Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verla^EDa^tärtV: ERICH DOMBROWSKI. Darm s?aFiTaSblatt L. C. Wittich, Erscheint 23- Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 46 lieuefte Tiadjrtdjfen Mittwoch, 23. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt,Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950 Preis 15 Pfennig 51

Wie stark wird die Polizei?

Adenauer soll 65 000 Mann beantragt haben

London, 22. August. (AP.) Aus gut unterrichteten Londoner Kreisen heißt es am Dienstag, Bundeskanzler Dr. Adenauer habe die Westmächte um die Genehmigung ersucht, eine westdeutsche Polizeitruppe in Stärke von 65 000 Mann aufzustellen. Die Vereinigten Staaten sollten die Waffen für diese Polizeitruppe liefern.

Nach der Ansicht einiger diplomatischer Beamter würde die Aufstellung einer westdeutschen Polizeitruppe nur das Vorspiel zur Organisation einer regulären westdeutschen Armee für die Verstärkung der westeuropäischen Verteidigung bilden. Man ist in London der Auffassung, daß die von der Bundesregierung geforderte Truppe innerhalb der nächsten zwei Jahre ins Leben gerufen werden würde.

„Keine deutsche Armee"

Außer den Londoner Meldungen bestätigten auch Kreise der britischen Oberkommission am Dienstag, daß Dr. Adenauer in seiner Unterredung mit den Oberkommissaren am Donnerstag der vergangenen Woche nur von der Aufstellung westdeutscher Polizeikräfte und nicht über die Aufstellung einer deutschen Armee gesprochen habe. Die neu aufzustellende Polizei solle, wie es in englischen Erklärungen heißt, der Volkspolizei in der Sowjetzone an Stärke gleichkommen. Eine Teilnahme der Bundesrepublik an der westlichen Verteidigung sei nicht diskutiert worden.

Beamte des amerikanischen Oberkommissariats erklärten am Dienstag zu Pressemeldungen mit Einzelheiten über eine deutsche Wiederbewaffnung, daß gegenwärtig nur über eine Verstärkung der Polizei der Länder um etwa zehntausend Mann entschieden werde.

Kirkpatrick bei Bevin

Westdeutsches Gegengewicht

London, 22. August. (AP./dpa) Der Ständige Rat der Außenministerstellvertretef des Ailantikpaktes ist am Dienstagnachmittag in London zusammengetreten. Ueber den Gegenstand der Verhandlungen und die Tagesordnung wurde offiziell nichts bekannt. Inoffiziell verlautete. daß die Pläne beraten werden sollen, welche die Mitgliedstaaten des Atlantikpaktes kürzlich zur Erhöhung ihrer Verteidigungsstärke und -bereitschaft vorgelegt haben. Auch die Beteiligung Deutschlands soll zur Sprache kommen. Den Vorsitz bei den Besprechungen führt der Amerikaner Charles Spofford. C’ Ä M 41 A« öl'» ÖV»

Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte am Dienstag in London, die Außenminister der drei Westmächte würden auf ihrer nächsten Tagung (die am 12. September in Neuyork beginnt) voraussichtlich die Frage einer Verstärkung der Polizei der deutschen Bundesrepublik erörtern. Der Sprecher bestätigte, daß der britische Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick am Montag mit Außenminister Bevin den Vorschlag Bundeskanzler Dr. Adenauers auf Verstärkung der Polizei besprochen habe. Der Vorschlag habe nicht darauf abgezielt, die Bundesrepublik in die westeuropäische Verteidigung einzubeziehen, sondern lediglich darauf, der Bundesrepublik eine bewaffnete Polizei ähnlich der Volkspolizei der sowjetischen Zone zu geben. Kirkpatrick setzte am Dienstag seine Besprechungen mit Bevin fort und wird am Mittwoch nach Deutschland zurückkehren.

Nach wie vor dagegen

Paris, 22. August. (HR.) Ein Sprecher des französischen Außenministeriums hat erklärt, daß Frankreich nach wie vor gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands eintreten werde. Die französische Regierung lehne auch die Aufhebung der Beschränkungen ab, die für gewisse deutsche Industriezweige in Kraft seien.

Asiatische Vermittlung?

Ein amerikanischer Vorschlag für Korea

Washington, 22. August. (AP.) Der Präsident des Institutes für koreanische Angelegenheiten in Washington hat den Vereinten Nationen vorgeschlagen, einen Sonderausschuß der Vereinten Nationen aus Vertretern der asiatischen Völker zu bilden, der versuchen solle, einen Waffenstillstand und den Rückzug der streitenden Parteien zu erreichen. Sollte sich dieser Ausschuß nicht bilden lassen, so müsse ein Schiedsrichter, etwa der indische Ministerpräsident Pandit Nehru, beauftragt werden, mit den streitenden Parteien über einen Waffenstillstand zu verhandeln.

Kriegsende im Februar

Washington, 22. August. (AP.) Es ist eine Aeußerung des amerikanischen Ministers Johnson bekannt geworden, der im letzten Monat vor dem Bewilligungsausschuß des amerikanischen Repräsentantenhaus erklärt hatte, der Krieg in Korea werde im Februar beendet sein, wenn die Vereinten Nationen bei ihrem Plan blieben, die Operationen auf das Gebiet der südkoreanischen Republik zu beschränken.

Nachtangriffe der Jagdbomber

Phosphorgeschosse zeigen die Ziele

Pusan, 22. August. (AP./dpa/Reuter.) Die Kämpfe auf dem koreanischen Kriegsschauplatz stehen nicht mehr unter dem Zeichen zusammenhängender Operationen, sondern sind in zahlreiche Einzelgefechte zerfallen.

Im Mittelabschnitt in der Nähe von Taiku hält der Feind seine beiden neu gewonnenen Brückenköpfe. Die Artillerie schoß auf beiden Seiten am Montag und Dienstag mit zunehmender Heftigkeit. Das Artillerieduell hielt auch die Nacht über an.

Die Amerikaner flogen ihren ersten taktischen Nachteinsatz. Phosphorgeschosse der Artillerie wiesen den Verbänden der taktischen Luftstreitkräfte in der Dunkelheit die Ziele, die bekämpft werden sollten. Jagdbomber und zweimotorige Kampfmaschinen vom Typ B 26 griffen an der Nahtstelle zwischen den amerikanischen und südkoreanischen Truppen an dem Straßenknotenpunkt Kunwi bei Taiku etwa 4000 Mann nordkoreanische Truppen an, die dort eingesickert waren. 25 Kilometer südwestlich Taiku gelang es roten Verbänden, ihre beiden Brückenköpfe über den Naktong zu halten.

Erbitterte Gefechte wurden vor allem um einen Höhenzug geliefert, der sich in unmittelbarer Nähe des großen Naktong-Bogens befindet. Hier versuchen die Nordkoreaner die Verbände der 25. amerikanischen Infanterie-Division vom Höhengelände in die Ebene zu werfen und die Rollbahn nach Pusan in die Hand zu bekommen. Bei einem erbitterten Kampf Panzer gegen Panzer konnten die Amerikaner vier nordkoreanische Kampfwagen abschießen.

Im Norden sind südkoreanische Verbände trotz zähem Widerstand der Nordkoreaner dabei, 15 Kilometer über Pohang hinausstoßend in die Verfolgung überzugehen.

Besprechungen des Bundeskanzlers

Unterredung mit den Fraktionsvorsitzenden der Regierungsparteien

H. S. Bonn, 22. August. Bundeskanzler Dr. Adenauer hatte am Dienstag eine Unterredung mit den Fraktionsvorsitzenden der drei Regierungsparteien, die von Straßburg nach Bonn gekommen waren. Im Vordergrund der Besprechungen stand die Sicherheitsfrage.

Wie aus Kreisen der Regierungsparteien nach dem Abschluß der Besprechungen verlautet, waren sich der Bundeskanzler und die Fraktionsvorsitzenden über die zu treffenden Maßnahmen völlig einig. Nach der Auffassung der Regierungsparteien stehen die Beratungen in Straßburg über die Bildung einer europäischen Armee nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den deutschen Wünschen nach der Aufstellung deutscher Verteidigungskräfte. Der deutsche Wunsch nach bewaffnetem deutschem Schutz ergebe sich aus der Existenz der starken Polizeimacht in der sowjetischen Zone. Um der Bundesrepublik eine Sicherheit gegenüber möglichen Bedrohungen durch diese Polizeikräfte zu geben, werde es für notwendig gehalten, eine entsprechend starke Abwehrbereitschaft als Ausgleich im Westen zu schaffen.

Wie aus politischen Kreisen verlautet, hat Bundeskanzler Dr. Adenauer bei seinen Besprechungen mit den Oberkommissaren den Wunsch zum Ausdruck gebracht, eine entsprechende Verteidigungstruppe im Verhältnis zur Volkspolizei zu schaffen. Bestimmte Vorschläge über Stärke und Bewaffnung sollen dabei nicht gemacht worden sein.

In diesem Zusammenhang wird in Bonn mit besonderer Aufmerksamkeit die Reise des britischen Oberkommissars nach London verfolgt. Nach der Rückkehr Kirkpatricks werden weitere Besprechungen zwischen der Bundesregierung und der Oberkommission über die Sicherheitsfrage erwartet.


Die Glocke von Rovereto (Rofreit) in der italienischen Provinz Trient hat am 22. August zum Gedenken an die deutschen Kriegsgefangenen geläutet. Die Glocke, eine der größten der Welt, ist aus Spenden aller Nationen errichtet worden. Auf dem Glockenmantel sind für Deutschland die Noten des Liedes v. guten Kameraden cingraviert. Für die Gefallenen eines jeden Landes sind bestimmte Tage festgesetzt, an denen die Glocke ihre Stimme erschallen läßt zum Trost und als Friedensappell an die Menschen. (Foto: dpa)
Die Glocke von Rovereto (Rofreit) in der italienischen Provinz Trient hat am 22. August zum Gedenken an die deutschen Kriegsgefangenen geläutet. Die Glocke, eine der größten der Welt, ist aus Spenden aller Nationen errichtet worden. Auf dem Glockenmantel sind für Deutschland die Noten des Liedes v. guten Kameraden cingraviert. Für die Gefallenen eines jeden Landes sind bestimmte Tage festgesetzt, an denen die Glocke ihre Stimme erschallen läßt zum Trost und als Friedensappell an die Menschen. (Foto: dpa)

Schumacher nicht ungestimmt

Bonn, 22. August. (AP.) Der Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei zur Frage der Remilitarisierung Westdeutschlands hat sich durch die Unterredung mit Bundeskanzler Adenauer nicht geändert, hat Dr. Kurt Schumacher im Anschluß an seine dreistündige Besprechung mit Adenauer am Dienstag erklärt.

Das Hauptgesprächsthema sei die Sicherheitsfrage gewesen, sagte Schumacher Eine „Einigung“ habe nicht zur Diskussion gestanden. Der Bundeskanzler habe lediglich die „Motive seines Standpunktes“ dargelegt und er (Schumacher) die seinen. „Es bestand keine Absicht der Polemisderung.“ Dr. Schumacher kündigte an, daß er am Mittwoch in einer Pressekonferenz den Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei im einzelnen darlegen werde.

Adenauer lehnte es nach Beendigung seiner unter vier Augen geführten Besprechung mit Schumacher ab, zu der Unterredung Stellung zu nehmen. Er kündigte ebenfalls für Mittwoch eine Pressekonferenz an, in der er seine Ansichten vertreten werde.

65 000 Mann?

*** Am nächsten Freitag tritt in der Sowjetzone der „Deutsche Nationalkongreß“ zusammen, zu dem kommunistische Delegierte aus ganz Deutschland bestimmt worden sind. Wie schon auf dem Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei im Juli offen angekündigt worden ist, und wie ihr Propagandachef Gerhard Eisler in dem Parteiorgan „Neues Deutschland“ am Dienstag nochmals erklärt hat, soll der Kongreß den „nationalen Wider^+and gegen die westlichen Besatzungstruppen“ in der Bundesrepublik proklamieren und organisieren und so die deutsche Einheit vorbereiten. Das heißt mit anderen Worten, daß die Kommunisten in der nächsten Zeit in Westdeutschland eine gesteigerte Aktivität entfalten wollen. Es ist auch angekündigt worden, daß man dabei vor Sabotageakten nicht zurückschrecken werde. Man will auf diese Weise feststellen, ob die Bevölkerung genügend eingeschüchtert und die Bundesrepublik reif dazu geworden sei, daß man, ähnlich wie in Korea, mit Hilfe der Volkspolizei den Bürgerkrieg entfesseln könne.

Die in der Bundesrepublik vorhandenen Polizeikräfte sind kaum in der Lage, geschulten und organisierten Kommunisten gegenüber Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Das hat sich sowohl in München wie am Sonntag bei einem Zwischenfall in Dortmund gezeigt. So hat denn auch das „Westdeutsche Zentralbüro der Freien Deutschen Jugend“ angekündigt, es werde am ersten Oktober trotz Verbotes das Treffen der sogenannten „Friedenskämpfer an Rhein und Ruhr“ in Dortmund abhalten.

Solche Tatsachen haben den Bundeskanzler veranlaßt, zunächst, ohne dazu Stellung zu nehmen, ob Deutschland ein Kontingent in einer Europaarmee stellen soll oder nicht, eine zureichende und schlagkräftige Polizeitruppe zu fordern, die alle Versuche, Unruhe zu stiften, unterdrücken kann. Aus London wird gemeldet, Adenauer beantrage für diese westdeutsche Polizeitruppe, deren Bewaffnung den Vereinigten Staaten zugedacht sei, 65 000 Mann. Er glaube, wenn die Alliierten ihre Truppen in Deutschland außerdem auf mindestens zehn Panzerdivisionen verstärkten, so würden diese Maßnahmen die Kommunisten davon abhalten, eine ähnliche Aktion zu unternehmen wie in Korea.

Das Ersuchen des Bundeskanzlers wird voraussichtlich am 12. September bei einer Außenministerkonferenz in Neuyork besprochen werden. Mit einer Zustimmung der Westmächte wird es aber allein nicht getan sein, Adenauers Vorschlag wird auch noch der Billigung des Parlaments bedürfen. Eine persönliche Aussprache mit Dr. Schumacher, die bereits vorgesehen ist, soll die Widerstände überwinden, die gerade von den Sozialdemokraten gegen jede Art einer militärischen oder halbmilitärischen Einrichtung erhoben werden.

Vertriebene vor europäischem Forum

zz. Der Beratenden Versammlung des Straßburger Europarates wird am Freitag eine Entschließung zur Flüchtlingsfrage vorgelegt werden, die darauf hinzielt, dieses Problem auf einer europäischen Ebene zu lösen. Die Entschließung wird in einem gemischten Ausschuß für Flüchtlingsfragen beraten, der den Franzosen Pernod zu seinem Präsidenten, den Deutschen Hans Schütz, von der Christlich - Demokratischen Union, und den Belgier Pussin zu Vizepräsidenten und Berichterstattern gewählt hat. Zum ersten Male hat damit ein Deutscher ein maßgebendes Wort bei internationalen Vorschlägen zur Lösung des Vertriebenenproblems mitzureden. Der Umschwung in der öffentlichen Meinung ist auch darin zu erkennen, daß zwei weitere Deutsche, der christlich-demokratische Delegierte Eugen Gerstenmeier und der sozialdemokratische Delegierte Ernst Paul vor dem europäischen Forum in Straßburg das schwerwiegende Problem der Vertriebenen darlegen konnten.

Das Schweigen durchbrochen

In den ersten Jahren nach Kriegsende wollte das Ausland von einem Vertriebenenproblem in Deutschland nichts wissen. Um die zehn Millionen Deutschen, die auf Grund des Potsdamer Abkommens gezwungen wurden, ihre Heimat im Osten zu verlassen und die in dem kleinen Raum der westdeutschen Bundesrepublik weder Unterkunft noch Brot finden konnten, kümmerte sich das Ausland nicht. Die ausländische Presse hatte eine „Zone des Schweigens“ um sie gelegt. Internationale Organisationen, wie die UNRRA und die IRO leisteten zwar für die verschleppten Personen eine großzügige Hilfe, die Deutschen blieben jedoch von ihr ausgeschlossen.

Erst ganz allmählich gelang es, die Weltöffentlichkeit auf das Vertriebenenproblem hinzu weisen. Es waren zuerst die Kirchen, die ihre Stimmen erhoben. Erst sehr viel später hatte Winston Churchill während des englischen Wahlkampfes den Mut, darauf hinzuweisen, daß auch England einem plötzlichen Zuwachs von zehn Millionen Menschen keine Vollbeschäftigung geben könne und wenig später mußte selbst der amerikanische Außenminister Dean Acheson zugeben, zehn Millionen Vertriebene würden auch in den Vereinigten Staaten trotz ihres ausgedehnten Gebietes ein sehr ernstes Problem darstellen. Den ersten praktischen Vorschlag, das Vertriebenenproblem zu lösen, machte der Leiter einer Sonderkommission des Rechtsausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses Francis E. Walter, der die Bundesrepublik bereist hatte. Er schlug vor, eine Million deutscher Vertriebener in wenig besiedelte und rückständige außereuropäische Gebiete auswandern zu lassen. Dieser Vorschlag hat jedoch bei den Vertriebenen selbst recht geteilte Aufnahme gefunden. Wenn sie noch einmal wandern sollen, dann wollen sie in ihre Heimat zurückkehren, aber nicht als Kulturdünger in unwirtlichen Gegenden und unter Verhältnissen verwendet werden, denen sie nicht gewachsen sind.

Europäisches F 1 üch 11 ings a m t

In Straßburg ist nun der Vorschlag gemacht worden, ein Oberkommissariat für Flüchtlinge einzurichten, das an Stelle der IRO das Vertriebenenproblem im Weltmaßstab anfassen und behandeln soll. Seine Aufgabe soll sich keineswegs lediglich auf den Rechtsschutz beschränken, sondern es soll Arbeits- und Siedlungsmöglichkeiten beschaffen, durch die die Vertriebenen in die Lage versetzt werden, mit ihrer eigenen Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Mit einem europäischen Flüchtlingsamt, das dem Europarat unterstehen würde, könnte eine große Tat des Friedens und der Gerechtigkeit geleistet werden. Es ist aber noch die Frage, ob der Europarat, der durch seine Statuten in seinen Entschlüssen eingeengt ist, sich wirklich für dieses europäische Flüchtlingsamt einsetzt, das allein in der Lage wäre, die Anstrengungen der europäischen Nationen und ihrer Regierungen in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht zu koordinieren. Bisher hört man aus Straßburg, die Versammlung könne schwerlich an der konkreten Anregung des deutschen Delegierten, Dr. Gerstenmeier, vorübergehen, da es durchaus im Bereich der gegenwärtigen Möglichkeiten liege, sie zu verwirklichen. Wie dringend die Lösung des Vertriebenenproblems ist, ging aus einer Uebersicht des sozialdemokratischen Delegierten Ernst Paul hervor. Danach hat sich die Bevölkerung in einigen deutschen Ländern, wie Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein durch den Zustrom der Vertriebenen um 30 bis 65 Prozent vermehrt. Nicht einmal ein vom Krieg verschontes Land wäre in der Lage, diesen Bevölkerungszuwachs einzugliedern, wieviel weniger ein Land, das unter den Kriegsfolgen schwer zu leiden hat.

Ein weiblicher Anwalt

Es muß besonders hervorgehoöen werden, daß die beiden deutschen Delegierten in ihren Darlegungen wesentlich unterstützt wurden durch die konservative britische Delegierte Lady Tweedsmuir. Die junge, blonde und elegant gekleidete Delegierte schilderte in bewegten Worten ihre Eindrücke, die sie in deutschen Flüchtlingsgebieten gewonnen hat, und sagte, die Bevölkerungsbewegung der Vertriebenen sei so gewaltig, daß sie für eine einzelne Regierung keine Möglichkeit gäbe, die damit verbundenen Probleme zu lösen. Aus wirtschaftlichen und politischen Erwägungen und aus Gründen der Sicherheit dürfe man es nicht zulassen, daß Deutschland allein diese Bürde trage. Wenn nämlich Deutschland unter dieser Last fallen oder scheitern sollte, dann werde ganz Europa mit Deutschland ins Unglück gestoßen. Die Lösung des Vertriebenenproblems sei nicht nur eine Angelegenheit der Behörden der deutschen Bundesrepublik, sondern ganz Europa müsse sich daran beteiligen. Viele dieser Menschen hätten im Osten für die Freiheit gekämpft. Wenn sie aber hinter dem Eisernen Vorhang für Europa gekämpft hätten, dann sollten sie auch im gesamten Westen willkommen sein.

Das hört sich erfreulich anders an, als die so oft wiederholten Aeußerungen amtlicher Stellen der Westmächte, das Vertriebenenproblem sei eine rein deutsche Angelegenheit und die Deutsehen müßten eben selbst sehen, wie sie damit fertig würden.

Wer ist ein Vertriebener?

Vor einiger Zeit ist die Entscheidung getroffen worden, daß in der Bundesrepublik als Vertriebene diejenigen Deutschen zu gelten haben, die auf Grund der Beschlüsse von Jalta und Potsdam gezwungen wurden, das Land jenseits der Oder-Neiße-Linie zu verlassen, weiterhin jene, die gewaltsam aus den südöstlichen Satelliten-Staaten vertrieben wurden. Als Flüchtlinge haben jene Deutschen zu gelten, die seither aus der Sowjetzone in die Bundesrepublik eingeströmt sind oder noch einströmen. Soweit es sich um politische Flüchtlinge aus der Sowjetzone handelt, besteht zwischen ihnen und den Vertriebenen in ihrer Rechtsstellung kein Unterschied.

Umso erstaunlicher und bedauerlicher ist es, daß vor kurzem der Sozialrat der Vereinten Nationen neuerdings eine Gruppeneinteilung geschaffen hat, gegen die entschieden Einspruch erhoben werden muß. Er hat den folgenden Beschluß gefaßt: „Keinen Anspruch auf Behandlung als Flüchtling kann erheben, wer früher einer deutschen Minderheit angehörte und sich in Deutschland niedergelassen hat oder dort lebt.“ Gegen diesen Beschluß stimmte nur Pakistan, das zur Zeit selbst mit einem Flüchtlingsproblem fertig werden muß. England, Kanada und Belgien enthielten sich der Stimme.

Praktisch läuft diese Entscheidung darauf hinaus, daß die vertriebenen deutschen Minderheiten aus Polen, aus Ungarn und aus Jugoslavien, das heißt die sogenannten Volksdeutschen, nicht als Vertriebene angesehen werden sollen. Ebenso wenig sollen es demnach die vertriebenen Sudetendeutschen, die festgestellt haben, daß allein 600 000 von ihnen im Gebiet der Tschechoslowakei erschossen, erschlagen, ertränkt, erstochen, erwürgt und gehenkt, bei lebendigem Leibe verbrannt oder durch Hunger und sonstige Martern zu Tode gequält wurden. Wenn man alle diese volksdeutschen Minderheiten nicht als Flüchtlinge anerkennen will, so bekennt man sich damit wiederum zu Morgenthau-Gedanken, Unrecht müsse mit neuem Unrecht vergolten werden. Eine Auffassung, die schon die Vertriebenen von dem internationalen Hilfswerk der UNRA und IRO ausschloß.

So dankenswert es sein mag, wenn in Straßburg die Einrichtung eines europäischen Flüchtlingsamtes beschlossen wird, seine Tätigkeit wäre mit einem ethischen Mangel behaftet, wenn sich dieses Amt ebenfalls die Formulierung des Begriffes „Flüchtling“ durch den Sozialrat der Vereinten Nationen zu eigen machen sollte.

Propaganda auf der Messe

Berlin, 22. August, (dpa) Die Leipziger Herbstmesse wird im Zeichen starker politischer Propaganda stehen. In allen dreizehn Messehallen werden Propagandisten der Sozialistischen Einheitspartei eingesetzt und Einzeichnungslisten für das Veroot der Atombombe ausgelegt werden. Außerdem sollen die Gäste in ihren Leipziger Quartieren von Agitatoren der Friedenskomitees zu Diskussionen besucht werden. Die Schaufenster sowie alle Fenster der Erdgeschoßwohnungen in Leipzig sollen bis zur Herbstmesse mit den propagandistischen Losungen und Symbolen des Friedenskomitees dekoriert werden.

Die Polizei will keine Armee werden

Eine Aeußerung der Gewerkschaften zur Sicherheitsfrage

Drahtbericht unseres Korrespondenten

St. Stuttgart, 22. August. Der Leiter der Hauptfachabteilung Polizei im Deutschen Gewerkschaftsbund, Klemmer, hat am Dienstag in einem Interview mit dem Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu den in Bonn geführten Gesprächen über eine Verstärkung der westdeutschen Polizei Stellung genommen. Klemmer sagte, die westdeutsche Polizeigewerkschaft versuche den eiligen Schritten des Bundeskanzlers nach Kräften zu folgen, eine Verstärkung der Polizei über den Rahmen ihrer Aufgabe zur Sicherstellung der Ruhe hinaus müsse jedoch abgelehnt werden. Wenn die Sicherheit der Bundesrepublik nicht ausreichend erscheine, dann müsse sie im Einvernehmen mit dem Bundestag eine reguläre Armee schaffen. Die Polizei wolle diese Aufgabe nicht übernehmen. Eine kasernierte Polizei sei der direkte Weg zum Polizeistaat.

Klemmer äußerte, die Polizeigewerkschaften bejahten die Notwendigkeit einer Verstärkung der Länderpolizeien sowie die Aufstellung von Sicherheitsorganen des Bundes. Diese Sicherheitsorgane brauchten jedoch nach der Ansicht der Gewerkschaft nicht durch eine kasernenmäßige Ausbildung geschaffen werden. Klemmer hob besonders hervor, daß eine Kasernierung nidit die beste Möglichkeit für den schlagkräftigen Einsatz der Polizei biete. Hierfür seien vielmehr der Grad der Ausbildung, eine verbesserte Ausrüstung und bessere Besoldung notwendig. Seine Organisation wünsche keine kasernierte Bereitschaftspolizei. Sie befürworte dagegen Polizeibereitschaften, die in Hundertschaften zusammengefaßt, an den wichtigsten Plätzen der Länder stationiert und jederzeit verfügbar seien.

Klemmer befürwortete die Bewaffnung der westdeutschen Polizei mit Maschinen-

gewehren und die Unterstellung der kleinen Kommunalpolizeien unter die Verfügungsgewalt der Länderinnenminister und des Bundesinnenministeriums. Er sagte,' es sei bedauerlich, daß bei den Bonner Beratungen über die Verstärkung der westdeutschen Polizei eine Atmosphäre des Mißtrauens zwischen Bund und Ländern offenbar geworden sei. Die Gewerkschaften befürworteten eine Erweiterung des Weisungsrechtes des Bundesinnenministeriums über die Polizei.

Fünf Panzerdivistonen

zum Schutz der Bundesrepublik

London, 22. August. (AP.) Der britische Militärschriftsteller General Fuller fordert in einem Interview, daß die Vereinigten Staaten fünf Panzerdivisionen nach der deutschen Bundesrepublik schicken. Er erblicke darin das wirksamste Mittel gegen eine Aggression Europas nach dem Vorbild von Korea. Die Divisionen sollten ständig in der Bundesrepublik stationiert bleiben.

Trotz des Verbots?

Berlin, 22. August. (AP.) Das „Westdeutsche Zentralbüro der Freien Deutschen Jugend“ kündigt an, daß das Treffen der 100 000 friedliebenden jungen Menschen trotz des Verbotes der Stadtverwaltung von Dortmund am 1. Oktober abgehalten werde. Die Freie Deutsche Jugend erkenne das Verbot nicht an. Das Treffen werde zu einem neuen Sieg für den Frieden gestaltet werden.

„Opposition war nicht möglich“

Schacht verteidigt sich vor dem Entnazifzierungshauptausschuß

Lüneburg, 22. August, (dpa). Dr. Schacht hat am Dienstag vor dem Entnazifizierungshauptausschuß in Lüneburg erklärt, er habe den Posten des Wirtschaftsministers am 2. August 1934 nur übernommen, um dem deutschen Volke eine gesicherte wirtschaftliche Zukunft zu geben. „Ich habe erkannt, daß Hitler ein Wahnsinniger war. Aus dem Verhalten der Parteien und der Oeffentlichkeit erkannte ich, daß keine Opposition gegen Hitler möglich war. Als Wirtschaftsminister hoffte ich, die Politik Hitlers beeinflussen zu können.“ Dr. Schacht verlas einige schriftliche Aussagen, in denen bestätigt wurde, daß er sich um eine gesunde Währungspolitik bemüht und versucht habe, Hitler in die Bahnen friedlichen Aufbaues zu lenken.

Auf die Frage des Ausschusses, ob es nicht besser gewesen wäre, sich von Hitler zu distanzieren, erwiderte Dr. Schacht, daß auch alle im Nürnberger Wilhelmstraßen-Prozeß verurteilten Beamten und Diplomaten im Amte geblieben seien, weil sie geglaubt hätten, das Regime nur von innen her bekämpfen zu können.

Dr. Schacht erklärte ferner, er habe keine Möglichkeit gehabt, Hitler zur Aufgabe des Ermächtigungsgesetzes zu bewegen. Auf den Einwand des Oeffentlichen Klägers, von Papen habe das immerhin versucht, erwiderte Dr. , Schacht, ein solcher Versuch wäre für ’ ihn noch aussichtsloser gewesen. Der jetzige Bundespräsident Professor Heuss, Bundesminister Kaiser, der württemberg-badische Ministerpräsident Dr. Maier und andere hätten für das Ermächtigungsgesetz gestimmt. Mit Ausnahme der Sozialdemokraten und der damals nicht anwesenden Kommunisten hätten alle Parteien zugestimmt. Er sei immer gegen dieses Gesetz gewesen.

In einer von Dr. Schacht angeführten eidesstattlichen Erklärung bekundet der ehemalige Staatsminister und Chef der Präsidialkanzlei Dr. Otto Meißner, daß Dr. Schacht bei der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler keine aktive Rolle gespielt habe. Der Ausschuß unterstellte, daß auch der Sozialdemokrat Wels Hitlers Kanzlerschaft für unvermeidlich gehalten habe.

Arnold bleibt konsequent

Die Regierungsbildung voraussichtlich auf breiter Basis

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Fö. Düsseldorf, 22. August. Der Stillstand in der Frage der Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen, das seit dem 1. August nur ein Übergangskabinett aus fünf christlich-demokratischen Mitgliedern hat, scheint in diesen Tagen überwunden zu werden. Nach der Empfehlung des rheinischen Landesvorstandes der Union, der am Montag in Bonn auf einer Sitzung, der auch Bundeskanzler Dr. Adenauer beiwohnte, Ministerpräsident Arnold empfahl, erneut Besprechungen zur Bildung einer kleinen Koalition mit dem Zentrum und den Freien Demokraten aufzunehmen, erwartet man in unterrichteten Kreisen eine baldige Initiative Arnolds. Es erscheint allerdings fraglich, ob sich diese Initiative in Richtung auf eine von einem Teil der Christlich-Demokratischen Union nach wie vor gewünschte kleine Koalition richten wird.

Arnold selbst soll, wie unterrichtete Kreise äußern, beabsichtigen, allen Parteien, die Kommunisten ausgenommen, eine Beteiligung an der Regierung anzubieten. Die eigentliche Schwierigkeit dürfte darin liegen, die Sozialdemokratie mit einer ausreichenden Zahl von Ministerien zu beteiligen, damit Sie nicht das Gefühl hat, nur mitgenommen zu werden.

Anträge auf Hausratshilfe

zer. Bonn, 22. August. (Eigener Drahtbericht.) Die Annahmesperre für Anträge auf Hausratshilfe, die am 31. Januar verhängt worden war, wird am 1. September wieder aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt an können Hausratshilfe-Anträge wieder angenommen werden. Die Annahme der Gesuche wird, um einen Ueberblick über die Gesamtzahl der Hausratshilfe-Anträge naJi dem Soforthilfegesetz zu bekommen, bis zum 31. Oktober befristet. Jedoch können Spätheimkehrer, die nach dem 31. Juli dieses Jahres zurückkehren, sowie Heimatvertriebene, die nach dem 31. Juli dieses Jahres ihre Heimat verlas, en mußten und in die Bundesrepublik eingewiesen werden, auch über den 31. Oktober hinaus Hausratshilfe-Anträge einreichen.

Die Vermittlung in Kaschmir

Karatschi, 22. August, (dpa) Der Vermittler der Vereinten Nationen für den Konflikt in Kaschmir, Sir Owen Dixon, hat am Dienstag in Karatschi (Indien) bekanntgegeben, daß seine Mission gescheitert sei.

Indien beansprucht Kaschmir, weil der Maharadscha von Kaschmir, ein Hindu, für den Anschluß an Indien eintritt, während Pakistan seine Ansprüche auf Kaschmir damit begründet, daß die Bevölkerung dieses Gebirgslandes zu vier Fünfteln aus Moslems besteht.

Stahlquote kein Problem

Washington, 22. August. (AP./dpa) In einer Diskussion mit mehreren Kongreßabgeordneten über die Stellung Deutschlands und Japans in der westlichen Welt hat Außenminister Acheson erklärt, der Versuch, Deutschland und Japan in die westliche Welt einzubeziehen, sei von größter Bedeutung. Möglicherweise würden Aufträge an die beiden Länder erteilt, um die Produktion der westlichen Welt zu erhöhen. Beide Länder hätten Fabriken von sehr beachtlicher und in manchen Fällen sogar außerordentlicher Bedeutung. Die gemeinsamen Anstrengungen der freien Welt könnten durch die Einbeziehung dieser Kapazität weitgehend erhöht werden.

Auf die Frage, ob eine Erhöhung der deutschen Stahlquote geplant sei, sagte Acheson, die Heraufsetzung der Stahlquote sei kein Problem. Der amerikanische Oberkommissar für Deutschland, McCloy, habe in dieser Angelegenheit bereits mit den Regierungen von Großbritannien und Frankreich Verbindung aufgenommen.

Staatsvertrag mit den Ländern über die Polizei-Reserve

Bremen, 22. August, (dpa) Der Bremer Senator für Innere Verwaltung, Ahlers (SPD), hat angekündigt, daß über die von den Alliierten genehmigte Polizei-Reserve von rund zehntausend Mann zwischen dem Bundesinnenministerium und den elf Inneriministerien der Länder ein Staatsvertrag abgeschlossen werden soll. Dies sei von der Konferenz der Innenminister in Bonn in der vergangenen Woche im Hinblick auf verfassungsrechtliche Schwierigkeiten und ungeklärte Kompetenz- und Organisationsfragen beschlossen worden, um die Verfügungsgewalt des Bundes über die an sich den Ländern unterstehende Polizei-Reserve zu regeln.

Erneut Pakete beschlagnahmt

Marienborn, 22. Augus^. (AP.) Aus dem Postzug Hannover—Berlin haben sowjetische Offiziere in der Nacht zum Dienstag wiederum 42 Pakete entnommen. Im Gegensatz zu dem bisherigen Verfahren wurden Beschlagnahme-Bescheinigungen nicht ausgestellt. Der Gegenzug wurde ebenfalls am sowjetischen Grenzkontrollpunkt Marienborn kontrolliert, ohne daß jedoch Pakete herausgenommen wurden.

Raketenforscher verhaftei

Washington, 22. August. (AP.) Der amerikanische Fahndungsdienst (FBI) hat den Raketen-Sachverständigen Sanford Lawrence Simons am Dienstag in Denver verhaftet.

Simons wird beschuldigt, während seiner Tätigkeit in dem amerikanischen Atombomben werk Los Alamos in Neu-Mexiko „ein sehr wertvolles Stück Plutonium“ entwendet zu haben.

Der Leiter des Fahndungsdienstes, J. Edgar Hoover, gab bekannt, das Plutonium, das sich hervorragend zur Atomspaltung eignet, sei bei Simons entdeckt worden, der es unter seinem Hause vergraben hatte.

Die baldige Heimkehr der Kriegsgefangenen aus Jugoslawien wird vom Evangelischen Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene erwartet.

Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

27) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

„Schon lange bei der Firma, Begger?“ fragt Knut.

„Lange genug, Knut. Ich denke tast, ich wechsele bei Gelegenheit. Im Stahlverband wird übernächste Woche ein großer, überschwerer Reisewagen frei.“

„Also ran“, lacht Knut und nimmt für Begger den purpurrot beleuchteten Winker herein. Er findet, daß Begger sehr gut fährt. Er fährt wirklich das Fahrwerk des Wagens. Amateure fahren doch meist nur die Karosserie.

„Hat einen Haken, leider", bedenkt Begger. „Die Frau des Verbandschefs ist unwahrscheinlich eifersüchtig. Sie benutzt den Fahrer ihres Mannes als Spion."

Gerade läßt er den Wagen ausrollen. Sie sind in einer nicht sehr breiten, alten Straße, und die Häuser sehen nicht besonders gut aus.

„Das hier ist eine ganz sichere Kneipe“, sagt Begger, „die letzte Hausbrauerei, die sich noch gut gehalten hat. Sie macht nie Reklame. Wer sie kennt, kommt immer wieder, aber er redet nicht davon.“

Georg J. Steen geht voran. Hinter der alten Tür aus Eichenholz gibt es einen Hausflur, der aus all seinen Wänden und Möbeln nach schwerem, überstark eingebrautem Bier riecht. Wunderbar riecht er. Vier kleine, schwarze Fässer stehen als Hocker neben einer Mahagonitruhe. Und der Weg geht eine breite, ausgetretene Treppe abwärts in ein Kellergewölbe zu einer Menge behaglich plaudernder Männer. Es gibt auch dort nur Fäßchen als Hocker. Begger weiß, daß sie hier nicht stehen, um dem Trinkraum ein besonderes Aussehen zu geben. In ihnen wurde früher das Bier an die Leute erkauft, die ein solches Quantum im Hause haben wollten. Als dieser Brauch aus der Mode kam, nahm der Brauer sie als Hocker, damit sie ihm wenigstens helfen sollten, das Geld für seine Stühle zu ersparen.

„Heute bauen die Kerle wieder Fässer, um sie in einer großen Kneipe als Sitze zu verwenden, damit das mal etwas

besonders ist, aber die Dinger sind gar keine richtigen Fässer, sie würden gar nicht dicht halfen“, sagte Begger. „Und da haben wir jetzt den Unterschied zwischen einer Sache, die von den Reklameleuten gemacht wird, und einer, die aus sich selber wurde."

„Wir sind hier drei Männer, denen jede Reklame bis zum Halse steht“, lacht Knut.

„Zum Wohl, Herr Steen 1“

Sie beginnen zu trinken...

Das ist ein Bier, das man verdaut, wie eine Suppe aus kraftstrotzenden Früchten. Es rumort nicht im Magen. Es liegt ruhig und nährt, wärmt und stützt das Herz.

„Ich glaube, so ist es ungefähr, wenn man eine Bluttransfusion bekommt", lacht Knut Steen.

„Und hier sitzen Leute, Knut, Leute, die keiner hier sucht“, raunt Begger. „Wenn Sie sich umsehen, Herr Steen, der Mann gerade hinter Ihnen, das ist Neeff, schreibt diese kurzen, wilden Schauspiele für die Nachtfheafer. Dort drüben lacht gerade Ricords, der die Orchideen züchtet, die man erst in sechs Jahren wird kaufen können. Und ich habe hier schon den Mann getroffen, der für seine Fotos von kleinen Hunden berühmt ist, weil er von jeder Aufnahme nur drei Kopien macht. Und lauter solche Leute ..."

„Leute, die keine Serienarbeit machen", sagt Georg J. Steen und trinkt.

„Hier sitzen wir gut", sagt sein Sohn.

Dieses Bier trinkt sich unhastig, langsam, in großen Schlucken. Die Muskeln werden warm davon. Sie wölben sich. Das Herz schlägt ruhig und voll.

Das Gewölbe summt in einem tiefen, raunenden Ton.

Begger erzählt: „Wissen Sie, ich habe die Manager groß werden sehen. Ich bin mit ein paar von ihnen von kleinen, einfachen Wagen auf mittelschwere umgestiegen, dann auf schwere, dann auf ganz große, alles in einem Jahr. Ich sah sie, als sie noch um ein Hundert-Kronen-Geschäft eine Nacht durchfuhren, und ich erlebte dann, wie sie ein Hunderttausender-Ding im Wagen verhandelten. Ich war immer der erste, der das Landkaus kannte, das sie ihrer Freundin mieteten. Und hier im Wagen heulten die Puppen dann, wenn ich sie irgendwie an die Bahn fuhr... und aus war das.“

„Sie sollten ein Buch schreiben", sagt Knut.

„Ich bin auch dabei", gesteht Begger.

„Wirklich?* Knut ist begeistert.

„Ja, aber', Begger trinkt. „Ich bin gerade dabei, das Buch umzuwerfen.“

„Wieso?"

„Ich habe etwas dazugelernt“, lächelt Begger. „Die Drahtzieher haben plötzlich begonnen, mir leid zu tun. Ich glaube seit ein paar Tagen, daß sie nicht anders können. Wenn sie aufhören die Drähte zu ziehen, fliegen sie ihnen um die Ohren.“

Georg J. Steen lächelt.

„Ueberall besteht das Leben aus etwas, was einem um die Ohren fliegt“, lächelt er.

~Stimmt das, Papa?"

„Ich sehe es so.“ Steen zuckt die Schultern. Er trinkt.

In der tieftonig summenden Kellerstube steht hier und dort ein Mann auf und geht davon, langsam, lächelnd, für eine Nacht versöhnt mit dem Leben, das einem um die Ohren fliegt, well jeder sich einmal vergreift, seinen Draht in der richtigen Art zu ziehen.

„Da hocken wir nun“, lacht Knut. „Trinkt doch!“ Begger nickt vergnügt. Georg J. Stoen knöpft seine Jadce auf. Und dann machen sie den Versuch, mit etwas weniger Unterhaltung und etwas mehr Bier auszukommen. Sie verabreden sich nicht gerade dazu, sie haben diese Gedanken wohl gemeinsam. Begger hat einen lustigen Adamsapfel, wenn er schluckt, besonders, wenn er gerade den Rest aus seinem Glase trinkt, hüpft der Adamsapfel wie ein Wetterfrosch im Glase. Steen lacht. Knut muß plötzlich etwas fragen. „Wie sollte man eigentlich leben?“, möchte er wissen.

Begger lächelt. Es ist fast, als wisse er es, dürfte es aber heute noch nicht sagen, weil es erst in seinem Buch über die Chauffeure unter die Leute kommen soll. Steen lächelt auch. Aber er sagt, was er weiß.

„Ich weiß es nicht, Knut“, sagt er. Er trinkt. „Mich darfst du nicht fragen, Junge“, sagt er. Er trinkt wieder. „Ich habe auch alles falsch gemacht“, sagt er. Begger hat ein neues Glas Bier: „Von dem, was man heute getan hat, denkt man, es sei richtig, und von dem, was man vorgestern getan hat, weiß man, daß es falsch war.“

Das ist großartig!

Andere Leute mögen es an anderen Tagen traurig finden, daß dieses Leben so seih soll, wie Begger sagt, traurig, entmutigend, und eigentlich so gut wie ein Rat, lieber gar nichts mehr zu tun. Aber für diese drei Leute hier, den preisgekrönten Durchschnittsmenschen mit der von allen Zeitungen übergroß porträtierten Musterfamilie, für seinei^ Sohn mit den harten Nüssen und weifen Hosentaschen und für den Drahtzieherchauffeur, der ein tolles Buch herausbringen wird, wenn er es erst einmal geschrieben hat, für diese Leute ist es lustig, daß man so vieles falsch macht.

„Trinken wir noch einen?“ fragt Steen und lacht.

„Noch zwei“, lacht Begger.

„Drei“, sagt Knut.

Schließlich sind sie drei ausgemästete Riesen, wie sie aus diesem Keller hervorsteigen auf die Straße. Sie lächeln glücklich, und das Leben schert sie kaum noch. Sie meinen im stillen, sie hätten die meisten seiner ohnehin dummen Fragen gut gelöst.

35.

„Was ist das?" ruft Steen, „tyegger, sitzt da nicht eine Frau auf dem. .. dem Trittbrett Ihres Wagens?“

»Wo? fragt Knut. „Donnerwetter... Ja..." Er streckt seine Beine. Es treibt ihn, als erster bei der Frau zu sein. Er hat die abenteuerliche Vorstellung, er werde jetzt den Anfang einer großartigen Enthüllung erwischen und dabei erfahren, wie das Leben wirklich ist.

Die Frau steht ruhig von diesem breiten, gummigepolsterten Trittbrett auf. Sie mag fünfzig Jahre alt sein. Ihr Gesicht ist derb, die Haut großporig und rot. Sie trägt einen Mantel aus dickem Wollstoff. Der Mantel ist nicht zugeknöpft.

„Ich habe mich nur eine Weile ausgeruhf. Vielen Dank“, sagt sie gleichmütig.

„Geht es Ihnen schlecht?1 frarft Knut

„Sollen wir Sie zur Inneren Mission fahren?"

Die Frau stutzt...

„Ach was", antwortet sie unwillig. „Er wird mich schon wieder hereinrufen.. . „Wer? Wohin?“ drängt Knut. Er sieht sich um. Er wartet, einen unangenehmen Mann zu entdecken, mit dem er einen furchtbaren Boxkampf haben wird.

„Ich meine den alten Kerl drüben. Tapeten und Möbel. Er schickt mich alle paar Jahre mal weg. Dann warte ich hier eine halbe Nacht und er ruft mich wieder, weil er mich braucht, der Narr." Die Frau ist sehr böse, und dabei ist sie stolz, so scheint es.

au suncim es. „Wahrscheinlich haben Sie ihn durch ein Geheimnis in Ihrer Hand", ruft Knut leise und drohend.

Die Frau lacht rauh: „Höchstens durch ein paar Rezepte für Blätterteig und Hühneraugensalbe", lacht sie. „Ich bin seine Haushälterin.“

Knut tritt zurück. Begger lacht öemütlich.

Da meldet sich Georg J. Steen.

„Aber eines Tages wird er Sie nicht wieder hereinrufen', flüstert er der Frau bekümmert zu. „Und dann werden Sie hier stehen und frieren, und nicht wissen, was Sie machen sollen."

‘ Knut nickt. Er legt die Hand auf die Schulter seines Vaters. Es ist eine so schöne Ueberraschung für ihn, Papas Lebenserfahrung zu spüren.

Die Frau aber schüttelt den Kopf. „Sqien Sie ganz sicher“, sagt sie. „Seien Sie ganz sicher, daß ich meine Hühneraugensalbe verkaufen werde, solange ich Geld brauche.“ Und dann geht sie gelassen davon...

Sie sehen ihr nach.

Begger öffnet den Wagen.

tr das Steuer übernehmen, Knut? fragt Begger.

. „Vielen Dank; Gerne, natürlich!" Knut ist glücklich.

„Fahre aber nicht zu schnell", rät Georg _J. Steen und klettert wieder auf den Pucksitz, der genau solch ein Rücksitz ist wie der es war, auf dem der Drahtzieher sich damals in voller Fahrt erschoß.

So ist das Leben, denkt Steen... Aber das Bier war herrlich... Knut schlüpft bedächtig hinter das große, steilstehende Steuerrad. Er faltet seine Mantelschöße zusammen und tastet mit den Füßen nach den breiten griffigen Pedalen. Die Schaltung hat schlanke, fühlsame Hebel, Gleich unter dem Steuer, und Begger spielt mit den verschiedenen Stufen, die Skalen der Instrumente zu beleuchten.

(Fortsetzung folgt)

Gute Ernteaussichten

Die Vorjahrsernte wird um 46 800 Tonnen übertroffen werden

H^^en si^wSr^ 2\A“gust- (Eigener Bericht.) Die Ernteaussichten in etwas niedrig terhln gut. Zwar ist die zweite Vorschätzung der Getreideernte die VorjahrÄe^n<US^e^a"en a'S die erSte’ aber sie übertrifft mit 862 400 Tonnen Tonnen auf die Frn?mmen "?Ch Um 46 800 Tonnen- Davon entfallen allein 34 000 aUf dle Ernte an Brotgetreide, die sich auf 525 100 Tonnen beläuft.

Bei Frühkartoffeln wird eine Ernte von 86 700 Tonnen erwartet. Die Schätzung hegt damit um 5000 Tonnen höher als die erste und um 11 800 Tonnen höher als die Ernte von 1949.

Im Baugewerbe sind erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe, das ist in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten, stieg im Juli um 2830 und beträgt im ganzen 48 553. Der für Wohnungsbau entfallende Anteil an den insgesamt geleisteten Arbeitsstunden betrug 37,8 vom Hundei t und hat seinem Umfang nach den Stand vom Juli 1949 um 25 vom Hundert übertroffen. Während jedoch im Juli 1949 etwa 39 vom Hundert der geleisteten Arbeitsstunden auf Instandsetzungen aufgewendet wurden, hat sich dieses Verhältnis zugunsten von Neubauten auf rund 22 vom Hundert verringert.

Auch der Industrieabsatz ist weiter gestiegen. Der Gesamtumsatz hat mit 486,4 Millionen den des Vormonats um 10,9 Millionen übertroffen; dabei liegen die Produktionsgüter mit einer Umsatz- Steigerung von 7,5 Millionen an der Spitze.

Die Zahl der Anmeldungen von gewerblichen Betrieben ist gegenüber dem Vormonat im Reinzugang von 1467 auf 1101 oder um 25 Prozent zurückgegangen.

Plenarsitzung verschoben

H. G. R. Wiesbaden, 22. August. (Eigener Bericht.) Der Aeltestenrat des Landtages beschloß auf Bitten der Regierung, die für Mittwoch, den 23. August, anberaumte zweite Lesung des Gesetzes über die Sozialgemeinschaften von der Tagesordnung der Plenarsitzung des Landtages abzusetzen.

Verboten

H. G. R. Wiesbaden, 22. August. (Eigener Bericht.) Der Polizeipräsident verbot eine für den Freitag angekündigte Versammlung der Deutschen Reichspartei, auf der Bundestagsabgeordneter Adolf von Tadden sprechen sollte. Als Grund für das Verbot gibt der Polizeipräsident Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung an. Die Partei wird gegen das Verbot Einspruch erheben.

Der Stockholmer Friedensappell

Eine Antwort des Erzbischofs von Canterbury

London, 22. August. (BBC) Der Erzbischof von Canterbury, der höchste Würdenträger der anglikanischen Kirche von England, hat auf das Schreiben der Patriarchen der orthodoxen Kirche in der Sowjetunion geantwortet, in dem zur Einigkeit aller Christen bei der Verteidigung des Friedens aufgerufen wurde. Insbesondere war das Verbot der Atombombe und der sogenannte Stockholmer Friedensaufruf erwähnt worden. Der Erzbischof von Canterbury führte in seiner Antwort aus, jedermann in Großbritannien habe den innigen Wunsch nach einem gesicherten Frieden, nach einem Frieden, der .jedem Volke die Ueberzeugung gäbe, daß es weder einen Angriff äußerer Feinde zu fürchten habe, noch einen von außenher geschürten Aufstand im Innern. Der Erzbischof weist darauf hip, daß die anglikanischen Bischöfe den Krieg bereits als unchristlich verurteilt und eine allgemeine Abrüstung und wirksame internationale Kontrolle der Atomenergie gefordert haben.

Der Erzbischof unterstreicht die Notwendigkeit einer solchen internationalen Kontrolle und fährt fort: „Meiner Meinung nach ist es im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht recht und billig, bei den Regierungen anzuregen, daß die Atombombe ohne Vorbehalt bedingungslos verboten wird. Auch dürfen diejenigen, die für ein solches Verbot eintreten, nicht glauben, daß nur -sie Kämpfer für den Frieden sind.“ Der Erzbischof hebt hervor, daß die Atombombe nur einen Ausschnitt des gesamten Problems darstelle und erklärt, gewaltige Heere, Kriegsflotten und Luftstreitkräfte seien ebenso unvereinbar mit dem Begriff einer zivilisierten Welt, wie Atombomben. Weiter heißt es in dem Schreiben des Erzbischofs von Canterbury, die beiden Weltkriege hätten gezeigt, daß ein gesicherter internationaler Frieden nicht geschaffen werden könne, bevor die Grundbegriffe von Wahrheit,’ Gerechtigkeit und brüderlicher Freundschaft allgemeine Anerkennung fänden. Alle Christen müßten darum beten, daß ein Gesinnungsumschwung eintrete, daß nicht mehr erbitterte Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen erhoben würden, sondern eine wahre Verständigungsbereitschaft Platz greife. Der Erzbischof erklärte, bei den ersten Anzeichen für einen solchen Gesinnungsumschwung würde er sich mit Freude einem Aufruf anschließen, in dem unter internationaler Ueberwachung der Abbau und die Kontrolle aller Rüstungsproduktion, sowie das Verbot der Atombombe gefordert werde. Ferner führte der Erzbischof aus, es habe sich gezeigt, daß der Stockholmer Aufruf von manchen Seiten für politische Zwecke ausgenutzt worden sei; so, wie Hitler seinerzeit Friedensbewegungen ausgenutzt habe, um der Politik der Nachgiebigkeit in Großbritannien einen neuen Antrieb zu geben. Aus diesem Grunde, so erklärte der Erzbischof, habe er den englischen Geistlichen geraten, sich von dem Stockholmer Friedensaufruf fernzuhalten.

Auf der Elbe beschlagnahmt

el. Kiel, 22. August. (Eigener Drahtbericht.) Schleswig-holsteinische Grenzschutzbehörden haben auf der Elbe bei Schnakenburg große Mengen kommunistischen Propagandamaterials, das mit einem Schleppkahn nach Westdeutschland eingeführt werden sollte, beschlagnahmt.

Nachrichten ohne Politik

Flug eines Luftballons

Freiburg, 22. August. (Ids). Die Leitung der Ersten Badischen Landwirtschaftsschau, die vom 16. bis zum 24. September in Freiburg stattfindet, hatte auf dem Freiburger Meßplatz fünfhundert Kinderballons mit Freikarten und einhundert Gewinnen zu Werbezwecken aufsteigen lassen. Die erste Meldung von einer Landung ist aus dem etwa 350 Kilometer entfernt liegenden oberfränkischen Ort Motschenbach eingetroffen. Dort hat ein achtjähriger Junge vierundzwanzig Stunden nach dem Start den niedergehenden Ballon aufgefangen und die daran befestigte Karte mit einem Gewinngutschein dem Veranstalter zugeschickt.

Geschmuggelter Kaffee

Basel, 22. August, (dpa) Einem illegalen Kompensationsgeschäft — deutsche Fotoapparate gegen Schweizer Kaffee- —- ist die schweizerische Zollfahndung auf die Spur gekommen. Nach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchungen sind fünfzehn Angestellte der Schweizerischen Bundesbahnen in das Geschäft verwickelt, das darin bestand, hochwertige deutsche Fotoapparate in die Schweiz zu schmuggeln und die Kaffee-Gegenlieferungen ebenso illegal nach Deutschland zu bringen.

Die Grde bebt noch immer

Kalkutta, 22. August. (AP.) Ueber dem Herd des großen Erdbebens der vergangenen Woche in Tibet ist nach Berichten von der Grenze ein rotes Glühen am Himmel zu beobachten. Geologen nehmen an, daß im Zusammenhang mi dem Erdbeben Vulkane in Tätigkeit getreten sind.

Berichte, daß eine Talsperre im oberen Brahmaputratal zerstört worden ist, finden jetzt ihre Bestätigung. Ungehcuie Mengen von Treibholz sind bereits bei Dibrugarh beobachtet worden, es w.r mit einer Überschwemmungskatastrop e im oberen Assam gerechnet.

Noch immer zittert die Erde und es wird angenommen, daß die Erdkru - noch einige Zeit brauchen wird, um wieder vollständig zur Ruhe zu kommen. Sieben schwere Erdstöße haben in der burmesischen Provinz Kachin einen Flußlauf unterbrochen und den Strom in ein anderes Bett gedrängt. Über 160 Quadratkilometer Ackerland sind überschwemmt worden. Die Reisfelder stehen unter Wasser, die Ernte ist stark in Mitleidenschaft gezogen, Hunderte von Rindern sind in den Fluten umgekommen, sämtliche Verkehrs- und Nachrichtenverbindungen sind unterbrochen oder stark beschädigt.

Letzte Telegramme

Malik bleibt sich treu

Lake Success, 22. August. (AP.) Der sowjetische Delegierte und Vorsitzende des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, Malik, hat die Vereinigten Staaten beim Zusammentritt des Rates am Dienstagabend erneut angegriffen. Malik stellte fest, die Vereinigten Staaten wünschten keine friedliche Regelung des Konfliktes in Korea. Der Vorsitzende hatte unmittelbar nach Eröffnung der Sitzung um 20.16 Uhr das Wort ergriffen und angekündigt, daß er auf eine Rede des amerikanischen Chefdelegierten Warren Austin vom vergangenen Donnerstag antworten werde.

In heftigen Worten wiederholte Malik seine früheren Bemerkungen, daß die Kämpfe in Korea ursprünglich ein Bürgerkrieg gewesen seien und die einzige Aggression dort durch die Einmischung der Amerikaner erfolgt sei. Die Intervention der Vereinigten Staaten in Korea stelle eine Ausweitung der berüchtigten Truman-Doktrin dar, die vor drei Jahren verkündet worden sei.

Postdienst mit Hubschraubern

Brüssel, 22. August. (AP.) Als erstes Land auf dem europäischen Kontinent hat Belgien einen Postdienst mit Hubschraubern begonnen. Der Hubschrauber fliegt täglich von Brüssel nach Libramont (Ardennen) und von dort über Lüttich, Campine und Antwerpen nach Brüssel zurück. Bei dem Dienst arbeiten die belgische Post und die Sabena-Luftfahrtgesellschaft zusammen.

Wirtschaftsblatt

Stalins Reparationsrechnung

In ihrer an den ostzonalen Ministerpräsidenten Grotewohl gerichteten Entschließung, die noch Testierende Reparationsschuld Deutschlands an Rußland auf die Hälfte herabzusetzen, hat die Sowjetunion endlich jene Auskunft erteilt, die sie den Diplomaten der Westmächte bisher hartnäckig verweigerte: Sie hat die Summe der von ihr aus der Wirtschaft der deutschen Ostzone bis Ende 1950 gezogenen und noch zu ziehenden Reparationsleistungen ziffernmäßig auf 3658 Millionen Dollar angegeben. Die westliche Reaktion auf diese von Stalin persönlich unterzeichnete Auskunft ist keineswegs abgeklungen.

Starke Differenzen

Wenn mit den rund 3,7 Milliarden Dollar nicht nur die ungeheuren Materialentnahmen, sondern auch die von der Ostzonen-Bevölkerung unter größten Anstrengungen und Entbehrungen aufgebrachte Arbeitsleistung von mehr als fünf Jahren abgegolten sein sollte, dann müßte dies mit Recht ein Zynismus sondergleichen genannt werden. Allenthalben wurde auf die von westdeutschen und ausländischen Experten veranstalteten Aufstellungen und Berechnungen hingewiesen, nach denen die — angeblich zugesagte — Reparationshöhe von 10 Milliarden Dollar längst überschritten war. Nach englischer Erklärung betrugen allein die Entnahmen an Demontagen das Doppelte jener 3658 Millionen Dollar. Aber der riesige Unterschied zwischen den beiderseitigen Endzahlen blieb unaufgeklärt. Man gestand resigniert, daß die Nachprüfung der russischen Rechnung ein Geheimnis bleibe, zu dessen Enträtselung der Schlüssel noch nicht gefunden worden sei. Indessen ist eine Analyse der Stalinschen Zahlen keineswegs unmöglich.

Nur zwei Reparations-Kategorien

Zunächst ist die bisher stets offengelassene Frage zu beantworten, welche Arten von Reparationsleistungen in jener Abrechnung enthalten sein mögen. Hierzu stellen wir fest, daß die sehr genaue sowjetische Nomenklatur überhaupt nur zwei Kategorien von Reparationen kennt: Warenlieferungen aus der laufenden Produktion gdtnäß Befehl Nr. 63 und die sowjetischen Aktiengesellschaften auf Grund des Befehls vom 8. März 1946. Andere Leistungen wie Trophäen, Demontagen, Feldpostaufträge usw. werden von der sowjetischen Finanzverwaltung nicht als Reparationen verbucht und auch nicht als solche abgerechnet. Damit ist der große Unterschied zwischen der russischen Endabrechnung und den Aufstellungen und Schätzungen der anderen Seite hinlänglich aufgeklärt. Die Richtigkeit dieser Auffassung wird dann schon dargetan sein, wenn wir den Wert der beiden einzigen in Frage kommenden Leistungsgruppen auch nur annähernd zu umreißen vermögen. Wir glauben, daß wir hierzu in der Lage sind.

Die abgerechneten Leistungen

Was im einzelnen die Entnahmen aus der laufenden Produktion anbetrifft, so betrugen diese im Jahre 1946 allein bei den vier damals hauptbeteiligten Ländern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg, 622, 414, 333 und 92 Millionen Goldmark, insgesamt also mindestens 1500 Mill. Goldmark. Diese Leistung ist in den folgenden Jahren nichtaufrechterhalten worden. Sie kann daher bei der Errechnung der Gesamtleistung für 1945/50 als Jahresdurchschnitt nicht zugrunde gelegt werden. Wohl aber rechtfertigt sich, unter Berücksichtigung des zahlenmäßig bekannten Leistungsrückgangs in einigen Ländern, der Ansatz eines Jahresdurchschnitts von mindestens 1250 Millionen Goldmark, was einer Gesamtleistung von etwa 6250 Millionen Goldmark entspricht, wozu noch die Lieferungen im vierten Quartal 1945 mit mindestens 150 Millionen Goldmark kommen. Der Wert der als sowjetische Aktiengesellschaften übernommenen ostdeutschen Industrieunternehmen dürfte von Moskau mit rund 2450 Millionen Goldmark abgerechnet worden sein. Demnach belaufen sich die abgerechneten Leistungen insgesamt auf etwa 8850 Millionen Goldmark.

Bei ihrer Umrechnung in Dollar wird man davon auszugehen haben, daß die Sowjetunion in ihren Befehlen und Instruktionen die Uebernahme der Werte auf der Preisgrundlage von 1938 vorgeschrieben hat. Sie hat zu diesem Zwecke Multiplikationstabellen aufgestellt, in denen der Index für 1913 mit 100 und der für 1938 mit 121,2 angegeben ist. Das ist Goldpreisgrundlage. Ist sie bei dieser auch verblieben, als sie die Umrechnung von Mark in Dollar vornahm, dann mußte sie, entsprechend der seinerzeitigen Relation der beiden Währungen, einen Umrechnungskurs von 1:2,4 zugrunde legen. Dann aber kommt man zu jenen Stalinschen 3658 Millionen Dollar, die er dem ostdeutschen Abrechnungspartner gutgebracht hat. Sie stellen, wie gesagt, nur einen kleinen Ausschnitt der Leistungen und Entnahmen dar, die man nach den Begriffen der westlichen Welt als Reparationen anzusehen hat.

Gewerkschaften überprüfen Preise

hd. Der Deutsche Gewerkschaftsbund will in den Großstädten Nordrhein-Westfalens eine genaue Preisüberprüfung für Lebensmittel und andere Konsumgüter durchführen. Die Unterlagen sollen nach der gleichen Methode erarbeitet werden, nach der die Preisüberwachungsstellen ihr Material beschaffen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund teilt mit, daß seine bisherige Auffassung über die Erhöhung der Lebenshaltungskosten leider durch die eingeleiteten Untersuchungen bestätigt worden sei.

Prämienerhöhung bei Autoversicherung

dpa Der Bundeswirtschaftsminister hat durch eine Verordnung die Tarife der Kraftfahrzeug - Haftpflichtversicherung mit Wirkung vom 23. August um durchschnittlich 46 Prozent und die der Vollkaskoversicherung um durchschnittlich 75 Prozent erhöht. Die 20prozentige Erhöhung der Teilkaskoprämien, die am 1. April 1949 angeordnet worden war, wird rückgängig gemacht. Das Bundeswirtschaftsministerium begründet diese Maßnahme damit, daß die ständig steigende Unfallziffer die Leistungsfähigkeit der Versicherungsunternehmen ernsthaft bedrohe. Die Notwendigkeit und der Umfang der Prämienerhöhung seien außerordentlich gründlich untersucht worden.

Bei schweren Lastwagen seien die Schadensprozentsätze „geradezu beängstigend“ gestiegen. Deshalb mußte für diese Fahrzeuge die Haftpflichtversicherung um 80 Prozent erhöht werden. Die Verordnung sieht eine Gewinnbeteiligung der Versicherungsnehmer bei schadensfreiem Ablauf ihrer Verträge und ein außerordentliches Kündigungsrecht in der Vollkaskoversicherung vor. Die Vollkaskoverträge können nunmehr innerhalb von drei Monaten nach Verkündung der Verordnung mit einer Kündigungsfrist von einem Monat gekündigt werden.

Verschleiorte Preisüberschreitungen

dpa. Der Bundeswirtschaftsminister weist in einem Erlaß an die Preisbildungsstellen in den Ländern darauf hin, daß ein Umgehen bestehender Höchstpreisvorschriften unzulässig ist. In letzter Zeit hätten Firmen, die die Knappheit einzelner Waren ausnützten, das Ueberschreiten der Höchstpreise durch besondere Verpackung bemäntelt. So seien zum Beispiel Kunstspeisefett und Schweineschmalz entgegen der bisherigen Uebung in Weißblechdosen und Zucker in unwirtschaftlichen Kleinstpackungen oder gefärbt in den Handel gebracht worden.

Weiterhin Subventionen

dpa. Der wirtschaftspolitische Ausschuß des Bundeskabinetts unter Vorsitz des Bundeskanzlers und unter Beteiligung der Bank deutscher Länder hat am Montag beschlossen, die Subventionen für Lebensmittel und Superphosphate fortzusetzen. Die Bundesregierung werde die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, um die auf dem Weltmarkt eingetretenen Preisschwankungen aufzufangen und so die Preise der wichtigsten Nahrungsmittel auf ihrem jetzigen Stand zu halten. Insbesondere soll auch künftig ein Konsumbrot ohne Preiserhöhung verkauft werden.

Preishausse in Braugerste

pbz. Die Aufkäufe norddeutscher Mälzereien haben den süddeutschen Braugerstemarkt stark beunruhigt, da hierbei Preise bewilligt wurden, die wesentlich über den bisherigen Notierungen von 34 bis 34,50 DM für rheinhessisches und pfälzisches Erzeugnis liegen.

Feuilleton

Metrum und Rhythmus

VON HERMANN HEISS

Metrum nennen wir das Zeitmaß in der Musik. 1-2-1-2 oder 1-2-3-1-2-3, so messen wir die Zeit in verschiedenen Grundeinheiten, welche von der Geschwindigkeit ihrer Aufeinanderfolge abhängen. Sie sind die Hauptmaßwerte, alles andere sind Composita dieser beiden. Das Metrum an sich ist ungegliedert wie das Ticken der Uhr, des Metronoms, des Motors. Die gleichen Einheiten sind die Werte des Metrums, wie die Skalen des Metermaßes oder eines Thermometers, ob diese Einheiten nun von 1 zu 2 oder von 1 zu wieder 1 oder noch weiter reichen. Die nur metrische Gliederung ist starr wie die der Kilometersteine an der Straße oder der Telegrafenstangen in der Landschaft. Die genormte Straße verliert ihre Starre, wenn wir ihren Windungen folgen. Die Landschaft wird lebendig durch Hebung und Senkung, nah und fern, durch Farben und unterschiedliche Positionen in ihr. In dieser Belebung erfahren wir den Rhythmus, der auch in der Musik nicht durch, sondern zunächst einmal gegen das Metrum entsteht, sich am reinsten aber ohne dieses ausdrückt.

Jede Veränderung des Metrums bedeutet Lösung der Starrheit, also Belebung und Bewegung. Im Metrum wirkt die Gravitation der Zeitrechnung, wie sie sich im Marschtritt manifestiert, der ungeistig und mechanisch ist. Der ans Metrum gebundene Tanz ist ein graziöser Versuch zur Überwindung der Schwere; aber erst in der Überwindung des Metrums nähert sich der Tanz geistigen Bezirken. Der Marschtakt ist roh sinnfällig, materiell schwer, zermürbend wie gleichmäßig fallende Wassertropfen. Wie erfreuend ist es dagegen, wenn Wassertropfen in ungleichen Abständen ticken und ein jeder einen verschiedenen Ton gibt. Der künstlerische Tanz überspielt das Metrum, entmaterialisiert die Takte, schwingt wie eine Landschaft in reichem Wechsel der Rhythmen. Die Herrschaft der Taktstriche ist der Tod der Musik — sie sollten nichts sein als Orientierungsmittel, sie dienen jedoch der Fesselung an die metrische Betonung. Kein Maler wird seine Linien mit Zentimeterstrichen versehen und vielleicht gar nach jedem dritten oder vierten Strich einen dicken Klecks machen zur genaueren Ortsbestimmung. Oder hat man je Bilder mit einem Raster gesehen, an dem man das Auf und Nieder, den „Rhythmus“ der Zeichnung ablesen kann? Der Rhythmus erlangt seine geistige Form erst, wenn er frei ist von der Gravitation des sicht- oder hörbaren Metrums.

Es ist erstaunlich, zu bemerken, wie in der Musik das Element „Ton“ von allen Seiten beleuchtet und durchleuchtet wurde in Melodie-, Klang- und Tonsatzlehren, aber der Rhythmus, von dem man sagt, daß er im Anfang war, bisher nur einer mehr rudimentären Behandlung unterzogen wurde. Nachdem ich in meinem Klavierkonzert 1927 (in Darmstadt 1928 aufgeführt) mit 12 Schlaginstrumenten einen ersten Versuch rein rhythmischer Konzeption unternommen hatte, bemühte ich mich in den letzten Jahren, für meine eigenen Zwecke wenigstens einige Klarheit auf diesem Gebiet zu schaffen, eine Ordnung hineinzubringen, die weniger von der Erscheinung als vom Wirken der rhythmischen Elemente ausgeht. Die kleinste rhythmische Einheit ist nicht der Ton oder Schlag, sondern die Spanne, das Zeit-Intervall zwischen zwei Schlägen. In meiner „Tonbewegungslehre“ („Elemente der musikalischen Komposition“, in Vorbereitung bei Hochstein, Heidelberg), über deren Grundlagen ich in meinem Vortrag „Athematische Komposition“ bei den Kranichsteiner Ferienkursen sprach, ist

für jede Art der musikalischen Äußerung (Schlag, Melodie, Klang) folgender Grundsatz verbindlich, den ich hier wiederhole: „Das Wesen von Bewegung ist Veränderung“. Dies gilt auch in einem weiteren Sinne für Formteile, übergeordnete Rhythmen, Gegensatzbildung und letzthin für die Instrumentation. Auf den Rhythmus angewendet, bedeutet es die Gestaltungsmöglichkeit von einfachen, ruhigen Bewegungsformen bis zu einem differenzierten Schlagsatz, vom gleichförmig geschlagenen Metrum über ostinate Rhythmen bis zu einer Konzeption, in welcher die Bewegung aufs äußerste gesteigert ist vermittels fortlaufender Veränderung der Zeitintervalle.

Ich spreche hier von einem Schlagsatz, das soll heißen, daß beim Herauskristallisieren des von der Tonbewegung unabhängigen Rhythmus, bei der reinen Betrachtung von Zeitintervallen, wir uns auf die Intervallbestimmung durch den Schlag beschränken müssen, denn die Verquikkung mit dem Ton gestattet nicht die reine Darstellung von Rhythmus. Ein einstimmiger Schlagsatz kann gestaltet werden durch Abfolgen einfacher Zeitintervalle bei Intervallveränderung von Schlag zu Schlag und durch den wechselnden Gebrauch rhythmischer Einheiten, wie sie sich als Untergliederung von Viertelwerten etwa darbieten. Ist ein Satz metrisch untergeteilt, so bedeuten gleiche Einheiten auf verschiedenen Betonungspunkten bereits Veränderung. Bei fortlaufender Veränderung einfacher Zeitintervalle ergibt sich zwangsläufig ein Überspielen des Metrums, das nun nur noch dem Ausführenden zur Orientierung dient, während der Hörer die reinen rhythmischen Spannungen in einem freien, unmetrisierten Schweben erlebt. Neben dem einstimmigen ist auch ein zwei-, drei- und noch mehrstimmiger Satz möglich, der in der klingenden Realisierung natürlicherweise Instrumenten anvertraut werden muß, welche als Klangverschiedenheiten die Stimmen voneinander abheben. Hier tritt das Moment des Klanges hinzu, und die Abstufungsmöglichkeiten sind äußeret mannigfaltig. Tutti, Klanggruppen, Klangsoli sind möglich und fügen der rhythmischen Bewegung auch eine solche des Klanges hinzu.

Die Aufführung der „Jonisation“ von Edgar Varese, dessen Arbeit mir bislang völlig unbekannt war (ich muß sagen: leider!) zeigte — bei Abzug der mitunter stark überdeckenden Klangvolumina —die großartigen Möglichkeiten eines vielstimmigen Schlagsatzes, die in der exotischen Musik bei den Gamelangorchestern bereits Verwirklichung erfahren haben. Es ist meine Überzeugung, daß die Kultivierung des rein dargestellten Rhythmus, die bei uns erst in den Anfängen liegt, ungeahnte Möglichkeiten in sich birgt und noch nicht vorauszusehende Auswirkungen und Befruchtung besonders der melodischen musikalischen Gestaltung verspricht. Der Hörer wird — wie das immer so ist — zunächst fassungslos sein und wahrscheinlich beleidigt. Aber es geht nicht ihm an den Kragen, sondern seiner Unkenntnis — niemals sollte einer annehmen, daß ihm die Komponisten Böses antun wollen: sie streiten mit dem Geist um dessen reine Darstellung. Eine rhythmische Komposition verzichtet auf Melodik, ihre Werte liegen in den Spannungsabläufen der vielfältig dargestellten und gegliederten Zeit, die sich bei einem Geringstmaß von Klang natürlich am reinsten darbietet.


Nikolaus Lenau ist vor 100 Jahren, cm 22. August 1850, in Oberdöbling bei Wien gestorben. Pergamon
Nikolaus Lenau ist vor 100 Jahren, cm 22. August 1850, in Oberdöbling bei Wien gestorben. Pergamon

Das Leben und Sterben Jesu

ZU EINER STUDIE VON RAYMOND SCHMITTLEIN

Über die letzte Ursache des Kreuzestodes Christi gibt es eine unglaublich große Literatur mit überraschend vielseitigen Deutungen, die sich oft widersprechen. Man ersieht aus ihr, wie leicht eine subjektive weltanschauliche Einstellung die historische Kritik beeinflußt und wie oft die am meisten voreingenommenen Autoren ihrer Interpretation am sichersten sind. Raymond Schmittlein, der Generalinspekteur des Kulturwesens der französischen Besatzungszone, ein vergleichender Sprachforscher von Ruf und Rang, Ehrendoktor der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, hat sich mit dem Problem von einem neuen Gesichtspunkt aus in einem Buche beschäftigt, welches er dem Prälaten und ersten gewählten Rektor der Universität Mainz, Prof. Dr. Dr. h. c. Reatz gewidmet hat: Circonstances et Cause de la Mort du Christ. Editions Art et Science. Baden-Baden 1950. Er rechnet mit einigen typischen Beispielen kritikloser Fehlurteile ab. Eigene Kriegserlebnisse, Beobachtungen von Verwundeten, die Überprüfung der Evangelien und anderer Quellen über die Passion, dazu das Studium der internationalen medizinischen Literatur über den sogenannten traumatischen Schock haben ihn zu dem Ergebnis geführt, daß der Tod Christi am Kreuz als Folge eines traumatischen Schocks eingetreten ist. Seine Beweisführung ist überzeugend. Was die moderne Schockforschung nach Kriegsverletzungen und anderen Traumen von psychischen und körperlichen Symptomen beobachtet, auf der Seziertisch festgestellt und im Tierexperiment nachgeprüft hat, alle diese Zeichen, Entstehungsursachen und pathologischen Unterlagen des Schocks lassen sich bis in kleine Einzelheiten auch für die Passion Christi aus dem nachweisen, was die Evangelien über den Tag der Kreuzigung und die letzten Stunden des Heilandes berichten. Das Problem gibt dem Verfasser Anlaß, auf die römischen Rechtsanschauungen einzugehen, die auf Christus Anwendung fanden, der der Kreuzigung als Strafe für Aufrührer und Landesverräter unterzogen wurde. Die Matthäuspassion Joh. Seb. Bachs kann keine tiefere Erschütterung auslösen, als diese mit allen Mitteln der historischen Methode arbeitende, kritisch-objektive Darstellung des Philologen.

Wir müssen aus der Fülle des Gebotenen eine Menge von Einzelheiten herausziehen, die das Gebiet der Medizin berühren, um zu zeigen, wie minutiös und sorgfältig der Verfasser das Ergebnis seiner Forschung begründet. Der Raum erlaubt es nicht. Doch sei auf das Problem des Lanzenstichs näher eingegangen. Er wird nur im Johannes-Evangelium erwähnt. Wie Schmittlein betont, ist nirgends von einem Stich in das Herz oder zwischen den Rippen in den Brustkorb die Rede. Das war nach der Topographie des Körpers am erhöhten Kreuz und der üblichen Handhabung der Lanzenwaffe durch die römischen Soldaten technisch unmöglich, mag diese Art des Stiches noch so oft behauptet worden sein. Es handelt sich einfach um einen Stich in die Seite, die „weiche Flanke“. Daraus erklärt sich zwanglos das Herausfließen von „Blut und Wasser“ als Zeichen des eingetretenen Todes.

Das Buch ist vorzüglich ausgestattet und bringt auf zahlreichen Tafeln ein für die Erklärung des Textes wichtiges archäologisches Material, wie die Ergebnisse neuerer Ausgrabungen vom Scliau-P|atz der Passion, Darstellungen zum Strafvollzug und zum Soldatenleben der Zeit. Dadurch rundet sich das Ganze zu einem über den engeren Gegenstand hinausgehenden Kulturgemälde.

Paul Diepgen

Deutsch-französisches Lehrertreffen

Im Staatlichen Pädagogium Bad Neuenahr fanden sich zum ersten Male nach dem Kriege deutsche und französische Erzieher aller Schularten zu einer pädagogischen Arbeitstagung zusammen. Hauptreferenten waren Mr. Forestier (Paris), Generalsekretär des französischen Nationalsyndikates der Lehrer und Schulrat Thiele (Celle), Geschäftsfüher der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Lehrerverbände“ in der Gewerkschaft „Erziehung und Wissenschaft“. Das Hauptziel dieser Begegnung war, alte durch Gewalt zerrissene Bande neu zu knüpfen, sich durch Vorträge Aussprachen und gesellige Veranstaltungen kennen und verstehen zu lernen und so auf dem entscheidenden Sektor der Erziehung und des Unterrichts zu einer echten Völkerverständigung und zur Erhaltung eines dauerhaften Friedens beizutragen. Nicht zuletzt dank der vorbildlichen Uebersetzungsarbeit des Mr. Moeglin (Mainz-Gonsenheim)* von der Direction Culturelle in Rheinland-Pfalz erhielten alle Teilnehmer ein anschauliches Bild vom Aufbau und den Zielen der Lehrerorganisationen der beiden Länder, von ihren Beziehungen zur Verwaltung und anderen Berufsorganisationen. Bei der Behandlung der Schulformen, der Schulgesetzgebung und -Verwaltung, sowie bei den Fragen der Lehrerbildung, mußten die Teilnehmer der verschiedenen westdeutschen Bundesländer schmerzlich empfinden, daß es neben dem festgefügten französischen Schulaufbau heute leider nicht möglich ist, von einer „deutschen“ Schule zu sprechen, noch viel weniger dem ausländischen Berufskameraden ein klares Bild davon zu vermitteln. Die unheilvollen Folgen der Kulturautonomie, ja sogar der Kulturdemontage einzelner Länder trat hier besonders in Erscheinung. Um so klarer wurden daraus die Folgerungen gezogen, daß nur eine einheitliche deutsche Schul- und Kulturpolitik die Möglichkeit bietet, die hohen Anforderungen zu erfüllen, für die die Schule als Erzieherin der kommenden Generation verantwortlich zeichnet. So darf zunächst das unabdingbare Recht des Kindes auf eine bestmöglliche Erziehung und Berufsausbildung nicht übersehen werden, wobei ausschließlich die Begabung und nicht der Geldbeutel der Eltern entscheiden darf. Außerde mmüssen sich alle Verantwortlichen mit ganzer Kraft dafür einsetzen, daß die Schule, soll sie zum Eckstein der Demokratie werden, nur in freier, vn äußeren Mächtegruppen und -kämpfe nunabhängiger Lebensluft gedeihen kann. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, dann kann und muß die Schule,, zu der neben Lehrerschaft und Kindern auch die Eltern gehören, zur stärksten Friedensarmee werden und zu einem mächtigen Instrument einer echten Völkerverständigung werden.

Albin Korn.

Komödchen-Premiere

Unter allen Anzeichen eines großen Abends vor lauter Prominenz aus Politik, Kunst und Wirtschaft, mit dem Ministerpräsidenten und dem Gründgens-Ensemble an der Spitze, ging die Premiere des neuen Komödchen-Programms mit demonstrativem Erfolg vonstatten. Dieses während der letzten trei Jahre berühmt gewordene literarische Kabarett hält auch jetzt konzessionslos die von Kay und Lore Lorentz vorgezeichnete Linie qualitätvoller, künstlerisch genau kontrollierter Zeitkritik, die es wagen darf, in prekären Fragen sehr ernst zu bleiben. Die jungen, völlig unsauren Moralisten schlagen zu und öffnen Ventile, wie es nötig ist, wenn 'aufmerksame Beobachter des sogenannten öffentlichen Lebens vom heilsamen Recht der Skepsis gegenüber vielen Unbegreiflichkeiten, Hohlheiten, Aufgeblähtheiten und der offiziellen Herzensträgheit internationalen Gepräges schmerzvoll-heiteren Gebrauch machen. Und der sehr begabte Komponist Emil Schuchardt findet für die treffenden Texte, Chansons, Chöre, Szenen immer die rechte Musik. „Nur keinen Streit vermeiden“ lautet der aggressive Obertitel der in sich geschlossenen Folge, die das Pulverfaß, auf dem wir sitzen, die Rennfahrer-Ideale des Jahrhunderts, die Not des kleinen Mannes, den Rummel der falschen Parolen, einschließlich der Festspielseuche, mit Witz und Charm glossiert, selbst dann, wenn Thema und Behandlung den Darbietenden wie den Auf nehmen den an die Nieren gehen. Geschmack reguliert dieses Balancieren zwischen bitterer Mahnung und erstaunlich humorvoller Ueberlegenheit. Das Komödchen, das mit der neuen Bekundung seines Niveaus seine Lebenskraft beweist, ist echtes Kabarett. (In Düsseldorf). -a-

Die Gelsenkirchener Städtischen Büh¬ nen, die bisher nur Schauspiel und Operette pflegten, haben nach Übernahme der Leitung durch Generalintendant Hans Meißner aus Frankfurt von der kommenden Spielzeit an auch die Oper in den Spielplan aufgenommen. Die Gelsenkirchener Bühnen haben bis jetzt mit 16 Städten des weiteren Ruhrgebiets Gastspielverträge abgeschlossen.

Sauerbruch bleibt in Berlin. Geheimrat Sauerbruch hat der Kurverwaltung in Bad Pyrmond mitgeteilt, daß er die ihm angetragene Stellung eines Chefarztes im Kurheim von Bad Pyrmont nicht annehmen könne, sondern endgültig in Berlin bleiben wolle. Der 75 Jahre alte Chirurg erklärte, daß er in Berlin den Vorsitz einer Ärztekuratoriums angenommen habe, das aus dem teilzerstörten Wannsee-Restaurant „Schwedischer Pavillon“ eine modern eingerichtete Klinik mit angesehlossener Versuchs- und Forschungsanstalt herrichten wolle.

Moderne Kammermusik

Am Sonntagnachmittag Spielten Michael Mann (Viola) und Klaus Alexander Kaul (Klavier) auf der Marienhöhe zeitgenössiche Komponisten.

In der „Sonata da chiesa“ des Schweizers Frank Martin greift der Komponist die alte zweisätzige Form der Kirchensonate auf und erfüllt sie mit einer Tonsprache, die eine höchst eigene Abwandlung der Zwölftontechnik darstellt und sehr starke persönlich-originelle Züge trägt.

Serge Nigg, ein Vertreter der französischen Gruppe der Dodekaphonisten um Rene Leibowitz in Paris, verzichtet in sdjnem „Deux Pieces pour piano“ auf überkommene Formen. Die Form resultiert hier vielmehr aus der orthodoxen und konsequenten Anwendung der Zwölftonreihen - Kompositionstechnik. Der Komponist kommt zu einer höchstkonzentrierten und fast aphoristischen Aussage, die den Anhängern jener Schule eigen ist. Trotz dieses überwiegend konstruktiven Charakters dieser Stücke ist der poetische Gehalt durchaus empfindbar.

Das zweite Werk für Klavier waren die Variationen von Hans Werner Henze, die, obgleich formal und technisch gebaut, ein wenig intellektualistisch anmuten und nicht ganz das Niveau anderer Werke dieses Komponisten erreichen. Hans Alexander Kaul, der sich auch als anpassungsfähiger Begleiter erwies, spielt die Werke Niggs und Henzes technisch vollendet und vom Geistigen her gestaltend.

Den Abschluß bildete das Werk des amerikanischen Komponisten Roy Harris „Soliloquy and Dance“. Harris besitzt eine vitale, kraftvolle und musikantische Schreibweise mit häufiger Anwendung volksmelodischer Elemente und der Kontrapunktik, läuft allerdings gelegentlich Gefahr, in Bezirke des „Salonhaften“ abzuschweifen. Michael Mann gestaltete mit großem, kultiviertem Ton und souveränem technischem Können sehr eindrucksvoll die anspruchsvollen Werke, was besonders bei seiner Interpretation der So10-^nnte von Elizabeth Lutyens (England) deutlich wurde. ■ K. S-

Erst Krenek 50 Jahre alt

Heute feiert Ernst Krenek, einer der Pioniere und Meister der Neuen Musik, seinen 50. Geburtstag. Wie wir bereits berichteten, kam Ernst Krenek aus Los Angeles nach Darmstadt, um bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik ein Seminar für Komposition zu leiten. Ueber sein Werk ließen wir den Komponisten in seinem Artikel „Der musikalische Fortschritt“ (D.T. vom 18. 8. 50) selbst zu Worte kommen und in einer kurzen Reportage brachten wir die wichtigsten Daten aus seinem Leben (D.T. vom 15. 8. 50).

Im Anschluß an die heute abend um 20 Uhr in der Stadthalle stattfindende Studienaufführung des „Konzert für Violine, Klavier und 13 Bläser“ von Alban Berg wird Heinz Joachim (Hamburg) eine kurze Festrede zum 50. Geburtstag Ernst Kreneks halten. Anschließend bringt ein Quartett, zusammengesetzt aus Teilnehmern des Ferienkurses, das 7. Streichquartett von Ernst Krenek zur Erstaufführung.

Von der Leinwand

BELIDA.,,Frau in Notwehr.“ Schon der Titel läßt an Schwierigkeiten denken, die den Schauspielern oder der Regie erwachsen können, während der Romanstoff über Möglichkeiten verfügt, die die zur Perepethie führenden Wege schärfer, beziehungsweise sichtbarer aufzeigen. So muß die Handlung eigentlich mitten im Thema beginnen, um dem S.reifen die dem Stück adäquate konzentrierte Dramatik zu geben.

Die Universitäts-Psychologin Wilma Tuttle (Loretta Young) läßt sich in flüchtiger Neigung einem ihrer Studenten gegenüber zu einem abendlichen Auto-Ausflug ans Meer verleiten. Douglas Dick als Student Bill Perry bringt die Rolle des allzeit liebesbereiten jungen Mannes in dramatischen Stufen zu der für diese Szenen erforderlichen Vollkommenheit. Ein leicht entzündbares Gemüt steigert sich rasch zu sinnloser Raserei. So ergibt sich der Mord der Frau als Notwehrakt. — Loretta Young ist es ihrem schauspielerischen Ruf und der Rolle als Berufs-Psycholog n schuldig, die Spanne zwischen Tat und schließlichem Geständnis erregend und sehenswert zu gestalten. Sie tut es wirklich, und Robert Cummings als Vormund des Ermordeten und erschüttertem Liebhaber sowie Wendell Corey als Kriminalist assistieren nicht nur. Besonders die Gefühlsregungen — en passant — von dem polizeilichen Verfolger vorgebracht, sind schauspielerische Meisterleistungen. ng.

Notizen

Bert Brecht hat dem Institut für Internationale Begegnungen in Freiburg sein Stück „Der Tod des Lükull“, das bisher nur als Hörspiel gesendet worden ist, zur Erstaufführung als Laienspiel für die zur Zeit in Konstanz arbeitende Gruppe Theater der internationalen Jugendtreffen überlassen.

Uraufführung eines Oratoriums. Die Kantorei Bethel hat die Uraufführung des Drießler-Oratoriums: „Dein Reich komme ..am Essener Kirchentag übernommen. Die Aufführungen sind für den 25. und 27. August angesetzt. Eine weitere Aufführung wird am 29. August in der Oetkerhalle in Bielefeld sein.

Ferienkurs für Neue Musik

Mittwoch, 16. August

Stadthalle, 20 Uhr: Studienaufführung des „Konzert für Violine, Klavier und 13 Bläser“ von Alban Berg. Leitung-Prof. Dr. Hermann Scherchen: Solisten: Tibor Varga. Peter Stadien, Bläser des Landestheater-Orchesters.

Donnerstag, 24. August

Seminar Marienhöhe, 20 Uhr: Vortrag von Josef Rufer, Berlin: „Freiheit und Gesetz im Werk Arnold Schönbergs.“ (Zu Beginn hird das fis-moll-Quartett von Schönberg aufgeführt.)

Darmstadt und Umgebung

Zwischen Gewittern

Decke de^Asnh schwarze glänzende helle Son Pf nUr durch einzelne Sen Sehn ^ockene Flecken, unterdie hellen ^«! en and Raupen möchten Der oranppn Inocb1nocb schnell überqueren, osten und ?Ä Mond steht ™ Südberse u dle Spitze der Wolken-GewittS naCh ?em Main ^ziehenden ÄV mattem Weiß aufleuchten. Rhb S ganze Landschaft erhellende HShP^*laU. der nächtlichen träume¬ ,, chen Farbe ein fahles, bösartiges Grau. aS bleibt das Zwielicht in seiner K.°ntrastierung erhalten, laßt die Falter im Scheinwerferlicht taumelnd aufleuchten, und mit mattem Schlagan der Lampe oder den Händen das bleiche, kurze Leben beenden. In der Kurve grünes rätselhaftes Glühen von Katzenaugen, mit abgewandter Bewegung, nicht teilhabend an unserem Bildvorstellungsvermögen, in wenigen Sprüngen in den Kartoffelstauden verschwindend.

Die vom Frankenstein her aufziehende schwarze Wand hat nun den Mond erreicht, und macht den Rand des Wolkenteppichs zu goldenen, blutig-roten Fransen. Die unendlich hohen Sterne sind jetzt nur noch eine schmale, hoffnungsfreudige Straße, zwischen der sich bald entladenden Dämonie der Gewitter. Das aus der fruchtbaren Fläche der Felder aufwachsende Dorf ist in der Wechselwirkung des hell-dunkel zu Rembrandtscher Einheit geworden. Nur an einer Seite leuchtet das Fachwerk hell, während Scheunen und Gärten in schon tiefem Dunkel liegen. Es ist so als ob der Kirchturm mit den elf Schlägen die Verlassenheit der Stunde nur zögernd anzeigen wollte. Wenige Paare stehen in den schützenden Erkern der Dorfstraße, nur vom halben Licht erfaßt. Vom aufsteigenden Wind schon flatternde Kleider und blusige Hemden, schützende Hände vor den Augen des plötzlich aufwirbelnden Sandes wegen. Zärtliches unruhevolles Abschiednehmen vor hart schlagenden Türen. Am Ausgang des Dorfes begleiten starke Windböen anhaltenden Donner.

Zwischen die beiden Wolkenfronten, nunmehr fast miteinander verbunden, sind nur noch wenige tröstende Sterne zu sehen, und auch sie werden von jagenden Wolkenfetzen überdeckt. Die Kreatur hat sich verkrochen, und die Pappeln der Straße biegen sich im einsetzenden Sturm des doppelten Gewitters zu trauervoller Geschlossenheit.

Informationsreise einiger Stadtväter

Um sich über den Stand des Wiederaufbaus in anderen Städten zu unterrichten, haben Mitglieder des Magistrats, des Bauausschusses, des Finanzausschusses und einige Herren der Stadtbauverwaltung, die auch früher geübte Gepflogenheit wieder aufgenommen und den Städten Stuttgart und Heilbronn einen kurzen Besuch abgestattet.

In Stuttgart wurde die städtische Siedlung im Hallschlag und das große neue Siedlungsgebiet am Rotweg in Zuffenhausen besichtigt. Die erstere enthält Kleinwohnungen einfacherer Art, die zweite wird zu einem Stadtteil für rund 25 000 Menschen ausgebaut werden. Es ist darum auch die Errichtung der notwendigen Geschäfts- und öffentlichen Bauten vorgesehen. Durchweg wurde der viergeschossige Zeilenbau mit flachem, nicht ausgebautem Dach gewählt. Das Gelände zwischen den Bauten ist einheitlich gestaltet. Die Siedlungen machen trotz der großen Wohndichte einen weiträumigen. freundlichen Eindruck.

Anschließend wurde die Gartenbau-Ausstellung besucht, deren reizvolle Lage und Blumenpracht einen nachhaltigen Eindruck hinterließen. Die Besucherzahl, mit der die Ausstellungsleitung gerechnet hat, ist bereits überschritten, so daß nicht nur der Zweck der Ausstellung erreicht, sondern auch der finanzielle Erfolg gesichert ist. Interessant war auch das neue Heizkraftwerk in Untertürkheim, das eine Reihe Industriewerke mit Strom und hochgespanntem Dampf versorgt. Einen Eindruck von der Bedeutung dieses Werkes vermittelt die Tatsache, daß 80 cbm Wasser dort stündlich in Heißdampf verwandelt werden.

Heilbronn wurde ähnlich wie Darmstadt fast völlig zerstört. Trotzdem sind im Stadtkern erstaunlich viele neue Gebäude erstanden. Die Wohnbauten sind ebenfalls als viergeschossige Zeilenbauten mit 30gradigem Dach erstellt worden und haben bei aller Einfachheit eine entsprechende Gestaltung gefunden. Sie sind durch Baugenossenschaften erstellt worden. Von besonderem Interesse war das Finanzierungssystem einer Baugruppe: Die Mieten liegen besonders hoch, enthalten jedoch einen Betrag, der nach 12 jähriger Zahlung einen Genossenschaftsanteil einbegreift, der das vererbliche und veräußerliche Nutzungsrecht auf die Wohnung sicherstellt, so daß von da ab nur ganz geringe Verwaltungs- und Instandhaltungsgebühren zu zahlen sind.

Der Wiederaufbau der Innenstadt wurde wesentlich beschleunigt durch die Umlegung, die auf freiwilliger Basis zustandegekommen ist, so d§ß die neuen Fluchtlinien in kurzer Zeit festgelegt und die Bauten begonnen werden konnten.

Die Besichtigungen haben den Beteiligten wertvolle Anregungen vermittelt.

Den Gefängnisdirektor beleidigt

Am 22. April dieses Jahres hatte der 36jährige Arbeiter Ludwig D. aus Darmstadt etwa über das verträgliche Maß hinaus dem Alkohol gehuldigt. Ausgerechnet vor dem Darmsädter Gefängnis verlor er den Boden unter den Füßen und begann heftig zu schimpfen. So auch mit gemeinen und beleidigenden Worten auf den Direktor der Haftanstalt.

Gestern stand er vor dem Schöffengericht, das ihn wegen Beleidigung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen verurteilte und Publikationsbefugnis auf den Gemeinde- und Gerichtstafeln anordnete. Strafmildernd berücksichtigte man seine Trunkenheit, brachte jedoch zum Ausdruck, daß solche Gemeinheiten, wie sie der Angeklagte ausgesprochen habe, scharf geahndet werden müßten. ys.

eine Kriminalbeamtin genötigt

Welchen Schwierigkeiten und unangenehmen Situationen mitunter Kriminalbeamtinnen begegnen können, bewies eine Verhandlung vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt. Im Verlauf eines Untersuchungsverfahrens wegen Abtreibung hatte eine Beamtin der Kriminalinspektion Darmstadt eine Vernehmung in Oberroden durchzuführen. Die Vernehmung einer 16jährigen war fast abgeschlossen und ein vollständiges Geständnis notiert, als der Angeklagte — ein 18jähriger Bursche, der Freund der 16 jähjährigen — der Beamtin in einer Form drohte, daß diese das Haus verlassen mußte, wollte sie nicht ihre eigene Sicherheit aufs Spiel setzen. Durch das Einwirken ihres Freundes verlegte sich das Mädchen bei einem weiteren Verhör aufs Leugnen und stritt die bisher gestandenen Tatsachen ab. Der Richter bezeichnete den Angeklagten als einen unverschämten Lausbuben und verurteilte ihn wegen Beamtennötigung zu zwei Monaten Gefängnis. ys-

Im neuen Amerikahaus, in der „Krone“ hinter dem Marktplatz, wird der Leseraum für den Publikumsverkehr ab Mittwoch, dem 23. August, von 10—17 Uhr geöffnet sein. Die Ausleihe von Büchern und Zeitschriften findet noch nicht statt. DT

„Robinson soll nicht sterben“

Deshalb werden am kommenden Samstag die abendlichen Spaziergänger auf der Mathildenhöhe die Scheinwerfer aufleuchten sehen und die durchdringenden Rufe Robinsons wildem Haufen hören, die in den letzten Junitagen und den ersten Wochen des Juli von den Darmstädter Heinerbuben eifrig imitiert wurden. Der „Robinsonruf“ ist immer noch gelegentlich in der Stadt zu hören, und man darf annehmen, daß manche Eltern für die Ursache dieser jüngsten Spielerei ihrer Kinder interessieren werden (und zwar nicht nur im Platanenhain, auf Zehenspitzen stehend). Die Klasse befindet sich unter dem Hochzeitsturm. Die Freilichtaufführung des Schauspiels „Robinson soll nicht sterben“ von Friedrich Forster beginnt um 20 Uhr.

In der Stadt notiert

Ein radfahrender Schlosserlehrling stieß gestern nachmittag um 15.00 auf der Kreuzung der Elisabethen- und Wilhelminenstraße mit einem Lieferwagen zusammen. Der Junge konnte bei seiner Abfahrt von der katholischen Kirche sein Fahrrad nicht mehr anhalten und rannte gegen den hinteren Kotflügel des Fahrzeugs. Es entstand leichter Sachschaden an Fahrrad und Kraftwagen.

Drei Fahrzeuge gerieten in einen Unfall gestern nachmittag um 18.00 Uhr an der Kreuzung der Kranichsteiner Straße mit dem Rhönring. Zu gleicher Zeit kamen an dieser Stelle ein Motorrad, ein Lastwagen und ein Dreiradlieferwagen zusammen. Dem Lieferwagen gelang es, aus dem Bhönring kommend, im letzten Augenblick in der Kranichsteiner Straße einzubiegen. Motorrad und Lastwagen, die in entgegengesetzter Richtung in der Kranichsteiner Straße fuhren, stießen zusammen, wobei an beiden Fahrzeugen Sachschaden entstand. DT

Dei Bibliothek des Stadtjugendaus¬ schusses wurde neu eröffnet. Die Ausleihe erfolgt mittwochs von 17.00 bis 19.00 Uhr im Zimmer des Stadtjugendausschusses in der Diesterwegschule.

Leon J. Duclercq, Delegierter der UNESCO in Mainz, weilte in Darmstadt, um sich über die Arbeit beim „Internationalen Ferienkurs“ für Neue Musik zu informieren. DT

Oberstantsanwalt nicht einverstanden

Revision im Prozeß Arnold und Genossen?

Wie Oberstaatsanwalt Dr. Kant gestern auf Befragen unserem Gerichtsberichterstatter mitteilte, wird er vorsorglich gegen das am Montag von der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt im Prozeß Arnold und Genossen gefällte Urteil Revision einlegen. Auch Nebenkläger, Rechtsanwalt K 1 iban s k y , äußerte bereits nach der Verhandlung, er werde einen gleichen Schritt unternehmen. Bekanntlich hatte die Strafkammer die wegen Landfriedensbruch angeklagten jungen Männer aus Bensheim nur wegen fortgesetzter gefährlicher und einfacher Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung, tätlicher Beleidigung und Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung zu zum Teil erheblich unter dem Antrag der Oberstaatsanwaltschaft liegenden Freiheitsstrafen verurteilt bzw. fünf von acht Angeklagten freigesprochen. Die bisher erlittene Untersuchungshaft wurde mit sieben Wochen angerechnet, dem Nebenkläger das Publikationsrecht zugestanden. Das Gericht vertrat in der Begründung die Ansicht, daß es sich bei den Ausschreitungen am 3. Juni keineswegs um eine organisierte und bewußte antisemitische Aktion, sondern vielmehr um eine der üblichen Kirchweihkeilereien gehandelt habe, deren Folgen jedoch den Namen von Bensheim arg in Mißkredit gebracht hätten.

In seinem tiefschürfenden Plädoyer hatte der Oberstaatsanwalt dagegen eine Verurteilung wegen klaren Landfriedensbruches bejaht und erklärt, die Justiz dürfe heute nicht den gleichen Fehler wie vor 20 Jahren begehen. Nicht zu Unrecht müsse der Justiz der Vorwurf gemacht werden, daß sie in der Weimarer Zeit nicht schar/ genug in diesen Dingen durchgegriffen habe. Auch damals habe es mit Kleinigkeiten angefangen, mit Gaskammern später aufgehört. Das Ausland schaue heute geradezu mit einem Fernrohr auf unser Volk, das durch den Vorfall von Bensheim einen schweren Rückschlag in seinem Bemühen, das verlorene Ansehen wiederzugewinnen, erlitten habe, wst.


Wenn man die Augen aufmacht, kann man in unserer Stadt Kanaldeckel entdecken, wie sie unser Bild zeigt. Es gibt deren viele in Darmstadt. Tausende schreiten alltäglich über sie hinweg, ohne daß ihnen etwas daran auffällt. Es ist ja auch kaum zu glauben, daß auf gewissermaßen „amtlichen Schriftstücken“ DARMSTADT mit TD statt mit DT geschrieben ist. — Immerhin ein kleines Kuriosum, das für die Sparsamkeit früherer Stadtväter Zeugnis ablegt. Text und Bild: Wfl.
Wenn man die Augen aufmacht, kann man in unserer Stadt Kanaldeckel entdecken, wie sie unser Bild zeigt. Es gibt deren viele in Darmstadt. Tausende schreiten alltäglich über sie hinweg, ohne daß ihnen etwas daran auffällt. Es ist ja auch kaum zu glauben, daß auf gewissermaßen „amtlichen Schriftstücken“ DARMSTADT mit TD statt mit DT geschrieben ist. — Immerhin ein kleines Kuriosum, das für die Sparsamkeit früherer Stadtväter Zeugnis ablegt. Text und Bild: Wfl.

Endspurt am Lehrlingsheim?

Da kein Geld vorhanden ist, soll es durch Selbsthilfeaktionen fertiggebaut werden

Da die Mittel der öffentlichen Hand nicht ausreichen, um das Darmstädter Lehrlingsheim am Mercksplatz—Ecke Darmstraße fertigzustellen, haben sich die Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, der Einzelhandelsverband und der „Lehrlingsheim e. V.“ am Dienstag zu einer Besprechung zusammengefunden, um über die Möglichkeiten des Fortgangs der Arbeiten zu sprechen.

Im Zuge der Behebung der Berufsnot hatte das Landesarbeitsamt Hessen im Frühjahr 1950 aus dem Reichsstock Mittel zur Errichtung eines Wohnheims für 80 bedürftige Lehrlinge, denen am Wohnort eine Ausbildungsmöglichkeit nicht gegeben ist, zur Verfügung gestellt. Die letzten Bauarbeiten an dem Lehrlingsheim werden in Kürze beendet sein.

Ungeklärt ist noch die Frage der Beschaffung der Inneneinrichtung. Die Stadtverwaltung stellt die Betten und das Holz zur Anfertigung des Mobiliars zur Verfügung. Es fehlen demnach noch die Mittel zur Einrichtung des Speiseraumes, der Büro- und Personalräume, sowie der Küche. Finanzielle Hilfe aus den öffentlichen Fonds ist nicht mehr zu erwarten. Das Unternehmen kann nur beendet werden, wenn Handwerk, Industrie und Handel sich an der Aufbringung des noch fehlenden Geldes beteiligen. Erforderlich sind etwa 20 000 DM. Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, der Einzelhandelsverband, wie der „Lehrlingsheim e. V.“ richten daher an alle Firmen und Unternehmer die dringende Bitte, ihren Teil dazu beizutragen, um die termingemäße Fertigstellung des Darmstädter Lehrlingsheimes zu ermöglichen.

Die Organisationen empfehlen, bei Industriebetrieben für jedes Belegschaftsmitglied 0,20 DM und für Lehrlinge in Handels- und Handwerksbetrieben 2,50 DM als Spende möglichst bis 10. September 1950, aufzubringen. Nur dann werde es gelingen, noch vor Wintersanfang das Lehrlingsheim fertigzustellen, um auswärtigen Lehrlingen, die an ihrem Heimatort keine Ausbildungsmöglichkeiten haben, einen Arbeitsnlatz in Darmstadt und eine gesicherte Unterkunft zur Verfügung zu stellen. hfl

In Dänemark rauchen Frauen nur Zigarren

Interessantes vom „blauen Dunst“

F. ist mir eine bleibende Erinnerung, als ich einige Jahre vor dem Kriege in n Hamburg—München einer älteren weißhaarigen Dame die Koffer im Abteü'verstaute ihr das Luftkissen aufblies, und sie sich dann umständlich und für meine Begriffe dicke Zigarre ansteckte. — Das ist im buchstäbSn Sinne Geschmackssache. Es dürfte nicht uninteressant sein, einige Dinge über die Eigenheiten und -arten der verschiedenen Lander zu hören.

Vor dem Kriege verbrauchte und verlangte man in Deutschland etwa 90 Prozent Orient-Tabake. Die Grenzverschiebungen im südosteuropäischen Raum, zusammen mit wirtschaftlichen Aenderungen, — vor allen Dingen fällt Mazedonien aus, — ergeben heute in Deutschland folgenden Tabellenstand.

Tabakimporte: USA 63 Prozent, Türkei: 17 Prozent, Griechenland: 8 Prozent, Brasilien: 6 Prozent, Columbien. 3 Prozent, Cuba: 1 Prozent, Indonesien. 1 Prozent, Bulgarien: V 2 Prozent, Jugo slawien: V 2 Prozent. _ tt- .• C/M’fon nur-

Daß die kräftigen Virginia-Sorten nunmehr dominieren, mag auf einen wesentlichen Einfluß der westlichen Besatzungsmächte zurückzuführen sein, die in aer tabakarmen Zeit die „Amis“ zu einem begehrten Artikel machten. Sicherlich hegt das Ab wenden von den milderen ri Mischungen aber mit im Zuge einer• a - gemeinen Geschmacksänderung, a. - vor dem Kriege Werbung und verstärkte Nachfrage amerikanischer Ernten begann. Hinzu kommt sicherlich, daß in der „KP penzeit“ und durch Eigenbau das feine Geschmacksempfinden recht ~ verloren gegangen ist. So verlang junge Generation, sagt mir der freundliche Besitzer eines Darmstadter waren-Geschäftes, fast nur ten, während die älteren Leute nochi zu etwa 15 Prozent Orient-Zigaretten wun sehen. Apropos Eigenbau: in besagten „jenen Zeiten“ gelang sogar in Mittel- und Süd-Norwegen Anbau und Ernte. England nimmt in der Geschmacksrichtung eine Sonderstellung ein. Man hat dort schon immer reine, helle Virginia-Zigaretten geraucht. Als sich während der Rheinlandbesetzung nach dem vorigen Kriege die britischen Soldaten über mindere Qualität ihrer Zigaretten beschwerten, kam vielen die Erklärung, daß nur der Feuchtigkeitsgehalt der Insel die Güte der „Britisch blend“ garantieren könnte, unglaubhaft vor. Auf Kölner oder Hamburger Luft reagiert die reine Virginia eben anders. Daraus kann man ersehen, welche streng fachlichen, neben intuitiven Kenntnissen, der Pflanzer oder Importeur besitzen muß. An einem ganz bestimmten Tag übrigens, er ist nicht durch den Kalender festzulegen, müssen die reifen Blätter gepflückt werden. Die Indios besitzen diesen feinnervigen Instinkt, der sie veranlassen kann, noch spät am Abend ihrem Chef mitzuteilen, daß am anderen Morgen die Ernte beginnen müsse. Der Pflanzer richtet sich unter allen Umständen nach diesem Termin. Der Amerikaner verlangt Virginia und Orient gemischt, während Deutschland, Oesterreich, Skandinavien und die baltischen Länder abgesehen von dem erst neuen Virginia-Einbruch in unsere Geschmacksrichtung, zur Orient-Gruppe gehören. — Frankreich, die Saar, Nordafrika sind Raucher im „schwarzen Tabakblock“. Zum Bordeaux blanc gehört — mon Dieu! — die schwarze Gauloise, die wie der Schal und die Baskenmütze ohne den Franzosen undenkbar ist.

Die Papirossa ist seit jeher in Rußland und in baltischen Staaten zu Hause; während der vornehme Russe Krim-Tabake bevorzugt, drehen sich die Muschiks bekannterweise ihren Machorka in Zeitungspapier.

In Brasilien raucht man eine in Maisstroh gewickelte Zigarette, — sie ist unheimlich stark, — und in China dient das Reisstroh zur Umwicklung. Die Araber habe immer noch das klassische Format, die kreisrunde, vollgestopfte Zigarette, und von ihnen kam ebenfalls die Benennung des 50-Stück-Inhaltes als „klassische Packung“, während die amerikanische Richtung eine 20 Zigaretten umfassende Packung wählte. — Individuelle, beinahe luxuriöse Mundstücke, — z. B. echter Kork von der Korkeiche, Rosenblatt-, Gold- oder Seidenmundstücke mit farbigem Unterschied, — hielten sich am längsten bei uns in Deutschland. Es gab Liebhaber, die sich diese gepflegte Nuance wünschten, und erst in jüngster Zeit dürfte sich die absolut mundstücklose Form, scheinbar endgültig, durchgesetzt haben. Bei den Türken — die hinsichtlich des Tabaks und Kaffees einen ausgesprochenen Genußritus geschaffen haben — ziehen eine oder mehrere Personen aus Schläuchen den durch die Wasserpfeife gekühlten Rauch ein, und erhalten somit den reinen Tabakgenuß, vermeiden also die dem Menschen schädlichere Inhalierung durch einen kurzen Pfeifenstiel. Der Zigarrenverbrauch ist — wohl auch noch als Folge einer Steuerermäßigung — zu ungunsten des Pfeifentabaks gestiegen. Die meisten, die eine gewisse Gemütlichkeit verbreitenden, sagen wir: „Brasil“, sind im wahren Sinne des Wortes internationaler Herkunft. Das Deckblatt mag aus Sumatra, das Umblatt aus Deutschland, und die Einlage — je nach Erfordernis — aus einem dritten Land stammen. Diese Zusammensetzungen dürften oder könnten mit der Grund einer gewissen sonoren, überlegenen Ruhe sein, die von den älteren, zigarrenrauchenden Herren ausgeht.

Wichtige Anbaugebiete sind in unserer nächsten Umgebung Im Ried, der Pfalz und in Baden, wo man um die Jahrhundertwende in verstärktem Maße einen guten deutschen Tabak zu ernten begann.

Westfalen ist zwar die Domäne der Tabak verarbeitenden Industrie, jedoch haben sich auch z. B. in Pfungstadt Zigarrenhersteller Ruf und Anerkennung erworben. Auch bei Zigarren sind Traditionen: Die gute Markenkiste hat spanische Aufschrift und Bebilderung, weil die erste Herstellung in südamerikanischen Ländern erfolgte, die sich sprachlich dem Eroberer bzw. Kolonisator anschlossen.

Sehr schwül

DT-Wetterbericht

Übersicht: Da sich das europäische Hoch nur sehr langsam abbaut, ist zunächst nicht mit einer Verdrängung der äußerst schwülen Warmluftmassen aus unserem Gebiet zu rechnen.

Vorhersage: Am Mittwoch bewölkt mit kurzen Zwischenaufheiterungen. Vereinzelt Gewitterneigung aufkommend. Sehr schwül. Tageshöchsttemperaturen über 25 Grad, um Süd schwankende Winde.

Weitere Aussichten: Auch am Donnerstag noch keine durchgreifende Aenderung.

König Jazz siegt über atonale Musik

Es scheint, als ob die konzentrierte Beschäftigung mit Neuer Musik auf die Dauer sehr anstrengend ist. Jedenfalls sagten sich die Teilnehmer des Internationalen Ferienkurses, daß es nun an der Zeit sei, auch „hörbare“ Musik zu Worte kommen zu lassen. Sie veranstalteten auf der Ludwigshöhe am Montagabend eine kleine Feier, zu der sich Studenten und Dozenten zusammengefunden hatten. Bunte Lampions baumelten rings um das geschlossene Feld der Tische, unter der Brüstung des Aussichtsturms war Wachs auf die Betondecke gegossen, und hinter den Arkaden des rundbauchigen Bauwerkes bearbeitete eine Tanzkapelle „altmodische“ Instrumente, wie Schlagbaß, Klavier und Handharmonika. Ein herrlicher Ausblick bot sich auf Darmstadt dar, das mit großstädtischem Funkeln bunter Lichter mit Erfolg Atmosphäre erzeugte. Bürgermeister Schröder begrüßte mit kurzen Wor^n die Gäste aus aller Welt. Die Kapelle zeigte, daß sie gewillt war, im Wettbewerb mit den Koryphäen atonaler und athematischer Musik zu treten, und nach Sachlage der Dinge war festzustellen, daß ihr das auch gelang. Würdige Professoren und Dozenten schwangen im Sambatakt die Kreppsohle und zu ihren Häuptern gingen die Lampions vor Begeisterung in Flammen auf. Junge Damen turnten auf dem Geländer umher, frische Kerzen in der Hand, um den letzten verbliebenen Leuchtblasen neuen Odem einzuhauchen. Dis ostzonalen Mitwirkenden der Ferienkurse waren weniger vom Flor schöner Mädchen begeistert, als von der Möglichkeit, ausgiebig rheinhessische Weine zu versuchen, nachdem man sie im heimatlichen Paradies trockengelegt hatte. Edgar Varese hatte liebenswürdigerweise tief in seine Tasche gegriffen, um den finanzschwachen jüngeren Kollegen einen schönen Abend bereiten zu können. Sie waren auch die ersten, die das Rennen um den schrägsten Boogie-Woogie aufgaben und leise singend ihrem Meister in die Kemenate folgten. Hinter ihnen klangen die Melodien altbewährter Tanzmusik her, und König Jazz hatte über die atonale Musik gesiegt, einige Musiker über einen Haufen berühmter und weltbekannter Tonmeister, die bewiesen, daß sie auch andere Töne anerkannten, als die ihrer ureigensten Arbeitsgebiete. —st.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Amerikahaus: Alle bisher im Amerikahaus laufenden Ausstellungen sind ab sofort wegen Umzugs geschlossen.

Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Amerikahaus-Auditorium: 20 Uhr, heiterer Vortragsabend, Alexander Starke: „Lustige Menagerie“.

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Ortsverband Darmstadt: Aula Technische Hochschule, 18 Uhr, Vortrag Oberschulrat Hilker: „Schule und Erziehung in der modernen Gesellschaft“.

Starkenburg

Kelbst der Wüsten-Scheich weiß wo Stockstadt liegt

Filterrohre für Skandinavien und Arabien / „KEFESTA“ für den Wohnungsbau — Vom Handwerksbetrieb zum Exportwerk am Rhein

Wenn man die Vielzahl der Jubiläen betrachtet, die das Jahr 1950 mit sich bringt, mag ein 60jähriges Jubiläum nur bescheiden wirken. Weil aber hinter jeder Vergangenheit irgend etwas steht, das den Grund eines Jubiläums besonders unterstreicht, kann die Zahl der Jahre nicht so entscheidend sein wie das, was während ihrem Ablauf geleistet wurde. Die Leistung allein ist darum auch das Primäre, was die Firma J. F. No 1 d & Co. in Stockstadt a. Rhein ermächtigt, am Wochenende ihr 60jährlges Bestehen mit besonderem Stolz zu feiern.

Wer die Entwicklung dieser Firma, die besonders in den letzten 15—20 Jahren einen steten und überraschenden Aufschwung genommen hat, überblickt, wer weiß, wie dieses Werk aus kleinsten Anfängen heraus entstanden ist und sich zu der heutigen Bedeutung emporgeschwungen hat, kann den Gründern und ihren Nachfolgern in der Leitung der Firma nur größte Hochachtung zollen.

In einem kleinen Schuppen einer Küferei errichtete Jakob Friedrich Nold, der Vater der heutigen Inhaber, im Jahre 1890 mit seinem früheren Arbeitskollegen Jean Bechtold eine Kunst- und Bauschlosserei. Die ersten Arbeiten des jungen Handwerksbetriebes bestanden in der Herstellung von Toren, Fenstern und Vergitterungen, wozu die Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Goddelau den Auftrag vergeben hatte. Schon 1892 war es erforderlich, den Betrieb zu vergrößern. Spezialartikel, Ventilationsklappen, Fensterfeststeller, Turngeräte und Kartenständer für Schulen, wurden in die Fabrikation aufgenommen. Mehrdte Gesellen und Lehrlinge mußten eingestellt werden. Bald war man auf den Gedanken gekommen, gelochte Bleche fabrikmäßig herzustellen und eine im Jahr 1908 angeschaffte Perforiermaschine förderte diese Entwicklung.

1909 bestand die Belegschaft bereits aus 15 Köpfen. Die offene Handelsgesellschaft wurde gegründet. Perioden des Aufstieges wechselten mit Zeiten des Kampfes um die Selbstbehauptung. Trotzdem war eine fortlaufende Entwicklung des Betriebes zu verzeichnen und die hergestellten Artikel fanden ihren Weg in das Ausland. Bechtold starb inzwischen. Der erste Weltkrieg brachte zwar für die Firma keinen Stillstand aber doch eine Verkleinerung der Fabrikation mit sich. Die Jahre danach — voller Krisen und Ungewißheit •— konnte nur unter Einsatz aller Kräfte überwunden werden; am Ende stand eine abermalige Vergrößerung der Werkstätte.

Aus der Herstellung gelochter Bleche entwickelte sich die Fabrikation von Filterrohren, die, infolge ihrer günstigen Preislage — früher wurden die Löcher in diese Rohre gebohrt, jetzt werden Bleche gestanzt, gerollt und zugeschweißt zum „Exportschlager“ der Firma wurden. 1939 verstarb auch der Gründer, der bis zu seinem Tode unermüdlich im Betriebe tätig war. Seine Söhne übernahmen die Betriebsführung. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges hatte sich die Belegschaft auf rund 200 Mann erhöht. Viele wurden eingezogen. Bei Beendigung des Krieges hatte die Firma den Verlust von 36 ihrer Mitarbeiter zu bedauern. Stabile Geldverhältnisse im Anschluß an die Währungsreform gaben dem Unternehmen den Weg zur Weiterentwicklung frei. Neben der Fabrikation der Filterrohre ist die Firma wesentlich durch die bekannten Stahlgitterfenster „KEFESTA“ bekannt geworden.

Daß über der Sorge um die Vergrößerung des Betriebes der arbeitende Mensch nicht vergessen wird, beweisen am besten die sozialen Betriebseinrichtungen. Unter ihnen sei besonders die Gründung einer Unterstützungskasse erwähnt, die nach einiger Zeit in eine Pensionskasse mit Rechtsanspruch umgewandelt wurde. Auch auf die gründliche Ausbildung ihrer Lehrlinge legt die Firma größten Wert, um einen leistungsfähigen Nachwuchs heranzubilden. Dies alles aber läßt sich in seiner Gesamtheit nur dann richtig ermessen, wenn man heute, von dem Gedanken der einstigen Fabrikationsstätte in ihren Anfängen ausgehend, einen Gang durch das Werk unternimmt.



Ein Gang durch das Werk

Der technische Leiter, Hans Nold, einer der drei Brüder, die sich heute in die Leitung des Unternehmens teilen (der ältere und der jüngere Bruder haben die kaufmännische Leitung und den Außendienst übernommen), führte uns.

„Was produzieren Sie eigentlich am meisten, Herr Nold?“

„Alles was mit gelochten Biedren zusammenhängt und in der chemischen, technischen oder Nahrungsmittelindustrie gebraucht wird, so z. B. Verkleidungen elektrischer Apparate, wie Heizkörper, aber auch Trittstufen und Abdeckbleche aller Art. Vor allem aber Filterrohre für Brunnenbohrungen — übrigens eine Idee, die in unserem Betrieb ausgebaut wurde.“

„Wieviel Leute haben sie zur Zeit beschäftigt?“

„Da wir Dinge produzieren, die sozusagen „krisenfest“ sind, wird bei uns schon seit Kriegsende auf vollen Touren gearbeitet. Unsere Belegschaft beträgt augenblicklich 285 Mann. Wir haben übrigens für Arbeiten, denen ein längerer Transport bevorsteht und die eine besondere Verwendung finden, unsere eigene Verzinkerei . . .“

„Haben Sie auch Exportaufträge?“, fragen wir.

„Aber ja, — etwa 10 Proz. unseres Umsatzes setzen sich aus Auslandsaufträgen zusammen, und zwar nicht nur in die Nachbarländer, nicht nur nach Holland, Dänemark und Schweden, sondern vor allem in die Türkei, nach Aegypten und die wüstenreichen Länder Arableens, die die Hauptabnehmer unserer Filterrohre für ihre Brunnenbohrungen sind. Erst vergangene Woche war wieder ein Vertreter Arabiens da, mit dem wir Abschlüsse tätigten. Aber sehen sie sich doch unseren Betrieb einmal an . . .“

Und damit führte uns Herr Nold in eine weite Halle, in der die Perforier-Maschinen laufen. Die größte von ihnen — eine Schuler-Stanze — locht mit einer Druckkraft von 180 Tonnen Kühler-Schutzbleche für Mercedestypen. Es ist die einzige Maschine, die für „Mercedes“ zu diesem Zwecke arbeitet. An der Stirnwand der Halle befindet sich eine Werkzeugmacherei, in der alle Sncz^lwer’:- zeuge, die zur Bearbeitung gebraucht werden, in Eigenproduktion hergestellt werden.

Wir sahen uns noch einige Stanzmaschinen an, die z. T. bis zu ein Meter breite und 25 mm starke Bleche lochen. Eine unter ihnen versieht die Schlitzbrückenlochung von Kupferblechen. Hier fallen also die ausgestanzten Teile nicht heraus, sondern bleiben in Form einer Brücke erhaben stehen, was bei der späteren Verwendung als Saugrohre, für die Filtrierung von Wasser (die Bleche werden gewalzt, gerundet und geschweißt), notwendig ist.

In einer besonderen Halle werden die Bleche verzinkt. Große gasbeheizte Wannen enthalten das flüssige Zink, in das sie eingetaucht werden, um sie witterungsbeständig und für ihre Sonderzwecke verwendbar zu machen.

„Sie haben aber doch auch Biedre mit ganz feiner Perforierung, Herr Nold, — wofür verwenden Sie denn diese?“

„Ich muß ihnen eingestehen, daß wir oft selbst nicht wissen, wozu unsere Erzeugnisse in der Industrie verwendet werden. Bei jenen, die Sie etwa meinen handelt es sich aber um Siebe, die man überall braucht, sei es in Zuckerfabriken, zur Pfefferreinigung oder zur Herstellung von Zahnpasta.“

In einer weiteren Werkshalle werden täglich 600 Kellerfenster hergestellt. Ein Winkeleisen, gestanzt, geknickt, mit einem Griff versehen, wird zum Rahmen zur Aufnahme des Fensterglases, ein typisch Noldsches Lochblech kommt hinzu und ein stabiles Kellerfenster, das den Vorteil hat, im Sommer Luftdurchlässig und doch verschlossen zu sein, ist fertig.

Ueber den Weg der Auslandstransporte befragt, sagte uns Herr Nold: „Den Bahnanschluß haben wir ja direkt vor der Tür. Von da ist der Transport auf dem Wasserwege über Mainz-Amsterdam am einfachsten und rentabelsten. So halten wir es nun schon seit Jahrzehnten.

Inzwischen ertönte die Sirene zur Mittagspause. Die Arbeiter, meist wohnen sie in Stockstadt, gingen nach Hause zum wohlverdienten Mittagessen. Zu etwa 20 Prozent sind es Flüchtlinge, die hier Arbeit und Verdienst gefunden haben, ohne fürchten zu müssen, daß sie morgen schon wieder entlassen werden können, denn das Unternehmen erweitert sein Absatzgebiet ständig und arbeitet zur Zeit in drei Schichten — Tag und Nacht. Und das will schon etwas heißen!

„Wir wollen auch einmal ein Fest feiern“, sagte uns Herr Nold noch zum Abschied. „Unser 50jähriges fiel in den Krieg, — na und wo unser 75jähriges hinfällt, das kann jetzt noch keiner wissen! Also feiern wir jetzt . . .“ Und dazu wünschen wir der Firma mit all ihren Angehörigen einen schönen Verlauf und weitere erfolgreiche Arbeit. -bst DT-Fotos (8): Schröder



Erhöhte Geschäftsanteile

bei der landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Pfungstadt

Die im „Rheinischen Hof“ in Pfungstadt abgehaltene Generalversammlung der landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft stand unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Wilhelm Clemenz. Nach dem Geschäftsbericht, der eine aufsteigende Entwicklung der Genossenschaft aufweist, und dem Prüfungsbericht wurde der Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres, die mit 37 000 DM schließt, Genehmigung erteilt. Für das ausscheidende Aufsichtsratsmitglied Gemeinderat Clemenz, der eine Wiederwahl ablehnte, wurde Ludwig Fey gewählt. Der Geschäftsanteil der Genossen der seither 4 DM betrug, wurde laut einstimmigem Beschluß auf 20 DM erhöht. Die Stelle eines neuen Rechners soll ausgeschrieben werden, da der bisherige, Wihrim Haasenzahl, wogen seines Alters sein Amt zum 1. Februar 1951 gekündigt hat. Die Zahl der Genossen beträgt derzeit 200. ler

Die Kleinsten feierten Sommnerfest

Vertreter von Schule und Stadtverwaltung sowie zahlreiche Eltern waren am Sonntagnachmittag bei dem Sommerfest des Groß-Gerauer Kindergartens zugegen. Mehr als hundert Kinder brachten Gedichte, Spiel und Tanz; auch ein Märchenspiel erntete Beifall und Bewunderung der Großen. Kasperle konnte bei einer solchen Gelegenheit natürlich nicht fehlen. Bei Wettspielen gewannen die Kleinen Spielzeug und Schokolade. Schließlich gab es noch Kakao und Kuchen. Dann gingen die Großen und Kleinen befriedigt über das wohlgelungene Sommerfest wieder nach Hause. (cg)

siamesische Buchenzwillinge

Ein seltenes Naturspiel im Odenwald

Vermutlich ist der rechte Ast der Gabel des linken Baumes in früher Jugend unmittelbar an dem rechten Nachbar spitz abgebrochen, hat sich bei Wind an letzterem gerieben, so daß an jenem ebenfalls eine Wunde entstand, die durch die Rinde hindurch bis auf die saftdurchströmte Wachstumsschicht ging. Beide Wunden wurden umwallt, und die beiden Umwallungen müssen zusammengestoßen und verwachsen sein. Der Aststummel der linken Buche lebte weiter und sein Saftstrom konnte in die Wachstumsschicht des Nachbarn überfließen. Mit dem Wachsen der beiden Bäume hielt der Verbindungsast Schritt und wuchs zur normalen Aststärke heran. Die Kraft der linken Buche ging teilweise auf diesem Weg in den Nachbarn über, wie aus dessen Verstärkung über der Verwachsungsstelle hervorgeht.

Es wäre interessant zu hören, ob ähnliche Beobachtungen anderwärts gemacht wurden, vor allem, ob durch Beobachtung von Jugendstadien solcher Verbindungen die vorgenannte Erklärung zutreffen könnte. V.


Im Wald ein Kilometer südwestlich Wersau im Odenwald, an dem Hohlweg, der dann weiter über die Nonroder Höhe nach Neunkirchen führt, steht dicht nebeneinander ein ungefähr gleichalteriges Buchenpaar, das durch einen Querast fest miteinander verwachsen ist.
Im Wald ein Kilometer südwestlich Wersau im Odenwald, an dem Hohlweg, der dann weiter über die Nonroder Höhe nach Neunkirchen führt, steht dicht nebeneinander ein ungefähr gleichalteriges Buchenpaar, das durch einen Querast fest miteinander verwachsen ist.

Im Kampf um die Lohntarife

Auch die Tischler haben ihre Sorgen

Die Tischler-Innung des Kreises Groß-Gerau hatte ihre Mitglieder am Samstagnachmittag zu einer Innungsversammlung eingeladen. Obermeister Krumb gab hierbei einen Bericht über den ersten hessischen Tischlertag in Eschwege. In seinem Referat über die Angebotsvergebung der Arbeitsgemeinschaft der vereinigten Tischlerbetriebe des Kreises Groß-Gerau kritisierte er, daß die Baugenossenschaft Ried noch immer keine Antwort auf ein Angebot gegeben habe, das bereits vor mehr als drei Wochen vorgelegt worden sei.

Geschäftsführer Schwerer von der Kreishandwerkerschaft gab die Jahresrechnung 1949/50 bekannt, da die Kreishandwerkerschaft die kassenführende Stelle der Innung ist. Der Haushaltsplan für 1950/51 ist in Ausgaben und Einnahmen ausgeglichen; er wurde von der Versammlung einstimmig angenommen.

LandesinnungsmeisterH ö c h e r, Frankfurt, stellte fest, daß die Lohntarife von den Gewerkschaften aus gekündigt seien. Die. Gewerkschaften forderten, daß die 14 Pfennig Teuerungszulage Bestandteil des Lohnes werden sollen und diesem noch eine gewisse Lohnerhöhung zugefügt werden solle. Von Seiten der Arbeitgeber werde diese Forderung jedoch nicht akzeptiert, da der jetzige Lebenshaltungsindex nicht in dem Maße gestiegen sei, wie es die Gewerkschaften behaupten. Die Gewerkschaften hätten mit Streik gedroht. Der Landesinnungsmeister empfahl den Betrieben, sich in keine Einzelverhandlungen einzulassen, da hierdurch eine einheitliche Tarifgebung gestört würde.

In der Aussprache wurde der Besuch der Frankfurter Herbstmesse empfohlen. Weiterhin besprach man die zweitägige Besichtigungsfahrt zu den Glashütten in Weiden, die am kommenden Freitag und Samstag stattflnden soll. (cg)

Was aũch interessiert:

Der Diskussionskreis Reichelsheim hat für die nächste Zeit folgende Vorträge vorgesehen: Heute Abend Vortrag von Dr. Ratz über Werner Bergengruen im Rahmen der Vortragsreihe „Dichter unserer Zeit“, Beginn 20.15 Uhr. Samstag, 2. September, 20.15 Uhr, Lichtbildervortrag von Dr. Hans Heil, Fr.-Crumbach, über das Thema „Von der Naturlandschaft zur Kulturlandschaft“. tm

Im hochgekrempelten Aermel fand bei einer Körpervdsitatlon die Gendarmerie Groß -Bieber au bei einem Jugendlichen 50 DM, die er kurz zuvor einem Gastwirt entwendet hatte. GD

Das Wasser der Modau wurde in Pfungstadt in die Sandbach geleitet um die Reinigung des Bachbettes vornehmen zu können. ier

Ein landeseigenes Löschfahrzeug erhält die Gemeinde Groß-Bieberau in etwa drei Wochen von der Brandversicherungskammer. Die Gemeinde übernimmt die Unterbringung und Pflege des Fahrzeugs. qq

Eine Feuerwehrschauübung der Feuerwehren aus der Umgebung von Ober-Roden findet am kommenden Sonntag in Ober-Roden statt. Ein Festzug durch die Straßen und Tanz auf dem Festplatz schließen sich an. w..

— — wu Die Sport- und Sängervereihigung Groß-Bieberau wurde aufgelöst. Die Sanger schlossen sich in einer „Chorgemein schäft 195 0“ zusammen. Dirigent. M. Frank, Urberach. Fußballer und Turner benannten ihren Verein „Sportyerein“. Die Handballer gründeten gleichfalls einen neuen Verein unter der Bezeichnung „Turn - und Sportgemein d e“. w„

■ Gegen die geschlossene Bahnschranke in U i b er ach fühl' ein von Ober-Roden kommender Lastwagen, da er nicht rechtzeitig abstoppte. Die Windschutzscheibe wurde zertrümmert, die Schranke Verbogen. Personenschaden entstand nicht.

Der Kartoffelzuchtbetrieb Gebr. Böhm, Groß-Bieberau, stiftete anläßlich Sn 50^hrigen Jubiläums 15 000 DM für den Schulhausneu¬ bau der Gemeinde. qd

Die Beute einer Nacht:

Bargeld und Benzinmarken

Schwerer Einbnichsdiebstahl in Dieburg

In der Nacht zum Dienstag wurde in dem Verkaufsgebäude einer Autoreparaturwerkstätte ein schwerer Einbruchsdiebstahl ausgeführt. Die noch unbekannten Täter — den angestellten Ermittlungen nach handelt es sich mindestens um zwei — sind von der Böschung des an dem Haus vorbeifließenden Herrengrabens durch ein Fenster eingestiegen. Auf der Suche nach Beute haben sie u. a. in dem Schlafzimmer des Geschäftsmannes alle Schränke und Behältnisse durchwühlt, jedoch weder Kleidungsstücke noch Wäsche mitgenommen, da es ihnen anscheinend in erster Linie auf Bargeld ankam. Sie drangen dann in den Laden ein und raubten aus der Geschäftskasse einen Betrag von etwa 180 Mark und Benzinbezugsmarken im Nennwert von nahezu 500 Litern, die zum Teil bereits entwertet waren.

Der am Dienstagmorgen nach Bekanntwerden der Tat eingesetzte Suchhund verfolgte die Spur der Diebe durch den angrenzenden Garten. Dort wurde ein Siegelring gefunden, so daß man zu der Annahme neigt, daß die Einbrecher gestört wurden und den Ring auf der Flucht weggeworfen haben.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß es sich hier um die gleichen Täter handelt, die vor einigen Tagen in die Weinstube im Keller des Fechenbachschen Schlosses eingedrungen waren, dort aber keine allzu große Beute machten. (RG)

Schon wieder Brandstiftung?

kung Wolfskr.ni der Gemar-Strohhaufen Je^Xs mann nieder. Die fSu r H konte den Brand 'S*

zweL^roßr^^ einer ^er zweimal versucht^urde^ Feulr^^6*” nahe d<!r Verdacht der Brandstiftung^ -od.-

Im Rhein abgesackt

r?°he^ Stromkilometers 461, unterhalb Gernsheim, fuhr ein Soldat der amerikanischen Besatzungsmacht am ^^^^^raftfahrzeug in das flache Wasser eines Rheinarmes. Das Fahrzeug versank schon nach kurzer Zeit bis jüber die Achsen in dem grundlosen Kaei und konnte trotz heftigen Bemühens seatens des Fahrers nicht mehr dem unfreiwilligen Bad entrissen werden Auch X?1 ^eeilter Traktor vermochte nicht zu helfen. Erst ein aus Darmstadt herbeigeholtes Bergungsfahrzeug konnte dann Fahrer und Fahrzeug aus ihrer mißlichen Lage befreien. -kr.-

Schluß mit dem Lehrerwechfel!

Elternversammlung in Wahlen

Die Schul- und Lehrerprobleme in Wahlen sind seit 1945 Gegenstand fortwährender Auseinandersetzungen zwischen Elternschaft, Gemeindeverwaltung und Kreisschulamt. Die kürzliche Versetzung von Lehrer Bauer nach Zotzenbach hatte wiederum unerfreuliche Diskussionen verursacht, so daß sich die Gemeindeverwaltung veranlaßt sah, eine Elternversammlung einzuberufen. Kreisschulrat R e g n i t z war als Vertreter der Kreisbehörde erschienen und stand vor einem zahlreichen Publikum Rede und Antwort. Er führte die verschiedenen, sich zäh am Leben erhaltenden Gerüchte über die Wiedereinstellung eines entnazifizierten Lehrers ebenso ad absurdum wie die Behauptung, daß die Gemeindeverwaltung gegen die Interessen der Schulkinder interveniere. Gleichzeitig versicherte er den Eltern, daß der in letzter Zeit aufgetretene ständige Wechsel der Lehrkräfte nun abgeschlossen sei. Bürgermeister Sachs verwies auf Grund verschiedener Anfragen darauf hin, daß das Schulhaus 1945 von der Einwohnerschaft derart geplündert worden sei, daß die Gemeindekasse bis heute noch nicht die Mittel habe aufbringen können, um es wieder auszustatten. -r-

600 Sänger in Ober-Klingen

Kreisliedertag des Sängerkreises „Gersprenz“

16 Gesangvereine des Gersprenz-Tales aus den Gemeinden Ober-Klingen, Unter-Ostern, Brensbach, Nieder-Klingen, Ober-Kainsbach, Reichelsheim, Ueberau, Ober-Ostern, Spachbrücken, Groß-Bieberau, Wembach-Hahn, Nieder-Kainsbach, Rohrbach, Reinheim, Fränkisch-Crumbach und Brandau mit insgesamt 600 Sängern trafen am Sonntag im Volkshaus Ober-Klingen zusammen, um vor den zahlreichen Zuhörern Ausschnitte aus ihrem Können zu geben. Der Vorsitzende des Bezirks Darmstadt des DAS, De n - necke, sowie Kreisvorsitzender Scholl waren als Gäste erschienen.

Die beteiligten Vereine hatten jeweils zwei Chöre zu singen. Hierbei trat die „Chorgemeinschaft 1950“, Groß-Bieberau, neben ihrem Männerchor mit einem gemischten Chor, der Gesangverein „Liederkranz“, Wembach-Hahn, mit einem gemischten Chor und einem Frauenchor auf. Ein Festball am Abend mit der Kapelle Kollbacher, Wersau, beschloß den für alle Beteiligten ereignisreichen Tag.

Baufreudiges Sandbach

Der Generalbebauungsplan der Gemeinde Sandbach, der derzeit beim Regierungspräsidenten in Darmstadt zur Genehmigung vorliegt, enthält eine stattliche Reihe von Bauprojekten. So wird das gesamte Gelände von der Kistenfabrik bis zur Volksschule ausgebaut werden. Zuzüglich den zwei bereits erstellten Häusern kommen weitere 8 Neubauten gleichen Formats zur Errichtung. In 2- bis 3-Zimmer-Wohnungen kann jedes Haus 12 Familien aufnehmen, so daß hier allein 120 neue Wohnungen gewonnen werden. Die Fluchtlinie verläuft 25 Meter von der Straße entfernt. Dieser Raum wird durch Grünflächen ausgefüllt, die, auch zwischen den einzelnen Häuserblocks geplant, dem Wohnviertel sein besonderes Gepräge verleihen werden.

Insgesamt sieht der Generalbebauungsplan 300 neue Wohnungen vor, in deren Zahl die bereits o. a. 120 Wohnungen eingeschlossen sind. Selbstverständlich ist man auch bestrebt, die innerhalb der Gemeinde liegenden Bauplätze auszunutzen.

Trotz dieser großzügigen Bauvorhaben der Gemeinde, die durch ihre Industrie in einer glücklichen finanziellen Lage ist, kann die Wohnungsnot als noch nicht völlig gelöst bezeichnet werden. Die Zahl def in Aussicht gestellten Wohnungen deckt sich noch lange nicht mit der Zahl der Wohnungssuchenden. Die durch die Industrie bedingte ständige Zuwanderung läßt erkennen, daß sich die Gemeinde in naher Zukunft zu einer der größten des nördlichen Kreisgebietes entwickeln wird. hm

Abschied

von der „Pfingstgemeinde“

Heute verlassen die letzten Gäste der „Evangelischen Pfingstgemeinde“ wieder Schaafheim, um in ihre Heimat im Rheinland, in Westfalen und Nordhessen zurückzukehren. Den Anlaß zu dem Besuch bot die Einweihung des neu errichteten Betsaales, der trotz seiner 130 Sitzplätze während der Betabende der Werbewoche vom 13. bis 20. August den zahlreichen Interessierten, vor allem Jugendlichen, nicht genügend Raum bot, so daß der Garten und die Mühlgasse noch Zuhörer aufnehmen mußte. Unter den fast 50 auswärtigen Gästen weilten zwei Chinamissionare mit ihren Frauen, außerdem sprachen zwei Engländer zu der Versammlung. Während die Mehrzahl der Gäste bei den Mitgliedern der nun schon über 40 Jahren in Schaafheim bestehenden Pfingstgemeinde Unterkunft fand, hatte die Jugend sich im Schaafheimer Wald edn Zeltlager errichtet. Der evangelische Singkreis trug mit Gesangsvorträgen zur Ausschmückung der Betabende bei. io

Verzicht auf Einschläge

Waldmichelbachs Gemeinderat nahm Waldwirtschaftsplan an

Der neue Waldwirtschaftsplan der Gemeinde Waldmichelbach, der 84 000 DM Einnahmen und 93 000 DM Ausgaben vorsieht, wurde jetzt vom Gemeinderat angenommen. Die an den Staat abzuführenden 16 000 DM Grundsteuer, die vor allem für die Höhe der Ausgaben bestimmend sind, erregten lange Zeit die Gemüter der Räte, zumal aus den überforsteten Wäldern in den nächsten Jahren kaum ein wesentlicher Ertrag zu erwarten ist, sondern im allgemeinen Interesse weitgehend auf Einschläge verzichtet werden muß.

Für den Landwirt

Schlachtviehmarkt Darmstadt

am 21. und 22. August

Darmstadt. Auftrieb 13 Großvieh (19 %), 8 Kälber (12 ’/» mehr), 19 Schweine (4 ’/o weniger als in der Vorwoche). Preise: Großvieh etwas schwankend, Kälber und Schafe steigend, Schweine kaum verändert. Marktverlauf: Großvieh ruhig, geringer Ueberstand, Kälber, Schweine und Schafe rege: geräumt. Qualität: Großvieh mittel bis gut, Kälber mittel, Schweine gut. Fleischgroßmarkt: Fünf Tonnen Inlandsfleisch. •— Notiz: Darmstadt. I. Großvieh: 79 Stück, davon Ochsen 6, Bullen 12, Rinder 24, Kühe 37. Ochsen Klasse aa 90 — 94 Pfg., Ochsen Klasse a 72—88 Pfg., Bullen Klasse aa 85—93, Bullen Klasse a 76—84, Rinder Klasse aa 90—97, Rinder Klasse a 84—92, Rinder Klasse b 70, Kühe Klasse aa 71—90, Klasse a 64—87, Klasse b 52 bis 77 Klasse c 48—60 Klasse d 45—55 Pfg. — 11. Kälb er : 73 Stück Klasse (aa 120 Pfg., Klasse a 135, Klasse b 100—115, Klasse c 80—105, Klasse d 60—75 Pfg. — 111. Schweine: Klasse a + bl 135 kg und mehr 138—140 Pfg., Klasse b 2 120— 134,5 kg 139—140 Pfg., Klasse c 110—119,5 kg 139—140 Pfg., Klasse d 80—99,5 kg 137—140 Pfg., Klasse e 60—80 kg 133— 140 Pfg., Klasse g Specksauen 128—134 Pfg. — IV. Schafe: 14 Stück: Klasse a 65 Pfg., Klasse b 57—63 Pfg., Klasse c 35 Pfg.

Sport der Heimat

SKG Waldmichelbach ISV Aschbach 1:6 (0:3)

In diesem forreichen Samstags-Treffen machte sich einmal mehr die konditionsmäßige, techniscne und kämpferische Ueberlegenheit der kompletten Elf Aschbachs über die mit einer aus Spielern der ersten Mannschaft aufgefülltcn Reserven Waldmichelbachs bemerkbar. Die Gäste beherrschten klar das Spielgeschehen, und erst beim Stande von 0:5, als sie kürzer traten, konnte ein Weitschuß von Bihn den Ehrentreffer ergeben, dem Äschbach noch einen verwandelten Handelfmeter folgen ließ. Äschbachs Tore erzielten paarweise Ritter, Kirchenlohr und Weber. (ni)

Fußballkreis Darmstadt

Groß-Gerau und VfR Langen steigen auf

In Groß-Gerau erlebten die 800 Zuschauer einen spannenden Kampf, in dem erst in der Verlängerung die Entscheidung fiel. Schon gleich nach Beginn des Spieles konnte Langen durch Werner in Führung gehen und Groß-Rahrheim gelang dann plötzlich der Ausgleich durch Kraft. Herch konnte sogar die Führung erzielen. Das Spiel wurde nun etwas ausgeglichener und beide Mannschaften erstrebten den Sieg. Es wurde hierbei eine Note ins Spiel gebracht, die man hätte vermeiden können. Ein daraus resultierender Elfmeter verwandelte der gut aufgelegte Werner zum Ausgleich. In den nun 2 mal 15 Minuten Verlängerung konnte Wahl für Langen den Sieg sicherstellen.

Groß-Rohrheim ein würdiger Verlierer

In Langen kam es ebenfalls zu einem hinreißenden Spiel. Wenn auch anfangs die Chancen verteilt waren, so machte sich doch Groß-Gerau merklich frei und landete durch Dörr den ersten Treffer. Ueberau, das zu kämpfen versteht, nutzte eine Unentschlossenheit zum Ausgleich aus. Kurz vor dem Seitenwechsel war es wieder Dörr, der den alten Abstand herstellte. Immer wieder stand Groß-Geraus Abwehr vor großen Aufgaben und schließlich gelang der Ausgleich. Erst dann konnte Groß-Gerau mit zwei schönen Prachtschüssen von Ziegele den Endsieg sicherstellen.

Pokalmeister des Bezirks Darmstadt: Reinheim.

Endlich ist mit dem Spiel Götzenhain—• Reinheim die Pokalrunde abgeschlossen und Reinheim konnte sich in einem nicht immer schönen Kampf den Aufstieg erringen. Nach anfänglich ausgeglichenem Spiel konnte Daum zum erstenmal den Schlußmann von Götzenhain schlagen. Einen 25-m-Freistoß konnte Schäfer zum Ausgleich einsenden. Aber schon wenige Minuten später war es wieder Daum, der seinen Verein in Führung brachte. Nach dem Wechsel fiel Götzenhain merklich ab und Reinheim dirigierte das Geschehen. Trotzdem waren auch sie nur noch einmal durch Krenze erfolgreich. -M-

Lehrgang der DLRG in Reichelsheim

Durch die Initiative des Ortsbeauffragten der Deutschen Lebensreftungsgesellschaff „Hessen“*, Landesverband Wiesbaden, Karl Korinek, einem Neubürger aus Reichelsheim, wurde im herrlich gelegenen Reichelsheimer Schwimmbad ein achtwöchentlicher Lehrgang für Rettungsschwimmer durchgeführt. Bei der Prüfung durch, den Kreisvorsitzenden der DLRG, Dr. Hans Lachmann, Darmstadt, erhielten folgende Rettungsschwimmer den Grundschein der DLRG: Margarete Dingeldein, Reichelsheim; Gertrud Krüger, Kirch-Beerfurth; Kurf Pokorny; Reiner Theile, Helmut Fischer, Dieter Henke, Peter Weimar, Hans W, Knöll, Otto Göttmann, Willi Werner, Otto Klingler, Georg Klingler und Helmut Klar, alle Reichelsheim. 'fn*

Kinderturnfest n Eschollbrücken

Diesmal ist es die Tumerjugend, die am Sonntag, 27. August, die neue Platzanlage in Eschollbrücken bevölkert. Aus den Vereinen des Südbezirkes des Turnkreises Darmstadt werden etwa 400 Buben und Mädels zum Wettkampf anfrefen.

Sportplatzweihe in Hering

Am Fuße der Burg Otzberg liegt der neue, herrlich gelegene Sportplatz, mit dessen Einweihung ein jahrleanger Wunsch der hiesigen Sportler in Erfüllung ging.

Der 1. Vorsitzende Arnold setzte sich mit aller Energie ein und brachte es mit vieler Mühe bei der Gemeindevertretung fertig, den Platz mit einem anderen Grundstück zu tauschen. Die letzten Wochen waren sehr anstrengend für die begeisterten Sportler. Jung und alt arbeitete nach Feierabend, die Erdbewegungen wurden bis zum letzten Tag durchgeführt. So konnten am Sonntag um 11 Uhr die Spiele beginnen. Zunächst spielten die Schüler Hering gegen die Schüler Münster 1:7. Auch die 2. Jugend verlor gegen die Jugend Münster mit 0:5. Nach dem Festzug sprach Bürgermeister Hunleth die Begrüßungsworte und hieß die Gäste und Sportler herzlich willkommen. 1. Vorsitzender Arnold dankte der Gemeinde und wies auf dei kameradschaftliche Arbeit der Einwohner und Sportler hin. Anschließend verlor die 2. Mannschaft Hering gegen 2. Heubach etwas unglücklich 1:2. Bei dem mit Spannung erwarteten Treffen zwischen 1. Lengfeld—l. Klein-Zimmern lieferten sich beide Mannschaften einen schönen Kampf, den Klein-Zimmern mit 7:1 verlor. Im abschließenden Treffen zwischen 1. Heubach—l. Hering verhalf den Gästen die größere Spielerfahrung zu einem 5:3-Sieg.

Der SPORT

Darmstädter Schwimm-Erfolge in Göppingen

Eine kleine Nachlese

Der erste Tag der am vorletzten Wochenende in Göppingen durchgeführten Deutschen Schwimm-Meisterschaften war der Jugend und den Altersklassen gewidmet.

Wie sehr gerade die Alten Herren und auch die Damen noch bei der Sache sind, zeigten sowohl die großen Felder, wie auch die durchweg beachtlichen Leistungen. Fast die gesamte deutsche Schwimmerelite des vergangenen Jahrzehnts war am Start. Um so bedeutender erscheinen die Leistungen der Darmstädter Eugen Richter und Heli Schneider von DSW 1912, die für ihren Club je einen ersten und einen zweiten Sieg nach Hause bringen konnten.

In der Altersklasse 1 (35—40 J.) über 100 m Kraul siegte der Deutsche Altmeister Helmut Fischer vom Bremschen Schwimmverband in 1:05,0 vor Laugwitz, Schwaben Stuttgart (1:07,5) und Heise, Poseidon Berlin, in der Altersklasse 2 der alte Breslauer Meisterschwimmer Karl Schubert, jetzt Blau-Weiß Pirmasens, in 1:07,1 vor Witthauer vom Ersten Frankfurter Schwimmclub mit 1:09,2. Den Sieg in der Altersklasse 3 über 50.m sicherte Sich Richter vom DSW 1912 unter 11 Teilnehmern in 31,1 vor Schmidt, Vfvb München mit 32,9. In der Altersklasse 4 belegte Hans Schneider vom DSW 1912 mit 37,1 noch den 6. Platz. Im 50- m-Brustschwimmen der Damen Altersklasse 4 wurde Heli Schneider der DSW mit 56,1 zweite hinter Böttcher DSV 06 Essen (51,8). Im Brustschwimmen über 100 m Altersklasse 1 siegte Paul Schulte, Gladbeck 13, in 1:21,0 vor Paul Schwarz, Göppingen, in der Altersklasse 2 der deutsche Altmeister Erwin Sietas, Hamburg, 1:21,2 vor Oskar Wunsch, Neptun Karlsruhe. Im Rückenschwimmen der Alten Herren Altersklasse 1 brachte Kurt Gerstenberg, Düsseldorf, in 1:16,2 den Sieg an sich, in der Altersklasse 2 Karl Schubert in 1:21,9. Ueber 50 m in der Altersklasse 3 belegte Eugen Richter DSW den zweiten Platz mit 40,2 hinter Schedel, HSV Hannover (38,5). Einen letzlichen Sieg erschwamm sieh Heli Schneider vom DSW 1912 in der Altersklasse 4 über 50 m Kraul mit 58,0.

Die Darmstädter Erfolge verdienen um so mehr Beachtung, da die beiden ersten Siege gleichzeitig die einzigen waren, die nach Hessen fielen, von den drei hessischen zweiten Plätzen sind wiederum zwei der Vertretung des DSW 1912 zuzuschreiben. Dr. S.

Ein Belgier im „Weißen Trikot“

Pfannenmüller durch Sturz zurückgefallen

Vo. Konstanz. (Eigener Bericht.) Die neunte Etappe von Waldshut nach Konstanz über 181 Kilometer war die bisher ereignisreichste der Deutschlandfahrt. Sie wurde vom Start weg spannend infolge der zahlreichen Stürze der Favoriten. Der Träger des „Weißen Trikots“, der Nürnberger Pfannenmüller, der zusammen mit dem Schweinfurter Schenk gleich nach dem Start an der Spitze war, fiel etwa zwanzig Kilometer vor dem Aufstieg zum Randenzollhaus über den vor ihm gestürzten Schweinfurter Schenk. Er erlitt dabei einen Gabelschaden am Rad, konnte aber glücklicherweise gleich das Rad seines „Stallgefährten“ Rühl erhalten. Immerhin geriet er dadurch sehr in zeitrückstand. Bei der Abfahrt mußte er nochmals einen Maschinen wechsel vornehmen, so daß er in Donaueschingen mit vierzen Minuten Rückstand gegen die Spitzengruppe einkam. Die führende Gruppe i stand aus dem Belgier Gyselinckxun dem Bielefelder Pankoke. Der Belgie Gyselinckx vollbrachte eine Glanzleistung.

Von Waldshut aus fuhr er zusammen mit Pankoke ganz allem sein Pen_ _ Am Randenzollhaus gewann der Belgie die Bergwertung vor Pankoke Peters, um dann mit großem Vorsprung dem Ziel entgegenzueilen. Etwa fünfzig Kilometer vor Konstanz hatte Gyselinckx einen Schaltungsdefekt und Pankoke, der mit ihm zusammen an der Spitze fuhr, mußte ihm sein Rad geben.

Mit 5:27 Std. wurde der Belgier Gyselinckx Etappensieger vor Pankoke, der noch rechtzeitig vom Materialwagen mit einem Rad versorgt worden war. Der Träger des Weißen Trikots, Pfannenmüller, traf mit 14:29 Min. Abstand ein.

Der Deutsche hatte soviel Zeitverlust, daß nunmehr der Belgier Gyselinckx das Weiße Trikot mit der Gesamtzeit von 60:48:46 Std. trägt, vor Pfannnenmüller mit 60:50:29 Std., während der Schwarzwälder Müller (Schwenningen) 60:52:54 Std. in der Gesamtwertung nach der neunten Etappe an dritter Stelle liegt.

Das Ergebnis der Dienstagsetappe: 1. Gyselinckx (Belgien) 5:27 Std., 2. Pankoke (Bielefeld) 5:30,37 Std., 3. Aeschliman (Schweiz) 5:36,30 Std., 4. Diederichs (Dortmund) 5:36:30,1 Std., 5. Decorte (Belgien) 5:36:30,2 Std., 6. Müller (Schwenningen) 5:36:30,3 Std., 7. Schild (Chemnitz) 5:36:30,4 Std.

Hoher Rollhockeysieg der TSG

In einem fairen und schnellen Spiel besiegte am Samstagabend auf der Bahn am Woog das Team der TSG Darmstadt den jungen Frankfurter Eis- und Rollhockeyclub Blau-Rot in einem Freundschaftsspiel mit 8:1 (4:o, 4:1). Die Darmstädter zeigten ein Spiel, das begeisterte. Der Sturm kombinierte manchmal fast bis in das leere Tor der Gäste, die ihre alte Form noch nicht erreicht hatten. Beh und Goß, der Sturm des hessischen Rollhockeymeister 1948, konnten nicht überzeugen. Müller als Verbinder war der überragende Spieler seiner Mannschaft. Waal im Gästetor war gegen die schnellen Angriffe des TSG-Sturms machtlos, doch kann man ihm allein die Schuld nicht geben. Im Tor der Gastgeber stand diesmal Bönning, der einige gute Leistungen zeigte.

Im Vorspiel standen sich die 2. Mannschaften gegenüber. Die TSG gewann hier wiederum 7:1.

Die Kunstläufer der TSG füllten mit ihrer Kür die Pausen aus.

TSV Pfungstadt gegen SV 98 Darmstadt 5:3

In spannenden und sehenswürdigen Kämpfen schlug Pfungstadts Mannschaft seine Gäste aus Darmstadt mit 5:3. Im Fliegengewicht siegte Nietsche, Pfungstadt, über Wenk, Darmstadt, in 6 Min. 5 Sek. Im Bantamgewicht siegte Steinmetz, Pfungstadt, über Kowall in 8 Min. 25 Sek. Im Federgewicht Heckhaus, Darmstadt, über Weber, Pfungstadt, in 12 Min. 30 Sek., im Leichtgewicht Hofmann, Pfungstadt, über Mickschien, Darmstadt, in 2 Min. 45 Sek., im Federgewicht Welker, Pfungstadt, über Waltraud, Darmstadt, in 15 Min., im Mittelgewicht Koch, Pfungstadt, über Hein, Darmstadt, in 1 Min. 10 Sek., im Hauptschwergewicht Gerhardt, Darmstadt, über Büchlein, Pfungstadt, in 3 Min. 15 Sek. Die Ergebnisse zeigen, daß die Pfungstädter in den unteren Gewichtsklassen gut beschlagen sind, während die Darmstädter im Halbschwer- und Schwergewicht überlegen waren.

Unser Tip kür den Hessentoto

1. FSV Frankfurt-Spvgg Fürth 0 (1) 2. Schwab. Augsburg-BC Augsburg 1 (0) 3. VfR Mannheim-Vfß Mühlburg 1 (1) 4. Schweinfurt 05-1860 München 1 (1) 5. SSV Reutlingen-SV Darmstadt 98 2 (2) 6. 1. FC Nürnberg-Waldh. Mannh 1 (1) 7. Vfß Stuttgart-Eintr. Frankfurt 1 (1) 8. AFV Cham-1. FC Pforzheim 1 (0) 9. VfL Konstanz-Jahn Regensburg 0 (2) 10. ASV Durlach-Kickers Stuttgart 1 (0) 11. Kick. Offenbach-VfL Neckarau 1 (1) 12. Wack. München-Vikt. Aschaffenb. 1 (1) 13. KSV Hess. Kassel-FC Freiburg 1 (1) 14. SG Arheilgen-Union Bückingen 1 (0)

Die Tage der Reiter in Aachen

Eine erste Uebersicht / Von unserer Sonderberichterstatterin Ingrid Bergmann

Zehn Tage währt das Treffen der Reiter aus neun Ländern Europas in Aachen, bei dem wertvolle Prüfungen im Springen, der Dressur und der Fahrkunst entschieden werden sollen. Die deutschen Reiter und Turnierställe sind mit ihrem besten Material vertreten, und sie freuen sich darauf, sich auch wieder einmal mit guten Kräften aus dem Auslande zu messen, um so einen Gradmesser für den eigenen Leistungsstand zu erhalten. Daß es darum nicht gerade schlecht bestellt ist, haben schon die ersten fünf Tage bewiesen, von denen hier ein Gesamtüberblick gegeben werden soll.

Wie bei allen großen Turnieren war das erste Jagdspringen der Klasse M besonders stark besetzt, so daß es auch zwei volle Tage brauchte. Bereits am Samstagnachmittag waren 18 Reiter fehlerlos über den Parcours gegangen. Die Entscheidung wurde durch Stechen herbeigeführt, an dem sich im ganzen 28 Pferde beteiligten. Die ersten Preise gingen an die Reiter: H. J. Huck auf „Toni“, Evers auf „Baden“ und P. Vondenhoff auf „Fridolin“ und Frau Günther auf „Antilope.“

Bei diesem Springen hatte der sonst so erfolgreiche junge Reiter Thies Kohlsaat aus Holstein besonderes Pech mit seinen vier Pferden. „Stalljockey auf falschem Pferd“ hieß es dann, als er sein fünftes zu diesem Jagdspringen gemeldetes Pferd „Hamburgerin“ von Rolf Bartels reiten ließ, der den Parcours fehlerlos beendete. Ein besonders hübsches Bild bot das Paarreiten, an dem sich alle anwesenden Dressurreiter beteiligten, und so eine erstklassige große Abteilung bildeten. In diesem schwer zu richtenden Wettkampf holten sich das Paar Wätjen/Frau v. Steiger (Schweiz) die goldenen Schleifen auf ihren Pferden „Nixe“ und „Zauberfee“. Der zweite Preis fiel an Vornholz, Lörke auf „Adular“ und Baroneß I. v. Nagel auf „Afrika.“ In den verschiedenen Fahrprüfungen holten sich die Gespanne von Zücken (Mannheim) und die von Dr. Schauerte selbst gefahrenen Pferde die ersten Preise.

Die Dressur, die Krone der Reiterei, hatte gleichfalls eine außergewöhnlich große Beteiligung. Die morgendliche Vor* Prüfung, während der alle Reiter einzeln eine vorgeschriebene Dressuraufgabe vorreiten mußten, dauerte allein über fün7 Stunden. Man sah viele sehr gute Leistungen, vor allem in der Gruppe der Be-> rufsreiter. Die Richter waren Dr. h. c. Rat? und General a. D. Linkenbach, der eigene dafür aus England gekommen ist. Bei den Amateur-Reitern in dieser M-Dressur, fielen besonders die beiden Vorführungen der Baroneß I. v. Nagel auf mit ihren Pferden „Fanal“ und „Afrika“, sie erhielt auch den wohlverdienten ersten Preis, den sie sich allerdings mit Dr. Büsing auf „Lorbas“ teilen mußte. Bei den Berufsreitern ergab sich folgende Placierung: W. Schultheiß auf „Pernod“ (Gestüt Vornholz), O. Lörke auf „Chronist“ (Gestüt Vornholz), Herr Günther auf „Intermezzo.“

Ein aufregender Abschluß des Sonntags in Aachen war das Barrieren-Springen, das einem Rekord-Hochspringen entspricht. Beim ersten Durchgang wurden die dicht hintereinander stehenden sechs Hindernisse von fast allen Pferden fehlerlos genommen. Nach dem zweiten Durchgang waren es immer noch zwölf Pferde mit 0 Fehlern. Abermals wurden die Hindernisse erhöht, so daß das letzte und höchste eine Höhe von 1,75 Meter hatte. Obwohl schon die Dunkelheit hereinbrach, nahmen noch drei Pferde die Hindernisse fehlerlos. Um die Pferde nicht weiter zu beanspruchen und wegen des schlechten Lichtes (es war inzwischen 20.30 Uhr geworden), teilten sich die drei Fehlerlosen in den Sieg. Es waren: Thies Kohlsaat auf „Jörn Uhl“, Evers auf „Baden“ und Kurt Capellmann auf „Hartherz“. Die Schaunummer, die Weiß (Wiesbaden) mit seinen beiden Zweibrücker Hengsten bestritt, begeisterte alle Zuschauer. Unter starkem Applaus zeigten die beiden Herren Weiß die Künste der Spanischen Hohen Schule. — Der Montag verlief in Aachen ruhig.

Berg- Turnteste unserer Heimat

Das altbekannte Feldbergfest, das zum 94mal abgehalten wurde, hat am Sonntag wiederum beachtliche Wettkämpfer auf den Gipfel gelockt und am Sonntag, 3. September, ist es der Frankenstein, der aus dem Bezirk Darmstadt die Turner und Turnerinnen zum Wettkampf ruft. Auch diesmal sind es Dreikämpfe — Lauf, Sprung und Stoß —, die für alle Klassen ausgeschrieben wurden. Nachmittags werden Mannschaffskämpfe und Vereinsvorführungen die Besucher unterhalten. Meldungen müssen umgehend an die Kreisgeschäftsstelle abgegeben wer¬ den.

Am 17. September ist das Auer = bacher Schloß der Ort des Berg-Turnfestes. Auch hier sind es Dreikämpfe für alle Klassen, während ein 3000- Meter-Lauf für Mannschaften an Marfin-Gebhardt erinnert. Ein Schauturnen der Kreisriege wird den Nachmittag verschönern. kof.

SV 98 zweimal daheim

Nach dem ersten Auswärtsspiel in Reutlingen am kommenden Sonntag spielen die 98er am 3. September gegen Vfß Mühlburg und am 10. September gegen die Spvvg Fürth. Beide Spiele werden in Darmstadt ausgetragen.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Pfungstadt. Die 70jährigen verabschiedeten bei einem gemütlichen Beisammensein ihren Schulkameraden Ludwig F e i d e 1, der nach Amerika zurückkehrt. — Auch die noch lebenden Schulkameraden des Schuljahrganges 1870 fanden sich im „Adler“ zu einigen Stunden der Erinnerung zusammen. — Der Gartejibauverein unternahm eine Fahrt zur Gartenbauausstellung nach Stuttgart. — Bei der Schutzhundeprüfung am Sonntag wurden 7 Schäferhunde, 1 Dobermann und 1 Boxer vorgeführt. Das Kennzeichen Schutzhund I erhielten 6 Tiere, das Kennzeichen II 3 Hunde. Richter war Herr Löser, Idstein. ler.

DIEBURG

Dieburg. Als Täter eines kürzlich in Babenhausen begangenen Ladendiebstahls wurde jetzt ein junger Mann aus Dieburg ermittelt. Er war in Abwesenheit des Geschäftsinhabers vom Hofe her in den Verkaufsraum eingestiegen und hatte die Geschäftskasse geplündert. (RG)

Eppertshausen. Am Montag wurde mit der Parz e 11 enverme s s u n g durch das Kulturamt begonnen. Damit ist die Feldbereinigung in der Gemeinde in ihr erstes Stadium getreten. wu

Eppertshausen. Am Dienstagabend fand eine Abschiedsfeier für den aus der katholischen Gemeinde scheidenden Kaplan Bittner statt. An seine Stelle tritt Kaplan Hanf, Finthen. wu

Babenhausen. Aus dem hiesigen Lager verschwanden im Laufe der letzten Tage mehrere Tschechen unter Mitnahme der ihnen bei ihrer Einweisung übergebenen Wolldecken und Eßbestecke. Drei ■ von ihnen sollen bei einem kürzlich hier ‘gastierenden Zirkusunternehmen Beschäftigung aufgenommen haben. (RG) Groß-Umstadt. Durch die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals wurde in einem hiesigen Kaufhaus ein in Groß-Zimmern wohnendes Mädchen erwischt, als es ein Kleidungsstück stehlen wollte. „ „ (RG)

Groß-Zimmern. Ein hier wohnender Lastzugfahrer, der sich als Verkehrssünder bereits „einen Namen“ gemacht hat, wurde jetzt wegen fahrlässiger Gefährdung von Fernsprechanlagen zur Anzeige gebracht. Er hat in der Nähe von Groß-Umstadt einen Telefonmast umgefahren und dabei die Fernsprechleitung zerstört. (RG)

Gundernhausen. Zur 200-Jahrfeier der evangelischen Kirchengemeinde findet am kommenden Sonntag um 15 Uhr ein Jugendgotfesdiensf, um 15 Uhr eine Jubiläumsfeier mit Werken von Bach statt. Ein Gemeindeabend um 20 Uhr wird „Kirche und Heimat“ zum Thema haben.

Habitzheim. Am vergangenen Wochenende wurden die Umbauarbeiten des Freien Platzes, der Löschwasser-Entnahmestelle und die Abschirmmauer des Hesselgrabens fertiggestellt. Nach Beendigung der Maurerarbeiten der anliegenden Gartenbesitzer soll das fertige Bauwerk in festlichem Rahmen eingeweiht werden.

Reinheim. Im Zusammenhang mit dem Schadenfeuer auf Hof Illbach, bei dem 2 500 Zentner Stroh im Werte von 5000 DM vernichtet wurden, waren drei Tschechen, die an dem Stapel arbeiteten, in den Verdacht der fahrlässigen Brandstiftung gekommen. Die Untersuchung hat jedoch in dieser Richtung keine Anhaltspunkte ergeben. (RG)

Groß-Bieberau. Die Mutter einer neunjährigen Schülerin erstattete bei der Gendarmerie Anzeige gegen einen jungen Mann, der sich an ihrer Tochter vergangen haben soll. Die Ermittlungen sind eingeleitet worden. (RG)

ERBACH

Sandbach. In der - Ludwig-Heilstätte wurde die Küche vergrößert, da zur Zeit laufend 200 Kranke verpflegt werden müssen. hm

Lützel - Wiebelsbach. Frl. Menger wurde in der letzten Gemeinderatssitzung für die Besetzung der Hauptlehrerstelle benannt. Von der Gemeinde wurde ein fünfter Schulraum erstellt, der mit Tischen und Stühlen ausgestattet wurde. hm

Ober-Mossau. Am Sonntag veranstaltete der katholische Kirchenchor Erbach i. O. im Altersheim einen Theaternachmittag, der unter der Gesamtleitung von Herrn Kuhn, Erbach, stand. Es ist beabsichtigt, die Aufführung am 3. September in Michelstadt und in nächster Zeit auch in der näheren Umgebung zu wiederholen. Ld

BERGSTRASSE

Bensheim. Wie die KB-Abteilung Bensheim bekanntgibt, befinden sich die Rentenbüros für Hinterbliebene (Witwen, Waisen und Eltern) ab Donnerstag, 24. August, im Polizeigebäude Bensheim, Hauptstr. 39, und sind telefonisch unter Bensheim 649 zu erreichen. Die Postanschrift lautet nach wie vor: Landesversicherungsanstalt Hessen, KB-Abteilung Bensheim, Bensheim, Rodensteinstraße 78. Die übrigen Büros verbleiben weiterhin in der Rodensteinstraße 78. (HB)

Reichenbach. Die Felsbergstraße soll demnächst wieder hergestellt werden. Dies ist um so mehr zu begrüßen, als sich der gesamte Fremdenverkehr zum Felsberg und Felsenmeer über diese Straße bewegt.

Birkenau. Am Sonntag (20. 8.) fand eine Uebung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr statt, zu der Kreisfeuerwehrinspektor Fässer erschienen war. Es ergab sich dabei, daß der Ausbildungsstand der Wehr gut, ihre Versorgung mit Geräten dagegen mangelhaft ist. Der Kreisfeuerwehrinspektor versprach, dies alsbald zu ändern. (-r)

Lorsch. Die Spielschar der katholischen Pfarrgemeinde brachte am Sonntag auf der neuerstellten Freilichtbühne hinter der Pfarrkirche „Der verlorene Sohn“ zur Aufführung. Das Stück soll am Sonntag, dem 27. August, wiederholt werden. (bU

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Auf einer Mitgliederversammlung des Ortsverbandes der FDP kritisierte Kreisvorsitzender Dr. Seipel, daß durch die Haltung der Opposition im Bundestag die Arbeit auf gesetzgeberischem Gebiet aus rein agitatorischen Gründen verlangsamt werde. Angesichts der Weltlage sei eine indifferente Haltung für Deutschland unmöglich. Weiterhin betonte der Redner, daß für die Schaffung einer europäischen Einheit die Gleichberechtigung aller beteiligten Völker zweifellos eine Voraussetzung sei. (cg)

Groß-Gerau. Am Samstagnachmittag wurden die Jungtauben des Bezirks Groß-Gerau und Umgebung für den ersten Wettflug beringt. -od-

Dornheim. Auf dem Rathausplatz und in den Hauptstraßen werden zur Zeit zwölf Lautsprecher mit einer jeweiligen Reichweiter von 500 m aufgebaut, die das Netz des neuen Ortsrundfunks bilden sollen.

Mörfelden. Auf dem Dach der Leichenhalle wird ein Glockenturm errichtet. Die Glocke hierfür wurde bereits gekauft. Nach Fertigstellung des Glockenturms soll bei jedem Begräbnis geläutet werden. (-au-)

Nauheim. Forstmeister Seifart konnte innerhalb vierzehn Tagen vier Wildschweine zur Strecke bringen. Die angerichteten Schäden an Kartoffeläckern sind sehr beträchtlich. (-au-)

Lampertheim. Die Volksbühne traf sich zu einem gemütlichen Familienabend im Bootshaus Kern am Altrhein, (bb.) Gernsheim. Ueber das Thema: „Das neue Versorgungsgesetz“ wird am kommenden Freitag, um 20.00 Uhr, in der Gaststätte Hallmann Kreisvorsitzender Spitzer zu den Mitgliedern des Verbandes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen sprechen. (-kr.-)

Der Rundfunk am Donnerstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6,45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrofon; 16.00 Hausfrauenkonzert; 17.00 Unterhaltende Stücke für Geige; 17.15 Unterhaltungskonzert; 18.00 Hörerlieblinge; 18.30 Rhythmische Klänge; 20.00 „Nocturno 1941“; 21.30 Musikalisches Intermezzo; 21.45 Passiert — glossiert; 22.15 Kompositionen von Ernst Krenek; 23.00 Eine humoristische Reise mit Joseph Plaut; 23.15 Tanzmusik.

SUDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.00 Schulfunk; 16.00 Nachmittagskonzert; 18.10 Ernst Krenek; 20.00 „Nocturno“ 1941“; 21.30 Das Unterhaltungsorchester; 22.15 Tanzmusik; 0.05 Jazz im Funk.

SUDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; ,13.15 „München ruft Baden-Baden“; 15.30 Nachwuchs stellt sich vor; 16.15 Nachmittagskonzert; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 Klingende Kleinigkeiten; 22.30 Die großen Meister; 23.30 Für Kenner und Liebhaber.

NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Ländliche Musik; 15.00 Ja, wenn die Musik nicht wär; 15.40 Tanzmusik; 16.50 Johann Sebastian Bach; 18.00 Zwischen Sechs und Sieben; 20.00 „Nocturno 1941“; 21.30 Ausschnitte aus dem Brühler Schloßkonzert; 22.30 Tanzmusik; 0.05 Berlin am Mikrofon.

I Bestattungen am Mittwoch, dem 25. August 1950 BEERDIGUNGEN: Alter Friedhof: 11.00 Uhr: Kettel, Ludwig, 75 Jahre, Groß-Umstadt 11.30 Uhr: Bremmer,Philippine, 78 J., Roggenberg Arheilger Friedhof: 10.00 Uhr: Schaber, Luise, 72 J., Arheilgen, Wilhelm-Leuschner-Straße 15 Waldfriedhof: 14.15 Uhr: Teuertaufer, Julius, 81 J., Heinrichstraße 191 £ FEUERBESTATTUNG: 10.45 Uhr: Schütz, Gina, Darmstadt, 86 J.

I i Urkraft WÄSCHT UND BLEICHT ALLES SELBSTTÄTIG Urkraft WÄSCHT AUCH IN HARTEM WASSER Urkraft SPART ARBEIT UND GELD, DENN: URKRAH KOSTET NUR 55 Dpfg. i I o K R A f ’ B&HM ivi7chfs W DER FIRMA: M. KAPPUS, OFFENBACH A.M.

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