Truman bleibt siegesgewiß
60 000 Nordkoreaner stehen zu neuer Offensive bereit
usan, 15. August. (AP./dpa/Reuter). Stündlich kann mit der us osung der nordkoreanischen Offensive im Mittelabschnitt der roni gerechnet werden. 60 000 Mann stehen bei den Nordkoreanern ci eit, den Marsch in Richtung nach Osten wieder aufzunehmen.
Präsident Truman hat aus Anlaß des zweiten Jahrestages des Bestehens der koreanischen Republik an den Ministerpräsidenten der südkoreanischen Republik ein Schreiben gerichtet, in dem die Gewißheit ausgedrückt wird, daß der Sieg der Streitkräfte der Vereinten Nationen sicher sei. „Ich weiß, daß die Angreifer zurückgeschlagen werden und daß das Volk von Korea zur Freiheit und Unabhängigkeit gelangen wird.“
Der Ministerpräsident von Nordkorea, der kommunistische General Kim 11-sung, hat dagegen einen Tagesbefehl erlassen, in dem es heißt, die südkoreanischen Streitkräfte müßten bis Ende August aus Korea vertrieben sein. „Je länger damit gewartet wird, um so stärker wird die amerikanische und südkoreanische Verteidigung werden. Vernichtet die südkoreanische und die amerikanische Armee bis auf den letzten Mann.
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Der amerikanischen Aufklärung ist es bisher nicht gelungen, festzustellen, wo der operative Schwerpunkt der Nordkoreaner an diesem Frontabschnitt liegen wird. Fast genau in der Mitte zwischen dem Brückenkopf bei Waegnan, von wo aus Taiku bedroht wird, und dem Brückenkopf am großen Naktong-Bogen, von wo aus die amerikanische Versorgungslinie gefährdet ist, stehen die für den Großangriff zusammengefaßten fünf nordkoreanischen Divisionen in Stärke von etwa 60 000 Mann. Es hat den Anschein, daß die nordkoreanische Führung noch abwarten will, an welcher Stelle die strategischen Brückenköpfe am weitesten ausgedehnt werden können.
Es ist möglich, daß der Feind Taiku entweder aus dem nördlichen oder aus dem südlichen Brückenkopf wegnehmen will. Daß er gleichzeitig aus beiden Brückenköpfen angreift und eine Operation Taiku und eine Operation auf Masan plant, dürfte wenig wahrscheinlich sein, weil hierzu die zusammengezogenen Kräfte nicht ausreichen. Vielmehr ist eine zeitlich gestaffelte Lösung denkbar, bei der der Wichtigkeit nach die Wegnahme von Taiku an erster Stelle stehen dürfte.
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Dienstag ist es Nordkoreanern gelungen, die amerikanischen Stellungen am großen Naktong-Bogen zu durchbrechen und elf Kilometer weit vorzustoßen. Sollten die Nordkoreaner ihre Linien hier festigen können oder noch weiter vorstoßen, so wird sich bald zeigen, wohin sie ihren Schwerpunkt für die kommende Offensive verlagern werden. Da an diesem Brückenkopf auch eine Unterwasserbrücke gebaut worden ist, ist bei weiteren Erfolgen die Wahrscheinlichkeit groß, daß hier der Hebel angesetzt wird, um die amerikanische Front zum Einsturz zu bringen. Da die Amerikaner aber seit Tagen mit großen Erfolgen gerade die Brückenköpfe und die Bereitstellungsräume unter ständigem Beschuß ihrer taktischen Luftwaffe halten, wird eine Verschiebung der Kräfte nur bei Nacht erfolgen, so daß die Offensive, trotzdem sie seit Tagen erwartet wird, doch den Vorteil des Ueberraschungsmomentes haben kann.
Amerikanische Neger truppen haben sich bei den letzten Einsätzen besonders ausgezeichnet. Sie haben sich nach wechselvollen Kämpfen auf einer Höhe be-
haupten können, die im Abschnitt des großen Brückenkopfes am Naktong-Bogen liegt und von einem Buddhistenkloster gekrönt wird. In Erinnerung an die erbitterten Kämpfe, die amerikanische Soldaten mit deutschen Fallschirmjägern während des Italien-Feldzuges auf dem Monte Cassino führten, haben die amerikanischen Soldaten das Höhengelände „Kleines Monte Cassino“ getauft.
Die Schlacht, die am großen Naktong-Bogen tobt, ist für beide Seiten blutig. Die Amerikaner und die nordkoreanische Elitedivision, die im Angriff steht, erlitten furchtbare Verluste. Die Wege waren zum Teil noch völlig aufgeweicht und das Gebiet sumpfig, weil am Tage zuvor tropischer Regen in diesem Abschnitt niedergegangen war. Am Dienstag brannte die Sonne jedoch wieder unbarmherzig herunter und machte das Leben für die Soldaten zur Hölle.
Neue belgische Regierung
Brüssel, 15. August, (dpa) Eine neue belgische Regierung ist am Dienstag gebildet worden. An der Spitze des christlich-sozialen Einparteien-Kabinetts steht als Ministerpräsident der 66 Jahre alte christlich-soziale Senator Joseph Pholien, der bereits das Justizministerium innegehabt hat. Neben Pholien umfaßt die neue Regierung fünfzehn Minister. Van Zeeland wird weiterhin Außenminister bleiben.
Das Arbeiterelend die größte Gefahr
Andre Philip in Baden-Baden auf einer Kundgebung der Europa-Union
Drabtbericht unseres Korrespondenten
WS. Baden-Baden, 15. August. Auf einer Kundgebung der Europa-Union in Baden-Baden hat der französische Delegierte im Europa-Rat, der ehemalige französische Wirtschaftsminister Andre Philip, am Montagabend das Arbeiterelend die größte Gefahr für Europa genannt. Für dieses Jahr befürchte er keine Auseinandersetzung, weil Rußland auf den inneren Zerfall der europäischen Länder warte und hoffe, ohne Krieg die einzelnen Staaten in seine Hand zu bekommen. Auch die Atombombe beunruhige ihn nicht so wie die hohen Arbeitslosenzahlen in den verschiedenen Ländern. Man würde einer sozialen Katastrophe entgegengehen, wenn es nicht gelinge, den Reallohn der Arbeiter zu erhöhen. In dieser Beziehung sei der Schuman-Plan ein erster Schritt, um den europäischen Lebensstandard zu erhöhen. Er hoffe, daß auch Großbritannien sich an diesem Plan beteiligen werde. In der Frage der Befugnis der Hohen Behörde und ihrer Verantwortung vor einer europäischen demokratischen Konti o e sowie hinsichtlich der Beteiligung er
Arbeiterschaft könne es jedoch keinen Kompromiß geben.
Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Union / Christlich - Sozialen Union im Bundestag,. Dr. von Brentano, der ebenfalls auf der Kundgebung in Baden-Baden sprach, wies auf die Lage in Ostdeutschland hin. „Wir sind als Vertreter des ganzen deutschen Volkes nach Straßburg gekommen. Europa ist erst dann gestaltet, wenn auch Königsberg, Danzig und Breslau wieder europäisch sein werden.“
Nach weiteren Ansprachen schlug der südbadische Staatspräsident Wohleb vor, folgende-Resolution an den Europa-Rat in Straßburg zu senden: „Die Versammlung erwartet vom Europa-Rat in Straßburg, daß er nicht auseinandergeht, ohne alle Maßregeln ergriffen zu haben, die durch Zusammenschluß und demokratische Kontrolle die Völker Europas und ihre Freiheit zu retten geeignet sind.“ Die Entschließung wurde einstimmig angenommen.
Geburt einer englischen Prinzessin
Die Thronfolgerin schenkt einem Mädchen das Leben
London, 15. August, (dpa) Die britische Thronfolgerin Prinzessin Elizabeth hat am Dienstagmittag ihrem zweiten Kind, einer Tochter, das Leben geschenkt. Mutter und Tochter befinden sich wohlauf.
Neben dem Gynäkologen Sir Wiliam Gilliatt, der die Prinzessin schon von ihrem ersten Kind entbunden hatte, waren drei weitere Aerzte und eine Hebamme hinzugezogen worden. Die neugeborene Prinzessin soll in vier oder fünf Wochen vom Erzbischof von Canterbury, dem höchsten Würdenträger der Kirche von England, getauft werden. Sie wird dabei ein seidenes Taufkleid tragen, in das bereits König Eduard VII., der Ururgroßvater der neugeborenen Prinzessin, bei seiner Taufe gekleidet war.
Die neue ■ kleine Prinzessin wird die dritte in der Linie der britischen Thronfolger sein. Thronfolgerin ist Prinzessin Elizabeth, mit dem Prinzen Charles, ihrem ersten Kind, als Erben. Ihre Schwester, Prinzessin Margarete von England, die zur Zeit in Schottland weilt, hat jetzt erst als vierte Anspruch auf den Thron.
Das neugeborene Baby hat mit der Geburt den Titel Prinzessin erhalten, da König Georg schon vor der Geburt des Prinzen Charles einen Erlaß unterzeichnet hatte, der den Prinzenrang für die Kinder der Prinzessin Elizabeth vorsieht. Sonst stünde ihnen kein Adelstitel zu. Königin Elizabeth, die Großmutter der jungen Prinzessin, weilte während der Entbindung, ebenso wie der Vater, Herzog Philipp von Edinburgh, im Clarence House, dem Londoner Wohnsitz des jungen Paares. Dem König, der sich auf der Jagd in Schottland befindet, wurde die Nachricht von der Geburt der ' jungen Prinzessin telefonisch vom Herzog von Edinburgh mitgeteilt.
Gemäß einem alten Brauch wurde die Nachricht von der Geburt sofort dem Innenminister Chuter Ede übermittelt, der sie durch Anschlag an der Tür des Innenministeriums der Oeffentlichkeit weitergab. Der Oberbürgermeister von London wurde ebenfalls sogleich benachrichtigt.
Friedliche Begegnung in der Ostsee. Ein deutscher Frachter mit Holzladung auf dem Weg von Finnland nach Rotterdam und, im Hintergrund, ein russischer Frachter, der im Schlepp ein Schwimmdock von der Ostsee in das Schwarze Meer transportiert
Von Russen beschlagnahmt
Berlin, 15. August, (dpa) Die sowjetischen Grenzbehörden setzen in Marienborn die Kontrollen der Postzüge nach West-Berlin fort. In der vergangenen Woche hatten die Kontrollen mit der Beschlagnahme von Paketen begonnen. Die bisher beschlagnahmten Pakete sind noch nicht wieder freigegeben worden.
Der Nachrichtendienst der Sowjetzone behauptet, die sowjetischen Kontrollorgane führten lediglich gewissenhaft die Richtlinien des Kontrollrates aus. Es sei seinerzeit vereinbart worden, daß das Gewicht der Pakete sieben Kilo und ihre Länge neunzig Zentimeter nicht überschreiten dürfe. Bei Ueberschreitungen müßten die Sendungen beschlagnahmt werden. Die Nachrichtenagentur beschuldigt die westlichen Besatzungsmächte, daß sie durch den augenblicklichen Paketverkehr künstliche. Voraussetzungen für Schieber und Schwarzhändler schafften.
Die West-Berliner Magistratspost hat die westlichen Alliierten um Hilfe gegen die Beschlagnahme gebeten. Wie es heißt, werden die Kommandanten der drei Westsektoren sich am Mittwoch auf ihrer Sitzung mit dem Antrag des Berliner Magistrats befassen.
Für den Einsatz der Atombombe in Korea tritt der ehemalige britische Kriegsminister Duff Cooper ein, um dadurch allen Angreifern eine Warnung zu erteilen.
Völkerwanderung
*** Nach der historischen Völkerwanderung, als deren Folge schließlich das römische Kaiserreich zerbrach, hat es wohl nie mehr eine solche Entwurzelung von Menschenmassen gegeben wie im Verlaufe des zweiten Weltkrieges. Allein die Zahl der Verschleppten, von denen allerdings die meisten in ihre Heimat zurückkehren konnten, und der vertriebenen Ostdeutschen, die zum großen Teil noch keine neue Seßhaftigkeit finden konnten, geht hoch in die Millionen.
Noch scheint aber immer noch kein Ende der neuen Völkerwanderung gekommen zu sein. Auf Wunsch Bulgariens sollen 250 000 in Bulgarien lebende Türken kurzfristig nach der Türkei ausgesiedelt werden, weil sie sich weder volkstummäßig noch ideologisch dem kommunistischen Bulgarien angleichen wollten. Zwischen den beiden Staaten wurde bereits im Jahre 1925 ein Abkommen über die Rückwanderung der türkischen Minderheiten getroffen. Damals war jedoch vorgesehen, daß die Rücksiedelung in aller Ruhe vorgenommen werden solle, daß also jeder Auswanderer vorher seine Geschäfte abwickeln und seine volle Habe oder ihren Geldwert mit sich führen könne. Heute wollen die Bulgaren die Aussiedlung binnen drei Monaten beenden, was nichts anderes bedeuten kann, als daß die Umzusiedelnden ihre Habe zurücklassen müssen.
Im Zusammenhang mit dem bulgarischen Verlangen, gegen das sich die Türkei zunächst noch sträubt, um für die Umzusiedelnden günstigere Bedingungen zu erreichen, muß noch ein anderer geschichtlicher Vorgang erwähnt werden. Als nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches die neue Türkei entstand, führten die Griechen gegen sie einen Krieg, in dem sie besiegt wurden. Das war im Jahre 1922. Als Folge davon mußten etwa anderthalb Millionen Griechen Kleinasien und Thrazien verlassen und vom griechischen Mutterlande aufgenommen werden. Griechenland hatte viele Jahre hindurch die größten Schwierigkeiten, um diesen unerwarteten Bevölkerungszuwachs zu verdauen. Auch für die Türken wird es nicht leicht sein, die Ausgesiedelten in ihr Staatswesen aufzunehmen, wenn auch ihre Zahl wesentlich geringer ist als die der Griechen, die 1922 die Türkei verlassen mußten.
Es wäre eine vordringliche Aufgabe der Vereinten Nationen, dafür zu sorgen, daß jeder Mensch dort wohnen bleiben kann, wo er ansässig ist, und daß alle, die zwangsweise ihre Scholle verlassen mußten, in die Heimat zurückkehren können.
Und Landsberg?
PS. Die von einigen ersehnte, von vielen gefürchtete Stunde ist herangekommen. Die Bundesregierung und die westdeutsche Bevölkerung stehen vor der schicksalsschweren. Frage, ob sie der Wiederbewaffnung zustimmen sollen.
Manche Voraussetzungen sind noch zu klären Da besteht die Tatsache, daß die meisten Deutschen nicht nur den Krieg, sondern auch die Uniform und die Kaserne ablehnen. Der Grad der Gegnerschaft mag unter der Wucht der koreanischen Ereignisse schwächer geworden sein, aber noch immer bildet sie ein Hemmnis für die Aufstellung größerer Verbände. Ernsthafte Versuche zu ihrer Ueberwindung sind noch nicht gemacht worden. Auch brauchen wir kaum zu wiederholen, daß wir uns keine Bundesregierung und kein westdeutsches Parlament vorstellen können, die es nicht als selbstverständlich ansähen, daß der Beitrag Westdeutschlands zur europäischen Verteidigung nur von einem freien Volk geleistet werden kann; schon deshalb, weil nur freie Männer Waffen tragen sollten.
Von all diesen Dingen ist schon oft gesprochen worden. Wir möchten uns heute mit einem besonderen Stoff beschäftigen, über den in den beteiligten Kreisen immer wieder Gespräche geführt werden, dem sich aber die Oeffentlichkeit nur mit dem äußersten Zögern zuwendet. Das ist begreiflich genug. Es gibt wenige so heikle Angelegenheiten wie diese.
Die Aufstellung eines deutschen Heeres würde sehr langsam vor sich gehen, da die Fäden zur militärischen Ueberlieferung vollkommen abgerissen sind. Um so wichtiger wird die Frage der Ausbilder. Jeder weiß, daß dies erfahrene Männer sein müssen, denen die Grundsätze des soldatischen Handwerks vertraut sind und die ihren Beruf lieben. Die Neigung zum Soldatenberuf war fünf Jahre lang verpönt. Zum mindestens für die Ausbilder (und die lange dienenden Spezialtruppen) wird man sie nicht entbehren können.
Man braucht also wieder die deutschen Berufssoldaten. Wird man sie bekommen? Im Augenblick noch bestehen die ernstesten Zweifel darüber. Es müßte erst noch einiges geschehen, ehe sie beseitigt werden. Daß verabschiedete Berufssoldaten ungern zu ihrer alten Beschäftigung zurückkehren sollten, ist eine der seltsamsten Tatsachen der Geschichte. Aber sie ist da, und sie ist ernst.
Die Zurückhaltung des deutschen Berufssoldaten gegenüber der deutschen Wiederbewaffnung hat mehrere Gründe. Heute soll nur von einem gesprochen werden. Er läßt sich in dem einen Wort Landsberg zusammenfassen.
In Landsberg (und an anderen Orten) sitzen deutsche Soldaten in langjähriger Haft, weil sie wegen Kriegsverbrechen verurteilt sind. Eben dies macht den Fall so heikel. Wer will sich nachsagen lassen, er setze sich für Kriegsverbrecher ein. Aber wenn wir es richtig sehen, möchten dies die deutschen Berufssoldaten auch nicht. Wahrscheinlich würde sich für einen Mann wie den Feldmarschall Schörner, wenn er in Deutschland in einem Gefängnis säße, keine Hand erheben. Wir halten es auch für ganz sicher, daß die deutschen Berufssoldaten, wo immer ein klarer Fall von Grausamkeit und Rechtsbruch vorliegt, sich mit der Verurteilung einverstanden erklären. Aber in Landsberg und anderswo sitzen zahlreiche Soldaten, bei denen die Fälle keineswegs so liegen. Entweder waren klare Befehle militärischer Vorgesetzter befolgt worden, oder die neuartigen Verhältnisse des furchtbarsten aller Kriege hatten die überlieferten Rechtsanschauungen auf beiden Seiten zerstört. Der Generalfeldmarschall von Manstein hat nach seiner Verurteilung mit Bitterkeit gesagt, in einem zukünftigen Kriege dürften nicht mehr Soldaten, sondern es müßten Rechtsanwälte kommandieren. Nun, wenn man daran denkt, daß in Korea zum ersten Male Amerikaner gegen Partisanen kämpfen müssen, und wenn man etwa Norman Mailers Buch „Die Nackten und die Toten“ gelesen hat, dann zweifelt man daran, ob in Korea jeder kleine Leutnant regelmäßig die juristische Fakultät in Boston befragt.
Als 1945 die Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg begannen, hat die Nation es zwar bedauert, daß sie selber nicht die Justiz über die Verderber des Reiches und die Zerstörer der Menschlichkeit übernehmen konnte; aber sie hat grundsätzlich die Prozesse bejaht. Bei den späteren Verfahren, etwa von 1947 an, ist diese Meinung umgeschlagen. Immer stärkere Kreise erhielten das Gefühl, daß nicht mehr der Nationalsozialismus ausgerottet oder das gebrochene Recht wiederhergestellt werden sollte, sondern daß Urteile aus der Atmosphäre eines Krieges auf Leben und Tod gefällt wurden. Es ist natürlich, daß sich namentlich der Berufssoldaten diese Empfindung bemächtigte. Ihr Stand hat die meisten dieser Urteile innerlich niemals akzeptiert. Er hält sie für ungerecht; er steht immer noch zu den Verurteilten.
Das ist die Lage, in der er aufgerufen werden soll, wieder eine Uniform zu tragen und Soldaten auszubilden, vielleicht eines Tages zu kämpfen. Glaubt man, daß er das tun wird? Vielleicht wird man eine Handvoll Leute dafür finden, Leute nämlich, die daran verzweifeln, sich in einem bürgerlichen Beruf durchs Leben schlagen zu können. Ihr militärischer Wert wird gering sein. Kein Offizierkorps ist ohne empfindliches Ehrgefühl denkbar, sonst taugt es im Dienst nichts, und im Kriege wird es völlig versagen. Glaubt man, ein Mann von Ehrgefühl werde die Uniform anziehen, wenn er davon überzeugt ist, daß seine Kameraden zu Unrecht im Kerker sitzen?
Wer ein deutsches Heer will, muß diesen völlig ineinander gewirrten Knoten lösen; sonst soll er von seiner Forderung schweigen. Aber die Entwirrung wird nicht einfach sein. Dem natürlichen Rechtsgefühl würde es entsprechen, wenn die Fälle noch einmal aufgerollt und in einer sauberen und klaren, von Haß freien Atmosphäre noch einmal verhandelt würden. Wir werden sehen, ob dies möglich ist
Das alles ist nicht nur eine Angelegenheit der Berufssoldaten. Die spätere Reihe der Kriegsverbrecher - Prozesse hatte einen Zweck, den die Nation sehr schnell begriffen hat: indem man plötzlich viele Industrielle, Offiziere und hohe Beamte als Verbrecher brandmarkte, sollten die führenden Schichten des Volkes ins Mark getroffen werden, sollte aber auch das einfachste Selbstgefühl der Deutschen verwundet werden. Hier ging eine Art von verfeinerter Morgenthau-Politik vor sich. So und nur so ist es zu erklären, daß ein Mann wie Krupp verurteilt wurde. Nicht seine Taten, sondern sein Name ist ihm zum Verhängnis geworden. So und nur so ist es zu erklären, daß ein . Mann wie Ernst. von Weiz-- säcker verurteilt wurde. Jahrelang hatte er Freiheit und Leben gewagt, um die Wege Hitlers zu durchkreuzen und den Krieg unmöglich zu machen, und als Kriegsverbrecher sitzt er im Gefängnis — ein an Wahnsinn grenzender Fall. Was soll eine deutsche Kompanie denken, die an den Mauern von Landsberg vorbeimarschiert, wenn solche Männer dahinter sitzen?
Bewegende Kräfte
an. Die deutschen Vertreter in Straßburg sind von ihren Parteien dorthin entsandt worden. Aber gewiß hat Herr von Brentano die Zustimmung nicht nur seiner Partei, sondern des ganzen deutschen Volkes in denjenigen Sätzen, in denen er gestern noch einmal ein Bekenntnis zum europäischen Gedanken ablegte, zugleich aber auch die Sorgen anklingen ließ, die dynamischen Kräfte unserer Zeit könnten von den statischen zu sehr gehemmt werden. Die Sehnsucht nach Europa ist da. Sie ist in. allen Völkern lebendig; und wenn bei vielen keine starke Empfindung dahin führt, sondern nur die klare Einsicht der Vernunft in die weltpolitischen Notwendigkeiten unserer Tage, so ist dies für das Gesamtbild kein erheblicher Unterschied. Aber in der Tat wird man oft von der Furcht ergriffen, der Mangel an Bereitschaft für die Opfer, die der Zusammenschluß erfordern würde, könne das große Werk in halben Ansätzen stecken lassen.
Das Straßburger Parlament hat im Grunde staatsrechtlich keine politische Macht. Es ist eine reine Plattform für Gespräche und zum Austausch von Wünschen. Auch die Forderung nach einer europäischen Armee war juristisch nur eine Deklamation. Dennoch möchte man glauben, daß solche Tagungen wie die gegenwärtige nicht ganz vergeblich seien. Indem das Straßburger Parlament die europäischen Völker auf die einzige gemeinsame Instanz hinlenkt, die sie vorläufig besitzen, gewöhnt es sie zugleich an ihre Zusammengehörigkeit. Und so mag gerade die Sorge, die Herr von Brentano nicht verschwiegen hat, weiterklingen in den Abordnungen und in den Nationen und sie nachdenklich stimmen. Neben der staatsrechtlichen gibt es auch eine moralische Macht, die ihre Wirkung in die Breite und auf die Dauer hat. In diesem Sinne wird hoffentlich auch die gegenwärtige Straßburger Tagung nicht umsonst gewesen sein.
Ein Tunnel gesprengt
Washington, 15. August. (AP.) Ein Landungstrupp der amerikanischen Marine hat bei einem kühnen Unternehmen gegen die Ostküste Nordkoreas einen wichtigen Eisenbahntunnel dicht an der Grenze Sowjetsibiriens gesprengt. Der Tunnel liegt an der Haupteisenbahnstrecke, die die Stadt Chongiin nach Norden hin mit dem sowjetischen Hafen Wladiwostock und von dort aus mit den sibirischen Industriegebieten und nach Süden hin mit Pyongyang, der nordkoreanischen Hauptstadt, und von hier aus mit dem feindlichen Hinterland der Front verbindet.
Ein Verteidigungsausschuß
Straßburg, 15. Atigust. (dpa) Die Beratende Versammlung hat einen Unterausschuß für Verteidigungsfragen gebildet. Vorsitzender ist der griechische Staatssekretär für die Marine Leon Maccas, Berichterstatter der britische konservative Abgeordnete Duncan Sandys.
Fahrt durch den Kreis Dieburg
Kommunale Verhältnisse im Südosten des Hessenlandes
Wr.- Der Landkreis Dieburg ist der südöstliche Abschluß des Hessenlandes. Hinter seiner Kreisgrenze beginnt das Bayernland. Dieser Landkreis ist aus manchen Gründen beachtlich. Er umschließt den südlichen Teil des Rodgaues, den südlichen Teil der Untermain-Ebene und die Dieburger Senke. Mit seinem südlichsten Zipfel reicht der Kreis noch in den Odenwald hinein.
Die Bodenverhältnisse sind unterschiedlich. Im Rodgau überwiegen geringwertige entkalkte Sand- und schwachlehmige Böden. Die Dieburger Senke ist bessergestellt; hier gibt es die wertvollen Löß-Lehm-Böden, die den Uebergang zum „Fruchtgarten Deutschlands“, zum Landkreis Bergstraße, bilden. Klimatisch gehört der Kreis zu den „ warm-gemäßigten“ Zone.
Gebietsmäßig umfaßt der Landkreis Dieburg in 57 Gemeinden rund neunzigtausend Einwohner, die sich auf einen Flächeninhalt von 458 qkm verteilen. In religiöser Hinsicht ist das Verhältnis der Glaubensbekenntnisse gut ausgewogen. Der evangelische Volksteil (54,6 v. H.) ist, wie vielerorts in Hessen, durch den Einstrom der Flüchtlinge und Evakuierten etwas zurückgegangen (früher 58,2 v. H.), der katholische Volksteil ist von 39,8 auf 43,1 v. H. gestiegen, aber das Verhältnis zwischen den Bekenntnissen ist durchweg gut, oft sogar ausgezeichnet. In politischer Hinsicht hat die Christlich-Demokratische Union ein gewisses Uebergewicht: 38,7 v. H. gegenüber der Sozialdemokratischen Partei mit 36,7 v. H. (Gemeindewahlen vom April 1948).
Die Gemeindefinanzen befinden sich in „gut bürgerlichem“ Zustand. Von den 57 Gemeinden sind nur etwa vierzehn verschuldet, und auch da ist die Verschuldung nirgendwo erheblich.
Der Kreis hat Industrie, wenn er auch keine derart großen Werke hat wie der ausnahmsweise begünstigte Kreis Groß-Gerau. Der Hauptanteil entfällt auf die Industriegruppe „Steine und Erden“ und auf die fast ebenso große Gruppe „Bekleidung“. Im Norden des Rodgaues sind Ausläufer der Offenbacher Lederindustrie vorhanden, im Süden (um Groß-Biberau) gibt es eine stattliche Füllhalter-Industrie mit namhaften Export und Korsett- und Netz-Fabriken, auch eine Montan-Grube ist vorhanden.
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Die Kreisverwaltung von Dieburg kann zweierlei von sich sagen: daß ihre Ausgabenpolitik vor jeder Kritik bestehen kann und daß sie mit den vorhandenen Mitteln eine Aktivität entfaltet, die sie in den Vordergrund der hessischen Selbstverwaltung rückt.
Das lehrt ein Blick auf den empfindlichsten Posten des Kreis-Etats: die Kreis-Umlage. Im vorigen Wirtschaftsjahr hatte man noch einen Hebesatz von 31,52 v. H. nötig gehabt;' in diesem Jahr will man mit 28,5 auskommen. Falls angängig sogar mit 27,5 v. H. Daraus wird ersichtlich, daß man sich in bezug auf den Personalaufwand größtmögliche Beschränkungen auferlegt. Um so bemerkensverter ist die Tatsache, daß die Kreisverwaltung sich zugleich vor eine Fülle von Gegenwartsaufgaben gestellt sieht, denen sie nur durch intensivste Hingabe gerecht werden kann. Das bezieht sich zunächst auf die vielfachen Gebiete der öffentlichen Fürsorge, auf die Kultur- und Gemeinschaftspflege, wie namentlich auf das Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen, nicht zuletzt auf die Wasserversorgung.
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Der Landkreis Dieburg hat 104 km Landstraßen zweiter Ordnung zu unterhalten. Das ist in Anbetracht der höchstens mittelmäßigen Steuerkraft des Kreises keine geringe Aufgabe. Der Strecken- Kilometer kommt in diesen Gegenden auf mindestens 30 000 bis 35 000 DM zu stehen. Die im Haushaltsplan vorgesehenen 211 000 DM ermöglichen lediglich die Instandhaltung des Straßennetzes, keinesfalls eine durchgreifende Besserung. Denn von dem Gesamtbetrag gehen rund 75 000 DM für Löhne drauf; der Löwenanteil entfällt auf die Materialbeschaffung.. Für Um- und Ausbau bleibt so gut wie nichts übrig. Aber wer zur Zeit im Kreise Dieburg mit dem Wagen von einem Zielort zum anderen will, kann sich nicht auf die Karte verlassen. In jedem zweiten Ort nötigen Sperrschilder zu (teilweise beträchtlichen) Umfahrten, ein Kennzeichen dafür. wie fleißig die Straßenbau-Verwaltung am Werke ist. Das Programm sieht für dieses Jahr die Neuherrichtung von achtzehn Kilometer Straßen vor. Zwei Straßen sind von Dieburg aus instand gesetzt, ausgebaut, verbreitert und mit Asphaltdecken versehen worden.
Ist der südöstliche Grenzkreis des Hessenlandes auch finanziell nicht so gut gestellt wie mancher andere, so läßt er sich doch, was seine öffentlichen Einrichtungen betrifft, nicht in den Schatten stellen. Jedenfalls ist er ein Musterbeispiel dafür, wie man auch in bescheidenem Rahmen und unter den heutigen Verhältnissen allen vernünftigen Anforderungen gerecht werden kann.
Eifriger Wohnungsbau
Beachtenswert ist die Leistung der Kreisverwaltung auf dem Gebiete des sozialen Wohnungsbaues. Zwar ist der Kreis begünstigt durch die Tatsache, daß er verhältnismäßig glimpflich durch den Krieg gekommen ist, — besondere Zerstörungen hat es, abgesehen von der Kreishauptstadt, nur in Oberroden und Babenhausen gegeben, und sie sind inzwischen wieder beseitigt —, aber man hat in dieser Gunst des Schicksals eine besondere Verpflichtung gesehen. Es wird mit Eifer, Umsicht und Tatkraft gebaut. An Landes-Baudarlehen hat der Kreis bei der letzten Ausschüttung zunächst 213 000 Mark erhalten und hat aus eigenen Mitteln 125 000 Mark hinzugefügt. Mit Einschluß der Mittel aus dem vorigen Jahr ist der Kreis imstande, rund 172 Wohnungen zu bauen und damit für die doppelte Anzahl von Wohnungsuchenden zu sorgen.
Um die Mittel aus den Landes-Darlehen so gut und gerecht wie möglich zu verteilen und das Aufbaugesetz ordnungsmäßig durchzuführen, hat der Kreis ein Planungsamt eingerichtet, das mit zwei Bauingenieuren besetzt ist. Sie haben die Aufgabe, sich jedes Bauvorhaben an Ort und Stelle genau anzusehen und zu verhüten, daß höhere Darlehen beantragt werden, als sie tatsächlich erforderlich sind. Die erste Hypothek auf die Neubau-Häuser — zumeist in Höhe von 9000 bis 11 000 Mark — ist in fast allen Fällen aus Mitteln der Kreissparkasse gewährt worden.
Die Flüchtlinge
Der Kreis Dieburg hat während des Krieges zunächst große Scharen von Flüchtlingen aus Frankfurt, Offenbach und Darmstadt aufgenommen, von denen einige achttausend nicht wieder zurück konnten. Nach dem Kriege kamen über vierzehntausend Flüchtlinge. Diese zweiundzwanzigtausend auf eine Kreisbevölkerung von nahezu siebzigtausend verteilt, bedeutet, daß der Kreis sich redlich bemüht hat, der vornehmsten unter den Christenpflichten gerecht zu werden. „Tun, was man irgend kann“, das ist eine Parole, die mit goldenen Lettern, wenn auch unsichtbar, über dem Kreishause und dem Landratsamt steht. („Und ohne nach Dank zu fragen“, müßte eigentlich hinzugefügt werden.)
Nicht überall in den Ministerien der Länderregierungen, auch nicht auf den Regierungspräsidien, kann und wird man es sich vorgestellt haben, was sich begibt* wenn man ländlichen Bezirken große Transporte mit Flüchtlingen, die man in ihrem vorläufigen Aufnahmeraum nicht mehr versorgen kann, im Wege des Diktats auf den Hals schickt. „Die in Schleswig tun sich leicht“, erklärt man uns; „sie fragen nicht darnach, ob und wie wir hier für die Flüchtlinge Wohnung und Arbeit schaffen sollen. Jene Ankömmlinge, die so gut wie nichts mehr haben, als einige Packen Zeug, bereiten uns noch die geringere Sorge: wir beschaffen ihnen eine „Erstausstattung“ mit einigen drei- bis vierhundert Mark und achten darauf, daß sie sich davon das Allemötigste anschaffen: Bettzeug, Herde, Küchengeräte. Wesentlich schwieriger haben wir es mit jenen Gruppen, die eine komplette Drei- Zimmer-Einrichtung mitbringen. Wo sollen wir die Wohnungen für sie hernehmen? Gewiß, wir bauen aus allen Kräften, aber mehr, als er kann, kann keiner.“ Und die Arbeit für die Flüchtlinge? Der Kreis hat über zweitausend eigene Arbeitslose ohne Lohn und Brot.
Der Kreis Dieburg ist weder einer von den satten und behäbigen, noch gar einer von den reichen. Wie überall im Hessenland, so wartet man auch in Dieburg von einem Tag zum anderen, ob nicht endlich die Gelder vom Landesfinanzminister eingehen: für die Zuweisungen, für die Vorausleistungen, die man im Auftrage des Staates gemacht hat und deren Rückerstattung unaufhörlich versprochen wurde, aber immer und immer auf sich warten läßt.
Manl hofft auch in Dieburg auf die Landesregierung in Wiesbaden, daß sie endlich an der richtigen Stelle das richtige Wort spricht. „Flüchtlinge sind auch Menschen“, das braucht man den Männern im Dieburger Landratsamt nicht zu sagen, nicht seinem würdigen Landrat Ritz er t, nicht seinem Stellvertreter, Regierungsamtmann Sachs, die beide zusammen den Rekord unter den hessischen Kreisverwaltungen halten: Sie haben ihren Kreisetat im ordentlichen Haushalt mit 2,8 Millionen, im Extra-Ordinarium mit dreiviertel Millionen, schon am 20. März dieses Jahres aufgestellt, durch den Kreistag feststellen lassen und somit in Wirksamkeit. Ganz wie in alter Zeit. Dieser Landkreis wird im Auge zu behalten sein.
Schweres Erdbeben in Indien
Kalkutta, 15. August, (dpa) Die indischen Provinzen Bengalen und Assam sind am Dienstag von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Einzelheiten über Menschenverluste und das Ausmaß der angerichteten Sachschäden liegen noch nicht vor. Besonders schwer soll das Gebiet um Siliguri in Westbengalen betroffen sein. Die Erdstöße wurden eine Minute lang auch in Kalkutta wahrgenommen.
Britische und amerikanische Erdbebenwarten hatten bereits vor Bekanntwerden der Lage des Erdbebenherdes äußerst heftige Ausschläge ihrer seismographi¬ ^chen Instrumente festgestellt. Der Direktor der Warte von Dorking in Großbritannien, Pollard, sagte: „Dies ist eines der schwersten Beben, die wir je registriert haben.“
Stimmen der Anderen
Was die Deutschen denken
Die Baseler „Nationalzeitung“ schreibt:
„Bei einer Volksabstimmung über die Frage der deutschen Wiederbewaffnung würden sich sechzig bis achtzig Prozent der westdeutschen Bevölkerung gegen die Aufstellung einer neuen Wehrmacht aussprechen. Auch der koreanische Konflikt hat den den Durchschnittsdeutschen kennzeichnenden politischen Fatalismus nicht in eine militärische Einsatzbereitschaft zugunsten der Verteidigung des Westens um wandeln können. Die geistig und seelisch noch immer unerledigte Hypothek des Nationalsozialismus lastet nach wie vor schwer auf dem deutschen Volk. Die Folge davon ist eine Art Groll- und Schmollstimmung, in die sich beim einen oder anderen sogar eine gewisse Schadenfreude darüber mischt, daß nun die Westmächte die bittere russische Suppe auslöffeln müssen, die sie sich angeblich selbst eingebrockt haben. Für die ablehnende Haltung gegenüber einem neuen Waffendienst ist ferner das Gefühl ausschlaggebend, das deutsche Soldatentum sei durch die Westmächte nach Kriegsende dermaßen diffamiert worden, daß es heute keine Ehre mehr sei, das Waffenkleid zu tragen.
Die Zahl jener Deutschen ist groß, die lieber ins Gefängnis gingen, als je wieder eine Knarre in die Hände zu nehmen. Wären die westlichen Militärs und Politiker nicht so bedenklich schlechte Psychologen, dann müßten sie einsehen, daß sie mit der Art und Weise, wie sie das Thema Remilitarisierung bisher behandelten, weder der Sache der Demokratie an sich noch der Stärkung der demokratischen Kräfte in Deutschland einen Dienst erwiesen haben.“
Generale und Admirale
„Der No t we g“, das Organ des Bundes versorgungsberechtigter ehemaliger Wehrmachtsangehöriger, veröffentlicht folgende Verluststatistik deutscher Generale und Admirale im zweiten Weltkrieg nach dem Stande vom Juni 1950:
Ein .•rausames Bild enthüllt beson-’ rs die Statistik der 477 Generale, die : d Oststaaten in Gefangenschaft gerieten und von denen bisher nur 64 in die Heimat zurückgekehrt sind:
Generale (einschl. Polizei und W-SS) in den Oststaaten:
| Heer Luftw. Mar. Gesamt | ||||
| Gefallen | 200 | 20 | 13 | 233 |
| Verunglückt .... | 27 | 13 | 3 | <3 |
| Selbstmord .... | 53 | 14 | 11 | 78 |
| Hingerichtet (Feind) . | 35 | 4 | 0 | ?3 |
| Hingerichtet (Hitler) . | 20 | 2 | 1 | 23 |
| Gestorben | 178 | 36 | 17 | 231 |
| Vermißt (t0t?).... | 41 | 9 | 8 | 58 |
| Sa. | 554 | 98 | 53 | 705 |
| In Gefangenschaft geraten . . | . . . 477 | |
| Gestorben (einschl. Selbstmord) | . . . 46 | |
| Hing .itet | . . . 51 | |
| Verurteilt | . . 146 | |
| Vermißt (tot?) | . . 69 | |
| In die Heimat entlassen .... | . . 64 | Sa. 853 |
| Nicht verurteilt (noch im Osten): | . . 101 |
Geht Malik wieder?
Neuyork, 15. August. (dpa/AP) Der britische Delegierte im Sicherheitsrat Sir Gladwyn Jebb hat am Montagabend die Möglichkeit angedeutet, daß der sowjetische Delegierte Malik den Sicherheitsrat nach Ablauf dieses Monats wieder verlassen werde. Jebb bezog sich auf eine Aeußerung, Maliks, er habe den Vorsitz übernommen, um die Satzungen nicht zu verletzen, obwohl die Sowjetunion die Beteiligung an den Ratssitzungen ablehne. Der britische Delegierte zog daraus die Schlußfolgerung, daß Malik im September nicht mehr an den Sitzungen teilnehmen werde.
Zwei Untergrundbewegungen sollen in China entdeckt worden sein, die den Sturz des kommunistischen Regimes beabsichtigt haben.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER21) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Wie lange wird er das aushalfen, daß die Leute hier einen Narren nach dem anderen aus ihm machen. Knut grient gequält, während er schnell an dieser Szene vorbeigeht Wer von uns wird der erste sein, der die Nerven verliert und irgendjemanden ohrfeigt?
Und wie stelle ich es an, aus dem Hotel herauszukommen und in die Uferstraße zu gehen?
Natürlich hat Knut Steen nicht eine Sekunde Zeit, über diese Frage nachzudenken. Er verschiebt sie bis zur Mittagspause, aber es gibt an diesem Tage gar keine Mittagspause für ihn.
„Wir sind gegen unseren Plan zwei Stunden zurück“, sagt ein Manager, während er Knut hilft, einen Golfanzug anzuziehen. „Wählen Sie, ob Sie jetzt durcharbeiten oder heute Abend länger machen wollen.“
Knut entschließt sich für das Durcharbeiten.
Er steht zu Aufnahmen als Golfspieler. Er steht mit achtzehn verschiedenen Reöenmänteln... Er stemmt vier Fahrräder, die von sich behaupten, die leichtesten der Welt zu sein.
„Ich gebe Ihnen fünfzig Kronen extra, wenn Sie acht dieser Fahrräder hochhalfen“, sagt der Aufnahmeleiter.
Knut nickt. Plötzlich denkt er trotz all dieser Arbeit wieder an Jo Tompson. Er denkt, daß er vielleicht fünfzig Kronen Gebrauchen kann, um irgendjemand im Hotel zu bestechen, wenn er mal für zwei Stunden dort fortschleichf.
Verdammt, und ich kenne ja auch die Tür, die vom Flur in das schmale Treppenhaus führt, über den Garagenhof, durch die Betonmauer. Fünfzig Kronen für eine Taxe an dem Tor dort.
Uff! Da hat Knut Steen acht dieser wirklich leichten Fahrräder gehoben.
„Lächeln, Knut!“ brüllt der Manager. Knut Steen lächelt gelassen.
Er bekommt das Geld auf der Stelle und geht in die nächste Dekoration. Er hat es dort mit Bergen von Schiefertafeln zu tun und soll in ein Mikrophon sprechen: „Ich erinnere mich, daß es keine besseren gab..."
Und weiter dann...
Rasiergerät... Wiederholungsaufnahme ... Pfeifen und Tabak ... Mit knalligen Farben beim Ansfreichen eines Zaunes. Im Reitdreß auf einem Koppelrick reitend. Nackt auf modisch gemusterten Fliesen mit einem Massageöl. Zusammen mit Mary tanzen, damit irgendjemand mehr Schallplaften verkauft.
„Liegt Papa denn immer noch in der Badewanne?" fragt Knut seine Schwester.
„Er hat kein komisches Talent", antwortet Mary.
„Dafür eine komische Tochter!"
Mary macht Tanzfehler.
„Was ist los?" schreit der Aufnahmeleiter ...
Der Tag dehnt sich endlos.
Bei einer Aufnahme mit seiner Mutter gibt es eine Stockung, weil Frau Steen Äugentropfen bekommen muß. Die Sonnenverbrenner verursachen ihr Augenschmerzen.
„Wir können uns keine Bindehautentzündungen leisten, Frau Steen", ermahnt der Chefmanager Knuts Mutter.
Abends um neun Uhr sind Mary und Frau Steen für diesen Tag fertig und fahren in das Hotel. Eine halbe Stunde später ist Knut fertig. Aber die letzte Aufnahme mit seinem Vater beginnt gerade erst.
Knut zieht sich um. Niemand beachtet ihn, weil niemand ihn heute noch braucht. — Er sitzt in der Kabine neben dem Schminkkasfen seines Friseurs und knotet seine Schuhbänder. Sein Blick fällt in diesen Schminkkasten. Die Stifte und Tuben widern ihn an. Ich hätte nie gedacht, daß ich mit mit diesem Kram beschmiert würde, brummelt er vor sich hin. Was würde Jo Tompson sagen, wenn sie es wüßte.
Dieser Schminkkasfen hat an der Seite einen kleinen Schub. Knut öffnet ihn aus der halben Neugier eines ermüdeten Jungen. Der Schub enthält Augenbrauen und kleine Schnurrbärte zum Ankleben.
Donnerwetter!
Knut runzelt die Stirn, er weiß nicht recht, ob er nachdenkt oder dröselt.
Nun, jedenfalls nimmt er zwei dieser kleinen Schnurrbärte und eine Tube Klebemasse an sich. Er tut sie in die Jackentasche. Er hat nur eine ganz matte Vorstellung davon, was er mit diesen Dingen beginnen soll. Und erst recht weiß er wirklich nicht, wozu er denn gleich zwei Schnurrbärte benutzen könnte. Es wird sich wahrscheinlich nur um einen Fall von Kleptomanie handeln, gähnt er verdrossen.
Jemand ruft nach ihm. Sein Vater ist fertig.
Knut nimmt den leichten, hellen Wollmantel, der an diesem Tage zu seiner Ausstattung gehörte, und geht nach draußen.
Georg J. Steen sitzt schon im Wagen, Knut steigt dazu. Der Wagen jagt 105...
28.
Die Steens dürfen diesmal alleine in ihrer Wohnung essen. Das Essen ist sogar sehr gut. Niemand sieht ihnen dabei zu. Georg J. Steen zieht sofort Jacke und Kravaffe aus. Selbst Mary ist zu müde, um noch die große Person zu spielen, die „zu Abend speist, nachdem sie von ihrer weltbewegenden Filmarbeif in den Kreis ihrer Familie zurückgekehrf ist."
Frau Steens Augen schmerzen. Sie geht sofort nach dem Essen zu Bett. Mary stöbert noch durch die Zeitungen. Es gibt eine Menge Bilder dort aus dem Warenhaus. Knut interessiert sich nur für zwei Aufnahmen von dem Balkon. Er schneidet sie aus und verwahrt sie in seiner Geldtasche. Plötzlich wird ihm heiß vor Ängst. Er fragt seinen Vater nach einem Bleistift.
„Bleistifte liegen doch auf dem Schreibtisch..."
Natürlich liegen sie dort.
Und Papier ist in der Ledermappe.
Knut reißt einen Zettel.
Er hat nicht viel zu schreiben und tut auch den Zettel in seine Brieftasche. Er ist wieder ruhig und kühl. Er hat vorgesorgf für den Fall, daß er den Namen und die Straße und die Hausnummer über Nacht vergessen könnte.
Jo Tompson, Uferstraße vierzehn.
Knut Steen schiebt die Schreibmappe wieder halbwegs auf ihren Platz. Dabei berührt die Schreibmappe den Telefonapparat. — Um Himmels willen...
„Wie kommt es eigentlich, daß niemand bei uns anruft..." fragt Knut laut. „Was immer die Zeitungen von berühmten Leufen schreiben, es ist immer der Satz dabei: „Ihr Telefon steht Tag und Nacht nicht still.. "
„Wir sind aber trotz allem keine berühmten Leute", knurrt Georg J. Steen, hemdärmelig und rauchend im Sessel neben dem Radio.
„Aber irgendjemand könnte doch anrufen, eine Zeitung oder einer, der uns anpumpen will“, beharrt Knut.
„Mag sein.“ Georg J. Steen ist müde und verdrossen, wahrscheinlich hat ihn die lange Szene in der Badewanne aufgeweicht. „Wer uns anruft, bekommt statt unserer die Manager an den Apparat. Und wir dürfen unsererseits nicht anrufen, so steht es im Vertrag. Das Din«? da ist nur Dekoration..
Knut nickt...
„Wir sind nicht eher wieder Menschen,' bis wir den Vertrag hinter uns haben“, begreift er.
„Idi finde es sehr interessant, wahrscheinlich, weil ich weiß, daß die meisten Leute beim Film eine Geheimnummer haben", wirft Mary ein.
„Du bist die dümmste Pute, die ich kenne“, ruft Knut. „Du hast keine Geheimnummer, sondern gar keine Nummer. Was willst du machen, wenn Teddy Beer uns anruft?“
Mary zuckt die Achseln ...
„Er ruft nicht an , meint sie. „Er wartet aut mich.“
Knut zuckt die Achseln. Es ist so zwecklos, sich mit Mary zu befassen, wenn man Jo Tompson kennt. Knuts Gedanken beginnen zu wandern.
Georg J. Steen geht zu Bett. Diese ganze Szene mit den müden überreizten Steens bröckelt auseinander. Knut geht hinter seinem Vater her. In der Tür dreht er sich nach Mary um. „Geh zu Bett! Hier kannst Du nicht ausreißen**, mault et;.
(„Wie stelle ich selbst es bloß an?“)
(Fortsetzung folgt)
Rechtsberater als „Friedenskämpfer“
Verhallten gegen einen suspendierten Obermagistratsrat
Frankfurt, 15. August, (dpa) Der von seinem Amt als Rechtsberater der Stadt Sr Obermagistratslat Dr. Julius Hahn, der als Förderer des Frel“ Deutschen Jugend und als Vertreter des von den sowjetischen Behörden dirigierten &eS £nh%“^ fÜr die deutsche Einhei hervortrat, wird sich in einem isziphnarstrafverfahren wegen Vergegun ^as Grundgesetz und gegen hal^n Dr^ ZU verantworten in F^nkfü ^ahn S°llte am M°ntagabend wfsXhen 7^ ^'Sammlung des „..mssischen Landesausschusses für die deutsche Einheit“ sprechen. Diese Versammlung war jedoch auf Anordnung des Frankfurter Polizeipräsidenten Klapproth untersagt worden. Der hessische Innenminister hatte zum Wochenende ein Verbot für alle derartigen Veranstaltungen unter Hinweis auf die Verfassungswidrigkeit ihrer Ziele erlassen.
Nach dem Verbot dieser Versammlung hatte der Sekretär des „Landesausschusses ■iur die deutsche Einheit“, Peter Dingold gleichzeitig Parteisekretär des Landesvorsitzenden der Kommunistischen Partei Hessen, Oskar Müller, die Versammlungsbesucher in das Büro der „Bewegung der Kämpfer für den Frieden“ umdirigiert, wo die polizeilich verbotene, öffentliche Versammlung dann als Zusammenkunft geladener Gäste stattfand. Die Einladungen, darunter auch an bekannte Persönlichkeiten und prominente Sportler, waren, wie dpa erfährt, von Dr. Hahn zusammengestellt worden. Die entsprechenden Unterlagen soll sich Dr. Hahn unter Mißbrauch seiner amtlichen Stellung besorgt haben. Einige eingeladene Nichtkommunisten beschwerten sich bei den zur Einweisung nach dem Versammlungsverbot zurückgebliebenen Funktionären, daß der kommunistische Landesausschuß mit seinen Einladungen versuche, ihre Namen zu mißbrauchen. I
Ein Versammlungsverbot
HGR. Wiesbaden, 15. August. (Eigener Bericht.) Der hessische Innenminister hat eine für den 16. August in Wiesbaden vorgesehene Versammlung der Freien Deutschen Jugepd verboten. Oskar Neumann aus Münfchen hatte als Thema angekündigt: „Die Perspektiven des Fünfjahresplanes der Deutschen Demokratischen Republik und seine Bedeutung für eine krisenfeste gesamtdeutsche Wirtschaft sowie die Möglichkeit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit in wenigen Monaten.“
Der Minister begründet das Verbot damit, daß allgemein bekannt sei, daß es nur deshalb in der sowjetischen Zone keine Arbeitslosigkeit gebe, weil die Staatsbürger ohne richterliches Verfahren in Konzentrationslager eingeliefert, beziehungsweise zur Zwangsarbeit innerhalb oder außerhalb der Sowjetzonen verschleppt würden. Die Anpreisung dieser Methoden der Arbeitsbeschaffung in einer öffentlichen Versammlung im Bundesgebiet betisächte die hessische Regierung als einen Angriff auf den verfassungsmäßigen Zustand der Bundesrepublik. Ferner bestehe die Gefahr, daß durch Unruhen bei der Versammlung die öffentliche Sicherheit und Ordnung in erheblichem Maße gefährdet werde.
Es ist dies bereits das zweite Verbot, das der Minister mit dem Begriff „Angriff auf den verfassungsmäßigen Zustand“ begründet. Dieser rechtliche Begriff wurde erst vor kurzem, am 4. August, in einem richtungweisenden Entscheid des Staatsgerichtshofes Wiesbaden geklärt, als dieser Gerichtshof die Klage der Nationaldemokraten gegen die hessische Staatsregierung wegen des Verbotes ihrer Versammlung am Niederwalddenkmal abgewiesen hat.
Umstedlung beendet
H. G. R. Wiesbaden, 15. August. (Eigener Bericht.) Bei der Sitzung der Länderflüchtlingsverwaltungen beim Bundesministerium für Vertriebene am 10. August gab der bayerische Vertreter, Dr. Adam, amtlich bekannt, daß die von Hessen gegen die bayerische Verrechnung erhobenenen Einwendungen zu Recht bestünden und die Flüchtlings-Umsiedlungsquote von Hessen (2000) bereits überschritten sei.
Falschspiel mit Unterschriften
Abkehr von der Stockholmer Friedensresolution
F. A. Z. Frankfurt, 15. August. Unlängst hatte die sowjetisch lizenzierte „Berliner Zeitung“ die Namen einiger westdeutscher Pfarrer und Professoren veröffentlicht, darunter den des ■ Stuttgarter Stadtpfarrers Daur und den des Heidelberger Universitätsprofessors Dr. Peter Brunner, die sich angeblich zu der von Moskau inspirierten Stockholmer Friedensresolution durch ihre Unterschrift bekannt haben sollten. Inzwischen haben Pfarrer Daur und Professor Brunner erklärt, daß ihnen Tatsachen bekannt geworden seien, die sie veranlaßt hätten, ihre Unterschriften zurückzuziehen.
Aus einem Brief des Professors Dr. Brunner an das Komitee der Kämpfer für den Frieden in Westdeutschland in Frankfurt geht hervor, daß der Aufforderung zur Unterzeichnung des Friedensappells Ausführungen des Kirchenpräsidenten Dr. Niemöller über das Thema „Was kann die Kirche für den Frieden tun?“ beigefügt waren. Es war ausdrücklich vom Komitee der Kämpfer für den Frieden gegenüber Professor Dr. Brunner betont worden, daß diese Ausführungen Niemöllers der Meinung des Komitees im ganzen Umfange entsprächen. Außerdem hatte das Komitee in seinem Schreiben zur Bekräftigung seiner sogenannten kirchlichen Einstellung Unterschriften von anglikanischen, französischen und amerikanischen Geistlichen aufgeführt. In dem Brief Brunners heißt es: „Diese Aufmachung, in der Sie mir den Stockholmer Appell zusandten, erweckt den Eindruck, als handele es sich um die Kundgebung einer kirchlich-ökumenisch eingestellten Bewegung, die für den Frieden in der Welt eintritt und sich wie das Rote Kreuz, dessen Votum Sie ebenfalls Ihrem Schreiben beifügten, gegen Unmenschlichkeiten in der Kriegführung wendet. Ich habe daher den Appell von Stockholm alsbald unterzeichnet und Ihnen zugehen lassen.“
An einer anderen Stelle von Brunners Brief heißt es: „Idi bin inzwischen von verschiedenen Seiten und jetzt auch durch die Presse darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Stockholmer Appell von kommunistischer Seite ausging. Ich habe außerdem selbst beobachten müssen, daß diese Unterschriftenaktion tatsächlich nicht dem Frieden in der Welt dient, sondern parteipolitisch ausgewertet wird, und zwar in einer Richtung, die idi aufs schärfste mißbillige. Ich erblicke in dieser Unterschriftensammlung ein grundfalsches Spiel, in dem ich nidit mitzuspielen gewillt bin. Ich ziehe daher meine Unterschrift unter den genannten Stockholmer Appell hiermit zurück.“
Die dentschen Gefangenen
Bonn, 15. August, (dpa) Der Bundesabgeordnete der Deutschen Reichspartei Adolf von Thadden hat den Sprecher der deutschen Europadelegation, Dr. Pünder, aufgefordert, in Straßburg die Aufmerksamkeit der .französischen Kollegen auf die Lage der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich zu lenken. Thadden bezieht sich auf einen Bericht des deutschen evangelischen Gefängnispfarrers in Paris, Dekan Lindner, nach dem nur ein Drittel der deutschen Gefangenen, die sich noch zur Aburteilung in französischen Gefängnissen befinden, sich eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht habe. Von Thadden betont, wenn man von Europa rede, sei nicht zu vergessen, daß auch im Westen noch mancherlei Unrecht geduldet werde.
Nürnberg, 15. August, (dpa) Die französische Delegation beim internationalen Kongreß des „Christlichen Friedensdienstes“ hat in einer Adresse den französischen Staatspräsidenten gebeten, die achthundert noch in französischen Gefängnissen festgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen freizulassen, sofern ihnen eine Schuld nicht nachgewiesen werden kann. Die übrigen sollten nach dem gültigen Recht und nicht nach Ausnahmegesetzen wie der „Lex Oradour“ abgeurteilt werden.
„Jalta ist an allem schuld“
Paris, 15. August (dpa) Trotz der Einigkeit des amerikanischen Volkes gegen die nordkoreanischen Angreifer beginnen sich die Republikaner nach der Darstellung des Korrespondenten von „Le Monde“ immer ungehemmter des Krieges in Korea als Argument in dem sich langsam entwickelnden Wahlfeldzug für den Spätherbst zu bedienen. Der Schlachtruf der republikanischen Opposition lautet, „Jalta ist an allem schuld“.
Baldige Vertagung?
Straßburg, 15. August, (dpa) Viele Delegierte der Beratenden Versammlung haben sich Angesichts der ernsten Weltlage für eine baldige Vertagung der gegenwärtigen Sitzungsperiode ausgesprochen. Es wurde die Ansicht vertreten, daß die Versammlung am 26. August bis Ende des Jahres vertagt werden sollte.
Allmähliche Wetterumstellung
Uebersicht: Das bisher die Wetterlage bestimmende Hochdruckgebiet wird nunmehr weitgehend abgeschwächt und läßt atlantische Störungen auch auf unseren Bezirk stärker übergreifen. Der Witterungscharakter wird sich bed gleichzeitiger Abkühlung unbeständig gestalten.
Vorhersage: Am Mittwoch noch zeitweise sonnig und ziemlich warm. Von Westen aufkommende Gewittertätigkeit. Am Donnerstag unbeständig und kühler, südwestliche bis westliche Winde.
Weitere Aussichten: Wechselhaft mit einzelnen Niederschlägen.
Der Rundfunk am Donnerstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; B.la Morgenmusik; 11.15 Schulfunk, 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrofon; 17.15 Unterhaltungskonzert; 18.00 Hörerlieblinge; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Die Bläser sind auch mal dran: 21.45 Passiert — glossiert; 23.00 Nachtkabarett..
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.05 Hausmusik; 20.00 Die Leute von nebenan; 20.30 Eins nach dem andern; 22.00 „Herr Balzac hat das Wort“: 0.05 Jazz im Funk.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Nachwuchs stellt sich vor; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 Unterhaltungsmusiker von heute; 22.30 Die großen Meister; 23.30 Für Kenner und Liebhaber. V
Wirtschaftsblatt
Überholte Optik
M Die „einschlägigen Ressorts“, wie es in der Amtssprache so schön heißt, prüfen zur Zeit die Möglichkeiten, die für eine Beseitigung des Dividendenstops bestehen — so hieß es vor einiger Zeit. Seitdem hat man nichts Offizielles oder Offiziöses über diesen Gegenstand vernommen. Ist die Prüfung wirklich so schwierig?
Daß man die Frage so stellen muß, spricht gewiß nicht für den Aktualitätssinn, den unvoreingenommenen Realismus, der in den einschlägigen Bundesministerien gerade in solchen Fragen herrschen sollte Sie stehen ja schließlich in recht engem Zusammenhang mit der marktwirtschaftlichen Gesamtkonzeption, welche die Bundesregierung auf ihre Fahne geschrieben hat. Alle objektiven Beobachter der wirtschaftlichen Entwicklung' in Westdeutschland sind sich darüber einig, daß die Zweigleisigkeit, die sich darin manifestiert, daß der Kapitalmarkt noch unter Reservatrecht steht, weit mehr als nur ein Schönheitsfehler ist, daß er eine Systemwidrigkeit darstellt, und daß sozusagen septische Wirkungen auf die Gesamtwirtschaft von diesem Fremdkörper ausstrahlen. Zugegeben, daß es dabei noch schwierige Probleme zu lösen gibt, diffizile Aufgaben, wie sie sich zum Beispiel in dem inneren Zusammenhang von Kapitalzins und Mietstopp manifestieren. Aber der Dividendenstop ist doch wohl das relativ simpelste Problem unter allen bisher ungelösten Aufgaben, die die Renaissance des Kapitalmarkts stellt. Diese Renaissance ist nicht denkbar ohne Verbreiterung des Börsengeschäfts und ohne Aktienemissionen; der Dividendenstop aber hindert die Aktiengesellschaft an der Heranziehung neuen Kapitals. Das ist ein ganz einfacher Tatbestand, und es ist nicht recht ersichtlich, was es dabei überhaupt noch zu „prüfen“ gibt.
Kann man sich immer noch nicht von der sogenannten Optik trennen, von jenem verhängsvollen Inbegriff der Unehrlichkeit, in deren Zeichen die Diktatur mit den Motiven jonglierte, wie es ihr gerade paßte? Der Arbeiter werde es nicht verstehen, wenn den Aktionären wieder beliebig hohe Gewinne zugeschanzt werden könnten — mit solchen völlig unsachlichen Argumenten sollte man doch heute sich nicht mehr auseinanderzusetzen brauchen. Wenn man die Industrie endlich wieder instand setzen will, Kapital hereinzunehmen und vernünftig zu investieren, so geschieht dies doch vor allem für den Arbeiter. Denn nicht nur die Schaffung neuer, auch die Erhaltung vorhandener Arbeitsplätze hat den Kapitaleinsatz, die Heranziehung neuen Kapitals zur Voraussetzung. Hier liegt die Problematik des Dividendenstops, aus diesem Grunde muß er beseitigt werden.
Einzelhandel nimmt Stellung
Wn. Zu den Diskussionen über die einzelnen Preiserhöhungen für Lebensmittel stellt Dr. Moje vom Hauptverband des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels in Wiesbaden fest, der Lebensmittel-Einzelhandel sei es leid, als Prügelknabe der öffentlichen Meinung herhalten zu müssen. Preissteigerungen der jüngsten Vergangenheit seien von ihm weder eingeleitet,* noch verschudet worden.
Eine vom Hauptverband angestellte Untersuchung ergab in neun Bundesländern, daß am 10. August gegenüber dem 1. April 1950 bei Fetten überhaupt keine Preiserhöhungen eingetreten, bei Importschmalz dagegen sogar eine Preissenkung von acht bis zehn Prozent eingetreten ist. Bei Speck ist im gleichen Zeitraum eine Steigerung von durchschnittlich 4,45 auf 4,90 DM festzustellen, wobei die Einzelhandelsspanne von 25 Prozent im April auf 18 Prozent im August gesunken ist. Bei Wurstwaren war die Preisentwicklung unterschiedlich. Steigerungen, hauptsächlich bei Schweinesorten und Schinken, geringer bei Kalbfleischsorten. Wie Dr. Moje erklärte, würde der Hauptverband einen Käuferstreik der Metzger zur Rückführung der überhöhten Preise begrüßen. Während bei Käse kaum Preisveränderungen zu verzeichnen sind, sind die Preise für Nährmittel fast allgemein um durchschnittlich acht bis zehn Prozent gestiegen. Dasselbe trifft für Bohnen und Linsen zu (hier insbesondere Importware). Bei Obst und Gemüse wurden die niedrigsten Preise seit Kriegsende festgestellt. Auch für alle Arten von Fischen hält die sinkende Preistendenz an..
Nach den Ermittlungen des Instituts für Handelsforschung der Universität Köln, Betriebsergebnisse für 1949, betrugen die Durchschnittskosten eines Lebensmittelbetriebes des Einzelhandels einschließlich des sogenannten Unternehmerlohnes 16 Prozent des Umsatzes. Der Unternehmerlohn oder praktisch der Nettoertrag im Einzelhandel machte fünf Prozent vom Umsatz durchschnittlich aus.
Rationalisierung im Bauernhof
Mit geringen Kosten können Arbeits- und Zeitersparnisse erzielt werden
Kurz vor Ausbruch des letzten Krieges hatte sich das Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft die Aufgabe gestellt zu untersuchen, in welchem Umfahge durch einfache Umbau-Arbeiten an den wichtigsten deutschen Hoftypen Rationalisierungserfolge erzielt werden könnten. Wenn diese Arbeiten auch seinerzeit nicht zu Ende geführt werden konnten, so zeigten doch bereits die ersten Versuchslösungen höchst interessante Ergebnisse: Mit verhältnismäßig geringen Kosten wurden Arbeitserleichterungen und Zeitersparnisse erzielt, die in manchen Fällen alle Erwartungen übertrafen. So konnte beispielsweise in einem thüringischen Hof. der von der vierköpfigen Besitzerfamilie ohne Gesinde bewirtschaftet wurde, durch Umbauarbeiten im Werte von rund 5000 Mark eine Ersparnis von jährlich fast 2000 km an Wegen für die beiden Frauen erzielt werden. Dabei waren in diesem Versuch nur bauliche Veränderungen durchgeführt und keine maschinellen Einrichtungen eingesetzt worden. Diese Versuche bestätigten im wesentlichen nur die Arbeiten von Münzinger, Hohenheim, Derlitzki, Pommritz. und anderen über die sehr starke Arbeitsbelastung der Bäuerin, die in ein unaufhörliches Hin und Her zwischen Küche und Milchkammer, zwischen Scheune und Stall. Boden und Keller eingespannt ist.
Betrachtet man die alten Grundrisse der gleichen Höfe, so findet man, daß noch vor hundert Jahren diese Ärbeitsharmonie weitgehend vorhanden war. Damals waren meistens die einzelnen Arbeitsräume wesentlich sinnvoller zueinander geordnet als heute: Neben der Küche die Futterküche, daneben Milchvieh und Schweine, in weiterem Abstand Jungvieh und Pferde und die Futtervorräte, aus Transportgründen über oder neben den Verbrauchsplätzen. Diese sinnvolle Ordnung ist in den letzten Generationen verlorengegangen. Höhere Ackererträge, Steigerung des Hackfruchtbaues, immer größer werdende Absatzmöglichkeiten für Veredlungsprodukte führten im Kleinbetrieb zur Ausdehnung der Viehhaltung. Daneben traten konjunkturelle Schwankungen durch steigende und fallende Schweine- und Geflügelhaltung auf. Die steigende Wirtschaftsintensität verlangte die Vergrößerung der Spannviehhaltung. All das läßt sich heute noch in den alten Gebäuden und in der Landwirtschaft handelt es sich vorwiegend um ältere Gebäude mühelos ablesen: In den alten Grundriß hinein wurden zusätzlich Ställe gebaut oder es wurde vergrößert. Da diesen konjunkturell bedingten und sich über Generationen hinziehenden Umbauten keinerlei Plan zugrunde lag, wurde die alte Arbeitsharmonie in Haus und Hof vielfach zerstört und so liegt heute häufig das Rinderfutter über dem Schweinestall und die unwichtigsten Arbeitsstätten in unmittelbarer Nähe der Küche, des Hauptaufenthaltsraumes der Bäuerin.
Jede maschinelle Einrichtung in Haus und Hof kann nur zu einem partiellen Erfolg führen, wenn die baulichen Voraussetzungen unberücksichtigt bleiben. Erst wenn die räumliche Zueinanderordnung der wichtigen und weniger wichtigen Arbeitsräume, Ställe und Vorratslager optimal gelöst ist, können die automatische Wasserversorgung, die Melkmaschine, die Transporteinrichtungen voll zur Wirkung kommen. Das harmonische Ineinandergreifen der einzelnen Arbeitsvorgänge in Haus und Hof, das in der gut geleiteten Feldwirtschaft weitgehend erreicht ist. hat zur Voraussetzung. daß Land-Ingenieur und Land-Architekt Hand in Hand arbeiten, und daß jeder von beiden die Möglichkeiten des anderen und die betriebswirtschaftlichen Grundvoraussetzungen kennt. In dieser Beziehung ist in Deutschland noch manches zu tun und während wir auf dem Gebiet der reinen Landmaschinen bereits wieder Anschluß an® das allgemeine Niveau haben, sind uns in der Rationalisierung der Haus- und Hofwirtschaft beispielsweise die Holländer, die Skandinavier und — wenn auch unter anderen Voraussetzungen — die Amerikaner erheblich voraus.
Das hat seinen Grund einmal in der Tatr^ohe. daß die deutsche Landwirtschaft seit 1914, also seitdem es eine Land.echnik auch für den mittleren und kleineren Bauernhof gibt, niemals so weit zur Ruhe gekommen ist. daß sie wirklich großzügig bauen konnte. Die guten Konjunkturen haben zwar mehrfach zum Abtragen der Schulden aus den Krisenzeiten und zur Intensivierung der Außenwirtschaft ausgereicht, aber das Bauen ist darüber unterblieben. Und zweitens liegt die Ursache für die unzureichende Rationalisierung in Haus und Hof vielleicht in der allzu konservativen Haltung der deutschen Bäuerin, der ja die Hauptlast der Arbeit in der Innenwirtschaft obliegt. Anders die Entwicklung in den vorerwähnten Ländern, in denen die Bäuerin bei weitem nicht so stark jn den Arbeitsprozeß auf dem Bauernhof eingespannt war und ist, und in denen infolgedessen das Arbeitsproblem von Anfang an ganz anders gelagert war. Wir können jedenfalls auf dem Gebiet der Rationalisierung der Innenwirtschaft noch viel lernen.
Regierungsdirektor von Wächter
Warenaustausch mit England von Soco Millionen
(AP.) Zwischen der Deutschen Bundesrepublik und England ist am Dienstag eine Einigung über einen neuen Handelsvertrag erzielt worden, der eine Ausweitung des Handels der beiden Länder auf den Vorkriegsstand vorsieht. Nach Berichten aus offiziellen Kreisen soll der Handel zwischen dem Sterling-Gebiet und Westdeutschland einen Wert von etwa 800 000 000 Dollar (3 360 Millionen DM) erreichen.
Deutsche Freiliste erweitert
vwd. Die Bundesminister für Wirtschaft und Ernährung haben die deutsche Freiliste vom 30. Oktober 1949 in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. April dieses Jahres erweitert. Die Listen derjenigen Waren, die aus den OEEC-Ländern ohne mengenmäßige; -Beschränkung eingeführt werden können, wurden unter anderem ausgedehnt auf Talg von Rindern und Schafen (roh oder geschmolzen), auf Fische, Robben und Walspeck, Walfett, Knochenfett, Abfallfett, Fisch- und Robbentran, Palmenöl, sowie einige Textilien, wie Hanf, Hanfwerg und Wollabfälle. Gleichzeitig wurde die Anwendung der Liste auf die Länder Belgien, Luxemburg, die Schweiz, die belgischen Besitzungen (Belgisch Kongo und Ruanda-Urundi) erweitert.
Lohnverhandlungen gescheitert
F. A. Z. Wie wir erfahren, sind die Lohnverhandlungen zwischen der Textil- und Bekleidungsindustriegewerkschaft und dem Arbeitgeberverband der Textilindustrie für Hessen gescheitert. Die Textilarbeiter in Hessen haben eine 15 prozentige Teuerungszulage verlangt. In der kommenden Woche sollen jedoch erneute Verhandlungen in dieser Frage stattfinden.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse wirkte sich am Dienstag der Feiertag in Bayern und die damit verbundene Schließung der Münchener Börse umsatzmindernd auf die Geschäftstätigkeit aus. Auch die Banken und das Publikum disponierten etwas zurückhaltender als am Vortage, so daß das Geschäft an den Aktienmärkten leicht rückläufig war.
Frankfurter Großmarkthalle
bz. Ausreichendes Angebot war in allen Gemüsesorten festzustellen. Bei regem Verkehr, jedoch schleppendem Absatz, wurde der Markt nicht geräumt. Deutscher Blumenkohl 100 Stück 20—70 (15—70), Essiggurken 15—18, Kohlrabi 4—5, Rotkraut 4—5. Weißkohl 4—5, Spinat 25—25, Wirsing 6—7, Buschbohnen grüne 10—12 (12—15), gelbe Buschbohnen 25—30 (13—15), Stangenbohnen 10 bis 15, Kopfsalat 10—15.
Aus dem Ausland standen 40 Waggons Gemüse und Obst zum Verkauf. Es verblieben auch hier Ueberstände. Sommeräpfel 10—12, Wirtschaftsäpfel B—lo, holl. 17,50, deutsche Trauben 30, franz. 36—42,50, deutsche Pflaumen 15—16, Zwetschen 12—15, Birnen 12—20, deutsche Pfirsiche 30—45, ital. 47,50—52,50, Mirabellen 12—18. Heidelbeeren 20—22, Brombeeren 20—30, Preißeibeeren 35 (30—35) für einen Zentner.
Frankfurter Eiermarkt
bz. In Frankfurt liegen keine Angebote an deutscher Ware vor. Bei weiter ansteigenden Großhandelspreisen kamen für Auslandsware zur Festsetzung holländische und Nordware Gewichtsklasse S 21,50 (21), A 20,5 (20), B 19,5 (19), C 18,75—19 (18—18,5), D 18 bis 18,25. Franzosen- und Ostware tendierten unverändert. Im Großhandel stellten sich Gewichtsklasse S auf 20, A 19, B 18, C 17 und D 16 Pfennig je Ei.
Mannheimer Produktenbörse
pbz. Mit dem Fortschreiten der Ernte verstärkt sich das inländische Angebot an Brotgetreide, kann jedoch bei weitem nicht den hohen Weizenbedarf der Mühlen decken. An den Produktenmärkten kann die bedeutende Nachfrage nach Weizenmehl aller Typen nur zu einem Bruchteil befriedigt werden. Lediglich Roggenmehl ist genügend vorhanden und geht auch flott ab. In der Pfalz und in Bayern werden die Festpreise für Weizen ziemlich eingehalten.
Am Futtermittelmarkt hält die feste Tendenz bei anziehenden Preisen an. Mühlennachprodukte sind gesucht: Weizenkleie A 14,30 DM mit Sack ab Mühle, Weizeniuttermehl 16—17 DM, Weizennachmehl 22—24 DM ab oberrheinischen Stationen. Für Rapskuchen und Palmkemkuchen Werden 19,50 bis 20,00 DM bzw. 26,00—26,50 DM ab süddeutschen Fabriken gefordert. Malzkeime und Biertreber werden gegenwärtig kaum beachtet. Trockenschnitzel 14,50 DM, Melasseschnitzel 14,00 DM. Sehr stark fehlt Futtermais, der in kleineren Partien aus zweiter Hand mit 32 DM bezahlt wurde. Legemehl 32 DM, Körnerfutter 34 DM. Stark gefragt bleibt Milchleistungsfutter. Am Rauhfuttermarkt überwiegen die Heu- und Stroh-Angebote bei weitem die Nachfrage. Für neues Wiesenheu lose werden 3,50—3,75 DM, drahtgepreßt 4,00—4,25 DM je dz ab badischen Stationen verlangt. Getreidestroh erzielt höchstens 2,60 DM ab badischen Stationen.
Interesse für Braugerste
pbz. An den Produktenmärkten macht sich erhöhtes Interesse für Braugerste neuer Ernte bemerkbar. Die Versorgungslage der Brauereien und Mälzereien ist allerdings so gut, daß nur kleine Umsätze Zustandekommen. Für rheinhessische und pfälzische Gerste werden 34 DM je dz ab Verladestation genannt, badische Gerste liegt um 1 DM niedriger.
Bz Deutsche Unionbank A. G., Frankfurt am Main. Die Hauptversammlung beschloß, das bisherige Grundkapital von 4 Millionen RM auf 1 Million DM neu festzusetzen.
Feuilleton
Zuerst das Wort, dann die Musik
„CAPRICCIO“ VON RICHARD STRAUSS IN SALZBURG
Die selbstvei'ständlichste Forderung zu einem Problem zu machen, das konnte doch nur einer Gattung der Kunst, nur der Oper passieren. Da oben auf der Bühne werden Worte, sinnvolle Worte gesungen, nicht etwa nur la-la-la, also wollen sie deutlich verstanden sein. Man lauert, man verbraucht Energie und Spannung allein dafür, daß man diese Worte zunächst einmal richtig hört. In unserer Kindheit galt es schon als Kunstverständnis, in einer Oper aus dem Schwall der Musik heraus den Umriß der Worte erkannt zu haben. Vielfach äußern Kinder während der Aufführung von Humperdincks musikgepanzertem „Hänsel und Gretel“ voller Unwillen, daß die Musik sie „störe“. Die neuesten Komponisten, denen das Verstehen der Handlung sehr am Herzen liegt, schaffen, wo das Wort unbedingt aufgenommen werden muß, Raum dafür. Sie lassen das Orchester schweigen. Sie lösen das Singen durch das Sprechen oder durch ein Secco-Rezitativ oder ein Melodrama ab. Wie begreiflich für uns heute, daß die Barockoper die Handlung in die textverständlichen Rezitative abdrängte und die Gefühlsergüsse als Hauptreize der Oper in den Arien strömen ließ. Die vornehmen Herrschaften waren damals an der Handlung allerdings oft so wenig interessiert, daß sie während ländlicher Rezitative im Hintergrund ihrer Logen die begonnene Schachpartie ungeniert weiterspielten und sich erst wieder bei den Arien der Bühne zuwandten.
Zuerst also die Worte, dann die Musik! Dies das gedankliche Thema des „Capriccio“ von Richard Strauss, des einaktigen „Konversationsstückes für Musik“, das 1942 in München uraufgeführt, 1944 von Wien übernommen wurde. Die Oper wird Streitobjekt, ihre Genesis, ihre Problematik, ihr Kampf um die Vorherrschaft von Wort und Ton heftig debattiert. Personen vertreten im „Capriccio“ die Gesichtspunkte der Opernbewertung. Da ist der Musiker Flamand mit seiner großen Seele, sein freundlicher Gegner, der Dichter Olivier, mit stärkerem Geist und leidenschaftlicherer Männlichkeit. Da ist der erfolgsgierige Marschall der Bühne, der Theaterdirektor La Roche, der von Problemen und Reformen, von mythologischen Opernfiguren, von dem „Drame heroique“ — der historische Streit der Piccinisten und Gluckisten des 18. Jahrhunderts fehlt nicht in der Debatte —, von dem Lärm des Orchesters und seiner Vergewaltigung der Gesangsstimmen nichts wissen will. Da sind auch die Diener mit witzigen Glossen zum Streitobjekt, daß man aus einer Oper nicht klug würde, daß „man singt, damit man den Text nicht versteht“. Da ist dann endlich die schöne verwitwete Gräfin als Mittlerin der extremen Standpunkte zwischen Musiker und Dichter, gleichzeitig liebend verehrt von beiden und ohne Entscheidung zwischen ihnen und ihren Ansichten. Ihr klärt sich das Geheimnis damit, daß „im Wort ein Sehnen nach Klang lebt“, daß „eine Kunst durch die andere erlöst wird“. Auch der Graf macht kein Hehl aus seiner Abneigung gegen die Oper, da jeder Autor vom andern „schrecklich behindert“ sei. „Eine Oper bricht über mich herein“! Als ob es sich um einen Anfall von Wahnsinn handle!
So geistreich das Buch, für das Clemens Krauß zeichnet, auch gestaltet wurde, dramatisch ist es nicht. Man diskutiert nur, klärt dabei einiges, macht witzige Apergus, ereifert sich wohl nach einem Lach-Oktett in einem großen Streitensemble, aber im Grunde geht alles aus wie das Hornberger Schießen. Die Rätsel bleiben — gottlob möchte man sagen — ungelöst, und die Sphinx Oper lächelt weiter. Richard Strauss aber macht sehr schöne Musik zu all dem Gerede und gewinnt den gewaltigen Vorsprung für das tönende Element. Seine Formkräfte legen die Klammern an, seine überschwengliehen Seligkeiten und Pikanterien des Klanges rauschen auf mit den uns vertrauten, hoch entwickelten Harmonien und Modulationen, den reizvollen Verzögerungen und Umspielungen des Eintritts der Quartsextakkorde, mit seinen Vorhalten, seinem Spiel mit Enharmonik und Neapolitanischen Ausweichungen. Das tänzerische Element klingt graziös herein, auch eine gewichtige Gavotte, und eine Fuge schafft sogar Ordnung in der Diskussion über Wort und Ton und die Rangordnung der Künste. Alles mit höchster Meisterschaft in der Instrumentation, der kammermusikalischen wie der voll orchestralen. Nicht sättigen kann sich dieses sensible Schwärmen in dem Streicher-Sextett der Einleitung, und die Musik der Spiegelszene am Schluß entzündet sich immer neu an ihrem eigenen Zauber. Man vergleiche nicht mit „Ariadne“ oder „Rosenkavalier“, in denen die Schöpferkräfte frisch und neuartig hervordrängen, aber dieses herbstlich übersonnte Schwärmen in Permanenz, diese ganze eigene musikalische Atmosphäre des Werkes und ihre souveräne satztechnische Meisterschaft hat es uns in Salzburg doch sehr angetan.
Weder am Werk selbst noch an dessen Wiedergabe gibt es etwas Wesentliches zu kritisieren. Es waren zwei wahrhaft beglückende Stunden mit einer Schöpfung, in der alles zusammengefaßt ist, was wir an Strauss lieben, und das so klingt, als wolle er Abschied nehmen von seiner großen Kunst, die nach bewegten Anfangskämpfen die ganze Welt erobert hat. Nur in so differenzierter Aufführung — eine „Repertoireoper kann das „Capriccio“ nie werden — wird man dem Werke bei den Festspielen der nächsten Jahre gerne wieder begegnen. — Karl Böhm, mit Clemens Krauß wohl der beste Kenner des Werkes und Leiter der Wiener Erstaufführung, ist eine musikalische Durcharbeitung zu danken, die alle Schönheiten, vor allem auch der transparenten kammermusikalischen Teile offenbarte. Die Wiener Philharmoniker breiteten ihren unsagbar reinen Wohllaut aus. Rudolf Hartmann, Spielleiter schon der Münchner Uraufführung, organisierte mit großer Natürlichkeit das Improvisatorische dieser Geburtsstunde einer Oper. Von Gustav Vargo stammte das Bild des hocharistokratischen Milieus. Kunst der Beleuchtung wandelte es in der abendlichen Dämmerung zu einem duftigen Pastell. Unter den Solisten reichen wir die Palme zuerst Paul Schöffler als La Roche. Seine überragend prachtvolle Meisterleistung krönte die großartige Apotheose des Theaters und des theatralischen Selbstbewußtseins. Einer der wandlungsfähigsten, charaktervollsten Sängerdarsteller der Festspiele (Pizarro, Sprecher in „Zauberflöte“). Dann Lisa della Casa, in der Rolle der Gräfin die Nachfolgerin der unvergeßlichen Cebotari, mit sehr schönen Mitteln, nur einer gewissen Kühle in der Stimme, die sich aber während der letzten Szene zu größerer Weichheit und Wärme löste. Eine gute Schauspielerin, die sich graziös von ihrem Spiegelbild zü verabschieden weiß. Die Komödiantin Claironfgab Elisabeth Höngen mit dem nötigen Pathos und Auftreten. Anton Dermota und Hans Braun die freundlichen Feinde von Ton und Wort. Neben ihnen Willi Wolff als galanter, leicht boshafter Graf. Als italienische Belkantisten Karl Friedrich und die virtuose Wilma Lipp, diese zugleich mit parodistischer Begaoung und komisch in ihrer Freßgier an der gräflichen Küche. Sehr gut das Dieneroktett, drastisches Gegenstück zu dem Oktett der Salonherrschaften, und sicher gekonnt die exponierten Nebenrollen des Haushofmeisters und des Souffleurs in der Besetzung mit Franz Bierbach und Peter Klein.
Fritz Brust
Gäste in Darmstadt
Eugen Gürster
Noch im Mantel, ringsum malerisch von Reiseigepäck umgeben, begrüßten die Reporter des „Darmstädter Tageblatt“ am Montagabend im Hotel Bender Prof. Dr. Eugen Gürster, der nach langen Jahren mit seiner Gattin und seinem Sohn für kurze Zeit Darmstadt besucht.
Eugen Gürster war unter Ebert und Hartung Dramaturg am Hessischen Landestheater. Viele Erinnerungen verbinden ihn an diese Darmstädter Zeit, und mit besonderem Stolz denkt er daran zurück, daß es ihm gelang, Andre Gides „Oedipus“ zur Erstaufführung nach Darmstadt zu bringen.
Nach 1933 ging Dr. Gürster freiwillig in die Emigration. In Basel, wo er am Theater tätig war, lernte er seine Frau, die Opernsängerin Losy Delmar, eine Ungarin, kennen, die damals gerade die Titelrolle in „Carmen“ sang. Er schrieb unter dem Pseudonym „Steinhausen“ für die Basler Nationalzeitung und veröffentlichte mehrere Bücher, von denen das letzte, „Erfolg im Dunkel“, jetzt erschienen ist. Bekannt wurde er durch sein Lustspiel „Wetter veränderlich“ und die Uebersetzung Calderonscher Schauspiele. Heute ist Dr. Eugen Gürster Professor am - London-College, Connecticut. Mit einer Gruppe von 25 Studenten war er vor Monaten über den großen Teich gekommen, um mit ihnen den Marshall-Plan in verschiedenen europäischen Ländern zu studieren. Von Paris aus trieb ihn jetzt das Heimweh nach der Stätte seiner schönsten künstlerischen Schaffenszeit, nach Darmstadt.
„Ich freue mich aufrichtig, daß Sie mir vom alten „Tagblatt“ den ersten Willkommensgruß dieser mir so lieben Stadt entbieten. Wenn ich ehrlich sein soll: Ich bin ja innerlich so aufgeregt und gespannt auf dieses Wiedersehen mit Darmstadt. Als wir kamen, war es dunkel. Aber ich habe von den furchtbaren Wunden gehört, die der Krieg dieser Stadt versetzte. Ich habe aber auch gehört, daß gerade in Darmstadt das Kulturleben einen neuen Aufschwung genommen hat.“
Frau Rosy Delmar-Güster ist überrascht, daß wir auch von ihr etwas wissen wollen. Sie singt drüben in den Staaten an der Philadelphia Opera, in Konzerten und am Rundfunk — in sieben Sprachen übrigens, wie es gerade verlangt wird. Sie wollte uns ganz schnell eine ihrer Schallplatten vorspielen lassen, aber Rene fand sie in der Eile nicht gleich. Uebrigens Renö, der dritte im (Ehe-) Bunde: „O boy“, stöhnte er, als wir ihn ansprechen und erhebt sich aus einem Sessel, in den er sich zurückgezogen hatte und mit aufmerksamen, ob des plötzlichen Reporterüberfalls sehr neugierigen Augen zugeschaut hatte. Ja, Rene war noch nie in Deutschland, aber. er spricht fließend deutsch, miteinem leichten Akzent freilich, doch das macht seine Sprache erst interessant. Als er erfährt, daß „das alles“ auch er in der Zeitung stehen wird, schlängelt er sich an uns heran: „Wenn wir nicht mehr in Darmstadt sein sollten, bitte schicken Sie uns doch die Zeitung nach Bad Reichenhall nach. Dort sind wir bis September. Aber nicht verraten, daß ich das gesagt habe, denn Vati möchte seine Ruhe haben ...“ —n
Lied-Soll nicht erfüllt. „Wo bleiben die Friedenslieder?“ fragt „Neues Deutschland“, das Zentralorgan der SED, in einem Artikel, der die beschleunigte Uebersetzung und Verbreitung sowjetrussischer Friedenslieder in Deutschland fordert. Sowohl der kommunistische „Kulturbund“ wie der sowjetdeutsche Rundfunk und der Schallplattenverlag „Lied der Zeit“ werden ob ihrer Trägheit heftig zurechtgewiesen. Auch die Dichter seien zu tadeln, voran der Parteilyriker Johannes R. Becher, aber auch Stephan Hermlin, Hedda Zinner und „Kuba“ (Kurt Barthel), der Sänger der werktätigen Muse. Sie alle haben „die hohe Aufgabe“, die Texte der neuen russischen Friedenslieder nachzudichten. Diese östlichen Weisen „zeichnen sich durch einen hohen Ideengehalt aus, durch einen von den Lehren Marx, Engels, Lenins und Stalins geleiteten Text“. Sie kennen keinen Formalismus und keinen „Verzicht auf die Richtigkeit der Problemstellung“. Dieses musische Versagen sei um so bedauerlicher, als das Lied schlechthin „ein entscheidendes Mittel zur Mobilisierung der Massen“ ist, hebt es doch den Menschen „auf eine höhere Stufe der politischen Aktivität“. Man braucht nur die Friedenssendungen des Moskauer Rundfunks zu hören, um sofort den „mobilisierenden Charakter“ solcher Lieder zu spüren. So versichert „Neues Deutschland“ treuherzig, ohne an dem Paradox dieser Feststellung Anstoß zu nehmen. L
Hans Werner Henzes Ballett „George Dandm“ und das Unterhaltungsstück „Eine einzige Frau“ (Frau vom Himmel) von Oberhes werden vom Stadttheater R^eIAtA?J,g voraussichtlich in der Spielzeit 1950/51 uraufgeführt werden.
DT-Foto: Schröder
Johann Heinrich Füßli (1741—1825): „Der Steinwerfer“. Bleistift und Feder. (Öffentliche Kunstsammlung, Basel). Als Ferdinand Hodler dieses Blatt des Generationsgenossen Goethes zufällig zu Gesicht bekam, rief er aus: „Wer zeichnet da so wie ich?“ Der „Steinwerfer“ mutet tatsächlich „hodlerisch“ an. Er würde aus dem Gesamtwerk Hodlers kaum herausfallen: der monumentale Ausdruck der Linie, die Kraft der Gebärde, die intensive Modellierung — alles ist ähnlich. Alle diese Züge sind erstaunliche Erscheinungen für die Zeit der Entstehung des Blattes. Es enthält das „Kraftgenialische“ der Zeit des .Sturmes und Dranges“ in eindringlicher Weise. Es lebt aber auch schon etwas von der ausdrucksstarken Intensivierung darin, die erst durch den Impressionismus allgemein möglich wurde.
Neue Filme in Darmstadt
UNION. „Der Todeskuß“. Auch das soll vorkommen, daß ein seit frühester Jugend auf der Verbrecherlaufbahn hübsch stufenweise absinkender Gentleman der Neuyorker Unterwelt plötzlich, als er an Weib und Kind denkt, sein besseres Ich irgendwo entdeckt, sich von seinem Untersuchungsrichter bekehren läßt, erfolgreicher Spitzel für die Polizei wird und sich schließlich sogar von einem seiner ehemaligen Komplicen aus lauter Liebe einige blaue Bohnen in den Leib jagen läßt.
Der Regisseur hat alle Mittel ausgenutzt, um den Film spannend und dramatisch zu gestalten. Die Kamera tat ein übriges. Victor Mature, Coleen Gray, Richard Widmark und Brian Donlevy in den Hauptrollen gaben den Gestalten ihr jeweils charakteristisches Gesicht und hoben die psychologischen Momente einwandfrei heraus. Nur die kürzende Schere hat bei der deutschen Fassung etwas Unheil angerichtet, so daß man zum Beispiel weder einen inhaltlichen noch „symbolischen“ Zusammenhang zwischen dem Titel „Todeskuß“ und der Handlung zu erkennen vermag. -hn-
HANSA. „Die Freunde meiner Frau." Der solide Bücherrevisor Brinkmann ( Carl-Heinz Schroth) spürt eines Tages, daß sein Leben zu gleichmäßig abläuft. Abhilfe hofft er in einer Ferienreise mit seiner Frau zu finden. Aber beim Zeitschrifteneinkauf am Bahnhof ist er wieder zu so-IHe, d~r Zug dampft ab und mit ihm seine . , Pa grr it er in die Fänge eines Geschwisterpaares, das im gleichen Haus wohnt, Fee (Sonja Ziemann) und Bernd Freiberg (Arno Aßmann), zwei muntere Kabarettisten. Sie schleppen den versehentlichen Strohwitwer mit, und bei dem Song von der „Reizenden Dorothee“ da ist es aus bei ihm. Der solide Brinkmann droht schlittern zu gehen, aber über seinen Schatten kann er dann doch nicht springen. Inzwischen haben „die Freunde seiner Frau“, seine Kinder, sich kriminalistisch ins Zeug gestürzt und verwirren die letzten Fäden.
Ein netter Film, der auf der Ebene der guten deutschen Lustspielfilme liegt, die die Ehe des soliden Bürgers zum Vorwurf haben. Grethe Weiser, Gerda Maurus und Albert Florath helfen im Schauspielerensemble, daß die Sache munter bleibt. Und zum Inhalt: Es ist gut, daß die zusoliden Bürger in solchen Lustspielen immer so vernünftige Ehefrauen haben, die den Eisbeutel beim Katzenjammer mit immer noch liebender Hand auf legen. Damit ist das Happy-End gesichert.
THALIA. „Figaros Hochzeit.“ Mozarts unsterbliche Oper im Film, zum mindesten ein Wagnis! Zwischen Bühne und Film bestehen so große Wesensunterschiede, daß man ein Bühnenwerk nicht „wörtlich“ auf den Film übertragen kann. Ausnahmen wie „Der zerbrochene Krug“ von Kleist bestätigen die Regel. Für Archiv- und Studienzwecke können wir uns die vollkommene Verfilmung einer Oper denken, aber nicht für den normalen Spielfilm. Hier muß der Stilbruch sofort erkennbar weiden. Dazu kommt noch, daß im Film „Figaros Hochzeit“ im allgemeinen die Personen von Darstellern und Sängern sich nicht decken. Bei der Susanna allerdings (Spiel Angelika Hauff, Gesang Erna Berger) erleben wir ein wirklich ideales Zusammenwirken von Stimme und Gestaltung. Freuen wir uns übei, die Fülle schöner Stimmen und die Musik Mozarts, die überraschend gut wiedergegeben wird. Die Regie (Georg Wildhagen) hat sich die im Filmischen liegende Versuchung nicht entgehen lassen und die Handlung auf eine Unmenge von Bildern und Schauplätzen verteilt, so daß optisch gesehen viel Unruhe in den Ablauf gebracht wird. Im übrigen ist es so, daß eine verfilmte Oper, die natürlich stark gekürzt wird, irgendwie an die Kurzoper auf Schallplatten erinnert, eine Notlösung, ein Ersatz, der nie vollkommen befriedigen kann. Mit allen diesen Einschränkungen wollen wir den Film musikalisch doch gelten lassen. H. W. W.
Athematische Komposition
EIN VORTRAG VON HERMANN HEISS
Am Montagabend sprach im Rahmen der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Hermann Heiß über athematische Komposition. Er unterstrich seinen Vortrag durch die Wiedergabe eigener Werke.
Diese Musik kat kein Thema mehr, das heißt, es kehren einige melodische und rhythmische Varianten eines Motivs wieder, aber ohne feste Grenzen ihrer Gestalt. Die athematische Tongebung wirkt komprimierter als jene Musik mit einer festen abgegrenzten Thematik. Die Gestalt zwingt zur Gegensätzlichkeit, der Stoff aber ist Einheit. Das bedeutet Loslösung von allen schwimmenden Konturen und den zersplitternden Kräften und kennzeichnet den Willen des Vortragenden zum ordnenden Aufbau seiner Kompositionen.
An Hand von Beispielen zeigte Hermann Heiß die Entwicklung der Vokalmusik. Die dreistimmigen Sentenzen nach Texten von Günther Michel vermittelten einen Eindruck über die Behandlung der Singstimme in der athematischen Komposition. Das Uebe reinanderstellen von Rhythmik und Metrik ließ Hermann Heiß an einigen Stellen verständlich erscheinen. Die sich hieraus ergebende Polyrhythmik demonstrierte Else Stock (Klavier) an den „capricci ritmicei“, sieben Studien für Klavier von Hermann Heiß. Auch hier stößt man auf ein Gestaltungsprinzip, das fast ausschließlich unter dem Begriff der Zwölftonmusik gefaßt wird. Die Bindung an das Stoffliche bedeutet vollendete Stilisierung, ein Maximum eines sich Entfernens von der aus seelischen Spannungen entstandenen Melodik. Es ist die Schöpfung eines neuen Prinzips.
Die Interpretation der „Dreistimmigen Sentenzen“ war eindrucksvoll. Die Ausführenden waren: Aga Zeh-Landzettel, Elsbeth Stumpf und Kurt Bausch. Else Stock gab die „capricci ritmicci“ vollendet wieder.
Solistenkonzert in Bensheim
Am kommenden Sonntag veranstaltet die Goethegesellschaft um 20.15 Uhr in der Turnhalle des Bensheimer Gymnasiums ein Solistenkonzert, bei dem die Cellistin Margrit Werle, Neuyork, die Pianistin Hannelore Dittes, Mannheim, und Fritz Kullmann von Radio Frankfurt am Flügel mitwirken. Für die Besucher von der nördlichen Bergstraße und aus Auerbach wird für die Rückfahrt ein Sonderwagen der Firma Glück bis Jugenheim eingesetzt.
Straßburger Bachfest 1950. Als besonderes Ereignis innerhalb seiner Uebertragungen von internationalen Musikfesten dieses Jahres bringt der Südwestfunk am Sonntag, 27. August, von 20 bis 21.30 Uhr vom Straßburger Bachfest 1950 ein Konzert des Städtischen Orchesters Straßburg unter der Leitung des Schweizer Pianisten Edwin Fischer. Das Programm enthält nur Werke für Klavier und Kammerorchester von Johann Sebastian Bach.
„Orpheus in Thrazien“, ein Werk in 12 Stücken für Klavier von dem Wiesbadener Komponisten Alfred Koerppen, soll auf dem internationalen Musikstudententreffen, das am 27. August in Bayreuth beginnt, uraufgeführt werden.
Als Schweizer Spende hat die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger eine größere Kollektion von Notentextbuchern und wertvoller Fachliteratur erhalten. Schweizer Schauspieler wollen damit engagementslosen deutschen Schauspielern, Sängern und Tänzern die Weiterermöglichen. Die Kollektion wurde von der Züricher Gruppe des
Harald Kreutzberg wird nach seiner Sudamenka-Tournee am 6., 7 und 10 *? „Der Student von Prag“, in der er bereits vor Monaten in München Erfolge feiert auftreten. MÜnchener Kammerspielen
Ferienkurs für Neue Musik Mittwoch, 16. August
Marienhöhe, 11 Uhr: Vortrag von Bri-Aegyp^n'h h 6 r ’ ”Musik^ben in
Technischen Hochschule, 20 SehA^h*38 V^n Prof- Dr' Hermann Scherchen, Zürich: „Die dirigentische Realisation Neuer Musik“.
Donnerstag, 17. August
Seminar Marienhöhe, 16 Uhr- Vortrag von Dr Karl Holl, Wiesbaden: „Organisatorische Fragen der Musik“.
Stadthalle, 20 Uhr: Vegh-Quartett, Pans: Streich-Quartette Nr 2 4 6 von Bela Bartok.
Darmfstadt und Umgebung
Leben und Lernen
undFh.^ Me“r Und Dünensand, Ebbe und Mut, Sonne und Sturm am Strande e’ Wattenla”fen und Krabben¬ ’ d*-- Smd unvergeßliche Feriene lUI 26 Jungen vom Ludwigs-Realgymnasium Darmstadt, die unter ^^^■VOn Studienrat Dr. Schumann Vnd Studienassessor Schmidt für 14 Tage m Busum an der nordfriesischen Küste weilten. Der große Zusammenklang von Leoen und Lernen wurde den jungen Gemütern in diesen beiden Wochen zuteil, denn Lehrmeister war die Natur selbst mit Tag- und Nachtgestirnen, mit Fauna und r lora des Kustenstreifens und war das Menschenwerk, das unmittelbar an ihr erwächst und ihre Gesetze wahrnimmt: iSvhfang und Schiffahrt. Landgewinnung und Schiffsbau. Daß die Augen blank und Ohren und Herzen weit aufgetan waren für all das Neue, das sich in der Welt am Meere für den Binnenländer findet, wer möchte das bezweifeln. Größere Aufmerksamkeit fanden die Lehrer wohl kaum als hier bei den Unterweisungen, die sie selbst gaben oder die sie geben ließen auf der Schiffswerft in Büsum, bei den Landgewinnungsarbeiten an der Meldorfer Bucht, auf dem Fischkutter oder bei den Resten der Insel Trischen, die heute Vogelschutzstation ist. Dies Lernen war nicht Zwang noch Beschwerde. Es gab der überschäumenden Lebensfreude Halt und Richtung, jedem Tag einen Sinn in größerem Zusammenhang und erhöhte so die entspannende Lust am Spiel und Herumtollen, an all ddn jungenhaften Kraftproben beim Schwimmen und Laufen und sportlicher Uebung. Standquartier war die Jugendherberge Büsum, und ungern schieden die Jungen aus dem fröhlichen Gemeinschaftsleben unter ihrem Dache. Mit den Wolken, die über das Ludwigs-Gymnasium ziehen, wird fortan manche Jungensehnsucht meerwärts segeln, und in viel späteren Lebensjahren noch werden erwachsene Menschen an dies Erleben ihrer Schülerzeit denken und deutlich für ihre Lehrer den Dank empfinden, der heute nur in ihrer Freude ausstrahlen kann.
Die allerletzte Chance
Richter bewahrte 22jährigen noch einmal vor dem Zuchthaus
Not und Hoffnungslosigkeit prägten sich gestern im Gesicht des 22jährigen Angeklagten aus, der sich vor den Richtern der zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt wegen Diebstahls und Unterschlagung zu verantworten hatte. Mehrfach stand er bereit^ vor Gericht. Apathisch nahm er sein Urteil an. Drei Jahre und drei Monate Gefängnis. Darin ist allerdings jene Strafe einbezogen, die er am 10. Januar wegen Unzucht und Blutschande erhielt. Er ist ein völlig abgeglittener, junger Mensch. Arbeit und Strafverbüßung wechselten bei ihm laufend in den letzten Jahren. Fritz M. aus Ginsheim wurde in keinem Beruf seßhaft. Er wollte eigentlich Schiffer werden. Da ihm dies jedoch nicht möglich wat, wanderte er unstet von Beruf zu Beruf. Zwischendurch geriet er in wirtschaftliche Schwierigkeiten. In diese Zeit fielen dann stets seine Straftaten.
Von Dezember 1948 bis Mitte Juli 1949 beging er zahlreiche Delikte. Zum Teil gemeinsam mit dem mitangeklagten 20jährigen Albert 8., den er zum Mitmachen aufforderte. So stahl er, als man ihn als Arbeiter bei der Luftbrückenaktion beschäftigte, aus einer Lagerhalle Güter, die für die Berliner Bevölkerung bestimmt waren. In einem anderen Falle entwendete er mit B. Textilien und Lebensmittel aus etwa 25 Paketen. Die beiden überstiegen dabei eine Mauer, zerbrachen mit Taschenmessern die Fensterscheiben des Büros, schlüpften hinein, erbrachen die Holzläden zur Lagerhalle und füllten zwei mitgebrachte Säcke. Diese vergruben sie zunächst, um sie später in M.‘s Wohnung zu bringen und die Beute zu teilen. „Wir hatten Hunger“, sagten die beiden Angeklagten. Als es kalt war, entwendete M. außerdem aus Waggons der Bundesbahn Kohlen. Weil man ihn im Bergbau bei Dortmund selbst bestohlen hatte, eignete sich M. kurzerhand den gefüllten Koffer eines Kumpels an.
„Es ist ein erschütterndes Bild“, sagte Landgerichtsdirektor Dr. Feilbach in seiner Urteilsbegründung. Die Straftaten seien erklärlich, wenn man den Entwicklungsgang des Angeklagten verfolge. Das Milieu im Elternhaus sei mehr als trübe. So habe der Vater, ein Invalide, seinen Sohn geradezu aufgefordert, Diebstähle zu begehen. Da der Beschuldigte mit besonderer Kälte und Bedenkenlosigkeit zu Werk gegangen sei, wäre, so unterstrich der Vorsitzende, an sich eine Zuchthausstrafe verwirkt, zumal es sich um ein Rückfalldelikt handele. Wenn das Gericht trotzdem nur auf Gefängnis erkannt habe, so nur, um diesem jungen Menschen eine allerletzte Chance zu geben, sich zu bessern. Nehme sich der Angeklagte dies nicht zu Herzen, sei er für alle Zeit verloren, da er dann bei erneuter Straffälligkeit unweigerlich ins Zuchthaus und in Sicherungsverwahrung komme. Der mitangeklagte Albert B. erhielt sieben Monate Gefängnis, die allerdings ausgesetzt werden, wenn er sich in den nächsten drei Jahren straffrei führt. ys.
Tagung der Notgemeinschaft
Die Notgemeinschaft ehemaliger berufsmäßiger Wehrmachtsangehöriger und deren Hinterbliebenen, Kreisverband Dar ms tad t-Land, führt am 19. August im ev. Gemeindehaus in Jugenheim um 17 Uhr eine Versammlung durch, zu der folgende Tagungspunkte fest gelegt wurden: Bericht über Stand und Ziele der Organisation, Gründung von Orts verbänden und Wahl der Vorstände, Bericht über den Stand der Versorgung (Regierungsentwurf zum Artikel 131 G. G.) und Protestresolution an den Bundestag und Bundeskanzler.
Pkw. rannte gegen SBaum
Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es gestern morgen gegen 4.30 Uhr in der Darmstädter Straße im Stadtteil Eberstadt. Mit voller Wucht fuhr in Höhe des Anwesens Nr. 82 ein Personenwagen gegen einen Baum. Der Fahrer des Wagens und ein Insasse erlitten bei dem Aufprall schwere Verletzungen und wurden in das Krankenhaus Eberstadt eingeliefert. Dort sollen sie nach einer gestrigen Mitteilung der Kriminalpolizei in Lebensgefahr schweben. Der Pkw wurde vollständig zertrümmert. ys.
Öffentliches Ärgernis
In dem Personenzug Frankfurt —Mannheim wurde ein junger Mann durch die herbeigerufene Bahnpolizei festgenommen, da er durch unsittliches Benehmen gegenüber mitfahrenden weiblichen Personen öffentliches Aergernis erregte. Da der Täter nicht leugnete und einen festen Wohnsitz nachweisen konnte, wurde er bis zur gerichtlichen Verhandlung auf freien Fuß gesetzt. "au"
In der Stadt notiert
Einen Selbstmordversuch machte gestern ein bei den Amerikanern angestelltes aus Frankfurt stammendes Hausmädchen, indem es sich die Pulsadern aufschnitt. Das Mädchen war in anderen Umständen und glaubte, aus diesem Grunde seinem Leben ein Ende machen zu müssen.
Beim Rangieren verunglückte am Dienstagmittag der Rangiermeister Hermann Hö g auf dem Bahnhof Kranichstein. Er erlitt mehrere Rippenbrüche, eine tiefe Platzwunde am Kopf und mußte in das Elisabethenstift eingeliefert werden.
Ein Omnibus stieß am Montag an der Wiener- und Roßdörfer Straße mit einem Personenwagen zusammen. Es gab einigen Sachschaden. Eine Person erlitt leichtere Verletzungen. ys'
Sehr schwer verletzt wurde gestern morgen um 7.50 Uhr der Radfahrer Otto Nord aus Darmstadt. Er war im Doinheimer Weg in Höhe der Michaelisstraße mit einem Personenkraftwagen mengerannt. Er befindet sich zur Zeit mi Krankenhaus Eberstadt. Der Sachschade ist gering. ys‘
Die Interessengemeinschaft kynologi¬ scher Organisationen bittet ihre Mitglieder zu einer wichtigen Versammlung zu Freitag, dem 18. August, 20 Uhr, in^der Gaststätte Knauf, Darmstadt, Bleien straße.
Die Arheilgcr Vereinsbank eGmbH konnte dieser Tage das neuen Geschäftshauses Ecke Wilhelm Leuschner-Straße und Alte Darmstadter Straße feiern.
In der Heimstättensiedlung sind durch weitere Bebauung vier neue Straßen^entstanden. Nach einem Magistratsbeschlu werden zwei dieser Straßen nac „ < Gewannbezeichnungen „Am Pelz “ „Am Sandacker“ benannt. Die beiden weiteren neuen Straßen nördlich des Heimstättenweges, die in Fortsetzung der schon bestehenden Straßen „In der Köhlertanne“ und „Am Kaiserschlag“ liegen, werden unter diesen Bezeichnungen weitergeführt.
Eine Sängerfahrt in den Odenwald unternimmt am Sonntag, dem 20. August, der Volkschor Darmstadt. In mehreren Omnibussen werden die Mitglieder des Vereins zuerst zur Lungenheilstätte Winterkasten fahren und deren Bewohnern ein einstündiges Konzert geben. Nach dem vorgesehenen Mittagessen in Reichelsheim werden die Patienten der Göttmannschen Heilstätte gleichfalls mit einem Konzert erfreut werden. Im Anschluß an einen frohen Kaffeenachmittag werden Gesang und Tanz den Ausklang der Odenwaldfahrt bilden.
Im Hotel zur Traube werden die Arbeiten zur Fertigstellung des Hauptblockes fortgesetzt. Für die Möblierung und den Innenausbau der Zimmer des ersten bis dritten Stockwerkes sind bei namhaften Möbelfirmen Angebote angefordert worden.
Für den Wiederaufbau der Poliklinik der städtischen Krankenanstalten und die Errichtung eines Verbindungsgebäudes zur medizinischen Klinik wurde von der städtischen Bauverwaltung ein Vorprojekt ausgearbeitet.
Sie wissen es heute schon. Damit ihnen kein anderer Verein diesen hoffentlich recht sonnigen und schönen Sonntag wegschnappen kann, bat uns der Gesangverein „Frohsinn“, Darmstadt-Arheilgen, schon heute darauf hinzuweisen, das er beabsichtigt, am 30. Juni, 1. und 2. Juli des Jahres 1951 sein 75jähriges Jubiläumsfest zu feiern. „Arheilgen als Hochburg des Gesangs mit seinen fünf Vereinen“, so heißt es weiter, „wird zu verstehen wissen, ein Sängerfest zu feiern. Namhafte Gesangvereine haben bereits ihre Teilnahme zugesagt.“
Neues Industrieviertel im Süd-Westen unserer Stadt
Das alte Kasernengelände zwischen Hindenburgstraße und Haardt-Ring, im Süden von der Bessunger Straße und im Norden vom ehemaligen Exerzierplatz begrenzt, war immer eine der häßlichsten Gegenden Darrpstadts. Seit einem knappen Jahr ist die Darmstädter. Wiederaufbau-Gesellschaft dabei, dieses Gebiet zu einem wichtigen Industrieviertel zu machen
Große und kleine außerhessische Betriebe der schornsteinlosen, geräuscharmen Industrien wie Buchbindereien. Druckereien, Verlage und Bekleidungsfabriken werden hier neben alten Darmstädter Betrieben angesiedelt. Mehrere Gebäude in der Holzhofallee, in der Ahastraße und am Donnersberg-Ring sind schon seit längerer Zeit fertiggestellt.
Anfang September wird eine größere Anzahl neuer Betriebe die Arbeit aufnehmen können. Weitere Bauprojekte für Firmen, die auch ihren Sitz nach Darmstadt verlegen wollen, sind noch in der Planung.
Zur Zeit liegt der Schwerpunkt der Bautätigkeit, zumeist von Darmstädter Baufirmen ausgeführt, im nördlichen Teil des Gebietes. Seinen Kasernencharakter soll eine aufgelockerte Bebauung zerreißen, wie uns der Leiter der Industrie- und Bauplanung der Wiederaufbaugesellschaft, Architekt Jahn, erklärte. Die abwechslungsreiche Gestaltung der Bauten soll die Einheit der Kasernenkomplexe zerstören. Einige neue Verbindungsstraßen, bei deren Benennung man wahrscheinlich auf alte Flurbezeichnungen zurückgreifen wird, öffnen die einst abgeschlossenen Bezirke.
Wo jetzt noch Schutthaufen und Trümmer liegen, werden Rasenflächen, Hecken und Alleen zwischen den weiß beworfenen zwei- bis viergeschossigen Bürohäusern und den Fabrikationshallen dem Gelände ein eigenes Gesicht geben. Hier wird ein Viertel unserer Stadt schöner wiedererstehen, als es vor der Zerstörung war. Aber wichtiger als diese Tatsache ist die wirtschaftliche Bedeutung der Arbeit der Wiederaufbaugesellschaft, die in diesem Projekt bis jetzt schon etwa drei Millionen DM erbaut hat. Denn durch die Konzentration von Industriezweigen, die dem Wesen Darmstadts entsprechen, erhält die zerbombte und ihres Hauptstadtcharakters beraubte Stadt aus eigener Kraft eine neue, notwendige Lebensmöglichkeit.
Erläuterung zu obigem Plan
In die untere Holzhof allee ziehen Anfang September in zwei zweigeschossige Gebäude die Hutfabrik Steller aus Clausthal-Zellerfeld (1) und die Schokoladenfabrik Weigel mit etwa 80 Betriebsangehörigen (2). Ein dreigeschossiges Verlagsgebäude (3) ist von dem Verlag Bürg ne r (Herausgeber des Handbuches für das europäische Papiergewerbe), dem medizinisch-wissenschaftlichen Verlag Steinkopf und dem technisch-wissenschaftlichen Verlag Marke wi t z bezogen.
In der Groß-Gerauer Allee, die als Fortsetzung des Groß-Gerauer Weges in weitem Bogen von der Holzhofallee zur Rheinstraße führen wird, ist als erstes von mehreren geplanten Gebäuden ein vierstöckiges Vervf Itungsgebäude der Wella AG im Bau (4). Es wird mit Personenaufzügen und einem Gemeinschaftssaal versehen und ab 1. Oktober 200 Angestellten Raum bieten. Die Halle der Firma Roethe r d r u c k (5) ist seit längerem in Betrieb. Ebenfalls auf dem Gelände der ehemaligen Kavallerie-Kaserne steht ein Bau der pharmazeutischen Großhandlung Leonhard (6). Am 1. November wird ein zweigeschossiger Bau (7) für eine bekannte Großdrukkerei mit 100 Angestellten und Arbeitern fertiggestellt sein. In einem kleineren Verwaltungshaus der Strö h e r AG (Wella) wird schon seit Juni gearbeitet (8).
Das Gebäude an der Holzhofallee, in dem eben Ströher-Preis- und W. K. -Möbelausstellung zu sehen sind (9), wird in Kürze vom Darmstädter Echo bezogen werden. Die in zwei Hallen auf dem Platz des ehemaligen Traindepots untergebrachte Darmstädter Glasmanufaktur (10), ein Unternehmen unter Leitung des bekannten Antikglas-Fachmannes Mittinger, will ihre Belegschaft von 60 Köpfen auf das Doppelte erhöhen. Im Oktober wird die Firma Klebe GmbH, bisher Da.-Eberstadt, in zwei großen Hallen (11) ihren Betrieb auf modernen Maschinen der Goebel AG aufnehmen. Ein dritter Bau wird begonnen.
In der unteren Riedeselstraße kann am 1. Oktober das erste von drei dreistöckigen Studentenheimen (12) von 65 Studenten der TH bezogen werden. Das Heim hat Einzelzimmer, eingerichtet mit Möbeln, die auf der W. K.-Ausstellung zu sehen sind, und Gemeinschaftsräume. Nach Fertigstellung der drei Häuser finden in ihnen unter der Verwaltung des Studentenwerkes insgesamt 250 Studenten Unterkunft. Nördlich der Studentenheime sollen später mehrere Wohnblocks zum Marienplatz hin abschließen. Dieser wird, nach Beseitigung der alten Kavallerie-Kaserne bis an die Hindenburgstraße hin erweitert, den Blick von dort hinauf in die Stadt zum Neuen Palais und zu St. Ludwig freigeben.
Der dreigeschossige Bau des Deutschen Adreßbuchverlages (13) an der Südseite der Holzhofallee ist schon vor geraumer Zeit vollendet worden. In ihm arbeiten rund 170 Angestellte. Daneben, Ecke Groß -Gerauer Weg, beherbergt ein Verwaltungshaus (14) mit schrägem, roten Ziegeldach die Wiederaufbaugesellschaft, den - Quellen-Verlag, das „Verkehrs- und Wirtschaftsarchiv“ und die Verwaltung der Großbuchbinderei Fritzsche-Ludwig, deren zweite Halle (15) an der Ecke am Hopfengarten/Schepp Allee im Herbst fertiggestellt sein wird.
Eine Reihe kleinerer Werkbetriebe, das Bergbau-Institut, das Landesamt für Bodenforschung, die Kanka-Textilfabrikati on, der Welt-Adressendienst Reis u. a. fanden Aufnahme in einem Bau am Donnersbergring (16). Im südöstlichen Ausläufer des Viertels, in der Ahastraße, hat die Leitung der Caliqua-Wärmegesellschaft m. b. H., die über 500 Angestellte in Westdeutschland beschäftigt, ihren Platz gefunden (19.). Anfangs September sind dort zwei weitere Gebäude (17, 18) bezugsfertig für folgende Firmen: Wilk, ein graphischer Betrieb für Reklame aus Frankfurt, Verlag Kamprath (Eberstadt), Kulturbuchverlag aus Berlin, Paschko u. Co., Maschinenbauverwaltung, Treuhandgesellschaft Seybold, Modeverlag Freitag, ein Theaterverlag. rw
Landesmusikschule Darmstadt
Der dreijährige Lehrgang zur Erlangung der Staatlichen Prüfung für Privatmusiklehrer an der Hessischen Landesmusikschule wurde mit Ende des Sommersemesters abgeschlossen. Die in Darmstadt ausgebildeten Schüler hatten besonders •gute Erfolge bei der Staatsprüfung. Ein neuer dreijähriger Lehrgang beginnt am 12. Oktober 1950. Da nur eine beschränkte Anzahl Studierende aufgenommen werden, wird am 30. 9. eine Aufnahmeprüfung zur Ermittlung der besten Bewerber abgehalten. Anmeldv.” 'en im Sekretariat der Landesmusikschule, Hermannstraße 4.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil
Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und die aktuelle Bilderserie „Korea“.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“, täglich geöffnet von 10.00 bis 19.00 Uhr.
Nachbarschaftsheim, im - Emils-Schlößchen: 20.00 Uhr Vortrag Dr. Hans Schenck: „Reiseeindrücke in Amerika“
Ludwigs-Georgs-Gymnasium: ab 8 Uhr auf der Woogswiese Schul-Sportfest.
Der Männerchor der Liedertafel 184" fuhr am letzten Sonntag in den Odenv. .i! und brachte der Bevölkerung einer ganzen Reihe von Ortschaften, darunter Erbach, Bad König und Groß-Umstadt mit großem Beifall aufgenommene Ständchen.
Starkenburg
Gestern eingeweiht - heute voll belegt
Der erste Bauabschnitt des Krankenhauses Odenwald in Erbach
Der bisher außerordentlich große Mangel der Kreisstadt Erbach an Krankenbetten, der in erster Linie durch den starken Menschenzustrom in den Odenwald während und nach dem Kriege verursacht wurde, hat gestern die erste Linderung erfahren.
Im Rahmen einer’ kleinen Feier wurde in Anwesenheit von Landrat Neff, Regierungsrat Zörgiebel, Kreisschulrat S c h w a mb, Amtsarzt Dr. Rint e 1 e n, den Mitgliedern des Krankenhausausschusses, dem Direktor der AOK Erbach, Stadtpfarrer Hahn u. a. der erste Bauabschnitt des in den Räumen des früheren Hotels „Odenwald“ in der Neckarstraße eingerichteten neuen Krankenhauses für innere Medizin in Betrieb genommen.
In mehrmonatiger Arbeit hat Stadtbaumeister Weber die Zimmer und Säle des Hotels für den neuen Zweck in ebenso ansprechender wie vorteilhafter Weise umbauen lassen. Der erste Abschnitt umfaßt 20 Betten, von denen jeweils zwei, drei oder vier in einem großen, hellen Zimmer stehen. Schon heute werden sie alle belegt, denn bereits vor der Inbetriebnahme waren 19 vorbestellt. Diese Tatsache allein erhellt die dringende Notwendigkeit der Schaffung neuen Krankenhausraumes in Erbach.
Zwei weitere Bauabschnitte mit je 20 Betten werden in 4 oder 10 Wochen betriebsfertig. Wenn der zur Zeit noch für Wohnzwecke verwendete Restteil des Gesamtbaues für das Krankenhaus zur Verfügung stehen wird, ist Raum für insgesamt 90 Betten vorhanden. Damit dürfte dann der dringendste Bedarf auf absehbare Zeit hinaus gedeckt sein. Weiter ist die Einrichtung einer großen Entbindungsstation vorgesehen.
Bürgermeister Volk wies in seiner Begrüßungsansprache auf die außerordentlichen Krankenhausnotstände in Erbach hin. Es ist vor allen Dingen darauf angekommen, schnell und mit möglichst geringen Kosten einen Ausweg aus der schwierigen Lage zu finden. Diese Möglichkeit habe sich der Stadt im vorigen Jahr durch den Erwerb des Hotels „Odenwald“ mit dem dazugehörigen großen Garten geboten. Mit besten Wünschen übergab der Bürgermeister das Haus in die Obhut der Oberschwester Klara.
Stadtpfarrer Hahn knüpfte in seiner Ansprache an die gastfreundliche Tradition des Hotels „Odenwald“ an, das jetzt in neuer Gestalt wiederum seine gastliche Pforte geöffnet habe, um zu helfen, das Leid der Menschen zu bannen. Auch Landrat Neff drückte den Wunsch der Kreisverwaltung aus, daß das neue Haus der Kreisbevölkerung stets zum Wohle gereichen möge. Die Schwesternschaft des alten Kreiskrankenhauses, in der die chirurgische Abteilung verbleibt, machte zum Zeichen der Zusammenarbeit Oberschwester Klara und ihren Helferinnen ein schlichtes Holzkreuz zum Geschenk.
Ein Rundgang durch die weiträumigen Anlagen des neuen Krankenhauses und den sich bis zur Mümling ausdehnenden Garten beschloß die kleine, aber bedeutungsvolle Feier. Als Assistenzarzt des neuen Krankenhauses wurde Dr. med. Hettemer verpflichtet.
Großbetrüger gestellt
Erwin Lenz in der Schweiz verhafiet
In Zusammenarbeit zwischen deutscher und Schweizer Kriminalpolizei konnte jetzt der 28jährige Großbetrüger Erwin Le n z aus Rimbach im Odenwald in der Schweiz verhaftet werden. Es wurde ein Auslieferungsantrag gestellt.
Bereits 1946 war der 28jährige nach größeren Viehschiebungen in die Schweiz geflüchtet. Im Sommer vergangenen Jahres verkaufte der jetzt Verhaftete einem Schweizer Staatsbürger ein Kilo Insulin zu 35 000 DM. Da der Kaufmann nicht soviel Bargeld besaß, überließ er Lenz ein Brillantarmband und einen Brillantring im Wert von 30 000 DM als Pfand. Das angebliche Insulin stellte sich später als Kochsalz heraus. Die beiden Pfandstücke hatte Lenz unterschlagen und versetzt, ehe er abermals in die Schweiz flüchtete. Bereits im Januar dieses Jahres war er in Frankfurt in Haft genommen worden. Er wurde jedoch seinerzeit wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sich der Zollamtmann Klingenschmitt von der Zollfahndungsstelle Lörrach für ihn verbürgte. Klingenschmitt ist vor einiger Zeit selbst verhaftet worden. Er hatte umfangreiche Schmuggeleien geduldet. Nach Lage der Dinge dürfte er aus Eigennutz die seinerzeitige Freilassung des Lenz erwirkt haben. ys.
Betrunkene zerrissen Bundesflagge
Bei der Kriminalpolizei ist in diesen Tagen eine Anzeige eingelaufen, weil in der Nacht zum 7. August gegen 3 Uhr eine Gruppe junger Leute vor der Kreissparkasse Erbach unter Absingen des Horst-Wessel-Liedes die dort anläßlich des Erbacher Wiesenmarktes gehißte schwarzrotgoldene Bundesflagge heruntergeholt und dabei zerrissen haben. Die jungen Burschen waren betrunken. Im Verlaufe der bisherigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen erschienen drei junge Männer tatverdächtig. Zeugen, die dem „Tatort“ gegenüberwohnen, konnten sie jedoch bei einer Gegenüberstellung nicht wiedererkennen. Die polizeilichen Ermittlungen gehen weiter. Personen, die sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich bei der Gendarmeriestation Erbach zu melden, ys.
Vom Lalkon gestürzt
In Zwingenberg stürzte das 11/« Jahre alte Kind der Familie Gellert im elterlichen Hause vom Balkon des 1. Stockwerkes herunter und blieb wie durch ein Wunder unverletzt. HB
Angeklagt: eine Gans
Als in Groß-Bieberau ein Mann durch die Lichtenberger Straße fuhr, lief ihm eine Gans ins Fahrrad. Der Radfahrer stürzte zu Boden und trug einige Verletzungen davon. Er hat nun gegen den Eigentümer des Federviehs Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstattet. RG
Nur das Wohnhaus gerettet
In den frühen Morgenstunden des gestrigen Tages brannten in Wolfskehlen aus bisher unbekannten Gründen Scheune und Stallungen des Landwirts Hermann Hedd äu s bis auf die Grundmauern nieder. Neben der Ernte wurde der gesamte Maschinenpark vernichtet, Nach fast dreistündigen anstrengenden Löscharbeiten konnte die Freiwillige Feuerwehr den Brand auf seinen Herd beschränken und das Wohnhaus dadurch retten, -od-
Vom Motorrad mitgeschleift
In Geinsheim wurde bei der Gastwirtschaft Wehner ein Motorradfahrer mit Begleiterin bei dem Versuch, einen Dreirad-Lieferwagen aus Oppenheim zu überholen, von dem Wagen erfaßt, als er in eine Seitenstraße einbog. Das Motorrad wurde etwa sechs Meter mitgeschleift; Fahrer und Beifahrerin wurden verletzt und mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. eng
Bei dem Kulturabend in Jugenheim war die Adalbert-Stifter-Gruppe Alleingestalten des Abends, den sie auf Einladung der Ortsgruppe der Heimatvertriebenen und der SKG Jugenheim durchführte. DT
Zwei Köpfe...
vier Augen und sechs Striche, aber nur zwei Ohren und einen Schlund besitzt dieses abnorme Kalb, das am vergangenen Freitag im Stall der Bäuerin Marie Schadt in Hainstadt im Odenwald, Dammstraße 12, das Licht der Welt erblickte, im Gegensatz zu den meisten dieser durchaus nicht seltenen Mißgeburten am Leben geblieben ist und täglich kräftiger wird. Allerdings kann es nicht allein auf den Beinen stehen, obivohl diese normal und kräftig sind. Kreistierarzt Dr. Uhrig vermutet, daß das Tier durch die Doppelköpf igkeit unter Gleichgewichtsstörungen leidet. Das durchaus gesunde Muttertier hat bereits fünf Kälber zur Welt gebracht, von denen allerdings das vorjährige, ein Stierkalb mit zwei Zungen, ebenfalls anormal war. Das Tier kann nur mit einem Maul Nahrung aufnehmen, während das zweite aber alle Saufbewegungen mitmacht. Es wird täglich mehrmals mit der Milchflasche gefüttert. Seit Montag nimmt es jeweils etwa zwei Liter auf und gedeiht, dabei recht gut. Aufnahme: Tehad
Pfarrer Becker
Kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres starb der langjährige evangelische Seelsorger von Ernsthofen, Pfarrer Wilhelm Becker. Gebürtiger Friedberger, wurde Pfarrer Becker nach Absolvierung seiner Theologiestudien und Besuch des hessischen Predigerseminars in Friedberg zuerst Weihnachten 1905 Vikar in Nieder-Ramstadt, am 1. Oktober 1907 Pfarrassistent in Gießen und ein Jahr später Vikar der deutschen Gemeinde in Nordmanchester. Im Frühjahr 1910 aus dem Ausland zurückgekehrt, erhielt er nach vorübergehender Verwendung als Pfarrverwalter in Lampertheim am 13. August 1910 in Dexheim in Rheinhessen seine erste definitive Pfarrstelle, wo er über acht Jahre wirkte. Bevor er im Februar 1922 zum Pfarrer von Ernsthofen mit Asbach, Herchenrode, Klein-Bieberau und Webern ernannt wurde, wirkte er seit Ende 1919 als Seelsorger und Anstaltsgeistlicher am Landeszuchthaus Marienschloß. (se)
Dekanats-Bundestag
am 20. August in Eschollbrücken
Der Evangelische Bund, Landesverband Hessen und Nassau lädt alle Evangelischen des Dekanats Darmstadt, besonders die Mitglieder der Gemeindegruppen des Evangelischen Bundes sowie die Kirchengemeindekörperschaften herzlich zum Dekanats-Bundestag am Sonntag, 20. August, in Eschollbrücken ein. Er beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Stühlinger, Darmstadt, halten wird. Um 11.30 Uhr findet eine Arbeitsbesprechung unter dem Thema: „Der Dienst des Evangelischen Bundes in Volk und Kirche“ statt, geleitet von dem Vertrauensmann der Provinz Starkenburg, Pfarrer Balz, Ober-Ramstadt. Bei der Festversammlung um 14 Uhr spricht der Probst von Starkenburg, Rau. Der Bundesdirektor des Evangelischen Bundes, Dozent Pfarrer Sucker. Leiter des Konfession skundlichen Institutes BensheL.i, referiert über: „Evangelisch werden! — unsere Aufgabe.“ Im zweiten Teil der Festversammlung liest Curt Westermann vom Landestheater Darmstadt religiöse Dichtung. Außerdem Darbietungen aus dem Gemeindekreis, Schnurren und Sch—änke. Volkstänze der Ungarn-Deutschen, Flüchtlingsgruppe Darmstadt, in ihrer alten Tracht. Auswärtige Gäste sind zu einem gemeinsamen kostenfreien Mittagessen eingeladen.
Unterhaltungsabend in Jugenheim
Zur internationalen pädagogischen Tagung im Pädagogischen Institut Jugenheim veranstaltet die Gemeindeverwaltung und der Verkehrs- und Verschönerungsverein am Donnerstag, dem 17. August, abends 8.15 Uhr, im Spiegelsaal des Hotels „Goldene Krone“ einen Unterhaltungsabend. Es wirken mit: Kapelle Foh, der Kinderchor der Volksschule, der Männergesangverein 1865, die Gymnastikgruppe, die Gesangsabteilung und Turnerinnen der Sport- und Kulturgemeinde sowie die Gymnastikgruppe Frau v. Hase.
Im Wigwam der „Roten Schlange“
Darmstädter Kinder im Brandauer Jugendlager
Wenn die großen Ferien in den Schulen beginnen, wird die Jugend „nervös“. Dann setzt das Reisefieber ein, werden Koffer und Rucksacke gepacKt und d e weichen Eier verstaut; es beginnt die Zeit des Wanderns und der Ferienfreuden. Aber nicht alle Kinder können in die Ferien fahren. Viele Eltern sind wirtschaftlich nicht in der Lage die notwenidgen Mittel dazu aufzubringen. Für Giese Kinder hat die Darmstädter Stadtverwaltung in Brandau bei Lindenfels ein Sommerzeltiager eingerichtet, das seit Anfang Juni in wöchentlichem Turnus die Klassen aller Darmstädter Schulen zu einer Erholungswoche aufnimmt.
Auf einer idyllisch gelegenen Anhöhe außerhalb Brandaus erheben sich gegen den Hintergrund eines Tannenwaldes die Zelte. „Die Höhle des Todes“ steht in Reih und Glied mit der Sommerbehausung Jersey Joe Walcotts, die Namen sind fein säuberlich mit Holzkohle oder Zahnpaste auf die Zeltwände gemalt, sehr zum Entzücken des Lagerleiters, Herrn O. Rohleder, der mit resignierendem Achselzucken darüber hinweggeht.
Jedes dieser Zelte, die aus amerikanischen Wehrmachtsbeständen stammen und von der Stadt angekauft wurden, beherbergt acht Feldbetten. An den Eingängen wurden kleine Steingärten angelegt, jedenfalls vor den Zelten der „Ordentlichen“, bei den anderen sieht es etwas anders aus. Ueberhaupt hat man den Eindruck, daß die mitgebrachte Zahnpaste weniger zum Zähneputzen, als zur Ausschmückung der Behausungen verwendet wurde.
Vor den zehn Zelten wölbt sich ein freier Platz zur Anhöhe hinauf, der als Spiel- und Sportplatz gedacht ist. Hundert Meter unterhalb des Lagers befinden sich die Küchen- und Speisezelte, mitten zwischen Bäumen und Sträuchern gelegen. Ein kleiner Spitz-Pudel-Ersatz sitzt stolz vor der Warnung „Bissiger Hund“ und wedelt mit dem Schwanz. 61 Mädchen der Eberstädter Volksschule sind seit Samstag im Brandauer Sommerzeltlager. von zwei Lehrerinnen begleitet, alle mit hungrigem Magen und angefüllt voller Initiative und Urlaubsulk.
Am Morgen nach dem Kaffeetrinken geht es hinaus in die umliegenden Wälder, zur Schnitzeljagd oder zu Wanderungen. Mittags ist gemeinsames Essen im Grün des Waldschattens, anschließend bis 14 Uhr Mittagsruhe. Wenn man das reichliche und gute Essen probiert hat, kann man verstehen, daß eine Erholungspause not tut, zumal die Kinder nach einwöchigem Aufenthalt, trotz ständiger körperlicher Bewegung im Durchschnitt ein Kilo zunehmen. Nachmittags wird geschwommen oder es werden Ballspiele
veranstaltet. Ueber Mangel an geeigneter Beschäftigung ist nicht zu klagen.
Viel zu schnell geht die Woche herum, wie auch Herr Rohleder bedauernd feststellt. Wenn man die Kinder erst einmal beim Namen kennt und sie sich eingewöhnt haben, ist schon der Samstag heran. — und damit der Abreisetag. Lange Gesichter und selbst Tränen gibt es beim Marsch zur Omnibushaltestelle, an der die Neulinge ankommen und die „alten Lagerhasen“ in die Heimat transportiert werden.
Für jeden Tag des Ferienlagers müssen die Eltern einen Unkostenbeitrag in Höhe von I.— DM entrichten, den Rest, und der liegt beträchtlich höher, legt die Stadtverwaltung drauf. Mädchen und Jungen aller Darmstädter Schulen haben in den letzten Wochen Brandau besucht, selbst aus Offenbach waren Schüler angereist und Studenten und Studentinnen der Technischen Hochschule Darmstadt haben hier schöne und erholsame Tage verbracht. Unzählige Eltern und Wanderer,, die aus Neugierde das Brandauer Sommerzeltlager besichtigt haben, sind mit wehmütigen Gefühlen in die Stadt zurückgefahren. Es ist durchaus glaubhaft, wenn der Lagerleiter versichert, daß er ein mindest gleich großes Zeltlager für Erwachsene eröffnen könnte, ohne daß er über Sommergäste zu klagen hätte. Für die Stammesmitglieder der Sippe der „roten Schlange“ werden die Tage im Zelt eine nachklingende Erinnerung bleiben. — hier häuft sich alles, was an Romantik und Abenteuerlust in der Jugend vereint ist. hfl.
Fehlgezaubert
In einem Uhrengeschäft in Groß-Zimmern gab der Handelsvertreter G.B. aus Ober-Roßbach im Dillkreis eine Uhr zur Reparatur ab. Bei dieser Gelegenheit nahm er eine Armbanduhr mit, doch verlief eine von der Gendarmerie durchgeführte Körpervisitation erfolglos. Während der Durchsuchung seiner Wohnung wurde dann im Garten die Uhr gefunden. (RG)
Ueberraschungen beim Schulbegiun
Bickenbach erneuerte Schulräume und Lehrmittel
Am Montag nahm die Volksschule Bickenbach den Unterricht wieder auf. Die 365 Schüler und Schülerinnen, die von sieben Lehrkräften unterrichtet werden, verteilten sich auf sechs erneuerte Schulsäle, denn in den Sommerferien war fleißig geschafft worden. Die in früheren Jahren der Ortsverwaltung dienenden beiden Räume wurden zu einem Saale vereinigt und mit einem freundlichen, hellgrünen Anstrich versehen. Auch der frühere „Bürgersaal“, der in sehr schlechtem Zustand war, trug ein neues Gesicht in warmem, hellbraunem Ton.
Alle Säle haben nun elektrische Beleuchtung und Waschbecken mit fließendem Wasser. Die Garderoben wurden auf die Flure verlegt. Die Gemeinde plant, sämtliche Schulzimmer mit modernen Schulmöbeln zu versehen, einer der Säle soll bereits bis zum Herbst mit moderner Bestuhlung ausgestattet sein. Der Schulhof wurde durch ein Geländer gegen die Darmstädter Straße abgeschlossen. Damit ist eine Gefahrenquelle für die Jugend beseitigt worden. Ferner ist geplant, ein der Gemeinde gehörendes altes Gebäude am Friedrich-Ebert-Platz abzureißen, sobald für dessen derzeitige Bewohner andere Wohnungen beschafft sind. Mit dem gewonnenen Platz soll dann nach Einebnung und Bekiesung der inzwischen zu klein gewordene Schulhof vergrößert werden.
Es muß von Eltern, Lehrern und Kindern dankbar anerkannt werden, daß die Gemeindeverwaltung nicht nur für den äußeren Schulbetrieb größere Ausgaben im Etat vorgesehen hat, sondern auch die durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse unzureichend, gewordenen Lehrmittel im Rahmen des Möglichen zu erneuern bestrebt ist. Wesentliche Ausgaben verursachte z. B. die Anschaffung von Apparaten für den Naturlehre-Unterricht, besonders für Mathematik, Optik und Elektrizität. Die Einnahmen aus verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen wurden zum Ankauf eines modernen Lichtbildwerfers mit Projektionsschirm und mehrerer Sportbälle verwendet. ’ (rh)
Die Goethegesellschaft Bensheim führt am 10. September eine Omnibusfahrt zum Besuch des Klosters Maulbronn unter Führung der Darmstädter Kunsthistorikerin Marie Fröhlich durch.
Meldungen aus den Landleisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Am kommenden Freitag um 20.30 Uhr zeigt Franzl Späth vom Deutschen Theater München im Saale des „Darmstädter Hofes“ die Singspiel-Revue „Im weißen Rößl“ von Ralph Benatzky. (sl)
Seeheim. Der traditionelle Kerwe-Umzug wurde in diesem Jahr vermißt, doch hielt dieser Ausfall die Gäste nicht ab, die Freuden der Kerb bis zum Letzten auszukosten. Die Gaststätten hatten vollauf zu tun und am Abend spielten überall Kapellen zum Tanze auf. (er)
Zwingenberg. Heute abend um 20 Uhr findet im Rathaus eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Im Mittelpunkt der Debatten wird wieder die Frage der Bürgermeisterwahl stehen. (HB)
DIEBURG
Dieburg. In einer internen Feierstunde wurde der Kreisvorsitzende der Heimatvertriebenen Ludwig Gold zu seinem 65. Geburtstag geehrt. (-gi-)
Altheim. Der Ostteil der Pfarrkirche soll neu bedacht werden. Der Kirchenvorstand hat die Arbeiten bereits in Auftrag gegeben; sie sollen bis zum Herbst ausgeführt sein. (-gi-)
Babenhausen. Unter der Führung des bekannten Frankfurter Kunsthistorikers Dr. H. Wiedenbrüg studierten die Besucher der Volkshochschule Langen die mittelalterliche Bauweise der Stadt, (-gi-)
Rollwald. - Das große Sommerfest, veranstaltet durch die Tanzkapelle „Sieben Teddys“, am Lager Rollwald, wurde zu einem vollen Erfolg. Zahlreiche Gäste waren aus der Umgebung erschienen. (-gi-)
Ober-Roden. Binnen weniger Tage wurden die Kanalisationsarbeiten in der Bachgasse durchgeführt. Die seitherigen Eisengeländer an der Metzgerei Graf wurden durch Zementpoteste ersetzt.
Georgshausen. In der Gastwirtschaft „Zur Rose“ hielten die Heimatvertriebenen eine Versammlung ab. — Von der Hirschapotheke, Ober-Ramstadt, wurde am Schulhaus ein Briefkasten angebracht, um in Zukunft Bestellungen ins Haus zu liefern. (We)
Zeilhard. Der Ortsverein des Roten Kreuzes führte im Saal von Heinz eine Filmvorführung durch. Der Reinerlös soll zur Anschaffung von Geräten Verwendung finden. (We)
Groß-Zimmern. Recht wählerisch waren die Diebe, die bei einem hiesigen Zimmermann aus fünf beieinander abgestellten Fahrrädern ein fast neues Herrenrad, Marke „Panther“, im Werte von 150 DM stahlen. (RG)
ERBACH
Erbach. Heute abend findet um 20.30 Uhr in der amerikanischen Lesehalle hinter dem Landratsamt ein interessanter Ausspracheabend mit mehreren ausländischen Mitgliedern des gegenwärtig in Höchst stattfindenden Freizeitlagers der Ökumene statt. Junge Menschen aus Amerika, England, Hawai, Jamaika, Frankreich und Holland werden plaudern, singen pnd musizieren. -ch-
Erbach. Die Münchener Lustspielbühne kommt zu einem einmaligen Gastspiel mit Ralf Benatzkys volksümlicher Revueoperette „Im weißen Rössel“ am Donnerstag, dem 17. August, 20.30 Uhr, in die Städtische Festhalle. (-ch)
Sandbach. Am Sonntag fand auf der Gartenterrasse „Zur schönen Aussicht“ ein Konzert des „Spielkreises Mümlingtal“ unter Leitung von Musiklehrer Friedrich statt. (hm)
Unter-Ostern. Nach der Omnibuslinie Hammelbach, Oster- und Gersprenztal, Rüsselsheim (nur für Opelarbeiter), hat Herr Johann Georg Schmidt jetzt auch zwischen dem Modautal und Rüsselsheim einen Bus für die Opelarbeiter laufen. — Der Gesangverein „Liederkranz“ begibt sich kommenden Sonntag per Omnibus mit allen Mitgliedern zum Kreisliedertag des DAS, Kreisgruppe Gersprenz in Ober-Klingen. (ptoo.)
Ober-Ostern. Der ordentliche Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 13 088,— DM ab. — Der Gesangverein „Sängerlust“ begibt sich am kommenden Sonntag per Omnibus mit allen Mitgliedern zum Kreisliedertag des DAS, Kreisgruppe Gersprenz, in Ober-Klingen. (ptoo.)
Hiltersklingen. Am kommenden Sonntag feiert die Gemeinde ihr diesjähriges Kirchweihfest. In den Sälen Arras und Thomasberger ist Tanz. (ptoo.)
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Die Generalvertretung der Tempo-Werke, Heidfeld u. Lipp, Mainz-Kastel, und die Groß-Gerauer Lieferfirma Rauch & Co. hatten kürzlich auf dem Marktplatz eine Reihe der neuesten Tempo-Wagen auf gestellt. (-od-)
Groß-Gerau. Im Hauptbau des Landratsamtes werden zur Zeit noch zwei Untersuchungszimmer für das Kreisgesundheitsamt hergerichtet. Die Räume standen vorher dem Emährungsamt B zur Verfügung. (-od-) Nauheim. Der Verband der Körperbeschädigten hielt eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab, bei der versorgungsrechtliche Fragen behandelt wurden. (-au-)
Büttelborn. Auf dem Standesamt wurden im vergangenen Monat 7 Geburten, 5 Eheschließungen und 3 Sterbefälle registriert. (Kb)
Walldorf. Die Jungen der evgl. Gemeindejugend von Walldorf und Mörfelden haben ihre Ferien mit einer Fahrt in das Sommerzeltlager Lochmühle im Spessart herrlich verlebt. (Kb)
Mörfelden. Die Firma Holzmann in Frankfurt/Main arbeitet zur Zeit mit zwei amerikanischen Räumgeräten auf den drei neuen Sportplätzen. Es wird angenommen, daß das Sportfeld noch bis zu den kommenden Fuß- und Handballverbandsrunden in Betrieb genommen werden kann. (-au-)
Worfelden. In dem Fluchtlinienplan der Gemeinde war vorgesehen, die Ortsausfahrt nach Darmstadt auf 12 Meter zu verbreitern. Der Gemeinderat stellte sich jedoch in seiner letzten Sitzung auf den Standpunkt, daß die Entschädigung der Vorgartenbesitzer zu teuer käme. (eng)
Gernsheim. Während der diesjährige Theaterabend des Liederkranzes auf den 4. und 5. November festgesetzt wurde, ist auf allgemeinen Wunsch das Katharinenfest mit dem traditionellen Katharinenball auf den 25. November (Katharinentag) anberaumt. (pej
Raunheim. Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt für Bauzwecke 92 000 qm Baugelände zum Preis von 1,— DM/qm an der Forsthausstraße vom hessischen Staat käuflich zu erwerben. (Kb)
Raunheim. In das Vereinsregister beim Amtsgericht Groß-Gerau wurde am 4. 8. unter V. R. 121 die „Sport- und Sänger-Vei™n-i®ung Raunheim“ (Sitz Raunheim a. Mam), eingetragen. (-od-)
Gründung des Verbao st-Kreisverbandes Dieburg
Artikel 131 der Bundesverfassung in der Debatte
Ditb^^v der Kreisverband Ansestpllfpn deib-a.ffdes der Beamten und ausTn Ä ler1er °ffent]ichen Verwaltung (Verband tgJ bfleten,und d™ Sudetenland Stndtincn , f’et’rundet- Kreisvorsitzender a- D' Graf> Darmstadt, hielt ein kurzes einleitendes Referat und daß der Verband sich die Aufgabe gestellt habe, die Rechte der vertriebenen Beamten zu vertreten und sie wieder in Arbeit zu bringen, damit sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten nutzbringend verwerten könnten.
Emen breiten Raum nahm die Behandlung des Entwurfs zu einem Gesetz gemäß Art 131 der Bundesverfassung ein, das die Forderungen der 80 000 Mitglieder des Verbandes nicht befriedige. Die Versammlung machte sich die Argumente des Verbaost zu dem Entwurf zu eigen in dem es u a. heißt, die Begründung des Entwurfs mache auch nicht den geringsten Versuch einer sachgemäßen Erörterung der Rechtslage. Der Hinweis auf die beschränkten Mittel des Bundes seien insofern abwegig, als er keinesfalls die ungleiche Behandlung der bisher entrechteten und der einheimischen Beamten rechtfertigen könne. Der Verband habe wiederholt Gleichberechtigung verlangt. Die entrechteten Beamten seien bereit, jede Kürzung hinzunehmen, die allgemein sei und alle Beamten gleichmäßig treffe.
Die Gleichstellung sei ein Gebot nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch der politischen Klugheit. Ihre Mißachtung würde eine gefährliche Stimmung und tiefbegründete Zweifel am Rechtsstaatcharakter des Bundes auslösen. Der Entwurf lasse jedes Wohlwollen für die schwergeprüften Personen des Art. 131 vermissen. In einer Reihe von Bestimmungen trete deutlich das Bestreben hervor, diese Personen im fiskalischen Interesse soweit wie irgend möglich zu benachteiligen und dabei auch vor Ungerechtigkeiten nicht zurückzuschrecken. Der Versuch weiterer Ausschaltung der Rechtssprechung (§ 77) zeige deutlich, daß die Bundesregierung die Klärung der Rechtslage durch die Gerichte scheue.
In den Vorstand des Kreisverbandes wurden gewählt: Fritz Damm, Altheim (1. Vorsitzender), Ernst Kröhn, Fränkisch-Crumbach (stellv. Vorsitzender und Kassierer) Oskar Hed ke , Dieburg (Schriftführer). (RG)
Im Geiste der Kameradschaft
Pädagogen berichten aus ihrer Arbeit
Der 2. Tag des Internationalen Pädagogen-Kongresses brachte Mitteilungen über den pädagogischen Fortschritt in den verschiedenen nationalen Gruppen. Tagungsleiter war Dr. Ruppert Best, Australien. Er stellte die einzelnen Bemühungen unter die gemeinsame Hoffnung, daß die Kameradschaft im Laufe der Zeit eine Sprache schaffen möchte, in der sich alle — vom gleichen Geist beseelt — verständigen könnten. Ueber die Entwicklung der NEF (New Education Fellowship) sprach Mr. Wyatt Rawson vom Zentralbüro London. Einen geschichtlichen Ueberblick bietend, gedachte er verschiedener früherer Kongresse, deren letzter mit starker deutscher Beteiligung 1932 stattfand, während nach dem Kriege sich die außerdeutschen Gruppen zum ersten Male im Jahre 1946 in Australien trafen. Rawson bedauerte außerordentlich das Fehlen einer russischen Abordnung, gelte es doch — so führte er aus — nicht Staatsinteressen zu verhandeln, sondern den Geist der Freundschaft zu erhalten und zu pflegen.
Anschließend gaben Thorwald B o e g - land, Dänemark, und Frau Professor Fas o 1 o von der Universität Florenz Berichte über den Fortschritt ihrer Arbeit, die die Freunde des Weltbundes für die Erneuerung der Erziehung überall zuerst in der freiheitlichen Entwicklung aller schöpferischen Kräfte im Menschen sehen.
Eleanor Day eröffnete die Tagung mit der Cello-Suite in C-dur von Johann Sebastian Bach und schuf mit ihrem eindringlichen Vortrag die rechte Atmosphäre ernster geistiger Bereitschaft. Kä
Eisenbahnerverein Dieburg
Der im Jahre 1904 gegründete Eisenbahnverein Dieburg und Umgegend wurde nach längerer Unterbrechung am Samstagabend wieder ins Leben gerufen. Der Verein, der früher eine nicht unbedeutende Rolle im gesellschaftlichen Leben der Stadt spielte, hat jetzt bereits wieder nahezu 200 Mitglieder. Er ist eine Berufsgemeinschaft, innerhalb der vor allem die Geselligkeit gepflegt werden soll. Abweichend von der einstigen und jahrzehntelangen Gepflogenheit — stets lag das Amt des Vorsitzenden in den Händen des Dieburger Bahnhofvorstehers — mußte der Vorstand diesmal anders zusammengesetzt werden. Den Vorsitz übernahm Bundesbahnsekretär Jakob Vogel (Dieburg), Stellvertreter wurde Bundesbahninspektor Walter (Dieburg), Schriftführer Betriebs wart Josef Hackenberg, Kassierer Anton Rückert (alle Dieburg). Außerdem wurden’ noch sieben Beisitzer und sieben Vertrauensleute gewählt. (RG)
Was aǔch interessiert:
Unter der Bezeichnung „Umstädter Woche“ findet vom 23. September bis 1. Oktober in Groß-Umstadt, Kreis Dieburg, der bekannte Umstädter Pferde- und Zuchtviehmarkt, verbunden mit dem „Odenwälder Winzerfest“, einer ERP-Ausstellung und einer „Odenwälder Verkaufs- und Werbemesse“ statt. (DT)
Über „Die Lebensangst und ihre Über¬ windung“ wird in Vortragsabenden E. Neff (Ober-Mossau) im Laufe dieser Woche in Waldmichelbach, Vöckelsbach, Siedelsbrunn, Kreidach, Ober-Mengelbach und Ober-Schönmattenwag sprechen. (-r-)
Ueber 500 Sänger von insgesamt siebzehn Vereinen haben zum diesjährigen Kreisliedertag der Kreisgruppe Gersprenz, der am 20. August in O b erklingen im Volkshaus stattfinden soll, ihr Erscheinen zugesagt. DT)
Einen namhaften Geldbetrag zeichneten die Mitglieder des Gesangvereins „Frohsinn“ für ihren durch das Großfeuer in Königstädten schwer geschädigten Sangesbruder. (au)
Durch eine Oeffnung im Heuboden fiel beim Spielen die Tochter des Bäckermeister Sch., Groß-Bieberau, und brach einen Arm. Die Verletzte mußte in ein Krankenhaus eingeliefert werden. (GD)
Ein siebenjähriger Junge sprang plötz¬ lich über die Fahrbahn der Heidelberger Straße in Bensheim und lief in einen in Richtung Auerbach fahrenden DKW. Nur der Geistesgegenwart des Fahrers war es zu verdanken, daß das Schlimmste verhütet wurde. Trotzdem mußte der Junge mit erheblichen Verletzungen ins Bensheimer Hospital eingeliefert werden. (DT)
Beim Ueberholen eines mit zwei Personen besetzten Motorrades auf der Bundesstraße 47 bei Eulbach platzte einem Beiwagenrad ein Reifen. Dadurch ins Schleudern geraten, streifte die Maschine das Solokrad, so daß Fahrer und Soziusfahrerin zu Boden geschleudert und verletzt wurden. Beide Maschinen wurden stark beschädigt. (-ch-)
Auf einer amerikanischen Jacht, die zur Zeit in Gernsheim liegt, lud der Resident Officier Groß-Gerau die Bürgermeister des Kreises zu einer Rheinfahrt ein. -eng-
Mit 65 Sängern konnte der Männergesangverein Altheim die stärkste Besetzung bei einem Wertungssingen in Babenhausen anläßlich des IlOjährigen Jubiläums des Volkschors Sängerbund aufweisen. Er beteiligte sich bei einer Konkurrenz von zwölf Chören mit gutem Erfolg. -se)
Eine Silbermünze mit Bildnis und Wappen der Königin Elisabeth von England (1558—1603) wurde dieser Tage bei Grabarbeiten im Garten der Prälatur im Seligenstädter Klosterhof gefunden. Die Münze ist im Kaiserzimmer der Prälatur ausgestellt. (gi)
Schnlhaus-Nenban schreitet fort
Groß-Zimmerns Gemeinderat zur Behebung der Wohn- und Schulraumnot fest entschlossen
Die Gemeinde Groß-Zimmern hat kürzlich den einzig möglichen Weg zur Behebung der Schulraumnot beschritten als ihr Gemeinderat beschloß, einen Schulhausneu- bzw. -erweiterungsbau durchzuführen. Er schritt auch alsbald zur Tat: der erste Bauabschnitt ist beendet, und der Sockel des neuen Schulhauses fertiggestellt. Auf seiner Sitzung am vergangenen Freitag wurden die Zimmerarbeiten vergeben, die Heizungs- und Warmwasseranlagen in die Planung und Vergebung aufgenommen. Sämtliche Aufträge sollen nach Möglichkeit nur an einheimische Firmen und Handwerker vergeben werden.
Für die in der Kriegsbeschädigten-Siedlung im Ortsteil Schlackenhausen vorgesehenen fünf Wohnhäuser wurde die Baugenehmigung erteilt. Der Erweiterung des Sportplatzes über die Turnhalle hinaus steht der Gemeinderat durchaus bejahend gegenüber. Ueber die Abgabe eines entsprechenden Geländestreifens, wie ihn der Turnverein 1863 beantragt hat, soll jedoch erst nach einer gemeinsamen Ortsbesichtigung entschieden werden. (
Einer grundlegenden Klärung bedarf die Frage, ob das Gesetz über das Straßenwesen aus dem Jahre 1926, das bei Stra- Benerweiterung, wie sie zur Zeit zwischen Groß-Zimmern und Spachbrücken durchgeführt wird, kostenlose Abgabe des dazu benötigten Geländes an den (nicht mehr existierenden) Provinzialausschuß vorsieht, heute noch Anwendung finden kann. Das Straßenbauamt hat jedenfalls mit den Arbeiten begonnen, ehe dieses Problem neu gelöst wurde. In diesem Zusammenhang soll sowohl mit den zuständigen Stellen Fühlung genommen, als auch eine Eingabe an den Landtag gerichtet werden, um vor allem bei zukünftigen Fällen Klarheit zu haben.
Rektor Rolly hat mit Zustimmung des Gemeinderates wegen Arbeitsüberlastung sein Mandat niedergelegt. Vorbehaltlich der Genehmigung durch das Kreisschulamt und das Lehrerkollegium wurde gegen zwei Stimmen Lehrer Wetteric h zum Konrektor der Volksschule bestellt. — Zwei Anträge der KPD auf Stellungnahme gegen die Bewaffnung der deutschen Arbeitseinheiten und die Remilitarisierung Deutschlands, gegen die Herstellung von Atom- und Wasserstoffbomben wurden nach längerer, zum Teil heftiger Debatte zur Weiterleitung an die Vorstände der einzelnen Parteien gutgeheißen.
Gemeinde ohne Nöte
Bürgerversammlung in Erzbach
Bei der ersten Bürgerversammlung in der Gemeinde Erzbach, Kreis Erbach, waren Kreisamtmann Sattler und Herr Walther von der Militärregierung anwesend. Bürgermeister Neuroth wies nach seiner Begrüßung darauf hin, daß die Gemeinde keine besonderen Nöte habe. Da keine Tagesordnung vorlag, konnte Kreisamt.nann Sattler eine an ihn gerichtete Frage infolge mangelnder vorheriger Orientierungsmöglichkeit hinsichtlich eines Antrages der Gemeinde an das Landratsamt nicht beantworten. Dieser Fall trat leider auch schon bei anderen Gemeinden auf. Trotzdem schlossen sich heftige Debatten über allgemein interessierende Fragen — insbesondere des Flüchtlingsproblems — an. ptoo.
Schlechter Dank
Mit der Behauptung, ein Landsmann zu sein, konnte sich ein Mann aus Essen das Vertrauen des Groß-Gerauer Eisdielenbesitzers H. M. erschleichen. Er durfte mehrere Nächte im Geschäftslokal übernachten, vergalt jedoch dieses Entgegenkommen damit, daß er beim „Auszug“ einen Regenmantel, eine Badehose, Schokolade, Zigaretten und ca. 16 DM Wechselgeld aus der Kasse mitgehen ließ. Die Polizei erwischte ihn bereits nach kurzer Wegstrecke in der Darmstädter Straße. Die feste Unterkunft, die der als Einmietdieb einschlägig Vorbestrafte seit einem Monat im Umkreis suchte, wurde ihm durch die Einlieferung in das Darmstädter Untersuchungsgefängnis endlich gewährt, eng
Kreiskulturtagung in Jugenheim
Am Sonntag fand in Jugenheim eine Kreiskulturtagung der Heimatvertriebenen statt, bei der alle Gruppen das gemeinsame Zi_l, enge Zusammenarbeit mit den Einheimisch zwecks gemeinsamer kultureller Entwicklung und Pflege des Volkstums, behandelten. Die Cräfenhäuser Musikgrux pe unter Leitung von Lehrer Puchehögl spielte für die Kinder aus Jugenheim und Umgebung klassische und volkstümliche Musik. Die Gruppe besteht aus etwa 20 Kindern der Volksschule und leistet für ’ r Alter Überdurchschnittliches. Kreisjugendreferent Jäger und Pfarrer Dr. Z yk 1 a sprachen zu de-, versammelten Kindern und hoben hierbei hervor, das Spiel und Musik dazu beitragen würden, heimatvertriebene und einheimische Kinder besser zusammenfinden zu lassen. er.
17sjähriger auf Abwegen
Ein lOjähriges Mädchen, das am Montag gegen 18 Uhr in Groß-Bieberau seine von der Reise kommende Mutter abholen wollte, wurde von einem 17 jährigen Burschen angefallen, der das Kind zu vergewaltigen versuchte. Beim Einschreiten eines Bahnbeamten ließ der Unhold von dem Kind ab. Die Person des Täters konnte inzwischen festgestellt werden. GD
Der SPORT.
Die alte Davispokal-Herausforderungsrunde
Bergelin schlug die „Känguruhs“ / Ein Tennis-Rundblick
Allen Voraussagen zum Trotz hat sich der Europa - Davispokalsieger Schweden im Interzonen-Finale, das am Wochenende auf den Grasplätzen von Rye bei Neuyork gespielt wurde, hervorragend geschlagen und den hochfavorisierten Australiern nur einen knappen 3:2-Sieg überlassen. Die Sensation dieses dreitägigen Kampfes war der 25 Jahre alte schwedische Spitzenspieler Lennart Bergelin, der das Kunststück fertigbrachte, sowohl Australiens jungen Meister Frank Sedgman, der kürzlich mit dem Amerikaner Budge Patty im Wimbledon-Finale stand, als auch John Bromwich jeweils in fünf Sätzen zu schlagen und damit Australiens Gesamtsieg ernstlich gefährdete. Nur die Tatsache, daß es Torsten Johansson seinem Landsmann nicht gleichtun konnte (er verlor seine Einzelspiele jeweils in drei Sätzen) und Bergelin/Davidsson auch im Doppel scheiterten, ließ die „Känguruhs“ als Sieger vom Platz gehen. Von den beiden Fünfsatzkämpfen Bergelins war besonders der erste gegen Sedgman voller Dramatik. Regen hatte des Gras schlüpfrig gemacht und es gab Unterbrechungen. Um festen Boden unter die Füße zu kriegen, zog Sedgman schließlich „spikes“ an, während Bergelin die Schuhe auszog und barfuß spielte, alles Dinge, die sich unter ähnlichen Umständen schon öfters bei großen Tenniskämpfen ereigneten, aber auch diesmal für die Besucher eine amüsante Zugabe waren. Bergelin, um den es in den beiden letzten Jahren recht still geworden war (vor zwei Jahren überraschte er in Wimbledon mit einem Sieg über Amerikas Frankie Parker!), dürfte sich mit diesen Siegen über die australischen Weltklassespieler einen guten Platz in der Weltrangliste erkämpft haben.
Amerikas Gegner in der Herausforderungsrunde, die am letzten August-Wochenende auf den Grasplätzen von Forest-Hills gespielt wird, heißt also wieder Australien. Seit 1938 kämpfen Amerikaner und Australier um die Vorherrschaft im Welttennis. 1939 entführten die „Känguruhs“ den Davispokal, gleich nach dem Krieg holten ihn die Amerikaner zurück und schlugen bisher alle Angriffe der Ueberseer ab. Vor dem Interzonen-Finale in Rye gab es nicht wenige, die den Australiern auch gegen USA beste Gewinnchancen einräumten, aber Bergelin hat •nun dafür gesorgt, daß die Lage etwas anders zu beurteilen ist. Gewiß, es is möglich, daß die Australier gegen Schweden allzu siegessicher waren und daß sie in Forest-Hills ganz anders „hinhalten , aber auf amerikanischer Seite wird man sich mit einiger Berechtigung sagen, daß die Schröder, Patty, Seixas und Larsen nicht schlechter (im Gegenteil-) als
gelin sind und damit ihre Hoffnungen auf eine erfolgreiche Verteidigung der begehrten Trophäe durchaus auf realem Boden stehen. Zumal zur Freude der Amerikaner auch wieder Ted Schröder, der im Frühsommer kaum spielte und auch seinen Wimbledon - Titel nicht verteidigte, wahrscheinlich gerade zu rechter Zeit in Form sein wird. Sein Turniersieg in Newport gegen Mulloy und Larsen, dem einige Niederlagen auf kleineren Turnieren vorausgingen, läßt diesen Schluß zu, und ein USA - Team mit einem in Bestform spielenden Schröder wird, zumal in vertrauter" Umgebung, kaum zu schlagen sein.
Stuttgart ist eine der sportfreudigsten deutschen Städte. Man schmiedet bei den tüchtigen Schwaben nicht nur große Pläne, sondern setzt sie auch in die Tat um, selbst wenn viel Geld auf dem Spiel steht und die Sache nicht billig ist. So wird Stuttgart am Wochenende den in Hamburg zum deutschen Tennismeister gekürten Wahl-Aegypter Jaroslaw Drobny spielen sehen, und mit ihm kommen Deutschlands Spitzenspieler Gottfried von Cramm und der Australier Bill Sidwell.
Köln ist am Wochenende, wie schon im Vorjahr, der Schauplatz der deutschen Junioren-Tennismeisterschaften. Der Nachwuchs soll hier unter den kritischen Augen der DTB-Verantwortlichen Zeugnis davon ablegen, was er in verschiedenen Kursen, denen Tennislehrer Pohmann vorstand, gelernt hat. Einer der Favoriten für die Jungen-Meisterschaft ist der Münchner’ Pöttinger, der Sohn des früheren Fußball-Internationalen. Im Vorjahr scheiterte er im Finale an dem Bielefelder Gies, der inzwischen dem Jugendalter entwachsen ist. Th. B.
Bewegte vierte Etappe
Lange Jagden bei der Deutschlandfahrt
G. Gießen. (Eigener Bericht.) Im Gegensatz zu der „Tour de France“ und allen anderen internationalen Radrundfahrten wird bei der Deutschlandfahrt jeweils erst in den späteren Vormittagsstunden zu den einzelnen Etappen gestartet. Damit buchen die Veranstalter zwar den Gewinn, daß die größeren Städte in den lebhaften Tagesstunden durchfahren werden, wenn aber erst am Abend das Ziel erreicht wird, ergibt sich der Nachteil, daß ein erheblicher Teil der über das ganze Bundesgebiet verbreiteten größeren Tageszeitungen nur kurz über die Tagesetappe berichten kann.
Am Dienstagmorgen wurde in Aachen die Fahrt nach dem 277 Kilometer entfernten Tagesziel Gießen erst um 9.15 Uhr aufgenommen. Zehntausende standen bei der Abfahrt des Feldes in den Straßen der alten Kaiserstadt, die gleiche Anteilnahme schenkte man dem Rennen aber auch in Köln, Bonn und in Gießen. In den Grenzgebieten fiel das starke Interesse der holländischen und belgischen Radsportfreunde auf. Als der Nürnberger Mathias Pfannemüller auf der Strecke im „weißen Trikot“ des Spitzenreiters im Gesamtklassement zu sehen war, erklärte der belgische Journalist Fernand Juvignet: „Dieser Mann wird die Deutschlandfahrt gewinnen, ich habe sein Können bei der Schweizer Rundfahrt schätzen gelernt. Er ist vor allem auch ein ausgezeichneter Bergfahrer.“
Der Verlauf des Rennens auf dieser vierten Etappe war sehr bewegt. Schon hinter Eschweiler (20 km) rückten Schild (München), Müller (Schwenningen) und Bautz (Dortmund) ab. Es entwickelte sich eine hartnäckig betriebene Verfolgung, bei der sich zwei weitere Gruppen vom Feld absonderten, und zwar Holthöfer (Biele-
feld), Sauerborn (Bonn), Keteleer (Belgien) und Steinhilp (Stuttgart) in der einen, sowie die Belgier Gyselinckx und Peters in der anderen. Eine achtköpfige Spitzengruppe, in der sich auch Bautz befand, nicht aber Pfannemüller, erreichte Köln (75 km) mit einer Viertelstunde Vorsprung vor dem unverständlich stark bummelnden Hauptfeld.
Etappensieger wurde der Belgier Gyselinckx in 8:24,03 Stunden, mit zwei Minuten vor Erich Bautz und Schild, der jetzt das „Weiße Trikot“ trägt. z
Abermals Fangio
Pescara. (AP.) Der Argentinier Juan Manuel Fangio hat am Dienstag den großen Preis von Pescara auf Alfa Romeo gewonnen und damit bei elf Starts in diesjährigen internationalen Autorennen in Europa siebenmal gesiegt. Louis Rosier (Frankreich) auf Talbot belegte den zweiten Platz vor dem Stallgefährten Fangios, dem Italiener Luigi Fagioli. Fangios Zeit für die 412,8 Kilometer lange Strecke betrug 3:02:5 Stunden.
Training auf dem Nürburgring
Adenau. (AP.) Als erste Frau, die an einem Nürburgringrennen teilnimmt, ist am Montag die Französin Ivonne Simon eingetroffen, die am kommenden Sonntag einen Zwei-Liter-Ferrari fahren will. Der größte Teil der deutschen Fahrer traf am Dienstag ein, nachdem sie am Sonntag am Solituderennen bei Stuttgart teilgenommen hatten. Der erste deutsche Teilnehmer, Walter Hennig aus Essen auf AFM, ist bereits am Montag angekommen. Nach der Ankunft der Italiener am Mittwoch wird das Training auf vollen Touren laufen.
Roßdorfer Basketballer in guter Form
Von den 4 vorgesehenen Spielen der Roßdorfer Basketballer auf ihrer Wettspielfahrt durch Baden kamen nur 3 zum Austrag, da der Ski-Club Karlsruhe nicht in der Lage war, eine Mannschaft zu stellen. Mit 2 Siegen, denen eine Niederlage gegenüberstand, hat sich Roßdorf recht beachtlich geschlagen und darf mit seinem Abschneiden zufrieden sein.
Den Auftakt bildete ein Spiel mit dem 2. Deutschen Meister TB Heidelberg am Freitag. In dieser Begegnung mußte Roßdorf eine 22:44- (13:26-) Niederlage einstecken, denn gegen die körperlich und spielerisch überlegenen Heidelberger war nichts auszurichten.
Zweiter Gegner der Roßdorfer war am Samstag der BC Karlsruhe, eine sehr schnelle Mannschaft, die jedoch gegen die in guter Form spielenden Gäste den kürzeren zog. Eine knappe Karlsruher Führung konnte ausgeglichen werden, und bei Halbzeit hatte sich Roßdorf schon einen klaren 28:18-Vorsprung gesichert. Wenn auch nach dem Seitenwechsel die Gastgeber etwas aufkamen, war doch der sichere Enderfolg der Roßdorfer mit 50:35 Körben nicht zu gefährden.
Abschließend traf Roßdorfs Mannschaft am Montag auf den BC Heidelberg und kam nach einer 10:0-Führung der Einheimischen noch zu einem 42:38- (21:14-) Sieg. Roßdorf kam wieder einmal sehr langsam ins Spiel. Als sich die Mannschaft aber gefunden hatte, war der Vorsprung des BCH schnell aufgeholt und die Halbzeitführung hergestellt. Gegen Spielende mußte sich die abgekämpfte Gastmannschaft jedoch gewaltig strecken, um die stark drängenden Heidelberger abzufangen.
Roßdorfs Mannschaft, die ihre Fahrten nach Heidelberg und Karlsruhe mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte, bestand aus folgenden Spielern: Buchberger, Emig, Zimmermann, Ihrig, Petry, Volksdorff, Müller. -er-
Heinz Wesp 60 Jahre alt
Der verdiente Fußball-Pionier Heinz Wesp, einer der maßgebenden Mitarbeiter bei der Fußballabteilung der SG Arheilgen, feiert heute seinen 60. Geburtstag. Schon früh verschrieb er sich dem Fußballsport. Bereits mit 14 Jahren gehörte er der 1. Mannschaft Olympia Arheilgen an. Während seiner 16jährigen aktiven Tätigkeit als Fußballer und Leichtathlet wirkte er oft repräsentativ für Gau Mitt .elrhein. Im J,ahre 1927 wurde er in den Vorstand des Süddeutschen Fußballverbandes berufen. Im Jahre 1940 war er Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses upd war stets eine geachtete und bekannte Persönlichkeit. Zeitweise betätigte er sich auch als Gausportwart. Diese Zeit verbrachte er in Frankfurt am Main und wirkte dort in den Reihen der „Eintracht“. Seit 1948 steht er nun wieder im Dienste seines Stammvereins SG Arheilgen. Als eines der ältesten Ehrenmitglieder ist er nicht zuletzt wesentlich an den Erfolgen und dem Aufblühen der SG Arheilgen und besonders der Fußballabteilung beteiligt. Auch jetzt wieder ist sein ganzes Streben, das seine Mannschaft in der 2. Division gut abschneidet. Eine gewaltige Arbeit und Verantwortung ruht auf seinen Schultern. Wir wünschen ihm zu seinem 60. Geburtstag alles Gute und hoffen, daß er der SG Arheilgen als treuer Mitarbeiter noch lange Jahre erhalten bleibt. W.D.
Oberzent besser als Unterzent
Das vor allem in der Unterzent seit langem erwartete Aufeinandertreffen zweier Fußball - Auswahlmannschaften von Ober- und Unterzent, das am Sonntagnachmittag in Höchst stattfand, endete nach einem außerordentlich flotten Spiel mit einem 3:1-Erfolg für die Oberzent. Gleich vom Angriff an konnte die Unterzent den Ton angeben. Schon nach wenigen Minuten war Schimpf (Rimhorn) durchgebrochen, doch die fällige Ecke wurde von Heusel (Neustadt) über die Latte geköpft. Inzwischen hatte sich aber auch die Oberzent gefunden und in der 18. Minute durch Erl (Michelstadt) den 1. Treffer untergebracht. Die Unterzent-Spieler zeigten weiterhin großen Eifer, doch der Ausgleich glückte erst nach dem Wechsel. Gebauer (Günterfürst) und Erl (Michelstadt) erhöhten daraufhin innerhalb weniger Minuten auf 1:3 für die Oberzent.
Im Auswahlspiel der B-Mannschaften zeigten die Vertreter der Oberzent durchweg einen zweckmäßigeren Fußball, dem sie auch ihren 7:3-Sieg verdankten. Nach einem 3:3-Halbzeitstand schossen Rüg (Hetzbach) mit zwei, Rexroth und Hofmann (Sensbach) mit je einem Treffer die restlichen Tore. Während bei der Oberzent Torhüter Schäfer (Sensbach) und der Innensturm überragten, gefiel bei der Unterzent vor allem Haschert (Mümling Grumbach).
Die Handballelf des VfL Michelstadt unterlag bei einem Freundschaftsspiel in Höchst mit 12:10 Toren. *
Das für kommenden Samstag vorgesehene Spiel der Erbacher Fußballer gegen die Reserve der Offenbacher Kickers ist auf Wunsch der Offenbacher verlegt worden. Der KSG Erbach ist es jedoch bereits gelungen, eine Sondermannschaft des VfR Mannheim zu einem Freundschaftsspiel im Erbacher Sportpark zu verpflichten. _ppi
Auf dem Sportplatz in Georgenhausen standen sich die Mannschaften der Amtsgerichte Dieburg und Reinheim in einem Freundschaftsspiel gegenüber, das die Dieburger mit 3:2 gewinnen konnten.
Unser Tip
für den Hessen-Toto
1. SV Darmstadt—VfR Mannheim 0 (1) 2. FC Singen—Kickers Offenbach 2 (2) 3. Waldhof Mannh.—Vfß Stuttgart 1 (0) 4. VfL Neckarau—l. FC Nürnberg 2(0) 5. Vfß Mühlburg—FSV Frankfurt 1 (1) 6. BC Augsburg—Bayern München 1 (0) 7. SV Wiesbaden—l. FC Bamberg 0(1) 8. Kick. Stuttgart—KSV Hess. Kass. 1 (1) 9. 1. FC Pforzheim—Wack. München 1 (1) 10. SpVgg Fürth—Schweinfurth 05 1 (1) 11. Eintr. Frankft.—FSV Reutlingen 1(1) 12. Vikt.Aschaffenburg—Bayern Hof 0(1) 13. München 1860—Schwaben Augsb. 1(1) 14. TSV Straubing—SG Arheilgen 1 (0)
Toto macht Schwierigkeiten
Die Terminlisten bleiben gesperrt
Be. Stuttgart. (Eigener Bericht.) Obwohl der ' württemberg-badische Fußballtoto und der Süddeutsche Fußballverband eine grundsätzliche Einigung erzielt haben, werden die Terminlisten der ersten und zweiten Liga vom Süddeutschen Fußballverband weiterhin allgemein zurückgehalten. Wie wir erfuhren, wollen die Totogesellschaften gewisse Klauseln in den bereits abgesprochenen Vertrag einbauen, die als sogenannte Rückversicherung dienen sollen, zum Beispiel bei Spielausfällen, Spielabbrüchen usw. Wenn sich der Aufsichtsrat nicht entschließt, den Vertrag fristgemäß zu unterzeichnen, wird der Süddeutsche Fußballverband keine Terminlisten mehr herausgeben, was die einstweilige Ausschaltung des Tipwettbewerbs zur Folge hätte. Die Vereine werden dann durch Rundschreiben von Sonntag zu Sonntag über die jeweiligen Spielansetzungen benachrichtigt.
Zum 5. Male Großzimmern
Es scheint, als ob seit 1946 Vorwärts Groß-Zimmern den Titel eines hessischen Jugendmannschaftsmeisters im Ringen gepachtet hätte. Nachdem die Eckenheimer 6:2 über Waldaschaff triumphiert hatten, während Groß-Zimmern gegen die Spessartleute nur eine 4:4 erreichte, gab man dem Gastgeber größere Chancen. Zwar siegte im Fliegengewicht der großartige Aßmuth aus Eckenheim, doch dann brachten drei Hammerlocks Groß-Zimmern in Front. Durch Klotzbach und einen kampflosen Mittelgewichtspunkt konnten die Gastgeber noch einmal egalisieren, aber zwei Schultersiege in den letzten Klassen brachten den „Buben aus Zimmern“ den Sieg. Groß-Zimmerns Mannschaft hatte folgende Aufstellung: Herbert, G. Pächter, Pulmann, Hans Prächter, Beitzel, Göbel und Haß. -gi-
30 Jahre Heubacher Sportverein
Unter dem jetzigen Bürgermeister Volland wurde 1920 der Arbeiter-Turn- und Sportverein gegründet. Am 12. und 13. August feiert der Verein sein Jubiläum. Mit einem Fackejzug der Jugend und einem Kommers begannen am Samstagabend die Festlichkeiten. Am Sonntag bewegte sich ein großer Festzug durch die geschmückten Straßen zum Sportplatz. Bürgermeister Volland und der erste Vorsitzende Steinke begrüßten die zu einem Fußballturnier erschienenen Vereine. Als Turniersieger konnte der Fußballverein Eppertshausen hervorgehen. Ein großes Sommernachtsfest mit Tombola bildete den Abschluß. (hm)
Erklärung der KSG Erbach
Die KSG Erbach, Abt. Fußball, hat mit Bedauern von der Veröffentlichung des Antrages der CDU-Gemeinderatsfraktion Erbach in Presse und Rundfunk Kenntnis genommen, den diese zum Oberligaspiel zwischen VfR Mannheim—Kickers Offenbach gestellt hat.
Ohne der endgültigen Entscheidung des Erbacher Gemeinderates vorgreifen zu wollen, erklärt die KSG Erbach, Abt. Fußball, einstimmig, daß sie sich von dem unsachlichen Inhalt dieses Antrages entschieden distanziert.
KSG Erbach, Abt. Fußball
Abnahme des Bundessportabaeidiens
Leichtathletik: Mittwoch, den 16. 8., um 18 Uhr auf der Woogswiese. Schwimmen: Freitag, den 18. 8., um 18 Uhr im Woog.
Folgende Bewerber können am Mittwoch ihr Abzeichen in Empfang nehmen: L. Schweisgut, Dr. Erdmann, G. Hauck, O. Röhm, R. Unger, K. Fröhlich.
Die Fahrer der Deutschlandrundfahrt werden am Donnerstag, dem 17. August, zwischen 11 und 12 Uhr in Darmstadt erwartet. Die Durchfahrt durch Darmstadt ist wie folgt: von Arheilgen kommend, Frankfurter Straße, Taunusring, Kasinostraße über die Rheinstraße, Neckarstraße, Heidelberger Straße weiter nach Eberstadt.
•Nach dem 2:1-Sieg von Lampertheim gegen Griesheim und dem 4:1-Erfolg von Bad Homburg hat die Schlußtabelle der Aufstiegsspiele, Gruppe Süd, folgenden Endstand:
Die Darmstädter Turn- und Sportge¬ meinde 1846 führt am Sonntag, den 20. August eine Tageswanderung über den Frankenstein nach Jugenheim durch. Marschzeit 5 Stunden. Abmarsch 7.30 Uhr vom Böllenfalltor. Freunde des Wanderns und Gäste herzlich willkommen.
Von 187 Teilnehmern beim Alterstreffen der deutschen Turner in Heidelberg am vergangenen Sonntag errang Josef Rembsbecher vom Turnverein Dieburg mit 85 Punkten in seiner Jahrgangsklasse 1890—1895 den 1. Preis.
Beim Fußball-Turnier in Klein-Zimmern konnten die Veranstalter nicht den Sieg für sich buchen. Roßdorf stand an erster Stelle in der Siegerliste und konnte somit den gestifteten Fußball nach Hause tragen.
| 1. Homburg | 6 | 3 | 2 | 1 | 16:12 | 8:4 |
| 2. Rüsselsheim | 6 | 3 | 0 | 3 | 14:8 | 6:6 |
| 3. Lampertheim | 6 | 2 | 2 | 2 | 10:14 | 6:6 |
| 4. Griesheim | 6 | 2 | 0 | 4 | 8:14 | 4:8 |
Danksagung Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, Frau Babette Wettlauffer geb. Best sagen wir hiermit allen unseren herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Sensfelder und Frau Else geb. Wettlauffer Else Wettläufer geb. Bender Groß-Gerau, den 8. August 1950
Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, Frau Katharine Kissel geb. Grünig sagen wir hiermit unseren tiefempfundenen Dank. Besonders danken wir Herrn Pfarrer Strack für die trostreichen Worte am Grabe und den Schulkameradinnen und -kameraden für den Nachruf und die Kranzspende. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Kissel 1., Landwirt Pfungstadt, 11. August 1950 Niedergasse 7
Bestattungen am Mittwoch, dem 16. August 1950 Beerdigungen: Arheilger Friedhof 10.00 Anthes, Margarete, Margarethenstr. 10, 76 Jahre Waldfriedhof 15.15 Becker, Wilhelm, Pfarrer, Ernsthofen Feuerbestattung: 11.15 Mittermüller, Margarete, Gevinusstr. 70, 60 Jahre Darmstadt-Eberstadt 14.00 Lesch, Ottilie, Pfungstädter Straße, 67 Jahre 14.45 Behr, Willi, Metzgermeister, Oberstr. 32, 63 Jahre
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Die Stelle des Leiters der Werkkunstschule Darmstadt ist bis zum Spätherbst dieses Jahres zu besetzen. Die Schule bildet aus in Innenarchitektur Bildhauerei, Keramik, Graphik, Schrift und Nebenfächer; weiterer Ausbau vorgesehen. Die Vergütung beträgt 800 DM brutto monatlich. Die Vereinbarung eines Probedienst¬ jahres bleibt Vorbehalten. Bewerber mit entsprechender Vorbil¬ dung, künstlerischer und organisatorischer Befähigung und Er¬ fahrung werden gebeten, ihre Bewerbungspapiere (handgeschrie¬ bener Lebenslauf, Lichtbild, Darstellung des Ausbildungsganges, Beschäftigungsnachweis, Spruchkammerentscheid, Prüfungs- und Dienstzeitzeugnisse) bis zum 10. 9. 1950 an das Städtische Haupt¬ verwaltungsamt, Darmstadt, Lagerhausstraße 1, zu senden. Bevorzugt werden Architekten mit entsprechender künstlerischer und organisatorischer Befähigung. Der Magistrat der Stadt Darmstadt Bei dem Garten= und Friedhofsamt ist die Stelle eines Gartenbautechnikers, Fachprüfung Gartengestaltung, zu besetzen. Probezeit 6 Monate. Vergütung nach Gruppe VII TO. A. Aufstiegs¬ möglichkeit nach VI b TO. A gegeben. Die Bewerbungen (hand¬ geschriebener Lebenslauf, beglaubigte Zeugnisabschriften, Spruch¬ kammerentscheid und Lichtbild) sind bis spätestens 20. 9. 1950 an das Städtische Hauptverwaltungsamt, Darmstadt, Lagerhaus¬ straße 1, einzureichen. Der Magistrat der Stadt Darmstadt Oeffentliche Ausschreibung der Putzarbeiten für das Hauptgebäude — Neuer Westflügel — der Techn. Hochschule, Darmstadt, Hochschulstraße. Angebote, solange Vorrat, ab Mittwoch, dem 16. August 1950, beim Staatlichen Hochschulbauamt, Darmstadt, ZintLlnstitut, Hochschulstraße. Einreichungstermin: Montag, 28. August 1950, vorm. 10 Uhr, bei der ausschreibenden Stelle. Staatliches Hochschulbauamt, Darmstadt Oeffentliche Ausschreibung der Schreinerarbeiten (Gesamtinnenausbau) für das staatl. Wohn¬ haus Feldbergstraße 17, Darmstadt. Angebote, solange Vorrat, ab sofort bei der ausschreibenden und zuschlagerteilenden Stelle: Staatsbauamt Darmstadt, Alicenstraße 25. Einreichungstermin: Mittwoch, 23. August 1950, 9.15 Uhr, bei gleichem Amt. Die Zuschlagsfrist beträgt vier Wochen. Einsicht in , '^“H^r'agen in der Zweigstelle des Staatsbauamtes Darm¬ stadt, Rheinstraße 102. Staatsbauamt Darmstadt Versteigerung ™~er»tag’ Aen 17‘ AWist 1950, 10.00 Uhr, versteigere ich gegen Barzahlung: Ausgleichwerkzeuge, Abrüstgeräte u. a. m. Zusammenkunft der Bieter: Ecke Wilhelm- und Heidelberger Str. Anschließend: Ecke Grafen- und Mackensenstraße: 1 Autogen- Schweißapparat und 1 Blechschneider. Böhm, Gerichtsvollzieher Versteigerung " Ich werde versteigern: Am 17. August, 10 Uhr. Pfandkammer Amtsgericht: 1 Elektrische Warmwasserheizung (220 V 2500 W)’ achtflammige Zimmerkrone, Schneideschere, Standbohrmaschine Reiseschreibmaschine, Multavi-Meßgerät 11, elektr. Backhaube Lampentisch, Bronzekrone (steilig), Dielenlampe, fünfflammige Zimmerkrone, Büfettuhr, Polstersessel, Büfett, Kredenz, Schreib¬ tisch, Wohnzimmertisch, Kastengrammophon, Radio, Schreibtisch¬ lampe, 2 Plüschsessel. Hittermann, Gerichtsvollzieher (b)
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