Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt JHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 44 Tieuefte Montag, 21. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

„Nein“ der Sozialdemokraten

Deutsche Wiederaufrüstung auf dem Sozialisten-Kongreß abgelehnt

Frankfurt, 20. August. (dpa/AP.) Auf dem ersten internationalen Sozialisten-Kongreß in Deutschland seit 1933 wurde der zweite Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Ollenhauer, von über zehntausend Zuhörern stürmisch gefeiert, als er ihnen zurief: „Wir sagen Nein zur Wiederaufrüstung Deutschlands.“

An einem solchen „Abenteuer" würde die Sozialdemokratische Partei, so erklärte Ollenhauer, nicht teilnehmen. Er bezweifle die Kampfkraft von Panzerdivisionen, hinter denen Millionen von Arbeitslosen und Flüchtlingen stünden, für die immer noch nicht eine menschenwürdige Unterbringung erfolgt sei.

Ollenhauer sagte weiter, die Mitbestimmung der Arbeitnehmer werde als eine „zentrale, politische Frage“ auf die Tagesordnung kommen. Wer in Deutschland von Europa spreche, müsse bereit sein, eine „geplante Produktion“ einzuführen. Der „Mißbrauch von Schlüsselstellungen“ der Wirtschaft durch eine kleine Minderheit müsse aufhören. Der Wille zur Verteidigung der Freiheit werde in dem gleichen Maße wachsen, wie es gelingen werde, den Millionen von Menschen in der Welt die politische Freiheit und soziale Sicherheit zu geben. „In der Frage Recht und Freiheit sind wir zu keinem Kompromiß bereit.“

Der Vertreter der französischen Sozialisten, Salomon Grumbach, forderte ein einiges Europa mit Einschluß Deutschlands, verwarf aber eine deutsche Remilitarisierung, weil die französischen Sozialisten fürchteten, daß die deutsche Demokratie dadurch zerstört werde. Grumbach gab zu, daß die Meinungen darüber geteilt seien, betonte aber angesichts dessen besonders die Verantwortung und die Pflicht der Besatzungsmächte, die Freiheit Deutschlands zu verteidigen. Er sprach sich auch gegen die Forderung General de Gaulles auf eine deutsch-französische Allianz aus, weil'sie eine Konzeption aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg sei. Ohne Großbritannien werde es kein Europa ‘geben. Die Quelle allen Unglücks, führte Grumbach aus, sei die tiefe Spaltung der Arbeiterklasse, auf die Lenin seit 1915 hingearbeitet habe. Die Vereinigung der Arbeiterklasse sei erst möglich, wenn der bolschewistische Terror gebrochen sei. >

Ueber das Verhältnis Frankreichs zu Deutschland sagte Grumbach noch, dem „jahrhundertelangen deutsch - französischen Drama“ müsse endlich ein Ende bereitet werden, aber nicht im „totalen Vergessen“ der Vergangenheit, sondern in der mutigen Erinnerung an „vergangene Verbrechen“ könne am wirksamsten seine Wiederholung unmöglich gemacht werden. Es gelte jetzt, ein einiges Europa zu schaffen. Die Mitarbeit deutscher Jugend am Aufbau Europas dürfe sich nicht im Kasernenhof abspielen.

Gegenüber dem Schuman-Plan empfahl Grumbach eine abwartende Haltung. „Wir französischen Sozialisten wollen erst wissen, worum es geht.“ Außer Eisen, Stahl und Kohle gäbe es noch menschliche Werte und Fragen sozialistischer Ueberzeugung.

Bevins Meinung

Sechs bis zehn deutsche Divisionen

London, 20. August. (HR.) Nach einer Meldung der Londoner Zeitung „Sunday Chronicle“ soll Außenminister Bevin zu der Auffassung gelangt sein, daß in naher Zukunft eine westdeutsche Armee aufgestellt werden müßte, die zur Verteidigung des Westens beitrage. Derselben Quelle zufolge wird Bevin auf der nächsten Außenministerkonferenz der Westmächte in Neuyork die Bildung einer deutschen Streitmacht in Stärke von sechs bis zehn Divisionen vorschlagen. Einen deutsehen Generalstab habe Außenminister Bevin nicht in Erwägung gezogen.

Vermißten-Schicksale geklärt

Wiesbaden, 20. August, (dpa) Die ersten fünftausend Mitteilungen über das Schicksal von vermißten Wehrmachtangehörigen sind jetzt den Angehörigen zugestellt worden. Die Zahl der Benachrichtigungen dürfte in den kommenden Monaten noch ansteigen. Zuständige Stellen bitten in diesem Zusammenhang alle Angehörigen von Vermißten erneut, sich nicht mit Anfragen über das Ergebnis der Vermißten-Registrierung an die Suchdienststellen zu wenden. Sie könnten den Ablauf der Nachforschungen stören.

Vorstoß der republikanischen Senatoren

Scharfe Kritik an der amerikanischen Politik seit Jalta

Drahtbericht unseres Korrespondenten

□ Washington, 20. August. Vier republikanische Senatoren, Mitglieder des Außenpolitischen Senatsausschusses, haben eine umfangreiche Erklärung veröffentlicht, in der sie „rücksichtslos die Grundtatsachen der amerikanischen Position in der Welt untersuchen“. In der Erklärung, die eine scharfe Kritik an der amerikanischen Außenpolitik seit 1945 mit den republikanischen Forderungen für die Zukunft verbindet, heißt es unter anderem:

„Die große Tragödie unserer Zeit war das Versagen und die Weigerung der amerikanischen Führung im Jahre 1945, die wahren Ziele und Methoden der Herrscher Sowjetrußlands zu erkennen. Auf dieses Versagen sind die großen Nöte der Welt von heute zurückzuführen, vor allem 1. die verhängnisvollen Folgen der Konferenzen der Großen Drei in Jalta und Potsdam, 2. die Teilung Deutschlands, 3. unser Versagen, starke ameri¬ ’kanische Streitkräfte zu bilden, 4. das Versagen unserer Führung, vor und während der Jalta-Konferenz auf einer Be¬ • schränkung des Vetorechtes zu bestehen, 5. das Fehlen einer wirkungsvollen Konr trolle der Atomenergie, 6. die Versklavung der Völker Polens, Ostdeutschlands, der baltischen Staaten, Albaniens, der Tschechoslowakei, Rumäniens, Ungarns und Bulgariens, und in Asien der Verlust der Äußeren Mongolei* Nord-

koreas und Chinas. Damit ist die kommunistische Herrschaft von 180 Millionen im Jahre 1939 auf. etwa 750 Millionen Menschen heute ausgedehnt worden und umfaßt nun ein Drittel der Weltoberfläche und der Weltbevölkerung.“

Die Senatoren fordern die Überwindüng „der gegenwärtigen unerträglichen militärischen Schwäche der, freien Welt in schnellstem Tempo“, die Stärkung der Vereinten Nationen und eine geeinte Unterstützung der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten gegen die nordkoreanische Aggression. „Auf der Grundlage* der ehrlichen Erkenntnis vergangener Irrtümer und des mutigen Entschlusses für die Zukunft verpfänden wir unsere überparteiliche Mitarbeit am endgültigen Sieg.“

Ein Ultimatum wird gefordert

Neuyork, 20. August. (AP.) Von verschiedenen republikanischen Politikern der Vereinigten Staaten wird gefordert, man sollte Sowjetrußland das Ultimatum stellen, jede weitere Aggression zu unterlassen. Unter den Befürwortern dieses Ultimatums befinden sich Herold Stassen, Senator Henry Lodge und der Abgeordnete des Repräsentantenhauses Frederic Coudert.

Weltplan der Labour Puriy

Gegenseitige Unterstützung nach Ablauf des Marshall-Plans

. London, 20. August, (dpa) Die. britische Labour Party hat einen „Weltplan für gegenseitige Unterstützung“ vorgeschlagen, der die Nachfolge des im Jahre. 1952 ablaufenden Marshallplans übernehmen soll. ‘Der Vorschlag wird in einer Er¬ klärung über die Politik der Labour Party gemacht, die am 'Sonntag'veröffentlicht worden ist. Der Plan, an dem alle freien Nationen teilnehmen sollen, soll fblgende bisher getrennt Taufende Projekte koordinieren: ;

1., Amerikanische Wirtschaftshilfe.

2. Entwicklung der britischen Kolonialgebiete. ’ " '/’

3. Unterstützung der Commonwealth-Staaten für Südostasien. ; >

4. Ein Punkt-vier-Programm zur Unterstützung rückständiger Gebiete, technische Unterstützung der Vereinten Nationen, die durch den. Wirtschafts- und Sozialrat, , die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation und die Weltgesundheitsorganisation gewährt wird.

Die Ausführungsbestimmungen des Plans sollen von den Teilnehmerstaaten ausgearbeitet werden. Die Vorbereitungen für den Plan sollten bereits jetzt beginnen,' um der Armut überall, wo sie auftritt, entgegenzutreten. Eine Erhöhung des Lebensstandards ‘sei die stärkste Verteidigung gegen eine Infiltration des Kommunismus und des Faschismus. Für wirtschaftlichen Fortschritt sei eine Zusammenarbeit der freien Welt notwendig. Wohlhabendere Nationen hätten die moralische Verpflichtung, wirtschaftlich rückständigen Gebieten zu .helfen.


Der britische Verkehrsminister ist zu einem Besuch in Deutschland «Tngetroffen. In Anderten bei Hannover besichtigte er die größte Binnenschleuse des Kontinents. Das Bild zeigt den Verkehrsminister (erste Reihe mit Stock) bei der Besichtigung.
Der britische Verkehrsminister ist zu einem Besuch in Deutschland «Tngetroffen. In Anderten bei Hannover besichtigte er die größte Binnenschleuse des Kontinents. Das Bild zeigt den Verkehrsminister (erste Reihe mit Stock) bei der Besichtigung.

Kommunistische Drohung

Mit Atombombe auf Heidelberg

' Heidelberg, 18. August, (dpa) Auf einer Veranstaltung des Internationalen Presseclubs in Heidelberg, auf der der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Dr. Gereke gesprochen hatte, ist es in der anschließenden Diskussion zu einer kommunistischen Drohung gekommen. Die Diskussion würde von dem Kommunisten Dr. Kuper aus Frankfurt •zu einem Vorstoß ausgenutzt, der geeignet ist, der Bevölkerung die Augen zu öffnen. Er kündigte an, daß die Antwort auf die Schaffung einer europäischen Armee der sofortige Ausbruch koreanischer Zustände in Deutschland sein werde.

Wenn die erste Atombombe auf Heidelberg falle, würden sich die Unbelehrbaren an .seine Worte erinnern.. Nach Schluß der Aussprache hat Dr. Silex als Diskussionsleiter mitgeteilt, daß es Augenblicke gebe, in denen auch der Diskussionsleiter nicht länger neutral bleiben könne und daß er daher eine eindeutige Erklärung abgeben müsse. Er sagte, die Versammlung habe , soeben ein. typisches Beispiel jener Einschüchterungsversuche erlebt, die im Juni bei der Ausgabe der neuen taktischen Befehle von Ulbricht angeordnet worden seien. Es sei aber wohl noch selten von kommunistischer Seite eine so konkrete Drohung ausgesprochen worden, wie der Abwurf einer Atombombe auf Heidelberg. Von welcher Seite diese Bombe geworfen werden solle, brauche man wohl nicht zu fragen. Man könne dem kommunistischen Redner dankbar dafür sein, daß er geholfen habe, die westdeutsche Bevölkerung aus .ihrer. Gleichgültigkeit aufzurütteln.

56 000 Flüchtlinge aus der Sowjetzone sind bisher in West-Berlin registriert worden.

Der Selbstschutz

*** Bundeskanzler Dr. Adenauer hat sich, wie wir in einem Teil unserer Samstagsausgabe noch mitteilen konnten, in einem Interview mit der „New York Times“ dafür ausgesprochen, eine westdeutsche Polizeitruppe zu schaffen, die in ihrer Größe und Stärke der Volkspolizei der Sowjetzone entsprechen soll. Adenauer wies dabei darauf hin, es könne notwendig werden, einen Angriff der Volkspolizei nach koreanischem Muster abzuwehren. Daher müsse schnell gehandelt werden. Die Frage einer Beteiligung Deutschlands an einer westeuropäischen Armee ließ der Bundeskanzler noch offen, da die Entscheidung darüber von den Außenministern auf ihrer nächsten Konferenz in Neuyork getroffen werden müsse.

Zweifellos gewinnt der Gedanke einer Wiederbewaffnung Deutschlands im Auslande immer mehr an Boden. Das englische Blatt „Sunday Chronicle“ versichert, auch Außenminister Bevin stehe jetzt auf dem Standpunkt, in nächster Zukunft müsse eine deutsche Streitmacht zur Hilfe einer Verteidigung des bestens gebildet werden. Man glaube, daß er auf der Außenministerkonferenz die Aufstellung von etwa sechs bis zehn Divisionen Vorschlägen werde, die innerhalb von achtzehn Monaten aufgestellt werden sollen. Der Sonderberater im amerikanischen Außenministerium, John Sherman Cooper, hat am Samstag in Neuyork erklärt, es sei unvermeidlich und moralisch gerechtfertigt, daß Deutschland Gelegenheit erhalte, sich selbst zu verteidigen.

Dieser Forderung gegenüber ist auf dem ersten internationalen Sozialistentreffen auf deutschem Boden, das am Sonntag in Frankfurt eröffnet wurde, ein klares „Nein“ ausgesprochen worden. Der zweite Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Ollenhauer, wurde von etwa zehntausend Zuhörern stürmisch gefeiert, als er dieses „Nein“ ausrief und betonte, die Sozialdemokratische Partei sei für ein solches Abenteuer nicht zu haben. Auch der französische Sozialist Salomon Grumbach verwarf in Frankfurt eine deutsche Wiederaufrüstung. Er betonte dagegen die Verantwortung und die Pflicht der Besatzungsmächte, die Freiheit Deutschlands zu verteiligen.

Es wäre jedem Deutschen lieber, wenn er verteidigt würde, statt sich verteidigen zu müssen. Kann man aber nach den Erfahrungen von Korea die Zuversicht haben, der Schutz der Westmächte werde im Ernstfälle zur rechten Zeit gewährt? Kaum. Es gibt daher genug Deutsche, die der Meinung sind, wenn es um den Schutz ihrer Frauen und Kinder gegen einen brutalen Angreifer gehe, dann könnten sie nicht tatenlos zusehen, bis der „große Bruder“ komme, um sie vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Von Jalta nach Korea

hl - Die unbarmherzige Schonungslosigkeit der amerikanischen Berichterstattung von den koreanischen Kampfschauplätzen hat wohl wesentlich dazu beigetragen, daß die Niederlagen der amerikanischen Truppen so rasch eine leidenschaftliche Diskussion ihrer Ursachen ausgelöst haben. Es war unvermeidlich, daß dieser Meinungsstreit auch bis in die Niederungen des bloßen Parteiengezänks herabgezerrt wurde. Truman hat sich bereits scharf gegen den republikanischen Versuch wenden müssen, aus dem in Korea vergossenen Blut amerikanischer Soldaten parteipolitisches Kapital für die Novemberwahlen zu schlagen. Nach solchem Anfang wird es nicht mehr möglich sein, die heilsame politische Gewissenserforschung ganz der Beeinflussung und Verfälschung durch die egoistischen Interessen der großen Parteihauptquartiere zu entziehen. Nicht nur in Amerika ist es meinem Wahljahr äußerst schwer, die Dinge zu sehen, wie sie sind, und nicht, wie sie in die Feldzugspläne der Parteien passen.

Die Anklage

Dennoch hat ganz unverkennbar eine ernste, tiefgreifende, nichts beschönigende Erforschung des Weges eingesetzt, der zu Korea geführt hat und zu der dort offenkundig gewordenen Schwäche der amerikanischen Verteidigungskraft, die in der ganzen westlichen Welt Beunruhigung und gereizte Nervosität hervorgerufen hat. Der bisher bedeutendste Versuch in dieser Richtung ist eine ziemlich umfangreiche gemeinsame Erklärung von vier republikanischen Mitgliedern des außenpolitischen Senatsausschusses, der eines der mächtigsten und einflußreichsten Instrumente der amerikanischen Politik ist. Es ist nicht immer leicht, zu trennen, was darin wirkliche Wahrheitssuche und was parteitaktisches Manöver ist. Aber der Meinungsstreit, den diese Erklärung entfachen wird, kann und wird in jedem Falle — und sei es nur auf dem Wege des Wechselspiels von Anklage und Verteidigung — fruchtbar sein.

Kenneth Wherry, der Führer der republikanischen Opposition im Senat und einer der schärfsten und hemmungslosesten Kritiker Trumans und Achesons, hat die Erklärung seiner Parteifreunde im außenpolitischen Senatsausschuß, dem er nicht angehört, gebilligt. Den Charakter eines Manifestes der Außenpolitik der Großen Alten Partei, wie sich die republikanische nennt, hat das Memorandum aber erst durch eine ihm angehängte unscheinbare Notiz folgenden Wortlautes erhalten: „Das Büro des Senators Vandenberg stimmt der Feststellung zu, daß die Krankheit des Senators seine Teilnahme an dem Entwurf verhindert hat, daß er aber den Text gesehen hat und den darin von seinen Kollegen im Ausschuß geäußerten Standpunkt billigt.“

V o n Vandenberg gebilligt

Die Billigung des Manifestes durch eine Persönlichkeit von der Integrität und dem Range Vandenbergs, der in den letzten Jahren sein Ansehen und seine Kraft in den Dienst der Befreiung der amerikanischen Außenpolitik vom Parteienstreit gestellt hat, erhebt es über den Verdacht, die amerikanischen Nöte in Korea für Wahlzwecke zu mißbrauchen. Andererseits gewinnt die Anklage — und es ist eine erbitterte Anklage — dadurch erhebliches Gewicht. Die Erklärung beginnt mit einer Analyse der Weltsituation im Jahre 1945, behandelt dann im zweiten, kürzesten Abschnitt die Blütejahre 1947 und 1948 der Zwei-Parteien-Außenpolitik, die allerdings Asien nicht umfaßte, was mit der bei Republikanern üblichen Schärfe von den Verfassern betont wird, und schließt einigermaßen versöhnlich mit Vorschlägen für die zukünftige Außenpolitik.

Wenn nicht ohne Grund behauptet worden ist, die republikanischen Kritiker Washingtons seien unzulänglich bekehrte, verkappte oder zumindest höchst anfällige Isolationisten, so geben die Verfasser des außenpolitischen Manifestes — es sind die Senatoren Alexander Wiley, H. Alexander Smith, Bourke Hickenlooper und Henry Cabot Lodge — zu solchen Vermutungen hier und jetzt jedenfalls keinen Anlaß. Ihre Sprache ist bis zur Überspitzung scharf, ihre Argumentierung ist oft nur schreckliche Vereinfachung, die als Anklage immer unfair, als Deutung eines schwierigen Problems immer unzureichend ist. Aber es geht ihnen offenbar darum, angesichts der ungeheuren Gefahren, die sie für die westliche Welt heraufziehen sehen, durch Schärfe aufzurütteln und durch vereinfachende Verdichtung allen verständlich zu bleiben, die sie zur Erkenntnis der möglichen Katastrophen mitzureißen versuchen.

Ein politisches Tabu

Die Kernstücke der Anklage sind die Ergebnisse der Konferenzen von Jalta und Potsdam und ihre verhängnisvollen Folgen, die heute zum Greifen deutlich sind. In dieser Anklage nur den Versuch der republikanischen Opposition zu sehen, aus parteitaktischen Erwägungen heraus die Ära Roosevelt für die Misere unserer Tage verantwortlich zu machen, hieße, eine ungerechtfertigte Vereinfachung vielgestaltiger Vorgänge mit einer nicht sinnvolleren zu bekämpfen. Roosevelt ist in dem Memorandum nicht erwähnt. Er ist natürlich mit Jalta und „der großen Tragödie des Versagens der amerikanischen Führung, die die wahren Ziele und Methoden der Sowjets nicht erkannte“, gemeint. Die Ehrfurcht des amerikanischen Volkes vor dem Andenken des Mannes, der sein Land zur Vormacht der westlichen Welt machte, verbietet auch heute noch, mehr als der geringe zeitliche Abstand, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Anteil seiner Politik an der heutigen Weltsituation. Aber wenn nicht alle Zeichen trügen, nimmt die Kraft dieses politischen Tabus nun ziemlich rasch ab. Der Kreml hat nicht nur ihn getäuscht, und als die Täuschung offenkundig wurde, lebte er nicht mehr. Es kann ihm jedenfalls nicht zur Last gelegt werden, daß für Jahre nach seinem Tode seine völlige Verkennung der sowjetischen Ziele die Richtlinie der westlichen Politik blieb.

Die Forderungen

Die Vorschläge der vier Senatoren für die zukünftige Außenpolitik — Überwindung der militärischen Schwäche der freien Welt in kürzester Frist, Stärkung der Vereinten Nationen, gegebenenfalls durch eine Änderung ihrer Charta, Widerstand gegen jede kommunistische Aggression —< haben nur den gewiß nicht geringen Wert der republikanischen Zusage, eine Politik zu unterstützen, die, seit Korea wenigstens, die Politik der demokratischen Regierung und der Wille des amerikanischen Volkes ist.

Die Wirkungen des Manifestes zeigen sich bereits deutlich. Die Demokratische Partei fürchtet, daß weniger sein positiver, als sein kritischer Teil zum Gegenstand der Wahlauseinandersetzung gemacht werden wird. Sie will sich auf ein Gefecht um Jalta, Potsdam und die amerikanische Asienpolitik nicht einlassen, da hier ihre Verteidigungspositionen allzuschwach sind. Sie empfindet es als besonders beunruhigend, daß der Vorstoß von Senatoren kommt, die sich bisher in ihrer Kritik stark zurückgehalten haben, und daß Vandenberg ihn gebilligt hat. Aber ein Volk, das auf die Enthüllungen vom koreanischen Kriegsschauplatz nicht mit betrübter Resignation, sondern mit grimmiger Entschlossenheit antwortet, ist stark genug, eine schonungslose Untersuchung der Fehler der Vergangenheit zu ertragen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Jinnkann stimmt Adenauer zu

Bereitschaftspolizei soll aufgestellt werden

Wiesbaden, 20. August, (dpa) Der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann erklärte zum Interview des Bundeskanzlers Dr. Adenauer mit der „New York Times“, nach seiner Ansicht könnte die Bundesrepublik nur durch die Alliierten verteidigt werden. Er unterstütze jedoch die Forderung des Bundeskanzlers, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und zum Schutz gegen Sabotageakte eine starke und schnell einsatzfähige Bereitschaftspolizei zu schaffen. Diese Polizei müsse nach modernsten Gesichtspunkten ausgerüstet und bewaffnet werden.

Minister Wagner gegeu Wagner

Wetzlar, 20. August, (dpa) Minister Wagner wird in dem Prozeß vor der Strafkammer des Landgerichts Limburg am 29. August in Wetzlar gegen Friedrich Wagner aus Groß-Rechtenbach (Kreis Wetzlar) als Nebenkläger auftreten. Der Oberstaatsanwalt des Landgerichts Limburg hat gegen Friedrich Wagner Strafantrag wegen übler Nachrede gestellt. Friedrich Wagner hatte in einem Brief an den hessischen Ministerpräsidenten schwere Vorwürfe gegen den hessischen Minister Albert Wagner erhoben. Zu der Verhandlung, die mehrere Tage dauern wird, sind bisher 14 Zeugen, darunter der Landrat des Kreises Wetzlar, geladen.

Gerichtsvollzieher tagten

Staatliche Ausbildung gefordert

F.A.Z. Frankfurt, 20. August. Vom 18. bis zum 20. August hat der „Deutsche Gerichtsvollzieherbund“ in Frankfurt seinen dritten Bundestag abgehalten. Vertreter des hessischen Justizministeriums und des Oberlandesgerichts Frankfurt sowie des Deutschen Industrie- und Handelstages waren anwesend. Die Gerichtsvollzieher fordern eine Erhöhung ihrer Gebührenanteile von zwanzig auf vierzig Prozent. Ferner »ollen einheitliche Ausbildungsrichtlinien für Gerichtsvollzieher im gesamten Bundesgebiet eingeführt werden, wonach die Ausbildungszeit für mittlere Justizbeamte achtzehn Monate betragen soll, wenn sie einen Gerichtsvollzieherbezirk übernehmen wollen.

Eine Liste von Forschungsvorhaben, die die Bundesrepublik der Marshallplan-Verwaltung vorgelegt hatte und für die ein Finanzierungsaufwand von achtzehn Millionen Mark notwendig ist, ist genehmigt worden.

Rätsel am Naktong

Die roten Stoßdivisionen sind verschwunden — List oder Schwäche?

Pusan, 20. August. (AP./dpa/Reuter.) Die rote Führung hat in Korea die Initiative fast völlig in die Hand der Vereinten Nationen übergehen lassen. Die vier Stoßdivisionen, die nach Beginn der Offensive plötzlich aus der Front herausgezogen worden waren, sind noch nicht wieder mit Sicherheit ausgemacht worden.

An allen Fronten hat die Widerstandskraft des Feindes nachgelassen. Es ist die Vermutung aufgetaucht, daß der Feind möglicherweise ein großes Täuschungsmanöver eingeleitet hat. In amerikanischen Fachkreisen ist man deshalb mit der Beurteilung der Lage sehr vorsichtig. Sprecher des Hauptquartiers des Generals Mac Arthur geben unumwunden zu, überrascht zu sein, wie sich die militärische Lage innerhalb von vierundzwanzig Stunden völlig verändert hat. Wenn auch die eingeleiteten Gegenangriffe der Amerikaner überall erfolgreich sind, gibt sich die amerikanische Führung keiner Illusion hin. Sie ist vorsichtig und auf jeden Fall darauf vorbereitet, daß der Feind jederzeit seine Zurückhaltung aufgeben könnte — die durchaus eine List sein kann — und plötzlich an einer noch nicht bekannten Stelle zum erneuten Stoß auf Pusan oder Taiku ansetzt.

Hinter der gesamten roten Mittelfront sind Bewegungen erkannt worden. Bei dem Angriff gegen die südlichsten amerikanischen Stellungen sollen Verbände der 7. nordkoreanischen Division erkannt worden sein, die zu der Stoßgruppe gehört haben soll mit der am Donnerstag die Offensive ausgeführt worden war. Möglicherweise muß mit einer totalen Verlagerung des Schwerpunktes der Nordkoreaner nach Süden gerechnet werden.

Mao lädt Pandit Nehru ein

Neu-Delhi, 20. August, (dpa) Der indische Ministerpräsident Pandit Nehru hat von dem chinesischen Staatschef Mao Tse-tung die Einladung zu einem Besuch in Peking erhalten. Pandit Nehru hat in dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen.

Flottenmanöver abgebrochen

Malta, 20. August, (dpa.) Ein Flugzeugträger und mehrere schwere Kriegsschiffe der Sechsten amerikanischen Flotte, die in der Nähe von Malta an Manövern der britischen Mittelmeerflotte teilgenommen hatten, haben die Manöver plötzlich abgebrochen und sind mit hoher Fahrt nach einem unbekannten Ziel in Marsch gesetzt worden. Nach unbestätigten Meldungen befinden sich die amerikanischen Kriegsschiffe auf dem Wege nach Korea.

Ein Oelfeld brennt

Frag, 20. August. (AP.) Ein Oelfeld in der westlichen Slowakei ist durch bisher noch nicht geklärte Ursache in Brand geraten. Der Lichtschein der Flammen ist bis nach Preßburg und Wien sichtbar.

Gegen den „Bildungsfunmel“

Hilpert: Flurbereinigung im Schulwesen notwendig

Weinheim, 2(^ August (dpa) Finanzminister Dr. Hilpert sprach am Samstag auf einer Delegierten-Konferenz der Christlich-Demokatischen Union des Landkreises Bergstraße und auf einer Pressekonferenz zu aktuellen Fragen der hessischen Politik.

Er erklärte, es müsse unbedingt etwas gegen die sich häufende Schwarzarbeit unternommen werden. Es sei ein unmöglicher Zustand, daß aus ländlichen Kreisen erwerbslose Bauarbeiter gemeldet werden, während die Großstädte geradezu nach ihnen schrieen. Die Folge sei, daß zur Zeit in Hessen und im übrigen Bundesgebiet in einem Ausmaß Erwerbslosenfürsorge gezahlt werde, das nicht mehr gerechtfertigt sei. Im sozialen Wohnungsbau könne Hessen für sich in Anspruch nehmen, das gesteckte Ziel überschritten zu haben. Im vergangenen Jahr seien über zwanzigtausend Wohnungen aus Landesbaudarlehen fertiggestellt worden. Der Minister teilte ferner mit, daß das hessische Kabinett ein Landwirtschaftskammergesetz ausgearbeitet habe, das dem Landtag möglichst noch in dieser Legislaturperiode vorgelegt werden solle.

Auf einer anschließenden Pressekonferenz erklärte Hilpert, daß auf der Kabinettssitzung in Wiessee auch die gesetzlichen Voraussetzungen für eine „vernünftige Untergliederung“ des Schulwesens in den Kreisen und eine Art Flurbereinigung unter den höheren Schulen geschaffen worden seien. Der Minister wandte sich gegen den „Bildungsfimmel“ in Westdeutschland, der in einem beängstigenden Andrang in den höheren Schulen zum Ausdruck komme und die Gefahr eines akademischen Proletariats vermehre. In diesem Zusammenhang sprach Dr. Hilpert von der „unberechtigten Last“ der unterschiedslosen Schulgeldfreiheit.

„Ein Hochstaplerprozeß“

Erklärung Hilperts zum Fall Engler

F. S. Wiesbaden, 20. August. (Eigener Bericht.) Auf der Kreisdelegiertenkonferenz der Christlich-Demokratischen Partei im Landkreis Bergstraße wurde in Weinheim der hessische Finanzminister Dr. Hilpert nach dem Stand des Verfahrens gegen den ehemaligen Ministerialrat in der hessischen Staatsregierung Engler befragt.

Minister Dr. Hilpert erklärte dazu: „Ich bin davon überzeugt, daß der Fall Engler als größter Hochstaplerprozeß in die Weltgeschichte eingehen wird. Ich sage dies, weil ftapnächst doch die Tageszeitungen darüber schreiben werden, sonst würde ich mir eine gewisse Zurückhaltung auferlegen.“

Am 3. Dezember

wahrscheinlich Landtagswahl

Wiesbaden, 20. August, (dpa) Als Termin für die Neuwahl des Hessischen Landtags, dessen Legislaturperiode Ende November d. J. abläuft, sei vorläufig der 3. Dezember in Aussicht genommen, erklärte der hessische Staatssekretär Dr. Hermann Bach. ’*

Die Vertriebenen vor dem Europarat

Brentano wurde Vizepräsident in Straßburg

Straßburg, 20. August, (dpa) Drei deutsche Redner haben in der Sozialdebatte am Samstag die Aufmerksamkeit der Beratenden Versammlung des Europarats auf die dringendsten Probleme des heutigen Deutschland gelenkt. Die Berliner Bürgermeisterin Frau Luise Schroeder (SPD) warnte vor den gefährlichen politischen Folgen, die die Arbeitslosigkeit in Berlin haben könne.

Mit der Wahl des Fraktionsführers der Unionsparteien im Deutschen Bundestag, Dr. Heinrich von Brentano zum fünften Vizepräsidenten der Beratenden Versammlung ist die Stellung der Bundesrepublik im Europarat weiter gefestigt worden.

Benmte und Angestellte aus den Ostgebieten protestieren

F.A.Z. Frankfurt, 20. August. Der Kreisverband Frankfurt des „Verbandes der Beamten und Angestellten der Öffentlichen Verwaltungen aus den Ostgebieten und dem Sudetenland“ teilt uns mit, daß er gegen einen Kabinettsbeschluß vom 25. Juli, der über die Stellung der vertriebenen Beamten und Angestellten gefaßt worden ist, schärfsten Protest eingelegt hat. Der Kreisverband will aus sicherer Quelle wissen, daß in einer früheren Kabinettssitzung über die Gleichstellung der verdrängten Pensibnäns mit den Einheimischen eine Einigung zustandegekommen ist. Der Verband erklärt daher, daß es ihm unverständlich sei, warum sich das Kabinett später wieder anders entschieden habe. In der Protestnote, die an den Bundeskanzler und an eine Reihe von Abgeordneten des Bundestages abgesandt worden ist, fragt der Verband, mit welcher Berechiagung die verdrängten Beamten zu Menschen zweiten Grades degradiert würden.

Praktische Hilfe

Arbeitslager der Brüderkirche beendet

Kassel, 20. August, (dpa) Das erste Arbeitslager der .amerikanischen Brüderkirche in der Bundesrepublik wurde in Kassel beendet. Sechs Wochen lang hatten sich amerikanische, britische, kanadische und ägyptische Studenten und Jungarbeiter gemeinsam mit deutschen Jugendlichen an Erdarbeiten zum Bau von Eigenheimen für deutsche Flüchtlinge beteiligt.

Die Kirche der Brüder, die in Hessen gegründet wurde, später nach Amerika auswanderte und sich von dort- über die ganze Welt verbreitete, hat ihr deutsches Hauptbüro in Kassel eingerichtet.

Nach Mitteilung des Hauptbüros werden noch in diesem Jahr in der Bundesrepublik durch Vermittlung der amerikanischen Brüderkirche 1200 Milchkühe kostenlos an mittellose Flüchtlinge verteilt.

Krieg und Glaube

Wurm zur Kriegsdienstverweigerung

St. Stuttgart, 20. August. Alt-Landesbischof D. Wurm hat sich über den Bayerischen Rundfunk zur Frage der Kriegsdienstverweigerung geäußert. Wurm sagte, er halte es für verfehlt, wenn von kirchlicher Seite Aeußerungen kämen, die als Abschwächung der vom Osten her drohenden Gefahr und als Unentschiedenheit in der Gegenwehr gedeutet werden könnten. Eine andere Frage sei es, ob man den Dienst mit der Waffe für jeden verbindlich machen dürfe und solle.

In dieser Hinsicht sei man im evangelischen Deutschland unter dem Eindruck, was über uns ergangen sei, nachdenklich und vorsichtig geworden. Jesus und seine Apostel hätten zwar damit gerechnet, daß es immer Kriege geben werde. Ein europäischer Pazifismus, der den zeitweisen Ausbruch der elementaren Kräfte des Bösen in dieser Welt mit menschlichen Mitteln verhindern zu können glaube, könne sich nicht auf sie berufen.

Andererseits lasse das Neue Testament die Möglichkeit offen, daß dem, der aus Gewissensgründen ein blutiges Handwerk nicht verrichten könne, es auch nicht aufgezwungen werden dürfte. Es gestatte aber auch dem, ein gutes Gewissen zu haben, der sich zur aktiven Teilnahme an dem Schutz seines Landes und Volkes verpflichtet wisse.

Ein neuer Krieg, einer Weltmacht gegen die andere, bedeute eine solche Katastrophe, daß man sich auch kirchlicherseits hüten müsse, auch nur ein Wort zu sprechen, das die maßgebenden Leute ermuntern könnte zu dem Gedanken, ihr Augenblick sei gekommen.

2 Jahre Gefängnis für „Heros“

Idar-Oberstein, 20. August, (dpa) Der als Hungerkünstler „Heros“ bekanntgewordene ehemalige Ringkämpfer Willi Schmitz ist von der Strafkammer des Landgerichts Bad Kreuznach in Idar-Oberstein wegen Erpressung, Rückfalldiebstahl und fortgesetzter Unterschlagung zu 2 Jahren Gefängnis vefurteilt worden. Er war 1945 von den Amerikanern als „kommissarischer Leiter“ in Idar-Oberstein eingesetzt worden und hatte seine uneingeschränkte Machtbefugnis zu Diebstählen von beschlagnahmten Gütern, Erpressungen und Unterschlagungen ausgenutzt. Die Einwohner von Idar-Oberstein denken heute noch mit Schrekken an seine „Herrschaft“.

Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

25) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

Knut scheint unbewegt, sein Gesidit ist leer. Er sieht krank aus oder gealtert, grau und übermüdet

„Knut, was machst du für Sachen“, lächelt Mary. Es ist zum ersten Male das leichte, schmerzliche Lächeln ihrer Mutter.

„Idi mache das garnichf selbst", antwortet Knut. „Ich glaube auch nicht, daß ich das tue, weil ich Mama liebe. Idi habe sie garnichf so sehr lieb, weil ich dazu unfähig bin. Idi wehre mich einfach nur selber... und leider scheine ich ebenso gut zum Mörder zu taugen, wie ich mich auf Erpressungen verstehe.“

Er grübelt... plötzlich wendet er sich an seinen Vater.

„Vielleicht ist das einfach die einzige Art, mit dieser Welf hier fertig zu werden“, sagt er. „Ohne Drahtschere richtet man nichts aus gegen die Drahtzieher."

Georg J. Steen nickt versonnen. Et erinnert sich jetzt schon ein wenig klarer des seltsam warmen Gefühls, das er in sich spürte, als er vorhin dem starr urid schwankend vor Evas Double stehenden Knut den Arm um die Schulter le_gfe und ihm den Schraubenschlüssel aus der Hand nahm. Zum Glück schien Knut garnicht zu bemerken, wer das tat.

„Du hast heute einige Dinge in Ordnung gebracht, die ich hätte tun sollen'", meint Georg J. Steen. „Leider sehe ich jetzt ein, daß ich irgendwie schief liege. Ich finde nicht aus den Bedenken heraus, die mich das Leben gelehrt hat. Vielleicht bringst du es auf Deine Art einmal weiter als ich.“

Knut schlägt den Mantel um seine Knie.

„Ich weiß garnicht, wie weit man es eigentlich bringen sollte“, gesteht er. l;klich ich weiß nicht, wie weif zu streben sich eigentlich lohnt. Soll ich zusehen, reich zu werden, soll ich versuchen, Manager zu werden, Zeitungschef, Großkaufmann, Reklamekünsfler, Hoteldirektor? Soll Mary filmen, irgendwo die Schönste sein? Es ist ein schreckliches Problem, wenn man erst einmal aus der Nähe sieht, wie all das gemacht wird."

„Wir vertragen es einfach nicht, es

aus der Nähe zu sehen", sagt Georg J. Steen.

Knut raucht...

„Morgen gehen wir aus und trinken Bier. Vielleicht machen wir dann noch irgendetwas anderes. Wir müssen auf andere Gedanken kommen", knurrt Steens Junge. Es klingelt gereizt.

Der Wagen hält

Und plötzlich ist eine fremde Stimme im Wagen. Der Fahrer spricht „Nichts für ungut“, sagt er leise. „Ich konnte nicht anders, als Ihnen zuhören, Herr Steen und Ihnen, junger Herr. Wenn ich Sie morgen abend fahren dürfte, könnte ich Ihnen zeigen, was es an seltsamen Dingen hier gibt.“

Knut klettert schon aus dem Wagen..

„Gut... Seien Sie bitte um neun Uhr an der Betonmauer hinter dem Hotel." „Ja", sagt der Fahrer.

Im Lift nickt Georg J. Steen seiner Tochter zu. „Willst du morgen mitfahren?“ fragt er.

„Ich wollte bei Mama bleiben“, lächelt Mary. „Vielleicht fahre ich ein anderesmal mit“

„Wir fahren bestimmt öfters“, lächelt Knut. „Wenigstens dieser Punkt des Vertrages scheint mir ein bißchen durchlöchert zu sein.“

In dem Augenblick, in dem sie den großen Salon betreten und Mary ihrer Mutter zuruff, daß es ihre Leute seien, klingelt das Telefon. Georg J. Steen nimmt den Hörer ab. Er meldet sich. Dann legt er den Hörer neben den Apparat.

„Das ist für dich, Knut", sagt er. Knut nimmt das leichte, blanke Ding an sein Ohr. „Hier ist Knut Steen...“

„Hier ist Jo Tompson“, hört Knut das Mädchen. Und wirklich erkennt er ihre Stimme, als stünde sie neben ihm auf einem großen Balkon, und es sei ein stiller Abend. „Freilich weiß ich nicht einmal, ob Sie sich meiner erinnern können. Sie erleben so viel in diesen Tagen...

„Ich erinnere mich sehr, Jo. Wirklich, ich erinnere mich dauernd. Ich werde Sie besuchen“, fällt Knut Steen dem Mädchen ins Wort

„Idi dachte es mir. Aber nun muß ich etwas ganz anderes sagen: Es tut mir leid, aber ich wollte Sie bitten, mich nicht zu besuchen, es geht nicht Es gibt einen Grund. Bitte, besuchen Sie mich nicht, Knut“

„Aber warum denn nicht?“ ruft Knut und fühlt, wie es hinter seiner Stirn heiß wird. „Um Himmels willen, warum soll ich Sie denn nicht besuchen. Ich muß das tun, Jo.“ Er lauscht...

„Hören Sie noch, Jo?" fragt er.

„J 0...

Jo Tompson ist nicht mehr an ihrem Apparat Knut hört nur das Summen leerer Drähte. Es hilft nichts, daß er auf die Gabel des Telefons hämmert Er hängt ein.

Mary steht vor ihm. „Was ist denn geschehen, Knut? Was hast du denn?“

Knut schüttelt den Kopf.

„Ich habe nichts, ich hätte", lächelt er verlegen, „ich hätte den Manager doch erschlagen sollen, den Manager oder sonst jemand.“

„Du bist verrückt, Knut..." „Das ist gut möglich“, antwortet Knut Steen.

33

Am nächsten Morgen besucht die Gattin des Wirtschaffsministers die kranke Frau Steen. Das bedeutet, daß der Chefmanager sich gefangen hat. Sein S dir eck ist überwunden, und sein Gehirn funktioniert wieder wundervoll.

Er läßt draußen im Studio eine Frau Eva Steen für die Reklamen arbeiten, die so gut wie die echte Frau Steen ist. Die echte Frau Steen, die derweil in einem verdunkelten Zimmer leben muß, läßt er mit Infrarot filmen und die Infrarotleute dürfen dafür bezahlen. Die Zeitungen haben eine unerwartet gute Story. Der Wirfschaffsminister zeigt seine Verbundenheit mit der fragenden Schicht der Bevölkerung. Seine Gattin zeigt ihre Leutseligkeit.

Binnen zehn Minuten sind det Salon und Frau Steens Schlafzimmer in ein Atelier verwandelt. Und dann muß alles noch einmal umgebauf werden, weil ein Ministerialdirigent herein stürzt und erklärt, die Gattin des Ministers wünsche keinerlei Aufnahmen von links.

Der Besuch dauert nicht ganz zwei Minuten und besteht aus einem allgemeinen Lächeln, vier Platten Sätzen, („Ich bin entzückt, zu sehen, daß es Ihnen schon besser geht, meine Liebe.“) einem Dutzend aufgeregter Männer und einem Kilo Verträge, die niemand zu lesen bekommt außer einigen Leufen, die garnichf anwesend sind.

Zwei Minuten, aber der Film wird lang genug für zwanzig Minuten. Er beginnt mit der Anfahrt, der Begrüßung durch den Hotelier. Die Kamera schwenkt langsam durch die ganze Halle. Der Liftboy lächelt in Großaufnahme. Das Kleid der Frau Minister ist aus „Patagonia“-Seide — Frau Steen in ihrem Bett, Mary und Frau Steen, die Fläschchen mit den Äugentropfen, Knut und der Ministerialdirektor, die Infrarot-Apparate („Das unsichtbare Licht...“) Frau Minister und Georg J. Steen, Frau Minister und Mary, Frau Minister und Frau Steen, Frau Minister von rechts, rechts oben, rechts unten... immer von rechts! Niemand weiß besser, als ein Kameramann, wie viel rechte Seite» ein Mensch hat.

„Warum eigentlich?' flüstert Knut.

„Siehst du nicht? Sie hat links ein wenig ein Blumenkohlohr", raunt Mary.

Frau Minister geht... Die _ Infrarotleute wischen sich den Schweiß aus den Augen. Sie lassen ihre Apparaturen verschwinden, als erwarteten sie den Gerichtsvollzieher...

Der Chefmanager...

Die Wagen...

Die drei Steens fahren in das Studio Sie treffen die falsche Frau Steen schon bei der Arbeit. Knut geht auf sie zu

„Es tut mir leid, daß ich Sie öesferrl erschreckt habe. Es muß scheußlich für Sie gewesen sein,"

„Idi heiße Fahr“, lächelt die Frau.

„Guten Morgen, Frau Fahr“, sagt Knut'.

Jeder der Steens hat noch am Vormittag Aufnahmen mit Frau Fahr, und sie müssen sich wirklich erst daran gewöhnen, mit ~ einer Frau zusammen zu sein, die zunächst genau so aussieht wie ihre Mutter und Steens Frau und außerdem fast alles so sagt, anfaßt und bewegt, wie es die echte Frau Steen tun würde.

„Wie bringen Sie das zustande?' fragt Knut in einer kurzen Äufnahmepause.

„Man hat mir alle Aufnahmen gezeigt, die bisher mit Ihrer Mutter gemacht wurden, und da ich Schauspielerin bin.. .*’

„Das ist sehr seltsam, Frau Fahr“, sagt Knut. „Wenn die Leute Sie jetzt sehen, sehen sie eine Frau, die die Rolle einer anderen Frau spielt, die ihrerseits die Rolle einer erdachten Frau spielt, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Ausgenommen in der Statistik gibt es sie nicht.“

Frau Fahr nickt ernst

„Sie sehen also durch alle diese einander schräg gegenübergesteJlte Spiegel in das Loch hinein", überlegt sie.

„Wirklich ist der letzte Grund der Dinge hier ein solches Loch. Uebrigens haben Sie mir gestern gefallen, Knut, obwohl ich natürlich sehr erschrak. Aber das macht nichts.“

„Danke", sagt Knut Steen leise.

Die Aufnahmen beginnen wieder.

Während der Mittagspause sucht Knut Frau Fahr. Sie sitzt in einer Ecke des Kantinenrestaurants und ißt ein billiges, nicht sehr gehaltvolles Gericht. Uebrigens scheint sie älter zu sein als unsere Mutter, findet Knut.

Sie lächelt ihm entgegen, und Knut setzt sich zu ihr.

„Eben sagte mir Ihr Manager, daß wir beide morgen den Warenhausbesuch wiederholen sollen, den Sie vorgestern mit Ihrer Mutter machten", erzählt sie. „Diese Sache scheint sehr erfolgreich gewesen zu sein."

„Donnerwetter 1" Knut ist unruhig vor Freude. „Wird alles genau wiederholt?* fragt er schnell.,

„So genau wie möglich... Ich erzählte Ihnen ja, daß ich die Aufnahmen allesamt gesehen habe. Ist es Ihnen recht?"

„Ich freue mich sogar darauf“, lacht Knut. „Ich habe Bekannte dort."

„Ich sah auch eine Bekannte von mir auf den Aufnahmen von den Balkonszenen , lächelt Frau Fahr.

iiau ranr. „Unter den Leuten auf dem Platz?"

„Nein, das Mädchen kenne ich, das ihnen die Taschentücher zureichfe.“

Knut Steen sitzt plötzlich süll. Er nickt. Er staunt Frau Fahr an.

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung

Hanspolitik?

In der zweiten Halbzeit des Fußballspiels SV 93 Darmstadt gegen den VfR Mannheim mußte der Schiedsrichter unter dem Gepfeife der anwesenden 18 000 Zuschauer einen Spieler der Mannheimer wegen Unfairneß herausstellen.

Die Wahlkämpfe haben in Hessen noch nicht angefangen, auf diesem Sektor erfolgen die Herausstellungen erst später. Trotzdem beginnen schon heute verschiedene Stellen die Sporttribünen als parteipolitisches Vorfeld zu benutzen. Das sind unschöne Verquickungen, die ihren Ursprung in Beziehungen persönlicher Art zu haben scheinen. Jedenfalls werden sie dahingehend ausgenutzt und lassen einen häßlichen Fleck auf der ramponierten Gerechtigkeitsweste zurück, der auch nicht durch beschönigende Versprechungen verschwinden kann.

Die Ursache ist die: Ein maßgebender Mann »des hiesigen dominierenden Sportvereins konnte es gestern anläßlich des ^großen Spieles nicht möglich machen, die Ergebnisse des von uns dem Publikum versprochenen Schlachtenbummler-Wettbewerbes bekannt zu geben. Als Grund gab er das dem 2. Vorsitzenden, einem höheren hiesigen Beamten, gegebene Wort an, der seinerseits eine Abmachung mit einer hiesigen Zeitung gleicher politischer Richtung getätigt hatte, daß zugunsten des Commilitonen auf die Durchsage des „Darmstädter Tagblattes“ verzichtet werden müsse.

Eine Sportliche Partei Darmstadts scheint sich hier auf tun zu wollen mit ausschließlich obigen Tendenzen. Es erfolgten viele Durchsagen, und niemand wird behaupten können, daß nicht soviel Zeit gewesen wäre, unseren Lesern — wir bitten sie diesen nicht von uns verschuldeten Regiefehlernochmals zu entschuldigen — das bereits genannte Ergebnis mitzuteiilen. Abgesehen davon, daß die übergroße Mehrheit der Mitglieder anläßlich der Sportausschußsitzung für Rücksichtnahme beider Darmstädter Zeitungen plädierte. Außerdem hat das „Darmstädter Tagblatt“ als erste Zeitung die oft genannte Sportplatz - frage und das Thema der Vertragsspieler zu positiven Ergebnissen .geführt.

Man hat sich in diesem unfairen Wettbewerb dabei keine Mühe gegeben, irgendwelche verbindlichen Worte zu finden, sondern eine kraßnegierende Form benutzt, die man auch dann nicht gutheißen kann, wenn Sportler durch die Träger der peinlichen Abmachung eine berufliche Stellung erhalten. — Das Echo auf ungerechte Dinge war schon immer schwach, aber hier ist Geschäft, Politik und persönliche Bekanntschaft zu einem Affront penetranter Art ausgenutzt worden, dessen sich ansonsten nur Vorstadt-Kliquen bedienen. ng

Pädagogischer Frühling im Nordviertel

Als zweite Schule innerhalb der letzten vier Monate wurde am Sonntagvormittag die Schillerschule in der Müllerstraße feierlich eingeweiht. Gerade das Darmstädter Nordviertel bedurfte dringend einer neuen Volksschule, da hier die Zerstörungen durch den letzten Krieg verhältnismäßig gering waren und demzufolge die Bevölkerungsdichte neuer Schulräume bedurfte.

Eine große Anzahl Besucher, die Vertreter von Regierung und Magistrat, die Elternschaft des Stadtteils und Hunderte von Kindern hatten sich auf dem Schulhof eingefunden, um der Uebergabe des goldenen Schlüssels beizuwohnen. Vor dem mit Lorbeerbäumen geschmückten Eingang hatte das Schulorchester Platz genommen, Lehrer und Lehrerinnen der Schillerschule, die den Festakt mit musikalischen Darbietungen umrahmten. Nach einem Vortrag des Schülerchors und dem von einem Jungen gesprochenen Haussegen ergriff Oberbaudirektor Prof. Grund das Wort zu kurzen Ausführungen über die Notwendigkeiten, die den Wiederaufbau der Schillerschule veranlaßt haben. Nachdem kurz zuvor die - Ebert-Schule eingeweiht werden konnte, sei es nun das zweite Mal in diesem Jahr, daß man sich zur Uebergabe eines wiedererrichteten Schulgebäudes zusammengefunden habe. Insbesondere richtete Prof. Grund die Bitte an alle, mitzuhelfen, daß aus dem Kern des Stadtviertels, der mit der Eröffnung der Volksschule geschaffen worden sei, der Ausbau des übrigen Stadtteils erfolgen möge. Gerade das Nordviertel Darmstadts sei in den letzten Jahren sehr vernachlässigt worden, jenes Viertel, das, wie Stadtrat Reiber nachten in Eberstadt die Kerb nach, da sie am letzten Sonntag wegen des Reit- und Fahrturniers nicht nach Eberstadt komfolgend ausführte, als Stammsitz des echten Heiners zu gelten habe. Als Schuldezernent des Magistrats übernahm er aus der Hand des Oberbaudirektors den Hausschlüssel.

Stadtrat Reiber erklärte, der Wiederaufbau habe über 300 000 DM erfordert, und die Einrichtung 50 000 DM gekostet. Selbstverständlich konnten diese Mittel nicht ausschließlich von der Stadt aufgebracht werden, und so habe die Regierung das Projekt großzügigerweise mit 200 000 DM unterstützt. Stadtschulrat Bratu übernahm aus der Hand seines Vorredners den Schlüssel. Er führte aus, daß in den 17 Schulklassen 1170 Kinder Aufnahme finden müßten, was bedeutet, daß der Wechselunterricht weiterhin beibehalten werden müsse. Der Unterrichtsbetrieb werde abwechselnd vor- und nachmittags durchgeführt. Aus diesem Grunde gehe auch die Südgrenze des Schulbezirks von der Roßdorfer Straße durch die Mühl- und Magdalenen- zur Arheilger Straße. Ein spürbarer Mangel der schulischen Entwicklung sei die Begrenzung der Lehrkräfte durch den Staat. Auf 55 Kinder komme zur Zeit nur ein Lehrer. In der Folge soll die Schillerschule noch weiter ausgebaut werden. Eine Turnhalle und ein Festsaal fehle noch, und auch die Einrichtung eines Kinderhortes und eines Kindergartens gelte es zu verwirklichen. Dann nahm Lehrer Philipp Horn als Rektor der Schillerschule den Schlüssel als Hausherr entgegen und dankte nochmals allen, die an dem Gelingen des Baues Anteil hatten. Ein neuer pädagogischer Frühling ziehe im Nordviertel ein. Der Aufbau der Schillerschule habe den Kulturwillen Darmstadts zum Ausdruck gebracht, denn wer Schulen baue, wünsche keinen Krieg. Im Sinne Pestalozzischen Geistes und den Forderungen des Schillerschen Freiheitsideals nacheifernd, wolle man aus der neuen Volksschule eine Stätte echter Menschlichkeit machen.

Abschließend dankte der Vertreter der Elternbeiräte der Initiative aller zuständigen Stellen und forderte vom Landtag, daß nun im Zuge der Wiedererrichtung neuer Unterrichtsgebäude auch die Bereitstellung der notwendigen Mittel für den Lernbedarf erfolgen möge. st.

Dekanatssynoden

Am vergangenen Freitag traten nach einem Gottesdienst, den Pfarrer Dr. Uhrig, Eschollbrücken, hielt, die Synoden der neugebildeten Dekanata Darmstadt-Stadt (mit Eberstadt, Arheilgenund Griesheim) und Darmstadt-Land zu ihren ersten Sitzungen zusammen.

Die Stadtsynode behielt ihren alten Synodalvorstand. Sie beschloß, die Wahl des Dekans spätestens im Oktober zu vollziehen.

Dem Synodal vorstand von Darmstadt-Land gehören als Laienvertreter Kaufmann Ludwig Buß, Ober-Ramstadt, Herr Bernhard Buß, Roßdorff und Lehrer Adam, Wixhausen, an.

In den Diakonie-Ausschuß wurden gewählt : Pfarrer Scholl, Pfungstadt, Pfarrer Lutz, Roßdorf, sowie Frl. Raab, Schwester Engelhardt, Diakon Bösch und Frau Pfarrer Büttner, Pfungstadt.

Probst Stemmler, Wittenberg, berichtete über das kirchliche Leben in der Ostzone, pd

Abschied

von Probst Weinberger

Von seiner Johannisgemeinde, der er sechzehn Jahre als Seelsorger gedient hat, verabschiedete sich am Sonntag PfarrerWeinberger, der nun nach Gießen, dem Sitz seiner oberhessischen Probstei, übersiedelt. Eine Gemeindeversammlung am Sonntagnachmittag ließ noch einmal in Ansprachen des Probstes und in Dankesworten von Kirchenvorsteher Prokurist Rust die Erinnerung an schicksalsreiche Tage wach werden. Die Verehrung für ’ den Scheidenden gründet sich, wie die Sprecher der Gemeinde betonten, nicht zuletzt auf seine mannhafte und auch die Einkerkerung nicht scheuende Haltung während des Kirchenkampfes und auf. seine aufopfernde Tätigkeit nach dem Angriff auf Darmstadt. Ein Album mit Bildern aus der Johannisgemeinde und ein Spruchteller waren die äußeren Zeichen der Dankbarkeit, die Kirchenältester Lehrer Hübner überbrachte.

Der Kirchenchor, der Chor des Bundes Christ deutscher Jugend und ein Trio der Pfarrerskinder wirkten bei der Versammlung mit, die mit einem Bericht froher Erlebnisse ausklang. DT

Aus Gberstadt

In'der Darmstädter Straße wurde auf einem einstöckigen Neubau, in dem vier Geschäfte untergebracht werden, der Richtbaum errichtet.

Zur Nachkerb hatten sich die Eberstädter Gastwirte nicht umsonst reichlich eingedeckt. Der Andrang in den Gaststätten und auf dem Rummelplatz war gewaltig. Namentlich die Pfungstädter feier-

Good bye, old Darmstadt

Daß die Arbeit zu Ende ging, war eine angenehme Gewißheit für einen Großteil der ausländischen Teilnehmer am Internationalen Ferienarbeitslager der Technischen Hochschule Darmstadt. Drei Wochen lang haben Amerikaner, Engländer, Holländer, Indonesier und Deutsche gemeinsam an den Aufbauarbeiten der TH mitgewirkt. Am Freitagabend fanden sie sich zum letztenmal in der Mensa zusammen, um bei Musik, Wein und persönlicher Unterhaltung einen letzten nachhaltigen Eindruck mit nach Hause zu nehmen.

Die nackten Glühbirnen waren zu farbenprächtigen Lampions angeschwollen, einige von ihnen machten mit west-östlichem Aussehen eine Reverenz vor den exotischen Gästen, — westlich, was die Herstellung betraf, und östlich in ihren Formen. Hätte man erwartet, einen der indonesischen Studenten etwa in malaiischer Tracht anzutreffen, so würde man enttäuscht worden sein. Es ging alles sehr seriös zu und verschiedentlich wurden Stimmen laut, die von guten Vorsätzen sprachen, die dieser oder jener einzuhalten gewillt war, — vonwegen der Rheinfahrt, die noch in ungetrübter Erinnerung stand. Die Wände waren mit Zeichnungen geschmückt, Szenen aus dreiwöchiger, „intensiver“ Arbeit, eine Bar im Hintergrund lebte von zivilen Preisen und der Duft heißer Würstchen überwand die Abneigung gegen den Wein, — sozusagen eine fleischliche Existenzgrundlage.

Dipl.-Ing. H. Eng e 1, der 1. Vorsitzende der ASTA, dankte den Beteiligten des Internationalen Ferienarbeitslagers und hoffte, daß sich alle an die Tage in Darmstadt erinnern möchten. Jeder Teilnehmer bekam ein Taschenwörterbuch auf die Heimreise mit, in dem Namen und AnX Schriften aller „Arbeiter“ eingedruckt waren. Im Laufe der Nacht, — schon zu Beginn wurde ein Teil der Dekoration am Boden zerstört —, trugen die einzelnen Nationen Lieder ihrer Heimat vor. Es dürfte wohl das erstemal gewesen sein, daß in der Mensa malaiische Volkslieder erklungen waren. Die Amerikaner verteilten großzügig Geschenke, von der Streichholzschachtel bis zur Haarbürste, und die vier „Kaulquappen“ versuchten sich mit großartigem Erfolg in der Wiedergabe embryonaler Musik. Der Wein war billig, gut und reichlich.

Was in Gesprächen zu hören war, bewies, daß das Arbeitslager der Studenten ein voller Erfolg war. Die Indonesier fanden die deutschen Mädchen einfach reizend, sie wunderten sich, daß in Deutschland noch nach 9 Uhr abends gefeiert wurde, und einer von ihnen befand sich permanent auf der Suche, — nach seinem Herz. Alle miteinander bedauerten, daß die Wochen herum waren. Einige von ihnen bleiben noch ein paar Tage in Darmstadt. Li

Griesheims Haushaltsplan

Der Haushaltsplan der Gemeinde Griesheim für das Rechnungsjahr 1950 ist in Einnahmen und Ausgaben mit 584 144,45 DM ausgeglichen. Die Steuerausschlagssätze weisen gegenüber dem Vorjahr keine Aenderung auf. Sie betragen also nach wie vor für Grundsteuer 240 Proz. für land- und fosrtwirtschaftliche Betriebe und 120 Prozent für die Grundstücke. Die Gewerbesteuer wird in Höhe von 348 Prozent erhoben. Die Zweigstellensteuer stellt sich auf 452 Prozent.

Fortuna in der„Oase“

Seit Samstagabend rollt wieder die Kugel in der Oase (Weinhaus Albert Bingert in der Landwehrstraße 21). Wer Glück hat, kann die launische Göttin Fortuna am Schopf ergreifen. Es handelt sich diesmal nicht um ein Glücksspiel, sondern um die sogenannte Spir a 1 o - Roulette, ein behördlich anerkanntes Geschicklichkeitsspiel, das dem Spieler alle Chancen von der einfachsten bis. zur mehrfachen gibt. Unter der neuen Leitung von Hans Lustenberger, dem bekannten Mainzer Fachmann, haben nun die Darmstädter wieder Gelegenheit, innerhalb der behördlich zugelassenen Polizeistunde bis morgens früh um drei ein wenig Spielatmosphäre zu atmen.

Gegen Mitternacht waren die beiden Spielfelder mit der Roulette in der Mitte dicht umlagert, nicht nur von „Sehleuten“, lediglich die Damen hielten sich noch etwas im Hinterhalt. Die Kleidung der männlichen Gäste war sommerlich betont, indessen die Eleganz der vier Croupiers die der Spieler erheblich übertraf. Diskret, in vornehmer Ruhe waltete inmitten des emsigen Treibens der Ober. Ueber dem Ganzen schwebte ein Hauch von Internationalität. Kurz: Darmstadt macht sich. Am Toto hat man auf das Geschick der Fußballer keinen Einfluß, beim Buchmacher genau so wenig auf die Beine der Pferde, aber beim Spiralo-Roulette kann der Spieler mit Geschicklichkeit sein Glück machen.

Eine Erweiterung des Spielkasinos ist geplant. Demnächst soll auch das sogenannte „Kasinospiel“, ein dem Ecarte ähnliches Kartenspiel, eingeführt werden. Dann werden neben den Freunden der rollenden Kugel auch die Kartenliebhaber — sofern auch sie geschickt sind — zu ihrem Recht kommen. H. W. W.

sind auch Menschen

Mancher Steuerzahler will es nicht glauben, daß Finanzbeamte auch Menschen sind: aber es ist so! Das merkte man auf der verzauberten „Germania“, so hieß das Schiff, das die Belegschaft des Finanzamtes Darmstadt mit Angehörigen und Gästen nach St. Goar und zurück trug. Aus korrekten Beamten waren fröhliche und unbeschwerte Menschen geworden. Für die mitfahrenden Kinder war rührend gesorgt, und die eigene Kapelle spielte unermüdlich zur Unterhaltung. Die Schönheiten der Fahrt lese man am besten im Baedecker, Seite soundso nach, auch das Märchen von der Lorelei. Die uralte jugendliche Dame soll übrigens über /die Löcher zu ihren Füßen, die an Land sehr neugierig angestarrt wurden, arg verschnupft sein. Von den Höhen grüßten die Burgen der Raubritter, „Unserer Vorfahren“, wie ein Finanzer in Selbstverspottung sagte, denn auch sie nahmen den Kaufleuten alles Geld fort . . . Auf Burg Rheinfels ging’s dann hoch her. Die „Nichtmitausgeflogenen“ machten Notdienst auf dem Finanzamt, und so war es Gott sei Dank den Steuerzahlern möglich, trotz der „Barrikaden“ vor dem Amt ihr Geld loszuwerden. H.W.W.

Postrat Weßel hofft

Die Erhöhung der Zahl der Fernsprechanschlüsse in Darmstadt auf Vorkriegsstand, von der bereits gerüchteweise in Darmstadt gesprochen wurde, hofft Postrat Wetzel, Leiter aller postalischen Angelegenheiten in Darmstadt, noch in diesem Jahr verwirklicht zu sehen. Es ist beabsichtigt, weitere 3000 Fernsprechanschlüsse zu ermöglichen, so daß insgesamt etwa 6000 Fernsprechteilnehmer an die Darmstädter Vermittlungszentrale angeschlossen werden könnten. Damit glaubt die Bundespost, alle Fernsprecherwünsche in Darmistadt befriedigen zu können. Bei diesem bevorstehenden Umbau der Darmstädter Vermittlung wird das Darmstädter Fernsprechkuriosurp beseitigt werden, nach dem augenblicklich ein Teil der Anschlüsse im Selbstwählbetrieb und ein Teil im Handbetrieb vermittelt werden müssen. agt

Feuerwerk am Ziegelbusch

Abschlußfeier der TG 1875

Mit diesem Abschluß der 75-Jahrfeier hatte die TG 75 einen guten Griff getan, denn es war das volkstümlichste Fest, das im Rahmen der Festwoche abrollte. Zuerst hatte man mit dem Wetter Bedenken*, aber der Wettergott hatte ein Herz für die Turner. Menschen auf Menschen wanderten nach dem Eintreffen des Spielmannszuges der SG Egelsbach, begleitet von Turnerinnen und Turnern der TG 75, nach dem Platz „Am Ziegelbusch“.

Mit netten Tanzweisen, gespielt vom Weda-Band, begann der Abend, der mit Gymnastikvorführungen der Turnerinnen, ausgezeichneten Darbietungen der beiden Kunstradfahrer Frl. Nehring und Günter Groß vom VCD sowie einem Lichtkeulenschwingen der Turnerinnen, unterbrochen wurde. Lebhaften Beifall zollte' man diesen Mitwirkenden. Zwischendurch wirbelten die Egelsbacher Spielleute ihre Stöcke durch die Luft. Pechfackeln kreisten und zogen ihre Achter im weiten Rund des Platzes, geführt von Turnerhänden.

Ueber allem lag aber die eine Spannung, das Feuerwerk. Zusammengestellt und abgebrannt von der Firma Wallenstein bot sich gegen 11.30 Uhr den nahezu 1600—1800 Besuchern ein wunderbares Bild. Sowohl das Höhen- wie auch das Bodenfeuerwerk zeigte herrliche Bilder und Farben, und nicht nur der Kindermund ging oft nicht zu, auch die Weiblichkeit ließ das „ach wie schee“ oft vernehmen. Mit dem großen Wasserfall „Der Ziegelbusch brennt“ hatte die Tanzkapelle wieder das Szepter in der Hand, und frisch-fröhlich tanzte man in den Sonntag hinein. kof.

Schon wieder bei Grafenhausen

Ein aus Darmstadt kommender Lastzug kam durch eine Oelspur und die ^ahrbahnglätte am Donnerstag gegen Abend auf det Autobahn bei Gräfenhausen ins Schleudern und rutschte die Böschung hinunter. Der Aufbau des Lastkraftwagens wurde beschädigt. Kurz vorher hatte unweit dieser Stelle der Fahrer eines Schweizer Pkw die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren, fuhr gegen einen Randstein und in die die Fahrbahn begrenzenden Büsche. Der Fährer wurde leicht verletzt, das Fahrzeug beschädigt. Die Ursache der beiden Unfälle war wieder in der bei Regenwetter besonders gefährlichen Straßenglätte an dieser Stelle zu eucher

In der Stadt notiert

Eine Fahrt nach Ladenburg unternimmt der Historische Verein am 26. August. Die Abfahrt erfolgt, wie wir bereits in unserem Anzeigenteil am vergangenen Samstag mitteilten, um 14 Uhr am Friedensplatz. Anmeldungen werden bis zum morgigen Dienstag, um 12 Uhr, im Staatsarchiv erbeten

Die knallenden Heag - Omnibusse der Linie S werden ab Ende dieser Woche aus dem Stadtverkehr verschwinden und nicht mehr länger die Bewohner der anliegenden Straßen durch ihren Lärm belästigen. Seither mußten diese, mit Stadtgas betriebenen' Fahrzeuge verwendet werden, da keine anderen zur Verfügung standen. In diesen Tagen wurde der erste der in Frage kommenden Wagen für Dieselbetrieb umgebaut.

Die Johannes - Apotheke, von deren Neueröffnung wir bereits am Samstag berichteten, wird von Apotheker Heinrich Pfeffer — und nicht Heinz Pfeffer, wie wir irrtümlich schrieben — betrieben. Herr Pfeffer wohnt seit 1929 in Darmstadt, war jedoch nach dem Krieg als Geschäftsführer der Universitätsapotheke „Zum Schwanen“ in Marburg an der Lahn tätig. Seine neueröffnete Apotheke in der Landwehrstraße IV2 ist nach den modernsten Gesichtspunkten eingerichtet.

Täglich ein Brief für jeden Darmstädter

Dreimal Postzustellung in unserer Stadt

Am vergangenen Donnerstag führte das Darmstädter Hauptpostamt, das bis zum Wiederaufbau des Postgebäudes in der Rheinstraße im Postamt am Hauptbahnhof untergebracht ist, eine genaue Zählung seines „Tagesumsatzes“ durch.

Durch zwei zufällige Umstände lag der Eingang und der Durchgang der Briefpost, Briefe, Drucksachen, Einschreiben usw. — über dem allgemeinen Durchschnitt. An diesem Tage vermehrten der Anlauftag des Hessen-Totos und einige Großauflieferungen Darmstädter Firmen den Posteingang. Bei den Postämtern der Innenstadt und zur Weiterleitung gingen insgesamt 198 742 Briefsendungen ein. Der Tagesdurchschnitt liegt im allgemeinen bei etwa 130 000 Briefen, Einschreiben und Drucksachen. Aehnlich war die Lage bei der für Darmstadt bestimmten Post, die im Durchschnitt täglich allein für die Innenstadt 79 000 Briefe und Drucksachen und 750 Einschreiben umfaßt. Das ist etwa eine Postsendung — ohne Päckchen und Pakete’ — pro Kopf der Bevölkerung der Innenstadt, die täglich von insgesamt 65 Briefträgern zugestellt, oder aus den Postschließfächern abgeholt wird.

Postrat Wetzel hat, um die Postzustellung in Darmstadt verbessere zu können, eine Verstärkung des Zustellerpersonals beantragt, deren Notwendigkeit durch diese Zählung nachgewiesen werden sollte. Vor dem Kriege wurden 112 Briefträger, also fast die doppelte Anzahl, in Darmstadt beschäftigt. Die laufend neu entstehenden Wohnblocks in den Außenbezirken der Stadt erschweren die Zustellung in der letzten Zeit erheblich. Außerdem möchte Postrat Wetzel, nachdem es Darmstadt seinerzeit als erster Stadt nach dem Krieg gelungen war, eine zweimalige tägliche Postzustellung durchzuführen, den Nachbarstädten Wiesbaden und Frankfurt nacheifern, und gleichfalls eine dreimalige Zustellung in Erwägung ziehen. Dabei käme zwar die mit den Nachtzügen eingetroffene Post früher in die Hand des Adressaten, aber die mit den Frühzügen eingehende Post hönnte dann erst bei der zweiten Zustellung kurz vor Mittag ausgetragen werden.

Der größte „Postkunde“ in Darmstadt ist die Firma Merck, die täglich ihre nach zehntausenden zählenden Briefe und Drucksachen in großen Körben aufliefert. 25 Darmstädter Firmen besitzen eine eigene Freistempelmaschine.7l Briefkästen müssen täglich in Darmstadt geleert werden. aßt

Fest der Petrusgemeinde

Zum Wiederaufbau des Gemeindehauses

Das 1904 erbaute Gemeindehaus der Bessunger Petrusgemeinde in der Eichwiesenstraße war 1944 durch Bomben zerstört worden. Im März dieses Jahres konnte der erste Bauabschnitt zum Wiederaufbau des Gemeindehauses in Angriff genommen, ein Raum für die Jugend und der Konfirmandensaal im Rohbau erstellt werden. Dann ging das Geld aus. Ein mit Unterstützung aller Gemeindemitglieder vorbereitetes Fest, dessen Erlös für die Vollendung des ersten Bauabschnittes verwandt wird, führte gestern zum ersten Mal die jungen und alten Gemeindemitglieder im teilweise aufgebauten Gemeindehaus zusammen. In der Ruine des einstigen großen Saales wies Pfarrer Weiß auf die Güte des Herrn hin, die die Gemeinde in den Trümmern vereinige.

Der Darmstädter Posaunenchor unter Leitung von Herrn Breitrück, der schon am Morgen den Festtag mit Choralblasen an verschiedenen Stellen in Bessungen eingeleitet hatte, spielte eine Motette. Der Kirchenchor, dirigiert von Lehrer Strößinger, sang „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“.

Vor gedrängt sitzenden Gästen spielten der Jugendkreis, der Kindergarten und eine Gruppe des Kindergottesdienstes. Kuchen und Getränke, die die evangelische Frauenhilfe gestiftet hatten, wurden in froher Runde an mit Blumen geschmückten Tischen in den Kellerräumen, den aufgebauten Räumen und im Hof verzehrt. Nach gemeinsamem Abendessen sprach Pfarrer Knöß. Der Festtag klang mit einem Abendgottesdienst im Freien aus. t-s.

Eine Elternversammlung findet am Mittwochabend, 23. August, im „Bürgerhof“ in Griesheim statt. Man will sich vor allem dagegen wenden, daß in Griesheim Schulstellen eingespart werden sollen. Kreisschulrat Dr. Ploetz hat sein Erscheinen zugesagt. — Die Lehrerin Sabine • Keller ist von der Volksschule Griesheim nach Allendorf im Landkreis Gießen versetzt worden. Auf eigenen Wunsch ist die Lehrerin J. Sauerbier aus dem Schuldienst ausgeschiedeu. (oa)

Der Rundfunk am Dienstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Von Feen, Frauen und Kobolden; 18.30 Leichte Kost; 20.00 Bunter Abend; 22.15 Musik von Harald Genzmer und Andreas Volpert.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.30 Nachmittagskonzert; 17.15 Bach—Händel; 18.15 Klänge der Heimat; 20.00 Bunter Abend; 23.00 Tanzmusik.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Sinfoniekonzert; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Bunter Abend: 22.30 Musik der Welt.

NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 15.00 Musik zur Unterhaltung; 15.40 Musikalisches Allerlei aus der Schweiz: 18.00 Musik zum Feierabend; 20.00 Bunter Abend; 23.00 Ich hör' so gern Musik.

Trocken und warm

DT-Wetterbericht

Uebersicht: Das kräftige mitteleuropäische Hochdruckgebiet beherrscht bis gegen die Wochenmitte ungestört die Wetterlage.

Voraussage: Am Montag und Dienstag trocken und überwiegend heiter. Bei südöstlichen bis südlichen Winden spätsommerlich warm. Weitere Aussichten: am Mittwoch Gewitterstörungen möglich.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Amerikahaus: Alle bisher im Amerikahaus laufenden Ausstellungen sind ab sofort wegen Umzugs geschlossen.

Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Deutsche Angestellten-Gewerkschaft: Amerikahaus, 20 Uhr, Vortrag von Dr. Gisela Bergsträßer; „Was bedeutet die Kunst im Leben des berufstätigen Menschen?“; mit Lichtbildern.

Technische Hochschule, 20 Uhr, Hermann Zitter: „Gedanken zum Segelflug“.

Wir gratulieren

80. Geburtstag: Herrn Georg Eisenhauer, Darmstadt, Büdinger Straße 43.

72. Geburtstag: Herrn Philipp Huxh o r n , Pfungstadt, Wiesenstraße 2.

71. Geburtstag: Herrn Georg Crö ß - mann, Pfungstadt, Fabrikstraße 24.

70. Geburtstag: Herrn Philipp Büttel, Pfungstadt, Kirchstraße 70.

Starkenburg

Weltumspannende Fragen in internationalem Gespräch

Abschluß der Internationalen Pädagogenkonferenz auf dem Heiligenberg / Neugründung der deutschen Sektion des „Weltbundes für die Erneuerung der Erziehung“

Am vergangenen Samstag ging die internationale Pädagogentagung auf dem Heiligenberg zu Ende. Zuvor wurde am Freitagabend in Anwesenheit aller ausländischen Gäste, deren Zahl sich auf siebzig belief, die deutsche Sektion des Weltbundes für die Erneuerung der Erziehung, die vor dem Jahr 1933 eine wesentliche Rolle im Verband aller fortschrittlichen Pädagogen gespielt hatte, neu gegründet. Gewichtige Persönlichkeiten des In- und Auslandes standen dabei Pate, und es mag als gutes Omen gedeutet werden, daß alle bereit waren, die wiedererstandene Deutsche Gruppe als lebendiges Glied in ihre Gemeinschaft zu nehmen.

Die Gäste

Elisabeth Rotten, bekannt nicht nur als Mitbegründerin der ehemaligen deutschen Sektion des Weltbundes, sondern auch als unermüdliche Vorkämpferin für Verständigung und Erneuerung des Schulwesens, brachte Grüße aus der Schweiz. Madame Hama id e , die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Decrolys Werk in die Tat umzusetzen und so in seinem Sinh eine Musterschule in Brüssel leitet, sprach über das Werk ihres geistigen Mentors. Oesterreich hatte in Herrn Dr. F a d r u s aus seinem Kultusministerium den Sektionschef entsandt, der die Schulreform durchgeführt hat und deshalb wesentliche praktische Anregungen geben konnte. Madame C 1 apa r e aus Genf brachte nicht nur den klangvollen Namen ihres berühmten Gatten, sondern darüber hinaus für sich das überaus, große Verdienst, ihre Person ganz in den Dienst des kriegsgeschädigten Kindes und der Verbesserung seiner Erziehungsbedingungen gestellt zu haben.

Blieben schließlich noch zu erwähnen Dr. Best, der als Mitglied der UN von Australien geradenwegs über Lake Succes nach Jugenheim zum Kongreß gereist war, Jean Roger, der die große Tradition seines Landsmannes und Vorkämpfers Jacque Rousseau in der Verwirklichung internationaler Ferienlager für Kinder und Jugendliche erreicht, Frau Dr. V o 1 c o w vom Zentralbüro der New Education Fellowship in London, Frau von Muijzenberg, die Vorsteherin einer holländischen Lehrerbildungsanstalt und Herr B o eg 1 u n d als Vertreter Dänemarks. Aus den USA nahm Prof. Dr. Arndt von der New York University mit 42 Studenten, die eigens durch Europa reisen, um die europäischen Verhältnisse im unmittelbaren Kontakt mit der Bevölkerung zu studieren, an der Jugenheimer Tagung teil. Last not least aber sei des deutschen Initiators des ganzen Kongressest Herrn Oberschulrat Hilker, Wiesbaden, gedacht, der seit der Gründung des Weltbundes unermüdlich im Dienst der Erneuerung der Erziehung gestanden hat und dem heute die Neugründung der deutschen Sektion vornehmlich zu danken ist.

Geschichtlicher Rückblick

Der Weltbund für die Erneuerung der Erziehung entstand während des ersten Weltkrieges in England. Die Bemühung ging um die Entwicklung der schöpferischen und gestalterischen Kräfte im Kind. Wie brennend diese Probleme aber auch tatsächlich waren, geht aus dem starken Widerhall hervor, den die junge englische Gründung bei den fortschrittlichen Pädagogen anderer Länder fand. Bereits unmittelbar nach dem ersten Krieg trafen sich englisch-, deutsch- und französischsprechende Lehrer in Calais, um die gewonnenen Einsichten über eine freiheitliche Erziehung zu erörtern. In eben diesem Sinn trafen sich am Jahre 1925 fünfhundert Pädagogen in Heidelberg, unter,ihnen Persönlichkeiten wie Kerschensteiner, Heinrich Jakoby und G. E. Heeb. Dabei ist es wesentlich zu beobachten, wie der Akzent von der Entwicklung der Persönlichkeit zu der Einfügung in die Gemeinschaft wanderte.

Heute haben sich in der Betrachtung der Person und der Gruppe geradezu zwei Pole herauskristallisiert, die zum Angelpunkt eines jeden Gesprächs geworden sind. Kein Problem wird als gelöst angesehen, das nicht zuvor sowohl der individuellen als auch der sozialen Natur des Menschen Rechnung getragen hat. Ja, so stark fühlen sich die 17 000 Mitglieder des Weltbundes in dieser Bemühung verbunden, daß sie — ungeachtet der nationalen und weltanschaulichen Unterscheidungen — darauf ihre wirkliche Gemeinschaft gründen können.

Der Prozeß des Lernens

Entsprechend der gewonnenen pädagogischen Einsicht der Freunde des Weltbundes wurden die gestellten Themen in Jugenheim, die sich mit der Entwicklung des Kindes, seinem Lernen und seinem Zusammenleben in der Gruppe befassen, gleichfalls vornehmlich in der Gruppenarbeil* erschlossen. Es ist gewiß — zumal für -die große Zahl hessischer Lehrer, die nicht an der Tagung teilnehmen konnten — interessant zu erfahren, zu welchen praktischen Ergebnissen etwa die Frage nach dem Prozeß des Lernens führte. Wir geben deshalb den entsprechenden Abschlußbericht gekürzt wieder.

Indem das Lernen als eine Lebensfunktion angesehen werden kann, die dem Bedürfnis des Menschen nach Erfahrungsbereicherung entspringt, ergibt sich die Frage nach der Art des Lernens, die seine Wesensentfaltung am günstigsten beeinflußt. Nach einer analytischen Behandlung des Problems: wie vollzieht sich das Lernen und wie sind Fehlentwicklungen zu vermeiden, konnten als positive Momente des natürlichen Lernens, Lernen durch Uebertragung, Probieren, Hantieren, Erfragen, Mittun, Beobachten, Spielen und Gestalten herausgeschält werden. Es ergibt sich dabei, für die Schule die Aufgabe, alle im natürlichen Lernen tätigen Kräfte, die sich durch Spontanität und Freude auszeichnen, in ihre planmäßige Arbeit einzubeziehen, d. h. die Schule muß eine gute Lernsituation darstellen.

Deshalb muß sie folgende Prinzipien berücksichtigen: Das Kind braucht den nötigen Spielraum für seine Interessen und seine persönliche Lernweisen. Es wird gewarnt vor jeder Normierung und Schabionisierung. Die jeweilige Lern-Situation muß dem Reifegrad und der Individualität des Kindes angepaßt sein, so, daß es die Möglichkeit hat, an Erfolg und Leistungen seinen Lernwillen zu steigern nicht im Sinne des Konkurrenzkampfes, sondern als Beitrag für die Gemeinschaft.

Als praktische Folgerungen für die Schularbeit ergeben sich daraus etwa folgende Gesichtspunkte: Den natürlichen Lernweisen ’des Kindes entspricht ein ganzheitlicher Unterricht besser als eine systematisierende oder synthetisierende Lehrweise. Demgemäß muß die Schule das ursprüngliche Bedürfnis des Kindes nach Gemeinschaftsleben durch Gruppenarbeit, Spiel, Feier, gemeinsame Planung von gemeinsamen Arbeitsvorhaben so zu steigern trachten, daß Arbeit und Erholung im kindgemäßen Rhythmus erscheinen. Dabei wurde es als ein wesentliches Endziel angenommen, daß auch die Eltern den neuen Stil der Schule kennenlernen und zu der Mitarbeit am Schulleben gewonnen werden.

Die Gastgeber

Zu guter Letzt sei schließlich aber auch der Gastgeber gedacht, so Herrn Prof. Dr. Trosts, des Direktors des P. I. auf dem Heiligenberg, und Herrn Carlssons, des Leiters des Education Center Service in Jugenheim, in dem ein Teil der Referate abgehalten wurde. Beide haben in ihrer Bemühung um die fremden Gäste zu dem Erfolg der Tagung wesentlich beigetragen. Große Verdienste erwarben sich auch Frau Else Huckest o y und Fräulein Eleanor Da y, die Stoy und Frl. Eleanor D a y, die Lehrbeauftragten für Klavier und Cello an dem päd. Institut, durch eindrucksvolles Musizieren zu Beginn eines jeden neuen Vortragsmorgens. Mit großer Kraft des Ausdrucks und vorzüglicher Technik verstanden sie den Geist Beethovens (im Laufe der Woche gelangten die Klaviersonate 31, 111, die Cello-Sonate op. 69 und 32 Va-/ riationen in c-moll zur Aufführung), so zu beschwören, daß der ganze Kongreß unter seinem gewaltigen Schatten geborgen war. kä

Jm khaţen der JUSTIZ

Den Anschluß verpaßt

Vor dem Bezirksschöffengericht Michelstadt hatten sich zwei Menschen zu verantworten, die — beide aus gutsituierten Elternhäusern stammend — durch die unnatürlichen Verhältnisse nach dem Krieg aus der Bahn geschleudert wurden. Bis zum A-rag führten sie das großspurige Leben der Schwarzhändleraristokratie, die es sich leisten konnte, „in den teuersten Hotels zu wohnen“. Der Währungsschnitt entzog ihnen den Boden für ihre trüben Geschäfte und es wurde ihnen zum Verhängnis, an dem bis dahin geführten Leben soviel Geschmack gefunden zu haben, daß sie den Anschluß an die sich wieder normalisierenden Verhältnisse verpaßten. Beide sind gebürtige Berliner, er ein 42 Jahre alter Kraftfahrzeugingenieur, der bei der Auto-Union gut bezahlte Stellungen begleitet hatte, sie die Frau eines im Kriege verschollenen Regierungsrats. Sie konnten die ganze Zeit über nicht heiraten, weil die Frau keine Todeserklärung ihres ersten Mannes erhielt. Dessen ungeachtet gründeten sie eine Familie. Die Tochter ist jetzt 2 Jahre alt.

Statt nach der Währungsreform einen ordentlichen Hausstand zu gründen und zu arbeiten, hielten sie sich für schlau und gerissen genug, auf die Dummheit ihrer Mitmenschen spekulieren zu können. Das war ihr größter Fehler, denn die kleineren und größeren Betrügereien, die sie in der Fo^ezeit begingen, waren doch reichlich primitiv, womit bewiesen wäre, daß sie im Grunde keine verbrecherischen Veranlagungen besitzen. Immerhin hatten sie sich wegen insgesamt 17 verschiedener Fälle zu verantworten, darunter Betrügereien mit Kraftwagenverkäufen, Unterschlagungen und einer Reihe von Zechprellereien, die sie anfangs dieses Jahres in Groß-Umstadt, Erbach und Heidelberg begangen hatten.

Nach elfstündiger Verhandlung verurteilte das Gericht den Mann wegen Betrugs in sechs und Unterschlagung in sieben Fällen ^u 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von viereinhalb Monaten verbüßter Untersuchungshaft und den Kosten des Verfahrens. Die Frau erhielt wegen Beihilfe zum Betrug in 4 Fällen 5 Wochen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt anzusehen sind. Da der Verurteilte vom Rechtsmittel Gebrauch machen will, erkannte auch der Staatsanwalt das Urteil nicht an.

Ein wesentlicher Zeuge, der trotz rechtzeitiger Aufforderung nicht zur Hauptverhandlung erschienen war, erhielt eine Ordnungsstrafe von 200 D-Mark. -ch



Die Bundesbahn hatte ein Einsehen

Schöllenbach erhält einen Haltepunkt mitten im Ort

Ueber den ärgerlichen Weg ans „Loch“, wie die Schöllenbacher und die Hesselbacher den Krähbergtunnel nennen, hatten wir in unserer Ausgabe vom 2. Juni ausführlich berichtet und abschließend die Hoffnung ausgesprochen, daß die Bundesbahn für dje seit Generationen geäußerte Bitte der Schöllen- und Hesselbacher, mitten im Dorf Schöllenbacn bei dem Schrankenwärterhäuschen Nr. 11 eine Haltestelle für den Personenverkehr einzurichten, doch Verständnis zeigen möge. Dieser Wunsch ging jetzt tatsächlich in Erfüllung!

Die Bundesbahndirektion Frankfurt a. M. hatte eine Kommission zur Ortsbesichtigung nach Schöllenbach geschickt, der sich der Bahnmeister von Hetzbach, Bürgermeister Adolf Müller, Hesselbach und Bürgermeister Ludwig Va y, Schöllenbach anschlossen. Die Bundesbahnvertreter hatten für die Wünsche der Ittertaler ein Einsehen und sagten die Einrichtung einer Haltestelle am Schrankenwärterposten 11 zu. Das erforderliche Baumaterial wird von der Bundesbahn gestellt und angefahren, dagegen mußten sich die Bürgermeister der beiden Gemeinden verpflichten, die Arbeiten in Selbsthilfe durch die Einwohnerschaft ausführen zu lassen, damit die Kosten möglichst niedrig gehalten werden können.

Ohne Zweifel werden die Hesselbacher und Schöllenbacher zu diesem kleinen Opfer gerne bereit sein, denn dadurch ersparen sie sich doch endlich den über drei Kilometer langen Weg neben der Bahnstrecke her bis ans „Loch“, wo sich der seitherige Bahnhof Schöllenbach befindet. Was seit Generationen mit unzähligen Eingaben, Gesuchen und Interventionen bei Kreis, Regierungsbezirk, Staat und auch der Eisenbahnverwaltung direkt vergeblich gefordert wurde, ist mit der jetzigen Entscheidung endlich in Erfüllung gegangen. Für die Schöllenbacher, die mit der Bahn zur Arbeitsstätte fahren müssen, bedeutet das einen täglichen Zeitgewinn von einer ganzen Stunde. Dafür werden sie der Bundesbahn ewig dankbar sein, vielleicht auch ein ganz klein wenig dem „D.T.“, das ja die Bundesbahn nachdrücklich auf den ärgerlichen Weg ans „Loch“ hingewiesen hatte, -ch

Ernstes, Besinnliches, Geselliges und Heiteres

Dekanatstag des Evangelischen Bundes in Eschollbrücken

Auf Einladung des Evangelischen Bundes, Landesverband Hessen und Nassau, fand der Dekanatsbundestag in Eschollbrücken statt. Morgens hielt in der evangelischen Kirche Pfarrer Stühlinger einen Gottesdienst, dem um 11.30 Uhr im Saale des Gasthofs „Zum Lamm“ eine Arbeitstagung folgte, die unter dem Motto „Der Dienst des Evangelischen Bundes in Volk und Kirche“ stand.

Pfarrer Balz, Oberramstadt, der Obmann des Bundes in der Provinz Starkenburg, begrüßte die Anwesenden, insbesondere den Direktor des Bundes, Dozent Pfarrer S u c ke r , den Leiter des Konfessionskundlichen Institutes Bensheim, der später selbst das Wort ergriff und in einem eindringlichen Appell alle Anwesenden zu größerer Aktivität aufrief. Er zeigte die Schwierigkeiten auf, unter denen heute der Bund vor Aufgaben stehe, die ständig im Wachsen begriffen seien, Schwierigkeiten, die vornehmlich auf der finanziellen Notlage des Bundes beruhen. Er bedauerte, daß der Bund, der einmal die größte Laienorganisation gewesen sei, mit einer Mitgliederzahl, die an eine Million heranreichte, heute nur noch ein geringes dieser Zahl aufweisen könne. Der Referent kam auf die Kontroversen zu sprechen, die zu der katholischen Kirche bestünden, besonders auf das Problem der Mischehe, das in den Ehewilligen oft große Gewissenkonflikte hervorrufe.

Zu der FestverSammlung am Nachmittag war Pfarrer Wittmann in Vertretung von Dekan Weiß erschienen. Propst Rau konnte leider erst zu Beginn des zweiten Teiles der Veranstaltung kommen, da er dienstlich verhindert war.

Gemeindepfarrer Dr. Uhrig begrüßte die Nachmittagsgäste, die den geräumigen Saal bis auf den letzten Platz füllten. Gemeinsame Lieder und Chöre des Kinderchores Pfungstadt unter Lehrer Schreyer, bei denen Heidi Prö b - st e 1 und Inge Nock besonders mit einem Solo zur Geltung kamen, untermalten die wohlgelungene Veranstaltung und fanden viel Beifall. Leider war die Tanzgruppe der Ungarn-Deutschen nicht erschienen, deren Menschenscheu man auf Grund des dauernden Lagerlebens zwar verstehen kann, die man jedoch sicherlich herzlich aufgenommen hätte.

Pfarrer Wittmann zeigte in kurzen Worten die Schwierigkeiten auf, die sich durch die östlichen Konflikte auftun, und meinte, daß leider der Männerwelt das fehle, was seit Bismarcks Zeiten „Zivilcourage“ genannt werde. Der Bund sei kein Verein, sondern ein aus dem Glauben entstandenes Werk der Notwendigkeit. Dann kam Dozent Pfarrer Sucker zu dem Hauptreferat des Tages „Evangelisch werden! — unsere Aufgabe“. Wenn jeder nach Luthers Art den „Katechismus traktiere“, würde es in unserer Welt heute anders aussehen. Er lenkte die Blicke auf Martin Luther und die Zeit der Reformation, um zu zeigen, was das Evangelium sei. Leider stehe uns Menschen heute die Frage nach dem zeitlichen Wohl im Vordergrund, während Luther die Frage „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ das ganze Leben über beschäftigt habe. Erst wenn die Frage nach dem ewigen Heil d i e Hauptfrage jedes Menschen würde, seien wir auf dem Wege — evangelisch zu werden, evangeliumsgemäß zu werden.

Den unterhaltsamen Teil leitete Propst R a u in herzlichen und munteren Worten ein, die sofort den rechten Kontakt schlossen, als er erwähnte, daß sein Vater ein Sohn der Gemeinde Hahn gewesen sei.

Kurt Westermann, mit freudigem Beifall begrüßt, sprach im Anschluß daran Lutherworte und verlas einige Verse aus der religiösen Dichtung sowie die entzückende „Parabel vom Regen“, ein Märchen aus dem 13. Jahrhundert. Auch die Bauernlieder von Matthias Claudius fanden fröhliche Aufnahme. Es war Kurt Westermann sehr bald gelungen, den Kreis der Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, wofür ihm reicher Beifall zuteil wurde. Mundartliches aus Ostpreußen (Frau Nienerza), Schlesien (Herr Jäger) und Darmstadt (Frl. Christa Duckheim) brachten sehr bald helle Fröhlichkeit unter die Anwesenden, zumal die Herren Pastoren bei allen Vorträgen die Zielscheibe des Humors waren, worüber sie sich redlich mitfreuten.

Damit kam das Dekanats-Fest des Evangelischen Bundes zu einem in allen Teilen befriedigenden und gelungenen Ende. (-bst)

Studentenvertreter in Heppenheim

Vom 22. bis 27. August treffen sich in Heppenheim Studentenvertreter sämtlicher Hochschulen und pädagogischen Ausbildungsstätten für Berufs- und Volksschullehrer der Bundesrepublik und West-Berlins zu einer gemeinsamen Tagung. Die erstmaligen Besprechungen der zukünftigen Lehrer, die von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft durchgeführt werden, beginnen am 22. August, 9.30 Uhr, im Kurfürstensaal. -h-

Leuchtkäfer und Blumen

Gut Freund sind die Kinder mit der Sonne, und so schien sie auch prächtig zum Sommerfest des Gemeinde-Kindergartens Nieder-Ramstadt. Im fröhlichen Zug ging es vom Treffpunkt Schule zum Festplatz am Kindergarten. Dort grüßten bunte Fähnchen und Girlanden vom Zaune, und in der Mitte des Platzes erhob sich ein Festbaum wie zur Kirmes; in großem Viereck um ihn herum standen die Stühlchen auf denen die Kleinen ihre Plätze einnahmen.

Nun folgten Lieder, Singspiele und kleine Aufführungen in bunter Reihenfolge. Der böse Wolf kam und die Geißlein, Goldtöchterchen lief über die Wiese, wurde von der Ente über den Teich getragen und schlief bei den Blumen, bis die Leuchtkäfer es mit ihren Laternchen entdeckten, und die Mutter es wieder hatte. Nach dem Hänsel- und Gretelspiel einiger größerer Kinder gab es für jedes der Kleinen ein Geschenk, und der Jubel war groß. Er war zugleich der Dank für Else und Lisel Flügel, die bewährten Leiterinnen des Kindergartens, die mit ihrer Helferin Ellen Koop das Sommerfest vorbereitet hatten. Wieviel Mühe zu all den Kleinarbeiten gehört, für über einhundert Kinder Papierkränzchen zu schaffen, Käppchen, die sie zu Blumen oder Leuchtkäfern verwandeln, zu kleinen Geißen, zu Handwerkern, von denen sie singen, ermißt so leicht niemand.

Unermüdliche Geduld aber nun kann die Kleinen dahipführen, die Verse und Lieder zu lernen und vorzutragen und so eifrig beim Spiel zu sein, wie es hier geschah. * di-

Brandweiher und Schwimmbad

Der von den Einwohnern und Erwerbslosen der Gemeinde Etzean während der letzten Wochen in Selbsthilfe beim Ortseingang angelegte Brandweiher, der mit seinen rund 160 cbm Wasser der Jugend gleichzeitig als Schwimmbecken dient, wurde am Sonntagnachmittag feierlich seiner Bestimmung übergeben. Regierungsrat Zörgiebel und Kreisbrandinspektor Küchler, der vor einem Jahr die Anlage angeregt hatte, weil es in Etzean keine Wasserleitung gibt, wohnten dem Festakt bei. Daß der Löschteich der Gemeinde einen ausreichenden Feuerschutz bietet, zeigten anschließend die Feuerwehren von Beerfelden und Hetzbach bei einer großen Feuerlöschübung über lange Wegstrecken. -eh

Einige Bürgerschaft in Zwingenberg

Bürgermeister vor der Bürgerversammlung / Acht Stadträte nicht anwesend

. Zu einer erneuten Bürgerversammlung hatte der Beigeordnete Nickels die Bürger und Bürgerinnen von Zwingenberg am Freitagabend in den „Adlersaal“ eingeladen. Die im Anschluß an die Bürgerversammlung vorgesehene Gemeinderatssitzung mußte ausfallen, da die CDU- und SPD-Fraktion mit der Begründung nicht erschienen waren, daß sie sich nicht von den Anhängern des Beigeordneten Nickels „terrorisieren“ lassen wollten, da das Publikum doch „größtenteils aus Anhängern der KPD zusammengesetzt“ sei (allgemeine große Heiterkeit). Weiterhin wurden verschiedene Anschuldigungen gegen den Beigeordneten und einen Stadtrat der KPD-Fraktion vorgebracht und behauptet, daß sich diese Sitzung erübrige, da die Mitglieder der beiden Fraktionen einen Antrag auf Einsetzung eines kommissarischen Bürgermeisters unterzeichnet und bei der Aufsichtsbehörde vorgelegt hätten.

Der Leiter der Versammlung, Herbert Veig e 1, betonte in seiner Ansprache, daß es äußerst bedauerlich sei, daß immer noch keine Einigkeit im Stadtrat über die Bürgermeisterfrage herrsche, und daß es in Zwingenberg Leute gäbe, die ihre Parteiinteressen vor das Wohl der Gemeinde setzten und dauernd versuchten, mit allen Mitteln die Bürgermeisterwahl hinauszuschieben. Auf die Bitte eines Diskussionsredners wurden die Namen und das Alter der für die Bürgermeister^stelle in Aussicht genommenen Kandidaten verlesen. Von einzelnen Diskussionsrednern wurde aber immer wieder betont, daß Zwingenberg es nicht nötig habe, seinen Bürgermeister von auswärts zu holen, sondern es in seinen Mauern genug fähige Männer habe.

Als einziger Kandidat, der erschienen war, ergriff Herr Zubrod das Wort. Er unterstrich, daß vor allem das große Defizit beseitigt werden müsse, daß' aber andererseits. die Steuern nicht hochgeschraubt werden dürften. Er erklärte, daß er, falls die Wahl auf. ihn fallen sollte, bereit sei, in einer Bürgerversammlung gemeinsam mit den Bürgern alles zu besprechen, was getan werden müsse, um der Gemeinde Zwingenberg wieder zu Wohlstand und Ansehen zu verhelfen.

Bei der folgenden Abstimmung stimmte die Mehrheit der Anwesenden für die Kandidatur Zubrods, 8 enthielten sich der Stimme. Zum Schluß der Versammlung wurde beantragt, die nächsten Stadtratssitzungen im „Adlersaal“ abzuhalten, damit eine größere Anzahl Zuhörer daran teilnehmen könne, was bei den beschränkten Raumverhältnissen im Rathaus unmöglich sei. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. (HB)

Weihesprüche aus aller Welt

Feierliche Einholung der Erbacher Gedächtnisglocke

Der Heimatabend anläßlich der Einholung der größten Glocke des Erbacher Geläuts, der Gefallenengedächtnisglocke, am Samstagabend auf dem Marktplatz gestaltete sich zu einer schönen Feier des gesamten Kirchspiels. Dicht gedrängt füllte die Gemeinde den weiten Platz, als die neue Glocke auf blumengeschmücktem Wagen, begleitet von der Geistlichkeit beider Konfessionen, dem Kirchenvorstand und Vertretern der Behörden, angefahren wurde. Vom angestrahlten Stadtkirchturm mit der Kirchenfahne ertönte zum Gruß das alte Geläut. Der Erbacher Posaunenchor spielte, Schulklassen, die Chorvereinigung „Liedertafel“ Erbach und die Gesangvereine von Dorf-Erbach, Lauerbach, Erlenbach, Schönen und Günterfürst sangen Lieder der Heimat und Choräle.

Pfarrer Battenberg leitete den ersten Teil der Feier, in dessen Rahmen Pfarrer Rudershausen für die katholische Gemeinde, Landrat Neff und Kreisschulrat S c h w a m b für die Kreisverwaltung, Amtsrichter Kitz als Gemeinderatsmitglied für den verhindert gewesenen Bürgermeister, Probst Rau für die Landeskirchenleitung von Hessen und Nassau, sowie der Patron der evangelischen Stadtkirche, Graf Alexander zu Erbach-Erbach, Glückwunschansprachen hielten.

Den zweiten Teil leitete Stadtpfarrer Hahn. Er erhielt seine besondere Note durch die Anwesenheit des amerikanischen Theologieprofessors Dr. Howard Short mit einer Reihe internationaler Teilnehmer am oekumenischen Freizeitlager in Höchst. So empfing die neue Glocke, die ja dem Gedächtnis der Toten in aller Welt läuten soll, Weihesprüche in chinesischer, arabischer, französischer, englischer und holländischer Sprache sowie in fast allen Mundarten deutscher Landschaften. Stadtpfarrer Hahn überreichte anschließend den Freunden aus aller Welt die anläßlich der 200 -Jahrfeier der evangelischen Stadtkirche Erbach herausgebrachte Plakette zur bleibenden Erinnerung.

Am kommenden Sonntag soll die neue, 32 Zentner schwere Glocke, im Rahmen der 200-Jahrfeier ihre Weihe erhalten Die gleichzeitig bestellte kleinere Glocke, die Graf Alexander zu Erbach-Erbach zur Erinnerung an seinen gefallenen Sohn stiftete, wird erst in einigen Tagen in Erbach eintreffen.

Was geschieht im Krankenhaus?

Wie bereits vor einigen Wochen berichtet, besteht seitens der Groß-Gerauer Stadtverwaltung die Absicht, im Stadt-Krankenhaus einige vorteilhafte Veränderungen vorzunehmen. Aus diesem Grunde hat Chefarzt Medizinalrat Dr. Kempf die Verhältnisse im Groß-Gerauer Krankenhaus von einem Krankenhausfachmann Ende vergangener Woche genauestens überprüfen lassen. Eine Unterredung mit den am Krankenhaus tätigen Aerzten fand ebenfalls statt. (cg)

Gernsheim erhält neue Fähre

Die bisher von einem Motorboot gescheppte Fahre in Gernsheim soll nach einer Mitteilung des Wasserstraßenamtes durch eine neuzeitliche 24- Tonnen-Motorfahre ersetzt werden. Das neue Fahrzeug wird voraussichtlich Ende September in Betrieb genommen werden, -kr-

Die Winterarbeit des Breuberg-Bundes

Heimatkundliche Tagung für 13. und 14. Oktober festgelegt

Gelegentlich einer Sitzung des erweiterten Vorstandes des Breubergbundes in Neustadt teilte Dr. Alexander Roeder (Steinbach) mit, daß der hessische Staat als Eigentümer der Burg dem Breubergbund die Betreuung der Gebäude und Gebäudeteile übertragen hat, die sich der Staat selbst vorbehalten hat. Es sind dies: der Turm, die Burgkapelle, der Brunnen, der Johann-Casimir-Bau und die Ruine. Die Jugendherberge wird davon nicht betroffen. Zur Durchführung der dem Bund übertragenen Burgführungen erhalten zwei Neustädter Einwohner Sie notwendige Ausbildung.

Dem Bund wurden 35 000 DM für Reparaturen und Ausbauten der Burg bewilligt, wovon 8000 DM als erste Vierteljahresrate bereitgestellt wurden. Mit dem Ausbau der Burgscfienke wird jetzt begonnen.

Die alljährliche heimatkundliche Arbeitstagung setzte der Vorstand für den 13. und 14. Oktober in Neustadt im Saal des „Ochsen“ fest. Wieder ist eine lange Reihe interessanter Vorträge der bekanntesten Odenwälder Heimatforscher und Kenner der Geschichte des Breuberger Landes vorgesehen. U. a. spricht Stadtarchivar Phil. Buxb a u m (Michelstadt) über „Die Geschichte der selbständigen Gemarkungen“, Dr. Weber über „Alten Straßen im Odenwald“, Studienrat Hallstein (Sandbach) über „Die Leyschen Karten der Herrschaft Breuberg im 18. Jahrhundert", Lic. Steitz über „Die Einführung der Reformation in den Erbach-Breubergischen Landen“, Dr. A. Roeder (Steinbach) über „Öie Michelstädter Kirchenbibliothek“, Lehrer Höreth ( Mümling-Grumbach) über „Die Mediatisierung der Grafschaft Erbach und der Herrschaft Breuberg“.

Für das Erwachsenen-Bildungswerk des Breuberg-Bundes während des Winterhalbjahrs hat Hauptlehrer H än s 1e r (Rai-Breitenbach) die Leitung übernommen. Die Reihe musikalischer Vorträge soll beträchtlich erweitert werden. Frl. Leonhardt von der Volksschule Neustadt hat die Einrichtung einer Bibliothek sowie die Arbeiten für den Theaterring des Hessischen Landestheaters übernommen. -ch.

Ehemalige Bernfssoldaten fordern ihr Recht

Die Notgemeinschaft ehemaliger Berufssoldaten und deren Hinterbliebenen, Kreisverband Darmstadt-Land, hatte in Jugenheim eine Versammlung einberufen, bei der Oberst a. D. Panzen¬ hagen die Anwesenden begrüßte und im Namen der ehemaligen Offiziere und Unteroffiziere Generalleutnant Keim den Dank für die Dienste aussprach, die er im Kampf um die Versorgung der ehemaligen Berufssoldaten und deren Hinterbliebenen geleistet habe. Er forderte alle Versorgungsberechtigten auf, sich den „Notgemeinschaften“ anzuschließen. Eine Zusammenschließung sei nötig, um die Interessen der Versorgungsberechtigten bei der Bundesregierung durchzusetzen. Die Organisation betreibe keine Parteipolitik, sondern diene nur karitativen Zwecken. »

Der zweite Referent, Generalleutnant Keim verlangte gleiches Recht wie die Beamten und die anderen Staatsbürger. Er ging auf das Recht der Versorgung ehemaliger Berufssoldaten und deren Hinterbliebenen näher ein und betonte, daß eine gerechte Empörung gegen den Entwurf des Ausführungsgesetzes zum Artikel 131 des Grundgesetzes herrsche.

Die Versammlung nahm eine Entschließung an, dem Bundeskanzler, dem Bundestagspräsidenten und den Fraktionsführern der maßgeblichen Parteien ein Protestschreiben zuzuleiten, das sich besonders gegen eine Diffamierung der ehemaligen Berufssoldaten wendet und scharf Stellung gegen den Entwurf zum Artikel 131 des Grundgesetzes nimmt.

In den Kreisverband Darmstadt-Land wurden gewählt: Vorsitzender Oberst a. D. Panzenhagen; Schriftführer Major a. D. Richard; Kassierer Oberst a. D. Walter.

Tagungen auf dem Heiligenberg

Im Anschluß an die Internationale Pädagogenkonferenz im Pädagogischen Institut Jugenheim sind für die Monate August, September und Oktober eine Anzahl größerer Tagungen vorgesehen. Vom 21. bis 27. August findet eine Tagung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Universität Frankfurt a. M. unter Leitung von Prof. Dr. Hans Scherpner statt. Für die Zeit vom 27. bis 30. August ist die Tagung einer Bundesvertretung Deutscher Lehrerstudenten unter Leitung von Karl Sauer, Vorsitzender der Bundesvertretung, Student des PI Jugenheim, vorgesehen. Eine Abituriententagung (Berufsberatung) soll vom 26. bis 30. September unter Leitung von Frau Dr. Karbe, Arbeitsamt Darmstadt, durchgeführt werden. Die Junglehrergewerkschaft findet sich vom 2. bis 7. Oktober in einer Fortbildungswoche, deren Leitung Lehrer Faust hat, zusammen. In der Zeit vom 2. bis 14. Oktober veranstaltet die Pädagogische Arbeitsstelle Wiesbaden unter Leitung von Prof. Georg Götsch, Frankfurt a. M., eine Arbeitswoche für Bewegungserziehung und vom 20. bis 22. Oktober findet eine Musiktagung statt, deren Leitung in Händen von Dr. Teuscher vom Pädagogischen Institut Jugenheim liegt. (hl)

Allmendfelder Erntedankfest

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Dieser alte Wahrspruch fand wieder seine Bestätigung in einer Versammlung, zu der Allmendfelds Ortsoberhaupt, Bürgermeister Kunz, die ortsansässigen Vereine» den Schulleiter und die Vertreter der politischen Parteien geladen hatte. Bei dieser Zusammenkunft wurden einmal keine Probleme gewälzt, sondern das Festprogramm für das voraussichtlich am 1. oder 8. Oktober stattfindene Erntedankfest besprochen. Kein Wunder, daß sich all? Anwesenden lebhaft an der Diskussion beteiligten.

Wesentlicher Bestandteil dieses althergebrachten Heimatfestes wird der Festzug sein, der den Allmendfelder und den auswärtigen Freunden bäuerlicher Feste viele Ueberraschungen bringen wird. Neben den örtlichen Sport- und Gesangvereinen wird auch die Jugend zur Verschönerung des Erntefestes beitragen. Der abendliche Tanz im Gemeindesaal, der dazu eigens generalüberholt worden ist. gehört außer der Sorge für das leibliche Wohl der Gäste zu den Selbstverständlichkeiten eines zukünftigen Erntedankfestes. -kr-

Im Straßengraben gelandet

Auch eine Gefälligkeit kann zu Unannehmlichkeiten führen. Dies mußte der Fahrer eines Lkws der Ziegelei in Fürth, der eine Ladung Backsteine nach Weschnitz zu bringen hatte, merken. Er brachte seine Kollegen, ohne zuerst abzuladen, nach Unter-Ostern. Auf dem Rückweg begegnete ihm in Ober-Ostern ein vollbesetzter Omnibus. Durch die geringe Breite der Straße kam er mit den Rädern in den vom Regen sumpfig gewordenen Straßengraben und versank dort derart, daß ihn nur die danebenliegende Gartenmauer vor dem Umkippen bewahrte. Nach drei Stunden schleppte ihn ein Traktor wieder heraus. Schaden ist nicht entstanden.

Brand im Traunsformatorenhaus

In den Morgenstunden des 19. August brach in dem in der Nähe der Firma Meister in Bensheim-Zell gelegenen Transformatorenhaus der Heag ein Brand aus. Vermutlich war das Feuer durch Ueberbelastung der elektrischen Leitung entstanden. Dank dem tatkräftigen Einsatz der Feuerwehren von Zell und Bensheim konnte der Brand rasch gelöscht werden. (HB)

Schlägerei um Hundehütte

Auf der Straße nach Ober-Mossau hatte der Schafhalter K. seitlich des Grabens eine Hundehütte aufgestellt, vor der das Pfer^ eines Milchkutschers scheute. Aus Aerger darüber warf der Milchmann die Hundehütte den Abhang hinunter. Das brachte den Schäfer in Wut. Es gab eine wilde Schlägerei, bei der sich beide blutige Köpfe holten. Das Finale wird vor dem Einzelrichter gespielt. -ch

So ein Unsinn!

Aus bisher ungeklärten Gründen fuhr der Motorradfahrer Alfons U n s i n n aus Ober-Ostern auf der Staatsstraße in Rimbach den in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer Adam Schütz aus Mörlenbach von rückwärts an, so daß dieser stürzte und sich schwere Verletzungen am Hinterkopf zuzog. Der Motorradfahrer blieb unverletzt, an dem Fahrrad entstand Sachschaden. (HB)

Mogelei mit dem Telefon

Der Schuhmacher S. in F alk en g e - s ä ß hat Telefon, sein Nachbar, ein Weißbinder, hat keins, weil die Post keine Anschlüsse frei hat. Bisher hatten sie sich so geeinigt, daß der Weißbinder den Apparat mitbenutzen kann, worüber monatlich abgerechnet wurde. Seit einiger Zeit fiel dem Weißbinder die Höhe der Fernsprechgebühren auf. Er beschwerte sich beim Fernsprechamt und mußte zu seiner Ueberraschung erfahren, daß sein Nachbar diesen „Zuschlag“ verursacht hatte. Auf dem Gebührenzettel hatte er jeweils die Gesprächsdauer um einige Minuten verlängert und die Beträge dementsprechend erhöht. Für diese nichtamtliche Gebührenerhöhung wurde er von der Gendarmerie festgenommen und Strafanzeige gegen .ihn erstattet. -ch

Selbstmord mit Jagdgewehr

Förster Wilhelm Trautmann, 61 Jahre alt, machte seinem Leben in den Vormittagsstunden des Sonntags im Neuen Wäldchen bei Babenhausen durch einen Kopfschuß mit dem Jagdkarabiner ein Ende. (io)

Was aũch interessiect:

Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Rostkrankheiten wurden in einer Versammlung der Spargelanbauer inNieder-Roden beschlossen. Die Kulturen sollen gespritzt werden. Es ist notwendig, eine Spargelanbau - Genossenschaft zu gründen. (-gi-)

Ihr zweihundertjähriges Bestehen feiern am 27. August die evangelische Stadtkirche in Erbach und die evangelische Kirche in Gundershausen. (se)

Bei der Flüchtlingswallfahrt, die am 17. September in Dieburg stattfindet, werden in einer Großkundgebung am Nachmittag Bundesflüchtlingsminister Dr. Lukaschek und der hessische Innenminister Zinnkann sprechen. Am Vormittag finden in den Dieburger Kirchen Gottesdienste beider Konfessionen statt. (-st)

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Pfungstadt. Von Montag bis Donnerstag wird das Wasserleitungsrohrnetz in der Zeit von B—lß Uhr durchgespült. Da hierdurch jeweils kurzfristig eine Unterbrechung der Wasserlieferung eintreten muß, empfehlen die Stadtwerke, sich den nötigen Bedarf vorher zu, sichern. Alles Nähere aus den Bekanntmachungen.

Roßdorf. — Aus Anlaß seines fünfjährigen Bestehens hält der Männerchor der Sport- und Kulturgemeinde im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ am 27. August um 14.00 Uhr einen Jubiläums-Liedertag ab. Namhafte Nachbarvereine -mit über 500 Sängern haben bereits zugesagt, (sl)

DIEBURG

Dieburg. - Die aus einer Heilanstalt bei Wiesbaden am letzten Sonntag entwichene Ingeborg Diederichsen, über deren Irrfahrten wir schon berichteten, wurde nun von Gendarmerie zwischen Eppertshausen und Urberach, völlig durchnäßt, angetroffen und ihre Rückführung veranlaßt. (RG)

Dorndiel. - In der letzten Gemeinderatssitzung wurde snter Vorsitz von Bürgermeister Neff beschlossen, die Schulstraße mit einer Teerschicht zu überziehen. Auch die Verputzarbeiten am Schulhaus sollen in der nächsten Zeit durchgeführt werden, (wu)

Gundernhausen. - Die Ortsgruppe des Verbandes der Heimatvertriebenen hält am kommenden Dienstag um 20.30 Uhr in der Sporthalle eine Versammlung ab, bei der der Vorsitzende der Ortsgruppe, Lehrer Wagner, verabschiedet werden soll. (sl)

Groß-Umstadt. - Die städtischen Grundstücke Weidig, Hungrund, Hainrichtsberg, Schliem, am* Wasserwerk und Mittewald werden am Dienstag (22.8.) um 14 Uhr verpachtet. (-gi-)

Semd. - Eine Flüchtlingsfrau wurde durch einen jugendlichen Radfahrer so schwer verletzt, daß sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden mußte. (wu)

Sickenhofen. - Bis zum 25. August liegen auf der Bürgermeisterei die Hauptgeldausgleichsverzeichnisse bezüglich der Baulandumlegung offen. In der gleichen Zeit kann die Abschrift des Vorstandsbeschlusses der Teilnehmergemeinschaft vom 27. Juli über Verzinsung, Erhebung und Auszahlung der Geldausgleiche eingesehen werden. (wu)

ERBACH

Seckmauern. - Eine Untersuchung des Leitungswassers, die vom Wasserwirtschaftsamt Darmstadt vorgenommen wurde, ergab, daß das Wasser Bakterien enthält. Die Gemeindeverwaltung hofft in Kürze die Ursachen und Mängel beseitigen zu können. . (hm)

Rimhorn. In einer schlichten Feier wurde der dritte Schulsaal der Volksschule durch den Bürgermeister übergeben. Damit hat nunmehr jede Klasse wieder ihren eigenen Schulraum. hm

Wald-Amorbach. Der Resident-Officer hat für Mittwoch, den 23. August, zu einer freien Aussprache in der Gastwirtschaft Trippel eingeladen. hm

Sandbach. Der Finanzausschuß beriet über finanzielle Unterstützung von privaten Bauinteressenten. — Die Glaserarbeiten am Rathaus wurden zur einen Hälfte an eine Steinbacher Firma, zur anderen an die Arbeitsgemeinschaft Ruland, Kull, Pilger und Reeg vergeben. hm

Waldmichelbach. Insgesamt fünf Straßenbaufirmen sind jetzt im Bereich des Ueberwaldes darangegangen, die z. T. in katastrophaler Verfassung befindlichen Straßen in Ordnung zu bringen. (-r.)

Ober-Abtsteinach. Der diesjährige Haushaltsplan sieht nach Einnahmen und Ausgaben etwa 21 000 DM vor. Da jedoch in Bälde der Straßenbau von Unter- Flockenbach her die Gemeindegrenze tr» reicht haben dürfte und Ober-Abtsteinach selbst für die Kanalisation aufkommen muß, dürfte ein außerordentlicher Haushaltsplan unvermeidlich wer* den.. (-r.)

BERGSTRASSE

Bensheim. Die Verwaltungsstelle Darmstadt-Mannheim-Ludwigshafen der Industrie-Gewerkschaft Chemie- Papier-Keramik hält am 27. August vormittags eine Jugend- und Frauenkonferenz ab. Referent ist Heinrich Kautz, der über „Be-1 rufsnot der Jugend, Remilitarisierung und Jugendaufbau“ sprechen wird, (sl)

Weiher. Ein Einwohner wollte sein jüngst erworbenes Motor-Dreirad selbst in Gang setzen, obwohl er verschiedentlich davor gewarnt worden war. Der Erfolg: Ein Baum war im Wege. Ergebnis: Verbeulte Vorderfront. (—r)

Lorsch. — Durch einen Lkw scheu gewordene Pferde stießen mit ihrem halb entladenen Wagen in der Rheinstraße die Mauer eines Hauses ein. Passanten konnten größeren Schaden der Pferde verhindern. (el)

Raubach. Die Gemeinde erhielt jetzt an Stelle der im Kriege eingeschmolzenen eine neue Glocke, die ausschließlich aus freiwilligen Spenden angeschafft wurde. Sie wurde feierlich eingeholt und im Schulhaus untergebracht. (-r)

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Eine Frau aus dem Kreisgebiet hatte kürzlich einen Mann kennengelernt, der sich mit ihr verloben wollte. Kurz vor der Feier mußte die Frau feststellen, daß sie einem Heiratsschwindler ins Garn gegangen war, der sich unter Mitnahme einer goldenen Uhr und Kleidungsstücke aus dem Staube gemacht hatte. -be-

Groß-Gerau. Das Jugendgericht verurteilte einen 15jährigen Rüsselsheimer Jungen wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls zu einer Jugehdgef ängnisstrafe von unbeschränkter Dauer. Trotz seiner Jugend ist der Angeklagte bereits dreimal vorbestraft, zuletzt hätte er acht Monate Gefängnis bekommen. Mit seinem ebenfalls 15jährigen Freund, der vier Wochen Jugendarrest erhielt, hatte er auf dem Opelwerksgelände 35 Kilo Kupfer gestohlen. be.

Groß-Gerau. Am Freitagmorgen ermittelte die Polizei drei halbwüchsige Burschen aus der Kreisstadt, die an Pfingsten bei der Besatzungsbehörde eingebrochen und Fahrradteile, Schokolade, Dollars und einen Fotoapparat gestohlen hatten. Der Anführer der Einbrecherbande, der Lehrling Harry Sch., wurde sofort in das Darmstädter Gefängnis eingeliefert. Die Diebesbeute könnte teilweise wieder herbeigeschafft werden, be.

Groß-Gerau. Der Amtstag des Gesundheitsamtes des Kreises findet wegen einer Dienstversammlung der hessischen Kreisärzte nicht am 23., sondern am Dienstag, dem 22. August, von B—l 2 Uhr, statt. — Die Landstraße Goddelau—Erfelden ist bis Donnerstag, den 24. August, für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Umleitungerfolgt über die Landstraße 2. Ordnung Nr. 155. . cg

Stockstadt. In den Wartesälen des Bahnhofs wurde eine Bahnhofsgaststätte abgeteilt und eingerichtet. od

Erfelden. Eine neuerbaute Strandbad*- Bootshalle wurde ihrer Bestimmung übergeben. Bis zum Saisonbeginn des kommenden Jahres wird das Wohnhaus mit den sich anschließenden Übernachtungsräumen fertiggestellt sein. od

Biblis. Die Lehrerschaft veranstaltete eine Omnibusfahrt durch die Vorderpfalz und den Odenwald. In Speyer fand eine Besichtigung des Domes, in Schwetzingen des Schlosses und der Anlagen statt, mw

Ausklang des Bela Bartók-Kammermusikfestes

TIBOR VARGA UND PETER ST ADLE N SPIELTEN IN DER STADTHALLE

Als Abschluß der Bartok-Woche brachten die beiden Londoner Solisten Tibor Varga (Violine) und Peter Stadien (Klavier) folgende kammermusikalische Werke zum Vortrag: Sonate für Violine allein, die Improvisationen über ungarische Volkslieder, Stücke für Kinder, Allegro Barbaro und die Erste Sonate für Violine und Klavier.

Die Sonate für Solo-Violine ist in ihrer Trauer und Hoffnungslosigkeit der Abgesang eines großen kämpfenden Musikers. Bartok zeigt hierin eine große Kunst in der Strukturgestaltung, und Beine Sonate ist weniger spröde als die Sonate von Paul Hindemith und weniger neuklassisch. Bartok muß jedoch die Sonaten von Paul Hindemith kennen; denn es finden sich verschiedene ganz charakteristische Hindemithsche Tonfolgen die einige Male wiederkehren.

Die Improvisationen für Klavier (1920) gehören zu den Werken mit den extremsten pianistischen Ausdrucksformen. Hier kann der Pianist in völliger Freiheit seiner Inspiration nachgehen. Gegründet auf humoristische und ländliche Melodien, stellen sie eine technische Sublimierung der früheren Uebertragungen volkstümlicher Lieder dar, und zwar in einer rapsodischen Form. Die thematische und sehr intellektuelle Bearbeitung kündigt schon einen neuen Stil an. Mit diesem Werk ist Bartok in der pianistischen Materie so weit gegangen, daß er sechs Jahre dazu braucht, um seine ursprüngliche Linie wiederzufinden.

Die „Stücke für Kinder“ (1945) sind Kompositionen kleiner Miniatur und stellen wiederum Bearbeitungen ungarischer Volksmusiken dar.

gai jovuci » Das berühmte Allegro Barbaro, geschrieben und beendet 1910 bis Ende 1911, ist eine erregende Toccata mit kühner Harmonik. Es ist eine typische Bartoksche Offenbarung: zusammengeballte explosive Kräfte in Verbindung mit der ursprünglichen Rhythmik des Komponisten. Hier hat er zum ersten Male mit starker Leidenschaft die Beschränktheit gewisser Gegner herausgefordert, er scheint einen Skandal zu wünschen, er erhält ihn: das Publikum ist brüskiert. Heute in der fortgeschrittenen Zeit wirken diese atonalen und doch fast mathematischen Tonverbindungen besonders stark auf uns. Dieses glänzende Stück löst eine seltene Leidenschaft des Zusammenspiels aus, die Töne vereinigen' sich organisch, ein Stil wird geschaffen, dem viele heutige Komponisten nacheifern. Zoltan Kodaly schreibt hierzu folgendes: „Mit dem Fortschreiten von Bartoks außerordentlichem kompositorischen Schaffen im Jahre 1911 wendet sich Bartoks Gegnerschaft in Verfolgung. Man spricht von dem großen ,irregeleiteten' Talent, verloren in .passive und krankhafte' Tendenzen. Kurz, alles was der musikferne Philister nur über ihn sagen kann, wird über ihn kommentiert: man hält ihn für einen ausgemachten Narren.“

Die Erste Sonate für Violine und Klavier (1921) ist ganz von dem neuen Element Bartoks erfaßt. Der Einfluß Schönbergs ist spürbar. Bis zu diesem Zeitpunkt war seine Vorliebe für Strawinsky und Debussy ersichtlich, weil die Technik dieser beiden Meister darin wetteiferte, in ihm den Ausdruck für das Volkslied zu verstärken. Bei Bartok wurde der Ausdruck zu einer stark ausgeprägten Hymne seines ungarischen Nationalgefühls. Die deutschöstert^ichische Aesthetik erschien ihm wie ein Verrat seines Volkes, zumindest wie eine Untreue. In Wirklichkeit ist es Bartok als einzigem gelungen, aus den verschiedenen neuen Techniken der großen zeitgenössischen Komponisten die Svnthese einer vollkommenen Sublimierung zu schaffen. Der Musikwissenschaftler Konstantin Brailow sagt von ihm: „Impressionismus, Politonalismus, Atonalismus, Motorismus: Bartok hat all diese Revolutionen leidenschaftlich durchlebt und sich alle diese Systeme mit Hilfe seiner reichen Gaben zunutze gemacht.“ Die Erste Sonate zeigt eine ungeheure Radikalität. Wir erkennen in ihr ein Werk mit kühner Harmonik. Die beiden Künstler Tibor Varga und Peter Stadien ordneten sich in sehr sensitiver Weise dem gewaltigen Schaffen Bartoks unter und erzielten dadurch eine Intensität und musikalische Durchdringung im Vortrag. Bei dieser Gelegenheit konnten wir wieder die meisterhafte Technik Tibor Vargas und die kraftvolle musikantische Interpretation Peter Stadlens bewundern. Das Publikum dankte den beiden Künstlern durch langanhaltenden Beifall.


TIBOR VARGA ist neben Yehudi Menuhin, GerhardTaschner und Vasa Prihoda einer der führenden Geigensolisten der Welt. Tibor Varga wurde am 4. Juli 1921 in Raab (Györ) in Ungarn geboren. Seinen ersten Unterricht erhielt er bei Jenö Hubay an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest und ^studierte später bei Carl Flesch. Mit zehn Jahren gab er sein erstes öffentliches Orchesterkonzert. Vier Jahre später begann er mit Tourneen ins Ausland. 1938 erwarb er das staatliche Künstler- und Lehrdiplom. Nach 1945 spielte Tibor Varga in Wien, heute lebt er in London. Er leitet bei den Internationalen Ferienkursen einen Violinkurs. Foto: Kenner
TIBOR VARGA ist neben Yehudi Menuhin, GerhardTaschner und Vasa Prihoda einer der führenden Geigensolisten der Welt. Tibor Varga wurde am 4. Juli 1921 in Raab (Györ) in Ungarn geboren. Seinen ersten Unterricht erhielt er bei Jenö Hubay an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest und ^studierte später bei Carl Flesch. Mit zehn Jahren gab er sein erstes öffentliches Orchesterkonzert. Vier Jahre später begann er mit Tourneen ins Ausland. 1938 erwarb er das staatliche Künstler- und Lehrdiplom. Nach 1945 spielte Tibor Varga in Wien, heute lebt er in London. Er leitet bei den Internationalen Ferienkursen einen Violinkurs. Foto: Kenner

Ferienkurse für Neue Musik

Montag, 21. August

Seminar Marienhöhe, 20 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Hans Mayer, Leipzig: „Episches Theater und Neue Musik“.

Dienstag, 22. August

Seminar Marienhöhe, 20 Uhr: Vortrag von Antonie Gol e a , Paris: „Moderne französische Kammermusik“

Mittwoch, 23. August

Stadthalle, 20 Uhr: Studienaufführung des ..Konzert für Violine, Klavier und 13 Bläser“ von Alban Berg (Leitung: Prof. Dr. Hermann Scherchen). Solisten: Tibor Varga, Peter Stadien, Bläser des Landestheaterorchesters.


PETER STADLEN ist in Wien geboren, studierte auf der dortigen Hochschule und danach vier Jahre lang auf der Hochschule für Musik in Berlin. Heute lebt er in London. Er gilt als einer der besten Konzertpianisten. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit beim englischen Rundfunk. Sein Repertoire: Mozart, Schubert, Beethoven, andererseits Strawinsky, Hindemith, Bartok, Schönberg, Alban Berg, H. v. Webern. Während der Internationalen Ferienkurse leitet Peter Stadien einen Klavierkurs. Foto: Kenner
PETER STADLEN ist in Wien geboren, studierte auf der dortigen Hochschule und danach vier Jahre lang auf der Hochschule für Musik in Berlin. Heute lebt er in London. Er gilt als einer der besten Konzertpianisten. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit beim englischen Rundfunk. Sein Repertoire: Mozart, Schubert, Beethoven, andererseits Strawinsky, Hindemith, Bartok, Schönberg, Alban Berg, H. v. Webern. Während der Internationalen Ferienkurse leitet Peter Stadien einen Klavierkurs. Foto: Kenner

Der Sport

Kaum zu glauben - was die Oberliga meldet

Die größte Überraschung: Niederlage Offenbachs in Singen

Mannheim. (F. A. Z.) Viele tausend Fußballfreunde werden am Sonntagabend verwundert den Kopf geschüttelt haben, als sie aus dem Lautsprecher die Ergebnisse des ersten Spieltages der süddeutschen Oberliga hörten.

Was sie da vernahmen, war wirklich kaum zu glauben. Wer hätte denn zum Beispiel eine Niederlage des „Deutschen Vizemeisters“ Offenbacher Kickers in der so sehr unterschätzten Gruppe Süd der alten Oberliga Südwest für möglich gehalten? Doppelt verblüffend wirkte dabei, daß Singen mit 3:2 siegte. Aber auch einige andere Ergebnisse des ersten Meisterschaftstages stellten die Erwartungen auf den Kopf.

Bereits am Samstag erlebten 35 000 Menschen im Ludwigshafener Rheinstadion den Auftakt der Punktespiele: Der SV Waldhof und der deutsche Meister Vfß Stuttgart spielten 1:1 (0:0). In den ersten 45 Minuten zeigten sich die beiderseitigen Abwehrreihen sehr stark. Nach dem Wechsel erkämpften sich die Schwaben mit ihrer weitmaschigen Spielweise ein deutliches Uebergewicht, aber es reichte nur zu einem durch Läpple in der 55. Minute erzielten Treffer. Skudlarek im Waldhoftor hielt ausgezeichnet. Zwölf Minuten vor Schluß schaffte Rendler mit einem schönen Alleingang das 1:1, das für Waldhof recht glücklich war.

Die Ueberraschung Nummer 1 war am Sonntag im Darmstädter Hochschulstadion fällig, wo 16 000 Zuschauer die Darmstädter „Lilien“ nach ihrem 5:4- (2:3-)Erfolg über den VfR Mannheim stürmisch feierten. Der Neuling hatte es nicht leicht. Zwar hieß es nach zwanzig Sekunden schon 1:0 für Darmstadt, aber dann zogen die technisch besseren Rasenspieler durch Tore von Bolleyer, Langlotz und de la Vigne auf 3:1 davon. Die kräftige Darmstädter Elf ließ sich jedoch nicht entmutigen. Sie holte auf 3:3 auf. Langlotz brachte Mannheim erneut 4:3 in Führung, und in einem dramatischen Endspurt erkämpften sich die Hessen erneut den Ausgleich. Als ihr Linksaußen Herwig wenige Minuten vor Schluß gar den Siegestreffer schoß, gerieten die Zuschauer schier aus dem Häuschen.

Die zweite Ueberraschung gab es in Singen, wo die Willimowski-Elf die Offenbacher Kickers mit 3:2 bezwang, ein Sieg, den die Blau-Gelben auf Grund ihrer Zähigkeit durchaus verdient hatten. Der Vfß Mühlburg stellte sich in vorzüglicher Verfassung und prächtiger Kondition vor, so daß der FSV Frankfurt mit 5:1 (4:1) geradezu an die Wand gespielt wurde. Die Freunde des 1. FC Nürnberg — und ihrer gibt es viele — werden sich freuen, denn der „Club“ setzte sich, allen Unkenrufen zum Trotz, beim Neuling VfL Neckarau sicher 2:0 (1:0) durch. Mit dem gleichen Ergebnis siegte die Spvgg. Fürth über Schweinfurt 05, und ein drittes 2:0 gab es schließlich im Spiel zwischen München 1860 und den Augsburger Schwaben. In der Fuggerstadt selbst haderte man mit dem Ballspiel-Club, der trotz seiner zahlreichen Neuerwerbungen gegen die Münchener „Bayern“ mit 1:4 (0:2) einging — das Ergebnis zeigt, daß mit den durch vier Spieler der Stuttgarter „Kickers“ verstärkten „Bayern“ in dieser Saison zu rechnen ist. Als einziger Mainverein holte die Frankfurter „Eintracht“ mit einem 4:1 über den vorjährigen Meister der französisch besetzten Südzone, den SSV Reutlingen, das begehrte Punktepaar.

Die Ergebnisse: SV Waldhof gegen Vfß Stuttgart 1:1; VfL Neckarau gegen 1. FC Nürnberg 0:2; Spvgg. Fürth gegen Schweinfurt 2:0; Darmstadt gegen VfR Mannheim 5:4, Vfß Mühlburg gegen FSV Frankfurt 5:1; München 60 gegen Schw. Augsburg 2:0; BC Augsburg gegen Bayern München 1:4; FC Singen gegen Kick. Offenbach 3:2; Eintr. Frankfurt gegen SSV Reutlingen 4:1.

Ausgeglichene zweite Diviston

Wiesbaden. (F.A.Z.) Von der zweiten Division der Süddeutschen Oberliga kann schop nach dem ersten Spieltag gesagt werden, daß die Mannschaften durchweg sehr ausgeglichen sind, wenn man von dem 2:10-Debakel der Elf vom Arheilger Mühlchen beim TSV Straubing absieht. Nicht weniger als vier der neun Punktekämpfe endeten unentschieden. So mußten sich die Stuttgarter Kickers gegen Hessen Kassel mit einem 2:2 zufrieden geben, und mit dem gleichen Ergebnis trennten sich nach kampfbetontem Spiel der FC Freiburg und der bayerische ASV Cham. In Aschaffenburg waren die Bayern „unter sich“: die einheimische Viktoria und Bayern Hof spielten 1:1. Etwas enttäuscht war man in Wiesbaden, wo der Sportverein gegen d<9e 1. FC Bamberg über ein torloses Unentschieden nicht hinauskam, da seine Fünferreihe wieder einmäl zu unentschlossen vor dem gegnerischen Tor war. Mit einem 4:2 über Wacker München empfahl sich der 1. FC Pforzheim. Zwei ehemalige Vereine der französisch besetzten Südzone trafen sich in Tübingen, wo der VfL Konstanz mit einem 2:1 zwei wertvolle Punkte erkämpfte. Jahn Regensburg fertigte Ulm 46 klar 3:0 ab und Union Böckingen schlug den ASV Durlach 2:1.

Die Ergebnisse: Stuttgarter Kikkers—Hessen Kassel 2:2, Freiburger FC gegen ASV Cham 2:2, 1. FC Pforzheim— Wacker München 4:2, Viktoria Aschaffenburg—Bayern Hof 1:1, SV Wiesbaden— 1. FC Bamberg 0:0. SV Tübingen—VfL Konstanz 1:2, Jahn Regensburg—Ulm 3:0, TSV Straubing—SG Arheilgen 10:2, Union Böckingen—ASV Durlach 2:1.

Der richtige Tip

Hessen SV Darmstadt—VfR Mannheim 5:4 = 1 FC Singen — Kickers Offenbach 3:2 “ 1 SV Waldhof— Vfß Stuttgart 1:1 = 0 VfL Neckarau—1. FC Nürnberg 0:2 = 2 Vfß Mühlburg—FSV Frankfurt 5:1 = 1 BC Augsburg—Bayern München 1:4 “ 2 SV Wiesbaden —FC Bamberg 0:0 =0 Kickers Stuttgart — KSV Hessen Kassel 2:2 = 0 FC Pforzheim—Wacker München 4:2 = 1 Spvgg Fürth — FC 05 Schweinf. 2:0 “ 1

Bayern

0 — 1-1 — 1-I—2-1 —2—l — 0 —0 —1 —

Württemberg-Baden

0-1-1-1-1-1- 2 - 2 - 1 - 0 - 0 - 2 -

Rheinland-Pfalz

1 - 1 - ausgefallen - 1 - 0 - 2 - ausgefallen -2-1-1-2- ausg. - ausg. - ausg. -

Nord-Block

2-2-2-0-1-1 - 1 - 1 - 2 - 1 - 1 -

West

1- 0 - ausgefallen -2- 2 -1 - ausgefallen -l-2-|-l-l-

Rux in der 5. Runde k.o.

B. Berlin. (Eigener Bericht.) Die Stimmen, die es als ein zu großes Wagnis bezeichneten. die junge deutsche Schwergewichtshoffnung Conny Rux jetzt schon gegen einen Mann der Weltklasse, den amerikanischen Neger „Tiger“ Jones, in den Ring zu stellen, haben recht behalten.

Der um zwölf Pfund leichtere und weit weniger routinierte Rux ist in der fünften Runde entscheidend besiegt worden. „Tiger“ Jones machte seinem Beinamen alle Ehre. Blitzartig und ungewöhnlich hart kamen seine Haken und Schwinger. Rux wurde schon in der ersten Runde durch einen Aufwärtshaken bis „acht“ zu Boden gebracht und in der Folge im Gesicht schwer gezeichnet. Nach der ersten Runde hielt er sich unter dem Beifall der 20 000 Zuschauer außerordentlich tapfer, mußte aber noch wiederholt zu Boden und wurde in der fünften Runde endgültig geschlagen.

Im Norden keine Ueberaschungen

Hamburg. (F. A. Z.) Die Norddeutsche Oberliga wollte ihre neue Serie bereits am Samstag mit dem Treffen Concordia gegen St. Pauli starten, aber ein anhaltender Landregen ließ es dem Schiedsrichter ratsam erscheinen, das Spiel auf dem frisch eingesäten Platz überhaupt nicht anzupfeifen. Die am Sonntag ausgetragenen Spiele endeten ohne Ueberraschungen. So setzte sich der Hamburger SV beim Bremer SV 2:1 durch und Werder Bremen holte beim Neuling Itzehoe einen klaren 5:2-Sieg. Auch für die übrigen Neulinge gab es nichts zu gewinnen, Altona 93 unterlag ebenfalls 2:5 gegen Arminia Hannover. Das 2:2 der Braunschweiger Eintracht bei Bremerhaven 93 kommt etwas unerwartet. Eimsbüttel bezwang Holstein Kiel 3:1 und der VfL Osnabrück fertigte Göttingen 05 deutlich mit 4:1 ab.

Die Ergebnisse: Concordia Hamburg— St. Pauli ausgefallen, Altona 93—Arminia Hannover 2:5, SV Itzehoe—Werder Bremen 2:5, Bremer SV—Hamburger SV 1:2, Bremerhaven 93—Eintracht Braunschweig 2:2, Eimsbüttel—Holstein Kiel 3:1, VfL Osnabrück—Göttingen 4:1.


Das war der Sieg! Die Darmstädter reißen die Hände hoch. Herwig bezwang Jockel zum fünften Male.
Das war der Sieg! Die Darmstädter reißen die Hände hoch. Herwig bezwang Jockel zum fünften Male.

Die ersten „DT-Schlachtenbummler“

Wir veröffentlichen heute die ersten drei Gewinner, die am kommenden Sonntag mit dem SV 98 nach Darmstadt fahren: 1. Gewinner Heinrich Spatz, Darmstadt, Alicenstraße 37. Er erhält eine Sonntagsrückfahrkarte nach Reutlingen, Tribünenplatz und 5 DM Verpflegungsgeld. 2. Gewinner ist Ludwig Schröer, Eberstadt, Heidelberger Straße 86. 3. Gewinner Erich Hinze, Darmstadt, Sandbergstraße 27. •

Die Gewinner werden gebeten, am kommenden Freitag ihre Gewinne in der Sportredaktion des „Darmstädter Tagblatts“ abzuholen.

Glanzvoller Oberligastart der Lilien

VfR Mannheim nach großem Spiel 5:4 geschlagen / Neuer Zuschauerrekord / Herwig (2), Becker II., Leichtlein und Mühlfbach die Torschützen

Der Oberliganeuling SV Darmstadt 98 hatte einen prächtigen Start und konnte mit seiner jungen, aufstrebenden Elf den routinierten deutschen Ex-Meister VfR Mannheim in einem begeisternden und spannungsgeladenen Spiel verdient schlagen.

SV 98 Darmstadt: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Reeg, Becker 11, Bohmann, Mühlbach, Herwig.

VfR Mannheim: Jöckel; Senk, Rößling; Maier, Keuerleber, Müller; Danner, Langlotz, Löttke, de la Vigne, Bolleyer.

Schiedsrichter: Meißner, Nürnberg/Fürth.

Zuschauer: 18 000.

Da muß zu allererst gesagt werden: die Unbeschwingtheit, mit der die Lilienelf in diesen Kampf gegen eine hartgesottene Mannschaft gleich bei ihrem ersten Spiel in der süddeutschen höchsten Fußballklasse angetreten ist, hat ihr zum Sieg verholten. Wir wollen gar nicht wissen, ob die Mannheimer die Punkte schon vor dem Treffen in der Tasche hatten, ob sie allzu siegesgewiß aufs Spielfeld kamen für uns gilt nur das, was von jetzt Sonntag für Sonntag in der Tabelle steht. Und heute heißt es eben in der eingespielten Zahlenfolge:

Darmstadt 98 1 5:4 2:0

VfR Mannheim 1 4:5 0:2

Es klingelte schon unmittelbar nach dem Mannheimer Anstoß bei Jöckel. Und damit hatten die 98er einen überraschend guten Start, der ihnen zeigte, daß auch gegen die Männer mit dem großen Namen allerhand zu erreichen ist. Das gab Schwung. Und so, wie Reeg mit dem Ball an seiner Außenlinie zielstrebig und auftragsbewußt absauste, so wie Herwig seine abgezirkelte Flanke ins Mannheimer Netz pfefferte, spielt eine Mannschaft, die ohne Lampenfieber ins Treffen geht. Sicher gab es im Laufe der 90 Minuten Fehlschläge und Schnitzer — hüben und drüben — aber am stärksten nach dieser Seite muß diesmal Dr. Barth belastet werden, der bei den flachen Bällen das Zipperlein in den Fingern hatte. Den von Bolleyer nach Behinderung durch Leichtlein von der rechten Strafraumecke abgetrudelten Ball hätte er krallen müssen . . ~ dem aus einem Weitschuß aus 30 Metern kommenden Leder, das ihm an der rechten unteren Torecke (allerdings mit viel Effekt) durch die Hände und dann auf-der Torlinie schlitterte, hätte er sich uribedingt nachwerfen müssen, ehe der in Stellung gelaufene Langlotz zum 3:4 einschießen konnte. Die Darmstädter Verteidigung dagegen ließ sich besser an, auch im Vergleich zu diesem Mannheimer Mannschaftsteil, der während des ganzen Spieles nicht zu dem Riegel wurde, der letztlich gelöst werden muß, wenn das Tor offen stehen soll. Abt war hier — zumindest längere Zeit — wendiger als sein Partner, kraftvoller im Angehen und vor allem durch seine hoch aus der Luft genommenen Kopfbälle erfolgreicher. Schließlich aber hat sich Leichtlein doch gut warmgespielt und besonders in der zweiten Halbzeit den Mannheimern oft das Konzept verdorben. Die Läuferreihe hatte gegen das Innentrio der Gäste mit Löttke, Langlotz und dem überall aufkreuzenden, beidfüßig schußbegabten de la Vigne wohl die schwerste Aufgabe dieses Spiels. Sie hat sie mit der Geschicklichkeit erfüllt, die notwendig war, um x-fach die Durchreißer beizeiten abzufangen. Zeitweise konnte sich Herder etwas in den Vordergrund schieben. Die Fünferreihe der Darmstädter war zwar kein Wirbelsturm, der über alles hinwegbraust, aber die Flügelleute haben oft wie Zangenbacken zugegriffen und nach flotten Linienläufen den Innensturm mit brauchbaren Flanken reichlich bedient. Das größte Pensum mußte zwar die rechte Seite erledigen, dafür aber tauchte Herwig vielfach äußerst gefährlich bei Jöckel auf.

Im Gästetor stand ein Mann, der sich wohl gut aufs Fausten versteht (Eckbälle), der aber in anderen Fällen bei kopfballfreudigeren Stürmern, wie es die Darmstädter sind, nicht immer wird rettend eingreifen können. Senk und Rößling sind zwei stämmige Verteidiger; deshalb müßten sie eigentlich öfter die Gefahr vom Tor fernhalten, wie sie es gestern getan haben. Mit Keuerleber als Mittelläufer, der ein äußerst geschickter Querspieler ist, konnten sich Maier und Müller schon manchen Ausflug nach vorne erlauben, wo sie aber nicht sonderlich auffielen. Langlotz-Löttke-de la Vigne treiben gewiß meist den Keil bis in den gegnerischen Straf- oder gar Torraum vor, aber nicht alle ihre „Küsse geben Flecke“, wenn auch de la Vigne immer noch mit höchster Vorsicht zu genießen ist und man ihn allemal scharf im Auge behalten muß. Er schießt unvermutet und erbarmungslos, wo immer sich Gelegenheit dazu bietet. Bolleyer und Danner auf den Außenposten kommen da nicht immer mit, wenngleich jener auch „seine Mucken“ hat.

Spielverlauf :

Mannheims Anstoß wird von der linken Deckungsseite der Darmstädter abgefangen, ein weiter Querschuß übers Feld kommt von Becker II Reeg wie serviert vor die Stiefel, sein gradliniger ungestörter Lauf wird zur Flanke nach halblinks, wo Herwig im richtigen Augenblick aufkreuzt und 1:0 steht die Partie vor Ablauf der 1. Minute. Der Eckball Bolleyers wird zu einem Weitschuß Maiers in die linke untere Darmstädter Torecke, doch Dr. Barth greift das Leder. Flanken von Reeg und Herwig finden nicht die gedachte und mögliche Verwendung, aber auch die Schüsse von Langlotz und Bolleyer bleiben in der Verteidigung der 98er hängen. In der 11. Minute hindert Leichtlein den auf halblinks gelaufenen Mannheimer Linksaußen am saftigen Torschuß, doch der in die rechte untere Ecke rollende Ball wird von Dr. Barth im Liegen nur abgebremst, hat aber noch so viel Kraft, daß er zum Ausgleich ins Netz geht. In dieser ersten Viertelstunde starten die Mannheimer etwas schneller, der Ball hat wenig Leerlauf, Darmstadts Angriffe werden zu zwei Eckbällen, die zwar dicht vors Mannheimer Tor kohamen, aber am Pfosten abprallen oder an der Latte entlang streifen. Herwigs von Senk, verursachter Strafstoß faustet Jöckel ins Feld zurück. Da machte Mühlbach, dem Senk entgegenläuft, einen Schritt zuviel, anstatt zu schießen, und so geht eine Gefahr für Mannheims Torhüter glücklich vorüber. Damit war die 28. Minute gekommen, die die Lilien gleich zwei Tore in Rückstand brachte. Zunächst gibt de la Vigne an Langlotz ob, der einknallt, und noch im Laufe der nämlichen 60 Sekunden erhöht er selbst auf 1:3. Drei Minuten später stoppt Leichtlein einen Durchlauf Langlotz’, gibt weit vor zu Herwig, der Bekker II in guter Schußposition sieht, ihm abgibt und es heißt 2:3. Nun folgen schöne Angriffe der Darmstädter, die alle über Reeg gehen, dessen Schuß nach einer zwischendurch .abgewehrten Mannheimer Ecke in den Armen Jöckels landet. Drei Minuten vor Halbzeit kann Dr. Barth im Liegen ein Gedränge klären, ein Strafstoß Beckers kommt nur bis zu Mühlbach; Keuerleber kann klären. Bis zur Pause spielen die Mannheimer gelegentlich eine leichte Feldüberlegenheit heraus, doch schafft sich Darmstadt immer wieder Luft, so daß die 1. Halbzeit völlig offen verläuft.

Den Darmstadt-Anstoß nach dem Wechsel machte Keuerleber zunichte. Bohmanns Ecke wird weggefaustet, Leichtlein fängt den daraus eingeleiteten Mannheimer Gegenangriff ab. In der 50. Minute säbelt Rößling — weit und breit ist kein Ball zu sehen — Reeg um: der Schiedsrichter weist ihn nach Befragung des Linienrichters vom Feld. Zwei Min. wigs von Mühlbach mit dem Kopf an den Torpfosten Jöckels, aber er kann dem Ball nicht die richtige Direktion geben und schiebt ihn am Tor vorbei. Das Spieltempo nimmt zu, einen Strafstoß für Darmstadt gibt Bohmann zu den aufgerückten Leichtlein, der den Ball aufnimmt und ausgleicht. Dieser Erfolg bringt noch mehr Schwung ins Spiel, Darmstadt kommt zu offensichtlicher und so starker Feldüberlegenheit, daß mit Ausnahme von Danner, Löttke und de la Vigne alle Mannheimer in der Verteidigung stehen. Die 63. Minute bringt dann den eingangs erwähnten vermeidbaren Torerfolg von Langlotz. Zwei Minuten später läßt Reeg den Mannheimer Hüter, der den Ball mit beiden Händen trägt, auflaufen, Jöckel kommt zu Fall — Schiedsrichter Meißner weist Reeg — nach unserer Auffassung eine zu harte Entscheidung — vom Platz. Bis zur 75. Minute scheint es, als ob die Darmstädter Kräfte verbraucht seien; die Mannheimer nisten sich, wenn auch nicht allzu gefahrdrohend in der Hessenhälfte ein. Aber als in der 78. Minute ein Weitschuß Herwig von Mühlbach mit dem Kopf in den zum Zugreifen bereitstehenden Jöckel vorbei zum 4:4 eingelenkt wird, steuern die Darmstädter mit neuer Kraft auf einen neuen Torerfolg zu. Er gelingt ihnen drei Minuten später durch Herwig, der damit den Siegestreffer erzielt. Mit zehn Mann versuchen die Gäste, doch noch wenigstens einen Punkt zu retten — mit zehn Mann verteidigt der Sportverein seinen wohlverdienten Doppelgewinn, der ihm wahrlich nicht leicht gemacht wurde, und der deshalb auch doppelt ehrlich verdient ist. (RG)

Die Reserven der beiden Vereine trennten sich unentschieden 4:4.


Das erste Oberliga-Tor des SV 98. Der Mannheimer Torwart muß den Ball schon vor Ablauf der ersten Minute zum ersten Male aus dem Tor holen.
Das erste Oberliga-Tor des SV 98. Der Mannheimer Torwart muß den Ball schon vor Ablauf der ersten Minute zum ersten Male aus dem Tor holen.

Fesselnde Szene vor dem Mannheimer Tor. Jöckel klärt vor dem Darmstädter Rechtsaußen Reeg. Von links nach rechts: Reeg, Jöckel, Rößling, Mühlbach.
Fesselnde Szene vor dem Mannheimer Tor. Jöckel klärt vor dem Darmstädter Rechtsaußen Reeg. Von links nach rechts: Reeg, Jöckel, Rößling, Mühlbach.

Arheilgen war nicht wiederzuerkennen

TSV Straubing —SG Arheilgen 10:2 (7:0)

SS Arheilgen: Seibel; Becker, Wenchel; Müller, Kaut, Zöller; Dilfer, Kilian, Wendler, Kirchrath, Lieber.

IVI, IYII VIJ.I a iJJvvvXi TSV Straubing: Aumeier; Liebschwager, Boxleitner; Holzmann, Holzapfel, Hingsamer; Hamann, Ernst, Buhl, Ritter, Bründel.

Schiedsrichter: Rieger, Fellbach.

Die Hauptschuld an der Niederlage trugen wohl zwei überraschende Tore in der 20. und 21. Minute, worauf die Mannschaft völlig auseinanderfiel. Die Halbstürmer operierten zu weit vorn, so daß die Hintermannschaft einschließlich Tormann überlastet und nervös wurden. Einzelnen Vorstößen der Arheilger fehlte die Kraft zum Erfolg. Immer wieder konnte die eisenharte Straubinger Hintermannschaft klärend dazwischenfahren. So karrt es, wiö es kommen mußte: sieben Tore waren die Ausbeute des einheimischen Sturms. In der zweiten Halbzeit stellten die Gäste die Mannschaft etwas um. Lieber und Kirchrath wechselten die Plätze, ebenso Wenchel und Kilian. So wurde es etwas besser. Arheilgens Hintermannschaft hatte sich nun gefunden und ließ nur noch drei Tore zu, während einmal Lieber in der 18. und Kilian in der 37. Spielminute den gegnerischen Torhüter schlagen konnte.

Bei der Kritik ist zu berücksichtigen, daß die Spieler anscheinend durch die lange Anreise ermüdet waren. Nach über achtstündiger Bahnfahrt mußten sie sofort zum Spiel antreten. Seibel hatte bei weiten nicht seinen besten Tag. Wenchel spielte gegen einen schnellen Außenstürmer, während Becker mit dem Spiel zusehends besser wurde. Müller war zwar wie immer der Spielmächer, spielte aber zu ungenau ab. Mittelläufer Kaut erledigte ein großes Pensum. Auch Zöller hat schon wesentlich bessere Tage gesehen. Kilian und Kirchrath hingen besonders in der ersten Halbzeit zu weit vorn und waren daher unproduktiv. Wendler müß noch wesentlich schneller abspielen. Lieber und besonders Dilfer waren noch die besten.

Straubing stellte eine schnelle und harte Elf. Der beste Mannschaftsteil war der Sturm, der nicht lange zögerte und Schuß auf Schuß auf Seibels Heiligtum jagte.

Schiedsrichter Richter war bis auf einige zweifelhafte Abseitsentscheidungen (zwei Tore) gut. hewe

Starkenb. Heppenheim VfR Bürstadt 6:2

Nach dem großen Spiel, das Heppenheim gegen den VfL Neckarau ausgetragen hatte, war man auf das Abschneiden gegen Bürstadt gespannt. Gleich nach dem Anspiel bewiesen die Platzherren, daß sie sich viel vorgenommen hatten. Der Ball lief von Mann zu Mann und man erwartete eine Sensation. Bereits die ersten Minuten waren mit Torchancen förmlich gespickt, so daß die Spannung der zahlreichen Zuschauer auf den Höhepunkt stieg. Linksaußen Jäger war durchgebrochen, aber seine schön gestartete Flanke ging daneben. Im Gegenzug schickte Bürstadts Mittelläufer Katzenmaier seinen Sturm auf Reisen. Rauch im Heppenheimer Tor war bereits geschlagen, doch Barth war zur Stelle und rettete auf der Torlinie. Emig brachte aus der eigenen Hälfte den Ball nach vorn, Jäger gab nach rechts weiter, wo Groh wie der Wind nach halbrechts wechselte und den Ball entschlossen ins Netz knallte. Wenig später wat Groh nach guter Vorlage von Jäger wiederum das Glück hold und unter großem Jubel der Zuschauer wurde das 2:0 herausgeschossen. Im Gegenzug mußte sich Heppenheim ein Tor gefallen lassen, an dem der sonst, so gute Hüter Rauch nicht ganz schuldlos war. Nach dem Wechsel kam nach anfänglicher Überlegenheit der Gäste Heppenheim zu weiteren Toren. Kurz vor Abpfiff konnte Bürstadt durch Weber das Ergebnis durch einen placierten Kopfstoß etwas erträglicher gestalten. Heppenheim lieferte ein ausgezeichnetes Spiel und hatte in Barth, Katzenmaier, Groh und Jäger seine überragenden Kräfte.

Vierhunderttausend auf dem Nürburgring

Ascari (Italien) siegt im Hauptrennen und erhält das „Silberne Lorbeerblatt“ des Bundespräsidenten'

• ' Adenau. (Eigener Bericht.) Der Nürburgring in der Eifel hat am 20. August S er^^’ ^er den größten Vorkriegstagen nur in der Beziehung nachstand, daß diesmal in den Hauptentscheidungen die deutschen Wagen und Fahrer wenig miuusprechen hatten. Sonst aber hatte der Tag allen Glanz und den höchsten Gehalt aa Spannung. Rund 400 000 Menschen waren zum Ring gekommen, zu einem Teil schon am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag. Alle Verkehrswege waren verstopft, alle Unterkünfte besetzt. Ein Glück für die Massen und das Rennen war das schöne Sommerwetter. Es hat prächtigen Sport gegeben, auch im Hauptrennen, trotz der Ueberlegenheit, die hier Ascari und seine nächsten Konkurrenten zeigten. Ascari gewann das Rennen denn auch mit seinem Ferrari und erhielt aus der Hand des Bundespräsidenten als erster Ausländer das „Silberne Lorbeerblatt“.

Ohrenbetäubender Lärm dröhnte auf, als um 14.48 Uhr die Motoren aufheulten und das gewaltige Feld auf die lange Reise geschickt wurde. Der erste deutsche Nachkriegs-Grand-Prix auf dem Nürburgring war gestartet, und nach langen Jahren waren wieder erstmalig Ausländer auf dem Eifelkurs. Aus dem Rudel der Fahrzeuge lösten sich die knallroten Italiener heraus, und auf der Gegengeraden lag Serafini vor Ascari. Es folgten Bracco und Kurt Baum auf VW-Eigenbau. Auf dem „Flugplatz“ entspann sich ein Zweikampf zwischen den Italienern Ascari und Serafini, den bei Breidscheid der italienische Meisterfahrer Ascari für sich entscheiden konnte. Am Ende der ersten Runde lagen fünf Ausländer in Führung vor Karl Kling (Deutschland) auf Veritas.

Duell der Lateiner

Schon nach 30 km eröffneten die Simca-Gordini ähre Angriffe auf die führenden Italiener. Ascari lag bei seiner zweiten Durchfahrt am „Start und Ziel“ 20 Sek. vor Manzon, der Serafini überholt hatte. Als erster Deutscher lag Hermann Lang auf dem achten Platz. Hans Stuck fiel zurück, mußte an der Boxe halten, setzte aber seine Fahrt fort. Im Mittelfeld konnten sich die beiden Engländer Anderson und Macklin behaupten. Klings dreimalige Fahrtunterbrechung an der Boxe warf ihn weit zurück. Eine weitere Hiobsbotschaft traf die deutschen Zusch uer, als der Ausfall von Heimann Lang am Karussell in der dritten Runde gemeldet wurde. Der Schweizer Branca rutschte aus der Kurve, fuhr aber nach 40 Sekunden weiter. Im ersten Drittel hatte sich das Feld bis auf die Hälfte gelichtet. Rieß verlor auf der Strecke Benzin, so daß die deutschen Vertreter immer mehr zurückfielen und nicht mehr in den Zweikampf der Ferrari und Simca-Gordini eingreifen durften. Die letzten Hoffnungen der deutschen Fahrer im Kampf gegen die ausländischen Fabrikate ruhte nach vier Runden allein auf dem Freiburger Paul Pietsch. Nach einer weiteren Runde schied Rieß wegen Benzinpumpenschadens aus.

Stuck nahm fremde Hilfe

Rennleiter Neubauer mußte in der fünften Runde vor Stuck die schwarze Flagge zeigen, da er auf der Strecke fremde Hilfe in Anspruch genommen hatte und somit nicht mehr weiterfahren durfte. Die letzte deutsche Hoffnung, Paul Pietsch, setzte nun alles auf eine Karte, jagte in tollkühner Fahrweise hinter der Spitzengruppe her und arbeitete sich in bravourösem Fahrstil auf den fünften Platz vor. Ascari, im sicheren Gefühl seiner Ueberlegenheit. vergrößerte in gleichbleibender Geschwindigkeit seinen Vorsprung, lag in der sechsten Runde bereits 55 Sekunden vor seinem Verfolger Manzon und konnte den Franzosen Robert (Cisitalia) als ersten überrunden. Das schnelle Rennen und die pausenlosen Hetzjagden forderten weitere Opfer' Auch dqr Italiener Serafini hielt nach der sechsten Runde an der Boxe und stieg wegen Motorschadens aus. Hierdurch kam Pietsch auf den vierten Platz.

Ulmen und v. Brauchitsch

In der sechsten Runde war das Rennen auch für Paul Pietsch zu Ende. Alle ausgeschiedenen Fahrer hatten Motor- und Kupplungsdefekte. Überraschend gut hielt sich Toni Ulmen (Düsseldorf) auf dem ältesten Veritaswagen und Manfred von Brauchitsch auf AFM. Sie mischten in den letzten Runden, in guter Position liegend, noch kräftig mit, während von den insgesamt gestarteten 35 Fahrern nur noch etwa zehn im Rennen lagen. Eingangs der zwölften Runde hatte der führende Italiener seinen Vorsprung auf 150 Sekunden erweitert. Die Verfolgergruppe war weiterhin zusammengeschmolzen. Im sicheren Gefühl seines gewaltigen Vorsprungs minderte in der zwölften Runde der führende Ascari seine Geschwindigkeit, erzielte aber immerhin noch ein Mittel von knapp 125 km/st. Bis auf vier Fahrer konnte Ascari alle seine Konkurrenten überholen.

Ascaris Sieg

Mit über zwei Minuten Vorsprung vor den französischen - Gardini-Fahrern ging schließlich der Italiener Ascari mit seinem roten Ferrari-Wagen als Sieger durchs Ziel. Ascari legte die Strecke (364,960 km) in 2:55.00.8 Stunden zurück und erzielte damit ein Stundenmittel von 125 km. Zweiter wurde Rene Simon (Frankreich), Dritter Louis Trin- tignant (beide auf Sinca-Gordini) und Vierter der Düsseldorfer Toni Ulmen auf seinem alten Veritas-Wagen.

Sportwagen bis 1100 ccm (neun Runden — 203,5 km). 1. Robert Manzon (Frankreich) auf Simca-Gordini 1:53:31,0 Stunden — 108,4 kmst. 2. Elie Bayol (Frankrei) auf Deutsch-Bonnet 1:54:39,1 Stunden — 107,4 kmst. 3. Walter Gloeckler (Frankfurt) auf VW-Eigenbau 1:59:24,3 Stunden — 102,3 kmst.

Damit wurde Walter Gloeckler Deutscher Meister der 1100- ccm-Klasse.

Sportwagen bis 1500 ccm (neun Runden — 205,290 km). (Acht am Start, vier im Ziel.) 1. Louis Trintignant (Frankreich) Simca-Gordini 1:41.18.1 = 112,7 st/km. 2. Helmut Gloeckler (Frankfurt) Veritas 1:56.13.8 = 105,9 st/km. 3". Hans Schuler (Schweiz) Veritas 2:04.37.1 = 98,8 st/km. — Schnellste Runde Louis Trintignant (Frankreich) mit 12:02.8 — 113.7 st/km.

Sportwagen bis 2000 ccm (neun Runden — 205,3 km). 1. Fritz Rieß auf Veritas 1:52:18.0 Stunden — 109,6 kmst, 2. Günther Bechem auf BMW 1:53:17,3 Stunden — 108,7 kmst, 3. Kurt Adolff auf Veritas 1:54:56,0 Stunden — 107,1 kmstd. Die schnellste Runde fuhr Adolff mit 115,3 kmst. Mit seinem Sieg hat sich Fritz Rieß am Sonntag gleichzeitig den deutschen Meistertitel 1950 seiner Klasse gesichert.

Kleinstrennwagen, Formel 111 (bis 500 ccm), sechs Runden: 1. Walter Schlüter (Volbert) auf Monopoletta 1:19:21,2 Stunden — 103,5 km/st.; 2. Toni Kreuz (München) auf Cooper 1:19:21,4 Stunden — 103,5 km/st.; 3. Oskar Frank (Köln) auf Cooper 1:20:21,9 Stunden — 102,7 km/st.

Ergebnisse vom Heppenheimer Kreissportfest

Dreikampf-Meisterschaften in der Leichtathletik

Klasse H (Männer ab 43 Jahren): I. Emil Bender, TV Borxheim, 1898, 1025 P.

Klasse G (Männer 35—42 Jahre): 1. Willi Schneider, TG Biblis, 1617 P.; 2. Albert Feller, TV Heppenheim, 1615 P.; 3. Jakob Kissel, Turn- und Sportverein Hambach, 1611 P.

Klasse F (Weibliche Jugend B): 1. Ilse Krämer, TV 1883 Lampertheim, 1299 P.; 2. Erika Gociec, TV Borxheim, 1155 P.; 3. Elsbeth Müller, TSG Auerbach 1881, 1070 P.

Klasse E (Weibliche Jugend A): 1. Renate Teichmuth, TV Heppenheim, 1399 P.; 2. Annemarie Lühnsdorf, TV Auerbach, 1082 P.; 3. Eva Gumb, TV Bensheim, 1044 P.

Klasse D (Männliche Jugend B): 1. Werner Huba, VfR Bürstadt, 1140 P.; 2. Gg. Hölzel, TV 1897 Einhausen, 1067 P.; 3. Richard Knapp, TV Borxheim 1898, 1016 P. iri n _ T . J 1 nnrharl

Klasse C (Männliche Jugend A): 1. Herbert Bachert, TV 1883 Lampertheim. 1316 P.; 2. Walter Grünhag, TV Heppenheim, 1265 P.; 3. Ernst Gebhardt, TV 1891 Bürstadt, 1243 P.

Klasse A II (Rasensportler Junioren): 1. Nerwig Koch, Sportvereinigung Nieder-Liebersbach, 1187 P.; 2. Toni Schumacher, Sportvereinigung 1871 Lorsch, 1181 P.; 3. Willi Link, TV 1897 Einhausen, 1067 P.

Klasse A I (Rasensportler Aktive): 1. Walter Dorn, TV Heppenheim, 1422 P.; 2. Karl Gärtner, TV Heppenheim, 1240 P.; 3. Walter Nach, TV Heppenheim, 1176 P.

Klasse A (Aktive Männer): 1. Helmut Rupp, TV 1883 Lampertheim, 1716 P.; 2. Richard Jöst, Turngemeinschaft Jahn, Brösel, 1711 P.

Dreikampf-Ergebnisse Turnen

Klasse H (Altersturner 32—39 Jahre): 1. Philipp Klee, TV Heppenheim, 49 P.; 2. Philipp Koob, TV Heppenheim, 46,5 P.

Klasse J (Ältersturner 40—50 Jahre): 1. Adam Dörsaal, Sportverein Juhöhe, 49 P.; 2. Gg. Höbel, TV Heppenheim, 48 P.

Klasse K (Altersturner über 50 Jahre): 1. Jakob Schubert, TV Grundbach, 47,5 P.

Klasse G (Turnerinnen Jugend B): 1. Gundi Klemm, TSG Auerbach 1881, 74 P.; 2. Marianne Scharnke, TSG Auerbach, 72,8 P.

Klasse F (Turnerinnen Jugend A): 1. Anna Ploner, Sport- und Kulturgemeinde Rimbach, 70 P.; 2. Hanni Görling, Turnverein 1883 Lampertheim, 68,5 P.

Klasse E (Turnerinnen): 1. Sofie Zeig, TV Bensheim, 73,3.. P.; 2. Margot Schüler, TV Lampertheim, 72,5 P.

Klasse D (Turner Jugend B): 1. Fritz Jäger, TV Lorsch 1871, 67,5 P.; 2. Klaus Nock, Turngemeinde Biblis, 67,5 P.

Klasse C (Turner Jugend A): 1. Paul Schmitzer, Turnverein Biblis, 68,5 P.; 2. Hans Helmut Werner, Turnvereinigung 1871 Lorsch, 68 P.

Klasse B (Unterstufe): 1. Paul Held, TV Heppenheim, 66 P.; 2. Richard Franken, TV Heppenheim, 65 P.

Klasse A (Turner Oberstufe): 1. Edi Wiedemann, TV Bürstadt, 85,5 P.; 2. Hugo Weinhold, TV Bensheim, 81 P.

100-Meter-Lauf, Kl. A (Aktive Männer): 1. Helmut Rupp, TV 1883 Lampertheim, 11,6 Sek.; 2. Richard Jöst, TG Jahn, Brösel, 11,7 Sek.

1000-Meter-Lauf, Kl. D (Männliche Jugend A): 1. G. Keitel, TV 1871 Lorsch, 3.12,6 Min.; 2. R. Klee, SC Starkenburgia Heppenheim, 3.12,7 Min.

Kugelstoßen (Kl. A Männer): 1. Volker Hoerdt, TV Bensheim, 10,74 Meter; 2. Sepp Lenk, Sportverein Mörlenbach, 10,71 Meter.

400-Meter-Lauf (Kl. A, Aktive Männer): 1. Wolfgang Ristock, TV Heppenheim, 55,1 Sek.; 2. E. PfeiferJ TSG Hambach, 55,7 Sek.

100-Meter-Lauf, männliche Jugend: 1. Ernst Konzac, SC 07 Bensheim, 12,7 Sek.; 2. Hans Kerchner, TV Heppenheim, 12,8 Sek.

Weitsprung, Kl. C (Männliche Jugend A): 1. Toni Schumacher, TV Lorsch, 5,15 Meter; 2. Richard Nee, SC Starkenburgia Heppenheim, 4,38 Meter.

Kugelstoßen, Kl. D (Männliche Jugend A): 1. Toni Schumacher, TV Lorsch, 9,99 Meter; 2. W. Knecht, Kultur- und Sportgemeinde Mitlechtern, 9,63 Meter.

Hochsprung, Kl. A (Aktive Männer): 1. Richard Jöst, TG Jahn, Brösel, 1,71 Meter; 2. Georg Knapp, Kultur- und Sportgemeinde Crumbach, 1,61 Meter.

1500-Meter-Lauf, Klasse A: 1. E. Rösch, VfR Bürstadt, 4,44 Min., 2. H. Röder. TV 1871 Lorsch, 4,45 Min.

Weitsprung, Klasse A: 1. Richard Jöst, TG Jahn, Brösel, 6,27 Meter; 2. H. Rupp, TV 83 Lampertheim, 6,18 Meter.

CI 1 ‘ 1 - * • 4- mal-100-Meter-Staffel, Klasse A (Aktive Männer): 1. Turnverein Heppenheim 46,8 Sek.

Stabhochsprung, Kl. A (Aktive Männer): 1. Willi Klotz, TV 83 Lampertheim, 2,86 Meter.

Köttger Sieger des,, Goldenen Rades“

Brunner (VCD Darmstadt) auf dem 2. Platz

Der Velociped - Club 1899 Darmstadt führte am Samstag auf seiner Rennbahn ein gut besetztes Steher- und Amateur-Rennen durch. Die kühle Witterung hatte viele Zuschauer abgehalten und so mögen es etwa 1000 Besucher gewesen sein, die ihr Kommen nicht bereuen mußten.

Im( ersten Rennen „Preis der Jugend“, einem Ausscheidungsfahren bis zum letzten Mann, belegte Hanno Seifert (VC Darmstadt) den 1. Platz vor Sucher (Sturmvogel Wiesbaden) und Dold (Frankfurt). Nester (VC Darmstadt) mußte bereits in der 2. Runde aussichtsreich im Rennen liegend wegen Reifenschaden aufgeben.

Das zweite Rennen „Preis vom Odenwald“, in dem erstmals die Steher an den Start gingen, wurde über 10 km (25 Runden) gefahren. Der Bahnmatador Willi Brunner, der bei der Startfolge den ersten Platz einnahm, konnte dieses Rennen souverän nach Hause fahren. Knapp 5 m dahinter folgte Böttgen vor Schöpflin, Weiß und Gilsdorf.

Im Fliegerhauptfahren für Amateure wurden drei Vorläufe ausgetragen. Der favorisierte Holzmann, der gemeinsam mit Intra deutscher Jugendmeister im Paarfahren ist, konnte, sich nicht für den Endlauf placieren und schied vorzeitig aus. Intra, der z. Z. in der Schweiz weilt, war nicht am Start. So wurde dieses Rennen eine klare Sache von Moos (Sossenheim), der auf den letzten Metern Klehr (Ludwigshafen) abschütteln konnte. Den 3. Platz belegte Müller (Frankfurt). Sodann kam der mit Spannung erwartete erste Lauf um das Goldene Rad von Darmstadt. Der erste Lauf ging über 20 km (50 Runden). In der Reihenfolge Weiß (Iggelheim), Gilsdorf (Mainz), Schöpf Lin (Berlin), Brunner (Darmstadt) und Böttgen (Frankfurt) gingen die Steher an den Start. Die ersten Runden fuhren die Fahrer verhalten. In der 10. Min. hatte Schöpflin eine Reifenpanne, stieg atjer wieder ein. Während des ersten Laufes wechselte die Führung ständig. In der 35. Runde setzte sich Schöpflin an die Spitze und konnte diesen ersten Lauf mit 8 m Vorsprung vor Brunner siegreich beenden.

Das 5. Rennen „Punktefahren“ für Amateure hatte ein starkes Teilnehmerfeld. Jede 5. Runde wurde gewertet. Das Rennen sah in Klehr (Ludwigshafen) den Sieger, der die meisten Wertungen erzielen konnte und mächtige Spurts hinlegte. Auf dem 2. Platz landete Scherer (Frankfurt) vor Müller (Sossenheim), Weber (VC Darmstadt) und-Röper (Bremen).

Ein Malfahren der Jugend, das in das Programm eingelegt wurde, da Nester vorher Reifenschaden hatte, sah schließlich Nester im Endspurt vor Seifert erfolgreich.

Ereignis aller Rennen war nun zum Abschluß der 2. Lauf um das Goldene Rad von Darmstadt, der über 30 km (75 Runden) ging. Bei der Startfolge sah man Böttgen auf dem ersten Platz. Selten hat ein Fahrer so imponiert wie diesmal der junge Frankfurter, der vom Start weg die Führung bis zum Schluß nicht abgab. In seinem Vater hatte er einen sehr guten Schrittmacher. Alle Versuche Brunners, Böttgen während den 75 Runden einzuholen, scheiterten. Böttgen war an diesem Tage der Fahrer, der in die Herzen der Zuschauer fuhr. Im gleichmäßigen Stil konnte er alle Angriffsversuche abschütteln. Er hatte die nötige Kraft, den in den ersten Runden herausgeholten Vorsprung erfolgreich zu verteidigen. Einen Fahrer wie Schöpflin konnte er zweimal überrunden. Die Zuschauer, die allgemein auf Grund des ersten Vorlaufes mit einem Zweikampf Brunner—-Schöpflin rechneten, wurden eines Besseren belehrt. Brunner war der einzige, der nicht überrundet wurde. Bei diesem Rennen muß aber noch ein Mann erwähnt werden: Gilsdorf, der ein großes Rennen fuhr. Er mußte fast die gesamte Strecke ohne Mithilfe seines Schrittmachers fahren, der nicht mit ihm übereinstimmte. Er zeigte, daß er über die nötigen Kraftreserven verfügt. Sein Stil war der eines Dauerfahrers, der, wenn er den richtigen Schrittmacher gefunden hat, durchaus zu beachten ist. Nachdem Brunner, der in den letzten beiden Runden nochmals mächtig aufdrehte, Böttgen nicht mehr einholen konnte, war er sichtlich depremiert. Unsportlich sein Verhalten, daß er am Schluß mit Böttgen die Ehrenrunde nicht mehr fuhr. Die mit einer Nummer versehenen Programme waren bald ausverkauft. Grund: Es gab ein Fahrrad. Das Los zoig Schöpflin, und glücklicher Gewinner wurde Herr Ruch (Traisa), der auch eine Ehrenrunde fahren durfte.

Das Rennen, das mit zu den schönsten des VC Darmstadt gehörte, hätte einen besseren Besuch verdient gehabt. Ohne jeglichen Sturz wurden die Rennen gut organisiert zu Ende geführt.

Die einzelnen Sieger lauteten:

Goldenes Rad von Darmstadt (Endstand): 1. Böttgen, 2. Brunner 130 m zurück, 3. Schöpflin 830 m zurück, 4. Gilsdorf 860 m zurück, 5. Weiß 2199 m zurück.

Preis vom Odenwald: 1. Brunner, in 12.47 Min. vor Böttgen 5 m zurück, Schöpflin 60 m zurück, Weiß 190 m zurück und Gilsdorf 200 m zurück.

Fliegerhauptfahren für Amateure: 1. Moos (Sossenheim), der die letzten 200 m in 14 Sekunden fuhr, vor Klehr (Ludwigshafen), Müller (Frankfurt) und Bartstübner.

Punktefahren für Amateure: 1. Klehr (Ludwigshafen), 2. Scherer (Frankfurt), 3. Müller (Sossenheim), 4. Weber (VC Darmstadt).

Preis der Jugend: 1. Seifert (VC Darmstadt) vor Sucher (Wiesbaden), Dold (Frankfurt) und Otto (Wiesbaden).

Malfahren der Jugend (Einlagerennen):

1. Nester (Darmstadt) vor seinem Klubkameraden Seifert. -eri-

Ketteler zuerst in Waldshut

Vo. Waldshut. (Eigener Bericht.) Die zweite Schwarzwaldetappe der Deutschlandrundfahrt, zu der am Sonntagvormittag 46 Teilnehmer in Karlsruhe gestartet waren, brachte bei Hochsommerwetter die Überraschungen, die man von dieser Bergetappe erwartet hatte. Zunächst bummelte das Feld durch die Rheinebene von Karlsruhe bis Freiburg, während eine Spitze von 4 Fahrern, die gleich hinter Karlsruhe davongezogen waren, bestehend aus dem Belgier Ketteleer, Saager, Kiewski und Weckerling, bereits bei der Verpflegungskontrolle in Freiburg siebzehn Minuten Vorsprung hatte. Nun kam der große Kampf in den Schwarzwaldbergen, und zwar gleich in doppelter Auflage. Zunächst einmal der Aufstieg auf der Schauinsland - Rennstrecke hinauf zum Schauinsland und nach einer Abfahrt im 60- bis B (hKilometer - Tempo ins Wiesental wiederum hinauf von Todtnau zum Feldberg. Beide Bergwertungen, sowohl auf dem Schauinsland wie auf dem Feldberg, wurden von dem Belgier Ketteleer in einer verblüffenden Form gewonnen. Bei der Abfahrt vom „Notschrei“ hinunter nach Todtnau stürzte der Holländer Pellenaers so schwer, daß er bewußtlos liegen blieb. Pellenaers fuhr auf einen auf der Abfahrtsstrecke heraufkommenden ausländischen Wagen, wobei er so schwere Verletzungen davontrug, daß er ins Krankenhaus nach Todtnau gebracht werden mußte.

Der Belgier Ketteleer, der beide Bergwertungen gewonnen hatte, kam auch ganz allein mit einem Vorsprung von sechseinhalb Minuten in 7:08 Stunden in Waldshut an, von tausenden von Zuschauern in dem festlich beflaggten Städtchen begeistert begrüßt. Der Chemnitzer Schild, der auf fünf Etappen das weiße Trikot getragen hatte, verlor in den Bergen sehr viel Zeit und traf erst an 24. Stelle ein, während Pfannenmüller ein glänzendes Rennen gefahren hatte und den Rückstand gegen Schild aufgeholt hatte. Er wird auf der 9. Etappe am Dienstag das weiße Trikot tragen.

Ergebnis der Etappe Karlsruhe—Walds¬ hut: 1. Ketteleer (Belgien) 7:08, 2. Wekkerling (Kuhnert) 7:14,24, 3. Harry Saager (Bad Reichenhall) 7:14,24710, 4. Heinz Müller (Schwenningen) 7:16,58, 5. Siefert (Dortmund) 7:16,581/io, 6. Deledda (Frankreich) 7:16,582/io.

Rollschuh-Revue hinterm Orphenm

Irmar Fischlein, Marga Schäfer und Lothar Müller bezaubern mit der Frankfurter Tanzgruppe

In einem bunten und vielseitigen Programm hatte der RSC Darmstadt aus Anlaß seines zweijährigen Bestehens den Frankfurter Roll- und Eissport-Club verpflichtet, der mit einer Revue vor die Oeffentlichkeit trat. In einem mehrstündigen Programm, einer Operette ähnelnd, tanzten die Läuferinnen und Läufer des FREC Frankfurt und mußten stets Zugaben für ihre gelungenen Läufe geben. Die Revue hatte ihre Anziehungskraft nicht verfehlt, und so waren es wieder mehr als 2000 Zuschauer, die von den gezeigten Leistungen restlos zufrieden waren.

Zu Beginn der Veranstaltung bekam die Meistermannschaft des RSC im Rollhockey für ihre Hessenmeisterschaft die Glückwünsche des Verbandes überbracht. Unter den zahlreichen Ehrengästen waren u. a. auch Stadtrat Reiber erschienen.

Die Tanzgruppe des FREG eröffnete mit dem gesamten Ensemble den feigen. Die Revue, die unter dem Motto „Eine Reise durch die Welt“ gestartet wurde, begann in Deutschlnad mit einem Schneeflockenwalzer, getanzt von Ute Kitz. Eine „Gavotte“, die Steffi Hofmann und Herbert Beyer (deutscher Jugendmeister und Hessenmeister) vorführten, versetzte uns um einige Jahrzehnte zurück^ Beschwingt und elegant erschien sodann Marga Schäfer in einem Foxtrott. Marga Schäfer, die tänzerisch kaum zu überbieten ist, mußte mehrere Zugaben geben. Anschließend lief Irma Fischlein, unsere Europameisterin, mit Lothar Müller einen Paarlauf. Obwohl diese beiden im Paarlauf nicht mehr starten, zeigten sie doch improvisiert, daß ihr Lauf immer noch hohe Klasse ist.

Die eigentliche Reise begann in Holland. Ein holländischer Tanz, gelaufen von Charlotte Meyer und Lotti Gellert, gefiel allgemein. Weiter ging es nach Ungarn, wo unter der Melodie „Maske in Blau“ schwungvoll die Beine flogen. Dann wurde die Reise über das Meer angetreten. Ein chinesischer Hochzeitstanz verkörperte die dortigen Sitten. Wiederum ein etwas weiter Sprung hinüber nach Argentinien. Ein argentinischer Tango von Charlotte Meyer sowie ein Tanz von Irma Fischlein brachten uns nach Hawai, wo Marga Schäfer mit der Tanzgruppe wunderbar gefiel.

Die Pause wurde ausgefüllt von einer Clown-Einlage sowie mit einem Boogie-Woogie ohne Rollschuhe, der lebhaften Applaus erhielt.

Texas servierte uns eine Cowboy-Gruppe mit unterhaltenden Weisen, der Colt durfte natürlich nicht fehlen.

Nicht zu vergessen seien Marika Kilius und Franz Ningl, die bereits vorher in einem Tanz zu gefallen wußten. Diese beiden werden bestimmt noch weiter von sich hören lassen. Karin Weber gefiel in einem Samba, und als am Schluß der Veranstaltung das gesamte Ensemble mit Marga Schäfer, Irma Fischlein und Lothar Müller nochmals gemeinsam die Beine drehten, wollte der Beifall nicht enden. Insgesamt 36 Läuferinnen und Läufer gaben ein imposantes Bild, das in seiner Art und Abwicklung außerordentlich gefiel. -eri-

Bezirksmeisterschaften der Schwimmer

TSG 46, DSW 12 und SC Reinheim am erfolgreichsten

Bei herrlichem Schwimmwetter brachte der Bezirk Süd des Hessischen Schwimmverbandes im Woog seine Meisterschaften zur Durchführung, die sehr flott abgewinkelt wurden und schöne Kämpfe brachten.

In den Herren- und Damen Wettbewerben dominierte die TSG 46 Darmstadt auf der ganzen Linie, während bei der Jugend SC Reinheim und DSW 12 Darmstadt die meisten Erfolge errangen.

Im Wasserballspiel der A-Klasse unterlag die tapfer kämpfende Mannschaft des SKV 79 Mörfelden der TSG 46 Darmstadt 11. nach fairem Spiel 10:1.

Besonders hervorzuheben ist die Leistung des Knab an schwimmens Köhler, DSW 12, der die 50 Meter Kraul in 32,5 Sek. überlegen gewann und als großes Schwimmertalent anzusprechen ist.

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Herrenkraulstaffel 4XIOO m; 1. TSG 46 Darmstadt 5:00.

Knabenbrust 50 m, Gruppe A: 1. Gunder, DSW 12, 50,2. — Gruppe B: 1. Buchert, TSG 46 Darmstadt, 44,3.

Herrenrücken 100 m: 1. Karn, TSG 46 Darmstadt, 1:23,8.

Damenbrust 100 m, Kl. 1: 1. Vetter, TSG 46 Darmstadt, 1:44,1

Mädchenbrust 50 m, Gruppe A: 1. Schiefer¬ decker, DSW 12, 49,4. — Gruppe B: 1. Borsdorf, SC Reinheim, 45,2

Herrenbrust 100 m, Kl. 2: 1. Bertg, TSG 46 Darmstadt, 1:26,4. — Kl. 3: 1. Uirick, KSV 79 Mörfelden, 1:43,8.

IJerrenbruststaffel 4XIOO m, Kl. 2: 1. TSG 46 Darmstadt, 6:11,1. — Kl. 3: 1. TSV Pfungstadt 7:32,5.

100 m Brust, männl. Jugend, Gruppe A: 1. Billerbeck, SC Reinheim, 1:32,2. — Gruppe B: 1. Germann, SC Rednheim, 1:30,3.

Knabenbruststaffel 4X50 m: 1. TSG 46 Darmstadt, 3:11,1.

Herrenbrust 200 m, Kl. 2: 1. Berg, TSG 46 Darmstadt, 3:07,2.

Damenkraul 100 m: 1. Roßkopf, TSG 46 Darmstadt, 1:31,4.

100 m Kraul, männl. Jugend, Gruppe A: 1. Köhler, DSW 12, 1516,6. — Gruppe B: 1. Germann, SC Reinheim, 1:19,3.

100 m Brust, weibl. Jugend, Gruppe A: 1. Böcker, TG 75, 1:44. — Gruppe B: 1. Saul, SC Reinheim, 1:53,8.

Herrenkraul 100 m: 1. Karn, TSG Darmstadt, 1:10,4.

Mädchcnbruststaffel 4X50 m: 1. SC Reinheim 3:19,1.

Knabenkraul 50 m, Gr. A: 1. Gründer, DSW 12, in 38,9. — Gruppe B: 1. Köhler, DSW 12, in 32,5.

Herrenlagenstaffel 3XIOO m, Klasse 2: 1. TSG 46 Darmstadt 4:15,9. — Klasse 3: 1. TSG 46 Darmstadt 4:25,3.

Wasserball: TSG 46 II—SKV 79 Mörfelden 10:1 (5:0). -te

Handball

TG 75—Grün-Weiß Frankfurt 12:20

Auftakt zu dem Sommernachtsfest bildete das Handballtreffen gegen Grün-Weiß Frankfurt. Mit dieser Elf stellte sich eine Mannschaft vor, die auf allen Plätzen gut besetzt, außerdem schnell und wendig und schußfreudig war. Während die erste Halbzeit vorwiegend den Gästen gehörte, denn die Platzelf, die mit Merz, Lehning und Nemec von 98 verstärkt war, konnte sich nicht recht finden, sah man dafür in der zweiten Spielhälfte ein mehr produktives Spiel. Gegen die Tore konnte der zum ersten Male in der Mannschaft spielende Ripper nichts machen, denn der Gästesturm verstand es ausgezeichnet, sich vor dem Tor durchzusetzen und die Verteidigung auszuspielen. Ein schönes Spiel, ebenso nett das anschließende kameradschaftliche Zusammensein, kof.

TSV Heppenheim—TSV Birkenau 9:21

Birkenau trat mit kompletter Läuferreihe an und absolvierte ein reines Lehrspiel. Trotz der eindeutigen Ueberlegenheit konnte die Leistung der Hintermannschaft nicht voll überzeugen. Man vermißte das knappe Decken und gab daher der gegnerischen Fünferreihe Raum zur Entfaltung. Auch Bechtold im Tor wirkte unsicher und war an einigen Toren nicht ganz schuldlos. Der Sturm war zielstrebig und stellte seine Schlagkraft unter Beweis.»Die junge Heppenheimer Mannschaft spielte sehr eifrig und aufopfernd, war jedoch den Gästen nicht gewachsen. Die Fünferreihe spielte zu eng und verstand nicht immer, die Schwächen der gegnerischen Hintermannschaft auszunutzen. Die Läuferreihe mit Rhein-Breth-Nach hatte die Hauptlast zu tragen, und auch die Verteidigung mit Gabich und Gärtner zog sich gut aus der Affäre. Torwart Herbert Gabich war für den talentierten Wolfrath ein guter Ersatz.

TSV Pfungstadt gegen 1862 Weinheim 11:6 (5:3)

Pfungstadts Handballer empfingen am Sonntag die badische Oberligamannschaft 1862 Weinheim, die überraschenderweise eine empfindliche Niederlage fn Kauf nehmen mußten. Die Gäste starteten sofort schnelle Angriffe, welche die Pfungstädter zunächst verblüfften. Jedoch in der zweiten Halbzeit verfingen sich die Weinheimer immer mehr in der starken Pfungstädter Abwehr. Durch schnell vorgetragene Angriffe erzielten die Pfungstädter Stürmer noch sechs Tore.

Der Weinheimer Tormann schien jedoch durch eine Verletzung leicht behindert. Sein Gegenüber Geibel dagegen, das Paradestück der Pfungstädter Elf, rettete in den schwierigsten Situationen und ist zusammen mit der Verteidigung maßgeblich an dem hohen Sieg seiner Mannschaft beteiligt.

Die Tore schossen für Pfungstadt Maibach (4). Weber (2), Köble (2), Steinmetz (1), Großmann (1), Gehrlich (1); für Weinheim Herth (4), König (1) und Eschweg (1).

TSV Pfungstadt-Jugend gegen den TuS Griesheim (8:9).

Südhessische Tischtennis- Pokalmeisterschaften

SV Wiesbaden und SV Darmstadt 98 auf den ersten Plätzen

Die Tischtennisfreunde richteten am Sonntag den Blick nach Darmstadt, wo die südhessischen Pokalmeisterschaften ausgetragen wurden. Titelverteidiger war bei den Herren der SV Wiesbaden und bei den Damen der SV 98. Beide konnten ihre Titel erfolgreich verteidigen.

Die Damen des SV 98 zeigten sich von ihrer besten Seite. Im entscheidenden Spiel gegen die Eintracht Frankfurt, die in stärkster Besetzung gekommen war, schafften sie das Unmögliche und gewannen zwei Einzelspiele sowie das Doppel. Die mehrfache Hessenmeisterin Ilse Donath, die zuvor gemeinsam mit Kurt Seifert vom Landesfachwart Peter Bunn mit der silbernen Ehrennadel des hessischen Tischtennisverbandes geehrt worden war, konnte den Sieg nicht allein schaffen. Ihre Partnerin Frl. Fey wurde von Frl. Holzapfel und Frau Römer (beide 98) überraschend glatt mit 3:0 besiegt. Das Doppel mußte den Ausschlag geben. Frl. Holzapfel mußte sich Frl. Donath im Einzel mit 0:3 geschlagen bekennen und auch Frau Römer hätte wohl nichts gegen diese ausrichten können. So entschied das Doppel, das gerade im Tischtennis öfter den Ausschlag gibt. Glücklich konnten sie das Spiel zu ihren Gunsten entscheiden und waren damit Gewinner des Südhessen-Pokals.

Die Herren hatten eine starke Beteiligung aufzuweisen. So hatten die Landesligavertreter SV Wiesbaden, Eintracht Frankfurt, Boxclub Wiesbaden, SV Flörsheim, SV Darmstadt 98, SG Klein-Krotzenburg, SG Höchst, SG Bad Homburg, Gelnhausen sowie die 2. Mannschaften von Wiesbaden, Eintracht Frankfurt und SV 98 ihre Mannschaft entsandt. Erwartungsgemäß kam es zu einem Zweikampf Eintracht Frankfurt SV Wiesbaden. In der ersten Gruppe konnte Wiesbaden überlegen den Sieg davontragen. Eintracht Frankfurt dagegen hatte schon schwerer zu kämpfen. Mit Klein-Krotzenburg und SV Flörsheim waren zwei Mannschaften im Rennen, die sich erst im letzten Spiel geschlagen gaben. In dieser Runde mußte der SV 98 11. Mannschaft eine knappe Niederlage gegen Gelnhausen einstecken. Die Mannschaft Römer / Hartmann verlor 2:3. Das Doppel und ein Einzelspiel von Hartmann gingen an Darmstadt. Römer hatte Pech, daß er das eine Spiel im 5. entscheidenden Satz knapp verlor.

In der anderen Gruppe mußte sich die erste Mannschaft des SV 98, in der Kappes / Hardt spielte, vom Boxclub Wiesbaden beugen. Lediglich das Doppel ging an Darmstadt.

Das Endspiel sah Wiesbaden überraschend glatt gegen Eintracht Frankfurt siegreich. Hier war es insbesondere Roller, der am 2. Brett spielend den ersten Brettspieler der Eintracht Ltn. Ellis knapp mit 3:2 besiegte. Kurt Seifert machte mit Groh / Eintracht kurzen Prozeß und siegte glatt 3:0. Damit war praktisch die Entscheidung schon gefallen. Das Doppel sah schließlich die Kurstädter mit 3:1 erfolgreich, wobei sie den Titel sicherer als erwartet verteidigen konnten. Da die beiden Erstplazierten am kommenden Wochenende in Gießen bei den Hessischen Pokalmeisterschaften teilnahmeberechtigt sind, wird Südhessen bei den Damen durch die Mannschaften 98 Darmstadt und Eintracht Frankfurt und bei den Herren mit SV Wiesbaden und Eintracht Frankfurt vertreten sein. Ku.

Tischtennis

TG 75 Darmst.—SKG Ober-Ramst. 6:3 TG 75 Darmstadt—TV Bensheim 8:1 Mit diesen beiden Spielen hat die TG 75 Darmstadt den Aufstieg in die Bezirksklasse geschafft.

Basketball am Wochenende

Bei Roßdorfs Basketball-Mannschaften herrschte am Samstag'Sonntag wieder Hochbetrieb. Spiele gegen Frankfurt, Heidelberg und Arheilgen standen auf dem Programm.

Die wichtigste aller Begegnungen war zweifellos das Pokal-Rückspiel gegen die Universität Frankfurt. Genau wie im Vorspiel konnte sich Roßdorf erst mit dem Schlußpfiff durchsetzen, diesmal 35:34. Die Frankfurter, innerhalb kurzer Zeit zu einer spielstarken Mannschaft emporgewachsen, gaben den Roßdorfern manches Rätsel auf. Eine Krise der Gäste nutzte die Uni-Mannschaft geschickt aus und lag Mitte der 2. Hälfte 28:18 vorn. Doch Roßdorf kämpfte unentwegt und fand wieder Anschluß. In dem nun einsetzenden Endspurt verlor Frankfurt einige Spieler, die mit 4 persönlichen Fehlern ausscheiden mußten. Aber auch mit 4 und sogar 3 Spielern, die in den letzten beiden Minuten noch im Feld waren, wehrte sich Frankfurt seiner Haut und überließ den Roßdorfern einen knappen 35:34-Sieg.

Die Pokalspiele in Südhessen sind jetzt abgeschlossen. Die Tabelle hat folgendes Aussehen:

Am Sonntagvormittag war der BC Heidelberg in Roßdorf zu Gast, konnte aber gegen die zeitweise sehr gut spielenden Roßdorfer nur zu einem Erfolg kommen. Die 1- Mannschaft des RC Heidelberg verlor nach einer 24:20-Führung bei der Pause noch 38:50. In diesem Spiel gab die taktisch richtige Einstellung der Roßdorfer in der 2. Spielhälfte den Ausschlag. Bei den 2. Mannschaften konnte Roßdorf zu einem knappen 27:24-(17:7-) Sieg kommen.

Gute Leistungen zeigten auch die Roßdorfer Schüler, die gegen die SC Arheilgen 40:5 siegreich blieben, jedoch einer Heidelberg-Arheilger Kombination nach Verlängerung 22:24 unterlagen. -er-

1.1 SKG Roßdorf 4 167:130 B—o
2. Univ. Frankfurt 4 148:121 4—4
3. GYA Fraf.-Bonames 4 114:178 o—B

Hockey

Knappe Hockeyniederlagen inFechenheim

dr. Bei gutem Wetter stellten sich die Damen und Herren des TEC bei den Mannschaften der 1. hess. Spielklasse, Schwarz-Orange Fechenheim vor. Die Damen des TEC hielten überraschend gut mit und hätten bei etwas mehr Glück wohl auch ein Unentschieden verdient gehabt. Zur Halbzeit stand es noch 1:1, wobei Frl. Horn den Ausgleichstreffer erzielte. — Nach der Pause trafen die Gastgeber allerdings noch zweimal ins Schwarze und stellten damit ihren 3:1- Sieg sicher. — Im anschließenden Spiel der ersten Herren standen sich zwei gute Bekannte gegenüber. Ueberrascht wurden die Darmstädter lediglich durch das Hochspiel der Fechenheimer, mit dem sie sich in der ersten Halbzeit auch eine Feldüberlegenheit erkämpften, denn die TECler fanden sich langsam und schlecht mit dem unebenen Boden ab. Trotzdem langte es durch Laber nur zu einem Tor für Fechenheim bis zur Halbzeit, das Riegel — eine unklare Entscheidung des Fechenheimer Schiedsrichters, ließ die Gästeverteidigung einen Augenblick verharren — jedoch ausgleichen konnte.

Nach der Pause kamen die Vorlagen für den TEC-Sturm besser verteilt, aber Nichtverstehen (mangelndes Training?) versagte den Darmstädtern einen Treffer. Fechenheim hatte kurz nach der Pause edn 2. Tor geschossen, gegen das der talentierte H.-J. Pabst machtlos war. Im Sturm verstand sich wohl nur die rechte Seite mit Grosser und dem aus derJügend kommenden Dielmann als Verbinder. Sonst mangelte es dem TEC wohl hauptsächlich an einer geschlossenen Mannschaftsarbeit, die ihm ein verdientes Unentschieden versagte.

Guter Start der Erbacher Fußballer

Die Fußballer der KSG Erbach eröffneten am Samstagabend mit einem Freundschaftsspiel gegen die Reserve des VfR Mannheim ihre diesjährige Spielsaison. Obwohl die Gegner nicht in stärkster Aufstellung angetreten waren, lag ihr Können doch in allen Phasen über dem Bezirksklassen-Niveau. Die Gäste zeigten einen gepflegten und technisch hochstehenden Fußball, kamen in raschen Kombinationszügen oft vors Tor, nur die Vollstreckung ließ zu wünschen übrig.

Gotter konnte in der 7. Minute Erbach mit 1:0 in Führung bringen. Erst jetzt kamen die Gäste besser ins Spiel, während die Vorstöße der Erbacher überhastet und kopflos vorgetragen wurden. In der 33. Minute zog Brauer, der einzige, der auch beim 8:0 gegen Offenbach dabeigewesen ist, an Krämer vorbei und stellte den verdienten Ausgleich sicher.

Nach dem Wechsel konnte Gotter vom Mittelfeld aus durchbrechen, jedoch erst ein Nachschuß von Riesling brachte das 2 :1. In der 75. Minute wurde eine Attacke von Riesling durch Foul im Strafstoß zunichte gemacht. Den fälligen Elfmeter wußte Gotter zum 3:1 zu verwandeln. Nachdem die Mannheimer in der 82. Minute auf 3:2 herangekommen waren, vergaben sie in der Schlußminute die Ausgleichschance. (ppi)

Fußballkreis Darmstadt

Sportclub Griesh.—Union Darmst. 5:1 Reinheim— Götzenhain 3:1 VfR Langen—Groß-Rohrheim 3:2 Groß-Gerau—Ueberau 4:2

Ein Belgier Straßen-Weltmeister

Moorslede (Belgien). (AP.) Der Belgier Brik Schotte hat am Sonntag den Titel eines Straßenweltmeisters der Profis errungen.

Äus einem Feld von 40 Startern aus elf Ländern ging er nach 280 Kilometern Fahrt, die in Moorslede begann und kreuz und quer durch Flandern über die berüchtigten Kopfsteinpflasterstraßen wieder zum Ausgangspunkt führte, als Sieger durchs Ziel.

Weltmeister der Amateure im Straßenfahren wurde der Australier Jack Hoobin. Der 23jährige bewältigte die 175 km in 4:29,24 Std. und blieb eine Radlänge vor dem Franzosen Varnajo.

Für die liebevolle Teilnahme, die mir und allen meinen Angehörigen beim Heimgang meiner lieben, unvergeßlichen Frau Marianne Netz geb. May erwiesen wurde, sage ich im Namen Aller meinen tiefgefühlten Dank. Hans-Günther Netz und Kinder Familie May, Jakob und Dr. Netz Darmstadt-Eberstadt, im August 1950 Darmstädter Straße 48

Statt Karten Durch einen tragischen Unglücksfall hat Gott der Allmächtige ganz unerwartet meinen treusorgenden Mann, meinen lieben Vater, Schwiegervater, Sohn, Bruder und Onkel, Herrn Karl Strack Rektor I. R. - mitten aus seinem schaffensfrohen Leben im Alter von 65 Jahren zur ewigen Ruhe abgerufen. fn tiefer Trauer: Lydia Strack geb. Möhner Dipl.-Chem. Willi Strack und alle Angehörigen Darmstadt, Villingen, Trautheim, Mainz, 18. August 1950 Die Beerdigung findet am Dienstag, 22. August 1950, 15 Uhr, auf dem Friedhof in Darmstadt-Eberstadt statt.

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Infolge Umbauarbeiten wird die Landstraße 11. Ordnung Nr. 61 innerhalb der Ortsdurchfahrt Hofheim ab sofort für sämtlichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Bürstadt. Heppenheim, den 16. August 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Betr.: Kartoftelkäterbekämpfung. Der Kartoffelkäfer der zweiten Generation und seine Larven überfluten zum Teil nochmals unsere Kartoffelfelder in starkem Ausmaße und haben teilweise sogar nochmals Kahlfraß hervorgerufen. Durch die Erntearbeiten wi.de die Bekämpfung des Kartoffelkäfers stark vernachlässigt und schon ist der Kartoffelkäfer wieder im Begriffe, größeren Schaden an¬ zurichten, wenn nicht unverzüglich nochmals eine umfassende Bekämpfungsaktion eingeleitet wird. Die letztjährigen Erfah¬ rungen haben uns gelehrt, daß gerade diese Generation ent¬ scheidend den nächstjährigen Befall bestimmen. Es muß deshalb nochmals umfassend gespritzt und gestäubt werden Mit dem Spritzen können wir unter Zusatz von 1 bis 1,5 Prozent Kupfer¬ kalk sehr wirksam die Krautfäule der Kartoffel bekämpfen, die in diesem Jahre durch die dauernd wechselnde Witterung gün¬ stige Wachstumsbedingungen hat. Heppenheim, den 14. August 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Betr.: Hessischer lahresjagdscheln ab 1. April 1950. Der Hessi¬ sche Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft gibt mit Erlaß vom 31. Juli 1950 bekannt, daß. soweit sich die deutschen Jagdführer nur als Führer der amerikanischen Jagdpartien be¬ tätigen, es sich um einen jagdscheinfreien Hilfsdienst im Sinne des Art. 8 Nr. 1 des Hessischen Jagdpaßgesetzes vom 25. März 1929 und § 30 Nr. 2 der Preußischen Jagdordnung vom 15. Joli 1907 handelt. Für die Tätigkeit benötigen die deutschen Jagdführer keinen Jagdschein. Dagegen müssen sie einen Jagdschein besitzen, wenn sie als Jagdführer jagen, das heißt in Begleitung der amerikanischen Jagdpartie eine Feuerwaffe führen wollen. Heppenheim, den 12. August 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Dlenstnachrlchten Heinrich Deckenbach, geboren am 10. April 1920. Riedrode, wurde am 10. August 1950 als Feuerwehrkommandant, und der Erwin Knappe, geboren am 14. September 1924, Riedrode, als stellvertretender Feuerwehrkommandant der Gemeinte Riedrode verpflichtet. öffentliche Ausschreibung der Glaserarbeiten flir das Hessische Landesmuseum, Darmstadt, Friedensplatz <450 nm neue Fenster und 350 qm Reparatur) Angebote werden, solange Vorrat reicht, bei der ausschreiben¬ den und zuschlagerteilenden Stelle — Staatsbauamt Darmstadt, Alicenstraße 25 — ab Dienstag, den 22. August 1950, ab¬ gegeben. Einreichungstermin: 5. September 1950, vormittags 10 Uhr, bei gleichem Amt. Die vorstehenden Arbeiten werden in 5 Losen vergeben. Pläne und Zeichnungen sind im Zweigbüro Landesmuseum einzusehen. Staatsbauamt Darmstadt.

qute ^4 Nr. 1 Richtige Krankenpflege Das Bett soll nicht im Durchzug stehen, im Zimmer muß man leise gehen, den Boden wisch’ mit Wasser rein, das Radio schalt’ auf Wunsch nur ein. Die Sorgen halt’ dem Kranken fern, auch Kinderlärm hört er nicht gern. Beim Sitzen wird er ungern missen als Rückenhalt ein festes Kissen; im Laken Krumen oder Falten das Liegen ihm zur Qual gestalten. Den Kranken, der das Bett verläßt, begleitet man und Hält ihn fest und ist ihm Stütze, bis er dann von selber wieder gehen kann. Wer eine Krankenpflegerin, einen Masseur braucht, wer einen Kranken-Fahrstuhl zu leihen sucht, findet das Gewünschte durch eine Kleinanzeige in dem Darmstädter Tagblatt. Kleinanzeigen bringen Geivinn! UNION Höllische Liebe mit Eitle Mayerhofer, Karl Schönböck, • Vera Molnar, Hans Holt u. viele andere. Eine Filmoperette, mit zündender Musik, viel Witz und noch mehr Liebe. Ruf 33 73 Anfang: 13.45, 16.00 18.15, 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr TU II I A Start in die neue Saison! I IIALIA Das Herz muß schweigen mit Paula .Wessely, Mathias Wiemann u. Werner Hinz. Ein Film, den man nicht vergißt. Ruf 33 90 Anf" M ’ 1815’ 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11 Uhr BELIDA Heute endgültig letzter Tag! Herrliche Zeiten Ruf 3 95 14.00 • 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr PALAST Letzter Tag! Sibylle Schmitz — Albrecht Schoenhals Rudolf Fernau in Ruf 2240 »Vom Schicksal verweht" 13.45 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr HANSA LETZTER TAG! Kleiner Schwindel gb am Wolfgangsee ™ ein bezauberndes musikalisches Lustspiel mit Waltraud Haas, Hans Holt und Susi — * in Nicoletti Kut 31 79 Anfangszeiten: 14.00, 16.00, 18.00, 20.30