Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

armstädter Tagblaitt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 37 Tieueffe Tta^ri^ien Samstag, 12. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis! 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Churchill: Europäische Armee mit Einschluß Westdentschlands

Straßburg, 11. August. (AP./dpa) Winston Churchill hat am Freitag vor der Beratenden Versammlung die sofortige Aufstellung einer europäischen Armee gefordert. Er glaube nicht, daß das Wiedererstehen einer deutschen Wehrmacht von der Sowjetunion als Vorwand für einen Präventivkrieg betrachtet werden würde.

Am Freitagmorgen war der große Sitzungssaal bis auf den letzten Platz gefüllt, als bekannt wurde, daß Churchill in die Debatte eingreifen würde. Die Stimmung war vbn vornherein eine andere als Donnerstagnaeßmittag, vor und während der Schumanrede.Von dem vorsichtigen und bedächtigen französischen Außenminister erwartete man keine sensationellen Erklärungen. Churchill enttäuschte seine Zuhörer nicht. Er hielt sich nicht lange mit Vorreden auf. Die starke Aufmerksamkeit, mit der seine Rede verfolgt wurde, war ein neuer Beweis für die Tatsache, daß Churchill der stärkste Trumpf ist, den die Straßburger Versammlung auszuspielen hat.

Der Antrag

Die Forderung Churchills ist in einem Antrag enthalten, den er wenige Minuten vor dem Beginn seiner Rede der Beratenden Versammlung vorlegte. Der Antrag lautet: „Die Beratende Versammlung wünscht die Erhaltung des Friedens und ist entschlossen, die Aktion des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zur Verteid.igung friedlicher Völker gegen, einen Angriff zu unterstützen. Sie fordert die sofortige Bildung einer vereinigten europäischen Armee, die einer europäischen demokratischen Kontrolle unterworfen ist und aufs engste mit den Vereinigten Staaten und Kanada zusammenarbeitet.“ Churchill führte in seiner Rede unter anderem aus: „Es gibt feinen Zweifel, daß wir alle in großer Gefahr sind. Die Freiheit und Zivilisation Westeuropas liegen unter dem Schatten der russischen kommunistischen Aggression, die durch gewaltige Rüstungen unterstützt wird.“ Die Vereinigten Staaten und Großbritannien müßten sofort größere Truppenverbände auf dem Kontinent stationieren, Frankreich müsse seine ruhmbedeckte Landarmee wieder aufbauen, alle Nationen des Abendlandes müßten sich an der Verteidigung ihrer gemeinsamen Zivilisation beteiligen.

Kritik an der Westunion

Churchill wandte sich dann gegen den Pakt der Westunion, der noch nichts Greifbares zustande gebracht habe. Churchill warnte davor, sich zu sehr auf die Ueberlegenheit des Westens in bezug auf die Stahlproduktion und die Erzeugung anderen kriegswichtigen Materials zu verlassen. Dieses ganze Potential werde dem Gegner in die Hände fallen, wenn er sich zu einem Ueberfall entschlösse.

Gruß an die Deutschen

Auf die französische Erklärung bezugnehmend, daß Frankreich nicht wieder befreit werden wolle, sagte Churchill: „Nach einer gewissen Periode russischer Besetzung würde auch nicht mehr viel zum Befreien übrigbleiben. Die systematische Liquidierung aller dem Kommunismus feindlichen Elemente würde wenig übriglassen, was von den Befreiern der Ueberlebenden erkannt werden könnte.“

Der ehemalige englische Premier begrüßte die Anwesenheit der deutschen Delegation, welche die Stärke Europas Vergrößern und alle Gefahren teilen werde. Es wäre besser gewesen, wenn die deutsche Delegation schon vor einem Jahr in Straßburg vertreten gewesen sei. Ein Jahr sei verloren. Es sei jedoch noch nicht zu spät. Es werde kein Wiederaufleben in Europa geben, wenn nicht alle Nationen vereint zusammenstünden.

„Ich fordere diese Versammlung auf, unseren deutschen Freunden zu versichern, daß wir ihre Freiheit und ihre Sicherheit genau so hochhalten werden, wie unsere eigene.“

Die Frage einer deutschen Armee

Er glaube nicht, daß die Aufstellung einer deutschen Armee in der Bundesrepublik von der Sowjetunion notwendigerweise als Vorwand für einen Präventivkrieg betrachtet werden würde. Rußlands Absichten seien von langer Hand und würden nicht durch Faktoren dieser Art beeinflußt werden.

Die Drohung einer kommunistischen Aggression liege wie ein Alpdruck über Europa. Die russischen Streitkräfte seien sowohl zu Lande als auch in der Luft den Verbänden der Westunion mit sieben zu eins überlegen. Dies seien furchtbare Tatsachen und es sei geradezu traumhaft, daß man in Straßburg sitze und Pläne zur künftigen Eintracht und für das künftige Glück der europäischen Völker schmiede.

Was die deutschen Delegierten sagen

Aeußerungen der Delegierten der Bundesrepublik nach der Rede Churchills

Straßburg, 11. August. (AP.) Die Rede Churchills ist von den Mitgliedern der deutschen Delegation unterschiedlich aufgenommen worden. Dr. Heinrich von Brentano, der Führer der Fraktion der Unionsparteien im Bundestag, begrüßte die Versicherung Churchills, die Freiheit und Sicherheit Deutschlands genau so heilig wie die der übrigen westeuropäischen Staaten zu halten. Er sehe darin ein wesentliches Element, dem man volles Vertrauen schenken könne. Brentano wollte sich jedoch noch nicht zu der Resolution äußern.

Dr. Hermann Schäfer (Freie Demokratische Partei) sagte, die von Churchill eingebrachte Resolution sei der richtige Zug im kalten Kriege, dem potentiellen Angreifer im Osten sehr deutlich zu machen, mit welchem Wagnis er zu rechnen habe. Es sei für die Deutschen Voraussetzung einer Zustimmung zu der Resolution, daß als einer der ersten Schritte zur Verwirklichung der Resolution eine völlige Umkehrung der Besatzungspolitik in Deutschland eintrete. Aus wiederholten Erklärungen der Alliierten bestehe hierfür begründete Annahme.

Die sozialdemokratischen Delegierten lehnten die von Churchill vorgeschlagene sofortige Bildung einer Armee ab. Dr. Lütken, der außenpolitische Berater der Sozialdemokratischen Partei im Bundestag, äußerte „Wir können diese Resolution nicht akzeptieren, da sie den Statuten des Europarats widerspricht.“ Der Europarat solle sich nicht mit Verteidigungsfragen befassen. „Der Passus in der Resolution, der eine demokratische Kontrolle für die europäische Armee vorsehe, bedeute zweifellos eine Kontrolle durch die Regierungen, also eine Koalitionsarmee, die wir ablehnen. Sie ist keine wahrhaft europäische Armee.“ Die Sozialdemokraten würden von ihrer Forderung nicht abgehen, daß zunächst eine europäische Regierung geschaffen werden müsse.

Professor Carlo Schmid erklärte, es sei eine unwürdige Situation für die deutschen Delegierten, eine Resolution über militärische Fragen anzunehmen, während gleichzeitig die Alliierten den Bonner Bundestag daran erinnert hätten, daß er über Fragen, die das militärische Gebiet berührten, nur mit ihrer Zustimmung diskutieren dürfte. Die Resolution bezwecke, ein Fait accompli zu schaffen, der den Deutschen keine Möglichkeit ließe, ihre Vorbedingung einer europäischen Regierung zuerst erfüllt zu sehen. (Siehe auch Seite 3).

„Der beste Schutz Europas“

Churchill über die Atombombe

Churchill fuhr, in seiner Straßburger Rede fort: , ’ . ...

Der Westen habe noch zwei Jahre Zeit, um einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Diese Atempause müsse klug und gut ausgenützt werden.

Noch könne man den Wall gegen die kommunistische Aggression auf bauen. „Wenn wir im nächsten oder übernächsten Jahr ein verläßliches Verteidigungssystem gegen eine kommunistische Aggression schaffen können, werden wir zum mindesten die offensichtlichste Versuchung für diejenigen beseitigt haben, die den freien Demokratien ihren Willen mit Gewalt aufzwingen wollen. Dies allein wird uns die beste Chance für ein endgültiges Auskommen mit der Sowjetunion durch Verhandlungen geben, die dann auf der Grundlage der Stärke und nicht der Schwäche geführt werden können.“ Der beste Schutz Europas sei im Augenblick noch die amerikanische Ueberlegenheit in Atomwaffen, aber auch die Tatsache, daß es der Sowjetunion bisher gelungen sei, ein Imperium ohne Waffengewalt aufzubauen. Eine Anwendung der Atombomben gegen die Sowjetunion werde die Grundlagen des bolschewistischen Systems in allen Teilen Rußlands erschüttern. Der Zusammenbruch aller Nachrichten und Verkehrsverbindungen könne es dann vielleicht dem tapferen, russischen Volk ermöglichen, eine Tyrannei abzuschütteln, die weit schlimmer sei, als es die zaristische je gewesen sei.

Die Sowjetunion könne mit dem Lauf der Ereignisse unbedingt zufrieden sein. Seit 1945 habe der Kreml die Hälfte Europas und ganz China unter seine Kontrolle bringen können, ohne auch nur einen einzigen russischen Soldaten opfern zu müssen. Zahlreiche Gelegenheiten böten sich Moskau, um Zwistigkeiten vom Zaune zu brechen und die Streitkräfte des Westens durch streitsuchende Satelliten zu binden. Auf diese Weise könne sich die Sowjetunion in Ruhe den weitreichenden Plänen für einen großen Angriffskrieg widmen, ihren Atomvorrat vergrößern und sich mit „Friedenskampagnen“ beschäftigen.


Ein Blick in den Sitzungssaal des Europahauses in Straßburg
Ein Blick in den Sitzungssaal des Europahauses in Straßburg

„Aus Versehen ansgelassen“

Straßburg, 11. August, (dpa). Die Tatsache, daß Churchill in seiner großen Rede nicht von einer deutschen Beteiligung an der von ihm geforderten europäischen Armee gesprochen hat, hat in Straßburger Delegationskreisen zu zahlreichen . Kombinationen Anlaß gegeben. Die Agentur Reuter berichtete später, Churchill habe den Pressevertretern durch einen seiner Mitarbeiter nach der Rede mitteilen lassen, er habe das Wort Deutschland nur aus Versehen ausgelassen. Er habe die Absicht gehabt, unter den Ländern, von denen die europäische Armee gebildet werden soll, auch Deutschland zu erwähnen.

Churchills Auntrag angenommen

Straßburg, 11. August, (dpa) Die Beratende Versammlung des Europarats nahm am Freitagabend den Antrag Churchills auf Schaffung einer gemeinsamen europäischen Armee mit 89 gegen fünf Stimmen an. 27 Delegierte enthielten sich der Stimme.

Das Echo

he Ein Deutscher, der vor fünf Jahren einen rostigen Husarensäbel nicht ablieferte, sondern in seinem Garten vergrub, galt bei den Alliierten als „Nazi“ und ausgepichter Feind der Demokratie. Ein Deutscher, der heute erklärt, er trage nicht gerne ein Gewehr und werde nur mit Mißvergnügen einen Stahlhelm aufsetzen, gilt wieder als ein schlechter Demokrat. Was auch die verwegenste Phantasie 1945 nicht voraussehen konnte, ist eingetroffen. Das Echo, das die deutschen Delegierten mit ihrer Ablehnung eines deutschen Heeres gefunden haben, ist zum Teil sehr unfreundlich; und die „New York Times“, immerhin das führende Blatt der größten amerikanischen Partei, gibt offen seine Unzufriedenheit darüber kund, daß die Deutschen so wenig täten, um ihre demokratische Gesinnung zu bekunden.

Die Wandlung, die von den Gefühlen der Deutschen verlangt wird, entspricht ungefähr dem Tempo, in dem sich ein Karussell dreht. Aber so schnell vermögen Menschen ihre Meinung kaum umzustellen, und es verstärkt sich der Eindruck, als wüßten die Westmächte nicht, wie sie in den letzten Jahren die Gefühle der Deutschen hin und her gezerrt haben. Wer die Wirkungen der Straßburger Reden beobachtet, muß seufzend zu der Erkenntnis kommen, daß man es den Alliierten niemals recht machen kann.

Vor allem aber ist es höchst beklagenswert, daß die Westmächte — vorläufig wenigstens — so wenig auf die sachlichen Gründe eingehen, die uns Deutsche zu unserer Haltung bewegen. Unsere Vertreter haben den deutschen Beitrag zur Verteidigung Europas keineswegs glatt verweigert; aber sie haben bestimmte Voraussetzungen genannt, über die man wohl ernsthafter sprechen müßte, als es alle jene tun, die sich heute über mangelnde Begeisterung der Deutschen für das Militärwesen beklagen.

Eine Ausnahme macht wieder Winston Churchill. Auch er hat einige Irrtümer einzugestehen, wenn er ehrlich sein will. Er hat vor fünf Jahren ausgerufen, daß nie wieder der deutsche Kommißstiefel europäischen Boden betreten solle. Heute hätte er gegen den Anblick einiger Zehntausende von diesen Stiefeln nichts einzuwenden. Sei dem, wie ihm wolle, mit seiner Forderung nach einer gesamteuropäischen Streitmacht setzt er den Hebel an entscheidender Stelle an. Wenn er zu regieren hätte, würde sie sicherlich sehr schnell geschaffen, und auch eine europäische Regierung käme bald. Aber was wird nun werden?

Besser zu früh, als zu spät

Von Erich Dombrowski

In Korea sind die Amerikaner seit einigen Tagen zum Gegenangriff übergegangen, nachdem beträchtliche Truppenverstärkungen eingetroffen sind. Die Schlacht, besser: die Schlachten sind zur Zeit noch in vollem Gange. Niemand kann heute schon sagen, wie dieses verzweifelte Ringen um Pusan enden wird. Unterdessen ist der Westen zur aktiven Abwehr, überall wo es sich um den heranbrandenden Kommunismus handelt/ angetreten. Daß man uns aber nicht falsch verstehe. Die Westmächte haben nirgends Angriffsabsichten. Sie sehen sich lediglich in eine Verteidigungsstellung gedrängt. Aus ihr heraus müssen sie schöpferisch handeln, um in gemeinsamer Front Deiche aufzurichten. Dazu gehören im Augenblick die Verhandlungen unter den Partnern des Atlantik-Paktes. Großbritannien hat sich bereit erklärt, zusätzliche Milliarden für eine rasche Aufrüstung auszuwerfen. Frankreich desgleichen. Voraussetzung ist, daß Amerika sich mit etwa der Hälfte daran finanziell beteiligt. Wichtiger aber noch sind die sofortigen militärischen Vorsichtsmaßnahmen, die man getroffen hat. Die Besatzungstruppen sind in Deutschland verstärkt worden. Paris spricht zur Stunde mit Washington, damit größere amerikanische Truppenkontingente unverzüglich in Europa stationiert werden, um gegen jegliche Überraschungen gefeit zu sein. Die Frage einer Wiederbewaffnung Deutschlands, die man in der Beratenden Versammlung der gegenwärtig tagenden Europa-Union aufwarf, wurde von den deutschen Vertretern einmütig abgelehnt. Unnötig, die Gründe dafür noch einmal eingehend durchzusprechen. Deutschlands Anteil an der gemeinsamen Beschirmung Europas kommt zunächst auf einem anderen Gebiet in Betracht. Auf welchem? *

Deutschland liegt wie ein Pufferstaat zwischen Ost und West. Staat ist eigentlich schon zu viel gesagt. Es ist ein staatliches Werden unter der Schirmherrschaft und Kontrolle der Alliierten. Wenn etwas unter diesen Umständen des staatspolitischen Zwielichts notwendig ist, dann ist es dies: gegenüber der kommunistischen Unterwühlupg, die systematisch vom Osten her betrieben wird, nicht zuletzt mit den Mitteln des Terrors und der Einschüchterung, muß es eine starke Staatsgewalt, also ein schlagkräftiges Vollzugsorgan geben. Das fehlt uns heute noch. Die Besatzungsmächte beraten hin und her über die Zulassung einer zentral aufgezogenen Bundespolizei. Sie kommen über das Stadium der Erwägungen, in dieser außerordentlich gespannten Lage, nicht hinaus und wollen das Problem offenbar nur mit halben oder dreiviertel Mitteln lösen. Sie scheinen bereit zu sein, eine Bundespolizei zu gestatten, aber zugleich ihre Machtbefugnisse so sehr einzuschränken und zu verklausulieren, daß daraus schließlich so etwas wie eine Wach- und Schließgesellschaft wird, eine bessere Nachtwächtergarde, zusätzlich der einzelstaatlichen, das heißt in der Hauptsache der gemeindlichen Polizei, mit Gummiknüppeln als Waffe. Dabei sollten wir aus der Zeit der ersten dreißiger Jahre gelernt haben, welch verhängnisvolle Verhältnisse sich entwickeln, wenn der Staat nicht über diejenigen Machtmittel seiner Vollzugsorgane verfügt, die er

zur Aufrechterhaltung seiner Autoritär und damit der Gesamtsicherheit bedarf Dieses Gefühl der absoluten Sicherheit muß auch der Polizei selbst gegeben werden. Denn sonst beginnt sich langsam auch ein geschlossener Körper in einzelne Atome aufzulösen. Der Geist ist es, der für die Aktionsfähigkeit einer Gemeinschaft ausschlaggebend ist. Kein Wort weiter ist darüber angesichts der zersetzenden Propaganda-Tätigkeit der Kommunisten zu sagen, die in Deutschland das europäische Vorfeld für die kommenden Dinge sehen. Aber beides, Militär und Polizei, sind im Rahmen der europäischen Verteidigung nur äußere Abwehrmittel. *

Nicht weniger bedeutsam ist die innere Festigung der Völker, die wirtschaftliche und soziale Wiederaufrichtung nach den Verwüstungen des Krieges und die Widerstandsfähigkeit gegenüber den heranbrausenden Mächten des Umsturzes, die uns unsere eben erst wiedergewonnene Freiheit nehmen und uns von neuem versklaven wollen. Geht es auf diesem Wege der wirtschaftlichen und sozialen Wiedergenesung bereits voran? Ja. Die europäische Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen in Genf hat in ihrem letzten Bericht darüber einige aufschlußreiche Feststellungen gemacht. Wenn wir uns gegenwärtig auch noch der helfenden Krücken des Marshall-Planes bedienen, so ist doch dieses eine bereits zu sagen: Europas bisherige wirtschaftliche Abhängigkeit von Amerika beginnt sich, Schritt für Schritt, zu lockern und zu lösen. Im ersten Quartal dieses Jahres, über das genaue Ziffern vorliegen, hat der Fehlbetrag des europäischen Handels gegenüber den Vereinigten Staaten von Nordamerika bereits um vierzig Prozent abgenommen. Europa fängt also an, sich mehr und mehr auf sich selbst zu besinnen und seinen Handelsverkehr in sich selbst auszugleichen. Im Zusammenhänge damit hat sich die Warenausfuhr Europas nach überseeischen Gebieten nahezu verdoppelt. An der Spitze steht dabei Frankreich und bald danach folgt West-Deutschland. Diese erfreuliche Entwicklung hat im zweiten und zu Beginn des dritten Quartals dieses Jahres weitere wesentliche Fortschritte gemacht. Fast Sprunge haft. Das hängt nicht zuletzt mit den weltweiten wirtschaftlichen Ausstrahlungen zusammen, die der Krieg in Korea und die Kriegsbesorgnis auf der ganzen Welt verursacht hat. Der Bedarf an Rohstoffen aller Art, aber auch an verarbeiteten Erzeugnissen bis herunter zur Textilindustrie, nimmt ständig zu. Die Wertpapier- und Warenbörsen sind in Bewegung geraten. Vielfach treten schon Verknappungs-Erscheinungen auf, und nicht zuletzt Deutschland nimmt mit wachsendem Anteil an dieser wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung, an der Arbeit und an dem Export für das Ausland teil. Es wird jetzt alles darauf ankommen, Preissteigerungen zu verhüten, die Lohnerhöhungen zwangsläufig zur Folge haben. Dieser Kreislauf könnte unser finanzielles Gefüge, wenn uferlos weitergetrieben, gefährden, dem wir mit der Währungsreform bisher eine stabile Grundlage haben geben können. Bedroht würde auch die freie Marktwirtschaft, die uns den Impuls zur wirtschaftlichen Wiedererhebung gegeben hat und die schließlich auch die Voraussetzung für einen offenen gesamteuropäischen Waren- und Kreditverkehr ist.

Amerika, das unmittelbar vom Kriege betroffen ist und sozusagen die Sicherheitsgarantie für die westliche Welt übernommen hat, sieht sich heute allerdings bereits einer anderen wirtschaftlichen Situation gegenüber. Hier hat die wirtschaftliche Entwicklung, seit der koreanischen Affäre, geradezu ein rasendes Tempo angenommen. Die Kriegsproduktion hat eingesetzt und arbeitet auf vollen Touren. Zahlreiche neue Produktionsstätten für militärische Zwecke werden errichtet. Milliarden staatlicher Dollars werden in die Wirtschaft wie riesige Einspritzungen hineingepumpt. Die Hamsterkäufe der breiten Massen haben einen unheimlichen Umfang angenommen. In den Warenhäusern, die eine ganz andere Rolle als in Europa spielen, sind die Umsätze um fast fünfzig Prozent hinaufgeschnellt. Die Preise beginnen wie auf einer Leiter flink hinaufzuklettern. Die Gewerkschaften melden Lohnerhöhungen an. Steuert die amerikanische Wirtschaft, wie es Bernard Baruch, der Finanzmann und Organisator des ersten Weltkrieges, jetzt fordert, schon auf eine wirtschaftliche Vollmobilisation hin? Der Kongreß hat am Donnerstag die Frage entschlossen bejaht und einen Gesetzentwurf angenommen, in dem Präsident Truman bevollmächtigt wird, die Rationierung sowie die Preis- und Lohnkontrolle einzuführen. Bei der Abstimmung waren nur drei Abgeordnete dagegen. Man ging sogar noch weiter und fügte Strafbestimmungen, zehntausend Dollar und ein Jahr Gefängnis, für die hinzu, die lebensnotwendige Güter anhäufen. Die wirtschaftliche Abwehr Amerikas im Gleichklang mit der militärischen, gegen den Vorstoß des Ostens ist somit in vollem Zuge. Diesmal wartet Amerika, im Gegensatz zu den beiden Weltkriegen, nicht erst ab, steht nicht zögernd beiseite und fängt erst seine Vorbereitungen zu treffen an, wenn der Kampf unausbleiblich geworden ist, sondern setzt mit voller Dampfkraft bereits ein, ehe es dazu kommt, um so, durch diese rechtzeitige Machtentfaltung das unvermeidlich Scheinende doch vielleicht vermeidlich zu machen. Nach dem Grundsatz: Besser zu früh, als zu spät.

Fortsetzung der Umstedlung

Besprechungen in Bonn

ZK. Bonn, 11. August. (Eigener Drahtbericht.) Das Bundesflüchtlingsministerium hat am Freitag mit Vertretern der Landesflüchtlingsämter Fragen der Flüchtlingsumsiedlung erörtert. Ein Sprecher des Ministeriums gab bekannt, daß trotz bestehender Schwierigkeiten bis zum Jahresende die vorgesehene Zahl von dreihunderttausend Umsiedlungen bis auf geringfügige Reste ausgeführt wird.

Panik im belgischen Senat

Brüssel, 11. August, (dpa) Eine Rauchbombe hat am Freitagvormittag im belgischen Senat eine Panik verursacht. Die Bombe war in dem Augenblick in den Sitzungssaal des Senatsgebäudes geworfen worden, als beide Häuser gemeinsam über das Regentschaftsgesetz für Prinz Balduin abstimmten. Die Bombe fiel in den Reihen der sozialistischen Abgeordneten in die unmittelbare Nähe von Frau Spaak, der Mutter des belgischen Sozialistenführers, die ebenfalls dem belgischen Parlament angehört. Obwohl der Senatspräsident die Abgeordneten zu beruhigen suchte, flohen die Parlamentarier durch alle Türen ins Freie. Die Rauchbombe brannte ruhig ab, bis sie von Feuerwehrleuten gelöscht wurde.

Mitglieder der deutschen Delegation zum Europarat werden sich am Sonntag nach Baden-Baden begeben, um dort mit Vizekanzler Blücher und Bundeswirtschaftsminister Erhard zu Besprechungen zusammenzutreffen.

Im geräumten Pohang wüten riesige Brände

Die Lage auf Korea hat eine beunruhigende Entwicklung genommen

Pusan, 11. August. (AP./dpa/Reuter) Die Lage auf dem koreanischen Kriegsschauplatz hat am Freitag für die Amerikaner eine bedrohliche Entwicklung genommen.

Im Norden entrissen nordkoreanische Sturmtruppen, von Panzern unterstützt, den Amerikanern den strategisch wichtigen Hafen Pohang. In der Mitte wächst die Gefahr für Taiku. am südlichen Teil der Mittelfront konnten die Nordkoreaner ihren Brückenkopf über den Naktong im großen Naktong-Bogen verstärken und stießen mit vorerst verhältnismäßig schwachen Kräften nach Süden in die Richtung nach Masan. Damit ist eine empfindliche Gefährdung für die amerikanische Angriffsbewegung auf Schinju entstanden. Der Angriff auf Schinju selbst kann nur noch langsam vorwärts getragen werden. Eine am Nam eingeschlossene feindliche Kampfgruppe wehrt sich erbittert.

Der Stoß aus dem Norden

Für die amerikanische Front besteht nun die Gefahr, daß mit dem Durchstoß bei Pohang Pusan nun von Norden aus gefährdet ist. Die Zusammenziehung starker amerikanischer Verbände im Süden, die notwendig war. um die Offensive auslösen zu können, war nur möglich, Weil ganze Frontabschnitte von Truppen entblößt wurden. An vielen Stellen der amerikanischen Front standen nur Horchposten, stehende Spähtrupps oder in der Tiefe gestaffelt Eingreifreserven. Der Feind hat diese Lage sofort ausgenutzt und zwai’ im Süden eine Niederlage hingenommen, dafür aber die anderen Frontabschnitte mit besonderer Heftigkeit angegriffen. Die amerikanischen Operationen sind in eine gefährliche Krise getreten.

Der Hafen brennt

Am Freitag ging Pohang in Flammen auf. Der Feind kämpfte wild um die einzelnen Stadtteile, entriß den alliierten Truppen das Krankenhausviertel und stieß in die Hafenanlagen vor, wo wütende Brände ausgebrochen sind. Der Verlust des Hafens ist für die Amerikaner besonders schmerzlich. Pohang kommt in seiner Bedeutung gleich nach Pusan. Die Stadt selbst ist voller Flüchtlinge, die zwischen den brennenden Häusern umherirren und um ihr Leben fürchten. Die amerikanischen Schlachtflieger können kaum in die Erdkämpfe eingreifen, weil sie die Zivilbevölkerung nicht gefährden wollen.

Hinterhalt

Die in aller Eile zusammengerafften Truppen, die die amerikanische Führung zur Abriegelung des gefährlichen Einbruches im Norden heranführen konnte, fielen fünfundzwanzig Kilometer südlich von Pohang in einen Hinterhalt. Stärkere Partisanenverbände griffen hier die amerikanischen Panzertruppen an. Es verging längere Zeit, bis die Eingreifreserven die Straßen freikämpfen konnten und nach Pohang gelangten. .Die Stadt, die inzwischen von den Amerikanern geräumt worden war, ist nun wieder heiß umkämpft. Die ersten amerikanischen Panzer sollen in der Nähe des Bahnhofs bereits mit den Nordkoreanern im Gefecht stehen. Nicht mehr zü retten war der große Feldflughafen südlich von Pohang. Das amerikanische Luftwaffenoberkommando wollte diesen Platz unbedingt halten, weil er zu den drei Flugplätzen gehört, über die die Amerikaner noch im Landekopf verfügen.

Der Flugplatz verloren

Die Mustang-Jäger, die von diesem Platz aus starten, griffen bis zur letzten Minute in die Kämpfe ein, konnten dann aber nicht mehr auf ihrem eigenen Platz landen. Scharfschützen, Partisanen und reguläre Truppen hatten sich dicht an den Platz heranschieben können, der auch nicht gehalten werden konnte, als _ sich etwa hundert amerikanische Infanteristen durch das feindliche Feuer zu dem Flughafen durchschlugen, um den Besatzungen Hilfe zu bringen.

Versprechungen für die Sowjetzone

Am Tage nach der Bekanntgabe des Wahlgesetzes für die Oktoberwahlen

er. Berlin, 11. August. Auf dem Amtssitz des Staatspräsidenten Pieck ist der vom Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei beschlossene Entwurf des Fünfjahresplanes überreicht worden. In den Ansprachen Piecks, Grotewohls und Ulbrichts wurde besonders betont, daß der sogenannte Fünfjahresplan die Fundamente für einen in Deutschland bisher nie gekannten Wohlstand legen werde. Der Plan werde zum Wegweiser für die nationalen Kräfte in Westdeutschland, die durch ihn den Weg zur deutschen Einheit finden würden.

Grotewohl sprach davon, daß der Fünfjahresplan eine magnetische Kraft auf Westdeutschland ausüben werde. Ulbricht kündigte neue große Verbesserungen der Lebenshaltung an. Die Fleisch- und Fettration in der Sowjetzone solle vom 1. September an monatlich um je 450 Gramm erhöht werden. Die Renten sollten um zehn Mark monatlich heraufgesetzt werden. Damit die Handwerker von alten Steuerschulden befreit würden, schlage die Sozialistische Einheitspartei einen Erlaß der Steuerschulden der Handwerker bis zum 31. Dezember 1949 vor.

Staatssekretär Rumpf vom Finanzministerium kündigte an, daß die Handelsorganisationen noch in diesem Jahr eine außerordentliche Preissenkung vornehmen würden.

Auffallend ist, daß diese Ankündigungen über eine Verbesserung der Lebenshaltung genau einen Tag nach der Bekanntgabe des Wahlgesetzes für die Oktoberwahl vorgenommen worden sind, bei der die Wähler ihre Stimme nicht einer einzelnen Partei, sondern nur der Einheitsliste der Nationalen Front geben können. Maßgebliche Kreise Berlins glauben, daß das Wahlergebnis vor der Bekanntgabe frisiert wird, wie im vorigen Jahr die Ergebnisse der sogenannten Volkskongreßwahlen.

102 von 400 Stimmen

Die Volkskammer der Sowjetzone ratifiziert die „Friedensgrenze“

zz. In der Sowjetzone sollen im Oktober Wahlen vorgenommen werden, für die nach dem Brauch totalitärer Staaten eine Einheitsliste aufgestellt wird, die der Wähler nur annehmen oder ablehnen kann. Damit das demokratische Gesicht gewahrt bleibe, sind den sogenannten bürgerlichen Parteien eine Anzahl von Sitzen zugestanden worden. Aber um es auch äußerlich erkennbar zu machen, daß die Parteien selbst im Parlament keinen eigenen Willen mehr bekunden dürfen, hat man in der Sowjetzone die nach dem Sitz der jeweiligen Parteien übliche Bezeichnung der Linken, Rechten und der Mitte abgeschafft. Es gibt von jetzt an in der „Volksrepublik“ nur noch einen Block A, einen Block B und einen Mittelblock. Vom Standpunkt der Sowjetzone läßt sich kaum etwas dagegen einwenden, denn wer von den Abgeordneten einmal A gesagt hat, muß unter allen Umständen auch B oder sonst etwas sagen, ganz wie die sowjetischen Auftraggeber es wünschen.

Der Leiter des Amtes für Information, Eisler, hat dieser Tage erklärt, Kritik sei ein notwendiges Ventil bei den Unzulänglichkeiten des Lebens in der Sowjetzone. Man dürfe daher wohl fluchen, vorausgesetzt, daß man mitmache. Diese Botschaft wird auch den Volkskammer-Abgeordneten zur Kenntnis gelangt sein, aber sie sind vorsichtig genug, ihr keinen Glauben zu schenken. Sie wissen genau, daß eine solche Ankündigung der Schimpffreiheit nur dazu dienen soll, Menschen zu unvorsichtigen Äußerungen zu verleiten, auf Grund derer man sie nachher als Volksschädlinge überführen kann.

Die Abgeordneten ließen sich also nicht zu gefährlichen Reden verleiten, als dieser Tage in der Volkskammer der Vertrag mit Polen ratifiziert werden sollte, der die Oder-Neiße-Linie als „Friedensgrenze“ anerkennt. Sie zogen es jedoch in ihrer Mehrheit vor, bei der entscheidenden Abstimmung im Saale nicht anwesend zu sein. Selbst, der stellvertretende Ministerpräsident Nuschke hatte zufällig gerade in diesem Augenblick eine wichtige Abhaltung, die ihn verhinderte, seine Stimme mit abzugeben. Und so geschah das Unerhörte, daß von 400 Volkskammerabgeordneten bei der Abstimmung nur 192 anwesend waren, um „einstimmig“ den Vertrag gutzuheißen.

Diese Tatsache soll man nicht unterschätzen. Sich vor der Abstimmung drücken, bedeutete in diesem Falle einen unerhörten Mut, der wahrscheinlich die betreffenden noch teuer zu stehen kommen wird. Es ist sehr fraglich, ob ihre Namen, die ja dem Büro der Kammer bekannt sein dürften, auf den Wahllisten im Oktober wieder erscheinen werden. Das Abstimmungsergebnis ist aber auch deshalb bemerkenswert, weil es zeigt, daß es selbst unter jenen Männern, die bewußt oder gegen ihren Willen zu Handlangern der Sozialistischen Einheitspartei geworden sind, noch solche gibt, die sich schämen, einem offenen Verrat am Deutschtum zuzustimmen.

Fenerwehr mit Waffen

Berlin, 11. August. (AP ) Die Ost-Berliner Feuerwehr ist von der Volkspolizei übernommen worden. Alle Angestellten der Feuerwehr sind auf drei Jahre für die Volkspolizei verpflichtet worden. Sie haben sich schriftlich verpflichten müssen, die Demokratie notfalls mit der Waffe, in der Hand zu verteidigen.

Die Volkspolizei schießt

Dannenberg, 11. August, (dpa) Ein Bewohner der Sowjetzone, der sich in Lüchow (Niedersachsen) bei Verwandten aufhielt, ist von der Volkspolizei erschossen worden, als er auf dem Rückwege die Zonengrenze bereits überschritten hatte. Er erhielt einen Bauchschuß, und starb.

Der Preis einer Atombombe

+ London, 11. August. (Eigener Bericht.) Der Dozent für Kernphysik an der Universität Cambridge, Professor E. S. Shire, hat in einer Rede mitgeteilt, daß nach amerikanischen Schätzungen die Kosten für eine Atombombe bei großer Produktion nicht viel mehr als eine Million Dollar betragen.

Nierzig Millionen Mark

Hausratshilfe für August

Frankfurt, 11. August, (dpa) Der Präsident des Hauptamtes für Soforthilfe hat von den in der letzten Sitzung des Kontrollausschusses für die Hausratshilfe freigegebenen 120 Millionen Mark für August bereits 40 Millionen Mark bereitgestellt.

Stimmen der Anderen

Kritik an Carlo Schmid

Die „New York Times“ nimmt am Freitag die Rede des deutschen Delegierten Carlo Schmid in der Versammlung des Europarates zum Anlaß, sich über einen „wachsenden Mangel an Begeisterung für die demokratische Sache in Deutschland“ zu beklagen.

„Kein Land wünscht, daß Deutschland seine Stellung als mächtige, unkontrollierte Militärmacht wiedererhält. Gleichzeitig hofft man jedoch, daß Deutschland in einem Kampf gegen den Kommunismus mit Herz und Seele auf unserer Seite steht.

Diese Denkweise mag vielleicht zynisch erscheinen, aber die Berichte, die seit Ausbruch des koreanischen Konfliktes aus Deutschland gekommen sind und Erklärungen von der Art, wie sie Herr Schmid am Donnerstag abgegeben hat, scheinen alles andere als eine Begeisterung für die demokratische Sache anzudeuten.

Wir wünschen Deutschland als einen Freund und Verbündeten im Kampf der freien Welt gegen den Totalitarismus. Einen anderen Nutzen hat Deutschland für uns nicht.

Die Bundesregierung in Bonn täte gut daran, sich diese Tatsache zu vergegenwärtigen. Deutschland wird von der westlichen Welt auf lange Sicht weit mehr geboten, als die Sowjets jemals bieten könnten.'

„Angebot und Nachfrage“

Der „Franc Tir eur“ sieht in der Straßburger Rede Carlo Schmids einen weiteren Beweis für die von ihm vertretene These, daß die breite Magse in Deutschland nicht militaristisch gesinnt sei. „In der Haltung Deutschlands kann eine Portion List und die Neigung, das Gesetz von Angebot und Nachfrage zum eigenen Nutzen anzuwenden, stecken. Dieses Feil¬ schen (immerhin ein friedliches Feilschen) entspricht jedoch besser den übergeordne¬ ten Interessen Frankreichs und Europas als das morgige, national-bestimmte Feil¬ schen der Generale und Politiker, die der Mofoilisationseifer eines Churchill und Rey¬ naud so gern zur Macht führen würde.“ Der „Franc Tireur“ setzt sich dann mit den Angriffen der kommunistischen und kommunistenfreundlichen Blätter gegen Carlo Schmid wegen seiner Tätigkeit m Frankreich während des Krieges auseinander. Die Zeitung stellt klar, daß eine bewußte Verwechslung zwischen Carlo Schmid und einem Richter der Luftwaffe namens Guido Schmid vorliegt. . .

Sowjetische Agenten

Die B a s 1 e r „N a t i o n a 1-Z e i t u n g“ berichtet über den Einsatz neuer kommunistischer Agenten in der Bundesrepublik •

„Die neue Garnitur besteht aus alterprobten russischen Kommunisten mit hervorragenden deutschen Sprachkenntnissen. Es ist das erste Mal,’daß jetzt Russen zur Sabotagearbeit in die Westzonen gehen. Sie sollen einmal über die Missionen der Oststaaten eingeschmuggelt werden, aber auch auf dem Umweg über Italien und Oesterreich in die Bundesrepublik kommen. Diese neuen Agenten treten mit ihren gefälschten Papieren sowohl als Deutsche wie auch als Angehörige italienischer und österreichischer Firmen auf. Wie aus der kommunistischen Zentrale in Ostdeutschland verlautet, glaubt das Politbüro, schon nach kurzer Zeit soviel zuverlässige Kräfte herangebildet zu haben, daß der gegenwärtige Fehlschlag in Westdeutschland wettgemacht und ein neues, besseres Arbeitsnetz aufgestellt werden kann.“

Schmuggler an der „Himmelsleiter“ gefaßt

Aachen, 11. August, (dpa) Warnschüsse zerrissen die Stille an der deutsch-belgischen Grenze, als Zollgrenzbeamte einen großen Schlag gegen die berüchtigte Rabatz-Schmugglerbande führten. An der „Himmelsleiter“ bei Monschau konnten 50 Mitglieder der etwa 200köpfigen Bande, zu der auch Mädchen gehören, und die bisher sehr schwer zu fassen war, festgenommen werden.

Unsereiner uird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

18) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

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Es «seht ihnen sehr bald besser, aber alles bleibt natürlich ziemlich würdelos. „Alles kann in Ordnung sein, wenn Sie einen Augenblick vernünftig sind , sagt der Chefmanager, schon als er die Tür hinter sich zuzieht. „Der Frauenverein und der Frauenverband zur Pflege öffentlicher Sitten sind bereit; mit unserer Gesellschaft zu akkordieren, vorausgesetzt, wir geben die richtige Erklärung ab. Hier ist sie, Sie sollen sie

unterschreiben.“ Er reicht Georg J. Steen ein Blatt Papier, festes, klares Papier, einen Brief, links oben steht der Absender, darunter die Adresse. Es ist ein Brief Georg J. Steens an die Frauenliga. Steen braucht ihn nur zu unterschreiben. Er erklärt in diesem Brief, daß seine Tochter Mary Herrn Teddy Beer heiraten werde.

„Wir wollen damit nicht in Ihre Rechte eingreifen, Steen“, erläuterte der Chefmanager. „Es genügt völlig, wenn diese Erklärung aufrechterhalten wird, bis unser Vertrag abgelaufen ist. Später können Sie die Verlobung wieder lösen.“ Er lächelt. „Natürlich ist sich der Syndikus der Frauenliga darüber im klaren, daß es so kommt, oder Miels zahlt ihm zehntausend Kronen für seinen Verein. Hier ist mein Füller."

Steen unterschreibt.

Sie sind also jetzt mit dem Jungen da” verlobt“, wendet sich der Chefmanager an Mary. „Verplappern Sie sich nicht!

„Aber ich weiß jetzt wirklich nicht mehr, ob ich ihn heiraten werde“, haucht Mary und geht ein wenig vor ihrem Sessel auf und ab. „Natürlich! Natürlich!" Der Chefmanager nimmt das Papier mit Steens Unterschrift. „Wir verlassen jetzt ohne das Gepäck dieses Hotel auf demselben Wege, auf dem wir gekommen sind. Wir huschen durch den Gepäckbahnhof auf den Hauptperron. Von dort aus sind wir wieder in unserem eigentlichen Programm. Das Arrangement läuft

schon.“ __ , , Es läuft wundervoll. Das Rädchen, das für eine Runde aussetzt, schnurrt wieder mit, nachdem es überprüft, nachgefeilt und geölt worden ist. Die Steens schleichen über den Garagenhof aus dem Hotel. Die Taxen eilen mit ihnen in eine Ansammlung von Güterschuppen. Sie durchqueren einen Tunnel für Gepäckkarren. Sie erreichen den Perron.

Aus irgendeiner Richtung fährt gerade irgendein Schlafwagenzug ein. Die Manager lotsen die Steens in das erste Durcheinander der Aussteigenden hinein. Plötzlich flammen Blitzlichter auf, stehen Mikrofone und Filmkameras da, stauen sich Menschen.

Eine fröhlich, strahlende Stimme ruft laut: „Hier sind sie endlich. Sie sind nur unterwegs falsch umgestiegen." Und die Steens stehen wieder unter einer Menge unbekannter, aber freundlicher Männer, die ihnen die Fragen stellen, die sie zu beantworten lernten. „Ich bin ein. Mann aus der Mitte des Volkes, ich bin weder arm noch reich, aber ich bin glücklich." „Ich freue mich für meine Elfem... Wissen Sie ein nettes Geschenk, das ich meiner Mutter kaufen könnte?" „Die einzige Sorge, an die ich täglich denke, ist meine Familie. Wahrscheinlich hat Knut sich unterwegs erkältet.“ „Es ist sehr aufregend. Es ist Mamas erste große Reise. Aber bitte lachen Sie nicht, es ist natürlich auch meine erste Reise. Es ist wundervoll, gefilmt

zu werden." Vor dem Bah’nhof stehen große, wie lasiert schimmernde Wagen mit zurückgeklappfen Verdecks. In den Falten des Verdecks stecken Blumen.

Musik schmettert...

Konfetti regnet...

Winkende Leute...

Polizisten auf Motorrädern...

Stockender Verkehr...

Rufe, Lachen, Händeklatschen... Blumen...

Vor dem Hotel begrüßt der 80ß dieses Palastes seine Gäste.

Filmkameras schnurren.

Die Steens durchschreiten die Halle. Georg J. Steen trägt sich in das Gästebuch ein.

Blitz lichte.

Lift.

Kellner, Zimmermädchen, Boys flankieren den kurzen Weg durch den Flur. Die saffianrote Tür...

Und dann stehen sie wieder in derselben Hotelwohnung, die sie schon kennen, aber natürlich ist diesmal alles ganz anders. Sie nehmen den Raum jetzt wirklich ein, sie breiten sich aus. Das Zimmer schreckt sie nicht mehr, sie kennen es ja. Knut und Mary machen sich sofort daran, nach rechts und links in die angrenzenden Räume vorzudringen, und langsamer, aber nicht weniger aufmerksam beginnen auch Steen und seine Frau sich hier umzusehen. Ihre Hofeiwohnung hat außer dem großen, sehr luxuriösen Salon, durch den man die Wohnung betritt, nach rechts und links je einen großen, zweibettigen Schlafraum, und dahinter je ein Badezimmer. Frau Steen beginnt mit dem Einräumen, sie bestimmt das rechte Schlafzimmer für ihren Mann und Knut, das linke für ihre Tochter und sich selbst. Tatsächlich hat sie dabei den Gedanken, sie tue gut, Mary nachts bei sich zu haben.

Und dann kommen die Manier mit dem Programm für diesen Tag. Es sind zwei verlorene Stunden einzuholen. Die Wagen warfen schon. Sie fahren zum Mittagessen in ein riesiges Speiseresfaurant mit Selbstbedienung. Blitzlichte...

Steen muß in einem Fischklops beißen und dazu lächeln, obwohl er Fischklops seif dreihundert Jahren verabscheut. („Georg J. Steen sagt, er kennt keinen besseren Fischklops als unseren...")

Eva Steen sitzt mit dem Inhaber dieser Abfütterungs-Fließband-Änlage u ter vier Sonnenbrennern bei Kaffee und Kuchen. („Frau Steen sagt, unser Apfelkuchen ist das Rezept, das schon ihre Mutter buk .. .**)

Knut hat eine Serie von Aufnahmen mit einem dicken, blütenweiß gekleideten Aufwärter bei einem riesigen Bottich mit dampfenden Würstchen. („Knut Steen liebt das Essen im Vorübergehen...“)

Bei einer bestimmten Aufnahme muß Knut seinen Mund an das Ohr des Aufwärters bringen. („Bitte, sagen Sie meiner Mama, wo Sie diesen Senf kaufen.")

Mary filmt im Äutomatenteil dieses Restaurants. Sie steckt mit spitzen Fingern Münzen in die schnurrenden Becherwerke und zieht Fleischbrofe, und Eier in Mayonaise und Sahnetörfchen und brühheißen Kaffee. Sie muß erstaunte oder glückliche, prüfende oder einfach lächelnde Gesichter dazu zeigen. Die Filmleute gehen mit ihr um, wie mit einer Gliederpuppe. Mary spürt lange Wellen von einem prickelnden Glück dabei.

Von dieser Sache fahren die Steens in eine Badeanstalt, die kurz zuvor ein mit Neonstäben grün durchleuchtetes Becken eröffnet hat. Gleich am Rande des Beckens stehen Tische mit Blumen, Kaffeegedecke, Tischtelefon. Sie werden in Badeanzüge gesteckt und vier Masseure ölen blitzschnell ihre Haut.

Sie sitzen in ihren Badeanzügen an diesem Becken bei Kaffee und Kuchen. („Man sollte sich zu erholen verstehen.“) Knut muß zweimal durch das Wasser kraulen.

Mary steht in vier verschiedenen Schwimmanzügen auf den Sprungbrettern. Steen macht ein paar Aufnahmen unter einer Brause, bei denen es auf die Seife ankommt. („Ein richtiger Mann... die richtige Seife...“)

Und wieder die Wagen.

Diesesmal dauert die Fahrt länger. Es geht aus der Stadt hinaus.

In einem noch dürftigen Park stehen ein paar hohe Hallen. Mary Steen erkennt als erste, daß es Filmstudios sind.

Eine Halle ist bis in den Winkel gleißend durchleuchtet. Ungezäh’te Dekorationen sind fertig aufgebaut. Bei jeder warten Männer... Lampen ... Kameras ...

„Dies ist Ihr Hauptarbeitsplatz während der nächsten Wochen, Sie werden täglich hier zu tun haben", sagt der Chefmanager.

Jeder der Steens arbeitet plötzlich mit seinem Manager allein. Irgendwo drü e i oder dort stecken die anderen drei. Niemand von ihnen kommt dazu, sich nach den anderen umzusehen.

(Fortsetzung folgt.)

Bleibt Heppenheim Kreisstadt?

Diskussion über den endgültigen Sitz des Landratsamtes

DT. Bensheim, 11. August. (Eigener Bericht.) Nachdem der Hessische Staat das jetzige Heppenheimer Landratsamtsgebäude dem Kreis zum Kauf angeboten hat, nahm Bürgermeister Treffert (Bensheim) in einem Schreiben zu diesem Problem Steilung.

Der Bürgermeister warnt davor, den Kauf des Amtsgebäudes übereilt vorzunehmen, da auch die Frage, ob Bensheim oder Heppenheimer der endgültige Sitz der Kreisverwaltung werden solle, gelöst werden müsse. Treffert erwartet, daß die in Aussicht stehende Verwaltungsreform an den Grenzen des Kreises Bergstraße nicht Haltmachen wird. Es sei daher angebracht, diese Probleme solange zurückzustellen, bis die Reform erfolgt sei.

Anschließend werden in dem Schreiben die Gründe angeführt, die dafür sprechen. daß Bensheim Sitz der Kreisverwaltung wird. Mit seinen 23 000 Einwohnern sei Bensheim bei weitem die größte Stadt des Kreises, Heppenheim folge mit 13 354 erst an vierter Stelle. Außerdem sei Bensheim auch zugleich wirtschaftlicher, kultureller und verkehrstechnischer Mittelpunkt. In 1090 Betrieben würden 5388 Angestellte und Arbeiter beschäftigt, das Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk versorge außer Bensheim fast sämtliche Orte an der Bergstraße einschließlich Heppenheim mit Gas. Für seine Telefonteilnehmer benötige Bensheim 16 Seiten in dem amtlichen Fernsprechbuch, die Heppenheimer Teilnehmer dagegen würden nur auf sechs Seiten aufgeführt. Außer dem Gymnasium und Realgymnasium für Jungen, der Staatlichen Aufbauschule für Mädchen, der Goetheschule (Realgymnasium für Mädchen), der Liebfrauenschule (Realgymnasium für Mädchen), der Klosterschule und dem Schülerheim St. Bonifatius befänden sich in Bensheim noch eine Städtische Handelsschule und Kreisberufsschule sowie eine Verwaltungsschule. Eine ganze Anzahl von Behörden, Aemtern und Sparkassen habe ihren Sitz in Bensheim, und es sei daher das Natürlichste, wenn die Besucher dieser Stellen auch ihre Rücksprachen beim Landratsamt am gleichen Orte vornehmen könnten. Die Verkehrslage von Bensheim sei weitaus günstiger als die von Heppenheim, denn es liege im Schnittpunkt der Bergstraße und Nibelungenstraße, während die verschiedenen Omnibuslinien nach Heppenheim, die gegenwärtig in Betrieb sind, alle erst mühsam geschaffen wurden. Der Bensheimer Bahnhof sei täglicher Haltepunkt von 18 Schnellzügen, 13 Eilzügen und 73 Personenzügen. Der Güterbahnhof vermittele den Güterumschlag für das Kreisgebiet im Odenwald und Ried.

Abschließend äußert Bürgermeister Treffert den Wunsch, daß auch von der Stadtverwaltung Heppenheim sachlich erläutert würde, warum der Sitz der Kreisverwaltung in Heppenheim bleiben solle.

Amtsdauer der Betriebsräte

HGR. Wiesbaden, 11. August. (Eigener Drahtbericht.) Normalerweise wäre die Amtsdauer der Betriebsräte in Hessen im Herbst dieses Jahres abgelaufen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte im Landtag beantragt, die Betriebsräte in Zukunft f^r drei Jahre zu wählen. Der Sozialpolitische Ausschuß des Landtages änderte diesen Antrag dahin ab, die Amtszeit der Betriebräte in Hessen bis zum 31. Oktober 1951 zu verlängern, da in Kürze eine Regelung durch den Bundestag in Fragen des gesamten Betriebsräterechtes zu erwarten ist. Der Rechtsausschuß des Landtages erhob in seiner Sitzung am Freitag keine Bedenken gegen eine derartige Regelung, wie sie der Sozialpolitische Ausschuß vorgeschlagen hat.

Einigkeit gegen den Kommunismus

Beratungen der Innenminister der Länder

Z.K. Bonn, 11. August. Die Innenminister der Länder haben am Donnerstagabend die mögliche Aufteilung der von alliierter Seite zugestandenen Verstärkung der Polizei um zehntausend Mann besprochen. Diese wahrscheinlich einheitlich ausgebildete und ausgerüstete Polizei soll in den Ländern stationiert werden und normalerweise auch im Rahmen der geltenden Bestimmungen den Ländern unterstehen.

Nach Berichten von Teilnehmern an der Besprechung bestand unter den Innenministern Einigkeit darüber, daß der sich immer stärker bemerkbar machenden kommunistischen Wühlarbeit in den Westzonen begegnet werden müsse. Es herrsche bei Erörterung dieser Fragen keine Neigung zu einem generellen Verbot der westdeutschen Kommunistischen Partei, was aus verfassungstechnischen, aber auch aus psychologischen Gründen nicht opportun erschien. Vielmehr waren die Innenminister der Meinung, daß man den westdeutschen Kommunisten Gelegenheit geben sollte, ihren bisher zu verzeichnenden politischen und organisatorischen Krebsgang in aller Oeffentlichkeit fortzusetzen. Auf der anderen Seite werden aber die Länder in Zukunft stärker als bisher die in Nebenorganisationen getarnten Wühlarbeiten beobachten und bekämpfen.

So werden zum Beispiel die von der Sozialistischen Einheitspartei für den 26. August zum sogenannten „Volkskongreß“ nach Berlin beorderten 1500 westdeutschen Delegierten keine Interzonenpässe erhalten.

Letzte Telegramme

Wieder Sicherheitsrat

Lake Success, 11. August. (AP.) Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist am Freitagabend um 2017 Uhr MEZ. zu einer neuen Sitzung zusammengetreten.

Der sowjetische Delegierte und Vorsitzende des Rates, Jakob Malik, forderte sofort eine Abstimmung über seinen Vorschlag, Vertreter sowohl Nord- als auch Südkoreas zur Teilnahme an der Debatte einzuladen.

Die Delegierten der nichtkommunistischen Länder vertreten den Standpunkt, daß solange keine Nordkoreaner eingeladen werden sollten, bis die kommunistischen Streitkräfte hinter den 38 .Breitengrad zurückgegangen sind.

Malik behauptete, daß alle Informationen amerikanischer Dienststellen für den Sicherheitsrat gefälscht seien. Südkoreanische Truppen seien in Nordkorea eingefallen. Auch der Bericht der Korea-Kommission der UNO sei von den Amerikanern diktiert worden.

Die Freitagsitzung des Sicherheitsrats wurde kurz vor Mitternacht MEZ auf Montag abend vertagt.

Acheson beschuldigt Malik

Washington, 11. August. (AP.) Der amerikanische Außenminister Dean Acheson hat am Freitag den sowjetischen Delegierten bei den Vereinten Nationen, Jakob Malik, des Versuches beschuldigt, „die Bemühungen der Vereinten Nationen zur Wiederherstellung des Friedens und der Sicherheit in Korea zu durchkreuzen“.

Wallare: Rußland ist der Angreifer

Neuyork, 11. August, (dpa) Der vor wenigen Tagen aus der amerikanischen Fortschrittspartei ausgetretene frühere Vizepräsident Henry Wallace hat in Neuyork erklärt, daß die Sowjetunion ganz klar der Angreifer in Korea sei. Bis vor sechs Monaten habe er noch geglaubt, daß die Sowjetunion den Konflikt mit dem Westen zu beenden wünsche. „Heute glaube ich, daß Rußland den kalten Krieg zu seinem eigenen Vorteil fortsetzen will.“

Verlängerte Dienstzeit

in England

London, 12. August. (AP.) Ministerpräsident Clement Attlee hat das britische Parlament für den 12. September zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen, um die Verteidigungslage zu besprechen. Nach unbestätigten Verlautbarungen wurde dabei die Möglichkeit einer Verlängerung der militärischen Dienstzeit in Großbritannien erörtert. Die Minister der drei Waffengattungen und die Generalstabschefs nahmen an der Kabinettssitzung teil.

Ein türkischer General ist dem Hauptquartier der 8. amerikanischen Armee in Korea zugeteilt worden.

Ueberwiegend heiter

Eigener Wetterbericht

Die am Freitag über Westdeutschland gelegene Kaltfront wandert unter Abschwächung ostwärts ab. Anhaltender Druckanstieg über unserem Raum führt zum Wochenende wieder zu wärmerem, störungsfreiem Sommerwetter.

Aussichten; Ueberwiegend heiter und trocken, wieder ansteigende Tagestemparaturen.

Der Rundfunk am Sonntag

RADIO FRANKFURT: 6.00 Morgenständehen, 7.20 Frühkonzert. 8.30 Katholische Morgenfeier, 11.15 Flughafenkonzert, 12.15 Zur Erfrischung, 13.00 Musik nach Tisch. 14.30 Kinderfunk, 15.15 Meister ihres Faches. 16.00 Tanztee, 17.00 Gute Unterhaltung liebe Hörer, 20.00 Was wird hier gespielt?, 21.10 Ludwig van Beethoven. 23.15 Tanzmusik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.15 Musik am Mittag, 13.00 Unterhaltungsmusik. 17.45 Salzburger Festspiele 1950, Kammerkonzert. 20.05 Brücke zur neuen Heimat. 22.00 Virtuose Musik aus Spanien, 23.00 Tanzmusik von Schallplatten .

SÜDWESTFUNK: 12.20 Volksmusik und Chorgesang. 13.30 Musik nach Tisch, 15.30 Jedem das Seine!. 17.00 Das SWF-Unterhaltungsorehester, 18.15 Die Sportreportage. 20.00 Sinfoniekonzert, 21.30 Wir tanzen Polka und Rheinländer, 23.30 Fröhlicher Ausklang.

und am Montag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher. 7.15 Frühkonzert, 8.15 Morgenmusik. 11.15 Schulfunk, 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei, 18.30 Zum Feierabend. 20.00 Gut aufgelegt. 21.15 Vor geschlossenem Vorhang, 22.15 Klaviermusik und Lieder, 23.00 Zärtliche Musik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag. 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik. 16.00 Nachmittagskonzert, 20.00 Fröhlich fängt die Woche an, 21.15 Rendezvous am Montagabend, 22.00 Zeitgenössische Musik.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert, 13.15 Musik nach Tisch. 15.30 Musik am Nachmittag. 17.20 Solistenkonzert, 18.30 Musik zum Feierabend. 20.00 Musik für Dich. 22.30 Salzburger Festspiele 1950 „Don Giovanni“.

Wirtschaftsblatt

Neuer Bundessfinanzhof

Ho. In Steuersachen und Zollsachen waren bislang die Urteile der Finanzgerichte höchstrichterliche Entscheidungen, gegen die es kein Rechtsmittel gab, obwohl nach dem Gesetz Rechtsbeschwerde gegen Finanzgerichts.urteile immer zulässig gewesen ist. Der Oberste Finanzgerichtshof in München war nur für die Länder der amerikanischen Besatzungszone zuständig. Dieser unliebsame Zustand geht nunmehr zu Ende. Am 1. September 1950 nimmt der Bundesfinanzhof in München seine Tätigkeit auf, und bereits seit dem 1. Juli 1950 ist gegen die Urteile aller Finanzgerichte wieder das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde tatsächlich gegeben. '

Für den Bundesfinanzhof gelten bezüglich Organisation, Zuständigkeit, Verfahren und Einlegung von Rechtsmitteln die Vorschriften über den ehemaligen Reichsfinanzhof. In der Zuständigkeit sind Erweiterungen eingetreten. Es gibt jetzt auch Rechtsbeschwerde gegen die Entscheidungen der Finanzgerichte im Beschwerdeverfahren. Es ist darüber hinaus von dem noch bevorstehenden Gesetz über die Finanzgerichtsbarkeit zu erhoffen, daß grundsätzlich jeder Verwaltungsakt der Steuer- und Zollverwaltung einer richterlichen Nachprüfung unterworfen wird. Es wäre alsdann im besonderen auch eine Rechtsinstanz gegen die Beschwerdeentscheidungen der Finanzverwaltung gegeben, und zwar nicht zuletzt in Stundungsangelegenheiten.

Bemerkenswert ist, daß die Richter des Bundesfinanzhofs nicht von dem Bundesfinanzminister allein ernannt, sondern von einem Richterwahlausschuß gewählt werden. Dem Ausschuß gehören außer den vom Bundestag gewählten Mitgliedern die Landesfinanzminister an.

In dem Verfahren vor dem Bundesfinanzhof hat der Beschwerdeführer stets Anspruch auf Anberaumung einer mündlichen Verhandlung. In Steuersachen (mit Ausnahme der Verbrauchssteuern) ist die Wertgrenze für die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde 200 DM. Für Sachen von grundsätzlicher Bedeutung kann auch in Verfahren mit geringerem Streitwert die Rechtsbeschwerde zugelassen werden.

Stahl für Rußland?

dpa Alliierte Beamte in Frankfurt zeigten am Freitag großes Interesse an Pressemeldungen über sowjetische Verhandlungen mit Stahlfirmen im Ruhrgebiet. Die Beamten erklärten, daß solche Besprechungen durchaus möglich seien, daß sie jedoch das Zustandekommen eines Abkommens über Ruhrstahllieferungen an die Sowjetunion für unwahrscheinlich hielten. Die Stahlwerke im Ruhrgebiet seien besonders infolge der großen amerikanischen Nachfrage fast völlig ausverkauft. Unter gewissen Voraussetzungen beständen keine grundsätzlichen Einwände gegen ein Handelsabkommen der Bundesrepublik mit der Sowjetunion, jedoch müßten weitgehende Sicherungen vorhanden sein und die Sowjetzone müßte außerhalb des Vertrages bleiben, j

Devisen für England-Reisen

vwd. Für nichtgeschäftliche Reisen nach Großbritannien können von sofort an Anträge auf Devisenzuteilung bei den zuständigen Landeswirtschaftsministerien gestellt werden, teilt das Bundeswirtschaftsministerium mit. Für diesen Zweck ist ein Kontingent von 260 000 Pfund Sterling zur Verfügung gestellt worden.

Zufriedenstellende Bilanz

F.A.Z. Nach zweiwöchiger Dauer klingt der diesjährige Sommerschlußverkauf zum Wochenende aus. Die gesteckten Ziele des Einzelhandels, nämlich die Räumung der Sommerläger und die Erhöhung der Liquidität sind wohl in der Textil-, in der Schuh- und in der Lederwarenbranche zum größten Teil erreicht worden. Die Umsätze lagen bei Textilien und bei Schuhen durchschnittlich um 30 bis 40 Prozent über denen des Vorjahres. Bei Lederwaren war das Ergebnis nicht ganz so günstig, obwohl auch hier größtenteils die Vorjahresumsätze überschritten werden konnte^.

Wettbewerbsordnung gefordert

Bierbrauereien erhoffen durch Steuersenkung eine Absatzbelebung

bs. In den nächsten Wochen soll endlich die Senkung der Biersteuer Wirklichkeit werden. Zur Zeit läuft das Einspruchsrecht der Oberkommissare für das Gesetz das die Senkung der Steuer für Vollbier von 24 bis 27 Mark pro Hektoliter auf 12 bis 15 Mark vorsieht. Eine schon lange erhobene Forderung der Brauereien und Wirte auf eine Senkung der Biersteuer findet damit endlich, nach monatelangen Verzögerungen, Berücksichtigung beim Gesetzgeber. Schon seit einiger Zeit führen die Brauereien eine Werbeaktion für „kühles Bier“ durch und erhoffen dadurch und durch die Senkung der Steuer die dringend benötigte Hebung des Absatzes. Wohl hat der Bierabsatz, begünstigt durch die warme Witterung, und nicht zuletzt durch die Qualitätsverbesserung, in der letzten Zeit eine erhebliche Steigerung erfahren. Aber immer noch ist die Kapazität dieses Industriezweiges nur durchschnittlich zu 50 Prozent ausgenützt. Auch dabei gibt es noch sehr große regionale Unterschiede.

Bier steht in der Rangordnung der Bedürfnisse sehr weit am Ende. Der Hauptkonsument, der Arbeiter, hat einen jahrelangen Nachholbedarf aufzuholen. Deshalb tritt bei ihm heute der Bierkonsum sehr stark zurück. Auch ist der bisherige Preis im Hinblick auf Löhne und Gehälter viel zu hoch. Um einen Preisabbau durchzuführen, gibt es drei Wege: Senkung der Biersteuer, Senkung des Brauerreilieferpreises und Senkung des Schanknutzens der Ausschankpreise. Das Ideal wäre, auf allen drei Gebieten eine Preissenkung durchzuführen. Aber von der Steuersenkung dürfte doch die bestmögliche und stärkste Wirkung ausgehen. Für die Brauereien sind Abschläge des Lieferpreises schon schwieriger, da die Preise für Gersten und Hopfen oft sehr großen Preisschwankungen unterworfen sind. Wohl scheint die Gerste in diesem Jahr etwas biliger zu sein, doch der Hopfenpreis schnellt schon wieder in die Höhe. Anscheinend hofft der Hopfenbauer wieder Preise zu erhalten, wie sie voriges Jahr üblich waren. Damals stieg der Hopfenpreis von 350 auf 2000 Mark pro Zentner. Aber trotz diesen unstabilen Preisen der Grundstoffe wollen auch die Brauereien zur Senkung der Biersteuer beitragen und Nachlässe bis zu drei Mark gewähren. Ob und inwieweit die Wirte ihren Schanknutzen herabsetzen wollen und können, steht noch dahin. Finanzminister, Brauereien und Wirte gehen bei all diesen Nachlässen aber von der Voraussetzung aus, daß mindestens die gleiche Geldsumme wie bisher für den Bierkonsum ausgegeben wird, daß also der Absatz erheblich steigt.

Dies ist aber nur die unbedingt nötige Voraussetzung für die Preissenkung. Das eigentliche Ziel ist, den Bierkonsum überhaupt zu steigern. Deshalb auch die große Werbeaktion, die im Winter noch verstärkt werden soll. Die Erhöhung des Verbrauches wird aber doch ein sehr schwer zu erreichendes Ziel sein. Milch, Süßmost, Coca-Cola und Wein suchen ebenfalls ihren Käufer. Alle Anstrengungen dieser verschiedenen Getränkeindustrien und -erzeuger gehen dahin, einen möglichst großen Anteil der knappen Kaufkraft, der für Getränke zur Verfügung steht, für sich zu gewinnen. Können alle befriedigt werden?

Natürlich wollen die Bierbrauer auch ihre früher innengehabte Stellung auf ausländischen Märkten wiedergewinnen. Dies ist aber sehr schwer, da die deutschen Preise über denjenigen der ausländischen Brauereien liegen. Es bleibt hier dieselbe Aufgabe wie bei der Werbung für deutschen Wein auf ausländischen Märkten: die bessere Qualität muß hervorgehoben werden und der Preisunterschied muß damit erklärt werden. Für die deutschen Brauereien dürften die Hauptabsatzgebiete der Vorkriegszeit — Niederländisch-Indien, Belgien, China und die Niederlande — verlorengegangen, oder durch Zollmauern verschlossen sein. Die Exportbemühungen gehen heute besonders nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Italien, Frankreich und Portugal. Aber die Ausfuhr ist noch sehr schwer, da in vielen Handelsabkommen Bier nur unter der Rubrik „Verschiedenes" läuf£. Deshalb beträgt der Export nur einen Bruchteil der vor dem Krieg ausgeführten Mengen. Im Hinblick auf das Ende des Marshallplanes muß aber auch diesem Devisenbringer besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Um aber eine solche Auf¬ gabe erfüllen zu können, müssen die Brauereien einen gefestigten Inlandsmarkt haben. Auch unter diesen Gesichtspunkten ist deshalb die Biersteuersenkung zu begrüßen.

Aber die Brauereien haben auch noch andere Forderungen an die Bundesregierung in Bonn. Das Bier, das die Brauereien verläßt, ist preisgebunden. Trotzdem herrscht jedoch ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Brauereien. Durch Zugaben, die vom Bierdeckel über Schanktische bis zu dem Aufbau der zerstörten Gaststätten reichen, werben die Brauereien um Abnehmer. Die im Kriege schwer beschädigten Firmen sind dabei natürlich sehr im Nachteil. Deshalb wird eine Wettbewerbsordnung gefordert. Damit sollen Auswüchse im Kampf um den Abnehmer verhindert werden. Als Beispiel auf diesem Gebiet wird gern Amerika hingestellt, wo auch die kleinste Zugabe verboten ist» In Deutschland dagegen besteht das Zugabewesen schon seit Jahrzehnten. Eine solch weitgehende Regelung wie in Amerika brauchte deshalb nicht durchgeführt zu werden. Eine gewisse Ordnung auf diesem Gebiet wäre aber doch zweckmäßig.

Interzonenabkommen 3 Monate verlängert

AP. Der Vertrag über die Verlängerung des Frankfurter Interzonenabkommens um 3 Monate bis 30. September ist am Freitag im Ostzonen-Wirtschaftsministerium in der Leipziger Straße (Sowjetsektor) unterzeichnet worden. Für die Bundesrepublik unterschrieb der Leiter der Treuhandstelle für Interzonenhandel, Dr. Kaumann, für die Ostzone der Leiter der Hauptabteilung Interzonenhandel, Josef Orlopp. Die Verhandlungen waren Anfang der Woche abgeschlossen worden. Am Donnerstag hatte die alliierte Oberkommission ihre Zustimmung gegeben und gleichzeitig die Aufhebung des Stahlembargos genehmigt.

Die Ruhrstahllieferungen in die Ostzone werden nach Mitteilung alliierter Beamter unverzüglich wieder aufgenommen. Die Alliierte Oberkommission hat zur Wiederaufnahme der beiderseitigen Lieferungen von Eisen, Stahl und Holz keine Einwände erhoben;

Industrie will Preise halten

Hi In einer in Bonn geführten Besprechung zwischen Vertretern des Bundesverbandes der Industrie und Vizekanzler Blücher erklärten die Industrievertreter sehr eindeutig, daß von ihrer Seite aus alles getan wurde, um die Preise für gewerbliche Güter auf alle Fälle auf dem jetzigen Niveau zu halten.

Rückläufige Kreditbeanspruchung

F.A.Z. Aus dem Ausweis der Bank deutscher Länder und der Landeszentralbanken per 31. Juli 50 ist ersichtlich, daß die gesamte Kreditbeanspruchung des westdeutschen Zentralbanksystems im Inlandsgeschäft im Juli um 310 Millionen DM auf 4.8 Milliarden DM zurückging. Die Guthaben der Kreditinstitute weisen eine Zunahme um 22 Millionen DM auf.

Jetzt wieder Buna-Produktion?

Der Zeitpunkt sei jetzt gekommen, um über das Bundeswirtschaftsministerium bei der Oberkommission die Genehmigung für die Wiederaufnahme der deutschen Bunaproduktion zu erwirken, hat der Leiter der Arbeitsabteilung bei der amerikanischen Landeskommission in Hessen, Joseph Taylor, in Wiesbaden erklärt. Taylor wies auf die Preissteigerung bei Rohgummi hin, die in den Vereinigten Staaten zu einer Wiederaufnahme der Buna-Produktion geführt habe. Da Westdeutschland ein bedeutender Gummi-Importeur sei, würde es bei der gegenwärtigen Preislage des Rohgummis eine wesentliche Einsparung bedeuten, wenn Buna im Lande erzeugt werden könnte.

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurterßörse blieben am Freitag bei etwas nachlassender Umsatztätigkeit und Wochenendglattstellungen die Aktienmärkte überwiegend gut behauptet. Nur vereinzelt kam es zu geringfügigen Abbröckelungen, andererseits konnten sich verschiedene Spezialpapiere stärker verbessern.

Internationale Warenpreise

Die internationalen Rohstoffmärkite zeigten in der Woche zum 10. August eine schwache Haltung zu nachgebenden Preisen. Nur Zinn zog scharf an.

Die Kautschuk preise erlitten zum Teil schon am 8. August und verstärkt am 9. und 10. August einen scharfen Einbruch. Von ihrem Höchststände von 64*/2 cts je 1b für Nr. 1 RSS am 8. August fiel die Lokonotierung in Neuyork auf 52V2 cts am 10. August zurück

Umschwung auf dem Zuckermarkt

-le. London. (Eigen-Bericht.) In fast allen Ländern, in denen Zucker nicht rationiert ist — Großbritannien hat die Rationierung nach dem Kriege nicht aufgegeben —. kam es in den letzten vier Wochen zu beträchtlichen Haushaltkäufen, die eine vorübergehende Knappheit hervorriefen. Das Eigenartige der Bewegung war aber, daß auch die Vereinigten Staaten von ihr ergriffen worden waren, obschon dort der geringste Anlaß bestanden hätte. Aber die Vorgänge seit dem koreanischen Kriege genügten, um es Kuba zu ermöglichen, 750 000 Tonnen Zucker, deren Absatz der Insel große Sorgen verursacht hatte, zu steigenden Preisen loszuschlagen, wobei der Rohzuckerpreis um nicht weniger als 1,65 Dollar pro 100 Ib. stieg.

Letzte Schätzung der kommenden Ernte (in tausend Tonnen Rohzuckerwert) für die wichtigsten europäischen Produktionsgebiete lauten: Deutschland 1160 (i. V. 1283), Frankreich 870 (940), Polen 815 (682), Tschechoslowakei 614 (625), Italien 476 (448), Holland 400 (280). — Für Sowjet-Rußland werden 2 050 000 Tonnen (i. V. 1 950 000 Tonnen) angegeben. Die Weltrübenzuckerproduktion wird mit 8 866 000 Tonnen (8 724 000), die Welt-Rohzuckerproduktion mit 20 774 00 Tonnen (20 633 (MM) geschätzt.

Frankfurter Großmarkthalle

bz. In den inländischen Gemüseerzeugnissen war das Angebot reichlich. Bei regem Verkehr fand es auch guten Absatz, so daß nur geringe Ueberatände verblieben. Deutscher Blumenkohl je nach Größe 100 Stück 15—70. Rotkohl 4—6 (3—5), Weißkohl 4—5. Spinat 20—28 (25—30), Wirsing 5—9 (8—10). grüne Buschbohnen 12—15 (15—23), gelbe Buschbohnen 13—15 (18—23), Stangenbohnen 12—20. deutsche Tomaten B—2o8—20 (20—25), italienische 15—18.

Sommeräpfel 20—25, Bananen 50 kg 40—64, italienische Zitronen 100 Stück 32—25, brasilianische Orangen 100 Stück 12—18, Pflaumen 10—11, Zwetschen 10—11 (18—21), Bühler Zwetschen B—l 2, deutsche Birnen 15—20, italienische 22,50, Pfirsiche, deutsche 25—35, italienische 22,50, Mirabellen 15—18 (28—30), Sauerkirschen 20—22 (30—35), Heidelbeeren 20—23, Brombeeren 25—30 (18—23), rote Johannisbeeren 10—12, Reneclauden B—l 2,8—12, Preiselbeeren 30—35.

Feuilleton

Darmstadt als Zentrum Neuer Musik

RÜCKBLICK UND AUSBLICK ZU DEN INTERNATIONALEN FERIENKURSEN FÜR NEUE MUSIK

Zum sechsten Male veranstaltet die Stadt Darmstadt in diesem Jahre die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik. Ausgehend von der Tatsache, daß Deutschland 12 Jahre lang gerade auf dem Gebiet der Kunst von der übrigen Welt abgeschnitten war, verwirklichte Dr. Wolfgang Steinecke im Jahre 1946, damals Kulturreferent der Stadt Darmstadt, seinen Plan, der Neuen Musik den Weg zu einer Generation zu ebnen, die durch die Isolierung des deutschen Geistes keinerlei Beziehungen zu ihr hatte. Namen wie Hindemith, Strawinsky, Schönberg, Krenek, Milhaud, Honegger, Schostakowitsch, Prokoffiew, Bartok, Weill waren verpönt gegenüber allerletzter Romantik und Marschmusik.

Diese Beschränkungen waren gefallen und die Möglichkeit freier Entfaltung wiedergegeben. Die weltweiten Möglichkeiten aber konnten nur dann richtig ausgeschöpft werden, wenn sie gerade von jungen Menschen erkannt, bejaht und in eigener Initiative ergriffen wurden. Der musikalische Nachwuchs sollte und mußte Kontakt mit den schöpferischen Kräften der Zeit gewinnen. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand der Gedanke der Ferienkurse für Neue Musik. Sie stellten den ersten Versuch in Deutschland dar, eine aktive Auseinandersetzung mit den Gestaltungs- und Darstellungsproblemen der Neuen Musik herbeizuführen.

Der erste Ferienkursus im Jahre 1946 stand unter dem Protektorat des damaligen Hessischen Ministerpräsidenten, Prof. Geiler, und wurde von der Stadt Darmstadt in Verbindung mit Radio Frankfurt durchgeführt. Klein war noch der Kreis der Dozenten, die sich in Kranichstein zusammenfanden, in der Hauptsache Persönlichkeiten aus unserer engeren Heimat. Um so größer war das Arbeitsfeld, das vor ihnen lag. 115 Kursusteilnehmer, durchweg Deutsche, hatten sich für die einzelnen Kurse angemeldet. Mit Konzerten in Kranichstein, auf der Mathildenhöhe und im Pauluskirchensaal wurde ein erster Versuch unternommen, Kompositionen Neuer Musik einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Ein Höhepunkt war die Erstaufführung der Oper „Die Kluge“ von Orff.

Kranichstein machte auf sich aufmerksam. Im nächsten Jahre konnte Dr. Steinecke Generalmusikdirektor Dr. Hermann Scherchen (Schweiz) als Dozenten gewinnen, der die Sache der internationalen Ferienkurse begeistert zu seiner eigenen machte und im Ausland für die Darmstädter Idee warb. Als erster ausländischer Sender brachte Radio Zürich Ausschnitte aus den damaligen Veranstaltungen. Die ersten Studierenden aus anderen Ländern meldeten sieh an. — Die Kranichsteiner Tage waren nicht nur hinsichtlich ihrer Kompositionsdarbietungen international geworden.

Im Jahre 1948 waren es dann neben den deutschen Komponisten und Künstlern, die schon bei den vorangegangenen Ferienkursen als Lehrer tätig waren, eine größere Anzahl ausländischer Kapazitäten wie Maurits Frank (Antwerpen), Rene Leibowitz (Paris), Rolf Liebermann (Zürich) und Peter Stadien (London), die dem Ruf Dr. Steineckes nach Darmstadt gerne Folge leisteten. Kranichstein war ein Begriff geworden in der internationalen Musikwelt. In keiner anderen Stadt war bisher soviel Neue Musik zu Gehör gebracht worden wie in Darmstadt. Nirgends aber war auch eine derart glückliche Synthese von Studium und Konzert, von Theorie und Praxis gefunden worden. Der Versuch der Auseinandersetzung mit der Neuen Musik, die nicht nur gehört, sondern zunächst einmal erarbeitet wurde, war geglückt, indem sich Kranichstein von vornherein entfernt hatte von der üblichen Art der Musikfeste, die oft über einen kleinen Kreis von Fachleuten nicht hinausdringen.

Im folgenden Jahre fanden die Veranstaltungen auf der Marienhöhe statt. Noch umfassender war der Kreis derer geworden, die den jungen Hörern aus ihren Fachgebieten Wissen vermitteln wollten. Längst mußte die Leitung der Kurse eine Beschränkung der Teilnehmer vornehmen, da Hunderte von Anmeldungen aus allen Teilen der Erde vorlagen. Zu gleicher Zeit veranstaltete Radio Frankfurt im vergangenen Jahr eine Woche für Neue Musik, die in Anlehnung an den Darmstädter Ferienkursus stattfand. Mit den Konzerten der „Musik der Jungen Generation“ war jugendlichen Komponisten die Möglichkeit gegeben, ihre Werke vor die Öffentlichkeit zu bringen. Mancher von ihnen — es sei erinnert an H. Werner Henze und an Hans U. Engelmann — wurden gerade durch die Aufführung ihrer Werke bei diesen Konzerten bekannt und weite Kreise wurden auf sie aufmerksam. In diesem Jahre sind es 250 Kompositionen, die für die „Musik der jungen Generation“ eingereicht wurden. Nur 25 Werke konnten angenommen werden, eine strenge Auswahl, um so erfreulicher für Darmstadt, daß auch Hans U. Engelmann mit einer Komposition vertreten sein wird.

Im internationalen Musikleben hat Kranichstein einen festen Platz eingenommen. Man spricht heute von den Ferienkursen als einem selbstverständlichem, nicht mehr wegzudenkendem Faktor. Sie sind heute richtungweisend, wie sie noch vor ein paar Jahren problematisch hinsichtlich der technischen Durchführung und vorbildlich in ihrer Anlage waren. Dr. Steinecke betrachtet es als Leiter des Kranichsteiner Musikinstitutes als Verpflichtung, das einmal erreichte weiter auszuarbeiten und zu festigen. So wird im kommenden Jahr die Tagung der internationalen Gemeinschaft für Neue Musik während der Ferienkurse tagen. Eine weitere Aufgabe wird der Ausbau der Bibliothek des Kranichsteiner Musikinstituts sein, das, heute schon einmalig in Deutschland, zu einem Zentrum der musikwissenschaftlichen Bibliotheksarbeit werden soll.

Darmstadt ist eine Stadt voller Zwiespalt und Harmonie, und gerade in der Vereinigung des Widerstrebenden liegt das Reiz- und Lebensvolle ihrer geistigen Atmosphäre. Bescheidung und Weltoffenheit zugleich, dieses bei aller Wahrung der Tradition fortschrittsfreudige geistige Klima der Stadt bildete die wesentliche Voraussetzung für eine Einrichtung, wie es die Internationalen Ferienkurse darstellen und wie sie auch für die Ausstellungen der Modernen Malerei und das Darmstädter Gespräch erforderlich war. Denn in beiden liegt das Wagnis, der Schritt ins Neue, den in unserer Stadt zu erleben Ehre und Verpflichtung zugleich ist. hn.


Dr. Wolfgang Steinecke, Leiter des Kranichsteiner Musikinstituts und Begründer der Internationalen Ferienkurse für neue Musik.
Dr. Wolfgang Steinecke, Leiter des Kranichsteiner Musikinstituts und Begründer der Internationalen Ferienkurse für neue Musik.

Die Marienhöhe erwartet ihre Gäste

LETZTE VORBEREITUNGEN ZU DEN INTERNATIONALEN FERIENKURSEN

Man hätte meinen sollen, daß die großen Ereignisse, die in dem Internationalen Ferienkurs für' Neue Musik Darmstadt in den nächsten vierzehn Tagen bevorstehen, ihre Schatten vorauswerfen müßten, aber einmal fiel der Schatten wegen chronischen Sonnenmangels aus und zum anderen überrascht der Tagungsort durch eine tiefe Stille, die nichts von dem verriet, was sich in nächster Zeit dort abspielen soll. Der offizielle Anreisetag ist heute, Samstag, aber gestern waren bereits drei Teilnehmer aus den USA und Dänemark eingetroffen, die es offensichtlich nicht abwarten konnten, oder die die Gelegenheit zu einer privaten Bekanntschaft mit Darmstadt außerhalb des planmäßigen Programms sich nicht entgehen lassen wollten.

Der erste Eindruck ist geradezu überwältigend. Stapel neuer Papierkörbe und Kleiderbügel häufen sich im Büro, in dem eine junge, freundliche Dame stirnrunzelnd lange Zahlenkolonnen in geheimnisvolle Listen malt. Der Freitag war zum Putz- und Rüsttag proklamiert worden, was schon allein aus der Anhäufung blinkender Zinkeimer hervorging, mit denen der letzte lebende Bazillus und den restlichen Stauatomen zu Leibe gegangen werden werden sollte. Der „Doktor“ war nur durchs Telefon zu sprechen, voll guten Mutes und Humor, vielleicht deswegen, weil gerade der Frankfurter Rundfunk eine Reportage von dem Ganzen aufnehmen wollte. In einem mittleren Raum, der an die gutbestuhlte Aula anschließt, sind eine Dame und ein Herr mit dem Auszeichnen von Noten und Musikliteratur beschäftigt. Die Darmstädter Musikzentrale wird hier während der Ferienkurse eine Ausstellung zeitgenössischer Musikpartituren und Musikbiogräphien veranstalten, zu der ausländische Verlage aus der Schweiz, Frankreich und England ihre Verlagswerke gesandt haben. Eine junge Musiklehrerin des Seminars bricht beim genauen Anblick der Notenstapel in den befreienden Ruf aus: „Gott sei Dank, es ist nicht alles moderne Musik!“

Auf dem Gang die erste Begegnung mit dem Programm: die Probe irgendeines modernen Meisters, meisterlich gespielt, mit hohem Einfühlungsvermögen. Wir gehen, ihm unsere Bewunderung zu Füßen zu legen, — es war der Klavierstimmer. Seit zwei Tagen stimmt er schon, aber es stimmt noch nicht alles. Die Gänge sind frisdj» geschrubbt und gewachst, an allen Ecken stehen die Bohnerbesen herum. Brote stapeln sich, ein 250- Liter-Dampfkessel letzter Konstruktion erinert peinlich an militante Erbsensuppen und Morgenkaffee. Matratzen werden durch Haus getragen.

Im Nachbarhaus treffen wir einen Kollegen, der auch mit Bleistift und Papier hantiert. Er stellt sich als Hausmeister vor und registriert Papierkörbe, Kleiderbügel und Putzeimer. In der Hand hält er einen mächtigen Dietrich. Die Bibliothek wird von einem zugedeckten Flügel gefüllt, von einer Lautsprecheranlage, die noch keine Aufstellung gefunden hat und von Musikpartituren, die einträchtig nebeneinander auf den Regalen stehen: Schönberg neben Bartok und Fortner. Der Leiter der Musikbibliothek erzählt von früheren Ferienkursen. Der erste im Jahre 1946 habe fünf Wochen gedauert, und dazu ohne Verpflegung. Das habe auf die Dauer kein Pferd ausgehalten — bei acht Stunden moderner Musik täglich. Zum Schluß sei ein Großteil der Teilnehmer krank geworden und mußte abreisen. Das Herz habe gestreikt und nicht mehr mitgemacht. Dazu kamen Pianisten, die plötzlich beim Vortrag den Klavierdeckel schlossen, sich bäuchlings über das Instrument legten und anfingen, Harfe zu spielen. Neue Lichtungen in der Musik, selbst in der Interpretation.

Epilog: Das zirpende Klingen eines in Stimmung befindlichen Klaviers, monoton und aufregend, als wolle es die 120 Schüler und Gastdozenten aus allen Ländern herbeilocken, die sich, ohne die Zahl der .hinzukommenden Gäste, von Samstag an auf der Marienhöhe einfinden werden. -st.

Corrado Alvaros Tragödie „Die lange Nacht der Medea“ wird am 1. September im Staatstheater in Kassel in der Inszenierung von Intendant Paul Rose für Deutschland erstaufgeführt. Alvaro wird der Aufführung beiwohnen und somit der erste italienische Bühnenschriftsteller sein, der sich seit Kriegsende dem deutschen Publikum vorstellt.

DT Film-Forum

In Freundschaft und Feindschaft kompromisßlos!

Eine ausgesc. diene Komfort-Wohnung kann man das ja wohl nicht gerade nennen, wenn der Besitzer entweder gebückt stehen muß oder aber er muß, um sich einmal richtig auf richten zu können, die waagrecht über ihm liegende Bodenluke aufmachen und den Kopf in die kühle Nachtluft emporstrecken. Und wenn dann noch dazu kein Bett in dem kärglichen Zimmer steht, wenn der Bewohner sich nachts in eine Decke und einen Mantel -einwickeln und auf dem rauhen Fußboden liegend schlafen muß, noch dazu in einer absolut unheizbaren Bude: Nun, dann kann man wohl sagen, daß die Primitivität dieser Behausung nicht mehr viel überboten werden kann. Normalerweise würde man einem Mann, der in solcher Umgebung haust, nicht drei Mark leihen, denn daß er am Ende all seiner Weisheit angekommen wäre, das würde einem dabei durchaus einleuchten. Dennoch kann aber ein Mann in solcher Umgebung unmittelbar vor dem Start in die große Welt und in den sensationellen Erfolg stehen, und tatsächlich war es bei Rene Deltgen einmal so.

Von Esch an der Alzette in Luxemburg war er, seinen eisernen Dickschädel aufsetzend, nach Köln gekommen, um Schauspielunterricht zu nehmen, versteht sich ohne Schulgeld, das hätte er nie und nimmer bezahlen können, und versteht sich weiter mit einem Minimum an Geld, das er sich durch kleine Berichtchen für Kölner Zeitungen verdiente. Aber in dem jungen Burschen, der dieses Wagnis unternommen hatte, lebte ein so unbändiger Wille, sich auf alle Fälle den Weg zur großen Bühnen- und Filmlaufbahn freizukämpfen, daß er eben alle Widrigkeiten, den Hunger, die Kälte, die armselige Behausung in Kauf nahm, wenn er nur durchhalten und den Anschluß an die Bühne finden könne. Und so fand er also den Anschluß. Aber man würde sich irren, wenn man meinte, daß er nun ein Pfennigfuchser und Knauserer gewesen sei . . . trotz der eigenen Sorge und des eigenen Hungers hatte er immer noch ein Stückchen Brot oder ein Brötchen für seine Lieblinge übrig, für die . . . Pferde. Sie kannten ihn schon, weil er sie jeden Tag beglückte.

Alles ist an ihm erfüllt von überquellender Vitalität. Man kennt das schon bei ihm: Irgendeine entscheidende Situation in einem Film stellt ihn vor eine Zwangslage, er muß so oder so etwas tun: Wie er das dann tut . . . blitzartig, jäh, mit einer rasanten Wucht, die keinen Widerstand duldet, so reagiert er, eine wahre Freude für jeden, der ein klares Ja oder Nein jeder unentschlossenen Haltung vorzieht. Ganze Liebe und Freundschaft, ganzer Haß, ganze Feindschaft: Das paßt so recht zu Ren 6 Deltgen, da lebt er auf, da ist alles an ihm echt und unverkennbar.

Erzählen wir noch ein kleines Jugenderlebnis, das eigentlich nicht sein Erlebnis war, sondern das Erlebnis eines anderen Buben . . . aber es paßt auch so gut zu Rene, dem wilden Burschen: Als er noch klein war, lag er eines Abends schon zu später Stunde im Bett und schlief sanft und süß, als er geweckt wurde. Der Grund? Da waren die Eltern eines Freundes gekommen und wollten wissen, wo ihr Bub eigentlich geblieben sei! Adi du meine Güte!! Der stand ja im Wald!! Im Wald?? Ja doch! Und zwar an einem Baum!! An einem Baum??? Ja, gewiß, und zwar . . . angebunden!!! Angebunden??? Ja, denn die Buben hatten Indianer gespielt und dabei den Gefangenen gefesselt und an den Baum gebunden und dann ... dann ... ja dann .. . dann hatten sie ihn eben vergessen. Und also stand er noch da, allein im Wald, im stockdunkelen Nachtwald. So spielten damals Rene Deltgen und seine Freunde. Es paßt zum heutigen vitalen Schauspieler ganz nett, nicht wahr?


R E N E deltgen
R E N E deltgen

(Foto: Schorcht-Film)
(Foto: Schorcht-Film)

Neue Filme in Darmstadt

THALIA. — „Diese Nacht vergeß’ ich nie." Kein Wunder, denn was dem Rechtsanwalt Schröter in dieser einen Nacht alles passiert, erleben die meisten Zeitgenossen ein ganzes Leben lang nicht. Endlich wieder einmal ein Lustspielfilm mit neuen Ideen, einem sprühenden Dialog und einem köstlichen Humor, sauber photographiert und unter eine geschickten Regie von Darstellern wie Gustav Fröhlich, Winnie Markus, Paul Henckels, Albert Florath, Hans Schwarz u. a. meisterhaft gespielt. Unsinn, humorvoll gebracht, herzhaft ins Schwankhafte gestellt, Komik aus der Situation heraus, ohne sie allzu gewaltsam an den Haaren herbeizuziehen, das sind die positiven Seiten dieses Filmes, der zwei Stunden bester Unterhaltung beschert. hn.

BELIDA. „Herliche Tage.“ Aus insgesamt 150 km Filmstreifen wurde hier ein 2500 m langer Film zusammengebaut, der einen historischen, humorvollen, besinnlichen und im letzten Grunde tiefernsten Rückblick auf die ersten fünfzig Jahre unseres Jahrhunderts gibt. Aus allerersten Wochenschauen und Spielfilmen wurde ausgewählt. Willy Fritsch spricht als August Schulze, der diese Zeit miterlebt; eine prächtige, pointenreiche Sprache ist das, leicht ironsierend, immer „darüberstehend“, immer wissend, wie es kommen wird und doch nicht kommt. Und gar so herrlich waren diese Zeiten nun auch nicht, das beweist dieser Film treffender als jedes Geschichtsbuch. In der Parallelschaltung aller Ereignisse, im Quer- und nicht im Längsschnitt, liegt die Eigenart dieses Films und läßt überraschend und bestürzend zugleich die Tatsache erstehen, das alles, was die Welt in den letzten Jahrzehnten dprchmachte, so kommen mußte. Gleichzeitig aber wird es auch klar, daß die Menschheit nicht aus ihren Fehlern lernen will. Es ist erschütternd, zu sehen, daß aus verschiedenen Zeiten fast die gleichen Bilder immer wieder auftauchen und das „Alles-schon-dagewesen“ zu bitterer Realität wird. So hoffnungsfroh die Schlußszene in die Zukunft zu weisen versucht: Bei der Vereinigung aller europäischen Fahnen zu einer Flagge fehlt die der Sowjetunion, und als sie schließlich, getrennt von den anderen, am Mast emporgezogen wird — weht sie in entgegengesetzter Richtung ... -n HANSA. — „Ein Doppelleben.“ Der Film befaßt sich mit der Tragik eines gefeierten Schauspielers, der Bühne und Wirklichkeit nicht mehr zu unterscheiden weiß und dadurch zum Mörder wird. Dieser Schauspieler Anthony John (Ronald Colman) bekommt die Rolle Othellos auf der Bühne übertragen und wird durch seine künstlerische Sensibilität selbst „Othello“ in seiner Eifersucht auf vermeintliche Nebenbuhler bei der ihm nahestehenden Frau (Signe Hasso) und bei einer Kellnerin (Shelley Winters), die er in einem Anfall gestörten Gemütes erwürgt. Als ihm die Tat klar wird, begeht er Selbstmord als Othello. Der dramatische Film erhält sein Fundament durch Shakespeares „Othello“ und die packendsten Szenen sind die aus ihm geschnittenen Bruchstücke. Darüber hinaus ist der gesamte Film na _h den dramaturgischen Regeln des Theaters und damit auf bewährter Grundlage gearbeitet. Das vortreffliche Ensemble läßt keine Lücke m der schauspielerischen Gestaltung aufkommen. Der Film packt den Zuschauer, afft

PALAST. — „Zeuge gesucht.“ Unangenehm, wenn ein Ehemann, der glaubhaft zugesteht, glücklich verheiratet gewesen zu sein, nach einer durchbummelten Nacht mit einer unbekannten Dame von einem Kriminalinspektor seiner ermordeten Frau gegenübergestellt wird. Besonders unangenehm, wenn die Indizien dafür sprechen, daß der Ehemann, der nur mit einem fadenscheinigen Alibi aufwarten kann, der Mörder ist. Er tut einem leid, dieser unglückliche Ehemann, den alle verdächtigen, bis auf eine — seine Sekretärin. Sympathisch diese kleine hübsche Frau, die alles daransetzt, um die Unschuld ihres Geliebten zu beweisen, die nicht einmal davor zurückschreckt, diesen Beweis als „Entgleiste“ zu erbringen. Unheimlich die Hände des Mörders, — ein Geistesgestörter, der sich — wie das oft im Leben ist — für ein Genie hält, der weiter morden muß, «weil er einmal gemordet hat. Mitleiderregend, dieser Mörder, der sich für klüger hält als alle anderen, bis er einsehen muß, daß die tapfere Frau doch klüger war als er — natürlich erst im letzten Augenblick. Ein spannender, gutfotografierter Film, -zr-

Notizen

Katholische Hochschulwoche in Bonn eröffnet. Die Bonner Hochschulwoche des katholischen Akademikerverbandes, die unter dem Thema „Die Kirche nach der Glaubensspaltung“ steht, wurde am Donnerstag mit Vorträgen von Professor Dr. Rudolf Graber, Eichstätt, und Dr. Ernst Walter Zeeden, Freiburg, eröffnet. An der Tagung nahmen etwa 200 deutsche sowie dreißig ausländische Gäste aus Holland, Belgien, Frankreich, England und Spanien teil. Schleswig-Holsteinischer Kunstpreis für Emmi Leisner. Der von der Landesregierung Schleswig-Holstein gestiftete» „Schleswig - Holsteinische Kunstpreis“ wurde jetzt zum ersten Male der Kammersängerin Emmi Leisner aus Anlaß ihres 65. Geburtstages verliehen. Emmi Leisner, eine gebürtige Flensburgerin, war längere Zeit an der Berliner Staatsoper tätig. Sie löste jedoch 1921 ihren Vertrag, um sich vor allem der Liedkunst zu widmen. In zahlreichen Konzerten in

allen- europäischen Ländern hat sie sich um die Pflege des deutschen Liedes und Oratoriengesanges verdient gemacht und ist besonders als Bach-Interpretin hervorgetreten. Das dramatische Werk von George Bernard Shaw, das fast fünfzehn Jahre nicht mehr im deutschen Buchhandel war, erscheint im Herbst im Suhrkamp-Verlag, Berlin und Frankfurt. Die internationalen Musikfestwochen in Luzern wurden am Mittwoch mit einem Konzert unter der Leitung von Dr. Wilhelm Furtwängler im Luzerner Kunsthaus eröffnet. Furtwängler dirigierte Brahms Variationen über ein Thema von Haydn, Hindemiths Schwanendreher und Beethovens Fünfte Symphonie. Eine „Gesellschaft für kulturellen Aus¬ tausch mit England“ hat sich mit Ortsgruppen in Düsseldorf, Essen und anderen Orten gebildet. Ehrenmitglieder Sind Ministerpräsident Arnold und Kultusminister Christine Teusch. Die Gesellschaft will in Erwiderung der eng-

lischen Gastfreundschaft nach dem Kriege Engländer zu Aufenthalten in Deutschland einladen, Vorträge, Konzerte, Ausstellungen Theater- und Filmvorführungen veranstalten, und auch geeigneten deutschen Persönlichkeiten zu Studienreisen nach England behilflich sein. -ghe „Ruf zur schöpferischen Mitte“. Deutsche Dichter. Künstler. Verleger und Freunde der Dichtung sind zur Zeit in dem rheinpfälzischen Städtchen Meisenheim am Glan zu einem Treffen unter dem Thema „Ruf zur schöpferischen Mitte“ versammelt. Zu den Rednern und Gestaltern der Tagung, die diesmal im Zeichen des Bachjahres steht, gehören Professor Georg Kempff, Ludwig Baete, Jakob Kneip, Rudolf Alexander Schröder, Kasimir Edschmid urud Oberlandeskirchenrat Dr. Lampe, Hannover. Leiter des Treffens ist Helmut von Schweinitz.

Internationaler Ferienkurs 1950

Samstag, 12. August Stadthalle, 20 Uhr: Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Friedrich Blume (Kiel), Präsident für Musikforschung, „Bach in in der Gegenwart“. Sonntag, 13. August Seminar Marienhöhe, 16 Uhr: Vortrag von Dr. Karl Holl (Wiesbaden), „Organisatorische Fragen der Musik“. Seminar Marienhöhe, 20 Uhr: Vortrag von Roman Pal es ter (Paris), „Die künstlerischen Möglichkeiten der modernen Oper“. Montag, 14. August Seminar Marienhöhe, 20 Uhr: Vortrag von Hermann Heiß (Darmstadt), „Athematische Kompositionen“ (Beispiele mit eigenen Kompositionen).

Darmstadt und Umgebnng


Nach einem zeitgenössischen Aquarell von Trost. Wäre nicht der Weiße Turm auf unserem Bilde zu sehen, es wüßte wohl kaum einer unserer Leser, welches Stück Alt-Darmstadt es darxtellt. Er müßte denn das Jahr 1863 noch mit wachgebliebener Erinnerung erlebt haben. Damals nämlich wurden hier neue Straßen durchgebrochen. Die Menschen jener Tage mag beim Abbruch ein Gefühl wehmütigen Abschiednehmens bewegt haben, das uns nur allzu bekannt ist. Schließlich aber freuten sie sich doch des Neuen und der nächsten Generation war das Neue schon das Vertraute und ihre Heimat. Nicht anders wird es den Heranwachsenden gehen. Das Aquarell, nach dem unser Bild aufgenommen wurde, befindet sich im Eigentum des Stadtarchivs.
Nach einem zeitgenössischen Aquarell von Trost. Wäre nicht der Weiße Turm auf unserem Bilde zu sehen, es wüßte wohl kaum einer unserer Leser, welches Stück Alt-Darmstadt es darxtellt. Er müßte denn das Jahr 1863 noch mit wachgebliebener Erinnerung erlebt haben. Damals nämlich wurden hier neue Straßen durchgebrochen. Die Menschen jener Tage mag beim Abbruch ein Gefühl wehmütigen Abschiednehmens bewegt haben, das uns nur allzu bekannt ist. Schließlich aber freuten sie sich doch des Neuen und der nächsten Generation war das Neue schon das Vertraute und ihre Heimat. Nicht anders wird es den Heranwachsenden gehen. Das Aquarell, nach dem unser Bild aufgenommen wurde, befindet sich im Eigentum des Stadtarchivs.

Was die Woche brachte:

Eine Plauderei zum Sonntag

Kinderlachen in den Ruinen / Ein unerfreulicher Zustand, der leicht abzustellen wäre /Er hatte eine Idee ... / Wie ist das eigentlich mit den Brotpreisen? / Vier Frauen und ein Mann

Spielplatz ohne Kinder

Im Prinz-Emils-Garten herrscht — seit die Amerikaner die Sache in die Hand genommen haben — ein recht froher und lebhafter Kinderbetrieb. Rutschbahnen, Schaukeln und andere Geräte fanden begeisterte Freunde, und eigentlich war nur ein‘kleiner Schönheitsfehler auszusetzen: An schönen Tagen lag der Platz fast ununterbrochen unter vollster Sonnenbestrahlung. Die Kinder konnten sich nirgends in den Schatten zurückziehen, was Sonnenbrände und hitzschlagähnliche Erscheinungen zur Folge hatte. Doch, wie gesagt, ein kleiner, unbedeutender Mangel. Als mich mein Weg aber vor einigen Tagen am Kinderspielplatz vorbeiführte, war ich leicht erschüttert: Keine Kinder waren zu sehen, und die Tore waren mit dicken Ketten verschlossen. Auf dem Platz selbst wucherte Unkraut, und die Farbe blätterte von den Spielgeräten. Drüben in der Hermannstraße spielten und lachten ein paar Kinder in den Trümmern ausgebrannter Häuser. — Warum mußte das sein? Damals haben die Amerikaner als äußeres Zeichen der Verständigung den Kinderspielplatz uns zu treuen Händen übergeben. Doch Rowdies jeden Alters rissen Bleirohre und Messinghähne aus den Toiletten, stahlen Stricke der Turngeräte und richteten Verwüstungen an, die jedes Anstandsgefühl vermissen ließen. Wenn deshalb der Platz gesperrt worden ist, dann darf man sich nur darüber beklagen, daß es an der erforderlichen Aufsicht gemangelt hat. Schade, sehr schade!

Ein unerfreulicher Zustand

Das Uebel ist in diesem Fall der nördliche Ausgang der Klappachstraße, genauer gesagt, ein fehlendes Warnschild, welches die Passanten oder Fahrzeuge auf den verstärkten Verkehr der Jahnstraße hinweist. In wachsendem Umfang benutzen besonders die Besatzungsfahrzeuge die Straße als Verbindungsweg zwischen der Heidelberger- und Nieder-Ramstädter Straße. Der Umfang des Kraftfahrzeugverkehrs hat zwar im allgemeinen in Darmstadt zugenommen, man weist auch immer wieder auf vorsichtiges und diszipliniertes Fahren hin, aber trotzdem dürfte es doch der Behörde nicht so schwer fallen, Warnschilder, oder noch besser: Stop-Schilder, anzubringen. Bis jetzt sind alle Verkehrsteilnehmer „noch einmal davongekommen“, aber lyrische Hoffnungen vermeiden keine zerstörten Karosserien oder noch schlimmer: schwerverletzte Mitbürger.

Durch eigene Kraft

Wohl ist gerade in „unserer Zeit die eigene Tüchtigkeit durch schicksalhafte Verkettung gefesselt und gebunden. Doch manchmal hört man von Beispielen, die den vielen anderen Ansporn sein können, daß bei unermüdlichem Fleiß und Bestreben doch noch der Erfolg am Ende winkt. — Herr Hans Scholz, der Inhaber der Samenhandlung in der Erbacher Straße, stammt ursprünglich aus Breslau, wo er in seiner Branche eines der größten Unternehmungen Ostdeutschlands besaß. Sein Geschäft, schon seit 1836 in der Familie —, war unter der Firma: Julius Monhaupt, Nachf., Fachsamenhandlung en gros, in den Grundbüchern eingetragen. Zwei Gärtnereien, eigene Kulturen, Ausstellungsschaugärten im Scheitniker Park, er zeigte dort 500 bis 600 Dahliensorten —, gehörten zu der Firma.

1946 aus der Gefangenschaft entlassen, bekam er nach vielen Schwierigkeiten eine Anstellung bei einer hiesigen Firma, die er früher beliefert hatte. Nachdepa er seine Familie geholt hatte und nunmehr glaubte die.schlimmsten Verhältnisse hinter sich zu haben, trat infolge eines allgemeinen Abbaus Arbeitslosigkeit ein. Trotz größter Mühe und verschiedensten Ansuchen bei offiziellen Stellen gelang es nicht, eine finanzielle Beihilfe zu erhalten. Er borgte sich 300,— DM und mietete eine Garage in der Erbacher Straße, wo in mühevoller Kleinarbeit eine Samenhandlung entstand, die nunmehr bereits als anerkanntes und bekanntes Geschäft gilt. Das ist die nüchterne Beschreibung eines schweren Schicksalsweges. Nun wo sich wieder viele alte und neue Kunden eingefunden haben, Herr Scholz voller Zuversicht in die Zukunft blicken kann, möchte man jener Menschen dankbar gedenken, die, ohne immer einen Vorteil zu haben, geflüchteten oder ausgebombten Mitbürgern halfen, wieder das zu werden, was sie vor dem zerstörenden Krieg waren: tüchtige, über den lokalen Rahmen hinaus bekannte Geschäftsleute oder Handwerker.

Zum Brotpreis

Als erstes eine feststehende Tatsache: es läßt sich nicht verleugnen, das Brot ist tatsächlich teurer geworden. Was Sie, verehrter Leser, sagen, wissen wir: nämlich genau dasselbe wie ich: „Wer um Gottes willen, ist nun eigentlich daran schuld?“ Die Bäcker sagen: die Gewinnspanne im Bäckerhandwerk steht seit 30 Jahren fest und derartige ungeklärte Verhältnisse haben noch niemals geherrscht. Bei einem vertreuerten Einkauf von Mehl ergibt sich zwangsläufig ein Brotpreisaufschlag. Für den Bäckermeister, der nur Brot verkauft, verschwindet die geringe Gewinnspanne vollkommen, wenn er aus verteuertem Mehl gebackenes Brot zu altem Preis Verkäufen würde. — Dann kommt die diplomatische Antwort der Preisüberwachungsstelle. Sie sagt: es liegen z. Z. noch keine generellen Anweisungen vor, und wir können nur feststellen, ob das teure Brot von teurem Mehl, oder von alten, also billiger eingekauften Lagerbeständen stammt. Liegt die Situation so, daß das Brot trotz der Verwendung des Lagervorrates teurer ist, kann auf Grund des § 19, Preistreiberei, Strafantrag gestellt werden. — Die Preisüberwachungsstelle scheint tatsächlich nicht anders handeln zu können, die Bäckermeister sind alle aufrechte Menschen, also ist grundsätzlich nur neues Mehl verwandt worden. Die kleinen Betriebe sind berechtigt zu sagen, die Kritik an ihnen hieße offene Türen einrennen, da Bonn, in diesem Fall die „Vorrats- und Einfuhr stelle für Weizen, Frankfurt“, die Mehlpreise bereits am 1. Juli 1950 um 6 bis 8 DM erhöhte.

Die Gewerkschaften, die darüber befragt wurden, fordern die Bereitstellung von Subventionsmitteln. Sie stellen sich hinter die Forderungen des Bundestages, der mit großer Mehrheit für die Bereitstellung von Finanzmitteln zur Stützung des Brotpreises eintrat. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Dr. h. c. Böckler, hat vor einer evtl. Preisschraube gewarnt, — also das nie aufhörende Gewinde zwischen Löhnen und Preisen —, und ist unter allen Umständen gewillt, die Interessen des „kleinen Mannes“ wahrzunehmen.

Welche Meinung haben Sie nun gewonnen, lieber Leser? An wem liegt es ihrer Auffassung nach? Ich _ glaube, jedes Sturmlaufen gegen Geschäfte und Mühlen für eine Don Quichotterie (er rannte bekanntlich gegen Windmühlenflügel) zu halten,. solange nicht die Differenz zwischen dem Beschluß des Bundestages einerseits, und dei' völlig entgegengesetzten Verordnung der „Vorrats- und Einfuhrstelle für Weizen“, andererseits, beseitigt ist.

Eheverhältnis 1:4

Sie fragen, verehrte Leserin aus Jugenheim, wie es möglich ist, daß ein Mann vier Frauen heiraten kann, ohne daß auch nur eine einzige etwas davon merkt. — Sicherlich haben auch Sie von der seltsamen Begebenheit gehört, die vor einiger Zeit bekannt wurde. Fast 20 Jahre lang war ein höherer Beamter mit zwei Frauen in Berlin und in Kassel verheiratet. Als die Sache eines Tages aufgedeckt wurde und vor den Richter kam, verzichteten beide Frauen auf Bestrafung ihres Mannes, weil sie wie sie erklärten in einer sehr glücklichen Ehe gelebt hätten . . .

Ich selbst sah Männer (und Frauen), die sich — während des Krieges — tränenden Auges voneinander verabschiedeten. Tatsächlich schienen sie in solchen Augenblicken bis zum Herzerweichen gerührt. Aber schon in Danzig wurden sie zusehends fröhlicher, und in Reval sehnlichst erwartet. Ein Kriegsübel — wie man häufig sagt? Kaum, denn derartige „Tröstungen“ gab es zu allen Zeiten. — Die von Ihnen aufgeworfene Frage kann man, glaube ich, mit mangelnder Erziehung, großer Oberflächlichkeit und einer verblüffenden Unkenntnis primitivster psychologischer Kenntnisse der 1:4-Partner beantworten: man geht ins Kino, zeigt die blendend weißen Zähne, Locken, Kleider, Schuhe und „damit verließen sie ihn meistens“. Ein bißchen hart, nicht wahr? — Aber wir alle, Sie und ich, machen Sympathien und stärkere Neigungen zu oft nur von Aeußerlichkeiten abhängig. Leider sind wir nicht alle perfekte Psychologen, obgleich es einige gut 'erkennbare Gesetze „für jedermann“ gibt; die — richtig angewandt — es praktisch unmöglich machen, daß eine anfangs glückliche Verbindung einen häßlichen Abschluß erfährt. Maximilian II

Mennoiten-Sekte übt praktische Nächstenliebe

Am 24. Juli kamen 23 junge Studenten aus allen Ländern nach Darmstadt, um hier tatkräftig mit Hand anzulegen, die Wunden des letzten Krieges zu beseitigen. Für sie gibt es keine nationalen Vorurteile, sie dienen nur dem einen großen Ziel der Liebe im Dienste des Nächsten. In diesem Sommer gibt es außer dem Darmstädter noch weitere drei International Work Camps in Deutschland, und zwar in Donaueschingen, Westhofen und Kiel. Im Darmstädter Lager, einer Nissenhütte auf dem Baugelände der Ungarndeutschen Bau- und Siedlungsgenossen: schäft in der unteren Eschollbrücker Straße haben sich Holländer, Kanadier, Schweizer, Amerikaner, Schweden und deutsche Mennoniten zusammengefunden, um einen Beweis praktischer Nächstenliebe zu liefern.

Eine unglaubliche Hitze ruht in der Blechbaracke. Drei junge Holländer sitzen im Mittelraum, dem Aufenthaltszimmer vor rohen Holztischen und schreiben Briefe. Im anschließenden Raum sind die Schlafstellen der elf Mädchen, flache amerikanische Feldbetten, ohne jeden Luxus, in fast spartanischer Einfachheit. Zu sehen ist von ihnen niemand, sie sind zum Baden gegangen. Einen Monat, so erzählen uns die jungen Holländer bereit willig, seien sie nach Deutschland gekommen, um der Ungarndeutschen Bau- und Siedlungsgenossenschaft bei der Errichtung ihrer neuen Heimat zu helfen. Die männlichen Studenten schachten die neuen Häuser des zweiten Bauabschnittes aus, die Mädchen helfen dabei, soweit es in ihren Kräften steht Im übrigen betätigen sie sich in der Küche, um ihren Kommilitonen nach schwerer körperlicher Arbeit ein anständiges Essen auf den Tisch zu setzen.

Alle Lebensmittel werden vom Mennonite Central Commitee gestellt, das auch die Anregung zu diesem großzügigen Hilfswerk gab. Eine Bezahlung erhalten die ausländischen Gäste nicht, lediglich die Verpflegung und Unterkunft ist frei, und in Anbetracht der primitiven Unterbringung der Gäste gehört schon eine große Portion Idealismus und Hilfsbereitschaft dazu, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, sondern getreu der mennonitischen Glaubenslehre eine Arbeit zu verrichten, die im wahrsten Sinne des Wortes angewandte Nächstenliebe ist.

Immer deutlicher zeigt es sich, daß es die Jugend aller Nationen ist, die zuerst den richtigen Weg zu einer fruchtbaren Völkerverständigung gefunden ‘hat, die nichts von Resolutionen und Kongressen hält, sondern die die Schippe in die Hand nimmt und dort mit anpackt, wo die Not am größten ist. Nationalitäten und Weltanschaungen haben vor ihrem Wirken kein Gewicht mehr, für sie gibt es nur noch den Menschen, der Hilfe benötigt, und sie sind bereit, Bequemlichkeit und persönliche Zeit zu opfern, um ein Beispiel echten, helfenden Christentums abzulegen. Ihnen, wie allen jungen Menschen, die versuchen, von Volk zu Volk und von Nation zu Nation eine Brücke der Verständigung zu schlagen, sollte unsere ganz Danchbarkeit gelten. -st


Wer zu einem der Kaffee-und-Kuchen-Mittwoch-Nachmittage den Weg nach 'iranichstein einschlägt, kann jetzt wieder auf dem Kranichsteiner Teich zwei Schwänen zusehen, die dort zwischen den Wasserrosen majestätisch einher ziehen, langen Hälsen auf dem Boden des Teiches umher suchen und zusammen nit Wildenten, Wasserhühnern und Fröschen ein friedliches Dasein führen.
Wer zu einem der Kaffee-und-Kuchen-Mittwoch-Nachmittage den Weg nach 'iranichstein einschlägt, kann jetzt wieder auf dem Kranichsteiner Teich zwei Schwänen zusehen, die dort zwischen den Wasserrosen majestätisch einher ziehen, langen Hälsen auf dem Boden des Teiches umher suchen und zusammen nit Wildenten, Wasserhühnern und Fröschen ein friedliches Dasein führen.

Flugblatt-Prozeß wurde vertagt

Rechtsanwalt Dr. Hecker fehlte / Unerfüllbare Kautionsforderungen

Gestern morgen kurz vor 11 Uhr eröffnete das amerikanische Gericht der Hohen Kommission im Gerichtssaal des US-Resident-Office-Hauses in der Mornewegstraße die öffentliche Verhandlung gegen den 51jährigen kaufmännischen Angestellten Heinrich Benz, den 31jährigen Maschinenschlosser Walter Weber und den 69 jährigen Rentner Karl Fleck aus Arheilgen.

Die gestrige Verhandlung war für 10 Uhr anberaumt. Der Termin verzögerte sich jedoch, da der benannte Rechtsanwalt Dr. Heckert (Frankfurt) nicht anwesend war. In einem abgegebenen Brief teilte er mit, er sei bereit, die Angeklagten zu vertreten, müsse allerdings am Freitag zu einem Termin nach Gießen und sei deshalb verhindert. Bemühungen, einen anderen Anwalt kurzfristig zu benachrichtigen, um die Verhandlung so rasch wie möglich im Interesse der Angeklagten durchführen zu können, blieben erfolglos.

Der amerikanische Richter, der in einem Wagen aus Frankfurt eintraf, eröffnete die Verhandlung. Hinter seinem Rücken leuchtete das Sternenbanner. Rechts von ihm saß eine Dolmetscherin.

Als sich die Staatsanwaltschaft zur Verhandlung bereit erklärte, wiesen die drei Angeklagten darauf hin, daß sie ohne Rechtsbeistand sind. Würdig und sachlich betonte hierauf der Richter, das Gericht sei an einer fairen und schnellen Verhandlung interessiert, keineswegs aber geneigt, die Angeklagten zu einem Prozeß ohne Anwalt zu zwingen. Das Gericht, so sagte er, nehme den Fall viel ernster, als dies der Anwalt Dr. Heckert tue, der die Angelegenheit anscheinend sehr leicht bewerte. Vor allen anderen Gerichten habe das Gericht der Hohen Kommission den Vorzug. Auf keinen Fall seien allerdings die Angeklagten für das Nichterscheinen ihres Anwaltes verantwortlich. Das Gericht beschloß, die Verhandlung auf kommenden Donnerstag 10 Uhr zu vertagen. Benz, Weber und Fleck bejahten die Frage, ob sie sich weiterhin von Dr. Heckert vertreten lassen wollten.

Anschließend erklärte sich der Richter bereit, die Haftentlassung gegen Stellung einer angemessenen Kaution zu verfügen. Er forderte als Kautionssumme für Benz 20 000 DM, für Weber ebenfalls 20 000 DM und für Fleck 10000 DM. Hierzu führte Fleck aus, er habe nie in seinem Leben so viel Geld besessen und werde dies auch nie besitzen, mit seiner Rente könne er gerade noch seinen Lebensunterhalt bestreiten. Benz und Weber gaben keine Erklärung ab.

Nach Vertagung des Prozesses wurden die drei Angeklagten wieder in das Darmstädter Untersuchungsgefängnis zurückgebracht. ys.

75 Jahre TGD 1875

Grußwort des Magistrates der Stadt Darmstadt

Der Turngesellschaft 1875 spricht der Magistrat der Stadt Darmstadt zu ihrem 75jährigen Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche aus.

Entstanden in der Zeit nach der Gründung des Reiches von 1871 hat die Gesellschaft in den langen Jahrzehnten seitdem durch die Pflege des Tarnens der körperlichen Ertüchtigung und damit der Volksgesundheit gedient. Dabei waren ihr die alten Turnerideale so lange Leitstern ihrer Arbeit, bis wesensfremde Mächte und Gedanken den Sinn des deutschen Turnens verfälschten. Nun soll das Turnen wieder zu einer echten Volksangelegenhedt werden, und der Turngesellschaft, die schon tüchtig am Werk ist, kommt dabei für Darmstadt ein gut Teil Arbeit zu.

An ihrem Jubelfest sprechen wir daher mit unserem Glückwunsch die Hoffnung aus, daß ihrem Wirken in den nächsten 25 Jahren auf dem Gebiete des Tu«nens wie auf dem der Förderung der freiheitlichen Gesinnung im demokratischen Geiste viel Erfolg beschieden sein möge. Gez. Reiber, Stadtrat.

Eine öffentliche Feierstunde des TGD 1875 findet am Samstagmorgen um 10 Uhr in der Stadthalle unter Mitwirkung der Gesangsabteilung und Heinrich Mitschdörfers statt.

Im Rahmen dieser Feier gibt der 1. Vorsitzende, Ludwig Jährling, einen kurzen Rückblick; ferner werden verdiente langjährige Mitglieder geehrt werden. Die Entgegennahme der Glückwünsche findet ebenfalls im Verlauf der Feierstunde statt. Der Eintritt ist frei

In der Stadt notiert

Einen großen Menschenauflauf vor der Hauptpost in der Rheinstraße gab es gestern abend um 20 Uhr, als ein Radfahrer von einem ihn überholenden Mercedes-Kraftwagen gestreift und dabei gegen einen parkenden Pkw geschleudert wurde. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, so daß er in bewußtlosem Zustand in ein Krankenhaus eingeliefert werden mußte. DT.

Die Heim- und Nähabende der Arbei¬ ter-Wohlfahrt — Distrikt Johannisviertel und Martinsviertes — begannen am 8. August und finden wieder laufend jeden Dienstag von 19.30 bis 21.30 Uhr in der Kyritzschule statt.

Im Neurhein gelandet wurde am Mittwoch die Leiche der 18jährigen Anna Maria Dölker aus Biblis. Sie war am Sonntag, dem 6. August, beim Baden ertrunken.

Eine interessante Gebrauchshunde- Vorführung findet am Sonntag, dem 13. August, vormittags um 9 Uhr, im Hof des Amerika-Hauses (Diesterwegschule) in Darmstadt statt. Bei hohen Dressurleistungen werden 50 Gebrauchshunde der sechs Gebrauchshunderassen zu Vorfüh-

Aus dem zweiten Stock stürzte gestern morgen gegen 10.35 Uhr eine Frau. Sie war sofort tot. Die Kriminalpolizei ist zur Zeit mit der Klärung der Frage beschäftigt, ob Freitod oder Unglücksfall vorliegt. ys.

Nach einem Sturz von einem 7 Meter hohen Baugerüst in der Elisabethenstraße starb der Arbeiter Otto Schimmelpfennig aus Jugenheim, Haupstraße 63. Die Ursache des Unglücks muß noch durch eingeleitete Ermittlungen der Kriminalpolizei festgestellt werden. ys.

Bereitschaftsdienste

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst (vom Samstag, 12. 8., 13 Uhr, bis Samstag, 19. 8., 8.00 Uhr):

Darmstadt: Frankenstein - Apotheke, Heidelberger Straße 85; — Löwen-Apotheke, Magdalenenstraße 23.

Darmstadt - Eberstadt: Schwanen-Apotheke, Darmstädter Straße 26.

Darmstadt - Arheilgen: Arheilger-Apotheke, Dieburger Straße 26.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10 bis 12 Uhr): 13. August: Dr. Gerhard Heuß, Darmstadt, Victoriastraße 100.

Sonntagsdienst der Dentisten (von 10.00 bis 12.00): 13. August Dentist Gotthold Rost, Darmstadt, Frankfurter Straße 10.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und „Korea“, eine aktuelle Bilderserie.

Mathildenhöhe: „Das Menschenbild unserer Zeit.“ Um 11 Uhr führt Dr. Max Herschenröder durch die Ausstellung.

und morgen?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil

Amerikahaus: wie Samstag.

Mathildenhöhe: wie Samstag.

Hof des Amerikahauses: 9.00 Uhr:

Dressur-Vorführung von 50 Gebrauchshunden.

Wir gratulieren

Goldene Hochzeit: Herr Christian Baltz und Frau Elisabeth geb. Eichhorn, Jugenheim. (12. August.)

Goldene Hochzeit: Herr Nikolaus österling und Frau Anna, Dieburg, Wilhelm-Leuschner-Straße (13. August).

Starkenburg

Das haben die Höchster noch nie gesehen!

Ein amerikanischer Theologieprofessor pflügt dem Bauer Weber einen Acker um

Im lauten Geschrei um Krieg und Völkerhaß wurde selbst von den Odenwäldern kaum bemerkt, daß sich seit einigen Tagen im alten Kloster von Höchst im Odenwald 47 junge Menschen aus verschiedenen Ländern der Erde freiwillig zusammengefunden haben, um hier während fünf Wochen ihrer Studienfreizeit ein Werk zu vollbringen, das ein schlichtes, aber praktisches Denkmal wahren Völkerverstehens und der Nächstenliebe sein soll.

Es handelt sich um eines der zehn vom Weltkirchenrat in Genf zur Zeit in Europa durchgeführten oekumenischen Freizeitlager, von denen sich allein fünf in Deutschland befinden. Das Lager in Höchst, das ursprünglich auf der Ronneburg durchgeführt werden sollte, wurde auf Anregung von Landesjugendpfarrer für Hessen und Nassau, Dr. Heinz C z a i a, in das ehemalige Kloster bei der evangelischen Stadtkirche, in Höchst im Odenwald verlegt, um in dem alten Gemäuer ein Heim für die christliche Jugend der Welt einzurichten. Darum nennt sich dieses Lager auch nicht „Freizeit“, sondern „Aufbaulager“.

Mit Freude und Eifer sind die jungen Menschen aus den Vereinigten Staaten, England, Holland, Frankreich, Ost- und Westdeutschland, von Jamaica und Hawai daran gegangen die Räume nach den Plänen der Architekten Schneider aus Darmstadt für. ihre künftige Aufgabe umzubauen. Es ist keine leichte Arbeit, der sie sich freiwillig unterzogen haben, zumal ja alle als Studenten, Lehrerinnen und Lehrer der verschiedensten Fakultäten in dieser schweren körperlichen Arbeit keine Hebung haben. Aber unverdrossen fassen alle mit an, ganz gleichgültig, als was sie sonst draußen im Leben stehen. Da karrt ein Theologiestudent aus Jamaica Erde, die Missionslehrerin aus Kairo schafft zusammen mit einem Medizinstudenten aus Amerika, einer Engländerin aus Sheffield und einem Mädel aus Leverkusen Steine und Bauschutt aus der künftigen Küche des Heims fort. Mit frohem Mut, einem Scherz und einem Lied geht die ungewohnte Arbeit noch einmal so schnell, wobei das gegenseitige Bemühen, die Sprache des anderen verstehen zu lernen, besonders reizvoll ist.

Der Theologieprofessor Howard Short aus Lexington (Kentucky) steht als echter „primus inter pares“ gemeinsam mit Dr. Heinz Czaia dem Lager vor und faßt überall mit an, wo es fehlt. Als unentbehrlicher „dritter Mann“ hat sich Dr. Czaias „Onkel Bruno“ gleich vom ersten Tag an bei allen beliebt gemacht. Er ist das „Mädchen für alles“, besorgt die Post und die Lebensmittel, arrangiert die Ausflüge, Konzerte und Diskussionsabende und bewährt sich zu seinem eigenen Vergnügen noch als lustiger Hauspoet, der jedes Geschehnis mit witzigen Versen festhält.

Selbstverständlich ist ein Zeitplan für den Tagesablauf einzuhalten. Um 6 Uhr

stehen die Burschen und Mädels auf. "Sie schlafen in zwei großen Gemeinschaftsräumen auf dem Dachboden des alten Klosters auf einfachen Zeltbetten. Um 6.30 Uhr ist gemeinsame Andacht, um 7 Uhr Frühstück im Refektorium. Von 7.30 bis 13 Uhr wird am Ausbau des Heims gearbeitet, um 13.30 Uhr gemeinsamer Mittagstisch. Bis 15 Uhr ist dann Ruhepause; danach beginnt das abwechslungsreiche Nachmittagsprogramm mit Wanderungen, Vorträgen, Sing- und Musikstunden, Schwimmen und Spiel im Höchster Schwimmbad. Abends finden gemeinsame Aussprachen mit Einwohnern Höchsts, mit Vertretern des öffentlichen Lebens oder auch öffentliche Musikveranstaltungen statt..

Samstags gehen immer ein deutscher und ein ausländischer Lagergast zu Höchster Familien, um dort freiwillig zu helfen, wo es notwendig ist. So überraschte der amerikanische Professor Howard Short, den die Lagerteilnehmer, freundschaftlich „Shorty“ rufen, den Bauern Georg Weber mit der Mitteilung, daß er bei ihm pflügen wolle. Und wie staunte der Odenwälder, wie der „Professor“ so geschickt mit dem Pflug umzugehen wußte. „Kein Wunder, erklärte Professor Short lachend in fließendem Deutsch, „ich bin doch auf einer Farm groß geworden“. Auf gleiche Weise machten sich die anderen irgendwo nützlich, im Haus, Hof und Stall. Eine englische Lehrerin fuhr im Kinderwagen die Kleinsten einer Höchster Familie spazieren. Diese schöne Geste hat den jungen Menschen aus aller Welt spontan die herzliche Freundschaft aller Höchster eingetragen. (-ch)


Mr. Caleb Cousins aus Jamaika ist von Hause aus Theologiestudent, aber er versteht auch mit dem Schubkarren umzugehen (links). — Gemütliches Handarbeitsstündchen im Klostergarten: Ingrid Schmalz aus Nürnberg, Bärbel Zimmermann aus Wiesloch, Annemarie Haase (das „Häschen) aus Tuckahoe (New-Jersey) und May-Blossem Chang, Fräulein „Maiglöckchen“ aus Hawaii (Mitte). — Miss Joan Tooke aus Oxford hat sich aus einer Landkarte von Siam ein buntes Strandkleid gearbeitet. Sie habe „leider keine Odenwaldkarte gehabt“ erklärte sie lachend (rechts). Fotos (3): Tehad
Mr. Caleb Cousins aus Jamaika ist von Hause aus Theologiestudent, aber er versteht auch mit dem Schubkarren umzugehen (links). — Gemütliches Handarbeitsstündchen im Klostergarten: Ingrid Schmalz aus Nürnberg, Bärbel Zimmermann aus Wiesloch, Annemarie Haase (das „Häschen) aus Tuckahoe (New-Jersey) und May-Blossem Chang, Fräulein „Maiglöckchen“ aus Hawaii (Mitte). — Miss Joan Tooke aus Oxford hat sich aus einer Landkarte von Siam ein buntes Strandkleid gearbeitet. Sie habe „leider keine Odenwaldkarte gehabt“ erklärte sie lachend (rechts). Fotos (3): Tehad

Diskussion mit besonderer Note

Ein Abend mit der „ökumenischen Aufbau-Freizeit“ im Michaelsaal

Am Donnerstagabend hatte die „Oekumenische Aufbau-Freizeit“ Landrat Neff, Regierungsrat Zörgiebel, Schulrat Schwamb, Vertreter der politischen Parteien, die Landtagsabgeordneten Kitz und Ackermann, den amerikanischen Resident-Officier Mr. Ouverson, Geschäftsführer Walther des Kreisjugendauschusses, Dekanatsjugendpfarrer Hahn und die Vertreter des Höchster Gemeinderats und Kirchenvorstandes zu einer Aussprache mit den in- und ausländischen Lagerteilnehmem in den Michaelsaal eingeladen.

Schon der äußere Rahmen der Zusammenkunft, die Art der gegenseitigen Vorstellung und die zwanglose Aussprache, die von musikalischen Beiträgen, französischer, amerikanischer und deutscher Teilnehmer sowie gemeinsamem Singen von Liedern und Kanons unterbrochen waren, hatten eine neue, sehr ansprechende Note.

Landesjugendpfarrer D. Czaia, einer der beiden Leiter des Lagers, unterstrich in schlichten Worten die sittliche Größe dieses Aufbauwerks des „Oekumenischen Freizeit-Lagers“. Prof. Short, der amerikanische Lagerleiter, gab als Professor der Kirchengeschichte einen interessanten Ueberblick über das segensreiche Wirken des erst seit 2 Jahren bestehenden Weltkirchenrates, das ihm die Hoffnung gebe, daß dadurch die Vielzahl christlicher Kirchen und Sekten in den USA gäbe es allein etwa zehnmal soviel christliche Sekten wie in Deutschland politische Parteien doch noch überwunden werde zum Wohle der Menschheit. Die Gäste nahmen zum Schluß an der allabendlichen Andacht des Lagers in der evangelischen Stadtkirche teil, die diesmal von einer Engländerin und einem deutschsprechenden Franzosen geleitet wurde. -ch-

Ein Bad für Seeheim

. Mit der Errichtung des „Helenenbades“ in der Pfungstädter Straße erfüllte der Besitzer Ludwig Daum einen von der Bevölkereung seit Jahren gehegten Wunsch. Die moderne, freundliche Badeanstalt enthält in Einzelkabinen sechs Wannen- und vier Brausebäder. Die volkstümlichen Preise gestatten jedem, ein Bad zu nehmen. Um auch minderbemittelten weitgehendst entgegenzukommen. ist jeder Mittwoch als Volksbadetag mit ermäßigten Preisen eingerichtet. Werktätige können auch bis 20 Uhr sowie sonntags früh von 8 bis 10 Uhr baden. Das „Helenenbad“ wird weiter ausgebaut. In Kürze werden für Privat- und sämtliche Kassenpatienten unter fachmännischer Leitung alle medizinischen Bäder verabreicht und Massagen und Bestrahlungen ausgeführt. er

„Apotheke am Markt“

Im Hause Jacoby, am Ober-Ra m-Städter Marktplatz, wird heute die „Apotheke am Markt" eröffnet. Die Leitung liegt in Händen von Apotheker M. Adolf Klepsch, früherer langjähriger Besitzer der Löwen-Apotheke in Außig.

Die „Apotheke am Markt“ wurde nach modernsten Gesichtspunkten aufgebaut und eingerichtet. Ein heller, großer Verkaufsraum, ein allen Anforderungen der Wissenschaft und Technik entsprechendes Laboratorium, große Lager- und Kellerräume sind ihre wesentlichsten Merkmale. Man kann das neue Unternehmen als ein Schmuckkästchen für Ober-Ramstadt bezeichnen. An Hand der vorhandenen Vorräte an Arzneispezialitäten, Drogen, Chemikalien und Verbandsstoffen darf man sich darüber im klaren sein, daß mit der Neuerrichtung die spürbare Lücke in der Arzneiversorgung des vorderen Odenwaldes geschlossen ist. Wir wünschen dem jungen Unternehmen bei seiner Absicht, für die Volksgesundheit Bestes zu leisten, alles Gute und viel Erfolg. DT

Hilfe für Königsstädten

In seiner nächsten Sitzung wird sich der Kreistag des Kreises Groß-Gerau, der am Dohnerstag, dem 17. August, in Gernsheim zusammentritt, auch mit der Frage beschäftigen, wie den vier Geschädigten geholfen werden kann, die bei dem Großfeuer in Königstädten ihre Anwesen verloren haben, nachdem sie bereits 1944 durch den Luftangriff auf den Ort das gleiche Schicksal erlitten hatten. Es ist anzunehmen, daß der Kreistag Mittel als erste Hilfe zur Verfügung stellen wird. Nach den bisherigen Feststellungen richtete das Großfeuer entgegen anderslautenden Meldungen einen Gesamtschaden in Höhe von 16 000 DM an. Die Geschädigten waren nicht hinreichend versichert. eng.

Vom Fuhrwerk überfahren

Am Freitagmorgen wurde in Dilshofen bei Zeilhard der Landwirt Georg Handschuh von einem Pferdefuhrwerk überfahren. Er mußte mit Rippen¬ .uetschungen in das Krankenhaus eingeliefert werden. DT

Sittlichkeitsverbrechen in Fürth

Ein etwa 20 Jahre alter Unhold, der vermutlich ein Fahrrad bei sich führte, näherte sich während der Mittagsstunden des Freitags auf dem um diese Zeit menschenleeren Bahnhof Fürth zwei kleinen Mädchen mit der eindeutigen Absicht, an ihnen ein Sittlichkeitsverbrechen zu begehen. Eines der Mädchen konnte rechtzeitig entkommen. während das andere, ein etwa 6 Jahre altes Kind, von dem Wüstling gewaltsam hinter ein Bahngebäude geschleppt wurde, wo er sich an ihm verging. Der Täter wird folgendermaßen beschrieben: etwa 18 bis 20 Jahre alt, 1,65 bis 1,68 groß, schlank, mittelblondes, gewelltes Haar, blasses Gesicht, spricht Odenwälder Mundart. Er trug einen dunkelblauen Anzug mit weißen Nadelstreifen und war ohne Kopfbedeckung. Das Gendarmerie - Kreiskommissariat bittet die Bevölkerung um Mitfahndung. Sachdienliche Angaben werden von jeder Gendarmerie- oder Polizeidienststelle entgegengenommen. -r-

Scheunenbrand

Am Nachmittag des 10. August schallte Feueralarm durch Zellhausen im Landkreis Offenbach. Trotz des raschen Eingreifens der Feuerwehren aus Zellhausen, Seligenstadt und Mainflingen brannten die Scheunen von Ww. Margarethe Schönig und Landwirt R a c h o r in der Bahnhofstraße bis auf die Grundmauern nieder. Wie die sofort angestellten Ermittlungen ergaben, hatten zwei Jungens im Alter von 7 und 8 Jahren in einer der Scheunen mit Streichhölzern gespielt und waren nicht mehr in der Lage gewesen, das entstehende Feuer zu löschen. ST.

Extravagante Kühe

Als ein Wandergewerbetreibender aus Hanau mit seinem Personenwagen von Hiltersklingen kommend, irr Richtung Erbach die Ortsstraße von Hüttental durchfuhr, liefen ihm plötzlich aus einem Seitenweg zwei Kühe des Bauern Otto Schwöbel in die Fahrbahn. Obwohl der Fahrer scharf bremste, konnte er den Zusammenprall nicht mehr verhindern. Eines der beiden Tiere stürzte und wurde verletzt, aber auch das Fahrzeug kam zu Schaden.

Schwöbels Kühe, von denen eine kürzlich auf einem Dach „nachtwandelte“, haben offenbar einen Hang zum außergewöhnlichen. -eh-

Hund sprang ins Vorderrad

Am Straßenabzweig nach Nieder-Kinzig bei Etzen-Gesäß lief einem in Richtung Mümling-Grumbach fahrenden mit zwei Mann aus Steinbach besetzten Motorrad ein größerer Hund, der einer Katze nachjagte ins Vorderrad. Beide Fahrer stürzten und zogen sich Verletzungen und Prellungen zu. -ch-

Der Minister des Innern hat unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse die Genehmigung erteilt, daß in Bensheim-Mitte Maria Himmelfahrt (15. August) und Allerheiligen (1. November) als Feiertage begangen werden. Soweit die Betriebe die ausfallenden Arbeitsstunden nicht freiwillig vergüten, können diese vor- oder nachgeholt werden. Lohnausfall darf nicht entstehen.

Im Schatten der JUSTIZ

Fröhlichs Lumpengeschäfte

Mit zwei Richtern besetzt, verhandelte das Bezirksschöffengericht Michelstadt am Freitag gegen den 45 Jahre alten Kaufmann Heinrich F r ö h 1 i ch, einen gebürtigen Wiener, der nach schwerer Kindheit seinen i_,eoensunterhalt als Rohproduktenhändler mit Metallen und Lumpen zeitweise recht gut verdiente. Von frühester Jugend an keine geordneten Verhältnisse gewöhnt, kam er auch in seiner Ehe nicht ins rechte Gleis, geriet an Freundinnen und auf krumme Wege. Lang ist die Reihe der Betrügereien, die er seit 1948 in verschiedenen Gegenden Deutschlands beging, ursprünglich vielleicht noch nicht einmal mit dem Vorsatz zum Betrug, aber durch seine Lebensführung als charakterschwacher Mensch dazu getrieben. Insgesamt hatte er nicht weniger als fünf Kraftwagen, die nicht sein Eigentum waren, verpfändet. In Michelbach machte er trübe Geschäfte mit Lumpen, schädigte einen Erbacher Hotelier und dessen Bedienungspersonal um beträchtliche Summen und erging sich, wo es irgend möglich war, in größeren und kleineren Betrügereien. Insgesamt werden ihm neun verschiedene Fälle zur Last gelegt. Bei aller Schärfe während der Beweisaufnahme berücksichtigte der Staatsanwalt dennoch in seinem Antrag weitgehend mildernde Umstände und beantragte für die Fälle nach dem Amnestie-Stichtag eine Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis sowie die Kosten des Verfahrens unter Anrechnung der Untersuchungshaft, während das Strafmaß der vier vorausliegenden Fälle mit sechs Monaten unter die Amnestie fällt. Das Gericht schloß sich in seinem Urteil diesem Antrag an. (-ch)



Wem ist die Kerb...?

Wem ist die Kerb? Unser ist sie, uns ganz allein! Da kann niemand und nichts dazwischen kommen! Kerb ist Kerb, und wenn heute auch alles Kopf steht vor lauter Festen und Feiern und Gedenktagen, Kerb ist doch noch viel schöner! Das können sich die in der Stadt gar nicht vorstellen. Dort kennt man nur die Feste, die auf bunten Plakaten angezeigt werden, auf denen steht: Kommt da und da hin, es gibt Volksbelustigung und Tanz! Und zur Kerb fährt man auch nicht in roten und gelben Omnibussen, man organisiert keine Sonderfahrten, und auf der Eisenbahn gibt ’s deswegen keine Fahrpreisermäßigung. Niemand weiß überhaupt wann Kerb ist, außer denen, die es angeht. Die aber wissen es genau!

Die Kerb liegt in der Luft. In dem einen Dorf muß sie sein, wenn die Linden gerade blühen und die hellen Nächte voller Glühwürmchen sind. Aus der Scheuer muß ein ganz frischer Heuduft kommen — denn so war es schon immer gewesen, und Kerb an einem anderen Sonntag als am zweiten im Juni, das wäre ganz undenkbar. Und in einem andern Dorf feiert man Kerb, ehe die Ernte anfängt. Dann sind die Straßen pulvertrocken, und der Wind, der durch das reife Korn fährt, wirft feine Staubwolken auf. Hier ist’s recht, wenn man beim Kerwezug richtig .schwitzt und hinterher in der kühlen Wirtsstube hinter angelehnten Fensterläden sich mit einem Bier angenehm erfrischt. So war’s doch immer gewesen, und so soll es auch in diesem Jahr sein! Und dann gibt es Dörfer, bei denen fällt die Kerb ganz spät. Dann hangen wohl nur noch ein paar bunte Blätter an den Bäumen, und der Frühnebel bringt den Geruch von faulendem Dickwurzkraut auf die Chaussee. Die letzten Chrysanthemen in den Gärten müssen des Nachts schon mit einem Sack zugehängt werden, daß sie vor dem Totenfest nicht erfrieren. Draußen ist es unwirtlich und der Regen prasselt an die Fensterscheiben. Aber im Keller hat der neue Apfelwein fast schon zu rauschen aufgehört, und wer gescheit war und das kühle Wetter ausgenutzt hat, der hat schon seinen Schinken im Lack und einen frischen Schweinebraten auf dem Tisch.

Bei uns ist die Kerb im September. Das Kartoffelkraut fängt an gelb zu werden, und alle Gärten sind voll bunter Astern. In den Hofreiten hört man das Aechzen der Keltern, aus denen brauner, Süßer Apfelsaft tropft. Und nachts, wenn man durchs Dorf geht, sieht man in allen Waschküchen Licht brennen und weiß, daß da jetzt in blankgescheuerten Kupferkesseln schwarzbraune Latwerge gerührt wird. So muß es sein bei uns in der Kerwezeit! Und die letzten Zwetschen müssen aus den Bäumen geschüttelt werden für viele riesenhafte Zwetschenkuchen, denn ohne das geht es bei uns nicht ab.

Und dann laden wir unsere Got und unseren Petter ein und unser Kusinchen aus der Stadt. Und sie kommen alle mit dem Fuhrwerk oder mit dem Rad oder ganz einfach zu Fuß, weil bei uns kein Omnibus fährt. Und sie bleiben zwei Tage. Und der Metzger aus dem Nachbarort kommt auch, und wir trinken Wein auf seine Kosten, aber das schadet nichts, denn wir haben ihm gerade ein Kalb viel zu billig gelassen. Und eine Musik haben wir! Es gibt im ganzen Umkreis keine, die besser zum Tanz aufspielt. Wenn am Sonntagnachmittag der Kerwezug über die Straße zieht, dann blitzt die Sonne in der Posaune und in der Trompete, die Pferde sind glänzend gestriegelt und mit Bändern geschmückt. Der Kerweparrer und der Glöckner haben Zylinder auf und schwarze Röcke an. Die Mädchen fahren auf birkenbekränzten Wagen, und die Kerweborsch haben rote und grüne Bandeliere aus Kreppapier. So war es immer gewesen und so wird es auch in diesem Jahr sein! E Kerwered’ wird gehalten, bei der alles an den Tag kommt, was im Jahr passiert ist, und selbst noch die Urgroßmutter wird zuhören mit ihrem Urenkelchen auf dem Arm.

Bei unserer Kerb ist alles auf den Beinen, und im Saal ist’s so voll, daß jeder nur einen halben Stuhl hat. Aber das schadet nichts, darauf haben wir uns ja das ganze Jahr gefreut. Denn nirgends ist es so lustig wie bei uns. Das kann Ihnen jeder bestätigen! Nachts, wenn wir ganz erhitzt aus dem Tanzsaal kommen, um ein bißchen frische Luft zu schöpfen, dann geht, weil es doch schon Herbst ist, ein kühler Wind, und ab und zu fällt ein Apfel von einem der Chausseebäume auf die Straße. Der Riegel an der Stalltür, der um diese Zeit wegen der Kälte schon fest geschlossen gehalten werden muß, klappert ein bißchen vom Luftzug, und das Gelächter aus dem Tanzsaal hängt über den Dächern, von denen nur der dunkle First zu erkennen ist. Das Gebumse der Pauke dröhnt durch das ganze Dorf.

So ist es auf unserer Kerb. Wenn jemand glaubt, daß es was Schöneres gibt, der soll das nächste MaJ kommen und selbst sehen Es ist schon so, wie ich sagte: Die Kerb, sie ist unser! Gabriele Käfer-Dittmar.

„Überlinger Münsterspiel“

Freilichtaufführung zur Einweihung der Bensheimer Stadtkirche

Den Abschluß der Einweihungsfeierlichkeiten der kath. Stadtkirche in Bensheim bildet eine Freilichtaufführung „Das Überlinger Münsterspiel“ von Alois Johannes Lippi. Unter der Leitung von August Heinrich Becker, Bensheim, der auch das Stück für diesen Zweck bearbeitet hat, haben Angehörige der kath. Jugend dieses zeitnahe Spiel mit viel Liebe und Sorgfalt einstudiert. Kulisse stellt die Stadtkirche dar, vor deren Hauptportal eine Bühne aufgeschlagen wurde. In einem erhebenden, feierlichen Tedeum klingt das Spiel aus. Eine große Aufgabe, die sich Darsteller und Spielleiter gestellt haben. HB.

Was aǔch interessiert:

Ein Reh sprang auf der Autobahn bei Lorsch am Mittag des 10. August dem in voller Fahrt befindlichen Personenkraftwagen des Holzhändlers Heckelmann in den Weg. Das Reh verendete nach dem Zusammenstoß, der Wagen wurde stark beschädigt Personen kamen nicht zu Schaden.

Auf den vor ihm fahrenden Lastzug fuhr am 10. August um 14 Uhr auf der Autobahn bei Gräfenhausen der Kraftfahrer Heinrich Schäfer aus Roßdorf mit seinem Lastzug auf. Wie die Ermittlungen der Straßenpolizei ergaben, war Schäfer übermüdet. Die beiden Lastzüge wurden stark beschädigt.

Der rechte Vorderreifen platzte am Donnerstagabend dem auf der Fahrt nach Mannheim auf der Autobahn bei Lorsch befindlichen Kraftfahrer Robert Diehl. Durch den plötzlichen Zug nach rechts geriet der Lastzug aus der Fahrbahn und kippte um. Es entstand erheblicher Sachschaden, das Fahrzeug mußte abgeschleppt werden.

Aus Lebensüberdruß erhängte sich in Croß-Gerau eihe 44jährige Frau, Mutter eines Kindes. eng.

Eine Genossenschaft erzgebirgischer Heimarbeiter soll in Nauheim, Kreis Gr.-Gerau, gegründet werden. Sie will sich die Herstellung und den Vertrieb genähter, gestickter und geklöppelter Spitzen zur Aufgabe machen. eng.

Die Neubeschilderung der Bundes¬ straße 26 wurde jetzt beendet. Straßen- und Richtungsschilder sind mit Bundesmitteln neu und ausführlicher beschriftet worden. eng.

Sein Kreistagsmandat legte der Kreistagsabgeordnete der CDU, Karl Heinrich, Gustavsburg, nieder. Adam Renker, Rüsselsheim, wird die freigewordene Stelle einnehmen. eng.

Der Königstädter Gemeinderat be¬ schloß nun doch, mit dem 2. Bauabschnitt des Schulneubaus sofort zu beginnen. Die Beschlußfassung über das geplante Darlehen von 40 000 DM für den gleichen Zweck wurde zurückgestellt. eng.

Zur Spende für ein neues Geläute hat der evangelische Pfarrer in Raunheim aufgefordert. Drei neue Glocken sollen durch die gesammelten Gelder angeschafft werden. _au_

Die Schulleitung Dorndiel beabsichtigt die veralteten Schulbänke durch Tische und Stühle zu ersetzen. Dadurch soll die Arbeitsteilung erleichtert und der Gruppenunterricht ermöglicht werden.

Das neue Fleischbeschauergesetz wurde neben organisatorischen Fragen bei einer Dienstbesprechung in Stockstadt (von den 36 Fleischbeschauern im Kreis Groß-Gerau waren 34 anwesend) eingehend besprochen. Vertreter vom Landratsam? hielten Kurzreferate. (-dt-j

„Volkshochschule Bergstraße“ im Winter

Eine Übersicht auf kommende Veranstaltungen und Kurse

Die Volkshochschule Bergstraße, Sitz J uge>n h eim (Bergstraße), die schon seit langem ihre Erwachsenenbildung betreibt, bereitet ihr Winterprogramm vor. Es beschränkt sich bewußt auf bestimmte Arbeitskreise mit festumrissenen Bildungsaufgaben.

Der Kreis der Kleinbauern als Obst- und Gemüsezüchter wird wie im vorigen Winter seine Arbeitsgemeinschaften besonders in Seeheim weiterführen, wieder wie bisher unter sachkundiger Leitung des Kreis-Obst- und Gemüseverbandes, in engerer Zusammenarbeit auch mit der Landwirtschaftsschule und der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Darmstadt. Die sich bewährenden praktischen Führungen und Besichtigungen sollen auch in den Wintermonaten die Theorie unterstützen, so zum Beispiel durch Vorführung neuer Obstbaumschnitte und wiederholte. Besuche im Muster-Obstgut Talhof, Balkhausen.

Für Jugenheim ergeben sich aus der Arbeitsgemeinschaft mit dem „Pädagogischen Institut“, Heiligenberg, wie im letzten Semester, eine Reihe von Vorlesungen und Uebungen zur stärkeren Verknüpfung der Arbeit des PI mit den Anliegen und Fragen der pädagogischen Praxis, die auch über Jugenheim uhd die untere Bergstraße hinaus Anziehungskraft haben Das Gesamtthema „Erziehung“, auch des schwierigen, auch des fürsorgebedürftigen Kindes, wird das Winterprogramm vertiefen und erweitern durch „religiöse Fragen der Gegenwart“ und Einbeziehung der „Familie“ in den Kreis der Betrachtungen und Uebungen,

Neue Anregungen und Erweiterung des Wissens und Könnens sollen Handwerk kern und Gewerbetreibenden in Arbeitsgemeinschaften über Entwicklungen auf dem Gebiete der Technik gegeben werden. In zusätzlichen Kursen wurden berufliche Grenzgebiete, womöglich auch praktisch, erschlossen werden. Vorgesehen sind Elektrotechnik für Mechaniker und Uhrmacher, Feinmechanik für Elektriker u. a.

Daß für die Arbeit der „Volkshochschule Bergstraße“ die schönen Räume des „Education Service Center“ Jugenheim mit all seinen technischen Vorführungseinrichtungen dankenswerterweise zur Verfügung stehen, ist entscheidend für die Durchführung der Arbeit allgemein. Bei der anerkannten Bedeutung der Erwachsenenbildung im Rahmen der Gesamterziehung wird mit ihrer Einbeziehung in die kommende Experimentierstätte größten Stiles, der „Waldschule an der Bergstraße“, mit ganz neuen Bildungsmöglichkeiten in Laboratorien und Werkstätten gerechnet.

Gemeinden verlangen Unterlagen

Eine Resolution zur Musterschule bei Seeheim

In der Donnerstagssitzung des Jugenheimer Gemeinderats gab Bürgermeister Schürrle in bekannt, daß wegen dem zwischen Seeheim und Jugenheim vorgesehenen Schulbauprojekt am Dienstag eine interne Besprechung der Bürgermeister und einiger Gemeinderäte von Seeheim, Jugenheim, Albach, Bickenbach und Balkhausen stattgefunden habe, bei der folgende Entschließung gefaßt wurde:

„Wir begrüßen jede fortschrittliche Entwicklung des Schulwesens, sind aber erst dann in der Lage, der Frage der gemeindlichen Beteiligung an dem Schulprojekt näherzutreten, wenn einwandfreie Unterlagen über die Kosten der Errichtung und der Unterhaltung vorliegen und-feststeht, welche Geldmittel und sachliche Leistungen — einmalige und laufende — von den beteiligten Gemeinden gefordert werden, und ob diese Aufwendungen von den beteiligten Gemeinden getragen werden können, ohne daß vordringliche Aufgaben gefährdet werden.“

Der Gemeinderat nahm die Entschließung einstimmig an. Balkhausen, das eine einklassige Schule besitzt, braucht sich nicht an dem Projekt zu beteiligen, da beabsichtigt wird, die Schule für pädagogische Lehrzwecke bereitzustellen. (hl)

Alsbachs Haushaltsplan

Der ordentliche Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 161 566,91 Mark ab; der außerordentliche Haushaltsplan mit 7157,00 Mark. Die Steuerhebesätze betragen bei der Grundsteuer für land- und forstwirtschaftliche Betriebe 240 vom Hundert, für Grundstücke 93 v. H., Gewerbesteuer vom Gewerbeertrag und Gewerbekapital 300 v. H. und Zweigstellensteuer 390 v. H. Der Jahressteuersatz für den 1. Hund beträgt 16 Mark, für den 2. Hund 9 Mark Zuschlag.

Gutes Brennergebnis

Eine Kommission unter Leitung von Dr. Schmidt, Geschäftsführer des Tabakanbauverbandes, begutachtete in Schaafhheim den Stand der Tabakanpflanzungen. Proben von den bisher gebrochenen Grumpen und Sandblättern zeigten gute, Brenneigenschaften. Der jetzt begonnene und bis zur Ernte des Hauptgutes laufende Anfall von Grumpen und Sandblättern fordert vom tabakanbauenden Bauern Sorgfalt und Mühe, denn es heißt fortlaufend brechen, einfädeln und zum Trocknen aufhängen. Bei dem guten Stand der Schaafheirher Tabakpflanzungen darf jedoch gehofft werden, daß bereits die diesjährige erste Tabakernte alle Mühen mit einer guten Ware belohnen wird. (io)

Hunde starben an Giftköderu

In der gestrigen Gemeinderatssitzung in Kleestadt standen verschiedene Punkte auf der Tagesordnung. Zum ersten soll der jetzige Gemeindefasel abgeschaift und durch einen neuen ersetzt werden. Weiter wurde beschlossen, das Frühobst und die Zwetschen der Gemeinde am Samstagnachmittag öffentlich meistbietend zu versteigern. Dem Antrag eines Einwohners auf Verzicht des Vorkaufsrechtes einesßaugrundstückes wurde stattgegeben. Als Hauptpunkt der Tagesordnung standen die sich in letzter Zeit häufenden Fälle von Hundevergiftungen zur Debatte. Vermutlich gingen die Hunde nach dem Genuß von Giftködern, die in der Nähe des Ortes gegen Raubzeug ausgelegt wurden, zu Grunde. An die mutmaßlich in Frage kommenden Stellen wurde ein gemeinsam verfaßtes und unterzeichnetes Protestschreiben gerichtet. -th-

Genug Wasser in Kleestadt

Die in den letzten Jahren, besonders in den Sommermonaten, einsetzende Wasserknappheit, die sich durch den Zugang von etwa 300 Flüchtlingen weiter verschärfte, wurde jetzt durch den Bau von zwei Brunnen behoben. Das Projekt kostete 9000 DM, wovon die Gemeinde 7800 DM selbst tragen mußte, während die restlichen 1200 DM aus dem Arbeitslosenstock zur Verfügung gestellt wurden. Initiator dieses Vorhabens war Bürgermeister Brehm, der auch den Plan beim Gemeiziderat zur Vorlage brachte, wo er einstimmig angenommen wurde. Die Anlagen wurden von\ der Firma Georg Trautmann in Schaafheim ausgeführt. -th-

Fortschreitende Straßenreparaturen

Die Straßenarbeiten an der Kreisstraße zwischen Babenhausen und Langstadt gehen ihrem Ende entgegen. Außer der Straßendecke wird auch der Unterbau erneuert. Dieser Abschnitt ist der Teil eines Gesamtprojekts, das den Straßenausbau von Babenhausen über Langstadt nach Kleestadt und von Richen bis Groß-Umstadt vorsieht. Das Stück zwischen Langstadt und Kleestadt ist bereits fertiggestellt. Die Gesamtkosten werden mit 200 000 DM veranschlagt, wovon der Landkreis Dieburg die Hauptlast zu tragen hat. Über den Straßenteil zwischen Kleestadt und Richen ist die Finanzierungsfrage noch nicht geklärt, da dieses Stück Provinzstraße ist. -th-

Sattler singt in Waldmichelbach

Zum Abschluß seines diesjährigen Urlaubes in' Affolterbach singt Kammersänger Joachim Sattler von der Staatsoper Hamburg heute in einem Konzert, das die Hessischen Hölzerwerke, Waldmichelbach, für ihre Betriebsangehörigen und die Öffentlichkeit veranstalten. Am Flügel begleitet Generalmusikdirektor Mecklenburg (Darmstadt); ferner wirken die schon mehrfach in Waldmichelbach mit Beifall gehörte junge Violinistin Elfriede Früh (Bensheim) und der Männerchoi* „Harmonie“, Aschbach, mit. (-r)

Notlösung in Goddelau

In seiner Dringlichkeitssitzung behandelte der Gemeinderat Goddelau den vom Elternbeirat unterbreiteten Vorschlag betreffs Benutzung des Saales Haas für Unterrichtszwecke;' da der geplante Schulhausneubau bis jetzt noch nicht fortgeschritten ist. Der hierfür erforderliche Mietvertrag wurde einstimmig angenommen. Die Kosten für die Weiterführung von 700 m des Kanalnetzes werden sich auf 27000 DM belaufen; der hierfür aufgestellte Kostenvoranschlag wurde einer eingehenden Prüfung unterzogen. Der Bürgermeister gab bekannt, daß am 14. August mit den Pflasterarbeiten in der Bahnhofstraße begonnen wird. Von diesem Zeitpunkt an bleibt die Bahnhofstraße bis zur Altländerstraße für jeglichen Verkehr gesperrt. Der Bauplan des Karl Hiller auf Erbauung eines Wohnhauses in der Goethestraße wurde genehmigt. -od-

Jugendheim legt Rohrleitung

Der Jugenheimer Gemeinderat beschloß, zwischen der Siedlung und der Jahnstraße eine Verbindungsrohrleitung zu legen, um hierdurch eine Ringleitung zu bekommen. Der von Regierungs-Bauinspektor Ritter ausgearbeitete Voranschlag von 1500 Mark fand einstimmige Annahme. Die Rohrlegungs- und Grabenarbeiten in der Gemarkung „Dreieichenröhr“, „Am Galgenhügel“ und der Seeheimer Straße wurden bereits vergeben. Beide Bauvorhaben kosten 7728,60 DM. In Erinnerung an Kommerzienrat Gustav Hickler, der lange Jahre in Jugenheim wohnte und viel für das Gemeindewohl tat, wurde einer Abzweigung am Pauerweg der NameHicklerweg gegeben. (hl)

Herbstmarkt in Groß-Gerau

Am Samstag und Sonntag, dem 9. und 10. September, wird zum ersten Male wieder in Groß-Gerau ein Herbstmarkt abgehalten, der seiner Tradition allerdings insofern entkleidet ist. als er nicht mehr in der Hauptsache ein Verkaufsmarkt, sondern ein Markt der Volksbelustigung sein wird. Eine große Reihe Schausteller hat sich bereits angesagt. Der Verkehrsverein plant die Schaffung einer Festplakette. Der Marktplatz wird der Ort der Vergnügungen sein. eng.

Reger Ferkelmarkt

Zum Ferkelmarkt am 9. August in Groß-Gerau waren 403 Stück Ferkel aufgetrieben. Das Geschäft war rege, fast alle Ferkel wurden verkauft. Es kosteten 4 Wochen alte Ferkel 40 bis 45 DM, fünfwöchige 45 bis 50 DM, sechswöchige 55 bis 60 DM, 7 bis 8 Wochen alte 60 bis 70 DM und 9 bis 10 Wochen alte 70 bis 75 DM. Der nächste Markt wird am Mittwoch, dem 23. August 1950, auf dem Marktplatz abgehalten. eng.

Vergeßt Freisenz nicht!

Im Jahre 1912 wurde der Karl-Freisenz-Brunnen in Heppenheim zum Dank und Andenken an den kurz zuvor verstorbenen Oberpostmeister Karl Freisenz gestiftet.

Freisenz hatte sich auf dem Gebiete der Heimatforschung einen Namen gemacht. Sein Ziel war es, Heppenheim bekannt und zu einem Anziehungspunkt für Fremde aus nah und fern zu machen.

Für den Aufbau eines Heimatmuseums sammelte er althistorische Funde, Geräte und Gegenstände aus dem Altertum und bemühte sich so, die historische Vergangenheit Heppenheims wieder neu zu erschließen.

Wenn in diesen Wochen wieder von dem Aufbau eines Heimatmuseums die Rede ist, und Dr. Winter, der ein ausgezeichneter Fachmann auf diesem Gebiete ist (und seine Doktorarbeit einst über die Geschichte Heppenheims schrieb), diese Aufgabe übernommen hat, sollte man auch Karl Freisenz nicht vergessen, der sich damals schon für diese Idee einsetzte und große Verdienste erworben hat.

Unser Bild zeigt den - Freisenz-Brunnen in Heppenheim. Foto: Schermer



Blitzsichere „Brille“

Wenn der Sommer zur Neige geht, pflegen sich postwendend die Gewitter einzustellen. Sozusagen eine Symphonie auf den Herbst — mit Paukenschlag. Es donnert und regnet, aber das ist alles nichts gegen einen ordentlichen Blitz.

So ein Blitz hat für die meisten Menschen etwas unheimlich Aufregendes. Sei es, daß man ihn als Kind unter dem Bett erlebte, oder hinter der Gardine stehend hoffte, daß es nicht ausgerechnet bei einem selber einschlägt.

Es hat immer Blitze gegeben, die sich nicht anständig benehmen konnten. Sie fuhren in den Schornstein oder durch die Regenrinne, ganz nach ihrem persönlichen Bedürfnis.

Da hat es vor kurzem irgenwo einen sehr unanständigen Blitz gegeben, der sich ausgerechnet die Toilette einer Wohnung zum Ziel aussuchte. Übrigens war sie besetzt, — ehe ich vergesse, das zu erwähnen. Die ältere Dame bekam einen Schlag, Vor Schreck und vor zuviel Blitz — wie mans nimmt. (Dieser Blitz schien sich die Sache durch die Brille betrachten zu wollen.)

Eine Nachbarin nahm sich darauf die Sache zu Herzen und bestellte einen Fachmann, einen Mann, der mit Blitzen umzugehen versteht. Er baute einen privaten Blitzableiter in deren Wohnung ein und nun steht einem blitzsicheren Gang auf das stille Örtchen nichts mehr im Wege.

Kostenpunkt: 160,— DM.

Wenn sich die Vorsicht nur lohnt!

Sport der Heimat

Sportkreis Erbach

Fußballauswahlspiele

Zu den am Sonntag in Höchst stattfindenden Fußballauswahlspielen des Sportkreises Erbach werden die Mannschaften in nachstehender Aufstellung antreten:

A-Mannschaft (Oberzent):

E. Glas (Michelstadt); K. Egner (Erbach), W. Ihrig (Steinbach); H. Holzschuh (Beerfelden), Dünnebier (Erbach), G. Hering (Beerfelden); B. Neff (Steinbach), A. Erl (Michelstadt), W. Riefling (Erbach), K. Gotter (Erbach), Gebanen (Günterfürst).

A-Mannschaft (Unterzent):

K. Seeger (Sandbach); A. Wolf (Höchst), H. Kretschmann (Höchst); L. Eckert (L.~ Wiebelsbach), O. Kautz (Höchst), W. Weigel (Neustadt); H. Allmann (Höchst), W. Schimpf (Rimhorn), A. Heusel (Neustadt), W. Hilpert (Sandbach), Eckhardt (Höchst).

B-Mannschaft (O be r ze n t):

H. Schäfer (Sensbachtal); Foshag (Sensbachtal), Gerbig (Hetzbach); A. Müller (Gammelsbach), W. Siefert (Gammelsbach), J. Körber (Sensbachtal); A. Siefert (Gammelsbach), H. Ihrig, H. Rexroth, H. Hofmann, Bania (alle vier: Sensbachtal).

B-Mannschaft (Unterzent):

J. Kowartschek (Haingrund); O. Bert (Kirch-Brombach), H. Haschert ( Mümling-Grumbach); W. Schwinn ( Wald-Amorbach), G. Flechsenhaar (Würzberg), H. Reeg (Mümling-Grumbach); A. Bischoff (Fürstengrund), W. Trumpfheller (Würzberg), Münch (Mümling-Grumbach), G. Jung (Haingrund), W. Friedrich ( Mümling-Grumbach). --ppi

Kindersportfeste

Der überfachliche Vorstand des Sportkreises Erbach hat die Termine für die seit längerer Zeit geplanten Kindersportfeste neu festgelegt. Hiernach sollen sie am 28. August in Beerfelden, am 3. September in Reichelsheim und am 10. September in Steinbach und Höchst durchgeführt werden. Man rechnet damit, daß insgesamt mehr als 1000 Kinder an den einzelnen Entscheidungen teilnehmen werden.

Am 13. August, vormittags 9.30 Uhr, findet in Höchst, Gasthaus „Burg Breuberg“, eine Fußballvereinsvertretertagung statt.

Radrennen in Michelstadt

Die Radsportabteilung des VfL Michelstadt veranstaltet am Sonntag, 14.30 Uhr, im Heinrich-Ritzel-Stadion in Michelstadt ihre zweite diesjährige Radsportgroßveranstaltung. Bekannte Fahrer der deutschen Spitzenklasse, unter ihnen die Gebrüder Deibler (Augsburg), Meißer (Dortmund), Holzmann und Intra (Frankfurt), Mertens (Dortmund), Knößldörfer (München), Klehr (DannstadtiPfalz), Mertens (Düren), fünfacher Deutscher Studentenmeister, Gänsler (Stuttgart), Spiegel (Nürnberg), Schlienz(Darmstadt), Schertle (Stuttgart) und Barth (Wiesbaden) werden in folgenden Entscheidungen ihre Kräfte messen:

Fliegerhauptfahren, Ausscheidungsrennen und als Höhepunkt der Veranstaltung ein 75-km-Mannschaftsrennen nach Sechs-Tageart um den „Großen Patria-Preis“, einer Stiftung der Firma Patria-WKC, Fahrradfabrik Hans A. May (Solingen).

Sportkreis Bergstraße

Der TV Juhöhe (bei Mörlenbach) veranstaltet am kommenden Sonntag sein alljährliches Abturnen, das mit einem Waldfest verbunden wurde. Die Kreisriege wird dabei ein Werbeturnen zeigen.

Kreisfußballfachwart Hartmann (Bensheim) wurde jetzt vom Landessportbund Hessen für besondere Verdienste um den Sport mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.

In Bensheim a. d. B. bildete sich jetzt ein neuer Sportverein, der SV Bensheim, der vor allem den Fußballsport betreiben will; die Platzfrage ist sicherem Vernehmen nach bereits geklärt.

Die Fußball-B-Klasse Gruppe Odenwald beginnt im Gegensatz zu den übrigen Kreis-Gruppen erst am 17. September mit den Rundenspielen. Die Gruppe Odenwald erhält als neuen Verein die SG Zotzenbach, die Gruppe Ried Beedenkirchen und den SV Bensheim.

In Unter-Abtsteinach findet im September einß-Jugendlehrgang für Fußballer des Bezirks Darmstadt statt. Als Unterkunft wurde die Stiefelshöhe bei Siedelsbrunn gewählt; die Patenschaft des Lehrganges hat der SV Unter-Abtsteinach übernommen. (ni)

Sportplatzweihe in Krumbach

Am 12. und 13. August findet die Einweihung des neuen Sportplatzes durch die Kultur- und Sportgemeinschaft statt. Am Sonntag werden ab 9.30 Uhr leichtathletische Kämpfe durchgeführt. Nach dem Festzug und der Platzübergabe durch den Bürgermeister stehen um 15 Uhr zwei Handballspiele auf dem Programm. TuS Weinheim spielt gegen Spvgg Liebersbach und TS Heppenheim gegen SKG Krumbach.

Neues aus dem Sportkreis Bergstraße

Die Sportgemeinschaft Unter - Schönmattenwag hat ihren Namen jetzt in „Odin Unter-Schönmattenwag“ geändert.

Die Ausschreibungen für das am 19. und 20. August in Heppenheim stattfindende Kreissportfest enthält neben leichtathletischen und Schwimmwettkämpfen auch Turnwettbewerbe der verschiedenen Altersklassen. Rasenspiele und andere Mannschaftskämpfe vervollständigen das Programm. . -ni-

Sportkreis Groß-Gerau

Fußball: Neben einem Turnier in Wolfskehlen — an dem Klein-Gerau, Büttelborn, Goddelau und Leeheim teilnehmen — und einigen Freundschaftsspielen wartet man allgemein auf den Ausgang des anläßlich der Treburer Kerb in Trebur stattflndenden Turniers, zu dem die einheimische Mannschaft Bischofsheim, Weilbach, Groß-Gerau, Nauheim und Astheim eingeladen hat.

Ferner spielen: SKV Mörfelden —Velpert/Rheinland, Opel Rüsselsheim— Bad Homburg (Aufstiegsspiel zur Landesliga), Biebesheim—Olympia Lampertheim.

Handball: Die SKV Mörfelden spielt am Sonntag zu Hause im Vorrundenspiel um den Hessenpokal gegen den Hessenmeister, SG Dietzenbach. Auf dieses Spiel ist besonders Augenmerk zu legen, da die Mörfelder Mannschaft bereits die TuS Griesheim, Braunshardt und am Sonntag Ober-Roden besiegen konnte.

Ferner spielt: TuS Rüsselsheim gegen Ginsheim. -od-

Ringerturnier in Rimbach

Aus Anlaß des 40jährigen Bestehens des Kraftsportes in Rimbach veranstaltet die Ringerabteilung der SKG Rimbach am kommenden Wochenende ein Ringerturnier, zu dem insgesamt 33 Mannschaften eingeladen worden sind. Bisher liegen Zusagen von 15 Mannschaften vor, darunter Friesenheim, Groß-Zimmern, Dieburg, Bensheim, Ober-Ramstadt, Roßdorf, Nieder-Liebersbach, Fürth (Odw.), Eckenheim, Viernheim, Kirschhausen u. a.

Sechs wertvolle Silberpokale werden in zwei Mannschaftsklassen von je acht Ringern umkämpft. Unter den Teilnehmern befinden sich die deutschen Meister Gehring (Friesenheim), Kem (Dieburg), ferner mehrere Landesmeister und etwa fünf Kreismeister. Samstags findet auf dem Sportplatz ein Festkommers statt. Die Ringkämpfe beginnen sonntags um 9 Uhr. Mittags soll vom Bahnhof aus ein Festzug mit den Aktiven die Straßen Rimbachs erfüllen. (ni)

Messel. Anläßlich des 30jährigen Bestehens der Fußballabteilung führt die hiesige Turn- und Sportgemeinschaft 1877 am kommenden Samstag und Sonntag ein Fußballturnier durch. Während am Samstagnachmittag bereits die Altherrenmannschaften von Wixhausen und Messel Zusammentreffen, beginnt am Sonntag, um 8.30 Uhr, das Turnier.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Ober-Ramstadt. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft des Verbandes der Heimatvertriebenen hat sich hier gegründet. Der Vorsitzende der Ortsgruppe der Heimatvertriebenen, Al. v. Majewski, wurde zum Sprecher der Landsmannschaft gewählt. (-D-)

N^der-Beerbach. Die „Königsteiner Puppenspieler“ gaben im „Darmstädter Hof“ eine gutbesuchte Kindervorstellung. Das unter Leitung von R. Fischer stehende Puppentheater spielte nachmittags „Kripps und Krapps, die Räuber“ und die „Zaubermusik“. Abends wurde für Erwachsene das Puppenspiel „Doktor Faust“ aufgeführt. (hl)

Alsbach. — Heute findet beim Minke-Peter ein Wunsch-Tanzabend statt, wobei die drei besten gewünschten Tänze mit einem Preis bedacht werden.

Seeheim. Die Hundebesitzer werden aufgefordert, bis spätestens 15. September bei der Bürgermeisterei gegen eine Gebühr von 0,50 DM eine Hundemarke abzuholen. Hunde, die nach dem 25. September noch ohne Hundemarke herumlaufen, werden dem Tierschutzverein zugeführt. — Morgen beginnt die traditionelle Seeheimer Kirchweihe. (hl)

Erzhausen. Braungebrannt kehrten 17 Erzhauser Jungen und Mädels aus dem Jugendzeltlager des Kreises Darmstadt Breitenloh bei Nieder-Beerbach zurück. (-i-)

DIEBURG

Ober-Roden. Die Kanalisationsarbeiten der Bachgasse wurden jetzt durch den Unternehmer Franz Gotta in Angriff genommen. Im Haushaltsplan sind dafür 4000 DM vorgesehen. (gi) Altheim. In einer großangelegten Brandübung erprobte die Freiwillige Feuerwehr die neuen Schläuche. Die Wehr hatte vor wenigen Wochen 50 Meter neues Schlauchmaterial erhalten. (-gi-)

Eppertshausen. Um die noch aufzuforstenden Schadenstellen im Gemeindewald feststellen zu können, nimmt am Sonntagmorgen Forstmeister Zahorka, Forstwart Nowack, Bürgermeister Gruber und der gesamte Gemeinderat eine Waldbesichtigung vor. (wu)

Groß-Zimmern. Am kommenden Sonntag, 14 Uhr, findet im „Löwenbräu“ ein großes Züchtertreffen, verbunden mit Züchter-Ehrung des Kreisverbands Kaninchenzüchter Dieburg-Erbach statt. Der Feier geht eine Delegiertentagung voraus. Geehrt werden 41 verdiente Züchter der beiden Kreise. (H.)

ERBACH

Sandbach. Das Gummiwerk „Odenwald“ unternahm mit 100 Mann eine Ausflugsfahrt nach Bad Münster am Stein und Bad Kreuznach. Als Gast nahm Landrat Neff teil. (hm)

BERGSTRASSE

Heppenheim. Der Kleintierzuchtverein veranstaltet am kommenden Sonntag im Garten des katholischen Vereinshauses (im Graben) eine Geflügel- und Kaninchen-Jungtierschau. Die Schau ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet. (HB)

Ober-Schönmattenwag. In den Wiesenvorstand wurden gewählt: Adam Bräunig, Adam Falter, Rudolf Grundmann und Michael Walter. (-r)

Buchklingen. Die Jugendherberge Martinshütte“ nahm jetzt die Mädchen einer Mittelschulklasse aus Adv on - shire (England) als Sommmergäste auf, nachdem sie zuvor längere Zeit von Mannheimer Schulkindern belegt gewesen war. (-r)

Lorsch. Starke Verbrennungen erlitt ein zweijähriges Mädchen in der Heppenheimer Straße, als es in einem unbewachten Augenblick eine Kanne heißen Wassers umstürzte, deren Inhalt sich über die unteren Körperpartien ergoß. — Wie verlautet, soll demnächst hier eine zweite Apotheke in der Römerstraße eröffnet werden. (el)

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Am kommenden Sonntag wird nachmittags im großen Saal des Hotel Adler für Kinder das Stück „Hänsel und Gretel“ aufgeführt; abends zeigt dieselbe Gruppe „Flitterwochen“. Am 16. und 17. August schlägt der Zirkus Bru nb a c h aus der Ostzone seine Zelte vor dem Wasserturm auf. Der Zirkus faßt 1800 Be-

sucher. (cg) Groß-Gerau. Im Kreise wurden im Juli 9 Handwerksbetriebe an- und 7 abgemeldet. Im Einzelhandel stehen 27 Anmeldungen 4 Abmeldungen gegenüber. 8 Gaststätten wurden eröffnet und 2 geschlossen. (cg)

Groß-Gerau. Am Sonntag veranstaltet die Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen für den Landkreis Groß-Gerau eine Kundgebung, bei welcher der zweite Vorsitzende des Landesverbandes, Frank S e i b o t h (Bensheim), über aktuelle Fragen sprechen wird. (-kb)

Raunheim. Am Sonntag veranstaltet der evangelische Kirchenchor eine Fahrt nach Weilburg an der Lahn. Die Ausflügler werden dort an einem Festgottesdienst teilnehmen. (~kb)

Dornheim. Im Saale Lerch hält am Sonntag Architekt H. Obst einen aufklärenden Vortrag über die Linderung des Woh¬ nungsbauproblems. (-od-)

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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, 12. August 1950 Wochenschlußandachton: 17.00 Bessunger Kirche, 19.00 Paul- Gerhardt-Haus, 20.00 Martinsstift, Johannisgemeinde, Paulus¬ gemeinde und Elisabethenstift. Sonntag, 13. August 1950 Bessunger Kirche: 8.30 Kgd., 9.30 Hgd., 12.00 Tgd. Pfr. Calgan. Stadtkirche: 10 Hgd., 11.15 Kgd., Pfr. Knodt. Vereinigte Martinsgemeinde: 7 Frühgd. Pfr. Stühlinger, 10 Hgd. Pfr. Köhler, 11.15 Kgd. im Martinsstift Pfr. Köhler, 11.15 Kgd. im Gemeindehaus Pfr. Stühlinger, 17 Eröffnungsgd. z. Konfirmandenunterricht Pfr. Widmann. Matthäuskirche: 8.30 Christen!., 9.30 Hgd., 10.45 Kgd. Pfr. Stenger. lohannesgemeinde: 9.30 Hgd., 11 Kgd. Pfr. Jaeschke. Mittwoch, 16. 8., 20 Abendgd. Pfr. Jaeschke; jeden Morgen 7.30 Morgen¬ gebet. Paul-Gerhardt-Haus: 10 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Ring. Pauluskirche: 8.30 Christenl., 9.30 Hgd., 11 Kgd. Pfr. Britz. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abendmahl, 11 Kgd. Stadtmission: Mühlstraße 24: 8.30 Gebetsst., 11 Kgd., 15.30 Evangelisiation, 8 E. C. Fahrt nach Ludwigshafen. Do., 20 Bibelstunde. Ost.-Eberstadt: Kirchweihsonntag 7.30 UEv. M. 9,45 Hgd., 11.15 Kgd Dst.-Arheilgen: 8.00 Schloßkirche Kranichstein, 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., 15.00 Landeskirchl. Gemeinschaft. Katholische Gottesdienste Sonntag, 13. August 1950 St. Ludwig: 6.30 Frühm. m. kurzer Ansprache, 8.00 Singm. m. Pred., 9.30 Hochamt m. Pred., 20.00 Andacht. (Werktags¬ gottesdienst: Tägl. 6.45 und 7.30 hl. Messe; Betchtgelegen¬ heit Samstag 18.00 bis 20.00). Liebtrauen: 7.00 Singm. m. Pred.. 8.15 Hochamt m. Pred., 10.00 Kgd m. Anspr., 18.30 Andacht. (Mariä Himmelfahrt Gottes¬ dienst wie Sonntag, zus. 20.00 Hochamt). St. Elisabeth: 6.30 Frühmesse, 7.45 Singm. m. Pred., 9.00 Kdg„ 10.15 Hochamt mit Pred., 20.00 Andacht m. Segen. Beichtgelegenheit: Samstag 16.30 bis 18.30 u. 20.00. (Maria Himmelfahrt: 6.30 Frühm., 9.00 Kdg., 20.00 Hochamt m. Pre¬ digt vor Kindergottesdienst u. Hochamt Kräuterweihe). St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwestern (Feldberg¬ straße 32), 6.45 Beichte, 7.30 Singm. m. Predigt u. Komm., 8.45 Kinderm. m. Pred. u. Komm., 10.00 Hochamt m. Pred. u. Komm., 19.30 Andacht m. Segen. Beichtgelegenh.: Montag, von 18.00 bis 19.00 u. Samstag von 17.00—19.00 und ab 20.00. (Mariä Himmelfahrt: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwestern, 7.30 Singm. m. Pted.. u. Komm., 8.45 Kinderm. m. Pred. u. Komm., 10.00 Singm. m. Predigt u. Komm., 20.00 Hochamt m. Predigt und Kommunion). Oarmstadt-Eberstadt: 7.00 Gemeinschaftsm. d. Männer m. Anspr,. 9.30 Hochamt m. Pred., 19.30 Abendandacht m. Segen; Beicht¬ gelegenh. Samstag 16.00 bis 18.30; werktags 6.45 hl. Messe oder Amt. Beichtgelegenh. Montag 17.00 bis 19.00. (Mariä Himmelfahrt und Feier des diamantenen Priesterjubiläums: 7.00 hl. Messe, 9.30 lev. Festamt anl. der 60jähr. Primiz des Hochw. Geist!. Rates Adam Schmitt. Festpred. d. H. H. Dom.- Kap. Dr. J. Schmidt, Mainz. Priester-Jubil.-Segen des hoher Jubilars, 19.30 Kräuterweibe und Muttergottesamt m. Segen). Darmstadt-Arheilgen: 7.00 hl. Messe, 8.30 Kd.-Gottesdienst 9.45 Hochamt, 20.00 Andacht. ' Erste Kirche Christl, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist) Taunusstr. 40: Sonntags¬ gottesdienst 14.30; Mittwochabend 18.30 (Zeugnisversamml.) Christengemeinschaft, Herdweg 31 Sonntag: 10.00 Uhr Menschenweihehandlung

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Volkerstadt Alzey

Volker von Alzeije, der ritterliche Spielmann und treue Gefährte des finsteren Hagen aus dem „Nibelungenlied“, hat den Namen dieser Stadt in alle Welt getragen. Doch schon lange, bevor die Burgunder an den Rhein kamen, zeichnete sich das keltische Altiaia neben Worms und Mainz als eine der ältesten Städte rheinischer Kultur in das Buch der Geschichte ein. Um 50 nach Christi wuchs hier an der Kreuzung der alten Straßen Mainz—Metz und Bingen—Worms eine römische Siedlung. 250 wurde das „Vicus“ durch rechtsrheinische Germanen zerstört, unter Kaiser Konstantin erfolgte der Bau des turmbewehrten Kastells, eines Vorgängers des heute noch Alzey überragenden Schlosses, das als Gründung der Pfalzgrafen um 1100 entstanden ist und Mittelpunkt und zeitweise Residenz der rheinischen Pfalzgrafen wurde.

Im Mittelalter war Alzey kaum mehr als ein Landstädtchen; erst als es 1835 zur Kreisstadt wurde, begann eine Entwicklung, die Alzey immer mehr zu einem wirtschaftlichen und kommerziellen Zentralpunkt eines reichen Hinterlandes werden ließ. Zu den bedeutsamen Straßen, der alten Kaiserstraße Mainz —Saarbrükken und der von Worms nach Kreuznach, kam 1870 die Eröffnung der Eisenbahnstrecken nach den großen Rheinstädten; dem Landratsamt folgten zwangsläufig Amtsgericht und zahlreiche andere Behörden, Berufs- und höhere Schulen und nicht zuletzt Betriebe und Unternehmen, die zusammen mit dem Ruf eines guten Tropfens und einem blühenden Wein¬ . handel die gewichtige wirtschaftliche Position Alzeys weiter festigten. In dem raschen Ansteigen der Einwohnerziffer spiegelt sich deutlich der Aufschwung der Stadt wider: den 4 546 Bürgern von 1835 standen 1900 schon 6 893 gegenüber, und mit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind nun die 11 000 Einwohner längst überschritten. Dazu kam, daß der letzte Krieg verhältnismäßig glimpflich an der Volkerstadt vorübergegangen ist. *

Da überragt noch immer die 1449 begonnene Nikolai-Kirche (1449 von Nikolaus Eseler erbaut, dem Mainzer Dombaumeister, der auch Dinkelsbühls Kirchen schuf) den Obermarkt mit seinen kostbaren, alten Giebelhäusern. Da entzückt im strengen Stil der deutschen Renaissance das aus dem Jahre 1586 stammende Rathaus auf dem Fischmarkt, zu dem das „Deutsche Haus“ (1699) das reizvolle Pendant bildet. Da ist noch immer der machtvolle Block des trutzigen Schlosses mit seinen wehrhaften Bollwerktürmen, das heute, nach seinem Wiederaufbau in den Jahren 1902 und 1904, als Amtsgericht dient, und auch die „Drehscheibe“, wie die Alzeyer sagen, ihr Roßmarkt als Herzstück der Stadt, hat seine schönen Fachwerkhäuser wieder erhalten, denen der Bombenkrieg leider manche Narbe geschlagen hatte.

Doch Alzey ist mehr als nur steingewordene Erinnerung —, es steht aufgeschlossen einer Gegenwart gegenüber, die ihre Impulse aus der engen Verbundenheit mit der kaufstarken Bevölkerung eines großen Landkreises bezieht. Nicht von ungefähr nahm die Landwirtschaftskammer Rheinhessen in Alzey ihren Sitz. Mainz, Worms und vielleicht auch Wiesbaden mögen wohl für den Landmann hin und wieder begehrte Wochenendziele sein, aber seine Behörden und seine gewohnten Geschäftsverbindungen findet er in Alzey. So hat sich dieser Kontakt einer Stadt mit ihrem weiten Hinterland wirtschaftlich überaus befruchtend ausgewirkt. Die Prosperität dieses gesegneten Landstreifens ist bedingt durch die Struktur seiner bäuerlichen Betriebe, denn hier bestellt nicht nur der Winzer seinen Weinberg, sondern auch im gleichen Maße der Bauer sein Feld. Daß sich aber auch Alzey als Weinort eines wachsenden Rufes erfreut, soll einem herzlich willkommenen Gast gegenüber nicht unerwähnt bleiben. H. A.

Unsere Bilder zeigen: Oben links: Der Volkerbrunnen. Darunter: Die für die Alzeyer Altstadt typische Antoniterstraße. — Oben rechts: Blick auf die in die weite rheinhessische Landschaft gebettete Stadt. — Darunter: Durchgang zum Schloß. — Unten rechts: Die städtische Gutsverwaltung.



Porzellan aus Mymphenburg

Nähert man sich an einem Sommertag um die Mittagszeit dem stillen Nymphenburger Schloßrondell, wenn gerade die Schloßuhr die zwölfte Stunde anschlägt, dann glaubt man sich um zweihundert Jahre zurückversetzt. In Schneeweiß und Gelb strahlt eines der Kavaliershäuser im weiten Rund, und nur eine kleine Türbeschriftung in deutsch und englisch läßt erkennen, daß man den Eingang zur Staatlichen Porzellanmanufaktur Nymphenburg vor sich hat. Siebzig Prozent der Gebäude mit kostbarstem Porzellan wurden 1943 in einer Nacht zerstört. Die unter Denkmalsschutz stehende Außenfront ist jetzt wiederhefgestellt worden, im Innern wurde vieles modernisiert. Der unersetzliche Modellschatz wird allerdings erst wieder in Jahren subtilster Erneuerungsarbeiten auf den früheren Stand gebracht werden können. Freilich, der Besucher, der in hellem Entzücken durch die Ausstellungsräume wandert, merkt nichts davon. Er sieht hier die zierlichsten Figurinen in Schmelzfarben von wunderbarer Feinheit und Leuchtkraft, dort ein reiches Tafelservice mit mattgrünem Grund und Poliergoldrändern, und steht überall vor einer imponierenden Vielgestaltigkeit keramischer Kunst. Und draußen erwarten ihn dann noch die fröhlich-bunten mannshohen Gartenfiguren in Majolika.

Von den drei berühmten staatlichen Porzellanmanufakturen, unter deren Erzeugnisse es keine qualitativen, sondern nur geschmackliche Unterschiede gibt, ist die Berliner zur Zeit nach Selb verlagert, die Meißner wurde ins Volkseigentum überführt. Die Nymphenburger, 1747 vom Kurfürstenhaus gegründet, ist nach wie vor in staatlichem Besitz, aber seit 1860 verpachtet. In allen drei Manufakturen wird nur nach handwerklichen Methoden gearbeitet. Es gibt keine Maschinen, keine Massenproduktion. Den nordbayerischen Fabriken wie Rosenthal und Hutschenreuther, soweit sie gleichfalls handwerklich betrieben werden, fehlt der Anschluß an das 18. Jahrhundert, das Nymphenburg groß gemacht hat. Sie haben keine eigenen historischen Rokoko-Modelle, sondern müssen sie nachschaffen. Nymphenburgs Stärke liegt in der Uebersichtlichkeit der Herstellung. Man läßt einen Mann auch nie mehr als ein Dutzend von einer Sorte machen. Dann bekommt er wieder ein anderes Modell, damit er frisch bleibt und nicht mechanisch wird. Hier hat man nur Modelle und Muster, aber keine Vorräte. Der Käufer darf sich kleine Aenderungen und Ergänzungen wünschen, aber Sonderanfertigungen von „Abziehbildern“ nach dem Tagesgeschmack werden abgelehnt. Natürlich muß man dem Ausland etwas entgegenkommen, aber das führt nie zur Aufgabe der eigenen Note. Mit dieser Haltung steht und fällt der Ruf Nymphenburgs, denn jedes seiner Erzeugnisse träft das schlichte, mit Blindstemnel eineedrückte Rautenschild des bayerischen Wappens. Es hat ihnen seit zweihundert Jahren zu einem Ansehen verholfen, das niemals durch unverantwortliche Konzessionen verspielt werden darf.

Dem deutschen Käufer fehlt es seit Kriegsende nicht an Geschmack, wohl aber an Platz und Geld. Nach Ansicht der Nymphenburger Verantwortlichen hängen die Absatzmöglichkeiten aufs engste mit der Wohnraumfrage zusammen. Erlesenes Porzellan paßt nicht in gemeinschaftlich benutzte Küchen und beengte Raumverhältnisse. Aber man ist zuversichtlich hier draußen am Schloßrondell Inzwischen nilt e!n stillschweigendes Versprechen: Nymphenburgs Porzellan bleibt, was es immer war. H. W.

Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION

9. Fortsetzung und Schluß

Wenn sie nur nicht dieses unübertreffliche Talent hätte, andere Leute nachzumachen! Margaret Rose ist ein Meister der Imitation. Als sie einmal im Unterhaus war und Premierminister Attlee beobachtete, wie er erst ganz winzig zusammengekrümmt auf seinem Stuhl hockte und nachher — gegen Sicht geschützt — seine Beine auf den Tisch legte —, da konnte Margaret Rose es sich natürlich nicht nehmen lassen, in den nächsten Tagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit nachzumachen —, wie der Premierminister im Unterhaus sitzt . . . Und wenn Attlee auch vpn der Labour-Partei ist, über den Premierminister darf man nicht spotten —, sagen sogar die Konservativen und fanden das auch shocking.

Doch der schwerste Stein des Anstoßes ist die Art und Weise, wie Margaret Rose sich kleidet. Man sagt von den meisten Engländerinnen, daß sie auch die elegantesten Kleider so trügen, als ob es sich um einen Pullover handelte. Das kann man Margaret Rose aus den verschiedensten. Gründen nicht nachsagen. Sie versteht wirklich etwas von Kleidern und von der Mode. Sie hat wirklich einen vorzüglichen Geschmack. Und trotz ihrer Kleinheit vielleicht gerade deswegen — trägt sie die Kleider so, wie ein Mannequin, wie eine Schauspielerin sie auf der Bühne tragen würde. Aber ist das nicht schon wieder — shocking?

Bisher war der Hofschneider, der eigentlich seit Generationen für den Buckingham-Palast die Damenkleider lieferte. Hartnell-Großvater, Hartnell-Vater, Hartnell-Sohn — diese Linie wurde nie unterbrochen, weil Hartnell quasi ein Monopol für die Kleider der Königin besaß. Hartnell lieferte auch die Kleider der Königin Elisabeth und auch der Kronprinzessin. Hartnell wird das wohl auch bis zum Tode der Königin tun. Auch Elisabeth wird kaum aus der Reihe ausbrechen.

Aber — es gab einen gewaltigen Sturm vom Kanal bis nach Schottland hinüber, als Margaret Rose auf einmal, nachdem die Kleiderrationierung vorüber war, an die sie sich, leider, auch halten mußte, eine Anzahl eleganter Kostüme und Kleider bei Molyneux, dem bekannten Pariser Modeschöpfer, bestellte.

Zuerst wollte man diesen Kleiderbezug bei dem „Franzosen“ sabotieren, indem man über den Chef des Protokolls darauf aufmerksam machte, daß für solche Zwecke keine Devisen freigegeben werden dürften. Aber — Margaret Rose hatte eine mächtige Verbündete in der Person der Herzogin von Kent, mit der sie sich in bezug auf die Mode ausgezeichnet versteht. Molyneux, der französische Modekönig, schuf über Nacht eine Londoner Niederlassung. Und den Damen, die Margaret Rose die Kleider aus Paris nicht gegönnt hatten, war wieder eine Waffe aus der Hand geschlagen. Doch war es nicht trotzdem — shocking?

„Ueberhaupt — die Farben, die sie aussucht, der Kleiderschnitt, den sie bevorzugt! Hatte sie denn keine Augen im Kopf? Sieht sie denn nicht, wie klein sie ist? Kennt sie denn nicht ihre schmalen Schultern?“

Man hat Margaret Rose alles Wort für Wort zugetragen, was die Damen, die alles shocking finden, über sie tuschelten. Da tat Margaret Rose einen Schwur, den sie ganz gewiß zu halten gesonnen ist: „Wartet nur, wenn ich erst volljährig bin und meine Apanage, meine regelmäßigen Bezüge als Mitglied des königlichen Hauses erhalte, dann werde ich eines Täger auf der Liste der bestangezogensten Frauen der Welt stehen!“

Vorläufig ist es ja noch nicht so weit. Sie ist ein Mauerblümchen, das kein eigenes Einkommen hat und die Eltern um das bitten muß, was sie an Geld braucht. Deshalb muß sie mit dem, was sie kauft und bestellt, unter Berücksichtigung des sehr mageren Taschengeldes, geschickt rechnen, um immer elegant zu sein.

Man kann von ihr nicht behaupten, daß sie irgendeine Farbe bevorzuge. Nur eins mag sie nicht— das berühmte schwarze Kleid, das zum Grundstock einer jeden „schlicht, aber gut-angezogenen“ Frau gehören soll. Sie hat nämlich herausgefunden, daß diese schwarzen Kleider in den königlichen Familien auf Grund einer seltsamen Geschichte für vornehm gelten:

Zu einer Zeit, als die Königshäuser noch alle untereinander verwandt waren, damals, als die Königin von Rumänien die Schwiegermutter des Balkans genannt wurde, waren die königlichen Damen von Europa und England jeden zweiten oder dritten Monat gezwungen, wegen irgendeines alten Onkels, der in Zentraleuropa starb, schwarze Kleider anzulegen. Manchmal häuften sich die Todesfälle so, daß man aus den schwarzen Kleidern gar nicht mehr herauskam. Daraus entwickelte sich eine — Sitte. Margaret Rose steht auf dem Standpunkt, daß man Trauerkleider tragen soll, wenn es sich um nahe Verwandte handelt. Aber — sie will sich durch irgendeine längst vergessene Tante, die irgendwo das Zeitliche segnet, nicht beirren lassen. Im besten Falle entschließt sie sich noch — zu einem Kostüm in Marineblau . . .

Shocking! — Shocking!

Man hat mehr als einmal Königinmutter Mary, die alte Queen Mary, als Zeugin dafür zitiert, daß Margaret Rose wirklich ein böses Prinzeßchen sei, weil Margaret so gar nicht mit sH reden lasse. Sie wird zuhören, wenn die bösen Zungen „shocking“ flüstern und wird es überhört haben, ehe der Klang an ihre Ohren kam.

Denn sie weiß aus einem langen, nicht immer heiteren Leben, daß das Dasein letzten Endes sein Recht verlangt.

♦ Nur noch hundert Tage Freiheit? Nur noch drei Monate — und' dann — Ehehafen und Liebesfesseln, aus denen man nicht mehr herauskann? Wer wird es sein? Wer wird sie zum Altar führen? Für wen wird sich sich entscheiden, ob sie die Zustimmung des Königs bekommt? Und ob die Minister einverstanden sind? Auch wenn sie vom Schmied von Gretna-Green träumte: sie kann ja doch nicht aus dem Bann heraus, der über sie verhängt wurde, als das Schicksal sie zur englischen Prinzessin machte — zur Schwester aer Kronprinzessin von England.

Mag sie sich über die großen und kleinen Sorgen ihres Daseins mit dem Blick auf das Uebermorgen hinwegtrösten: es wird auch dieser kleinen Rebellin Margaret Rose nicht gelingen, alle Hürden zu nehmen, die sich vor ihr auftürmen — im Ringen um ihre Freiheit. Sie hat Ellbogen bewiesen. Sie hat sich den Weg freigekämpft und Cancan getanzt und Cherry und Gin getrunken und bis morgens getanzt! Sie hat sich mit den besten Tänzern Englands auf dem Parkett der Nachtklubs im Tanze gedreht Aber wenn es zur Entscheidung kommt, muß sie doch fragen, ob der König will, ob jene, mit denen sie durch ihre Geburt verbunden ist, damit einverstanden sind, daß sie sich mit diesem oder jenen Partner für das Leben bindet.

Das Uhrenmännlein

7 n einem verwilderten Garten dicht am Walde stand das alte Jägerhaus. Seit langer Zeit wohnte niemand mehr darin, und das Fenster blieb offen, weil niemand da war, es zuzumachen. Aber in der Ecke des Zimmers auf dem Tisch tickte noch immer die Uhr, und in der Uhr wohnte das Uhrenmännlein. Es hatte rote Aeugelchen und trug ein blaues Mäntelchen, und in der Hand hielt es ein silbernes Hämmerchen. Damit schlug es zu jeder Stunde an die Glöckchen der Uhr, so daß sie riefen: „Bim, bim, bim..."

Des Nachts kletterte das Uhrenmännlein manchmal aus seiner Uhr heraus, setzte sich an das offene Fenster und schaute mit seinen roten Aeugelchen in den goldenen Mond.

Einmal, als es wieder so saß und mit seinen roten Aeugelchen in den goldenen Mond schaute, schlief es darüber ein. Im Schlafe aber bewegte es sich und — purzelte aus dem Fenster. Es hatte aber Glück dabei, denn es fiel auf den Mondenschein, und weil der Mondenschein glatt ist, rutschte es darauf entlang und in den Garten hinaus.

Es erwachte und rief: „Halt! Halt! Wohin soll’s mit mir?“ Aber schon tat es einen Plumps und fiel von dem Mondstrahl herunter in das Vogelnestchen auf dem Kastanienbaum.

Die Vogelkinder schreckten aus dem Schlafe und riefen: „Piep, piep, piep, wer kommt denn da mitten in dei' Nacht? Bist du ein Zwergenkind oder bist du ein Mäuschen?"

„Ich bin kein Zwergenkind und bin kein Mäuschen, ich bin das Uhrenmännlein aus der alten Uhr im Jägerhaus. Ich habe am offenen Fenster geschlafen und bin herausgefallen. Auf ’ dem Mondenschein rutschte ich bis hierher. Nun kann ich nicht zurück und weiß nicht, wo ich die Nacht zubringen soll.“ „Wenn du das Uhrenmännlein aus dem alten Jägerhaus bist, darfst du gern bei uns bleiben“, sagten die Vogelkinder, „mache es dir nur gemütlich.“

Da suchte sich das Uhrenmännlein im Vogelnest ein Eckchen zum Schlafen aus, legte sich nieder und deckte sich mit einem Kastanienblatt zu.

Mitten in der Nacht wachte es plötzlich auf, denn kritze, kratze kam etwas den Baum heraufgestiegen. Das Uhrenmännlein lugte aus dem Nest und erblickte mit seinen roten Aeugelchen die Katze, die heraufkletterte, um die kleinen Vögel zu holen.

Die Katze hatte die roten Augen gesehen, hielt sich einen Augenblick still und dachte bei sich: „Was guckt denn da mit roten Augen in der Nacht aus dem Vogelnest?“

Aber bald schlich sie näher hinzu und streckte die spitzen Krallen ins Nest herein, um die Vögelchen zu fassen. Doch das Uhrenmännlein, nicht faul, nahm sein silbernes Hämmerchen und schlug ihr kräftig auf die Pfoten.

„Au! Au! Miau! Miau!“ schrie die Katze, sprang den Baum hinab und ist auch nicht wiedergekommen. Am anderen Morgen fragten die Vogelkinder: „Uhrenmännlein, was war das für ein Lärm heute nacht?“

„Seid ohne Sorge“, antwortete das Uhrenmännlein, „es war die Katze, die euch holen wollte. Aber ich schlug sie mit meinem Hämmerchen auf die bösen Krallen, und darüber hat sie das Wiederkommen vergessen.“

„Dank, vielen Danie, liebes Uhrenmännlein“, zwitscherten die Vögelchen. „Wenn unser Vater kommt, soll er dir auch etwas zu liebe tun, denn du hast uns gerettet. Ach, wärest du nur schon früher bei uns gewesen, dann hätte die Katze gewiß auch unser Mütterlein nicht gefangen.“

Bald darauf kam der Vogelvater aus dem Wipfel herab, um seinen Kindern das Morgenlied zu pfeifen. Als er hörte, was sich zugetragen hatte, fragte er gleich das Uhrenmännlein, ob es einen Wunsch hätte, den er erfüllen könnte. „Ja, o ja, Vogelvater“, sagte das'Uhrenmännlein, „trage mich zurück zu meiner Uhr in das alte Jägerhaus.“ „Wenn’s weiter nichts ist“, erwiderte der Vogelvater, „so steige nur auf und halte dich gut an meinen Rückenfedern

fest.“ . ’ Da kletterte das Uhrenmännlein vergnügt auf Vogelvaters Rücken. „Auf Wiedersehen!“ riefen die Vögelchen, „und nochmals Dank!“ „Auf Wiedersehen!“ rief auch das Uhrenmännlein, und schon schwang sich Vogelvater in die Luft und flog zum alten Jägerhaus, flog durch das offene Fenster und auf den Tisch neben die Uhr. Das Uhrenmännlein stieg von seinem Rücken herunter.

„Schönen Dank, Vogelvater, schönen Dank“, sagte es, und er antwortete: „Hab’s gern getan, liebes Uhrenmännlein“, und flog davon. Das ^Jhrenmännlein aber kletterte wieder in seine Uhr hinein, die still und stumm auf es gewartet hatte, nahm das silberne Hämmerchen und schlug an die Glöckchen, daß sie riefen: „Bim, bim, bim...“

Wenn es nun aber wieder des Nachts sich an das offene Fenster setzte, um mit seinen roten Aeugelchen in den goldenen Mond zu schauen, hatte es wohl acht, daß es nicht einschlief, denn es könnte ja auch einmal — neben der) Mondenstrahl fallen, und das wäre schlimm. M



Buchstabenrätsel

Mit T seht Ihr’s zur Weihnachtszeit, mit W ist’s lang und manchmal breit, mit G Ihr’s am Getreide seht, mit K es in der Küche steht. .

Rätsel

Mich hat ein jedes Ding in der Welt, sei’s niedrig, sei’s noch so hoch gestellt; den Reichen tut manchmal mein Kommen verdrießen; der Arme möcht’ mich als Erlösung begrüßen.

Mich hat die Freude, mich hat das Leid, mich hat die gute, die böse Zeit.

Mich hat der Tag, der kaum begonnen; mich hat das Jahr, das schnell Verronnen.

Mich hat der Krieg, mich hat der Frieden; der größten Qual bin ich beschieden.

Ich nahe einmal der ganzen Welt, der Erde, der Sonne, dem Sternenzelt.

Selbst dieses Rätsel, ist’s noch so klein, hat mich! Du merkst es! Jetzt rate fein!

Die Lösungen der Rätsel bringt das nächste Märchenschiff mit!

Die Wolke

n einem heißen Sommermorgen stieg ein Wölkchen aus dem Meere auf und zog leicht und freudig wie ein spielendes Kind durch den blauen Himmel und über das weite L&nd, das nach langer Dürre verbrannt und traurig dalag. Die Wolke sah drunten die Menschen im Schweiße ihres Angesichts sorgenvoll arbeiten, während sie selbst von Mühe nichts wußte und vom leichten Hauche einer reinen Luft fort-

getrieben wurde. „Ach“, sprach sie da, „könnte ich doch für die Menschen da unten etwas tun, ihre Mühe erleichtern, ihre Sorgen verscheuchen, den Hungrigen Nahrung schaffen, die Durstigen erquicken!“ Und der Tag schritt immer weiter vor, und die Wolke ward immer größer; und wie sie so wuchs, ward der Wunsch, den Menschen zu helfen, immer mächtiger in ihr.

Auf der Erde aber wurde es immer heißer, die Sonne brannte glühend auf die arbeitenden Leute, die fast verschmachteten und doch arbeiten mußten, denn sie waren sehr arm. Einen bittenden Blick warfen sie zu der Wolke hinauf, als wollten sie sagen: „Ach, könntest du uns

helfen!“ „Ja! ich will euch helfen!“ sprach die Wolke und begann sogleich, sich leise zur Erde hinabzuneigen. Aber nun fiel ihr auch ein, was sie einst gehört hatte, nämlich, daß die Wolken, wenn sie zu tief zur Erde sich hinabsenken, den Tod fänden.

Eine Zeitlang schwankte sie und ließ sich von ihren Gedanken hin- und hertreiben, doch endlich stand sie still und sprach kühn und freudig: „Ihr Menschen, ich helfe euch, geschehe, was da wolle!“ Dieser Gedanke • machte sie riesengroß und stark und gewaltig. Sie selbst hatte vorher nie geahnt, daß sie solcher Größe fähig wäre. Wie ein segnender Gott stand sie über dem Lande da und erhob ihr Haupt und breitete ihre Schwingen weithin über die Gefilde. Ihre Herrlichkeit ward so groß, daß der Mensch und das Tier davor erschraken, daß die Bäume und das Gras vor ihr sich neigten; aber alle ahnten wohl, das sei ihre Wohltäterin.

„Ja, ich helfe euch!“ rief die Wolke abermals. „Nehmt mich hin, ich sterbe für euch!“

Es war ein gewaltiger Wille, der sie dabei durchzuckte. Ein höheres Licht durchglühte sie, Donner durchbrausten sie, von einer unendlichen Liebe ward sie durchströmt: sie senkte sich nieder auf die Erde und zerfloß in segenbringenden Regen. — Dieser Regen war ihre Tat, dieser Regen war ihr Tod, in ihm sollte sie verklärt werden.

Denn über das ganze Land, so weit der Regen sich ergoß, hob sich ein leuchtender Farbenbogen, gebildet aus den reinsten Strahlen des Himmels, er war der letzte, sichtbare Gruß einer sich aufopfernden,

großen Liebe. Und auch er schwand nach kurzer Zeit dahin; aber der Segen blieb den beglückten Menschen für lange Zeit zurück.

Robert Remick.

Frische Fische

Mine kaufte Fische, frische Fische, gute Fische. Da diese ja stets im Wasser leben, hielt sie die Tiere für absolut sauber und legte sie kurzerhand in die Pfanne, ungeschuppt und unausgeweidet. Die Fische schmeckten nicht gut, und Mines Ehemann, der Kasper, schimpfte. „Die haben sicher im schlechten und trüben Wasser gelebt“, meinte Mine, „in Zukunft kaufe ich nur noch Weißfische!“ -de



In den Brombeeren

Es wäre eigentlich dies Jahr nicht mehr notwendig. Es gibt genug Marmelade in den Geschäften zu kaufen, gut und nicht unverantwortlich teuer für den sparsamen Verbraucher« Trotzdem tue ich‘s auch dies Jahr wieder. Ich schlage Friederikchens wiederkehrende Sprüche in den Wind, die besagen, daß ich mir am eigenen Fleisch und an der Garderobe mehr Schaden zufüge als ich Gewinn davontrage, schütze mich gegen die Kratzwunden an den Beinen mit Großvaters Gartenhosen und gegen die zerrissenen Kleider mit Gleichmut, schultere den Spazierstock, an dem das verbeulte Milchkännchen baumelt, das ausgeschiedene, und gehe in die Brombeeren.

Ich gehöre nicht zu den Professionellen, keineswegs. Auf den Spazierstock bin ich ganz allein gekommen, als ich herausfand, daß die besten und vollsten Beeren unterwärts sitzen, daß man also etwas braucht, um die ineinander verhakten Ranken aufzuheben und beiseitezuschieben; und auch die Milchkanne erwies sich als unzerbrechliches Gefäß mit engem Hals von selbst als das Praktischste. Nein, ich gehe des Vergnügens halber, das dem Jagdvergnügen gleichkommt, und wegen des Aromas dieser unvergleichlichen Tage, wenn die Felder abgeerntet sind, das Kartoffelkraut zu gilben anfängt, der Frauenflachs und die Spitzenschirme der wilden Möhre die längst gemähten Wiesen bevölkern und das Land unterm dunstigen Gewölbe den Atem anhält, ehe es in den letzten großen Ernten, den Ernten der Aepfel und Trauben, der Rüben und Kartoffeln sich mächtig ausgibt.

Es ist die Zeit zwischen Fülle und Fülle, zwischen Blüte und Frucht, arm und karg. Die Wege sind ausgedörrt von der Augusthitze, in den Stoppeln treiben die Tiere der Armut, die Mäuse, ihr Wesen, der Eichenknüppelwuchs auf den Hängen steht fahl, aus Busch und Strauch beginnt der Saft zu schwinden. Die Brombeeren aber wuchern aus nicht umzubringender Lebenskraft, mit gewalttätigen Schößlingen, grimmig bewehrten Trieben; im Frühjahr waren sie himmlisch weiß besternt, dann wandelten sie ihre Beeren — welche Frucht kommt ihnen darin gleich? — großartig durch drei Farben, vom Grünen übers Rote zum Schwarzen hin, und stehen nun,funkelnd austausend dunklen Satansaugen.

Eine Biombeerhecke im Morgenlicht, wenn in den Spinnennetzen zwischen den Haseln der Tau blinkt, ist von wilder Schönheit und hat die Verlockungen eines Jagdreviers. Vor allem bewegst du dich in ihrem Umkreis völlig unzivilisiert. Du bahnst dir einep Zugang ins Unbetretene, indem du das Geranke niedertrittst, du greifst in das dornige Dickicht, am dritten Tag ist deine Haut unempfindlich gegen Kratzen und Brennen. Indessen .die Finger klauben, hat das Auge schon gierig den nächsten vollen Zweig gefunden, Auge und Hand wetteifern im Erbeuten, der blaurote Saft färbt dabei Nägel und Finger und Lippen auf barbarische Weise. In der Hecke umfängt dich ein beklemmend panisches Klima. Dein Fuß stört springende und geflügelte Insekten auf, Fliegen, Grillen und kleine Falter, mottenähnliches Gesindel, unversehens trägst du auch eine Zecke oder zwei davon, du findest sie abends beim Schlafengehen an unvermuteten Orten. Disteln starren dir entgegen und allerhand sperriges Kraut, das in Samen steht, und aus dem Grunde des heillosen Dickichts dringt ein Brodern wie aus ersten Schöpfungstagen.

Es ist schwül, und der Schweiß rinnt bei dem mühsamen Geschäft. Belustigt denkst du für einen flüchtigen Augenblick an deine Freunde in der Stadt, wenn sie dich so sähen: mit dem wirren, verklebten Haar in der nassen Stirn, den zerkratzten Armen, dem befremdlichen Kostüm, in schwierigen Stellungen dem Gedörn seine Beute abjagend — sie sitzen derweil im Kühlen und mitteleuropäisch gekleidet bei exklusiven Gesprächen über Evelyn Waugh und die letzte Nummer des „Esprit“ — möchtest du bei ihnen sein?

Sie sind wohl nicht gegeneinander auszuspielen, die Stunden der Gespräche und die in den Brombeeren. Nur ich bin froh, daß es das noch gibt: an den Rändern der Wege und Aecker, in der Nachbarschaft der Ginsterbüsche und des Eichengestrüpps die starrenden Hecken, in denen man einen Tag hinbringen kann wie in Urzeiten, als der Mensch sich mühsam und gefährlich von den wilden Früchten des Feldes nährte.

Vilma Sturm.

Arktisches Kochbuch

Kanada hat das erste Kochbuch der Arktis herausgegeben. Es ist für Piloten vorgesehen, die in Polargegenden notlanden müssen. Wie aus ihm hervorgeht, können alle Tiere und Pflanzen des hohen Nordens gegessen werden. Für jedes Tier ist ein Rezept enthalten. Heuschrecken sollen am besten schmecken, wenn man sie über Feuer röstet. Für Piloten, die unvorhergesehenerweise im Dschungel nieder gehen müssen, enthält das Kochbuch den Rat, nur das zu essen, was Affen zu sich nehmen.

Zebra-Pflaster

In London und mehreren englischen Provinzstädten wurde bei Fußübergängen an Straßenirreuzungen ein schwarzweißes Zebra-Muster eingeführt. Versuche haben ergeben, daß eine solche Markierung sowohl für Fußgänger als auch für Kraftfahrer besonders gut zu erkennen ist.

Auf Jagd

Interessantes aus dem Reich der Spinnen

Es ist von jeher das Schicksal der männlichen Spinnen gewesen, nach der Hochzeit von ihren Ehegesponsten verzehrt zu werden, doch gelingt es manchen von ihnen auf recht raffinierte Weise, sich diesem Schicksal zu entziehen — so geht es jedenfalls aus einer amüsanten Plauderei des englischen Schriftstellers John Crompton hervor, die unter dem Titel „Die Spinne“ in London erschien. Mit List und Tücke, so erzählt Crompton, versuchen die „Spinner“ sich aus der tödlichen Umarmung zu befreien. Ein männlicher Vertreter der Familie „Pisaura mirabilis“ präsentiert seiner Liebsten zu diesem Zweck eine in Seidenfäden gewickelte Fliege, um mit diesem Huchzeitsgeschenk den Appetit des Weibchens abzulenken. Ein anderer „Spinnerich“ reißt seiner Partnerin kurzerhand die Vorderbeine aus, um schneller von dannen zu kommen. Denn nur Fixigkeit rettet vor der gefräßigen Liebe dieser „Vamps“.

Trotzdem haben die meisten Menschen nach Meinung Cromptons von Spinnen eine völlig falsche Vorstellung. Sie hassen sie als Unglücksbringer, obwohl sie sefyr nützlich sind. Sie verzehren Legionen von Insekten. Allein in England und Wales vernichten die Spinnen, so hat man berechnet, jährlich zweiundzwanzig Trillionen Insekten. Im Laufe der Jahrmillionen haben sich einige Arten besondere Tricks angeeignet, um ihr Opfer zu fangen. Nicht alle benutzen das kunstvolle geknüpfte Netz mit seinen Fäden und Knoten zum Broterwerb. So gibt es in Australien und Afrika bestimmte Gattungen, die eine Art von Lasso verwenden. Sie spinnen einen kleinen gummiartigen Ball zur Länge eines seidigen Fadens und wirbeln dieses Lasso um ihren Kopf, wenn sich eine Beute zeigt. Der Faden, der mit einer besonders zähen Masse getränkt ist, haftet wie eine Leimrute an dem Insekt, das dann völlig eingewickelt wird.

Die Hausspinnen, ewige Feinde aller Hausfrauen, spinnen meistens nachts. Ihre Fäden sind besonders dick, so daß sich, wie Crompton versichert, in ihrem Netz sogar einmal eine Maus gefangen hat. Es gibt auch Spinnen, die wie Ameisen aussehen und wie Ameisen leben. Andere können wie ein Chamäleon die Farbe wechseln.

Besonders gefährlich sind jene — bis zu zwanzig Zentimeter großen — Superspinnen in den tropischen Ländern, die selbst von den Eingeborenen wegen ihres Bisses gefürchtet sind. Es sind sogenannte Vogelspinnen, die von Vögeln, kleinen Kriechtieren, Eidechsen, Fröschen . und Mäusen leben. Mitunter wagen sie sich sogar an Schlangen, die sie mit ihren langen Gifthaken umgarnen und betäuben. Bei kleineren Tieren wirkt das tödliche Gift bereits nach fünf Minuten. Andere Spinnen wiederum werden von den Eingeborenen als Haustiere gehalten und verehrt. In früheren Zeiten wurden Spinnen sogar als Heilmittel auf Wunden gelegt.

Die „langweiligsten“ Klassiker

(AP.) Anläßlich einer von der ..Columbia Universitv Press" veranstalteten Umfrage nach den zehn langweiligsten Klassikern wurde John Bunvans ..Pilgrims Progress“ die Palme des Siegers zuerkannt. Weiter werden Scotts ..Ivarihoe". Cei-vantes ..Don Quixote“ und Goethes „Faust“ genannt.

Zum Zeitvertreib am Sonntag

Kapselrätsel

In die Waagerechten sind je drei ineinander verkapselte Wörter einzutragen, von denen das erste und dritte je fünf, das zweite sieben Buchstaben hat. Nach richtiger Lösung nennt die mittelste Senkrechte eine Giftpflanze. 1. Schwarze Kunst, Stadt in Hessen, landwirtschaftliches Gerät; 2. Stadt in der Lausitz, Anregungsmittel, orientalisches Färbemittel; 3. Teil mancher Früchte. Fabelwesen, Amtstracht; 4. männlicher Hausvogel, Schwimmvogel, Gefäß; 5. Metall. Fluß in Afrika, inneres Organ; 6. neuer Tanz, Gemüse, Brotaufstrich; 7. Büchergestell, englisches Hohlmaß, See in Rußland; 8. Trinkgefäß, Kugelgröße, Erzbischof von Prag; 9, Urheber, Wirbelsturm, männlicher Vorname; 10. Teil des Bauches, europäische Hauptstadt, neuzeitliche Erfindung.

Ergänzungsrätsel . . rig . nt, . eing . . st, Ger . t ~ . andern . . re, Stur . w . run . . , E . sene . on, . re . sena . ter, Mut . er . ahl, Volksb . ge . . en, pfe . . ine, . . . ser¬ . elone, M . sse . . rab, Schre . . . isch. Die Punkte sind durch Buchstaben zu ersetzen, so daß sinnvolle Wörter entstehen. Die ergänzten Buchstaben ergeben, im Zusammenhang gelesen, ein Wort von Corneille.

Vorsetzrätsel

Achse, Ranke, Egel, Lias, Atrium, Rippe, Aden, Alle, Range, Teig, Ypern, Ader. Jedem dieser Wörter ist ein Buchstabe voran zu setzen, so daß neue Wörter entstehen, deren Anfangsbuchstaben ein kleines Tier nennen, das zwei Meter weit springt.

Auflösungen vom Samstag, 5. August

Kästchenrätsel. 1. Angelus Silesius, 2. Ziege, 3. Zeisig, 4. Steig, 5. Deichsel, 6. Titus, 7. Drina, 8. Winde, 9. Wachtel, 10. Schleier, 11. Theiß, 12. Deut, 13. Kantine, 14. Keule, 15. Hand. — Zwei Augen hat die Seel’, eins schauet in die Zeit, das and’re richtet sich hin in die Ewigkeit.

Zusammensetzrätsel. Wer den Durst nicht kennt, den kann die Quelle nicht laben.

Sprichwort nach Punkten. Was hilft Kerze, was hilft Brill’, wenn man doch nicht sehen will.



Srchach

bearbeitet von E. Bogoljubow

Der frühere Großmeister Dr. Tartakower hatte in der nachfolgenden Partie eine beachtliche positioneile Leistung vollbracht.

Englisch

Weiß: Dr.Tartakower, Schwarz: L. Schmid

L c2—c 4, e7—es, 2. Sbl—c3, SgB—f6, 3. Sgl—f3, SbB—c6, 4. e2—e4, LfB—b4 (strategisch unmotiviert! Besser d7—d6, falls man das Opferspiel LfB—cs, 5. Sf3Xes, 00! usw. nicht eingehen will.) 5. d2—d3. d7—d6, 6. Lfl—e2, h7—h6. 7. h2—h3„ Dd3—e7, 8. 00, 00, 9. Lei—e3, Lb4Xc3 (es drohte Sds, wonach Lb4 deplaciert stünde!) 10. b2Xc3, Sf6—d7, 11. g2—g4, Sd7—cs, 12. Ddl—d2, g7— gs’ 13. Kgl—g2, f7-f6, 14. Tfl—hl, KgB—g7, 15 Thl—h2, LcB—d7, 16. Tal—hl, TfB-hB, 17. Sf3—el, Scs—e6, 18. h3—h4, TaB—gB (hier sollte er Sf4+,' spielen!) 19. h4Xg5, h6Xg5, 20. f2—f3. De7—dB (richtig war b7~b6, um auf 21. d3—d4, Sc6—aö zu antworten!) 21. d3—d4, Sc6—e7’ 22 Th2XhB, TgBXhB, 23. Thl><hB, Kg7XhB, 24. c4—cs! (Weiß ergreift die Initiative im Zentrum und erzwingt den Bauerntausch und somit die Linienöffnun® für die Läufer!), e5Xd4, 25. c3Xd4 d6—ds! 26. Sei —d3, Ld7—c6, 27. e 4 e 5 Sp7 «6 28. e5Xf6. DdBXf6, 29. Kg2-f2 le6-f4? (richtig war die Aktivierung des Läufers mittels Lbs!), 30. Sd3-e5! (nun läßt der Altmeister nicht mehr locker!) Sg6X Df6~h6- 32. Le3Xf4, H Dm2,~d4V KhB~BB (der Remisversuch mittels Dh4 + scheitert an 34 Kg». ,3t K«»-«’ S iXdt' K^7 e 7, Ld3~fs- Lc6—e 8 (da die schwarze Dame an die Verteidigung von dem Bauern f 4 gebunden ist. so gab es Dd^lpsn1^ gegen es~e6 Dd4—es.)> 37. es—e 6, LeB—g6, 38. Dd4X d 5 aufgegeben.

Die Heimat

Drinnerum un drumerum

Mer kann im Läwe a'fange, was mer will, wann mer kaa Glick hat, do klabbts net. Schun wann mer uff die Welt kimmt, is es e Glicksach, wann mer noochher en vaninfdische Vadder hawwe dhut. Was kann mer eu'geh, wann mer beim Heirate die Falsch vawischt, wie's jo meistens de Fall is. Vun da ab is mer iwwerhaubt bloß noch uff de Dusel a'gewiese. Un grad ewe lebt mer in ere Zeit, wo’s Glick ziemlich selde is. So kann mer doch werklich vun Glick saa- ehe, wann aam deß Wohnungsamt kaan iwwerzwerche Mieder in seu vier Wend hoggd oder wann mer deß bißje Zugger, was mer for seu Brombeern brauche dhut, krieje kann. Die Klaagärtner hatte Glick, daß es dießjohr Widder emol richdisch. gerejend hot, wann se aach ihm Last mit de Kadoffelkäwwer un de Blattlais hatte. Glick is, wann en Ami seu Bobb heirate dhut un nochemol Glick, wann er se driwwe noochher aach ernehrn kann. E groß Glick is aach, wann mer kaan Besuch krickt, der aam net mehr vun de Socke geht.

So hot jeder e Sordiment A’schleek, zu dem er en ganze Haufe Glick needisch hot. Dodewäje hawwe aach die Sterngugger un die Kaffeesatzbrofeede ewe ihre Zeit. Ei, selbst meu Lißbedd is ewe als ganz dorchgedreht, wann ich emol mit er schbaziern geh will. Immer hot se Angst vorm Räje wäje ihrm Hietche mit dere blaßgeele Ros druff, un do guggt se nooch em Wedderbericht in die Zeidung, bedracht unsern Laabfrosch, was der for e Gesicht macht und will immer erst feststelle, was en Löwe, wie sie aaner is, an dem Daach grad reßgiern kann.

Deß is jedesmol e Gedees, weil se net waaß, wem se eichentlich draue soll, wo doch jeder e anner A'sicht hot, daß mer uff se alle drei rässeniern kennt. Unser Laabfrosch is e Gemietsmensch, der reecht sich dodriwwer net uff. Deß Beleidigtseu hengt jo doch meistens nun de Verdauung ab; wann de Frosch en safdische Schmaaßert gefriehstickt hat, is es em nemlich ganz egal, wie's Wedder werd.

Deß Hinkels in de Mansadd kaafe nor Zeidünge, wo e Horesgob drin is un wann se sich denooch gericht hawwe, wunnern se sich, wann's noochher net geklabbt hot. Es gibt awwer aach Leit, die gäwwe uff den ganze Hogesboges nix un halde sich an die aide Hausrezebde. Deß hab ich am letzte Dunnerstaach erlebt. Ich habe meune Aage net gedräut, wie ich haamkumme bin un uff de Drebb hot sich de alt Hinkel mit em Knorzei, den wo er noch nie hot riche kenne, freundschaftlich unnerhalde. Wie ich de Grund gebeert hab, is mer fast de Verstand steh gebliwwe.

Ich hab ihne jo schun verzehlt, was als for en Krach zwischen den zwaa gewäse is, wann deß Hinkels ihm Hund emol uffs Knorzeis ihre Drebb was verlorn hot, wie er noch klaa war. Un heit, wo de Knorzei aach noch neugedrede hot, die Freundschaft. Ei, de Knorzei war jo froh, daß es net uff meune Drebb bassiert is, daß hatt er mer garnet gegennt. Als wäjem Glick. Mer kanns jo begreife, jetzt, wo de Fußballtoto widder a'fengt, is deß de beste Tibb, sekt de Knorzei. Mer kann jo aach eme Hund net bees seu, wann er aam de Wä'dk zum Erfolg zeiche dhut. Hoffendlich hot deß awwer kaan Eufluß, daß se dem Hund net beizeit die Glasdier uffgemacht hawwe. Meun Säge hawwe se.

Un jetzt kimmt's Allerschennste. Wie ich die ganz Geschieht meune Lißbedd verzehle will, do fengt se oo zu schnubbern un freekt, was bringst dann du for en komische Duft mit? Do hab ichs uff amol aach geroche un gemerkt, daß ich aach Glick mit meune Stiwwel haamgebracht hab. Kaa Wunner, bei dene viele Hunde, die wo ewe bei uns erum- laafe, do liggt's Glick jo haufeweis uff em Droddwah.

Ich kann Ihne saache, mer hawwe uns de ganze Owend hie und her iwwerleggt, toas mer mit dem Wink zum Glick unnernemme kennte, un meu Lißbedd hot noch im Schloof gebrebeld, weil ich mit ihre Vorschleek net euverstanne war. So e Gelejenheit hot mer net immer un wann mer net glei zugreift, is es nix. Sie wollt abselut hawwe, ich sollt aach emol tibbe, awwer ich drau mer do nix zu un do kann mer aach kaan Hund helfe. Awwer mir hatte doch Glick. De Brieftreeger hot uns en Brief vun de Dande Friedche gebracht, die wo uns eichentlich vun Haut un Floor garnix a'geht.

Sie wisse doch noch, deß is die Dande vun meuner Schwester ihrm seelige Schwager, die wo an de Faßnacht es letztemal bei uns war. Ich hett garnet geglaabt, daß die nooch dem Krach, den wo se mit meuner Fraa ihrer Dande Soffie hatt', sich noch emol zu uns gedraue dhet. Also die hot geschriwwe, sie hett uns so gern widder emol e par Daach mit ihrem Besuch erfreie wolle, weer awwer leider krank worn. Is deß vielleicht kaa Glick? Ich hett net geglaabt, daß aam en Hund hinnerum so e Freid mache kennt. Awwer es muß was dro seu. Mer soll garnet so bees seu, wann aam per Zufall emol ebbes Waaches unner die Fieß kimmt.

Noochdem ich die Sorje widder glicklich iwwerstanne hab, winsch ich eich all en friedliche un frehliche Sunndaach.

Eier Anton Berzel.







Meister Konrad von Mosbach

Ein neuentdeckter spätgotischer Baumeister im Odenwald

VON DR. WALTER HOTZ

Der moderne Mensch fragt vor einem Kunstwerk nicht nur nach dem Gegenstand, sondern auch nach dem Urheber. Diese Frage entspringt, wenn sie echt ist, der Ehrfurcht vor dem Menschen als Persönlichkeit. Die Erkenntnis, daß jeder Mensch eine einmalige Spielart seiner Gattung darstellt, läßt das Forschen nach schöpferischen Begabungen besonders reizvoll erscheinen. Manchmal führt das auch zu einer Ueberbewertung des Namens: die Tatsache, daß einem „berühmten“ Mann irgendein Werk zugewiesen werden kann, läßt vielfach jede Kritik verstummen.

Der moderne Mensch fragt vor einem Kunstwerk nicht nur nach dem Gegenstand, sondern auch nach dem Urheber. Diese Frage entspringt, wenn sie echt ist, der Ehrfurcht vor dem Menschen als Persönlichkeit. Die Erkenntnis, daß jeder Mensch eine einmalige Spielart seiner Gattung darstellt, läßt das Forschen nach schöpferischen Begabungen besonders reizvoll erscheinen. Manchmal führt das auch zu einer Ueberbewertung des Namens: die Tatsache, daß einem „berühmten“ Mann irgend ein Werk zugewiesen werden kann, läßt vielfach jede Kritik verstummen.

Im „Mittelalter“, an dessen Ausgang unser Meister Konrad von Mosbach lebte, War das noch anders. Da trat der Name hinter dem Werk zurück. So kennen wir zwar die Werke und bewundern sie — ber wir wissen nicht, wer sie schuf. In der Kunstgeschichte nennen wir darum die Meister nach ihren Werken. Wir sprechen vom „Meister des Wormser Westchores“, vom „Naumburger Meister“, vom „Meister des Hausbuches“ usw. Selbstverständlich trachtet auch hier die Forschung danach, den Schleier zu lüften, der über so viele Künstlerpersönlichkeiten gebreitet ist. Aber in den meisten Fällen wird dieser Mühe kein Erfolg beschieden. — Warum? — Die schriftliche Ueberlieferung wird in den weiter zurückliegenden Jahrhunderten immer dürftiger und die Werke selbst tragen in den seltensten Fällen — ganz im Gegensatz zu heute — die Namen ihrer Schöpfer, sondern bestenfalls ihr Zeichen oder ihr Monogramm.

Die meisten deutschen Bauwerke von künstlerischem Rang zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert sind mit „Künstlermonogrammen, den „Steinmetzzeichen“ versehen. Eine katalogmäßige Zusammenstellung solcher Steinmetzzeichen ergibt überraschende Aufschlüsse über die Beteiligung bestimmter Meister an verschiedenen Bauten. Leider aber läßt sich oft nicht feststellen, welchen Persönlichkeiten die einzelnen Zeichen eigneten. Wir besitzen zwar Hüttenprotokolle, welche die Meister mit ihren Zeichen aufführen, wir kennen auch aus Grabsteinen oder Inschriften die Inhaber einiger Zeichen. Meist aber stehen wir angesichts eines Steinmetzzeichens vor einem unlösbaren Rätsel.

Auch das Zeichen des Baumeisters, von dem heute die Rede sein soll, kannte man längst. Es hat eine so typische Form, daß es gar nicht übersehen werden kann. Außerdem war es an betonten Architekturteilen zusammen mit Inschriften und Jahreszahlen angebracht und verriet dadurch, daß sein Inhaber eine leitende Funktion an dem betreffenden Bauwesen bekleidet hatte. In dem Bestreben, den Architekten des St-Martins- und Veitskirchleins zu Steinbach bei Mudau — welches u. a. das angebene Zeichen trägt — ausfindig zu machen, hat 1920 der frühere Freiburger Archivdirektor Dr. P. P. Albert einen Meister „Hans von Amorbach“ kreiert und ihn mit Hans Eselerverselbigt. Da dieser Sachverhalt mit einem Briefe des mainzischen Amtmannes zu Krautheim an der Jagst vom 15. August 1506 an den Rat zu Heilbronn, in dem ein Meister Hans empfohlen wird, urkundlich begründet wurde, schien der Meister „Hans Eseler genannt von Amorbach“ als gesicherte Persönlichkeit für die deutsche Kunstgeschichte gewonnen. Albert hat ihm in seiner Entdeckerfreude auch eine große Reihe von Gebäuden und Bildhauerarbeiten, namentlich Grabmalplastiken von offensichtlich unterschiedlicher Qualität und Meißelführung in Adelsheim, Michelstadt, Schöntal, Fränkisch-Crumbach, Ansbach, Rothenburg und Dinkelsbühl zugeschrieben und ihn damit zu „einem der bedeutendsten Künstler seiner Zeit“ erhoben. Er nennt ihn einen „Stern erster Größe“, einen der „bedeutendsten seines Volkes und Zeitalters“ und gipfelt schließlich in der Feststellung, daß seine Werke „ihm durch ihren hohen künstlerischen Gehalt einen Ehrenplatz unter den Steinbildhauern nicht bloß seiner, sondern aller Zeiten“ sicherten.

Wenn auch derartige Superlative mit lokalpatriotischer Begeisterung entschuldigt werden können, so war es doch nötig, diese Vielzahl der Zuschreibungen an einen einzigen Baumeister, der zugleich Bildhauer war, auf das rechte Maß zurückzuführen. Das ist namentlich in der Schrift von Dr. Theodor Meisinger „Der Meister von St. Jakob in Adelsheim“, die 1927 der Historische Verein für Hessen in Darmstadt verlegt hat, geschehen. Immerhin blieb mangels eines Gegenbeweises der Meister „Hans von Amorbach“ als Architekt einer ganzen Reihe von Bauten des Odenwaldgebietes, die sein vermeintliches Zeichen tragen, unangetastet.

Nun sind die B a u a k te n der meisten Kirchen und öffentlichen Gebäude, welche bisher „Hans von Amorbach“ zugeschrieben wurden, verloren. Nur für die Iput Inschriften zwischen 1482 und 1485 errichtete Kellerei (heute Heimatsmuseum) zu Amorbach sind sie in Gestalt der mainzischen Ke 11 ere i - Rechnungen des ehern. Amtes Amorbach wenigstens teilweise erhalten. Aus diesen Rechnungen ergibt sich, daß der Baumeister der Amorbacher Kellerei Konrad hieß und in Mosbach beheimatet war, ferner, daß er zusammen mit seinem Bruder, einigen weiteren Maurern und Steinmetzen und vor allem seinem Landsmann Peter Eckart von Mosbach, dessen Sohn Kunz und dem Zimmermann Hans Spachmann von Amorbach das heute noch stehende Gebäude ausgeführt hat. Er wird in den Rechnungen als „Meinster Cunraidt“ und als „Meinster Cunraidt von Mo ß b a ch“ in seiner Eigenschaft als Maurer und als Steinmetz über 30mal genannt. Und gerade die Teile, die sein Steinmetzzeichen tragen, die Gewölbe des Erkers („Ußladung“) sind als seine Arbeiten spezifiziert. Auch die Höhe seines Lohnes in Geld und Naturalien, seine ausdrücklich erwähnte Einladung zum Richtfest der Zimmerleute auf Montag nach St. Michaelistag 1484, ein besonderes Geschenk, das er auf Befehl des Amtmannes nach Vollendung des Baues 1485 erhält u. a. m. beseitigen jeden Zweifel, daß er der Architekt der Kellerei und damit der Inhaber des erwähnten Steinmetzzeichens ist.

Auf Grund dieses Zeichens ist Konrad von Mosbach als Meister folgender Gebäude anzusprechen: Amorbach, sog. Stadthaus oder alte mainzische Kanzlei (datiert 1475), Amorbach, Heimatmuseum (1482—85), Amorbach, Gebäude im Wirtschaftshof des Klosters (undatiert), Mittelschefflenz, Pfarrkirche; Fränkisch-Crumbach, Chor der Pfarrkirche (1485); Bad König, Turm der Pfarrkirche (1479); Falkengesäß, Leonhardskapelle (Ruine); Reichelsheim i. 0., Turm der Pfarrkirche (1493); Adelsheim, Grabkapelle (1498). Mitgearbeitet hat er ferner an der Stadtpfarrkirche zu Michelstadt (1490), der Martinskirche zu Beerfelden (1500) und der Kirche zuSteinbachbeiMudau (1514).

Die letztgenannten 3 Bauwerke tragen im Meisterschild ein sehr ähnliches Steinmetzzeichen, das höchstwahrscheinlich seinem — namentlich bisher unbekannten — in den Rechnungen erwähnten Bruder gehört.

Meister Konrad von Mosbach war auch Bildhauer. Sein Zeichen kommt auf einem Reliefgrabstein vom Jahre 1493 vof. Darüber und welche Werke ihm sonst noch zugeschrieben werden können, wird später einmal zu berichten sein.

Zur Charakteristik Konrads von Mosbach als Baumeister darf gesagt werden, daß er zwar nicht zu den „Sternen erster Größe“ zählt, daß aber seine Bauten gediegene und vor allem in ihrer handwerklichen Ausführung saubere Leistungen der späten Gotik an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert darstellen. Sie haben mit ihren guten Proportionen einer ganzen Reihe von Siedlungen im Odenwaldgebiet bis heute wahrzeichenhaftes Gepräge verliehen.




Turm der Pfarrkirche in Bad König, erbaut 1479
Turm der Pfarrkirche in Bad König, erbaut 1479

Ehemalige mainzische Amtskellerei (Heimatmuseum) in Amorbach, erbaut 1482-85 Fotos (2): Dr. Hotz
Ehemalige mainzische Amtskellerei (Heimatmuseum) in Amorbach, erbaut 1482-85 Fotos (2): Dr. Hotz

Tőpfer in der Dieburger Mark

NOCH VOR DEM 2. WELTKRIEG BETRIEBEN SIE DORT IHR GEWERBE

Ein bisher unbekanntes, in der Landesbibliothek Darmstadt befindliches Werk des Großherzoglich-Hessischen Hofrats Wagner, die „Beiträge zur Sittengeschichte des häuslichen, kirchlichen und bürgerlichen Lebens früherer und neuerer Zeiten im Großherzogtum Hessen“, enthält außer der Schilderung einer ganzen Anzahl von Sitten und Gebräuchen, die in Roßdorf noch zur Jugendzeit Wagners (um 1800) herrschten, die „Geschichte der Töpferei in Roßdorf“. Das Töpferhandwerk, das dort noch vor dem zweiten Weltkrieg von den Töpfermeistern Georg Nicolay IV. und Georg Dieter Spalt I. betrieben wurde und auf über einen dreihundertjährigen Zeitraum zurückblickt, verdient seine Beachtung.

Bereits im Jahre 1632 wird ein Häfner Hans Reger, ohne Angabe seiner Herkunft, genannt. Im Jahre 1695 kam dann Martin Nicolay von Oppenheim nach Roßdorf. Bis zum ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts findet ein Zuzug von fremden Häfnern statt, die teils weither kommen, wie z. B. aus Nürnberg, aus dem Breisgau, dem Ansbachischen, aus Kolmar und dem Würzburgischen. Die Tongruben in der sogenannten „Dieburger Mark“, an denen Roßdorf mit vielen anderen Gemeinden der Umgegend beteiligt war, begünstigten besonders die Ausübung des Gewerbes. Um die Mitte des achtzehnten Jahrhun¬ _derts waren fünfzehn Brennöfen in Betrieb; die Abnahme des Gewerbes hatte ihre Gründe in der Verteuerung des Nadelholzes, der Einführung der Sparherde und des eisernen Kochgeschirres, sowie darin, daß die Roßdörfer Häfner nach der Teilung der Dieburger Mark weniger guten Ton erhalten konnten. Bei dem Verkauf ihrer Waren genossen die Roßdörfer Häfner in Darmstadt gewisse Vorrechte, die hauptsächlich darin bestanden, daß sie auch außer den Markttagen ihr Geschirr feilbieten durften.

In früheren Zeiten zeichneten sich die Häfner zu Roßdorf durch eine besondere Kleidertracht aus, die gber am Ende des 18. Jahrhunderts meist nur noch von deren ledigen Söhnen getragen wurde. Hof rat Wagner beschreibt sie folgendermaßen: „Die Kappe, gestrickt oder gewebt, war von roter Farbe und mit weißen ringsum laufenden Streifen versehen, hatte die Form eines Zuckerhutes und hing so weit, als sie nicht auf dem Kopfe saß, auf einer Seite herab. Die Weste war gewöhnlich hellblau, die Beinkleider weiß, von Wolle oder Leder, und gingen unter den Knien ab, wo sie durch einige Knöpfe und eine Schnalle befestigt wurden. Die Strümpfe waren gleichfalls weiß und die Schuhe mit großen Schnallen auf den Reihen versehen. Die Wämser bestanden aus weißem wollenen Zeug. Unter dem Leib war eine faltige Schürze festgebunden, die bis an die Knie reichte. Dies war die Sonntagstracht, und dabei bildeten an Sonn- und Feiertagen, besonders in Wirtshäusern, die Häfner gewöhnlich eine Gesellchaft für sich.“

Heute nun ist mit dem Tod der beiden letzten Töpfermeister Georg Nicolay IV. und Georg Dieter Spalt I. das traditionsreiche Roßdörfer Häfnergewerbe vollkommen ausgestorben. (sl)


Schafherde in weiter Landschaft, Schäfchenwolken am Himmel Inbegriff unendlichen Friedens, traumhaften Lebens. Dem Hüteramt aber, das Unwissenden so mühelos erscheint, vergleicht Rilke Sein und Aufgabe der Größten: „Sie müssen dastehn wie der Hirt, der dauert. Von ferne kann es scheinen, daß er trauert. Im Näherkommen sieht man, wie er wacht . . (ks Foto: Kenner
Schafherde in weiter Landschaft, Schäfchenwolken am Himmel Inbegriff unendlichen Friedens, traumhaften Lebens. Dem Hüteramt aber, das Unwissenden so mühelos erscheint, vergleicht Rilke Sein und Aufgabe der Größten: „Sie müssen dastehn wie der Hirt, der dauert. Von ferne kann es scheinen, daß er trauert. Im Näherkommen sieht man, wie er wacht . . (ks Foto: Kenner

Darmstastȁdter Geschichten

Darmstadt hat den Deutschen ihre schönste und tiefste Dialektkomödie, den „Datterich“, geschenkt. Es bewahrt unzählige Anekdoten auf, die aus dem nämlichen humorvollen, witzigen und meist stark selbstkritischen genius loci geboren sind. Hier seien einige nacherzählt:

Als sich in der Schlacht bei Leipzig, in der die Hessen auf der Seite Napoleons kämpften, der Prinz Emil, Generalissimuß der hessischen Streitmacht, umwandte, sah er nur noch den Trompeter Fleck hinter sich, der gerade ansetzte, um von neuem zum Angriff zu blasen. Der Prinz soll dem Unentwegten zugerufen haben: „Fleck, hör’ uff, mir zwaa allaa packen’s aach net mehr!“

Seitdem ist dieses „Fleck, hör uff!‘ zur sprichwörtlichen Redensart der Darmstädter geworden, wenn eine Lage als wenig hoffnungsvoll angesehen wird. Die hessischen Fürsten waren meist patrarchalische Landesherren. So auch der Großherzog Ludwig 111., der sich jeweils beim Frühstück von seinem Kammerdiener berichten ließ, was es in Darmstadt, dessen Einwohner er zu einem guten Teil persönlich kannte, Neues gäbe. Eines Tages erfuhr er, daß die unverheiratete Tochter eines seiner Bediensteten ein Kind zur Welt gebracht habe. Er erkundigte sich, wo es geschehen und wer

der Vater sei. Der Kammerdiener gab den Bescheid: Vater sei der Leibgardist Schmidt und geschehen sei es in der Plankammer des Hessischen Generalstabs.

Der Brief

Wie ist mit diesen stumm beredten Zeichen die ferne Heimat mir auf einmal nah, und was so lang dem Blick verborgen [war, umfängt mich nun, als wär ich endlich da.

Der Weg, das Dorf und rings die dunk¬ [len Wälder, die Täler und der Höhen weiter Kranz —, geliebte Stätten tief gelebter Jahre, ihr hüllt mich wieder still in euren Glanz.

Und du, mein Haus, mit deinen hellen [Scheiben nimmst mich in die vertrauten Räume ein.

Du öffnest mir wie Arme deine Tür, als sprächst du: „Komm, ich harrte treu¬ [lich dein“.

Ich bin zu Haus. — O, ihr lebendgen [Zeichen der Hand, die Heimat schenkt mit einem [Brief —, geliebtes Herz, das über alle Ferne unendlich tröstend mich nach Hause rief.

Margarete Dierks

Der Sport

98 er-Sturm steht gegen Deutschlands besten Torwart

Sonntag 14 Uhr spielt Preußen-Dellbrück im Hochschulstadion

Preußen-Dellbrück war die Sensation der diesjährigen Deutschen Meisterschaft. Der vom Trainingslager aus Lindach zurückgekehrte SV Darmstadt 98 hat sich zu seinem letzten Probegalopp vor der Oberliga-Verbandsrunde mit dieser Elf einen sehr starken Trainingspartner verpflichtet.

Die Männer aus dem rechtsrheinschen Kölner Vorort erreichten, was sie vor Beginn der vorjährigen Oberligarunde gewiß nicht zu hoffen gewagt hatten, mit vier Punkten hinter dem Meister Borussia Dortmund den 2. Tabellenplatz in der Oberliga West, obwohl sie erst — wie die Spielvereinigung Fürth im Süden — aus der 2. Spielklasse aufgestiegen waren. Aber nicht allein diese Leistung, sondern auch ihr prächtiges Abschneiden in den Spielen um die Deutsche Meisterschaft machte die Schwarz-Weißen zur meistdebattierten Elf Deutschlands. Mit einem sensationellen 2:1 warfen t sie den Titelverteidiger VfR Mannheim aus dem Rennen und fanden sich allein den drei süddeutschen Vertretern, Offenbach, Fürth und Stuttgart in der Vorschlußrunde gegenüber, in der ihnen erst im Wiederholungsspiel von den Offenbacher Kickers der Weg ins Finale versperrt wurde. Die Preußen aus der Rheinmetropole

verdanken ihre großen Siege hauptsächlich der konsequenten Verfolgung des Grundsatzes „mark your man!“, d. h. ihrer „Riegel-Taktik“, die ihnen ihr Trainer Winkler eingepaukt hat. Aus einer konsequenten Deckung heraus attackierten sie mit Steilangriffen die gegnerische Hintermannschaft, wobei alle technischen und spielerischen Finessen allein dem Erfolg untergeordnet werden. Sie stellen eine sehr junge, schnelle Mannschaft, die einfach, unkompliziert und zielbewußt vorgeht und dabei doch technisch absolut versiert ist.

Die Elf hat ein festes Rückgrat, das ihr den nötigen Halt gibt: Torwart Herkenrath, Stopper H. Schlömer und Jupp Schmidt im Sturm. Herkenrath wurde nach seiner viel bewunderten Parterre-Akrobatik in den Spielen um die „Deutsche“ als bester deutscher Torwart bezeichnet. „Seit den Glanztagen eines Willibald Kreß sah ich nie mehr einen solchen Torhüter“, schrieb ein bekannter Sportjournalist nach dem ersten Spiel der Preußen gegen die Offenbacher. Seine Schnellkraft, sein sicheres Auge und die Eleganz seiner Bewegungen haben den Mann in der feldgrauen Mütze und dem ausgewaschenen grünen Pullover zum unerreichten Beherrscher seines Vorraumes gemacht. H. S c h 1 ö m e r hat das Format eines britischen Stoppers, hart, unerbittlich, mit dem richtigen Sinn für gute Markierung des Gegners. Er ist oft letzter Retter in der Not. Der lange, schlanke Jupp Schmidt, ein echtes Dellbrücker Kind, ist einer der größten Individualisten im westdeutschen Fußball, ein feiner Techniker und Durchreißer, ein brillanter Stürmer, der Spiritus rector und Spielmacher seiner Mannschaft.

Neben diesen drei Klassespielern stehen in Habets und dem 11- m-Spezialisten Paffrath zwei harte und schnelle Verteidiger, die sich durch weite Abschläge und ausgezeichnetes Kopfballspiel auszeichnen. H. Schlömer hat zur Unterstützung seinen Bruder W. Schlömer zur Rechten und links Drost, dessen Fernschüsse gefürchtet sind. Im Sturm stehen so bekannte Leute wie Mühlfar t h , mit 20 Lenzen der jüngste der Elf, die Neuerwerbung Poppelreuter, der gefährliche Torschütze S ev e - r i n und Fischer.

Beim westdeutschen Vizemeister hat es fast keine Veränderungen innerhalb der Mannschaft gegeben, so daß die Elf außer Poppelreuter in der gleichen Besetzung nach Darmstadt kommt, mit der sie in der vergangenen Saison so erfolgreich abgeschnitten hat. Die Gäste brauchen sich also nicht erst einzuspielen, sie kennen sich zur Genüge.

Gegen diesen Gegner werden es unsere Darmstädter nicht leicht haben. Gut erholt und vielleicht auch schon besser aufeinander abgestimmt, werden sie den Rheinländern sicher eine große Partie liefern, auf deren Ausgang man sehr gespannt sein darf. Da Thalheimer seine Verletzung erst in vierzehn Tagen ausgeheilt haben wird, werden die 98er voraussichtlich in der gleichen Aufstellung spielen wie vor acht Tagen gegen die

Stuttgarter Kickers. SV Darmstadt 98: Dr. Barth;.Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Reeg, Becker Mühlbach, Bohmann, Herwig.

Preußen-Dellbrück: Herkenrath; Habets, Paffrath; W. Schlömer, H. Schlömer, Drost; Fischer, Schmidt, Mühlfarth, Poppelreuter, Severin.

Das Spiel wird von Schmetzer (Mannheim) geleitet.

Die Südoberliga in der kommenden Saison

Fast kein Verein blieb von Spielerabwanderungen verschont

Mit dem 31. Juli lief die letzte Frist ab, bis zu der die Oberligamannschaften ihre Schäfchen im Trockenen, d. h. die Verträge unter Dach und Fach haben mußten. Trotzdem ist es noch nicht hundertzrozentig, ob auch all die Pferdchen ins Rennen gehen können, die heute in den Ställen zwischen Pegnitz und Rhein stehen.

„Club“ und Offenbach verloren Stars

Im vergangenen Herbst waren es der 1. FC Nürnberg und die Offenbacher Kickers, die durch die Hereinnahme einer Reihe prominenter Spieler von sich reden machten. Heuer sind es dieselben Vereine, die durch Abwanderung namhafter Stars ausgiebigen Gesprächsstoff für alle Fußball-Stammtische liefern. Zieht das verwaschene weinrote Trikot, das beiden Clubs eigen ist. nicht mehr oder legen energische Vereinsvorstände gegen ungebührliche Forderungen ein Veto ein? Beim 1. FC Nürnberg scheint der Blutverlust am stärksten. Nach dem Krach mit Knoll, der sich jetzt unschuldsvoll mit dem Kleeblatt schmückte, wanderten neben Pöschl (Bremen) auch Gebhardt und Herbolsheimer nordwärts. Bumbas Schmidt wird den Rebellen keine Tränen nachweinen. Mit Torwart Fischer-Worms. Mittelstürmer Brenzke-Fürth und dem Hofer Verteidiger Möbius sind die Lüchen leicht aufzufüllen. Fraglich ist nur noch der Einsatz des Hambomers Kallenbom. Auch eine ganze Reihe Nachwuchskräfte zog im Zabo ein. In Fürth glauben die Kleeblätter eine Verstärkung dadurch gewonnen zu haben, daß sie an Stelle von Goth den ehemaligen Dessauer Höger ins Tor stellten. Die Abwehr dürfte durch Knoll als Verteidiger und Kalle Kupfer als Läufer stabiler werden. Trainer Schneider sieht zuvrsichtlich in die neue Spielzeit, nachdem das vergangene Jahr vom Aufstieg weg mit dem Südmeistertitel abgeschlossen wurde.

Am Bieberer Berg mtcht es den Offenbacher Kickers weniger aus, daß Buhtz, Wirsching, Adolf Schmidt und Nowotny untreu wurden, viel mehr beunruhigt die Trainerfrage die Gemüter. Hinsichtlich des Snielermaterials wurde vorgesorgt. Offenbach hat eine zahlenmäßig starke Reserve, die in der Zwischenzeit weiter angefüllt werden konnte. Buhtz’s Posten übernimmt der Neuling Schmidt von dessen Schußkraft in der Bezirksklasse wahre Wunderdinge erzählt werden. Vorerst werden Schepper; Emberger. Magel; Schreiner. Picard, Keim; Kaufhold. Meier. Schmidt Weber, Baas die Hoffnungen der Kickers tragen.

Nichts Neues bei Vfß., VfR. und Waldhof

Beim Deutschen Fußballmeister Vfß. Stuttgart liegt kein Grund vor, irgendwelche Aenderungen an der ersten Kampfmannschaft mit Schmid; Retter, Steimle; Otterbach Ledl. Barufka; Läpple, Schlienz Bühler. Baitinger und Blessing vorzunehmen. Als Reservespieler wurde der Freiburger Verbinder Wehrle verpflichtet. — Der vorjährige Deutsche Meister VfR. Mannheim stellt seine bewährte Elf. aus der nur Islacker ausschied, der wieder in seine Heimat nach Rheydt zurückkehrte. Der SV Waldhof übersteht alle Wechsel der Gezeiten ohne jede Aufregung. Ein erfreuliches Zeichen für einen dut geführten und finanziell gesicherten Club, den auch der Weggang Lipponers nicht verlegen machen kann. Trainer Rebell weist auf seinen Nachwuchs hin, der zu einer systematischen Verstärkung der Mannschaft verfügbar ist. Der mit einem Aufwand von etwa 70 000 Mark hergerichtete neue Platz ist ab Spätherbst bespielbar. — Der Vfß. Mühlburg geht zielbewußt einen bestimmten Weg, der Karlsruhe wieder zu einer Hochburg im Fußball machen soll. Der Offenbacher Ballkünstler Buhtz und der Hamburger Trenkel sind neue Sterne in der Tauchert-Elf.

Es geht nichts über eine starke Reserve

„Unter allen Umständen legen wir Wert auf eine starke Reserve“, meinten Münchens Vertreter. Sie handelten auch danach und deckten sich mächtig ein. Es sah schon nach den zur Zeit so verpönten „Hamsterkäufen“ aus. Der FC Bayern übernahm aus der Konkursmasse der Stuttgarter Kickers die besten Stücke mit Torwart Jirasek. Oswald. Witt und Grziwok. Mit der Verpflichtung des englischen Trainers Davison wurde rechtzeitig Vorsorge getroffen, damit die Sorgen des vorjährigen Saisonbeginns erspart bleiben. Man darf gespannt sein, was „Davi“ aus der Bayern-Elf zu formen versteht. Bei München 1860 verspricht sich Dr. Schäfer sehr viel von dem Studenten Lauxmann. der in seiner besten Zeit bei den Stuttgarter Kickers «um „Rekord-Sturm“ zählte. Mit dem Regensburger Koller und dem Landshuter Zausinger wird das Ausscheiden von Brück (nach Gladbeck) und Hammerl .eicht zu überwinden sein. In Augsburg (rill der BC A die errungene Vorherrschaft verteidigen. Neben anderen stehen jetzt Hampel (bisher Schwaben), der Frankfurter Fritz und die beiden Slowaken Kajmel und Hinduliak zur Verfügung, so daß die Schlagkraft gesichert zu ein scheint. Aber auch Schwaben sah nicht müßig zu. Das größte Talent ist sicherlich der von Singen gekommene Strittmatter.

Der „FSV“ mit neuem Sturm

Den meisten Wirbel gab es in Frankfurt am Bornheimer Hang, wo beim „FSV“ zahlreiche Veränderungen verzeichnet wurden. Vor allem von dem Saarbrücker Gonschorek verspricht man sich sehr viel und will mit einer neuen Stürmerreihe herauskommen. — Die Ein¬ (racht, die ebenfalls am „Hang“ wieder ein Asyl findet, verzeichnet außer dem Abgang des Berliners Lemm keine nennenswerten Veränderungen. Zahlreiche neue Kräfte bedürfen unter Leitung des neuen Trainers Windmann erst noch des richtign Schliffs zur Oberligareife. Der 1. FC Schweinfurt gibt auch in diesem Jahre mit Kalle Küpser einen Spitzenspieler nach Nürnberg-Fürth ab.

Vier Neulinge „im Konzert" der Großen

Von den vier Neuen kamen die Südzonenvereine „außerplanmäßig“ ins Oberhaus. Der SSV Reutlingen machte durch seinen Widerstand gegen Kaiserslautern und Worms von sich reden. Durch Einsatz des Stuttgarters Langjahr glaubt er eine besondere Stütze in das Mannschaftsgefüge zu bringen. — Die Singener 04er sind ein noch weniger beschriebenes Blatt. Den Verlust ihres Rekord-Torschützen Strittmatter wollen sie durch Willimowski ausgleichen. — Der Aufsteiger VfL Neckarau gehörte früher schon zu den „Erstklassigen“. Die Balogh-Elf hat ihr bestes Stück im Sturm mit Balogh und den Brüdern Gramminger.

SpV 1910 Weiterstadt —SKG Toßdorf

In Anbetracht des Spieles des Sportverein 98 Darmstadt am kommenden Sonntag, findet das Spiel Weiterstadt gegen Roßdorf bereits am Samstagnachmittag in Weiterstadt statt. Die Gegner stellen eine schlagkräftige Mannschaft. Weiterstadt ist noch nicht ganz klar mit seiner zukünftigen Mannschaftsaufstellung und man darf gespannt sein, wie sich die neue Elf a mSamstag gegen Roßdorf bewährt. In jedem Fall darf mit einem spannenden Spiel zu rechnen sein.

Die Spiele in Griesheim

Der neu gegründete Sportklub Griesheim beginnt am 12. und 13. August mit seinem Spielbetrieb auf der Platzanlage an der Jahnstraße hinter dem Felsenkeller. Mit insgesamt 8 Mannschaften werden Freundschaftsspiele ausgetragen. Es finden folgende Spiele statt: Samstag 15.00 Uhr 2. und 1. Schüler gegen Sportverein 98; Sonntagvormittag 9.30 Uhr A-Jugend gegen Arheilgen, 10.30 Uhr dritte Mannschaft gegen Pfungstadt, 13.00 Uhr zweite Mannschaft gegen FV Biblis, 14.30 Uhr B-Jugend gegen Sportverein 98, 16.00 Uhr erste Mannschaft gegen FV Biblis, 17.30 Uhr Sondermannschaft gegen Pfungstadt. Ter

Die Fußballmannschaft der Stadtverwaltung besiegte am Donnerstag die Elf der Firma Goebel mit 8:0 (3:0).

Höhepunkte der TG 75 er Jubiläumsfeier

Die Jubiläumswoche der 1875 er geht dem Ende entgegen, und die beiden letzten Tage bringen die Krönung der Gesamtarbeit.

Samstag steht am Ziegelbusch um 16.30 Uhr die Handballelf im Kampf um die Tore gegen die Traditionsmannschaft von SV 98. Schon immer waren die Treffen spielerisch in Ordnung, und auch die Aufstellung am Samstag dürfte dies wiederum bestätigen. Anschließend findet das mit großer Spannung erwartete Fußballspiel SV 98 — Phönix Karlsruhe statt.

Die Gäste kommen mit ihrer stärksten Mannschaft und zwar mit Rohrer; Kühn, Motzer; Sommerlatt, Reeb, Schilling; Wäldele, Lichter, Kunkelmann, Becherer, Engelhardt. SV 98 stellt dieser Mannschaft eine Elf gegenüber, die auf allen Posten gut besetzt ist, und, was das wichtigste ist, eine Niederlage unter allen Umständen vereiteln wird.

Im Rahmen der Nachmittagsveranstaltungen finden verschiedene Einladungsläufe über 100 m, 3000 m und eine 4XIOO¬ --Staffel statt, zu denen Zusagen von Spitzenläufern vom FSV und Eintracht Frankfurt, Wiesbaden, SV 98, TSG 46, TV Groß-Gerau vorliegen. Wichtig für Besucher! Ab Odenwaldbrücke läuft ein Omnibus der Heag zum Sportplatz, ebenso nach dem Spiel zur Straßenbahn.

In der Stadthalle am Sonntag findet um 16 Uhr — nicht um 15 Uhr — das große Schauturnen statt. Ein Querschnitt aus der turnerischen Vereinsarbeit wird hier gezeigt werden. Von den Jüngsten bis ins hohe Mannesalter hinein wirken Turner mit. Gymnastik, Gerätübungen und Vorführungen mit Handgeräten bilden die Turnfolge, die durch die Mitwirkung namhafter Turner der Ernst-Winter-Riege, Frankfurt, noch gesteigert werden. Allen Turnfreunden stehen hier genußreiche Stunden bevor.

Besuchern, die das Spiel SV 98—Preußen Dellbrück sich ansehen, ist nach Schluß Gelegenheit geboten, sofort nach der Stadthalle zu fahren.

TG 75—SV 98 2:7 im Tischtennis

In der Reihe der Jubiläumsveranstaltungen empfingen am Donnerstagabend die 1875 er die Lilien träger. Die Gastgeber, die in diesem Jahr den Titel eines Kreismeisters erringen konnten, und nun in der Bezirksklasse spielen werden, waren ein guter Gegner für die 98er. Der Spielausgang war trotz des hohen Gästesieges nicht überzeugend herausgespielt.

Bei den Gastgebern gefiel im Einzel am ersten Brett Borger, der gegen Hardt (98) erst im 5. Satz verlor. Vöglin machte Hartmann (98) schwer zu schaffen, und dessen Sieg war denkbar knapp. Die restlichen Begegnungen waren mehr oder weniger klar. So gewannen für die 98er Lutz, Kappes und Wittmann ihre Spiele entscheidend, während Thomas (1875) gegen Haller (98) sicher gewann. So war bei-den Einzelspielen bereits der Sieg für die um eine Klasse höher spielenden 98er entschieden. Die beiden ersten Doppelspiele gingen an die Gäste, während das Schlußdoppel Klinger/Borger über Hartmann/ Haller (98) 3:1 gewann.

Die Glückwünsche des SV 98, überbracht von dem Vorsitzenden,- Dr. Grünewald, der ein Blumengebinde überreichte, gaben der Veranstaltung den nötigen Rahmen. Frohe Stunden nach den Spielen beendete die in fairem, sportlichem Geiste durchgeführte Veranstaltung. Ku.

„DT-Schlachtenbummler“

Die grope. Übeŕaschung für unsere Sportler.

Das „Darmstädter Tagblatt“ wird in der Saison 1950/51 für die Dauer der Oberligaspiele jeweils drei sportlich interessierte Leser auslosen, die auf seine Kosten die Mannschaft des SV Darmstadt 98 bei ihren Auswärtsspielen als Schlachtenbummler begleiten dürfen.

Wie werde ich „DT-Schlachtenbummler“?

Jeder, der sich für diese Freifahrten interessiert und die Elf des SV 98 nach auswärts begleiten möchte, schneidet am Montag nach jedem Auswärtsspiel im Sportteil des „Darmstädter Tagblatt“ den dafür bestimmten Schein aus, trägt Name und genaue Anschrift (in Druckschrift schreiben!) darauf ein und klebt ihn auf eine Postkarte, die an die Sportredaktion des „Darmstädter Tagblatt“, Darmstadt, Rheinstraße 23, adressiert und mit dem Stichwort „ DT-Schlachtenbummler“ versehen sein muß. Letzter Einsendetermin ist der Mittwoch nach der Veröffentlichung.

Die drei Glücklichen werden ausgelost.

Am Freitag wird die Verlosung der Teilnehmer von einer prominenten Persönlichkeit und unter Aufsicht eines Notars vorgenommen. Die drei Gewinner werden dann jeweils an den Sonntagen der Heimspiele im Stadion durch Lautsprecher bekanntgegeben bzw. im Sportteil unserer Montagsausgabe veröffentlicht. .

Kein Einsatz, große Gewinne!

Die drei Auserwählten erhalten folgende Gewinne:

1. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte, 5 DM Verpflegungsgeld.

2. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte.

3. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte.

Und nun auf zum nächsten Auswärtsspiel! Sportler, wollt Ihr mit Eurer Mannschaft nach München, Nürnberg, Stuttgart, Schweinfurt, Singen, Karlsruhe, Reutlingen, Augsburg, Frankfurt oder Mannheim fahren, dann sichert Euch die Montagsausgaben des „Darmstädter Tagblatt“! Jeder kann „DT-Schlachtenbummler“ werden! Und — es kostet nichts!

Regen in Hamburg

v. Cramm Harper im Endspiel

Hamburg, (dpa). Durch Regenfälle wurde am Freitag die Fortsetzung der Internationalen Deutschen Tennis - Meisterschaften bis in die späten Nachmittagsstunden hinausgezögert.

Am Abend konnten dann noch die Finalisten im Herren-Doppel ermittelt werden, v. Cramm/Harper besiegten die Franzosen Borotra/Destremeau 6:4, 6:2, 6:8, 6:2, während Quist/Sidwill das Endspiel mit einem 6:3-, 6:0-, 9:7-Sieg über Drobny/Hughes erreichten. Die erkrankte Titelverteidigerin im Damen-Einzel, Frau Weiß (Argentinien) hat für das Gemischte und das Damen-Doppel streichen müssen. Im Damen-Einzel wurde ihr der Platz noch bis zum Samstag freigehalten.

Von den Spielen am Donnerstag ist noch nachzutragen, daß im Herren-Doppel die deutsch-australische Kombination v. Cramm/Harper hart kämpfen mußte, ehe sie Dostal/Beuthner mit 108, 6:3, 3:6, 4:6, 6:2 ausschalten und damit in die Vorschlußrunde kommen konnte. Koch /Günther, die vorher Bose/Kumar in vier Sätzen 6:3, 6:3, 6:8, 6:3 ausgeschaltet hatten, unterlagen dann gegen die Australier Sidwell/Quist 4:6, 3:6, 6:1, 0:6. Die übrigen Viertelfinals im Gemischten Doppel: Drobny/Hughes—Buchholz/Hermann 7:9, 6:3, 6:0, 6:1; Borotra/Destremeau —Menzel/de Voss 7:5, 6:4 wegen Dunkelheit abgebrochen.

Zwischenrunde der TEC-Junioren

Am Sonntag spielt die JUnioren-Mannschaft des TEC in der Zwischenrunde um die Hessische Mannschafts-Meisterschaft gegen die Juniorenmannschaft des SC Forsthausstraße Frankfurt. Falls die TEC-Junioren dieses Spiel gewinnen, stehen sie im Endspiel um die Hessische Meisterschaft dem KSV Hessen-Kassel gegenüber. Die Mannschaft spielt in folgender Aufstellung: Wittmann, Müller, Jayme, Wittich, Geiß und Schöpf. Die Spiele beginnen um 9 Uhr am Böllenfalltor, -gw-

Tischtennis

Die Jugendpokalmannschaft des SV 98 Darmstadt, die durch ihren Sieg das Endspiel um den Bezirkspokal gewann und Ausscheidungsspiel gegen den VFB Groß-Auheim kampflos gewinnen konnte, bestreitet am Sonntag in Friedberg das Endspiel um den Südhessenpokal. Die Mannschaft Schmidtmer /Wagner hat durchaus das Zeug, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. , Ku.

Der Kreis Darmstadt hält am Samstag seine diesjährige Kreistagung im Restaurant Borger, Darmstadt, Ecke Landwehr- und Rößlerstraße, ab. Ku.


Karl Ditte - , KSV 1910 Darmstadt, der bet den Jugendringermeisterschaften in Lage (Lippe) seinen Titel als deutscher Meister im Federgewicht erfolgreich verteidigen konnte.
Karl Ditte - , KSV 1910 Darmstadt, der bet den Jugendringermeisterschaften in Lage (Lippe) seinen Titel als deutscher Meister im Federgewicht erfolgreich verteidigen konnte.

Dekanatssportfest Katholischer Jugend

Am Sonntag, dem 13. August, hält der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ Dekanat Darmstadt auf dem Sportplatz Woogswiese sein Dekanatssportfest.

8.30 Uhr: Heilige Messe auf dem Sportplatz und im Anschluß daran Vorkämpfe der einzelnen Disziplinen.

14.00 Uhr: Beginn der Hauptentscheiddungen in Lauf, Stafetten, Weit und Hochsprung, Fußball u. a.

Der Hessische Automobilclub Darmstadt teilt für Interessenten mit, daß sich zum „Großen Preis von Deutschland“ auf dem Nürburgring auch in Darmstadt eine Kartenvorverkaufsstelle bei der Firma Zigarrenhaus Hugo de Waal, Rheinstraße 23, befindet.

Wo gehen wir zum Wochenende hin?

Samstag: B—l 9 Uhr Reit- und Fahrturnier in Pfungstadt. 16.30 Uhr: Handball TG 75 —SV 98 (Traditionsmannschaft) am Ziegelbusch. 17 Uhr: Fußball SSV Arheilgen — Mannheim-Friedrichsfeld, Am Mühlchen. 18 Uhr: Fußball SV 98 gegen Phönix Karlsruhe am Ziegelbusch.

Sonntag: B—l 9 Uhr: Reit- und Fahrturnier in Pfungstadt. 10 Uhr: Oeffentliche Feierstunde zum 75jährigen -Jubiläum der TG 75. Stadthaile. 10.30 Uhr: Wasserballturnier im Woog. 14 Uhr: Fußball SV 98 — Preußen Dellbrück. Hochschulstadion. 16 Uhr: Jubiläumsschautumen mit der - Winter-Riege, Stadthalle.

In erster Linie interessant sind im Sport am Wochenende

Internationale Deutsche Tennis-Meisterschaften in Hamburg;

Deutsche Meisterschaften der Schwimmer in Göppingen;

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften der Polizei in Frankfurt (Samstag und Sonntag);

Erste Etappen der Deutschland-Rundfahrt (Samstag: Hannover — Bielefeld, Sonntag: Bielefeld — Bocholt);

Solitude-Rennen für Räder, Sport- und Rennwagen;

Telegramme

Die Meisterschaftsspiele der Oberliga Südwest beginnen am 27. August. Auch hier müssen jetzt die Spieler Rückennummern tragen. / Der 37jährige englische Ingenieur Peter Roß hat den Aermelkanal in einem 5,40 m langen Kajak in 4:07 Stunden überquert.

Deutsche Meisterschaften für Beinamputierte sollen erstmalig am 19. und *□. August in Stuttgart-Feuerbach abgenalten werden. / Der beim „Großen Preis “er. Mionen“ in Genf schwer verunglückte italienische Rennfahrer Luigi Villoresi muß noch zwei Monate im GenifluKra^enhaus zubrln«en, ehe er nach Italien übergeführt werden kann.

AUTO - TECHNIK - VERKEHR

Im Bannkreis der Motoren

Das Automobil vom heutigen Stand der Technik bedeutet mehr als ein reines Beförderungsgerät. es hat sich zu einem Wesen von — fast wäre man versucht zu sagen: eigenem Fleisch und Blut entwikkglt. Die Sympathien, die ihm aus allen Kreisen so lebhaft entgegengebracht werden. gelten nicht immer nur seiner, Zweckdienlichkeit. seiner Rentabilität, sondern vielfach schwingt in ihnen ein Unterton mit. der sich auf den geradezu weiblicher. Charakter des Automobils bezieht der oft genug regelrechte Verliebtheit auslöst. Freilich werden die Anschaffung und der Unterhalt eines Kraftwagens nur in den seltensten Fällen von derart zarten Gefühlen bestimmt, entscheidend sprechen noch immer seine Maiestät der Geldbeutel und iene tausend Nützlichkeits- und Zweckmäßigkeitserwägungen mit. die sein Zepter regiert. Beiden psychologischen Momenten im warm schlagenden Herzen und im kalt rechnenden Verstand des Kunden hat die Automobilindustrie in den vergangenen Monaten wieder weitgehende Zugeständnisse gemacht, die einen kleinen Bummel über den Kraftwagenmarkt lohnend erscheinen lassen und bestimmt auch manchem den Entschluß zum schon so lange benötigten und ersehnten Wagen leichter machen.

Ford-Konstruktionen

Die Kölner Fordwerke haben das 25 iäh-Tige Bestehen ihrer Gesellschaft in Deutschland zum Anlaß genommen. Sonderschauen ihrer neuesten Erzeugnisse in ganz Westdeutschland zu veranstalten. Hauptanziehungspunkt der durch die Lande ziehenden Karawanen war der neue Taunus Spezial, in dem es gelungen ist die Vorteile des Kleinwagens wie Anspruchslosigkeit, niedriger Benzinverbrauch und Preiswürdigkeit mit den Vorzügen des mittleren Wagens. Fahrkomfort und repräsentative Note, zu verbinden. Die Ausstellungen zeigten weiter den nach der neuen zehnprozentigen Preissenkung besonders preisgünstigen Taunus-Standard. der sich mit der gleichen Fahrwerkkonstruktion auch als Schnell-Lieferwagen bereits einen Namen gemacht hat. Die Lastwagenerzeugung der Fordwerke wird repräsentiert durch die Dreitonner „Rhein“ und „Ruhr“ mit 95 bzw. 57 PS. deren Preise ebenfalls ermäßigt wurden. Auch mit 88-Motor ausgerüstet ist der 1.5- Ton.nen-Schnellastwagen. der dank seiner hohen Dauergeschwindigkeit dort hilft, wo ein Drei-Tonner unrentabel und ein Ein-Tonner nicht ausreichend wäre.

Der kleine Renault

Er rollt noch nicht allzu lange über Deutschlands Straßen, aus Frankreich kommend hat er erst vor einigen Monaten’ in größerer Anzahl den Weg zu uns gefunden.^Mit einem Verbrauch von nur fünf bis sechs Liter auf 100 Kilometer und seinem trotz der immerhin 18 Bremspferde geringen Hubraum von nur 760 ccm kann er wohl den Ruhm des billigsten Kleinwagens auf dem deutschen Markt für sich beansnruchen. Vollschwingachsen und Spiralfederung sichern ihm ein ruhiges, flüssiges Fahren. Ungeachtet seiner geringen Ausmaße. die dem kleinen Renault eine erstaunliche Wendigkeit verleihen reicht seine Ausstattung an das Luxuriöse heran, abgesehen von seinem schnittigen, gefälligen AeuOeren und dem vollsynchronisierten Getriebe weist dieser Pfiffikus des Verkehrs Vorzüge auf. wie automatische Winkereinstellung. Konzentration der gesamten Beleuchtungsbedienung am Steuerrad und andere mehr die selbst dem verwöhnten Fahrer Achtung abnötigen. Mit Wasserkühlung ausgestattet bleibt sein Heckmotor im Wageninnern nahezu geräuschlos.

DKW liefert in Kürze

Schnellaster und Motorräder werden von der Auto-Union schon seit geraumer Zeit wieder produziert, in Kürze, voraussichtlich im November dieses Jahres, wird nun auch die Serienfertigung * eines Personenwagens anlaufen. Der neue Wagen ist eine Weiterentwicklung der bekannten ..Meisterklasse'1 der Vorkriegszeit, an der zunächst die elegante, aber unaufdringliche Linlengebung der Karosserie ins Auge sticht. Die Mehrleistung des Motors mit den beibehaltenen 690 ccm läßt eine Geschwindigkeit von über 100 km/std zu. bei 100 km ist der Wagen auf Grund seiner neuen Mischungs- Schmierung autobahnfest. Mit seinem geringen Verbrauch von 6,25 Liter und all seinen anderen bewährten Eigenschaften wird der neue DKW seine alten Freunde für ihre Wartezeit entlohnen und neue hinzugewinnen.

Autos aus Bremen

Der luxuriöse ..Hansa 1500“ ist inzwischen allen Autofreunden als komfortables seinem amerikanischen Vorbild weitgehend angeglichenes Fahrzeug ein Begriff geworden. Seine Leistung: 48 PS — 120 km/h Spitze — Normalverbrauch knapp neun Liter. Ein sparsamer Wagen für anspruchsvolle Fahrer. Außer ihm stellen die Borgward-Werke in Bremen ihre Lastwagen-Neukonstruktionen vor: Den Eineinviertel-Tonner-Schnell-Lieferwagen und dem Dreiviertel-Tonner Diesel-Schnell-Lastwagen. Der Eineinviertel-Tonner bringt mit seinen 48 PS und 10 Litern Normalverbrauch 1250 kg Nutzlast rasch zum Bestimmungsort, der Dreiviertel-Tonner, der mit einem 6 -Zvlinder-Motor von 75 PS Leistung ausgestattet ist. erlaubt eine Montage von Spezialaufbauten. Der Borgward-Omnibus gehört schon lange zu den vertrauten Erscheinungen des deutschen Straßenbildes

Das Tempo-Werk und sein Boy

Anläßlich der Fertigstellung des 100 000. Tempo-Wagens hat das Tempowerk drei Wagen unter den Tempo-Besitzern des Bundesgebietes verlost, die vor Vertretern der Presse und der Behörden vor einiger Zeit ihren glücklichen Gewinnern übergeben wurden. Herr Otto Schraus. Hamburg-Fuhlsbüttel. erhielt einen „Matador“. Herr Wilhelm Küfker. Königswinter, einen „Hanseat“ und Frau Sandfort. Hamburg 20. einen „Tempo-Boy“ zum Geschenk. Und weil wir gerade vom „Tempo-Boy“ gesprochen haben: Dieses iüngste Erzeugnis der Tempo-Werke, ein Dreirad-Wagen mit einem 200-ccm-Motor und einer Tragkraft von 10 Zentnern, wurde erstmalig auf der Berliner Autoschau 1950 vorgeführt. Die wesentliche Preisverbilligung dieses Typs gegenüber dem „Hanseaten“, seinem größeren Bruder, wurde erzielt, indem man an Stelle eines elektrischen Anlassers einen Handstarter wählte der nach dem Kickstarterprinzip arbeitet und vom Führersitz aus leicht betätigt werden kann. Die wichtigsten Daten des Boy; Etwa 900 DM billiger als der Hanseat, 7.5 PS. ILO- l-Zylinder-Zweitakt-Doppelkolbenmotor. auf drei Räder wirkende Duplex-Bremse. Bereifung 4,5X16

Der Volkswagen

Ueber ihn noch viele Worte zu verlieren, wäre ein müßiges Unterfangen. Wohl über keine Konstruktion der letzten 15 Jahre ist so viel Besprochen und geschrieben worden wie über diese Meisterarbeit des großen Konstrukteurs Porsche. Neben den Fähreieenschaften ist es vor allem die Wirtschaftlichkeit. die diesem Typ seine Vorrangistellung sichert. Außer dem Cabriolet wurde der Volkswagen-Familie vor kurzer Zeit ein iüngstes Mitglied geschenkt: Die Sonnendach-Limousine deren Verdeck mit wenigen Handgriffen zurückgeschoben werden kann. Hinzu kommen der VW-Lieferwagen. der Kombi und der Kleinbus, die sich ihre Sympathien, durch ihren älteren Bruder bestens eingeführt, im Sturm erwarben. Alle drei Minuten verläßt ein fertiger VW das Werk, die Nachfrage im In- und Ausland wächst dabei noch immer — mehr braucht nicht gesagt zu werden.





PS - Pannensicher

M. Wenn man statt PS „Psss“ sagt, dann hört sich dieser Zischlaut an, als ob die Luft aus einem Schlauch entweichen würde. Wenn dies der Fall ist, dann ist der Aerger groß. Continental hat den PS-Schlauch herausgebracht, der diesen Aerger in Fortfall bringt. Beliebig kann man Nägel, Nadeln und sonstige nicht alluzgroße Einstiche an ihm vornehmen, ohne daß die Luft dadurch entweicht. Das Geheimnis ist eine klebrige Flüssigkeit, oder — besser gesagt, —• Schicht, die an den Innenwandungen sich befindet und sofort dichtet, wenn ein Fremdkörper eindringf. Man kann sogar den eingezogenen Nagel langsam wieder herausziehen, ohne daß diese gute Eigenschaft in etwa gestört würde. Eine besondere Behandlungs-, Lager- und Transport-Vorschrift gilt es allerdings zu beachten. Trotdem ist der Fortschritt, den der PS-Schlauch darsfellf, ganz erheblicher Natur.

Continental hat einen weiteren Schlager: den Stahlcordreifen.

Staff des Textilgewebes, 14—löfach im Lastwagenreiien, ist der Stahlcordreifen mit 4—6 Stahlgewebelagen aus reinsten Mefalldrähfen gefertigt. Die 15fache Festigkeit becitzf dieses Siahlgewebe. — Daraus resultieren: dünne Wände, geringe Walkarbeif, keine Ueberhifzung und beste Wärmeableitung.

Laut Versuchen soll die Haltbarkeit um 20 Prozent über den Reifen mit Textilgewebe liefen. Der Rollwiderstand soll um die Hälfte geringer sein. Preislich ist über die neuen Reifen noch nichts bekannt. Die Stahlcordreifen sind zunächst nur für Lastkraftwagen in der Fertigung. Große Tragfähigkeit, bei niedriger Bauhöhe und gute Wärmeableitung an der Bereifung lassen diese Decken zum Tangentbehrten Helfer in der Kraftverkehrs-Wirtschaft werden.

Kurznachrichten

In Deutschland hat das Problem der Benzin eins pribzung neuerlich große Beachtung gefunden, man wendet sich vor allem dem kleinen Stabilmotor zu. So baut Horex einen seitengesteuerten 600- ccm-Motor und Ho eine 500-- Zweitakt-Maschine mit Einspritzung. Auch Bosch beschäftigt sich mit dem Problem der geeigneten Pumpen für kleinste Dosierungen.

• Prof. Porsche ist vor kurzem nach Stuttgart-Zu.ffenhausen übersiedelt. Dort baut er seinen weiter verbesserten Sportwagen beim Karosseriewerk Reuter. Der Preis dieses vielbeachteten Fahrzeuges stellt sich auf 9 850 DM.

In Kürze soll einer der erfolgreichsten und bekanntesten Kleinwagen der Weit sein „come-back“ feiern. Und zwar der Austin A 7. er steht dn neuer Gestalt bereits knapp vor der Vollendung.

Nach Abschluß der Serie „Margaret Rose“ die vor allem unter den Frauen unserer Leserschaft viel Beifall gefunden hat, be¬ ginnen wir in der nächsten Ausgabe der A. Z. am Sonntag mit dem Abdruck einer neuen, packenden Serie: „La Presidenta: Evita Perron“ „Der Lebensweg einer Radiosprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel“. Es ist die Lebensgeschichte der Gattin des argentinischen Staatspräsidenten, der schönsten Frau ihres Landes. Wir sind überzeugt, daß auch diese Serie das Inter¬ esse und den Beifall unserer Leser finden wird.

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Zwangsversteigerung 3 K 22/50. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuch von Weiterstadt, Band 25, Blatt 1626, und Weiter¬ stadt, Band 26, Blatt 1704, eingetragenen, nachstehend beschrie¬ benen Grundstücke am Montag, dem 2. Oktober 1950, vormittags 9.00 Uhr, an der Gerichtsstelle, Mathildenplatz 12, Saal 303, versteigert werden. Nr. 1, Gemarkung Weiterstadt, Flur 3, Parzelle 18, Acker in der Bettziecher, 2889 qm, Betrag der Schätzung 1350,— DM; Nr. 1, Gemarkung Weiterstadt, Flur 17, Parzelle 160, Acker in den Frankensteiner Zehnmorgen, 3049 qm, Betrag der Schätzung 450,— DM. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Das zulässige Höchstgebot ist durch den Landrat des Land¬ kreises Darmstadt — Preisbehörde — auf die gleichen Beträge festgesetzt. Gegen diese Festsetzung können die Beteiligten bin¬ nen 2 Wochen seit Zustellung dieser Terminbestimmung Be¬ schwerde bei der Preisbehörde einlegen. Bieter müssen die Genehmigung des Landwirtschaftsamts Darmstadt vorlegen. Der Versteigerungsvermerk ist am 27. Mai 1950 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals der Bahnarbeiter Ludwig Deusser in Weiterstadt und dessen Ehefrau Marie Deusser, geb. May, da¬ selbst in Errungenschaftsgemeinschaft eingetragen. Rechte, die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsver¬ merks aus dem Grundbuch nicht ersichtlich waren, sind späte¬ stens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden. Es ist zweckmäßig, schon zwei Wochen vor dem Termin eine genaue Berechnung der Ansprüche an Kapital, Zinsen und Kosten der Kündigung und der die Befriedigung aus dem Grundstück bezweckenden Rechtsverfolgung mit Angabe des beanspruchten Ranges schriftlich einzureichen oder zu Protokoll des Beamten der Geschäftsstelle zu erklären. Wer ein Recht hat, das der Versteigerung des Grundstückes oder des nach § 55 ZVG. mithaftenden Zubehörs entgegensteht, wird aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlages die Auf¬ hebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbei¬ zuführen. widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Darmstadt, den 5. August 1950. Oas Amtsgericht. Zwangsversteigerung 3 K 19/50. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das im Grundbuch Pfungstadt, Band 43, Blatt Nr. 3120, eingetragene, nachstehend beschriebene Grundstück am 2. Oktober 1950, vor¬ mittags 9.30 Uhr, an der Gerichtsstelle Mathilden-Platz Nr. 12, Zimmer 303, versteigert werden. Nr. 1, Gemarkung 2, Flur 3, ljotreite, Rheinstraße 26, in der Stadt, 240 qm, Betrag der Schätzung 6000,— DM. Zulässiges Höchstangeböt ebenso. Gegen diese Festsetzung des Höchstgebotes können die Beteiligten binnen 2 Wochen seit Zustellung dieser Terminsbestimmung bei der Preisbehörde Be¬ schwerde erheben. Der Versteigerungsvermerk ist am 5. Mai 1950 in das Grund¬ buch eingetragen. Als Eigentümer war damals der Philipp Koch 111. in Pfung¬ stadt, und dessen Ehefrau Josefine Margarethe, geb. Hock, als Gesamtgut der Errungenschaftsgemeinschaft eingetragen. Rechte, die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsver¬ merks aus dem Grundbuch nicht ersichtlich waren, sind späte¬ stens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, wenn.der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden. Es ist zweckmäßig, schon zwei Wochen vor dem Termin eine genaue Berechnung der Ansprüche an Kapital, Zinsen und Kosten der Kündigung und der die Befriedigung aus dem Grundstück bezweckenden Rechtsverfolgung mit Angabe des beanspruchten Ranges schriftlich einzureichen oder zu Protokoll des Beamten der Geschäftsstelle zu erklären. Wer ein Recht hat, das der Versteigerung des Grundstückes oder des nach § 55 ZVG. mithaftenden Zubehörs entgegensteht, wird aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlages die Auf¬ hebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbei¬ zuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Darmstadt, den 5. August 1950. Das Amtsgericht. Bensheim. Im Monat August sind folgende Steuern und Ab¬ gaben fällig: Am 5. August: Miete für Juli; am 10. August: Ge¬ tränkesteuer für Juli und am 15. August: Grundsteuer für August, Hundesteuer 11. Rate und Gewerbesteuer 111. Rate. (HB)

Neueröffnung ab 12. August Apotheke am Markt in Ober-Ramstadt Darmstädter Strafe 62 — im Hause Jakoby Ruf: 364 Leitung: Phm. M. Adolf Klepsch, Apotheker Früher Inhaber der Löwen-Apotheke in Aussig Anfertigung und Belieferung von Rezepten für alle Krankenkassen chemisch-pharmazeut. Untersuchungslaboratorium

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^lllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHlllllllllHllMlllW = § JCwunt alle, «am | Reit- und Jxrfvituuiiwi | in Pfungstadt am 12., 13. u. 14. August 1950 = = Qufe S^ünq-3<Miknvien^en | Schannununexn/urttttSsante&Schaufafa Voilüfwunqen von Sfietdand^on^s Samstagnadimittag ab 14 Uhr und Sonntag ab 14 Uhr: s Hauptprüfungen im großen Ring. Montagnadunittag: Schaunummern u.Pony Fahren - Pony-Reiten für Kinder Volksfest und Belustigungen = Gute Omnibus-Verbindungen zum Festplatz, daselbst großes Volksfest = = Bewachter Parkplatz für Autos, Motorräder und Fahrräder = S Reit-Fahr-Verein Pfungstadt illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllW

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