Grausamkeiten in Korea
32 Amerikaner tot und gefesselt aufgefunden
Pusan, 17. August. (AP.) Kommunistische Truppen haben am Donnerstag im Brückenkopf Waegnan erneut Grausamkeiten gegen amerikanische Soldaten begangen. Zweiunddreißig amerikanische Soldaten sind bei einem Gegenstoß mit auf den Rücken gefesselten Händen erschossen aufgefunden worden.
Fünf weitere Soldaten waren schwer verletzt. Sie gaben in ihren Vernehmungen an, daß sie und ihre Kameraden nach schweren Mißhandlungen in einer Reihe aufgestellt worden seien und mit Maschinengewehren zusammengeschossen worden seien. Die Ueberlebenden erkannten in einem nordkoreanischen Gefangenen einen maßgeblich an der Exekution Beteiligten, der sofort zur Aburteilung als Kriegsverbrecher nach rückwärts gebracht wurde. Es wird vermutet, daß sich die Kommunisten für den Arigriff der Superfestungen vom Mittwoch hatten rächen wollen, als sie die amerikanischen Kriegsgefangenen erschossen.
Vier nordkoreanische Divisionen sind im nördlichen Teil des Mittelabschnitts der koreanischen Front zur Offensive angetreten. Die Nordkoreaner haben mit motorisierten und gepanzerten Kräften die Stellungen der 1. und 6. südkoreanischen Armee durchbrochen und haben sich Taiku auf acht Kilometer genähert.
Kurz vor dem Antreten der nordkoreanischen Offensivverbände waren Einheiten der amerikanischen 24. Infanterie-Division und der 1. Marine-Division zu einem Gegenangriff gegen den Brückenkopf am großen Naktong-Bogen angesetzt worden. Die Nordkoreaner leisteten erbitterten Widerstand und fügten den Angreifern schwere Verluste zu. Im Süden der Front hat die amerikanische Führung einen strategischen Rückzug eingeleitet. Der Frontbogen, der durch die kürzlich ausgelöste amerikanische Offensive im Raum bei Schinju entstanden war, ist um zweiundvierzig Kilometer zurüdkgenommen worden. Die Amerikaner haben eine neue Stellung hart westlich Masan aufgebaut.
Im Nordabschnitt der Front ist die eingeschlossene 3. südkoreanische Division unter dem Schutz alliierter Luftstreitkräfte und einem starken Luftschirm mit Landungsfahrzeugen aus dem gefährdeten Raum geholt worden und weiter südlich im eigenen Gebiet gelandet worden. Die Nordkoreaner ziehen an diesem Teil der Front Kräfte zusammen, die etwa zwei Divisionen stark sein mögen. Es wird mit einem operativen Stoß nach Süden gerechnet, womit das Gebiet von Taiku bedroht ist.
Die Lage an allen Fronten ist äußerst angespannt und vor allem im Raum Taiku bedrohlich. Der Großangriff der amerikanischen Bomberverbände am Mittwoch hat nicht die materielle und psychologische Wirkung gehabt, die erwartet worden war.
Sukarno droht
„Der Kampf noch nicht beendet“
Jakarta, 17. August. (AP.) Präsident Sukarno hat am Donnerstag vor zweihunderttausend Indonesiern die Holländer für einen großen Teil der Unruhen in Indonesien seit seiner Unabhängigkeit verantwortlich gemacht und die Beendigung der „kolonialen Kontrolle“ über das westliche Neuguinea durch die Niederlande gefordert. Der Präsident sprach von den Stufen seines Palastes zum fünften Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung und der Proklamation des indonesischen Einheitsstaates in dieser Woche. Wenn nicht im Laufe dieses Jahres noch eine Einigung über das westliche Neuguinea erreicht werde, werde es darüber zu einem Konflikt kommen. Der politische Kampf Indonesiens sei noch nicht beendet.
Fenerwechsel
Hongkong, 17. August, (dpa) Der britische Zerstörer „Concord“ ist am Donnerstag von den Batterien dreier kommunistisch besetzter Inseln bei Hongkong beschossen worden, als er sich der Kronkolonie näherte. Wie die britische Marineleitung mitteilt, hat die „Concord“ zur Selbstverteidigung das Feuer erwidert.
Der kritische Breitengrad
Washington, 17. August. (AP.) Gutinformierte Beamte in Washington sind davon überzeugt, daß die Sowjetunion eher Nordkorea besetzen, als einen Vormarsch der Streitkräfte der Vereinten Nationen nördlich des 38. Breitengrades zulassen werde. Die zu ergreifenden Schritte würden zur Zeit bereits von Vertretern der Sowjetunion und des kommunistischen China erörtert. Diese Besprechungen würden sich wahrscheinlich nicht nur mit dem Schicksal Koreas, sondern mit der gesamten politischen Lage im Fernen Osten befassen.
Nicht mit Waffen allein ...
Shuster fordert eine Revolution der Herzen bei den Deutschen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
We. München, 17. August. Der amerikanische Landeskommissar für Bayern, Professor Shuster, hat sich auf einer Pressekonferenz am Donnerstag mit Nachdruck für eine Mobilisierung der geistigen Kräfte des Westens ausgesprochen. Die über den Sender Leipzig verbreiteten Aeußerungen deutscher Persönlichkeiten ließen leider oft den Eindruck aufkommen, daß man noch nicht überall mit letzter Klarheit erkannt habe, um was es gehe, da man einer Entscheidung auszuweichen suche. Bedauerlich sei auch, daß der ideologische Kampf von amerikanischer Seite noch nicht fester geführt werde. Mit Panzern allein ohne eine Revolution der Herzen könne man nicht gewinnen.
Das Wohlergehen Deutschlands sei für Amerika nicht aus billigen opportunistischen Gründen wichtig, sondern weil beide Länder ohne enge Zusammenarbeit keinen Frieden finden könnten. Jeder Amerikaner in Deutschland müsse sich dieser Aufgabe ständig bewußt sein. Amerika müsse seine Anstrengungen auf einige wenige wunde Punkte, wie die Gesundung der deutschen Wirtschaft und die Verbesserung seiner sozialen Struktur konzentrieren.
Ueber die Haltung der deutschen Ju-
gend äußerte sich Professor Shuster sehr positiv. Die Studenten der Universität München, denen seine besondere Aufmerksamkeit gelte, seien „prachtvolle Kerle“. Trotz ihrer Abneigung gegen eine Festlegung auf politische Parteien sei die deutsche Jugend viel besser politisch orientiert, als man annehme. Es gebe zahlreiche Beispiele dafür, daß man sie packen könne, wenn man sie nur richtig anfasse. Zur Fortsetzung der Demontagearbeiten bei den Vereinigten Aluminiumwerken in Töging befragt, glaubte Shuster mit Bestimmtheit sagen zu dürfen, daß ein neuer deutscher Vorstoß bei der Oberkommission nicht unbeachtet bleiben werde.
Ein Rüstungswerk vernichtet
Sabotage wird vermutet
San Carlos (Kalifornien), 17. August. (AP.) Durch einen Großbrand und eine Explosion ist in der Nacht zum Donnerstag ein chemisches Werk, das Kriegsmaterial für die koreanische Front hergestellt hat, vernichtet worden. Die Besitzer der Fabrik sind der Ansicht, daß das Feuer durch Sabotage entstanden sein müsse. Der Schaden wird auf 250 000 Dollar (1 050 000 D-Mark) geschätzt.
„Eine symbolische Streitmacht“
Erklärung General Taylors über die Verteidigung Berlins
Berlin, 17. August. (AP.) Der amerikanische Kommandant in Berlin, General Taylor, hat am Donnerstag in einem Interview erklärt, er sei überzeugt, daß die alliierten Truppen in Berlin jeder Lage gewachsen seien, allerdings mit Ausnahme eines direkten Angriffes der Sowjetarmee selbst. Er habe keine zusätzlichen Truppen für Berlin angefordert. Die amerikanischen, britischen und französischen Truppen in Berlin, deren Gesamtstärke rund achttausend Mann betrage, stellten vom rein militärischen Standpunkt betrachtet, nur eine symbo-' lische Streitmacht dar. Sie seien jedoch so güt ausgebildet und ausgerüstet, daß sie jedem Versuch der Kommunisten der Sowjetzone, einschließlich ihrer Volkspolizei, Unruhen oder einen Putsch zu inszenieren, wirksam begegnen könnten.
„Eine direkte Intervention der Sowjets wäre etwas anderes, das würde einen kriegerischen Akt darstellen.“ Würde die Bedrohung von der Sowjetarmee kommen, dann wäre es ganz gleich, wieviele Truppen die Alliierten in Berlin hätten. Sie würden eingeschlossen, abgeschnitten und hilflos sein. Die Sowjets hätten in einem Umkreis von 150 Kilometer fünfzehn bis zwanzig Divisionen mit einigen tausend Panzern, einigen Düsenjägern und zahlreichen anderen Jagd-, Bomben- und Transportflugzeugen stehen.
Amerikanische Pioniertruppen beim Bat» einer Behelfsbrücke über einen Fluß in Südkorea Bild Keystone Press
Amerikgner für dentsche Armee
Princeton, 17. August, (dpa) In einem Bericht des Gallup-Institutes heißt es, nicht weniger als 71 Prozent der amerikanischen Bevölkerung befürworteten den Aufbau einer westdeutschen Armee. Gegen eine deutsche Wiederbewaffnung sprachen sich sechzehn Prozent der Befragten aus, während sich der Rest einer Meinungsäußerung enthielt. Ein ähnliches Ergebnis zeigte die Frage nach dem Wiederaufbau einer japanischen Armee. Die allgemeine Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten wurde von 78 Prozent der Befragten bejaht, das ist ein Prozentsatz, der noch niemals zuvor erreicht worden ist.
Adenauer auf dem Petersberg
Z.K. Bonn, 17. August. (Eigener Drahtbericht) Die alliierte Oberkommission war am Donnerstagvormittag zu ihrer turnusmäßigen Sitzung auf dem Petersberg zusammengekommen. Wie verlautet, befaßten sich die Oberkommissare mit der Dekartellisierung der IG-Farben, sowie mit der Verfassung Berlins. Am Donnerstagnachmittag war Bundeskanzler Dr. Adenauer auf dem Petersberg. Gut unterrichtete Kreise nehmen an, daß die durch die Straßburger Beschlüsse geschaffene internationale Lage und die deutsche Polizei im Mittelpunkt der Besprechungen gestanden haben.
Gegen Sonderaktionen
Hd. Düsseldorf, 17. August. (Eigener Drahtbericht.) Der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat beschlossen, gewerkschaftliche Sonderaktionen gegen die Verteuerung der Lebenshaltung so lange zurückzustellen, bis die in Aussicht genommenen Besprechungen mit der Bundesregierung über Preis-, Lohn- und Gehaltsfragen abgehalten worden sind. Der Bundesvorstand will mit der Bundesregierung und dem Bundeskanzler in diesem Zusammenhang außerdem den gesamten Fragenkomplex der Neuordnung der Wirtschaft behandeln, der zu einer lebensentscheidenden Frage für die gesamte deutsche Arbeiterschaft und das gesamte Volk geworden sei.
Offensive
ein. Der Großangriff auf Taiku hat begonnen. Aus dem Brückenkopf von Waegnan stoßen etwa vier feindliche Divisionen, von Panzern unterstützt, nach Südosten auf Taiku, um das wichtige amerikanische Versorgungszentrum den Truppen der Vereinten Nationen zu entreißen. Der Schlag der amerikanischen Bomber am Mittwoch in den Bereitstellungsraum der Nordkoreaner hat weder die psychologische noch die materielle Wirkung gehabt, die erhofft worden war. Die rote Führung hat den Hebel an dem Punkt angesetzt, an dem die ganze Front zum Einsturz gebracht werden kann. Die amerikanische Führung war nicht unvorbereitet. Sie hatte nicht nur auf die Karte der Luftstreitkräfte gesetzt. In der Nacht vor dem Großangriff ist der Entschluß in die Tat umgesetzt worden, der nach Lage der Dinge unbedingt kommen mußte. Bei Schinju ist der weit vorspringende, truppenaufsaugende Frontbogen, das Ergebnis der jüngsten amerikanischen Offensive, geräumt worden.
Nichts hätte den Bolschewisten lieber sein können als die Absicht der Amerikaner, möglicherweise die Stellungen im Süden zu halten. Die dort unten eingesetzten amerikanischen Eliteverbände waren schon zu lange Gefangene ihrer eigenen Planung. Sie mußten Stellungen bewachen, die nicht mehr im Brennpunkt der Abwehr lagen. Sie fehlten am großen Naktong-Bogen, von wo ihre Nachschublinien ständig bedroht waren, und sie fehlten vor allem bei Taiku.
Die Zurücknahme der Front im Süden machte Truppen frei, die bereits jetzt im Kampf sind, in einer Schlacht, bei der die Kommunisten die Entscheidung erzwingen wollen. Wenn es um Sieg oder Niederlage geht, kann sich General Walker weder um Prestige noch um Propaganda kümmern. Bei der militärischen Führung gilt es, im richtigen Augenblick das Richtige zu tun, vor allem dann, wenn es um die eigene Haut geht.
Hinter der Tarnwand
tü. In dem Düsseldorfer Blatt der Kommunistischen Partei erschienen unmittelbar nach dem Beginn des koreanischen Krieges Anzeigen größerer Industriefirmen. Da die Leser des Blattes kaum zu den Kunden dieser Firmen zu zählen sind, mußte der Eindruck entstehen, daß diese Unternehmungen sich nur hatten rückversichern wollen, um bei einem Siege der Kommunisten unangefochten zu bleiben. Das hat viel Aergernis hervorgerufen, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande. Man glaubte, eine besonders schmähliche Form von Verrat erblicken zu können, eine weiche Stelle in der'Abwehrfront gegen den Bolschewismus, und man glaubte, Schlüsse auf die Schwäche des Bürgertums daraus ziehen zu müssen. Diese Schlußfolgerungen lagen nahe; ob sie richtig sind, muß noch geklärt werden. Unser Düsseldorfer Korrespondent hat gestern von der Darstellung der Wirtsdiaftskreise berichtet. Danacäi sind die Anzeigen nicht dem kommunistischen Blatt gegeben worden, sondern einer als reines Wirtschaftsorgan getarnten Zeitung, und sie sind dann von der Kommunistischen Partei in ihr. Blatt hereingeschwindelt worden.
Der Vorfall ist lehrreich für die Methoden, mit denen heute gearbeitet wird. Er erlaubt aber wohl auch die Annahme, daß vielleicht die Anklagen, die gegen Teile des deutschen Volkes in diesen Tagen vielfach erhoben werden, übertrieben sind. Wohl ist das Gefühl der Angst weit verbreitet, der Angst vor einem neuen Kriege und der Angst vor dem Bolschewismus. Da beide schon bisher Schrecken über Schrecken um sich verbreitet haben, ist die Furcht vor ihnen ein natürliches Gefühl. Aber es besteht kein großer Anlaß zu glauben, daß die Furcht vor dem Bolschewismus nun weite Kreise bereits vollkommen gelähmt habe oder daß sie gar die Menschen bereits bis zur heimlichen und offenen Unterstützung des Bolschewismus triebe.
Es mag einige Leute geben, die das Mitgliedsbuch der Kommunistischen Partei in der Tasche haben, ohne diese Partei zu wählen. Es mag auch einige Geschäftsleute geben, die Gelder an die Kommunistische Partei geben, in der kindischen Hoffnung, sie seien nun gegen alle Wechselfälle versichert und dürften ihr Geschäft auch unter der roten Fahne behalten. Aber in einem Volk von vielen Millionen wird es immer solche Leute geben, das ist schwer zu ändern, und am Ende bilden sie doch nur die Ausnahmen, von denen die Regel bestätigt wird. Soweit wir zu sehen vermögen, arbeiten jedenfalls die kleinen und auch die hohen Funktionäre der freiheitlichen Parteien unbekümmert weiter, ohne sich durch die Einschüchterungsversuche der Bolschewisten beirren zu lassen. Auch denkt keiner der westdeutschen Journalisten daran, nun etwa freundlicher über die Bolschewisten zu schreiben, weil die Propagandachefs der Sozialistischen Einheitspartei unserem Stande bereits für den Fall ihres Sieges das Erhängen angekündigt haben. Diese Gelassenheit ist eine Selbstverständlichkeit; sie wird hier nur erwähnt, weil man sich an manchen Stellen auf Grund unvollkommener Nachrichten offenbar ein falsches Bild macht.
Der Abscheu vor dem Bolschewismus ist in Deutschland heute außerordentlich viel stärker als vor zwanzig Jahren. Wir haben ihn gründlicher kennengelernt, als das damals möglich war. und die innere Abneigung ist so groß, daß dagegen auch die Einschüchterungsversuche in den meisten Fällen versagen. Die Deutschen haben inzwischen begriffen, daß der Bolschewismus nicht eine politische Richtung oder eine Weltanschauung wie viele andere bedeutet, sondern die Anbetung des Todes, des Grauens, der Sklaverei und der Unmenschlichkeit. Der Gedanke, ihn vielleicht zu unterstützen, löst bei anständigen Menschen Hemmungen aus, die nicht zu besiegen sind.
Die Gefahr liegt gegenwärtig mehr in der Tarnung als in der Drohung. Das Düsseldorfer Beispiel ist bezeichnend dafür. Vor allem haben die Kommunisten begreifen gelernt, daß sie bei dem tiefen Widerwillen der Nation gegen ihre Arbeit nichts zu erreichen vermögen, wenn sie sich als das geben, was sie sind. So gehen sie unter falschem Namen um. Am beliebtesten ist die Maske des Friedenskämpfers. Die Kommunisten kennen die tiefe Abneigung des deutschen Volkes gegen einen neuen Krieg. So gehen sie zu den Menschen, nicht nur zu einfachen, sondern auch zu hochgestellten und sammeln Unterschriften gegen die Atombombe oder überhaupt gegen den Krieg. Sie haben dabei die keineswegs immer irrige Hoffnung, viele würden sich scheuen, einem Unternehmen ihren Namen zu versagen, das vorgibt, so großen Zielen zu dienen. Die Kommunisten hoffen, später eine möglichst große Zahl von Unterschriften nennen und so ihrer Politik einen neuen Antrieb geben zu können. Es ist erstaunlich, wieviel Menschen dieser Methode verfallen, obwohl sie nach ihrer Erziehung davor gefeit sein müßten, einem so plumpen Betrug zu glauben. Wir haben in diesen Tagen den Fall des Professors Brunner erwähnt, der seine Unterschrift wieder zurückgezogen hat, als er erkannte, wer wirklich hinter diesen Sammlungen stand. Aber war es so schwer, es schon vorher zu erkennen? Von Ernst Rowohlt ist leider immer noch nicht bekannt geworden, daß er seine Unterschrift zurückgezogen habe. Auch seinen Freunden ist es offenbar nicht gelungen, ihm deutlich zu machen, daß er hier das ihm gerne zugestandene Recht auf exzentrische Einfälle bedeutend überschritten hat, und daß er keineswegs darauf hoffen kann, im Volke für sein Verhalten auch nur das geringste Verständnis zu finden.
Der Fall Rowohlt ist deshalb so ernst, weil Rowohlt genau weiß, wer die Hintermänner jener Unterschriften-Samrmlung sind. In den weitaus meisten Fällen führen lediglich mißbrauchte Friedensliebe und Unkenntnis dazu, sich diesen Leuten anzuschließen. In Wirklichkeit steht ja hinter den sogenannten Friedenskämpfern eine Macht, die als einzige seit Jahren den Frieden bedroht, die gerade über Korea die Schrecken des Krieges losgelassen hat, die also gegenwärtig den Tod von Zehntausenden und das Elend von Millionen herbeiführt und die nun die westliche Welt sehr gegen ihre Neigung zu Rüstungen zwingt. Wenn eine einfache Hausfrau, die von ihren Sorgen überanstrengt ist, diese Zusammenhänge verkennt und mit ihrer Unterschrift tatsächlich den Bolschewismus unterstützt, mag sie noch auf eine nadisichtige Beurteilung rechnen. Aber von Angehörigen der führenden Schichten darf man wohl erwarten, daß sie jene Tarnung durchschauen und sich danach verhalten. Es tut audi keinen Schaden, wenn jedem Werber mit aller Deutlichkeit gesagt wird, für welche verächtliche Sache er arbeitet. Erst recht aber gilt das für Leute wie Ernst Rowohlt, die — anders als etwa Theodor Plievier — sich auch durch die bitteren Ereignisse in Korea nicht haben dazu bewegen lassen, der Partei der Kriegsbrandstifter ihre (moralische Unterstützung zu entziehen. Der Westen und mit ihm die Welt der Freiheit stehen unter einer tödlichen Gefahr. Man muß dabei wissen, auf wen man sich verlassen kann, oder wer bereit ist, einem den Stoß in den Rücken zu versetzen; ob aus Eitelkeit, aus bizarrer Laune oder aus Geschäftsinteresse, spielt dabei keine Rolle.
525 Pakete haben sowjetische Kontrollorgane und die Volkspolizei in der Nacht zum Donnerstag auf dem Grenzbahnhof Marienborn aus Berliner Postzügen beschlagnahmt.
Uebermenschen
zz Es ist ein Kreuz mit den Wissenschaftlern. Sie erfinden manchmal Dinge, mit denen der Menschheit durchaus nicht gedient ist. Mögen die Erfindungen selbst auch Triumphe der Forschertätigkeit darstellen, wie zum Beispiel die Atomzertrümmerung, so können sie es doch nicht verhindern, daß die gewaltigen Kräfte, die sie damit freigemacht haben, zur Vernichtung angewendet werden, statt als friedliche Energiequellen.
Soeben wird aus Stockholm von einer neuen Erfindung berichtet, die man keineswegs gutheißen kann. Die schwedische Wissenschaft will dahintergekommen sein, wie sich eine Rasse von Uebermenschen züchten lasse, die spielend die stattliche Größe von drei Metern erreiche. Es handelt sich um die Verwendung eines aus dem Krokus stammenden Pflanzenextraktes Colchicin, mit dem Dr, Yngve Melander von der Universität Lund die außergewöhnliche Wachstumssteigerung erzielen will.
Man fragt sich wohl vergeblich, wem mit einer Riesenrasse von Uebermenschen gedient sein soll. Nicht einmal dem unglücklichen Wesen selbst, denn es ist medizinisch festgestellt, daß Menschen mit Riesenwuchs es viel schwerer haben, als normale Menschen, deren Organe den Daseinsbedingungen besser angepaßt sind. Die Entdeckung des „Riesenhormons“, die von den Stockholmer Blättern als „die größte wissenschaftliche Errungenschaft seit der Atomspaltung“ bezeichnet •wird, erscheint uns als höchst zweifelhafter Natur und es wäre notwendig, Herrn Melander zu verbieten, damit jemals Versuche mit Menschen zu machen.
Es läßt sich schon eher hören, daß der Schwede mit seinem Hormon Kaninchen gezüchtet hat, die die dreifache Größe der Elterntiere annahmen. Kaninchenzüchter werden darüber besonders erfreut sein. Aber was würde es allen Tierhaltern und der ganzen Menschheit nützen, wenn es gelänge, Nutzvieh in dreifacher Größe zu züchten, falls gleichzeitig eine Riesenmenschenrasse daherkäme, die mindestens den dreifachen Appetit aufwiese.
Bonn in Prozentzahlen
F.A.Z. Frankfurt, 17. August. Aus einer Umfrage, welche die Abteilung zur Feststellung der öffentlichen Meinung bei der amerikanischen Oberkommission in der amerikanischen Zone in Bremen und in West-Berlin veranstaltet hat, schließt diese Abteilung ein wachsendes Interesse der Bevölkerung an der Bundesregierung. Dies soll daraus erkennbar sein, daß im Mai dieses Jahres 62 Prozent der Bevölkerung der amerikanischen Zone gewußt haben, daß Dr. Adenauer Bundeskanzler ist. Im November vorigen Jahres hatten es nur 44 Prozent gewußt. Eine Mehrheit von 51 Prozent in der amerikanischen Zone und 77 Prozent in West-Berlin erklärten sich mit der Regierung einverstanden. 62 Prozent sind mit der Bundeskanzler zufrieden und 52 Prozent glauben, daß die Bonner Regierung das Wohl der Allgemeinheit über parteipolitische Ziele stellt. Ein Drittel der Bevölkerung ist aber der Ansicht, daß bei der deutschen Regierung parteipolitische Bewegungen im Vordergrund stehen. Die Bremer Einwohner glauben nicht, daß die Bonner Regierung genügend Unabhängigkeit gegenüber den Besatzungsmächten besitzt. Die Einwohner der übrigen amerikanischen Zone sind entgegengesetzter Ansicht.
Merkwürdiger Appetit
Kassel, 17. August, (dpa) In Helsen bei Arolsen (Hessen) fraß eine weidende Kuh, obwohl saftiges Gras in genügender Menge vorhanden war, die gesamte auf der Leine hängende Unterwäsche einer Bauerntochter auf. Das Mädchen kam gerade hinzu, als der letzte Unterrock im Maul der Kuh verschwand.
Erhöhte Freibeträge - Verlängerte Laufzeit
Ein neuer Entwurf über den endgültigen Lastenausgleich
Bonn, 17. August, (dpa) Das Bundesfinanzministerium hat einen neuen Entwurf über den endgültigen Lastenausgleich fertiggestellt. Er berücksichtigt Wünsche der Bundestagsabgeordneten, der Interessentengruppen und der übrigen Bundesministerien. Der Vorsitzende des Lastenausgleichsausschusses im Bundestag, Kunze, Christlich-Demokratische Union, hatte am Mittwoch eine Aussprache mit Dr. Adenauer über den Entwurf. Am Freitag will er mit Bundesfinanzminister Schäffer Zusammentreffen.
Gleiche Belastung
Nach dem neuen Entwurf soll die Dauer des Lastenausgleiches für die gewerbliche Wirtschaft auf 28 Jahre, für den Hausbesitz auf 31 Jahre und für die Landwirtschaft auf 35 Jahre verlängert werden. Die Belastung ist bei allen Vermögensarten mit fünfzig Prozent gleich groß. Auf diese fünfzig Prozent werden für die Dauer des Lastenausgleichs bei der gewerblichen Wirtschaft Abgaben in Höhe von sechs Prozent, beim Hausbesitz fünf Prozent und bei der Landwirtschaft vier Prozent erhobon. Die Vermögenssteuer fällt für das mit einer Lastenausgleichsabgabe belastete Vermögen fort. Für das unbelastete neu entstehende Vermögen wird ein Prozent Vermögenssteuer erhoben.
Die Abgaben von sechs Prozent, fünf Prozent und vier Prozent setzen sich zu Beginn des Lastenausgleiches aus zwei Prozent Tilgung und zwei bis vier Prozent Verzinsung der Abgabeschuld zusammen. Da die absolute Höhe der Abgabe für die Dauer des Lastenausgleichs gleichbleiben soll, die Zinsen durch die allmähliche Tilgung der Schuld aber geringer werden, steigt der Tilgungssatz von anfänglich zwei Prozent ständig an, um zum Schluß des Lastenausgleiches 4,5 bis 6 Prozent zu erreichen.
Bei den Freibeträgen sind ebenfalls wesentliche Aenderungen vorgenommen worden. Der Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums sah vor. daß sich beim Ueberschreiten des grundsätzlichen Freibetrags von fünftausend Mark der Freibetrag für jede neuen zweihundert Mark um hundert Mark ermäßigt, so daß bei 15 000 Mark Vermögen der volle Betrag der Abgabe unterliegt. Die neuen Grundsätze sehen dagegen einen Freibetrag von je zweitausend Mark für den Abgabepflichtigen und dessen Ehefrau vor. Für jedes Kind erhöht sich dieser grundsätzliche Freibetrag um fünfhundert Mark. Ueberschreitet das abgabepflichtige Vermögen 20 000 Mark, so vermindert sich der Freibetrag für jede zusätzlichen tausend Mark um fünfhundert Mark. Durch diese neue Regelung wird des Kleinstvermögen in der Landwirtschaft und im Handwerk geschont.
Abstriche von der Abgabeschuld
Neben dem Anreiz, den die Verzinsung für eine vorzeitige Ablösung bietet, sollen noch erhebliche Abstriche von der Abgabeschuld gemacht werden. Wenn sie vorzeitig abgelöst wird. Auf der anderen Seite werden sich Geschädigte mit einem Abstrich von ihrer Entschädigung zufriedengeben müssen, falls sie eine vorzeitige Auszahlung ihrer Entschädigung verlangen. Auf diese Weise hofft man. ein vorzeitiges Ablösen der Abgabesehuld befriedigend regeln und einen Anreiz zum Naturalausgleich geben zu können.
Geschädigte, die einen Vermögensschaden nachweisen können und dementsprechend Anspruch auf Hauptentschädigung haben, können aufgrund der ihnen voraussichtlich zustehenden Hauptentschädigung eine Leibrente erhalten. Diese Rente darf einen bestimmten Höchstsatz nicht überschreiten. Die Hauptentschädigung ist grundsätzlich von einem bestimmten, noch festzulegenden Datum an so lange mit vier Prozent zu verzinsen, bis sie tatsächlich dem Geschädigten ausgezahlt wird.
Auch bei der Entschädigung für verlorenen Hausrat sind substantielle Aenderungen vorgesehen. Der Hausratsschaden stellt nach Ansicht des Unkeler Kreises besonders für Flüchtlinge und Ausgebombte den allgemeinsten und persönlichsten Schaden dar. Daher soll jeder, der seinen Hausrat verloren hat, eine Entschädigung erhalten. Für sehr wertvolle und sehr große Haushalte erreicht die Entschädigung fünftausend Mark. Ihre zeitliche Auszahlung richtet sich allerdings nach der Dringlichkeit. Personen, die sich vorerst so behelfen können, erhalten die Hausratsentschädigung erst zu einem sehr späten Zeitpunkt.
Die Staffelung in zehn Gruppen erschien nicht differenziert genug. Daher wurden die Entschädigungsklassen durch eine neue Gliederung, vor allem bei den höheren Vermögensschäden auf fünfzehn erhöht.
Man erwartet, daß die Bundesregierung bis September ihre Arbeiten am Lastenausgleichsgesetz abgeschlossen hat, so daß das Gesetz dann dem Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt werden kann.
Das Ruhrtreffen verboten
Düsseldorf, 17. August, (dpa) Das von der kommunistischen Freien Deutschen Jugend mit einer großen Propagandawelle für den 1. Oktober in Dortmund angekündigte Ruhrtreffen ist von der Dortmunder Stadtverwaltung verboten worden. Die Kundgebung sollte unter der Parole „Treffen der Hunderttausend“ abgehalten werden. Die Polizei hatte die Stadtverwaltung wissen lassen, daß sie für die öffentliche Ruhe und Sicherheit nicht garantieren könne. Die Stadtverwaltung hat nun alle Anträge für politische Veranstaltungen abgewiesen.
Für vier Wochen verboten worden ist die saarländische kommunistische Zeitung „Neue Zeit“, weil sie „Adenauer, Schumacher und ihre Artgenossen an der Saar“ als Verräter bezeichnet hatte.
Die Kirchenverfolgung im Osten
Erschreckender Bericht eines Jesuitenpaters in Wiesbaden
Wiesbaden, 17. August, (dpa) Jesuitenpater Wilhelm de Vries aus Rom berichtete auf einer Versammlung des Zentralausschusses der Katholiken in Wiesbaden, daß die katholische Kirche in den Staaten Osteuropas schweren Verfolgungen ausgesetzt sei. Sie habe sich standhaft geweigert, das kommunistische Regime zu verherrlichen.
Nach jüngsten Berichten der katholischen Geistlichen in den europäischen Ländern, in denen etwa 47 Millionen Katholiken leben, versuchen die kommunistischen Behörden den katholischen Klerus zum Abfall von Rom zu bewegen, die 1596 geschlossene Union der griechisch-katholischen mit der römischkatholischen Kirche zu sprengen und beide mit der russisch-orthodoxen Kirche zu vereinigen, die für den Bolschewismus Propaganda mache. Dieser Versuch sei in Galizien und Rumänien bisher ebenso fehlgeschlagen, wie die von den Kommunisten gegründete „Katholische Aktion“ in der Tschechoslowakei. In Litauen soll sich nur noch ein katholischer Bischof in Freiheit befinden. Alle übrigen und mindestens tausend von zweitausend Klerikern wurden nach Sibirien verschleppt oder rind gestorben. In Rumänien ist bis auf einen kleinen Teil, der nach außenhin orthodox genannt wurde, die gesamte katholische Geistlichkeit in Gefängnisse verschleppt worden. In Ungarn dauern die Verhaftungen von Ordensmitgliedern an. In Jugoslawien ist nach der Ermordung von mindestens 270 katholischen Geistlichen die Periode des offenen Terrors abgeschlossen, doch wird der Kampf gegen die Kirche fortgesetzt. In Bulgarien befindet sich nur noch ein kleiner Teil der Geistlichkeit in Freiheit. In der Tschechoslowakei ist der Kirchenkampf in vollem Gange, die Bischöfe sind praktisch interniert. In Polen wurden der katholischen Kirche zwar Zugeständnisse gemacht, doch bleibt das Endziel der Regierung, die Kirche auf den Kult zu beschränken und sie aus dem öffentlichen Leben auszuschalten. Gegenüber diesen Erscheinungen, so erklärte de Vries, seien, die Verhältnise in der Sowjet-Zone Deutschlands und Oesterreichs noch erträglich. \
Ein Schlaglicht
Rom, 17. August. (AP.) Das offizielle Organ der italienischen katholischen Aktion, „Quotidiano“, hat am Donnerstag den Brief einer deutschen Nonne aus Rußland veröffentlicht, in dem berichtet wira, daß 1500 deutsche Ordensschwestern im ukrainischen Bergbau Zwangsarbeit leisten. „Viele von uns sind gestorben“, schreibt die Nonne an ihre Eltern, „und wir beneiden sie.“
Der Brief wurde nach Angabe der italienischen Zeitung von einem entlassenen Kriegsgefangenen nach Deutschland gebracht und zum erstenmal in der ukrainischen Emigranten-Zeitung „Missionar“ veröffentlicht und jetzt von der „Quotidiano“ abgedruckt.
In dem Brief berichtet die Nonne, daß sie und andere Mitglieder des Ordens von St. Vinzenz nach Kriegsende aus Ostpreußen nach der Ukraine verschleppt worden seien. „Ihr werdet wohl denken, daß ich schon tot bin“, heißt es in dem Brief. „Lange Zeit ist vergangen, seitdem sie uns nach Rußland gebracht haben. Vergeßt uns nicht — betet für uns. Wir sind so arm und einsam inmitten unaussprechlichen Elends. Was wir 1500 Nonnen hiev ertragen müssen, ist schrecklich ... Wenn wir nicht schnell genug arbeiten oder wenn irgend etwas den Aufsehern nicht gefällt, werden wir ausgepeitscht, bis wir bluten.“
Bevor sie zum Kohlenbergbau befohlen wurden, mußten die Nonnen eine Brücke über den Dnjepr bauen, schreibt die Nonne. Bei diesen Arbeiten mußten sie schwere Holzpfähle tragen und im Flußbett festmachen. „Wenn eine von den Unseren zusammenbrach, würde sie erbarmungslos gepeitscht, und wenn sie sich nicht erheben konnte, warf man sie in den Fluß. Jetzt arbeiten wir unter Tage, bei spärlicher Nahrung. Wenn nur jemand mit uns wäre, der uns Zuspruch geben könnte — der uns etwas hilft.“
„Es gibt keine Sonntage mehr für uns, und, seit zwei Jahren haben wir keine heilige Kommunion mehr empfangen. Immer Hunger, Arbeit und Schläge und dieses Leben in den schmutzigen Barakken —, wir wissen nicht mehr, was es heißt, Mensch zu sein.“
Stimmen der Anderen
Die Folgen von Nürnberg
Die Züricher „T a t“ spricht unter Hinweis auf die in Nürnberg vorgenommenen Entlassungen von einem amerikanischen Liebeswerben um Deutschland.
„Es zeigt sich jetzt, daß die abschreckende Wirkung der Kriegsverbrecherprozesse über Erwarten erfolgreich gewesen ist und den Alliierten noch schwere Sorgen bereiten könnte, wenn sie sich entschließen sollten, das Steuer herumzuwerfen. Wenn es überhaupt gelingen sollte, die Masse des deutschen Volkes für eine Rückkehr zum Soldatentum zu gewinnen, dann könnte das äußerstenfalls nur in einer europäischen Form geschehen, zu der Churchill das Stichwort gegeben hat. Von einer Begeisterung angesichts solcher Aussichten ist aber auch jetzt noch nicht zu spüren. Im Gegenteil: die Militärmüdigkeit des deutschen Volkes, tritt nun, da die Wiederaufrüstung schon fast als ein Faktum genommen wird, womöglich noch deutlicher in Erscheinung als vorher. Auf amerikanischer Seite herrscht angesichts der deutschen Haltung vielfach eine gewisse Ratlosigkeit. Auf die Frage ,Wie sag ich’s meinem Kinde?’ weiß niemand eine rechte Antwort.“
Zu gut gelungen
Der Deutschland-Korrespondent des „M o n d e“ schreibt:
„Im Augenblick scheinen die Umstände sie nicht für eine Aufrüstung bereit zu machen. Man muß sich nämlich der Voraussetzungen erinnern, unter denen sie der Vorschlag Churchills erreichte. Von einem Tag auf den anderen, ohne Uebergang und Vorbereitung, lädt man sie ein, das zu verehren, was man sie vorher zu verbrennen zwang: nämlich eine Armee wieder aufzubauen, nachdem die Wehrmacht durch den Schmutz gezogen worden war. Wenn die Deutschen schüchterne Vorbehalte äußern, um Zeit zum Ueberiegen bitten, dann entrüstet sich die amerikanische Presse gegen sie und behandelt sie als schlechte Demokraten. Aber waren es nicht vor allem die Amerikaner, die in Deutschland Millionen Dollar für die .Umerziehung' ausgegeben haben, deren Leitsatz es war, in der deutschen Seele den Militarismus auszulöschen, um die friedlichen Tugenden des wahren Demokraten zu entwickeln? Es ist nicht die Schuld der Deutschen, wenn die Demokratisierungskur für die dringenden Erfordernisse der abendländischen Strategie zu gut gelungen ist und wenn man mehr Erfolg dabei gehabt hat, ihnen die Uniformen zu verleiden, als man glaubte.“
Ein Echo
Gegen die von der „Allgemeinen Zeitung“ kürzlich vertretenen These, zur Bildung einer deutschen Armee müßten die wegen Kriegsverbrechens verurteilten deutschen Militärführer rehabilitiert werden (soweit sie nicht wirklich Kriegsverbrechen begangen haben), wendet sich der linksorientierte Pariser „Co m bat“:
„Wenn der Westen die deutschen Infanteristen oder die taktischen und strategischen Erleuchtungen der Schüler Guderians verwenden will, wenn er von den Diensten eines westlichen Paulus Nutzen ziehen will, weiß er nun, welchen Preis er zahlen muß: die Rehabilitierung der SS-Generale. Es ist möglich, daß die atlantische Gemeinschaft zur Verteidigung der Elbe nicht auf die Deutschen verzichten kann. Aber es gibt Anlaß zum Nachdenken, zu sehen, wie fünf Jahre nach der deutschen Niederlage um den Preis gehandelt wird, den der Westen zahlen soll, damit er Deutschland wieder Waffen in die Hand drücken kann.“
Der britische Jurist Lord Hailsham, der zweimal Generalstaatsanwalt und Lordkanzler gewesen. ist, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER23) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
„Pervitin ist nicht harmlos!“ Knut steigt das Blut ins Gesicht.
„Und unser Arzt weiß gewiß, daß es nicht harmlos ist.“
„Es war gegen den Vertrag, daß Sie nach einem Arzt telefonierten!" Der Chefmanager beginnt nun auch, langsam die Stellung eines Streitenden einzunehmen.
„Wir werden einen zweiten Arzt befragen, einen Arzt, der mir maßgebend sein wird.“
„Nach meiner Meinung hat unser Arzt genau den gleichen Anspruch darauf, für maßgebend zu gelten“, pariert Knut.
Und das ist mehr Gegenwehr als der Chefmanager erwartet hat.
„Um wen handelt es sich hier eigentlich, junger Mann“, ruft er gereizt/„Es handelt sich 'nicht um Sie, nicht wahr? Wer ist mein rechtlicher Vertragspartner? Ihr Vater oder Sie? Haben Sie diese lächerliche Entzündung oder wer hat sie eigentlich? Ich jedenfalls habe sie überhaupt noch nicht gesehen 1‘ Er unterbricht sich, er hat das volle Maß eines handfesten Zornes erreicht.
„Ich möchte mir das jetzt ansehenl“ schreit er.
Er tut ein paar Schritte aut das Schlafzimmer zu, aber Knut ist schneller als er. Maty schreit erschreckt.
Steen, bisher still und bis aut seine Hände auch ruhig, schüttelt verwirrt den Kopf. Aber Knut steht schon mit dem
Rücken an der Tür zum Schlafzimmer seiner Mutter.
„Da das Zimmer verdunkelt ist, können Sie Mamas Äugen nicht selbst untersuchen“, ruft er. Er ist blaß, aber seine Äugen flackern. „Alles, was ich Ihnen freistelle, ist, Ihren und unseren Arzt zu rufen. Wir werden dann hier im Salon warfen, während sie bei Mama sind.“
Knuts Gegner wendet sich um. Es ist eine hastige, sehr zornige Bewegung. Sein Gesicht ist rot.
„Steen, wer bestimmt eigentlich in Ihrer Familie? Sie selbst oder dieser anmaßende Schreihals?“
Steen kommt näher .. .
„Gib die Tür frei, Knut“, mault er. „Ich habe dir schon einmal gesagt, daß ich nicht vertragsbrüchig werde.“
„Und ich sage ’ dir, daß Mama wie ein Rennpferd gedopt wird“, ruft Knut wild. „Es ist völlig genug, daß wir hier wie Zugochsen arbeiten und wie Gramophonplatfen lügen. Die beiden Aerzte, sonst kommt kein Fremder zu Mama.“
Steen schwankt. Es ist mehr als nur interessant zu sehen, wie bereit er ist, sich auf Knut zu stürzen und wie zweifelhaft, ob er es tun soll. Er knirscht mit den Zähnen, er bebt vor Wut. Aber er wirkt trotz allem mehr komisch als gefährlich. Er tut garnichfs. Da geschieht etwas ganz anderes.
Hinter Knut öffnet sich die Schlafzimmertür und Frau Steen tritt heraus. Sie ist, in ihrem Schlafanzug, sie tastet zittrig vor sich her. Ihre Äugen blinzeln schmerzhaft gegen das Licht im Salon. Sie weint.
„Georg“, schluchzt sie. „Ich will es ja versuchen, wirklich, ich will es verversuchen...“
Der Chefmanager lächelt verlegen.
„Was man versucht, gelingt auch“, sagt er dann, mit einer fettigen, klebrigen, übersüßen Zufriedenheit.
Knut triff aus der Gruppe hinweg.
„Dann gelingt es mir jetzt also auch, dieses Hotel zu verlassen und ein paar Zeitungsleute in ihren Büros zu besuchen“, sagt er gelassen.“
„Du bleibst hier!“ brüllt Steen. Aber er selbst räkelt sich nicht vom Fleck.
Der Manager kauf seine Lippen.
„Bleiben Sie wirklich hier“, sagt er einlenkend. „Es ist schließlich nicht unvernünftig, die beiden Aerzte konferieren zu lassen.“
Knut nickt mit unbewegtem Gesicht. Er geht zu seiner Mutter und führt sie in ihr Schlafzimmer zurück.
Er winkt Mary. Mary gehorcht und trift hinter den beiden in das Schlafzimmer.
Knut kommt allein in den Salon zurück und schließt die Tür.
31
Die drei Männer sitzen und warten auf die Aerzte ...
Georg J. Steen brütet vor sich hin. Bisweilen schüttelt er den • Kopf.
Der Manager raucht und zieht off seine Uhr...
Knut nimmt ein paar Zeitungen, aber er macht die dumme Erfahrung, daß er nicht erfaßt was er liest. Er legt die Zeitungen wieder beiseite. Es ist auch der reine Schwindel, daß ich hier den Mann spiele, der ruhig Zeitung liest, gesteht er sich.
Die Aerzfe kommen noch immer nicht. „Was hat Sie eigentlich so aufgebracht? sagt der Manager und sieht Knut Steen an.
„Ich habe begriffen, was hier gespielt wird, und ich möchte wissen, daß es wenigstens irgendwo eine Grenze gibt" antwortet Knut.
. „Nun, schließlich haben Sie freiwillig einen Vertrag unterschrieben“. Der Manager spricht ganz versöhnlich. „Sie haben sich freiwillig verpflichtet, gewisse Dinge zu tun und andere zu unterlassen.“
Knut schüttelt den Kopf.
„In diesem Vertrag steht nicht, daß wir uns auf pulvern lassen müssen, we n wir krank „sind. Es steht auch nicht darin, daß wir lügen, heucheln und Ihnen helfen müssen, allen Leufen jede denkbare Art von Sand in die Äugen zu streuen.“
„Aber Sie willigen anscheinend gerne ein, zehntausend Kronen ein u^tecken“, lächelt Knuts Gegenüber.
„Ganz recht“, sagt Knut. „Sie sehen ja aucn, daß Sie dafür einige von uns ganz auf Ihrer Seife haben. Aber meinen Sie nicht, daß selbst wir Provinzler inzwischen einsehen, wie lächerlich unser Anteil ist an den Millionengeschäften, die Sie mit uns machen?“
„Das ist doch immer so, Knut', sagt Georg J. Steen leise. „Kein Mensch kauft kleine Leute teurer, als er eben muß.“
„Papa, es muß heißen, kein Mensch kauft uns teurer als wir uns selbst einschätzen.“
„Das läuft auf das Gleiche hinaus, du kennst einfach die Welt noch nicht.“
„Ich sehe sie nicht rosiger als du. Ich habe es nur noch nicht aufgegeben, zu versuchen, wie man sie besser erträgt als du.“
Der Chefmanager lächelt.
„Sind Sie eigentlich sicher, daß die Zeitungen auf Sie hören würden, wenn Sie ihnen von unserer Meinun Jt. erschledenheit erzählen?“ fragt er.
„Ich rechne damit, daß ich eine Weile herumlaufen muß, ehe ich eine Zeitung finde, die nicht zu Ihrem Konzern gehört“, sagt Knut ruhig.
„Aber vielleicht stoße ich auch in einer Ihrer eigenen Zeitungen auf einen ganz jungen Redakteur, der mir im Treppenhaus heimlich zuflüstert, zu welchem Blatt ich gehen soll."
Der Manager begeht den Fehler, zu nicken.
Es klopft an der Tür^ Die Aerzte sind da.
Der Chefmanager springt auf und geht ihnen lächelnd entgegen.' Gar nichts an ihm verrät, daß es hier einen Streitfall gibt.
Er wendet sich sofort an den Arzt, den Knut vor einer Stunde rufen ließ*
„Die Sorge um unsere Patientin veranlaßt uns, noch einen ihrer Kolle n hinzuziehen. Es handelt sieh überdies um eine sozusagen berufliche Frage". Weiter kommt er nicht.
Knut steht neben ihm ...
„Es handelt sich darum, daß wir jetzt die Wahrheit sagen“, ruft er. „Dieser Herr hier will durchsetzen, daß meine Mutter Pervifin nimmt, um trotz ihrer Bindehautentzündung Filmlicht edroei zu können.“
Knut wendet sich an den zweiten Arat« „Und von Ihnen erwartet dieser Herr die Erklärung, daß Pervifin etwas ähnlich Harmloses ist wie Kandiszucker. Und nun gehen Sie zu Mama und konferieren Sie.
„Das ist nicht nötig", sagf der Arzt der Steens streng. „Solange ich an der Behandlung Ihrer Mutter Anteil habe gestatte ich kein anderes Mittel als da's von mir verschriebene.“
(Fortsetzung folgt)
„Ami go home“ - 10 Monate Gefängnis
Ein amerikanisches Urteil gegen kommunistische Plakatkleber
M. Darmstadt, 17. August. (Eigener Bericht.) Vor dem amerikanischen Distriktgericht in Darmstadt hatten sich drei Kommunisten zu verantworten, denen zur Last gelegt wurde, die Sicherheit der Besatzungsmacht gefährdet zu haben, Sie hattei\ Plakate mit der Aufschrift in der Nacht zum 1. August in Darmstadt und Umgebung „Korea den Koreanern, Deutschland den Deutschen, Amy go home“ angeklebt. *
Es wurden verurteilt: der 51jährige Heinrich Benz und der 31jährige Walter Willi Weber zu je vier Monaten, der 69jährige Rentner Karl Fleck zu zwei Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Bezirksrichter aus, daß die amerikanische Oberkommission die Plakate als eine außerordentliche, gegen sie gerichtete Anfeindung und Respektlosigkeit ansehen würde. Die Plakate seien eine Beleidigung der amerikanischen Streitkräfte, die zur Zeit in Korea kämpften.
Die Verhandlung fand bei starkem Publikumsandrang statt.
Die hessische Jũgerei
HGR. Wiesbaden, 17. August. (Eigener Bericht.) In seiner Donnerstagsitzung befaßte sich der ernährungpolitische Ausschuß mit dem umfangreichen Fischereigesetz, das bis zu den ersten elf Paragraphen durchberaten wurde. Am Mittwoch beschloß dieser Ausschuß bei der Beratung des von der Regierung vorgelegten Jagdgesetzes, das Mindestalter für den Erwerb eines Jagdausweises von 16 auf 18 Jahre heraufzusetzen und die Aufgaben der Jägermeister von dem Vorsitzenden eines von der Jägerschaft zu wählenden sogenannten Jagdbeirats ausüben zu lassen.
Am gleichen Tag einigte sich das Bundes-Kabinett in Bonn, das Bundesjagdgesetz abzulehnen, da dieses Gesetz zu viel Einzelheiten vorsehe, die Sache der Länder seien. Der Bund habe nur ein Rahmenjagdgesetz zu erlassen.
Demontiert - wiedererrichtet
Wiederaufbau der Kupferverhüttung
Rothenburg, 17. August, (dpa) Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Hessischen Landtages hat in Sontra im Kreis Rotenburg Schachtanlagen und Hochöfen der hessischen Kupfer - Schiefer - Bergbau GmbH besichtigt.
Das Werk in Sontra war nach dem Kriege auf alliierten Befehl demontiert worden und hatte seine zwei Hochofenanlagen verloren. Nachdem der eine der beiden Oefen bereits im Juni wieder in Betrieb genommen werden konnte, soll jetzt auch der zweite Ofen wieder aufgebaut werden.
Protest gegen einen Gesetzentwurf
Die Versorgung der ehemaligen Beamten und Berufssoldaten
HGR. Wiesbaden, 17. August. (Eigener Bericht.) In der letzten, von nur drei Ministern (zwei Sozialdemokraten, ein Christlicher Demokrat) besuchten Kabinettssitzung beschloß die Regierung, sich in Bonn gegen den Entwurf des Ausführungsgesetzes zu Artikel 131 einzusetzen. Man verspricht sich von der jetzigen Gestaltung dieses Ausführungsgesetzes, in dem die Versorgung aller ehemaligen Beamten geregelt werden soll, keinen Erfolg. Die Ansprüche der verdrängten Beamten erkennt man aber an.
Am gleichen Tage forderte, wie dpa meldet, die Notgemeinschaft ehemaliger berufsmäßiger Wehrmachtsangehöriger in einer Resolution die Beseitigung des Ausführungsgesetzes zu Artikel 131 in der jetzigen Fassung. Man mache die ehemaligen Berufssoldaten zum „Freiwild der Nation“. Man sei bereit, sich auf den Dienstgrad von 1935 zurückweisen zu lassen, wenn auch jeder andere Beamte und Diener des Staates wieder seinen Posten von 1935 einnehme. Die Notgemeinschaft forderte ein neues Versorgungsgesetz auf der Grundlage der ehemaligen Werhmachtsfürsorge.
Am Donnerstag beschloß der Landesverband Hessen des Bundes Versorgungsberechtigter ehemaliger Wehrmachtsangehöriger und deren Hinterbliebenen in Frankfurt in einem Aufruf, sich gegen den Artikel 131 energisch zur Wehr zu setzen. Man verweigere den ehemaligen Berufssoldaten die Gleichberechtigung. Das Unrecht gegenüber den ehemaligen Berufssoldaten sei ein Schritt auf dem Weg zur allgemeinen Zerstörung.
Dieser Aufruf Ist von Generalleutnant a. D. Kein unterschrieben.
Eine Anfrage an Ktock
vom Bund der Steuerzahler
Wiesbaden, 17. August. (AP.) Der Bund der Steuerzahler in Hessen hat den Ministerpräsidenten Stock um Auskunft darüber ersucht, wieviel die Sitzung des hessischen Kabinetts am vergangenen Wochenende in Bad Wiessee am Tegernsee gekostet habe. Stock wird weiter gebeten, die Gründe für die Einberufung dieser Sitzung bekanntzugeben. Es wird darauf hingewiesen, daß Stock noch am Tage vor der Sitzung in Wiesbaden gewesen sei. Es sei eine vernichtende Reklame für die Kur- und Badestadt Wiesbaden, wenn die hessische Regierung nach Oberbayern fahre, um, wie aus der Staatskanzlei dazu mltgeteilt worden sei, einmal in Ruhe tagen zu können.
Vacha wurde „volkseigen“
Bad Hersfeld, 17. August, (dpa) Nach einer Mitteilung aus der Sowjetzone ist im hessisch-thüringischen Kalibergbaugebiet das Wasserkraftwerk Vacha, das auf sowjetischer Seite der Zonengrenze liegt, zum volkseigenen Betrieb erklärt worden. Das Werk ist Eigentum des Werkes Hattorf (Kreis Hersfeld) der Vereinigten Kaliwerke Salzdetfurth. Gleichzeitig wurden die dem Werk Hattorf gehörenden Wohnhäuser im thüringischen Grenzgebiet enteignet.
Kongreß der Gewerkschaftler
Rüdesheim, 17. August. (AP.) Auf dem Jagdschloß Niederwald bei Rüdesheim hat am Donnerstag ein zweitägiger Kongreß der Internationalen Vereinigung der Fabrikarbeiter begonnen, an dem 60 Delegierte aus elf europäischen Ländern teilnehmen.
Den Vorsitz des Kongresses führt der britische Labourabgeordnete Marc Hewiton. Außerdem nimmt der Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes G. H. Oldenbruck an den Besprechungen teil. Deutschland ist durch das Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Albin Karl, und den ersten Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Papier, Chemie und Keramik, Wilhelm Gefaller (Hannover) vertreten.
Nach Entgegennahme des Geschäftsberichtes besprachen die Kongreßteilnehmer die Möglichkeit einer Internationalisierung der europäischen chemischen Industrie ähnlich des Zusammenschlusses der Montanindustrie im Rahmen des Schumanplanes. Die Gruppe Chemie der Vereinigung wurde beauftragt, dieses Themä weiter zu beraten und Bericht zu erstatten.
Malik für weitere Geheimsitzungen
Die Westmächte glauben nicht an eine Annäherung der Standpunkte
Neuyork, 17. August. (AP.) Die Vereinigten Staaten haben die Sowjetunion auf der Sitzung des Sicherheitsrates am Donnerstag aufgefordert, die nordkoreanischen Kommunisten zu veranlassen, ihren Angriff auf die südkoreanische Republik einzustellen und durch Taten zu beweisen, daß ihr Friedenswille echt sei. Austin, der diesen Appell nach einer vorausgegangenen, ergebnislosen Geheimsitzung des Rates vortrug, sagte, wenn die Sowjetunion jetzt ihren Einfluß geltend mache, könne der Frieden sofort wiederhergestellt werden.
Malik hatte nach der Geheimsitzung geäußert, er halte es für ratsam, daß Besprechungen dieser Art fortgesetzt würden. Die nächste geheime Sondersitzung wird nach Ansicht von Beamten der Vereinten Nationen am kommenden Montag abgehalten. Aus denselben Kreisen hieß es am Donnerstagabend, es seien keine Anzeichen dafür vorhanden, daß es in der Geheimsitzung zu einer Angleichung der Standpunkte der Sowjetunion und der westlichen Delegationen gekommen sei.
Nach dfeieinhalbstündiger Debatte, in deren Verlaufe Malik immer wieder wegen seiner Verhnndlungsmethoden an- —äffen wurde, vertagte sich der Sicherheitsrat auf nächsten Dienstag.
General de Gaulle fordert Divistonen und Flugzenge
Paris, 17. August, (dpa) General de Gaulle hat alle Franzosen aufgerufen, sich nicht auf Hilfe von außen zu verlassen Er forderte di? Bereitstellung von mindestens fünfzehn aktiven französischen Divisionen, vierzig Reservedivisionen und fünftausend Flugzeugen. Als Grundlage einer wirksamen Verteidigung Westeuropas bezeichnete der General eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland. Er sei angesichts des herannahenden Sturmes bereit, erneut die Bürde der Staatsführung auf sich zu nehmen. Die Demagogen sollten ruhig über kollektive Sicherheit reden, während sie nichts veranlaßten, um tatsächlich für die Sicherheit des eigenen Landes einzutreten. Beim Aufbau eines westeuropäischen Verteidigungssystems müsse Frankreich die Aufgabe zufallen, den Verteidigungsplan auszuarbeiten und den Oberkommandierenden zu stellen.
Der Rundfunk am Samstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Das Magazin des Schulfunks; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 15.10 Das kleine Ensemble; 16.00 Volkstümlicher Nachmittag; 18.15 Fröhlich und herzhaft; 20.00 Kleine Operettenrevue; 20.45 Deutsche Funkausstellung 1950: Sinfoniekonzert; 22.35 Tanz zum Wochenende.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 15.00 Unsere Volksmusik; 16.00 Singende, klingende-Heimat; 18.35 Kleines Konzert am Samstagabend; 20.00 Meister der gesammelten Werke; 20.45 Deutsche Funkausstellung 1950: Sinfoniekonzert; 23.00 Tanzmelodien; 23.50 Hinein in den Sonntag.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 14.30 Frohes Wochenend; 15.15: Opernmelodien; 16.00 Funkausstellung Düsseldorf; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 „Wie es da schrie, das arme Vieh...“; 22.45 Der SWF bittet zum Tanz; 1.00 „Auf schwarz und weiß.“
Wirtschaftsblatt
Wir halten den Rekord
Rr. Von französischer Seite ist wiederholt behauptet worden, die Steuerbelastung der französischen Bevölkerung sei heute wesentlich größer als die der deutschen. Eine französische Berechnung behauptet sogar, der Anteil der Steuereinnahmen am Volkseinkommen betrage in Deutschland nur 21 Prozent gegenüber 33 Prozent in Frankreich. Weiter wird gesagt, in D-Mark umgerechnet ergebe sich in Frankreich eine Steuerbelastung pro Kopf der Bevölkerung von 700 DM im Jahr gegen nur 360 DM in Deutschland.
Nach dieser Darstellung wäre also der französische Steuerzahler in einer noch bedauernswerteren Lage als der deutsche. Zum Glück aller Franzosen aber sind diese Vergleichszahlen, bei denen alle näheren Angaben über ihre Errechnung fehlen, unrichtig. Das Bonner Institut „Finanzen und Steuern“ kommt in einer auf amtlichen Unterlagen beruhenden Analyse zu dem Ergebnis, daß trotz der Einkommensteuersenkung ab 1. Januar im Bundesgebiet und trotz der Steuererhöhung in Frankreich im laufenden, Jahr die Belastung in Deutschland fast 40 Prozent, in Frankreich aber nur rund 35 Prozent erreicht. Dazu kommt weiter, daß die Belastung in Deutschland wesentlich schwerer wiegt, denn hier ist die Zahl der Steuerzahler relativ erheblich kleiner als in Frankreich. Dort kennt man kein Flüchtlingsproblem und kaum Arbeitslosigkeit, während bei uns Millionen mittelloser und nicht arbeitsfähiger Heimatvertriebener, Heimkehrer, Kriegsbeschädigter und Arbeitsloser als Steuerzahler ausfallen. Aus diesem Grunde ergibt auch ein Pro - Kopf - Vergleich ein völlig schiefes Bild, das in keiner Weise der tatsächlichen Belastung des deutschen Steuerzahlers gerecht wird.
Wir kennen nicht die Gründe, warum uns Frankreich den zweifelhaften Ruhm, das höchstbesteuerte Land der Welt zu sein, streitig machen will. Wahrscheinlich aber sind gewisse französische Kreise an einer derartigen falschen Darstellung aus besonderen Gründen interessiert, sei es, um die hohen deutschen Besatzungskosten zu rechtfertigen oder aber um die französische Außenhandelspolitik in protektionistischer Richtung zu beeinflussen oder um Preissteigerungen in Frankreich zu begründen. Auf jeden Fall würden wir gerne auf den Weltrekord im Steuerzahlen verzichten und uns mit einem Rangplatz weiter hinten begnügen. Es besteht indessen wenig Aussicht, daß wir die Bürde dieses Rekords in absehbarer Zeit loswerden. Auch Frankreich wird uns sobald nicht einholen oder gar überholen.
Rundfunk -Industrie braucht Export
hd. Am Vorabend der Eröffnung der Deutschen Funkausstellung 1950 in Düsseldorf machte Dr. Hensel (Stuttgart) von der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkwirtschaft in Düsseldorf interessante Ausführungen über die Neuheiten auf der Düsseldorfer Funkausstellung. Für die Rundfunkindustrie sei in den letzten eineinhalb Jahren ein völlig neues-Gebiet, die Ultrakurzwelle, erobert worden. Auf der Düsseldorfer Funkausstellung werde die Rundfunkindustrie zahlreiche einwandfreie Lösungen des Ultrakurzwellen-Empfangs der Oeffentlichkeit vorstellen. Die Vorsatzgeräte, die von zahlreichen Firmen ausgestellt werder., kosten zwischen 20 und 60 bis 90 DM. Außerdem würden Empfangsgeräte mit eingebauter Ultrakurzwclle ausgestellt.
Die Preise für Rundfunkgeräte allgemein liegen bei vielen Geräten zum Teil noch unter d-m Vorkriegsstand. Ein Standardsupergerät mit sechs Kreisen und vier Röhren, das 1948 noch 475 DM kostete, wird heute für etwa 190 bis 200 DM angeboten gegen 225 im Jahre 1938.
Anschließend sprach unter anderem Staatssekretär a. D. Dr. Bredow, der sagte, es sei heute eine bange Frage, ob in Anbetracht der geringen Kaufkraft für 100 westdeutsche Gerätefirmen dauernd ein genügender Absatz vorhanden sei. Man müsse deshalb ernstlich an eine Steigerung des Exportes denken. Die Aussichten hierfür beurteilte Dr. Bredow jedoch nicht so günstig, wie der Vertreter der Rundfr ikwirtschaft.
Während früher eine rein nationale Funkwirtsckaft bestand i habe, sei sie jetzt international durchsetzt, ja nahezu überfremdet. Dadurch würden die Exportmöglichkeiten erheblich beschränkt. Denn die Auslandsfirmen im deutschen Mantel hätten kein Interesse am Export oder sie seien sogar vertraglich daran gehindert.
Nicht alle Aussteller sind zufrieden
HR. Dor Leiter des deutschen Ausstellungs-Komitees auf der Chikagoer Handelsmesse, Krause, teilte mit, daß die deutschen Firmen bisher Aufträge für über 3,4 Millionen Dollar erhalten haben. Die Unzufriedenheit einiger Aussteller mit dem bisherigen Ergebnis habe ihren Grund in zahlreicher ungenügender Käuferwerbung durch die Messeleitung. Die deutschen Firmen sollten daher ihre Einkaufsorganisationen in den Vereinigten Staaten unter Hinzuziehung amerikanischer Vertreter weiter ausbauen.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse bestand an allen Märkten am Donnerstag eine verstärkte Abgabeneigung seitens des Publikums vor allem für Montanwerte. Es wurden zwar keine besonderen Gründe für diese Entwicklung genannt, doch handelt es sich höchstwahrscheinlich zum großen Teil um Geldbeschaffungsverkäufe.
Frankfurter Getreideböõrse
Bz. Weizenmehl der verschiedenen Typen Ist immer noch stark gesucht. Roggenmehl steht ausreichend zum Verkauf. Für Braugerste zeigt sich wenig Aufnahmebereitschaft. Je nach Qualität bewegen sich die Notierungen zwischen 32,00 und 33,50 DM ab Station ohne Sack. Wintergerste bleibt bei 28,00 bis 28,50 DM ohne wesentliches Angebot. Hafer liegt qualitätsmäßig recht unterschiedlich. Preise zwischen 25,00 und 26,00 DM ab Station. Für Raps fehlt jegliches Angebot. Weiter feste Haltung zeigen Futtermittel. Für Weizenkleie nach Type 1050 fordern die Mühlen 14,00 bis 14,50 DM einschließlich Sack ab Mühle. Ausreichend offeriert wird dagegen Roggenkleie. Der Preis bewegt sich um 12,00 DM. Weizenfuttermehl ab Großmühle 15,50 bis 16,00 DM, für Weizennachmehl schwanken die Notierungen zwischen 22,00 und 24,00 DM. Biertreber stellen sich auf ungefähr 20,50 bis 21,00 DM, Malzkeime auf 20,00 bis 21,00 DM. Stark gesucht bleibt nach wie vor Fischmehl. Deutsches Fischmehl bedingt bis 58,00 DM, deutsches Dorschmehl sogar 63,00 DM, beides einschl. Sack ab Nordseestation.
Die Export - Konjunktur
-el. Der Außenhandel der westdeutschen Bundesrepublik weist für das zweite Vierteljahr mit einer Fertigwarenausfuhr von fast 1150 Millionen DM wiederum eine erhebliche Zunahme auf. Die steigenden Ziffern sind Ausdruck für die sich unter schwierigen Bedingungen anbahnende Wieder Verflechtung Westdeutschlands mit der Weltwirtschaft. Der deutsche Export beginnt, sich den veränderten Verhältnissen auf dem Weltmarkt anzupassen und den scharfen internationalen Wettbewerb mit allerdings noch bescheidenen Erfolgen entgegenzutreten.
Die Lage auf dem Weltmarkt bleibt weiterhin den Ausfuhrinteressen Westdeutschlands günstig. Durch den Korea-Konflikt zeichneten sich tiefgreifende Veränderungen im zwischenstaatlichen Warenaustausch ab. Das amerikanische Rüstungsprogramm von über zehn Milliarden Dollar und in Zusammenhang damit die Rüstungsbemühungen anderer Mächte, vor allem Englands, schaffen für die nationalen Industrien einen erheblichen zusätzlichen Bedarf, den die amerikanische Wirtschaft nicht zu befriedigen vermag, ohne auf dem zivilen Sektor und nicht zuletzt für die Warenausfuhr, die Erzeugung einschränken zu müssen. Ungewollt kann auch die deutsche Exportwirtschaft, ohne selbst direkt an dieser Aufrüstung beteiligt zu sein, aus dieser „Export- Konjunktur“ Nutzen ziehen, wenn es ihr gelingt, die im internationalen Angebot auf¬ 'tretenden Lücken schließen zu helfen. Die Inanspruchnahme der aufrüstenden Industrieländer wird, die Anzeichen dafür sind bereits vorhanden, die Konkurrenz auf den Weltmärkten mildern und besonders den Ländern mit überwiegender Fertigwarenausfuhr neue Absatzmärkte erschließen, sofern sie bei preiswürdigen Angeboten und kurzen Lieferfristen den Nachholbedarf vieler anderer Länder befriedigen können.
In einer durch die großen Strukturwandlungen der Zeit gewandelten Form erleben wir heute wieder eine ähnliche Entwicklung wie in den Jahren nach dem ersten Weltkriege, wo der deutsche Export, auch unter dem Druck der auszugleichenden Zahlungsbilanz, nach der Zwangspause von mehreren Jahren und der dadurch geförderten Industrialisierung in anderen Ländern sich neue Märkte erschließen und alte zurückgewinnen mußte. Hierzu scheinen die Aussichten — leider im Zeichen scharfer weltpolitischer Spannungen — in der nächsten Zukunft nicht ungünstig zu sein. Die Furcht vor Verknappung und das Bestreben, ausreichende Vorräte anzulegen, haben auf den Weltrohstoffmärkten zu anhaltenden Preissteigerungen geführt. Das bedeutet allerdings für die weiterverarbeitenden Industrien veränderte Kosten, die die eigene Produktion verteuern und damit auch die Ausfuhrpreise erhöhen dürften.
Das ist bitter, besonders auch für die Kostenlage im innerwirtschaftlichen Bedarf. Was den Export betrifft, so sind hiervon schließlich alle Ausfuhrländer mehr oder weniger betroffen. Andererseits ziehen jedoch die Länder, die vornehmlich Rohstoffe ausHihren, einen Vorteil aus den festen Märkten, der auch ihre Kaufkraft als internationale Kunden entsprechend steigert. Hier bieten sich für Westdeutschland Möglichkeiten, die mit früheren Abnehmern zerrissenen oder locker gewordenen Verbindungen erneut fester zu knüpfen, namentlich in den südamerikanischen Staaten, die bisher von Westdeutschland infolge der scharfen Konkurrenz nicht so stark beliefert werden konnten. Die Vereinigten Staaten werden angesichts der vordringlichen Rüstungsproduktion ihre Auslandslieferungen in bestimmten Gebieten des zivilen Bedarfs einschränken müssen und auch in anderen Ländern, die ihre Aufrüstung beschleunigen,. wird es ohne gewisse Beeinträchtigung des Exports nicht gehen.
Die Wirkungen dieser Export-Konjunktur zeichnen sich bereits in einer Belebung der Auslandsaufträge sowie auch auf dem Arbeitsmarkt ab. Allerdings bleibt äußerste Kalkulation nach wie vor Pflicht und Zwang des Exporteurs, wenn diese Chance nicht als vorübergehende Gelegenheit mitgenommen werden soll, sondern dazu benutzt wird, dauerhafte Verbindungen zu erzielen, die auf lange Sicht den deutschen Außenhandel wieder auf gesunde Grundlagen stellen und ihn allmählich der Auslandshilfe entwöhnen werden
Noch immer stehen diesen Bestrebungen die von den Alliierten gedrosselte Stchlquote und die Beschränkung im Kohlenbergbau entgegen. Es wäre an der Zeit, aus den Erkenntnissen der letzten Monate die notwendigen Folgerungen zu ziehen und diese unzeitgemäßen Fesseln im Zeichen der europäischen Sch’-ksalsgemeinschaft zu beseitigen.
Italienisches Dumping für Obst und Gemüse?
vwd. Wegen des Zusammenbruchs der deutschen Obstpreise wird die gemischte deutsch-italienische Handelsdelegation am 19. August in München über die Anwendung der Katastrophenklausel des deutsch-italienischen Handelsvertrages beraten. Der Präsident des badischen landwirtschaftlichen Hauptverbandes, Emil Klaus, wandte sich in Freiburg nachdrücklich gegen das „zur Zeit von Italien betriebene Dumping in der Obst- und Gemüseeinfuhr“. Eine Apfelsine koste in Italien zum Beispiel das dreifache des in Westdeutschland geforderten Preises. Man hoffe, die italienischen Verhandlungspartner zu einer Drosselung der Obst- und Gemüseeinfuhr nach Westdeutschland auf die Hälfte oder auf ein Drittel zu bewegen.
Eigene Autoversicherung
b. Die vorbereitete Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums zur abermaligen Erhöhung der Prämiensätze in der Haftpflicht- und Kaskoversicherung für Kraftfahrzeuge hat eine stürmische Reaktion im Kraftverkehrsgewerbe ausgelöst, das fest entschlossen ist, die Einführung der teilweise bis zu 80 Prozent erhöhten Prämiensätze zu verhindern.
Das Verkehrsgewerbe hat in der vergangenen Woche auf einer Tagung in Bremen erstmalig zu verstehen gegeben, daß es gewillt ist, sich eine eigene Versicherungsorganisation auf genossenschaftlicher Basis nufzubauen. Die Zentralarbeitsgemeinschaft des Güterfernverkehrs geht hierbei davon aus, daß die jetzigen Privatversicherungen mit einem Unkostensatz von 40 Prozent arbeiten. Eine eigene Versicherungsgenossenschaft des Fernverkehrs, die sich eng an die ebenfalls zu gründende Bundesanstalt für den Güterfernverkehr anlehnen würde, käme nach Ansicht des Verbandes mit einem allgemeinen Unkostensatz von 10 Prozent aus.
Brasilien-Vertrag unterzeichnet
AP. Ein Handelsvertrag zwischen der Bundesrepublik und Brasilien ist am Donnerstag in Bad Neuenahr unterzeichnet worden. Der Vertrag sieht einen Warenaustausch im Gesamtwert von 230 Millionen Dollar vor. Brasilien wird in erster Linie Kaffee, Baumwolle, Häute und Felle nach Deutschland liefern und dafür Erzeugnisse der Eisen- und Stahlindustrie sowie Chemikalien und Pharmazeutika einführen. Eine gemischte Kommission soll bei etwaigen Stockungen des Waren- und Zahlungsverkehrs zusammentreten. Ferner haben sich beide Parteien gegenseitig eine Meistbegünsti-. gung für Zölle zugestanden.
Lohnverhandlungen im Baugewerbe
F.A.Z. Auf Grund der Kündigung der Lohntarifverträge im Baugewerbe durch die Gewerkschaft Bau, Steine und Erden zum 31. Juli 1950 traten die Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände in Königswinter zu neuen Lohnverhandlungen zusammen. Eine Einigung wurde hierbei noch nicht erzielt.
Kredite für Jugoslawilen
-k- Die seit längerer Zeit bereits laufenden Verhandlungen über eine Kredithilfe zugunsten der Ausfuhr westdeutscher Erzeugnisse nach Jugoslawien dürften, wie heute bekannt wird, in Kürze abgeschlossen werden. Zwischen den beteiligten Stellen wurde eine Einigung über die technischen Einzelheiten erreicht. Offenbar bestehen aber noch Bedenken im Bundesfinanzministerium, die Risiken durch eine Bundesbürgschaft abzudecken. Als Kreditlimit wurden 65 Millionen OM genannt, doch liegt die Höhe des Betrages noch nicht endgültig fest. Von den Erzeugnissen, die in diesem Rahmen an Jugoslawien geliefert werden sollen, ist noch keine Warenliste aufgestellt worden. Das Abkommen muß von der Oberkommission genehmigt werden.
Feuilleton
Der musikalische Fortschritt
VON ERNST KRENEKWenn ein Komponist seinen Stil ändert, stiftet er gewöhnlich Verwirrung unter seinen Zeitgenossen. Er scheint schlecht abzuschneiden im Vergleich mit den großen Meistem der Vergangenheit, deren Werk uns als wohlgerundete, logisch organisierte Einheit sich darstellt. Wir sind geneigt, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Phasen, durch die jene Komponisten durchgingen, zu bagatellisieren, weil die zeitliche Distanz sie vernachlässiigenswert erscheinen läßt, und weil die Einheit einer Persönlichkeit, die sich in der Geschichte erfüllt hat, ihren Stempel sogar widerspruchsvollen Aeußerungen einer solchen Persönlichkeit kräftig aufdrückt. Wir merken den Unterschied zwischen Mozarts frühen kleinen Symphonien und den sechs Streichquartetten, die er Joseph Haydn widmete, und schreiben ihn ohne weiteres dem natürlichen Wachstum des Komponisten zu, dessen Identität stärker ist als der Kontrast. Zeitgenössische Beobachter waren anderer Meinung. Sie fanden, daß Mozart seinen Stil radikal geändert hatte, und die meisten von ihnen äußerten Bedenken gegen eine solche Entwicklung. Jedoch in diesen Fällen gingen die Veränderungen innerhalb desselben tonsprachlichen Bereichs vor sich. Vokabular und Syntax sind dieselben in Mozarts frühen und späten Werken. In diesen ist das Vokabular bereichert durch Elemente, die in jenen selten oder gar nicht benützt worden waren, die Syntax ist komplizierter geworden, aber das Bezugssystem ist das gleiche.
Durch die ganze Geschichte der Musik bis zum heutigen Tag haben sich die Wandlungen im Stil des Komponisten stets in der Richtung von einfachen und traditionellen Formen zu komplizierteren und neuartigen Ausdrucksweisen abgespielt. Zeitgenössische Beobachter haben diese Veränderungen gewöhnlich als Zeichen verfallender Schaffenskraft gewertet und den Komponisten vorgeworfen, daß sie über den Verfall durch Sensationslust oder intellektuelle Spekulation hinwegtäuschen wollten. Aus historischer Entfernung stellen sich diese Veränderungen als Fortschritte dar.
Der Begriff des Fortschritts kann in der Kunstgeschichte nur angewendet werden, wenn man ihm einen anderen Inhalt gibt als im Bereich materieller Errungenschaften. Während es keinem Zweifel unterliegt, daß Eisenbahnen heute besser sind als vor 100 Jahren, da man das an ihrer Leistungsfähigkeit und Zweckmäßigkeit genau ermessen kann, wird kein vernünftiger Mensch behaupten, daß die Symphonie von Mozart zu Mahler ähnliche Fortschritte gemacht hat. Das vollkommene Kunstwerk kann niemals durch spätere Leistungen überholt werden, weil seine Vollkommenheit nur in seinem eigenen Bezugssystem gemessen werden kann.
Da jedoch die Entwicklungszüge beim individuellen Künstler, wie such in größeren Stilbereichen,, gewöhnlich vom Einfacheren zum Komplizierteren führen, sind wir geneigt anzunehmen, daß das Kompliziertere einen Fortschritt gegenüber dem Einfachen bedeutet. In der Geschichte der Musik gibt es nur wenig Brüche dieser Regel. Der erste Bruch fand statt, als die feine und geistreiche melodische Kunst des Gregorianischen Gesanges abgelöst wurde von den unbeholfenen Experimenten der frühen Polyphonie. Ein neuer Gipfel der Kompliziertheit waren die erstaunlichen kontrapunktischen Verwicklungen des fünfzehnten Jahrhunderts. Palestrinas Stil ist ein bemerkenswertes Phänomen, indem er die typische Dialektik des Fortschrittbegriffs in der Kunstgeschichte dartut. Vom Standpunkt seiner eigenen Zeit gesehen, zeigt Palestrinas Kunst nicht eigentlich eine Zunahme an Kompliziertheit, da sie die phantastischen Gestalten der gotischen Polyphonie einer strengen Vereinfachung unterwirft. Jedoch im Lichte der späteren Entwicklung erscheint Palestrina doch als fortschrittlicher Komponist, da seine Disziplin in kristallklarer Methode die Richtlinien für künftige Evolution der neuen, tonalen Tonsprache abgaben. Unter diesen Brüchen in der historischen Kontinuität ist der Sprung von Bachs ehrfurchtgebietender polyphonischer Konstruktion zu dem kindlichen Primitivismus des galanten
Stils am weitesten bekannt. Fortschritt, gerichtet auf zunehmende Kompliziertheit, setzte ein, als Mozart Bach entdeckte und den langen Prozeß eröffnete, in welchem Sonate und Fuge eins wurden. Dieser Prozeß wurde energisch vorwärtsgetrieben vom späten Beethoven und führte schließlich zu Schönberg.
Der Ausdruck „Kompliziertheit“ wurde in dieser Diskussion hauptsächlich benützt, um strukturelle Komplikationen in der Polyphonie zu beschreiben, jedoch ebensowohl rhythmische Verfeinerungen und reiches Vokabular. In allen diesen Punkten rangiert Atonalität, wie sie von Schönberg inauguriert wunde, unter den kompliziertesten Phänomenen in der Musikgeschichte. Im Hinblick auf analoge historische Situationen werden wir kaum überrascht sein, daß heute wiederum eine Tendenz zur Einfachheit vorwaltet. Seit ungefähr 20 Jahren ist Musik durch eine Periode der Reaktion gegen die Komplikation der Atonalität und Zwölftontechnik hindurchgegangen. Diese Reaktion zeichnet sich gegenüber ähnlichen Prozessen in der Vergangenheit vor allem dadurch aus, daß diesmal nicht eine neue Generation von' Komponisten einen neuen, einfachen Stil eingeführt hat, sondern daß fast alle führenden Komponisten kompliziert anfingen und einfach wurden. Bartök, Hindemith, Milhaud, Strawinsky mögen als Beispiele dienen. Meines Wissens war Weber der einzige, der niemals versucht war, von einem sehr komplexen Stil abzu weichen.
Die neue Einfachheit unterscheidet sich von ähnlichen Bewegungen in der Vergangenheit auch dadurch, daß sie nicht beschränkt ist auf eine Vereinfachung der Struktur, sondern zurückgreift auf einen älteren Stil.der Tonsprache, in dem sie die Tonalität wiederher stellt. Die nachbachische Primitivität kann nicht zum Vergleich herangezogen werden, weil damals die Tonsprache sich nicht änderte. Sie war vorher wie nachher tonal. Ein hypothetisch ähnlicher Fall wäre es gewesen, wenn die Komponisten des 17. Jahrhunderts, von Monteverdis Neuerungen in Verwirrung gesetzt, zum modalen Stil Palestrinas zurückgekehrt wären. Es ist gerade dieses Streben nach der Wiedererweckung vergangener Zustände, das der neuen Einfachheit einen fatalen Beigeschmack von Reaktion verleiht.
Diese Analyse der zeitgenössischen Situation ist das Resultat langer Meditationen, die meine Arbeit in der Zwölftontechnik begleitet haben. Da ich zu einer jüngeren Generation als Schönberg und seine unmittelbaren Anhänger gehöre, wird es mir nicht schwer, zu verstehen, daß der komplizierte atonale Stil neuen Ausdrucksweisen weichen wird, und daß die Musik einen neuen Anfang mit weniger komplizierten Elementen machen mag: Idi glaube jedoch, daß ein solcher neuer Anfang der Atonalität und Zwölftontechnik wird Rechnung tragen müssen. Schönberg kann mit Bach verglichen werden, indem beide einen langen Entwicklungsprozeß zu Ende geführt haben. Bach hat die alte polyphonische Tradition mit Tonalität zur Deckung gebracht, und Schönberg hat die In-edns-Setzung von Fuge und Sonate vollendet. Jedoch durch eben diese Aktion hat Schönberg gleichzeitig die musikalische Tonsprache entscheidend verändert und Atonalität geschaffen, was Bach nicht tat. Hätte Bach eine neue Tonsprache ins «•Leben gerufen, könnten wir sicher sein, daß die Mannheimer Schule davon Kenntnis genommen hätte, und Genies wie Haydn und Mozart hätten sie zweifellos benützt.
Wenn ich meinen eigenen Werdegang als Komponist überblicke, beobachte ich, daß er nicht parallel zu dem der Majorität meiner Zeitgenossen verläuft. Meine Reaktion gegen die Kompliziertheit des atonalen Stils setzte früher ein und war gründlicher als in den meisten anderen Fällen, dafür war sie aber nur vorübergehend. Als ich auf meinen romantischen Pfad abschwenkte, war ich ganz und gar reaktionär, während andere Komponisten meiner Meinung nach versuchen, allmählich zu minderen Formen von Atonalität zurückzukehren, und schließlich sich in einem Stil niederlassen, der im Wesentlichen tonal ist, jedoch einige Elemente der Atonalität als interessante Würze beibehält. Meine romantische Periode hingegen war beherrscht von der Theorie, daß es möglich sein müsse, den originalen unverstellten Sinn« des alten Vokabulars durch ein frisches Urerlebnis wiederzugewinnen. Diese neue, unvoreingenommene Haltung sollte jene Verbrauchtheit des Materials aufheben, die, flach der atonalen Lehre, die Suche nach neuem Material notwendig machte. Es läßt' sich wohl sagen, daß das eine reichlich kompromißlose Theorie war, nicht leicht zu verstehen zu einer Zeit, da die allgemeine Tendenz zur Einfachheit noch nicht die Oberhand gewonnen hatte.
Sobald das geschah, bewegte ich mich schon in der entgegengesetzten Richtung, wiederum gegen den Strom schwimmend. Anders als die Komponisten einer etwas älteren Generation hatte ich meine reaktionäre Periode schon hinter mir, als ich bewußt und gewissenhaft mich den Komplikationen der Zwölftontechnik annäherte. Aus diesem Grunde hoffe ich, daß ich der falschen Simplizität, die meiner Ansicht nach den größten Teil der zeitgenössischen Musik kennzeichnet, nicht zum Opfer fallen werde. Wenn es mir gelingt, einen weniger komplizierten Stil zu gestalten, so wird er echt sein — das hoffe ich —, da er durch meine Erfahrung der letzten fünfzehn Jahre gereift sein wird. *
Die vorstehenden Zeilen sind dem Schlußkapitel meiner im Jahre 1946 geschriebenen „Selbstdarstellung“ entnommen. (Herausgegeben vom Atlantisverlag, Freiburg/Breisgau. Die Red.) Heute, vier Jahre später, will ich hinzufügen, daß die etwas genauere Kenntnis, die ich mir von den Bestrebungen der jüngsten Komponistengeneration verschafft habe, Anlaß zur Hoffnung gibt, daß wir die oben erwähnte „falsche Simplizität“ nicht länger als ernste Gefahr anzusehen brauchen. Das außerordentliche Interesse, dessen sich die Zwölftontechnik gerade in dieser Gruppe und besonders in Europa erfreut, ist ein Beweis dafür, daß die jungen Komponisten nicht darauf aus sind, die Linie des geringsten Widerstandes zu suchen. Gewiß gibt es solche, die sich dieser Methode des Komponierens zuwenden, weil sie ihnen die Sicherheit von erlernbaren Regeln darzubieten scheint. Diese Kompositionsbeflissenen sind zur Mittelmäßigkeit ausersehen, und sie würden sich nicht zu Genies entwickeln, auch wenn sie sich mit der Zwölftontechnik nicht befassen, würden. Vergessen wir nicht, daß auch Beethoven und Wagner und selbst Schönberg und Strawinsky nach Regeln studiert haben, die darum nicht schlechter sind, weil sie auch von Hunderttausenden von Pfuschern erlernt wurden, die glaubten, dadurch zu Künstlern zu avancieren. Und was unseren Nachwuchs betrifft, so stehen heute neben der Zwölftontechnik andere „Systeme“ zur Verfügung, die leichter zu meistern sind und durch ihre Traditionsverbundenheit eingänglichere Resultate zu versprechen scheinen. Es ist erfreulich, zu sehen, daß das schwerere und „fortschrittlichere“ Handwerkszeug unter den jungen Menschen größeren Anklang findet.
Seiner Gefahr werden sie zu entgehen haben und das ist, daß die Methode zu einem Dogma erhoben wird. Man kann nicht oft genug betonen, daß die Zwölftontechnfik eine Anweisung ist, nach welcher man mit einem bestimmten musikalischen Material bestimmte Resultate erreichen kann. So wie die Zielsetzungen sich wandeln, so verändert sich das Material und demgemäß auch die Methoden. Die junge Generation scheint jedoch begriffen zu haben, daß ein erfolgreiches Vordringen zu noch unbekannten neuen Zielsetzungen gründliche, aktive Erfahrung mit der bisher fortschrittlichsten Erfahrungsweise erfordert und durch Ausweichen und Rückfall in bequemere Traditionen nicht gefördert werden kann. Ich freue mich, daß meine Beobachtungen am Kranichsteiner Musikinstitut mir mehr als genug Gelegenheit zu diesen Schlußfolgerungen geben.
Ernst Krenek Foto: Hilde Roth
Musikleben in Aegypten
EIN VORTRAG VON BRIGITTE SCHIFFER, KAIRO
In einem Einzelvortrag sprach anläßlich der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Brigitte Schiffer über,ihre langjährige Tätigkeit als Leiterin der Musikerziehung an den Lehrerbildungsinstituten in Aegypten.
Das Problem des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage von Musik ist in Aegypten insofern besonders gelagert, als zunächst einmal die Nachfrage, d. h. das Publikum, geschaffen werden muß. Verschiedene Nationalitäten, verschiedenes kulturelles Niveau, Unterschiede in der religiösen, weltanschaulichen Haltung erschweren diese Bestrebungen ungemein.
Vor dem Kriege war das ägyptische Kulturleben französisch bestimmt. Dies änderte sich während des Krieges durch das Eindringen des angelsächsischen Kulturkreises.
Speziell auf musikalischem Gebiet jexistiert ein ägyptisches, eingeborenes Publikum praktisch nicht. Die Eigenart der nahorientalischen (mittelmeerischen) Musik liegt in ihrer Heterophonie. Geschriebene Musik existiert kaum, was aufgeschrieben ist, bleibt Skelett, etwas Totes, das erst lebendig wird durch die Ausführung des Künstlers, durch seine „Verzierungen“, die er einsetzt. Diese Verzierungen aber sind nicht willkürlich, sondern sind entsprechend der Gelegenheit des Vortrags streng festgelegt. Orientalische Musik ist — im Gegensatz zur modernen europäischen — nicht zum Ergötzen, für den Konzertsaal bestimmt, sondern an alte Riten gebunden. Nicht wegen der Verschiedenheit der Intervalle, sondern wegen der Verschiedenheit der Weltanschauungen vermag daher die abendländische Musik nur schwer ins Morgenland vorzudringen. Interessant war der kurze Einblick in die Ausbildungsspraxis. Am Institut für orientalische Musik geben die großen Künstler Unterricht. Der Lehrer spielt vor, die Schüler spielen nach. Noten gibt es nicht. Das Institut für Orchestermusik und Theater bildet zwar Künstler aus, hat aber kein Vorbild, keine Tradition. In den Instituten für Lehrerbildung schließlich werden auf Kosten des Staates die künftigen Lehrer neben anderen Fächern auch in der Musik ausgebildet.
Groß sei die Aufgabe der zu Gastkonzerten nach Aegypten kommenden abendländischen Künstler und Orchester, die mit einer geschickten Programmgestaltung eine Missionsarbeit zu erfüllen hätten. Im Anschluß an den Vor trag Brigitte Schiffers, der von einem in Theorie und Praxis fundierten Wissen, der Begeisterung für die große Aufgabe und einem feinen Hui—or getragen wurde, entwickelte sich eine Diskussion, an der sich die als Zuhörer anwesenden Dozenten und Studierenden gleichermaßen beteiligten. Hn.
Im Banne Bela Bartks
HERVORRAGENDE AUFFÜHRUNG SEINER STREICHQUARTETTE DURCH DAS VEGH-QUARTETT
Der Erfolg von Bartoks Kompositionen liegt in einer Wahrheit, die Zoltan de Kodaly wie folgt erklärt: „Um international zu werden, muß man national sein, und um national zu sein, muß man vor allen Dingen selbst im Volk stehen. Bartök schöpft in erster Linie aus dem Wesen der Volksmusik. Volksmusik ist für ihn die befruchtende Kraft, sie ist ein zeitlos wirkendes Prinzip der Musikgeschichte.
Wenn eine Stilentwicklung in der Kunstmusik zu Ende geht, wird der Einfluß der Volksmusik besonders deutlich sichtbar. Aber nicht aus der Melodik des Volksliedes allein, sondern in erster Linie aus den Urkräften des Volkstums wird die Musik neu geschaffen. Rhythmik, Melodik und Klang durchpulsen diese Musik. Wenn wir andere Epochen überschauen, wo Volksmusik in erster Linie überwiegt, so zeigen sie ein Merkmal nationaler Einstellung. Bei Bartök aber werden die Elemente der Volksmusik international. Es ist dadurch zu erklären, daß die Einflüsse der Volksmusik nicht nur vom Melodischen her kommen, sondern weil auch die Rhythmik in sehr starkem Maße beteiligt ist. Die rhythmischen Kräfte überschneiden die Melodik immer von neuem, Bartoks Musik gewinnt eine immense Spannung, weil die Gesetze einer inneren Kraft in die Musik übertragen werden. Rhythmus und immer wieder Rhythmus. Bei dieser dionysischen Klangfülle ist es das blutvolle Leben, das uns anspricht. Die zyklische Aufführung der sechs Streichquartette von Bela Bartök gaben, einen interessanten Querschnitt über die Arbeit in den vier Schaffensperioden des ungarischen Meisters. Beethovens späte Werke waren ein Vorbild für ihn. Bartoks Quartette sind eine gesetzmäßige Fortführung beethovenschen Geistes.
Schon das erste Streichquartett (1908) zeigt eine äußerst klangliche Kühnheit. Das noch in der Spätromantik verankerte Quartett hat eine Vorliebe für ausdrucksgeladene Spannung. In dem langsamen Thema, das dieses Werk eröffnet, setzen sich Themen und Wiederholungen aufeinander, und zwar wird zum erstenmal in dieser Form durch diesen großen Meister das Problem der totalen Chromatik und der Aesthetik der zwölf Töne behandelt, von denen heute so viel gesprochen wird.
Das zweite Streichquartett (1915/17) bietet dem Hörer nicht allein eine Ungewohntheit durch all seine metrischen und harmonischen Spannungen, in brüsken Veränderungen der Tempi und in all seinen thematischen Verschiedenheiten, die dem sonstigen Stil Bartöks entgegengesetzt wirken müssen, sondern nötigt dem Hörer ein Nachdenken ab durch seine originelle homogene Form. Man findet hier ein Werk, das den Gesetzen einer kompakten Psyche gehorcht. Spannung und Lösung stehen nebeneinander. Im Mittelsatz erleben wir noch das Eindringen folkloristischer Elemente.
In dem dritten Streichquartett (1927) hat Bartök die begrenzten Möglichkeiten seines musikalischen Materials niedergelegt. In gewissen Augenblicken verlieren wir den Zusammenhang, erleben neue Gedanken und finden hier den Uebergang zum Expressionismus.
Das vierte Streichquartett (1928) zeigt eine Komposition, deren architektonischer Aufbau sowie deren darin angewandte Intelligenz ganz aus dem Vorbild Beethovens entspringt-. Serge Moreux sagte zu diesem Quartett: „Bartök ist kein Revolutionär, sondern ein Evolutionär.“
Das fünfte Streichquartett (1934) überrascht - durch seinen gelösten Charakter. Die Chromatik des vierten ist darin vervollkommnet, der wilde Tanz des Allegro wird zu einem anmutigen Spiel. Die Pathetik ist erfüllt von Lyrik, die Töne sind absteigend. Diese Loslösung ist ein Beweis für Bartöks Meisterschaft. Zu diesem fünften Streichquartett bemerkt Bartök: „Hier habe ich meinen persönlichen Stil gefunden!“
Das in der vierten Schaffensperiode entstandene sechste Streichquartett (1936) Bartöks zeigt wiederum starke Anklänge an Beethoven.
Die Wiedergabe der sechs Streichquartette durch das Vegh-Quartett, Paris, am Dienstag und Donnerstag in der Stadthalle war wohl die vollkommenste, die man sich denken kann. Eine phänomenale Technik, eine unglaubliche Fülle von Farben und Schattierungen, im Klang differenziert, ausgeglichen, ein makelloses Zusammenspiel und eine völlig entmaterialisierte Interpretation zeichnen dieses Quartett aus. Die vier ungarischen Künstler, Sandor Vegh, Georg Janzer, Sandor Zöldy und Paul Szabo, sind d i e Bartökexperten, die durch ihre einzigartige Interpretation niemanden über sich zu dulden brauchen. Der enthusiastische Beifall des Publikums an beiden Abenden galt der triumphalen Größe Bartöks und der einzigartigen Leistung der Künstler, -ch
Die dirigentische Realisation Neuer Musik
PROF. SCHERCHEN SPRACH IN DER AULA DER TECHNISCHEN HOCHSCHULE
Am Mittwochabend sprach Prof. Dr. Hermann Scherchen, Zürich, vor zahlreichen Gästen in der Aula der Technischen Hochschule im Rahmen der öffentlichen Veranstaltungen der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik über „Die dirigentische Realisation Neuer Musik“.
Während Tschaikowsky die Reproduktion musikalischer Werke akzeptiert habe, da er sich im Schaffen stärker fühlte, als die Mängel einer unsachgemäßen Interpretation Gefahr bedeutet haben würden, lehnte Strawinsky diese Form des Klangwerdens ab. An Stelle der Reproduktion mit allen ihren Fehlern und Schwächen habe heute die musikalische Realisation voranzugehen. Eine unglückliche Entwicklung habe es mit sich gebracht, daß das gedruckte vom tönenden Dokument sich zu sehr unterscheide. Daher könne es vorkommen, daß verschiedene Dirigenten unterschiedliche Reproduktionen des gleichen Stükkes zur Wiedergabe brächten, die mit dem geistigen Gehalt und der idealen Vorstellung ihres Komponisten vom charaktereigenen Wesen nichts mehr gemein hätten.
Zwei Typen des Interpreten seien zu unterscheiden: der Solist, der das Detail und das Ganze gleichmäßig schaffe, der eine musikalische Einheit zum Klingen bringe, und der Dirigent schlechthin, der gar nichts Eigenes schaffe, sondern lediglich die Einzelglieder des Orchesters „gewähren“ ließe. Die Neue Musik erhebe die Forderung, das Ohr zu interessieren. Der Rhythmus müsse eindeutig erkennbar sein, die sauberen Details vieler Stimmerzeuger müßten das Werk zu einem Klangganzen durch mühelose Formulierung der Klangvokale formen.
Der Maßstab des Dirigenten für die gültige Wiedergabe eines Werkes liege in der Idealvorstellung im Menschen selber. Die Realisation sei nur vom Dirigenten zu vollziehen, sie müsse auf die Werksidee abzielen, die letzten Endes nur in der Niederschrift existiere. Musik müsse die Manifestation ihrer ureigensten Zeit sein, sie habe die geistigen Tendenzen und seelischen Gründe der Komposition zum Erklingen zu bringen, um aus dem Werk eine selbständige Wesenheit zu formen. Der Dirigent sei heute so weit, daß er sich vollkommen mit der Idealvorstellung des Werkes identifizieren könne, damit die Musik ihre pathetischste Aufgabe erfüllen könne, als großartigstes Mittel den Menschen zu einer humanitären Aufgabe zu erziehen.
Ferienkurse für Neue Musik
Sonnabend, 19. August
Stadthalle, 20.00 Uhr, Bartök-Kammermusik für Violine und Klavier, gespielt von Tibor Varga (London) und Peter Stadien (London).
Sonntag, 20. August
Aula der Technischen Hochschule, 11 00 Uhr, Matinee Ernst Krenek, (Neue Kammerer tsikwerke). Mitwirkende Sybille Ursula Fuchs, Sopran, Heinz Schröter Klavier, Günter-Kehr-Streichtrio
Stadthalle, 19.00 Uhr, Sonderkonzert des Landestheater-Orchesters Darmstadt. Leitung: Prof. Dr. Hermann Scherchen Programm: W. Fortner: Aus der Ballettmusik „Die weiße Rose“, Jos. Math Hauer: Aus der „Zwölftonmusik“, op. 73 Edgar Varese: „Jonisation“, Arnold Schönberg: „Ein Ueberlebender von Warschau“, Krenek: 4. Symphonie (Nr. 2 5 deutsche Erstaufführung).
Darmstadt und Umgebunng
Eilige Menschen
Fede. — Eilige Menschen gibt es viel. Sie öffnen die Tür des Eisenbahnwagens noch während der Zug rollt. Sie springen heraus und drängen die Treppe des Bahnhofs herauf. Sie haben es eilig zur Straßenbahn. Jeden Morgen kann man dieses Bild beobachten.
Eilige Menschen fallen auch sonstwo auf. Vor allem beim Arbeitsschluß in den großen Fabriken.
Die eiligsten allerdings sieht man, wenn man sich einmal auf die Freiterrasse der kleinen Gaststätte am Böllenfalltor setzt. Wenn, vor allem in den späten Nachmittagsstunden, die Linie „Zwei“ ihr Endziel erreicht hat, dann strömen sie hin zur Wartehalle für die Obusse. Wer am schnellsten laufen kann, ist — eine selbstverständliche Feststellung — als erster am Ziel. Am schnellsten laufen können natürlich die Jungen. Sie sind vorneweg und wenn der Obus anrollt, dann haben sie ihren sicheren Platz.
Allen, die über diese Fixigkeit bös denken, sei'aber die Auffassung eines Optimisten entgegengehalten. Auf die Gefahr hin, daß er für weit- und zeitfremd gehalten wird, glaubt er doch feststellen zu sollen, daß die schnelle Jugend bei ihrem Eilen nur dann Ehrgeiz hat, einen Platz zu erhalten um ihn bald darauf einem jener Alten abzutreten, die nur bedächtig nachhumpeln können. Wie schön dieser edle Wettbewerb in der Courtoisie!
Denken Sie weniger optimistisch?
Drohende Kinderlähmnng
In den heißen Sommermonaten ist alljährlich eine Zunahme der Erkrankungen an epidemischer Kinderlähmung zu verzeichnen. Die Abteilung Oeffentliches Gesundheitswesen des hessischen Innenministeriums gibt in der Folge einen Ueberblick über den Ablauf der Krankheit und Verhaltungsmaßregeln zu ihrer Verhütung.
Die Kinderlähmung ist eine anstekkende Krankheit, die seit dem 1. Weltkrieg im Sommer und Herbst gehäuft auf tritt. Vorwiegend erkranken Kinder im Alter zwischen 3 und 10 Jahren; jedoch werden in den letzten Jahren zunehmend auch ältere Kinder und jugendliche Erwachsene ergriffen.
Die Kinderlähmung beginnt mit mäßigem Fieber, Kopfschmerz, oftmals Durchfall. Häufig scheint nach zwei bis drei Tagen alles behoben zu sein, die Kinder stehen wieder auf. Nach einigen Tagen treten aber erneut Beschwerden auf, diesmal ganz anderer Art: Gliederschmerzen, allgemeine Mattigkeit, erneutes Fieber, Schwere der Arme und Beine, Rücken- und Nackenschmerzen, Nackensteifheit, oft Erbrechen; dann kommt es zu einer Schwäche in Beinen und Armen. Kinder können nicht mehr auf den Beinen stehen oder den Arm nicht mehr heben; eine Lähmung ist eingetreten. In selteneren Fällen treten im Anschluß an körperliche Strapazen (Radfahren, Fußball, Schwimmen, Turnen etc.) Lähmungen plötzlich ohne Vorboten ein: dann ist das erste Stadium unbemerkt abgelaufen.
Die Symptome, die eine epidemische Kinderlähmung anzeigen, sind also verhältnismäßig uncharakteristisch; deshalb ist es, wenn eine Epidemie im Anzug ist, dringend notwendig, jede Krankheitserscheinung oder jeden Wechsel des normalen Gesundheitszustandes jeder Person und ganz besonders der Kinder zu beobachten. Die angeführten Symptome — und noch andere — können die ersten Vorboten der Kinderlähmung sein. Vor allem müssen Kinder und Erwachsene beim Auftreten klarer Fiebererscheinungen sofort ins Bett und von anderen Personen isoliert werden. Der Arzt sollte umgehend geholt werden.
Es gibt heute noch keinen sicheren Schutz gegen diese Krankheit. Alles, was getan werden kann, ist, dem Kranken die bestmögliche Pflege angedeihen zu lassen. Oft kann rechtzeitige ärztliche Behandlung Verkrüppelung verhüten.
Selbst bei schweren Epidemien erkranken höchstens I—4 Personen auf 10 000 der Bevölkerung in unterschiedlicher Krankheitsschwere. 30—40 Prozent der von der Kinderlähmung Betroffenen erreichen bei sachgemäßer Behandlung ihren normalen Gesundheitszustand wieder. Eingetretene Lähmungen bessern sich oft im Laufe der Zeit weitgehend.
Beim Auftreten von Kinderlähmung in der Umgebung sind mithin folgende einfache Vorsichtsmaßregeln zu beachten:
1. Vermeidet Übermüdung als Folge zu schwerer körperlicher Arbeit.
2. Vermeidet plötzliche Abkühlung, ganz besonders kalte Bäder an heißen Tagen.
3. Beobachtet besonders persönliche Reinlichkeit.
4. Der Gebrauch reinster Milch und reinsten Wassers ist dringend zu empfehlen. Duldet keine Fliegen, am wenigsten an Nahrungsmitteln!
5. Badet nicht in unreinem Wasser.
6. Beachtet auch die Reinlichkeits- und Gesundheitsmaßregeln in der Gemeinde genau (Abfallbeseitigung, öffentliche Bedürfnisanstalten usw). ■
Uhrenglas - 2,30 m groß
„Wenn die umfällt, do rappelts“, meinte ein Bahnbeamter am Hauptbahnhof in Darmstadt, als er gestern ein paar seiner Kollegen mit einer kreisrunden Glasscheibe auf einem kleinen Handwagen balancieren sah. Diese Glasscheibe war 2 Meter und 30 Zentimeter im Durchmesser groß und sollte das Deckglas für die neue (alte) Bahnhofsuhr auf der Südseite des Gebäudes Verwendung finden. Vorsichtig zogen die Männer der Signalmeisterei Darmstadt, in deren Ressort die Instandhaltung der Bahnhofsuhren fällt, das schwere Uhrenglas in einem Spezialgerüst in die Höhe.
Die Arbeit lag im Rahmen einer Gesamtinstandsetzung der beiden Außenuhren am Hauptbahnhofsgebäude. Vor wenigen Tagen wurden die Reparaturarbeiten an der großen Uhr über dem Hauptportal beendet. Beide Uhren erhielten einen neuen Anstrich auf den Zifferblättern, das beschädigte Deckglas der Uhr über dem Hauptportal wurde ausgewechselt, und all denen, die mit der Abgangszeit der Züge nicht so richtig zurechtkommen, wird es eine Freude sein, daß ihnen jetzt wieder die weithin sichtbaren Zeiger der Uhr auf der Südseite bis zur Rheinstraße entgegenwinken und zur Eile mahnen oder „Nur mit der Ruhe!“ zurufen. DT
Silbernes Herz in der Fürstengruft
In der Fürstengruft der Darmstädter Stadtkirche sind augenblicklich Stukkateure am Werk, die jahrhundertealten wunderbaren Stuckarbeiten zu renovieren. Im Scheine nackter Glühlampen müssen viele Quadratmeter Wandfläche von dem mehrfach aufgetragenen Kalküber-
zug befreit werden, damit die klaren Linien und Konturen der Engel und Heiligen wieder sichtbar werden.
Landgraf Georg 1., der Begründer der hessischen Dynastie, hat nach dem Tode seiner Gattin Magdalene die Gruft anlegen lassen, in der er bis heute mit seiner ersten und zweiten Frau eine bleibende Ruhestätte gefunden hat. Sein Sohn Ludwig V. ließ später die Stuckarbeiten ausführen, die im Laufe der Jahrhunderte infolge unsachgemäßer Anlage eines Entlüftungsschachtes starke Verwitterungserscheinungen aufwiesen. Von den herrlichen Farben, die ehemals die Arbeiten an den Wänden und Decken der Gewölbe schmückten, ist heute nicht mehr viel zu sehen. Hier und dort hat sich noch etwas von der Vergoldung erhalten, himmelblaue Farbreste und leuchtendrote Stellen, die einen kleinen Eindruck von der künstlerischen Ausschmückung der Fürstengruft geben.
Während im ersten Gewölbe, in dem die Särge Landgraf Georgs I. und seines Sohnes stehen, die Stuckarbeiten einen zierlicheren und beschwingteren Eindruck erwecken, sind die Arbeiten im zweiten Gewölbe schöner in der Verarbeitung und verhältnismäßig besser erhalten. In diesem Raum findet sich auch der Einstieg zu dem unterirdischen Gang, der früher von der Stadtkirche aus direkt zum Schloß führte, und der heute zugemauert sein soll. An der Decke hängen zwei herzförmige Metallgefäße, die die Herzen des Landgrafs Georg von Hessen und des Landgrafes Philipp enthalten. Der Behälter des Herzens des Landgrafen Georg ist eine- wundervolle Ziselierarbeit aus reinem Mesing, während das Herz Landgrafs Philipp, der gegen die Türken gekämpft hat, und im Wiener Dom beigestetzt wurde, in einem Gefäß aus reinem Silber seine ewige Ruhe gefunden hat.
Wenn die 300 Jahre alten Stuckarbeiten in langwieriger und mühevoller Arbeit wieder instand gesetzt worden sind, dann wird den Besuchern der Fürstengruft der ersten Landgrafen von Hessen in der Darmstädter Stadtkirche eine alte, neuerstandene Sehenswürdigkeit zugänglich sein, die ein berdtes Zeugnis der alten Tradition unserer Stadt ablegen kann. Leider reichen die Mittel nicht aus, um Wände und Decken der Gruft mit neuen Farben in ihren ehemaligen Zustand zu versetzen, aber auch das, was unter der dicken Kalkschicht nun langsam hervorkommt. genügt, um den Besuch der Fürsteneruft zu einem bleibenden Erlebnis zu machen. -st
Als ..Tag der Petrusgemeinde“ wird der nächste Sonntag die alten und die neu nach Bessungen zugezogenen Gemeindeglieder zusammenführen. Choräle, an verschiedenen Plätzen gespielt, werden zur gottesdienstlichen Feier rufen, die an den Ruinen des zum großen Teil zerstörten Gemeindehauses am Nachmittag stattfinden wird.
Akabu - Ein Beispiel studentischer Selbsthilfe
Keine Angst, es handelt sich hier nicht um eine neue Abkürzung eines internationalen Kongresses, es bedeutet schlicht und einfach: Akademische Buchgemeinschaft, und steht an der Türe eines Saales der Darmstädter Hochschule.
In dem großen Raum stehen eine Anzahl hoher Bücherregale mit dickleibigen Wälzern über Statik, Elektrotechnik und Architektur — sozusagen wissenschaftlicher Geist in seiner konzentriertesten Form. Alles macht den Eindruck einer Fachbuchhandlung, und in Wirklichkeit ist es auch eine, eine Buchhandlung, die das Prädikat der Einmaligkeit verdient. Die Anregung zur Gründung der Akademischen Buchgemeinschaft ging von der Schweiz aus, wo derartige Einrichtungen seit vielen Jahren bestehen. Zweck dieser Buchgemeinschaft ist, den Studenten den Einkauf verbilligter Fachliteratur zu ermöglichen.
Am 31. Juni 1949 setzten sich sieben Studenten der TH zusammen um einen Tisch und warfen 900 DM als Gesellschaftsanteile in das Unternehmen. Jeden ausgewachsenen Buchhändler würde es vom Stuhl geworfen haben, wenn man ihm gesagt hätte, daß diese 900 DM dafür bestimmt waren, eine Buchhandlung ins Leben zu rufen. Heute, nach etwas mehr als einjährigem Bestehen, beträgt das Betriebskapital einschließlich der Büchervorräte, über 6000 DM. Jeder der Studenten kann der Buchgemeinschaft beitreten, wenn er einen oder mehrere Anteilscheine zu 50 DM erwirbt. Damit aber alle Studenten die Vorteile der Akademischen Buchgemeinschaft genießen, ist der Allgemeine Studentenausschuß geschlossen dem Unternehmen beigetreten.
Worin liegt nun der Vorteil dieser Einrichtung? Da die AKABU durch ihren Leiter, Kurt Schön, einen Studenten der TH, Mitglied des Hessischen Verleger- und Buchhändlerverbandes ist, müssen die allgemeinen Wettbewerbsbestimmungen eingehalten, das heißt, es darf nicht unter dem Ladenverkaufspreis verkauft werden. Die Ueberschüsse des Unternehmens werden in Form einer Umsatzdividende an die Inhaber von Gesellschaftsanteilen zum Schluß des Jahres ausgeschüttet. Augenblicklich beträgt die Dividende etwa 10 Prozent. Als Ergebnis dieser Einrichtung sind die Buchhandlungen dazu übergegangen, für mittellose Studenten eine 15 prozentige Preisermäßigung zu gewähren, der sich die AKABU anschloß, so daß bei zusätzlicher Ausschüttung der Umsatzdividende die Büeher nur 77 Prozent des Ladenverkaufspreises kosten.
Verschiedene große Fachverlage haben sich bisher in völliger Verkennung der Sachlage geweigert, die AKABU zu beliefern. Die Gesellschafter stehen aber auf dem Standpunkt, daß wissenschaftliche Bücher von Akademikern für Akademiker geschrieben werden, und daß die Verdienstspanne den Studenten zugute kommen sollte. In der TH Stuttgart besteht bereits eine Zweigstelle der Darmstädter AKABU, und auch die Frankfurter Universität hat sich der Gemeinschaft angeschlossen. Für alle diese Zweigstellen wird von Darmstadt aus zentral eingekauft, hier wird die Buchführung erledigt und der umfangreiche Schriftverkehr abgewickelt — alles unter Mithilfe von Studenten, die sich dadurch ein kleines willkommenes Tasdhengeld verdienen können. Lediglich ein Mitarbeiter ist als Nichtstudent fest angestellt, da der Bücherverkauf sich über den ganzen Tag erstreckt, und die Studenten ja inzwischen auch mal eine Vorlesung besuchen müssen.
Etwas völlig Neues ist auch der wissenschaftlich-technische Lesering, der gegen ganz geringes wöchentliches Entgelt Lesemappen mit 12 bis 14 wissenschaftlichen Fachzeitschriften pro Monat zum Studium anbietet, was besonders begrüßt wird, da diese Zeitschriften sehr teuer sind, und kaum einer der Studenten in der Lage ist, mehr als zwei Zeitschriften zu abonnieren. Wenn es gelingen würde, die AKABU in weiteren Kreisen bekannt werden zu lassen, wenn auch selbstständige Akademiker in der TH ihre Fachliteratur einkaufen würden, dann könnte die Umsatzdividende auf 15 bis 20 Prozent erhöht werden, was bedeuten würde, daß mancher Student eine willkommene Nebeneinnahme zur Finanzierung seines Studiums zu erwarten hätte.
Die Akademische Buchgemeinschaft, die bei den Studenten anderer Universitäten und Hochschulen begeisterte Anerkennung fand, hat mit ihrer Darmstädter Einrichtung ein nachahmenswertes Beispiel studentischer Selbsthilfe gegeben. -st
Licht und Farbe im Betrieb
Das Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt des Landes Hessen veranstaltete am Donnerstag in der Aula der Technischen Hochschule Darmstadt in Verbindung mit dem Zentralinstitut für Arbeitsschutz, Soest in Westfalen, eine Arbeitsschutztagung, an der Betriebsleiter und das Gewerbeaufsichtsamt teilnahmen. In der überfüllten Aula sprach der Leiter des Zentralinstituts, Regierungsdirektor Dr. Koch, über das Thema „Licht und Farbe im Betrieb".
Die Aufgabe des Zentralinstitutes für Arbeitsschutz erstreckt sich auf alle Fragen im Bundesgebiet, die mit dem Arbeitsschutz in Zusammenhang stehen. Dabei müssen dem Licht und den Farben als Arbeitsschutzmaßnahmen eine große Bedeutung eingeräumt werden. Anhand von zahlreichen Lichtbildern und Anschauungsmaterial entwickelte der Redner ein Bild der wissenschaftlichen Erkenntnisse, das aus der Auswertung von Licht und Farbe in praktischer Arbeit in in- und ausländischen Betrieben gewonnen wurde. Es sei sowohl ein technisches, wie ein physiologisches Problem, an dessen Lösung seit vielen Jahren gearbeitet werde.
Bei der Neueinrichtung von Industrieräumen wäre es wünschenswert, wenn das Zentralinstitut um Ratschläge angegangen werde, damit in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut neue Erkenntnisse auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes gewonnen werden könnten. Viel zu wenig sei bekannt, welchen Einfluß die Farbe auf die Arbeitsleistung und auf den Betriebssicherheitsfaktor ausübe. So sei in Räumen, wo mit großer Wärme gearbeitet werde, ein Anstrich mit bläulicher Farbe zu empfehlen, mit dem die Vorstellung von Kühle und blauem, weitem Himmel verbunden wäre. Räume mit geringerer Temperatur bedingen einen rötlichen Anstrich, der die Assoziation von Wärme und Wohlbehagen hervorrufe. Als eindringlichste Farbzusammenstellung habe sich schwarze Schrift auf gelbem Grund erwiesen, weswegen es besonders für Warnschilder empfehlenswert sei.
Außer der Farbgebung des Arbeitsraumes und der Maschinen gelte die Hauptaufmerksamkeit der Beleuchtung. Die bekannten Glühlampen erweisen sich immer mehr als in vielen Fällen völlig ungenügend, sie liefern eine punktförmige Lichtquelle und verfärben die normalen Farben zu Gelb und Rot. Deshalb geht man immer mehr zu anderen Lichtquellen über, zum Beispiel zur rein-gelben Natriumdampflampe, die besonders in Formereien angewandt wird, um den Formsand deutlich erkennbar zu machen, oder um Glasplatten auf Fehler zu untersuchen. Die Quecksilberdampflampe ermöglicht die Feststellung größerer Farbunterschiede, die Unterscheidung von Chrom und Nickel, die Fehlersuche in Weißblechen, die Auslese von Stein und Kohle im Bergbaubetrieb, und ebenso wie die Natriumlampe findet sie ihr Hauptgebiet in der Anwendung als Straßenbeleuchtung. Die festgesetzten Mindestwerte der Normen bei Licht reichen heute erfahrungsgemäß nicht aus. Es sei daher an der Zeit, die Betriebe daraufhin zu überprüfen, ob nicht die Anlage neuer Lichtquellen erforderlich ist.
Am Nachmittag der Tagung schloß sich eine Aussprache über Unfall- und Gesundheitsgefahren beim Schweißen und Schneiden an. _st
Sie kommen! - Sie kamen!
„Heute kommen sie hier durch", hörte ich am Morgen in der Straßenbahn. „Ja, wissen Sie denn nicht? Die Fahrer von der Deutschlandfahrt doch!“ Nein, ich wußte es noch nicht. Aber viele andere schienen es gewußt zu haben. In zwei Reihen drängelten sich da die Leute hintereinander, machten lange Hälse, und jeder wollte vor dem anderen stehen. Schließlich kann doch nur einer vorne stehen, aber das schienen die Leute erst zu merken, als sie mitten auf der Straße mit denen vom gegenüberliegenden „Straßenufer“ dicht an dicht voreinander standen.
Als alles richtig aufgeregt durcheinanderschaute und die meisten erst einmal fragten, was hier los sei, kam ein Lautsprecherwagen: „Das offizielle Rennprogramm erhalten Sie . . .“ Weg war der Wagen. Dann kam eine Weile nichts und dann ein paar Polizisten. Die waren nicht von Darmstadt und schienen noch nicht gehört zu haben, wie man eine Kolonne durchschleußt, denn ihren Darmstädter Kollegen ließen sie ruhigen Gemütes allein an der schwierigen Ecke rumwursteln. Es war wohl interessanter, sich die Rennstrecke gemütlichen Tempos vorbeifahrend anzuschauen und den netten Mädchen unter den Zuschauern zuzulächeln. „In 3 Minuten kommen sie", schrie einer.
Dann kamen sie — das las ich erst auf der Rückesite — vom Film. In einem Pkw. Von vorne sahen sie aus- wie Sherlok Holmes Stiefbrüder. So groß karriert war die Mütze und so qualmte im Zugwind der Shagpfeife.
Dann eine Weile „Zurrrrück! Treten Sie doch zurück, sonst werden Ulmen noch die Zehen abgefahren. Seid doch vernünftig, Leute! Er machte seine Sache gut, nur: Er war zu wenig. Wieder ein Polizist — vorbeirauschend: „In zwei Minuten kommen sie.“ Zuerst kamen aber die von der Reklame. Von der Warta-Seife bis zu Rabeneick-Fahrrädern. Ich habe direkt Persil vermißt als Waschmittel für die Fahrertrikots. Was da so auf zwei Rädern herrollte, das machte es sich nicht immer schwer. Ein paar nette Mädchen hatten sich auf „Vespas“ gesetzt und gondelten vorneweg, Reklameschieben für die Firma. „Noch eine Minute bis zur Fahrerspitze.“
„Sie da, hier habe ich gestanden, ich war eher da!“ „Drängeln Sie doch nicht so, Mann!“ „Woher kommen die denn?“ „Warum fahren die nicht auf der Autobahn?“ „Hauen Sie ab mit ihrem Auto, da hinten kommen sie!“
Sie kamen. Vor mir stand einer, der hatte einen längeren Hals und schon waren die Mannen von der Spitze um die Ecke in die Neckarstraße geflitzt, und ich hatte das sagenhafte weiße Trikot gar nicht gesehen. Es war auch nicht dabei, wurde ich belehrt von denen, die mehr sahen und wußten. Betreuungswagen, Werbewagen, Werkstattwagen drängelten sich hinterher. Und irgendwie mußte ich an Detleff von Liliencron denken, denn „um die Ecke brausend brichts . . .“, das Gros der Fahrer im geschlossenen Feld und — aaah! — das weiße Trikot unter ihnen. Die Nummern rauschten vorbei und die, die sich ein Rennprogramm gekauft hatten, die kamen gar nicht mit, mit dem Nachschreiben. Und dann war sie rum um die Ecke — die Musike, wieder wie bei Liliencron. Nur daß da kein bunter Schmetterling vorbeigaukelte in der Kasinostraße, sondern das Ueberfallkommando angeheult kam — Scherben zusammenlesen. agt
Pfarrer i. R. Adam Schmitt Geistlicher Rat und Dekan konnte mit der St. Josephsgemeinde in Eberstadt sein diamantenes Priesterjubiläum feiern. Unser Bild zeigt den Jubilar während dem von Dekan Kopp zelebrierten Hochamt. (Foto: Stirtz)
Erst Geld dann bauen
Die neuen Richtlinien des Hessischen Ministeriums des Innern, die anläßlich der Zuteilung einer 2. Rate für die Förderung des sozialen Wohnungsbaues 1950 herausgegeben wurden und die Stadtkämmerei zu einer Verlautbarung an uns veranlaßten, enthalten neben einer Anzahl interner Anweisungen einen Punkt, der für die Baulustigen von außerordentlicher Bedeutung ist und deshalb allgemein bekannt werden muß, wenn Enttäuschungen vermieden werden sollen.
Es heißt in diesen Richtlinien:
„Im übrigen wird darauf aufmerksam gemacht, daß im Interesse einer planvollen Lenkung des Wohnungsbaues Bauvorhaben, die künftig begonnen werden, ohne daß die volle Finanzierung gesichert ist, nicht mehr mit einem Landesbaudarlehen bedacht werden können.“
Die Tragweite dieser Anweisung ist außerordentlich. Seither wurde von sehr vielen Bauherren mit dem Bauvorhaben begonnen, bevor die volle Finanzierung gesichert war. Man rechnete damit, daß dann schon irgendeine Stelle bereit sein werde, die restlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, wenn der Bau zu 70 oder 80 Prozent fertiggestellt sei Das hat dazu geführt, daß die Landesbaudarlehen nicht dorthin kamen, wo sie nach staatlicher Ansicht in erster Linie notwendig gewesen wären, sondern dorthin gelenkt werden mußten, wo man auf gut Glück mit dem Bau begonnen hatte. Die Regierung will sich nun nicht weiterhin vor vollendete Tatsachen stellen lassen. Wer zukünftig anfängt, ohne restlos die Mittel gesichert zu haben, wird nicht damit rechnen können, mit Landesbaudarlehen geholfen zu bekommen.
Unfreundliches Schauerwetter
DT-Wette; bericht
Uebersicht: Nach Abzug eines über Deutschland gelegenen Schlechtwettergebietes folgte eine neue Tiefdruckstörung von Frankreich nach.
Vorhersage am Freitag: Vorherrschend stark bewölkt, schauerartige Regenfälle z. T. gewittrig, Tageshöchsttemperatur bei 20 Grad, wechselnde Winde.
Weitere Aussichten cm Samstag: Wechselhaft und verhältnismäßig kühl.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil.
Amerika-Haus: 20.00 Uhr, Vortrag Har F. Voss: „Das Alterswerk Paul Valerys — Mon Faust“.
Mathildenhöhe; „Das Menschenbild in unserer Zeit“, täglich geöffnet von 10.00 bis 19.00 Uhr.
Amerikahaus: Alle bisher im Amerikahaus laufenden Ausstellungen sind ab sofort wegen Umzug geschlossen.
Baha‘i — Weltreligion: 19.30 Uhr, Technische Hochschule, Vortrag W. Hartwig, •Weinheim: „Göttliche Weltordnung“.
Industrie- und Handelskammer, Luisen - platz 7, Vortrag Prof. Dr. Neum ar k, Istanbul: „Staatswirtschaft und Marktwirtschaft“. Anschließend Diskussion.
Wir gratulieren
Silberne Hochzeit: Herrn Karl Schembs, Malermeister, und Frau Else geb. Koch, Darmstadt, Mühlstr 18.
Goldene Hochzeit: Herrn Frenz Müller und Ehefrau, Geinsheim, Wallerstädter Straße 155.
Starkenburg
Groß-Gerauer Kreistag in der Fischerstadt
Bildung eines Kommunalverbandes? / Vorschlag des Kreisausschusses zur Auflösung der kreisfreien Gemarkungen
Musikalische Darbietungen des Schülerorchesters und des Schülerchors der Gernsheimei' Volksschule gaben unter Leitung von Lehrer Treffert am Donnerstagmorgen im Saalbau Esselbach zu Gernsheim der Sitzung des Groß-Gerauer Kreistages eine musische Einleitung. Landrat Harth dankte der Gernsheimer Jugend für ihre musikalische Begrüßung und verlas sodann die Tagesordnung sowie einige zusätzliche Anträge; auch begrüßte er die neuen Kreistagsmitglieder A. Renker (CDU) und M. Fornhoff (FDP).
Landeshauptmann Witte, Wiesbaden, erläuterte hierauf die Aufgaben eines Kommunalverbandes und zitierte viele anschauliche Beispiele aus der Tätigkeit des Kommunalverbandes des Regierungsbezirkes Wiesbaden'. Für überörtliche Aufgaben hätten sich schon früher die Stadt- und Landgemeinden in Kommunalverbänden zusammengeschlossen. Ein Kommunalverband befasse sich mit wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben, mit Fürsorgeproblemen und Jugendfragen sowie mit der Instandhaltung von Straßen. Dank des Kommunalverbandes im Regierungsbezirk Wiesbaden seien dort schon wieder 85 Prozent der Straßen in gutem Zustand. Witte forderte den Kreistag auf, sich zu äußern, ob ihm die Gründung eines Kommunalverbandes wünschenswert erscheine und ob man die Bildung eines eigenen Kommunalverbandes oder einen Anschluß an den Wiesbadener Kommunalverband für zweckmäßiger erachte.
Bürgermeister Graf (SPD) befürwortete die Bildung eines Kommunalverbandes und machte den Vorschlag, den Landtag zu veranlassen, in jedem Regierungsbezirk für die Bildung eines Kommunalverbandes zu sorgen. Abgeordneter Marx (CDU) wandte sich gegen die Schaffung eines Kommunalverbandes für den Regierungsbezirk Darmstadt, da hierdurch eine weitere Verwaltungsstelle entstehe. Er empfahl statt dessen die Bildung eines Kommunal verbandes auf gesamthessischer Basis. Die FDP- Fraktion schloß sich im wesentlichen diesen Ausführungen an. Auch die KPD- Fraktion wünschte die Bildung eines Kommunalverbandes auf breitester Grundlage. Die Mehrheit des Kreistages entschied sich danach, die Bildung eines einzigen Kommunalverbandes für ganz Hessen zu befürworten.
Der Vorschlag des Kreisausschusses hinsichtlich der kreisfreien Gemarkungen wurde von der Mehrheit des Kreistages gebilligt. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei der Regierung. Der Inhalt dieses Aufteilungsplanes ist folgender:
Der Bischofsheimer Wald bleibt bis zur Klärung der Verhältnisse zwischen Bischofsheim und der Stadt Mainz kreiseigene Gemarkung des Landkreises Groß-Gerau, der Flörsheimer Wald kommt geschlossen zu der Gemarkung Rüsselsheim. In Ergänzung des Beschlusses des Kreisausschusses wird das Forsthaus herausgenommen und kommt zur Gemarkung Raunheim. Dje Fluren I, VIII und IX des Groß-Gerauer Domanialwaldes werden der Gemarkung Mörfelden zugeteilt; der Rest mit den Fluren II bis einschließlich VII und X bis einschließlich XVIII fallen der Gemarkung Groß - Gerau zu. Von Gundhof mit Gundwald und Schlichter kommen die Fluren XVIII—XXVII zur Gemarkung Mörfelden, die Fluren I—XVII zur Gemarkung Walldorf. Die Fluren 11, 111, IV und XXIV des König-
städter Domanialwaldes kommen zu Mörfelden, XIV und VII zu Rüsselsheim. Der Rest, Flur XIII (südlich der alten Frankfurter Straße) sowie Flur I, V, VIII, IX, X, XI, XII und XV bis einschließlich Flur XXIII zur Gemarkung Königstädten. Von Mönchhof und Klaraberg werden Flur I, II und das Gebiet südlich dei’ Autobahnlinie Frankfurt a. M.—Köln und der Schneise bis einschließlich Flur XXVII der Gemarkung Raunheim zugeteilt, die Fluren 111 und IV und das Gebiet nördlich der Schneise einschließlich der Flur XVIII kommen zur Gemarkung Kelsterbach.
In dem Nauheimer Oberwald wird das Forsthaus der Gemarkung Mörfelden zugesprochen, der Rest der Gemarkung Nauheim. Der Rüsselsheimer Markwald kommt geschlossen zur Gemarkung Rüsselsheim, die Treburer Auen zu Trebur. Von dem Treburer Oberwald fällt der westlich der Bahnlinie Mannheim —Frankfurt liegende Teil an die Gemarkung Walldorf, das restliche Gebiet an Trebur. Vom Wiesental werden die Fluren 111 und IV der Gemarkung Worfelden zugesprochen; die übrigen Teile mit den Fluren I, II und V bis einschließlich Flur XV der Gemeinde Mörfelden, die Gänsewiese fällt geschlossen an Mörfelden. Von den Ginsheimer Rheinauen kommt die Südspitze bis einschließlich Jakobsburger zu Trebur, das restliche Gebiet zu Ginshefm. Hinsichtlich des Kornsandes wird der bereits im Jahre 1939 erfolgten Aufteilung an die Gemarkungen Hessenaue und Geinsheim zugestimmt.
Der Flächennutzungsplan des Kreises wurde angenommen; ebenso die Fluchtlinienpläne für das Sportplatzgelände Nauheim. Im weiteren Verlauf der Sitzung beschloß man, das Enteignungsverfahren für verschiedene Grundstücke der Gemarkungen Berkach, Raunheim, Rüsselsheim, Stockstadt, Wallerstädten und Klein - Rohrheim einzu - leiten.
In Beantwortung eines Antrags der FDP stellte Landrat Harth fest, daß von den 900 Arbeitslosen des Kreises 288 Flüchtlinge sind; dies wären zirka 30 Prozent. Einem bereits in der Donnerstag-Ausgabe veröffentlichten Dringlichkeitsantrag der Kreisbehörde über die Aufnahme erststelligen Hypothekengeldes in Höhe von 1 Million DM wurde zugestimmt. -cg-
Internationale Diskussion iu Erbach
Die amerikanische Lesehalle konnte die Teilnehmer kaum fassen
„Wer kennt die Völker, nennt die Namen?“, war man versucht zu fragen, als am Mittwochabend Teilnehmer aus acht Nationen an der zur Zeit im alten Höchster Kloster stattfindenden internationalen Aufbaufreizeit des Weltkirchenrates in Genf zu einer Aussprache mit der Erbacher und Michelstädter Bevölkerung in die amerikanische Lesehalle nach Erbach kamen.
Junge Menschen beiderlei Geschlechts aus Aegypten, Frankreich, Amerika, England, Jamaika, Hawaii, Holland und Deutschland saßen um den Tisch, vor einem so zahlreichen Auditorium, wie es die Amerikanische Lesehalle bisher noch nicht gesehen hatte. Der große Vortragssaal vermochte die vielen interessierten Zuhörer nicht zu fassen und noch im Vorraum folgte man gespannt der Diskussion, die nach kurzer Vorstellung der Teilnehmer sehr schnell in Gang kam.
Es handelte sich bei den Gästen, wie bei sämtlichen Mitgliedern der Oekumenischen Aufbaufreizeit in Höchst, um protestantische u. methodistische Christen, die zusammen mit Landesjugendpfarrer Dr. Heinz Cza i a , Frankfurt am Main, und Prof. Dr. Howard Short, Lexington (USA), den Leitern des Höchster Lagers, für drei Stunden nach Erbach kamen, um hier freimütig über ihr Schaffen und geistiges Streben in schlichten, ehrlichen Worten zu sprechen.
Auf die vielfältigen Fragen der Diskussion im einzelnen einzugehen, würde zu weit führen. Zwei hauptsächliche Fragenkomplexe schälten sich heraus, die sich mit Sinn und Zweck der oekumenischen Aufbaufreizeit und mit den verschiedenen Wegen zur internationalen Völkerverständigung beschäftigten. Jeder der ausländischen Teilnehmer gab, soweit er der deutschen Sprache genügend mächtig war, seine Meinung kund, wobei alle übereinstimmend feststellten, daß sie nun nach, ihrem Aufenthalt in Deutschland — einige waren schon mehrfach in Deutschland und haben so beste Vergleichsmöglichkeiten — ihre frühere Vorstellung vom deutschen Menschen wesentlich korrigieren müßten. Sie hätten die Ueberzeugung gewonnen, daß von der Masse des Volkes nicht jener anmaßende und herrschsüchtige Geisit des Militarismus vertreten wird, wie man im Ausland vielfach annimmt.
Eine interessante und recht lebhafte Debet e enhpenn sich über die kürzlich bei St. Germannshof vom Bund Europäischer Jugend vorgenommene symbolische Beseitigung der Grenzpfähle. Bei aller Anerkennung des darin dokumentierten guten Willens der Jugend stellte Prof. Dr. Short hierzu fest, daß es notwendiger sei, zuvor die geistigen und seelischen Schranken zwischen den Völkern zu beseitigen. Diese Aufgabe sei ein wesentlicher Teil der oekumenischen Aufbauarbeit.
Herzlich verabschiedeten sich die ausländischen Gäste von ihren neugewonnenen Freunden aus Erbach, Michelstadt, Stockholm u. a., deren Sympathien sie im Verlauf der Aussprache erworben hatten. Am kommenden Sonnabend wird ein Teil der Höchster Lagermitglieder zu dem Heimatabend der Ev. Stadtkirche anläßlich der Einholung der neuen Glocke wieder nach Erbach kommen. Der ursprünglich für heute vorgesehene Besuch aller Lagerteilnehmer mußte mit Rücksicht auf eine Besichtigung des Höchster Klosters durch Probst Rau und andere Vertreter der Landeskirchenleitung um acht Tage verschoben werden. Die bereits angekündigte Großveranstaltung in der Erbacher Fesithalle findet am Donnerstag, 24. August, um 14 Uhr, statt. -ch
Schwachstnniger aufgegriffen
In den Abendstunden des 15. August wurde ein zirka 20 bis 25 Jahre alter, schwachsinniger, junger Mann am Stadteingang von Bensheim aufgegriffen, dci' weder sprechen noch schreiben konnte und auch keinerlei Ausweispapiere bei sich trug. Er ist ca. 1,65 m groß, hat braune Augen, dunkle Haare, einen sehr kleinen Mund und stark abstehende Ohren; sein Allgemeinzustand ist sehr schwächlich. Der Unbekannte war mit braunen Halbschuhen, weißen Kniestrümpfen, braun eingefärbter amerikanischer Hose, blaugestreiftem Sporthemd und neuen Hosenträgern bekleidet. Da seine Kleidung sauber war und keinen verwahrlosten Eindruck machte, ist anzunehmen, daß der Mann erst seit kurzer Zeit herumirrt und nicht weit von Bensheim beheimatet ist. Wo wird die beschriebene Person vermißt? Die Polizei Bensheim bittet um sachdienliche Angaben. (H B
Reger Fortschritt des Wohnnngsbaus
Besichtigungsfahrt des Kreistages / Ueberall sind fleißige Hände am Werk
Im Anschluß an die Kreistagssitzung fand eine Besichtigungsfahrt zu zahlreichen Wohnbauten einzelner Gemeinden des Kreises Groß-Gerau statt. Neben Landrat Harth nahmen sämtliche Kreistagsmitglieder und die Bürgermeister des Kreises teil.
In Gernsheim übernahm Bürgermeister Adler die Führung und zeigte die im Bereich der Kiesstraße liegenden Neubauten, worunter sich 52 Privatbauten mit 104 Wohnungen und 15 Bauten der Baugenossenschaft, 2-Zimmerwohnungen mit Küche befinden. An letztgenannter Baustelle werden die Steine selbst hergestellt und die Dachgeschosse ausgebaut. In der Darmstädter Straße entstehen derzeit 30 Wohnungen, die von der Lampertheimer Baufirma Nagel erstellt werden. Wir haben hierüber bereits schon berichtet und die Befürchtungen des Gernsheimer Gemeinderates, daß hierdurch keine Möglichkeit der Belegung durch die Stadt besteht, ausgesprochen.
In Nauheim vergrößert sich die £ahl der Häuser „An der Muschel“ mehr und mehr. Dort wird in Privatinitiative mit gemeindlicher Unterstützung gearbeitet, während jenseits der Straße im Gebiet der heimatvertriebenen Musikindustrie die Baugenossenschaft neue Häuser erstellt.
In Rüsselsheim, das zu beiden Seiten der Straße die Stadtfahnen zur Begrüßung aufgestellt hatte, wurden die Teilnehmer der Fahrt von Bürgermeister Dörfler empfangen, der auch die Führung durch die überall entstehenden Siedlungen übernahm. In der Kolonie werden zur Zeit 33 Wohnungen von der Baugenossenschaft 1904 erstellt, wobei in Selbsthilfe gearbeitet wird. Ein Blick in die KB-Siedlung zeigte gleichfalls fleißige Hände am Werk. Da und dort flatterten die Bänder der Richtbäume munter im Wind und überall arbeiteten die Männer und Frauen in Selbsthilfe, um möglichst noch in diesem Jahre in die eigene Wohnung zu gelangen. Zweimal 20 Häuser werden errichtet, die 60 Wohnungen umfassen. Diese sind für Familien mit 3, 4 und 5 Kindern vorgesehen.
Am Rüsselsheimer Marktplatz zeigt sich bereits die neue Gestaltung. Mehrere Häuser, davon 3 städtische, sind mit über 40 Wohnungen bereits fertig. Das neue Rathaus wird demnächst an der Stelle begonnen werden, wo eben noch die Löwen-Apotheke steht. Bis zum Main hinunter sollen weitere Bauten in Angriff genommen werden.
Erfreulich war zu sehen, wie die Stadt alles daransetzt, die Schulraumnot zu beheben. So ist man in der Siedlung dabei, ein großes Schulgebäude mit Kindergarten, Bad, Turnhalle, Schulhof und Sportplatz aufzubauen, das vorläufig 8 Klassen Unterkunft bieten wird. Der 2. Bauabschnitt sieht die Erweiterung des Gebäudes um weitere 8 Klassen vor. Beim 1. Bauabschnitt wird auch ein Saal für Handarbeitsunterricht und ein Zeichensaal vorhanden sein. Wenn man bedenkt, daß in den Siedlungen A und B rund 6000 Menschen leben, so läßt sich die Wichtigkeit dieses Vorhabens ermessen.
An den Flachbauten der Stadt vorbei führte der Weg zur Siedlung B. Auch dort sind derzeit 36 Wohnungen im Bau. Weitere 48 sollen folgen. Zu den bereits stehenden Wohnblocks der Stadt werden gleichfalls noch 2 hinzukommen. 77 Siedlerstellen, die noch beschädigt sind, sollen noch repariert werden.
Auf Anfrage erklärte Bürgermeister Dörfler, daß bis zum heutigen Tage etvza 250 Wohnungen in diesem Jahre in Rüsselsheim von der Stadt erstellt wurden. Darin sind diejenigen nicht enthalten, die von privaten Bauherren gebaut wurden. Diese Zahl mag noch so imponierend sein, verliert jedoch vieles an Wichtigkeit, wenn man dagegenhält, daß monatlich 150 bis 200 Personen hinzukommen, die Wohnungen benötigen. Ein Wettrennen zwischen Aufbau und Zuzug, das immer zu Ungunsten der Stadt ausfallen muß.
Im Ganzen gesehen ist aber ein erfreuliches Werken und Wirken erkennbar. An allen Orten des Kreises. Und das ist doch immerhin sehr erfreulich und verheißungsvoll! dt
Preisangeln in Stockstadt
Die Kultur- und Sportgemeinde Stockstadt ist in letzter Zeit mit eindrucksvollen Veranstaltungen an die Oeffentlichkeit getreten. Auch am vergangenen Sonntag war sie wieder Veranstalter eines schönen Festes. Während in den Morgenstunden die Angler in einem Wettangeln , um den Sieg kämpften, angelten die Burschen am Abend anläßlich eines Anglerballes im Gasthaus „Bergstraße“ weiter. „Backfischangeln bei Mondenschein im Saale“ nannten sie diesen neckischen Sport, und manch älterer Vertreter der ..Krone der Schöpfung“ hätte gern mitgeangelt. (Kr.)
Studentenheim wird gebaut
Das Pädagogische Institut Jugenheim wird in den nächsten Monaten mit einem Bauvorhaben beginnen, das wesentlich die Wohnraumnot in Jugenheim lindem wird. Die ehemaligen Stallungen des Schlosses Heiligenberg sollen aufgestockt und dadurch Wohnraum für 70 bis 75 Studenten geschaffen werden. Die Geldmittel sind bereits vom hessischen Staat genehmigt. (hl)
Heber Erziehungs- und Jugendfragen sprach am Dienstagabend in Biebesheim Frau Dr. Stahl. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Viele Eltern, Vertreter aller politischen Parteien, der Schulvorstand und der Pfarrer waren anwesend und lebhafter Beifall dankte der Rednerin. (-kr-
Internationale Verkehrszeichen
auf der Bundesstraße 26
Dem Verkehrsteilnehmer, der mit offenen Augen auf der Bundesstraße 26 von Darmstadt nach Groß-Gerau fährt, fallen unterwegs seit kurzem zahlreiche neue Verkehrsschilder auf. Es sind die ersten internationalen Verkehrszeichen, die in unserer näheren Umgebung Aufstellung gefunden haben. Im Gegensatz zu den alten deutschen Verkehrszeichen sind diese neuen Zeichen durch ihre klare „Bildersprache“ auch dem Laien sofort verständlich. So bedeutet zum Beispiel ein blaues, rundes Schild mit einem weißen Fahrrad in der Mitte: „Radfahrweg“, ein mit der Spitze nach oben zeigendes Dreieck mit weißem Grund und rotem Rand, mit einem schiefstehenden Auto und einer Schleuderspur in der Mitte: „Vorsicht! Rutschgefahr“. Ein hochkant stehendes Rechteck mit blauem Rand zeigt auf weißem Feld eine „Tankstelle“ und auf dem unteren Rand eine weiße Zahl, die die Entfernung zu ihr angeben soll.
Dies ist der erste Schritt in Westdeutschland, das Verkehrssystem den internationalen Verkehrsbestimmungen und -Zeichen anzugleichen. Außerdem ist zur Zeit beim Bundesrat eine neue Straßenverkehrsordnung sowie eine Neuregelung des Güternahverkehrs in Vorbereitung. Die Vorschläge wurden schon vor einiger Zeit vom Bundesverkehrsministerium dem Bundesrat zugeleitet. In diesen Vorschlägen ist man bestrebt, sich möglichst den neuen, kürzlich in Genf international festgelegten Verkehrsbestimmungen und Verkehrszeichen anzupassen. -th
Kirchenchorfest· in Gr. Umstadt
Am Sonntag, dem 20. August, findet in Groß-Umstadt das diesjährige Kirchenchorfest für den Nord-Ostteil des Evangelischen Dekanats Groß-Umstadt statt. Die Jahresfeier beginnt um 13.15 Uhr als Festgottesdienst in der Kirche, in dem die Chöre gemeinsam und im Wechsel eine Liturgie singen werden und zu dem Propst F. R a u die Predigt -zugesagt hat. Bereits um 12 Uhr beginnen die beiden Posaunenchöre von Groß-Zimmern und Groß-Umstadt mit einem Kurrendeblasen auf den Straßen. Um 16 Uhr ist eine Nachversammlung, die als eine „Bach- Choralfeier“ ebenfalls in der Kirche stattfindei,. Diese Feier soll zugleich ein Zeugnis werden, in welchem Fleiß und welchem Geiste die Kirchenchöre im vergangenen Jahr gearbeitet haben. (re)
Beginn der Kanalisterung
Der Eiebesheimer Gemeinderat erörterte am Montagabend in seiner Sitzung die Inangriffnahme der Kanalisierung der Riedstraße' und Neugasse. Der inzvzischen abgeschlossene Straßenbauabschnitt Falltorstraße und die Randsteinlegung im Neubauviertel waren ebenfalls Gegenstand der Gemeinderatssitzung. Im Anschluß an die Tagesordnung debattierten die Ratsmitglieder über die Gestaltung und den Ablauf des am 26. und 27. August stattfindenden Biebesheimer Zuchtviehmarktes, der seine Entstehung einer Anregung des im Jahre 1875 amtierenden Bürgermeisters, Daniel Bec hll e, verdankt. \ (-kr-)
Tinte, Feder und Papier
Kinderpreisausschreiben
der Amerikanischen Lesehalle Erbach
Die Amerikanische Lesehalle Erbach veranstaltet ein Preisausschreiben für alle Kinder zwischen 8 und 14 Jahren aus den Orten der näheren Umgebung Erbachs, Michelstadt, Steinbach, Stockheim, Dorf Erbach, Lauerbach usw. Alle Kinder, die an diesem Wettbewerb teilnehmen wollen, nehmen einen Bogen Papier, schreiben mit Tinte oben links schön deutlich ihren Namen und die genaue Anschrift, darunter ihr Alter und ihre Schule. Dann schreiben sie unter der Ueberschrift „Was mir an der Amerikanischen Lesehalle in Erbach gefällt und was nicht“ einen kurzen Aufsatz, in dem sie rückhaltlos und ehrlich ihre Meinung sagen, eventuell Wünsche äußern und Vorschläge machen, wie sie sich dieses oder jenes an der Amerikanischen Lesehalle noch besser und schöner vorstellen. Es soll aber wirklich die Meinung der Kinder und nicht die von Mutti und Vati zu Papier gebracht werden!
Die fertigen Aufsätze werden von den Lehrern in den Schulen eingesammelt und an die Amerikanische Lesehalle Erbach weitergeleitet. Der 31. August ist der letzte Einsendebag. Für die drei besten Aufsätze werden schöne Preise verteilt, die aber jetzt noch nicht verraten werden. -ch.
Das „Stottern“ wird immer leichter
Raten-Spar-Automat hilft mit beim Erwerb von Rundfunkgeräten
Auf Einladung von Ingenieur Walter Baumgärtel weilte unser -bst-Reporter in Bensheim, um dort etwas mehr über die Erfindung des Raten-Spar-Automaten zu erfahren, der eine wertvolle Hilfe beim Erwerb von Rundfunkgeräten, Plattenspielern u. a. Geräten sein soll.
Nach Wiedereinführung des Teilzahlungsgeschäftes im Rundfunkgeräte-Verkauf ist ein ständiges Ansteigen der Umsätze zu beobachten. Damit verbunden ist natürlich ein Ansteigen des Risiko? bezüglich der Zahlungseingänge. Seit vielen Monaten beschäftigt sich der Erfinder mit dem Problem, ohne Risiko das TZ-Geschäft zu erweitern, d. h. die Umsätze erheblich zu steigern und gleichzeitig einen sicheren Eingang der Ratenzahlungen zu erreichen.
Um diese beiden' Punkte in Ueber-
einstimmung zu bringen, konnte die Lösung nur darin gefunden werden, einen Automaten zu schaffen, der die Inbetriebnahme des Rundfunkgerätes nur dann ermöglicht, wenn eine gewisse Geldsumme im voraus entrichtet ist, die wiederum nur dem Verkäufer des Gerätes zugänglich sein darf. .
Es entstand also ein - Spar-Automat. Das Grundelement bildet ein normales Federlaufwerk (32- Stunden-Laufzeit) mit Handaufzug. Zifferblatt und Zeiger wurden nur deshalb angebracht, weil das Laufwerk eben vorhanden war und gleichzeitig als Uhrwerk ausgenutzt werden kann. Beim Rechtsdrehen eines Knebels nach Einwurf eines 10- DPf-Stückes wird ein Zeitspeicherrad mit aufgezogen und schließt einen elektrischen Kontakt für 30 Minuten. Es können nacheinander mehrere Münzen eingeworfen werden, so daß im voraus der Kontakt auf einige Stunden geschlossen werden kann, d. h. ununterbrochener Rundfunkempfang möglich ist. Die Kalkulation hat ergeben, daß es vollkommen ausreichend ist, wenn 30 Minuten Hörzeit durch den Einwurf eines 10- Pfennig-Stückes bezahlt werden.
Mittlere Empfänger, also G-Kreis-Super in einer durchschnittlichen Preislage von 250 Höl können auf diese Art leicht ausgezafflt werden. Selbstverständlich ist, daß hierzu parallel der normale Vertrag des Geräteherstellers bzw. einer Finanzierungsgesellschaft läuft, der den Käufer des Gerätes allerdings zu einer genau festgesetzten Zahlungshöhe pro Monat verpflichtet. Hat der Kunde z. B. monatlich 23 DM zu zahlen und in dem Sparautomaten 13,60 DM gespart, so wird ihm bestimmt am Fälligkeitstermin die Nachzahlung von 4,40 DM nicht mehr schwerfallen.
Außerdem eröffnet sich ein ganz neuer Geschäftszweig im Leihgeschäft. Ein rühriger Händler stellt z. B. in einem
Hotel in jedes Gastzimmer ein solches Gerät, welches sein Eigentum bleibt.-Der Hotelier hat dadurch eine Einrichtung, die er sich wohl nierhals anschaffen könnte, kostenlos, der Reisende findet einen Vorteil, der ihm nur in ganz bevorzugten Häusern geboten werden kann und wird.
Auftrag zur Herstellung des Automaten hat die größte Spezialfabrik Deutschlands auf dem Gebiet solcher Geräte, die Firma C. Schuler KG., Schwenningen (Schwarzwald). Hierdurch ist eine einwandfreie Fertigung gewährleistet. Außerdem wird auf das Gerät eine Garantie von 6 Monaten, ausschließlich Glas- und Federbruch, geleistet.
Vertrieb und Versand erfolgen ausschließlich durch die Firma des Erfinders Funkberater Ing. W. Baumgärtel’ Bensheim a. d. B„ Hauptstraße 51.
Die notwendigen Schutzrechte sind beim Patentamt in München eingetragen
Hinzuzufügen bleibt nur noch daß der Preis des Automaten für den Händler nur DM 13.50 bträgt, bedingt durch die hohe Produktionsquote. Selbstverständlich kann er zum gleichen Preis von jedem Endverbraucher als Spareinrichtung beim Kauf eines Rundfunkgerätes miterworben werden. zumal ;s sich himbw , m eine formschöne und tadellos g h - < Uh” handelt die, nur als solche betrachtet, von'keinem Spezialgeschäft billiger geliefert werden kann.
Macht den Odenwald zum Ferienparadies
Aufruf der Kreisverwaltung Erbach zur Pflege des Landschaftsbildes
Seit Jahren bemüht sich die Kreisverwaltung Erbach um die Förderung des Fremdenverkehrs im Odenwald durch Aufbau einer leistungsfähigen Fremdenverkehrswirtschaft. Die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse, die durch den Krieg eingetretene Verarmung der Bevölkerung, das Fehlen ausreichender, krisenfester Industrien und die Notlage des im Odenwald weitverbreiteten Elfenbeinkunsthandwerks machen den Fremdenverkehr geradezu zu einer Existenzfrage der Bevölkerung des Kreises Erbach. So sehr sich auch die leitenden Stellen um seine Hebung bemühen, so wenig Verständnis zeigt man dafür unerklärlicherweise in weiten Kreisen der Bevölkerung.
Dieser bedauerliche Umstand veranlaßte Landrat Neff, sich in einem neuerlichen, eindringlichen Appell an die gesamte Kreisbevölkerung zu wenden, worin er jeden einzelnen Einwohner, ganz gleich ob Alt- oder Neubürger, herzlich bittet, durch Pflege von Ordnung und Sauberkeit im Straßen-, Orts- und Landschaftsbild, durch Gastfreundlichkeit und einen anständigen Leistungswettbewerb um den Gast den so dringend notwendigen Fremdenverkehr im Odenwald zu heben.
Die Natur hat den Odenwald so reich gesegnet. Landrat Neff sagt in dem Aufruf wörtlich: Unser Odenwald gleicht einem einzigen, schönen Garten. Deshalb muß der Schutz der herrlichen Odenwälder Landschaft eine Herzenssache der gesamten Kreisbevölkerung werden. Dazu gehört, daß jeder einzelne sich die Pflege des Orts- und Landschaftsbildes zu seiner eigenen Angelegenheit macht.
Der Landrat wendet sich in diesem Zusammenhang scharf gegen die in letzter Zeit in erheblichem Umfang eingerissene Unsitte, Abfälle der Haus- und Landwirtschaft, wie alte Konservenbüchsen, Eimer, Gießkannen, Blech- und Emaillegeschirr und Scherben von Glas und Porzellan, einfach irgendwo im Wald, auf fremden Feldern oder an Straßen und Wegen obzulagern. Da dies nicht nur eine grobe Verschandelung des Landschaftsbildes, sondern auch eine erhebliche Gefahr für Mensch und Tier darstellt, hat der Landrat die strikte Anwendung d.er Strafbestimmungen der Artikel 35 -des Forst- und 38 des Feldstrafgesetzes gefordert. Alle Gemeindeverwaltungen wies er an, unverzüglich Schuttabladeplätze einzurichten, soweit das bisher noch nicht geschehen ist.
Abschließend fordert Landrat Neff die Bürgerinnen und Bürger auf, sich aufgeschlossen und empfänglich für ein besseres Neues zu zeigen und mitzuhelfen, daß der Odenwald mit seinen Naturschönheiten, seinen bewaldeten Höhen und malerischen Tälern zu einem wirklichen Reise- und Ferienland wird. -ch
Siedlungsbau in Ober-Ramstadt
Bürgermeister Frankenberger hatte in Anbetracht der aussichtslosen Wohnfaumlage mit seinem Bauamt im Frühjahr dieses Jahres ein Klein-Wohnhaus entworfen, das am 1. Juli dieses Jahres bezogen wurde. Das Haus stellte sich mit zwei Zimmern und Küche auf rund 6000 DM. Von den zuständigen Dienststellen wurden gegen einen derartigen Klein-Wohnhausbau Bedenken erhoben und für die Endfinanzierung das Landesbaudarlehen bisher noch nicht bewilligt. Die an diesem Bauvorhaben zahlreichen Interessenten waren über diesen Bescheid äußerst mißgestimmt und die Gemeinde mußte andererseits nach Auswegen suchen, obgleich sie ihr Projekt noch nicht ganz aufgibt.
Jetzt kamen erneut zahlreiche Interessenten zusammen, um die Vorschläge der Gemeindeverwaltung zu hören. Außer dem Plan des bekannten Klein-Wohnhauses wurden zwei andere gangbare Pläne gezeigt. Nach Vorträgen des Bürgermeisters, des Bauingenieurs Schröb el und des Siedlungssachbearbeiters R. Rohrbach wurde festgestellt, daß viele Siedler nach wie vor Interesse für das Klein-Wohnhaus zeigen. Es wurde in Aussicht gestellt, daß in absehbarer Zeit Vertreter der Nassauischen Heimstätte, Frankfurt, das Baugelände einsehen werden und anschließend mit den Bau'ateressenten die praktischen Fragen besprechen. Derzeit liegen 50 vermessene Bauplätze bereit. -D-
Als Leiche geländet
Der seit 28. Juli vermißte 72 Jahre alte Rentner Adam Blumenschein aus Bad König wurde am Mittwoch von Bauern, die innerhalb der Gemarkung Bad König auf den Uferwiesen der Mümling mähten, gefunden und geborgen. Nach ärztlicher Feststellung muß der Mann schon am Tage seines Verschwindens ertrunken sein. Er hatte bereits früher mehrfach die Absicht geäußert, seinem Leben ein Ende machen zu wollen. Das Motiv zur Tat ist in einem langjährigen Leiden zu suchen. -ch
Bekanntmachung
des Kreisschulamtes Bergstraße
Durch Abgänge .und Eingehen von Stellen wurden folgende Versetzungen im Volksschulwesen notwendig: Lehrerin Maria Bria von Volksschule Gras-Ellenbach nach Volksschule Mörlenbach; Lehrer Philipp Helfrich von Bensheim-Schönberg nach Heppenheim; Lehrer Hans Sattler von Heppenheim nach Bensheim; Lehrer Hans Bauer von Wahlen nach Zotzenbach; Lehramtsanwärter Walter Thiele von Ober-Scharbach nach Gras-Eilenbach; Lehramtsanwärter Franz Joachim Schütz von Bürstadt nach Aschbach; Lehramtsbewerber Willi Renner von Fahrenbach nach Fürth; Lehramtsbewerberin Marga Scheerer von Birkefiau nach Wahlen; Lehrer Helmut Köhler von Unter-Abtsbffinach nach Kelsterbach Kreis Groß-Gerau; Lehramtsanwärter Gerhard Kaspar von Viernheim nach Bad Vilbel Kreis Friedberg; Lehramtsbewerberin Margot Zindrowski von Viernheim nach Fahrenbach; apl. Lehrer Karl Ernst Krauß von Lautern nach Schadenbach Kreis Alsfeld; Lehrer Otmar Kappesser von Hirschhorn nach Astheim Kreis Groß-Gerau; Lehramtsanwärter Heinrich Fuhr von Biblis nach Leeheim Kreis Groß - Gerau; Lehrerin Hildegard Metzkes von Rimbach nach Schuldienst im Regierungsbezirk Wiesbaden; Lehrer Wilhelm Krenkel von Heppenheim nach Bensheim; Lehrer Emil Heinz von Aschbach nach Viernheim; apl. Lehrer Georg J ungmann von Mengelbach nach Hirschhorn; Lehrerin Martha Weber von Mörlenbach nach Lorsch; Lehrer Peter Diehl von Zotzenbach nach Bensheim-Schönberg; Lehrer Karl Gerbig von Nieder-Liebersbach nach Groß-Rohrheim; Lehrerin Gudrun Roßmann von Lorsch nach Heppenheim; Lehrer Peter Krauß von Bensheim-Zell nach Bensheim-Auerbach; apl. Lehrerin Elfriede Böttcher von. Zwingenberg nach Bensheim; Lehrer Philipp Peter von Viernheim nach Lampertheim; Lehrerin Use Schmieder von Hofheim nach Hengelbach; Lehramtsbewerber Günter Klose von Bensheim nach Ober-Scharbach; apl. Lehrerin Elsbeth Moll von Lampertheim nach Büttelborn Kreis Groß-Gerau.
Was aǔch interessiert:
Kopfverletzungen erlitt ein Motorradfahrer in Sandbach, der, einem Betrunkenen ausweichend, mit seinem Fahrzeug am Bordstein stürzte. Er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. (hm)
Eine Wiedersehens- und Erinnerungs¬ feier halten die Angehörigen des Jahrgangs 1900, Roßdorf, am Sonntag, dem 20. August, um 15 Uhr im „Darmstädter Hof“. Am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Abends spielt die Kapelle Breitwieser bei Ueberraschungen und Tanz. (sl) „Annonda, die Braut des Maharadscha", ein Schauspiel aus Indien in vier Akten, wird von der Katholischen Jugend Eppertshausen am kommenden Sonntag und Montag jeweils 20.30 Uhr als Freilichtaufführung gebracht. (-gi-)
Eine Volksabstimmung wegen der Müll¬ abfuhr fand in Nauheim statt, da die Gemeindevertretung in dieser Frage verschiedene Ansichten vertrat. Die Abstimmungsbogen wurden bereits eingesammelt und es wird mit der Bekanntgabe des Ergebnisses in der nächsten Gemeinderatssitzung gerechnet. (-au-)
Das Fest des hl. Petrus in Ketten, ihres Kirchenpatrons, beging die katholische Gemeinde Asth e i m zusammen mit ihren beiden Filialen Trebur und Bauschheim am letzten Sonntag. Nach alter Ueberlieferung wurde eine sakramentale Prozession durch die Ortsstraße gehalten. (-au-)
meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Eschollbrücken. Am kommenden Sonntag findet der „Dekanatstag des evangelischen Bundes“ statt. Um 14.30 Uhr wird ein Festgottesdienst abgehalten. Es sprechen ’ Propst Rau und Pfarrer Sucker. Alle Nachbargemeinden sind dazu eingeladen. (sl)
Roßdorf. Am kommenden Samstag hält die Belegschaft der Odenwäider-Hartsteinindustrie im Gemeinschaftshaus unter Mitwirkung der Kapelle Breitwieser ihre diesjährige Betriebsfeier ab. (sl)
Ober-Ramstadt. Die obere Mädchenklasse weilt z. Z. mit Lehrer Hahn im Allgäu. Den zwölftägigen Aufenthalt wird die Klasse besonders mit Besichtigungen und Bergtouren ausnutzen. — Am Sonntag startet der Narrhalla-Verein seinen Vereinsausflug ins Wispertal. (-D-)
Jugenheim. Nach einer Mitteilung der Spar- und Darlehnskasse werden heute noch Bestellungen auf Obstbäume und -Sträucher angenommen. (hl)
Bickenbach. Die Obst- und Gemüseverwertungs-Genossenschaft hält am kommenden Samstag, um 20 Uhr, im Gasthaus „Zum Hirsch“ eine Hauptversammlung ab. (hl)
DIEBURG
Münster. Eine größere Anzahl Fundgegenstände können auf der Bürgermeisterei abgeholt werden. — Sämtliches Brennholz muß bis zur Sperrung der MUNA, am Freitag (18. August) von dort abgefahren sein. — Verschiedene Straßenzüge sollen in Notstandsarbeit neu gepflastert werden. (-gi-)
Reinheim. Die letzte diesjährige Abendwanderung des Odenwaldclubs findet am kommenden Samstag unter der Führung von Weber statt. Die Wanderung führt durch die Wiesen nach dem Gersprenzsteg hinauf zum Forstberg. (-gi-) Eppertshausen. In Kürze wird die Neubepflasterung der Bürgersteige der Mozart- und Brückenstraße begonnen. Die Ausführungskosten werden auf 8000 DM geschätzt. (-gi-)
EXRBACH
Höllerbach. Die Gemeinde feiert am kommenden Sonntag und Montag die Kirchweih. (tm)
Pfaffen-Beerfurth. Die Gemeinde feiert am kommenden Sonntag und Montag „Kerb“. In dem Saal Hascheri ist nur am Sonntag Tanz, während in den Sälen „Zur Post“ und „Zur Pfalz“ an beiden Tagen getanzt wird. (tm)
Reichelsheim. Der im vergangenen Jahr im Ostertal gegründete Reiterverein ist zur Zeit mit dem Training für den am 29. September in Reichelsheim stattfindenden „Micheismarkt“, bei welchem er seine Teilnahme bei den Veranstaltungen zugesagt hat, beschäftigt. (ptoo.)
Raubach. Da die Wasserverhältnisse in der am Berg gelegenen Gemeinde seit jeher schwierig waren und die Gemeinde nicht über jene Einkünfte verfügt, die den Bau einer Wasserleitung rechtfertigen oder ermöglichen, haben sich einige Landwirte eine Privatwasserleitung bauen lassen. (-r)
SERGSTRASSE
Bensheim-Auerbach. Wegen Instandsetzungsarbeiten bleibt die Mühltalstraße (von Auerbach näch Hochstädten) zwischen Bachgasse und Wiemers Mühle für den Fährverkehr gesperrt. Die Umleitung für leichtere Fuhrwerke erfolgt über das Fürstenlager, für schwerere Fahrzeuge über Jugenheim-Balkhausen. (HB) Rimbach. Der zuletzt hier gemeldete E. Lenz wurde jetzt in Basel unter dem Verdacht des Grenzschmuggels und des Betruges festgenommen. Eine Flasche Insulin, deren Inhalt sich später als gewöhnliches Kochsalz herausstellte, hatte er für Schmuck und Juwelen im Gesamtwert von 35 000 DM an einen Schweizer Staatsbürger verkauft. (—r)
Waldmichelbach. Ein junges Mädchen wurde in der Ludwigstraße von einem in gleicher Richtung fahrenden Pkw erfaßt und zu Boden geschleudert, als es mit seinem Fahrrad von der rechten auf die linke Fahrbahn überwechseln wollte, ohne sich vorher über die Verkehrssituation vergewissert zu haben. Eine Gehirnerschütterung und ein demoliertes Fahrrad waren die Folgen. (—r)
GROSS-GERAU
Geinsheim. Von Seiten des Landestheaters Darmstadt, Theaterring Odenwald-Bergstraße, wurde auch in der hiesigen Gemeinde eine örtliche Besuchergruppe gebildet. -au-*
Raunheim. Bei dem Ausflug des evangelischen Kirchenchors nach Weilburg an der Lahn fuhr in Eschborn ein Radfahrer gegen den Omnibus. Er war auf der Stelle tot. Wegen polizeilicher Tatbestandsaufnahme konnte die Fahrt erst mit einigen Stunden Verspätung fortgesetzt werden. -au-
Worfelden. Eine Uebung der Freiwilligen Feuerwehr stellte erneut die ständige Einsatzbereitschaft unter Beweis. Als Brandherd wurde eine Feldscheune angenommen. Bei der anschließenden Schlußbesprechung sprach der Kommandant, Klink, Lob und Anerkennung für seine vollzählig erschienene Wehr aus. -au-
Goddelau - Erfelden. Die Landstraße 11. Ordnung 156 Goddelau-Erfelden wird ab sofort wegen Instandsetzungsarbeiten bis einschließlich Donnerstag, 24. August 1950, für den Durchgangsverkehr aller Art gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Landstraße 11. Ordnung 155 Goddelau— Stockstadt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten, -th-
Der SPORT
Neues Stadion der 98 er
315 000-DM-Projekt für Darmstadts Sport
In einer Zusammenkunft im Städtischen Hochbauamt in der Bessunger Straße versammelten sich am Donnerstag die Vertreter der Stadt, des Bauamtes, des Sportvereins 98 und des Tennis- und Eisklubs zu einer Aussprache über den Bau eines neuen Stadions an der Nieder-Ramstädter Straße.
Gegenüber dem Südeingang zum Hoch-Schulstadion will der SV 98 eine eigene Sportplatzanlage errichten, die 25 000 bis 30 000 Zuschauern Platz bieten soll. Dieses Stadion wird tiefer wie das eigentliche Gelände liegen, verschiedene Ränge werden vom Kampfplatz in gemauerten Ringen zu je 80 Zentimeter Tiefe ansteigen und an der Seite des Haupteingangs überdacht sein. Neun Kassengebäude und ein hoher Fahnenturm vervollständigen die Anlage, die auch den größten Sportereignissen gerecht werden dürfte. Hinzu kommen weite Parkplätze für die Besucher, Umkleideräume und Trainingsfelder. Ein Großteil des Geländes gehört dem Staat Hessen oder ist im Besitz der Stadt. Die Besitzer von Privatgrundstücken könnten auf dem Weg des Austauschs befriedigt werden.
Bürgermeister Schröder betonte, daß von einer Durchführung des ganzen Projektes vorläufig keine Rede sein könnte. Für eine Großsportanlage diesen Umfangs stünden zur Zeit keine ausreichenden Mittel zur Verfügung. Es wäre aber die Frage, was zu machen sei, um so bald als möglich einen Anfang zu finden. Dr. Grünewald vom SV 98 betonte, daß der Plan vom Stadionbau vom Verein alleine aus bekannten Gründen nicht durchzuführen wäre, zumal man sich nicht in Schulden stürzen wolle. Nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Gelder würde schrittweise an die Realisierung des Vorhabens gegangen. Die Anlage des Spielrasens, wie die Bezahlung der notwendigen'Arbeitskräfte könnte vom Verein sofort übernommen werden. Aber es wäre falsch, durch unsachgemäßen Beginn die Arbeiten zu verzögern, der Plan müsse in seiner Gesamtheit angegriffen werden, wenn auch nur Stück um Stück. Der Tennis- und Eisclub erhob den Einwand, daß bei den beabsichtigten Arbeiten auch das Hockeyfeld in Mitleidenschaft gezogen würde. Obgleich der SV 98 dem Tennis- und Eisclub einen Hockeyplatz auf eigenem Gelände zur Verfügung gestellt hatte, bat der Verein, die Anlage des Stadions nach Möglichkeit um zehn oder zwanzig Meter verschieben zu wollen, damit das eigene, angrenzende Gelände nicht angeschnitten würde. Ebenfalls machte die Technische Hochschule geltend, daß sig unmöglich auf ihr Wurfgelände verzichten könne, weswegen eine Einbeziehung des Sportplatzgeländes der TH nicht möglich sei. Beide Partner, der Tennis- und Eisclub wie die TH waren aber bereit, diese Fragen auf dem Verhandlungswege klären zu wollen.
Bei der Beratung über den Anfang der Arbeiten wurde festgestellt, daß der SV 98 einige Leute einstelleji müßte, die im Augenblick der Schuttanfuhr durch die Stadt das Baumaterial gleich planieren könnten, sowie mehrere Maurer, die wenigstens den untersten Ring des Stadions ausmauern sollten.
Die Kosten für die Anfuhr von 18 500 cbm Trümmerschutt, wie für die Ausmauerung des Tribünenrings würden sich auf 20 000 DM belaufen. Teurer als diese Bauarbeiten wird die Anlage des Rasens sein, der eine intensive Bearbeitung erfordert. Für diesen Posten sind im Voranschlag 35 000 DM angesetzt. Die gleiche Summe wird nochmals für die Anlage der Laufbahn erforderlich sein, die aber vorläufig zurückgestellt werden wird, bis die nötigen Mittel dafür vorhanden sind. Das Ausmauern der Ränge wird noch einmal 105 000 DM notwendig machen, die Kosten könnten aber Verringert werden, wenn man Material aus Abbruchhäusern verwenden könnte. 32 000 DM sind für die Entwässerung und 8600 DM für die Drainage angesetzt. Die Bekiesung der Anfahrt dürfte etwa 30 000 DM kosten, womit sich die Gesamtaufwendungen für den Bau des neuen Stadions auf 315 000 DM belaufen würden.
Natürlich kann diese Summe nicht auf einmal aufgebracht werden, es wird notwendig sein, daß planmäßig an den Aufbau herangegangen wird, damit Darmstadt eine repräsentative und würdige Stätte zur Austragung seiner großen Sportveranstaltungen bekommt. -st.
Schwere Jagden durch Hessen und die Pfalz
Der Belgier Keteleer Etappensieger / Schild behält das weiße Trikot
Vo. Zweibrücken. (Eigener Bericht.) Bei bedecktem Himmel und starker Anteilnahme des Publikums ist am Donnerstag die 5. Etappe der Deutschlandfahrt bewältigt worden. Das Rennen führte nach dem Start um 10.15 Uhr von Gießen über Frankfurt und Mannheim durch die Pfalz nach Zweibrücken. Am Start fehlten außer den beiden Italienern Ortelli und Rossi auch deren Landsmann Ronconi, so daß sich nun kein Italiener mehr im Feld befindet. Aber auch Erich Bautz erschien nicht, der Dortmunder war nun doch zur Beerdigung seines Freundes, des Direktors der Patria-Werke, Hans A. May, nach Solingen gefahren. Vor der Abfahrt, in Gießen vereinigten sich Fahrer, Fahrtleitung und Zuschauer zu einem kurzen Gedenken an den verstorbenen Förderer des Radsports. An der Erschütterung der vier im Rennen verbliebenen Patriafahrer war deutlich zu spüren, wie eng Fahrer und Sport mit dem Toten verbunden gewesen sind.
Die Fahrt durchs Hessenland, entlang der Bergstraße und von Luwigshafen aus durch die Pfalz war ein Triumphzug für die DeutschJandfahrer durch ein winkendes Spalier von Menschen. Schon zehn Kilometer nach Gießen setzte sich eine Spitzengruppe aus Schumacher, Diederich, Schürmann, Heuser und dem Schweizer Schütz vom Felde ab und vergrößerte den Vorsprung bis Frankfurt auf sechs Minuten. Das Hauptfeld, in dem sich auch der „Weiße-Trikot-Träger“ Herrmann Schild befand, hatte Pech, denn bei Vilbel, kurz vor Frankfurt, war die Bahnschranke geschlossen und dadurch gingen zwei Minuten verloren. Durch ein Spalier von Tausenden kam die Spitzengruppe immer noch mit einem Fünfminutenvorsprung in Ludwigshafen an.
Durch die Pfalz setzte von Ludwigshafen aus eine tolle Jagd ein. Bei strömendem Regen jagte das Hauptfeld Zweibrücken entgegen, holte die Spitzengruppe ein, und in den Straßen von Zweibrücken entspann sich ein spannender Endkampf um den Etappensieg, den der Belgier Ketteleer in 7:07,37 Stunden davontrug, um Radlänge gegen Theißen (Hildesheim) und den Magdeburger Zoll. Der Träger des Weißen Trikots, Hermann Schild, stürzte auf dem glatten Asphalt in Zweibrücken einige hundert Meter vor dem Ziel, hatte dadurch Reifenschaden und fühl' auf den Felgen durchs Ziel, un/sich die Führung in der Gesamtwertung zu retten. Er wird also auf der morgigen Etappe Zweibrükken—Stuttgart weiter das „Weiße Trikot“ tragen.
Etappenergebnis Gießen—Zweibrücken: 1. Ketteleer (Belgien) 7:07,37, 2. Theißen (Hildesheim) 7:07,37‘/io, 3. Zoll (Magdeburg) 7:07,58, 4. Weimer (Stuttgart), 5. Müller (Schwenningen), 6. Pellenaers (Holland), 7. Desquene (Frankreich), alle gleiche Zeit.
Tischtennis am Wochenende
Der Bezirk Darmstadt ermittelt am Sonntag in der Turnhalle zu Arheilgen die besten Spieler der männlichen und weiblichen Jugend. Bei diesen Ranglistenspielen dürfen auch die Jugendlichen, die in den aktiven Mannschaften spielen, teilnehmen.
Hart erkämpfter Sieg der Handballer
Wormatia Worms—SV 98 Darmstadt 4:11
Das waren nicht dieselben Wormser, die vor Wochen in Darmstadt gegen die Sportvereins-Elf sang- und klanglos untergingen. Man wai- baß erstaunt, mit welchem Einsatz und Eifer die Rheinstädter ins Zeug gingen. Daß dabei das Spiel vor allem in der 2. Halbzeit allzuharte Formen annahm, war nicht weiter verwunderlich. Man wollte gegen die 98er so gut wie möglich abschneiden. Dazu kam daß die Gastgeber den unverwüstlichen ehemaligen Nationaltorhüter Heiner Keimig im Tor hatten, der noch ganz beachtliches Können zeigte.
Immerhin haben die 98er einen kleinen Vorgeschmack davon erhalten was sie in der kommenden Verbandsrunde links des Rheins zu erwarten haben. Man wird gut tun sich schon jetzt darauf einzustellen, um keine Überraschungen zu erleben. Die 98er kamen fast in derselben Besetzung wie vor 2 Wochen gegen Hassel. Sie hatten wohl nicht mit dem harten Widerstand gerechnet und mußten erst einiges zulegen um die Wormser doch noch klar zu distanzieren. Für den verhinderten Lutz spielte erstmals wieder Karl Wenz, der seine Verletzung recht gut ausgeheilt hat und sich gut einfügte. Mannschaftsaufstellung der 98er: Göbel; Mark, Glock; Glenz, Peters, Fischer; Schäfer, Roß, Wenz, Reinhardt, Lehning. Das Spiel begann mit schnellen Angriffen der Wormser und schon in der 5. Minute gingen sie in Führung. Zwischendurch kamen auch die Darmstädter einige Male schön durch, aber es schien wie verhext. Entweder Keimig stand immer gerade da, wo der Ball hin sollte, oder aber die 98-Stürmer wollten es zu genau machen. So wurden verschiedene Bälle vorbei geschossen bzw. die Latte angezielt. Erst in der 16. Minute erzielte Schäfer den Ausgleich. Postwendend erhöhten die Wormser und es dauerte wiederum 3 Minuten, bis Wenz das 2. Darmstädter Tor erzielte und noch einmal gingen die Wormser durch einen verwandelten Strafwurf in der 25. Minute in Führung, die Schäfer noch vor der Pause ausglich.
Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte kamen die Wormser durch ein recht zweifelhaftes Tor zu ihrem 4. und letzten Erfolg. Dann waren die Darmstädter da und zogen in schnellen, breiten Angriffen los, so daß in kurzer Zeit Schäfer, Roß und wieder Schäfer den Ausgleich und die Führung brachten. Inzwischen verstärkte sich der Regen und die Dunkelheit brach schon sehr früh herein. Dies mag etwas dazu beigetragen haben, daß einige allzu harte Dinge in das Spiel kamen. In der 13. Minute schaffte Wenz das 7. Tor, in der 14. Schäfer das 8. und Peters in der 17. Minute das 9. Tor. Bei verteiltem Feldspiel kamen noch Roß und Schäfer zu Tor-Ehren, ehe der leider zu nachsichtige Schiedsrichter das Spiel beenden konnte.
Am kommenden Sonntag fahren die 98er Handballer wiederum ins Saargebiet. Sie sind nach St. Ingbert eingeladen worden. Ihr Auftreten und gutes Spiel vor Monaten beim Saarmeister Hassel und der klare Erfolg gegen dieselben Saarländer vor 14 Tagen beim Rückspiel in Darmstadt haben den Lilienträgern diese nächste Einladung eingebracht. Auch dieses Spiel soll der weiteren Vorbereitung für die am 3. September beginnenden Verbandsrunde dienen. Hoffen wir daß die 98er Gutes vom Saarland berichten können.
Fußballkreis Darmstadt
Viele Vereine der näheren Umgebung von Darmstadt nehmen am Sonntag die Gelegenheit wahr, dem Neuling der Oberliga im ersten schweren Spiel etwas Unterstützung zu leisten. Aus diesem Grunde fallen viele Freundschaftsspiele in den unteren Klassen aus.
Grafenhausen unternimmt einen Ausflug nach dem schönen Lindenfels und spielt dort gegen die spielstarke Elf des aufstrebenden A-Klasse-Vereins. Seeheim hat sich Zwingenberg zum Rückspiel eingeladen und steht vor keiner allzu schweren Aufgabe. Union Darmstadt mißt sein Können mit Spachbrücken und dürfte hierbei kleine Vorteile haben.
Bezirksldasse immer noch nicht klar
Da nun doch Opel Rüsselsheim und Olympia Lampertheim in die Landesliga aufgestiegen sind, und der VfR Langen nicht Bezirks-Pokalsieger werden konnte, war die Auswahl der Vereine in der Bezirks-Klasse etwas zu gering. Der Bez.- Spielausschuß lud deshalb am Dienstag sämtliche fünf Zweiten der A-Klasse zu einer Besprechung nach Eberstadt ein. Es wurde vorgeschlagen, aus den Vereinen VfR Langen, Neustadt / Odw., Ueberau, Groß-Rohrheim und Groß-Gerau noch drei Aufsteigende im k.-0.- System schnellstens zu ermitteln. Die Auslosung ergab folgende Paarungen: In Langen: Ueberau gegen Groß-Gerau, in Groß-Gerau: VfR Langen gegen Groß-Rohrheim. Neustadt zog Freilos. Anfang der Spiele 16 Uhr. Die beiden Sieger steigen sofort auf. Neustadt spielt dann am Mittwoch um 17 Uhr 30 in Arheilgen gegen den Verlierer des Spieles Ueberau Groß-Geraii. Der Sieger von Arheilgen spielt als 3. Aufstiegskandidat auf einem noch bekannt zu gebenden neutralen Platz gegen den Verlierer des Spieles VfR Langen—Groß-Rohrheim.
Weiterhin kommt in Ober-Roden das Entscheidungsspiel um den Bezirks-Pokalmeistei' der B-Klasse zwischen Reinheim und Götzenheim zum Austrag.
Zum letten Male...
bunte Unterhaltung in der WK-Möberausstellung
Die Ausstellung „Gute Möbel, die man kaufen kann“ wird in einigen Tagen in ihrem jetzigen Umfange offiziell beendet. Wer es bisher noch versäumt hat, die Möbelschau zu sehen, sollte daher diese letzten Tage zur Besichtigung noch wahrnehmen. Am Samstag, 19. August und Sonntag, 20. August werden den Besuchern nochmals zusätzlich zwei Veranstaltungen geboten, die bisher reichen Beifall fanden. Am Samstag, um 19.30 Uhr, veranstaltet das Handharmonika - Orchester einen Musikabend an dem außerdem die Konzertsängerin Ilse Göttelmann und Hans Herter als Fliegendorzel und Mickedormel mitwirken. Die verbindenden Worte spricht Herbert Görner. Eine zweite Veranstaltuhg künstlerischer Art wird den Besuchern der Möbelschau am Sonntagum 16 Uhr geboten. Diese Veranstaltung wird getragen von dem „Orchester der Landesmusikschule“ unter Leitung von Bruno Stürmer. Gleichzeitig stellen sich hierbei die „Studierenden der Opernschule“ vor. Klavierbegleitung: Hildegard Menges.
Der Eintrittspreis zu jeder Veranstaltung beträgt 50 Pfg, wobei der Besuch der Möbelschau eingeschlossen ist.
Richtfest
beim Bauverein für Arbeiterwohnungen
Gestern konnte auf den Neubauten in der Wilhelminenstraße, auf dem Saalbaugelände, und in der Feldbergstraße die Richtkrone aufgezogen werden.
Einen alten Brauch ehrend, würdigte ein junger Zimmermann an der Baustelle in der Saalbaustraße alle, die zu dem Gelingen der Bauten beigetragen haben. Bald darauf brachten Lastwagen die rund 400 Arbeiter auf das „Heilig Kreuz“ wo in Anwesenheit von Stadtrat Dr. Holzmann, den beteiligten Architekten Müll er - Kappler, Crößmann und Samesreut h e r und dem technischen Berater des Bauvereins für Arbeiterwohnungen, Lauke, ein feuchtfröhlicher Richtschmaus begann. Stadtrat Dr. Holzmann dankte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des „Bauvereins für Arbeiterwohnungen“ den Architekten und Handwerkern und nicht zuletzt denjenigen, die durch unermüdlichen Einsatz die Finanzierung der Projekte ermöglichten.
Wie Stadtrat Dr. Holzmann weiter ausführte, werden die Bauten mit ihren insgesamt 112 Wohnungen noch vor Weihnachten beziehbar sein. Damit erhalten rund 500 Menschen ein neues Heim. Nach Beendigung der begonnenen Neubauten werden durch den Bauverein für Arbeiterwohnungen insgesamt 1500 Wohnungen fertiggestellt sein. Die Wohnungen sind fast alle mit komplettem Bad, einem Küchenherd und einem, bei größeren Wohnungen zwei Zimmeröfen ausgestattet. Es bleibt den künftigen Mietern überlassen, ihre Küche auf Gas oder Elektrisch einzustellen.
Die Wohnungen auf dem Saalbaugelände sind aufgeteilt in drei und vier Zimmer, während in der Wilhelminenstraße Zwei- und Dreizimmerwohnungen, zum Teil mit Balkon, erbaut werden. Die ehemalige Tiefe dieser Ttümmergrundstücke wurde nicht voll ausgenutzt, weil vor dem Haus ein Grünstreifen angelegt werden soll. H. R.
In der Stadt notiert
Für 1200 Personen ist gesorgt, wenn sich am kommenden Sonntag um 16 Uhr in Eberstadt die Tore der Araber-Likörfabrik zum zweiten Male öffnen. Herr Muth, den wir wegen des großen Erfolges, den die von ihm inszenierte festliche Veranstaltung anläßlich der Eberstädter Kerb am vergangenen Sonntag erfahren hat, interviewten, erklärte uns zuversichtlieh, daß er diesmal jedem Publikumsansturm standhalten werde. Leider dürfen wir unseren Lesern von dieser „Nachkerbfeier“ nicht mehr verraten, da wir uns Herrn Muth gegenüber zur Diskretion verpflichtet haben. DT
Bei der Deutschlandfahrt verunglückte gestern in Darmstadt an der Kreuzung der Kasino- und Bleichstraße ein Motorradfahrer-Begleiter der NSU-Mannschaft — als er mit einem Personenwagen aus Griesheim zusammenstieß. Er wurde verletzt und mußte in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden.
Ein blaues Paddelboot wurde am 16. August im Autohaus Porcher und Meffert in der Rheinstraße gestohlen. Es war dort vorübergehend abgestellt. Es trägt die Nummer 22 14, hat zwei Sitze, ist drei Meter lang und wiegt 50 kg. ys
Schreibt an Fritz Knippelius
Leben und lernen
Die unterzeichnete Direktion dankt Ihnen hiermit bestens für die Aufnahme des Berichtes „Leben und Lernen“ in der Ausgabe Ihres geschätzten Blattes vom 16. 8 Gleichzeitig erlauben wir uns, Sie darauf hinzuweisen, daß Ihnen das Mißgeschick zugestoßen ist, anfangs — wie es richtig heißen muß — vom Ludwigs- Realgymnasium Darmstadt, am Schlüsse jedoch vom Ludwigs -Gymnasium zu sprechen. Da es in Darmstadt auch ein (Ludwigs-Georgs-) Gymnasium gibt und somit bei den Lesern Zweifel auftauchen könnten, welche der beiden Schulen nun eigentlich in Frage kommt, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie in einer Berichtigung klarstellten, daß es sich um das Ludwigs - Realgymnasium handelt. Finkenwirth Oberstudiendirektor
. . . wozu wir gerne bereit sind und es durch Abdruck des direktoralen Briefes tun.
Fritz Knippelius
Moses auf dem Berg Sinai
Nach der Presse beschäftigt sich das hessische Kabinett zur Zeit mit dem Entwurf einer neuen Gemeindeordnung. Diese Maßnahme ist dringlich und notwendig, weil die jetzt geltende Gemeindeverfassung erhebliche Mängel, Lücken und Unklarheiten aufweist und dem Gedanken wirklicher Selbstverwaltung vieles schuldig bleibt.
Zur Beratung dieses wichtigen Gesetzesstoffes hatte sich das hessische Kabinett — wie weiland Moses auf den Berg Sinai — in die oberbayerische Gebirgswelt zurückgezogen. Hier hoffte man anscheinend die Ruhe und Sammlung zu finden, die zur Geburt eines so schwierigen Werkes notwendig ist, einer Regelung, die auf der untersten Ebene der öffentlichen Verwaltung demokratische Wirklichkeit stabilisieren soll.
Dieses Bemühen der Regierung in allen Ehren,, doch darf daran erinnert werden, daß diese Art der Gesetzesmacherei nicht der richtige Weg ist, um dem obersten Gebote der Demokratie gerecht zu werden, das Volk am Staate zu beteiligen Und im Einklang mit dem Volkswillen zu bleiben. Man wird sagen, dazu ist der Landtag berufen. Richtig! Aber die Landtagsabgeordneten sind nicht die Nächstbeteiligten in dieser Sache; die unmittelbar Beteiligten sind die Gemeinden, die Kreise und Städte, vertreten durch ihre Organe.
Deshalb wäre es richtiger, Gesetze dieser Art vor ihrer Verabschiedung zur öffentlichen Diskussion zu stellen, sich nicht in die Ferne von Wiessee zurückzuziehen, sondern im eigenen Lande Versammlungen anzuberaumen, in denen Bürgermeister, Landräte und Kreis- und Gemeindevertreter Gelegenheit zur Meinungsäußerung über den Referenten-Entwurf haben. Auf diese Weise könnten die Erfahrungen der Selbstverwaltungsorgane der Gesetzgebung nutzbar gemacht werden, denn bei aller Hochschätzung der Weisheit des grünen Tisches bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die praktischen Erfahrungen des Lebens nicht entbehrt werden können, wenn ein wirklich brauchbares Gesetz zustande kommen soll.
Wenn man bestrebt ist, die Demokratie nicht bloß in der Theorie, sondern auch in der Praxis zu verwirklichen, darf man die Gemeinden nicht in ihrer eigenen Sache vor vollendete Tatsachen stellen, sondern muß sie vorher zur Mitwirkung heranziehen, um auf diese Weise den demokratischer? Staatsgedanken auch auf der untersten Stufe zur Tat werden zu lassen.
Eduard Schneider, Kreistagsabgeordneter
Mathildenplatz Autobahnhof
Im „Darmstädter Echo“ wurde die Darmstädter Bevölkerung mit diesem Plan der Stadtbauverwaltung bekanntgemacht. Wen ich seitdem in dieser Angelegenheit auch sprach, war gegen dieses abwegige Projekt. Der einfallsreiche Hart.muth Pfeil hat. in seiner humorvollen Weise eine Gruppe besonders interessierter Fürsprecher des Planes unter der Devise „Worscht — Weck und Woi“ sehr treffend illustriert, aber im übrigen ist es um das Projekt selbst auffallend still geworden. Sollte es endgültig ad acta gelegt worden sein? Im Interesse der Stadt wäre dies zu wünschen. Sicher ist es aber keineswegs, und die Darmstädter Bevölkerung sollte ihren „Mathildenplatz“ und seine zukünftige Gestaltung nicht aus dem Auge verlieren. Wenn erst einmal die Räumkolonne und hinterher die Bauarbeiter auf däm Platz erscheinen werden, dann kommen die Klagen um seinen Verlust zu spät.
Als die zwei repräsentativen Bauten, die den Mathildenplatz an seinen beiden Schmalseiten flankieren, eingerüstet wurden, wird sieh mancher Darmstädter gefreut und auch gedacht haben, daß der in seiner Gestaltung bisher etwas stiefmütterlich behandelte Mathildenplatz ebenfalls bald eine würdige Auferstehung feiern würde, denn auf diesem Platz steht Darmstadts schönster Brunnen. Selten findet man eine so ausgewogene, in ihren Proportionen so fein gegliederte Brunnenanlage. Die allzunahe darum gepflanzten Bäumchen mögen vielleicht die Ursache sein, daß die Schönheit dieses Brunnens vielen nicht einmal so recht bewußt «ist, weil die architektonische Pracht von allen Seiten durch zu viel Grün verdeckt wird und dadurch kaum zur Wirkung ^omnien kann. Dicht um den Brunnen sind d.e Weißdornbäumchen fehl am Platze. Dagegen könnte eine sich vom Ju?tizpala^teundf der gegenüber liegenden Seite fr öffnende Perspektive aus diesem Platz mit seinem herrlichen Brunnen ein städtebauliches Kleinod schaffen.
Das Städtische Gartenbauamt, das zur Zeit die geschmackvoll gruppierten bunten Blumen-Paletten über die Stadt streut, fände in Verständigung mit dem Architekten eine schöne Aufgabe. Was aber aus dem Mathildenplatz in Wirklichkeit werden würde, wenn Autobahnhof — Warteraum — Tankanlage erst einmal in vollem Betrieb wären das kann man sich leider vorstellen. In diesem, für das städtebauliche Bild so wichtigen Fall, sollte nicht nur der Nutzlichkeitsgedanke den Ausschlag geben dürfen! Die besänftigenden Einschränkungen und Versicherungen, daß man Brunnen, Denkmal und Grünfläche selbstverständlich erhalten wolle, sollen der Darmstädter Bevölkerung die bittere Pille nur schmackhafter machen. Ich habe viele Jahre in den größten europäischen Städten gelebt aber selbst dort, wo die Verkehrsfragen brennender waren und sind als in Darmstadt, würde man einen solchen Platz niemals einem reinen Nützlichkeitsgedanken geopfert haben. Darmstadt hat im Marienplatz ein Gelände zur Verfügung, das alle Anforderungen eines Autobahnhofes besser erfüllen kann als der Mathildenplatz.
Adolf Ziegler. Darmstadt Wilhelm-Glässing-Straße 9
Lieber Herr Ziegler!
Man sollte — da haben Sie ganz recht — solche Dinge nicht aus den Augen lassen, sonst wacht man eines Tages auf und schon ist’s passiert. Allerdings hätten da doch noch eine Menge Leute — die Stadtverordnetenversammlung usw. usw. — ein Wörtchen mitzureden, ehe es dazu käme. Ich habe aber gerade kürzlich läuten gehört, der Sturm in Darmstadt gegen die geplante Autobahnhofgestaltung sei schon so stark gewesen, daß man den Platz hinter dem Schloß, auf dem früheren Gelände des Hauses Stegmüller, jetzt in Erwägung ziehe. Allerdings will man auch dort einen Teil der Technischen Hochschule hinbauen. Wir wollen wachsam sein.
Fritz Knippelius
Selbständig machte sich gestern gegen 12.47 Uhr der Anhänger eines Lastwagens in der Dieburger Straße im Stadtteil Arheilgen. Er rollte in ein Schaufenster, wobei ein Sachschaden von 1500 DM entstand.
Bestattungen am Freitag, dem 18. August 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 11.00 Wild, Alois, Metzgermeister. Roßdorf, Bahnhofstraße, 61 Jahre 15.30 Pfeffer, Margarete, Jugenheim, 60 Jahre Arheilger Friedhof: 15.00 Stork, Philipp, Elfeicherweg 18, 61 Jahre Waldfriedhof: 14.15 Korndörfer, Johann, Bäckermeister, Lißbig-Straße 81, 69 Jahre Feuerbestattungen: 10.45 Schad, Rosa, Landskronstraße 23, 83 Jahre 16.15 Opitz, Louis Franz, Gundernhausen. 79 Jahre
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN | Vergleichsverfahren 3 VN 4/50. Ueber das Vermögen des Kaufmanns Daum In Darm¬ stadt, Barkhausstraße 25, Inhaber der im Handelsregister nicht eingetragenen Firma „Letex“ Lederwaren und Textilien. Inh. Hermann Daum in Darmstadt wird heute, am 12. August 1950, 9 Uhr. das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet, da Schuldner zahlungsunfähig ist. Der Betriebswirt Johs. Karasch in Darmstadt, Rheinstr. 46, Tel. 37 24, wird zum Vergleichsverwalter ernannt. Termin zur Ver¬ handlung über den Vergleichsvorschlag wird auf Donnerstag, den 14. September 1950, vormittags » Uhr, vor dem Amtsgericht in Darmstadt, Mathildenplatz 12, Zimmer Nr. 324, anbetaumt. Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Forderungen alsbald (2fach) anzumelden. Die erlassenen Verfiigungsbeschränkungen bleiben bestehen. Antrag und Ermittlungsergebnis können auf Zimmer 300 eingesehen werden. Darmstadt, den 12. August 1950 Amtsgericht Abt. 3 3 VN 10/50. Beschluß. Der Kaufmann Wilhelm Wolf in Pfung¬ stadt und die Firmalmportex Import und Export GmbH In Düssel¬ dorf in ihrer Eigenschaft als Pächtergeiellschaft der Firma E. H. Baldner, Eisenhandlung In Pfungstadt, haben am 11. August 1950 beantragt, über das Vermögen dieser Gesellschaft das Ver¬ gleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses zu eröffnen. Zum vorläufigen Verwalter wird Diplom-Kaufmann Heinz Kayser in Darmstadt, Lueßweg 11, bestellt. Gegen die VergleichssChuldnerln wird mit Wirkung vom 11. August 1950, 16 Uhr. ein allgemeines Verfügungsverbot erlassen. Den Drittschuldnern wird verboten, ohne Zustimmung des vorläufigen Verwalters an die Vergleichs¬ schuldnerin zu leisten. Verfügungen und Leistungen mit Zustim¬ mung des vorläufigen Verwalters sind unbeschränkt wirksani. Darmstadt, den 11. August 1950 Amtsgericht Abt. 3 3 VN/9/S0 Beschluß. Der Kaufmann Werner Rudorf tn Rotdorf bei Darmstadt, Dieburger Straße 87, hat am 12. August 1950 beantragt, übet sein Vermögen das Vergleichsvirfahfeh zur An¬ wendung des Konkurses zu eröffnen. Zum vorläufigen Verwalter wird Rechtsanwalt L. Volz in Ober-Ramätadt, Telefon 226, bestellt. Gegen den Vergleichsschuldner Wird mit Wirkung vom 12. August 1950, 10 Uhr, ein allgemeines Verfügungsverbot erlassen. Den Drittschuldnern wird verboten, ohne Zustimmung des vorläufigen Verwalters an den Vergleichsschuldner zu leiste«. Verfügungen und Leistungen mit Zustimmung des vorläufigen Ver« Walters sind unbeschränkt wirksam. Darmstadt, den 12. August 1950 Amtsgericht Abt. 3 SM»»®
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