Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt ?x« 207. Jahrgang / Nummer 35 öeffiföe Jleueffe Donnerstag, 10. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Vor schwerer Entscheidung

Deutschland soll Europa mitverteidigen helfen

• ~ra 'u^"' ®- August. (AP./Reuter/dpa) Die Sorge um die Verei igung Europas hat im Mittelpunkt der Debatten der Beratenden Versammlung des Europarates am Mittwoch gestanden. Von verschiedenen Seiten wurde die Wiederaufrüstung der Deutschen Bundesrepublik gefordert.

Der britische Abgeordnete Boothby verlangte die direkte Beteiligung der Bundesrepublik an der Verteidigung Europas. „Wenn die Bundesrepublik ausgeschlossen bleibt, ist Westeuropa meiner Meinung nach nicht zu verteidigen. Wird die Bundesrepublik aber in das Verteidigungsbündnis der westeuropäischen Union aufgenommen, muß sie zu den gleichen Bedingungen wie jeder andere Mitgliedsstaat ihren vollen Verteidigungsbeitrag leisten. Es darf nicht mehr Nationen erster und zweiter Klasse geben. Deutschland hat seine Wahl zu treffen. Ich hoffe glühend, daß es sich für uns entscheiden wird.“ Boothby meinte, vorläufig könne nur die Atombombe Westeuropa vor dem sicheren Untergang schützen.

Mit unbeweglichen Gesichtern

Während der Rede des britischen Abgeordneten saßen die achtzehn Mitglieder der deutschen Abordnung mit unbeweglichen Gesichtern da. Der holländische katholische Abgeordnete Serrarens verlangte, daß bei der Aufstellung einer europäischen Armee Deutschland ebenfalls einen Beitrag leisten müsse. Der frühere französische Ministerpräsident Bidault erwähnte Deutschland nicht, verlangte aber, daß die westliche Welt ihre Verteidigung einheitlich organisieren müsse.

Mit Spannung erwartet die Beratende Versammlung die Rede Churchills, die um einen Tag verschoben worden ist und am Donnerstag gehalten wird. Man glaubt, daß Churchill ebenfalls die Wiederbewaffnung Deutschlands fordern werde. Er hatte am Dienstag im privaten Gespräch deutsche Abgeordnete in seiner Wohnung empfangen und diese gesellige Zusammenkunft benutzt, um sich über die deutsche Haltung zu informieren. Man glaubt, daß er nach diesen Besprechungen den Entschluß gefaßt hat, seine Rede zu überarbeiten und deshalb um einen Tag Aufschub gebeten hat.

Am Dienstag hatte die Beratende Versammlung bereits eine fast dramatisch zu nennende Rede des französischen Vertreters Andre Philip zu hören bekommen. Philip, ein Sozialist, verlangte unter dem lauten Beifall der Versammlung eine wirkliche Autorität für das Straßburger Parlament. Eine Forderung, die übrigens der Ministerrat am Mittwoch abgelehnt hat. Die Vollmachten des Rates sollen nicht vergrößert werden.

Philip forderte dann die Bildung einer europäischen Armee, die durch die Erhebung europäischer Steuern finanziert werden müsse. „Wir sind es satt, erst nach einer Invasion befreit zu werden. Wenn die sowjetischen Tanks morgen durch Europa zu rollen beginnen, hoffe ich, daß die britischen Tanks rechtzeitig da sind. Hoffentlich können sie in Brest landen.“ Zu dem neben ihm sitzenden deutschen Abgeordneten Dr. Pünder gewandt sagte Philip: „Wir sind gegen die Aufstellung einer deutschen Armee. Wenn wir eine europäische Armee hätten, wüfde es allerdings in dieser Frage keine nationalen Probleme geben.“

Der Europarat ist am Mittwoch außerdem aufgefordert worden, eine Körperschaft zur Schlichtung für Streitfragen zu bilden. Französische, deutsche und italienische Abgeordnete beabsichtigen, sofort einen Antrag einzubringen, in dem die Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa gefordert wird. Es sollten Abgeordnete für ein europäisches Bundesparlament gewählt werden, weil nur so eine europäische Bundesregierung mit Souveränitätsrechten über die Mitgliedsstaaten entstehen könnte. Die Abgeordneten glauben jedoch nicht, daß die Vereinten Staaten von Europa selbst bei einer Verwirklichung dieses Planes so schnell Realität werden könnten

Die britische Abgeordnete Frau Alice Bacon verlangte, daß man den Eisernen Vorhang besser mit Propaganda durchbrechen müsse als mit Tanks und Bomben. Eine italienische Abgeordnete betonte ebenso wie der französische Abgeordnete Andre Philip, daß die Verelendung Europas viel gefährlicher sei als die sowjetischen Panzer. Ein türkischer Abgeordneter wies darauf hin, daß eine Neutralität Europas von nun an nicht nur moralisch, sondern auch geographisch ein Unsinn sei.

Zwei Tage Frist für Malik

Der Taktik Maliks soll entgegengetreten werden

Neuyork, 9. August, (dpa) Die Vereinigten Staaten haben der Sowjetunion am Dienstag eine Frist von zwei Tagen gestellt, im Sicherheitsrat von der bisher geübten Obstruktionstaktik abzugehen und den Rat wieder arbeitsfähig zu machen. „ , ,

Nach vierstündiger fruchtloser Verfahrensdebatte forderte der amerikanische Delegierte Warren Austin in der Sicnerheitsratssitzung vom Dienstag eine Vertagung bis Donnerstag, damit der Sowjetdelegierte sich aus Moskau Instruktionen holen könne, die dem Sicherheitsrat die Fortführung seiner Aufgaben gestatten würden. Die Abstimmung über den amerikanischen Antrag wurde unm^^r nach der Versicherung Austins vorgenommen, die übrigen Ratsmitglieder wurtai miteinander beraten, um zu entscheiden welche Schritte unternommen werden könnten, um die Autorität des 1 " heitsrates zur Geltung n Delegierte stimmten für die Vertagung. Der sowjetische Vertreter Malik' sprach sich dagegen aus, der jugoslawische Der legierte enthielt sich der Stimme.

In der Debatte hatte Austin dem sowjetischen Delegierten mehrere Fragen vorgelegt und diese sogleich selbst beantwortet. Austin sagte: „Wessen Truppen sind im Lande eines anderen weit zum Angriff vorgedrungen? Die Nordkoreaner. Welches Land wird von einer einfallenden Armee überrannt? Die Republik Korea (Südkorea). Wer hilft der Republik Korea, sich zu verteidigen? Die Vereinten Nationen, von deren 59 Mitgliedern 53 die Aktion der Vereinten Nationen unterstützen. Wer hat den Einfluß und die Macht, die angreifende nordkoreanische Armee zurückzubeordern? Die Sowjetunion. Wer unterstützt die Charta der Vereinten Nationen? 53 der 59 Mitgliedstaaten. Welches Sicherheitsratsmitglied unterstützt die Angreifer? Die Sowjetunion.“

Wenn die Obstruktionskampagne der Sowjetunion weitergehe, werde der Rat für den Rest des Monats auf dem toten Punkt bleiben. „Dem müssen wir entgegentreten.“

Die Sitzung war hauptsächlich mit einem Streit darüber ausgefüllt, ob nur ein südkoreanischer Beobachter oder, wie Malik wünschte, Beobachter der beiden kämpfenden Parteien zur Erörterung des Koreakonfliktes zugezogen werden sollten.

Korena: Angriffe und Gegenaungriffe

Die amerikanische Offensive gewinnt an Boden

Pusan, 9. August. (AP./BBC./dpa) Die amerikanische Offensive, die seit Anfang dieser Woche im, Süden der koreanischen Front im Gange ist, hat sich am Mittwoch trotz heftigster feindlicher Gegenwehr weiter vorwärts schieben können.

Eine Kampfgruppe, die in der Mitte der Kampfverbände direkt auf Schinju zustößt, soll sich bis auf acht Kilometer der Stadt genähert haben, die das Ziel der amerikanischen Offensive ist. Die am linken Flügel der Korpsgruppe Kean kämpfenden Marinetrüppen haben feindliche Stellungen umgehen können und versuchen, eine größere Umfassungsbewegung einzuleiten. Auch im rechten' Abschnitt der amerikanischen Angriffsfront kämpfen sich die Verbände vorwärts. Schlachtflieger unterstützen die: Truppe.

Die Artillerie schoß auf beiden Seiten mit besonderer Heftigkeit. Die Treffsicherheit der Nordkoreaner ist sehr gut. Das feindliche Artilleriefeuer zwang die amerikanische Infanterie immer und immer wieder in Deckung. Zum Teil konnten die Angriffsverbände nach stundenlangem Ausharren im feindlichen Feuer durch die persönliche Tapferkeit und Initiative einzelner Offiziere und Soldaten wieder nach vorne gerissen werden. Bei der Marineinfanterie war es an einer Stelle ein rothaariger, hühnenhafter Matrose, der seine vom feindlichen Feuer stark beeindruckten Kameraden nach vorne riß. Im Abschnitt des 5. Infanterie-Regimentes, das aus Hawaii gekommen ist, wär es der Regimentskommandeur, ein Oberstleutnant, der seine Verbände zum Angriff zwang.

Der Feind soll viel Material verloren haben. Die nordkoreanischen Einheiten haben sich jedoch keineswegs zur Flucht gewandt, sondern werden nur mit ungeheuren Anstrengungen und unter stärkstem Einsatz von Panzerverbänden und Schlachtfliegern zurückgeschlagen. Im Abschnitt des 5. Infanterie-Regiments ereigneten sich mehrere unangenehme Vorfälle. Die Nachrichtenverbindung riß. kurz nach Beginn der Offensive am ersten Tage ab. Die Telefonapparate und die Funkapparate waren durch das lange Lagern — seit 1945 befanden sie sich in Arsenalen auf Hawaii — unbrauchbar geworden. An einzelnen Stellen der Front wurden durch Unachtsamkeit Nachrichtenzentren vorübergehend außer Gefecht gesetzt, weil sie von eigenen Panzern oder Zugmaschinen überfahren wurden.

In der Mitte

Am Mittelabschnitt ist es der amerikanischen Führung gelungen, den gefährlichen Brückenkopf hart nordwestlich Waegnan einzuengen. Die Berichte aus diesem Raum sind jedoch widersprechend. Zum Teil heißt es, die Kommunisten hielten noch die Straße nach Taiku in ihrer Hand, zum anderen besagen Meldungen, die etwa 4000 Mann starken Nordkoreaner seien eingekesselt und von ihren Nachschublinien abgeschnitten.


Die Flüsse spielen in Korea eine große Rolle. Während der Erntezeit, wenn der Reis eingebracht ist, werden Dschunken eingesetzt, die die Vorräte an die Sammelplätze bringen. Von dort aus wird mit Ochsenkarren oder mit der Eisenbahn der Reis in den jetzt heftig umkämpften Hafen Pusan gebracht. Von Pusan bringen Schiffe das wichtige Nahrungsmittel nach Japan
Die Flüsse spielen in Korea eine große Rolle. Während der Erntezeit, wenn der Reis eingebracht ist, werden Dschunken eingesetzt, die die Vorräte an die Sammelplätze bringen. Von dort aus wird mit Ochsenkarren oder mit der Eisenbahn der Reis in den jetzt heftig umkämpften Hafen Pusan gebracht. Von Pusan bringen Schiffe das wichtige Nahrungsmittel nach Japan

Atomgeheimni gestohlen

Warrington (Lancashire), 9. August, (dpa) Beamte von Scotland Yard, amerikanische Abwehroffiziere und britische Eisenbahnbeamte haben sich am Mittwoch an einer umfassenden Suchaktion nach einem Koffer mit geheimen atomwissenschaftlichen Dokumenten beteiligt, der dem amerikanischen Atomwissenschaftler Frank Greenleaf auf der Reise von London nach Blackpool gestohlen worden ist.

Greenleaf, der seit vielen Monaten mit einer atömwissenschaftlichen Spezialarbeit beschäftigt war, befand sich auf dem Wege zu einer Konferenz britischer und amerikanischer Atomwissenschaftler.

Nicht ohne Deutschland?

* * * Es liegt uns fern, schwarz sehen zu wollen, aber so viel scheint doch festzuliegen, daß in der angeblich so friedliebenden Sowjetzonen-Republik künstlich eine immer stärkere Kriegspsychose gefördert wird, von der man noch nicht weiß, welchen Zwecken sie dienen soll. Seit dem der Kartoffelkäfer, (der nebenbei bemerkt, 94 Prozent aller Cemeindebezirke in der Bundesrepublik befallen hat), als „Amikäfer“ nicht mehr zieht, werden Meldungen verbreitet, wonach amerikanische Flugzeuge über der Sowjetzone Brandbomben abgeworfen hätten, um die Ernte zu vernichten. Und schon geht man einen Schritt weiter, indem das amtliche Organ der russischen Kontrollkommission die Möglichkeit einer sowjetischen Luftblockade Berlins andeutet, um die westlichen Besatzungstruppen endlich aus dieser Stadt zu vertreiben.

Es kann nicht Wunder nehmen, wenn auch solche Anzeichen von den Westmächten als eine wachsende Bedrohung Europas angesehen werden. Die Ueberzeugung, man könne ihr nur dann ein Paroli bieten, wenn man zusammenstehe und eine einheitliche Verteidigung vorbereite, beginnt sich in einer Weise auszuwirken, die in erster Linie Deutschland betrifft. Der britische konservative Delegierte Robert Boothby hat in der Beratenden Versammlung des Europa- Rates bereits die Teilnahme Deutschlands als gleichberechtigten Partners beim Aufbau der europäischen Verteidigung gefordert und dabei betont, ohne Deutschland sei eine Verteidigung des Westens so gut wie unmöglich. Man erwartet ferner, Winston Churchill werde am Donnerstag vor der gleichen Versammlung eine Rede von weltpolitischer Bedeutung halten, in der er eine Wiederbewaffnung Deutschlands innerhalb des westeuropäischen Verteidigungs-Programms und die Aufstellung deutscher Divisionen innerhalb der alliierten Besatzungstruppen empfehlen werde. Mit diesen Maßnahmen soll endgültig die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa vorgenommen werden.

Es wird von Straßburg berichtet, daß die achtzehn deutschen Delegierten schweigend und mit unbewegten Gesichtern zuhörten, als in der Versammlung die ersten Stimmen laut wurden, die für eine Wiederaufrüstung der deutschen Bundesrepublik eintraten. Der Ernst der Stunde ist groß. Es wird nicht von ungefähr sein, daß Bundeskanzler Adenauer für die nächste Woche eine außerordentliche Kabinettssitzung nach Bonn einberufen will. Deutschland steht am Scheidewege. Es bedarf des Schutzes und erwartet ihn von den Westmächten. Inwieweit es selbst zu diesem Schutze mit beitragen soll und muß, wird ernstlicher Ueberlegungen bedürfen.

„Frei von Angst“

zz. Die Mächte, die den Nationalsozialismus niederrangen, hatten auf ihre Fahne geschrieben, daß sie die Welt frei von Angst machen wollten. Fünf Jahre nach ihrem Siege wird die Menschheit mehr von Angst geschüttelt denn je. Angst zu verbreiten ist ein politisches Mittel geworden, das von dem diktatorischen System der Sowjets ebenso rücksichtslos wie geschickt gehandhabt wird. Angst läßt Millionen von Menschen jenseits des Eisernen Vorhangs widerspruchslos unter dem sowjetischen System leben. Die Angst, die unter den Truppen und Einwohnern Südkoreas verbreitet Wurde, ließ den Angriff der Nordkoreaner schneller zum Ziele kommen, als es ihrer militärischen Stärke entsprach.

Der Selbsterhaltungstrieb

Die gleiche Angst vor drohenden Ereignissen suchen die Kommunisten auch in der Bundesrepublik zu verbreiten. Angst gehört zu ihrem Terror-System wie zu dem aller Diktatoren, deren Leitspruch es ist: mögen sie uns hassen, wenn sie uns nur fürchten. Der Selbsterhaltungstrieb ist die stärkste Triebkraft des Menschen. Es kann daher nicht verwundern, daß alle Völker, die sich von den kommunistischen Weith errschafts - Ansprüchen bedroht fühlen, mit größter Sorge in die Zukunft blickten, als sie von dem kommunistischen Friedensbruch in Korea erfuhren. Wer garantierte dafür, daß ein ähnlicher sowjetischer Vorstoß nicht in absehbarer Zeit an einer anderen Stelle der Welt erfolgen würde? Die Sowjets werden es mit besonderer Genugtuung verzeichnet haben, daß die Furcht vor ungewissen Ereignissen zu sinnlosen Angstkäufen verführte. Sie waren wirklich sinnlos, denn wer könnte sich bei einem Vormarsch der Russen einen Zentner Zucker auf den Rücken packen und damit die Flucht ergreifen? Die Hamsterer haben nicht mehr erreicht, als daß sie in einem Falle, dessen Eintritt durch die Festigkeit der Vereinten Nationen kaum mehr zu befürchten ist, den Russen wohlgefüllte Speisekammern hinterlassen hätten.

Manchen Menschen ist es aber, wie es in der Bibel vom König von Babel heißt, so angst und bange geworden wie einer Frau in Kindesnöten. Sie legten das Wort falsch aus, daß man dem Feinde goldene Brücken bauen solle. Der Rat gilt nur, wenn der Feind sich auf der Flucht befindet, nicht aber bevor er mit seinem Angriff begonnen hat. Man weiß, daß es vor Beginn des „Tausendjährigen Reiches“ Geschäftsleute gab, die verschiedene Parteibücher in der Ladenkasse liegen hatten, um gegen alle Möglichkeiten rückversichert zu sein. Es nützte ihnen wenig. Auch heute soll es so sein, daß Überängstliche heimlich die Mitgliedschaft bei der Kommunistischen Partei erworben haben, und es wird versichert, sie habe auf diese Weise weit mehr Anhänger, als sie bei den Wahlen an Stimmen aufbringen kann. Sollten die Kommunisten wirklich einmal bei uns zur Herrschaft kommen, so würde den heimlichen Mitläufern ihr Parteibuch weniger nützen als bei den Nazis. Diese gingen darauf aus, alle brauchbaren Kräfte gl eich zu schalten, während die Kommunisten erbarmungslos alle Kräfte ausschalten, die sich nicht willenlos der Diktatur Moskaus unterwerfen. Die ständigen Säuberungsaktionen selbst in den engsten Kreisen der Kommunisten sind der unschlüssigste Beweis dafür. Das kommunistische System kennt keinerlei Kompromisse und will von Kompromiß-Naturen nichts wissen. Ihm geht es nur um sklavischen Gehorsam.

Zweigleisige Politik

Der Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei in der Sowjetzone hat deutlich zu erkennen gegeben, daß die Kommunisten weiterhin mit dem Mittel der Angst in gesteigertem Maße in der Bundesrepublik arbeiten wollen. Nach den Anweisungen des neuen Generalsekretärs der Sozialistischen Einheitspartei in der Sowjetzone, Ulbricht, sollen in Westdeutschland „Friedens-Ausschüsse“ gebildet und alle „Kriegsprovokateure“ in Berlin vor ein Volksgericht gestellt werden. Diese Ankündigung ist ein Musterbeispiel für die zweigleisige Politik der Kommunisten. Sie führen einen Angriffskrieg in Korea und spielen sich gleichzeitig in anderen Ländern als die wahren Friedensfreunde auf. Sie bilden Friedensausschüsse, die von Ulbricht offen als Kampf- und Aktionsgruppen bezeichnet werden. Sie geben vor, den Krieg zu ächten, und haben in der Sowjetzone eine Armee ‘hufgestellt, die neuerdings mit Panzern, Geschützen und anderen schweren Waffen ausgerüstet wird. Gegen wen? Sie .beschuldigen die Regierung in Bonn, Angriffsabsichten gegen die Sowjetzone zu hegen, und verkünden gleichzeitig die Aburteilung von Kriegsprovokateuren in Berlin. Die Nürnberger haben nie einen gehenkt, sie hatten ihn denn zuvor. Auch sogenannte Kriegsprovokateure aus Westdeutschland kann man in Berlin nicht aburteilen, wenn man sich die Bundesrepublik nicht gewaltsam unterworfen hat.

Frieden in Freiheit

Wie steht es aber mit dem Frieden, für den die Kommunisten mit ihren Listen werben? Es gibt wohl keinen Menschen in Deutschland, der nicht den Frieden wollte. Aber wir wollen den Frieden in Freiheit und nicht den der Friedhofsruhe, der über den Ländern östlich des Eisernen Vorhangs liegt. Wir wünschen den Frieden in Freiheit, ohne daß wir uns deshalb bedingungslos dem Amerikanismus verschrieben. Wir verlangten nicht einmal nach einer Sicherheitsgarantie durch den Westen, wenn wir nicht wüßten, daß wir schutzlos im Vorfeld des militanten Bolschewismus liegen, der sechzig Divisionen in Bereitschaft hat und mit seinen Satelliten 170 Divisionen aufstellen kann. Warum drängen die Friedensfreunde in der Bundesrepublik nicht darauf, daß die Bedrohung durch die „Volksarmee“ der Sowjetzone und die Divisionen der Bolschewisten beseitigt wird? Die ganze Welt würde aufatmen. Sie sagen, das friedliebende Rußland müsse sich gegen Angriffsabsichten des Westens schützen. Wie wenig vorbereitet hat sich der Westen bei der Verteidigung Koreas gezeigt! Auch heute noch verfügen die westlichen Streitkräfte einschließlich der amerikanischen Besatzung über nicht mehr als ganze zwölf Divisionen. Und dieses magere Häuflein sollte die Absicht haben, willkürlich einen Angriff gegen Rußland zu führen und einen Weltkrieg heraufzubeschwören?

Was ist zu tun?

Wir werden, gemäß Ulbrichts Ankündigungen, in der nächsten Zeit im Bundesgebiet noch manchen Propaganda-Aktionen der Kommunisten ausgesetzt sein. Was haben wir dagegen zu tun? Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, hat das ganze deutsche Volk aufgefordert, sich gegen die von der Sowjetzonen-Regierung organisierte kommunistische „Spitzel- und Agentenpest“ zu schützen. Er versicherte dabei, die Bundesregierung sei entschlossen, jeder kommunistischen Durchdringung entgegenzutreten und alle Spitzel so anzufassen, daß der Kommunismus die Nutzlosigkeit seiner Aktionen einsehe.

Damit allein ist es aber nicht getan. Der Papst hat ein richtiges Wort gesagt, wenn er in einer Ansprache vor zweihundert Delegierten aus zehn Nationen verkündete, die wahren Vertreter des Volkes im Staat müßten in der staatlichen Ordnung eine lebendige Einheit sehen, die nicht den Einzelmenschen direkt verwalte, sondern den Belangen des Landes in einer Weise diene, durch die das Individuum in seinem privaten und soziologischen Leben nicht unterdrückt werde. In dieser Beziehung ist bei uns noch viel zu tun. Wenn die Menschen in der Bundesrepublik und vor allen Dingen die vielen durch den Krieg Geschädigten durch eine verantwortungsvolle, aufbauende und zielsicher geleitete Sozialpolitik das notwendige Vertrauen zu unserem Staat gewinnen, wird es niemanden mehr geben, der den Anfechtungen des Kommunismus erliegt.

Das Beispiel Berlins

Darüber hinaus muß jeder einzelne sich klar machen, daß Angsthandlungen zu nichts führen. Das ist der Weisheit letzter Schluß, nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß. Die Berliner, die während der Blockade unter einem ganz anderen wirtschaftlichen und seelischen Druck standen als wir, sind uns darin mit gutem Beispiel vorangegangen. Sie konnten allerdings durch einen Blick über den Zaun erkennen, was ihnen blühen würde, wenn sie sich dem Kommunismus ergäben. Sie haben sich weder Drohungen noch Versprechungen zugänglich gezeigt. Sie wußten, der Kommunismus werde sich niemals mit dem kleinen Finger zufrieden geben, sondern gleich die ganze Hand nehmen. Und wenn sie auch jedenfalls das Wort Lenins nicht kannten, daß jeder, der einem andern traue, ein Narr sei, so wußten sie doch aus eigener Anschauung, was von einem System zu halten sei, das den gleichen Grundsatz vertritt und jeden Menschen zum Spitzel des andern macht.

Niemand kann wissen, ob aus der Zeiten Schoße dunkle oder heitere Lose uns bestimmt sein werden. Es ist unsere Hoffnung, daß das Schicksal, da wir soviel Schweres hinter uns haben, uns gnädig sein werde. Wir müssen uns aber die Freiheit und das Leben verdienen, nicht durch irgendwelche kriegerischen Gelüste, die uns weit fern liegen, sondern indem wir uns frei von Angst machen und den festen Willen zu unserer Freiheit nicht nur nach außenhin bekunden, sondern unwandelbar im Herzen tragen.

Ehlers der Nachfolger Köhlers?

Bonn, 9. August, (dpa) Als erste parteiamtliche Stelle nennt der Informationsdienst der Christlich - Demokratischen Union des britischen Besatzungsgebietes als möglichen Nachfolger des erkrankten Bundestagspräsidenten Dr. Köhler den Bundestagsabgeordneten der Christlich-Demokratischen Union Oberkirchenrat Dr. Hermann Ehlers. Schon nach dem Abgang Dr. Köhlers in Bonn war in Kreisen der Union inoffiziell davon gesprochen worden, daß Ehlers das Amt des Bundestagspräsidenten übernehmen solle.

Alltag im Enropa-Hans

Spaak: Wenn ich Hunger habe, bin ich ein schlechter Präsident

Sch. Straßburg, 9. August. Der parlamentarische Betrieb im Europa - Haus läuft streng nach den Prinzipien der Zweisprachigkeit ab. Sämtliche Türen, Mappen und Schriftstücke sind in Englisch und Französisch beschriftet. So trägt zum Beispiel das Zimmer der deutschen Delegation Nr. 268 die Aufschrift: „Allemagne — Germany“. Doch diskutiert man bereits in den Gängen darüber, ob in der nächsten Session auch Deutsch als dritte Verhandlungssprache zugelassen wird, da sie praktisch auch von den Luxemburgern, den Holländern, den Flamen und von den Vertretern der Nordischen Staaten verstanden werden kann.

Die Vormittage sind im Europa-Haus meist den Kommissionen vorbehalten, die im ersten Stock in hellen und luftigen Räumen tagen. Sie wurden durchweg neu gewählt, um den Eintritt von je drei deutschen und je einem isländischen und saarländischen Delegierten zu gestatten. Die Mittagpause tritt nach dem Vorbild von Paris pünktlich um 12.30 Uhr ein. Die Deutschen und die Franzosen pflegen in dem benachbarten Straßburgei’ Ausflugsrestaurant „Bäckehiesel“ zu speisen, durch eine Glastüre voneinander getrennt. Zum Kaffee treffen sich die deutschen und französischen Delegierten im Garten, nachdem Robert Schuman den Anfang machte und sich am Tisch von Carlo Schmid niederließ.

Die Voll Versammlungen beginnen pünktlich um 16 Uhr mit dem nach Pariser Muster eingeführten feierlichen Einzug des Präsidenten. Spaak sieht man es allerdings an, daß ihm die Parade der Huissiers nicht sehr angenehm ist. Er drängelt sich schnell zu seinem Präsidentenstuhl vorwärts und blickt etwas indigniert während der Verhandlung über die wohlfrisierten Köpfe der fünf in Paradestellung unter ihm postierten und mit silbernen Ketten beladenen Beamten hinweg. Spaak versteht es überhaupt ausgezeichnet, mit seinem parlamentarischen „Parkett“ umzuspringen. Als er ausnahmsweise einmal einer Vormittagssitzung präsidieren mußte, die sich programmwidrig über ein Uhr Mittag hinauszog, brummte er ins Mikrofon: „Nun machen wir aber Schluß, wenn ich Hunger habe, bin ich ein schlechter Präsident.“

Bei der Debatte kehren meist dieselben Argumente wieder. Man schimpft über das Ministerkomitee und ärgert sich, daß das europäische Parlament nicht einmal seine eigene Tagesordnung bestimmen kann. An zweiter Stelle kehrt die Forderung nach der Bildung eines europäischen „Überstaates“ wieder, gegen die nur die Labour-Leute und als deren gelegentliche Sekundanten die nordischen Vertreter opponieren. Churchill und die Konservativen sind zwar für die europäische, staatliche und wirtschaftliche Konzentration; man hat jedoch bei persönlichen Gesprächen mit ihnen den Eindruck, daß sie England recht gerne aus diesem „ Europa-Staat“ heraushalten möchten. Den dritten Debattepunkt bildet der Schuman - Plan. Nach Abschluß der Vollversammlung pflegen sich der Parlamentspräsident, einer der immer noch anwesenden Minister oder der Berichterstatter im Saal der Presse zu einer Konferenz zu stellen. Man schiebt die Türen zwischen dem englischen und französischen Raum auseinander und beugt sich, dichtgedrängt, über den Tisch, an dem der Pressechef Levy mit einem der „Prominenten“ Platz genommen hat. Die Tagesarbeit endet dann im Europaklub oder in der Diele eines „Europa-Hotels“.

Die Macht des Vorzimmers

zz. Es ist niemals sehr beliebt gewesen, das Vorzimmer. In früheren Zeiten mußte man in ihm „antichambrieren“, bis man bei einem Hochmögenden vorgelassen wurde. Das kostete oft viel Zeit, aber an Zeit fehlte es damals nicht, und schließlich wurde man wirklich vorgelassen, um sein Anliegen an den Mann bringen zu können. Heute ist die Sache etwas anders. Der Chef hat keine Zeit und dem Besucher soll die Zeit nicht gestohlen werden. Deshalb sitzt im Vorzimmer die Sekretärin, die möglichst viele Besucher „abwimmelt“.

Vor einem halben Jahrhundert war diese „Chefsekretärin“ noch eine unbekannte Erscheinung. Inzwischen ist sie allgewaltig geworden. Diese Entwicklung hat am besten der frühere kommunistische Chefagent für die Schürung kommunistischer Unruhen in Deutschland, Karl Radek, gekennzeichnet. Er war der Typ des geistreichen Intellektuellen, was ihn auf die Dauer beim Kreml derart unbeliebt machte, daß er, wie so viele andere, liquidiert wurde. Karl Radek sagte einmal: „Die Entwicklung der Menschheit ging vom Matriarchat (Mutterrecht) über das Patriarchat (Vaterrecht) zum Sekretariat“ (der Herrschaft des Vorzimmers). Es scheint in der Tat wirklich so zu sein. Denn da jede Neueinrichtung bestrebt ist, ihre Unentbehrlichkeit zu erweisen, wird das Vorzimmersekretariat namentlich bei den Behörden, vielfach zu einer reinen Abwehrstelle, die überhaupt niemand mehr in das Heiligtum des Chefzimmers vordringen lassen will.

Warum wir diese Betrachtungen anstellen? Aus Straßburg wird mitgeteilt, die deutschen Delegierten zur Beratenden Versammlung des Europarates zeigten eine Aufgeschlossenheit und Liebenswürdigkeit, die allgemein anerkannt werde. Dagegen richte sich die Kritik einiger Delegationskreise gegen das Generalsekretariat, das die deutsche Delegation aus Bonn mitgebracht habe. Von ausländischen Beobachtern werde vor allem an dem Verhalten der Sekretärinnen Anstoß genommen, die in den Vorzimmern einen achten Wall“ bildeten und selbst bekannte Besucher in wenig freundlicher Weise a if'orderten, ihre Wünsche zunächst einmal in allen Einzelheiten darzulegen, bevor sie zu den Delegierten vorgelassen würden.

Selbstverständlich kann eine Sekretärin nicht unbesehen jeden Besu.Ler zu einem Del.gk ten Vordringen lassen, der vielleicht gerate sehr beschäftigt ist. Aber auch in einem solchen Falle bleibt Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit die erste Pflicht einer guten Chefsekretärin, zumal Ausländern gegenüber, die dem deutschen Bürokratismus, der sich in den Bonner Amtsstuben wieder eingebürgert haben soll, fassungslos gegenüberstehen. Die Chefsekretärin muß im Vorzimmer ihrer Pflicht genügen, aber nicht weit von Bonn, in Köln, kennt man das mahnende Wort: „Mr kann och übertriewe“.

Einschränkungen für die Gesetzgebung

Die Oberkommission verlangt größere Aufklärung

F. A. Z. Frankfurt, 9. August. Die alliierte Oberkommission hat Verfahrensvorschriften für die deutschen Bundes- und Länderbehörden bei der Gesetzgebung auf den Gebieten alliierten Vorbehalts nach Ziffer vier des Besatzungsstatutes bekanntgegeben. Nach dieser Ziffer sind das folgende Gebiete: die Entwaffnung und Entmilitarisierung und damit im Zusammenhang stehende Gebiete, die Kontrolle über die Ruhr, die Restitutionen, Reparationen, Dekartellisierung, Dezentralisation, Ausschluß von Diskriminierungen in Handelsangelegenheiten, die ausländischen Interessen in Deutschland und die Ansprüche gegen Deutschland, auswärtige Angelegenheiten, verschleppte Personen und Flüchtlinge und Schutz, Prestige und Sicherheit der alliierten Streitkräfte. Ferner fallen unter die vorbehaltenen Gebiete der Beachtung des Grundgesetzes und der Länderverfassungen, die Ueberwachung des Außenhandels und der Devisenwirtschaft sowie die Ueberwachung innerer Maßnahmen in Deutschland in dem Ausmaß, das erforderlich ist, um den Bedarf an ausländischer Hilfe auf ein Mindestmaß zu beschränken. Schließlich haben sich die Besatzungsmächte die Ueberwachung der Versorgung und Behandlung von Personen in deutschen Strafanstalten vorbehalten, die von Be- Satzungsgerichten angeklagt und verurteilt worden sind.

Bei allen diesen Vorbehaltsgebieten müssen die Bundes- und die Landesregierungen beabsichtigte gesetzgeberische oder sonstige Maßnahmen vorher bei der Oberkommission anmelden. Diese hat dann eine 21 tägige Ueberprüfungsfrist. Die Regierung muß bei der Anmeldung vollständige Angaben über den Zweck und den Wirkungsbereich der gesetzgeberischen und sonstigen Maßnahmen machen, wobei die Darlegung der Gründe und die Beschreibung der Form, in der die Maßnahme getroffen werden soll, genauestens unterbreitet werden muß. Nach der 21tägigen Ueberprüfungsfrist dürfen die deutschen Regierungsstellen weitere Maßnahmen auf den angemeldeten Gebieten zum Erlaß einer Verordnung oder eines Gesetzes ergreifen, sofern bis dahin kein Einspruch der Oberkommission erhoben worden ist. In der Anordnung der Oberkommission heißt es ausdrücklich, daß sie benachrichtigt werden müsse, bevor ein Gesetzentwurf den gesetzgebenden Körperschaften zugeleitet werde. Handelt es sich um einen nichtamtlichen Gesetzentwurf einer Einzelperson oder einer Personenzahl, so muß die Mitteilung an die Oberkommission dann vorgenommen werden, nachdem die Regierung von dem Vorschlag Kenntnis erhalten hat. Sind gesetzgeberische Maßnahmen beabsichtigt, die in anderer als in Gesetzesform eintreten sollen, muß die Mitteilung vor der Unterzeichnung durch die verantwortliche Behörde vorgenpmmen werden.

Grotewohl zum Zonenhandel

Berlin, 9. August, (dpa) In der achtzehnten Sitzung der provisorischen Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin hat Ministerpräsident Grotewohl in einer Erklärung gedroht, daß die Regierung der Sowjetzone in Kürze dazu übergehen müsse, Waren aus anderen Ländern zu beziehen, weil die Bundesrepublik die Güter trotz des abgeschlossenen Interzonenhandelsabkommens vorenthalte. Dm Dienststellen der alliierten Oberkommission und der Bundesregierung warf er eine absichtliche Störung der innerdeutschen Handelsbeziehungen vor.

In der Sitzung fiel auf, daß viele Abgeordnete der Liberal-Demokratischen Partei fehlten.

Die provisorische Volkskammer billigte einstimmig das Abkommen über die Oder-Neiße-Grenze.

Eine Druckerei stillgelegt

Herne, 9. August, (dpa) Das britische Landeskommissariat für Nordrhein-Westfalen hat den Betrieb der „Rheinisch-westfälischen Volksdruckerei“ in Herne, die die kommunistische „Neue Volkszeitung“ druckt, für die Dauer eines Monats geschlossen.

Stimmen der Anderen

Mehr Qualität

Der amerikanische ’ Klitärschriftsteller Hanson W Baldwin schreibt in der „S atu rday Eve ning Post“:

’ „Die alte Idee, daß ein Amerikaner es mit vier oder fünf Ausländern aufnehmen kann, stirbt ur sehr langsam. Wir sind in unsereieigen - Meinung eine überkolossale Nation, de: ganz n übr'.en Welt so weit voraus, daß es kaum eine zweitbeste gibt. ,Wir haben doch den Krieg gewonnen', führt der Mann auf der Straße als Beweis seiner Lieblingsvorstellung an, ,der amerikanische Soldat ist der beste der Welt.' Aber wir haben den zweiten Weltkrieg nicht gewonnen, weil wir die .Besten' als Soldaten, in der Führung und in der Ausrüstung waren. Im Geg_nteil, wir standen leider, so traurig es ist, oft an zweiter, nchmal an armseliger dritter oder vierter Stelle.

Baldwin vergleicht den Kampfgeist des amerikanischen Soldaten mit dem der Japaner, Deutschen und Russen und findet ihn n_ch den Erfahrungen des letzten Krieges unterlegen. Vielleicht spiegelt die uns fehlende Entschlossenheit den sich verändernden Geist unseres Volkes wider — den Ersatz des Pioniergeistes durch das Streben nach einem leichten Leben, den Schwächebazillus .arbeite weniger und verdiene mehr1, die Ersetzung der individuellen Initiati . durch die kollektive Sicherheit. Vielleicht liegt es auch daran, daß unsere Art zu leben es nicht fertig bringt, weithin sichtbar Werte, für die es zu kämpfen lohnt, herauszustellen — unsere Jungens kämpften für ,Heidelbeertorte‘ und darum bald wieder nach Haus zu kommen. Wir folgten keinem leuchtenden Symbol. Die meisten unserer Männer kämpften, weil sie eingezogen wurden und zu kämpfen hatten, sie taten nicht mehr als sie tun mußten. Sie waren keine Feiglinge im kollektiven Sinne, man kann eher sagen, daß sie für kein positives Ziel, sondern aus der negativen Furcht vor der Meinung ihrer Mitmenschen über sie kämpften.

Bei gleicher Bewaffnung und gleicher Zahl siegt gewöhnlich der Feind. In den Bodenkämpfen Mann gegen Mann, wo Elan und Kampfgeist von großer Bedeutung sind, kenne ich wenige Beispiele, wo eine Schlacht von unterlegenen oder auch nur gleich starken amerikanischen Truppen gewonnen wurde. Wir brauchten Ueberlegenheit an Zahl und Feuerkraft. In der Disziplin, dem Zement und Mörtel des Soldatseins, konnten wir uns nicht mit den Deutschen oder Japanern vergleichen. Diese Tatsachen rdern deshalb mehr als jemals zuvor eine größere Betonung der Qualität — der Qualität der Männer — Elitetruppen — der Qualität der Führer — die geschicktesten Generale — der Qualität der Waffen — der besten Panzer, Kanonen, Flugzeuge und Schiffe. Der Amerikaner von morgen kann sich nicht mehr allein auf die Massenproduktion verlassen. Quantität ohne Qualität könnte zur Katastrophe führen.“

Einladungen in die Sowjsetzone

R. Bonn, 9. August. (Eigener Drahtbericht.) Wie in Nordrhein-Westfalen bekanntgeworden ist, haben die Eltern zahlreicher Kinder in Münster, Bonn, Aachen und Düsseldorf von Vertretern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Einladungen erhalten, ihre Kinder zu einem mehrwöchigen Ferienaufenthalt in die Sowjetzone, in den Harz oder nach Thüringen oder an die Ostsee zu schicken, wobei ein Kostenbetrag von nur vierzehn Mark bezahlt werden soll. So haben zum Beispiel in Münster vierzig Kinder sich für diese Reise gemeldet, wobei es sich keineswegs etwa nur um Angehörige der Freien Deutschen Jugend handelt. Nachdem die Eltern über die politischen Hintergründe dieser Aktion aufgeklärt worden waren, haben sehr viele Eltern ihre Anmeldung wieder zurückgezogen.

Die tibetanischen Streitkräfte in Stärke von zehntausend Mann haben einen österreichischen Oberbefehlshaber, den früheren Ingenieur Heinrich Harrer aus Graz, der in Indi i als Kaufmann gearbeitet hatte.

Unsereiner uird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

16) Copyright by Dt. Alexander Fuchs, Braunschweig

Die Schulmädchen singen, die Steens stehen in einem Gewitter von Blitzlichfen und Händeklatschen. Am hellen Vormittag brennt dieser Narr von Stadtpräsident ein Feuerwerk ab. Mary Steen jauchzt vor Freude und natürlich wird sie schnell noch dabei photographiert. Aber Georg J. Steen grient vergnügt bei dem Gedanken, daß der Stadtpräsident schon weiß, warum er dies alles hier tut, einfach, weil es für seine Wiederwahl gut ist, sagen zu können, „daß man dem bekanntesten Sohn unserer Stadt angetan habe, was er verdient, und daß man stolz auf diese gute, kleine Stadt ist, die dem Lande die Musterfamilie schenkte.“

So ist das Leben... denkt Georg J. Steen . . . Jeder macht den Humbug mit, weil er denkt, die anderen seien dümmer als er selber... und dabei durchschaut jeder fast jeden ... und jeder unterhält sich mit dem anderen in der gleichen Sprache der Verstellung und Lüge... aber immerhin ist es wohl schon besser, man macht diesen Rummel mit mir als mit einem anderen Kerl...

Und so, wie Georg J. Steen in seinem bequemen, lebensfroh karierten Anzug der „Gesellschaft für Statistik und Marktforschung“ hier in den Zug einsteigt und auf der Grundlage von achttausend Kronen über das Treiben seiner Mitmenschen lacht, das so leicht zu durchschauen ist, sieht er in der Tat wie ein gesunder, dem Leben voll gewachsener Mann aus, an dem kein Fehl ist

Mary gibt bis zum letzten Augenblick

Autogramme. Knut hilft seiner Mutter beitp Einsfeigen, weil es so seine Rolle ist, und weil die Photographen sich gerade in diesem Augenblick wie wild gebärden. Frau Stoen denkt einmal mehr daran, daß sie fast drei Pfund Brafenflcisch in die Mülltonne geworfen hat, während sie in Bezug auf Mays spätes Heimkommen in der letzten Nacht heute eigentlich keine große Sorgen mehr hat. Der Zug fährt an ..

Die Steens haben ein Abteil für sich. Die Manager lassen sie ziemlich in Ruhe. Georg J. Steen mit Knut auf der einen Seife des erstklassigen Abteils, Frau Steen und Mary ihnen gegenüber haben wirklich fast drei Stunden für sich, wenn man die dreihundert Passagiere des Zuges außer Befracht läßt, die alle einmal an ihrem Abteil vorbeischlendern und einen Blick hineinwerfen.

Aber es ist den vier Steens nicht gerade eine Freude, sich so nahe gegenüberzusitzen in diesen geliehenen oder geschenkten Anzügen und Kleidern, in denen sie allesamt anders aussehen, als sie sich sonst kennen, nicht durchschnittlich, sondern filmgerecht durchschnittlich. m. t mittelmäßig, sondern prominent mittelmäßig, nicht dutzendhaft, sondern vorbildlich dutzendhaft.

Jeder von ihnen denkt anders darüber. Eva Steen leidet ein wenig. Steen selbst findet es ein albernes Geschäft. Immerhin aber ist es ein Geschäft. Knut ist zufrieden, mal auf ganz andere Gedanken zu kommen. Nur Mary ist so gut wie glücklich, ja sie ist wahrscheinlich wirklich glücklich, da Filmglück und Wirklichkeit sich bei ihr identifizieren. Die Sache mit Teddy sieht sie heute mehr als Irrtum an. als Aufnahme, die nicht in den endgültigen Film mit hineinkommt. Wenn ich gewußt hätte, daß mir davon übel ward, hätten wir das nicht getan, denkt sie, und ist Beer ein bißchen böse.

Eine halbe Stunde vor der Ankunft des Zuges In der großen Stadt zeigt Knut lachend aus dem Äbteilfensfer auf ein großes, auf Pfosten schräg zur Bahnstrecke stehendes Schild. Im Vorüberfahren, sehen die Vier, daß es die Reklame eines Warenhauses ist. „Morgen kauft Frau Steen bei uns“, heißt es in einer Zeile aus großen, roten Buchstaben. Darunter steht in kleinerer Schrift „und Knut Steen wird sie abholen, um ihr bei den Paketen zu helfen!"

„Das wissen diese Burschen eher als wir“, lacht Knut. „Welcher Junge erfährt so früh wie ich, daß es so gemacht wird.“

Mary stellt sich an das Fenster, um zu sehen, ob es nicht auch solche Schilder mit ihrem Namen gibt. Sie sieht keines.

Aber kurz vor den ersten Außenstraßen der Hauptstadt steht das Bild Georg J. Steens in siebenfacher oder zehnfacher Größe, das Bild eines breitschultrigen, lachenden Mannes mit einer lebensbejahend bunten Krawatte und einem Glase Bier.

„Georg J. Steen trinkt unser Bier“, steht unter dem Bilde.

„Bist Du denn gestern mit einem Glase Bier photographiert worden Georg?" Steen schüttelt den Kopf. „Es ist eine Kleinigkeit, alle möglichen Dinge aut eine Fotografie zu bringen, Eva“, antwortet Steen. „Sie machen einfach aus zwei Aufnahmen eine einzige.“ Mary wendet sich um. „Aber Mama, das weiß man doch", tadelt sie.

22.

Irgendetwas muß falsch gegangen sein. Irgendein Rädchen dieser meisterhaft konstruierten und von Kapazitäten bedienten Reklamemaschine muß für einen Augen¬ blick aus dem Takt geraten sein. Ein Eisenbahnbeamfer spricht mit dem Chefmanager. Der Chefmanager geht los, um mit irgendjemanden über die drahtlose Zugtelefonie zu reden. Er kommt hastig zurück. Er spricht mit den vier anderen Managern im Durchgang des Wagens.

Georg J. Steen sieht es... Einer der Manager kommt und bittet ihn, für einen Augenblick aus dem Abteil herauszukommen.

Steen folgt beflissen. Es ist dies nämlich die gleiche Szene, die er als Angestellter tausendmal in seinem Leben erlebt hat, so off, daß er sie schon an der Luft vorausriechf, ehe sie begonnen hat, sich zu ereignen. Es ist die in allen Ländern der Welf geläufige, täglich aberfausendmal in allen Sprachen sich wiederholende Szene: „Sie sollen mal sofort zum Chef kommen ...“

Und der Chefmanager sieht Georg J. Steen an, während dieser Steen auf ihn zugeht. Er zieht diesem kleinen Steen mit den Augen den Anzug aus, der ihm nicht gehört, das Hemd, das ihm nicht gehört, die ganze Rolle, die nicht seine eigene ist... und der Chefmanager denkt, nun bleibt von diesem Steen nicht mehr viel übrig!

„Hören Sie zu, Steen“, sagt er. „Wir haben da eine Panne. Ihre Tochter soll heute Nacht bei irgendeinem Ker! gewesen sein, der eine Keuschheifsgött n als Hauswartin hat. Die ist zu einem Frauenverein gelaufen und der Frauenverein hat bei unserer Firma viel Porzellan zerschlagen. Miels tobt Er befürchtet einen Skandal bei dem Empfang am Haupfbahnhot. Wir steigen auf dem Südbahnhof aus und fahren mit Taxen unauffällig in das Hotel.“ Der Chef unterbricht kurz, um den Schluß wirksam und betont zu bringen. „Ihre Sache ist es, Ihre Familie zu verständigen. In zwei Minuten hält der Zug.“

Georg Steen nickt, wie er zu hundert barschen, überheblichen oder verärgerten Anweisungen eines Chefs, eines unverschämten Kunden, eines Sfeuerbeamfen, eines Versicherungstaxators, ei:es Vertrauensarztes des Renfcnvereins genickt hat. Er beherrscht sich gut, er zuckt mit keiner Miene, er meldet nicht einmal an, daß er sich verteidigen wird, sobald man ihm eine Gelegenheit dazu gibt.

Im Abteil warfen drei fragende Gesichter auf ihn. Aber Steen hat keine Zeit, jetzt lange zu reden, und noch weniger Lust, es zu tun. „Macht euch fertig, wir steigen eine Station früher aus", befiehlt er.

„Was ist denn los!** Natürlich ist es Knut, der so fragt. „Deine Schwester war heute Nacht unterwegs, um das ganze Geschäft hier zu verpatzen“, antwortet Steen, einen Arm §chon im Mantel. „Tut, was ich euch sage!“

Die Steens sind jetzt ein blamierter Gesangverein, der beim Wettsingen dreimal schlecht eingesetzt hat und ausscheiden muß. Sie sind eine Rrozeßparfei die schleunigst den Gerichtssaal verläßt’ weil die Zuhörer schon p'ei en. Sie sind arme Leute, die einen Pump anlegen wollen und von einem Geizhals abgewiesen werden.

Der Zug hält. (Fortsetzung folgt.)

Ein Kozialisierungs -Prozeß

Kasseler Verkehrsgesellschaft klagt gegen Hessen

vorerst “5en’ ?• AuBust. (dpa) Einen Fall von grundsätzlicher Bedeutung, der micho Entscheidung des Hessischen Staatsgerichtshofes erforderlich A^^s^erialdirektor Dr- Wilhelm Reuß vom Hessischen Wirt-AC wJnT™..111 d.ie Klage der früheren Eigentümer der Kasseler VerkehrsiinflZüM11 öen hessischen Staat auf Herausgabe ihres Verwaltungsgebäudes lungen in Höhe von 165 000 DM beim Landgericht in Wiesbaden.

_ Kasseler Verkehrs-AG. war auf Grund des Artikels 41 der hessischen Verfassung wegen der von ihr betriebenen an Schienen oder Oberleitungen gebundenen Verkehrsmittel sozialisiert worden. Der Kläger beruft sich darauf, daß der Sozialisierungsartikel der hessischen Verfassung ein Programmsatz sei und nicht als geltendes Recht angesehen werden könne. Bisher fehle jede gesetzliehe Regelung der Sozialisierung, insbesondere die im Grundgesetz vorgeschriebene gesetzliche Regelung der Entschädigung, die einer Enteignung zugleich folgen müsse.

Dieser Auffassung wird von dem Hessischen Wirtschaftsministerium mit der Begründung widersprochen, die Verfassung schreibe vor, daß durch den Artikel 41 der Bergbau, die Betriebe der Eisen- und Stahlerzeugung, der Energiewirtschaft sowie das an Schienen und Oberleitungen gebundene Verkehrswesen „mit Inkrafttreten der Verfassung“ in Gemeineigentum übergeführt werden. Die Regierung beabsichtigt, wie Dr. Reuß erklärte, den Präsidenten des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main aufzufordern, vor der Durchführung des Zivilprozesses durch das Landgericht Wiesbaden eine Entscheidung des Staatsgerichtshofes abzuwarten.

Uxrlaunbermarken für Bauarbeiter

HGR. Wiesbaden, 9. August. (Eigener Bericht.) Der Sozialausschuß des hessischen Landtags stimmte am Mittwoch einstimmig einem Gesetzentwurf zur Aenderung des Urlaubergesetzes zu. Danach soll der Bauunternehmer für Bauarbeiter, Aushilfsarbeiter und Lehrlinge Urlaubermarken kleben, die bei einer bestimmten Kasse eingelöst werden können. Qie Regelung erfolgt, um den im Baugewerbe Beschäftigten, deren Arbeit durch die Witterung besonderen Schwankungen ausgesetzt ist, einen finanziell gesicherten Urlaub zu ermöglichen. Ein Gesetz über Maßnahmen in der Sozialversicherung, das von der Regierung vorgelegt worden war, wollte alle Zuständigkeiten, die früher die Reichsversicherungsanstalt besaß, der Landesversicherungsanstalt Hessen zuweisen. Der Entwurf wurde zurückgezogen, weil diese Angelegenheit vom Bunde bearbeitet werden muß.

Schuljugend und Sonntag

Wiesbaden, 9. August, (dpa) Kultusminister Dr. Stein hat die Schulleitungen darauf hingewiesen, daß nach der hessischen Verfassung die Sonn- und Feiertage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gewidmet sind. Die Lehrer dürften deshalb ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten die Schuljugend nicht verpflichten, an Sonn- und Feiertagen Film- und Sportvorführungen, Theatervorstellungen oder ähnliche Vorstellungen zu besuchen.

Lockerung für die Industrie

ms. Wiesbaden, 9. August. (Eigener Bericht.) Der Leiter der Abteilung für Arbeitsangelegenheiten bei der amerikanischen Landeskommission für Hessen, Joseph Taylor, erklärte auf einer Konferenz von Vertretern der Arbeitgeber und Gewerkschaften in Korbach, daß jetzt die günstigste Zeit gekommen sei, gewisse Einschränkungen für deutsche Herstellerzweige zu lockern.

Ausschluß

Frankfurt, 9. August, (dpa) Der christlich-demokratische Vorstand des Stadtkreises Frankfurt hat beschlossen, alle Mitglieder auszuschließen, die sich in einer getarnten kommunistischen Organisation betätigen. Wie die Leitung der Christlich-Demokratischen Union hierzu am Mittwoch bekanntgab, habe sich das Mitglied Barbara Dietrich aus Frankfurt auf Grund dieses Beschlusses als automatisch aus der Partei entfernt zu betrachten. Barbara Dietrich habe sich an den Arbeiten des kommunistisch orientierten Friedenskomitees und des agitierenden demokratischen Frauenbundes der Sowjetzone beteiligt.

Weitgehendes Einverständnis

Paris und Washington zu den Verteidigungsfragen

P. M. Paris, 9. August. Ueber die Pariser Besprechungen Spoffords und der amerikanischen Diplomaten mit den französischen Ministern glaubt man zu wissen, daß sie weitgehend zur Klärung der gegenseitigen Standpunkte beigetragen haben. Sie könnten Präsident Truman die ersten Unterlagen zur rationellen Aufteilung der geforderten neuen Militärkredite zum Atlantikpakt liefern, wobei der französische Grundsatz eines Rüstungspools in einer vielleicht abgeänderten Form zur Verwirklichung gelangen dürfte.

In Pariser amerikanischen Kreisen zeigt man sich vom Leistungsbeitrag zur europäischen Rüstung, wie er im französischen Memorandum dargelegt ist, sehr befriedigt. Auch der französische Wunsch nach Entsendung alliierter Truppenkontingente nach Europa, die in den mögliehen Verhandlungen als unabdingbare Forderung angestrebt wird, hat schon bei den amerikanischen Gesprächspartnern verständige Aufnahme gefunden. Den französischen Ministern soll es, wie versichert wird, gelungen sein, ihre Partner von der Notwendigkeit einer baldigen Erhöhung der Truppenkontingente in Europa als einen für die Kampfmoral des Festlandes absolut entscheidenden Faktor zu überzeugen. Daß England gleichfalls Truppen zu entsenden haben werde, ergebe sich im Rahmen dieser Ueberlegungen von selbst.

Was die Bildung eines einheitlichen Oberkommandos angehe, soll es in diesem Punkt nur zur grundsätzlichen Anerkennung dieser Forderung gekommen sein. Man hält es für wahrscheinlich, daß die für September angesetzte Außenministerkonferenz der drei Alliierten eine Entscheidung treffen könnte.

„Deutschland haßt den Krieg“

Gerstenmaier sprach in Straßburg

Straßburg, 9. August, (dpa) Langer und starker Beifall der dreihundert Millionen Europäer vertretenden 125 Straßburger Abgeordneten ist am Mittwochnachmittag in der Beratenden Versammlung des Europarates aufgeklungen, als der Delegierte Gerstenmaier von der Christlich-Demokratischen Union erklärte, daß Deutschland bereit sei, an der Verteidigung Europas mitzuwirken. Die Mehrheit des deutschen Volkes lehne die Remilitarisierung ab. Es hasse den Krieg von Herzen und sei nicht willens, sich an untauglichen Experimenten zu beteiligen. Doch glaube er, daß die Bundesrepublik gewillt ist, ihren vollen Beitrag zur Erhaltung des Friedens zu leisten.

„Kriegsminister Churchill“

Reynaud übt Kritik

Straßburg, 9. August. (AP.) In der Nachmittagssitzung des Europarates hat der ehemalige französische Ministerpräsident Paul Reynaud das Wort ergriffen. Er sprach von der dramatischen Lage, in der sich Europa heute befinde. Der Ministerausschuß sei heute die reaktionärste Einrichtung in Europa. Er fragte die Delegierten der Beratenden Versammlung, was sie machen wollten, wenn der Ministerausschuß zu einer reinen Neinsage-Maschine werde.

Reynaud ging sodann auf das Verteidigungsthema ein und sagte, der in Europa vor dem sowjetischen Blöde herrsdiende Schrecken sei völlig unbegründet. Europa müsse Vertrauen in sich selbst finden. Die westeuropäischen Völker sollten zwar die sowjetische Stärke nicht zu gering einschätzen, aber auch ihre eigene Stärke nicht unterschätzen. Westeuropa verfüge über 260 Millionen Menschen, über Kohle und Stahl sowie über glänzende Wissenschaftler und sei auf mehreren Gebieten dem Sowjetblock weit überlegen. Die Stahlwerke der Ruhr, Frankreichs und Großbritanniens sollten in die Aufrüstung Westeuropas eingeschaltet werden. Ohne Winston Churchill namentlich zu erwähnen, schlug Reynaud ihn zum europäischen Kriegsminister vor. Churchill lächelte, während die Delegierten Reynauds Anregung mit Beifall begrüßten.

Schmwül und örtliche Gewitter

Eigener Wetterbericht

Ein ^kräftiges Tiefdruckgebiet wird im östlichen Nordatlantik ortsfest. Nur seine Störungsfronten kommen noch etwas nach Osten voran, schwächen sich aber im Bereich des europäischen Hochdruckrückens ab und bringen nur etwas Bewölkung und vereinzelte Gewitter. Aussichten: Anfangs heiter, später zeitweise wolkig, warm und schwül. Dabei Bildung vereinzelter örtlicher Gewitter, zuerst im Pfälzer Wald, später auch in der Rheinebene.

Der Rundfunk am Freitag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher. 7.15 Frühkonzert, Morgenmusik. 11.15 Schulfunk, 12.00 Musik am Mittag, 13.00 Musikalisches Allerlei, 17.00 Froh und heiter. 18.30 Konzert für die Jugend, 20.00 Ein Tanzpotpourri, 20.35 Der Mann mit dem Zylinder, 22.15 Frankfurter Komponisten, 23.15 Swing-Cocktail.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag, 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik. 16.00 Neue unterhaltsame Orchestermusik. 17.00 Froh und heiter. 18.15 Musik zum Feierabend, 20 00 Ein Tanzabend. 22.00 Unterhaltungskonzert. 22.45 Zurück zur Natur.

SÜDWESTFUNK: 12.00 Mittagskonzert, 13.15 Musik nach Tisch. 15.30 Musik zur Teestunde. 16.30 Klaviermusik, 18.30 Musik zum Feierabend. 20.00 Kammermusik, 20.45 „Die Reise an den Oberrhein“. 21.30 Volksmusik und Chorgesang.

NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause, 13.20 Mittagskonzert. 14.15 Musikalisches Kunterbunt. 16.50 Klaviermusik, 18 00 Musik zum Feierabend. 20.15 Verdi — Puccini. 22.15 Orchesterkonzert. 0.05 Berlin am Mikrofon.

Wirtschaftsblatt

Nicht mehr erforderlich?

bs. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Aufschwung. Diese Konjunktur geht vor allem auf eine außerordentliche Zunahme der Exportaufträge zurück. Der deutsche Export stieg von etwa 400 Millionen DM im Monatsdurchschnitt des vierten Vierteljahres 1949 auf rund 600 Millionen im Mai 1950. Die Möglichkeiten auf diesem Weg weiter zu schreiten, sind in der neuesten Zeit weiter gewachsen. Der Bestand an Auslandsaufträgen hat sich seit Ende des vergangenen Jahres fast verdoppelt. Die deutsche Schwerindustrie muß sich schon heute längere Lieferfristen einräumen lassen. Amerika will ein 10- Milliarden-Dollar-Rüstungsprogramm durchführen. Die amerikanische Industrie wird also weitgehend mit Rüstungsaufträgen beschäftigt werden. Deutschland darf natürlich an einem solchen Rüstungsprogramm nicht direkt teilnehmen. Aber auch Lieferungen in Roh- und Halbmaterinl werden manchen Auftrag für unsere Industrie bringen. Daneben ist zu erwarten, daß auch deutsche Fertigwaren jetzt in steigendem Maß ihren Weg auf die Weltmärkte finden werden. Auch in dem eigentlichen Dollargebiet, besonders in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. werden deutsche Waren nun einen weit offeneren Markt finden.

Dies sind zweifellos günstige Aussichten. Aber man sollte nicht glauben, daß damit das Problem der Dollarlücke gelöst sei. Vor einiger Zeit wurde in Frankfurt die Gesellschaft zur Förderung des deutsch-amerikanischen Handels gegründet. Die Aufgaben dieser Gesellschaft sind auch heute noch sehr groß. Es bedarf aller Anstrengungen, bis Deutschland seine Einfuhren selbst bezahlen kann. Bisher wurden die Defizite unserer Handelsbilanz durch die Marshallhilfe beseitigt. Wir müssen aber darauf gefaßt sein, daß diese Unterstützungen geringer werden und 1952 ganz aufhören. Es ist deshalb ein Gebot der Selbsterhaltung, unseren Export mit allen Mitteln weiter zu steigern. Unsere Wirtschaft wird alles tun, um durch nachhaltige Exportanstrengungen die Ernährung des deutschen Volkes und die ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen zu sichern. Die deutsche Wirtschaft aber hat durch den Krieg sehr gelitten. Die Bundesregierung sollte deshalb durch geeignete Maßnahmen den Exportfirmen größtmögliche Hilfe zukommen lassen.

In Bonn wollte man auf diesem Gebiet auch Schritte unternehmen und steuerliche Erleichterungen schaffen. Jetzt kommt aber eine merkwürdige Nachricht aus der Bundeshauptstadt. Der Bundesfinanzminister hält steuerliche Maßnahmen zur Förderung der Ausfuhr nicht mehr für erforderlich. Die Exportlage habe sich so grundlegend geändert, daß man diese steuerlichen Maßnahmen zurückstellen könnte.

Wir wissen alle, daß das Geld in Bonn knapp ist. Es fällt deshalb schwer, irgend einem Ausgabenrückgang zuzustimmen, selbst wenn dieser Ausgabenrückgang nur vorübergehend sein wird. Aber hier dürfte das Bestreben doch falsch am Platze sein. Es ist deshalb erfreulich, daß der Bundeswirtschaftsminister bei seinem Kollegen schon vorstellig geworden ist. Es ist wirklich kein Argument, wenn der Finanzminister sagt, daß die Ausfuhren ja bereits größer als die Importe seien. Der Rückgang der Importe ist saisongemäß bedingt. In den nächsten Monaten werden sie wieder größer werden. Das Defizit unserer Handelsbilanz wird dann deutlich zutage treten. Man sollte im Bundesfinanzministerium daran denken, daß eine Schwalbe noch keinen Sommer macht.

Keine Nachzahlung auf geleistete Prämien

Bedeutsame Entscheidung des Deutschen Obergerichts

H. R. Das Deutsche Obergericht für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet hat entschieden, daß die im Vorjahr von der Verwaltung für Wirtschaft mit rückwirkender Kraft ab 1. 4. 1949 angeordneten Prämienerhöhungen in der Kraftfahrzeugversicherung zwar gültig sind, daß aber die Erhebung von Nachzahlungen auf solche Prämienforderungen unzulässig war, die am 16. Mai 1949 (Tag der Verkündung der Anordnung) erloschen waren. Die jetzt erschienenen Entscheidungsgründe greifen über das Gebiet der Autoversicherung weit hinaus, da sie die grundsätzliche Bedeutung einer einmal geleisteten Prämienzahlung generell unterstreichen.

Das Obergericht bestätigt die Möglichkeit, in laufende Versicherungsverträge rückwirkend einzugreifen. Derartige Eingriffe müssen aber, wie betont wird, am wohlerworbenen Recht ihre Grenze finden. Als solches sei eine endgültig erworbene Rechtsstellung anzusehen; sie müsse einem neuen Recht gegenüber geschützt werden. Der Versicherungsnehmer habe diese Rechtsstellung, wenn er die Prämie für die Vertragsdauer oder für die jeweils laufende Versicherungsperiode gezahlt habe. Mit der Zahlung für die laufende Versicherungsperiode erlösche das Prämienschuldverhältnis für diese Periode. Mit der Zahlung der ersten Prämie geht die Gefahrtragung auf den Versicherer über. Er wird hierdurch nicht nur zu einer bestimmten Leistung verpflichtet, sondern er muß seine gesamte Tätigkeit auf die Bereitstellung der Mittel zur Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Vertrag richten. Mit der Zahlung der Folgeprämie erwirbt der Versicherungsnehmer den Anspruch auf Versicherungsschutz für die neue Versicherungsperiode endgültig.

Ein Eingriff in eine solche endgültig erworbene Rechtsstellung ist daher nicht gestattet. Es gilt somit allgemein, 'daß mit der Entrichtung fälliger Prämien der Versicherungsschutz für den betreffenden Versicherungszeitraum bezahlt ist, daß also eine Prämiennachforderung nicht erhoben werden darf.

Aufwertung der Spargelder

Aus dem Jahresbericht der deutschen Sparkassen

b. „Mit Beginn des Jahres 1949 trat die Wende in der Sparkassenentwicklung ein, die bis dahin infolge der unsozialen und ungerechten Behandlung der Sparer durch die Währungsreform ungünstig verlaufen mußte. Das Jahr 1949 war für die Sparkassen ein Jahr des Uebergangs und der Ansätze einer Konsolidierung.“ Diese Sätze stellt der soeben erschienene Jahresbericht 1949 der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen“ in Frankfurt voran. Die Gesamtentwicklung der Sparkassen war gekennzeichnet durch die Erhöhung der Einlagen von 3,6 auf 4,7 Milliarden D-Mark. Die Giroeinlagen betrugen Ende 1949 2,6 Milliarden DM, die Spareinlagen 2,1 Milliarden DM. Sie sind zu 80 Prozent in Ausgleichsforderungen und mit dem Rest zum größten Teil in umgestellten Hypotheken und anderen umgestellten Darlehen festgelegt. Trotzdem haben die Sparkassen bis Ende 1949 auf dem Wege der Vorfinanzierung 160 Millionen DM neue Hypotheken gewährt. Bis Mai 1950 erhöhte sich dieser Betrag auf 303 Millionen DM. Die Personalkredite stellten sich auf 1,57 Milliarden DM, was 60 Prozent aller Giroeinlagen entspricht. Diese Kreditsumme verteilt sich auf 750 000 Kreditnehmer mit einem Durchschnittskredit von 2000 DM.

In den Mittelpunkt des Jahresberichtes stellen die Sparkassen ihre Forderungen auf Wiedergutmachung des an den Sparern begangenen Unrechts. Als Mindestforderung verlangen die Kassen die Beseitigung der Schlechterstellung, die durch die Streichung der Festkontenbeträge und die Anrechnung der Kopfbeträge von allen Sparergruppen nur die Sparbuchsparer getroffen hat.

Als Mindestforderung solle die Festkontenstreichung und die Anrechnung der Kopfquote für die Sparbuchinhaber rückgängig gemacht werden. Dann müsse eine Altsparerentschädigung im engeren Sinne mit der problematischen Festsetzung eines Stichtages durchgeführt werden. Dabei wären auch die Ostflüchtlinge einzubeziehen, sofern sie Unterlagen vorweisen können. Es sollte auch eine gesetzliche Regelung zum Schutz der Sparer erfolgen, wobei an den Erlaß eines besonderen Sparerschutzgesetzes gedacht wird.

Die Kassen bedauern es, daß der bereits genehmigte Entwurf über die Höherverzinsung der .Ausgleichsforderungen am Widerspruch der Finanzminister zunächst gescheitert ist. Die Regelung der Tilgung der Ausgleichsforderungen müßte nunmehr beschleunigt in Angriff genommen werden.

Autoindustrie weist Kartellbeschwerde zurück

vwd Die vom Verband des Kraftfahrzeug-Ersatzteile- und - Zubehör-Großhandels beim Bundeswirtschaftsministerium eingereichte Kartellbeschwerde gegen die Automobilindustrie wird vom Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA) als unbegründet bezeichnet, da die ihr zugrunde liegenden Behauptungen einer Nachprüfung nicht standhielten. Auf Grund von Auskünften der Automobilfabriken sowie der Teile- und Zubehörindustrie wird vom VDA festgestellt, daß ein Zwang zum ausschließlichen Bezug handelsüblichen Zubehörs von den Automobilfabriken gegenüber ihren Vertragsnehmern nicht ausgeübt wird. Eine Verpflichtung dieser Art sei weder in den Händlerverträgen noch in sonstigen Vereinbarungen mit den Vertragsnehmern enthalten.

Autoreifen werden teurer

F.A.Z DießeifenfabrikDunlop,Hanau, hat die Preise für Autoschläuche und Autodecken zwischen 4 und 6 Prozent erhöht. Die Preise für Fahrradbereifungen dagegen sind nicht verändert worden. Die Preisheraufsetzungen erwiesen sich als notwendig infolge der starken Preiserhöhungen bei Rohkautschuk auf den internationalen Warenmärkten. Während Kautschuk an der Neuyorker Börse Ende Juni noch mit etwa 28 Cents pro englisches Pfund notierte, ist der Preis seit dem Korea-Konflikt ständig gestiegen und steht jetzt bei 64 Cents. Eine Umstellung der Preisliste ist bis jetzt von den Englebert-Werken, Aachen, Metzler, München und Contigummi, Hannover, vorgenomrnen worden. ,

Dieselölkontingente erhöht

vwd Eine Erhöhung des Dieselölkontingents für das dritte Quartal 1950 um 20 Prozent hat das Bundeswirtschaftsministerium wegen der günstigen Vorratslage angeordnet. Da diese Anordnung nur noch in den Monaten August und September wirksam werden kann, kommt sie einer Erhöhung um 30 Prozent gleich. Die preisbegünstigten Kontingente für Landwirtschaft und Schiffahrt werden dadurch jedoch nicht berührt.

Neues Heimarbeitergesetz

F.A.Z. Beim Bundesarbeitsministerium wird an einem Entwurf eines neuen Heimarbeitergesetzes gearbeitet. Es wird für die Heimarbeiter wesentliche Vorteile bringen. Um den vorgeschlagenen Entgeltschutz durchzudrücken sollen in jedem Lande Entgeltprüfer bestellt werden. Falls sie feststellen, daß die Entgelte niedriger sind, als es die tarifliche Regelung vorsieht, kann bei der obersten Arbeitsbehörde eines jeden Landes die Nachzahlung der Minderbeträge verlangt werden.

Ausfuhr Hessens gestiegen

Bz. Der Export des Landes Hessen im Juli hat seinen Aufstieg weiter fortgesetzt. Der Ausfuhrdurchschnitt der Monate Mai bis Juni 1950 stellt sich auf 66,7 Millionen Mark, der Durchschnitt der ersten drei Monate des Jahres nur auf 33 Millionen D-Mark.

Ledergewerkschaft kündigt Tarif

dpa Bundesvorstand und Beirat der Industriegewerkschaft Leder haben in Stuttgart beschlossen, wegen der Preissteigerungen eine Erhöhung der Löhne und Gehälter zu fordern. Aus diesem Grunde sollen die im Bundesgebiet bestehenden 49 Lohnabkommen zum nächstmöglichen Termin gekündigt werden.

Einfuhr von Schlachtschweinen

Bz. Nach einer amtlichen Bekanntmachung können aus Ungarn und Jugoslawien Schweine im Gegenwert von drei Millionen Dollar oder 12,60 Millionen DM eingeführt werden. Dabei muß es sich um Schlachtschweine im Gewicht von 80 bis 130 Kilogramm handeln (aber keine Sauen und Eber). Die Tiere sind in den Grenzschlachthöfen Passau, Regensburg und Straubing zu schlachten.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse waren am Mittwoch bei geringerer Umsatztätigkeit als an den beiden Vortagen die Aktienmärkte gut behauptet und zum Teil fest. Insbesondere am Montanmarkt hatten verschiedene Werte weitere Kursverbesserungen bis zu drei Punkten zu verzeichnen, während sich die Veränderungen auf den sonstigen Märkten, abgesehen von stärkeren Kursgewinnen einiger Spezialpapiere, in engen Grenzen hielten und 0,5 bis 1 Punkt meist nicht überschritten.

Deutsche Wolle steigt

Bi. Die dritte Neu-Ulmer Wollversteigerung brachte wiederum zirka 20 000 Zentner süddeutscher Rohwolle in zirka 1700 Losen zum Verkauf. Angeboten wurden rund 90 Prozent in Peinheit-7ra^?n AB/B und 10 Prozent Kreuzungswolle. Die Beteiligung war angesichts der Hausse auf den Weltwollmärkten sehr stark. Man sah Einkäufer auch von Firmen, die sonst nur Ueberseewolle hereinnehmen. Die Preise lagen bei sehr flottem Geschäft schon bei Aufruf zirka 10 Prozent höher als im Juli. Die Einkäufer der wollverarbeitenden Industrie boten bis zu 20 und 25 Prozent mehr als bei der letzten Versteigerung. Im Durchschnitt brachten Jahresschweißwollen bei 45 Prozent Rendement der Feinheitsgrade AB/B 12—13 DM gegenüber knapp 11 DM im Juli. Für besonders gut gepflegte Partien wurden bis 14,20 DM (reingewaschen) gezahlt. Das Preisniveau der letzten Paderborner Versteigerung, das schon 10 Prozent über den Maipreisen lag, wurde damit erneut um weitere 10 Prozent überschritten.

Bz Peko-Chemie GmbH., Pfungstadt bei Darmstadt. An Stelle des abberufenen Willy Richard Kohl wurde Kaufmann Erich Rudorf In Hahn bei Pfungstadt zum alleinigen Geschäftsführer bestellt.

Bz. Malzfabrik Rheinpfalz AG., Sitz Pfungstadt. Durch HV-Beschluß ist das Grundkapital von 375 000 RM imVerhältnis 1:1 auf 375 000 D-Mark endgültig neu festgesetzt worden.

Bz. Buchter & Schmitt G. m. b. H. in Montabaur. Die Firma (Herstellung und Großhandel mit Nährmitteln, pharmazeutischen und kosmetischen sowie verwandten Artikeln) hat die Eröffnung des Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses beantragt. R. A. W. Treves jr., Montabaur, ist zum vorläufigen Verwalter bestellt worden.

Neue Filme in Darmstadt

Der Boxer und die Filmdiva

GEGENSÄTZE, DIE SICH ANZIEHEN

Die Hochzeit von Ada Tschechowa und Conny Rux mag manchen verwundert haben und die Frage aufkommen lassen, welche Beziehungen eigentlich zwischen den anscheinend doch so gegensätzlichen Welten des Filmateliers und des Boxringes bestehen? Man wird sogleich an das berühmte Paar Anny Ondra—Max Schmeling denken müssen und auch in Hollywood hat eine so bedeutende Schauspielerin wie Bette Davis einen ehemaligen Boxer namens William Grant Sherry zum Gatten.

Nun, die Stars des Boxringes und der Leinwand haben doch manches gemeinsam: sie treten plötzlich aus dem Dunkel des Unbekanntseins hervor, um nach wenigen Jahren schon umschwärmte Halbgötter zu sein. Der einstige Fleischergeselle und die einstige Verkäuferin werden prominenter als Minister und Fürsten — und wissen ihre Popularität in bare Münze umzusetzen. Und noch etwas haben sie gemeinsam: ihr Erfolg beruht ganz und gar auf ihrer Leistung (auch protegierte Filmstars halten sich auf die Dauer nur, wenn Können das Protege rechtfertigt). Aber sie leben auch beide ständig in der Abwehr des Nachwuchses, der ihre erkämpfte Stellung bedroht. Der größte Feind ist aber bei Box- wie Filmstar stets: das Altwerden. Hat der Boxer normalerweise nur zehn bis höchstens fünfzehn Jahre, die seiner Karriere vergönnt sind, so kann der Filmschauspieler sich länger halten, falls er wandlungsfähig ist. Doch immer wieder wissen die Zeitungen über Tragödien aus der Box- oder Filmwelt zu berichten, die sich abspielten, nachdem die Glanzzeit der Stars vorüber und ihr Vermögen zerronnen war.

All diesen Gemeinsamkeiten steht aber ein grundsätzlicher Unterschied gegenüber: der Ruhm des Boxers entspringt seinen Muskeln, seiner Faust — der Ruhm des Filmkünstlers seinem Spiel, seinem Geist. Dies soll nicht heißen, daß ein Boxer kein Köpfchen habe (es dürfte nur von Vorteil für ihn sein, wenn er es besitzt) und daß alle Filmschauspieler sehr intelligent seien — aber es ist nicht wegzuleugnen, daß Schauspielernormalerweise zu den geistig Schaffenden zählen, was man von Boxern nun einmal nicht behaupten kann.

Und doch — ja, und doch stehen die muskelbespickten Helden des Ringes mit waren das, als Adele Sandrock noch auf der Leinwand erschien, als Hans Albers seine ersten Filme drehte, als Graf Zeppelin seine ersten Flugversuche mit einer Art fliegender Salami unternahm, herrliche Zeiten, als Jannings,dieGarbo, AstaNielsen kometenhaft am Filmhimmel emporstiegen. 50 Jahre Vergangenheit tauchen wieder auf, von Wilhelm 11. bis zu Hitler und Mussolini, von Liebknecht bis zu Churchill, alle sind dabei, die seit 1900 mehr waren als nur ein kleiner — August Schulze (Willy Fritsch), in dessen Lebensweg voll Glück und Unglück, Freud und Leid sich ein historischer Zeitraum-von 50 Jahren spiegelt. Im Belida.

den schönen Frauen der Leinwand vor dem Standesbeamten! Dieser scheinbare Widerspruch wird erklärlich, wenn wir bedenken, daß das menschliche Herz sich immer nach dem sehnt, was es selbst nicht besitzt: der athletische Mann mit der zertrümmerten Boxernase will keine robuste, reizlose Frau, sondern eine damenhafte, kluge Erscheinung — die gepflegt-kultivierte Diva aber sehnt sich nach urwüchsiger, strahlender Männlichkeit . . . Und so springen dann die Funken über von der an den großen Boxkampftagen um den Ring versammelten Filmprominenz zu den Matadoren der Fäuste.

Werden denn Menschen, die in so unterschiedlichen Welten leben, miteinander glücklich? Das Ehepaar Schmeling-Ondra scheint es geworden zu sein, wenn man die Dauerhaftigkeit ihrer Ehe zum Maßstab nimmt, die begann, als sie beide ihre Glanzzeit hatten und die heute, da sie beide passe sind, noch währt. Bei der jetzt geschlossenen Ehe Tschechowa-Rux sind die äußeren Vorzeichen nicht so günstig: Ada Tschechowa ist bedeutend älter als ihr 24jähriger Gatte (Mama Olga betonte ja immer, daß sie als Sechzehnjährige Ada geboren habe) und hat genau wie ihre gefeierte Mutter zwei geschiedene Ehen hinter sich, ohne aber Frau Olgas künstlerische Erfolge auf weisen zu können. Adas schon recht große Tochter aus ihrer Ehe mit dem bekannten Kameramann Franz Weihmayr dürfte in wenigen Jahren selbst Heiratspläne haben „und mich zur bezauberndsten Urgroßmutter des Films machen“, wie Olga Tschechowa unlängst einmal leicht gereizt (auf die Presse) bemerkte. Conny Rux sollte jetzt bei der Berolina als Filmstar gestartet werden, der routinierte Bobby E. Lüthge hatte ihm extra ein Drehbuch „An Conny kommt keiner vorbei“ auf den Leib geschrieben, doch scheiterte alles an der Tatsache, daß sich Conny zum Filmen als ungeeignet erwies. Er mag sich trösten: auch Max Schmeling und Heinz Seidler waren auf der Leinwand nur Fixsterne und die ehemaligen Weltmeister Max Baer und Primo Cavera werden heute in Hollywood lediglich wegen ihres Körpers und Namens gelegentlich in Nebenrollen beschäftigt.

Das ungefähr gleichaltrige Ehepaar Ondra-Schmeling ist glücklich geworden, recht, da immer wieder Scheidungsbei Davis-Sherry weiß man es nicht so gerüchte auftauchen (Bette Davis ist sieben Jahre älter als ihr dritter Gatte) und bei dem frischgestarteten Ehepaar Tschechowa-Ruk werden uns die nächsten Jahre die Antwort geben. Denn auch bei dem Boxer und der Filmdiva bleibt immer entscheidend, ob sie als Menschen zueinander passen. W. R.


LIEBESLEGENDE Eine historische Begebenheit, die Liebe des Prinzen von Preußen und späteren Kaisers, Wilhelm 1., zu der Prinzessin Elisa Radziwill bringt dieser Film. Zwei Menschen finden nicht die Erfüllung ihrer Liebe, weil die hohe Politik dazwischentritt, weil die Diplomaten anders beschlossen als die Herzen. Die Frau zerbricht an dem unerbittlichen Pflichtgesetz politischer Notwendigkeit, der Prinz fügt sich, im Innersten getroffen, in den Willen seines königlichen Vaters. In den Hauptrollen Willy Fritsch, Lida Baarova, Hans Nielsen, Sabine Peters u. a. (Im Union.)
LIEBESLEGENDE Eine historische Begebenheit, die Liebe des Prinzen von Preußen und späteren Kaisers, Wilhelm 1., zu der Prinzessin Elisa Radziwill bringt dieser Film. Zwei Menschen finden nicht die Erfüllung ihrer Liebe, weil die hohe Politik dazwischentritt, weil die Diplomaten anders beschlossen als die Herzen. Die Frau zerbricht an dem unerbittlichen Pflichtgesetz politischer Notwendigkeit, der Prinz fügt sich, im Innersten getroffen, in den Willen seines königlichen Vaters. In den Hauptrollen Willy Fritsch, Lida Baarova, Hans Nielsen, Sabine Peters u. a. (Im Union.)

HERRLICHE ZEITEN
HERRLICHE ZEITEN

Sie wissen doch Bescheid?

Kleines Quiz für „Filmexperten“

1. Tino Rossi ist von Geburt: a) Franzose, b) Korse, c) Italiener, d) Pole.

2. Viktor de Kowas Gattin ist: a) Japanerin, b) Deutsche, c) Engländerin, d) amerikanische Wehrmachtshelferin.

3. Margaret Lockwood wurde geboren in: a) San Franzisko (USA), b) Karachi (Indien), c) Plymouth (England), d) Reykiavik (Island).

4. Marlene Dietrich stammt aus: a) Schweden, b) Österreich, c) Tschechoslowakei, d) Deutschland.

5. Johannes Heesters ist von Geburt: a) Balte, b) Däne, c) Schweizer, d) Holländer.

6. Zarah Leander ist: a) Deutsche, b) Polin, c) Schwedin, d) Griechin.

Auflösung:

1 b, 2 a, 3 b, 4 d, 5 d, 6 c.

Die amerikanischen Filmverleihfirmen Cent-Fox-Film, Columbia, Paramount, Republik, RKO, Unites Artists, Universal und Warner Brothers sind dem deutschen Filmverleihverband beigetreten und damit Mitglieder der Spitzenorganisation der.deutschen Filmwirtschaft geworden. Ein Zeitungsfilm wird zur Zeit von der Eagle-Lion gedreht. Der Film, der den Namen „Final-Night“ trägt, schildert nach dem Roman von Robert Gaines die Geschichte eines Tagesablaufs in der Redaktion einer großen Zeitung.

Atlantropa heißt der erste Dokumentarfilm, der das Projekt einer Vereinigung der Erdteile Europa und Afrika behandelt. Er wurde von der Geo-Film hergestellt und am vergangenen Sonnabend zum ersten Male in München vor geladenen Gästen gezeigt.

Antony John (Ronald Colman), ein hervorragender Schauspieler, versenkt sich so sehr in seine Rollen, daß er die Bühnencharaktere in das wirkliche Leben überträgt. Im „Othello“, wo er Desdemona zu Tode zu küssen hat, bringt er seine Partnerin tatsächlich beinahe um. Kurz darauf erstickt er dann seine Freundin tatsächlich durch einen Kuß. Die Aufdeckung dieses Mordes bringt der zweite Teil des Films. John aber richtet sich selbst. Im Hansa.


MORD IN EKSTASE
MORD IN EKSTASE

Notizen vom Film

Walt Disneys „Bambi“, die Lebensgeschichte eines kleinen Rehbocks, das all den Reichtum lustiger Einfälle, die funkelnden Lichter und die leuchtenden Farben der bisherigen Schöpfungen dieses Zauberkünstlers zeigt, wird von der RKO an Weihnachten herausgebracht.

19 857 Kilometer, also beinahe den halben Erdumfang, hat der - Film-Bus auf seinen Werbefahrten für den Film der Jungen Film-Union „Dreizehn unter einem Hut“ in vier Monaten kreuz und quer durch Deutschland zurückgelegt.

„Das doppelte Lottchen“, der Buch-Welterfolg Erich Kästners, wird bei der Carlton-Filmgesellschaft verfilmt.

Carl Froelich dreht in eigener Produktionsgesellschaft seinen ersten Film nach dem Kriege, „Drei Mädchen spinnen“, der im Verleih der National erscheinen wird.

„Die Woche des deutschen Filmes“, die ursprünglich für Anfang September vorgesehen war, wurde auf Beschluß der Spitzenorganisation des deutschen Filmes, die am vergangenen Wochenende unter Vorsitz ihres Präsidenten Ludwig Fasler in Wiesbaden tagte, auf Ende September verlegt. Damit, ist die Möglichkeit gegeben, die neusten deutschen Filme, die auf der Biennale vorgestellt werden, zti bringen. Man rechnet damit, daß vzährend der „Woche des deutschen Filmes“ 15 bis 20 neue deutsche Filme in 890 Lichtsry'dfheatern des Bundesgebietes zur Erstaufführung kommen.

„Pakt mit dem Teufel“, Rene Clairs Faust-Film, wird am 25. August im Münchener Luitpold-Kino seine Uraufführung in der synchronisierten deutschen Fassung erleben.

Laurence Olivier, der für seine Verdienste um Bühne und Film geadelt wurde und heute wohl Englands bedeutendster Schauspieler ist, wurde für eine Hanntrolle in dem ersten Film der Jerry Wald-Produkt’^n der RKO, „Kind Sir“, gewönnen.

sagt ■ Dr. Paul Schröter. Dabei wollte er eigentlich nur angeln fahren. Und da mußte es ausgerechnet ihm passieren, daß man ihm Handschellen anlegte, daß man ihn für einen Ringkämpfer hielt, daß er ein halbnacktes Mädchen am Wege fand, daß er eine schöne Frau entführen mußte, daß er seinen besten Freund aus purer Verzweiflung k.o. boxte — und trotz allem sein Glück machte, weil er eben in dieser Nacht seine Eva fürs Leben erwischte. Gustav Fröhlich und Winnie Markus in den Hauptrollen. Im Thalia.


DIESE NACHT VERGESS’ ICH NIE
DIESE NACHT VERGESS’ ICH NIE

DT Film-Forum

Die ungewöhnliche Karriere einer ungewöhnlichen Frau

Wissen Sie schon, daß Zarah Leander — sie hieß damals noch Zarah Hedberg — als kleines, sechsjähriges Mädel ihre ersten künstlerischen Lorbeeren erntete, und zwar als Pianistin? Es war in ihrem Geburtsort Karlstad in Schweden, und man prophezeite ihr eine große künstlerische Laufbahn; aber das hat ihr damals noch gar nicht imponiert, sie lebte mit ihren drei Brüdern eine von allen Zukunftssorgen unbeschwerte Jugendzeit.

Wissen Sie schon, daß es zu den schönsten Erinnerungen Zarah Leanders gehört, in der Kirche ihres Heimatortes Orgel gespielt zu haben?

Wissen Sie schon, daß sie zum erstenmal im Theater war, als Peer Gynt gegeben wurde, und daß von diesem Erlebnis an ihr Entschluß feststand: „Ich muß zur Bühne!“

Wissen Sie schon, daß ... so möchte man eine Seite nach der anderen beginnen, denn es ist ja so interessant, mitzuerleben, wie eine so große und weltberühmte Schauspielerin das wurde, was sie ist. Mit 16 Jahren lernte sie den schwedischen Charakterdarsteller Nils Leander kennen und heiratete ihn bald. Sie hat zwei Kinder: Boel und Göran, und es hatte damals so ausgesehen, als lenke ihr Lebensweg in eine bürgerliche Bahn ein. Aber die Sehnsucht nach dem Theater blieb. Und als sie eines Tages in Riga den berühmten Ernst Rolfs mit seiner Truppe aufsuchte und ihm vorsang, da war alles entschieden. „Sie sind sofort engagiert!“ entschied der Leiter des Theaterensembles... und damit begann ihre märchenhafte Laufbahn. Zum erstenmal stand ihr Name auf dem Programm — und wurde bald genug zu einem Begriff für immer neue Scharen von Theaterfreunden.

Die erste Etappe ihres Ruhmes wurde Stockholm. Abend für Abend erntete sie in der „Lustigen Witwe“ begeisterten Applaus; ihre Partien waren extra für ihre Altstimme umgeschrieben. Man begann in schwedischen Filmkreisen auf sie aufmerksam zu werden, man holte sie vor die Kamera, ohne aber ihre außergewöhnliche Begabung richtig zu erkennen. Aber da kam ein Angebot aus Wien.

Sie war inzwischen von ihrem ersten Mann geschieden, sie hatte den schwedischen Journalisten Fred Forsell geheiratet ... und so ging sie nun nach Wien, und als Filmdiva Gloria in der Operette „Axel an der Himmelstür“ riß sie das kritische Wiener Publikum zu stürmischen Ovationen hin. Da meldete sich wiederum der Film... und in dem Film „Premiere“, der ihre eigentliche eigene Premiere wird, begann ihre Filmlaufbahn, die wir bis heute miterlebt haben und deren Endpunkt noch niemand abzuschätzen vermag. Zwischen 1937 und 1943 drehte die UFA zehn Filme mit ihr, und man darf wohl sagen, daß von diesen 10 Filmen heute noch keiner bei den deutschen Filmfreunden vergessen ist. Da wurde ihr Name in kürzester Frist ein Begriff im internationalen Filmleben, da begeisterte ihr Spiel und ihre Stimme viele Millionen in der ganzen Welt. Die von ihr gesungenen Schlager — die meisten von Michael Jary komponiert — setzten sich überall durch. Im März 1943 brach sie ihre Filmarbeit ab und erlebte das Kriegsende in Schweden.

Es ist kein Wunder, daß der deutsche Film sich nunmehr, da er aus den Trümmern und Ruinen zu neuem Leben erwacht, wiederum ihrer erinnert. Sie verdanken sich beide gegenseitig so viel: Der deutsche Film seinem großen Star Zarah Leander, und Zarah Leandei' dem deutschen Film. So ist nun ein neues Kapitel in ihrer Laufbahn eröffnet, und damit zugleich ein neues Kapitel des deutschen Filmlebens.


■LKV.MI LEANDER
■LKV.MI LEANDER

Foto: Real-Allianz-Film
Foto: Real-Allianz-Film

Sport und Film - Sport im Film

Es ist eine feststehende Tatsache, daß der Sport immer mehr neue Freunde gewinnt. Wer einmal an einem Sonntagnachmittag die unabsehbare Menschenmenge betrachtet, die zu den Sportplätzen strömt, wer teilgenommen hat an spannungs- und tempogeladenen Wettkämpfen jeder nur denkbaren Sportart, der weiß, daß nicht nur die Jugend, sondern überhaupt der Großteil der Menschen von heute sich dem Sport und seinen Veranstaltungen zuneigt. Daß dazu noch der Fußballtoto gekommen ist, bedeutet einen Anreiz auch für jene, die weniger des Sportes als der großen „Chance“ wegen zu den sonntäglichen Fußballspielen gehen.

Dagegen ist es ein offenes Geheimnis, daß — vor allem im Sommer — Kino und Theater einen großen Teil ihres Publikums an die Sportveranstaltungen verlieren. Sport und Film sind daher bis zu einem gewissen Grad scharfe Konkurrenten — sie müssen es aber nicht sein, wenn sie Verbindung zueinander finden.

Als erste erkannten dies die Leute der Wochenschau, die in ihr Programm einen großen Teil Sport aufnahmen. So bekam jeder Kinobesucher die Möglichkeit, die wichtigsten Sportereignisse in aller Welt im lebenden Bild zu sehen. Der Kamera ist es möglich, die interessantesten Momente eines Kampfes festzuhalten. Der Film kann damit etwas Bestimmtes herausstellen — man denke an die Zeitlupenaufnahme eines Boxkampfes oder die damit näher gebrachten einzelnen Phasen eines Kunstspringers, an die Großaufnahme eines Gesichtes, das die letzten Anstrengungen eines Tenniscracks oder Leichtathleten zeigt — er kann aber auch das Wesen einer Sportart verdeutlichen, wobei vor allem daran erinnert sei, wie z. B. bei einem Skilauf nicht nur die kurze Strecke gezeigt wird, die der Zuschauer übersehen kann, sondern wie die Kamera es möglich macht, die ganze Strecke mitzufahren und die Mannigfaltigkeit des Geländes wie der Skiläufer selbst aufzunehmen. Darüber hinaus wird die Sportaufnahme zu einem Begriff der ästhetisch schönen Leistung, wenn sie beim Schlittschuhlauf die elegante Pirouette, die Grazie der Bewegung einfängt.

Diese Erkenntnis der Möglichkeiten, die der Film dem Sport bietet, veranlaßte zahlreiche Spielfilmfirmen, den Sport in ihre Filmstreifen einzubauen. So erhielt man teils reine Sportfilme mit einer Rahmenhandlung, oder Spielfilme, die ihre Schauplätze zum Teil auf das Sportgelände verlegten. Autorennen, Pferderennen, Skilauf, Fußball, Boxen wurden immer wieder gern eingebaut. Der Blick, den dabei die Kamera vom Sportfeld aus auf die Zuschauer werfen konnte, bot manchen freiwilligen und unfreiwilligen Gag. Es sei erinnert an die Filme „Das große Spiel“, „Die letzte Runde“, „Liebe auf Eis“, „Der freche Kavalier“. Und demnächst werden neue Filme mit sportlichem Hintergrund über die Leinw’and gehen wie: „Theodor im Fußballtor“.

„Wo haben Sie diese blaue Krawatte her? Mit einer solchen blauen Krawatte wurde Ihre Frau erdrosselt!“ sagt der Kriminalbeamte zu Hendersen. Das Gericht verurteilte den des Gattenmordes Beschuldigten zum Tode, denn alle Indizien, alle Zeugenaussagen sprechen gegen ihn. Die einzige Zeugin, die sein Alibi beweisen könnte, ist spurlos verschwunden. Zeuge gesucht! rufen Radio und Presse. Ist Hendersen der Mörder seiner Frau oder nicht? Um diese Frage geht es in diesem Kriminalfilm. Im Palast.


ZEUGE GESUCHT
ZEUGE GESUCHT

Darmstadt und Umgebnng

Endspurt

mejni^lkh ”^n.dspprt“ denkt man geumzieh an forcierte Muskelarbeit an bewegten k‘d“ ?“d“' d“ Schwimmschwindifk^ Steigerung der GenS Läufer ausgreifender Pferde, seh-Die^^u ’ d^ernder Motore. der ia> r S^lS^ •'ed°eh mit dem Endspurt XiU^nden“ Woche> ja zweier „ lau-S?Chen nicht gemeint; es han-Meteiwarehler X™6111’ um Stoffe- um letzte f verschiedenster Art, deren prPXR k e z" n°chmals verbilligten fÜ abgegeben werden sollen: Endspurt im Ausverkauf!

m^te man nun schon etwas wähl? EÄhkaU i Berausbekommen, nicht w^rd aA? er S°lch segensreicher Zustand wird doch niemals erreicht; und wenn die Preise noch mehr als drei Tage lang spurten wurden, über das Ziel schießt keiner hinaus, und das Ziel bleibt ein Gegenwert in barem Gelde

Im Augenblick aber, wo Geld und Ware die Plätze wechseln, treffen zwei Endspurts aus entgegengesetzten Richtungen aufeinander. Denn drei Tage Resteverkauf rufen auch die Verbraucher zum atemlosen Endspurt. Die Klugen mit jahrzehntelanger Ausverkaufserfahrung haben Munition für diese letzten drei Tage gespart; und dann gibt es noch die Neunmalklugen, die — wir sprachen mehrfach davon — um Korea willen ihr Kapital in Zucker und Oel anlegten. Nun können sie verkaufen, — es regelt sich wie an der Börse, Angebot und Nachfrage —, und mit einem glänzenden Endspurt an den Restetagen aufwarten.

Jedoch den echten Endspurt an Muskeln und Nervenkraft, müssen Verkäuferinnen und Verkäufer leisten, die das 14-Tagerennen der Geschäftswelt jeweils für ihre Firma zum glücklichen Ende führen sollen. Ihnen gebührt — wenn auch nicht Kranz und Pokal — so doch Dank und Anerkennung!

Kampfansage der Gewerkschaften

Versammlung des Kreisausschusses des Deutschen Gewerkschaftsbundes im „Braustübl“

Am Mittwochvormittag versammelten sich die Delegierten des Kreisausschusses Darmstadt des Deutschen Gewerkschaftsbundes im „Braustübl“ zu ihrer 2. Kreis¬ ' ausschußtagung. Nach dem vorangegangenen Halbjahresbericht des Darmstädter Kreisausschusses präzisierte das Mitglied des Landesbezirksvorstandes Frankfurt des DGB, Leuninger, die Stellungnahme der Gewerkschaften zur augenblicklichen Situation des Lohn- und Preismarktes in seinem Referat „Das Preis- und Lohnproblem“. Der Sprecher wandte sich in scharfen Worten gegen die Kritik, die in letzter Zeit von allen Seiten gegen den DGB erhoben wurde.

Die Gewerkschaften würden die freie Marktwirtschaft der Bonner Regierung nicht anerkennen. Die Situation auf dem Lohn- und Preismarkt seit dem 30. Juni 1950 sei so, daß mit der Brotpreiserhöhung gleichzeitig die Preisschraube auf allen anderen Lebensmittelsektoren angezogen worden sei. Mit der Einstellung der Subventionierungder Getreideimporte, die 600 bis 700 Millionen DM ausgemacht hätten, habe die Erzeugerschaft die dadurch geschaffene Situation voll ausgenutzt. Der Brotpreis sei in den Augen der Gewerkschaften ein politischer Preis, und die Gewerkschaften hätten die entscheidende Stunde des Bekanntwerdens der Preiserhöhung ungenutzt vorübergehen lassen. Inzwischen sei der Preis je dz Roggen von 25,— bis 26,— DM auf 28,— DM, und der des Weizens von 28,— DM auf 32,— DM gestiegen.

Der Mangel an gesetzlicher Handhabe zur Errichtung von Preisüberwachungs- und Preisbildungsstellen sei ein gesetzloser Zustand. Die Preiserhöhungen wären nicht zuletzt auf die sinnlose Hamsterei weitester Bevölkerungsschichten zurückzuführen. Eine verstärkte Einfuhr wäre der wichtigste Ausgleich zum Ansteigen der Inlandpreise, wenn nicht der Preistreiberei der Erzeuger Tür und Tor geöffnet werden solle. Die notwendige Konsequenz sei daher die Kündigung der Tarifverträge durch die Gewerkschaften gewesen. Darüber hinaus habe der DGB bei der Regierung einheitliche Kündigungsfristen von 14 Tagen für laufende Verträge gefordert, die Erhöhung sämtlicher Rentenbezüge und der Bezüge der in öffentlichen Diensten stehenden Arbeiter, wie Post und Bahn. Die geforderten Lohnerhöhungen müßten durch die Industrie getragen werden, während der Handel für die Preissenkungen verantwortlich zeichnen müßte.

Die Gewerkschaften würden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, eine Angleichung an die steigenden Preise zu erzielen, und sie wolle versuchen, aus der Defensive, in die sie zur Zeit gedrängt wäre, herauszukommen, und sich durch Kampfmaßnahmen ihr Recht zu suchen. -st

Der Streit ist beigelegt

Volle Einigung zwischen der Vereinigung der Südhessischen Krankenanstalten und den Krankenkassen

In den städtischen Krankenanstalten fand gestern unter dem Vorsitz von Stadtrat Schrauth eine Konferenz statt, die die Beilegung der Streitigkeiten zwischen dem Stadtkrankenhaus, dem Marien- und dem Alicehospital in Darmstadt, der Zanderschen und der Legelschen Klinik in Bad König auf der einen Seite und den Krankenkassen auf der anderen Seite zum Ziele hatte. Die Besprechungen, an denen Direktor Kraft, Frankfurt a. M., für die Krankenkassen teilnahm, führten zu einem beide Teile befriedigenden Ergebnis. Das gute Einvernehmen der streitenden Parteien ist damit wieder hergestellt.

25jähriges Arbeitssjubiläum

in der Ernst-Ludwig-Heilstätte

Zum zweiten Male in diesem Jahre konnte ein Personalmitglied und zwar Fräulein Elise Horn auf eine 25jährige Tätigkeit als Küchenmädchen in der Ernst-Ludwig-Heilstätte zurückblicken. Aus diesem Grunde fand im schöngeschmückten Aufenthaltsraum der Heilstätte eine eindrucksvolle Feierstunde statt. Oberinspektor Wesp überbrachte die Grüße der Landesversicherungsanstalt Hessen und unterstrich besonders die Arbeitsfreudigkeit der Jubilarin. Auch in dem Gratulationsschreiben der Landesversichenungsanstalt, Kissel), wurde besonders auf diese Tatsache hingewiesen. Anschließend sprach der Betriebsratsvorsitzende Ruhland im Namen der Belegschaft der Jubilarin die herzlichsten Glückwünsche aus und überreichte ihr ein Geschenk.

Studienrat Ernst Kaffenberger geriet Mittwochmorgen in der Heidelberger Straße unterhalb der Kiesgrube an der Ludwigshöhe in einen schweren Verkehrsunfall. Der 68jährige mußte mit schweren inneren und Kopfverletzungen in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden.

Neuer Kiosk auf dem Luisenplatz


. ~ :„irpit erstellten gestern Arbeiter einen neuen Kiosk auf fn erstaunlicher Geschwindigkeit erstem 8 Omnibusse der „Blauen Linie“, dem Luisenplatz als Verkehrs- und Keiseo T,;.nsport und Ver. kehr“ - laufen auf den Straßen nach Reinheim Reichenbach, Niedernhausen und auf der Fernstrecke Oppenheim—Alzey—Bad Kreuznach Foto: Kop
. ~ :„irpit erstellten gestern Arbeiter einen neuen Kiosk auf fn erstaunlicher Geschwindigkeit erstem 8 Omnibusse der „Blauen Linie“, dem Luisenplatz als Verkehrs- und Keiseo T,;.nsport und Ver. kehr“ - laufen auf den Straßen nach Reinheim Reichenbach, Niedernhausen und auf der Fernstrecke Oppenheim—Alzey—Bad Kreuznach Foto: Kop

Probleme des studentischen Lebens

Die Teilnehmer des Internationalen Arbeitslagers trafen sich im Nachbarschaftsheim, um über die verschiedenen Formen des studentischen Lebens in den einzelnen Ländern zu diskutieren. Cand. arch. Engel schilderte die Situation an den deutschen Hochschulen und die Entwicklung der das studentische Leben bestimmenden Burschenschaften, Landsmannschaften- Korps und anderer studentischen Verbindungen. Die deutschen Studenten sähen die Bedeutung der studentischen Verbindungen in der Pflege der Freundschaft und Geselligkeit, in der Förderung der Selbsterziehung und Persönlichkeitsbildung und in dem Kennenlernen von Studenten verschiedener Fakultäten. Auf die Frage eines Engländers, warum in den studentischen Verbindungen keine Studentinnen aufgenommen würden, erhielt er die Antwort, daß diese in dem geschlossenen Kreis von Mann zu Mann, wie ihn eine Verbindung darstelle, leicht Freunde auseinanderbringen könnten.

H. Engel wies auf die Schwierigkeiten des studentischen Zusammenlebens hin, die sich daraus ergeben, daß zwischen älteren aus dem Krieg heimgekehrten und jüngeren von der Schule entlassenen Studenten verschiedene Auffassungen bestünden. Auch in manchen studentischen Verbindungen bildeten sich zwei Gruppen, einmal diejenigen, die das studentische Leben nach neuen Gesichtspunkten aufbauen wollen und der andere Teil, der sich den alten Herren anschließen und die alte Tradition vor 1933 weiterführen möchte.

Wie ein Engländer berichtet, kennt man in England keine Verbindungen. Jede Hochschule und jeder Student ist Mitglied der lUS (International Union of Students). Als Dachorganisation über verschiedene Interessengruppen besteht der Representative Vouncil. Eine große Gefahr sähe er in der Spezialisierung, die in England und Amerikt schon in der Schule ihren Anfang nähme. Für sehr wichtig sah der Engländer das an der Mainzer Universität eingeführte sogenannte „Studium generale“ an, das eine bestimmte Anzahl von allgemein bildenden Fächern zur Schaffung einer breiten Grundlage fordert.

Der Saudent in Amerika, so erklärte ein Amerikaner, würde bevormundet wie ein Kind. In jeder Woche sei ein Examen abzulegen. Nach dem Besuch der Schule studierten sehr viele Amerikaner, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Viele führten ihr Studium zu keinem Ende. In Amerika würden sich die Studenten zu sogenannten „Fraternities“ zusammenschließen, die ihr Eigenleben führten und auf die übrigen Bevölkerungsschichten von oben herabsähen. ts-

Heimabende in der Kyritzschule

Am Dienstag fand der erste Heimabend der Arbeiterwohlfahrt in der Kyritzschule statt. Zum ersten Male trafen sich die Frauen des Martinviertels und des Johannisviertels, die beschlossen hatten, ihre Heimabende in Zukunft nicht mehr getrennt, sondern gemeinsam zu veranstalten. Unter fachlicher Anleitung einer Schneiderin, einer Weißzeugnäherin und einer Strickerin nähen die Frauen für ihre eigenen Bedürfnisse, ändern Kleidungsstücke um oder fertigen Geschenke an, um anderen eine Freude zu machen. Die Ausgestaltung der Heimabende liegt in den Händen von Frau Göbel (Martinsviertel).

Die Arbeiterwohlfahrt verfügt über eine Nähmaschine, deren Gebrauch am Dienstag von einem Vertreter der Firma Singer erklärt wurde. Eine Neuheit für die Frauen war das Nähen mit Gummigarn, durch das die Stoffe schon ’n der Maschine eingelesen und gesmokt werden können.

Die Frauen kommen jeden Dienstag von 19.30 bis 21.30 Uhr in der Kyritzschule zusammen.

Weiches Wasser für neue Kessel

Südhessische Gas- und Wasser-AG. auf neuen Wegen

Die Direktion der Südhessischen Gas- und Wasser-AG. hatte am Mittwoch die Vertreter der Presse zu einer Besprechung eingeladen, in der über die Entwicklung und Fortschritte seit ihrer Umwandlung von den Stadtwerken in eine Aktiengesellschaft vor rund einem halben Jahr berichtet werden sollte.

Die Leitung des Werkes legt großen Wert auf die Feststellung, daß sie als erste Dienerin ihrer Kunden ständig bemüht ist, allen Anforderungen, die an sie gestellt werden, in vollstem Umfange gerecht zu werden. Zu diesem Zwecke sind innerhalb der Gas- und Wasser-A.-G. große Umwandlungsprozesse im Gange. Der alte Maschinenpark wird in absehbarer Zeit neuen und zweckmäßigeren Anlagen Platz machen müssen.

Seit der Umwandlung haben sich neben den technischen Veränderungen auch die Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer verbessert. Zusatzversicherungen, Familienbeihilfen und Darlehen in besonderen Notfällen, Wohnungsbeschaffung durch Aufbau zweier Wohnblöcke und die Errichtung weiterer 40 Wohnungen im Industriebauprogramm tragen mit dazu bei, das. Verhältnis zwischen Arbeiterschaft und Werksleitung zu einem Ziehen am gleichen Strang werden zu lassen. Ein weiterer sozialer Fortschritt ist die Ge- Währung eines Urlaubsgeldes in Höhe von 1 DM für jeden Urlaubstag. Andere Verbesserungen sind vorgesehen, wenn der umfangreiche Betrieb völlig aufgebaut sein wird.

Die Direktion der Südhessischen Gas- und Wasser-A.-G. arbeitet auf das große Ziel hin, die gesamte Anlage zu einer der modernsten Kokereien auszugestalten. Zu diesem Zweck wurde eine neue Ofenanläge für die Kokerei in Auftrag gegeben, die eine Kapitalinvestierung von 3 Millionen DM erfordert. Schon heute wird an dem neuert, riesigen Ofen mit allen verfügbaren Kräften gearbeitet, um die Anlage im Frühjahr betriebsfertig zu haben.

Das, was es diesmal in seiner Fertigstellung zu besichtigen gab, war eine Wasseraufbereitungsanlage für die Dampfkessel, die in ihrer technischen Vollendung dem letzten Stand der Wissenschaft entspricht. Bekannt ist, daß normales Wasser einen hohen Kalkgehalt aufweist, daß dem Wasser alle Härtebildner, wie Calzium- und Magnesiumsalze entzogen werden, d. h., daß sie durch Zusatz basisch-mineralischer Stoffe in Natrium-< salze umgewandelt werden müssen. Die neue Anlage liefert stündlich etwa 10 Kubikmeter Wasser, das in einen etwa 90 Kubikmeter fassenden Kessel gepumpt wird. Die moderne Apparatur schafft die erforderlichen Voraussetzungen für den Einbau neuer, moderner Dampfkesselanlagen, die sich nicht reinigen lassen, und die nur mit kalkfreiem Wasser gespeist werden dürfen, um jeden Rückstand im Kessel selber zu vermeiden. In die beiden hohen silbergestrichenen Aufbereitungskessel führen eine Anzahl farbig gestrichener Rohre, die dem Leitungswasser die nötigen Zusätze zuführen. Jeder Farbanstrich hat seine eigene Bedeutung. Man kann aus der Farbe erkennen, was dieses oder jenes Rohr dem Kessel zufließen läßt. Eine Anzahl von Meßeinrichtungen und Sicherheitsanlagen garantieren die einwandfreie Arbeit dieser Anlage.

Bei einem Rundgang durch den Betrieb konnten wir uns auch von der einwandfreien Einrichtung des Sanitätsraumes überzeugen, der mit staubfreier Entlüftung versehen ist. In absehbarer Zeit soll vom Werk ein eigener Betriebsarzt eingestellt werden. Ebenfalls neu errichtet wurden die Bade- und Aufenthaltsräume für die Kesselheizer, die allen hygienisehen Anforderungen entsprechen. Wenn man abschließend noch erfährt, daß, neben einer Reihe von großzügigen Kundendienstprojekten, die in Kürze spruchreif werden, die Direktion sich bemüht, den bargeldlosen Zahlungsverkehr zwischen Gasabnehmer und Lieferant einzuführen, daß bei erfolgter Benachrichtigung der Bank durch den Konteninhaber die Gasrechnungen zur Bezahlung direkt der Bank zugestellt werden, so kann man getrost den Eindruck mit nach Hause nehmen, daß die Südhessische Gas- und Wasser-A.-G alles tut, was in ihren Kräften steht, um ihren Betrieb zu einem der modernsten und leistungsfähigsten auszubauen. hfl


Ein Blick auf den Vorratskessel, der 90 cbm aufbereitetes Wasser speichert
Ein Blick auf den Vorratskessel, der 90 cbm aufbereitetes Wasser speichert

Einer der beiden Kessel der neuen Wasseraufbereitungsanlage der Südhessischen Gas- und Wasser-AG Fotos (2): Hilde Roth
Einer der beiden Kessel der neuen Wasseraufbereitungsanlage der Südhessischen Gas- und Wasser-AG Fotos (2): Hilde Roth

Die Garde der Laternen - Austecker

Erinnerung an die Zeit der alten Gasbeleuchtung

Zu den Pluspunkten, die wir der Arbeit unserer Stadtverwaltung zurechnen können, gehört, daß unsere Straßen gut und zum Teil sogar festlich beleuchtet sind. Im großen und ganzen soll es, so wurde neulich mitgeteilt, bei der Gasbeleuchtung bleiben. Aus seinen Jugenderinnerungen berichtet uns ein treuer Tagblattleser aus jener Zeit, da in Darmstadt die ersten Gaslampen brannten, in den Straßen, im Theater, in den Fabriken und zum Teil auch in den Privathäusern. Es waren meist allerdings noch keine richtigen Lampen, sondern offene Flammen. „Das war“ — so schreibt uns unser Gewährsmann — „natürlich kein Idealzustand trotz allen Fortschritts, schon deshalb, weil die Feuersgefahr nicht unerheblich war. Außerdem konnte mit dem offenen Lichthahn großer Unfug getrieben werden. Dafür ein kleines Beispiel: In der C. F. Winterschen Buchdruckerei, in der ich meine Lehrzeit absolvierte, befand sich über jedem Setzkasten eine offene Gasflamme. Wir Stifte leisteten uns da oft einen Spaß, indem wir in einem neben der Setzerei befindlichen Raum den Gashahn aufdrehten, den Brenner in den Mund nahmen und nun aus Leibeskräften in die offene Gasleitung hineinbliesen. Es dauerte gar nicht lange, bis die in der Leitung befindliche „falsche Luft“ die Gaslampen der Setzerei zum Verlöschen brachte und die Herren Setzer im Dunkeln standen. Da gab‘s natürlich einen Mordskrach und eine hochnotpeinliche Untersuchung mit gepfefferten Ohrfeigen und einer gewaltigen Kapuzinerpredigt beim „Alten“. Bald danach kamen die Glühstrümpfe, und mit dem Unfug wars vorbei. Wenn man von der Einführung der Gasbeleuchtung in Darmstadts Straßen spricht, darf man jene wackeren Männer nicht zu erwähnen vergessen, die als Laternenanstecker einen gewiß nicht leichten Dienst zu versehen hatten, denn sie mußten bei Hitze und Kälte, bei Schnee und Regen, Sturm und Wetter pünktlich ihrer Pflicht genügen. Diese Garde der Laternenanstecker verließ allabendlich bei einbrechender Dunkelheit die Gasfabrik in der Lagerhausstraße (dort, wo heute im Schulgebäude die Stadtverwaltung untergebracht ist), jeder der Männer mit einer langen Stange bewaffnet, die am oberen Ende mit einem brennenden Petroleumdocht versehen war. Die Garde setzte sich vorwiegend aus Schneidern, Schuhmachern und anderen Handwerkern zusammen. Sie hatten die Laternen nicht nur zu entzünden, sondern zu später Nachtstunde auch zu löschen. Die Laternenanstecker waren sehr volkstümlich und aus dem abendlichen' Stadtbild nicht hinwegzudenken. Sie huschten eiligen Schritts durch die dämmerigen Straßen und so, wie jeder Bezirk heute „seinen“ Briefträger hat, der mit allem Volk verbunden ist, so hatte jeder Bezirk „seinen“ Laternenanstecker, den jung und alt gut kannte. Freilich wurden die Spender des Lichts ab und zu von Betrunkenen oder rauflustigen Gesellen belästigt, gefoppt oder gar tätlich angegriffen. Dafür waren aber die Mitglieder der Laternenansteckerzunft auch nicht auf den Mund gefallen und wußten sich zudem ihrer Haut zu wehren. Ich habe als Bub einmal erlebt, wie auf dem Ballonplatz ein buckliger Laternenanstecker einem Betrunkenen, der ihn anpöbelte, mit seiner Stange so verdrosch, daß die Stange zerbrach. Heute sind die Laternenansteeker aus dem Stadtbild verschwunden. Es geht alles automatisch. Das Gute wich dem Besseren. Vielleicht werden in absehbarer Zeit Gas und elektrisches Licht durch das Atomkraftlicht abgelöst. Ob wir Aeltere es noch erleben werden?“ Jakob Buhl.

In der Stadt notiert

Eines der ältesten hessischen Wappen,

das Wappen auf dem - Alexander-Palais am Luisenplatz, das noch die alte Form mit dem Schwert zeigt, wurde bei unsachgemäßen Abbruchmaßnahmen der Bundespost schwer beschädigt. Der sofortige Einspruch des Denkmalspflegers, des Staatsbauamtes und des Architekten- und Ingenieurvereins verhinderten eine völlige Zerstörung dieses historischen Stückes, dessen beabsichtigte Zerstörung 1919 schon einmal verhindert werden konnte. DT

Kriminalassistenten — Krimina'sekre¬ täre. Im hessischen Haushaltplan 1950 ist vorgesehen, daß die bisherigen Kriminalassistentenstellen in Sekretärstellen umgewandelt werden. Entsprechend soll, wie wir erfahren, auch >m Stellenplan der städtischen Kriminalpolizei verfahren werden. DT

Auf dem Kraftwagendach rutschte gestern morgen der Redakteur und kommunistische Landtagsabgeordnete von Württemberg-Baden, Rob. Leibbrand, mit drei Sekretären seiner Partei ein Stück auf der Autobahn entlang. Leibbrand, der sich in einem Volkswagen auf der Fahrt nach Frankfurt befand, kam in der Nähe von Langen beim Ueberwechseln auf die benachbarte eingleisig befahrbare Strecke ins Schleudern. Bei dem Versuch, auf die Fahrbahn zurückzugelangen, überschlug sich das Fahrzeug auf dem Grünstreifen und rutschte gegen die Böschung. Leibbrand und zwei Parteisekretäre kamen mit dem Schrecken davon. Einer der Insassen mußte in ein Frankfurter Krankenhaus mit leichten Verletzungen eingeliefert werden. DT

Das Eck an der Kasinostraße mit seinem bisher nicht weitergeführten Anschlußbau an das Gebäude der Landeskreditbank (der früheren Reichsbank) wird nun doch aus seinem Torscdasein herauskommen. Die Gerüste für den Weiterbau sind bereits aufgeschlagen. Das Gebäude soll, wie wir hören nach seiner Fertigstellung neben Büros auch die Dienststelle des Resident Offmer und das amerikanische Arbeitsamt'aufnehmen. DT

Die große Losziehung der 7. Süddeutschen Klassenlotterie beginnt am Donnerstag, dem 10. August. Bei dieser Schlußziehung, die bis zum 14. September läuft, werden Gewinne von insgesamt 12 Millionen DM ausgeschüttet werden.

Zu drei neuen Wohnblocks in der unteren Rheinstraße wurden in diesen Tagen die Erdarbeiten begonnen.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anz/se teil.

Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und „Korea“, eine aktuelle Bilderserie.

Mathildenhöhe: „Das Menschenbild unserer Zeit.“

Starkenburg

Viel Steine gab's und wenig Brot ...

Odenwälder Hartsteinindustrie kämpft um ihre Existenz

Wer durch den Odenwald wandert, dem fallen allerorts die nackten Felskuppen auf, die sich durch Moos und Waldboden zur Erdoberfläche emporheben. Es ist ein steiniges Gebirge, aber die Felsen haben auch außer ihrem romantischen Aussehen einen wirtschaftlichen Wert, sie dienen der Hartstcinindustrie als Grundlage ihrer Produktion.

In den großen Steinbrüchen, die über den ganzen Odenwald verteilt sind, werden die Granitblöcke aus dem Muttergestein losgesprengt, in Loren aus dem Bruch gefahren und den Syenitwerken zur weiteren Verarbeitung zugeführt. Eines der größten Werke ist die Firma Kreuzer & Böhringer in Lindenfels. Sie besitzt ihren eigenen Steinbruch, in dem der Granit in hell- und dunkelgrauen, fast schwarzen Farbtönen gewonnen wird. Mit kleinen Seilzugwagen, die steil aus dem Unterholz des Berges herunterkommen, werden die zentnerschweren Felsbrocken auf das Betriebsgelände befördert und in die Sägehallen gebracht.

Ein unbeschreiblicher Lärm herrscht dort. Das gellende Kreischen der Stahlsägen übertönt jedes andere Geräusch. Mit acht und zehn Sägeblättern, je nach Dicke der benötigten Granitplatten, werden die teilweise mannshohen Felsriesen in wochenlanger Arbeit in Scheiben geschnitten, etwa so, wie man einen Käse zerschneidet, — nur halt etwas langwieriger. Die Stahlsägen besitzen keine Zähne, sie sägen lediglich durch die Wirkung des Stahlsandes, feinkörnigem Stahl, der mit Wasser ständig den Schnittstellen zugeführt wird.

Die so gewonnenen Platten kommen anschließend auf die Schurscheibe, eine drei Meter große Gußscheibe, wo sie mit einer Schmiergelmasse aus verschiedenkörnigem Stahl ihre ebene Oberfläche erhalten. Aus diesen plangeschliffenen Platten werden die benötigten Grabsteine herausgearbeitet, mit einer mit Diamantstaub belegten Stahlscheibe in ihre Fasson geschnitten, und dann wandern sie in den Schleif- und Polierraum, in dem sie ihren „letzten Schliff“ erhalten. Es ist eine mühsame Arbeit, die oft viele Wochen benötigt, und es nimmt daher nicht wunder, zu hören, daß ein mittelgroßer Grabstein zwei- bis dreihundert Mark kostet.

Aber es ist nicht nur der Preis, der den Absatz der Odenwälder Hartsteinerzeugnisse erschwert, vielmehr ist in der Hauptsache der Import schwedischen Granits daran schuld, der trotz des fast doppelten Preises von den Käufern vorgezogen wird, einesteils aus der unerklärlichen Vorliebe für einen fast schwarzen Stein und andererseits aus der Tatsache heraus, daß viele Friedhofsverordnungen das Aufstellen heller Grabsteine aus irgendwelchen ästhetischen Gründen verbieten.

Die Firma Kreuzer & Böhringer beschäftigte früher über 200 Arbeiter. Heute sind es noch knapp 40, wenn man selbst die sechs Mann einrechnet, die im Steinbruch beschäftigt sind. Die Hartsteinindustrie führt einen erbitterten Kampf um ihre Existenz. Mehrfach wurden schon die zuständigen Stellen auf die verzweifelte Lage der Syenitindustrie hingewiesen, ohne daß aber bisher erfolgreiche Maßnahmen zur Behebung der Krise erfolgt wären. Die interessierten Stellen der Steinindustrie verlangen die Verwendung von Syenit und Granit bei allen Gebäuden der öffentlichen Hand zu mindestens 5 Prozent. Diese Forderung ist um so mehr berechtigt, als etwa 60 bis 80 Prozent des Preises Lohngelder darstellen. Der Einwand der Architekten, daß bei Verwendung von Kunststein der Bau um 15 Prozent billiger sei, ist nicht stichhaltig genug, da neben Belebung des Umsatzes an Bauelementen aus Hartstein zwangsläufig auch eine Verbesserung der Bauten damit verbunden ist. Erfahrungsgemäß halten Natursteintreppen, Türgestelle und Fensterbänke aus Granit jeglicher Brandkatastrophe stand, wie das durch die unzähligen ausgebrannten Häuser des letzten Krieges eindeutig bewiesen wurde. Ein weiterer wesentlicher Faktor des Brachliegens der Hartsteinindustrie ist die Einstellung verschiedener Gemeinden in der Frage der Friedhofsordnungen. Aus unerklärlichen Gründen versucht man die Aufstellung dieser oder jener Grabsteinplatte zu verbieten, sei es, daß ein Sandstein- oder Travertinplatte schöner dünkt, oder daß der Friedhof nur mit einer Steinart und Farbe belegt werden soll.

Zur Zeit ist keine Aenderung der wirtschaftlichen Situation der Odenwälder Hartsteinindustrie abzusehen, und wenn nicht in Bälde durch staatliche Maßnahmen die Wirtschaftsentwicklung nach oben geführt werden kann, laufen die letzten Syenitwerke des Odenwaldes Gefahr, auch die wenigen Arbeiter entlassen zu müssen, die sie bisher trotz großer Opfer noch in Lohn und Brot halten konnten. HFL


„So weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarz wie Ebenholz..; Kinder stellten im Festzug beim Nordheimer Kuckucksfest, das am vergangenen Sonntag zum zweiten Male gefeiert wurde, die schönste Szene des Schneewittchen-Märchens dar: das Erwachen aus dem todesähnlichen Schlummer.
„So weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarz wie Ebenholz..; Kinder stellten im Festzug beim Nordheimer Kuckucksfest, das am vergangenen Sonntag zum zweiten Male gefeiert wurde, die schönste Szene des Schneewittchen-Märchens dar: das Erwachen aus dem todesähnlichen Schlummer.

2500 Zentner Stroh vernichtet

Auf Hof Illbach bei Reinheim geriet gestern mittag um 13.45 Uhr eine hinter der Dreschhalle aufgestellte Strohmiete mit ca. 2500 Zentnern Stroh aus bisher nicht geklärten Gründen in Brand. Die Reinheimer Feuerwehr nahm zusammen mit den Löschkräften des Hofgutes die Brandbekämpfung auf. Schaden an Gebäuden entstand nicht.

Es wird vermutet, daß die Ursache in fahrlässiger Brandstiftung besteht. Die bei den Druscharbeiten beschäftigten National-Tschechen mußten mittels einer Dolmetscherin vernommen werden. Die Ermittlungen der Gendarmerie sind noch im Gange. DT

Der Staatsanwalt greift ein

Nachdem die Landeskirchenleitung für Hessen-Nassau die disziplinarische Untersuchung der Verfehlungen des früheren Oberpfarrers von Beerfelden, Otto Heldmann, zu einem vorläufigen Abschluß gebracht und sein schuldhaftes Verhalten festgestellt hat, wurde er mit sofortiger Wirkung vom Pfarramt enthoben. Gleichzeitig übergab die Landeskirchenleitung das Material der Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung der Angelegenheit.

Nach einer Erklärung von Propst Rau ist nach den bisherigen Feststellungen Heldmann allein bei der Beerfeldener Glockenspende für einen Fehlbetrag von 1217,58 DM verantwortlich zu machen. Diese Summe wird sich vermutlich noch erhöhen, da von den Spendenquittungen Nr. 82, 583, 596, 720, 724, 725, 792, 828, 847, 1116, 1705 bis 1725 und 1965 keine Durchschriften bei den Kassenbelegen der Kirche mehr zu finden sind.

Die Inhaber dieser Spendenquittungen werden um Vorlage zur Feststellung des Betrages bis spätestens 13. August beim Evangelischen Pfarramt Beerfelden gebeten.

Unabhängig von der Glockenspende sind aber auch in der laufenden Kassenführung erhebliche Unregelmäßigkeiten festgestellt worden, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Ihre genaue Höhe wird zur Zeit durch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Propst Rau hat ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Kirchenrechner Eugen Ihrig in keiner Weise durch die von Heldmann verursachten Unstimmigkeiten belastet wird. (-ch.)

2000 Zentner Zwetschenausfall hatten die Seeheimer Obstbauern in diesem Jahre zu verzeichnen. Insgesamt kamen nur 1200 Zentner zur Ablieferung in die Markthalle. (er)

Das Winzerfest rückt näher

Nur noch vier Wochen sind es, bis Bensheim sein diesjähriges Winzerfest feiert, wie immer ein Ereignis für die ganze Bergstraße. Nachdem nun das Programm in großen Zügen festliegt, ist der Winzerfestausschuß in seiner Sitzung Ende voriger Woche an die Feinarbeit herangegangen, denn es gibt so unendlich viele Kleinigkeiten, die berücksichtigt werden müssen, und von denen so manches abhängen kann.

Gegenwärtig werden Unterkünfte für auswärtige Gäste gesucht, die entweder den letzten Zug verpassen und daher in Bensheim übernachten müssen, oder die gleich einige Tage oder die ganze Woche in Bensheim bleiben möchten. Im Winzerdorf wird dieses Jahr eine ganz moderne äußerst empfindliche Lautsprecheranlage der Firma Telefunken aufgestellt, deren Schalt- und Mikrophonraum im alten Rathaus untergebracht werden soll. Die Polizei wird dafür Sorge tragen, daß genügend Parkplätze vorhanden sind.

Am Samstag, dem 9. September werden einige Omnibusse mit etwa 100 Sängern aus Arnsberg erwartet, die bis Montag in Bensheim bleiben und von dort Ausflugsfahrten in die nähere und weitere Umgebung machen werden.

Am 10. September wird abermals im Winzerdorf ein großes Liedersingen stattfinden, bei dem außer den Gästen auch die Bensheimer und Bergsträßer Gesangvereine mitwirken; dem besten Verein winkt ein Ehrenpreis. Auch ein Sambaexpreß wird während der Winzerfestwoche nach Bensheim kommen. Außer auf den Tanzflächen im Winzerdorf wird noch in vielen Lokalen und Sälen Gelegenheit zum Tanzen sein; es sollen alle Bensheimer Kapellen eingesetzt werden.

Der diesjährige Festzug wird eine Länge von nahezu 2 km haben, auch eine Winzerkönigin wird wieder huldreichcharmant ihr Zepter schwingen. Die neuen Werbemarken, die an die verschiedenen Bensheimer Behörden, Aemter und Firmen ausgegeben wurden, sind bereits alle vergriffen und helfen auf Briefumschlägen und Schriftstücken mit, für das diesjährige Winzerfest zu werben.


Viel beachtet wurden auf der Jubiläumsschau in Nieder-Ramstadt die Ausstellungen der kirchlichen Werke. Unser Bild gibt rückschauend einen Einblick in eine Koje der Inneren Mission. Neben der Gemeinde begehen auch die Nieder-Ramstädter Anstalten ihr Jubiläum. Aus Anlaß ihres 50jährigen Bestehens wird am kommenden Sonntag ein Festakt abgehalten werden, bei dem der Vorsteher des westfälischen Brüderhauses „Nazareth" in Bethel, D. Tegtmeyer, die Predigt und Obermedizinalrat Dr. Friedrich Koch einen Vortrag halten werden. Foto: Rost
Viel beachtet wurden auf der Jubiläumsschau in Nieder-Ramstadt die Ausstellungen der kirchlichen Werke. Unser Bild gibt rückschauend einen Einblick in eine Koje der Inneren Mission. Neben der Gemeinde begehen auch die Nieder-Ramstädter Anstalten ihr Jubiläum. Aus Anlaß ihres 50jährigen Bestehens wird am kommenden Sonntag ein Festakt abgehalten werden, bei dem der Vorsteher des westfälischen Brüderhauses „Nazareth" in Bethel, D. Tegtmeyer, die Predigt und Obermedizinalrat Dr. Friedrich Koch einen Vortrag halten werden. Foto: Rost

Ein treuer Freund seiner alten Heimat

Vor einiger Zeit berichteten wir über die feierliche Glockenweihe der evangelischen Kirchengemeinde in Alsbach. Am Rande dieses freudigen Ereignisses sei hier noch eines Alsbachers gedacht, der, fern der Heimat, ebenfalls zur Anschaffung der Glocken beigetragen hat: Helmuth Eichhorn. Als junger 17jähriger Bursche wanderte er, nachdem er das Schreinerhandwerk erlernt hatte und in Deutschland Arbeitslosigkeit herrschte, 1930 nach Amerika aus, um sich dort eine Existenz zu gründen. In der Fremde bewahrte der junge Mann, womit ihn die Heimat ausgestattet hatte, Fleiß und Ehrlichkeit, Eigenschaften, die ihn auch drüben bald zum geschätzten Facharbeiter emporhoben und ihm wirtschaftlichen Wohlstand einbrachten. 1933 kehrte Helmuth Eichhorn nach Deutschland zurück und holte sich aus seiner Heimatgemeinde die Jugendgeliebte. Durch die allgemeinen Wirren der Zeit sahen Helmuth Eichhorn und Frau seit diesem Jahre ihre Heimat nicht mehr wieder. Die Fäden der Verbundenheit rissen aber dennoch nicht ab. Trotz Familie, erreichten unzählige Pakete seine Angehörigen und Bekannten in Alsbach, vor allem in der schwersten Zeit und halfen die größte Not lindern. Als die evangelische Kirchengemeinde daran ging, der kleinen Dorfkirche wieder Glocken zu beschaffen, empfand es Helmuth Eichhorn als eine Ehrenpflicht, auch hierzu seinen Beitrag zu leisten. Für die Alsbacher bedeutet die Spende zu ihren Kirchenglocken weit mehr, als es der Geldbetrag ausdrücken kann. Ein Sohn der Heimat bewies seine Heimatverbundenheit. Sein Wunsch ist, Anfang nächsten Jahres den 80. Geburtstag seines Vaters, Johs. Eichhorn, mitfeiern zu können. ph.

Ein neuner Kindergarten

Im Hause Knell in Trautheim wurde gestern mittag ein privater Kindergarten eröffnet. Mancher Mutter aus Trautheim und Traisa ist damit eine große Sorge abgenommen; denn bis Nieder-Ramstadt konnten die wenigsten ihre Kleinen bringen, wenn ihnen in den Morgenstunden die nötige Zeit für ihre Lieblinge fehlte.

Fräulein Monika Hummel zeigte uns stolz den großen, leider etwas düsteren Raum, dessen Einrichtung sie zum großen Teil (mit einer kleinen fachmännischen Unterstützung) selbst gebastelt hat. Eine Kindergärtnerin muß ja bekanntlich nicht nur mit dem kleinen Volk fertig werden — und schließlich ist Fräulein Hummel ja im Staatlichen Seminar ausgebildet.

Gestern nachmittag wurden die Kinder nun von ihren Muttis gebracht, in Zukunft holt sie „ihre Tante Moni“ natürlich ab. Max und Gretchen, oder wie sie alle heißen mögen, hielten ein Blumensträußchen« oder ein Körbchen Obst in der Hand und gratulierten der Tante zur Eröffnung ihres neuen Heimes und zu ihrem Geburtstag, der zufällig auch gestern gefeiert wurde. Außer den Eltern waren noch die Hausbesitzerin, Frau Knell, die den Raum freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, und Bürgermeister Keil geladen worden, der in einer kurzen Ansprache dem Kindergarten seine volle Unterstützung zusagte. Dann durften die „hungrigen Geister“ endlich an ihren Tischchen Platz nehmen und den Geburtstagskuchen der Tante aufessen.

Noch der späte Nachmittag sah eine zufriedene Eltern-Kaffeerunde, eine fröhlich spielende Kinderschar und eine vielbeschäftigte, immer freundliche Tante Moni, der man wünschen möchte, daß sich ihr neu eröffneter Kindergarten bald größeren Zuspruchs erfreut. (-bst)

750-Jahrfeier in Heddesbach

Die badische Ulfenbachtalgemeinde Heddesbach, die zwischen den hessischen Dörfern Langenthal und Unter-Schörmattenwag auf der Straße Hirschhorn— Waldmichelbach liegt, begeht am Wochenende ihre 750-Jahrfeier. Aus den umliegenden Ortschaften haben sich zahlreiche Vereine angesagt, um das Fest verschönern zu helfen. (-r)

9jähriger verursacht Großfeuner

Zu dem gestern von uns gemeldeten Großfeuer in Königstädten, dem Scheunen und Stallgebäude zum Opfer fielen, erfuhren wir ergänzend, daß der Brand durch die Streichholzversuche eines neunjährigen Jungen entstanden war. Wie die Ermittlungen von Kriminalsekretär Hofmann ergaben, war der neunjährige Hans Hepp mit Streichhölzern von seiner Großmutter auf den Heuboden der Scheune von Frau Eleonore Breß geklettert und hatte dort ein Feuerchen an dem Heu entzündet. Als er es nicht mehr löschen konnte, ließ er Schachtel und Streichhölzer liegen und versteckte sich schleunigst, ohne Alarm zu geben. Er war von Arbeitern einer im benachbarten Gehöft arbeitenden Dreschmaschine beobachtet worden, als er im Gebälk der Scheune umherkletterte. DT

Pferdeschau in Dornheim

Am Sonntag, den 20. August veranstaltet der Reit- und Fahrverein Domheim, Kreis Gr.-Gerau, eine Pferdeschau, die mit einem Reitertag und einer Kreis-Fohlenschau verbunden ist. Die 100 besten Zuchtstuten des Kreises gelangen zur Vorführung. Die Pferdeschau beginnt um 9 Uhr, die reiterlichen Darbietungen beginnen um 14 Uhr. (cg)

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Roßdorf. Die Arbeiten am dritten Gemeindesiedlungshaus „Am steinigen Berg“ schreiten rasch vorwärts. Nach Fertigstellung der Kellerdecke wird bereits mit der Aufmauerung des Erdgeschosses begonnen. (sl)

Nieder-Ramstadt. Das Fest der silbernen Hochzeit feierten am Dienstag die Eheleute Fabrikant Friedrich Flechs enh a r und Frau Elisabeth geb. Dietz. Die Sängervereinigung brachte am Abend unter starker Anteilnahme der ganzen Nachbarschaft dem Silberpaare ein Ständchen, wobei der I. Vorsitzende der Sänger, Herr Brand, den Jubilar als altes Mitglied und Sangesfreund ehrte. Der Jubilar dankte mit herzlichen Worten und übergab dem Sprecher der Sänger einen Briefumschlag mit dem Wunsche, den Inhalt zur Beschaffung eines neuen Chor-Satzes zu verwenden. (Her)

Seeheim. Um weitere Schäden zu vermeiden, wurden das Kirchen- und Turmdach vom Kirchenvorstand in Reparatur vergeben. (er.)

Jugenheim. Einen Kulturabend veranstaltet der Verband der Heimatvertriebenen, Ortsgruppe Jugenheim, gemeinsam mit der Sport- und Kulturgemeinde am 12. August, 20.30 Uhr, in der Turnhalle. Die Adalbert-Stifter-Gruppe bietet Gesang, Tanz und das Laienspiel: „Der Bauer“ dar. (er)

Bickenbach. Als einziger Punkt stand auf der Tagesordnung der gestrigen Gemeinderatssitzung die Beratung des Vier-Millionen-Schulprojektes an der unteren Bergstraße. Nachdem Landrat Wink und Kreisschulrat Dr. Ploetz in längeren Ausführungen das Projekt erläutert hatten, brachten die Gemeindevertreter in der Aussprache ihr grundsätzliches Einverständnis zum Ausdruck.

DIEBURG

Dieburg. Am Samstag, dem 12. August, findet um 20.30 Uhr im Gasthaus „Zur Ludwigsbahn“ (Am Fuchsberg) eine Mitgliederversammlung des neu konstituierten Eisenbahnvereins Dieburg und Umgebung statt. (RG)

Groß-Zimmern. Der Kleintierzuchtverein veranstaltet am kommenden Sonntag im „Löwenbräu“ eine große Jungtierschau, die günstige Kauf- und Tauschgelegenheit bietet. Um 14 Uhr werden im Rahmen einer Feierstunde, bei der der Männergesangverein „Einigkeit“ seine Mitwirkung zugesagt hat, die Jubilare des Vereins geehrt. (eb)

Georgenliausen. Am Freitag findet um 20 Uhr im Rathaus eine Gemeinderatssitzung auf Antrag der „Demokratischen Wählergruppe“ statt. Zur Beratung stehen die derzeitige Finanzlage der Gemeinde, die Geschäftsordnung und das Umlegungsverfahren Groß-Zimmern — Georgenhausen. (We)

Reinheim. Zu einem Verkehrsunfall kam es am hiesigen Bahnübergang, als ein Motorradfahrer aus Richtung Spachbrücken in die Rechtskurve der Darm¬ städter Straße einbog. Ein vom Bahnhof kommender Pkw. dessen Fahrer die Vorfahrt nicht beachtet hatte, stieß gegen die Maschine. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt. (RG)

ERBACH

Neustadt. Durch Aufstockung des Spritzenhauses entstanden 2 neue Wohnungen, die jetzt bezogen wurden. (hm)

Sandbach. Im Gasthaus „Sonne“ fand eine Zusammenkunft der Gewerkschaftsjugend — Fachgruppe Papier, Chemie, Keramik — statt. Gewerkschaftssekretär Kaiser behandelte gewerkschaftliche Fragen. Daß die Jugend Interesse zeigte, geht aus dem guten Besuch der Veranstaltung hervor. Anschließend wurde getanzt. (hm)

Höchst. Die katholische Pfarrgemeinde Höchst/Hetschbach macht am 15. mit einem Omnibus eine Wallfahrt nach dem großen Wallfahrtsort Marienthal im Rheingau. (le)

Unter-Ostern. Eine der schlechtesten Stellen der Landstraße durch das Ostertal bei der Wirtschaft Schimpf ist geteert worden. (ptoo.)

BERGSTRASSE

Kreidach. Da der ursprünglich vorgesehene Bauplatz für Heimatvertriebene hinter dem Eisenbahnviadukt als zu abgelegen angesehen wurde, hat man nun das Gelände am Wintergrund für den gleichen Zweck vorgesehen. (-r.)

Wahlen. Die Siegfriedstraße, die dringend der Renovierung bedarf, kann vorerst nur notdürftig abgedeckt werden, da Geldmittel für eine Asphaltdecke nicht vorhanden sind. (-r.)

Mörlenbach. Der Obstgroßmarkt Wein¬ heim hat bei der Spar- und Darlehns¬ kasse, Weinheimer S.traße. eine Obstsammel- und Ankaufsste'lle errichtet, (kie)

Nieder-Liebersbach. Der aus Münster bei Dieburg stammende Pfarrer Mü 1 - ler konnte jetzt auf eine 25jährige Tätigkeit in der Gemeinde zurückblicken.

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Nach Mitteilung des Landratsamtes ist die Kreistagssitzung, die am 15. August in Gernsheim stattfinden sollte, auf den 17. August verlegt worden. Tagungsort und Tagesordnung erfahren keine Veränderung. (Kb)

Groß-Gerau. Im Standesamt wurden .m Juli neun Geburten, sechs Sterbefälle und acht Eheschließungen verze;-'.net. (cg)

Bischofsheim. Die Betriebsgruppe „Arso“ der Opelwerke beabsichtigt in der Rüsselsheimer Straße ähnlich wie in Raunheim und Königstädten eine Siedlung zu errichten. Aus diesem Anlaß fand im Saalbau Wiesenecker eine gutbesuchte Einwohnerversammlung statt, in der das Projekt näher erläutert wurde. Während der Versammlung erklärten sich etwa einhundert Personen mit der Gründung eines „Bauringes Betriebsgruppe Opel“ einverstanden. (Kb)

Raunheim. Die Baugenossenschaft „Ried“ hat den ersten Spatenstich für 15 Wohnhäuser getan, nachdem die Zuteilung der Gelder nun endlich erfolgt ist. Außerdem baut die Gemeinnützige Baugenossenschaft Raunheim noch 6 weitere Häuser, so daß eine fühlbare Erleichterung des Wohnungsmarktes in Raunheim eintreten wird. (-au)

Kelsterbach: Das seither von der Besatzung belegte Barackenlager am Flughafengelände wurde nunmehr freigegeben. Somit konnte die Gemeinde sofort 120 alleinstehenden Arbeitern, deren Familien außerhalb wohnen, Unterkunft gewähren. Außerdem haben sich zwei Flüchtlingsiretriebe in dem aus 25 gro™ Wohnbaracken bestehenden Lager Werkstätten einrichten können. (Kb.)

Der Sport

Die Fußballer des SV 98 in Urlaub am Neckar


Der hartumkämpfte Schritt in die Oberliga hat den „Fußballern“ des SV 98 einen Btägigen Urlaub eingebracht. Trainer Adam Keck nahm amMontag die Mannschaft unter seine Fittiche und fuhr mit ihr an den Neckar, nach Lindach bei Eberbach. — A propos Urlaub. Wir sprechen bei unserem Besuch mit Trainer Keck, der uns eines besseren belehrt. In 14 Tagen, am 29. 8., steigt das erste Punktspiel im Hochschulstadion gegen den Vorjahrsmeister VfR Mannheim. Da haben unsere 98er keine Zeit für faulen Urlaub. Keck hat sich ein festes Tagesprogramm vorgenommen, das 2 bis 3 Stunden Training umfaßt, und das wird durchgehalten. Wenn auch das Frühauf stehen um 7 Uhr manchen wie mitten in der Nacht vorkommt. Als Abschluß jeder anstrengenden Stunde lockt ein erfrischendes Bad im Neckar. Man spürt, wie es allen wohl tut, wie sie alle mitmachen, weitab von Beruf und — leider auch von Frau und Braut. Diese 6 Tage werden das notwendige kameradschaftliche Band in der Mannschaft noch mehr stärken. Geist und Willen haben sie bewiesen, Zuversicht und Optimismus helfen die ersten schweren Klippen überstehen. Es dunkelt schon, als wir uns verabschieden. 12 Hände winken uns nach im dunkelblauen Trainingsanzug mit der weißen Lilie auf der Brust. Und wir wünschen ihnen noch ein paar sonnige Tage, einen guten Start ins neue Fußballjahr und ein kräftiges Hinein!!
Der hartumkämpfte Schritt in die Oberliga hat den „Fußballern“ des SV 98 einen Btägigen Urlaub eingebracht. Trainer Adam Keck nahm amMontag die Mannschaft unter seine Fittiche und fuhr mit ihr an den Neckar, nach Lindach bei Eberbach. — A propos Urlaub. Wir sprechen bei unserem Besuch mit Trainer Keck, der uns eines besseren belehrt. In 14 Tagen, am 29. 8., steigt das erste Punktspiel im Hochschulstadion gegen den Vorjahrsmeister VfR Mannheim. Da haben unsere 98er keine Zeit für faulen Urlaub. Keck hat sich ein festes Tagesprogramm vorgenommen, das 2 bis 3 Stunden Training umfaßt, und das wird durchgehalten. Wenn auch das Frühauf stehen um 7 Uhr manchen wie mitten in der Nacht vorkommt. Als Abschluß jeder anstrengenden Stunde lockt ein erfrischendes Bad im Neckar. Man spürt, wie es allen wohl tut, wie sie alle mitmachen, weitab von Beruf und — leider auch von Frau und Braut. Diese 6 Tage werden das notwendige kameradschaftliche Band in der Mannschaft noch mehr stärken. Geist und Willen haben sie bewiesen, Zuversicht und Optimismus helfen die ersten schweren Klippen überstehen. Es dunkelt schon, als wir uns verabschieden. 12 Hände winken uns nach im dunkelblauen Trainingsanzug mit der weißen Lilie auf der Brust. Und wir wünschen ihnen noch ein paar sonnige Tage, einen guten Start ins neue Fußballjahr und ein kräftiges Hinein!!

Tennisspieler aus zwõlf Ländern

Bei den internationalen Tennismeisterschaften von Deutschland

In Hamburg haben am Dienstag die 44. internationalen Tennismeisterschaften von Deutschland unter Beteiligung von zwölf Nationen auf den traditionellen Plätzen am Rothenbaum begonnen. Bei herrlichstem Wetter hatte die ausgezeichnete Besetzung, die in der Qualität der Spieler die Vorkriegsturniere voll erreicht, die erstaunlich große Zahl von über 2500 Zuschauern angezogen.

Der erste Tag galt hauptsächlich den beiden Einzelwettbewerben, in denen jeweils die letzten Sechzehn ermittelt wurden, wobei es vor allem bei den Herren bereits einige erbitterte Kämpfe gab und vier Begegnungen erst nach der vollen Distanz von fünf Sätzen gewonnen wurden. Ein Opfer des schlechten Platzes wurde Saß (Göttingen) gegen Harper. Der Australier forderte beim Stande von sechs beide im letzten Satz die Wiederherstellung des Platzes, weil einige Löcher das Spielen fast unmöglich machten. Da sich der Schiedsrichter auf den Wunsch Harpers einließ, ehe die Turnierleitung eingreifen konnte, gab es eine zehnminütige Zwangspause, nach der Harper noch den Sieg herausholte. Nach internationalen Regeln ist eine Pause im letzten Satz unzulässig. Saß stand bei 6:5 und 30:0 zwei Bälle vor dem Sieg.

Auch der deutsche Spitzenspieler Gottfried von Cramm hatte mit dem sehr gut aufschlagenden, flink laufenden und frisch spielenden 26 jährigen Schweden Cavalli einige Mühe. Im zweiten Satz führte der Schwede (Zehnter der Rangliste) bereits 4:2, ehe er ihn dann 4:6 verlor. Erst im letzten Satz zeigte von Cramm seine beste Form. Hughes und R. Menzel mußten gegen Buchholz bzw. Hermann der Jugend den Tribut zollen und unterlagen jeweils in drei Sätzen.

Recht glücklich gewann der indische Spitzenspieler Delip Bose gegen den Mainzer Dr. Joachim Günther im fünften Satz nach einem mitreißenden Kampf 6:4, 3:6, 1:6, 6:2, 6:3. Im gemischten Doppel spielten Frau Jenquel/Dr. Günther gegen Frau Dietz/Billy Sidwell 2:6, 1:6. Die Ergebnisse des zweiten Tages sind:

Herren-Einzel: Drobny (Aegypten)— Bose (Indien) 6:2, 6:3, 6:1. Von Cramm— Kumar (Indien) 6:3, 6:4, 7:5. Quist (Australien)—Dostal 7:5, 6:2, 6:0. Hermann—Murphy (Irland) 6:2, 6:4, 6:4. Destremau (Frankreich)—Koch 11:13, 6:4, 7:5, 6:3. Sidwell (Australien)—Beuthner 6:4, 6:1, 6:3. Harper (Australien)—Spitzer (Schweiz) 7:5 (Spitzer zog zurück).

Dameneinzel: Weiß (Argentinien)— Dietz 6:2, 6:2. Schneider—Reimann 3:6, 6:1, 6:4. Heidtmann— von Ladiges 6:2, 6:1. Tidow—Eberstein 7:5, 7:9, 6:2. Pohmann gegen Kramer 6:1, 6:2. Head (USA) —Vollmer 6:3, 4:6, 6:2. Anderson (USA) —Müller-Hein 6:1, 6:2. Zehden—Buja 3:6, 6:1, 6:3.

Diesmal rund um das Bundesgebiet

Am Samstag Start zur „Deutschland-Rundfahrt 1950“ der Radrennfahrer

Vo. Hannover. (Eigener Bericht.) Hermann Schwartz, der Organisator der Deutschland-Rundfahrten, wird in diesen Tagen aufatmen, denn die Fülle der Arbeit, die mit der Vorbereitung einer solchen Rundfahrt verbunden ist, liegt hinter ihm. Als letzte der großen europäischen Rundfahrten wird in der Zeit vom 12. August bis 31. August die Deutschland - Rundfahrt 1950 Millionen von Menschen drei Wochen lang im Bundesgebiet in Spannung halten. Aus sechs Ländern (Italien, Frankreich, Belgien, Holland, der Schweiz und Deutschland, werden insgesamt 60 Teilnehmer zu der 17-Etappenfahrt über rund 4000 km starten, die nur drei Ruhetage enthält. Wer wird auf dieser Deutschlandfahrt 1950 am Schlußtag in Hannover das weiße Trikot des Siegers tragen?

Es ist eine reine Gefühlssache, wenn wir den Dortmunder Erich Bautz, einer der alten Kämpen zahlreicher Straßenrennen auf Grund seiner augenblicklich guten Form trotz der Ausländer als den Favoriten der Deutschland-Rundfahrt 1950 bezeichnen möchten. Der Westfale ist ein kluger Taktiker und ein routinierter Bergsteiger, der in den beiden zurückliegenden Deutschlandfahrten viel Pech hatte und immer nur knapp Zweiter wurde. Gleich neben Erich Bautz muß man den Nürnberger Pfannenmüller nennen, den Sieger der internationalen Schwarzwald-Rundfahrt 1950 und starken Mannschaftsführer der deutschen Mannschaft bei der „Tour de Suisse“. Der letzt jährige Sieger der Deutschland-Rundfahrt, Harry Saager, will versuchen, seinen Sieg des Jahres 1949 zu wiederholen, dazu bringt er auch alle Voraussetzungen mit. Aus der großen Zahl von ausgezeichneten deutschen Fahrern verdient vom Nachwuchs vor allem der Schwenninger Heinz Müller Beachtung, den ein so alter Routinier wie Karl Altenburger betreut.

Es gibt gerade in diesem Jahre viele Variationen bei der Frage nach dem Sieger der Deutschland-Rundfahrt 1950, und davon haben wir einige angedeutet. Die 17 Ausländer darf man natürlich nicht vergessen, denn die Schweizer Sommer und Schütz haben schon bei der Schwarzwald-Rundfahrt Gutes gezeigt, und Holland, Belgien, Italien und Frankreich schicken Fahrer mit großer Routine, die durchaus eine Ueberraschung bringen können.

Brüssel mit Sowjetrussen

Brüssel, (dpa) Die Sowjetunion hat dem belgischen Leichtathletikverband telegrafisch mitgeteilt, daß sie 40 Sportler und Sportlerinnen zu den Leichtathletik-Europameisterschaften, die am 23. August in Brüssel beginnen, entsenden wird. Durch diese Zusage besteht erstmalig eine Vergleichsmöglichkeit mit den starken sowjetischen Leichtathleten. Nach der Zusage der Sowjetunion liegen zum Nennungs- Schluß die Meldungen von insgesamt 24 Ländern vor. Drei der eingeladenen Länder, Albanien, Bulgarien und Liechtenstein, haben nicht gemeldet. Zugesagt haben Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Holland, Island, Irland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Norwegen, Oesterreich, Polen, Portugal, Rumänien, Sowjetunion, Spanien, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei, Türkei und Ungarn.

Deutschland ist noch nicht in den internationalen Verband auf genommen und demzufolge auch in Brüssel nicht zugelassen.

Ferrari-Stall eingetroffen

Adenau. (Id) Der italienische Rennstall Ferrari ist mit seinen Fahrern Ascari, Serafini, Bennetto und Sommer am Mittwochnachmittag auf dem Nürburgring eingetroffen. Die Italiener werden bereits am Donnerstag mit dem Streckenstudium und dem ersten Training beginnen.

Hermann Schüler Seniorenmeister

Gestern wurden die Senioren-Klubmeisterschaften des TEC beendet. In der Schlußrunde standen sich Karcher und der Vorjahrsmeister Hermann Schüler gegenüber. Schüler siegte nach hartem Kampf in dem von Netzangriffen Karchers durchsetzten 2. Satz 6:0, 8:6 und errang so zum zweiten Male nach dem Kriege die Senioren-Meisterschaft. gw

Phönix Karlsruhe kommt mit Reeh

Die Elf von Phönix Karlsruhe, die im Rahmen der Jubiläumswoche am Samstag gegen die Ligamannschaft der 98er ein Fußballspiel austragen wird, spielt in ihrer stärksten Aufstellung, mit: Rohrer; Kühne, Motzer; Schilling, Reeb, Sommerlatt; Wäldele, Lister, . Kunkelmann, Becherer und Engelhardt. Reeb, der Mittelläufer, spielte während des Krieges beim SV 98.

Die Heag läßt ab Odenwaldbrücke Sonderomnibusse nach dem Platz laufen.

Wasserball-Turnier am Woog

Der erste Spielabschnitt der Verbandsrunde der A-Klasse im Wasserball, der termingemäß bis 12. August beendet sein muß, gab bereits einen Ueberblick über das Spielniveau der beteiligten Mannschaften.

Bei den bis jetzt ausgetragenen Kämpfen konnte der SC Reinheim mit einer Ueberraschung aufwarten, da es ihm gelang, die TSG 46 Darmstadt im Endspurt 2:1 zu schlagen. SKG Mörfelden unterlag auf eigener Kampfbahn dem TV 46 Groß-Gerau mit 4:6, während der DSW 12 Darmstadt von Groß-Gerau einen 7:0- Sieg mit nach Hause bringen konnte. Weiter gelang es dem DSW 12, den Ansturm des SC Reinheim abzuwehren und gegen dieses forsche Team einen 2:0-Erfolg zu erringen. In einem harten Kampf siegte nun der DSW 12 vorgestern auch gegen seinen sich energisch wehrenden Lokalrivalen TSG 46 gleichfalls mit 2:0 Toren, was dem „Club“ eine 6:0 -Tabellenführung einbrachte. Das von Schiedsrichter Gorgas (Bad Soden) sicher geleitete Spiel war äußerst kampfbetont. Durch Weicker konnte der DSW nach der Pause in Führung gehen (4-m-Ball) und kurz darauf war es Sachs 11, der seinem Bewacher Weiler durchging und den zweiten Torwurf anbrachte. Die zum Teil gefährlichen Gegenangriffe der TSG waren nicht immer taktisch richtig angelegt und konnten daher von dem Schlußdreieck des DSW abgestoppt werden.

Das vorausgegangene Jugendspiel DSW 12 — TSG 46 konnten die besser eingespielten Jungens vom DSW mit 9:0 (5:0) für sich entscheiden.

Die Kämpfe werden nun am kommenden Sonntag (10.30 Uhr) in Turnierform mit folgenden Paarungen fortgesetzt:

Vormittags: Heppenheim — Mörfelden, Reinheim — Rüsselsheim, Darmstadt 46 gegen Groß-Gerau, DSW 12 Darmstadt gegen Heppenheim.

Nachmittags: Rüsselsheim — DSW 12, Mörfelden — Reinheim, Groß-Gerau — Heppenheim. -er-

Snort der Heimat

Jubiläumsveranstaltungen der TG 75

Im weiteren Verlauf der Turn- und Sportwoche findet am Donnerstag um 18 Uhr ein Jugendfußballspiel SV 98 gegen Rot-Weiß Walldorf statt. Beide Mannschaften sind in ihrer Klasse Spitzenreiter gewesen.

In der Turnhalle der Eleonorenschule, 19.30 Uhr, treffen sich die Tisch-Tennisspieler von der TG 75 und SV 98 Darmstadt. Den Tisch-Tennisfreunden stehen hier interessante Kämpfe bevor.

Lebhafter Spielbetrieb ist wieder am Freitag am Ziegelbusch. Die Faustballer des TSV Pfungstadt, TSG 1846 Darmstadt, Tgde Bessungen 1865 und die des Jubelvereins treten in einem Turnier um den Besten an. Pfungstadt, der Favorit, erscheint mit seiner ersten Garnitur, aber auch die 1846 er melden die stärkste Aufstellung, so daß ein spannender Kampf zu erwarten ist. Die Spiele beginnen um 18 Uhr.

Den Turnfreunden wird weiterhin die Kreisriege an den Geräten noch eine nette und interessante Abwechslung bieten.

Fußball im Rodgau

Der FV Eppertshausen tritt am Wochenende zum Rückspiel gegen die SG Dietesheim an (Vorspiel 3:3). Mit der SG Dietzenbach erwartet der KSV Urberach am Sonntag einen Vertreter der Frankfurter Bezirklasse (Vorspiel 5:5. — Germania Ober-Roden unternimmt am Wochenende eine Reise in den Spessart und nimmt an einem Turnier in Leidersbach teil. Ebenfalls auf einem Turnier weilt am Sonntag die Viktoria in Messel, wu

Oberzent gegen Unterzent

Am Sonntag, dem 13. 8., um 15 Uhr stehen sich auf dem Sportplatz in Höchst die Auswahlmannschaften der A-Klasse des Kreises Erbach zwischen der Oberzent und Unterzent zu einem Fußballspiel gegenüber. Das Vorspiel bestreiten die Auswahlmannschaften der B-Klasse. (le)

Wieder große Tage in Pfungstadt

433 Meldungen für das Reit- und Fahrturnier — Hessens größtes ländliches Reitertreffen

Während sich die Geldbeutel noch kaum von den beiden Turn- und Sportfesten in Pfungstadt und Eschollbrücken erholt haben, rüsten sich ihre lebensfrohen Besitzer bereits wieder zu einem neuen Drei-Tage-Fest, dessen Veranstalter diesmal der Reiterverein Pfungstadt ist. Zu dem großen Reit- und Fahrturnier, das im Mittelpunkt dieses ländlichen Volksfestes steht, sind nach Ablauf des Meldetermins insgesamt 433 Nennungen eingelaufen. Diese überaus große Beteiligung wurde von den örtlichen Initiatoren bei veitem nicht erwartet, so daß das Turnier zu seiner Durchführung zwei volle Tage beanspruchen wird. Dazu wurde von dem Pfungstädter Reiterverein, der erst vor kurzem neu gegründet wurde, aber an alte Traditionen anknüpft, in mühevoller Arbeit ein tadelloser Turnierplatz angelegt.

Auf diesem Platz werden sich nun am kommenden Samstag und Sonntag die bekanntesten hessischen Reiter, Springer und Fahrer den Rang streitig machen; alle Reitervereine der Umgebung, von Ried, Rhein, Odenwald und Bergstraße nehmen geschlossen teil. Der Landesvorsitzende Roeder v. Diersburg (Darmstadt) und der Präsident des Pferdezüchterverbandes von Hessen und Nassau, Rudolf Walter (Reichelsheim) haben ihr Erscheinen als Ehrengäste zugesagt.

Infolge der großen Beteiligung wird sich das Reit- und Fahrturnier über zwei Tage hinstrecken. Die Vorprüfungen werden daher bereits am Samstag abgehalten; sie beginnen um 8.00 Uhr und dauern bis 19.00 Uhr. Am Sonntag werden dann zur gleichen Zeit wie am Vortage die Hauptprüfungen durchgeführt. 150 Pferde werden an diesen beiden Tagen starten, davon allein 72 beim Jagdspringen. Die Fahrkonkurrenzen enthalten Eignungsprüfungen für Einspänner, Zweispänner und Vierspänner. Die stattliche Zahl von 11 Viererzügen ist z. B. für die letzterwähnte Konkurrenz gemeldet. Außerdem sollen sogar, wie man hört, zur besonderen Ueberraschung der Festgäste zwei Sechserzüge als Schaunummern gefahren werden.

Der veranstaltende Verein rechnet mit einer hohen Zahl von Besuchern aus ganz Hessen. md

Telegramme

Schwarz-Weiß Essen unterlag in Stockholm dem der 1. schwedischen Liga angehörenden FK Djurgaarden mit 4:6 (0:4). / Weitere Wochentags-Fußballspiele: Spvgg. Andernach—Wacker Wien 0:11 (!), Vfß Stuttgart—SC Stuttgart 5:0.

Danksagung Für die aufrichtige Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Vaters Georg Kehr Steuer-Sekretär i. R. danken herzlichst Heinrich Kehr und Frau geb. Gunder Beckstraße 25 Hermann Scior und Frau Suse geb. Kehr und Kinder Trautheim, Alte Darmstädter Straße 4

Bestattungen am Donnerstag, dem 10. August 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 10.30 Netz, Marianne, geb. May, 27 J., Da-Eberstadt, Darmstädter Straße 48 Betsunger Friedhof: 10.00 Behrmann, Katharina, geb. Bröschmann, 70 J., Ludwigshöhstraße 57 Arhellger Friedhof: 16.30 Görmann, Wilhelm, 48 J., Da-Arheilgen, Bachstraße 7 Waldfriedhof: 14.15 Fornoff, Johann, Darmstadt, 62 J., Taunusstraße 15

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