Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag; Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rhetnstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 38 öeffifdpe Tieueffe ^a^ri^ten Montag, 14. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Bonn wartet ab

Kommentare deutscher Regierungsvertreter zum Vorschlag Churchills

Drahtberjcht unseres Korrespondenten

Z.K. Bonn, 13. August. Die erste Ueberraschung in Bonn über den weitreichenden Vorschlag Churchills zur Schaffung einer europäischen Armee und über die zustimmende Haltung der Beratenden Versammlung hat sich gelegt. Vorsichtige Kommentare aus der Bundeshauptstadt lassen eine Tendenz erkennen, die unter dem Titel zusammengefaßt werden kann; Bonn wartet ab.

Zuständige Stellen begründen diese abwartende Haltung vor allem mit rein technischen Überlegungen: Der Ministerrat des Europarats muß dem Beschluß der Beratenden Versammlung zustimmen. Er wird dazu frühestens auf seiner Sitzung im Oktober in Rom Gelegenheit haben. Sollte er dort — trotz der britischen Bedenken — eine Zustimmung erhalten, so würde sich daraus für die Bundesrepublik eine Reihe von Folgerungen ergeben, die wiederum nur durch die alliierten Regierungen geklärt werden können.

Die Außenminister treten aber schon im September zusammen, also bereits ehe ein Beschluß des Ministerrats möglich ist. Es ergibt sich aus diesem Terminkalender, daß deutsche Entscheidungen als Folge des Straßburger Beschlusses in absehbarer Zeit nicht notwendig sein werden.

Die Bundesregierung steht, wenn sie eines Tages zu diesem Problem Stellung nehmen muß, vor der Frage, wie sich der Bundestag entscheiden könnte. Zweifellos werden sich die Straßburger Delegierten der Bonner Regierungsparteien am Wochenende mit Vizekanzler Blücher in Karlsruhe auch darüber unterhalten haben. Dasselbe Thema behandelten die beiden sozialdemokratischen Parteivorsitzenden Dr. Schumacher und Ollenhauer, die sich am Samstag in Bonn trafen.

Der Bundeskanzler wird am Montag vom Vizekanzler unterrichtet werden. Er wird iisi Verlaute der kommenden Monate bemüht sein, im Bundestag eine möglichst große Plattform zu bekommen, wenn es gilt, Remilitarisierungsfragen dort zu behandeln. Christlich-demokratische Kreise in Bonn rechnen dabei allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten bei den Sozialdemokraten.

Deutsche Delegation berichtet

Karlsruhe, 13. August, (dpa) Unter dem Vorsitz des Leiters der deutschen Delegation für Straßburg, Dr. Pünder, haben am Sonntagmorgen in Karlsruhe Besprechungen zwischen Vertretern der Bundesregierung und führenden Mitgliedern der deutschen Delegation begonnen. Zweck der Besprechung ist, wie Dr. Pünder erklärte, eine informatorische Aussprache über die in Straßburg aufgeworfenen Probleme. Vor allem soll der Schuman-Plan erörtert werden, der am Montag auf der Straßburger Tagesordnung steht.

Washington begrüsßt den Vorschlag

Washington, 13. August. (AP.) Der Vorschlag Churchills wird von amerikanischen Regierungsstellen in Washington begrüßt. Washingtoner Stellen äußern sich jedoch noch nicht dazu, ob die europäischen Nationen den Vorschlag unverzüglich verwirklichen sollten.

Paris: Sache des Atlantikpaktes

Paris, 13. August, (dpa). Das" französische Außenministerium hat den von der Beratenden Versammlung gebilligten Vorschlag Churchills zur Schaffung einer europäischen Armee begrüßt. Es wurde jedoch betont, daß dieser Plan in den Zuständigkeitsbereich des Atlantikpaktes falle. Der Europarat habe keine Befugnis, sich mit militärischen Angelegenheiten zu beschäftigen.

Norden droht Journalisten

Berlin, 13. August, (dpa) Der Pressechef der Deutschen Demokratischen Republik, Norden, hat auf der Verbandstagung des Presseverbandes der Sowjetzone den westdeutschen Journalisten gedroht. Die Frist, die sie noch zur Kriegshetze hätten, sei kurz bemessen. Das Urteil, das sie erwarte, werde hart aber gerecht sein. Kriegshetze könne nicht als politisches, sondern nur als kriminelles Delikt behandelt werden.

Neuer Kurs gegenüber Deutschland?

Ein Amerikaner betont die Notwendigkeit

Frankfurt, 13. August. (AP./dpa) Ein früherer Beamter der amerikanischen Militärregierung in Deutschland hat sich für eine neue und entschlossene Einstellung der Vereinigten Staaten gegenüber Deutschland ausgesprochen, damit das deutsche Volk zu einem Partner bei dem weltumfassenden Kampf gegen den Kommunismus gemacht werden könne.

Dr. Schnitzer, der ehemalige Leiter der Informationsabteilung bei der Militärregierung für Württemberg-Baden, stellt bei Darlegung seines Vorschlags in einer Zuschrift an die „Washington Post“ zwei Punkte heraus, die vor allem beachtet werden müßten.

1. Es müßten die psychologischen Schranken auf beiden Seiten niedergerissen werden.

2. Deutschland sollte stärkere Unterstützung bei dem Streben nach gerechtfertigten nationalen Zielen erhalten.

, Zu wenige Amerikaner seien bereit zuzugeben, daß sich in jedem unter ausländischer Besatzung stehenden Land Nationalismus ausbreite. Die Amerikaner müßten unterscheiden zwischen ungesundem Chauvinismus und berechtigtem Patriotismus, der ein Ausdruck der Heimatliebe sei. Die Deutschen sollten andererseits aufhören, das Besatzungspersonal .für die Folgen der Niederlage Deutschlands verantwortlich zu machen.

Dr. Schnitzer siehtsein, daß die Bundesrepublik Sicherheit gegen Aggressionen, eine höhere Industfiekapazität zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit, Exportsteigerung, einen besseren Lebensstandard, Vollmachten zur Behandlung seiner eigenen Angelegenheiten, die Wiedervereinigung des Landes und den Wiederanschluß der Ostgebiete fordere.

Schnitzer spricht sich dafür aus, daß die Vereinigten Staaten für die Wiedervereinigung Deutschlands und die Rückgliederung seiner Ostgebiete eintreten sollten, obwohl sie im Augenblick nichts an der Lage ändern könnten. Abschließend weist er darauf hin, daß es ohne einen soliden Frieden für Deutschland, keinen Frieden für Europa geben werde.

Ein maßgebender Beamter des amerikanischen Oherkommissariats begrüßte in Frankfurt den Vorschlag Churchills, eine europäische Armee unter vereinigtem Kommando aufzustellen. Wenn eine solche Armee aufgestellt werde, sei es klar, daß auch Deutschland dazu beitrage. „Es wäre unrealistisch, zu glauben, daß Deutschland die Früchte einer gemeinsamen europäischen Verteidigung genießen könnte, ohne zu dieser Verteidigung beizusteuern.“

Ueber die Form der deutschen Beteiligung sprach sich der amerikanische Beamte nicht klar aus. Das werde sich erst ergeben, wenn der britische Vorschlag verwirklicht werde. Jeder Partner sollte militärisch oder wirtschaftlich das zur europäischen Verteidigung beitragen, was er könne.

Sowohl als auch

Jugend für Armee, aber Recht auf Dienstverweigerung

München, 13. August. (H. R.) Das Zweite Europäische Jugendforum in München hat mit großer Mehrheit die Auf Stellung 'feiner europäischen Streitmacht auf freiwilliger Basis gefordert. Gleichzeitig erkannte das Forum das Recht des einzelnen auf Kriegsdienstverweigerung sowohl an der Front als in der Heimat an. Die Entschließung wurde vom überwiegenden Teil der rund zweihundert Delegierten des In- und Auslandes mit großer Begeisterung angenommen.

Bei einer Diskussion stand die Frage im Mittelpunkt, ob die Jugend bereit sei, die Existenz der friedlichen Welt nötigenfalls mit der Tat zu verteidigen. Die deutsehen Sprecher forderten vor allem, daß die geistigen Kräfte des Westens mobilisiert werden sollten. Eine Aufrüstung bis zum letzten Mann sei zu vermeiden, weil sich dann der Lebensstandard im Westen derartig vermindere, daß er in nichts mehr von dem der Länder östlich des Eisernen Vorhangs zu unterscheiden sei. Eine Zusammenarbeit mit dem Kommunismus wurde abgelehnt. Ein deutscher Student sagte unter dem Beifall der Versammlung, für ihn als Angehörigen eines Volkes, von dem noch Hunderttausende in russischen Konzentrationslagern dem Tode geweiht seien, könne es eine solche Verständigung nicht geben.

Das Europäische Jugendforum sprach sich offen gegen die Einführung eines Arbeitsdienstes oder eines europäischen Aufbauwerkes auf freiwilliger Grundlage aus. Sämtliche Beschlüsse werden an das Generalsekretariat des Europarates in Straßburg und an den Jugendrat der Europäischen Bewegung sowie an die UNESCO weitergeleitet.


Straßenbild aus einer südkoreanischen Stadt in dem von den Amerikanern gehaltenen Teil Koreas. Quer über die Straße ist ein Transparent gespannt mit der Aufschrift: „Willkommen! Amerikanische Armee, Flotte und Luftstreitkräfte. Der Kreuzzug für Weltfriede und Gerechtigkeit" Keystone-Press-Bild
Straßenbild aus einer südkoreanischen Stadt in dem von den Amerikanern gehaltenen Teil Koreas. Quer über die Straße ist ein Transparent gespannt mit der Aufschrift: „Willkommen! Amerikanische Armee, Flotte und Luftstreitkräfte. Der Kreuzzug für Weltfriede und Gerechtigkeit" Keystone-Press-Bild

Für drei Monate verboten

Frankfurt, 13. August. (AP./dpa) Ueber das Wochenende ist wieder eine ganze Reihe von kommunistischen Zeitungen verboten worden. Es handelt sich um die in Hannover erscheinende Tageszeitung „Wahrheit“, die kommunistischen Zeitungen an Rhein und Ruhr „Neue Volkszeitung“ und „Volksecho“, sowie um das „Badische Volksecho“ in Mannheim. Alle Zeitungen wurden auf neunzig Tage verboten. Die Druckereien wurden plombiert. Damit dürfen in Westdeutschland acht kommunistische Zeitungen nicht erscheinen.

Der Atomspion unterninmt einen Selbstmordversuch

London, 13. August, (dpa) Der Engländer William Ralph Wakeham, der beschuldigt wird, eine Mappe mit geheimen, atomwissenschaftlichen Dokumenten gestohlen zu haben, hat in seiner Londoner Gefängniszelle einen Selbstmordversuch unternommen. Er wurde mit Verletzungen an den Handgelenken aufgefunden und in ein Krankenhaus eingeliefert.

Armeen des kommunistischen Chinas in Stärke von achthunderttausend Mann sollen in den vergangenen sechs Wochen auf die Grenzen Tibets angerückt sein.

Die Kostenfrage

*** Der Antrag Churchills, eine europäische Armee mit Einschluß Westdeutschlands zu schaffen, wird die Bundesrepublik vor eine schwere Entscheidung stellen. Man kann annehmen, daß Bundeskanzler Dr. Adenauer diese Entwicklung befürworten wird, da er bereits seit langem auf die Schutzlosigkeit Westdeutschlands gegen eine Aggression von Osten her hingewiesen hat. Die Sozialdemokratische Partei, deren Delegierte sich in Straßburg der Stimme enthalten haben, wird dagegen zweifellos jede Wiederaufrüstung ablehnen. Es ist immerhin vorteilhaft, daß eine Entscheidung nicht von heute auf morgen vorgenommen werden muß. Bevor der Ministerrat des Europarates dem Beschluß der Beratenden Versammlnug zugestimmt hat, braucht die Bundesrepublik aus ihm keine Folgerungen zu ziehen. Demnach bleibt Zeit genug, um sich über alle Folgen einer Wiederaufrüstung Deutschlands klar zu werden. Das politische Für und Wider ist eingehend besprochen worden. Was aber bisher überhaupt noch nicht erörtert wurde, ist die Kostenfrage. Soll Deutschland neben den Besatzungslasten außerdem die Kosten einer Wiederaufrüstung selbst tragen, so würde das eine Herabsetzung unseres Lebens- Standards bedeuten, der sich dann wenig mehr von dem in der Sowjetzone unterschiede. Das aber würde die innere Abwehrkraft der Menschen in der Bundesrepublik keineswegs stärken. Das englische Liberalblatt „Manchester Guardian“ hat durchaus recht, wenn es meint, die deutschen Steuerzahler würden sicherlich Auskunft darüber verlangen, was die ganze Angelegenheit kosten solle. Es sei an Churchill, klipp und klar zu erklären, wie er sicjr eine deutsche Wiederbewaffnung vorstelle. Auf seine Vorschläge darf man gespannt sein.

Wenn von Deutschland verlangt wird, daß es seine bisherige Einstellung gegen eine Wiederbewaffnung aufgibt, so müßte andererseits von den Westmächten erwartet werden, daß sie der Bundesrepublik endlich die offizielle Sicherheitsgarantie geben. Es kann nicht bei den bisherigen sehr allgemeinen Versicherungen bleiben, und außerdem müssen wir die Ueberzeugung gewinnen, daß mit einem offiziellen Versprechen auch die Fähigkeit verbunden ist, es einzulösen. Das scheint uns bisher nicht der Fall zu sein. Die Gewähr, daß es doch so sei, wird den Westmächten mehr als moralische Kosten verursachen. Aber sie werden sie nicht vermeiden können, wenn sie Westdeutschland als Partner gewinnen wollen.

Dilettantismus

PS. Alle deutschen Delegierten in Straßburg haben dargelegt, daß die vornehmste Anstrengung Europas politisch und nicht militärisch sein muß. Das heißt gewiß nicht, die im Osten drohende militärische Gefahr unterschätzen. In Deutschland hat das ohnehin niemand getan, auch nicht in den Jahren, als man bei den Westmächteh noch geneigt war, die Augen vor den im Osten auf steigenden dunklen Wolken zu verschließen. Aber wichtiger noch ist die Lösung der politischen Probleme. Das geeinte Europa zu schaffen, wie es die deutschen Delegierten wieder vorgeschlagen haben, bedeutet nicht nur, die militärische Schlagkraft zu erhöhen und das schwierige Problem der deutschen Eingliederung mit den geringsten Reibungen zu lösen. Es würde vor allem auch eine moralische Kraft schaffen, die von den Sowjets nicht leicht genommen würde. Die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa wäre mehr als eine technische Organisation zur gemeinsamen Leitung der Wirtschaft und der Streitkräfte; sie würde zugleich beweisen, daß bei den Westmächten elementare Triebkräfte zur Formung einer neuen Welt lebendig sind. Nach allen Erfahrungen weiß man, daß eine solche Bekundung den Angriffswillen der Sowjets auf das äußerste dämpfen würde. Sie wäre eines der wenigen halbwegs sicheren Mittel, auf die man vertrauen würde, daß sie den Krieg überhaupt verhindern könnten. Ihn zu verhindern ist aber noch besser, als ihn zu gewinnen.

Ob der Vorschlag Winston Churchills zur Bildung einer europäischen Armee bereits ausreicht, den Gedanken des vereinigten Europas sinnfällig zu verkörpern, muß bezweifelt werden. Doch verdient der Gedanke immerhin e.nsthafte Prüfung, da vielleicht die Errichtung einer so bedeutsamen gemeinsamen Institution wie des Heeres ein kräftiges Triebmittel sein könnte, am Ende dem Gedanken der europäischen Einheit auch eine feste völkerrechtliche Form zu geben.

Die Verkörperung des neuen politischen Ideals unserer Zeit, des Zusammenschlusses von Europa, wäre vielleicht auch das einzige Mittel, die äußerste Betroffenheit zu mildern, die in Deutschland angesichts der jüngsten Entwicklung empfunden werden muß. Die Eile, mit der zahlreiche und mächti^j Kreise bei den westlichen Völkern sich umgestellt haben und mit der sie nun vom deutschen Volke fordern, daß es anbeten solle, wa es 1945 verbrennen mußte, stößt selbstverständlich in breiten Schichten unseres Volkes auf tiefes Befremden. Es wäre unklug, das zu verschweigen weil man sonst im Auslande das deutsche Verhalten nicht begreifen kann. Auch muß gerade die fast bestürzende Schnelligkeit, mit der man heute ein deutsches Heer fordert, den Verdacht erwecken, als sei diese Forderung genau so wenig durchdacht wie 1945 die völlige Vernichtung der mitteleuropäischen Verteidigungskraft. Nirgendwo rächt sich Dilettantismus leichter als auf militärischem Gebiet. Der weltgeschichtliche Leichtsinn, mit dem man vor fünf Jahren eine Macht nicht nur ihrer Angriffskraft beraubte, sondern sie völlig zerschlug — eine Macht, die über ein Jahrtausend lang den Westen vor dem Ansturm der Scharen des Ostens geschützt hat — dieser Leichtsinn kann acht dadurch wieder gutgemacht werden, daß man nun in aller Eile darangeht, die Ziegelsteine des zerstörten Gebäudes wieder auf richten zu wollen. Man sollte doch wohl etwas mehr die Fachleute fragen. Dann würde man wissen, daß die Errichtung auch eines bescheidenen Heeres lange Jahre dauern muß, wenn vorher alle Fäden der Ueberlieferung durchschnitten sind und wenn die vorhandenen Waffen nicht einmal für die anderen Heere ausreich-n. Während dieser ganzen Zeit wäre Deutsc 'and schutzlos, was sich dann um so gefährli^.er auswirken könnte, als der sowjetische Argwohn durch die ersten Ar ätze der deutschen Wiederbewhfrmjng weckt wäre. Für lang" Jahre also müßten die europäischen Westrhächte und die Vereinigten Staaten den Schutz Europas, und das heißt auch Deutschlands, allein übernehmen, und dies auch tatsächlich, nicht nur „symbolisch“. Das würde auf arordentliche Anstrengungen für sie bedeuten, über die sie sich bisher noch keineswegs in aller Deutlichkeit klargeworden sind. Aber niemand kann ihnen diese Besinnung ersparen.

Nichts, als Dilettantismus, diesmal auf psychologischem Gebiet, sind aber auch die heftigen Anklagen, die jetzt in einem Teil der westlichen Oeffentlichkeit gegenüber Deutschland erhoben werden, weil es nicht eifrig genug bei der Wiederaufrüstung sei. Die Parolen der Westmächte seit 1945 haben sicherlich ihren Anteil daran, daß heute die überwältigende Mehrheit der Deutschen von innerer Abneigung gegen jede Form des Kriegsdienstes erfüllt ist. Und die Propaganda der Westmächte bringt sich völlig um ihre Wirkung, wenn sie vergißt, daß die deutsche Nation zum mindesten ehrlich geglaubt hat, im Geiste der „Umerziehung“ zu handeln, als sie in ihren Gedanken und ihren Gesprächen den Kriegsdienst verwarf. Es wäre ehrlicher und darum klüger, wenn die Westmächte offen erklärten, daß sie weit über das Ziel hinausgeschossen sind, daß sie viele Fehler gemacht haben, auch in der Frage der deutschen Entmilitarisierung, daß es aber nicht viel Zweck habe, jetzt viel über Vergangenes zu reden, und daß man sich für die Zukunft zusammenfinden müsse. Das wäre vernünftiger, als ganz unbekümmert neben die alte Verdammung des Stahlhelms und der Uniformen den Aufruf zu setzen, der von den Deutschen Stahlhelme, Gewehre und Uniformen als Beweis für ihre demokratische Gesinnung verlangt.

Für die deutsche Politik allerdings ergibt sich aus den Ereignissen der letzten Wochen eine Lehre, die zum Nachdenken veranlassen muß. Es war natürlich, daß eine Nation, die man mit wilden Anklagen militaristischer Gesinnung überschüttet hat, nun ihrerseits in ihren Willenskundgebungen vieles daransetzt, zu beweisen, daß dieser Vorwurf unberechtigt ist. Wer aufmerksam die Entwicklung in der westlichen Welt beobachtet, muß heute allerdings zu der Ueberzeugung kommen, daß der Gegenbeweis im wesentlichen bereits gelungen ist und daß sich nun eine neue Gefahr ergibt. Es könnte nämlich sein, daß namentlich Amerika, verdrießlich über europäische und deutsche „Widerspenstigkeit“, die deutsche Haltung mißverstände, mit Folgen, die hier nur angedeutet zu werden brauchen. Die deutsche Aufgabe wird dadurch außerordentlich schwer. Unsere Politik muß sich ständig hindurchwinden zwischen der Scylla, als Militarist gescholten zu werden, und der Charybdis, als nicht opferwillig genug das Mißvergnügen der anderen zu erregen. An unseren Takt werden in den nächsten Monaten die größten Anforderungen gestellt werden. Es ist deutlich, daß dies nicht nur für die Bundesregierung, sondern für jeden Bürger des Staates gilt.

„Feind hört mit“

Zz. Während des Krieges ließ Goebbels über Nacht an jede verfügbare Wand einen schwarzen Mann malen, mit der Unterschrift: Feind hört mit. Diese „Aktion“ wies mit Recht auf die Spionage hin, war aber zu der Zeit, als sie unternommen wurde, nichts anderes mehr, als ein verfehltes Mittel, die Deutschen von der Erkenntnis abzulenken, daß der Krieg bereits verloren war.

Wer seit dem Ausbruch des Koreakrieges die amerikanischen Berichte eingehend verfolgt hat, wird kopfschüttelnd festgestellt haben, daß die Russen und Nordkoreaner überhaupt keines Spionagenetzes bedurften, um über alle Absichten ihres Gegners, über die Truppen, die unterwegs waren, um über alles, was sonst für sie von Wichtigkeit sein konnte, eingehend unterrichtet zu sein. Diese eilfertige Berichterstattung, die man sich wohl im Gefühl der Stärke gestatten zu können glaubte, dürfte zweifellos dazu beigetragen haben, daß manche amerikanische Operation in Korea fehlgeschlagen ist. Inzwischen ist das amerikanische Verteidigungsministerium doch zu der Erkenntnis gelangt, daß zur Kriegführung auch die Notwendigkeit gehört, den Feind über die eigene Stärke und die eigenen Absichten in Unklarheit zu lassen. Es hat daher die amerikanische Presse und den Rundfunk ersucht, keine Nachrichten mehr über die Stärke der amerikanischen Truppenteile zu verbreiten und auch keine Meldung mehr darüber zu veröffentlichen, wenn amerikanische Einheiten in Alarmbereitschaft versetzt werden. In diesem Zusammenhang hat auch ein Sprecher der Vereinten Nationen in Lake Succes erklärt, von der Ankunft der Bodentruppen anderer Nationen in Korea solle die Oeffentlichkeit erst dann in Kenntnis gesetzt werden, wenn die ersten Meldungen über ihr Eingreifen in die Kämpfe vorliegen.

Es hat sehr lange gedauert, bis man sich zu dieser, eigentlich selbstverständlichen, Vorsichtsmaßnahme entschloß. Wenn sie auch nicht ohne weiteres einen Umschwung zugunsten der Amerikaner in der Koreafront herbeiführen wird, so kann sie doch dazu beitragen, das Leben manches amerikanischen Soldaten zu retten.

„Landes-Kongresse“ verboten

Wiesbaden, I^. August, (dpa) Innenminister Zinnkann hat alle Veranstaltungen des „Landeskongresses für ein einiges Deutschland“ für das Land Hessen verboten.

Das Verbot wurde mit dem Hinweis begründet, daß auf diesen Landeskongressen Delegierte für einen von den Machthabern der Sowjetzone nach Berlin einberufenen Kongreß gewählt werden sollen. Der Kongreß beabsichtige, gegen die demokratischen Einrichtungen der Bundesrepublik Stellung zu nehmen. Derartige Bestrebungen richteten sich gegen den im Grundgesetz und in der Hessischen Verfassung geschützten verfassungsmäßigen Zustand.

Wie es gemacht wird

Mainz, 13. August. (Eigener Bericht.) Im Anschluß an die Kundgebung der kommunistischen „Friedenskämpfer“ im Mainzer Bellibau, über die wir berichteten, zogen am nächsten Tag etwa 25 Frauen und Kinder, die zu diesem Zweck aus Wiesbaden kommandiert worden waren, in einem Demonstrationszug über die Große Bleiche in Mainz. Sie veranstalteten Sprechchöre und führten an der Spitze ihres Zuges Transparente mit.

Von einem hinter ihnen fahrenden Personenwagen aus filmten zwei Männer den Marsch der Frauen bis zu dem Augenblick, als ein Schnellkommando der Mainzer Polizei erschien und den Zug auflöste. Die Polizei verhaftete die beiden „Filmoperateure“, die als Redakteure einer kommunistischen Zeitung am Niederrhein identifiziert wurden. Sie sind vorläufig in Haft behalten worden

Der Erckpfeiler Taikun bedroht

Die Lage auf Korea spitzt sich zu / Ueberall ist der Feind stärker

Pusan, 13. August. (AP./dpa/Reuter.) Die militärische Lage auf Korea ist jetzt in ein noch kritischeres Stadium als am vergangenen Wochenende eingetreten. Die größte Bedrohung für die amerikanischen Truppen ist nun im Raum um Taiku entstanden.

Hier ist es den kommunistischen Verbänden gelungen, mit einer ganzen Division über den Naktong überzusetzen und den Brückenkopf auf eine Breite von fast dreißig Kilometer auszudehnen. Hinter diesem Brückenkopf stehen fünf koreanische Divisionen mit rund siebzigtausend Mann.

Die amerikanische Führung erwartet hier einen entscheidenden Stoß auf den Mittelpfeiler der Front in Korea, das Versorgungszentrum Taiku. Taiku ist eine Stadt von fast zweihunderttausend Einwohnern. Hier ist durch die Initiative der Japaner eine große Zigaretten-Industrie entstanden und außerdem ein Zentrum der Schwerindustrie im Süden Koreas aufgebaut worden. Die Stadt liegt auf einem Hochplateau und hat neben modernen Gebäuden und Straßenzügen aus Beton noch Tausende von Holzhäusern. Zum Teil unregelmäßig angelegt, bietet die Stadt jedoch in ihrem modernen Teil den Anblick einer nach technischen Erwägungen aufgebauten Großstadt. Mit dem Verlust von Taiku wird es schwer, die Paßstraßen, die zum Meer führen, zu decken. Die amerikanischen Sachverständigen halten eine Verteidigung von Taiku für sehr schwierig, weil das Gelände ungünstig sei. In diesem gefährdeten Abschnitt kämpfen die Einheiten der 1. Kavallerie-Division. Außerdem sind Truppen der Korpsgruppe Kean in dieses Gebiet geworfen worden, die unmittelbar aus den Kämpfen im Süden kamen.

Im großen Naktong-Bogen hat der Feind in den strategisch wichtigen Brückenkopf nunmehr drei Infanterie-Regimenter und Pioniere hineingeschoben. Hier stören bereits seit Tagen stärkere feindliche Kampfgruppen die amerikanischen Bewegungen im Etappengebiet der amerikanischen Front. Zum Teil wurde von hier aus die amerikanische Bewegung auf Schinju bedroht, zum Teil versuchten die Nordkoreaner systematisch auf Masan vorzudringen. Auch von hier aus wird ein empfindlicher Stoß in die tiefe Flanke der amerikanischen Stellungen befürchtet. Feindlichen Kampfgruppen gelang es vorübergehend, im Abschnitt der 24. Infanterie-Division durch Straßensperren die Versorgung aufzuhalten. Die Verbände der abgekämpften 24. Division konnten die gefährdete Nachschubstraße nach blutigen Kämpfen wieder in ihre Hand bekommen. Partisanen, die sich unter die Flüchtlinge gemischt hatten, überfielen amerikanische Artillerie. Nur fünfundzwanzig Mann der Batterien konnten sich, alle verwundet, zu den amerikanischen Linien durchschlagen. Die Artilleristen gaben an, daß etwa hundert ihrer Kameraden tot an den Geschützen lägen.

Im Süden ist die Offensive auf Schinju eingestellt worden. Die amerikanischen Stellungen liegen jetzt zehn Kilometer vor der Stadt. Ueberall sind noch kleine feindliche Kessel, um die heftig gekämpft wird. Der Feind hat sich noch nicht ergeben und wird auch von der Luftwaffe bekämpft. Partisanen und nordkoreanische Kampfgruppen stören immer wieder die Versorgung der südlichen Truppen. Die Front hat hier zahlreiche Verbände abgeben müssen, die im Raum Taiku und um Pohang eingesetzt worden sind.

Bei Pohang wird noch heftig gekämpft. Nur noch ganz schwache Kräfte der Amerikaner haben sich in der Nähe des großen Flughafens von Pohang festgebissen. Eine stärkere amerikanische gepanzerte Kampfgruppe stieß mit einem Aufklärungsauftrag nach Pohang und stellte fest, daß dort etwa 4 000 Nordkoreaner seien. Die alliierte Kriegsmarine greift in die Kämpfe um Pohang ein. Die Lage in dem von Flüchtlingen und Partisanen übersäten Gebiet ist ungeklärt.

Die Frontberichterstatter der englischen Zeitung „Times“ und des „Daily Telegraph“ sind am Wochenende auf eine Mine gefahren und gefallen. Damit haben sich die Verluste der Korrespondenten auf zwölf erhöht.

Spaak für die europäische Armee

Straßburg, 13. August. (AP./dpa). Paul Henri Spaak, der Präsident der Beratenr den Versammlung des Europarates hat sich auf einer Pressekonferenz für den Gedanken einer europäischen Armee eingesetzt, den Churchill am Freitag entwickelt hatte. „Der Atlantikpakt und der Brüsseler Pakt stehen nur auf dem Papier. Dem muß dadurch Leben eingehaucht werden, daß irgend jemand den Posten eines europäischen Verteidigungsministers übernimmt.“ Spaak wurde gefragt, was nun aus der Empfehlung der Beratenden Versammlung über die Bildung einer europäischen Armee werden solle. Darauf sagte er: „Der Ministerausschuß sollte die Empfehlung während seiner nächsten Sitzung im Oktober in Rom aufgreifen. Aber die Minister haben bis jetzt wenig Zutrauen in die Vorschläge der Versammlung gezeigt.“ Spaak meinte, man sollte noch vor dem Ende der gegenwärtigen Sitzungsperiode irgendeinen Weg finden, daß der Ministerausschuß in gewissem Umfang ausgeschaltet werde, so daß die Empfehlungen der Versammlung den Parlamenten der einzelnen Länder direkt vorgelegt werden könnten. Churchill hat es inzwischen abgelehnt, sich als Kandidat für den Posten des europäischen Verteidigungsministers auf-* stellen zu lassen.

Die hessischen Strafanstalten

Der Direktor des Gefängniswesens gibt eine Erklärung

HGR. Wiesbaden, 13. August (Eigener Bericht). Dr. Krebs, der Direktor des Hessischen Gefängniswesens, nahm Stellung zu den Vorwürfen, die auf Grund eines Berichtes des Amerikaners Spradley in einem Teil der Presse erhoben worden waren, die ärztliche Betreuung der Gefangenen in den Hessischen Strafanstalten weise Mängel auf.

Der Bericht spreche nicht von „gefährlichen Mängeln der ärztlichen Betreuung“ stellte Dr. Krebs fest. Einzelne Beanstandungen würden genau überprüft. Insbesondere sei der Hessischen Strafvollzugsverwaltung kein Fall bekannt, daß Gefängnisdirektoren oder Aufsichtspersonen die ärztliche Betreuung der Gefangenen ungünstig beeinflußt hätten. Ein Aufsichtsrecht des Anstaltsleiters über das rein Fachliche der ärztlichen Betreuung bestehe in Hessen nicht. Es habe sich daher als notwendig erwiesen, daß die Anstaltsleiter auch Dienstvorgesetzte des Anstaltsarztes werden. Es werde bereits erwogen, einen besonders erfahrenen Arzt in der Dienststellung eines Regierungsmedizinalrats mit der Gesamtleitung der ärztlichen Versorgung der Gefangenen zu betrauen. Er könnte, um Kosten dabei zu sparen, gleichzeitig Arzt einer großen Anstalt und Hilfsreferent im hessischen Justizministerum sein. In seiner ärztlichen Tätigkeit sollte er ständig von der Medizinal-Abteilung des Innenministeriums beraten werden. Ebenfalls werde im Innenministerium gegenwärtig geprüft, einen beratenden Ausschuß von hervorragenden Ärzten zu schaffen, die die Anstaltsärzte mit den neuen Methoden der Krankenbehandlung bekannt machen sollten.

Die Gefängniskommission, die ein Unterausschuß des Rechtsausschusses des Hessischen Landtags ist, richte bei ihren regelmäßigen Besuchen der Vollzugsanstalt das Augenmerk auch auf die ärztliche Versorgung der Gefangenen.

Eine psychiatrische Untersuchung aller neu eingelieferten Jugendlichen und aller langfristig bestraften Erwachsenen hält Dr. Krebs nicht für unbedingt notwendig. Wenn Gefangene psychiatrische Besonderheiten zeigten, erfolge selbstverständlich eine psychiatrische Untersuchung. Gelegentlich werde eine solche schon während eines Strafverfahrens vom Gericht angeordnet. Aber auch diese Frage soll geklärt werden, wenn der erwähnte, für die Gesamtleitung der ärztlichen Versorgung der Gefangenen verantwortliche Arzt bewilligt worden sei.

Knothe fordert Urabstimmung

über eine deutsche Wiederaufrüstung

Wiesbaden, 13. August, (dpa) „Wir dienen der Sache des Friedens am besten, wenn wir es ablehnen, Karabiner zu tragen und Karabiner herzustellen“, erklärte der Bezirksvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Hessen-Süd, Willy Knothe, in Wiesbaden am Sonntag auf einem Kreistreffen seiner Partei. Knothe wandte sich in scharfen Worten gegen den Vorschlag Winston Churchills zur Einreihung Deutscher in eine europäische Armee und verlangte über diese Frage eine Urabstimmung des deutschen Volkes. Auch kasernierte Bundes- und Landespolizeikontingente lehnte Knothe ab. Es genüge, wenn in allen Städten und Gemeinden Hessens gute kommunale Polizeikörper vorhanden wären. Die Polizei müsse von kommunistischen und anderen antidemokratischen Elementen gesäubert werden.

Jeder Deutsche sei zur Kriegsdienstverweigerung berechtigt und könne daher eine Wiederbewaffnung jeglicher Art ablehnen.

Stimmen der Anderen

Fragen an Charchill

Der „M anchester Guardian“ stimmt den Forderungen Churchills in Straßburg in ihren Grundzügen zu, fordert aber genaue Einzelheiten über die Rolle, die Churchill Deutschland in der europäischen Verteidigung zugedacht hat.

„Die Deutschen selbst müssen in die Lage versetzt werden, genau umrissene Verpflichtungen nach diesem Plan zu begrüßen oder abzulehnen. Die von Churchill vorgenommene Analyse des militärischen Kräfteverhältnisses im Westen ist unheimlich ehrlich. Aber Churchill macht es seinen Zuhörern nicht immer leicht, genau zu verstehen, welches Vorgehen die logische Folgerung aus seinen mutigen Warnungen sein soll. Churchills Argumentation wies, wie schon bei früheren Gelegenheiten, eine gähnende Lücke auf. In ihr fehlte die klare Feststellujig, was er von den Deutschen will. Wie soll Westdeutschland sein Geschick bei uns in die Waagschale legen? Offenbar soll die Bundesrepublik einige Truppen schicken, die neben Franzosen, Türken und Amerikanern in einer europäischen Armee zu kämpfen hätten. Es Ist wichtig, daß die Deutschen und die Einwohner der Nachbarländer über die Art der vorgeschlagenen Beteiligung der Bundesrepublik genau im Bilde sind.

Churchill und seine Freunde müssen beweisen, daß eine Verteidigung des Westens ohne Deutschland hoffnungslos ist, aber mit Deutschland möglich sein könnte. Sie müssen erklären, woher die Waffen kommen sollen, mit denen sich die Westdeutschen so eilig bewaffnen sollen. Werden die Waffen von der Ruhr kommen oder von den Vereinigten Staaten oder woher sonst? Das deutsche Volk selbst wird wissen wollen, welche Stellung deutsche Einheiten im Vergleich zu französischen oder holländischen Einheiten haben würden. Die ehemaligen deutschen Offiziere werden Einzelheiten über die Befehlsstellen und die Stabsorganisation wissen wollen. Die Politiker werden wissen wollen, wieweit Deutschland in den höheren Führungsstellen der europäischen Armee mitsprechen soll. Der deutsche Steuerzahler wird wissen wollen, was ihn dies alles kosten soll.

Man kann sich heute verschiedene Arten einer militärischen Mitarbeit Deutschlands vorstellen, die für einen geängstigten Kontinent annehmbar wären. Aber es würde sich um einen kleinen Beitrag handeln, und er würde nur eine sehr kleine Lücke schließen. Nun muß uns Churchill unumwunden sagen, wie er sich die Sadie denkt.“

Zweitausend taubstumme Pilger aus aller Welt nahmen am Samstagabend an •der Papst-Audienz im St.-Peters-Dom teil.

Unbeständig

Eigener Wetterbericht

Der bis nach Westfrankreich vorgeschobene Keil des Azorenhochs weitet sich nicht weiter ostwärts aus. An seinem Nordrand wandern schwache atlantische Störungen im Wechsel mit Zwischenhochaufheiterungen nach Mitteleuropa, so daß das Wetter der ersten Wochenhälfte einen uneinheitlichen, teils trüben,' zeitweise aber auch heiteren Charakter zeigt.

Aussichten: Nicht beständig, teils heiter bis leicht bewölkt und trocken, teils stärker bewölkt bis trüb, aber keine Niederschläge von Bedeutung. Temperaturen wenig geändert. Schwach windig.

Der Rundfunk am Dienstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Solisten des Sinfonie-Orchesters vom Radio Frankfurt musizieren; 17.15 Auf, ihr Brüder, ehrt die Lieder; 20.00 Ein Tanzpotpourri; 21.00 Von Brettl, Funk und Film; 21.30 Ping-Pong; 22.15 Das Abendstudio. SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.30 Nachmittagskonzert; 18.15 Klänge der Heimat; 20.00 Alles tanzt mit; 22.00 Vom Herzen geredet; 22.30 Aus beliebten Operetten.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Sinfoniekonzert; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Aus Operetten von Johann Strauß; 22.30 Großes Unterhaltungskonzert.

Unsereiner uird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

19) Copyright by Dr. Alexander Fochs, Braunsdbweig

Sie werden umgekleidet und geschminkt, in eine Dekoration gestellt und fotographiert, gefilmt und interviewt, und jede dieser Dekorationen dient einer anderen Firma. Die Firmen stellen die Anzüge, die Requisiten, Lichtbildner, Regisseure und Texte. Die Manager haben nur zu zählen, wie viel Aufnahmen und Filmmeter gemacht werden. Die Firmen zahlen für jedes Steenbild an Georg H. Miels. Knut steht in Overalls und schlossert, schneidet einen Rasen, streichelt einen Hund. In der nächsten Dekoration trägt er Tennisdreß und hält neuartige Racketts, besieht Bälle, schnürt seine Schuhe, trinkt irgendetwas. Dann sitzt er auf einem Motorrad zeigt lachend auf ein bestimmtes Teil der Konstruktion, studiert eine Straßenkarte. Mary wird dazu geholt, umgeklddet, auf einen Feldstuhl gesetzt, ißt Orangen. („Wenn wir mit Knuts Motorrad zum Picknick fahren..

Eva Steen arbeitet in acht verschiedenen Dekorationen, die allesamt Küchen darstellen. Sie trägt ungezählte Arten von Hauskleidern, Manfeischürzen, Gummihandschuhen und Kochhauben. Sie handhabt Eisschränke, Hackmaschinen, Schälmesser, Feudel, Büchsenöffner.... sie rührt in blitzenden Töpfen, die leer sind. Sie zeigt lächelnd auf Gasherde, Feueranzünder, Eieruhren, Einbauschränke. Und Steen sifzt an zentnerschweren Radios, raucht Zigarren, hackt Holz, schärft Bleistifte, prüft Angelgerät, gibt einem Ver-

sicherungsmann beide Hände. .(Diese Szene wird achtzehnmal wiederholt

Ge egenflich werden Steen und Knut zusammen gebraucht, oder Steen und seine Frau, Knut und seine Mutter.

Und immer stehen sie in neuen Kleidern, in neuen Dekorationen, sind für eine andere Dekoration anders geschminkt, anders frisiert. Sie verwandeln sich dutzendfach. Sie sind hier von Georg H. Miels an vielerlei Firmen ausgeliehen, jede darf eine Weile mit ihnen machen, was sie will.

Einige der Aufnahmeleiter sind freundlich. einige kühl, einige grob. Jeder baut sie so um, wie er sie braucht, läßt sie auf stehen, hinsetzen, knien, liegen... baden, lachen, grübeln, essen. Knut vollendet eine Szene mit Rasierseife, ganz kurz, bevor das weiße Licht und die Seife ihm die Gesichtshaut zerreißen. Und tatsächlich ist es zehn Uhr abends, als sie in den Wagen sitzen und in ihr Hotel fahren können. Sie sind nicht einfach nur müde und hungrig, sie sind überreizt, überhungert, verwirrt. Es müßte sie jemand an den Schultern rütteln und sagen, wer sie in Wirklichkeit sind, so off wurden sie mißbraucht, etwas darzusfellem was sie nicht sind, nicht besitzen, nicht wollen, nie bezahlen können, garnichf gebrauchen...

Tatsächlich hat Knut von drei verschiedenen Sportarten erklären müssen: „Es ist mein Lieblingssporf.“

Bei der Heimfahrt sagte er es dem Chefmanager. „Das macht nichts, Knut“, war die Antwort. „Wir sehen die Reklamen, ehe sie gedruckt werden. Wir ordnen das, in den Verträgen mit den Firmen gibt es entsprechende Abmachungen.“

Es dämmert den Steens, daß sie hier Webeschiffchen in einem Teppich von Verträgen sind.

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Sie dürfen noch nicht sie selber sein, ruhen, nachdenken.

In ihrer Hotelwohnung lassen die Manager ihnen gerade nur die Zeit, ihre Äbendgarderobe anzuziehen, sich zu waschen, einen Blick in den Spiegel zu tun. Dann bringt der Lift sie in den Speisesaal des Hotels...

Sie sitzen auf einer kleinen, separaten Balustrade. Wie auf einer Bühne sitzen sie dort, essen, was ihnen vorgelegf wird, sitzen gerade und unbequem. Der Chefmanager und der Besitzer des Hotels essen mit ihnen. Sie unterhalten sich mehr mit Lächeln, Zunicken, Zufrinken als mit Worten. Es kommt auch nur darauf an, daß sie hier mit dem Hotelkönig sitzen, Messer und Gabel bewegen und lächeln. Es ist ganz untergeordnet, ob sie satt werden oder nicht.

Der große Speisesaal ist vollbesetzt Die Leute dort speisen wirklich, sie sind die Menschen danach und sie haben das Geld dazu. Sie bewegen sich locker. Steen fragt sich, ob alle diese Leute wissen, mit wem ihr Hotelier hier ißt Und er entnimmt einer Bemerkung des Managers, daß sie es wissen. Diese Leute hier, die reichsten der Stadt und des Landes, wollen morgen sagen können, daß sie die Steens gesehen haben, („Sie waren in dem Hotel, wo wir gestern speisten... sie scheinen nette, zurückhaltende Leute zu sein... Knut Steen ist ein prächtiger Junge...")

Ein paar Blitzlichte...

Die Steens gehen in ihre Wohnung zurück...

Hinter ihnen gibt es ein leises, kurzes Händeklatschen...

Und in ihrer Wohnung stehen Sonnenbrenner.

Sie werden in eine Gruppe von erlesen schönen Polsfermöbel plaziert. Es soll eine abendlich Familienszene geben, mit Stehlampen, Radio, Fußkissen und einer Zigarre für Georg J. Steen. Sie bekommen Zeitungen mit Berichten und Bildern von sich selber. Sie sollen sie sich gegenseitig zeigen ...

Die Aufnahmen sind für die Reklame des Hotels. („Die Steens fühlen sich wohl bei uns...")

Knut hockt bei diesen Aufnahmen auf dem Teppich, vor den Füßen seiner Mutter und liest. Er hockt und liest dort immer noch, als die Sonnenbrenner und die Kamera schon verschwunden sind.

. „Hört mal“, sagt er. „Hier schreibt einer tatsächlich, wenn alle Familien so wären wie wir, gliche das Land einem Paradies."

Die Steens brummen sich einen Gutenachtsgruß zu und gehen nach links und rechts in ihre Schlafzimmer. Knut ist der letzte, der den großen Salon verläßt, aber er läßt die vielen Deckenlichfe, Stehlampen und Wandleuchten brennen Was gehen mich .diese Unkosten an, meint Knut Steen.

Sein Vater ist schon fast zu Bett, und natürlich hält er dabei an den Gewohnheiten fest, die er auch zu Hause hat. Er behält die Unterhose an und wickelt sich die linke Socke um den Hals, weil es keine bessere Verhütung für Speiseröhrenkrebs gibt als die eigene linke Socke. Und mit dieser Socke an seinem Hals und ausgestreckf im Bett ruhend ist Georg J. Steen nach all diesen Vergewaltigungen wieder fast ganz der wirkliche Georg J. Steen.

„Du hast also gewußt, daß Mary gestern Nacht bei ihrem Drogenkerl war“ sagt er.

„Ja“, antwortet Knut. „Und Mary wußte, daß ich ihre Idee verrückt fand.“

„Zu meiner Zeit haben die Söhne achtbarer Elfern mehr getan, um den Ruf ihrer Schwestern zu verteidigen“, knurrt Steen.

Knut zuckt die Achseln und reckt den rechten Ann aus, um das Licht zu löschen.

„Ich weiß", sagt er ruhig. „Es gab damals Boxkämpfe, und davor gab es Duelle, wenn die Brüder für ihre Schwestern elnfraten.

Steen schnappt nach Luft. „Das ist deine verdammte Art zu reden", tadelt er „Meine Art ist einfach, diese alten Märchen nicht zu glauben, Papa“, wehrt Knut sich gelassen. „Wenn die Welt zu deiner Zeit wirklich so gefährlidi öewesmi wäre, hätte sie unmöglich in nur dreißig Jahren zu dieser gemütlidien Rechenmaschine werden können, die sie heute ist“

„Gemütlich nennst du sie?" zischt öfeen. „Idi nenne sie seelenlos, verdorben und scheußlich.“

„Wie kannst du das sagen“, wandet sich Knut Du bist selber von de? S nerafion, die sie so aufgebauf hat. Alle Manager, Direktoren, Reklameathleten und Zeitungschefs sind genau so alt wie du.

„Aber ich bin weder Direktor noch Zeitungschef noch Manager. Bedenke das“ Steens Bett bebt, weil Steen zomlö ist

„Gut, ich bedenke, daß du es einfach nicht so weit gebracht hast", sagt Knut

Steen wül antworten, er eine Antwort geben, mit de> e sich die Ohren Utopien kann. Eine Antwort soll das sein, die mit einem einzigen Satz ein ganzes Buch ausdrückt.

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung

Das Denkmal

Fede. - Kahlgeräumt ist die Ecke Heidelberger Straße und Marienplatz. Sie wartet auf die Bebauung. Hier stand einst das Gebäude der englischen Gesandtschaft. Nun wird, über kurz oder lang, ein Wohnblock emporwachsen und eine einst nicht einflußlose Stätte der Kabinettspolitik vergangener Zeit wird nur noch in der Erinnerung der immer weniger werdenden Menschen weiterleben, die das alte Hessen noch kannten. Schon in den letzten Jahrzehnten war aus der einstigen Gesandtschaft das Haus der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft geworden. Trümmer nur blieben von ihm übrig.

Vor diesen Trümmern stand noch nach der Zerstörung unbeschädigt das Denkmal für einen Mann, der im hessischen und im gesamtdeutschen Genossenschaftswesen eine bedeutsame Rolle gespielt hat, das Denkmal des einstigen Friedberger Kreisdirektors, späteren Geheimrates Haas.

Als die Lebensgeister in der vergnügungsbegierigen Jugend sich wieder zu regen begann, wurde vor den Trümmern ein Tanzzelt aufgeschlagen. Da war wohl das Denkmal im Wege. Abgeschlagen lagen Herme und Plastik in einer Schuttecke.

Das Tanzzelt ist verschwunden, verschwunden aber auch die äußere Erinnerung an einen viel verdienten Mann. Niemand konnte uns Antwort geben, wohin das Haas-Denkmal kam. Bis wir auf Umwegen erfuhren, daß es sich in Frankfurt befindet.

Der Gedanke daran, daß einst mit vielen Worten der Anerkennung dieses Denkmal, „in Schutz genommen“ wurde, und weiter der Gedanke daran, was dem folgte, beschämt den, dem Dankbarkeit und Ehrfurcht auch für unsere traditionslos gewordene Zeit nicht leere Begriffe bleiben möchten. Ob sich die Aussiedlung des Denkmals für einen ausgezeichneten hessischen Beamten alten Schlages nicht doch revidieren läßt? Man möchte es hoffen.

Schutzhunde zeigen was sie können

Eine Werbeveranstaltung der Kreisgruppe der Hunde-Dressurvereine

Fast fünfhundert Hundefreunde hatten sich am Sonntagmorgen im Hof der Diesterwegschule versammelt, um bei der Vorführung ihrer vierbeinigen Freunde zuzusehen. Aus den sieben Dressurvereinen der Darmstädter Kreisgruppe wafen die Besitzer mit ihren Zöglingen erschienen, und zeitweise durchtobte das Gebell von 50 Hunden aus 6 verschiedenen Rassen den Schulhof.

Nach Apportierübungen einzelner Hunde zeigte die Schäferhündin „Anita vom Steckenborn“ von Heinrich Braun, Arheilgen, Sprünge über 5 umgekehrte Fahrräder, und die ausgezeichnete Schäferhündin „Freya“ von Herrn Fischer, Eberstadt, begann mit ihrem reichhaltigen Programm: Übungen auf Sichtzeichen, Sprünge über den eigenen Herrn, Sprung durch schmale Ringe von 34 und 30 cm Durchmesser und als Glanzpunkt der Sprüng durch den brennenden Reif, den „Freya“ ohne Zögern ausführte. Schwierig waren die Klettersprünge über die 1,90 m und 2,20 m hohe Bretterwand, die manche Hunde durch den scharfen Splitt und harten Asphalt verständlicherweise scheuten.

Eine lebhafte Steigerung des Programms brachten die Hetzübungen auf den „Verbrecher“, der von einem altgeübten, ausgezeichneten „Figuranten“, Herrn Körber, dargestellt wurde. Während sämtliche Hunde in einem großen Kreis im Hof standen, einzeln mit dem Stock bedroht und mit einem Lappenbündel geschlagen und gereizt wurden, ging Herr Jakob Krieger mit seinem überragenden Airedale-Terrier „Argus vom Goldsteinpark“ inmitten dieses Getobes seelenruhig spazieren und machte mit seinem Hund fehlerlose Gehorsamsübungen. Es fiel diesem Tier, das mit vielen Preisen ausgezeichnet ist, nicht im entferntesten ein, sich um die Aufregung ringsum zu kümmern. Die Augen und Ohren nur auf den Herrn gerichtet, setzte, legte es sich auf Kommando, apportierte und sprapg gleichmütig umher. Daß es ihm nicht an Schärfe fehlte, bewies er in eigener „Mannarbeit“ später. Unermüdlich arbeitete Herr Körber inzwischen mit allen geeigneten Hunden, fiel ihre Herren an, versuchte Fahrräder, Aktenmappen und Kraftwagen zu stehlen, ließ sich von den Hunden abführen, machte Fluchtversuche und schwitzte ohne Zweifel erheblich unter seinem dicken Schutzmantel, denn die Tiere gingen scharf ins Zeug, besonders der Airedale-Terrier „Alex vom Hochzeitsturm“ von Herrn Colmar, Arheilgen. Zwischendurch rieh-, tete Herr Schellhaas vom Verband einige Worte an die Hundesportinteressenten, und Herr Hahn, der 1. Vorsitzende der Kreisgruppe, sprach die Schlußworte zur außerordentlich interessanten und eindrucksvollen Veranstaltung, deren technische Leitung Herr Colmar, der Geschäftsführer der Kreisgruppe, hatte. agt

Meisterstenografen

Den Stennografen des Stenografenvereins 1861 Darmstadt war der 16. Deutsche Stenografentag in Hamburg ein unvergeßliches Erlebnis. Tausende von Besuchern aus dem gesamten Bundesgebiet, aus der Ostzone und aus dem Ausland trafen sich zum friedlichen Wettstreit in Kurzschrift und auf der Schreibmaschine. Zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Stenografenbundes wurde Oberregierungsrat Karl Rieser, Wiesbaden, gewählt und der Sitz des Bundes nach Frankfurt a. M. verlegt. Bei der Wahl des Bundesrechners entschied man sich für Wilhelm Bachmann, Darmstadt 1861. Die Darmstädter Meisterstenografen Hans Fischer und Helmut Kochenburger konnten sich trotz erschwerter Bedingungen erneut durchsetzen und wurden mit 320 Silben in der Minute 2. und 3. Deutscher Kurzschriftmeister nach dem Berufsstenografen Knoop, Hannover, (360 Silben) Hans Fischer vervollständigte seinen Erfolg durch weitere sehr gute Leistungen in französischer und spanischer Kurzschrift in 160 Silben und in englischer Kurzschrift in 220 Silben. Dieser Erfolg spricht nicht nur für die beiden Meisterstenografen, sondern auch für den Stenografenverein 1861, dessen Unterrichtswesen sie leiten.

Baubeginn der Jugendherberge

Die Darmstädter Jugendherberge am Woog soll bis Ende Oktober im Rohbau fertig sein. Die Baustelle ist bereits abgesteckt und mit den Erdarbeiten wird dieser Tage begonnen. Der JugendherbergsVferband wird in zwei Monaten mit seiner Jahreshauptversammlung eine Kundgebung veranstalten, die für das Herbergswerk werben soll. Auch durch den Verkauf von Postkarten mit dem Modell der Herberge erhofft man weitere Mittel für die Innenaussattung zu erhalten.

Nachtkundendienst durch „Fanal-Tank“

In der Heidelberger Straße 45 hat Herr Fritz Dudek eine neue Tankstelle eröffnet, die sich besonders bei den Nachtfahrern bald größter Beliebtheit erfreuen dürfte. Uebrigens eine Einrichtung, die in Amerika und anderen dern schon seit langem besteht und die infolge der immer stärker zunehmenden Motorisierung auch bei uns zur Gewohnheit werden sollte. , , ~

Der Besitzer des „Fanal-Tank“ hat e vor dem Krieg in der Feldbergstraße cm Autoverleihgeschäft, das er auch heute noch mit ausschließlich neuen Volks- und Ford-Taunus-Wagen betreibt. Ebenfalls führt er wieder Auslandsfahrten mi Personenwagen durch, zu denen er die Fahrer stellt. Auf dem Grundstück, w 0 nun der „Fanal-Tank“ Aufstellung gefunden hat, und das von Herrn Dudek erworben wurde, befand sich auch früher schon eine Tankstelle. Zwei automatisch Zapfsäulen mit jeweils 5000 Liter Inhalt verbürgen in Verbindung mit se‘ö" ständiger Preisangabe eine reelle und schnelle Bedienung, zumal die Meßanlage auf einen Zehntel Liter genau arbeitet. Neben dem reinen Tankbetrieb gibt es einen durchgehenden Autopflegedienst, dessen gelernte Autoschlosser gleichzeitig die Zapfsäulen bedienen, so daß kleine Reparaturen an Ort und Stelle durchgeführt werden können. st-

Die Stadtküche verpflegt im Tagesdurchschnitt an achtzig Durchreisende und Flüchtlinge. Im Juli wurden für die Schul- und Jugendspeisung 5411 und für die allgemeine Speisung 6931 Portionen ausgegeben.

Frack und elegante Frauen

Tanz um den „Großen Preis von Hessen“

Ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges wird Darmstadt am 10. September beim Tanzturnier um den „Großen Preis von Hessen“ erleben. Tanzlehrer Ewald Bäulke, Darmstadt, ist es zusammen mit maßgebenden Herren der Stadtverwaltung gelungen, gegen die große Konkurrenz der gesellschaftlich stärkeren Städte Wiesbaden und Frankfurt diese Veranstaltung nach Darmstadt zu ziehen.

Deutschlands Freunde des Gesellschaftstanzes fanden erst vor kurzem wieder Anschluß an die internationalen Verbände, und dadurch war es möglich, zu dieser gepflegten Veranstaltung Meisterpaare

des Gesellschaftstanzes "on internationalem Ruf nach Darmstadt einzuladen. Englands Frank South und Muriel Watts, das Weltmeisterpaar 1950 von San Remo, Monsieur und Madame Lucien David aus Frankreich, die auch an dem Ausscheidungsturnier zur Weltmeisterschaft 1950 teilnahmen und das beste Tanzpaar Dänemarks, Hollands, Oesterreichs werden im Lichte der Scheinwerfer einem auserlesenen Publikum in Frack und großem Abendkleid ihr meisterliches Können in den seriösen Tanzformen des modernen Gesellschaftstanzes zu zeigen wissen.

Unter den deutschen Paaren werden das Ehepaar Krebs aus Nürnberg und das Paar Ampütte-Heyme, Frankfurt-Heidelberg, hervorstechen. Ehepaar Krebs errang sich überraschend den diesjährigen deutschen Meistertitel, nachdem es noch im vorigen Jahre an 6. Stelle rangierte. Langsamer Walzer, Slowfox, Tango, Wiener Walzer und Rumba sind die Pflichttänze für die Meisterpaare. Kabarettistische Tanzformen — Tanzsprünge oder Luftwirbel der Dame und ähnliches — sind streng verpönt. Nur die überragende Harmonie und Eleganz des seriösen Gesellschaftstanzes wirken. Einen bezeubernden Anblick verspricht sich Herr Bäulke von dem Wiener Walzer des französischen Paares David, der dessen absolute Stärke ist. Uebrigens ’sind die Teilnehmer an diesem Turnier ausschließlich Lehrer für Gesellschaftstanz, also keineswegs Ballett- oder Kunsttänzer.

Boogie-Woogie, Jitterbug, Samba und die anderen „schrägen“ Modetänze haben bei der Wertung nichts zu suchen. Sie werden trotzdem in den Schautänzen der Meisterpaare zu ihrem Recht kommen.

Schon im vorigen Jahr fand ein gleiches Turnier — allerdings nur mit innerdeutscher Besetzung — im Concordia-Saal statt. Dort muß es auch in diesem Jahr stattfinden, denn Darmstadt fehlt es noch an einem großen und repräsentativen Raum für solche Veranstaltungen. Auch der Saal auf der Mathildenhöhe hat ein zu geringes Fassungsvermögen. Die Ausschmückung des Concordia-Saales mit einem verschwenderischen Blumenarrangement wurde der Gärtnerei Schulz im Bruchwiesenweg übertragen.

Der Abend wird nicht nur eine reine Schauveranstaltung sein. Etwa eine Stunde vor Beginn der eigentlichen Turniertänze und zwischen jedem Wettbewerbstanz einiger Paare werden die Tanzfreunde unter den Zuschauern zeigen, was sie können — oder inzwischen den Meisterpaaren abgeschaut haben. Die Beurteilung der Meisterpaare durch die Schiedsrichter geht in „offener Wertung“. Nach dem Abschluß., eines Tanzes halten zu gleicher Zeit auf Zuruf alle Schiedsrichter aus einem vor ihnen liegenden Bündel von Ziffernplatten die nach ihrer Meinung gerechte Bewertungsnummer hoch. Die Zuschauer können dadurch laufend die Siegesaussichten ihrer Favoriten verfolgen. Als Preise wurden einfache Erinnerungsplaketten gestiftet. Es geht also nur um die Ehre des Sieges und den Beifall eines begeisterten Publikums. agt


Das deutsche Meisterpaar für Gesellschaftstanz, Ehepaar Krebs, beim Wiener Walzer. Sie. werden bei dem Tanzturnier im „Großen Preis von Hessen“ in Darmstadt am 10. September ihr großes Können zeigen. Foto: DT-Archiv
Das deutsche Meisterpaar für Gesellschaftstanz, Ehepaar Krebs, beim Wiener Walzer. Sie. werden bei dem Tanzturnier im „Großen Preis von Hessen“ in Darmstadt am 10. September ihr großes Können zeigen. Foto: DT-Archiv

Sommernachtsfest

der Sportgemeinschaft Arheilgen

Nach 18 Jahren veranstaltete die Sportgemeinschaft Arheilgen am Samstag am „Mühlchen“ zum ersten Male wieder ihr großes Sommernachtsfest, zu dem etwa 4000 Gäste erschienen waren. Es zeigte in diesem Jahr ein modernes Gesicht und wurde von den Besuchern mit großer Begeisterung aufgenommen.

Nach dem Aufmarsch der Turner und einer Ansprache in lustigen Reimen ergriff der 1. Vorsitzende der SGA, Herr Bauer, das Wort, um die Festgäste zu begrüßen und allen zu danken, die an der Ausgestaltung beteiligt waren. Worte des Dankes galten auch dem Egelsbacher Spielmannszug, dem ein Großteil des Gelingens zu verdanken war.

Den Auftakt bildete ein Massenchor der fünf Arheilger Gesangvereine unter Leitung von Herrn Seibold. Nach den Keulenübungen der jungen Turnerinnen und zwei Chorliedern des Gesangvereins „Frohsinn“ unter Stabführung von H. Storck, zeigten die Turner und Turnerinnen Uebungen am Barren. Tänze und Darbietungen der Arheilger Kunstradfahrer, die ein erstaunliches artistisches Können bewiesen, lösten sich in bunter Folge ab. Die Reifenübungen der Frauen waren begleitet von den Wasserspielen der Schwimmer, die mit leuchtenden Lampions Figuren im See schwammen. Nochmals lösten sich turnerische Darbietungen mit Gesangseinlagen ab, bis zum Schluß des Programms der für alle dieser Arheilger Sommernachtsfeste charakteristische Tanz „Mühle im Schwarzwald“, unter Begleitung der Sänger des Vereins „Liederzweig“ und der Kapelle Anthes, den offiziellen Teil beschloß. Tiefrotes bengalisches Licht warf seine Reflexe über den See, Raketen fuhren zischend in die Höhe und große Kaskaden silberner Sterne fielen in die Dunkelheit.

.Es war ein wunderschönes Fest, das sicherlich bei allen Teilnehmern eine bleibende Erinnerung hinterlassen hat. Bedauerlich nur, daß die Festleitung nicht der Tanzlust der Jugend Rechnung trug, zumal eine bessere Gelegenheit wie die neue, große Freibühne nicht gefunden werden konnte. -st

Mit Autobus und Schiff in den Sommer

Alkoholpiraten auf „hoher See“

Wenn Studenten eine Rheinfahrt beschließen, dann ist im voraus die Gewähr dafür gegeben, daß die ganze Angelegenheit den nötigen Schwung hat. Der Allgemeine Studentenausschuß der Technischen Hochschule Darmstadt hatte die Gäste des Internationalen Ferienarbeitslagers zu einer Rheinfahrt nach St. Goarshausen eingeladen. Am Samstagvormittag versammelten sich rund 60 Fahrtteilnehmer vor dem Hauptportal der TH, um mit einem Sonderomnibus der Heag nach Mainz gebracht zu werden. Ein Motorschiff nahm die Rheinreisenden auf, und dann wartete alles auf das Eintreffen der sechzig Studenten des Internationalen Seminars für studentische Selbstverwaltung in Königstein i. T. Sie kamen auch kurz vor Abfahrt, mit großem Hallo und riesigen Kisten voller Weinflaschen. Es erwies sich aber, daß das Schiff zu klein war. Die Königsteiner, die unter Deck Platz gefunden hatten, wollten einen größeren Dampfer haben und behaupteten, sie hätten für diesen Fall einen Scheck in der Tasche. Der andere Dampfer faßte 2000 Personen und sollte 1000 DM kosten. Aber als es ans zahlen ging, da war kein Geld da. Die Kapelle beendete mit einem Tusch das Palaver, man stach auf dem kleinen Schiff „in See“, und schon nach wenigen Minuten waren die Teilnehmer zusammengeschüttelt, und jeder, fand einen Sitz, Weinflaschen wurden entkorkt, entleert und als Flaschenpost im Rhein versenkt. „Gegen Vorzeigung dieses Schreibens an Seine Magnifizenz wird dem Ueberbringer eine Flasche Wein von der ASTA übergeben.“ Eine verlor ihre Sportjacke mit Papieren und allem. Sie ging über Bord, die Jacke, unbemerkt und ohne Nachricht zu hinterlassen, und ihr folgten bald eine Reihe von Kappen und Mützen, die mit zunehmender Alkoholisierung einen unwiderstehlichen Hang zum Wasser zeigten. In St. Goarshausen wurde Station gemacht. In bunter Reihe saß alles durcheinander, Chinesen zwischen Amerikanern, Indonesier zwischen Deutschen und anderen Nationalitäten, man sprach englisch und trank Wein, und ganz besonders Standhafte legten einen Swing auf die Sohle, daß das Schiff ins Schaukeln kam. Hier und dort schlief jemand den bacchantischen Dämmerschlaf, in stillen Ecken fanden internationale Annäherungsversuche zwischen Studenten und -innen statt, und als in Wiesbaden die Königsteiner „über Bord“ gingen, da nahmen sie noch eine der Mammutkisten mit vollen Weinflaschen zurück. Die Heag übernahm in Mainz die lustige Gesellschaft zur sicheren Rückfahrt nach Darmstadt, und wenn der studentische Pressephotog.raph nicht so „schön“ daneben gewesen wäre, dann hätten wir auch ein Bild davon gehabt, — ein Bild studentischer Lebensfreude, die keine Nationalitätenschranken und Weltanschauungen anerkennt hfl

In der Stadt notiert

Beim Sammeln von Geld und Unter¬ schriften wurden gestern in Darmstadt zwei Personen verhaftet, da diese Sammlung nicht genehmigt war.

Von einem Pkw. gestreift wurde gestern mittag ein Personenwagen in der Wilhelminenstraße. der in der Nähe der Kreuzung zur Elisabethenstraße angehalten hatte. Es entstand an beiden Kraftwagen Sachschaden.

Beim Versuch, einen einbiegenden Last¬ kraftwagen zu überholen, wurde am Samstagmorgen der Fahrer eines Kleinkraftrades), der 32jährige Konrad Nimm 1 er. von dem Lkw. erfaßt und zu Boden geschleudert. Er erlitt eine Platzwunde am Kopf, Hautabschürfungen an beiden Händen und mußte in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Als Dozenten zu den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik trafen im Laufe des Sonntags Ernst Krenek aus Los Angeles und der Pianist Peter Stadien aus London ein.

Bunter Abeund in der WK-Möbelausstelluug

Eine Veranstaltung mit Niveau

Die Sitzplätze reichten nicht ganz aus, und etwa 300 Zuschauei- mit dem hellen, gradlinigen Raum mit abgestuften Farben, der reseda, rostroten, beigen Stoffdrapierung hinter der Bühne, ergaben fast das Bild eines intimen Kabaretts.

Landrat Becker beschränkte sich auf eine kurze Begrüßung, und es konnte ihm leichtfallen, die Anwesenden von der Wichtigkeit und Richtigkeit der diesjährigen, — und im kommenden Jahre im größeren Maßstabe geplanten — Ausstellung zu überzeugen.

Herbert Görner sagte geschickt, und anfangs etwas zurückhaltend, die Programmfolge an. Ein Ansager hat es nidit immer leicht, aber improvisiertes, aus dem Büro oder Betrieb kommendes Publikum, ist immer aufgeschlossen für einen Aperitif vor dem Abendbrot. Die „Sechs frohen Sänger“ eröffneten mit der „Schönen Müllerin“ die Darbietungen. In Stil und Art ähneln sie den „ Comedian-Harmonists“, haben jedoch einen Baß und Bariton, der den Klangkörper voller macht, und deswegen die Möglichkeit ausschaltet, ewig mit hohem Tremolo zu paradieren. Es möge auch schon hier in diesem Zusammenhang gesagt sein: dem As der sechs Sänger, Herrn Metzger, sollte man größere Möglichkeiten geben, die die Darmstädterin, Fräulein Erika Köth, — nunmehr als „Erste“ am Karlsruher Theater —, nicht mehr braucht, da sie sich schon durehgesetzt hat. So galt der Applaus ihres „Herrn Marquis“ nicht dem jugendlichen, quicklebendigen Charme, sondern der stimmlichen Leistung. Was sollte man über Otto Röttcher, (Landestheater) sagen, der schon vorher viel Beifall erhielt. Das einzig zusätzlich positive zu bekannten Leistungen: jungenhaft wirkende Bescheidenheit, fast Verlegenheit vor dem lange klatschenden Publikum. Dann kam mit den Geschwistern Heck ein weiterhin verblüffend gekonntes Stück: noch oder schon sind sie in Hamburg und Heidelberg aufgetreten; sie werden aber bald einmal in den D-Zügen zwischen Kopenhagen, Paris, Brüssel und (hoffentlich) Berlin zu Hause sein. „Ich kann sie unter keinen Umständen der Schule entfremden, Angebote hätten wir genug“, sagte mir Frau Edith Mann, die Lehrerin und Betreuerin, die selbst früher in fast allen europäischen Hauptstädten auftrat. Die Leistung der Kinder ist groß. Der Kenner weiß nicht, was er mehr bewundern soll: artistische Prägnanz, das Melodiöse oder jenes unnachahmliche Abziehen der Arme (im Gegensatz zum Hämmern) bei weit vorne gelegener Tastatur des Xylophones. „M i c k e d or m e 1“ braucht an sich gar nichts zu sagen: man lacht auch so über den Mann mit rotem Hut und roter Standarte. Ob die Witze alt oder neu sind . . .

Die Veranstalter hatten das Kunststück fertiggebracht, diesen kleinen Abend mit großem Niveau, zusammenzustellen. Sg.


„Ich küsse Ihre Hand Madame!" — singt zwar nicht Herbert Görner zu Erika Köth, aber er tut es, wie das Bild zeigt. Foto: Hage
„Ich küsse Ihre Hand Madame!" — singt zwar nicht Herbert Görner zu Erika Köth, aber er tut es, wie das Bild zeigt. Foto: Hage

Vermißt

Seit Dienstag, dem 8. August, nachmittags. wird der zwanzigjährige Hermann Heuß, geboren am 10. 7. 1930 in Forst in der Lausitz, wohnhaft in Darmstadt, vermißt.

Der junge Mann verließ an diesem Tage gegen 13.30 Uhr die elterliche Wohnung, um mit seinem

Pkw. zu seiner gleichfalls in Darmstadt gelegenen Arbeitsstelle zu fahren. Dort ist er jedoch nicht angekommen. Alle Nachforschungen waren bisher vergebens. Der Pkw. wurde am 9. 8. 1950 vormittags in Mainz auf der Kaiserstraße unbesetzt parkend aufgefunden. Heuß ist 1,75 m groß, schlank und hat dunkelbraunes, nach hinten gekämmtes Haar. Er trägt eine kurze Lederhose, gelbes, mit schwarzem Karo durchwirktes Sporthemd, blaurot gemusterte Strümpfe und braune Krepphalbschuhe. Die Kriminalpolizei Darmstadt erbittet sachdienliche Mitteilungen über den Verbleib des Vermißten. Von der Mutter des Hermann Heuß wurden für seine Auffindung 500.— DM als Belohnung auseesetzt.

Auf der Autobahn stieß am Samstagmorgen gegen 10 Uhr in der Nähe von Lorsch ein Lastzug auf einen vor ihm fahrenden Schlepper mit Anhänger.



Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne

Skulptur in Amerika“ und „Korea“, eine aktuelle Bilderserie.

Mathildenhöhe: „Das Menschenbild unserer Zeit.“

Wir gratulieren

73. Geburtstag: Herrn Ludwig Gottwald, Reinheim/Odw., Kaplaneigasse (14. 8.).

25 jähriges Arbeitsjubiläum: Herrn Jakob Kraft, Hahn, Obergasse 47, als Schlosser bei der Hessischen Celluloidwarenfabrik Dietz u. Böttcher, Pfungstadt

Starkenburg

Fünfzig Jahre im Dienste der Barmherzigkeit

Unter großer Anteilnahme begingen die Nieder-Ramstädter Heime ihr Jubiläum

Mit einem Festakt und einem Festgottendienst begingen am Sonntag die Nieder-Ramstädter Heime der Inneren Mission die 50. Wiederkehr ihres Gründungst_>ges. Die Anstaltskapelle faßte die gropa Zahl der Gäste nicht, so daß Hunderte die gottesdienstliche Feier im Garten, wohin sie übertragen wurde, miterlebten. Hier war man anschließend auch zur Kaffeetafel vereinigt. Aus der weiten Umgebung waren die Freunde der Inneren Mission zusammengekommen. Sie beantworteten damit zugleich die verschiedentlich aufgeworfene Frage, wieweit das Werk Wieherns heute noch mit dem Gemeindeleben verbunden ist.

Grüße und Anerkennung

In dem Festakt am Vormittag, bei dem der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Anstalten, Ministerialrat Haineb a c h, die Begrüßungsworte sprach, berührte Oberkirchenrat Grein die Frage des Verhältnisses der Inneren Mission zur Gemeinde, hob Direktor Pfarrer D. Röhricht die Stetigkeit in der Führung der Anstalt hervor und würdigten Oberregierungsrat Herling und Stadtrat Schrauth die Bedeutung der freien Liebestätigkeit für die öffentliche Wohlfahrt,letzterer mit einem dankbaren Hinweis auf die Gastfreundschaft, die die Heime den Städtischen Krankenanstalten gewährt haben. Der Instrumentalkreis unter Heiner Lau t e n schl ä - ge r verschönte die Feier- mit seinem Spiel.

Liebestätigkeit und öffentliche Fürsorge

„Die Bedeutung der caritativen Anstalten für die Volksgesundheitspflege“ war das Thema der Festansprache von Obermedizinalrat Dr. Koch. Er wies die Auffassung zurück, daß die freien WohlfahrtSverbände nur die Aufgabe hätten, dort zu helfen, wo die Hilfsquellen der öffentlichen Fürsorge nicht ausreichten. In einem geschichtlichen Rückblick zeigte er, daß erst auf dem Boden der christliehen Nächstenliebe eine wirkliche Krankenpflege entstanden ist. Im Protestantismus schufen die Schwestermutterhäuser die Möglichkeit, pflegerische Kräfte in ausreichendem Umfang zu gewinnen. Im Gegensatz zu der neuzeitlichen Auffassung, daß die Sorge für die Hilfsbedürftigen und Kranken vornehmlich eine Aufgabe des Staates sei, weil er allein über die notwendigen, Geldmittel verfüge, sei festzustellen, daß gerade außergewöhnliche ökonomische Leistungen in aller Welt nur aus religiösen Motiven hervorgebracht wurden.

Es gelte, sich angesichts der großen Not überall darauf zu besinnen, daß der Staat durchaus nicht die ausreichenden Mittel hat, um aller Not zu steuern. Der Not kann wirksam nur gesteuert werden, wenn die Liebe in uns mächtig wird. So können auch die Schwestern ihren Beruf nur ausfüllen, wenn ihre Arbeit von dem Bewußtsein getragen wird, selbstlose Helfer zu sein. Von einer solchen Gesinnung leben die kirchlichen Anstalten.

Ansprachen und Wünsche

Den Festgottesdienst hielt Pfarrer D. Tegtmeyer, der Vorsteher der westfälischen Brüderanstalt in Bethel. In der Festversammlung gab Pfarrer Wagner, den Anstalten seit 31 Jahren verbunden, einen Rückblick auf die Gründungszeit. Er gedachte der Heimgegangenen und dankte Anstaltsleiter Pfarrer Schneider, Anstaltsarzt Dr. Geißler und Inspektor Weber. Pfarrer Schneider ging in seinem Jahresbericht auf die schweren Zeiten für die Anstalt ein. Er erwähnte die Standhaftigkeit des früheren Anstaltsarztes Dr. Georgi gegenüber der satanischen Weltanschauung, die das Schlagwort vom. „lebensunwerten Leben“ geprägt hatte. Ein klares Nein gegen diese Auffassung bedeute es, wenn nun Nieder-Ramstadt neben der Pflege der siechen Alten und der Epileptischen ihren Dienst an den Elendskindern wieder aufgenommen habe.

Anschließend an die Berichte sprachen Probst Rau über die Notwendigkeit, daß die Werke der Inneren Mission von den Kräften der Kirche getragen würden, überbrachte Dekan Weiß die Grüße des Dekanats Darmstadt und des Gustav-Adolf-Vereins, der den Heimen 100 Teller schenkte und wünschte Pfarrer D. Röhricht, das die Nieder-Ramstädter Anstalten in der beginnenden zweiten Jahrhunderthälfte ihres Wirkens mit neuen Kräften dienend an ihre Aufgaben gingen. Gemeinsame Gesänge, von dem Posaunenchor begleitet, waren in den Festverlauf eingestreut und beendeten ihn. P. D.


Kircheninneres der Nd.-Ramstädter Anstalten. Foto: Strauch
Kircheninneres der Nd.-Ramstädter Anstalten. Foto: Strauch

Erneuter Viehdiebstahl

Die Zahl des in letzter Zeit im Bachgau und im Odenwald gestohlenen Großviehs kommt jetzt nahe an die 20 Stück heran. Wir hatten über die einzelnen Fälle bereits berichtet; unter ihnen ist das nächtliche Verschwinden von zweimal sechs Zuchtrindern von einer Weidekoppel im südlichen Odenwald am schwerwiegendsten. Im Bachgau dagegen, in der Gegend zwischen Groß-Umstadt und Babenhausen, handelt es sich um Einzeldiebstähle. Die in jedem Fall aufgenommenen Ermittlungen lassen vermuten; daß es sich stets um die gleiche gut organisierte Diebesbande handelt. Soweit sich ihre Spuren verfolgen ließen, brachten sie die Tiere nach Verladung in einem Lastkraftwagen über die nahe bayerische Grenze. Es ist nach Lage der Dinge nicht ausgeschlossen, daß das Vieh bis in die Ostzone verschoben wird. Unter den geschilderten Merkmalen wurde jetzt — und zum zweiten Male — von der Weide der Domäne Häuser Hof bei Klein-Umstadt ein zehn Zentner schweres Rind gestohlen und nach kurzem Fußweg in einem LKW abtransportiert. (RG)


Das Männerhaus der Anstalten Foto: Schuch
Das Männerhaus der Anstalten Foto: Schuch

Wehaungshau macht Sorgen

Die Groß-Gerauer Stadtverwaltung hatte die Absicht, durch die Nassauische Heimstätten AG an der Klein-Gerauer Straße Wohnblocks mit insgesamt sechzig Wohneinheiten erstellen zu lassen. Dieses Projekt ist jedoch an der mangelnden Restfinanzierung vorläufig gescheitert; Bürgermeister Dr. Lüdecke hoffte vergeblich, staatliche Gelder für Beamtenwohnungen zu erhalten. Die Baugenossenschaft Ried hat sich nun kürzlich erboten, auf den Bauplätzen, die für die Wohnblocks vorgesehen sind, Reihenhäuser zu erstellen. Die Stadtverwaltung wird dieses Anerbieten jedoch voraussichtlich ablehnen, da sie der Ansicht ist, daß durch Wohnblocks mehr Wohneinheiten geschaffen werden. Sie wird die Bauplätze auch weiterhin Wohnblockbauten vorbehalten. (cg)

Mit dem Wagen in den Graben

Am Samstagmittag ereignete sich gegen 11 Uhr etwa 200 Meter von der Galalithwarcnfabrik Merz &Kr ell in Groß-Bieberau, Kreis Dieburg, entfernt ein Verkehrsunfall. der durch einen Radfahrer verursacht wurde. Dieser fuhr auf d'-m Sommerweg und drehte sich beim Herannahen eines Volkswagens, der in gleicher Richtung fuhr, um. Hierbei geriet der Radfahrer in die Fahrbahn, der Volkswagen mußte so scharf bremsen, d^ß er in den Straßengraben fuhr. Der Wagen erlitt nur Sachschaden, der Radf'brer Kopfverletzungen beim Sturz, (ml)

Allimende in Eppertshausen

Zu den wenigen Gemeinden, in denen noch Allmende besteht, zählt auch Eppertshausen. Die Gemeindeverwaltung legte dem Gemeinde, t- eine geänderte Ortssatzung vor, die den sogenannten Ortsbürgernutzen betrifft. Danach soll nach beendigter Flurbereinigung jedem Ortsbürger ein Allmendstück von gleicher Größe zugeteilt werden, während der Ortsbürgernutzen nach jahrhundertalter Regelung in zwei verschieden große „Lose“ gestaffelt war.

Die Gemeindeväter stellten sich auf den Standpunkt, daß die letzte Entscheidung über diese Frage von allen Örtsbürgern selbst getroffen werden müsse. (gi)

Beim Ueberqueren der Straße

Als die Schwester Lotte B ä r in Groß-Gerau die Mainzer Straße zwischen Apotheke und Bäckerei Klink auf dem Fahrrad überqueren wollte, wurde sie von einem plötzlich anfahrenden Fahrzeug der amerikanischen Militärpolizei erfaßt und durch Prellungen verletzt, so daß ärztliche Behandlung erforderlich wurde. Das Rad wurde beschädigt.

Ein Omnibus überholte einen parkenden Personenkraftwagen auf der Umgehungsstraße Mainz — Mannheim bei Groß-Gerau. Ein entgegenkommender, mit schwerem Eisenzeug beladener Lastzug kam beim Ausweichen zu weit auf den Gehweg, so daß er umschlug und eine Böschung hinabstürzte. eng

Unter Naturschutz gestellt

Die Naturschutzstelle des Landratsamtes Darmstadt hat folgende Plätze in Lützelbach unter Naturschutz gestellt: Die Baumgruppe um den Gedenkstein für den 1911 verstorbenen Darmstädter Maler Wondra am Kirchpfad nach Neunkirchen, eine Rotbuchengruppe am Orte „Kinderlust“ vor dem alten Steinbruch am verfallenen Tempelchen mit dem Ausblick nach Rodau, Groß-Bieberau und Reinheim. Zwei Rotbuchen im Bärlingsweg am Bienenhaus des Heilpraktikers Abel, eine Rotbuchengruppe, die sog. Wegweiserhecke, am Waldweg von Lützelbach nach Lichtenberg und eine Linde sowie eine Kastanie an der Straßengabel Brandau, Lützelbach. Neunkirchen. Die Gemeinde hat sechs Bänke an den Naturschutzstellen für die Kurbesucher neu herrichten lassen.

Auch in Neunkirchen wurden kürzlich die Linde am nördlichen Ortseingang, eine Eiche am Fußweg Neunkirchen—Lützelbach und eine Hainbuche an der Straßenabzweigung Steinauer Weg, Landstraße Neunkirchen— Brandau unter Naturschutz gestellt, (t-s)

Auch Pfungstadt feierte wieder Jubilänm

25 Jahre Zuchtviehmarkt / Einheimische Züchter zeigten beachtliche Leistungen

Es war ein mutiges Wagnis, in Pfungstadt nach dem großen Jubiläumsfest des TSV das 25jährige Jubiläum des Zuchtviehmarktes mit einer großen Pferdeleistungsschau zu planen und durchzuführen. Ein großartiger Erfolg aber krönte die wochenlangen Vorarbeiten und Pfungstadts Bevölkerung als auch die bäuerlichen Kreise des Rieds und des Odenwaldes zeigten eine Anteilnahme, die alle Erwartungen übertraf.

Im Mittelpunkt des Samstagvormittags ständ der Zuchtviehmarkt, der einen Überblick über die Zucht innerhalb Pfungstadts Mauern vermitteln sollte. Wenn leider durch ansteckende Tierkrankheiten in dem Bezirk nur Pfungstadt, Hahn und Arheilgen Tiere auftreiben konnten, so gab doch das gezeigte Material ein Bild des Leistungsstandes der örtlichen Rinder- und Ziegenzucht, die sich mit allen Zuchtgebieten Deutschlands messen kann.

Zur Eröffnung des Marktes sprach Bürgermeister Jäger herzliche Worte des Dankes an all jene, die seit Wochen das 25jährige Jubiläum des Marktes vorbereiteten. Tierzuchtdirektor Seeger vom Tierzuchtamt Darmstadt erinnerte an die Zeit vor 25 Jahren, als der Markt durch die Initiative des noch lebenden Altbürgermeisters Schwinn geschaffen wurde und gab anschließend ein Bild der züchterischen Arbeit, die jahrelang in den einzelnen Betrieben geleistet wurde. Das hiesige Zuchtgebiet halte jedem anderen Gebiet in Leistung und Güte stand. Die Grüße des Regierungspräsidenten überbrachte Regierungsdirektor Ahl, der die Arbeit des Bauern in schwerer Zeit würdigte und aufforderte, den Weg des Aufstiegs weiter zu schreiten.

Achtzig Kühe und Rinder standen in verschiedenen Klassen zur Prämiierung im Ring, und den Richtern, Direktor Seeger und den bekannten Züchtern Siefert; Airlenbach, und Ramge, Spachbrücken, fiel es sichtlich schwer, in dem aufgetriebenen Material das Beste vom Besten herauszufinden, es war eine Freude, die tiefrumpfigen und im richtigen Typ stehenden Tiere zu sehen, die sich alle in einem hervorragenden Pflegezustand zeigten. Wenn in einzelnen Klassen am Schluß Tiere aus den Zuchten des Gg. Heil und Ludwig Riehl an der Spitze standen, so gab der Katalog Aufschluß, daß diese Kühe Nachkommen des einstigen Pfungstädter Spitzentieres „Jägerin“ sind. Als Perle der Prämiierung und das Ergebnis jahrelanger Züchtung stellten sich in Klasse 7 „Familien“ die Kuhfamilie des Reinhard Schulz vor, die mit dem la-Preis ausgezeichnet wurde und die Einzelsammlung des Ludwig Crößmann 37., bestehend aus 8 Tieren, die den Staatsehrenpreis in Form einer Ebenholzschatulle mit Elfenbein-Einlegearbeiten erhielt. Auch in den großen Ortssammlungen (1 Bulle und 10 weibliche Tiere) stand die Pfungstädter Sammlung an 1. Stelle.

Die Prämiierung der 50 aufgetriebenen Ziegen stellten die Richter gleichfalls vor eine schwere Aufgabe. Das gesamte Material war von einer Ausgeglichenheit in der Körperform und der Milchleistung, die dem ältesten Ziegenzuchtverein Deutschlands alle Ehre machte. Auch hier rangierten die Pfungstädter Sammlungen vor Hahn und Arheilgen, — ein stolzer Erfolg der hiesigen Zucht.

Der Abend vereinte Gäste und Bevölkerung zu einem frohen Kommers im überfüllten Festzelt, zu dessen Gelingen alle Pfungstädter Vereine beitrugen. Bürgermeister Jäger begrüßte in herzlichen Worten alle Gäste und dankte den Vereinen für den Gemeinschaftsgeist, den sie bei der Ausgestaltung des heimatlichen Volksfestes bewiesen haben. Der Gruß Dr. Krichbaums, des Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins, galt besonders den Reitern und den Vertretern des Landesverbandes.

Dicht umsäumt waren am Sonntagnachmittag die Ortsstraßen, als sich der Festzug mit Hunderten von Reitern, vielen Ein- und Zweispännerwagen und den örtlichen Vereinen zum Festplatz bewegte. Der Abend war der Siegerehrung des Reit- und Fahrturniers gewidmet. Dr. Krichbaum überreichte die zahlreichen Preise und froher Tanz gab den festlichen Ausklang.

Auch die Ausstellung des Ortsgewerbevereins in der Turnhalle fand reichen Besuch und die ausgestellten Erzeugnisse handwerklichen Könnens waren Muster der Güte und des Geschmacks. (ler)

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Roßdorf. Die Stenografie-Lehrgänge im Herbst-Trisemester 1950 unter Leitung von Herrn K r ä u t e y beginnen in dieser Woche. Die Teilnehmer für den neuen Anfänger-Lehrgang, die sich bereits bei Lehrer L. Aman n, Karl-Marx-Straße 15 in die Liste eingetragen haben, sowie alle seitherigen Teilnehmer der Mittwoch- und Donnerstagabend-Lehrgänge werden heute zu einer kurzen Zusammenkunft um 20.30 Uhr in der neuen Schule, Darmstädter Straße 74 (Baracke) zwecks Zeiteinteilung eingeladen. (Sl)

Seeheim. Die Obst- und Gemüse Verwertungsgenossenschaft hat vergangene Woche ca. 300 Zentner Steinobst, Birnen, Pfirsiche angenommen. Bäume und Johannisbeersträucher können bei der Genossenschaft bestellt, werden. Letzter Termin ist der 10. September d. J. (hl)

Bickenbach. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der hiesigen Sport- und Kulturgemeinde fand die Wahl des neuen Vorstandes statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Kriminalrat Weidmann gewählt. Der seitherige Vorsitzende Jakob Klein wurde in Würdigung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt.

Hahn. — Seine 25jährige Betriebszugehörigkeit zur Hessischen Celluloidwarenfabrik Dietz & Böttcher in Pfungstadt konnte gestern Herr Ludwig Kraft, Ober¬ ' ' m 8.

DIEBURG

Reinheim. Ein hiesiger Arbeiter hat einem Einwohner von Uebe ra u ein fast neues Herrenfahrrad im Werte von etwa 100 DM verkauft, obwohl das Rad noch nicht völlig sein Eigentum war. Er hatte es auf Abzahlung erworben und schuldet dem Verkäufer noch einen größeren Restbetrag. (RG)

Dieburg. Am Mittwoch, dem 16. August, feiert die Kreisstadt den „St.- Rochus-Tag“. An Mariä Himmelfahrt und Rochustag sind Bürgermeisterei und Landratsamt geschlossen. Der Wochenmarkt wurde auf Donnerstag verlegt. (-gi-) Heubach. Am Dienstag wird der Film „Unter Piratenflagge“ gezeigt. (ko)

Münster. Durch die entschädigungslose Wegnahme des Gemeindewaldes im Munagelände ist die Gemeinde sehr waldarm geworden. In dem Waldwirtschaftsplan ist ein Gesamteinschlag von 940 Festmetern Holz vorgesehen. Die Einnahmen werden voraussichtlich auf 23 000 DM beziffert. An Ausgaben stehen für Neuaufforstungen 26 000 DM gegenüber. (gi)

Niedernhausen. Die Erneuerungsarbeiten in der Straße nach Groß-Bieberau gingen jetzt auch auf die Ortsstraßen über. Der Ortsplatz soll ebenfalls eine neue Teerdecke erhalten. (gi) Dorndiel. Auf der Straße Dorndiel— Mömlingen mit der Abzweigung nach Wald-Amorbach, werden z. Z. die dringendsten Ausbesserungsarbeiten ausgeführt. (ko)

Münster. Die Aufforstung der Gemarkung „Faulbruch“ wird nach Vorschlägen der Forstverwaltung mit Maschinenarbeit durchgeführt. Der Preis pro ha werde dann 471,40 DM betragen, wogegen sich die Kosten bei Handarbeit auf 976 DM belaufen. Selbst bei der Durchführung als Notstandsarbeiten, die einen staatlichen Zuschuß von 384 DM brächten, wären die maschinellen Arbeiten noch 120,Q0 DM billiger. (-gi-) Münster. Eine hiesige Einwohnerin erstattete Diebstahlsanzeige gegen „Unbekannt“. Sie hatte beim Einkauf ihr Fahrrad vor einem Bäckerladen stehen lassen, ihre Vergeßlichkeit aber erst am nächsten Tage bemerkt. Ueber Nacht war das Vehikel verschwunden. (RG)

ERBACH

Sandbach. Der Generalbebauungsplan und der Fluchtlinienplan liegen zur Zeit beim Regierungspräsidium Darmstadt zur Genehmigung vor. (hm)

Sandbach. — Die Hundesteuer wurde für den 1. Hund auf 12 DM, für jeden weiteren auf 6DM jährlich festgesetzt. (hm)

Seckmauern. Die seit einigen Wochen eifrig an der Dorfstraße betriebenen Ar¬ beiten • sind jetzt soweit fortgeschritten, daß mit dem Auflegen der Teerdecke begonnen werden kann. — Die Scharlacherkrankungen, die vor einigen Wochen in der Gemeinde auftraten, sind im Abklingen. -hm-

Rai-Breitenbach. — Unter Vorsitz von Lehrer Häusler befaßte sich der Elternbeirat mit der Anschaffung neuer Schulmöbel. Mangels finanzieller Mittel wurde dem Bürgermeister empfohlen, einen Antrag um Beihilfe zu stellen. Die finanziellen Schwierigkeiten der Schulspeisung standen gleichfalls zur Erörterung. (hm)

Rai-Breitenbach. Als eine der wenigen Gemeinden des Kreises Erbach hatte Rai-Breitenbach seither eine Pflichtfeuerwehr. Jetzt wird endlich eine freiwillige Feuerwehr in der Gemeinde gegründet -hm-

BERGSTRASSE

Heppenheim. In der Nacht zum 5. August drangen unbekannte Täter in Biblis in sechs Wohnhäuser ein, nachdem sie die Oberlichter ausgehängt und die Fensterflügel entriegelt hatten. Die Einbrecher durchsuchten vor allem Küchen und Wohnräume nach Bargeld und hatten auch in drei Fällen Erfolg. Wertsachen und sonstige Gegenstände wurden nicht mitgenommen. Die Bevölkerung wird zur Mitfahndung aufgefordert. (HB)

Bensheim. Die Auszahlung der Unterstützungen für Monat August erfolgt für Bensheim-Mitte, Schönberg und Zell am kommenden Donnerstag, vormittags von 8 bis 12 Uhr, in der Stadtkasse im Rathaus Bensheim. Für die Auerbacher Unterstützungsempfänger werden die Gelder nachmittags von 14 bis 16.30 Uhr im ehemaligen Auerbacher Rathaus ausgezahlt. Für den übrigen Publikumsverkehr bleibt die Stadtkasse am 17. August geschlossen. -HB-

Kirschhausen. Die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt sind nun soweit fortgeschritten, daß in dieser Woche der zweite Bauabschnitt begonnen werden kann. -r-

Kreidach. Da die Kulturkosten in keinem Einklang mehr zu den vom Forstamt Birkenau festgelegten Holzpreisen stehen, sahen sich die Gemeindevertreter jetzt veranlaßt, den Waldwirtschaftsplan erneut eingehend zu behandeln. (-r.)

Wahlen. Die seitens des Landratsamtes beantragte Rechnungsprüfung der Gemeinde für die Zeit vor 1945 wurde von den Gemeindevertretern jetzt abgelehnt. Auch auf die Rechnungsprüfung der Jahre nach 1945 ist verzichtet worden, (-r)

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Im Zuge des Zeltlageraustausches verlassen heute morgen zwei Omnibusse mit Schulkindern das Zeltlager Klippstein, um für 14 Tage nach Kiel an die Ostsee zu fahren. Dies soll der letzte Transport sein. Kreisinspektor Hofmann befindet sich zur Zeit mit 100 Kindern dort. Groß-Gerau. „Kinder singen und spielen!“ lautete das Motto, unter dem Kinder und Jugendliche im Hau sder Jugend zusammenkamen, um bei Boxkampf, Theaterspiel, Tanz und Gesang fröhlich zu sein. Auch Bürgermeister Dr. Lüdecke war anwesend. (eng)

Goddelau. Da heute mit den Pflasterarbeiten in der Bahnhofstraße begonnen wird, bleibt dieselbe bis zur Altländerstraße bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. (-od-)

Gernsheim. Am Donnerstag, dem 17. August, findet im eigens hierzu hergerichteten Saal des Rosengartens (Essölbach) eine Kreisratssitzung statt. (Pe) Raunheim. Das Standesamt registrierte im letzten Monat 3->Geburten, 2 Eheschließungen und drei Sterbefälle . (Kb)

Raunheim. Der hiesige Reisetauben-Ve^e^ beschickte den ersten Auslandflug mit 31 Tauben. Der Flug ging von Linz (Oesterreich) über eine 468 km lange Strecke. Mehrere Raunheimer Brieftaubenzüchter konnten mit ihren Tauben Preise erzielen. _au.

Bauschheim. Die Gemeinde beabsichtigt, auf dem Kirchplatz eine Ortsverwaltung und einen Faselstall zu errichten Die Bauten wurden dem Architekten Werner, Bauschheim, übertragen. Die Frage der Finanzierung ist noch nicht endgültig geklärt. <_kb ,

Büttelborn. Infolge der auf der Bundesstraße 26 in der großen Kurve laufend vorkommenden Verkehrsunfälle wurden die Kurven mit Markierungslinien versehen und besonders schadhafte Steilen der Straße ausgebessert. In Kürze soll die Straße durch Beauftragte der Bundesregierung besichtigt werden. (_Kb 1

Erfelden. Johann Ewald, Joh. Georg Hamann Wilhelm Schneider und Georg Roth wurden als Wiesenvorstandsmitglieder für die Gemeinde verpflichtet. (-kb.)

„Musik ist Wahrheit und Philosophie“

110jahnges Jubelfest des „Volkschor Sängerbund 1840 Babenhausen“

Ki»der£1^Ch°/ Sängerbund 1840 Babenhausen“, der heute mit einem großen 1 d?tte" und atzten Tag seines 110 jährigen Jubiläums begeht, er-Veremp . -Ta f\anistaKabend mit einem Fackelzug unter Beteiligung der örtlichen Vereine und der Jugend seine Hauptfesttage.

„Mit Sängergruß aus frohem Mund grüßt Euch der Volkschor-Sängerbund“ klang es zur Eröffnung des Festkommerses auf dem Festplatz auf. Präsident Paul Willand begrüßte dort als Vertreter des Kreises Dieburg im DAS Kassendirektor Fleckenstein und die vielen Hundert Gäste, die sich zum Jubiläum eingefunden hatten.

Die Reihe der Ansprachen eröffnete Kreisvorsitzender Fleckenstein, der die Grüße und Glückwünsche des DAS überbrachte. Ein Verein, der über ein Jahrhundert lang das kulturelle Leben einer Stadt befruchtet habe, führte er aus, sei wert, daß man seiner gedenke, denn er bringe Aufrichtung und Trost im Lied, frohen Mut und gläubiges Vertrauen in eine bessere Zukunft. Mit den Worten: „O, deutscher Sang, o, deutsches Lied, in Ewigkeit dich Gott behüt’“, überreichte der Gratulant dem Verein eine Ehrenurkunde des Sängerbundes. Anschließend nahm der Kreisvprsitzende die Ehrung folgender Jubilare unter Ueberreichung entsprechender Urkunden vor: für 40jähriges Sängertum die Ehrenmitglieder Wilhelm Fen g e 1 und Philipp Fritz; für 25 Jahre aktive Sängerzeit Heinrich Blümler, Georg Herd e 1, Michael Rade m e r , Karl Sehnert, Paul Willand, Johannes Wissel. Bürgermeister Melk überreichte im Namen der Gemeinde und mit herzlichen Glückwünschen eine Fahnenschleife. Für die Sport- und Kulturgemeinschaft, in der der Turnverein 1891, der Wanderklub „Berg auf“, der SV „Germania“ und der Reit- und Fahrverein „Vorderer Odenwald“ zusammengeschlossen sind, heftete deren Vorsitzender Adolf Zimmer einen Fahnennagel an den Schaft der Vereinsfahne. Der 1. Vorsitzende des Gesangvereins „Eintracht“, Josef Rupp, übergab eine silberne Plakette. Liedvorträge der beiden Vereine, turnerische und tänzerische Vorführungen des TVB füllten die weiteren Stunden des Abends aus.

Kreiswertungssingen

Das Kreiswertungssingen, an dem sich vornehmlich die kleineren Vereine aus dem Bachgau beteiligten, stand unter der Beurteilung von Musikdirektor Zoll, Frankfurt, der vor allem anerkannte, daß in diesem Wettbewerb neben alten auch neue Chöre zum Vortrag kamen. Er konnte folgende Prädikate erteilen: GV „Frohsinn“, Lengfeld (Dir. Herbert, 28 Sänger) 1. Chor „gut“, 2. Chor „gut“; SVg „Sängerlust - Liederkranz“, Groß-Umstadt (Leist, 37) gut, gut; GV „Sängerlust“, Harreshausen (Bender, 43 gemischt) gut, gut; „Männer-GV“, Groß-Umstadt (Burghard, 32) gut, gut; GV „Sängerlust“, Kleestadt (Schuhmann, 40) befriedigend, befriedigend-gel. besser; Arbeiter-GV „Liederzweig“, Heubach (Darmstädter, 30) gut, befriedigend; GV „Liederkranz“, H e r ger sh aus en (Küchler, 49) sehr gut, sehr gut, geh besser; Arb.-GV „Bruderkette“, Schaafheim (Krapp, 55) gut, gut; GV „Liederkranz“, Langstadt (Küchler, 50) gut, besser, sehr gut; Volkschor-Sängerbund, Babenhausen (Bender, 56 gern.) sehr gut, gel. besser ; Männer-GV All - heim (Leist, 46) sehr gut, sehr gut.

Eindrucksvoller Festzug

„Das deutsche Lied“ war das Leitwort, unter dem der Festzug am Sonntagnachmittag stand. In mehr als 30 Wagen- und Fußgruppen waren die Gast- und örtlichen Vereine vertreten. Mit wirklich gutem Geschmack und viel Sorgfalt waren die einzelnen Gruppen auf das Motto abgestellt; sie verkörperten eine große Zahl von Volksliedern. Manch anerkennendes Wort erntete der Schäferhundeverein, der in den Mittelpunkt seiner großen Zuggruppe das Rotkäppchenmotiv gestellt hatte.

Der Festakt auf dem Sportgelände

Nach Ankunft des Zuges auf dem Festgelände leitete ein Massenchor der Vereine Seligenstadt, Harreshausen und des Volkschor-Sängerbundes mit Beethovens „Die Ehre Gottes“ den Festakt ein, zu dem Ehrendirigent und Festpräsident Rektor a. D. Wilhelm Müller die Ansprache hielt. Sein Gruß galt insbesondere Regierungspräsident Arno u 1, dem Vorsitzenden des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes, Kutschke, Frankfurt, dem DAS-Bezirksvorsitzenden Denecke, Darmstadt, dem Kreis Vorsitzenden Fleckenstein, Dieburg, und dem Kreisvorstand, sein Dank dem Vereinsvorsitzenden Paul Willand und dem Dirigenten Heinrich Bender. Der Zusammenschluß des Babenhäuser Singvereins 1840 und des Volkschors 1903 habe Vergangenheit und Gegenwart, altes Sängertum und junge Liebe zum Lied vereinigt. Mit berechtigtem Stolz und tiefer Dankbarkeit blicke die Bevölkerung der Stadt auf die Verdienste des Vereins. Bundesvorsitzender Kutschke legte seinen Glückwünschen das Goethewort „Musik ist Wahrheit und Philosophie“ zugrunde und unterstrich den höhen ethischen Wert des Liedes. Dem Jubel verein überreichte er - ein Ehrendiplom des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags brachten einige Gastvereine Lieder und Chöre zu Gehör. (RG)

Der Kassandra-Ruf von Schleswig-Holstein

Südhessische und badische Heimatvertriebene protestieren in Gammelsbach

Das Wochenende brachte Erbach und dem südlichen Odenwald eine Reihe Wiedersehen und Heimattreffen von Opfern des Krieges aus den Reihen der Beschädigten und der Heimatvertriebenen.

Stern-Treffen in Gammelsbach

Die erste Veranstaltung vereinigte die Heimatvertriebenen der hessischen Oberzent und der angrenzenden badischen Gebiete bis nach Heidelberg. Männer, Frauen und Kinder verschiedenster Landsmannschaften waren schon am Sonntagvormittag zu einem gemeinsamen Gottesdienst ins Gammelbacher Tal gekommen. In Anwesenheit von Landrat Neff und Vertretern des öffentlichen Lebens wurde im Schulsaal eine Heimatgussteilung mit Fotos, Gemälden und Andenken an die alte Heimat, Trachten aus dem Iglauer-Land und anderen Gegenden eröffnet. Ein Ausflug auf die Burgruine Freienstein schloß den Vormittag.

Am Nachmittag versammelten sich mehrere hundert Heimatvertriebene, Flieger- und sonstige Kriegsgeschädigte im Schulhof zu einer Protestkundgebung, bei der Vertreter des Interessenverbandes für den Kreis Erbach das Wort ergriffen. Kreisausschuß - Mitglied Otto Ross e g g, Erbach, leitete die Kundgebung mit einem Appell zur Einheit aller Kriegsgeschädigten ein. Flüchtlingsvertrauensmann Josef Ho 11 a s und Bürgermeister Siefert, Gammelsbach, unterstrichen die Notwendigkeit festen Zusammenstehens von Alt- und Neubürgern.

Der frühere Kreisvorsitzende Udo Müller, Erbach, stellte in den Äfittelpunkt seiner Betrachtung der politischen Gegenwartslage das Wahlergebnis von Schleswig-Holstein, bei dem der „Fünfte Stand“ jäh durchgebrochen sei. Diese Wahl sei die Revolte der Flüchtlinge in der deutschen Politik, der Kassandra-Ruf für die Bonner Regierung, die von der grenzenlosen Armut der Masse des deutschen Volkes sehr wenig zu wissen scheine. In scharfen Worten griff der Redner den Vorschlag zum Lastenausgleich des Bundesfinanzministers Dr. Schaeffer an. Zwischenrufe forderten wiederholt das Abtreten dieses Ministers, der sich als Feind der Flüchtlinge gebärde.

Der Geschäftsführer des Interessenverbandes, Walter Jakobs, verlas anschließend die „Charta der Heimatvertriebenen“. In einer Entschließung protestierten die in Gammelsbach versammelten Flüchtlinge gegen die Abtretung der Ostgebiete als Mißachtung des Selbstbestimmungsrechts und gegen die flüchtlingsfeindliche Politik des Bundesfinanzministers Dr. Schaeffer. Im übrigen schlossen sie sich dem Wortlaut der Charta an.

Mit Volksliedern und Tänzen der Gammelsbacher Jugendgruppen, Beiträgen des Gesangvereins Liederkranz, Gammelsbach, und der Schrammel-Kapelle Vogel - Hiltersklingen gestaltete man einen kurzweiligen Nachmittag, den Assessor Stoe pk e, Bad König, mit ostpreußischem Humor würzte. Im Gasthaus „Zum Odenwald“ fand sich die reifere Jugend am Abend zum Tanze ein.

Wiedersehen des Kirchspiels Bolten

Am Samstag hatten sich über 500 Heimatvertriebene aus dem Kuhländchen in Erbach zu ihrem alljährlichen Wiedersehen versammelt. Pfarrer Polak vom ehemaligen Kirchspiel Bölten, zu dem die Dörfer Neudeck, Pohl, Lutschitz, Hermitz, Litschel und Kunzendorf gehören, ruft jedes Jahr in den ersten August-Tagen, an denen sie einst ihre Heimat verlassen mußten, und als einer von sechs Transporten in den Westen gebracht wurden, zu einem Erinnerungstag zusammen. Es wurde kein großes Programm gestaltet. Vormittags ein gemeinsamer Go+tesdienst in der Erbacher Stadtkirche, dann gemütliches Beisammensein in der Festhalle, denn alle wollen sich dabei wieder einmal aussprechen, sich das Herz erleichtern, und das geht nur mit Menschen gleichen Schicksals. Rührende Szenen der Wiedersehensfreude spielten sich ab. (ch)

Der zeitgemäße Waschtag

Um die jüngsten Erkenntnisse auf den Gebieten der Waschmittel, der Wäschebehandlung und der Wascharbeit einem möglichst weiten Kreis bekannt zu machen, hält die Landwirtschaftsschule Heppenheim theoretische und praktische Vorführungen im Landkreis Bergstraße ab. Frau Ostrinske wird dabei den interessierten Hausfrauen durch Vortrag, Vorführung und Beratung zur Verfügung stehen, um auch zu zeigen, wie man Arbeitskräfte und Geld sparen und zugleich die Wäsche schon kann. Als nächste Termine wurden festgelegt: Reichenbach, Montag, 14. August, 20.30 Uhr, Theorie, im Gasthaus „Zur Traube“, Praxis, Dienstag, 15. August, 8 bis 10 Uhr, in der Mietwaschküche Kaffenberger, von 14 bis 16 Uhr in der Mietwaschküche Dörrschuck. Weiher, Mittwoch, 16. August, Praxis von 8 bis 10 Uhr in der Mietwaschküche Jäger. Unter Li ebersbach, Mittwoch, 16. August, 20.30 Uhr, Theorie, Donnerstag, 17. August, 8 bis 10 Uhr praktisch in der Mietwaschküche). Waldmichelbach, Donkünche). Waldmichelbach, Donnerstag, 20.30' Uhr, Thorie, Freitag 8 bis 10 Uhr praktisch (jeweils in der Mietwaschküche Keil). (-r)

Rektorstelle vergeben

In der Freitagssitzung des Höchster Gemeinderats wurde als erster Punkt der Rückerstattungsantrag Flörsheimer-Kling besprochen. Der Gemeinderat entschied sich einstimmig für den von der Kammer vorgelegten Vergleichsvorschlag. Der Antrag von L. Menzer auf Uebernahme einer Bürgschaft durch die Gemeinde wurde angenommen. Wichtigster Punkt der Sitzung war der Beschluß über die Besetzung der Rektorstelle in Höchst. Alle Fraktionen erklärten sich einverstanden, den bisherigen Schulleiter, Lehrer 810ß, der schon 15 Jahre als Lehrer an der Volksschule Höchst tätig ist, mit der Stelle des Rektors zu beauftragen. Dem Antrag des evangelischen Jugendverbandes auf Zuteilung von verbilligtem Brennholz für das Freizeit-Heim wurde zugestimmt. Der Antrag von L. Wolf, gemeindeeigenes Gelände in der Lehmkaute käuflich zu erwerben, soll erst nach Einsichtnahme des Geländes durch den Bauauschuß entschieden werden. Der Auftrag zur Straßenausbesserung im Dusenbacher Weg wurde der Firma Schuchmann, Darmstadt, zugesprochen. -hk-

Was aǔch intereesiect:

Schnittwunden im Gesicht und eine schwere Gehirnerschütterung erlitt ein vierjähriges Kind aus Wilmshausen, als es beim Spiel in einen Richtung Reichenbach fahrenden Pkw. lief.

Auf 50 000 bis 60 000 DM beläuft sich nach Mitteilung von Bürgermeister Schäfer der durch den Großbrand in König Städten verursachte Schaden. (Kb)

Ein „Radrennen“ veranstalteten zwei jugendliche Radfahrer auf der Straße Dieburg—Semd. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit einer Radfahrerin aus Semd, die so schwere Verletzungen erlitt, daß sie in Krankenhaus Dieburg eingeliefert werden mußte. (RG)

Lediglich Sachschaden entstand kürzlich bei einem Zusammenstoß in Hof heim zwischen dem Kraftwagen des Rudolf F i - scher und der aus der Backhausstraße kommenden Zugmaschine des Wagnermeisters Friedrich Grein. (HB)

Ein 74jähriger Einwohner von Nauheim stürzte beim Obsternten so unglücklich von der Leiter, daß er einige Rippen brach. (Kb)

Beide Arme brach eine 70 Jahre alte Frau von Groß-Bi e b e r a u, als sie beim Brombeersuchen hinfiel. (GD)

Eine Gedächtnisfeier zum 200. Todestag von Johann Sebastian Bach veranstaltet am kommenden Sonntag der Evgl. Kirchenchor Nauheim in der Evangelischen Kirche um 20 Uhr. Die Feier steht unter Leitung von Walter Hof ter. (Kb)

Ein schönes Beispiel, das sich zur Nachahmung empfiehlt, gab der Jagdpächter F. Haas, Dorndiel, der nun schon einige Male Wildschwein- und Rehbraten den Flüchtlingen des Ortes zukommen ließ. (ko)


Bischof Dr. Albert S t ohr, Mainz, weihte die wieder hergestellte Stadtkirche in Bensheim ein. Unser Bild zeigt den Bischof zusammen mit Bürgermeister Treffert auf dem Bensheimer Rathausplatz. Foto: Schuch
Bischof Dr. Albert S t ohr, Mainz, weihte die wieder hergestellte Stadtkirche in Bensheim ein. Unser Bild zeigt den Bischof zusammen mit Bürgermeister Treffert auf dem Bensheimer Rathausplatz. Foto: Schuch

Feuilleton

Internationaler Ferienkurs für Neue Musik eröffnet

BEGRÜSSUNG DURCH BÜRGERMEISTER SCHRÖDER, VORTRAG VON PROF. BLUME: „BACH IN UNSERER ZEIT“

Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Friedrich Blume, Universität Kiel, dem Präsidenten der Gesellschaft für Musikfor-

schung, wurden am Samstagabend in der Stadthalle die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik eröffnet.

Zuvor begrüßte Bürgermeister Schröder im Namen der Stadt Darmstadt Lehrer und Hörer. In einem kurzen Ueberblick erinnerte er an die Beweggründe, die diese nun schon in der internationalen Musikwelt zu einem Begriff gewordene Veranstaltung ins Leben rufen ließen und zeigte ihre erfolgreiche Entwicklung bis zum heutigen Tage auf. Er betonte die wirksame Unterstützung, die den Ferienkursen durch das hessische Kultusministerium, die amerikanischen Behörden und die zahlreichen Freunde und Gönner zuteil wurde, mit deren Hilfe eine große Anzahl von Freiplätzen für Studierende eingerichtet werden konnte. Sein Dank galt auch der Gemeinde der 7.- Tags-Adventisten, die wieder ihr Heim auf der Mathildenhöhe zur Verfügung stellten. Mit dem Wunsch, die Gäste aus ganz Deutschland und anderen Ländern möchten sich in Darmstadt wohlfühlen, verband Bürgermeister Schröder die Hoffnung, der Ferienkurs möge dazu beitragen, neben seiner eigentlichen Aufgabe, der Erarbeitung der Probleme Neuer Musik, die freundschaftlichen Bande zwischen der Jugend über Lander- und Zonengrenzen hinweg neu zu knüpfen und zu festigen.

„Bach in unserer Zeit“

Prof. Blume war ursprünglich gebeten worden, über das Thema „Bach und die Gegenwart“ zu sprechen- Da dies aber hieße, den Einfluß Bachschen Schaffens auf die moderne Musik zu studieren und auseinanderzulegen, eine Aufgabe, die zwar in engerem Zusammenhang mit dem Ferienkurs stünde, aber für den Rahmen eines Abendvortrags viel zu groß wäre, stellte er seine Gedanken unter das Leitmotiv „Bach i n der Gegenwart“.

Das Verhältnis zu Bach ist heute nicht so gefestigt, wie es nach einer hundertjährigen Bachforschung vielleicht, den Anschein haben könnte. Gerade das Bachjahr 1950 hat neue Erkenntnisse gebracht, die dazu zwangen, scheinbar gesicherte Ergebnisse neu zu überprüfen.

Die Verwendung des Bachschen Werkes

Mit der Frage der Verwendung des Bachschen Schaffens ersteht zugleich die Frage: Wohin gehört dieses und jenes Werk? Die Passionen nehmen hier eine ausnahmsweise klare Stellung ein. Sie sind ihrem Wesen nach religiösen Passionsfeiern zugedacht. Schwieriger wird die Frage schon bei anderen Werken wie z. B. der h-moll-Messe, die heute als Konzertwerk gebracht wird. Einmal nur war der Versuch unternommen worden, sie als Hochamtsmusik zu werten; letzten Endes aber bleibt sie — schon rein ausdehnungsmäßig und aufführungstechnisch — ein selbständiges Konzertwerk, dessen historische Stellung im Gesamtschaffen Bachs ebensowenig geklärt ist wie der Zweck seiner Entstehung. Sicherer dürfte nach Blume schon sein, daß diese Messe in einzelnen Teilen entstand. Es erhebt sich also die Frage, ob nicht, entgegen der in der romantischen Tradition begründeten Ganzheit des Werkes, der Versuch gemacht werden sollte, die Messe in einzelnen Teilen aufzuführen. Aehnlich verhält es sich mit dem Weihnachtsoratorium. Bach selbst dachte an eine Aufführung der sechs Teile an sechs Verschiedenen Sonntagen vor Weihnachten. Von den etwa 175 Kantaten kommt heute nur noch ein Bruchteil zur Aufführung. Die Länge von etwa 30 Minuten fordert eine gemeinsame Aufführung mit einer anderen Kantate; jede einzelne Kantate aber ist inhaltlich und besetzungsmäßig von den übrigen grundverschieden. Die Kantaten sind aus dem Gottesdienst erwachsen. Kantate und Predigt zusammen interpretierten im Barock das Bibelwort des Sonntags'. Beide standen in der Auslegung gleichberechtigt nebeneinander. Dieser Sinnzusammenhang ist heute verloren gegangen. Die Kantaten, Ausdruck Bachschen Geistes in höchster Vollkommenheit, dem Menschen der Jetztzeit näherzubringen, betrachtet Blume als eine Hauptaufgabe des Rundfunks.

Auch Bachs Instrumentalmusik ist, abgesehen von den schon von Bach selbst als Konzertmusiken bestimmten Kompositionen, hinsichtlich ihrer Ver- Wendung z. T. noch ungeklärt. Bei der Orgelmusik ist es historisch gesehen, unsinnig, z. B. das ganze Orgel-

büchlein und alle 18 Choräle in einer Aufführung zu bringen, da sie zeitlich und inhaltlich verschieden sind.

Das Problem der Aufführungspraxis

besteht heute wie früher. Man sollte sich daran erinnern, daß diese Bedingungen, unter denen Bachs Werke entstanden und gehört wurden, heute nicht mehr existieren. Blume wies auf die Wesensmerkmale der Barockmusik hin, deren Beachtung wenigstens eine Annäherung an das ursprüngliche musikalische Bachbild ergebe: 1. Barockmusik ist ungemein feinfühlig in der Raum-Klang-Relation. 2. Sie ist farbig, rauschend, volltönend. 3. Alle Stimmen sind gleich stark, ihr Ineinandergreifen und Verflechtung müssen klar erkennbar sein. Eine Ausnahme macht der Cantus Firmus, der, wo er auftaucht, zum musikalischen Rückgrat wird und hervorrteten muß.

Heute ist die Aufführungspraxis fragwürdig geworden, da Bach in eine Klangwelt verbannt werden soll, in der er nicht zu Hause ist.

Die Frage der Bearbeitung Baehscher Werke

In dieser immer wieder diskutierten Frage entschied sich Blume eindeutig für die Bearbeitung. Bachs Werk ist heute nicht mehr so zu hören wie zu seiner Zeit. Für stilgetreue Aufführungen hat unser Ohr die Hörfähigkeit verloren. Daher sind Bearbeitungen der Urtextausgaben für jede Zeit neu und immer wieder erforderlich.

Das Bachbild ist nach 100 Jahren des Forschens schwieriger und Unklarer als je. Aus seiner Musik weiß man symbolische, rethorische und zahlenmystische Momente zu deuten. So kommt es, daß diese vielfältigen Kräfte anziehend und abstoßend zugleich wirken. Die Forschung aber darf nicht die einfache Erkenntnis verdunkeln, daß der Weg zu Bach über den Enthusiasmus führt, über das von Problematik und Analyse unbelastete, völlig hingegebene Spielen seiner Werke. hn.


Bürgermeister Schröter bei seiner Ansprache
Bürgermeister Schröter bei seiner Ansprache

Mr. Evarts, Leiter des Amtes für Musik, und Theater bei dem amerikanischen Hochkommissar für Deutschland, im Gespräch mit Edgar Varese (rechts) und Heinz Schröter (links) von Radio Frankfurt, dem bekannten Interpreten und Komponisten Neuer Musik.
Mr. Evarts, Leiter des Amtes für Musik, und Theater bei dem amerikanischen Hochkommissar für Deutschland, im Gespräch mit Edgar Varese (rechts) und Heinz Schröter (links) von Radio Frankfurt, dem bekannten Interpreten und Komponisten Neuer Musik.

Prof. Blume während seines Vortrags: „Bach in unserer Zeit“.
Prof. Blume während seines Vortrags: „Bach in unserer Zeit“.

Internationale Ferienkurse

Montag, 14. August

Seminar Marienhöhe. 20 Uhr; Vortrag vom Hermann H e i B‘. Darmstadt: „Athematische Komposition“, Beispiele an Hand der „Capricci rytmici“; Mitwirkende: Else Stock (Flügel), Elsbeth Stumpf (Sopran), Aga Zeh-Landzettel (Alt), Kurt Bausch (Baß).

Dienstag, 15. August

Stadthalle. 20 Uhr; Vegh-Quartett, Paris: Streichquartette Nr. 1,2, 3 von Bela Bartok.

Mittwoch, 16. August

Aula der Technischen Hochschule, 20 Uhr; Vortrag von Prof. Fr. Hermann Scherchen. Zürich: „Die dirigentische Realisation Neuer Musik“.


Prof. DY. Hermann Scherchen, Zürich, im Gespräch mit Frau Steinecke, der Gattin des Leiters der Ferienkurse. Fotos (4) DT-Schröder
Prof. DY. Hermann Scherchen, Zürich, im Gespräch mit Frau Steinecke, der Gattin des Leiters der Ferienkurse. Fotos (4) DT-Schröder

Der Sport

Stark genug für die Europa-Meisterschaften

Rekorde und andere großartige Leistungen bei den Deutschen Meisterschaften der Schwimmer

Von unserem Fachmita rbei t e r Dr. Ewald Bussard

Nicht nur bei den Sprüngen, sondern auch in einigen anderen Wettbewerben haben die deutschen Schwimmer und Schwimmerinnen an den beiden festlichen Tagen ihres Sports in Göppingen bewiesen, daß sie wieder stark genug sind, um den deutschen Sport bei den bevorstehenden großen internationalen Kämpfen, den Europameisterschaften in Wien und den Länderkämpfen gegen Italien und England, würdig vertreten zu können.

Die schwäbische Industrie- und Sportstadt Göppingen schwamm am Wochenende in einem Fahnenmeer. Tannengrün zierte alle Einfallstraßen. Das schöne Freibad mit seinem blauen Wasser und den ragenden Tribünen war eine ideale Kampfstätte. Die vom Schwimmverein Göppingen 04 vorbildlich aufgezogene Organisation, die großzügige Unterstützung der Stadt selbst, die Gastlichkeit ihrer Bürger, alles das schuf eine Atmospäre, wie sie sich der Deutsche Schwimmverband für seine Titelkämpfe nicht besser hätte wünschen können.

Ueberraschende Zeiten am Samstag

Immer wieder feiert die glorreiche Ungewißheit beim Sport ihre Triumphe. Sie sorgt auch dann für Spannung, wenn man schon vorher zu wissen glaubt, wie die neuen Meister hejßen müssen. Auch die Fachleute hatten nicht geahnt, wie souverän die Pirmasenserin Gertrud Herrbruck den Titel über 400-m-Kraul verteidigen würde. Man hatte diesmal der Düsseldorferin Vera Schäferkorst auf Grund ihrer prächtigen Leistung in Oberhausen die größeren Chancen eingeräumt. Aber die Gertrud ließ es gar nicht darauf ankommen. Als sie bei 100 Meter mit 1:13,6 Min. schon fünf Meter in Front lag, wußte jeder, daß sich die zähe Pfälzerin diesen Titel nicht mehr nehmen lassen würde. Sie schwamm ihr Rennen allein, mühelos und sicher und gewann in der famosen Zeit von 5:52,0 Min., obwohl sie keine halbe Stunde zuvor als Schlußschwimmerin ihren Kameradinnen aus Pirmasens die Meisterschaft in der 4XIOO-m-Rückenstaffel eroberte und damit eine kleine Sensation gebracht hatte. Ebenso souverän holte sich diesmal „Hase“ Lehmann vom MTV Braunschweig den im Vorjahre verlorengegangenen Titel über 200-m-Kraul von seinem Lokalrivalen Ditzinger („Eintracht“ Braunschweig) zurück. Mühelos schwamm er 2:15,1 Min. vor Ditzinger, Köninger und dem wieder stark verbesserten Heidelberger Reinhard. Daß Herbert Klein über 100 m Brust überragender Mann war, das wußte man vorher, daß er aber im freien Wasser die Zeit von 1:09,2 Min. erreichen würde, obwohl er bei dreißig Meter irrtümlich abgestoppt hatte, das war schon großartig. Meines Wissens ist diese Zeit auf einer Freiwasserbahn noch nie geschwommen worden.

Weniger erfreulich dagegen war eine viel umstrittene Entscheidung im gleichen Rennen der Frauen, als der Schiedsrichter die junge Ria Lörper aus Kempen zur Meisterin erklärte, obwohl die Ex-Breslauerin Uschi Walther, die heute für Nürnberg startet und seit fünfzehn Jahren sich in der deutschen Spitzenklasse hält, zumindest totes Rennen erzwungen hatte. Aber man war bald wieder versöhnt durch die großartigen Leistungen der „fliegenden Menschen“. Das Duell der großen Kunstspringer Hans Aderholt (Gronau) und Adi Walter (Braunschweig) war hinreißend. Die gleichen Jubelstürme entfesselten die Turmspringerinnen Paula Tatarek, Suse von Hartungen und Olga Hoffmann. Das spürte auch der Laie, daß hier Europaklasse zu sehen war, die in Verona in Italien und in Wien bei den Europameisterschaften mitsprechen wird.

Meister und Placierte

Die Ergebnisse des Samstag: Herren:

4XIOO-Meter-Rückenstaffel: 1. MTV Braunschweig 5:11,0 Min., 2. Eintracht Braunschweig 5:14.3 Min., 3. Poseidon Berlin 5:16,3 Min.

100-Meter-Brust: 1. Herbert Klein 1:09,2 Min., 2. Robert Pfersdorf (Pirmasens) 1:13,9 Min., 3. Dieter Korte (Wuppertal) 1:14,0 Min.

200-Meter-Kraul: 1. Heinz Günther Lehmann 2:15,1 Min., 2. Werner Ditzinger 2:19,1 Min., 3. Rupprecht Königer (MTV Braunschweig) 2:22,0 Min.

Kunstspringen: 1. Hans Aderholt (SV Gronau) 193,17 P., 2. Aki Walter (MTV Braunschweig) 190,71 P., 3. Werner Sobeck (SC Spandau) 186,69 P.

Damen: 100—200—200—100-Meter-Bruststaffel:l.SSV

Bonn 9:41,1 Min., 2. Düsseldorf 98 9:48,9 Min., 3. Westring Berlin 9:50,1 Min.

100-Meter-Brust: 1. Körper (Aeg Kämpen) 1:27,4 Min., 2. Uschi Walter (46 Nürnberg) 1:27,4 Min., 3, Detta Stern (Göttingen 03) 1:29,6 Min.

4XIOO-Meter-Rückenstaffel: 1. Blau-Weiß Pirmasens 5:56,6 Min., 2. Düsseldorf 98 6:02,0 Min., 3. Olympia Gladbeck 6:04,8 Min. 400-Meter-Kraul: 1. Gertrud Herrbruck

(Blau-Weiß Pirmasens) 5:52,0 Min., 2. Vera Schaf er kord (Düsseldorf 98) 5:57,1 Min., 3. Gisela Dziallas (Westring Berlin) * 2 Min.

Turmspringen: 1. Paula Tartareck (Lüdenscheid) '"11 P., 2. Susanne von Hartungen VFVS München) 86,82 P., 3. Olga Hoffmann (Lüdenscheid) 82,75 P.

Rekorde am zweiten Tag

Wie üblich, gab es am Sonntag zunächst überwiegend Vorläufe und nur zwei Staffelentscheidungen Bei den Männern verteidigte der MTV Braunschweig mit seiner noch immer unschlagbaren Mannschaft den Titel in der großen Kraulstaffel (100 m, 200 m, 200 m, 100 m) souverän mit fünfzehn Metern Vorsprung vor Eintracht Braunschweig und dem westdeutschen Meister Rote Erde Hamm. Bei den Frauen mußte der ETV Eimsbüttel seinen Titel abgeben. Hier lag die Entscheidung nur zwischen Bonn und Düsseldorf 98. Als Bonn die frühere vielfache Meisterin Gisela Jakob-Arend als Schlußschwimmerin einsetzte, da war das Rennen gelaufen. Diese famose Frau schwamm noch 1:12 Min. und lag im Ziel k'are fünf Meter in Front. Den dritten Platz belegte Pirmasens, wo Gertrud Herrbruck ihrer Mannschaft aus fast aussichtsloser Position noch zu diesem Erfolg verhalf.

Kleins Europarekord

Am Sonntagnachmittag lag endlich auch die Sonne frei über 8000 erwartungsvollen Zuschauern. Die Entschei-

düngen fielen Schlag auf Schlag. Tempo war Trumpf. Mit dem Kampf um den Titel des schnellsten Schwimmers begann es. Ein prächtiger Start, bei 50 Meter der Titelverteidiger Ditzinger und Reinhard (Heidelberg) gleichzeitig an der Wende. Im Ziel, Ditzinger knapp aber sicher wieder Deutscher Meister in 1:00,3 Minuten vor dem Koblenzer Dr. Bornhaupt und dem Berliner Meister Hitziger. Weit sicherer holte sich Gertrud Herrbruck den Frauentitel der gleichen Disziplin in 1:11,8 Minuten vor Pechlin (Bochum) und Schäferkordt (Düsseldorf). Fz. Schuster (Berlin) verteidigte seinen Titel über 100 Meter Rücken gleichfalls sehr sicher. Zweiter wurde der jugendliche Henschke aus Ruhrort. Dann kamen die Brustschwimmer der 200 -Meter-Strecke an die Reihe. Zuerst die Männer. und hier schwamm Herbert Klein wiedereinmal mehr sozusagen allein gegen die Stoppuhr und am Ziel war mit 2:34,4 ein neuer Deutscher Rekord geboren. Er ist zugleich auch Europarekord des Münchners. Zweiter wurde Altmeister Heina (Gladbeck), dem es nochmals

Lorbeerblätter für Herrbruck und Lehmann

Den größten Erfolg dieser Meisterschaften hatte ohne Zweifel Gertrud Herrbruck aus Pirmasens. Als die Pfälzerin auch den Titel über 100 m Rücken überlegen gewann, hatte sie drei Einzelmeisterschaften und eine Staffelmeisterschaft für sich und ihren Verein erobert.

Im Kunstspringen der Frauen hätte es beinahe eine kleine Sensation gegeben, denn die Titelverteidigerin Paula Tatarek konnte sich die Meisterschaft erst mit dem letzten Sprung sichern, denn solange hatte die Hamburgerin Käthe Fleming geführt. Im Turmspringen der Männer gewann der Titelverteidiger Günther Haase (Lüdenscheid) wie erwartet sehr überlegen.

Nach diesem Wettkampf überreichte der Ministerialrat Hassinger vom württembergischen Kultusministerium im Auftrag des Bundespräsidenten an Heinz Günther Lehmann (MTV Braunschweig) und Gertrud Herrbruck (Blau-Weiß Pirmasens) als den erfolgreichsten Schwimmern dieser Meisterschaft die silbernen Lorbeerblätter.

Die Ergebnisse des Sonntags

Männer

100 Meter Kraul: 1. Ditzinger (Braunschweig) 1:003, 2. Dr. Bornhaupt (Posei-

don-Koblenz) 1:00:6, 3. Hitziger (Berlin) 1:01,1.

100 Meter Rücken: 1. Schuster (Berlin) 1:12,7, 2. Henschke (Ruhrort) 1:13,2, 3. Kristen (Braunschweig) 1:13,3.

200 Meter Brust: 1. Klein (München) 2:34,4 (neuer Deutscher und Europarekord), 2. Heina (Gladbeck) 2:49,2, 3. Deuerlein (Hamm) 2:50,1, 4. Klinge (Braunschweig) 2:50,6.

Frauen

200 Meter Brustschwimmen: 1. Loerper (Kempten/Rhld.) 3:09,0, 2. Walther (Nürnberg) 3:12,5, 3. Brattke (Berlin) 3:13,7.

100 Meter Kraul: 1. Herrbruck Pirmasens) 1:11,8, 2. Pechlin (Bochum) 1:12,0, 3. Schäferkordt (Düsseldorf) 1:13,1.

100 m Rücken: 1. Herrbruck (Pirmasens) 1:16,5 Min., 2. Weber (Bayreuth) 1:22,4 Min., 3. Herbers (Eimsbüttel) 1:23,0 Minuten.

Kunstspringen: 1. Tatarek (Lüdenscheid) 133,31 Pkte., 2. Fleming (Hamburg) 132,80 Pkte., 3. Hoffmann (Erkenschwick) 128,13 Pkte.

Hart umkämpfte Staffel

Die letzten Meisterschaftskämpfe in Göttingen brachten noch einmal Stürme der Begeisterung. Den in der Männerlagenstaffel über 3XIOO m hatten die Braunschweiger sehr hart zu kämpfen, um diesen Titel vor München nach Hause zu schwimmen, nachdem der Brustschwimmer Herbert Klein seine Mannschaft sehr nahe herangebracht hatte. Bei den Frauen schaffte es wieder Giesela Ahrend als Schlußschwimmerin der 4XIOO-m-Kraulstaffel. auch diesen Titel zugunsten von Bonn knapp vor Düsseldorf zu erkämpfen. Im letzten Rennen schwamm Meister Lehmann sozusagen vor dem Felde weg. Seine zweite Meisterschaft über 400 m Kraul erzielte er in der ausgezeichneten Zeit von 4:56,3 Min. Beste Vereine der Meisterschaft waren bei den Männern der MTV Braunschweig mit weit über 100 Punkten Vorsprung vor der Eintracht Braunschweig und München, bei den Frauen Düsseldorf 98 knapp vor Bonn und Pirmasens.

Wasserball-A-Klassen-Turnier im Woog

Das Wasserballturnier der A-Klasse brachte interessante Spiele. Leider war das Interesse der Darmstädter Bevölkerung sehr gering, was sich auf die wassersporttreibenden Vereine entmutigend auswirkt. Nun zu den Kämpfen. Heppenheim gegen Mörfelden 5:4. Das Spiel zeigte außer kämpferischem Ehrgeiz keine hohe Spielkultur. Reinheim gegen Rüsselsheim 4:1. Dieses Spiel war technisch besser als das vorhergehende. TSG 46 11. Mannschaft gegen Groß-Gerau 10:1. Ein Spiel, das schwimmerisch und technisch klar überlegen von TSG 46 gewonnen wurde. DSW 1912 11. Mannschaft gegen Heppenheim 6:0. Auch dieses Spiel zeigte die Darmstädter Mannschaft klar überlegen. Am Nachmittag spielten Rüsselsheim gegen DSW 1912 11. Mannschaft 3:7. Es war ein schnelles aber auch hartes Spiel. DSW 1912 war die klar überlegene Mannschaft. Mörfelden gegen Reinheim 1:4. Auch hier machte sich die Schwimmerische Ueberlegenheit bemerkbar. Groß-Gerau gegen Heppenheim 8:3. Es war ein interessanter Kampf, da Heppenheim bei Halbzeit mit 3:2 führte, aber Groß-Gerau doch durch den größeren Kampfgeist gewinnen ließ.

Der Tabellenstand weist jetzt folgendes Bild auf:

Bei dem Fußballturnier in Wolfskehlen wurde der Veranstalter nach dem 3:0- Sieg über Büttelborn Sieger des Turniers. Die Einzelnen Ergebnisse: Wolfskehlen gegen Goddelau 0:0, Büttelborn — Leeheim 4:0, Klein-Gerau — Goddelau 2:0, Wolfskehlen—Leeheim 4:0, Büttelborn— Klein-Gerau 1:0, Goddelau—Leeheim 1:0, Klein-Gehrau—Wolfskehlen 0:1, Büttelborn— Goddelau 2:0, Leeheim — Klein-Gerau 0:5.

DSW 1912 11. 5 5 0 0 24:3 10:0
SC Reinheim 4 3 0 1 10:5 6:2
TV Groß-Gerau 4 2 0 2 15:24 4:4
TSG 46 11. 3 1 0 2 11:5 2:4
TG Rüsselsheim 3 1 0 2 16:13 2:4
SC Heppenheim 3 1 0 2 8:18 2:4
SKG Mörfelden 3 0 0 3 9:15 0:6 Co.

Der richtige Tip

Hessen

SSV Wuppertal—Spvgg Fürth 2:3=2 FC Pforzheim—Eintracht Frankf. 0:2=2 FSV Frankfurt—Schalke 04 1:0=1 SV Darmstadt 98—Preußen Dellbr. 5:3=1 Borussia Dortmund—Vfß Stuttgart 3:1=1 Preußen Münster—l. FC KTautern 2:3=2 Rot-Weiß Essen—Austria Wien 3:6=2 Borussia M.-Gladbach—Wormatia Worms 1:2=2

Duisburger SV—Hertha BSC Berlin 4:0=1 Spvgg. Bad Homburg—Opel Rüsselsheim 4:1=1

Rheinland-Pfalz

1. FC Köln—Vfß Stuttgart 3:2 = 1 Kickers Offenb.—Preußen Dellbrück 3:2 = 1 Borussia Dortmund—St. Pauli 6:5 = 1 FSV Frankfurt—Schalke 04 l’-Q = 1 Eintr Braunschweig—L FC Kaisersl. 3:2 = 1 Rot-Weiß Essen—Austria Wien 3-6 = 2 Rheydter SV-Spielvgg. Fürth 1:1 = 5 Göttingen 05—FK Pirmasens 5-1 = 1 Alemannia Aachen—Vfß Mannheim 5-4 = 1 VfL Osnabrück—Wacker Wien 3-1 = 1 Phönix Lu.—Austria Wien (Sa) 3:io = 2 Bremerhaven 93—Eintracht Trier 4:3 ■= 1 Bor. M.-Gladbach—Wormatia Worms 1:2 = 2 Preuß. Münster—l. FC Kaisersl. (Sa.) 2:3 = 2

Württemberg-Baden

Bor. Dortmund—Vfß Stuttgart (Sa.) 3:1 = 1 SV Waldhof—Admira Wien (i. Goslar) 1:2 = 2 BC Augsburg—Rotdr Stern Belgrad 2:4 = 2 Ulm 46—Tura Bonn 2:1 = 1 1. FC Pforzheim—Eintr. Frankfurt 0:2 = 2 Heilbronn—Stuttgart (Städtespiel) 0:1 = 2

Bayern

Jahn Regensburg—Mainz 05 5:0 — 1 TuS Straubing—Bayern München 2:3 — 2 Wacker 04 Berlin—Vfß Mühlburg 0:6 = 2

Mit Deutschen in den Endrunden

Die Entscheidungen bei den Tennis-Meisterschaften in Hamburg

el. Hamburg. (Eigener Bericht.) Sechstausend Besucher fanden sich am Samstag zu den Vorschlußrunden im Herren- und Dameneinzel ein. Gottfried von Cramm und Jaroslav Drobny qualifizierten sich für das Finale im Herreneinzel. Das Endspiel der Damen bestreiten Frl. Uschi Heidtmann (Hamburg) und die neunzehnjährige Miss Dorothy Head (USA).

Von Gramm bezwang Destremeau

Der Titelverteidiger Gottfried von Cramm erkämpfte sich gegen den Franzosen Bernard Destremeau einen verdienten 6:2-, 7:5-, 6:1-Erfolg. Destremeau befand sich nicht in bester Verfassung, er spielte recht unsicher und so gelang es von Cramm mit seinem besseren Stellungsspiel, den Franzosen leichter, als allgemein erwartet wurde, zu bezwingen. Der Wahlägypter Drobny und der Australier Bill Sidwell begeisterten die Besucher mit ihrem erstklassigen Tennis. Ueberraschend war der Australier im ersten Satz auf 5:2 davongezogen, aber dann glänzte der Exil-Tscheche mit seinen phantastischen Stoppbällen, er kam auf 5:5 heran und siegte schließlich noch mit 7:5. Die beiden nächsten Sätze holte er sich dann mit 6:2, 6:1.

Die Head war schneller

Dorothy Head (USA) schlug die nationale deutsche Meisterin Inge Pohmann mühelos mit 6:1, 6:2, die Amerikanerin wirkte weitaus schneller als Inge Pohmann und brauchte für den Sieg nur eine halbe Stunde. Viel Mühe kostete es dagegen der Hamburgerin Heidtmann, um gegen die Düsseldorferin Frau Aenne Schneider-Peitz (Frau Schneider-Peitz war 1932 mit Hilde Krahwinkel Meisterin im Damen-Doppel) 2:6, 10:8, 6:2 zu gewinnen. Die erkrankte Vorjahrsmeisterin Mary Weiß (Argentinien) hatte auf die Teilnahme an der Vorschlußrunde verzichtet.

„Känguruhs“ Doppelmeister

Bereits am Samstag fiel die erste Entscheidung. Im Herren-Doppel erkämpfte sich das australische Paar Sidwell/Quist gegen die Titelverteidiger von Cramm-Harper (Deutschland/Australien) einen 6:4-, 8:6-, 6:2-Sieg. Von Cramms Partner Harper spielte schwach. Auf der anderen Seite befand sich Sidwell geradezu in Ueberform, sein Flugballspiel und die überlegt geschlagenen Schmetterbälle imponierten besonders, aber auch sein Partner Quist hielt den kleinen Ball meisterhaft im Spiel. Von Cramm stand auf verlorenem Posten.

?as Endspiel im Damen-Doppel qualifizierten sich Dietz/Heidtmann mit ,6,:3 über Anderson/Zehden (USA/Deutschland) und Dorothy Head-Inge Pohmann (USA/Deutschland) mit einem 6:4, 6:4 über die deutsche Kombination Ruth von Falkenhayn/Gertrud von Ladiges.

Im „Mixed-Doppel“ werden Tilde Dietz/Billy Sidwell (Deutschland /Australien) und Rita Anderson/Drobny ( USA-Aegypten) das Finale bestreiten. Dietz-Sidwell schalteten die- Vorjahrsmeister Pohmann/Koch glatt 6:1, 6:1 aus, während Anderson/Drobny Dorothy Head-Jean Borotra 6:1, 6:2-bezwangen.

Miss Head Damen-Meisterin

Vor überfüllten Tribünen ist am Sonntag in Hamburg zuerst die Entscheidung im Damen-Einzel gefallen. Erwartungsgemäß konnte die junge Amerikanerin Miss Head die Hamburgerin Uschi Heidtmann in zwei Sätzen glatt 6:3, 6:0 besiegen. Die Hamburgerin wurde nach dem Stande von 3:3 im ersten Satz, als ihr bis dahin erfolgreicher Aufschlag durchbrochen worden war, sehr nervös und machte Fehler über Fehler.

v. Cramm scheitert an Drobny

Die Schlußrunde des Herren-Einzels gewann Drobny in drei Sätzen gegen von Cramm sicher mit 6:3, 6:4, 6:4. Bereits in den ersten beiden Sätzen konnte sich der Linkshänder Drobny sicher in Führung spielen. Von Gramms schönen Angriffen folgte ein häufiges Verschlagen leichter Bälle. Im dritten Satz, der nach einer kurzen Regenpause begann, konnte von Cramm zunächst mit 3:0 und 4:2 führen, unterlag dann aber dem rasanten Spiel Drobnys. Hamburger Tennisexperten waren sich darüber einig, daß bisher in Hamburg kein so hervorragendes Niveau erreicht wurde, wie bei dem am Sonntag abgelaufenen internationalen Turnier.

Im Damen-Doppel kam die Amerikanerin Head mit ihrer Partnerin Pohmann (Rheydt) durch einen 6:3-, 8:6-Sieg über Dietz/Heitmann (Hamburg) zum zweiten Titelgewinn.

Süddeutscher Rollhockey-Meister

wurde SSRC Stuttgart. An zweiter Stelle folgte 1. FC Nürnberg TSG Darmstadt, punkt- und torgleich mit dem ERV Schweinfurth, RSC Darmstadt, REV Schweinfurth.

Die Spiele der Darmstädter Mannschaften: 1. FC Nürnberg gegen TSG Darmstadt 2:1; 2. TSG Darmstadt gegen RSC Darmstadt 6:2; 3. RSC Darmstadt gegen REV Schweinfurth 3:2; 4. Stuttgart gegen TSG Darmstadt 1:1 (3. Deutscher Rollhockeymeister); 5. Nürnberg gegen RSC Darmstadt 7:1; 6. TSG Darmstadt gegen Heilbronn 2:1. — Das beste Ergebnis hatte Darmstadt erzielt mit dem Spiel gegen Stuttgart. Alle anderen Vereine haben gegen Stuttgart verloren, einzig TSG Darmstadt spiele unentschieden. Am Sonntagnachmittag spielten noch REC Darmstadt gegen Stuttgart 1:6 und Schweinfurth gegen TSG Darmsadt 3:2. Alle Spiele waren schnell und fair.

Kling vor Lang und Stuck

350 000 Menschen bei den Rennen auf der Solitude

Be. Stuttgart. (Eigener Bericht.) Die Solitude ist wieder ein Begriff im deutschen Motorsport geworden. Als im Vorjahre erstmals wieder nach langer Pause die Motoren dröhnten, feierte diese international anerkannte Rennpiste vor den Toren der schwäbischen Landeshauptstadt glanzvolle Wiederauferstehung, so daß man sich entschloß, die Strecke stufenweise auszubauen, um für das Jahr 1950 gerüstet zu sein. Alle Erwartungen wurden am 12. und 13. August übertroffen. Fast 350 000 Zuschauer säumten an beiden Renntagen die 11,5 km lange Strecke, die bedeutend schneller als im Vorjahre geworden ist.

Vollmer nicht schnell genug

Schon der erste Tag war bei gutem Wetter ein Erfolg. Der Meisterschaftslauf der Rennwagen Formel 111 brachte anfangs einen Zweikampf zwischen Vollmer (Kettwig) auf „Atlas“ und dem Karlsruher Polenski auf Monopoletta, der jedoch bald durch die hervorragenden Fahrer Lehder (Neu-Isenburg),' Kreuzer (München) und Kolan (Neumünster) beendet wurde. Als sich auch der Fahrer Lukas auf Monopoletta, der vier Runden ganz hervorragend fuhr, in die Spitzengruppe einschaltete, brachte ein Führungswechsel von Kilometer zu Kilometer die Zuschauer sehr rasch in Stimmung. Komossa mußte zweimal am Ersatzteillager halten und geriet dadurch hoffnungslos ins Hintertreffen. Auch Polenski kam nicht mehr zum Zuge. Vollmer übertraf sich selbst, als er seine eigenen Leistungen auf 110,9 km/std steigerte. Er war aber doch nicht schnell genug. Ferdi Lehder war es, der gefolgt von Kreuzer und Schlüter die erste Solitude-Meisterschaft in 1:04,47,2 Std. und 106,2 km/std Durchschnitt erringen konnte. Als Vierter passierte der tapfere Vollmer das Ziel.

Die Meisterschaftswertung spiegelt nun folgendes Bild wider: Lehder 10 Punkte, Kreuzer 8 Punkte, Komossa 6 Punkte, Polenski 6 Punkte, Vollmer 5 Punkte, Deutsch und Schlüter 4 Punkte, Klunz 3 Punkte. Die Ergebnisse: 1. Lehder ( Neu-Isenburg) auf LTE 1:04,47,2 Std. 106,2 km/ std. 2. Toni Kreuzer (München) auf Cooper 1:05,11,0 Std. 105,5 km/std. 3. Walter Schlüter (Velbert) auf Monopoletta 1:06,44,5 Std. 103,2 km/std.

Das Rennen Kluges

Als zweites Rennen wurde von Ingenieur Neubauer, dem bekannten Renni£iier. von Daimler-Benz, die Startflagge für die 23 Fahrer gesenkt, die das Rennen der Motorräder bis 125 ccm bestritten. Kluge fuhr die schnellste Runde. Bis kurz vor Beginn war es fraglich, ob der Bielefelder teilnehmen würde. Sein schwerer Sturz in Freiburg ließ den Start illusorisch erscheinen, aber mit drei gebrochenen Rippen und einer angebrochenen Hand wurde H. P. Müller immer noch etwas humpelnd zum Startplatz geführt. Aber er verschwand bald im Rudel und konnte den beiden Ersten, Kluge und Felgenheier, nicht mehr gefährlich werden.

Ergebnisse: 1. Ewald Kluge (Ingolstadt) auf DKW 4:09,3 102,9 km/std (absoluter Klassenrekord). 2. und 1. Saugmotorenfahrer: Rudi Felgenheier (Niederlahnstein) auf Puch 4:0,35,6 101,7 km/std. 3. und 2. Saugmotorenfahrer: Heiner Dietrich (Frankfurt) auf Puch 4:1,07,5 100,4 km/std.

Glöckner (Frankfurt) fiel aus

Der Frankfurter Walter Glöckner auf VW-Eigenbau, der zu Beginn des Rennens für Sportwagen bis 1100 ccm hoffnungsvoll in der Spitzengruppe lag und der im Training die zweitbeste Zeit mit 109,5 km/ std fuhr galt mit Recht als Favorit. Sofort ging er an Falkenhausen vorbei und führte auch nach Schluß der ersten Runde. Aber der Frankfurter mußte am Ersatzteillager halten und schließlich resigniert aussteigen. Huschke von Hanstein fuhr neuen Rekord mit einer Runde im Durchschnitt von 112,5 km/std und sicherte sich schließlich mit etwa siebzig Metern Vorsprung vor Vollmer die Führung, nachdem Falkenhausen in der 8. Runde ausgeschieden war.

Das Ergebnis: 1. Huschke von Hanstein auf VW-Eigenbau 1:02,18,9 110,4 km/std. 2. Vollmer auf Atlas 1:02,19,1 110,4 km/std. 3. Trenkel auf VW-Eigenbau 1:03,47,8 107,8 km/std.

Kluge am Sonntag ausgefallen

Im ersten Rennen des Sonntags gab es insofern eine Ueberraschung, als bei den Motorräder über 125 ccm bis 250 ccm der Favorit Kluge auf DKW und sein Stallgefährte Lottes aus Marburg ausfielen. So war das Rennen eine Beute von Thorn-Prikker der schließlich noch Gablenz und Daiker hinter sich ließ.

Solo-Motorräder bis 250 ccm: 1. und gleichzeitig 1. in den Saugmotoren: Thorn-Prikker (Godesberg) auf Moto-Guzzi in 58:13,2 Min. = 118,2 km/h (neuer Klassenrekord), 2. Mayer (Mannheim) auf DKW-Kompressor in 58:42,8 = 117,2 km/h, 3. Daiker (Stuttgart) auf DKW-Kompressor in 58:43,7 = 117,2 km/h.

Retinen der Sportwagen bis 2000 ccm: 1. Kurt Adolf (Aachen) auf „Veritas“ in 54:36,1 Min. = 126,0 km/h (neuer Strekkenrekord), 2. Helmut Niedermayer (Berlin) auf BMW-Reif in 54:57,2 Min. ~ 125,1 km/h.

Sportwagen bis 1500 ccm: 1. Paul Pietsch (Neustadt) auf „Veritas“ in 57:16,0 Min. — 120,1 km/h. 2. eine Runde zurück Hermann Kathrein (Lohrsbach) auf BMW.

Vech der „Asse“

Die Zweiliter-Rennwagen auf der Solitude

Die alte deutsche Rennelite war mit Lang, Stuck, von Brauchitsch, Kling und Ulmen am Start des Meisterschaftslaufes der Rennwagen bis zwei Liter. Von Brauchitsch in der alten roten Mütze hatte Pech und mußte schon in der zweiten Runde ausscheiden. Lang übernahm die Führung, gefolgt von Stuck und Ulmen und fuhr die erste Runde bereits mit einem Mittel von 129,5 km/h. Die Plätze wechselten dauernd, die Verfolger Langs schlossen stärker auf. In der fünften Bunde mußte Ulmen ausscheiden. Lang fuhr in der 6 Runde 130,9 km/h, Kling 131,5 km/h und damit absoluten Klassenrekord. Nur noch vier Sekunden Abstand trennen Lang und Kling, als es in die achte Runde ging. Auf der langen Gerade Lang und fuhr mit 132,8 km/h einen neuen Rekord.

Fleischmann auch in der Halbliterklasse

Fleischmann gewann das Rennen der 500-ccm-Klasse auf seiner -Kompres¬ ®inem Stundendurchschnitt von 133,5 km/st und fuhr zugleich mit 135,6 km st die schnellste Runde des Tages Hinter Fieischmann belegte „ Wigger]“ Kraus (München) auf BMW-Kompressor den zweiten Platz vor Walter Zeller (Hammerau), der auf seiner Saugmotoren-BMW zugleich erster der kompressorlosen Klasse wurde Der Favorit und Vorjahressieger (Machen), der zunächst klar geführt hatte, mußte in der zweiten Runde wegen Motorschaden aufgeben.

Ergebnis der 500-ccm-Klasse (115,0 km):

in 51:36'0 Minuten = !' £raus in Minuten = 130*4 Ä in 54:23)2 Minuten =

Aufnahme bestanden: Preußen-Dellbrück geschlagen 5:3(2:1)

SV 98 reif für die Oberligaspiele / Mühlbach dreifacher Torschütze / Herkenrath enttäuschte

und ^albze^ ließ den schwachen Start wieder vergessen machen über^m n8®*1 reCht zufried«n nach Hause, wenn sich auch jeder darmehr nächsten Sonntag der VfR Mannheim den Lilien etwas und mit S das die ®e,lhrücker ohne ihren Spielmacher Schmidt und mit einem schlecht disponierten Torwart fertigbrachten.

SV 98, Darmstadt: Dr. Barthj^eichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Reeg, Becker 11, Mühlbach, Bohmann, Herwig.

P r eußen Dellbrück: Herkenrath; Habets, Paffrath; Jung, H. Schörner, Drost; Hohl, Höher (Jung), Fischer (Stoppa), Mühlfarth, Poppelreuter.

Schiedsrichter Pieroth (Frankfurt).. Zuschauer 8000.

Das Spiel offenbarte Tempo, Technik und Tore. Der Sieg der Darmstädter war

nie gefährdet und das Ergebnis durchaus in Ordnung, da die Lilienträger die entschieden schärfere Klinge schlugen, wenn auch die Kölner Vorstädter tapfer mithielten. Hätte man bereits in der Halbzeit sich eine Kritik erlaubt, so wäre sie bei weitem schlechter ausgefallen, als nach Ablauf der 90 Minuten. Die Leistung der 98er glich in der zweiten Halbzeit das, was“ vor der Pause zu bemängeln war, völlig aus. Die Mannschaft zeigte eine prächtige Kondition, einen schönen Einsatz, war meist schneller am Ball als der Gegner und lief in der letzten Halbzeit zu einer Form auf, die für die Spiele in der Oberliga wohl zu Hoffnungen berechtigt. Ueberzeugten die hinteren Reihen während der gesamten Spielzeit, so funktionierte es im Sturm wenigstens nach der Pause. Dr. Barth leistete sich nur einen Schnitzer, der allerdings ein Tor kostete, ebenso Leichtlein. Abt und Schmidtmer räumten mächtig auf, waren ballsicher und spielten überlegt ab. Ein Sonderlob aber gebührt den beiden Außenläufern Barth und Herder, die entschlossen und startschnell klärten und es auch im Aufbau nicht fehlen ließen. Im Sturm wurde Herwig leider zu wenig bedient und mußte sich meist die Bälle selbst holen, da der Angriff zu sehr über die rechte Flanke lief. Bohmann war produktiver als in seinen letzten Spielen, in denen er das Kunstvolle auf Kosten des Zweckmäßigen übertrieb. Mühlbach wurde anfangs von Schlömer zugedeckt und fand erst gegen Schluß die Mittel, sich vorteilhafter zur Geltung zu bringen. Das schlechte Stoppen der Bälle, seine Unentschlossenheit und Unbeweglichkeit brachten die Zuschauer in Erregung. Er riecht aber die Torchancen und wird deshalb immer noch herangezogen werden können. Becker II fügte sich gut ein, und auch Reeg lieferte auf Rechtsaußen eine

befriedigende Partie, wenn man von seinem oft mangelhaften Abspiel vor der Pause absieht.

Bei den Gästen enttäuschte Herkenrath, der nicht gut disponiert schien und an zwei Toren die Schuld trägt. Mittelläufer Schlömer war in den hinteren Reihen der überragende Mann. Im Sturm fehlte der Dirigent, da Jupp Schmidt leider nicht mit von der Partie war. Niemand konnte dieses Quintett richtig auf Touren bringen.

Spielverlauf: Schon der erste Angriff der 98er ist gefährlich. Herwigs Schuß aus 20 m Entfernung fliegt knapp an Herkenraths Tor vorbei. Auch der linke Flügel steht nicht nach, spielt sich geschickt durch und zuletzt erhält Bohmann den Ball, der nur im letzten Augenblick Von Paffrath gestoppt werden kann. Der ausgezeichnete Herder nimmt den Abschlag des Gästehüters auf, kommt mit dem Leder gut nach vorn, doch hatte sich Bohmann nicht auf sein Zuspiel eingerichtet. Auf der Gegenseite läuft Poppelreuter zum ersten Male in die Abseitsfalle. Bohmann ist in großer Fahrt, dribbelt sich elegant an Habets vorbei, doch bleibt auch dieser Angriff bei dem Stopper Schlömer stecken. In die erste fließende Kombination der Schwarz-Weißen läuft Abt mit verblüffender Instinktsicherheit. Dann ist Nr. 1 fällig. Reeg sieht sich plötzlich mit dem Ball allein schräg vor dem Tor, fackelt nicht lange und haut das Leder aus 6 m Entfernung in die lange Ecke. 1:0 in der 12. Minute. Nach Wiederangriff läuft Poppelreuter auf der linken Seite gefährlich durch, sein Schrägschuß zieht am Tor vorbei. Reeg hätte beinahe aus gleicher Stellung wie beim ersten Tor ein weiteres erzielt. Diesmal reagiert jedoch Herkenrath besser und klärt durch Fußabwehr. Der recht unglücklich operierende Mühlbach kann mit einer feinen Vorlage von Herder nichts anfangen. Dafür bringt er Reeg in der nächsten Minute in gute Schießposition, dessen Schuß zischt aber am Kasten vorbei. Ganz unnötig war der Ausgleichstreffer der Gäste. Bei einer flachen Flanke von links zögert Dr. Barth 'mit dem Herauslaufen, greift dann ins Leere und Mühlfarth spaziert mit dem Leder ins verlassene Tor. 1:1 in der 34. Minute. Auffallend, wie oft die Dellbrücker ins Abseits laufen. Dr. Barth wirkt bei einem ungefährlichen Bodenroller Höhers erneut unsicher, hat jedoch Glück, daß der Ball vom Pfosten ins Aus springt. Dellbrück hat nun etwas mehr vom .Spiel, so daß der zweite Treffer der Darmstädter kurz vor der Pause ziemlich überraschend kommt, besonders für die Gäste, die bei einem Handspiel von Böhmen den Pfiff des Schiedsrichters erwarten und Mühlbach kaum behelligen, als er das Zuspiel seines Halblinken ausnützt. Halbzeit 2:1.

Nach der Pause drücken zunächst die Einheimischen, doch wieder fällt auf der anderen Seite ein Tor. Durch zügige Flachkombinationen wird die gesamte Hintermannschaft der Lilienträger ausgespielt und Hohl kann mit unhaltbarem Flachschuß in die rechte Ecke den Ausgleich erzielen. 2:2 in der vierten Minute. Die Gäste hatten sogar eine Chance zum Führungstor, als Schmidtmer Mühlfahrt ganz allein durchlaufen läßt. Der Dellbrücker Halblinke schießt Dr. Barth den Ball direkt in die Arme. Mühlbach muß wegen wiederholt schlechten Abspiels ein Pfeifkonzert über sich ergehen lassen. Er versöhnt aber die erhitzten Gemüter, als er in der 12. Minute einen von Reeg schön hereingegebenen Eckball an Herkenrath und Habets vorbei ins Tor köpft. Vier Minuten später kann Becker II nach herrlicher Kombination des Innensturmes auf 4:2 erhöhen. Poppelreuter trifft nur die Querlatte und auch Mühlbach kann in aussichtsreicher Position den Ball nicht im Tor unterbringen. In der 20. Minute zeigt Leichtlein an falscher Stelle, daß er auch noch über Stürmerqualitäten verfügt. Gegen seinen placierten Schuß war der ihm entgegenlaufende Dr. Barth machtlos. Herkenrath kann bei einem Herwig-Schuß glänzen, den er blitzartig reagierend unter sich begräbt. Der Gästetorhüter steht immer mehr im Brennpunkt der Ereignisse, die Kombinationsmaschine der 98er läuft seit Halbzeit viel reibungsloser. Auch die Gäste kommen nicht selten mit ein paar schnellen Zügen gefährlich durch. Hohl trifft wieder nur die Querlatte. Dann schlägt es zum fünften Male bei Herkenrath ein. Bohmann läuft allein auf der rechten Seite durch, zieht den Ball kurz vor der Auslinie halbhoch vors Tor, wo Mühlbach im Fallen den Ball mit dem Kopf mit ins Netz nimmt. Beim 5:3 bleibt es bis zum Schluß, obwohl Herkenrath noch einmal mit einem hohen Schuß von Reeg Mühe hat, und Bohmanns Bombe nur knapp am Netz vorbeifliegt.


Herkerath klärt vor dem angreifenden Reeg im Spiel SV Darmstadt 98—Preußen Dellbrück 5:3 (2:1). Foto: Hemme
Herkerath klärt vor dem angreifenden Reeg im Spiel SV Darmstadt 98—Preußen Dellbrück 5:3 (2:1). Foto: Hemme

Darmstadts Tennisspieler am Bodensee

Frau Peters-Kleinlogel (Baden-Baden) Sieger im Gemischten Doppel

Nach einem völlig verregneten Freitag konnten am Samstag und Sonntag in Konstanz die Wettkämpfe um die Meisterschaft vom Bodensee bei strahlendem Wetter ausgetragen werden. Sämtliche Darmstädter Herren, Kleinlogel, Dr. Sigwart und Hahn spielten sich bis zu den letzten 8 durch. Bei der starken Besetzung ein guter Erfolg.

Leider entschied wegen der großen Zeitnot ein gewonnener langer Satz. So konnte z. B. Kleinlogel, der vor dem Krieg schon zweimal die Bodenseemeisterschaft im Einzel gewonnen hatte, seine größere Turniererfahrung nicht zur Anwendung bringen und unterlag nach einem Sieg über den Franzosen Navalet dem talentierten badischen Nachwuchsspieler Rolf Müller (Konstanz).

Dr. Sigwart unterlag schließlich dem deutschen Ranglistenspieler Fürst (Stuttgart), nachdem er gegen den Franzosen Ballas und gegen Boye (Heidelberg) zweimal erfolgreich war.

Auch Hahn brachte 2 Siege auf sein Konto, ehe er sich nach ausgezeichnetem Spiel dem Stuttgarter Dr. Claß nur ganz knapp 9:7 beugen mußte. Auch er hätte unter anderen Bedingungen sicher besseren Erfolg gehabt.

Frau Kleinlogel, die im Jahr 1936 ebenfalls die Meisterschaft Vom Bodensee gewonnen hatte, unterlag nach gutem, mit vielen Netzangriffen geführten Spiel der Stuttgarterin Frau Rott, die nach einem weiteren Sieg über Frau Peters in der Vorschlußrunde gegen Frau Koschel unterlag. ♦

Im Herrendoppel errangen Kleinlogel-Sigwart nach einem Sieg über Claß-Schneider (Stuttgart) den 3. Preis.

In der Vorschlußrunde unterlagen sie in völlig ausgeglichenem Kampf gegen Müller-Dörfer mit 6:3, 3:6, 8:6.

Einen besonders schönen Erfolg errang Kleinlogel zusammen mit Frau Peters (Baden-Baden) im Gemischten Doppel. Nach Siegen über Frl. Anthes-Boye (Heidelberg) und Frau Rott-Neugebauer schlugen sie in der Vorschlußrunde das sehr starke Paar Frl. Schmitthenner-Fürst (6:1,3:6,6:2) und in der Schlußrunde in fehlerfreiem Spiel die favorisierten Frau Koschel-Nitsche (Stuttgart) 6:1, 6:3. Siegerliste der Bodenseemeisterschaften 1950. Herreneinzel: Fürst (Stuttgart), Dameneinzel: Frl. Schmitthenner (Frankfurt), Herrendoppel: Fürst-Nitsche (Stuttgart), Gemischtes Doppel: Frau Peters-Kleinlogel (Baden-Baden, Darmstadt).

Kittsteiner (Nürnberg) gewann auf seiner Heimatbahn das Steherrennen über 40 Kilometer in 38:45 Minuten vor Schorn (Köln) und Umbenhauer (Nürnberg). Lohmann (Bochum) wurde nur Sechster.

Der deutsche Handballmeister TV H a s s e e - Winterbeck schlug am Sonnabend vor 6000 Zuschauern die Meistermannschaft der Jahre 1947 und 1949, RSV Mülheim, klar mit 19:6 (Halbzeit 9:3) Toren.

Auch SG Arheilgens Sturm schoß 5 Tore

SG Arheilgen — Mannheim-Friedrichsfeld 5:0 (1:0)

Als Auftakt zu dem großen Tag am Mühlchen spielte am Samstag Germania Mannheim-Friedrichsfeld, eine badische Landesligamannschaft aus der Spitzengruppe, erstmals in Arheilgen. Die Mannschaft kann etwas und gab einen technisch gut ausgebildeten und kämpferischen Gegner ab. Besonders der Torwächter und die immer wieder treibende Läuferreihe sowie die sichere Verteidigung bildeten das Kernstück. Arheilgen, erstmals in stärkster Aufstellung, spielte wohl sein bisher bestes Spiel. Die bekannte Betonverteidigung hat nun auch einen Sturm vor sich, der wirklich den Namen Sturm verdient. Gegen diesen Gegner fünf Tore zu schießen — und wirklich zu schießen — ist schon eine Leistung. Dilfer spielte sich wieder ganz in die Herzen der Zuschauer hinein, Kilian und Wendler schossen aus allen Lagen und der linke Flügel mit Kirchrath und Lieber bilden für jeden Gegner eine ganz große Gefahr. Dabei wurden alle Tore erspielt, als folge der Ball einer unsichtbaren Hand. Vor den schlagsicheren Verteidigern Becker und Wentschel bauten die beiden Außenläufer Müller und Zöller Angriff auf Angriff und schufen so die Voraussetzung für die Leistung des Sturmes.

Nach kurzer Anlaufzeit schoß Wendler wuchtig, den Gegenstoß nimmt Seibel dem Linksaußen vom Fuß. Eine prächtige Dilferflanke köpft Kirchrath in aussichtsreicher Stellung daneben. Ein erneuter Durchbruch der Gäste landet ebenfalls neben dem Tor. Nach der zweiten, abgewehrten Ecke der Einheimischen wandert der Ball zu Dilfer, dieser flankt halbhoch und Kilian schießt direkt mit Wucht ins Tor. Wieder ist Dilfer durch, sein

Bombenschuß wird gehalten. Der Angriff von Lieber endet mit einem Schuß an den Pfosten. Lange Zeit steht der Gästehüter im Brennpunkt der Ereignisse, als er Schüsse von Kirchrath, Wendler, Müller und Wendler in prächtiger Manier unschädlich macht. Sogar einem Schuß von Müller ins äußerste linke Torkreuz versagt er den Zutritt zu seinem Heiligtum. Mit 1:0 werden die Seiten gewechselt. Nach Wiederanpfiff kommt Arheilgen auf volle Touren. Friedrichsfeld wehrt sich verzweifelt und fällt gegen Schluß dem schnellen und unberechenbaren Kombinationswirbel zum Opfer. Sieben Minuten nach Wiederbeginn legt Kirchrath Lieber den Ball vor, gegen diesen Schuß ist der Torwächter machtlos. Immer wieder branden die Angriffe auf den Kasten der Gäste, eine Vorlage von Lieber verwandelt Wendler zum 3:0. Zwei Bombenschüsse von Dilfer, der jetzt meisterlich in Fahrt ist, hält der Gästeschlußmann unter großem Beifall. Wieder zieht der Ball seine Bahn in fliegender Kombination durch die Reihen, Wendler legt Kirchrath vor und schon heißt es 4:0. Nach einem Bombardement, das der Schlußmann mit großem Können übersteht, hält er zwei Schüsse aus 10 Meter, ohne jedoch den Ball fassen zu können. Das Streitobjekt kommt zu dem aufgerückten Verteidiger Becker, der aus 25 Meter mit halbhohem, unhaltbaren Schuß das Schlußresultat 5:0 herstellt. Noch einmal muß Seibel seine ganze Kunst aufbieten, um einen guten Angriff der Gäste zu stoppen. Nachdem Lieber in aussichtsreicher Stellung verschossen hatte, beendete der Schiedsrichter — der mit dem schnellen Spiel seine liebe Not hatte — den fairen, ritterlichen Kampf. Hewe

Glanzvoller Abschluß bei der TG 75

Ausgezeichnete Leistungen beim Jubiläumsturnen

Die sehr zahlreich erschienenen Zuschauer erlebten am Sonntagnachmittag in der Stadthalle den hohen Stand des deutschen Geräteturnens. Als Gäste hatte man die Ernst-Winter-Riege, Frankfurt, mit Wozniewsky, Stark, Stemmler, Zellekens, Müller. Eiser. Dr. Wehner verpflichtet. dazu für den verletzten Jakob Kiefer, in letzter Minute. Helmut Bantz, den zweiten im Kürturnen bei den Deutschen Meisterschaften.

Was diese Turner am Barren, Bodenturnen. Pferd und vor allem am Hochreck zeigten, war vollendetes Turnen. Mit lebhaftem Beifall überschüttete man die Turner, so bei den ausgezeichneten Uebungen am Barren, die in Aufbau, Fluß und Schwierigkeit alles in sich hatten. Oder die wundervollen Abgänge am Hochreck, kein Wunder, wenn man stürmisch beim Abgang die Riege feierte. Neben diesen Spitzenleistungen zeigten die einzelnen Tumabteilungen auf den verschiedensten Gebieten ihre Darbietungen.

Wenn man die Kleinen — die Buben und Mädels — bei ihren einfachen Uebungen bewundert oder die Turnerinnen in einer fein aufgebauten Sprung-, Lauf- und Bewegungsgymnastik betrachtet, die Turner beim Springen über das Querpferd, überall, ob bei groß oder klein, liegt der hohe Wert des Turnens für den Körper zugrunde. Ergötzend die Jüngsten bei ihrem Spiel, überzeugend die Turnerinnen in ihrer Keulengymnastik. einfach und doch mit Schwierigkeiten gespickt das Turnen am Stützreck und wiederum in feinem Aufbau eine Ballgymnastik. Welch feiner Rhythmus, welch volles Mitgehen des ganzen Körpers liegt in dieser Gemeinschaftsübung. Dazu die Tisch-Tennisspieler in zwei Schaukämpfen, und daß auch die Frauen noch am Gerät zu Hause sind, bewies das Turnen am Barren der Turnerinnen-Riege.

Zweieinhalb Stunden — ein Film deutscher Turnkunst — überzeugende Bilder bester Gipfelturner, aber auch vollendete Gemeinschaftsübungen der verschiedensten Abteilungen des Jubelvereins. Mit dieser Turnschau war der beste Abschluß der Jubiläumswoche geschaffen, und der Festball am Abend gönnte all den vielen Mitarbeitern die so notwendig gewordenen frohen Stunden der Erholung. kof.

Der Samstag am Ziegelbusch

Im Vorspiel hatten die 75er Handballer' die Traditionself des SV 98 zu Gast. Schon immer waren diese Begegnungen Treffen guter' Sportkameradschaft, und so war es auch am Samstag. Nach einem schnellen, fairen Spielverlauf, bei dem die Platzelf sogar mal 5:1 in Führung lag, konnte die SV 98er Mannschaft noch ein 12:9 für sich herausholen. Zu bemerken ist, daß der alte Fuchs Spalt immer noch der gefährlichste Wurfschütze ist und auch bei diesem Spiel mit für den Sieg verantwortlich zeichnet. Auf der Gegenseite konnte Rettig nicht so erfolgreich sein.

Während der Jubiläumswoche gab man auch den Faustballern Gelegenheit, das alte Turnerspiel im Wettkampf zu zeigen. Es war ein guter Gedanke, denn es hatten sich zahlreiche Freunde dieses Spiels am Ziegelbusch eingefunden. Mit den Vereinen Pfungstadt, Darmstadt 46, Tgd. Bessungen und dem Platzverein (3 Mannschaften) war ein Turnier zusammengestellt, das in den beiden Endspielteilnehmern Pfungstadt und Darmstadt 46 würdige Vertreter hatte. In einem schnellen, einsatzreichen und mit raffinierten Bällen gespickten Spiel konnte der Hessenmeister die TSG 46 auf den zweiten Platz verweisen. Bessungen liegt an dritter und die TG 75 (mit einem Ball Verlust) an 4. Stelle. kof.

In München gewann Bayern einen L eichtathletik-Länderkampf gegen Österreich ,das am ersten Tage mit 44:42 Punkten geführt hatte, im Gesamtergebnis mit 91:81 Punkten.

Radrennen in Michelstadt

Auf der Heinrich- Ritzel-Stadionrennbahn in Michelstadt wurde gestern nachmittag die 2. und letzte diesjährige, vom VfL Michelstadt ausgerichtete Radsportgroßveranstaltung ausgetragen. Als pünktlich um 14.30 Uhr das einleitende Fliegerhauptfahren gestartet wurde, säumten rund 3000 Zuschauer das Oval der Bahn. Schon in dieser Entscheidung ging ein gut besetztes Fahrerfeld über die Bahn. Von den insgesamt 6 Teilnehmern aus dem Zwischenlauf gingen Ganssler (Stuttgart), Deibler (Augsburg) und Scherer (Frankfurt) im Endlauf über 1000 m um den großen Preis des Hauptvereins, des VfL Michelstadt, als Sieger hetvor. Ein Ausscheidungsrennen bis zur letzten Minute brachte erwartungsgemäß den deutschen Meister 1950 im 4000- m-Verfölgungsrennen, Indra (Dossenheim), als Sieger. Den 2. und 3. Platz belegten Deibler (Augsburg) und Müller (Frankfurt). Das Punkte-Fahren der Jugend zeigte allein durch die Wertungsrunden beträchtlichen Einsatz und Können der Fahrer. Mit einer unvermuteten Kraftreserve ausgerüstet, distanzierte sich der junge Nachwuchsfahrer Zahner (Ludwigshafen) in der Endkurve von den restlichen Teilnehmern und jagte in einem rasanten Spurt vor Nester (Darmstadt) durchs Ziel.

Gesamtwertung: 1. Zahner (Ludwigshafen) 19 Punkte, 2. Nester (Darmstadt) 14 Punkte, 3. Lettau (Ludwigshafen) 10 Punkte.

• Im 75-km-Mannschaftsrennen (180 Runden) nach 6-Tage-Art um den großen Patria-WKC-Preis übernahmen Ganssler/Spiegel (Stuttgart/München) unmittelbar nach der Start-Glocke die Führung. Sie fuhren überzeugend, lösten vorschriftsmäßig ab und wußten so neben den beiden ersten Wertungen durchweg sämtliche Prämien an sich zu bringen. So kam Runde um Runde unter die Räder. Doch immer waren es Ganssler/ Spiegel, die schon 128 Runden in der Gesamtwertung mit 2 Plusrunden führten.

Ergebnisse 75-km- Mannschaftsrennen: 1. Ganssler/Spiegel (Stuttgart/München) 40 Punkte, Zeit: 1:43,17 Stunden; 2. Klehr/ Knösselsdorfer 25 Punkte (2 Runden zurück); 3. Indra/Holzmann 23 Punkte (3 Runden zurück). Pi

Handball

SV Darmstadt 98 Res. — Phönix Karlsruhe 0:4 (0:2)

Nach dem Handballspiel gab die verstärkte ^Reserve des SV 98 gegen die ihr spielerisch und körperlich klar überlegene Elf von Phönix Karlsruhe eine recht klägliche Vorstellung. Wohl ist zu bedenken, daß der Gegner der Oberliga Südwest angehört und die 98er im Hinblick auf das Dellbrückspiel am Sonntag nur mit einem Stammspieler (Leichtlein) antraten, andererseits aber waren mit) Ruhl Müller, Thrän und Ewald Vertragsspieler auf dem Feld, die als erster Ersatz für die Ligaelf anzusehen sind. Sie hätten für ihr erhaltenes und das von den Zuschauern als Eintritt bezahlte Geld schon das bieten müssen, was sie diesmal zu zeigen unterließen. Es wird einmal böse um den SV 98 aussehen, wenn er im Verlauf der Oberligarunde gezwungen sein wird, auf diese Kräfte zurückzugreifen. Dieser Meinung schienen auch die 2000 Zuschauer zu sein, die nach dem kurz nach Halbzeit gefallenen dritten und vierten Treffer der Gäste zunächst in deren Lager über- und dann vorzeitig heimgingen. Bei den Urteilen, die außerhalb der Barrieren über die Spieler gefällt wurden, kamen die hinteren Reihen mit Ruhl, Müller, Leichtlein, Lampert, Keck und Hofmann noch einigermaßen glimpflich davon, an den fünf Stürmern Thrän, Andernach, Ewald, Fischer und Kretschmar blieb dagegen kein gutes Haar, da weder gelungene Sololeistungen noch ansehnliche Kombinationszüge zu bemerken waren. Alles in allem: Kein ergötzlicher Anblick, diese Oberligareserve!

Bei den Leichtathletikkämpfen wurden folgende Ergebnisse erzielt: 100 m: 1. Bach (Eintracht Wiesbaden) 11,7 Sek., 2. Müller (SV 98 Darmstadt) 11,8 Sek. 3000 m: 1. Wannemacher (SV 98 Darmstadt) 9:20,4 Min., 2. Radke (Wiesbaden) 9:21,8 Min. 4 X 100 m Frauen: 1. TSG 46 Darmstadt 56,6 Sek., 2. SGG Langen 57,0 Sek. 4XIOO m Männer: 1. SV 98 Darmstadt 45,3 Sek., 2. SKG Erbach 47,1 Sek.

TSG-Jugendturnier

Auf dem Sportplatz Woogwiese fand am Sonntagnachmittag ein Handballjugendturnier nach Hallenregeln statt, an dem 12 Jugendmannschaften teilnahmen. Gespielt wurde in zwei Gruppen zu je 6 Mannschaften. Neben der TSG 46, die mit drei Mannschaften vertreten war und dem SV 98 hatten sich noch St. Ingbert, Turnerschaft Steinheim und Klein-Auheim eingefunden. Die Kämpfe wurden schnell abgewickelt. In der Gruppe 1 setzte sich die Mannschaft. Steinheims mit 8:2 vor SV 98, Darmstadt mit 6:4 und Braunhardt mit 6:4 Punkten durch. In Gruppe 2 ergab sich folgender Tabellenstand: TSG 46 Darmstadt 10:0 vor Steinheim 7:3 Punkten.

Im Spiel um den ersten und zweiten Platz siegte die Platzmannschaft TSG 46 gegen die Jugendmannschaft Steinheim mit 10:2 Toren, während im Spiel um den dritten und vierten Platz SV 98 Darmstadt über Steinheim mit 7:3 Punkten erfolgreich bleiben konnte. Den ersten Preis für den Turniersieg konnte somit Darmstadt TSG in Form eines Handballes entgegennehmen. Neben einer Urkunde erhielt der unterlegene Endspielpartner Turnerschaft Steinheim als 2. Preis eine Torte.

Beim Altherrenturnier in Langen konnte die Altherrenmannschaft der TSG 46 Darmstadt im Endspiel gegen Kickers Offenbach mit 3:2 Toren den Turniersieg erringen und als 1. Preis einen Handball mit nach Hause bringen.

Reit-und Fahrturnier in Pfungstadt

Vor einem zahlreich erschienenen Publikum, bei schönem Wetter und guter Stimmung, führte am Samstag und Sonntag der Reit- und Fahrverein Pfungstadt unter Leitung seines Vorsitzenden Dr. Kriechbaum ein großes Reit- und Fahrturnier durch. Obwohl manche der gemeldeten Teilnehmer nicht angetreten waren, kam doch eine stattliche Beteiligung zusammen. Reiter aus ganz Hessen und die Reit- und Fahrvereine aus dem Ried, Odenwald, Bergstraße und Rheinhessen kämpften um die Placierung, so daß dieses Turnier als eins der größten ländlichen Ereignisse Hessens gelten kann.

Infolge des großen Ausmaßes des Festes und Anzahl der Wettkämpfer wurden schon am Samstagmorgen die ersten Vorprüfungen, Reiter- und Jugendreiterprüfungen, Eignungsprüfungen für Wagenpferde, Dressurprüfungen und Materialprüfungen für Zuchtstuten und anderes abgehalten. Am Nachmitag erfolgten dann die Endkämpfe dieser Disziplinen.

Am Sonntag begannen schon morgens um 6 Uhr die Wettkämpfe der ländlichen Reit- und Fahrvereine, ferner Ausscheidungskämpfe in den Dressurprüfungen und im Jagdspringen. Der Sonntagnachmittag als Hauptereignis präsentierte mehreren tausend Zuschauern die letzten Hauptprüfungen; die zahlreichen ausgezeichneten Leistungen von Reitern und Pferden erzielten den herzlichen Beifall aller Anwesenden, nicht zuletzt der Ehrengäste, die diesem festlichen Ereignis beiwohnten, unter ihnen der Resident Officer Mr. Goetchens, der Oberlandstallmeister Dr. Benger sowie Vertreter der Regierung. Als Richter fungierten u. a. Freiherr Roeder von Diersburg, der Vorsitzende des Landesverbandes und Landstallmeister Dr. Uppenborn.

Großen Beifall fanden die in das Programm eingestreuten Schaunummern, so der Viererzug der Brauerei Hildebrandt, Pfungstadt, dann das Shetlandponnygespann eines Frankfurter Züchters oder die Rekordzugleistungsprüfung für Wärmung Kaltblütler, der mit einem gleichbleibenden Zugwiderstand von 80 Ztr. beginnt und jeweils um ca. 20 Ztr. erhöht wird. Das Pferd von L. Gunkel, Pfungstadt, zog 200 Ztr.; bei 225 Ztr. gab es auf halber Strecke auf (bei der landwirtschaftlichen Ausstellung in Frankfurt wurden 225 Ztr. gültig gezogen).

Die Siegerehrung erfolgte am Sonntagabend. Zahlreiche Ehren- und Wanderpreise, darunter sehr wertvolle Stücke, wurden von Pfungstädter Vereinen und Firmen gestiftet. Außerdem waren Geldpreise ausgesetzt.

Prüfung 1 Materialprüfung für Zuchtstuten: 1. Nr. 1 Heidii, Besitzer Heinz Heil (Habitzheim), Note 3,1; 2. Nr. 10 Edda, Bes. W. Röllig (Wolfskehlen), 3,3’; 3. Nr. 52 Wally, Bes. Gg. Haas (Habitzheim), 3,4.

Prüfung 2 Jugendreiterprüfung. 1. Nr. 11 Buwi, Bes. W. Hammann (Wolfskehlen), Reiter Horst Kurz, 1,1; 2. Nr. 140 Prinz, Bes. Gg. Stumpf (Roßdorf), Reiter Gg. Stumpf jr., 1,3; 3. Nr. 77 Diva, Bes. H. Gauger (Reinheim), Reiter M. Gauger, 1,5.

Prüfung 3 Reiterprtifung: 1. Nr. 74 Mausi, Bes. Otto Knöll (Ueberau), Reiter O. Schönberger, 0,8; 2. Nr. 65 Harras, Bes. Hch. Höhl 1 (Griiedheim), Reiter H. Höhl jr., 0,9; 3. Nr. 10 Edda, Bes. Willi Röllig (Wolfskehlen), 1,0.

Prüfung 4 Dressurprüfung Klasse A, Abteilung A: 1. Nr. 11 Buwi, Bes. W. Hammann (Wolfskehlen), 0,9; 2. Nr. 140 Prinz, Bes. Gg. Stumpf (Roßdorf), Reiter Gg. Stumpf jr., 1,1; 3. Nr. 10 Edda, Bes. Willi Röllig (Wolfskehlen). 1,2.

Prüfung 4 Dressurprüfung Klasse A, Abteilung B: 1. Nr. 24 Gunda, Bes. Dr. Krichbaum (Hahn), Reiter M. Krichbaum, 1,5; 2. Nr. 84 Cäsar, Bes. Otto Kraft (Darmstadt), Reiter M. Kraft, 1,7; 3. Nr. 14 Narzisse, Bes. Fr. Krug (Wolfskehlen), Reiter A. Kurz, 1,8.

Prüfung 4 Dressurprüfung Klasse A, Abteiteilung C: 1. Nr. 7 Jupiter, Bes. R. Westernacher (Lindheim), Reiter Alf. Schmidt. 0,6; 2. Nr. 3 Hexe, Bes. Gust. Vierling (Darmstadt), Reiter Karl Vierling, 0,9; 3. Nr. 47 Baschkir, Besitzer Lena Wittich (Jugenheim), 0.9.

Prüfung 5 Dressurprüfung Klasse L: 1. Nr. 7 Jupiter, Bes. R. Westernacher (Lindheim), Reiter Alf. Schmidt, 1,0; 2. Nr. 3 Hexe, Bes. G. Vierling (Darmstadt), Reiter Karl Vierling, 1,2; 3. Nr. 47 Baschkir, Lena Wittich (Jugenheim), 2,0.

Prüfung 6 Jagdspringen Klasse A, Abteilung B: 1. Nr. 140 Prinz, Bes. Gg. Stumpf (Roßdorf), Reiter Gg. Stumpf jr., 0:57; 2. Nr. 59 Agatha, Bes. O. Becker (Nd.-Klingen), 0:65; 3. Nr. 158 Micki, Bes. K. Ullrich (Darmstadt), 0:65.

Prüfung 7 Paarspringen: 1. Nr. 3/140 Hexe/ Prinz, Reiter Karl Vierling/Gg. Klinger, 1,0; 2. Nr. 66/68 Almenach/Lotte, Reiter H. Feldrnann/R.Matthäus, 1,2; 3. Nr.47/56 Baschkir/ Erika, Reiter Lena Wittich Anni Blitz. 5.

Prüfung 9 Eignungsprüfung für Wagen¬ pferde (Einspänner). A. Neulingsklasse, leichte Klasse: 1. Nr. 24 Gunda, Bes. Dr. Krichbaum (Hahn), Note 3,1; 2. Nr. 124 Dalie, Bes. W. Schäfer (Pfungstadt), 3,2; 3. Nr. 132 Caralle, Bes. P. Keller (Crumstadt), 3,3.

Prüfung 9 Eignungsprüfung für Wagen¬ pferde (Einspänner). A. Neulingsklasse, schwere Klasse: 1. Nr. 52 Wally, Bes. Gg. Haas (Habitzheim), 2,6; 2. Nr. 134 Hans, Bes. H. Habich (Crumstadt), 3,3; 3. Nr. 2 Heidemaya, Bes. H. Heil (Habitzheim), 3,5.

Prüfung 9 Eignungsprüfung für Wagen¬ pferde (Einspänner). B. Sieger kl ässe; 1. Nr. 1 Heidi, Bes. H. Heil (Habitzheim), 2,2; 2. Nr. 22 Coralla, Bes. H. Hassenzahl Sohn (Hahn), Reiter H. Merschroth, 2,2; 3. Nr. 41 Epona, Bes. Gg. Weber (Brandau), 3,0.

Prüfung 10 Eignungsprüfung für Wagen¬ pferde (Zweispänner). Abteilung A: 1. Nr. 1/52 Heidi/Wally, Reiter H. Heil, 3,5; 2. Nr. 53/55 Elvira/Nora, Reiter H. Eidenmüller, 4,0; 3 . 23/24 Marlen/Gunda, Reiter Hch. Merschroth, 4,1.

Prüfung 10 Eignungsprüfung für Wagen¬ pferde (Zweispänner). Abteilung B: 1. Nr. 52/54 Wally/Juno, Reiter H. Eidenmüller, 3,6; 2. Nr. 33/41 Weserelte/Epona, Reiter Gg. Weber, 3,8; 3. Nr. 10/23 Edda /Marlen, Reiter H. Merschroth, 4,1.

Prüfung 12 Eignungsprüfung für Kaltblut¬ pferde (Zwei- und Mehrspänner): 1. Nr. 105/ 138 Fliege/Flotte, Reiter W. Schaffner, 2,1; 2. Nr. 125/126 Max/Hans, Reiter W. Schäfer, 3,1; 3. Nr. 91/104 Roländ/Siegrun, Reiter W. Rupp, 3,3.

Prüfung 13 Rekordzugleistungsprüfung Warm- und Kaltblutpferde, b) Kaltblut: 1. Nr. 141 Olinde, Bes. Hch. Kramer (Pfungstadt), 225/27 ; 2 Nr. 104 Siegrun, Bes. Wilh. Rupp (Goddelau), 225/24,80 ; 3. Nr. 128 Loni, Bes. Gg. Crösemann (Pfungstadt), Reiter W. Schlageter, 200/48.

Prüfung 13 Rekordzugleistungsprüfung Warm- und Kaltblutpferde, a) Warmblut: 1. Nr. 117 Hans, Bes. L. Gunkel (Pfungstadt), Reiter L. Dintelmann, 225 Ztr.; 2. Nr. 92 Alwine, Bes. P. Friedrich (Goddelau), Reiter W. Rupp jr., 200 Ztr.; 3. Nr. 136 Max, Bes. Fr. Habig (Crumstadt), 200 Ztr. 4. Nr. 180 Hans, G. J. Schneider (Goddelau), 150 Ztr.

Prüfung 14 Wettkämefe der ländl. Reit und Fahrvereine, Abteilung A, Anfängerklasse: 1. Reiterveredn Griesheim, Note 1,1; 2. Reiterverein Wolfskehlen, 1,3; 3. Reiterverein Goddelau 111, 1,4. Sonderpreis: 1. Schülerabteilung Wolfskehlen, 1,3; 2. Schülerabteilung Goddelau, 1,4.

Prüfung 14 Wettkampf der ländl. Reit- und Fahrvereine, Abteilung B, Fortgeschrittenen-Klasse: 1. Reit- und Fahrverein Reinheim, 0,6; 2. Reit- und Fahrverein Goddelau, 0,7; 3. Reit- und Fahrverein Otzberg, 0,8; 4. Reit- und Fahrverein Griesheim, 1,0. Jagdspringen Klasse L: 1. Prinz, Bes. Gg. Stumpf, Reiter Gg. Stumpf; 2. Almenach, Bes. Hans Feldmann, Reiter H. Feldmann; 3. Hexe, Bes. Gustav Vierling, Reiter Karl Vierling.

TSV Pfungstadt—TuS Griesheim 5:7 (3:1) TSV Pfungstadt und die jetzt in die oberste Spielklasse gelangte Griesheimer Elf lieferten sich am Sonntagmorgen ein spannendes und schönes Freundschaftsspiel. Griesheim zeigte anfangs bei weitem nicht das Können eines Verbandsligavereins; sein Sturm hatte nicht die nötige Kraft, die überaus stabile Pfungstädter Hintermannschaft zu durchbrechen. Das übrige tat der Pfungstädter Torhüter Geibel, der diesmal wieder akrobatische Kunststücke vollführte. Tore fielen in der ersten Halbzeit sehr spärlich; Köble konnte in der 3. Minute für Pfungstadt anschießen, es folgte Maibach in der 20. und 28. Minute, dagegen gelang es Griesheim nur ein einziges Mal durch den Rechtsaußen Loos in der 22. Minute zu treffen. Die zweite Spielhälfte zeigte ein bewegteres Bild. Noch war Pfungstadt unangefochtener Beherrscher des Spielfeldes, aber jetzt hatten sich auch die Gäste gefaßt und holten auf. Die 51. Minute brachte den Gleichstand 5:5. Von nun an wurde Pfungstadt immer nervöser, Griesheim machte dagegen alle Kräfte mobil und konnte in heftig vorgetragenen Angriffen noch zwei Tore erzielen. Die letzten aufgeregten Minuten verliefen nicht immer fair. Die anfangs so erfolgreichen Pfungstädter mußten sich schließlich geschlagen geben. Die Torschützen waren für Griesheim: Loos (2), Becker (2), Weingärtner, Höhl und Noll je 1; für Pfungstadt: Köble (3) und Maibach (2). Das vorausgegangene Spiel der zweiten Mannschaften endete mit 8:5 ebenfalls für Griesheim. Md.

In dem Vorrundenspiel um den Hessenpokal jm Handball schlug der Hessenmeister und Pokal-Verteidiger SG Dietzenbach die SKV Mörfelden 15:4. Beide Mannschaften lieferten sich einen schönen und fairen Kampf. Bei der Mörfelder Mannschaft gebührt dem Torwart besonderes Lob. (-od.)

Bensheim gegen Arheilgen 1:2

Arheilgen spielte am Sonntag in Bensheim. Mit Rücksicht auf das große Spielprogamm der letzten Tage hatten die Gäste verschiedene Stammspieler ersetzt. Bensheim spielte mit starkem Einsatz, während Arheilgen verhalten blieb, um Komplikationen zu vermeiden. Es war dadurch Sommerfußball in Reinkultur, bei dem viel planlos hin- und hergekickt wurde. In der 7. Minute konnte Bensheim nach wiederholter Abwehr eines Anballs zu 1:0 einköpfen. In der 26. Minute glich Lieber durch einen seiner bekannten Strafstöße aus und eine Minute vor Halbzeit verlängerte ein Verteidiger einen Strafstoß' ins eigene Tor. Damit ging es 1:2 zur Pause. Die 2. Halbzeit brachte ebenfalls keine Offenbarung. Arheilgen deckte stark ab, ohne erst noch große Angriffunternehmungen zu starten. Auf beiden Seiten machten sich starke Ermüdungserscheinungen bemerkbar, so daß der Schlußpfiff des Schiedsrichters Schrader wie eine Erlösung klang. Hewg.

Todesanzeige Unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroß- , mutter und Tante Marie Grund Wwe. geb. Seeger , ist heute im hohen Alter von 89 Jahren sanft entschlafen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Grund Familie Joh. Hch. Hofmann Familie Fritz Grund Dora Grund Pfungstadt, 10. August 1950 Kirchstraße 67

iiiiiiiwMiMiiiii iiiiiii hihi Todesanzeige Gott hat unsere liebe Mutti, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Bertha Kunz geb. Matzka im Alter von 44 Jahren zu sich abberufen. In tiefer Trauer: Eduard Kunz Annelies Kunz und Angehörige Groß-Gerau, 9. August 1950

Todesanzeige Am 9. August 1950 ist mein lieber Mann, unser gütiger Vater, ® Großvater, Urgroßvater, Schwiegervater und Onkel Peter Schmidt Bäckermeister im 89. Lebensjahre sanft entschlafen. — Er starb in christlicher Gottergebenheit und festem Glauben an seinen Erlöser. Im Namen aller Hinterbliebenen: Katharina Schmidt geb. Bender Worfelden, Unterdorf 14, den 10. August 1950

Heute nacht, 1 Uhr, entschlief unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwieger-, Groß- und Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin, Tante und Patin, Frau Eva Katharina Schmidt geb. Neff im 79. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Schmidt Familie Jakob Lenz, Kailbach Airlenbach, den 11. August 1950

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