Gegenstück zum Schuman-Plan
Ein Vorschlag der englischen Konservativen in Straßburg
Straßburg, 8. August. (AP./BBC./dpa) Die britischen konservativen Abgeordneten der Straßburger Delegation sind mit einem Plan in die Oeffentlichkeit getreten, der ein Gegenstück zum Schuman-Plan ist.
Bereits am Montagnachmittag war bekannt geworden, daß Churchill und seine konservativen Mitabgeordneten in Straßburg Vorschläge unterbreiten wollten, die eine Grundlage werden könnten für eine Beteiligung Großbritanniens an einer vereinigten europäischen Montanindustrie.
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Der britische Vorschlag, der der Beratenden Versammlung am Dienstag vorgelegt worden ist, hat die englische Abordnung in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. In einundzwanzig Punkten werden Gegenvorschläge und Ergänzungsvorschläge zu dem Schuman-Plan behandelt. Der Schuman-Plan sei, so erklärte der Initiator des britischen Gegenplanes, MacMillan, für eine praktische Anwendung viel zu umfassend, wenn er auch von edlen Motiven bewegt sei. Jede Regierung müsse letzten Endes eine sichere Kontrolle über die auf ihrem Gebiet gelegenen Produktionsstätten behalten, weil das wirtschaftliche, soziale und strategische Leben eines Volkes von dieser letzten Kontrolle abhingen.
Im einzelnen haben die britischen Konservativen bei ihren Gedanken über die Zusammenfassung einer Montanindustrie vorgeschlagen, daß die Oberste Behörde nicht einem Parlament der einzelnen Länder, sondern dem Europarat, wie er jetzt bestehe, verantwortlich sein müsse. Die Außenminister der Länder, die an dem Plan beteiligt seien, sollten einen wirtschaftlichen Unterausschuß bilden. Der Ausschuß müsse im Rahmen des Ministerausschusses des Europarates arbeiten. Hier solle die Aufsicht über die Stahl- und Kohlekontrolle direkt liegen. Die Mitglieder der Behörde müßten aus den Reihen der Gewerkschaften, der Unternehmer und der Verbraucher gewählt werden. Besonders ernannt werden müsse aber der Vorsitzende einer solchen Behörde. Die Leitung der Montan-Union solle nicht ausschließlich in der Hand von Technikern liegen. Unabhängigkeit sei wichtig, vor allem bei dem Vorsitzenden.
Fünf Versuchsjahre
Abstimmungen innerhalb der Behörde müßten nach dem Mehrheitsprinzip vorgenommen werden und bei Fragen, die ein Partnerland ausschließlich allein angingen, müßte dessen Vertreter das Recht des Vetos haben. Nach fünf Versuchsjahren könne das Vetorecht überprüft werden.
Die Vertreter der Labour Party in Straßburg werden sich in der Beratenden Versammlung durch besondere Sprecher zu diesem Thema zu Wort melden, da sie grundsätzlich anderer Auffassung sind.
Der Kernpunkt
Auf die Anfrage, konkret festzustellen, worin der Unterschied zwischen dem Vorschlag Schumans und dem Vorschlag der Konservativen liege, erklärte einer der konservativen Sprecher, man sei nicht darüber unterrichtet, welche Form die Montan-Union durch die Pariser Verhandlungen erhalten habe. Der Kernpunkt der britischen Auffassung sei jedoch, einen Teil der Wirtschaft müsse man unter der Kontrolle der eigenen Regierung behalten und niemals einer übernationalen Leitung anvertrauen.
Auf der ersten Arbeitssitzung der Beratenden Versammlung kam die Koreanisehe Frage zur Sprache. Zahlreiche Redner wiesen darauf hin, daß sich die freien Völker Europas darauf gefaßt machen müßten, der Gefahr einer sowjetischen Aggression zu begegnen. Ein britischer Sprecher erklärte, Großbritannien werde sich nicht hinter den Kanal zurückziehen.
Englands Schicksal mit dem Europas verknüpft
London, 8. August. (H. R.) Außenminister Bevin hat am Montag über den Londoner Rundfunk erklärt, er hoffe, daß es dem Europarat gelingen werde, die Vorschläge seiner Mitgliedsstaaten auf einen Nenner zu bringen Großbritannien habe als Mitgliedstaat des Commonwealth Verpflichtungen, die sich auf die ganze Welt erstreckten. Gleichzeitig sei es eine europäische Macht, und als solche sei sein Schicksal mit dem Europas eng verknüpft.
Belgiens Verteidigung
Brüssel, 8. August. (AP.) Belgien wird seinen Verteidigungshaushalt um fünf Milliarden belgische Francs erhöhen, hat Ministerpräsident Jean Duvieusart am Dienstag vor dem Parlament bekanntgegeben.
Die Deutschen herzlich aufgenommen
Herbe Kritik an Bevin in Straßburg
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Sch. Straßburg, 8. August. Der Eintritt der Deutschen in den Europa-Rat ist von der erdrückenden Mehrheit der Delegierten mit Herzlichkeit aufgenommen worden. Neben den Franzosen und den britischen Konservativen haben vor allem die Italiener, die Belgier und die Holländer sofort persönliche Beziehungen mit den Deutschen aufgenommen und ihnen die Bereitschaft zum Eintritt in die Kommissionen des Europa-Parlaments förmlich abgepreßt. Sehr erleichtert wurde die Stellung der Deutschen durch die überraschend freundliche Geste des Ministerkomitees, direkte Beziehungen mit Deutschland herzustellen, die deutschen Delegierten zur Behandlung wichtiger Fragen zu den Experten-Konferenzen heranzuziehen und Deutsche in das Generalsekretariat aufzunehmen. Sehr beachtet wurde, daß der am Flugplatz in Straßburg-Ensheim eingetroffene Führer der britischen Konservativen, Sir Maxwell Fyfe, sofort Verbindung nicht nur mit Robert Schuman und Guy Mollet, sondern auch mit den deutschen Delegierten auf nahm, um seine Vorschläge zum Schuman-Plan zur Kenntnis zu geben.
Weniger enthusiastisch wie das Erscheinen der Deutschen im Europa-Haus wurde die Botschaft des Ministerkomitees dort aufgenommen, die zwar nicht alle Wege des europäischen Neuaufbaues verbaut, im übrigen aber lediglich die verschiedenen „Fortschritte“ der europäischen Zusammenarbeit etwas schulmeisterlich aufzählt, ohne praktische neue Vorschläge für eine schnellere Verwirklichung der Beschlüsse der Konsultativversammlung oder wenigstens einige Andeutungen über eine künftige europäische „Exekutive“ zu geben.
Im neuen Europa-Klub, der ehemaligen Villa Schützenberger, dicht neben dem Europa-Palast gelegen, hat sich bereits der aktivste Teil der Minister, Delegierten und Journalisten zusammengefunden und dort herbe Kritik an dem „rückschrittlichen“ Flügel der Minister, an Bevin und seinem Vertrauten Hugh Dalton geübt. Nach ihrer Auffassung betrachtet Bevin den bisherigen Status des Europa-Rates als das höchste aller Zugeständnisse und sucht die unter Mac-Bride gefaßten Beschlüsse in ihrer Auslegung möglichst einzuschränken.
Erbittertes Ringen in Korena
Amerikanische Offensive stößt auf heftigen Widerstand
Pusan, 8. August. (AP./BBC./dpa) Die amerikanische Offerisive, die am Montag wegen des heftigen feindlichen Widerstandes angehalten werden mußte, ist am Dienstag erneut aufgenommen worden. Das Ziel der Amerikaner bleibt Schinju.
Am Mittelabschnitt ist es den Nordkoreanern gelungen, nunmehr vier Brükkenköpfe über den Naktong zu bilden. Damit ist Taiku bedroht, und es besteht außerdem die Gefahr, daß der Feind aus dem südlichsten Brückenkopf einen Vorstoß gegen die tiefe Flanke der auf Schinju vor gehenden amerikanischen Verbände unternimmt. An der ganzen Front sind blutige Kämpfe im Gange.
ein. Der Angriff der Amerikaner, der am Montag nach einem Geländegewinn von rund drei Kilometern auf einer Breite von fast dreißig Kilometern steckengeblieben war, ist am Dienstag wieder aufgenommen worden. Langsam soll sich die Korpsgruppe Kean — zwei Divisionen, verstärkt durch Marinefüsiliere und frisch gelandete Infanterie aus Hawaii sind zur Offensive angetreten — weiter in Richtung auf Schinju vorschieben.
Die Absicht der Amerikaner ist offensichtlich, den Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt Schinju zu nehmen, womit die unmittelbare Bedrohung von Pusan wenigstens vorübergehend ausgeschaltet werden könnte. Bei Schinju fließt nach Nordosten der Nam, ein Nebenfluß des Naktong, der die ideale Hauptkampflinie bilden könnte und den natürlichen Anschluß an das Verteidigungssystem der Mittelfront ermöglicht. Diese Frontaloffensive kann nur ein begrenztes Ziel haben. Eine Durchbruchsbewegung werden die Amerikaner nicht beabsichtigt haben, weil eine solche Offensive Kräfte erfordert, über die sie nicht verfügen.
Das Hauptquartier des Generals Mac Arthur warnt deshalb vor Optimismus; die kühle Rechnung, bei der die Zahl der eigenen Truppen der des Feindes gegenübergesetzt wird, ergibt immer noch eine negative Bilanz. Zudem ist die Schlacht im Süden eine Abnutzungsschlacht. Der erste größere amerikanische Gegenschlag hat aber auf jeden Fall Zeit gewinnen lassen.
Militärische Sachverständige weisen darauf hin, daß die Front in Korea nunmehr 220 Kilometer lang sei. Theoretisch benötige man für einen solchen Abschnitt, um erfolgreich Widerstand zu leisten und ohne Gefahr den Landekopf zu halten, zweiundzwanzig Divisionen.
Dr. Pünder (stehend), Führer der deutschen Delegation in Straßburg, im Gespräch mit Winston Churchill im Sitzungssaal des Europa-Hauses dpa
Nordkorea protestiert
gegen amerikanische Bomberangriffe
Neuyork, 8. August (dpa) Der sowjetische Sicherheitsratsdelegierte Malik, der zur Zeit Vorsitzender des Rates ist, hat eine Beschwerde Nordkoreas über „amerikanische Bombenangriffe auf die friedliche koreanische Bevölkerung“ für die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Sicherheitsrats vorgeschlagen. Gleichzeitig hat Malik darauf hingewiesen, daß in dem nordkoreanischen Protest die Beendigung dieser „ungeheuerlichen Verbrechen“ gefordert wird.
In dem nordkoreanischen Protest werden die USA-Luftstreitkräfte beschuldigt, alle Regeln des Völkerrechts durch „barbarische Angriffe auf unverteidigte Städte“ verletzt zu haben. Der Protest nennt dreizehn Städte als Angriffsziele der amerikanischen Bomber.
Audi Griechenland bemüht sich jetzt um Aufnahme in den Atlantik-Pakt.
Einmarsch in Tibet?
♦** In der vergangenen Woche hatte der rotchinesische General Liupo Tschen angekündigt, daß kommunistische Truppen in Kürze in Tibet einmarschieren würden. Nun liegen Meldungen aus Honkong vor, eine Heeresgruppe von mindestens zwanzigtausend Mann unter dem Befehl dieses Generals bewege sich von Osten her durch die Provinz Sinkiang auf die Grenze von Tibet zu, während andere Einheiten in Stärke von etwa vierzigtausend Mann von Norden her aus der Provinz Tschinghai im Anmarsch seien.
Der Priesterstaat Tibet, in dem der größte Teil der männlichen Bevölkerung in Klöstern lebt, liegt auf dem „Dach der Welt“ dem höchsten Hochland der Erde. Seine militärischen Verteidigungsmittel sind lächerlich gering und veraltet. Sein natürlicher Schutz sind die bis zu achttausend Meter ansteigenden Randgebirge. Nur wenige schwierige Pässe führen auf das Hochland. Sie werden auch von einem modernen Heer nicht leicht zu bewältigen sein.
Tibet ist etwa sechsmal so groß wie Großbritannien, seine Bevölkerung, die auf sechs Milli(/nen geschätzt wird, lebt jedoch in äußerst dürftigen Verhältnissen. Dennoch hat Rotchina gewichtige Gründe, sich dieses Land botmäßig zu machen. In seinem Boden werden Uranlager vermutet und der Besitz Tibets würde die Sowjets zu unmittelbaren Grenznachbarn von Vorderindien machen, auf das sie damit größeren Einfluß gewännen.
Die Frage, ob ein Einmarsch rotchinesischer Truppen in Tibet als eine neue bolschewistische Aggression angesehen werden muß, ist nicht einfach zu entscheiden. 1907 haben Rußland und England die souveränen (aber nicht ausgeübten) Rechte Chinas über Tibet anerkannt. Inzwischen hat sich Tibet immer weiter von China gelöst, aber Peking kann sich auf den alten Vertrag berufen. Die Westmächte neigen wohl dazu, den Fall einer Aggression anzunehmen. Offizielle Sprecher in Washington und London haben aber bereits dieser Tage darauf hingewiesen, daß es nicht möglich sein werde, Tibet militärische Unterstützung zu geben; wenn es von kommunistischen Truppen angegriffen werde. Das Dach der Welt wird also voraussichtlich von der roten Flut überspült werden.
Warum Bonn nicht populär ist
R. Bonn, im August
•Ist „Bonn“ populär? Diese Frage stellen, heißt schon ein erstauntes Befremden wecken, daß die Begriffe Bonn und Popularität überhaupt miteinander verbunden werden können und sei es nur durch ein Fragezeichen. Zu oft schon' ist festgestellt worden, daß das Bonner Parlament nicht populär ist. Zu wenig aber ist gefragt worden, warum der Bundestag es nicht wenigstens zu einem gewissen Maß an Beliebtheit bei den Wählern gebracht hat. Manche Abgeordnete, die zu den aktivsten im Bundeshaus gehören, haben allerdings dieses Problem mit wachsender Sorge besprochen; und der Ruf nach einem „parlamentarischen Stil“ ist von den Parlamentariern selbst erhoben worden. Daß dieser Stil schon geprägt wäre, kann jedoch auch nach dem Ablauf des ersten Sitzungsjahres nicht gesagt werden. Ein Parlament, das erst ein Jahr alt geworden ist, ist noch jung. Aber diese oft zitierte Jugendlichkeit des Bundestages, die eine Berufung auf eine notwendige Unerfahrenheit gegenüber den Kritiken sein soll, ist kein überzeugendes Argument. Bei einer der letzten Debatten konnte ein Abgeordneter erklären, daß er viele alte Bekannte aus dem Reichstag vor sich sehe, und in der Tat sitzen nicht wenige erfahrene Parlamentarier im Bundestag, seien sie durch die Schule des Weimarer Parlamentarismus oder durch die Lehrzeit in Landtagen gegangen. Die Frage drängt sich auf, ob nicht im Gegensatz zu dieser These vom „unerfahrenen Parlament“ die Gegebenheit in Bonn das allzu routinierte Parlament ist, ob nicht der Rückgriff auf die Routine, auf die Geschäftsordnung und die Gebräuche von gestern den Bundestag bis jetzt kein eigenes und einprägsames Gesicht und Gewicht hat gewinnen lassen?
Zeitdruck
Es ist immer schwerer, einen neuen Stil zu finden als einen alten zu übernehmen. Aber allein schon in dem vom ganzen Haus erhobenen Ruf nach einer Rationalisierung der parlamentarischen Arbeit bekundet sich, t daß die Methodik des Reichstags den Aufgaben des Bundestages nicht mehr entspricht. Dieses Parlament steht unter einem Zeitdruck, der den Druck dieser Zeit widerspiegelt und der dem Gestern unbekannt war, dessen Tradition es übernommen hat. Gesetze, die Elemente der Existenz von Millionen werden müssen und vordem in Monaten beraten werden konnten, müssen in Wochen verabschiedet werden und das Ergebnis ist eine parlamentarische Überarbeitung und Übermüdung, die zum Symptom des Schlusses dieser Session geworden ist.
Die im Lande einmal gefallene Bezeichnung der Abgeordneten als derer, die mit wenig Arbeit viel Geld verdienen, ist falsch. Der Bundestagsabgeordnete hat vielleicht nicht wenig Geld, aber er hat sicherlich zu viel Arbeit und die erste Folge ist, daß sich keiner nochmals die Arbeit machen kann, die ein anderer im Ausschuß schon gemacht hat. So sind die Ausschüsse, abgesehen von elementaren politischen Beschlüssen, zu den Stätten der Entscheidung im Parlament geworden und das Plenum spricht nur noch den Epilog und drückt der Arbeit in den Ausschüssen das parlamentarische Siegel auf. Es wird zur Anstandspflicht und zum Abschlußakt. Es liegt durchaus im Zug dieser Entwicklung, daß schon der Gedanke aufgetaucht ist, das Plenum in vielen Fällen durch einen Hauptausschuß zu ersetzen; aber es ist von sehr bekannten Abgeordneten erklärt worden, daß diese Entwicklung nicht glücklich sei und den erstrebten parlamentarischen Stil nicht bedeuten könne. Sie bedeutet auf jeden Fall, daß sich das Leben des Parlaments hinter den verschlossenen Türen der Ausschuß- und Fraktionszimmer abspielt und die Oeffentlichkeit nur noch den blassen Abgesang zu hören bekommt.
Die Fraktion hat das Wort
Sie hört auch keine parlamentarische Debatte, sondern eine Sammlung von Monologen der Fraktionen. Die Angst des Bundestages, daß zu viel geredet werde, hat dazu geführt, daß in wichtigen Fällen zu wenig und von zu wenigen geredet wird. Die Beschränkung der Redezeit hat die parlamentarische Individualität guillotiniert und die Fraktionsköllektivität monopolisiert. Wenn nur zwölf oder acht Minuten von einer Fraktion zu einem Thema geredet werden kann, von den drei Minuten für kleine Fraktionen zu schweigen, kann vielleicht einer noch das Wesentliche sagen; aber kann es nur einer sagen? Dieser eine aber ist notwendigerweise der Fraktionssprecher und so lösen sich am Rednerpult keine Individualitäten, sondern Kollektive ab. Die Rationalisierung der Redezeit hat nicht die Rhetorik, sie hat die Einzelmeinung vor der Oeffentlichkeit getötet, der die Dispute in den Fraktionszimmern verborgen bleiben. Der einer anderen parlamentarischen Zeit entstammende Brauch des Präsidenten, zu erklären: „Der Abgeordnete Müller hat das Wort“, ohne die Fraktion zu erwähnen, sollte durch den dieser Lage entsprechenden Aufruf ersetzt werden: „Die Fraktion X hat das Wort“, denn der Abgeordnete Müller spricht für seine Fraktion und seine Fraktion spricht aus ihm.
Die Persönlichkeit
Es hat einige Debatten gegeben, in denen manche Fraktionen in zweierlei Zunge sprachen. Sie wurden die bemerkenswertesten, und diese Tatsache sollte bei den Beratungen über den „parlamentarischen Stil“ nicht übersehen werden. Der Bundestag arbeitet und spricht im Fraktionsstil. Er hat einsehen müssen, daß dieser Stil nicht einmal ihn selbst und gar nicht die Oeffentlichkeit anspricht. Fraktionen sind Notwendigkeiten, aber sie dürfen keine Allheiten werden. Sie gleichen im parlamentarischen Organismus den Zellen im menschlichen Wenn sie zu wuchern beginnen, stirbt der Organismus ab und ein Parlamentarismus der Kollektivität wird zum Parlament der Anonymität. Es zeigt sich, daß die Parlamentreform in Bonn mit einer Begrenzung des Plenums und einer Ausweitung der Ausschüssesphäro den Parlamentsstil nicht schaffen würde, der „Bonn“ und Popularität nicht mehr als Gegensätze erscheinen lassen könnte. Nicht alle Arbeit kann im Plenum geleistet werden, aber die Entthronung der parlamentarischen Debatte muß zur Abkehr des Parlaments von der Oeffentlichkeit und dieser vom Parlament werden.
Es gibt, wie sich versteht, noch eine Reihe anderer Gründe, daß der Bundestag nicht populär ist. Aber es bleibt eine gewichtige Ursache dieses Zustandes, daß dieses Parlament noch nicht erkannt hat, daß die Arbeitsamkeit zwar auch eine parlamentarische Tugend, das parlamentarische Agans aber die Ausstrahlung der politischen Persönlichkeit ist.
Der Widersprnch
an. In Straßburg sind die Deutschen herzlich aufgenommen worden. Das ist ein günstiges Zeichen, das nicht unterschätzt werden soll. Aber entscheidend sind nur Taten. Der Weg nach Europa ist noch weit. Wer wissen will, wie die Lage ist, darf nicht nur den Bericht über die Freundlichkeiten lesen, die in Straßburg’ gesagt worden sind. Man muß auch lesen, was nach Bonn für Informationen über die Meinungen bei den Mächtigen gekommen sind, die gegenwärtig über die Aenderung des Besatzungsstatuts sprechen. Offenbar ist man bei den Westmächten noch immer so ratlos wie vor Monaten. Man spitzt den Mund, möchte aber nicht pfeifen.
Das muß ernste Besorgnisse erwekken. Besorgnisse zunächst für Deutschland, dessen Wirtschaft in wichtigen Zweigen beschränkt und dem auch die einfachsten Symbole eines gleichberechtigten Staates noch eine Weile vorenthalten werden sollen. Aber die Besorgnisse entstehen doch nicht für uns allein. Was ist das für ein politisches Denken, das in den Stunden düsterer Bedrohung keinen anderen Ausweg weiß, als Bestimmungen gegenüber dem Unterworfenen wenigstens noch eine Weile zu halten, von denen jeder weiß, daß sie auf die Dauer' eben nicht zu halten sind? Es ist unmöglich, Vertrauen zu der politischen Weisheit von Ministern und Abgeordneten zu haben, die sich abquälen, einen bereits halb verfallenen Bau noch eine Weile zu stützen, nur um... ja warum eigentlich? Aus Mißtrauen gegenüber Deutschland? Aus Angst vor Deutschland? Oder — um noch eine Weile die Vorteile einer Niederknüppelung der Konkurrenz zu gewinnen? Das eine wäre absurd; das andere wäre sicherlich nicht erhebend.
Es wird noch eine Weile dauern, bis Europa gebaut wird. Alle Notwendigkeiten drängen dahin; aber die seelischen Widerstände sind noch zu groß. Wir müssen also noch warten und Geduld haben. Hoffentlich warten die Russen auch so lange ...
Prozente
80. Im Hüttenwerk Thale in der Sowjetzone hat sich ein böses Unglück zugetragen. Die im Sowjetsektor erscheinende „Berliner Zeitung“ widmet dem Vorfall ihren Leitartikel auf der ersten Seite. Wir erfahren darin, daß es in diesem Hüttenwerk eine Arbeiterin mit Namen Inge gibt. Sie brachte es im zarten Alter von 16 Jahren zur Hennecke-Aktivistin, „indem sie mitdem Tagesdurchschnitt von 375 Prozent über der Norm lag“. Das war vortwei Jahren und machte Inge in den einschlägigen Kreisen berühmt. Ihre Methode, besser und schneller Formsand für Gußzwecke zuzubereiten, fiel sogar dem neuen AH auf, dem Adolf Hennecke; Inge durfte sich auch mit Heinrich Rauh unterhalten, und schließlich wurde ihr auf einer Aktivisten-Konferenz in Berlin das Studium an einer technischen Hochschule angeboten. Doch jetzt geschah es: „Eines Tages aber sanken die Prozentzahlen. So schnell wie sie nach oben geklettert waren, traten sie wieder den Rückweg nach unten an. Heute ist Inge keine schlechte, aber auch keine über dem Durchschnitt liegende Arbeiterin mehr. Inge hat einen jungen Mann kennengelernt, der sie von der Arbeit ablenkt und vom Fortkommen abhält.“
Es wäre ja nun gelacht, wenn die Berliner Linienrichter nicht in den gesammelten Reden von Wilhelm Pieck etwas Einschlägiges finden würden, was sich mit erhobenem Zeigefinger verkünden ließe. So ist es auch. „Im Vergleich zu 1950 ist am Ende des Fünfjahres-Plans ein Produktionszuwachs vorgesehen, der für die wichtigsten Produktionsarten vom Doppelten bis zum Zehnfachen geht.“ Deshalb brauche man mehr Facharbeiter, Techniker, Ingenieure und technische Studenten. Mit noch höher gerecktem Zeigefinger und einem Aufwand an Ernst, neben dem sich der sprichwörtliche „tierische Ernst“ geradezu als lässige Heiterkeit ausnimmt, fordert deshalb die Berliner Zeitung, daß „man Inge begreiflich machen sollte, daß Liebe und Vorwärtsstreben keine Gegensätze sind, sondern daß mit der in immer verantwortlicherer gesellschaftlicher Arbeit erworbenen Festigung der Persönlichkeit sich das Fundament einer geplanten Ehe unerhört verstärkt“.
Im Reiche Wilhelm Piecks ist wahrhaft nichts unmöglich. Wer weiß, vielleicht erklärt man den jungen Mann, der Inge abhält, noch zum „Saboteur am demokratischen. Aufbau“. Der jetzt auf eine neue und menschlichere Weise berühmten Inge wird das wahrscheinlich alles ziemlich gleichgültig sein. Die Meisterplaner haben nämlich, als sie ihre schönen Kurven zeichneten, übersehen, daß Menschen keine Roboter sind, schon gar nicht junge Mädchen. Und just bei diesen soll es schon gelegentlich vorkommen, daß ein junger Mann für Kußzwecke wichtiger ist als Formsand für Gußzwecke. Doch sollte man nicht höheren Ortes aus der Not eine Tugend machen und auch die Liebe „einplanen“? Vielleicht könnte Inge dann bald wieder mit einer 375 prozentigen Uebererfüllung aufwarten. Wäre das vielleicht nichts, Herr Minister?
Von der Straße auf das Schiff
Verkehrsordnung erleichtert die Lage der Rheinschiffahrt
Wr. Es ist kein Geheimnis, daß die Lage der Rheinschiffahrt alles andere als rosig ist. Zwar hat sich gegenüber dem ersten Vierteljahr der Talverkehr (nach Rotterdam) durch die Kohlenverschiffung aus dem Ruhrgebiet etwas gebessert; aber der Bergverkehr läßt nach wie vor allzuviel zu wünschen übrig. Seit April führt der Strom wieder genügend Wasser und die Schiffseigner kommen deshalb mit einer geringeren Anzahl von Fahrzeugen aus; aber dafür haben sie um so mehr Frachtraum brach liegen, weil nicht genügende Mengen von Ruhrkohle zur Verschiffung nach den Häfen des Oberrheins zur Verfügung stehen.
Die Folgen sind übel. Nach Mitteilung der Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel haben die größeren Reedereien am Niederrhein zur Zeit fünf bis sechs Zehntel ihrer Schleppflotte stilliegen; auch die in Fahrt befindlichen Schlepps sind weder regelmäßig noch ausreichend beschäftigt.
Im Gegensatz hierzu haben die Reedereien am Mittelrhein zur Zeit mit einer ansteigenden Konjunktur zu rechnen. Die Besserung ist zwar nicht derartig, daß sie namhaft ins Gewicht fiele; aber sie ist, nach ihren Ursachen betrachtet, in mehr als einer Hinsicht merkwürdig. Denn sie ist eine direkte Folge der neuen Verkehrs-Ordnung, die von der Landesregierung Rheinland-Pfalz unter dem 21. Juli erlassen worden ist und die zunächst eine ganze Menge Landstraßen-Staub aufgewirbelt hat — auch und zumal dort, wo sich der Verkehr auf ausgezeichnet asphaltierten und staubsicheren Straßen bewegt.
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Es war einer der Kernpqnkte der neuen Verkehrs-Ordnung, daß für die beiden Bundesstraßen 9 und 42, also links und rechts des Rheins, der Verkehr von Lastzügen mit einem zweiten Anhänger verboten wurde. Denn dieser zweite Anhänger hat, aufs Ganze gesehen, weit mehr Unheil und Aufregung verursacht als. der gesamte Fährbetrieb. Daß die Todesfälle auf der Strecke zwischen Boppard und Bingerbrück sich so beängstigend gemehrt hatten, war überwiegend auf den zweiten Anhänger zurückzuführen. Er mag so spurengängig sein wie immer: In den engen Kurven verursacht er Unglück, weil er den Fahrer zu einem stärkeren Einschlag zwingt, als es für die Sicherheit des Fußgängerverkehrs auf den ohnehin äußerst schmalen Bürgersteigen zuträglich ist: Fährt der Mann am Lenkrad nicht gerade im Leichenwagen-Tempo durch die Kurven und Engen, dann rutscht ihm der zweite Anhänger häufig über die Bordsteinkante, und wer sich dann nicht rechtzeitig in eine Haus- oder Ladentür flüchten kann, der ist geliefert
Seitdem diese zweiten Anhänger nicht mehr verkehren dürfen, hat man allerwegen an den beiden Rheinufer-Straßen begonnen, aufzuatmen. Daß daneben auch — und insbesondere — der reine Durchgangsverkehr aus Holland, Belgien und Luxemburg für alle Lastwagen mit mehr als fünf Tonnen Ladegewicht untersagt und auf die Höhen- bzw. Autostraßen abgedrängt worden ist, hat ein übriges getan. Mancher von den leidtragenden Gaststätten-Besitzern und Inhabern von Fremden-Pensionen zwischen Koblenz-Ehrenbreitenstein und Bingen-Eltville erklärt uns, erleichtert und erlöst: „Ich weiß nicht, wie mir ist...“
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Jedermann weiß, wie wichtig und bedeutsam das Verkehrsgewerbe für die Wirtschaft eines Landes ist, das mit allen Kräften wiederaufbauen soll und will. Es ist eine beträchtliche Summe, die das Verkehrsgewerbe an Steuern bezahlt, und es ist eine große Menge von Menschen, die durch das Verkehrsgewerbe Lohn und Brot findet.
Es ist deshalb eine schlichte Selbstverständlichkeit, daß wir bei den Besprechungen mit den behördlichen Instanzen aller Verwaltungsstufen, der unteren, mittleren und oberen, stets mit dem Einwand kamen: „Verkehrsordnung, Verkehrs-Stop auf den Rheinufer-Straßen, gewiß — aber das Gewerbe...!“ Wir mußten uns überzeugen, daß man bei den Behörden von Rheinland-Pfalz die Dinge ebenso sieht, daß aber eine grundsätzliche Erkenntnis nicht abzustreiten ist: Zum Verkehrsgewerbe gehören nicht nur die Besitzer von Fernlastzügen — zu diesem verkehrsnotwendigen und schlechthin unentbehrlichen Gewerbe gehören auch die Frachtschiffe auf dem Rhein.
Für sie ist von Staats wegen bisher zwar schon dann und wann einmal etwas getan oder zu tun versucht worden, aber es waren jeweils, im besten Falle, bloße Tropfen auf den heißen Stein.
Dem Verkehrsgewerbe als Gesamtheit verbleibt der Verkehr nach wie vor — er verschiebt sich lediglich um ein geringes: Was die zweiten Anhänger und die durchgehenden Fernlastzüge auf den Rheinufer-Straßen nicht mehr befördern dürfen, das wird zu einem Teil auf den Stromverkehr abwandern. Es wäre auch kein Schaden, wenn die Transporte von Split und Basalt, Kies und Bims auf den Schleppverkehr abwanderten. Die Rheinschiffahrt kann es notwendig genug gebrauchen.
Kies auf Schleppzügen — das bedeutet praktisch ein umständliches Anfahren, Beladen, Entladen und Weitertransportieren. Bei dem Tempo, das unsere Hoch- und Tiefbau-Unternehmer vorlegen, war der Fernlastzug für sie die einzige Rettung. Wir kennen Kommunalverwaltungen, die aus diesem Grunde zur Anschaffung eigener Fuhrparks geschritten sind. Der Kommunalverband Wiesbaden beispielsweise, der ein ungewöhnlich umfangreiches Straßennetz zu unterhalten
hat — wodurch schafft er es? Er hat schließlich sechzehn schwere Fünftonner-Lastautos angeschafft. Sie bringen ihm Tag für Tag heran, was er braucht. Nur deshalb und dadurch sind die Straßen in diesem Verbandsgebiet dermaßen im Stand!“
Aber wir müssen einsehen: Das ist ein Einwand, der nicht völlig durchschlägt. Die vielen Steinbrüche vom Binger Loch bis zum Rittersturz — ihre Erzeugnisse an Groß- und Kleinschlag werden nach wie vor benötigt, werden also auch abgerufen und abtransportiert. Nicht übel, wenn ein wesentlicher Teil künftig, anstatt per Achse, auf dem Rhein abgeht. Was man auf der einen Seite an Fracht spart, kann man auf der anderen Seite in die Verbesserung des Zubringerdienstes stecken — des Dienstes also, der vom Entladungshafen nach dem Stapelort hinführt. Es ist nicht — und ist in keiner Weise — gesagt, daß für diesen Transport gerade die beiden Rheinufer-Straßen 9 und 42 herhalten müssen und daß zu diesem Zweck alle die unzähligen Fremdenverkehrs-Betriebe auf den beiden Rheinufem unterzugehen haben. Mit anderen Worten: Daß das Verkehrsgewerbe, Abteilung Fernlastzüge, durch die neue Verkehrs-Ordnung Einbußen erleidet, weiß man bei der Landesregierung. Aber man weiß auch: Diese Einbuße ist momentan und vorübergehender Natur. Nach einigen Monaten wird sich die Sache eingespielt haben. Kaum ein anderes Gewerbe ist so elastisch und vermag sich dermaßen anzupassen, wie dieses.
Schlimmer liegen die Dinge, soweit die Verfrachtung auf dem Rhein in Betracht kommt. Split, Basalt und Rheinkies — gewiß,, das fördert. Eine Anzahl von Schleppkähnen, die zur Zeit müßig an den Pfosten schaukeln, wird wieder in Fahrt kommen. Aber wie steht es mit der Fahrt selber? Wie steht es mit den Preisen, mit der Entlohnung?
Die Schleppzüge
Ein schöner und herzerquickender Anblick, gewiß, wenn rheinauf- oder abwärts eine Schleppmaschine dahergekeucht und -gestampft kontant, mit drei, vier und fünf Kähnen an den Tauen. Die Poeten, die mit der buchhälterischen Kalkulation nichts zu tun haben — zu ihrem Glück — wissen darüber, angesichts dieses Anblicks, hübsche Gedichte zu machen.
Im Reederei-Kontor sieht die Sache weniger poetisch aus. Dort steht man im Banne der Tatsache, daß man zwar motorisiert sein müßte, daß man aber nur in sehr mäßigem Umfang dazu imstande ist. Die schweizerische Rheinflotte ist zu siebzig vom Hundert, also zu mehr als zwei Dritteln, motorisiert, die holländische zu zwanzig, die westdeutsche zu bloßen neun. Das ist ein Teil der Sachlage.
Motorisierte Kähne und Schlepps haben erhebliche Vorteile: Sie sind schneller; ihre Frachträume können dank der kürzeren Fahrtzeiten besser ausgenutzt werden; hochwertiges Gut, das auf die kürzestmögliche Reisedauer angewiesen ist. strömt ausschließlich ihnen zu. Für Massengüter, die lediglich dahin treiben, ohne Zielort, haben sie weniger Interesse.
Die alten Boote mit den unverwüstlichen Dampfmaschinen haben einen enormen Kohlenverbrauch; sie brauchen auch ungleich mehr Bedienung. Aber sie erweisen sich, im Endeffekt, als wirtschaftlicher. Besonders, wenn man das schwierige Rheinwasser in Betracht zieh«. Schwierige Gebirgsstrecken, mit denen die kleinen Motorschiffe nur dann fertig werden können, wenn sie überdimensionierte Motoren in sich bergen, machen ihnen fast gar nichts aus.
Gewiß: Es wird Geld verdient auf dem Rhein. Wenn die großen Schleppzüge daherkommen, dann kann jeder Beschauer gewiß sein: Hier wird mehr Geld verdient als bei der Bundesbahn, ungeachtet aller wackeren und tapferen Anstrengungen, die dort entfaltet werden. Aber es ist längst nicht so viel Geld, wie man gemeinhin annimmt. Wie bei uns allen, so ist es auch hier: Den Hauptteil aller Einnahmen streicht das Finanzamt ein.
Vereinheitlichung der Organisation
Die Bewaffnung der Arbeitskompanien
F.A.Z. Frankfurt, 8. August. Das amerikanische Hauptquartier in Europa hat in Heidelberg eine Erklärung vorbereitet, in der die Frage der Bewaffnung der Arbeitskompanien behandelt ist. In der deutschen und ausländischen Presse waren zahlreiche Berichte über die Bewaffnung Deutscher, die bei den Arbeitskompanien dienen, erschienen.
Das amerikanische Oberkommando hat schon längere Zeit die Absicht, vom 1. August an die Funktionen der Industriepolizei, die in dem Dienst der amerikanischen Streitkräfte in Deutschland stehen, den Arbeitskompanien der amerikanischen Streitkräfte zu übertragen. Der Grundgedanke hierbei ist die Vereinheitlichung der Organisation. Für die Industriepolizei bedeutet ein solcher Entschluß, daß sie nicht mehr privat, sondern in Baracken wohnen muß. Für das Personal der Arbeitskompanien hingegen ist die Zusammenlegung gleichbedeutend mit der Ausrüstung mit leichten Waffen. Da es töricht sei, so argumentieren die Amerikaner, jemandem Waffen zu geben, der nicht damit umgehen könne, müsse das Arbeitspersonal auch im Gebrauch der Waffen unterrichtet werden.
In der Industriepolizei dienten bisher 8000 Mann, darunter achtzig Prozent Deutsche. In den Arbeitskompanien sind 13 000 Mann zusammengefaßt, wovon zwanzig Prozent Deutsche sind.
Die Engländer hatten von Anfang an einen Wachtdienst, der bewaffnet ist und in dem keine Deutschen Dienst tun. Die britischen Stellen haben auch nicht erwogen, von einer Solchen Methode abzugehen.
War Acheson nicht unterrichtet?
Washington, 8. August. (H. R.) Laut United Press hat das amerikanische Außenministerium Oberkommissar Mc-Cloy ersucht, die Einzelheiten des Armeebefehls zu übermitteln, nach dem Einheiten der Industriepolizei mit den Arbeitskompanien zusammengefaßt werden sollen. Wie United Press weiter meldet, erklärten Beamte des amerikanischen Außenministeriums, daß das amerikanische Außenministerium keine Kenntnis von dieser Zusammenfassung gehabt habe. Die Industriepolizei und die Arbeitskompanien unterstünden direkt dem Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Europa.
Frankfurt drängt auf Entscheidung
Eine Denkschrift über den Sitz von Oberbehörden in der Stadt
F.A.Z. Frankfurt, 8. August. Die Stadt Frankfurt hat, ie wir erfahren, vor einiger Zeit den Abgeord ' m des Bundestages eine Denkschrift zugeleitet, in der die Lage der Stadt nach der Entscheidung über den Sitz der Bundesbehörden geschildert wird. Der Termin für die Räumung der früher _n Zwei-Zonen-Verwaltungen, die jetzt als Abteilu’- - der Bundesministerien nnh im Frankfurter Ra untergebracht sind, ist nach dieser Denkschrift no'’ völlig ungewiß. Die für die Bediensteten des Bundes errichteten Wohnungen sind darüberhinaus nach wie . or blockiert, weil ledigli ’. die Bediensteten selber nach Bonn übersiedelten, oh-j ihre Familien mitnehmen zu können. So ist im .ugenblick eine klare Raumplanung in der Stadt Frankfurt nicht möglich, und zwar weder für die erwünschte Ansiedlung wirtschaftlicher Unternehmen noch für die Ansiedlung sol_ r Oberbehörden des Bundes, die Frankfurt auf die Dauer aufnehmen wird.
In d. -ukschrift wird angegeben, daß folgende Behörden im Raum Frankfurt endgültig untergebracht sind und über den erforderlichen Büro- und Wohnraum verfügen: Die Außenhandelseinfuhr- und Vorratsstellen des Bundesernährungsministeriums, der Bundesrechnungshof, das Sozialamt der Bundesbahn, und Nebendienststellen des Bundesfinanzministeriums wie das Hauptamt für die Soforthilfe, das Amt für Wertpapierbereinigung, das Amt für Besatzungskosten, die Bundesstelle für Devisenkontrolle.
Die Stadt Frankfurt hat auf Grund ihrer geographischen Lage und ihrer wirtschaftspolitischen Bedeutung darüberhinaus ein Interesse daran, daß außerdem folgende Behörden hier auf die Dauer ihren Sitz beibehalten: das Bundespostministerium, das in enger Zusammenarbeit mit dem Post- und Fernmeldetechnischen Zentralamt in Darmstadt, in Frankfurt gut untergebracht ist. Das Bundesverkehrsministerium und die Hauptverwaltung der Bundesbahn L id in Offenbach räumlich zufriedenstellend untergebracht. Ferner wünscht Frankfurt die künftige Bundesstelle für den Warenverkehr sowie die Bundesstelle zur Unterrichtung der deutschen Wirtschaft über den Außenhandel aufzunehmen. Darüberhinaus sollte die Stadt die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein beherbergen, 'da Frankfurt bisher schon Sitz der Ueberleitungsstelle für das Branntweinmonopol ist.
Dafür erhebt die Stadt keinen Anspruch auf die nachfolgenden Bundesoberbehörden: Bundesverfassungsgericht, Oberstes Bundesgericht, Bundesversicherungsamt, Bundesdienststrafhof, Bundesfinanzhof, Statistisches Bundesamt, Ausführungsbehörde für Unfallversicherung, Bundesstelle für Auswanderungswesen, Physikalisch-technische Bundesanstalt und auf die Biologische Zentralanstalt.
Akademischer Austauschdienst
Bonn, 8. August (dpa) Der „ Deutsch-Akademische Austauschdienst e. V.“ ist jetzt formell neugegründet worden. Zum Ersten Vorsitzenden wurde der Rektor der Bonner Universität, Prof. Dr. Klauser, gewählt. Der Verein will die kulturellen Beziehungen zum Ausland besonders durch den Austausch von Forschern und Studenten pflegen. Dem Kuratorium gehören Vertreter der Bundesbehörden, der wissenschaftlichen Organisationen und der Hochschulen an.
Gegen einen Baum gefahren
Siegen, 8. August. (AP.) Ein mit vierzig Arbeitern aus Laasphe besetzter Omnibus der Firma Marburger & Messerschmidt ist beim Ueberholen eines Lastzuges von der Fahrbahn geraten und gegen einen Baum gestoßen. Ein Arbeiter wurde schwer und siebzehn leicht verletzt.
Ein Sterilisationsantrag, den ein West-Berliner Bezirksgesundheitsamt wegen eines schwachsinnigen Mädchens eingereicht hatte, ist vom Berliner Gesundheitsamt abgelehnt worden.
Stimmen der Anderen
Helgoland
Der „M anche st er Guardian“ schreibt:
Der Luftfahrtminister hat im Unterhaus erklärt, es sei .äußerst schwierig’, ein anderes Ziel für die Bombenübungen zu finden das die gleichen Vorteile aufweise wie Helgoland. Sicher hat er recht. Bei uns ist es der Royal Air Force selten geglückt, ein passendes Ziel zu finden, das der Oeffentlichkeit nicht aus diesem oder jenem Grunde ans Herz gewachsen war. Unsere Insel ist eben nicht sehr groß, und es ist uns schmerzlich, wenn die bewohnbare Fläche sich verringert. Helgoland ist viel kleiner und kann gegenwärtig gar nicht bewohnt werden. Einer seiner Vorteile wird für den Luftfahrtminister wohl darin liegen, daß es deutsch ist und daß die Proteste seiner vertriebenen Bewohner weniger gut zu hören sind.
Es ist vollkommen richtig, daß wir, wie Mr. Crawley sagte, mit gutem Recht die früheren Bewohner Helgolands daran erinnern dürfen, daß unsere Luftwaffe geschult werden muß. Es stimmt auch, daß jetzt nicht die richtige Zeit dafür wäre, ein wichtiges Uebungsprogramm zu unterbrechen. Aber wenn es auch .äußerst schwierig* sein mag, ein anderes Versuchsfeld zu finden, — unmöglich sollte es doch nicht sein. Mr. Grimmond meinte, die Luftwaffe könne doch ihre Bomben auf Rockall oder sonst eine unbewohnte Insel abwerfen. Vermutlich ist doch niemandem Rockall besonders Heb und wert. Es wäre interessant zu erfahren, ob die Royal Air Force tatsächlich alle in Frage kommenden Inseln auf ihre Eignung geprüft haben. Womit haben die Helgoländer Fischer ihr Exil verdient? Sie haben nichts getan. Die Regierung sollte daran denken, daß auf das Festland verpflanzte Inselbewohner stark unter Heimweh leiden. Schließlich sind ja die Regierungsmitglieder selbst lauter Inselbewohner.“
Die Atombombe
Der Londoner Korrespondent der Züricher „Tat“ meldet:
„Die Ereignisse in Korea wirken auf die englische öffentliche Meinung mit der Macht eines Katalysators. Was weder der Putsch in der Tschechoslowakei noch die Blockade Berlins noch der Sturz Nationalchinas zustande brachte, hat der Kampf um Korea erreicht: ein zunächst widerwilliges Erwachen aus alten Wunschträumen, ei» immer rascheres Bewußtwerden, daß Europa am Rande eines Abgrundes herumtaumelt. Gleich nach Ausbruch des Krieges, als der konservative Unterhausabgeordnete Major Peter Roberts die praktische Verwendung der entscheidenden Waffe forderte, wurde er noch niedergeschrien und von seiner eigenen Partei desavouiert. In den wenigen Wochen, die seither verflossen sind, hat sich die Lage merklich geändert. In der Unterhausdebatte über Landesverteidigung, die soeben stattgefunden hat, waren es zwei Labour-Abgeordnete, welche die Verwendung der Atombombe gegen Rußland ins Auge faßten! Der eine, Mr. Reginald Paget, erklärte unter anderem: .Wir müssen die Russen davon überzeugen, daß die Demokratien genügend Nervenstärke haben, um die Bombe zu verwenden. Davon hängt unsere Sicherheit ab.‘ Der zweite Labourabgeordnete, der noch stärker in dieselbe Kerbe hieb, war überraschenderweise Woodrow Wyatt, der dem ,New Statesman“ nahesteht. Er erklärte unter Zwischenrufen, daß in England das Geschwätz über das Verbot der Atombombe aufhören sollte. Es handele sich bei dieser Waffe um die einzige, in der die Westmächte den Russen überlegen seien. Wenn man wirklich mit der Verteidigung des Westens Ernst machen wolle, dann müsse man erklären, daß die Atombombe im Falle eines Kriegsausbruchs im Westen sofort und als erste Waffe verwendet werde, um den dritten Weltkrieg zu stoppen, bevor er sich zu weit ausgebreitet habe. “
Jetzt Brandbomben
Berlin, 8. August. (AP.) Die Ost-Berliner Zeitungen haben am Dienstag eine Meldung des ^Nachrichtendienstes der sowjetischen Zone veröffentlicht, derzufolge ein amerikanisches Flugzeug über dem neun Kilometer östlich der Stadt Dessau gelegenen Oft Oranienburg zwei Brandbomben abgeworfen haben soll. Eine der Bomben habe sich nach dem Aufprall entzündet. Auch nach dem Vorbeiflug eines amerikanischen Flugzeugs in Sachsen-Anhalt am 19. Juli soll dort eine Brandbombe entdeckt worden sein, die sich jedoch nicht entzündet habe.
Ein Sprecher des amerikanischen Oberkommissariats nannte diese Meldung einen „völligen Blödsinn“. Da die Kartoffelkäferlüge in ihrer Lächerlichkeit nicht mehr ziehe, brauche man anscheinend eine neue Propagandathese.
MeCloy in Paris
Frankfurt, 8. August. (AP.) Der amerikanische Oberkommissar McCloy, der über das Wochenende nach London gereist war, war am Dienstag zu einer Besprechung mit dem amerikanischen Botschafter in Paris. McCloy wird am Mittwoch wieder in Frankfurt sein.
Vermittlung von Adoptionen
F.A.Z. Frankfurt, 8. August. Das Kabinett hat dem Bundestag einen „Gesetzentwurf über die Vermittung der Annahme an Kindes Statt“ vorgelegt. Er soll gewissen nichtstaatlichen Organisationen der freien Wohlfahrtspflege (nicht nur, wie jetzt, den Landesjugendämtern), die Vermittlungstätigkeit wieder erlauben. In Frage kommen die Landes- und Provinzialverbände der Inneren Mission, der Caritasverband und die Arbeiterwohlfahrt. Die Entscheidung ob eine Vereinigung dafür geeignet erscheint oder nicht, soll den zuständigen obersten Landesbehörden zustehen. Es ist damit zu rechnen, daß das neue Gesetz Anfang 1951 in Kraft tritt.
Beschlüse des Kabinetts
„Herbstordnung“ regelt Weinbergschließung
, 'esbaden, 8' A.ugust (Eigener Bericht.) Bei den Beratungen im hessiscaen a inett am Mittwoch über neunzehn Vorlagen zur nächsten Bundesra ssitzung wurde in allen Punkten zugestimmt, so daß der Vermittlungsausschuß nicht angerufen werden soll.
Unter anderem handelt es sich um Gesetze zur Aenderung der Umsatzsteuer, zur Festsetzung der Brotpreise sowie um ein Gesetz über das vorläufige Handelsabkommen vom 4. März 1950 zwischen der Bundesrepublik und Pakistan. Ein hessisches Gesetz, das als „Herbstordnung“ die einheitliche Schließung aller Weinberge regelt, wird die unterschiedliche Handhabung der örtlichen Polizeiverwaltungen ablösen. Das Kabinett stimmte diesem Entwurf zu, ebenso der ersten Ausführungsverordnung zu dem Gesetz über Unterrichtsgeldfreiheit und Erziehungsbeihilfe. Ferner billigte das Kabinett die Grenzänderung in den Landkreisen Kassel und Witzenhausen und erteilte die beantragte Aussagegenehmigung für Staatsminister Dr. Hilpert, Minister a. D. Binder sowie Minister a. D. Arndgen jn dem Ermittlungsverfahren der Oberstaatsanwaltschaft gegen den früheren Ministerialrat Engler. Zustimmung fand die Uebergabe des ehemaligen Offiziersgenesungsheimes Falkenstein an den Kommunalvei^ band des Regierungsbezirks Wiesbaden; ebenfalls genehmigt wurde der Beitritt deS Landes Hessen zum Arbeitsgerichtsverband.
Kinderlähmung in Hessen
Wiesbaden, 8. August, (dpa) In Hessen wurden in der Zeit von Ende April bis Ende Juli insgesamt 68 Neuerkrankungen an spinaler Kinderlähmung verzeichnet. Davon verliefen vier Fälle tödlich. Die Krankheit trat insbesondere in Mittel- und Südhessen auf.
In der gleichen Zeit des Vorjahres hatten sich in Hessen erst elf Fälle von Kinderlähmung gezeigt.
Keine Panzer, aber Lastwagen
Besprechungen um die deutsche Stahlquote
Frankfurt, 8. August. (AP.) Amerikanische, französische und britische Sachverständige beraten gegenwärtig in geheimen Besprechungen die mögliche Aufhebung der der deutschen Industrie auferlegten Beschränkungen.
Im Hinblick auf die Ereignisse in Korea und auf die Möglichkeit einer europäischen Stahlknappheit seien Frankreich und England in der Frage des deutschen Industriepotentials neuerdings nachgiebiger gestimmt. Bisher sei noch keine Entscheidung getroffen wor¬ ‘den. Alliierte Stellen wollen jedoch in Kürze ihre Empfehlungen für eine weitgehende Aufhebung der Sicherheitskontrollen an ihre Regierungen weiterleiten.
Die westdeutsche Industrie werde noch vor Jahresende verstärkt zum Aufbau der westlichen Verteidigung beitragen können. Es sei betont worden, daß dies keineswegs einer deutschen Wiederaufrüstung gleichkomme, da Deutschland mit der Lieferung von Kohle, Stahl, Maschinen und anderen Industrieerzeugnissen wesentlich zur Stärkung des Westens beitragen könne. „Deutschland kann Lastkraftwagen, elektrische und optische Geräte, Frachtschiffe und noch vieles andere für die westlichen Armeen liefern. Eine Armee hat Lastkraftwagen genau so notwendig wie Panzer. Die Deutschen brauchen keine Panzer und Kanonen herzustellen. Sie können der westlichen Verteidigung auch mit dem große Dienste erweisen, was sie jetzt erzeugen.“
Ein amerikanischer Beamter charakterisierte den Standpunkt der Vereinigten Staaten in dieser Frage mit folgenden Worten: „Wir sind nicht gegen die Aufhebung der Stahlquote, wenn der deutsche Stahl tatsächlich für in- oder ausländischen Bedarf benötigt wird.“
Nene Verhaftungen in Berlin
Generalsekretär Stempel
Berlin, 8. August, (dpa) Der Generalsekretär der Sowjetzonen- Liberal-Demokraten, Günter Stempel, ist, wie aus Vorstandskreisen der Liberal-Demokraten verlautet, am Dienstagvormittag vor dem Parteigebäude im Sowjetsektor von Kriminalbeamten in Zivil verhaftet worden. Vierzig Minuten vorher war seine Frau Christine, Abteilungsleiterin im Zentralvorstand des Frauenbundes der Sowjetzonenrepublik, an derselben Stelle verhaftet worden. Am Dienstagnachmittag wurde auch die Sekretärin Stempels, Helga Maibaum, an ihrem Arbeitsplatz verhaftet.
Ein Mißtrauensantrag gegen den amtierenden Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Diekmann ist auf dem zum ersten Male nach den Wahlen zusammengetretenen Landtag abgelehnt worden.
Das neue Roggenmischbrot
HGR. Wiesbaden, 8. August. (Eigener Bericht.) Der Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft. Albert Wagner, läßt zur Zeit in Hessen das Landesernährungsamt nachprüfen, ob der Bedarf, der für das neue Roggenmischbrot vorgesehenen Mehltype 1200 voll gedeckt werden kann. Eine vorläufige Teilprüfung habe nach Mitteilung des Ministers ergeben, daß die Mühlen über ausreichende Mengen verfügen.
Die Angabe mancher Verkäufer, das neue Brot würde in der Hauptsache nur von Flüchtlingen verlangt, und daß der Verbraucher im allgemeinen die neue Brotsorte ablehne, stimme nicht. Zunehmende Klagen aus den verschiedensten Bevölkerungskreisen bewiesen das Gegenteil und stellten fest, daß das neue Roggenmischbrot von vielen Bäckereien und Verkaufsstellen nicht oder nicht ausreichend geführt würde. Die für diese Woche einberufene Sitzung des Preisrates werde sich auch mit der Frage des Roggenmischbrotes und seinem Absatz befassen.
Kurzwellensender für Rot-China
Zu der in unserer Ausgabe vom Dienstag, den 8. August unter dem Titel „Kurzwellensender für Rot-China“ veröffentlichten AP.-Meldung, wird uns von Rechtsanwalt und Notar G. Thüsing-Wiesbaden mitgeteilt:
„Die Meldung, der Maschinenfabrikant Stenzel sei an einem Schmuggel von Kurzwellensendern für Rot-China beteiligt, ist unzutreffend. Herr Dr. Stenzel ist weder verhaftet, noch von einem Staatsanwalt vernommen worden. Er hat weder bei einem Staatsanwalt, noch bei sonst einer Stelle Erklärungen oder Geständnisse abgegeben.
Die in der Meldung genannten Sender befanden sich mit Kenntnis der Militärregierung und des Hessischen Landeswirtschaftsamtes seit 1946 im Besitze der Firma Stenzel & Co. und waren von beiden obengenannten Stellen zum freien Verkauf freigegeben. Die Firma Stenzel hat diese Anlagen dem Zentralamt für das Fernmeldewesen in Darmstadt zum Kauf angeboten.
Wenn durch einen Beamten der Bundespost ein illegaler Weiterverkauf in die Ostzone beabsichtigt gewesen sein sollte, so hat die Firma Stenzel damit nichts zu tun. Sie hatte davon auch keine Kenntnis.
Einen Infrarot-Bildwandler hat die Firma Stenzel & Co. niemals besessen und daher auch niemals zum Verkauf angeboten.
Der in der Meldung erwähnte Staatsanwalt Jürgens hat von sich aus der Firma Stenzel & Co. sein Bedauern ausgesprochen und sich von der Meldung in jeder Form distanziert.“
Randolph Churchill, der Sohn Winston Churchills, ist von der Londoner Zeitung „Daily Telegraph“ als Berichterstatter für Korea entsandt worden.
Malik rief die Zuschauer zur Ordnung
Rededuell zwischen dem Vorsitzenden und Dr. Tsiang im Sicherheitsrat
Neuyork, 8. August, (dpa) Die Sitzung des Sicherheitsrats am Dienstag ist um 20.20 Uhr von dem sowjetischen Delegierten Malik, der den Vorsitz führt, eröffnet worden. Hauptgegenstand der Beratungen war der amerikanische Antrag, die nordkoreanische Aggression zu verurteilen und die Mitglieder der Vereinten Nationen zu veranlassen, sich jeder Hilfeleistung für die Nordkoreaner zu enthalten und jede Ausdehnung des Konflikts zu vermeiden.
Der sowjetische Delegierte Malik verlas zu Beginn der Sitzung ein Telegramm, in dem sich die nordkoreanische Regierung über die „barbarische Bombardierung“ koreanischer Städte durch die amerikanischen Luftstreitkräfte beschwert. Das Telegramm schließt mit der Feststellung: „Falls der Sicherheitsrat keine Maßnahmen zur Einstellung dieser unmenschlichen und barbarischen Kriegsmethoden trifft, wird die Verantwortung für diese Grausamkeiten nicht nur auf die Amerikaner, sondern auch auf alle anderen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen fallen.“
Der Sitzung des Sicherheitsrates lag außerdem ein sowjetischer Antrag vor, die Volksrepublik China und die nordkoreanische Regierung zu Verhandlungen über eine Waffenruhe in Korea einzuladen und die Zurückziehung aller ausländischen Truppen aus Korea anzuordnen.
Malik ordnete die Verlesung eines Telegramms an, in dem die Korea-Kommission der Vereinten Nationen über die Arbeit des Roten Kreuzes in Korea berichtet. Malik wurde aber von dem nationalchinesischen Delegierten Dr. Tsiang unterbrochen, der die sofortige Hinzuziehung von südkoreanischen Vertretern zur Sitzung forderte. Malik bestand jedoch auf der Verlesung des Berichts der Korea-Kommission. Erst dann solle der Sicherheitsrat zu der Frage Stellung nehmen, ob Vertreter Koreas und der chinesischen Volksrepublik zu den Debatten hinzugezogen werden.
Die Auseinandersetzung zwischen Malik und Dr. Tsiang ging eine geraume Weile weiter. Als Tsiang den Präsidenten zum zweiten Male unterbrach, erklangen von den Publikumstribünen entgegen der Gepflogenheit der Ratssitzungen lebhafte Beifallskundgebungen. Malik rief die Zuschauer daraufhin zur Ordnung. Malik zögerte die Abstimmung mit immer neuen Argumenten hinaus.
Fünf türkische Linksblätter sind in Istanbul verboten worden, weil sie gegen die Entsendung türkischer Truppenkontingente nach Korea protestiert hatten. Dr. Spiecker verhandelt in Brasilien im Auftrag der Bundesregierung über die Errichtung eines deutschen Generalkonsulats.
Heiteres, trockenes Sommerwetter
Eigener Wetterbericht
Vor dem kräftigen ostatlantischen Tief bildet sich eine Brücke hohen Druckes vom Nordmeer bis zu den Azoren aus. Die Rückseite dieses Tiefs kann uns nicht vor Wochenende erreichen, so daß das heitere Wetter vorerst erhalten bleibt. Aussichten bis Donnerstag: Fortbestand des heiteren trockenen Sommerwetters. Recht warm mit Mittagstemperaturen bis etwa 25 Grad.
Der Rundfunk am Donnerstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Hausfrauenkonzert; 18.00 Hörerlieblinge; 18.30 Tanzboden von Anno dazumal; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Moderne Unterhaltungsmusik; 21.45 Passiert — glossiert; 23.15 Tanzmusik.
SÜDD. RTTNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.15 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 18.00 Unterhaltungsmusik; 20.00 Frohes Raten — Gute Tat n; 20.45 Musik aus beliebt n Filmen; 22.00 Salzburger Festspiele 1950; 23.00 Tanzmusik.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 München ruft Baden-“' den; 14.00 Kinderliedersingen; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik^zum Feierabend; 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 Der Schallplattenfreund; 22.30 Die großen Meister; 23.30 Für Kenner und Liebhaber. NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Mittagskonzert; 14.15 Südliche Klänge; 15.40 Das Hamburger Radio-Tango-Orchester; 18.00 Zwischen Sechs und Sieben; 20.00 Der gerechte Herr Boll; 22.05 Zur Nacht.
Der SPORT
75 Jahre Turngesellschaft Darmstadt
In den Tagen vom 6.—13. August ds. Js. begeht die Turngesellschaft 1875 Darmstadt die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Alle Abteilungen treten im Laufe dieser Zeit mit Turn- und Sportveranstaltungen an die Oeffentlichkeit. Wenn eine Gemeinschaft von Turnern und Sportlern unserer Stadt ihren 75. Geburtstag feiert, so erscheint es angebracht, einmal Rückblick zu halten und mit Stolz und Berechtigung auf die Zeit ihres Bestehens zurückzuschauen.
Schon im Jahre 1874 fanden sich einige Turner zusammen und berieten, ob man einen neuen Turnverein gründen sollte. Doch erst am 12. Januar 1875 war es soweit, daß man eine Gründungsversammlung einberufen konnte. Die kleine Schar verstand es durch geeignete Werbung bald, den Interessentenkreis zu vergrößern, und so schaffte man es in Kürze auf 50 Mitglieder. Unter persönlichen großen Opfern konnten diese Idealisten sich nacheinander Turngeräte anschaffen. Turnen konnten sie in der Turnhalle der Bessunger Tumgemeinde, bis später eine städtische Turnhalle zur Verfügung stand.
Man nahm den jungen Verein, diese Außenseiter, nicht in die DT auf. Mit Unterstützung anderer Turngemeinschaften gründete man den Bergsträßer Turnerbund, der sich einer starken Zunahme erfreute. Doch einige Jahr.e danach entschloß man sich, auch diese Vereine in die DT aufzunehmen. An der Gründung vieler Turnvereine der Umgebung ist die TG 1875 stark beteiligt gewesen. Neben dem Turnen pflegte man schon 1876 den Männergesang und schuf somit den Boden für eine gute Zusammenarbeit innerhalb des jungen Vereins.
Der stete Wechsel der Turnhallen und Turnplätze wirkte sich oftmals hemmend aus, doch die starke innere Kraft überbrückte auch in den schwersten Zeiten diese Klippen. Das Jahr 1893 brachte für die 1875 er einen merklichen Auftrieb. Mit den Ueberschußgeldern von dem Mittelrheinischen Kreisturnfest, das in Darmstadts Mauern stattfand, konnte der Verein an die Verwirklichung zum Bau einer Turnhalle herangehen. Auf dem Anwesen Dieburger Straße Nr. 26, heutides Thalia-Theater, wurde sie in den Jahren 1896/97 erstellt und mit der Lokalposse „Der tolle Hund“ eingeweiht. 1900 wurde das 25jährige Stiftungsfest würdig begangen. Doch bald danach kamen geldliche Schwierigkeiten, die sicn über einige Jahre hinauszogen und auch zum Verkauf der Turnhalle führten. Aber während dieser Jahre zeigten die Turnei des Vereins ihre Stärke, unentwegt, trotz aller Hindernisse, gingen sie weiter an die Arbeit. Turnten, nahmen an den Wettkämpfen teil und brachten somit den Verein immer wieder in die Oeffent .icnkeit. Im Jahre 1912 wurde die Turnennnenabteilung unter der Leitung von Ludwig Schwarz gegründet, die sich bald zu einer der leistungsfähigsten entwickelte.
Durch die Ausbreitung von Turnen und Sport ging man an die Schaffung eines Sportplatzes heran. Man pachtete an der Kranichsteiner Straße „Am Ziegelbusch“ einen Platz auf der Ziegelei, doch der Krieg 1914 stoppte diese Entwicklung wieder ab, und so kam erst nach dem ersten Weltkrieg die Sache in Fluß. Die Kriegsjahre 1914—1918 kosteten dem Verein auch viele wertvolle Mitglieder. Bald nach dem Kriege machte sich ein merklicher Aufschwung in der TG 1875 bemerkbar. Man kam aus dem engen Rahmen des Turnens heraus, es bildeten sich neue Abteilungen wie Leichtathletik, Handball, Schwimmen und Tischtennis, später kam noch Fußball dazu (Eintracht).
Nach einem glänzend verlaufenen 50. Stiftungsfest und dem 1927 stattgefundenen Mittelrheinischen Kreisturnfest standen den 1875 er Turner beachtliche Geldmittel zur Verfügung, und so konnte an die Stadtverwaltung herangetreten werden, den nicht mehr ausreichenden Sportplatz an der Kranichsteiner Straße zu erweitern bzw. neu zu erstellen. Das zu dieser Zeit als Müllgrube verwendete Gelände wurde besichtigt und nach eingehender Beratung der Beschluß gefaßt, hier einen neuen Sportplatz mit allen notwendigen Anlagen zu schaffen. Mitglieder des Vereins legten zuerst Hand an, bis später im Zuge des Erwerbslosenprogramms der Ausbau vorangetrieben wurde. Bald hatte die Vereinsleitung noch eine große Baracke angekauft, die entsprechend umgebaut und heute neben Umkleideräumen, Baderäumen einen netten, geräumigen Versammlungsraum enthält.
In diese Zeit fällt ebenso der merkliche Aufschwung auf turnerischem wie auf sportlichem Gebiet. Die neue Anlage mit einer Rundbahn von 400 Meter schuf, unter Leitung von Otto Trautmann, eine Leichtathletikabteilung, die innerhalb der DT einen Namen hatte. Heiner Fornoff und Heiner Haag waren die Vertreter Darmstadts bei den großen Waldläufen der Deutschen Turnerschaft, bis sie später (Haag) zu 1898 überwanderten. Daneben stand eine 3 mal-1000-Meter-Staffel, die innerhalb des Turnverbandes mit an erster Stelle rangierte. Auch der Handballsport genoß in der TG 1875 einen guten Ruf. Noch leistungsfähiger entwickelte sich die Schwimmabteilung unter der Leitung des verstorbenen Leiters Karl Schmidt, der in Philipp Kochendörfer einen warmen Förderer hatte. Diese junge Abteilung konnte durch guten Zuwachs und intensives Training bald mit in die vorderste Linie der DT-Schwimmer aufsteigen. Nicht nur im eigenen Gau, darüber hinaus im Gauverband und zuletzt in der DT genoß die Abteilung den besten Ruf. Die Meisterschaft in der 3 mal-100-Meter-Lagenstaffel, die ersten Plätze in 100 Meter Brust und Rücken bewiesen zu damaliger Zeit die Stärke auf schwimmsportlichem Gebiet.
Auch im Turnen stand man nicht nach. In den Gebrüdern Kunz und dem heute noch tätigen Turner Phil. Schneider hatte die TGD Vertreter, die bis zu den deutschen Kunstturnmeisterschaften vorkamen. Auch die Vertreterinnen im Frauenturnen schafften sich langsam vor, und so standen Wettkämpferinnen bei den Deutschen Turnfesten in München, Köln und Stuttgart in guter Position, die heute noch als Abteilungsleiterinnen ihre reichen Erfahrungen anderen zukommen lassen. Marie Fick und Gretel Fuchs verstehen es meisterhaft, aus dem reichen Schatz ihrer erworbenen Kenntnisse die Uebungsabende interessant und lehrreich zu gestalten.
Mit diesen Abteilungen hielten auch die Jugendabteilungen guten Schritt, wie auch die Gesangs- und die - Tennis-Abteilung gute Fortschritte erzielen konnten. Besonders die Sänger zeigten durch ihr vorzügliches Stimmenmaterial des öfteren ihre Stärke bei den damals durchgeführten Turner-Wertungssingen. So stand die TGD 1875 bis zum Jahre 1938/39 in guter Position im Darmstädter Turn- und Sportleben, gestärkt noch durch den Zugang des einstmaligen FC Eintracht und den TV Jahn, Darmstadt, die in der TGD aufgingen. Doch die politischen Verhältnisse, die auch auf den sportlichen Sektor übersprangen, schufen auch für die 1875 er Turner harte Entscheidungen. Zuerst löste man die am stärksten tätige Abteilung heraus, die, Schwimmer, um sie zu einer Darmstädter Schwimmerschaft zusammenzufügen. Später, im Jahre 1939, wurde dann der Gesamtverein in die damalige Ortsgruppe des DRL Darmstadt übernommen.
Bald nach dem Kriege, 1946, kam der kleine Funke einiger TGSler langsam zum Glühen und die erste Versammlung brachte den einmütigen Entschluß, die TGD wieder ins Leben zu rufen. Doch mit was, war die große Frage. Keine Turnhalle, keinen Platz, keine Geräte, aber der Wille und die Stärke, die Kraft, die schon immer in der TGD vorhanden war, ließ diese Bedenken zerstreuen, und mit nuem Mut schuf man wieder die Voraussetzungen, um Turnen und Sport treiben zu können. Eine städtische Turnhalle dient für die Turnabteilungen als Uebungsstätte, der Sportnlatz „Am Ziegelbusch“, der alles andere als eine Sportanlage war, wurde nach offizieller Uebernahme überholt. Die Umkleidehalle, die mit Untermietern belegt war, wurde dank dem Entgegenkommen des Wohnungsamtes langsam frei, und so konnte an den inneren Umbau herangegangen werden. Eine Platzmeisterwohnung, die vor dem Kriege schon erstellt werden sollte, wurde fertiggebaut. Die zerstörten Duschräume mußten neu hergerichtet werden und dazu die beiden Umkleideräume wieder instand gesetzt werden. Dies alles schufen die Mitglieder zum überwiegenden Teil in ihrer Freizeit, dem Verein ein großes Stück Geld sparend, und um weiterhin den Aktiven und Jugendlichen die Einrichtungen zu schaffen, wie sie zu einem Sportplatz nun einmal gehören.
Bei all diesem Auf und Ab, bei all diesem Einsatz und Idealismus waren es oftmals schwere Zeiten, Zeiten des Scheidens der Ansichten über Turnen und Sport, aber im Moment der Bewährung da zeigte es sich doch, daß die Liebe und Zugehörigkeit zur TGD, das Wohlfühlen in der Gemeinschaft stärker war, und diese Stärke und dieses Sicheinfühlen auch heute wieder bei den Jungen und den Alten die Säule ist, auf die die Vereinsführung rechnen kann.
Eine einfache, bescheidene und klare Richtung zu halten, möge auch für die nächsten 25 Jahre oberstes Gesetz unter der Führung des derzeitigen 1. Vors. Ludwig Jährling sein.
Heute Handball und Leichtathletik
Der vierte Tag der Jubiläums-Woche führt heute, Mittwoch, auf den Sportplatz „Am Ziegelbusch“.
Die leichtathletische Jugend der Vereine SV 98, TSG 46, SG Münster, TV Groß-Gerau und der Jubelverein sind daran beteiligt. Es wird ein Dreikampf ausgetragen und ferner die Besten über 100 m, Weitsprung und Kugelstoßen ermittelt. Dazu noch die 4- Meter-Staffel für männliche und weibliche Jugend. Zu diesen sportlichen Kämpfen kommen noch die Handballer. Im Vorspiel steht die 2. Mannschaft des Platzvereins den Junioren von SV 98 gegenüber und im Hauptspiel treffen 18.30 Uhr TG 75 und TuS Griesheim zusammen.
Am Sonntag Preußen Dellbrück
Der SV Darmstadt 98 empfängt am Sonntag die bekannte Mannschaft von Preußen Dellbrück, die bei den Spielen um die deutsche Meisterschaft bemerkenswerte Erfolge erringen und bis in die Vorschlußrunde vordringen konnte, in der sie erst im Wiederholungsspiel von den Offenbacher Kickers geschlagen wurde. Vordem hatten die Männer um den Torwart Herkenrath den Vorjahrsmeister VfR Mannheim mit 2:1 aus dem Rennen geworfen. Die Kölner Vorstädter spielen in stärkster Besetzung mit: Herkenrath; Habets, Paffrath; W. Schlömer, H. Schlömer, Drost; Fischer, Schmidt, Mülfarth, Poppelreuter und Severin. Das Spiel beginnt bereits um 14 Uhr im Hochschulstadion.
SG Arheilgen gegen Hassia Dieburg Heute Mittwoch findet um 18 Uhr das Fußballspiel zwischen der SG Arheilgen und Hassia Dieburg statt. Die Arheilger werden voraussichtlich mit ihren sämtlichen Neuzugängen antreten.
Fußball am Ziegelbusch Am Wochenende findet zum ersten Male wieder seit langer Zeit auf dem Platz „Am Ziegelbusch“ ein Fußballspiel statt.
Der S. V. 98 spielt am Samstag im Rahmen des 75jährigen Jubelfestes gegen Phönix, Karlsruhe, Oberliga Südwest.
RSC und TSG in Schweinfurt
Süddeutsche Rollhockeymeisterschaften
Am 12./13. August werden in Schweinfurt die Süddeutschen Meisterschaften im Rollhockey ausgetragen. Es nehmen der 1. und 2. Landesmeister von Hessen, Württemberg-Baden und Bayern teil, im einzelnen folgende Teams: 1. FC Nürnberg (Süddeutscher Meister 1949), SSRC Stuttgart, ERV Schweinfurt, REV Heilbronn, RSC Darmstadt und TSG Darmstadt. Die Spiele werden in drei Runden durchgeführt und beginnen am Samstagnachmittag. Unter der Leitung von Adolf Walker, Max Raasch (Stuttgart), Willy Pfister (Nürnberg) und Fritz Westphal (Frankfurt/M.) werden sie einen spannenden Verlauf nehmen. Der erste und zweite Süddeutschei Meister ist teilnahmeberechtigt an den Deutschen Rollhockeymeisterschaften in Nürnberg. -Z-
VOCD-Erfolge am Sonntag
Deutsche Bahnmeisterschaften auf der
„Amor-Bahn“ München: 5. Paul Nester (Hanno Seifert durch Sturz ausgeschieden).
Bahnrennen im Frankfurter Stadion; Mannschaftsfahren über 75 Runden: 2. Frieder Weber/K. Scherer Frankfurt. Ausscheidungsfahren der Jugend: 1. Paul Nester, 4. Helmut Steinbrecher.
„Rund um Frankfurt“: 6. Siegfr. Volkhammer (240 Teilnehmer).
Unser Tip
für den Hessentoto:
1 SSV Wuppertal—Spvgg Fürth 2 0 2 1. FC Pforzheim—Eintr. Frankfurt 0 1 3 FSV Frankfurt—Schalke 04 10 4 SV Darmstadt—Preuß. Dellbrück 1 2 5 Boruss. Dortmund—Vfß Stuttgart 0 2 6 Preuß. Münster—l. FC Kaiserslt. 2 1 7 Rot-Weiß Essen—Austria Wien 1 2 8 Boruss. M.-Gladb.—Worm. Worms 1 0 9 Duisb. Spielverein—Hertha<BSC 1 1 10 Spvgg Bad Homb.—Opel Rüsselsh. 0 1 11 Olymp. Lampcrth— Spvgg Griesh. 1 0 12 Hess. Lichtenau—VfL Kassel 0 1 13 SV Rheydt—Spvgg Fürth 2 2 14 1. FC Köln—Vfß Stuttgart 2 0
Feuilleton
Erinnerungen an meinen Vater
WILHELM MICHEL ZUM GEDÄCHTNIS
VON GÜNTHER MICHELProf. Dr.-Ing. Friedrich Zimmermann wurde unter Ernennung zum ordentlichen Professor der Lehrstuhl für Wasserwirtschaft. Wasserbau. Kulturtechnik und Grundbau an der Braunschweigischen Technischen Hochschule übertragen. Gleichzeitig wurde der Gelehrte, der seither als Regierungs- und Baurat in Blankenburg im Harz tätig war, zum Direktor der Wasserbau-Versuchsanstalt ernannt. Professor Dr. Zimmermann, der seine wissenschaftliche Ingenieur-Ausbildung an der Technischen Hochschule in Darmstadt erfuhr, ist der Sohn eines Amtsrichters in Laubach in Oberhessen.
Auf Einladung von Intendant Dr. Skraup wird der frühere Intendant des Mannheimer Nationaltheaters. Friedrich Brandenburg, zur Eröffnung der nepen Theaterspielzeit am Landestheater Darmstadt zwei Gastinszenierungen übernehmen: Shakespeares „Maß für Maß“ und später Bernhard Shaws „Helden“. Der als bedeutender Bühneninszenator weithin bekannte Gast führte in den letzten Spitelzeiiten mehrfach Regie an den Städtischen Bühnen Heidelberg (se)
Professor Erich Schwinge, der Lehrer für Oeffentliches Recht, Strafrecht, Strafprozeßrecht, Rechtsphilosophie und Dekan der Rechts- und Staatswissenschafthchen Fakultät der Philipps-Universität, Marburg, hat einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Oeffentliches Recht an der Universität Mainz erhalten.
Mitten im Krieg, am 16. April 1942, starb mein Vater an einer bösartigen Gesichtsrose, die innerhalb von vier Tagen sein Blut zerstörte. Es durfte seiner in Darmstadt, das seit 1913 seine zweite Heimat war, nicht öffentlich gedacht werden. Die Darmstädter Zeitungen durften die auf ihn geschriebenen Nachrufe nicht veröffentlichen. Um so bekenntnishafter waren die Ausstellungen seines Bildes und seiner Bücher in der Landesbibliothek und in einzelnen Buchhandlungen. Die große Teilnahme an seiner Beerdigung war ein weiteres Zeugnis für die Anerkennung, die Dankbarkeit und die Liebe, die man dem Leben meines Vaters entgegenbrachte, das sich in jenem himmlischen Reich zu Hause wußte, an dessen Kraft die gewaltsüchtigen Mächte unseres Staates mit hinterhältiger Entschlossenheit zu zweifeln wagten.
Mitten im Kriege starb mein Vater mitten im Frieden — aber nicht in einem Frieden des Verzichts, sondern der äußersten Tapferkeit und der liebevollsten Behauptung. Viele wissen, wie sehr ihn die mächtige Feindschaft gegen die Liebeskräfte schmerzte, wie sie ihn quälte und bisweilen zu leidenschaftlicher Gegenwehr herausforderte. Gerade in diesem Zusammenhang wird es verständlich, daß mein Vater auch zu Hause ein seine Ueberzeugungen realisierendes Leben fühl . Er gehörte nicht zu jenen Schriftstellern, die in ihrem Arbeitszimmer einsam schreiben und denken. Nicht nur mit seinen Besuchern, sondern gerade auch mit seiner Familie führte er jene unvergeßlich: i Gespräche, durch die er die Wahrheit faßbar und lebbar machte für den einzelnen Menschen.
Alle Erinnerungen an meinen Vater, auch die Familienerinnerungen, fügen sich zu einem Wissen um die Liebe zusammen: Die Liebe als der Kern des Lebens, als die Waffe des Geistes, als die ewige Heimat und die immerwährende heimhol mde Gnade des väterlichen Gottes. Dieses Wissen übereignet uns die Fülle des Lebens und enthebt uns des ängstlichen und geizigen Festhaltens am bloßen Dasein. Es macht uns nüchtern gegenüber unserer Person und entzaubert das Trügerische, von wo auch immer es in uns einzudringen versucht. Die Güte ist seine höchste Folgerung. Und so auch lernte ich durch meinen Vater die Güte kennen als einen Akt der Selbstbescheidung — nicht als königliche Gnade also oder als huldvolles Gewähren, sondern als eine freiwillige, vom Schmerz über die Unvollkommenheit der eigenen Natur durchdrungene Demut. Das Geheimnis der Güte liegt in der Achtung des Nebenmenschen, gerade auch in der Achtung und dem liebevollen Ernstnehmen seiner Fehler und Irrtümer, die als eigene Möglic' ' eiten begriffen werden. Mein in Rußland gefallener Brudet Willi erhielt einen Brief, in dem das Wesen meines Vaters steht wie ein inwendiges Licht: „ . Ich habe heute auch einen langen Brief von W. M. erhalten (du erinnerst dich gewiß, daß er mir öfters geschrieben hat, er ist Uffz. bei der Panzerabwehr). Er schreibt mir eine Art Abschiedsbrief, im Hinblick auf die großen militärischen Ereignisse, die bevorstehen. Mir gibt das jedesmal einen Stich, daß ich aufschreien könnte, und doch muß ich mir das gleich wieder selber verweisen. Wir müssen uns alle, ob wir daheim sind oder draußen, mit letzter Frömmigkeit und Nüchternheit auf den jeweiligen Augenblick und seine Tatsachen einrichten und wirklich zu leben suchen im Rachen der Hölle, aus dem Wissen heraus, daß sie uns im letzten Betracht nichts anhaben kann, und daß jedes Wort der Liebe und Treue, das wir austauschen, genau so wirklich ist wie jeder Kanonenschuß, der draußen fällt. Wir müssen uns verbieten, nach Dauer zu verlangen, und müssen jeden Augenblick in der Ewigkeit stehen, in Gott getröstet, der uns mit jedem Kuß der Liebe, mit jedem Strahl Sonne und jedem Gedanken der Eltern- und Kindestreue ein Stück der immerwährenden Heimat darreicht. Aus ist’s mit dem Etappenleben, und alle stehen wir an der Front und müssen die Momente auf ihre innere Ewigkeit hin auskosten. Da Gottes Wille über dem Geschehen steht, muß es jedem von uns gelingen, mit Herz und Mund zu sagen: Befiehl du deine Wege / Und was dein Herze kränkt. .. !“
Tipfste Liebe bei höchster Nüchternheit ist die kostbarste Belehrung, die mein Vater uns Kindern gab; Deshalb tragen auch alle diese Mitteilungen nicht nur das Gepräge von Familienerinnerungen, sondern sie sind Beispiele dafür, daß das private Leben überall dort, wo es auf die Wahrheit bezogen wird, seinen privaten Charakter verliert und auf glänzt als Bezeugung der durchgängigen Lebenserfülltheit eines Menschen. Die Liebe zur Heimat und zur Natur, das Daheimsein bei Frau und Kindern, das arglose Zusammensein mit Freunden und Besuchern, das Glück der Morgenstunden und die Freuden des Abends sind keine vor vornherein zum privaten Dasein gehörige Momente. Im Gegenteil, sie erst spenden jene Erlebnisse und Erfahrungen, die uns, wenn wir nur stets um die höchste Bezogenheit unseres Dasein wissen, der Wahrheit und dem ewigen Tröste näherbringen. Das gilt auch für die häuslichen Kümmernisse und alltäglichen Aergernisse; So erinnere ich mich, daß mein Vater einem sehr viel jüngeren Manne, ■ mit' dem er. sich tags zuvor heftig gestritten hatte, öffentlich die Hand zur Versöhnung bot, mit dem Bemerken, daß er sich auf dem Weg zum Abendmahl befände. Die Bedeutung dieser Handlung können nur jene 'ermessen, die um das große, fast empfindliche Ehrgefühl wissen, das mein Vater von Natur aus besaß. Hierher gehört es auch, daß sich mein Vater nicht scheute, auf seine Fehler und Schwächen hinzuweisen, wie er das z. B. in seinem Gedicht „Aufblick“ tat.
- Es wäre irrig, von hier aus auf eine schwächliche, gebrochene Natur bei meinem Vater zu schließen. Den Schlüssel zur Erkenntnis seines Wesens gibt die Entwicklung, die mein Vater im Laufe seines Lebens nahm, die Entwicklung von einem ritterlichen zu einem gütigen Leben, den Durchbruch vom Menschenädel zur Gotteskindschaft.
Wilhelm Michel, • 9. August 1877, t 9. April 1942 Aus einfachen Verhältnissen ist Wilhelm Michel emporgewachsen: Als Sohn eines rheinpfälzischen Militärbeamten wurde er am 9. August 1877 zu Metz in der französischen Pionierkaserne geboren. Durch die Rücksiedlung der Eltern nach der Heimat Frankenstein gelangte er zum Besuch der dortigen Dorfschule. Auf Anraten des Lehrers vollzog er bald den Übertritt ins Humanistische Gymnasium in Mainz, das er mit einem ausgezeichneten Abitur verließ. Er studierte zunächst Rechtswissenschaft in München und Würzburg, hörte aber auch viele philosophische, historische und sprachwissenschaftliche Vorlesungen. Infolge der Erkrankung seines Vaters mußte er sein Studium abbrechen und hat seit 1901 als freier Schriftsteller in München gelebt, seit 1913 in Darmstadt. Er war dort für die Kunstzeitschriften des Verlegers Alexander Koch tätig, dessen Tochter er 1915 heiratete. Aber schon 1911 hatte er die erste Schrift über Hölderlin veröffentlicht, die damals stark auf Rilke wirkte. Immer weiter umkreist sein Deuten und Denken Hölderlins Gestalt und seine Bedeutung für die deutsche geistige Welt, bis er zuletzt mit reifer Meisterschaft die große Biographie und erschöpfende geistige Auslegung des Dichters vollenden kann: 1940 erscheint „Das Leben Friedrich Hölderlins", eine der schlechthin maßgebenden deutschen Leistungen, die allein schon den Namen des Autors durch die Zeiten tragen würden, darin sich wissenschaftliche Gründlichkeit mit hoher philosophischer Betrachtung und innerstem leidenschaftlichem Anteil durchdringen.
Epilos zum „Darmstädter Gespräch 1950“
ERÖFFNUNG DER JAHRESSCHAU DER PFÄLZISCHEN SEZESSION IN SPEYER
In den soeben in Speyer anläßlich der Ausstellung der Pfälzischen Sezession gehaltenen Ansprachen wurde nicht weniger als ein halbes dutzendmal auf das Darmstädter Gespräch Bezug genommen, und auch die Ausstellung in Speyer wurde von Künstlern, Kunstwissenschaftlern und Laien immer wieder als Fortsetzung und Ergänzung der Schau auf der Mathildenhöhe angesehen und bewertet.
Von den Worten, die bei der Eröffnung gesprochen wurden, blieben vor allem die von Prof. Gerke (Mainz) haften. Er betonte, daß eine „höhere Wirklichkeit als die des Menschlichen ihm wichtiger erscheine als die Wiederherstellung des Menschenantlitzes“. Wenn für das Jahr 1920 die Gesellschaftskritik eines George Grosz und die „Maskenkunst“ Hofers charakteristisch waren, so sei heute bereits eine „höhere emotionell gestaltete Ebene sichtbar, in der der Mensch wiederaufersteht“. Bei diesem optimistischen Bekenntnis (wie es in Darmstadt ähnlich von Künstlerseite zu hören war) ließ Gerke es jedoch nicht bewenden. Auch er sprach — darin Sedlmayr nicht unähnlich — von Zerrissenheit und Auflösung in der heutigen Kunst, *die „auf dem fürchterlichen Boden des heutigen Europas“ allerdings nicht anders sein könne. Er warf die Frage auf, inwieweit diese Kunst nicht ein kommendes entsetzliches Schicksal vorausahne und bannte das atemlose Auditorium durch seine Schlußformel: „Mut zum Untergang!“
Gerkes eindrucksvolle Rede, in der — in anderer Mischung und z. T. mit anderen Vorzeichen als bei Sedlmayr — neben wissenschaftlicher Darlegung auch Bußpredigt und Prophetie steckten, brachte die Hörer in einen idealen Zustand der Empfänglichkeit für die Werke der Maler und Bildhauer. „Das apokalyptische Triptychon“ von Rolf Müller (Landau) oder auch sein „Totengräbersonett“, die neu-antiken Mythen von Gilles („Ödipus und die Sphinx“), das „Stilleben mit dem Totenkopf“ von C. G. Becker, das „Bedrohte Paar“ von H. Grieshaber und „Scirocco“ von E. Bargheer — all diese und verwandte Werke wurden von den Betrachtern einfühlend aufgenommen. Wenn die Ausstellung in Speyer Gelegenheit bot, in Ergänzung zu der Schau auf der Mathildenhöhe weitere interessante „Menschenbilder“ zu zeigen, so konnte man hier daneben verfolgen, wie auch Tiere, Landschaft und leblose Dingwelt in ähnlicher Weise wie der Mensch umgebildet werden. Namentlich das Tier verwandelt sich in der Phantasie des Europäers unserer Tage gerne in ein Fabelwesen, wie einst in den Kindheitsperioden der Menschheit. Wir denken an den berühmten Film von Jean Cocteau „Die Schöne und das Untier“ (La Belle et la Bete), wenn wir sehen, wie unter den Händen von H. Geibel (Darmstadt) sich ein Jüngling in einen „Stierdämon“ verwandelt. Der gehörnte Pan, der auf einem Bilde Rolf Müllers die Winzer erschreckt, die seltsamen Vogeldämonen, die dem „Geiger“ von Gilles lauschen, und „Der Fischvogelmensch“ von G. Diehl gehören in diesen Zusammenhang.
Ein unproblematischeres Verhältnis zur Wirklichkeit als die eben genannten Künstler zeigt z. B. W. Sohl in seinen farbenschönen, großartigen „Schweizer Bergen“ und vor allem eine Reihe von Bildhauern: K. Lehmann, H. Mettel, E. Roeder, G. Seitz und Th. Siegle.
N. V. Holst
Notizen
Orson Welles über seinen „Faust“. Def amerikanische Filmschauspieler Orson Welles, der auf seiner Europa-Tournee in Frankfurt eingetroffen ist, stellte sich am Sonntag den Fragen der Presseleute und plauderte vor allem über seinen vor sechs Wochen in Paris uraufgeführten „Faust“. Das Stück, das auch in Deutschland gezeigt wird, ist im Frühjahr entstanden. Es sei schwer, meinte der berühmte „dritte Mann“, den Deutschen klarzumachen, daß es einen ,Faust“ gebe, der nichts mit Goethe zu tun hat. „AbeY es gibt doch einen“. Sein „Faust“ sei ein bißchen Marlowe, ebenso viel Milton, etwas Duke Ellington und ein Teil Orson Welles, aber nichts von Goethe“. Es gebe in ihm auch keinen diabolischen Mephisto, und Faust führe sich selbst in Versuchung. Orson Welles wird nach seinem Frankfurter Gastspiel in Hamburg, München und Berlin auftreten.
Die Schauspielerin Käthe Gold dreht ihren ersten Nachkriegsfilm in Oesterreich. Sie spielt eine junge Mutter in dem neuen Wiener Mundus-Film „Das Jahr des Herrn“, den Alfred Stöger nach dem gleichnamigen Roman von Karl Heinrich Waggerl inszeniert. Ihre Partner sind
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER15) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Er hört jetzt, wie alles kam. Er schluckt alles, er sieht alles so, wie Mary es darstellt. Er zuckt, wie sie berichtet, daß sie „um ihrer großen, unfaßbaren Liebe willen geschlagen“ wurde, und er atmet auf, als er von Mary hört, am Abend habe „Papa sein Unrecht eingesehen und fünfhundert Kronen als Schmerzensgeld gegeben“. Er genießt was Mary ihm von ihren bevorstehenden Erfolgen sagt Und er hört es an, daß sie „ihm die Treue halfen, ihn immer lieben, ihn zu sich emporziehen wird."
Er findet das alles ein bißchen übertrieben ausgedrückt, aber er meint, es komme auf den Kem der Sache an, und der Kem sei zweifelsfrei gut. Er erkennt an diesem Schmerzensgeld, daß der alte Steen also tatsächlich das Geld hat, das man bei ihm vermutet Und da Mary ganz offen zeigt, daß sie zu ihm hält, ist also alles besser, als es jemals war, glaubt er.
Er ist allein mit Mary, das erstemal in einem Zimmer mit ihr allein. Es ist ein Abschied vor einer erregenden Reise, und überhaupt ist alles erregend. Das Mädchen sieht entzückend aus. Ihr Anzug macht alles aus ihr, was aus ihr gemacht werden kann, und ihre Sucht, ihre selb terdachte Rolle zu spielen, ist gre :ze los.
Beer meint das Leben, die kleine Steen meint sich selbst. Beide vergessen sie, das Leben und sich selber noch ein wenig abzuwarten. Deshalb wundem sie sich, wie wenig glücklich sie auf dem Wege zu Steens Haus sind, wie spät es geworden ist, und wie wenig die Straße, die Laternen, die Bäume und Häuser sich veränderten. Sie wissen nichts zu reden, wie man nichts zu reden weiß, wenn man von einem nicht sehr guten Film kommt und im Stillen das Geld bereut, das man für ihn ausgab.
So ist es: Mary Steens erster Film hat ein dünnes, schlechtes Ende. Es ist ein sehr mittelmäßiger Film. Man muß einige Befürchtungen haben in Bezug auf das, was die Kritiker dazu sagen werden.
20
Georg J. Steen schläft in dieser Nacht recht gut, aber er träumt, was ihm sonst selten widerfährt.
Leider ist es ein unangenehmer Traum, doppelt unangenehm, weil Steen, wenn es schon so sein soll, daß er nicht traumlos ruht, dabei nicht an seine glückliche Gegenwart als erkorener Mittelpunkt einer großen Zehnfausend-Kronen-Sache anknüpft. Er hat es vielmehr mit dem Mann zu tun, dessen Prokurist er seit vielen Jahren ist. Der Mann will ihm kündigen. Ihm paßt es nicht, daß Steen diese verrückte Angelegenheit betreibt, während das Geschäft sich für die Winfersaison rüstet und eine Menge Handwerker zu beaufsichtigen sind.
Georg J. Steen wirft sich ein paarmal m seinem Bett herum, aber der Traum folgt ihm in jede neue Schlatsfellung. Einmal wird er wach und fragt sich, ob dieser Traum vielleicht eine 'echte Ankündigung dafür sei, daß er sich durch seinen Reklameverfrag tatsächlich in Gefahr begebe, seine Stellung zu verlieren, und wie ein Pfiff trifft ihn der Einfall, dagegen hätte er sich in seinen Abmachungen mit Miels schriftlich sichern müssen.
Er schläft dann mit Sorge ein, wahrscheinlich werde er in der Hauptstadt keine Ruhe finden vor dem Inhalt dieses Traums und nicht eher wieder frei atmen können, bis er nicht nur wieder in seinem alten Trott stecke, sondern über dieser ganzen Sache auch Gras gewachsen sei.
Gegen zwei Uhr in der Nacht stört ihn ein Rumoren. Er fragt seine Frau, was es gäbe.
„Mary ist in der Küche. Die Aufregung heute scheint ihr nicht bekommen zu sein", antwortet Frau Steen. „Wird noch mehr Aufregungen geben“, brummt Steen.
Seine Frau steht auf. Anscheinend will sie nach Mary sehen. Steen schläft wieder ein. Als Eva Steen in die Küche kommt, sieht sie ihre Tochter im vollen Dreß. Sie scheint ihren Anfall von Uebelkeif überwunden zu haben, aber sie ist noch sehr blaß.
„Was ist Dir? Wo warst Du? Ich sehe doch an Deinem Anzug, daß Du außer Haus warst. Ich hörte Dich auch die Haustür schließen“, sagt Frau Steen leise, aber drängend.
„Ich habe meinen Verlobten besucht. Ich finde, daß ich das tun kann, wenn ich will“, antwortet Mary leise, aber recht gereizt Und tatsächlich geht sie an ihrer Mutter vorbei aus der Küche.
Frau Steen hört sie auf der Treppe zu ihrem Zimmer neben Knuts Zimmer. Eva Steen sitzt in ihrem Nachtkleid auf dem Stuhl neben dem Eisschrank und lauscht, ob etwa Knut aufwachf oder ihr Mann zu hören ist. Was immer geschehen sein mag, das wichtigste bleibt, daß Knut und der Vater nicht aufwachen, meint sie, aber sie weiß, daß damit nur für das erste gesorgt ist.
Es ist unerhört was Mary getan hat, denkt sie. Ich sollte mit Georg darüber sprechen, aber wir können uns eine solche Aufregung nicht noch zu denjenigen dazu laden, die wir ohnehin schon haben.
Sie fühlt deutlich, wie falsch es ist, sich für die Sorgen e aufzusparen, die mit der neuen Sache verbunden sind, und deretwegen die Dinge zurückzusfellen, die sich in der Familie ereignen. Es klingt ihr wie Hohn nach, daß es in ihrem eingelemfen Interview den Satz gibt „Für mich ist meine Familie die einzige Sorge, an die ich täglich denke. Und meine Kinder vertrauen mir“. Woran liegt es, daß man jetzt überall in der Oeffentlichkeit solche Dinge spricht, liest und hört, daß man auch uns herbeiholt, um sie einmal mehr zu hören, während unsere Familien so viel weniger taugen als sie früher wohl wert waren? Vielleicht liegt es daran, daß die Wahrheiten des Lebens einfach dabei zu Grunde gehen, daß man sie dauernd durch die Straßen zerrt.
21
Die ganze kleine Stadt ist auf den Beinen, um die Steens auf Bem Bahnhof zu verabschieden.
Steens Chef, weif davon entfernt, ihm irgendwelche Vorwürfe zu machen, hält eine Ansprache gleich nach der des Sfadtpräsidenten. Er kündigt an, daß sein Kaufhaus, das stolz darauf sei, von Georg J. Steen als vorzüglichem Prokuristen beaufsichtigt zu werden, in der nächsten Woche eine Attraktion haben wird, eine „Georg-St-Sfeen-Woche" mit stark herabgesetzten Preisen für fast alle Arten von Waren.
Die Leute klatschten lauf. Er wird bei dieser Gelegenheit den ganzen Kram mitverkaufen, aut dem wir seif dem Frühjahr sitzen geblieben sind denkt Georg J. Steen, aber im Grunde ist ihm dieser Gedanke recht behaglich. Er steht gelassen und breit da. Es macht ihm Spaß, dieses Gefue zu beobachten, das man hier mit ihm veranstaltet, die Guirlanden um den Teppich, der von der Bahnhofshalle zum Perron ausgerollf ist, und die kleinen, quirlenden bchulmädchen, die wahrscheinlich singen werden, wenn ’ der Zug kommt.
Wie toll ist das alles, wie sinnlos, wenn man von dem vielen Geld absiehf, das er immerhin dafür bekommt, denn auch sein Chef, der alte Fuchs, wird kaum mehr dabei herausschinden als ich als achttausend Kronen. Man sieht, Steen zieht die volle Rafe für seine Kinder in Gedanken schon ab!
Jahrzehnte hat sich von all diesen ST "lemand «"ich gekümmert, denkt Georg J Steen, während gerade die elfte Äbschiedsansprache gehalten wird und seine Frau antwortet. Ich h f e noch einmal vierzig Jahre hier leben können, und sie würden sich immer noch nicht um mich gekümmert haben, aber nun ist diese Sache gekommen, und jedermann gebärdet sich, als habe er mit nur auf der Schulbank gesessen und ich sei ihm seif Je wichtiger als er sich selber ist. Plötzlich fällt es ihm Wle,^ Öldhend€r Nagel in das Herz — es tallt ihm ein, wie das notwendiger- -muß ~ mit Hunderten von Bitfbnefen nämlich, die man bekommen wird, mit Aberhundert Anrufen von Leuten, die uns anpumpen wollen.
Und Georg J- Steen beschließt, keinen dieser Bittbriefe zu lesen, und nicht einen roten Heller von seinen achttausend Kronen herauszurucken. Nein denkt er hITIS daß ich kein€ U^ache habe, freigiebiger zu sein als man oe^en mich gewesen ist. Da ist der Zug.
(Fortsetzung iolgt.j
Darmstadt und Umgebnng
Kinder kommen heim
Mütter und Väter, Geschwister und Tanten warteten gestern nachmittag am Bahnsteig auf den Konstanzer Zug, der fast auf die Minute 16.12 Uhr eintraf. Die Köpfe wenden sich, die Augen suchen die Fenster ab, da sind sie entdeckt, die blonden und braunen Schöpfe und Zöpfe hinter den Scheiben, die strahlenden Gesichter, die winkenden Hände. Schnaufend hält der Zug, schon werden die Koffer herausgereicht, und die ersten Buben und Mädel springen aus den aufgestoßenen Türen in Mutters Arme. Viel mütterliche Sehnsucht ist im Augenblick gestillt, und die Tränen in den lachenden Augen sind das letzte Zeichen heimlich überstandener — und ach so unnötiger — Sorge, Zeichen auch beseligter Dankbarkeit: „Daß nur das Kind gesund wieder da ist!“
Frisch und wohl schauen sie aus, die Buben und Mädel, rote Backen haben sie mitgebracht, 4 Pfund, 8 Pfund, 10 Pfund haben sie zugenommen, da muß doch das Essen gut gewesen sein! Und geschmeckt hat’s wunderbar, jeden Tag, das machte die Schwarzwald-Luft. Denn fünf Wochen und drei Tage sind die Kinder im Kindergenesungsheim Kirneck in Villingen im Schwarzwald gewesen. Vorbeugende Gesundheitsfürsorge rief zu diesem Aufenthalt. In jedem Monat fährt ein solcher Transport von 10—50 Kindern in Erholungsorte. Eltern, die der Barmer Ersatzkasse angehören, leisten dazu einen Beitrag von 50 DM, während die übrigen Kosten von der Kasse getragen werden. Auch andere Kassen ermöglichen den Kindern ihrer Mitglieder solche verbilligten Erholungsaufenthalte.
„Was habt Ihr denn den ganzen Tag getrieben?“ werden die „Heimkehrer“ gleich von den Geschwistern gefragt. Da hört man sie plaudern von Liegekur und Solbad, vom Spielen und Spazierengehen, vom Singen und Heidelbeeren-Sammeln, — „wirklich so groß wie Kirschen waren die!“
Ein Kleines stapft ein wenig traurig dahin. Es hat keine Geschwister und muß nun wieder die fröhliche Gemeinschaft mit all den Gespielen entbehren. Und doch ist’s bei der Mutter am schönsten! Ein Knirps von 5 Jahren bestätigt strahlend, nein, keine Angst habe er gehabt, ohne Mutter und Vater so weit zu verreisen.
Ja, in guter Hut waren sie alle die Fünfbis Zwölfjährigen, dort in der Ferne und auf der Fahrt, und die herrliche Erholungszeit endete nun mit fröhlicher Heimkehr ins Elternhaus. D-s
Foto: Hilde Roth
Fünf Jahre Unrecht
Eine Feierstunde der Notgemeinschaft der Ost- und Westpreußen
Das vor fünf Jahren in Potsdam zwischen den Alliierten getroffene Abkommen war der Anlaß zu einer Feierstunde der Notgemeinschaft der Ost- und Westpreußen von Darmstadt Stadt und Land am Sonntag auf dem „Heiligen Kreuz".
Vorsitzender Krolzyk versuchte in seinem Referat die historische Entwicklung aufzuzeichnen. Von Versailles nach Potsdam führe ein gerader Weg. Der erste Weltkrieg sei im Zeichen der Selbstbestimmung der Völker beendet worden. Doch die 14 Wilsonschen Punkte fanden schon damals auf Deutschland keine Anwendung. 15 Millionen hätte man das Selbstbestimmungsrecht abgesprochen. Sollte das nicht mit eine wesentliche Ursache zum zweiten Weltkrieg gewesen sein? Heute stünden an ihrer Stelle Millionen Vertriebener.
„Spricht das Abkommen von Potsdam“, so sagte Herr Krolzyk, „nicht der Atlantik-Charta mit ihrem Artikel 1 (.Forderung nach Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker“) und die Deklaration der Vereinten Nationen vom 1. 1. 1942 hohn?“
Mit scharfen Worten kritisierte der Redner die Urteile des Nürnberger Gerichtshofes. Sie dürften nur Gültigkeit und Berechtigung haben, wenn die Planer und Unterzeichner des Potsdamer Abkommens mit gleicher Anklage vor die Schranken des Gerichts gestellt würden. Denn sie allein trügen für das Unrecht an den Vertriebenen die Verantwortung.
Obwohl die Vertriebenen die Rückgabe ihrer Heimat als Lastenausgleich Nr. 1 fordern, seien sie gewillt, ihre Kräfte auch hier für den Wiederaufbau Deutschlands einzusetzen, doch müßte ihrem Arbeitswillen ein Betätigungsfeld gegeben werden. Fände die Notlage der Vertriebenen nicht eine baldige gerechte Lösung, dann wäre die allgemeine Sicherheit durch die „drohende Atombombe im Herzen Deutschlands gefährdet.
Rasch - sauber - billig
Ein Vortrag der Gas- und Wasserwerke A.-G. im Rahmen der Ausstellung „Neue» Wohnen“
Gestern nachmittag veranstalteten im Vortragsraum der Ausstellung „Neues Wohnen“ die Gas- und Wasserwerke A.-G. einen Kochvortrag. Frau Koenig, in Hausfrauenkreisen durch mancherlei Vorträge schon bekannt, sprach über die moderne Gasküche und gab gut zubereitete Proben der Back-, Brat- und Kochkunst.
Aufmerksam folgten die Hausfrauen und Hausherren ihren Ausführungen und beobachteten das Turmkochen und Hantieren beim Backen und Braten an den Gasherden. Vergnügte Gesichter und befriedigtes Schmunzeln gab es beim Probieren des wohlbereiteten Kasseler RiP“ penspeers, der gefüllten Tomaten, er Nudeln, des Sauerkrauts, der Blätterteige und Nachspeisen und der regelmäßig ae bräunten Kuchen.
Die Gewinner bei der die Veranstaltung abschließenden Gratis-Verlosung trugen glückstrahlend ihre Preise heim. 1 Satz Turmkochtöpfe, 1 Jenaer Era - und Backform, 1 Napfkuchen und mancherlei Trostpreise von der Fa. Eiermann. Es war für alle Anwesenden ein lenrreicher-, nahrhafter und vergnüglicher Nachmittag.
Prozeß gegen KPD-Funktionäre
Noch in dieser Woche?
Wie verlautet, wird voraussichtlich noch in dieser Woche vor einem amerikanischen Gericht in Darmstadt die Verhandlung gegen die drei in der vergangenen Woche festgenommenen KPD-Funktionäre Heinrich Benz, Walter Weber und Kad Fleck aus Arheilgen durchgefuhrt. Den Festgenoi£smen"m die bis zum Geriet s termin weiterhin im Darmstädter Untersuchungsgefängnis in der Runde türmstraße in Haft bleiben, wird bekanntlich vorgeworfen, Plakate geklebt und im Besitz gehabt zu haben, die das Ansehen und die Sicherheit der amerikanischen Besatzungsmacht schädigen.
Die Verteidigung hat der bekannte Rechtsanwalt Dr. Heckert (Frankfurt) übernommen. ys'
TSV Griesheim feierte
sein 50jähriges Bestehen
Festkommers und Jubilarenehrung bildeten am Samstagabend im Saal der Gastwirtschaft „Zum grünen Laub“ den Abschluß und Höhepunkt der Sportwerbewoche des Tum- und Sportvereins Griesheim. Nach dem Werbeumzug am Nachmittag trafen sich alte und junge Turner und Turnfreunde am Abend zu festlichem Beisammensein.
Den herzlichen Begrüßungsworten des Vereinsvorsitzender Engel folgte als Vertreter der örtlichen Behörde Herr Hartmann, der den Wiederaufbau des Vereines nach dem Kriege würdigte, beson-
ders, da bisher alles aus eigenen Mitteln bestritten wurde und versprach zum nächsten Haushaltsjahre die Unterstützung der Gemeinde. ,
Vorsitzender Engel gab in seiner Rede einen Rückblick über die Entstehung und Entwicklung des Vereins. Mehrere ursprünglich selbständige Vereine, wie „Deutsche Turngemeinde“, „Freie Turnerschaft“ und andere fanden sich schließlich zum Griesheimer Turn- und Sportverein zusammen, der alle Sportarten umschließt. Auszeichnungen und Lorbeeren, die die Griesheimer Sportler von Wettkämpfen und Sportplätzen auch der weiteren Umgebung heimbrachten, sprechen wohl genug für ihre Leistungen. 1933 verschwand der Verein im Zuge der „zeitgemäßen Gleichschaltung“. Verluste zweier Kriege und nationalsozialistische Willkür konnten sein Gefüge nicht sprengen: Heute steht der Tum- und Sportverein wieder, getragen von Kameradschaft und Sportgeist, fair in der Haltung, erfolgreich in der Leistung, ©ine Verpflichtung der 50 jährigen Tradition, ein
Anpsorn für die Zukunft! Sport nicht nur als körperliche Ertüchtigung, sondern auch als moralische Erziehung, war das Kernproblem der Ausführungen des 2. Bundesvorsitzenden des Landessportverbandes Hessen Sorg Hier liege die Chance, wieder Anerkennung und Achtung in der Welt zu erlangen. Im Sport sei aber auch die einfachste Methode der demokratischen Erziehung.
Verdienste langjähriger Mitglieder wurden durch Verleihung von Urkunden und Ehrennadeln gewürdigt. Ein Querschnitt durch die Vereinsarbeit zeigte Gymnastikübungen und ausgezeichnete Leistungen an Barren und Hochreck. W.S.
War das nötig?
Ein motorisierter Telegrammbote hatte am Dienstagmorgen einen Eilbrief nach dem Löwentor 22 zu bringen. Dabei stellte er fest, daß dieses Haus von Amerikanern bewohnt, der Adressat aber dort nicht zu ermitteln war. Während er noch am Gartentor nach dem Namen suchte, öffnete sich ein Fenster und eine Dame rief nach einigen englischen Sätzen mehrere Male energisch „raus“. Als der Eilbote, der sich außerhalb des Grundstückes befand, dieser Aufforderung nicht sofort Folge leistete, erschien die gleiche Dame in der Haustür, richtete einen Karabiner im Hüftanschlag auf den zu Tode erschrockenen Postillion und gab gleichzeitig ihrem Hund nähere Anweisungen, sich auf ihn zu stürzen. Bevor das jedoch geschah, sprang der Eilbote auf sein Motorrad und zog es vor, weitere Informationen über den gesuchten Adressaten vor freundlicheren Türen einzuziehen. DT
Lehrlingshotel am Mercksplatz
Das Lehrlingsheim Darmstadt e. V., unter Vorsitz des Präsidenten Gisbert der Handwerkskammer und Stadtrat Schrauth, baut am Mercksplatz in der Stiftstraße ein Lehrlingsheim auf, das besonders für Lehrlinge aller Handwerkssparten gedacht ist, die außerhalb Darmstadts wohnen. Sie erhalten dort Unterkunft und volle Verpflegung. Etwa 80 Jugendliche werden nach Fertigstellung des Gebäudes Anfang Oktober dort einziehen. Zur Zeit bereitet die Ausstattung des Heimes Schwierigkeiten, da die erforderlichen Geldmittel nicht in benötigtem Umfang zur Verfügung stehen. -st
Der kleine Gernegroß
15 jähriger „Horst Hinrich van Cuyck“ vor dem Jugendgericht
Betrug, Falschbeurkundung und Urkundenfälschung stand auf den Gerichtsakten, in denen die strafrechtlichen Sünden eines erst 16jährigen Bürschchens aus Darmstadt verzeichnet waren. Er, ein kleiner, kluger Fuchs mit hochfliegenden Plänen und Neigungen zu Hochstaplermanieren, hatte es verstanden, erwachsene Menschen und Behördenstellen mit erstaunlicher Gewandtheit an der Nase herumzuführen.
Von Haus aus als „Stolz der Familie“, in der Erziehung vernachlässigt, machte es sich Horst zum Prinzip, etwas zu gelten und leicht zu Geld zu kommen. Den Unterricht in der höheren Schule schwänzte er so lange, bis er flog. Die Arbeit als Drechslerlehrling bei Opel war ihm zu gewöhnlich. Er kündigte, vertiefte sich dann in Bücher und führte sich Werke von Lenin und Karl Marx zu Gemüte. Mehrfach versuchte er, in die Ostzone zu fahren und hätte auch an dem Pfingsttreffen in Berlin teilgenommen, wenn nicht sein Vater dazwischengetreten wäre.
Als Zeitschriftenwerber brachte Horst zahlreiche neue Abonnenten herein, bis es ihm eines Tages nicht mehr so recht klappen wollte. Horst verschaffte sich daraufhin verschiedene Adressen, setzte sie in 18 Fällen auf die Aufnahmescheine, unterschrieb diese mit den betreffenden Namen oder ließ es Kinder ausführen und strich die Provision ein. Auf dem Arbeitsamt gab er sich als 21jähriger aus und ließ sich, ohne daß man mißtrauisch wurde, eine Versicherungskarte auf den klingenden Namen Horst Hinrich van Cuyck ausstellen. Dieser so schriftlich niedergelegte Adelstitel bewirkte Wunder. In einem Radiogeschäft erhielt er einen 258-DM-Apparat für eine Anzahlung von 26 DM, bei einem Fahrradhändler ein 220-DM-Rad für 40 DM Anzahlung. Die Bestellscheine unterzeichnete er selbstbewußt und schwungvoll mit seinen „Adelstitel“ und die Geschäftsleute schöpften keinerlei Verdacht. Sie warteten später vergeblich auf die Restzahlungen. Radio und Fahrrad versuchte er in Frankfurt zu verkaufen, um mit dem Erlös in der Fremdenlegion zu verschwinden.
Vor Gericht ließ es das junge Bürschchen nicht an Schlagfertigkeit fehlen. Aufrecht bekannte er sich schuldig und erklärte, er nehme jede Strafe an.
Der Jugendrichter, Amtsgerichtsrat Holzschuh schloß sich nicht dem harten Antrag des Staatsanwaltes an, der in diesem Falle Jugendgefängnis bis zu vier Jahren forderte. Er berücksichtigte vielmehr die seitherige Unbestraftheit des Angeklagten sowie andere Milderungsgründe und hielt eine Jugendgefängnisstrafe von acht Monaten für ausreichend.
Während der Haftzeit in Rockenberg wird sich ein Psychiater mit dem 16 jährigen beschäftigen. ys.
Treffen ehem. Mittelschüler
Ehemalige Mittelschüler des Geburtsjahrganges 1906, die im Jahre 1920 zur Entlassung kamen, trafen sich nach drei Jahrzehnten erstmalig wieder zu einem Wiedersehen am 11. März d. J. Diese Zusammenkunft war so harmonisch verlaufen, daß auf allgemeinen Wunsch am Samstag, dem 12. August, wieder eine Zusammenkunft stattflndet, zu der auch die noch lebenden ehemaligen Lehrer eingeladen sind. Treffpunkt: Wirtschaft „Aliceneck“, Darmstadt, Alicenstraße 43. Alle Kameraden werden gebeten, sich hierzu einzuflnden.
In der Stadt notiert
Die Volkshochschule zeigt bei freiem Eintritt am Mittwoch, dem 9. August, um 19.30 Uhr im Raum 167 der Technischen Hochschule zwei amerikanische Farbfilme, „Der Amazonas- erwacht“ und „Der Mais“, ein lustiger Walt-Disney-Film. Der Abend wird mit einem Hinweis auf das Kulturfilmprogramm der Volkshochschule in den Herbstmonaten eingeleitet.
Die Oberleitung der Straßenbahn zwischen Eberstadt und Darmstadt erlitt durch Temperatur oder Materialfehler am Montagmorgen Schaden, so daß zwischen 8.30 Uhr und 12 Uhr der Verkehr nur eingleisig und mit Unterstützung von Sonderomnibussen durchgeführt werden konnte. DT
Das Nachbarschaftsheim im - Emil-Garten nimmt am nächsten Sonntag seine Tätigkeit in vollem Umfange wieder auf, nachdem während der Ferien außer dem Kinderhort alle Kurse eingestellt worden waren. t-s
Die zunehmende Motorisierung in unse¬ rer Stadt machte sich im Monat Juli durch eine starke Nachfrage nach Kraftfahrzeugführerscheinen bemerkbar. Nach Auskunft des Polizeipräsidiums wurden insgesamt 178'neue Kraftfahrzeugführerscheine erteilt. DT.
In Hotels und Pensionen Darmstadts übernachteten im Monat Juli insgesamt 2734 Personen nach Auskunft des Polizeipräsidiums.
Auf Schwarzarbeit überprüft wurden seit dem 1. Januar 1950 im Landkreis Darmstadt der Handwerkskammer 42 Handwerksbetriebe. Dabei wurden in 25 Fällen Strafanzeige erstattet, deren Strafmaß zwischen 30 DM und 150 DM lag. In den restlichen Fällen wurde eine Verwarnung ausgesprochen.
Zur Ablegung der Meisterprüfung für das Jahr 1951 nimmt bis zum 31. Oktober 1950 die Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Darmstadt, Hügelstraße B—l 6 Anmeldungen entgegen. -st
Mit Pappe und Leimtopf
Wer es nicht wüßte, der würde niemals auf den Gedanken kommen, daß die winzigen Eisenbahnwagen auf dem Arbeitstisch des Modellbildhauers Werner A. Hinz aus lackiertem Sperrholz sind. Es ist die Nachbildung eines preußischen Nebenbahnzuges aus dem Jahre 1897.
Werner Hinz hat Talent und eine tiefe Liebe für die Dinge des Kleinen. Aus Pappe und hunderterlei anderen Werkstoffen entstehen unter seinen Händen Arbeiten, die das Erstaunen jedes Betrachters erwecken müssen. Der Modellbildhauer entstammt einer Schauspieler- und Musikerfamilie, aber den Hauptteil seiner künstlerischen Fertigkeit bezog er wohl von seinem Großvater, einem Bildhauer. Schon während seines Studiums der Musik- und Theaterwissenschaften arbeitete er für die Industrie und für Museen. Seit über zwanzig Jahren beschäftigt er sich mit dem Modellbau, und aus einer ernstgenommenen Liebhaberei 'entstand ein Beruf, der bei uns in Deutschland wohl zu den seltensten und einzigartigsten gehören mag.
Seit einem Jahr arbeitet Werner Hinz für die Darmstädter Stadtbauverwaltung. Auf großflächigen Holzsockeln stehen auf dem Arbeitstisch die Modelle der neuen Stadtplanungen, die moderne Jugendherberge am Woog und die Feuerwache. Sie wirken wie Flugzeugaufnahmen aus großer Höhe. Jedes Einzelteil ist darauf hergestellt, die Bäume am Woog ebenso wie die wenige Zentimeter langen Straßenbahnwagen. Es sind maßgerechte Modelle im Verhältnis 1:200, 1:300 und 1:500, je nach dem, wie sie in Auftrag gegeben wurden. Mit einer unglaublichen Präzision und und Wirklichkeitstreue ist jedes Detail bis auf das genaueste ausgearbeitet und man versteht, daß der Schöpfer an dem Modell der Jugendherberge — wir haben vor kurzem darüber berichtet — nicht weniger als 6 Wochen gearbeitet hat.
Die Hauptteile bestehen zumeist aus einer Spezialpappe, die sich mit jedem Werkzeug bearbeiten läßt. Aus ihr werden nach den Zeichnungen die Häuser und Kirchen angefertigt, mit einem selbstgefundenen Kunststoffleim zusammengef igt und zum Schluß matt bemalt. Auch die Farbmischungen sind Betriebsgeheimnis. Das wichtigste an dieser diffizilen Arbeit ist, das Charakteristische des geplanten Projektes aus dem Modell herauszuholen, es werkgetreu im Winzigen wiederzugeben, daß der Eindruck eines Originals entsteht, das man aus großer Entfernung durch ein Fernglas besichtigt. Somit eignet sich eigentlich alles zur Wiedergabe im Modell, was überhaupt denkbar ist, nicht nur Gebäude und Eisenbahnen, sondern ebenso auch die Ausführungen von Landschaftsgestaltungen. Unter einem Tisch steht zum Beispiel das angefangene Modell der Kogge „Santa Maria“. Schon sind die kleinen Luken ausgesägt, in die später die Kanonenrohre hineingeleimt werden, das Steuerhaus ist vollendet und der Schiffsrumpf ist reif für den Stapelläuf, wenn sein Erbauer die notwendige, persönliche Zeit hätte, es fertigzustellen und aufzutakeln.
Eine andere Arbeit ist ein Wassertank, wie man ihn überall auf dem flachen Land in Amerika findet, ein Boiler, der in großer Höl^e auf unzähligen dünnen Eisenstäben ruht. Hier sind die Pfeiler allerdings aus stricknadeldünnem Holz und der Behälter ist aus Pappe. Er könnte ebensogut aus Blech sein, oder sonst ein Werkstoff, nach Fertigstellung der Arbeit ist das für den Laien nicht mehr feststellbar Es ist eine Arbeit, die eine unsagbare Geduld erfordert, aber das Ergebnis ist um so verblüffender. Aus Pappe, Plexiglas, Messing, Holz und, Leim entstehen Wunderwerke der Technik und Architektur, ideale Spielzeuge für Kinder, die einen tiefen Sinn und eine weittragende Bedeutung haben, die notwendig sind, um die konstruktiven Planungen der Ingenieure und Architekten in die Realität des Vorhandenen umzusetzen.
Werner A. Hinz, der viele Ausstellungen mit seinen Arbeiten beschickt hat, ist zweifellos unter den Meistern seines Faches ein Meister besonderer Art, dem die Liebe zum Kleinen und Winzigen tief im Blute sitzen muß. hfl
Morgenfeier und Lebensweihe
in der Freireligiösen Gemeinde Darmstadt
Im festlichen Saal des HEAG-Hauses hielt am Sonntag die Freireligiöse Gemeinde Darmstadt eine Morgenfeier ab, die einen eindrucksvollen Verlauf nahm. Als Srecher war Dr. Bonneß (Ludwigshafen) erschienen, der über das Thema „Werk und Erdreich — Mächte, aus denen der Mensch geboren wird“ sprach.
Die Morgenfeier wurde durch eine Lebdnsweihe (an Stelle der christlichen Taufe) gekrönt, bei welcher Gelegenheit den ergriffenen Teilnehmern gezeigt y/urde, wie die Freireligiöse Gemeinde ihre Neugeborenen in würdiger u. feierlicher Weise zu weihen versteht. J.B.
Neue Filme in Darmstadt
HANSA. — „Die Schatztruhe.“ Um die ge'hts. Die steht im Schlafzimmer vom alten Rentner Alois Pirker (Theo Danegger). Keiner hat gesehen, was drin ist. Also muß es ein schwerer Geldschatz sein, so meint das ganze Dorf Trems irgendwo im Salzburgischen. Und um diese Kiste und ein sagenhaftes Sparkassenbuch wird tüchtig erbgeschlichen. Nur zwei junge Leute machen da nicht mit, und die kriegen sich auch dann zum Schluß und einen schönen Batzen Geld dazu. Aber nicht aus der Truhe, denn was War da drin? Nix war drin! Das Ganze, mit amüsantem Können angerührt, stellt eine nette sommerliche Komödie dar. Auch die zeitweiligen Längen einzelner Szenen läßt man sich gefallen, wenn man nicht zu anspruchsvoll ist. Aber das ist man bei dieser Sommerhitze gar nicht. Das gute Können der Schauspieler trägt die schon oft gezeigten und immer wieder erfolgreichen Spässe dieser Bauernkomödie. agt
THALIA. — „Liebe auf Eis.“ Ein Film um den Eishockeysport, gedreht im Olympiastadion in Garmisch, in den Bergen um die Zugspitze und im Schneefernerhaus. Kurt Meisel legte als Regisseur größten Wert auf billigste Herstellung, ohne dabei den künstlerische.! Wert des Streifens außer acht zu lassen. Deshalb ist fast alles „echt“: Die verschneiten Berge; das Eishockeyspiel zwischen Rießersee und Füssen, ja sogar das sportbegeisterte Publikum ist nicht be- und gestellt. Was dabei herauskam, ist ein netter Unterhaltungsfilm ohne psychologischen, pädagogischen oder anderen Ehrgeiz, mit hübscher Musik und packenden Eishockeyszenen ’Kurt Meisel und Margot Hielscher spielen die Hauptrollen, einige bisher noch weniger bekannte Filmgesichter wie Kurt Waitzmann, Friedrich Schönfelder, Charlotte Witthauer u. a. fügen sich gut in das anspruchslose Spiel um Liebe und Sport ein. hn
Orthopädische Turnstunden für rückenschwache Kinder sollen in möglichst vielen hessischen Kreisen eingerichtet werden. Die Erhebungen darüber, an welchen Orten die Voraussetzungen dafür gegeben sind, werden zur Zeit von den Schulbehörden und Gesundheitsämtern angestellt. Der von Fachkräften erteilte Unterricht ist geeignet, weitergehende Veränderungen der Wirbelsäule zu verhindern, die später zu einer wesentlichen Körperbehinderung führen können.
Wohin gehen wir hente?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und „Korea“, eine aktuelle Bilderserie.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild unserer Zeit“.
Ehemalige Ostzonenbewohner: Vereinigung der Flüchtlinge und Geschädigten aus der Sowjetzpne: 19.30 Uhr, Goetheschule (Victoriastraße), Vortrag und Aussprache: Erwünschte und Unerwünschte — Der Kampf um unsere Anerkennung“.
Volkshochschule: Technische Hochschule, Raum 167, 19.30 Uhr, zwei amerikanische Farbfilme: „Der Amazonas erwacht“ und der lustige Film von Walt Disney „Der Mais“.
Platzkonzert von 18 bis 19 Uhr auf dem Damaschkeplatz (Waldkolonie). Ab 20 Uhr Groß-Konzert in der Brauerei Grohe, Karlsstraße 10.
Starkenburg
110 Jahre „Babenhäunser Singverein“
Einer der ältesten Gesangvereine begeht sein Jubiläum
Wohl einer der ältesten Gesangvereine Hessens, wenn nicht gar Westdeutschlands, ist der Volkschor-Sängerbund 1840 Babenhausen, der am kommenden Sonntag auf sein ilOjähriges Bestehen zurückblicken kann.
„Wahrheit suchen, Tugend üben, Gott und Menschen herzlich lieben, das sei unser Losungswort!“ Unter diesem Motto gründeten im Jahre 1840 die Lehrer Hock und B o n h e j o den „Babenhäuser Singverein“. Schon ein Jahr später trat er zum ersten Male an die Oeffentlichkeit: er brachte in der altehrwürdigen Kirche eine Kantate mit dem Thema des 24. Psalm. Bereits im dritten Jahre seines Bestehens wurde dem jungen Verein von den Bürgern der Stadt eine Fahne gestiftet. Das gesangliche Leben der Stadt nahm dank des Eifers der Sänger und ihrer Dirigenten einen erfreulichen Aufschwung. Bei zahllosen Veranstaltungen jeglicher Art versagte der- Verein nie seine Mitwirkung — er wurde zu einem festen Begriff im kulturellen Leben Babenhausens.
So wurde denn auch das 25jährige Jubiläum im Jahre 1865 zu einem Fest der ganzen Stadt. Von 1872 ab dirigierte Lehrer S c h m i d t 26 Jahre lang den Verein, der 1878, als der Bruderverein „Eintracht“ gegründet wurde, den Namen „Sängerbund“ annahm. Gleich großen Anteil wie zuvor nahm die Bevölkerung an dem fünfzigjährigen Stiftungsfest. Ueber die Jahrhundertwende leitete Lehrer H a n z die Geschicke des Vereins, dann übernahm ihn Lehrer Wilhelm Müller, der heute Ehrenchormeister des Vereins und bei der 110-Jahrfeier Festpräsident ist. Während der Dirigentenzeit Lehrer Müllers lag das Präsidium des Vereins in den Händen von Wilhelm Rade me r, der später zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Ihn lösten 1909 Philipp Held und 1911 Philipp Breitwieser ab.
Frühzeitig ging aus dem Verein eine Laienspielgruppe hervor, die 1912 mit einem Odenwälder Volksstück an die Oeffentlichkeit trat, und die bis auf den heutigen Tag das geistige Leben der Stadt maßgeblich mitgestalten hilft.
Nach dem ersten Weltkrieg übernahm Forstwart Eckert den Dirigentenstab aus den Händen Wilhelm Müllers, dann führten ihn Heinrich Küchler, Dudenhofen und A. E b e r t, Groß-Auheim. Präsidenten waren in diesen Jahren Adam Feng el, Philipp Held und Adam Rock. In die Amtszeit des letzten fiel das glanzvolle Jubiläum im Jahre 1930. Vier Jahre später schlossen sich „Eintracht“ und „Sängerbund“ zur „Sängervereinigung Sängerbund-Eintracht“ zusammen. Valentin Willand wurde Präsident, Valentin Manus Chorleiter. Nach dem zweiten Weltkrieg schlossen sich im Rahmen der „Sport- und Kulturgemeinschaft“ die Sänger als besondere Sparte unter dem Namen „Gesangverein Babenhausen“ zusammen (1946). Als 1948 die „Eintracht“ wieder selbständig wurde, hielten die übrigen Vereine die Tradition unter ihrem heutigen Namen „ Volkschor-Sängerbund 1840“ aufrecht. Paul Willand steht heute dem Verein vor, Heinrich Bender ist sein Chormeister. Das 100 jährige Bestehen konnte wegen der Zeitumstände nicht in festlichem Rahmen begangen werden, dafür will man aber die kommenden Tage des Jubiläums ihrer Bedeutung entsprechend in Babenhausen würdig begehen. (RG)
Großbrand in Königsstädten
In Königstädten brach am Dienstagnachmittag kurz nach 15.20 Uhr ein Brand aus. dem die Gehöfte Bre ß . Bayer, Bärsch und Blösser in der Hintergasse zum Opfer fielen. Vier Personen wurden dabei durch Brandwunden und durch einstürzende Mauerreste leicht verletzt. Zwei Frauen aus den betroffenen Häusern brachen zusammen. Die Feuerwehren von Rüsselsheim. Groß-Gerau und Königstädten konnten den Brand bis 16.30 Uhr eindämmen. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. (cg)
Im Schatten der JUSTIZ
Deckgelder verbraucht Einer gestand, einer leugnete
Das Bezirksschöffengericht Darmstadt verurteilte in seiner gestrigen Sitzung den Ortsdiener Heinrich A. aus Wolfskehlen zu vier Monaten Gefängnis, weil er Deckgelder in Höhe von 881 DM nicht ordnungsgemäß ablieferte, sondern für eigene Zwecke verbrauchte. Das Gericht bewertete den Fall nicht allzu schwer, da der Angeklagte das Geld bereits wieder zurückgegeben hat bzw. noch zurückerstatten wird. Außerdem, so betonte der Vorsitzende, habe man es dem Beschuldigten bei seiner Tat durch gewisse Umstände sehr leicht gemacht, diese Beträge zu unterschlagen. Die mitangeklagte Ehefrau des A. kam mit einer Geldstrafe davon.
Im Anschluß verhandelte das Schöffengericht gegen zwei Personen aus Pfungstadt, die in einen gemeinschaftlichen Reifendiebstahl verwickelt waren. Der 36jährige Invalide Alois M. gab offen zu, mit dem 45jährigen Gastwirt Adam E. in der Nacht vom 13. auf 14. Mai zwei Autoreifen gestohlen zu haben. E. dagegen leugnete nach allen Regeln der Kunst und erreichte dadurch, daß er zu der empfindlichen Strafe von neun Monaten und Nichtanrechnung der Untersuchungshaft verurteilt wurde. M. erhielt vier Monate. ys.
Dekanatsfest in Rothenberg
Das Dekanatsfest des Dekanats Erbach, das alljährlich in einer anderen Gemeinde stattfindet, wurde am Sonntag in Rothenberg durchgeführt. Beim Vormittagsgottesdienst hielt der Direktor der Inneren Mission in Hessen, Pfarrer D. Röhricht, die Festpredigt und ab in der Versammlung am Nachmittag einen ausführlichen Bericht über die vielseitige Tätigkeit der Inneren Mission. Die leitende Schwester des Kinderheims Rimhorn, Irma Röhner, fügte Ergänzungen aus der Praxis des Odenwaldes an. Ferner sprachen der Dekanatsverwalter Pfarrer Röhmheld, Sandbach, und Probst Pau, der Grüße der Kirchenleitung überbrachte. Die Veranstaltung wurde vom Kirchen- und Posaunenchor Rothenberg musikalisch umrahmt. (cb)
In Wiesbaden-Erbenheim verunglückte am Montag der 65jährige Gustav Roßmann aus Griesheim tödlich. Er wurde auf seinem Fahrrad von einem amerikanischen Wagen angefahren. DT
Höchste Zeit
... den Mund aufzumachen, den gleich heißt es zuschnappen, aber nicht mit den Händen, sondern nur mit den Zähnen. Daß dabei nicht gemogelt wird, dafür sorgt Bürgermeister Adler höchstpersönlich, indem er die „Greifer“ festhält. Ein Bild vom Kinderfest in Gernsheim, das den Abschluß des Rheinischen Fischerfestes bildete. Foto: Schuch
„Pungscht bleibt Pungscht!“
Zuchtviehimarkt und Reit- und Fahrturnier am Wochenende
Samstag, Sonntag und Montag findet der Pfungstädter Zuchtviehmarkt, der dieses Jahr sein 25jahriges Bestehen feiert, und mit ihm das große Reit- und Fahrtm-nier, sowie ein Volksfest unter dem Leitwert „Pungscht bleibt Fungscht“ statt. Das Programm für die drei Tage ist festgelegt und verspricht ein Ereignis zu werden, wie es seit Jahren Pfungstadts Mauern nicht gesehen haben.
Der Auftrieb zum Zuchtviehmarkt beginnt schon in den frühen Morgenstunden des Sams,tags. Gemeldet sind über¬ -80 Kühe und Rinder und über 50 Ziegen. Da das hiesige Zuchtgebiet zu den leistungsfähigsten Deutschlands gehört, ist mit der Schau von erstklassigem Material zu rechnen. Mit dem Markt ist gleichzeitig eine Prämiierung verbunden. An Prämien stehen für Rinder 1000 D-Mark und für Ziegen 200 DM zur Verfügung. In einer Schau landwirtschaftlicher Maschinen sind bedeutende Firmen dieser Branche vertreten.
Die Siegerverkündigung des Zuchtviehmarktes findet am Abend während des Kommerses im Festzelt statt. Dieser gilt besonders der Begrüßung der auswärtigen Teilnehmer des Reit- und Fahrturniers, das vom Reit- und Fahrverein durchgeführt wird. Eine Rekordzahl von Nennungen (450 Meldungen) sind eingegangen. Die einzelnen Disziplinen versprechen schärfsten Wettbewerb und hohe Leistungen. Bekannte Turnierreiter aus Frankfurt und Wiesbaden werden am Start sein. Großes Interesse werden die Zuglelistungsprüfungen für Kalt- und Warmblut am Prüfungsschlitten finden. Der Wettkampf der ländlichen Reit- und Fahrvereine wird in der Anfängerklasse von zehn Mannschaften und in der Klasse der Fortgeschrittenen von sechs Mannschaften bestritten. Shettland-Ponnies eines Frankfurter Stalles werden ebenfalls beim Turnier zugegen sein und Schauvorführungen darbieten. Als besondere Ueberaschung für die Jugend ist Reiten und Fahren mit diesen kleinen Pferden vorgesehen.
Mit dem Markt und Turnier veranstaltet dei' Ortsgewerbeverein eine Schau handwerklicher Erzeugnisse. Der Einzelhandel führt einen Schaufensterwettbewerb durch, bei dem die Einwohnerschaft als Preisrichter entscheiden wird. Ein großes Volksfest mit Feuerwerk beschließt montags die Veranstaltung. Ger)
Lehrlinge wurden Gesellen
29 Angehörigen des Schneiderhandwerks des Kreises Dieburg konnte am Sonntag der Gesellenbrief überreicht werden. Im „Darmstädter Hof“ in Reinheim hatten sich 26 Mädchen, darunter drei Modistinnen, drei Weißnäherinnen, und 23 junge Schneidergesellen eingefunden, um die Urkunden aus der Hand des Präsidenten der Handwerkskammer Darmstadt entgegenzunehmen. Der Senior der Innung, Ehrenobermeister Steinmetz (Dieburg), begrüßte die Gäste, unter denen Präsident Gisbert und Vizepräsident Scherer waren. Bei der gleichfalls vorgenommenen Ehrung der noch lebenden Mitgründer der Innung hob Präsident Gisbert die große Zahl der Jubilare hervor, die seit den Gründungsjahren 1912/13 der Innung, ihrem Beruf und damit dem gesamten Handwerk wertvolle Dienste geleistet hätten. Gründer-Ehrenurkunden der Handwerkskammer Darmstadt wurden überreicht an Martin Schönig (Groß-Umstadt), Georg Krell (Lichtenberg), Heinrich P. Müller und Georg Pfuhl (beide Habitzheim), Friedrich Stuckert (Richen), Adam Reiling (Altheim), Heinrich Eidemü Iler (Lengfeld). Eine besondere Ehrung erfuhr Schneidermeister Georg Steinmetz (Dieburg), der die Innung seit ihrer Gründung, mit einer Unterbrechung in den Jahren 1933—45, leitet. (RG)
Ehemalige Schulkameraden, heute 60 Jahre alt, trafen sich am Samstagabend im Gasthaus Schmoll, Groß-Gerau, zu einer Wiedersehensfeier. Auch die Kameraden und Kameradinnen der Oberschule des Jahrgang 1925/26 trafen sich am selben Tag im Gasthaus „Gambrinus“ zu einem fröhlichen Beisammensein, (cg)
Durch Bisse seines Hundes wurde der 72jährige Kaufmann Peter Klein aus Mörlenbach gefährlich verletzt, als er abends das Tier an die Kette legen wollte. (Kie)
Wertarbeit des Handwerks entscheidet
Präsident Gisbert vor den Obermeistern des Kreises Groß-Gerau
Die erweiterte Obermeistertagung der Kreishandwerkerschaft Groß-Gerau, die am Montagnachmittag stattfand, wurde durch einen Vortrag von Rolf Meyer, einem Vertreter des Schutzverbandes der Steuerzahler, eingeleitet. Steuerreform, Verwaltungsreform und Kontrolle der Kommunal- und Staatsausgaben durch den Steuerzahler selbst waren die Hauptpunkte des Referats.
Kammerpräsident Baumeister Gisbert wandte sich sodann in scharfen Worten gegen die Gewerbefreiheit und wies darauf hin, daß Deutschland nach dem Ablauf des Marshall-Planes wirtschaftlich auf die Wertarbeit seines Handwerks angewiesen sei. Der Redner meinte, daß die Besatzungskosten, die Deutschland tragen müsse, zu hoch seien. Hinsichtlich des Mitbestimmungsrechtes erklärte er, daß nur derjenige mitbestimmen könne, der auch selbt die Verantwortung mittrage. Nach der Erläuterung der Vorteile und des Wertes der Meisterprüfung stellte er fest, daß vor dem Kriege in der amerikanischen Zone vier gesetzlich bezahlte Feiertage bestanden hätten, die nun auf zehn angewachsen seien. Da dies dem Handwerk außerordentlich starke finanzielle Einbußen bringe, forderte der Präsident, daß man, wenn man schon diese Feiertage belassen wolle, diese zumindest als unbezahlte erklären könnte. Den Sport und Religionsunterricht für Berufsschulen lehnte er ab.
Wie aus dem Arbeitsbericht des verflossenen Jahres hervorgeht, sind außer der Metzger-Innung Rüsselsheim mit 26 Mitgliedern sämtliche Innungen des Kreises Groß-Gerau der Kreishandwerkerschaft angeschlossen. Diese war im vergangenen Jahr bei 37 Innungsversammlungen vertreten. Abgesehen von der organisatorischen Mitarbeit an dem Innungsleben, wurden den Mitgliedern zahlreiche Anregungen zu erfolgreichen Maßnahmen gegeben. Allein in der Zeit vom 1. Januar 1950 bis zum 1. April wurden mehr als 700 Einzelberatungen notiert. Die Rechtsschutz- und Inkasso-Abteilung der Kreishandwerkerschaft hat zur Zeit 38 Forderungssachen in Bearbeitung.
Die Buch- und Steuerstelle der Kreishandwerkerschaft hat sowohl in Vorträgen wie in Einzelberatungen zahlreichen Handwerksbetrieben Hilfe gebracht. Im Kampf gegen die Schwarzarbeit werden gegenwärtig 45 Fälle bearbeitet.
An den Arbeitsbericht anschließend wurde die Jahresrechnung 1949/50 und der Haushaltsplan 1950/51 von der Versammlung genehmigt. Bei der Aussprache äußerte man die Forderung, die Lebensversicherungen bei den Handwerkern aufzuwerten, wie dies bei der Angestelltenversicherung der Fall sei. (cg)
Dressierte Quälgeister
Dicht umlagert von einer Anzahl neugieriger Kinder steht der kleine Floh-Zirkus auf dem Heppenheimer Kerweplatz. Ein großes Rätselraten begann bei seinem Erscheinen, denn die Ritzenschauer entdeckten nur einen runden Tisch im Zelt —, aber keinerlei Flöhe . . .
Das in Darmstadt bekannte Künstler-Ehepaar Helldorf, als Besitzer des „Unternehmens“, hat der Varitdkunst Ade gesagt und sich ohne jede Vorkenntnise der Züchtung von Flöhen verschrieben. Ueber ein Jahr mühseliger und geduldsamer Arbeit mit vielen Rückschlägen brachte den Unermüdlichen endlich Erfolg. Die Flöhe, welche aus DP-Lagern stammen, sind mit einem Metallhalsring versehen an einen Gegenstand gekoppelt, um so das Laufen zu lernen.
Darum keine Amgst, ihr Heppenheimer Kinder, die Flöhe springen euch nicht an. Im Gegenteil —, ihr werdet lachen, wie die Tiere in bunten Kleidern tanzen, Drahtseil laufen, schaukeln und Wägelchen ziehen, die 20mal schwerer sind als der Floh selbst! Außerdem wird Herr Helldorf einen interessanten Vortag über Fütterung u. a. halten und jeder Besucher kann sich mit der Lupe diese Wundertierchen betrachten, falls er mit einem Menschenfloh noch keine Bekanntschaft machte . . . (-h-)
Schon beim Anblick dieser Flöhehen, kratzt sich Peter am Popöchen
Sefort getötet
Gestern morgen ereignete sich auf der Autobahn bei Lorsch in Höhe des Sportplatzes ein schwerer Verkehrsunfall. Der 43jährige Ingenieur Hans Fle - schenträger aus Pforzheim fuhr in großer Geschwindigkeit mit seinem Motorrad auf einen haltenden Personenwagen auf und wurde durch den Zusammenprall sofort getötet. (HB)
Voreilig angezeigt?
Vor einigen Tagen machte, wie wir bereits berichteten, der Kaufmann Wil-, heim Illert aus Spachbrücken jn* Groß-Zimmern einen Einkauf, bei dem er einen 50-DM-Schein in /Zahlung gab. Er nahm ihn dann aber zusammen mit dem Wechselgeld an sich und fuhr weg. Die Verkäuferin fühlte sich betrogen und erstattete Anzeige. Gestern sprach Illert auf dem Gendarmerie-Kreiskommissariat vor und erklärte, es habe sich um einen Irrtum seinerseits gehandelt; der Frau sei das Geld inzwischen zurückgegeben worden. Wir erfahren dazu ergänzend, daß die Angelegenheit - bereits an die Amtsanwaltschaft weitergeleitet wurde. (RG)
Kinder gefährden Verkehr
In Untersensbach lief dem Autoschlosser Oskar Barth beim Durchfahren der Ortsstraße der 7jährige Hans-Jörg Kretschmer aus der Scheuer der Gastwirtschaft Heiß heraus blindlings ins Motorrad. Der Junge wurde ein Stück weit mitgeschleift und zu Boden geschleudert, wobei er neben anderen schweren Verletzungen einen Becken- und einen Scnulterbruch erlitt. Er mußte ins Stadtkrankenhaus nach Eberbach gebracht werden. —
In Langenbrombach trug sich fast derselbe Unfall zu. Aus einer Gruppe spielender Kinder heraus rannte in der Oberdörfer Straße der 3 Jahre alte Willi Fleck unvermittelt über den Fahrdamm gegen den Lenker eines gerade vorüberfahrenden Motorrades aus Kirchbrombach. Das Kind wurde am Nasenbein verletzt. Die auf dem Soziussitz mitfahrende Frau des Motorradbesitzers trug bei dem Sturz Verletzungen am linken Fuß davon. (eh)
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Auf Veranlassung des Ortsjugendausschusses führte der Jugendreferent des „Officer Resident“ Darmstadt einen Farbfilm vom „Amazonenstrom Südamerikas§ und eine Wochenschau im Gasthaus „Germania“ vor. Eine weitere Filmvorführung findet im gleichen Saal am Donnerstagabend, den 17. August, statt. Es werden gezeigt: „Der Hafen von Neuyork“, „ Lincoln-Tunnel“ und eine neuere Wochenschau. (Sl)
Seeheim. Heute abend spricht in der Monatsversammlung des Frauenverbandes Fräulein Reuleaux (Darmstadt) über ihre Erlebnisse in China und zeigt eigene Lichtbilder. (er)
Alsbach. Die Ortsgruppe des Kreisverbandes der Heimatvertriebenen hält am 16. August ihre Vierteljahres-Versammlung ab. Kreisgeschäftsführer Dr. Lamann wird über Organisationsfragen sprechen. (hl)
Jugenheim. Bürgermeister Schürrlein hat für Donnerstag eine Gemeinderatssitzung einberufen. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Schulbauprojekt in der Seeheimer Gemarkung und Vergebung der Rohrarbeiten in der Siedlung Galgenhügel und der Seeheimer Straße. (hl)
DIEBURG
Ober-Roden. Die Kanansationsfrage der Bachgasse ist jetzt akut geworden; die Einlagerohre sind bereits eingetroffen. Die nötigen Mittel in Höhe von 4000 DM wurden im Etat 1950 bereitgestellt. Das Eisengitter am Uebergang (Metzger Graf) soll durch einen Sockel ersetzt werden. (gi)
Münster. In der heutigen öffentlichen Gemeinderatssitzung wird unter anderem der Waldwirtschaftsplan für das Rechnungsjahr 1951 beraten. (gi)
Groß-Zimmern. Auf der Durchfahrtsstraße Dieburg-Spachbrücken wollte ein Lkw ein Kuhfuhrwerk überholen. In diesem Augenblick scheuten die beiden Tiere, bogen nach der Straßenmitte ein und rannten gegen einen entgegenkommenden Lastkraftwagen, dem der Kühler eingedrückt und eine Scheinwerferscheibe beschädigt wurde. (RG)
Klein-Zimmern. Bei einer Wanderung am Sonntag weilte der Kirchenchor von Klein-Zimmern in Fränkisch-Crumbach i. Odw. und sang in .der Schloßkirche des Barons v. Gemmingen während des Hochamtes die liturgische Messe „Missa de Angelis“. Am Nachmittag wurde in der Kapelle zu Reichelsheim die Pfingstvesper von Valse Bordoni für Gemischten Chor zu Gehör gebracht. Für die Diasporagemeinden war dies ein seltenes und freudiges Erlebnis. (DT)
Gundernhausen. Auf der Straße nach Groß-Zimmern stießen ein Motorradfahrer und ein ihm entgegenkommender Radfahrer zusammen. Beide Fahrer erlitten Verletzungen, die Fahrzeuge wurden beschädigt. (RG)
Reinheim. Herrliches Wanderwetter begleitete die hiesige Ortsgruppe des Odenwaldklubs am vergangenen Sonntag auf ihrer Wanderung, die von Beerfelden, am Galgen und der Zentgerichtslinde vorbei, nach Airlenbach, von dort über Olfen nach Raubach führte. Der erste Vorsitzende der Ortsgruppe, Baron von Willich, sprach im Namen der 45 Teilnehmer den Dank an den Wanderführer aus. (eb)
Groß-Bieberau, in der Gemeinderatssitzung vom 6. 8. 50 stand der Schulhausneubau im Mittelpunkt der Besprechungen. Nach sorgfältiger Abwägung der Angebote wurden die Maurer-, Spengler- und Zimmermannsarbeiten vergeben. Mit dem Bau soll am 22. August begonnen werden. (wr)
ERBACH
Wald-Amorbach. Durch die Errichtung einer zweiten Schulklasse ist auch ein weiterer Raum für die Unterklasse notwendig geworden. Die Gemeindeverwaltung will während der Ferien Abhilfe schaffen. (hm)
BERGSTRASSE
Bensheim. Auf dem Fundbüro wurden folgende Gegenstände abgegeben: 2 Damenschals, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Brille mit Etui, 1 Kinderbluse, 1 Bademütze, 1 Stück Futterstoff, 1 Brosche, 1 Kinderarmband, 1 Motorradbrille, 1 Motorradhaube, 1 Wanderstock. Als zugelaufen wurde gemeldet: 1 Schäferhündin, dunkle Decke, helle Pfoten. (HB)
Ober-Abtsteinach. Um angesichts der in den letzten Jahren erheblich angestiegenen Schülerzahl einen dritten Schulsaal zu erhalten, beschloß jetzt der Gemeinderat, das Schulgebäude auszubauen und dabei gleichzeitig eine Lehrerwohnung zu errichten. (-r)
Unter-Flockenbach. Beim Abladen von Sand geriet der Weinheimer Kraftfahrer H. H. unter stürzende Massen und zog sich dabei erhebliche Quetsch- und Bruchverletzungen zu, so daß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte, (r)
Hirschhorn. In der Nacht zum 7. August drangen Einbrecher in zwei im Erdgeschoß liegende Wohnungen der Schönbrunner Straße und stahlen Lebensrnittel und Geld. In beiden Fällen haben die in den Nebenräumen schlafenden Bewohner nicht das Geringste wahr-^ genommen. (WL)
GROSS-GERAU
_ Groß-Gerau. Bis 20. August wird in der Gemeinde eine Alarmübung der Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt. Man geht hierbei von der Annahme aus, der elektrische Strom sei ausgefallen ’ und wird deshalb die Wehr mit der Handsirene (smal kurzer Ton) alarmieren, (cg)
Klein-Gerau. Die Mitglieder der evangelischen Frauenhilfe unternahmen bei guter Beteiligung einen Omnibusausflug nach Neustadt a. d. Haardt. (-kb)
Nauheim. Im Gasthaus „Zur Waldlust“ hielt der Verband der Kriegsbeschädigten eine Mitgliederversammlung ab. Kassierer Kaul gab einen Finanzbericht über das stattgefundene Volksfest des Verbandes. Der beträchtliche Reingewinn kommt bedürftigen Schwerbeschädigten und Hinterbliebenen zugute. • (-kb)
Walldorf. In der lebten Sitzung des Gemeinderats wurde der laushaltsplan — Vi Einne’men und Ausgaben 312 128 61 DM — mit cht Stimmen der SPD ge^en die Stimmen der FDP, CDU und KPD bei zwei St’ nm Enthaltungen mgeno^" i D'e Haushaltssatzung sieht die gleichen ''-teuerabgaben wie seither vor. Der Wasserwirtschaftsplan mit 148 500— DM konnte im Verlauf der Sitzung auch verabschiedet werden. (Kb)
Auch das Schafhüten will gelernt sein
Junge Schäfer beim Preishüten in Dieburg
Mit dem „Vorweglaufen“, den Hirtenstab in der Hand, ist es bei der Arbeit eines Schäfers beileibe nicht getan. Es bedarf schon vieler Fachkenntnisse und auch großer Geschicklichkeit, eine Schafherde mit 300 oder gar mehr Tieren in guter Gesundheit durch Sommer und Winter und ungefährdet bei großer Reise über die vielen Straßen und Verkehrsadern unseres modernen Lebens zu bringen.
Der beste Lehrmeister ist da natürlich die Erfahrung langer Jahre, die die Feinheiten bringt, vorteilhafte Kniff? und Tricks. Ein Grundwissen aber muß nachgewiesen sein, wenn überhaupt die Berechtigung zum Schafehüten erteilt werden soll. Dazu dienen in erster Linie die Schäfergehilfen- und Schäfermeisterprüfungen. Gesunden Sinn zur Steigerung der Leistungen aber bringt hier wie überall der Wettbewerb.
Zum Leistungshüten für den Kreis Dieburg hatten sich am Sonntagmorgen acht junge Schäfer aus der Kreisstadt und ihrer näheren Umgebung eingefunden. Alte Fach-„füchse“ aus Oberhessen waren die Richter, und unter ihrer Beurteilung mußten zwölf Einzelpunkte erfüllt werden: Auspferchen, Verkehr, Verhalten im weiten Gehüt, Wehren, Stellen, Engweg, Brücke, Griff, Gehorsam, Fleiß, Selbständigkeit, Einpferchen. Dabei sind Begriffe, die nicht den Schäfer allein, sondern in erster Linie seinen treuesten Helfer den Schäferhund, den eigentlichen Hüter der Herde, betreffen. Da fegten also auf Pfiff, Wink oder leises Wort Karo, Struwwel, Rex, Barro und Barri längseits der Straße, wenn es einem entgegenkommenden Auto Platz zu machen galt, sie sausten, wie weiland beim Wettlauf zwischen Hase und Igel in den Ackerfurchen hin und her, sorgsam bedacht, daß kein Schäflein von der Stoppelweide ins Kartoffelfeld oder den Runkelacker laufe.
Beim Einbiegen in Feldwege blieben diese zotteligen Vierbeiner, diese zausigen Hütegesellen aufs Wort hin in der Biegung stehen, damit die Herde nicht „übers Eck“ trappele und Flurschaden anrichte. Ab und zu mußte schon einmal ein „Griff“ mit der Schnauze ins zottige Fell nachhelfen... und wie schön schaute es aus, wenn gar ohne Zutun des Schäfers der Hund viel Selbständigkeit in seiner Arbeit zeigte.
Die beiden ersten Plätze in der Gesamt- Wertung fielen der seit mehreren Generationen in Dieburg ansässigen Schäferfamilie Heider zu, der heute noch fünf Schafhalter angehören. Ihr Name hat weit über Hessen hinaus einen fachlich-guten Klang. Die „Schlußtabelle“ des Leisfungshütens zeigt folgenden Stand: 1. Friedel Heider (Dieburg): 90 Punkte, Note „vorzüglich“, Führung „gut“; 2. Georg Heider (Dieburg): 86 Punkte, Note „sehr gut“, Führung „gut“; 3. Rudi Schmied (Dieburg): 82 Punkte, Note „sehr gut“, Führung „gut“; 4. Karl Eichhorn (Babenhausen): 78 Punkte, Note „gut“, Führung „gut“; 5. Philipp Bausch (Klein-Umstadt): 74 Punkte, Note „gut“, Führung „gut“; 6. Heinrich Heider Groß-Zimmern: 74 Punkte, Note „gut“, Führung, „befriedigend“; 7. Georg Jakob (Richen): 72 Punkte, Note „gut“, Führung „befriedigend“; 8. Josef Schmied (Dieburg): 65 Punkte, Note „befriedigend“, Führung „gut“. (Rb)
Schwerer Brillantendiebstahl
Großfahndung nach zwei Kanadiern
Nach einer gestrigen Mitteilung der Kriminalpolizei wurde in den Nachmittagstunden des 7. August in P f or z - heim ein schwerer Edelsteindiebstahl von zwei bisher noch unbekannten Ausländem verübt. Säe sprachen in einer dortigen Edelsteinhandlung v.or und zeigten Interesse an einem Kauf von Brillanten. In dem Büro legte man ihnen eine Auswahl vor. Als der Angestellte zum Telefon gerufen wurde, schickte er seine Schwester, die ebenfalls in dem Geschäft arbeitete, um die beiden Käufer nicht alleine zu lassen. Die Ausländer baten beim Erscheinen der Frau um ein Adreßbuch. Um es zu holen, entfernte sie sich und ließ die beiden für einige Augenblicke ohne Aufsicht.
Am Abend wurde der Verlust eines Paketes festgestellt, das Rubinen und Smaragdsteine im Gewicht von 500 g enthielt. D|ie verschwundenen Edelßteine haben einen Wert von über 50 000 DM. Als Täter kommen jene beiden Ausländer in Frage, die sich als Kanadier ausgaben und behaupteten, aus Chicago zu kommen.
Die Polizei hat eine Großfahndung eingeleitet, bittet die Bevölkerung um Mithilfe und beschreibt die Täter wie folgt: 1) 60 Jahre, 1,65 m groß, untersetzt, grau meliert, breites Gesicht, spricht einwandfrei deutsche Sprache, trägt mittelgrauen Einreiher mit Nadelstreifen. 2) 36 Jahre, 1,70 m groß, schlank, schmales Gesicht, schwarze und zurückgekämmte Haare, trägt dunkelblauen Anzug mit Nadelstreifen. ys
500 Sänger in Altheim
Zu dem Liedertag in Altheim, den der Männergesangverein am Sonntag im „Darmstädter Hof“ abhielt, hatten sich acht auswärtige Vereine mit nahezu 500 Sängern eingefunden. Die alten und doch immer wieder von neuem begeisternden Chöre und Volkslieder, sowie auch schwierige Werke der neueren Zeit, die zum Vortrag kamen, fanden reichen Beifall aller Zuhörer und zeigten? welche gründliche Arbeit von den Chorleitern in den einzelnen Vereinen geleistet wird. Die Veranstaltung, die durch Lautsprecher ins Freie übertragen wurde, brachte eine schöne Abwechslung in die sonst so stille Gemeinde. (Pr)
Schloßbeleuchtung in Lichtenberg
Nur noch wenige Tage sind es bis zur Schloßbeleuchtung am 12. August in Lichtenberg, wo in Zusammenarbeit mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein der Gesangverein „Eintracht“ die letzten intensiven Vorbereitungen trifft. Gesangvereine aus Groß-Bieberau und Lützelbach wirken bei dem Fest mit. Die Freilichtaufführung des Heidelberger Zimmertheaters „Die glücklichen Tage“ werden durch Chöre umrahmt. Während die Schloßbeleuchtung schon nach einbrechender Dunkelheit beginnt, soll nach Schluß der Darbietungen das gesamte Schloß in einem Brillantfeuerwerk erstrahlen. Von Darmstadt werden zu der Veranstaltung Sonderomnibusse einge-
Was ach interessiett:
Die Bensheimer Feuerwehr veranstaltete am Wochenende ein Sommernachtsfest, dem am Sonntagmorgen ein Standkonzert der Feuerwerkapelle in den städtischen Anlagen folgte. (HB)
Auf seinem Speicher erhängt aufgefun¬ den wurde am Sonntagmorgen ein Einwohner aus Köriigstädten, Kreis Groß-Gerau. Er hat seinem Leben aus Schwermut ein Ende gemacht. DT
Beim Baden im Rhein ertrank am Sonntagnachmittag die 18jährige Verkäuferin Marianne Doel ge r aus Biblis. Sie war mit einem roten Badeanzug und weißer Badekappe bekleidet. Ihre Leiche konnte noch nicht gefunden werden. DT
Selbstmord durch Einnahme von Gift versuchte kürzlich eine 50jährige Frau im Philippshospital bei Goddelau zu begehen. Die sofortige Einlieferung in ein Darmstädter Krankenhaus war erforderlich. (Kb)
Da die dauernden Reibereien keine ersprießliche Zusammenarbeit mehr erwarten lassen, gab die Gesangsabteilung der Sport- und Sängervereinigung Groß - Bieberau bei der letzten außerordentlichen Generalversammlung des Vereins ihren Austritt bekannt. (wr)
Bei der Internationalen Rassehunde- Ausstellung, die kürzlich in Frankfurt stattfand, erhielten die Deutschen Boxer „Bodo von Schützensteg“ (Besitzer Karl Hummel, Nauheim, Bahnhofstr. 58) und „Bärbel von Schützensteg“ (Besitzer Jakob Cezanne, Kl.-Gerau) die Note „Sehr gut“. (Kb)
In der Blüte ihres Lebens, erfüllt vom Glücke edelster Nächstenliebe und treuester Pflichterfüllung ging Marianne Netz geb. May am 7. August, nachdem sie zwei Tage zuvor in schwierigster Entbindung einem B ü ble in das Leben geschenkt hatte, den tragisch-mütterlichen Opfergang. In tiefer Demut: Hans Günther Netz mit 3 Kindern Auguste May als Mutter mit allen Angehörigen 9 Familien Jacobs und Dr. Netz ® Darmstadt-Eberstadt Darmstädter Straße 48 x Die Beisetzung findet am Donnerstag, 10. 8. 1950, 10.30 Uhr, auf dem H § alten Darmstädter Friedhof statt. ■ Von Beileidsbesuchen bitten wir 9 Abstand zu nehmen.
Infolge eines tragischen Unglücksfalles verstarb am Montag, ■ dem 7. August 1950, um 12 Uhr mein geliebter Mann, unser H treusorgender Vater, Herr Georg Wolf | im Alter von 46 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Barbara Wolf geb. Klehr ® nebst 5 Kindern Höchst/O. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 9. August 1950, um 13 Uhr B vom Trauerhause statt.
Oer Herr über Leben und Tod hat heute H meinen lieben Mann, unseren lieben. treusorgenden Vater, Schwiegervater und Großvater, Herrn Johann Fornoff ! Kaufmann B nach einem arbeitsreichen Leben und kur- ® zer, schwerer Krankheit im Alter von 9 62 Jahren zu sich genommen. In tiefer Trauer: Regina Fornoff geb. Eisenhauer und alle Angehörigen 9 Darmstadt, den 7. August 1950 gl Taunusstraße 15 H Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 10. Aug., 9 um 14.15 Uhr auf dem Wald-Friedhof statt.
Am 6.8.1950 ist unsere gute Schwester und Schwägerin Schwester Gertrud Horn nach schwerem Leiden aus diesem Leben H geschieden. Wilhelm Hom u. Frau, Emma und Anna Horn, Groß-Gerau Alwine Hora, Mettmann H Groß-Gerau. 9. August 1950 Die Beisetzung hat in Darmstadt stattgefund-n Bestattungen am Mittwoch, dem 9. August 1950 9 Beerdigungen: Waldfriedhof | 11.15 Grün, Franz, 54 J., Bessunger Straße 107 M Feuerbestattungen: ® 13.30 Knobloch, Emil, 74 J., Kaupstraße 47 | 14.30 Spengler, Elisabeth, 63 J., Da-Arheilgen S Beerdigungen: Altar Friedhof I 14.30 Denee, Adalbert, 65 J., Parkusstr. 17’/io Arheilger Friedhof | 14.30 Gärtner, Eva, geb. Büttner, 56 J., Arheilgen, Dieburger Straße 61 Da-Eberstadt Krämer, Anna Eva, geb. Jochum, 82 J., Ringstraße 38
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