Bombenteppich lähmt Offensive
In Korea der schwerste Luftangriff seit der Normandie
Pusan, 16. August. (AP./dpa/Reuter.) Am Mittwochfrüh haben gewaltige Detonationen das Ostufer des Naktong im Mittelabschnitt der koreanischen Front erschüttert. Gewaltige Rauchpilze stiegen zum Himmel und Stichflammen zuckten empor. 96 Superfestungen der amerikanischen taktischen und strategischen Luftwaffe bewaren en Bereitstellungsraum der nordkoreanischen Divisionen, eren Antritt zur Offensive jede Stunde erwartet werden mußte.
Die amerikanischen Maschinen zogen in Wellen zu je zehn in kurzen Abständen von Japan kommend in etwa zweitausend Meter Höhe über die amerikanischen Stellungen hin. Die in schweren Abwehrkämpfen stehenden Einheiten der Vereinten Nationen erhoben sich aus ihren Schützenlöchern und winkten mit ihren Helmen den Verbänden in der Luft zu. Nach Ueberfliegen des Naktong lösten die ersten Wellen ihre Bomben. Auf einer Breite von sechs Kilometern und einer Tiefe von zwölf warfen die schweren amerikanischen Maschinen 3600 Bomben in die nordkoreanischen Bereitstellungen.
Amerikanische Abwehroffiziere rechnen, daß sich in dem bombardierten Raum mindestens vier Divisionen mit Panzern befunden haben müßten. Der Abwurf geschah in der Form der Bombenteppiche, das heißt, systematisch wurde das Gebiet gleichmäßig mit Bomben belegt, zeitlich gestaffelt, als ob man einen Teppich abrolle. Amerikanische Sachverständige der Luftstreitkräfte glauben, daß es sich um den schwersten Angriff auf taktische Ziele seit den Kämpfen in der Normandie gehandelt hat.
Ilie ©ffenßtte vrrjöpert
Die Jagdmaschinen, die den Bomberverbänden folgten, stießen tief in die Rauchschwaden hinein, um festzustellen, wie die Wirkung gewesen sein könnte. Unmittelbar im bombardierten Raum soll die nordkoreanische Infanterie überall in wilder Flucht beobachtet worden sein. Man rechnet ernsthaft damit, daß durch den Bombenteppich die Auslösung der mit Spannung erwarteten Großoffensive der Nordkoreaner verzögert worden ist. Nach dem Angriff schwieg nicht nur die Front auf amerikanischer Seite, sondern auch die nicht betroffenen nordkoreanischen Truppen stellten sofort das Feuer ein. Nach einer kurzen unheimlichen Stille entbrannte jedoch die Schlacht an den Brückenköpfen erneut.
Südwestlich von Taiku wurde ein neuer Brückenkopf gebildet. An der Naht zwischen der ersten Kavallerie-Division, die den Raum um Taiku deckt, und der 24. amerikanischen Infanterie-Division, die den Brückenkopf am großen Naktong-Bogen bekämpft, klafft jetzt eine Lücke. Der Feind hat sich hier mit starken Kräften hineingeschoben. Es steht nicht fest, ob er hier mit zwei Regimentern oder mit zwei Divisionen bereits über den Fluß gegangen ist.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß selbst massierte Bombenwürfe in Bereitstellungsräume wohl die Auslösung einer Offensive verzögern, sie jedoch nicht verhindern können. Auch die Wirkung von Bombenangriffen im freien Gelände wird viplfaeh überschätzt. Noch immer wird
der Feind an seinem strategischen Ziel festhalten können, den Brückenkopf zu bereinigen.
Frankreich verlangt Schutz
Ein geheimes Rüstungsmemorandum
Paris, 16. August. (dpa/AP.) Bei Besprechungen, die Ministerpräsident Pleven im Quai d'Orsay geführt hat, soll sich herausgestellt haben, daß das zweite Memorandum der französischen Regierung an die Vereinigten Staaten umfassender sei, als ursprünglich vorgesehen. In dem Memorandum wird der Beitrag Frankreichs zur gemeinsamen Verteidigung der atlantischen Gemeinschaft festgelegt. Das Memorandum ist noch geheim, man glaubt jedoch, daß die französischen Ansichten darin festgelegt seien, in denen die Bildung von zentralen Organen zur militärischen und politischen Lenkung gefordert werden.
In Frankreich herrscht vor allem in den intellektuellen Kreisen die Auffassung, das Land brauche sofort einen direkten Schutz. Man könne nur an eine wirksame Verteidigung in späterer Zeit denken, wenn man jetzt bereits wisse, daß man auch Aussicht habe, sich für die Verteidigung vorzubereiten.
Erdkruste am Himalaja aufgebrochen
Ein Erdbeben von fast zehn Stunden Dauer
Frankfurt, 16. August. (AP./dpa) Das Zentrum des heftigen Erdbebens, das am Dienstagnachmittag von fast allen Seismographen der Welt als eines der bisher schwersten Beben registriert worden ist, befand sich in Nordburma nahe der chinesischen Grenze, in einem glücklicherweise nur schwach bevölkertem Gebiet. Schwer heimgesucht wurden auch die indischen Provinzen Bengalen und Assam. In einem amerikanischen Institut erklärte ein Sachverständiger, ein Erdbeben von derartiger Heftigkeit hätte ganz Neuyork zerstören können. Das meteorologische Amt der indischen Regierung meinte, das Beben übertreffe die schweren Erdbebenkatastrophen, die 1897 und 1911 'ssam heimsuchten, noch an Heftigkeit. Es dauerte insgesamt 9'/a Stunden. Die Seismographen des Colaba - Observatoriums in Bombay waren der Heftigkeit des Bebens nicht gewachsen und zerbrachen.
In Tezpur, in Assam, wurden sechs weithin hallende Detonationen vernommen. Man glaubt, daß es sich hierbei um ein Aufbrechen der Erdkruste im Himalaja handelte.
Die Erdstöße waren so stark, daß audi die Seismographen in verzeichnet haben. Die Erdbeb®^3^e des geophysikalischen Instituts der Um versität Göttingen teilte mit, das Beben sei als das stärkste- seit der Gründung der Warte im Jahre 1900 registriert wor den. Die Ausschläge des Seismographen seien stärker gewesen als bei dem furchtbaren Erdbeben von Messina von 1908.
Auf der Erdbebenwarte auf dem Feldberg im Taunus hat die Zeigernadel trotz einer Reparatur am Seismographen bis zu zehn Zentimeter ausgeschlagen.
Nach den ersten Berichten aus Kalkutta wurde diese Stadt von mehreren Erdstößen erschüttert. Die Menschen eilten, von panischem Schrecken ergriffen, laut schreiend und betend auf die Straßen. Die Seismographen der indischen Metropole schlugen so stark aus, daß man die Zahl der Stöße nicht festlegen konnte.
Hungersnot in China
Hongkong. 16. August, (dpa) Nach der britischen Kolonie Hongkong sind jetzt die ersten sicheren Nachrichten über eine erneute Hungerkatastrophe in Mittelchina durchgedrungen. Danach haben in den letzten Wochen Ueberschwemmungen in der mittelchinesischen Provinz Anhui fast die gesamte Ernte vernichtet und annähernd eine Million Bauernstellen zerstört. Zwei Millionen Hektar Ackerland sollen verwüstet sein. Man rechnet damit, daß etwa neun Millionen Menschen von unmittelbarer Hungersnot bedroht sind, da die Ueberschwemmungen das Verkehrssystem durch die Zerstörung von Straßen und Eisenbahnbrücken lahmgelegt haben. Eine Million Menschen soll obdachlos sein.
Korea gibt russische Hilfe zu
Ein Geheimabkommen zwischen Nordkorea, China und Sowjetrußland?
Pjöngjang (Nordkorea), 16. August. (AP.) Ueber die Radiostation des nordkoreanischen Senders Pjöngjang ist der Inhalt eines Telegrammes bekanntgegeben worden, das der nordkoreanische Außenminister an den sowjetischen Außenminister Wyschinski gerichtet hat. In diesem Telegramm ist zum ersten Male offiziell erklärt worden, Nordkorea erhalte freundschaftliche Unterstützung durch die sowjetische Armee im Kampf um Südkorea. Bereits am Vortage war in der Prawda ein Artikel erschienen, der von koreanischer Seite darauf hinwies, wie dankbar das Land für. die Hilfe sein müsse, die ihm im Kampf um Korea gewährt werde.
Zu der engen Verbindung, die zwischen Nordkorea und Sowjetunion sowie dem Roten China besteht, wollen nationalchinesische Politiker in Erfahrung gebracht haben, daß das kommunistische China mit der Sowjetunion ein Geheirnabkommen getroffen habe, nachdem ein Eingreifen der beidei* Staaten in den koreanischen Konflikt vorgesehen sei. Sollten die Truppen der Vereinten Nationen den 38. Breitengrad überschreiten, dann wolle Mao Tse-tung 150 000. Mann chinesischer Truppen nach Nordkorea entsenden und die Sowjetunion die Munition für die Truppen stellen.
Wie aus Taipe auf Formosa verlautet, will man diese Einzelheiten aus einem Bericht kennen, den Molotow abgefaßt hüben soll, nachdem er sich vor einiger Zeit, in Peking mit den Vertretern der chinesischen Volksrepublik unterhalten hat.
In Peking soll auch besprochen worden sein, daß die chinesischen Kommunisten in Südostasien die Infiltrationstaktik vorziehen wollten und nicht zu offenen Aggressionen schreiten wollten, um einen dritten Weltkrieg zu vermeiden. Die Ausdehnung des Kommunismus im südlichen Teil des asiatischen Kontinents solle von einem chinesischen General vorgenommen werden, dem sowjetische Ratgeber zur Seite gestellt werden, und em das asiatische Kominform bei der Lösung schwieriger Fragen helfen solle.
Eine Gruppe nordkoreanischer Gefangener vor einem Gefechtsstand in Südkorea. Die Gefangenen sind 15 bis 25 Jahre alt Bild Keystone Press
Neue Einberufungen
Washington, 16. August. (AP.) In den Vereinigten Staaten sollen im November und Dezember weitere 85 000 Wehrpflichtige eingezogen werden. Die Zahl der Einberufungen seit Ausbruch «des Korea-Konfliktes würde sich damit auf 185 000 erhöhen. Der Leiter der Rekrutierungsstelle der Armee erklärte, er glaube nicht, daß damit der Bedarf an Truppen gedeckt sein werde.
Weitere Angriffe bedenten Krieg
Washington, 16. August. (AP.) Der republikanische Politiker Stassen hat eine unmißverständliche Kampfansage an den Kreml bei weiteren Aggressionen seiner Satelliten gefordert. Der Sowjetunion müsse klargemacht werden, daß weitere Angriffe auf andere Länder für sie Krieg bedeuten würde. Die Vereinigten Staaten und die anderen Mitglieder der Vereinten Nationen seien nicht gewillt, derartigen Aggressionen tatenlos zuzusehen.
Die amerikanische Marine hat am Mittwoch sechs große Landungsschiffe französischen Besatzungen übergeben.
Zwei Lager
an Immer mehr scheiden sich in Straßburg die beiden Lager. Wer versucht, in größeren Perspektiven zu denken, darf wohl von einem fast dramatischen Kampf sprechen, der seit einer Woche zwischen zwei Richtungen ausgefochten wird. Auf der einen Seite steht die Mehrheit der Beratenden Versammlung, die getragen ist von den Wünschen der Völker und in sich den Schwung spürt, der zu dem neuen Ziel eines geeinigten Europas führen soll. Auf der anderen Seite steht der Ministerausschuß als Vertreter der Regierungen, der vorsichtiger und zurückhaltender ist' und die Beratende Versammlung von Zeit zu Zeit daran erinnert, daß die Grenzen ihrer Befugnisse eng gesteckt sind. Aber er hat auch Bundesgenossen in der Versammlung, namentlich in den britischen Labour-Abgeordneten und den skandinavischen Delegierten. Diese haben gestern den Vorschlag zu Fall gebracht, über Einzelheiten einer europäischen Armee zu diskutieren, weil er nicht zum Tätigkeitsbereich des Parlaments gehöre.
Die Beratende Versammlung spürt sehr wohl ihre Ohnmacht, und sie rüttelt von Zeit zu Zeit an den Fesseln, die ihr auferlegt sind. Sie erhebt immer wieder Forderungen, die auf eine Vereinigung Europas nicht nur in Beschwörungen, sondern in staatsrechtlichen Festlegungen hinauslaufen. So war es auch gestern wieder: ein europäischesßündnis, eine verfassungsgebende Versammlung für Europa, eine stärkere Sicherung der Menschenrechte, Friedensvertrag mit Deutschland.
Wir brauchen nicht erst zu sagen, wo wir mit unserem Herzen bei diesen Forderungen stehen. Das Parlament in Straßburg hat keine ausführende Gewalt; aber es besitzt eine moralische Macht. Hoffentlich wird diese Macht immer breiter und kräftiger in den Herzen der Völker und ihre Ideen dort zum Siege tragen.
Mut zur Courage
zz. Man kann nicht sagen, daß sich alle in den Vereinten Nationen zusammengeschlossenen Staaten mit heller Begeisterung dem Vorgehen der Amerikaner gegen die Aggressoren in Korea angeschlossen haben. Sie mußten jedoch erkennen, daß die durch den - West-Konflikt hervorgerufene Weltkrise auch sie nötige, Stellung zu beziehen, um das Recht der Völker auf Frieden und Glück zu verteidigen. Der französische Ministerpräsident Rene Pleven hat diese Erkenntnis in die Worte gefaßt, Neutralität sei eine Illusion, sie würde nur zu blutigen Leiden und zur Versklavung führen.
Das ist so unbedingt richtig, daß sich auch die Bundesrepublik nicht versagen kann, wenn sie d^zu aufgefordert ist, ihren Beitrag zur Sicherung Europas gegen eine bolschewistische Aggression zu leisten. Nur über die Frage, welcher Art dieser Beitrag sein soll, kann man verschiedener Meinung sein. Es ist darüber in unserem Blatte mancherlei gesagt worden und wird noch mancherlei zu sagen sein, bevor eine endgültige Entscheidung vorliegt.
Es geht jeden an
Was für die Völker gilt, gilt ebenfalls für den einzelnen Staatsbürger. Neutralität ist auch für ihn eine Illusion geworden. Er kann nicht mehr sagen, es sei ihm vollkommen gleich, was politische Heißsporne tun, er wolle seine Ruhe haben. Er denke nicht daran, sich in politische Händel einzumischen. Schließlich werde doch nichts so heiß gegessen, wie es gekocht werde, und wenn es zum Schlimmsten komme, so müsse man sich eben damit abfinden, weil man als einzelner ja doch keinen Einfluß auf das Weltgeschehen habe. Eine solche „Neutralität“ käme einem Selbstmord gleich. Wie ist die Situation? Die Kommunisten führen heute einen Nervenkrieg gegen die Bundesrepublik, von der sie glauben, sie sei unter dem Eindruck der Ereignisse in Korea in noch höherem Maße als vorher für propagandistische Werbungen und Drohungen anfällig geworden. Sie versuchen mit allen Mitteln, die Bevölkerung einzuschüchtern, zu zermürben, um so eine Aktion zu ermöglichen, die man dann, ebenso wie man es mit Korea versucht hat, als „Bürgerkrieg“ tarnen würde. Um ihr Ziel zu erreichen, ist den Kommunisten jedes Mittel recht. Es liegt uns fern, ein Verbot der Kommunistischen Partei zu befürworten, denn es ist unklug, Märtyrer zu schaffen. Zudem ist gerade von der Ostzone her versichert worden, die „Friedenskämpfer“ würden die Kampfmethoden lernen, die notwendig seien, ihren Kampf trotz Verbots und Terrors weiterzuführen. Nicht staatliche" Maßnahmen gegen die Kommunisten sind entscheidend, sondern daß jeder einzelne ihnen entgegentritt, wo sie versuchen, Verwirrungen zu stiften.
Wir haben den Krieg satt
Als wahre Friedensfreunde verabscheuen wir im Gegensatz zu den kommunistischen sogenannten „Friedenskämpfern“ nicht nur die Anwendung der Atombombe, nicht nur jeden Luftangriff, der wahllos Frauen, Kinder und Kranke trifft, sondern überhaupt jede kriegerische Auseinandersetzung. Der Frömmste kann aber nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Als bösen Nachbarn müssen wir aber Sowjetrußland empfinden, das aus seinen Weltherrschaftsplänen kein Hehl macht und das die größte Militärmacht unterhält, mit der es die freien Völker bedroht. Wohl seine Hauptstärke liegt in seinen Panzerdivisionen. Seinem Panzer T 34 haben auch die Amerikaner noch keine wirksame Waffe entgegenzustellen. Wenn die „Friedenskämpfer“ beweisen wollen, daß sie mit ihrer Listensammlung zur Aechtung der Atombombe nicht lediglich russische Interessen vertreten, sondern für einen wahren Völkerfrieden arbeiten wollen, warum treten sie nicht ebenso für die Aechtung der Luftbombardements und aller schweren Waffen ein, die einer Aggression dienen können. Man halte dies den Werbern für eine Aechtung der Atombombe gegenüber. Damit aber nicht genug. Es sollten Parteien und Organisationen sich finden, die ihrerseits Listen herumgehen lassen, in denen die Abschaffung des T 34 und aller schweren Waffen gefordert wird. Und ebenso sollten, wie dies bereits in Dänemark geschehen ist, Listen aufgelegt werden, in denen Gutgläubige, die das Opfer der einseitigen kommunistischen Propaganda zur Aechtung der Atombombe geworden sind, ihre Unterschrift als ungültig erklären können.
Nicht stillschweigen
Es ist üblich geworden, dem Bürgertum Feigheit vorzuwerfen und leider gibt es nicht wenige Fälle, in denen dieser Vorwurf gerechtfertigt ist. Wir haben mehrfach auf die zwecklosen Vorsichtsmaßnahmen der sogenannten „Rückversicherer“ hingewiesen. Wer statt übervorsichtig zu sein, gewillt .ist der kommunistischen Wühlarbeit entgegenzutreten, findet dazu genügend Gelegenheit in seinem Betriebe, in der Eisenbahn, bei Hausbesuchen der Listensammler und wo auch sonst kommunistische Agenten auftreten mögen, um durch schöne Worte oder Drohungen für ihre Sache zu werben. Wenn die Angesprochenen sich nicht mit einem verlegenen Achselzucken begnügen, sondern den Werbern auf gut Deutsch gesagt „übers Maul fahren“, dann werden jene bald von ihren Bemühungen ablassen und ihre Auftraggeber in der Sowjetzone werden merken, daß;’ die Bundesrepublik kein Boden für ihren Weizen ist.
Allerdings gehört zu einem solchen Verhalten auch persönlicher Mut. Die Kommunisten scheuen nicht davor zurück, jeden, der ihnen entgegentritt, sofort als bezahlten Agenten de? Amerikaner zu verdächtigen. Man sucht ja den anderen zunächst hinter dem Busch, der einem selbst wohlbekannt ist. Wie weithergeholt kommunistische Verleumdungen sind, zeigte sich dieser Tage bei einer kommunistischen Versammlung in einer Stadt Rheinhessens. Ihr Redner warf dort einem angesehenen Journalisten vor er sei von den Amerikanern „für Dollars gekauft“. Als er gefragt wurde, wie hoch die Summe gewesen sei, suchte er seine ehrabschneidende Behauptung damit zu begründen, der Betreffende habe seinerzeit Care-Pakete erhalten. Der gleiche Vorwurf kann etwa gegen jeden fünften Deutschen erhoben werden.
Dieser Vorfall sei nur erwähnt, um zu zeigen, wie die Kommunisten mit der Wahrheit umgehen, wie sie Gutgläubige gegen Menschen aufzubringen versuchen, die ihnen unbequem sind. Und das sind nicht zuletzt jene westdeutschen Journalisten, die ohne ideologische Voreingenommenheit die Dinge so sehen, wie sie sind und das Kind beim Namen nennen. Sie werden es zu ertragen wissen, daß ihnen von dem Pressechef des Informationsamtes in der Sowjetzone Albert Norden in Aussicht gestellt worden ist, sie würden als Kriegshetzer und Kriegsverbrecher wie Kriminelle zur Verantwortung gezogen, weil sie den Mut haben, zu sagen, wo sich die wahren Kriegshetzer und Aggressoren befinden.
Wer kann noch im Zweifel sein, daß die Kommunisten keineswegs den Frieden, sondern nur den Russen den Weg nach Europa vorbereiten wollen, wenn er hört, was der Schulungsleiter Juechtern zu Belegschaftsmitgliedern der Magdeburger Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale (früher Elbfahrten AG) geäußert hat, um sie von einem „ideologischen Irrtum“ abzubringen. Die Belegschaftsmitglieder hatten es für richtig gehalten, auch bei der Verladung von russischer Munition im Magdeburger Hafen in Streik zu treten. Juechtern verwies sie mit scharfen Worten, die Munition im Westen diene allein dem Krieg, die Munition im Osten aber, der Volkspolizei, der roten Armee, und damit dem Frieden. Ein Streik sei daher Sabotage am Aufbau- und Friedenswillen.
Gegen eine Partei, die so doppelsinnig vorgibt, für den Frieden zu werben, die aber gleichzeitig alle russischen Kriegsvorbereitungen gutheißt, muß der wahre Friedensfreund bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, offen Stellung nehmen. Es gehört Mut dazu. Aber es gibt kein Ausweichen mehr. Neutralität ist eine Illusion. Mundspitzen allein hilft nichts, es muß auch gepfiffen werden.
Carlo Schmid
Von einem Sozialdemokraten wird uns geschrieben:
Das gesamte, ehemals vom Dritten Reiche besetzte Europa hat in den letzten fünf Jahren seine Entnazifizierung erlebt. Eine der letzten Wellen verebbt zur Zeit im belgischen Sande der Atlantikküste, von der aus demnächst König Leopold als „Entbräunter“ ins Exil gehen wird, weil er „belastet“ ist. In Deutschland spricht seit langem niemand mehr davon und die restlichen Entnazifizierungsbehörden beschäftigen sich fast nur noch mit Toten, die ohnedies warten konnten, bis sie an die Reihe kamen.
Da muß sich plötzlich die deutsche Oeffentlichkeit mit einem sehr Lebendigen beschäftigen, mit dem Vizepräsidenten, Bundestagsmitglied und Vorstandsmitglied der Sozialdemokratischen Partei, Carlo Schmid. Der Labourvertreter Dalton hat ihm in Straßburg den Kriegsgerichtsrat an den Kopf geworfen, der er im zweiten Weltkrieg war. Es geschah auf eine so brüskierende Weise, daß Carlo Schmid für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt war und von französischen Gewährsmännern, die seine antifaschistische Haltung bezeugen konnten, herausgehauen werden mußte.
Zeitpunkt, Ort und Personen geben Anlaß in Fülle, sich über diesen Vorgang Gedanken zu machen. Hat man heute in Straßburg keine anderen Sorgen, als sich gegenseitig zu entnazifizieren? Soll das vereinigte Europa am Ende als erste gesetzgebende Tat ein Entnazifizierungsgesetz unseligen Andenkens erleben müssen? Wenn solche Anrempeleien noch nach fünf Jahren geschehen, unter Genossen geschehen, die die beiden, Dalton und Schmid, doch immerhin sind, wie nötig muß da die Entrümpelung in gewissen Hirnen noch sein, die eine formale „Belastung“ durch einen Titel als Hinderungsgrund für eine politische Betätigung nehmen? Von Carlo Schmid wissen nicht nur seine Parteigenossen, daß an seinen Fingern weder Blut noch Denunziantentinte kleben, daß die Urteile, die er fällte, von jedem Gericht der Welt anerkannt werden können, daß er dem französischen Widerstand unschätzbare Dienste erwiesen hat — und dennoch diese Beleidigung im Augenblick, wo das europäische Dach zu< brennen anfängt! Wie soll da gelöscht werden, wo der Nebenmann nicht als vollgültiger Kamerad, gilt, nur weil er einmal unter Hitler diente? 1 — «
Wie der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei in Hannover mitteilte, haben Hugh Dalton (Großbritannien). Finn Moe (Norwegen) und van der Goes van Naters (Holland) eine Ehrenerklärung unterzeichnet. in der ein Bericht der Sozialdemokratischen Partei über die damalige Tätigkeit Carlo Schmids als einwandfrei bezeichnet wird. „Da die Stellung eines Beamten eines angreifenden Staates im besetzten Gebiet immer Mißdeutungen ausgesetzt ist und auf der anderen Seite nichts darüber bekannt ist. daß der Genosse Schmid seine Stellung mißbraucht hätte, und da schließlich zahlreiche Beweise des Gegenteils vorliegen, sind die Unterzeichneten der Meinung, daß es keinen Grund gibt, ihm auf internationalem Boden den persönlichen Verkehr zu verweigern“.
Entlassungen aus Landsberg
Acht in Nürnberg verurteilte Deutsche werden sofort frei
Drahtbericht unseres Korrespondenten
F.A.Z. Frankfurt, 16. August. Nach neuen Bestimmungen, die von der amerikanischen Besatzungsmacht erlassen worden sind, werden acht in Nürnberg verurteilte Deutsche sofort entlassen. Die neuen Bestimmungen treten am 25. August in Kraft.
Das Amt des amerikanischen Oberkommissars hat zusammen mit dem europäischen Hauptquartier der amerikanischen Armee am Mittwoch eine Aenderung in den Bestimmungen über die Gewährung von Straferlassen bei guter Führung für die Häftlinge in Landsberg und in anderen Orten verkündet, die zur Zeit ihre Gefängnisstrafen auf Grund der Kriegsverbrecherprozesse nach Kriegsende abbüßen. Danach ist der Straferlaß für gute Führung von bisher fünf Tagen im Monat auf zehn Tage monatlich erhöht worden.
Jedem Gefangenen, der eine festgesetzte Haftzeit abzubüßen hat und dem das Zeugnis guter Führung ausgestellt wird, werden für jeden verflossenen Monat zehn Tage von seiner Haftzeit abgezogen, angefangen am Tage des Strafbeginns. Der Häftling kann nach seiner Freilassung aber erneut in das Gefängnis eingeliefert werden, um seine volle Haftzeit zu verbüßen, falls er vor der normalen Beendigung seiner Haft ein Gesetz oder eine Anordnung der Besatzungsbehörden oder des deutschen Strafgesetzbuches verletzt. In der Anordnung wird ausdrücklich betont, daß diese neue < Bestimmung sich nicht auf die zu lebenslänglicher Haft verurteilten Personen bezieht.
Auf Grund dieser neuen Bestimmungen werden acht Gefangene aus Landsberg sofort entlassen werden. Es sind der frühere deutsche Stahlindustrielle und Leiter-des Flickkonzerns. Friedrich Flick, der frühere Reichsbauernführer Walter Darre, der ehemalige Reichspressechef Dr. Otto Dietrich, der IG~Direktor Fritz ter Meer, der Krupp-Direktor Heinrich Lehmann, der Jurist Kurt Rothenberger, der Richter der Wehrmacht Rudolf Lehmann und das Vorstandsmitglied der Dresdner Bank Karl Rasche. Alle Verurteilten hatten nach Abzug der in Nürn-
berg verbrachten Untersuchungshaft sieben Jahre Gefängnis zu verbüßen, außer Heinrich Lehmann, der nur zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war.
Hundert Gnadengesuche
München, 16. August, (dpa) Der amerikanische Gnadenausschuß, der augenblicklich in München die Gnadengesuche der vom internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen Verurteilten und noch in Landsberg inhaftierten Deutschen überprüft, wird seine Arbeiten voraussichtlich am 1. September dieses Jahres abschließen und seine Gutachten dem amerikanischen Oberkommissar McCloy vorlegen. Etwa hundert der Verurteilten haben nach einer Mitteilung des Ausschußmitgliedes Frederick A. Moran ein Gnadengesuch eingereicht. Der Ausschuß habe für seine Arbeiten von McCloy sehr umfassende Vollmachten erhalten, um zu einer wirklich gerechten Entscheidung zu kommen. Unter den Häftlingen in der Festung Landsberg sind noch sechszehn Todeskandidaten, bei denen der Strafvollzug durch eine Verordnung der amerikanischen Armee vom Frühjahr 1949 ausgesetzt worden ist. Auch für deren Gesuche ist der Ausschuß zuständig.
Einheitliche Ausbildung
der Polizei in den Westzonen
K. Frankfurt, 16. August. (Eigener Bericht.) Die Besprechungen mit der Oberkommission über die Polizeiverstärkungen sind nach Mitteilung unterrichteter Kreise bisher zufriedenstellend verlaufen. Die alliierten Sachverständigen haben sich bereit erklärt, durch eine einheitliche Ausbildung die Einsatzbereitschaft der Polizei zu erhöhen. Der Bund soll autorisiert werden, einheitliche Ausbildungsvorschriften zu erlassen. Die stärkemäßige Aufteilung der Polizei auf die westdeutschen Länder wird am Freitag mit den Alliierten erörtert werden.
Mißbrauchte Anzeigen-Aufträge
Keine Reklame der Industrie in einem kommunistischen Blatt
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Fö. Düsseldorf, 16. August. In den letzten Wochen ist in der in- und ausländischen Presse die Feststellung viel diskutiert worden, daß in einer Ausgabe des inzwischen für drei Monate verbotenen Zentralorgans der Kommunistischen Partei in Nordrhein-Westfalen „Freies Volk“ kürzlich eine größere Anzahl großformatiger Anzeigen von Industrieunternehmen aus dem Ruhrgebiet abgedruckt waren. Wie der Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ dazu erfährt, soll nach Ermittlungen, die in den beteiligten Kreisen angestellt worden sind, keines der in den Anzeigen genannten Unternehmen jemals dem „Freien Volk“ einen Inseratenauftrag erteilt haben.
Es wird allerdings erklärt, daß vor .Monaten bei den Firmen ein Anzeigen¬ 'werber der „Interzonenbrücke“ gewesen sei, einem als Handelsfachzeitschrift für den Ost-West-Handel bekannten Organ, als dessen Herausgeber ein Verlag Robert Schmidt und Wilhelm Heger, Wuppertal-Ronsdorf, genannt worden sei. Der Werber soll mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, den Ost-West-Handel zu intensivieren, Anzeigen für die Zeitschrift geworben haben. Er habe erklärt, das Blatt, das von der russischen Militärverwaltung in Karlshorst stillschweigend ge-
duldet werde, sei der einzige Ort, an dem angesichts des Fehlens einer interzonalen Tageszeitung noch zugunsten des Ost-West-Handels inseriert werden könne. Als auffallend wird bezeichnet, daß der Werber fast immer nur bei Firmen erschienen sei, bei denen die leitenden Angestellten abwesend gewesen seien. Er habe daher meist von den Stellvertretern die Anzeigenaufträge erhalten. Nach dem Erscheinen der Inserate im „Freien Volk“ seien die Nachforschungen nach dem Verlag in Wuppertal-Ronsdorf ergebnislos geblieben.
In politischen Kreisen hält man es nach diesen Ermittlungen für wahrscheinlich, daß die Inserate im „Freien Volk“ unter falschen Vorspielungen geworben worden sind, um Unruhe zu stiften.
Zu gleicher Zeit wie der Inseratenwerber der angeblichen „Interzonenbrücke“ bei einer Reihe von Firmen vorsprach, hat auch ein Funktionär der Industriegewerkschaft Bau, der kommunistische Düsseldorfer Stadtverordnete Blischke, ebenfalls Inserate geworben. Blischke bot dabei eine Broschüre über Brückenbautechnik an und erklärte, er habe als Mitglied des Bauausschusses der Stadt Einfluß auf Aufträge zum Brückenbau.
„Rückkehr der Sudetendentschen“
Das Ziel eines Vertragsabschlusses mit dem tschechischen Nationalausschuß
Drahtbericht unseres Korrespondenten
' We. München, 16. August. Zwischen der Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen und dem unter der Führung von General Prchala stehenden tschechischen Nationälausschuß ist ein Uebereinkommen getroffen worden, das auf deutscher Seite von Dr. Rudolf Lodgman von Auen und den Bundestagsabgeordneten Richard Reitzner (Sozialdemokratische Partei) und Hans Schütz (Christlich-Soziale Union) unterzeichnet und am Mittwoch gleichzeitig in München, London und Washington veröffentlicht worden ist. Beide Seiten anerkennen darin die Rückkehr der vertriebenen Sudetendeutschen in ihre Heimat als gerechte und
selbstverständliche Forderung an, die nur erfüllt werden könne, wenn auch das tschechische Volk befreit sei.
Beide Teile betrachten eine „demokratische Ordnung der Verhältnisse im böhmisch-rnährischen-schlesischen Raum“ als einen Teil des Kampfes für ein einheitliches Europa. Sie sind überzeugt, daß sich dessen Völker ohne Zwang in Ausübung ihres Selbstbestimmungsrechtes zusammenflnden müssen. Jede Art von Kollektivschuld und Rachegedanken wird abgelehnt, gleichzeitig aber die Wiedergutmachung der Schäden, die das tschechische Volk und die sudetendeutsche Volksgruppe erlitten haben, und die Bestrafung der geistigen Urheber und der ausführenden Organe der begangenen Verbrechen verlangt. Die vertragsschließenden Gruppen sind sich einig, daß über die endgültigen staatspolitischen Verhältnisse beider Völker nach der Befreiung des tschechischen Volkes und der Rückkehr der Sudetendeutschen zu entscheiden ist. Die beiden Vertragspartner haben beschlossen, einen Föderativausschuß einzusetzen, an dem sie gleichberechtigt teilnehmen.
Die Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen ist die überparteiliche Vertretung der Sudetendeutschen in Westdeutschland. Dem tschechischen Nai?ionalausschuß mit Sitz in London unterstehen in allen Ländern tschechische Nationalgruppen, deren Ziel die Befreiung der böhmisch - mährischen - schlesischen Länder vom Kommunismus ist.
Lodgman von Auen hob auf einer Pressekonferenz hervor, daß das Abkommen mit der Ablehnung der Kollektivschuld sich in striktem Gegensatz zu dem Verfahren in Nürnberg stelle, bei dem Ankläger und Richter den Siegermächten angehörten und ihre Berufung nicht aus dem Begriff des Rechtes, sondern aus dem der physischen Macht geschöpft hätten.
Schützen- und Panzerdecku jslöcher sind nach Angaben des Westdeutschen Zolldienstes von der Volkspolizei an der Zonenübergangsstelle Kirchgadern ausgehoben worden.
Hundert Atombomben sollen die Russen nach Ansicht des früheren Botschafters der Vereinigten Gtaaten in Moskau, Davies, besitzen.
Stimmen der Anderen
Die Dörfer in Nordgriechenland
Nach Rückkehr von einer Reihe von Besuchen in den Dörfern des Epirus faßt der Korrespondent des britischen Rundfunks, Guy Headley, seihe Eindrücke, ein Jahr nach der Niederlage des kommunistischen Kleinkrieges, im „Osservatore Romano“ folgendermaßen zusammen:
„Während des Kleinkriegs, der von den aufrührerischen Kommunisten in den nördlichen, Bezirken Griechenlands entfesselt worden war, wurden über 700 000 Personen, also ungefähr ein Zehntel der gesamten griechischen Bevölkerung, gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen und sich in die verschiedenen Städte zu flüchten. Die zuständigen griechischen Behörden haben berechnet, daß im ganzen Lande 170 000 Häuser unbewohnbar gemacht und von diesen wiederum 30 000 vollkommen zerstört worden sind. Viele Kirchen und Schulen haben das gleiche Schicksal erlitten. Zahlreiche Wasserleitungen wurden vernichtet. Außerdem ist das Vieh von den Eindringlingen planmäßig abgeschleppt worden, so daß die Flüchtlinge bei ihrer Rückkehr weder einen Ochsen für jien Pflug, noch ein Maultier für den Leiterwagen vorgefunden haben.
Neben diesen Problemen von materiellem Charakter ist ein anderes ernstes menschliches Problem zu nennen, das keine griechische Regierung allein lösen kann. Tatsächlich habe ich mich mehr als einmal im Verlauf meiner Reise im Epirus von weinenden Menschen umringt gesehen, von Müttern, welche riefen: ,Wlr wollen unsere Kinder! Gebt uns unsere Kinder wieder!1 Viele dieser epirischen Dörfer befinden sich kaum einen oder zwei Kilometer von der albanischen Grenze entfernt. Tausende von Kindern sind von den roten Banditen geraubt worden, damit sie jenseits des Eisernen Vorhangs zu braven kleinen Kommunisten erzogen werden, fern von ihrem Heim und ihrer Familie.
Aus dem Dorf Kessanonime, um ein Beispiel zu nennen, sind 160 von den 200 Kindern, die sich in diesem Orte befanden, verschleppt worden, und die kommunistischen Anführer haben auf die Proteste der Familien stets geantwortet, daß die Kleinen weggeschafft würden, um zu verhindern, daß sie an Hunger oder Krankheiten stürben.
Dennoch, trotz dieser traurigen Lage zei-. gen diejenigen, die in ihre Dörfer zurückkehren, einen festen Willen zum Wiederaufbau und eine bemerkenswerte Ruhe.
Sicherlich ist das Problem des Wohnungsmangels nach dem der verschleppten Kinder das ernsteste. Die Kosten zum Wiederaufbau der zerstörten Häuser sind so hoch, daß sie ohne weiteres die Möglichkeiten und Mittel Griechenlands überschreiten und jedenfalls nicht in kurzer Zeit aufgebracht werden können. Die Regierung kann lediglich, wie es schon geschieht, Notmaßregeln ergreifen.
Nach dem Problem der Unterkunft ist das der Ernährung zu lösen, was durch das Fehlen von Vieh und Geflügel erschwert wird. Die Regierung sieht vor, Weizen- und Mehl-Rationen an die vom Kriege geschädigte Dorfbevölkerung zu verteilen, während sie andererseits Vieh zur Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Tätigkeit herbeitreiben läßt. Aber es werden mehrere Jahre vergehen, bevor man die wohltätige Wirkung dieser Arbeit spüren wird.“
Hamsterwelle im Ruhrgebiet
Düsseldorf, 16. August, (dpa) Im Ruhrgebiet, hauptsächlich in Gelsenkirchen, sind in den letzten Tagen starke Hamstereinkäufe von Seife festgestellt worden. Nach Ansicht der Seifenindustrie ist diese Hamsterwelle eine Folge bestimmter politischer Agitation, durch die Unruhe verbreitet werden soll. Die Hamsterpsychose könne nicht auf natürlichem Wege entstanden sein, da in den Geschäften des gesamten Ruhrgebietes Seife in größten Mengen ausliege und darüber hinaus die Seifenfabriken auf höchsten Touren arbeiteten.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER22) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Sein Vater nimmt schon die linke Socke um den Hals. Er sieht völlig mürbe dabei aus, traurig und verzweifelt. Jedenfalls legt er bestimmt keinen Wert darauf, mit seinem Sohn zu plaudern. Aber Knut legt Werf darauf.
Er löscht das Licht nicht.
Er räuspert sich.
„Sollen wir das hier volle zwei Wochen durchhalten, ohne uns einmal frei zu bewegen", fragt er.
„Von der Badestube bis zum Salon kannst du dich frei bewegen“, höhnt Georg J. Steen.
„Das ist ein Gefängnis", verwirft Knut diesen Einwand. „Was ich vorschlage ist, daß wir beide uns falsche Schnurrbärte ankleben und über die kleine Treppe und den Garagenhof...“
„Du bist verrückt“, erschrickt Steen.
„Dasselbe habe ich Mary auch gesagt, vorgestern abend, und sie ist doch gegangen“, erinnert Knut sich- „Jedenfalls lege ich die Schnurrbärte hier in meinen Nachttischschub. Siehst du, Papa?“
„Soll das heißen, daß du ausreißen willst?" mault sein Vater.
„Ja... Und zwar mit Dir."
„Wie denkst du dir das, du Flegel?“
„Ich denke mir, daß du dir dieses Theater hier vielleicht noch zwei Tage gefallen läßt Wir verdienen Geld dabei, das stimmt Aber die Kerle nehmen dich aus wie ein Suppenhuhn. Uebermorgen wirst du mir aut die Schulter schlagen und wir werden ein paar Gläser Bier trinken, irgendwo hier in einer ordent-
liehen kleinen Schenke, in der uns niemand kennt.
„Wir können das Bier auch hier bei uns trinken.“
„Natürlich! Aber wir können hier nicht in einer kleinen Schenke sitzen, unseren Frieden haben und auf diesen Schwindel pfeifen."
Georg J. Steen überlegt. „Es ist mir zu gefährlich“, sagt er darin.
„Ich denke, das Leben war früher noch gefährlicher. Schon die Duelle um Eure Schwestern“, lacht Knut.
„Halte dein loses Maul!“
„Nun, gehen wir oder gehen wir nicht?“
„Nein... auf keinen Fa11... ich werde nicht vertragsbrüchig, aber das scheinst du nicht zu begreifen.“
Georg J. Steen ereifert sich schon.
„Nein, das begreife ich nicht", gesteht Knut
Und nach einer Weile seufzt er.
„Also sagen wir übermorgen , schließt er dann die Debatte. „Gute Nacht..."
Georg J. Steen möchte auffahren, um seinen Sohn zu ohrfeigen. Aber er kann nicht schon wieder eins seiner Kinder gegen sich in das Recht setzen.
Er jsf mürbe und verdrossen. Er denkt, es_ könne im Grunde nicht Knuts Ernst sein... schließlich ist Knut erst zweiundzwanzig. Und einen Jungen dieses Alfers nimmt ein Vater wie Georg J. Steen noch nicht ernst. Allenfalls schickt er ihn als Soldat in den Krieg und läßt ihn totschießen.
Und Knut schläff jetzt auch schon...
29
Am Morgen hat Eva Steen eine doppelseitige Bindehautentzündung. Sie liegt schmerzlich lächelnd in ihrem Bett...
„Es tut mir leid, Georg“, sagt sie bittend.
Georg J. Steen sieht zu Knut
„Was sollen wir machen?“ entfährt es ihm, seine Ratlosigkeit zeigend.
„Natürlich einen Arzt rufen“. Steen nickt, aber er überlegt noch.
„Vielleicht sollten wir vorher erst noch mit dem Chefmanager sprechen“, erwägt er.
Knut braust auf. „Um von ihm zu hören, daß Bindehautentzündungen im Vertrag nicht erwähnt werden... wie? Bist du völlig zu Kreuz gekrochen?“
Er wirft sich herum und rennt in den Salon, an den Schreibtisch. Er nimmt das verbotene Telefon. Steen kommt dazu.
„Laß das, Knut, es ist zwecklos."
„Das werden wir sehen ...“
„Ich verbiete es dir. ..“
„Rühr mich nicht an...“
Der Apparat knackt
„Telefonzentrale?“ fragt Khuf. „Verbinden Sie mich mit einem Augenarzt Doch, Sie dürfen das, einen Arzt darf man immer zu einem Kranken rufen.“
Knut wartet...
Steen marschiert in seinem lebensfrohen Morgenmanfei im Salon aut und ab und sieht wie ein Zahnkranker aus. Er wirft schiefe Blicke zu Knut hin.
„Guten Morgen“, sagt Knut. „Hjgr spricht Knut Steen. Meine Mutter hat eine böse Bindehautentzündung, doppelseitig. Bitte, kommen Sie sofort.“ 1 I.x
Er lauscht...
„Ja, danke“, sagt er dann.
Er hängt ein. „Der Arzt kommt und er wird bestätigen, daß Mama nicht in das Atelierlicht darf. Ich nehme an, mehrere Tage nicht“
„Was soll die Gesellschaft machen“, stöhnt Georg J. Steen.
„Die Gesellschaft soll machen, was sie will!"
Er geht in das Schlaf zimmer, das er mit seinem Vater feilt. Er durchquert es. Im Badezimmer hantiert er mit der Dusche. Steen folgt ihm langsam und sie ziehen sich an.
Der Arzt ist zehn Minuten vor der Zeit bei ihnen, zu der sie die Manager erwarten, die Wagen, den täglichen Beginn der Arbeit, der erheuchelten Interviews, der Reklame für jede Firma, die mit ihrer statistischen Seltenheit Reklame zu machen wünscht, und Georg H. Miels das nötige Geld zahlt, die Äusleihgebühr für diese vier Leute aus einer kleinen Stadt.
Der Arzt untersucht Eva Steen. Er findet, daß es sich um eine sehr heftige, die gesamte Bindehaut erfassende Entzündung handelt. Das Zimmer soll sofort verdunkelt werden. Er verschreibt Tropfen. „Bitte geben Sie Mama eine kurze, schriftliche Bestätigung des Befundes , sagt Knut. „Ist es ihnen möglich, ausdrücklich zu vermerken, daß Mama kein Filmlicht bekommen darf?“
„Sie darf nicht einmal gewöhnliches Tageslicht haben“, antwortet der Arzt bestimmt. Er schreibt.
Knut nimmt den Zettel an sich.
Der Arzt geht. Als die Tür sich hinter ihm schließt, kommt Georg J. Steen aus seinem Schlafzimmer.
„Was sagt der Arzt?“ fragt er kleinlauf.
„Er sagte, daß man dich nicht gebrauchen kann, wenn es gegen die Drahtzieher dieser Welf geht“, antwortet Knut „Mama bleibt mehrere Tage in ihrem verdunkelten Schlafzimmer. Wenigstens sie hat jetzt eine kleine gute Zeit..."
Wenige Augenblicke später kommen die Manager.
30
Vielleicht haben sie den Arzt noch getroffen, unten in der Hotelhalle, oder der Hofeichef hat ihnen gesagt, daß leider ein Privatruf der Steens verbunden worden ist. Irgendwie scheint der Chefmanager jedenfalls schon zu wissen, zu ahnen oder zu befürchten, daß er eine Schwierigkeit mit den Steens hat. Er hat nicht die Absicht, Schwierigkeiten gelten zu lassen.
„Sind Sie fertig?" fragt er. „Wo ist Frau Steen?“
Georg J. Steen räuspert sich.
„Meine Frau wird für ein paar Stunden nicht arbeiten können“, sagt er halb-
Paar .Ta»e*'’ verbessert Knut.
„Bindehautentzündung?“ Der Chefmanager lächelt. „Wir haben ein Mittel, ihr schnell zu helfen. So etwas kann man dopen.
„Ich weiß leider nur, daß man Pferde doppen kann, damit sie auf der Rennbahn schneller laufen, als die Natur ihnen an sich zugesteht“, sagt Knut. „Es ist übrigens verboten.“
R- Chf fmanager zuckt die Achseln .. .
„Wir können die Aufnahmen nicht unterbrechen , versucht er jedenfalls erst ep ui -T?en fesfen Punkt zu setzen. „Es bleibt gar keine Wahl, Steen!“
öteen nickt, tatsächlich, er pflichtet dem Manager bei: Er gibt zu erkennen, daß « auch nach seiner Meinung nicht angeht, die Äufnahmearbeit für mehrere Tage ruhen zu lassen, jedenfalls die Aufnahmen mit seiner Frau.
Knut~ sieht, daß sein Vater nachzu^eben wünscht
„Womit dopt man eigentlich“, fragt e.r stemmt wie es seine Ärf js^ die Fuße breitbeinig auf den Fußboden.
„Am besten mit Pervifin, einigermaßen harmlos. ö
(Fortsetzung folgt)
Das Landratsamt Bergstraße
Eine Antwort von Bürgermeister Treffcrt
2enalleim- (Eigener Bericht.) In einem erneuten Schreiben nimmt Bürgerrt .ert zur Fra&e der Sitzverlegung des Landratsamtes von Heppenheim nach Bensneim Stellung.
o darauf hin, daß der Vorwurf, r h<-.be dieses ganze Problem aufgerpllt, vo ug ungerechtfertigt sei, da die Frage erst durch die Pressenotiz, in der es hieß, dei hessische Staat habe das jetzige Landratsamtsgebäude in Heppenheim dem Kreis zum Kauf angeboten, wieder aktuell geworden sei. Daher verwahre er sich energisch gegen alle Vorwürfe und persönlichen Angriffe gegen die von ihm angeführten sachlichen Gründe, denn er habe nicht nur im Interesse der Bensheimer Bevölkerung, sondern darüber hinaus im Interesse der Bevölkerung des gesamten Kreises gehandelt, wenn er sachlich erläutert habe, daß Bensheim als die größte Stadt im Kreis, als kultureller, wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Mittelpunkt bei weitem geeigneter sei, Kreisstadt zu sein als die jetzige Kreisstadt Heppenheim.
Seinen sachlichen Ausführungen sei seitens der Stadtverwaltung in Heppenheim nicht in gleicher Weise entgegnet worden. Die Brücke, die Bensheim der Nachbarstadt am vergangenen Fasching überreicht habe, sei kein „Fastnachtsscherz“ gewesen, sondern die Bensheimer hätten es mit diesem Geschenk ernst gemeint. Er selbst habe sowohl zu Bürgermeister Hagen wie zu seinem Nachfolger, Bürgermeister Holzammer, stets nur in besten persönlichen Beziehungen gestanden und wünsche auch, daß diese Beziehungen in Zukunft ungetrübt bleiben möchten.
Der Bürgermeister betont, daß die Umbauarbeiten am jetzigen Amtsgebäude in Heppenheim fast die gleichen Unkosten verursachen würden wie ein Neubau in Bensheim. Abschließend weist Bürgermeister Treffert darauf hin, daß bei einer sachlichen Führung der Diskussion keinesfalls die gutnachbarlichen Beziehungen der beiden Städte zueinander zu leiden brauchten.
Die „Wiessee“ Gesetze
Rechtliche und weltanschauliche Schwierigkeiten
HGR. Wiesbaden, 16. August. (Eigener Bericht.) Mit drei Gesetzen, die in der Kabinettssitzung in Wiessee behandelt wurden, nämlich dem Gemeindegesetz, dem Schulverwaltungsgesetz und dem Sozialisierungsgesetz, hat die hessische Regierung sich und dem Parlament für die letzten Wochen dieser Legislaturperiode (bis zum 5. Dezember) offenbar eine Arbeitslast zugemutet, die sie kaum bewältigen kann.
Denn die praktischen, rechtlichen und weltanschaulichen Schwierigkeiten gegen diese Gesetze mehren sich jeden Tag. Zudem bleiben auch die noch vordringlichsten Aufgaben zu erledigen, nämlich das Wahlgesetz zu verabschieden, darunter eine Wahlkreis-Einteilung zu finden, und den Haushalt unter Dach und Fach zu bringen. Es ist ohnedies schon sechs Monate zu spät. Aber man konnte einstweilen nicht zu Rande kommen, da auch Bonn seinen Haushaltplan noch nicht verabschiedet hat. Man rechnet damit, daß der Etat Anfang September vor den Landtag kommt und im Laufe des Oktober verabschiedet werden kann.
Innenminister Heinrich Zinnkann erklärte nach seiner Rückkehr von der Sondersitzung des Kabinetts am Tegernsee am Dienstag in Wiesbaden, daß die von seinem Ministerium entworfene neue Gemeindeordnung vor ihrer Weiterleitung an den Landtag von den Fachreferenten der beteiligten Ministerien überarbeitet werde.
Diese Beratung werde jedoch mit größtmöglicher Beschleunigung durchgeführt, damit der Entwurf nach der darauffolgenden Verabschiedung durch das Kabinett alsbald dem Parlament vorgelegt werden könne.
Mit der neuen hessischen Gemeindeordnung soll nach einem offiziellen Kommentar des Innenministeriums das Verhältnis von Staat und Gemeinden einer völligen Neuordnung unterzogen werden. Die Schulausschüsse der kommunalen Spitzenverbände Hessens haben am Dienstag auf dem Heiligen Berg bei Melsungen den Entwurf des Kultusministeriums für ein Schulverwaltungsgesetz diskutiert.
Die Beratungen sollen fortgesetzt werden. Vor allem ist nach Ansicht der Spitzenverbände die Frage der Schulträgerschaft und ihrer Bnanziellen Auswirkungen auf die Gemeinden und die Gemeindeverbände noch zu klären.
Flüchtlings-Kredite
Wiesbaden, 16. August, (dpa) Der hessische Finanzminister Dr. Hilpert hat zugesichert, sich bei Bürgschaften für Flüchtlingskredite zur Finanzierung von Exportaufträgen auf die Anforderung der unbedingt notwendigen Unterlagen zu beschränken.
In einem Schreiben an das Landesflüchtlingsamt stellt der Minister fest, daß er schon immer die Förderung des Exports als vordringlichste Aufgabe anerkannt habe. Bei der Uebernahme von Bürgschaften für Exportkredite würden besonders eilige Fälle in Zukunft innerhalb weniger Tage abgewickelt werden. Es sei Sache der Beteiligten, auf die besondere Dringlichkeit im einzelnen Falle hinzuweisen.
Umstedler-Transport
aus der Tschechoslowakei
Wiesbaden, 16. August, (dpa) Von 419 Umsiedlern, die Anfang August aus der Tschechoslowakei in Fürth eintrafen, hat Hessen 82 aufgenommen. Der Gesundheitszustand der Umsiedler, von denen 62 in der Tschechoslowakei inhaftiert waren, wird als zufriedenstellend bezeichnet. Nach Mitteilung des amerikanischen Permit-Offiziers in Fürth sollen nur 20 Umsiedler dieses Transportes auf die Quote der 20 000 neuen Umsiedler aus der Tschechoslowakei angerechnet werden.
Ein enropäisches Bündnis gefordert
Deutsche Vorschläge / Unstimmigkeiten über den Churchillschen Plan
Straßburg, 16. August. (AP./dpa) Der vom Ministerausschuß des Europarates gekürzte Entwurf für eine Konvention der Menschenrechte wurde am Mittwoch von mehreren Delegierten der Beratenden Versammlung kritisiert.
Der deutsche demokratische Delegierte Dr. Max Becker forderte einen schnelleren und wirksameren Kurs. „Denken wir an das Schicksal Polens, Rumäniens, an Bulgarien und die Tschechoslowakei und vergessen wir vor allem niemals die Ostdeutschen und die Volksdeutschen“.
Becker machte zwei Vorschläge: Er forderte die Schaffung eines Bündnisses der europäischen Nationen, das alle beteiligten Völker verpflichten soll, sich gegenseitig im Falle der Gefahr und eines drohenden Angriffes gegen ihre Freiheit zu Hilfe zu kommen. Dr. Becker forderte ferner die Bildung einer verfassunggebenden Versammlung für einen europäischen Bund. Mit diesem Vorschlag wende er sich an die breite europäische Öffentlichkeit.
Niemöller aus Amerika zurück
Frankfurt, 16. August, (dpa.) Kirchenpräsident D. Niemöller ist am Mittwoch nach einem sechswöchigen Aufenthalt in Amerika auf dem Rhein- Main-Flughafen in Frankfurt eingetroffen. Er hatte zunächst an der Weltkirchenkonferenz in Toronto (Kanada) teilgenommen und anschließend eine Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten gemacht.
Auf die Frage, welche Stimmung in Amerika wegen des koreanischen Konflikts herrsche, erwiderte Niemöller, daß in Amerika von Kriegsbegeisterung keine Rede sein könqe, obwohl die Zeitungen davon voll seien. Von den ersten fünfhundert Einberufenen hätten sich hundert nicht gemeldet.
Weitere Entlassungen aus Landsberg
Frankfurt, 16. August. (AP.) Außer dem auf Seite 1 veröffentlichten acht Namen von in Nürnberg verurteilten Deutschen, die sofort freigelassen werden, werden nach einer Mitteilung des amerikanischen Hauptquartiers folgende zwölf Verurteilten am ?5. August Landsberg verlassen können: Adolf Berg, Ludwig Deutsch, Albin Greetsch, Alfons Kunikowski, Hugo Lausterer, Ludwig Merz und Paul Maischein, die vom amerikanischen Militärgericht in Dachau wegen ihrer Tätigkeit in verschiedenen Konzentrationslagern verurteilt worden waren, und Karl Neuber, Engelbert Suntz, Franz Whiland, Ernst Böhrs und Leo Kowitzke, die vom selben Gericht wegen Mißhandlung von alliierten Kriegsgefangenen abgeurteilt worden waren. Alle zwölf hatten Strafen bis zu acht Jahren zu verbüßen.
Es wird kühler
Eigener Wetterbericht
Die Kaltfront- eines südöstlich Islands liegenden Tiefs überquert in der Nacnt zum Donnerstag Rheinhessen u.Pd Pfalz. Danach stellt sich etwas kühleres, veränderliches und mit Regenschauern dnrrhsptzt.ps Wetter ein. _ . .
uurcnsetzies vveuci Aussichten: Anfangs be • einige teilweise gewittrige Regen a ■ Danach wechselhaft, meist stärkere wölkung mit einigen Schauern im 1 lacnland und dichterer Schauerfolge im telgebirge. Kühl, mäßige, zeitweise ooig auffrischende Westwinde.
Der Rundfunk am Freitag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher, 7.15 Frühkonzert, öio Morgenmusik, 10.30 Eröffnung der sehen Funkausstellung in Düsseldorf, 12.00 Mittagskonzert, 13.00 Musikalisches Allerlei, 17.00 Froh und heiter, 18.30 Rhythmische Klänge, 20.00 Deutsche Funkausstellung 1950’ Meister der Conference, 22.15 Unterhaltungskonzert, SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag, 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik, 1600 Nachmittagskonzert, 18.00 Frauenfunk, 18.15 Musik zum Feierabend, 20.00 Deutsche Funkausstellung 1950: Meister der Conference, 22.15 Peter Tschaikowsky, 23.15 Das Streichorchester Heinz-Hoffmann-Glewe.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert, 13.15 Musik nach Tisch, 15,30 Musik zur Teestunde, 17.15 Das Schlagerintermezzo, 18.30 Musik zum Feierabend, 20.00 Deutsche Funkausstellung 1950. Meister der Conference, 23.00 Schöne Melodien.
Wirtschaftsblatt
Sparen und Korea
J. E. Nach den stürmischen Wochen der „Korea-Käufe“ mußte man die ersten Ergebnisse der Spartätigkeit im Juli mit einer gewissen Bangigkeit erwarten. Über Nacht war plötzlich eine Kaufkraft vorhanden, mit der niemand gerechnet hatte, und es lag die Annahme nahe, daß sie aus Sparkonten gespeist worden ist. Die erste Veröffentlichung der Bank deutscher Länder über die Gesamtbilanz der Sparguthaben schien diese Vermutung zu bestätigen; es wurde berichtet, der Bestand an Sparguthaben sei zum 15. Juli um 23,7 Millionen DM zurückgegangen. Wenige Tage darauf stellte.sich heraus, daß bei der Erfassung der Sparkbnten ein großer Posten übersehen worden war; der Bestand an Sparguthaben war in der ersten Julihälfte um 14,4 Millionen weiter gestiegen, die Einzahlungen waren also beträchtlich höher als die Abhebungen.
Vielleicht hat mancher in falschem Mißtrauen geglaubt, hier wird etwas „frisiert“. Aber die weitere Entwicklung der Spartätigkeit ist tatsächlich günstiger als man nach Lage der Dinge annehmen sollte, auch in der zweiten Juli-Hälfte. Genaue Zahlen fehlen zwar noch, allein für die Sparkassen schätzt man jedoch den Nettozugang an Sparguthaben auf etwa 40 Millionen DM. Wenn das auch weniger wäre als im Juni, da der Nettozuwachs rund 70 Millionen betrug, so wäre die Zunahme doch beträchtlich, zumal wenn man bedenkt, daß in diesem Monat ja noch Ausverkauf und Urlaubsreisen die Sparmöglichkeiten verringert haben. Wenn die tatsächlichen Zahlen auch möglicherweise sich mit den Schätzungen nicht voll decken, so läßt sich doch schon jetzt feststellen, daß die Stabilität des Sparwillens doch größer ist als erwartet.
Ungeklärt bleibt die Frage, mit welchen Geldern die Hamsterkäufe und die hohen Umsätze zum Ausverkauf finanziert worden sind. Die Spargelder sind offensichtlich nur begrenzt daran beteiligt, wenn auch mit Rücksicht auf die Kaufpsychose jetzt manche geplante Einzahlung auf das Sparkonto unterblieben ist. Der größte Teil ist wohl unmittelbar aus Löhnen und Gehältern finanziert worden. Aber es bleibt ein ungeklärter Rest, der nur damit zu erklären ist, daß Bargeld gehortet worden ist. Offenbar ist der Strumpf als Sparbüchse auf dem flachen Lande wieder sehr in Mode gekommen. Für diese Erklärung spricht auch die Tatsache, daß der Einzelhandel übereinstimmend berichtet, daß die Beteiligung der Landbevölkerung sowohl bei den Korea-Käufen wie im Ausverkauf überraschend hoch gewesen sei.
Eine glückliche Geburt?
Das hessische Sozialisierungsgesetz
Ve. Im festlich geschmückten Magistratssaal des Kasseler Rathauses fand ein feierlicher Akt statt, in dem der vom hessischen Staat zum „Generaltreuhänder“ für die in Gemeineigentum überführten hessischen Braunkohlengruben kürzlich bestellte Dr.- Ing. Kohlitz den beteiligten Kreisen der Braunkohlenwirtschaft vorgestellt wurde. Die Hauptbeteiligten, die Eigentümer, waren indessen nicht eingeladen. Ministerialdirektor Dr. Reuß umriß in seinen Begrüßungsworten zunächst die Rechtsstellung des Generaltreuhänders, der nunmehr der Repräsentant der in Hessen in Gemeineigentum überführten Betriebe sei. Er betonte die Schwierigkeiten seiner Stellung, vor allem im Hinblick auf die Zuständigkeit der Deutschen Kohlenbergbauleitung. Auch der Vertreter der DKBL, Bergassessor Diehl, wies auf dieses Problem hin, indem er ein Schreiben verlas,, wonach keinerlei Anweisungsmöglichkeit des Generaltreuhänders an die Betriebe besteht. Seine an die Betriebe gegebenen Anregungen müssen vorher in Essen abgesprochen werden. Dr. Kohlitz wandte sich in seiner Einführungsrede besonders an die anwesenden Vertreter der Gewerkschaft und Betriebsräte, denen er versprach, alles zu tun, um „die Arbeiterschaft am Ertrag ihrer Arbeit teilnehmen zu lassen, ihren Arbeitsplatz zu erhalten und sie auch sonst vor Ausbeutung zu schützen“. In einem Schlußwort bedauerte Reuß, daß der Bund noch keine Schritte in der Sozialisierungsangelegenheit unternommen habe; daher sei der Artikel 41 in Hessen zur Zeit „geltendes Recht“. In den letzten Wochen seien die Ausführungsgesetze zum Artikel 41 fertiggestellt worden. Das Sozialisierungsgesetz sei eine schwere, aber glückliche Geburt.
Grundschuld und Lastenausgleich
Finanzämter können Ausnahmen in der Rangfolge bewilligen
F. A. Z. Es muß damit gerechnet werden, daß bei der Regelung des endgültigen Lastenausgleiches die Lastenausgleichabgabe derart dinglich gesichert wird, daß diese Sicherheit auch inzwischen bereits begründeten dinglichen Rechten im Range vorgeht. Jedenfalls machen sich die Hypothekenbanken und auch die Sparkassen bereits Gedanken darüber, welche Nachteile sich aus einer solchen Regelung für ihre eigenen Ausleihungen ergeben können. Rangverschlechterungen können unter Umständen zu einer Gefährdung ihrer Forderungen führen. Schon heute müssen die ausleihenden Institute bei allen Hypothekengeschäften sich vergewissern, ob nicht bei einem nach der Währungsreform gelöschten Reichsmarkgrundpfandrecht eine Umstellungsgrundschuld nach dem Soforthilfegesetz entstanden ist. Da Umstellungsgrundschulden nach dem Gesetz nicht mehr in das Grundbuch eingetragen werden, bedeutet dies für die Institute eine vermehrte Arbeit. Es wird angenommen, daß auch die künftige Lastenausgleichsschuld nicht in das Grundbuch eingetragen wird.
Im Organ der Deutschen Sparkassenverbände „Die Sparkasse“ werden jedoch verschiedene Fälle aufgezeigt, wo einer neuen Beleihung der Vorrang vor der auf dem Grundstück lastenden Umstellungsgrundschuld eingeräumt werden kann. So kann zur Ermöglichung der Ausführung von Neu-, Ergänzungs- oder Umbauten, sowie zum Wiederaufbau zerstörter oder beschädigter Gebäude die grundschuldverwaltende Stelle auf Antrag dem neu zu bestellenden Recht schon heute den Vorrang vor den Umstellungsgrundschulden einräumen. Eine ähnliche Regelung müßte auch für die Belastung beim endgültigen Lastenausgleich vorgesehen werden.
Noch wichtiger ist eine andere Entscheidung der Finanzbehörden für die Fälle, in denen auf dem zu beleihenden Grundstück keine Umstellungsgrundschulden mehr lasten oder auf dem die entstandene Grundschuld inzwischen abgelöst oder auf sie verzichtet worden ist. In diesen Fällen kann auf Antrag vor dem Finanzamt, in dessen Bereich das zu beleihende Grundstück liegt, durch schriftlichen Bescheid der Vorrang vor etwaigen dinglichen Belastungen zur Sicherung des endgültigen Lastenausgleichs eingeräumt werden. Voraussetzung ist allerdings, daß es sich um eine Beleihung zur Ermöglichung eines volkswirtschaftlich erwünschten Aufbaues zerstörter oder beschädigter Gebäude oder anderer volkswirtschaftlich erwünschter Investitionen handelt. Darunter sollen landwirtschaftliche Meliorationskredite, Aufbaukredite an Flüchtlingsbetriebe, Investitionen im Rahmen des Marshallplanes und Kredite für Neu-, Ergänzungs- und Umbauten gehören. Aber auch wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, können die Finanzämter Ausnahmen einräumen.
Fragwürdige Zuckersteuer
Die Zuckerpreise auf den Weltmärkten haben seit Juli stark angezogen und zeigen immer noch eine steigende Tendenz. Dazu kommt die erhebliche Verteuerung der Schiffsfracht. Die Vorgänge auf den Weltzuckermärkten haben auch in Deutschland eine Käuferwelle ausgelöst, so daß die Bundesvorräte sehr beansprucht worden sind. Voraussichtlich wird sich aber die Lage demnächst wieder etwas entspannen, da in den nächsten Wochen 90 000 bis 100 000 t Rohrzucker aus Cuba erwartet werden.
Offen ist noch die Frage, ob die Bundesregierung die Zuckerpreise durch Subventionierung der Einfuhr stabilisieren wird. Eine Zuckersubvention würde zur Zeit ungefähr 10 DM je t beanspruchen. Der Bundesßnanzminister wird sich aller Voraussicht nach nur dann mit einer Subvention einverstanden erklären, wenn er aus dem Erlös der Zuckersteuer, der 30,50 DM je t beträgt, den Subventionsbedarf decken kann, ohne den Etat zu gefährden. Der Bundesßnanzminister wird sich aber auch die Frage vorlegen müssen, ob nicht die Steuererträge bei einem wesentlich erhöhten Zuckerpreis infolge Konsumverzichtes zurückgehen werden.
Die Vorgänge in der Zuckerwirtschaft zeigen erneut die Fragwürdigkeit des deutschen Verbrauchssteuersystems. Sobald eine Ware teurer wird, gerät das Steueraufkommen in Gefahr zu sinken, da die Belastung schon an der Grenze des optimalen Steuererträgnisses liegt. Man sollte sich deshalb wohl überlegen, ob nicht das historisch überkommene Verbrauchssteuersystem einer Revision unterzogen werden sollte, um es den derzeitigen Verbrauchsgewohnheiten der Bevölkerung besser’ anzupassen. Steuersätze auf lebenswichtige Konsumgüter müssen auf ein erträgliches Maß herabgesetzt werden.
Schwierig wird voraussichtlich die Regelung des Zuckerrübenpreises bei der kommenden Ernte werden. Die Rübenbauern werden eine Anpassung des Rübenpreises an den Preisstand des Weltmarktes anstreben. Da es für Zuckerrüben Bqwirtschaftungs- und Preisvorschriften nicht mehr gibt, muß man, sofern auf den Weltmärkten nicht doch noch plötzlich das überhöhte Preisgebäude zusammenbrechen sollte, damit rechnen, daß auch der deutsche Rübenzucker im Preise anzieht. Derartige Gewinne Anden aber keine Begründung in der Kostenentwicklung der Landwirtschaft. Vielleicht könnte hier eine Subvention des Importzuckers preisregelnd wirken, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß der Umfang der Zuckerimporte einen Druck auf den Inlandsmarkt zuläßt.
Programm zur Einfuhrsicherung gebilligt
hi. Trotz anfänglich starker Bedenken der Bank deutscher Länder wurde das von der Planungsabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums ausgearbeitete Einfuhrsicherungsprogramm nunmehr von allen beteiligten Ressorts gebilligt. Es handelt sich dabei um einen Plan zur Sicherung der lebensnotwendigen Importe, die nicht auf dem Wege über liberalisierte Abkommen durchgeführt werden können. Die Hälfte dieser Summe soll für die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte, der Rest für Importe von Rohstoffen und Halbfertigwaren für Industrie und Gewerbe verwandt werden.
Ab 1. September wieder Agrarzõlle
-k- Die Oberfinanzpräsidenten wurden vom Bundesfinanzministerium angewiesen, die neue Zollanordnung ab 1. September 1950 anzuwenden. Damit wird ab 1. September für eine Reihe von Einfuhrerzeugnissen auf dem Agrarsektor wieder Zoll erhoben.
Ausreichende Getreidereserven
vwd Die zur Zeit in der Bundesreserve vorhandenen Brotgetreidemengen in Höhe Von über 600 000 Tonnen reichen voll aus, um den Bedarf bis zum Einsetzen der ersten größeren Getreideanlieferungen aus der diesjährigen inländischen Ernte zu decken. Da auch Handel, Mühlen und das Bäckergewerbe über zum Teil nicht unerhebliche Bestände verfügen, werden in den kommenden Monaten vor allem bei Roggen, dessen Bestände der Bundesreserve mit 500 000 Tonnen noch außerordentlich hoch sind, wiederum größere Mengen in die Vorratshaltung übernommen werden müssen.
Uebertriebene Dekartellisierung
vwd Gegen die Anordnung Nr. 1 der alliierten Dekartellisierungs-Abteilung über das Verbot monopolartiger Verhältnisse in der Filmindustrie wandte sich der geschäftsführende Direktor der Verbandsgemeinschaft der hessischen Filmtheater, Zimmermann. Die Anordnung sieht vor, daß in Gemeinden unter 100 000 Einwohnern ein Filmtheateruntemehmer jeweils nur ein Filmtheater betreiben darf. Da sich diese Anordnung nach alliierter Auslegung auch auf die Familienangehörigen und Verwandten bis zum zweiten Grade erstreckt, müßten Hunderte von Filmtheatern im Bundesgebiet an Fremde verkauft werden. Der Besitz zweier Filmtheater könne aber nicht als ein Kartell oder Monopol angesehen werden.
Steuerterminkalender
20. August: Beförderungssteuer im Gü¬ terfernverkehr, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer.
Soforthilfe Abgabe auf Grund der angegebenen Vermögensaufstellung für Nichtlandwirte. (Für Landwirte nächster Termin erst im November.)
24. August: Ortskrankenkasse. Letzter Tag, an dem der Beitrag für den Vormonat an die Allgemeine Ortskrankenkasse Darmstadt noch ohne Kosten gezahlt werden kann.
31. August: Feuerschutzsteuer. Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer.
Versicherungssteuer. Zahlung nach dem Prämien-Ist-Betrag, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer für die monatlichen Zahler.
Ortskrankenkasse. Fälligkeit des Beitrages an die Allgemeine Ortskrankenkasse in Darmstadt für den Monat August 1950.
Betriebsverfassungsgesetz fertig
hi. Bundesarbeitsminister Storch wird, wie uns zuverläsisg mitgeteilt wurde, in nächster Zeit dem Kabinett den Regierungsentwurf über das Mitbestimmungsrecht unter dem Titel Betriebsverfassungsgesetz vorlegen. Diejenigen Punkte der Besprechungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Hattenheim, über die man sich geeinigt hat, sind in den Gesetzentwurf eingearbeitet. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Stahlaufträge steigen weiter
vwd. Der Auftragseingang bei der westdeutschen Stahlindustrie steigt weiterhin an. In den ersten 10 Tagen des August sind bereits Zugänge an Walzstahlaufträgen von über 700 000 Tennen zu verzeichnen. Der Anteil der Auslandsaufträge hat sich auf etwa 19 Prozent gegenüber 28,6 Prozent im Juli verringert.
Frankfurter Kartoffelmarkt
bz. Der Großhandelspreis für Speisekartoffeln für 50 kg lose frachtfrei Frankfurt stellt sich auf etwa 3,80—3,90 gegenüber 4,80—5,— in der vorangegangenen Woche. Es handelt sich überwiegend um hessische Partien.
Filme, die wir morgen sehen
HÖLLISCHE LIEBE Auch in der Hölle gibt es müde Männer. Aber es ist doch höchst unschicklich, daß der Herr Höllenminister Samuel (Eichard Eybner) in Gegenwart einer so kapriziösen Dame wie Lukretia (Vera Molnar), des Oberteufels Tochter, so herzhaft gähnt. Na ja, die Dienstgeschäfte nehmen den gehörnten Herrn höllisch in Anspruch. Im Union. Foto: Schorcht'/Cziffra
Abschirmung gegen die Sentimentalität
DAS GEHEIMNIS DER SCHAUSPIELKUNST PAULA WESSELYS
Das Talent allein macht noch keinen guten Schauspieler, es muß noch die Persönlichkeit als bestimmendes Element hinzutreten. Talent haben viele, Spielerfahrung unzählige — aber es hat noch nie einen großen Schauspieler gegeben, der nicht auch eine große Persönlichkeit, ein starkes, ursprüngliches Naturell gewesen wäre. Es bliebe in jedem Falle vergeblich, die beiden scheiden zu wollen oder den Anteil des einen und anderen einigermaßen auszumachen. Ein geradezu frappantes Beispiel für diese alte Weisheit ist Paula Wessely. Und man darf hier vorwegnehmend gleich etwas hinzusetzen: die Wessely ist auch eine Probe auf die alte Feststellung, daß sich ein ecljter Schauspieler auf der Bühne und vor der Kamera gleich bleibt, die Wessely agiert, spielt und verhält sich in beiden Sphären gleich. Es macht ihr keinen Unterschied aus.
Die Wessely spielt sich immer selbst. Wie oft hört man nicht nur bei der Wessely diese Behauptung und wie wenig denkt man sich dabei! Jeder Schauspieler spielt sich selbst, in dem Sinne nämlich, als er immer nur seine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit einzusetzen hat. Die schauspielerischen Mittel mögen noch so groß sein: eine Rolle meistert man allemal nur in dem Maße als man ihr innerlich gewachsen ist, sie mit Charakter und Lebenserfahrung zu erfüllen vermag. Daß aber nichtsdestoweniger jede Rolle „gespielt“ wird, daß sich also der Darsteller in etwas verwandelt, was er von “Natur aus nicht ist, dies eben macht den jeweiligen Anteil an „Kunst“ aus, von der man nachher nur sagen kann, ob sie stattgefunden hat oder nicht.
Was ist schon ausgesagt, wenn man die Wessely ein Naturtalent nennt? Gibt es so was überhaupt? Man bilde nur den Gegensatz dazu und — man wird lächeln! Wenn man aber meint, daß die Wessely mehr natürliche Mittel einzusetzen versteht, als ändere — ist das nicht etwas Selbstverständliches? Die Wessely kann natürlich jederzeit ein naives Wesen spielen — ist sie, die große reife Schauspielerin, auf dem Höhepunkt ihres Könnens deswegen eine „Naive“? Nein, all diese Klassifizierungsversuche führen bei der Wessely wie bei jeder großen Schauspielerin zu einem brauchbaren Ergebnis. Denn diese „Naive“ hat fast von Anbeginn an so viel Kunstverstand bewiesen, daß sie kaum eine Rolle gespielt hat, die nicht ihrem Wesen entsprach. So prekär manchmal die Aufgaben gewesen sind, die ihr insbesondere der Film stellte, sie meisterte am Ende jede durch jene Eigenschaft, die sie wirklich unverwechselbar macht: durch ihre Gefeitheit gegen Sentimentalität. Der herbe Charme, der ihr eigen ist, läßt sie steile und gefährliche Hürden des Gefühls nehmen, an denen die meisten scheitern würden.
Man beobachte sie, um gerade diese Behauptung nachzuprüfen, in dem Film „Das Herz muß schweigen“. Sie spielt darin eine Röntgenassistentin, die ihrem Lebensglück entsagen muß, weil sie ihre Gesundheit auf dem Altar der Wissenschaft geopfert hat. In den entscheidenden Situationen kann man erkennen, wie eine große Schauspielerin an solche Aufgaben herangeht: anstatt ihre Mittel zu steigern und die ganze Skala der Möglichkeiten einzusetzen, wird die Wessely plötzlich ganz sparsam, karg, es gibt kaum ein paar Worte, ein paar Gesten — aber der Zuschauer hat plötzlich Mühe, seine eigene Bewegung zu verbergen, er stellt in sich das Aufwallen jenes Gefühls fest, das die Wessely verbirgt. Das ist Kunst! Das ist eine große Schauspielerin. Und das macht zugleich den Unterschied aus zwischen einem bloßen „Star“ und einer geborenen Darstellerin, die gleichermaßen Instinkt und Erfahrung einzusetzen hat. Hm.
Die Kurbel
Walter Slezak, einer der Hauptdarsteller in dem Farbfilm „Sindbad der Seefahrer“, ist in Hollywood einer der beliebtesten Filmschurken. Und das, obwohl er seinem Vater, dem reizenden, poltrigen alten Herrn des deutschen Films, verblüffend nachgeartet ist.
Orson Welles hat mit seinem Film „Citizen Kane“ den amerikanischen Zeitungskönig derart vergrämt, daß dieser ein Konsortium gründete, daß das Negativ und alle bereits gezogenen Kopien aufkaufen sollte, weil er sich in dem skrupellosen Herrn Kane aufs unfreundlichste protraitiert sah.
Willy Birgel spielt in dem - Witt-Film „Vom Teufel geholt“ den Gegenspieler von Hans Albers. Nach „Zwischen gestern und morgen“ ist dies seine zweite Nachkriegsrolle.
Elisabeth Bergner, die zur Zeit in London Theater spielt, hat erklärt, sie wolle in Israel ihren ständigen Wohnsitz nehmen.
Die Woche des deutschen Films. Der Vorstand des Verbandes deutscher Filmproduzenten, Verbandsgruppe Nord, wies in einer Erklärung darauf hin, daß die „Woche des deutschen Films“ vom 29. September bis 6. Oktober eine rein deutsche Angelegenheit sei, durch die für den deutschen Film geworben werden solle. Ein Einspruch hiergegen, wie er von einer amerikanischen Verleihergruppe jetzt erfolgt sei, müsse als unbegründet zurückgewiesen werden. Der Vorsitzende der Verbandsgruppe, Walter Koppel, erklärte, gegenüber der drohenden Ueberschwemmung mit ausländischen Filmen müßten Schutzbestimmungen erlassen werden.
Filmnachwuchsschulen
DT Die Pressestelle des Landesbezirkes essen der Fachgruppe Film teilt mit, daß .vischen Vertretern der Spitzenorganiition der Filmwirtschaft und der Fach¬ ’ruppe Film im deutschen Gewerkehaftsbund informatorische Besprechunen stattfanden. Die Gesprächspartner amen überein, den Gedankenaustausch ber alle gemeinsam interessierende Fragen der Filmwirtschaft regelmäßig fort¬ :usetzen. Im Verlauf der Gespräche zwichen den Vertretern der SPIO und der Fachgruppe FILM kam besonders zum Ausdruck, daß es eine vordringliche Aufgabe sein muß, zur Sicherung des Arbeitsfriedens baldmöglichst zu einheit¬ ’ichen Tarifvereinbarungen zu kommen. Besonderes Augenmerk wurde der Frage der Filmnachwuchs-Förderung gewidmet
Die deutsche Filmproduktion hat nachweislich bereits zahlreiche Nachwuchskräfte herangezogen und ist laufend darum besorgt, geeigneten Nachwuchs ausfindig zu machen. Es muß aber nachdrücklich vor unzulänglichen Versuchen und spekulativen Versprechungen gewarnt werden. So müssen Versuche sogenannter Filmnachwuchs-Schulen oder Filmnachwuchs - Organisationen zur Heranführung neuer Kräfte an die deutsche Filmproduktion zum großen Teil als Experimente angesehen werden, die nicht zur Lösung des Problems geeignet sind. Der effektive Bedarf an Filmnachwuchskräften ist zahlenmäßig äußerst beschränkt. Es gibt heute bereits eine große Anzahl von Komparsen und Klein-Darstellern, die nicht in der Produktion untergebracht werden können und daher praktisch arbeitslos sind. Das wird sich auch nicht wesentlich bei einer Vergrößerung der deutschen Produktionsleistung ändern.
FRAU IN NOTWEHR William Dieterle gestaltete hier einen Film, in dem eine Frau (Loretta Young) in Notwehr einen-Menschen erschlägt und sich auf der Flucht vor sich selber befindet, in der ständigen Furcht, bei einem Geständnis mißverstanden zu werden. In höchster Seelennot kommt ihr die große Liebe zu einem Mann entgegen, der — Ironie des Schicksals — eifrig den Mörder sucht. Im Belida.
DT Film-Forum
Scheinbar Weltmann ehne Herz!
Wäre er wirklich so, wie wir ihn in vielen Filmen zu sehen gewohnt sind, so müßte Siegfried Breuer ein Bösewicht und Schurke sein, ein aalglatter und äußerst herzloser Verführer, der, als eleganter Gesellschaftsmensch und als Schwerenöter, Jagd auf wehrlose FTauenherzen macht, um sie serienweise zu erlegen und alsdann kalt und ungerührt über die unglücklichen Opfer hinwegzuschreiten. Eine gefährliche Mischung aus bestrickender Wiener Liebenswürdigkeit und dämonischer Verführungslust sähen wir dann in ihm am Werke, und so interessant und fesselnd er also einerseits wäre, so gefährlich und gewissenlos wäre er andererseits doch auch. Stimmt dies Bild, das wir uns von ihm oft genug machten? Oder ist er eigentlich ganz anders? Und wie ist er denn überhaupt privatim? Wo kommt er her? Wie wurde er, was er heute ist? Welche Neigungen sind in ihm lebendig? Was möchte er eigentlich am liebsten sein, wenn es ganz nach seinen Wünschen ginge, denn, daß er Wünsche hat, höchst ausgeprägte sogar, das glauben wir ihm sofort: Sein lebendiges Gesicht, mit den melancholisch halbaufgeschlagenen Augen, dem leise ironischen Lächeln spricht es ja viel zu klar aus, als daß wir es übersehen könnten!
•Siegfried Breuer privat: Was interessiert da am ehesten? Daß er schon viermal geschieden ist, daß er mit Lia Conrus, Maria Andergast, Eva Maria Meinecke und Eva Leitner verheiratet war und wieder von ihnen geschieden wurde, daß er jetzt mit Tilly Manganja verheiratet ist, sagt uns das etwas über seine Persönlichkeit aus? Oder, daß er ohne Schwierigkeiten und Umwege zur Bühne und alsdann zum Film kam, dieweil er gleichsam auf der Bühne zur Welt kam — ist das besonders interessant? Bühnenluft hat er geatmet, als er zur Welt kam. Sein Vater war Bayreuther Wagnersänger, sein Taufpate war Siegfried Wagner. Schwierigkeiten gab es für ihn auf dem Weg zum Schauspielerberuf überhaupt nicht, das war ganz selbstverständlich vom ersten Tag an. Da waren keine ehrbaren Kaufleute als Onkels, Vormünder, Vater usw. die über den Entschluß Siegfrieds entsetzt gewesen wären; da sagte man ja, bevor er selbst daran gedacht hat. Und so setzte er sich dann auch durch; spielend leicht, das alles ist ohne Konflikte und Komplikationen abgegangen.
Und daß es ihm auch leicht wurde, sich durchzusetzen — nun, das glauben wir ihm, denn dazu kennen wir ihn viel zu gut. Er hat das Charmant-Wienerische, das dem deutschen Film in so vielfacher Schattierung eine große Bereicherung gebracht hat. Denken wir an Paul Hörbiger, an Moser, an Forst: welche besondere künstlerische Ausdruckskraft und Gestalturigsfähigkeit lebt in diesen prcnoncierten Vertretern „Wiener“ Kunstauffassung! Denken wir an die Wessely, um eine Schauspielerin zu nennen: Dieses „Wienerische“ hat sich immer als besonders bühnenwirksam erwiesen, und bei Siegfried Breuer lebt es wiederum in einer ganz besonderen Nuance, die ihm viele Freunde erwarb und immer neu gefällt.
Und private kleine Leidenschaften? Nun, lachen Sie, lieber Leser: Er spielt gern mit der — Eisenbahn, er führt über alle seine Auftritte und Filme genauestens Buch, er ist absolut nicht abergläubisch, er will nichts von Horoskopen wissen, denn, so meint er, wenn etwas schief geht, wird er es schon merken... und am liebsten würde er einmal „komisch“ herausgestellt werden. Ober das geht nicht, denn er ist nun einmal der Typ des sehr ernsthaft gefährlichen Verführers ohne Herz, und als solcher unübertrefflich und — unentbehrlich.
SIEGFRIED BREUER
(Foto: Real/Allianz-Film)
Was ist ein Gag?
Ein Gag ist ein die Wirkung einer Filmszene steigernder Einfall, die Potenzierung einer Pointe sozusagen. Je mehr Gags ein Film enthält, desto wirkungsvoller ist er. Der ausgelöste Effekt kann, je nach den Erfordernissen des Handlungsvorganges, heiteren, tragischen oder tragikomischen Charakters sein.
Im Film gibt es akustische und optische Gags. Die akustischen Gags werden durch ein Geräusch oder durch den Dialog ausgelöst. Die optischen Gags dagegen entstehen durch die Kamera. Beim Film sind die optischen Gags am wirkungsvollsten. In dem Chaplin-Film „Lichter der Stadt“ wartet Chaplin an der Haltestelle auf die Straßenbahn. Als die Bahn endlich kommt, ist sie besetzt. Bei der nächsten Bahn hat er das Glück, als erster einzusteigen. Diesmal scheint er es geschafft zu haben. Doch nein, zu früh gefreut! Denn die Masse der hinter Chaplin einsteigenden Fahrgäste drängt ihn zum Vorderausgang wieder hinaus. Und wieder fährt die Bahn ohne ihn ab.
Es gibt Filme, die ausschließlich von Gags leben. In Hollywood gibt es einen ganzen Stab von einfallsreichen Köpfen, deren Aufgabe ausschließlich darin besteht, einem an sich vielleicht schon guten Film durch szenische Einfälle neue Lichter aufzusetzen und damit die Wirkung des jeweiligen Bildes je nach Notwendigkeit ins Komische oder Tragische zu steigern. In Deutschland wird diese Aufgabe vom Drehbuchautor übernommen und nötigenfalls durch den Regisseur und den Kameramann vollendet. —n—
VOM SCHICKSAL VERWEHT Ein deutscher Film aus der Vorkriegsproduktion, voller Spannung und Abenteuer. Das Schicksal dreier Menschen entscheidet sich auf einer paradiesisch schönen wie malariaverseuchten Antillen-Insel Zwei Aerzte und eine Aerztin wollen den verheerenden Folgen der Malaria zu Leibe gehen. Sie kämpfen für die Gesundheit der Menschen. Daneben entsteht der Konflikt der Frau zwischen zwei Männern. Wie sie sich auch entscheiden mag, jedesmal wird sie eine Schuld auf sich laden. Im Urwald vollzieht sich der letzte Akt einer Tragödie der, Herzen.. lin Palast^
DAS HERZ MUSS SCHWEIGEN Ein neuer Wessely-Film unter der Regie von Gustav Ucicky. Maximiliane Frey arbeitet als Assistentin an der Seite des Arztes Dr. Holzgruber, der mit den noch ungewöhnlichen Röntgenstrahlen — wir schreiben das Jahr 1900 — arbeitet und im Kampf um die Gesundheit der Menschen seine eigene Gesundheit opfert. Auch „Max" wird von den geheimnisvollen Strahlen in ihrem Lebenskern getroffen. Um ihr unvermeidTches Ende wissend, verzichtet sie auf das Glück der Liebe. Sie gibt, wie viele andere, ihr Leben für die Wissenschaft, für die Menschheit. Im Thalia. Foto; Deutsche London-Film
KLEINER SCHWINDEL AM WOLFGANGSEE Wenn Papa Grillmayer seinen Sohn Medizin studieren ließ dieser aber, ohne es seinem Vater zu sagen, die Akademie der bildenden Künste absolvierte, wenn dieser hoffnungsvolle Sproß nun in Erholungsurlaub an den Wolfgangsee — nach Hause — kommt und der Vater sich sofort auf Patientensuche für den vermeintlichen Medicus begibt, ivenn dann der Bräutigam einer reizenden Patientin auftaucht und mit eifersuchtgeschärften Blicken die nicht ganz einwandfreien Diagnosen des Arztes wider Willen entdeckt, dann kann man schon sagen. Kieme Ursachen — große Wirkungen. Im Hansa.
Darmstadt und Umgebnng
Der Leierkastenmann
rin Wai’men Mittagssonne steht umlagert lhenmiann’ er ist VOn Kindern umiagert, aber kaum ein Erwachsener M 1 16 immer traurig klingenden micl^d^ Kr- ~ Schon als Kind stimmten . , lange schwermütig: es war in «rhnio-^T enj Klassenzimmer der Volks¬ , itho Mittagsmüdigkeit dösten , . R^henaufgatJbn; der einschlägig2 Tun ein2s das Hindernis der Feneibe nicht begreifendes Insekt reiz e die Nerven. Da begann vor der c u e eine Drehorgel zu spielen: „Mein vater kennt mich nicht, meine Mutter .7; mich nicht, und sterben mag ich nicht...1 Einem Mädchen neben mir kollerten die Tränen über die Backen und die Jungen starrten männlich gradeaus. „Ein Schiff streicht durch die Welfen, Fridolin ...“ spielte er dann; die «arten versonnenen Klänge streichelten behutsam die mittägliche Melancholie, trösteten aufsteigende Weltenangst. — Die Drehorgel mit ihrem abgeblätterten Gold an den Flügeln der Engelreliefs ruft immer wehmütige Erinnerungen an vergangene Zeiten wach, immer ist um den alten oder buckligen oder blinden Spieler ein Erinne ii a.: Kinder- oder Jugenderlebnisse: als man barfuß durch den heißen Sand lief, in den Ferien beim Onkel auf duftenden Heuwagen saß und die ganze Hoheit des Wissens von Straßenbahn und Auto durchblicken ließ. Erinnerungen an Mühende Kastanien, erhitzendes, ausgelassenes Spiel, erster messerscharfer LiebesSc-imerz hinter spöttischen Worten, der klagende Ruf des Käuzchens in der späten Dämmerung, wenn man klopfenden Herzens auf Rosemarie wartete. Es liegt alles schon weit zurück. Die Härte der Zeit, die Brutalität des täglichen Gleichmaßes lassen einen leicht den Schmelz der eigenen Jugendzeit vergessen. Die mit offenem Mund um den Leierkastenmann herumstehenden Kinder spüren den Zauber und die Alten sitzen auf den Bänken, malen mit dem Krückstock Kreise in den Sand wenn die Drehorgel „Aus der Jugendzeit“ spielt und blinzeln nickend in die Sonne.
Gymnasium kommt an den alten Platz
Gymnasium kommt an den alten Platz — Die Entwürfe für den neuen Schulbau sind fertiggestellt — Fassade des Waisenhauses bleibt erhalten Kapellstraße erhält ein neues Aussehen
Nur abschnittsweise und entsprechend dem Eingang der Zuweisungen können die staatlichen Bauvorhaben in Darmstadt verwirklicht werden. So wird auch der seit langem beabsichtigte Neubau des Ludwig-Georgs-Gymnasiums noch etwas auf sich warten lassen. Gegenwärtig ist die Bauabteilung im Regierungspräsidium bei der Ausarbeitung der Entwürfe. Sie ist so weit vorgeschritten, daß die Gesamtanlage bereits erkennbar ist. Für Frühjahr nächsten Jahres wird mit dem Beginn der Arbeiten gerechnet.
Von dem alten Gymnasium steht außer der Unterkellerung nur noch die Fassade. Di.e Erinnerung an das einstige Waisenhaus, das den vielseitig begabten Superintendenten Joh. Konrad Lichtenberg, den Vater des Physikers und Satirikers, zum Baumeister hatte, wird erhalten bleiben. Zwar wird das schöne alte Gitter, wie unsere Skizze erkennen läßt, versetzt werden und auch der Opferstock einen neuen Platz erhalten, zwar muß auch der südliche Flügel aus Verkehrsgründen Arkadendurchgänge bekommen, sonst aber soll das gewohnte Straßenbild am Eingang der Karlsstraße bleiben. Hier werden u. a. Schulverwaltung und Bibliothek ihre Unterkunft finden.
Ein völlig neues Gesicht aber bekommt die Kappelstraße. Durch sie fährt gegenwärtig in nicht besonders günstiger Linienführung und mit starker Steigung die Straßenbahn. In Zukunft wird sie, so sieht der Plan vor, durch die breiter werdende Nieder-Ramstädter Straße gehen. Unter Einbeziehung des noch verwertbaren Unterbaus der einstigen Oberrealschule wird die gesamte Straßenflucht bis hin zur Mühlstraße den Unterrichtsgebäuden vorbehalten bleiben. In aufgelockerter Bauform sind sie in einem T-Grundriß angeordnet. Dadurch entstehen zwei Höfe, deren einer zum Schmuckhof wird, während im zweiten sich die Schüler in den Pausen aufhalten. Ein Verbindungs- und Wandelgang ermöglicht auch bei schlechtem Wetter, sich im Freien aufhalten zu können. Nach der Nieder - Ramstädter Straße zu werden neben einer Spielwiese und Frei-Unterrichtsräumen auch Schul-Versuchsgärten angelegt. Auch die Turnhalle findet hier ihren Platz. Daß im humanistischen Gymnasium auch die Realien und die Handfertigkeiten gepflegt werden, ist aus dem abgerundeten Querflügel erkennbar, in dem die technischen Säle mit amphitheatralischer Anordnung untergebracht werden. Hier wird sich auch die Aula befinden. Die Anlage des Schulhofes wird die Abhaltung der vom Gymnasium stets gepflegten Freiaufführungen gestatten.
Mit der Erstellung des Gymnasium-Neuaufbaus, der für die nächsten beiden Jahre erhofft wird, leistet auch der hessische Staat einen Beitrag zur Behebung der Darmstädter Schulnöte, ist doch gegenwärtig das Gebäude des Liebig-Realgymnasiums, das seinerzeit für etwa 500 Schüler errichtet worden ist, vierfach überbelegt. Das Ludwig-Georgs-Gymnasium zählte zu Beginn dieses Schuljahrs 441 Schüler, darunter 18 Mädchen und 119 Schüler von außerhalb. P. D.
Bestrafte Naseweise
Drei Jungen im Alter von zehn Jahren entwendeten in Erzbach aus einem verschlossenen Holzschuppen im Steinbruch von Jakob Hieronymus etwa 500 Gramm Schwarzpulver, um damit „ein Feuerchen zu machen“. Nachdem sie erst mit einer kleineren Menge einen Versuch machten, zündeten sie einen größeren Haufen an, wobei sich eine derartige Stichflamme entwickelte, daß alle drei im Gesicht und an den Händen erhebliche Brandwunden erlitten. -ch
Eltern und Berufsschule
Etwa neunzig Prozent aller Heranwachsenden besuchen die Berufsschule. Das zeigt ihre Bedeutung im Unterrichtswesen. Um auch die Elternschaft stärker an ihrer Tätigkeit teilnehmen zu lassen, wird die nächste Elternversammlung der Gewerblichen Berufsschule Darmstadt am Freitag um 20 Uhr im Amerikahaus neben einem Vortrag von Direktor Kinsberger über die „Aufgaben des Elternbeirats“ auch zeigen, wie der Film für den Unterricht nutzbar gemacht wird. An Tonfilmen werden gezeigt: „Monatsschau“, „Forum der Welt“ und „Rätsel der Technik“.
Billige Fahrten zur Herbstwoche
Zu der Herbstfestwoche, (Mainzer Weinmarkt, Deutscher Bauerntag und Ausstellung -Die Welt der Frau ) hat die Deutsche Bundesbahn Sonntagsrückfahrkarten, mit erweiterter Geltungsdauer während der Gesamtdauer der eranstaltung * im Umkreis von -00 Kilometer von Mainz, genehmigt. Außerdem werden die Bundesbahh-Omnibushmep um Mainz verstärkt eingesetzt Nähere Auskünfte erteilen alle Bahnhofe und Reisebüros.
Neben der Stadtkirche haben die Arbeiten für den Aufbau der „Bockshaut begonnen.
Gesucht werden
vom Roten Kreuz Darmstadt
Das Rote Kreuz Hessen, Bezirksverband Darmstadt, Wilhelmstraße 36, sucht die Angehörigen von:
1. Josef Bender, geb. 17. 11. 1918 in Bensheim, Fp.-Nr. 16 985. Er soll im Jahre 1936 von Bensheim nach Darmstadt verzogen sein.
2. Uffz. Karl Hans Berg, Jahrg. 1910, Kaufmann (vermutl. Möbelbranche), vor seiner Einberufung wohnhaft in Darmstadt.
3. Kurt Feix oder Feig, ca. 20 Jahre, Buchdrucker, früher wohnh. in Darmstadt.
4. Major Keller, ca. 40—45 Jahre, Angeh. der Luftwaffe, früher wohnhaft in Darmstadt.
5. Hauptmann Marx, akt. Offizier, verh.. Angeh. d. Stabes der 305. 1.-D., Fp.-Nr. 40 707. Die Eltern haben früher in Darmstadt gelebt, sind aber nach dem Bombenangriff evakuiert worden.
6. Feldwebel Ewald Christ, ca. 1921 geb., Sturm-Batl. 18, früher wohnh. in Darmstadt.
7. Franz Eisenbeiß, ca. 42—44 J., Angestellter oder Beamter, verheiratet, 2 Kinder, früher wohnhaft in Darmstadt.
8. Hauptmann Karn, ca. 42 Jahre alt, tätig bei Versicherungsgesellschaft, Darmstadt.
9. Uffz. Heinrich Reinhardt, Jahrg. 1912, Kaufmann (Buchhalter), früher wohnhaft Darmstadti
10. Heinz Rückbauer, ca. 21—23 J., früher Darmstadt.
*ll. Wolf, Vorname unbekannt, ca. 1908 bis 1916 geboren, ledig, Journalist, früher wohnhaft Darmstadt.
12. Ferner wird em Herbert Robel, geb. 31. 10. 1925 in Wildschütz, Krs. Freiwaldau, gesucht, der jetzt angeblich in Darmstadt wohnhaft sein soll.
Schicksale auf Parkbänkeun
Parkanlagen gehören mit zu den letzten Ueberresten der bürgerlichen Romantik. Sie sind der Gegenpol zum Alltagsgetriebe und dienen der Entspannung und Erholung. Auf breiten Wegen stehen unter schattigen Bäumen Bänke. Sie gehören dazu, sind ganz einfach ein Bestandteil ihrer grünen Umgebung, wie Bäume und Sträucher, Rasen und Springbrunnen. Auf ihren Sitzen zieht täglich ein Strom menschlicher Schicksale vorüber. Sie haben Erinnerungen aufzuweisen, die die ganze Spanne des Lebens Umfassen.
Wenn das Wetter gut ist, suchen die Menschen im Herrngarten Schutz vor der Sonne und dem Staub des Straßenverkehrs. Besonders die Bänke zu bei-
den Seiten der großen Mittelallee, die von der Frankfurter Straße tief in die Anlage hineinführt, sind das begehrte Ziel erholungssuchender Frauen und Männer. Auf einer von ihnen sitzen zwei junge Menschen, einer im Reitsitz quer über die Bohlen, ein Schachbrett zwischen sich und gesammelte Aufmerksamkeit im Gesicht. Zwei Studenten der Technischen Hochschule, die eine Vorlesungspause für eine Partie ausnutzen. Neben ihnen liest ein alter Mann in einem abgegriffenen Roman. Eine Bank weiter streicht sich ein Neunzehnjähriger ein Butterbrot. Neben ihm liegt ein Rucksack auf dem Boden, die geöffnete Feldflasche auf den Knien. Ein Medizinstudent aus Leipzig, der die Nacht zuvor in der Nähe von Helmstedt die Zonengrenze schwarz überschritt. Er will nach Heidelberg weiter, um zu sehen, ob er dort an der Universität unterkommen kann. Sie seien hinter ihm hergewesen, dort drüben, sagt er. Seine Eltern sind im Krieg umgekommen, in München wohnt eine verheiratete Schwester von ihm, aber Geld habe sie auch keins, und im übrigen wolle er keine Almosen, er will nur arbeiten. Die angebotene Zigarette nimmt er, wirft sich den Rucksack über und geht davon mit festem Schritt, als kenne er nicht die Ungewißheit der Zukunft. Jugend will nur leben, und es gibt keine Zeit, die sie daran hindern könnte. Am unteren Ende der Allee spielen drei Mann Skat. Der Mittlere hat eine Aktentasche auf dem Schoß, sie dient als Tisch. Als das Null mit contra verloren ist, erkundige ich mich nach ihnen. Arbeitslose sind es. Der eine ist Kellner, einer Buchhalter, der dritte Lehrer. Alle drei verheiratet. Sie treffen sich hier öfters und schimpfen dann auf den Staat, auf die Wirtschaftslage und das Arbeitsamt. Arbeit gibt es keine, und es ist bitter, stempeln zu müssen, zu sehen, daß die Frau mit den paar Mark nicht auskommt und daß es für Schuhe für die Kinder nicht langt.. Es gibt Krach zu Hause, ewigen Streit, sie versuchen sich für einige Stunden davon zu befreien. Einzig der Kellner bekommt hin und wieder eine Gelegenheitsarbeit. Ueberall sind ja augenblicklich Feste und Feiern, da werden Servierkräfte benötigt.
Drüben schaukelt eine alte Frau einen Säugling im Kinderwagen. Die drei kennen sie. Es ist das Kind ihrer Tochter und eines Besatzungssoldaten. Sie wollten vergangenen Monat heiraten, aber nun hat man ihn abkommandiert und er ist irgendwo in Asien. Eine aufgedonnerte Dame segelt mit einem Sonnenschirm vorbei. Neues Thema: Frauen. Nach einer Weile verläuft auch das im Sand und in der Hitze des Mittags. Die Bankgäste wechseln von Zeit zu Zeit. Nur drei alte Rentner halten unermüdlich ihre Stellung. Sie malen mit den Stöcken Figuren in den Sand und unterhalten sich murmelnd. Beim Vorbeischlendern klingen Wortfetzen auf: Weinpreise, Versorgungsgesetz und Wohnungsamt,
Nur die Kinder, die am Eingang des Herrngartens mit bunten Tonkugeln sportliche Wettkämpfe austragen, haben nichts für Parkbänke übrig, sie wissen noch nichts von Mondnächen zu zweit beim Geschrei der Frösche, und von den nachdenklichen Tagesstunden, in denen Hunderte von Einzelschicksalen wie ein Film über die Sitzfläche der Bänke ziehen, in- denen das Grün der Anlagen und der Schatten alter Bäume den Besüchern einen Hauch von unerreichbarer Urlaubsfreude und Geruhsamkeit schenken. HFL
Foto: Rop
Ich und der Herr Rektor haben beschlossen ...
Ehern. Mittelschüler des Jahrganges 1906 plauderten aus vergangenen Tagen
„Ja, er war eine Original“, führte Studienrat i. R. Kaiser in einer launigen Ansprache vor ehemaligen Mittelschülern des Geburtsjahrganges- 1906 am vergangenen Wochenende aus, als die Rede auf den ehemaligen Schuldiener W. kam, der oft Ursache großer Heiterkeit innerhalb der Lehrerschaft gewesen war.
Von „dieser guten alten Zeit“ plauderten die „alten Herren“ und gaben ihre oft amüsanten Erlebnisse zum besten. So, wie die Lehrer damals über den Schuldiener lachten, so groß war aber auch oft die Heiterkeit auf Seiten der Schüler, die durch große und kleine Schwächen schrulliger Lehrer hervorgerufen wurde. Die Lausbuben von damals sind nun inzwischen 44jährige Männer geworden. Ja, ein Großvater sitzt schon in ihrer Mitte. Aber selbst solche Streiche haben ihre guten Seiten. Ein „Stinkbombenstreich“ veranlaßte z. B. einen Schüler sich mit der Chemie näher zu befassen. Aus diesem Schüler wurde später ein bekannter Chemiker. Nach manchem wurde gefragt, der heute nicht mehr ist. Es wurden so viele Sätze mit „wenn“ eingeleitet. Z. B. „wenn der kommt . . .“, „wenn der fortgeht . . .“. In einem Punkte waren sich alle einig: kein Gewehr mehr anzufassen, auch nicht „um den Frieden zu verteidigen“. Die Behandlung 1945 und in den folgenden Jahren geht vielen noch arg nach.
Erstaunlich, wieviel Dienststellen und Firmen durch eine solche ehemalige Schulklasse vertreten sind: Merck, Heag, Röder, Nohl, Staatsoberkasse, Sparkasse und anderes mehr.
Der Intitiator der wiedererstandenen Kameradschaft Postrat Philipp Bickelhau p t konnte mit diesem Abend sehr zufrieden sein. Es wird ihn veranlassen, auch noch die letzten Adressen der noch nicht erschienenen Kameraden aufzustöbern. Damit die Ehefrauen nicht immer zu Hause sitzen bleiben müssen, wird der nächste Abend im Januar 1951 mit den Ehefrauen gestartet; schon deshalb, damit auch die Kameraden einmal erscheinen, die sonst von ihren Ehefrauen keinen „Urlaub“ bekommen, R. K.
Neues Gebände für technische Aufsichtsbehörden
Unmittelbar vor der Gaststätte Zink, an der die Holzhofallee von der Eschollbrücker Straße abzweigt, steht ein gutgegliederter, schmucker Bau im heuen Gewand. Die Spuren des Brandes, der auch ihn bei der Zerstörung Darmstadts betroffen hatte, sind längst beseitigt. An bestimmten Tagen fahren dort zehn, fünfzehn und mehr Kraftfahrzeuge vor, vom Kraftrad bis zum schweren Lastwagen und modernsten Omnibus, um „von zuständiger Stelle“ überprüft zu werden. In dem Anwesen sind heute sämtliche technischen Aufsichtsbehörden untergebracht. Unter seinem Dach befinden sich das Eichaufsichtsamt, das Eichamt, das Gewerbeaufsichtsamt und das Technische Ueberwachungsamt. Das Eichaufsichtsamt übt die Aufsicht über die vier Eichämter des Regierungsbezirks Darmstadt aus. Das Eichamt überwacht die Maße, Waagen und Gewichte des ganzen Bezirks und eicht neue Waagen, Maße, Hohlmaße und Gasmesser. Das Gewerbeaufsichtsamt übt die staatliche Aufsicht in den Industrie- und Gewerbebetrieben über den Arbeiter- und Nachbarschaftsschutz, einschließlich des besonderen Schutzes für Jugendliche, Frauen, Mütter und Schwerbeschädigte aus. Auch ist es am Schutz der Heimarbeiter beteiligt. Außerdem ist es Genehmigungsbehörde für Dampfkesselanlagen, Sprengstoff-Erlaubnisscheine und Sorengstofflager und zuständig für die Erteilung von Ausnahmen nach der Bäckereiverordnung und (in einem gewissen Umfang) von der Arbeitszeitordnung und den Vorschriften der Gewerbeordnung über Sonntagsarbeit. Alle Baugesuche für gewerbliche Anlagen müssen von ihm geprüft werden.
Dem Technischen Ueberwachungsamt, das die Aufgaben der früheren hessischen Dampfkesselinspektion übernommen hat, obliegt die Prüfung, Abnahme und Ueberwachung technischer Geräte und Anlagen, insbesondere der Kraftfahrzeuge, Tankstellen, Druckgnsanlagen und -flaschen, Dampfkessel und Dampfgefäße, Aufzüge und Acetylen-Entwickler. Für die Prüfung der Kraftfahrzeuge werden noch ein Prüfstand und eine Halle westlich des Hauptgebäudes errichtet. Erst dann wird die gesamte Anlage die Vollständigkeit und die technische Leistungsfähigkeit aufweisen, die im Interesse der Aufgaben des Amtes erforderlich ist. (oa)
Eberstädter Nachkirchweih
am Samstag, dem 19. und Sonntag, dem 20, August
Zur Nachkirchweihe ist es der Stadtverwaltung gelungen, den Kirchweiheplatz mit neuen Fahrgesehäften zu besetzen. So sind eine Ponybahn, ein Kettenkarussell und eine andere Schiffschaukel gemeldet. Auch wird eine Schießhalle aufgestellt werden. Das besondere Interesse der Kinder wird die Ponybahn erregen, die zum ersten Male nach Darmstadt kommt. Es lohnt sich für jung und alt. den Kirchweiheplatz noch einmal zu besuchen.
An der Standt notiert
Schwere innere Verletzungen erlitt am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr der Dachdecker Karl Thieme aus Reichenbach i. 0., als er seinen Dachdeckerkarren auf der Straße von Eberstadt nach Darmstadt schob und plötzlich von dem Fahrer eines in gleicher Richtung fahrenden Personenkraftwagens umgefahren wurde. Es liegt die Vermutung nahe, daß der Fahrer des Pkw durch eine Begleiterin im Wagen von der notwendigen Achtsamkeit auf die Fahrbahn abgelenkt wurde. Thieme mußte durch den Krankentransportwagen des Roten Kreuzes in ein Krankenhaus eingeliefert werden. , DT
Ein Paar Netznylonstrümpfe, franzö-' siscb.es Parfüm, ein Damenkleid mit weißen Aufschlägen und weißen Schleifen, ein Hüfthalter, ein Paar schwarze Wildlederschuhe mit drei Goldknöpfen, eine dunkelblaue Damenhandtasche mit einer braunen Ledergeldbörse und 2 DM Inhalt sowie ein Silberring wurden bei einem Einbruch in eine Wohnung in der Heidelberger Straße Nr. 64 im Laufe des 14. August gestohlen, teilte gestern die Kriminalpolizei mit. Sie warnt die Bevölkerung vor einem Ankauf dieser Stücke. Wer irgendwelche Angaben über den bisher noch unbekannten Dieb machen kann, wird gebeten, sich bei der Kriminalabteilung des Darmstädter Polizeipräsidiums zu melden. ys
Im Eberstädter Krankenhaus starb Herr H. H. an seinen bei einem Verkehrsunfall erlittenen schweren Verletzungen. H. hatte sich in jenem Volkswagen befunden, der, wie wir gestern meldeten, in voller Fahrt am Dienstag in der Darmstädter Straße in Eberstadt gegen einen Baum gerannt war. Wir berichteten bereits in unserer gestrigen Ausgabe, daß der Betreffende in Lebensgefahr schwebe. ys
Sichergestellt wurden von der Kriminalpolizei Herren-, Damen- und Kinderwäsche sowie einige Herrenbekleidungsstücke. Wo wurden derartige Gegenstände entwendet? Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei, Niederramstädter Stra߀, Zimmer 13 g, entgegen, wo auch die genannten Stücke eingesehen werden können. ys
Im Stadtwald Tanne fand man diese» Tage (9. August) ein gut erhaltenes Herrenfahrrad mit hellblauem Rahmen. Ein 12jähriger bot am 12. August einem Mann ein Damenfahrrad mit schwarzem Rahmenbau zu fünf D-Mark an. Wem wurden Fahrräder gestohlen? Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, werden gebeten, bei der Kriminalpolizei im Polizeipräsidium, Zimmer Nr. 41, vorzusprechen. ys
Leichte Verletzungen erlitt eine Fußgängerin, als sie gestern kurz nach Mitternacht in der Frankfurter Straße in Höhe der Alicenstraße von einem Personenauto angefahren wurde. Ebenfalls verletzt wurde wenige Stunden vorher eine Frau in der Heidelberger Straße in Eberstadt. Sie saß auf dem Sozius eines Motorrades, das ein Pkw anfuhr. ys
Die Evangelische Stadtkirchengemeinde veranstaltet am Sonntag, dem 20. August, ihren diesjährigen Gem^wdeausflug nach Bad Nauheim und Bad Salzhausen. Ab fahrt um 7.30 Uhr vom Friedensolatz. Das Fahrgeld beträgt für Erwachsene 6 DM, für Kinder die Hälfte. Anmeldunen sind an das Büro der Stadtkirchengemeinde zu richten. -st
Ladenburg ist das Ziel des Ausfluges, den der „ Historische Verein für Hessen“ am 26. August unternimmt. Die bekannte historische Kirche, der Wormser Bischofshof, die Stadtmauern und die alten Häuser werden unter einheimischer Führung besichtigt werden. Das Staatsarchiv im Schloß nimmt noch Anmeldungen entgegen. Auch Gäste (keine Vereinsmitglieder) sind willkommen.
Bibliothek und Kindergarten des Amerikahauses bleiben, wie wir bereits meldeten, wegen Umzugs vorläufig geschlossen. Vorträge und Unterricht finden nach wie vor statt.
Der Wiederaufbau der Schillerschule (Müllerstraße 11/13) ist beendet. Die Uebergabe an die Schulverwaltung erfolgt am Sonntag, dem 20. August, um 11 Uhr. Zu der vorgesehenen Feierstunde sind nicht nur die früheren Lehrer der Schule und die Eltern herzlichst eingeladen, sondern alle interessierten Kreise der Bevölkerung.
Der Fürsorgeverein für Körperbehin¬ derte, dessen Ehrenpräsident Oberbürgermeister a. D, Mueller ist, hat in Regierungsdirektor Ahl nach dem Tode von Amtmann Lang einen neuen Vorsitzenden erhalten. Der Verein zählt an 700 Mitglieder, meistens korporativ angeschlossene Gemeinden, darunter auch rheinhessische. Er besitzt die orthopädische Klinik in Gießen. Es ist beabsichtigt, sie bei der vorgesehenen Gründung der Medizinischen Akademie in Gießen in Staatsbesitz überzuführen.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und die aktuelle Bilderserie „Korea“.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“, täglich geöffnet von 10.00 bis 19.00 Uhr.
Amerikahaus: 20.00 Uhr, Vortrag in englischer Sprache von Mr. Charles Abrams: „Housing and town planning“.
Ausgebombte und Flüchtlinge: 20.00 Uhr, Saal 163, Technische Hochschule, Ausspracheabend: „Die steuerliche Situation der Ausgebombten und Flüchtlinge“.
Deutscher Akademikerinnen - Bund, Ortsgruppe Darmstadt: Dieburger Straße 156, bei Bergsträsser, 20.00 Uhr, Vortrag Dr. Liselotte Klingelhöfer: „Psychologie der öffentlichen Meinung“.
Starkenburg
Vom Bauernsohn zum erfolgreichen Zuchtforscher
50jähriges Jubiläum der „Kartoffelzucht Böhm“, Groß-Bieberau
Gestern nachmittag wurde im Gasthof „Zum Odenwald“ in Groß-Bieberau das 50jährige Jubiläum der'„Kartoffelzucht Böhm“ würdig begangen. Der Begründer, der am 7. September 1861 in Groß-Bieberau geborene Georg Friedrich Böhm 11. hat ein Unternehmen ins Leben gerufen, das heute unter den Deutschen Kartoffelzuchtvereinigungen mit an erster Stelle rangiert, und ihm den Ehrentitel eines Oekonomierates einbrachte.
Im ersten Stock des Gasthofes war eine reiche Kaffeetafel für etwa 200 Personen gedeckt. Ein blaues Transparent, in dessen Mitte das Bild des Gründers hing, war an der Stirnwand des Saales angebracht. Die Namen der bekanntesten Zuchtsorten umgaben das Bifd. Für die Schritf hatte man junge Kartoffeln verwendet. Die Kapelle Kohlbacher aus Wersau gab der gesamten Veranstaltung den musikalischen Rahmen.
Unter den Anwesenden sahen wir in erster Linie die drei jetzigen Inhaber der „Kartoffelzucht Böhm“ Georg, Heinrich und Dr. Friedrich Böhm mit ihren Gattinnen und insgesamt 8 Kindern, in ihrer Mitte, in seltener Frische, die heute 88 Jahre alte Urgroßmutter Böhm, die Gattin des Ökonomierates und Gründers. Von der Regierung waren Vertreter erschienen, vom Bundeslandwirtschafts-Ministerium, Professoren verschiedener Universitäten, Vertreter der Pflanzenzuchtverbände, der Genossenschaften, des Großhandels und der Vermittler-Organisationen. (
Der Geschäftsführer der Firma Böhm K 1 amr o t h hieß die Anwesenden willkommen und übergab das Wort an Dr. Fritz Böhm, der einen eindrucksvollen Bericht über die geschichtliche Entwicklung des Unternehmens gab.
Der Vater
Er sprach in warmen Worten von seinem Vater, der körperlich durchaus nicht so gesund, aber von seltener geistiger Regsamkeit gewesen sei. Ohne jede besondere Vorbildung war es ihm gelungen, ein Unternehmen ins Leben zu rufen, dessen Zuchtsorten heute 42 Prozent der gesamten Kartoffelanbaufläche Deutschlands ausmachen.
Böhm kaufte alljährlich neue Kartoffelsorten und pflanzte sie probeweise an, um, je nach dem Erfolg, die schlechten Sorten auszuscheiden und nur die guten zur weiteren Beobachtung zurückzubehalten. Er hatte sehr bald entdeckt, daß der Wuchs der Kartoffel sehr von den örtlichen Bodenverhältnissen abhängig ist. Diese Erkenntnis führten ihn dazu, selbst mit der Züchtung zu beginnen.
Mit 40 Jahren begann sein Lebenswerk. Obwohl er nicht wußte wie künstliche Befruchtung durchzuführen sei, probierte er seine ersten Kreuzungen.
Zwar nahm Böhm nach seinen ersten Erfolgen Verbindung mit der Wissenschaft auf, um stets über den neuesten Stand der Forschung unterrichtet zu sein, doch machte sich bei seinen Versuchen die geringe Betriebsgröße von nur 17,5 ha als sehr hemmend bemerkbar.
Sein Erfolg beruhte in einer rücksichtslosen Auswahl aller Sorten die nicht so ansprachen, wie es für eine Hochzucht notwendig war. Mit 2000 Sämlingen operierte Böhm in jed_em Jahr. Nur was nach sjähriger Auswahl übriggeblieben war, kam in die engere Wahl. Als Maßstab diente der Knollenertrag je Staude, die bei frühen Sorten mindestens 1 kg, bei mittelfrühen und mittelspäten Sorten mindestens 1,12 kg und bei späten Sorten mindestens 1,25 kg betragen mußten, um überhaupt einer engeren Prüfung unterzogen zu werden. Als erste erfolgreiche Neuzüchtungen brachte Böhm die Sorten: Geheimrat Haas, Hassia, Erfolg, Vater Rhein und Odenwälder Blaue. Nach diesen Erfolgen bahnte sich eine enge Zusammenarbeit mit der hessischen Landwirtschaftskammer an.
In den Jahren 1906 bis 1908 wurden 7 Versuche durchgeführt unter deren 12 bis 16 Prüfungssorten sich alle Böhmschen Zuchtsorten befanden. Ein außerordentlicher Erfolg war für Böhm, daß im Jahre 1907 „Böhm’s Erfolg“ von der deutschen Kartoffelkulturanstalt übernommen wurde und unter 28 Versuchen bei 20 Prüfungssorten als Sieger hervorging. Später kam zu den bereits erwähnten Spitzensorten noch die „Odenwälder Blaue“ hinzu. Da durch diese Erfolge die Nachfrage nach Böhmschem Saatgut anständig anstieg, wurde die Versuchsfläche bald zu klein und mußte weiter ausgebaut werden.
Die Söhne
Nach dem Tode des Vaters übernahmen seine 3 Söhne das Unternehmen, um es mit ganzer Kraft im Sinne des Gründers weiterzuführen. Heinrich übernahm den Kohlbacherhof, während Fritz den Groß-Bieberauer Betrieb an seinen Bruder Georg im Jahre 1924 abtrat, um in Mittelpommern das Gut „Adolfsruh“ zu übernehmen. Alle drei Betriebe arbeiteten mit dem gleichen Ziel und so ist der Erfolg des Unternehmens auf die reibungslose Zusammenarbeit zurückzuführen. Heute sind eine Reihe von Schwiegersöhnen mit gleichem Eifer an der Arbeit, so daß das Unternehmen auch in den kommenden Generationen gesichert ist.
Wenn Dr. Fritz Böhm den Satz „Des Vaters Segen bauet der Kinder Häuser“ zitierte, so hat er damit wohl das schönste Denkmal gesetzt, das einem Vater von seinen Kindern gebaut werden kann. Nach dem Verlust der Ostgebiete und damit der gesamten pommerschen Anbaufläche, ist jetzt in Hannover neu angefangen worden.
Das Hauptaugenmerk richteten die Söhne auf die Bekämpfung der verschiedenen Kartoffelkrankheiten wie des Kartoffelkrebses und der Kraut- und Knollenfäule. Der Vertrag mit der Landwirtschaftskammer für Hessen wurde im Jahre 1922 gelöst und Vermehrung und Vertrieb vorübergehend der Firma Hellmann und Teilhaber, Groß - Wusterwitz, übertragen. Damit war eine große Entlastung eingetreten.
Die Jubiläumsfeier
An die eindrucksvolle Schilderung und und die Ausführungen des Geschäftsführers Klamroth, die sich auf den kommerziellen Teil des Unternehmens beschränkten, wurden gegen Abend noch Lichtbilder gezeigt, die die Entwicklung des Zuchtbetriebes in Arbeitsausschnitten nahebrachten. An den offiziellen Teil schloß sich ein gemeinsames Abendessen an.
Wir wünschen der „Kartoffelzucht Böhm“ auch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen solchen erfolgreichen Werdegang, wie er in den vergangenen 50 Jahren zu verzeichnen war. DT
Gelder veruntreut?
In der Käsefabrik Nicklas in Michelstadt haben gestern Vertreter der Darmstädter Staatsanwaltschaft und ein Beamter der Kriminalinspektion Darmstadt Ermittlungen aufgenommen. Wie verlautet, sollen dort größere Veruntreuungen vorgekommen sein. Nach ersten Informationen handelt es sich dabei um einen Betrag von 100 000 DM. (ys)
Freie Aussprache im Dorf
Der Resident-Officer des Kreises Erbach informiert sich
Der Repräsentant der amerikanischen Zivilverwaltung im Kreis Erbach, Resident-Officer Mr. Ouverson, hat in dem Bestreben, einen möglichst umfassenden Einblick in das Leben der Bevölkerung des Odenwaldes zu bekommen, einen neuen Weg der unmittelbaren Aussprache eingeschlagen. Am Montagabend weilte er im Gasthaus Hartmann in Mümling-Grumbach und hatte sich mit dem Bürgermeister, dem Beigeordneten, dem Lehrer und zahlreichen Männern und Frauen der Einwohnerschaft zusammengesetzt, die aus den verschiedensten sozialen Schichten und Berufen stammten. So waren Handel, Handwerk und Gewerbe, Landwirte und Großbauern, Arbeiterschaft und Flüchtlinge vertreten, die in zwanglosem Gespräch dem Vertreter der amerikanischen Zivilverwaltung ihre Wünsche, Anregungen und Beschwerden vortrugen.
Mr. Ouverson hatte einleitend darauf hingewiesen, daß er in zahlreichen Bürgerversammlungen und sonstigen offiziellen Veranstaltungen Gelegenheit hatte, fast alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Kreis Erbach kennen zu lernen. Er wolle aber darüber hinaus die Meinung jedes einzelnen Kreisbewohners hören und bitte deshalb jedermann um offene Aussprache. Er werde sich bemühen, zu helfen, wo immer es gehe.
Selbstverständlich könne die amerikanische Zdvilverwaltung sich nicht in Fragen der Wohnraumbewirtschaftung einmischen oder in sonstige Angelegenheiten eingreifen, die in die ausschließliche Zuständigkeit der deutschen Behörden fallen. Auch die auf höherer Ebene liegenden allgemeinen Sorgen über die schlechten Zeiten, die hohen Lebenshaltungskosten usw. könne er von Erbach aus nicht beheben. Dazwischen aber lägen noch so viele Fragen lokaler- Art, an deren Lösung er gerne mithelfen wolle.
So stellten in Mümling-Grumbach junge Sportler die Frage nach der Beschaffung von Sportgeräten. Dieses und vieles anderes notierte sich der Resident-Officer. Die wiederholt geäußerte Klage der Wildschäden hat zwischenzeitlich durch die Wiederaufrichtung der deutschen Jagdhoheit ihre Erledigung gefunden. Sobald in Kürze die deutschen Jäger im Besitze ihrer neuen Jagdwaffen sein werden, ist diese Hauptsorge der Landbevölkerung behoben.
Der nächste Ausspracheabend dieser Art wird am kommenden Freitag In Airlenbach stattfinden. So will der Resident-Officer im Laufe der Zeit alle Gemeinden des Kreises Erbach besuchen, um sich die Wünsche und Anregungen der Bevölkerung unmittelbar anzuhören. -ch.
Alfred Hänle ausgeschieden
„Fredi“ H ä n 1 e aus Steinheim, der Sieger im Seifenkistlrennen der amerikanischen Zone, ging auf seiner Amerikarese als einziger deutscher Seifenkistlfahrer bei den amerikanischen Meisterschaften in A k r o n (Ohio) an den Start. Im ersten Ausscheidungslauf gegen einen der flinksten „Kleinrennwagen ohne Antrieb“ mußte er sich gegen den Lokalmatador Martin Vro ni k aus Akr o n geschlagen geben. Wie Afred Manie erklärte. machte das Rennen auf ihn einen mächtigen Eindruck. Sobald- sein Name im Lautsprecher erklang, brach ein stürmischer Applaus der Zuschauer aus. „Fredi“ ist überhaupt der erste Europäer, der an den Endläufen in Akron teilgenommen hat. —gi—
Brandstiftung in Wolfskehlen?
Zu dem gestern von uns gemeldeten Brand des Gehöfts des Landwirts Hermann Heddäus in Wolfskehlen erfahren wir ergänzend, daß dringender Verdacht der Brandstiftung vorliegt. Bereits vor 3 Monaten wurde schon einmal ein verkohltes Strohbündel in der Nähe der abgebrannten Scheune vorgefunden, das auf einen Brandstiftungsversuch hindeutete. Es entstand ein Sachschaden von etwa 23 000 DM.
Je älter, je schlimmer?
Der schwerhörige 77jährige Josef Schneider aus Egelsbach bei Langen belästigte in unsittlicher Weise 3 Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren. Die Kinder hatten sich vor einem Gewitter in die an der Straße Langen — Darmstadt liegende Gartenhütte des Alten geflüchtet. Dabei versuchte dieser, an den minderjährigen Mädchen unsittliche Handlungen vorzunehmen. Die von der Kriny neJnolizei vorgenommene Haussuchung brachte stark belastendes Material in Form pornographischer Schriften zutage.
Mit Pferd und Wagen über Land
Korbmacherarbeit wird immer weniger / Die Industrie hat die Hand im Spiel
sr Hunderte und Tausende von Menschen fahren und trampen über die Straßen unseres Lebens. Die einen ohne Wohnstatt und Bleibe, Vergessene, Verlassene, Vertriebene — die anderen, um sich recht und schlecht durch dieses Leben zu schlagen, ohne zu wissen, ob der morgige Tag ihnen noch das Brot von heute noch einmal geben wird. Mit der Kitze auf dem Rücken, den schweren Korb auf dem Kopf oder am Arm, den Wagen drückend oder fahrend ziehen sie Kilometer um Kilometer ihres Weges, unbestimmte Ziele vor Augen — eben da und wenig später wo anders, weniges nur erhoffend und zufrieden, wenn es für das eigene oder mehrere hungrige Mäuler gerade langt.
Mehr und mehr treffen wir aber auch auf unseren Straßen die alten Handwerker, die winters über ihren festen Wohnort haben und dort die anfallenden Reparaturen ihrer Kundschaft ausführen, sommers aber mit ihrem Wagen unterwegs sind, um vor den ersten Häusern dieser oder jener Ortschaft ihres sich selbst bestimmten Arbeitsgebietes ihre „Zelte“ aufzuschlagen.
Einen von ihnen, den 54jährigen Korbmacher Adam Gerhardt aus Offenbach, trafen wir jetzt am Friedhof in Spachbrücken, wo er eifrig dabei war. die ihm von den Bauern übergebenen Körbe wieder instandzusetzen. „Leider“, so sagte er uns, „gibt es heute gerade bei den Körben nicht mehr allzuviel Arbeit. Die neuen Stahlkörbe haben eine starke Bresche in unser Handwerk geschlagen. Bei den alten gibt es da und dort einen neuen Ranft einzusetzen, neue Griffe zu flechten und ,Löcher zu stopfen“. Dann langt es gerade zum Leben — nun und im Winter, wenn ich wieder zu Hause bin, schleife ich dann halt noch Scheren.“ Inzwischen nimmt Adam Gerhardt Gerte und Gerte, um sie mit dem Messer anzuspitzen und in das Geflecht zu stechen. Wenn sie alle im Kreise um den Boden stehen, werden sie verflochten, und der neue Ranft ist fertig.
Mittlerweile wird wohl Gerhardt wiedei- auf „Achse“ sein, denn der ganze Rodgau soll noch „repariert“ werden. Ueber Seligenstadt will er zurück nach Offenbach ins „Winterquartier“ fahren. Wenn dann im Frühjahr die Landstraße ruft — und auch die Arbeit in den Dörfern und Städtchen, spannt Gerhardt wieder seine Rosinante vor den Wagen, in dem Schlafstätte und Kochherd mitrollen. Dann werden auch wir ihn wieder so treffen, wie in Spachbrücken, den Korb zwischen den Beinen, das Messer in der Hand und die Weidengerten zur Seite, bei fleißiger Arbeit.
DT-Foto: Schröder
Dringlichkeitsanträge von Landrat Harth
Für die heute in Gernsheim stattfindende Kreistagssitzung hat Landrat Harth folgende Dringlichkeitsanträge an den Kreistag des Landkreises Groß-Gerau gerichtet:
Der Kreistag wolle beschließen: a) Die Kreis Verwaltung erhält Vollmacht zur Aufnahme von erststelligem Hypothekengeld in Höhe von einer Million D-Mark bei verschiedenen Bankinstituten für private und genossenschaftliche Bauherren im Kreis Groß-Gerau. Sie soll dabei als persönlicher Schuldner auf treten; die dingliche Sicherung soll durch die Objekte der Bauherren erfolgen, b) Die erforderliche Kreisbürgschaft in Höhe von einer Million D-Mark wird genehmigt, c) Die Kreisverwaltung wird bevollmächtigt, einen Teil dieses Geldes bis zur dinglichen Sicherung als Kassenkredit aufzunehmen.
Der zweite Dringlichkeitsantrag des Landrats betrifft die Einleitung eines Enteighungsverfahrens für ein in der Flur zwei der Gemarkung Klein-Rohrheim gelegenes Grundstück. (cg)
Abgelehnter Anschluß
In der Hirschhörner Gemeinderatssitzung lehnten die Gemeinderäte den Anschluß der Gemarkung Michelbuch, deren Selbständigkeit aufgehoben werden soll, an Hirschhorn einstimmig ab. Der Waldwirtschaftsplan für 1951 wurde genehmigt. Er sieht bei 16 000 DM Ausgaben einen Gewinn von 4 800 DM vor. Der Fahrweg zur Neubürger-Siedlung kann erst zu einem späteren Zeitpunkt ordnungsgemäß ausgebaut werden, da es zur Zeit an den nötigen Mitteln hierzu fehlt und die Gemeinde gezwungen ist, ihre laufenden Ausgaben auf ein Mindestmaß herabzudrücken. So kann auch der Bau der Wasserleitung zum Schwimmbad nur durch bereitwilligste Unterstützung zweier Hirschhörner Betriebe in Angriff genommen werden. Die Kosten betragen hierfür 7 500 DM. Durch die aufgenommenen Verhandlungen mit dem Wasserwirtschaftsamt hofft man, daß baldigst die unhaltbaren Zustände der Entwässerung in der Siedlung beseitigt werden können. (WL)
Internationales Jugendtreffen
in Erbach
Ein großes internationales Jugendtreffen ist für heute nachmittag, 14 Uhr, in der Städtischen Festhalle vorgesehen. Es werden daran die ausländischen Teilnehmer an der gegenwärtig in Höchst stattfindenden ökumenischen Aufbaufreizeit. sämtliche Teilnehmer an dem Falken-Lager in Michelstadt, die Volks-, Mittel- und Höheren Schulen Erbachs und Michelstadts sowie die Kreisberufsschule Erbach geschlossen teilnehmen. Darüber hinaus wird die Bevölkerung um möglichst zahlreiche Teilnahme gebeten. Ein vielseitiges Programm macht mit Liedern, Tänzen und Brauchtum der Völker bekannt. -ch.
Schwachsinnige machte sich selbständig
Ingeborg Diederichsen ist festzunehmen
Gestern morgen wurden im Hofe des Landratsamtes Dieburg zwei Mädchen beobachtet, die offensichtlich ortsfremd waren. Nach einigen Minuten waren sie verschwunden, doch um die Mittagsstunde erschien eine der beiden Fremden auf dem Gendarmeriekommissariat und erklärte, daß ihre Freundin kurz zuvor unter Mitnahme ihrer Handtasche weggelaufen sei.
Das Mädchen gab dazu folgende Erläuterungen: Aus der Heilanstalt Kitterich bei Wiesbaden waren am Sonntag die 22jährige Ingeborg Diederichsen aus Wiesbaden und ihre 18 Jahre alte, in Preßburg geborene Freundin E. L. entflohen. Sie hatten zunächst Unterkunft bei Verwandten der Diederichsen in Wiesbaden gefunden und waren nach einmaliger Uebernachtung am Montag mit der Bahn nach Offenbach gefahren. Von dort aus gingen sie zu Fuß nach einem Ort im Rodgau, um diesmal Verwandte der L. aufzusuchen.
Am Mittwochmorgen wollten die Mädchen aufs Kreisgesundheitsamt, doch war diese Stelle feiertagshalber geschlossen. Die Mädchen sprachen daraufhin bei einer im gleichen Hause wohnenden Familie vor. Während der Unterhaltung mit der Hausfrau entfernte sich Ingeborg Diederichsen. Ihre Freundin nahm zunächst an, daß die D. sie im Hof erwarten wolle, zumal jene ein Paar Halbschuhe von ihr trug und außerdem die Handtasche, eine geliehene Strickjacke und 10 DM, von denen die L. in Dieburg einen Wecker für ihre Rodgauer Gastgeber kaufen sollte, in Verwahrung hatte. Nadi einigen Minuten sah die L. jedoch ihre Freundin durch die hinter dem Landratsamt liegenden Kleingärten und Felder dem Schlachthof zulaufen. Sie eilte der D. nadi, konnte sie aber weder erreichen noch entdecken. Auf ihre diesbezügliche Mitteilung bei der Gendarmerie wurden motorisierte Streifen, vor allem auf den Ausfallstraßen eingesetzt, doch blieb auch jetzt die Suche nach der Flüchtigen ergebnislos. Es besteht die Vermutung, daß die D. sich bis zum Einbruch der Dunkelheit verbarg und dann das Weite suchte.
Gegen Ingeborg Diedrichsen ist Ersuchen um Festnahme ergangen. Sie wird wie folgt beschrieben: 1,67 m groß, dunkelblond, Bubikopf, kräftige Gestalt (korpulent), schwerfällig - breitbeiniger Gang. Sie trägt helles Sommerkleid (unter Umständen die grüne Strickweste), Halbschuhe und führt die blaue Tuchhandtasche bei sich, ist aber ohne jeglichen Ausweis. Die D. war wegen Geisteskrankheit in die Heilanstalt Kitterich aufgenommen worden, befindet sich aber auf dem Wege der Besserung. Ihre Freundin L., die von Zeit zu Zeit an leichten Epilepsieanfällen leidet, gibt an, sie habe sich aus Heimweh zur Mitflucht überreden lassen, und ihre im Rodgau wohnenden Angehörigen besuchen wollen. Sie äußerte sich über ihren Aufenthalt und ihre Behandlung in der Heilanstalt durchaus zufrieden und ist gewillt, auch wieder dorthin zurückzukehren. Deshalb konnte von einer Festnahme der bereits als flüchtig gemedeten L. abgesehen werden. Sie wurde auf Veranlassung des Gendarmeriekreiskommisariats in den Rodgauort zurückgebracht. (RG)
Aussteuer zufsammen— gestohlen
Die Ermittlungen zu dem von uns seinerzeit gemeldeten Brand in Kirschhausen bei Heppenheim, bei dem Scheune und Wirtschaftsgbäude des Sägewerks Nikolaus Mit sc h restlos abbrannten ergaben einen starken Verdacht der Brandstiftung gegen ein im Haus angestelltes Mädchen. Diese stabl während des Brandes in unglaublichen Mengen Hausgerät und Wäscheausstattung aus dem Wohnhaus, „rettete“ das Ganze ins freie Feld, um die brauchbaren Gegenstände am nächsten Tag zu ihrer Mutter nach Dorf Erbach bei Heppenheim zu bringen. Sie wurde in Haft genommen und gestand auch bereits die Diebstähle, die sie, wie sie angab. ausführte, um sich zu ihrer bevorstehenden Heirat die Aussteuer zu beschaffen. Es liegt der Verdacht vor, daß sie den Brand verursachte, um bei dieser Gelegenheit die Diebstähle auszuführen. (DT)
Rache der Verschmähten?
In Ober-Roden stand eine Schiffschaukel, an der zwei junge Burschen beschäftigt waren, wie sie eben zu einer Schiffschaukel gehören. Sie hatten sich mit einem Mädchen angefreundet, wurden aber schließlich aufdringlich, so daß ihnen nahegelegt wurde, die „diplomatischen Beziehungen“ abzubrechen. Wenig später war das Herrenfahrrad des Bruders der Angebeteten verschwunden. Die beiden jungen Männer stehen im Verdacht, das Fahrrad aus Rache entwendet zu haben. (RG)
Im Steinbruch abgestürzt
Am Montagabend wurde der 16jährige Hans Ell aus Erbach mit einer Gehirnerschütterung, einem Unterarmbruch und Hautabschürfungen an Kopf, Armen und Beinen in das dortige Krankenhaus eingeliefert. Er war im Steinbruch am Schöllenberg, wo er mit einigen Jungen der Ev. Jungschar spielte, abgestürzt. -ch
Schuhe fielen vom Himmel
Buchstäblich ja nicht, aber wenn man es -genau nimmt, dürfte die Überraschung, die die Frau eines Bahnarbeiters in Wolfskehlen, Mutter mehrerer Kinder, erlebte, doch nicht ganz so abwegig sein, wie es die Ueberschrift unserer Meldung ausdrückt.
Der Vorgang war folgender: Anläßlich der 750-Jahrfeier der Gemeinde Nieder-Ramstadt ließ der Inhaber des Schuhhauses Castritius zwei zusammenhängende Luftballons ~ aufsteigen, an denen ein Gutschein über ein Paar Kinderschuhe befestigt war. Bei Feldarbeiten fand die Frau aus Wolfskehlen die Reste der Ballons mit dem Schein und konnte nun freudestrahlend die Schuhe in Empfang nehmen. Her-
Verunglückte Kletterpartie
In der Zwingenberger Schule stürzte ein neunjähriger Junge, der am Treppengeländer herumkletterte, so unglücklich in die Tiefe, daß er mit einem Beckenriß in das Jugenheimer Krankenhaus eingeliefert werden mußte. (HB)
Vom Fahrrad geschleudert
Beim Ueberqueren der Bundesstraße 26 wurde am Dienstagabend gegen 18.30 Uhr der 69jährige Joseph Roller durch einen PKW vom Fahrrad geschleudert und erlitt eine Platzwunde am Kopf. Er wollte auf der Straße Nauheim—Trebur die Bundesstraße 26 überqueren und hatte das aus Richtung Mainz kommende Fahrzeug richt bemerkt. Am PKW entstand leichter Sachschaden. cg.
Lampionfest der Kinder
Am Vorabend des Abschieds vom Groß-Gerauer Waldzeltlager feierten am Montagabend zirka 90 Kinder im Walde ein stimmungsvolles Lampionfest, in dessen Verlauf auch eine Märchenaufführun« gezeigt wurde. Landrat Harth und' der Bürgermeister von Stockstadt waren hierbei zu Gast. , . (cg)
Dorfnachmittag in Langstadt
Unter dem Motto: „Jugend ^ir Jugend!“ veranstaltet der Jugendring Dieburg der Heimatvertriebenen am Sonntag in Lang-Uhr aTAD°rf^mittaS’ d«- ™ 2.30 Uhr auf dem Waldsportpla4 beginnt Mitglieder des Dieburger Jugendringes geben sich ein Stelldichein, um gemeinsam mit der ortsansässigen Jugend einen Sonntag-Nachmittag mit Volkslied und Volkstanz zu verbringen.
Meldungen aus den Landkrisen
Das Schwimmbadwasser einwandfrei
Im Zusammenhang mit einem kürzlich in Michelstadt aufgetretenen Fall spinaler Kinderlähmung wurde das Gerücht verbreitet, die Infektion sei durch das Wasser des Schwimmbades im Heinrich-Ritzel-Stadion erfolgt. Die Stadtverwaltung Michelstadt teilt hierzu mit, daß nach inzwischen vorgenommenen Untersuchungen ein absolut einwandfreier Befund des Wassers festgestellt wurde. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß für Schwimmbad-Benutzer keine Ansteckungsgefahr besteht. -ch.
Was aǔch interessiert:
Munition aus Kriegsbeständen wurdel vor wenigen Tagen in einer Ziegelei bei Groß-Zimmern gefunden, wo man 16 schwere Flügelbomben ausgrub. Zusammen mit einem in der Nähe vom Bahnhof Wiebelsbach-Heubach aufgefundenen Granatwerfergeschoß wurde die Munition zur Sprengung nach Münster transportiert. DTT
Daß sein Haus von der „Holzwespe“ be¬ fallen war, stellte ein Einwohner von Groß-Bieberau erst nach Einzug in seine Wohnung fest. Da mit chemischen Mitteln die Wespe nicht bekämpft werden kann, trägt sich der Hauseigentümer mit dem Gedanken, alle Holzteile des gerade errichteten Hauses durch neue ersetzen zu lassen. (GD)
Zum Sozialistenkongreß, der am 20. August in Frankfurt am Main stattfindet, fährt der Ortsverein der SPD Groß-Bieberau. (GD)
Alte Fachwerk- und Burgmannen¬ häuser besichtigte der kunstgeschichtliche Kursus der Volkshochschule Langen unter Leitung von Dr. W i e d en - brüg in Babenhausen. Auch die evangelische Stadtkirche mit ihren wertvollen gotischen Gemälden und dem’ Flügelaltar von 1521 fanden reges Interesse. (se)
90 katholische Frauen unternahmen unter Leitung von Pfarrer Freund, Osth e i m, eine Wallfahrt nach dem bekannten Gnadenort Marienthal im Rheingau. (Kb)
Der Verein der Naturfreunde Urberach will im kommenden Jahr sein 30jähriges Stiftungsfest in feierlicher Weise begehen. Geplant ist eine Ausstellung, die den Einwohnern die Entwicklung der „Naturfreunde-Bewegung“ zeigen soll und ein großes Jugendtreffen aus den Kreisen Dieburg und Offenbach. (gi)
Die Langener Reallehranstalt feiert ihr lOOjähriges Bestehen verbunden mit einer Wiedersehensfeier ihrer ehemaligen Schüler am 23., 24. und 25. September. Teilnahmeerklärungen und Anschriften von auswärts wohnenden ehemaligen Schülern sind an Friedel Jensen, Langen, Dieburger Straße, (Tel. 465) zu richten. (DT)
DIEBURG
Groß-Bieberau. Der kürzlich stattgefundene Ferkelmarkt war mit 22 Tieren beschickt. Die Preise für Ferkel lagen zwischen 45 und 55 DM, die der Springer zwischen 65 und 75 DM und die der Einlegeschweine zwischen 120 bis 130 DM. Der Marktverlauf war schleppend mit 50 Prozent Überstand. Die Qualität der Tiere war gut. Der nächste Ferkelmarkt findet am 21. August 1950 statt. (Db)
Dorndiel. — Die Spar- und Darlehn s k a s s e hat Saaterbsen, Saatwikken, Senfsamen, Luzerne und Rotkleesamen auf Lager. Daselbst ist auch die Abgabestelle für Roggen und Weizen. Die Gemeindeverwaltung hat der Schule einen Spielplatz zur Verfügung gestellt, der derzeit von der Schuljugend in Selbsthilfe eingeebnet wird. ko.
Dorndiel. - Von der Gemeinde wurde der Schule ein Spielplatz zur Verfügung .gestellt. Das Gelände wurde von der Schuljugend selbst eingeebnet. Die alten Schulbänke sollen durch Tische und Stühle ersetzt werden. (-gi-)
Dorndiel. Der Gemeinderat beschloß, das Schulhaus von außen neu verputzen zu lassen. Die Firma Glaser, Raibach, wird die Arbeiten ausführen. — Die Schulstraße erhält einen Teerüberzug. (hm)
Groß - Umstadt. Aus dem Kelterraum einer hiesigen Gastwirtschaft wurden von unbekannten Tätern Wurstwaren im Werte von 52 DM gestohlen. -RG-
Urberach. Die Gemeinde beabsichtigt, im Gemeindewald Notstandsarbeiten durchzuführen, wofür etwa 13 500 DM benötigt werden. Die Gemeinde stellt 8000 DM zur Verfügung. — Das Wohnbauprogramm sieht im Jahr 1950 elf Neubauten mit 22 Wohnungen vor. (wu)
Urberach. Eine weitgehende Entlastung des Verkehrs soll mit dem Bau einer Straße, die die Bahnhofstraße mit der Frankfurter Straße verbindet, erreicht werden. Dabei rechnet man mit der Gewinnung neuer Bauplätze. (wu)
Mosbach. - Die Maurerarbeiten für das geplante Gemeindehaus wurden an Maurermeister Mehler übertragen. Das Wohnhaus, das bis zum 15. September im Rohbau fertig sein soll, bietet zwölf Familien Wohnraum. (-gi-)
Reinheim. Am Montagabend ereignete sich gegen 19 Uhr an der Straßenkreuzung Ober-Ramstädter Straße/Pöllnitzstraße ein Zusammenstoß zwischen einem Lastkraftwagen und einem Kleinkraftrad, dessen Fahrer leichte Verletzungen erlitt. Das Kraftrad wurde erheblich beschädigt. Die Schuldfrage konnte noch nicht ermittelt werden. K (ml)
Richen. - Das Feldbereinigungsverfahren ist nunmehr beendet. Die Vollzugskommission der Feldbereinigungsgesellschaft der Gemeinde wurde durch das Kulturamt Darmstadt aufgelöst. (-gi-)
Heubach. Bei dem beabsichtigten Treffen der 60- bzw. 50jährigen am 2. und 3. September wird das „Hessemädche“, Lya Wöhr, für die nötige Unterhaltung sorgen. , (hm)
Groß-Zimmern. Die nächste Rechtsberatungsstunde des Gewerkschaftsbundes findet am Samstag (19. 8.) von 16 bis 19 Uhr im alten Rathaus statt, (-gi-)
Münster, Lehrer Brandau, der seit 1927 an der Volksschule lehrt, wurde zum Konrektor ernannt und in einer Feierstunde geehrt. Kreisschulrat Schmidt, Dieburg, überreichte dem verdienstvollen Erzieher die Urkunde des Regierungspräsidenten. (-gi-)
ERBACH
Erbach. In der Bahnhofstraße fuhr am Mittwochnachmittag gegen 18 Uhr ein Motorradfahrer eine Radfahrerin an. Es entstand nur Sachschaden.
Erbach. Im Einvernehmen mit der Kriminalpolizei Frankfurt verhaftete die Stadtpolizei Michelstadt den vorübergehend in Michelstadt wohnhaften 28 Jahre alten Handelsvertreter W. N. unter dem Verdacht, den Raubüberfall in der Kantine des Lagers „Sandhöfer Wiesen“ bei Frankfurt verübt zu haben. (-ch)
Wald-Amorbach. Die Bodennutzungserhebung der Gemeinde ergab eine Gesamtfläche von 381 Hektar; landwirtschaftlich genutzt werden davon 170 Hektar; bewaldet sind 195 Hektar. -hm-
Lützel-Wiebelsbach. Im letzten Monat wurden von der Gemeinde 1400 DM an Hausratshilfe ausgezahlt. -gi-
Mörfeld. Unter Leitung von Dressurwart Dickhaut finden jeden Sonntagmorgen Dressurübungen des Mörfelder Schäferhundevereins statt. Der Verein, der erst im Frühjahr 1950 gegründet wurde, zählt bereits jetzt über 30 Mitglieder. (-kb.)
Höchst i. O. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde entschieden, daß bei dem letzten Rückerstattungsantrag Flörsheimer-Kling das Gebäude an die IRSO zurückgegeben wird, da die geforderte Summe für die Gemeinde zu hoch ist. Die in dieser Sache bereits bezahlten Beträge werden von Seiten der IRSO an die Gemeinde zurückerstattet.
Steinbuch. Ein hiesiger Motorradfahrer streifte bei dem Versuch, einen auf den Parkplatz beim Gasthof Gölz einbiegenden Ackerschlepper mit anhängendem Wagen zu überholen, die 6 Jahre alte Gretel Skot a r a und verletzte sie erheblich am Kopf. (-ch)
Etzengesäß. Auf der Fahrt nach Bad König wurde in der S-Kurve der Ortsdurchfahrt ein Personenwagen aus Steinbach durch einen mitten auf der Straße haltenden Lastkraftwagen aufgehalten. Als der Fahrer Signal zum Ueberholen gab, fuhr der Lkw unvermittelt rückwärts und rammte den Personenwagen, dessen linke Karosseriehälfte und das Verdeck stark beschädigt wurden, (-ch)
Rohrbach. Von der Gemeindeverwaltung ist die Anlegung eines neuen gemeindeeigenen Friedhofs beabsichtigt. Ein endgültiger Platz ist noch nicht ausersehen. (ptoo.)
BERGSTRASSE
Bensheim. In den Nachmittagsstunden des 15. August ereignete sich in der Wormser Straße ein leichter Verkehrsunfall zwischen einem ca. 7 Jahre alten Radfahrer und einer landwirtschaftlichen Zugmaschine. Es entstand lediglich Sachschaden. Die Unfallursache und die Schuldfrage sind noch nicht geklärt. (HB)
Bensheim. Nachdem nun auch die restlichen Mülleimer eingetroffen sind, wird die Ausgabe an alle noch nicht belieferten Haushaltungen wie folgt durchgeführt: Für Bensheim-Mitte am Mittwoch, dem 16. August, vormittags ab 8 Uhr, im nördlichen Hof des Rathauses (Rodensteinerhof) und für Bensheim-Auerbach am Donnerstag, dem 17. August, im Hof des ehemaligen Rathauses in Auerbach (Bachgasse). Die Sta u ’Verwaltung hofft, daß die Bevölkerung regen Gebrauch macht, damit die seither benutzten wenig schönen alten Eimer und Kisten endlich aus dem Stadtbild verschwinden. (HB)
GROSS-GERAU
Groß - Gerau. Die diesjährige Zuckerrübenkampagne der Süddeutschen Zucker-Akt.-Ges. beginnt am 2. Oktober. Die Ernte, die als sehr gut bezeichnet werden kann, wird im Kreis Groß-Gerau auf 1,25 Millionen Doppelzentner geschätzt. -kb.
Büttelborn. Nachdem die Vorarbeiten zur Verlegung der Gasleitung abgeschlossen sind, wird in Kürze mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. Damit wird vielen seither arbeitslosen Männern eine vorübergehende Beschäftigung geboten. -kb.
Dornheim. Die Arbeiten am Sportplatz machen gute Fortschritte, so daß das Sportgelände in der kommenden Saison wieder benutzt werden kann. -kb. Dornheim. Im Heißfeldwald feierte die Jugendgruppe „Freundschaft“, die sich eben gegründet hat, ein Sommerfest, auf dem es in Gestalt von Eierlaufen, Wurstschnappen, Tischtennis- und Boxkämpfen genug Unterhaltung für Kinder und Jugendliche gab. Abends wurde getanzt.
Mörfelden. Die Freireligiöse Gemeinde plant in Kürze einen Omnibusausflug in das Lorsbacher Tal durchzuführen, -kb.
Worfelden. Es ist nach einem Plan des Staatsbauamtes vorgesehen, die neu zu errichtende Straße am Gemeindehaus als Ortsdurchfahrt herzurichten. Der Gemeinderat ist mit dem Plan in verschiedenen Teilen nicht einverstanden. Die Verwaltung wird hiergegen Einspruch erheben. -kb-
Worfelden. Die Sport- und Kulturgemeinschaft soll Gelände für einen Sportplatz zugewiesen bekommen. Vorgeschlagen wurde die Gegend am ehemaligen Arbeitsdienstlager. (eng)
Ostheim. Die Filmstelle des Residence Office Groß-Gerau zeigte im gutbesetzten Saalbau Gabel die Filme „Die Erde und ihre Völker“ und „Welt im Film“, -kb.
Königstädten. In einer Sitzung der Gemeindevertreter wurde der neue Haushaltsplan der Gemeinde, der in Einnahmen und Ausgaben mit 96 431,34 DM abschließt, einstimmig angenommen. — In der letzten Kreisausschußaitzung wurden der Gemeinde rund 11 000 DM für den Schulhausneubau zugesprochen -kb.
Nauheim. Am Sonntag, dem 26. August, veranstaltet die Falkengruppe Nauheim in der Turnhalle einen großen Unterhaltungsabend. (Kb)
Nauheim. Bis zum Herbst dieses Jahres wird im neu erstellten Saalbau Katharina K o h 1 ein zweites Lichtspielhaus für Neuheim eröffnet. (Kb)
Trebur. Zum Ankauf von 100 Tonnen Pflastersteinen, die zur Neupflasterung der Straße nach den Rheinauen verwendet werden sollen, bewilligte der Gemeinderat 3000 DM. -kb.
Trebur. Ein Antrag des Turnvereins 1886 auf Mitbenutzung des Sportplatzes wurde dahingehend erledigt, daß sich der Verein nach geeignetem Sportgelände umsehen und dann der Gemeindeverwaltung entsprechende Vorschläge unterbreiten soll. Im neuen Haushaltsplan sind für diesen Zweck 5000 DM vorgesehen. -kb.
Trebur. Die Kirchweihe in Trebur hatte starken Zuspruch von auswärtigen Besuchern. Sämtliche Tanzsäle waren überfüllt, so daß man sich gezwungen sah noch in letzter Minute eine Tanzbühne im Freien aufzuschlagen. -au-
Biebesheim. Die diesjährige Gurkenernte ist abgeschlossen und kann als sehr gut bezeichnet werden. Die Absatzmöglichkeiten waren teilweise schlecht, -kb.
Gernsheim. Am Freitag spricht Frau Dr. Stall in einer öffentlichen Bürgerversammlung zu dem Thema „Was können wir für unsere Jugend tun?“ -kb.
Der SPORT
Mängel der Berichterstattung
Von Dingen, die in den Sportverbänden übersehen werden
Die Flut der Wettbewerbe und Feste, die ohne Unterlaß aus dem Sport hervorschießt, ist unvergleichlich stärker als auf irgendeinem anderen Gebiet des öffentlichen Lebens. Sie zieht aber auch die Massen in einem immer noch verblüffenden Grade an sich. Die Presse kann an dieser Flut nicht achtlos vorübergehen, sie tut es auch nicht, und dennoch ist die Klage, die Interessen des Gesamtsports oder einzelner Sportarten oder gar bestimmter Vereine würden von der Presse nur lau wahrgenommen, längst kein neues Lied mehr. Auch im Sport neigen fast alle Leute, die sich in einem der vielen kleinen oder größeren Kreise bewegen, zu der Meinung, gerade ihr Kreis, und sei er auch noch so eng, bilde das Zentrum des Ganzen. Aus solchen Anschauungen springen dann die meisten Quellen der Unzufriedenheit. Der Ressortredakteur ist zwar immer bemüht, die Ansprüche des Sports mit seinen Platzverhältnissen in Einklang zu bringen, aber der Hinweis auf diese Raumverhältnisse wird längst schon nicht mehr ernst genommen, man verweist ihn vielmehr unter die billigen, wenn nicht gar bösen Ausreden. Neuerdings ist die Unzufriedenheit auch in den Spitzenverbänden zu spüren gewesen. Es war zu hören, die Presse habe die repräsentativen Veranstaltungen dieser Verbände, vor allem die Deutschen Meisterschaften, lieblos und nahezu fahrlässig behandelt. Auf der Suche nach den Wurzeln dieser Beschwerden geschah Seltsames: man fand sie auf dem Boden der Verbände, nicht aber bei der Presse.
Die Ballung von Spitzenveranstaltungen
Wir wollen uns mit zwei Beispielen beschäftigen. Das erste war am 6. August zu sehen, das zweite ist in diesen Tagen zu beobachten. Am 6. August wurde der Presse das Rätsel aufgegeben, die Berichte (in der als selbstverständlich betrachteten großen Aufmachung und Ausführlichkeit) über die folgenden Spitzenveranstaltungen in einer einzigen Ausgabe unterzubringen: Deutsche Meisterschaften in der Leichtathletik, im Rudern, im Golf, im Amateurboxen, im Radfahren, im Wasserball und einigen anderen Sportarten, Meisterschaftslauf der Wagen beim „Großen Bergpreis von Deutschland“, „Tour de France“, diverse Turnfeste, Beginn der neuen Fußballsaison'mit vielen internationalen Begegnungen und dem Probespiel zweier Nationalmannschaften. Das waren, wie gesagt, nur die Spitzenveranstaltungen. Das Rätsei konnte nicht gelöst werden. Die Schuld lag bei den Verbänden bzw. bei dem Mangel einer Terminkommission für die Gesamtinteressen des Sports. Die Verbände werden darauf verweisen, daß ihre Saison gerade am Augustbeginn den Höhepunkt erreiche upd deshalb kein anderer Termin möglich gewesen sei. Dem kann der Hinweis auf den weitaus schwächer belegten und doch ebenso geeigneten letzten Julisonntag entgegengehalten werden. Lehnt man indes diesen Einwand ab und bleibt bei der Ballung von Spitzenveranstaltungei» an ein oder zwei Augustsonntagen, dann muß man sich auch mit den unvermeidbaren Schwierigkeiten abfinden, die sich für die Presse und damit für die eigene Werbung ergeben. Immerhin sollte man, wenn es im Oktober zur Bildung des Deutschen Sport-Bundes kommt, bei der Zusammenstellung der Ausschüsse die Kalenderkommission nicht vergessen.
Späte Starts bei dier Deutschlandfahrt
Das zweite, in diesen Tagen sichtbare Beispiel ist die Deutschlandfahrt. Fällt es nicht auf, wie knapp über dieses Unternehmen, an dem auch die deutsche Fahrrad- und Reifenindustrie stark interessiert ist, selbst von Zeitungen berichtet wird, die sich sonst dem Radsport durchaus geneigt zeigen? Wir haben bereits in unserem Bericht von der vierten Etappe die Gründe kurz angedeutet. Bei allen großen Radrundfahrten des Auslandes, auch bei der „Tour de France“, wird auf den einzelnen Etappen schon an frühen Morgenstunden gestartet und das Ziel in den ersten Nachmittagsstunden sichtbar. Von der „Tour de France“ liefen selbst bei den deutschen Blättern die Berichte täglich spätestens zwischen 16.30 und 17.30 Uhr über den Fernschreiber oder den Draht ein. Auf der Deutschlandfahrt wird zu den einzelen Etappen erst zwischen 9.30 und 12.00 Uhr gestartet, und das Ziel fast nie vor 18.00 Uhr, oft sogar erst später erreicht. Bis zur Ausrechnung der Etappenergebnisse und der Gesamtwertung vergeht weitere Zeit, und erst dann können die Berichterstatter zu den (in kleineren Orten) meist nur wenigen oder oft auch noch vom Ziel weit entlegenen Telephonapparaten stürzen. Wir wollen nicht näher auf die erhöhten Strapazen eingehen, die sich für die Fahrer aus der Tatsache ergeben, daß ihr Rennen nun ausschließlich in die kräfteverzehrenden heißen Mittags- und Nachmittagsstunden fällt; auch für die Presse entstehen Schwierigkeiten, wenn sich ihre Berichterstatter erst gegen 20 Uhr oder gar noch später melden. Für viele Zeitungen, vor allem für die Blätter mit Bundesausgaben, besteht dann keine Möglichkeit mehr, die Berichte noch mitzunehmen. Andere können statt der erwünschten ausführlicheren Meldungen nur noch wenige Zeilen unterbringen. Lediglich die Lokalblätter mit spätliegendem Redaktionsschluß haben mehr Zeit. Immerhin fällt ein erheblicher Teil des Presseechos aus. Durch Verschulden der Presse?
Zwei Möglichkeiten der Werbung
Die Verantwortlichen der Deutschlandfahrt müssen zwischen zwei Möglichkeiten der Werbung wählen. Sie haben die Hauptphasen des Rennens in die späten Nachmittagsstunden gelegt, weil angeblich dann mehr Menschen auf den Straßen anzutreffen sind. Das mag zutreffen. Es ist gewiß ein Gewinn, wenn täglich einige zehntausend Menschen mehr von der Werbung erfaßt werden können. Dieser Gewinn steht jedoch dem Verlust an Echo bei Millionen Zeitungslesern gegenüber. Das bleibt zu bedenken.
Bernhard Gnegel
„Roter Stern“ ohne Glanz
W. München. (Eigener Bericht.) Die jugoslawische Fußball-Mannschaft „Roter Stern“, Belgrad, hatte sich dem Münchener Fußballpublikum durch einen 4:2- Sieg über Tennis-Borussia Berlin und einen in gleicher Höhe gegen den BC Augsburg erzielten Erfolg empfohlen. Sie spielte am Dienstagabend auch in München gegen „1860“ eine Halbzeit lang einen guten Fußball, enttäuschte dann aber die 25 000 Zuschauer durch ihr passives Verhalten sehr. „1860“ mußte mit Ersatz für die verletzten Spieler Pledl und Lauxmann Spielen, erreichte aber doch ein 1:1 (1:1).
Im Rahmen des Saarlandpokals spielten der Pokal Verteidiger 1. FC Saarbrücken gegen Stade/Red Star Paris 11:1 (6:1!) und der Vfß Neunkirchen gegen Wacker Wien 4:2 (2:0).
Ezzard Charles behält seinen Titel
Der von der amerikanischen NBA (National Boxing Association) anerkannte Schwergewichtsweltmeister Ezzard Charles hat am Dienstagabend seinen Herausforderer, den Amerikaner Freddie Beshore, in einem Titelkampf in der 14. Runde durch technischen K. o. besiegt.
Ueber Frankfurt nach Zweibrücken
Nach einem Ruhetag rollt die „Deutschlandfahrt“ weiter
Gü. Gießen. (Eigener Bericht.) Die Teilnehmer an der Deutschland-Rundfahrt haben den Mittwoch in Gießen als Ruhetag verbracht. Die Pause war wohlverdient, denn die vorauf gegangene 4. Etappe hatte von den Fahrern viel verlangt. Sie war mit 290 km nicht nur ungewöhnlich lang, sondern mit vielen Steigungen auch sehr schwierig. Dazu kamen die schweren Jagden. Im Gesamtklassement hat der Chemnitzer Hermann Schild, der in Gießen als Dritter einkam, fünf Minuten Vorsprung vor dem Belgier Decorte. Der Nürnberger Pfannenmüller, der auf dieser Etappe das „Weiße Trikot“ getragen hatte und vielfach als Favorit gilt, war zwischen Aachen und Gießen vom Pech verfolgt und fiel in der Gesamtwertung mit achteinhalb Minuten Abstand von Schild vom ersten auf den fünften Platz zurück.
Die „Deutschlandfahrt“ wird am Mittwoch mit der 5. Etappe von Gießen über Frankfurt (Ankunft dort gegen Mittag) und Mannheim nach Zweibrücken fortgesetzt.
Die Deutschen überraschen
Vo. Gießen. (Eigener Bericht.) Die ausländischen Teilnehmer an der Deutschlandfahrt, von denen nach dem Schweizar Sommer nun auch die beiden Italiener Ortelli und Rossi ausgeschieden sind, zeigen sich überrascht vom Leistungsstand des deutschen Straßenrennsportes. „Wir hätten nicht erwartet“, sagte der Belgier Decorte, der in der Gesamtwertung an zweiter Stelle liegt, „daß die Deutschen schon wieder so stark sind.“
Die Patria-WKC-Mannschaft hat durch den plötzlichen Tod ihres Chefdirektors Hans May, der am Montag in Bielefeld unerwartet verschied, einen schweren Schlag erlitten. Der deutsche Radsport verliert in Hans May einen der bedeutendsten Förderer, der als Vorstandsmitglied der IRA einen wesentlichen Anteil an dem Ausbau der Deutschland-Rundfahrt hat. Die Patria-Mannschaft, mit Erich Bautz als Kapitän, wollte an der Beisetzung ihres Chefs teilnehmen. Die Mannschaft, die schon am Dienstag mit schwarzem Trauerflor fuhr, wäre dann ausgeschieden. Erst eine Unterredung mit der Oberleitung hat die Patria-Mannschaft davon überzeugt, daß sie im Sinne ihres verstorbenen Chefs handelt, wenn sie weiterhin bei der Deutschland-Rundfahrt im Wettbewerb bleibt.
Neue Weltmeister im Radsport
Während der Australier Sydney Patterson bei den Rad-Weltmeisterschaften in Lüttich Sieger im Verfolgungsfahren der Amateure wurde, holte sich der Italiener Antonio Bevilacqua den Weltmeistertitel bei den Profis. Zweiter wurde hier Wim van Est (Holland). Im Radball kam die Schweiz ungeschlagen mit 8:0 Punkten vor Frankreich zur Meisterschaft.
5. Kreissportfest in Heppenheim
Am 19. und 20. August treffen sich in Heppenheim Sportler und Sportlerinnen des gesamten Kreises Bergstraße, um in friedlichem Wettkampf ihre körperlichen Höchstleistungen unter Beweis zu stellen. Turnverein und Stadtverwaltung scheuen keine Kosten und Mühen, um dem großen Fest einen würdigen Rahmen zu geben. Schon seit Tagen* arbeiten fleißige Hände an der Herrichtung des Sportplatzes am Schwimmbad. Tribünen werden errichtet, Gras und Unkraut mußten weichen, eine neue Aschen- und 100-Meter-Bahn sind im Entstehen und an den Sprunggruben wird fleißig geschaufelt. Die Bretterwand zum Schwimmbad wird für die zwei Festtage verschwinden, damit den Zuschauern Gelegenheit gegeben ist, an sämtlichen Wettkämpfen teilzunehmen.
Für sämtliche Veranstaltungen beider Tage wird ein Eintrittspreis von einer D-Mark erhoben, die *Festfolge sieht wie folgt aus:
Samstag, 19. August: 13 Uhr Beginn der Tenniswettkämpfe. 14.30 Uhr; Fußballspiel Starkenburgia Heppenheim — VfR Bürstadt. 18 Uhr Handballspiel TV Heppenheim—TSV Birkenau (Bad. Landesliga). Beide Spiele werden auf dem Sportplatz am Galgen ausgetragen. 18 Uhr Kampfrichtersitzung im „Hessischen Hof“. 20.30 Uhr Festkopmers in der Stadthalle mit turnerischen Darbietungen, Reigen der Radfahrer usw. Es sprechen u. a. Landrat Dengler und Bürgermeister Holzamer, anschließend Ehrungen, umrahmt werden die Feierlichkeiten' von Heppenheimer Gesangvereinen.
Sonntag, 20. August: 6 Uhr Weckruf. 7 Uhr Einteilung der Kampfrichter, Riegenführer und Obleute. 7.30 Uhr Antreten der Wettkämpfer (aktive Klassen Männer und Frauen sowie ältere Jahrgänge). 7.50 Uhr Morgenfeier. 8 Uhr Beginn der Mehrkämpfe (Turnen und Leichtathletik). Beginn der Schwimmwettkämpfe. Fortsetzung der Tenniswettkämpfe. Beginn der Tischtenniswettkärqpfe in der Stadthalle. 9 Uhr Beginn des Radrennens. Start: Landgrafenschule; Ziel Dreschhalle, Lorscher Straße. 9 Uhr Antreten der männlichen und weiblichen Jugend beider Klassen. 9.15 Uhr Beginn der Mehrkämpfe (Jugend). Beginn der Ausscheidungskämpfe der aktiven Männer und Frauen, anschließend der Jugend. 12 Uhr Mittagspause. 13 Uhr Aufstellung zum Festzug auf dem Graben. 13.30 Uhr Festzug. 15 Uhr Entscheidungen der Einzelkämpfe und Staffeln. Sondervorführungen in Faustball und Basketball. 18 Uhr Siegerehrung.
Nach Ankunft des Festzuges auf dem Sportplatz Ansprachen des Herrn Bürgermeisters der Kreisstadt Heppenheim, des Präsidenten des Landessportbundes Hessen, Herrn Regierungsrat Lindner, des Sportbezirksvorsitzenden Schulmeyer und des Kreisvorsitzenden Bender. 20 Uhr Festball im Saalbau Kärchner. -h-
Tauziehen um das Hochschulstadion
Wer von den auswärtigen Besuchern die Technische Hochschule besichtigt, dem wird nach Möglichkeit auch das Hochschulstadion gezeigt, ohne das die TH nicht vollständig ist, das zu ihr gehört wie die Hörsäle und die Laboratorien. Seit dem Kriegsende hat die Hochschulleitung jedoch kein Verfügungsrecht mehr über ihre eigene Anlage, da das Stadion von der Besatzungsmacht für ihre eigene sportliche Ertüchtigung beschlagnahmt wurde. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn das Stadion auch wirklich ein Bedürfnis der Amerikaner erfüllen würde. Jedoch hat sich erwiesen, daß seitens der Besatzungsmacht kein allzu großes Interesse an der Benutzung der Sportanlage bestehen kann, alldieweil kaum jemand auf dem weiten Gelände sichtbar ist, noch nicht einmal im Schwimmbecken. Das Stadion steht im allgemeinen leer.
In unzähligen Verhandlungen hat sich die Hochschulleitung bemüht, wenigstens eine Mitbenutzung des Stadions durch die Studenten der Technischen Hochschule zu ereichen. Alle Vermittlungsversuche blieben jedoch erfolglos, im Gegenteil, in den letzten Tagen erging nochmals eine strikte Verfügung, daß sich kein Student auf dem Stadiongelände sehen lassen dürfe, andernfalls sofort die MP verständigt werden sollte. Nach Sachlage der Dinge ist an eine Freigabe des Hochschulstadions in absehbarer Zeit nicht zu denken. Einem Antrag, auf dem Gelände des Stadions für acht Tage ein Trainingslager für Leichtathletik einzurichten, um geeignete Kräfte aller hessischen Universitäten für die im Dezember 1950 in Kairo stattfindenden Studentenweltmeisterschaften zu schulen, wurde nicht stattgegeben.
Während in anderen Städten die Stadions längst freigegeben wurden, zum mindesten eine Mitbenutzung gestattet wurde, schläft das Darmstädter Hochschulstadion den Dornröschenschlaf der Vergangenheit. Auf den Laufbahnen wuchert das Gras und der gesamte Eindruck läßt darauf schließen, daß sich die Besuchermassen der Besatzungsmacht in ein- und zweistelligen Ziffern ausdrücken lassen. Anläßlich des Internationalen Ferienarbeitslagers haben Gäste des Seminars für studentische Selbstverwaltung in Königstein i. T., unter ihnen Amerikaner, Schweizer und Engländer, das Stadion besucht und ihre entschiedene Verwunderung darüber ausgedrückt, daß eine derartige Anlage ungenutzt bleibt. In Berlin war vom AHD erwogen worden, die deutschen Hochschulmeisterschaften 1950 in Darmstadt austragen zu lassen, was sich jedoch durch die Beschlagnahmung des Hochschulstadions zerschlug. In der Forumsitzung vom 29. Juni 1950 stand das Thema der Sportplatzfrage zur Debatte, aber nach Darlegung der einzelnen Standpunkte durch die am Hochschulstadion interessierten Stellen konnte die Militärregierung nicht zu einer Stellungnahme veranlaßt werden. Die Studentenschaft der Darmstädter Technischen Hochschule betrachtet die anhaltende Beschlagnahme des Hochschulstadions als eine Herausforderung, sie steht auf dem Standpunkt, daß nicht die Fürsorge für den amerikaischen Sport dafür maßgebend sei, sondern daß hier andere Dinge mitspielen, die von amerikanischer Seite nicht klar genug präzisiert wurden. Besonders die Diskrepanz zwischen der in letzter Zeit in verstärktem Maße geforderten Verständigung zwischen der Jugend aller Nationen und dem Handeln der zuständigen amerikanischen Dienststellen ist es, die bei der Studentenschaft der TH, und nicht nur bei ihr, großes Erstaunen hervorruft. Was eher, als gemeinsamer Sport wäre in der Lage, die Ressentiments auszuschließen, die zwischen der Besatzungsmacht und den Deutschen wieder bestehen? Vielleicht würde bei gemeinsamer sportlicher Betätigung auch das mangelnde Interesse der Darmstädter Amerikaner am Sport gehoben werden.
Heute ist es so, daß die Studenten die Gastfreundschaft glücklicher Vereine mit eigenem Sportplatz in Arheilgen und Pfungstadt gegen Bezahlung in Anspruch nehmen müssen, da das eigene Hochschulstadion infolge einer unglücklichen lokalen Politik leerstehen muß, und niemand davon einen Nutzen hat, es sei denn, das wuchernde Unkraut. Sollte da nicht eine einsichtige Stelle zu finden sein, die dieser unhaltbaren Lage Abhilfe verschafft? -<st
Große Vorbereitungen am Mühlchen
Auf dem Sportplatz der SG Arheilgen am Mühlchen hat ein emsiges Leben und Treiben eingesetzt, um bei den Spielen der 11. Division größeren Zuschauermassen gerecht zu werden und gute Sichtmöglichkeit zu bieten. Unter liebenswürdiger Unterstützung der Stadtverwaltung werden die Stehterrassen erheblich erhöht und neu hergerichtet. Die auf der Ostseite stehenden Bäume wurden zum Teil gefällt, zum Teil ausgelichtet. Am Haupteingang wird ein neues Kassenhäuschen errichtet und damit ein neuer weiterer Eingang geschaffen. Nach Fertigstellung wird der Platz 8000-10 000 Zuschauern gute Sichtmöglichkeit bieten.
Auch organisatorisch werden Neuerungen eingeführt. Mitglieder genießen nur ermäßigte Preise gegen Vorzeigen der Mitgliederkarte. Fahrräder dürfen nicht mehr auf den Sportplatz genommen werden. Neben dem Platz, am sogenannten Mühlchesweg, wird ein großer, bewachter Abstellplatz geschaffen, wo jeder für nur 10 Pfg. sein Fahrrad sicher stellen kann. Von der Endstelle der Linien 7 und 8 in Arheilgen laufen Anschlußomnibusse nach dem Mühlchen, und bieten jedem die Möglichkeit, bequem den Sportplatz zu erreichen. Schwierigkeiten bereitet noch die Parkmöglichkeit für Autos. Voraussichtlich wird das Gelände vom Bahnhof Kranichstein bis zur Überführung — also Südseite der Reichsbahn — als Parkplatz hergerichtet.
Am vergangenen Mittwoch hat der gesamte Vorstand der SGA mit Schaufeln und Pickeln unter, fachkundiger Leitung die Umbauarbeiten begonnen. Alle Mitglieder sind herzlichst zur Mitarbeit eingeladen. Hewe.
Das „Goldene Rad“ von Darmstadt
Am Samstag, dem 19. August, nachmittags 16.30 Uhr, werden auf der Radrennbahn des Velociped-Clubs 1899 an der Heidelberger Straße wieder Steher-, Amateur- und Jugendrennen ausgetragen, die in allen Wettbewerben eine hervorragende Besetzung gefunden haben. Man hat für die Rennen am Samstag, dem 19. August, bewußt auf die Verpflichtung von ausländischen Fahrern verzichtet, da diese durch Paßschwierigkeiten ausfallen können, der Veranstalter aber den Sportfreunden unbedingt die angekündigten Fahrer im Kampf zeigen will. Die Steher fahren um den „Preis vom Odenwald“ und um das „Goldene Rad“, letzteres ein Rennen über 50 km in zwei Läufen. Verteidiger für das „Goldene Rad“ ist der sympathische Emil Schöpflin, der sich durch sein Können in Darmstadt viele Freunde erworben hat. In Heiner Weiß, Iggelheim (Sieger im „Großen Preis“ von Rhein und Baden 1950) Peter Gilsdorf, Mainz (bekannt als starker Bahn- und Straßenfahrer), Willi Brunner, Darmstadt, und Arthur Böttgen, Frankfurt, hat Emil Schöpflin — der auch die Darmstädter Bahnrekorde inne hat — äußerst starke Mitbewerber um das „Goldene Rad“.
Besonders gespannt ist man auf das Zusammentreffen von Emil Schöpflin und Willi Brunner, da die bisherige Begegnung unentschieden endete. Während Willi Brunner am 1. Pfingstfeiertag 1948 in Michelstadt im „Großer Pflngstpreis“ Sieger wurde, gewann Emil Schöpflin tags darauf (Pfingstmontag 1948) die Rennen in Darmstadt.
Die Amateur- und Jugendrennen sind ausgeschrieben, auch hier stehen erstklassige Fahrer im Wettbewerb. Bei den Aktiven sind Holzmann—Intra (Deutsche Mannschaftsmeister 1950), Klehr —Knösseldorfer (2. Deutsche Mannschaftsmeister 1950), Röper, Bremen; Moos, Sossenheim; Müller, Haas, Scherer (alle Frankfurt), Frieder Weber, VCD u. a. am Start.
Bei der Jugend starten außer den Fahrern des VCD weitere fünf ausgesucht gute Jugendfahrer. Die Darmstädter Farben vertreten nach langer’ Pause vor heimischem Publikum die erfolgreichen Paul Nester, HannoSeifert, Jürgen Strauber, Helmut Steinbrecher und Werner North, die außer verschiedenen Siegen auch zwei Bezirksmeisterschaften und drei Hessen - Meisterschaften erringen konnten.
Handhall in zwei Gruppen
Im Rahmen der Hallenhandballmeisterschaften in Langstadt wurde im Gasthof „Bretzel“ eine Spielausschußsitzung abgehalten. Manus (Nieder-Roden) wurde zum Kreislehrwart für Handball und Schöllkopf (Groß-Bieberau) zum Kreisjugendwart für Handball berufen. Die Einteilung sieht zwei Gruppen vor. In der 1. Gruppe spielen: TSV Richen, SV Babenhausen, TV Schaafheim, TuS Harreshausen, TV Reinheim. TSV Langstadt-Schlierbach, TV Klein-Umstadt. Die Gruppe setzt sich aus TV Groß-Umstadt, SV 45 Reinheim, TV Münster, TV Groß-Zimmern, Tschft Ober-Roden, SSV Brensbach, SV Nieder-Kingen, SKV Habitzheim zusammen. Der Beginn der Meisterschaftsspiele aller Klassen ist auf den 3. September angesetzt. Zum Klassenleiter wurde Heer Bausch ( Klein-Umstadt) bestellt. -gi-
Nochmals Abendsportfest beim RSC Margsa Schäfer, Irma Fischlein und die Tanzgruppe des FREC Frankfurt in einer Rollschuh-Revue
Die Rollsport-Saison neigt sich ihrem Ende zu. Der RSC, der seit Bestehen eine reichliche Fülle von Veranstaltungen aufzog, wird am Samstagabend, 20.15 Uhr, auf seiner Bahn allen Rollsportfreunden ein Programm vor Augen führen, das in seiner Art in Darmstadt gänzlich neu ist. Nachdem Marga Schäfer mit der Tanzgruppe des FREC Frankfurt eine neue Revue einstudiert hat, die bereits in Frankfurt begeistert auf genommen wurde, wird dieses gesamte Programm nun auch in Darmstadt gezeigt. Als Revue „Reise durch die Welt“ wird ein buntes und farbenprächtiges Bild gezeigt werden. Da in diesem Programm außerdem noch Irma Fischlein als Europameisterin läuft, Marga Schäfer als Tänzerin auf Rollschuhen bestens bekannt ist, wird zu dem rein äußerlich bewegten Bild noch der fabelhafte Stil der Läuferinnen besonders hervorzuheben sein. Kostümiert wird das Programm einer Operette durch die verschiedenen Länder gleichzusetzen sein, nur daß das Hauptaugenmerk letzten Endes bei den Läufen klebt.
Der RSC bittet uns mitzuteilen, daß die Revue bei schlechter Witterung am Sonntag, dem 20. August 1950, 20.15 Uhr, auf gleicher Stätte hinterm Orpheum läuft. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen (Karten sind im RSC-Lokal hinterm Orpheum erhältlich). -eri-
Bezirksmeisterschaften der Schwimmer
Der Bezirk Süd des Hessischen Schwimmverbandes führt am Sonntag, dem 20. August, im Woog seine Schwimm-Meisterschaften durch. Beim Meldeschluß lagen 206 Einzel- und 25 Staffelmeldungen vor. Ausrichter der Veranstaltung ist der TSG 46.
An Stelle des Rückspiels gegen die Reservemannschaft der Offenbacher Kickers wird die KSG Erbach am kommenden Samstagbend im Erbacher Sportpark gegen die/Reservemannschaft des Vf R Mannheim antreten. -ch.
Südhessische Tischtennis-Pokalmeisterschaften
Darmstadt ist am Sonntag Austragungsort der Südhessischen Pokalmeisterschaften. Bisher haben alle Vereine der Landesliga ihre Meldungen abgegeben, so daß es erbitterte Kämpfe um die Plätze geben wird. Da bekanntlich im K. 0.-Syfctem gespielt wird, wird der Bessere und vielleicht Glücklichere am Schluß die Fahrkarte für die Hessischen Meisterschaften holen können. Außer den Landesligavertretern werden auch die einzelnen Bezirkspokalmeister an den Spielen teilnehmen.
Die Frauen der Eintracht Frankfurt und des SV Darmstadt 98 -haben die besten Aussichten auf den Titelgewinn. Höchstens Wiesbaden könnte entscheidend eingreifen. Nach dem Kriege sind Frankfurt und Darmstadt bei .den Frauen die Hochburgen in Hessens Tischtennissport. Beide konnten schon Meisterschaften holen. In den letzten beiden Jahren hat Frankfurt die Favoritenstellung eingenommen. Am Sonntag wird es äußerst harte Spiele geben. Die Mannschaft des SV 98 wird durch Römer/Holzapfel vertreten sein, die es gegen die Frankfurterinnen sehr schwer haben wird. Mit Ilse Donath, der mehrfachen Hessenmeisterin, die gleichzeitig in der deutschen Rangliste steht, wird lediglich Frl. Holzapfel eine kleine Chance haben. Die Damen des SV 98 könnten den Kampf nur zu ihren Gunsten entscheiden, wenn das gut eingespielte Doppel zum Erfolg kommt. Bei den Herren hat Frankfurt in diesem Jahr eine Mannschaft zusammen, die evtl. Wiesbaden aus dem Sattel heben dürfte. Da bekanntlich die Pokalmannschaften nur aus zwei bzw. drei Spielern (wenn einer im Doppel eingesetzt wird) bestehen, wird hier niemand sein, der gegen Seifert gewinnt. Er dürfte die Garantie für einen Wiesbadener Erfolg bieten wie im Vorjahr. Der SV Wiesbaden stützt sich auf Seifert und Roller, Eintracht Frankfurt wird Ltn. Ellis und Schittenhelm entsenden. Außer diesen beiden Mannschaften könnte noch der SV Flörsheim sich eine Chance ausrechnen. Der TTC Biblis wird mit Gotha und Nock spielen und bestimmt bei den Letzten zu finden sein. Der SV 98, der auf Essinger und Zeglys nicht zurückgreifen kann, stellt Hardt und Lutz, die ihr Bestes geben werden, um ehrenvoll zu bestehen. Im Doppel spielen Kappes/Hardt. Da bekanntlich die 2. Mannschaft des SV 98 Hartmann/Römer den 1. Platz beim Bezirkspokal belegen konnte, hat sich die Mannschaft die Teilnahmeberechtigung an den Spielen erkämpft und wird kein billiger Punktlieferant sein.
Die Spiele, die der Landessportverband Hessen durchführt, werden vom SV 98 organisatorisch geleitet.
Alle Tischtennisfreunde werden am Sonntag nicht nur erstklassige Kämpfe zu Gesicht bekommen, sondern die Elite im hessischen Tischtennissport, der eine enorme Breitenarbeit zu verzeichnen hat, in erbitterten Spielen bewundern können. Beginn der Kämpfe ab 8 Uhr in der Turnhalle der Eleonorenschule. Ku.
Tabellenspiele auch bei den Jüngsten
Schon bei der kürzlich abgehaltenen Sitzung der Vereinsfußballwarte, über die wir bereits ausführlich berichteten, kam zum Ausdruck, daß gerade in den ländlichen Vereinen die Pflege der Jugend- und Schülermannschaften unerläßlich sei, denn aus ihnen allein komme ja der Nachwuchs für die aktiven Mannschaften.
Nun wurde in einer außerordentlichen Jugendleitersitzung des Sportkreises Dieburg die endgültige Einteilung für das Spieljahr 1950/51 festgelegt. Aus finanziell len Gründen und wegen der Neumeldungen verschiedener Vereine in den Jugend- und Schülerklassen wurden dieA-Jugendmannschaften in drei Gruppen eingeteilt; die B-Jugend führt ihre eigenen Rundenspiele durch. Die Schülermannschaften (C-Jugend) bleibt in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Meisterschaftsspiele beginnen am 26. und 27. August. Es wurde folgende Einteilung vorgenommen:
A-Jugend, Gruppe Nord: Hassia, FV Eppertshausen, SV Münster, SG Nieder-Roden, Germania Ober-Roden, Viktoria Urberach, RSV Urberach.
Gruppe Süd: SV Fränkisch-Crumbach, SSV Groß-Bieberau, FSV Groß-Zimmern, 1. FC Niedernhausen, SV Reinheim, FSV Spachbrücken, SG Ueberau, SG Lengfeld. Gruppe Ost: SV Babenhausen, SV Hergershausen, SV Kleestadt, SV Klein-Umstadt, Viktoria Schaafheim, SV Groß-Umstadt, SV Raibach, SV Heubach.
B-Jugend: SV Münster, FV Eppertshausen, SG Nieder-Roden, SV Reinheim, Hassia Dieburg, SSV Groß-Bieberau, Tg. Ober-Roden (außer Konkurrenz).
C-Jugend, Gruppe Nord: FV Eppertshausen, SVHergershausen, KSV Urberach, 1. u. 2. Mannschaft SV Münster, SG Nieder-Roden, Germania Ober-Roden, Viktoria Urberach, SV Babenhausen, Tg. Ober-Roden.
Gruppe Süd: 1. u. 2. Mannschaft SSV Groß-Bieberau, SV Groß-Umstadt FSV Groß-Zimmern, SV Reinheim, FSV Spachbrücken, SG Ueberau, Hassia Dieburg. (RG)
Sportplatzeinweihuns in Herins
Sonntag, den 20. August, findet die Einweihung des Sportplatzes des hiesigen Sportvereins statt. An den sportlichen Veranstaltungen nehmen die Vereine: Heubach, Klein-Zimmern, Lengfeld, Münster (Schüler und Jugend) und Hering teil. Anschließend findet um 20 Uhr im Vereinslokal ein Festball statt.
Schwimmfest in Sandbach
Der Sandbacher Schwimmverein hält, nachdem im Vorjahre das moderne Schwimmstadion eingeweiht wurde, seine erste größere Veranstaltung ab. In Sandbach erwartet man zu dem kreisoffenen Schwimmfest am 27. August unter 20 Gastvereinen u. a. Vereine aus Darmstadt, Hanau, Michelstadt, Obernburg, Höchst und * Reinheim. Es dürfte zu interessanten Kämpfen kommen.
Es kommen zur Austragung: für Männer: 100 m Brust-, Rücken- und Kraulschwimmen,
für Frauen: 100 m Brustschwimmen, männliche und weibliche Jugend: 100 m Brust, 662/s m Rückenschwimmen,
Knaben und Mädchen: 662/s m Brust- und Rückenschwimmen. •
Ferner werden für alle Altersklassen Staffelwettkämpfe stattflnden.
Durch die Ausscheidungskämpfe im Wasserball des Bezirks Süd wird die ganze Veranstaltung eine besondere Note erhalten. (hm)
Kreisstromschwimmfest
Meisterschaften am 27. Aug. in Gernsheim Schon vierzehn Tage nach dem Fischerfest ruft Gernsheim a. Rh. die Schwimmer aus den Kreisgebieten Darmstadt, Bergstraße, Dieburg und Groß-Gerau zu dem Kreisstromschwimmfest.
An diesem Fest nehmen Turner und Schwimmer aller Altersklassen teil: 14 bis 18 Jahre 2000 m, 18 bis 35 Jahre 5000 m, 35 bis 50 Jahre 2000 bis 3000 m. Alterssonderklasse über 50 Jahre 1000 m.
Der Hauptbetrieb wird sich auf der Hafenspitze abspielen, wo unterdessen das neue Bootshaus Rheingold, das ca. 200 Paddelboote faßt, fertig sein wird. Außerdem ist ein Wasserballspiel und Paddlerreigen im Programm vorgesehen. Das Schwimmfest ist kreisoffen.
Turner schließen sich zusammen
Ginsheim. Um dem örtlichen Turnerleben neuen Auftrieb zu geben, haben sich die beiden Turnvereine unter dem Namen Turn- und Sportvereinigung e. V. 1887—1899 zu einer neuen Gemeinschaft zusamengeschlossen. In einer Generalversammlung wurden die Besitzverhältnisse des ehemaligen Turnvereins an der Turnhalle geklärt, die jetzt unter der Obhut der Sport- und Kulturgemeinde steht. Als Anteil wurde ein Betrag von 6500 Mark festgelegt, mit dem sich aber die Mitglieder nicht einverstanden erklärten, da dieser Betrag als zu gering erscheint.
Bestattungen am Donnerstag, dem 17. August 50 Beerdigungen: Alter Friedhof 15.00 Ziegler, Käthe, Elisabethenstift, 71 Jahre Waldfriedhof 14.15 Ludwig, Margarete, Jacobistraße 25, 77 Jahre 15.15 Reger, Karoline, Wangen (Allgäu), 77 Jahre
Religiöse Nachrichten Baha'i-WeltreUgion: Oeffentl. Vortrag am 18. 8., 19.30 Uhr, Techn. Hochschule Darmstadt „Göttliche Weltordnung" (W. Hartwig, Weinheim). Eintritt frei - jedermann eingeladen. AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN | öffentliche Ausschreibung # 1. der Putzarbeiten vormittags 9 Uhr 2. Fliesenarbeiten für das Bürogebäude Kasinostraße 5 vormittags 10 Uhr 3. der Parkettbödenarbeiten vormittags 10.30 Uhr 4. Maler- und Anstreicherarbeiten für die Viktoriaschule Hochstraße 44. vormittags 11 Uhr. Angebotsunterlagen können bei der Stadtbauverwaltung — Abt. Hochbau — Darmstadt, Bessunger Straße 125, Zimmer 314, gegen Zahlung von 1,— DM je Stück bezogen werden. Eröffnung der Angebote am Donnerstag, dem 24. August 1950. Darmstadt, den 17. August 1950 Stadtbauverwaltung
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