Offensive der Amerikaner
Bisher nur geringes Vordringen in südkoreanische Stellungen
Pusan, 7. August. (AP./BBC./dpa) Seit den frühen Morgenstunden des Montag ist im Südabschnitt der koreanischen Front eine große Schlacht im Gange. Die Amerikaner sind dort in Stärke von etwas mehr als zwei Divisionen, unterstützt von zahlreichen Panzern vom Typ „General Pershing“ zu einer Offensive angetreten.
Dem ersten Angriff der Amerikaner ging ein Artilleriefeuerschlag von zehn Minuten voraus. Düsenjäger und Mustangjäger griffen sofort in die Kämpfe ein, um die amerikanischen Truppen voranzuschießen. Die Verbindung zwischen Erdtruppe und den Luftstreitkräften war jedoch nicht gut, so daß die Erfolge nicht in dem Maße eintraten wie erwartet.
Die Amerikaner stießen aus drei Richtungen vor. Ihr Ziel ist Schinju. Die Operation wird von dem Kommandeur der 25. Infanterie-Division, die die Masse der Verbände stellt, dem General Kean, geleitet. Auf dem rechten Flügel hatten sich Infanterieverbände in den Paßstraßen bereitgestellt, am linken Flügel wurden Truppen der 1. amerikanischen Marine-Division sowie Verbände neu gelandeter Infanterie aus Hawai eingesetzt.
Sperrfeuer Die nordkoreanische Führung antwortete beim Angriff der amerikanischen Verbände sofort mit einem Sperrfeuer. Nach Korrespondentenberichten soll die Treffsicherheit der feindlichen Artillerie verblüffend gewesen sein. Sie habe sehr genau geschossen und habe gefährliche Wirkungen erzielt. Zum Teil wurden am rechten Flügel der amerikanischen Angriffsspitzen feindliche Umfassungsversuche unternommen. Am linken Flügel zerschlugen die Nordkoreaner mit starker Artillerie den amerikanischen Panzerangriff. Nach drei Kilometern mußten sich die amerikanischen Infanteristen eingraben. Im rechten Abschnitt kam der Angriff völlig zum Stehen. Bei massiertem feindlichen Granatwerferfeuer erwarten hier die Amerikaner den feindlichen Gegenangriff. In der Mitte soll der Angriff auf etwa vier Kilometer vorangetragen worden sein. Auclry’hier haben sich fast überall die Amerikaner eingegraben. Die Kämpfe sind auf einer Breite von fünfundzwanzig Kilometern überall noch im Gange. Da, wo der Feind zurückgehen mußte, wurden ihm durch rollende Schlachtfliegereinsätze empfindliche Verluste zugefügt.
Brückenköpfe schrumpfen zusammen
Im Raum Taiku, dem anderen Brennpunkt der Abwehrkämpfe, gelang es den Amerikanern weiterhin, die über den Naktong-Fluß übergesetzten nordkoreanischen Einheiten zurückzudrängen. Ein feindlicher Brückenkopf wurde völlig ausgeräumt, und der Feind vernichtet. Hart westlich Taiku sollen die feindlichen Kräfte, die übergesetzt sind, erheblich zusammengeschrumpft sein. Wenn zwar die unmittelbare Bedrohung von Taiku mit diesen Abwehrerfoigen vorübergehend beseitigt ist, muß trotzdem hier mit einem Großangriff des Feindes gerechnet werden. In diesem Raum sind mindestens drei feindliche Divisionen zusammengefaßt, während vier aus diesem Abschnitt nach Süden geschoben werden. Der Druck hat trotz der blutigen Verluste nirgends nachgelassen.
Nördlich Taiku bei Sangschu, Hamschang und Yeschong werden ebenfalls Truppenzusammenziehungen des Feindes gemeldet. Die nordkoreanische Artillerie überfällt immer wieder durch plötzliche Feuerzusammenfassung die amerikanische Front. Die darauf entstehenden Artillerieduelle sind von großer Heftigkeit. Zu den Kämpfen im Süden hat ein Sprecher des Hauptquartiers gesagt, es handele sich um keine Großoffensive, aber um eine gut vorbereitete Offensive. Der Korrespondent der „New York Times“ beurteilt die Lage an der Südfront keineswegs optimistisch. Es sei den Nordkoreanern gelungen, den ersten großen Gegenschlag der Vereinten Nationen in Korea zu stören. Die Kämpfe, die etwa zwanzig Kilometer östlich Schinju im Gange sind, seien bereits jetzt so zu beurteilen, daß die Angriffsoperation der Amerikaner verlangsamt sei.
Bei den wechselvollen Kämpfen haben beide Seiten große Verluste erlitten. Die Amerikaner melden, daß am Naktong bei einem Rückzug der Nordkoreaner 2400 Tote und Verwundete des Feindes auf dem Schlachtfeld zurückgeblieben seien. Die amerikanischen Verluste seit Beginn des Krieges werden auf 2616 Mann beziffert. 153 seien gefallen, 1590 verwundet und 873 vermißt.
Einberufungen in Amerika
Washington, 7. August. (AP.) Sämtliche 80 000 freiwilligen Reservisten des amerikanischen Marinekorps sollen mobilisiert werden, ist am Montag hier bekanntgegeben worden.
Fünfzehn neue französische Divistonen
Das Memorandum für Truman / „Kein neues Dünkirchen“
Drahtbericht unseres Korrespondenten
P. M. Paris, 7. August. Aus dem Inhalt der Antwortnote Frankreichs über seine Rüstungspläne an Präsident Truman, die am Montag veröffentlicht worden ist, ist licht klar ersichtlich, wie hoch Frankreich seine eigenen finanziellen Leistungen beziffert. Die Kosten für das Programm der Modernisierung seiner Armee und seiner Luftwaffe und der Neuaufstellung von fünfzehn Panzerdivisionen werden für die kommenden drei Jahre mit zweitausend Milliarden Franken beziffert, die zusätzlich zu dem bereits erhöhten Budget aufzubringen wären. Das ergäbe etwa zusätzlich siebenhundert Milliarden Franken im Jahr zum bestehenden Militärbudget von fünfhundert Milliarden, das in der Note als 8,2 vom Hundert des französischen Nationaleinkommens bezeichnet wird.
Amerikajiische Zuschüsse
Es ist zu bemerken, daß Amerika auf Grund seiner Atlantikpakt-Verpflichtungen zu diesem normalen Budget Frankreichs mit Waffenlieferungen Beiträge leistet. Ohne amerikanische Hilfe würden
sich die jährlichen Kosten der geplanten Aufrüstung auf 1200 Milliarden Franken im Jahr belaufen, was zu leisten die französische Regierung sich außerstande erklärt hat. Nach bisherigen amerikanischen Schätzungen müßte sich Frankreich eine weitere Erhöhung seines Militärbudgets um mindestens dreihundert Milliarden (dreieinhalb Milliarden Mark) auferlegen können. In diesem Falle würde der neue finanzielle Zuschuß Amerikas weit mehr als eine Milliarde Dollar im Jahr zu betragen haben, weil der zweite Teil der Leistungen, die es im Rahmen der Atlantikabmachungen schon ausführt, in die von Frankreich aufgestellte Kostenberechnung dieses Mal einberechnet ist.
In einer Pressekonferenz wurde vom Sprecher der Regierung, Unterstaatssekretär Gazier, darauf hingewiesen, daß der Kernpunkt der französischen Auffassung in der Kollektivverteidigung Europas liege und daß also diese Aufgabe weder finanziell* noch militärisch von einer einzigen Nation des Westens erfüllt werden könne.
Deutsche Flagge in Straßburg
Zweite Sitzungsperiode des Europarates
Straßburg, 7. August. (AP./BBC./dpa) In Straßburg ist am Montagnachmittag die Beratende Versammlung des Europa-Rates zu ihrer zweiten Sitzungsperiode zusammengetreten. Zum ersten Male nahmen auch deutsche Delegierte an der Sitzung teil. -
Als letzte nahmen die deutschen Delegierten ihre Plätze ein. Der Sprecher der deutschen Abordnung, Dr. Pünder, schritt durch den Sitzungssaal auf Churchill zu, um ihn zu begrüßen. Während Pünder und Churchill miteinander sprachen und lachten, nutzten die Pressefotografen ihre Zeit, und mehrere Minuten lang jagte eine Blitzlichtaufnahme die andere. Von den übrigen deutschen Abgeordneten wurden vor allem auch Professor Carlo Schmid und Frau Louise Schröder von den Fotografen belagert.
Ein neuer Abschnitt
Im Straßburger Europarat hat damit ein neuer Abschnitt begonnen. Zum ersten Male ist eine deutsche Delegation unter den 125 Abgeordneten aus fünfzehn europäischen Ländern vertreten, die insgesamt dreihundert Millionen Menschen vertreten. Die schwarzrotgoldene Flagge der Bundesrepublik weht zum ersten Male nach dem Krieg vor dem Straßburger Gebäude des Europarats, das in kürzester Frist mit einem Kostenaufwand von fast vier Millionen Mark errichtet wurde. Deutschland ist nur als assoziiertes Mitglied in den Europarat aufgenommen worden. Jedoch wurde Ende der vergangenen Woche beschlossen, daß die Bundesrepublik und das Saarland, das ebenfalls assoziiertes Mitglied ist, in gewissem Umfang in die Arbeit des Ministerausschusses — der ersten Kammer des Europarats — eingeschaltet werden.
Uebergabe des neuen Gebäudes
Vor Beginn der Sitzungen der Beratenden Versammlung übergab der Generalsekretär des Europarats, Camille Paris, das neue Gebäude dem irischen Außenminister Macßride, dan Vorsitzenden des Ministerausschusses. An der Uebergabezeremonie nahmen zahlreiche europäische Staatsmänner teil. Der ehemalige sozialistische belgische Ministerpräsident Spaak, der Präsident der Beratenden Versammlung, war ebenfalls zugegen und hielt eine launige Rede.
Die europäischen Nationen sitzen in der alphabetischen Reihenfolge ihrer Familiennamen. Der Leiter der Saardelegation, Justizminister Braun, sitzt neben Dr. von Brentano. Braun erklärte am Montag: „Ich werde Herrn von Brentano davon zu überzeugen suchen, daß es keinen Grund dafür gibt, daß die Deutschen und die Saarländer nicht gut miteinander auskommen könnten.“ Carlo Schmid hat seinen Sitz neben Maurice Schuman, der der Volksrepublikanischen Partei Frankreichs angehört.
Die erste Sitzung am Montag ist von dem ältesten Delegierten, dem 77jährigen christlich - demokratischen italienischen Senator Antonio Boggiano Pico eröffnet worden. Er begrüßte die Deutschen besonders herzlich. Nach dem Schrecken des durch eine grenzenlose Machtgier entfesselten Krieges seien die Deutschen nun berufen, einen großen Beitrag für den Bau eines neuen Europas zu leisten.
Nachdem die Beratende Versammlung ihre Tagung aufgenommen hatte, kam es zu einer Sensation. Der holländische Vertreter Slot richtete einen scharfen Angriff gegen den bisherigen Präsidenten der Beratenden Versammlung Spaak. Dieser sei auf Grund der Rolle, die er in der belgischen Königskrise gespielt habe, nicht mehr geeignet, weiterhin Präsident der Beratenden Versammlung zu bleiben. Die Achtung vor der Herrschaft des Gesetzes'sei ein wesentlicher Grundsatz. „Wir haben in Belgien gesehen, daß eine bestimmte’ politische Frage nicht auf dem Wege des Rechts, sondern durch Gewalt und die Androhung von Gewalt gelöst wurde. Unter diesen Umständen ist Spaak meiner Meinung nach nicht geeignet, Präsident der Versammlung zu sein.“
Die Beratende Versammlung hat aber dessenungeachtet Spaak als Vorsitzenden wiedergewählt.
„Volkskorrespondenten“
Berlin, 7. August, (dpa) Der Chefredakteur des Zentralorgans der Sozialistischen Einheitspartei „Neues Deutschland“, Rudolf Herrnstadt, ist vom SED-Politbüro mit dem Aufbau eines Volkskorrespondenten-Netzes im Bundesgebiet und in West-Berlin beauftragt worden.
Die „Volkskorrespondenten - Bewegung“ der Sowjetzone, die vor etwa zwei Jahren nach sowjetischem Vorbild geschaffen worden ist, umfaßt „Arbeiterkorrespondenten“ und „Volkskorrespondenten“, die die SED-Parteileitung über besondere Vorkommnisse an ihren Arbeitsplätzen in den Betrieben, Verwaltungen usw. informieren müssen. Selbst innerhalb der Sozialistischen Einheitspartei werden sie dieser Spitzeltätigkeit wegen teilweise stark angefeindet.
Mit dem Auftrag, das „Volkskorrespondenten“-Netz auf das Bundesgebiet auszudehnen, ist Herrnstadt nach Mitteilung aus unterrichteten Kreisen der Sozialistischen Einheitspartei gleichzeitig zum Leiter des internen SED-Informationsdienstes für ganz Deutschland ernannt worden.
Hongkong
. . . Während die Amerikaner in Korea zum erstenmal zu einer Gegenoffensive angetreten sind, die allerdings noch nicht den erwarteten Erfolg zu haben scheint, droht der kalte Krieg auch an anderen Stellen in Ostasien heiß zu werden. Dieser Tage wurde gemeldet, Molotow befinde sich in Peking. Vielleicht ist eine neue Aktivität Rotchinas auf seine Anwesenheit zurückzuführen. Jedenfalls haben die Rotchinesen erklärt, sie wollten Tibet, das Dach der Welt „befreien“. Sie wollen also den tibetanischen Priesterstaat in die Händel der Welt hineinziehen, von denen er kaum jemals bedroht var. Ferner ist davon die Rede, Rotchina beabsichtige ein chinesisches Freikorps für den Krieg in Korea aufzustellen. In den letzten Tagen taucht außerdem öfter der Name Hongkong auf und zwar in einer Weise, die höchst bedenklich machen muß. Zum zweiten Male haben rotchinesische Küstenbatterien einen Dampfer beschossen, der sich auf dem Wege zu dieser britischen Kronkolonie befand. Sollte Rotchina die Absicht haben, einen Zwischenfall hervorzurufen, um die stärkste' britische Festung Ostasiens angreifen zu können, weil sie von chinesischem Gebiet umschlossen ist? Diese Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, obwohl es sich immer noch herausstellen kann, daß jene Salven der Küstenbatterien von rotchinesischen Offizieren angeordnet worden sind, die kein Verständnis dafür besitzen, welches Unheil sie damit anrichten körn en.
Tarnkappe herunter
Eine Antwort von Erich Dombrowski
Mitunter ist es nötig, aus der Zurückhaltung herauszutreten. Es können Augenblicke kommen, da man über sich selbst sprechen muß. Allerdings nur dann, wenn ein öffentliches Interesse daran vorliegt. Das scheint mir hier der Fall zu sein. Seit zwei Wochen etwa wird eine unglaubliche Hetze wider mich von kommunistischer Seite geführt. Zeitungsartikel erscheinen. Versammlungen werden einberufen. Flugblätter werden verteilt. Eine Flüsterpropaganda wird inszeniert. Und warum das alles? Der neue Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei, Herr Ulbricht, der Diktator der deutschen Ostzone, hat vor wenigen Tagen erst auf dem Parteitage zum Kampf gegen Westdeutschland aufgerufen. Die Kommunistische Partei wurde dabei ihrer Selbständigkeit entkleidet und der Sozialistischen Einheitspartei eingeordnet. Es wurde ihr vorgeworfen, mit dem Mittel der Stimmenwerbung statt mit dem Mittel revolutionärer Aktionen zu arbeiten. Westdeutschland müsse sturmreif gemacht werden. Ein ganzer Schwarm getarnter kommunistischer Organisationen hat das Land inzwischen wie ein Spinngewebe überzogen. Unter den harmlosesten Bezeichnungen arbeiten diese wühlenden Organisationen. Bald als Komitee der Kämpfer für den Frieden, bald als demokratischer Frauenbund, bald als dies und bald als das. Fast endlos ist die Zahl all dieser Gruppen. Fast immer stehen nur ganz wenige tatbereite Leute dahinter, die in der sogenannten Nationalen Front zusammengefaßt sind. Kurz: Herr Ulbricht hatte den Startschuß gegeben, und die Sache mußte nun anlaufen. Irgendein Vorwand mußte gefunden werden. Man fand den ersten in einem Aufsatz, den ich vor über vierzehn Tagen unter der Überschrift veröffentlicht habe: „Kann man schon Lehren aus Korea ziehen?“
In diesem Aufsatz war nüchtern gefragt, was von den Alliierten getan werden dürfte, wenn Westdeutschland eines Tages gleich Korea angegriffen werden sollte. Die westlichen Alliierten müßten sich stark genug machen, im gegebenen Falle genügend Truppen schlagartig an die bedrohte Grenze zu werfen, um den Gegner aufzuhalten. Inzwischen hat der Atlantikrat bereits dahingehende Beschlüsse vorbereitet. Zum andern würden die Transportmöglichkeiten des Angreifers ebenso unvermittelt zu unterbinden sein. Da es um Leben oder Tod der Kulturwelt gehe, werde man in diesem Moment, ob man wolle oder nicht, sich der Atombombe zu bedienen haben. Es sei fürchterlich, das auszusprechen. Aber noch fürchterlicher sei es, überhaupt an einen dritten Weltkrieg zu denken. Aber die, welche mit dem Feuer spielten, sollten daran denken, was geschähe, wenn sie einen neuen Krieg entfesselten. Der Atlantikrat hat sich mit dieser Frage auch bereits beschäftigt, und die amerikanische Regierung ist gebeten worden, in keinem Fall zum Atombomben-Krieg überzugehen, ohne sich erst der Zustimmung der übrigen Mitgliedsstaaten des Paktes zu versichern. Darauf hat Truman erklären lassen, daß die Atomwaffe im Zusammenhang eines rein koreanischen Konfliktes nicht eingesetzt werde. Die militärische Führung der Vereinigten Staaten sei sich im klaren darüber, daß die Atomwaffe nur als äußerstes Mittel in einem europäischen Kriege angewandt werden dürfe. Das sind die einfachen Tatsachen, die ein Publizist nicht nur registrieren, sondern auch warnend unterstreichen muß. Denn nicht ein Angriff der westlichen Alliierten hat überhaupt jemals in Frage gestanden, sondern ein Angriff, wie er jetzt von den Kommunisten in Korea vom Zaun gebrochen wurde. Auch in Korea wurde das Land kommunistisch unterminiert, ehe zum letzten entscheidenden Schlag ausgeholt werden konnte. Sfr
Die Russen, die jetzt, während fern im Osten die Waffen klirren, alles (mit Worten) für den Frieden aufbieten und von Stockholm aus, nicht von Moskau aus, also getarnt, einen Appell an die Welt ergehen lassen, um zum Frieden und gegen die Verwendung von Atombomben aufzurufen, haben bisher alle Versuche der westlichen Nationen zum Scheitern gebracht, den Gebrauch der Atombombe international zu verbieten. Wohl waren sie in der Organisation der Vereinten Nationen für ein solches Verbot. Aber gegen eine Kontrolle, die alle ohne Ausnahme betroffen hätte. Sie allein wollten sich nicht in ihre Souveränität hineinreden lassen. Die anderen wollten es. Und so ist bis heute, infolge des russischen Widerstandes, kein Abkommen darüber möglich gewesen. Wie würde die Welt aufatmen, wenn Moskau selbst seine Unterschrift unter den Stockholmer Aufruf setzen würde mit der gleichzeitigen Versicherung, daß es, wie die anderen Staaten auch, niemals die Atombombe verwenden werde und daß es, mit völlig offenen Karten spielend, sich genau so wie die anderen Staaten der gleichen internationalen Kontrolle unterstellen werde. *
Während des Krieges und auch noch danach hat Stalin den Alliierten versichert, es sei durchaus möglich, daß zwei verschiedene Staats- und Wirtschaftssysteme, das östliche und das westliche, friedlich nebeneinander bestehen. Die von zwei Weltkriegen geschundene und zerschlagene Menschheit durfte also, wenn sie gutgläubig war, hoffen, daß nunmehr Ruhe und Frieden einziehen würden. Statt dessen gab es bald neue Unruhen an allen Ecken und Enden der Welt. Bulgarien, Rumänien, Albanien, Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei wurden erst, Stück für Stück, kommunistisch untergraben und dann dem Sowjetsystem einverleibt. Nur von Griechenland wurde in jahrelangem Ringen dieser Vorstoß abgeschlagen. Nach dem gleichen Rezept verfuhr man in der deutschen Ostzone. Der Kampf um Berlin, über das von den Russen eine Hungerblockade verhängt wurde, konnte allerdings durch den Lufteinsatz der Amerikaner abgewehrt werden. Zur gleiche^ Zeit ging das Kesseltreiben im Fernen Osten los. China wurde überwältigt. In Süd-Korea brach man mit einem Blitzkriege ein, und schon künden die chinesischen Kommunisten an, daß jetzt Tibet an der Reihe sei. Um so lauter kämpft das kommunistische „Komitee für den Frieden“ und wirft den Deutschen und den westlichen Alliierten vor, sie seien die Friedensstörer, sie seien die Angriffslustigen, sie langten schon nach der Atombombe in ihrer Tasche. Noch immer haben die Diktatoren, die terroristischen Gewaltmenschen, mit diesem Mittel der Massenverwirrung gearbeitet, vorne den Frieden zu proklamieren und hinten den Krieg vorzubereiten. *
Zeitlebens habe ich publizistisch im Sinne des Völkerfriedens gewirkt. Infolgedessen bin ich auch bis zum Frühjahr dieses Jahres für eine vernünftige Verständigung mit Rußland eingetreten. Vornehmlich auf wirtschaftlicher Grundlage. Denn man kann, meiner Meinung nach den Osten und Westen wirtschaftlich nicht auf die Dauer auseinanderreißen. Auch heute, nachdem der Kommunismus in Korea zum militärischen Angriff übergegangen ist, glaube ich, muß eine Verständigung, nach der Wiederherstellung des Status quo ante, gefunden werden. Wird sie es nicht, dann droht das Unheil über die ganze Welt hereinzubrechen Nur wenn die westlichen Länder diese unmittelbare Gefahr auch wirklich mit all ihren verhängnisvollen Folgen erkennen, kann sie abgebogen werden. Mit anderen Worten: der wirtschaftliche und soziale Gesundungsprozeß muß zur inneren Festigung wesentlich schnellere Fortschritte machen als bisher. Die Alliierten müssen, so schwer ihnen das finanziell auch fallen mag, in einem solchen Tempo aufrüsten, daß dem Gegner schließlich das Risiko einer weiteren Weltbedrohung zu groß wird. Das war der tiefere Sinn jenes Artikels, um den die Kommunisten ein solches Hallo gemacht haben. Der Sinn einer Warnung, ehe es zu spät ist. So: nun haben wir die Tarnkappe der „Friedenskämpfer“ heruntergenommen.
Wechselvoll
ein. Auf einer Frontbreite von fünfundzwanzig Kilometern habeA die Amerikaner, von Panzern unterstützt, ihren ersten groß angelegten Gegenangriff ausgelöst, seit sie in Korea kämpfen. Der Stoß zielt auf Schinju. Die amerikanische Führung ist bestrebt, im Rahmen der Defensive im Brennpunkt der Abwehrkämpfe durch Angriffe mit begrenztem Ziel sich Luft zu schaffen. Die Nordkoreaner begegneten der amerikanischen Angriffsbewegung mit heftigem Artilleriefeuer, setzten zu einem energischen Flankenangriff gegen die Flügel an und leisteten in der Mitte zähen Widerstand. Nach drei Kilometern gruben sich die amerikanischen Regimenter ein, um bei schwerem feindlichen Granatwerferfeuer die Gegenstöße abzufangen.
Die Kämpfe in Korea sind seit Tagen wechselvoll. Die Amerikaner haben mit ihrer Operation, bei der von ihnen etwas mehr als zwei Divisionen im Kampf sind, die Nordkoreaner von Masan abgehalten; die Nordkoreaner hingegen konnten die erste große amerikanische Angriffsoperation stoppen. Beide Seiten beabsichtigen durch stärkste Konzentration, sich an der entscheidenden Stelle den Erfolg zu sichern. Solche Kämpfe sind verlustreich und nutzen die Kräfte ab.
Obwohl sich die Schlacht um Korea in zahlreiche Einzelgefechte aufgelöst hat, sind Pusan und Taiku die beiden großen Magneten für die Nordkoreaner geblieben. Um diese Plätze stehen als lebender Wall die Kerntruppen der Amerikaner. Die bolschewistische Führung hat zwar in den letzten Tagen blitzschnell an zahlreichen Stellen der Mittelfront den Schwerpunkt verlagert und überall die weiche Stelle gesucht. Aber nur bei Taiku winkt in der Mitte das lohnende Ziel. Hier will der Feind die auf einem Hochplateau liegende Industriestadt aus der Front herausbrechen, um sich dann durch die Schleuse der durch die Stadt gedeckten Paßstraße mit den Truppen in Richtung auf das Meer zu ergießen. Damit wäre der Brückenkopf gespalten und die Nordfront, die die Südkoreaner halten, von der Südfront um Pusan, wo das Herz der amerikanischen Versorgung schlägt, getrennt.
Die Hauptentscheidung des ersten Teils dieses Krieges fällt aber im Raum Pusan. Die Angriffe auf die Eisenbahnlinie Pusan—Taiku sind ebensolche Ablenkungsmanöver wie die Bewegung auf Taiku, wenngleich dort der Erfolg von außerordentlicher Bedeutung ist. Zur Zeit scheint auf jeden Fall die nordkoreanische Führung den strategischen Sieg im Süden suchen zu wollen. Vielleicht zeigt sich bereits in den nächsten Tagen, ob dort unten ein Dünkirchen oder ein Verdun entsteht.
Lake Success
-1. Nach dem bisherigen Verlauf der Auseinandersetzungen im Sicherheitsrat, die am Dienstag fortgesetzt werden sollen, läßt sich schwer absehen, wie die beiden streitenden Parteien zu einer Einigung kommen können, ohne sich mit dem befürchteten Verdacht eines Prestigeverlustes zu belasten. Indien hat in Lake Success erneut die sowjetische Forderung, Rotchina in den Sicherheitsrat aufzunehmen, unterstützt. Nehru, als Vertreter des nichtkommunistischen Asiens, betrachtet Peking als den Repräsentanten Chinas. Durch die ablehnende Haltung Amerikas könnte Indien, ohne es zu wollen. leicht in eine schiefe Stellung gegen Asien geraten, die den Lokalisierungsbemühungen keineswegs dienlich sein würde.
Die Ansicht, daß eine Aufnahme des kommunistischen Chinas in die Vereinten Nationen als eine „Belohnung“ für die Angreifer betrachtet werden müsse, wie sie kürzlich von der „New York Times“ vertreten wurde, wird von Pandit Nehru nicht geteilt. Nehru, der nach wie vor die Abwehraktion der Vereinten Nationen gutheißt und unterstützt, glaubt durch die Zulassung Rotchinas an den Verhandlungen des Sicherheitsrates eine Vorbedingung für die Begrenzung des Korea-
‘ rieges schaffen zu können. Indien hofft, damit, die Gefahr eines offenen chinesischamerikanischen Konflikts mit allen seinen gefährlichen Folgerungen abzuschwächen..
Nachdem auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, sich erneut für die Aufnahme Rotchinas, als der Regierung, die den größten Teil des Landes verwaltet, eingesetzt hat, drohen die Verhandlungen in Lake Success in eine Sackgasse zu geraten, aus der es ohne Prestigeverlust für die eine oder andere Partei kaum einen Ausweg geben wird.
Ende des Boykotts
gegen argentinische Schiffe
Hamburg, 7. August, (dpa) Die Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und V—kehr hat den Boykott argentinischer Schiffe in deutschen Häfen aufgehoben, nachdem der Streik der argentinischen Seeleute beigelegt worden ist. Die Gewerkschaft hat am Montag in Hamburg mitgeteilt, daß argentinische Schiffe wieder wie früher abgefertigt werden.
Seebohm: Kein uferloser Fernverkehr
Zwei Gesetzentwürfe / Differenzen mit dem Bundesrat
R. Bonn, 7. August. Bei der gesetzlichen Neuregelung des Güterfernverkehrs stehen sich Entwürfe des Bundesrates und der Regierung gegenüber. Verkehrsminister Seebohm führte vor der Presse aus, daß dabei die Regierung den Güterfernverkehr und nicht wie der Bundesrat auch den Nahverkehr erfaßt habe und entgegen manchen Meldungen noch kein Entwurf seines Ministeriums über den Nahverkehr ausgearbeitet sei. Ferner wolle die Regierung mit der vorgesehenen Bundesanstalt zur Ueberwachung des Güterfernverkehrs eine Selbstverwaltungsorganisation schaffen, während der Bundesrat auf die Behördentour gegangen sei und neue Arbeit für Beamte habe schaffen wollen.
Eine Wiedereinführung des alten Reichskraftwagenbetriebsverbandes als eines Garanten der Tariftreue ist nach den Ausführungen Seebohms wegen der alliierten Dekartellisierungsbestimmungen nicht möglich gewesen. Dabei hob Seebohm die Notwendigkeit einer Beachtung der Tariftreue vor allem deswegen hervor, weil die Tarifunterbietung den Verkehr von der Schiene auf die Straße ablenke. So erklärt der Entwurf auch jede Ermäßigung unter den Tarif für unzulässig, die nicht öffentlich mitgeteilt wird und allen zugute kommen kann.
Zulassungsbeschränkungen
Die Genehmigungspflicht im Güterfernverkehr und die Kontingentierung der zugelassenen Kraftfahrzeuge sind beibehalten worden. Der Entwurf sieht aber die weitere Beschränkung vor, daß die Genehmigung auch im Rahmen des Kontingents versagt werden kann, wenn sie mit dem öffentlichen Interesse in der Aufrechterhaltung eines geordneten Güterfernverkehrs nicht vereinbar sei. Klar wird von selten der Regierung gesagt, daß eine Minderung der „in einem erschreckenden Maß gesteigerten Verkehrsunfälle“ und die Verhütung weiterer Verschlechterung der Straßen durch die ungewöhnliche Zunahme des Verkehrs nur durch die Beschränkung der Anzahl der zum Güterfernverkehr zugelassenen Fahrzeuge erreicht werden könne. Der Gesetzentwurf der Regierung geht also eindeutig dahin, zu verhindern, daß die Fernlaster auf den Straßen sich ins. Ungemessene vermehren.
Seebohm unterstrich noch, daß auch der an sich nicht genehmigungspflichtige Werkverkehr der Kontrolle durch die Bundesanstalt unterworfen sei und daß die Bundesbahn zwar sich der zugelassenen Fahrzeuge unbeschränkt bedienen könne, aber selbst nur mit höchstens zwei Prozent an dem Gesamtkontingent der Fahrzeuge beteiligt werde.
Relative Autonomie
Der Minister hob dann nochmals die Unterschiede des Regierungsentwurfs über das Bundesbahngesetz gegenüber dem Entwurf des Bundesrats hervor. Sie bestehen vor allem darin, daß die Regierung die vom Bundesrat vorgeschlagene Autonomie der Bundesbahn als die Bildung eines Staates im Staate ablehnt. Die Regierung wünscht nur eine relative Autonomie, eine Synthese zwischen geschäftlicher Freiheit der Bahn und ihrer Bindung an die öffentliche Gewalt des Bundes. So bezeichnete Seebohm auch die Bundesregierung als die Generalversammlung für die Bundesbahn und untermauerte damit den Anspruch auf ein Aufsichts-, Weisungs- und Anspruchsrecht des Bundesverkehrsministers. Die Regierung sieht auch nur einen Verwaltungsrat mit beschränktem Wirkungskreis vor und will die Leitung der Bundesbahn durch ein Kollegium von drei Generaldirektoren statt durch eine einzige Persönlichkeit ausüben lassen.
Der Minister wies dann noch auf den Sondercharakter der Bundesbahn, nämlich auf den Beamtencharakter der Eisenbahn hin, der sehr große Vorteile habe und dessen Aenderung er nicht empfehle, der aber auch bei dem Gedanken einer völligen Autonomie berücksichtigt werden müßte.
Reimann wird verteidigt
Die Kommunisten gründen ein Komitee
Düsseldorf, 7. August, (dpa) In Düsseldorf ist ein nordrhein-westfälisches Verteidigungskomitee für Max Reimann gebildet worden. In einem Aufruf an die Oeffentlichkeit bezeichnet das Komitee die Immunitätsaufhebung Reimanns durch den Bundestag und den Landtag von Nordrhein-Westfalen als einen reinen Willkürakt. Diese Maßnahme sei nur auf Grund unkontrollierbarer Verdachtsmomente erfolgt. Alle Deutschen sollten sich tatkräftig für die politische Freiheit Reimanns einsetzen.
Zwangsverpflichtete beim Kanalbau
Die Sowjetzone baut Wasserstraßen zur Umgehung von West-Berlin
er. Berlin, 7. August. Auf einer Konferenz der Generaldirektion für Schifffahrt in der Sowjetzone ist beschlossen worden, aus der Sowjetzone zur Umgehung der West-Berliner Schleusen zwei große Kanäle zu bauen. Durch die Blockierung der Schiffe an den West-Berliner Schleusen sei der Sowjetzone Ende Juni ein Ausfall an Transportleistungen von dreißigtausend Tonnen entstanden. Eine nochmalige Blockierung würde für die Wirtschaft schwere Folgen haben.
Nach der Fertigstellung der neuen Schiffahrtswege — zum Teil handelt es sich um den Ausbau bereits bestehender kleiner Kanäle — existiert neben dem Güteraußenring der Eisenbahn der Sowjetzone auch eine Wasserstraße, auf der Schiffe von der Elbe nach Stettin und von der Elbe nach Ost-Berlin fahren können, ohne die Westsektoren zu streifen. Der Bau des Wasserweges Elbe—Stettin, für den Arbeitskräfte zwangsverpflichtet werden sollen, dürfte etwa drei Jahre in Anspruch nehmen.
Die Verbindung Magdeburg—Stettin verläuft über Paretz, Nauen, Nieder-Neuendorf und stellt die Verbindung zwischen der Unterhavel und dem großen Schiffahrtskanal her. Das Projekt sieht den Bau von fünf Schleusen und drei Wehren vor. Der zweite Kanal, der eine Wasserstraße zwischen der Elbe und Ost-Berlin schaffen soll, wird von Paretz über Potsdam, Babelsberg, Griebnitz-See in den Zeuthener See führen.
Außerdem wurde der Ausbau der Ostseewerften beschlossen. Die Neptun-Werft in Rostock, die Warnow-Werft in Warnemünde und die Schiffsreparaturwerft in Wismar sollen so erweitert werden, daß hier mit dem Bau von Handelsschiffen begonnen werden kann. Eine Verdoppelung der Werftarbeiterzahl ist vorgesehen. Warnemünde und Wismar werden vorerst je zwei Hellinge erhalten, zu denen später zwei weitere hinzukommen. Der Rostocker Hafen wird noch in diesem Jahr auf eine Umschlagskapazität von fünf Millionen Tonnen gebracht werden, weil das besonders große und nahezu eisfreie Hafengebiet von Rostock und Warnemünde dazu ausersehen ist, die Heimatbasis der künftigen volkseigenen Handelsflotte der Sowjetzone zu werden.
Zensur in der Sowjetzone
Berlin, 7. August. (A. P.) Der West-Berliner „Tag“ veröffentlicht als Faksimile ein Schreiben der Oberpostdirektion Dresden, aus dem hervorgeht, daß die Sowjets nach wie vor ein unbeschränktes Zensurrecht in der sowjetischen Zone ausüben. Das Schreiben enthält die Anweisung an alle Postämter, zensierte Postsendungen erst nach der Zensierung abzustempeln, damit sich niemand über die verspätete Postzustellung beschweren könne.
Die Legalität der Kommunisten
Frankfurt, 7. August (dpa) Das amerikanische Oberkommissariat will die Legalität der Kommunistischen Partei in der Bundesrepublik prüfen Der amerikanische Oberkommissar, McCloy, soll bereits in diesen Tagen mit seinen Sachverständigen die Frage erörtert haben, ob die Kommunisten für ihre gegenwärtige Tätigkeit im Bundesgebiet noch eine Rechtsgrundlage besäßen.
„Freie Stadt Danzig“
zz. Die Ostvertriebenen haben am Sonntag in ganz Westdeutschland den Tag der Heimat begangen und dabei den Anspruch auf Rückkehr in ihre Heimat angemeldet. Eine besondere Stellung innerhalb der Heimatvertriebenen haben dabei die Danziger eingenommen, die in einer Hamburger Entschließung die Anerkennung der eigenen Staatlichkeit fordern.
Unsere Zeit ist schnellebig genug, um es zu rechtfertigen, daß wir kurz darauf eingehen, worauf die Danziger ihre Forderung begründen. Manche der jüngeren Generation werden es nicht mehr wissen, daß Danzig durch den Vertrag von Versailles vom Deutschen Reiche abgetrennt und mit dem umliegenden Landgebiet zu einem selbständigen Freistaat unter der Bezeichnung „Freie Stadt Danzig“ gemacht wurde. Die Loslösung vom Deutschen Reich geschah gegen den Willen der Bevölkerung, die damals 384 000 Einwohner umfaßte, von denen 95 Prozent deutscher Nationalität waren. Ungeachtet ihres Widerspruchs schied Danzig am 10. Januar 1920 aus dem staatsrechtlichen Verbände des Deutschen Reiches aus. Die förmliche Proklamierung der Stadt als eines selbständigen Staatswesens erfolgte am 15. November 1920.
Die Danziger folgern nun, ihr Staat sei als erster nach der Einrichtung der Vereinten Nationen Opfer einer Aggression geworden, obwohl seine Verfassung von den meisten Nationen garantiert worden sei. Das gesamte staatliche Vermögen sei gewaltsam eingezogen und die Bevölkerung rechtswidrig ausgetrieben worden. Korea sei erst das zweite Opfer einer Aggression seit dem Bestehen der Vereinten Nationen. Nun seien aber noch alle Wesenserfordernisse des Danziger Staates völkerrechtlich vorhanden. Das Staatsgebiet liege in der Danziger Heimat, das Volk sei lediglich gewandert, weil es vertrieben wurde. Ausländische und deutsche Autoritäten des Völkerrechts erkannten die Fortexistenz des Danziger Staates an und deshalb verlangten die vertriebenen Danziger die auf völkerrechtliche Basis garantierten Rechte auf ihre Heimat, auf Rückkehr und auf staatliche Selbständigkeit.
Der freie Staat Danzig war seit seinem Bestehen eine äußerst knifflige Angelegenheit, die den Diplomaten aller Staaten bei internationalen Konferenzen viel Kopfzerbrechen machte. Wir wünschen den Danzigern selbstverständlich alles Gute und auch die Rückkehr in ihre Heimat. Wir bezweifeln aber, ob die führenden Politiker im gegenwärtigen Augenblick nicht Angelegentlicheres zu tun haben, als die Eigenstaatlichkeit Danzigs wiederherzustellen.
Vorwürfe der Gewerkschaften
Veröffentlichungen zu der Frage der Mitbestimmung
Fö. Düsseldorf, 7. August. Die Pressestelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat am Montag den Wortlaut je eines Rundschreibens des Fachverbandes Nährmittelindustrie in München und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie in Köln veröffentlicht, die als Beweise dafür gelten sollen, daß die Pressestelle der Gewerkschaften im Besitz von Dokumenten über Versuche von Unternehmern sei, durch Geldzuwendungen Einfluß auf die Instrumente der öffentlichen Meinungsbildung zu gewinnen.
In einer Erklärung der Pressestelle der Gewerkschaften wird behauptet, daß die deutschen Unternehmer große Geldsummen aufwendeten, um die Verwirklichung des Mitbestimmungsrechtes und die von den Gewerkschaften angestrebte Neuordnung der deutschen Wirtschaft hinauszuzögern und zu verhindern.
Das vom 22. Mai datierte Rundschreiben des Fachverbandes Nährmittelindustrie enthält die Mitteilung an die Mitglieder, daß der Landesausschuß der bayerischen Industrie beschlossen habe, bei den von ihm vertretenen Industrien eine Umlage von einer Mark je Kopf der Beschäftigten zu erheben, um daraus einen Fonds zu bilden, mit dessen Mitteln unter anderem folgende Aufgaben erfüllt werden sollen: Die Presse für die Vertretung des Unternehmerstandpunktes zu gewinnen, in der Frage des Mitbestimmungsrechtes alle verfügbaren Kräfte zur Erhaltung der Unabhängigkeit des Unternehmers einzusetzen und die Wahlgelder für die Durchsetzung wirtschafts- und unternehmerfreundlicher Auffassungen in den bürgerlichen Parteien sicherzustellen. Das Rundschreiben des Bundesverbandes der deutschen Industrie enthält die Aufforderung an die Empfänger, das bei ihnen und ihren Mitgliedsfirmen vorhandene Material für die Fragen des Mitbestimmungsrechtes, das zur Bekräftigung des Standpunktes des Bundesverbandes dienlich ist, zu übersenden.
In der Erklärung der Pressestelle der Gewerkschaften heißt es dazu, daß das zitierte Rundschreiben des Fachverbandes der Nährmittelindustrie am 22. Mai, also zu einem Zeitpunkt herausgegeben worden sei, als die Mitbestimmungsgespräche zwischen den Sozialpartnern noch in vollem Gang gewesen seien. Inhalt und Daten der erwähnten Rundschreiben bewiesen, daß es den Unternehmern entgegen ihren jüngsten Beteuerungen mit ihrer Verhandlungsbereitschaft nicht ernst gewesen sei. Die in den Rundschreiben enthaltenen Einzelheiten sowie weitere Umstände hätten die Gewerkschaften zu der Ueberzeugung bringen müssen, daß die öffentlichen Erklärungen weiter Unternehmerkreise im Gegensatz zu ihrer wahren Absicht stünden.
Keine Massenentlassungen
Bonn, 7. August. (AP.) Der Bundesverkehrsminister hat am Montag in Bonn erklärt, die Bundesbahn werde keine Massenentlassungen vornehmen, solange nicht die Sicherheit bestehe, daß die Entlassenen in die Wirtschaft eingegliedert werden könnten. Der Personalbestand der Bundesbahn sei zwar stark übersetzt, aber solange Entlassungen zur Arbeitslosigkeit führten, werde man von solchen Abstand nehmen.
„Keine Weltkatastrophe“
Heisenberg über die Wasserstoffbombe
Bonn, 7. August, (epd) Der deutsche Physiker Professor Heisenberg ist fest davon überzeugt, daß die Amerikaner im nächsten Krieg die Wasserstoffbombe einsetzen werden. Naclfrichten, die von Zeitungen über die Wasserstoffbombe gebracht worden sind, hält Heisenberg für Unsinn. „Die E. . . jsion einer Wasserstoffbombe kann keinen Weltenbrand auslösen. Nur jedes 5000. Wasserstof fat- ist schwerer Wasserstoff. Das äst zu wenig, um eine Kettenreaktion befürchten zu lassen. Auch ist unsere Erde nicht gar so empfindlich gegen die Atomspaltung. Sie war ja seinerzeit selbst eine Art Atombombe und kennt schon die hohe Temperatur, die bei einer Atomexplosion entwickelt wird.“ Heisenberg betont, die Männer, die an der Wasserstoffbombe ar¬ beiteten, könnten die Wirkung genau ' erechnen.
Segelflieger auf der Wasserkuppe
Fulda, 7. August. (AP.) An dem in diesen Tagen auf der Wasserkuppe (Röhn) veranstalteten ersten internationalen Segelfiiegertreffen haben neben zweihundert deutschen Segelfliegern der Rekordinhaber für Dauerfliegen, Guy Marchand, Frankreich, und der amerikanische Forscher für Luftfahrt, Professor Dr. Wolfgang Kemperer, teilgenommen. Der Präsident des wiedergegründeten deutschen Aeroklubs, Wolf Hirth, gedachte am Fliegerdenkmal der toten Flieger.
Schranken fallen. Dreihundert junge Europäer (und nicht dreißig, wie wir irrtümlich berichteten) waren an der Aktion in Germannshof am Sonntag beteiligt, um durch einen symbolischen Akt für die Einheit Europas einzutreten.
Stimmen der Anderen
„Wir haben Angst“
An Stelle des Leitartikels veröffentlicht die unabhängige römische Zeitung „n Tempo“ die folgende Zuschrift: „Herr Chefredakteur! Es ist dies das dritte Mal daß ich versuche, etwas niederzuschreiben.’ Die anderen beiden Male warf ich das Geschriebene wieder in den Papierkorb, da ich alles für unnütz hielt.
Die Regierung ist weise; und waT^ soll ich als Bürger es nicht sein? Ich mochte nicht auf der Liste stehen, wenn sie losziehen, um, was weiß ich, diejenigen aufzugreifen, die sie für ihre Gegner halten ... Den Hausmeister behandle ich gut. Er gibt die Auskünfte an alle und vor allem an die von der Zelle. Es heißt, daß sie keine neue Säuberung machen würden. Aber man hat schon soviele Versprechungen gehört . • • Immerhin, wenn diejenigen zuerst anlangen, die von der „Unitä“ (dem kommunistischen Zentralorgan) unterstützt werden, wäre es gut, der Hausmeister wüßte nicht, daß ich gewisse andere Zeitungen lese, wenn sie mir auch gefallen. .
Ich ging jeden Sonntag zur Messe und trug die Madonna von Pompeji an einem Kettchen um den Hals. Ich denke daran, das Gotteshaus zu wechseln. Ich werde zur Messe nach Prati gehen (ein römisches Stadtviertel auf der rechten Tiberseite), obwohl ich zu San Giovanni gehöre, und habe auch die Mutter-Gottes-Medaille abgelegt. Jetzt, da man hemdsärmelig gehen muß, sieht man sie durch das Gewebe. Sie, die alles sieht — auch durch das Hemd —, wird mir verzeihen. Sie weiß, daß ich vier Kinder habe und eine Gattin, und daß ich auch für den Unterhalt meiner Schwägerin aufkommen muß.
Die Klugheit über alles. Meine nenne ich Angst. Es ist richtige gemeine Angst für mich, meine Frau, meine Kinder und auch für meine Anverwandten. Auch der Polizist, der bei uns in der Nähe wohnt, und sich bis vor kurzem als Neufaschisl ausgab, spricht heute nur noch von der Atombombe und davon, daß alle gegen sie unterschreiben müßten. Es scheint wirklich, als sei die Zeit wiedergekehrt, die der Befreiung voranging, als alle tief innen Patrioten waren und die Amerikaner erwarteten. Heute wartet man darauf, wer zuerst anlangt. Alle sind bereit, in die Hände zu klatschen und dessen Fahne zu hissen, der zuerst ankommt. Alle sagen, daß wir riskieren, zweimal befreit zu werden.
Ich kann immerhin jedem begreiflich machen, daß ich mich in nichts einmische. Ich werde auch die „Unitä“ kaufen, die mir nicht gefällt. Sie wird mir aus der Rocktasche schauen, nur damit ich morgen keine Schwierigkeiten habe, da mir heute, auch wenn ich sie kaufe, niemand etwas sagt, während ich morgen, wenn man erführe, daß ich sie niemals gekauft habe, zum Faschisten gestempelt würde. Und meiner ältesten Tochter habe ich gesagt, daß sie sich auf mongolisch frisieren soll, wie es die Mode zu sein scheint. Mit solchen Anstalten fleht man um die amerikanischen Waffen, die nicht anlangen. Hätte ich doch nur einen einzigen gefunden, der mir gesagt hätte, daß er zu kämpfen gewillt sei! Aber mit wem soll man die Sturmbataillone gegen die bilden, die von der Zelle unterstützt werden? Vielleicht mit den Mönchen und Nonnen? Ich weiß, daß eine Wachablösung eintreten wird, wenn der Kommunismus zur Macht kommt, und alle die, die sich ein wenig vorgewagt haben, für alle anderen bezahlen müssen, wie schon bei der letzten Säuberung. Die großen Persönlichkeiten ausgenommen, die sich morgen ebenso retten werden, wie sie sich gestern gerettet haben. Nein, nein, nein, man wird mich nicht mehr betrügen! Die Regierung ist,weise'. Warum soll ich es nicht sein? Wenn De Gasperi sich jeden Tag von den Kommunisten beschimpfen läßt und sie nicht einsperrt, warum soll ich sie beschimpfen, der mich daraushalten will?
Herr Chefredakteur, meine Gedanken mögen verwirrt sein. Aber irgendjemand soll mir doch sagen, ob ich mich irre, wenn ich der Meinung bin, daß mich niemand schützen wird, wenn die Roten kommen, obwohl ich vier Kinder habe, eine Frau und die Schwester meiner Frau, für die ich aufkommen muß.“
Der Papst zur Lage
Ueber die grundsätzliche Stellung des Heiligen Stuhles in der gegenwärtigen Weltlage schreibt der „Osservatore Romano“, indem er sich auf die vorausschauende Rundfunkbotschaft des Papstes zu Weihnachten 1948 bezieht:
„Pius XII. hat den heidnischen Grundsatz des ,7i vis pacem para bellum' verdammt, weil die Auseinandersetzung mit vorgehaltenen Waffen voller Gefahren und Versuchungen ist. Aber er hat auch ergänzt, daß die Solidarität der Nationen dazu verpflichtet, ,ein angegriffenes Volk nicht im Stich zu lassen', daß die Abrüstung lediglich des einen Teils dasselbe ist, wie einen mutmaßlichen Angreifer in Versuchung zu führen und ihm Straflosigkeit zuzusichern, während die Furcht vor den Waffen dazu dienlich sein wird, den Angreifer zu entmutigen und folglich den Krieg zu vermeiden oder wenigstens im schlimmsten Falle die Leiden abzukürzen.•
Die Uebereinstimmung mit der Erklärung, die der Kölner Erzbischof, Kardinal Frings, kürzlich auf dem Katholikentag der Erzdiözese Köln in Bonn abgegeben hat, ist offensichtlich.
Convent der Altherren-Verbände
Frankfurt, 7. August, (dpa) Vertreter von dreizehn sdilagenden und nichtschlagen den, farbentragenden und nichtfarbentragenden und religiös orientierten akademischen Altherren-Verbänden aus dem Bundesgebiet haben vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Verbände in Frankfurt beschlossen, unbeschadet ihrer Eigenheiten und in gegenseitiger Achtung ihrer Grundsätze, sich zum „Convent deutscher Altherren-Verbände“ (CDA) zu sammenzuschließen. Der Convent soll gleiche Aufgaben gemeinsam lösen und sich für gleiche Interessen eine gemeinsame Vertretung nach außen geben.
Der Preisrat wird einberufen
Die Preiserhöhungen schädigen die Wirtschaft
Artei? I^ndwfHsphnf'f AUfUw- ^Eigener Bericht.) Der hessische Minister für Wirtschaft’ Albert Wagner, wird in dieser Woche den ständigen Preisrat für das Land Hessen einberufen.
Der Preisrat Hessens wurde 1946 gegründet. Er hat zur Zeit der Bewirtschaftung bei allen grundsätzlichen Fragen der Preisbildung mitgewirkt. Er wird sich in der angekündigten Sitzung mit dem Problem der ungesunden Preissteigerungen und der durch sie bewirkten Schädigung des gesamten hessischen Wirtschaftsgefüges befassen. Die Wirtschaftszweige, in denen die Preissteigerungen beobachtet wurden, sollen, falls notwendig, aufgefordert werden, Sachverständige zu entsenden.
Der Preisrat, dem je ein Vertreter der Industrie, der Landwirtschaft, des Groß- und Einzelhandels, der Konsumgenossenschaften und der Gewerkschaften angehören, wird um eine Vertreterin des hessischen Frauenverbandes erweitert werden. Damit soll seine Bedeutung besonders gekennzeichnet werden. Der Minister hat den Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Bundesminister für Wirtschaft gebeten, die von ihm eingeleiteten Maßnahmen gegen die Preissteigerungen mit allen Mitteln zu unterstützen.
Verbesserter Tarif
für die chemische Industrie
Kassel, 7. August, (dpa) Rückwirkend ab 1. Juli ist ein verbesserter Tarif für die chemische Industrie in Hessen in Kraft getreten. Er sieht für gewerbliche Arbeiter aller Berufsgruppen eine Erhöhung des Stundenlohnes um sechs bis acht Pfennig vor. Die Angestelltengehälter sind in allen Gruppen je nach Ortsklassen um 12,14 und 16 DM erhöht worden. Für jugendliche Angestellte betragen die Zulagen 6, 7 und 8 DM. Bei ausschließlich pharmazeutische Artikel herstellenden Betrieben tritt der Tarif mit Wirkung vom 1. August in Kraft.
„Hiroshima-Woche“ in der Sowjetzone
Verstärkte Unterschriftensammlung gegen die Atombombe
Drahtbericht unseres Korrespondenten
er. Berlin, 7. August. Von kommunistischer Seite wird der fünfte Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima zu einer großen Propagandaaktion gegen das „westliche Kriegslager“ gemacht. Das sogenannte Ost-Berliner „Komitee der Kämpfer für den Frieden“ hat einen Aufruf zur „Hiroshima-Woche“ erlassen und angeordnet, daß am Dienstag im sowjetisch besetzten Gebiet um sieben Uhr dreißig die Arbeit, der Verkehr und das Geschäftsleben für eine Minute ruhen und die Kirchenglocken läuten. Gleichzeitig sollen Gedenkgottesdienste abgehalten werden. Da mit der „Hiroshima-Woche“ eine verstärkte Unterschriftensammlung zur Aechtung der Atombombe verbunden sein wird, rechnen West-Berliner Kreise damit, daß Agitatoren der Sozialistischen Einheitspartei erneut in die Westsektoren eindringen werden, um Unterschriften zu sammeln. Vom West-Berliner Magistrat verlautet, daß die Unterschriftensammlung in West-Berlin nach wie vor strafbar ist, da das sogenannte „Komitee der Kämpfer für den Frieden“ in West-Berlin nicht lizenziert ist.
Kurzwellensender für Rotchina
Darmstadt, 7. August. (AP.) Der Maschinenfabrikant Stenzel und der Beamte des Fernmeldetechnischen Zentralamtes der Bundespost, Rösener, die angeblich versuchten, über die Sowjetzone einen Kurzwellensender an Rotchina zu verkaufen, werden voraussichtlich noch in dieser Woche vor ein amerikanisches Gericht gestellt werden, hat der Staatsanwalt des amerikanischen Distriktgerichtes in Darmstadt, Jürgens, am Montag mitgeteilt.
Bei seiner Vernehmung hat Stenzel nach Mitteilung des Staatsanwaltes zugegeben, den Schmuggel zweier kompletter 200- Watt-Kurz- und Langwellensender in die Sowjetzone beabsichtigt zu haben. Der eine Sender sollte durch Vermittlung einer West-Berliner Firma nach der Insel Rügen gebracht, der andere an Rotchina verkauft werden.
In Verfolgung der Spuren entdeckten amerikanische Spezialbeamte aus Berlin die Sender und Zubehörteile sowie einen Infrarot-Bildwandler, der bei Panzern und Nachtjägern verwendet wurde, gut getarnt auf zwei Lastkraftwagen in Mainz-Kostheim und in Trautheim bei Darmstadt, kurz bevor sie in die Sowjetzone geschmuggelt werden sollten.
Stenzel gab an, die für die Kriegsmarine gebauten Sender vom Typ „Ehrenmal“ zusammen mit anderem ehemaligem Wehrmachtsgut waggonweise für seine Fabrik gekauft zu haben. Stenzel und der als Vermittler aufgetretene Rösener wurden nach ihrem Verhör bis zur Gerichtsverhandlung auf freien Fuß gesetzt.
Ein britischer Dampfer beschossen
Hongkong, 7. August. (AP.) Vor Hongkong ist am Montag ein britischer Dampfer von den kommunistisch besetzten Inseln aus beschossen worden, die der britischen Kronkolonie vorgelagert sind. Der Schaden, der an dem Schiff entstanden ist, soll unerheblich sein. Der Angriff ist der zweite, den die chinesischen Kommunisten in den letzten beiden Tagen gegen Schiffe ausgeführt haben, die Hongkong anlaufen wollten.
Wieder Unruhen in Makassar
Djakarta, 7. August, (dpa) In der Hafenstadt Makassar auf Celebes, wo bereits im Frühling eine Revolte niedergeschlagen worden war, sind in den letzten Tagen erneut Unruhen und Kämpfe ausgebrochen. Partisanen, die sich in dem Gebiet um Makassar gesammelt haben, griffen ein Repatriierungslagerfrüherer indonesischer Soldaten der holländischen Armee in Makassar an. Zwischen den Guerillas und den indonesischen Truppen hat sich eine regelrechte Schlacht entwickelt.
Die etwa achttausend mit ihren Familien auf ihre Entlassung wartenden Soldaten wurden von den Partisanen wiederholt in Ueberraschungsangriffen überrumpelt. Die Partisanen sollen aus Erbitterung über die Erschießung eines indone? sischen Offiziers in der Nähe des Lagers zu den Gewaltmaßnahmen gegriffen haben. Im Hafen von Makassar haben sie einige Schiffe in Brand gesetzt.
Keine deutsche Armee
Bonn, 7. August. ( pa) Vizekanzler Blücher ha" den Bericht einer ausländischen Nachrichtenage 'tur dementiert, nach dem führende Männer der Bundesregierung in der vergangenen Woche alliierten Stellen den schnellen Aufbau einer deutschen Armee zugesagt hätten. I"> dem Bericht der Agentur, der Unter dem Titel „Bonn fordert deutsche Armee“ ’ief, wurde ferner behauptet, daß Vizekanzler Blücher eine beschränkte Anzahl von deutschen Divisionen für unzureichend erklärt habe.
Vierfacher Mord
Essen, 7. August, (dpa) In der Wohnung des Metzgermeisters Jakob Formes in Essen wurden am Montagvormittag dessen 37jährige Ehefrau Anna und seine drei Kinder — zwei Jungen im Alter von vierzehn und zwölf Jahren und ein neunjähriges Mädchen — ermordet aufgefunden. Sie sind nach den polizeilichen Ermittlungen mit feinem Schlachterbeil in den frühen Morgenstunden erschlagen worden. Des Mordes verdächtig ist der Metzgermeister, der vor Bekanntwerden der Tat seinen Heimatort in einem Personenkraftwagen in unbekannter Richtung verließ. Das Motiv des vierfachen Mordes ist noch nicht bekannt.
Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am Donnerstag wieder in Bonn seine Regierungsgeschäfte aufnehmen.
Kriegsbeschädigte mahnen zum Frieden
Kritik am Entwurf des Bundesversorgungsgesetzes
Drahtbericht unseres Korrespondenten
bb. Koblenz, 7. August. Nach einer zweitägigen Konferenz auf dem Rittersturz bei Koblenz hat das Präsidium und der Sozialpolitische Ausschuß des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands vor der Presse eine Erklärung zu dem Entwurf des Bundesversorgungs-Gesetzes abgegeben.
In der Erklärung heißt es, die Regierungsvorlage weise gegenüber dem früheren Referentenentwurf eine Reihe von Verbesserungen auf. Auch werde nicht die Absicht verkannt, die bisher unterschiedliche Kriegsopferversorgung für das ganze Bundesgebiet zu vereinheitlichen. Nach wie vor müsse der Verband aber die Auffassung vertreten, daß zu einer einigermaßen befriedigenden Lösung des Kriegsopferproblems ein Betrag von 3,6 Milliarden Mark jährlich erforderlich sei, während der Bund die vorgesehenen Aufwendungen nur von 2,6 auf 3 Milliarden Mark erhöht habe. Die Forderungen des Verbandes auf 3,6 Milliarden Mark seien im übrigen von dem Beirat für Versorgungsrecht beim Bundesarbeitsministerium gutachtlich anerkannt worden.
In dem neuen Gesetzentwurf seien außerdem noch nicht die Schwierigkeiten berücksichtigt, die dadurch entstünden, daß verschiedene Länder bisher wesent-
lieh höhere Kriegsopferrenten gezahlt hätten, als sie nunmehr für das ganze Bundesgebiet gewährt werden sollten. Der Verband werde unter anderem hinsichtlich der Witwen Versorgung und der Anrechnung von Einkommen eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen dem Bundestag zuleiten. Es könne erwartet werden, daß der Bundestag sich den maßvollen Wünschen der Kriegsopfer nicht verschließen werde.
Der Kriegsopferverband hat weiterhin einen Friedensappell an alle verantwortungsvollen Staatsmänner der Welt gerichtet. Die Not der Witwen und Waisen und die Schmerzen der Kriegsbeschädigten hätten nur dann einen Sinn, wenn die bisher vom Krieg verschonten Menschen dadurch zur unbedingten Erhaltung des Friedens gemahnt würden.
Interzonen-Handelsabkommen verlängert
Berlin, 7. August. (AP.) Die Verhandlungen zwischen westdeutschen und sowjetischen Wirtschaftsstellen in Berlin haben am Montag zur Verlängerung des gegenwärtigen Interzonenhandelsabkommens bis zum 30. September dieses Jahres geführt.
Heiter, zeitweise wolkig
Eigener Wetterbericht
Ein zwischen den Azoren und Nordeuropa liegender Hochdruckrücken ist in seinem mittleren Abschnitt über Frankreich nicht sehr kräftig ausgebildet und anfällig für die Entwicklung örtlicher Gewitterherde, die auch auf unser Gebiet übergreifen können.
Aussichten: Heiter, zeitweise auch wolkig. Zunehmende Gewitterneigung, warm bis schwül.
Der Rundfunk am Mittwoch
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 15.00 Ein Ständchen für die Hausfrau; 18.20 Mach dirs bequem; 20.00 Salzburger Festspiele 1950: Zweites Orchesterkonzert; 22.15 Die Kurbel; 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 17.15 Volksweisen im Jahreslauf; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 „Das zweite Ich“; 22.00 Meister des Quartettspiels; 23.00 Tanzmusik.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Scheinwerfer auf!; 21.00 Joh. Seb. Bach; 22.30 Klaviermusik; 23.15 Tanzmusik zum Tagesausklang.
NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Operettenmelodien; 16.25 Filmmusik aus aller Welt; 18.30 Melodische Rhythmen; 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank; 21.00 Der NWDR bittet zum Tanz; 23.00 Kurt Wege und seine Solisten.
Wirtschaftsblatt
Gefährliche Lohnforderung
Die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung Westdeutschlands ist im wesentlichen in dem Ausfuhranstieg begründet. Gerade diejenigen Industriezweige, deren Auslandsabsatz kräftig zugenommen hat, haben Neueinstellungen vorgenommen. Im gesamten Bundesgebiet ist die Steigerung der Beschäftigtenzahl auf Grund vermehrter Auslandsaufträge gegenüber dem letzten Vierteljahr 1949 auf rund 200 000 Kräfte zu veranschlagen. Man kann also feststellen, daß der Auslandsabsatz in dem Aufschwung des vergangenen Halbjahres eine dominierende Rolle gespielt hat.
Wir haben berechtigte Aussichten, daß es auf dem eingeschlagenen Weg auch in Zukunft weitergeht. Die amerikanische Konjunktur befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Die Aufnahmefähigkeit der übrigen Weltmärkte wird ebenfalls umfangreicher werden. Die weitere Steigerung von Produktion und Beschäftigung durch Lieferung an das Ausland ist für das Bundesgebiet zweckmäßiger und auf die Dauer ertragreicher als eine Steigerung durch binnenwirtschaftliche Programme. Dabei ist zu bedenken, daß von jeder Ausfuhrbelebung viele Wirtschaftszweige befruchtet werden. Abgesehen von diesen Erwägungen ist die Bundesrepublik schon deshalb zu einem möglichst umfangreichen Export gezwungen, um nach Beendigung des Marshallplanes auf eigenen Füßen stehen zu können.
Auf Grund dieser Sachlage bekommen die Lohnforderungen der Gewerkschaften ein besonderes Gewicht. Der bisherige Ausfuhrerfolg kann leicht gefährdet werden, wenn die Kostenlage der westdeutschen Ausfuhrindustrie sich wesentlich ändert. Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard warnte deshalb den Gewerkschaftsbund, durch „Lohnforderungen das Preisniveau und die deutsche Exportfähigkeit zu gefährden“. Der Gewerkschaftsbund erklärte dagegen in einer Stellungnahme, man solle nicht mit der Geduld der Arbeitnehmer angesichts der anhaltend steigenden Preistendenz spekulieren. Falls nicht die gesamte Preiserhöhung rückgängig gemacht werden könne, müßten Löhne. Gehälter, Renten und Unterstützungen angepaßt werden.
Sind aber die Preise wirklich so stark gestiegen? Nach diesen Forderungen der Gewerkschaften müßte man cs eigentlich annehmen. Das Statistische Amt des Vereinigten Wirtschaftsgebietes kommt nach einer Erhebung in 13 Großstädten der Bundesrepublik aber zu einem weniger alarmierenden Ergebnis. Die Preise haben sich in der Zeit von Mitte Juni bis Mitte Juli u. a. für Nahrungsmittel (außer Kartoffeln und Obst) um 0,6 Prozent erhöht. Für Bekleidung sind die Preise dagegen um 1,1 Prozent gefallen. Der gesamte Lebenshaltungsindex hat sich um 0,1 Prozent verringert.
Der Hinweis, daß gerade die Waren, die in der Dringlichkeitsskala der Bedürfnisse obenanstehen. im Preise erhöht worden sind, ist gewiß ernst zu nehmen. Auf diese Preise will jedoch die Regierung mit allen verfügbaren Mitteln, unter anderem durch Einfuhren, einen Druck ausüben. Und trotz diesen Bemühungen der Bundesregierung kündigen die Gewerkschaften täglich Lohnverträge. Sie machen also ihre Drohung wahr. Bei der starken Arbeitsintensität der westdeutschen Wirtschaft wird jede Preisveränderung weitreichende Folgen für den gesamten Preisstand der Bundesrepublik und damit auch für den Export haben. Sollten die Gewerkschaften nicht daran denken, daß auch der Arbeiter der Leidtragende ist. wenn Deutschland seine Einfuhren nicht mehr bezahlen kann?
Kündigung von Tarifverträgen
Hd. Die Gewerkschaft Textil und Bekleidung, in der 385 000 Beschäftigte organisiert sind, beabsichtigt, zum nächstmöglichen Termin sämtliche Lohn- und Gehaltstarife zu kündigen. Für 170 000 Textilarbeiter in Bayern, Schleswig-Holstein, Württemberg-Baden und in Teilen des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Hamburg waren die Tarifverträge bereits abgelaufen, beziehungsweise gekündigt worden. Mit der Aufkündigung der Verträge folgt die Gewerkschaft Textil und Bekleidung einer Empfehlung des Bundesvorstandes der Gewerkschaften.
Auch die kommunalen Angestellten
dpa Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr will zum nächstmöglichen Termin alle Tarifverträge für kommunale Angestellte und Arbeiter im Bundesgebiet kündigen. Die Tarifvereinbarung der Gewerkschaft mit
der kommunalen arbeitsrechtlichen Vereinigung in Württemberg-Baden ist bereits zum ersten September gekündigt worden.
Bergbau in Hessen
HGR. Im Eisenerzbergbau wurden im Juli gleichbleibend mit dem Juni 8000 bis 10 000 Tonnen gefördert. An Braunkohle wurden 224 000 Tonnen gewonnen. Hoch liegt der Ertrag an Kalirohsalz. Die 335 000 Tonnen der Juli-Förderung können nicht ganz abgesetzt werden. Der kurhessische Kupferschieferbergbau erbrachte 9300 Tonnen.
Bz Wella-AG., Sitz Darmstadt. Die Firma, die den Sitz von Frankfurt nach Darmstadt verlegte und über 0,250 Mill. RM Aktien-Kapital verfügt, fabriziert und vertreibt Friseur-Bedarfsartikel aller Art, insbesondere elektrische Geräte. Alleiniges Vorstandsmitglied ist Kaufmann Karl Mcrgerle in Hünfeld bei Fulda.
Tauziehen um Kraftfahrzeugprãmien
Von Fritz Peter ClausDie beabsichtigte Erhöhung der Tarife der Kraftfahrzeug - Versicherung hat Staub aufgewirbelt. In Aussicht genommene Tariferhöhungen, die teilweise bei Kraftwagen bis zu 150 Prozent gehen, finden naturgemäß Kritik und Widerspruch. Die neuen vom Preisrat ausgearbeiteten Tarife sollten ursprünglich schon ab 1. August rückwirkend in Kraft treten. Der Einspruch der amerikanischen Oberkommission hat zunächst diese Absicht vereitelt. Das Ausmaß der Erhöhungen dürfte dabei weniger Anlaß zum Widerspruch geworden sein. Vielmehr stechen den Amerikanern besonders die Preisbindungen auf lange Sicht ins Auge, die im Rahmen der neuen Tarife in Aussicht genommen worden sind. Die Gegnerschaft gegen Marktverabredungen und Preisbindungen dürfte auch hier Anlaß gewesen sein, die in Aussicht genommene Tarifreform zu verschieben.
Deshalb ist es dennoch notwendig, sich mit dem Kernstück der beabsichtigten Tarifumstellung zu beschäftigen. Die Versicherungsgesellschaften weisen auf die außerordentliche Zunahme der Schäden im letzten Halbjahr 1950 hin. Die Zulassungen an Kraftfahrzeugen aller Art hatten sich im letzten Halbjahr 1950 gegenüber dem ersten Halbjahr 1949 um etwa 53 Prozent erhöht. Die durch Kraftfahrzeuge verursachten Schäden sind aber beim Blick auf die Vergleichszeiträume um rund 93 Prozent gestiegen. Unter diesen Umständen drängen die Privatversicherungen unablässig auf eine Erhöhung der Haftpflichtversicherung und der Vollkaskoversicherung.
Sind diese Forderungen gerechtfertigt, nachdem im vergangenen Jahr die Tarife bereits fühlbar erhöht worden waren? Die Versicherungsgesellschaften beantworten diese Frage mit dem Hinweis auf die Zahl der Schäden und den Aufwand, den diese Schäden verursachen. Zwölf große Gesellschaften hatten ihre Statistiken über die steigenden Schäden und Aufwendungen vorgelegt.
Sie hatten die Schadenkurven, ihre Schadenreserven und schließlich auch ihre Kostensätze überprüfen lassen. Das Ergebnis waren Forderungen auf Prämienerhöhung, die noch weit über die kürzlich publizierten Vorschläge hinausgegangen sind. Die Versicherten interessieren sich naturgemäß besonders lebhaft für die Kosten und die Gewinne der Versicherungsgesellschaften. Sie verschließen sich durchaus nicht der Tatsache, daß die Gesellschaften nach der Währungsreform ihre Schadenreserven zu*m größten Teil eingebüßt hatten. Sie wissen, daß die Gesellschaften ihre Schadenreserven wieder auffüllen müssen, um den an sie gestellten Forderungen nachkommen zu können. Aber sie haben deshalb doch ein scharfes Auge für die Kosten, die heute von den Versicherungsgesellschaften geltend gemacht werden:
Unter diesen Gesichtspunkten haben die Gesellschaften ihre Forderungen auf erhöhte Prämien dem Kostensatz jener Gesellschaften zugrunde gelegt, die mit den niedrigsten Kosten gearbeitet haben. Im Gedankenaustausch zwischen Versicherungsgesellschaften, Verbänden der Versicherten und nicht zuletzt auch dem Bundesverband der Industrie kam schließlich im Preisrat jenes Kompromiß zustande, das unter anderem eing Erhöhung der Haftpflichtprämien um 4$ Prozent und der Vollkaskoversicherung um 75 Prozent im gewogenen Durchschnitt vorsieht.
Die Meinungen über das Ausmaß der Erhöhungen gehen naturgemäß sehr auseinander. Einer Tatsache kann man sich wohl nicht verschließen. Es ist durchaus nicht ungerecht, die Prämienerhöhung je nach der Art des einzelnen Fahrzeuges, ja schließlich auch je nach dem Hubraum und der Traglast in verschieden hohem Ausmaß vorzunehmen. Unter solchen Gesichtspunkten kam das Kompromiß zustande, daß für Motorräder eine Erhöhung der Haftpflichtversicherung im Durchschnitt um 15 Prozent, für Personenwagen durchschnittlich um 30 Prozent und für Lastkraftwagen im Durchschnitt um 80 Prozent vorsieht. Das schließt nicht aus, daß die Prämien der Haftpflichtversicherung für schwere Lastkraftwagen über fünf Tonnen bis zu 150 Prozent erhöht werden sollen.
Die erhöhte Belastung vor allem für Lastkraftwagen ist außerordentlich hart. Sollen aber, das ist die Frage, die Besitzer von Motorrädern und Personenkraftwagen für die Lastkraftwagen mitbezahlen, die, wie die Statistiken zeigen, in erster Linie die zunehmenden Schäden und Schadensummen verursachen? Zu sehr dürfen allerdings die Versicherungen trotz aller Hinweise auf die gestiegenen Preise für Reparaturen und Krankenhausbehandlungen den Bogen nicht Überspannen. Die Teilkaskoversicherung zum Beispiel deckt nur Brand und Diebstahl. Das Feuerrisiko hat sich aber nicht zu Lasten ler Versicherungen verändert. Die Zahl der mit Kraftwagen zusammenhängenden Diebstähle hat sogar abgenommen. Infolgedessen will der Preisrat den im vergangenen Jahr auferlegten Prämienzuschlag in der Teilkackoversicherung wieder abbauen.
Auch bei der Vollkaskoversicherung als einer freiwilligen Versicherung zeichnen sich gewisse Grenzen beim Streben nach Prämienerhöhungen ab. Die Besitzer gepflegter Kraftwagenparks stellen erfahrungsgemäß ein geringes Risiko dar. Eine übermäßige Erhöhung der Prämien wird also solche Kreise unter Umständen veranlassen, aus der Versicherung auszutreten. Den Gesellschaften gehen damit gerade die für sie günstigen Risiken verloren.
Die Gesellschaften arbeiten mit verschieden hohen Kosten. Ist es deshalb zu verantworten, die Prämien für alle Gesellschaften einheitlich zu erhöhen? Sollte man hier nicht einen gewissen freien Wettbewerb ermöglichen? Bei der Haftpflichtversicherung als eine Zwangsversicherung wird man eine Bindung nicht umgehen können. Bei der Vollkasko- und Teilkaskoversicherung wird man aber trotz gewisser Bindungen mit Hilfe von Prämienrückvergütungen zu einem gewissen freien Wettbewerb im Interesse der Versicherten kommen können.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse verstärkte sich am Montag im Verlaufe der Börse von interessierter Seite die Nachfrage nach Montanwerten. Bei etwas lebhafterem Geschäft kam es hier, mitbedingt durch die nach wie vor bestehenden Marktenge und nur geringe Abgabebereitschaft, zu Kursverbesserungen bis zu 2,75 Punkten. Die übrigen Märkte lagen bei ruhigem Geschäft etwas uneinheitlich und nur wenig verändert. Kursveränderungen nach beiden Seiten gingen meist nicht über 0,5 bis 1 Punkt hinaus.
Devisenhandel
Frankfurt. (Eigenbericht.) Im Frankfurter nichtoffiziellen Devisenhandel wurden am 7. 8. 50 für den US.-Dollar 5,40—5,90 DM gezahlt, für das engl. Pfund 12,50—13,50 DM, für den Schweizer Franken 1,20—1,35 DM, für den holl. Gulden 1,20—1,35 DM, für die dänische Krone 0,52—0,56 DM, für die schwedische Krone 0,75—0,80 DM.
Frankfurter Schlachtviehmarkt
bz. Der Hauptschlachttag war beschickt mit 1028 (in der Vorwoche 1022) Stück Großvieh: 691 (642) Kälber, 2919 (3225) Schweine, daneben 440 (307) Schafe. Es wurden erzielt: Ochsen A 90—94 (82—87), B 78—88 (72—80) Bullen A 90—94 (80—86), B 82—88 (70—79). Kühe A 84—88 (72—80), B 75—82 (60—70), C 60—70 (50—59), D 45—55 (40—49) Färsen A 90—96 (86—91, B 82—88 (80—85), C 74—80 (70 bis 78), Kälber A 110—120. B 95—105, C 80—90; Schweine A 137—140 (124—128) B 1 und 2 137 bis 140 (124—128), C 135—140 (123—128). D 132 bis 138 (129—126). Gl 120—128 ( 110—120); Schafe gute Qualität 52—60 (48—53), mittlere 42—48 (40—46 und geringere Qualität 30—40 (bis 35). Verlauf: rege.
Weizenimporte in Aussicht
k- Die westdeutsche ECA-Mission hat das Eintreffen von 15 000 Tonnen Werien im Monat August angekündigt. Darüber hinaus sollen aus der Tschechoslowakei im Rahmen des Handelsvertrages weitere 30 000 Tonnen Weizen und 10 000 Tonnen Roggen kurzfristig eingeführt werden.
Feuilleton
Internationale Ferientage für Neue Musik 1950
Wenn in diesem Jahre wiederum junge Komponisten und Künstler, studierende und examinierte Musiker als Schüler, Fachwissdnschafter, namhafte Komponisten, Dirigenten und Virtuosen als Dozenten aus zehn Ländern zu den „Internationalen Ferienkursen“ vom 12. bis 27. August in Darmstadt zusammenkommen, so werden diese 14 Tage mit vielseitiger und ernster Arbeit ausgefüllt sein. Die Anmeldungen übersteigen bei weitem das Maß der Aufnahmefähigkeit unserer zerstörten Stadt. So mußte die Zahl der Teilnehmer von vornherein stark eingeschränkt werden.
In dankenswerter Weise hat sich wieder die Adventistengemeinde auf der Marienhöhe ^bereit erklärt, ihre Seminar- und Gästegebäude zur Verfügung zu stellen, so daß Dozenten und Schüler in engem Kontakt in schönster Lage ihrer musischen Arbeit nachgehen können. Ein Patenring, dem sich Kultusministerien, Städtp, Rundfunksender und zahlreiche Darmstädter private Firmen angeschlossen haben, ein ansehnlicher Betrag der amerikanischen Militärregierung und die finanzielle Unterstützung der Stadt Darmstadt selbst machten es möglich, daß gerade minderbemittelten aber hochbegabten Studierenden der Weg zu den Ferienkursen geöffnet werden konnte.
Theorie und Praxis gehen in den Veranstaltungen wohlabgewogen nebeneinander her. Konzerte vermitteln das lebende Beispiel. Kurse in Komposition, Dirigieren und Musikkritik auf der einen Seite, in Klavier, Violine und Kammermusik auf der anderen werden in intensiver Seminararbeit durchgeführt und je nach Wahl einzeln vom Teilnehmer belegt. Durchgehende Vortragsreihen für alle Hörer unterrichten über das Werk Bela Bartöks, über die musikalische Situation der Gegenwart und über das Problem der elektronischen Musik. Einzelvorträge umreißen die verschiedensten Fragen des heutigen Musikgeschehens, wobei die Person und das Werk einzelner Komponisten genau so behandelt werden wie die musikalische Lage in den verschiedenen Nationen oder die im Augenblick so interessante Neuformung der Oper. Zu vielen Vorträgen werden klingende Beispiele gebracht.
Die Konzerte beginnen am 15. und 17. August mit der Wiedergabe sämtlicher Bartok-Streichquartette durch das berühmte Vegh-Quartett, Paris. Am 19. August spielen Tibor Varga und Peter Stadien kammermusikalische Werke von Bartök und am Sonntag, dem 20. August, wird das Darmstädter Landestheater-Orchester unter Professor Dr. Hermann Scherchen ein Sonderkonzert veranstalten. Mit dem 25. August setzen die Aufführungen „Musik der jungen Generation“ ein. Neben Kammermusiken sind zwei Orchesterkonzerte des Landestheater-Orchesters unter Prof. Scherchen am 26. pnd 27. August vorgesehen. Die aufgeführten Werke sind eine Auswahl von über 250 eingesandten Kompositionen aus 14 Ländern. Die Jury (K. A. Hartmann, C. Orff, W. Fortner, Heinz Schröter, Prof. Dr. Scherchen, Dr. W. Steinecke) hat diese Werke für Konzerte zu Studios vorgeschlagen. Einzelne Komponisten, die wegen Ueberbesetzung des Programms nicht aufgeführt werden können, sollen später in Konzerten der Kranichsteiner Musikgesellschaft, an Sendern oder in anderen Städten zu Gehör gebracht werden. Auf alle Fälle soll gerade den jungen Kräften Gelegenheit gegeben werden, Urteil und Kritik über ihr eigenes Schaffen entgegenzunehmen und sich über die nationalen Grenzen hinweg in edlem Wettstreit zu messen.
Ein große Notenausstellung zahlreicher Verlage wird die musikalische Literatur der Gegenwart präsentieren. Dr. Karl Schäfer von der Darmstädter Musikzentrale hat in Vereinbarung mit dem Kranichsteiner Musikinstitut diesen Teil der Arbeit übernommen.
Da es sich bei den aufgeführten Werken meist um Erst-, sehr oft um Uraufführungen handelt, zeigt auch der Rundfunk größtes Interesse dafür. Der Hessische Rundfunk Frankfurt und der Südwestfunk Baden-Baden werden fast die gesamten Veranstaltungen auf Band aufnehmen. Radio Frankfurt sendet im September wöchentlich einmal Teilausschnitte. Der NWDR Köln und Hamburg, Rias Berlin, und München werden ebenfalls Sendungen bringen. Ferner wollen Radio Brüssel, Bern und Tel Aviv Programmteile übertragen. Eine amerikanische Schallplattenfirma möchte gleichfalls Reproduktionen herstellen. Zahlreiche Fachexperten und Musiker aus dem In- und Ausland werden wie in den vergangenen Jahren sich in Darmstadt ein kurzes Stelldichein geben. Anregungen empfangen und vermitteln.
Am 24. August wird die deutsche Sektion der „Internationalen Gesellschaft für neue Musik“ in Darmstadt ihre Generalversammlung abhalten.
Die Eintrittspreise für die Abendkonzerte am 20., 26. und 27. August betragen 2 und 3 DM, für die kammermusikalischen Abende 0,50, 1 und 1,50 DM. Für alle übrigen öffentlichen Veranstaltungen ist der Eintritt frei. Das genaue Programm werden wir mit Beginn der Ferientage für neue Musik täglich veröffentlichen. DT
Daniel Webhster im Hoörspiel
Daniel Webster ist eine Gestalt aus der amerikanischen Geschichte, wurde am 18. Januar 1782 in Salisbury/ New-Hampshire geboren und starb am 24. Oktober 1852. Er war Jurist, Abgeordneter seines Staates, wurde 1828 in den Senat gewählt, und war zweimal Staatssekretär des Aeußern. Sein großes Redetalent, seine Gabe, alle Menschen ihrem Wesen entsprechend zu nehmen, machten ihn schon zu seinen Lebzeiten beliebt und hoben seine Gestalt nach seinem Tode ins Legendäre.
Zwei dieser Legenden, „Daniel Webster und der Teufel“ und „Daniel Webster und die Seeschlange“ verarbeitete Dr. Gerhard Pollmann zu einem Hörspiel, aus dem er im, Amerikahaus las. Dr. Pollmanns Vortragstalent ließ die einzelnen Handelnden klar hervortreten. Das Hörspiel, gewürzt ‘ mit einem köstlichen Humor und prächtig in der Charakterisierung der Personen, leidet etwas — soweit man es bei der Lesung erkennen konnte — an der nicht ganz geglückten Verschmelzung der beiden als Motiv dienenden Legenden. hn.
Erlebnis auf dem Felde
VON FRITZ WALTERAls Giselher, der ewig Junge, über die Lande zog, um froh beglückt aufzuzeichnen, was Gottes Himmelsgüte ihm zu schauen geschenkt hatte, begann er jede Aufzeichnung in seinem Täfelchen mit dem Jubelruf: „Und ich sähe O was sah ich!..
Und hatte er es niedergeschrieben, dann endete er seinen Schrieb mit dem Gelöbnis:
„Und abermals nach dreihundert Jahren — will ich desselbigen Weges fahren ...“
Solcherlei Erlebnisse wie dem jungen Giselher werden uns Heutigen selten oder kaum je zuteil. Aber es kann geschehen. Und man wird sich dann zu irgendeiner Art von Frommheit gezwungen fühlen. Durfte ich mich als ein Nachfahr des ewig jungen Giselher fühlen, als ich dieser Tage über Land kam? Es war das Land seitwärts vom Rhein, dort etwa, wo man am Rande des Horizonts, seitlich von Bingen, die anmutigen Taunusberge erblickt — in jenem Flachland also, wo bald nachher die üppigen Reben den berühmten roten Wein hervorbringen.
„Und was sähe o was sah ich?“ Ging da eine Bauesrfrau über die Felder, nach ihrem Acker hin. Sie trug die Hacke über der Schulter, ein Säckchen hatte sie am Arm hängen, und ein heil prächtig großer, schwarzer Hund trabte ihr zur Seite: einer von der Art, die man nicht anders als „Tyras“ oder „Nero“ nennen kann.
Sein Aussehen: wer kein gutes Gewissen hatte, mochte ihn als furchterregend empfinden. Kein Gedanke daran, mit ihm anzubinden — wen er ansprang, der fiel hintenhinüber und war erledigt. .Jedoch die gutherzige und frohgemute Art, wie er um die Frau herumsprang, sagte mehr, als man nieder sehr eiben kann: Diese Beiden, die Frau und der Hund, — wer sie sah, mußte über sie nachdenken. Es war etwas mit ihnen, worüber man sich freuen mußte, dankbaren und beglückten Herzens.
Die Sonne brannte gnadenlos auf die Felder von Jugenheim und Partenheim hernieder. Den Menschen lief die blanke Nässe von den Gesichtern. Daß sie sich dürr und ausgetrocknet fühlten, brauchten sie nicht zu sagen. Aber Bauernarbeit, Feldarbeit, fragt nicht nach dem Thermometer. Das weiß man.
Doch „Was sähe — o was sah ich? ...“ Was trug diese Bauersfrau in ihrem Ahm? Eine Flasche Wasser und einen Trinknapf. Wozu?
Sie hatte alles menschliche Erbarmen mit dem Hund, wenn ihm die rote Zunge durstig aus dem Maul hing. Wenn er jappte und schnappte, weil er ja nicht schwitzen kann und Kühlung ihm nur zuteil wird, wenn er die Zunge heraushängt — das tat ihr weh im Herzen. Deshalb trug sie die Flasche mit dem Wasser mit und den Trinknapf.
Es sähe nicht gut aus und könnte zu üblen Mißdeutungen führen, würde man eine Bauersfrau, auch wenn sie altershübsch ist und die Zeichen des Gutseins in ihren Zügen trägt, auf freiem Feld umarmen. Sie könnte es übelnehmen. Und ihr Mann könnte mit dem Prügel kommen oder mit dem Ochsenziemer.
Aber immerhin: Etwas über sie schreiben, das kann man doch wohl. Und man kann hinzufügen:
Als man ein Bauernbübchen war, kurzhosig und barfüßig, kam der grimmige Kreisschulrat in die Schule. Es mußten Aufsätzchen geschrieben werden auf die Schiefertafel, und man bekam einen huldvollen Preis: in Gestalt eines Tierschutzkalenders. Auf dessen erster Seite stand als Leitspruch jener Satz aus dem uralten Testament: „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes. Aber das Herz des Gottlosen ist unbarmherzig.“
Viel und allzu viel ist geschehen in den Jahren des Unheils und Verhängnisses, wodurch die Würde der deutschen Frauen in den Dreck gezogen worden ist. Lassen wir uns nicht länger niederdrücken dadurch. Es gibt auch noch andere Frauen auf deutschem Boden.
Seht: Dieses Erlebnis auf dem Felde ist ein Beweis dafür.
Konzertabonnement geplant
Die Städtische Kulturverwaltung und die Darmstädter Musikzentrale führten während der beiden letzten Konzert-s winter Kammermusikabende durch, die wegen ihrer künstlerischen Qualität allgemein Anerkennung fanden. Obwohl die Eintrittspreise vorteilhaft gehalten waren, ließ jedoch der Besuch sehr zu wünschen übrig, so daß die Fortführung dieser künstlerischen Veranstaltung in Frage gestellt ist.
Um die für die kommende Saison geplante Veranstaltungsreihe auf eine sichere Basis zu stellen und gleichzeitig einem noch größeren Kreis von Interessenten den Besuch dieser hochwertigen Konzerte zu ermöglichen, soll für den Winter 1950/51 ein Abonnement aufgelegt werden, dessen "Preise möglichst niedrig bemessen sind. Es müßte in diesem Fall eine Mindestanzahl von 400 Abonnenten zusammenkommen, die sich verpflichteten, einen festen Platz für acht Konzerte zu mieten. In der Zeit von September 1950 bis Mai 1951 ist, außer Februar, monatlich ein Konzert vorgesehen. Es wurden bisher mit folgenden Künstlern Verhandlungen aufgenommen: Klavier: Walter Gieseking, Poldi Mildner, Alfred Cortot, Eduard Erdmann, Conrad Hansen; Streichquartett: Calvet, Schneiderhan, Zernick; Violine: Gerhard Taschner, Ruggiero Ricöi; Cello: Caspar Cassado, Enrico Meinardi; Gesang: Walter Ludwig, Maria Reining.
Die Preise für das Abonnement betragen für den I. Platz 24,— DM, für den 11. Platz 16,— DM, für den 111. Platz 12,— DM und können in acht Monatsraten bezahlt werden. Die Mieter der Konzertreihe erhalten außerdem auf alle sonstigen Konzerte der Darmstadter Kulturverwaltung oder der Darmstädter Musikzentrale eine. 20prozentige Ermäßigung. Abonnementsbestellungen werden bei der Darmstädter Musikzentrale, Mathildenplatz 20, Tel. 2324, entgegehgenommen.
DT Film-Forum
Eine falsch eingeklebte Probeaufuahme...
So komisch kann es zugehen: Eine falsch eingeklebte Probeaufnahme ist daran schuld, daß wir den Darsteller Viktor Staal haben. Hätte damals eine kleine Filmkleberin in Wien nicht in ihrer Zerstreutheit die verkehrte Probeaufnahme eingeklebt wofür sie eigentlich einen schweren Anpfiff verdient hätte, denn Ordnung muß in jedem Betrieb herrschen —, so wäre niemals dieser inhaltsschwere Streifen nach Berlin zur UFA gekommen; die hatte nämlich Probeaufnahmen von Wien angefordert, und Viktor Staal sollte gar nicht mit dabei sein!! In Berlin besah man sich dann diese Streifen, und Reinhold Schünzel und Anny Ondra, die gerade einen neuen Darsteller brauchten, begeisterten sich für diesen Darsteller, konnten'aber zunächst überhaupt nicht erfahren, wer es war! Ein Unbekannter war da entdeckt, und erst mußte eine langwierige Jagd nach seinem Namen angestellt werden, ehe das entscheidende Telefongespräch nach Bielitz in der Tschechoslowakei abgehen konnte. Dort nämlich agierte der junge Viktor Staal gerade an der Städtischen Bühne.
Er hat da ein wirklich baß erstauntes Gesicht gemacht und konnte sich absolut nichts erklären; aber es war kein Zweifel möglich, die UFA rief bei ihm an und bestellte ihn umgehend zu sich hm. In Bielitz mußte die Probe für „Krach im Hinterhaus“ um zwei Tage verschoben werden, und so fuhr er dann hin in sein neues Leben, denn bei der UFA gab es kein langes Hin und Her, da hatte er alsbald seine Rolle, und damit war der Weg frei. Nicht wahr, wenn die Filmkleberin in Wien zuverlässiger gewesen wäre, dann wäre nicht..., weshalb man also beinahe der Unzuverlässigkeit ein Lob singen möchte; zuweilen richtet sie verdammt viel Gutes an.
Der Weg, der damit ins Große abbog und der Viktor Staal zur Berühmtheit emportrug, hatte, wie alle Wege, klein angefangen, hatte den üblichen Krach — nicht im Hinterhaus, aber im Elternhaus — hervorgerufen, denn Vater Staal hatte etwas von „verrückt“ erklärt und dazu massiv nein gesagt. Ein heimlich genommener Schauspielunterricht, schließlich, als er seinen Kopf durchgesetzt hatte, offizieller und richtig ernster Schauspielunterricht taten das Nötige zur Entwicklung dazu; eigentlich wollte er Bassist werden, denn seine Stärke war der Gesang, seine Leidenschaft waren die Opernpartien. Aber niemand, der da weit kommen soll, weiß im voraus, wohin er kommen wird. Die großen Laufbahnen sind auch die Ketten von großen Ueberraschungen, und der da Bassist werden wollte, wurde eben ein großer Filmdarsteller.
Er hat es nicht zu bereuen gehabt, daß das Schicksal so mit ihm spielte. Es erfüllte ihm, was er sich so lange gewünscht hatte. Es riß ihn aus den kleinen Verhältnissen einer Provinzbühne heraus und warf ihn in die große Welt..., aber das muß ihm ja ohnehin in jeder Weise gefallen, denn er liebt die große Welt, die Ferne, die Weite, den Blick ins Ungemessene, er ist kein Mensch, der im engen kleinen Kreis sich genügen ließe. Das zeigt auch sein Lieblingssport: die Bergsteigerei! Den Dachstein hat er mehr als einmal erstiegen, den Großglockner auch, und schließlich hat sogar das Matterhorn sich seiner Bergsteigerkunst ergeben müssen. Dort droben, wo der Blick so weit hinweggeht über das kleine Menschengewürm da drunten, wo man über Hunderte von Kilometern hinwegsieht und die Dörfer im tiefen Tal zu winzigen Spielzeugschächtelchen zusammenschrumpfen, dort droben, wo man keine kleinen und kurzen Alltagsgedanken zu denken vermag: dort fühlt er sich äm wohlsten, und das wird ihm jeder nachfühlen, der einen Sinn für die großen und echten menschlichen Leidenschaften hat, die darzustellen das größte Glück für einen Schauspieler sind.
VIKTORSTAAL
Foto: Bavariafilm
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER14) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
18.
Mary Steen tut etwas, was ihr im Grunde nicht anzurechnen ist. Sie handelt nicht eigentlich als Mary Steen, sondern als das kleine Mädchen aus der mittleren Stadt, das sich schon angehoben fühlt, das Herz der Welt zu bewohnen. Sie geht geraden Weges zu Teddy Beer, in das Haus, in dem Teddy ein möbliertes Zimmer bewohnt. Sie kennt dieses Haus von außen, aber sie hat Beers Zimmer nie zuvor betreten, sie hätte es nicht gewagt. Heute aber ist es für sie in gar keiner Weise ein Wagnis, es ist die klarste Sache von der Welf. —
Dieses Haus gehört einer Frau, die außer zwei Katzen nichts Lebendes mehr liebt. Sie ist unwahrscheinlich geizig. Von ihrem großen, einstmals sehr stattlichen Hause bewohnt sie selbst gerade nur noch die Küche und die Mädchenkammer hinter der Küche. Alle anderen Räume vermietet sie, für so viel Geld wie möglich. Sie läßt sich Frau Major nennen, aber sie ist in Wirklichkeit eine geldgierige alte Schlampe, verschwiegen, solange sie Geld damit macht, schwatzsüchtig, sobald es diese Rücksicht nicht mehr gibt.
Im übrigen ist ihr Haue keineswegs dazu erbaut, Raum für Raum einzeln vermietet zu werden. Viele Zimmer sind durch Türen und Schiebetüren, vor denen jetzt Schränke und Bücherregale stehen, untereinander verbunden. Alle Zimmer haben irgendeinen unmittelbaren Eingang vom Treppenhaus her.
Auf dem Wege in diese Falle für ihren Ruf steckt Mary Steen voller Begründungen für das, was sie tut. Sie ist überzeugt, daß es sich für sie gehört, Teddy kurz zu sprechen, bevor sie in einer so großen Sache abreist. Alle Mädchen der Gesellschaft und alle Schauspielerinnen in großen Filmen haben spannende und dramatische Abschiedsbesuche, bevor sie verreisen. Sie sehen dabei entzückend aus, und sie selbst sieht' in dem Dreß der „Gesellschaft für Statistik und Marktforschung“ genau so entzückend aus.
Sie hat am Nachmittag nach dem großen Essen mit dem Stadtpräsidenten die ersten Autogramme gegeben. Abgesehen davon, daß sie Teddy Beer davon zu erzählen wünscht, ist ihr Besuch bei Beer im ganzen eine Art Autogramm. Diese ganze kleine, für Marys neues Empfinden jämmerlich zurückgebliebene Stadt empfängt dieses Autogramm. Es ist eine Geste, die sie allen Leufen der Stadt macht. Mary Steen glaubt, daß die Leute sich freuen werden, in ihrem Lokalblättchen zu lesen „Am Abend vor ihrer Abreise weilte Fräulein Mary Steen zu einem kurzen Privatbesuch bei Herm Teddy Beer in der Villa der Frau Major Dingsda ...“
Und hier ist jetzt diese Villa, und Mary Steen st.eift den rechten Wildlederhandschuh ab, ehe sie die wacklige Klinge des schiefhängenden Gartentores anfaßt Wirklich passen dieses Tor, der verwilderte Vorgarten, die alferskrummen Sfeinsfufen der Treppe und die rissige, schwere Haustür in einen Film der Gruppe Gruselfilme ... findet Mary.
Sie hält sich jetzt an die Art des Benehmens, die ihr nach vielen Kinobesuchen als die imponierendsfe erscheint. Sie bittet den griesgrämigen Herrn, der gerade aus der Haustür strebt, ihr zu sagen, ob hier „ihr lieber Freund Teddy Beer“ wohnt, und ob er, der Griesgram „es freundlicherweise übernehmen kann, sie bei der Frau Major anzumelden ..
Nun, die Dinge verlaufen dann nicht ganz so, wie Mary Steen es eigentlich meinte. Sie verlaufen etwas schneller und formloser. Die meisten Leute gehen eben immer noch nicht off genug ins Kino, und sie behalfen zu wenig von dem, was sie dort lernen.
Der Griesgram ruft die Hauswirtin einfach quer durch die Diele aus ihrer Küche herbei... und die alte Vettel ihrerseits zeigt kurz auf eine Tür oben an der Treppe, sobald sie Marys Namen etwas gierig erfragt hafte.
Die Treppe benimmt sich weitaus besser, sie knarrt bedeutungsvoll. Teddy ist ein verzweifelter Mann, als Mary eintriff.
Er hockt auf seinem aus weiß gestrichenem Stahlrohr serienmäßig angefertigten Bett, dem einzigen vernünftigen Möbel in diesem mit lauter Spielereien angefüllten früheren Damensalon. Er hat immer noch Kopfschmerzen, seit die Zeitungen ihm am Nachmittage das Gehirn einschlugen. Er las jede Zeile dreimal, er stellte fest, daß sein Name in keiner Story vorkomme, und seine feste tleberzeugung ist seit Stunden, daß er Mary Steen verloren hat.
Beer hat ganz vernünftige Gründe für diese Ansicht. Er wünscht, im Leben voranzukommen. Mit vierundzwanzig Jahren weiß er, daß das nicht leicht ist. Drogisfengehilfen gibt es wie Sand am Meer. Bei etwa zweihundert Kronen monatlich hat diese Laufbahn ein Ende aus Granit. Es bleibt nur der verzweifelte, weife, gefahrvolle Sprung in die Selbständigkeit. Dazu gehört Geld. Teddy Beer aber hat kein Geld.
Mit Mary ließ sich das gut an. Sie war nett und Teddy fand damals, die Kundinnen und Kunden einer kleinen, rührigen, neueröffneten „Drogerie Beer“ würden sie sicherlich auch nett finden. Nach seiner Ueberzeugung hat der alte Steen Geld, er hat ein Haus, also hat er auch Geld. Es kann nicht besonders schwer sein, ihn zugunsten seiner einzigen Tochter dazu zu bewegen, als stiller Teilhaber in eine Drogen-Sache einzusteigen. Und jetzt geht dieser alte Steen mitsamt seiner Tochter wie eine Rakete los, steigt zischend in die Höhe der Prominenz, entfährt mit Getöse allen Maßstäben seines bisherigen Lebens und lacht wahrscheinlich auf alle Teddy Beers, die sich über seine Tochter bei ihm anhängen wollen.
Selbstverständlich wird Georg J. Steen seine Gescheitheit jetzt darauf verwenden, seiner Tochter Mary im Feuer dieser großen Sache einen Verlobungsring zu schmieden, der nicht einfach aus glattem Gold, sondern mit sechskarätigen Brillanten gespickt ist. Ja, das sind die vernünftigen Gründe, mit denen Teddy Beer sich selber nachweist, daß er Mary Steen verloren hat, und er trampelt seif Stunden mit diesen Vorstellungen auf seinem Herzen herum.
Denn er hat auch ein Herz...
Teddy befragt sein Herz nicht gerade zuerst, nie bevor er seinen Verstand befragt hat. Aber er hat ein Herz, und es ist nicht einmal ein verdorbenes Ding, es ist nur klein und nicht besonders mutig. Er wagt nie, es auf seiner Zunge zu fragen, und er vermeidet es, nach den Impulsen zu handeln, die es ihm bisweilen zuklopft. Er kennt sich auch nicht eigentlich aus damit. Nach seiner Erfahrung ist Herz eine Sache für den Abend, wenn die Türen geschlossen sind... für einen Spaziergang durch den Park, wenn man die Gesichter in der Dunkelheit nicht mehr erkennen kann ... für einen Menschen, den man schon lange kennt und an den man sich gewöhnte. Ich war drauf und dran, mich an Mary zu gewöhnen, und nun geht sie davon. Ein Lift schnurrt mit ihr los und ich bleibe, wo ich bin, denkt Teddy Beer... Und da steht Mary Sfeen in seiner Tür.
19
Teddy Beer ist jetzt nicht wacher, als er es in einem Traum sein würde, er sieht auch nicht wacher aus. Er haf sich mit einem guten Verstände bewiesen, wie die Dinge liegen. Sein Herz haf sich beschieden, dazu stille zu sein. Und plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, ergibt sich einwandfrei, daß sein guter Verstand ein schäbiger Narr ist und sein Herz eine kluge, ‘ schöne Frau glaubt er.
In einem seltsamen Schrecken benimmt sich Beer, als sei er ein ganz hervorragender Filmheld, so beispielhaft erstaunt, so verdutzt, so aus allen Wolken gefallen.... also benimmt er sich genau so, wie diese nicht ganz achtzehnjährige alberne, verstellte, unwahrhaftiöe Mary Sfeen es sich wünscht, weil sie seit vierundzwanzig Stunden einen gefährlichen Spleen haf.
Teddy spielt seinen Part, weil es ihm wirklich so zu Mute ist. Er ist ganz echt. Mary fühlt garnicht, daß Teddy Beer nicht spielt.
Sie selber spielt fast ausschließlich, aber Teddy Beer fühlt nicht, daß Mary nicht echt ist. (Fortsetzung folgt.)
Darmstadt und Umgebnng
Ein Heimatfest
es. Viele Menschen waren dort in bunten Kleidern und dunklen Anzügen. Ich stand unter der alten Dorflinde, bewahrt vor der Glut der Sonne und der Wind ging leise durch das dichte Laubdach Auf einer kleinen Tribüne standen di° Schirmherren. An den Fenstern hingen Fähnchen und die Seitenstraßen waren gesäubert. Man hatte überhaupt das Gefühl, die Menschen waren glücklich. Langsam näherte sich der Festzug. Vorweg eine Kapelle mit Halb-Marschmusik, Bauern und Arbeiter in Ritterrüstungen gehüllt mit Kettenpanzern, Renaissance-Uniformen und gotischen Helmen, Wagen mit einer Mühle und dem rauchenden Müller — ein Schuhmacher —, Wagen mit Blumen, Wagen mit Gewerkschaftsplakaten, Wagen mit weintrinkenden Mädchen, Wagen mit einer zweiten, erschütterten Kapelle, ein Wagen mit einem großen Hut — da sollten sie alle drunter — Sportler mit sehnigen Beinen, großem Bizeps und Herrenrädern; drei Autos mit alten Leuten unter der Ueberschrift „Ehret das Alter“; zum Schluß ein kleiner Wagen mit einer Wasserpumpe.
Das Ganze war ein lustiges Bild und viele Menschen haben sich sehr gefreut. Als der Zug unter der großen Linde anhielt, fingen die Glocken der Kirche an zu läuten und eine Kanone, auf dem Kirchgelände aufgestellt, feuerte drei kräftige Böllerschüsse ab. Die Kapelle spielte sehr leise das Lied vom guten Kameraden und einige Herren nahmen dabei ihren Hut ab. Viele Frauen haben geweint. Dann war es ganz ruhig, aber die Sonne schien weiter — ganz unbarmherzig. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Einige Herren warfen ihre ausgegangenen Zigaretten weg, andere zündeten sich wieder eine neue an. Die Frauen hatten ihre Taschentücher weggesteckt und fingen langsam an, zu lächeln. Dann ging ich nach Hause.
Die Menschen, die ich überholte — denn ich ging schnell — sagten alle: Das war ein schöner Festzug!
Der „hilfsbereite“ Finanzbeamte
Acht Monate Gefängnis wegen schwerer passiver Bestechung
Wegen schwerer passiver Bestechung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung verurteilte gestern nachmittag die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt den 25jährigen ehemaligen ap-Steuerinspektor und Sachbearbeiter des Finanzamtes Darmstadt-Stadt, Heinz Pf. aus Darmstadt, zu acht Monaten Gefängnis und 150 DM Geldstrafe.
Der Angeschuldigte war zunächst aus Mitleid, dann aber um seines Vorteils Willen einer pflichtwidrigen Versuchung zum Opfer gefallen. Er war während des Krieges beim hiesigen Finanzamt eingestellt worden, hatte sich vom Angestellten- ins Beamtenverhältnis eYnporgearbeitet und war zuletzt Sachbearbeiter eines Veranlagungsbezirks in Darmstadt. Als. eines Tages die Frau eines Geschäftsmannes zu ihm auf die Dienststelle kam, von einer Selbstanzeige wegen zu wenig bezahlter Steuerbeträge sprach und über die ihr eröffnete hohe Steuernachzahlung weinte, bekam der Beamte Mitleid und erklärte hilfsbereit: „Dies hätte ich anders als ihr Steuerberater gemacht“. Man einigte sich wenig später zunächst über einen Kauf von Trauringen. Nicht lange danach erschien der Angeklagte in der Wohnung des Geschäftsmannes und „bereinigte“ für einen „Lohn“ von 100 DM die heikle Steuergeschichte. Der beschuldigte Beamte unterließ es, seinen Chef genügend über diese Angelegenheit zu unterrichten und gab ihm eine objektiv falsche Steuerberechnung zur Vorlage.
Die Sache wurde jedoch auf gedeckt, der Beamte vorläufig seines Amtes enthoben und die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben. Dem Staat entstand, wie das Gericht feststellte, kein Schaden, da der Geschäftsmann zur Steuernachzahlung aufgefordert wird. Landgerichtsdirektor Hahn betonte in seiner Urteilsbegründung, im Interesse des Beamtentums müsse in diesem Falle eine empfindliche Strafe ausgesprochen werden. Der Angeklagte habe als Beamter eine grobe Pflichtwidrigkeit und ein schweres Delikt begangen. Strafmildernd sei die Jugend und die kurze Dienstzeit des Angeklagten. ys.
Unzucht mit Kindern
Weil er sich an zwei neun- bis zehnjährigen Mädchen in unzüchtiger Weise vergriffen hat, mußte sich gestern der 65 Jahre alte Maurer Christian W. aus Eberstadt vor den Richtern der Dritten Darmstädter Strafkammer verantworten. Der Beschuldigte gab seine Verfehlungen zu. Aus diesem Grunde konnte das Gericht von einer Vernehmung der beiden Kinder absehen. In der Beweisaufnahme, die unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt wurde, bezeichnete ein medizinischer Sachverständiger den Maurer als einen erheblich vermindert einsichtigs- und zurechnungsfähigen Menschen, auf den der Paragraph 51 Absatz 2 Anwendung finden müsse.
Die Kammer schloß sich dem Antrag des Staatsanwaltes an, billigte dem Angeklagten auf Grund des ärztlichen Gutachtens mildernde Umstände zu und verhängte wegen Sittlichkeitsverbrechens an Kindern unter 14 Jahren eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten. ys.
Ermordete identifiziert
Der Polizei ist es gelungen, jene weibliche Person zu identifizieren, die in der vergangenen Woche bei Grüningen im Landkreis Gießen das Opfer eines Lustmörders geworden ist. Es handelt sich bei der Toten um die 36jährige, in Trautenau in der Tschechoslowakei geborene Elli Janouch geb. Fischer. Sie war ohne festen Wohnsitz und reiste anscheinend in der Bundesrepublik umher. Inzwischen hat sich auch die amerikanische Militärpolizei in die Ermittlungsaktion der deutschen Kriminalpolizei eingeschaltet, da die Vermutung besteht, daß die Janouch durch einen Angehörigen der Besatzungstruppe umgebracht worden ist.
Wie ferner bekannt wird, ist 14 Tage vor der Tat an der gleichen Stelle bereits ein Mordversuch unternommen worden, ys.
Betriebsausflug
der Firma Philipp Gisbert
Die Firma Philipp Gisbert, Baugeschäft. hatte ihre sämtlichen Betriebsangehörigen mit ihren Frauen am Samstag zu einem Betriebsausflug eingeladen. In vier Heag-Omnibussen fuhren bei herrlichem Sommerwetter 150 fröhliche Menschen zunächst nach Miltenberg, dessen Sehenswürdigkeiten besichtigt wurden. Nach dem gemeinsamen Mittagessen fand in Amorbach eine Führung durch die ehmalige Abteikirche statt. Der Besuch dieser Kirche und das Orgelspiel der weltberühmten Orgel wurden allen Teilndhmeim zum Erlebnis. Die Fahrt führte alsdann über Michelstadt, Lindenfels nach Gadernheim, wo große Kaffee- und Kuchentafeln zu längerem Verweilen einluden. Musik und Tanz hielten die Teilnehmer über das gemeinsame Abendessen hinaus in bester Stimmung und Laune bis zur Heimfahrt zusammen. Es war ein schöner Tag, der alle voll befriedigte! Ho
Darmstädter reist nach Amerika
Durch das Entgegenkommen des Institute of International Education und auf Empfehlung der Schulleitung der Darmstädter Viktoriaschule darf am Mittwoch, dem 9. August, Hildegard John. Tochter der Eheleute Schuhmachermeister Konrad John. Darmstadt, Seestraße 3. zu einem einjährigen Studium nach den Vereinigten Staaten abreisen. Hildegard John war Schülerin der Viktoriaschule und hat ihr Abitur mit besonderer Auszeichnung bestanden. Sie ist zur Zeit stud. phil. an der Universität in Marburg. J-O.
Dr. Heyd beendete seine Lehrtätigkeit an der Staatsbauschule Darmstadt im Alter von 74 Jahren mit Ablauf des Sommersemesters. DT
„Ihr habt genung mit Lach, Händel und Goethe!“
Studenten aus drei Erdteilen fuhren an die Bergstraße und nach Heidelberg
Auf dem Programm des zur Zeit an der Technischen Hochschule Darmstadts stattfindenden Arbeitslager, das deutsche und ausländische Studenten als Bauarbeiter an mehreren Baustellen der T.H. beschäftigt, stehen auch eine Reihe geselliger Veranstaltungen. Diese Zusammenkünfte, die die Organisatoren des Arbeitslagers H. Engel, C. Schneider und W. Lutze von der ASTA in die Wege leiteten, waren besonders von den ausländischen Studenten sehr begrüßt worden. Denn der Anlaß zu ihrer Reise nach Deutschland war in erster Linie dem Wunsch entsprungen, mit deutschen Studenten unvoreingenommen durch Presse, Propaganda und Kriegsgeschehen in Fühlung zu kommen. Nach einer gemütlichen Tanzveranstaltung am Freitagabend in der Mensa der T.H. fuhren am Sonntagmorgen die Studenten mit dem Omnibus über die Bergstraße nach Heidelberg.
Plauderei im Omnibus
Recht bald kamen während der Fahrt hauptsächlich in Englisch geführte Gespräche in Gang, die sich auf allen Wissensgebieten bewegten. Gesprochen wurde über Sitten und Brauchtum, Studium und Beruf, über Landwirtschaft, Technik und Kultur und sogar über Politik und Militär. Vieles wollten die ausländischen Studenten von dem Leben ihrer deutschen Kommilitonen und von ihren Familienangehörigeh wissen.
Auch kleine Wortgefechte, wie das zwischen einem Amerikaner und einem Deutschen was zu hören. Jeder der beiden vertrat die Ansicht, daß das Telefon die Erfindung seines Landes sei Aber der Amerikaner Mac wußte das Gespräch geschickt abzuschneiden: „Laßt uns das Telefon, ihr habt genug mit Bach, Händel, Mendelssohn, Mozart und Goethe.“
Der aufmerksame Beobachter hörte auch, daß die Studenten des Auslandes nicht immer mit vollem Portemonnaie durch die Welt reisen können, sondern auch ihre Sorgen haben. Da ist ein Amerikaner, der in St. Marienstadt in Pensylvanien studiert und einmal in Englisch, Geschichte und Musik unterrichten wird. Er kann noch nicht heiraten, weil er kein Geld hat, möchte aber einmal vier Kinder haben. Sein Studium verdient er sich in einem Club mit Kartoffelschälen, Gemüseputzen und Geschirrspülen. Der Lehrbetrieb an seiner Universität in St. Marienstadt, das nur 10 000 Einwohner hat, ist sehr streng, denn jede Woche müssen die Studierenden eine Prüfung ablegen und jeder, der einmal fehlt, würde aufgeschrieben.
Und dann — Heidelberg
In dem von Fremden überfüllten Heidelberg trennten sich die Studenten. Eine Gruppe schloß sich einem Stadtführer an, der zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt und des Schloßparkes nähere Erläuterungen gab, die Herr Engel ins Englische übersetzte. Eine andere Gruppe machte einen zweistündigen Spaziergang, andere fuhren mit der Zahnradbahn auf den Königstuhl. Entzückend war die Heimfahrt. Schlager wurden nicht nur mehrstimmig, sondern auch mehrsprachig gesungen. Ein Tag ging zu Ende, der mehr der Völkerverständigung diente, als große Reden „großer“ Staatsmänner. t-s.
Foto: Stirtz
Leistungsvorführung
von Gebrauchs- und Schutzhunden
Die am kommenden Sonntag in Darmstadt stattfindende Leistungsvorführung von Schutz- und Gebrauchshunden der Dressurvereine des Kreises Darmstadt wurde von Nachmittag auf vormittags 9 Uh r verlegt. Sie findet im Hof des Amerika-Hauses, Darmstadt, Lagerhausstraße statt.
Bei dieser Veranstaltung werden nahezu 50 Hunde der sechs Gebrauchshunderassen und zwar: 1. Deutscher Schäferhund, 2. Deutscher Boxer, 3. Dobermannpinscher, 4. Airedale-Terrier, 5. Riesenschnauzer, 6. Rottweiler vorgeführt. Es werden neben den in der Prüfungsordnung für Schutzhundprüfung I—III vorgeschriebenen Leistungen in Unterordnung, Springen und Schutzdienst noch Vorführungen gezeigt werden, die Spitzenleistungen der Dressur darstellen. Jeder Freund unserer sechs Gebrauchshunderassen wird durch den Besuch dieser Veranstaltung auf seine Kosten kommen.
Die technische Leistung der Veranstaltung liegt in den Händen des Geschäftsführer-Vorsitzenden der Kreisgruppe Darmstadt, Herrn W. Colmar, Arheilgen. Für die Vorführung selbst zeichnet verantwortlich Herr Leistungsrichter Heinrich Hild, Darmstadt.
Frieda Diesterhehn-Reutingen
72 Jahre alt
In stiller Zurückgezogenheit und in geistiger Frische feierte im Altersheim der Stadt Darmstadt die bekannte Schriftstellerin ihren 72. Geburtstag. Frau Düsterbehn ist für die älteren Leser des „Darmstädter Tagblatts“ keine Unbekannte, sie gehörte zu den ständigen Mitarbeitern auf mancherlei Gebieten, und ihre Geschichten und Aufsätze im Feuilleton des „D. T.“ wurden immer gern gelesen.
Neben lyrischen Gedichten ist das Hauptarbeitsgebiet der aus Höchst am Main aus dem alten Greiffenklauschen Hof stammenden Dichterin die Mundart und ihre „Höchster Scherwe“, Geschichten aus Althöchst liegen bereits in dritter Auflage vor. Auch im Darmstädter Sprachverein war Frau Düsterbehn, die seit über 20 Jahren Darmstadt zu ihrer zweiten Heimat erwählt hat, eine geschätzte Mitarbeiterin. Nachdem ihr ein hartes Geschick vor kurzer Zeit nach 52jähriger Ehe den blinden Gatten entrissen hat, erschöpft sich die Lebensarbeit von Frau Düsterbehn nun in der Fürsorge für ihren Enkel, zum Schreiben kommt sie unter der Bürde der Alltagsarbeiten nicht mehr.
Wir wünschen ihr von Herzen einen weiteren geruhsamen Lebensabend und daß ihr Hauptwunsch sich erfüllen möge. Sie möchte gerne noch die vierte Auflage ihrer „Höchster Scherwe“ erleben, nachdem Oberbürgermeister Kolb, Frankfurt, in hochherziger Weise das Papier für 3000 Exemplare zur Verfügung gestellt hat. H. W. W.
Ins Schleudern geriet durch eine Reifenpanne ein Motorradfahrer in der Nacht zum Samstag auf der Autobahn bei Langen. Er stürzte mit seinem Krad und mußte nach Frankfurt in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Bei den Jüngern des heiligen Florian
Erster Tag der Schornsteinfeger-Meisterprüfung in Darmstadt. Der beste Geselle braucht zwei Minuten für einen 20 Meter hohen Schornstein
Jeder wird wissen, daß der Beruf des Schornsteinfegers sich nicht darin erschöpft, die berührhte Minna um die Taille zu fassen, sondern Ausbildungsarbeit und ein solches Maß an Wissen verlangt, daß eben nicht jeder in der Lage ist, die Bedingungen zu erfüllen.
Unter dem Vorsitz von Reg.-Baurat Laux und der Aufsicht von Obermeister Wagner begann der erste Tag der ein reichhaltiges Arbeitsgebiet umfassenden Prüfung der Schornsteinfeger. Am frühen Vormittag wurden kurze Maßregeln gegeben, Gerätschaften angefertigt und mit dem Reinigen der besteigbaren Kamine begonnen. (Daß kein Irrtum entsteht: die hohen Schornsteine sind die nicht-besteigbaren.) Der Prüfling hatte die Kamine zu säubern, die Einhaltung der nötigen äicherheitsvorschriften zu begutachten, und außerdem eine Skizze anzufertigen. In zwei verschiedenen Gruppen wurde die morgendliche Arbeit absolviert. — Der wesentlich schwierigere Teil fand am Nachmittag mit dem Reinigen der großen Schornsteine statt, die von innen zu erklettern sind. Es gibt natürlich genügend Vorschriften, die die Gefahren auf ein Mindestmaß herabsetzen sollen, aber in der Praxis ist die absolute Einhaltung nicht immer möglieh. Der stellvertretende Obermeister, Herr Bauer, erzählte, daß er z. B. eine Stunde nach der Wegnahme der Kesselfeuerung schon einen riesigen Fabrik-
schornstein ersteigen mußte, weil die Produktion unter gar keinen Umständen länger als zwei Stunden unterbrochen werden durfte. Solange die Tür des Kaminsockels noch offen steht, — evtl. Oxydgase sollen entweichen, — macht die Sache noch einen harmlosen Eindruck. Aber die Tür wird dann geschlossen, es fällt von oben nur wenig Licht herein, die Wände enthalten eine dicke Schicht schmierigen Russes, und Hände und bloße Füße sind u. a. scharfen Mauervorsprüngen schutzlos preisgegeben. Herrn Thomas, er ist schwerkriegsbeschädigt, gelang der Aufstieg in der Zeit von zwei Minuten; bei zwanzig Meter Schornsteinhöhe.
Die aus dem ganzen hessischen Gebiet stammenden Meister-Anwärter müssen auch theoretische Bedingungen erfüllen, die selbst dem Schutzpatron der schwarzen Zunft, dem heiligen Florian, schwergefallen wären. (Aber so besteht er nur als übergeordnetes Organ, an Knöpfen und dem Koppel abgebildet.) — Baukunde, Buchführung, Zahlungs- und Schriftverkehr, Wärmewirtschaft und Heizungslehre, Technik der Feuerungsanlage, Fachzeichnen und Feuerlöschwesen stehen auf dem Programm. Dazu kommen die verschiedensten Sparten der mündlichen Prüfung. Das ist alles wichtig, die Auswahl muß gut sein, da ein zukünftiger Bezirksmeister doppelte Verantwortung trägt, beaufsichtigende und korrigierende. Deswegen wird die Ausbildung mit größter Sorgfalt durchgeführt. 3*/z Jahre Lehrzeit sind erforderlich, — dazwischen liegen vorbereitende Kurse zur Meisterprüfung mit 170 Stunden, — und erst mit dem 27. Lebensjahre kann sich der Geselle um Eintragung in die Bewerberliste bei der Regierung bemühen. — Das ist wohl das einzig Bürokratische um die Männer, die seit altersher mit ihrer Leiter und dem Zylinder den Menschen Glück bringen wollen. — Es ist zwar nicht bös gemeint, aber schaden kann es nie etwas, sich dem Spruch der Schornsteinfeger anzuschließen: „Heiliger Florian, verschone unser Haus, zünd andere an.“ sg
„Schornsteinfeger, schwarzer Neger..rufen die Kinder in allen Höfen, wenn der Schornsteinfeger seine Ankunft mit lauter Stimme verkündet. Eine Unmenge Späße verbinden sich mit dem Auftreten des immer vergnügten und sympathischen schwarzen Mannes, einer der letzten Berufe, die Tradition bewahrt haben, und sie auch weiter pflegt und beibehält.
Foto (3): Hilde Roih
Wiederaufbau im Frieden
Stellungnahme der Gewerkschaft Chemie, Papiere und Keramik
Die Industrie-Gewerkschaft Chemie, Papier und Keramik, Ortsstelle Eberstadt, hielt dieser Tage im Gasthaus „Zur Rose“ eine Mitgliederversammlung ab, in der nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Dieter Gewerkschaftssekretär Kaiser (Verwaltungsstelle Darmstadt) über „die letzten Tarifverhandlungen und die wirtschaftliche Lage des Arbeitnehmers“ referierte.
Der Redner erinnerte zunächst an die gescheiterten Tarifverhandlungen im Jahre 1949 und deren Wiederaufnahme, die zu dem neuen Tarifvertrag führten. Vom heutigen Gesichtspunkt aus wäre dieser neue Tarifvertrag, der dem Arbeiter in der chemischen Industrie statt der geforderten 20 Dpfg. nur 3 Dpfg. mehr pro Stunde und dem Angestellten statt der verlangten 40 DM nur 16 DM mehr pro Monat zusicherte, ungenügend, denn die Lohnerhöhungen seien durch die gestiegenen Preise längst wieder eingeholt. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs der Betriebe hätten die Arbeitgeber erklärt, daß sie keine höheren Löhne zahlen könnten. Die letzte Woche ausgesprochene Kündigung der Tarifverträge durch den Hauptvorstand der Gewerkschaft Papier, Chemie und Keramik in Hannover sei nur darauf zurückzuführen, daß die Bundesregierung die Preise nicht stabilisiert habe. Die auf festen Füßen stehende Gewerkschaft würde nun für ihre Mitglieder ihre Forderungen auf Angleichung der Preise an die Löhne konsequent, unter Umständen au^h unter Anwendung des Streikes, durchzusetzen suchen.
Das deutsche Problem sei für die Alliierten, die heute manches befürworteten, was sie vor kurzem noch abgelehnt hätten, sehr aktuell. Die Gewerkschaften, denen man erklärt habe, daß unser Volk sich erst besinnen und erholen sollte, lehnten es entschieden ab, sich einer Diktatur von rechts oder links anzuschlie¬ ßen. Sie seien sich darüber im klaren, daß Deutschland zwischen zwei Staaten stünde, die staatspolitisch und wirtschaftlich verschieden sind. Die Gewerkschaften wüßten ferner, daß Deutschland nicht in der Lage sei, eine weltpolitische Entscheidung zu treffen, sie lehnten aber entschieden eine Bewaffnung unseres Volkes ab, zumal es für jeden Deutschen ein schwerer Konflikt wäre, gegen die in der Sowjetzone wohnenden Deutschen zu kämpfen. Die Gewerkschaften forderten eine klare Wirtschaftspolitik, die die Lebensverhältnisse der einzelnen Menschen bessere und unser Volk im Frieden am Wiederaufbau Weiterarbeiten ließe. t-s.
Wohin gehen wir hente?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und „Korea", eine aktuelle Bilderserie.
Mathildenhöhe: Ausstellung: „Das Menschenbild in unserer Zeit“.
Amerikahaus: 20 Uhr, Lichtbildervortrag cand. phil. et nat. Werner Zimmer: „Bayreuth und das Markgräfler Land“.
15.30 Uhr Kochvortrag von Frau König (Hessische Gas- und Wasserwerke AG.) in der Ausstellung „Neues Wohnen“. Holzhofallee.
Wir gratulieren
35jähriges Dienstjubiiäum: Fräulein Else Kunkelmann im Verwaltungsbüro der Städt. Krankenanstalten, Darmstadt.
Starkenburg
Ein großes Fest ging zu Ende
Flatternde Fähnchen - buute Ballons
Tag der Kinder in Nieder-Ramstadt
Gestern nachmittag gab es in Nieder-Ramstadt kein Kind mehr, das nicht mit einem farbigen Luftballon und einem Fähnchen in der Hand in die Traisaer Hohl gelaufen wäre, um an dem Kinderfestzug, der dort aufgestellt wurde, teilzunehmen. Zwar gab es dort die ersten Tränen, wenn es ab und zu einen Knall tat und von der ganzen Seligkeit eines fliegenden Balls nur noch Schnur und Haut übrig waren. Glücklicherweise gab es aber noch genug neue Ballons mit der Aufschrift: „750 Jahre Nieder-Ramstadt“. Der Vorstand des Vergnügungsausschus-
ses Höfele mußte eher dem einen oder anderen Buben, der sich gleich mit einem halben Dutzend eindecken wollte, die bunte Hamsterware abnehmen: „Ich werd eich helfe, erst kriegt emol jeder an“. Nach dem Motto „Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen“ gelangte ein sehr großer Teil der erwarteten Ballons nicht mehr an die „Verbraucher“, sondern wurde schon unterwegs „abgezweigt“.
Gegen. 15 Uhr ordnete sich langsam der Zug, doch kam die Musik im Bewußtsein ihrer Unentbehrlichkeit erst eine Viertelstunde später langsam die Straße herauf, „Gude ner, wie die kumme, als wanns en Leichezuch wär“, ließ sich Herr Höfele vernehmen.
Doch dann ging es wirklich los: Radfahrer mit bunt geschmückten Rädern, vor denen nur noch der Festausschuß und die Kapelle marschierten, führten den Zug von etwa eintausend Kindern an; die Kleinsten an der Hand der Mütter, kamen sie, ein bunt bewegtes Bild, singend und jubelnd daher, stolz ihre Fähnchen schwenkend. Auch Heinerich, das allen bekannte Original von Nieder-Ramstadt, ging mit im Zuge, ein wenig schwankend zwar ob seiner Beförde’fng zum „Ehrenbürger“, die tüchtig begossen worden war und die er mit der Ernennung des Bürgermeisters zum „Oberbürgermeister“ quittiert hatte. (Was bei so einem Frühschoppen nicht alles geschehen kann!)
Als der Zug auf dem Festplatz angekommen war, ging nach einer kurzen Begrüßungs- und Eröffnungsansprache von Rektor Trautmann der Rummel erst richtig los. Es kam wohl jeder auf seine Kosten, denn es fehlte nicht an Karussells, Zuckerbuden und Eisständen. Selbst ein Zirkus, das Russische Rad und das obligatorische Tanz- und Bierzelt fehlten nicht.
Ein reiches Programm war für den Nachmittag vorgesehen: da fanden Wettspiele der Schuljugend statt, Sackhüpfen und Eierlaufen der Kleineren, Chöre der oberen Klassen sangen, und die 13jährige Lili Matthes aus Traisa tanzte Walzer und Bauernpolka, wofür sie mit reichem Beifall belohnt wurde. Groß war der Jubel, als für jedes Kind eine Brezel ausgeteilt wurde. Die Brezel waren wohl bald verzehrt, doch die Erinnerung an den vergnügten Nachmittag wird bei groß und klein noch lange lebendig bleiben.
Ein prächtiges Feuerwerk bildete den Abschluß des wohlgelungenen Jubiläumsfestes Nieder-Ramstadts. (-bst)
Der Rektor den Schule Nieder-Ramstadts bei der Festansprache
Lorscher Haushaltsplan verabschiedet
Etat mit 526 000 DM ausgeglichen
Als einziger Punkt stand die Verabschiedung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1950 in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Freitag auf der Tagesordnung. Wie Bürgermeister Werner erwähnte, wurden nach wochenlanger Bearbeitung und eingehender Beratung sämtliche Positionen von dem Haupt- und Finanzausschuß durchgearbeitet. Der ordentliche Haushalt ist in Einnahmen und Ausgaben mit 526 000 DM und der außerordentliche Haushalt mit 150 000 DM ausgeglichen. 1949 schloß der Etat mit 517 000 DM ab.
Anschließend ging der Bürgermeister noch kurz auf die verschiedenen Einzelpläne ein. Im Einzelplan 0 (Allgemeine Verwaltung) ist gegenüber dem Vorjahr keine Veränderung eingetreten. Für das Schulwesen wurden insgesamt 4400 DM eingesetzt (im Vorjahr 3000 DM), davon 1000 DM für Lehr- und Lernmittel. Eines der größten Probleme aller Gemeinden sei heute das Fürsorgewesen. Die Gemeinde hat für die offene Fürsorge 15 000 DM und für die geschlossene Fürsorge 17 200 DM vorgesehen. Die Jugendarbeit wird in diesem Jahr 'durch eine Beihilfe von 500 DM unterstützt. Der Betrag soll an die einzelnen Jugendgruppen verteilt werden.
Im Einzelplan 6 (Bau-, Wohnungs-und Siedlungswesen) ist für das Jahr 1950 der weitere Ausbau des Kanalnetzes und die Herrichtung einiger Ortsstraßen geplant. Auch auf den Wohnungsbau soll wieder ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Entsprechende Beträge wurden zur Verfügung gestellt. Bei der Einsetzung der Gewerbesteuer ließ man besondere Vorsicht walten. Waren es im Vorjahr 120 000 DM, so stehen 1950 nur 86 000 DM gegenüber. Die Steuersätze werden beibehalten, bei der Getränkesteuer wurde eine Senkung von seither 10 auf 5 Prozent vorgenommen.
Die Vermögenslage der Gemeinde ist im allgemeinen als günstig zu betrachten. Der Vermögensstand beträgt nach sehr vorsichtigen Schätzungen zirka 850 000 DM. Schulden sind keine vorhanden.
Zum Abschluß der Etatrede sprach Bürgermeister Werner der Gemeindevertretung seinen Dank für die gute Zusammenarbeit bei der Beratung des Haushaltsplanes aus. Der Sprecher der CDU, Gemeinderat Wüst, sowie auch Gemeinderat Di'ehl (SPD! unterstrichen noch einmal in kurzen Ausführungen die Worte des Bürgermeisters und gaben im Namen ihrer Fraktionen die Zustimmung zur Verabschiedung des Haushaltsplanes bekannt. (bl)
Wenn es auch ab und zu zu einem Knall kam und ein Ballon weniger im Zug mitgeführt wurde, so tat das der Festfreude der Kleinen keinen Abbruch mehr. Strahlend und singend zogen sie auf „Ihrem Festzug“ durch die geschmückten Straßen der Stadt. Bilder: DT-Foto Schröder-
„Fischerfest“ - wie ich es sah
Der ehemalige Flakturm der Gernsheimer Brücke ist Kommandostand des Seifenkistlrennens. Ein junger Mann, gibt durch das Mikrofon in vollendetem amerikanischen Slang die Ergebnisse an den Start durch. Die kleinen Fahrer haben viel Publikum, sicherlich beinahe 2000, und wie richtige Rennfahrer steuern sei ihre Kisten von dem hohen Pfeiler der Brücke durch das gefällige Rund der Kurve zum Ziel. Temperamentvolle Beifallsrufe der zuschauenden Kinder belohnen die jeweiligen Spitzenreiter und scharfer kindlicher Spott die Letzten des Durchganges. — Zwei Amerikanerinnen, im Dirndl, warten auf ihr „Kid“. Teddy, er fährt im letzten Lauf, mit großem, silbergrauen Omnibusformat, fällt aber schon in der Kurve ab und bekommt z. T. wohlwollende, z. T. politische Zurufe ... Der Rhein ist hier ziemlich breit — Schleppdampfer auf dem Fluß und hohe Pappeln geben dem Bild etwas zeitloses — und scheint das kleine aber traditionsreiche Städtchen mit den wehetuend zerschossenen Türmen der beiden Kirchen zusammenzudrängen. Hier kamen 1945 die Truppen über den Fluß. — Vieles kam schon über den Rhein: Alemannen, Römer, Franken, Attila, und die Engländer. Nicht viele Kilometer flußaufwärts ist der Stammsitz der Nibelungen. Als Volker, der Spielmann, dann in Ungarn die Geige weglegte, kämpfte er in dem nächtlich brennenden Palast Etzels. Wir besitzen heute noch nicht einmal etwas zum Weg-Ugen — und sollen schon wieder etwas über dm Schulter nehmen ...
Am Samstagabend war eine Lampionfahrt der Paddler. Viele Leute hatten sich zur Einleitung des Festes eingefunden und sind trotz des kühlen Wetters am Rhein stehengeblieben. Mutiges, für sie selbstverständliches Beispiel der in ausländischen Zeitungen publizierten Vorfeld-Betrachtungen. Um 5 Uhr gingen die Letzten.
Die Allee, parallel zum Hafen laufend, war der eigentliche Festplatz. Schon am Mittag war dichtes Gedränge und die Festzelte begannen sich zu füllen. „Nur heute“, rief ein Schokoladenverkäufer „gibt es noch die billige Süßigkeit“, und ein Mann des benachbarten Standes erklärte gutmütig-aufgeregt er verkaufte Sonnebrillen und Rasierklingen die jungen Burschen sollten sich die Klingen ruhig kaufen, auch wenn sie noch keinen Bart hätten, er habe in Rußland erst keinen Bart, und dann keine Klingen und einen Bart gehabt. Das war versehentliche Spekulation. Eine Frau in schwäbische Tracht gekleidet, forderte ihren Mann erschreckt auf: „Herschte, hol dir a Päckl, der Mann kommt viel herum, der muß es wissen“. Sonst herrschte sommerliche Kleidung vor, man sah Strandkleider in uni und geblümt, außerdem viele neue Quicks- und Sachs-Motorräder. Man wartete auf das Wellenreiten. Wettpaddeln und Fischerstechen. Belustigte Zurufe und humorvolle Aussprüche der Zuschauer, wenn einer ganz oder fast ins Wasser fiel. Das ist Selbstironie, wir paddeln uns auch nur so durch, sind letzenendes wirtschaftlich keine Tiefseedampfer und müssen aufpassen, daß wir bei dem Wellengang des - Ost-Ge’ölles kein Wasser schlucken. Der Rhein wird Vater genannt, weil er immer uns gehörte, sozusagen Familienoberhaupt war, und durch oder über ihn entstanden manche Lieder: „Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein“, (die sollen nun endgültig auf dieser Seite bleiben), „Es liegt eine Krone im tiefen Rhein.“ Die liegt aber Gott sei Dank so tief, daß es bisher noch keinem gelang, sie herauszuholen. Aber der Reichsapfel soll ja auch zurückkommen.
Kein Reinfall war das Preisfischen am Sonntagmorgen. Herr Rapp angelte sich mit 91/a Pfund den ersten Preis, und bei der Ausstellung der Schiffsmodelle kam er an die dritte Stelle. Herr Kuhn griff mit seinem ersten Preis der Modellschau tief i ndie Traditionen:... „Des Kaisers Yachtschiff, s'ist der stolze Meteor.“ Vorläufig fahren wir aber nur Kohlen und wenn sie nicht gestorben sind, kommen wenigstens obige Zeiten mal wieder, (ng)
Freiburger Sänger in Auerbach
Hauptereignis war für Auerbach am Wochenende der Freiburger Sängerbesuch, der am Samstagnachmittag in mehreren Omnibussen eintraf. Vor geladenen Gästen fand ein bunter Abend im „Kühlen Grund“ statt, bei dem außer dem Freiburger Gesangverein und dem MGV Liedertafel Auerbach auch eine Reihe von Solisten mitwirkte; die Conference hatte Martin Kuhn, Bensheim, übernommen.
Nach Begrüßungsworten des geschäftsführenden Vorsitzenden des MGV Liedertafel, Kröhl, sowie des Kreisvorsitzenden des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes, Strößinger, dankte ein Vertreter des Freiburger Gesangvereins für die gastfreundliche Aufnahme. Als kleinen Dankesbeweis überr-ichten die Gä'te „Liedertafel“ 'n F"1 r St ’d Freiburg und einige Flaschen Freiburger Wein. Der Vertreter des MGV Liedertafel machte den Freiburgern einen Chor mit Widmung zum Geschenk und gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Gäste immer an die schönen Stunden in Auerbach zurückdenken möchten, wenn sie diesen Chor singen.
Am Sonntagmorgen unternahmen die Freiburger einige kleinere Ausflüge in das Fürstenlager und auf das Auerbacher Schloß, um die herrliche Umgebung von Auerbach kennen zu lernen. Um 12 Uhr sammelten sich beide Vereine auf dem Platz vor dem ehemaligen Auerbacher Rathaus zum gemeinsamen Liedersingen. Ein Gegenbesuch des Auerbacher Vereins in Freiburg ist geplant. (HB)
Joachim Sattler sang
Es war ein glücklicher Gedanke der Verwaltung der Ernst-Ludwigs-Heilstätte in Sandbach, den Patienten von Zeit zu Zeit durch Konzertabende einige festliche Stunden zu bereiten. Freude ist die beste Medizin, zumal wenn sie durch erstklassige Künstler verabreicht wird. Im großen Aufenthaltsraum der Heilstätte konnte am Samstagabend Oberinspektor Wesp neben den rund 200 Patienten und dem Pflegepersonal als Vertreter des Regierungspräsidenten Regierungsdirektor Ahl, Darmstadt, den Präsidenten der Landesversicherungsanstalt Hessen, Fritz Kissel, und Landrat Neff begrüßen. Der Heldentenor der Hamburger Staatsoper, Kammersänger Joachim Sattler, sang Lieder und Arien von Schubert, Wagner und Mahler, von Generalmusikdirektor Mechlenburg, Darmstadt, am Flügel begleitet. Lia Wöhr, das „Hessenmädchen“ von Radio Frankfurt, war leider am Erscheinen verhindert. Blumen von der Verwaltung, herzliche Dankesworte von Regierungsdirektor Ahl und begeisterter Beifall aller Zuhörer dankten den Künstlern. (-ch)
Altes Gotteshaus neu erstanden
Bensheimer Stadtkirche vor ihrer Einweihung
Endlich ist es so weit, daß die katholische Gemeinde von Bensheim wieder ihre Stadtkirche benutzen kann, ein Ereignis, das alle Bensheimer Katholiken mit Freude begrüßen.
Nachdem das in den Jahren 1826 bis 1830 durch Regierungsbaumeister Georg Moller im klassizistischen Stil (Pseudobasilika) erbaute und in den Jahren 1878/ 78 und 1939/41 restaurierte Gotteshaus im März 1945 kurz vor Kriegsende bei einem Fliegerangriff ein Raub der Flammen geworden war, mußte sich die katholische Gemeinde mit manchen Behelfslösungen abfinden. Bei dem Wiederaufbau sollte dgs Gesamtbild der Kirche grundlegend geändert und der heutigen Zeit angepaßt werden. Dazu war allerdings eine größere Zeitspanne nötig.
Die Kirche soll künftig vier Türme erhalten, davon wurden bis jetzt die beiden Osttürme errichtet, und in dem Südostturm die drei Glocken aus dem Jahre 1878, die der Einschmelzung glücklich entgangen waren, aufgehängt. Außerdem erhielt die Kirche ein durch 18 Fensternischen und Gurtbögen aufgegliedertes Tonnengewölbe, die 16 Sandsteinsäulen — besonders die Kapitelle — wurden wiederhergestellt, die früher an den Seiten eingebauten Logen beseitigt. Der Chorraum wurde erhöht und der Hochaltar frei in den Raum gestellt. Durch alle diese Aenderungen gewinnt der Kirchenraum an Helligkeit und Weite; die neuen Fenster sind aus Antikglas. Die vor einigen Jahren von der evangelischen Gemeinde gekaufte und vorläufig auf 14 Register umgebaute Orgel wird auf einer provisorischen Orgelempore aufgestellt, bis auch die beiden Westtürme gebaut sind und die endgültige Orgelempore errichtet werden kann.
Die Einweihungsfeierlichkeiten beginnen am Samstag, dem 12. August, mit einem Empfang des Bischofs von Mainz, Dr. Albert S t o h r, auf dem Marktplatz, anschließender Begrüßung am Hauptportal und einem Chorgebet der Geistlichkeit. Am Sonntag, dem 13. August, weckt ein großes Festgeläute und Turmblasen die Bensheimer Bürger. Um 8 Uhr nimmt Bischof Dr. Stohr die feierliche Konsekration des neuen Hochaltars vor, und um 10 Uhr findet ein feierliches Hochamt mit Festpredigt statt; diese Feier wird durch Lautsprecher auf den Platz vor der Kirche übertragen. Nach einer Kinderfeier um 14.30 Uhr, einer feierlichen Vesper mit Predigt von Bischof Dr. Stohr um 16.30 Uhr, beschließt eine Freilichtaufführung, „Das Ueberlinger Münsterspiel“, auf dem Platz vor der Kirche die Einweihungsfeierlichkeiten. (HB)
Wenig Interesse am Bürgerforum
Ober-Ramstädter Gründungsversammlung nur schwach besucht
Die Sensation, die von vielen Besuchern der Gründungsversammlung erwartet wurde, blieb aus. Der auf der Tagesordnung vorgesehene Punkt „Wohnungsfragen“ hatte wohl eine Reihe von Wohnungsinteressenten angezogen, im ganzen aber fanden doch nur etwa 70 Bürger den Weg zum Saalbau Suppes. 16 Bürger hatten unter der Regie des Heimatvertriebenen Hans Arnim die Idee des Forums gefördert. Von den eingeladenen Behördenvertretern konnte er den Resident Officer Mr. Gotcheus und Herrn Kollmannsberger, außerdem Bürgermeister Frankenberger am Gründungsabend begrüßen.
Eingangs schilderte Arnim die Bedeutung des Forums, bedauerte jedoch zugleich, daß nur wenige Interesse an dieser Einrichtung zeigten. Er ermahnte, sachlich zu bleiben, damit positive Arbeit geleistet werden könne und verlas eine von ihm selbst aufgestellte Satzung, die gegen 1 Stimme bei einigen Stimmenthaltungen angenommen wurde. Der letzte Punkt der Satzung besagt, daß Behördenvertreter und besoldete Parteiführer nicht Mitglieder des Vorstandes sein können.
Die Auswahl der Kandidaten für die Vorstandswahl bereitete die ersten Schwierigkeiten, doch wurden noch am gleichen Abend folgende Herren in den Vorstand gewählt: Karl Becht, Heinrich Burger, Peter Wilhelm, Hans Arnim, Erich Al. von Majewski, Friedrich Schweitzer und Frau Witt. Der Vorstand soll in der nächsten Versammlung für ein Jahr bestätigt werden .
Von der vorgesehenen Tagesordnung konnte wegen der vorgerückten Zeit nur noch eine Frage beantwortet werden, die Mr. Gotcheus dahingehend beantwortete, daß von Amerikanern in deutschen Wohnungen an die Wohnungsbesitzer direkt keine Miete gezahlt werde. Die Armee verrechne die Mietkosten mit dem Besatzungsamt. Eine Differenz zwischen diesem Betrage und der Entschädigung an den deutschen Besitzer bestehe nicht. Die weiteren vorgesehenen Fragen sollen bei der nächsten Versammlung besprochen werden. -D-
Silbernes Priesterjubiläum
Am Sonntag wurde von der katholischen Pfarrgemeinde Groß-Gerau und den angeschlossenen Gemeinden das silberne Priesterjubiläum des Pfarrers Jos. Gerhatd feierlich begangen. Schon am Vorabend überbrachten zahlreiche Gratulanten ihre Glückwünsche, und der Kirchenchor sang. Um dem Pfarrer eine Freude zu bereite”, hatte die Gemeinde für die Kirche einen neuen Teppich gestiftet.
Nach der Frühmesse mit gemeinsamer hl. Kommunion der gesamten Pfarrgemeinde wurde tun 10 Uhr ein Levitiertes Hochamt gehalten. Nachmittags fand im Adlersaal eine weltliche Feier statt, (cg)
Dirigenten in Mörlenbach
Die Dirigenten der katholischen Kirchenchöre des Weschnitz- und Gorxheimer Tales traten am Samstagvormittag in Mörlenbach zu einer Besprechung über das Kreissingen ihrer Chöre in diesem Jahr zusammen. An Stelle des verhinderten Chorleiters Dr. Hartemer (Viernheim) hielt Lehrer Jäger (Mörlenbach) das Referat. In der Aussprache wurde das diesjährige Kreissingen für den 24. September in Hirschhorn festgesetzt. In gemeinsamem Vortrag wird die große Messe von Palestrina gesungen werden. (kie)
Bensheimer Zoo zieht um
Die Stadt Bensheim hat sich entschlossen, dem Zoo ein schöneres und günstiger gelegenes Gelände zur Verfügung zu steilen, damit er künftig zu einem besonderen Anziehungspunkt für Fremde und Bensheimer wird. Das früher städtische Gelände entlang der Bahn an der Rodensteinstraße wurde hierfür in Aussicht genommen. Der Zoo soll hier zwischen schönen Grün- und Blumenanlagen ein neues Heim finden, und wird bei seiner sehr zentralen Lage dann auch sicher noch besser besucht als bisher. Die Arbeiten sollen im Herbst begonnen werden, so daß im nächsten Frühjahr der Umzug stattfinden kann. (HB)
„Diamantene“ in Kl. Bieberau
Als am vergangenen Donnerstag die Eheleute Heinrich Trautmann und Frau Magdalene, geb. Borger in Klein-Bieberau das Fest ihrer diamantenen Hochzeit begehen konnten, gaben sich die Gratulanten sage und schreibe die Türklinke in die Hand. Die große Zahl derer, die gekommen waren, um den beiden 84- und 86jährigen zu ihrem Festtag die Glückwünsche zu überbringen, wollte einfach nicht abreißen, zumal Herr Trautmann, weit über seine Gemeinde hinaus als Schuhmachermeister bekannt, am gleichen Tage sein 60jähriges Geschäftsjubiläum feiern konnte. Er selbst ist, ebenso wie seine Frau, noch „voll auf dem Damm“ und arbeitet fest in seinem Handwerk.
Pfarrer v. d. A u überbrachte als Vertreter der evangelischen Landeskirche eine Urkunde uhd eine Festgabe. Auch Landrat Ritz er t, der gleichzeitig im Auftrage der Hessischen Regierung vorsprach, überbrachte die Grüße des Kreises und eine Festgabe. Innungsmeister Enders und Verbandsvorsitzender Hübner schlossen sich als Vertreter des Han'dwerks an und überbrachten die Gaben der Schuhmacher. PT
Karambolage in voller Fahrt
In der Nacht des 7. August stieß am Ortseingang nach Bensheim ein aus Richtung Heppenheim kommender Pkw in voller Fahrt mit einem entgegenkommenden Dreiradlieferwagen zusammen. Der Fahrer des Pkw erlitt schwere Verletzungen und mußte in das Bensheimer Hospital gebracht werden. Zwei weitere Insassen des Pkw kamen mit leichten Verletzungen davon. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. (HB)
7 Einbrüche in Biblis
Nachdem es der Bibliser Gendarmerie gelungen war, vor einiger Zeit eine größere Einbrecherbande, die ihren Sitz in Frankfurt hatte, dingfest zu machen, führten jetzt in der Nacht vom 4. auf 5. August Diebe wieder mehrere Einbrüche in Biblis durch. Sie hatten es bei ihrem Streifzug hauptsächlich auf Bargeld abgesehen. Die Diebe zertrümmerten die Fenster und drangen in sieben verschiedene Wohnungen ein, in denen sie Barbeträge in Höhe von 20 bis 200 DM entwendeten. Die sofort aufgenommenen Ermittelungen der Bibliser Gendarmerie, die mit Hilfe eines Spürhundes der Bürstädter Gendarmerie durchgeführt wurden, brachten die Polizei zwar auf die Spur der Täter, konnten aber bis jetzt noch nicht zur Ergreifung der Einbrecher führen. -MW-
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Ober-Beerbach. Am Sonntagmorgen wurde der achtjährige Karl Schneider von einem Hund in die Wade gebissen. Er mußte durch das Rote Kreuz zu einem Arzt nach Jugenheim gebracht werden, der die tiefe Bißstelle nähte.
Pfungstadt. Eine Flüohtlingsfrau, die im Gemüsegeschäft Seeger einkaufte und mit kleinem Geld bezahlte, ließ bei ihrem Fortgehen die Brieftasche, in der sich ihre gerade abgeholte Rente von 49 Mark betfand, auf dem Ladentisch liegen. Als sie kurz darauf den Verlust merkte und zurückkam, war die Tasche schon verschwunden. — Der Odenwaldklub führte am Sonntag eine Wanderung durch. Am gleichen Tage unternahm der Handharmonika-Spielring eine Rheinfahrt und die Schulkameraden des Jahrgangs 1894 fuhren mit Omnibussen ins Neckartal. (ler)
DIEBURG
Dieburg. Die Vertreter der Flüchtlingsjugend aus 32 hessischen Kreisen kommen am 30. September und 1. Oktober in Dieburg zu einer Arbeitstagung zusammen. (KG)
Babenhausen. Beim Abernten eines Kornwagens fand man in der Nähe der früheren Flak-Baracke eine Panzergranate von 4 cm Durchmesser. Sie wurde durch das Dieburger Sprengkommando entfernt. (NB)
Gundernhausen. Donnerstag, 10. August, eröffnet der Stenografenverein einen Anfängerlehrgang. (sl)
Urberach. An der Messenhäuser Straße wurden seit Jahresanfang Neubauten unter Gemeinderegie erstellt. Jetzt sollen die Innenarbeiten ausgeführt werden. Mit der Vergebung der Aufträge befaßte sich der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung. (gi)
Langstadt, Am Sonntag, 20. August, findet auf dem Sportplatz ein von der Flüchtlings- und der einheimischen Jugend vorbereiteter Dorfnachmittag statt. (RG)
ERBACH
Zell. — Kurz vor dem Bahnübergang nach Bad-König wurde am Sonntagnachmittag der 67 Jahre alte Rentner Adam Weber von einem Beiwagen-Motorrad aus Darmstadt umgerissen, wobei er den rechten Unterschenkel brach. Er mußte in die Klinik nach Bad-König gebracht werden. (-ch)
Lützel-Wiebelsbach. Die Ausschachtungsarbeiten am Bau des katholischen Gemeindehauses sind in vollem Gange, (hm)
BERGSTRASSE
Bensheim. Neue Mülleimer, die die Stadtverwaltung für die Müllabfuhr angeschafft hat, sind eingetroffen und werden zum verbilligten Preis von 3,50 DM an die Bevölkerung ausgegeben. (HB)
Lindenfels. Als erster in einer Reihe von Referaten-Lehrgängen, die jeweils zwei Wochen im Hotel „Zum Odenwald“ stattfinden, beendeten jetzt 40 Gerichtsreferendare einen Kursus des hessischen Justizministeriums. (-r)
Biblis. Die „Erlenbacher Bauernbühne“ gastierte am Sonntag nach längerer Pause wieder in der Turnhalle mit dem Lustspiel in drei Akten: „Ein Blitz aus heiterem Himmel“.
Hammelbach. Im Gasthaus „Zur Krone“ wird am Samstag, 12. August, auf Einladung des hiesigen Sportvereins die Theaterabteilung der SKG Waldmichelbach mit dem dreiaktigen Schwank „Acht um ein Kind“ gastieren. (-r)
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Im Gasthaus Jenike treffen sich am Sonntag, dem 13. Augurt, um 14 Uhr, die Bienenzüchter aus Groß-Gerau zu einer allgemeinen Aussprache. Kb
Gernsheim. Sonntag, den 13. August, findet um 15 Uhr im Gasthaus August Rapp eine Versammlung der Bienenzüchter von Gernsheim und Umgebung statt. Auf der Tagesordnung steht als Hauptpunkt die Zuckerfrage der heimischen Imker. Kb
Walldorf. Die Gemeinde beabsichtigt mit den im Haushaltsplan vorgesehenen 6000 DM für das Wohnungswesen eine fast neue Baracke anzukaufen, in der B—lo Zweizimmerwohnungen mit Küche eingerichtet werden können. (-Kb.)
Bauschheim. Der seither an der Volksschule in A s t h e i m tätige Lehrer Hans Helm wird nach den Sommerferien wieder an der Bauschheimer Volksschule unterrichten. Lehrer Helm war bereits früher 10 Jahre dort tätig. (-au-)
Sport der Heimat
Fußhball Sportkreis Bergstraße
Verhältnisse weitgehend geklärt
Auf einer kurzfristig für Freitag abend nach Bensheim einberufenen Sitzung der Kreisklasse Bergstraße und der B-Klassen-Gruppe Bergstraße-Ried, bei der Kreisfußballwart Hartmann den Vorsitz führte, wurden die Vorarbeiten für die neue Verbandsspielrunde erledigt. FC Fürth, das auf Grund des besseren Torverhältnisses vor Weiher zum Meister der Gruppe Odenwald erklärt wurde, und FC Fehlheim als Riedmeister steigen in die Kreisklasse auf; außerdem sollen die Tabellenzweiten Weiher und Vfß Lampertheim aufsteigen, vorausgesetzt, daß der letzte Bergstraßen-Vertreter im Hessen-Pokal, Riedrode, in den Spielen um den Bezirkspokal unterliegt. Im anderen Falle steigt Riedrode automatisch auf, während Weiher und Lampertheim in Vor- und Rückspiel den vierten Aufsteiger ermitteln. Fürth und Fehlheim werden am 13. und 27. August in Vor- und Rückspiel den B-Kreismeister küren. Von der so auf 12 Vereine auf gefüllten Kreisklasse steigt im kommenden Jahre ein Verein ab, während Auerbach nach dem Aufstieg von Meister Biblis in die Bezirksklasse und dem Abgang Groß-Rohrheim nach dem Kreis Groß-Gerau der bittere Weg in die untere Klasse erspart bleibt.
Die Kreisklasse besteht im kommenden Spieljahr somit aus: Reichenbach, Mörlenbach, Waldmichelbach, Lindenfels, Aschbach, Einhausen, Affolterbach, Auerbach, FC Fürth, Fehlheim und Weiher bzw. VfR Lampertheim bzw. Riedrode.
Aufsteigen soll im kommenden Jahre nur der B-Klassenmeister des Kreises, auch dann, wenn aus der Bezirksklasse Absteiger hinzukommen. Für den 20. August wurde im Kreis Bergstraße Spielverbot ausgesprochen, um das Kreissportfest nicht zu stören.
Da die Verhältnisse in der Gruppe Odenwald nach diesen Entschlüssen weitgehend als geklärt angesehen wurden, verzichtete man auf die für den 5. August nach Waldmichelbach/Aschbach angesetzte Gruppenbesprechung. (ni)
Fußballpokalturnier des TSV Aschbach.
Das aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens des Turn- und Sportvereins Aschbach abgehaltene Fußballpokalturnier sah 15 Mannschaften auf dem Platz, von denen Hemsbach vor Waldmichelbach und Schönmattenwag als Sieger hervorging.
Mörlenbach—Sulzbach 3:1
Zum ersten Spielsonntag der neuen Runde verpflichtete Mörlenbach die spielstarken Sulzbacher und konnte durci^ Treffer von Seiler (2) und Heckmann eineri klaren Sieg buchen, nachdem es bei Halbzeit noch 0:0 stand.
Olympia Lorsch —SpV 98 Darmst. Res. 6:1
Bei herrlichem Fußballwetter und auf einem idealen Waldsportplatz lieferten sich obige Mannschaften ein schönes und faires Spiel. Wenn man bei den Lilienträgern von einem besseren Stellungsspiel und gekonntem Zuspiel sprechen kann, so muß man den Lorscher Olympianern doch eine größere Zügigkeit zusprechen. Vor allem wurde nicht lange gefackelt und überkombiniert, sondern in Strafraumnähe geschossen, daß es eine Lust war. Darmstadt war nicht um 5 Tore schlechter, das sei hier gesagt, nur trafen sie eine einsatz- und schußfreudige Elf an, die heute auch manch anderen Gegner zum Erliegen gebracht hätte. Diehl schoß fünf Tore, eines schöner als das andere, Koch eines. Für das Darmstädter Ehrentor war der Mittelstürmer Ewald verantwortlich, der eine sehr gute Leistung bot. -el-
Reinheim —Riedrode 4:1 (1:1)
Die B-Klassen-Vereine Reinheim und Riedrode trugen am Sonntag in Pfungstadt ihr Pokalspiel aus. Die 1. Halbzeit verlief ohne spannende Momente mit Gleichstand 1:1. Erst in der folgenden Spielhälfte zeigten beide Mannschaften, insbesondere Reinheim, ein ihrem Können entsprechendes Spiel. Insbesondere zeigte sich Reinheims Verteidigung als ein für die schwachen Angriffe der' Ried-Mannschaft nicht zu nehmendes Hindernis, während der. Sturm manche Torchance verpaßte, was aber nicht ausschloß, daß Reinheim trotzdem mit 4:1 verdienter Pokalsieger werden konnte. -md-
Handball:
SV 54 Reinheim Meister der B-Klasse
Den Sieg bei den Hallenhandballmeisterschaften der B-Klasse des Kreises Dieburg und somit die Teilnahmeberechtigung an den Spielen der A-Klasse erkämpfte sich der SV 45 Reinheim. Die 8 Vereine lieferten sich, aufgeteilt in zwei Gruppen, schöne Spiele. Nach Ablauf der Rundenspiele ergab sich in den beiden Gruppen folgender Tabellenstand:
Gruppe 1: SKG Semd 4 Punkte, SV Babenhausen 4 Punkte, SSV Brensbach 3 Punkte, KSV Habitzheim 1 Punkt. — Gruppe 2 : SV 45 Reinheim 6 Punkte, TV 88 4 Punkte, TV Klein-Umstadt 2 Punkte, TSV Richen 0 Punkte.
Im Endspiel behielt der SV 45 über die SKG Semd, die im Entscheidungsspiel der Gruppe 1 gegen Babenhausen 1:0 siegte, mit 2:1 die Oberhand.
Wasserball:
SC Reinheim TSG 46 Darmstadt 2:1 (0:0)
Im ersten Verbandsspiel der A-Klasse siegten die Wasserballsieben des SC Reinheim gegen die TSG 46 nach einem spannenden Spiel mit 2:1. Den Führungstreffer der Darmstädter konnte F. Schleif durch einen Strafwurf ausgleichen und sogar 1 Minute vor Spielende durch ein Feldtor den Siegestreffer für Reinheim erzielen. Vorspiele: Schüler SC Reinheim—TV Groß-Umstadt 9:0, SC Reinheim Res. — SKG Ober-Ramstadt 3:2. ff
Der SPORT
VfR Mannheim gegen Kickers Offenbach 8:0
Matte Vorstellung der Offenbacher Kickers im Erbacher Sportpark
Das war keine meisterliche Leistung, die Offenbacher Kickers gestern im Erbacher Sportpark gegen den Vorjahresmeister VfR Mannheim boten. Die etwa 10 000 Zuschauer machten deshalb auch ihrer Enttäuschung über die sich in der zweiten Hälfte offenbarende Lustlosigkeit der Lederstädter gelegentlich mit schrillen Pfiffen Luft und feuerten die sich in einer ausgezeichneten Form vorstellenden Mannheimer zu ständig neuem Tatendrang an. Während der ersten Hälfte schien es auch, als sollten die Offenbacher nach der üblichen halbstündigen Anlaufzeit, in der Mannheim klar tonangebend war, endlich zu ihrer Form finden, denn die letzten 15 Minuten dieser Zeitspanne beherrschten sie spielerisch klar. Dabei war beileibe nicht alles Gold, was in den Reihen der Badenser glänzte. Ihne nstellte sich jedoch an diesem Sonntag eine Offenbacher Elf, die, wie gesagt, nur selten die Erinnerung in die Voriahresleistungen wachwerden ließ.
Der nach einem Blumengruß der Stadt Erbach für beide Mannschaften entfesselte zügige, gradlinig vorgetragene Angriff der Mannheimer, die im Gegensatz zu Offenbach sofort im Bilde waren, brachte schon in der 5. Minute Maier freistehend in aussichtsreiche Position; im Gegenstoß muß Jöckel durch eine gewagte Parade seine Elf vor einem Verlusttreffer bewahren, und dann ist es in der 10. Minute soweit: Frey läßt Bolleyer einen Augenblick unbewacht, der Ball kommt schußgerecht zu Löttke, schon heißt es 1:0. Die Zweikämpfe Weber-Maier bringen die einzigen Gefahrenmomente für Jöckels Heiligtum, alles andere im Offenbacher Sturm ist grau in grau. Nach halbstündiger Spielzeit sieht sich Löttke plötzlich an der Strafraumgrenze allein mit dem Ball, und schon flitzt das Leder an dem erstarrten Ricker zum 2:0 ins Netz. Piccard wechselt dann vom linken Verteidigerposten auf Mittelläufer, wo seither Emberger stand. Jetzt erhalten die Offenbacher Aktionen etwas Schärfe und Mannheim muß vielbeinig verteidigen. Der Halbzeitpfiff unterbricht diese Drangperiode. Wer angenommen hatte, daß sie nach Wiederbeginn fortgesetzt würde, sah sich bitter enttäuscht. Nun spielte der VfR auf. Schlag um Schlag wurde die Torausbeute vergrößert, jagten von der 49. bis zur 86. Mmute die Löttke, de la Vigne, Bolleyer und Hanner noch weitere sechs Bälle in Rickers Netz, der am Ende einen reichlich hilflosen Eindruck machte. Diesem Begeisterungsansturm der ansonsten so sachlich-nüchtern spielenden Mannheimer waren die Off—bacho" auch mit Magel statt Emberyev nicht gewachsen; nur gelegentlich fanden sie noch den Weg in den gegnerischen Strafraum, und dort herrschten Keuerleber und Rößling eindeutig. „Ein Glück, daß das nur ein Freundschaftsspiel war“ meinte ein Offenbacher Schlachtenbummler. Ein Erbächer aber wunderte sich maßlos, daß die VfR-Elf nicht nach Berlin gekommen ist. (ni)
Bensheimer Herbst-Aufgalopp
FC 07 Bensheim—Polizei Stuttgart 3:1 (1:1)
Am Samstagabend standen sich die beiden im Mittelfeld ihrer Bezirksklasse stehenden Vereine zu einem Freundschaftsspiel gegenüber, das für die Bensheimer Anhänger sehr erfolgversprechend verlief. Zu Beginn gestalteten die Polizisten das Spiel sehr offensiv und belagerten das Gastgebertor, wo der gute Torsteher Proben seines Könnens gab, ohne jedoch in der 20. Minute den ersten Treffer der Gäste, der auf einen Dekkungsfehler der Deckung zurückzuführen war, zu verhindern. Im Gegenangriff schoß Rascher den Ausgleich, und bei diesem Stande wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause dominierten die Gastgeber und stellten durch zwei schöne Tore von Rascher und dem technisch sehr guten Rechtsaußen Büttner das Endresultat von 3:1 her.
Zwingenberg—Bensheim 0:3 (0:1) _
In einem an Spieler- und besonders Schiedsrichterleistungen äußerst schwachen Spiel distanzierten die Bensheimer die Mannschaft von Zwingenberg, ohne je gefährdet zu sein, ganz glatt mit 0:3 Toren, die aus Schüssen von Büttner, Rascher und Faust herrührten.
Kreis Darmstadt
Alsbach—Lengfeld ausgefallen Jugenheim—Auerbach 1:3 Oberbeerbach—Gadernheim 3:7 Eschollbrücken—Union Darmstadt 4:4 Griesheim—Eberstadt II 1:2 Hahn—Klein-Gerau (wegen Schlägerei abgebrochen!) Bad König—Bickenbach AH 2:6 A-Klasse um Bezirks-A-Pokalmeister in Erzhausen VfR Langen—Mannheim 1:2
Kreisklasse Dieburg steht
Auf der am Samstag unter Leitung von Kreisfußballfachwart Fach-Dieburg stehenden Zusammenkunft der Vertreter der A- und B-Klassevereine wurde beschlossen, in der kommenden Spielzeit die A-Klasse in einer Gruppe spielen zu lassen. Dazu gehören die folgenden 14 Vereine:
A-Klasse
Spvgg Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Kleestadt, Klein-Zimmern, Lengfeld, Mosbach, Nieder-Roden, Spachbrücken, Ueberau. Dreieichenhain, Offenthai, Tg. Ober-Roden, Reinheim, Götzenhain.
Um in der Aufstiegsfrage endlich einmal eine klare Linie zu schaffen, wurde aus der Versammlung heraus gefordert, daß auf dem bevorstehenden außerordentlichen Bezirksfußballtag erreicht werden müsse, daß jeweils am Ende einer Saison soviel Bezirksklassevereine absteigen sollen, als A-Klasse-Gruppen vorhanden sind, damit ohne weitere Qualifikationsspiele die Meister jeder A-Gruppe aufstiegsberechtigt werden. Für die Spielzeit 1950/51 handelt es sich um fünf Vereine.
Um das Spielsystem der B-Klasse — eine oder zwei Gruppen — entspann sich eine längere Debatte, die schließlich damit endete, daß der Vorschlag des Spielausschusses Annahme fand. Er teilt die Vereine in folgende zwei Gruppen ein:
B-Klasse
Gruppe 1: Fränk.-Crumbach, Brensbach, Wersau, Groß-Biebern, Georgenhausen-Zeilhard, Niedernhausen, Hering, Hassia Dieburg 11.
Gruppe II: SV Babenhausen, Schaafheim, Hergershausen, Freie Sportvereinigung Münster, TV Groß-Umstadt, Raibach, Wiebelsbach, Heubach, Klein-Umstadt.
Dazu wurde der Spielausschuß beauftragt, aus der Gruppe 2 noch einen Verein in die Gruppe 1 zu überschreiben. (RG)
Baskettball in Roßbhach
Der frischgebackene Jugendmeister im Basketball, die Neuköllner Sportfreunde, trug am Samstagabend gegen die Mannschaft der SKG Roßdorf ein Freundschaftsspiel über 2X15 Minuten Spielzeit aus. Mit 45:15 (15:7) Körben errangen die Roßdorfer einen leichten Sieg, denn die Berliner Gäste waren durch die schweren Meisterschaftskämpfe ermüdet und spielten unter ihrer Form. Die Einheimischen lieferten ein gutes Spiel.
Der Olympische Sport-Club Berlin, Meister der weiblichen Jugend, spielte über 2XIO Minuten gegen Roßdorf Frauen und siegte 8:7, Halbzeit 5:0. Roßdorf, das in der ersten Halbzeit keinen Kontakt fand, spielte nach Seitenwechsel besser und hätte gewinnen müssen.
Im Pokal-Rückspiel gegen GYA Frankfurt-Bonames kam Roßdorf zu einem 44:37-Sieg, der jedoch hart erkämpft werden mußte, denn die Frankfurter Spieler hatten sich sehr verbessert. Noch bei Halbzeit lagen die Einheimischen, die den Gegner offensichtlich zu leicht genommen hatten, noch 12:19 im Rückstand. Erst nach der Pause wurde Roßdorf besser und verließ nach schönem Endspurt als verdienter Sieger das Feld.
Kinderturnfest in Ober-Ramstadt
Am vergangenen Sonntag führte der Kreis Darmstadt sein zweites Kinderturnfest mit den Vereinen Ober-Ramstadt, Frankenhausen. Waschenbach. Nieder-Ramstadt, Eberstadt, 'Tgs und TuSpG durch, lieber 200 Buben und Mädels turnten am
Vormittag auf dem Sportplatz ihre Wettkampfübungen durch, wobei durchweg ansprechende Leistungen gezeigt wurden. Nachmittags war im Turngarten ein bunter Kinderreigen und die einzelnen Vereinsabteilungen konnten hier ihre Arbeit auf diesem Gebiete zeigen. Kreiskinderturnwart Peter Becker verstand es, obwohl die äußeren Umstände nicht so sehr geeignet waren, die Breitenarbeit im Kinderturnen aufs Beste herauszustellen.
Neben den Einzelwettkämpfen wurden noch folgende Mannschaftssieger ermittelt: Mädchen 36/37 1. u. 2. Sieger TuSpG Eberstadt 12/113 P., 38/40 1. Sieger TuSpG Eberstad 120 P., 2. Sieger SKG Ober-Ramstadt 111 P., 3. Sieger TGs Eberstadt 109 P., 4. und 5. Sieger SKG Ober-Ramstadt 104/99 P. — Buben 36/37 1. Sieger SKG Ober-Ramstadt 120 P;, 2. Sieger TGs Eberstadt 116 P„ 3. Sieger TSG Eberstadt 115 P.; 38/40 1. Sieger TSG Eberstadt 1. 120 P„ 2. Sieger TSG Eberstadt 11. 114 P., 3. Sieger TSG Eberstadt 111. 113 P., 4. Sieger SKG Ober-Ramstadt 108 P.
Tischtennis
SG Wixhausen unterliegt Kreisauswahl 0:9
Die Tischtennisabteilung feierte am Wochenende Jubiläum. Zu diesem Zwecke hatte man verschiedene Mannschaften zu Freundschaftskämpfen verpflichten können. — Ereignis der Spiele war das Zusammentreffen dei' jungen und neuformierten Mannschaft der Gastgeber gegen eine Auswahl des Kreises Darmstadt. Die Auswahl, die nicht in stärkster Besetzung antrat, konnte sich dennoch behaupten und siegte klarer als erwartet. An den einzelnen Brettern konnten die Gastgeber zwar energischen Widerstand entgegensetzen, scheiterten letzten Endes über an der nötigen Spielerfahrung. So ging das Spiel mit 9:0 für die Kreisauswahl gewonnen. Die Siege erkämpften Gebron (SKG Eberstadt), Leichtweiß (SKG Jugenheim) sowie Hardt, Kappes, Lutz und Hartmann (alle SV 98).
Die Damenmannschaft der SG Wixhausen siegte über eine Vertretung von Langen/Egelsbach mit 7:2, die 2. Herrenmannschaft unterlag einer Langen/Egelsbacher Vertretung. Ku.
Meisterschaft der Schachgruppe Odenwald
Die in diesem Jahre erstmals ausgetragenen Meisterschaften der Schachgruppe Odenwald im Sportkreis Bergstraße nahmen einen bemerkenswert guten Verlauf. Die Rundenspiele um die Vereinsmeisterschaft, die noch nicht abgeschlossen sind, bewiesen darüber hinaus eine außerordentliche Ausgeglichenheit der Schachvereine des Weschnitztales wie des Ueberwaldes (die weiter nördlicher gelegenm-Odenwaldvereine beteiligen sich in der Gruppe Bergstraße). Nach den ersten d”ei Runden führt Waldmichelbach mit knappem Vorsprung vor Mörlenbach. Die Einzelmeisterschaften wurden sowohl für Senioren wie für Jugendspieler zu Ende geführt und hatten folgenden Schlußstand: 1. Harald Koch (Affolterbach), 2. Dubois (Mörlenbach), 3. Bauer (WaldmichelbacL). In teilweise sehr spannenden Spielen der Jugendklasse landeten gleich drei Teilnehmer punktegleich auf dem ersten PLtz: Knapp und Schütz (Fürth) und Wrba (Mörlenbach). c (ni)
Fünf neune Bormeister
Essen, (sid) Die in Fachkreisen erwartete Ablösung der Vorjahrsmeister, die mit fünf Boxern in die Endrunde zogen, brachte der Schlußtag und Höhepunkt der deutschen Amateur-Boxmeisterschaften am Sonntagnachmittag vor 20 000 Zuschauern in der schönen Dubois-Arena am Schloß Borbeck in Essen. Nur Hoog (Hagen) im Feder-, Bihler (Stuttgart) im Welter- und Salfeld (Stuttgart) im Schwergewicht konnten sich hierbei durchsetzen, während Einfeld (Kiel) und Ihlein (Neckarsulm) ähnlich wie Frankreiter und Bettendorf am Vortage auf der Strecke blieben. Die Liste der neuen deutschen Boxmeister hat damit folgendes Aussehen:
Fliegengewicht: Paffrath (Düsseldorf); Bantamgew.: Slojewski (Hamborn); Federgew.: Hoog (Hagen); Leichtgewicht: Ehmann (Weiden); Weitergew.: Bihler (Stuttgart); Mittelgew.: Sladky (Dorsten); Halbschwergew.: Pfirrmann (Weinheim); Schwergew.: Salfeld (Stuttgart).
Kübler „Tour“-Sieger
Jt. Paris. (Eigener Bericht.) Am späten Montagnachmittag ist die 5000- km-Radfernfahrt durch Frankreich, die „Tour de France“, abgeschlossen worden. Hunderttausende umsäumten in Paris und seinen Vorstädten die Straßen, als die Fahrer sich auf der letzten Etappe Dijon—Paris (314 km) dem Ziel näherten. Etappensieger wurde der Franzose Emile Baffert. Der Schweizer Kübler beschränkte sich darauf, seine zehn Minuten Vorsprung im Gesamtklassement vor dem Belgier Ockers zu halten, was ihm denn auch gelungen ist. Den Mannschaftssieg haben die Belgier errungen.
Der SPORT
Erster Gegner des SV 98: VfR Mannheim
Am 20. August wird der Startschuß zu den süddeutschen Oberligaspielen abgegeben. Der Neuling SV Darmstadt 98 spielt daheim gegen keinen geringeren als den deutschen Meister des Jahres 1949, VfR Mannheim, der erst am Sonntag wieder durch den sensationellen Erbacher 8:0-Sieg über die Offenbacher Kickers von sich redenmachte.
Nachdem die Verhandlungen zwischen dem Süddeutschen Fußballverband und den süddeutschen Toto-Gesellschaften erst anfangs dieser Woche in München geführt werden, hat der SFV nur die Paarungen des ersten Spieltages, am 20. Augst bekanntgegeben: Oberliga Süd: SV Waldhof gegen Vfß Stuttgart (19. 8.), SV Darmstadt—VfR Mannheim, Vfß Mühlburg—FSV Frankfurt, SpVgg Fürth gegen FC Schweinfurt, 1860 München gegen Schwaben Augsburg, BC Augsburg gegen Bayern München, FC Singen gegen Kickers Offenbach, VfL Neckarau gegen 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt gegen SSV Reutlingen. — 11. Division: Stuttgarter Kickers—Hessen Kassel. Freiburger FC—ASV Cham, 1. FC Pforzheim gegen Wacker München, Viktoria Aschaffenburg—Bayern Hof, SV Wiesbaden gegen 1. FC Bamberg, SV Tübingen gegen VfL Konstanz, Jahn Regensburg—Ulm 46, TSV Straubing—SG Arheilgen, Union Böckingen—ASV Durlach.
Da während der Punktspiele in Darmstadt mit einem großen Publikumsandrang gerechnet werden muß, wird bereits heute mit dem Aufbau der Stahltribünen begonnen, die in der Kurve am Haupteingang des Hochschulstadions errichtet werden und für 3750 Personen Platz bieten. Dadurch wird das Fassungsvermögen des Stadions auf 16 000 erhöht werden können.
Das Sportgeschehen des Sonntags
Beim großen Jubiläumspreis der Steher auf der Frankfurter Radrennbahn siegte im Gesamtergebnis Kilian vor Besson, Serös, • Chaillot, Kittsteiner, Metze und Schorn.
Beim Straßenrennen „Rund um Frankfurt“, das bei den Junioren Danz (Frankfurt) als Sieger sah, kam Volkhammer (VC Darmstadt) als sechster ein.
Deutscher Wasserballmeister wurden erneut die Schwimmsportfreunde Barmen mit 10:0 Punkten und 20:3 Toren vor Bayern 07 Nürnberg und Duisburg 98. Die deutschen Amateurboxer ermittel-
ten in Essen folgende neuen Meister: Fliegengewicht: Paffrath (Düsseldorf) Punktsieger über Dietrich (Hamborn); Bantam: Slojewski (Hamborn) Punktsieger über Fiebig (Helmstedt); Feder: Hoog (Hagen) Punktsieger über Bachhöf er (Stuttgart); Leicht: Ehmann (Weiden) Punktsieger über Einfeld (Kiel); Welter: Biehler (Stuttgart) Punktsieger über Bommer (Coburg); Mittel: Sladky (Dorsten) Punktsieger über Ihlein (Neckarsulm); Halbschwer: Pfirrmann (Weinheim) Punktsieger über Schmidt (Köln); Schwer: Saalfeld (Stuttgart) Punktsieger über Kiesner (Bremerhaven).
TEOC-Jugend 11. in Hanau
Die Nachwuchsmannschaft des TEC belegte bei dem Vier-Städte-Turnier in Hanau hinter dem dortigen THC den zweiten Platz. Die Mannschaft schlug SC Fortsthausstraße und TEV Kronberg mit 10:2, verlor aber dann gegen den 1. THC Hanau 8:4. Am erfolgreichsten waren Polster und Wittmann, die alle ihre Einzelspiele in zwei Sätzen gewannen und zusammen nur das erste Doppel gegen Bachmann-Koch (Hanau) verloren. Auch Müller konnte alle Einzelspiele gewinnen, wg.
Gegen Gießen 1900, das am Mittwoch gegen den SV Darmstadt 98 mit 2:2 einen Achtungserfolg herausspielte, konnte auch der VfR Mannheim nur knapp mit 4:3 gewinnen.
Weitere Fußballergebnisse:
Bezirksklasse :
KSV Urberach — SV Biebrich 1:1 Germ. Ober-Roden—lB6o Hanau 5:0 Auswahl Oberzent—Michelstadt 6:0 Auswahl A (Erbach)—Unterzent 3:3 07 Bensheim—Polizei Stuttgart 3:1 Zwingenberg—o7 Bensheim 0:3 Fehlheim—Polizei Stuttgart 2:3
A-Klasse:
Groß-Gerau—Bretzenheim 8:3 Ginsheim—Bodenheim 2:0 Reichenbäch—Lindenfels 1:2 Reichenbach—Bobenheim 3:5 Spachbrücken—Groß-Umstadt 0:2 Babenhausen—Ueberau 3:8
Jugenheim holte sich den - Klassen-Verein Auerbach. Schon bis zur Pause lag der Gast 2:0 in Führung, bis schließlich Emmerich das Ehrentor schießen konnte. Bei etwas mehr Glück hätte das Spiel unentschieden ausgehen können.
Ober-Beerbach fuhr zum spielstarken Gadernheim und verlor ziemlich eindeutig 3:7. Bei Ober-Beerbach machen sich noch sehr das wenige Training und die mangelnde Spielerfahrung bemerkbar.
Union Darmstadt hingegen brachte es fertig, in Eschollbrücken ein 4:4 zu erzielen.
In Griesheim konnte Eberstadts 11. gegen die Neuaufstellung des TuS in einem schnellen und schönen Spiel knapp 2S zum Siege kommen.
Leider kam es in Hahn beim Stand von 4:2 für die Einheimischen zu Streitigkeiten. Der Schiedsrichter pfiff rechtzeitig ab. Im Spiel um den A-Klassenpokal hat Nauheim allen einen Strich durch die Rechnung gemacht. "VfR Langen unterlag in einem schnellen Spiel dem Gruppenmeister mit 2:1. In Pfungstadt kam wie erwartet Reinheim durch einen 4:1-Sieg gegen Riedrode in die Endrunde.
Vom 24. bis 26. August findet für den Bezirk Darmstadt unter der Leitung von Verbandstrainer Kreß ein Uebungsleiterlehrgang statt. Die Vereine werden gebeten, Teilnehmer zu melden.
Um den Hessen-Pokal
Im Wiederholungsspiel um den Hessen-Pokal zwischen den Mannschaften von Hessen 93 und Hassia Dieburg siegten die Hanauer mit 3:2 (2:1). Die Tore für Hanau schossen Berger (2) und Ehrhardt, für Dieburg waren G. Beck und Kuhn erfolgreich. Hanau steht damit bereits im Endspiel. Sein Gegner wird am Mittwoch auf dem Bieberer Berg im Spiel zwischen den Offenbacher Kickers und Wetzlar ermittelt.
Aufstiegspiele zur Landesliga
In den Spielen um den Aufstieg zur Landesliga siegte am Sonntag Opel Rüsselsheim gegen Spielvereinigung Griesheim 02 3:0, während sich Homburg und Lampertheim 2:2 unentschieden trennten. Somit ist der Kampf um den Aufstieg vor dem letzten Spielsonntag noch völlig offen, wie aus folgender Tabelle zu ersehen ist:
Jugend spielt in zwei Gruppen
Auf einer Tagung der Jugendleiter im Sportkreis Dieburg kam man zu dem Entschluß, die Verbandsspiele der Jugend auch in dieser Saison 1950/51 wiederum in zwei Gruppen durchzuführen. Von der Bildung einer Jugend-B-Klasse wurde Abstand genommen, so daß die gemeldeten B-Mannschaften an den Verbandsspielen der A-Jugend teilnehmen, ohne daß ein besonderer B-Meister herausgespielt wird.
Für die Nordgruppe sind gemeldet: SC Hassia Dieburg, SV Münster (A- und B-Mannschaft), FV Eppertshausen (A und B), Hergershausen, Babenhausen, Viktoria Urberach, KSV Urberach, TG Ober-Roden, Germania Ober-Roden, SG Nieder-Roden (A- und B-Jugend). — In der Südgruppe spielen FSV Groß-Zimmern, SV Reinheim, Überau (A und B), Groß-Bieberau, Niedernhausen, Kleestadt, Groß-Umstadt, Klein-Umstadt, Heubach, Lengfeld, Spachbrücken und Schaafheim. In der gleichen Weise ist auch die Jugend der C-Klasse eingeteilt. (gi)
Von der Ringermatte
Die Auslosungen der Serienkämpfe der Ringer-Landesliga wurden jetzt durchgeführt. In der Gruppe I steigen am 3. September drei Derbys. Die Paarungen lauten: KSV Neu-Isenburg gegen Sprendlingen, Darmstadt gegen Arheilgen, Mainz gegen Kostheim. Oberramstadt ist an diesem Tage kampffrei.
Auf dem Verbandstag des Hessischen Schwerathletikverbandes wurde beschlossen, daß die Mannschaften geschlossen zu diesen Serienkämpfen antreten müssen. Fehlt ein Kämpfer, so hat der betreffende Verein 10 DM an den Gegner zu zahlen. Tritt eine Mannschaft nur mit fünf Kämpfern oder weniger an, dann fällt der
Handhall
TSG 46 Darmstadt—SG Sprendlingen 11:8 (5:4)
Die Mannschaft der TSG 46 konnte nicht in der vorgesehenen Aufstellung antreten und mußte mit Ersatz spielen. Das Spiel wirkte deshalb auch zu Anfang zerfahren und zusammenhanglos. Erst in der 12. Minute begann der Torreigen mit dem Führungstreffer der Platzherren, den die eifrigen Sprendlinger bald ausgleichen konnten. Die erste Halbzeit entschieden die Woogsleute mit 5:4 zu ihren Gunsten. Die zweite Halbzeit begannen die Darmstädter lustlos, und die Spieler der SG Sprendlingen wollten, dauernd mit 6 und 7 Mann stürmend, eine Entscheidung erzwingen. Das Spiel litt dabei unter der äußerst schwachen Schiedsrichterleistung. In der 25. Minute der zweiten Halbzeit konnten die Gäste auf 8:8 gleichziehen, waren aber dem nicht zu haltenden Endspurt der TSG-Leute nicht gewachsen, der schließlich den verdienten Darmstädter Sieg brachte. Die Torschützen für Darmstadt waren: Lautz, Schröder und E. Roth je 3 Tore, Krämer und Schnellbächer. Bei den Gästen notierten Kollmannsberger und Heid je 3 und Schlapp 2 Tore. — Im Vorspiel der Reserven gewann die TSG überzeugend mit 20:6 Toren. -th-
Erbach läßt sich nichts bieten
Die CDU-Fraktion des Erbacher Gemeinderates brachte nach dem Oberliga-Fußballspiel zwischen dem VfR Mannheim und den Offenbacher Kickers, das die Letzteren mit dem ungewöhnlich hohen Ergebnis von 8:0 Toren verloren, einen Dringlichkeitsantrag beim Bürgermeister Volk ein, wonach dem FC Kickers Offenbach von dem vertraglich vereinbarten Spielhonorar von 2500 DM 1000 DM gesperrt und die Mannschaft von allen zukünftigen Spielen der Oberliga in Erbach ausgeschlossen werden soll. Als Begründung wurde die vertragswidrige Aufstellung der Mannschaft und ihre Minderleistung angeführt. Die dadurch verursachte Enttäuschung der Zuschauer stelle eine Schädigung Erbachs dar. (-ch)
Jeder tat mit
Werbeveranstaltung der TSG 46
Ein buntes turnerisches und sportliches Treiben herrschte am vergangenen Sonntag auf den Sportplätzen an der Woogswiese. Der Vormittag brachte als Eröffnung Handballspiele gegen Sprendlingen, die jedesmal den Gastgeber siegreich sahen. Nachmittags warben die verschiedenen Turn-Abteilungen vor einer sehr interessierten Zuschauermenge für ihre Sparte. Während die Mädels Singspiele und Hindernisturnen brachten, zeigten sich die Buben in Kastenturnen, Tauziehen und Bodenübungen. Die Allerjüngsten versuchten i^hre Kräfte am Medizinball, die Schülerinnen glänzten mit Tänzen, Barren- und Bodenturnen. Ausgezeichnete Uebungen und ausgefeilte Technik sah man von den Turnerinnen am Barren, wie auch die Gymnastik- und Keulenübungen und der Sprungtanz gute Körperbeherrschung verrieten. Am Pferd stellte sich die männliche Jugend vor. Alle waren sie mit Lust und Liebe dabei. Den Abschluß der gut gelungenen Veranstaltung bildeten zwei Jugend-Handballspiele gegen Wiesbaden.
Was mögen sie sich ins Ohr flüstern: Herbold (SV Waldhof) und Frosch (Spvgg Fürth trafen sich am Gernsheimer Kaffeedamm
Presse-Spiegel
zum Spiel SV 98 Darmstadt-Kickers Stuttgart
Stuttgarter Zeitung: „ ... die Darmstädter zeigten noch längst kein süddeutsches Oberligaformat ... Nur die Läuferreihe konnte höheren Ansprüchen genügen ..
Sportbericht, Stuttgart: „Das Niveau dieser Begegnung kam kaum an Oberligaformat heran ... Der neue Oberligist Darmstadt hat im ganzen gesehen nicht enttäuscht. Die Darmstädter haben eine große Spielerauswahl zur Verfügung und dürften bis zum 20. August eine schlagkräftige Elf zur Verfügung haben.“
Frankfurter Rundschau:' „. .. Zwar waren die Darmstädter im Mittelfeld gut, wenn der Angriff aber in Strafraumnähe kam, war es mit seinem Latein zu Ende... Die Zuschauer sind recht pessimistisch von dannen gezogen, trotz des 2:0.“
Der neue Sport, Ffm.: 8000 einheimische Zuschauer rauften sich laufend die Haare, als der umständliche und schußunsichere Angriff des Oberliganeulings fünf Torchancen vergab. Trainer Keck ... wird seine Schüler bis zum Beginn der Oberligasaison noch scharf an die Kandarre nehmen müssen, wenn man nicht schon in den ersten Spielen unnötige 'Niederlagen hinnehmen wi11...“
A. S. Z. Mannheim: „...das Spiel zeigte aber nur wenige Höhepunkte ... Bei den 98ern dagegen war die Hintermannschaft. .. der beste Mannschaftsteil... In der Läuferreihe waren die Neuerwerbungen Barth und Herder die treibenden Kräfte und Spielmacher im Mittelfeld ..
Danksagung Für die überaus herzliche Anteilnahme, sowie die herrlichen Kranz- und Blumenspenden anläßlich des Heimganges meines lieben Mannes, guten Vaters, Opas, Schwagers und Onkels, Herrn Edgar Jakob Hasdenteufel sagen wir unseren herzlichsten Dank. In tiefer Trauer: Katharina Hasdenteufel Ww. geb. Fatho Maria Midinet geb. Hasdenteufel Clothilde Midinet Darmstadt (Prinz-Christians-Weg 13), den 8. 8. 1950
Bestattungen am Dienstag, dem 8. August 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof 11.00 Hermine Wundenberg, 68 Jahre, Alsbach a. d. B. Waldfriedhot 14.15 Horn, Gertrude, 47 Jahre, Reichelsheim.
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