Ein neuer Plan Adenauers?
Besprechungen in London über die deutsche Polizeitruppe
on on, 21. August (AP.) Der britische Oberkommissar ist zu eiatungen mit der englischen Regierung in London eingetroffen, r so 1 einen Plan Adenauers zur Aufstellung einer deutschen Verteidigungstruppe mitbringen.
Gut unterrichtete Kreise in London erklären, dieser Plan sei am vergangenen Donnerstag auf dem Petersberg durch den Kanzler an die drei westlichen Oberkommissare überreicht worden. Der Vorschlag sehe die Bildung einer gutbewaffneten Abwehrtruppe vor, die aus Freiwilligen gebildet werden solle. Sie müsse stark genug sein, um der Volkspolizei der Sowjetzone gewachsen zu sein.
Englands Haltung unverändert
Ein Sprecher des Foreign Office sagte auf der täglichen Pressekonferenz am Montag, Sir Ivone werde den Leiter der Deutschlandabteilung des Foreign Office, Sir Donald Gainer, und sicherlich auch den Außenminister Bevin sprechen. Das Problem der Sicherheit Westdeutschlands werde in diesen Beratungen zur Sprache kommen. Englands Haltung in der Frage der Wiederbewaffnung der Deutschen sei unverändert. England habe sich der Remilitarisierung Deutschlands noch immer mit Nachdruck widersetzt.
Vertrauenswürdige diplomatische Kreise umreißeh den Plan des Bundeskanzlers wie folgt: Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich sollten weitere Kampfeinheiten nach Deutschland schicken, um ein „Korea“ von vornherein auszuschließen. Die Bonner Regierung solle ermächtigt werden, eine Truppe von Freiwilligen aufzustellen, die mit Panzern und Kanonen ausgerüstet werden solle. Diese Einheit würde der Kontrolle des Bundes unterstehen. Ihre Operationen würden jedoch der direkten Ueberwachung durch die Besatzungsmächte unterliegen. Wie es weiter heißt, solle Adenauer ausgeführt heben, daß sein Vorschlas mit einer Remilitarisierung Deutschlands nichts zu tun habe. Seine Feststellung sei dazu angetan, den Plan vielen Deutschen als annehmbar erscheinen zu lassen, die sich grundsätzlich gegen eine Remilitarisierung aussprächen.
Die deutsche Wiederaufrüstung
Erklärung der britischen Oberkommission
F. A. Z. Frankfurt, 21. August. Wie in Kreisen der britischen Oberkommission am Montag verlautet, mißt die britische Regierung dem Problem der deutschen Sicherheit jetzt die größte Bedeutung bei. Eine Aenderung in der Entmilitarisierungspolitik könne jedoch nur durch einen gemeinsamen Beschluß der Besatzungsmächte vorgenommen werden. Bisher seien von keiner alliierten Regierung konkrete Vorschläge unterbreitet worden, diese Frage zu überprüfen. Solange die jetzige Entmilitarisierungspolitik noch in Kraft sei, würde es nicht angebracht sein, zu Einzelpunkten des Adenauerschen Vorschlags Stellung zu nehmen.
Landsberg und Korea
el. Hamburg, 21. August. (Eigener Drahtbericht.) Professor R. Bowie, der Direktor des Rechtsamtes der amerikanischen Oberkommission, hat auf einer Pressekonferenz in Hamburg erklärt, zwischen den Entlassungen von acht deutschen Kriegsverbrechern aus dem Landsberger Gefängnis und dem Korea-Konflikt bestehe kein Zusammenhang. Die Entlassungen seien seit Anfang dieses Jahres von der Oberkommission diskutiert worden. Sollten sich die Entlassenen in der wiedergewonnenen Freiheit nicht straflos halten, würden sie erneut inhaftiert werden. Rückwirkungen der amerikanischen Entlassungsmaßnahme auf die in Landsberg auf ihre Hinrichtung wartenden Deutschen seien nicht zu erwarten.
Brentanos in Bonn
Bonn, 21. August. (AP.) Dr. von Brentano (Christlich-Demokratische Union) ist am Montag überraschend aus Straßburg zu einem Eilbesuch in Bonn eingetroffen, um mit Bundeskanzler Dr. Adenauer und Mitgliedern des Kabinetts in einer Sondersitzung über die Sicherheit Westdeutschlands zu beraten.
Brentano betonte, daß eine deutsche Beteiligung an einer europäischen Armee nur auf dem Boden absoluter Gleichberechtigung möglich sei.
Wird der Kriegszustand beendet?
England neigt einer einseitigen Erklärung zu
Bericht unseres Londoner Korrespondenten
gr. London, 21. August. Das Londoner Drei-Mächte-Komitee zum Studium der Revision des Besatzungsstatuts untersucht neben der Revision des Statuts selbst noch zwei weitere Fragen von erheblicher politischer Bedeutung für Westdeutschland, nämlich Möglichkeiten für eine Beendigung des Kriegszustandes und einen Weg zur Regelung der deutschen
Vorkriegsverschuldung. Eine grundsätzliche Haftbarkeit der Bundesrepublik für die Schulden des Reiches wird wohl, selbst wenn man eine Rechtsnachfolge bejahte, an der Tatsache scheitern, daß Deutschland in zwei Haltten geteilt ist und Bonn nur über eine regiert. Dies wird auch in dem Komitee grundsätzlich anerkannt.
Zur Beendigung des Kriegszustandes dagegen scheint sich die englische Regierung neuerdings wieder stärker der französischen Ansicht angeschlossen zu haben, daß der „Kriegszustand“ gar kein völkerrechtlicher Begriff, sondern nur ein zwischen jeweils zwei Staaten bestehender Zustand sei, der dementsprechend auch durch eine zweiseitige oder einseitige Erklärung beendet werden könne. Man rechnet daher heute in London trotz früherer Dementis wieder durchaus mit der Möglichkeit einer Beendigung des mit Deutschland bestehenden Kriegszustandes nicht durch eine gemeinsame Aktion der Westmächte, sondern durch einfache Erklärungen der einzelnen Staaten, wobei man in England anscheinend bereit ist, die Führung zu übernehmen, da hier im Gegensatz zu Amerika kaum irgendwelche technischen Schwierigkeiten bestehen.
In der Frage des Besatzungsstatuts konzentriert sich die Arbeit des Ausschusses zur Zeit nach der Ansicht unterrichteter Kreise zuerst auf das Thema der außenpolitischen Handlungsfreiheit für Westdeutschland. Man weist jedoch in London darauf hin, daß ein Westdeutsches Außenministerium in jedem Falle dem Vetorecht der Oberkommission unterliegen werde, so daß von einer Souveränität Deutschlands auch nach seiner Errichtung noch nicht gesprochen werden könne.
Die Kriegsgefangenen
Auf der Tagesordnung
Neuyork, 21. August. (NWDR) Das Schicksal der deutschen und der japanischen Kriegsgefangenen wird voraussichtlich im September von der Vollversammlung der. Vereinten Nationen erörtert werden. Die Regierungen von Großbritannien, ?.ustralien und den Vereinigten Staaten haben den Generalsekretär Lie ersucht, dieses Problem in die Tagesordnung der Septembersitzung aufzunehmen.
Marsch auf Bonn
150 000 Kriegsbeschädigte gegen das Versorgungsgesetz
Drahtbericht unseres Korrespondenten
F.A.Z. Frankfurt, 21. August. Auf einer Pressekonferenz, die der Landesverband der Kriegsbeschädigten und Körperbehinderten Hessens in Frankfurt abgehalten hat, ist bekanntgegeben worden, daß wegen der Abstriche, die der Bundesrat in den Versorgungsansprüchen der Kriegsbeschädigten im neuen Bundesversorgungsgesetz gemacht habe, nunmehr der angekündigte Protestmarsch nach Bonn im September ausgeführt werde. Aus dem gesamten Bundesgebiet würden rund 150 000 Kriegsbeschädigte vor dem Bundeshaus protestieren. Da die Bundesbahn nicht in der Lage sei, auf dem unzulänglichen Bonner Bahnhof genügend Züge gleichzeitig einlaufen zu lassen, hätten sich die Versehrten entschlossen, mit Lastkraftwagen und Omnibussen nach Bonn zu kommen. Dazu wurden in ganz Deutschland sogenannte Kampfmarken verkauft, die zu
zwanzig, fünfzig Pfennig und einer Mark ausgegeben würden.
Wie verlautet, wollten die Länder außerdem alle Beschädigten aus der nationalsozialistischen Aera, vor allem die Opfer aus den Straßenkämpfen und Saalschlachten, in das neue Bundesversorgungsgesetz mit einbeziehen. Da der Gesamtbetrag, der für die Kriegsopfer zur Ausschüttung gelangen solle, dadurch aber nicht erhöht werde, empfänden die Opfer des Krieges diese Regelung als untragbar.
Der Vorsitzende des Hessischen Kriegsbeschädigtenverbandes, Abraham Sauer, erklärte: „Sollten Polizeikräfte eine Bannmeile um das Bundeshaus legen, wird der abgesperrte Raum mit Gewalt durchbrochen werden. Wir haben so viel im Krieg durchgemacht, daß uns ein solches Vorgehen nichts ausmachen wird. Im übrigen bezweifeln wir, daß die deutsche Polizei auf die Krüppel des Krieges mit Waffengewalt vorgehen wird.“
Der britische Flugzeugträger „Theseus“ nach Verlassen des Kriegshafens Portsmouth auf der Fahrt nach Korea. Die „Theseus" hat vierundvierzig Flugzeuge an Bord und ist ein Schiff von 13 350 Tonnen. Foto: Keystone Press
Kampfmittel angedroht
Mitteilung der Gewerkschaften
Bonn, 21. August. (AP.) Im Organ für die Funktionäre des Deutschen Gewerkschaftsbundes „Die Quelle“ heißt es am Montag, der Bundesvorstand treffe die notwendigen Vorbereitungen, um das Mitbestimmungsrecht mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln durchzusetzen.
Alle Preissteigerungen würden in dem Kampf um mehr Lohn und um die Erhöhung der Sozialrenten beantwortet werden. Die große Mehrheit der Arbeiter werde im Ernstfälle den Kampfanweisungen der Gewerkschaften folgen.
Aufruf zum Streik
an amerikanische Eisenbahner
Neuyork, 21. August. (NWDR.) Die Vorsitzenden der beiden wichtigsten Eisenbahnergewerkschaften der Vereinigten Staaten haben ihre Mitglieder am Montag zu dem beabsichtigten Streik aufgerufen, obwohl Präsident Truman plant, die Eisenbahnen unter Umständen der Regierungskontrolle zu unterstellen. Nach Berichten aus Washington werden bereits die Bestimmungen zur Uebernahme der Eisenbahngesellschaften vorbereitet. Die Eisenbahner fordern die Herabsetzung der Arbeitszeit auf vierzig Stunden in der Woche ohne Lohnverlust.
Tschou en Lai
*** Die Truppen der Vereinten Nationen haben in Korea unvermittelt eine Atempause erhalten. Die militärischen Sachverständigen scheinen sich noch nicht einig darüber zu sein, ob die Bolschewisten ihre Streitkräfte umgruppieren, oder ob sie in den letzten Tagen so angeschlagen worden sind, daß ihr Angriffsschwung gebrochen ist. Es wäre schon denkbar, daß die unaufhörlichen Luftangriffe der Amerikaner den kämpfenden Divisionen größere Verluste beigebracht haben, als sich zunächst erkennen ließ, daß die Bombardements im Hinterlande die Nachrichtenübermittlung gestört, den Nachschub gelähmt und wichtige Rüstungszentren vernichtet haben.
Die Annahme, die Nordkoreaner glaubten nun selbst nicht mehr daran, ihren Auftrag erfüllen zu können, noch in diesem Monat die Truppen der Vereinten Nationen völlig aus Südkorea zu verdrängen, wird durch die Tatsache bestärkt, daß Rotchina sich diplomatisch zugunsten der Nordkoreaner einzuschalten sucht. Der Außenminister des kommunistischen Chinas, Tschou en Lai, hat in einem Telegramm an die Vereinten Nationen erklärt, die koreanische Frage müsse und könne auf friedlichem Wege gelöst werden. Es ist anzunehmen, daß Tschou en Lai auch Vorschläge für eine solche Lösung übermitteln wird, sie dürften jedoch kaum von denen des Sowjet-Delegierten Malik abweichen, denn Tschou en Lai beschuldigt in seinem Telegramm ebenfalls Amerika der Aggression.
Der diplomatische Vertreter des chinesischen Ministerpräsidenten wird die Vereinten Nationen nicht von ihrer berechtigten Forderung abbringen können, der nordkoreanische Angreifer müsse sich wieder hinter den 38. Breitengrad zurückziehen.
Der amerikanische Delegierte im Sicherheitsrat, Warren Austin, will in dieser Woche einen entscheidenden Vorstoß gegen Maliks Taktik als Vorsitzenden im Sicherheitsrat unternehmen, die der französische Delegierte Chauvel kürzlich mit den Worten charakterisiert hat, sie bestehe einfach darin, auf einen Stuhl zu zeigen, und ihn Tisch zu nennen. Noch scheinen Malik und Tschou en Lai weit davon entfernt zu sein, den Dingen ihren richtigen Namen geben zu wollen.
Polizei - bisher und demnächst
Wr. - Als nach dem 9. Mai 1945 die Kontrollratsmächte die Herrschaft über Deutschland übernahmen, war es eine ihrer ersten Maßnahmen, das Polizeiwesen neu zu ordnen. Das geschah generell auf zweierlei Weise: Zunächst wurde die Polizei ihres militärischen Charakters, der ihr im „Dritten Reich“ aufoktroyiert worden war, wieder entkleidet, unbedingt und äußerst weitgehend; sodann wurde sie grundsätzlich der Staatsgewalt entzogen und den Kommunalverwaltungen zugeteilt.
Nach diesem obersten Grundsatz wurde in allen drei Zonen verfahren. Darüber hinaus regelten die Kontrollratsmächte das Polizeiwesen ihrer Zonen jeweils nach dem System, das in ihren eigenen Staaten bestand.
Die weitestreichenden Umgestaltungen und Neuordnungen erfolgten in der britisch besetzten Zone. Dort wurde die Polizei nicht nur der staatlichen, sondern auch der kommunalen Verwaltung entrückt: Polizei gibt es dort, wie der Fachausdruck lautet, nur „auf Regierungsebene“; weder die Städte und Kreise noch auch selbst die Innenminister der Landesregierung haben der Polizei viel zu sagen. Sie ist dort, wenn auch nicht gerade ein „Staat im Staate“, so doch in merkwürdiger Weise unabhängig. Sie hat zwar eine Art von Instanz über sich, aber das will nur wenig besagen. Denn diese Instanz ist ein sogenannter „Polizeiausschuß“, in den jeder Stadt- und Landkreis ein Mitglied entsendet; aber diese Ausschußmitglieder fühlen sich ungemein selbständig und halten nichts davon, ihren Vertretungs-Körperschaften Bericht zu erstatten oder gar deren Ansicht einzuholen. Da die britische Besatzungsmacht in ihrer Zone gleichzeitig auch für die Kommunalverwaltung das System der „Doppelköpfigkeit“ eingeführt hat (neben dem Oberbürgermeister steht ein • Oberstadtdirektor, neben dem Landrat ein Oberkreisdirektor), kann man wirklich von Glück sagen, daß es in dieser Zone — infolge der künstlich geschaffenen Schwierigkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Polizei— noch nicht zu bösartigen Zwischenfällen gekommen ist.
In der amerikanisch besetzten Zone ist der Rechtszustand einfacher. Grundprinzip ist hier, daß die polizeiliche Tätigkeit nach wie vor ein reiner staatlicher Hoheitsakt ist, und daß die Gemeinde die polizeilichen Befugnisse in Form einer staatlichen Auftrags-Angelegenheit führt. Diese Auffassung entspricht dem Polizeibegriff des preußischen Polizeiverwaltungsgesetzes. Sie ist also durchaus annehmbar, wenn auch im einzelnen noch viel zu tun ist, um den Rechtszustand zu vervollkommnen.
Polizei als Exekutive
Durch die Zwangseingriffe der Besatzungsmächte ist der Begriff der Polizei wesentlich eingeengt worden. Aber vielleicht ist es richtiger, wenn man sagt: Durch diese Eingriffe ist unser herkömmlicher Polizeibegriff — endlich — bereinigt und auf seinen früheren Wesensinhalt zurückgeführt worden. Oder wieviele kommunale Funktionen, die an sich mit „Polizei“ im eigentlichen Sinne nichts zu tun haben, haben sich das gestrenge Obrigkeits-Mysterium der Polizeigewalt geborgt, haben sich mit ihm dekoriert und Befugnisse ausgeübt? Da war zum mindesten die Baupolizei, die Gewerbepolizei, die Gesundheitspolizei, die Markt- und die Obdachlosenpolizei, — um nur diese wenigen unter den vielen zu nen-
nen. Man sagte „Polizei“ zu einer Verwaltungstätigkeit, um ihr ein geharnischtes und gebieterisches Ansehen zu geben. Man meinte in Wirklichkeit Bauaufsicht, Gewerbeaufsicht, Gesundheitswesen und dergleichen. Um einem Baulustigen zu sagen, nach welcher Fluchtlinie er sich richten muß, wenn er sein zertrümmertes Haus wieder aufbauen will, bedarf es weder einer Uniform noch eines Dienstrevolvers oder eines Gummiknüppels. Um zu veranlassen, daß „VD“-verdächtige Herumtreiberinnen ärztlich untersucht werden, mag der Gummiknüppel hin und wieder unentbehrlich sein; aber unbedingt ist er entbehrlich, wenn es sich darum handelt, Tuberkulose-Verdächtige anzuweisen, sich zur Röntgen-Untersuchung zu begeben. Um der Frau oder Witwe eines Nicht-Heimgekehrten die Erlaubnis zu geben, eine Bretterbude aufzumachen und dort irgendetwas zu verkaufen, Nähgarn, Nylonstrümpfe, Schlipse und dergleichen, dazu ist ebenfalls nicht „Polizei“ im eigentlichen Sinne erforderlich, sondern lediglich ein ziviler Bürobeamter, der etwas in ein Formular schreibt und es von seinem Sekretär oder Inspektor unterschreiben läßt.
Polizei im eigentlichen Sinne, das sind die Männer der Exekutive, der eigentlichen Schutzpolizei und der „Kriminal“. Diese Männer sind „herrschende Gewalten“ und müssen es auch sein. Höher als alles andere im Staate steht die Ordnung und die Sicherheit. Aber wer ist, jeweils örtlich, für diese Erfordernisse höchstverantwortlich? Das kann immer nur der Bürgermeister sein, der Landrat (im kommunalen Bereich), also auch der Orts- und Gemeindevorsteher. Diese Verantwortung kann man ihm nicht abnehmen und sie irgendwohin übertragen. Der Regierungspräsident, als der „verlängerte Arm des Staates“, — gewiß, er ist notwendig, er ist sogar unentbehrlich, und wo er noch nicht ist, müßte er geschaffen werden, aber wenn in der Stadt X sich von heute auf morgen die Notwendigkeit ergibt, daß irgendwie „vorgebeugt“ werden muß, durch Einsatz von Polizeimannschaften an den bedrohten Stellen, dann geht das in erster Linie den Bürgermeister oder Kreisdirektor an. Die Autorität des Regierungspräsidenten muß für die Bedarfsfälle reserviert bleiben, in denen es um gewichtigere Dinge geht als um rein örtliche.
Polizei — von Bonn aus
Die Polizeichefs, ob Präsidenten und Direktoren, ob Regierungs- und Ministerialräte oder gemeindliche Polizeimeister, haben sich bisher in einer betonten Weise als solidarisch gefühlt. Sie haben eigene Vereinigungen gebildet und dafür von ihren Kommunen Urlaub und Dienstreise-Vergütung beansprucht. In den Kreisen der Oberbürgermeister und Landräte war man meist strikte dagegen. Es erwuchs hier eine Neben-Reeieruncr
—o xNcuen-ntgierung. Aber ehe der Widerstand der Stadt- und Gemeinde-Oberhäupter sich zu einer Aktion verdichten konnte, soll den Organen der staatlichen wie der kommunalen Selbstverwaltung über Nacht und durch förmlich schicksalhafte Fügung die Aufstellung einer besonderen Art von Polizei zugeteilt werden: einer Polizei mit Karabinern und Maschinenpistolen, mit Mannschafts- und Spähtrupp-Wagen, mit Sprechfunk für den Mann neben dem Fahrer, selbst mit schweren Maschinengewehren.
Es ist eine Polizei von einem völlig anderen Begriff, als er bisher auf den Zusammenkünften der kommunalen, staatlichen und polizeilichen Oberhäupter diskutiert worden ist. Heute geht es um eine Polizei mit außenpolitischen Aufgaben, nicht mehr mit Obliegenheiten des innerpolitischen Krimskrams. Im Vordergründe dessen, was die Staatsbürger in der Bundesrepublik künftig zu denken haben, wenn ihnen der Begriff „Polizei“ zu Gesichte kommt, soll eine wehrhafte Verteidigungstruppe stehen, die imstande und gewillt ist, der „Volkspolizei“ der Ostzone entgegenzutreten.
Das bedeutet: „Polizei“, in der Westdeutschen Bundesrepublik, das wird schon in Bälde etwas anderes sein als eine Truppe mit Gummi-Knüppeln. Die Truppe — wieviele Mann sie fürs erste umfassen wird, das bleibt zunächst nebensächlich — wird dafür da sein, um noch etwas wesentlich entscheidenderes zu gewährleisten, als die bloße Sicherheit des Staatsbürgers.
Diese neue Polizei wird für die Sicherung der Demokratie und damit der Freiheit der Welt westlich des Eisernen Vorhangs da sein.
Es wird sich darum handeln, die Männer, die an die Spitze dieser neuen Art von (außenpolitischer) Polizei treten werden, genau anzusehen.
Die Vorgänge von 1918/19, als hier und da an die Spitze der damaligen „Sipo“ Landsknechte traten, die ausweislich der Geschichte stets bereit waren, mit den jeweiligen Machthabern zu halten, dürfen sich um keinen Preis wiederholen.
Die Demokraten der Bundesrepublik, wo sie auch sind, haben die Gewissenspflicht, sich diese Männer an der Spitze der demnächstigen „Volkspolizei“ genau anzusehen. Militärs? — Es gibt großartige und prächtige Volksmänner unter ihnen. Aber es gibt auch mindestens ebenso viele „Kommiß-Köppe“ unter ihnen. Mit diesen will das Volk nichts zu tun haben, — alles nur mit jenen.
Aus den Jahren von 1922 bis 1933 zu lernen, —in bezug auf die Polizei —, das obliegt den Demokraten im Raume der Westdeutschen Bundesrepublik.
Die Verhandlung gegen Schacht
Lüneburg, 21. August, (dpa) Dr. Schacht hat am Montag vor dem Entnazifizierungshauptausschuß in Lüneburg, von dem ein neues Verfahren gegen ihn begonnen hat, erklärt, er wolle nie wieder politisch tätig sein und habe nur den Wunsch, in seinem Beruf als Bankfachmann für seine Familie zu sorgen. „Ich habe mich gründlich geirrt. Ich habe geglaubt, den Nationalsozialismus und Hitler in eine vernünftige Bahn zwingen zu können. Es ist mir nicht gelungen.“
Der Vorsitzende hielt Dr. Schacht zwei Briefe vor, in denen Dr. Schacht 1942 Hitler seiner „unveränderlichen Sympathie“ versicherte und erklärte, daß Hitler auf ihn als seinen zuverlässigen Helfer zählen könne. Ferner schrieb Dr. Schacht: „Es scheint, daß die Entwicklung der Dinge nur ein Ende haben kann durch Ihre Kanzlerschaft.“
Die Verhandlung wird ohne Zeugen und nur durch Urkundenbeweise geführt.
Pakete nach Jugoslawien
F.A.Z., 21. August (Eigener Bericht.) An alle deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien sind von sofort an Pakete bis zum Höchstgewicht von zwanzig Kilogramm zur gebührenfreien Postbeförderung durch Vermittlung des Roten Kreuzes zugelassen. Einzelheiten sind bei den Postämtern zu erfragen.
Der indische Ministerpräsident Pandit Nehru läßt dementieren, daß er von Mao Tse-tung eine Einladung nach Peking erhalten habe.
Schwere Verlufte der Nordkoreaner
Gemäßigter Optimismus im Hauptquartier MacArthurs
Pusan, 21. August. (AP./dpa/Reuter) In amerikanischen Kreisen ist nach den Erfolgen der letzten Tage ein gemäßigter Optimismus spürbar. Militärische Sachverständige werden in ihren Formulierungen bereits etwas kühner und glauben sagen zu dürfen, daß die Zurückhaltung der nordkoreanischen Führung auf die furchtbaren Verluste zurückzuführen sei, die die nordkoreanischen Angriffsverbände in den letzten Tagen erlitten haben.
„Erheblich aus dem Gleichgewicht“
Zum ersten Male seit Beginn des Krieges haben die Amerikaner nicht auf Schätzungen bei den Toten des Feindes zurückgreifen müssen, sondern waren in der Lage, bei ihren Gegenangriffen die Leichen ihres Feindes zu zählen. So konnte in den Gebieten nördlich von Taiku festgestellt werden, daß 3500 bolschewistische Soldaten getötet oder verwundet worden waren. Bei den Kämpfen im Nordabschnitt im Raum Pohang wurden allein in einem Abschnitt 2450 Ausfälle des Feindes gemeldet. Bei einem einzigen Angriff im Süden fielen von 500 Mann kommunistischer Truppen 200. Die Verluste am Sonntag werden auf 13 500 tote Bolschewisten gezählt.
Ein Sprecher des Hauptquartiers des Generals Mac Arthur hat erklärt, die Nordkoreaner seien erheblich aus dem Gleichgewicht gebracht und erheblich schwerer getroffen, als es sich die Amerikaner vorgestellt hätten.
Unterstützung
Ein weiterer britischer Flugzeugträger hat den Kriegshafen von Portsmouth mit Ziel Korea verlassen. Die amerikanische Regierung hat das Angebot der Türkei, 4000 Soldaten nach Korea zu entsenden, endgültig angenommen. Die Philippinen werden in wenigen Tagen 1100 Mann zur Verfügung stellen.
Im neuen Wolkenkraßer
Neuyork, 21. August. (NWDR.) Der neue Wolkenkratzer der Vereinten Nationen in Manhattan ist am Montag, von den ersten Angestellten der Vereinten Nationen bezogen worden. Bisher wird in den Büros von neun der 39 Stockwerke gearbeitet.
Die Tiervergiftungen in Frankfurt
Der Prozeß brachte keine Klärung
K E Frankfurt, 21. August
Der achtundvierzigjährige Tierwärter des Frankfurter Zoos Karl Schacheri ist von der Strafkammer des Landgerichts wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden. Schacheri war angeklagt, seit dem Jahre 1947 fortgesetzt Tiere im Frankfurter Zoo vergiftet zu haben.
Zur Debatte standen zwei Vergiftungsperioden. von denen die erste vom Dezember 1947 bis zum April 1948, die zweite vom Januar bis zum März 1949 dauerte. Zum allgemeinen Erstaunen berichtete Dr. Grzimek noch von einer dritten Periode, vom 21. August 1949 bis Mitte Juli dieses Jahres. Der Frankfurter Zoologische Garten verlor durch die Vergiftungen etwa 70 Tiere, vom kleinen Vogel bis zum Bison, die nach den gegenwärtigen Tierpreisen einen Wert von zusammen etwa dreißigtausend Mark darstellten. Bei den beiden ersten Serien wurde Natrium-Fluorid verwandt, während die wenigen Vergiftungen der letzten Periode mit Thallium ausgeführt wurden. Der als Sachverständiger gehörte Professor Dr. Schoop konnte auf Grund von Versuchen, die er 1950 ausführte, mitteilen, daß Natrium-Fluorid von fleischfressenden Tieren nicht angenommen wird. I
Eine Reihe von Indizien bezeichnete der Staatsanwalt als äußerst belastend für den Angeklagten. So wurden in der Kleidung, die Schacheri am Tage seiner Verhaftung anhatte, mit dem Mikroskop kleine Spuren von Natrium-Fluorid festgestellt. Der Angeklagte sagte, er könne sich dies nicht erklären und halte es für möglich, daß ihm jemand das Gift heimlich in die Kleider gebracht habe. Bei den äußerst winzigen Giftteilchen, die nur mit dem Mikroskop auszumachen waren, hielt die Staatsanwaltschaft eine derartige Theorie für unwahrscheinlich. Die Verteidigung stand dagegen auf dem Standpunkt, wenn Schacheri der Schuldige wäre, hätte man größere Giftmengen bei ihm finden und ihn bei der ständigen Bewachung im Zoo einmal auf frischer Tat ertappen müssen. Dem Gericht lag noch ein zweiter Rock des Angeklagten vor, in dem gleichfalls winzige Giftspuren festgestellt worden waren. Schacherl hatte hierzu erklärt, daß er den Rock nach der Wäsche überhaupt nicht mehr angehabt und ihn einer Freundin zum Ausbessern gebracht habe, wo die Polizei ihn abholte. Dem Angeklagten wurde ferner als belastend vorgehalten, daß er unbefugt das Kennwort für das Schloß am Affenhaus anderen Wärtern mitteilte und durch Falschmeldungen Kollegen verdächtigte. Weiter sei an einer Stelle im Garten, die er einer Freundin gegenüber als sicheres Versteck bezeichnet hatte, eine Büchse mit Lehm gefunden worden, in dem sich Natrium-Fliiorid befand. Die Verteidigung erklärt hierzu, daß das Vorhandensein der Lehmbüchse in dem Versteck auch anderen Tierwärtern bekannt gewesen sei. Schließlich wurde noch die Aussage eines Zellengenossen Schacherls angeführt, der Angeklagte habe schon 1949 davon gesprochen, daß fleischfressende Tiere das Gift nicht annähmen. Die Verteidigung erklärt, eine solche Aeußerung sei in dieser Form nicht gefallen.
Die Fragen, um die es bei dem Prozeß ging — wer die Tiere vergiftet hat und aus welchen Motiven es geschah, bleiben weiterhin unbeantwortet.
Verschärfte Kampfparolen
Der „Nationalkongreß“ wirft seine Schatten voraus
er. Berlin, 21. August. Im sowjetischen Sektor Berlins tritt in vier Tagen der sogenannte „Deutsche Nationalkongreß“ zusammen. Seine Aufgabe soll es sein, den Widerstand gegen die restlichen Besatzungsmächte planmäßig zu steigern. Die besten Patrioten aus ganz Deutschland, so verkündet man, würden zu diesem Kongreß nach Berlin kommen, vom Stalinpreisträger bis zum westdeutschen Indqstriepolizisten. Alle Maßnahmen, die die Bonner Bundes,- regierung gegen die westdeutschen Teilnehmer ergreifen werde, könnten die 1500 Delegierten aus der Bundesrepublik nicht daran hindern, am „Deutschen Nationalkongreß“ teilzunehmen. Denn das Endziel des kommunistischen Nationalkongresses sei die Wiederherstellung der politischen und wirtschaftlichen Einheit und Souveränität im gesamtdeutschen Raum mit nachfolgender Anerkennung des deutschen Staates als gleichberechtigtes Mitglied der Völkerfamilie.
Auf kommunistischer Seite setzt man in den letzten Tagen vor dem Beginn des „Nationalkongresses“ alles daran, den Bewohnern der Sowjetzone und Ost-Berlins durch Wandzeitungen, Betriebsversammlungen, „Aufklärungsabende“ in den einzelnen Wohnhäusern und durch eine verstärkte Flugblattpropaganda klarzumachen, daß sie berechtigt seien, Widerstand zu üben gegenüber Mächten, die die Rechte des deutschen Volkes mißachteten.
Anch verschleppt?
Düsseldorf, 21. August. (HR.) In Düsseldorf soll ein „Befreiungskomitee für die Opfer sowjetzonaler Willkürakte“ gegründet werden. Wie der nichtkommunistische Bund der Verfolgten des Naziregimes hierzu mitteilt, will das Komitee allen Personen helfen, die unter Mißachtung der Menschenrechte willkürlich in der sowjetischen Zone inhaftiert oder in der Sowjetunion widerrechtlich festgehalten werden. Als Anlaß zur Gründung dieses Komitees wird die Verschleppung des kommunistischen Bundestagsabgeordneten Kurt Müller und der Witwe des antifaschistischen Schriftstellers Erich Mühsam nach der Sowjetunion angegeben.
Ein russifsches Großkraftwerk
Moskau. 21. August, (dpa) Wie in Moskau bekanntgegeben worden ist, hat die sowjetische Regierung den Bau eines Großkraftwerkes am Wolgaknie bei Kuibischew (Samara) angeordnet. Das neue Wasserkraftwerk, das im Jahre 1955 fertig sein soll, wird eine Kapazität von zwei Millionen Kilowatt haben und jährlich zehn Milliarden Kilowattstunden vor allem zur Versorgung der Moskauer Industrie und für den Betrieb elektrischer Eisenbahnen liefern.
Die „Junge Union“ in der Christlich-Demokratischen Union des Rheinlandes hat dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Arnold ihr volles Vertrauen ausgesprochen.
Zustimmung für Schuman
Straßburg, 21. August, (dpa) Der Wirtschaftsausschuß der Beratenden Versammlung des Europarats hat am Montag mit überwältigender Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der die Grundsätze des Schuman-Plans gebilligt werden. Lediglich der irische Delegierte Frank Aiken enthielt sich bei der Abstimmung der Stimme, während alle anderen Delegierten für die Entschließung eintraten. Der Wirtschaftsausschuß empfiehlt der Beratenden Versammlung, in dem Abkommen über den Schuman-Plan eine parlamentarische Körperschaft vorzusehen, der das oberste Verwaltungsorgan für die Industrieunion verantwortlich sein soll. Die Mitglieder dieser parlamentarischen Körperschaft sollen aus den Reihen der Delegierten der Beratenden Versammlung gewählt werden.
Ueberprüfung der Erportlisten
K. Frankfurt, 21. August. Der in den letzten Monaten stark angewachsene illegale Handel Westdeutschlands mit der Sowjetzone und den kommunistisch beherrschten Ländern wird von een zuständigen Stellen der alliierten Oberkommission mit wachsender Beunruhigung beobachtet. Nach Ansicht leitender alliierter Beam nehmen die illegalen Exporte nach dem Osten ein solches Ausmaß an, daß sie auf lange Sicht gesehen zu einer wesentlichen VerstäL' "g des Wirtschaftspotentials des Ostens führen müssen.
Aus diesem Grunde wird zur 'eit eine Revision der Exportlisten A und B vorgenommen, in denen di Waren aufgezählt sind, deren Export einer vorherigen Genehmigung durch den alliierten Excort • kontrollausschuß beziehungsweise durch die deutsche zentrale Genehmigungsstelle bedarf. Wie es heißt, sollen weitere Warengruppen, darunter Eisen und Stahl, in die Listen aufgenommen werden.
Bejahung der Gewerbefreiheit
Bonn, 21. August, (dpa) Der Wirtschaftsrechtsausschuß des Bi ndeswirtschaftsmin’ iriums hat sich in ei— Stellungnahme zu v-n Vorschlägen der Oberkommiss re über das Gewerbewesen nachdrücklich für eine weitgeL mde Gewerbefreiheit ausgesprochen. In der Stellungnal e wird hervorgehoben, daß sich nachteilige - .sWirkungen ‘er Gewerbefreiheit im amerikanischen Besatzungsgebiet vorerst nicht belegen ließen, weil der Beobachtungszeitiaum zu kurz sei. Grundsätzlich werde eine Bedürfnisprüfung als Grundlage f ? die Zulassung zu einem Gewerbezweig abgelehnt. Im Handwerk könne die Meisterprüfung als Voraussetzung ?"r eine Zulassung nur dort gefordert werden, wo das öffentliche Interesse dies nach dem Grundgesetz dringend e-'-rdere
Forderungen der Sterilisierten
Gießen, 21. August. (AP.) Der Vorsitzende des Bundes der Sterilisierten und Sterilisationsgegner, Oskar Friedrich, hat auf einer Mitgliederversammlung in Gießen mitgeteilt, daß in Deutschland als Folge der nationalsozialistischen Gesetze etwa 1,5 Millionen Menschen sterilisiert worden seien. Bundespräsident Heuss habe den Vorschlag des Verbandes, die Sterilisierten in die Wiedergutmachung einzubeziehen, an das Bundesfinanzministerium weitergeleitet.
Unsereinar wird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER26) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
„Das ist Jo Tompson“, sagt er.
„0h... Sie kennen Sie also auch?" lacht Frau Fahr. „Wahrscheinlich durch die Gedichte, die Jos Vater schrieb."
Knut schüttelte den Kopf. „Ich weiß nichts von diesen Gedichten“ gesteht et ernst.
„Sie sind recht bekannt", meint Frau Fahr. „Idi mag sie sehr. Es sind Prosagedichte, ganz einfache, tiefe Bilder."
Knut nickt. „Ich möchte diese Gedichte sehr gerne lesen", versichert er.
„Aber, da Sie Jo Tompson doch kennen...“
Knut sieht nach seinen Schnürsenkeln.
„Ich kenne sie noch nicht sehr gut und auch rächt besonders lange“ wehrt er ab.
Eine Klingel ruft zu den neuen Aufnahmen. Den Nachmittag über sind es nur Steen und Mary, die mit Frau Fahr zu arbeiten haben. In der einzigen Pause sitzt Mary bei dem Double ihrer Mutter und anscheinend haben sie ein ernsthaftes Gespräch. Aber am Abend erwischt Knut Frau Fahr. Er wartet einfach bei den Garderoben auf sie. Frau Fahr sieht im Grunde völlig anders aus als seine Mutter. Ihr Mantel ist nicht besonders gut, und an ihrem kleinen Koffer fehlt eines der beiden Schnappschlösser.
„Ach, Sie sind es, Knut."
„Ja", sagt der junge Steen, „ich wollte Ihnen noch sagen, daß ich Jo Tompson besuchen wollte. Sie sagte mir ihre Adresse, als ich sie auf dem Balkon des Warenhauses danach fragte. Und nun rief Jo gestern abend bei uns im Hotel an und bat mich, unter keinen Umständen zu ihr zu kommen. Es gäbe einen Grund, sagte sie. Das tut mir leid."
„Soll ich versuchen, diesen Grund zu erfahren?“ fragt Frau Fahr ruhig.
„Ja, bitte, wenn Sie wollen.“
„Es ist gut." Frau Fahr verabschiedet sich freundlich. „Vielleicht rufe ich Sie heute abend um neun Uhr noch an.“
Auf der Heimfahrt stellt sich noch heraus, daß Mary Steen viel mehr von Frau Fahr weiß als ihr Bruder. Frau Fahr ist ein Lebensalter lang Filmschauspielerin, aber sie spielt nur sehr kleine Rollen, und auch die fallen ihr nicht immer zahlreich genug zu.
„Obwohl sie fest glaubt, daß sie nicht nur Haushälterinnen, Fabrikarbeiter! mm oder Wirtinnen in kleinen Schenken darsfellen kann, benachrichtigen die Regisseure sie eigentlich immer nur, wenn es in ihrem Film eine solche Rolle gibt“, erzählt Mary. „Sie war oft wirklich arm, und es ging ihr nie sehr gut. Aber sie sagt, daß es beim Film viele Leute ihrer Art gibt, und sie findet das Leben unter ihnen viel wichtiger als den Film selbst. Heimlich stickt sie auch für ein Modellgeschäff. Mamas Krankheit ist ein Glücksfall für sie. Sie ist sicher, daß sie jetzt genug verdient, um den Winter über jeden Monat hundert Kronen ausgeben zu können und außerdem einen Mantel zu kaufen."
„Ihr jetziger ist ziemlich schlecht", erinnert sich Knut.
Mary überlegt. „Tatsächlich schreiben die Zeitungen von solchen Schauspielerinnen nie eine Zeile, ausgenommen, sie steigen plötzlich empor“, sagt sie, „Ich glaube jetzt, daß es beim Film mehr Not gibt als Erfolg. Und die Erfolge treffen so unberechenbar ein.“
Mary spricht offenbar mit den Worten der Frau, beobachtet Knut. Sie kopiert Frau Fahr. Sie moduliert ihre Stimme nach dem ruhigen, warmen Tonfall dieser Frau. Aber immerhin ist es das erstemal, daß sie einen vernünftigen Men eben zum Vorbild hat.
Der Wagen hält...
„Also um neun Uhr an der Betonmauer“, flüstert der Fahrer.
„Nein“, sagt Knut schnell. „Ich erwarte erst einen Anruf. Kann idi Sie dann irgendwo telefonisch erreichen?“
„Ja... Zentrum 181718."
„Ich hoffe, Sie hören von mir doch schon gegen neun Uhr, nur brauche ich den Anruf."
„Was ist denn los, Knut?“ Georg J. Steen gähnt.
„Es ist noch nicht fertig genug, um schon gesagt zu werden“, antwortet Knut. Als er oben in ihrer Hofeiwohnung seine Mutter begrüßt, lächelt Frau Steen ihn an. „Hast du den Brief schon gesehen? Es ist ein Brief für dich abgegeben worden. Er liegt auf dem Schreibtisch." Knut streckt seine Beine, um dorthin zu kommen.
Der Brief ist von Jo Tompson...
Jo bittet ihn, es wirklich damit bewenden zu lassen, daß sie sich nur einmal sahen. Sie bittet, morgen, bei der Wiederholung des Besuches im Warenhaus nicht nach ihr zu suchen. Ein anderes Mädchen werde die Taschentücher zureichen. Und wirklich gäbe es einen Grund, aus dem alles so sein müsse.
Äußer diesem Brief, den eine weiche, große Feder schrieb, liegt noch ein Blatt aus einem Buch in dem Umschlag. Knut Steen braucht nur einen einzigen Blick zu tun, um zu wissen, was dieses Buchblaff trägt. Es ist das reimlose Gedicht von dem Wasserfropfen, der durch die kühlen Ströme und die warmen Adern dieser Schöpfung wandert, der so vielerlei fragen hilft und dem man nicht nachdenken kann, ohne sich ihm ver vrnff zu fühlen.
Ohne dieses Gedicht würde ich vielleicht denken, daß Jo ein Lockspiel liebt Aber mit diesem Gedicht ist es etwas ganz anderes, wenn ich auch nicht weiß, was es sein könnte, überlegt Knut Steen.
34.
In diesen Abendstunden ist es merkwürdig still unter den vier Steens in dieser wundervollen Hotelwohnung, wundervoll nur, damit sie sehr feuer sein kann. Zum ersten Male hören sie das Brausen der Straßen, dieses aus der Feme ganz beständige, in der Nähe aber an- und abschwellende Brausen aus Motoren, Menschensfimmen, Draht und Rohren.
Georg J. Steen räuspert sich und stphf auf. Er triff in die Tür zum Salon. Da sitzt Mary am Schreibtisch und schreibt. Knut schlendert durch den weiten Raum und hat beide Hände bei den harten Nüssen in seinen Hosentaschen.
„Ich häff ewirklich Lust, in eine Kneipe zu fahren, Knut“, sagt Georg J. Steen. „Es ist zum Heulen."
Er steht ganz ruhig und spricht ganz gelassen. Obwohl er Mary am Schreibtisch bei ihrem Brief sieht, den sie da schreibt, kommt er nicht aut den Gedanken, sie zu fragen, an wen er eigentlich gedichtet ist.
Mary sieht auf, nickt und schreibt weiter.
Knut unterbricht seine Wanderung : nd nickt auch seinerseits mehrmals, sehr beipflichtend.
„Wir warfen nur noch ein paar Minuten, Papa", überlegt er. Dann schlendert er weiter.
Draußen braust die große Stadt, lacht die Freude und weint das Leid, klingeln die Trams, schnurren die Autoreifen.
Knut steht vor dem kleinen, zartpfostigen Bücherschrank aus japanischem Frauenholz und betrachtet zerstreut die kostbar gebundenen, goldbeschrifteteu Bände. Plötzlich reißt er beide Hände aus den Hosentaschen. Es ist ein Wunder, daß nicht wenigstens ein paar der harten Nüsse dabei aus Knuts Taschen auf den Teppich fallen.
Er greift ein schmales Buch aus dem Schrank. Er vergewissert sich, daß er sich nicht täuscht. Es sind wahrhaftig Gedichte von Jonas Tompson: „Von Dingern, die sich soeben ereignet", heißt das Buch. Knut Steen schlägt es irgendwo in der Mitte auf. Er liest eines dieser reimlosen Gedichte. Es handelt von einem Stein, der einen Vogel auf seine Art singen hört. Die Töne dringen ein wenig in ihn ein. Die Wellen der fönenden Luft machen, daß die Teilchen des Steines ganz leise beben. Und obwohl der Stein fortfährf, stumm und kühl an seinem Platz neben einer verblühenden Grassfaude zu liegen, unterscheidet er sich von nun an für immer von anderen Steinen, die irgendwo auf ein n Monde, einem ganz von Schweigen eingehülltem Stern des Weltalls liegen.
Knut atmet auf. Es ist großartig, zu wissen, daß es sich genau so verhält wie Jonas es ergründet hat. Es ist eine mit andächtiger Spannung von ihm entdeckte und ganz sorgfältig niedergeschriebene Wahrheit.
„Dieses Buch werde ich mitnehmen, wenn wir heimfahren“, sagt Knut laut.
„Du kannst sicherlich mit dem Hoteldirektor verabreden, daß du es erwirbst“, bestätigt Georg J. Steen.
„Nein“, widerspricht Knut. „Ich werde das Buch so mifnehmen, ich werde es dem Hotel einfach stehlen.“
Er trägt es rch eil in das Schlafzimmer. Man hört die Klappschlösser eines Handkoffers. Knut kommt zurück. Er hat seinen Mantel über dem Arm. „Wir wollen gehen , ruft er vergnügt. „Wir werden uns einen antrinken, daß wir unter den felefondrähfen entlanglaufen kennen wie Fliegen und die Sterne durch das Straßenpflaster scheinen sehen.“
Die beiden Steens verabschieden sich und ziehen davon, durch die saffianlederne Tür, die Klappe der Schachtel, in der sie eigentlich wie Puppen aufbewahrt sein sollten, bis man sie hervorholt, an ihre Drähte hängt und Marionetten spiele mit ihnen auf führt, quet über den vornehm schweigenden Flur, durch das schmale Treppenhaus, das für die Zimmermädchen, Reinemachfrauen und dienstfreien Kellner da ist, über den Garagenhof, auf dem nach und nach immer andere, von Jahr zu Jahr größere, breitere, schwerere lackierte Wagen gewaschen werden, durch das Tor in der Betonmauer. Dorf wartet ihr Waöen.
Uer Fahrer ist in seinem eigenen guten Anzug statt in der Livree.
Er steigt aus und die Steens schütteln ihm die Hand.
„Idi heiße Begger", sagt der junge Mann. „Ich freue mich wirklich, mit Ihnen loszufahren. Ich halte den ganzen Schwindel auch nicht aus, wenn ich nicht öelegenthch mal Kopf stehen kann."
Das also ist Begger. Was immer er trieb, erlebte oder eigentlich treiben und erleben wollte, ehe er Fahrer bei einer der vielen von Georg H. Miels kontrol¬ • Bek’^Hrmen wurde, jetzt ist er jedenfalls einer dieser abertausend junger Manner die schweigend ihre großen, S«Ä’ U^??egfen Wa^en du^h Städte der Welt steuern und immer wieder alles vergessen sollen, was ihre Herren und Herrinnen und deren Freunde Geschäftspartner, Gebebten und HausfnaS XahrT^d sie sie abholen, fahren ihnen die Koffer, Mappen und FiiT^i Wagenschlag halten. p hat unsere Zeit ein ande-UmJn die Welf der Draht-Xt™.,?.? Then’ und ihnen alleine -dle Diskretion des Gespradis im Auto die achtbaren, die gerade »och erträglichen und die völlig Geheimnisse des Drahtzieherlebens an. („Jan... daß Sie niemanden sagen wovon ich hier spreche“ So dSS^- Sle sich aut mich- Boß!“} So ist das: Eine internationale Organisation der Privatchauffeure könnte die Wett x ^ben’ spätestens am dritten Jahrestag ihres Bestehens.
(Fortsetzung folgt)
Die Zähl-Maschinerie länft
Über 500 000 zählen am 13. September
AUS- (Eigener Bericht.) Für die Volkszählung am 13. Sep-Männer i. m Hessen schon die Vorbereitungen begonnen. Viele Tausende lieen Heir trauen werden als ehrenamtliche Zähler eingesetzt. Diese freiwilgeme,nsam mit den beamteten Zählern für die frist- und ordungsgemaße Zahlung verantwortlich.
Allein die Zahl der ehrenamtlichen Ron non ™ Bundesgebiet über auu UDO. Schon in den nächsten Tagen werden sie zu einem allgemeinen Appell zusammengerufen werden, um ihre An-Wul-iln^en zu .erhaben. Jeder von ihnen erhalt einen Zählbezirk, für den er allein verantwortlich ist. Außerdem erhält er ein Zähl-Bezirksbuch mit Ausweis und einem Hilfsblatt.
Die erste Seite davon gilt als Ausweis und trägt die Unterschrift des Dienststellenleiters.
Die Ausgabe der Zählpapiere soll bis spätestens zum 12. September erfolgt sein. Der Zähler darf seine Arbeit keiner dritten Person übertragen. Nur derjenige, der in Besitz eines Zählausweises ist, darf ausgefüllte Fragebogen entgegennehmen. Der Zähler ist, wie alle Personen, die in der großen Zähl-Maschinerie arbeiten, zu völliger Verschwiegenheit verpflichtet. Auf diese Weise wird verhindert. daß Angaben, beispielsweise die eines Unternehmers, seinem Konkurrenten zur Kenntnis gelangen.
Bei der bevorstehenden Zählung werden eine große Reihe von Fragen beantwortet werden müssen, viel mehr, als bei den letzten Volkszählungen.
Es werden sogenannte Gebäudelisten, Wohnungsbogen, Haushaltungslisten, Arbeitstättenbogen und Anstaltslisten verteilt. Gebäudelisten werden für alle Grundstücke ausgegeben, auf denen sich Gebäude befinden, die für Wohn-, wirtschaftliche oder öffentliche Zwecke benutzt werden. Darunter fallen also auch Kirchen, Theater, Baracken, Wohnlauben, Behelfsheime, Garagen, Tankstellen und Kioske. Von der Besatzungsmacht beschlagnahmte Gebäude sowie unbewohnte Ruinen und fliegende Verkaufsstär de werden nicht gezählt.
Die Anstaltslisten müssen von allen Krankenhäusern, Asylen caritativer Verbände, Gefängnissen, Heimen, Jugendherbergen, Hotels und Privatpensionen ausgefüllt werden.
Kammern für Handelssachen
H. G. R. Wiesbaden, 21. August. (Eigener Bericht.) Bei den Landgerichten in Darmstadt, Frankfurt, Hanau, Kassel und Wiesbaden werden mit Wirkung vom 1. September Kammern für Handelssachen gebildet. Für den Bezirk der Amtsgerichte Offenbach und Seligenstadt ist eine weitere Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Offenbach eingerichtet worden.
Wie der hessische Minister der Justiz mitteilt, sind die Kammern für Handelssachen bis zum Inkrafttreten des Gesetzes zur Wiederherstellung der Rechtseinheit mit einem Richter besetzt. Wenn dieses Gesetz in Kraft getreten ist, werden zwei Handelsrichter hinzugenommen.
Letzte Telegramme
Grgebnislos
Die Geheimsitzung des Sicherheitsrates
Neuyork, 21. August, (dpa) Ohne ein Ergebnis über die Frage der Einladung koreanischer Vertreter erzielt zu haben, ist am Montagabend die Geheimsitzung des Sicherheitsrates nach halbstündiger Dauer geschlossen worden. Die Sitzung war von dem gegenwärtigen sowjetischen Vorsitzenden des Rates, Jakob Malik, einberufen worden.
In einem kurzen, von Malik herausgegebenen Kommunique heißt es, daß ein informeller Meinungsaustausch über die Zulassung von Vertretern Nord- und Südkoreas abgehalten worden sei. Der Sicherheitsrat sei jedoch zu keiner Uebereinstimmung gelangt.
Adenauer trifft Schumacher
Bonn, 21. August, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am Dienstag außer mit den Fraktionsvorsitzenden der Regierungsparteien, Dr. von Brentano, mit Dr. Schäfer (Freie Demokraten) und Dr. Mühlenfeld (Deutsche Partei) in Bonn Besprechungen führen. Außerdem wird Dr. Adenauer mit dem ersten Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Dr. Kurt Schumacher, Zusammentreffen.•
Mehr synthetisches Benzin
Gelsenkirchen, 21. August, (vwd) Das alliierte Sicherheitsamt hat dem Hydrierwerk Gelsenberg-Benzin-AG in Gelsenkirchen die Erlaubnis erteilt, sofort die Treibstoffproduktion von 300 000 Tonnen auf 550 000 Tonnen im Jahre zu erhöhen. Wie die Werksleitung mitteilt, wird das Werk damit in die Lage versetzt, die vorhandene Kapazität weit besser als bisher auszunutzen. In dem zweiten großen westdeutschen Treibstoffwerk Union- Rheinische-Braunkohle-Kraftstoff-AG in Wesseling bei Köln ist nach Auskunft der Werksleitung ebenfalls eine Produktionserweiterung genehmigt worden. Die Herstellung von synthetischem Treibstoff kann nunmehr auf 500 000 bis 600 000 Tonnen im Jahr gesteigert werden.
Zollbegünstigung
Frankfurt, 21. August, (vwd) Die von der Bundesregierung vorgeschlagene Aenderung der Zollbegünstigungsliste wird mit einigen wichtigen Einschränkungen nunmehr am 1. September im Verwaltungswege in Kraft gesetzt werden. In langwierigen Verhandlungen wurde erreicht, daß der bisherige Zustand der Zollbegünstigung entgegen den Wünschen des Agrarsektors bei der Einfuhr von lebenden Schweinen, frischem und gefrorenem Schweinefleisch, gefrorenem Rindfleisch, Schweineschmalz und Hühnereiern erhalten bleibt. Außerdem wird der Forderung der Oberkommission auf Herabsetzung des Zollsatzes für Müllereierzeugnisse aus Getreide entsprochen.
Oeffentlicher Kläger verurteilt
Neustadt, 21. August, (dpa) Wegen Erpressung eines politisch Belasteten verurteilte das Schöffengericht in Neustadt den öffentlichen Kläger bei der Spruchkammer I in Neustadt, Fritz Schmidt aus Frankeneck, zu einem Jahr Gefängnis.
Der Angeklagte gestand in der Verhandlung, von einem Architekten, der sich wegen Beteiligung an judenfeindlichen Ausschreitungen vor der Spruchkammer zu verantworten gehabt hatte, 250 DM erpreßt zu haben.
Der mitangeklagte Architekt wurde freigesprochen. Der Staatsanwalt hat gegen beide Urteile Revision eingelegt.
Nachrichten ohne Politik
Finanzprästident wird vermißt
Karlsruhe, 21. August. (AP.) Der nordbadische Landesfinanzpräsident Dr. Otto Nikolaus wird seit dem 16. August vermißt. Der sechzigjährige Finanzpräsident, der sich seit einigen Wochen auf Krankheitsurlaub befindet und nach der Mitteilung seiner Frau an einer Nervenzerrüttung leidet, verließ am 16. August mit seiner Tochter die Wohnung; unterwegs trennte er sich von ihr, um zum Friseur zu gehen. Dr. Nikolaus sollte am nächsten Tag in ein Sanatorium zurückkehren, wurde aber nicht mehr gesehen. Frau Nikolaus bringt das Verschwinden ihres Mannes irf Zusammenhang mit einem anonymen Drohbrief, den er einige Tage zuvor erhalten hatte, und den seine Dienststelle der Polizei übergeben hat. Der Inhalt ist ihr unbekannt. Die Suche nach dem Vermißten ist im Gange.
Brieftauben verloren den Weg
Lüneburg, 21. August, (dpa) Trainingsflüge ihrer Brieftauben haben den Züchtern der „Reisevereinigung Lüneburger Heide“ wieder starke Verluste gebracht. Allein bei einem Flug von Wolfsburg nach Lüneburg (95 Kilometer) gingen von achthundert aufgelassenen Tauben rund vierhundert verloren.
Er will Kreuzottern züchten
Hamburg, 21. August, (dpa) Ein siebenundzwanzigjähriger Arbeitsloser aus Harksheide bei Hamburg hat sich an Bundespräsident Heuss gewandt, weil er sich bei allen anderen Instanzen bisher vergebens um die Genehmigung zum Bau einer Kreuzotternfarm bemühte. Er will ein 100 Quadratmeter großes Gelände mit einer Mauer von einem Meter Höhe umfassen und darin Kreuzottern halten, aus deren Gift Arzneien gewonnen werden. Die Behörden haben den Antrag bisher nicht genehmigen können, da sie sich über die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen nicht klar sind. Der Züchter hat 173 Kreuzottern, die er in diesem Sommer gefangen hatte, wieder ausgesetzt, da sie sich in Tonnen nicht halten.
Der Kampf mit dem Bären
Emmendorf, 21. August, (dpa) Ein nicht ganz alltägliches Bild hat sich dieser Tage den Einwohnern der Gemeinde Emmendorf im Kreise Uelzen geboten. Sie waren Zeugen eines aufregenden Ringkampfes zwischen ihrem Bürgermeister und dem ausgewachsenen Braunbären eines Schaustellers. Dieser hatte mit dem Bürgermeister um hundert Mark gewettet, daß es jenem nicht gelingen werde, den Bären ringgerecht auf den Rücken zu legen. Trotz begeisterter Zurufe der Einwohner brachte es der Bürgermeister nur zu einem Unentschieden.
Die Düsseldorfer Radschläger
Düsseldorf, 21. August, (dpa) Der Heimatverein „Alte Düsseldorfer“ hat zum ersten Male nach dem Kriege einen Radschlägerwettbewerb veranstaltet, an dem über fünfzig Jungen im Alter von sechs bis zu zwölf Jahren teilnahmen. Von Musikkapellen und berittener Polizei begleitet, zogen die „Bommels“ barfuß in Zehnerreihen die elegante Königsallee herunter und schlugen alle hundert Meter ihre Räder, angespornt vom Beifallsklatschen der dicht gedrängten Zuschauer.
Margret-Rose 20 Jahre alt
London, 21. August, (dpa) Prinzessin Margret-Rose, die jüngste Tochter des britischen Königspaares, ist am Montag zwanzig Jahre alt geworden Die Prinzessin ist zur Zeit mit ihren Eltern auf Schloß Ealmoral in Schottland, wo die königliche Familie den Geburtstag im engsten Kreise feiert.
Wirtschaftsblatt
Die Stahlquote
-el Die internationale Wirtschaftsbelebung im Zeichen der Wiederaufrüstung der westlichen Welt hat auch der deutschen Industrie erhebliche Exportaufträge emgebracht. Dabei steht die Nachfrage nach deutschem Stahl an erster Stelle. In der ersten Augustwoche wurden an der Ruhr Aufträge für 850 000 Tonnen Stahl erteilt, davon waren 205 000 Tonnen Auslandsaufträge. Die Vereinigten Staaten, die bisher überhaupt nicht als Käufer auf dem deutschen Markt aufgetreten waren, sind hierbei mit über 150 000 Tonnen beteiligt. Hinzu kommen jetzt auch Aufträge aus England und Frankreich.
Die immer noch auf 11,1 Millionen Tonnen gedrosselte deutsche Stahlquote — bei einer Gesamtkapazität von 14,5 Millionen Tonnen — erlaubt nach Ansicht der deutschen Stahlindustrie jedoch nicht die volle Befriedigung der Anforderungen, zumal auch der Inlandsbedarf nicht auf Kosten des Exports eingeschränkt werden darf. Unter diesen Gegegebenheiten scheint sich jetzt auch in westalliierten Kreisen die Einsicht durchzusetzen, daß die Außenminister bei ihrer Zusammenkunft im September sich nicht mehr einer Erhöhung der deutschen Stahlquote widersetzen dürfen.
Die Begründung dafür allerdings ist nicht erst heute als eine Rechtfertigung für diesen Schritt zu betrachten. Denn Deutschlands Mangel an Devisen hätte auch schon eher eine Lockerung der Stahlquote notwendig gemacht, zumal die bessere Ausnützung der Anlagen Rentabilität und damit die Wettbewerbstätigkeit der deutschen Produzenten gegenüber der Auslandskonkurrenz gefördert hätte. Auch der zweite jetzt von alliierter Seite angeführte Grund, Deutschland den Schneilen Wiederaufbau der kriegszerstörten Industrien durch bessere Stahllieferungen zu ermöglichen, gilt ebenfalls nicht erst seit heute. Allerdings dem letzten Grund, der für die Begründung einer erhöhten Stahlkapazität angeführt wird, Deutschland als Versorgungsbasis für die westlichen Alliierten und für die wirtschaftliche Wiederaufrüstung zur Verstärkung der Verteidigung gegen den Kommunismus einzubeziehen, haben erst die Warnzeichen aus Korea zum Durchbruch verhelfen. Hoffen wir, daß diese späte Erkenntnis nicht zu spät kommt.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse wirkten die Nachrichten über eine Verbesserung der militärischen Lage der Amerikaner in Korea etwas belebend auf die Grundstimmung. Während die Aktienmärkte aber nach wie vor eine recht uneinheitliche Haltung zeigten, blieben die Rentenmärkte recht freundlich.
Freie Devisenkurse
Frankfurt (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 21. 8. der US-Dollar mit 5,35—5,75 DM, das engl. Pfund mit 12,50—13,50 DM, der Schweizer Franken mit 1,20—1,35 DM, der holl. Gulden mit 1,20—1,35 DM, die dänische Krone mit 0,52—0,56 DM, die schwedische Krone mit 0,75—0,85 DM.
Deutsche NE-Metallpreise
Notierung für Kupfer (19. 8.) 220,50 DM, für Zinn (19. 8.) 954 DM; Höchstpreise für Blei 116 DM, für Hüttenzink 139 DM je 100 kg.
Frankfurter Schlachtviehmarkt
Bz. Am Hauptschlachttag wurden a-ufgetrieben an Großvieh 1228 (1261), Kälber 622 (574), Schweine 2621 (2330), daneben 582 (531) Schafe. Die Großhandelspreise je 50 kg Lebendgewicht lauten: Ochsen A 85—90 (87—90), B 70—82 (75—86), Bullen A 86—92 (88—92), B 78—85 (80—87), Kühe A 74—80 (78—84), B 65—72 (70—76 t C 55—64 (55—65), D 48—54 (40—50), Färsen A 90—95 (88—93), B 80—88 (75—86), Kälber A 115—125 (110—120), B 95 bis 110 (92—105), C 80—94 (80—90), Schweine A 138—140 (wie zuletzt), B 1 und 2 137—140 (138—140), C 135—140 (137—140), D 132—138 (135—140), G 1 unv. 120—130, Schafe gute Qua’/ vie am letzten Montag 52—60, mittlere 42—50 (42—48), geringe Qualität 30—40 (wie in der Vorwoche).
Berliner DM-Wechselkurs
F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 21. August für eine DM-West 5,70 Ostmark gezahlt und für 5,90 Ostmark eine DM-West geboten.
Autonome Bundesnotenbank?
bs. Nicht das erstemal beschäftigt man sich heute mit dem Problem der Stellung einer Notenbank zum Staate. Diese Frage bewegte in den 30er Jahren ebenso die Gemüter, wie sie es heute tut. „Der Bund errichtet eine Währungs- und Notenbank als Bundesbank“ heißt es im Grundgesetz. Die durch ein Militärregierungsgesetz geschaffene Bank deutscher Länder soll den neuen staatlichen Verhältnissen angepaßt werden. Ueber die Stellung dieser zu schaffenden Bundesnotenbank wurden schon von den verschiedensten Stellen Vorschläge unterbreitet. Zwischen der Forderung nach einer weitgehend unter staatlicher Lenkung stehenden Bank und einer völlig freien Notenbank bewegen sich diese Vorschläge. Welche Seite wird die besseren Argumente anführen können? In den letzten Tagen hat auch der Deutsche Gewerkschaftsbund zu dieser Frage Stellung genommen. Er fordert, daß die Bundesnotenbank organisch und fest in die staatliche Wirtschaftsverwaltung eingegliedert wird. Die Gewerkschaften fordern zur Ueberwindung der Konjunkturschwankungen mit ihren wirtschaftlichen und sozial untragbaren Folgen eine systematische Kreditlenkung. Dies könne nur geschehen, wenn aber auch die Privatbanken unter Kontrolle und Einwirkung der Lenkungsorgane gebracht werden. Der Staat solle dadurch die Buchgeldschöpfung und die Kursbestimmung in der Hand haben. Das Geld- und Kreditwesen dürfe nicht ein Staat im Staate werden.
Es sind dies sehr weitgehende Forderungen. Die Gewerkschaften glauben, daß mit der Kontrolle der Notenbank, mit ihrer organischen und festen Eingliederung in die staatliche Wirtschaftsverwaltung, das Problem der Geld- und Kreditlenkung noch keineswegs ausreichend gelöst sei. Und auf die Privatbanken soll der Staat seine Hand legen. Nicht nur die Gewerkschaften fordern eine so weitgehende Lenkung auf diesem wichtigen Gebiet der Volkswirtschaft. Auch noch andere Persönlichkeiten und Stellen sind Befürworter einer verstaatlichten Notenbank, glauben allerdings, damit auch schon einen genügenden Einfluß auf das Geld- und Kreditwesen zu haben. Diese Befürworter einer nicht selbständigen Notenbank haben dazu noch sehr gewichtige Argumente zur Hand. Ist nicht für eine Wirtschaftsführung die Kreditpolitik das wichtigste und stärkste Mittel? Kann eine Regierung Preisveränderungen, wie sie sich im Zuge von Inflation und Deflation ergebe,i, Konjunkturschwankungen und Arbeitslosigkeit ohne Taten hinnehmen? Braucht nicht deshalb die Regierung das Mittel der Kreditpolitik, um diese Aufgabe zu erfüllen?
Aber hier kommen wir zu der entscheidenden Frage. Ist die Aufgabe der Notenbank, Steuerung der Konjunktur, wichtiger als die zweite Aufgabe: Stabilhaltung der Währung? Eine stabile Währung ist Voraussetzung sachlich richtiger Wirtschaftsrechnung und damit der Wirtschaft schlechthin. Jeder kennt die soziale Umschichtung und Revolutionierung, wie sie sich im Verlauf einer Inflation ereignen. Muß also nicht die Stabiihaltung der Währung oberster Grundsatz für die Notenbank sein? Die zweite Aufgabe, Steuerung der Konjunktur, wird dadurch ja nicht ausgeschlossen, man zieht ihr nur eine Grenze. Was würde uns auch die Erfüllung dieser zweiten Aufgabe nützen, wenn wir damit unsere Währung aufs Spiel setzen, die Währung, in der gespart wird, in der die Löhne und Renten gezahlt werden.
Den Einwand, daß bei der Unabhängigkeit der Notenbank die Einordnung der Kreditpolitik in die allgemeine Wirtschaftspolitik der Regierung in Frage gestellt sei, widerlegt die bisherige Erfahrung. Gab es schon einmal Kontroversen zwischen der Bank deutscher Länder und dem Bundeswirtschaftsminister? Der Zentralbankrat hat noch niemals den Anspruch erhoben, eine eigenwillige, der wirtschaftlichen Grundkonzeption der Bundesregierung zuwiderlaufende Kreditpolitik treiben zu wollen. Die Politik der Notenbank war in der Geschichte immer auf dasselbe Ziel wie die Wirtschaftspolitik der Regierung gerichtet. Noch nie hat eine Notenbank ihre Unabhängigkeit mißbraucht. Hatte der Staat aber Einfluß auf die Geldpolitik, dann waren politische Tagesgeschehen maßgebend für seine Politik und oft steuerte der Staat dann in eine Inflation.
Unser Geldwert ist durch keine Goldoder Devisendeckung gesichert. Seine Stabilität beruht allein auf der politisch unabhängigen und sachverständigen Manipulation der Geldmenge. Werden diese Grundlagen zerstört, dann wird sich das verhängnisvoll für unsere Wirtschaft auswirken. Man sollte deshalb dem Staat kein weitgehenderes Einspruchsrecht zubilligen, als der Zentralbankrat in seiner Stellungnahme zu diesem Problem glaubt zugeben zu können. Er sieht vor, daß bei einer, der Ansicht der Bundesregierung entgegengesetzten Auffassung der Notenbank, der Zentralbankrat diese Frage mit Zweidrittelmehrheit beschließen muß.
Alliierte lehnen Rentenaufwertung ab
-zer. Die Frage, wie die Rentenversicherungen aus der Zeit vor der Währungsreform zu behandeln sind, wurde nunmehr durch eine Erklärung der Alliierten Bankkommission entschieden. Sie hat der Bank deutscher Länder auf Anfrage mitgeteilt, daß die Aufwertungssätze, wie sie im Umstellungsgesetz festgelegt sind, nicht geändert werden sollen. Das Umstellungsverhältnis sieht eine Umstellung im Verhältnis 10:1 vor. Die hierzu erlassene dritte Durchführungsverordnung war von einzelnen Gerichten so ausgelegt worden, als ob auch eine Umstellung im Verhältnis 1:1 möglich sei. In mehreren Gerichtsurteilen waren Versicherungsgesellschaften verpflichtet worden, die RM-Ansprüche in DM-Ansprüche des gleichen Betrags umzuwandeln. Im Bundestag war außerdem ein Antrag auf Teilaufwertung eingebracht worden. Danach sollte eine volle Umstellung für alle Auszahlungen von Versicherungsrenten bis zu 70,— DM, eine Umstellung im Verhältnis von 2:1 für den Teil der Renten, der zwischen 70 und 100 DM liegt, und eine Umstellung im Verhältnis von 10:1 für den darüber hinausgehenden Teil der Renten erfolgen.
IG-Rentner protestieren
F.A.Z. Der Schutzverband der Rentenberechtigten der IG Farbenindustrie A.G., München hat an den Bundestag eine Eingabe zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Umstellung der Renten- und Pensionsrentenversicherungen nach der Währungsreform gemacht. Der Schutzverband protestiert dagegen, daß aus fiskalischen Gründen den privaten Rentnern einer Pensionskasse das Recht auf die volle Rente genommen wird diese Rentner hätten die gleichen Rechte wie die Beamten, die ihre Beamtenpensionen und Sozialrenten nach der Währungsreform weiterbeanspruchen. Die Renten stellten einen Teil des früheren Lohnes dar. Dies ergäbe sich schon allein daraus, daß die zur Ansammlung des erforderlichen Deckungskapitals eingezahlten Beiträge, auch des Unternehmers, lohnsteuerpflichtig zu Lasten der Angestellten gewesen waren.
Währungsguthaben gestiegen
F. A. Z. In der Woche vom 8. bis 15. August hat der Zahlungcmittelumlauf einschließlich der in Umlauf befindlichen 140 Millionen DM Scheidemünzen um weitere 271 Millionen auf 7721 Millionen DM abgenommen. Im Verkehr der BdL mit öffentlichen Körperschaften zeigen die Kassenvorschüsse einen Rückgang um 48 Millionen auf 815 Millionen DM. Die Guthaben in ausländischer Währung nahmen um 62 Millionen auf 1347 Millionen DM zu. Die sonstigen Konten zur Abwicklung des Auslandsgeschäfts weisen im Saldo einen Einzahlungsüberschuß von 79 Millionen DM auf.
Keine „drugstores“
(dpa) Auf Drogisten-Fachtagungen in Marburg und in Wesel wurde gefordert, den Drogerien den Verkauf krankheitsverhindemder Medikamente zu erlauben. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Drogisten, Syndikus Francke (Köln), wandte sich auf der Marburger Tagung gegen Tendenzen, die deutschen Drogerien in drugstores amerikanischer Art umzuwandeln. Die deutschen Drogisten sähen ihre Aufgabe darin, der Volksgesundheit zu dienen und nicht darin, sich einen schrankenlosen Umsatz zu sichern.
F. A. Z. Die Dr. C. Schleussner Foto¬ werke G.m.b.H. konnte am 19. August auf ihr 90jähriges Bestehen zurückblicken, Die Firma, die am 19. August 1860 in Frankfurt gegründet wurde, ist heute in der dritten Generation der gleichen Familie.
Die Zigarettenfabrik Greiling, die in Dresden verstaatlicht wurde, hat unter dem Firmennamen „Greiling Westges. mbH.“ in Lensahn/Ostholstein ein neues Werk aufgebaut, das fast 200 Menschen beschäftigt. Gegenwärtig werden die aus den Frieden bekannte „TÜRKISCH 8“ für 12 Pf und die „CLUB“, eine Virginia-Zigarette, zu 10 Pf gefertigt.
30 000 Tonnen Zucker gehamstert
Importe und günstige Ernte werden Zuckerengpaß beseitigen
pt. Das Bundesernährungsministerium hat die erste Rate für den Monat August in Höhe von 62 000 Tonnen Zucker freigegeben. Es handelt sich dabei um Rohzuckermengen, die in den Fabriken verfügbar sind und deren Verarbeitung zu Weißzucker schon läuft. Es ist also damit zu rechnen, daß von den Zuckerfabriken nunmehr laufend Lieferungen vorgenommen werden.
Außer einem weiteren Einkauf von 10 000 Tonnen Rüben-Rohzucker aus Belgien sind bisher keine neuen Lieferungen gemeldet worden. Auf Grund alter Lieferverträge sollen jedoch aus Uebersee bis zum 20. August bis zu 60 000 Tonnen Zucker gelandet werden. Weitere 50 000 Tonnen sind ausgeschrieben worden, über deren Lieferung und Eintreffen jedoch noch nichts gesagt werden kann.
Bei der derzeitigen Belieferung des Einzelhandels kann der normale Bedarf zweifellos nicht gedeckt werden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, daß nach den Ermittlungen des Bundesernährungsministeriums bis jetzt ungefähr 30 000 Tonnen Zucker gehamstert worden sind. Sobald diese Mengen in Verbrauch genommen werden — was bei einem Abflauen der Psychose sehr schnell geschehen kann — dürfte der Einkaufsbedarf entsprechend zurückgehen, so daß der augenblickliche Engpaß dann schnell überwunden werden könnte. Auf jeden Fall aber dürfte mit Beginn der neuen Kampagne die Zuckerknappheit zu Ende gehen, insbesondere, da eine gute Zuckerrübenernte zu erwarten ist.
Feuilleton
Neue Musik auf neuen Wegen
PROF. SCHERCHEN DIRIGIERTE DAS LANDESTHEATER-ORCHESTER
In einem Sonderkonzert in der Stadthalle spielte das Orchester des Hessischen Landestheaters unter Leitung von Prof. Hermann Scherchen (Zürich) Werke von Wolfgang Fortner, Arnold Schönberg, Edgar Varese und Ernst Krenek.
Fortners Ballett „Die weiße Rose“ überraschte durch die echten Seelentöne im Ausdruck der Freude, des Schmerzes und der Verzweiflung, trifft aber genau so gut das leicht Flüssige, Liebenswürdige und Pathetische des spanischen Kolorits über die Stimmungsstufen vom Humoristischen bis zum Grotesken. Ein eindrucksvolles Werk voll ungeahnter tänzerischer Möglichkeiten, welches auch inhaltlich und musikalisch nur vom Tanze her, dem es ja gewidmet ist, in seiner tatsächlichen Bedeutung erstehen kann. Ohne irgendwelche äußeren Mittel trifft hier Fortner eine Tonsprache, die seine Vitalität in harmonischer Weise ordnet. Fortners Musik umschreitet hier die Grenzen; die elementaren Kräfte, die bei ihm hervorbrechen, strömen auf breiter Ebene aus. Man spürt die Freude, Musik zu schreiben.
Kreneks 4. Symphonie ist ein wuchtiges Werk von starker Ausstrahlung mit unvermutet lyrischen Stellen und genau so unvermuteten Akkordballungen. Es ist auf den Prinzipien der Zwölftontechnik aufgebaut und zeigt starke dynamische Spannungen; klare Formen, unterbaut durch ein meisterhaftes handwerkliches Können, zeigen eine geistige Ueberlegenheit.
Schönbergs Musik ist zu einer Weltsprache geworden. Schönbergs „Ueberlebender von Warschau“, der in Darmstadt seine deutsche Erstaufführung erlebte, beweist dies endgültig. Es ist ein Werk für Orchester mit einer Sprechstimme und einstimmigen Männerchor. Der Komponist gibt in dem Werk eine eindringliche Schilderung eines Ueberlebenden aus dem Warschauer Ghetto. RenA Leibowitz kommentiert dies folgendermaßen: „Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Ich war wahrscheinlich lange Zeit vollständig unbewußt. Ich entsinne mich nur noch des grandiosen Augenblicks, als plötzlich das alte, vergessene Gebet gesungen wurde. Der Tag fing an wie üblich. Wir wurden geweckt, als es noch dunkel war. Wir wurden versammelt und brutalisiert. Manche kamen um. Der Feldwebel befahl, daß man die Toten zähle, um zu wissen, wieviel er zur Gaskammer überliefern konnte. Das Zählen fängt an, zuerst unregelmäßig, aber der Feldwebel befiehlt: nochmals von vorn anfangen! Und dann ging es wieder los: eins, zwei, drei —, schneller und schneller, so schnell, daß es so klang wie ein Galopp von wilden Pferden und . . . plötzlich . . . sangen sie das „Shema Yisroel“.“
Diese Schilderung wandelt Schönberg in Musik um. Der Aufbau des Werkes beruht auf einer reinen Zwölftontechnik. Der musikalische Ausdruck und die dynamischen Schattierungen, die von Trauer, Leidenschaft und endlosem Schmerz sprechen, zeugen von einer geradezu erschütternden Eindringlichkeit. Das tragische Element in diesem Stück durchlebt geradezu unnachahmliche Spannungen, bis das große Gebet erschallt: ein Seelengemälde von erschütternder Tragik. In dieser Komposition ist ein Höchstgrad von angespanntester Konzentration und Aktivität erreicht. Es entfaltet sich eine neue Kraft der Tonsprache, die über Schönberg selbst hinauswächst. Edgar Vareses „Jonisation“ ist ein Werk, geschrieben für 41 Schlagzeuginstrumente wie Trommeln, Gongs, Glokken, Schnarrtrommeln, Klavier und Sirenen usw. von ungeheurer Eindringlichkeit und energiegeladenen Ballungen von höchster innerer Spannung. Edgar Varese, der auch als Ingenieur ausgebildet wurde, versucht eine Beziehung zwischen Musik und Technik herzustellen. Prägnante rhythmische Themen, neuartige Ideen und dynamisch starke Ausdruckswerte gestalten sein Werk. Man kann diese Komposition als eine Art „Gehirnmusik“ bezeichnen. Die Dynamik geht vom Piano bis zum Fortissimo. Wenn man so einer Musik begegnet, ohne zu wissen, aus welch einer Haltung sie entstand, müßte man es für ein Stück eines Spaßvogels halten. Es ist ein Endpunkt einer Musikentwicklung, und wenn nicht der Name Varese darüber stünde, würde man wieder das Schreckgespenst des Dadaismus ahnen. (Ich erinnere in Kurt Schnitters „Drama“). Die „Jonisation“ will den Pulsschlag der Zeit spürbar machen: Maschinen, Elektrizität, Atomzertrümmerung, das sind die Impulse die zu „Geräuschmusik“ führen. Varese bringt Ton und Geräusch in eine feste Bindung und ordnet sie in neue rhythmische Gesetze. Diese. Art Musik könnte man als eine mechanische Fixierung des Rhythmischen bezeichnen. Es drängt sich beim Hören dieser Musik ein Vergleich und eine Beziehung zu Orwells Buch „1984“ auf.
Die Interpretation lag in den Händen des Orchesters des Hessischen Landestheaters unter der hervorragenden Leitung von Prof. Hermann Scherchen. Scherchens ungeheuer starke Persönlichkeit, seine ordnenden Kräfte, seine Dirigiertechnik und sein musikalisch differenzierter Vortrag ließen das Orchester eine gute Arbeit zeigen. Starke Disziplin und vor allem seine Leidenschaft zur Musik beweisen wiederum, was man aus einem Orchester herausholen kann, wenn es von berufenen Händen geführt wird. Wir wollen auch nicht den Solosprecher vergessen (dessen Name leider nicht im Programm erwähnt wurde), der in hervorragender Aussprache sich geistig Schönbergs Werk unterordnete. Der Chor, zusammengesetzt aus Teilnehmern der Internationalen Ferienkurse, fügte sich gut in den Klangrahmen ein.
Die „Jonisation“ von Varese wurde vom Publikum mit geteilter Meinung aufgenommen. Auf der einen Seite enthusiastischer Beifall, andererseits Pfeifen, als das Stück wiederholt werden sollte. Hermann Scherchen bat hierauf das Publikum, es möge erst nach der Wiederholung des Stückes seine Meinung kundgeben. Die Werke von Fortner, Schönberg und Krenek wurden begeistert aufgenommen. -ch
Nikolaus Lenau
ZUM 100. TODESTAG AM 22. AUGUST
Daß Lenau nicht nur einer der größten Lyriker des neunzehnten Jahrhunderts war, sondern auch einer der populärsten — glückliche Zeit, da noch Lyriker populär waren! — beweist die Fülle der seinen Gedichten gewidmeten Kompositionen. Er ist neben Goethe, Heine, Rückert, Uhland der meistvertonte Dichter dieser Zeit, hinter dem sogar die Keller und Meyer, die Kerner und Mörike, in dieser Periode wenigstens, zurückstehen müssen. Und er ist, was noch mehr wiegt, der Schöpfer einer Reihe von Gedichten, die das höchste Ziel jeder Lyrik, erreicht haben: sie sind selbst Musik geworden. Neben Goethes „Mondlied“ und „Wanderers Nachtlied“, neben Eichendorffs „Mondnacht“, neben Mörikes „Auf eine Chriscblume“ steht das „Weil’ auf mir, du dunkles Auge“, steht das noch herrlichere letzte Gedicht Lenaus, „Blick’ in den Strom“, der letzte, schönste Schein des Abendlichtes, bevor die Nacht des Wahnsinns über den Gepeinigten niedersank.
Er endete im Irrenhaus, wie Hölderlin, Conrad Ferdinand Meyer, Schumann und Hugo Wolf, er gehört zu den tragischen Künstlergestalten, den Frühvollendeten, wie Kleist und Grabbe. Allerdings litt sein Leben und Schaffen nicht unter Verkennung der Kritik und des Publikums, wie das seiner Schicksalsgenossen in der Unsterblichkeit, es war reich an Erfolgen literarischer und menschlicher Art. Mehrere Gründe waren hierfür maßgebend. Sein Wesen kam, ohne es zu wollen, einer Modeströmung entgegen, dem von Byron literaturfähig gemachten Weltschmerz, dem Weltekel, könnte man sagen. Als Lenau Europa den Rücken kehrte und nach Amerika ging, kam er bald noch enttäuschter aus der Neuen Welt zurück. Aber sie hatte ihm künstlerisch doch etwas gegeben, ein exotisches Kolorit, das nun, wie in den „Drei Indianern“ seine Lyrik schmückte, die sich vorher schon mit den Farben der ungarischen Puszta in den — ebenfalls „drei Zigeunern“ — geziert hatte, jenem pessimistischen Gedichte, darin gezeigt wird, wie man das Leben verträumt, verraucht, vergeigt und es dreimal verachtet. Er hat diese Puszta auf literarischem Gebiet salonfähig gemacht, wie sein Landsmann Liszt auf musikalischem, die übrigens, was sehr nötig zu betonen ist, wohl Ungarn, aber keine Magyaren sondern Deutsche waren, die sich nur genial in ihr Milieu einfühlten. Endlich aber war er neben Anastasius Grün der entschiedenste dichterische Demokrat Oesterreichs. Während Grillparzer, nach eigenem Geständnis, nicht „in den Extremen zünftig“, sondern ein Mann der Mitte, während Stifter durch und durch konservativ war, hat Lenau in den großen Epen der „Albigenser“ und dem „Savonarola“ seiner freiheitlichen Gesinnung einen nicht nur deutlichen, sondern, vor allem, auch künstlerisch hochstehenden Ausdruck verliehen.
Dieses rühm- und erfolgreiche Leben war durch eine unglückliche Liebe zu seiner „Frau von Stein“, Sophie von Löwenthal, und dem vielleicht damit zusammenhängenden, herannahenden Wahnsinn verdunkelt. Als im Irrenhaus jemand von Plato sprach, sagte in einem lichten Momente der Dichter Lenau: „Ach, das ist der, der die dumme Liebe erfunden hat.“ Aus dieser grotesken Aeußerung spricht die tragische Sehnsucht eines Lebens. Eines Lebehs, das sich in diesem Sinne der Kunst zum Opfer brachte, einem Opfer, dem wir wohl eben die herrlichsten dunklen Klänge dieser Symphonie in Moll verdanken. R, U.
Hans Ulrich Engelmann
EIN KOMPONIST DER JUNGEN GENERATION
Der Zufall wollte es, daß Hans Ulrich Engelmann in Darmstadt geboren wurde, obschon der Vater aus einer alten Familie in Prag und Wien, die Mutter aus dem Westen des Saargebietes entstammen.
Wenn auch von früher Jugend an durch das elterliche Haus mit musischen Dingen in Beziehung, vollzog sich die musikalische Ausbildung Engelmanns stets durch seine eigene Initiative. Schon während der frühen Musikstudien als Gymnasiast schob sich immer deutlicher eine produktive Veranlagung in den Vordergrund, die in privaten Fachkreisen mit Interesse verfolgt wurde. Es war für Engelmann, wie auch für manchen anderen jungen deutschen Komponisten, der gezwungen war, in der rückständigen Musikentwicklung einer politischen Ideologie aufzuwachsen, bezeichnend, daß er den Kontakt mit der lebendigen Musik der Welt, wenn auch nur aus der Ferne, stets anstrebte, was sich weniger in der Oeffentlichkeit des Konzertbetriebes, als in der Stille und in solchen Kreisen vollziehen konnte, die aus dem deutschen Leid dieser Zeit nach Wahrheit Ausschau hielten. Trotz seines Avantgardismus während der Konservatoriumszeit durchschritt Engelmann bis etwa zu seinem 20. Lebensjahr in seinen kompositorischen Versuchen noch ein Spatium, das er wahrscheinlich als moderner Mensch schon lange geistig überwunden hatte. Das Handwerk versagte ihm noch die eigene Aussage, und die Situation der Kriegsjahre versperrte ihm jegliche bedeutungsvolle Perfektion der Kompositorischen Technik.
So beginnt für Engelmann das kompositorische Leben erst nach dem Ende jener kriegerischen Zeit. Das Wesentliche aber in diesem Augenblick blieb 1945 nicht der hier und dort vielversprechende Start seiner Musik, als vielmehr die für Engelmanns weitere Entwicklung bedeutungsvolle Begegnung mit Wolfgang Fortner, der bis heute sein vorzüglichster Lehrer geblieben ist. Fortner hatte damals erkannt, daß es vor allem galt, verantwortungsvoll in die handwerkliche Disziplin einzugreifen und einen Ausgleich der musikalischen Elemente herbeizuführen, der zuweilen durch die Vitalität rhythmischer Energien in Engelmanns Musik gefährdet schien. Während dieser nahezu fünfjährigen Studien entstanden einige Werke, die Engelmanns Aussagekraft entsprechen: Klaviertoccata 1947, Cello-Sonate 1948, Musik für Streicher, Blechbläser und Schlagwerk 1949.
Das Podium der Internationalen Musiktage in Darmstadt interessierte sich seit 1946 jährlich für den jungen Komponisten, dessen Musik in diesen Fachkreisen Anerkennung fand, eine Musik, die auffiel durch einen Reichtum an rhythmischen Energien, eine Vitalität, die in ihrer Schlagkraft an Strawinsky gelernt hatte, aber in ihrer Konzeption eine elastische Organisation vermissen ließ. Fortners Eingriff bewirkte diese Organisation. Der melodische Duktus wurde biegsamer, die Harmonik transparenter, die Form konzentrierter. Die musikalische Sprache strebte nach persönlichem Ausdruck, wurde gespannt und vermeidet jegliches Verspieltsein.
Schon im Jahre 1948 bewirkte die Begegnung mit dem französischen Komponisten Rene Leibowitz nach anfänglicher Resistance gegen dessen Musiktheorie eine Annäherung an die - Ton-Technik. Zwischen 1948 und 1950 entstanden einige dodekaphone Versuche (Klaviersuite), die Engelmann immer mehr von der Notwendigkeit dieser Kompositionstechnik überzeugten. Die Bekanntschaft mit Theodor Adorno: „Philosophie der neuen Musik“ bildete dazu den großartigen Hintergrund.
Engelmann steht nun vor einer Entscheidung, denn es dreht sich an diesem Punkte nicht mehr um ein „stilistisches Abenteuer“, sondern um eine fundamental veränderte Einstellung zum Material. Es ist ein Kampf um die Materie. Engelmann meint dazu: „Der Sprung über den Schatten ist nicht nur ein stilistisches Abenteuer und viele haben sich nicht deshalb ins Bewährte retiriert, sondern der horror vacui ist nichts anderes als die Angst vor dem Kampf ums Material, der vielleicht noch unabsehbare Zeit in Anspruch nehmen kann.“
In einer musikwissenschaftlichen Abhandlung über Bela Bartoks „Mikrokosmos“, die Engelmann jetzt abgeschlossen hat, erkannte er, daß es nur diesem großen Meister noch einmal gelang, „auf den Schultern eines noch unverbrauchten Volkstums Tonalität subjektiv auszukosten und gleichzeitig die Möglichkeiten eines neuen musikalischen Material-Universalismus abzutasten, von dessen utopischer Transcendenz ihn die Bindung an sein Volkstum in entscheidender Stunde noch entpflichtete“. Engelmann sieht hier den bestimmenden Unterschied zu jenem Weg, den Schönberg einschlagen mußte, „jenen Weg in den universalistischen Raum, dem wir nun successive folgen werden müssen“. Er glaubt darin nicht ein Endziel sondern eine der hauptsächlichsten Aeußerungen einer universalistischen Weltentwicklung zu erkennen. -ch.
Solistenabend in Bensheim
Die Bensheimer Goethe-Gesellschaft veranstaltete am Sonntag in der Turnhalle des Gymnasiums einen Solisten-Abend. Das sehr bunte Programm umfaßte Werke von Bach, Boccherini, Beethoven, Strauß, Chopin und Tschaikowsky. Die junge Pianistin Hannelore Dittes zeigte eine erstklassige Finger- und Anschlagtechnik und bewies durch ihren Vortrag, daß sie eine ausgesprochene Chopin-, Schubert-, Schumann-, und Brahmsspielerin ist. Die chromatische Fantasie und Fuge von Bach war hingegen zu romantisch-gefühlvoll aufgefaßt und entbehrte daher der barocken Feinheit; auch zu Beethoven schien die Künstlerin noch nicht das richtige innere Verhältnis zu haben. Margrit Wer 16 (Cello) spielte die langsamen Sätze mit viel fraulicher Wärme und Empfindung (besonders Richard Strauss scheint ihr sehr nahe zu stehen), doch bei den schnellen Sätzen fehlte die erforderliche technische Sicherheit und Feinfühligkeit. Fritz Kullmann von Radio Frankfurt war ein technisch sicherer, sehr anpassungsfähiger und Atmosphäre schaffender Begleiter. (HB)
DT Film-Forum
machte grad so schdön den Lehrer nach ...
Ja, so war das damals, lang lang ist’s her. Noch dachte niemand an den Film „Die Feuerzangenbowle“, und der damalige Schüler Heinz Rühmann dachte ganz und gar noch nicht daran, daß er einmal einer der bekanntesten deutschen Schauspieler werden würde: Da stand er vor seinen Klassenkameraden, machte so schön den Lehrer nach, freute sich, daß die Buben aus der Klasse so unbändig lachten, und der Grund dafür war: Der von ihm imitierte Lehrer stand schon hinter ihm! So erging es ihm damals, und so spielte er später als großer berühmter Darsteller uns die frech-lustige Szene vor. Es fing schon früh bei ihm an mit den komischen Situationen . . .
Einmal in Hannover stand er in einer todernsten Szene auf der Bühne, und ein wallender Helmbusch schmückte ihn höchst theatralisch. Da wollte es das Schicksal, daß sich eine Schraube an dem Helm gelöst hatte, und der Federbusch drehte sich so, daß sein Geeicht verdeckt war; was tun? Er schob ihn beiseite . . . der Federbusch rutschte wieder vor seine Augen, er schlug ihn wieder beiseite . . . so rotierte schließlich der Federbusch immer rund um den Helm herum, und die todernste Szene führte zu einem Heiterkeitserfolg. Immer wieder erging es ihm so ähnlich; ein Kritiker hat in seiner Anfangszeit von ihm geschrieben, daß er „wieder einmal die Galerie unterhielt“. Und dies sein komisches Talent sollte schließlich der kennzeichnende Zug seines Wesens werden.
Als er noch zur Schule ging, hat er wirklich an derartiges nicht gedacht. Er wollte Chauffeur werden, die knatternden Motoren hatten es ihm angetan. Später wurde aus dieser Neigung zum Chauffeurberuf die Vorliebe fürs Fliegen, und neben seiner Schauspielerei ist er ja auch ein begeisterter Flieger geworden. Mit einer kleinen Klemm-Maschine fing er an, später kaufte er sich einen Doppeldecker, eine „Motte“, und mit dieser Maschine ist er kreuz und quer durch Deutschland geflogen, nicht als „Quax der Bruchpilot“, sondern als ganz seriösernsthaft-zuverlässiger Flieger. Sogar wenn er mit allerlei Kollegen auf Tournee ging, ließ er die andern mit der Bahn oder Autobus fahren, er selbst flog, und so konnte es passieren, daß er als einziger am Bestimmungsort rechtzeitig ankam, indessen die Mitreisenden durch allerlei Pannen aufgehalten wurden. Es passierte allerdings auch einmal, daß er in einer rheinischen Stadt erwartet wurde, und rührige Hotelbesitzer hatten das begeisterte Publikum an den Bahnhof bestellt, um den Liebling abzuholen, er aber war inzwischen auf dem Flugplatz gelandet und kam mit einem Auto in die wartende Menschenmenge hinein, ohne gleich erkannt zu werden. „Was ist denn hier los?“ fragte er . . . und als er hörte, daß man einen Schauspieler aus Berlin erwartete, der sei aber nicht mit dem Zug gekommen, sagte er in seiner trockenen, komischen Art: „Jaja, diese Berliner!
Er stammt, der mit Hertha Feiler verheiratete Filmliebling, aus zwei Städten — wie könnte es bei ihm auch anders sein? Selbst sein Heimatort muß eine komische Note haben. In Essen wurde er zwar geboren, in Wanne aber wuchs er als Sohn des Bahnhofsgastwirtes auf. Hier also hat er seine Jugendstreiche vollführt, von hier hat er seinen Weg zur Bühne und zum Film angetreten. Erinnern wir an ein paar seiner Filmtitel, und jeder Leser wird schmunzeln: Quax der Bruchpilot, So ein Flegel, Der Mustergatte, Der Herr vom andern Stern, Das Geheimnis der roten Katze . . . und hoffentlich wird die Reihe noch viel länger werden. Wir haben es nötig, herzhaft lachen zu können!
(Aufnahme: Comedia-Schorchtfilm)
HEINZRÜHMANN
Ernst-Krenek-Matinee
In der Aula der Technischen Hochschule erlebten wir eine Auslese kammermusikalischer Werke von Ernst Krenek. Die Vortragsfolge enthielt Kompositionen seiner neueren Periode: Sonate für Viola und Klavier (1948), Klaviersonate 111 (1942), Klaviersonate IV (1948) und sein Streichtrio (1949).
Die Sturm- und Drangperiode des großen Komponisten ist vorüber. Der Respekt vor der Form kehrt bei ihm wieder, die rhythmischen Impulse der importierten amerikanischen Tänze, die noch sein frühes Schaffen beeinflussen, werden in geordnete Bahnen gelenkt. Wenn früher die Nachahmungen der Tänze und die klassische Form zum Ausdrucksmittel wurden (ich erinnere an die Toccata und Chaconne für Klavier, wo Fuge und Foxtrott nebeneinander stehen), so tritt jetzt alles zurück, und der Komponist wendet sich in strenger Form aber in sehr individueller Art der überlieferten Sonatenform zu. Der Einfluß Hindemiths und Schönbergs wird spürbar. In freier Form kehrt Krenek einer strengen Systematik zu und gibt seinen Werken eine persönliche Note. Seine Sprache ist willig und klar und die Stoßkraft eines Ernst Krenek genügt, um uns von seinem Werk zu überzeugen.
Michael Mann (Viola) spielte die Sonate für Viola und Klavier technisch sauber und stilsicher. Er gefiel durch seine äußerst klare Tongebung. Den Klavierpart übernahm Hans Alexander Kaul. Ueberrascht hat das Günther- Kehr-Trio (Günther Kehr, Violine; Georg Schmid, Viola; Kurt Herzbruch, Violoncello) durch das präzise Zusammenspiel und durch die geistige Einstellung zu dem Werk. Die beiden Klaviersonaten spielte der Kom¬ poirtat •p’bst. (ch)
Ist das noch Musik?
Eine Leserzuschrift
Es ist mir unmöglich, das, was uns in dem Sonderkonzert der internationalen Ferienkurse für neue Musik am Sonntagabend geboten wurde, stillschweigend hinzunehmen, nämlich das Machwerk, das der Komponist, Herr Edgard Varese, so schamhaft als „lonisation“ bezeichnet. Diese „Komposition“ für 13 Schlagzeugspieler, Sirenen und ähnliche Lärminstrumente in einem Konzert einem Publikum anzubieten, ist eine geradezu unglaubliche Zumutung, denn von Musik kann hier nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Ich kann es vollkommen verstehen, daß ein Mensch, der den Krieg mitmachte — gerade wir Darmstädter wissen ja selbst genug davon — sich diese Erlebnisse mit „hohen Klängen und schroffen Ausbrüchen“, wie Herr Rosenfeld es in der Programmbesprechung bezeichnet, von der Seele schreiben ’ oder sonstwie abreagieren muß, aber es ist eine Schamlosigkeit, diese seelischen Ausscheidungen vor die Oeffentlichkeit zu bringen und gar noch als musikalisches Kunstwerk zu bezeichnen. Ich kann auch Herrn Scherchen nicht den Vorwurf zum mindesten der Geschmacklosigkeit ersparen, daß er das Werk Schönbergs „Ein Ueberlebender aus Warschau“, das er in seinem Vortrag selbst als „größtes Wenk der heutigen Musikgeschichte“ bezeichnete, mit diesem Machwerk Vareses zusammenkoppelte und zudem durch die Nachfolge den Eindruck, den Schönbergs Werk auf den Hörer machte, vollkommen totschlug. Ich bin zwar nur ein Musik ausübender Laie, aber die Musik ist die Kunst, die mir zunächst Herz und Seele erfüllt; außerdem weiß ich mich in dieser meiner Meinung mit Musikern besten Ranges einig und halte es unbedingt für erforderlich, solche Zumutungen, die uns in der Oeffentlichkeit gestellt werden, auch einmal öffentlich von Laienseite aus abzulehnen. Margot Kirchhoff
Prof. Scherchen fährt nach Rom
Herrmann Scherchen reist nach den Darmstädter Ferienkursen nach Rom, um dort mit dem Orchester und Chor’der Academia Santa Cecilia Bachs Johannespassion für die Aufführung vorzubereiten, die er am 23. September auf dem Fest des hl. Bernardo in Aquila dirigiert. Danach studiert er mit dem Orcnester des italienischen Staatschores das Programm des Hauptkonzertes der Biennale Venedig 1950 ein.
.... on Venedig reist Scherchen nach Wien, um dort mit dem Wiener Singverem. den Wiener Sinfonikern und den ? ^e^fr 1 ed’ Königen, Patzack, Löffler, Edelmann, Händels „Israel in ’ ^orzubereiten. Diese findet unter Scherchens Leitung am 26. 9. auf g€lstllchen Musikerfest in Perugia
Darmstadt und Umgebung
Sternen- Toto
siS ÄaS“"« ken, daß man gelegentlich? mit ? ben ]erken Fuß aufstehen wird. Dieser Akt be' gmnt schon vor dem Aufwachen und setzt sich wie ein Mehltau auf den 4.^7, J 1 Bewußtseins, ehe wir schlagen. Ist es dann so weit, daß wir unsere knackenden Gelenke auseinander^ recken mächtig gähnend uns den S<Saf 'om. Gesicht reiben — dann ist bereits geschehen: Wir können nicht ander? als den neuen Tag durch eine trübe Mildrglasscheibe betrachten.
Wie sollen wir es beschreiben’ Es ist schon so viel über die Tücke des Objektes in Gestalt von Kragenknöpfen, stumpfen Rasierklingen, schrillendem Telefon aus der Badewanneperspektive, Finanzamtsbriefe usw. geschrieben worden. Aber heute sind wir zum Leiden geschaffen infiziert mit einiger Bosheit, geimpft mit Selbstbedauern und geladen mit Streitsucht. Selbst wenn uns keinerlei wahrnehmbare Widrigkeit begegnen sollte, so werden wir sie schon aufspüren mit einem unheimlichen sechsten Sinn, den ein Kobold uns für den heutigen Tag anhypnotisiert hat.
Was können wir tun? Ein Entrinnen gibt es nicht. Aber wenn wir unsere Miesepretrigkeit als solche erkennen und hinnehmen wie einen trüben Regentag, der am heiteren Himmel sozusagen über uns verhängt ist, so haben wir schon viel gewonnen. Wir spannen dann am besten einen aus Gleichmut und Geduld gewirkten Regenschirm über die begossene Landschaft unserer Seele und lassen keinen anderen Wunsch aufkommen als diesen, daß doch die schlechte Witterung nicht allzulange anhalten möchte. Wenn wir nämlich mit unserer schlechten Laune aufbegehren würden, dann ginge es uns so schlecht wie dem kleinen Jungen, der, als er kürzlich wegen eines Sonnenstichs im Krankenhaus eingeliefert wurde, zu dem Arzt sagte: „Es geschieht meinem Vater ganz recht, daß ich einen Sonnenstich habe, er hätte mir ja einen Hut kaufen können!“
Gespräch in der Rheinstraße 102
Im ehemaligen Kasernengelände in Darmstadt, Rheinstraße 102, ist die Hauptfürsorgesteĺe für Schwerbeschädigte des Regierungspräsidenten von Darmstadt untergebracht. Unser schwerkriegsbeschädigter. AK-Mitarbeiter hatte kürzlich Gelegenheit, sich mit dem Leiter der Hauptfürsorgestelle für Schwerbeschädigte, Oberregierungsrat Elseśer Über die Aufgaben des Amtes und über seine Hilfsmöglichkeiten für die Schwerbeschädigten zu unterrichten.
Im Block B, Kasernengelände 102, ist Sprechtag. Ein Schild: „Hauptfürsorgestelle 2. Eingang links“, weist mir den Weg. Die Mannschaftsstuben der ehemaligen Kaserne sind heute Dienstsitz und Amtszimmer für die Regierungsbehörde. In dem langen Gang mit den eingebauten Gewehrträgern sitzen und warten Amputierte, Kranke, Blinde oder Taube, alle, um Rat und Hilfe zu holen. Von Oberregierungsrat Eisesser, der seit 1948 mit der Leitung dieser sozialen Behörde beauftragt ist, erfahren wir, daß es im Regierungsbezirk Darmstadt 21 000 Schwerbeschädigte gibt.
Zu ihrer beruflichen und wirtschaftlichen Versorgung, so führte Oberregierungsrat Eisesser aus, komme die umfassende Hilfe für diejenigen, die sich nicht mehr selber helfen können. Der Körperbeschädigte hat andere Lebensbedürfnisse all ein Vollgesunder. Er müsse sich vieles versagen, was dem anderen selbstverständlich sei. Schon hier trete ein enormer Unterschied in der Fürsorgearbeit zum Wohle des Beschädigten in Erscheinung. In erster Linie sei seine Arbeitskraft und sein Lebenswillen zu erhalten. Es werde diesbezüglich das Erdenklichste getan durch Arbeitsvermittlung und Umschulung. Arbeitstherapeutische Methoden, die in anderen Bundesländern in besonderen Umschulungsheimen für Schwerbeschädigte Anwendung fänden, um sie für den neuen Beruf vorzubereiten, seien in Hessen noch nicht angewandt worden. Nur in ganz besonders schwierigen Fällen der neuen Berufsbestimmung stehe das Umschulungsheim Rheinhessens in Alzey, mit gleichzeitiger ärztlicher Betreuung zur Wahl. Interessant sei, daß Nordrhein-Westfalen für solche in Umschulungswerkstätten und Heimen ausgebildeten Schwerbeschädigten nach Arbeitsplätzen suchen müsse. Es habe sich jedoch erwiesen, daß der in Hessen eingeschlagene Weg im Betrieb am zukünftigen neuen Arbeitsplatz umzuschulen und den Versehrten beruflich vorzubereiten, richtig gewesen sei. Der in der Praxis Umgeschulte werde stets besser und schneller vorwärts kommen, als der in abgesonderter Umgebung neu Angelernte. Die Unterbringung der Schwerbeschädigten in geeignete Arbeitsplätze bereite ungeahnte Schwierigkeiten. Während sich in den Städten der geringste Prozentsatz von noch unversorgten Schwerbeschädigten befände, mache es den Landkreisen und Landgemeinden große Sorgen, alle ihre Versehrten unterzubringen. Ob im Ried oder im Odenwald, oft ganz abgelegen, ungünstig für den Verkehr, sitzen Fachkräfte auf verlorenem Posten. Dazu treten die Schwerbeschädigten Flüchtlinge, die härter betroffen sind, als Beheimatete. Hinzu komme, daß durch die veränderten Wirtschaftsvrhältnisse, die Lebenshaltungskosten es dem körperlich Leidenden in den meisten Fällen nicht möglich sei, sich ein Eigenheim zu bauen.
Der gesetzlichen Verpflichtung, dem Schwerbeschädigten einen Arbeitsplatz zu vermitteln, sei die Stadt Darmstadt sowohl in der Privatindustrie als auch, seitens der Behörden mit dem höchsten Satz in ganz Hessen nachgekommen. Wo von Betrieben Ablösungszahlungen geleistet werden müssen, könne ein Versehrter leider keine Beschäftigung bekommen. Bevorzugt behandelt würden Blinde und die Hirn verletzten. Trotz dieser besonders schwierigen Situation sei aber alles getan, was getan werden konnte. Vor kurzem z. B. sei im Amtsgericht Bensheim durch die persönliche Vermittlung Eisessers ein Kriegsblinder als Telefonist untergebracht worden, wo er seinen Dienst mit Befriedigung ausfülle.
„Die Aufgaben und Anforderungen an mein Amt“, erklärte Oberregierungsrat Eisesser wörtlich, „werfen täglich neue Probleme auf. Mein Wunsch ist, daß eine Regelung der Rentenfrage bald helfen kann, die schwere Lage der in jeder Beziehung benachteiligten Menschen zu verbessern. Wir helfen so gut wir können. Würdigkeit, Bedürftigkeit und Nutzen einer Unterstützung sind auch bei allem Verständnis für die berechtigtsten Erwartungen von uns zu beachten.“
Die Eberstädter Nachkerb
Leicht schwankende Gestalten, die sich scheu an Häuserwänden entlangdrückten, Neugierige, die in hellerleuchteten Wirtshausfenstern kibitzten, disharmonische Sänger und junge Burschen, die ebenso jungen Backfischen nachstiegen, waren die ersten Eindrücke, die wir auf der Eberstädter Nachkerb gewannen.
Man brauchte nicht viel zu tun, um von der Ausgelassenheit angesteckt zu werden, die einem auf Schritt und Tritt begegnete. Zu einem Volksfest kam es in den späten Abendstunden in der Muthschen Likörfabrik. Unter einer Zeltplane und in geräumigen Garagen schunkelten die seligen Pärchen zu den aufreizenden Klängen der „Roten Teufel“ — wie wir einmal die ausgezeichnet spielende Kapelle bezeichnen wollen. Die Tänze waren nicht minder nervenkitzelnd, die Tänzer und Tänzerinnen hingegen machten urkomische Figuren. Kunststück, wir haben es noch nicht erlebt, daß Sardellen in einer Büchse Samba tanzen konnten. Immerhin ging es trotz der Enge auch so. Die Nachkerb war ein Erfolg auf der ganzen Linie. Das werden bestimmt alle diejenigen bestätigen können, die gestern zu spat zu ihrer Arbeitsstelle gekommen sind. (Ro)
Moderne Straßenkreuzung
Ein freier Platz entstand bei den Aufräumungsarbeiten der städtischen Trümmerbeseitigung an der Ecke der Eschollbrücker und Heidelberger Straße. Nachdem die Reste der dortigen Haustrümmer beseitigt wurden, eröffnete sich ein freier Durchblick in die Holzhofallee von der Heidelberger Straße aus. In den letzten Tagen wurden an der gegenüberliegenden Ecke, an der Heinrichstraße die Reste des DBS-Gebäudes abgetragen.
Heimkehrerlager Krandan
nur noch bis zum 1. Oktober
Das vom Roten Kreuz unterhaltene Heimkehrerlager in Brandau im Odenwald wird voraussichtlich zum 1. Oktober seine Tätigkeit einstellen, wie wir von Oberregierungsrat Härting erfahren konnten. Das Lager, dessen Fassungsvermögen für etwa 50 Heimkehrer zu einem mehrwöchigen Erholungsaufenthalt berechnet ist, war in der letzten Zeit durchschnittlich nur noch mit 25 Mann belegt.
Rote Bundesbahnomnibusse
fahren bis Heidelberg
Die Bundesbahn beabsichtigt, ab 1. September die bis jetzt zwischen Frankfurt und Darmstadt stündlich verkehrenden Bundesbahnomnibusse bis Heidelberg laufen zu lassen. Als Fahrtstrecke ist die neue Bergstraße über Eberstadt —Bickenbach-Zwingenberg—Bensheim —Heppenheim — Weinheim — Heidelberg geplant.
Uhrmacher protestieren gegen Hausterhandel
Am Montagnachmittag fand im Cafe Hauptpost eine Versammlung der Meister der Uhrmacherinnung des Bezirks Starkenburg statt. Nach der Begrüßung der Anwesenden durch Innungsobermeister Schwarz, Darmstadt-Arheilgen, ergriff der stellvertretende Geschäftsführer der Handwerkskammer, Hellwig, das Wort zu eingehenden Erläuterungen der Situation, der sich das Uhrmacherhandwerk seit der Gewerbefreiheit gegenübersieht. Die Internationale Gewerbeunion habe sich geschlossen an die Militärregierung gewandt, um die Wiedereinführung des großen Befähigungsnachweises zu erreichen. Die immer stärker zunehmende Schwarzarbeit sei eine ernste Sorge des Handwerks. So sind alleine im letzten halben Jahr der Stadt Darmstadt etwa 800 000 DM an Gewerbesteuern entgangen. Verschiedene Punkte seien zu berücksichtigen, die einen starken Einfluß auf die Aufwärtsentwicklung des Handwerks ausüben könnten. Zunächst sei die Feststellung zu treffen, daß die Bereitschaft, Kapital dem Handwerk zur Verfügung zu stellen, äußerst gering sei. Die Handwerkskammer würde aber vor Kreditaufnahmen durch Banken warnen, da die Zinssätze viel zu hoch seien und durch die heutige Steuergesetzgebung nicht aufzubringen wären. Allerdings bestünde in gewissen Fällen die Möglichkeit, die Soforthilfe in Anspruch zu nehmen, wenn das Handwerk den Nachweis erbringen könne, daß früher bereits ein Betrieb bestanden habe.
Ebenfalls beschäftigten sich die Versammelten mit der Frage des Hausierhandels, der in letzter Zeit immer mehr dazu übergehe, Armbanduhren im Türzu-Tür-Verkauf anzubieten. Entsprechende Einwände seitens der Innung bei den Regierungsstellen wären unberücksichtigt geblieben, indessen Nordrhein-Westfalen dieser Frage mehr Entgegenkommen gezeigt habe. Ein weiterer Punkt waren die Ladenschlußzeiten am Samstag. Hierüber konnte keine Einigung erzielt werden, obgleich die Mehrzahl den Standpunkt vertrat, daß die Ladenschließung am Sonnabend gerechtfertigt sei. Uebereinstimmend wurde festgestellt, daß in der Zukunft eine stärkere Konzentration des Handwerks erzielt werden müsse, um den vielen Aufgaben gerecht werden zu können, die an die Handwerkskammern gestellt werden. -st
Mildes Urteil für Karl Arnold und Genossen
Anklage wegen Landfriedensbruch niedergeschlagen
Die gestrige Gerichtsverhandlung vor der Ersten Darmstädter Strafkammer trug einen ernsten Charakter. Oberstaatsanwalt Dr. Kant plädierte persönlich in einem Prozeß gegen mehrere junge Männer, die gemeinsam am 3. Juni in Bensheim zwei israelitische Bürger verfolgt und zusammengeschlagen hatten.
Der höchst bedauerliche und zu verurteilende Vorfall spiegelte sich in den Spalten ausländischer Zeitungen wider. Es war der erste Landesfriedensbruchprozeß wegen antisemitischer Ausschreitungen in Westdeutschland nach 1945.
In der vordersten Reihe der Anklagebank saßen die drei Haupttäter, der dreiundzwanzigjährige Karl Arnold, der einundzwanzigjährige Hans Ritz und der zwanzigjährige Heinrich Weyrich, dahinter fünf weitere junge Burschen, darunter ein Jugendlicher, alle aus Bensheim. Während eines Tanzvergnügens in einem Bensheimer Lokal hatte der Angeklagte Ritz den Zeugen H., einen Israeliten, angerempelt und ohne Grund vom Stuhl geworfen. Auf seinen Pfiff erschienen Weyrich und Arnold, die ohne zu fragen, wild auf H. und einen zweiten anwesenden Iraeliten einschlugen. Als H. davonlief, verfolgte ihn eine ganze Meute, voran Arnold. Er holte H. ein und schlug ihn in übelster Weise bewußtlos. Auf dem Rückweg umkreisten die Angeklagten den Zeugen R., den zweiten Israeliten. Auch ihm hieb Arnold derart roh mit der Faust mehrfach ins Gesicht, daß dieser gegen eine Mauer taumelte und zusammenbrach. Während des ganzen Vorfalles fielen Worte, wie „Saujude“ und „Drecksack“. Der Sachverständige billigte den Angeklagten keine verminderte Zurechnungsfähigkeit infolge Trunkenheit zu und ließ diese Frage lediglich bei Ritz offen. Oberstaatsanwalt Dr. Kant beantragte am späten Nachmittag wegen schwerem und einfachem Landfriedensbruch in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung gegen sechs Angeklagte Gefängnisstrafen bis zu eineinhalb Jahren. Er widersprach der Darstellung der Beschuldigten, daß es sich um eine harmlose Wirtshauskeilerei gehandelt habe. Er bezeichnete Ritz als Rädelsführer, Weyrich und Arnold al ’ Gewalttäter und die übrigen als Mitläufer. Auf Grund bestimmter Ressentiments hätten die Angeklagten, durch Alkohol mutig geworden, eine grobe Ausschreitung mit antisemitischem Hintergrund verübt. Wenn er das Ganze auch für einen Einzelfall von keinerlei symptomatischer Bedeutung halte, so dürfe man die Angelegenheit doch nicht bagatellisieren, sondern müsse eine exemplarische Strafe auswerfen.
Rechtsanwalt Klibansky unterstützte als Nebenkläger die Ausführungen des Oberstaatsanwalts. Er forderte dagegen keine Milderungsgründe, sondern eine abschreckende Zuchthausstrafe und erweiterte die Anklage auf tätliche Beleidigung.
Die Verteidigung widersprach der Auffassung, daß es sich hier um einen Landfriedensbruch und um eine antisemitische Aktion gehandelt habe. Man gebe dem Ganzen, so sagte u. a. Dr. Simon, einen politischen Gehalt, den die Tat nicht besitze. Die Angeklagten hätten zweifelsfrei Straftaten begangen, die aber völlig unmotiviert und unter starkem Alkoholeinfluß geschehen seien.
Am späten Abend verkündete die Erste Strafkammer unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Forch nach mehrstündiger Beratung das Urteil. Es lautete:
Arnold wegen fortgesetzter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung ein Jahr und zwei Monate Gefängnis,
Weyrich wegen einfacher Körperverletzung und Beleidigung sechs Monate, zwei Wochen Gefängnis,
Ritz wegen tätlicher Beleidigung und Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung sechs Monate und zwei Wochen Gefängnis.
Wegen Landfriedensbruch erfolgte in sämtlichen Fällen Freispruch. Der Rest der Angeklagten wurde freigesprochen.
wst
Kirchweih in St. Stephan
Kirchweih, den ältesten Festtag jeder Gemeinde, feierte die Ungarnsiedlung St.- Stephan vergangenen Sonntag erst zum zweitenmal. Das Wetter war gut, und so kamen Siedler, die zahlreichen Gäste und natürlich der Wirt auf ihre Kosten.
Der „Betstunde“ in der Siedlungskirche folgte der„Kerweumzug“mit dem „Kerwevater“ an der Spitze, begleitet von dem Teufel hoch zu Roß und buntgeschmückten Wagen mit der Kapelle. Mit dem „Kerweausgraben“ begann der eigentliche Festauftakt. Eine am Vorabend vergrabene Flasche Wein vor dem Haus eines Mädchens wird wieder ausgegraben. In kecken Reden glossierte der „Kerwevater“ die Begebenheiten des verflossenen Jahres. Alte Volkstänze eröffneten den Festreigen. Leider mußte auf die versprochenen Volkstrachten verzichtet werden, da sie nicht mehr rechtzeitig beschafft werden konnten.
Für jeden war gesorgt: Die Kleinen tobten auf der Schiffschaukel und trabten nach Cowboymelodien auf ihren Karüssellpferdchen. Dazwischen wurde Eis geschleckt, während die Großen ihren „Paprikawurstdurst“ mit kühlem Naß stillten und munter das Tanzbein schwangen. -Id.
In der Stadt notiert
Ein Kinderfest veranstaltete die Kleingärtnervereinigung an den Golfplätzen bei schönstem Wetter am vergangenen Sonntag. 60 Kinder und eine große Anzahl von Mitgliedern nahmen daran teil. Nach dem mit Kinderspielen ausgefüllten Nachmittag beschloß ein Lampionzug, Tanz und Musik am Abend das Fest.
Um die hundertjährige Linde im Hof des Ortsverwaltungsgebäudes inEberstadt wurde eine achteckige Bank gebaut, t-s
Mit einem improvisierten Chorgesang erfreute der Chor des MGV „Liederkranz“ anläßlich seines traditionellen Herrenausflugs mit Pferdewagen am vergangenen Sonntag in Messel ein gerade aus der Kirche kommendes Brautpaar. Diese unvorbereitete Ueberraschung machte den Hochzeitsgästen und vor allem dem Bräutigam, einem in Messel wohnenden Flüchtling, der als Rechtsaußen im Fußball sich einen Namen gemacht hat, eine große Freude.
Ein Treffen von Vertretern aller Ju¬ gendgruppen der Stadt Darmstadt bereitet der Stadtjugendausschuß für den 10. und 11. September in Brandau vor. t-s
Eine musikalische Sensation mit 41 Schlagzeuginstrumenten lieferte am Sonntag in der Stadthalle im Rahmen der „Kranichsteiner Ferienkurse“ Prof. Hermann Scherchen mit dem Orchester des Hessischen Landestheaters bei dem Vortrag von Edgar Vareses „Jonisation“. Schlagzeuge, Luftschutzsirenen, Gongs, Glocken und verschiedene geräuschvolle Geräte bildeten die Hauptinstrumente. Es sei nicht nur atonale, sondern a t o m a 1 e Musik, wurde von überraschten Zuhörern geäußert. Ausführlicher Bericht im Feuilleton „Neue Musik auf neuen Wegen“.
Von einem Drahtseil gequetscht wurde gestern nachmittag ein Mann bei der Arbeit in der Kaserne an der unteren Rheinstraße. Er mußte mit Rippenbrüchen in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Neigung zu Gewitterstörungen
(DT-Wetterbericht)
Uebersicht: Der Hochdruckeinfluß bleibt weiterhin vorwiegend wetterbestimmend, wenn auch vorübergehend unser Gebiet von Gewitterstörungen beeinflußt wird.
Vorhersage: Am Dienstag und Mittwoch wolkig bis heiter, noch warm und schwül und einzelne Gewitter, in der Richtung wechselnde Winde.
Weitere Aussichten: Noch keine durchgreifende Abkühlung.
Schreibt an Fritz Knippelius
Frische Erdbeeren
schickte uns vor einigen Tagen Herr Steui - Inspektor a. D. Adam Leichtweiß in die Redaktion als Kostprobe. Es ist eine von mm besonders gepflegte Sorte, die zweimal un Jahr eine Ernte bringt. Für diese Spende dankt im Auftrag der Redaktion herzlichst , „ . Fritz Knippelius
Heimkehrer in Westberlin
Hier in den Westzonen gibt es Erholungsstätten für Heimkehrer, in denen alles getan wird, um sie gesundheitlich wieder• z kräftigen, und wir empfinden das als eine selbstverständliche Pflicht, die die Gemein schäft ihnen gegenüber hat. Wie aber ergeh es den Heimkehrern aus den Westzonen Berlins? „„ daß es
Ich war sehr erstaunt zu hören aau « dort solche Erholungsheime nicht gibt, in meinem nächsten Bekanntenkreis erlebte ich einen traurig beschämenden Falk Ein junger Berufskollege kam nach fünfjann ger russischer Gefangenschaft abgez t in entkräftet nach Hause. Fünf Monate in denen er nur eine kleine kam, die wahrlich nicht ausreichte um sich so zu ernähren, daß das Versäumte auf^ geholt werden konnte, war er arbeitslos, bis es ihm schließlich gelang, eine zahlte Anstellung zu bekommen. Vonfeinem Gehalt muß er noch seine Eltern mit erhal ten, und an eine Erholung ist jetzt da die Berufsarbeit wieder begonnen hat, uu« bannt nicht mehr zu denken. . . _
naupt ment mein Dieser Fall steht wohl für viele ’ Hier werden schwere Kriegsschadigung schleppt und können zu lebel¥.la^l Siechtum führen. Heimkehrer die in solch schlechtem Gesundheitszustand nach Hau kommen, dürften überhaupt nicht vor ihr vollen Wiederherstellung in das Berufsleben entlassen werden.
entlassen weiucu. Verabsäumt hier die Stadt Berlin etwas? Hat sie keine Möglichkeiten? Könnte man die Heimkehrer nicht in Erholungsstätten nach dem Westen holen, eventuell in besonders vordringlichen Fällen mit dem Flugzeug — ich glaube nicht, daß die Militärregierung hierbei ihre Unterstützung versagen würde. Müssen wir nicht alles tun, um hier Menschen, die ohnehin schon von Erbitterung erfüllt sind, über die vielen Jahre, die man ihnen von ihrem Leben gestohlen hat, zu helfen?
H. G., Darmstadt
Liebes Fräulein G.!
Wie ich von den zuständigen Stellen für diese Angelegenheit hören konnte, waren in dem uns nächstliegenden Heimkehrerlager in Brandau im Odenwald, schon sehr oft Rußlandheimkehrer aus Berlin. Die Heimkehrer müssen sich an ihrem Wohnort in diesem Falle also in Berlin — beim Roten Kreuz melden und können dann bei Bedürftigkeit in Erholung geschickt werden. Allerdings muß in diesen Fällen — aber das geschah schon des öfteren — das Rote Kreuz Berlin oder die Stadt Berlin die Kosten für die Erholungsbedürftigen tragen, denn diese Erholungsheime stehen finanziell auf Länderbasis, also Brandau wird finanziell vom hesci sehen Roten Kreuz getragen.
Siscnen rtwcu Geben Sie also Ihrem Bekannten diesen Hinweis! Die finanzielle Versorgung während der Erholungszeit ist außerdem so geregelt — der Heimkehrer bekommt für die Zeit des Erholungsaufenthaltes Krankengeld usw _ daß dem Heimkehrer und seiner Familie kein Schaden entsteht. Aber beeilen Sie sich, Brandau wird nicht mehr lange als Heimkehrerlager bestehen bleiben und Ihr Bekannter müßte dann in ein anderes Erholungslager geschickt werden,
Ihr Fritz Knippelius
US-Major Albrecht schoß quer
Es ist dem leidgeplagten Bürger keine Neuigkeit mehr, wenn aus allen Fanfaren die Forderung nach Verständigung und Völkerversöhnung ertönt. Hier seriös und glaubwürdig, auf der anderen Seite mit grellen Dissonanzen und schrillen Akkorden. Es wird viel geredet. Das gehört nun einmal dazu; insbesondere bei einer embryonalen Demokratie. Und von dem, was man hört, wird sowieso nur ein Bruchteil geglaubt. Was wiederum beweist, daß der Mensch durch die Erfahrung der letzten Dynastien mißtrauischer geworden ist. Aber wir sind immer noch nicht mißtrauisch genug, um nicht die Fallen zu merken, in die wir totsicher hineinfallen — sozusagen Fallstricke der Demokratie, in denen schon mancher sein letztes Schnauferi getan hat. Auf der einen Seite bemüht sich die Jugend aller Nationen, eine Brücke zu schlagen, die Ressentiments zu beseitigen, die zwischen Besatzungsmacht und Deutschen in immer stärkerem Maße aufstehen. Und um diese Bestrebungen zu „fördern“, gibt es gewiegte Lokalpolitiker, die alles daransetzen, einen Böllerschuß dagegen zum besten zu geben.
So war es auch anläßlich des Internationalen Ferienarbeitslagers dar Darmstädter Hochschule als man den ausländischen Studenten gestattete, den Omniibus der Besatzungsmacht zur Anfahrt auf die Arbeitsstelle von der Holzhofallee bis zur TH zu benutzen, während die deutschen Kommilitonen zu Fuß dem altvertrauten Marschtrott verfielen, da für Sie allem Anschein nach kein Platz mehr in dem hochmilitärischen Gefährt vorhanden war. Nichts gegen das Laufen als Ausgleich gegen den studentischen Fettansatz, aber es mutet doch seltsam an, daß hier mit kaltem Rechnen die studentische Verbrüderung torpediert wird!! Ich frage, Herr Major Albrecht, ob das der Richtung der Besatzungspolitik entspricht?
H. L., Darmstadt
Stadtverkehr
. . . sorge für Abhilfe bei folgendem Uebelstand im Darmstädter Verkehr an der Ecke Rhein- und Kasinostraße. Nachdem wegen der Tresoranlage die frühere Reichsbank (jetzt Landeszentralbank) an der alten Stelle aufgebaut wird, ist die glatte Weiterführung des Verkehrs aus der Neckar- in die Kasinostraße leider unmöglich. Besonders gefährlich wirkt sich aber der Umstand aus, daß Fahrzeuge, die aus der Rheinstraße vom Langen Ludwig herkommen und in die Kasinostraße einbiegen wollen, das wegen der scharfen Ecke schlecht können. Wenn ... in der Kasinostraße mehrere Kraftfahrzeuge auf freie Fahrt warten, fängt erst ein langes Rangieren an, bis die Kraftwagen einbiegen kön¬ nen. Dabei wäre die Abhilfe so einfach! Man brauchte nur . . . den Bürgersteig Ecke Rhein- und Kasinostraße abzurunden. Platz ist ja genug da!
Dabei möchte ich noch eine andere Klage zur Sprache bringen, lieber Fritz. Der Kreisverkehr am Monument funktioniert ja fast tadellos, er fließt. Aber er „fließt“ so andauernd, daß die armen Fußgänger überhaupt nicht mehr über die Straße . . . können! . . . Alte und gebrechliche Leute wissen überhaupt nicht, wie sie weiter kommen sollen. Gestern abend zählte ich zum Beispiel um 18 Uhr am Monument in fünf Minuten rund 140 Kraftfahrzeuge! Ich schlage vor, daß südlich vom Monument wieder ein Verkehrsposten eingesetzt wird, der den Verkehr abwechselnd regelt, so deß auch die armen Fußgänger zu ihrem Recht der Benutzung der Straße kommen, aufatmen und ihre verschiedenen Straßenbahnen ohne Lebensgefährdung erreichen können. . . . Dein Werner W., Darmstadt
Ausflug der Stadtkirchengemeinde
Am Sonntag unternahm die evangelische Stadtkirchengemeinde ihren diesjährigen Gemeindeausflug. Auf der Autobahn brachte der Omnibus eine frohe Gesellschaft von 75 Gemindemitgliedern nach Bad Nauheim, wo gemeinsam dem Gottesdienst in der Dankeskirche beigewohnt wurde. Auch der Sprudel, das Wahrzeichen Bad Nauheims, wurde besucht, und das Quellwasser am Ludwigsbrunnen einer Kostprobe unterzogen.
Auf dem Johannesberg genossen die Besucher den schönsten Blick auf die ganze Wetterau. Am Mittag fuhren die Reisenden durch die Wetterau nach Bad Salzhausen, dem kleinen aber sehr netten und wohlgepflegten, stillen Kurort. In den Anlagen und im Kurcafe erlebten die Ausflügler einige erholsame Stunden. Eine Abendandacht in der evangelischen Kirche in Bad Salzhausen beschloß den Tag, ehe es über Nidda, Ranstadt und Frankfurt heimwärts ging. t-s
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: Alle bisher im Amerika haus laufenden Ausstellungen sind ab sofort wegen Umzugs geschlossen.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.
Segeltluggruppe Darmstadt: 20.00 Uhr, Hotel Knauf, Mitgliedertreffen und Vortrag Anton Erb: „Segelflugmöglichkeiten in Darmstadt und Umgebung“.
Starkenburg
Nene Wege zur Perständigung
Dorfnachmittag des Jugendringes der Heimatvertriebenen des Kreises Dieburg in Langstadt
Seit jeher ist die Zusammenarbeit zwischen Heimatvertriebenen und Einheimischen im Kreis Dieburg als vorbildlich bekannt. Ausgehend von gemeinsamen Tagungen und Veranstaltungen, in denen immer wieder Wege des Näherkommens und des beiderseitigen Verständnisses gesucht und auch gefunden wurden, konnte man bisher von einer fruchtbringenden Arbeit all jener sprechen, die sich um die Lösung der vielfältigen Probleme beider Gruppen bemühten.
Der vergangene Sonntagnachmittag, der in Längstadt mit dem Motto: „Jugend zur Jugend!“ unter der Regie des Jugendrings des Kreisverbandes Dieburg der Heimatvertriebenen stand, sollte die Linie, die man eingeschlagen hatte, fortsetzen und ausbauen. Auf der Festwiese fanden sich Altbürger und Heimatvertriebene in stattlicher Zahl zusammen, uvn mit der Jugend einen frohen Dorfnachmittag zu verleben. Kreisverbandsvorsitzender Gold konnte hierbei die Vertreter des Kultusministeriums, RegierungspräsiJiums Landesamtes für Flüchtlinge, des Bezirksjugendpflegers und des Resident-Officers begrüßen.
In seiner Ansprache hob er nachdrücklich die Notwendigkeit hervor, daß sich besonders die Jugend zusammenfinde, um die Vorurteile, die immer noch zwischen Altbürgern und Heimatvertriebenen bestünden, durch einen innigen Kontakt aus dem Wege zu räumen. Nichts sei dazu besser geeignet, als Spiel und Tanz. Die anwesenden Vertreter der staatlichen Stellen gaben ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, daß in Langstadt der fortschrittliche Versuch gemacht werde, aus den Trümmern alter Ressentiments eine neue Atmosphäre zu schaffen, in der sich Flüchtlinge und Alteingesessene gleichberechtigt gegenüberstünden.
Auf der Freibühne, die mit den Fahnen Hessens und des Bundes geschmückt war, fanden sich dann Jungen und Mädel aller Altersklassen zu frohem Spiel zusammen. Bei der Eröffnungspolonaise waren die Vertreter staatlicher Institutionen im Tanzschritt an den Händen junger Frauen wiederzufinden, und zwischen der Vielzahl farbenfroher Kleider war zu guter Letzt nicht mehr zu erkennen, wer nun Ortseinsässiger und wer Zugezogener war. Im fröhlichen Wechsel zwischen Tanz und Gesang, zwischen Vortrag und gemeinsamen Liedern entstand bald ein Fluidum der Gemeinschaftlichkeit von Menschen. die zusammengekommen waren, um sich zu unterhalten, von der Arbeit der Woche auszuspannen und in Gespräch und Tanz Berührungspunkte zu finden, die dazu angetan sind, die Stammesunterschiede zu verwischen.
Für die Kinder war die Frage des „Neubürgertums“ kein Problem: Für sie vollbrachte das Kasperle in wenigen Sekunden das Kunststück, eine Einheit zu bilden, die sich einträchtig vor dem Theater zusammenfand, um nach vollendeter Aufführung ihre Künste im Ballwerfen und anderen Dingen zu versuchen, für die süße Preise zur Verteilung kamen.
Die Bereitschaft zur frohen Teilnahme am Langstadter Dorfnachmittag sicherte dem begrüßenswerten Versuch, die Schranken, die der Krieg zwischen Menschen gleicher Nationalität aufgerichtet hat, zum Einsturz zu bringen, einen vollen Erfolg. hfl
Erbacher Jugendherberge vor der Vollendung
Der herrlich gelegene Neubau der Erbacher Jugendherberge auf der Höhe der Eulbacher Straße oberhalb des Erbache* Sportparks geht schnell seiner Vollendung entgegen. Die großen, freundlichen Räume sind soweit gediehen, daß bereits mit der Inneneinrichtung begonnen werden konnte. 80 Betten kommen in den verschiedenen Schlafräumen zur Aufstellung, in denen überall auch Schränke vorgesehen sind. Die drei Tagesräume und der größte Teil der Schlafzimmer sind heizbar, so daß selbst während der Wintermonate die Verwendung als Schullandheim und so weiter möglich ist.
Gestern wurde die Richtkrone auf das ebenfalls im Fachwerkstil errichtete Nebengebäude gesetzt. Die Einweihungsfeier, zu der unter anderen der jetzt 77jährige Gründer des Deutschen Jugendherbergswerks, Richard Schirrmann, Gräfenwiesbach, der Vorsitzende des Hauptverbandes, Ministerialrat Hassinger, Stuttgart, und der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Oberbürgermeister Dr. h. c. Kolb, Frankfurt am Main, eingeladen wurden, ist auf den 10. September festgesetzt worden. Am 12. September wird dann die Herberge erstmals belegt. Bereits jetzt liegen die Anmeldungen vor. Am 20. Oktober wird der Deutsche Jugendherbergsverband in der Erbacher Herberge eine Herbergselterntagung für das ganze Bundesgebiet durchführen. -ch
Betriebsfeier der OHI
Wie jedes Jahr, fand am Samstagabend im großen Saal der Odenwälder Hartstein-Industrie die traditionelle Betriebsfeier statt. Leider war der Raum zu klein, um alle fassen zu können, so daß die andere Hälfte der Betriebsangehörigen am kommenden Samstag den Abend wiederholen wird. Die Gestaltung des Festes hatte Betriebsleiter Rosigno 1. Betriebsratsvorsitzender Wilhelm Appel sprach verbindende Worte. Hierbei betonte er besonders die gute Zusammenarbeit zwischen Betriebsleitung und Arbeiterschaft und wünschte, daß die Feier zur beiderseitigen Entspannung beitragen möge. Eine junge Schülerin der Ballettschule Darmstadt brachte einige nette Tanzeinlagen. Drei Schweine, die ihr Leben lassen mußten, wurden verspeist und bei guter Musik und Unterhaltung noch manch heitere Stunde verbracht. Str.
Volksliederstunde für Kinder
Die amerikanische Lesehalle Erbach hat, einem Wunsch ihrer jugendlichen Besucher entsprechend, eine Volksliederstunde für Kinder eingerichtet, die erstmals am kommenden Samstag, um 15 Uhr, abgehalten wird. Die kleinen Sänger sollen sich ein Heft und einen Bleistift mitbringen, damit sie die Liedertexte aufschreiben können. -ch.
43 928 kg Spargel abgeliefert
Die Generalversammlung der Obst- und Gemüse - Absatzgenossenschaft Bickenbach am vergangenen Samstag wies leider einen schwachen Besuch auf. Aus den Jahresberichten 1948 und 1949, die der Rechner der Genossenschaft, M. B e c k e r , erstattete, ging hervor, daß die Zahl der Mitglieder Ende 1949 284’betrug. Durch Tod schieden 29 Genossen aus, während 18 in der Berichtszeit neu eintraten. An Spargeln wurden i. J. 1949 43 928 kg mit einem Erlös von 103 370 DM abgeliefert. Es ist dies der höchste Betrag, der bisher von der Genossenschaft erreicht wurde. An Obst und Gemüse wurden 80 529 kg abgeliefert, Der Vorschlag, den Geschäftsanteil auf 5 die den Betrag von 36 870 DM erzielten. DM festzusezten, wurde einstimmig gebilligt. Nach Genehmigung der Rechnungsablage und Entlastung des Vorstandes erfolgten die Neuwahlen.
Dreiradwagen stürzte um
In der Nähe des beschrankten Bahnüberganges nach Reisen geriet am Samstag ein mit Möbel beladener Dreirad-Lieferwagen infolge Straßenglätte derart ins Schleudern, daß er gegen ein zu überholendes Pferdefuhrwerk prallte und umstürzte. Während der Wagenlenker und dessen Pferde unverletzt davonkamen, erlitt der Kraftwagenführer einen Unterarmbruch. Sein Fahrzeug und die Ladung wurden erheblich beschädigt. -r
In der Jauchegrube erstickt
Am Sonntagmorgen wurde die Wwe. Barbara Schneider geb. Löbig in Münster von ihrer vom Frühgottesdiehst zurückkommenden Tochter in der Jauchegrube ihres Anwesens erstickt aufgefunden. Nach den sofort angestellten Ermittlungen handelt es sich um Freitod. (RG)
500 Mark für die Fenerwehr
Haushalts- und Waldwirtschaftsplan 1950-51 waren Hauptgegenstände der am Samstag in Unter-Schönmattenwag abgehaltenen nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung. 57 138 DM an Einnahmen und Ausgaben wurden im ordentlichen Etat bewilligt und für den außerordentlichen Plan 10 000 DM bereitgestellt. Der Waldder Forstverwaltung und käufliche Ueber- und 4617 DM Ausgaben vor. Der Anregung wirtschaftsplan sieht 4 900 DM Einnahmen nähme einer größeren Waldfläche durch die Gemeinde kann vorerst nach Beschluß der Räte nicht entsprochen werden. Für Rußlandheimkehrer und Angehörige von Kriegsgefangenen wird die Gemeinde künftig, entsprechend einer Anregung des Landrates, treuhänderisch einspringen, soweit es in ihrem Machtbereich liegt. Für die Feuerwehr wurden weitere 500 DM zur Anschaffung neuer Schläuche bewilligt.
Sommerfest in Kirkenau
Unter dem Motto „Fröhlich klingt der Sommer aus“ veranstaltete der Verband der Körperbeschädigten und Kriegshinterbliebenen Birkenau am Wochenende im Wamboldschen Schloßpark ein Sommernachtsfest. Die Gesangvereine „Volkschor“ und „Eintracht“ Birkenau, die Kapelle Gräber und andere Einzelkräfte halfen mit, sowohl den Samstagabend wie die Sonntagsveranstaltung zu verschönern. Der 1. Vorsitzende des Verbandes, G u m b , ehrte bei seiner Begrüßungsansprache die Mitglieder A. B a ier, J. Roth und A. Güldner für 25 jährige Tätigkeit und F. Metzger, K. Scheuermann und J. A. Z i e hn e r für 20jährige Tätigkeit zugunsten der caritativen Zwecke des Verbandes. (-r)
Dekanat Erbach bleibt ungeteilt
Pfarrer Römheld-Sandbach zum Dekan gewählt
Während zur Zeit fast alle Dekanate der Evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau zum Zwecke intensiverer Arbeitsfähigkeit verkleinert werden, bleibt auf ausdrücklichen Wunsch seiner Mitglieder das Dekanat Erbach in seinem alten Bestand erhalten, ja es bekommt sogar noch die Gemeinde Wimpfen dazu. Auf Grund dieser Tatsache war es auch als 1. Dekanat in Starkenburg in der Lage, zur Wahl seines Dekans und Synodalvorstandes zu schreiten.
Am Montagvormittag traten über 60 Mitglieder der Erbacher Dekanatssynode im Michelstadter Gemeindehaus zur Wahl zusammen, der ein Gottesdienst von Oberpfarrer Hedrich (Michelstadt) in der evangelischen Stadtkirche vorausgegangen war. Der Propst von Starkenburg, Pfarrer Rau, sprach eingangs ausführlich über Bedeutung und Aufgaben des Dekanats und die Stellung des Dekans. Laut Kirchenordnung wurden drei Vorschläge für die Wahl gemacht: Stadtpfarrer Hahn (Erbach), Oberpfarrer Hedrich (Michelstadt) und der seitherige kommissarische Verwalter des Dekanats, Pfarrer Römh e 1 d (Sandbach), der mit zwei Stimmen Mehrheit vor Stadtpfarrer Hahn zum Dekan gewählt wurde. Letzterer wurde zum Vertreter ernannt.
\ Die Wahl des Präses der Dekanatssynode fiel auf Amtsrichter Kitz (Erbach). Der ihm zur Seite stehende Synodal-Vorstand setzt sich aus Forstmeister Kalb he n n (Neustadt), Oberinspektor Fleckenstein (Höchst) und Pfarrer Hahn (Erbach) zusammen. Hinzu tritt der Dekan selbst.
Im weiteren Verlaurf der Synodal-Versammlung, der auch die Kirchenpatrone von Erbach und Michelstadt, Graf Alexander zu Erbach-Erbach und Graf Alfred zu Erbach-Fürstenau, beiwohnten, wurde noch eine Reihe wichtiger Kurzreferate über die Tätigkeit der Inneren Mission und des Evangelischen Hilfswerkes, die Jugendarbeit der Evangelischen Kirche, die Kirchenmusik und die Arbeit des Männerwerks und der Frauenhilfe gehalten. Es wurden die entsprechenden Beschlüsse zu den einzelnen Sachgebieten gefaßt. (-ch.)
Der Vorderreifen platzte
In der Nacht zum Sonntag platzte dem 30jährigen MAN-Monteur Hans M ä c h tünger au Erbach auf der Nibelungenstraße in der großen S-Kurve oberhalb Dorf-Erbach der Vorderreifen seines Motorrades. Sein Fahrzeug wurde aus der Kurve getragen und rannte gegen einen Baum. Mit Ober- und Unterschenkelbrüchen und einem Beckenbruch wurde er durch einen nachfolgenden Omnibus ins Kreiskrankenhaus Erbach gebracht. (.ch.)
Bürgermeister mit erfreulicher Nachricht
„Jeder kann Wasser verbrauchen so viel und wofür er will!“
Diese jeden Schaafheimer Bürger erfreuenden Worte übermittelte Bürgermeister Sehnert der Einwohnerschaft aus Anlaß des Anschlusses des neu erbohrten Brunnens an das örtliche Wassernetz über den Ortsrundfunk. Der Tagesleistung der bisher für die Schaafheimer Wasserversorgung genutzten Quellen mit 190 cbm steht der Brunnen mit einer mehr als zehnfachen Leistung, nämlich 2000 cbm, gegenüber. Damit ergibt sich über die Lösung der bisherigen Wassernöte hinaus die Möglichkeit zur Versorgung industrieller Betriebe und der Beregnung von Feldern. In der Nähe des Brunnens wird in Kürze eine Blumentopffabrik die Produktion aufnehmen, auf einem Gelände, das außer Wasser auch über hochgespannten und transformierten Kraftstrom verfügt und sich so für industrielle Gründungen besonders eignen dürfte.
Bei den im Frühjahr begonnenen, auf Grund geologischer Bestimmungen angesetzten Versuchsbohrung stieß man bei 24,5 m Tiefe auf Wasser und schuf mit der Weiterbohrung bis auf 42 m einen Wasserstand von 18 m. Schon 1905 sagten Geologen für diese Stelle Wasser voraus, und zwar bereits in 17 m Tiefe. Die Differenz von 7 m gegenüber dem jetzigen Wasserstand findet ihre Begründung in dem allgemeinen Absinken des Grundwasserspiegels.
Als die Schaafheimer Gemeindeverwaltung 1927 beschloß, an Stelle der bisherigen Befriedigung des Wasserbedürfnisses durch die alten Schwengelpumpen eine Wasserleitung zu bauen, zog man der Brunnenbohrung die Zuführung des Wassers aus den Schlierbacher Quellen vor und verlegte zu diesem Zwecke eine fast 7 km lange Rohrleitung mit erheblichem Kostenaufwand. Leider zeigte dieses Projekt bald Mängel, und seit Jahren reicht das zur Verfügung stehende Wasser zur Befriedigung des tatsächlichen Bedarfes nicht aus. Durch das Anwachsen der Schaafheimer Bevölkerung um fast zwei Drittel durch den Zuzug von Evakuierten und Flüchtlingen von 2000 auf über 3000 Seelen verschärfte sich die Wassernot mehr und mehr und drängte zu einer Lösung.
Der Initiative von Bürgermeister und Gemeinderat ist es zu danken, wenn es nunmehr in Schaafheim keine „Wasserfrage“ mehr gibt. Das Vertrauen auf die Voraussagen der Geologen wurde nicht enttäuscht, sondern mit reichlicher Wasserversorgung belohnt, einer Wasserversorgung, die der Hoffnung Raum gibt, daß nun auch Arbeitsplätze schaffende Industrie sich in Schaafheim niederlassen kann und wird. io
Bensheim modernistert die Müllabfuhr
Nachdem In den vergangenen Wochen die neuen, verschließbaren Zink-Mülleimer in Bensheim eingetroffen sind und von der Stadtverwaltung an die Haushaltungen verteilt wurden, ist auch in diesen Tagen das neue Müllauto erschienen, das ein staubfreies Auslceren der Eimer bei der Abfuhr gestattet. Durch diese Modernisierung ist nicht nur die Voraussetzung geschaffen, daß das Stadtbild künftig von den seither verwendeten unschönen, teilweise verrosteten, brüchigen Eimern, Kisten, Körben u. dergl. und den oft neben den Eimern herumliegendcn Abfallresten und Aschenhaufen endlich befreit wird, sondern auch in hygienischer Beziehung ein wesentlicher Schritt vorwärts getan worden Foto: Schermer
Ermordet aufgefunden
Am Sonntagnachmittag wurde in einem Waldstück bei Climbach in der Nähe von Gießen nach eintägigem Suchen Frau Maria Moschner ermordet aufgefunden. Alle Anzeichen deuten auf einen Lustmord hin. Von dem Täter fehlt noch jede Spur. Maria Moschner war am Samstagmorgen zum Beerenpflücken weggegangen. Nachdem sie am Nachmittag nicht nach Hause zurückkam, begann ihr Mann mit der Suche, die dann von Polizei und Feuerwehr verstärkt durchgeführt wurde. DT
Unhold festgenommen
Die Polizei von Boxbrunn hat am Montag in guter Zusammenarbeit mit der Zivilbevölkerung den 49jährigen St. aus Michelstadt festgenommen, der sich als Exhibitionist im hessisch-bayerischen Grenzgebiet umhertrieb. Er wurde ins Gerichtsgefängnis Amorbach eingeliefert. Frauen und Mädchen, die in letzter Zeit von einem etwa 1,73 m großen schlanken Mann mit grauen Augen und blonden Haaren — gelegentlich trug St. auch eine Brille — belästigt wurden, wollen dies der nächsten Polizeidienststelle melden. (ch.)
Wieder zwei Rinder gestohlen
Aus der Viehkoppel eines Landwirts in Habitzheim wurden in der Nacht zum Samstag zwei zweijährige Rinder gestohlen. Es handelt sich um hellgelbes Simmenthaler Fleckvieh. Von den Tätern fehlt jede Spur; die Annahme, daß es sich um dieselbe organisierte Bande handelt, die in letzter Zeit im Bachgau etwa zehn Stück Rindvieh aus Ställen oder von der Weide stahlen, liegt nahe. (RG)
Preisangeln im Rhein
Ein gutes Ergebnis hatte der Angelsportklub 1928 Stockstadt am Sonntag bei seinem diesjährigen Preisangeln zu verzeichnen. Insgesamt wurden 25 890 Gramm Fische (Rotaugen und Bresen) gefangen. Das höchste Fanggewicht erzielte bei 36 beteiligten Anglern Peter R ü c k - eis mit 1970 Gramm. Es konnten 33 Preise auf einer abendlichen Familienzusammenkunft vergeben werden. (oa)
Auf Sabotage-Arbeit einiger Pflichtfeuerwehrleute führte der Kommandant der Wehr von Weiher den Mißerfolg der am vergangenen Sonntag in der Gemeinde abgehaltenen Großübung zurück. Die betreffenden Feuerwehrleute mußten kürzlich wegen mangelhafter Befolgung der gesetzlich vorgeschriebenen Uebungsanordnung zu Geldstrafen verurteilt werden. (-r)
Ein Ehrentag des Pferdes
Kreispferdeschau und Reitturnier in Dornheim
Der Kreispferdezuchtverein Groß-Gerau veranstaltete am Sonntag gemeinsam mi dem Reit- und Fahrverein Dornheim eine Kreispferdeschau, die mit einem Reit- und Fahrturnier verbunden war. Ein blauer, mit kleinen Wolken übersäter Himmel breitete sich über dem Turnierplatz aus und Bürgermeister Krumb schmunzelte befriedigt: „Wir Dornheimer haben halt zum Petrus gute Beziehungen!“
Die Prüfungen der Pferdeschau füllten den Vormittag aus. In der Abteilung A, Mittelschweres Kaltblut, erhielt die Klasse 1 (Jahrgang 1948) die Gesamtbewertung „gut bis sehr gut“. Der Fuchsschimmel von Anton Fendt, Rheinfelder Hof (Walilerstädten), erhielt hier den la-Preis, der Fuchs von Wilhelm Rupp,
Goddelau, den Ib-Preis; das Pferd von Schuchmann, Goddelau, wurde mit dem Ic-Preis bedacht.
Die Klasse 2 (Jahrgang 1947) des Mittelschweren Kaltblutes war, wie Dr. Uppen b o r n , der Geschäftsführer des Landesverbandes feststellte, von außergewöhnlicher Qualität und wurde in ihrer Gesamtheit mit „sehr gut“ bewertet. Diese Klasse erhielt fünf erste Preise; hiervon fielen der la, Ib und Ic-Preis an die Pferde von Fendt (Rheinfelder Hof), Sturm (Goddelau) und Reitz (Königstädten).
Ein eindrucksvolles Bild bot die Schau der Ortssammlungen des Mittelschweren Kaltblutes. Hier erhielten je fünf Pferde eines Ortes eine Gesamtbewertung. Nach Aussage der Preisrichter war hier eine Bewertung sehr schwierig, da fast alle Ortssammlungen nahezu gleiche Qualität zeigten. Als beste konnte die Ortssammlung Wallerstädten mit dem la-Preis ausgezeichnet werden. Für den Ib-Preis wurde die Ortssammlung Goddelau für den Ic-Preis die Ortssammlung Trebur ausersehen. Den Ortssammlungen von Wolfskehlen, Domheim und Leeheim wurden 2. Preise zugesprochen.
Der Kreis Groß-Gerau zählt mit zu den besten Nachzuchtgebieten für Oldenburger und Ostfriesische Pferde; so wird man sich nicht wundern, daß auch das Schwere Warmblut durchschnittlich mit „gut“ und „sehr gut“ bewertet wurde. In der Klasse 4 (Jahrgang 1948) des Schweren Warmblutes fielen der Ja-Preis an Ludwig Knö ß , Goddelau, und der Ib-Preis an Paul Friedrich, Goddelau. Die Pferde von Ludwig Benk 1 e r, Goddelau, und Joh. W. Hamann, Wolfskehlen, errangen in der fünften Klasse (Jahrgang 1947) des Schweren Warmblutes den la bzw. den Ib-Preis. Bei den Ortssammlungen erhielten die Schweren Warmblut-Gruppen von Goddelau 1 und Wolfskehlen 1 den besten Eindruck und wurden mit dem la und dem Ib-Preis ausgezeichnet. Jugendreiterprüfungen, Dressurprüfungen, Jagdspringen und andere reiterliche Darbietungen machten den Zuschauern den Nachmittag zu einem interessanten Erlebnis. Besonders die einzelnen Jagdspringen wurden mit Spannung verfolgt. In dem Jagdspringen der Klasse A, Abt. A, lag Martin Schaad auf der Stute „Senta“ an erster Stelle. Zweiter wurde der Wallach „Hans“ mit dem Reiter Ph. Sensfelder. An dritter Stelle folgte D. D ö r r auf „Melitta“. In dem Jagdsprin-
SThda f S Abtlg- B’ siegte Wendel H Nenh« Goddelau> auf „Roland“ ter^M?- u?Uf ”Udo“ laS an zweiter Stelle, als dritter ging W Srh nni der auf „Halla“ durchs Ziel SchnCl' Ein Reiterfest, auf dem die Preisverteilung erfolgte, gab am Abend dem Tag einen zünftigen Abschluß. (cg) g
Fachmännische Zaungäste Foto: Suchy
Hochmodern frisiert zum Fest Foto: Suchy
Ueuer Kreis-Resident-Officer in Heppenheim
Mr. Muntz verabschiedete sich / Mr. Jergensen der Nachfolger
Der Kreis Resident_Officer in Heppen_ heim stellte der Presse nachstehende Verlautbarung zur Verfügung:
m Begriff, nach den Vereinigten Staaten von Amerika zurückzukehren, möchte ich mich auf diesem Wege von der Bevolkerung des Kreises Bergstraße verabschieden und allen für die mir und meiner Dienststelle bewiesene Zusammenarbeit danken.
Ich bedauere aufrichtig, daß ich nicht mehr persönlichen Kontakt finden konnte Daran ließ sich jedoch nichts ändern, da ich lange Zeit durch Krankheit an der Arbeit verhindert war. Dies war auch der Grund, daß ich im hiesigen Gemeindeleben nur eipe passive Rolle spielen konnte.
Wann immer ich meinen Freunden in Amerika das Leben in Deutschland schildern werde, werde ich dabei nie außer acht lassen, daß die Amerikaner niemals von sich als „Wir“ und von den Europäern als „Sie“ sprechen dürfen. Es gibt nur ein „Wir“ oder ein „Uns“ — es gibt kein „Sie“. Wir alle stehen vereint den Drohungen einer dunklen Macht gegenüber. Unser größtes Bestreben ist die Erhaltung und die Förderung der westeuropäischen Kultur — dies ist christlichjüdische Ethik. Der Zweck der Besatzung ist die Aufrechterhaltung dieses Ideals. Wir müssen uns bei diesen Aufgaben gegenseitig unterstützen. Deshalb besteht hier ein Resident Office. Es gibt keinen anderen Grund dafür.
Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute bei dem Wiederaufbau und der Weiterentwicklung Ihres Landes im Rahmen einer europäischen Gemeinschaft. Uebertragen Sie bitte die gute Zusammenarbeit, die Sie bisher meinem Amte gezeigt haben, auch auf meinen Nachfolger, Mr. Jergensen.
Leben Sie wohl!
gez. Donald W. Muntz
Resident Office Bergstraße Area
Als Nachfolger des nur wenige Monate im Amt befindlichen Mr. Muntz wurde gestern nachmittag Mr. Jergensen erwartet. Er war bisher im Kreise Fritzlar als Kreis-Resident-Officer tätig, von wo ihm der Ruf eines aufgeschlossenen, für die Sorgen und Nöte der Bevölkerung interessierten und zur Hilfe bereiten Beamten vorausgeht. (-r)
Schüler stellten aus
Am 19. und 20. August veranstaltete die Bensheimer Goetheschule eine Ausstellung, in der Handarbeiten und Zeichnungen der Schülerinnen zu sehen waren. Bei allen Arbeiten konnte man feststellen, daß mit Liebe und Sorgfalt gearbeitet wurde und jede Schülerin bestrebt ist, eine Leistung zu vollbringen. Es waren teilweise schon kleine Kunstwerke zu sehen, so z. B. die Madonna mit dem Jesukind, oder verschiedene Scherenschnitte, vor allem aber konnte man erkennen, daß die Lehrerin es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Schülerinnen zu leiten, ihnen über die technischen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, daß sie aber nicht den Zeichnungen das Eigene nimmt, und das dürfte vielleicht mit der größte Erfolg dieses Unterrichts sein.
Es ist immer erfreulich, wenn eine Schule ihre Aufgabe nicht nur im Anlernen mathematischer Formeln, englischer, französischer oder lateinischer Vokabeln oder unendlicher Reihen von Geschichtszahlen sieht, sondern, wenn sie versucht, ihre Schüler auch der Kunst nahe zu bringen und den künstlerischen Geschmack zu bilden. HB.
In der amerikanischen Lesehalle Hep¬ penheim findet diese Woche kein Vortrag statt. Bei der Filmvorführung für Jugendliche am Dienstag von 18.30 bis 19.30 Uhr werden die beiden Filme: „Das kalifornische Jugendorchester“ und „Toscanini“ gezeigt. Eine Kunstausstellung mit Bil-
Jungtierschan des Kleintierzuchtvereins Lorsch
Ca. 250 Jungtiere waren am Sonntag in der Jungtierschau des Kleintierzuchtvereines H 73 Lorsch ausgestellt. Folgende Züchter konnten für ihr gutes Zuchtmaterial Preise erringen:
Kaninchen:
Deutsche Riesen (grau): Ehrenpreis: Hermann Maiberger, Ehrenpreis: Ludwig Guthier, 1. Preis: Heinrich Schwöbel, 1. Preis: Ludwig Guthier.
Deutsche Widder (grau): 1. Preis: Johann Heinz.
Helle Großsilber: Ehrenpreise: Jakob Meier (3), 1. Preis: Karl Koch.
Groß-Chinchilla: 1. Preis: Karl Engelhardt. 4
Blaue Wiener: Ehrenpreis: A. Re 11 ig , 1. Preis: Philipp Rothenheber.
Angora (weiß): Gemeinde-Ehrenpreis: Ludwig Bauer.
Weiße Wiener: Gemeinde-Ehrenpreis: Johann Pieper, 1. Preis: Johann Pieper.
Klein-Chinchilla: 1. Preis: Adam Jakob.
Kleinsilber (gelb): Ehrenpreis: Emil Rößling.
Schwarzloh: Ehrenpreis: Phil. Heinz, 1. Preis: Anton Levasier.
Russen K.: Ehrenpreis und 1. Preis: Philipp Wüst.
Hermelin: Ehrenpreise: Jakob Keimling und Adam Jakob, 1. Preis: Jakob Helml i n g.
Die Schautaube von Peter Walter erhielt den 1. Preis.
Hü h n e r :
Italiener gestreift: Ehrenpreis: Ludwig Guthier, 1. Preis: Ludwig Guthier.
Italiener silberfarbig: 1. Preis: Karl Engelhardt.
Italiener Scheck: 1. Preis: Valentin Leva s i e r, Ehrenpreis: Melchior Jakob, 1. Preis: Philipp W a h 1 i g.
Italiener rebhuhnf.: 1. Preis: Johann Andres.
Orloff rotbunt: 1. Preis“ Peter Walter. Leghorn weiß: Gemeinde-Ehrenpreis Joh. Fehres.
Zwergwyandotten: Gemeinde-Ehrenpreis: Philipp Heinz, Ehrenpreis: Philipp Heinz.
Zwerg-Rhodeländer: Ehrenpres: Philipp Wüst, 1. Preis: Philipp Wüst.
Brahma (hell): Ehrenpreis: Melchior Jakob.
Selbstangefertigte Pelzsachen waren in der Ausstellung der Frauengruppe zu sehen. (bl)
Was aũch interessiert:
Der vierte Rahmenbruch innerhalb kurzer Zeit ereignete sich kürzlich, als ein 25jähriger Motorradfahrer aus Mackenheim bei der Ortsdurchfahrt durch Weiher den unzähligen Schlaglöchern nicht mehr ausweichen konnte. Er sah sich plötzlich mit seinem Motorrad-Vorderteil über die Straße schlittern. (-r)
11 000 von 14 000 DM zur Anschaffung der neuen Glocken für die katholische Pfarrkirche in O ber-Roden wurden durch Privatspenden eingebracht. Damit konnte der Gußauftrag an eine Heilbronner Firma übergeben werden. Ein großes Volksfest ist am Tage der Einweihung geplant. (-gi-)
Eine tüchtige Abreibung fürs Fensterln erhielt ein Jugendlicher aus Habitzheim, als er bei dem Versuch, ein sich entkleidendes Mädchen zu beobachten, entdeckt wurde. Er mußte die Leiter selbst wieder entfernen. Dabei hat ihn die Mutter des Mädchens so tüchtig verdroschen, daß ihm die Lust zum Fenstern vergangen sein dürfte. (Jg)
Seit zwei Jahren die stärkste Partei ist die SPD in der Gemeinde Biebesheim und hat damit den Bürgermeisterstuhl inne. Im Jahre 1900 wurde der Ortsverein der SPD aus der Taufe gehoben. Am 3. September soll der 50jährige Gründungstag mit einem Fest des Unterbezirks Groß-Gerau Süd der SPD und einem Flüchtlingstreffen feierlich begangen werden. Prominente Persönlichkeiten der Hessischen Regierung haben ihr Erscheinen zugesagt. (od.)
meldungen aus den Landkreisen
DIEBURG
Dorndiel. Die Regenfälle haben das Pilzwachstum stark gefördert. In der Pilzsammelstelle werden täglich beachtliche Mengen, besonders von Flüchtlingen abgeliefert, die sich damit eine willkommene Verdienstquelle erschließen. ko
Habitzheim. Die Wanderfahrten des „Heimatbundes“ erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Herbstfahrt hat den romantischen Spessart zum Ziel. Interessenten wenden sich an Lehrer Glöckner. wl
Habitzheim. Im Rahmen des Evangelischen Männerwerks wird Emil Neff am Sonntag, den 27. August, nachmittags 16 Uhr, im Saal der Gastwirtschaft Kopp über das Thema: „Wo ist dein Platz in der Gemeinde?“ sprechen. (re)
Eppertshausen. - Durch die langjährige Trockenheit und die Schädlinge wurden fünfzig Prozent Forstkulturen vernichtet. Die Neufodungen sollen mit Maschinen durchgeführt werden. Man will selbst größere Ausgaben nicht scheuen, um den Wald, eine wichtige Einnahmequelle, zu erhalten. (-gi-)
N'-d^r-Pod n. Anläßlich des 25jäh'igen Bestehens des Geflügelzuchfvereins wird die diesjährige Kreis-Leistungsschau in der hiesigen Gemeinde durchgeführt. (gi)
Babenhausen. In einer Gewerkschaftsversammlung des Ortsvereins der GdeD sprachen Heinz Bayer und Hans Mehring von der Orfsverwalfung Darmstadt, (gi)
ERBACH
Erbach. Der Kaufmann Ä. F. 1 af.e <i en hiesigen Elfenbeinschnitzer um 400 und einen Weiß! i de ■ um 1090 DM angepumpt und jeweils seinen Kraftwagen „als Sicherheit“ verpfändet. Dieser Wagen gehörte ihm aber längst nicht mehr, da er bereits einer Bank übereignet war. Das Amtsgericht Michelstadt erließ gegen F. Haftbefehl. (-ch)
BERGSTRASSE
Bensheim. Der Aegidimarkt wird in diesem Jahr am 5. September abgehalten. Da zur gleichen Zeit das Winzerdorf auf dem Marktplatz aufgebaut ist, werden die Verkaufsbuden und Stände in der Hauptstraße zwischen Mittelbrücke und Hospitalplatz aufgeschlagen. Der Wochenmarkt wird vom 21. August bis einschließlich 16. September auf dem Hospitalplatz abgehalten. (HB)
Bensheim-Auerbach. Die Bundesbahn beabsichtigt, ab 1. September die Omnibuslinie Frankfurt—Darmstadt über die neue Bergstraße bis Heidelberg weiterzuführen. Die Haltestelle für Auerbach wird gegenüber dem Kino neben dem Lebensmittelgeschäft Benzinger sein. (HB) Lampertheim. Da in der vergangenen Woche verschiedene Fälle von Kinderlähmung festgestellt wurden, hat das staatliche Gesundheitsamt des Landkreises die sofortige Schließung der Kindergärten der Gemeinde veranlaßt, (bb.)
Weiler. Eine Mitgliederversammlung des Turn- und Sportvereins befaßte sich mit der Frage einer Sportplatzvergrößerung, die nach dem Aufstieg des Vereins zur Fußball-Kreisklasse erforderlich geworden ist. Man beschloß, erneut an die Bürgermeisterei heranzutreten, um die Ueberlassung eines Gartengeländestreifens zu erwirken. (-r)
Hirschhorn. Der hiesige katholische Kirchenchor besuchte Bad Wimpfen, die hessische Enklave in Baden. In der dortigen Stiftskirche zelebrierte Pfarrer Gre m m eine hl. Messe. Der Chor gestaltete ein von den Benediktinermönchen gehaltenes Konventamt im Kloster durch verschiedene Chöre aus, an denen auch die Kölner Sängerknaben beteiligt waren. (-r)
Waldmichelbach. Die Gesangsabteilung der hiesigen Sport- und Kulturgemeinde empfängt im September den durch seine Mitwirkung bei verschiedenen Rundfunkübertragungen bekanntgewordenen Männergesangverein Braubach am Rhein. (-r)
Lorsch. Der Verein der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen unternahm am Sonntag eine Fahrt ins Blaue, (bl.)
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. - Das Rundfunk-Fachgeschäft Radio-Merz, Nauheim, eröffnete kürzlich in der Mainzer Straße eine Filiale. Der Inhaber der Firma erfreut sich als Spezialist auf dem Gebiet der Kurzwellentechnik eines guten Rufes.
Bischofsheim. Der Gemeinderat nahm in seiner letzten Sitzung einstimmig den Vorschlag der Verwaltung an, innerhalb der Volksschule eine E-Klasse und eine Hilfsschulklasse zu errichten. — Die Ortsstraßen sollen instand gesetzt werden. Der Etat sieht für diese Arbeiten 14 842,— D-Mark vor. (-au-)
Mörfelden. Die Gemeindeverwaltung weist darauf hin, daß der Anbau von Spargelkulturen immer noch von einer Genehmigung des Kulturamtes Darmstadt abhängig ist. (-au-)
Nauheim. Die Einwohnerbefragung, ob eine Müllabfuhr eingeführt werden soll oder nicht, ist abgeschlossen. Die „Nein“- Stimmen liegen nur um einige Prozent höher als die „Ja“-Stimmen. Die Gemeindevertretung wird sich in der nächsten Sitzung mit diesem Problem noch einmal beschäftigen müssen. (-au-)
Gernsheim. Am Samstag treffen sich um 20.00 Uhr die Heimatvertriebenen im Saale Haas, um den Aufbau einer Jugendgruppe zu besprechen. (-kr.-)
Der SPORT
Alte Meister behielten ihre Titel
Hessische Tennismeisterschaften in Bad Homburg
Am vergangenen Wochenende wurden in Bad Homburg die fünften Meisterschaften des Hessischen Tennisbundes ausgefragen. An den Wettkämpfen, die im allgemeinen ein recht hohes sportliches Niveau erreichten, nahmen auch eine Reihe Darmstädter Spieler feil. Allerdings gelang es — mit Ausnahme des Paares Frau Wettlaufer/Dr. Sigwart im Gemischten Doppel — keinem der Darmstädter Spieler und Spielerinnen bis in die Enfscheidungsrunden vorzustoßen. Enttäuschend vor allem das Abschneiden Kleinlogels, der bereits in der ersten Runde gegen Schneider-Frankfurt im dritten Satz verlor, obwohl er bereits mehrere Match-Bälle hatte. Dr. Sigwart wurde durch den Frankfurter Sinclair ausgeschalfef, nachdem er in der ersten Runde mit Reinbold (Bad Homburg) überraschend leicht fertig geworden war. Pfundtner kämpfte gegen Frankfurts Spitzenspieler Bobby Schmitt auf verlorenem Posten, wehrte sich aber tast anderthalb Stunden mit der ihm eigenen Zähigkeit gegen die Niederlage. Wittich siegte in der ersten Runde nach hartem Kampf gegen Sfapenhorst (Bad Homburg), unterlag dann aber dem sicherer spielenden Sfipanski (Kassel).
Die Darmstädter Damen Frau Schubert, Frau Wettläufer, Frau Geiß und Frl. Rockstroh unterlagen ebenfalls in den ersten Runden nach hart umkämpften Spielen ihren jeweiligen Gegnerinnen.
Im Herrendoppel gelang der Paarung Pfundtner-Wittich ein schöner - Satz-Sieg über die Frankfurter Stadtmeister Sinclair/Thomas-Morr. Im ansch ießenaen Spiel gegen die Endsieger Blenk/Phtf (Bad Nauheim) konnten sie jedoch trotz schönen Kampfes im ersten Satz ihre Außenseiter-Chance nicht wahrnehmen. Kleinlogel/Dr. Sigwarf wurden bereits in der zweiten Runde von dem gut eingespielten Paar Pfaff/Schomburgk glatt ausgeschalfef.
Im Mixed kam es im Kampf um den Eintritt in die Vorschlußrunde zu einer rein Darmstädter Begegnung Frau Schubert/Kleinlogel und Frau Wettläufer Di. Sigwarf. Etwas überraschend gelang es hier Frau Weftlaufer/Dr. Sigwart,°für ihre Niederlage bei den Stadtmeisferschaffen Revanche zu nehmen und in die Vorschlußrunde einzuziehen, in der sie dann von Frau Rau/BLenk aus der Konkurrenz geworfen wurden.
Das Herren-Einzel stand von vornherein im Zeichen des Fünften der deutschen Rangliste, Dr. Jürgen Günther, der während’ des ganzen Turniers keinen Satz abgab und auch im Endspiel gegen Blenk-Bad Nauheim, der in der Vorschlußrunde seinen Klubkameraden Pliff bezwungen hafte, eindeutig seine Ueberlegenheif bewies.
Durch das Fernbleiben von Frl. Schmithenner (Frankfurt) und Frau Jencquel-Horn (Wiesbaden) stand von vornherein in Frau v. Gerlach die alte und neue Meisterin fest. Es gelang ihr denn auch, im Endspiel gegen Frau Artelt (Wiesbaden) nach Abgabe des ersten Satzes ganz glatt zu gewinnen.
Ergebnisse: Herren-Einzel: Dr. Günther: Blenk 6:2, 6:1, 6:3. Damen-Einzel: v. Gerlach: Artelt 2:6, 6:1, 6:2. Herren-Doppel: Blenk-Pliff: Pfaff-Schomburgk 4:6, 6:2, 6:3, 6:4. Gemischtes Doppel: v. Gerlach-Günther: Rau-Blenk o. Sp. Damen-Doppel: v. Gerlach-Rau: Stöpel-Artelt 6:1, 6:4. DT.
TSG 46 Jugendmeister
Wie erwartet konnten auch diesmal die Woogsbuben den Titel eines Hallenmeisters des Kreises erringen. Ihr Kampfeinsatz, die Schußfreudigkeit und besonders ihrem technischen Können war es zu verdanken, daß sich die Mannschaft bis zur ersten Stellt durchkämpfen konnte. An zweiter Stelle folgt die erste Mannschaft des SV 98 Darmstadt und an dritter Stelle Griesheim. Die Meistermannschaft spielte in folgender Aufstellung: Wegener, Wolf, Naas, Pfeiffer, Best, Michel und Weißmantel.
Die Ergebnisse:
Langen — Griesheim 1:8 Arheilgen — SpV 98 2:10 TSG 1846 Darmstadt — Langen 7:4 Griesheim — Arheilgen 7:2 SpV 98 — TSG 1846 Darmstadt 2:4 Langen — Griesheim 1:8 Arheilgen — TSG 46 1:12 Griesheim — SpV 98 5:5 Langen — SpV 98 1:14 TSG 46 — Griesheim 7:4
Klarer Sieg der 98er Handballer im Saargebiet
SV St. Ingbert — SV 98 Darmstadt 6:16 (4:8)
Die zweite Saar-Reise der Handballer des SV 98 war mit allerhand Schwierigkeiten verbunden. Die Pässe kamen erst am Sonnabendnachmittag. Dazu kam, daß Lutz verhindert war und Glock mit einem Furunkel am Oberschenkel die Reise mitmachte. Die letzte Schwierigkeit entstand an der Grenze, als der diensttuende französische Zollbeamte das Visum als für „nix gut“ bezeichnete und die 98er bereits mit hängenden Köpfen auf dem Bahnsteig herumstanden. Erst eine Minute vor Abfahrt des Zuges wurde die Weiterfahrt gestattet.
Daß die 98er, trotzdem sie erst eine halbe Stunde vor Beginn des Spieles ankamen, den Zweiten der saarländischen Liga so eindeutig abfertigten, spricht nur für ihre gute kämpferische Einstellung. Den etwa 3 000 Zuschauern wurde von beiden Seiten ein sehr hartes Kampfspiel vorgeführt, das die 98er in spielerischer und taktischer Hinsicht klar in Vorteil sah. Besonders eindrucksvoll war das 12. Tor, wo der Ball solange gespielt wurde, bis letzten Endes der Verteidiger Dascher freistand und mit sicherem Wurf verwandelte.
Auf Anraten eines anwesenden Arztes wurde Glock nicht zum Spielen zugelassen und dafür spielte der Trainer Creter. Die gesamte Hintermannschaft erledigte ihr gewiß nicht leichtes Pensum sehr zuverlässig. Im Sturm wurde allerdings das Einzelspiel etwas übertrieben. Schäfer und Reinhardt waren einmal mehr die erfolgreichsten Torschützen.
Zum Spielverlauf: Gleich in der 1. Minute gingen die Gastgeber in Führung. Schäfer glich aus und erhöhte auf 2:1. Dem folgenden Ausgleich setzte Schäfer Nr. 3 und Lehning Nr. 4 entgegen. Abermals kamen die St. Ingberter um ein Tor heran, ehe Reinhardt und Schäfer zwei weiteren Tore anfügten. Die Saarländer kamen zu ihrem 4. Tor durch einen Weitschuß. Schäfer und Reinhardt stellten dann mit je einem Tor das Pausenergebnis her. Dann aber waren die erst richtig da. Reinhardt (2), Wenz, Dascher und Schäfer je 1 Tor ergaben eine ganz klare 13:4-Führung. Erst dann kamen die Gastgeber zu ihrem 5. und nach dem 14. Tor durch Wenz zu ihrem 6. und letzten Tore. Die 98er konnten noch etwas zulegen und durch Wenz und Schäfer diesen klaren Sieg untermauern.
Mannschaftsaufstellung: Göbel; Dascher, Creter; Glenz, Peters, Fischer; Schäfer, Wenz, Roß, Reinhardt, Lehning. r.
* Sondertriebwagen nach Reutlingen
Wie uns der Sportverein 98 mitteilt, wird für das Spiel in Reutlingen am kommenden Sonntag ein Sondertriebwagen für Schlachtenbummler eingesetzt werden. Der Triebwagen fährt am Sonntagvormittag gegen 7 Uhr ab Darmstadt-Hauptbahnhof (Genauer Zeitpunkt wird noch bekanntgegeben). Rückkehr voraussichtlich gegen 23 Uhr. Interessenten werden gebeten, sich unverzüglich bei der Geschäftsstelle des SV 98 in der Friedrichstraße zu melden, da für alle Teilnehmer in Reutlingen Eintrittskarten für den Sportplatz vorbestellt werden sollen, damit unnötiges Anstehen an den Kassen vermieden wird. Der Fahrpreis wurde um 50 Prozent gesenkt und beträgt 14,20 DM.
Die Trainingsstunden der Handballer des Sportvereins 98 Darmstadt wurden auf Mittwoch, 18 Uhr, festgelegt, die der Fußballer auf Dienstag und Donnerstag.
Jugendmeisterschaften der Amateurboxer
Drei Titel für Hessen — Heckhaus Darmstadt in Hochform
Die Vertreter der Länder Bayern, Baden, Württemberg, Rheinland und Hessen ermittelten am 19. und 20. August in Aalen ihre Süddeutschen Meister in allen 13 Gewichtsklassen. Bei drei Veranstaltungen wurde in insgesamt 50 Kämpfen harter und guter Boxsport gezeigt.
Erfolgreichstes Land war Bayern, das fünf Titel mit nach Hause nehmen konnte. Es folgen Württemberg und Hessen mit je drei und Baden mit zwei Meistertiteln. Die Vertreter von Rheinland waren bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Für Hessen errangen die Titel im Fliegenwicht Heckhaus, Darmstadt, Diekescheid, Wiesbaden-Biebrich, im Mittel A und Lahr, Rüsselsheim, im Schwergewicht. Im Halbschwer A kam Reeg, Höchst, in den Endkampf. Nachdem er seinen Gegner in der zweiten Runde nach einem harten Schlagwechsel zu Boden brachte, verließen ihn die Nerven. Er verließ seine Ecke zu früh, und ehe der Ringrichter den Kampf freigab, brachte er seinen Gegner erneut und diesmal endgültig zu Boden, was seine Disqualifikation zur Folge hatte und ihn auf den zweiten Platz verwies.
Heckhaus konnte in der Endrunde den vorjährigen Süddeutschen Meister im Papiergewicht B, Schlichta, Aalen, bereits in der ersten Runde entscheidend schlagen. Die 13 Süddeutschen Meister fahren nun vom 1. bis 5. September nach Berlin, wo die Deutschen Meister für 1950/51 ermittelt werden. Nach den in Aalen gezeigten Leistungen steht zu erwarten, daß Süddeutschland ein entscheidendes Wort im Gesamtklassement mitsprechen wird.
Die neuen Jugendmeister: Papier A: Götz, Baden; Papier B: Sick, Bayern; Papier C: Hausladen, Bayern; Fliegen: Heckhaus, Darmstadt; Bantam: Wagner, Bayern; Feder: Redel, Württemberg; Leicht: Rühr, Bayern; Welter: Schleehauf, Württemberg; Mittel A: Dickescheid, Wiesbaden-Biebrich; Mittel B: Rink, Baden; Halbschwer A: Sayer, Württemberg; Halbschwer B: Wenzel, Bayern; Schwer: Lahr, Rüsselsheim.
Kern-Dieburs zweiter Deutscher Meister im Freistilringen
Der Dieburger Jakob Kern, der kürzlich in Mundenheim deutscher Leichtgewichtsmeister im giiechisch-römischen Amateur-Ringen wurde, stand übers Wochenende gegen den Endpartner, Ehrl-München, in der bayerischen Hauptstadt im Entscheidungskampf auch um die Freistilmeisferschaft. Vier voraufgegangene Schultersiege hatten ihn in die Endrunde geführt, doch konnte sich diesmal Ehrl durch eine kleine Wertung einen knappen Punktvorsprung und damit die Meisterschaft sichern. Der Kampf fand bei den Zuschauern solchen Anklang, daß die beiden Ringer anschließend auf Verlangen noch einen Freundschaffskampf austrugen, in dem Kern gleichfalls unterlag. Darüber hinaus sind aber doch zwei Titel nach Hessen gekommen: das Mittelgewicht ging an Hense, Frankfurt, das Schwergewicht an Leichter, Eckenheim.
Der Dieburger wird anfangs September an einem zehntägigen Lehrgang in beiden Stilarten in München feilnehmen, der die deutsche Bundesvertretung ergeben soll. Allerdings steht für die anfangs Oktober staftfindende Reise in die Türkei Ehrl als unser Vertreter fest. Kem wird das deutsche Leichtgewicht bei dem gleichfalls fest abgeschlossenen Kampf gegen eine Schwedenmannschaft vertreten. R G.
Schnitzeljagd des DROC
Unter reger Teilnahme der Mitglieder fand bei herrlichem Wetter am Sonntagmorgen eine Schnitzeljagd des Darmstädter Radsportclubs statt. Wanderfahrwart Steinkirchner führte die Teilnehmer yom Startplatz (Theaterplatz) zum Anfang der Fährte an das Forsthaus Hirschköpfe. Die Füchse Mitglied Vonbühren und Lichtenfels hatten die Fährte gut gekennzeichnet. Viele Sackgassen führten zu mancher Irrfahrt. Ihren Bau hatten die beiden Füchse so gut gewählt, daß viele Teilnehmer in unmittelbarer Nähe daran vorbeifuhren. Erst kurz vor dem Halali wurden die Füchse von Familie Krapp gefunden. Anschließend fand beim Mitglied Katzenbach ein gemütlicher Umtrunk statt.
98er bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften in Kassel
Mit der 4X 100-Meter-Staffel (Müller, Perchner, Müllmerstadt, Metzger) sowie dem 200-Meter-Mann Müller und dem 800- Meter-Mann Koop, war der Sportverein 98 bei den letzten Leichtathletikmeisterschaften des „Deutschen Leichtathletikverbandes“ in Kassel vertreten. Während sich Müller im 200-Meter-Lauf mit 23,8 und Koop im 800-Meter-Lauf mit 2,01,2 für den Endlauf nicht qualifizieren konnten, setzte sich die 4 X 100-Meter-Staffel trotz Außenbahn gegen die Vereine wie SV Hamburg Werder Bremen, KSV Hessen Kassel, Göttingen 05 und Eintracht Minden mit der Vorlaufzeit von 44,5 durch. Sie belegte im Endlauf hinter Preußen Krefeld (43,5) und Berlin-Charlottenburg (43,8) mit 44,1 Sekunden den dritten Platz vor FSV Frankfurt und 1. FC Nürnberg.
Vom 17. bis 20. August fanden in Düsseldorf die deutschen Hochschulmeisterschaffen im Tennis statt. Die T. H. entsandte dazu die Studenten Hilsdorf und Haendschke. Gegenüber der starken Besetzung konnten die beiden Darmstädter nur mit geringem Erfolgen aufwarfen und schieden im Einzel und Doppel nach der zweiten Runde aus. H. H.
Eine starke Spitzengruppe
Zwischenbilanz der Deutschlandfahrt am Ruhetag in Waldshut
Vo. Waldshut. (Eigener Drahtbericht.) Bei hochsommerlichem Wetter konnten die Teilnehmer an der Deutschlandrundfahrt am Montag in dem festlich gestimmten Waldshut ihren zweiten Ruhetag begehen. Waldshut bereitete den Deutschlandfahrern in diesem Jahre eine Aufnahme, die mit der Beleuchtung des Marktplatzes mit Tausenden von bunten Lämpchen ein Höhepunkt in dieser Deutschlandrundfahrt sein dürfte. Bei der Siegerehrung am Montag auf dem Marktplatz gab es einen Prämiensegen, wie nirgends auf dieser Fahrt. Mit besonderer Freude wurde (die Nachricht aufgenommen, daß der Holländer Pellenaers, der am Sonntag schwer gestürzt war, sich außer Lebensgefahr befindet. Der Ruhetag am Montag gab Gelegenheit, einmal eine Zwischenbilanz der Deutschlandrundfahrt zu ziehen, nachdem bisher acht von insgesamt siebzehn Etappen zurückgelegt sind. Der Kampf in den Schwarzwaldbergen am Sonntag hat vor allem einen wertvollen Aufschluß über das wirkliche Können der Ausländer gegeben. Die Belgier Gysselinck und Decorte, aber vor allem auch der Etappensieger vom Sonntag, Ketteleer, hinterließen bei dieser Jagd durch die Schwarzwaldberge einen starken Eindruck. Diese Belgier werden, das ist unsere Meinung, nach der Etappe im Hochschwarzwald, die gefährlichsten Gegner der Deutschen im Endkampf sein. Als man dem Belgier Ketteleer in Waldshut seine Prämien als Etappensieger überreichte, da strahlte er über das ganze Gesicht, und als wir später mit ihm zusammen in seinem Quartier saßen, sprach Ketteleer davon, wie sehr es ihm und seinen Kameraden in Deutschland gefalle.
Der fast vierzigjährige Hermann Schild hat auf fünf Etappen das weiße Trikot getragen und damit eine großartige Leistung vollbracht. Er liegt nunmehr allerdings 10:38 Min. hinter dem neuen Träger des weißen Trikots, dem Nürnberger Pfannenmüller, der bei der Siegerehrung am Montag in Waldshut besonders stark gefeiert wurde. Da Schild kein Bergfahrer ist, wie man erneut auf der Schwarzwaldetappe sehen konnte, wird er wohl im Allgäu und in den bayerischen Bergen noch weiter zurückfallen Der Schweinfurter Schenk, der deutsche Straßenmeister 1949, liegt in der Gesamtwertung nach der achten Etappe 4:43 Min. zurück und hat den zweiten Platz inne. Er war in den bisherigen Etappen immer vorne und fuhr sowohl auf der flachen Straße als auch in den Bergen gleichmäßig, so daß er dem Träger des weißen Trikots immer gefährlich sein wird, ebenso wie der Schwenninger Heinz Müller, der bei dieser Deutschlandfahrt bisher wieder einmal bewiesen hat, daß er mit Recht als einer der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsfahrer genannt wird. Von den Ausländern ist außer der italienischen Mannschaft, deren vorzeitiges Ausscheiden allgemein überrascht hat, nunmehr durch den Sturz des Holländers Pellenaers auch die holländische Mannschaft ausgeschieden (Lakeman hatte schon in Karlsruhe aufgegeben). Von den vier Schweizer Fahrern hat sich Schenk den siebten Platz erkämpft. Allerdings liegt er etwas mehr als zwanzig Minuten hinter dem Spitzenreiter zurück. Auch der Schweizer Aeschlimann ist in der Gesamtwertung mit seinem neunten Platz noch in der Spitzengruppe vertreten. So ist der Kampf in der Deutschlandrundfahrt nach der Hälfte der Gesamtstrecke noch vollkommen offen.
Der TSV Höchst konnte in einem Fußballfreundschaftsspiel gegen den VfL Worms ein 5:5-Unentschieden erzielen.
Bestattungen am Dienstag, dem 22. August 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof: 14.15: Egly, Elise, Lichtenbergstraße 76, 70 J. 15.15: Müller, Adam, Kaupstraße 5, 37 Jahre, Da.-Eberstadt: 15.00: Strack, Karl, Rektor, August-Rebel-Str., 65 J.
Besudil das YUI. Bergsträsser Winzerfest in Bensheim mit Werbe- u. Verkaufsmesse _ , „,, „ , , „ . . t Sonntagsrückfahrkarten im Umkreis von 75 km
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN 3 N 21/50. über das Vermögen des Bauingenieurs Martin Rudolf In Darmstadt, Irenenstraße 12, wurde am 18. August 1950, 12 Uhr, Konkurs eröffnet, da Schuldner zahlungsunfähig ist. Konkursverwalter: Rechtsanwältin E. Rathcke, Darmstadt, Wil¬ helm-Leuschner-Straße 2, Telefon 29 15. Konkursforderungen sind bis zum 16. September 1950 (2fach) bei dem Konkursgericht anzumelden. Termin zur Beschlußfassung über Beibehaltung des ernannten oder Wahl eines neuen Verwalters, Wahl eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in §§ 132, 134 und 137 der Kon¬ kursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung an¬ gemeldeter Forderungen: Montag, den 25. September 1950, 10.30 Uhr, vor dem Amtsgericht'in Darmstadt, Mathildenplatz 12, Zimmer 303. Wer eine zur Konkursmasse gehörige Sache besitzt oder zur Kon¬ kursmasse etwas schuldet, darf nichts an den Schuldner verabfol¬ gen oder leisten und muß den Besitz der Sache und die Forderungen, für die er aus der Sache abgesonderte Befriedigung verlangt, dem Verwalter bis zum 16. September 1950 anzeigen. Darmstadt, den 18. August 1950 Amtsgericht, Abt. 3 Öffentliche Ausschreibung der 1. Erd-, Maurer- und Betonarbeiten (ca. 70 cbm 25 cm starkes und ca. 500 qm 12 cm starkes Mauerwerk). 2. Zimmerarbeiten (ca. 23 cbm Holzlieferung und ca. 2000 Ifd. Meter Abbund), 3. Dachdeckerarbeiten (ca. 565 qm Dachfläche einzudecken) für den Ausbau und die Aufstockung des Remisengebäudet auf Schloß Helligenberg bei lugenheim a. d. B. Angebote werden, solange Vorrat reicht, ab sofort bei der aus¬ schreibenden und zuschlagerteilenden Stelle — Staatsbauamt Darmstadt, Alicenstraße 25 — abgegeben. Einreichungstermin: 29. August 1950 bei gleichem Amt, und zwar zu 1. 9 Uhr. zu 2. 9.15 Uhr, zu 3. 9.30 Uhr. Die Zuschlagfrist beträgt 14 Tage. Pläne und Zeichnungen können beim Staatsbauamt Darmstadt, Alicenstraße 25, eingesehen werden. Staatsbauamt Darmstadt
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