Stahlquote noch nicht erhöht
Die Oberkommissare erklären, sie seien nicht zuständig
Z.K. Bonn, 18. August. (Eigener Drahtbericht.) Deutsche und alliierte Stellen haben übereinstimmend erklärt, daß Berichte, nach denen die Oberkommissare Bundeskanzler Dr. Adenauer eine Erhöhung der deutschen Stahlquote zugesagt hätten, nicht den Tatsachen entsprächen.
Für eine Erhöhung der Stahlquote seien nicht die Oberkommissare, sondern die alliierten Regierungen zuständig. ■ Dagegen steht es fest, daß in dem Gespräch des Bundeskanzlers mit den Oberkommissaren, über das von beiden Seiten auch weiterhin strengstes Stillschweigen bewahrt wird, Fragen der deutschen Polizei, der wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik und der Revision des Besatzungsstatutes behandelt worden sind.
Die Oberkommissare beschäftigten sich in ihrer Routine-Sitzung mit der IG-Farben-Entflechtung. Eine Veröffentlichung über einen endgültigen Beschluß zu diesem Punkt wird in Kürze erwartet, Außerdem wurden Fragen der Verfassung und eine mögliche Beteiligung der Bundesrepublik an den nächsten Olympischen Spielen besprochen.
Gewerkschaftsbund warnt
Fö. Düsseldorf, 16. August. (Eigener Drahtbericht.) Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat am Freitag in einem Schreiben an den Bundeskanzler Dr. Adenauer die Bundesregierung aufgefordert, ihre Wirtschaftspolitik sofort zu ändern. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert gesetzliche Maßnahmen gegen Preissteigerungen und weist auf die Diskrepanz hin, die zwischen der Politik der freien Tür des Bundeswirtschaftsministeriums und der Politik der Marktverknappung und Preisstützung des Bundeslandwirtschaftsministeriums herrsche. Der „anhaltenden Preissteigerung auf dem Verbrauchsgüter- und Lebensmittelsektor" müsse durch gesetzliche Maßnahmen begegnet werden. Hierzu schlägt der Deutsche Gewerkschaftsbund die Bildung eines Preisrates auf Bundes- und Landesebene vor, der sich aus Vertretern von Wirtschaft, Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerkschaften zusammensetzen soll. Zur Beschleunigung dieser Maßnahmen solle der Bundestag vorzeitig einberufen werden. Die deutsche Landwirtschaft habe durch ihren Druck auf die Außenhandelsverhandlungen erreicht, daß der rechtzeitige Import von Weinen, Butter und Fetten verzögert werde. Alle jetzt getroffenen Maßnahmen könnten die Gefahren der nächsten Wochen kaum noch überbrücken.
Verfahren gegen Reimann
Hannover, 18. August (dpa). Das niedersächsische Justizministerium teilt mit, daß jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, Max Reimann, eingeleitet werden könne. Nachdem der Landtag von Nordrhein-Westfalen der Oberstaatsanwaltschaft Hannover offiziell mitgeteilt habe, daß die Immunität Reimanns für dieses Verfahren aufgehoben worden sei. Reimann wird zur Last gelegt, die Verschleppung des kommunistischen Bundestagsabgeordneten Kurt Müller in die Deutsche Demokratische Republik vorbereitet zu haben.
Von Frankfurt nach Düsseldorf
Düsseldorf, 18. August. (AP.) Mit 25 großen Möbelwagen und Anhängern ist der Zentralvorstand der Kommunistischen Partei in Westdeutschland am Donnerstag von Frankfurt nach Düsseldorf umgezogen. In einem Villenviertel am Düsseldorfer Zoo hatte die Kommunistische Partei in acht Monaten ein fünfstöckiges Haus als neuen Sitz für ihre Zentrale bauen lassen. Sie wird damit Nachbar des Verbandes der Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen. Ein Sprecher der Christlich-Demokratischen Union hatte vor kurzem erklärt, das neue kommunistische Gebäude sei der erste Großbau einer politischen Partei in Westdeutschland seit dem Kriege. Den übrigen Parteien fehle für solche Bauten das Geld.
Nicht erfüllte Pläne
er. Berlin, 18. August (Eigener Drahtbericht). Auf einer Tagung des sowjetdeutschen Ministerrates hat der Planungsminister Rau zugeben müssen, daß der Investitionsplan 1950 im ersten Halbjahr nur zu 33,3 Prozent erfüllt worden ist. Das Gesundheitsministerium erfüllte den Plan nur zu 25 Prozent, das Verkehrsministerium zu 29,9 Prozent, das Industrieministerium zu 35.9 Prozent, das Volksbildungsministerium zu 33 Prozent und das Ministerium für Handel und Versorgung sogar nur zu 10,9 Prozent.
Gewerbefreiheit überall?
Ziel der amerikanischen Besatzungspolitik
Drahtbericht unseres Korrespondenten
F. A. Z. Hamburg, 18. August. Am Freitagabend hat der Chef des Rechtsamtes im Amt des amerikanischen Oberkommissars im Amerikahaus, Bowie, in Hamburg eine Rede über die wirtschaftlichen Grundlagen eines demokratischen Staatswesens gehalten. Er nahm dabei eingehend zu der alliierten Besatzungspolitik in Deutschland Stellung. Drei Ziele seien es, die die Besatzungspolitik der Amerikaner nach wie vor verfolgten: Die großen Kartelle sollten aufgelöst werden, die früher die Märkte und die Produktion beherrscht und sogar die Regierungsmaßnahmen stark beeinflußt hätten. Zwei Wege seien möglich, um die Dekartellisierung zu erreichen. Wenn die Regierung ajs Eigentümer in der Industrie auftrete, werde das Element des Wettbewerbes ausgeschaltet, so daß es erst recht eine ernstliche Konzentrierung der Macht bedeute. Die Deutschen sollten wissen, daß, wenn Regierungen selber politische und wirtschaftliche Macht in sich vereinigten, sie dann fähig seien, ausbeutend und unterdrückend tätig zu sein, wobei sie viel rücksichtsloser vorgingen, als die egoistischsten Privatkapitalisten.
Das zweite Ziel sei, alle Kartellabmachungen im Handel zu beseitigen.
Abmachungen zwischen Produzenten oder Verkäufern müßten ein- für allemal fortfallen. Niemand solle vor allem gezwungen werden, Mitglied einer Berufsorganisation zu sein, keinem Verband werde es gestattet werden, sich Regierungsbefugnisse anzumaßen.
Als drittes Ziel bezeichnete er, daß die Gewerbefreiheit auf die ganze Bundesrepublik im Sinne des alliierten Memorandums an die Bundesregierung ausgedehnt werde. „Wir glauben, daß dies im übrigen bester deutscher Tradition entspricht, hat doch die deutsche Gewerbeordnung von 1869 diese Prinzipien schon klar herausgearbeitet und verwirklicht. Wir Amerikaner sind der Ansicht, daß das Grundprinzip der Gewerbefreiheit internationale Gültigkeit haben sollte.“
„Deutscher Fleiß und deutsches Genie können, wenn sie nicht durch einschränkende Gesetze behindert werden, mehr und bessere Güter für das Inland und für das Ausland produzieren und Deutschland einen steigenden Lebensstandard garantieren. In der Verwirklichung dieser Ziele sieht die amerikanische Besatzungsmacht den Fortbestand und das Wachstum einer starken deutschen Demokratie.“
Die Regierung verläßt Taiku
Die nordkoreanische Offensive vorläufig angehalten
Pusan, 18. August. (AP./dpa/Reuter.) Die Offensive der drei motorisierten nordkoreanischen Divisionen, die am Donnerstag in Richtung Taiku begonnen worden war, ist am Freitag nördlich und nordwestlich Taiku zum Stehen gekommen. An mehreren Stellen sind die amerikanischen Truppen, von 45-Tonnen-Panzern vom Typ Pershing unterstützt, zum Gegenangriff übergegangen.
Gleichzeitig wird jedoch ein neuer nordkoreanischer Vorstoß über den Naktong bei Hjonpung gemeldet. Starke nordkoreanische Kräfte haben den Fluß überschritten und sind bis auf etwa siebzehn Kilometer Entfernung an die Nachschubstraße herangekommen, die von dem Hafen Pusan nach Taiku führt. Ein Sprecher des amerikanischen Hauptquartiers teilte mit, daß vier der bekanntesten nordkoreanischen Divisionen von der Front verschwunden sind. Man erwarte, daß sie an einer Stelle auftauchen, an der ein neuer gefährlicher Durchbruch versucht werden solle.
. In einem Kommunique des Generals Mac Arthur wird die nordkoreanische Offensivbewegung in Richtung auf Taiku nach wie vor als die größte Bedrohung bezeichnet. Die nordkoreanischen Divisionen, die am Donnerstag zUm Angriff angetreten waren, hatten die amerikanisch-südkoreanischen Verteidigungsstellen nördlich von Taiku auf einer Breite von zwei Kilometer durchbrochen. Vorhuten der Nordkoreaner sollen bereits die acht Kilometer nördlich von Taiku gelegene Stadt Tschilgok erreicht haben. Nordwestlich von Taiku sind sie bis an das Westufer des Kumho, eines Nebenflusses des Naktong, vorgedrungen.
Die südkoreanische Regierung hat angesichts der Lage beschlossen, die provisorische südkoreanische Hauptstadt Taiku zu verlassen und ihren Sitz nach Pusan zu verlegen. Die gesamte Zivilbevölkerung ist am Freitag aufgefordert worden, Taiku zu verlassen. Nur wenige Minuten nach der Anordnung waren die nach Süden führenden Straßen bereits von einem unübersehbaren Flüchtlingsstrom verstopft. Nach Korrespondentenmeldungen sind bereits gegen Mittag viele der am Morgen Geflüchteten erschöpft und apathisch nach Taiku zurückgekehrt.
Im Norden haben an der Ostküste südkoreanische Kräfte den Hafen Pohang zurückerobert und einige Höhenzüge nördlich der Stadt besetzt. Der zehn Kilometer südlich von Pohang gelegene Feldflugplatz ist wieder begrenzt verwendungsfähig. Die dritte südkoreanische Division, die am Vortag auf dem Seeweg aus dem Gebiet nördlich Pohang zurückgeholt worden war, hat bei Pohang wieder in die Kämpfe eingegriffen.
Die Zahl der amerikanischen Soldaten, die auf einem Hügel im Kampfabschnitt der 1. amerikanischen Kavalleriedivision ermordet aufgefunden wurden, hat sich bis zum Freitag auf 39 erhöht.
Ein amerikanischer Panzer in der Nähe von Masan im Feuergefecht
Eine Million Chinesen obdachlos
Hongkong, 18. August. (AP.) Annähernd zehn Millionen Menschen sind durch die Ueberschwemmungen im östlichen Zentralchina betroffen. Der Schaden, der an der Ernte entstanden ist, wird als unschätzbar bezeichnet. Tausende von Wohnhäusern wurden weggewaschen und mehr als eine Million Menschen sind obdachlos geworden. Fünfhundert Personen sollen ertrunken sein.
Graziani wird frei
an Einer der volkstümlichsten Männer des früheren italienischen Heeres, der Marschall Graziani, wird in wenigen Tagen frei sein. Man erinnert sich: Er hatte sich im Sommer 1943 dem Staatsstreich Badoglios nicht angeschlossen, sondern war Mussolini treu geblieben und hatte an der Seite Deutschlands den Krieg bis zum bitteren Ende fortgeführt. Er war deshalb in diesem Jahr zuerst zu neunzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden; dann war die Strafe auf fünf Jahre herabgesetzt worden, aber ohne daß die Untersuchungshaft angerechnet worden wäre, und nun wird er ein freier Mann sein. Das Gericht hat sich dazu jetzt eines technischen Kunstgriffes bedient, zu dem ihm die Verteidigung geraten hatte: als Beginn der Strafe ist einfach der Tag seiner Gefangennahme 1945 genommen worden.
Diese stufenweise Freilassung eines Mannes, den das gegenwärtige italienische Regime als Hochverräter ansehen muß, wird möglicherweise von der italienischen Linken bekämpft werden, entspricht aber wahrscheinlich den Wünschen der Mehrheit des italienischen Volkes. Der Vorgang darf als symbolisch betrachtet werden für das, was in anderen Ländern geschieht oder noch geschehen wird. Je mehr die Leidenschaften des Krieges schwinden, je mehr eine ruhige und gerechte Betrachtung des früheren Gegners Platz greift, um so stärker wird der Wunsch nach Versöhnung bei den Kräften, die in dem schweren Ringen den Sieg davongetragen haben. Der Platz für Verbrecher muß auch weiter das Gefängnis oder das Zuchthaus bleiben; aber wer aus idealen Motiven, aus dem Gefühl der Treue oder der Vaterlandsliebe gekämpft hat, darf nicht aus der Gemeinschaft seines Volkes ausgeschlossen sein nur deshalb, weil er bei den Unterlegenen war. Die Haftentlassungen in Landsberg, die in dieser Woche vorgenommen worden sind, machen sichtbar, daß auch in den Vereinigten Staaten dieses Gefühl immer mehr wächst. Erst wenn s gesiegt haben wird, darf man sagen, daß der Krieg zu Ende ist.
Offene und versteckte Wühlarbeit
zz Die Amerikaner haben eine besondere Gabe, Tatbestände durch einen ver¬ •blüffenden Vergleich bildhaft zu machen. So hat ein Beamter der amerikanischen Oberkommission jetzt geäußert, die Kommunistische Partei sei immer schon wie ein Eisberg gewesen — weit stärker unter der Oberfläche als an sichtbarem Umfang. Diese Tatsache habe, wie er weiter äußerte, zu der Ueberlegung geführt, warum die Kommunistische Partei gleichzeitig als legale politische Partei und als Untergrundgruppe operieren dürfe. Da die Gefahr einer solchen doppelten Tätigkeit nicht verkannt werde, erwäge man, ob die Kommunistische Partei nicht überhaupt verboten werden solle.
Wir haben bereits mehrfach betont, daß ein Verbot der Kommunistischen Partei ein recht zweifelhaftes Unterfangen darstellen würde. Es wäre genau das gleiche, als wenn ein Arzt die äußerlichen Anzeichen einer Krankheit beseitigte und nun behaupten wolle, der von ihr befallene Organismus sei gesund, während die Krankheit im Verborgenen um so unheilvoller weiterwuchert. Wenn man einen Krankheitsherd nicht entfernen kann, muß man zumindest darauf achten, daß man ihn unter ständiger Kontrolle hält. Diese Vorsichtsmaßnahme wird der Kommunistischen Partei gegenüber in Zukunft noch weithin notwendiger sein als bisher.
Die fünfte Kolonne
Man weiß nicht erst seit gestern, daß die Kommunisten bei ihren Welteroberungsplänen sich eine wesentliche Mithilfe von der Tätigkeit ihrer fünften Kolonne versprechen, die wohl in allen Ländern am Werk ist. Man erinnert sich daran, daß vor nicht langer Zeit alle Führer der kommunistischen Parteien der Reihe nach erklärt haben, ihre Anhänger würden niemals gegen Rußland kämpfen, sondern im Gegenteil alles tun, um den Sieg der russischen ..Befreiungsarmeen“ zu beschleunigen. Auch der politisch Harmlose wird allmählich gemerkt haben, daß die Listensammlung zur Aechtung der Atombombe nicht etwa dazu dienen soll, einen russischen Angriffskrieg zu verhindern, sondern nur den Westmächten ein Mittel aus der Hand zu nehmen, mit dem im äußersten Falle die Drohung eines solchen Angriffskrieges zurückgewiesen werden könnte.
Die Tätigkeit der fünften Kolonne beschränkt sich nicht auf diese Aktion. Durch eine kaum mehr erfaßbare Zahl von getarnten Vereinigungen sucht sie Gutgläubige mit bolschewistischen Anschauungen vertraut zu machen. Zu diesem Zwecke stehen den Kommunisten, meist in der Sowjetzone gedruckte, Propagandaschriften in schier unbegrenzter Menge zur Verfügung. Erst dieser Tage hat die Wuppertaler Polizei an einer einzigen Stelle über 600 Zentner dieser Schriften beschlagnahmen können. Viele von ihnen sind derart geschickt abgefaßt, daß der Leser zunächst überhaupt nicht dahinterkommt, daß er mit kommunistischen Gedankengängen vertraut gemacht werden soll.
Die Flüsterpropaganda
Es ist klar, daß die Vorgänge in Korea jedem Deutschen zu denken geben und daß er sich gerne über seine Sorgen und Befürchtungen ausspricht. Wie festgestellt wurde, wird dies von den Kommunisten zur Verbreitung von wilden Gerüchten benützt. Von der angeblichen Absicht der Westmächte, gegebenenfalls den Loreleifelsen zu sprengen und das Rheintal zu überfluten, haben die kommunistischen Zeitungen viel Wesens gemacht. Neuerdings verbreiten sie durch Flüsterpropaganda, die Westmächte dächten nicht daran, die Bundesrepublik zu verteidigen, sondern hätten lediglich die Absicht, bei ihrem Abzug alle Fabriken zu zerstören, die den Russen dienlich sein könnten. Damit versuchen sie die Bevölkerung für den Gedanken zu gewinnen, es habe überhaupt keinen Sinn, wenn sie sich an einer europäischen Verteidigung gegen den Kommunismus beteiligen wolle. Die Deutschen könnten Zerstörungen in ihrem Lande nur vermeiden, wenn sie sich von einer russischen Armee überrollen ließen. Wenn die Kommunisten erst einmal da seien, werde alles doch nicht so schlimm sein, wie es jetzt den Anschein habe.
Wer sich einer solchen Meinung anschlösse, wäre mehr als töricht. Gerade in Südkorea hatte sich wieder gezeigt, daß die Bolschewisten sofort nach der Eroberung eines Landes alle männlichen Einwohner zum Heeresdienst pressen. Wer sich dazu nicht eignet, wird ebenso wie die Frauen zu Zwangsarbeiten genötigt. Daß vorher alle mißliebigen Elemente liquidiert werden, braucht beim bolschewistischen System nicht besonders erwähnt zu werden. Es würde niemandem gelingen, unbemerkt unterzutauchen. Was uns aber erst bevorstünde, falls die überrollte Bundesrepublik von Westen her wieder erobert werden sollte, ist überhaupt nicht auszudenken. Nach dem Prinzip der verbrannten Erde würden die Russen bei ihrem Rückzug keinen Stein auf dem anderen lassen und die Restbevölkerung als willkommene Arbeitssklaven deportieren.
Wir sind der Zuversicht, daß es dank der Fertigkeit der Vereinten Nationen nicht zu solchen Schreckensszenen kommen wird. Man muß sich aber darüber klär sein, daß sie dann eintreten würden, wenn die Mehrheit der Bevölkerung den kommunistischen Einflüsterungen Glauben schenkte und einem Vordringen des Bolschewismus den Weg ebnete, statt ihm entgegenzutreten. Um ihm entgegenzutreten. sind wir aber nicht unbedingt auf Waffen angewiesen, ec genügt, wenigstens zunächst noch, eine mannhafte Gesinnung, die den Agenten Moskaus beweist, daß sie in der Bundesrepublik kein Gehör finden.
Gefährliche Agenten
Es scheint so, als habe man im Osten bereits erkannt, daß die Bevölkerung der Bundesrepublik für den Kommunismus nicht zu gewinnen ist. Man geht daher mehr dazu über, geschulte Agenten in die Bundesrepublik einzuschleusen, denen bestimmte Aufgaben zugewiesen werden. Sie aus der Masse derer herauszufinden, die täglich aus der Sowjetzone als echte und getarnte politische Flüchtlinge über die grüne Grenze kommen, ist nicht leicht. Die Zahl der Agenten, die vorsorglich nach Westdeutschland beordert worden sind, um gegebenenfalls Sabotage-Akte vorzunehmen, wird auf 1500 bis 2000 geschätzt. Um sie festzustellen, werden gegenwärtig von alliierter Seite in Zusammenarbeit mit deutscher Polizei Ermittlungen vorgenommen. Wie dazu verlautet, ist ein Ueberwachungsprogramm für Eisenbahnbrücken und Rangierbahnhöfe, Hochstationen, Verkehrszentren, Kraftwerke und Schlüsselindustrien ausgearbeitet worden. Nach Ansicht alliierter Beamter können die Gegenmaßnahmen die kommunistische Sabotagedrohung unwirksam machen.
Diese Zuversicht wird man nicht unbedingt teilen können. Selbst in Ländern, die über stärkere staatliche Machtmittel verfügen, sind in der letzten Zeit Sabotageakte verübt worden. So auf englischen Kriegsschiffen und an amerikanischen Rüstungsbetrieben. Der amerikanische Senat hat daher Einreisehindernisse gegen Kommunisten gebilligt und Präsident Truman hat angekündigt, daß Sicherheitsbestimmungen, die für die Häfen der Atlantikküste bereits bestehen, auch für die Pazifik-Küste getroffen werden sollen. Sabotageakte zu verhindern ist zwar Sache der Regierungen, aber sie ist dabei auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Und sie wird bei uns die Augen offenhalten.
Die Abwehrkräfte stärken
Der amerikanische Stadtkommandant in Berlin, Howley, äußerte dieser Tage, die Amerikaner seien am Ende ihrer Geduld mit den kommunistischen Methoden und er bedauere alle diejenigen, die ihr Vertrauen auf die Sowjets setzten. Es waren nun gerade die Amerikaner, die den Kommunisten vollstes Vertrauen entgegenbrachten. Wenn sie jetzt in ihrer Enttäuschung erwägen, die kommunistische Partei in Deutschland zu verbieten, so möchten wir nochmals betonen, daß unserer Meinung nach ein Eisberg nicht dadurch ungefährlicher wird, daß man ihn vollständig unter Wasser drückt.
Da wir bildhaft bleiben wollen, kommen wir auf den Vergleich mit einem menschlichen Organismus zurück, in dem sich eine gefährliche Krankheit bemerkbar macht. Nicht imftier wird das Messer des Chirurgen das Richtige sein. In vielen Fällen ist es besser, die gesunden Abwehrkräfte des Körpers selbst zu stärken und er wird die Krankheit von sich a,us überwinden. Wie das zu erreichen ist, davon wird noch zu reden sein.
Die Wieder-Befreiung
I. Der Brückenkopf um Pusan wird von Tag zu Tag enger. Die ständige Verkürzung der Front in Südkorea hat den Verteidigern bisher keine Verstärkung der Abwehrkraft zu bringen vermocht. Die hartnäckigen und massierten Gegenschläge der amerikanischen Bomberverbände haben die angreifenden Massen der Nordkoreaner nicht zerschlagen können. Selbst wenn es den Truppen der Vereinten Nationen gelingen sollte, einen Brükkenkopf um den südkoreanischen Hafen zu halten, wird es nach Ansicht militärischer Sachverständiger Monate dauern, bis die Vorbereitungen zur Rückeroberung der verlorenen Gebiete in Südkorea abgeschlossen sein werden.
In der Zwischenzeit werden die kommunistischen „Befreier“ die Möglichkeiten ausnutzen, um das Werk der Bolschewisierung Südkoreas zu vollenden und auch den Südkoreanern die Segnungen ihres Systems zuteilwerden zu lassen. Angesichts der Versäumnisse der vertriebenen südkoreanischen Regierung um die soziale Befriedung und die Durchsetzung längst erwarteter Reformen fanden die Kommunisten den Boden für ihre Mission gut vorbereitet, da ein Teil der Bevölkerung südlich des 38. Breitengrades, namentlich die Masse besitzloser Landarbeiter, über die Regierungs-Methoden in Südkorea enttäuscht und verbittert war. Die kommunistische Propaganda hat in langer Vorbereitung das ihrige dazu beigetragen, um diese Unzufriedenheit zu schüren und zu nähren. Soweit sich die Gegner der kommunistischen Ideologie nicht in Sicherheit bringen konnten, werden ihre Spuren nach den unerbittlichen Methoden der kommunistischen Gewalthaber weitgehend ausgelöscht sein.
Die Wiederbefreier werden daher, wenn sie die Gebiete Südkoreas bis zur Demarkationslinie zurückerobern, eine wesentlich veränderte Situation vorfinden, die nicht mit militärischen Mitteln allein gemeistert werden kann, sondern nach politischen Gesichtspunkten zu entscheiden ist.
Adenaner fordert Verteidigungskräfte
Der Bundeskanzler wünscht für Westdeutschland Polizei in der Stärke der Ostzone
Bonn, 18. August, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat sich in einem Interview mit der „New York Times“ dafür ausgesprochen, eine westdeutsche Verteidigungstruppe zu schaffen, die in ihrer Größe und Stärke der Volkspolizei der Sowjetzone entsprechen soll.
„Wir müssen die Notwendigkeit der Aufstellung starker deutscher Verteidigungskräfte erkennen.“ Die Kräfte müßten stark genug sein, um jeden möglichen Angriff durch die Volkspolizei nach koreanischem Muster abzuwehren. Stärke, Ausrüstung und Ausbildung dieser Kräfte müßten denen der Volkspolizei entsprechen.
Die deutsche Beteiligung an einer westeuropäischen Armee hängt nach den Worten Dr. Adenauers von der Entscheidung der Außenminister auf ihrer nächsten Konferenz in Neuyork ab. „Wir wollen hoffen, daß sie schnell handeln werden und daß ein schneller Start gemacht werden kann.“ In der Zwischenzeit müßten die Polizeikräfte in der Bundesrepublik verstärkt und besser ausgebildet werden. Der Bundeskanzler wies darauf hin, daß die kommunistischen Sabotagezentralen in der Bundesrepublik bereits eingerichtet worden seien. In einigen Fällen hätten die kommunistischen Unruhestifter bereits die Polizei übertölpelt, so zum Beispiel bei einem Zwischenfall in München, wo die städtische Pohzei von Angehörigen der kommunistischen Freien Deutschen Jugend zurückgetrieben worden sei. Dr. Adenauer hielt es ferner für nötig, daß die Vereinigten Staaten in den nächsten drei Monaten zwei oder drei zusätzliche Divisionen nach Europa schikken. damit diese Divisionen einen Sicherungsschirm für die Vorbereitungen Deutschlands und der anderen westlichen Nationen bilden können. Bis jetzt habe das deutsche Volk seinen Mut angesichts der kommunistischen Bedrohung durch das Vertrauen in die amerikanische Wehrmacht hochgehalten. Aber die Ereignisse in Korea hätten eine merkbare Wirkung ausgeübt, und es habe sich ein gewisses Gefühl der Hilflosigkeit breitgemacht.
Russische Angriffsformationen
Der Bundeskanzler betonte, er habe Informationen, daß die Sowjets ihre eigenen militärischen Kräfte in Ostdeutschland als Angriffsformationen ausbauten. „Ich bin kein militärischer Experte, aber militärische Fachleute sagen mir, daß ihre Formationen von einer Art sind, wie man sie nur für Angriffszwecke aufstellt.“ Sie umfaßten viele Panzerabteilungen, darunter auch eine sehr angesehene Panzerdivision, die erst vor kurzem aus Zentralrußland eingetroffen sei. Die Sowjets verfügten in der Sowjetzone auch über viele Jagdflugzeuge einschließlich Düsenjägern. Der Kanzler erklärte dann, es sei notwendig, daß die Vereinigten Staaten stark in die europäische Politik eingriffen, um auf die politische und soziale Einheit Europas einen Druck auszuüben. Dadurch würden auch die antikommunistischen Elemente in den östlichen Satellitenstaaten stärker und aktiver werden. Es sei gesagt worden, der Vorsprung des Westens in Europa liege darin, daß die Amerikaner die Atombombe hätten. Es müsse aber auch der Zeitpunkt vorausgesehen werden, in dem die Sowjetunion annehmen werde, daß sie in der Lage sei, mit Atombomben zurückzuschlagen. Wenn dieser Zeitpunkt komme, müsse eine Neutralisierung erreicht werden. Die militärische Macht würde dann wieder von der größeren Ausrüstung der normalen Luft- und Erdtruppen abhängen. In einer solchen Situation sei dann die Stärke der deutschen Verteidigungstruppe von besonderer Bedeutung.
Amerikanische Ausrüstung
Die deutschen Verteidigungskräfte müßten nach Ansicht Dr. Adenauers von den Vereinigten Staiaten ausgerüstet werden. Die Schnelligkeit der Aufstellung würde dann von der Lieferung der nötigen Waffen abhängen. Außerdem müßten Vorkehrungen für den Luftschutz und für zivile Verteidigunigsprojekte getroffen werden. „Wir werden alles tun, was in unserer Macht liegt, um den kommunistischen Drohungen entgegenzuwirken." Dies alles hänge aber von der sichtbaren Stärke der westlichen Verteidigungskräfte ab. Die deutsche Furcht vor einer sowjetischen Invasion könne in der Hauptsache nur zerstreut werden, wenn mehr amerikanische Truppen nach Europa verlegt würden. Dies würde die Sowjets auch daran hindern, anzugreifen.
„Justizmorde müssen gesühnt werden“
Landesbischof Wurm über die Nürnberger Urteile
Stuttgart, 18. August, (epd) Landesbischof D. Wurm hat sich nach einem Besuch im Gefängnis Landsberg zur Frage des Kriegsverbrechertums geäußert: „Wir haben nie die Verpflichtung des deutschen Volkes zur Sühne und Umkehr geleugnet. Wir müssen aber an die Westalliierten, besonders an die führende Macht, die Forderung stellen, nun endgültig dem Geist der Überhebung und Rache den Abschied zu geben.“ Amerika habe jetzt gesehen, daß auch seine Staatsmänner einer Verblendung anheimfallen könnten, die furchtbare Folgen habe. Wolle es fortfahren, bei den Deutschen politische Fehlentscheidungen als kriminelle Verbrechen zu ahnden und einen Mann wie Weizsäcker in entehrender Haft zu halten?
Zu den Lehren aus der Kriegsführung in Korea sagte Wurm: „Die Alliierten haben es bei den Kriegsverbrecherprozessen nie gelten lassen, wenn der Angeklagte sich auf einen Befehl berief. Sie werden heute über die Bedeutung der militärischen Befehlsgewalt bei ihren Truppen anders denken. Sie sehen jetzt in Korea, was ein Partisanenkrieg ist, und haben Grund darüber nachzudenken, wie ihre Offiziere mit diesem Krieg fertig werden, ohne .Kriegsverbrecher“ zu werden. Wie würden diese bestehen, wenn gegen sie ein Prozeß geführt würde wie gegen die Südostgenerale, wie gegen Manstein und andere?
Auch Frankreich hat allen Grund, seine Konzessionen an Elemente, wie sie neuerdings selbst auf dem Sportgebiet in einem unerhörten Fanatismus und Chauvinismus hervorgetreten sind, zurückzunehmen und den von ihm festgehaltenen Deutschen endlich die Möglichkeit einer sittlich und' juristisch einwandfreien Erledigung ihrer Fälle zu geben. Erst wenn die Verlogenheit und Zweideutigkeit aus der heutigen Politik verschwindet, erst wenn die sittliche Überlegenheit über den Feind im Osten gewonnen ist, wird die kommunistische Gefahr abgewendet werden können.“
Der Bundesrat ändert und lehnt ab
Keine Stellungnahme zum Flüchtlingsbeamtengesetz
Z. K. Bonn, 18. August. Der Bundesrat hat auf seiner Sitzung am Freitag dem Versorgungs-Gesetz der Bundesregierung zugestimmt. Er weigerte sich jedoch, die in dem Gesetz vorgesehene Erhöhung der Länderbeiträge zu den Kriegsopferrenten von 15 auf 25 Prozent zu akzeptieren. Der Bund solle, nach Meinung der Ländervertreter, diese Erhöhung tragen und darüber hinaus den Rentenversorgungen sämtliche durch das Gesetz entstehenden zusätzlichen Aufwendungen vergüten. Der Bund müßte demnach Aufwendungen in Höhe von vierzig Millionen Mark übernehmen.
Ebenfalls der Ablehnung verfiel ein Regierungsgesetzentwurf zum Güterfernverkehr.
Zu dem Gesetz über die Regelung der Rechtsverhältnisse Vertriebener und entnazifizierter Beamter nahm der Bundesrat am Freitag nicht Stellung, weil ihm die gesetzlich vorgeschriebene Frist von drei Wochen als zu kurz erschien. Ein besonderer Ausschuß soll der Bundesregierung die Meinung der Länder zu diesem Konzept übermitteln und die Haltung der Länder im Bundestag vertreten.
Ein Vorschlag Reynauds
Straßburg, 18. August, (dpa) Nach einer langen Debatte über das bei der Abstimmung anzuwendende Verfahren hat die Beratende Versammlung am Freitagabend mit 94 „Ja“-Stimmen, keine „Nein“~Stimmen und zwölf Stimmenthaltungen den Bericht des Ausschusses für allgemeine Fragen angenommen. Im Verlaufe der Debatte hatte der frühere französische Ministerpräsident Paul Reynaud die Bildung einer Europaregierung gefördert. Er schlug Churchill zum europäischen Kriegsminister vor. Ferner sollte nach Ansicht Reynauds eine Europaregierung ein Landwirtschafts-, ein Verkehrs- und ein Wirtschaftministerium umfassen.
Dr. Schumacher und McCloy haben am Donnerstagabend in Bonn eine Unterredung von nahezu vier Stunden gehabt.
Wer hilft der Iugend?
Von einem Studenten, der mit der Jugendarbeit und ihren Organisationen vertraut ist, wird uns geschrieben:
Mit Verboten allein kann man den Kommunismus nicht überwinden, auch nicht mit dem Rat, wie ihn jetzt ein amerikanischer Distriktsrichter in Kassel gegeben hat. Dieser Mann erklärte mehreren Mitgliedern der kommunistischen Jugendorganisation „Freie Deutsche Jugend" (FDJ), die bei einem Demonstrationszüg festgenommen worden waren, daß sie sich „schnellstens in das sowjetzonale Paradies begeben sollten', wenn es ihnen in Westdeutschland nicht gefalle.
Es wäre ein Mißgriff, die Jungkommunisten, die sich am „aktivsten" gebärden, einfach abzuschieben. Gerade die Jungen müssen für die Demokratie gewonnen werden. Man sage nicht, es sei unmöglich, diese Hitzköpfe eines Besseren zu ^belehren. Diese zehn- bis zwanzigtausend Jungkommunisten im Bundesgebiet können nicht aus . Ueberzeugung Parteigänger der Ulbricht und Konsorten geworden sein. Fast alle von ihnen sind zu jung, um sich eine lieberzeugung erarbeiten zu können. Sie sind sowjethörig geworden, weil sie wissen, daß die ostzonale Republik der Jugend die erforderliche materielle Hilfe zukommen läßt. Dem neuen Leistungsgesetz für die Jugend in der Sowjefzone, auf Grund dessen vielen Tausenden von Jugendlichen Stipendien gewährt und fast in jeder größeren Stadt_ Jugendhäuser errichtet wurden, ist an sich vorbildlich. Es steht auf einem anderen Blatt, daß diese Jugendbefreuung zur ideologischen Irreführung und Gewissensvernebelung mißbraucht wird. Die westdeutschen Jungkommunisten aber sehen es nur so, daß ein Staat sich bereit zeigt, weitgehende materielle Opfer der Jugend zu bringen. Sie selbst fühlen sich daher verpflichtet, ebenso wie die „Pimpfe“ vor wenigen Jahren, dem Regime diedes Staates mit ideologischer Linientreue zu danken. Der „großherzig“ gebende Staat und sein Regime sind in ihren Äugen Zum Idol geworden.
Ist es unmöglich, die Demokratie zum Idol der Jugend werden zu lassen? Nein. Es ist möglich, wenn sie sich in gleicher Weise für die Jugend einsetzt.
Woher das erforderliche Geld nehmen? Im Bonner Etat wird keine Summe mehr zu vergeben sein. Nun, wenn wir Deutschen das Geld nicht haben, müßten die Westmächte einsichtig genug sein, es aufzubringen, denn die Jugend muß für die gemeinsame Sache gewonnen werden. Das amerikanische „German youth Activies Center", eine Organisation für die Betreuung der deutschen Jugend in von der Besatzungsmacht unterhaltenen Heimen, bedeutet zwar eine dankenswerte, aber nicht ausreichende Anstrengung für den Kampf um die Jugend.
Vor wenigen Tagen erst sagte ein leitender Beamter der amerikanischen Oberkommission, daß eine Familie, die kommunistisch würde, nicht mit einem Panzer aufzuwiegen sei. Das gilt erst recht für die Jugend! Man kann sie aber nicht mit Worten, sondern nur mit Taten gewinnen. H»-
Kommunistenführer ermordet
Lüttich, 18. August. (AP) Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Belgiens, Julien Lahaut, ist am Freitagabend von zwei Unbekannten in seiner Lütticher Wohnung erschossen worden. Die Täter ergriffen die Flucht.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER24) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Knut trift zu ihm.
„Wäre es Ihnen möglich, uns schriftlich zu bestätigen, daß Sie sich weigern, in die Verabfolgung von Pervitin zu willigen?' fragt er.
„Das bedarf keiner Frage. Soll ich es jetzt gleich tun?“
„Das ist nicht nötig", meint der Chefmanager. „Ich denke, daß wir uns einigen können.“ Er kaut wieder an seinen Lippen. „In welcher Zeit wird Frau Sfeen wieder hergesfeilt sein?"
„Ich werde in drei Tagen, von heute an gerechnet, darüber etwas sagen können", antwortet der Arzt der Sfeens. Dann geht er.
Der Chefmanager verabschiedet den zweiten Arzt Jetzt erst sieht Knut, daß dieser Arzt freundlicher zu diesem Manager ist, als der zu ihm. Er ist nicht nur freundlich, sondern sogar verlegen.
„Es traf sich zu schlecht, daß es sich gerade um Dr. Reinhardt handelte", sagte er. Wie man spricht, wenn man sich entschuldigt.
„Also stimmt es, daß auch ein dummer Junge wie ich bisweilen auf den richtigen Mann stößt, wenn er ihn gerade braucht“, wirft Knut ein.
Aus dem Gesicht des Chefmanagers trifft ihn ein merkwürdiges, sozusagen wütendes Lächeln. Aber der Manager tritt dann doch ganz gelöst und ruhig zu ihm, als der zweite Arzt aus der Tür ist. „Wir anderen arbeiten weiter, nicht wahr“, schlägt er vor. „Rauchen wir eine Friedenszigaretfe, Knut?"
Knut nickt, aber er behält seine Spannung.
„Gut", sagt er. „Und diese Zigarette soll bedeuten, daß mein Vater und ich morgen abend mit Ihrer Erlaubnis für zwei Stunden alleine ausgehen. Wir wollen in einer ruhigen Kneipe ein Glas Bier trinken."
„Meinetwegen“, lächelt der Manager säuerlich. „Wenn es sein muß?“
„Es muß sein“, entscheidet Knut Sfeen. Sein Vater tröffet verdrossen neben ihm her, als sie mit Mary zu den Wagen
gehen, aber unten scheint er sich zu fangen und schnell wieder in seine Rolle zu finden, die Rolle des gutartigen, aus der Mitte des Kernes aller Dinge lebenden Mannes, bei dem alles aut dem sichersten, rechtesten Fleck ist. Er trägt auf seinen eigenen, etwas abfallenden Schultern die wattierten Schultern des lebensbejahend karierten Anzuges, vor seiner von unüberwundenen Erfahrungen engen Brust die leuchtend frohe, allem Gesunden zu winkende Krawatte. Seine von Hühneraugen geplagten Füße stecken in breifsohligen, den Pflasferstraßen und Schlaglöchern des Lebens voll angepaßfen Schuhen.
Und dabei hat Georg J. Steen soeben bewiesen, daß er nicht einmal Mittelmaß hat, daß sein Sohn besser fidit als er, besser steht, besser sieht, was man tun kann.
Mary fährt im zweiten Wagen allein. Zum erstenmal in ihrem Leben ist sie still. Sie freut sich nicht einmal besonders auf die Arbeit, aber immerhin gewinnt sie aus der Erinnerung an die letzten zwei Stunden ein paar erstaunliche Erfahrungen.
Es kommt nicht nur darauf an, von einem Filmregisseur entdeckt zu werden, merkt sie. Und Filmregisseure entdecken junge Talente nicht den Talenten zu liebe sondern überhaupt nur sich selber zu liebe.
Manager dienen nicht, sondern sie streben danach zu herrschen. Filmlichf. leuchtet nicht nur. es verursacht auch Bindehauf entzün dun gen.
Natürlich fällt Mary Sfeen nicht ein, daß man zur Zeit ihrer Großmutter alle diese Erfahrungen in der einfachen Verpackung eines kurzen Sprichwortes geschenkt erhielt, einfach mit dem Satz, daß „nicht alles Gold ist, was glänzt". Mary Sfeen gehört zu der Welf, die alle einfachen alten Sprichwörter belächelt, um alle alten Erfahrungen neu zu erleiden.
Mitten in der Studioarbeit dieses Tages gibt es leider einen heftigen Apftritt mit Knut Sfeen, eine Solisfenrolle, die Knut aus dem Stegreif hinspielf, weil sie echt ist. Dieser Auftritt erregt um so mehr Aufsehen, als alles vorher so glatt ging, viel ruhiger als an den Vortagen.
Ruhiger, denn die Manager behandeln die Steens heute vorsichtiger, aufmerksamer, mit mehr Schonung. Sie weisen ■weniger an und schlagen mehr vor. Die Mittagszeit wird pünktlich eingehalten. Die Steens sind eher Sfars als Statisten, wie sie es vordem waren. Knut genießt Respekt.
Es mag vier Uhr nachmittags sein. Knut arbeitet für einen Reklamefilm, der sich um eine neue Art von Wasserhähnen („Knut Sfeen schenkt seiner Mutter einen Zauberhahn ...“) Er steht in einer Küche, der alte Wasserhahn hat seine Dichtung verbraucht und spritzt. Knut kommt im Overall und hantiert einen schweren Schraubenschlüssel, montiert den alten Wasserhahn ab und baut den neuen ein.
Gerade ist irgendetwas mit diesem neuen Hahn nicht in Ordnung. Knut tritt für einen Augenblick aus der Dekoration heraus. Er wartet. Er steht sehr gleichmütig da, schiebt die Mütze in den Nacken, wiegt den Schraubenschlüssel in der Hand. Er denkt an garnichfs, auch nicht an Jo Tompscm oder wenigstens denkt er nur ohne Worte an sie. Von seinem Platz aus sieht er den Miffelgang zwischen den Dekorationen. Nicht weif von ihm arbeitet Mary für eine Firma, die Tanzschuhe mit Sfeppklappen baut. Mary steppt ein p»ar Takte. Die Kamera gleitet mit ihrem gläsernen Auge von Marys Füßen aufwärts zu Marys Gesicht. Mary lächelt („Mary Sfeen hat gut lachen... sie trägt Ballfix-Schuhe.“)
In den Dekorationen schräg gegenüber arbeitet Sfeen. Er hat mit einer Nebellampe zu tun. Sfeen hält sie in der Hand, und sein Auftrag ist, recht lauf mit der Zunge zu schnalzen, während er diese Nebellampe befrachtet
Zwischen diesen Dekorationen hindurch sieht Knut auf den Eingang des Studios und dort geschieht es.
Der Eingang wird geöffnet. Eintritt der Chefmanager...
Hinter ihm Frau Eva Sfeen...
Knut stützt, er hat Mühe, das zu begreifen, er begreift es in Wirklichkeit überhaupt nicht. Er kämpft verzweifelt darum, sich zu erinnern, daß seine Mutter krank ist, daß es ihretwegen ein paar böse Auftritte gab, daß alles so endete, daß die Mutter im Hotel blieb. Aber träumte er dies alles vielleicht nur?
Das ist unmöglich, denkt Knut. Es war nur alles umsonst. Sie haben Mamas Äugen dennoch gedopt. Sie sind an ihrem Bett gewesen, als sie allein war. Sie haben sie bedroht, belogen, mürbe gemacht. Hinter unserem Rücken haben sie nun doch erreicht, was sie wollten. Knut Sfeen setzt sich in Bewegung. Er beginnt, dem Chef managet enfgegenzugehen, der seine Mutter dort herbeibringf. Er geht unbewußt, wie ein träumender Orang. Er wiegt den Schraubenschlüssel in der Hand, und dieses Ding scheint dabei immer schwerer zu werden ... kantiger... scharfkantiger, immer schwerer aufgeladen mit Wucht, Schwung, Druck.
Auf dem halben Wege wechselt Knut den Griff. Er packt diesen Schraubenschlüssel am handlichen Ende und das Ende, das die Klaue bildet, pendelt nahe bei seinem Knie.
Er geht schneller und seine Schultern schieben sich nach vom, aber er denkt immer noch nicht. Er spürt Klumpen in seinem Hals, Gewichte auf seiner Brust, Schwere, ihn panzernde Empfindungen umgeben ihn... Haß, der alte, bösartige Haß der Betrogenen, die wilde, nach brüllenden Ausrufen gierende Wut des Hintergangenen. Der Manager plaudert mit Eva Sfeen. Er sieht garnichf, was hier auf ihn zukommf. Er hört die Drohung der Schritte nicht stampfen. Er spürt keine Warnung.
Knut Sfeen beachtet es nicht, daß dieser Chefmanager ihn nicht sieht. Knut will ja nicht kämpfen. Er ahnt selber nicht, was er tun will. Er wird es nur einfach tun. Im nächsten Augenblick wird er diesen Drahtzieher erschlagen, ob der das kommen sieht oder nicht, ob er ihn von hinten erschlägt oder nicht.
Warum wird er das ganz bestimmt tun? Weil diese Welf der Reklame und der Verträge, der Fotos und Plakate, der Interviews und der Ansprachen noch viel mehr listet, heuchelt, lügt, überspielt, als Knut Steen ohnehin schon begriffen hat. Weil sie also noch miserabler ist, als er sie in Kauf zu nehmen gewillt ist Weil er sie noch zynischer, als er sie schon kannte, nicht mehr meistem kann.
Im allerletzten Augenblick sieht nicht der Manager, sondern die Frau, was hier geschehen soll, was ganz unvermeidbar geschehen wird. Und zum Glück begreift sie alles. Sie reißt den Manager zur Seite.
Sie schreit. Es ist ein wilder Warnschrei, schrillt genug, um eine ganze Straße zu füllen, hundert Menschen erstarren zu lassen.
Und es ist ein fremder Schrei, nichts an ihm ist Knut bekannt.
„Ich bin nicht Ihre Mutter“, schreit die Frau und stürzt Knut vor die Knie. Sie umklammert seine Beine. „Ich bin nicht Ihre Mutter, nein, ich bin nicht Ihre Mutter. Um Himmels willen, glauben Sie mir doch.“
Knut steht steif, er schwankt wie eine steinerne Statue. Er sieht nur die Frau. Sie reißt ihre Schürze hoch und wischt die Schminke von ihrem Gesicht. Sie zerrt eine Perrücke von ihrem Kopf und schleudert sie zu Boden, und bei alledem lassen ihre Äugen nicht von Knuts Äugen. Die Frau will sicher sein, daß Knut sieht, was sie tut, daß er es begreift, endlich begreift.
Irgendjemand legt den Arm um Knuts Schultern, irgendjemand nimmt ihm den Schraubenschlüssel aus der Hand.
Der Chefmanager steht mit blödem Lächeln da, er ist kreidig bleich, er schluckt, er atmet hastig.
„Ich hätte Ihnen sagen müssen, daß ■wir ein Double für ihre Mutter en^a^iert haben“, keucht er. „Entschuldiget °Sie bitte. Ich hätte bedenken sollen, daß ich Sie zu verständigen hatte, bitte, entschuldigen Sie.“
Die Aufnahmen werden abgebrochen..
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Sie fahren diesesmal alleine in das Hotel, sie alle drei in einem Wägen. J n^n. dem Fahrer, ^f dem Piatz, den bis heute sonst immer der Chefmanager innehaffe.
„Fahren Sie bitte langsam“, sagt Mary, ihre Stimme ist unverstellt. Sie ahmt kein Beispiel nach, nicht einmal das der Garbo. \
wendet sie sich in ihrem Sitz um und sieht zu Knut und Sfeen hockf schmal und mit erstaunt hochgezo 'enen Äu<«en¬ ^ n 8?. Sitzt er dahei™ neben dem Radio, wenn er öerade aus semem Büro kommt und Eeme Gedanken noch bei seinen Zahlen sind.
(Fortsetzung folgt)
Ritardando, nicht Stopp
Die hessische Sozialisierungs-Gesetzgebung
H.G.R. Wiesbaden, 18. August. (Eigener Bericht.) Die sozialdemokratische Landtagsfraktion berichtigt in einem öffentlichen Schreiben die Meldung des „Wiesbadener Kuriers“ vom 18. August 1950, in der es hieß, daß die Fraktionsvorstände der Sozialdemokraten und der Christlich-Demokraten über einen vorläufigen Stopp der Sozialisierungs-Gesetzgebung in Hessen übereingekommen seien.
Es herrscht Wirrwarr in den Köpfen über die hessische Sozialisierung. Was ist wirklich?
Das Rechtliche: Es war seit langem bekannt, daß Artikel 41 der Hessischen Verfassung staatsrechtlich unklar ist. Werden die dort genannten Betriebe der Grundindustrie und des an Schienen und Oberleitungen gebundenen Verkehrswesens erst in Gemeineigentum übergeführt, oder sind sie bereits übergeführt? Mit anderen Worten: Ist durch den Artikel 41 geltendes Recht geschaffen worden oder nur ein Programm? Von sich aus konnte das niemand klären. Ein Gutachten des Staatsgerichtshofs konnte nicht angefordert werden, denn der Staatsgerichtshof spricht nur Urteile. Es mußte erst zu dem Prozeß kommen, den gegenwärtig die Verkehrsgesellschaft A.-G., Kassel, gegen den hessischen Staat führt. Entscheidet der Staatsgerichtshof, Artikel 41 sei geltendes Recht, so bleibt alles beim alten. Entscheidet er, er sei nur ein Programm-Satz, so wären alle auf dem Gebiete der Sozialisierung in Hessen bisher getroffenen Maßnahmen infolge Fehlens entsprechender Ausführungsgesetze und insbesondere eines Entschädgiungsgesetzes illegal. Aber auch in diesem Falle wäre die Sozialisierung nicht ohne weiteres gestoppt.
Das Tatsächliche: Einerlei, wie auch der Spruch des Staatsgerichtshofs ausfällt, die Sozialisierungsgesetzgebung geht weiter. Hier gibt es keinen Stopp, bestenfalls ein Ritardando. Das Gesetz über die Sozialgemeinschaften wird (wahrscheinlich in der nächsten Plenarsitzung) weiterberaten. Es bestimmt, wer Rechtsträger der in Gemeineigentum übergeführten Betriebe ist. Ein Ueberleitungs- und Entschädigungsgesetz wird folgen. Es setzt fest, welche Betriebe in die Sozialgemeinschaften übergeführt werden, müssen und wie und womit die alten Eigentümer zu entschädigen sind.
Das Praktische: Auf alle Fälle kommt der Entwurf des Gesetzes über die Sozialgemeinschaften ins Plenum. Zur 2. Lesung. Man nimmt an, daß dabei auch Gesichtspunkte erörtert werden, die in der Kabinettssitzung in Wiessee zutage traten. Er wird von dort wieder in den wirtschaftspolitischen Ausschuß überwiesen. Mittlerweile wird zwischen 2. und 3. Lesung die Entscheidung des Staatsgerichtshofs folgen. Und dann könnten die Sozialisierungsgesetze verabschiedet werden, wenn ... nicht die goldene Brücke, die man von vielen Seiten den Sozialdemokraten baut, beschritten wird und man irgendwie alles hinauszieht, bis die Materie bundesgesetzlich geregelt ist.
Der Wortlaut des Artikels 41
Eine Große Anfrage der Freien Demokraten
Wiesbaden, 18. Aug. (Eig. Bericht.) Die Fraktion der Freien Demokratischen Par¬ tei hat an den Ministerpräsidenten eine Große Anfrage gerichtet, die sich mit Differenzen über den Wortlaut des Sozialisierungsarfikels befaßt:
„Wir finden in den .Drudesachen der verfassungsberatenden Landesversammlung und in Presseveröffentlichungen Differenzen über den Wortlaut des Artikels 41 der Hessischen Verfassung. Es wurde nach unseren Aufzeichnungen in der 3. Lesung der verfassungsberatenden Landesversammlung wie folgt beschlossen: Im 1. Absatz des Art. 41: „.... Schienen und Oberleitungen ...“ und im letzten Satz des Art. 41 (2): „Wer Eigentümer eines danach in Gemeineigentum zu überführenden Betriebes...” In dem von der Regierung zur Volksabstimmung gestellten und im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlichten Text der Verfügung lautet aber der Art. 41 (1): „... Schienen oder Oberleitungen...“ und Art. 41 (2): „Wer Eigentümer eines danach in Gemeineigentum überführten Betriebes...“
Wir fragen den Herm Ministerpräsidenten:
1. Wie lautet der der Landesversammlung zur 3. Lesung vorgelegfe Text des Art. 41?
2. Von wem wurde zu Art. 41 eine Texfänderung beantragt, wie lautete dieser Antrag und wurde einem solchen Antrag zugestimmf?
3. Wie laufet der handschriftlich vom Präsidenten und dem Schriftführer unterschriebene Verfassungstext des Art .41 nach der 3. Lesung?
4. Wie lautet der der Militärregierung zur Genehmigung vorgelegte Text und seine englische Uebersetzung?
5. Wenn Differenzen mit dem jetzt amtlich vorliegenden Verfassungsfext bestehen: Wer hat die Aenderungen veranlaßt? Wer hat sie durchgeführt und auf Grund welcher rechtlichen Grundlage?
6. Wer hat den in der 6. Sitzung der verfassungsberatenden Landesversammlung am 29.10.46 beschlossenen Text des „Gesetz zur Abänderung des Gesetzes betr. Volksentscheid über die Verfassung des Landes Hessen“ (Sfenogr. Prof. Seite 223) geändert? Warum wurde der in diesem Gesetz
beschlossene Wortlaut nicht dem Volksentscheid vom 1. 12. 1946 zugrunde gelegt? Aut Grund welcher Rechtsgrundlage?
Eine Erklärung
der sozialdemokratischen Fraktion
Wiesbaden, 18. August. Der „Wiesbadener Kurier“ vom 18. August 1950 teilt unter großen Schlagzeilen mit, die Fraktionsvorstände der Sozialdemokratischen Partei und der Christlich-Demokratischen Union seien über einen vorläufigen Stopp der Sozialisierung in Hessen übereingekommen.
Hierzu erklärt der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion folgendes:
„Die beiden Fraktionsvorstände haben keinesfalls beschlossen, daß die Sozialisierungsgesetzgebung in Hessen vorläufig zurückgestellt werden soll. Im Gegenteil setzt sich die sozialdemokratische Fraktion für eine beschleunigte Verabschiedung der Sozialisierungsgesetze noch in dieser Landtagsperiode ein. Deshalb fordert auch die Fraktion die zweite Lesung des Gesetzes über die Bildung der Sozialgemeinschaft in der nächsten Plenarsitzung des Hessischen Landtags. Nach dieser zweiten Lesung wird das Gesetz weiter im Wirtschaftspolitischen Ausschuß des Landtags beraten. Daran hindert auch der Umstand nicht, daß der Landesanwalt mit Rücksicht auf einen vor dem Landgericht Wiesbaden schwebenden Zivilprozeß von dem Hessischen Staatsgerichtshof mit größter Beschleunigung die ^rage klären lassen will, ob der Artikel 41 der Hessischen Verfassung bereits positives Recht geschaffen hat oder ob er, wie in dem Prozeß behauptet wird, nur einen Programmsatz darstellt, der noch des Erlasses eines besonderen Sozialisierungsgesetzes bedarf.
Die Fraktion vertritt ebenso wie das Hessische Kabinett die Ansicht, daß durch den Artikel 41 der Hessischen Verfassung nach dem überwältigenden Willen des hessischen Volkes, der seinerzeit in der besonderen Volksabstimmung zum Ausdruck gekommen ist, die in Frage kommenden Betriebe mit dem Inkrafttreten der Verfassung bereits in Gemeineigentum überführt worden sind.“
Bundesrat billigt Versorgungsgesetz
Hilpert fordert Revision der Steuerverteilung
Bonn, 18. August, (dpa) Der Regierungsentwurf für ein Kriegsopfer-Versorgungsgesetz wurde vom Bundesrat mit erheblichen Änderungen gebilligt. Zwar bleiben die Rentensätze im wesentlichen unverändert, doch wurde die Bestimmung gestrichen, nach der der Länderbeitrag zu den Kriegsopferrenten von 15 auf 25 Prozent erhöht werden sollte. Weiter wurde beschlossen, daß der Bund den Rentenversicherungen alle zusätzlichen Aufwendungen, die durch das Gesetz entstehen, erstatten muß. Der Bund, der vorher nicht ausdrücklich' erwähnt worden war, muß damit auch Zuschüsse in Höhe von 40 Millionen DM übernehmen, die sonst auf die Länder entfallen wären. Der hessische Finanzminister Dr. Werner Hilpert bedauerte als Vorsitzender des Finanzausschusses, daß eine allgemeine Regelung für die „Schwachgestellten“ noch nicht geschaffen worden sei. Der Bundesrat müsse sich grundsätzlich darüber klar sei», daß die Steuerverteilung zwischen Bund und Ländern auf schnellstem Wege revidiert werden müsse. Die Länder verfügten gegenwärtig nur über labile, der Bund aber über stabile Steuerquellen. Die Fürsorge werde ohnehin durch das Schlechterstellen der Leichtbeschädigten um 200 Millionen DM zusätzlich belastet. Dieser Betrag müsse von den Ländern aufgebracht werden. Für das Haushaltsjahr 1950/51 werde der Bund mit den bereitgestellten 2,6 Milliarden DM alle vom Gesetz gestellten Aufgaben erfüllen können. Die wirkliche Schwierigkeit für den Bund beginne erst im kommenden Haushaltsjahr, in dem sich das Gesetz voll auswirke.
Protest gegen Versorgungsgeset
Protestschreiben an den Bundeskanzler
DT. Darmstadt, 18. August. Der Bezirksverband Darmstadt (Starkenburg) der Notgemeti.nschaft ehemaliger Berufssoldaten hat ein Protestschreiben an Bundeskanzler Dr. Adenauer gerichtet, in dem betont wird, daß die Mitglieder dieses Verbandes mit Entrüstung den Regierungsentwurf für das neue Versorgungsgesetz nach Artikel 131 des Grundgesetzes zur Kenntnis genommen hatten und schärfsten Protest gegen die in diesem Gesetz erneut vorgesehene Rechtsbeugung erhebn. „Wir appellieren an Ihr christliches Gewissen und an Ihre staatsmännische Klugheit,“ so heißt es in dem Protestschreiben, „in letzter Minute ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Todesstoß gegen den Rechtsstaat zu verhindern. Ueberhören Sie den Warnruf derer nicht, die fünf Jahre des Elends auf Grund schreienden Unrechts schon hinnahmen, und treiben Sie sie nicht aus Verzweiflung in das Lager derer, die in entscheidender Stunde mit ihnen und ihrer Familie genau so wenig Mitempfinden haben werden, wie Sie mit uns und unseren Familien.“
Wirtschaftsblatt
Zum Feiertagsrecht
t. — In der letzten Zeit ist wiederholt auf die Notwendigkeit einer einheitlichen Feiertagsregelung durch Erlaß eines entsprechenden Bundesgesetzes hingewiesen worden. Gewisse Ueberschneidungen werden sich aber selbst dann nicht ganz vermeiden lassen. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels hat nun zu den Schwierigkeiten Stellung genommen, die sich dadurch ergeben können, daß der Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz nicht an seinem Wohnsitz hat. Wie ist die Situation, wenn am Wohnsitz Feiertag ist, während am Ort des Arbeitsplatzes die Arbeit nicht ruht oder umgekehrt?
Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß der Ort des Arbeitsverhältnisses für alle Ansprüche aus diesem entscheidend ist. Für eine evtl. Lohnausfallvergütung gilt das gleiche. Ohne daß es auf das religiöse Bekenntnis des Arbeitnehmers ankommt, ist die Vergütung im Falle des Vorliegens eines gesetzlichen Feiertages an einen Arbeitnehmer auch dann zu zahlen, wenn dieser seinen Wohnsitz in einer Gemeinde hat, in der an dem betreffenden Tag kein Feiertag ist, während am Ort seines Arbeitsplatzes gefeiert wird.
Bisher sind gesetzliche Bestimmungen darüber, ob ein Arbeitnehmer verpflichtet ist, seiner Arbeit nachzugehen, wenn in seinem Betrieb gearbeitet wird, während in seinem Wohnort Feiertag ist, im allgemeinen nicht ergangen. Dem Staat kommt es im wesentlichen darauf an, daß die Bevölkerung an den gesetzlich anerkannten Feiertagen ebenso wie an den Sonntagen ihren kirchlichen Feierlichkeiten ungestört nachgehen kann. Wenn allerdings, wie dies in mancher Verfassung der Fall ist, der Einzelperson ein besonderes Recht eingeräumt wird, das ihr die Religionsausübung gewährleistet, so ist dieses Recht gegenüber dem Recht aus dem Arbeitsvertrag vorrangig. Es wird aber damit nicht ein Anspruch auf Bezahlung der ausgefallenen Arbeit begründet, sofern am Ort des Arbeitsplatzes kein Feiertag ist.
Nicht berechtigt, von der Arbeit fernzubleiben, ist derjenige, der einer anderen Konfession angehört als der, für die der in Frage stehende Tag am Wohnort ein Feiertag ist.
Der neue Kartellfragebogen
hd. Von der Dekartellisierungskommission haben kürzlich sämtliche Wirtschaftsverbände m Westdeutschland einen Fragebogen mit 11 Fragen zugestellt erhalten Die Beantwortung dieser 11 Fragen wird innerhalb von 10 Tagen in dreifacher Ausfertigung in deutscher, englischer oder französischer Sprache verlangt. Verlangt wird eine Liste mit den Namen, Adressen und anderweitigen Geschäftsverbindungen aller gewählten Vorstandsmitglieder des Verbandes während der letzten drei Jahre, eine Liste mit den Namen und den Adressen des Geschäftsführers, geschäftsführenden Direktors, Syndikus und der anderen Schlüsselkräfte des Verbandes, eine Liste etwaiger Unterorganisationen des Verbandes zusammen mit den Namen, Adressen und anderweitigen Geschäftsverbindungen aller gewählten Vorstandsmitglieder jeder Unterorganisation während der letzten drei Jahre sowie Namen und Adresse des Geschäftsführers, geschäftsführenden Direktors und der anderen Schlüsselkräfte jeder Unterorganisation, eine Liste der gegenwärtigen Mitglieder des Verbandes und jeder seiner Unterorganisationen, eine Liste mit den Namen, der Zusammensetzung und den Funktionen jedes Ausschusses des Verbandes und seiner Unterorganisationen. Ferner soll angegeben werden der ungefähre jährliche Gesamtgeschäftsumfang aller Mitglieder des Verbandes im Jahre 1949, der ungefähr jährliche Geschäftsumfang jedes einzelnen Mitgliedes des Verbandes im Jahre 1949 soweit möglich, eine Liste mit den Daten und Adressen aller Versammlungen, die von dem Verband und seinen Unterorganisationen in den letzten drei Jahren abgehalten wurden, eine kurze Angabe des Zweckes und der Funktion des Verbandes einschließlich seines Gründungsdatums und eine Angabe der ungefähren Anzahl vön Rundschreiben, Mitteilungsblättern und anderen Materials, welches von dem Verband während des letzten Jahres an seine Mitglieder verteilt wurde. Schließlich wird je eine Kopie aller Rundschreiben und Mitteilungsblätter gefordert, die der Verband während des letzten Monats verteilt hat.
Von der Dekartellisierungskommission sollen einer Untersuchung unterzogen werden: der Bundesverband der deutschen Industrie mit Sitz in Köln sowie eine Anzahl größerer ihm angeschlossener Verbände. Nach dem augenblicklichen Stand soll sich die Untersuchung auf sechs größere Verbände erstrecken.
Bessere Hektarerträge
vwd Die jetzt vorliegenden ersten diesjährigen amtlichen Ernteschätzungen der Statistischen Landesämter für einige Feldfrüchte zeigen, daß im Bundesgebiet befriedigende Erträge zu erwarten sind. Bei den Frühkartoffeln lagen die Erträge um etwa 15 bis 20 Prozent über den durchschnittlichen Vorkriegserträgen. In Süd- und Südwestdeutschland sind in diesem Jahr die Erträge wesentlich höher als im Vorjahr, während im Norden meist nicht die letztjährigen Erträge erreicht worden sind. Da die Anbaufläche an Frühkartoffeln im Bundesgebiet in Anpassung an die Absatzmöglichkeiten von 102 000 ha 1949 auf 84 000 ha zurückgegangen ist, bleibt die Gesamternte hinter der vorjährigen zurück. Sie kann mit etwa 1,2 bis 1,3 Millionen Tonnen angenommen werden gegenüber 1,5 Millionen Tonnen im Vorjahr.
Geldmangel beim Handwerk
Nur langsamer Anstieg der Beschäftigtenzahl
Die in der letzten Zeit aufgetretenen Veränderungen in der Wirtschaftslage des Handwerks bieten das Bild einer von der Bauwirtschaft her beeinflußten Auflockerung. Die nicht für die Sauwirtschaft arbeitenden Handwerker können immer noch keine wesentliche Besserung gegenüber den Wintermonaten feststellen. Handwerkszweige mit überwiegender Reparaturtätigkeit berichten sogar von einer Verschlechterung. Daß aber hier trotzdem echte Auftriebskräfte am Werk sind, deutet sich darin an, daß sie überall dort, wo sie zum Handwerk durchstoßen konnten, eine zwar langsame und stark unterschiedliche, aber doch anhaltende Aufwärtsentwicklung in der Beschäftigungslage hervorgerufen haben. Schwache Aus- Strahlungen davon sind auch in den übrigen Handwerkszweigen erkennbar. Es wäre indessen voreilig, von einer Behebung der kritischen Lage in weiten Teilen des Handwerks zu sprechen. Die Auftriebskräfte sind selbst dort, wo sie sich zeigten, zu schwach, um in der Ertragslage des Einzelbetriebes schon einen Niederschlag zu finden.
Die wirtschaftliche Lage des Handwerks bleibt nach wie vor verkrampft und undurchsichtig. In einer Vielzahl von Handwerkszweigen ist das vorhandene Auftrags- und Arbeitsvolumen zu knapp, und der Kampf um' den zahlungskräftigen Kunden ist mit einer im Handwerk seit langem nicht mehr gekannten Schärfe entbrannt. Dabei sind — abgesehen von den mit ganz anderen Kostenfaktoren arbeitenden Schwarzarbeitern - diejenigen Unternehmer im Vorteil, die ungehemmt von jeder Wirtschaftsverantwortung, den Grundsatz einer rücksichtslosen Ellenbogenfreiheit vertreten und sich keine Sorge darüber machen, ob oder wann sie in der Lage sein werden, ihren steuerlichen und sozialen Verpflichtungen, Lieferantenschulden und dergleichen nachzukommen. Das markante Merkmal der übrigen, den gesunden Kern des Handwerks darstellenden Betriebe ist der latente Geldmangel. Obwohl die Zahlungsmoral der Auftraggeber des Handwerks besser geworden ist, und obwohl man versucht, ihm durch die Kreditpolitik abzuhelfen, konnte man diese Gefahr noch nicht bannen.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse belebte sich das Geschäft zum Wochenende etwas, ohne daß infolge der Marktlage die Umsatztätigkeit entsprechend gesteigert werden konnte. Die durchaus freundliche Grundhaltung wurde durch die ungünstigen Nachrichten vom Koreakriegsschauplatz gedämpft.
Die Chikagoer Getreide börse beschloß die Woche auf wenig verändertem Preisstande.
Die internationalen Woll markte sind durch Material'knappheit und die zunehmende Spannung auf die Ende dieses Monats beginnenden Versteigerungen in Australien gekennzeichnet.
An der Neuyorker Baum wo 11 börse konnten sich die Notierungen gegen Wochenschluß etwas erholen.
Die Londoner Zinnbörse nahm am letzten Tage der Berichtswoche einen sehr stürmischen Verlauf. Hier verlor der Preis gegenüber dem Vortage fast 100 Pfund Sterling je ton; er konnte hiervon allerdings bis zum Schluß der Börsenzeit 15 Pfund Sterling wieder einbringen. In Neuyork stieg der Preis von 103,5 am 10. 8. auf 109 am 16. 8. Er schloß auf 101 cts je 1b am 17. August.
Arbeitslosigkeit geht weiter zurück
Z. K. Der Rückgang an Arbeitslosen in der Bundesrepublik betrug in der ersten Hälfte des Monats August rund 42 800. Die Zahl der Erwerbslosen ist damit Mitte des Monats auf 1 409 000 gesunken. Von diesem Rückgang profitierten wieder überwiegend die Männer mit 35 900, bei denen der Arbeitslosenstand mit 970 000 erstmal die Millionen-Grenze unterschritt. Am stärksten waren die Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Hessen am Rückgang der Arbeitslosigkeit beteiligt.
Weitere Tarifkündigungen
F.A.Z. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuß und Gaststätten in Hessen hat zum 30. 9. 1950 die Lohnvereinbarungen für die Arbeiter in zahlreichen Gewerbe- und Industriezweigen gekündigt. Darunter fallen alle Tarife für Sekt- und Weinkellereien, für Apfelweinkeltereien, Mineralwasserbetriebe, Mühlenbetriebe, Brotfabriken und Bäckereien, Teigwarenfabriken, Eis-, Feinkost- und Rohkonservenfabriken. Gleichzeitig wurden alle Tarifverträge für die Angestellten in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie gekündigt. Es werden Lohnerhöhungen bis zu 20 Prozent gefordert.
ast. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft hat die Tarife für Angestellte der Erdölgewinnungsbetriebe zum 30. September gekündigt. Bezüglich der Arbeiterlöhne im Erdölbergbau sind Verhandlungen zwischen dem Wirtschaftsverband Erdölgewinnung und der Industriegewerkschaft Bergbau aufgenommen worden.
Mehr Kleinbauern im Westen
vwd. In der Bundesrepublik gibt es im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Nutzfläche mehr bäuerliche Klein- und Kleinstbetriebe als in der Sowjetzone. Zu dieser überraschenden Feststellung kommt der Rheinische Landwirtschaftsverband in einer Untersuchung über die Struktur- und Eigentumsverhältnisse in der Bundesrepublik und in der Sowjetzone. Danach waren in der Bundesrepublik 32,9 Prozent aller Betriebe bis zu 2 ha groß gegen 29 Prozent in der Sowjetzone. Betriebe von 2 bis 5 ha machten im Bundesgebiet 27,5 Prozent aus, in der Sowjetzone dagegen nur 16,2 Prozent. In der Größenordnung zwischen 5 und 20 ha sind die entsprechenden Zahlen 32,2 bezw. 48,5 Prozent, zwischen 20 und 100 ha 6,3 bezw. 6 Prozent, über 100 ha je 0,1 Prozent.
Dieselkraftstoff gegen Marken
ast. Die Auslieferungsläger und Tankstellen der „Zentralbüro für Mineralöl GmbH“ sind streng angewiesen worden, Dieselkraftstoff nur noch gegen Bezugsmarken auszuliefern. Alle Verbraucher werden aufgefordert, ihre Dieselkraftstoffmarken bei den Ausgabestellen abzuholen. Die in Aussicht genommene Aufhebung der Dieselkraftstoffbewirtschaftung ist bis auf weiteres hinausgeschoben worden. Die Kontingente für die Monate August und September sind jedoch soweit erhöht worden,
Importe aus Frankreich
F. A. Z. Die Bank deutscher Länder hat neue Richtlinien für die Ausstellung von Ursprungszeugnissen für Einfuhren aus Frankreich und aus den überseeischen Gebieten unter französischer Kontrolle herausgegeben. Danach erkennt die Notenbank Ursprungszeugnisse aus dem französischen Mutterland, aus Monacco und dem Saargebiet nur an, wenn sie von den Zollämtern und den Handelskammern des Versandortes ausgestellt worden sind. Ursprungszeugnisse aus dem überseeischen Gebiet müssen von den örtlichen französischen Behörden oder Handelskammern ausgestellt sein. Ferner muß ein Sichtvermerk der örtlichen französischen kolonialen Zollstelle angebracht werden.
Mehr Wechselproteste
AZ. Wie aus einem Bericht der hessischen Bankenaufsicht hervorgeht, betrug die Zahl der im zweiten Kalendervierteljahr zu Protest gegebenen Wechsel 2365 Stück gegenüber 1763 im ersten Quartal 1950. Der Gesamtbetrag der protestierten Wechsel verringerte sich dagegen von 1 544 000,— D-Mark Ende März auf 1 512 000,— D-Mark Ende Juni.
Kein Stahl für Rußland
AP Die Düsseldorfer Eisen- und Stahlfirma K. O. Krause hat die Verhandlungen über Stahlexporte an die Sowjetunion wegen zu großer Lieferschwierigkeiten abgebrochen. Der Mitinhaber der Firma, Dr. Fritz Kirchfeld, teilt mit, daß sich das Werk jetzt amerikanischen Aufträgen zuwenden wolle, da diese schnell zum Abschluß kommen und weit weniger Staub aufwirbelten. Die Firma Krause hatte in der letzten Woche vom Bundeswirtschaftsministerium die Genehmigung erhalten, mit den sowjetischen Besatzungsbehörden in Karlshorst über Stahllieferungen an die Sowjetunion zu verhandeln.
Vertriebenenbank gibt Kredite
Z. K. Die im Mai dieses Jahres in Borm mit einem Aktienkapital von 3 Millionen DM gegründete Vertriebenenbank wird in Kürze rund 50 Millionen DM aus der zweiten Tranche der ERP-Gegenwertmittel für Investitionszwecke an Flüchtlingsbetriebe geben. Wie der Geschäftsführer der Bank, Dr. Ziemer, am Freitag in Bonn erklärte, sollen weitere 20 Millionen DM, ebenfalls ;aus ERP-Gegenwertmitteln, von der Vertriebenenbank als Bürgschaften für kurz- und mittelfristige Betriebsmittelkredite gegeben werden. Die Bank rechnet damit, daß auch aus der dritten Tranche der ERP-Gegenwertmittel 50 Millionen DM für Investitionen zur Verfügung gestellt werden. Die Mittel aus der zweiten Tranche wurden bereits auf die Bundesländer verteilt und sind schon weitgehend vergeben.
Landwirtschaft
Zwischen Stuttgart und Straßburg
Drei bedeutsame Tagungen ziehen jetzt das besondere Interesse der Landwirtschaft auf sich. In einer Woche wird in Mainz der Deutsche Bauerntag beginnen. Gleichzeitig ist in Stuttgart eine große Tagung der Gartenbau-Verbände mit ihren Fach-Ausschüssen geplant, und während der Versammlung der europäischen Politiker in Straßburg erreicht uns die Nachricht, daß Ende September der Verband der europäischen Landwirtschaft eine inhaltsreiche Besprechung über die verschiedenen agrarpolitischen und fachlichen Tagesfragen am gleichen Ort plant.
Wer Pflaumen zu verkaufen hat, der pfeift heute auf Europa. Zur gleichen Zeit, wo an der Bergstraße und anderswo die schönsten Pflaumen geerntet werden, muß ausgerechnet aus Jugoslawien, aus Italien, aus Frankreich und sonst woher in derartigem Umfang importiert werden, daß die eigene Erzeugung selbst zu einem Spottpreis kaum mehr abzusetzen ist. Trotz aller Zusicherungen haben wir nicht viel Hoffnung, daß es bei Tomaten, bei Weintrauben oder bei Aepfeln anders werden wird. Die augenblicklichen Preise, die bereits die Hälfte des Vorkriegsdurchschnitts unterschritten haben, können keinen Obstbauern für die Idee der europäischen Einheit begeistern. Und doch wird der Prozeß der europäischen Einigung auf wirtschaftlichem wie auf politischem Gebiet nicht von den Pflaumenzüchtern bestimmt, sondern letzten Endes von den Forderungen der Zeit. Die Reliquien überholter Kleinstaaterei können nur in Europa noch den Schein eines Eigenlebens bewahren. Je eher sie beseitigt werden, um so besser für uns.
Die Landwirtschaft hat es nicht ganz einfach, eine klare Linie zu finden, die den richtigen Kompromiß zwischen den eigenen Interessen und den politischen Gegebenheiten ausdrückt. Wenn wir vom Obst- und Gemüsebau ausgehen, so scheint die Lage fast hoffnungslos verfahren. Anders aber sieht es für die Masse der westdeutschen Bauern aus, deren wesentliche Verkaufsprodukte Milch, Fleisch, Getreide und Zuckerrüben sind. Mußte man noch vor wenigen Wochen fürchten, daß die Entwicklung der Weltmärkte zu einer Wiederholung der Preis-Zusammenbrüche von 1930 und 1932 führen könnte, so hat der Korea- Konflikt eine völlige Aenderung der Lage bewirkt. Weder bei Getreide, noch bei Fleisch, ja nicht einmal bei Fett ist in absehbarer Zeit mit Preisentwicklungen zu rechnen, die auch nur annähernd eine „Furcht vor den Weltmarktpreisen“ rechtfertigen würden, wie sie vor zwanzig Jamen berechtigt war.
Die Hoffnungen, daß das Verständnis für die Wichtigkeit der landwirtschaftlichen Erzeugung eher wieder zunehmen, als nachlassen würde, sind durchaus berechtigt. In der Gesamtheit Westeuropas vielleicht noch eher, als im industriellen Deutschland. Wir dürfen uns durch die Tatsache, daß die völlig neuartigen Angebotsverhältnise auf einem europäischen Markt tiefgreifende Umstellungen und Strukturwandlungen bedingen, nicht beirren lassen. Die Stellung der Landwirtschaft im heutigen Europa und zwangsläufig auch in Deutschland beginnt sich wieder zu stärken. Wir sollten deshalb nicht zaghaft, sondern guten Mutes mit unseren Berufskollegen in den Nachbarländern ins Gespräch kommen, denn wir können viel von ihnen lernen.
Was aber im Inneren des noramerikanischen Kontinents möglich ist, das sollte auch für Europa nicht ausgeschlossen bleiben: daß die Bauern aller westeuropäischen Länder ihre Arbeit einteilen und die Beachtung ihrer Lebensdnteressen erwirken, die der entscheidenden Bedeutung der Landwirtschaft angemessen ist. Dazu ist allerdings eine engere Zusammenarbeit notwendig. Die „Grüne Internationale“ ist noch eine Utopie, die Internationale des Importhandels aber eine Wirklichkeit. Das haben uns die Pflaumen gelehrt.
Auch Kleintiere brauchen Pflege
Hühner
Die Mauser der Hühner hat begonnen und damit auch das Schlachtender Althennen, wenn auch die Hauptmauserperiode erst in den Monat September fällt. Hennen, die in der Legeleistung nicht genügen, ebenso überalterte, verfettete Hennen und überzählige Hähne werden jetzt, sofort bei Beginn der Mauser, geschlachtet. Die Junghennen erhalten möglichst Auslauf auf Rasen und viel geschnittenes Grün. Kalkbeine bei den Althennen werden, sobald sie sich zeigen, mit altem Oel behandelt. Die Zuchtstämme sind seit einigen Wochen bereits aufgelöst. Wer mehrere Rassen hält, läßt die Hühner jetzt zusammenlaufen. Freiwerdende Ausläufe werden tief umgegraben und nochmals besät. Das hilft entkoten und gibt zum Herbst junges Grünfutter. Wer Gelegenheit hat, die Jungtiere auf die abgeernteten Felder zu bringen, kann dies jetzt tun. Kurz vor dem Legebeginn müssen sie’jedoch in dem' zukünftigen Legestall untergebracht sein. Auch die späteren Bruten müssen jetzt, soweit nicht bereits geschehen, beringt werden, sonst lassen sich die geschlossenen Fußringe nicht mehr aufziehen.
Gänse und Enten
Während jetzt die ersten Frühbrutep. im Alter von 10—12 Wochen abgeschlachtet werden, kann man noch vorhandenen Glucken einen Satz Eier unterlegen. Enten aus dieser Brut entwikkeln sich noch bis zum Spätherbst ausreichend. Zu Zuchtzwecken sollen nur Frühbrutenten genommen werden. Sie erhalten jetzt nur ein Erhaltungsfutter, ausreichenden Auslauf und, wenn möglich, Schwimmwasser. Ausgesprochene Legerassen, wie Laufenten, Khaki-Campell, beginnen jetzt mit dem Legen und erhalten 20—25 Prozent Fisch- oder Fleischmehl ins Weichfutter. Bei den Gänsen muß jetzt zur Zeit der Ernte jede Weidegelegenheit auf Feldrainen und Stoppeln ausgenutzt werden, um an Zusatzfutter zu sparen, pabei ist auch für ausreichende Tränke und Schattenplätze zu sorgen. Abends erhalten Gänse 'Hafer bis zur Sättigung. Auch geschnitzelte Möhren bieten ein gutes und nahrhaftes Futter.
Tauben
An den heißen Sommertagen ist auf peinliche Sauberkeit im Taubenschlag zu achten, denn das schmarotzende Ungeziefer vermehrt sich sehr stark, besonders in den Nistkästen, begünstigt durch die Brutwärme. In unsauberen Nestern überfallen die Milben zu Tausenden die wehrlosen Jungen, so daß diese durch den dauernden Blutverlust an Entkräftung eingehen. Die Nistschalen sind nach jeder Brut mit heißem Sodawasser auszuscheuern und das alte Nistmaterial restlos zu entfernen und zu verbrennen. Für Badegelegenheit sind die Tauben jetzt besonders dankbar. Die Tauben kommen in die Mauser. Die Jungtauben der frühen Bruten paaren sich bereits, was aber tunlichst noch unterbunden werden soll. Feldernde Tauben finden jetzt wieder Freifutter.
Kaninchen
Auch für die Kaninchen ist das Grünfutter jetzt die Hauptnahrung. Ein gutes Beifutter sind Kartoffelschalen. Betautes Grünfutter ohne Heubeigabe muß vermieden werden, weil sonst Verdauungsstörungen eintreten. Die KÖrper- und Krallenpflege nicht vernachlässigen. Ein Ausweißen und Desinfizieren der Ställe soll jetzt zur Durchführung gelangen. Bei heißem Wetter bleiben Jungtiere nicht lange im Nest. Der Züchter achtet darauf, daß sie sich bei ihren vorzeitigen Ausflügen nicht in die Streu verkriechen. Jungtiere gehen aber im Sommer früher ans Futter als bei kühlerem Wetter. Auch aus diesem Grunde ist große Vorsicht besonders mit Grünfutter geboten. — Häsinnen können jetzt noch belegt werden, sofern sie sich genügend von der voraufgegangenen Säugezeit erholt haben.
Ziegen
Die Ziegenlämmer wachsen kräftig heran. Zum frohen Wachstum gehört aber unbedingt ausgiebige Bewegung, am besten Weidegang. Ist solcher nicht möglich, so bringt man die Lämmer in ein Koppel, den Hof usw. Ohne gute Weide lassen sich allerdings keine Tiere heranziehen, die später Höchstleistungen bringen sollen. Wo die Bedingungen nicht gegeben sind, soll man daher von der Aufzucht von Zuchtmaterial absehen. Das Grünfutter wird bei Hitze nur jeweils in den Mengen gemäht, wie es für den Tagesbedarf erforderlich ist. Außerdem lagert man es in dünrier Schicht, damit es nicht erwärmt. Wo die Weiden infolge der fortschreitenden Jahreszeit geringer werden, muß abends eine entsprechende Zufütterung im Stall erfolgen.
/ Bienen
Der August ist der letzte Schleudermonat für Imker, die nicht gewandert sind; zumeist auch der einzige. Der Schleudertermin ist die beste Gelegenheit, Volk und Honigraum einer einwandfreien Durchsicht zu unterziehen. Jedes Volk wird auf Stärke, Leistung, Zustand, Futterbedarf, Wabenzustand und Einfütterungsnotwendigkeit geprüft. Gegen Ende August werden die Waben für die Ueberwinterung eingehängt. Man darf aber nicht meinen, daß danach alles getan ist. Drohnenwaben sind zu beobachten. Für Brutnestgelegenheit wird nochmals Reizfütterung gegeben. Noch ist es nicht Zeit, das Volk „sich selbst zu überlassen“.
Gütezeichen
für Gemüse und Obst
Wie der Bayerische Bauernverband mitteilt, wurde in Bayern mit dem Zwecke der Verleihung an Erzeugergenossenschaften und Einzelerzeuger das Gütezeichen für deutsche landwirtschaftliche Markenware für Gemüse und Obst eingeführt.
Der Zweck dieses Gütezeichens ist es, die Herausstellung deutscher Erzeugnisse durch beste Sortierung und absolut gleichmäßige Aufmachung zu gewährleisten. Auch die übrige Qualität hat dem Gütezeichen voll zu entsprechen. Durch Angebot und Belieferung in bester Standardware sollen Handel und Verbraucher angeregt werden, zunächst der einheimischen Erzeugung den Vorzug zu geben. Das Gütezeichen muß dem Handel die absolute Gewähr dafür bieten, daß tatsächlich nur bestsortierte la- und A-Ware bei Obst und A-Ware bei Gemüse hinter dem Zeichen stehen. Jeder, der in Zukunft auf Antrag das Gütezeichen verliehen bekommt, übernimmt daher nicht nur sielt selbst, sondern dem gesamten Berufsstand gegenüber eine außerordentliche Verantwortung. Der Antrag auf Zuerkennung des Gütezeichens ist in zweifacher Ausfertigung beim Bayerischen Bauernverband, der zur Bearbeitung und Kontrolle dieser Anträge einen eigenen Fachausschuß gebildet hat, zu stellen. Die für das Land Bayern nur noch allein in Frage kommenden Verpackungsgefäße und Verpackungsarten sind mit der Bayerischen Lenkungs- und Absatzgenossenschaft für Gemüse und Obst eGmbH. abgespröchen. Um Sortierung und Verpackung völlig gleichmäßig zu gestalten, finden schon in allernächster Zeit gleichmäßig geleitete Sortier- und Verpakkungskurse durch die Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau statt. Die Verleihung des Gütezeichens ist in diesem Jahre zunächst nur für Kernobst vorgesehen.
Dies schließt jedoch nicht aus, daß in Ausnahmefällen, wo Erzeuger oder Erzeugergenossenschaften Gemüse oder andere Obstarten bereits in vorbildlicher, einheitlicher und gleichbleibender Güte und Aufmachung auf den Markt bringen, diesen auf Antrag das Gütezeichen von Fall zu Fall auch jetzt schon für diese Ware verliehen werden kann. (Nach BBV.)
Der Schweinerotlauf
Seine Erscheinungen und seine Bekämpfung durch Impfung
Der Rotlauf gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten der Schweine in Deutschland. Er wird durch den „Rotlaufbazillus“ verursacht. Seine Häufigkeit ist damit zu erklären, daß dieser stäbchenförmige Spaltpilz auch in den Verdauungswegen gesunder Schweine, wenn auch vereinzelt, vorkommt. Solange das Tier munter ist, leistet der Körper gegen diese Bakterien genügend Widerstand. Wird aber die natürliche Resistenz durch irgendwelche Faktoren herabgesetzt, z. B. durch ungünstige Temperaturverhältnisse (Gewitterschwüle, Witterungsumschlag), Vitamin- und Nährsalzmangel im Futter, fortwährende Stallhaltung, dann kommt es zu einer Erhöhung der Virulenz ( -Krankmachungsfähigkeit) der vorhandenen Rotlaufbakterien bzw. zu einer Rotlauferkrankung. Neben dieser Art der Entstehung kann die Krankheit auch durch Ankauf bereits infizierter Schweine oder durch Abfälle wegen Rotlaufs notgeschlachteter Tiere eingeschleppt werden. Ist übrigens letzterer erst einmal in einem Bestände ausgebrochen, muß man mit einer vermehrten Rotlaufgefahr in den nächsten zwei Jahren rechnen, da der Infektionsstoff lange Zeit im Stallboden lebensfähig erhalten bleibt. Besonders empfänglich sind schnellwüchsige Schweine im Alter von 4—12 Monaten, dagegen ist Ferkelrotlauf sehr selten.
Die ersten Anzeichen für eine Erkrankung ist neben Störung des Allgemeinbefindens hohes Fieber, also 41 bis 42 Grad und darüber (Normaltemperatur' 38.5 —4O Grad!) Versagen also ein oder mehrere Schweine in einem Bestände einmal das Futter, verkriechen sie sich mit dem Kopf in die Spreu, zeigen sie Verstopfung mit Mattigkeit und hängendem Schwanz und daneben hohes Fieber, dann handelt es sich nicht um eine einfache Verdauungsstörung, sondern um beginnenden Rotlauf. Dann heißt es, sofort einen Tierarzt zwecks Vornahme der (Heil- und Not-)lmpfung herbeirufen. Wenn man erst abwarten will, bis sich die für Rotlauf typische (erst nach einiger Zeit auf tretende) allgemeine blaurote Hautfärbung zeigt (sie breitet sich von Ohren und Rüssel allmählich über den ganzen Körper aus), dann ist es vielfach zu spät.
Neben diesem gewöhnlichen akuten Rotlauf gibt es noch eine leichtere Form, den sogenannten „Fleckrotlauf“ oder „Backsteinblattern“. Die Erscheinungen sind dieselben wie vorher, nur kommt es hier zu scharf abgrenzenden, helldunkelroten, meist viereckigen (backsteinförmigen) Quaddeln auf Kreuz, Rumpf und äußerer Schenkelfläche. Erwähnen möchte ich schließlich noch, daß als Nachkrankheit des Rotlaufs vielfach Gelenksteifigkeit und Lahmheit auftritt. Ebenso kommt es nicht selten im Verlauf mehrerer Wochen nach überstandenem Rotlauf zu blumenkohlartigen Wucherungen auf der Herzklappe, was sich durch eine Stauungsröte an den Ohren, Kurzatmigkeit und große Mattigkeit kundtut. Ausgang: Notschlachtung oder Tod durch Herzlähmung.
Wohl bei keiner Krankheit gilt der Satz „Vorbeugen ist besser als heilen“ so sehr als beim Rotlauf. Deshalb sollte kein Bauer die im zeitigen Frühjahr durch den Tierarzt vorzunehmende Schutzimpfung der Schweine unterlassen. Der Impfschutz beträgt bei einer Impfung mit Serum und Kultur (und Kulturnachimpfung innerhalb 2—4 Wochen) mindestens 7 Monate. Die Tiere sind gleichzeitig dabei, ohne Kostenaufschlag, gegen Rotlauf versichert, d. h. sie werden bei festgestellter Rotlauferkrankung innerhalb der Garantiefrist zum Tagespreis ersetzt. Zur Sicherung der Diagnose müssen allerdings die Organe des notgeschlachteten oder verendeten Schweines an ein bakt. Institut eingesandt werden; auszuschließen von der Impfung sind: Ferkel unter 3 Monaten, hochträchtige oder säugende Muttertiere sowie offensichtlich erkrankte Schweine und Kümmerer.
Dr. L. B.
Deutscher SBanerntag 1950 in Mainz
Am Freitag, dem 25. August, gibt in Mainz eine Präsidiumssitzung des Deutschen Bauernverbandes und um 15 Uhr desselben Tages eine Gesamtvorstandssitzung mit anschließender Mitgliederversammlung des Deutschen Bauernverbandes den Auftakt zum Deutschen Bauerntag.
Die Haupttagung findet am Samstag, dem 26. August, um 10 Uhr, im großen Festsaal des Schlosses statt.
Nach Ansprachen des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Reichsminister a. D. Dr. Hermes, und des Präsidenten des Bauernverbandes Rheinhessen, Kurt Binsel, sowie nach einer Ansprache des Bundesministers Prof. Dr. Niklas wird Präsident Dr. Franz Wittmann einen Vortrag über „Die Lage der Landwirtschaft und ihren Weg in die Zukunft“ halten und der Präsident des Verbandes des Niedersächsischen Landvolks, Ermund Rehwinkel, den Bauerntag beenden.
Den Ausklang des Deutschen Bauerntages bildet ein Landjugendtag, veranstaltet vom Bund der Deutschen Landjugend im Deutschen Bauernverband am Vormittag des 27. August, 10 Uhr, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag des Leiters der Bauernhochschule Fredeburg, Prof. Dr. Raederscheidt, mit dem Thema „Landjugend vor den Aufgaben der Zeit“ stehen wird.
Am Nachmittag desselben Tages findet um 15 Uhr der Deutsche Landfrauentag, veranstaltet vom Landfrauenverband, statt, auf dem Dr. Irmgard Berghaus einen Vortrag über „Die sozialpädagogische Aufgabe der Landfrau“ halten wird. In zahlreichen weiteren Ansprachen werden die Probleme der Landjugend und der Landfrauen behandelt werden.
Der Deutsche Bauerntag in Mainz wird von zahlreichen weiteren Veranstaltungen umrahmt. So findet am Samstag, dem 26. August, 16 Uhr, die Eröffnung des Mainzer Weinmarktes im Zelt der Winzergenossenschaft am Halleplatz statt. Am Abend des gleichen Tages wird ein großer Gemeinschaftsabend der Landjugend im Gasthaus „Zum Ixiwen“ in Gonsenheim durchgeführt.
Im Stadtpark wird die große Mainzer Rosenschau gezeigt, und im Belli-Bau findet eine Ausstellung „Die Welt der Frau“ statt.
Das hessische Landvolk, das in Massen zum Deutschen Bauerntag nach Mainz strömen wird, um zu hören, welche Wege von den führenden Persönlichkeiten der deutschen Landwirtschaft gewiesen werden, wird von der Fülle des Gebotenen tief beeindruckt sein.
Rezepte für die Landfrau
Ein Pilzgericht ist immer gut
Ist es nicht jammerschade, daß jedes Jahr in den deutschen Wäldern Pilze im Werte von Hunderttausenden von Mark zugrundegehen? Während man früher vielfach achtlos an Pilzen vorüberging, werden sie heute wegen ihres Gehaltes an Nährstoffen und Mineralsalzen geschätzt. Sie haben meist eine ähnliche Zusammensetzung wie die frischen Gemüse, sind aber reicher an Eiweiß und nicht so leicht verdaulich und her im menschlichen Darm nur unvollkommen ausgenützt wordn. Um sie bekömmlicher zu machen, darf man se nur in Butter bei gelindem Feuer dämpfen, zie ziehen dabei so viel Brühe, daß sie im eigenen Saft gar werden. Außerdem bietet ihre pikante Würze der Hausfrau die Möglichkeit, Fleischgerichte, Suppen und Soßen geschmacklich wesentlich zu verfeinern. Wer sie selbst sucht, bekommt sie kostenlos und hat noch seine' Freude dabei. Es ist allerdings unerläßlich, sich mit d enPilzen genügend vertraut zu machen, um Verwechslungen zu vermeiden. Pilze eignen sich sehr gut zum Trocknen. Zu diesem Zweck werden .sie sorgfältig geputzt, auf Fäden gereiht und i n der Sonne getrocknet. (Dadurch bleiben sämtliche Nährsalze und Geschmackstoffe erhalten.)
Und nun einige Rezepte: Pilzküchlein zu grünem Salat
Die Pilze werden geputzt, gewaschen und mit dem Wiegemesser zerkleinert. In heißem Fett dämpf man Zwiebel und etwas Petersilie goldgelb, gibt die Pilze dazu und läßt sie noch gut fünf Minuten mitdämpfen. Unterdessen werden die abgeriebenen Brötchen in Milch eingeweicht, ausgedrückt und zerzuptt. Dann werden die Pilze mit Salz, Ei und Brötchen vermischt, runde Küchlein geformt, in Weckmehl gewendet und in reichlich heißem Fett knusprig gebacken.
Pilzauflauf
In Salzwasser kocht man einen Blumenkohl (nicht zu klein) halb gar. Währenddessen bäckt man ungefähr 4 bis mittelgroße Pfannkuchen und dämpft reichlich. Pilze in Butter. In eine gefettete und mit Weckmehl ausgestreute Form schichtet man lagenweise Pfannkuchen, Blumenkohl und Pilze abwechselnd mehreremal übereinander. Darüber gib man eine holländische Tunke, welche mit reichlich Eigelb abgerührt sein muß. Den Auflauf bestreut man mit Semmelmehl und legt Butterflöckchen obenauf. Man rechnet Vc Stunde Backzeit bei guter Hitze. Nach dem Backen mit Eischeiben garnieren. Man reicht dazu eine gute Tomatentunke.
Pilzsuppe
1 Pfund Pilze werden fein gewiegt, mit klein geschnittener Zwiebel in reichlich Butter gedämpft. Dann streut man das Mehl darüber und füllt mit Fleisch oder Knochenbrühe auf. Mit Petersilie, Eigelb, Rahm wird die Suppe abgeschmeckt. Zur Verfeinerung legt man in Butter gedämpfte Nierenstückchen in die Suppe.
Pilzpastetchcn
4 Eier, Vs Liter Milch, Zitronensaft, 1 Pfund gedämpfte Pilze und Kapern. Butter zum Ausstreichen der Formen, Zungenscheiben und Petersilie zum Garnieren. Die Eier werden mit Milch und Zitronensaft gut verquirlt. Dann gibt man die gedämpften Pilze und Kapern dazu. Dies wird in kleine Tassen gefüllt, welche mit Butter ausgestrichen sein müssen. Im Wasserbad läßt man sie sehr langsam 15 Minuten kochen. Dann werden die Pastetchen auf geröstete Weißbrotscheiben gestürzt, mit Zungenscheiben garniert und mit reichlich Petersilie bestreut. L. W.
Für den Kleingärtner
Pflege der Erdbeerbeete
Reichen Erntesegen haben wir eingeheimst und eingemacht. Nun sollten wir aber nicht die Erdbeerbeete liegen lassen, sondern pflegen, und für die nächstjährige Ernte stärken. Im Herbst entwtckeln die Erdbeeren die Fruchtanlagen für das kommende Jahr. Pflegezustand und Nährstoff vorrat entscheiden die Anlagen. ' „
Zunächst werden alle Ableger entfernt, die wir nicht zur Vermehrung benötigen. Auch die später erscheinenden Ableger müssen immer wieder entfernt weiden, da sie die Pflanze schwächen und die Anlage verwildern lassen.
Die Düngung der Erdbeere erfolgt in drei Raten. Erste Rate sofort nach der Ernte. Zweite Rate im zeitigen Herbst (Ende September). Die dritte Rate wird im Frühjahr etwa 14 Tage vor der Blüte gegeben. Zur Düngung verwenden wir jedesmal für je 10 qm: 100 Gramm Kalisalz 40—50 Prozent, 100 Gramm Superphosphat, 100 Gramm Stickstoffdünger 20 Prozent, oder 200 Gramm Nitrophoska, Hakaphos bzw. Fertisal.
Anschließend bringen wir verrotteten Stalldünger oder Kompost, auf 10 Quadratmeter eine Schiebkarre voll,, die wir sorgfältig zwischen die Pflanzen verteilen.
Humusdünger und Düngesalze werden sorgfältig untergearbeitet. Das geschieht nach der Ernte mit der Grabegabel, später mit einem Grubbergerät.
Vor Beginn der Fröste werden Erdbeeren mit Tannenreisig oder ähnlichem Material abgedeckt. Das schützt sie sicher gegen die gefährliche Wintersonne und Fröste und verhindert das Auswintern.
Ernteverfahren
bei Obst und Gemüse
Salate und Spinat werden bei genügender Entwicklung am Wurzelhals abgeschnitten. Dabei bleiben die Wurzeln im Boden. Sie enthalten viel Saponin, was das Wachstum anderer Pflanzen fördert. Bei Spinat werden immer nur die stärksten Pflanzen gestochen, damit die kleineren nachwachsen können.
Mangold wird blattweise gebrochen. B^im Auslichten dichter Bestände werden die überzähligen Pflanzen ebenfalls abgeschnitten.
Schnittpetersilie und Laubsellerie; ein¬ zelne Blätter werden abgebrochen. Immer nur ein Blatt je Pflanze abnehmen.
Kohlarten werden mit den Wurzeln ausgerissen und diese dann abgeschnitten. Die Wurzeln dürfen nicht auf den Kompost wegen Kohlhernie usw. Die Köpfe müssen fest sein, die Deckblätter sollen erhalten bleiben.
Blumenkohl: Wenn sich die Rosen bilden werden 2 bis 3 Blätter eingeknickt, um die Rose gegen Sonne zu schützen; sonst wie Kohlarten.
Rettich, Rüben und Rote Beete werden ausgezogen und das Laub abgedreht.
Möhren, Schwarzwurzeln, Sellerie und andere Wurzelgemüse werden mit der Grabegabel vorsichtig angehoben, damit die Wurzelspitzen nicht abbrechen. Das Laub wird abgedreht.
Zwiebeln sollen nicht umgeknickt werden. Wenn die Stengel trocken sind, werden die Zwiebeln ausgezogen und an luftigem Ort getrocknet.
Bohnen werden geerntet, wenn die Samen schwellen (s. a. Erbsen).
Erbsen und Dicke Bohnen sollen volle Schoten haben, dürfen aber- noch nicht
mehlig sein. Beim Pflücken von Erbsen und Bohnen muß ^ine Hand den Fruchtstand festhalten, damit* dieser nicht abgerissen werden kann. Sie sind regelmäßig zu pflücken. •
Gurken sind beim Hellerwerden der Spitze reif und werden vorsichtig abgedreht, ohne die Ranken zu beschädigen Oefter durchpflücken. 8
Grundregeln: Ernte nicht zu früh. Nur refle Fruchte haben vollen Nährwert. Ueberreife bringt keine Vorteile. Trockenes Wetter und die Abendstunden sind vorzuziehen.
Nicht ties graben
Tiefes Umgraben im Sommer hat große Wasserverluste zur Folge. Darum sollten wir den Spaten meiden und an seiner Stelle die Grabegabel wählen. Sie macht keine groben Schollen und zerbröckelt das Erdreich. Dadurch schnelleres Setzen und leichteres Krümeln der Beete Zu dem sparen wir sehr viel Zeit’ und Arbeitskraft, denn die flache Arbeit mit der Grabegabel geht erheblich leichter und schneller. Das ist besonders wertvoll Frnt» W1# un®ere Beerenanlage nach der Ernte aufgraben, da wir den Boden festgetreten haben. Die Grabegabel beschädigt SmewS beim Spaten Un'
Darmstadt und Umgebung
Der Riedeselberg, Mitte vorigen Jahrhunderts Hofmaler Schnittspahn hat in der Mitte des vorigen Jahrhunderts diese Ansicht des „Riedeselberges“, von der Heidelberger Straße aus gesehen, festgehalten. Das war kurz bevor die berühmten Gartenanlagen, die Merck bewundernd beschrieben hat, aufgeteilt und bebaut wurden. Die katholische Kirche, das Neue Palais, die Heylsche Villa, die einstige Tapetenfabrik Hochstädter in der Heidelberger Straße, machten den Anfang. Immer aber blieb noch Grün genug, um die Erinnerung an den Garten und seinen Gründer, den Oberjägermeister Freiherr Riedesel zu Eisenbach auch über den Straßennamen hinaus festzuhalten. Die künftigen Bewohner der am Rande des Gartens entstehenden Wohnblöcke werden das auch zu schätzen wissen. (Nach einem Gemälde von Schnittspahn)
Ein heikles Thema
In der letzten Zeit mehren sich in erschreckendem Maße die Vergehen und Sittlichkeitsverbrechen an Kindern und Halbwüchsigen. Fast jeden Tag erhalten wir bei unseren Informationsbesuchen bei der Kriminalpolizei und den Ortspolizeidienststellen Kenntnis von neuen, schauderhaften Verbrechen dieser Art.
Es ist nicht erfreulich, nicht angenehm und auch nicht ersprießlich, sich ein solches Thema zur Wochenbetrachtung auszuwäh'len. Die zahlreichen Leserbriefe jedoch, die wir tagein, tagaus erhielten, die sich mit Abscheu und unmißverständlichen Worten gegen diese katastrophalen Zustände wandten, können nicht unbeantwortet bleiben. Letztlich wohl auch deshalb nicht, weil wir der Ansicht sind, daß man das Schreckliche sagen muß, damit das Gute siege.
„Sie müssen aus der Gesellschaft ausgestoßen werden — nennt ihre vollen Namen“, forderten uns eine Anzahl Leser auf. Man kann das tun. Ob es aber helfen wird? Mag es nicht sein, daß man eines Tages den Namen seines Vaters, eines guten Freundes oder Bekannten lesen wird, daß man sich nicht nur für den Vater, den Freund oder den Bekannten schämt, sondern sich irgendwie mitgetroffen fühlt? Und dann? — Dann wird das geschehen, was dieser Tage passierte: Ein junger Mann, dessen 76- jähriger Vater wegen eines Sittlichkeitsverbrechens zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, besuchte uns und erklärte, er sei kompromittiert, er könne sich nirgends mehr sehen lassen, er habe das Gefühl, daß seine Bekannten und Freunde hinter seinem Rücken über ihn tuscheln, ihn verachten würden, weil der Verbrecher ausgerechnet sein Vater — ein bis dato angesehener, nicht vorbestrafter Kaufmann gewesen sei. Und die Mutter dieses jungen Mannes, die Gattin des Verurteilten, die eine sehr glückliche Ehe erlebt hat, wagt sich nicht mehr aus dem Haus, sitzt blaß, mit vergrämtem Gesicht, hinter der Fensterscheibe und starrt verzweifelt in die Feme. Sie ist Mutter. Gewiß liebt sie ihren Mann, dem sie einige Kinder geboren hat, der sich als Ehegatte nichts zu Schulden kommen ließ, genau noch so wie früher. Wer aber weiß, was in diesen Tagen in dem aufgewühlten Herzen dieser bejahrten Mutter alles vc- s ch geht? — Grauenvoll, diese dunklen Schatten an der Schwelle des Todes ...
Vor uns liegt ein Brief, der mit den Worten schließt: „Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die gesamte Bevölkerung vor diesen Unholden gewarnt werden muß, daß ihre vollen Namen als abschreckendes Beispiel in der Presse veröffentlicht werden müssen.“ — Gegen diesen eindeutigen Standpunkt ist an sich nichts zu sagen. Die entsetzlichen Folgen jedoch, die die Angehörigen eines wegen dieser Delikte Verurteilten zu tragen haben, hemmen uns in dem Entschluß, den zahlreichen diesbezüglichen Bitten unserer Leser zu willfahren. Ein weiteres, sehr beachtendes Moment kommt hinzu: Wir haben aus Unterredungen mit offiziellen Stellen den Eindruck gewonnen, daß mancher der Verurteilten von 13-, 14- und 15jährigen Mädels in einer Art animiert wurde, die zwangsläufig zu einer gesetzeswidrigen Handlung führen mußte. Dann war es die ehrerschütterte Frau Mama, die Anzeige erstattete. Und verurteilt wurde ein alter Mann, der dem Tode näher als dem Leben ist. Leer aus gingen Mädels, die in einer Erziehungsanstalt zweifellos besser aufgehoben gewesen wären.
Wie dem auch sei: Tatsache bleibt, daß sich ein „Unhold“ an Minderjährigen vergriffen hat. Das „Warum?“ bleibt in vielen Fällen ufigeklärt. Die menschliche Seele ist zu undurchsichtig. Man kann sie nicht lesen wie ein Buch. Wie sonst wäre es möglich, daß dieser Tage ein Verurteilter, erst durch die Gerichtsverhandlung zur Besinnung gekommen, erklärte, er wisse nicht, wie es gekommen sei, er müsse sich selbst verachten, sich das Leben nehmen? ...
Wir wollen kein Mitleid, wir wünschen nur Verständnis, denn mehr oder weniger handelt es sich bei den Verurteilten um kranke Menschen, um Menschen, denen im allgemeinen der Tod sehr nahe ist. Am besten schützen die Eltern ihre gefährdeten Kinder, wenn sie sie nicht unbeaufsichtigt herumlaufen lassen.
Maximilian II
Ausgebombte, Flüchtlinge und Stenern
Zu einem Ausspracheabend im Forum
Man hätte bei diesem Thema „Die steuerliche Situation der Ausgebombten und Flüchtlinge.“ am Donnerstagabend im Forum — gerade in Darmstadt — einen vollen Saal erwartet, aber des ungnädige Wetter war wohl schuld an den vielen leeren Plätzen. Wilhelm Schölzel, der Vorsitzende der Kammer der Steuerberater, behandelte sein Thema ganz aus der Praxis heraus und befaßte sich vornehmlich mit der Einkommen- und Lohnsteuer, den steuerfreien Einkünften, den erhöhten Sonderausgaben und Freibeträgen.
Die wenigen steuerlichen Vergünstigungen bei den sonstigen Besitz- und Verkehrssteuern streifend, kam der Redner dann auf das Flüchtlingsgesetz, die Soforthilfe und den Lastenausgleich zu sprechen. Leider werden die Heimatvertriebenen mit geretteten Werten genau so zur Soforthilfe herangezogen wie die völlig Ungeschädigten und Hauseigentümer mit Schäden aus 43/44. Die in der RM-Zeit aufbauten, werden ohne Rücksicht auf die Kriegsschäden der Soforthilfeabgabe unterworfen, ein in Darmstadt nur zu häufiger Fall. Der Redner bedauerte, daß man nicht rechtzeitig an eine Sachabgabe herangegangen sei und daß beim Lastenausgleich infolge teilweiser Abstellung auf die Erträge den Geschädigten nur ratenweise geholfen werden kann.
Herr Stiepel vom Verband der Fliegergeschädigten fand bittere Worte der Enttäuschung, wenngleich er sich auch nicht den von einem Geschädigten geprägten Satz zu eigen machen wollte: „Tennisplätze in Bonn, Luftschutzbetten für Fliegergeschädigte.“ Herr Stiepel wies auf Härten bei dem Zinsendienst für
Trümmergrundstücke, der Währungsumstellung und der Umstellungsgrundschuld hin.,Müllabfuhr kann bei Trümmergrundstücken nicht verlangt werden, anders ist es mit den Gebühren für die ja durchgehend erfolgende Straßenreinigung. In Darmstadt nimmt aber die Stadt in Sonderfällen Rücksicht.
Herr L a m an n , der für die Heimatvertriebenen sprach, hob das Grundsätzliche bei der Gesetzgebung hervor und verlangte steuerliche Sondermaßnahmen für die Wiederbe Schaffung, warnte aber vor unerfüllbaren Forderungen überhaupt, in der Verantwortung vor der Gesamtheit, die nur zur Verelendung aller und zur politischen Radikalisierung führen würden.
Die Aussprache war lebhaft, ging allerdings viel am Thema vorbei. Der wiederaufgestellte „Briefkasten des öffentlichen Sprechers“ wurde nicht benutzt. Nach einigem Hin und Her wurde die zuletzt eingebrachte Resolution durch Zuruf angenommen. Sie lautet: „Die steuerliche Situation aller Geschädigtengruppen beinhaltet eine Benachteiligung gegenüber den Nichtgeschädigten. Sie beruht darauf, daß die Steuern und Abgaben ungerecht gegen die Geschädigten und nach dem Aufwand des Staates ausgerichtet werden und nicht der Aufwand nach der volkswirtschaftlich vertretbaren Steuerbelastung. Die Geschädigten fordern eine Herstellung des letzteren Zustandes, da nur dieser auf die Dauer zu ihrer wirtschaftlichen Gesundung führen kann.“
Der Vorstand des Forums bemerkte noch, daß aus formalen Gründen das Finanzamt nicht vertreten sein konnte und kündigte als Themen für die nächsten Forumabende „Die Schulspeisung“ und „Forum-und'Presse“ an».
Vom Flugzeng zur Autofahrschule
Zum 25jährigen Jubiläum der Fahrschule Zürtz
„Ja, das waren noch Zeiten ..meinte Karl Z ü r t z , als er auf seine ersten Erfahrungen mit Motoren zu sprechen kam. „Da war damals im Jahre 1909 die erste große Luftfahrtausstellung, und August Euler legte seine Prüfung als erster deutscher Flugzeugführer vor einer internationalen Kommission ab. Ich war von der Fliegerei so begeistert, daß ich von einem auf den anderen Tag bei der Firma Göbel als Elektromechaniker aufhörte.“
Als Zwanzigjähriger — fünfter von dreizehn Geschwistern, deren Vater ein Fahrrad- und Nähmaschinengeschäft in der Schuchardtstraße hatte — kam Karl Zürtz zu den Motoren und ist ihnen seitdem treu geblieben, auch wenn er aus der Luft auf die Landstraße wechseln mußte. August Euler, der an dem gewandten und tüchtigen Mann schnell Gefallen fand, nahm ihn als Mechaniker und schließlich als Werkmeister in seine Flugzeugfabrik auf dem Griesheimer Sand. Bis zum Vortage der Besetzung des Griesheimer Flugplatzes durch die Franzosen im Dezember 1918 half er dort Flugzeuge bauen und erprobte sie. „Euler war ein Urvieh, handelte als junger Ausreißer Fische in Moskau, wurde technischer Verkäufer, gewann Rad- und Autorennen, half Bosch bei der Gründung, lief im Wettlauf mit einem Pferd auf dem Griesheimer Sand das Tier zuschanden, hatte Geld noch und noch und lebt heute, fast 82 Jahre alt, bei Freiburg im Breisgau“, so erzählt Karl Zürtz von seinem früheren Chef, den er tief verehrt, von dem er eine Unzahl Anekdoten weiß und Andenken besitzt.
Nach dem ersten Weltkrieg kam Zürtz nach Darmstadt zurück und baute mit seinem Bruder Motorräder. Die Zürtz-Motorräder machten allerhand Staub, nicht nur auf den Rennbahnen, sondern vor allem in technischer Beziehung. Damals ging in Darmstadt das Rennen „Rund um die Ludwigshöhe“, und im Jahre 1923 drehte Karl Zürtz dort Runden im Hundertkilometertempo mit einem 150-ccm-Motor! Er lag damals knapp hinter Geo Wiest aus Darmstadt, der mit einer 600-ccm-Triumph das Rennen fuhr. Schon 1908 hatte Karl Zürtz an Motorradrennen teilgenommen, die auf der Rennbahn unterhalb der Ludwigshöhe ausgetragen wurden. Deutschlandfahrten sahen ihn und seinen Bruder auf selbstgebauten Motorrädern, und manche Trophäe konnten die Brüder nach Hause bringen. Aber die Fabrik ging ein, der kaufmännische Teilhaber hatte versagt, und Karl Zürtz konnte sich gerade noch ein paar Motorräder für sein Verleihgeschäft retten.
Am 20. August 1925 legte er die Prüfung als Fahrlehrer ab, und seit dieser Zeit gingen etwa 4000 werdende Auto- und Motorradfahrer durch seine Fahrschule, die morgen ihr 25jähriges Bestehen festlich begeht. Das ist immer noch ein quicklebendiger und beweglicher Mann, der heute, mit 60 Jahren, seinen Fahrschülern das Fahren beibringt, selbst auf die Gefahr hin, daß er einmal, wie es ihm bei Bayerseich geschah, von einem aufgeregten Führerscheinanwärter quer durch den Straßengraben in den Wald gekarrt wird. Die Liebe zu seinem Beruf läßt ihn nach dessen Schwierigkeiten suchen, und so fühlt er sich vor allem verpflichtet, Kriegsversehrten, die an Armen oder Beinen behindert sind, das Fahren beizubringen und — wenn nötig — besondere Vorrichtungen zu entwikkeln, die ihnen die Bedienung des Kraftwagens erleichtern. So hat er letzthin an einem freien Sonntag in seiner Werkstätte eine Spezialvorrichtung zum Lösen der Handbremse gebaut, die einem seiner handamputierten Fahrschüler diese Tätigkeit ermöglicht. Drei Personenwagen der gängigsten Typen, ein Motorrad und, bei Bedarf, ein Lastwagen stehen zur Ausbildung seiner Fahrschüler zur Verfügung, die er nunmehr mit 25jähriger Erfahrung durchführt. agt
Prof. Beyer 81 Jahre alt
Heute wird Prof. Adolf Beyer 81 Jähre alt. Aus einer Darmstädter Künstlerfamilie stammend, ist sein Name eng mit dem Darmstädter Kunstleben verbanden. Wie sein Vater, der ihm auch den ersten Unterricht erteilte, wurde Adolf Beyer, einem inneren Antriebe folgend, Maler. Er besuchte die Museumsschule im Schloß bei Prof. Hofmann-Zeitz, studierte in Karlsruhe und München. Mit dem Gemälde „Bildnis meines Vaters“ hafte er seinen ersten Erfolg. Diese Arbeit fand auf der Internationalen. Kunstausstellung 1897 in München besondere Anerkennung.
In Darmstadt rief Adolf Beyer eine eigene Kunstschule ins Leben. Auch in den Lehrsfätten auf der Künstlerkolonie, an deren Aufbau er wesentlichen Anteil hafte, war er als Lehrer tätig. Seiner Initiative ist die Gründung der „Freien Vereinigung Darmstädter Künstler“ zu verdanken.
Durch Studienreisen ins Ausland weitete er seinen Blick, malte aber mit Vorliebe gerade seine hessische Heimat und ihre Menschen. Daneben stehen Akte, Sfilleben und Blumensfücke. Die letzte Ausstellung seiner Werke fand 1935 statt, bevor der Angriff auf Darmstadt die Schätze wertvoller Originale und Reproduktionen zusammen mit seinem Haus auf der Mathildenhöhe in Flammen aufgehen ließ.
Noch heute arbeitet Prof. Beyer trotz seines hohen Alters, trotz der schweren Schläge, die ihn auch durch den Krieg getroffen haben. Wir wünschen der Jubilar zu seinem Geburtstag für die Zukunft Znochi viele frohe Stunden und einen gesegneten Lebensabend. m.
Geburtstagsfeier
der 60jährigen in Arheiligen
Die Schulkameradinnen und Schulkameraden des Jahrgangs 1890 in Arheilgen feiern am Samstag, dem 2. September, gemeinsam ihren 60, Geburtstag. Die Auswärtswohnenden werden diese Gelegenheit benützen, um wieder die Buben und Mädchen aus alter Zeit zu sehen und mit ihnen Stunden der Erinnerung zu feiern. Um 7.00 Uhr starten zwei Heag-Omnibusse zur Fahrt ins Wispertal, von wo nach einem Frühstück die Reise den Rhein entlang über Aßmannshausen nach Eltville geht. In diesem schmucken Rheingaustädtchen findet dann die eigentliche Geburtstagsfeier bei Sang und Klang und frohen Liedern statt. Hewe.
Promenadenkonzert
am Sonntag im Herrengarten
Die beliebten Promenadenkonzerte des Darmstädter-Orchesters für Berufsmusiker (Kapelle Hinze) unter Leitung des Kapellmeister Hans Traser, welche jeden Sonntagvormittag von 11 bis 12 Uhr im Stadt - Herrngarten stattfinden, haben ihre Anziehungskraft nicht verloren und tausende von Zuhörern lauschen den schönen Melodien des Orchesters, so daß die Konzerte für die Darmstädter nicht mehr wegzudenken sind. Für den kommenden Sonntag hat sich der Männerchor „Frohsinn - Harmonie“ 1881 Darmstadt, Chorleiter: A. Simmermacher, jun., zur Verfügung gestellt und will Chöre mit Orchesterbegleitung zu Gehör bringen.
Folgenschwere Schwarzarbeit
Eine Warnung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Ein schwerer Unfall, der sich unlängst an einer Baustelle ereignete und bei der eine Flüchtlingsfamilie ihres Ernährers durch den Tod beraubt wurde, sollte Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Warnung dienen.
Ein Bauherr betrieb den Wiederaufbau seines Anwesens als „Selbsthilfe“. Nach den behördlichen Ermittlungen wurde zum größten Teil Schwarzarbeit geleistet. Von den vier Bauarbeitern waren einer dem Arbeitsamt und der Krankenkasse und zwei der Berufsgenossenschaft gemeldet. Die beiden anderen wurden seit einer Woche bzw. drei Wochen ohne eine derartige Anmeldung beschäftigt. Der Verunglückte hatte trotz seiner Tätigkeit in dei' gleichen Zeit Arbeitslosenunterstützung bezogen und war einer der beiden Arbeiter, die dem Arbeitsamt und der Sozi al Versicherung nicht gemeldet waren. Drei Tage vor dem Unfall hatte der Baukontrolleur der Bauaufsicht der Stadtbau- Verwaltung die Fortführung des Baues untersagt, bis ausreichende Sicherungen angelegt wären. Der Unfall ereignete sich nach Aussagen bei der Anlage eines Schutzgeländers. Es wurde festgestellt, daß die seit diesem Termin getroffenen Schutzmaßnahmen fast durchweg unsachgemäß und unzureichend ausgeführt worden waren. Der Unfall hätte sich zweifellos vermeiden lassen, wenn die Schutzvorrichtungen fachgemäß aufgebaut worden wären. (oa)
Richtfest bei L. B. Müller
Nach schweren Kämpfen mit der Stadtbauverwaltung wird heute der Inhaber der Firma L. B. Müller, Papier- und Bürobedarf, Herr Erich Müller, mit den Bauarbeitern das Richtfest zum Wiederaufbau seines Geschäftshauses in der Schulstraße feiern. Das im Rohbau fertiggestellte und zum Teil schon benutzte Gebäude ist nur ein Teil der geplanten Gesamtbebauung, die unter Leitung des Architekten Hans-Heinrich Langer steht. Eine Passage unter dem Vorderhaus soll durch einen allseitig von Verkaufsräumen umgebenen Ladenhof über eine Treppenanlage zum tiefergelegenen Kirchplatz führen und dadurch die Fußgängerverbindung zwischen dem Staidtkirchplatz und der Schulstraße herstellen. Ausstellungsräume für Büromaschinen und Büromöbel im Untergeschoß und eine geschickte Aufteilung der durch die Arkaden an der Schulstraße verringerten Ladenfläche im Erdgeschoß werden der Firma L. B. Müller die notwenigen Geschäftsräume sichern, während für die restlichen Ladenräume Darmstädter Firmen aus der zerstörten Innenstadt vorgesehen sind.
Konsumbrot
In einer am Donnerstag, dem 17. 8. 1950, sehr gut besuchten Versammlung der Bäcker-Innung Stadt- und Landkreis Darmstadt wurde festgestellt, daß entgegen Presseberichten auch das Bäckerhandwerk das Konsumbrot zum Preise von 49 Pfg. bereits hergestellt und angeboten hat. Es konnte weiter festgestellt werden, daß ein Großteil der Verbraucherschaft dieses Brot abgelehnt.und das bessere Brot bevorzugt. Es ist nach Ansicht der Bäckermeister eine alte Erfahrung, daß das qualitätsmäßig bessere, also hellere Brot für den Teil der Bevölkerung, der mit dem Pfennig rechnen muß, bezüglich des Belages stets vorteilhafter ist.
Mit Schanfel nnd Picke
Zum letztenmal saßen gestern die Teilnehmer des Internationalen Arbeitslagers in der Mittagspause an der Baustelle gegenüber dem Herrngarten einträchtig zusammen und machten Pläne von Briefeschreiben und Wiedersehen im nächsten Jahr. In den drei Wochen des Zusammenseins hat der aufgeweckte Kreis von englischen, amerikanischen, holländischen und indonesischen Studenten mit den deutschen Kommilitonen herzliche Freundschaft geschlossen und viele Vorurteile aus dem Wege geräumt Text und Bild: Stirtz
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: Alle bisher im Amerikahaus laufenden Ausstellungen sind ab sofort wegen Umzug geschlossen.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“, täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.
Verbaost, Kreisverband Darmstadt: 17 Uhr, Hotel Knauf, Bleichstraße: Mitgliederversammlung.
Pauluskirche: 20 Uhr, Musikalische Vesper. »
Möbelschau: Holzhofallee 27; 19.30 Uhr, Heiterer Musikabend.
...und morgen?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: wie Samstag.
Mathildenhöhe: wie Samstag.
Möbelschau: Holzhofallee; 16 Uhr, Nachmittagsveranstaltung.
Bereitschaftsdienst am Sonntag
Apotheken- Sonntags- und Nachtdienst: (von Sa, 19. 8., 13 Uhr,bis Sa. 26. 8., 8 Uhr).
Darmstadt: Nordend-Apotheke, Friedrich-Ebert-Platz 17; Stadt-Apotheke, Rheinstraße 32.
Darmstadt-Eberstadt: Apotheke Dst.- Eberstadt, Oberstraße 10.
Darmstadt-Arheilgen: Goethe - Apotheke, Darmstädter Straße 65.
Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 10 bis 12 Uhr)
20. 8.: Dr. Führmann-Beaury, Darmstadt, Kittlerstraße 45. Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12 Uhr).
20. 8.: Dentist Wilhelm Schäfer, Darmstadt, Frankfurter Straße 58.
Wir gratulieren
75 Jahre: Frau Katharina Lutzi, Zwingenberg a. d. 8., Wiesenstr. 7 (20. 8.).
Freundlicher und wärmer
DT-Wetterbericht
Übersicht: Bei noch anhaltendem Luftdruckanstieg läßt die Schauerneigung in der nach Deutschland eingednungenen Meeresluft nach. Eine beständige Hochdruckwetterlage ist jedoch im Augenblick noch nicht zu erkennen.
Vorhersage: Heiter bis bewölkt, am Samstag noch vereinzelt Schauer; am Sonntag überwiegend trocken. Tagestemperatur ab Sonntag wieder über 20 Grad steigende, abflauende Südwestwinde.
Weitere Aussichten: Voraussichtlich freundliches Wetter.
Dainnerum un drumerum
Idi hab emol en gute Bekannte gehatt, Schulmaster war er. Schad, daß er net mehr do is. Mir hawwe uns als frieher, wie’s Bier noch Bier un drotzdem billiger war wie heit, alle Woch so aa-, aach zwaamol am Stammdisch im Anker gedroffe un ich hab mich immer gefraat, wann er pingtlich kumme is. Wisse se, was so morjens in de Zeidung steht, deß krickt erst Saft u. Kraft, wann mers owends am Bierdisch dorchhechele
kann. Was de Aa net waaß, deß waaß de Anner, awwer was en richdische Schullehrer is, der waaß alles. Awwer am Schluß, wann mer haamgeht, do hatt jeder recht. Streit hots an unserm Disch kaan gewwe kenne, schun deßwäje, weil unser Lehrer immer im richdische Aageblick e nei Thema uffgeworfe hot, wo kaner.vun de annern mitgekennt hat. Mer hot redde derfe, vun was mer gewollt hot, immer is er uff e Frooch iwwergesprunge, wo er allaa gewißt hot. Mir warn als baff, was der all im Kobb hatt. Wann er die Kerch im Sack un die Katz im Dorf gelosse hett, do weern mer garnet dehinner kumme, daß er jedesmol erst zu uns kumme is, wann er sich vorher seu Kenntnisse aus eme aide Lexigon zammegesucht hatt. Egal, wann aach damals schun Unseraaner immer klaaner worn is, wann der ausgepackt hot. Deß war genaa so, wie deß, was mer heit uff gut deitsch Kwizz nennt. Indressand wars allemol.
Un heit, do kimmt mer aus em Kwizz iwwerhaubt net mehr eraus. Wo mer geht un steht, Frooche uff Frooche, wo mer kaa Antwort druff gäwwe kann.
Bei dem bunde Owend in de Mewelausstellung is alles Meegliche uffs Drabez kumme, awwer warum die Mewel, die wo so schee eufach gemacht sin, daß mer beim Betrachde glaabe muß, mer kennt se aach kaafe, net aach grad so eufach im Breis sin, do is nix devo gesacht worn.
Wann ich saach: Steiererkleerung, do werd mer jeder rdecht gäwwe, der wo in de letzte Zeit so en Fraachebooche krickt hot. Deß is sogar e Dobbelkwizz. Do sin nemlich Frooche drin, die wo mer net beantworte kann un Frooche, die wo mer net verantworte kann, wann mer net grad seu Hemd ausziehe will.
Noch e Beispiel. Ich hab mer schun lang meu Glosse driwwer gemacht, ob unser Altstadt ewig als Unkraut-A’laach lieje bleiwe soll. Ich bin nor froh, daß unser Stadtverwaldung dißmol ausnahmsweis net dro schuld is. Jetzt hawwe mer endlich erfahrn, daß aach de Vadder Staat alles uff die lang Bank schiebt. Un jetzt kimmt mer schun Widder e Retselfrooch in de Wääk, ob ich vielleicht noch erläwe dhu, daß es emol annerster werd.
Aa Gligg, daß mir deß Retsel vun Korea net zu leese brauche. Manchmal steht mer vor eme Retsel, ohne daß mer iwwer-
haubt gefroocht werd. Vun Bonn oder Straßborch will ich garnet a’fange, do hett ich soviel Frooche, daß ich mit em Uffschreiwe net fertich wem dhet. Ich glaab aach net, daß se dene Herrn dort in de Kram basse dhete, un e gescheit Antwort kreecht ich aach net.
Nor aans leßtmer kaa Ruh. Mir sin in de ganz Welt in de Dreck gezooche worn, weil mer emol gude Soldade gewese sin und jeder, der wo aus Flichtgefiehl en Befehl ausgefiehrt hot, war en Vabrecher. Un jetzt? No, ich bin jo driwwer enaus.
Zunext is es jo noch e Kwizz zwische London, Paris un driwwe, un mir kenne am Radio abhorche, wie se sich gäjeseidisch druffhelfe. Mer maa.nt, die hette vun dem hessische Minister gelernt, der wo emol gesaacht hot: Was geb ich for meu schläächt Geschwätz vun gestern.
Ich kann eich bloß rate, loßt eich trotzdem noch kaa graue Haarn wachse, es kimmt doch, wie’s kimmt un loßt eich eiern Sunndach net verderwe. Drum alles Gude! Eier Anton Berzel.
Konferenz des Landesfürsorgeverbandes
Für Freitag hatte der Landesfürsorgeverband beim Regierungspräsidenten Darmstadt zu einer Konferenz der Bezirksfürsorgeverbände nach Darmstadt eingeladen, wozu die Vertreter der Bezirksfürsorgeverbände des Regierungsbezirks Darmstadt erschienen waren. Die Konferenz stand unter der Leitung von Oberregierungsrat Härting. Als Vertreter der hessischen Regierung war Herr Schmunk vom Ministerium des Innern erschienen. Außerdem waren Amtsrat Becker vom Rechnungshof Darmstadt und ein Vertreter des Staatlichen Rechnungsamtes Wiesbaden anwesend. Es wurden hauptsächlich Fragen über das Abrechnungswesen — und hier besonders das der Kriegsfolgenhilfe — behandelt. Dabei stellte der Regierungsvertreter fest, daß gerade der Regierungsbezirk Darmstadt in dieser Hinsicht schon Wertvolles geleistet habe. Ein Vorschlag des Vertreters des Landratsamtes Offenbach soll dem Ministerium des Innern vorgelegt werden. -th- Wem gehört das Herrenfahrrad, das am 14. August herrenlos in einem Straßengraben des Elfeicherwegs in Darmstadt gefunden wurde? Die Polizei bittet Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, sich bei der Kriminalabteilung des Polizeipräsidiums in der Nieder-Ramsädter Straße Nr. 177, Zimmer 44, zu melden. ys.
Der Rundfunk am Sonntag
RADIO FRANKFURT: 7.20 Kurkonzert; 8.30 Evangelische Morgenfeier; 10.30 Frankfurter Gespräch; 11.15 Volkstümlisches Konzert; 13.00 Virtuose Musik; 15.15 Die Stunde des Chorgesangs; 16.00 Tanztee; 17.00 Gute Unterhaltung, liebe Hörer; 20.00 „Rhapsodie in Blue“; 22.30 „Großstadt-Idylle“; 23.00 Tanzmusik.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 11.00 Salzburger Festspiele 1950; 3. Orchesterkonzert; 13.05 Frisell vom Plattenteller; 14.00 Stunde des Chorgesangs; 15.00 Unterhaltungskonzert; 17.00 „Die Teufelsgeige“; 20.00 Rhapsodie in Blue“; 23.00 Nachtkabarett; 24.00 Tanzmusik aus aller Welt.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Johann Sebastian Bach; 13.30 Großes Unterhaltungskonzert; 18.00 Stimme der Heimat; 19.20 Kleine Abendmusik; 20.00 Rhapsodie in Blue; 22.15 Sport und Musik; 23.30 Im Rhythmus der Freude.
...und am Montag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Musik aus Frankreich; 17.00 Klingende Landschaft; 18.30 Zum Feierabend; 20.00 Bunter Abend; 22.15 Meister ihres Faches; 23.00 Zärtliche Musik.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 18.15 Unterhaltungsmusik; 20.00 Bunter Abend; 22.15 Salzburger Festspiele 1950: „Raub der Lukrezia“.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musik am Nachmittag; 17.20 Kammermusik; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Froh und heiter; 22.30 Klaviermusik; 23.15 Tausend bunte Noten.
Vorsitzender des Arbeitsgerichtes Gie¬ ßen wurde der aus Darmstadt gebürtige Dr. jur. Karl Gröninger. Nach seinem juristischen Studium an der Gießener Ludwigs-Universität war Dr. Gröninger vor seiner Berufung in die hessische Arbeitsgerichtsbarkeit als Syndikus in der Privatwirtschaft tätig. (se)
In der Stadt notiert
Der Schubert-Chor Darmstadt wird am Sonntag, dem 3. September, anläßlich eines Freundschaftsbesuches bei dem „Sängerbund“ in Neckarsteinach mit einem Sonderzug durch den Odenwald nach Zwingenberg a. N. fahren. Nach einer Wanderung durch die Wolfsschlucht wird das nächste Reiseziel das Vier-Burgen - Städtchen Neckarsteinach sein. In einem begleitenden Tanzwagen wird Walzer, Samba und Rheinländer für frohe Unterhaltung sorgen. Der Schubert-Chor bittet um Anmeldungen bis zum 26. August im Reisebüro, Rheinstraße 16, Gaststätte Klöpfer, Weinhaus Breuer, Molkereiprodukte Ludwig Haag.
Die Frauengruppe der Deutschen An¬ gestellten - Gewerkschaften veranstaltet am Montag, dem 21. August, 20 Uhr, im Amerikahaus, Lagerhausstraße 9, einen Vortragsabend mit Lichtbildern. Über das Thema „Was bedeutet die Kunst im Leben der berufstätigen Menschen?“ spricht Dr. Gisela Bergsträsser. Es sind neben den Mitgliedern der DAG auch alle Mitglieder der Darmstädter Frauenvereine eingeladen.
Eine neue Apotheke im Johannesviertel wird heute von dem 55jährigen Apotheker Heinz Pfeffer in der Landwehrstraße 114 eröffnet werden, nachdem dieses ausgebombte Haus wieder aufgebaut werden konnte. Herr Pfeffer, aus der Gegend von Marburg stammend, erhielt seine Ausbildung in verschiedenen Apotheken in Marburg, im Westerwald und in Berlin. Er studierte an der Gießener Universität, war Mitarbeiter einer kosmetischen und pharmazeutischen Fabrik
Ein Unfall an der Kreuzung Kasino- und Bleichstraße ereignete sich gestern, nachdem am Vortage an der gleichen Stelle anläßlich der Deutschlandrundfahrt ein Motorradfahrer verletzt worden war. Zwei auswärtige Personenkraftwagen stießen auf der Kreuzung zusammen.
Feuilleton
Volksmusik und Kunstmusik
VON BELA BARTOKVolksmusik ist die Musik einer von städtischer Kultur am wenigsten beeinflußten Bevölkerungsschicht. Musik in mehr oder minder großer, sowohl zeitlicher als auch räumlicher Ausdehnung, die als spontane Befriedigung des Musiktriebes fortlebt oder irgendwann fortgelebt hat.
Es ist anzunehmen, daß jede heutzutage bekannte europäische Volksmusik durch den Einfluß irgendeiner Kunstmusik, besser gesagt, volkstümlicher Kunstmusik entstanden ist. Bei den neu entstandenen (oder in unseren Tagen entstehenden) Stilarten ist dies so ziemlich beweisbar; in den älteren ist es vorderhand nur in einzelnen Fällen möglich. Eine der wichtigsten Aufgaben der vergleichenden Musikfolklore ist eben der Versuch, den Ursprung der einzelnen Volksmusikstilarten der Völker zu bestimmen, was auf diesem Gebiet mangels verläßlichen Materials eine ungleich schwierigere Aufgabe ist als zum Beispiel eine ähnliche Forschungsarbeit auf dem Gebiete der vergleichenden Sprachforschung.
Die reine Volksmusik fängt erst Ende des XIX. und Anfang des XX. Jahrhunderts an, einen überwältigenden Einfluß auf unsere höhere Kunstmusik auszuüben. Als erste Beispiele haben wir die Werke Debussys und Ravels zu betrachten, auf welche die Volksmusik Osteuropas und Ostasiens ihren bleibenden und gewissermaßen richtunggebenden Einfluß ausübte. Noch mehr ausschlaggebend ist dieser Vorgang in den Werken des Russen Strawinsky und des Ungarn Kodäly: das Oeuvre beider Musiker wächst derart aus der reinen Volksmusik ihrer Heimat heraus, daß es beinahe als eine Apotheose derselben gelten kann. Es handelt sich hier nicht um die bloße Anwendung von Volksmelodien oder um die Umpflanzung einzelner Wendungen derselben: es offenbart sich in diesen Werken eine tiefinnere Erfassung des mit Worten schwer zu schildernden Geistes der betreffenden Volksmusik. Demzufolge beschränkt sich auch dieser Einfluß nicht auf einzelne Werke.
Wie verträgt sich nun dieser Einfluß der durchaus tonalen Volksmusik mit der atonalen Richtung? Es genüge der Hinweis auf ein besonders charakteristisches Beispiel: die „Pribaoutki“ von Strawinsky. Die Singstimme derselben besteht aus Motiven, welche — wenn auch vielleicht nicht aus der russischen Volksmusik entlehnt — durchweg Nachbildungen von russischen Volksmusikmotiven sind. Die charakteristische Kurzatmigkeit dieser Motive, die sämtlich, allein betrachtet, durchaus tonal sind, ermöglicht eine Art instrumentaler Begleitung, die aus einer Reihe von unterlegten, für die Stimmung der Motive höchst charakteristischen, mehr oder minder atonalen Tonflecken besteht. Die Gesamtwirkung steht jedenfalls dem Atonalen viel näher als dem Tonalen.
Eben dieses, den Volksmotiven entnommene hartnäckige Festhalten an einem Ton oder an einer Tongruppe scheint eine besonders wertvolle Stütze zu sein: sie bietet für die entstehenden Werke dieser Uebergangsperiode ein festes Gerippe und bewahrt vor einem planlosen Herumirren.
Die reine Volksmusik kann zur Beeinflussung der höheren Kunstmusik ebenso als Naturerscheinung in Betracht kommen wie die mit dem Auge wahrnehmbaren Eigenschaften der Körper für die bildende Kunst oder wie die Lebenserscheinungen für den Dichter. Dieser Einfluß gestaltet sich für den Musiker am wirksamsten, wenn er die Volksmusik nicht aus toten Sammlungen kennenlernt, welche sowieso ihre feineren Nuancen und das pulsierende Leben derselben infolge des Fehlens genügender diatonischer Zeichen nicht wiederzugeben vermögen, sondern, wenn er sie rein in der Gestalt kennenlernt, wie sie in ungezügelter Kraft beim niederen Volke lebt. Wenn er sich dem Eindrücke dieser lebenden Volksmusik und all deren Umständen, welche die Vorbedingungen dieses Lebens bedeuten, hingibt und die Wirkung dieser Eindrücke in seinen Werken widerspiegeln läßt, dann kann man von ihm sagen, er hat ein Stück Leben darin festgehalten.
Organisatorische Fragen in der Musik
Am Donnerstag sprach auf der Marienhöhe Dr. Karl Holl, Wiesbaden, über „Organisatorische Fragen in der Musik“. Seit den katastrophalen Verhältnissen der letzten Jahre bedinge das Musikleben einer grundlegenden Neuordnung. Im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts habe die Musik in einer lebendigen Wechselbeziehung zwischen den einzelnen Gesellschaftsklassen und den musikausübenden Instituten gestanden: Als Folge zweier Weltkriege, die eine grundlegende Umwandlung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse mit sich brachten, seien die Musikinstitute, die damals durch den wirtschaftlichen Wohlstand der Bevölkerung erhalten wurden, auseinandergefallet.
Diese bedrohlichen Zustände äußerer und innerer Verarmung können nur behoben werden, wenn Leerlauf und- Fehlinvestierungen in der Ausbildung musikalischer Lehrkräfte vermieden werden. Die musikalische Bildung muß auf Selbsttätigkeit abzielen. Neue Wege zum eigenen Musizieren müßten gefunden werden, denn „Musik machen ist besser als Musik hören.“ Eine Neuerung musikalischer Ausübung kann und muß bei der musischen Begabung des Volksschullehrers einsetzen. Das Gemeinschaftsmusizieren ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die musische Regeneration. Der Zugang zur Musik und das Aufleben eines neuen, echten Musikerlebens ist nicht möglich, wenn nicht über die musikalische Selbsttätigkeit. Während sich die Zahl der Musikliebhaber vermindert habe, sei die der Berufsmusiker unverhältnismäßig hoch angestiegen, was nicht zuletzt auf eine Scheinkonjunktur während des Krieges und nach der Kapitulation zurückzuführen sei. Selbst bei dem heutigen Musikerüberschuß fehle es an guten Bläsern und Streichern. Eine viel sorgfältigere Auswahl müsse bei der Erziehung der Musikpädagogen getroffen werden.
Das Lügenmärchen
Es war einmal ein fauler Knecht, der schlenderte durch den Wald und vertat seinen Tag. Aus einem hohlen Baume sah er einen Vogel herausfliegen, und das Löchlein, aus dem er kam, war nicht größer, als daß der Knecht seinen Daumen hineinstecken konnte.
Ais er das nun tat, fiel er mit dem ganzen Leibe hinab in die Höhlung des Baumes. Unter dem Baume aber war ein schöner Teich, darin schwammen gebratene Fische umher. Und neben dem Teiche war ein loser Butterberg. Wenn nun die Sonnenstrahlen warm an den Berg schienen, floß die geschmolzene Butter herab auf die gebratenen Fische. Der Knecht aß sich tüchtig satt an den geb-atenen Fischen, so satt, daß er viel zu dick wurde und nicht wieder zu dem Loche im Baume herauskriechen konnte. Er wußte sich aber zu helfen, lief nach Hause, holte des Bauern größtes Beil und hieb den Baum um. Da konnte er nun leicht w^der aus dem B-u-mstumpf heraus.
Als er darauf weiterwanderte, traf er einen großen Schwarm Tauben am Wegrande sitzen. Davon wollte er sich einige mitnehmen und warf deshalb das Beil unter sie. Er traf so viele, daß er das Beil nicht wieder aus dem Haufen herausfand.
Also schlug er Feuer, um die Federn zu verbrennen. Als er aber am Ende die Asche durchsuchte, zeigte es sich, daß das Beil mit verbrannt und nur der hölzerne Stiel noch übrig war.
Damit wanderte er fort, bis er an eine Wiese kam. Dort fand er einen Hasen auf einem Grasmückennest, in welchem sieben Eier lagen. Der Knecht wollte gern wissen, was der Hase ausbrüten würde, setzte sich daher neben das Nest und wartete. Nicht lange, so kroch aus den Eiern ein Pferd, das war sieben Meilen lang. Mit dem Pferde machte sich der Knecht von dannen und verdiente viel Gedl damit. Denn wenn die' Leute über Land reisen wollten, so brauchten sie nur auf das Pferd zu steigen und sich auf dessen Hals zu setzen. Wenn dann das Pferd sich umdrehte, so waren die Leute vierzehn Meilen weit hinweg.
Einmal drehte sich das Pferd anders herum, so daß die Leute plötzlich vierzehn Meilen von dem Orte entfernt waren, zu dem sie wollten. Da wurden sie zornig, und einer zog sein Schwert und hieb damit das Pferd mitten auseinander, daß es in zwei Hälften hinfiel. Doch wieder wußte sich der Knecht zu helfen. Er nahm eine starke Weidenrute und band damit das Pferd wieder zusammen. Die Weide aber schlug in dem Leib des Pferdes Wurzeln, und es wuchsen so viele Weiden hervor, daß ein kleiner Wald mitten auf dem Pferde entstand. In dessen Schatten war es im heißesten Sommer kühl, und der Knecht erwarb nun mit seinem Pferde mehr noch als zuvor. Kam der Winter so köpfte er die Weiden und verkaufte die Ruten an einen Korbmacher.
Und wenn der Knecht und das Pferd noch leben, so werden sie wohl keine Not leiden. Man sieht doch, wohin es ein Fauler bringen kann! A. Richter
Rätselreime
Welcher Schimmel ist kein Pferd? Welches Haus hat keinen Herd? Welche Kuh hat keine Hörner? Welcher Hahn frißt keine Körner? Welche Mühl* braucht keinen Knappen? Welcher König hat kein Wappen? In welchem Ofen wohnen Leute? Welcher Dieb geht nicht nach Beute? Welcher Schlag macht keine Schmerzen? Welches sind die süßes.en Herzen? Welche Stadt ist immer krank? Welcher Thaler wird nicht blank?.
Was hilfts?
Wenn's Glück ihm günstig ist, was hilft's dem Michel? Steckt er im Weizenfeld, fehlt ihm die Sichel. Wenn's Glück ihm günstig ist, was hilft's dem Stöffel? Denn regnet's Hirsenbrei, fehlt ihm der Löffel.
Robert Reinick
Schönen Dank, Ihr Lieben groß und klein, daß Ihr schon fleißig an den Kapitän vom Märchenschiff geschrieben habt! An dieser Stelle werdet Ihr immer Antwort finden, und so können wir schriftlich miteinander plaudern.
Sicher erinnert Ihr Euch noch an das Uhrenmännlein, dessen Geschichte Euch
das Märchenschiff am vorigen Samstag mitbrachte. Nun schaut einmal oben auf die Seite! Was kommt da geflogen? Der Vogelvater mit dem Uhrenmännlein auf dem Rücken! Es ist doch lieb, daß die Zeichnerin uns das Bild aufs Schiff schickte, gell? —
Von Dir, Elke, haben wir ein feines kleines Gedichtchen erhalten. Gleich heute nimmt es unser Schiff mit auf die Fahrt:
Ich will ein kleines Wort Euch sagen, es ist ein kleines Wörtchen bloß für die, die keine Schmerzen tragen, es ist das kleine Wörtchen: heimatlos
Elke D., 13 Jahre.
Ich glaube, Du willst damit den heimatvertriebenen Buben und Mädchen einen besonderen Gruß senden, und sie danken es Dir gewiß. —
♦ Nun purzeln zum Schlüsse noch die Losungen unserer beiden Rätsel vom letzten Samstag aus dem Postsack:
So heißt’s beim Buchstabenrätsel* Tanne, Wanne, Granne, Kanne. Beim 2. Rätsel ist gemeint: Ende.
Die Antworten auf die heutigen Rätselreime bringt Euch wieder das nächste
Das Uhremnännfein
LANDESTHEATER DARMSTADT 1950-5
Die Spielzeit 1950-51
wird am 16. September mit einer Aufführung von William Shakespeares „MASS FÜR MASS“ in der Inszenierung von Friedrich Brandenburg a. G. beginnen. Als erste Aufführung der Oper wird am 17. September Richard Wagners „TANNHÄUSER“ unter der musikalischen Leitung vpn Richard Kotz in der Inszenierung von Dr. Siegmund Skraup folgen. Diesen Eröffnungsvorstellungen werden sich noch im September die Neuinszenierung der Komödie „HELDEN“ von Bernard Shaw und der Oper „FRA DIAVOLO“ von Francois Auber anschließen.
Der Spielplan
wird insgesamt 22 Werke umfassen und teilt sich in 13 musikalische Werke und 9 Schauspiele. Er wird sich zusammensetzen aus folgenden Werken:
OPER
W. A. Mozart Die Zauberflöte Richard Wagrieb Tannhäuser Richard Wagner Die Meistersinger von Nürnberg Giuseppe Verdi Macbeth Giuseppe Verdi Der Troubadour Albert Lortzing Undine Francois Auber Fra Diavolo Giacomo Puccini Die Boheme Anton Dvorak Rusalka Richard Strauss Der Rosenkavalier Othmar Schoeck Penthesilea Benjamin Britten Der Raub der Lucretia Ein Ballettabend
OPERETTE
Paul Abraham Ball im Savoy Leon Jessel Schwarzwaldmädel — Emmerich Kaimann ; Die Csärdäsfürstin Carl Millöcker Gasparpne Leo Fall Madame Pompadour
SCHAUSPIEL
William Shakespeare Maß für Maß Friedrich Schiller Don Carlos A. N. Ostrowskij Gewitter Bernard Shaw Helden Carl Sternheim 1913 ... Kiabund Der Kreidekreis Marcel Pagnol Madame Aurelie Hans Henny Jahnn Armut, Reichtum, Mensch und Tier Clifford Odets , Goldjunge , Felix Dürrenmatt Romulus der Große
Die Intendanz behält sich Änderungen des Spielplans im Hinblick auf Neuerscheinungen vor. ; —
Der insgesamt 22 Werke, umfassende Spielplan teilt sich in 13 musikalische Werke und- 9 Schauspiele Ferner sind vorgesehen: eine Märchenaufführung, eine Jugendaufführung, . > die Wiederaufnahme der Opern „AIDA“ und „OTHELLO“ für eine Verdi-Festwoche aus Anlaß des 50. Todestages von Giuseppe Verdi. Ferner wird die Reihe der-STUDIO-AUFFÜHRUNGEN im kommenden Jahr fortgesetzt. '4' - 1 ■■
KONZERTE
Das Orchester des Landestheaters wird 8 Sinfonie-Konzerte unter Leitung von Richard Klotz veranstalten. Sie beginnen im Oktober und finden jeweils an Montagen statt. Das Programm der Sinfonie-Konzerte wird in Kürze gesondert bekanntgegeben-.
Als Solisten sind verpflichtet: '
Monique de la Bruchollerie (Klavier), Paul Torteliier (Cello), , Conrad Hansen (Klavier), Henri Honneger (Cello), ..... Christine Purrmann (Klavier), Fritz Müller-Gündner (Violine),
Karoline Kraus (Violine). Platzmiete der Spielzeit 1950/51
Sie bringt auf der Grundlage der gleichen günstigen Preisgestaltung wie im Vorjahre folgende Möglichkeiten:
1. Die Premierenmiete,
mit 22 Premierenvorstellungen (13 musikalische Werke, 9 Schauspiele) an wechselnden Spieltagen. Außerdem 6 Gutscheine zum Erwerb zusätzlicher Karten zum Mietpreis.
2. Die Hauptmiete
mit 22 Vorstellungen (13 musikalische Werke, 9 Schauspiele) an festen Wochentagen nach Wahl (durchschnittlich in vierzehntägigem Abstand). Spieltage: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag. Außerdem 6 Gutscheine zum Erwerb zusätzlicher Karten zum Mietpreis.
3. Die Sonntagsmiete
mit 16 Vorstellungen (10 musikalische Werke, 6 Schauspiele) an Sonntagnachmittagen, durchschnittlich in dreiwöchentlichem Abstand von Oktober bis Juli. Außerdem 4 Gutscheine zum Erwerb zusätzlicher Karten zum Mietpreis. Diese Miete bringt Abendvorstellungen des laufenden Spielplans in gleichwertigen Vorstellungen an Sonntagnachmittagen und ist deshalb vor allem als Fremdenmiete vorgesehen.
4. Jugendmiete:
Schüler, Studenten und Lehrlinge, d. h. alle Jugendliche, die noch in Berufsausbildung stehen, erhalten für die Hauptmiete im 4. und 5. Platz 50% Ermäßigung. (Diese Vergünstigung gilt auch für den gleichen Besucherkreis im Theaterring Odenwald-Bergstraße).
5. Die Konzertmiete
mit 8 Symphonie-Konzerten, jeweils an Montagen der Monate Oktober bis Mai. Die Mietpreise der Konzertmiete sind für Inhaber einer Theatermiete abermals ermäßigt.
Zahlung in 10 bzw. 8 Monatsraten — Umtauschrecht bei Verhindelung Vorkaufsrecht und Preisermäßigung bei Sonderveranstaltun¬ ®en ~~ Gutscheinprämie bei Vorauszahlung. — Die Mietkarten sind übertragbar.
Neu-, und Wiederanmeldung durch Einsendung des ausgefüllten Vordruckes auf diesem Blatt oder persönlich in der* Mietabteilung im Großen Haus, Eingang Museumsseite, werktags von 9 bis 12.30 und 16 bis 18.30 Uhr. Abholung der bestellten Mieten nach öffentlichem Aufruf. *
Platzmieter der Spielzeit 1949/50 haben ein Vor bestellrecht bis 26. August einschließlich. Im übrigen entscheidet die Reihenfolge.
Darmstädter Volksbühne
Das Landestheater Darmstadt weist außerdem auf die Miete der Darmstädter Volksbühne hin. Bedingungen und Anmeldungen durch den Kulturbund des FGB. Hessen, Bezirksverwaltung Darmstadt, Bismarckstraße 76, 11.
Der Theaterring Odenwald-Bergstraße
gibt den auswärtigen Theaterfreunden die Möglichkeit, an der Spielzeit 1950/51 des Landestheaters Darmstadt durch regelmäßige Gesellschaftsfahrten „von der Haufetür zum Theater“ teilzunehmen. Eintrittspreise und Fahrtkosten sind besonders niedrig gehalten. Alle weiteren Auskünfte erteilen die örtlichen Mitarbeiter des Theaterrings Odenwald-Bergstraße:
Altheim Frau Käthe Schewe, Hauptstraße 49 Allmendfeld Lehrer Gersema Auerbach Buchhandlung Klose, Heidelberger Straße Bensheim Buchhandlung Frank, Ritterplatz Berkach Lehrer Krifka Bickenbach Erich Knapp, Darmstädter Straße 17 Brandau Frau Dr. Lampert, Friedr.-Ebert-Str. 1 Vio Dieburg Radiohaus Haas, Zuckerstraße 9 Einhausen Fritz Holste, Ernst-Ludwig-Straße 29 Elmshausen Ignaz Winter, Nibelungenstraße Eppertshausen W. Hoffmann, Brückenstraße 18 Erbach Städtischer Theaterausschuß, Rathaus Erfelden Philipp Schäfer, Wilh.-Leuschner-Str. 10 Fränkisch-Crumbach Frau M. Reinert, Schleiersbacher Straße 26 Gadernheim Buchhandlung Mink Geinsheim Frau Irmgard Ginkel, Am Lachendeich 218 Georgenhausen Lehrer Töpfer Gernsheim Buchhandlung Gutjahr, Schillerstraße Goddelau Frau Maria Schaffner, Friedr.-Ebert-Str. 15 Gräfenhausen Frau Berta Hoch, Schloßgasse 52 Groß-Bieberau Lehrer Gimbel, Markt 1 .Groß-Gerau Rathaus, Verkehrsverein Groß-Rohrheim Hans Bach, Rheinstraße 21 Groß-Umstadt Frau Frey, Bahnhofswirtschaft Groß-Zimmern H. Wetterlich, Dieburger Straße 88 Gundernhausen Wilhelm Markolf, Bruchstraße 1 Habitzheim Lehrer Erich Glöckner Hähnlein Dr. Reeg Heppenheim Kulturgemeinde, Stadthalle Hering Josef Coy Heubach Lehrer Peter Wasserheß Hetschbach Lehrer Karl Heep Höchst Hans Reuter, Friedrich-Ebert-Straße 14 Kirschhausen Lehrer Schön Klein-Rohrheim Frau Else Huber, Schule Klein-Zimmern Lehrer Zimmermann Langen Buchhandlung Politzer, Karl-Marx-Straße Buchhandlung am Lutherplatz Langstadt Dr. Diehl, Schlierbacher Weg Lichtenberg Max Kehrig-Korn, Lippmannweg Lindenfels Frau Anni Freiensehner Lorsch Frau Maria Adler, Schulstraße 15 Lützelbach Josef Hermann Messel Lehrer Manfred Knapp, Bahnhofstraße 10 Mörfelden Lehrer Kolb, Friedrich-Ebert-Straße 17 Mümling-Crumbach Frau Gertrud Müller, Schule Neunkirchen v Frau Klara Tapper mann Neustadt ( Breuberg-Bund, Eorsthaus Neutsch Lehrer Heinrich Sehnert Nieder-Beerbachz Lehrer Jourdan Ober-Beerbach Lehrer Kopczynski, Schule Pfaffen-Beerfurth Lehrer K. Schwinn Reichenbach Karl Sauer, Felsbergstraße 28 Reichelsheim Lehrer W. Beier, Klein-Gumpen Reinheim Ludwig Koch, Kirchstraße 9 Richen Karl Zimmer Rohrbach Lehrer Müller Roßdorf Engert, Ernst-Ludwig-Straße 9 Urberach Lehrer Manfred Knapp, Messel Wallerstädten Lehrer Karl Weiß Waschenbach Lehrer K. Wedel Weiten-Gesäß Lehrer Richard Wenzel Weiterstadt Wilhelm Nau, Kreuzstraße 60 Wembach 1 Lehrer Novotny Wixhausen Lehrer Adam, Rheinstraße 9 Wolfskehlen Philipp Bockard, Wilh.-Leuschner-Str. 10 Zwingenberg August Rasch, Auf der Heide 10 Buchhandlung' Eisel
Theaterfreunde aus nicht genannten Orten wenden sich bitte an die Leitung des Theaterringes, Landestheater Darmstadt, Großes Haus
Zuzüglich —,lO DM Alfersversorgungsabgabe je Vorstellung, zahlbar mit der ersten Rate mit 2,20 DM bzw. 1,60 DM.
A.n das * LANDESTHEATER DARMSTADT Ich bestelle für die Spielzeit 1950/51 auf Grund der Abonnentenbedingungen: .... Premierenmiete(n), Platzgruppe .... .... Vollmiete(n), Platzgruppe ..... Wochentag .... .... Sonntagsmiete, Platzgruppe .... .... Konzertmiete, Platzgruppe .... Ich bitte nach Möglichkeit um die Plätze ..... Reihe ..... Platz .... Ort, Datum: . ...... Name: Wohnung, evtl. TeL: ; Bisheriger Mietplatz: Ausschneiden, ausfüllen, auf Postkarte kleben, unfrankiert absenden.
| Premierenmiete | ||||||
| (22 Vorstellungen) | ||||||
| zahlbar in 10 Raten | Hauptmiete | |||||
| (22 Vorstellungen) | zahlbar in 10 Raten | Sonntagsmiete | ||||
| (16 Vorstellungen) | zahlbar in 8 Raten | |||||
| ie, | je Vor- | je | je Vor- | je | ||
| je Vor- | Platzgruppe | |||||
| DM | Rate | stellung | DM | Rate | stellung | DM Rate |
| stellung | I. | (1.—9. R.) | ||||
| 110,— | 11 — | 5,— | 88,— | 8,80 | 4,— | 57,60 7,20 |
| 3,60 | 11. | (10.—16. R.) | ||||
| 88,— | 8,80 | 4,— | 72,50 | 7,25 | 3,30 | 48,— 6,— |
| 3,— | in. | (17.—22. R.) | ||||
| 66,— | 6,60 | 3,— | 55,— | 5,50 | 2,50 | 40,— 5,— |
| 2,50 | IV. | (23.-28. R.) | ||||
| 55,— | 5,50 | 2,50 | 44,— | 4,40 | 2 — | 32,— 4,— |
| 2,— | V. | (29.—30. R.) | ||||
| 44,— | 4,40 | 2,— | 33,— | 3,30 | ■ 1,50 | 24,— 3,— |
| 1,50 | VI. | (31. R.) | ||||
| 27,50 | 2,75 | 1,25 | 22,— | 2,20 | 1 — | 16,— 2,— |
| I,— |
| Konzertmiete | |||||
| (8 Simfoniekonzerte | zahlbar in 5 Raten) | je | Für Theatermieter | ||
| Platzgruppe | DM | Rate | DM | j. Rate | |
| I. (5.—14. R.) | 43,— | 8,80 | 38,50 | 7,70 | |
| 11. (15.—22. R.) | 36,— | 7,20 | 32,— | 6,40 | |
| 111. (1.—4. R. u. | 28,75 | 5,75 | 25,50 | 5,10 | |
| 23.-28. R.) | |||||
| IV. (29.—30.R.) | 21,50 | 4,30 | 19,— | 12,75 | 3,80 |
| V. (31.—33.R.) | 14,50 | 2,90 | 2,55 |
Neue Filme in Darmstadt
THALIA. „Das Herz muß schweigen“. Maximiliane Frey, ein junges, strahlendes Menschenkind, das sich’sehnt, etwas Großes auf dieser Welt zu schaffen, opfert Liebesglück und Leben im Dienste der Heilkunst, der ersten Anwendung der Röntgenstrahlen. Die filmische Gestaltung dieses Menschenschicksals, das sich in Wirklichkeit zu Anfang unseres Jahrhunderts vollzog und für viele ähnliche steht, wirkt besonders eindringlich durch die unsentimentale Schlichtheit. Kein Wort von Opfer, Größe, Tragik —, sie werden jedoch tief empfunden- durch die Gegenüberstellung des blühenden, glücklichen Lebens in Landschaft und Menschengemeinschaft, in Liebe und beschwingtem Frohsinn mit dem allmählichen Verfallen der todgeweihten „Maxie“, die ihr Schicksal erkennt und willig ausy • trägt.. Das Spiel Paula Wesselys ist — wie in all ihren besten Leistungen — gelebtes Leben, herzensecht in Frische und Anmut, auf seiner jugendlichen Höhe wie, im wissenden Ernst und dem allmählichen Erlöschen. Ihr Spiel verleiht dem ganzen Film die eigene Note. Mit ihm harmoniert vollkommen, die Darstellungskunst von Matthias Wiemann und Werner Hintz." .Doch auch alle anderen fügen sich entsprechend ein, und die Kamera zeigt -in Landschaft und Raum klare, schöne Bilder. Einfühlung in das Menschliche und Stilgefühl zeichnen die Regie 'von Gustav Ucicky aus, so daß der FÜm als in sich geschlossenes Ganze wohltüt D-s
PALAST: „Vom Schicksal verweht“. Das Leben im Dschungel ist nicht leicht. Besonders nicht für einen Arzt, der weitab von der Zivilisation im Dienste der Menschheit steht, umlauert von unheimlichen Gefahren und Wilden, die mit vergifteten Pfeilen schießen. So ein Leben zehrt an den Nerven, treibt einen dem Alkohol in die Figer und weckt Leidenschaften, für die man normalerweise kein Verständnis hat. Dr. Jack Bennet (Rudolf Fernau) ist in diesem Film ein solcher Mensch. Er spielt seine Rolle hier und da ein wenig übertrieben, sonst aber ganz ordentlich. Man kann es verstehen, daß er ständig versucht, seinen Nebenbuhler Dr. Dos Passos (Albrecht Schönhals), der ihm nicht nur fachlich, sondern auch charakterlich überlegen ist, im Kampf um die Stationsärztin Dr. Virginia Larsen (Sybille Schmitz) auszustechen. Das wäre ihm auch beinahe gelungen, wenn sich der menschenfreundliche Dr. Passos nicht durch seine überzeugende Art und ein paar nette Zauberkunststückchen die Herzen der Wilden erobert hätte. Ein wenig komisch wirkt in der Handlung der recht überflüssige Reporter, der alle Menschen zu kennen glaubt und scheinbar so gut verdient, daß er sich die Arroganz leisten darf, die er zeigt, abgesehen davon, daß nicht unbedingt er den Stein ins Rollen hätte bringen müssen. Immerhin aber eine Rolle, in die sich H. Speelmans gut hineingedacht hat. Ausgezeichnet fanden wir die Kameraführung von Cannine Aiello, die in manchen Szenen geschickt und unaufdringlich die Spannung zum Nervenkitzel steigert. — Ein Film der Märkischen-Panorama-Schneider-Südost. -zr-
UNION. - .Höllische Uebe“. Nachdem BElfie Meyerhofer im „Himmlischen Walzer“ als Engel mit und ohne Flögel durch den Welten, aum segelte, kommt sie nun in intensivere Berührung mit der Hölle, deren nach modernsten Gesichtspunkten und allerletzten technischen Feinheiten eingerichtetes Domizil aber auch nicht mehr die geringste Aehnlichkeit mit der von Dante selig beschriebenen mittelalterlichen Unterwelt zu tun hat. Was alles geschieht, um die Sängerin Marina Marfin an ihrer beabsichtigten Ehe mit dem Kunstmaler und Bildhauer Hans Holt — o Verzeihung, Michael Frank — zu hindern, ist einfallsreich und mit einem, von Phantasie sprühenden Drehbuch zu einem Lustspielfilm geworden, der nicht mehr sein will als gute Unterhaltung. Unsinn, wird mancher sagen, aber es ist ein herrlicher Unsinn, gebracht mit einer feinen Selbstironie, mit leichten Seitenhieben auf den todernsten Un Inn. der in der großen — so furchtbar rea en — Welt tagtäglich passiert. Und um die en Emst unserer Zeit für eine Stunde zu vergessen, möge man sich ruhig einmal ins Reich der Utopie entführen lassen Bwenn’s sein muß, auch in die Hölle...
E Nach sechs Jahren der Ungewißheit traf uns die traurige ® Nachricht, daß mein innigstgeliebter Sohn, mein herzens¬ ® guter Bruder Franz-Rudolf Ebel H an den Folgen der schweren Strapazen und Entbehrungen ■ der letzten Abwehrschlacht des Inf.-Regt. 116 in einem Kriegsgefangenenlazarett in Odessa im Februar 1945 gestorben ist. n Wer ihn gekannt, wird unser tiefes Leid verstehen. Frau Doris Ebel geb. Schreiner und Sohn Arndt Darmstadt-Eberstedt (Darmstädter Straße 243), August 1950 Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen.
Bestattungen am Samstag, dem 19. August 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof: 11.15 Grün, Elisabeth, Bessunger Straße 107, 51 Jahre 11.15 Dalheimer, Erika, Traubenweg 172, 3 Jahre
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Müller, Feldbergstr. 84a, geb. 1. 3. 85, gest. 3. 8. 50. — Brenneis, Katharina geb. Chelius, Löffelstr. 7, geb. 17. 4. 97, gest. 2. 8 50. — Duttweiler, Johann Hein¬ rich, Techn. Angest., Liebigstr. 36, geb. 5. 6. 02, gest. 30. 7. 50. Fornoff, Elisabeth, Diakonisse, Erbacher Str. 25, geb. 6. 3. 77, gest. 4. 8. 50. — Fornoff, Karl, Finanzangest., Kranichsteiner Str. 59*/., geb. 9. 1. 95, gest. 2. 8. 50. — Gill, Karoline geb. Menzel, Philipp Röthweg, geb. 27. 1. 74, gest. 28. 7. 50. — Kriegereit, Johanna Ida geb. Lange, Gtäfenhäuser Str. 16, geb. 18. 8. 70, gest. 23. 7. 50. — Leonhardt, Anna geb. Wieser, Plönniesstr. 8. geb. 16. 11. 77, gest. 31. 7. 50. — Mannel, Friedrich, Bauing., Viktoriastr. 79, geb. 3. 6. 86, gest. 31. 7. 50. — Müller, Hermann, Schlosser, Weiterstädter Str 23, geb. 6. 7. 79, gest. 1. 8. 50. — Posch, Alexander, Kunstmaler, Alexandrawcg 23, geb. 21. 6. 90. gest. 2. 8. 50. — Wagner, Katharina Maria geb. Hägele, Viktoriastr. 36, geb. 12. 10. 69, gest. 1. 8. 50. Darmstadt-Eberstadt: Bley, August Karl, Werkmeister i. R., Strohweg 28, geb. 22. 11. 66, gest. 26. 7. 50. Darmstadt-Arheilgen: Engel, Dorothea geb. Schmitt, Kirch¬ straße 6'A, geb. 14. 6. 03, gest. 2. 8. 50. Alsbach: Wundenberg, Dorothea geb. Bangert, Hähnleinstr. 14, geb. 24. 1. 82, gest. 3. 8. 50. Traisa: Ganss, I. Heinrich, Wiesenwärter i. R., Ludwigstr. 66, geb. 22. 5. 62, gest. 2. 8. 50. Berkach/Gr.-Gerau: Gerhardt, Philipp, Landwirt, Hauptstr. 6, geb. 25. 7. 78, gest. 2. 8. 50. Leeheim/Gr.-Gerau: Reinhardt, Klara geb Düft, Gr. Sackgasse 1, geb. 23. 2. 95, gest. 3. 8. 50. Neustadt i. 0.: Hartmann, Heinrich, Sackgasse 1, geb. 13. 11. 49, gest. 2. 8. 50. Zeilhard: Fischer. Auguste geb. Adoll, Hauptstr. 12, geb. 6. 3. 80, gest. 29. 7. 50. In auswärtigen Gemeinden verstorbene Darmstädter: Baumann, Philipp, geb. 2. 3. 77, Kaufmann, Darmstadt, Land¬ wehrstr. 33, gest. 25. 6. 50 in Nieder-Ramstadt. — Dörner, Anna Karoline geb. Rügner, geb. 19. 7. 96, Dst.-Arheilgen, Linde»weg 1, gest. 29. 6. 50 in Goddelau. — Dörsam, Katharina geb. Stein, geb. 13. 4. 82, Darmstadt, Mauerstr, 4, gest. 28. 6. 1950, in Nieder-Ramstadt. — Hackbarth, Marianne Dorothea Brigitte, geb. 8. 7. 34, Dst.-Ebcrstadt, Mühlstr. 153, gest. 18. 6. 50, in Stockstadt. — Schönig, Katharina geb. Küster, geb. 23. 12. 83, Darmstadt, Ludwigshöhstr. 37, gest. 21. 6. 50, in Frankfurt am Main. — Volkmann, Elisabetha, geb. 16. 4. 85, Dts.-Eberstadt, Darmstädter Str. 39, gest. 18. 7. 50, in Bad König im Odenwald. Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, 19. August 1950 Wochenschlußandachten: 20.00 Uhr Martinsstift, Johannesgemeinde, Paulusgemeinde, Elisabethenstift; 17.00 Uhr Bessunger Kirche; 19.00 Uhr Paul-Gerhardt-Haus. Sonntag, 20. August 1950 Bessunger Kirche: „Tag der Petrusgemeinde“ — 8.30 Kgd., 9.30 Hgd. 11.00 Christenlehre, 12.00 Tgd. Pfr. Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Rathgeber. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd. Pfr. Stühlinger, 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Widmann (Martinstift), 11.15 Kgd. (Ge¬ meindehaus) Pfr. Stühlinger. Matthäuskirche: 8.30 Christenlehre, 9.30 Hgd., 10.45 Kgd Pfr. Stenger. Johannesgemeinde: 9.30 Hgd. (Abschiedspredigt Probst Wein¬ berger), 11.00 Kgd., 16.30 Gemeindenacbmittag: Abschied von Pfr. Weinberger. (Mittwoch, 23. August, 20.00 Abendgd. Pfr. Orth. Jeden Morgen 7.30 Morgengebet.) Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Ring. Pauluskirche: (Samstag, 19. August, 20.00 Musik. Vesper.) 8.00 Abendmahlsgjl. Pfr. Wintermann, 9.30 Hgd. Pfr. Wintermann, 11.00 Kgd. (Montag, 21. Aug., 20.00 Eröffnungsgd. f. d. Konfir¬ mandenunterricht Pfr. Wintermann und Pfr. Britz.) Elisabethenstift: 9.30 Hgd., Abendmahl, 11.00 Kgd. Stadtmission, Mühlstraße 24: 8.30 Gebetsgd., 11.00 Kgd., 15.30 Evangelisation, Miss.-Insp. Folchert, 19.30 Sommerfeier mit Laienspiel. (Donnerstag 20.00 Bibelstunde, Mittwoch, 30. 8., Philadelphia-Konferenz, Pfr. Herrnbrodt, Worms.) Darrnstadt-Eberstadt: Jahresfest der Landeskirchl. Gemeinschaft, 9.45 Hgd. m. Abendmahl, 11.15 Kgd. Darmstadt-Arheilgen: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., 15.00 Landeskirchl. Gemeinschaft, 15.00 Frauenhilfe.
Katholische Gottesdienste Sonntag, 20. August 1950 St. Ludwig: 6.30 Frühmesse, anschl. kurze Ansprache, 8.00 Singm. m. Pred., 9.30 Hochamt m. Pred., 11.00 Singm. m. Pred., 20.00 Andacht (Werktagsgottesdienst: Tägl. 6.45 u. 7.30 hl. Messe; Beichte: samstags von 18.00 bis 20.00.) Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pred., 8.15 Hochamt m. Pred., 10.00 Kgd. m. Anspr., 18.30 Andacht. St. Elisabeth: 6.30 Frühmesse, 7.45 Singm., 9.00 Kgd., 10.15 Hochamt, 20.00 Andacht m. Segen. St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwestern (Feldberg¬ straße 32), 6.45 Beichte, 7.30 Singm. m. Pred. u. Komm., 8.45 Kinderm. m. Pred. u. Kinderkomm., 10.00 Hochamt m. Pred. u. Komm 19.30 Sakram. Bruderschaftsandacht und Prozession. (Samstag: Beichte 17.00 bis 19.00 u. ab 20.00, werktags vor DarmstadtXheHgen: 7.00 hl. Messe, 8.30 Kgd., 9.45 Hochamt, 20.00 Andacht. . „„„ _ , Darmstadt-Ebertadt: 7.00 hl. Messe mit Ansprache, 9.30 Sakram. Hochamt mit Kinderkomm. u. Katachese, 19-30 Segensandacht mit Prozession i. d. Kirche. (Beichtgelegenheit 16.00 bis 18.30, werktags 6.45 Amt od. hl. Messe.) Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Taunusstraße 40: Sonntagsgd. 14.30 Uhr, Mittwochabend 18.30 (Zeugnisversammlung).
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Schweden, die.Franzosen des Nordens“
„Die Schweden sind die Franzosen des Nordens“, sagt ein geflügeltes Wort, das in Skandinavien kursiert. Der Schwede liebt den geistvollen Witz, das esprithaltige Zwiegespräch und hält das chevalereske Benehmen den Damen gegenüber für eine Selbstverständlichkeit. In der Vorstellung vieler Deutscher gilt der Schwede als kühl und leidenschaftslos. Ein großer Irrtum, man braucht nur einmal im Stockholmer Rasunda-Stadion einem Fußballspiel der schwedischen Nationalelf zuzusehen, temperamentvoller und lautstärker geht es auch in Turin oder Mailand nicht zu.
Seit zweihundert Jahren lebt das schwedische Volk am Rande der Weltgeschichte, wofür es zu beneiden ist, denn ihm blühten inzwischen herrliche, ruhige Zeiten. Unkriegerisch waren die Bewohner Schwedens nicht, wer denkt nicht an die Goten, die von Südschweden — die Stadt Göteborg kündet noch von ihnen —■ auszogen, die Weiten Südrußlands beherrschten und schließlich Rom zu Fall brachten. Wer denkt nicht an Gustav Adolf, der Schweden für ein Jahrhundert zur Militärmacht Europas machte und an Karl XII., der den Bogen überspannte. Schweden beschränkte sich nach ihm wieder auf seinen eigenen Grund und Boden. Es gibt viele Städte auf der Welt, die den Anspruch erheben, zu den schönsten zu zählen. Auch Stockholm darf sich dazu rechnen. Gewiß, es verfügt nicht über die einzigartige Schönheit Rio de Janeiros, es besitzt nicht die unergründliche Atmosphäre von Paris und es kann nicht die zeitlose Erhabenheit Roms aufweisen. Aber wer Stockholm betritt, ist von seinen alten Straßen, seinen verträumten Winkeln und dem Gewirr der kleinen Inseln, der Schären, voller Romantik in Bann geschlagen. Es geht ruhiger zu in Stockholm als in deutschen Städten, denn das nervenzerrüttende Hupen beispielsweise ist dort verpönt.
In Schweden regiert immer noch König Gustav V., eine interessante Persönlichkeit. Es ging und geht ihm nicht um kriegerischen Ruhm: nach diesem Maßstab gemessen. wäre er kaum in der Welt bekanntgeworden. Aber wer kennt nicht jenen tennisspielenden „Mister G“, der sich Jahr für Jahr auf den Tennisplätzen der Riviera einfand, bis der Hofarzt es dem 88jährigen Monarchen untersagte.
Im verarmten Europa nimmt Schweden mit seinem hohen Lebensstandard eine zu beneidende Rolle ein Reich ist das Land an Erzen, die mit der Eisenbahn zum norwegischen Narvik geschafft werden. Auch die Wälder machen einen großen Teil des schwedischen Volks vermögens aus, die Wasserkräfte vermochte man der Stromversorgung nutzbar zU machen. Im Norden des Landes, in Lappland, weiden große Renntierherden. Die Schwedenflagge, das gelbe Kreuz auf blauem Grund, hat auf den Weltmeeren Geltung. Doch auch die Lüfte haben sich die Schweden erobert. Um dem Konkurrenzkampf standhalten zu können, vereinigte man sich vor vier Jahren mit den Dänen und Norwegern zu der skandinaviscnen Gemeinschaftsgesellschaft Scandinavian Airlines System, deren Signum SAS auch in Deutschland ein Begriff ist. «
Unsere Bilder aus Stockholm zeigen: Oben links: Das königliche Schloß mit dem Denkmal Karls XII. — Darunter: Storkyrkan, die Kirche des Königs. — Von oben nach unten rechts: Slussen, ein Verkehrszentrum. — Blick auf die Westbrücke. — Schloß Drottningsholm, fünf Kilometer vor Stockholm, Frühjahrs- und Herbstsitz des Königs.
Der Erfindergeist ist immer rege
Den letzten Nachrichten aus Moskau zufolge können sich die deutschen Erfinder ihre Mühe sparen, denn es gibt nichts, was nicht schon längst in Sowjetrußland erfunden wäre. Offenbar verfehlen solche Ankündigungen aber doch bei uns ihren Eindruck, denn seitdem für Westdeutschland wieder ein Patentamt da ist, werden zu Tausenden Erfindungen angemeldet. Manche Leute glauben, wenn ihnen sonst nichts einfiele, könnten sie zur Abwechslung eine Erfindung machen und Millionäre werden. Ganz so einfach ist es nicht. Von zehn Besuchern, die sich beim Erfinderschutzverband beraten lassen, haben sechs nicht viel Neues zu bieten. Wer ein Patent anmeldet, muß für die ersten drei Jahre zwar nur je 30 DM zahlen, aber dann steigen die Gebühren und erreichen im 18. Jahr die unangenehme Höhe von 1000 DM. Nieten werden also besser beizeiten zurückgezogen. Umgekehrt soll man nicht schüchtern sein, wenn man glaubt, einen großen Wurf getan zu haben. Immer wieder werden oft ausgezeichnete Erfindungen fast zu gleicher Zeit nebeneinander gemacht. Wer von den beiden mit der Anmeldung zu spät kommt, verliert vielleicht wirklich ein Vermögen. Am meisten wird im Automobil- und Bauwesen erfunden. Aber auch an ausgesprochen kriegerischen Objekten ist kein Mangel: zum Beispiel werden die erstaunlichsten neuen Sprengstoff arten angekündigt. Diese Erfinder verweist man allerdings an die zuständigen alliierten Behörden, wo sie jedoch nur in seltenen Fällen auftauchen.
Dagegen werden andere Patente angemeldet, die phantastisch anmuten, aber es gar nicht sind. Da ist der Ingenieur Gebhardt, der mit seinem Auto auf hundert Kilometer sechs kleine Torfstücke, ein paar Kilo Calciumkarbid und zwölf Liter Wasser benötigt, mit dem so erzeugten Gas die Motorenleistung sogar noch steigert und dafür ein Drittel der bei Verwendung von Benzin üblichen Kosten aufzubringen hat. Das kleine Aggregat kann in jeden Kraftwagen eingebaut werden. Fachleute bestätigen, daß damit vielleicht ein Wendepunkt in der Kraftfahrtechnik erreicht ist.
Auch der winzige Hosentaschen-Sender des Professors Dr. Vierling, mit dem man drahtlos Worte bis zu einer Entfernung von dreieinhalb Kilometern übertragen kann, eröffnet weite Möglichkeiten. Das Gerät ist so empfindlich, daß es, im Blumentopf oder Papierkorb versteckt, auch die feinsten Geräusche noch zu übertragen vermag. Es wird ergänzt durch einen Acht-Röhren-Empfänger besonderer Konstruktion. Mit seiner Serienherstellung soll in Kürze begonnen werden.
Manchmal werden auch Dinge auf Gebieten erfunden, wo man es einfach nicht mehr für glaublich hält. So kam vor einigen Monaten ein Kaufmann mit einem Flaschenverschluß aus Preßstoff, der ähnlich aussieht wie der bekannte Metallverschluß, aber mit leichtem Daumendruck zu entfernen ist und unbegrenzte Lebensdauer hat. Heute wird das Patent bereits von deutschen und ausländsichen Firmen verwertet. Der Mann, ein Flüchtling, brachte mit seiner ersten Erfindung einen Millionenartikel heraus und braucht sich kaum noch Sorgen zu machen.
Andererseits sollte sich jener Zeitgenosse, der neulich mit einer „ UNO-Flagge“ zur Patentanmeldung erschien, die dem Feuerwehrverein in Hintertupfing große Ehre gemacht hätte und dafür auch noch eine hübsche Ablösungssumme von jedem Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen verlangte, lieber nutzbringenderen Beschäftigungen zuwenden. Erfindungen wie diese genügen nicht ganz den Mindestansprüchen. H. W.
LA PRESIDENTA Erita Teron
Schönste Frau Argentiniens — Der Lebensweg einer Radio-Sprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel
Wer Glück oder Pech oder zuviel Mut hat — den stellt das Schicksal über Nacht in das Rampenlicht der großen Welt — im guten oder im bösen Sinne. Wohl dem, der im Dunkeln bleibt; denn die Jupiter-Lampen der Oeffentlichkeit sind heiß, und mancher hat sich daran schon die Schwingen verbrannt. Und anderen sagt man ein ähnliches Los voraus. Aber wir wollen nicht unken, sondern die Lebensgeschichte einer Frau erzählen, die schön, charmant, reizvoll, verheiratet, Sängerin und Gattin eines Staatsoberhauptes. in einem Rahmen erstrahlt, der durch die Umstände gegeben ist — ein sehr interessanter Rahmen: Argentinien.
Argentinien ist ein alter Freund des alten Deutschlands. Man sagt von diesem Land, daß es fast unbegrenzte Möglichkeiten in sich berge. Viele, die in den letzten Jahren in Europa nichts mehr „werden“ konnten, leben heute dort und hoffen auf morgen in Argentinien und auf übermorgen vielleicht in Europa. Diese südamerikanische Republik, Argentinien, ist fast sechsmal so groß, wie das alte Deutschland war. 2500 km Küste, Berge, die auf 5000 Meter emporschießen. Vulkane, die Erdbeben bedingen und Naturkatastrophen möglich werden lassen, ein Land, dessen wirtschaftlicher Schwerpunkt ursprünglich in der Viehzucht und später im Ackerbau lag, eine Welt, in der über und unter der Erde phantastische Möglichkeiten geboten sind — zwischen den Pampas, den Bergen, den Wäldern und den Minen, in denen Wolfram und Gold, Kupfer und Silber, Zinn und Kohle und Petroleum nebeneinanderliegen! Ein großes und interessantes Land, in dem es steil aufwärtsging, vielleicht ein wenig zu steil, vielleicht etwas zu erfolgreich. Das ist der Rahmen, und das sind gleichzeitig die Schlagschatten, die wir erkennen, wenn wir der interessantesten Frau dieses Landes, Evita Peron, der „Presidenta“, ein wenig mit der Lupe des neugierig Suchenden in der Hand nachspüren.
I.
Der Sprung zum Gipfel Mit guter Stimme aus dem Nichts zur Macht — Wenn der Zauber der Schönheit hilft — Sie wußte ihren Weg!
Rotglühend ging der Tag über der Sierra de la Ventana im Süden von Buenos Aires zur Neige. Aber wenn die sinkende Sonne aus dem Westen diesen rotgoldnen Schimmer über die Berge wirft und ein zarter Widerschein zu der Sierra Tandil hinüberstrahlt, dann befürchten die Menschen, die in dieser seltsamen Welt, an die gleich die baumlosen Pampas anschließen, zu Hause sind, jene unangenehmen und gefährlichen Südweststürme, die man hier die Suestadas nennt.
Gleich würde es dunkel sein.
Die heiseren Männer auf den hohen Ochsenkarren, die viele Stunden bis in den frühen Morgen hinein unterwegs sein würden, um weit vom Vorland her die Gemüse und anderen Feldfrüchte in die überdachten Hallen des Großmarktes von Buenos Aires zu fahren, schlugen auf ihre Ochsengespanne ein und heulten ihnen Schimpfworte zu, um sie zu einer schnelleren Gangart zu bewegen. Die Pferdewagen bogen aus der Reihe aus und überholten sie. Die Lastwagen ratterten rumpelnd auf ausgefahrenen Straßen — genau wie alle anderen in Richtung von Buenos Aires, der Stadt der „guten Lüfte“, wie der Name — wörtlich übersetzt — heißt.
Wie ein Schatten huschte zwischen den Ochsenwagen ein behendes, schlankes, rankes Mädchen dahin. Es hatte genau acht gegeben, wo ein Wagen käme, der mit breitem buschigem Laub beladen sei. Als ein solches Gefährt nahte, schwang sich das Mädchen hinauf. Es drückte sich ängstlich unter die Gemüse und die Stauden und zog die Beine hoeh an und ag mäuschenstill — bis die Lagerhäuser ■on Buenos Aims sichtbar waren.
Die bloßen Füße brannten; und dabei war dieses Mädchen gewohnt, auf nackten Füßen zu laufen. Es hatte niemals Schuhe getragen. Aber — wenn man viele Stunden in heißer Sonne über einen Boden läuft, den man nicht kennt, und in fiebriger Erwartung in den Straßengräben liegt, um so seinem Ziel näher zu kommen, dann kann es schon sein, daß selbst diese abgehärteten kleinen schönen Füße schmerzen und brennen.
Das Mädchen wartete, bis die Karren ganz nah an die Markthallen herangefahren waren. Dann sprang es ab — und lief kaum zehn Meter weiter einem Polizisten in die Hände, der zu dem kleinen, schlanken Geschöpf hinüberblinzelte und das Kind dann zu sich heranwinkte.
„Gehörst du zu den Marktleuten?“
Das Mädchen zauderte einen Augenblick und nickte dann. Aber der Polizist sah an dem Ausdruck der Augen, daß das Mädchen log. Außerdem kannte er alle, die regelmäßig hierher kamen. Ein so schönes Mädchen wäre ihm aufgefallen.
„Wie heißt du?“ „Evita . . .“ „Also Eva?“ „Nein, Evita!“ „Und wie alt bist du?“ „Vierzehn Jahre!“
Der Polizist wollte eben noch ein paar Fragen stellen und erwog, ob er sich um dieses Mädchen von Amts wegen näher kümmern müsse. Doch in dem klugen Kopf des Mädchens waren Gedanken wach geworden, jede weitere Frage und vor allem jede Antwort könne gefährlich sein.
Als nebenan ein Lastwagen laut hupte und der Polizist hastig zur Seite springen mußte, suchte er einen Augenblick später vergebens nach Evita, Sie war davongelaufen, so schnell die nackten Füße sie trugen.
Was ging es diesen Mann in Uniform schon an, daß sie mit ihrem Taurnamen Eva Maria Dolores Esperanza Duarte hieß, daß sie die Tochter des Landarbeiters und erst vor einigen Tagen zum technischen Hilfsarbeiter in einem Mühlenbetrieb auf gestiegenen Juan Duarte und einer Wäscherin auf Stundenlohn war! Was kümmerte es diesen Fremden, daß sie gestern in Los Toldos den Eltern weggelaufen war! Was sollte sie schon zu Hause? Sie hatte sieben Geschwister gehabt. Vier davon lebten noch. Es war sowieso zu eng daheim. Und man hatte ihr erzählt, daß drüben in Buenos Aires schöne Straßen und große Geschäfte und tausend andere wundervolle Dinge zu bewundern seien, und daß dort Menschen, die es sich in den Kopf gesetzt haben, etwas werden können. Sie wollte nicht in Los Toldos in ein paar Jahren in der Mühle arbeiten oder sich die Hände wund reiben, wie sie es an ihrer Mutter sah. Und deshalb hatte sie ihr Geschick — kaum vierzehn Jahre alt — in die eigenen, kleinen, aber erstaunlich wohlgeformten Hände genommen und hatte sich auf die abgehärteten bloßen und nur in der Form so zarten Füße gemacht — in Richtung Buenos Aires.
Zwei Tage später hatte Evita Schuhe an den Füßen — schöne rote Schuhe, die sie mit dem ersten Geld kaufte, das sie in Buenos Aires selbst verdiente Wie sie es verdiente? Als Modell bei einem Maler, der ein schönes, junges, blondes Mädchen für ein frommes Bild suchte. Und Evita hatte helle Haare, so hell, daß ihr auf den Avenidas die alten und die jungen Menschen nachstarrten Und jener Maler hatte sich an die Fersen des Mädchens geheftet und Evita zu seinem Modell gemacht.
(Fortsetzung folgt)
Zeichnungen: Claire Wittig
Der Sport
Darmstadts Oberliga-Auftakt: SV 98-VfR Mannheim
Der Deutsche Meister von 1949 prüft als erster den Oberliganeuling / Rekordbesuch im Hochschulstadion erwartet
Die Oberligasaison 1950/51 beginnt für Darmstadt mit einem Schlagerspiel. Der klangvolle Name des deutschen Exmeisters und das schon seit Wochen mit Spannung erwartete erste Spiel der Lilien in der Oberliga werden das Hochschulstadion am Sonntag bis auf den letzten Platz füllen.
Die Mannheimer kommen mit ihrer bekannten Meisterelf, von der nur die beiden Außenstürmer Danner und Bolleyer nicht beim Stuttgarter Endspiel mit dabei waren. Sie werden auch in diesem Jahr wieder auf einem der ersten Plätze in der süddeutschen Oberliga zu finden sein, da sie außer Islacker, der wieder nach Rheydt zurückgekehrt ist, keine Abgänge zu verzeichnen haben und wieder ihre bewährten Stammspieler einsetzen können. Bei der Deutschen Meisterschaft 1950 machte die. Elf einen müden und überspielten Eindruck und blieb vorzeitig mit 1:2 an Preußen Dellbrück hängen. Daß sich die Männer um Keuerleber und de la Vigne wieder gefangen haben und zur Zeit in bester Kondition sind, bewies das sensationelle 8:0 gegen die Offenbacher Kickers in Erbach.
Vor dem zuverlässigen Torwart J ö k - k e 1 steht der harte und wuchtige Verteidiger Rößling, der von dem zähen und wendigen Müller aufs beste ergänzt wird. In der Läuferreihe überragt der Meisterstopper Keuerleber seine Mitspieler nicht allein durch seine Körpergröße. Er ist einer der bekanntesten Spielerpersönlichkeiten im süddeutschen Fußball, sicher, streng sachlich, sehr wirkungsvoll in Kopfballduellen. Der ehemalige Stürmer Stiefvater ist ein erstklassiger Techniker und Aufbauspieler, der fleißige und ausdauernde Maier trotz seiner kleinen Figur ein Meister des Kopfballspiels. Die ständigen Positionswechsel des VfR - Sturmes sind bekannt. In dieser Reihe ist d e 1 a V i g n e die treibende Kraft, Spielmacher, Ankurbier und unermüdlicher Schaffer. Wenn heute eine deutsche Ländermannschaft aufgestellt würde, dann wäre er der Linksaußen Nr. 1. Neben ihm ist der rechte Verbinder Langlotz zu nennen, der als Zubringer und zielstrebiger Dribbler sehr nützlich für seine Mannschaft ist. Zwischen diesen beiden steht im Zentrum der bullige und robuste Tank Lö 11 ke. Diesem berühmten Innensturm stehen die beiden Flügel Bolleyer und Danner kaum nach.
Da Thalheimer und Becker I noch einige Wochen pausieren müssen, wird der SV 98 mit der gleichen Mannschaft antreten, die am vergangenen Sonntag gegen Preußen Dellbrück mit 5:3 gewinnen konnte. Die Vorschauen der verschiedenen süddeutschen Zeitungen zeigen, daß die 98er heute auch außerhalb Darmstadts ziemlich hoch eingeschätzt werden. Ob sie jedoch das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen können, ob es ihnen gelingen wird, die routinierten Oberligahasen des VfR Mannheim aus dem Gleichgewicht zu bringen, ob sie vor allem schon die für Oberligaspiele ausreichende Härte mitbringen, darüuer wird uns erst-der Kampf am Sonntag Auskunft geben.
Seit Dienstag ist der Vorverkauf im Gange und die starke Nachfrage — besonders von auswärts — läßt darauf schließen, daß im Darmstädter Hochschulstadion am Sonntag ein neuer Zuschauerrekord für Fußballspiele auf gestellt wird. Die Darmstädter, die geschlossen' hinter ihrer Mannschaft stehen werden, erhoffen sich ein großes Spiel. Beginn: 15 Uhr.
Um 11.30 Uhr spielen die Junioren beider Mannschaften auf dem Vorfeld und um 13.15 Uhr die Reserven im Hochschulstadion.
Die Aufstellungen der Mannschaften: SV Darmstadt 98: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Reeg, Becker 11, Mühlbach, Bohmann, Herwig.
VfR Mannheim: Jöckel; Müller, Rößling: Stiefvater, Keuerleber, Maier; Danner, Langlotz, Löttke, de la Vigne, Bolleyer. Die Vereinsleitung des SV 98 macht darauf aufmerksam, daß mit dem morgigen Sonntag der Zugang für Stehplatzbesucher nur noch an der Kekulestraße ist. Der Zugang zur Tribüne sowie Stahlrohrstehtribüne ist nur noch am Haupteingang. Aus Sicherheitsgründen bitten wir alle Besucher, Kinder unter 10 Jahren nicht mit auf das Stadion zu nehmen, da bei dem zu erwartenden großen Besuch Kinder in dem Gedränge zu Schaden kommen können.
Kriegsbeschädigte erhalten einen verbilligten Platz nur gegen Vorzeigen der vom SV 98 ausgestellten Sonderausweise. Der Zutritt zur Stahlrohrstehtribüne für Jugendliche unter 14 Jahren ist polizeilich verboten.
Wie die Geschäftsstelle des Sportvereins 98 mitteilt, sind, entgegen den Gerüchten, noch Eintrittskarten für die Seitentribünen in beschränkter Anzahl bei den Vorverkaufsstellen, Stehplätze in genügender Anzahl im Vorverkauf und an der Tageskasse zu erhalten.
SV Darmstadt 98 startet in die Oberligasaison 1950/51
Bezirksmeisterschaften der Schwimmer im Woog
Für die Schwimmer herrscht jetzt Hochsaison. — Im Auftrage des Bezirks Süd des Hessischen Schwimm-Verbandes führt die TSG 46 am Sonntag im Woog die Bezirksmeisterschaften durch, die einen sehr guten Ueberblick über den derzeitigen Leistungsstand unserer Schwimmer vermitteln werden.
Die einzelnen Wettbewerbe sind durchweg gut besetzt. Bei der Jugend gibt es teilweise Massenfelder, auch die Staffelrennen versprechen schöne Kämpfe.
Vormittags 10 Uhr ertönt das erste Startzeichen für die 4XIOO- m-Kraulstaffelmeisterschaft Herren, in der es SKV 79 Mörfelden, TSV Pfungstadt und TV 46 Groß-Gerau gegen die Mannschaft der TSG 46 sehr schwer haben werden. 33 Buben machen sich im 50- m-Knabenbrustschwimmen das Leben schwer. In der 100-m-Rückenmeisterschaft für Damen kommt es zu einem scharfen Kampf zwischen Hilde Schmenger und Hertha Jacobi, beide TSG 46. In derselben Meistei schäft für Herren wird der Darmstädter Karn, TSG 46, in Front erwartet, wenn der Reinheimer Wiemann keine Ueberraschung bringt. Heiß umstritten ist die 100-m-Brustmeisterschaft für Damen mit 11 Teilnehmerinnen, die offen ist. Das 50-m-Brustschwimmmen hat in beiden Gruppen 45 Meldungen erhalten. In der 100-m-Brustmeisterschaft für Herren machen sich die 17 besten Brustschwimmer d°s Bezirks das Leben schwer. Favoriten rin-’ Barnin" TV Groß-Gerau, und Berg, TSG 46. — Nachmittags 15 Uhr werden die Kämpfe fortgesetzt. In der 4- m-Bruststaffc’msistersChaft sind TV 46 Groß-Gerau, TSV Pfungstadt und TSG 46 Darmstadt am Start. Die männliche Jugend ist im 100-m-Brustschwimmen mit 24 Teilnehmern vertreten. Große Kampfbegeisterung wird auch in der 4x40- m-Knabenbruststaffel herrschen, die mit Pfungstadt, Mörfelden, Groß-Gerau und den drei Darmstädter Vereinen sehr gut besetzt ist. Die 200-m-Brustmeisterschaft für Herren sieht Berg, TSG 46, als Favoriten. Ob der Darmstädter wohl erstmalig die 3 -Minuten-Grenze unterbietet? 10 Nennungen für das 100-m-Kraulschwimmen der männlichen Jugend und 16 für 100 m Brust weiblicher Jugend sorgen für Abwechslung. Die klassische 100- m-Kraulmeisterschaft für Herren ist mit 13 Teilnehmern heiß umstritten. Karn, TSG 46, und Bergmann, DSW 12, gelten als Favoriten. In der 4x50-m-Bruststaffel für Mädchen liegen 8 Mannschaften im Kampf,’ und das 50-m-Knabenkraulschwimmen sieht 11 Buben am Start. Die Schwimmwettkämpfe finden mit der 3xloo- m-Lagenstaffelmeisterschaft ihren Abschluß. DSW 12, SC Reinheim, TV 46 Groß-Gerau und TSG 46 liegen hier im Rennen. Ein Wasserballspiel der A-Klasse zwischen der SKV Mörfelden und TSG 46 11. beendet das Fest.
Loni Abendroth und Wolfgang Jobst. TSG 46 Darmstadt, die zum vielversprechenden Nachwuchs im hessischen Schwimm-mort -ähler. neh iam Sontag in Fulda an den Jugendmeisterschaften des Hessischen Schwimmverbandes teil.
Arheilgens schwerer Gang nach Straubing
Die Sportgemeinschaft Arheilgen hat am Sonntag eine schwere Aufgabe vor sich. Neben einer ihrer weitesten Reisen hat sie einen Gegner vor sich, der allem Anschein nach gut gerüstet die Saison eröffnet. Straubing ist eine ausgesprochene Heimmannschaft mit einer sehr starken Verteidigung, die nur schwer zu schlagen ist. Jahn-Regensburg konnte bisher von 8 Spielen gegen Straubing nur 2 gewinnen und der 1. FC Saarbrücken brachte es vor 14 Tagen nur zu einem mageren l:0-Sieg. Das sind Empfehlungen, die sich die Arheilger merken sollten. Trotzdem ist der Ausgang des Spieles vollkommen offen: denn Privatspiele sind kein Maßstab für Punktkämpfe.
Der STV Straubing besitzt große, kräftige Spieler, die dieses Plus einzusetzen wissen. Die im Vorjahre so gefürchtete Abwehr steht auch dieses Jahr wieder im Mittelpunkt des Interesses. Der Abwehrtank Gü 11 ist bereits in guter Verfassung und der neuhinzugekommene Lie b - Schwager bildet noch eine Verstärkung. Aumeier im Tor gilt als einer der besten Torwächter in der Runde. Der ebenfalls in der Abwehr tätige Holzapfel ist der härteste Spieler der Elf, der oft die Grenzen des Erlaubten überschreitet. Schwächer eingeschätzt wird der Sturm, bei dem der als Rechts- oder Linksaußen verwendbare B r ü n d 1 der stärkste Spieler sein dürfte. Neben diesem ist noch Ern s t zu beachten. Der Neuzugang Ritter scheint nicht ganz zu befriedigen.
Die Mannschaft spielt einen halbhohen, mit Flachpaß unterbrochenen Fußball und versteht die Größe der Spieler auszunützen. Gegen eine solche Mannschaft werden die Arheilger nur bestehen können, wenn sie von Anfang an konsequent decken und besonders durch betontes Flachspiel die körperliche Größe des Gegners auszuschalten versuchen. Fliegende Kombination, eine weitauseinander gezogene Spielweise, unter Ausnutzung des ganzen Feldes und flache Langpässe vermögen eine körperlich überlegene Mannschaft allein zu ermüden. Mit hohem und Kopfspiel wird hier nicht viel auszurichten sein. Hoffen wir, daß uns die Mühlchesleute nach der angenehmen Seite enttäuschen.
Die letzten Spiele der Arheilger haben gezeigt, daß die Mannschaft gut in Schuß ist. Die hinteren Reihen sind mit Seibel, Marco, Mahr, Müller, Kaul und Hoppe, wieder gut besetzt und der Sturm, der früher das Schmerzenskind war, ist durch die Zugänge Dilfer (Erzhausen), Kirchrath (SV 98) und Wendler (Bensheim) zu einer starken Waffe geworden. -Hewe-
Sommernachtsfest„Am Ziegelbusch“
Am Samstag, 20 Uhr, rollt das Sommernachtfest der TG 75 am Ziegelbusch ab. Die Vorbereitungen für diese letzte Veranstaltung, die volkstümlichste des 75 jährigen Jubiläums, sind soweit abgeschlossen, daß es ein schönerund unterhaltungsreicher Abend wird. Das Weda-Band musiziert, Turnerinnen bringen Tanz- und Gymnastikvorführungen, im Dunkel der Nacht leuchten Lichtkeulen auf, Hungrigen und Durstigen bietet der Gastgeber zu angemessenen Preisen flüssige und feste Nahrung. Ein großes Tanzpodium gibt Jugend und Alter genügend Raum, das Tanzbein zu schwingen, und als Abschluß das große Feuerwerk „Der Ziegelbusch brennt“. Ab 7 Uhr bewegt sich ein Werbeumzug mit dem Spielmannszug der Egelsbacher Turner ab Friedrich-Ebert-Platz nach dem Ziegelbusch.
„Grün-Weiß“ Frankfurt am Ziegelbusch
Am Samstag, 16 Uhr, spielt die Handballelf des SV „Grün-Weiß“ Frankfurt gegen die 75er. Die Frankfurter, die unter Leitung des bekannten Handballpioniers Sommer stehen, konnten die süddeutsche Hallenhandballmeisterschaft erringen und ebenso in den Polizeimeisterschaften mit an die Spitze vorstoßen. Mit der stärksten Mannschaft werden sie gegen die 75er, die mit 2 bis 3 Mann von 98 verstärkt werden, bestimmt ein interessantes und faires Spiel liefern. Kof
Hockeystart 1950/51
Am Sonntag beginnt der TEC die neue Hockeysaison mit einem Freundschaftsspiel gegen den HC Fechenheim, eine Mannschaft der 1. hessischen Spielklasse. Der TEC, der sich auf dem letzten Verbandstag endgültig für Punktespiele entschied, wird in diesem Jahr mit dem TFC Hanau, Tgde Sachsenhausen, VfL Marburg, Eintracht Wiesbaden und Rot-Weiß Frankfurt oder RG Offenbach in einer Gruppe spielen. Der TEC forderte die Aufnahme in diese Gruppe, da die Damenmannschaft ebenfalls an den Verbandsspielen teilnehmen wird und dadurch die Spiele zusammen ausgetragen werden können. — Das Spiel am Sonntag sollten die Fechenheimer für sich entscheiden können, wenn auch der TEC im Vorspiel einen knappen Sieg errang. — Die Damen stehen vor einer für sie kaum lösbaren Aufgabe. Erstmalig nach langer Pause — in der letzten Saison spielten sie nicht mit in der Verbandsrunde — treten sie nun gegen die Gastgeber an, die erst in diesem Jahr den Aufstieg in die 1. Klasse schafften. Der Sonntag wird also ein Ideines Bild von der Stärke oder Schwäche des TEC geben, mit der er in die Verbandsrunde gehen wird.
Die Hochsaison hält an
Am Wochenende abermals ein bedeutendes Sportprogramm
B. G. — Die sommerliche Hochflut des Sports ergießt sich weiter über die Plätze und die — Zeitungsspalten, deren Fassungsvermögen nicht mehr reicht. Am Sonntag dürften aber auch manche Sportplätze zu klein sein, denn aus der Flut ragen wieder Spitzen von beträchtlicher Anziehungskraft heraus. Der „Große Preis von Deutschland“ dürfte Hunderttausende an, sich ziehen, und Massenbesuch ist auch bei etlichen anderen Veranstaltungen zu erwarten.
Es ist gewiß nicht ideal, daß sich auch der Fußball schon im August wieder so breit macht. Aber in diesem Sport stößt man immer Wieder auf die sogenannte „Terminnot“, und die übt? eben ihren unausbleiblichen wenn auch nicht unvermeidbaren Zwang aus. Das Wort „Meisterschaftsstart“ wird am Sonntag im Süden und Norden die Massen elektrisieren. Im Süden bringt die Oberliga bereits so reizvolle Spiele wie Waldhof gegen Vfß Stuttgart (Sa.), Darmstadt 98 — VfR. Mannheim, Singen — Kickers Offenbach. Eintracht Frankfurt — Reutlingen. Premiere hat auch die 11. Liga. Im Westen tragen Preußen-Krefeld und' RW Oberhausen das Pokalspiel aus. Wo noch nicht um Punkte gespielt wird, beschäftigt man sich noch einmal mit farbigen’ Freundschaftsspielen, wie etwa 1. FC Kaiserslautern ■— Grashoppers Zürich, Rot-Weiß Essen — Girondins Bordeaux und Austria Wien bei 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf. — Handball und Rugby stehen vorerst nur im Norden am Start zur neuen Meisterschaft.
Die Leichtathleten ziehen noch einmal zu Deutschen Meisterschaften.. Zusammen mit den Junioren-Meisterschäften in Kassel werden auch die Mehrkampfmeisterschaften ausgetragen. Die Frage „Hipp oder Luther?“ bewegt die Zehnkämpfer, Lena Stumpf und Maria Sander-Domagalla sind die Favoritinnen des Fünfkampfes der Nachwuchstalente.
Breit und ansehnlich ist das Pragramm im Tennis. Neben den Junioren-Meisterschaften in Köln und den Hochschulmeisterschaften in Düsseldorf stehen die Landesmeisterschaften Von Hessen in Bad Homburg und von Rheinland-Pfalz in Mainz, stehen aber auch die internationalen Turniere in Stuttgart (mit Drobny, Südwell. V. Cramm), Berlin und Westdeutschland.
Die große B o-x sp or t gem ei nd e blickt nach Berlin, wo die deutsche Schwergewichtshoffnung Conny Rux im schweren Kampf mit dem amerikanischen Neger „Tiger“ Jones steht. Die S'c h w e rathleten haben den zweiten Teil der Deutschen Freistil-Ringermeisterschaften ausgeschrieben.
Auf dem Nürburgring wird zwischen den Vertretern von neun Nationen, darunter den französischen, italienischen, schweizerischen und deutschen „Assen“ die Motorenschlacht der Renn- und Sportwagen um den 13. Großen Preis Von Deutschland entbrennen. Die Motorradelite ist bei dem Prinzenparkrennen in Braunschweig beteiligt. Weitere Veranstaltungen:
Radsport: Fortsetzung der Deutschlandrundfahrt; Bahn- und Straßenrennen an verschiedenen Plätzen.
Rudern: Jugend- und Schülerregatta in Offenbach.
Schwimmen: Deutsche Strom-Meisterschaften in Bonn.
Pferdesport: Galopprennen in Köln. Frankfurt. Verden. Hannover.
Turniersport: Internationales Turnier in Aachen.
Die Deutschlandfahrer in Stuttgart
Pankoke Etappensieger / Schild immer noch im „Weißen Trikot“
Vo. Stuttgart. (Eigener Bericht.) Die sechste Etappe der Deutschlandfahrt am Freitag von Zweibrücken über Landau— Karlsruhe—Pforzheim durch das Nagoldtal nach Stuttgart wurde eine interessante Jagd des Hauptfeldes. Schon wenige Kilometer nach dem Start in Zweibrücken — es regnete in Strömen — löste sich das Feld bei kleinen Steigungen auf. Als um die Mittagszeit die Sonne über den Pfälzer Bergen stand, hatten 25 Kilometer vor Landau Holthöfer und Pankoke bereits einen Vorsprung von drei Minuten. Die Pfälzer bereiteten den Deutschlandfahrern einen stürmischen Empfang. In Karlsruhe, bei der fliegenden Kontrolle, lagen die beiden Bielefelder zehn Minuten vor dem Hauptfeld.
Zwischen Karlsruhe und Pforzheim änderte sich das Bild. Unter Führung des Belgiers Decorte steigerte das Hauptfeld das Tempo und nun war die Frage, ob es dem Hauptfeld gelingen werde, die Ausreißer Holthöfer und Pankoke einzuholen. Das gelang jedoch nicht; Pankoke und Holthöfer konnten mit einem Vorsprung von fünf Minuten in Stuttgart ankommen und Pankoke wurde ganz knapp vor seinem Landsmann Holthöfer in 5:26,30 Std. Etappensieger.
Der Stuttgarter Weimer hatte kürzlich den Ehrgeiz, in seiner Heimatstadt mit in der Spitzengruppe zu sein, und es gelang ihm auch, den dritten Platz mit 5:29:08 Std. vor dem Holländer Pellenares zu belegen. Die Hauptgruppe mit Decorte an der Spitze traf mit fünf Minuten Abstand in Stuttgart ein, wo am Eingang der Gartenschau die Deutschlandfahrer herzlich begrüßt wurden. Da der Chemnitzer Schild seinen Vorsprung im wesentlichen halten konnte, trägt er auch auf der morgigen Etappe Stuttgart—Karlsruhe das „Weiße Trikot“ vor dem Belgier Decorte.
Das Etappen-Ergcbnis
1. Pankoke (Bielefeld) 5:26:30 Std., 2. Holthöfer (Bielefeld) 5:26:30,1 Std., 3. Weimer (Stuttgart) 5:29:08 Std., 4. Pellenares (Holland) 5:29:08,1 Std., 5. Peters (Belgien) 5:29:45 Std., 6. Theisen (Hildeshei). 5:29:45,1 Std., 7. Steinhilb (Stuttgart) 5:29:45,2 Std., 8. Decorte (Belgien) 5:31:05 Std., 9. Müller (Schweinningen) 5:31:05,1 Std., 10. Schild (Chemnitz) 5:31:05,2’5td
Auch der zweite Tag für die Deutschen
Gesamtergebnis des Schwimm-Länderkampfes Deutschland—ltalien 44:32
Verona, (dpa) Der deutsch-italienische Länderkampf im Schwimmen (Springen und Wasserball) ist in Verona mit dem Kunstspringen der Frauen, dem Turmspringen der Männer und dem zweiten Wasserballspiel abgeschlossen worden. Er brachte der deutschen Vertretung einen 44:32-Sieg.
Paula Tatarek (Lüdenscheid) sicherte sich das Kunstspringen wie erwartet mit 129,75 Punkten überlegen vor Olga Hoffmann (Erkenschwick) (124,38), Levati (Italien) (123,47) und Pautasso (Italien) (113,14). Das Turmspringen der Männer brachte dagegen einen unerwartet scharfen Kampf. Meister Haase vermochte sich erst mit dem sechsten Sprung vor den bis dahin führenden 19 jährigen Italiener Petronio zu schieben. Dieser mußte dann zum Schluß auch den zweiten deutschen, Sobeck (Berlin), vorlassen. Endstand: Haase 159,24. Sobeck 156,77. Petronio 156,43. Ghetz 139,25 Punkte. Obwohl die Italiener im Wasserball bis auf zwei Feldspieler eine ganz neue Formation ins Wasser schickten, siegten sie verdient mit 8:6 Toren. Die Deutschen spielten weniger nervös als am Vortage.
Die deutsche Vertretung für die Europameisterschaften in Wien mit Klein, Lehmann, Ditzinger, Gertrud Herrbruck, Haase, Tatarek und Sobeck reiste am Freitag von Verona nach Venedig und flog von dort nach Wien.
Fangio nur Zuschauer
Die letzten Nachrichten vom Nürburgring
F.A.Z. Adenau. — Das Nachrichtenbüro AP. meldet aus Mailand, daß sich der argentinische Rennfahrer Juan Manuel Fangio, der in der laufenden Saison die meisten großen internationalen Rennen gewonnen hat, entschlossen habe, nun doch am Sonntag zum Nürburgring zu kommen, allerdings lediglich als Zuschauer. Wie AP. weiter berichtet, soll Fangio während seines Aufenthaltes in Deutschland Gast von Daimler-Benz sein. Es werde als wahrscheinlich angesehen, daß Fangio im nächsten Jahre auf einem Wagen dieser Firma starten werde. (Nach AP. müßte also angenommen werden, daß Daimler-Benz im nächsten Jahre bestimmt wieder mit einem eigenen Rennwagen herauskommen will. Die Red.)
Beim ersten offiziellen Training für den „Großen Preis von Deutschland“ auf dem Nürburgring ließen sich die Fahrer nicht in die Karten sehen. Die Franzosen Si~ mon (119,9 km/st) und Trintignant (115,2 km/st) waren auf ihren Simca-Cordinis schließlich die schnellsten Fahrer. Altmeister Hans Stuck, an dessen AFM eine Zylinderkopfdichtung ausgewechselt werden mußte, maß diesen Zeiten noch keine große Bedeutung bei, vertrat vielmehr die Ansicht, daß die Ferraris eine gute Figur machen werden, zumal namentlich Ascari die Aufgabe mit großem Ernst anpackt.
In den übrigen Klassen beherrschten die deutschen Fahrer das Feld.
Bei heiterem Sommerwetter drehte am Freitag der Italiener Ascari mit seinem Ferrari in 10:52,0 Min. (125,9 st,'km) die schnellste Runde.
Am kommmenden Sonntag trägt die erste Handballmannschaft der TSG 46 Darmstadt in Sprendlingen im Rahmen der dortigen Stadioneinweihung das fällige Rückspiel gegen den Gastgeber aus Das Vorspiel konnte die TSG nur knapn gewinnen
Wo gehen wir zum Wochenende hin?
Samstag:
la Steherrennen Radrennbahn 20.15 Uhr Abendsportfest des RSC
Sonntag:
8.00 Uhr Südd. - Pokal-Meisterschaften Eleonorenschule
HI.OO u 15.00 Uhr Bezirksmeisterschaften der Schwimmer im Woo*
15.00 Uhr Fußball Oberliga SV^S—VfR Mannheim. Hochschulstadion
16.00 Uhr Handball TG 75—Grün-Weiß Frankfurt, Am Ziegelbusch ß
Telegramme
Der International Boxing-Club teilt arn Ch.arles und Louis a™ 21 September m Neuyork um die Weltmeisterschaft im Schwergewichtsboxen kämpfen worden. / Die Tschechoslowakei gewann in Prag einen Schwimmlanderkampf gegen Polen mit 129-93 Punkten.
Bei den Deutschen Meisterschaften für Beinamputierte am Wochenende in Stuttgart-Feuerbach soll dei beste Athlet das vom Bundespräsidenten gestiftete „Silberne Lorbeerblatt“ erhalten / Di» Fußballauswahl des Deutsch-Amerikanischen Fußballbundes wurde in Berlin vom amtierenden Oberbürgermeister Dr Friedensburg empfangen. / Die Essener Stadtmannschaft im Handball konnte mH Che E,f Sanna Goeteborg mit 11.8 schlagen.
Die Heimat
Ein ganzes Leben voll Arbeit und Mühe spricht aus diesem Frauengesicht. Daß die Augen gewohnt sind, bei hellem Lichte aufmerksam übers breite Feld zu schauen, sieht man an den feinen Sonnenfältchen. — Und wieder will die Ernte geborgen sein, und die goldene Gabe der mütterlichen Erde geht durch mütterliche Hände, die sie auch zum täglichen Brot im Bauernhause verarbeiten. Foto: Kenner
Das einsame Haus
An jenem Oktoberabend des Jahres 1621, an dem das ehemalige Dorf Unterroda, einen Kilometer südostwärts des Städtchens Hering, durch Ligisten aus Würzburg geplündert und niedergebrannt wurde, sahen einige Soldaten in ihrer linken Flanke ein Licht in der Ferne. Sei es nun, daß sie sich in ihrer Bereitstellung zum Angriff auf die Veste Otzberg bedroht fühlten, sei es, daß ihre Beutelust gereizt wurde: etwa ein Dutzend von ihnen unter Führung eines Wachtmeisters wandten sich dem einsamen Hause zu, aus dem das Licht kam. t
Nachdem die Tür gesprengt war, wurden die durch den Sturm schon aufgeschreckten Bewohner unter Aufsicht genommen, während die übrigen Kasten und Kisten erbrachen und ausleerten.
In der Zeit, in der die Plünderer damit beschäftigt waren, ihr Beutegut aufzuraffen, betrachtete der Anführer' den Hausherrn aufmerksam und erkundigte sich dann nach dessen Namen. Auf die Antwort desselben: „Johann Bullert“, fragte jener erstaunt weiter: „Habt Ihr noch Geschwister?“
Und nun erfuhr der Würzburger nach einigen Zwischenfragen, daß ein Zwillingsbruder, der das Küferhandwerk erlernt hatte, vor etwa dreißig Jahren, damals im Alter von 18 Jahren, weggegangen und wahrscheinlich nicht mehr am Leben sei. Niemals habe er wieder von sich hören lassen. Jäh rief der Wachtmeister seinen Soldaten zu: „Haltet ein! Hier klärt sich mir ein sonderbares Rätsel auf. Seht, dieser Mann ist mein Ohm, das sprechende Ebenbild meines Vaters!“
Auf die Verwunderung Bullerts darüber gab der Anführer als Grund des Schweigens seines Vaters der Vermutung Ausdruck, daß er, zu seiner alten Kirche zurückgekehrt, keine Gemeinschaft mit den Ketzern mehr haben durfte.
„Lehrt ihn das seine jetzige Kirche, die sich doch mit, ja vor der unseren vom Prediger der Liebe und sogar der Feindesliebe selbst herleitet?“ entgegnete ihm darauf Bullert.
Und der neugefundene Neffe bat um Verzeihung für seinen Vater und auch für das eigene Verhalten und versprach, alles wieder möglichst gutzumachen. Zweien seiner Männer, Wandinger und Klügle, befahl er, im Haus zu bleiben als Schutzwache, damit den Insassen nicht nochmals Schaden geschehe und zog mit den übrigen ab mit dem Versprechen, immer einmal hereinzuschauen und nach dem Rechten zu sehen, sobald er in der Nahe weile.
Da sich die Belagerung wochenlang hinzog, konnte der Wachtmeister fast täglich seinen Ohm und dessen Töchter besuchen und näher kennenlernen. Die am ersten Abend zurückgelassenen Kameraden hatten sich bald der Familie näher angeschlossen. Wandinger, der aus der Nähe von Bayreuth stammte, wo sein Vater Landwirt und Brauer war, verstand sich bald recht gut mit der ältesten Tochter, der braunen Katharine; obgleich anderen Glaubens, versprach sie ihm, bis zum Ende der Erde zu folgen, sobald er die Waffen mit dem häuslichen Herd vertauschen könne. Klügle, in der Gegend von Ansbach zu Hause, war zwar nicht so erfolgreich bei Lisette, der Jüngsten, er durfte aber später doch auf ihre Mitfolge rechnen.
Da alle Versuche, den Otzberg zu stürmen, an der herzhaften Verteidigung scheiterten, wurden Unterhandlungen angeknüpft, die ehrenwerte Bedingungen zur Uebergabe vorsahen. Beim letzten Sturm auf die Veste war der Wachtmeister Konrad Bullert gefallen, er konnte seine Anverwandten nicht mehr schützen. Wandinger und Klügle hatten inzwischen schon manche Streife der eigenen Leute erfolgreich abgewiesen.
Am Silvesterabend kam ein Trupp Plünderer, wie sie damals überall in den Landen umherzogen, von Höchst her und verlangten Nahrungsmittel. Der alte Bullert gab ihnen von seinem selbst schon schmal gewordenen Vorrat. Immer mehr aber verlangten sie und drohten dem Hausherrn mit Erstechen. Das brachte Wandinger in Harnisch und als einer der unverschämten Förderer die Kammertür sprengte, hinter der sich die beiden Mädchen verborgen hielten, spaltete er dem Trotzigen mit einem Hieb den Kopf bis auf die Brust hinab.
Jetzt war das Signal gegeben zur wütendsten Blutszene, die damit schloß, daß der Brave, nachdem er noch fünf der Räuber-Rotte dem ersten zur Hölle nachgesandt hatte, durch einen Bajonnettstich fiel. Klügle, der seinem Kameraden tapfer beigestanden hatte, sank durch Säbelhiebe. Bullert und seine Töchter, die von den Räubern erst geschändet wurden, endeten unter den gräßlichsten Verstümmelungen. Nach dieser Heldentat zündeten sie das Haus an, um mit ihm den Anblick der darin verübten Greuel zu vertilgen. V. Nicht jeder ist ein Dichter, der Gedichte macht,
nicht jeder ist ein Narr, den man belacht. Nicht jeder ist ein Streber, der sich irrt, nicht jeder, der sonst gar nichts wird, wird Wirt.
Nicht alles ist Gewissen, was uns mahnt, nicht jeder ist ein Lohengrin, dem etwas schwant.
Nicht jeder Armleuchter ist auch ein großes Licht,
nicht alles, was zwei Wangen hat, ist ein Gesicht.
Fred Endrikat
Der Hagdorn im Domkreuzgang
Auf der Südseite des Domes zu Worms, neben der Nikolauskapelle, stand einstmals der herrliche Kreuzgang. Vier Flügel waren es, mit zierlichen Gewölben. Nach dem Hofe zu bildete reiches Maßwerk einen prächtigen Abschluß. In den langen Hallen standen an den Wänden große Bildwerke aus Stein. Den Boden bedeckten Grabplatten mit Wappen, Inschriften und Figuren. Die Domherren hatten hier ihre letzte Ruhestätte. Da sie aber noch lebten, wandelten sie oftmals durch die figurengeschmückten Gänge. Es war ein Stück eigener Schönheit, auf das die Türme und Kuppeln des Domes herabblickten.
Das Schönste in dem Garten, den der Kreuzgang umschloß, war ein uralter Rosenstock, ein Hagdorn, der mitten darin grünte, blühte und duftete. Er war aus einem Dorn gewachsen und so alt und groß, daß seine vielverschlungenen Aeste und Zweige auf zwanzig steinernen Säulen ruhten. Die Vögel bauten ihre Nester in diese natürliche Laube, und der Duft der unzähligen, blaßroten Blüten hing im Frühling zwischen dem zierlichen Maßwerk der Bogen und Fenster des Kreuzgangs.
Als die Stadt Worms im Jahre 1689 verbrannte, ging auch der uralte Rosenstock, dessen Höhe mit der des mehrstöckigen Kreuzgangs zu wetteifern schien, zugrunde. Selbst die steinernen Säulen verschwanden, und niemand weiß, wohin sie verbaut worden sind. illi
Sorgloses Leben im Pfungstadter Moor
Abseits vom regen Verkehr träumt an der Straße Pfungstadt — Bickenbach still das Pfungstädter Moor. Es ist ein Rest des alten Neckärbettes, dessen Wasser noch vor Tausenden von Jahren die Bergstraße entlang flossen und an dieser Stelle in einem Knie nach Westen abbogen, tief in die hier sich ausbreitende Sanddüne einschneidend, Sumpflandschaft und Dünengebiet sind dort eng aneinandergerückt, nur die Bickenbacher Straße und der Fußweg nach Hof Hartenau trennen die beiden gegenteiligen Landschaftsformen. Während in dem 200 Morgen großen Moor ein üppiges Tier- und Pflanzenleben zu finden ist, führt auf der Düne die Vegetation einen verzweifelten Kampf um das so lebensnotwendige Naß. Die Oedlandpflanzen verkleinern ihre Blätter zu Nadeln oder fast zu Stacheln, sie umhüllen sie mit einem feinen Pelz‘von Haaren, oder sie sind besonders dick und fleischig, alles um die Verdunstung herabzusetzen. Und nur wenige Meter davon lebt eine Tier- und Pflanzenwelt unter ganz anderen Voraussetzungen. Düne und Moor, beide reich an biologischen und zoologischen Seltenheiten, werden alljährlich von vielen Naturfreunden und Wissenschaftlern besucht.
Stille herrscht über dem Moor. Die schlanken Pappeln wiegen sich in der Luft, die Birken neigen sich im Winde, und die Blätter der Erlen und Weiden spielen und lispeln leise. Dunkelgrün ragt das Schilfrohr aus dem trüben Bodenwasser hervor. Vom Moorhaus, dem Heim der Naturfreunde, biegt die lange Pappelgasse in das Moor ein. Baid merkt man doch, daß die Stille nur eine scheinbare ist. Zur Rechten quakt laut ein Ochsenfrosch, und schon stimmt eine ganze Menge in das Konzert mit ein. Sie hocken ganz dicht am Uferrand und geben sich ein Stelldichein.
Und jetzt singt ein Vogel „Karra, karra, kied, kerr, kerr“. Immer wieder vernimmt man ihn. Es ist der Drosselrohrsänger, ein fleißiger Sänger, der aber selten sichtbar ist. Auch sein Nest ist schwer zu finden, denn es ist ungefähr 1 Meter über dem Wasserspiegel gebaut, und 5—6 Rohrstengel bilden die Pfeiler, die das kunstvoll aus Schilfteilen, Gräsern und Samenwolle gebaute Vogelheim tragen. Krächzend fliegen Krähen auf, die auf einer Pappel ihren Horst haben. Pfeilschnell schießt ein Habicht über das Moor, drüben dem Walde zu, dort nach der Kiefer, wo sein Nest liegt.
Auch der Kuckuck beginnt zu necken, der in dem Erlenwäldchen haust. Hier und da sitzen Wasserjungfern in ihrem schillernden Kleid auf den Spitzen schwankender Rohre. Und da, an einer Birkenhecke, hängt an dünnen Zweigen ein kunstvoll gefertigtes Nest, frei in der Luft, doch schwer zu erkennen, da es von grünem Laub bedeckt ist, Es ist das Nest des Pirols, auch Pfingstvogel genannt. Ein sehr schöner Vogel ist er, mit reinen Farben, und seine herrliche Stimme erfreut jeden Vogelliebhaber. Scheu ist er, und nur gut versteckt vermag man ihn in seinem goldgelben Kleide zu beobachten. Auf dem Weg bewegt sich ein Fleck. Ein kupferroter Fasan mit langem Schwanz und dicken Halsfedern tummelt herum, pickt eifrig seine Nahrung auf und schlägt zwischendurch unbekümmert sein, Flügel. Die Federn schimmern wie Metall in Goldfarbe, Kupferrot und Rötviolett. Sein Nest liegt im niedrigen Gestrüpp in einer kleinen Vertiefung des Bodens, die mit Laub und Hälmchen ausgepolstert ist. „Titi, tiri, zerr, zerr“, kein Gesang, mehr ein Geschwätz, läßt aufhorchen. Es ist die Stimme des Teichrohrsängers, der dem Drosselrohrsänger in der Farbe, stark ähnelt, aber nicht so groß ist. Keck und munter hüpft und klettert er ständig im Schilf herum, und schon gesellt sich ein anderer zu ihm, der Sumpfrohrsänger, in seiner mattbraunen Farbe. Beide sind Zugvögel und werden in einigen Wochen wieder Abschied nehmen. In das Wasser fällt eine Kette Wildenten ein, und ihr Ges matter nimmt kein Ende. Ein Rudel Rehe -fleht über den Weg un 1 wechselt durch das Schilf, hinüber auf die Wiesen. Am Rande aber, wo auf sandigem Boden die Kiefern wachsen, Holunder, mann hol'^ Fichten und Haselnußhecken stehen, beginnt eine Vogelwelt, die anderer Art ist. Hier flattern scheu und aufgeregt die Turteltauben von Ast zu Ast der schlanken Kiefern, ab und zu ihr „turr, turr, turr“ in die Luft girrend. Stare fallen mit lautem Geschrei in die Hecken ein. Blaukehlchen singen auf schwankendem Zweige, und die Amsel flötet im nahen Gebüsch. Junghasen hoppeln über den Weg und machen ihre Männchen. Haubenlerchen steigen auf und trillern in der Luft ihr Morgenlied. Weiße Bachstelzen fliegen an die nassen Stellen des Weges und wippen ständig mit dem Schwanz. Der Fitislaubsänger singt im Unterholz, und eine Dorngrasmücke fliegt über den Weg vom Moor her gegen den Wald.
Langsam steigt die Sonne höher, und drüben im Felde wird es lebendig. Unbekümmert aber leben sie hier, alle die Sänger und alles Getier im Pfungstädter Moor und in den Dünen, sorglos an reichgedecktem Tisch. Selten erschreckt sie ein Mensch, und der Naturfreund findet Freude und Erholung in diesem Stückchen Landschaft. ler
Palais Fechenbach in Dieburg
Ist eine Stadt nicht zu beneiden, die solch ein unzerstörtes Palais ihr eigen nennt? Wie üppig sproßt das Grün des umgebenden Parks, der sich an die Gersprenz anlehnt und sich zum Dieburger Marktplatz öffnet! Wer aber glaubt, daß in den Schloßräumen eine Behörde oder Dienststelle sich breit entfaltet, der vergißt, daß wir im Jahr 1950 leben. Eine ganze Reihe von öffentlichen Instituten muß sich mit dem karg' zubemessenen Raum begnügen: Das neue
Feuerwehrhaus gewährt den Geräten der Dieburger Feuerwehr Aufnahme; das Rote Kreuz wirkt in einem der Seitenbauten. Den meisten Raum im eigentlichen Schloßbau hat die Kreisberufsschule inne. Gerade ist das Kreismuseum Dieburg im Begriff, seine während des Krieges magazinierten Bestände in zwei Räumen des Obergeschosses wieder aufzubäuen. Das Land Hessen nimmt im gegenwärtigen Zeitpunkt tätiges Interesse an den wertvollen Dieburger Altertümern. Auch das Stadtarchiv hat nun einen lichten Raum zu seiner Verfügung.
Es ist also in diesem Schlosse wie überall in Deutschland, der Bau wimmelt vom Keller bis zum Speicher von Menschen. Besonders aber wimmelt es zu gewissen Zeiten im Keller. Hier sorgt ein Saunabad für die äußere und eine Weinstube für die innere Befeuchtung. Oh, es kann sich in einem einzigen Gebäude das Leben in seinem vielfältigen Reichtum abspielen.' Sogar die hohe Politik fehlt nicht. Der Stadtrat hält seit kurzem im Festsaal seine öffentlichen Sitzungen ab.
Woher dieser feierlich stilisierte Bau mit seinen Baikonen, Lisanen, Terrassen, seinen griechischen Giebeln der Parkseite und dem repräsentativen Treppenhaus gegen den Hof?
Er ist nicht erst ein Kind des Klassizismus, sondern reicht in seinen Anfängen in die Jahrhunderte des Mittelalters. Die an ihn heranführende Straße, die Eulergasse, belehrt uns, daß das in deutschen Landen weithin berühmte Dieburger Adelsgeschlecht der Ulner hier seinen Sitz hatte. Man kennt ja die glanzvollen Ulnerbauten zu Weinheim a. d. B. In Die-
bürg gibt es die Ulner seit 1236. Ein Ulnerwappen von 1564 am Wasserpförtchen des hiesigen Schlosses weist auf ihren fortdauernden Wohnsitz und der Grundriß des jetzigen Schlosses geht auf Joh. Plekkard Ulner zurück, wie sein Allianzwappen über dem Portal aus dem Jahr 1717 beweist.
Nach dem Aussterben der Familie verkauften die Erben 1841 ihren Dieburger Besitz an die Freiherren von Fechenbach. Bis dahin war das Schlößchen im Mansardenstil gehalten. Hugo von Fechenbach ließ es in den Jahren 1860 bis 1864 durch den Baumeister Krauß zu seiner heutigen Gestalt umbauen. Das Grabdenkmal dieses Bauherrn steht jetzt an der Nordwand des Querschiffs der Wallfahrtskapelle. Vom Bauzustand des Mansardenschlößchens hat sich ein hübsches Aquarell von Charles Regnier erhalten.'
Heute besitzt die Stadt Dieburg das weitläufige Anwesen, in dessen Park apch von der Klostergasse her ein neuer Zugang führt. Damit ist der Altstadt eine Ozonquelle erschlossen. Gibt es kein Theater, das einmal seine Mimen auf der Schloßterrasse spielen ließe? V. V.
Was dem Leben dient, ist dem Tod unterworfen, der es zu neuer Gestalt verwandelt. So will es das Gesetz der Erde. Ihm folgt der Mensch, der ackert und erntet. Zum großen Schnitt schärft er die Sense Jahr um Jahr; sorgende Mühe und schweres Schaffen sind Inhalt seines Lebens, bis ihn einst selber der mächtige Sensenmann dieser. Erde nimmt. ks.
Die Frau und ihre Welt
Was tragen wir im Herhst?
Zwar sind die Hundstage, die uns die größte sommerliche Hitze bringen, noch nicht ganz vorbei, und schon bringt uns Frau Mode ihre neuesten Herbstschöpfungen.
Bunt wie der Herbst mit seinen bunten Blättern werden die Farben unserer Kleider sein. Es werden sehr viele und gute Stoffe in verschiedenen Farbmischungen, wie Mausgrau, Blaugrün, Oliv, Malve, Hasel, Karamel, Moosgrün, Baumrinde usw., angeboten, so daß die reinen Farbtöne etwas verdrängt werden. Die Dame wird allerdings sehr vorsichtig wählen müssen, um auch für das gute Kleid das Richtige zu finden. Marineblau und Schwarz wird auch in diesem Herbst eine gern gesehene Farbe sein. Uni steht im Vordergrund und wird in schönsten friedensmäßigen Qualitäten zu haben sein.
Wie immer im Herbst und Frühling werden Kostüm u id J ackenkleid der Dame ein unentbehrliches Kleidungsstück sein. Hier sollte
man gediegene Farben und einfache Formen wählen, um auch für die nächsten Jahre versorgt zu sein. Einen besonders guten Stoff für ein Kostüm zu wählen, ist immer zum größten Vorteil. Wer es sich leisten kann, wird neben dem schlichten Kostüm auch ein phantasievolles besitzen, das auch in diesem Herbst unbedingt hochmodern sein wird.
Die Linie der Mäntel ist fast unverändert geblieben. Neben dem losen Hänger trägt man auch in diesem Herbst die etwas strengere Form. Bei den Mänteln fallen besonders die Kragenpartien auf. Große Schulterkragen, die auch hochgeschlagen getragen werden können, werden sich im Herbst und Winter durchsetzen. Angeschnittene oder eingesetzte sehr weite Aermel mit oder ohne Manschetten geben dem Mantel die besondere Note. Ebenso sind große Taschen und aparte, breit abgesteppte Teilungsnähte sehr beliebt.
Bei den Tageskleidern lassen wir die Phantasie der Frauen ruhig schweifen. Sie werden es bei einigem Talent und den nötigen Mitteln schon verstehen, das Rechte für sich herauszufinden. Es ist schon so im Leben, daß eine Frau-um so sicherer auftritt, je mehr sie selbst das Gefühl hat: Ich sehe gut aus! Dazu gehört nicht immer ein großes Portemonnaie. Ein gut gewählter, preiswerter Stoff, nicht zu extravagant gearbeitet (dabei auch das Alter nicht außer acht lassen, meine Damen!), wird der Trägerin viel Freude bereiten und be- schränkt sie zum Tragen eines Kleides nicht nur auf eine Saison. Gerade in einer Zeit, wo nicht nur unsere Garderobe, sondern oft genug unser ganzer Haushalt große Lücken aufweist, sollte man vor allem praktisch wählen. Stets darauf bedacht sein, die Kleider, Mäntel und Kostüme wohl elegant, aber nicht zu sehr zeitgebunden zu wählen, um sie möglichst lange unverändert tragen zu können. Bei den leichten Wollkleidern des Herbstes geht man von dem etwas weiten, glockigen Rock des Sommers ab und wählt nicht zu enge, aber gerade Röcke. Schlichte Hemdenblusenkleider mit verschiedenen Knopfverzierungen, Aufschlägen, Rüschen und auch abgesteppten Biesen werden sich durchsetzen. Aber auch Westen und Jäckchen stehen im Vordergrund. Sportliche Kleider mit und ohne Taschen, Schal- oder Reverskragen werden von den Berufstätigen gern gewählt. Die schlanke Dame wird und kann ein enganliegendes Plisseekleid, mit Lackgürtel gehalten, wählen.
Plissee wird sich in diesem Herbst und Winter auch weiterhin behaupten. Die Länge der Kleider ist fast unverändert: 37—39 cm Abstand vom Boden.
Und dann die Blusen, meine Damen! Was wäre das schickste Kostüm ohne die aparte Bluse. Sie ist das Pünktchen auf dem i. In ganz verlockenden Farben und Stoffen werden wir auch hier für den Herbst das Rechte finden.
Die Strickmode gibt sich sehr viel Mühe mit neuen Modellen, um die Damen zu veranlassen, statt einer reizvollen Bluse auch einmal einen Pullover zu tragen. Die reiche Auswahl der schönsten Wollsorten und Farben für einen Pullover wird auch der verwöhntesten Frau eine willkommene Ergänzung zu Rock oder Kostüm sein.
Natürlich dürfen wir gerade im Herbst den Regenmantel nicht vergessen. Das Material für den neuen Regenmantel ist federleicht, wasserdicht und sehr dauerhaft. Sportlich ver* arbeitet, werden wir ihn stets gern tragen, auch wenn es nicht gerade regnet.
Bei den Abendkleidern dominieren noch immer die sehr weiten Röcke mit den engansitzenden schulterfreien Miedern. Daneben behaupten sich aber auch schon streng ge= . schnittene und hochgeschlossene Kleider, die mit echtem Schmuck getragen, besonders festlich wirken. Märchenhafte Stoffe aus Chiffon, Seide, Satin, Velour, Brokat, Tüll und Organdi werden uns die Wahl schwer machen. Auch hier, wie in allen Modesachen, recht gründlich überlegen — denn eines schickt sich nicht für alle!
Wenn wir uns auch jetzt noch im sommerlichen Dirndl oder dem luftigen Bolerokleid sehr wohl fühlen, so werden wir doch allmählich beginnen müssen, uns für den Herbst zu rüsten. Bei der Vielseitigkeit der Frau wird es nicht schwer sein, auch dieses Problem zu lösen.
Trotz der schweren Zeit und der vielen Sorgen bleibt uns auch im Herbst und Winter die kleine Freude, die wir an einem neuen Kleid, sei es noch so einfach, haben werden. -I¬
Zeichnungen: Rex
Hutmode orientalisch
Jenen romantischen Kopfbedeckungen, mit denen sich die Scheichs in der Wüste gegen die sengenden Strahlen der Sonne schützen, wird man demnächst auch bei europäischen Frauen begegnen, falls sich die Ideen der französischen Hutschöpferin Rose Valois durchsetzen. Den Höhepunkt ihrer Herbstmodenschau, die sie der Presse und den ausländischen Kaufern auf dem Dachgarten ihres eleganten Pariser Appartements vorführte, bildeten Turbane aus Schals in leuchtenden Farben, die auf dem Kopf drapiert waren, während die Enden um den Hals geschlungen wurden Madame Valois' Kollektion ist außerordentlich reichhaltig, sie bevorzugt jedoch Russenkappen in Angora, runde Matrosenhute mit schmalen eingerollten Rändern und winzige Rudermützen mit „Scheuklan, pen , die an beiden Seiten abstehen. Orientalisch wirkte eine orangenfarbene Rudermütze mit „Scheuklappen , die an einem Hutband aus schwarzem, mit Diamanten geschmückten Filz befestigt waren. Für Frauen, die ihren Hut ab und zu absetzen möchten, hat Madame Valois einen Hut erdacht, den man wie eine Schultertasche „auf die leichte Achsel" nehmen kann.
Was Grosimutter in der Zeitung las
FAMILIENNOTIZEN ANNO 1850
So einfach wie heute war es früher nicht, sich kennen und lieben zu lernen, da mußten der Reputierlichkeit wegen manchmal Wege gewählt werden, die recht umständlich erschien. So setzte ein gewisser Sch. in das „In* telligenzblatt" von Halberstadt folgende Anzeige:
„An Frl. Elise i. Grf —g. Ihren Brief vom 6. Jan. mit dem Poststempel Magdeburg nebst reizender Kr — erhalten; bitte aber dringend um einen 2. Brief mit vollem Namen, nicht wahr? Oder bezeichnen Sie mir brieflich einen Ort, wohin ich adressieren soll!?"
Tanzen lernen war vor 100 Jahren eine hohe gesellschaftliche Pflicht, der sich die Jugend unter strengster Bewachung seitens lorgnonbewaffneter Mütter hingab. Die Anzeigen der Tanzmeister waren dementsprechend vornehm. So inserierte Hoftanzmeister Alfred Lewien im „Lokalblatt" von Dresden am 28. Januar 2850:
„Einem hohen Adel und ehrenwerten Bürgerschaft Dresdens und Umgebung die ergebene Anzeige, daß ich im Laufe dieses Monats einen Tanz-Kursus eröffnen werde. Höfisches Zeremoniell. Neue Figurentänze aus Wien und Paris. Die hochwohlgeborenen Mütter werden gebeten, Töchter und Söhne unter Vorlage der Standespapiere bei mir anzumelden. Die Kurse finden nur in Anwesenheit der Mütter im Residenzsaal statt."
Wenn bei diesem graziösen Spiel tänzerischer Grandezza ein? junge Liebe erblüht war und sich als beständig erwies, so daß eines Tages sich ein Bund fürs Leben anbahnte, dann war unter „Gesellschafts-Anzeigen" wie z. B. am 7. Februar 1854 zu lesen:
„V erlobungs-Anzeige". Die Verlobung meiner jüngsten Tochter Ida mit dem nach Langenbielau designirten Pastor Herrn Paul Dehmel zeige ich allen lieben Verwandten und Bekannten ergebenst an.
Verwitwete Pastor Elsner geb. von Packisch.
Folgte der Hochzeit zum vorgeschriebenen Zeitpunkt ein Stammhalter und hatte die Niederkunft einige Besorgnisse um die junge Mutter ausgelöst, dann inserierte der stolze Vater vornehmer Stände folgendermaßen:
„Oeffentlicher Dank dem Sanitätsrat Dr. Tscherner für die schwere, aber glückliche Entbindung meiner Frau, sowie der Hebamme Schneider für ihre ärztlich vorgeschriebene, nachträgliche, gewissenhafte und sorgfältige Pflege."
Man brachte der ärztlichen Wissenschaft vor 100 Jahren eine weit größere Hochachtung entgegen als heute. Es war Ehrenpflicht, den Dank nicht durch ein pünktlich gezahltes Salär abzustatten, sondern auch die Gnade Gottes und die ärztliche Kunst gebührend hervorzuheben. So lesen wir in den „Mitteilungen für Stadt und Land" des Großherzogtums Mecklenburg:
„Danksagung". Meine Tochter Etmilie Peschel hatte sich unglücklicherweise ein scharfes Messer tief in den rechten Augapfel hineingestochen, so daß durch die ziemlich tiefe und breite Wunde lauter glasartige Masse herausfloß und ich leider der traurigen Aussicht entgegenzusehen glaubte, meine Tochter würde auf dem verletzten Auge erblinden. Nächst des Allmächtigen Hilfe ist es der geschickten Hand und der Wissenschaft des Herrn Dr. Süßbach in Schwerin, sowie seiner sorgfältigen Behandlung gelungen, das Auge wieder vollständig herzustellen und die Sehkraft demselben zu erhalten. Dem Drange meines Herzens folgend, kann ich nicht unterlassen, dem Herrn Dr. Süßbach hiermit öffentlich meinen tiefgefühlten Dank abzustatten und denselben als einen geschickten Arzt und Menschenfreund jedermann zu empfehlen."
Wie heute, so war auch gestern und vor* gestern der Ehehimmel nicht ohne trübe Wolken, sonst hätte sich eine Trau nicht zu folgender fettgedruckter Bekanntmachung im „Boten aus dem Riesengebirge" veranlaßt gesehen:
Der Wahrheit die Ehrel Der in No. 102 des „Boten", Seite 2272, Inserat 1092, unterzeichnete Caspar Scholz ist der Ruhrmann Scholz aus Ullersdorf b. L. Derselbe verließ mich im fahre 1833 nach einer neunwöchigen Ehe und lebte bis zum 5. Juni v. J. von mir getrennt. Seit letzterer Zeit wird von ihm meine nur mir allein rechtmäßig zugehörende Besitzung No. 27 in Schwarsbach widerrechtlich bewirtschaftet, nachdem er mich aus derselben mit roher Gewalt vertrieben. Ich habe demnach als Besitzerin noch nicht nötig, mir auf dessen Namen Geld oder Sachen zu besorgen, seine Sache ist vielmehr, sich über seine Anmaßungen meines Gutes höheren Orts zu verantworten. Dieses zum richtigen Urtheil für die öffentliche Meinung, das weitere vor dem ..Forum comvetens".
Gesdhidchtshudch der Kartoffel
Bald beginnt die Ernte der Kartoffel, die in ihrer Wichtigkeit für unsere Ernährung nur dem Weizen noch nachsteht. Wer aber weiß schon etwas über dieses bedeutsame Produkt der Aecker, wer denkt über ihr Herkommen nach, wenn die dampfende Schüssel voll der goldgelben Erdäpfel auf dem Tisch steht?
Die früheste Erwähnung der Kartoffel fand man auf Grabkeramiken an der peruanischen Küste, die ungefähr aus der Zeit um 600 n. Chr. stammten. Schüsseln, Gebrauchsgefäße und andere Töpferwaren hatten Kartoffelmuster eingebrannt.
Für die Eingeborenen der Anden, des südamerikanischen Gebirgszuges, war diese Erdfrucht ein überragendes Nahrungsmittel. Menschenopfer wurden gebracht, um eine gute Ernte zu erbitten; daher waren auch die Haushaltsgegenstände mit?den Bildern verstümmelter Menschen, dekoriert mit auffallend angebrachten „Kartoffelaugen" versehen. Später gab man den Töpfen die Form von Knollen, bis schließlich in der Inka*Periode nur noch stilisierte Dekorationen der Kar-
toffelaugen übrigblieben. Nachdem die Spanier das Land eingenommen hatten, entdeckten sie bald die Nützlich* keit und die Verwendungsmöglichkeiten der Kartoffel. Die großen Silberminen wurden von eingeborenen Arbeitssklaven betrieben, die fast ausschließlich mit getrockneten Kartoffeln ernährt wurden, bei deren Verkauf spanische Zwischenhändler enorme Vermögen verdienten.
Es gibt keine Dokumente darüber, wann und wie die Spanier die Kartoffel zum ersten- mal nach Europa brachten; man weiß nur, daß sie um 1570 in Sevilla angebaut wurde. Von Spanien gelangte sie dann nach Norditalien und Belgien.
Sir Walther Raleigh führte die Kartoffel auf seinem irischen Gut um 1588 ein. Der viel* verbreitete Glaube, daß er es war, der diese Frucht selbst aus Virginia nach Europa ge* bracht hatte, muß falsch sein, da die Kartoffel
erst I^,o Jahre später nach Virginia gelangte. In England fand die Pflanze erst keine große Verbreitung. Doch mit der vorwärts* schreitenden Industrialisierung erlebte auch der Kartoffelanbau einen großen Aufschwung, nachdem sie zu einem wichtigen Nahrungs* mittel für die Arbeiterschaft in den Städten geworden war.
In Frankreich wollten die Bauern nichts von diesem neuen Nahrungsmittel wissen, und nur durch den Einfluß des Hofes und dessen unermüdliches Drängen gelang es, Landleute und Handwerker im 18. Jahrhundert zu be* wegen, die Kartoffel zu essen. In Deutschland wehrte man sich anfangs auch gegen diese „Teufelskost", aber trotzdem erlangte die Kartoffel ihre Volkstümlichkeit fünfzig Jahre früher als in Frankreich.
In Rußland wurde die Kartoffel erst im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts einge* führt. Die Bauern konnten erst nach heftigen und an manchen Orten blutigen Kämpfen da* zu bewogen werden, diese Frucht anzubauen. In Polen begann der Anbau nach den Napo* leonischen Kriegen, wo sie durch die franzö* sischen Truppen bekannt wurde.
M. Rusticue
Jeitsdchriften für den Herrn
Endlich kommen auch die Männer wieder auf ih e Kosten. Gleich zwei Zeitschriften für den Herrn stellen sich ihnen vor. Sie erinnern etwa an den früheren „Junggesellen", sind aber umfassender, gepflegter, mehr auch auf modische Dinge eingestellt und tragen dem Geschmack unserer Zeit in allem Rechnung.
Im A. W. A Verlag Krüger und Co., Mün* chen, erscheint die erste Nummer der „ER, Die Zeitschrift für den Herrn" (Preis 2,— DM). Sie bietet sich in gutem Vierfarbendruck auf beste . Kunstdruckpapier an und wird Sicher* lieh nicht nur von „IHM", sondern — soweit vorhanden — auch von seinem besseren „ICH" zur Hand genommen werden. Frauen haben ja doch den besseren Blick für die modischen Dinge, sie geben bei der Auswahl schließlich auch den Ausschlag, ob es sich nun um Anzug, Hut, Handschuhe, Pyjama, Auto oder Regen* schirm handelt. Namhafte Mitarbeiter von internationalem Ruf geben den Startschuß zu der ersten Nummer. Alles, was den Herrn auf den Gebieten von Kultur, Mode, Sport, Theater, Film usw. interessiert, findet er in der „ER". Er wird sogar feststellen — und die Frau wird es erst recht —, daß auch die männ* Uche Mode sehr vielseitig ist, und daß es bei ihr genau so auf den Geschmack ankommt wie bei der weiblichen Mode. Vielleicht machen Frauen, die auf einen gutangezoge* nen Mann Wert legen, eine Herrenzeitschrift ihren Männern zum Geschenk. Es ist nicht so gefährlich, wie umgekehrt. Denn der zahlende Teil bleibt ja doch immer „ER".
„Das Herren-Journal" erscheint im Walter-Matthes-Verlag, Berlin, und kostet (monatlich ein Heft) 3,— DM. Es nennt sich mit Betonung das Organ des Instituts für Herrenmrde und dient der Aufgabe, die kultivierte Herrenkleidung zu fördern und sie modisch auszurichten. Da lacht den Frauen das Herz im Leibe, denn nunmehr kann der Mann nicht mehr gegen die Mode der Frauen zu Felde ziehen. Das Heft gibt den Männern viele Anregungen. Die Wäsche, der Anzug, der Mantel und alle die dazugehörigen Details finden wir in diesem Heft verzeichnet, der Mann hat die Wahl und die Qual. Neben der Mode finden sich auch fachliche Beiträge über alles Wissenswerte, so daß der Mann auch manches für seine Bildung tun kann. Und das gutzusammengestellte Feuilleton bietet ihm und auch ihr angenehme Unterhaltung und Entspannung.
Man sage nichts gegen diese Herrenjournale. Auch der Kleiderschrank der Männer hat sich gelichtet. Wir Frauen wissen das und haben Verständnis dafür, daß er mit Geschmack wieder aufgefüllt wird. Die Geschmackslinie aber wird von den Herrenjournalen bestimmt.
Monika
Der große und der kleine Freund
Freunde müssen nicht immer gleichen Alters sein. Auch bei großem Unterschied der Jahre kann das Verstehen herzlich sein. Man sehe sich einmal unsere beiden Freunde an.
Der eine ist ein älterer Herr, der andere ein sehr kleiner Junge: Großvater und Enkelkind. Aber sie stehen durchaus nicht so zueinander. Nein, ihre Freundschaft geht viel tiefer.
Opa versteht die großen Sorgen und weiß um die Freuden des kleinen Franzl, er spielt mit ihm, tollt mit ihm, lacht mit ihm, erzählt ihm Märchen, kurzum, er beschäftigt sich mit ihm vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Die Mutti ist zwar auch da, aber die hat eigentlich nur die Aufgabe, ihn täglich morgens über die Straße zum Opa zu bringen, weil er allein noch nicht darf, denn er ist noch keine drei Jahre alt.
Lacht die Sonne, so sieht man Opa und Enkel auf dem Fahrrad, Franzl im Körbchen, spazieren fahren. Schnell geht es hinunter an den Rhein, wo er sein schönes Schiffchen fahren läßt. Und auf dem Rückweg wird für Mutti dann ein Blumenstrauß gepflückt. Franzl kennt sie fast alle, die herrlichen Blümchen, Opa erzählt ihm ja so viel von ihnen.
Aber eines Tages hatte Opa für kurze Zeit verreisen müssen. Franzl verstand das nicht. Ganz betrübt ließ er den Kopf hängen. Alle Aufmunterungsversuche nutzten nichts. Am nächsten Morgen vermochte er nicht auf* zustehen, er hatte 40 Grad Fieber. Was war nur mit ihm los? Der Arzt konnte nichts Rechtes feststellen. — Zwei Tage später kam der Opa zurück, hörte von der Krankheit seines kleinen Freundes und ging gleich zu ihm. Strahlend empfing ihn Franzl und genas auf der Stelle. Am nächsten Morgen konnte man die beiden wieder zusammen davon* fahren sehen. Franzls Krankheit war nur Heimweh nach seinem Freund gewesen.
Leider währte die Freude nicht lange. Opa mußte ins Krankenhaus. Franzl besuchte ihn jeden Tag, obwohl das eigentlich gegen die Vorschrift und nur jeden zweiten Tag Besuchs* tag war. Aber sie hatten alle ein Einsehen mit ihm, die Patienten, die Aerzte und die Schwestern. Am liebsten wäre Franzl gleich ganz beim Opa geblieben, schließlich war das Bett doch groß genug. Aber das ging nun doch nicht, und so gab er sich zufrieden, daß er seinen Opa jeden Tag sehen konnte.
Doch zu Hause war es ihm langweilig ohne seinen Freund. Es konnte eben niemand so schön spielen und erzählen wie der Opa. Und Mutti hatte doch zu wenig Zeit. Seine kleinen Spielgefährten mochte Franzl nicht. Sie nahmen ihm immer sein Spielzeug weg, und dann gab es Krach.
Auf einmal war der Opa wieder da. Gab es ein größeres Glück für den kleinen Franzl? Jetzt sieht man sie wieder, die beiden, Hand in Hand, den kleinen und den großen Freund. E. S.
Zeichnung: R. Pfleger
Brief einer Leserin
Schön ist das Bild des lesenden Mädchens in der AZ, ein Traum von Sommersonne und Wind. Die Frage, ob die hübsche Kleine einen Brief ihrer Freundin oder die Worte eines Mannes, der nachdenkliche Dinge zu Papier bringt, liest, würde ich von meiner Seite unbedingt dahin beantworten, daß es nur der Brief einer 'Freundin sein kann. Denn wie wenigen Männern ist das Talent geschenkt, nachdenkliche Dinge in Worte zu fassen. Ja, Briefe schreiben ist schön, auch manchmal nicht leicht, da das geschriebene Wort viel schwerer wiegt, ob es nun Vorwurf, Versprechen oder Zusage bedeutet, als ein Wort im Gespräch von Mensch zu Mensch. Aber wenn kein Echo dem Brief antwortet, wenn gar die eigenen, zaghaft geschriebenen Worte wieder ins Haus zurückkehren, wird man mit der Zeit müde, geschriebene Gedanken auf die Reise zu schicken, zumal man nie genau weiß, ob der Empfänger überhaupt Freude daran hat. Weil nun Ferien sind, und weil der Hinweis, daß die Zeit der Ferien geeignet ist, Briefe zu schreiben, sicherlich an Ihre Abonnenten gerichtet ist, sollen Sie einen Brief haben. Ich bin Buchhalterin. Ich gehöre, glaube ich, überhaupt keinem Kreis an, zum Bürgertum zuviel Phantasie und Auflehnung, zur Boheme zu wenig Leichtsinn und zu den besseren Kreisen zu wenig Geld, was macht man da? Da ich nun schon über fünfzehn Jahre im Berufsleben stehe, zähle ich beinahe Herbste. Sie werden fragen, warum nicht Lenze? Oh, ich liebe den Herbst mehr als den Frühling, er bedrängt nicht so sehr. Ein goldener Herbsttag mit samtblauem Himmel und silbernen Sommerfäden in d^r Luft läßt weit weniger die Einsamkeit spüren. Nun sehe ich einen erhobenen Zeigefinger, wie kann man mit dreißig Jahren von Einsamkeit sprechen? Doch muß man denn sehr alt werden, um zu ahnen, daß man am Ende immer allein steht? Ansonsten liebe ich Theater und Musik, Bücher, Tiere und Blumen. Auch heute steht ein Strauß gelber Rosen auf meinem Schreibtisch und zaubert mit seinem süßen, betörenden Duft ein Stück Sommer in mein Büro. Bitte — Sie sind mir nicht böse, weil ich den Brief maschinegeschrieben habe. Uebrigens ist da auch die AZ schuld, sie hat vor einiger Zeit einen netten Artikel über den Maschinenbrief veröffentlicht. Für den Emp* fänger hat er mindestens zwei Vorteile. Es wird mehr und ausführlicher geschrieben, und es kann besser gelesen werden. Es besteht keinerlei Irrtum und bedarf keines längeren Studiums, Um herauszukriegen, ob z. B. das Wort Gruß oder Kuß heißen soll. So, da haben Sie dec Brief einer Ihrer Leserinnen als Folge der Bildunterschrift in Ihrer Beilage „Die Frau und ihre Welt". H. P.
Starkenburg
Edelsteine unter dem Mikroskop
Lagersteinschleiferei — eine Industrie mit Zukunft
Wissen Sie überhaupt was ein Lagerstein ist? Die meisten von Ihnen wohl nicht, denn diese Steine sind so klein und von schützenden Hüllen umgeben, daß man sie kaum wahrnehmen kann. Beim Kauf einer Ankeruhr wird Sie der Verkäufer bestimmt auf die Steine aufmerksam machen, die den Wert des Werkes in bezug auf Leistung und Beanspruchung wesentlich erhöhen. Diese Steine sind in Wirklichkeit Zahnradlager, welche einer Abnutzung durch Drehungsreibungen nicht unterworfen sind. Stromzähleruhren, ebenso Belichtungsmesser und andere feine Meßgeräte, die gleichfalls Lagersteine besitzen, arbeiten mit ganz geringen Stromstößen, so daß die Drehscheibe bzw. der Zeiger sich ohne diese Steinlagerung überhaupt nicht bewegen würden.
In Deutschland gibt es nur zwei Fabriken, die sich mit der Bearbeitung von Lagersteinen befassen, wovon eine in Heppenheim ihren Sitz hat. Ursprünglich in Eisleben seßhaft, konnte die Firma Paul Backes durch Verkettung glückhafter Umstände ihren Betrieb mit dem gesamten Maschinenpark nach dem Westen bringen.
In Heppenheim werden zur Zeit Lagersteine aus synthetischen Saphiren, Rubinen sowie Naturachaten bearbeitet. Die Rohachate stammen aus Idar-Oberstein, während die synthetischen Steine aus Italien eingeführt werden müssen, da der chemischen Industrie die richtige Tiefrotfärbung der Kunstedelsteine noch nicht geglückt ist. Die Hauptproduktion für den gesamten Weltmarkt behauptet die Schweiz neben Italien, so daß diese Steine ein begehrter Exportartikel sind. In den Maschinensälen herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, denn die schnellrotierenden Präzisionsmaschinen haben eine Drehzahl von 30 000 Upm, um die Härte des Materials zu brechen. Die Arbeiten werden zu 90 Prozent von gewandten Frauenhänden ausgeführt. Zur Zeit produziert die Firma nur Zählersteine. Diese werden an mehreren Spezialmaschinen ausgeschliffen und mittels Diamantstaub auf Hochglanz poliert, um danach in Messing- oder Spanalkapseln gefaßt zu werden. Die Politur ist das A und O der Fabrikation und kann an Feinheit kaum übertroffen werden. Achate werden mit Formdiamanten bearbeitet und mit Drippel poliert.
Bei den Rubinen für die Uhren ist der Arbeitsprozeß wieder ein anderer. Bevor diese Steine ihren Weg zum Einbau in ein Gerät antreten, werden sie unter dem Mikroskop bei 50facher Vergrößerung genauestens kontrolliert: ist der kleinste Kratzer in der Lagerbohrung festgestellt, muß der Stein nachgeschliffen werden; die Lager müssen auf den Bruchteil eines Millimeters genau stimmen.
Damit sich unsere Leser ein Bild von der Größe des Materials machen können, dürfen wir verraten, daß 2000 dieser
Lagersteine gerade einen halben Teelöffel füllen. In Kürze will Herr Backes die Produktion von Uhrensteinen und Kugeln für Tintenkugelschreiber anlaufen lassen. Die deutsche Uhrenindustrie fragt täglich nach Lieferungen, denn der Betrieb hat in Deutschland die höchste Kapazität im Uhrsteinbohren erreicht.
Doch nicht nur Deutschland, auch das Ausland hält starke Nachfrage. Die „General Electric“ benötigt Zählersteine, und Amerikas größte Uhrenfabrik „Elgin National Watch Comp.“ wünscht mit einer deutschen Firma ins Geschäft zu kommen. Ferner liegen Bestellungen und Anfragen aus Schweden, Holland, Kanada und Argentinien vor.
Eine Industrie mit Zukunft ist im Werden, devisensparend, devisenbringend. \llein in Deutschland werden monatlich eineinhalb Millionen Uhrensteine benötigt, eine Zahl, die nur ein großer Spez’ialbetrieb herstellen könnte.
Heri' Backes hat einen Kummer: Trotz aller Riesenaufträge und Anfragen namhafter Weltfirmen fehlt ihm das nötige Anlaufskapital. Sobald dieses Übel überbrückt wäre, stünde einer Vollproduktion nichts mehr im Wege, denn ein Großteil der Maschinen harren noch der Montage. 150 Arbeitskräfte fänden bei gutem Verdienst eine neue Existenz, was sich für Heppenheim günstig auswirken würde. (-h-)
Schwere Vorwürfe gegen die Bundesbahn
Innungsversammlung des Zimmererhandwerks in Groß-Gerau / Ueberreichung von 22 Gesellenbriefen
Bei einer Innungsversammlung der Zimmerer des Kreises Groß-Gerau überreichte am Mittwochnachmittag Obermeister Laun im Cafe Menne, Groß-Gerau, 22 Gesellenbriefe. Von den Prüflingen hatten fünf ihre theoretische Prüfung mit „sehr gut“ bestanden. Kreishandwerksmeister Gruber beglückwünschte die jungen Gesellen und ermahnte sie, ihren Meister als berufliches Vorbild zu nehmen.
Einer Erhöhung des Innungsbeitrages wurde zugestimmt. Auch nahm die Versammlung den Haushaltsplan 1950'51 an, der in seinen Ausgaben und Einnahmen ausgeglichen ist. Geschäftsführer Meier (Kassel) vom Verband der hessischen Zimmermeister berichtete über die Bonner Verhandlungen hinsichtlich der Stundenlöhne des Zimmerhandwerks und erwähnte die Forderung der Gewerkschaften, daß die Laufzeit der Tarife sich jeweils nur über vier Wochen erstrecken sollte. Der Bauarbeiter-Tarif stehe in seiner Höhe hinter dem Tarif der Buchdrucker an zweiter Stelle. Zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften würde in Kürze in Hamburg über verschiedene Lohnfragen für den gesamten Bund verhandelt werden. Sodann wies er auf den Verbandstag der Zimmerleute hin, der am 25. August in Wiesbaden stattflndet. Hinsichtlich der Auftragswerbung empfahl der Geschäftsführer den Auftragsgebern Vorschläge zu machen, wo Holz statt Eisen verwendet werden kann. Er machte im weiteren Verlauf seiner Ausführungen der Bundesbahn den Vorwurf, einen Auftrag für Holzhäuser in Höhe von 14 000 000 Mark an Schweden vergeben zu haben, während das deutsche Zimmererhandwerk sehr wohl in der Lage gewesen wäre, diesen Auftrag selbst zu übernehmen.
Kreishandwerksmeister Gruber wiederholte abschließend einige Forderungen gegen die Schwarzarbeit, für eine Steuersenkung und für eine stärkere politische Betätigung des Handwerks. (cg)
69jähriger trieb Unzucht
Die Bensheimer Kriminalpolizei führte einen 69jährigen Rentner dem Amtsrichter vor, der beschuldigt wird, seit längerer Zeit mit einem 1 0 j ä h r i - gen Mädchen fortgesetzt Unzucht getrieben zu haben. Der Unhold hatte das Kind mit Geldgeschenken seinem Willen gefügig gemacht und es unter Drohung bowegt, nichts von seinem Treiben zu verraten. Der Täter wurde sofort in Untersuchungshaft genommen, während das Kind ärztlicher Behandlung zugeführt wurde. (HB)
Reiterfest in Dornheim
Am Wochenende findet in Dornheim ein großes Reiterfest statt, das ein Ereignis für den ganzen Kreis Gr.-Gerau zu werden verspricht. Im letzten Jahr konnte der Reiterverein Goddelau die beiden Wanderpreise gewinnen. In diesem Jahr will eine überaus starke Konkurrenz dem Pokalverteidiger den Sieg streitig machen. Das Turnier wird neuerdings in zwei Gruppen gestartet: Anfänger- und Siegerklasse. Dadurch soll denen, die noch keine Erfolge erringen konnten, ein Anreiz gegeben werden. Bereits heute abend findet im Gasthaus „Zur Krone“ für alle Gäste und Teilnehmer ein gemütliches Beisammensein statt. Für das Turnier liegen 160 Meldungen mit 111 Pferden vor. Bei der Pferde- und Fohlenschau werden 175 Tiere dem sachverständigen Publikum vorgestellt werden.
Schwerer Lastzug längsseits aufgeschlitzt
Regennasse Autobahn forderte ihr Opfer
(Eigenbericht.) - 17 Kilometer südlich der Darmstädter Tankstelle ereignete sich gestern Mittag gegen 13.30 Uhr auf der Autobahn ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem zwei Lastzüge zusammenstießen. Ein in südlicher Richtung fahrender Lastzug einer Mannheimer Speditionsfirma geriet beim Ueberholen eines in gleicher Richtung fahrenden Lastzuges aus Westfalen auf der regennassen Straße mit dem Motorwagen gegen den Anhänger des zu überholenden Fahrzeuges. Nach Aussagen des Fahrers hatte dieser im Rückspiegel im gleichen Augenblick einen Volkswagen bemerkt, der ebenfalls beim Ueberholen beider Fahrzeuge war. Um den Wagen nicht auf den Grünstreifen zu drücken, lenkte der Fahrer nach rechts, wobei der Zusammenstoß erfolgte. Das Führerhaus des Mannheimer Lastzuges wurde total zusammengedrückt, die rechte Tür herausgerissen und der Zug in seiner Länge aufgeschlitzt. Der Fahrer erlitt Kopfverletzungen, während der Beifahrer mit inneren Verletzungen und Kopfverletzungen in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Der überholte Lastzug hatte nur geringfügigen Sachschaden. Der Volkswagen konnte seine Fahrt fortsetzen. DT-Foto: Schröder
Allein die Gemeinde entscheidet
Ober-Ramstadts Gemeindevertreter diskutierten Baupläne außerhalb des Ortsbauplanes
Ein Antrag des Verbandes der Körperbehinderten, die für ihren Geschäftsbetrieb einen Raum im Rathaus wünschten und gleichartige Anträge der Heimatvertriebenen, der Fliegergeschädigten und des Roten Kreuzes waren in der Ober-Ramstädter Gemeinderatssitzung Gegenstand längerer Debatten. Ein leeres Zimmer konnte nicht bereitgestellt werden, sondern es wurde vorgeschlagen, daß sich die in Frage kommenden Organisationen einigen, um jeweils abends den kleinen Sitzungssaal im Rathaus zu benutzen.
Das Bebauen von Gelände außerhalb des Ortsbauplanes nahm bei der Diskussion, genau wie bei früheren Sitzungen, auch diesmal wieder viel Zeit in Anspruch, zumal es den der KPD-Fraktion angehörenden Gemeindevertreter Jak. Schulz betraf. Schulz hatte ohne Baugenehmigung mit dem Bau eines kleinen Wohnhauses auf seinem Grundstück in der Aue begonnen. Da dieses Grundstück außerhalb des Ortsbauplanes liegt, muß bekanntlich die Gemeindevertretung gehört werden. Sprecher der KPD und CDU, die in früheren Fällen in diesem Punkt mit der Fraktion der SPD einig waren, wollten besonders die Wohnraumnot hervorheben, die man gelegentlich durch Bauen außerhalb des Ortsbauplanes verringern helfe. Aus konsequenten Gründen blieb die SPD auf ihrem seitherigen Standpunkt und gegen die Stimmen der KPD und bei Enthaltung der CDU wurde dem Antrag nicht stattgegeben.
Mit dem gleichen Verhältnis wurde ein Bau eines Kleinwohnhauses außerhalb des Ortsbauplanes eines Darmstädter Bürgers abgewiesen. Anschließend nahmen die Gemeindevertreter zu dem Waldwirtschaftsplan Stellung, der von der Forstbehörde vorgelegt wurde. Revierförster Trautmann sprach zu den einzelnen Punkten und gab Auskunft auf Anfragen. Ein besonderes Ausmaß wird innerhalb des Planes die geplante Aufforstung im kommenden Jahr einnehmen. -D-
Biebesheimer Zuchtviehmarkt
Zum zweiten Male nach Beendigung des Krieges rüstet die Gemeinde Biebesheim zu ihrem traditionellen Zuchtviehmarkt am 26. und 27. August, der durch eine Anzahl von Nebenveranstaltungen zu. einem rechten Volksfest werden wird. Mittelpunkt bleibt jedoch der eigentliche Viehmarkt, wozu mehrere hundert Stück Großvieh und fast ebensoviele Ziegen und eine bedeutende Anzahl Schweine aufgetrieben werden. Verbunden damit bietet sich den Besuchern eine Leistungsschau von Tieren und eine gut beschickte Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte.
Ueber 10 000 Lose gewähren die Möglichkeit, bei der traditionellen Versteigerung wertvolle Tiere und Gerätschaften zu gewinnen. Die Gewinne gelangen im Anschluß an den Festzug am zweiten Tage zur Verteilung. Sportfreunde haben Gelegenheit, einen gut besetzten Boxkampf zu erleben. Große und kleine Kinder dagegen werden sich auf dem Vergnügungspark trefflich unterhalten können, -kr.-
Sonntag-Morgen beim Stolle· Seppel
OALD BENSEM WIE ES LEIBT UND LEBT
Wenn einem über das Bensheimer Winzerfest, das ja mittlerweile wieder einmal vor der Tür steht, gar nichts mehr Originelles einfällt, dann bleibt einem immer noch eine Chance: man befragt Herrn Josef Stoll. Jedes Kind in Bensheim kann Auskunft darüber geben, wo er wohnt, und die Aelteren, die schmunzeln dazu noch wohlwollend und vielsagend und sagen: Ja, ja, der Stolle-Seppel... Schön war’s gewesen!
Und wirklich! Kaum hat man das eiserne Gartentor aufgeklingt und umfängt mit einem Blick das schlichte, zweigeschossige Haus und den weitläufigen, altmodischen Garten, dann erfaßt einem eine Atmosphäre bürgerlicher Behaglichkeit und feinsinniger Lebenskunst, wie sie uns heute weitgehend abhanden gekommen sind. Glyzinien ranken sich um das Gartenhaus, Holzbank und -tisch stehen, von Blumen und Gesträuch freundlich abgegrenzt, gegen die tüchtige und praktische Wirklichkeit des Gemüsegartens. Kommt einem aber erst der Hausherr selbst grüßend entgegen, mit jenem vergnügten, weltzugewandten Lächeln, das alte Herren so liebenswert machen kann, dann spürt man bis in die Fingerspitzen: Das ist Oald Bensern.
Mit bezwingender Freundlichkeit führt uns Herr Stoll unter sein gastliches Dach, das — wahrhaftig — innen hält, was es von außen verspricht. Nicht umsonst ist hier die Wiege der Bensheimer BiedermeierrGruppe, die sich weit im Umkreis ob ihrer Stilreinheit und Echtheit sehen lassen kann. In dieser Stube, in die der weißhaarige Hausherr hineinpaßt wie das Tüpfelchen aufs i — wenn dieser Vergleich nicht etwas zu kühn ist — stammt alles aus der guten alten Zeit, in der Goethe noch und die Romantik schon daheim waren. Vom Spiegel über Komode, Sofa, Tisch und die Miniaturen an den Wänden ist alles Empire und Biedermeier. Herr Stoll bekannte sich dann auch unumwunden als Liebhaber, Sammler und Experte, hat er sich doch über den Rahmen der Biedermeier-Gruppe hinaus längst den Ruf eines besonderen Kenners erworben.
Auf das Winzerfest angesprochen, lächelt Herr Stoll bedeutungsvoll vor sich hinl: „Ja, das war ein Wagnis, als wir es im Jahre 1929 mit 124 Mark in der Kasse aus der Taufe hoben. „Wir“, das war der Kur- und Verkehrsverein Bensheim, dessen 1. Vorsitzender Herr Stoll dazumal war — und sie kamen tatsächlich mit einem Ueberschuß von 20 Mark heraus.
Das Winzerfest ist nicht aus der Werbewoche, sondern aus der Absicht entstanden, den Bergsträßer Wein, der bis dato wenig bekannt war, unter die Leute zu bringen. So konnte man das Winzerdorf, das zu jener Zeit noch schlecht und recht geschmacklos auf stoffbespannte Holzrahmen gemalt war, vorzüglich als Probierstube der Bergsträsser Weine bezeichnen. Es sollte durch Qualität Reklame gemacht werden und das gelang dann auch so gut, daß das Winzerfest zu einer ständigen Einrichtung erhoben wurde. Lange kämpften die Veranstalter, an ihrer Spitze Herr Stoll, um den offiziellen Namen „Bergsträsser Winzerfest in Bensheim“, um von vornherein auszudrücken, daß dieses Fest eine Angelegenheit des gesamten Bergsträsser Weinbaues sei. Entsprechend streng wurde ausgewählt. Jeder Wirt, der sich um eine der sogenannten Weinbuchten im Winzerdorf bewarb, mußte zuvor Weinproben einsenden, die von Kennern bewertet wurden. Die Preise regelte die Stadt.
Immer großzügiger, immer bunter und vielseitiger wurde das Fest der Weinbauern ausgestaltet. Herr Stoll hatte auch in anderen Gegenden Süddeutschlands Freunde geworben und war mit seiner Biedermeier- und Bürgerwehrgruppe bis an den Bodensee gereist, um an süddeutschen Volksfesten teilzunehmen. Umgekehrt konnte er auf dem Winzerfest 1938 1200 Trachten aus dem Schwarzwald, der Baar und vom Bodensee in Bensheim willkommen heißen. Das muß das schönste Fest von allen gewesen sein!
Herr Stoll schwelgt noch heute in der Erinnerung. Und der Umsatz — strahlt er uns an! „Was glauben Sie, was die Kuhmägde aus dem hohen Schwarzwald, die zeitlebens nicht von ihrem Einödshof gekommen waren, in der .Großstadt Bensheim' eingekauft haben!“
Aber auch die heutigen Herren — sagt Stoll — sind nicht von Pappe. Nicht nur, daß sie nach dem Krieg ein nagelneues Winzerdorf aus massivem Holz hingestellt haben mit einer getreulichen Nachbildung des Bensheimer Rinnentores, sie verstehen auch ihr Geschäft von der finanziellen Seite. Der „Finanzminister“, Herr Fleck, sprüht förmlich segensreiche Ideen zur Erhaltung und Festigung der Einrichtung des Winzerfestes. Indem er auf den glänzenden Gedanken kam, im Vorverkauf Karten für das diesjährige Fest billiger abzugeben, kam er nicht nur den weinfrohen Gästen entgegen, sondern schuf sich auch von vornherein ein Betriebskapital, das früher meistens gefehlt hat. „Man muß halt auf den Gedanken kommen“, bekannte Herr Stoll neidlos.
Diesjahr, so konnten wir noch erfahren, wird der Festzug neben den traditionellen Wagen des Weinbaues Szenen der Nibelungen an der Bergstraße aufweiseh. Es wird bestimmt großartig, meinte Herr Stoll, als wir uns von ihm verabschiedeten. „Aber passen Sie auf“, fügte er noch hinzu, „der Bergsträßer Wein ist heimtückisch, im Kopf bleiben Sie klar und im Geist werden Sie stillvergnügt. Wenn Sie aber die 32 Stufen des Winzerkellers hinaufgestiegen sein werden, dann — ja dann denken Sie an mich — wenn Sie es noch können!“ Kä.
Ein zünftiges „Weißes Röß'1“
Das war das übereinstimmende Urteil aller Besucher der Erbacher Festhalle, die es sich am Donnerstagabend trotz des Regens nicht verdrießen ließen, zu dem einmaligen Gastspiel der Münchener Lustspiel-Bühne zu kommen. Ihr Direktor und künstlerischer Leiter Franzl Späth hat die auf Großstadtbühnen durch ihre Massenszenen wirkende Operette von Ralph Benatzky mit soviel Liebe und Geschick für kleine Bühnen umgearbeitet und inszeniert, daß ein reizendes, heiter-besinnliches Kammerspiel daraus geworden ist. Jede Partie ist sehr gut besetzt. Was bei einzelnen Solisten zur Singstimme zu sagen wäre, wird um ein Vielfaches durch die flotte schauspielerische Leistung aufgewogen. Die begabte Pianistin Draga Matkovic leitete mit großem Geschick das kleine Orchester mußte aber persönlich an dem vorsintflutlichen Instrument der Festhalle, dem man mit der Bezeichnung „Klavier“ zu viel Ehre gibt, größte Seelenqualen erdulden. Man müßte der hervorragenden, überaus stilechten Ensembleleistung unrecht tun, wollte man einzelne Solisten besonders herausstellen. Nur so viel sei noch gesagt, daß die jodelnde RößTwirtin der Annerl Späth von derselben urwüchsigen Echtheit ist wie Hanns v. Bomsdorffs Giesecke wirklich Berliner Format besitzt. Das freundliche Bühnenbild Roland Kühnels. das die räumlichen Schwierigkeiten der Festhallenbühne geschickt überwand, hat an dem gediegenen Gesamteindruck wesentlichen Anteil Eine besondere Delikatesse für Kenner war die g™C^Ckt einSele£te Schuhplattlergruppe „D Marquartstoaner“, die zwar weniger mit dem Salzkammergut, dafür um so mehr mit Oberbayern zu tun hat. Sie bot ein geschicktes Arrangement origi-LändlerSChUhplatller- Figurentänze und Landler bis zu dem derbfrischen Watschentanz, wie man es auf Bühnen in kommt S^ileckthei^ selt^ zu sehen bebegeisterte Beifall zwang das Ensemble zu mehrfacher Wieder-Äldes Eine wirkliche gute Münchner g TUrfd^ demnächst von der Lustspiel-Bühne herauszubringende „Schwarzwaldmädel“. -ch
am',n^o SA°ße ®cbles*erwallfahrt findet Grüssau^ Lcuediktinerabtei * r.? ss a u nach Wimpfen im Tal statt. Der Festtag bringt ein PonHfikllamt mit Festpredigt, Betsingmesse mit Ansprachen, nachmittags eine HeimTtstunde !m „Anker“, später feierliche Vesper, Prozession durch den Kreuzgan® Nterienandacht und sakramental^ uegeu, (se)
Ingendwoche in Groß-Gerau
Stadtjugendring legte Programmpunkte fest
Der Groß-Gerauer Stadtjungendring trat am Donnerstagabend im Rathaussaal zusammen, um verschiedene, die Jugend betreffende Fragen zu erörtern. Eingangs der Sitzung wurden einige Themen besprochen, die sich auf das Verhältnis zur GYA bezogen. Für die bereits in einer früheren Sitzung beschlossene Jugendwoche in Groß-Gerau, die vom 24. September bis zum 1. Oktober durchgeführt werden soll, wurden im Anschluß die einzelnen Programmpunkte entworfen.
Am Sonntag, den 24. September, soll danach im Groß-Gerauer Rathaussaal die feierliche Eröffnug durch Bürgermeister Dr. Lüdecke und Georg Stu r - mo w sk i, den Vorsitzenden des Stadtjugendringes, erfolgen. Am Abend zeigen die im Stadtjugendring vertretenen Gruppen in einer gemeinsamen Veranstaltung Ausschnitte aus ihrem Gruppenleben. In einer öffentlichen Jugendversammlung am Dienstag wird über das Jugendschutzgesetz diskutiert werden. Einem Konzert der Landesmusikschule am Donnerstag folgt am Freitag eine Großkundgebung der Jugend, die von Schülerchören umrahmt wird. Sp’ortwettkämpfe der Schulen sind für den Samstagmorgen vorgesehen. Am gleichen Tage wird eine Ausstellung, in der handwerkliche Arbeiten von Jugendlichen gezeigt werden, eröffnet. Eine Tanzveranstaltung soll den Tag beschließen.
Für die Gemeinde Nauheim, deren Bürgermeister an der Sitzung des Stadtjugendringes teilnahm, ist in Kürze die Bildung eines Ortsjugendringes vorgesehen. Abschließend empfahl Kreisjugendpfleger Malfeld den Jugendgruppen, bei der demnächst stattfindenden Jugendzählung die erforderlichen genauen Angaben zu machen, da hiervon die staatlichen . Zuwendungen abhängig gemacht würden. cg
„Besser als der Knüppelt“
Am Donnerstagabend batte die Gemeindeverwaltung und der Verkehrs- und Verschönerungsverein Jugenheim die Gäste des Pädagogischen Instituts und die Einwohnerschaft zu einem Unterhaltüngsabend im Spiegelsaal des' Hotels „Goldene Krone" eingeladen. Für den unterhaltenden Teil des Abends Sorgten der Männergesangverein 1865, ein Kinderchor der Volksschule, die Gyjnnastikgruppe, die Gesangsabteilung und die Turnerinnen der SKG, Fräulein du Menil, Fräulein v. Hase und die Tanzgruppe Fräu v. Hase, die drei deutsche Tänze zeigte. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch Musikstücke der Kapelle F o h. Abschließend bedankten sich die geladenen Gäste. Ein englischer Gast sagte u. a., daß er sich freue, daß Jugenheim dem internationalen Publikum gewachsen sei, während ein französischer Konferenzteilnehmer sich äußerte, daß die gezeigten Darbietungen mehr zur Verständigung beitragen würden als — der Knüppel. -hl-
Ein spannendes Preismelken
wird am Samstag, dem 26. August, auf dem Biebesheimer Zuchtviehmarkt vor sich gehen. Zu dem Preismelken erwartet man die besten Melker aus Starkenburg. Dazu gehören in erster Linie Marie Brunner aus Hetzbach i. O. (die gegenwärtig als die beste bäuerliche Melkerin Starkenburgs gilt), Friedrich Scheuermann aus Sickenhofen, Willi Sattler aus Scharbach i. 0., Wilhelm Winter aus Schaafheim, Georg Stork aus Richen, Ludwig Kredel aus Airlenbach, Ludwig Kreutzer aus Egelsbach und Wilhelm Konrad aus Brandau. Die Genannten haben bereits bei Preismelken namhafte Preise errungen. Auch aus dem Kreis Groß-Gerau kommen Bewerber hinzu. Durch Stiftungen des Marktausschusses und der Gemeinde stehen ansehnliche Geld- und Ehrenpreise zur Verfügung.
Außerdem ist ein Wettmelken am Gummieuter vorgesehen, an dem sich jeder Marktbesucher beteiligen kann. Auch hierfür stehen Preise zur Verfügung. Jeder Teilnehmer am Gummieuter-Melken muß dreißig Sekunden mit zwei Händen melken. (oa)
Internationales lungendtreffen
Auf dem Sportplatz Neckarsteinach bezogen vor einigen Tagen 50 Angehörige der Darmstädter Gewerkschaftsjugend unter Leitung von Gewerkschaftssekretär Kaiser, Darmstadt, ein Zeltlager. Die jungen Männer, die hier einige Tage der Erholung verbringen wollen, erhielten am Mittwoch Besuch aus Amerika, England, Schweden, Holland und Belgien. Als Vertreter der amerikanischen Jugendorganisationen waren Mr. Andres und Ms. Relou aus Darmstadt zur Begrüßung erschienen. Heute werden weitere Gäste aus Holland erwartet. Das Internationale Jugendtreffen findet am Sonntag seinen Abschluß. (WL)
„Heppenheimer Bauerntag“
Auch in diesem Jahre veranstaltet die Kreisstadt Heppenheim gemeinsam mit dem Verkehrs- und Heimatverein den seiner besonderen Originalität wegen weithin bekannt gewordenen „Bauerntag“ in der Zeit vom 30. September bis 8. Oktober. Das diesjährige Programm erweitert sich ständig. So sind u. a. bisher als wesentliche Bestandteile des Festes vorgesehen: Beleuchtung der historischen Altstadt und der Burgruine, Feuerwerk und mittelalterlicher Festzug mit abschließendem Festspiel auf dem historischen Marktplatz.
Neben zahlreichen Tagungen (u. a. Hessischer Gemeindetag, Untergliederungen der Handwerkskammer) wird gleichzeitig in ausgedehnten Zelthallen die aus allen Teilen des Bundesgebietes vielseitig beschickte „Bergsträßer Industrie-, Handel- und Gewerbemesse“ durchgeführt. DT
Das letzte Wort?
Jede Regierung hat bekanntlich ihre eigenen Gesetze. So war es schon immer. So wird es wahrscheinlich auch immer bleiben. Auch in Deutschland. In dem es wieder einmal einige Regierungen gibt. Wie z. B. in Hessen. Wo in Wiesbaden die hohe Politik gemacht wird. Angeblich für das Volk, Wer anders denkt, ist, wiederum bekanntlich, ein Reaktionär. Wie es aber in Wirklichkeit aussieht, beweisen die Tatsachen:
Eine der mannigfachen Gesetze befaßt sich mit der Jugend. Mit ihrer Ausbildung. In Schule und Beruf. Und da der Uebergang von Schule zu Beruf ein sehr wichtiger Abschnitt im Leben eines jeden einzelnen ist, legte man gerade hier sein besonderes Augenmerk darauf. Wem zum Vorteil, wird noch zu beweisen sein. Fest steht jedenfalls, daß nur derjenige nach der normalen Schulzeit entlassen wird, der eine Lehrstelle antreten kann. Der sie nachweisen kann. Wenn nicht, — dann marsch zurück in die Schule. Auf ein weiteres Jahr. Ob er will oder nicht. Ob seine Eltern damit einverstanden sind oder nicht. Gesetz ist Gesetz.
Wenn man bei der gesetzgeberischen Tätigkeit daran dachte, auf diese Weise die Jugend ohne Lehrstelle von der Straße fernzuhalten und zu schützen, tat man gut daran. Wenn, — ja wenn es nicht Dinge gäbe, Vorgänge im Leben, die den jungen Menschen Arbeit und Brot gäben, die man vorher nicht einkalkuliert hatte. An die man nicht dachte, — vielleicht, weil man sie nicht für möglich hielt?
Und doch ist dem so. Zum Beispiel in Weinheim. Dort sitzt ein Fabrikant mit Namen Freudenberg.
Aha, werden jetzt einige sagen, ein, Kapitalist. Aber fragen Sie bitte seine Arbeiter. Fragen Sie seine Angestellten. Fragen Sie die vielen Menschen, denen er half. Fragen Sie die Gemeinden, die er schon unterstützte. Vielleicht dürfte Ihnen dann das geflügelte Wort im Halse stecken bleiben. Nebenbei, — oder Gott sei Dank, ist er Bundestagsabgeordneter. Einer von denen, die Sie wahrscheinlich sofort wählen würden, wenn Sie es könnten.
Freudenberg also wollte am 1. August 14 Lehrlinge und 17 Hilfsarbeiter einstellen. Jugendliche allesamt. Für 14 nur waren Lehrstellen da. Für die übrigen 17 -keine. Aber Arbeit. Und damit auch Verdienst. Und Verdienst ist gleich Brot. 14 erhielten drum auch die Lehrverträge. Wie es üblich ist. Die übrigen 17 krempelten die Aermel hoch und wollten arbeiten. Weil es genug zu tun gab. Und weil Freudenberg sie einstellen wollte.
Aber da war es schon aus mit der Freude. Denn das hessische Kultusministerium brachte den Stein ins Rollen, der die 17 von der Arbeit wegfegte. Denn man forderte, daß diese jungen Menschen nicht eingestellt werden, da man ihnen keinen „Ausbildungsvertrag“ ausschreiben konnte. Und weil deshalb, laut Gesetz, die Jugendlichen noch ein Jahr länger zur Schule gehen müssen. Nach dem Motto: Wie das Gesetz es befahl!
Der Kreisschulrat von Heppenheim kannte die Lage. Besser als seine vorgesetzte Dienststelle wahrscheinlich. Denn er wußte, daß gerade dieses Gebiet, aus dem die Jugendlichen stammen, ein ausgesprochenes Notstandsgebiet ist. Nicht verwunderlich also, daß der Herr Schulrat sich gegen die scharfe Maßnahme wandte.
Wer sich aber noch dagegen wandte, war die gesamte Elternschaft der Betroffenen. Selbstverständlich. Denn wenn die Brieftasche voll wäre, brauchte keiner zu arbeiten. So erklärte man denn auch, daß man auf den Verdienst der Jugendlichen angewiesen sei. Siehe oben: Notstandsgebiet.
Oder sollte es nicht doch eine Lösung geben? Sollte es nicht möglich sein, für das Grenzgebiet, das Notstandsgebiet im Ueberwald, eine Klausel zu brauen, daß diese 17 Jugendlichen ihrer Arbeit nachgehen dürfen? Und daß jene, die vielleicht in ganz kurzer Zeit vor der gleichen Situation stehen, eine offene Tür finden, die sie durchschreiten können. Zu Arbeit und Brot. Ohne noch einmal ein Jahr zur Schule gehen zu müssen. Wie das Gesetz es befahl...?, Götz
Wer zahlt die Kirchenreparaturen?
In der letzten Seeheimer Gemeinderatssitzung berichtete Bürgermeister S p e ckhardt über die in der vergangenen Woche in Jugenheim stattgefundene Besprechung der Bürgermeister von Seeheim, Jugenheim, Alsbach, Bickenbach und Balkhausen. Die Delegierten der Gemeinden besprachen eingehend die finanzielle'Seite des bei Seeheim zu erstellenden Schuldorfes und faßteh dabef eine Resolution, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Gemeinden sich erst dann mit dem Projekt beschäftigen können, wenn einwandfreie Unterlagen über die Kosten der Errichtung und der Unterhaltung vorliegen und feststeht, welche Geldmittel und sachliche Leistungen — einmalige und laufende — von den beteiligten Gemeinden gefordert werden und ob diese Aufwendungen ohne Schädigung der gemeindlichen Aufgaben getragen werden können. Der Gemeinderat nahm die Entschließung einstimmig an.
Der in der Sitzung vom 3. August d. J. von der- evangelischen Kirchengemeinde gestellte Antrag zwecks Bezahlung der Dachreparaturen wurde damals abgelehnt und nur die im Voranschlag vorgesehenen 200 Mark bewilligt. In einem Schreiben an die Gemeindeverwaltung macht die Kirchengemeinde den Vorschlag, eine aus je sechs Mitgliedern des Gemeinderats und der Kirchengemeinde bestehende Kommission zu bilden, um eine Einigung zu erzielen.:
In Wirklichkeit liegt die Lage so, daß beispielsweise die Kirchengemeinde Seeheim auf ein aus dem 16. Jahrhundert Stammendes Recht besteht, wonach die bürgerliche Gemeinde die Reparaturen und die Unterhaltung der Kirche und des Pfarrhauses zu tragen hat. Dieser Passus hat schon oft in den verschiedenen Gemeinden des Kreises zu Unstimmigkeiten zwischen Kirche und Gemeindeverwaltung geführt. Die Gemeindeverwaltungen vertreten fast einheitlich den Standpunkt, daß diese verbrieften Rechte total veraltet und dringend einer Reform bedürfen. So hat eine Gemeinde beschlossen, gerichtlich eine Klärung herbeizuführen, wer die Reparaturkosten zu übernehmen hat. Die betreffende Gemeindeverwaltung stützt sich hierbei auf Artikel 14 des Gesetzes „Eigentum an Kirchen und Pfarrhäusern“ vom 6. Augst 1902, in dem es heißt, daß die Kirche alle Reparaturen selbst zu tragen habe. (hl.)
Kurz - aber lebhaft
Noch keine Entscheidung in der Zwingenberger Bürgermeisterfrage
Im Zwingenberger Rathaus fand am Mittwoch ein kurze, aber lebhafte öffentliche Stadtratssitzung statt, die sich wieder ipit der Frage der Bürgermeisterwahl befaßte. Von der SPD- und CDU-Fraktion wurde der Antrag gestellt, bis zur baldigen Neuwahl des Gemeinderats Vorübergehend einen kommissarischen Bürgermeister einzusetzen, da ein derartig wichtiger Schritt wie die Wahl eines hauptamtlichen Bürgermeitsers mit 6jähriger Dienstzeit erst wohl überlegt werden müsse. Durch die Einsetzung eines kommissarischen Bürgermeisters bis zur Neuwahl des Gemeinderates in Verbindung mit der Bürgermeisterwahl sei Zeit gewonnen, .und man könne die in Aussicht genommenen Kandidaten erst einer gründlichen Prüfung unterziehen, ehe man sich endgültig entscheide. In der äußerst temperamentvoll geführten Diskussion erklärte Beigeordneter Nickels schließlich, daß er erst diesen Antrag prüfen müsse und schloß schon nach halbstündiger Dauer die Sitzung. Möglicherweise soll die Bürgermeisterfrage noch einmal in einer Bürgerversammlung zur Diskussion gestellt werden. Die Lage war weiterhin dadurch verschärft, daß in den letzten Tagen fünf Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion aus der Partei ausgeschlossen worden waren (darunter auch der Beigeordnete Nickels), weil sie durch die Art ihrer Einstellung in den Stadtratssitzungen dauernd gegen die in den Parteiversammlungen der SPD gefaßten Beschlüsse verstoßen und in der Bürgermeisterfrage eigenmächtig gehandelt hätten. (HB)
Was aǔch interessiert:
Zwei scheuende Pferde, die auf der Straße von Lengfeld nach Habitzheim kurz hinter dem Bahnübergang mit einem kleinen Jagd wagen davonrasten, versuchten zwei Radfahrer zum Halten zu bringen. Dabei stürzte einer der hilfsbereiten und zog sich Verletzungen an Arm und Knie zu, die ärztliche Behandlung notwendig machten. Obwohl sich bei dem Wagen ein Rad löste , und eine Achse brach, kam der jugendliche Fahrer mit dem Schrecken davon. (Jg)
Das Kalb mit den zwei Köpfen, über das wir aus Hainstadt berichteten, mußte jetzt geschlachtet werden, da es . keine Nahrung mehr zu sich nahm. hm
Knochenbrüche und schwere Quetsch¬ wunden erlitt der Landwirt 801 l aus D o r n diel, als er beim Dreschen mit der rechten Hand in die Bindemaschine geriet, hm
Das „Ueberlinger Münsterspiel“, das zur Einweihung der Bensheimer Stadtkirche am vergangenen Sonntag aufgeführt wurde, wird am Sonntag, dem 20. und am Mittwoch, dem 23. August, jeweils um 20.30 Uhr, vor dein Hauptportal der Bensheimer Stadtkirche wiederholt. HB
Ein folgenschwerer Verkehrsunfall for¬ derte am Donnerstag gegen 19.30 Uhr ein Menschenleben. Mit seinem Fahrrad hatte Rektor Strack aus Gräfenhausen kurz vor dem Waldfrieden versucht, vor einem aus Richtung Eberstadt kommenden Straßenbahnzug der Linie 8 die Schienen zu überqueren. Er wurde dabei von der Straßenbahn erfaßt, zu Boden geschleudert und überfahren. Er war sofort tot. ys.
Einer beachtlichen Strafe, die weit höher ist als der Betrag für eine Wochenkarte, sehen alle diejenigen entgegen, die in der letzten Zeit bei Bahnhof Lengfeld versucht hatten, ihre Fahrräder ohne gültige Wochenkarte bei der Aufbewahrung unterzustellen. (Jg)
Die Einführung von Milch- und Kakao¬ getränken wird seit einigen Tagen in den Schulen von Groß-Gerau probeweise vorgenommen. Bei Bewährung soll diese Versorgung über das gesamte Kreisgebiet ausgedehnt werden. (au)
19 Ztr. pro Morgen ergab der Volldrusch bei Roggen und Weizen bei den Erriteermittlungen des Kreises Groß - Gerau. Der diesjährige Ertrag ist damit quantitativ höher als im Vorjahre, jedoch ist die Qualität der Körner geringer, (au)
Goldfische sind in dem Becken vor dem Herrenhaus im Fürstenlager ausgesetzt worden. Der Landeskonservator, unter dessen Obhut das Fürstenlager steht, ist in Zusammenarbeit mit dem Kur- und Verkehrsverein bestrebt, den Park wieder zu einem Schmuckstück und Ort der Ruhe und Erholung zu machen. (HB)
Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen über Nacht- und Sonntagsarbeiten wurden verschiedentlich bei den Bäckereien und Konditoreien in Groß-Gerau festgestelt. Vor allem wird vielfach gegen das Nachtbackverbot verstoßen. (-au-)
DT Film-Forum
Auch sie ist eine Wienerin
Ja, es ist so: Auch Luise Ullrich mit ihrem herrlichen schauspielerischen Können kommt aus Wien. Indem wir dies aussprachen, wird uns wieder einmal bewußt, wieviel die deutsche Kunst dem Fluidum Wiens verdankt! Dort weht halt eine andre Luft als im Norden Deutschlands, dort gehen andere Geister um. Dort saugen die Menschen schon von klein auf etwas in sich ein, das nirgends innerhalb des deutschen Siedlungsgebietes so stark und alles durchdringend lebt wie gerade in Wien: Kunst, Kunstbegeisterung, Kunststreben und Verständnis für künstlerische Gestaltung. Es ist schon etwas, wenn man von klein auf in solcher Luft aufwuchs!
Als sie im deutschen Film^hervorzutreten begann, wunde mit einem Male etwas klar: Daß nicht nur die bis dahin oftmals vorherrschende Schönheit klischeeartigen Stils „schön“ zu sein braucht, daß auch eine ganz andere Art fraulicher Schönheit sich schlagartig durchsetzen kann: Eben jene intelligente, durch die Ausstrahlung einer eigenwüchsigen Persönlichkeit wirkende Schönheit, wie sie Luise Ullrich verkörpert. Ihre Augen haben eine so ungewöhnliche Leuchtkraft, daß sie das ganze Geschehen eines Films beherrschen, und wo andere Frauen durch Stupsnäschen, rassige Beine, betonten sex appeal wirkten, da wirkte ein Blick von Luise Ullrich vielfach stärker. Ihr Erscheinen im deutschen Film war insofern eine Art kleiner Wendepunkt, und dies sollen wir ihr dankbar anrechnen! —
1928 hat sie ihre ersten Schritte auf der Bühne getan, nachdem sie als gehorsame Tochter ihrer Eltern in Wien Schauspielunterricht genommen hatte. Von Wien kam sie nach Berlin, das ist ein üblicher Weg . . . und hier fiel sie einem Mann in „Rauhnacht“ so auf, daß er sie zur Filmarbeit holte: Dieser Mann war Luis Trenker.. Damit war alles geschehen, was zu ihrer großen Filmkarriere nötig war, denn in Trenkers Film „Der Rebell“ fiel Luise Ullrich gleich so nachhaltig auf, daß ihr ein Filmauftrag nach dem anderen ins Haus flatterte. Eine ganz einfache Sache: Sie mußte nur erst einmal richtig gesehen werden, dann mußte man sie immer wieder holen.
Was sie sonst noch erlebte? Nun — das, was uns allen in der einen oder anderen Form beschieden war: Alles zu verlieren, was sie je besessen hat . . . und selbstverständlich hat sie auch geheiratet und ist Mutter zweier reizender Töchter, die heute schon ganz gescheite, altklug-welterfahrene Kinder sind! Gabriela und Michaela heißen sie . . . und wenn die Mutti wieder einmal fortfährt, weil sie einen neuen Film machen will, dann kann es passieren, daß sie sagt:. „Ich bleibe nicht lange!“ . . . und die weise Tochter antwortet dann: „Bleib nur lange genug, sonst wird’s nischt!“ So realistisch sind heute die Kinder großer Filmdarsteller!
Aber sie ist nicht etwa mit Victor de Kowa verheiratet, wie einstmals viele Filmfreünde glaubten. Das war, als sie in dem unvergeßlichen Film „Versprich mir nichts!“ zusamenspielten; da waren sie ein so unglaublich gut harmonierendes „Film-Ehepaar“, daß jeder fest überzeugt war: Die beiden müssen doch miteinander verheiratet sein! Aber sie waren es nicht und sind es heute auch nicht, nur schauspielerisch harmonierten die beiden in so einmaliger Weise. Und wenn Luise Ullrich nun im wieder erwachenden deutschen Film herausgestellt wird, so wissen wir, daß eine der stärksten deutschen Filmbegabungen uns neue Glanzleistungen bescheren wird. Wir wünschen uns noch viele neue Filme mit ihr!
LUISE ULRICH
(Foto: Merkur-Eichberg-Film/„Herzog-Film“.)
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Messel. Die allgemein bekannte Gastwirtschaft Heberer wurde zum 19. August 1950 an A. Kaffenberger verpachtet. Der Pächter wird in den renovierten Räumen auch noch ein Lebensrnittel- und Feinkostgeschäft sowie eine Schlächterei betreiben. (es.)
Roßdorf. — Am Dienstagabend zeigte der Jugendreferent des Resident Officer Darmstadt in der „Neuen Schule“, Darmstädter Straße 75, vor ca. 70 Jugendlichen und Erwachsenen die Filme „Jugendsymphonieorchester von New York“ und „Die fünf großen Seen von Amerika“. (sl)
Ober-Modau. Am Sonntag fand der traditionelle Jahresausflug statt. Ph. Schmidt II hatte die Fahrtroute festgelegt. Mit Omnibussen ging es über Wiesbaden, Bad Schwalbach, durch das Wispertal, über Lorch, und Rüdesheim nach Geisenheim, von dort weiter über Mainz nach Nierstein. (wa.)
Jugenheim. Nach altem Brauch wird am 27. und 28. August die Kirchweihe gefeiert. (hl.)
DIEBURG
Groß-Umstadt. Am Dienstag, den 22. August findet im Cafe Ziebulski in Groß-Umstadt um 21 Uhr eine Zusammenkunft des Theaterringes Odenwald-Bergstraße vom Hessischen Landestheater Darmstadt statt. Interessenten sind eingeladen. (zr.)
Mosbach. Am kommenden Sonntag treffen sich in der Gemeinde die Schulen der Umgegend zu einem Bezirksspörtfest. Die Jungen werden sich im Fußschlagball, die Mädchen im Grenzball messen. (hm)
Ober-Klingen. Der Sängerkreis „Gersprenz“ hält seinen Kreisliedertag am Sonntag in Ober-Klingen ab, an dem siebzehn Vereine teilnehmen werden. Die Veranstaltung, bei der jeder Verein zwei Chöre singt, beginnt um 13.30 Uhr im Volkshaus. (tm)
Brensbach. Der Odenwaldklub führt am Sonntag nach sechswöchiger Pause wieder eine seiner beliebtesten Wanderungen durch. Der Weg führt über Bockenrod, dem steinernen Tisch, dem Lärmfeuer, dem Mossauer Bild zum Lindeibrunnen. Von Erbach aus wird mit der Bahn zurückgefahren. (tm)
ERBACH
Sandbach. Am Kirchturm wurden die alten Zifferblätter und Zeiger erneuert. —» Die Submissionsangebote für Glaser* arbeiten am neuen Rathausbau sind ausgegeben worden. (hm)
Erzbach. Beim Landratsamt würde von der Gemeinde ein Antrag auf Eingemarkung des Forstes Reichenberg gestellt. — Von der Gemeinde ist die Anlegung, eines neuen gemeindeeigenen Friedhofs beabsichtigt. — Der Haushaltsplan für.. das Rechnungsjahr 1950 liegt zur Zeit auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen, (ptpo.)
Reichelsheim. Wie im vergangenen Jahre, so wird auch in diesem Jahre wieder der traditionelle Reichelsheimer Micheismarkt abgehalten. Er findet am 24. und 25. September statt. Auch die hierbei stattfindende Gewerbeausstellung und der Viehmarkt auf dem Sportplatz werden ihre Wirkung nicht verfehlen. (tm)
BERGSTRASSE
Bensheim. — In der Nibelungenstraße in Bensheim fuhr am 15. 8. um 19.30 Uhr ein L-Kradfahrer auf einen Volkswagen auf, als dieser nach links in eine Torfahrt einbiegen wollte. Die Schuld an dem Unfall traf allerdings nicht den Fahrer des Volkswagens, da dieser vorher vorschriftsmäßig das rote Stopplicht hatte aufleuchten lassen und auch den Winker ausgeschlagen hatte. Es entstand leichter Sachschaden. (HB)
Lorsch. — Ein Hund sprang in der Wormser Straße einem aus Bürstadt kommenden Motorradfahrer in das Vorderrad. Der Fahrer stürzte und trug erhebliche Verletzungen davon, während das Fahrzeug stark beschädigt wurde und der Hund heulend davonsprang. — Am Sonntag, den 20. ds. M., unternimmt der Bund der Kriegsbeschädigten eine Omnibusfahrt. (ei) *
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. - Die Frauen der Metzgermeister im Kreis unternahmen gemeinsam einen Omnibusausflug in das Gebiet des Rheingaues. (-au-)
Königstädten. - Mehrere Gemeindevertreter der SPD-Fraktion wollen ihr Gemeinderatsmandat niederlegen, da in verschiedenen Punkten der Bürgermeister eigenmächtig gehandelt haben soll und eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich erscheint. (-au-)
Astheim. Im Rahmen eines Jugendabends der gesamten katholischen Jugend sprach Herr Kastel über seine Eindrücke und Gedanken bei der Romfahrt der katholischen Jugend des Bistums Mainz. -au-
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'Mit der gleichen Kirchweihstimmung geht « auch am |®^~X®u Sonntag zur Nachkirchweihe nach EBERSTADT in die ■ <^2ll o bet Qatte <&■> Tanzkapelle Fischer Ober-Ramstadt sorgt auch diesmal '^jZpr'rtljD” wieder für die richtige Stimmung! Ausschank 1949 er Niersteiner rote Erde — Flaschenweine 1947 er, 194$ er, 1949 er Ausschank der so berühmten ARABER-LIKÖRE ARABER-LIKÖRFABRIK MUTH Darmstädter Straße — Ecke Pfungstädter Straße
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das V. Kreissportfest Cun 19. und ZU. Aüyüsi in Heppenheim/Bergstraße Samstag, 19. August (Sportplatz am Galgen) 16.30 Uhr Fußfoaill: Heppenheim—Bürstadt 18.00 Uhr Handball: Heppenheim—Birkenau 20.30 Uhr Großer Festkommers in der Stadt¬ halle Sonntag, 20. August (Sportpl. am Schwimmbad) ab 8.00 Uhr Wettkämpfe in Turnen, Leicht¬ athletik, Schwimmen. Tennis und Radfahren 13.30 Uhr Festzug 15.00 Uhr Entscheidungskämpfe, Staffeln, Schauvorführungen 20.00 Uhr Großer Festball im Saalbau Kärchner
Weinbau Organ des deutschen Weinbauverbandes mit der größten Auflage aller deutschen Weinfachzeitschriften Erscheint zweimal im Monat zum Bezugspreis von I,— DM zuzüglich Zustellgebühr Malarer ZeHsdirlftenverlag Dr. Bilz < Fraund G. m. b. H Mainr, iÜHenholslraKe 5, Fernrul 437 c
Sybille Schmitz - Albrecht Schoenhals vuwM Rudolf Fernau, Herm. Speelmans Heinz Salfner, Alexander Engel Spielleitung: Nunzio Malasomma Herstellungsleitung: H3IIS V. WolZOgdl Ein spannender, abenteuerlicher Film der Mörkisdien- Panoromo - Schneider - Südost nach dem Schauspiel »Dschungel' von J. M, Frank Auf einsamem Posten lebt und wirkt der Tropenarzt Dr. Dos Passos. Das Schicksal trieb ihn durch Länder und Kontinente. Dieser von Entbehrungen gezeichnete Mann ist schweigsam - schweigsam wie die schöne Virginia Larsen Ein Reporter wählt die Ver¬ gangenheit auf. Kaltherzig jagt er nach Sensationen, aber die erdiük¬ kende Anklage gegen zwei Men¬ schen scheitert trotzdem am höheren Gesetz von Pflicht und Wahrheit. PÄLÄSTX^ ä UNION Höllische Liebe mit Elfie Meyerhofer Karl Schönbeck, Vera Molnar, Hans Holt u. vielen and. Eine Filmoperette mit zündender Musik, viel Witz und noch mehr Liebe Ruf 33 73 Anfang: 13.45, 16.00 18.15, 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr T U A I I A Start in die neue Saison! lIIMLIH Das Herz muß schweigen mit Paula Wessely, Mathias Wiemann u. fla Werner Hinz. Ein Film, den man nicht ” vergißt. Ruf 33 90 Ant: 14-00 ■l6OO ■ 18.15, 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11 Uhr n .im ■ Erstaufführung: Der große Erfolgsfilm: BEL DA Herrliche Zeiten > 1/** Ein einmaliges Meisterwerk 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr Samstag u. Sonntag 14.00 u. 22.30 Uhr Erstaufführung: Ruf 395 Raub an der Goldküste Ein großer, spannender Indianerfilm HANSA zeigt in Erstaufführung: Kleiner Schwindel am Wolfgangsee ein bezauberndes musikalisches Lustspiel mit Waltraud Haas, Hans Holt und Susi Ruf 31 70 Nicoletti ’ Anfangszeiten: 14.00, 16.00, 18.00, 20.30 ANKER Tag und Nacht • denk ich an dich Ein Revue-Farbfilm der Prominenten Jugenheim Amerikas von Film und Rundfunk < r a । a V,A mala J ft L R nach Motiven des gleichnamigen Romans A von John Knittel KARIN HARDT - VIKTOR STAAL Samstag 18.30 - 20.45 Uhr Eberstadt Sonntag 16.00 - 18.30 - 20.45 Uhr Wochentags 20.15 Uhr