Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt. Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 36 Tleueffe TlaftruMen Freitag, 11. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr 3 v. 1. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Gegen die Wiederbewaffnung

Deutsche Delegierte in Straßburg lehnen Wiederaufrüstung ab

Straßburg, 10. August. (AP./dpa/Reuter) In der Sitzung der Beratenden Versammlung hat am Donnerstag in Straßburg Professor Carlo Schmid gesprochen. Er wandte sich mit Entschiedenheit gegen die Aufstellung einer deutschen Armee.

Die Rede des deutschen Delegierten wurde öfters von lautem Beifall unterbrochen. Die Einwände des deutschen Delegierten gegen die Aufstellung einer deutschen Armee können in drei Punkten zusammengefaßt werden: 1. Nach seiner Ansicht müßte eine Wiederbewaffnung den Sowjets den bestmöglichen Vorwand zum Kriege geben.

2. Die Aufstellung dieser Armee könnte keinen praktischen Nutzen haben, da die westlichen Alliierten die deutschen Divisionen nicht ausrüsten könnten.

3. Es sei durchaus denkbar, daß die Nachbarn Deutschlands zur Zeit den Gedanken nicht ertragen könnten, daß Deutschland bereits fünf Jahre nach ihrer Befreiung wieder bewaffnet würde. »

Keine Armee ohne politische Einheit

Im einzelnen sagte Professor Carlo Schmid, man kenne die Ziele des Kreml nicht, man wisse jedoch, daß Angst stets eine der Hauptursachen für einen Krieg gewesen sei. Auch Hitler habe seinen Ueberfall mit dem Hinweis auf die drohende Einkreisung entschuldigt. Außerdem müsse eine Armee in einem politisch so schwachen Land wie die Bundesrepublik geradezu ungeheuerlich wirken. Deutschland wünsche die Einheit Europas. Dann könnten in einer europäischen Armee auch deutsche Einheiten vertreten sein. Selbstverständlich hänge die Bildung einer solchen Armee von einer wirklich zuständigen überstaatlichen Behörde ab. Eine Armee ohne die politische Einheit sei nichts anderes als eine Koalitionsarmee, die den Belangen der in ihr vertretenen Nationalitäten unterworfen sei.

Die Verteidigung Europas sei nicht nur von Kanonen abhängig, das habe die Haltung der Berliner gezeigt. Noch nie seien die Kommunisten im Ruhrgebiet und in Berlin so schwach gewesen wie heute. „Es ist nicht die Furcht vor dem Schlachtfeld, die uns beeindruckt, und es ist auch nicht irgend eine schlaue Idee, daß wie Nutzen daraus ziehen könnten, den Kriegsanstrengungen fernzubleiben, während sich andere um unsere Verteidigung bemühen. Was können wir Deutsche zur Verteidigung des Kontinents tun? Fordern Sie von uns Arbeit, Arbeitskräfte, Industrieprodukte, politische oder wirtschaftliche Zusammenarbeit. Aber fordern Sie keine deutschen Soldaten.“

Im Namen der europäischen Irredenta

Im Namen der europäischen Irredenta forderte Carlo Schmid, daß man unter dem Zeichen der Freiheit und der Gleichberechtigung den Kampf um Europa führen sollte, damit sich eines Tages in Straßburg die Vertreter Warschaus ebenso wie die Vertreter Leipzigs einfinden könnten.

Nach Carlo Schmid ergriff der Abgeordnete der Freien Demokratischen Partei Dr. von Rechenberg däs Wort und erklärte unter Hinweis auf die Rede Carlo Schmids, die er voll und ganz unterstütze, daß das deutsche Volk keine besondere deutsche Armee wolle. „Es ist nicht unsere Art, sich mit Hilfe einer Armee ein Viertes Reich zu gründen.“

Am Mittwoch hatte als erster Deutscher der Delegierte Gerstenmaier vor der Europäischen Beratenden Versammlung gesprochen. Gerstenmaier hatte vor allem im Hinblick auf die Rede des britischen Abgeordneten Boothby, der eine deutsche Armee gefordert hatte, erklärt, daß die Mehrheit des deutschen Volkes die Wiederaufrüstung ablehne.

Schuman erläutert seinen Plan

Der französische Außenminister Schuman stellte am Donnerstag vor der Beratenden Versammlung des Europarates bei der Erläuterung seines Planes zur Zusammenfassung der europäischen Kohlenindustrien zwei Gedankengänge in den Vordergrund. Er betonte die Richtung einer unabhängigen Verwaltungsbehörde und die Bildung eines einheitlichen Marktes. Es solle weder ein Kartell noch ein Verteidigungssyndikat geschaffen werden, sondern eine Einrichtung die für alle Bedürfnisse und zu den bestmöglichsten Bedingungen Kohle und Stahl liefere. Die Gedanken der Solidarität, des gemeinsamen Einsatzes materieller und geistiger Mittel, die während des Krieges angenommen worden seien, müßten auch in dieser Zeit einer gespannten Weltlage schnell und vollständig zur Rettung des Friedens in die Tat umgesetzt werden. Die Beratende Versammlung solle ihm helfen bei der Errichtung dieses ersten europäischen Gebäudes.

Kein Treffen mit Stalin

Eine totale Mobilmachung in Amerika ist noch nicht beabsichtigt

Washington, 10. August. (AP.) Präsident Truman hat am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Washington erklärt, die Sowjets wendeten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Verschleppungstaktik an und handelten damit gegen ihre eigenen Interessen. Die Delegationen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens würden dagegen ihren Aufgaben ausgezeichnet gerecht.

Eine totale Mobilmachung sei noch nicht beabsichtigt, erklärte der Präsident. Die Preiskontrollbehörde, die während des Krieges die Rationierungen und Preiskontrollen ausgeführt habe, wolle er nicht wieder ins Leben rufen. Durch die Krise in Korea erforderlich werdende Kontrollen könnten von den Bundesdienststellen übernommen werden.

120 000 alliierte Soldaten

Neuyork. 10. August. (BBC.) In Neuyork ist am Donnerstag bekanntgegeben worden, daß die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in ihrer überwältigenden Mehrheit sich bereit erklärt haben, Truppen in Stärke von fast dreißigtausend Mann zum Einsatz in Korea zur Verfügung zu stellen. Hierzu kommen die neunzigtausend Mann amerikanische Streitkräfte, die teils bereits in Korea sind, teils vor der Abfahrt nach Korea stehen.

Der russische Delegierte im Weltsicherheitsrat, Malik, hat am Donnerstag grundsätzlich einen Vorschlag angenommen, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit eine Konferenz mit neun der zehn anderen Delegierten abzuhalten und zwar vor der Abendsitzung des Rats.

Mehr Atombomben

Die Produktion soll erhöht werden

Washington, 10. August. Der Atomenergieausschuß des amerikanischen Kongresses hat sich wegen des Krieges in Korea für eine Erhöhung der Atombomberiproduktion und anderer Atomwaffen ausgesprochen. Der Ausschuß wird dem Präsidenten Truman empfehlen, vom Kongreß die Bewilligung weiterer fünfhundert Millionen Dollar (2,1 Milliarden DM) für den Ausbau der amerikanischen Atomenergieanlagen anzufordern. In einem Bericht der Atomenergiekommission heißt es. die Produktion an Uran habe jetzt einen Höchststand erreicht.

Carlo Schmid von Churchill eingeladen

Angriffe gegen den Ministcrausschuß

Straßburg, 10 Aug. (AP./dpa/Reuter)

Seit Beginn der Straßburger Tagung sind immer schärfer die Gegensätze zwischen dem Ministeräusschuß und der Beratenden Versammlung hervorgetreten. Der frühere französische Ministerpräsident. Paul Reynaud hatte am Mittwoch heftige Angriffe gegen den Ministerausschuß geführt und ihn beschuldigt, daß er vor der dramatischen Lage, in der sich Europa heute befinde, die Augen geschlossen habe. Der Ministerausschuß sei die .reaktionärste Einrichtung im heutigen Europa. Reynaud steht mit seinen heftigen Angriffen nicht allein. Zahlreiche Abgeordnete, .darunter der französische Delegierte Andre Philip, die Holländer und auch H.enri Spaak setzten sich für erweiterte Kompetenzen ein. Reynaud machte sich auch zürn Verfechter einer europäischen Armee unter Beteiligung der Deutschen und schlug Winston Churchill zum europäischen Kriegsminister vor.

Churchill, dar am Donnerstag hatte reden wollen, wird nun voraussichtlich am Freitag sprechen. Trotzdem bestehen in Straßburg Auffassungen, daß Churchill möglicherweise überhaupt nicht mehr das Wort ergreifen werde, da seine Konzeption von der Bildung einer europäischen Armee weder in Europa noch in den Vereinigten Staaten auf Gegenliebe stoßen werde.

Am Rande der Straßburger Tagung müssen zwei unangenehme Ereignisse registriert werden. Bei einer Cocktail-Party, an der mehr als vierhundert Personen teilnahmen, warf der britische Abgeordnete Dalton, der der Labour Party angehört, dem deutschen Abgeordneten Professor Carlo Schmid vor, er habe während des Krieges der Oberfeldkommandantur in Lille als Kriegsgerichtsrat angehört. Die Art, wie Dalton Carlo Schmid zur Rede stellte, kann als schroffe Brüskierung angesehen werden. Auch der Generalsekretär der französischen Sozialisten Mollet hatte sich abfällig über Carlo Schmid geäußert. Inzwischen haben beide in einem Schreiben an Carlo Schmid festgestellt, sie hätten sich auf Grund neuer Informationen überzeugt, daß sie ihre Bedenken gegen seine Anwesenheit fallen lassen könnten. Carlo Schmid ist von Churchill auf gefordert worden, in London sein Gast zu sein.


Im Süden der koreanischen Front sind die amerikanischen Truppen zu einer Gegenoffensive angetreten. — Amerikanische und südkoreanische Verbände rücken in eine wiedergenommene Ortschaft ein Foto: dpa
Im Süden der koreanischen Front sind die amerikanischen Truppen zu einer Gegenoffensive angetreten. — Amerikanische und südkoreanische Verbände rücken in eine wiedergenommene Ortschaft ein Foto: dpa

Beschluß zurückgezogen

Berlin, 10. August. (AP.) Das Amt für Information der Sowjetzonenregierung hat am Donnerstag den von ihm zuvor veröffentlichten Beschluß des Ministerrates, die Sowjetregierung wegen des angeblichen Brandbombenabwurfes über, der Sowjetzone um Schutz zu ersuchen, zurückgezogen.

Drei Stunden und 45 Minuten, nachdem das Kommunique über diesen Beschluß von dem. sowjetisch-lizenzierten "Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst verbreitet worden war, zog dieser die Meldung ohne Angabe von Gründen zurück. Auf Anfrage erklärte ein ADN-Redakteur, das sei genau so, als ob die Meldung nie gebracht worden wäre.

Die Russen konzentrieren Kchiffe

in ihrem Fernosthafen Wladiwostok

Washington 10. August. (AP.) Nach Feststellungen des privaten Instituts des amerikanischen Handelsministeriums legt die Sowjetunion in ihrem Fernosthafen Wladiwostok größere Materialvorräte an. Außerdem zieht sie dort Trockendocks und Handelsschiffe zusammen.

Gefängnisstrafen von zwei und sechs Monaten sind gegen zwei Kommunisten von den Engländern verhängt worden, die in Düsseldorf Plakate mit der Aufforderung „Ami go home“ angeklebt hatten.

Wenn...

*** Einen Irrtum offen einzugestehen, ehrt den Mann. Man weiß schon lange, daß die Westmächte ihre Politik, die sie nach dem Zusammenbruch Deutschland gegenüber eingeschlagen haben, als fehlerhaft erkannt haben. Noch nie ist dieses Eingeständnis jedoch so offen gemacht worden, wie durch den Abteilungsleiter für öffentliche Angelegenheiten beim amerikanischen Landeskommissar für Hessen Dr. Ernst Anspach. Er sagte auf einem Empfang in Fritzlar, es wäre manches anders gekommen, wenn die Amerikaner 1945 das gewußt hätten, was sie heute wissen. Sie müßten zugeben, daß die Deutschen mit ihrer Warnung vor der aus dem Osten drohenden Gefahr und ihrem Wissen um die Verhältnisse ihnen weit voraus gewesen seien.

Wenn die Politik der Westmächte nicht so fehlerhaft gewesen wäre, dann hätten sie es nicht erleben müssen, daß ihnen,in Straßburg auf das Angebot der Wiederaufrüstung Deutschlands der sozialdemokratische Delegierte Carlo Schmid mit einem unverblümten „Nein“ geantwortet hätte. Er begründete seine Ablehnung nicht mit wohlverständlichen Ressentiments, sondern mit einleuchtenden Gründen, die in Straßburg Eindruck gemacht und wohl mit dazu beigetragen haben, daß Winston Churchill seine angekündigte große politische Rede auf voraussichtlich Freitag verschoben hat.

Carlo Schmid machte das deutsche Bedenken geltend, eine Wiederaufrüstung könne den Russen den Vorwand zum Kriege bieten. Er sagte ferner, die Aufrüstung müsse ohne praktischen Nutzen bleiben, da die Alliierten, denen es selbst an genügendem Kriegsmaterial für ihre Streitkräfte fehle, deutsche Divisionen nicht ausrüsten könnten. Ferner wies er darauf hin, daß Deutschlands Nachbarn ihre Voreingenommenheit noch nicht genügend überwunden hätten, um eine Wiederaufrüstung Deutschlands ertragen zu können.

Es ist bezeichnend, daß auch der Delegierte der Freien Demokratischen Partei, Dr. von Rechenberg, den Ausführungen Carlo Schmids zustimmte und ebenfalls betonte, das deutsche Volk wolle keine neue deutsche Armee. Die ausländischen Delegierten in Straßburg, von denen sicherlich mancher noch in der Vorstellung lebte, das deutsche Volk habe keinen größeren Ehrgeiz, als eine Uniform anzuziehen, werden erstaunt und vielleicht auch enttäuscht gewesen sein. Es wäre anders gewesen, wenn ...

Englands Perteidigungsbeitrag

hl. Innerhalb von acht Tagen hat die englischen Regierung auf Bitten Washingtons Aufklärung darüber gegeben, was sie angesichts der lauernden Kriegsgefahr für die Erhöhung der britischen Verteidigungsbereitschaft zu tun gedenke. Das Memorandum des englischen Kabinetts, das Premierminister Attlee vor der Überreichung in Washington in einer Geheimbesprechung dem Oppositionsführer Winston Churchill zur Kenntnis gegeben hat, ist verhältnismäßig kurz und allgemein gehalten. Es war für die Veröffentlichung bestimmt und enthält daher an sachlichen Angaben nicht mehr als eine Zusammenfassung dessen, was in der großen zweitägigen Verteidigungsdebatte im Unterhaus von der Regierung bekanntgegeben worden ist. Das neue Dreijahresprogramm sieht eine Erhöhung der Ausgaben für Verteidigungszwecke auf eine Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Pfund vor, im Jahresdurchschnitt also etwas über 1,1 Milliarden Pfund. Vor dem koreanischen Krieg beliefen sich die jährlichen Ausgaben Englands für diese Zwecke auf 780 000 Pfund.

Nun macht die englische Regierung kein Hehl daraus, daß der Verteidigungszustand Englands, also wohl des wichtigsten Landes der westeuropäischen Verteidigung, beklagenswert unzureichend ist. Die Spanne von etwas über dreiviertel Milliarden Pfund zu etwas über 1,1 Milliarden Pfund läßt keine allzu großen Hoffnungen zu, daß sich die unzureichende Lage in eine ausreichende, geschweige denn in eine gute verwandle. Die Sowjetunion besitzt — das sind Zahlen, die in der Unterhausdebatte genannt worden sind — vermutlich ein stehendes Herr von 175 Divisionen, von denen etwa ein Drittel motorisierte und Panzerdivisionen sind, mit mindestens 25 000 Panzern, eine Luftwaffe von etwa 19 000 Flugzeugen und eine unbekannte Zahl von U-Booten. Churchill und Reynaud haben ausgerechnet, daß der Westen dieser gewaltigen Macht heute nur zwölf Divisionen der ersten Linie und etwa 6000 Flugzeuge entgegenstellen könnte. Der englische Verteidigungsminister Shinwell hat die Zahlenangaben nicht bestätigt, aber auch nicht angefochten.

Die englische Regierung erklärte in ihrem Memorandum, daß ihr Programm das umfangreichste sei, das sie in der vorgesehenen Frist von drei Jahren verwirklichen könne, es sei denn, sie kehre zu den wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen des zweiten Weltkrieges zurück: „Ein größeres Verteidigungsprogramm wäre nicht vereinbar mit der Ansicht der Regierung der Vereinigten Staaten, daß die Fortdauer der wirtschaftlichen Gesundung in der nahen Zukunft, wenn auch möglicherweise in einem etwas weniger schnellen Tempo als bisher, wesentlich sein wird, nicht nur, um das große Ziel, sondern auch das unmittelbare Ziel der größeren militärischen Stärke zu erreichen.“

Aber selbst die Verwirklichung des vorgesehenen Dreijahresprogramms, das selbstverständlich nur unter der einigermaßen zweifelhaften Voraussetzung gilt, daß die Russen so lange Zeit lassen, macht das englische Kabinett abhängig von der amerikanischen Unterstützung über die Marshallplan-Hilfe hinaus. Darüber hat schon die Unterhauserklärung der Regierung keinen Zweifel gelassen. Das Memorandum, das sich an amerikanische Leser nicht nur in Regierungskreisen wendet, macht das wesentlich deutlicher. Nicht weniger als fünfmal heißt es darin: hängt von der amerikanischen Hilfe ab ... unmöglich, ohne wesentliche amerikanische Unterstützung über die Erfüllung des europäischen Wiederaufbauprogramms hinaus... nicht ipöglich, wenn nicht die Vereinigten Staaten finanzielle Hilfe anbieten können ... unter der Voraussetzung amerikanischer Unterstützung... erst möglich, wenn Vereinbarungen mit der amerikanischen Regierung getroffen sind.“ Wie hoch die Zuschußsumme ist, die die britische Regierung von der amerikanischen erwartet, ist unbekannt. In dem Memorandum steht nichts darüber, aber sie ist dem amerikanischen Botschafter in London, Lewis Douglas, von Attlee vertraulich mitgeteilt worden. Es ist anzunehmen, daß sie erheblich ist.

Das ist alles höchst unerfreulich, aber es ist wohl die nackte Wahrheit. Im Verhältnis zum Nationaleinkommen waren allerdings schon die bisherigen englischen Ausgaben für Rüstungs- und Verteidigungszwecke hoch, wesentlich höher sogar als die amerikanischen. Nach dem neuen Programm Trumans und dem von der amerikanischen Hilfe abhängigen Anlaufen des englischen Dreijahresplanes werden Amerika und England je zehn vom Hundert ihres Nationaleinkommens für diese Zwecke ausgeben. Das bedeutet für das durch den letzten Krieg schwer getroffene England ungeheuer viel, was wohl auch der Grund ist, warum Truman das — gemessen an der Notwendigkeit der Stunde — offensichtlich unzulängliche englische Programm noch als beispielhaft für die anderen Verbündeten der Vereinigten Staaten bezeichnet hat.

Korea hat Labour endgültig aus einem lange, allzulange gehegten Traum gerissen. Die Flitterwochen der naiven Hoffnung, mit der die englischen Sozialisten 1945 in das Jahrfünft ihrer Allmacht gingen, ein sozialistisches England werde mit der Sowjetunion ein besonders fruchtbares Verhältnis gewinnen, haben trotz aller massiven Enttäuschungen grotesk lange gedauert. Die doktrinäre Verblendung, die einst selbst einen Cripps und natürlich einen Aneurin Bevan den Ausschluß aus der Partei einem Verzicht auf die Volksfrontideologie vorziehen ließ, ist noch nicht völlig überwunden. Es gibt auch in der Politik eine enttäuschte Liebe. Sie äußert sich, wie die des bürgerlichen Lebens, oft auf seltsame Weise. So in Labour-Kreisen, vor allem des linken Flügels, in den von Zeit zu Zeit immer wiederkehrenden Ausbrüchen gegen das kapitalistische Amerika, ohne dessen umfangreicher Hilfe die Labour-Regierung ihr sozialistisches Programm wohl kaum hätte verwirklichen können und ohne dessen Unterstützung sie ihre Errungenschaften heute nicht verteidigen kann.

Bei der Unterhausdebatte hat Winston Churchill dem Verteidigungsminister Shinwell mit beißender Ironie geantwortet: „Wenn man die Rede des Ministers gehört hat, könnte man glauben, die Regierung sei gerade erst an die Macht gekommen und die heutige Lage habe sich über Nacht entwickelt.“ Man kann, wie es hier der Oppositionsführer tut, der Labour-Regierung Mangel an politischem Instinkt vorwerfen, aber auch ihr erbittertster Gegner wird ihr nicht mangelnde Friedensliebe nachweisen können. Wohl keine Regierung der Welt zählt in ihren Reihen so viele Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen neben ehemaligen Offizieren, die den Krieg aus tiefster Überzeugung hassen. Das sozialistische England hat sich schweren Herzens entschlossen, nachzuholen, was auf dem Gebiete der Verteidigung versäumt worden ist. Es hat inzwischen eingesehen, daß auf die Dauer die Butter des sozialen Fortschrittes nicht auf Kosten der Kanonen der Verteidigung zu haben ist. Die Mißachtung der geschichtlichen Erfahrung wird immer teuer bezahlt. Es war eine Utopie, daß der mißratene östliche Verwandte aus der politischen Familie einem sozialistischen England günstiger gesonnen sein werde.

Verboten!

Mainz, 10 August.. Der Regierungspräsident von Rheinhessen hat die folgende polizeiliche Verfügung erlassen: „Auf Grund des § 4 der Landesverordnung über die Verstaatlichung und den Aufbau der Polizei vom 14. Mai 1947 — Gemeinde-Verordnungsblatt Seite 142 —, des Artikels 129 b der Hessischen Städteordnung vom 8. Juli 1911 und des Artikels 66 der Hessischen Kreis- und Provinzialordnung vom gleichen Tage, in der Fassung des Gesetzes vom 5. Januar 1937 — Hessisches Regierungs-Blatt Seite 9 — verbiete ich die Veranstaltung des Landeskongresses des Landesausschusses Rheinland-Pfalz für ein einiges Deutschland, am Sonnabend, dem 12. August und Sonntag, dem 13. August 1950, im Bellibau in Mainz.

Verboten sind auch alle Ersatzveranstaltungen innerhalb des Regierungsbezirks und die Werbung für die verbotene Veranstaltung, z. B. durch Ankleben von Plakaten oder Verteilen von Handzetteln.“

Als Gründe für das Verbot werden angegeben: „Zeitpunkt, Veranstalterkreis, Vortragsgegenstände und die Persönlichkeiten der Redner der geplanten Veranstaltung zwingen zu dem Schluß, daß die geplante Kundgebung eine unmittelbare ' Gefahr für die Sicherheit und das Eigentum der Bevölkerung sowie für die sittlichen und politischen Grundlagen des Gemeinschaftslebens und die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik und des Landes Rheinland-Pfalz hervorruft.

Protestversammlaung in Main;

y. Mainz, 10. August. Am Mittwochabend veranstaltete das kommunistische „Komitee der Friedenskämpfer“ im Belli-Bau in Mainz eine Versammlung, die von etwa vier- bis fünfhundert Menschen besucht war, von Anhängern und von Neugierigen, die nicht auf ihre Kosten kamen. Der kommunistische frühere Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, Hugo Paul, warb in einer längeren Rede mit den bekannten Argumenten von der angeblichen Friedensliebe der Sowjetunion und der „Kriegshetze“ des „amerikanischen Finanzkapitals“ für die sogenannte Stockholmer Friedensresolution zur Ächtung der Atombombe. Obwohl der Versammlungsleiter zu Eingang angedeutet hatte, daß sich „Provokateure“ im Saal befänden, verlief die Veranstaltung in völliger Ruhe. Die Diskussion brachte die Verlesung eines Manuskripts durch die Frau des jetzigen Chefredakteurs des „Neuen Lebens“ und heftige demagogische Ansprachen anderer Kommunisten. Als sich ein Nichtkommunist als Diskussionsredner meldete, wurde ihm — im Gegensatz zu der vorher ausdrücklich verkündeten unbeschränkten Redefreiheit — nach zwei Sätzen das Wort entzogen. Mit Protestentschließungen endete die Kundgebung.

Eine kommunistische Unterschriften¬ sammlung zur Aechtung der Atombombe soll am kommenden Sonntag die Zahl der westdeutschen Unterschriften von angeblich zwei Millionen auf vier Millionen erhöhen.

Eine Polizeireserve in Stärke von 25 000 Mann ist von der japanischen Regierung angeordnet worden, die für die Ruhe und Ordnung im Lande sorgen soll.

Kampf gegen Hitze und Durst in Korea

Die Operation Schinju weiter erfolgreich / Tiefer Einbruch an der Nordfront

Pusan, 10. August. (AP./dpa/Reuter.) Im Süden des koreanischen Kriegsschauplatzes ist am dritten Tag der amerikanischen Offensive die Stadt Schinju durch amerikanische Einheiten unmittelbar bedroht. In einer Umfassungsbewegung, bei der das 35. Regiment der Amerikaner, mit dem rechten Flügel am Nam-Fluß vorbeistoßend, und das 5. amerikanische Infanterieregiment weiter südlich operierten. konnten sich die amerikanischen Verbände in einem Raum etwa fünf Kilometer östlich Schinju vereinigen. Durch diese Bewegung sind nordkoreanische Truppen in größerer Anzahl abgeschnitten. Auch in der Mitte der amerikanischen Angriffsfront sind Fortschritte gemacht worden, so daß der Fall von Schinju als unmittelbar bevorstehend gemeldet werden kann.

Es soll der 6. nordkoreanischen Division nicht gelungen sein, sich in den flüchtig vorbereiteten Verteidigungsstellungen festzusetzen, so daß der Feind fluchtartig ganze Abschnitte räumen mußte. Zahlreiches Material fiel den Amerikanern als Beute in die Hand. Schinju soll bereits von den Nordkoreanern verlassen werden.

Die Hitze ist grausam

Die Amerikaner leiden unter der fürchterlichen Hitze. Die Sonne brennt unbarmherzig auf die kahlen Gebirgshöhen und in die ausgetrockneten Flußtäler. Der Staub frißt sich im Hals fest und verklebt die Augen. Die amerikanischen Kompanien haben zahlreiche Ausfälle durch Sonnenstich. Die Truppe hat niemals genügend Wasser bei sich, und das Trinken aus den Pfützen oder Tümpeln ist wegen Typhusgefahr nicht möglich. In vielen Fällen mußten Flugzeuge eingesetzt werden, die Wasserkanister abwarfen. Aber rreistens fielen die „Wasserbomben“ in das feindliche Gebiet oder zerschellten.

Scharfschützen

In den drei Tagen der Kämpfe im Südabschnitt mußten die amerikanischen Truppen fast stündlich an zahlreichen Stellen wieder kehrtmachen, um die Straßen, die sie gerade freigekämpft hatten, wieder von eingesickerten Partisanen und Scharfschützen zu säubern.

Die amerikanischen Soldaten verfluchten die Kampfmethoden des Feindes. Alte Sergeanten, die gegen Japan gekämpft haben, behaupten, das schlimmste dieses Krieges sei, daß man in vielen Fällen den Feind überhaupt nicht sehe. Die Nordkoreaner lassen die Amerikaner meistens bis auf 25 Schritt herankommen. Sie sitzen in den Bäumen, in den Strohdächern der Häuser und in den Bergfalten. In unmittelbarer Nähe der Amerikaner werfen sie Handgranaten und stürzen sich dann mit dem Messer auf die Truppe. In zahlreichen Berggefechten mußten die Amerikaner sich mit dem Bajonett zur Wehr setzen. Auch die Krankensammelstellen werden dauernd angegriffen. Amerikanische Infanterie erklärt, sie habe viele Feinde. Zuerst die Nordkoreäner, dann das Gebirge, dann den Staub, dann die Hitze und dann den Durst.

Im Mittelabschnitt verteidigten die Nordkoreaner zäh ihre Brückenköpfe über dem Naktong. Der strategisch wichtigste Brückenkopf zwanzig Kilometer nordwestlich Masan konnte eingeengt aber nicht ausgeräumt werden. Es sind Anzeichen vorhanden, daß die Nordkoreaner dorthin ihren Schwerpunkt verlagern werden. Die Amerikaner haben, um die Bedrohung in ihrer Flanke auszuschalten, Kräfte von Süden an den Naktongbogen herangeführt.

Der Brückenkopf bei Waegnan, der Taiku bedrohte, konnte weiter eingeengt werden.

Im Norden ist das Kriegsglück jedoch auf seifen der Nordkoreaner. Yongdok ging verloren. Die am Mittwoch bereits durchgebrochene Kampfgruppe der Nordkoreaner, die sich wenige Kilometer nordwestlich Pohung befindet, konnte noch nicht aufgehalten werden. Die taktische und strategische Luftwaffe sowie d’e Alliierte Flotte griffen mit Erfolg in die Kämpfe ein. Die Vernehmungen nordkoreanischer Kriegsgefangener haben ergeben, daß der Feind mit Verstärkungen an Truppen rechnet.

Unerwartete Kitzung des Bundesrates

Bonn erwartet den Kanzler/Ein Telegramm von Carlo Schmid aus Straßburg

Z. K. Bonn, 10. August. Die Bundeshauptstadt scheint bereits nach dei' ersten Woche der Parlamentsferien zu neuem politischem Leben zu erwachen. Die Fülle der dringenden inner- und außenpolitischen Probleme, die den am Freitag von seinem Erholungsurlaub zurückkehrenden Kanzler erwartet, hat bereits am Donnerstag eine Überraschung gebracht: Der Bundesrat war unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Arnold zu einer nicht vorgesehenen, nichtöffentlichen Sitzung zusammengetreten, an der auch Vizekanzler Blücher teilnahm.

Für Freitag hat auch Vizekanzler Blücher eine Kabinettssitzung einberufen, an der der Bundeskanzler wahrscheinlich noch nicht teilnehmen kann. An der Spitze der Tagesordnung dieser Sitzung steht der Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums über das Mitbestimmungsrecht, der bald dem Bundesrat überwiesen werden soll, um möglichst beim Wiederzusammentritt des Parlaments dort gemeinsam mit den Entwürfen der Christlich-Demokratischen Union und der Sozialdemokratischen Partei behandelt zu werden.

Für die nächste Woche wird die erste Kabinettssitzung unter Vorsitz des Kanzlers erwartet, in deren Mittelpunkt die Sicherheitsfrage in all den Aspekten stehen dürfte, die sie inzwischen durch die Vorgänge in London und Straßburg bekommen hat. Im Zusammenhang mit der wachsenden Aktivität der Sowjetzone und den Fragen des Verfassungsschutzes bietet diese eine Frage heute schon für den rückkehrenden Kanzler ein wahres Konglomerat von Problemen, das seine ganze wiederhergestellte Arbeitskraft in Anspruch nehmen dürfte.

Als weitere Überraschung kam am Donnerstag aus Straßburg ein Telegramm nach Bonn, in dem Professor' Carlo Schmid als amtierender Parlamentspräsident den Ältestenrat des Bundestages auf den 4. September einberuft. Ursprünglich war diese Sitzung für den 28. August vorgesehen, und es ist anzunehmen, daß durch diese Terminverschiebung die gesamte parlamentarische Arbeit um fast eine Woche später als vorgesehen wieder anlaufen wird. Professor Carlo Schmid hat dieses Telegramm sicher im Einvernehmen mit seinem Kollegen von Brentano und Dr. Schäfer abgeschickt. Daraus ergibt sich die Frage, ob die ganze deutsche Straßburger Delegation mit einer längeren Session des Europarats, als vorgesehen war, rechnet, und, wenn ja, mit welch wichtigen Entschlüssen diese Verlängerung und die Verschiebung des Urlaubsendes in Bonn gerechtfertigt werden wird.

Der Sicherheitsrat kommt nicht weiter

Malik verharrt „eisern“ auf seinem Standpunkt

Neuyork, 10. August. Fünf Minuten, nachdem die interne Besprechung der Sicherheitsratsmitglieder zu Ende gegangen war, hat der Delegierte der Sowjetunion, Malik, als Vorsitzender die öffentliche Sitzung des Sicherheitsrats am Donnerstagnachmittag eröffnet. Der Beginn der Sitzung war um etwa eine halbe Stunde verzögert worden. Dem Rat lagen zwei Anträge vor:

1. steht der amerikanische Antrag auf der Tagesordnung, in dem eine Verurteilung Nordkoreas wegen seines Angriffs auf Südkorea verlangt wird, und in dem außerdem die Mitglieder der Vereinten Nationen aufgefordert werden, sich jeder Hilfeleistung für die Nordkoreaner zu enthalten und alles zu vermeiden, was eine Ausweitung des Konfliktes verursachen könnte.

2. hat die Sowjetdelegation einen Antrag eingereicht, nach dem auch nordkoreanische Vertreter bei den Erörterungen über Korea zu Wort kommen sollen. Der sowjetische Antrag fordert außerdem die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und den Rückzug aller fremden Truppen in Korea.

Der amerikanische Delegierte Austin erklärte, Rußland wünsche eine Regelung in Korea, unter der die Polizei der Vereinten Nationen weggeschickt werde und Banditen in Korea blieben, die nach Herzenslust plündern könnten. Die Menschen in aller Welt wüßten, daß der internationale Kommunismus den Konflikt in Korea morgen beenden könnte, die ganze Welt wisse, in welcher Richtung sie nach einem Zeichen für die Beendigung des Kriegsübels Ausschau zu halten habe.

Malik sagte, alle beteiligten Parteien seien auf der vorhergehenden internen Besprechung bei ihren ursprünglichen Ansichten geblieben. Er fügte hinzu, man sei übereingekommen, von Zeit zu Zeit ähnliche interne Gespräche zu führen. Zwischen dem Ende der internen Besprechung und dem Beginn der öffentlichen Sitzung des Sicherheitsrats sagte der norwegische Delegierte Sunde zu Pressevertretern: „Es hat sich keine Aenderung der Positionen ergeben. Malik blieb eisern."

Austin sagte, die Sowjetunion sei die einzige Großmacht, die bisher die Aggression in Korea noch nicht verurteilt habe. Wenn sie sich weigere, dies zu tun, werde es klar sein, wer für den Frieden und wer nicht dafür ist. „Welches Mitglied des Sicherheitsrates unterstützt das nordkoreanische Regime im Sicherheitsrat?“ Die Vereinten Nationen seien niemals in der Lage gewesen, einwandfrei festzustellen, ob die russischen Truppen tatsächlich Nordkorea verlassen hätten, als die amerikanischen Besatzungstruppen aus Südkorea zurückgezogen wurden.

Der Rat vertagte sich um 22.51 Uhr MEZ auf Freitag, 20 Uhr MEZ. Der britische Delegierte Sir Gladwyn Jebb kündigte an, daß er auf der Freitag-Sitzung das Wort ergreifen werde.

Fällt das Stahlembargo?

F. A. Z. Frankfurt, 10. August. Die alliierte Oberkommission hat sich am Mittwoch auf dem Petersberg mit der Verlängerung des Interzonenhandelsabkommens zwischen der sowjetischen und den Westzonen bis zum 30. September befaßt. Wie aus unterrichteten Kreisen dazu bekannt wird, hat die Oberkommission Uebereinstimmung dahingehend erzielt, daß sie gegen die geplante Verlängerung keinen Einspruch erheben wird.

Stimmen der Anderen

Königsberg

Der Berliner „Tagesspiegel“ veröffentlicht einen Stimmungsbericht Jürgen Schülers über Königsberg:

„Vier Fünftel der Stadt sind zerstört, Dom, Oper und Universität sind zerstört. Das Wahrzeichen Königsbergs, der Schloßturm, ist auf einer Seite aufgerissen. Auf dem Platz der Befreiung vor dem erhalten gebliebenen Schloß stehen noch die unzerstörten Denkmäler von Kaiser Wilhelm, Bismarck und Schiller.

Im Nordwesten Königsbergs sind die Stadtteile Juditten, Ratshof, Amalienau, die Hufen und Charlottenburg der Vernichtung entgangen. Prominente Russen wohnen dort. Vom Hauptbahnhof fahren täglich Züge auf eingleisigen Strecken nach Rußland und Polen. Als einziges öffentliches Gebäude ist das Amtsgericht unbeschädigt geblieben. Dort sitzt die NKWD. Der Königsberger Oberste Sowjet residiert im ehemaligen Raiffeisen-Hochhaus. Das frühere Finanzpräsidium ist Hauptquartier des Oberkommandierenden. Die ehemalige Mädchengewerbeschule Haus der Roten Armee.

Die nach dem Vertreiben von 300 000 Königsbergern in der Stadt verbliebenen 2000 Deutschen fristen unter den rund 120 000 Russen ein kümmerliches Dasein. Ursprünglich waren sie als Arbeitskräfte sehr geschätzt und blieben zum Teil auch auf verantwortungsvollen Posten. Nachdem sich die Russen eingearbeitet hatten, mußten die Deutschen ihre Stellungen verlassen. Geld und Lebensmittelkarten erhält nur, wer von den Russen beschäftigt wird. Für die Deutschen wird zweimal wöchentlich eine Zeitung herausgegeben, die hauptsächlich Berichte aus Rußland bringt. Die sowjetamtliche Berliner „Tägliche Rundschau“ ist die einzige in Deutschland gedruckte Zeitung, die man in Königsberg kaufen kann. Die Umgebung der Stadt ist nicht wiederzuerkennen. Ganze Dörfer sind verschwunden, weil die Russen Holz und Stefne für andere Bauten benötigen. Das Land außerhalb der Kolchosen ist versteppt und verwahrlost. Alle deutschen Bauern sind vertrieben. Ihr Land wurde russischen Stellen übergeben.“

Eine Zeitung verboten

el. Hamburg, 10. August. (Eigener Drahtbericht.) Die „Hamburger Volkszeitung“, das Organ der Kommunistischen Partei Hamburgs, ist auf drei Monate verboten worden, weil ihre Veröffentlichungen geeignet seien, die Sicherheit der alliierten Besatzungsmächte zu gefährden. Ein starkes Polizeiaufgebot hat am Donnerstag eine überraschende Aktion gegen die Gebäude der Zeitung ausgeführt. Verlags- und Redaktionsräume wurden besetzt. Die Durchsuchung dauerte mehrere Stunden.

„Freie Tribüne“

Fö. Düsseldorf, 10. August. (Eigener Drahtbericht). In Düsseldorf ist zum ersten Male die unabhängige Wochenzeitung „Freie Tribüne“ erschienen, die unter der Chefredaktion von Josef Schappe als Organ des vorbereitenden Ausschusses zur Bildung einer „Unabhängigen Arbeiterpartei“ herausgegeben wird. Träger des Blattes ist der Kreis ehemaliger und ausgeschlossener Mitglieder der Kommunistischen Partei, die kürzlich auf einer Konferenz in Ratingen bei Düsseldorf die Bildung einer neuen „Unabhängigen Arbeiterpartei“ beschlossen hatten.

Die dänische Verteidigung

Kopenhagen, 10. August, (dpa) Der dänische Reichstag hat nun doch der Gesetzesvorlage der dänischen Regierung zugestimmt, die zusätzliche Verteidigungsausgaben in Höhe von dreihundert Millionen Kronen und weitere fünfzig Millionen Kronen für die Zivilverteidigung vorsieht.

Die dänische Regierung war am Mittwoch wegen Unstimmigkeiten über dieses Gesetz zurückgetreten, bleibt aber bis zu den am 5. September stattfindenden Neuwahlen im Amt.

Unsereiner uird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

17) Copyright by Dr Alexander Fuchs, Braunschweig

Die Manager gehen eilig voraus. Sie wollen für niemanden zu den Steens gehören, so scheint es.

Georg J. Steen wiederum geht seiner Familie voraus über den Perron. Er ist vor Zorn aufgeplusfert wie ein Puterhahn. Er ist voll von Dingen, die er sagen wird, sobald er mit seinen Leuten hinter einer Tür alleine ist. Er ist ein Pulverfaß auf Beinen, auf gereizt vorwärts stampfenden Beinen.

Seine Drei gehen ratlos hinter ihm drein. Eva Steen kämpft mit den Tränen. Sie denkt wieder einmal, daß sie dieses Leben nicht erträgt, das von Woche zu Woche schwerer wird.

Knut macht mit sich aus, er sei in eine Familie geraten, derentwegen er jedem anständigen Menschen leid tun könnte, und ganz bestimmt wird er sich von ihr freimachen, sobald das geht.

Mary meint, daß sie hier ein zweites Mal „ihrer großen, unfaßbaren Liebe wegen geschlagen“ werde, aber im Grunde sei eigentlich Teddy Beer der Schuldige an allein. Teddy ist einfach nicht Weltmann genug, schmollt sie.

Die Steens schlüpfen in zwei Taxen, wie Hühner in die Kiste, in der sie abends in den Stall getragen werden. Steen fährt zusammen mit seiner Frau.

Die Wagen fahren sehr schnell.

„Am besten zahlst du diese Autofahrt wohl selber, Georg“, schluchzt Frau Steen. „Halte den Mundl.“ zkcht Steen. Er ist nur noch ein Millimeter vom Punkt der Explosion entfernt; nur ein Milli-

meter trennt diese Stadt hier von dem Schicksal, mit Georg J. Steen in die Luft zu fliegen.

Die Wagen halfen in einer engen Straße, die anstelle von Häusern nur hohe Betonmauern hat. Gäbe es nicht ein paar Einfahrten in diese Mauern, die Steens müßten glauben, schon in das Gefängnis gebracht zu werden. Der Chefmanager bedeutet den vieren, auszusteigen und ihm zu folgen. Wiederum trägt kein anderer ihr Gepäck und die Taxen verschwinden.

Es geht über einen Hof, aut dem große, gepflegte Autos gewaschen werden. Die Steens balancieren um Pfützen herum und an arbeitenden Männern vorüber, die ihnen keinen Blick gönnen. Sie betreten ein schmales Treppenhaus aus Beton und Stahl. Die Treppe ist steil. Im ersten Stockwerk führt man sie durch eine eiserne Tür.

Hinter dieser Tür aber stehen sie plötzlich im Flur eines erstrangigen Hotels. Ihre Füße versinken in Teppichen, an den Wänden blinken übergroße Spiegel. Irgendwo rechts summen Lifts. Der Chef spricht mit einem Genflemen von Kellner.

Der Kellner geht voran ... „Beeilen Sie sich", befiehlt der Chef. Gleich darauf öffnet sich vor Georg J. Steen eine rote saffiangepolsterte Tür.

Die Steens befinden sich in einem großen Hotelzimmer, wie sie es allenfalls aus Revuefilmen kennen, in einer gepolsterten getäfelten, parkettischen Welt voller Silber, Kristall, schimmernder Stil— möbel, wandhoher Gemälde, vielarmiger Leuchter und ungezählter Seidenkissen. Georg J. Steen setzt die Koffer ab und fährt mit dem Taschentuch über den Innenrand seines Hufes.

Knut öffnet, den Mund und vergißt, ihn wieder zu schließen.

Eva Steens Äugen flattern wie Kanarienvögel durch dieses Zimmer, wie sehr zahme Kanarienvögel, die ein Zufall aus ihrem Bauer entfliegen ließ. Mary entdeckt einen tollen Unterschied

zwischen dieser Hofeiwohnung und denen, die man in Filmen sieht. Die Filmhofeis haben eine Vornehmheit, die man sehen und hören kann. Aber die wirkliche Vornehmheit kann man außerdem riechen.

Der Chefmanager räuspert sich. „Bleiben Sie in dieser Hofeiwohnung ... Gehen Sie nicht nach unten und nicht auf den Korridor, klingeln Sie nicht und rühren Sie das Telefon nicht an", befiehlt er. „In einer halben Stunde hören Sie, was werden soll.“

Und die Steens sind plötzlich allein, ganz und gar allein . . .

23.

„Schnüffele hier nicht so herum", fährt Georg J. Steen seine Tochter an. „Ich will jetzt endlich wissen, was los ist."

Steen steht immer noch zwischen den Koffern, die er eben absetzte, und die drei anderen verharren noch in der Nähe der Tür. Von dieser ganzen Hotelwohnung, die zu beiden Seiten dieses großen Raumes hier durch weifgeöffnete Portieren und Schiebetüren als eine Flucht von Zimmern vor ihnen liegt, nehmen sie tatsächlich nur ein paar Quadratmeter hier an der Tür ein, nicht mehr Raum, als in ihrer Diele zu Hause.

„Ich habe Mary jedenfalls um elf Uhr aus dem Hause äehen sehen, als ich oben an meinem Fenster stand“, erklärt Knut. „Aber ich schlief, als sie heimkam." Das ist alles, was Knut weiß, jedenfalls hat Steen diesen Eindruck.

„Es ist meine Schuld, Georg", sagte Frau Steen leise, „ich hörte, wie sie heimkam. Es war drei Uhr.“ „Wieso ist es Deine Schuld?" bebt Steen.

„Meine Schuld ist, daß ich es Dir nicht sagte, als ich sie zurückkommen hörte.“

„Meine Güte, da war es doch wohl schon passiert", eifert Knut gegen diese sentimentale Selbstbezichtigung seiner Mutter.

Steen knirschte mit den Zähnen.

„Wenn Du doch Deinen Mund halten wolltest“, schüttelt er sich vor Zorn.

„Er hat auch gewußt, wohin ich gehe“, petzt' Mary... „Ich habe seinen Rat eingeholt, und er dachte nicht daran, mich zu warnen. Niemand denkt daran, ein strauchelndes Mädchen zu warnen."

Mary Steen hat ihre Rolle blitzschnell gewechselt. Sie erstaunt selber, wie schnell ihr so etwas gelingt.

„Sind wir soweit, daß wir hier von strauchelnden Mädchen zu reden haben?“ faucht Steen, und diese Sache scheint sich jetzt hart an der Grenze dessen zu bewegen, was ihm noch faßbar ist.

„Jedenfalls ziehe ich meine Konsequenzen“. Mary Steen zuckt die Schultern unter ihrem reizend wattierten Mantel. „Ich wollte Teddy Beer schon immer heiraten. Also werde ich es tun. Ich ziehe ihn zu mir empor und heirate ihn.“

„Wohin willst Du ziehen?" lacht Knut. „Du hast einen Wurm, der nur mit Dynamit zu vertreiben ist.“

Knut schüttelt den Kopf. Er ist der erste, der das Gefühl zu haben scheint, daß man sich endlich hinsetzen könnte. Er geht in diesen Reichtum von Zimmer hinein. Es sieht aus, als unternehme jemand eine Expedition. So mutig scheint Knut Steen zu sein. Er setzt sich tatsächlich hinter den wundervollen Schreibtisch und nimmt die lederne Schreibmappe zur Hand.

„Bringe da nichts in Unordnung, Knut", ermahnt Eva Steen ihren Sohn. „Wir müssen es vielleicht bezahlen.“

Georg J. Steen nimmt die Koffer wieder auf und geht damit zu einem entzückend bezogenen Sofa, das elegantschräg frei im Zimmer steht. Dorthin setzt er sich, die Koffer rechts und links neben seinen Füßen. Er öffnet sehen Mantel nicht, er legt seinen Hut auf einen der Koffer, er sieht aus leeren Äugen wie gelangweilt vor sich hin.

Eva Steen kommt vorsichtig herbei und setzt sich zu ihm. Und sie beide sehen jetzt aus, als hockten sie in einem Warfesaal auf einer Reise zu einer Geflü^elausstellung.

Knut hinter dem wundervollen Schreibtisch wirkt eher wie ein Hochstapler der es darauf ankommen läßt, in wenigen Minuten verhaftet zu werden

Und Mary Steen trägt ihren dummen 1 rotz zu einem kleinen, schmeichlerischen Sessel und macht ein Gesicht wie ein Schulmädchen, das nicht versetzt worden ist, weil es das im Grunde gar nicht wünschte.

Eine Pendule zählt mit silbrigem Klingen die Stunde.

„Ich wollte, wir wären zu Hause geblieben , sagt Georg J. Steen.

Knut steht hinter seinem Schreibtisch auf. Jedenfalls gebe ich das Geld nicht wieder heraus nur weil Deine Tochter eine Gans ist , erklärt er.

Mary weint plötzlich...

Eva Steens Augen flattern wieder wie Kananenvogel durch das Zimmer, wie Kerlchen> die an Herzschlag sterben werden, wenn sie nicht bald wieder m ihre Bauer kommen

Aber wissen die vier eigentlich daß es ihnen würdelos schlecht geht? ’ ° “

(Fortsetzung folgt.)

Kabinett tagt am Tegernsee

Die neue Gemeinde-Ordnung wird beraten

Wiesbaden, 10. August, (dpa) Das hessische Kabinett wird am kommenden Wochenende zu einer außerordentlichen Kabinettsitzung nach Bad Wiessee am Tegernsee in Oberbayern fahren, wo sich Ministerpräsident Stock zur Zeit im Erholungsurlaub befindet.

Die Fahrt nach Oberbayern werden die Minister und die an der Konferenz beteiligten höheren Ministerialbeamten in dem von dem Landeskommissar, Dr. James Newman, dafür zur Verfügung gestellten Triebwagen des Landeskommissars zurücklegen.

Wie verlautet, wird das Kabinett auf der Sondersitzung die jetzt vom Innenministerium fertiggestellte neue Hessische Gemeindeordnung beraten. Voraussichtlich wird auch das Entschädigungsgesetz für die früheren -Eigentümer der in Gemeindeeigentum übergeführten Unternehmen und der Entwurf für ein Hessisches Schulvcirwaltungsgesetz erörtert werden. 7

Mariũ-Himmelfahrts-Tag

Wiesbaden, 10. August. Maria Himmelfahrt, am 15. August, ist in Hessen, nach einer Mitteilung des Innenministeriums, entsprechend dem bisherigen Brauch nur in Städten und Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung gesetzlicher Feiertag. Kein Feiertag ist demnach in Darmstadt, Gießen, Kassel, Offenbach, Frankfurt und Wiesbaden. In Amöneburg, Kastel und Kostheim dagegen sowie in Fulda und Limburg ist der 15. August gesetzlicher Feiertag.

„Eisernes Sparen“

Guthaben werden ausgezahlt

Wiesbaden, 10. August. Wie Hamburg, Bayern und Nordrhein-Westfalen wird demnächst auch in Hessen mit der Auszahlung der Guthaben aus dem „Eisernen Sparen“ begonnen. Man wird noch näher bekannt geben, wie die RM-Guthaben umgestellt und die DM-Beträge ausgezahlt werden. Die „Bank für Gemeinschaft“ in Hamburg zum Beispiel zahlt gegenwärtig aus dem Guthaben des „Eisernen Sparens“ bei der ehemaligen „Bank für Deutsche Arbeit“ Beträge bis zu 100 DM aus.

Unterhalt statt Penston

Wiesbaden, 10. August, (dpa) Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat die Klage des ehemaligen Bürgermeisters von Okriftel, Peter Milch, auf Feststellung seines Pensionsanspruches abgewiesen und entschieden, daß Milch nur Anspruch auf einen Unterhaltsbeitrag hat.

Milch war am 17. Mai 1945 auf Anordnung des amerikanischen Militärkommandanten in Hof heim (Taunus) die weitere Ausübung seiner Tätigkeit untersagt worden. Bei seiner Klage auf Feststellung hatte Milch sich auf den Paragraphen 69 des deutschen Beamtengesetzes gestützt und daraus hergeleitet, daß er bereits seit 1943 mit Ende seiner Wahlperiode in den Ruhestand getreten sei und sein Pensionsanspruch sich aus dieser Zeit herleite. Das Gericht verwies jedoch darauf, daß die Amtszeit der Zeitbeamten in d^n Gemeinden durch eine Kriegsverordnung der damaligen Reichsregierung auf unbestimmte Zeit verlängert worden sei. Demgemäß sei Milch nicht 1943 normal in den Ruhestand getreten, sondern sein Dienstverhältnis sei erst 1945 .aus politischen Gründen beendet worden. Nach dem Gesetz habe er daher nur Anspruch auf Unterhaltsbeitrag.

Der hessische Staatshaushalt

Über 26 Millionen Mark Defizit im Juli

F. S. Wiesbaden. 10. August. (Eigener Bericht.) Der hessische Staatshaushalt schloß im Juli bei Gesamteinnahmen in Höhe von 40,9 Millionen DM und Gesamtausgaben von 67,7 Millionen DM mit einem Defizit von 26,8 Millionen DM ab. Bei den Einnahmen entfielen 23,6 Millionen auf Besitz- und Verkehrssteuern, 2,1 Millionen auf Verbrauchssteuern und 15,2 Millionen auf allgemeine Verwaltungseinnahmen. Für den Bund nahm Hessen ferner insgesamt 37,6 Millionen DM an Besitz- und Verkehrssteuern und 13,1 Millionen an Zöllen und Verbrauchssteuern ein. Für Rechnung des Bundes gab Hessen 45,8 Millionen DM an Besatzungskosten und 15,5 Millionen DM für Körperbeschädigtenrente aus.

Gremz-Ueberprũfung

Bad Hersfeld, 10. August, (dpa) Im Zollgrenzschutzkommissariat Hünfeld wurde in den vergangenen acht Tagen eine Ueberprüfung der Grenzmarkierungen entlang einer Strecke von 40 km vorgenommen, um die Grundlage für eventuell notwendige kartographische Berichtigungen zu schaffen. Die Ueberprüfung wurde von Grenzbeamten in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Constabulary ausgeführt.

Uhren im Diplomatengepäck

W.S. Lörrach, 10. August. (Eigener Drahtbericht.) Bei einer Verhaftung von zwei Schweizer Staatsangehörigen im Feldberggebiet sind rund zweitausend Uhren gefunden worden, die im Diplomatengepäck, das an der Grenze nicht untersucht wird, nach Deutschland geschmuggelt worden sind. Fünfmal hatten die Diplomaten, die aus Uebersee gekommen sind, auf diesem Wege eine große Anzahl wertvoller goldener Uhren unter Umgehung der Verzollung nach Deutschland gebracht. Die badische Regierung hat beim Burid gegen diesen Vertrauensmißbrauch protestiert.

Es wird schneller demontiert

Wegen der weltpolitischen Lage will man am 1. Oktober fertig sein

Frankfurt, 10. August. (AP.) Alliierte Beamte haben am Donnerstag bekanntgegeben, daß die Demontage mit Ausnahme eines Werkes am 1. Oktobei' beendet sein werde.

Diese Mitteilung fällt in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich nach verläßlichen Berichten die Frage studieren, welchen Beitrag die westdeutsche Industrie zur Verteidigung Westeuropas leisten könne.

Alliierte- Beamte weisen darauf hin, daß die Demontage seit Ausbruch des koreanischen Konfliktes nicht verlangsamt worden sei, obwohl die angespannte internationale Lage die westlichen Alliierten dazu zwinge, sich mit der Möglichkeit einer Einschaltung der westdeutschen Industrie in das westeuropäische Rüstungsprogramm zu befassen.

Von alliierten Behörden wurde folgende Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der Demontage gegeben: Britische Zone — von 477 Anlagen sind 411 vollständig demontiert.

Französische Zone — von 115 Anlagen sind 103 den Empfängerländern bereits zugestellt worden, die verbleibenden zwölf Anlagen sind vollständig demontiert, aber noch nicht abgeliefert.

Amerikanische Zone —von 184 Anlagen sind 183 demontiert, die Demontage der verbleibenden Fabrik ist zu sechzig Prozent abgeschlossen.

Am schwersten wurde die deutsche Stahlindustrie von der alliierten Demontage getroffen. In dem gleichen Augenblick, da Demontagearbeiter in den ehemaligen Reichswerken Watenstedt-Salzgitter Anlagen für die Stahlerzeugung und -aufbearbeitung abbauen, unterhalten sich alliierte Wirtschaftsfachleute über die Möglichkeit, das Jahresstahllimit von 11,5 Millionen Tonnen abzuschaffen.

Riesiges Schmuggelunternehmen

W.S. Freiburg, 10. August. (Eigener Drahtbericht.) Die südbadischen und die südwürttembergischen Behörden sind zur Zeit mit der Aufdeckung eines riesigen Schmuggelunternehmens beschäftigt, dessen Kreise sich bis nach Frankfurt und München ziehen. Nach der Verhaftung von drei Beamten der Zollfahndungsstelle in.Offenburg wegen des Verdachts von Unregelmäßigkeiten und Begünstigungen ist nun auch der ehemalige Leiter der gesamten südbadischen Zollfahndung in den Jahren von 1946 bis Frühjahr 1950 verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft in Ravensburg beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit Frankfurter, Münchener und Friedrichshafener Zollbeamten und mit den Frankfurter Spediteuren Erich Prach und Gebrüder Schwarz wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung von 26 Millionen Mark.

Heiter, trocken und sehr warm

Eigener Wetterbericht

Die über Frankreich liegende Gewitterzone wird durch anhaltenden Druckanstieg soweit aufgelöst, daß sich ihre Reste in West- und Süddeutschland kaum noch durchsetzen können. Die Hochdruckbrücke zwischen den Azoren und dem Baltikum verstärkt sich bei uns weiter. Damit bleibt das heitere Sommerwetter erhalten.

Aussichten bis Samstagabend: Fortbestand des heiteren und trockenen Sommerwetters. Nur vereinzelte Wärmegewitter möglich. Sehr warm mit Mittagstemperaturen bis um 30 Grad.

Der Rundfunk am Samstag

RADIO FRANKFURT: 530 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 15.30 Volkstümliches Wissen; 16.00 Charivari; 18.15 Fröhlich und herzhaft; 20.00 Operettenrevue; 21.30 Im Volkston; 22.20 Gewogen und zu schwer befunden; 23.00 Zwischen heute und morgen.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 15.00 Unsere Volksmusik; 17.00 Frohes Raten — Gute Taten; 19.35 Salzburger Festspiele 1950: „Capriccio“; 22.30 Tanzmusik; 23.00 Melodie zur Mitternacht.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 14.30 Frohes Wochenend; 15.15 Opernmelodien; 16.00 Unser Samstag-Nachmittag; 17.15 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend: 20.00 „Badener Sommermelodie“; 22.30 Wir machen Musik; 0.10 Sie tanzen nach ihren Wünschen.

Wirtschaftsblatt

Der graue Rentenmarkt

bz. Der Koreakrieg hat zunächst an den Börsen einen starken Verkaufsdruck ausgelöst. Um die Pfandbrief-Kurse nicht treiben zu lassen, mußten Hypotheken-und Rentenbanken ansehnliche Posten alter und neuer Pfandbriefe zurückkaufen. Die stürmische Nachfrage nach ersten Hypotheken geriet durch den fehlenden Absatz von neuen Pfandbriefen und die Zurücknahme bereits placierter eigener Werte noch schärfer als in den Frühjahrsmonaten in die Klemme.

Vielerorts wurde darum der Ruf nach Einführung von marktgemäßen Zinssätzen laut. Man hofft dadurch die allgemeine Spartätigkeit stärker anzuregen.

Ohne jedoch das Für und Wider in der Zinsfrage erörtern zu wollen, sei hier kurz die Entwicklung des Pfandbriefmarktes in den jüngsten Wochen gestreift. Nicht allen Pfandbriefinstituten gelang die Abgabe von neuen Pfandbriefen in dem wünschenswerten Umfange. Hier und da sah man sich sogar veranlaßt, an Stelle der schnellen Barauszahlung von Hypothekengeldern, an große Baugesellschaften eigene neue Pfandbriefe abzugeben. Durch den Versuch, solche Posten außerhalb der Börse an den Mann zu bringen, entwickelte sich ein „grauer Markt“, der große Abweichungen gegenüber den Kursnotierungen der Börse zeigte. Im offiziellen Pfandbriefgeschäft hielten zwar alle neuen fünfprozentigen Pfandbriefe den Emissionskurs von 98 Prozent, im Großgescbäft unterderhand wurden aber durch den starken Geldbedarf der Bauunternehmen und anderer Stellen Beträge von nominell 100 000 DM oder mehr herunter bis zu 90 und 89 Prozent angeboten. Mit Beginn der Koreakrise hörte man sogar Kurse von nur noch 86 Prozent. Durch die allgemeine Konjunkturbelebung und kräftige Erholung der Börsenstimmung hat nun an diesem inoffiziellen Markt der Verkaufsdruck schnell nachgelassen. Fast alle beteiligten Institute lehnen jetzt auch die Unterderhand-Angebote selbst bei einem wesentlich besseren Kurs von 90 bis 92 Prozent ab.

Zu dieser Kurserholung hat nicht unwesentlich der Beschluß der Bundesregierung beigetragen, die bisherigen Zinssätze am Kapitalmarkt zwar beizubehalten, aber an Stelle einer Zinserhöhung andere Maßnahmen wirksam werden zu lassen, um die Spartätigkeit anzuregen. Im Benehmen mit der Bank deutscher Länder und dem angeschlossenen Zentralbanksystem wollen die zuständigen Stellen eine systematische Kurspflege am Rentenmarkt in die Wege leiten. Die Notenbank scheint jetzt wieder zu der früher immer üblichen „Offenmarktpolitik“ überzugehen, das heißt das Zentralinstitut will die Kursgestaltung der führenden festverzinslichen Werte in Zusammenarbeit mit den zuständigen Hypothekenbanken regulieren helfen, falls übermäßige Schwankungen auftreten. Für den Sparer bedeutet die geplante Maßnahme, daß er nunmehr die Gewißheit hat, seine in Renten also höher verzinslich angelegten Spargroschen im Notfall wieder zu einem Kurs verkaufen zu können, der so gut wie keine Verluste im Gefolge hat. Daraufhin dürfte sich das Sparkapital in Zukunft» noch mehr den Rentenpapieren und Pfandbriefen zuwenden, da ja hier die Möglichkeit gegeben ist, eine höhere Verzinsung als bei den reinen Spareinlagen zu erreichen.

Stahl für Sowjetrußland?

Einschaltung der Ostzone von beiden Partnern unerwünscht

Hd. Düsseldorf. (Eigener Bericht.) Zu dem Zeitpunkt, da der Korea-Konflikt nicht nur auf dem Weltmarkt, sondern auch in Westdeutschland eine Stahlhausse hervorgerufen hat, ist Westdeutschland plötzlich vor die Frage gestellt worden, ob die deutsche Industrie bereit ist, nach Sowjetrußland Stahl zu liefern. Diese Frage wurde angeregt durch eine Anfrage aus Karlshorst an eine Düsseldorfer Eisenhandelsfirma. Selbstverständlich konnte die Entscheidung /darüber nicht von der privaten Industrie getroffen werden; die Bundesregierung wurde also eingeschaltet. Wie wir erfahren, hat die Bonner Regierung einen Kabinettsbeschluß herbeigeführt, in dem die beteiligten Ressorts sich grundsätzlich für die Aufnahme des Handels mit der Sowjetunion ausgesprochen und einer Düsseldorfer Mittelsfirma empfohlen haben, die vorbereitenden Gespräche zu führen. Dabei wird davon ausgegangen, daß ein eventueller Export nach der Sowjetunion streng auf dem Gegenseitigkeits-Prinzip basiert und daß von der Sowjetunion am Weltmarkt knappe Waren nach Westdeutschland geliefert werden, an deren Bezug der westdeutschen Wirtschaft viel liegt. Die Entscheidung der Bundesregierung dürfte allerdings nur unter der Voraussetzung getroffen worden sein, daß das Ostgeschäft der westdeutschen Industrie aus allgemeinen politischen und handelspolitischen Erwägungen einen gewissen Anteil am gesamten westdeutschen Export nicht überschreiten darf.

Inzwischen ist das Gespräch zwischen Westdeutschland und Vertretern der Sowjetunion in Gang gekommen und man hat vorläufig eine gegenseitige Lieferung im Werte von je 25 Millionen Dollar ins Auge gefaßt. Rußland wünscht vor allem Stahl und hat kürzlich der Düsseldorfer Mittelsfirma eine genaue Spezifikation von über 150 Stahlsorten überreicht. Auch an Chemikalien und Maschinen besteht auf russischer Seite Interesse. Die in diesen Tagen in der Oeffentlichkeit erschienene Meldung, daß ein Warenaustauschvertrag über 25 Millionen Dollar von Westdeutschland mit der Sowjetunion bereits abgeschlossen worden sei, entspricht nicht den Tatsachen. Die Sowjetunion ist bereit, als Gegenlieferung Benzin, Mangan, Getreide,ÄOelsamen, Zucker und Holz jeder Art zur Verfügung zu stellen, also Waren, die in Westdeutschland dringend benötigt werden.

In diesem Zusammenhang ist noch bekannt geworden, daß zur Zeit auch eine Stahllieferung, vor allem Schienen, aus Westdeutschland nach Rotchina wieder zur Debatte steht.

Autozubehörverband hringt Beweise

vwd Der Verband des Kraftfährzeug-Ersatzteile- und Zubehörgroßhandels hat zum Beweis seiner Kartellbeschwerde gegen die Automobilindustrie dem Bundeswirtschaftsministerium nunmehr dreizehn Originalschreiben verschiedener deutscher Automobilhersteller an ihre Vertragsvertretungen vorgelegt. Aus den Briefen geht nach Mitteilung des Verbandes hervor, daß die betreffenden Werke verschiedenen Vertragsnehmern (Vertretungen) Kündigung angedroht haben, falls sie bestimmte Fahrzeugteile nicht unmittelbar vom Werk beziehen. Der Verband der Automobilindustrie e.V. (VdA) hatte die Kartellbeschwerde mit dem Bemerken zurückgewiesen, daß ein Zwang zum ausschließlichen Bezug handelsüblichen Zubehörs von den Automobilfabriken gegenüber ihren Vertragsnehmern nicht bestehe.

Internationaler Tarifvertrag

Kps. Im Schatten der weltpolitischen Spannungen, die den Erdball unserer Tage aufrühren und alle Hoffnungen auf ein friedliches Zusammenwirken der Völker dahinschwinden lassen, wurde Ende Juli in Paris eine Vereinbarung eingeleitet, die als bedeutungsvoller und richtungsweisender Auftakt für die praktische Durchsetzung einer europäischen wie internationalen Zusammenarbeit gewürdigt zu werden verdient. Durch die Internationale Arbeitsorganisation wurde der Wortlaut von zwei internationalen Abkommen festgelegt, die die Arbeitsbedingungen und die soziale Sicherung für die Rheinschiffer regeln und nunmehr an die Regierungen der interessierten Länder zur endgültigen Genehmigung und Ratifizierung weitergeleitet werden. Vertragspartner sind Westdeutschland, Frankreich, die Schweiz, Holland und Belgien. Neben den Vertretern der- Vereinten Nationen waren bei den Verhandlungen auch Delegierte aus England und den Vereinigten Staaten anwesend.

Das Abkommen stellt die Arbeitsbedingungen und die sozialen Ansprüche der an dei’ Rheinschiffahrt beteiligten Arbeiter aus den verschiedenen Staaten auf eine einheitliche Grundlage. Es verpflichtet die Schiffseigner, bei ihren Arbeitsverträgen bestimmte Bedingungen als Mindestsätze einzuhalten. Diese Bedingungen beziehen sich unter anderem auf Arbeitszeit, Nachtruhe, Freizeit im Hafen und den wöchentlichen Ruhetag. Zugleich soll auch die soziale Sicherung in Krankheitsfällen, bei Invalidität sowie auch die Alters- und Hinterbliebenenversorgung durch alle an der Rheinschiffahrt beteiligten Staaten nach den gleichen Gesichtspunkten aufgebaut werden. Für die Schiffseigner sind dadurch einheitliche Bedingungen zu einem loyalen Wettbewerb geschaffen, Bedingungen, die eine Unterbietung auf Grund mangelnder sozialer Leistungen ausschließen. Die Einhaltung dieser Mindestsätze wird durch einen dreigliedrigen Ausschuß überwacht, in den die Regierungsvertreter der betreffenden Staaten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber entsandt werden.

Wenn auch dieses Abkommen nur die etwa fünfzigtausend Arbeiter umfaßt, die an dem internationalen Verkehr auf dieser wichtigsten Wasserstraße beteiligt sind, so ist seine Bedeutung in grundsätzlicher Beziehung keineswegs zu unterschätzen. Hier ist der Grundstein zu einem ersten internationalen Tarifvertrag über die Arbeitsbedingungen eines Berufskreises gelegt worden. Zum ersten Male ist es dank dem Verständnis der Beteiligten gelungen, ein tarifmäßiges Abkommen über die Ländergrenzen hinweg abzusphließen, die Arbeitsbedingungen einheitlich zu regeln und damit den Arbeitsfrieden zu festigen.

Im Zeichen der Bestrebungen um die Einheit Europas ist dieser Tarifvertrag richtungweisend auch für andere Berufs- und Wirtschaftskreise. Gerade die Verschiedenartigkeit der Wettbewerbsbedingungen hat oft einem friedlichen Zusammenwirkender Völker im Wege gestanden und zu ungesunden und unerträglichen Verhältnissen im internationalen Wirtschaftsverkehr geführt. Ueberstaatliche Tarifverträge könnten die Zusammenarbeit der bereits durch einen mehr oder weniger intensiven Leistungsaustausch verflochtenen Staaten fördern. Den Bestrebungen nach einer europäischen Union, die in unseren Tagen so starken Widerhall gefunden haben, würden dadurch Steine aus dem Weg gerollt werden. Und in diesem Sinne kann das jetzt in Paris eingeleitete Abkommen, ein Markstein zur Förderung des europäischen Gedankens werden.

Metallgewerkschaft wartet vorläufig ab

k Wie heute aus dem Hauptvorstand der Industriegewerkschaft bekannt wird, beabsichtigt die Industriegewerkschaft Metall im Augenblick nicht, die Lohnabkommen in der Metallindustrie für das gesamte Bundesgebiet zu kündigen. Soweit Kündigungen erfolgt seien, handele es sich um einige als fristgemäße Aufkündigung auslaufende Lohnabkommen. Der Hauptvorstand werde jedoch die Preisentwicklung laufend verfolgen. Je nach der Lage werde dann entschieden werden, ob generelle Lohnabkommen gefordert werden müssen.

Erhöhte Brauerlöhne

hd. Die Löhne im Brauereigewerbe in Nordrhein-Westfalen sind mit sofortiger Wirkung um 10 Prozent erhöht worden. Der Urlaubsanspruch wurde von 6 auf 12 Tage erhöht.

Abkommen über Uhrenhandel

vwd Die Spitzenverbände der deutschen und der französischen Uhrenindustrie haben jetzt in Paris eine neue Vereinbarung über die gegenseitige Ein- und Ausfuhr von Uhren getroffen. Die Absprachen sind zunächst den beiderseitigen Regierungsstellen zur Genehmigung zugeleitet worden.

Lebenshaltungskosten im Juli

dpa Die Indexziffer für die Lebenshaltungskosten von Arbeitnehmerfamilien erreichte im Juli 1950 den bisher tiefsten Stand seit der Währungsreform.

„Vebersetzung im Handwerk“

vwd Das Handwerk liegt gegenwärtig im Einflußbereich ungewöhnlich starker Spannungen, stellt das Wirtschaftsministerium in seinem Lagebericht für das Handwerk für das 2. Quartal 1950 fest. Die stärksten Gegenpole seien die unbeschränkte Gewerbefreiheit und die durch zunehmende Verschuldung der privaten und öffentlichen Hand gegenüber dem Handwerk bedingte Illiquidität der Betriebe. An die Stelle der ursprünglich stetigen Entwicklung des Handwerks sei durch die Verkündung der Gewerbefreiheit eine starke Fluktuation getreten. Zwar seien die Gewerbeanmeldungen von einem ganz ungewöhnlich hohen Stand im 1. Quartal dieses Jahres allmählich wieder abgesunken. Die Gewerbeabmeldungen zeigten dagegen weiter ansteigende Tendenz. Der Zustrom habe sich auf die kapitalschwachen Handwerke konzentriert und dort eine immer unerträglichere Uebersetzung hervorgerufen. Im amerikanischen Besatzungsgebiet sei heute der Anteil derjenigen Gewerbetreibenden, die ein Handwerk unter Nachweis der bestandenen Meisterprüfung anmelden, auf etwa 18 Prozent abgesunken gegenüber 50 Prozent vor Einführung der Gewerbefreiheit.

Markt- und Böffrsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse kam es am Donnerstag bei gesteigerter Kundschaftsbeteiligung zu einer Verbreiterung des Kursanstieges. Neben dem Montanmarkt, der auch weiterhin im Mittelpunkt des Interesses steht, griff die Aufwärtsentwicklung au.h stärker auf den Maschinen-, Metall- und Automarkt über.

Rückläufiger Kartoffelpreis

(Idn) Der Erzeugerpreis für Speisekartoffeln aus der Eifel und dem Hunsrück frei Station ist von 5,70 DM je 50 kg Ende Juli mittlerweile auf 4,10 DM gesunken.

Preissteigerung bei Saatgut

(Idn) Nach Anziehen der Preise für Konsum-Oelfrüchte sind auch die Preise von Hochzuchtsaatraps und Hochzuchtrübsen auf 100 DM je 100 kg gestiegen. Auch die Futtermittelpreise sind so sprunghaft gestiegen, daß bei den Käufern allgemein eine abwartende Haltung beobachtet wird.

Zinnpreis auf Rekordhöhe

AP. Zinn hat am Mittwoch an der Londoner Börse einen Rekordpreis von 776 Pfund Sterling pro Tonne erreicht und ist somit von Dienstag auf Mittwoch um 22 Pfund gestiegen. Der Tagesumsatz betrug 240 Tonnen.

WID. Rheinische Spiegelglasfabrik AG, Ratingen. In der außerordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft wurde beschlossen, die Schlesische Spiegelglas-Manufaktur Carl Tielsch GmbH., Aachen (früher Altwasser O/S), zu übernehmen und zu diesem Zweck das Aktienkapital der Rheinischen Spiegelglasfabrik um 1 Million DM auf 5 Millionen DM zu erhöhen. Der Umtausch der Geschäftsanteile in Aktien erfolgt zu pari

Feuilleton

Besuch bei Götz von Berlichingen

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, nur durch einen Zufall kam ich zum Herrn von Berlichingen. (Wie sehr dies wörtlich zu nehmen ist, werden Sie, geneigter Leser, gegen Mitte dieses Berichts erfahren.) Denn eigentlich sitze ich zur Zeit im Taubergrund, im Schlosse Weikersheim. Zweck und Ziel meiner Reise ist, mich über die Arbeit und den Aufbau der Weikersheimer Jugendmusikwochen zu instruieren, davon in kurzer Zeit an dieser Stelle ein Ueberblick folgen wird.

An einem probenfreien Nachmittag machte ich mich auf nach dem wenige Kilometer entfernt liegenden Creglingen, dessen Riemenschneider-Altar den Besucher immer wieder anzieht, sobald er im idyllischen Taubertal ist. Sonne, Regen und Gewitter führten einen heftigen Kampf, und die kleine Strecke vom Ort Creglingen bis zur Herrgottskapelle legte ich in einem erklecklichen Regenguß zurück. Beim Eintritt in die Kapelle sagte die strickende, fünfzig Pfennig heischende, freundliche Hüterin, daß von vier bis fünf die beste Beleuchtung sei. Vorderhand war sie es nicht. Zumal der Hochaltar eine günstigere Aufstellung in bezug auf Belichtung hat als der in der Mitte der Kirche postierte Riemenschneider-Altar. Jedoch die erste Ueberraschung, deren mir dieser Tag noch mehrere bescheren sollte, begann: nach wenigen Minuten fiel ein gleißender, heller Sonnenstrahl durch die Rose der Westfassade und verklärte den Kopf der Madonna, dieses Antlitz im reinsten Oval. Die herrlichen Apostelköpfe des Johannes und Jakobus lösten sich aus den Schatten, die edlen Hände, ein typisches Merkmal Riemenschneiders, wurden lebendig, das silbrig-helle Lindenholz wirkte weich und zart wie ein Seidentuch, das reiche gotische Rankenwerk erblühte. Eine Stunde lang schenkte die Sonne diesen Anblick, dann begann es von neuem zu prasseln.

Beim Hinaustreten schüttete nicht nur der Himmel, sondern warfen auch noch die durchfeuchteten Bäume ihre Regenlast auf mein Haupt. So griff ich zur Notwehr und spielte „Anhalter“. Menschenfreundlich öffnete sich eine Wagentür — ein Terzettruf erscholl! Es waren Bekannte, die ich Jahre nicht gesprochen. „Auf, wir reiten nach Jagsthausen, zu den Götz-F e s t s p i e 1 e n !“ Und so wurde ich entführt vom Tauber- zum Jagsttal, gerade, daß man mir noch gestatte, Zahnbürste und Nachthemd in Weikersheim zu nehmen. Das Jagsttal ist lieblich und voller Reize, wie man noch zu Beginn der Fahrt feststellen konnte, aber dann zog eine dunkle Wolkenwand hoch, die nichts Gutes verhieß. Ein Gewitter brach los. Es war sieben Uhr abends, um acht sollte das Freilichtspiel beginnen — die Aussichten, daß man im Freien sitzen konnte oder daß die Schauspieler in diesem Unwetter spielen würden, waren mehr als gering. Die beiden Barocktürme von Kloster Schöntal lösten sich aus dem Regenschleier. Ich bestand darauf, wenn uns schon nicht beschieden war, Gotzens Schicksale zu sehen, so doch wenigstens sein Grab zu besuchen. Dieses steht neben dem Kapitelsaal, im östlichen Flügel des Kreuzgangs, wo die Grablege der Herren von Berlichingen und anderer Adliger aus dem 14. bis 18. Jahrhundert ist. Der Ritter Götz kniet auf seiner eisernen Hand und faltete zwei gesunde Hände. Ueber dem Hochrelief sind die Worte eingegraben: Anno domini 1562 ist dots verschide der edel und ernvest Gotfridt von Berlichingen zu Hornberg, der Sei Got genedig sei. Amen. Noch ein kurzer Blick zu den faszinierenden, geschwungenen Treppenläufen in der „Neuen Abtei“ (1738) und in die mächtige Hallenkirche, um Meister Dienzenhofer unsere Aufwartung zu machen, verbunden mit einem Gebet an den Wetterheiligen. Sicherlich ist es unchristlich, nur um gutes Wetter zu bitten, aber die Heiligen dieser Gegend sind liebenswürdig wie ihre Landschaft ist — das Gebet wurde erhört.

In Jagsthausen große Aufregung, denn der gesamte Ort stellt Mitwirkende. Wird die Aufführung sein, wird sie ausfallen? Der Donner rumpelte ferner, mutig wurden die Perücken aufgesetzt und die kriegerischen Mannenrüstungen angelegt. Mit einer halben Stunde Verspätung begann das Schauspiel, die hölzernen Tribünenplätze trieften noch vor Nässe (doch wozu gibt es Autodecken?), eine Seite des Innenhofs der Götzenburg erstrahlte im Scheinwerferlicht, die Eingangsfanfaren bliesen — der erste Stern am Nachthimmel zitterte auf, und bis zum Ende der Vorstellung (die bis halb eins dauerte), waren es ihrer gar viele geworden. Die Aufführung (Regie H. Meißner) ist fesselnd, sie atmet Geschlossenheit und Atmosphäre. Ausgezeichnet gewählt die Vertreter der Hauptrollen (Götz: H. Schomberg, Hamburg), nicht zu vergessen seinen Buben Georg (W. Schneider), und es war nicht nur die Sensation des Gedankens, daß auf diesem Schloßhof der junge Götz seine ersten Kampfspiele trieb, der das Publikum zu großer Begeisterung hinriß. Und wer entfesselte des öfteren Beifall auf offener Szene? Die Adelheid der Hilde Westermann aus Mainz! Dieser „Lockvogel“, diese scharmante, aber schlangengleiche „Leimrute“, die am Bamberger Hofe ihr Unwesen trieb. In der Pause besuchte ich sie und ihren Mann (denn W. Umminger spielt den Selbitz), und so trafen sich Freunde vom Rhein an der Jagst.

Am Schlüsse der Vorstellung noch ein kleiner Schwatz im Burggarten. Ein mit einfacher Vornehmheit gekleideter Herr, mit klugem und rassischem Profil, erkundigte sich unter anderem, wie ich mich zu Freilichtspielen stelle. Als ich späterhin fragte, wer dieser Herr gewesen sei, hieß es schlicht: Wolf Götz, Freiherr von Berlichingen.

Wissen Sie übrigens, daß die Berlichinger ein Rad im Wappen haben, ein ähnliches wie das Mainzer Rad? Und dieses begegnete uns am nächsten Morgen im nahegelegenen Schloß Krautheim, in dessen entzückendem romantisch-frühgotischem Kapellchen die Wände mit einer großen Anzahl Mainzer Wappen geschmückt sind, da Kurmainz dieses Schloß jahrhundertelang in Besitz hatte. Im Vertrauen sei noch gesagt, daß Gotzens Ausspruch — Sie verstehen, die berühmten Pünktchen — hier in Krautheim fiel. Worauf die Krautheimer bescheiden-stolz sind und einem den halbzerstörter! Schafstall im Ort zeigen, von dem der Ritter mit der eisernen Hand diesen lapidaren, auch im Theaterstück bei den Hörern lebhafte Freudigkeit auslösenden Ausspruch dem damaligen Amtmann zum hochgelegenen Schloß hinaufrief. Goethe läßt diesen Satz in umgekehrter Richtung sprechen, sozusagen von oben herab, was die Wirkung zweifellos vergrößern hilft. M. Leue


In Blumen schau ich wie in Angesichter und grüße Schwestern eines zarten Seins. Ihr Leben dünkt mich leiser nur und lichter und dem Geheimnis näher noch als mein. Welch sanfte Kräfte hoch und biegsam bauten den Stengel und der Blätter reich Gebild — Die ungewußt dem letzten Grund Vertrauten sind ganz von ihm durchdrungen und erfüllt. Ihr Duften ist wie Atem hin verwehend, getränkt von ihrem So-seins stummem Glück, und in den Blüten, werdend und vergehend, lebt ihrer Schönheit höchster Augenblick.
In Blumen schau ich wie in Angesichter und grüße Schwestern eines zarten Seins. Ihr Leben dünkt mich leiser nur und lichter und dem Geheimnis näher noch als mein. Welch sanfte Kräfte hoch und biegsam bauten den Stengel und der Blätter reich Gebild — Die ungewußt dem letzten Grund Vertrauten sind ganz von ihm durchdrungen und erfüllt. Ihr Duften ist wie Atem hin verwehend, getränkt von ihrem So-seins stummem Glück, und in den Blüten, werdend und vergehend, lebt ihrer Schönheit höchster Augenblick.

Film-Bienale eröffnet

Die diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in Venedig — die sogenannte Film-Biennale — wurden am Dienstagabend eröffnet. Sie sind die elften in der Reihe dieser bedeutenden Internationalen Filmveranstaltungen und werden am 10. September mit der Verleihung einer Anzahl wertvoller Preise und Prämien abgeschlossen werden.

Nach einer Bekanntgabe der Leitung der Biennale sind für den allgemeinen Wettbewerb von den gemeldeten deutschen Filmen nur der Käutner-Film „Epilog“ und der Curt-Götz-Film „Frauenarzt Dr. Prätorius“ zugelassen worden. Der Film „Herrliche Zeiten“ (Comedia) sei, wie die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) mitteilt, wegen seines angeblich politischen Charakters nicht angenommen worden, und „Nachtwache“ sei aus dem allgemeinen Wettbewerb herausgezogen und in den Sonderwettbewerb um den von David O. Selznik gestifteten „Goldenen Lorbeer“ für den besten völkerverbindenden Film aufgenommen worden. Die Genehmigung des Produzenten, der Neuen Deutschen Filmgesellschaft für diese Aenderung stehe noch aus.

Deutschland hat dreizehn Märchen- und Kinderfilme eingesandt und ist damit auf diesem Gebiet der Filmproduktion — laut Reuter — am stärksten in Venedig vertreten. Es folgen Großbritannien mit acht und die Vereinigten Staaten mit sechs Filmen. Insgesamt sollen Filme von über zwanzig Ländern auf der Biennale gezeigt werden.

Bach -Woche in Göttingen

Ein Mittelpunkt aller diesjährigen Veranstaltungen und Tagungen anläßlich des 200. Todestages Johann Sebastian Bachs war Göttingen mit seiner Festwoche. Als gepflegte Universitätsstadt in einigermaßen zentraler Lage Westdeutschlands, mit traditionsgebundener Vorliebe für alte Musik war es der geeignete Ort, Künstler und Hörer auch von jenseits der Grenzen heranzuziehen.

Die Bachwoche, deren Veranstaltungen nach dem jeweiligen Charakter der Darbietungen im Rathaussaal, in der Universitätsaula oder in einer der Kirchen stattfanden, stand unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und unter der künstlerischen Obhut eines mit bekannten Persönlichkeiten wie Prof. Blume, Prof. Curlitt, Hermann Hesse, Paul Hindemith u. a. besetzten Auditoriums. Dank der wohlgelungenen Organisation des vorbereitenden Ausschusses wickelte sich ein Programm ab, dessen Vielseitigkeit Bewunderung verdient und dessen Bewältigung auch an das Publikum nicht geringe Anforderungen stellte.

Dem Festakt im Rathaus am Sonntag mit vorausgehendem Gottesdienst folgte die feierliche Eröffnung der Bach-Ausstellung im Museum durch Bundesvizekanzler Blücher. Urkunden und Bilder vermittelten einen lebendigen Eindruck Badischen Lebens und Schaffens. Einfühlungsvermögen in die Zeit Bachs vermittelten Vorträge von Smed, Curlitt und anderen. Die künstlerische Gesamtleitung lag in Händen des Göttinger Generalmusikdirektors Fritz Lehmann. Unter ihm erlebte man die vorzügliche Wiedergabe zweier weltlicher Kantaten Bachs und der Brandenburgischen Konzerte Nr. 2 und 3. Als Solisten hörte man neben anderen Enrico Meinardi (Rom) mit den Cello-Solo-Suiten Nr. 4 und 5 und den Organisten Helmut Walcha (Frankfurt), der nicht weniger als fünfmal während der Woche an Orgel Positiv und Cembalo spielte und neben Lehmann den Hauptteil der Darbietungen bestritt.

Der Höhepunkt der Bachwoche lag auf Freitag, dem 28. Juli, dem Todestag Bachs. Nach dem Festgottesdienst mit der rhetorisch glänzenden wie eindrucksvollen Gedenkrede von Landesbischof D. Dr. Lilje brachte der Abend die hervorragende Aufführung der h-Moll-Messe unter Lehmann mit dem Chor und Orchester des Bachfestes (Solisten: Helene Fahmi, Walburga Wegner, Elsa Cavelt, Jakob Sabel, Dietrich Fischer-Dieskau). Am 30. Juli fand die Bachwoche mit der Wiederholung der h-moll-Messe ihren Abschluß. Künstler und Hörer trennten sich von einer Stadt, die sie durch gemeinsames Erleben eng miteinander verbunden hatte. Im

„Schlafe, meine Rose...“?

NACHWORT ZUM TODE ELISABETH LANGGÄSSERS

Es hat sich niemand gefunden, der am offenen Grabe der Dichterin ein paar ihrer Verse gesprochen hätte, „Schlafe, meine Rose . . etwa, wie sich denn überhaupt am offenen Grabe Elisabeth Langgässers die eigentümliche Ohnmacht der Dichtung offenbarte. Es ist eine öffentliche Ohnmacht. Niemals hat man das mit größerer Bitternis empfunden, niemals hat man sich mehr geschämt. Wie benahm sich das offizielle Deutschland bei diesem „größten Verlust unserer Literatur seit dem Tode von Ricarda Huch“? Siehe, es benahm sich gar nicht, das offizielle Deutschland war nicht vertreten. Und bisher ist noch niemand rot darüber geworden, noch nicht einmal ein wenig. Natürlich, Bonn hat Urlaub und baut um, man weiß es beschäftigt genug, sich nicht zu äußern. Doch da gibt es noch die Länder. Zum Beispiel hätte Rheinland-Pfalz stolz sein können auf Elisabeth Langgässer. Dort wurde sie geboren, dort starb sie und dort gibt es einen Kultusminister Er schwieg und er ließ schweigen. Gut, er war beschäftigt, vielleicht mit den Vorbereitungen zur Versammlung der katholischen farbentragenden Studentenverbindungen, zwei Tage später in Mainz. Hätte sich nicht ein Ministerialrat finden lassen, oder bezahlen wir unsere Volksvertreter nicht auch dafür, daß sie wissen, wie und was man repräsentiert? Oder hat die Dichtung keinen Anspruch auf Repräsentation? „Schlafe, meine Rose . . und damit basta?

Die Gedankenlosigkeit unserer öffentliehen Stellen geht noch weiter Weder der Regierungspräsident der Pfalz noch sonst eine Persönlichkeit des dortigen „kulturellen Lebens“ ließ sich sehen — eine deutsche Dichterin? Pfälzische Weinkönigin müßte man sein. Die rühmliche Ausnahme machte Rheinhessen, dessen Ehre der Bürgermeister von Alzey rettete. Und das Land Hessen? Auch hier gibt es einen Kultusminister, und auch er schwieg. Schweigen, wo man einen Wettstreit um die Ehre, Elisabeth Langgässer rühmen zu dürfen, erwartet hätte! Bleibt noch die Stadt Darmstadt. Sie ließ am offenen Grabe bedauernd verkünden, daß es ähr nicht möglich war, der Dichterin eine Wohnung zu beschaffen (zum Glück hatte sie dort wenigstens ein Familiengrab) — also Ohnmacht von allen Seiten.

Und doch könnte man, wenn man nur wollte, manches wieder gut machen. Man könnte der Toten einen jener Literaturpreise geben, die man der Lebenden vorenthielt. ben Georg-Büchner-Preis erhielt nämlich Anna Seghers und nicht Elisabeth Langgässer, und auch in Koblenz, in Mainz und in Speyer könnte man ein bißchen nachdenken.

Die Würde der Dichtung: Wir haben in Westdeutschland zwar alle vier Kilometer einen Minister, aber der alte Friedhof in Darmstadt war für keinen erreichbar. Die Würde der Dichtung? In der Ostzone behängt man Hinz und Kunz mit Nationalpreisen. Bei uns? Schlafe meine Rose . . .“ ” gj, ’

Notizen

Geheimrat Professor Ludwig Heck, der über vier Jahrzehnte lang Direktor des Berliner Zoo gewesen ist. vollendet am 11. August in München das neunzigste Lebensjahr. Der verdienstvolle Zoodirektor hat sich auch schriftstellerisch betätigt. Unter anderem hat er drei Bände der Abteilung Säugetiere in der vierten Auflage von Brehms Tierleben bearbeitet.

Deutsche Zoologentagung in Marburg. Die dritte Tagung der deutschen Zoologen nach dem Kriege wurde in Marburg durch den Direktor des Zoologischen Instituts der Marburger Universität, Professor Dr. Friedrich Alverdes, und den Prorektor der Universität, Professor D. Dr. Heinrich Frick, eröffnet. Dem Festakt wohnte neben Vertretern der Stadt Marburg der erste Vorsitzende der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, Professor Dr. Albrecht Haase (Berlin) bei. An der Tagung nehmen 250 Zoologen aus allen Teilen Deutschlands sowie Gäste aus Portugal, Oesterreich und Dänemark teil.

Das neue Osnabrücker Theater (Intendant Erich Pabst) eröffnet am 9. September seine Spielzeit. Im Schauspiel werden neben den Klassikern (Calderon, Shakespeare, Moliere, Goethe) die Eliot, Miller, Giraudoux, Zuckmayer und Cortez (Portugal) mit der deutschen Uraufführung „Die Flut kommt“ zu Wort kommen. „Komödien der Gegenwart“, heißt ein dritter Teil des vorliegenden Spielplans, der ebenfalls eine deutsche Uraufführung „Nach Herzenslust“ des Schweden Gierow vorsieht.

Von Meergerens Hinterlassenschaft. Die Hinterlassenschaft des holländischen Malers van Meegeren, der die Kunstfachleute der Welt mit seinen Fälschungen alter holländischer Meister in Erstaunen versetzt hatte, wird am 5. und 6. September versteigert. Die für die Auktion bestimmten Gemälde, Möbel und Kunstgegenstände sind vom 31. August bis zum 3. September zu besichtigen. Sofort nach dem Erscheinen des Katalogs sind aus mehreren Ländern Telegramme von Sammlern und Kunsthändlern eingetroffen. Man erwartet, daß die Versteigerung mehr als eine halbe Million Gulden einbringen wird, van Meegeren war 1947 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, war aber, ehe er die Strafe antreten konnte, in einer Nervenheilanstalt gestorben.

Kleines Lob der großen Blume

Im hochsommerlichen Land sind über die grünsträiichigen, vielfarbig prangenden Dahlien und Georginen auf hohem Stengel die Sonnenblumen emporgestiegen. Wie in einem Konkavspiegel scheint in ihren runden Blütentellern das Licht der himmlischen Namensschwester eingefangen und wieder hinausgestrahlt über die Gärten und Felder, Wegränder und Zäune. Die üppigen, wunderbar regelmäßig angesetzten Blätter, groß wie Elefantenohren, wehen im Winde. Im heißen Geblende ladet ihr Schatten zur Rast ein. Unbeugsam steilt der Stengel wie junger Baumschößling, über mannshoch. Aber die Bäume vollbringen solches Wachstum nicht in wenigen Monaten. Schier prahlerisch will es bedünken vor dem kleinen, mandelförmigen Kern, der es begründet und um dessenwillen es wiederum geschieht.

Und prahlerisch in einem herrlich unbekümmerten, sich verschwendenden Sinne flammen die mächtigen Blütenhäupter, die so vielen Geflügelten auf einmal Raum, Arbeit und Nahrung bieten. Spielend flattern die Randblätter im leisesten Hauche wie gelbes Gelock,

das ein Angesicht rahmt. Daß der kleine, langsam schwellende Wulst mit dem zart gezackten, grünen Krönchen in der Mitte der obersten Blattstiele solch herrscherlich strahlendes Blütenangesicht barg!

Sich darbietend in sanfter Wölbung, ejn Kelch voll tausend Kelche, wendet die schöne Blume sich dem Strahle der Sonne nach und ward um dieser Lichttreue willen Sinnbild für manches Wappen und Siege? der ritterlichen Welt, für Schnitzwerk und Stickmuster bäuerlicher Kultur.

Leicht noch und stolz geragen, so lange die goldbraun getönten Staubgefäße dicht an dicht in Ringen der Mitte zu nacheinander sich erschließen, beginnt sie doch bald, sich zu neigen, wenn das Gewicht der reifenden Kerne zünimmt. Noch sprießen aus den oberen Blattgabelungen junge, sonnige Schwestern, kleinere als die den Hauptschaft krönte, lieblicher und darum geeignet für die schlichte Vase auf dem Tisch.

Aber schön ist auch dieses Sichbeugen der Hohen, dieses Sichneigen der Erde zu, die das Aufstreben nährte. Fahl und vertrocknend krausen sich die Randblätter —, ihr Frohsinn ist verlebt, ihr Werk getan. Schwerer neigt sich das mächtige Haupt. Sichtbar werden die Kerne, fast den Teller sprengend, der sie trägt. Nun kommen die fürwitzigen Gefiederten und nehmen ihr Teil; und der Mensch kommt, bindet ein leichtes Tuch um das ersterbende Antlitz der Königlichen, um sich das Seine davon zu wahren für den Hausgebrauch und für neue Aussaat im kommenden Jahre.

Noch bis spät in den Herbst aber glänzen sonnfarbene Nachkömmlinge an den hohen Stengeln, und Stengel selbst trotzen vielfach den Winter hindurch allen rauhen Wettern, Ruinen gleich, die einst blühendes Leben trugen. D-s.

Bensheimer Kulturspiegel

In einem Rückblick und einer Vorschau gibt die Bensheimer Goethegesellschaft eine Uebersicht über die in der vergangenen Saison stattgefundenen und in der kommenden Saison geplanten Veranstaltungen.

Im vergangenen Jahre sprachen Dr. Biermann über „Michelangelo“, Dr. Richard Benz über „J. S. Bach und sein Jahrhundert“, Univ.-Prof. Dr. Oppel über „Das Menschenbild Shakespeares“ und Univ.-Prof. Dr. Siebeck über „Psychotherapie in der ärztlichen Aufgabe“. Ruth Trumpp, München, sprach Goethes „Iphigenie“.

An musikalischen Veranstaltungen fanden ein Cello-Abend mit Prof. L. Hölscher und H. Richter Haaser, ein Quartettabend des Fehse-Quartetts, ein Beethovenkonzert mit Prof. Elly Ney, ein Lieder- und Arienabend mit Kammersänger Joachim Sattler, ein Sinfoniekonzert des Pfalzorchesters (Leitung Generalmusikdirektor B. Conz), ein Chopin-Abend mit Prof. Friedrich Schery und ein Konzert des Dresdner Mozartchors statt.

Als nächstes Konzert ist am 20. August ein Solistenabend mit Margrit Werle (Cello) Neuyork, Hannelore Dittes (Klavier) Mannheim und Fritz Kullmann von Radio Frankfurt am Flügel geplant. Weiterhin wurden feste Verträge mit dem Lenzwesky-Quartett, Prof. L. Hölscher und H. Richter-Haaser, dem Richter- Haaser-Trio, Prof. Elly Ney, Prof. Dr. Beutler, dem Direktor des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt, dem Dichter Werner Bergengruen, Zürich und Dr. Richard Benz, abgeschlossen. (HB)

Von der Leinwand

UNION. Liebeslegende. Die echte Filmkultur dieses 1938 gedrehten und dann sogleich verbotenen Films beschenkt mit einem Erlebnis. Die historische Begebenheit von Liebe und Verzicht des Prinzen Wilhelm von Preußen und der seelenvollen, anmutigen Prinzessin Elisa von Radziwill ersteht hier der zeitlichen Situation wohl verwoben, jedoch zugleich mit so tief gefaßter menschlicher Tragik, daß „Staatsordnung“, „Ebenbürtigkeit“ und „außenpolitische Rücksicht“ nur im Geschichtlichen die Rolle starrer, dunkler Mächte übernommen haben,’ die so oft beseeligter Findung entgegenstehen. Den romantischen, fast mythischen Hauch des Titels erfüllen in vollkommener Weise die Ausstattung und Fotografie, die Spielleitung von Paul Martin und die Darstellungskunst aller Spieler, unter denen besonders hervorragen Lida Baarova als Prinzessin Elisa von Radziwill, Willy Fritsch als Prinz Wilhelm, Viktoria von Ballasko als Prinzessin Auguste, Hans Nielsen als Kronprinz Friedrich Wilhelm, Dieter Borsche als Prinz Karl, Carl Günther als Friedrich Wilhelm 111. und Hermine Körner als Fürstin Anton Radziwill.

Darmstadt und Umgebung

Platzkonzert

We. — Sonntagmorgen. Durch die Wilhelminen- und über die Rheinstraße flaniert eine buntgekleidete Menschenmenge. Die Herren tragen hohe steife Kragen und die jungen und älteren Damen der Darmstädter Gesellschaft haben alle Mühe, ihre großen Hüte mit den Markartbuketts zu balancieren. Dazwischen Studenten mit Band und Mütze. Dann drehen sich die Köpfe, vom Rheintor her kommt’s mit Tsching und Bum und Trara: Soldaten in bunten Uniformen, Matthias Weber — es kann auch Musikmeister Kümmel sein — hebt den Taktstock und dann erklingt die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“. Kleine Buben drücken sich an den Kesselpauker, große Männer kritisieren die Haltung des Trompeters und junge Mädchen bewundern junge Männer im bunten Rock.

20 Jahre später. Durch die Wilhelminenstraße und Rheinstraße und im Herrengarten flaniert einet buntgekleidete Menschenmenge. Auch die Studenten sind wieder da, und eigentlich ist alles wie ehedem. Nur die Musiker, die sind anders. Denn die Männer haben die Uniformen ausgezogen und tragen schwarze Anzüge. Sie kommen auch nicht mehr marschiert, sondern sind ganz einfach da, packen ihre Instrumente aus, stellen die Notenständer, vor sie tritt Matthias Weber es kann auch Musikmeister Kümmel oder Schlupp sein, hebt den Taktstock und dann erklingt die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“. Kleine Buben stehen bei dem Kesselpauker, Männer kritisieren die Haltung des Trompeters und junge Mädchen — müssen sich mit jungen Männern in Zivil begnügen. —

15 Jahre später. — Es wiederholt sich alles im Leben. Die Männer tragen wieder Uniformen, zu den alten Kapellmeister ist ein neuer — Buslau — gekommen und die Mädchen können wieder junge Männer in Uniform bewundern. —

Und noch 15 Jahre später. — Es ist überflüssig zu sagen, daß die Alten tot sind. Matthias Weber ging als letzter vor ein paar Wochen in den Musikhimmel. Die Männer haben einmal mehr die Uniformen ausgezogen und die Häuser in der Wilheiminen- und Rheinstraße müssen erst wieder aufgebaut werden. Aber vor dem Springbrunnen im Herrengarten blühen wieder die Blumen, eine bunte Menschenmenge flaniert wie einst dazwischen aber fremde Uniformen und fremde Laute. Männer in dunklen Anzügen kommen, packen ihre Instrumente aus, stellen die Notenständer, der Kapellmeister hebt den Taktstock und es erklingt die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“.

Platzkonzert — seit Jahrzenten Treffünd Sammelpunkt der jungen Menschen unserer Stadt, Endpunkt des Morgenspaziergangs aller Väter, die mit ihren Söhnen durch die Stadt schlendern, die weil die Mütter zu Hause den Sonntagsbraten richten.

Bauarbeiten in den Schulen

Neben den großen Arbeiten an der wiedererstandenen Schillerschule, die am 20. August eingeweiht wird, gehen die an den anderen Anstalten, wenn auch von der Oeffentlichkeit weniger beachtet, weiter. In der Rundeturmschule, die einen Teil der Berufsschule aufnehmen wird, ist die Installation für Licht, Gas, Wasser und Heizung abgeschlossen. In der Lessingschule ist innen und außen der Anstrich erneuert worden. Die Diesterwegschule hat ihr Schieferdach, das durch den Angriff große Schäden erlitt, instandgesetzt bekommen. Die Viktoriaschule erhielt die Decke des ersten und zweiten Obergeschosses eingeschalt und betoniert. Die östliche Außenwand wurde hochgemauert und mit der Anlage der Heizung und elektrischen Installation konnte begonnen werden. Alle Säle und Fluren der Goetheschule wurden gründlich erneuert. Draußen am Stadtrand sind die Kellerdecken über dem Flur und den drei Pavillons fertig. Die Buchenländer haben die inzwischen wieder instandgesetzten Schulräume des zweiten Obergeschosses der Mor ne - weg schule geräumt. Die B ess un - ger Knabenschule erhielt u. a. das Schülerbad im Keller hergerichtet. Für die Mädchenschule dort sind die Unterlagen zur Arbeitsvergebung fertiggestellt. Dieses Gebäude wird die bisher in der Diesterweg schule untergebrachte amerikanische Schule aufnehmen. An dem Aufbau beteiligen sich die Amerikaner auch finanziell.

Besprechungen im Jugendausschuß

Im Regierungsbezirk Darmstadt sind, vorerst probeweise für drei Monate, die Stellen des Bezirksjugendpflegers mit Herrn Rudolf Koob (Darmstadt) und der Bezirksjugendpflegerin mit Fräulein Lich ti, bisher Leiterin eines Kinderheimes in Bad Schwalbach, besetzt worden. Vor dem Arbeitsausschuß des Jugendausschusses gab Herr Lichti einen Ausführlichen Bericht über die Erfahrungen mit den Zeltlagern. Es ist geplant, die Lagerleiter demnächst zu einer offenen Aussprache über die Fragen zusammenzuberufen, die sich hier vor allem von der pädagogischen Seite her ergeben haben. Herr Schlörp berichtete über die Ferienaufenthalte in Bayern, die erfreulich verlaufen sind. Eine bessere Ausnutzung der Jugendherbergen unseres Bezirkes für Freizeiten wird erstrebt. Besprochen wurden ferner die Grundsätze für die Einstellung der Kreisjugendpfleger, die von allen parteipolitischen Einflüssen freizuhalten seien. In die hessischen Kreise werden Studenten und Studentinnen, die an jugendpflegerischen Aufgaben besonders interessiert sind, den Jugendfplegern zu einer zehntägigen Information beigegeben werden. DT

Gesundes Leben

im Hygiene-Lichthof

Am 24. September wird im „ Hygiene-Lichthof“ t (Neckarstraße, Gewerbemuseum) vom Gesundheitsamt des Regierungspräsidenten unter dem Titel „Gesundes Leben“ eine Hygiene-Ausstellung eröffnet. Diese „Wanderausstellung“ wird zuerst in Darmstadt, später in ganz Hessen zu sehen sein.

Ministerialdirektor Dr. Freund, der Initiator dieser Ausstellung, erklärte gestern in einer Pressekonferenz, daß die katastrophalen hygienischen Verhältnisse Anlaß gegeben hätten, Darmstadt zu einem Gesundheitserziehungszentrum zu machen, denn es sei notwendig, von einer zentral gelenkten Stelle aus in hygienischer nicht nur aufklärend, sondern auch erzieherisch wirken zu können. Erzieherisch in erster Linie auf die schulpflichtige Jugend, die vom Gesundheitsamt bereits vor einiger Zeit durch „Preisausschreiben“ zur aktiven Mitarbeit angeregt worden sei.

Es ist beabsichtigt, durch intensive Lehrvorträge in Verbindung mit Demonstrationen jedem Besucher den richtigen Weg zur gesunden Körperpflege zu zeigen, ihn darüber hinaus anzuspornert, auch auf andere vorbildlich einzuwirken. Ueber die Ausstellung, die dringend erforderlich und deren ethisches Ziel anzuerkennen ist, wird noch einiges zu sagen sein. DT

Von einem Kraftwagen angefahren wurde am Donnerstagmorgen eine Frau in der Fuchsstraße in Arheilgen. Sie erlitt eine leichte Gehirnerschütterung.

Kampfansage der Gewerkschaften

Wegen Platzmangel konnte in unserer gestrigen Ausgabe die von den Delegierten des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreisausschuß Darmstadt, bei der Tagung am 9. August 1950 gefaßte Entschließung nicht veröffentlicht werden. Wir holen das heute nach und bringen die Entschließung im Wortlaut.

Die am 9. August 1950 in Darmstadt tagenden Delegierten des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreisausschuß Darmstadt, die rund 70 000 in den Gewerkschaften organisierte Arbeitnehmer, Arbeiter, Angestellte und Beamte, vertreten nehmen eingehend Stellung zu der erneuten Preissteigerungswelle, die durch die bekannten unsozialen Maßnahmen der Bundesregierung ausgelöst wurde.

Sie stellen fest, daß Preissteigerungen bei lebenswichtigen Verbrauchsgütern, wie Brot, Teigwaren, Fleischwaren und anderen, 20 und mehr Prozent betragen. Dadurch wird das Existenzminimum der arbeitenden Bevölkerung und ganz besonders der Sozialrentner, Fürsorgeunterstützten und Arbeitslosen empfindlich gesenkt und das in einem Augenblick schwerster politischei' Belastung.

Die Delegierten erklären einmütig im Auftrage der rund 70 000. organisierten Arbeitnehmer, daß sie nicht gewillt sind, dieser katastrophalen Politik der Bundesregierung, besonders aber des Bundeswirtschafts- und Bundesernährungsministeriums, hervorgerufen durch die planlose gewerbliche Wirtschaftspolitik einerseits und die Interessenpolitik des Grünen Blocks andererseits, weiterhin tatenlos zuzusehen.

Die Delegierten stellen sich rückhaltlos hinter die Forderungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes und die Maßnahmen der im Deutschen Gewerkschaftsbund vereinigten Industriegewerkschaften und erwarten, daß der Deutsche Gewerkschaftsbund der Bundesregierung das Mißtrauen der gesamten organisierten Arbeitnehmerschaft ausspricht.

Sie erwarten weiter, daß der Deutsche Gewerkschaftsbund die sozial denkenden Parlamentarier auf die bekannten Initiativanträge verschiedener Parteien im Bundestag aufmerksam macht und auf ihre Verantwortung als Volksvertreter hinweist. In den Anträgen heißt es u. a.:

Die Bundesregierung wird beauftragt, ein Gesetz zu erlassen, um die sozialen Leistungen dem geänderten Preisgefüge anzupassen (Erhöhung der gesamten Unterstützungen der Arbeitslosenversicherung, der Arbeitslosenfürsorge, der Bezüge für Körperbeschädigte und Hin-, terbliebenen, die Unterhaltshilfen aus der Soforthilfe und die Unterstützungssätze der Fürsorgempfänger). Die Bundesregierung wird beauftragt, ein Gesetz zu erlassen, daß die Tarifverträge, die vor dem 20. Juli 1950 abgeschlossen wurden, in ihren Bestimmungen über Löhne und Gehälter ohne Rücksicht auf ihre Geltungsdauer und die vereinbarten Kündigungsfristen mit einer Frist von 2 Wochen gekündigt werden können und die Bundesregierung zu verpflichten, unverzüglich dem Bundestag ein Gesetz vorzulegen, durch das die Löhne und Gehälter aller im öffentlichen Dienst stehenden Arbeiter, Angestellten und Beamten einschließlich Bundespost und Bundesbahnbedienstete sowie deren Pensions- und Wartegelder den erhöhten Lebenshaltungskosten angepaßt werden.

Die Delegierten erwarten weiter von ihren Gewerkschaften, daß sie den Lohntarifkündigungen unverzüglich entsprechende Lohnforderungen folgen lassen und sie mit allen zu Gebote stehenden gewerkschaftlichen Mitteln durchsetzen.

Die Delegierten versichern, daß sie und die hinter ihnen stehenden organisierten Arbeitnehmer gewillt sind, nötigenfalls Lohnkämpfe mit aller Schärfe zu führen. Sie weisen die Oeffentlichkeit heute schon darauf hin, daß die Verantwortung für die Folgen aus diesen Maßnahmen einzig und allein einmal die Bundesregierung und zum anderen große Teile von volkswirtschaftlich verantwortungslosen Industrie- und Handelskreisen trifft, die das Preiswucherspiel der „Sozialen Marktwirtschaft“ zum zweiten Male nach der Währungsumstellung auf dem Rücken der Verbraucher inszenieren. Die Delegierten erklären, daß sie alles daransetzen werden, um unter den Verbrauchern die Idee der genossenschaftlichen Selbsthilfe zu verbreiten, um somit der gewerbsmäßigen Ausbeutung des Volkes Einhalt zu gebieten.

Sie rufen den Verbrauchern zu: „Schließt Euch in den Konsumgenossenschaften zu einer mächtigen Abwehrorganisation zusammen. Nur die Genossenschaften sind in der Lage, den Verbraucher vor den freien Marktwirtschaftshyänen zu schützen.“

In diesem Zusammenhang protestieren die Delegierten gegen das neue Warenhaus- und Genossenschaftsumsatsteuergesetz, das die Einkaufsstellen des kleinen Mannes, die Genossenschaften und Warenhäuser, mit einer 3,7sprozentigen Umsatzsteuer belegt, gegenüber einer 3prozentigen Umsatzsteuer des Einzelhandels und gar nur l,sprozentigen Umsatzsteuer bei Bäckereien, und damit wiederum indirekt zur Verteuerung der Lebenshaltung der armen Bevölkerungskreise beiträgt. Die Delegierten haben zur Kenntnis genommen, daß dieses Gesetz durch die besondere Einwirkung der FDP im Bundestag zustande kam und werden nicht versäumen, die Arbeitnehmerschaft entsprechend aufzuklären. Abschließend erklären die Delegierten als die Funktionäre der Gewerkschaften und die Vertreter der organisierten Arbeitnehmerschaft, daß sie ihren Gewerkschaftsbeauftragten alle Vollmachten geben und ihnen volle Unterstützung zusichern in dem gewerkschaftlichen Kampf um einen gerechten Anteil am Sozialprodukt und um die Erhaltung des Existenzminimums der Rentner, Fürsorge- und sonstige Unterstützungsempfänger.

„Schrecken von Groß-Gerau“ vor dem Richter

Strafprozeß gegen Philipp Engeroff eröffnet

Die erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt eröffnete gestern unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor F o r c h den Prozeß gegen den ehemaligen SA-Sturmbannführer Philipp Engeroff und die beiden Mitangeklagten Franz Arnold und August Strobel aus Gioß-Gerau.

Den Angeklagten wirft der Staatsanwalt fortgesetzte Körperverletzung im Amt vor. Engeroff soll außerdem in den Frühjahrsmonaten des Jahres 1933 in Groß-Gerau als Leiter der dortigen Polizei in fünf Fällen vorsätzlich und widerrechtlich vorläufige Verhaftungen vorgenommen oder angeordnet haben. Wegen dieser Vorkommnisse wurde Engeroff von einer Spruchkammer in die Gruppe I der Hauptschuldigen eingereiht und zu meh“ reren Jahren Arbeitslager verurteilt. Er galt damals, vornehmlich in kommunistischen Kreisen als „der Schrecken von Groß-Gerau“.

Die 1. Strafkammer hatte sich gestern mit der strafrechtlichen Seite der ganzen Angelegenheit zu befassen.

Engeroff war bereits vor der Machtübernahme Sturmbannführer der SA. Am 5. März 1933 wurde er zum Chef der Schutzpolizei in Groß-Gerau ernannt. Ihm unterstand auch die Hilfspolizei. Das Gericht war bemüht, festzustellen, wer die Verfolgungsaktion gegen politisch Andersdenkende, vornehmlich kommunistische Funktionäre, ausgelöst hatte. Engeroff legt die Anklage zur Last, die Verfolgungsaktion durchgeführt, die Mißhandlungen geduldet und befohlen zu haben. Der Angeklagte hielt sich, wie Zeugen bekunden, mehrmals in der Marktplatzschule auf und galt als rücksichtsloser Vollstrecker der Parteibefehle.

Der Angeklagte bestritt, auch nur eine Person mißhandelt zu haben. Er gab zu, Festnahmen angeordnet zu haben, die aber ausnahmslos von „höheren Stellen“ veranlaßt worden seien. Die Anklageschrift spricht aber von einem „stereotypen Leugnen“ des Angeklagten.

Die Angeklagten Arnold und Strobel gehörten zur damaligen Hilfspolizei. Sie sollen sich nach Zeugenaussagen an den Mißhandlungen beteiligt zu haben. Arnold wird im Zusammenhang mit den Mißhandlungen des ehemaligen Landrats und KPD-Landtagsabgeordneten Hamann genannt. Ob sich Strobel unter den Männern befand, die denselben blutig schlugen, konnte gestern der Zeuge Brenneis nicht mehr mit Gewißheit angeben.

Bürgermeister Dr. Lüdecke erklärte als Zeuge, er habe seinerzeit nicht gewußt, was vorginge. Und als er sich um die Vorkommnisse in der Marktplatzschule kümmerte, sei ihm bedeutet worden, daß das eine Angelegenheit der Partei sei. Einannte Engeroff aber ansonsten einen „rechtschaffenen“ Mann. Dr. Lüdecke äußerte sich in scharfer Weise gegen den ehemaligen Kreisleiter Stawinoga, der als Zeuge erklärt habe, er hätte mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun gehabt. Die Verhaftungen seien auf Anordnung des Innenministeriums zur Sicherung des Staates erfolgt. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.

In der Stadt notiert

„Krone“ wird Amerikahaus. In etwa vierzehn Tagen ist damit zu rechnen, daß das Amerikahaus in die „Krone“ umzieht. Damit werden Räume in der Diesterweg-Schule für Unterrichtszwecke frei.

Von einem Radfahrer angefahren wurde eine Frau am Donnerstagnachmittag an der Ecke Heidelberger- und Heinrichstraße. Sie wurde von einem Krankenkraftwagen des Roten Kreuzes in das Eberstädter Krankenhaus gebracht. ch

Ein Speiskübel fiel an einem Neubau Ecke Feldberg- und Mornewegstraße einem der dort beschäftigten Arbeiter am Donnerstag auf den Kopf. Er erlitt einen Schädelbruch und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

In ihrer eigenen Wohnung fiel die 71- jährige Frau Anna Braun, Darmstadt,' Liebfrauenstraße, hin und mußte mit einem Schenkelhalsbruch in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Eine Hengstparade bereitet das hessische Landgestüt in Darmstadt für d^n 1. Oktober vor.

Wohin gehen wir hente?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Amerikabaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und „Korea“, eine aktuelle Bilderserie.

Mathildenhöhe: „Das Menschenbild unserer Zeit.“

Amerikahaus: 19.30 Uhr, Filmvorführung: „Grenzen ohne Stacheldraht“, „Weideland Montana“, „Weg in die Zukunft“, Wochenschau.

WK-Möbelausstellung: Holzhofallee, 17.30 Uhr, Bunte Veranstaltung der WK-Aussteller unter Mitwirkung von bekannten Künstlern.

Schreibt an Fritz Knipnelius

Liebe Tagblatt-Leser

Also sagt mir nichts mehr gegen die Bundespost! Ich will nichts mehr hören davon, daß ein Brief zu lange gebraucht habe, daß die Fernsprechzellen in der Stadt fünf Jahre nach dem Krieg immer noch nicht in Betrieb seien, daß der Briefträger morgens

mmer so spät komme und was sonst alles aber die Post gesagt wird.

Früher war ich ja auch manchmal böse gegen die Post. Aber seit vorgestern bin ich kuriert! Ich sag nichts mehr gegen die Post! Bis zum nächstenmal! Denn da kam an mich eine Postkarte, die war von der nächsten Woche!! Die wird am 17. August abgeschickt werden worden sein und heute haben wir erst den 11. August. In Darmstadt war sie abgestempelt, und ich tat somit einen Blick in die Zukunft — dank der Bundespost — welche Postkarte ich in der nächsten Woche bekommen haben werde.

Das war mysteriös bis dorthinaus! Und noch mysteriöser war, was ich auf der Rückseite las, denn da schrieb — anscheinend aus dem Jenseits — mir der alte Gervinus - der von der Gervinusstraße anscheinend -, daß „hier nicht geboxt“ werde, denn in der Kirchstraße gäbe es keine Wirtschaft Boxhaut. sondern eine Bockshaut! Mit Ce-Ka! Und ich weiß gar nicht, wer in der Bockshaut nicht geboxt haben wollte. Wahrscheinlich hat ja Frau Heiß etwas dagegen, die dort das Zepter führt. Aber was Gervinus — möge ihm die Erde leicht sein! — dort als Geist tut ,das scheint mir, zusammen mit dem Poststempel von nächster Woche, ein Irrtum aus dem Jenseits zu sein. Es war mir so mysteriös, daß ich mich erst mal wieder in der Bockshaut — mit Ce-Ka! — von den Realitäten des Lebens überzeugen mußte. Vielleicht sollte ich aber auch in einen okkultistischen Verein eintreten, so zur Sicherheit, meine ich

Euer Fritz Knippelius

Besitzt kein Geld — kann keins verlieren

Am Sonntag, dem 6. August 1950, zwischen 19.30 und 20.30 Uhr, habe ich zwischen Erfelden a. Altrhein und Darmstadt meine schwarze Brieftasche verloren.'

In der Brieftasche befanden sich die Kennkarte, Führerschein Kl. I und 11, Flüchtlingsausweis und viele andere für mich wichtige Ausweise. Die Beschaffung von Ersatzurkunden ist z. T. überhaupt nicht mehr möglich.

Den Verlust habe ich sofort der Polizei gemeldet.

Wie Sie oben ersehen können, bin ich Flüchtling und im Staatsdienst zur Ausbildung. Ein Gehalt erhalte ich nicht, lediglich einen geringen Unterhaltszuschuß, mit dem ich nicht einmal z. Z. eine zweite Kennkarte bezahlen kann. In meiner Not wende ich mich an Sie mit der Bitte, mir durch eine kurze Veröffentlichung bei der Wiederbeschaffung der Ausweise behilflich zu sein.

In der Brieftasche befand sich kein Geld, da ich keins besitze, um mitnehmen zu können. Ich bitte, eventuell eine Veröffentlichung kostenlos durchzuführen. In der Hoffung, keine Fehlbitte getan zu haben

G. H„ Darmstadt Müllerstraße „War das nötig?“

Eben lese ich den Artikel der heutigen Zeitung (9.8.) Auch ich hatte vor einigen Tagen dasselbe Erlebnis:

Als ich im Garten meines Hauses. Löwentor 23, einige abgefallene Aepfel auflesdn wollte, kam der derzeitige Bewohner meines Hauses herausgestürzt und brüllte etwas, was ich nicht verstand, da ich nur deutsch spreche. Ich nahm an, daß ich gehen sollte. Als ich meinen Garten verlassen woHte, befahl er mir zu bleiben, gleich darauf kam das Ueberfallkommando. Ich nahm an, daß es mich verhaften sollte. Es wurde mir befohlen, den Garten nicht wieder zu betreten. Da ich schwer herzleidend bin, habe ich mich sehr aufgeregt.

Frau A. W„ Darmstadt

Liebe Frau W.!

Was die Redaktion des „Tagblatt“ bei dem von Ihnen erwähnten Fall am Haus Löwentor 22 beanstandete, trifft in Ihrem Falle nicht ganz zu. Die Amerikaner sind nun einmal von ihrem eigenen „Wohnungsamt“ in diese beschlagnahmten Häuser mit allen Rechten eingewiesen worden, kennen sehr oft die eigentlichen Besitzer nicht und vor allem: Sie können oftmals im Gefühl ihres Sieges nicht ganz erfassen, wie furchtbar die Beschlagnahmung der Häuser die einzelnen Hausbesitzer getroffen hat. Es ist oftmals gar kein böser Wille von ihnen, aber sie leben durchweg in guten Verhältnissen und wie wertvoll den verarmten Hausbesitzern ein paar heruntergefallene Aepfel aus ihrem alten Garten sind, das können sie zumeist nicht begreifen. Daher: Wenn der augenblickliche Bewohner des Hauses nun plötzlich in seinem Garten eine ihm fremde Frau Aepfel aufheben sieht, dann kann man es von seinem Standpunkt aus nicht einmal so sehr verübeln, daß er nach der Polizei schrie. Mehr der Völkerverständigung hätte es allerdings vielleicht gedient, wenn er sich mit Ihnen — falls er den Garten nicht selbst nutzt — über die Nutzung des Gartens freundschaftlich geeinigt hätte. Aber im übrigen: Sein Verhalten war korrekt, wenn es auch etwas Feingefühl eventuell vermissen ließ.

Ganz anders liegt allerdings die Sache mit dem Postbeamten. Der war gar nicht mal im Garten und hatte eine Dienstmütze auf, die ihn als Postbeamten kenntlich machte.

Ihr Fritz Knippelius

Ausstellung Nieder-Ramstadt

... Es ist sonst nicht meine Art, auf Kritiken (5.8.) zu reagieren, aber daß man von meinen Arbeiten sagt, sie seien „gänzlich mißverstandene romantische Landschaftserlebnisse“, ist mir nun doch noch nicht vorgekommen. Wissen Sie überhaupt, welchen Unsinn Sie da reden? Woher wollen Sie eigentlich wissen, daß meine Landschaftserlebnisse mißverstanden sind? Ich möchte Ihnen nur einen Bruchteil meines Verständnisses für die Landschaft wünschen, dann würden Sie vielleicht nicht der Ansteckung jener 'krankhaften Ideologien verfallen sein, die heute unter Ihresgleichen zum guten Ton gehören.

Gänzlich mißverstanden aber haben Sie den Sinn dieser Ausstellung, welche nur Bilder einer eng umgrenzten Landschaft zeigen will, so wie sie die Menschen erleben, die diese Landschaft Heimat nennen, wobei es nicht so sehr auf „fernöstliche Orientierung und Wildgezügeltheit“ ankommt. Sie dürfen außerdem überzeugt sein, daß ich trotz Ihrer und ähnlicher Schreibereien auch weiterhin „mißverstandene Landschaftserlebnisse“ malen werde zur Freude aller normal veranlagten Kunstfreunde.

Ferdinand Barth Darmstadt, Prinz-Christians-Weg 2

Tausend Wohnungen

könnten in ganz kurzer Zeit nach den neuesten Errungenschaften mit Bad und ausreichendem Zubehör in den besten Wohnlagen und mit den geringsten Mitteln geschaffen werden, wenn die heute noch vorhandenen und am geringsten beschädigten Häuser sofort zum Aufbau in Angriff genommen würden, da hier oft nur Dach und Innenausbau notwendig sind.

Die hier gegründete „Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft eGmbH“, die sich für den Ausbau der Ruinen und der Innenstadt einsetzt, hat ermittelt, daß beinahe 200 dieser weniggeschädigten Häuser immer noch vorhanden sind und keine Stelle dafür da ist, um die Finanzierung zu übernehmen.

Welche Werte zur Zeit verloren gehen, kann sich jeder selbst errechnen. Alle bestehenden Häuser wurden zum Schutz gegen Feuchtigkeit nach außen (nicht innen) abgesichert. Regen und Schnee konnten in den vielen Jahren aus den Ruinen nicht abziehen. Die noch bestehenden Mauern, die für den Wiederaufbau besonders wertvoll sind, sind durch diese Feuchtigkeit angekrankt. Ein Abfangen der Wände ist nicht wirtschaftlich. Das Niederreißen erst recht nicht. Wie weit die Feuchtigkeit von den Mauern schon Besitz ergriffen hat.

zeigt ganz deutlich die ehemalige Kaserne am Marienplatz. Dort ergreift sie bereits schon die Fensterhöhe. Diese Werte zu sichern und zu schützen geht die gesamte Stadtbevölkerung an und nur eine Gemeinschaft ist hier in die Lage, die Mittel dafür aufzubringen, wenn Staat und Stadt nicht in der Lage sind, Gelder für so einen wichtigen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Für jede hier zu schaffende Neuwohnung ist nur ein geringes Kapital von 10 000 DM notwendig, während sonst in Neubauten oder stark zerstörten Häusern 15 000 DM nötig sind und diese Beträge sind zu beschaffen, wenn alle Bewohner von Darmstadt sich in den Dienst der Sache stellen, sich hier an dem Aufbau beteiligen und mithelfen durch Zeichnung mindestens eines Geschäftsanteils dieser Genossenschaft, der in monatlichen Raten von 10 DM gezahlt werden kann. Nur so wird dem Elend weiter wirksam zu Leibe gegangen. Heraus aus den ungesunden Spelunken, Keller- und Dachlöchern und mithelfen am Aufbau! Die Innenstadt muß sich wieder beleben, da sonst die Stadt keine Zukunft hat.

Auch über die Erwerbslosenfürsorge — die produktive Erwerbslosenfürsorge — müssen die Beträge aufzubringen sein, da durch diese Arbeitsbeschaffung 6000 Erwerbslose in Arbeit und Brot für 1 Jahr gebracht werden könnten, wofür der Staat 6 Millionen DM pro Jahr sonst als Erwerbslosenunterstützung unproduktiv aufzubringen hätte. Bei diesem Wiederaufbau von 1000 Wohnungen zu 10 000 DM wären 10 Millionen DM nötig, während sonst 15 Millionen gebraucht würden — nur 4 Millionen DM mehr, wie der Staat unproduktiv ausgeben muß. Der Staat wird aber durch diese Beschäftigung noch Einnahmen an Steuern,

Versicherungsbeträgen usw. haben. Ferner würden die Geschäfte wieder lebhafter werden, da dann kaufkräftigeres Publikum vorhanden wäre. Aber man zäunt — wie so oft — den Gaul am Schwänze auf und will dann reiten, ohne ein weites und richtiges Ziel vo’- Augen zu haben. Schnelle Hilfte ist hier nötig. Wer hier schnell hilft, hilft doppelt und nützt der Allgemeinheit.

Es muß endlich einmal richtig vorgegangen und produktive Arbeit geleistet werden, wollen wir wirklich verständig aufbauen und vorwärtsschreiten und nicht bei dieser großen Wohnungsnot noch Arbeitskräfte brachliegen lassen. R. Oppelt



Starkenburg

Ein Kleinod des Rodgans

Babenhausen und seine Stadtkirche

Wenn am Wochenende in Babenhausen das 110 jährige Jubiläum des „Babenhäuser Singvereins“ gefeiert wird, so tritt nicht nur die Gemeinde als solche, sondern auch besonders ihre altehrwürdige Kirche in den Mittelpunkt der Ereignisse. In diesem Gotteshaus trat der Verein im Jahre 1841, nach einjährigem Bestehen, mit einer Kantate zum ersten Male vor die Oeffentlichkeit. ‘

Babenhausen, das jetzt 4000 Einwohner zählt, kann seine Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Kirchenbücher, die die Standesamtsbücher früherer Zeiten darstellen, gehen ununterbrochen bis 1570 zurück. Schon im Jahre 1295 verlieh König Adolf von Nassau der „villa Babenhusen“ die gleichen Stadtrechte, wie sie Frankfurt besaß.

Die wechselvolle Geschichte des im Bachgau gelegenen Städtchens hat dem Ort sein Gepräge gegeben: Die alte Festungsmauer mit den noch erhaltenen Türmen umgibt die alten Gassen und Gäßchen mit ihren Fachwerkbauten großen und kleinen Stils. Wir sehen, wenn wir vom Bahnhof durch die Platanenallee gehen, den stolzen Bau eines großen sehr guterhaltenen Wasserschlosses, das einst die Grafen von Hanau-Lichtenberg bauten, als sie Babenhausen zu ihrer Residenz wählten. Da steht abseits des mittelalterlichen Kleinods eine moderne Kaserne. Und inmitten der Stadt, umgeben von Fachwerkbauten mit sinnvollen Sprüchen die Stadtkirche, die vor 12 Jahren restauriert zu den bemerkenswertesten Baudenkmälern Hessens gehört.

Urkundlich wird die Kirche zum ersten Male 1262 in einem Papstbrief erwähnt. Ihr heutiges Aussehen hat sie im Lauf der folgenden vier Jahrhunderte erhalten. Schon ihr Aeußeres nimmt den Kunstsachverständigen gefangen. Viel mehr aber aber wird der fromme und künstlerische Blick gefesselt, wenn man das geräumige Innere betritt. An den Wänden sehen wir Bilder, die bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen, so zum Beispiel: Der Tod und das Begräbnis der Maria und Das Jüngste Gericht. Vier Malschichten sind an den Seltenwänden des Schiffes durch die nächsten Jahrhunderte zu verfolgen. Sie enthalten Darstellungen von kirchlichen Legenden und biblischen Begebenheiten.

Aber alles wird Überboten durch einen Altarschrein, der im Hintergrund des

Gotteshauses steht, und der den Namen Babenhausen und seinen Altar in der Welt aller kunstgeschichtlich Begeisterten bekannt gemacht hat. Der Altar ist 3,15 m hoch und 2,60 m breit. In der Mitte steht als vollplastische Figur Papst Cornelius, links der hl. Nikolaus, rechts der hl. Valentin. Auf dem linken Flügel: Sei. Bernhard, Markgraf von Baden-Sponheim und der Apostel Philippus. Darunter als Reliefreliquienbüsten die des hl. Sebastian und Stephan. Auf dem rechten Flügel: die hl. Katharina und Helena, die Reliefreliquienbüsten darunter: Hl. Anna selbdritt und hl. Margaretha.

In der unteren Abteilung des Schreines befinden sich zwei Reliquienbüsten, die hl. Wittib Felizitas und die hl. Lucia sowie vier Armreliquiare. Diese Kunstwerke gehören nicht in denselben künstlerischen Zusammenhang mit dem Altar, sie sind um etwa 20 Jahre später. Nach einem verschollenen Bericht wurde der Altar gegen 1518 von Sibylle, Gräfin von Hanau-Lichtenberg, geborene Markgräfin von Baden-Sponheim, gestiftet.

Die Schnitzerei ist von ungewöhnlicher Ausdruckskraft. Die Gesichter der Heiligen sind von grüblerischen Furchen durchzogen, der Blick teils nach innen gerichtet, teils in überlegenem Wissen dem Leben zugewandt. Die Gewänder fallen in scharfkantigen, reich bewegten Falten, die von zahlreichen Knitterungen belebt werden. Es ist nicht zuviel, den Altar als eines dei- bedeutendsten Kunstwerke des Mittelrheingebietes anzusprechen.

Die Außenseiten der Flügel wurden nachträglich gegen 1600 in provinzieller Art bemalt. Es ist dieselbe Hand, die auch die Darstellungen der Medaillons an den Mittelschiffwänden schuf. Auf dem linken Flügel oben Verkündigung, unten Kreuzigung; auf dem rechten oben Anbetung der Hirten, unten Auferstehung.

Der Schrein der Predella enthält die Anbetung der Könige. Die Hauptfiguren vollplastisch, die Nebenfiguren und das Zubehör in Relief. Auf den beiden Flügeln Reliefdarstellungen und zwar links Verkündigung und rechts Heimsuchung.

Die Szenen sind in sinnfälliger und anmutiger Weise dargebracht, die Schnitzerei ist edel und etwas weniger virtuos als am Hauptschrein. Die plastischen Teile des Altars waren nie farbig behandelt. Sie wurden mit Wachs eingelassen und glänzend gerieben.

Vergegenwärtigen wir uns so die Werte, die die Kirche birgt, so stimmen wir dem Kunsthistoriker M. Herchenröder zu, der von ihr schreibt: „Ist die Babenhäuser Stadtkirche auch nicht so mächtig wie einer der Kaiserdome, so bietet sie doch in ihrer baulichen Vielfalt, in der Ausgestaltung des Inneren, in den Einzel¬ ' stücken, die sie schmücken, solch ein vollkommenes Bild spätmittelalterlicher Frömmigkeit,, renaissancemäßigen Fürstenwillens und bürgerlicher Schaufreudigkeit, daß alle Beachtung, die man ihr schenkt, allezeit reich wieder vergolten wird.“


Die hl. Katharina und Helena, rechter Flügel des Altares
Die hl. Katharina und Helena, rechter Flügel des Altares

Predella des Altares, Anbetung der Könige Fotos (2): Dr. Grehert
Predella des Altares, Anbetung der Könige Fotos (2): Dr. Grehert

Kloster Höchst wird Jugendheim

Jugendvertreter aus aller Welt helfen beim Aufbau

Etwa vierzig Jugendliche halten gegenwärtig eine Aufbaufreizeit im Kloster Höchst. Zur Hälfte sind es Deutsche, die anderen kommen aus den Vereinigten Staaten, England und Frankreich, ja sogar aus Aegypten, Hawaii und Jamaica. Sie alle sind verbunden im gemeinsamen Glauben, in der christlichen Oekumene. Solche oekumenischen Freizeiten fanden in den Vorjahren auf der evangelischen Jugendburg, der Ronneburg, statt. Wenn nun als Stätte gemeinsamen Lebens und Schaffens das Kloster Höchst ausgesucht wurde, dann, weil hier ein Jugendheim entstehen wird, das ■ in ähnlicher Weise ein Sammelpunkt für die männliche evangelische Jugend werden soll, wie es die Zwingenberger Orbishöhe für die Mädchen ist.

Vorerst freilich gibt es noch viel Arbeit. Darmstädter Jugend hatte bereits vor einigen Monaten mit den ersten „Aufräumungsarbeiten“ begonnen. Im Juli war die Jugend der Paulus- und Petrusgemeinde einige Wochen zu einer Freizeit beisammen. Das einstige Reflektorium des Klosters, Generationen hindurch als Scheuer benutzt, ist zuerst behelfsmäßig hergerichtet worden. Fräulein Architekt Schneider, eine Mitarbeiterin des Kirchenbaumeisters Prof. Gruber, hat die Pläne für den weiteren Ausbau angefertigt. Das Gebäude wird vom „Klosterfonds“ der Jugend für 99 Jahre überlassen. Gegenwärtig ist man dabei, die Küche einzurichten. Wenn der erste Arbeitsabschnitt beendet ist, werden fü? etwa 60 Besucher Unterkunftsmöglichkeiten geschaffen sein. DT

Gastspiele des Landestheaters

Für den Winter sind vom Landestheater Darmstadt wieder regelmäßige Theateraufführungen in Groß-Gerau geplant. Die Intendanz hat zwei Arten an Abonnements vorgeschlagen: ein sogenanntes kleines mit sechs Vorstellungen und ein großes Abonnement, das zu diesen sechs Aufführungen in Groß-Gerau weitere drei bis sechs im Landestheater selbst umfassen soll. Der Gesamtpreis des großen Abonnements wird zugleich den Fahrpreis für den Autobus einschließen. Welche Stücke der drei Gattungen Oper, Operette und Schauspiel aus dem Gesamtprogramm gegeben werden, soll der Entscheidung einer eventuell im Rahmen des Verkehrsvereins entstehenden Besucheropganisation überlassen bleiben. eng.

Neue Wege des Unkerrichts

Arbeitstagung hessischer Lehrer auf dem Heiligenberg

Seit August findet im Pädagogischen Institut auf dem Heiligenberg bei Jugenheim die 22. Arbeitstagung der Pädagogischen Arbeitsstelle Wiesbaden statt. Unter Leitung von Lehrer W. K r ic k dient die Zusammenkunft der etwa 50 Volksschullehrer- und -lehrerinnen dem Problem des „Ganzheitlichen Unterrichts .

Ausgehend von der Erkenntnis, daß heute von niemanden mehr ein umfassendes Allgemeinwissen vorausgesetzt werden kann, sollen neue Wege aufgezeigt werden, auf denen der heranwachsenden Jugend die notwendigen Bildungsunterlagen nahegebracht werden. Das Spezialistentum sei eine nicht zu verkennende Gefahr, die großen Zusammenhänge der Natur und allen Lebens außer acht zu lassen. Die geistesgeschichtliche und technische Entwicklung der letzten beiden Jahrhunderte bedingt zwar ein Spezialistentum, aber es sei der Fehler gemacht worden, besonders in den Oberschulen, die Schule zu kleineren Ausgaben der Universitäten zu machen.

Bei den Volksschulen sei es nicht viel anders gewesen. Heute haben die Volksschulen den Mut bewiesen, von der konservativen Linie pädagogischer Ansichten abzuweichen und Neuland zu betreten, das der Entwicklung des Kindes gemäßer sei. Es handle sich darum, dem Kleinkind nicht nach überlieferten Systemen einen gewissen Bildungsgrad beizubringen, sondern darum, dem Kind ganze Lebensausschnitte näherzubringen, es zürn selbständigen Denken anzuregen.

Drei Arbeitsabschnitte seien in der christlichen Gemeinschaftsvolksschule die Grundlagen für eine moderne und fortschrittliche schulische Erziehung. Die Interessen des Kindes müßten den musisehen Dingen des Lebens zugewandt werden, es gelte, das Ganze aus dem Volksleben heraus zu verstehen. Beispiel dafür ist die Behandlung eines Sommertages oder'das Bild einer Wiese als Ganzheit, in der die symbiotischen Zusammenhänge zwischen Fauna und Flora, zwischen Mensch und Kosmos auf die dem Kinde verständliche Art erklärt werden sollen.

Diese ganzheitliche Betrachtung oder Bildung als zweiter Punkt des Lehrprogramms erscheint somit die wichtigste Neuerung der pädagogischen Arbeit zu sein. Der dritte, nicht minder wichtige Punkt, ist die Kursarbeit, in der bestimmte Fächer als Grundvoraussetzungen für die spätere Aufbauarbeit der Oberschulen oder Universitäten kupsusmäßig erarbeitet werden müssen.

In dem Erfahrungsaustausch der auf dem Heiligenberg zusammengekommenen hessischen Lehrerschaft ist ersichtlich, daß es heute nicht so sehr auf den Sinn und die praktische Anwendung einer Methode oder eines Systemes ankommt, als vielmehr darauf, bei aller pädagogischen Arbeit als erstes das Kind zu suchen, daß es keine gerade Linie geben kann, sondern daß nur aus der praktischen Arbeit heraus der Weg gefunden werden muß, der am geeignetsten erscheint, aus den Kindern der Volksschule verantwortungsbewußte und bildungshungrige Bürger zu formen. hfl

Die Anfänge der Dankesgroschengemeinde

Wie den Nieder-Ramstädter Anstalten durch ein Negermädchen und Darmstädter Kindern Helfer erwuchsen

Dicht sind die Fäden, die die Nieder-Ramstädter Anstalten mit der Bevölkerung des Hessenlandes verknüpfen. So war es schon in den Jahren, als nach einem Vortrag, den Vater Bodelschwingh 1883 in Darmstadt hielt und in dem er neben der Gründung von Arbeiterkolonien auch eine Anstalt anregte, die sich der epileptischen Männer annehmen sollte, der Zwingenberger Kirchenrat D. Stromberger und der Darmstädter Pfarrei* Widmann in unermüdlichem Eifer an die Verwirklichung des edlen Planes gingen.

Die „Innere Mission“ ist auf dem Boden der freien, vereinsmäßigen Liebestätigkeit erwachsen und zu ihrer Bedeutung gelangt. Die „Stillen im Lande“ haben sie seit jeher getragen. So war und ist es auch beim „hessischen Bethel“ mit seinem Freundeskreis, der Dankesgroschengemeinde. Sie hat das Werk von Anfang an begleitet. Wie es zur Bildung dieser Opfergemeinde kam, das erzählt der Anstaltsleiter, Pfarrer Schneider, in der Festschrift „50 Jahre im Dienste der Barmherzigkeit“, die einen reich bebilderten Bericht über die Geschichte der Heime gibt und bei L. C. Wittich gedruckt wurde.

Die „Hessische Sonntagsschulmutter“ Frau Katharina Meyer, geb. Dähler, eine Michelstädter Beamtentochter, hatte in ihrer Heimatstadt eine Strickschule gegründet, die für die Heidenmission arbeitete. Ein 13jähriges Negermädchen war Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts als Dienerin einer reichen Pflanzerfamilie aus Trinidad in den Odenwald, gekommen, erhielt Unterricht im Strikken und Nähen durch „Jungfer Käthchen“, die dabei dem aufgeweckten Negerkind biblische Geschichten erzählte. Das war der Anfang zu sonntäglichen Zusammenkünften der Michelstädter Jungmädchenwelt. Als Katharina Dähler dann nach Darmstadt heiratete, richtete sie auch hier eine ähnliche Sonntagsschule ein. Darüber erzählt die Festschrift:

Nachdem sie ihren Sonntagsschulkindern oft von der Not der epileptischen Kinder und von dem Plan erzählt hatte, für sie eine Anstalt in Nieder-Ramstadt zu gründen, wurde ihr eines Tages, am 18. Dezember 1898, auf dem Weihnachtsfest der Sonntagsschule, von einem Kinde ein Säckchen mit 421 Pfennigen überreicht, die ein Dankopfer des gesunden Kindes für die kranken sein sollten. Das schöne Beispiel gab Frau Mayer die Anregung, selbst eine ganze Anzahl solcher Säckchen zu nähen und in ihrem Bekanntenkreis zu verteilen. Daraus ist die „Dankesgroschengemeinde“ entstanden, die nun schon auf ein halbes Jahrhundert ihres Bestehens zurückblickt, und in der Folge die feste Vereinsform angenommen und bis heute behalten hat. Die Glieder der Dankesgroschengemeinde sollen bei frohen Anlässen einen „Dankesgroschen“ einlegen und die gefüllten Säckchen" einmal im Jahr beim „Dankesgroschentee“ abliefern. Die Einnahmen waren und sind auch heute dazu bestimmt, in besonderen Fällen, wo andere Mittel nicht zur Verfügung stehen, epileptischen Kranken, insbesondere Kindern, die Anstaltsaufnahme zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Wei’ Freude hat, mitzuarbeiten und Mitglied der Dankesgroschengemeinde zu werden, wird — so heißt es in der Festschrift — gebeten, sich an die Verwaltung zu wenden.

Die Aufgaben der Nieder-Ramstädter Anstalten haben sich, wie wir bereits darstellten, im Laufe der Zeit öfters gewandelt. Darüber wird bei der Jubiläumsfeier am Sonntag um 16 Uhr im Garten der Heime berichtet werden. Der Festgottesdienst ist um 14.30 Uhr. DT

Die neue Wasserversorgungsanlage der Gemeinde Lengfeld, Kreis Dieburg, soll am 3. September eingeweiht werden. Am gleichen Tage wird die freiwillige Feuerwehr der Gemeinde ihr 25jähriges Bestehen feiern können, an dem die Wehren des Kreises teilnehmen werden. DT

Saluki - der persische Windhund

AUCH IN DEUTSCHLAND SCHÄTZT MAN SEINE RASSE

Immer wieder wird von den Erfolgen einheimischer Hundezüchter und Zuchtvereine berichtet. Eine besonders wertvolle Rasse verkörpert der persische Windhund, der Saluki, von dem es in Deutschland annähernd 30 Exemplare gibt. 5 von ihnen gehören dem Züchter Peter Schröbel, Darmstadt-Arheilgen, der mit ihnen bereits mehrere Preise erringen konnte.

Der Saluki ist nicht nur der formschönste, sondern auch der eigenartigste unter allen Hunden. Seine Schulterhöhe mißt 50 bis 70 cm. Das Auffälligste an ihm ist wohl der herrliche Kopf mit den wunderbaren Behängen und die schöne Fahnenrute. Die Farbe des Hundes geht vom tiefsten Schwarz — das ganz rein, oder mit Abzeichen sein darf —, bis zu rein Weiß oder zur Sandfarbe, dann abgestuft vom hellsten Goldgelb bis zum sattesten Rot. Aber auch Schecken in genannten Farben kommen vor.

Bei dem persischen Windhund handelt es sich um eine uralte Rasse, deren Abi stammung auf den Steppenwolf zurückgehen soll, — wahrscheinlich ist aber der Schakal der Stammvater. Schon früh war der Typ ausgeprägt; Zeichnungen altägyptischer Herkunft aus dem 6. und 7. Jahrhundert vorchristlicher Zeit weisen darauf hin. Die meisten Abbildungen aber sind auf altpersischen Kunstschätzen zu finden. Eine genaue örtliche Herkunft mag heute wohl kaum genau zu geben sein. Jedenfalls haben wandernde Araber sieh der kostbaren Rasse angenommen und sie weit über die eigentliche Heimat verbreitet. Man findet sie besonders in allen Steppenländern. Perser, Beduinen und Araber achten sie überaus hoch, im Werte oft einem Pferde gleich. Unter den Araberstämmen geht das Sprichwort um: s,Ein guter Falk, ein schneller Hund, ein edles Pferd, sind mehr als zwanzig Weiber wert.“

Unter allen Hunden der Steppenländer genießt nur der Windhund die Zuneigung, Achtung und Zärtlichkeit seines Herrn. Reiche wie Arme betrachten ihn als den unzertrennlichen Genossen aller ritterlicher Vergnügungen, welche die Beduinen mit so großer Freude üben. Man hütet ihn wie den eigenen Augapfel, gibt ihm sein besonderes Futter, läßt ihn sozusagen mit sich aus einer Schüssel speisen und sieht mit großer Sorgfalt auf die Reinhaltung der Rasse. Ein Mensch der Sahara reist gerne seine zwanzig, dreißig und mehr Meilen, um für seine edle Hündin einen passenden edlen Hund zu finden. Geschieht es, daß sich eine Windhündin mit einem anderen Hunde einläßt und trächtig wird, so töten ihr die Araber die Jungen im Leibe, sobald sie sich einigermaßen entwickelt haben. Aber nicht nur ihre Jungen verliert sie oft, sondern* unter Umständen das eigene Leben.

Hat eine Windhündin Junge geworfen, verlieren die Araber keinen Augenblick, sie gehörig zu beobachten und alles für ihr Wohlergehen zu tun. Nicht selten lassen die Frauen sie an ihren eigenen Brüsten trinken. Hat der Windhund das entsprechende Alter erreicht, fängt seine Erziehung an. Man beginnt mit der Jagd des Hasen; die Diener gehen zu Fuß, den jungen Windhund an der Hand führend, nach einem vorher ausgekundschafteten Hasenlager, stoßen den Schläfer auf, fordern den Hund durch einen leisen Zuruf zur Verfolgung auf, und fahren so fort, bis dei’ Hund Hasen zu fangen gelernt hat. Von dieser Art der Ausbildung steigt man zu jungen Gazellen auf. Nach einigen Hebungen betreibt der Hund auch ohne besondere Aufmunterung die Jagd leidenschaftlich.

Der Windhund ist klug und besitzt viel Eitelkeit. Er ist verwöhnt, daß er die beste Abwartung verlangt. Während man anderen Hunden kaum Nahrung reicht und sie wütend aus den Zelten stößt, schläft der Windhund zur Seite seines Herrn auf Teppichen und nicht selten in einem Bette mit seinem Besitzer. Man gibt sich Mühe ihn zu erheitern, wenn er mürrisch ist, alles dies, weil seine Unarten, wie man sagt, Zeichen seines Adels sind.

Stirbt ein Windhund, so geht ein großer Schmerz durch das ganze Zelt. Frauen und Kinder weinen, als ob sie ein teures Familienglied verloren hätten. Oft genug haben sie auch viel verloren, denn der Hund war es, welcher die ganze Familie erhielt. Ein Saluki, der für den armen Beduinen jagt, wird niemals verkauft, und nur in höchst seltenen Fällen läßt man sich herbei, ihn einem Verwandten oder einem Marabut, vor dem man große Ehrfurcht hat, zu schenken.

Das Wort Saluki bedeutet eigentlich den Rüden, während die Hündin vom Araber Silayja genannt wird. Die Perser nennen den Safuki auch Tazi, was Araber bedeutet. Wir wissen auch, daß die Salukis nur sehr • edle Namen von ihren Herrn in der Wüste erhalten, so wie das der bilderreichen Sprache des Orients nur möglich ist.


Peter Schröbel mit seinen Windhunden
Peter Schröbel mit seinen Windhunden

Was aǔch interessiect:

Beim Baumfällen wurde der Waldarbeiter Georg Wolf aus Höchst i. O. vergangenen Montag von einem Ast so schwer getroffen, daß er bewußtlos zusammenbrach. Trotz seiner sofortigen Ueberführung in die Klinik Bad König erlag Wolf seinen Verletzungen. Er hinterläßt eine Familie mit 5 Kindern. (Le)

50 Mark Belohnung setzte der Landwirt Philipp Lautenschläger ( Nieder-Beerbach) zur Ermittlung des Täters aus, der seine auf der Wiese bei der Waldmühle im Herbst angepflanzten Obstbäumchen beschädigt hat. (hl.)

Das Paddelboot kenterte, als kürzlich zwei Paddler im Rhein in der Nähe von Ginsheim versuchten, ihr Boot an einen Schleppzug anzuhängen. Nur mit großer Mühe gelang es, den einen der Insassen, einen Schwerkriegsbeschädigten, in einen Nachen zu ziehen, während sich der andere schwimmend ans Ufer rettete. (an)

In den Sog eines Dampfschiffes geraten, kenterte ein Paddelboot bei der Ausfahrt aus der Schleuße Hirschhorn. Nur unter Mithilfe der Schiffsbesatzung gelang es, die beiden Insassen aus den Strudeln zu bergen. (r.)

Mit einem doppelten Armbruch mußte ein 15jähriger Mannheimer Junge in ein Krankenhaus eingeliefert werden, der in Weiher seine Ferien verbringt, nachdem er von einem Obstbaum abgestürzt war. (_r)

In einer Resolution an die Bundesbahn forderten die Opelarbeiter die Einlegung direkter, den Schichten entsprechender Arbeiterzüge. Das Gesuch wurde an die Verwaltung der Bundesbahn in Frankfurt weitergeleitet. (gj) 1

Weil er unversteuerte Zigarren weit unter dem üblichen Preis verkaufte, wurde jetzt von der Hirschhörner Gendarmerie ein bereits mehrfach wegen Steuerhinterziehen beklagter „Händler“ festgenommen. Er wird sich in Kürze vor dem Richter zu verantworten haben, (-r)

Eine Werbe- und Verkaufsausstellung des Messe- und Ausstellungsbüros Aschaffenburg findet vom 2.-4. September im Saale der „Ludwigshalle“, Dieburg statt, an der ungefähr 30 einheimische Firmen teilnehmen werden. (gi)

Eine größere Anzahl Ruhebänke stellt die Gemeindeverwaltung Ober-Roden an der Straße nach Eppertshausen auf Auch im allseits bekannten „Schillerwäld-

chen“ wurden Sitzbänke errichtet. (gi)

Vermißter gesucht

Seit drei Jahren wird der zuletzt in Steinbach bei Michelstadt i. O. wohnende und kurz vorher aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Schmied Fritz Höh nk e vermißt. Er wurde am 15. Oktober 1914 in Kaiserau in Ostpreußen geboren, war 1,74 m groß, hatte hellblon-

des Haar, volles Gesicht, hellblaue Augen, gerade Nase, dicke Lippen, Narbe am linken Handgelenk, und sprach ostdeutschen Dialekt. Da er an progressiver Paralyse litt und sich in einem italienischen Arbeitslager in Selbstmordabsicht die linke Pulsader durchschnitten hatte, kann angenommen werden, daß er Selbstmord beging. Weniger wahrscheinlich ist, daß er in einem Heim oder einer Anstalt Aufnahme suchte, lieber seinen Verbleib ist nichts bekannt.

Die Landeskriminalpolizei-Inspektion Darmstadt, Holzhofallee 25, bittet um sachdienliche Angaben, die insbesondere den Bruder von Fritz Höhnke entlasten würden, da dieser seit einiger Zeit wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft sitzt. DT



Bombenfund in Urberach

Am Mittwochnachmittag fanden Waldarbeiter im Urberacher Gemeindewald erneut eine 5-Zentner-Bombe und mehrere Sprengkörper. Die Bombe konnte durch Feuerwerker aus dem Munalager Münster entschärft werden. wu

Durch Leichtsinn in den Tod

Am Mittwochabend fuhr gegen 19 Uhr der aus Ober-Beerbach stammende Wagner Christoph Pritsch mit seinem Motorrad durch Hoxhohl, wobei er seine Frau und seine zwei Kinder Alfred und Walter auf dem Sozius und Tank sitzen hatte. Als Pritsch — dadurch in seiner Fahrsicherheit stark behindert — aus der Fuchsengasse in Hoxhohl herauskam, stieß er mit einem Lastkraftwagen zusammen. Der dreijährige Walter, der mit seiner Mutter auf dem Sozius saß, war auf der Stelle tot, Frau Margarete Pritsch wurde so schwer verletzt, daß sie in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Pritsch und sein fünfjähriger Sohn Alfred kamen mit leichteren Verletzungen davon. DT

Wer kennt den Fahrer?

Am 7. August fuhr ein mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Bensheimer Hauptstraße fahrender Motorradfahrer einer Radfahrerin, die aus der Mathildenstraße in die Hauptstraße einbiegen wollte, gegen das Vorderrad, so daß sie stürzte und sich eine Verletzung am Kopf zuzog. Der Motorradfahrer ergriff nach dem Unfall die Flucht. Die Bensheimer Polizei bittet um sachdienliche Mitteilungen über die Person des Fahrers oder das polizeiliche Kennzeichen des Motorrades. (HB)

In der Kurve erwischt

In Be n ?h ei m fuhr Ecke Friedhofstraße-Wingertsweg ein Radfahrer in der Kurve in einen Pkw. Der Fahrer des Wagens, der kurz vor der Kurve an einem parkenden Lieferwagen vorbeifahren mußte, hatte den Radfahrer nicht gesehen. Das Fahrrad wurde erheblich beschädigt. (HB)

Kirchenjubiläum in Gundernhausen

Am 27. August kehrt der 200. Jahrestag der Kircheneinweihung in Gundernhausen wieder. Eine Reihe von Veranstaltungen sind hierzu vorgesehen. Am Vorabend der Feierlichkeiten findet in der Kirche ein Festakt statt. Propst Rau hält am Sonntag, dem 27. August, im Festgottesdienst die Predigt. Choralblasen und Singen leiten den Festakt ein. Eine Gedenkfeier am Ehrenmal der Gefallenen bildet den Beschluß des Vormittags. Höhepunkt des Kirchenjubiläums ist die Jubelfeier mit Werken von Johann S. Bach. Unter dem Thema „Kirche und Heimat“ beschließt ein Gemeindeabend in der Sporthalle die Festlichkeiten. -gi-

Eine Schulung von Jugendbücherei-Ver¬ waltern soll im August im Waldzeltlager bei Groß-Gerau durchgeführt werden. Auch eine Laienspielwoche ist beabsichtigt. (cg)

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Roßdorf. Die Arbeiten der Wasserleitungserweiterung im Siedlungsgelände „Am steinigen Berg“ mußten wegen Lieferungsverzögerungen des Rohrmaterials vorübergehend eingestellt werden. Die erforderlichen Gräben sind bereits fertiggestellt. Alle Arbeiter wurden beim Neubau der Bundesstraße 26 auf der Teilstrecke Roßdorf—Dieburg eingesetzt. (sD

Seeheim. Am Mittwochabend hielt Frl. R. Reuleaux auf Einladung der Ortsgruppe des Frauenverbandes einen interessanten Lichtbildervortrag über „Erinnerungen an meine Chinazeit“. Anschließend beantwortete die Rednerin in anschaulicher Weise Fragen über soziale und hygienische Verhältnisse Chinas, (hl)

Jugendheim. Am Samstag, dem 12. August, unternimmt die „Volksschule Untere Bergstraße“ eine kleine Wanderung „Weg über den Heiligenberg“. Führung: Forstmeister Zimmermann und Dir. Glogau. Treffpunkt um 14 Uhr am Bahnhof Jugendheim. (hl)

Ober-Ramstadt. Am Samstag treffen sich wieder zwei ehern. Schulklassen zu Wiedersehensfeiern. Der Jahrgang 1906 feiert im Gasthaus „Zum Löwen“ zusammen mit einer Kollegin, die z. Z. von Amerika auf Urlaub hier weilt, während die 25jährigen den Hess. Hof ausgewählt haben. — Auch der Jahrgang 1920 plant im Oktober die Wiedersehensfeier der 30jährigen. (-D-)

DIEBURG

Altheim. Am kommenden Sonntag fährt der evangelische Kirchenchor nach Semd, um unter seinem Dirigenten, Lehrer Perschbacher im Gottesdienst mit einigen Hymnen mitzuwirken. Es ist beabsichtigt, in der evangelischen Gemeinde Semd auch einen Kirchenchor ins Leben zu rufen. (-se)

Eppertshausen. In einer Bürgerversammlung soll demnächst über verschiedene Änderungen des Ortsbürgerrechts entschieden werden. So sollen die Allmendgrundstücke neu geordnet werden. Die Zusammenfassung der kleinen Lose bis zu einem halben Morgen ist darin vorgesehen. (gi)

Nieder-Roden, In der letzten öffentlichen Gemeinderatssitzung wurden im Haushaltsplan 12 000 DM für das Bau- und Siedlungsprojekt veranschlagt. Weitere 7000 DM sind für die Jugendpflege vorgesehen. (gi)

Groß-Bieberau. Bei Schießübungen mit dem Luftgewehr auf eine Glühbirne prallte eine Kugel ab und flog einem Spaziergänger am Kopf vorbei. Dieser Vorfall hat sich auf einem öffentlichen Weg abgespielt. Es handelt sich um Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. (GD)

Habitzheim. Der evg. Kirchenchor Habitzheim macht am Sonntag eine Omnibusfahrt durch den Taunus an den Rhein. — Am Sonntag, den 20. August, singt der evg. Kirchenchor in der Kirche von Groß-Umstadt. (Jg.)

Reinheim. Die vierte Abendwanderung des Odenwaldklubs führt kommenden Samstag, vielfachen Wünschen entsprechend, wieder nach dem Tunnel und der Dörnbach. Der Rückweg wird von Hahn aus angetreten. Abmarsch ist um 19.30 Uhr am Schwimmbad. (eb)

ERBACH

Sandbach. Der Bauausschuß hat die Arbeiten für 2 neue Straßen „Im Kreuzfeld“ und „Am Rangenberg“ vergeben. Mit dem Bau soll sofort begonnen werden. — Die Verputzarbeiten an den beiden Neubauten sind im vollen Gange. (hm)

Sandbach. Der Elternbeirat stellte den Antrag, daß künftig bei Gemeinderatssitzungen, in denen Schulfragen behandelt werden, der Erste Vorsitzende des Elternbeirats hinzugezogen wird. Der Antrag wurde, angenommen. Ferner schlug der Gemeinderat Lehrer Häusler, Rai-Breitenbach für die Hauptlehrerstelle der Volksschule Sandbach vor. (hm)

BERGSTRASSE

Lorsch. Am 17. September findet in der großen Turnhalle das diesjährige Kreiskinderturnfest statt. Dem Turnverein Lorsch wurde die Durchführung dieses Festes übertragen. Die Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange. (el)

Unter-Flockenbach. Der Gesangverein ~Liederkranz“ veranstaltet am 13. Aug. sein traditionelles Wiesenfest, das sich im Gorxheimer Tal seit Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreut. (-r)

Heppenheim. Wie das Kreiskommissariat der Gendarmerie bekanntgibt, ertrank am 6. August gegen 14 Uhr die Verkäuferin Marianne Döl g e r aus Biblis beim Baden im Rhein. Die Ertrunkene ist etwa 1,80 m groß, schlank, hat blondes Haar und war mit einem roten Badeanzug und einer weißen Badekappe bekleidet. (HB)

Kreidach. Auf der Straße nach Weiher wurde ein Motorradfahrer von einem entgegenkommenden Volkswagen erfaßt und die Böschung hinabgeschleudert. Während der Personenwagen nur verbeult wurde, war das Motorrad restlos schrottreif. (-r)

Reisen. Zum Besten der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen findet am Sonntag auf dem Stadtplatz eine Wohltätigkeitsveranstaltung statt, an der die Gesangvereine Reisen-Munba c h und Hornbach mitwirken, (-r)

GROSS-GERAU

Nauheim. Bürgermeister Schad hatte Vertreter der Vereine, der Schule, der Jugendgruppen und d?r kirchlichen Vereinigungen zu einer Zusammenkunft eingeladen, bei der die Gründung eines Ortsjugendringes besprochen wurde. (Kb)

Raunheim. Die katholische Gemeinde machte am Sonntag ihre erste Wallfahrt nach dem Gnadenort Marienthal. Pfarrer Buchner hielt einen Gottesdienst und eine Kreuzwegandacht ab.

Königstädten. Der 1. Bauabschnitt der neuen Schule ist soweit fertiggestellt. Mit dem zweiten soll in aller Kürze begonnen werden, sobald die zugesagten Mittel für die Gemeinde zur Verfügung stehen, -au- Ginsheim. Die beim Landesturnfest in

Kassel als beste als beste Turnerin ihrer Altersklasse hervorgegangene Käthi Rauch, wurde bei einer Schulfeier von Rektor Wenke ein schönes Buch überreicht. -au-

Astheim. Aktive und inaktive Mitglieder des Sportklubs Astheim sind z. Z. mit Erweiterungsarbeiten am Sportplatz beschäftigt. (Kb)

Der Sport


Die Mannschaft des RSC Darmstadt, die Hessenmeister im Rollhockey wurde und steh am Sonntag in Schweinfurt an den Kämpfen um die Süddeutsche Meisterschaft beteiligt. Namen von links nach rechts: Kraft, Trautmann, Witzel, Bender, Schulz.
Die Mannschaft des RSC Darmstadt, die Hessenmeister im Rollhockey wurde und steh am Sonntag in Schweinfurt an den Kämpfen um die Süddeutsche Meisterschaft beteiligt. Namen von links nach rechts: Kraft, Trautmann, Witzel, Bender, Schulz.

SV Arheilgen machte einen guten Eindruck

SG Arheilgen — Hassia Dieburg 5:0

Es war kein Sommerfußball, der da am Mittwoch am Mühlchen geboten wurde. Hassia Dieburg kämpfte mit aller Energie, um ein leidliches Resultat zu erzielen. Damit wurde Arheilgen gezwungen, ebenfalls ganz aus sich herauszugehen, so daß man zeitweise ein gutes Spiel zu sehen bekam. Kilian war nicht zur Stelle, da er bei der Fahrt zum Sporzplatz einen Unfall erlitt, so daß Becker im Sturm erschien. Für den erkrankten Marko verteidigte Mahr. Es lief noch nicht alles so bei den Zweitdivisionären, es wird noch zu hoch gespielt und bei der oftmals schönen Kombinationsmaschine war immer wieder einmal Sand im Getriebe. Wendler, ein feiner Techniker, bremst den schnellen Angriff, weil er den Ball zu lange hält und noch nicht den Moment der Ballabgabe richtig erfaßt hat. Becker ließ die Uebersicht vermissen und schoß immer 30 Zentimeter zu hoch. Auch Mahr deckt nicht eisern genug, so daß der linke Flügel des Gegners oftmals beängstigend durchkam. Im Ganzen betrachtet, ist noch Polierarbeit zu leisten, um ein reibungsloses Mannschaftspiel zu erreichen.

Schon in der 6. Minute schloß Becker eine gute Kombination mit einem Bombenschuß ab und der wendige Dilfer, wohl der beste Mann auf dem Platze, erhöhte in der 13. Minute auf 2:0. Nachdem Kirchrath einen blendenden Angriff mit einem Fehlschuß abgeschlossen hatte, erhöhte Lieber — der wieder ganz da ist, seit Kirchrath neben ihm steht — auf 3:0.

In der zweiten Hälfte drückte Dieburg längere Zeit, doch war bei dieser Verteidigung so schnell kein Blumentopf zu gewinnen. Dieburg fiel mehrmals durch absichtliches Handspiel auf, das der Schiedsrichter Härtel nicht zu unterbinden verstand. Nachdem Kirchrath auf 4:0 erhöht hatte, brachte es Dieburg zu einem Pfostenschuß. Kurz vor Schluß wurde Lieber wieder freigespielt und mit dem schönsten das Tor 5:0 fertiggestellt. Mit der Leistung des Schiedsrichters waren beide Parteien nicht zufriedenä Hewe

Hochbetrieb am Mühlchen

Am Arheilger Mühlchen herrscht zum Wochenende Hochbetrieb. Bereits am Samstag um 17 Uhr steht die neuformierte Fußballmannschaft der SGA mit allen Neuerwerbungen der badischen Mannschaft Mannheim-Friedrichfeld gegenüber. Die Gäste zählen zu den bekanntesten Mannschaften in der badischen Landesliga und werden in ihrer stärksten Aufstellung antreten. Die Arheilger stützen sich auf Seibel, Marko, Wentschel, Mahr, Becker, Müller, Kaut, Zöller, Dilfer, Kilian, Wendler, Kirchrath und Lieber. Es dürfte somit ein interessantes Spiel zu erwarten sein. Ab 20 Uhr steigt am Schwimmbad das große Nacht-Schwimm-und Sportfest, das am vergangenen Samstag dem schlechten Wetter zum Opfer fiel. Das Programm und der Aufbau der Fest- und Sportstätte läßt auch hier einen Massenandrang erwarten.

Am Sonntag fährt die erste Mannschaft der SGA nach Bensheim, um einer alten Verpflichtung nachzukommen. Auch bei diesem letzten Probegalopp wird die stärkste Aufstellung vertreten sein. Die Ligareserve spielt um 18 Uhr am Samstag in Heppenheim und wird sich gehörig strecken müssen, wenn sie das gute Ende für sich haben will. Hewe

Georgenhausen. Am Freitag, dem 11. August 1950, 17.30 Uhr, findet auf dem Sportplatz in Georgenhausen ein Fußballspiel der Behördenmannschaften des Amtsgerichts Reinheim und des Amtsgerichts Dieburg statt.

Die Spiele am 27. August

Der SV Darmstadt 98 trägt sein erstes Auswärtsspiel in Reutlingen gegen den dortigen SSV aus. Die SG Arheilgen empfängt daheim Union Böckingen.

Ab sofort sind an den Spieltagen am Haupteingang Karten für alle Platzarten für Mitglieder und Nichtmitglieder zu haben. Am Eingang Kekulestraße dagegen nur für Nichtmitglieder (Tribüne und Stehplätze). Kinder haben nur gegen Zahlung des vollen Sitzplatzpreises Zutritt zur Tribüne.

Fußballkreis Darmstadt

Auch diesmal nützen die Vereine noch die Zeit, Freundschaftsspiele auszutragen.

Bickenbach spielt gegen den Bezirksklassenverein Pfungstadt. Erinnerungen an gute alte Zeiten werden dabei wieder wach. Es waren stets hochstehende Spiele, die sich beide Nachbarvereine lieferten.

Union Darmstadt fährt zum Rückspiel nach Gräfenhausen und wird seine gute Form weiter unter Beweis stellen.

Eine interessante Begegnung steigt als Lokalderby in Ober-Beerbach gegen Nd. Beerbach.

Hahn fährt mit seiner gesamten Fußball-Abteilung nach Hattenheim und wird dort auf eine Kreis-Klassenelf stoßen.

Alsbach mißt seine Kräfte mit Auerbach und muß sich schon anstrengen, dort zum Zuge zu kommen.

Jugenheim spielt in der Opelstadt gegen den dortigen TSV.

Der neugegründete Sport-Club Griesheim stellt sich am Sonntag zur Eröffnungsfeier mit drei Mannschaften gegen den A-Kl.-Riedmeister Biblis vor. Auf den Ausgang der Begegnungen darf man gespannt sein.

Fußballturniere in Wahlen und Hirschhorn

Rot-Weiß Wahlen veranstaltet am kommenden Sonntag auf seinem neuen Stembruch-Platz ein Fußballturnier, an dem folgende 12 Mannschaften teilnehmen: Aschbach, Hammelbach, Weiher, Mitlechtern, Reichelsheim, SV Fürth I und 11, Affolterbach I und 11, Ober-Abtsteinach I und II sowie die Gastgeber.

Aus Anlaß des vierzigjährigen Bestehens des FV Hirschhorn wird im Neckartal ebenfalls ein Fußballturmer abgewickelt, zu dem 16 Mannschaften zugesagt haben, die überwiegend aus dem Sportkreis Heidelberg kommen. (ni)

Polizei Hamburgs am Freitag in Dietzenbach

Einen interessanten Handballgroßkampf werden am Freitagabend auf dem Waldsportplatz der SG Dietzenbach die Freunde des „keinen Leders“ erleben. Mit einer spielstarken Mannschaft wird der Polizei-Sportverein Hamburg in das Freundschaftstreffen gehen. In den Reihen des Gastgebers zählen der Torsteher Werkmann und Winterlin zu den besten Kräften. Bei schönem Wetter verspricht der Kampf ein Ereignis im Handballsport des Hessenmeisters zu werden. (gi)

FO Fürth—KSG Fehlheim

Die Vorentscheidung um die Vergebung des Kreismeistertitels der B-Klasse Bergstraße wird am kommenden Sonntag im Weschnitztal gefällt: Odenwaldmeister FC Fürth tritt gegen den Riedmeister KSG Fehlheim an. Zwei Wochen später findet in Fehlheim das Rückspiel statt. Papierformmäßig dürfte den Odenwalddlern ein kleines Plus einzuräumen sein, wenn auch Fehlheim als typische Pokalmannschaft schon mancherlei Ueberraschungen brachte. (nÜ

„D. T.-Schlachtenbummler“

Die große Überraschung für unsere Sportler!

Das „Darmstädter Tagblatt“ wird in der Saison 1950/51 für die Dauer der Oberligaspiele jeweils drei sportlich interessierte Leser auswählen, die auf seine Kosten die Mannschaft des SV Darmstadt 98 bei ihren Auswärtsspielen als Schlachtenbummler begleiten dürfen. Die genauen Spielregeln erfahren sie in unserer morgigen Ausgabe. Achtung! Achten Sie auf das Stichwort „D.-T.-Schlachtenbummler

Jubiläumswoche der TG 75

Im weiteren Verlauf der Festwoche waren die Handballer und Jungleichtathleten auf dem Platz „Am Ziegelbusch“.

Im Vorspiel unterlagen die 75er, 2. Mannschaft gegen die Junioren von SV 98. Das Hauptspiel bestritt die 1. Elf der TG 75 gegen TuS Griesheim. Es war ein schönes Spiel, das die Griesheimer dank ihres besseren und schnelleren Einsatzes mit 15:5 gewinnen konnten. Stark bevölkert war der Platz mit weiblicher und männlicher Jugend. In einem Dreikampf — 100 m, Weitsprung und Kugelstoß — kämpften Vertreter von SV 98, TSG 46, SSG Langen und Arheilgen um den Sieg. Im Mannschaftskampf siegten 1. SV 98

422 P. — 2. TSG 46 387 P. und SV 98 11. 347,5 P.

1. Einzelsieger im Dreikampf wurde Schindler, TSG 46 67,5 P., 2. Metzger, SV 98 63 P. und 3. Fiedler, TSG 46 60,5 P.

Bei der weibl. Jugend placierten sich: 1. Volkert, SSG Langen 58 P. und Thomas, TSG 46 58 P., 2. Eisele, SV 98 52 P., 3. Sauer und Diemer, SV 98 mit 51,5 P., die 4XIOO-m-Staffel der m. Jg. gewann TSG 46 vor SV 98 und bei den Mädchen war es SV 98 1. Mannschaft. kof.


Am Haupteingang des Hochschulstadions ist eine Stahlrohrtribüne im Entstehen, die bereits beim Spiel gegen Preußen Dellbrück eingeweiht wird und für 3750 Personen Platz bietet. Sie ist 60 Meter lang, 10 Meter tief, 4 Meter hoch und hat 25 Stufen
Am Haupteingang des Hochschulstadions ist eine Stahlrohrtribüne im Entstehen, die bereits beim Spiel gegen Preußen Dellbrück eingeweiht wird und für 3750 Personen Platz bietet. Sie ist 60 Meter lang, 10 Meter tief, 4 Meter hoch und hat 25 Stufen

Großes Reit-, Spring- und Fahrturnier in Babenhausen

Ein Reit-, Spring- und Fahrturnier hält der Reit- und Fahrverein „Vorder Odenwald“, Sitz Babenhausen, am 9. und 10. September auf dem Sportplatzgelände des SV ab. Ausgeschrieben wurden: Eignungsprüfungen für Reitpferde Kl. A; Dressurprüfungen Kl. A für Neulinge und Fortgeschrittene, KL L; Eignungsprüfungen für Wagenpferde (Kalt- und Warmblut) — Ein-, Zwei- und Mehrspänner; dasselbe für Kleinpferde (Stockmaß 1,45 m) und Ponny; Kleinpferde- und Ponnyrennen; Paarspringen; 1500- m-Trabreiten (Warm- und Kaltblut); Abteilungswettkampf für ländliche Reitervereine (Abt. zu 4 Pferden, die drei besten Reiter jeder Abt. und gesamtbester Reiter werden gewertet), vorgeschriebene Aufgabe; Der Nennungsschluß am Montag (14. 8.) ist unbedingt einzuhalten. Nachmeldungen werden nicht entgegengenommen. -prab-

Basketball:

SKG Roßdorf in Heidelbers und Karlsruhe

Übers Wochenedde wird sich die 1. Basketball-Mannschaft der SKG Roßdorf in Freundschaftsspielen in Heidelberg und Karlsruhe vorstellen, wo sie in insgesamt vier Begegnungen auf den' TB Heidelberg, den Ski-Club Karlsruhe, den BC Karlsruhe und den BC Heidelberg trifft.

Mit Ausnahme des Ski-Club Karlsruhe zählen diese Mannschaften zur badischen Spitzenklasse, so daß es die Roßdorfer — die nicht auf ihre komplette Mannschaft zurückgreifen können — sehr schwer haben werden, auf ihrer Reise zu Erfolgen zu kommen. Roßdorf wird mit insgesamt sieben Spielern die Fahrt nach Baden antreten, die sich vom 11. bis 15. August erstreckt.

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