England gegen Europa-Armee
Bewaffnung Deutschlands nur nach gemeinsamer Entscheidung der Alliierten
Drahtbericht unseres Korrespondenten
August. Britische politische Kreise sind der Ansicht, die Bildung einer europäischen Armee sei ein Rückschritt. ur Frage der deutschen Beteiligung an der Verteidigung Europas wird erklärt, daß jede Aenderung der Entmilitarisierungspolitik nur durch eine gemeinsame Entscheidung der Alliierten möglich sei.
In Kreisen der britischen Oberkommission in Frankfurt heißt es, daß England die Resolution im Europarat zur Schaffung einer europäischen Armee durchaus nicht als leere Geste, sondern als einen „wichtigen Glaubensakt“ betrachte, der die öffentliche Meinung mobilisieren und eine Atmosphäre schaffen könne, die für die gemeinsamen Verteidigungsmaßnahmen der einzelnen Regierungen von größtem Wert sein werde. Die Ziele der Resolution stimmten mit dem Ziele der Mitglieder des Atlantikpaktes weitgehend überein. Dieses Ziel sei sogar weitergesteckt als das einer europäischen Armee. Die Schaffung einer solchen Armee wäre daher ein Rückschritt gegenüber dem, was bereits praktisch in Angriff genommen werde.
Ob sich das Straßburger Konzept, wenn es in konkreter Form ausgearbeitet werden sollte, in das atlantische Konzept einfügen ließe, sei augenblicklich eine rein hypothetische Frage. Aber alles, was die militärische Sicherheit des Westens wirklich stärken könnte, werde zweifellos sorgfältig erwogen werden.
Zur Frage der Eingliederung Westdeutschlands in eine europäische Armee glaubt man, daß Verteidigungsminister Shinwell hierzu in seiner letzten Rede eine klare Stellungnahme gegeben habe. Er habe gesagt, daß jede Aenderung in der Entmilitarisierungspolitik nur durch eine gemeinsame Entscheidung der Alliierten möglich sei. Großbritannien gehöre nicht zur europäischen Gemeinschaft, sondern sei vor allem Mitglied des Commonwealth und der atlantischen Gemeinschaft. Wenn man es vor die Wahl stellte, Commonwealth und Atlantikgemeinschaft für Europa zu opfern, könnte es dieses Cpfer nicht bringen. Es müsse Bindeglied zwischen allen dreien sein. In dieser Hinsicht bestehe auch Uebereinstimmung zwischen Opposition und Regierung in London..
Man bedauere in britischen Kreisen, daß die britische Haltung auf dem Kontinent so oft als angebliches kühles Sich-Femhalten mißverstanden werde.
Blücher: Ernsthaft prüfen
Bonn, 14. August. (AP) Vizekanzler Blücher hat der Associated Press am Montag erklärt, der Vorschlag des britischen Oppositionsführers Churchill, eine westeuropäische Armee unter demokratischer Führung aufzustellen, müsse ernsthaft geprüft werden. Er sei davon überzeugt, daß Churchills Vorschlag nur dem Frieden diene. Die Armee solle lediglich das europäische Vakuum auffüllen und einen Wall gegen einen etwaigen Angriff von außen bilden.
Ob allerdings das deutsche Volk heute schon bereit sei, sich in seiner überwiegenden Mehrheit an der Aufstellung einer solchen Armee aktiv zu beteiligen, müsse dahingestellt bleiben.
Protestfahrt nach Bonn
Eine Ankündigung des Verkehrsgewerbes
F. A. Z. Frankfurt, 14. August. Nachdem die Kriegsbeschädigtenverbände angekündigt haben, nach den Parlamentsferien eine Massenprotestfahrt nach Bonn zu organisieren, heißt es nunmehr von der Zentralarbeitsgemeinschaft des Verkehrsgewerbes in Frankfurt, daß auch diese eine Proteststernfahrt nach Bonn plane. Fünf- bis sechstausend Fahrzeuge sollten die vorläufige Bundeshauptstadt' blockieren, falls das Bundeswirtschaftsministerium die Verordnung über die Erhöhung der Versicherungsprämien unterzeichnen sollte. Eine Forderung des Verkehrsgewerbes, die Ent- Scheidung dem Bundestag zu überlassen, soll vom Bundeswirtschaftsministerium abgelehnt worden sein.
Streiks in Holland
Den Haag, 14. August, (dpa) In Rotterdam und Amsterdam sind am Montag Teilstreiks ausgebrochen. In Rotterdam wurde von den Hafenarbeitern ein Streik für eine zehnprozentige Lohnerhöhung ausgerufen. Der Streik wird jedoch von den großen Gewerkschaften nicht unterstützt. Der größte Teil der zeitweilig im Hafen Beschäftigten und einige wenige reguläre Hafenarbeiter sollen sich dem Streik angeschlossen haben. Die Schiffseigentümer weigerten sich, mit den Streikenden zu verhandeln, da der Streik von den Gewerkschaften nicht unterstützt wird.
In Amsterdam streikte ein Teil der Bauarbeiter, wodurch vor allem die Arbeiten an großen Bauvorhaben unterbrochen wurden. Der Streik, der angeblich von Kommunisten inszeniert worden sein soll, geht um eine fünfprozentige Lohnerhöhung. Ein Drittel der zwölftausend Bauarbeiter Amsterdams gehört einer kommunistischen Gewerkschaft an.
Die Kriegsbeschädigten lehnen ab
Kritik am Bundesversorgungsgesetz
F. A. Z. Frankfurt, 14. August. Der sozialpolitische Ausschuß des Bundes deutscher Kriegsbeschädigter und Hinterbliebener hat in Forchheim bei Nürnberg eine Konferenz abgehalten, auf der die Kriegsbeschädigten zu dem Regierungsentwurf des neuen Bundesversorgungsgesetzes Stellung genommen haben.
Der Bund der Kriegsbeschädigten wünscht an Stelle der rein deklamatorischen Erklärungen des Gesetzentwurfes zum Arbeits- und Berufsfürsorgerecht der Bieschädigten einen gesetzlidien Anspruch auf Unterbringung in einem Arbeitsplatz, der der Ausbildung, den Kenntnissen und Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der Beschädigten entspricht. Als Entschädigung für die erlittenen körperlichen Schäden erkennt der Bund der Kriegsbeschädigten nur die Form einer Grundrente an. Die Gewährung einer Ausgleichsrente, die nach dem Gesetzentwurf von der Hilfsbedürftigkeit der Beschädigten abhängen würde, stieß auf entschiedene Ablehnung. Der Arbeitswille der Kriegsbeschädigten würde dadurch erheblich beeinträchtigt.
Die im Gesetz vorgesehenen Renten für die dreißig und vierzig Prozent erwerbsbeschränkten Kriegsbeschädigten wurden als zu gering erachtet. In Anbetracht dessen, daß für viele andere Geschädigtengruppen eine großzügigere' Regelung durch den Bund geplant ist, halten die Kriegsbeschädigten an ihrer Auffassung fest, daß eine Summe von drei Milliarden jährlich nicht zur Behebung der Notlage der Kriegsopfer ausreiche.
Unterwasserbrücken der Nordkoreaner
Wechselvolle Kämpfe um die Brückenköpfe
Pusan, 14. August. (AP./dpa/Reuter.) Am Montag hat starker Regen die Kämpfe auf Korea erschwert. Die Sicht war für die Flugzeuge und die Panzerbesatzungen behindert, die Infanterie mußte sich durch den zähen Schlamm kämpfen und die Versorgungsfahrzeuge hatten es schwer, die auf geweichten Straßen zu. passieren.
Die amerikanischen Soldaten nennen Korea das Land der Hölle. Entweder müssen sie unter irrsinniger Hitze und furchtbarem Durst leiden, oder der Schlamm der Niederungen hält sie auf. Alle Truppen, die im Einsatz sind, fürchten besonders die Partisanen. Ueberall tauchen Banden auf, die hin und wieder von regulären Truppen begleitet sind, und überfallen die rückwärtigen Dienste und Artilleriestellungen.
„Falsche“ Neger
Die Nordkoreaner verfallen auf viele Tricks. Als die ersten Negertruppen im Einsatz waren, tauchten innerhalb weniger Stunden Nordkoreaner auf, die sich die Gesichter und die Hände schwarz angemalt hatten und bei den amerikanischen Truppen den Eindruck erwecken wollten, sie seien Negertruppen, die zur eigenen Division gehörten. Immer wieder gelingt es regulären nordkoreanischen Verbänden und Partisanen, mit den Flüchtlingsströmen in das amerikanische Gebiet einzusickern. Die neu eingetroffenen Truppen zeigten sich deshalb bei ihren ersten Einsätzen sehr nervös, und bei der ersten Marine-Division sowie bei den Einheiten des 5. amerikanischen Infanterie-Regiments gingen bei den Soldaten noch Stunden vor dem ersten Gefecht, im Hintergelände die Gewehre los. Auf dem ganzen Frontabschnitt entstand eine Schießerei, die alle ansteckte. Auf alles, was sich bewegte, wurde geschossen, weil man annahm, es könnten Partisanen sein.
Die Kämpfe am großen Naktong-Bogen und im Raum Taiku halten mit unverminderter Heftigkeit an. Den Amerikanern ist es gelungen, bei einzelnen Brückenköpfen den Feind zum Teil zurückzudrängen. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, daß in die Brückenköpfe immer mehr feindliche Kräfte hineinstießen. Die Nordkoreaner haben zum erstenmal in diesem Krieg Unterwasserbrücken gebaut. Die Fahrbahn dieser Brücken liegt dreißig bis neunzig Zentimeter unter Wasser und kann von Flugzeugen aus nicht erkannt werden. Die amerikanische taktische Luftwaffe bekämpfte vor allem die Bereitstellungsräume der fünf nordkoreanischen Divisionen, die im Raum Taiku voraussichtlich über den Nanktong gehen wollen.
Die Südkoreaner
Die amerikanische Führung vertraut wieder auf die südkoreanische Armee. Diese soll nach ihrem ersten Schock und ihrer fast vollständigen Zerschlagung sich wieder gesammelt haben. Amerikanische Offiziere glauben, daß die südkoreanische Truppe, die mit neuen amerikanischen Waffen ausgerüstet ist, und an ruhigen Frontabschnitten eine kurze Ausbildung erhalten hat, wieder als echter Verband eingesetzt werden könne. Die Amerikaner schätzen die Südkoreaner deswegen, weil diese körperlich leistungsfähiger sind und im Gebirgskrieg und in den Sumpfniederungen ähnliche Qualitäten entwickeln wie die Nordkoreaner.
Kronprinz Balduin, der älteste Sohn Leopolds 111., hat vor der belgischen Volksvertretung den Eid auf die Verfassung abgelegt. Der Prinz bleibt bis zum nächsten Jahr Regent in Belgien. Am 7. September 1951 wird er König
Bier wird billiger
F. A. Z. Frankfurt, 14. August. Wie wir erfahren, hat die alliierte Oberkommission das Gesetz über die Senkung der Biersteuer in der Bundesrepublik jetzt genehmigt. Ein entsprechendes Schreiben wurde am Montag von Frankfurt an die Bonner Regierung gesandt.
Der Genehmigung sind umfangreiche Ueberlegungen der Oberkommission vorausgegangen, in welchem Maße die Steuersenkung sich auf das Steueraufkommen ungünstig auswirken könnte.
Jalta und Potsdam
*** Im Auslande, namentlich in Amerika, mehren sich die Stimmen, die den Ursprung der heutigen Weltkrise auf den Irrtum Roosevelts zurückführen, der da glaubte, ein bleibender Friede könne durch möglichst große Nachgiebigkeit gegenüber den Russen gesichert werden. Neuerdings haben vier republikanische Mitglieder des außenpolitischen Senatsausschusses schwere Angriffe gegen die Außenpolitik der amerikanischen Regierung gerichtet, die in den Abkommen von Jalta und Potsdam vor den rücksichtslosen Forderungen der Kommunisten kapituliert und damit dem Kreml in China, Korea und Formosa freie Hand gegeben habe. Der Blick der Senatoren scheint ausschließlich auf den Fernen Osten gerichtet zu sein. Andernfalls hätten sie darauf hin weisen müssen, daß die kritische Lage Europas ebenfalls eine Folge der Abkommen von Jalta und Potsdam ist.
In London hat der britische Feldmarschall Lord Willson vor siebentausend früheren polnischen Soldaten gesprochen und ihnen dabei die Befreiung Polens vom bolschewistischen Joch in Aussicht gestellt. Der ehemalige polnische General Anders erklärte dabei, gerade jetzt ^ei der Weg frei, den Kampf für die Befreiung Polens fortzusetzen. In erster Linie müßten aber die Fehler von Jalta und Teheran beseitigt werden. Es ist bezeichnend, daß Anders die Konferenz von Teherap nennt, die der von Jalta vorausging, aber nicht die dritte Konferenz von Potsdam, in der die Austreibung der Deutschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße beschlossen wurde. Wenn schon einmal eine Revision jener Abkommen angestrebt wird, die im voraus über ein Deutschland verfügten, von dem man die bedingungslose Kapitulation verlangt hatte, dann muß man sich darüber einig werden, wie auch das Unrecht an den vertriebenen Ostdeutschen ebenfalls wieder gutgemacht werden soll. Es wäre ein moralischer Gewinn für die Westmächte, wenn sie sich offiziell tu dieser Notwendigkeit einer Wiedergutmachung bekennen würden.
Selbstverständlich würde eine solche Erklärung zunächst nur theoretische Bedeutung haben, sie würde aber wegweisend für eine spätere Zukunft sein. Sowjetrußland wird nicht gutwillig herausgeben, was ihm in Jalta und Potsdam zufiel. Niemand in Deutschland wird aber dem amerikanischen Abgeordneten Durham zustimmen, der meint, bei der russischen Taktik, die amerikanischen Menschen- und Materialreserven sich im Einsatz gegen Vasallenstaaten aüfbrauchen zu lassen, gäbe es keine andere Wahl, als einen Krieg mit Moskau. Wenn Durham glaubt, man habe dann wenigstens den Vorteil, Zeit und Ort wählen zu können, so muß man dem entgegenhalten, daß es Gedanken gibt, mit denen man nicht einmal spielen soll.
Südhessen lerne vom Norden
Wr. Die Demokratie als Staatsprinzip und Ordnungssystem ist für uns Deutsche so entscheidend lebenswichtig, daß jeder Versuch, ihr Abbruch zu tun, mit aller Schärfe bekämpft werden muß. Die öffentliche Wohlfahrt verlangt es.
Aber wer, etwa als Landrat, Regierungspräsident oder sonstiger Beamter auf der höheren Ebene der Selbstverwaltung „beschlußfähig“ und damit verantwortlich zu arbeiten hat, mag im stillen Kämmerlein oft genug verzweifelt die Hände ringen. Denn das „echt demokratische und parlamentarische Verfahren“ in allen Ehren, — es ähnelt allzu oft dem eben ausgeschlüpften Kücken: es kleben ihm hinterwärts noch die entstehungsgeschichtlichen Eierschalen an. Das wirkt dann niemals imponierend auf den oder die Betrachter.
Das wäre im Grunde recht gleichgültig, falls lediglich der äußere Eindruck in Betracht käme. Es wäre in Kauf zu nehmen, wenn er, dieser Eindruck, nicht immer hübsch oder repräsentativ wäre. Aber hin und wieder zeitigt die Demokratie auch Vorkomtnnisse, die ihr weder Ehre machen noch nützlich sind. Jene Landräte und Männer der übergeordneten Selbstverwaltung sind nicht die schlechteren, die, im Begriffe, aus der Haut zu fahren, erklären: „Es gibt Fälle, in denen man das, was in Ansehung der öffentlichen Wohlfahrt unbedingt getan werden muß, nicht anders fertig bringt als durch einen entsprechenden Schuß Diktatur.“
Andere gehen noch einen Schritt weiter und erklären: „Es gibt Fälle, in denen die Demokratie nicht anders zu retten ist als durch einen solchen Schuß Diktatur.“ Zugegeben, daß das befremdlich klingt. Es wird deshalb zu beweisen sein, daß es wahr ist.
Kommunalverband — abgelehnt
Die Christlich-Demokratische Union des Regierungsbezirks Darmstadt hat, wie wir berichten mußten, einen Antrag der Sozialdemokratie auf Errichtung eines Kommunalverbandes für den Bereich der ehemaligen Provinz Starkenburg abgelehnt. Wie es mit den Gründen für diesen Beschluß steht, war aus dem Bericht nicht klar genug ersichtlich. Denn nach den Redewendungen in diesem Bericht sah es so aus, als habe man sich vorwiegend, wenn nicht ausschließlich, von parteipolitischen Erwägungen leiten lassen.
Zum Verständnis: Auch in Südhessen hat die Sozialdemokratie das Uebergewicht. Sie hat es wenigstens zur Zeit noch. Auf der Gegenseite, bei der Christlich-Demokratischen Union also, ist man der Ansicht, wenn nicht überzeugt, daß sich dieses Verhältnis demnächst, also infolge der Herbst-Wahlen, ändern werde.
Das ist eine Sache für sich. Das mag kommen, wie es mag. Mit dem Sachverhalt, um den es hier geht: mit dem Zusammenschluß der Stadt- und Landkreise des Regierungsbezirks zu einem Kommunalverband, hat diese Sache offensichtlich nichts zu tun. Die Christlich-Demokratische Union hat dennoch widerstrebt.
Warum? Offensichtlich ist sie der Ansicht, die Sozialdemokratie wolle auf diese Weise, also durch die Errichtung des Kommunalverbandes, einen „Peers-Schub“ vollziehen, also eine höchstmögliche Anzahl ihrer Parteibuch-Inhaber an einflußreiche Posten bringen.
Anders wäre die Weigerung unmöglich zu verstehen. Es wurden laut dem Bericht, auf den wir uns stützen müssen, zwar auch Einwände gegen die Bildung eines Kommunalverbandes überhaupt erhoben, aber diese Einwände geben uns keine Möglichkeit, uns sachlich mit ihnen zu beschäftigen. Stichhaltig erscheinen sie auf keinen Fall. Man gewinnt den peinlichen Eindruck, als seien sie windig. Oder zum mindesten: Als seien sie erhoben von Funktionären, die mit dem tatsächlichen Sachverhalt nicht ausreichend vertraut sind.
Um Mißdeutungen von vornherein entgegenzutreten: Wir sind ein überparteiliches Organ. Wir sind keiner Partei dienstbar, keiner verpflichtet, keiner einseitig zugetan und keiner einseitig abgeneigt. Aber wir sind, — das mag unser Fehler sein —, nicht imstande zu verstehen, was eine derartige Sache der kommunalen Selbstverwaltung mit Parteipolitik zu tun haben soll.
Man möge uns belehren; wir werden uns nicht als unfügsam zeigen.
Kommunalverband — woza?
Die Freiheit der kommunalen Selbstverwaltung in allen Ehren, — kein Wort dagegen, daß alles, was unten, von den Städten, Gemeinden und Kreisverwaltungen also, getan werden kann, auch dort getan werden muß, und daß da, in Anbetracht der Demokratie, auch nichts dareingeredet werden darf.
Aber ebenso unbestreitbar steht daneben die Tatsache, daß es eine ganze Menge, nein: eine Fülle, von kommunalen Aufgaben gibt, die „unten“, auf der Ebene also der Städte, Gemeinden und Landkreisverwaltungen, nicht in der rechten Weise gelöst werden können.
Beispiele? Ueberall im Lande, also auch im Regierungsbezirk Darmstadt und in der alten Hessen-Provinz Starkenburg, gibt es Taubstumme, gibt es Lungenkranke, gibt es Fürsorgebedürftige aller Art. Es müssen für sie Anstalten sein, Heilstätten, Heime, in denen man an ihnen zu tun versucht, wozu die Gemeinschaft der Gesunden verpflichtet ist.
Es gibt auch eine ganze Anzahl von öffentlichen Einrichtungen, die für alle gemeinsam sind': Es gibt Straßen und Verkehrswege aller Art, Landstraßen der verschiedenen Ordnungen, Kanäle, Autostraßen, die gemeinschaftlich zu unterhalten sind und die nur durch gemeinschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten bestmöglich zu unterhalten sind. Es gibt Privatbahnen und dergleichen, die sich auf ganze Gebiete erstrecken. Es gibt Einrichtungen für volkswirtschaftliche Hilfsaktionen. Es gibt Stiftungen und Fonds, die für große Landstriche gelten. Es gibt Versicherungs-Gesellschaften der öffentlichen Hand. Es sind da die ganzen Gebiete der öffentlichen Agrar- und Energie-Wirtschaft. (Alle Stromversorgung beispielsweise ist auf größtmögliche Abnehmer-Kreise angewiesen.) Es gibt das bezirkliche Bankwesen, die Versorgun "r - kassen, die Sozialversicherungs-Einrichtungen. Es gibt die bezirkliche Viehversicherung. Es gibt die Brandkassen. Schließlich und nicht zuletzt: Es gibt auch Kulturbedürfnisse, denen man nicht wirksam genug entsprechen kann, wenn man lediglich auf eine Bürgermeisterei mit kleinem Ortsetat oder allenfalls auf ein Landratsamt mit einem ebenfalls knapp begrenzten Kreis-Etat angewiesen ist.
Will also die kommunale Selbstverwaltung, in Südhessen, endlich befreit von den trostlosen Uebelständen des Dritten Reichs, sich aufraffen und für ihr Volk das Bestmögliche tun, dann schreitet sie zur Errichtung eines Kommunalverbandes, auch für Südhessen. Aber man zerschlägt es ihr. Ist es zu rechtfertigen, dann sage man es uns. Ist es nicht der Fall, — was dann?
Und der Geschichts-Sinn?
Ist ein „Kommunalverband“ in der Tat eine solche „Zumutung“ für die Bürger der einstigen Provinz Starkenburg? Oder wie steht es damit?
Damals, 1867, nach dem Bismarck-Krieg mit Oesterreich, hatte der große Staatsmann an der Spitze des werdenden Deutschlands zwar Hessen-Nassau, Kurhessen und Frankfurt annektiert und preußisch gemacht. Aber umsichtig, bedachtsam und kühl überlegend, wie er war, hatte er die Dinge, die er vorfand, beim alten gelassen. Er respektierte, wenn auch in Kürassier-Uniform, die, wie er sagte: „landsmannschaftlichen Interessen“. Deshalb dirigierte er von Berlin aus die Sache in Hessen so, daß zwei landsmannschaftliche Kommunalverbände gebildet wurden: je einer in Wiesbaden für Nassau, und einer in Kassel für Kurhessen. Später kam auch Frankfurt hinzu. Wirklich lebendige Organe der kommunalen Selbstverwaltung wurden diese Kommunalverbände allerdings, wenn man der Sache auf den Grund geht, erst vom Jahre 1885 an, (bis dahin waren sie Bereiche der ständischen Körperschaften). Aber was diese beiden Kommunalverbände in diesen langen Jahrzehnten an Gutem und Großem geleistet haben: Wer sagt das dem Hessenvolk? Keinerlei Volkshochschule befaßt sich damit, keinerlei Forum, keinerlei öffentliches Institut.
Diese beiden Kommunalverbände: Wiesbaden und Kassel, bestehen, aber daß sie bestehen, was sie tun und wirken, in welchem Maße — und in welchem vortrefflichen Maße — sie für die öffentliche Wohlfahrt tätig sind, wo irgend in Südhessen weiß man etwas davon? Es ist nicht übertrieben: Wir wissen, daß in manchen stillen Orten der Landkreise „Bergstraße“ (Landratssitz in Heppenheim), in Groß-Gerau, in Dieburg und Erbach und wie alle die gottgesegneten Landkreise des südlichen Hessens heißen, mancher ebenso stille Dorfschulmeister ist, mancher Dorfpastor, mancher Adjunkt eines Landrats, dem dieser Sachverhalt völlig klar ist: Südhessen war und ist, gegenüber Nassau und Kurhessen, in dieser Hinsicht übel im Rückstand. Aber wo überhaupt, in welcher Art von Versammlung und an wen hin sollen oder können sie das sagen, was sie erkannt haben und wissen?
Im südlichen Hessen wird man eines Tages erstaunt sein, wenn man erkennt, wieviel man von seinen nächsten Nachbarn zu lernen hat.
Tod am Blaueis-Gletscher
Sieben Bergsteiger abgestürzt
Berchtesgaden, 14. August, (dpa) Am Blaueis-Gletscher des Hochkalters im Berchtesgadener Land stürzten zwei Bergsteiger. ab und verletzten sich leicht. Bei dem Versuch, sie zu bergen, stürzten noch fünf Bergsteiger ab, von denen zwei so unglücklich aufschlugen, daß sie bald darauf starben. Von den anderen drei wurden zwei schwer und einer leicht verletzt. 27 Männern der Bergwacht gelang es, alle Verunglückten zu bergen.
Allen türkischen Kommunisten sollen demnächst die Staatsbürgerrechte entzogen werden.
Die Sowjetzone „wählt“ im Oktober
Die Wahlergebnisse sind im voraus festgelegt
Von einem politischen Flüchtling aus der Sowjetzone wird uns geschrieben:
Die Reklametrommel der „Nationalen Front“ läuft in der sowjetischen Besatzungszone auf Hochtouren. Im Oktober wird die Volksvertretung für die Parlamente der Gemeinden, — Städte, Kreise, Länder und der sogenannten Republik von Stalins Gnaden gewählt. Wählen ist diesmal Pflicht und niemand wird sich um die Abgabe seiner Stimme herumdrücken können. Dem Nichtwähler drohen strenge Repressalien.
Die durch die Entnazifizierungskommissionen belasteten und mit der Absprechung des aktiven und passiven Wahlrechts gemaßregelten ehemaligen Nationalsozialisten sind wieder wahlberechtigt, wenn sie sich zur „Nationalen Front“ bekennen. Jede Stimme wird gebraucht, um das Ergebnis der Abstimmung getreu nach dem Wahlmodus der Hitler-Epoche möglichst 97prozentig positiv proklamieren zu können. Die „Volljährigen“ Achtzehnjährigen werden politisch reifgemacht, die Schule der Freien Deutschen Jugend mit ihren sozialistischen Leitungen hat darum ihre besonderen Wahlaktivs organisiert, die den Kreisleitungen der Sozialistischen Einheitspartei unmittelbar unterstellt sind.
Der gemeinsame Wahlvorschlag ist unter den Parteien schon ausgehandelt. Die Kandidaten der bürgerlichen Parteien konnten nur mit Zustimmung der Sozialistischen Einheitspartei und der Sowjetischen Kontrollkommission benannt werden. Man wählt diesmal den „Block der Nationalen Front“, es gibt keine Parteienwahl!
Den Löwenanteil an Mandaten erhält selbstverständlich die Sozialistische Einheitspartei. Ihre Satelliten, Nationaldemokratische und Bauernpartei, — deren Kräfteverhältnis durch eine Parteienwahl überhaupt noch nicht festgestellt wurde — erhalten einen beachtlichen Anteil der zur Verfügung stehenden Mandate. Der Verteilungsplan ist so ausgeheckt, daß die bürgerlichen Parteien nie mehr zum Zuge kommen können.
In kommunistischen Kreisen wird es ganz offen ausgesprochen, daß in den kommenden Parlamenten eine bürgerliche Mehrheit nicht mehr wirksam sein wird. Die aus Händen der Sowjets erhaltene Machtposition wird nicht mehr aus der Hand gegeben. Spitzenfunktionäre der Sozialistischen Einheitspartei äußerten sich schon im vorigen Jahre, als man die verfassungsmäßig fälligen Wahlen wegen angeblicher Störung des Wirtschaftsaufbaues auf den 15. Oktober 1950 verschieben „mußte“, daß keine Parteiwahlen mehr stattfinden würden. Damals wiegten sich die bürgerlichen Parteien noch in der Hoffnung, 1950 „ganz groß“ abzuschneiden.
Jeder Mensch in der Ostzone weiß, daß bei einer Parteienwahl die Sozialistische Einheitspartei zu einer unbedeutenden Partei zusammengeschrumpft wäre. Darum befahl das Kominform für die Ostzone die Wahl des „Nationalen Blocks“. Die Anleitungen Lenins zur Vorbereitung der Weltrevolution haben auch heute noch ihre volle Gültigkeit. Die Leninsche Taktik „zwei Schritte vor und einen zurück“ findet in der wirtschaftlichen und politischen Behandlung der Ostzone für jeden erkennbar, ihre Anwendung. „Das verfaulende Bürgertum muß sich durch seine eigene Schwäche und seine Fehler selbst zugrunde richten! — Die bürgerlichen Ehrgeizlinge muß man in maßgebliche aber gut überwachte Positionen unterbringen, dann sind sie selbst die geeignetsten Instrumente zur Beseitigung ihrer Klasse!“ (Erklärung eines hohen Parteifunktionärs im Ministerrang bei einem Studienzirkel „Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion“.) Jeder bürgerliche Parteifunktionär weiß, daß seine Tätigkeit scharf durch ein raffiniert ausgebreitetes Spitzelnetz überwacht wird und daß er nur so lange in seiner Stellung wirken kann, wie es den Herren von der Sozialistischen Einheitspartei gefällt. Der Bolschewismus nützt jeden, den er zu seinen Klassenfeinden zählt, nur für seine Zwecke aus und jedes Mittel ist ihm recht, um sein Ziel, die Weltrevolution zu erreichen. Viele Bürger der Ostzone haben nach einer Konzession an den Kommunismus bittere Folgerungen ziehen müssen.
Die Wahlen der Ostzone stehen unter bedrohlichen Möglichkeiten. Von allen bürgerlichen Parteileitungen und den Ministern „aller Farben“ sanktioniert, verließ man in der Ostzone das demokratische Forum und beugte sich dem Willen der Diktatoren. Zum Fluch für 18 Millionen deutscher Menschen wird sich das Abstimmungsergebnis auswirken.Ein treffendes Beispiel geben die Volksdemokratien, in denen der jetzt in der Ostzone beschrittene Weg zur Entrechtung der Völker geführt hat. Auch in diesen Ländern propagierte man auf Anordnung des Kremls die Nationale Front, sprach von Menschheitsrechten und Freiheiten. Auch hier erhielten die Kommunisten durch die bürgerlichen Parteiführer eine legale Handhabe zur endgültigen Vermassung ihrer Staatsbürger.
Gespannt verfolgt die Weltöffentlichkeit das Wahlmanöver, das sich hinter dem „Eisernen Vorhang“ abspielt. Der genaue Kenner der Ostzonalen Partei- und Wirtschaftspolitik weiß, daß eine wirkliche Wahlfreiheit als Willen der Bürger der Ostzone, — ein konsequentes „Nein“ zum Wahlvorschlag — zum Ausdruck bringen würde!
Aber die Wahlfälscher haben, wie bei der Abstimmung zur Legalisierung des ostzonalen Volksrats im Mai 1949, mitzureden. Damals fälschten sie das für sie niederschmetternde Ergebnis, indem sie Stimmzettel, die keine Einzeichnung enthielten, zu Ja-Stimmen erklärten. In Zweifelsfällen wurden ungültige Stimmzettel zu den Ja-Sagern gezählt. Um den Wahlleitungen den Standpunkt der Sowjets in bezug auf das Wahlergebnis klarzumachen, mußten sich die Innenminister der Länder und hohe kommunistische Staatsfunktionäre in die Provinzebene begeben. Die Beteiligten an der wiederholten Stimmenauszählung erhielten Schweigeverbot über den von höchster Stelle angeordneten Wahlbetrug.
Moskau war mit dem Abstimmungsergebnis im Mai 1949 mehr als unzufrieden. Die Hörigen Moskaus werden auf Grund der Marschrichtung des 111. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei in diesem Jahre alles aufbieten, um ihren Führer Generalissimus Stalin nicht wieder zu erzürnen. — Das Wahlresultat muß deshalb wieder gefälscht werden!
Die Ami-Zigarette
zz. Die Bundesrepublik ist im Kampf gegen organisierte Schmugglerbanden an der Wes‘grenze erfolgreicher geworden, seit die Zollbeamten mit Revolvern ausgerüstet worden sind und über Funkwagen verfügen. Ein verhafteter Schmuggler meinte treuherzig, es sei „kein fairer Kampf“ mehr, wenn die Beamten über eine solch überlegene Ausrüstung verfügten.
Bundesminister Heinemann hat den Kampf gegen die unversteuerte Ami-Zigarette auf einem anderen Gebiete aufgenommen. Er hat an alle Bundesbehörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß gerade die im öffentlichen Dienst stehenden Arbeiter, Angestellten und Beamten besser als andere wissen müßten, wie sehr der Bund durch den Schwarzhandel mit unversteuerten Zigaretten geschädigt werde. Die besondere Treuepflicht der Bundesbediensteten müsse erwarten lassen, daß sie vor allem in den Diensträumen keine unversteuerten Zigaretten rauchen.
Glaubt man immer noch mit halben Maßnahmen einen Erfolg erzielen zu können? Die Schmuggler, die durch besser ausgerüstete Zollbeamte einen Rückschlag erlitten haben, werden erfahrungsgemäß sehr bald zu anderen Schmuggelmethoden übergehen, die ihr Geschäft wieder beleben. Und was die Bundesbediensteten angeht, so werden diese bei ihren Ehefrauen, die den billigeren unverzollten Kaffee dem teuren verzollten vorziehen, wenig Gegenliebe finden, wenn sie plötzlich erklären, sie wollten aus Treuepflicht nur noch verzollte Zigaretten rauchen. Auf diese Weise kommt man nicht weiter. Wir haben mehrmals darauf hingewiesen und bleiben dabei, daß der Schmuggel, durch den dem Bund viele Millionen von Steuergeldern entzogen werden, nur lahmgelegt werden kann, wenn man die Steuersätze für die sogenannten Genußmittel senkt. Erst dann, wenn eine erträgliche Preisspanne zwischen verzollter und unverzollter Ware das Risiko des Schmugglers nicht mehr lohnend sein läßt, wird er sein Gewerbe aufgeben und die Treuepflicht der Bundesbediensteten nicht mehr durch billigere Genußmittel in Versuchung führen.
Versicherungssoldaten
80. Die Türken haben’s gefunden: Sie haben das Truppenkontingent, das sie nach Korea entsenden wollen, bei Lloyds in London gegen die Gefahren des Lufttransports versichert, in drei Stufen — die Offziere für 12 000 Mark, die Unteroffiziere für 6000 Mark und die Mannschaften für 1200 Mark. Daß die Litzen und Kordeln sich auf diese Weise auch in der Versicherungspolice niederschlagen, ist traurig, aber auch der Brigadekommandeur muß sich damit abfinden, daß Lloyds ihn nicht höher einschätzt als seinen jüngsten Leutnant.
Vielleicht ist das der Stein der Weisen. Wenn alle Nationen ihre Armeen versichern würden, dann müßten die Versicherungsgesellschaften, in Anbetracht der Größe des „Objektes“, sich im Ausland rückversichern. Im Idealfall wäre dann die Rote Armee bei der „Metropolitan Life*! in Neuyork versichert, und die amerikanische Luftwaffe wäre das stete Sorgenkind des staatlichen sowjetischen Versicherungstrustes. Wer würde unter diesen Umständen noch auf die Idee kommen, den „Versicherungsfall“ zu riskieren? Burnham könnte sein Buch umschreiben. Nicht die Manager schlechthin, sondern die der großen Versicherungsgesellschaften würden die Welt regieren.
Doch die Sache hat ihre ernste Seite. Dieser Versicherungsvertrag ist kein schlechtes Beispiel dafür, wie es im Westen aussieht. Sekurität ist dort alles. Leider stehen aber auf der anderen Seite, und nicht nur in Korea, Fanatiker, die nicht erst darüber nachdenken, ob auch die Versicherung schon in Kraft getreten ist, bevor sie die Handgranate abziehen.
Die Kardinäle Frings und von Preysing werden in London an der Hundertjahrfeier der Katholischen Hierarchie in England Ende September als Gäste des Kardinals Griffin teilnehmen.
Stimmen der Anderen
Frankreich will Klarheit
In einem Pariser Bericht der Züricher „Tat“ heißt es:
„Wenn die Kommunistische Partei in den letzten Monaten ihr ganzes Gewicht auf die Friedenskampagne gelegt hat, dann darum, weil nach dem Versagen der sozialen und politischen Massensuggestionen der Defaitismus, die Kapitulationsstimmung, kurz gesagt die Angst ihr entscheidender Bundesgenosse geworden war: das Gefühl, daß Widerstand ohnehin nutzlos sei und man es besser nicht mit dem zweifellosen Sieger von morgen oder übermorgen verderbe. Wenn sich die Gewißheit durchsetzt, daß die Verteidigung Westeuropas — und zwar seine Verteidigung am ersten Tag, nicht seine Befreiung bei Kriegsende — mehr als ein müßiges Bleisoldatenspiel von Generalen ohne Truppen in Fontainebleau sei, so wird die Bannkraft des Kommunismus eine entscheidende Einbuße erleiden. Aber sehr viel hängt davon ab, ob sich die Partner des Atlantikpakts, und vor allem die Vereinigten Staaten, von dieser komplexen inneren Lage Frankreichs Rechenschaft geben, statt, wie es in diesen Wochen in einem großen Teil der amerikanischen und internationalen Presse geschah, aus einer, von Frankreich aus gesehen, beneidenswerten Geborgenheit heraus über den französischen Defaitismus herzufallen. Der entschlossene amerikanische Einsatz in Korea hat zwar jene Kritiker des Atlantikpaktes entwaffnet, die immer noch einen Rückfall Amerikas in den Isolationismus fürchteten oder mindestens die Zuverlässigkeit seiner juristisch unverbindlichen Hilfeversprechen bezweifelten; aber sie hat alle jene Kritiken bestärkt, die voraussagten, daß die amerikanische Hilfe zwar die schließliche Niederlage des Angreifers herbeiführen, aber nicht die Ermordung des Angegriffenen verhindern werde. Das französische Memorandum stellt mit aller Kraft die Frage nach diesem entscheidenden Punkt; aber es stellt zugleich fest, daß Frankreich bereit ist, einerseits alle Konsequenzen aus der revolutionären Konzeption einer wirklich — und schon in Friedenszeiten — kollektiven Verteidigung zu ziehen. Es wäre tragisch, wenn dieser Appell an Form- und Souveränitätsbedenken der bekannten Art scheitern würde.“
Rückkehr Brünings?
In der Schweizer Presse wird mit der Betrauung des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Brüning mit dem Posten eines Außenministers der Bundesrepublik gerechnet. Für eine solche Aufgabe schreibt die Baseler „Nat io n a 1-Zeit u n g “, würde Brüning eine Reihe von außergewöhnlichen und innerhalb der heutigen politischen Welt Westdeutschlands gänzlich fehlenden Qualitäten mitbringen. Er kenne die angelsächsischen Politiker und ihr Denken wie kaum einer der im Amt befindlichen deutschen Staatsmänner. Außerdem verfüge der Exkanzler über ein sehr großes Vertrauen bei den Siegermächten. . ........ I
„Eine andere Frage aber ist, ob Brüning, dessen nüchterne und ziemlich verschlossenundurchdringliche Wesensart einer starken Persönlichkeitswirkung auf weite Volkskreise stets im Wege stand, im heutigen Deutschland eine echte Führur^gsautorität gewinnen kann, die dem immer noch verstörten Volk wahrhaft innere Gesundung und Vertrauen zu seinem Staat, aber auch zu neuen Zielen eines friedlichen Wiederaufstiegs bringen kann. Hinsichtlich einer solchen innerpolitischen Autoritätsrolle Brünings stellen sich, sowohl auf Grund der Vergangenheit wie nach seiner Aeußerung aus letzter Zeit, keine hoffnungsvollen Prognosen. Sein asketisches und blutlos doktrinär wirkendes Temperament konnte schon zur Zeit seines Kanzleramtes den Kontakt mit den wirklichen Volksströmungen nicht finden. Er war zu sehr in den Vorstellungen militärischen Denkens und strenger Beamtenautorität befangen, als daß er an demokratische Staatsformen ernsthaft glauben, geschweige denn das Vertrauen der breiten Masse dazu wecken und auf sie hätte sammeln können".
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER20) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Steen denkt einen Augenblick nach.... Ihm fällt ein, daß es wahrscheinlich richtig ist, dieses wirksame, einen Schlußstrich ziehende Antwort in einem ruhigen versöhnliches Tone zu geben. „Hör mal zu, Junge“, beginnt Georg J. Steen. Dann lauscht er, Knut ist eingeschlafen ...
26.
Am nächsten Morgen werden die Steens wieder in ihr Geschirr gespannt, sobald sie ihr Frühstück gegessen haben. Die Wagen rauschen mit ihnen los, und es geht sofort in das Filmstudio, in dem sie schon gestern arbeiteten.
Sie haben eine ganze Reihe von Aufnahmen zu wiederholen, die gestern nicht so gerieten, wie es die Auftraggeber wünschten. Also haben diese Leute heute Nacht Negative entwickelt, Kopien geprüft, verglichen, beraten, gearbeitet, vermutet Knut Steen. Uebtigens scheint es, daß seine und die Aufnahmen seiner Mutter meist besser ausiallen als die seines Vaters und Marys. Mary wirkt in Filmaufnahmen besser als auf Standbildern. Georg J. Steens starke Seife sind Farbaufnahmen.
Die vier kennen diesen Betrieb nun schon, er erregt sie weniger, dafür ermüdet er sie sehr. Mit Mary haben die Aufnahmeleiter zweimal eine gereizte Diskussion, weil sie ihre Rolle überschreitet und in eine gespreizte Imitation mondäner Filmgrößen verfällt.
„Wenn wir die Garbo brauchen, engagieren wir nicht Sie“, schnauzt Marys Manager. „Wir probieren hier so lange, bis es reicht.“
Kurz vor der Mittagspause jagt einer der Wagen mit Frau Steen und Knut tatsächlich zu jenem Warenhaus, dessen Plakate schon gestern voraussagfen, daß sie es besuchen würden. Es wird der bisher größte Erfolg ihrer Sache.
Das Warenhaus ist umlagert von Leufen. Ketten von Polizisten sind nötig, um die beiden Steens von der Straße über den Vorplatz zum Eingang zu schleusen. Die Filmleute und Fotografen haben es schwer, ihre Aufträge wahrzunehmen. Diese Knipser verdienen ihr Geld wahrscheinlich schwer genug, denkt Knut.
Im Warenhaus drinnen ist das Gedränge womöglich noch toller. Eva Steens Stimme dringt nicht durch, als sie mit ihrer Rolle beginnt. Die Sache ist so verabredet, daß der Chef des Warenhauses Eva Steen durch brüllende Lautsprecher auffordert, in vier verschiedenen Abteilungen je drei Waren zu bezeichnen, die sie als „die überlegte, vorbi’d'i'he Hausfrau und Mutter aus der Mif.e der Nation“ nicht nur für gut, sondern auch für wirtschaftlich erachtet, selbst zu kaufen wünscht und jedermann empfiehlt.“
Natürlich liegen die Warenarten, die Frau Steen auswählen wird, fest. Es sind Dinge, die das Warenhaus zu diesem Zweck in großen Posten bereitgestellt hat, und weil es große Posten sind, können sie ausreichend gut und dazu billig kalkuliert sein.
Alles geht großartig. Eva Steen wählt einen Wäschestoff, Knut hilft ihr, auf den Verkaufstisch zu steigen. Dorf steht sie, lächelt schmerzlich, zeigt eine lange Bahn dieses Wäschestoffes und ruft in den Tumult hinein: „Das ist der Wäschestoff, den ich nirgendwo anders entdecken konnte. Wir alle werden neue Laken und Bezüge davon haben, und der Preis ist es wert, daß ich ihn zahle."
Sie wählt zwei Hemden für Knut.
„Weil Knut sagt, daß er sich in seinen Hemden recken muß und nicht frieren will, wenn er geschwitzt hat... und der Preis ist erstaunlich."
Sie wählt Fleischkonserven.
„Meine Mutter wat gegen Konserven . . . . ich bin gegen den Versuch, einer Hausfrau mehr Arbeit aufzubürden als notwendig ist."
Heftiger Beifall...
Zuletzt wählt sie Taschentücher. „Ich nehme an, daß ihre Leute daheim nicht viel weniger Taschentücher verlieren als die meinigen... und ich weiß, daß Knut leider nicht nur seine Nase, sondern gelegentlich seine Schuhe damit säubert. Ein Taschentuch muß billig und gut genug für Knut sein.“
Die Leute sind von Abteilung zu Abteilunö rasender vor Begeisterung. Knut freut sich ehrlich. Er denkt, daß dies hier endlich die kleinen Leute sind, zu denen seine Fami'ij paßt, daß seine Mutter hier endlich etwas sagen kann, was sie ungefähr auch denkt, daß ihr ganzer Rummel hier nicht so scheußlich und lügenhaft ist, wie sonst, beispielsweise im Hotel.
Zuletzt stehen Frau Steen und Knut auf einem Balkon über dem Vorplatz des Kaufhauses. Der Vorplatz ist schwarz von Menschen, und Knuts Aufgabe ist es, nicht sehr große und nicht sehr teste Taschentücher unter diese Leute dort unten zu werfen.
Ueber dem Balkon gleitet ein großes Plakat an der Front des Kaufhauses hin und her. Es zeigt Knuts Bild. Die Unterschrift ist: „Knut Steen ver iert alle seine Taschentücher.. .“
Die Manager sind nicht mit auf diesem Balkon. Sie wollen die abertausend Blicke der Leute nicht von den Steens ablenken.
Eva Steen lächelt und winkt...
Und Knut wirft Taschentücher...
Hinter ihm steht ein Mädchen aus diesem Warenhaus und reicht ihm immer neue Bündel von diesen billigen Dingern zu. Die Firma hat zehntausend dieser Taschentücher dazu bestimmt, von Knut Steen unter die Leute geworfen zu werden, und jedes einzelne ist mit Knuts Namen gezeichnet.
Knut schleudert sie dutzendweise.
Er wechselt zwischen nahen und weiten Würfen, zwischen Würfen nach rechts und nach links. Es ist plötzlich sein eigener Wille, diese Arbeit gut zu tun. Er denkt, wenn alles Schwindel ist, was man mit uns treibt, so haben diese Leute wenigstens ein paar Taschentücher durch uns bekommen. Er wendet sich um, damit er neue Bündel nehmen karn Das Mädchen reicht sie ihm. Es ist ein nicht sehr großes, ruhiges Mädchen mit tiefbraunem Haar.
Knut wirft und lächelt...
Er wendet sich um und lächelt...
„Ich bin froh, daß ich wenigstens gut werfen kann", sagt er. Das Mädchen sieht kurz zu ihm auf. Es hat zu seinem tiefbraunen Haar tiefblaue Augen.
Knut wirft... wirft... wirft...
Die Leute unten winken ihm zu. Sie verteilen die Taschentücher unter sich. Sie recken sich hoch, um sie aus der Luft zu greifen. Hoffentlich erwischen alle- die Leute eines, die vielleicht wirklich kein heiles Taschentuch besitzen, denkt Knut Steen. Es ist ein so verdammter Schwindel in der Welt, denkt er, ich will gar nicht sagen, daß ich selber eine bessere Welt verdiene, aber Taschentücher sollten wenigstens für jedermann da sen. Er wendet sich wieder um.
„Schneller, Kerlchen", sagt er. „Es ist alles Schwindel, aber wenigstens sind es Taschentücher.“
Das Mädchen sieht ihn an. Es ist kein Blick für einen Film. Es ist ein Blick aus einem kleinen Fenster, spürt Knut, aus einem kleinen Fenster, hinter dem es gut zugeht.
Er wirft...
Er nimmt neue Bündel...
„Von allem, was man mit uns treibt, ist dieses das schönste bisher", lächelt er dem braunen, blauäugigen Mädchen zu.
Wirft... Wendet sich um...
„Um Himmels willen, sagen Sie mir bitte, wie Sie heißen?“
„Jo Tompson!“
„Wo wohnen Sie, schnell?“
„Uferstraße 14“.
Und jetzt wirft Steen die letzten dieser billigen Taschentücher ...
27.
„Was hatten Sie m't dem Mädchen?" fragt der Manager.
„Denselben Schulweg", lügt Knut. „Sie stammt aus unserer Stadt . .
Der Manager lehnt sich im Wagen zurück. Der Fahrer jagt, was er kann. Es geht zurück zum Studio.
Als Frau Steen und ihr Sohn dort ankommen, liegt Georg J. Steen in einer Badewanne. Das Wasser dampft. Die Soanenbrenner summen. Steens Aufgabe ist es, einen großen Badeschwamm aus leuchtend rotem Gummi immer wieder in das Wasser zu tauchen und über seinem Kopf auszudrücken. Dazu soll er pfeifen oder singen, oder jodeln, der Manager läßt ihm die Wahl. („Georg J. Steen hat ein lustiges Bad . ..“)
(Fortsetzung folgt.)
Der Preisbeirat tagte
Vorschläge und Maßnahmen gegen überhöhte Preise
'Vl,esbaden- 14- August. (Eigener Bericht.) Der Preisbeirat für Hessen, erweitert durch eine Vertreterin des Hessischen Frauenverbandes, tagte in Wiesbaden. Zu den Beratungen wurden Wirtschaftssachverständige hinzugezo?e”’ Auch die Leiter der Preisüberwachungsstellen bei den RegierungsiUnd Sachverständige des Gemüse- und Obstgroßhandels, des Einzelhandels, des Backgewerbes, der Brotindustrie und der Mühlen waren erschienen.
Durch die Disziplin der Gewerkschaften und die Mehrheit der Verbraucher seien bisher ernste Preisstörungen vermieden worden, aber ein weiterer Anstieg der Preise, der zum Teil auch auf das sprunghafte Ansteigen der Weltmarktpreise zurückzuführen sei, müsse nach einstimmiger Meinung des Preisbeirates Lohnforderungen auslösen. Mit allen Mitteln solle dies verhindert werden. Der Preisbeirat stellte folgende Forderungen auf:
„Rohstoffpreiserhöhungen allein dürfen keinen Anlaß geben, die Preise zu erhöhen, wenn durch Rationalisierung, Senkung der Handelsspannen oder durch sonstige Maßnahmen ein Auffangen der Kostensteigerungen möglich ist. Die Gewerkschaften, die im Interesse der Wirtschaft Lohnforderungen zurückgestellt haben, können jetzt mit Recht erwarten, daß die Wirtschaft und der Handel aus dem gleichen Verantwortungsbewußtsein heraus jede nicht unbedingt notwendige Preiserhöhung vermeiden. Der Preisbeirat bedauert feststellen zu müssen, daß ein Teil der Preissteigerungen hätte vermieden werden können, wenn die Bundesregierung ihre Maßnahmen rechtzeitiger getroffen hätte. Es war bekannt, daß die Subventionen mit dem Ablauf des 30. Juni 1950 in Fortfall kommen sollten, ohne daß rechtzeitig Vorsorge getroffen wurde, die Auswirkungen einer solchen Maßnahme auf den Preisstand abzufangen oder wenigstens zu mildern.“ Der Preisbeirat mißbilligte aufs schärfste das „völlig unbegründete“ Ansteigen der Fleisch- und insbesondere der Schweinefleischpreise. Bei der im gesamten Bundesgebiet vorherrschenden ausgeglichenen Marktlage seien Preiserhöhungen, wie sie in der letzten Zeit auf den Schlachtviehmärkten festgestellt wurden, keineswegs gerechtfertigt. Der Preisbeirat hat daher beschlossen, die Vertreter der Erzeuger, des Viehgroßhandels und des Fleischergewerbes zu seiner nächsten Sitzung zu laden.
Die Vertreterin des Hessischen Frauenbundes wies auf Grund vofgelegter Kostproben auf die „ausgezeichnete Qualität“ des neuen Mischbrotes hin. Es wurde festgestellt, daß die für diese Brotherstellung erforderlichen Mehltypen in ausreichendem Maße verfügbar seien. Konsumgenossenschaften und die Filialen der Brotindustrie hätten das neue Roggenmischbrot im allgemeinen in ausreichendem Maße hergestellt und angeboten. Das Backgewerbe werde, nachdem die Voraussetzungen hierfür getroffen sind, in allernächster Zeit ebenfalls das neue Roggenmischbrot anbieten.
„Nicht Schuld der Landwirtschaft“
Die erhöhten Schweinepreise
Frankfurt, 14. August, (dpa) Die deutsche Landwirtschaft könne für die in den letzten Wochen festgestellten Preiserhöhungen für Schweine in keiner Weise verantwortlich gemacht werden, heißt es in einer Erklärung des Hessischen Bauernverbandes. Die Ursachen der Preiserhöhungstendenzen lagen nicht im landwirtschaftlichen Angebot, sondern offensichtlich ausschließlich auf der Seite der Nachfrage, bei der politische Gesichtspunkte eine wesentliche Rolle gespielt hätten. Von einem außergewöhnlichen Rückgang der Auftriebszahlen könne keine Rede sein.
Die Landwirtschaft dürfe an dem zur Zeit aus politischen Gründen übersteigerten Preisniveau kein Interesse haben, da solche abnormen Erhöhungen erfahrungsgemäß übertrieben hohe Einfuhren hervorriefen, denen dann entsprechende Preiszusammenbrüche folgten.
Kabinettssitzung in Bad Wiessee
Gemeindeordnung und Sozialisierungsartikel wurden beraten
Bad Wiessee, 14. August, (dpa) Das hessische Kabinett beendete am Montagnachmittag seine in Bad Wiessee abgehaltene Sondersitzung, in der es eine Reihe größerer und wichtiger Gesetze beraten _ hatte, die in den nächsten Tagen dem 'Hessischen Landtag zugeleitet werden sollen. Während der 20stündigen Sitzung, die sich über Sonntag und Montag erstreckte, lagen dem Kabinett die neue Gemeindeordnung für Hessen, mehrere Durchführungsgesetze zum Artikel 41 (Sozialisierungsklausel) der hessischen Verfassung und das Schulverwaltungsgesetz vor. Der hessische Landtag wird die vom Kabinett verabschiedeten Gesetze noch in dieser im November ablaufenden Legislaturperiode beraten und verabschieden.
Zur Wahl von Bad Wiessee als Tagungsort — die bayerischen Zeitungen hatten den Protest des Bundes der hessischen Steuerzahler in ihren Montagausgaben veröffentlicht — erklärte Stock, das Kabinett habe es nötig gehabt, diese großen Gesetze eingehend zu beraten und habe in Anbetracht ihrer Wichtigkeit, da er selbst und eine Reihe von Ministerialbeamten, auf deren Mitberatung nicht verzichtet werden könne, ihren Urlaub im Gebiete des Tegernsees verbrachten, die Sitzung nach dort verlegt. Überdies habe Kultusminister Dr. Erwin Stein, dessen Anwesenheit bei den Beratungen des Kabinetts unbedingt erforderlich gewesen sei, am Wochenende an einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Hochschul- Forschungsanstalten der Länder des amerkanischen Besatzungsgebietes in Bad Wiessee teilgenommen, deren Vorsitzender er sei.
Die Minister Dr. Hilpert, Dr. Stein, Wagner und Zinnkann sowie die Ministerialdirektoren und Beamten der hessischen Ministerien reisten am Montagabend in einem Sondertriebwagen von Gmünd am Tegernsee wieder nach Wiesbaden.
Wieder Flüchtlinge für Hessen
Wiesbaden, 14. August. (AP.) Hessen muß entsprechend einer amerikanischen Direktive vierhundert weitere tschechoslowakische Flüchtlinge in den nächsten Tagen aufnehmen. Um die Flüchtlinge unterzubringen muß das bereits aufgelöste Lager Iba bei Bebra wieder in Betrieb genommen werden. Die Aufnahmemöglichkeit von Flüchtlingen in hessischen Lagern soll erschöpft sein.
„Mißbrauch des Präsidentenstuhles“
Malik wird von allen Seiten im Sicherheitsrat angegriffen
Neuyork, 14. August. (dpa/AP.) Der Sicherheitsrat war am Montag wieder zusammengetreten, um die Geschäftsordnungsdebatte weiterzuführen. Als erster Redner griff der Delegierte Ekuadors Antonio Quevado den sowjetischen Vorsitzenden scharf an. Malik habe den Sicherheitsrat praktisch vor die Wahl gestellt, entweder den sowjetischen Vorschlag anzunehmen oder sich damit abzufinden, daß die Sowjetunion jede Möglichkeit der Zusammenarbeit blockiere.
Der norwegische Vertreter Arne Sunde äußerte, man müsse sich die Frage vorlegen, ob der Sowjetdelegierte in diesem Monat seine Stellung als Vorsitzender nicht dazu benutze, eine Diskussion um den Kern des koreanischen Problems zu verzögern oder unmöglich zu machen. „Das ist Mißbrauch des Präsidentenstuhls.
Der französische Delegierte Chauvel setzte sich ebenfalls mit der Taktik der sowjetischen Delegierten auseinander. Sein Verfahren, mit dem er beweisen wolle, daß die Vereinigten Staaten in Korea die Angreifer seien, sei sehr einfältig. „Es besteht einfach darin, auf einen Stuhl zu zeigen und ihn Tisch zu nennen.“ Chauvel wandte sich heftig gegen die sowjetische Behauptung, daß die Aktionen des Sicherheitsrates in Korea illegal seien. Wenn die Beschlüsse illegal seien, weil das kommunistische China und Rußland bei der Beschlußfassung gefehlt hätten, dann sei die jetzige Sitzung gleichfalls illegal, weil China noch immer nicht im Sicherheitsrat vertreten sei. Malik habe jedoch eine Abstimmung über die sowjetische „Friedens“- Resolution gefordert, obwohl er selbst die Zusammensetzung des Rates als illegal bezeichnet habe. Der Rat vertagte sich schließlich auf Donnerstag.
Ein nenes Dogma
Vatikanstadt, 14. August, (dpa) Papst Pius XII. beabsichtigt, am 1. November (Allerheiligen), im St. Petersdom das Dogma von der leiblichen Himmelfahrt Mariens zu verkünden.
Veränderlich, aber trocken
Eigener Wetterbericht
Die am Nordrand des kräftig entwickelten Azorenhochs nach Europa wandernden atlantischen Störungen beeinflussen mit ihren südlichen Ausläufern auch unser Wetter, bringen aber zunächst nur wenig Niederschlag. Erst ab Wochenmitte ist mit stärkerer Unbeständigkeit zu rechnen. . ,
Aussichten: Veränderlich, weise auch stärkere Bewölkung. Noch überwiegend trocken. Schwache bis mäßige westliche Winde.
Der Rundfunk am Mittwoch
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; &15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 15.20 Ein Ständchen für die Hausfrau; 17.15 Unterhaltungskonzert; 18.20 Mach Dir's bequem; 20.00 Salzburger Festspiele 1950: „Die Zauberflöte", 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.30 Das Heinz-Lucas-Quintett; 16.15 Konzertstunde; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.05 Salzburger Festspiele; 19.50 „Die Zauberflöte“, 23.30 Leichte Klaviermusik. SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde; 17.15 Solistenkonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Scheinwerfer auf!; 21.00 Meister und Jünger der Tonkunst; 22.30 Klaviermusik; 23.15 Tanzmusik zum Tagesausklang.
Wirtschaftsblatt
Drucksache Nr. 965
-ws. Es muß alles seine Ordnung haben. Jeder Mensch hat seinen Namen, jeder Antrag im Bundestag seine Nummer. Greifen wir heute die Nummer 965 heraus: Drucksache Nr. 965 ist der Antrag auf Aufhebung des Kriegszuschlages auf Sekt. Dieser Antrag wurde unter dem 17. Mai 1950 eingebracht — immerhin schon 5 Jahre nach Kriegsende — und zur weiteren Bearbeitung dem Steuer- und Finanzausschuß überwiesen, der vom Bundesfinanzministerium ein Gutachten angefordert hat.
Das Bundesfinanzministerum berief den Verband Deutscher Sektkellereien zu einer Besprechung nach Bonn. Man erwog bei diesen Verhandlungen u. a. auch die Möglichkeit eines gestaffelten Steuersatzes. Wir kennen diese Art der Staffelsteuer noch aus den Jahren 1909—18. In der Zeitschrift für Zölle (1926) lesen wir auf Seite 125: „Von den in den Jähren 1910—1915 versteuerten Mengen entfielen 99,9 Prozent auf Schaumweine der niedrigsten Staffel'und nur 0,1 Prozent auf die höherwertigen.“ Soll es wieder so weit kommen, daß die Sektindustrie gezwungen wird, auf die Herstellung eines deutschen Qualitäts-Markensektes zu verzichten, weil der Absatz der hohen Steuer wegen fehlt? Damals kaufte man französischen Champagner, wenn man auf Qualität Wert legte. Für die Herstellung deutschen Sektes würden ja doch nur billigste Weine verwendet . . . Wie oft hört man noch heute dieses aus damaliger Zeit stammende Vorurteil. Richtig ist, daß die deutschen Markenfirmen der Sektindustrie nur allerbeste Weine zu Sekt verarbeiten.
Der Verband Deutscher Sektkellereien hat wegen der qualitätsschädigenden Wirkung einmütig einen gestaffelten Steuersatz abgelehnt. Wer wäre letzten Endes der Leidtragende gewesen? Niemand anderes als der deutsche Weinbau derselbe deutsche Weinbau, dem andererseits „von Staats wegen“ geholfen werden muß und soll. Die Sektindustrie hat sich verpflichtet, mindestens 50 Prozent deutsche Weine zu verwenden, und zwar ausgesuchteste erstklassige Lagen. Bei der Einführung einer Staffelsteuer würde man keine deutschen Qualitätsweine mehr einkaufen können, man müßte auf die billigeren französischen Champagnerweine zurückgreifen. Damit wäre der Wiederaufbauplan des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Behebung der Rentabilitätskrise im deutschen Weinbau von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wäre es nicht vernünftiger, durch Beseitigung des Kriegszuschlages auf Sekt den Hauptabnehmer des deutschen Weinbaues, die Sektindustrie, in die Lage zu versetzen, weiterhin nicht minderwertigere, sondern ausschließlich Qualitätserzeugnisse des deutschen Weinbaues abzunehmen, anstatt mit der staatlichen Unterstützung des Weinbaues den Finanzetat des Bundes zu belasten?
Der Staat braucht um eine Minderung seiner Einnahmen aus dem Kriegszuschlag — die im Jahre 1949 noch 18 Millionen DM betrugen — nicht besorgt zu sein. Die Zigarrenindustrie ist nur ei n Beispiel, das zeigt, welche Mehreinnahmen in Form erhöhter Einkommen- und Umsatzsteuern usw. für den Staat nach einer Steuersenkung erzielt werden. Man sollte also die Drucksache Nr. 965 dringend behandeln und die Sektindüstrie von dem Druck der Steuerlast befreien, ehe sie zusammenbricht.
Markt- und Börsenberichte
F.A.Z.’ An der Frankfurter Börse hielt die feste Haltung, die in der vergangenen Woche an den Aktienmärkten vorherrschend war, auch mit dem Beginn der neuen Woche an. Im Freiverkehr und im Telefonverkehr der Banken verstärkte sich bereits vorbörslich die Nachfrage nach guten Maschinenwerten, die dann im Börsenverlauf in den Mittelpunkt des Geschäftes rückten.
Internationale Warenpreise
| Chicago (Mittelkurse, Cents | 10. 8. | 14. 8. | |
| per bushel) Weizen per Sept. | 224,31 | 225,31 | |
| Mais, per Sept | 151,63 | 152,63 | |
| Hafer, per Sept | Schweine, schwere (höchster | 77,— | 76,88 |
| Preis per Ib.) | 23,— | 23,25 | |
| Schmalz, loco | New York (Cents per 1b.)... | 14.258 | 14,25 N |
| Zucker Nr. 4 per Sept. .... | 5,75 N | ||
| Kaffee „D" per Sept | 52,40 N | ||
| Kakao, Accra, loco | 41,25 N | ||
| Kakao. Bahia, loco | 40,37 N | ||
| Häute, per Sept | 24,90 | ||
| Bäbtnwolle, loco | 39,05 | ||
| Bauwollsaatöl per Sept | 18,84 0 | ||
| Kammzüge, loco .. | 254,— | ||
| Kautschuk, loco | 52,50 N | ||
| Kupfer, Weitexport, fas. ... | 22,50 | 22,50 | |
| Blei, gewöhnlich | 12,— | 12,— | |
| Zink, East St. Louis | 15,— | 15,— | |
| Zinn, stralts | |||
| London, Zinn, settlement | 103,50 N | 103,50 N | |
| (Pfund per ton) | 780,— | — | |
| Kautschuk, loco | (pence per tb.) | 43,50/44,58 | — |
Frankfurter Schlachtviehmarkt
Bz. Der Auftrieb bestand aus 1261 (in der Vorwoche 1028) Stück Großvieh, 574 (691) Kälber, 2330 (2919) Schweine, daneben 531 (440) Schafe. Der Verkauf in Großvieh war schleppend. Es verblieb Ueberstand. Kälber, Schweine, Schafe rege. Bezahlt wurden folgende Lebensgewichtspreise je fünfzig Kilogramm Ochsen A 87—90 (90—94), B 78—86 (78—88), Bullen A 88—92 (90—94), B 80—87 (82—88), Kühe A 78—84 (84—88), B 70—76 (75—82), C 55—65 (60—70), D 40—50 (45—55), Färsen A 88—93 (90—96), B 75—86 (82—88), Kälber A 110—120 (unverändert), B 92—105 (95—105), C 80—90 (wie in der Vorwoche). Schweine A 138—140 (137—140), B I und II 138—140 (137—140), C 137—140 (135—140), D 135—140 (132—138), G I 120—130 (120—138), Schafe gute Qualität 52—60, mittlere 42—48, geringere Qualität 30—40 (alle wie in der vorangegangenen Woche).
Antragsschwemme bei der Hausratshilfe
F.A.Z. Die Ankündigung des Soforthilfeamtes in Bad Homburg, daß in der Zeit vom 1. September bis 31. Oktober 1950 die Annahmesperre für Hausratshilfeanträge vorübergehend aufgehoben wird, hat ein Anschwellen von Anträgen bei den örtlichen Soforthilfeämtern zur Folge gehabt. Vielfach entstand in den Geschädigtenkreisen die Ansicht, daß jetzt die letzte Möglichkeit gegeben ist, Ansprüche auf Ersatz erlittener Haushaltsschäden geltend zu machen. In Wirklichkeit reichen die zur Verfügung gestellten Mittel für die Hausratshilfe, die sich jetzt seit Beginn der Aktion auf 370 Millionen D-Mark belaufen, bei weitem nicht aus, um den Kreis der Geschädigten auch nur annähernd zu befriedigen. Nur die sozial schwächsten Gruppen der Geschädigten .kommen in den Genuß dieser Hilfsgelder. Bis jetzt liegen nicht weniger als 3,7 Millionen Anträge auf Hausratshilfe im Bundesgebiet vor. Nur ein kleiner Teil davon, nämlich der, der nach einem besonderen Punktsystem mindestens 30 Punkte erreicht, hat Aussicht, in den nächsten Monaten berücksichtigt zu werden. Die Masse der Geschädigten braucht sich die unnötige Arbeit des Antragstellens nicht zu machen. Nur der endgültige Lastenausgleich wird diesen Geschädigtengruppen, die nicht die Punktzahl von 30 erreichen, berücksichtigen können. Im übrigen werden die jetzt gewährten Hausratshilfsgelder auf die endgültige Entschädigungssumme in voller Höhe angerechnet.
Praktisch haben nur Personen und Familien Aussicht auf die Gewährung der Hausratshilfe, die nicht mehr als 100 DM monatlich als Nettoeinkommen nach weisen können. Sofern Kindei' bis zur Vollendung des 15. bzw. 18. Lebensjahres (je nach dem Stand der Berufsausbildung) vorhanden sind, werden zu dem monatlichen Nettoeinkommen von 100 DM je 30 DM für jedes Kind hinzugerechnet. In Ausnahmefällen werden darüber hinaus noch sogenannte Härtefälle berücksichtigt.
Neues Interzonenabkommen
Sr. Berlin. Die Verhandlungen über ein neues Interzonenabkommen werden am 22. August in Berlin beginnen. Die unglückliche Form der Einbeziehung Berlins durch ein „gentlemen agreement“ soll ersetzt werden durch Festlegung bestimmter Kontingente für die einzelnen Warengattungen, die Berlin liefern kann. Die westdeutsche Stahlindustrie wird angesichts der starken Nachfrage längere Lieferfristen verlangen als bisher.
Banken haben zu wenig Eigenkapital
Drei Vorschläge zur Erhöhung der Kapitalausstattung der Banken
W.F. Immer wieder wird von Seiten der Wirtschaft Klage darüber geführt, daß die Kreditinstitute der Bundesrepublik trotz fortschreitender liquiditätsmäßiger Entlastung mit einer Vorfinanzierung von Investitionen zurückhaltender sind als jemals seit der Währungsreform. Deshalb dürfte eine Untersuchung der maßgebenden Faktoren von Interesse sein.
Es soll an dieser Stelle nicht auf die Tatsache eingegangen werden, daß ein großer Teil der bisher gegebenen Kredite als vorläufig eingefroren oder jedenfalls nicht kurzfristig liquidierbar betrachtet werden muß. Ein noch größeres Hemmnis für die Gewährung langfristiger Kredite ist die ungenügende Ausstattung der Kreditinstitute mit Eigenkapital. Wenn auch die 36. Durchführungsverordnung zum Umstellungsgesetz den Banken die Möglichkeit gibt, ihr Eigenkapital in der Umstellungsrechnung im Gegensatz zur ursprünglich vorgesehenen Regelung nicht auf 5 Prozent (bzw. 3 Prozent bei öffentlich garantierten Kreditinstituten), sondern auf 7,5 bzw. 5 Prozent der umgestellten bankgeschäftlichen Verbindlichkeiten zu bemessen, so reicht diese Summe mit dem zunehmenden Geschäftsumfang der Banken bei weitem nicht aus. Von der anderen ursprünglich noch vorgesehenen Regelung einer zehnprozentigen Ausstattung vom alten Eigenkapital in RM konnten nur die wenigsten Institute Gebrauch machen, da sie die daran geknüpfte Voraussetzung meist nicht erfüllten. Es wurde bekanntlich ein geringerer Bestand an Reichstiteln verlangt als das frühere Eigenkapital ausmachte. Die 42. Durchführungsverordnung zum Umstellungsgesetz brachte zwar einige Möglichkeiten für eine die oben angegebenen Grenzen noch überschreitende Kapitalfestsetzung, aber keine grundlegende Aenderung des Mißverhältnisses zwischen Eigenkapital und bankgeschäftlichen Verbindlichkeiten.
Betrachtet man die tatsächliche Lage der Kreditbanken der Bundesrepublik, so ergibt sich die Feststellung, daß das Eigenkapital der Banken im Durchschnitt weniger als 4 vom Hundert der bankgeschäftlichen Verbindlichkeiten beträgt. Beispielsweise standen Ende März 1950 nach der Gesamterhebung der Bank deutscher Länder und der Landeszentralbanken einem Eigenkapital von 977 Mill. DM Verbindlichkeiten in Höhe von rund 26 Mrd. DM gegenüber. Setzt man diese Verbindlichkeiten ins Verhältnis zum Eigenkapital, so stellte sich der Prozentsatz am Ende des Monats März sogar nur auf rund 2,25. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß die Banken ihren Akzeptumlauf über das in normalen Zeiten übliche Maß hinaus steigern müßten. Die vielfach hieran geknüpfte Kritik sollte nicht übersehen, daß das Eigenkapital, auf das früher der Umlauf an Akzepten bezogen wurde, heute diese Aufgabe infolge der Notwendigkeit der stärkeren Kreditbereitstellung für den Wiederaufbau der deutschen. Wirtschaft kaum mehr erfüllen kann. Nicht nur sind die Kreditinstitute heute kaum noch in der Lage, neues Eigenkapital in größerem Umfange zu bilden, sie leiden außerdem an dem fast vollständigen Verlust ihrer stillen Reserven.
Aber noch eine andere sehr wesentliche Tatsache erschwert die Neubildung von Eigenkapital. Aus der augenblicklichen Situation der westdeutschen Banken ergibt sich nicht nur die bereits oben angedeutete Erhöhung der Kosten, sondern auch eine Verminderung der Erträge und damit der Möglichkeiten zur Erzielung echter Gewinne. Infolge der zu geringen Eigenkapitaldecke sind die Kreditinstitute gezwungen, für die denkbar höchste Liquidität und Sicherheit ihrer Anlagen zu sorgen. Das bedeutet aber notwendig einen Verzicht auf Aktivgeschäfte besonders einträglicher Art. Liquidität ist für die Banken wichtiger geworden als Rentabilität, wenn sie nicht auf Grund der wachsenden Spanne zwischen Risiken und Kapitalausstattung sich selbst und damit die westdeutsche Kreditwirtschaft gefährden wollen. Das ist auch der tiefere Grund, weshalb die Banken nicht ohne weiteres in der Lage sein würden, kreditpolitischen Anregungen des Zentralbanksystems zur Unterstützung einer aktiven Konjunkturpolitik zu folgen.
Betrachtet man den außerordentlichen Bedarf an langfristigen Krediten in der Bundesrepublik, so wird man sich der Forderung der Banken nicht verschließen können, sie in ihrem Bestreben nach Erhöhung ihrer Kapitalausstattung zu unterstützen. Letzlich handelt es sich ja dabei viel weniger um eine Lebensfrage der westdeutschen Kreditinstitute oder um eine Sorgenquelle für die Einleger, als um eine Anpassung des Kreditapparates an die tatsächlichen volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten.
Im Zusammenhang mit einer Lösung dieser Frage wurden kürzlich drei beachtenswerte Vorschläge gemacht. Einmal könnte es den Kreditbanken erlaubt werden, infolge der vermehrten Risiken höhere steuerliche Pauschalwertberichtigungen anzusetzen; Diese würden dann, soweit sie nach einer bestimmten Zeit nicht in Anspruch genommen worden sind, das Eigenkapital verstärken. Zum zweiten wird angeregt, den Kreditinstituten höhere Prozentsätze der umgestellten bankgeschäftlichen Verbindlichkeiten bzw. des alten Eigenkapitals zuzubilligen. Dieser Weg würde praktisch eine Bereitstellung zusätzlicher Ausgleichsforderungen bedeuten, die von den Ländern gegeben werden müßten. Der jüngste, von Vizekanzler Blücher unterbreitete Vorschlag geht dahin, die Kreditinstitute so lange von Ertragssteuern zu befreien, bis wieder ein gesundes Verhältnis zwischen Verpflichtungen und Eigenmitteln gefunden ist. Blücher betonte in diesem Zusammenhänge ausdrücklich, daß dies lediglich seine persönliche Auffassung sei.
Es steht außer Zweifel, daß ein angemessenes Verhältnis von Eigenkapital und Verbindlichkeiten in den westdeutschen Bankbilanzen nicht nur direkt der langfristigen Kreditversorgung unserer Wirtschaft zugute kommen würde, sondern außerdem die Frage der ausländischen Kreditgewährung an deutsche Banken erheblich erleichtern könnte. Es sollte alles getan werden, einen ungünstigen Eindruck auf das Ausland zu vermeiden, dessen Kapital die Bundesrepublik nach dem Auslaufen des amerikanischen Hilfsprogramms dringender denn je notwendig hat.
Die Subventionierung
-k- Die Verbilligung von eingeführten Lebensmitteln nach dem 30. September wird zur Zeit wieder von den zuständigen Stellen erörtert. Diese Woche sollen noch weitere Besprechungen der Bundesregierung sowohl mit den Wirtschaftsverbänden als auch mit den Gewerkschaften geführt werden. Bisher konnte immer noch keine Klärung dieser Frage erreicht werden. Bundesfinanzminister Schäffer hat nochmals vor den beteiligten Stellen erklärt, daß weitere Beträge zur Subventionierung über den 30. September nicht zur Verfügung gestellt werden können. Als Lösung stehen 4 Vorschläge zur Diskussion. Neben der vollen Subventionierung auf einer Basis von 240 DM für Futtergetreide, 280 DM für Roggen und 320 DM für Weizen wird eine Teilsubventionierung diskutiert, bei der die Frachtkosten, von den cif-Preisen ausgehend gezahlt werden sollen, oder eine Spitzensubventionierung für bestimmte Waren oder die ursprünglich vom Bundesernährungsministerium befürwortete Freigabe des Weizenpreises und der Weitersubventionierung von Roggen.
Weitere Freigabe von Weißzucker
-k- Das Bundes-Ernährungsministenum bereitet zur Zeit die Freigabe von etwa 35 000 t Weißzucker vor, die noch für den Verbrauch im Monat August bestimmt sind. Damit erhöht sich die für August freigegebene Zuckermenge auf etwa 95 000 t.
Zahlungsmittelumlauf rückläufig
F. A. Z. In der ersten August-Woche 1950 ist der Zahlungsmittelumlauf einschließlich der in Umlauf befindlichen DM 139 Millionen Scheidemünzen um 246 Millionen auf DM 7,992 Millionen zurückgegangen. Die Guthaben in ausländischer Währung nehmen um 32 Millionen auf DM 1285 Millionen ab. Die sonstigen Konten zur Abwicklung des Auslandsgeschäfts verringerten sich im Saldo um 56 Millionen.
Feuilleton
Salzburger Opern-Novitäten
BRITTENS „RAUB DER LUKRETIA“ UND BLACHERS „ROMEO UND JULIA“
Auch Festspielstädte haben Angst, für konservativ und rückschrittlich zu gelten. Salzburg hätte so etwas nicht nötig. I> ist auf unabsehbare Zeit in der Hut eines der am längsten lebenden Genies und hat genug zu tun, uns Mozart in vollendeter Wiedergabe zu schenken. Da nun aber der Wahn hartnäckig sich hält, auch hier der Moderne dienen und eine Aufgabe übernehmen zu müssen, die dieser Festspieistadt nicht unbedingt zukommt, bedarf es wenigstens der allergrößten Vorsicht in der Aufnahme neuer Schöpfungen. Benjamin Brittens „Raub der Lukretia“ schien geeignet, Namen und Niveau der Festspiele nicht zu belasten. Viele lehnen diese Kammeroper ab, doch meist nur solche, deren Verständnis noch nicht bis zu Strawinskv und Bartök reicht. Dagegen war „Romeo und Julia“ von Boris Blacher für Salzburg ein etwas gewagter Fall. Wir schätzen Blacher als potenten Komponisten, aber gerade dieses Werk zeigt ihn nicht von der stärksten Seite. Ob sein Schüler Gottfried von Einem als Mitglied des Festspieldirektoriums ihm mit der Befürwortung seines szenischen Oratoriums für das diesjährige Opernprogramm einen Dienst erwiesen hat? Die Dankbarkeit gegenüber dem Lehrer in Ehren. Sie hört auf angesichts der Ansprüche, die in Salzburg gleichsam mit dem orientierenden Blick auf Mozart immer zu stellen sind.
„Der Raub der Lukretia“, ein zweiaktiges Libretto nach Andre Obeys Schauspiel „Le vol de Lucrece“ von Ronald Duncan, deutsche Übersetzung von Elisabeth Mayer, ist nicht ein Publikums-» erfolg wie „Peter Grimes“. Der Kunstwert ist jedoch kaum anzuzweifeln. Zunächst hebt sich der Vorhang für einen Sänger links und eine Sängerin rechts. Sie vertreten den antiken Chor und durchdringen die Tragödie mit ihren Mahnungen und Warnungen; oft identifizieren sie sich mit den Handelnden und sprechen aus, was diese bewegt, ihre Absichten, ihre Versuchungen. Das Geschehen wird erläutert im christlichen Sinne. Sie geben auch einen politischen Situationsbericht, denn die Handlung spielt sich ab vor dem Hintergrund haßerfüllter Spannungen zwischen Etruske jr und Römern. Bei einem Zechgelage der römischen Generale Junius und Collatinus mit Prinz Tarquinius, dem Sohn des etruskischen Tyrannen Tarquinius Superbus, erhitzen sich die Geister über die feilen Weiber; nur Lukretia, die Gattin des Collatinus, gilt als keusch. In Tarquinius, der längst der Gewohnheit und der alten billigen Reize käuflicher Weiber satt ist, regen sich die Dämonen der Gier. Der Chormann schildert in einem rasenden Allegro-Zwischenspiel von gesteigerter rhythmischer Hetze, wie der Prinz seinen Berberhengst aus dem Stalle zieht, tollkühn durch den Tiber sprengt und zu seinem Abenteuer fliegt. Er schändet die Lukretia. Sie selbst aber will die Schande nicht tragen und ersticht sich, Collatinus verzeiht ihr. „Du gabst nicht die Seele, da ist kein Grund zur Schande. Lust will nur nehmen, das ist ihre Schmach.“ Handelnde und Chorvertreter resignieren in dem Gesang auf den Erlösertod Christi.
Formkunst und Maßhalten ordnen die kühne Fantasie Brittens. Sein Werk ist echtes Theater und läßt die Musik nicht nur Dienerin und Mittel des Dramas sein und keine „Ehe zur linken Hand“ eingehen. Britten gibt ihr Eigenleben. Im Kontakt mit dem Text schuf die Musik ihre eigene Atmosphäre, eine ausgesprochene Begabung Brittens wie schon im „Peter Grimes“, wo das Meer zu einem starken Faktor des Eindrucks wird. Mancherlei Einflüsse haben hier mitgeholfen, doch reich und differenziert sind die typisch Brittenschen Klänge. Nur kleinste Besetzung von zwölf Musikern wird auf¬ . geboten. Die paar Instrumente werden reizvoll kombiniert und in allen Spiellagen, Höhen und Tiefen ausgenützt. Der darfe sind wichtige Aufgaben zugewiesen, darunter eine merkwürdig leitmotivische Bewegungsfloskel.
Joseph Krips, beliebter Mozartdirigent, zeigte der Partitur gegenüber eine sehr lebendig^’ Auffassung. Temperament bot er auf zur Darstellung von Tarquinius’ Ritt durch den Tiber im orchestralen Zwischenspiel. Für das Impressionistische hatte er gleichfalls sensible Nerven. Audi sonst eine glänzende Aufführung mit den Bildern und Kostümen (teilweise aus der „Antigonä“ übernommenen priesterlichen Kultgewändern), von Caspar Neher und der Inszenierung von Josef Gielen. Kriegerisches Milieu schon auf dem Zwischenvorhang mit lanzenbewehrten Reitern, das Zelt der Generale zwischen schildbehangenen Stämmen. Lukretias Wohnung mit sparsamer Andeutung antiker Häuslichkeit. Die Gesichter maskenartig bronciert nur bei den beiden Sprechern.
Handelnde und Sprecher sind eng verbunden. Jene vollendeten oft Sätze, die diese beginnen. Der Gesamtstil wird sowohl vom Orchester wie von dem melodischen Duktus der Stimmen, besonders schön in den Ensembles, bestimmt. Als Sprecher zwei der besten, modulationsfähigen deutschen Stimmen, Anneliese Kupper und Julius Patzak mit imperatorischer Ruhe. Die Generale leidenschaftlich charakterisiert durch Kurt Böhme und Alfred Poell, Tarquinius als junger Draufgänger verkörpert durch Hermann Uhde, den großartigen König Kreon in Orffs „Antigonä“ des vorigen Jahres. Lukretia eine schöne, geschlossene Leistung von Elisabeth Höngen, schmerzbewegt und feierlich in der Sterbeszene. Ihr zur Seite, dem Geist und Stil des Werkes nahe, Dagmar Hermann und Hilde Güden mit ihrem tragfähigen, hohen Sopran (Bianca und Lucia). Widerspruch gegen das Werk gab es nicht. Die Anerkennung war allgemein.
Blacher hatte es schwerer mit dem Weltgedicht Shakespeares. Nie wurden „Romeo und Julia“ zu einer Oper von Bestand geformt, nicht durch Gounod. nicht durch Zandonai und nicht durch Sutermeister. Alle Versuche scheiterten an dem dichterisch und dramatisch überragenden Objekt. Was sich bei Blacher mosaikartig zusammengefügt ergab, ist ein konzentrierter Extrakt Shakespeares. Blacher ist sich selbst nicht im klaren, ob die szenische oder die konzertante Form .seinem Werke gemäß ist. Wir neigen zur zweiten Form. Eine dritte wurde von Blacher sogar für möglich gehalten, das Ganze als Ballett zu gestalten, was sehr viel für sich hat. Die Sänger wären dann natürlich im Orchester unterzubringen. Diese Salzburger szenische Uraufführung scheint jedenfalls erwiesen zu haben, daß die berühmte Tragödie der Liebenden nicht für die Oper zu gewinnen ist, und daß man sich ihr unverbindlich und ohne Risiko nur in der Form einer freien sinfonischen Fantasie nähern kann. Nach zweimaligem Hören empfand man aber doch, im Gegensatz zu Britten, die Konsequenz des eigenen, völlig unbeeinflußten Stiles bei Blacher, die Herbheit der Musik, die allerdings auch etwas sehr Primitives hat. Szenen wie Nr. 10 („Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern“) mit den schmerzlich sinkenden Halbtönen prägen sich dem Gedächtnis ein.
Krips ließ dem Werke die subkutane Latenz des Ausdrucks. Operneffekte sind ja mit diesen ostinaten Gebilden, mit dieser dünnen, unterernährten Instrumentation nicht zu erzielen. Wenig Requisiten modifizierten das Bild der zweistöckigen Renaissance-Palastfassade Caspar Nehers. Hinter den Bogen fechtende Anhänger der beiden feindlichen Familien, tanzende oder schreitende Gruppen (Choreographie: Erika Hanka). Der Spielleiter Gielen verhielt sich ähnlich wie Krips. Nichts Verletzendes, nichts allzu Lautes, nichts, was gegen künstlerische Distanziertheit verstieß. So dienten sie alle der Wirkung des Werkes, das keine Oper im traditionellen Sinne sein will noch kann, bis auf eine einzige Szene, die ganz aus dem Rahmen fällt, eine Konzession ist und dem Bedürfnis nach neuer Farbe und erheiterndem Wechsel innerhalb der Gefühlsschwere des Ganzen entgegenkommt. Thimmig, Tomaselli und Lindinger waren für dieses Musikertrio gut ausgewählt. Hilde Güden war mit poesiehafter Mädchenart eine Julia von besten Mitteln der Stimme und des Spieles. Ihr angepaßt in Erscheinung und etwas verhaltenem Ausdruck der ausgezeichnete Richard Holm aus München, beide zusammen ein schön anzusehendes Paar, hingegeben an den Gesang, aus dem heraus das Werk vorwiegend geschaffen ist. Hermann Uhde setzte als Capulet dem Spiel naturgemäß die stärksten Akzente auf. In die Anerkennung des Publikums mischte sich keinerlei vernehmliche Ablehnung. Man verhielt sich nachdenklich, respektvoll, abwartend. Es bleibt aber dabei, daß Salzburg nicht der Ort ist, so problematische Stücke zu erproben.
Fritz Brust
Zaubergabe Musik
EIN ERINNERUNGSBLATT
Frühmorgens begegneten wir ihm auf dem Seltersweg in Gießen. Er wandelte, nein er wippte, das Stöckchen über dem Arm, durch den Morgen. Es war ein Schweben, als hätte er Flügel an den Füßen. Immer liebenswürdig und ein wenig begeistert, wenn ein Thema aus der Musik angeschlagen wurde, obwohl der Künstler Professor für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, ja Medizinalrat war. Wir meinen den langjährigen Freund Regers, den Inspirator vieler schöner Konzerte in Gießen. Dr. Heinrich Walther, der nun, 84jährig, ein reiches Leben beendete.
Der Künstler, ein Bratschenspieler von Format, ein tüchtiger, verehrter und begehrter Frauenarzt, in Groß-Gerau geboren, war ein musischer Mensch, eine reiche künstlerische Erscheinung.
Die Musik ließ ihm keine Ruhe ... Sie trieb ihn immer wieder an das Tor der Sonaten und Symphonien. Sein loderndes Temperament, seine hastig bewegte Sprache ließen spüren, wie stark sein Leben und sein Sinnen den schönen Künsten gewidmet waren. Als ich vor 25 Jahren aus der Gießener Universität kam und mein musikwissenschaftliches Doktordiplom in der Hand hielt, begegnete mir an der Ecke der Goethestraße — o, selige Zeiten — Professor Walther. Ich erzählte ihm freudig bewegt, daß ich nun ein Büchlein über Reger schreiben würde (was inzwischen geschah). — Da leuchteten hinter dem Kneifer seine Augen und er sagte: „Bleibe der künstlerischen Mission treu und diene dem großen Reger. Er suchte das wirkliche Leben, die Musilt, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele.“ Ich habe diese schönen Worte bewahrt und danke dem verehrten Professor für die vielen Anregungen.
Als mir die Todesnachricht auf den Tisch flog, bin ich mit dem Verewigten ein Stück über den Seltersweg gewandelt, habe sein Leben, seine künstlerische Welt, die in glücklicher Harmonie zu seiner ärztlichen Tätigkeit stand, in die Erinnerung gestellt.
Man soll die Stunde reinsten Glückes nicht gering achten! Sie bestimmt zuweilen ein ganzes Menschenleben. Die Freundschaft zu dem großen Max Reger währte über Jahrzehnte. Professor Heinrich Walther wird im Kreise der Bonner Reger-Gesellschaft mit menschlicher Echtheit und Dankbarkeit als Beispiel der Treue genannt werden. Er, der humanistische Geist, der tätige Arzt und Professor, der sensible Künstler, gehörte zum Bild des alten Gießen. Er lebte im Tempel, der dem Schönen und Anmutigen gewidmet ist, als Anreger, als lebendiger wacher Geist. Dr. Kurt Varges. Der S. Fischer Verlag in Frankfurt kündigt für den Herbst als ersten Band der achtbändigen Gesamtausgabe von Franz Kafkas Werken den „Prozeß“ an. Die Gesamtausgabe der Werke Hugo von Hofmannsthais wird mit dem Prosaband römisch eins fortgesetzt. Thomas Manns „Der Zauberberg“ und „Die vertauschten Köpfe“ werden angekündigt. Als Buchausgabe erscheinen von Carl Zuckmayer „Komödie und Volksstück“ und das neue Drama „Der Gesang im Feuerofen“.
DT Film-Forum
Dom Kintopp zum Ton- und Tarbfilm
Wenn man von Henny Porten spricht, dann hat man die ganze Entwicklung, die ganze Geschichte des Films vor Augen, denn in jener Zeit, als der „Kintopp“ so langsam aus der ersten Zeit seiner Barbarei herauszuwachsen begann und als die ersten noch so schüchternen Regungen ansetzten, mit Hilfe des Films künstlerische Wirkungen zu erzielen, in jener Zeit also trat Henny Porten vor das erste Filmpublikum hin, und sie ist dem Film treugeblieben durch all diese Jahrzehnte. Wenn man von wenigen heute Lebenden als von Pionieren des Films sprechen kann, so gehört Henny Porten unweigerlich dazu. Sie hat als eine der ersten das Ihre getan, die Menschenmassen in die damals noch so primitiven Kinos zu locken, und die ganze ungeheure technische Entwicklung vom kurzen Stummfilm über den abendfüllenden Stummfilm, oft in vielen abendfüllenden Fortsetzungen, laufend bis hin zum modernen Tonfilm — womöglich ii. Farbaufnahmen — hat sie miterlebt, und heute noch tritt sie vor uns hin, nun eine reife Frau.
Entdeckt wurde sie von ihrem Vater, denn der Opernsänger Franz Porten war einer der ersten Filmproduzenten. Er verkaufte 60 Meter lange Filmstreifen an Varietes und Kinos und machte mit ihnen ein glänzendes Geschäft. Er selbst war dei Mime, seine Tochter die Primadonna — so einfach konnte man das damals machen so wußte ein findiger Kopf sich zu helfen Es gab keine weibliche Opernpartie, die damals seihe Tochter Henny nicht gespielt hätte, von der Elisabeth bis zur Desdemona spannte sich der' Bogen ihres Könnens.
In jene Zeit fällt ein Erlebnis, das diese werdende Künstlerin gewaltsam in ihre Lebensbahn warf. Sie sah eines Tages auf einem Spaziergang einen Zug blinder Frauen mit ihrer Pflegerin. Die Begegnung machte einen so tiefen Eindruck auf sie, daß sie, wieder zu Hause, die ganze erlebte Szene ihrer Schwester vorspielte Sie empfand sich dabei gewissermaßen selbst als Blinde, die das Tageslicht nicht mehr sehen konnte und sich auf der Straße mühsam mit vorgehaltenen Händen oder tastendem «Stock fortbewegte. Die Schwester war von dieser Darstellung so ergriffen, daß sie dies Thema zu einem Filmmanuskript ausarbeitete. Und dieser Film lief dann im „Verleih“ des Opernsängers Franz Porten ... und dann kamen Anfragen aus vielen Städten. So fing es also einmal an.
Ja, und danach kam also die große Zeit des Stummfilms, und da stand Henny Porten in vorderster Front. Mit Ernst Lubitschs „Anna Boleyn“, mit dem Film „Rose Bernd“ war der Begriff der Filmtragödien geprägt, und Henny Porten erwies sich- in ihnen als große Menschendarstellerin. Wie lange ist das her — für viele von uns sind es schon historische Begriffe, von denen hier gesprochen wird, und dennoch leben viele, die sich dieser Filme erinnern, ebenso wie des Lustspiels „Kohlhiesels Töchter“, in denen — welche technische Sensation damals! — Henny Porten eine Doppelrolle spielte. Und dann kam, nach langen Jahren, der Tonfilm!
Wieder sah er Henny Porten an der Arbeit, denn wenn es eine Darstellerin gibt, die von unversieglicher Film-Leidenschaft beseelt ist, dann ist es Henny Porten. Freilich kam mit dem Tonfilm die Legien der großen Könner, die damals jung anfingen und heute auch schon Prominenz sind; Henny Porten aber stand in einer Reihe mit ihnen und wirkt heute wiederum: Sie ist wohl die treueste aller Filmschauspielerinnen, ihr ganzes Leben hat dem Film gehört.
HENNY PORTEN
Foto: Allianz-Film
Joachim Sattler in Waldmichelbach
STÜRMISCHER BEIFALL FÜR DEN BERÜHMTEN SOHN DES ÜBERWALDES
» Es war schon ein Wagnis, das die Betriebsleitung der Hessischen Hölzerwerke in Waldmichelbach einging, indem sie mit einem Programm, das in großen Städten oft keinen Saal füllt, mit Künstlern, die zum Teil Weltstadtpublikum gewohnt sind und entsprechende Kenntnisse voraussetzen, ein großes Konzert veranstaltete. Der Heldentenor der Staatsoper Hamburg, Joachim Sattler, Elfriede Früh, eine aufstrebende Violinistin, Generalmusikdirektor F ritz Mecklenburg (Darmstadt) und Joachim Popelka (Mannheim) als Begleiter an den Flügeln waren Künster, die der Belegschaft und einer großen Zahl geladener Gäste aus dem Ueberwald einen wertvollen Abend schenkten.
Der Männergesangverein „Harmonie“, Aschbach, leitete mit dem Chor „O Schutzgeist“ aus der ..Zauberflöte“ ein, dessen Wiedergabe sich durch eine gepflegte Gesangskultur auszeichnete. Ursula Graeff (Mannheim) trug mit feinem Einfühlungsvermögen eine Auswahl klassischer Gedichte und Balladen vor. Elfriede Früh, mit bestechendem Anschlag von Joachim Popelka am Flügel begleitet, zeigte mit einem impressionistischen Poeme von Ernest Chausson, zwei romantischen Werken, der Romanze und dem 1. Satz aus dem Violinkonzert von Henri Wieniawski sowie Kreislers Bearbeitung des Mozartschen Rondos ihr Können und ließ eine große Begabung erkennen.
Die reife Kunst von Kammersänger Joac',;m ■ Sattler brachte den Höhepunkt des Abends. Man muß diesem Künstler von europäischem Ruf dankbar sein, wenn'er immer wieder den Weg in seine Ueberwälder Heimat findet. Eine reiche Auswahl von Balladen (Karl Loewe) und Liednre (Rich. Strauss und Franz Schubert) ließen den großen Liedersänger erkennen. Sein eigentliches Gebiet aber erschloß sich im zweiten Teil, der erwartungsgemäß Richard Wagner gewidmet war. Sattlers Vortrag zwang vom ersten bis zum letzten Augenblick in seinen Bann. Siegmunds Liebeslied aus der „Walküre“, die klassische Wiedergabe der Romerzählung aus . Tannhäuser“ und die mit außerordentlicher stimmlicher und mimischer Gestaltungskraft gebrachte Gralserzählung aus „Lohengrin“ lösten einen stürmischen, lang anhaltenden Beifall aus. Fritz Mecklenburg erwies sich am Flügel als ein Begleiter, der ausgezeichnet orchestral zu untermalen verstand.
Der Beifall des Publikums bewies, daß wirkliche Kunst nicht nur und ausschließlich in großen Zentren einen lebendigen Widerhall findet. -r
Wunderland Italien
Schon von alters her war eine Reise nach Italien der Wunschtraum des Deutschen, und jeder, der einmal in der glücklichen Lage gewesen ist, diesen Traum zu verwirklichen, war von der zauberhaften Schönheit dieses Landes und seinem märchenhaften Reichtum an Kunstschätzen überwältigt. Prof. Dr. Karl Weimer schilderte in seinem Vortrag in der amerikanischen Lesehalle in Heppenhem seine Eindrücke von einer Fahrt durch Norditalien und Venedig. Jede Stadt vermittelt neue Eindrücke Die Gegend ist fruchtbar, und die Menschen in diesem Lande sind aufgeweckt, keineswegs etwa die weinseligen Schwärmer, wi-» sie fälschlicherweise oft geschildert werden. Die Krönung der Reise war Venedig.
Im Anschluß an seine Ausführungen zeigte der Redner noch zahlreiche Lichtbilder mit Aufnahmen der bedeutendsten Bauwerke, Denkmäler und Kunstschätze norditalienischer Städte. (HB)
Notizen
Charles Laughton, Sir Cedric Hard¬ wicke, Charles Boyer und eine noch nicht bestimmte Schauspielerin Hollywoods werden im nächsten Februar eine Tournee durch die Vereinigten Staaten veranstalten. Auf dieser „dramatischen“ Tournee soll nur ein Stück aufgeführt werden, und zwar „Don Juan in der Hölle“ nach Shaws „Mensch und Uebermensch“. Kulissen wird es keine geben, nur eine samtrote Drapierung, vor der abwechselnd Laughton als Satan, Boyer als Don Juan und Sir Cedric als der spanische Offizier erscheinen werden.
Zur Aufnahme des Saarlandes in den Europarat erscheinen im Saargebiet Postwertzeichen zu 25 und 200 Frank (Flugpost). Das Bild zeigt Europa als Teil der Erdkugel, Straßburg wird durch das Münster gekennzeichnet. Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Text „Anno 1950“, die Flagge der Europaunion und eine Schleife mit der Aufschrift „Aufnahme in den Europarat“ sowie der Zweig einer Friedenspalme motivieren den Anlaß der Sondermarken, die in einer Auflage von 1,4 Millionen Stück herauskommen.
Gemeinderat und Passionsspielkomitec von Oberammergau haben beschlossen, die Spiele künftig durch Lautsprecher in das Kunsthaus zu übertragen, damit die tausend Besucher, die täglich abgewiesen werden müssen, wenigstens teilweise in den Genuß der Spiele kommen können. Der Eintrittspreis für diese „akustische Passion“ ist auf zwei Mark festgesetzt worden.
Gäste in Darmstadt
Am Amerikahaus in der Langerhausstraße stehen Gerüststangen. Vor den Fenstern des Kranichsteiner Musikinstituts im 3. Stock fliegt ab und zu klatschend ein Dachziegel auf das Laufbrett des Gerüsts, eifrig wird draußen gehämmert und das Dach ausgebessert. Ueber uns rumort es. Inmitten dieses Lärms sitzt Ernst Krenek am Flügel und spielt unbekümmert seine vierte Sonate, die er am kommenden Sonntag in einer Matinee zusammen mit mehreren seiner neuen Kammermusikwerke in der Aula der Technischen Hochschule zu Gehör bringen wird. Er kam aus Los Angeles nach Darmstadt, um während der Ferienkurse ein Seminar über Komposition zu halten, in dessen Mittelpunkt er hauptsächlich eigene Werke stellt.
Ernst Krenek ist am 23. August 1900 in Wien geboren und emigrierte beim Einmarsch der deutschen Truppen 'nach Amerika. In Deutschland wurde er erstmals allgemein bekannt durch seine Jazz-Oper „Jonny spielt auf“. Vor einigen Monaten wurde in Essen sein „Karl V.“ erstaufgeführt und im Juli brachte Köln die Uraufführung des „Tarquin“.
Ernst Krenek wird nach Abschluß der Ferienkurse bei den Festspielen in Venedig seine 5. Sinfonie dirigieren. Anschließend will er seiner Geburtsstadt Wien einen Besuch abstatten. Ende September wird er dann bei einer Aufführung des „Tarquin“ in Köln zugegen sein. Der Nordwestdeutsche Rundfunk, Köln, der schon am 22. August in seinem Abendstudio Werke von Krenek sendet, wird die Anwesenheit des Komponisten in der Rheinmetropole dazu benutzen, um eine Uebertragung einiger der neueren Werke des Künstlers mit ihm selbst am Dirigentenpult zu bringen. _n
Ernst Krenek
Ferienkurs für Neue Musik
Dienstag, den 15. August:
Stadthalle, 20 Uhr: Vegh-Quartett, Paris: S 1 reichquartette Nr. 123 von Bela Bartok. ’ - ’
Mittwoch, 16. August:
Aula der Technischen Hochschule 20 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Hermann oC ^-e ’ Zürich: „Die dirigentische Realisation Neuer Musik“.
Donnerstag, 17. August:
Seminar Mar:enhöhe. 16.30 Uhr: Vortrag von Dr. Karl Holl, Wiesbaden¬ „Organisatorische Fragen der Musik“.
Stadthalle, 20 Uhr: Vegh-Quartett, Paris: Streichquartette Nr 4 5 6 von Bela Bartok.
Darmstadt und Umgebung
Das Kollegienhaus
Unter den Gebäuden, die dem Luisenplatz sein Gepräge gaben, zeichnet sich das „Kollegienhaus“ durch seine schlichte allen Prunk vermeidende Form aus. Sein Erbauer ist der Zimmermann und Baumeister Schuknecht, ein Handwerksmeister, der sein Zunftgenossen in den praktischen und theoretischen Kenntnissen weit überragte. Wie es so im Leben geht, wollten die Nachfahren des biederen, wenn auch selbst von Ehrgeiz nicht freien Mannes „höher hinaus“ und sie erreichten es, daß ihr ehrlicher Familienname Schuknecht in „von Schuberg“ umgewandelt wurde. Über die „von Schuberg“ weiß man heute kaum etwas, wohl aber weiß man von Schuknecht.
Das „Kollegienhaus“, das ist das Ministerialverwaltungsgebäude der großherzoglichen Zeit, wurde nach dem Weltkriege das hessische Innenministerium und — nach dem Mathildenplatz zu — das des Finanzministeriums. In jene Amtsräume der Minister Henrich und Kirnberger werden, wenn am 1. Oktober der erste Bauabschnitt fertiggestellt worden ist, die Schul- und die Wirtschaftsabteilung des Regierungspräsidiums einziehen. Den Vorreiter bildete das Gesundheitsdezernat, das aus den Baracken in der Rheinstraße in den letzten Tagen dorthin übergesiedelt ist. Ein schwacher Abglanz dessen, was in Darmstadt war, bevor eine irrsinnig gewordene Zeit verschuldete, daß wir zur „ Regierungsbezirks-Hauptstadt“ degradiert wurden. pd.
Geschädigte diskutieren Stenerfragen
Ausspracheabend im Forum am Donnerstag, dem 17. August 1950
In dieser Woche sind es zwei Jahre, daß sich die Darmstädter Bürgerschaft ein Forum schuf, eine Stätte, an der sie sich über ihre Sorgen und Nöte, über die Problerhe, die alle angehen, aussprechen kann. Unter den Städten, die die Schrekken des Krieges am härtesten zu spüren bekamen, nimmt unsere Stadt einen der vordersten Plätze ein. Die meisten Bürger unserer Stadt sind Ausgebombte, hinzu kamen viele Flüchtlinge. Beide Gruppen haben heute einen doppelten Kampf zu führen. Nicht die nackte Lebenshaltung allein, sondern der Aufbau einer neuen Existenz, die Wiederschaffung eines Heimes stellen sie vor schwierige Probleme. Nimmt die staatliche und kommunale Steuergesetzgebung auf ihre Belange Rücksicht? Können Ausgebombte und Flüchtlinge bei der derzeitigen steuerlichen Situation erwarten, daß Staat und Gemeinden ihrer besonderen Lage gerecht werden?
Diese Fragen sollen am kommenden Donnerstag um 20 Uhr in der Techn. Hochschule im Darmstädter Forum besprochen werden. Nach einleitenden Referaten von Fachleuten werden die Bürger selbst Stellung nehmen. Um auch denjenigen, die sich nicht wortgewandt genug fühlen, ihre Gedanken und Anregungen vorzutragen. Gelegenheit zur Aeußerung ihrer Meinung zu geben, wird wieder von der Einrichtung des öffentlichen Sprechers Gebrauch gemacht. Wer sich dieses Mittels bedienen will, wird gebeten, seine Gedanken schriftlich oder mündlich in der Veranstaltung dem öffentlichen Sprecher zu übergeben. Ausgebombte, Flüchtlinge und alle anderen Bürger der Stadt sollten die Gelegenheit wahrnehmen, in öffentlicher Diskussion zur steuerlichen Situation Stellung zu nehmen.
Geld abliefern schwer gemacht
Dem braven Steuerzahler, der im Finanzamt am Meßplatz sein Geld abliefern will, versperrt seit Montagmittag ein Baugerüst und eine abgesperrte Straße den Weg. Wie wir erfahren konnten, wird das Notdach auf dem langgestreckten Qebäude abgenommen und nach Aufstockung des Amtes auf die frühere Höhe ein wesentlicher Gewinn an weiteren Büroräumen zu erwarten sein. In mehreren Bauabschnitten, je nach den zur Verfügung stehenden Mitteln, wird dadurch das kriegsbeschädigte Finanzamt wieder instand gesetzt werden.
Wer absolut will, kann — wie wir annehmen — durch irgendeine Hintertür des Finanzamtes sein Geld wahrscheinlich trotzdem hineintragen. DT
71jähriger Jugendverderber
Vor einer Strafkammer des Landgerichts stand gestern der 71jährige Schuhmachermeister Heinr. Döderlein aus Darmstadt. Er war am 20. Februar dieses Jahres von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Es stellte sich heraus, daß der 71jährige, der seit 42 Jahren verheiratet ist, sich seit Anfang 1949 an sechs neunbis dreizehnjährige Mädchen herangemacht, ihnen kleine Geldbeträge geschenkt und sich dafür in schmutzigster Weise an ihnen vergriffen bzw. die Kinder zu unzüchtigen Handlungen verleitet hatte. Er lockte die Mädchen in seine Werkstatt und zeigte ihnen dort zunächst anstößige Bilder aus Frankreich. Zum Teil verführte er die Mädchen, wenn sie Schuhe zur Reparatur brachten oder abholten.
Da der Beschuldigte auch gestern hartnäckig seine Taten leugnete, mußten die sechs Mädchen als Zeugen vernommen werden. Ihre Schilderungen ließen nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig.
Wegen Unzucht mit Kindern unter 14 Jahren in sechs Fällen verhängte das Gericht eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Vier Monate der erlittenen Untersuchungshaft werden angerechnet, die sichergestellten Aktbilder eingezogen und vernichtet, ys.
Zu Ehren des Jubiläums des TG 75 Darmstadt veranstaltet das Darmstädter Orchester am Mittwochabend um 18 Uhr auf dem Friedrich-Ebert-Platz ein Platzkonzert. Das gleiche Orchester veranstaltet anschließend um 20 Uhr im Concordia-Saal ein Konzert. DT
Citroen fährt jede Straße
Unter den Automobilen, die seit einiger Zeit aus dem Ausland nach Deutschland importiert werden, erfreut sich der Citroen allgemeiner Beliebtheit. Immer mehr dieser Wagen sieht man im Straßenverkehr, und ganz „alte“ Fahrer werden sich noch an das Modell 6/25 erinnern, das, mit Bronzelagern ausgerüstet, selbst den Rekordversuchen angehender Rennfahrer standhielt.
Während die meisten Automobilfabriken im Laufe der Jahre das Gesicht der Karosserien verändern mußten, gelang es den Citroenwerken, eine Form zu schaffen, die zeitlos wirkt und kaum den üblichen modischen Wandlungen unterworfen ist. Im Jahre 1934 führte Citroen den Frontantrieb ein und schuf damit eine revolutionäre Neuheit auf dem Gebiet des Kraftahrzeugbaues. Das bewährteste Modell ist zweifellos der „Citroen 11 Legere“ mit Frontantrieb. Bei einem Hubraum von 1911 ccm, einer Bremsleistung von 56 PS bei 3000 Umdrehungen in der Minute, entwickelt der Wagen bei 1060 Kilogramm Eigengewicht die beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometer je Stunde. Der Frontantrieb bewirkt die bekannten, hervorragenden Eigenschaften dieser Konstruktion —, das überraschende Anzugsvermögen, das, im Verein mit der breiten Spur und der Tiefenlage des „Citroen 11 Legere“ die Fahrbequemlichkeit ausmacht. Die selbsttragende Karosserie bewirkt, daß der Wagen nicht nur auf der Autobahn, sondern selbst auf schlechten Straßen ausgefahren werden kann, ohne daß sich Beeinträchtigungen in der Fahreigenschaft zeigen. Auch regennasse Straßen sind kein Hindernis, die stark bemessenen Bremsen ergeben eine äußerst kurze Bremsstrecke, und es gibt kaum eine Kurve, die so eng wäre, als daß man nicht sicher hindurchkäme. Das nach der Torsoinsfederung entwickelte Federsystem erfordert keine besondere Pflege, der zweite und dritte Gang ist synchronisiert, so daß man praktisch kaum zu schalten braucht.
Die Citroenwagen, die in Darmstadt von der Generalvertretung Haas & Bernhard vertrieben werden, dürften nicht nur den verwöhntesten Ansprüchen der Sonntagsfahrer genügen, sondern besonders für alle diejenigen ein anspruchsloser und bequemer Freund und Helfer sein, die sich auf ihr Fahrzeug jederzeit verlassen müssen. -st.
Eberstädter Kerb
Seitdem die Turmspitze der Eberstädter evangelischen Kirche auf dem Kirchberg ein Stockwerk höher über den Darmstädter Vorort ragt, feiern die Eberstädter ihre Kerb an dem Sonntag, der dem 10. August am nächsten liegt. An diesem Tag — im Jahre 1851 — war die Kirche nach ihrer Erweiterung nochmals eingeweiht worden.
Während am Samstag der Rummelplatz nicht gut besucht war, drängte sich am Sonntag alt und jung in der Hitze. Die Kapellen spielten am Mittag vor fast leeren Tanzböden und für sitzende Gäste, und erst am Abend für tanzende Beine. In den Lokalen gab’s frischen Anstrich, neue Gartenstühle, Blumenbeete, Springbrunnen und Würstchen. Weinflrmen schenkten aus dem Faß im Hof oder Garten. „Voriges Jahr habe ich das eingeführt, weil ich Rheinhesse bin und das bei uns so Brauch ist“, sagte der Besitzer einer Weinhandlung in der Obergasse, „jetzt haben sie’s alle nachgemacht.“ Eingeweiht wurde die als Gastwirtschaft eingerichtete große Autohalle der „Araber“-Likörfabrik Muth am gefährlichen Eck Darmstädter Straße—Pfungstädter Straße.
Jahrgang 1885 auf Fahrt
Der Jahrgang 1885 hatte eine gute Wahl getroffen, als er sich entschied, seine traditionelle Omnibusfahrt in diesem Jahr nach dem Taunus zu verlegen. Mit großen Hoffnungen und guter Stimmung bestiegen in Arheilgen am 12. August um 7 Uhr 70 Teilnehmer zwei schöne Bundesbahn-Omnibusse, die für diesen Tag gemietet waren. Die Fahrt ging über Langen zur Autobahn. Nach einer kurzen Besichtigung des Rhein-Main-Flughafens ging es weiter über Höchst a. M. — Hofheim i. T. — Kelkheim in die Taunusstadt Königstein. Nach kurzer Rast, gestärkt und in froher Erwartung wurde das schöne Fleckchen des Taunus wieder verlassen, um nun auf steilen ansteigenden Gebirgsstraßen und durch herrliche Tannenwälder über das Rote Kreuz den Großen Feldberg zu erreichen. Nachdem man sich an der wundervollen Aussicht erfreut und die Lungen mit der köstlichen Gebdrgsluft vollgesogen hatte, begann die Talfahrt, die die Fahrtteilnehmer über das Erholungsheim Sandplacken, Oberursel nach Bad Homburg brachte. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Stadtbesichtigung brachten uns die Wagen nach der alten Römerfestung Saalburg, und nach kurzer Unterbrechung weiter über Wehrheim—Usingen zur Kurstadt Bad Nauheim. Hier wurde eine längere Pause eingelegt.
Als die Sonne sich anschickte ihre letzten goldenen Strahlen über die schöne Stadt zu werfen, wurde die Heimfahrt angetreten.
Notgemeinschaft
ehemaliger berufsmäßiger Wehrmachtsangehöriger und deren Hinterbliebene
Bezirksverband Darmstadt (Starkenburg): Darmstadt, Gutenbergstr. 63 (Oberstveterinär a. D. Dr. Bruhnke).
Kreisverband Darmstadt-Stadt: Darmstadt, Martinstraße 37 (Oberstleutnant a. D. Bruch).
Kreisverband Darmstadt-Land: Jugenheim a. d. 8., Alsbacher Straße 18 Oberst a. D. Panzenhagen).
Kreisverband Bergstraße: Heppenheim a. d. 8., Gräffstraße 10 (Major a. D. Stemmermann).
Verehrte Leser! Sie haben sicher schon neben der Hauptpost in der Rheinstraße nach Einbrechen der Dämmerung jene große KALEDA-Leuchttafel gesehen, auf der Darmstädter Firmen für ihre Waren werben. Dazwischen aber wird das „Darmstädter Tagblatt“ — und darauf möchten wir Sie heute hinweisen — jeden Tag die neuesten Meldungen und am Sonntag die Sportergebnisse bringen. Auch der Toto-Tip wird nicht vergessen werden. Machen Sie sich daher die kleine Mühe und werfen Sie, sollten Sie einmal des Abends durch die Rheinstraße gehen, einen Blick auf die Leuchttafel der KA¬LEDA-Reklame neben der Hauptpost.
In der Stadt notiert
Der Evangelische Bund. Landesverband Hessen, wird seine 15. Landesversammlung am 10. und 11. September in Butzbach abhalten. Anmeldungen sind an die Geschäftsstelle Darmstadt, Robert-Schneider-Straße 29, erbeten. Von dort können auch Programme angefordert werden. Den Festgottesdienst wird Probst Weinberger halten. Festversammlung und Gemeindeabend haben als Redner Pfarrer Dr. Hegel (Freiburg), Pfarrer Grabowski und Bürgermeister Hübner, beide aus Kronberg. Auf der wissenschaftlichen Tagung am Montag sprechen Prof. Dr. Petry (Mainz) und Staatsanwalt Dr. Dombois (Fulda).
Auf vielseitigen Wunsch findet die letzte Wiederholung der Veranstaltung „Heiß oder kalt“, ein heiteres Rätselraten mit Preisverteilung, heute abend um 19.30 Uhr in der Ausstellungshalle der Möbelschau, Holzhofallee, unter Leitung von Herbert Görner statt. Der Eintrittspreis für Veranstaltung und Möbelschau beträgt 0,50 Mark.
Das Amerikahaus zieht um im Laufe dieser Woche. Unter Freigabe der Diesterwegschule für Schulzwecke wird das „Gasthaus zur Krone“, das bis vor kurzem der US Army als Klub diente, in Zukunft als „Amerikahaus“ benutzt werden. Der Bücherdienst wird deshalb ab Mittwoch, den 16. August, in der Diesterwegschule eingestellt. Auch der englische Unterricht und der Kindergarten fallen bis zur Beendigung des Umzugs aus. Die angekündigten Veranstaltungen finden jedoch noch bis auf weiteres in der Lagerhausstraße statt.
Etwa hundert Studenten der TH werden den Ueberwachungsdienst beim 2. Riedringrennen am 27. August in Lorsch übernehmen. Sie werden bei ihren Funktionen, die sich vor allem auf Kartenkontrolle und Bewachung der Parkplätze erstrecken, von der Polizei im Bedarfsfälle unterstützt werden. bb.
Zwei Buben mehr als Mädchen sind im Juli in Darmstadt zur Welt gekommen, nämlich 50 gegen 48. Interessant ist, daß bei den ehelichen Kindern 47 Knaben 38 Mädchen gegenüberstehen, bei den unehelichen ist das Verhältnis 13:10. Von den 62 im Juli geschlossenen Ehen sind sechs mit Ausländern (vier Amerikaner, zwei Polen) eingegangen worden.
Schreibt an Fritz Knippelius
Lebensmittelpreise wenig gestiegen
Am Mittwoch, dem 2. August, zwischen 10 und 11 Uhr, betrat ich die „Kaufhalle . Voller Interesse las ich, dick und fett gedruckt beim Speck: 500 g — 1,80 DM. Immerhin kostete er vor kurzer Zeit nur 1,60 DM. Ich kaufte eine Kleinigkeit, ging zurück zu den Fleischwaren und las — ich mußte genau hinsehen — beim Speck klein und häßlich mit Bleistift geschrieben: 500 g — 2,zu DM. Sicherlich nur ein Irrtum, dachte ich, fragte die Verkäuferin und sie sagte: „Es stimmt, eben war der Einkäufer dagewesen. Ich stelle die Frage: Darf eine Ware, die doch entsprechend billiger eingekauft wurde, — denn sonst wäre sie ja nicht zuerst, mit 1,80 DM ausgezeichnet gewesen — eintaaj derartig verteuert werden? Oder ist niei der Tatbestand des Betrugs gegeben? was sagen dazu die Preisbehörden? In Ihrer Zeitung steht geschrieben: „Das Preisniveau muß gehalten werden.“
W. T„ Darmstadt
Raumfreigabe für Gewerbe
Seit über einem Jahr mache ich nur alle erdenkliche Mühe, meine früheren Buroräume, welche zur Zeit bzw. schon einige Jahre, für Wohnzwecke beschlagnahmt sino. ortsbehördlich freizubekommen. „aon
.... sind mir bis jetzt nur Versprechungen gemacht worden. Sogar, um wiederholt die Notwendigkeit der Verkaufs- und . räume geltend zu machen, richtete ich einen Antrag an meinen Fachverband, we^er existenz-gefährdend unverzüglich St®u^g nahm. Gleiche Unterlagen richtete ich an schließend an die Industrie- und Handels kammer Darmstadt, welche nach fr^ere^ Raumvergleichen die Rückgabe der • umgehend forderte. Als Ruckaußerungster min bat Herr Rechtsanwalt und Notar Höfle, Groß-Gerau, bezw. dessen Vertreter, Herr Reg.-Rat Wenz, per 20. 7. 50 um Nachricht, jedoch auch dieses Ansinnen blieb unbeachtet. Im Groß-Gerauer Kreisblatt stand vor einigen Wochen ein Artikel, wo Herr Bürgermeister Sudheimer die örtliche Wohnraumbewirtschaftung als in kurzer Zeit glänzend behoben betrachtet. Bei derartigen Aeußerungen in der Presse dürften auf der Gegenseite keine einseitigen Maßnahmen bzw. Handlungen mehr bestehen, zumal hier seitheriger Wohnraum für Ausstellungszwecke oder sonst gewerbliche Zwecke freigegeben wurde ...
N. B. Meine Büroräume sind von jungen Ortsbewohnern bewohnt, in einem verwahrlosten Zustand, ein Clo kennen diese Menschen nicht...
A. G., Biebesheim a. Rhein.
Wer war denn das der Osann?
Da ich im Ausland lebe, bekam ich Ihre Zeilen (4. 7.) über die Osannstraße erst spät zu Gesicht, und ich hoffe. Sie zürnen mir nicht, wenn ich heute den etwas falschen Farben und Beleuchtungen Ihres Osannbildes einige andere Nuancen und Schlaglichter auf setzen möchte. Ohne jede Prätention.
Osann erscheint in Ihrer Zeichnung als ein Tinten- und Federadvokat und „glühender Bismarckverehrer“, dessen Tätigkeit in der Hauptsache dieser etwas jünglingshaften Schwärmerei gewidmet war, sei es in der Sammlung für ein Bismarckdenkmal oder in der Bemühung um Bismarcks Ehrenbürgerrecht der Stadt Darmstadt. Osann war aber ein wirklich vaterländisch gesinnter Mensch. Die Bemerkungen mancher Freunde, seine kostbare Zeit doch nicht der schmutzigen Politik zu opfern, pflegte er stets zurückzuweisen. Er hielt es für selbstverständliche Pflicht jedes Mannes, der durch Erfahrung und Ueberlegung zu einer gewissen Uebersicht über die Lebensnotwendigkeiten seines Landes gekommen ist, zu deren Verwirklichung beizutragen.
. Solche Auffassung hat mit „glühender Bismarckverehrung“ nichts gemein. Er sah in Bismarck nicht nur den Preußen und Krautjunker, wie das heute vielleicht Mode sein mag, sondern den außerordentlichen Politiker, der doch schließlich gegen ungeheure Widerstände das Deutsche Reich geeinigt hat.
Aus dem Tintenviertel-Straßennamen ziehen Sie den etwas kühnen Schluß. Osann sei so eine Art Federfuchser gewesen. Seine Stärke war im Gegenteil das gesprochene Wort. Er beherrschte es in glänzender Weise. Seine Ansprachen, sei es im Freundeskreis, bei den Stadtvätern oder im Landtag, waren für die Zuhörer stets eine Freude, an Humor fehlte es ihm auch nicht.
Ein Teil an der Ehre des Straßennamens fällt auch wohl seinem ältesten Sohn Arthur zu, der die berufliche und politische Arbeit/ seines Vaters fortsetzte und sie weit über seine Kraft für die Stresemannsche Politik einsetzte.
Mit diesen Zeilen ist das „Thema Osann“ natürlich in keiner Weise erschöpft. Ich hoffe, lieber Fritz Knippelius, Sie nehmen meine kleinen Retouchierungen freundlich auf.
Frau K. A. Kienzle Basel
Liebe Frau Kienzle!
Schönen Dank für Ihren Hinweis! Aber ich hab’s ja mit dem Geheimen Justizrat gar nicht bös gemeint! Ganz im Gegenteil, denn sonst hätte ich wahrscheinlich überhaupt nicht dran gedacht, seinen Namen im Zusammenhang mit seiner Straße der halben Vergessenheit zu entreißen. Uebrigens: „Federfuchser“, Osann, „Krautjunker“ Bismarck. das habe ich aber nun wirklich nicht gesagt. Daß Tinte, Papier und Feder sein Handwerkszeug waren, stimmt ja trotzdem, denn sein fähiges Sprechorgan kann man ja nicht gut als „Handwerkszeug“ bezeichnen. Also mit Ausnahme dessen, wo Sie meinen, ich hätte etwas gemeint, bin ich ganz Ihrer Meinung.
Ihr Fritz Knippelius
Darmstadt und Goethe
In meinem Urlaub fällt mir das kleine Buch „Darmstadt und Goethe“ von Walter Gunzert in die Hände. Darmstadt — bisher mir nur ein Begriff — erhält nun Leben. Die große Vergangenheit tritt leuchtend hervor. Man muß hoffen, daß kein Abiturient die Schule verläßt, ohne das Büchlein zu besitzen. Was läßt mich bitten? Die Verpflichtung, die unsere ältere Generation hat, jeden Schatz zu heben. Und wenn die Jugend nach der nicht immer leichten Lektüre des Buches nur spürt, daß sie eine große Tradition zu pflegen hat, die mit dem Namen Goethe verbunden ist, so hat das Büchlein seinen Zweck erreicht.
Frau Adelheid Töwe Bonn, Hohenzollernstraße 32
„O Straßburg, O Straßburg....“
.. . Die Abgeordneten der Bundesregierung in Straßburg erhalten pro Tag 72,00 DM. Ich bin ja nicht der einzige, der sich darüber Gedanken macht. Aber: Ich bin so tolerant, zu glauben, daß unsere Väter in Straßburg manche Ausgaben haben, die für gewöhnliche Sterbliche luxuriös sind, im Europapalast aber erforderlich sein mögen.
Ich bin seit 1943 schwerkriegsbeschädigt, seit dieser Zeit ununterbrochen in stationärer Behandlung und außerdem noch Schlesier, also Flüchtling. Seit dem Inkrafttreten des KB-Leistungsgesetzes (Februar 1947) bekomme ich täglich DM 0,50 bares Geld. Ich sehe auch ein, daß unsere Abgeordneten in Straßburg sehr viel Arbeit zu leisten haben . . . Aber abgesehen davon, lieber Mitmensch, finden Sie nicht auch, daß zwischen 72 DM (ohne Diäten und sonstige Vergünstigungen) und DM 0,50 ein ziemlich großer Unterschied besteht? Ich meine, wir sind doch alle nur Menschen.
Herbert Kulms
Der städtische Viehhof hatte im Juli mit 3172 Stüde Vieh einen um 666 Tiere höheren Auftrieb als im Vormonat. Die Schlachtziffer erreichte 2253 gegen 1985 Stück Vieh im Juni. Hierzu kamen 15 000 (13 000) kg Frischfleischzufuhr. Der Umsatz belief sich auf 53 000 DM.
Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentnern gibt die Ortsgruppe Arheilgen des Verbandes bekannt, daß die Beratungsstunden nicht mehr in Arheilgen, Woogstraße 19, sondern nur nodr freitags im Rathaus, Zimmer 13, ab 20 Uhr, abgehalten werden. Rat und Auskunft erfolgt kostenlos an jedermann.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil,
Amerikahaus: Ausstellungen „Modine Skulptur in Amerika“ und die aktuelle Bilderserie „Korea“; 19.30 Uhr, Abendvorführung der Filme „Autostraße von heute“, „ERP in Aktion“ mit Wochenschau.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“.
Möbelschau, Holzhofallee 27: Letzte Wiederholung des heiteren Preisratens „Heiß oder kalt“.
Starkenburg
Interuationales Päãdagogentreffen in Jugenheim
Die Welt bemüht sich um das Kind
Seit gestern weht wieder einmal die Bundesflagge und die hessische Fahne an dem Hotel Krone in Jugenheim. Anlaß ist das internationale pädagogische Treffen der New Education Fellowship, das im Rahmen des päd. Institutes Jugenheim veranstaltet wird.
Im Geist des P. I. wurde denn auch die Veranstaltung mit der Aufführung der Kantate Nr. 198 (Trauerkantate) von Joh. Seb. Bach im Education Service Center, Jugenheim, eröffnet. Es ist erstaunlich, wie in immer stärkerem Maße es Chor und Orchester des P. I. gelingt, seine offensichtliche Bachbegeisterung, die es mit seinem Dirigenten Prof. Wilhelm Borngässer teilt, in einen reinen musikalischen Ausdruck zu verwandeln. Die Orchesterfreunde, die die Studenten bei der Aufführung unterstützten, sowie die Solisten Herr M a t h e i und Frau Lu Keil-Schleucher halfen mit ihrer vollkommenen künstlerischen Interpretation die Bemühungen der Liebhaber-Musiker zum Erfolg zu führen.
Im Namen des vorbereitenden Ausschusses begrüßte Direktor Hilker die Gäste, die z. T. um die halbe Welt gereist waren, um als „Freunde des Weltbundes für die Erneuerung der Erziehung“ der Tagung in Jugenheim beizuwohnen. Neben den westeuropäischen und amerikanischen Abordnungen waren sogar Lehrer aus dem fernen Osten und aus Australien erschienen. Für die deutschen Teilnehmer bedeutet das Zusammenkommen die zweifache Erfüllung eines langgehegten Wunsches, ist es doch das erstemal seit dem Jahre 1933. daß die deutsche Gruppe sich wieder an dem internationalen Gespräch und Austausch beteiligen kann. Ueberdies wird mit der Tagung ein pädagogisches Jubiläum begangen: Vor genau 25 Jahren trafen sich — bewegt von denselben Bestrebungen um den sachlichen Fortschritt in dem Verstehen des Kindes — Pädagogen, die z. T. auch heute wieder anwesend sind, in Heidelberg.
Herr Direktor Hilker übergab das Wort an die Vertreterin des Londoner Zentralbüros, das an dem Zustandekommen der Tagung beteiligt ist, und das mit 20 Stimmen einen wesentlichen Beitrag an dem Gespräch über Werden und Wachsen des
Kindes, seine Entwicklung und sein Leben in der Gemeinschaft leisten wird. Die Abgesandte des Kultusministers, Frau Dr. Schlippe-Lippert fand die gemeinsame Aufgabe am Kind über alle nationale und sprachliche Unterscheidungen hinaus so bindend, daß darüber alles Trennende verschwinden müßte. Als Letzter sprach der amerikanische Berater für die Lehrerbildung in Hessen, Kenneth Bateman, und überbrachte — wie er selbst humoristisch betonte, in „halbem Deutsch“ die Grüße des Hohen und der „niederen“ Kommissare, die alle an dem Gelingen der Tagung lebhaften Anteil nähmen.
Danach wurde der Arbeitsplan aufgestellt, der im Rahmen von Arbeitsgruppen und geselligem Beisammensein die Erschließung der gestellten Aufgabe vorsieht. Die genauen Themen, die im Laufe der Tagung bis zum 19. August besprochen werden sollen, befassen sich mit dem „Wachsen und Werden der Kinder“, dem „Prozeß des Lernens“ und der „Bedeutung der Gruppe im Zusammenleben“.
Die Konferrenzsprachen sind deutsch, englisch und französisch. Alle Referate werden alsbald übersetzt, daß sie deutschen und ausländischen Teilnehmern in gleicher Weise zugänglich sind. (kä)
Der Ruf aus Königstädten
Gedenkfeier sechs Jahre nach verhängnisvoller Bombennacht
Die sechste Wiederkehr des Tages, an dem in der Nacht vom 12. zum 13. August 1944 Königsstädten seinen Reichtum und seine Gesicht einbüßte, hatte die Gemeinde zum Anlaß einer ernsten Feier genommen. Das Programm des Sonntags umfaßte einen Gedächtnisgottesdienst auf dem Friedhof; Kranzniederlegung durch Bürgermeister Schäfer an dem gemeinsamen Grab der 17 Menschen, die damals ums Leben kamen; Gesang einer Motette des Posaunenchors Mörfelden an der Kirchenruine und als Abschluß ein Standkonzert des gleichen Chors.
Der Samstagabend war der eigentlichen Gedenkfeier gewidmet, die zugleich den Zweck zu erfüllen hatte, die Oeffentlichkeit über die Not aufzuklären, unter der die Gemeinde heute zu leiden hat. In jener Schreckensnacht wurden nach den Feststellungen der Bürgermeisterei 405 Häuser total zerstört, 256 leicht und 156 schwer beschädigt. 115 Stallungen und 90 Scheunen vernichtet. Zwar sind durch die Tatkraft des einzelnen als auch durch die Gemeinschaftsarbeit aller Gemeindemitglieder die sichtbarsten Schäden im Ortsbild beseitigt, aber hinter den Straßenfassaden wohnt bittere Not. Vieles ist noch Provisorium, wie vor wenigen Tagen das Großfeuer bewies, das vier von den notdürftig wiederhergestellten Hofreiten im Nu vernichten konnte. Bisher fanden die Wünsche, die an den Bundestag und andere maßgebende Stellen herangetragen wurden, kein offenes Ohr. In der Gedenkfeier am Samstagabend, die der Gesangverein „Frohsinn“ und die Musikvereinigung Nauheim mit Gaben ihres Könnens umrahmte, versicherten alle Gäste, soweit sie Behörden vertraten, daß sie eine Hilfe befürworten würden.
Bürgermeister Schäfer und Pfarrer Ramge sprachen Worte des Gedenkens und erinnerten an den geistigen Auftrag der Entronnenen. Die Reihe der Gästeansprachen, aus denen Anteilnahme und Hilfsbereitschaft zu entnehmen waren, führte der 1. Kreisdeputierte Bürgermeister Graf, Bischofsheim, als Vertreter des Landrats an. Des weiteren sprachen Rektor Heinz, als Beauftragter des Hessischen Kultusministers Dr. Stein und der Kreisschulbehörde, Propst Rau, als Vertreter der Evgl. Kirchenbehörde Hessen und Nassau sowie des Kirchenpräsidenten und der Groß-Gerauer Ortsgruppenvorsitzende des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, Riebel. Cng
Mit der Trommel gestůrzt
Am Sonntagabend fuhr der 29 Jahre alte Musiker Rudi Schmidt in Erbach mit seinem Fahrrad von der Festhalle nach Hause; auf dem Gepäckträger hatte er die große Trommel und andere Musikinstrumente befestigt. In der abschüssigen Hauptstraße bei der Alten Schule rannte er mit einer Fußgängerin zusammen und stürzte. Dabei zog er sich Verletzungen am Kopfe zu.
Kriegsopfer sind wachsam
Resolution der Ortsgruppe Erzhausen an den VdK-Bundesvorstand
Die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten,, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands, Erzhausen, hielt am 9. August 1950 in der Gaststätte „Zur Ludwigshalle“ eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab, bei der die beiden Kreisvorsitzenden Pritsch und Meckes vorzügliche Referate und Ausführungen über das neue Bundesversorgungsgesetz (BVG) vortrugen. Bei aller Würdigung und Anerkennung des Entwurfes hielt es der Vorstand der Ortsgruppe jedoch für angebracht. eine Resolution an den VDK-Bundesvorstand in Bad Godesberg zu senden, die folgenden Wortlaut hat:
„Bei aller Anerkennung der Verbesserungen, die der Entwurf des neuen Bundesversorgungsgesetzes (BVG) enthält, ist mit großem Bedauern festzustellen, daß wiederum, ähnlich dem Kb-Leistungsgesetz wesentliche Punkte, wie Gewährung ausreichender Renten an sogenannte Leichtbeschädigte und jüngere Witwen, sowie die Versorgung der Eltern Gefallener weitgehend außer acht gelassen wurden.
Die Ortsgruppe des VdK Erzhausen legt deshalb schärfsten Protest gegen diese Bestimmungen ein und fordert, daß
sich der Bundesvorstand der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V., nach dem Zusammentreten des Bundestages, energisch einsetzt, um diese ungerechten Härtefälle auf dem Verhandlungswege auszumerzen.
Es geht nicht an. daß man auf der einen Seite den Anspruch der Witwen auf Renten anerkennt, um ihn dann in anderen Paragraphen wieder zu ignorieren.
Wir fordern, daß den sogenannten Leichtbeschädigten pekuniär ebenso auf die Beine geholfen werden muß, wie den Kameraden, die durch andere Beurteilung ihres Leidens in die Reihen der Schwerbeschädigten eingeordnet wurden. Ebenso ist es eine unabläßliche und moralische Pflicht des Staates für die Eltern gefallener Söhne zu sorgen.
Wird aber dem Entwurf in diesem außerordenlich wichtigen versorgungsrechtlichen Teilgebieten Gesetzeskraft verliehen, würde man wiederum Notstände schaffen, deren Beseitigung wir seit langem gefordert haben.
Wir appellieren jedenfalls schon jetzt an alle im Bundestag vertretenen Parteien und insbesondere an das Bundesarbeitsministerium, diese Paragraphen sorgfältigst zu überprüfen und eine Atmosphäre zu schaffen, die der Gerechtigkeit entspricht, damit wieder sozialer innerer Friede im Vaterland einziehen kann.
Wir wünschen auf keinen Fall, daß die Kriegsopfer zweier Weltkriege gezwungen werden, mit den Krücken auf die Straße zu gehen.“
Kriegsopfer in Dossenheim
Der Ortsverband Erbach der Kriegs- und Zivilgeschädigten hatte am Sonntag 70 Leidensgenossen aus Dossenheim bei Heidelberg zu Gast. Am Vormittag wurden die Sammlungen des Gräflichen Schlosses und andere Sehenswürdigkeiten Erbachs besichtigt. , (-ch)
Bundesrepublik und Lastenausgleich
In einer Versammlung der Freien Demokratischen Partei sprachen in Beerfelden der Bundestagsabgeordnete Dr. Hammer, Darmstadt, und Dr. Hartmann, Groß-Umstadt. Die Referate beschäftigten sich mit der Bonner Bundesrepublik und dem zu erwartenden Lastenausgleich. Die anschließende Diskussion war sachlich und rege.
Nene Rodung notwendig
Am vergangenen Sonntagmorgen unternahm der Gemeinderat, unter Führung von Forstmeister Zahorka, eine Waldbesichtigung. Wie notwendig größere Aufwendungen zur Erhaltung des Gemeindewaldes sind, zeigte der völlige Ausfall der in den letzten Jahren angelegten Kulturen, die durch die Trockenheit des vergangenen Jahres und durch Schädlinge eingegangen sind.
Ein großer Tag für Lensheim
Bischof Dr. Albert Stohr weihte die wieder aufgebaute kath. Stadtkirche
Es war schon ein ganz besonderer Festtag für die katholische Bevölkerung von Bensheim und Umgebung, als am Sonntag, die im März 1945 zerstörte und inzwischen erneut aufgebaute Stadtkirche zum ersten Male wieder eine andächtige Gemeinde zu Gebet und Gottesdienst aufnahm. Dank der unermüdlichen Tätigkeit von Pfarrer Haenlein, Kirchenbaumeister Becker, der ganzen Bensheimer Gemeinde und nicht zuletzt aller am Wiederaufbau des Gotteshauses beteiligten Bensheimer Handwerker und Firmen war es möglich, es jetzt seiner Bestimmung übergeben zu können.
Am Samstagnachmittag begannen die Einweihungsfeierlichkeiten mit dem Empfang des Bischofs von Mainz, Dr. Albert S t o h r, auf dem Marktplatz, anschließender Begrüßung am Hauptportal und einem Chorgebet der Geistlichkeit. Den Sonntag leitete das Festgeläute und ein Turmblasen ein. Um 8 Uhr hatte sich dann eine zahlreiche Gemeinde in der Kirche versammelt, um der feierlichen Konsekration des neuen Hochaltars durch den Bischof beizuwohnen. Als am Schlüsse der fast zweistündigen Feier der neue Altar geschmückt und die Kerzen angezündet wurden, hatte sich inzwischen die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach kurzer Pause begann das feierliche Hochamt, der erste Hauptgottesdienst in dem wiedererstandenen Gotteshaus.
Auch auf dem Platz vor der Kirche hatten sich viele Gläubige eingefunden, hörten die durch Lautsprecher übertragene Feier und stimmten in den freudigdankbaren Gesang der Gemeinde ein. In seiner Festpredigt betonte Domkapitular Moser, daß mit diesem Tag alle Trauer über die Zerstörung der Bensheimer Stadtkirche in Freude gewandelt worden sei, in die Freude der Gemeinde St. Georg, nun wieder ein eigenes Gotteshaus zu haben. Das Hochamt endete mit dem bischöflichen Segen und dem feierlichen Auszug der Geistlichkeit. Am Nachmittag versammelten sich die Jüngsten der Gemeinde zu einer Kinderfeier in der Pfarrkirche. Um 16.30 Uhr fand eine feierliche Vesper mit einer Predigt des Bischofs statt.
Einen würdigen Ausklang fanden die Feierlichkeiten am Abend mit der Freilichtaufführung: „Das Überlinger Münsterspiel“ von Alois Johannes Lippi. Die Laienspielgruppe der kath. Jugend hatte sich eine große und schöne Aufgabe gestellt und sie auch ganz ausgezeichnet gelöst. Unter der Regie von August Heinrich Becker, der auch das Stück vorher für die Bensheimer Verhältnisse bearbeitet hatte, rollte vor den Augen der Zuschauer ein Stück Gegenwart ab. Man könnte fast sagen, daß dem Publikum gleichsam ein Spiegel vorgehalten wurde, in dem sich jeder selbst erblicken konnte, und zwischen den Zeilen wurde an jeden die Frage gestellt: Wie stehst du dazu? Hilfst du mit, das Münster, das Reich Gottes aufzubauen, oder gibst du dich jenen dunklen Mächten und falschen Freuden hin, die heute mehr denn je die Menschheit zur Revolte gegen alles Wahre, Edle und Schöne aufrufen? Die jugendlichen Darsteller faßten ihre Rollen als Dienst an einer großen und heiligen Sache auf und setzen sich mit allen Kräften dafür ein. Es wäre deshalb auch verfehlt, wollte man einzelne Spieler besonders hervorheben. Eine Leistung, der man nur allgemeine Hochachtung zollen konnte. (HB)
Bischof Dr. Albert Stohr bei der Altarweihe der Bensheimer Stadtkirche Foto: pdr
137 000 DM für Hausrathilfe
Der Landkreis Bergstraße konnte bei der jetzt abgeschlossenen Verteilung der Hausratshilfe insgesamt 900 Antragstellern zusammen rund 137 000 DM auszahlen. Es handelt sich hierbei ausschließlich um Anträge mit mindestens 31 Punkten. Die weiterhin vorliegenden rund 1800 Anträge mit 30 Punkten sollen bei der in Kürze zu erwartenden weiteren Ausschüttung bedacht werden. Darüberhinaus sollen vor allem, wie der Leiter des Soforthilfeamtes, Damb ie r , unserem Mitarbeiter erklärte, für gewerbliche Lehrlinge, Schüler höherer Lehranstalten und Studenten Ausbildungsbeihilfen gewährt werden, vorausgesetzt, daß sie den Gruppen Flüchtlinge, Sachgeschädigte; politisch Verfolgte und Spätheimkehrer angehören. Diese Anträge sind am Schul- bzw. Arbeitsort zu stellen und den zuständigen Schul- bzw. Arbeitsämtern zuzuleiten. Studenten erhalten ihre Beihilfen über die zuständigen Universitäten. Diese Beihilfe wird in der Regel nur dann gewährt, wenn das Familieneinkommen, auf die Gesamtheit umgerechnet, nicht mehr als 50 DM pro Kopf und Monat beträgt. (r)
„Massives“ aus Pfungstadt
Dem Sinne des Wortes nach. Das Festplakat — ein über die Hürde sprinoender Reiter und der massige Kopf des Stieres — entsprach den kräftigen Farben, welche die Veranstaltung beanspruchen wollte und konnte. Der mittägige Festzug zeigte nicht nur die Schwere ländlicher Pferde, sondern auch die Vitalität der Stadt, die, zwischen Rhein und Bergstraße liegend, die Eigenschaften beider Landschaftsformen besitzt. Knackige breite Gesundheit neben ständigem Aufgekratztsein und fast südlich erscheinendem Temperament bei geselligem (angenehm oft) Beisammensein. Die „Pungschter“ sind keine Knauserer, — keine schmalbrüstigen Banausen. Wenn sie feiern oder trinken — meistens fällt beides zusammen —, tun sie es richtig! (Anläßlich des letzten Turnfestes waren die Leistungen der Sportler parallel der Größe der geleerten Fässer.) Ob das nun Reiter, Turner oder Feuerwehrleute sind.
Der Ort möchte seine bäuerlichen Traditionen gar nicht vergessen. Die Fabrikschomsteine zeigen wohl die Massierung der Betriebe der 11 000 Einwohner umfassenden Stadt. Deren Wichtigkeit aber und Berühmtheit über die Grenzen des Landes hinaus gibt dem Arbeiter selbstbewußten Stolz und verhindert filzige Trennung auf den Bänken der Festzelte sowie auf den Stühlen beratender Versammlungen.
Dem Festzug sekundierten die jungen Turnerinnen, ganz in Weiß und mit Keulen, die Feuerwehr, eine Radfahrabteilung, den tiefgebräunten Reitern auf ihren „Oldenburgern“ und den anderen schweren und mittleren Pferden. Die Musikkapelle brachte — oder sollte — das leichte Pferd des an der Spitze Reitenden zu tänzelndem Schritt nach dem Takt des Marsches bringen. Dahinter die Gespanne mit Familien oder Verwandten der Teilnehmer: breite Gesundheit in bäuerlichen Kutschen.
Bis zum Festplatz, draußen an der Malcher Tanne, bildeten die Einwohner Spalier. In der Turnhalle — der Weg führte dort vorbei — hatten die Pfungstädter Betriebe zu besichtigende «Warenstände aufgebaut. Fässer, Textilien, Haushaltungsgegenstände und überlokale Radiogeräte. („Radio-Heckendorf“ interpretierte seinen Besitzer: spielte laut und vernehmlich mit „Saison 51“ und übertönte das Rauschen der Modau, die man beabsichtigt, in der nächsten Zeit zu reinigen.)
Auf dem Festplatz waren schon am frühem Nachmittag so viele Menschen, daß die „zusammengewachsenen Zwillinge“, der „Menschenfresser der Unterwelt“ und die „Indischen sündvollen Haremskissen“ auf ihre Rechnung kamen, ohne daß es dem Turnierplatz an Zuschauern mangelte. — Das Preisgericht — silberne Rosette —, ein beneidenswert präzises Funktionieren der Organisation des Festes, gab den jeweilig leitenden Herren verschiedenfarbige Abzeichen, — hatte nebst Ansage auf einem Planwagen sein Quartier aufgeschlagen. Dr. Krichrüstig wie ein Zwanzigjähriger, alte Schule, er ist der Initiator und hat die Oberleitung, muß aus für den Laien nicht zu erkennenden Nuancen die Stafelung der Besten vornehmen. „Mein Glas ist immer leer“, sagt er zu dem weißhaarigen Herm, der ihm gegenüber sitzt.
In vollem Trab kommen die Ein- und Zweispänner von der Bewertung zurück. Selbstbewußte Bauern, Pächter und Gutsbesitzer. Dazwischen rotbäckige Reiterinnen. Die „Malcher Tanne“ gibt gleichmäßig Schatten und Staub. Zwischen bespannten Wagen, angebundenen Pferden, zwei auffallende Personen: Eine Dame, fragil, dunkel, in Breeches — ihr schwarzbraunes Pferd brachte ihr zwei Siege, — und ein Herr, groß, gesund, in wundervollem grauem Anzug und wie wenige: zuvorkommend.
Es dürfa schwerfallen, einen gleichgroßen Ort zu finden, der, abgesehen von der das ganze Dorf verbindenden Kerb, die ja auch schon bald mythisch ist, das Wagnis auf sich nehmen kann, hintereinander festliche Zusammenkünfte in dieser Breite, Dauer und Behäbigkeit zu tragen. (ng)
Theatermieten für Bensheim
Das Landestheater Darmstadt legt für die Bensheimer Theaterfreunde folgende, äußerst günstigen Mieten auf: A) Das kleine Abonnement mit 6 Gastspielen in der Stadthalle Heppenheim (3 musikalische Werke, 3 Schauspiele), B) Das große Abonnement mit 6 Gastspielen in der Stadthalle Heppenheim und 6 Aufführungen in Darmstadt (4 musikalische Werke, 2 Schauspiele), die in Gesellschaftsfahrten in bequemen Reiseomnibussen besucht werden, und C) das Theaterringabonnement, mit mindestens 12 Aufführungen in der Orangerie oder Stad'thalle Darmstadt. Die Eintrittspreise sowohl zu den Gastspielen in Heppenheim als auch zu den Aufführungen in Darmstadt sind niedrig gehalten, so daß sie trotz des hinzukommenden Fahrpreises den regulären Eintrittspreisen angeglichen sind. (HB)
Sippentag der Siefert
Am 14. Juli 1650 wurde auf Schloß Zwingenberg am Neckar der spätere Hohberger Hofbauer Ludwig Heinrich Siefert geboren. Sein 300. Geburtstag ist der Anlaß, daß sich seine Odenwälder Nachkommen im September in Beerfelden auf einem Sippentag treffen wollen.
Herr Leonhard Siefert zu Brandau betätigt sich seit Jahrzehnten mit Familienforschung und hat schon viel Interessantes zu Tage gefördert. Daß Siefersheim in Rheinhessen von einem Frankenhäuptling namens Siefert gegründet wurde, beweist, daß die Franken den Rufnamen Siefert kannten. Als Familiennamen finden wir ihn erst um 1219 bei dem Besitzer eines westfälischen Freibauernhofes in Ostönnen bei Soest vor.
Die in Goslar am Harz seit 1350 ansässigen Sievert gehören zum gleichen Stamm. Der Vater des oben genannten Ludwig Heinrich S. stammte aus Goslar, was aus dem in Neckargerach liegenden Kirchenbuch zu ersehen ist. Auf der ersten Seite ist da zu lesen, daß am 14. 7. 1650 der Korporal Hans Sifert von Goslar seinen Sohn Ludwig Heinrich taufen ließ. Pate war Heinrich Meyer, Keller auf Zwingenberg, später Keller auf Burg Lindenfels. Alte Stämme der Siefert wohnen im Schwarzwald, im Elsaß, im Westerwald, in Thüringen, Pommern und Ostpreußen, in Niedersachsen.
Was aǔch interessiert:
Den Saalbau Haas als Schulsaal zu mieten, wurde kürzlich in einer Dringlichkeitssitzung der Gemeindevertretung Goddelau beschlossen Weiterhin gab der Bürgermeister bekannt, daß sich der Kostenvoranschlag zur Verlängerungen von etwa 700 Meter Kanalnetz in Richtung Stockstadt auf 27 000 DM beläuft. (Kb) Alle erzgebirgischen Heimarbeiter, die im Klöppeln und Sticken bewandert sind, werden durch einen Aufruf von Johann Hammer, Nauheim, Bahnhofstraße 30, darauf aufmerksam gemacht, daß sich ihnen bei Eintritt in eine neugebildete Genossenschaft Gelegenheit zur Wiederaufnahme ihrer altgewohnten Tätigkeit bietet. > (Kb)
Den Neubau einer Fruchthalle und eines Lagerraums für Gemüse nahm die Spar- und Leihkasse Erzhausen vor kurzem in Angriff. Das Richtfest wurde jetzt gefeiert. Man hofft, daß die beiden neuen Lagerhallen noch zur Aufnahme der Ernte zur Verfügung stehen. (-i-)
Von über 250 Tauben, die am 6. August von Mitgliedern des Brieftauben-Klubs Groß-Bieberau in Königshofen aufgelassen wurden, kamen nur etwa 70 Tauben zurück.'Der Verlust des Vereins ist beträchtlich. (q^j
Das Richtfest des neuen Lichtspielhau¬ ses in Lengfeld von Margarete Noll konnte kürzlich gefeiert werden. Das 500 Sitzplätze fassende Lichtspielhaus soll Anfang September eingeweiht werden (gi)
Eine Fahrt ins Blaue unternahmen bei guter Beteiligung die Schulkameradinnen und -kameraden des Jahrgangs 1903/04 aus Groß-Gerau. Mit dem Omnibus ging es quer durch den Odenwald. (Kb)
Mit dem Kopf auf den Betonboden schlug am vergangenen Sonntag ein junger Mann aus Leverkusen im Bensheimer Städtischen Schwimmbad auf, als er einen Kopfsprung ins Schwimmbassin machte Schwer verletzt mußte er ins Bensheimer Krankenhaus eingeliefert werden. (DT)
Das neue Gemeindewappen von Nieder-Roden, von Pfarrer Schwarz im Jahre 1946 anläßlich des 600 jährigen Pfarrjubiläums entworfen, wird seit einigen Tagen auch im dienstlichen Verkehr von den Ortsbehörden benutzt. (gi)
11 Monate Gefängnis für Engeroff
Ehemaliger SA- und Polizeichef von Groß-Gerau nach 17 Jahren bestraft
Gesteinnachmittag verurteüte die Erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt den 60jährigen ehemaligen SA- und Polizeichef von Groß-Gerau, Pilipp Eng e - rpriJhtT u 1! Monaten Gefängnis. Das Gericht hielt ihn nach dreitägiger Hauptverhandlung der fortgesetzten Körperverletzung im Amt sowie der gefähr-Körperverletzung in einem Fall ur überführt. Freispruch erfolgt von der Anjciage der Freiheitsberaubung im Amt. Der. Staatsanwalt hatte eineinhalb Jahre Gefängnis beantragt. Der mitangeklagte 1' i anz Ar n o 1 d fiel unter die Amnestie. Der gleichfalls beschuldigte August Strobel 2. wurde freigesprochen. Damit ist nach 17 Jahren unter die Vorgänge, die sich 1933 im Kreis Groß-Gerau abspielten, auch in strafrechtlicher Hinsicht der Schlußstrich gezogen worden.
Wie der Vorsitzende feststellte, sind diese Vorfälle mehr als übel gewesen. Eine ganze Reihe untadeliger Männer, in der Hauptsache Kommunisten, seien wegen ihrer politischen Ueberzeugung verhaftet und mißhandelt worden. Als Zeuge berichtete vornehmlich der ehemalige Landrat Hamann über die Tücke der Rezeptur von damals. Die Festgenommenen wurden in der Marktplatzschule in einen dunklen Raum gestoßen und dort in mörderischer Weise geschlagen, während vor dem Gebäude Motoren liefen, um die Schreie der Gequälten nicht in die Oeffentlichkeit dringen zu lassen. „Es waren Dinge, die jeden anständigen Menschen mit Empörung erfüllen“, sagte Landgerichtsdirektor For ch .
Nach 1945. so führte er weiter aus, habe sich die Justiz bemüht, die Täter zu fassen. Wie ungeheuer schwer es jedoch sei, nach einem so langen Zeitraum einen Strafprozeß durchzuführen, habe diese Verhandlung gezeigt. Viele Beteiligten seien tot oder verschollen, so der schwer belastete ehemalige Sturmführer Gernandt. Das Temperament des Angeklagten Engeroff und die Tatsache, daß ihm der hohe SA-Rang in den Kopf gestiegen sei, sprächen für die Vermutung, daß E., wie es der Volksmund behauptet, die „Führerrolle“ bei der Aktion spielte. Die Beweisaufnahme hätte hierfür allerdings keine ausreichenden Anhaltspunkte erbracht. Zwar sei E. mehrfach in der Schule aufgetaucht. Kein Zeuge habe jedoch sagen können, daß er persönlich an den Schlägereien beteiligt war bzw. die Aktionen als Maßgeblicher leitete.
Außerhalb seines Dienstbereichs habe er dagegen bei der „Räumung“ eines KPD-Lokals Kommunisten mißhandelt. Weil E. jedoch entgegen seiner Pflicht als Polizeichef nicht gegen die Vorfälle in dem Gemeindehaus eingeschritten sei, müsse er heute wegen Körperverletzung im Amt zur Verantwortung gezogen werden.
Engeroff sei im übrigen, so betonte der Vorsitzende, ein Mann von großem Geltungsdrang gewesen, der in diesem Augenblick sozusagen verrückt geworden sei, als er eine Machtfülle bekam, der er nicht gewachsen war. In warmherziger Weise habe sich Bürgermeister Dr. Lüdecke als Zeuge für Engeroff eingesetzt und ihn als einen fanatischen Nazi, jedoch gutmütigen Menschen charakterisiert. Ein scharfer Gegensatz habe zwischen Bürgermeister Dr. Lüdecke und Polizeichef Engeroff auf der einen Seite und Kreisleiter Stavinoga und Sturmführer Gernandt auf der anderen Seite bestanden.
Bei Arnold hielt die Kammer für erwiesen, daß er als Hilfspolizist die Häftlinge in die „Dunkelkammer“ geschickt hat. Bei ihm wäre jedoch nur eine Strafe unter sechs Monaten in Frage gekommen. ys.
Scheitert der,Rerwezug“?
Die Ober-Ramstädter haben ihre Sorgen
Mühevolle Kleinarbeit mußte voriges Jahr durch den Narrhallaverein geleistet werden, bis der „Kerwezug“ zu einem Ereignis wurde, das selbst ältesten Einwohnern nicht mehr im Gedächtnis war. Alle ansässigen Vereine waren mit Eifer und Ehrgeiz bei der Sache und als Erfolg konnte bezeichnet werden, daß tausende Einheimischer und Fremder die Straßen umsäumten, um den originellen Umzug zu sehen. Nur knapp 4 Wochen trennen uns noch von der diesjährigen Kirchweihe, aber bisher schlummert noch alles, und allgemein wird bedauert, daß die im vorigen Jahr wieder aufgenommene Tradition nur eine Eintagsfliege gewesen sein soll. Wir suchten die Ursache und fanden sie darin begründet, daß nur wenige Gastwirte bereit, sind, einen kleinen Betrag bereitzustellen, um die Unkosten der Vereine, die für Dekorationen usw. entstehen, decken zu können. Um das Kernproblem etwas von sich abzuwälzen, beschlossen die Gastwirte in ihrer letzten Zusammenkunft, wegen eines Zuschusses an die Gemeinde heranzutreten, was jedoch kaum von der Gemeinde akzeptiert werden wird, obgleich sie auch ein gewisses Interesse für den alten heimatlichen Brauch haben sollte. Sollte durch die Haltung der Gastwirte wirklich der Kerwezug 1950 scheitern? Woffen wir, daß die Gastwirte sich nochmals an die Brust klopfen und den „bescheidenen“ Betrag von 250 DM unter ihren 25 Kollegen in der Gemeinde zusammenbringen, damit der Kerwezug doch noch in der knappen Zeit von drei Wochen zustande kommt. D.
Bauschheim baut Gemeindehaus
In der letzten Gemeinderatssitzung in Bauschheim gab Bürgermeister Wolf bekannt, daß nach Beschaffung der finanziellen Mittel der Bau eines Gemeindehauses und die Errichtung eines Faselstalles vorgesehen seien. Die Bauleitung wurde Architekt Werner, Bauschheim, übertragen. — Die Erweiterung des Ortsnetzes für die gemeindeeigene Wasserleitung sieht ihrem Abschluß entgegen. Die Ueberwachung liegt in den Händen des Wasserwirtschaftsamtes. Es wurde eine Kommission gebildet, die den Ankauf eines neuen Faselochsen in die Wege leiten soll. — Die Sport- und Kulturvereinigung suchte in einem Schreiben an die Verwaltung nach, die Sportplatzverhältnisse endgültig zu regeln. Der Gemeinderat wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit diesem Problem beschäftigen. -au-
Kulturabend in Jugenheim
Die Adalbert-Stifter-Spielgruppe wirkte auf Einladung der Ortsgruppe der Heimatvertriebenen und der Sport- und Kulturgemeinde Seeheim am Samstagabend bei einem Kulturabend mit. Lieder und Volkstänze wechselten in bunter Folge miteinander ab. Das Publikum folgte mit großem Interesse den Darbietungen. In dem Laienspiel „Der Bauer“ von Bruno Novak ging das Können der Darsteller weit über den Rahmen eines Laienspiels hinaus. Die Handlung des Einakters, die im Dreißigjährigen Krieg spielt, könnte man gut in die Neuzeit verpflanzen. Die Darsteller wurden nach kurzem Schweigen der ergriffenen Besucher mit Beifall überschüttet. (hl)
Nur Kleingeld in der Kasse
Diebe, die aus einer mit einem Ladengeschäft verbundenen Gastwirtschaft an der Bundesstraße 44 in Rohrheim die Kasse entwendeten, sind sicher enttäuscht gewesen, als sie nach dem Aufbrechen der Kassette feststellten, daß nur ca. 7 DM an Kleingeld der Inhalt waren. Die geleerte Kasse wurde in der Feldflur gefunden. Die nächtlichen Besucher hatten außerdem Zucker und Nudeln aus dem Laden mitgenommen. eng
Raubüberfall am hellen Tage
Auf dem Griesheimer Weg in der Gemarkung Groß-Gerau wurde Frau Margarete Bohland aus Pfungstadt, die mit ihrem Fahrrad in Richtung Büttelborn fuhr, von einem aus dem Gebüsch hervorspringenden Mann angefallen. Dieser zog sie an den Haaren, versetzte ihr einen Stoß vor die Brust, brachte sie zu Fall und entriß ihr die Handtasche, in der sich 15 DM befanden. eng
Unfall mit „Kleinholz“
Zu einem Verkehrsunfall „mit Kleinholz“ kam es in der Montagnacht auf der Darmstädter Straße am Eingang zum Messeler Wald. Ein Dreiradlieferwagen war in Richtung Darmstadt unterwegs, als der Fahrer ein nicht abgeblendetes Fahrzeug im Zick-Zack-Kurs auf sich zukommen sah. Er fuhr deshalb an den rechten Straßenrand und hielt an. Im gleichen Augenblick wurde sein Fahrzeug von dem entgegenkomenden Wagen — einem Jeep — gerammt und zur Seite geschleudert. Der Jeep landete etwa 20 Meter weiter im gleichen Straßengraben.
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Am letzten Sonntag machte die hiesige Ortsgruppe des Odenwaldklubs mit 45 Teilnehmern eine Omnibusfahrt an den Rhein. — Kürzlich besuchten nahezu 250 Interessenten mit dem hiesigen Obst- und Gartenbauverein die Edelobstanlage von Prof. S c h m i e d en in Lichtenberg. (sl)
Pfungstadt. In letzter Zeit wurde wiederholt festgestellt, daß die Benutzung von Luftdruckgewehren innerhalb der geschlossenen Ortschaften —besonders durch Jugendliche — zu einer Gefährdung der Bevölkerung geführt hat. Die Eltern werden gebeten, Kinder und Halbwüchsige auf die Gefahren beim Umgang mit derartigen Waffen aufmerksam zu machen¬ (ng.)
DIEBURG
Dieburg. - In einer schlichten Feierstunde wurde Lehrer Philipp Sturm die Ernennungs - Urkunde zum Konrektor überreicht. Der verdienstvolle Erzieher ist seit zwanzig Jahren an der Dieburger Volksschule tätig. (-gi-)
Groß-Zimmern. Am kommenden Sonntag findet im „Löwenbräu“ die große Jungtier-Schau des Kleintier-Zuchtvereins Groß-Zimmern statt. Gezeigt werden Kaninchen und Geflügel aller Rassen. Es bietet sich für Züchter und Liebhaber die beste Kauf- und Tauschgelegenheit. (H.)
Eppertshausen. - Unter dem Beisein eines Forstsachverständigen nahm die Gemeindevertretung am Sonntag eine Waldbesichtigung vor. Es wurde beschlossen, welche Flächen aufgeforstet werden sollen. (-gi-)
Kleestadt. - Am Freitagmorgen wurden auf dem Landratsamt in Dieburg die Feldgeschworenen der Gemeinde verpflichtet. Damit lebt der seit 1930, dem Ende der Feldbereinigung, nicht mehr gepflegte Brauch des Grenzganges wieder auf. (-th-)
ERBACH
Erbach. Die nächste Säuglingsberatungsstunde des Kreisgesundheitsamtes findet am Mittwoch um 15 Uhr statt, (ch)
Rai - Breitenbach. Am vergangenen Samstag fand die erste Mitgliederversammlung der neugegründeten Freiwilligen Feuerwehr unter Vorsitz von Bürgermeister Schwinn statt. — In den Vorstand wurden gewählt: Leonhard Tilly als 1. Vorsitzender und Brandmeister, Willy W i e ß m a n n als 2. Vorsitzender, Hans W i e ß m a n n als Schriftführer. Bürgermeister Schwinn und und Johs. Miltenberger als Beisitzer.
Höchst i. O. Von zwei Bewerbern für die Rektorstelle der Volksschule wurde einstimmig der bisherige Rektor Lehrer 810ß wiedergewählt. — Dem Antrag des Evangelischen Jugendverbandes auf Zuteilung von verbilligtem Brennholz wurde gegen die Stimme der KPD stattgegeben. (le)
Seckmauern. In der Gemeinde ist eine rege Bautätigkeit von Privatleuten festzustellen. So sind „Im Angelhof“ wieder drei neue Häuser im Werden. — Der neue Kommandant der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr ist Josef Kübler. -hm-
BERGSTRASSE
Heppenheim. Am kommenden Mittwoch spricht Frau M. Brieger, USIC Darmstadt, in der amerikanischen Lesehalle über „Negro-Spirituals“ und führt einige Schallplatten von Marion Anderson vor. In der Zeit vom 28. August bis 3. September bleibt die Lesehalle geschlossen. Am Mittwoch, dem 23. August, und Mittwoch, dem 30. August, ist die Bibliothek von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 19 Uhr für den Buchumtausch geöffnet. (HB)
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Alle Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, die in der Gemeinde wohnen, und früher Arbeiter, Angestellte oder Beamte im öffentlichen Dienst waren, werden gebeten, sich bis zum 20. August auf Zimmer 2 der Bürgermeisterei zu melden. (cg)
Raunheim. In einem Aufruf an die Einwohnerschaft bittet der evgl. Kirchenvorstand um Spenden für die drei neu anzuschaffenden Glocken des evangelischen Gotteshauses. (Kb)
Kelsterbach. Der Landrat verpflichtete Frau Emma Re v i o 1 als Wiegemeister-Stellvertreter für die Gemeinde. (-od-)
Worfelden. Das Wassergeld soll neu festgesetzt werden. Die Vorarbeiten liegen in Händen einer Kommission, die darüber in einer Bürgerversammlung berichten soll. (eng)
Mörfelden. Auf der Bundesstraße 44 zwischen Mörfelden und Walldorf verlor der Fahrer eines Lastwagens einer Frankfurter Firma die Herrschaft über sein Fahrzeug und rannte gegen einen Baum, Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt. Der Fahrer mußte mit erheblichen Verletzungen in ein Krankenhaus überführt werden. (-kb.)
Der SPORT
Fußballkreis Darmstadt ist startklar
Leider immer noch abhängig von der Einteilung der Bezirksklasse, konnte erst gestern die A- und B-Klasse auch ihr Spielsystem beraten und beschließen.
Bei einem vollzähligen Erscheinen der Vereinsvertreter konnte in aller Sachlichkeit und sportlichem Anstand in lebhafter Diskussion jeder seine Meinung zum Ausdruck bringen. Es standen Anträge der Veline von Hahn, Sportclub Griesheim und Union Darmstadt zwecks Aufstieg in die A-Klasse zur Debatte. Es wurde mit dem Ergebnis abgestimmt, daß die Antragsteller in der B-Klasse verbleiben. Weiter wurde beschlossen mit 12 aktiven A-Klassen-Vereinen die kommende Verbandsrunde zu bestreiten, d. h. die Anträge der Vereine von SV 98, Arheilgen und Griesheim wurden abgelehnt und deren 2. oder Sondermannschaften müssen in der B-Klasse spielen. Als letztes war die Frage, steigt SSG Langen, das am Ende der Tabelle steht, ab, oder spielt es in der Runde mit. Nachdem man die fünf Zweiten der jeweiligen A-Klassen-Gruppen nochmals Aufstiegsspiele machen, da Opel Rüsselsheim und Lampertheim doch in die Landes-Liga aufgestiegen sind, kann es leicht möglich sein, daß der VfR Langen doch noch zur Bezirksliga sich den Aufstieg, diesmal etwas besser, erkämpft. Sollte dies der Fall sein, dann braucht SSG Langen nicht abzurücken und Hahn kommt als Ja~ beilenzweiter der B-Klasse hinzu. Verbleibt aber VfR Langen in der A-Klasse, dann wird durch ein Qualikationsspiei zwischen SSG Langen und Hahn auf neutralem Platz der XII. der Runde ermittelt. Der Anfang der Verbands-Runae wurde in beiden Klassen auf den September festgelegt. Im Punkt Verschiedenes wurden einzelne Nachlässigkeiten der Vereine festgestellt und wichtige Termine und Neuerungen besprochen. Zum Schluß dankte Fachwart Morgenthal allen Anwesenden für ihr Erscheinen und bat die kommende Runde ohne nennenswerte Zwischenfälle vorbildlic zu bestreiten. _ _ .
Die B-Klasse, die ja bekanntlich immer am schlechtesten dran ist, zählt nun Vereine und 2 außer Konkurrenz spielende Mannschaften.
Fußballkrcis Darmstadt
Dietzenbach—Vfß Langen 3.2 FSG Langen—Walldorf SRG 3 J Brandau—Reichenbach "O Ober-Beerbach—Nieder-Beerbach • Rüsselsheim—Jugenheim TuS Griesheim—Büttelborn • Bickenbach—Pfungstadt ' ■ Auerbach—Alsbach „L Gräfenhausen—Union Darmstadt b.J Sportklub Griesheim—Biblis Weiterstadt—Roßdorf
Pfungstadt konnte in Bickenbach sehr gut gefallen und bewies seine Klasse. Zwar hielten die Einheimischen? in der 1. Hälfte etwas stand und mit 1:2 wurden die Seiten gewechselt. Auch dann versuchte Bickenbach auszugleichen, aber der Bezirks-Ligist konnte mit 3 weiteren schönen Toren den Endsieg sicher stellen. Bickenbach hingegen war nur noch zweimal erfolgreich. Rebenich (2) und Aßmus schossen die Tore für den Gastgeber.
Auch Alsbach holte sich einen bebeachtenswerten Sieg in Auerbach. Die umgestellte Elf war vom Glück begünstigt und ließ noch nicht einmal den Ehrentreffer zu. Für Alsbach waren Wenz, Deutler und Schäfer erfolgreich.
Im Lokalderby lieferten sich die Mannschaften von Ober- und Nieder-Beerbach einen strammen, ritterlichen Kampf, indem der an Erfahrung ältere Verein Nd.- Beerbach mit 2:0 die Oberhand behielt. Ottmann und W. Sturm verhalfen durch ihre Tore zum Sieg.
Brandau hatte seinen Nachbarn Reichenbach von der A-Klasse eingeladen und unterlag im flotten Spiel 3:6 Schon bis zur Halbzeit war der Gast auf 1:4 davon gezogen. Trotzdem war Brandau noch zweimal erfolgreich. Wolf, Reimund und Schütz bezwangen den Gästetorhüter.
Die wieder gut zusammengefundene Elf der SSG Langen konnte gegen SKG Walldorf ein 3:3 erreichen. Wenn auch der Gast 0:2 im Vorteil lag, so konnten doch noch durch Tore von Werner die SSGler ehrenvoll diese faire Begegnung beenden.
VfR Langen war auf Reisen und besuchte Dietzenbach. Die ganz umgestellte Elf war ein guter Gegner und erst in den letzten Minuten konnte Dietzenbach den Siegertreffer anbringen. Prosch und Lehrnickel waren die Torschützen.
Jugenheim kam in Rüsselsheim beim TSV durch Tore von Böhm (2), Emmerich und Hüllencremer in einem flotten Spiel mit 1:4 zum Sieg.
Union Darmstadt kam in Gräfenhausen um eine deutliche Niederlage von 6:0 nicht herum. Trotz eifrigen Spiels blieb ihnen der wohl verdiente Ehrentreffer versagt. Seiler, Langendorf und Best teilten sich die Torausbeute.
TuS Griesheim stellte sich wieder mit einer umgestellten Elf gegen Büttelborn vor und unterlag etwas hoch, doch verdient 0:7.
Der neugegrundete Sportclub sreute sich heute zum ersten Male in neuer Sportbekleidung und Spielbäl'en den Griesheimern vor. Es war den ganzen Tag über Betrieb auf dem neu hergerichteten Sportplatz. Schon nach kurzer Zeit machte sich im Hauptspiel eine Ueberlegen^eit der Gäste bemerkbar. Trotzdem War es manchmal sehr mulmig vor dem Gästetorhüter, der nur Dank seiner hervorragenden Leistung sein Heiligtum rein behalten konnte. Immer mehr in die Devensive gedrückt, konnte Biblis bis zur Pause 0:2 davonziehen. Wer nun glaubte, es käme eine Wendung, der hatte sich getäuscht. Langsam aber sicher nahmen die Gäste immer fester das Heft in die Hand und 4 weitere Tore stellten den Sieg fest. Erst wenige Minuten vor Schluß konnte Linksaußen Grimm das verdiente Ehrentor erzielen.
Oberzent: Sensbachtal, Gameisbach, Rothenberg, Finkenbach, Ittental, Hetzbach, Steinbuch und außer Konkurrenz Beerfelden (Soma).
Unterzent: Kirch, Brombach, Viel- brunn, Wald-Amorbach, Haingrund, Mümling-Grumbach, Fürstengrund und evtl. VfL Höchst, dessen Antrag vom Verband noch nicht genehmigt ist, außer Konkurrenz TSV Höchst (Soma). Der Beginn der Verbandsrunde ist auf den 10. September festgesetzt worden. Der Kreismeister der B-Klasse, der aus den beiden Gruppensiegern ermittelt wird, steigt in die A-Klasse auf, während der letzte der A-Klasse in die B-Klasse absteigen wird. Ob der A-Klassenmeister in die Bezirksklasse aufsteigen wird, Wird erst bei dem im Januar 1951 stattfindenden außerordentlichen Verbandstag entschieden werden. Anschließend wurden die Klassenleiter der B-Klasse, und zwar für die Oberzent Herr Weber, Beerfelden, und für die Unterzent Herr Hofacker, Sandbach, gewählt. (le)
SV 98 -Leichtath leten in Worms erfolgreich
Nach jahrelanger Unterbrechung führte die Alemannia Worms wieder ihre Nibelunigen-Kampfspiele am vergangenen Sonntag durch. Mit 35 Teilnehmern war der SV 98 Darmstadt der stärkst vertretene und erfolgreichste Verein und konnte elf erste Plätze, 16 zweite, sechs dritte und noch weitere Placierungen mit seinem LKW nach Darmstadt nehmen. Leider waren die Platzanlagen nicht in einer solchen Verfassung, daß der gute Einsatz der Athleten auch durch gute Leistungen belohnt werden konnte. Um so höher sind die als nicht gerade schlecht anzusprechenden Leistungen zu bewerten.
Ergebnisse:
Männer: 100 m: 1. Ruppert (Phönix Ludwigshafen) 11,2 Sek., 3. Müller (SV 98) 11,6 Sek. Hochsprung: 1. Pfeffer (SV 98) 1,73 m, 2. Reinhardt (SV 98) 1,70 m. Weitsprung: 1. Reinhardt (SV 98) 6,44 m, 2. Pfeffer (SV 98) 6.23 m. 200 m: 1. Ruppert (Phönix Ludwigshafen) 23,8 Sek., 2. Müller (SV 98) 24 Sek. 400 m: 1. Holfius (SSC Alzey) 52,4 Sek., 2. Horscher (SV 98) 53 Sek. 1500 m: 1. Lenhard (Phönix Ludwigshafen) 4:18,6 Min., 2. Wannemacher (SV 98) 4:18,7 Min. 4XIOO m (Wanderpreis): 1. SV 98 45,7 Sek., 2. Tgd 46 Worms 46,9 Sek. Hammerwurf: 1. Allgeyer (Tgd Worms) 44,80 m, 2. Knapp (SV 98) 35,40 m. 3 X 1000 m: 1. Phönix Ludwigshafen 8:28 Min., 2. SV 98 8:28,5 Min.
Junioren: 800 m: 1. Voogt (SV 98) 2:04,8 Min. Hochsprung: 1. Utsch (SV 98) 1,55 m. Weitsprung: I.Muschik (1817 Mainz 5,52 m, 2. Utsch (SV 98) 5,39 m.
Männliche Jugend: 200 m: 1. Schieks (Phönix Ludwigshafen) 23,8 Sek., 2. Metzger (SV 98) 24 Sek. Weitsprung: 1. Buttmann (Phönix Ludwigshafen) 6,01 m, 2. Hauck (SV 98) 5,68 m. 1000 m: 1. Soldan (Tgd Worms) 2:59,5 Min., 2. Doemner (SV 93) 3:02,0 Min.
Frauen: Diskus: 1. Engelhardt (SV 98) 27,40 m. Speerwurf: 1. Klein (Wormatia) 29,02 m, 2. Engelhardt (SV 98) 25,30 m.
Weibliche Jugend: 100 m: 1. Weiß (SV 98) 13,3 Sek., 3. Diemer (SV 98) 13,9 Sek. Weitsprung: 1. Fey (SV 98) 4,45 m, 2. Sauer (SV 98) 4,40 m. Speerwurf: 1. Sauer (SV 98) 25,02 m, 2. Speer (SV 98) 23,78 m. Diskus: 1. Fey (SV 98) 22,20 m, 2. Sauer (SV 98) 19,90 m, 3. Speer (SV 98) 18.20 m. Hochsprung: 1. Mehlheim (Pflffligheim) 1,25 m, 2. Sauer (SV 98) 1,20, 3. Speer (SV 98) 1,15 m. 4 X 100 m: 1. SV 98 54,8 Sek.
Ranglistenspiele beim SV 98
Alljährlich werden mit besonderem Interesse die Ranglistenspiele durchgeführt. Jeder muß gegen jeden kämpfen. Bei der Ausgeglichenheit der Spieler, die sich einzeln in ihrer Spielart gut kennen, gibt es immer Ueberraschungen. So war es auch in diesem Jahr. Wenn auch die Spiele noch nicht hundertprozentig beendet sind, so steht die Reihenfolge der 1. Mannschaft ziemlich fest. An die erste Stelle konnte sich wieder Hardt setzen, der lediglich ein Spiel gegen den jugendlichen Hartmann verlor. Hartmann, dessen Angriff in den letzten Monaten eine große Verbesserung aufzuweisen hat, steht an zweiter Stelle und wird von diesem Platz nicht zu verdrängen sein. Kappes hat sich ebenfalls die Mitwirkung in der 1. Mannschaft erspielt. Die nächsten Plätze sind hart und werden erbittert erkämpft. Essinger, der bisher noch nicht das richtige Training gefunden hat. wird es schwer haben, mit auf die ersten Plätze zu kommen, doch dürfte sein Platz in der 1. Mannschaft gewiß sein. Für den 5. und 6. Platz in der 1. Mannschaft kommen in Betracht Lutz, Wittmann, Haller, Römer, Fey und Mees.
Die Damen, die erst nächste Woche mit der Austragung der Spiele beginnen, werden im großen und ganzen in derselben Reihenfolge wie im vorigen Jahr spielen.
65jähr. Jubiläum des SG Weiterstadt
Die Sportgemeinde Weiterstadt hielt am letzten Sonntagnachmittag bei Gastwirt Schöneberger eine Halbjahres Versammlung ab. Nach Erledigung des Halbjahresberichtes, der die Leistungen des Vereins auf turnerischen, leichtathletischen und sportlichen Gebiet unterstrich, gab der Rechner den Kassenbericht. Als nächster Punkt wurde das Jubiläum des Vereins im nächsten Jahr besprochen. Der Vorsitzende gab die Vorarbeiten des Vorstandes bekannt. Als Festtage wurden der 30. Juni bis 2. Juli ISSI oder aber der 23. bis 25. Juni 1951 bestimmt. An einem der beiden Tage soll das Fest zur Durchführung gelangen. Es ist geplant, mit diesem Jubiläum das Volkstum- und Altersturnfest mitzuverbinden. Weiterhin begeht neben dem 65jährigen Bestehe» der Turnerei in Weiterstadt der Verein sein 25jähriges Handballjubiläum. Alle Kräfte sollen jetzt schon für das Fest eingespannt werden. Das Festbuch soll bis zum Winter fertiggeste’lt sein. In den geschäftsführenden Ausschuß wurden neben dem Vorstand folgende Mitglieder berufen: Konrad Zimmermann, Christian Petri, Hans Schuchmann, Heinrich Ewald, Karlheinz Rückert, Philipp Jung, Christof und Peter Hirsch, Philipp Trautmann, Otto Bender und Ludwig Bangert. Die weiteren Ausschüsse werden von dem geschäftsführenden Ausschuß je nach Bedarf gebildet und dementsprechend bestimmt. Zur Ehrung der Mitglieder wurde folgendes bestimmt: alle Mitglieder von 25 Jahre und mehr erhalten eine silberne Ehrennadel, von 40 Jahren und mehr eine solche mit der Aufschrift „40“ und von 50 Jahren und mehr eine goldene Ehrennadel des Vereins. Weiterhin wurde die Aufstellung des Musikzuges besprochen, der in der übernächsten Woche nach der Kirchweihe seine ersten Uebungsstunden durchführen soll. Für das Gelingen des Festes sollen schon jetzt alle Kräfte aufgeboten werden. Ebenso werden die gesamten Ortsvereine durch Beteiligung aufgerufen. Das gesamte Fest, das zum Volksfest Weiterstadts werden soll, wird auf dem Sportplatz durchgefü’.rt. Großzelte sollen die Zuschauer und Teilnehmer aufnehmen.
Folgende Veranstaltungen wurden eingehend erörtert: Am 29. Oktober ein Turnabend verbunden mit dem Abturnen, am 25. November ein Schauturnen und am 10. Dezember 1950 ein Elternabend. -H¬
Sport in Kürze
Die Box-Vereinigung Erbach-Michelstadt kam mit einem 10:10 Unentschieden vom Rückkampf gegen den Boxklub 1947 Bischofsheim bei Mainz zurück. Die Bischofsheimer waren durch einige bewährte Kämpfer von Rüsselsheim verstärkt. Milden siegte nach einem technisch schönen Kampf nach Punkten gegen Jost. Bischofsheim, und Willi Heilos, Erbach, wurde k.-0.-Sieger. -ch
Zweites Ried -Ring-Rennen am 27. August
Aus Leverkusen und München, aus Passau und anderen entfernten Gegenden der Bundesrepublik liegen bisher Einzeichnungen für das am 27. August stattfindende 2. Ried-Ring-Rennen bei Lorsch vor. Die Strecke, die nach ihrer Jungfernveranstaltung am 4. Juni von den beteiligten Fahrern ebenso wie von maßgeblichen Experten als die Strecke der Zukunft bezeichnet wurde, ist inzwischen weiter ausgebaut und verbessert worden, erhielt einen weiteren Betonbelag und sieht sich so gerüstet, den kommenden Ereignissen die besten Voraussetzungen zu bieten. Wie der 1. Vorsitzende des Motorsportclubs Ried - Riedring, Heinz von Manger, gelegentlich einer Pressebesprechung erklärte, wurde die Strecke darüber hinaus so ausgebaut, daß Geschwindigkeiten von HO km/h und mehr von den schweren Maschinen ohne weiteres gefahren werden können, ohne daß die Fahrer zu „schinden“ brauchen. Außerdem sind jetzt von nahezu allen Punkten aus mindestens drei Viertel der Rennstrecke zu übersehen, ein Vorteil, der den Riedring unter den Zuschauern besonders beliebt macht, da sie so dem Rennverlauf wirklich zu folgen vermögen, ohne ausschließlich auf die Streckenberichterstattung angewiesen zu sein. Damit aber auch diese in den besten Händen liege, hat sich Dr. Paul Laven bereit erklärt, am 27. August die Reportage zu übernehmen.
Von den bisher vorliegenden Nennungen — es sind derzeit weit über 100, Meldeschluß ist aber erst der 20. August! — werden vor allem in den kleinen Klassen verschiedene gestrichen werden müssen. Unter den Lizenzfahrern, mit denen Verhandlungen aufgenommen worden sind, ragen vor allem Namen wie Ewald Kluge, H. P. Müller, Wolf, Hofmann, Rückert, Thorn, Meister u. a. m. hervor. Auch der neu am Lizenzfahrerhimmel aufgegangene Stern H. Ludenberger, der Sieger von Lorsch, Dieburg und Frankenthal, wird am Start erscheinen. 15 bis 20 Runden werden in den einzelnen Klassen gefahren; auch die Seitenwagenspezialisten kommen auf ihre Kosten, und da die 3,2 Kilometer lange Strecke somit jeweils sehr rasch erledigt sein wird, ist mit einem abwechslungsreichen Renntag voller Spannung zu rechnen, (ni)
Pokalturnier in Rimbach
Sieger Groß-Zimmern und Viernheim
Das aus Anlaß des vierzigjährigen Bestehens des Kraftsportes in Rimbach ausgeschriebene Pokalturnier hatte im Gegensatz zu den Erwartungen und den erteilten Zusagen nicht ganz die große Besetzung aufzuweisen: neun Mannschaften bewarben sich um die in zwei Klassen ausgesetzten vier Pokale und zwei Plaketten: Ober-Ramstadt, Groß-Zimmern und Friesenheim in der A-Klasse sowie Ober-Ramstadt 11, Bensheim, Viernheim, Rimbach, Nieder-Liebersbach und Schriesheim in der B-Klasse. Ein Festkommers am Samstagabend bildete den Auftakt der Veranstaltung. Der Sonntag stand durchweg im Zeichen schöner, harmonisch verlaufener Kämpfe mit zum Teil knappem Ausgang. Den 1. Pokal erkämpfte sich Groß-Zimmern I vor Friesenheim und Ober-Ramstadt, während der B-Sieg mit klarem Vorsprung an Viernheim fiel, gefolgt von Rimbach und Schriesheim. Die junge Viernheimer Staffel ging als beste Mannschaft ohne Niederlage aus dem gut organisierten Turnier, dem Bürgermeister Schmitt sowie Spielmannszug und Blaskapelle der Rimbacher Feuerwehr treue Helfer waren, hervor. (in)
Ober-Abtsteinach Sieger in Wahlen
Das Fußballturnier um den silbernen Pokal in Wahlen, das nach dem Modus „jeder gegen jeden“ ausgetragen wurde, sah überraschenderweise den B-Klassenfünften Ober-Abtsteinach vor dem neugebackenen Kreisligisten Weiher,, dem alten Kreisklassevertreter Affolterbach und den ehrgeizigen Mitlechternern als Sieger. Außer den vorerwähnten Vereinen nahmen teil Ober-Abtsteinach 11, Wahlen I, Affolterbach 11, Reichelsheim und Wahlen 11. Die Strapazen für die beteiligten Mannschaften waren angesichts der vielen auszutragenden Spiele groß und ergaben selten mehr als ein Tor pro Spiel. Der vormittags ausgetragene Wettbewerb im Fußballweitstoß wurde von Otto mit 53 Metern vor Oberle (47 m) und E. Weiß (45,75 m) (alle Wahlen) gewonnen. (ni)
Kreisfußballtaguns des Kreises Erbach
Bei der am Sonntag im Saale der Gastwirtschaft „Zur Burg Breuberg“ in Höchst abgehaltene Kreisfußballtagung des Kreises Erbach wies Kreisfußballfachwart Walther, Lützel-Wiebelsbach, auf die Schwierigkeiten der Spielsysteme hin. Nach längerer Debatte wurde eine Resolution gefaßt, die über den Bezirksverband an den Fußballverband weitergeleitet werden soll mit dem Inhalt, der Verband möge sich endlich eines ständigeren Systems befleißigen, das für Jahre feststeht und nicht immer wieder umgeschmissen wird. Anschließend wurde nach längerer lebhafter Diskussion dem Antrag des SC Rimborn auf Weiterverbleib in der A-Klasse mit 29:1 bei 4 Stimmenthaltungen zugestimmt. Die A-Klasse setzt sich nun — nach dem Aufstieg des VfL Michelstadt in die Bezirksklasse und dem Zugang der beiden Gruppensieger der B-Klasse — wie folgt zusammen: Neustadt, Bad König, TSV Höchst, Lützel-Wiebelsbach, SC Sandbach, Beerfelden, Steinbach, Hainstadt, SC Rimhorn, Günterfürst, Würzburg, außer Konkurrenz Erbach (Soma). Die B-Klasse ist wieder in zwei Gruppen eingetelit und setzt sich aus folgenden Fußballvereinen zusammen:
30 Jahre Fußball in Messel
Auf ihrem vergrößerten und neu hergerichteten Sportplatz führte die Turn- und Sportgemeinschaft Messel anläßlich des 30jährigen Bestehens ihrer Fußballabteilung ein Jubiläumsturnier durch, an dem die ersten Mannschaften von Viktoria Urberach, KSG Ober-Ramstadt, Sportverein Erzhausen, KSG Offenthai und die Reservemannschaft des Sportvereins 98 Darmstadt teilnahmen. Während sich die Altherrenmannschaften von Wixhausen und Messel bereits am Samstagmittag mit 7:2 Toren trennten, setzte am Sonntagvormittag 8.30 Uhr nach kurzer Begrüßung durch den Bürgermeister ein reger Spielbetrieb im Punktesystem ein, der bis zum Abend dauerte. Nach durchweg fair ausgetragenen Kämpfen konnte Messel mit vier gewonnenen Spielen Turniersieger werden. An zweite Stelle gelangte Viktoria Urberach, während die Reserve von Darmstadt 98 und KSG Ober-Ramstadt sich den dritten beziehungsweise vierten Preis holten. es.
Ergebnisse : TSG Messel—SUS 60 Offenthai 3:0, SKG Ober-Ramstadt—SV Erzhausen 1:0, Vikt. Urberach—SV Darmstadt Res. 1:2, SV Erzhausen—Offenthai 0:1, SV 98 Darmstadt Res.—TSG Messel 1:0, Vikt. Urberach—SKG Ober-Ramstadt 1:0, SV Erzhausen—SV 98 Darmstadt Res. 0:2, TSG Messel—SKG Ober-Ramstadt 3:0, SUS 60 Ottenthal—Vikt. Urberach 0:5, SKG Ober-Ramstadt—SV 98 Darmstadt 1:6, SV Erzhausen—TSG Messel 0:2, Offenthai—SV 98 Darmstadt 2:1, Vikt. Urberach—SV Erzhausen 1:0, Offenthai— SKG Ober-Ramstadt 0:0, TSG Messel— Vikt. Urberach 2:0.
Tischtennis
Freundschaftskämpfe im Kreis Darmstadt
Bevor der Start zur neuen Verbandsrunde beginnt, lassen es sich die einzelnen Vereine nicht nehmen, vorher noch die Mannschaften stärkemäßig auszuprobieren. Vor allen Dingen gilt es bei den Punktekämpfen, daß nicht nur die Einzelspiele gut besetzt sind, sondern es ist gerade im Tischtennissport die gute Zusammenstellung der Doppel von ausschlaggebender Bedeutung.
Die SG Arheilgen, empfing am Sonntag die junge Mannschaft der TSV Pfungstadt, die in letzter Zeit durch beachtliche Erfolge aufhorchen ließ. Die Gastgeber sind durch den Abgang von Fleck bedeutend geschwächt und mußten in diesem Freundschaftsspiel eine klare 3:6- Niederlage einstecken, nachdem bereits das Spiel nach den Einzeln für Pfungstadt entschieden war. Pfungstadt in der Aufstellung Thasler, Maibach, Eidmann, Lewiki, Hübner und Kniwely hat eine junge und aufstrebende Mannschaft, die noch der nötigen Erfahrung bedarf. Den einzigen Punkt bei den Einzelspielen holte Spengler für Arheilgen.
Die SG Wixhausen, die am Vorsonntag gegen die Kreisauswahl spüren mußte, daß ihre Mannschaft doch noch nicht ganz so weit ist, um gegen Klassenhöhere zu bestehen, ernteten einen überraschend hohen Sieg gegen Neu-Isenburg. Der Sieg ist aber in der Höhe von 8:1 für die Gastgeber zu hoch ausgefallen. Spielerisch waren die Gäste nicht um so viel schlechter und hätten noch den einen oder anderen Punkt verdient gehabt. Die zweite Mannschaft der Gastgeber gewann gegen die 1. Mannschaft von Egelsbach 7:2. Ergebnis: SG Arheilgen II —TSV Pfungstadt II 5:4. Ku.
Presse-Spiegel zum Spiel
SV 98 Darmstadt—Preußen Dellbrück
„Kölnische Rundschau“: „...Die Gäste, die spieltechnisch einen besseren Eindruck als die Darmstädter hinterließen, waren an Schnelligkeit und Einsatzfreudigkeit den Platzherren gewachsen.“
„Sport-Kurier“, Ulm: „...obwohl die Gäste in ihrer Kondition und im genauen Zuspiel einen besseren Eindruck machten ... die Gastgeber, die ihre Stärke in ihrer Läuferreihe, vor allein in Barth und Herder hatten ..
„Sportbericht“, Stuttgart: „...der westdeutsche Zweite war wohl technisch überlegen und zeigte auch die größere Härte, scheiterte aber an dem Kampfgeist der Lilien“ ... Der Neuling der süddeutschen Oberliga bewies auch in diesem Kampf durch sein unorthodoxes Spiel seine Gefährlichkeit.... Neben der starken Deckung ist der blitzschnelle durcheinanderwirbelnde Sturm zu beachten, in dem das Schwergewicht diesmal auf der rechten Seite lag ...“
ASZ, Mannheim: „Darmstadt 98 zeigte Preußen Dellbrück die Krallen ... In erster Linie sicherte aber doch die Läuferreihe den Sieg der Darmstädter ..“
„Frankfurter Rundschau“: „... Obwohl die Darmstädter Deckung auf keine harte Probe gestellt wurde, waren Dr. Barth und Leichtlein unsicher. Nur Schmidtmer überzeugte ..
Die ersten Toto-Quoten
Im Württembergisch-Badischen Fußballtoto wurde am ersten Wettsonntag der neuen Saison ein Gesamtumsatz von 407 900 Mark erzielt. Auf jeden Rang kommen somit 55 164 Mark zur Ausschüttung. Im ersten Rang (zwölf richtige Tips) gab es vier Gewinner, die je 13 791 Mark erhielten. An 95 Gewinner im zweiten Rang (elf richtige Tips) werden je 580,50 Mark gezahlt, während auf 1134 Gewinner im dritten Rang (zehn richtige Tips) je 48,50 Mark entfallen. In der Zusatzwette gab es 294 Gewinner, die je 130,50 Mark erhalten.
Für den ersten Wettsonntag zahlt der Nord-Toto folgende Quoten aus: 1. Rang: 62 Gewiner je 312,50 DM, 2. Rang: 1273 Gewinner je 152 DM, 3. Rang: 12 379 Gewinner je 15,60 DM.
Der Bayern-Toto meldet: 1. Rang: 10 Gewinner je 10 338 DM, 2. Rang: 359 Gewinner je 288 DM, 3. Rang: 3835 Gewinner je 26,90 DM. Zusatzwette: 1. Rang: neun richtige Tips, zwei Gewinner je 10 705 DM, 2. Rang: 206 Gewinner je 103, 90 DM.
Vom Hessen-Toto werden ausgezahlt: 1. Rang: 38 Gewinner je 320 DM, 2. Rang: 566 Gewinner je 21,60 DM, 3. Rang: 3847 Gewinner je 3,10 DM.
Hörmann gewann die dritte Etappe
Aachen, (dpa) Die dritte Etappe der internationalen Deutschlandrundfahrt 1950 von Bocholt nach Aachen gewann der Münchner Hans Hörmann ( Bauer-Rad) im Spurt knapp vor dem Belgier de Corte. Hörmann benötigte für die 214,7 km eine Fahrzeit von 5:56:00 Stunden. Das weiße Trikot des Spitzenreiters fiel in den in Aachen auf dem elften Platz ankommenden Nürnberger Mathias Pfannenmüller, der mit 20:07:18,4 Stunden die Gesamtwertung vor de Corte (Belgien) mit 20:08:36 Stunden anführt.
Drobny gab im Mixed auf
l.Hamburg. (Eigener Bericht.) Die Internationalen Deutschen Tennis-Meisterschaften sind am Montag mit der Entscheidung im Gemischten Doppel abgeschlossen worden. Leider war der Kampf zwischen Drobny (Aegypten)/Andorson (USA) und Frau Dietz-Hamel (Deutschland)/Quist (Australien) nur von kurzer Dauer, da Drobny beim Stande von 0:3 gegen sein Paar wegen eines Hexenschusses aufgeben mußte.
Zwischen den Kanuverbänden von Schweden und Deutschland ist der erste offizielle Länderkampf für den 21./22. Juli 1951 nach Hannover vereinbart worden.
Danksagung Überaus herzlich war die Anteilnahme bei dem Heimgang meines lieben Mannes, meines treusorgenden Papas, unseres lieben Bruders, Schwagers, Onkels und Schwiegervaters, Herrn Karl Altmann Inhaber der Vereinigten Weinbrennereien, Likör- und Essigfabrik Altmann & Co., Groß-Gerau Die vielen Beileidsbezeigungen, die reichen Kranz- und Blumenspenden sowie das letzte Geleit selbst waren ein wirklicher Beweis seiner großen Beliebtheit und Wertschätzung. Wir sagen hiermit unseren wärmsten Dank. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Friedel Altmann geb. Schmitt Groß-Gerau, August 1950
Danksagung Für die zahlreichen Beweise aufrichtiger Anteilnahme sowie die vielen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen? Frau Elisabeth Jenike sage ich auf diesem Wege allen herzlichsten Dank. Besonderen Dank auch Herrn Pfarrer Kaiser für die trostreichen Worte am Grabe sowie dem evgl. Frauenverein für die Kranzniederlegung. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Jenike 11. Groß-Gerau, August 1950
Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme beim Hinscheiden und der Beerdigung unseres lieben Verstorbenen, Herrn Wilhelm Reitz sagen wir hierdurch unseren herzlichen Dank. Ganz besonders danken wir Herrn Pfarrer Ramge für die trostreiche Grabrede, dem Ge- • sangverein „Frohsinn“ und dem Forstamt Gr.- Gerau für die Kranzniederlegungen und ehrenden Nachrufe und allen, die ihm die letzte Ehre erwiesen und sein Grab mit Kränzen und Blumen schmückten. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Johanna Reitz und Angehörige Königstädten, August 1950
Bestattungen am Dienstag, dem 15. August 1950 Beerdigungen: Bessunger Friedhof 14.00 Göbel, Jakob, Kiesbergstraße 6a, 70 Jahre Waldfriedhof 10.45 Lorenz, Luise, Rhönring 39, 57 Jahre 14.45 Weinehl, Karl, Heidelberger Straße 77, 79 Jahre B Statt Karten Für die vielen Aufmerksamkeiten zu unserer Verlobung sagen wir allen unseren herzlichen Dank. Inge Weigt Kurt Geissler Büttelborn Berkach August 1950
Als Verlobte grüßen Ilse Gerhard Hans Günther Heinz Königstädten Rüsselsheim 12. August 1950
Statt Karten Für die anläßlich unserer Hochzeit so überaus zahlreich erwiesenen Glückwünsche, Blumen undi Geschenke danken wir auf das herzlichste. Karl Lautenschläger und Frau Erna geb. Harth Biebesheim, im August 1950
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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Betr.: Die ansteckende Blutarmut, hier: bei einem Pferde des Karl Ludwig Seelinger in Lampertheim, Römerstraße 101 Die ansteckende Blutarmut im Gehöft des Karl Ludwig Seelinger in Lampertheim, Römerstraße 101, ist erloschen. Heppenheim, den 4. August 1950. Der Landrat dos Landkreises Bergstraße Wie das Kreis-Resident-Office mitteilt, wurde ab sofort der Abschuß von Böcken durch amerikanische Jäger im Landkreis Bergstraße (Gemeindejagden) gesperrt. Heppenheim, den 9. August 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Dienstnachrichten Georg Kinscherf, geb. 1. 1. 1881, wohnhaft in Birkenau, wurde als Hilfsfeldschütze der Gemeinde Birkenau am 9. August 1950 verpflichtet. - Johann Reinhard, geb. 1. 5. 1906, wohnhaft in Hirschhorn, wurde am 8. August als stellvertretender Feuerwehrkommandant der Stadt Hirschhorn verpflichtet. - Juliane Gärtner, Einhausen, wurde am 8. August 1950 als Hebamme der Gemeinde Einhausen verpflichtet.
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