule zu vermitteln.

Unter den ausländischen Teilnehmern an der ökumenischen Aufbau-Freizeit in Höchst ist eine große Anzahl in ihrer Heimat als Lehrer tätig. Aus diesem Grunde fand bereits vor einigen Tagen auf Anregung von Schulleiter 810ß ein Aussprache-Abend zwischen den ausländischen Lehrern und den Lehrern der Höchster Volksschule statt. Es war hierbei für die deutschen Lehrer sehr interessant zu hören, wie z. B. eine amerikanische Missionsschule in Kairo aussieht, wie das Schulwesen in Amerika organisiert ist, was eine Technische Lehrerin in Oxford alles wissen muß, um aus ihren Schülerinnen tüchtige Hausfrauen zu machen, und welche Probleme die christliche Schule in Aegypten lösen muß, um als Minderheit neben der mohammedanischen Schule bestehen zu können.

So wurden viele Fragen, auch methodischer Art, mit großem Interesse behandelt. Zum Schluß lud Schulleiter 810ß die ausländischen Lehrer ein, an der Volksschule in Höchst zu hospitieren und versprach außerdem an einem Nachmittag den Teilnehmern der Freizeit zu zeigen, wie deutsche Jungen und Mädel singen und spielen.

Mit großer Spannung sahen die Schülerinnen und Schüler der Höchster Volksschule diesem Nachmittag entgegen. Eifrig wurde gesungen und getanzt, und die Großen und Kleinen waren sich ihrer Verantwortung, nämlich die deutsche Schule zu repräsentieren, voll bewußt. Nachdem Schulleiter 810ß in kurzen Ausführungen über den Sinn der musischen Erziehung in der Volksschule gesprochen hatte, wurde der Nachmittag, der im Michael-Saal des Pfarrhauses stattfand, mit einem Gedicht eröffnet. Danach sang ein Chor der Oberstufe das Lied „Die Sonn’ erwacht“ im dreistimmigen Satz unter Leitung von Lehrer Klingm a nn. Viel Freude hatten die ausländischen Zuschauer an den beiden flotten Reigen, die von den Kleinen mit Schwung und Fröhlichkeit getanzt wurden. Ihnen schloß sich ein altes Volkslied an. Die lustigen Volkstänze stellten dann für die ausländischen Zuschauer etwas ganz besonderes dar. So hatte sich die Mühe vollauf gelohnt,

Es würde zu weit führen alle Darbietungen einzeln zu würdigen. Nach dem Lied „Guten Abend, gute Nacht“, dankte Lehrer Nagel, der selbst an der ökumenischen Freizeit teilnimmt, im Namen aller Teilnehmer Herrn Schulleiter 810ß, den Lehrern und den Schülern der Volksschule Höchst für den schönen, erlebnisreichen Nachmittag. Er versicherte, daß die ausländischen Teilnehmer diesen Nachmittag nie vergessen werden, weil er ihnen besser als viele Worte es tun können, einen tiefen Einblick in deutsches Gemüt, Denken und Fühlen gegeben hat. hk.


Heute nachmittag wird in Anwesenheit führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Bad König der neue Krankenhauserweiterungsbau im Schloßgelände eingeweiht und von der Gemeinde der Chirurgischen Klinik Prof. Zander übergeben. Unser Bild zeigt den Erweiterungsbau, der aus dem ehemaligen Kammerbau des Fürstl. Erbach-Schönbergschen Schlosses hervorgeht. Foto: Kenner
Heute nachmittag wird in Anwesenheit führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Bad König der neue Krankenhauserweiterungsbau im Schloßgelände eingeweiht und von der Gemeinde der Chirurgischen Klinik Prof. Zander übergeben. Unser Bild zeigt den Erweiterungsbau, der aus dem ehemaligen Kammerbau des Fürstl. Erbach-Schönbergschen Schlosses hervorgeht. Foto: Kenner

Ein Fang, der sich lohnte

Blutige Hose, Messer, Totschläger, Schreckschußpistole und ein junger Mann } im Volkswagen .

Am Mittwochmorgen entdeckte ein Gendarmeriewachtmeister bei Raunheim in einem abgestellten Personenwagen einen jungen Mann, der darin schlief. Der Wachtmeister weckte ihn und verlangte die Papiere. Da der Insasse sich nicht hinreichend ausweisen konnte, wurde er samt dem Wagen zum Gendarmerie-Kreiskommissariat Groß-Gerau gebracht.

Man entdeckte in dem Wagen eine blutige Hose, ein feststehendes Messer, einen Totschläger, eine Schreckschußpistole und ein Foto-Stativ mit Preiszettel. Da ein friedliebender Bürger derartige Gegenstände nicht mit sich zu führen pflegt, ahnte man Schlimmes. Hinzu kam, daß die Offenbacher Polizei in einem Fernschreiben von einem Einbruch in einem Foto-Geschäft Mitteilung gemacht hatte. Bei dem Verhör auf dem Groß-Gerauer Kommissariat sagte man deshalb dem im Schlaf Ueberraschten auf den Kopf zu, daß das Stativ von dem Einbruch in das Offenbacher Fotogeschäft herrühre. Nach anfänglichem Leugnen gestand der Festgenommene.

Es handelt sich hierbei um den am 1. Dezember 1931 in Offenbach geborenen Horst Hermann Heßler, von Beruf Bäckerlehrling. Er verließ vor 4 Wochen seinen Heimatort, um in die Fremdenlegion einzutreten. Trotzdem er schon einen Vertrag unterschrieben hatte, machte er sich zusammen mit seinen Komplizen Helmut Hergert und Heinz Regenfuß wieder selbständig. Diese wollte er am Mittwoch in Ludwigshafen bei ihren Freundinnen treffen. Der Volkswagen, in dem er aufgegriffen wurde, gehörte der Bundespost und war von den drei Burschen bei Köln gestohlen worden.

Groß-Gerauer Gendarmerie und Darmtädter Kriminalpolizei fuhren anschließend mit dem jungen Verbrecher nach Ludwigshafen, wo es ihnen gelang, die Komplicen Heßlers zu verhaften. Regenfuß, der gleichfalls aus Offenbach stammt, wird als Hauptanstifter der Bande angenommen.

Auf Grund der Vernehmungen ergibt sich eine lange Liste von Schandtaten, die auf dem Konto des Trios stehen: ein Autodiebstahl bei Neustadt, ein weiterer in Köln, Schaufenstereinbrüche in Limburg, Rüsselsheim, Miltenberg, Darmstadt-Arheilgen (bei der Fa. Vöglin, wo am Morgen des 13. August aus dem Schaufenster wertvolle Fotoapparate im Werte von etwa 2000 DM gestohlen wurden), Ludwigshafen, Mannheim, Oppenheim und Groß-Gerau. Stoffe, Textilien, Herrenschuhe und Fotoapparate waren die Beute. Die Einbrecher fuhren, mit ihrem Wagen an die Schaufenster heran und überdeckten mit dem Motorengeräusch das Klirren der eingeschlagenen Scheiben. Betrügereien, ein Unfall mit Fahrerflucht, Diebstähle und Zechprellereien fallen der Bande ebenfalls zur Last. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen und man rechnet damit, daß noch weitere Straftaten aufgedeckt werden können. Heßler, Hergert und Regenfuß wurden in das Gefängnis nach Darmstadt gebracht. cg.


Trauben gleich hängen die Tomaten am Stock und reifen in der Sommersonne. Sie gedeihen in großen Plantagen und sind der Stolz jedes Kleingärtners. Noch vor wenigen Jahrzehnten kaum bekannt, sind ihr appetitliches Rund und Rot in diesen Wochen nicht mehr vom Markte fortzudenken. Foto: Dr. Hotz
Trauben gleich hängen die Tomaten am Stock und reifen in der Sommersonne. Sie gedeihen in großen Plantagen und sind der Stolz jedes Kleingärtners. Noch vor wenigen Jahrzehnten kaum bekannt, sind ihr appetitliches Rund und Rot in diesen Wochen nicht mehr vom Markte fortzudenken. Foto: Dr. Hotz

Hilfe für den Bauern

Neuzeitliche Stallmist- Lade-Vorrichtungen, die eine wesentliche Erleichterung für die Landwirtschaft bedeuten, läßt die Hessen - Nassauischen Landwirtschaftskammer am 25. August, vormittags 9 Uhr, beim Ortslandwirt in Goddelau vorführen. Das neue Gerät ist so konstruiert, daß es sich an jedem Ackerschlepper anbringen läßt. kr.

Ferkel weniger gefragt

Auf dem Groß-Gerauer Ferkelmarkt, wo noch vor wenigen Wochen sehr flüssig verkauft werden konnte, war am Mittwoch ein schleppender Geschäftsgang festzustellen und nicht alle Tiere fanden einen Käufer. 30—35 DM wurden für Ferkel von vier Wochen bezahlt. Fünf Wochen alte Ferkel kosteten 40—45 DM. Für Ferkel von sechs Wochen lagen die Preise zwischen 50 und 55 DM. Sieben bis acht Wochen alte Ferkel kosteten 60—70 DM. Im Alter von 10—11 Wochen lagen die Preise der Ferkel zwischen 70 und 80 DM. (cg)

Das Gleichgewicht verloren

Zwei Radfahrer überholten in der Darmstädter Straße in Bensheim einen auf der linken Straßenseite parkenden Pkw, achteten aber nicht auf den Gegenverkehr. Der eine von ihnen kam hierbei aus dem Gleichgewicht und fuhr einem aus Richtung Darmstadt kommenden Pkw in die linke Flanke; er wurde verletzt und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. (HB)

„Selbst ist der Mann!“

82jähriger steht täglich am Kochtopf

Adolf Langer aus Domstadtl in der Tschechoslowakei ist einer der vielen Hunderttausende, die nach dem zweiten Weltkrieg von dem harten Schicksal der Heimatvertriebenen ereilt wurden. Nach einem traurigen Abschied von seiner alten Heimat, die ihm in 77 Lebensjahren lieb und teuer geworden war, nach Irrfahrten und Lageraufenthalten landete der entwurzelte Bauer schließlich mit einem Sohne in Biblis. Dort wohnte man zunächst auf sehr engem Raum mit mehreren Personen zusammen, bis eines Tages der Opa, dessen Frau schno 1941 starb, beschloß, sich selbständig zu machen. Nach langem Hin und Her wurde ihm ein Zimmer — sogar mit separatem Eingang zugewiesen.

Wenn draußen nach Sonnenaufgang die Wagen über das Kopfsteinpflaster ins Feld rattern und die Hufe klappern, dann hält es den „alten Adolf“ nicht mehr im Bett. Er steht auf, legt Kissen und Bettdecke aus und geht dann nach seinem Morgenkaffee, den ihm die Wirtin aus Sparsamkeitsgründen mitkocht. Dazu gibt es trockenes Brot, denn mit 70 Mark im Monat kann man sich weder Butter noch Schinken leisten. Herr Langer ist jedoch ein genügsamer Mensch und zufrieden mit dem, was er hat. Wenn er sein Bett fein säuberlich gemacht hat — es hängt eine eigens von ihm angeschaffte Schondecke darüber —„begibt er sich bei schönem Wetter auf seinen Morgenspaziergang oder geht das Notwendigste für Mittag einkaufen.

Nach seiner Rückkehr zündet er sich im Herd das Feuer an und kocht sein Mittagessen. Und wie! Es gibt sicher manche junge Ehefrau, die nach ihren Flitterwochen ruhig einmal für einen Monat bei ihm in die Lehre gehen könnte. Jedes Ding in dem Raum hat seinen Platz. Ueberall herrscht Ordnung und Sauberkeit. Woher Herr Langer den Brand hat? Gut nur, daß es in Biblis das Barthsche Sägewerk gibt, denn dort holt er sich des öfteren Späne und Abfallholz. Die Kohlen aber müssen teuer bezahlt werden.

Schmunzelnd rührt der gemütliche Alte in der Suppe und erzählt dabei aus dem vielseitigen Bilderbuch seines Lebens. Vor wenigen Jahren noch war der einstige Bauer kerngesund, bis er sich nach der Ausweisung ein Leiden zuzog, das ihm laufend zu schaffen macht. Doch er läßt sich nicht verdrießen, und auf die Frage, worin er denn eigentlich sein Geschirr spüle, holt er aus einer Truhe drei blitzsaubere Schüsseln hervor. „Ja, sehen Sie“, meint er, „die kleinste hier mit der Feinseife ist nur für das Gesicht. Diese nächstgrößere zum Geschirrspülen und die ganz große für den Körper oder die Kleinwäsche. Nur die Hemden und Bettwäsche gebe ich weg. Strümpfe und Taschentücher oder was sonst noch an Kleinigkeiten anfällt, wasche ich selbst.“ Tatsächlich ist neben dem Kartoffelstampfer, den Reibchen und Kochlöffeln auch „Lasil“ über dem Herd zu finden.

Ist der alte Eremit am Mittag seinen Hausfrauenpflichten nachgekommen, dann beginnt seine „Freizeitgestaltung“, die in der Hauptsache aus Lesen und Kartenspiel bestent. Auf seinem Tisch lag neben drei großen Salatgurken ein „ Florentine-Roman“ für 25 Pfennig und ein Buch aus der Borromäus-Bibliothek, welches jeden Sonntag umgetauscht wird. Oft kommt auch sein Freund Adolf Bolzer, ein 76 jähriger Neubürger, zum Sechundsechzig-Spielen zu ihm, und es ist eine wahre Freude, den beiden Alten zuzusehen.

Auf die Frage, ob Herr Langer sonst gar keinen besonderen Wunsch habe, sagt er: „Ach ja, wissen Sie, ich versuche schon seit den langen Monaten, die ich hier wohne, wenigstens elektrisches Licht hier in meine Stube zu bekommen, denn nachts ist es mit Streichhölzern und Kerze für mich sehr umständlich.“ Im Nebenzimmer liegt Licht. Der Hausherr hat es jedoch trotz vielfachen Bittens noch nicht übers Herz gebracht, seinem alten Mieter das fehlende Stückchen Leitung zu legen. Was aber nicht ist, kann ja noch werden! Bevor dann Adolf Langer am Abend mit den Hühnern zu Bett geht, holt er sich noch täglich einen ’/<-Liter Milch zum trockenen Abendbrot, denn, so meint er: „Das ist sehr gesund. Sie wissen ja sicher, mein Herr: Milch und Brot macht Wangen rot!“ bb



Was aũch interessiert:

Die Münchner Lustspiel-Bühne gibt heute abend, 20.30 Uhr in Bensheim im „Bensheimer Hof“ als Sondergastspiel Ralph Bedatzkys unsterbliche Singspiel-Revue „Das weiße Rössl“. (HB)

Ein bunter Abend unter dem Motto „Fröhliche Stunden unter fröhlichen Menschen“ findet am Sonntag um 20.00 Uhr im Reinheimer Volkshaus statt. Agathe Groß, die Kinderstimmenparodistin vom Sender Köln, Alexander Helfmann und der Zauberkünstler Be 11 achi n i , Kapellmeister Basel mit seiner Kapelle und Günter Gutkä s e sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Eine Kindervorstellung findet nachmittags um 15.30 Uhr statt.

Für den Klubabend des OWK am Samstag um 20.00 Uhr bei Fink in Reinheim steht die Besprechung der nächsten Wanderung (am 3. September nach Obernburg), die Errichtung der Schutzhütte auf der Ernst-Ludwigshöhe die Vorbereitung eines Odenwälder Heimatabends und die Ehrung verdienter Klubmitglieder auf der Tagesordnung. Ein gemütliches Beisammensein soll sich anschließen. (eb)

Den Tod erlitt durch Herzschlag eine Flüchtlingsfrau aus der Waldstraße in Lorsch auf dem Heimweg von der Zirkusvorstellung. (€j)

Ein Meisterschaftsball der Fußballer ist im Reinheimer Volkshaus zu Ehren des Kreismeisters der B-Klasse im Fußball, SV 45, Reinheim, für Samstagabend. 20.00 Uhr, vorgesehen. (eb)

Biebesheim erwartet seine Gäste

Kleiner Bummel durch die aufstrebende Gemeinde

Am Wochenende feiert Biebesheim seinen Zuchtviehmarkt, ein Ereignis, an dem die Bevölkerung des Rieds noch niemals achtlos vorbeigegangen ist. Was aber diese Gemeinde besonders auszeichnet, ist das rege Leben, das sich mit Schwung Bahn bricht und sie im wahrsten Sinne des Wortes zu einer aufstrebenden Gemeinde stempelt. „Wir haben hier keine Sehenswürdigkeiten und auch keine Denkmäler berühmter Männer“, sagte uns der junge und allzeit rührige Bürgermeister Sudheimer aus Biebesheim auf unsere Frage nach etwaigen Besonderheiten in seiner Gemeinde. Vielleicht ist der Blick dieses jungen Menschen, der zielbewußt die Geschicke des Ortes lenkt, ein wenig zu sehr nach vorne gerichtet, daß er Nachgelassenes darüber vergessen hat. Dieser Gedanke kam uns, als wir — so wie es neugierige Fremdlinge zu tun pflegen — im alten Kirchturm herumstiegen, von dem aus uns ein Bild der ganzen Gemeinde geboten wurde.

Wir sahen herab auf ein Meer alter, grauer Bieberschwanzdächer, dazwischen manchmal hie und da ein noch scheinbar neues rotes Dach, besonders am Rande der Gemeinde, wo der Bau von Neuwohnungen rüstig fortschreitet. Unter uns lagen Firste, die wie der Rücken eines alten Mannes, dem wir später in einer der engen, alten Straßen begegneten, vom Alter gebeugt worden waren. Dorfstraßen, durch die wir gingen, sind voneinander kaum zu unterscheiden. Das Pflaster ist grob und holprig. Von beiden Seiten drängen sich spitzgiebelige Fachwerkhäuser wie neugierige Kinder an die Straße.

Aber in Biebesheim ist das Bild eines alten Dorfes keineswegs einheitlich. Aus einer der Straßen Alt-Biebesheims treten wir ganz unvermittelt auf eine hochmoderne Betonstraße. Nicht viel weiter haben wir über die Erdhaufen einer sich im Bau befindlichen Straße zu klettern. Und wenn man an den Ochsenwagen denkt, der uns vorher begegnet war, so sind wir nicht gering überrascht, mitten durch diesen Ort eine Art Autobahn sich ziehen zu sehen, auf der zu fahren es gewiß eine Freude ist. Kein Wunder, wenn fremde Kraftfahrer, die mit einigem Unbehagen daran denken, durch eine ländliche Gemeinde mit meist schlechten Straßen fahren zu müssen, angenehm überrascht ihr Fahrzeug durch Biebesheim steuern. Als wir zum Marktplatz kamen, wo man bereits die Holzgerüste für die Verkaufsstände zum Zuchtviehmarkt errichtet, der für Biebesheim das Ereignis des Jahres ist, sahen wir den jungen Bürgermeister per Fahrrad an uns vorbeifahren, sicherlich, um sich über den Stand der Vorarbeiten zu orientieren. Planen und B.auen ist das Programm dieser Gemeinde. Und wenn das Streben und Wollen so fest ineinandergefügt ist, wie die alten Balken jener vielleicht zu schnell vergessenen Fachwerkhäuser im Altenteil, so ist die Biebesheimer Sache auf das Beste bestellt. -kr.-

Unbekannte Leiche gefunden

Gestern Nachmittag wurde um 14 Uhr in Lampertheim, 800 m westlich der Autobahn, eine männliche Leiche aufgefunden.

Beschreibung: etwa 20 Jahre alt, 1,72 m groß, sehr schlank, ovales Gesicht, abstehende Ohren mit angewachsenem Ohrläppchen, gutes Gebiß.

Der Tote war bekleidet mit einem rotblaukarierten Hemd, trug eine braune Hose mit einem Nadelstich und einem 4 cm breiten Gürtel mit Doppel-Dorn. Besonderes Kennzeichen: eine Schußverletzung in der Nähe des linken Auges.

Jm Khatten der JUSTIZ

Flüchtlinge sind kein Freiwild!

Der erwerbslose Former Josef S c h o 1 z, ein Heimatvertriebener, der jetzt in Weitengesäß wohnt, wurde im April dieses Jahres beim Holzlesen mit seinem 10jährigen Jungen in dem Waldstück „Am Mühlacker“ von dem Weitenge-

säßer Bauer A. Krau ß 111. in unfreundlichster Weise darauf aufmerksam gemacht, daß er sich in seinem Privatwalde befinde und ohne seine Genehmigung kein Holz lesen dürfe.

Wörtlich fügte er hinzu: „Sie glauben wohl, weil Sie Flüchtling sind, könnten Sie machen was Sie wollen!“ Der Heimatvertriebene entschuldigt sich damit, daß er die Besitzverhältnisse des Waldes und die Grenzen des Privatbesitzes nicht kenne und wollte sich mit seinem Sohn wieder entfernen. Kaum hatte er sich umgedreht, schlug ihm der Bauer mit einem Peitschenstiel von hinten über den Kopf. Bei seiner Vernehmung durch die Gendarmerie gab der Bauer zu verstehen, er habe mit dem Peitschenschlag„lediglich“ seiner Abneigung gegen Flüchtlinge Ausdruck geben wollen.

Das Amtsgericht Michelstadt unter Vorsitz von Assessor Dr. Tichy machte dem Bauern klar, daß seine rigorose Handlungsweise ein Rückfall in die finstere Zeit des Faustrechts darstelle. So lasse sich die Kluft zwischen Alt- und Neubürgern nicht überbrücken. Es verurteilte ihn zu 14 Tagen Gefängnis und den Kosten des Verfahrens. -ch



Ziegenböcke standen zum Perkauf

Böcke aus dem Ried und Gersprenztal in Wertklasse I

Wenn auch ein Teil der Versteigerung von Jungböcken, die die Ziegenzüchtervereinigung Starkenburg gestern in Darmstadt abhielt, bei regnerischem Wetter vor sich gehen mußte, nahm sie doch einen glatten Verlauf.

Bei einem Auftrieb von über 200 Jungböcken aus bekannten Starkenburger Leistungszuchten hatte die Körkommission keine leichte Arbeit, die Einstufung der Tiere in Zuchtwertklassen vorzunehmen. Die übermütigen Böcklein waren kaum zu bändigen, wenn sie brav und geduldig vor den Richtern stehen sollten, und meckerten gehörig über die ihnen ungewohnte Umgebung. Aber schließlich reihten sie sich doch willig in die langen Reihen ein, aus denen sie später zum Verkauf auf gerufen wurden. Stolz und selbstbewußt schritten sie neben ihren gewohnten Betreuerinnen — denn die größte Last der Ziegenzucht liegt schon immer bei den Frauen — in den Ring, um sich bewundern und ausbieten zu lassen. Für die besten von ihnen wurden 400 DM und darüber geboten. Die Mehrzahl ging jedoch bereits zu Preisen zwischen 200 und 300 DM ab.

Die beiden Spitzenböcke, die als einzige in die Wertklasse 1 eingestuft wurden, stammten aus der Zucht von Friedrich Göbel in Groß-Rohrheim im Ried und Friedrich Hildenbeutel in Groß-Bieberau. Der eine von ihnen wurde von der Gemeinde Biebesheim, der andere von Hähnlein erworben. Der Spitzenbock der 3. Wertklasse wurde von der Gemeinde Groß-Rohrheim angekauft. Käufer waren fast durchweg Starkenburger Züchtergemeinden. Aber auch das Tierzuchtamt Unterfranken in Aschaffenburg steigerte einige Jungböcke aus Starkenburg.

Oberprimaner vor der Berufswahl

Um den Abiturienten der beiden Oberprima-Klassen des Realgymnasiums Michelstadt Gelegenheit zu geben, sich für ihre Berufswahl vernünftig und gründlich vorzubereiten, wurden sie vom Arbeitsamt Darmstadt zu einer Tagung für Berufskunde vom 26. bis 30. September in das Pädagogische Institut Heiligenberg bei Jugenheim eingeladen. Neben allgemeinen Fachvorträgen über die Eigenarten und Voraussetzungen zu den verschiedensten Berufen werden auch Einzelberatungen erteilt. Das Pädagogische Institut hat für die Uebernachtung der Teilnehmer sein Schülerheim zur Verfügung gestellt. -ch

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Ober-Ramstadt. Durch den Kreisstatistiker werden heute vormittag im Sitzungssaal des Rathauses die Sachbearbeiter der nachstehend aufgeführten Gemeinden über die Volkszählung am 13. September 1950 belehrt: Allertshofen, Brandau, Ernsthofen, Frankenhausen, Herchenrode, Hoxhohl, Lützelbach, Neunkirchen, Neutsch, Nieder-Modau, Nieder-Ramstadt, Ober-Modau, Ober-Ramstadt, Rohrbach, Roßdorf, Traisa, Waschenbach, Wembach/Hahn.

Hähnlein. Der Hähnleiner Ziegenzuchtverein war auf der am Donnerstag in Darmstadt abgehaltenen Ziegenbockversteigerung als stärkster Zuchtverein in Starkenburg mit 45 Jungböcken vertreten, die nach Form und der ebenfalls in Betracht gezogenen Milchleistung der Mutter gut abschneiden konnten. (oa)

Nieder-Beerbach. Bei der Herrichtung des neuen Sportplatzes haben sich Ludwig Bauer (SKG), Alex Grosch, Jakob Schmidt und Simmermacher vom „Darmstädter Hof“ besondere Verdienste erworben. hl.

DIEBURG

Schaafheim. Die Grumpen- und Sandblatternte der ersten Tabakanpflanzung ist abgeschlossen. Zur Zeit sind die Tabakanbauer mit dem Einfädeln und Aufhängen beschäftigt, um der Ernte die richtige Dachreife angedeihen zu lassen. (io)

Hergershausen. Bei der Landesverbandsschau der Schäferhunde in Wiesbaden-Schierstein konnte der Hund von Herrn Köllisch ein „Sehr gut“ erringen. (§i)

Münster. Von jungen Leuten, die wahrscheinlich die Kerb in Dieburg besucht hatten, wurden auf der Straße nach Eppertshausen vier Teerfässer auf die Straße gerollt. Ein Omnibus aus Groß-Zimmern, dessen Fahrer das Hindernis zu spät bemerkte, wurde dadurch am Vorderrad und Kotflügel beschädigt.

Klein-Zimmern. An den Außenwänden der Pfarrkirche weden gegenwärtig Renövierungsarbeiten ausgeführt. (-gi-)

Gundernhausen. In Anbetracht des 200 jährigen Jubiläums wurde die Orgel durch einen kleinen Umbau im Ton verbessert, die alte Turmuhr repariert, der Turm neu gestrichen und der Platz um die Kirche in einen würdigen Zustand gebracht. (gi)

ERBACH

Ebersberg. — Am Ortseingang wurde am Dienstagabend der Fahrer des Opel-Lieferwagens eines Gemüsehändlers aus Hiltersklingen von einem entgegenkommenden amerikanischen Truck, der angeblich nicht abgeblendet hatte, derart in der Sicht behindert, daß sich beide Fahrzeuge streiften. Vorderteil, Führerhaus und Aufbau des deutschen Fahrzeugs wurden dabei erheblich beschädigt. Personen kamen nicht zu Schaden. (-ch)

Kirch-Brombach. Ein kostenloser Melklehrgang mit Preismelken und Prämiierung wird vom Tierzuchtverein Darmstadt Ende Oktober in der Gemeinde durchgeführt. (-ch)

Neustadt. Das alte Gemeindehaus wurde an Ludwig Friedrich auf Abbruch verkauft. (-ch)

Zell. Die Notstandsarbeiten zum Ausbau des unteren Heubergwegs, werden in dieser Woche beendet. (-ch)

BERGSTRASSE

Vöckelsbach. Am nächsten Sonntagabend findet in der Gemeinde eine musikalische Darbietung statt, die vom Posaunenchor der evangelischen Gemeinde unter Leitung von Dr. Gottwaldt ausgestaltet wird. (—r)

Lörzenbach. Die hiesige Volksschule hatte die Einwohnerschaft zu einem Lieder- und Arienabend geladen. Mehr als 200 Anwesende zollten dem orientalischen Spiel „Abu Hassan“ sowie den vorgetragenen Chören herzlichen Beifall. (—r)

Mörlenbach. Im Anwesen Bahnhofstraße 2 hat der Obst-Großmarkt Heppenheim jetzt eine Annahmestelle für Obst und Gemüse eingerichtet, die zusammen mit der Sammelstelle für die Weinheimer Groß-Markthalle die zu erwartenden Spätobstmengen aufnehmen wird. (—r)

Rosengarten. Der hiesige Ortslandwirt Wilhelm Müller fiel am Dienstagnachmittag beim Dreschen vom Gebälk seiner Scheune auf die Tenne. Bei dem Sturz zog er sich so schwere Verletzungen am Kopf zu, an denen er noch am selben Abend im Wormser Krankenhaus verstarb, (bb.)

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Bei der Kreisdelegiertentagung der CDU wurde Landtagsabgeordneter Alois Marx (Rüsselsheim) zum Kandidaten des Wahlkreises Groß-Gerau (42) für die kommenden Landtagswahlen am 19. November 1950 gewählt. (-Kb.)

Büttelborn. Mit dem Bau der neuen Ortsgasleitung kann in Kürze begonnen werden, nachdem der erste Waggon Rohre bereits eingetroffen und ein weiterer unterwegs ist. Die Vergebung der Erdarbeiten soll in der nächsten Gemeinderatssitzung erfolgen. od

Nauheim. In der evangelischen Kirche fand unter Mitwirkung des Kirchenchors eine Bachfeier statt, bei der mehrere bekannte Werke zum Gedenken des 200- jährigen Todestages von J. Seb. Bach zur Aufführung .gelangten. (-au-)

Leeheim. Die Schüler des 8. Schuljahres unternahmen unter Leitung des Lehrers Müller eine Besichtigungsfahrt in die Opelwerke und zum Mainzer Dom mit dem Fahrrad. (-od-)

Der SPORT

Schwierigstes Teilstück der Deutschlandfahrt

Siefert (Dortmund) gewinnt die Etappe Augsburg-Reichenhall

Vo. Bad Reichenhall. (Eigener Bericht.) Die elfte Etappe der Deutschlandfahrt am Donnerstag bei einer großen Hitze von Augsburg nach Bad Reichenhall war nicht nur ihrer Länge (293,5 km) wegen die schwerste Etappe der ganzen Fahrt. Von Rosenheim weg führte sie hinein in die Chiemgauberge und das Berchtesgadener Land mit dem bekannten Wachtelaufstieg und dem Aufstieg zum Obersalzberg. Die Fahrer wurden vor eine harte Prüfung gestellt. Dieses Mal gab es überraschenderweise einen imponierenden deutschen Etappensieg des Dortmunder Patria-Fahrers Siefert, der im Endspurt in Bad Reichenhall um Radlänge Harry Saager schlagen konnte und mit diesem Etappensieg bewies, daß er wirklich zu unseren deutschen Spitzenfahrern zählt. Der Dortmunder war gleich, 35 Kilometer nach dem Start, in der von Harry Saager, dom Belgier Decorte, Steinhiib und Weckerling gebildeten Spitzengruppe abgefahren und gewann die sechste Bergwertung, die Bergprämie auf der Wachtel ganz knapp vor Harry Saager. Er war damit der erste deutsche Fahrer, der überhaupt eine Bergs Wertung gewinnen konnte, da alle bisherigen Bergwertungen von den Belgiern geholt wurden.

Diese glänzende Form von Siefert war das Tagesgespräch in Bad Reichenhall, und für sein tapferes Fahren holte er sich nun in Reit im Winkel, das er als erster passierte, einen achttägigen Aufenthalt beim deutschen Skimeister Toni Zöller. Siefert war in den Bergen der beste Kletterer der Spitzengruppe, so daß er damit den in den Bayerischen Bergen beheimateten Harry Saager ganz knapp im Endspurt um den Etappensieg brachte und in der Gesamtwertung vom neunzehnten Platz wesentlich nach vorne kam.

Den Obersalzberg erreichte zuerst Harry Saager vor Siefert und dem Stuttgarter Steinhilb, sowie dem Belgier Decorte, die alle vier fast über die ganze Etappenstrecke eine Spitzengruppe bildeten, die bei der Verpflegung in Rosenheim dreizehn Minuten Vorsprung vor dem Flauptfeld hatte und diesen Vorsprung bis zum Etappenziel sogar noch auf fünfzehn Minuten vergrößern konnte.

Während vorne in der Spitzengruppe der Kampf um den Etappensieg vor sich ging, lagen im Hauptfeld der Träger des Weißen Trikots, Gysselinckx, der Nürnberger Pfannenmüller, der Schwarzwälder Müller, der Belgier Keteleer, die alle aufpaßten, daß keinem dieser Fahrer ein Ausreißversuch gelang.

Der Belgier Gysselinckx, der als Zehnter eintraf, liegt in der Gesamtwertung mit 77:35:57,2 Std. immer noch vor Pfannenmüller, dem Schweinfurter Schenk und dem Belgier Decorte.

Das Ergebnis der elften Etappe: 1. Siefert (Dortmund) 8:47:50 Std., 2. Harry Saager (Bad Reichenhall) 8:47:50,1 Std., 3. Steinhiib (Stuttgart) 8:55:08 Std., 4. Schütz (Schweiz) 8:59:48 Std., 5. Deletta (Frankreich) 8:59:48,1 Std., 6. Holthöfer (Bielefeld) 8:59:48,2 Std., 7. Decorte (Belgien) 9:00:14 Std., 8. Weckerling (Magdeburg) 9:02:03 Std.> 9. Müller (Schwenningen) 9:02:03 Std., 10. Gysselinckx (Belgien) 9:02:22 Std., 11. Pfannenmüller (Nürnberg) 9:14:16 Std.

Die Kämpfe am Donnerstag

Brüssel. (AP.) Bei den Europameisterschaften der Leichtathleten in Brüssel ist am Donnerstag zuerst die Entscheidung im Diskuswerfen für Männer gefallen. Europameister wurde wiedei- der Vorjahresmeister A. Consolini, Italien, mit einer Weite von 49,63 Meter vor seinem Landsmann G. Tosi (47,99) und dem Norweger S. Johnson (47,62).

Der Fünfkampf der Frauen begann mit dem Kugelstoßen, bei dem sich die Russin K. Totschenowa mit einem Stoß von 13,82 Meter eine hohe Führung von 1024 Punkten sicherte. Im Zehnkampf der Männer wurden der 100-Meter-Lauf und der Weitsprung durchgeführt, nach diesen beiden Konkurrenzen führt der Isländer O. Clausen mit 1700 Punkten vor dem Schweden K. Tannan (1530 Punkte) und dem Franzosen I. Heinrich (1522 Punkte).

Europameister im 10-Kilometer-Gehen wurde der Schweizer Fritz Schwab in 46.8,753, 1,8 Sekunden vor dem Engländer L. Allen.

Weitere Deutsche in den Entscheidungen

Bei den Europameisterschaften im Schwimmen

Wien. (AP) Im Turmspringen der Frauen vom Fünf- und - Meter-Brett um den Titel eines Europameisters lag die deutsche Meisterin Paula Tatarek am Donnerstag nach dem ersten Durchgang mit 52,79 Punkten an dritter Stelle. Die Führung hat die Französin Nicole Pelissard mit 54,77 Punkten.

In der Entscheidung fiel die Deutsche auf den vierten Platz zurück. Europameisterin wurde die Französin Nicole Pellissard mit 85,67 Punkten vor Alma Staudinger (Oesterreich) 82,38 P., der Dänin Christophersen 82,31 P. und Paula Tatarek 73.87 Punkte.

In den Vorentscheidungen zum 400- m-Freistilschwimmen erzielte der Deutsche Heinz Günther Lehmann (Braunschweig) die beste Zeit mit 4:53,1 vor dem Jugoslawen Marjan Stipetic (4'53,9) und dem Schweden Per Olaf Oestrand (4:58,4).

Im Wasserball schlug die italienische Manschaft in einem sehr harten Spiel die österreichische Vertretung mit 6:4 Toren. In der Gesamtwertung führt die holländische Mannschaft bis jetzt knapp vor den Jugoslawen und Italienern.

Schon in der Vorentscheidung des Kunstspringens der Frauen war es ersichtlich. das unsere deutsche Vertreterin Paula Tatarek hier nicht würde mithalten können. Immerhin schob sich die blonde Lüdenscheiderin auf den fünften Platz und kam so in die Entscheidung. Die beiden Französinnen Madi Moreau und Nicolle Pelisard. waren eine Klasse für sich und bestachen durch die Schwierigkeit und Eleganz ihrer Sprünge.

Die Ergebnisse: 1. Madi Moreau (Frankreich) 155,8 P., 2. Nicolle Pelisard (Frankreich) 140,64 P., 3. Christophersen (Dänemark) 129,63 P., 4. Lantingkeller (Hplland) 126,09 P., 5. Paula Tatarek (Deutschland) 124,33 P., 6. Walberg (Schweden) 117,83 P.

Die Russen dominieren

Die Leichtathletikmeisterschaften in Brüssel

Brüssel, (sid.) In fünf Wettbewerben des ersten Tages der Europäischen Leichtathletikmeisterschaften siegten dreimal die Vertreter der Sowjetunion. Ein Brite gewann den Marathonlauf und über 10 000 m blieb erwartungsgemäß der tschechoslowakische Weltrekordmann Emil Zatopek vorne. Obwohl nach einem vorangegangenen Unwetter die Bahnen so naß und schwer waren, daß beispielsweise der Ring für das Kugelstoßen erst durch das Abbrennen von Petroleum trockengelegt werden mußten, waren die Leistungen doch durchweg ausgezeichnet. Die Ergebnisse des ersten Tages:

100000 m: 1. Emil Zatopek (CSR) 29:12,0, 2. Mimoun (Frankreich) 30:21,0, 3. Koskela (Finnland) 30:30,8.

Marathonlauf: 1. Jack Holden (Großbritannien) 2:32:13,2, 2. Karvonen (Finnland) 2:32:45,0, 3. Tanin (Rußland) 2:32:45,0.

Dreisprung: 1. Leonid Tscherbakow (Rußland) 15,39 m, 2. Rautio (Finnland) 14,96 m, 3. Sarialp (Türkei) 14,53 m.

Kugelstoßen (Frauen): 1. Andre Andrejewa (Rußland) 14,32 m, 2. Totchenowa (Rußland) 13,92 m, 3. Ostermeyer (Frankreich) 13,57 m.

Speerwerfen (Frauen): 1. Natalia Smirnitzkaja (Rußland) 47,55 m, 2. Bauma (Oesterreich) 43,87 m, 3. Zibina (Rußland) 42,75 m.

Clubmeisterschaften des TEC

Seit Dienstag sind auf den Plätzen am Böllenfalltor die internen Clubmeisterschaften des Tennis- und Eisclubs im Gange, bei denen nicht nur die Clubmeister 1950 im Herreneinzel, Dameneinzel, Herrendoppel und gemischten Doppel ermittelt werden, sondern auch in Vorgabewettbewerben den Anfängern Gelegenheit gegeben wird, mit Aussicht auf Erfolg gegen stärkere Gegner anzutreten.

War es schon beim Ortsturnier erfreulich zu sehen, daß die jüngere Generation beachtliche Fortschritte gemacht hat, so konnten sich auch diesmal wieder Nachwuchsspieler in den ersten Runden besonders auszeichnen. So gelang es zum Beispiel dem Juniorenmeister EricJayme gegen Röhm mit 3:6, 6:2, 6:2 zu gewinnen und auch in der nächsten Runde gegen Pfundtner tapferen Widerstand zu leisten. Auch Polster hat durch seine regelmäßige Teilnahme an den Verbandsspielen inzwischen so viel Turniererfahrung bekommen. daß er einen so routinierten Gegner wie Steffan mit 6:4, 7:5 ausschalten konnte. Erwähnenswert ist ferner der Sieg von Fürst über Haselbach mit 6:3, 6.4 und von Hahn über Haendschke mit 6:8, 6:1, 6:4. Als einziger hat bisher im Herreneinzel Sigwart die Vorschlußrunde erreicht.

Bei den Damen mußte Fräulein Rockstroh ihr ganzes Können aufbieten, um sich gegen die Juniorenmeisterin, Fräulein Kaffenberger, mit 13:11, 6:4 durchzusetzen. Sie hat damit die Vorschlußrunde erreicht, in die auch Frau Geiß und Frau Wettlaufer durch verhältnismäßig leichte Siege einzogen.

Am weitesten gefördert wurde das gemischte Doppel. Hier stehen auf der einen Seite Frau Wettlaufer/Sigwart in der Vorschlußrunde, während auf der anderen Seite in einem bis zum letzten Ball offenen Kampfe die Vorschlußrunde zwischen Frau Schubert/Kleinlogel und Frau Geiß/Pfundtner bereits ausgetragen wurde, wobei Frau Schubert/Kleinlogel mit 2:6, 6:4, 7:5 ins Finale vordrangen. Heute nachmittag werden die Spiele unter anderem mit den Begegnungen Kleinlogel—Fürst, Wittich—Hahn, Hilsdorf—Pfundtner und Frau Wettlaufer gegen Frau Geiß fortgesetzt. Am Samstag werden dann die Vorschlußrunden im Herreneinzel und die Schlußrunde im gemischten Doppel ausgetragen. hex

HANDBALL:

Offenbacher Kickers in Braunshardt

Die Handballelf des TSV Braunshardt erwartet um 15 Uhr auf seiner neu hergerichteten Sportanlage hinter dem Schloßgarten zum letzten Probegalopp für die kommende Verbandsrunde die Mannschaft der Offenbacher Kickers. Da die Gäste als eine der stärksten Vertreter Hessens bekannt sind, ist mit einem spannenden Spiel zu rechnen.

Um 14 Uhr Reserve—Offenbach Res.

Um 13 Uhr A-Jgd. Braunshardt —Bezirksmeisterelf A-Jgdc TSG 46 Darmstadt.

SS Weiterstadt—SKG Momart

Kommenden Sonntag, dem 27. d. M., empfängt die I. und 11. Mannschaft der Sportgemeinde Weiterstadt die gleichen Mannschaften der SKG Momart. Die Gäste haben eine spielstarke Elf, so daß Weiterstadt alles daransetzen muß, um ehrenvoll abzuschneiden. Der Spielbeginn ist auf 14 und 15 Uhr festgelegt. Vorher stehen sich die Jugendmannischaften von Weiterstadt und der SG Arheilgen gegenüber. Audi hier dürfte mit einem spannenden Spiel zu rechnen sein, so daß ein Sportplatzbesuch sich bestimmt lohnt.

Weiter auf Rekordjagd

Paris, (dpa) Der deutsche 1,5- Liter-Hansa-Borgward-Wagien hat am Mittwoch abermals zwei Rekorde unterboten und zwar über 48 Stunden: von 128,50 km/h auf 147.95 km/h. 4000 Meilen: von 128,59 km/h auf 147,21 km/h. Der Wagen fährt weiter.

XCUII L WCUCI. .Der Hansa-Borgward-Wagen mit den Fahrern August Momberger, Hans Schaufele, Heinz Meier und Adolf Brudes brach in Fortsetzung seiner Rekordfahrten am Donnerstag in Monthlery/Paris auch die Bestleistung über 5000 Meilen und stellte damit insgesamt seinen zwölften Rekord in der Klasse F (1100 bis 1500 ccm) auf. Der Wagen durchfuhr die 5000 Meilen in 55:44:3j,67 Stunden mit einem Schnitt von 147,360 km/h.

Deutscher Meister ausgepfiffen

B. Stuttgart. (Eigener Bericht.) Eine äußerst mäßige Vorstellung gab am Mittwochabend im Stuttgarter Neckarstadion der Vfß Stuttgart im Freundschaftspsiel gegen die Auswahlelf des deutsch-amerikanischen Fußballbundes. Die Stürmer überboten sich geradezu im Auslassen der dicksten Torchancen und das sonst so gelobte Stürmerspiel glich einem blutarmen Gekicke mit. bestenfalls Landesligareife. Die 5000 Zuschauer waren darüber derart erbost, daß sie fast eine Stunde lang mit nur kurzen Unterbrechungen den deutschen Fußballmeister auspfiffen und ihn mit Schmährufen bedachten. Nur krassen Deckungsfehlern der Gäste, denen es an mannschaftlicher Bindung fehlte, war der 4:1- Sieg des Vfß zuzuschreiben.

Weiterer Wochentagsfußball: VfL Bochum-Schalke 04 4:1. FV Offenburg gegen Freiburger FC 3:1, FK Pirmasens gegen Saar 05 Saarbrücken 7:1, Arsenal gegen Chelsea 0:0, Middlesbrough gegen Everton 4:0, — Endspiel um den Hessenpokal: Hanau 93—Offenbacher Kickers 4:0.

Vor dem Start auf dem Riedring

132 Meldungen / 125er Lizenzklasse gut besetzt

Zum 2. Mal in diesem Jahre werden am 27. August die Motoren über den bereits zu einem Begriff gewordenen Riedring donnern und der Kampf der Menschen und Maschinen wird Tausende von Sportfreunden in seinen Bann ziehen. Wie uns der Organisationsleiter des Rennens mitteilt, haben sich bis zum Meldeschluß 132 Fahrer gemeldet. Gegenüber den letzten Veranstaltungen bedeutet dies eine Zunahme von 40 Prozent. Wenn sich die Startflagge zum Rennen der 125er-Klasse senkt, wird ein Rudel von 40 Fahrern über die Bahn brausen, um sich packende Kämpfe zu liefern. Namen wie Karl Hoffmann aus Frankfurt, Heinz Wolf (Frankfurt), Rückkert, Meister Rudi und Thorn Willi aus Wiesbaden, Raufenhard (Oberursel), Luttenberger sowie der Sieger der Saugmotoren-Klasse auf den Solitude, Rudi Felgenhaier aus Nieder-Lahnstein, bieten die beste Gewähr für ein hochinteressantes Rennen. Die 500 er-Ausweisklasse ist ebenfalls von den besten Fahrern besetzt. Der Riedring bietet gegenüber den meisten anderen deutschen Rennstrecken dem Zuschauer eine Uebersicht, die mehr als 75 Prozent der gesamten Strecke umfaßt, so daß die einzelnen Kämpfe bestens verfolgt werden können. Wilhelm Herz aus Lampertheim, der wegen seines Unfalls nicht an den Start gehen kann, wird seine reichen Erfahrungen als Sportkommissar zur Verfügung stellen. Die große Zahl der Zusagen der besten deutschen Rennfahrer sowie das besondere Interesse aus Motorsportkreisen wird das Riedring-Rennen zu einem großen motorsportlichen Ereignis werden lassen. Gleichzeitig wird das Rennen am kommenden Sonntag eine gute Probe für die im Frühjahr 1951 auf dem Riedring stattfindenden großen Veranstaltungen aller Lizenz-Klassen werden. kr.

Schwimmfest der SG Sandbach

Zu dem ersten von der SG Sandbach ausgerichteten bezirksoffenen Schwimmfest, das am kommenden Sonntag durchgeführt werden soll, sind von den Vereinen DSW 1912 Darmstadt, KSG Erbach, TV 1846 Groß-Gerau, TV 1878 Groß-Umstadt, TSV Höchst, TSG Bad König, VfL Michelstadt, SC Reinheim und der SG Sandbach insgesamt 301 Einzel- und 36 Staffelmeldungen eingegangen. Die Wettkampffolge sieht folgende Konkurrenzen vor: 100 m Brust für Herren, Klasse 3 bis 5; 662/s m Brust für Mädchen, Gruppe a und b; 100 m Brust für männliche Jugend, Gruppe A, Klasse 2 bis 4; lOOmßrust für männliche Jugend, Gruppe B, Klasse 2 bis 4; 3mal 100 m Lagenstaffel für Herren, Klasse 4 und 5; 662/s m Brust für Knaben, Gruppe a und b; 100 m Kraul für männliche Jugend, Gruppe A, Klasse 2 bis 4; 100 m Brust für männliche Jugend, Gruppe B, Klasse 2 bis 4; 33Vs m Kraul für alte Herren (35—40, 40—45, 45—50 Jahre); 662/s m Rücken für weibliche Jugend (offen); 33’/sm Rücken für Mädchen Gruppe b; 100 m Kraul für Herren, Klasse 3 bis 5; 4mal 662/s m Bruststaffel für Knaben (offen); 4mal 662/s m Bruststaffel für Mädchen (offen); 4mal 100 m Brust für männliche Jugend (offen); 100 m Brust für Damen, Klasse 3 bis 5; 4mal 100 m Brust für Herren, Klasse 4 und 5; 100 m Rücken für Herren, Klasse 3 bis 5; 662/s m Kraul für Knaben, Gruppe a und b. Wasserballspiele der Schülermannschaften VfL Michelstadt gegen TV Groß-Umstadt; Jugendmannschaften: DSW 1912 Darmstadt gegen VfL Michelstadt. —ppi-

Handball-Bezirksklassen

Gruppe 1

Klassenleiter: Rudolf Klabes, Worms-Herrnsheim, Malerstraße 2. Rechtswart: Adam Heß, Weiterstadt, Darmstädter Str. 116. _ Westhofen, Offstein, Pfeddersheim, Pfiffligheim, Mörstadt, Bobstadt, Hofheim, Bürstadt, Seeheim, Crumstadt, Wies-Oppenheim, Osthofen.

Gruppe 2

Klassenleiter: Eckert, Langen (Hessen), August-Bebel-Str. 32; Rechtswart: Adam Heß, Weiterstadt, Darmstädter Str. 116. — Groß - Bieberau, Fränkisch - Crumbach, Kirchbrombach, Urberach, SSG Langen, Mörfelden, Eppertshausen, Reichelsheim, Raunheim, Dreieichenhain.

Darmstadts Kreisklasse am Sonntag

Sportplatzeinweihung in Nieder-Beerbach

Schon am Samstag leiten Fußballspiele in Nieder-Beerbach das Fest der Sportplatzweihc ein. Zwei spielstarke Vereine, der SC Griesheim und der - Klassen-Meister Seeheim haben sich zur Verfügung gestellt, dem schon etwas verwöhnten Publikum von Nieder-Beerbach einen Schulfußball zu demonstrieren. Beginn des Spieles 18.00 Uhr, vorher begegnen sich die 11. Mannschaften.

Am Morgen des eigentlichen Festtages bestreiten die Schüler aus Arheilgen und Eberstadt das Eröffnungsspiel. Anschließend find-n sich die Jugendmannschaften von Nieder-Beerstadt und Arheilgen zum Freundschaftsspiel. Am Nachmittag stellt sich die 11. Mannschaft von Hähnlein gegen die gleiche des Gastgebers vor. Die 1. Garsen-Vertreter Nieder-Ramstadt zu messen. Schließlich treten die Schüler gegen die mtur .zagt ihre Kräfte mit dem - Klas-Schüler von Brandau an.

Weitere Spiele

Am Samstag spielt ferner Jugenheim in Auert ich. Ob es diesmal gelingt, die 1:2- Niederlage wettzumachen, bleibt abzuwarten.

Auch Eschollbrücken spielt wegen des Kinderturnfestes schon am Samstag 18.00 Uhr dah im gegen TSG 46 Darmstadt. Hähnlein tritt nach langer Pause ebenfalls am Sam-tag auf den Plan und hat die komplette 1. Garnitur mit Gärtner aus Lorsch zu Gast. Es wird dieser Aufgalopp wohl eine gute Probe für die kommenden Verbandsspiele sein.

Für den Sonntag hat sich Bickenbach den glücklin’' Bezirksligisten Roßdorf zum Rückspiel verpflichtet. Der Verfassung beider Mannsch-Ren nach ist ein schönes Spiel erwarten.

Seeheim fährt nach .ckstadt und hat dort eine schwere Aufgabe zu lösen. Auch Alsbach wird am Heppenheimer Galgen keine Siegesaussichten habe *.

Jugendfußball im Kreis Dieburg

Am Samstag, dem 26. August, beginnen die Schülerspiele im Fußballkreis Dieburg. In der Terminliste der C-Jugend erscheinen folgende Paarungen: FV Eppertshausen gegen SV Hergershausen, KSV Urberach gegen SV Münster I, SV Münster gegen SG Nieder-Roden, Germania Ober-Roden gegen Viktoria Urberach, SV Babenhausen— Tgm Ober-Roden.

Der Spielplan der B-Jugend beginnt am 27. August und enthält folgende Begegnungen: Hassia Dieburg—Tumgemeinde Ober-Roden, SG Nieder-Roden—FV Epperthausen, SV Reinheim—SV Münster.

Die A-Jugend (Gruppe Nord) des Kreises Dieburg beginnt ebenfalls am 27. August jeweils um 10.30 Uhr mit folgenden Paarungen: FV Eppertshausen—Hassia Dieburg, SV Münster—KSV Urberach, Viktoria Urberach—SG Nieder-Roden, Germania Ober-Roden ist spielfrei. —gi—

Ueberau reif für Bezirksklasse

Ueberau—Neustadt 4:0

In einem sehr unschönen Spiel konnte sich am Mittwoch im Arheilgen Ueberau gegen Neustadt durchsetzen und verdient mit 4:0 gewinnen. Schon nach 18 Minuten konnte Fornoff mit einem schönen Schuß seine Elf in Führung bringen. Wenn auch stets die „grünen“ Ueberauer vorm Gegnertor lagen, blieben ihnen doch bis zur Pause weitere Erfolge versagt. Erst nach dem Wechsel waren es Fr. Schüßler, Heinz Schüßler und Fornoff, die den Sieg sicherstellen konnten. Nach diesem Erfolg muß nun Ueberau sein 3. Spiel am Sonntagvormittag 10 Uhr in Eberstadt gegen Groß-Rohrheim um den 3. Aufstiegsplatz austragen.

Wie uns der SV 98 Darmstadt mitteilt, sind im Sondertriebwagen, der zum Spiel Reutlingen—SV 98 fährt, noch einige Psätze frei. Anmeldungen sofort in der Geschäftsstelle des SV 98.

Affolterbach. Am Sonntag, dem 27. August, findet in Affolterbach ein Fußball-Turnier um den Wanderpokal des SV Affolterbach statt. Es wird im - Runde-Punktesystem gespielt, die Spieldauer beträgt 2mal 15 Minuten. Für die ersten drei sind außerdem noch 3 Pokale gestiftet worden. Die Spiele beginnen morgens 9.30 Uhr.

Messel. Die beiden ersten Fußballmannschaften der Turn- und Sportgemeinschaft treffen sich am Sonntag, dem 27. August 1950, mit den Spielern der Sportgemeinschaft Dietzenbach zu Freundschaftsspielen. -es-

Sportkreis Dieburg

Münster. Kreisvorsitzender Kern, Ober-Roden, hat für Samstag (26.), 20 Uhr, zu einer Kreisvorstandssitzung des Turnkreises Dieburg mit dem Festausschuß nach Münster — Lokal Schneider am Bahnhof — eingeladen. Zur Besprechung stehen: die Abrechnung des Kreisfestes und Festlegung der Kreiskonferenz, -pr-

Zu einem Rasensportfest mit Handball-Werbeturnier hat der TSV Harreshausen am kommenden Sonntag eingeladen. Ein Dreikampf für Männer und Frauen und ein Handballweitwurf — offen für alle — im Einzelkampf werden vormittags ausgetragen. Sieben Vereine treten nachmittags zu einem Handball-Werbeturnier mit verkürzter Spielzeit an (Aktive und Schüler). Während der Pausen kommen Volkstänze der Volkstanzgruppen von Harreshausen und Babenhausen, und Turnen am Barren und Reck mit dem Kriegsblinden Groh zur Vorführung. Die Siegerehrung mit anschließendem Tanz findet im Gasthaus „Weißes Roß“ statt. N.B.

Tus Griesheim— TSG 46 Darmstadt 14:7 (6:3)

Am Mittwochabend standen sich am Felsenkeller die Mannschaften der TuS Griesheim und der TSG 46 Darmstadt gegenüber. Am Anfang spielten die Griesheimer leicht überlegen und konnten bis 3:0 davonziehen, ehe den Woogsleuten der erste Gegentreffer gelang. Bis zur Halbzeit war das Spiel dann gleichmäßig verteilt. Mit 6:3 wurden die Seiten gewechselt. In gleichmäßigen Abständen fielen die Tore auf beiden Seiten. Dabei hatten die Griesheimer das große Plus, den schnelleren und schußkräftigeren Sturm zu besitzen. Die gesamte Darmstädter Mannschaft kam nicht an die in den letzten Spielen gezeigten Leistungen heran. Dem Spielverlauf entsprechend hätte das Ergebnis knapper ausfallen müssen. Die hervorragendsten Spieler waren auf beiden Seiten die Torleute, die oft den Beifall ^er

Die Bezirksklasse Gruppe 1 hat am 3. September 1950 folgende Paarungen: Mörstadt—Hofheim und Crumstadt —Heppenheim.

Bestattungen am Freitag, den 25. August 1950 Alter Friedhof: 11.00 Uhr: Frank, Johanna, 67 Jahre, Heidelbergstraße 102 15.00 Uhr: Miersheimer, Karl, 80Jahre, Mauerstraße 10 Waldfriedhof: 13.45 Uhr: Edebenz, Elisabeth, 61 Jahre, Viktoriaplatz 8 14.15 Uhr: Neff, Ludwig, 71 Jahre. Wilhelm-Leuschner-Straße 49 14.45 Uhr: Voit, Brigitte, Wolfskehlen, 23 J. —

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Nr.S Wer darf untervermieten? Willst du ein Zimmer abvermieten, so kann der Hauswirt das verbieten. Drum sorg, daß nicht dein Mietvertrag das Abvermieten untersag’. Genehmigung, einmal erteilt, ist dauernd gültig. Übereilt, kann sie nur auf gehoben werden bei wirklich ernstlichen Beschwerden. Nicht werden Hausgehilfin, Gast als Untermieter aufgefaßt. Wenn du ein Zimmer vermieten willst, so fin¬ dest du dien passenden Mieter am schnellsten durch eine Kleinanzeige in dem „Darmstädter Tagblatt“. Sie ist das bevorzugte Organ des Wohnungsmarktes.

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