Schranken fallen
Symbolischer Vorstoß der Jugend für Europa
Von unserem nach St. Germannshof entsandten Korrespondenten
Si. Germannshof, 6. August. Nach monatelangen geheimen Vorbereitungen sind am Sonntagnachmittag dreißig junge Europäer, von beiden Seiten kommend, zu einem symbolischen Angriff auf die Schlagbäume der deutsch-französischen Grenze bei St. Germannshof, nahe Weißenburg, geschritten.
Zuvor hatten die jungen Leute, Studenten und Studentinnen, acht Tage in Lagern in Miltenberg und andererseits im Elsaß Gespräche über die Frage einer europäischen Regierung geführt. In beiden Lagern war man im Verlauf dieser Gespräche zur Ueberzeugung gekommen, daß zwar viel über Europa geredet werde,' daß es aber meistens beim Reden bleibe. Deshalb faßten die in beiden Lagern versammelten jungen Franzosen, Italiener, Deutschen, Schweizer, Holländer und Belgier den Entschluß, zur Tat zu schreiten.
„Wir moUnt ^ur^a“
An der deutschen Zollstelle St. Germannshof, wo die Autobus- und Personenwagenkolonnen gegen 17 Uhr eiritrafen, schöpften die Zöllner zuerst keinen Verdacht. Presse-, Film- und Rundfunkberichterstatter rnimten harmloses Interesse. Ein Zöllner in Hemdsärmeln erklärte, daß er nicht im Dienst sei, und deutete auf einen jungen Kollegen in voller Uniform. Dann nahte von beiden Seiten, die grün-weiße Europafahne schwingend, die Jugend aus den beiden Lagern. Noch stand die schwarz-rot-gold gestrichene funkelnagelneue Zollschranke unberührt da, aber die aus Frankreich heranrückende Schar, die abgerissene Grenzpfähle, Zollschilder und die Reste eines Schlagbaums unter Triumphrufen schwenkte, verriet was der deutschen Zollschranke drohte. Vergebens suchten die Zöllner ihre neue stählerne Schranke zu retten. Zuerst, zersplitterten die Signallampen unter den wuchtigen Schlägen eines jungen Mannes. Metallsägen kreischten. Unter der Gewalt von Dutzenden von Fäusten zerbrach die mächtige Schranke. Die in ihrer Sonntagnachmittagsruhe völlig überraschten Zöllner waren in der größten Aufregung, deren ein mittlerer Zollbeamter in solch schwieriger Lage fähig sein kann. Die Rufe: „Wir wollen Europa“, unter denen die Schranke zerbrach, waren in einer Dienstanweisung nicht vorgesehen. Sie alarmierten die vorgesetzte Dienststelle, deren Vertreter alsbald, ohne einzugreifen, auf dem Tatort erschien. Beschwichtigenden Pressevertretern gegenüber erklärten die Zöllner, daß die Schranke 1500 DM gekostet habe.
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Unterdessen hatten sich auf der Wiese zwischen Straße und dem Lauterbach die Jugend von beiden Seiten versammelt. Die Reste des zersägten Schlagbaums und ausgerissene Grenzpfähle waren dort zu einem ansehnlichen Scheiterhaufen aufgeschichtet worden. Ein Franzose, ein Deutscher und ein Engländer verlasen ein Manifest, in dem unter dem Motto: „Europa ist Gegenwart“ eine Reihe von Forderungen erhoben wurden: Die Bildung eines europäischen Parlaments und einer europäischen Regierung; die Schaffung eines europäischen Bürgerrechts und die Ausgabe einer europäischen Kennkarte, die eine freie Ein- und Ausreise in alle europäischen Länder ermöglichen soll. Zugleich wurde Protest erhoben „gegen die Doppelzüngigkeit der Regierungen, die immer wieder von der Notwendigkeit einer europäischen Einigung sprechen, sich aber weigern, von dem Vorschlag Ministers Schuman abgesehen, auch nur den geringsten Teil ihrer Landeshoheit der europäischen Einheit zu opfern.“
Anschließend sprach der Föderalist Andre Philippe zu der versammelten Jugend. Der Schuman-Plan sei endlich ein Schritt auf dem Wege zum geeinigten Europa, es müßten jedoch andere folgen. Nach Kohle und Stahl müßten auch Elektrizität, Verkehrs- und Transportwesen usw. zusammengefaßt werden. Vor allem aber gelte es, die öffentliche Meinung durch Taten wie hier in St. Germannshof aufzurütteln. Diesen Gedanken, daß es gelte, die öffentliche Meinung durch Taten aufzurütteln, nahm auch Professor Mouskhely auf, der dann der versammelten Jugend den Schwur abnahm, in dieser Weise auf dem Weg der Aktion fortzufahren.
Die Väter des Gedankens, europäische Jugend diesseits und jenseits der Grenzen nicht nur zum Gespräch, sondern auch zur aufrüttelnden Tat zu versammeln, waren der französische Professor Mouskhely, Mille und Sommier. Marcel Mille hatte zuvor der Presse gegenüber betont, daß die an der Aktion Beteiligten zwar individuell allen möglichen föderalistischen Organisationen angehörten, daß aber der Angriff auf die Schlagbäume unabhängig von irgendeiner Organisation nur dem entschlossenen Willen der hier versammelten Jugend zu verdanken sei. Hd.
Größere Rechte für Straßburg
Straßburg, 6. August. (AP/dpa) Der Ministerausschuß des Europarates hat beschlossen, die Bundesrepublik und die Saar, die dem Europarat als assoziierte Mitglieder angehören, nun auch in beratender Eigenschaft an den Arbeiten des Ministerausschusses hinzuzuziehen. Mit diesem Beschluß ist der Status der assoziierten Mitglieder erweitert worden.
Die Entschließung in Straßburg ist vom Bundeskanzleramt begrüßt worden. Es wird jedoch bedauert, daß die Initiative dazu nicht früher gefaßt worden sei, weil dann Dr. Adenauer möglicherweise eine breitere Basis für den Beitritt zum Europarat im Bundestag gefunden hätte.
Kampf gegen Spitzel
Berlin, 6. August (dpa). Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, hat am Sonntag in einer Ansprache über den Rundfunk im amerikanischen Sektor das ganze deutsche Volk aufgerufen, die Bundesrepublik vor der von der Deutschen Demokratischen Republik organisierten kommunistischen Spitzel- und Agentenpest zu schützen. Die Bundesregierung sei entschlossen, jeder kommunistischen Durchdringung entgegenzutreten.
Festtage der Leichtathletik
International gültige Leistungen bei den Deutschen Meisterschaften
B. G. Stuttgart, 6. August. Die Leichtathletik, das Kernstück der Olympischen Spiele, hat am Wochenende im Stuttgarter Neckarstadion Meisterschaftstage gehalten, die von innerem und äußerem Glanz gewesen sind. Für die Farben des Bildes haben das schöne, gemäßigte Sommerwetter, die reizvolle landschaftliche Kulisse des Neckarstadions und der Wall der rund 35 000 Zuschauer gesorgt. Die Bundesrepublik ließ sich bei den Jubiläumsmeisterschaften der Leichtathletik durch den Vizekanzler Blücher sowie durch Professor Karl Diem vertreten. Diem überreichte auch am Schluß der Kämpfe an die beiden besten Athleten die silbernen Lorbeerblätter des Bundespräsidenten. Den inneren Gehalt bildeten die zum Teil großartigen Leistungen ■ der Athleten, die deutlich vom Wiederanstieg des deutschen Sports gesprochen haben. Ehe Schlag um Schlag die Entscheidungen des Sonntags fielen, legte der Vorsitzende des Deutschen Leichtathletikverbandes, Dr. Danz (Kassel), ein Bekenntnis zur olympischen Idee und dazu das Gelöbnis ab, alle Arbeit und alle Kraft der deutschen Jugend zu widmen. Tiefes Schweigen legte sich über das Stadion, als Dr. Danz die Namen der gestorbenen Deutschen Meister aufrief. Dabei kam auch noch einmal die Erinnerung an die ungewöhnlich hohen Blutverluste auf, die gerade von der deutschen Leichtathletik im letzten Kriege erlitten worden sind. Die olympische Fanfare und die Olympische Hymne von Richard Strauss begleiteten die Worte des Sprechers.
Für den erfreulichen und von weiteren Hoffnungen gestützten Stand der deutschen Leichtathletik spricht die Tatsache, daß in den meisten Wettbewerben die Jahresbestleistungen verbessert und neue Nachkriegsbestleistungen aufgestellt werden konnten.
An der letzten Verteidigungslinie
Der Naktong an drei Stellen überschritten
Pusan, 6. August. (AP./BBC./dpa) Die Nordkoreaner haben den Naktong-Fluß an drei Stellen überquert. Verbände des Feindes sind bis auf elf Kilometer an Taiku h€rangekommen.
Im Mittelabschnitt konzentrieren die Nordkoreaner etwa sieben Divisionen. Es muß damit gerechnet werden, daß sie mit drei Divisionen den Stoß auf Taiku vornehmen werden und die vier übrigen nach Süden in Marsch setzen, um im Kampfraum Masan—Schinju die Entscheidung zu erzwingen. Dort besteht die Möglichkeit, mit einem Stoßkeil Pusan anzugreifen und mit einem zweiten die Eisenbahnlinie Pusan—Taiku zu bedrohen.
Der im Mittelabschnitt über den Naktong übergesetzte Feind fand an einer Stelle, nordwestlich Taiku aus dem Raum Hamschang-Sanschu vorstoßend, keinen Widerstand. Die Verbände der 7. südkoreanischen Division zogen sich auf Befehl der 8. amerikanischen Armee beim Erscheinen der feindlichen Kräfte in vorbereitete Bergstellungen acht Kilometer östlich des Naktong zurück. Eine südlich der ersten Uebergangsstelle über den Naktong gehende feindliche Einheit in Stärke von etwa tausend Mann konnte bei einem Gegenangriff vernichtet werden. Mit dem hart westlich Taiku übergesetzten Feind sind heftige Kämpfe im Gange. Bei den Kämpfen im südlichen Raum haben sich die Einheiten des 27. und 35. amerikanischen Infanterie-Regimentes hervorragend geschlagen und den nordkoreanischen Truppen starke Verluste beigebracht. Die Lage dieser amerikanischen Kampfgruppen, von denen Splittereinheiten eingekesselt sind, ist durch die nach Süden eingeleitete Bewegung der Nordkoreaner aus dem Raum Koschang stark gefährdet.
Superfestung abgestürzt
30 000 Liter Benzin explodierten
Fairfield Suisun (Kalifornien), 6. August. (dpa) In der Nähe des Flugplatzes Fairfield Suisun (Kalifornien) ist eine Superfestung der amerikanischen Luftstreitkräfte kurz nach dem Start explodiert. Sie hatte 30 000 Liter Benzin an Bord. Der Befehlshaber der neunten schweren Bomberluftflotte, Brigadegeneral Travis, und weitere sechzehn bis zwanzig Besatzungsmitglieder fanden bei dem Unglück den Tod. Der Feuerschein der Explosion war hundert Kilometer weit zu sehen. Beim Aufschlag des Flugzeugs auf den Boden entstand ein Krater von zwanzig Meter Breite und zwei Meter Tiefe. Die Superfestung stürzte nur- sechzig Meter entfernt von einer Wohnwagenkolonie der amerikanischen Luftstreitkräfte ab, in der etwa 75 Familien wohnen. Brennendes Benzin spritzte durch die Gegend. Die Wohnwagen wurden eingedrückt. Sechzig Personen wurden verletzt. Unmittelbar nach dem Start hatte das Flugzeug Propellerschaden an dem rechten Motor gehabt.
Molotow in Peking?
Tokio, 6. August, (dpa) Der stellvertretende sowjetische Ministerpräsident Molotow soll, wie die amerikanische Rundfunkgesellschaft National Broadcasting Companie aus Tokio berichtet, in Peking eingetroffen sein, um mit dem Präsidenten des Obersten Rates der chinesischen Volksrepublik, Mao Tse-tung, zu verhandeln.
Marsch auf Tibet angekündigt
Hongkong, 6. August, (dpa) Ein kommunistischer General des roten China hat erklärt, das kommunistische China beabsichtige in Kürze Tibet zu besetzen. Nach Ansicht politischer Beobachter in Hongkong bedeutet die Erklärung, daß China gegen Tibet losschlagen wolle, solange die Westmächte ihre Aufmerksamkeit Korea und Formosa widmeten.
Eine Säuberungsaktien der Kommunistischen Partei hat jetzt auch in Oesterreich eingesetzt.
Ablehnungen
*** Die Kommunisten versuchen in der letzten Zeit im verstärkten Maße, die Kirche für ihre angebliche Friedensfront einzuspannen, die dazu dienen soll, der Öffentlichkeit über die wahren Absichten des Kremls Sand in die Augen zu streuen. Die Patriarchen der orthodoxen Kirchen in der Sowjetunion konnten selbstverständlich veranlaßt werden, einen Friedensappell an alle Christen auf der ganzen Welt zu erlassen. In der Bundesrepublik ist es den Kommunisten aber bisher nur in wenigen Fällen gelungen, maßgebliche Geistliche in ihre Propaganda einzufangen. Sie werden es daher weidlich ausnutzen, daß der katholische Ehrenkanzler der Una - Sancta - Gemeinschaft, Professor Dr. Lütke, den kommunistischen „Stockholmer Appell“ zur Ächtung der Atomwaffe unterzeichnet und seinen Beitritt zum bayerischen „Landesfriedenskomitee“ erklärt haben soll, — wenn eine Meldung des sowjetisch lizenzierten Nachrichtendienstes ADN aus München zutrifft.
Die Sowjetzonen - Presse hat jetzt den Vorsitzenden des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Otto Dibelius, öffentlich aufgefordert, den Vorschlägen des Sowjet-Delegierten im Sicherheitsrat, Jakob Malik, die „Zustimmung der Christenheit zu verschaffen“, da er andernfalls Verantwortung für weiteres Blutvergießen in Korea zu tragen habe.
In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, daß sowohl die evangelischen wie die katholischen Kirchen es ausdrücklich ablehnen, sich für politische Ziele einspannen zu lassen. Dr. Dibelius hat in der überfüllten Marienkirche im Berliner Sowjetsektor erklärt, die Kirche könne gar nichts anderes predigen als Freiheit und immer wieder Freiheit. In einem Hirtenwort, das in den katholischen Kirchen der Sowjetzone verlesen wurde, heißt es, die Kirche könne für den wahren Frieden nicht durch Mittel und Einrichtungen politischer Art wirken. Daher könne sie sich auch nicht in Komitees und Aktionen einreihen, die sich in ihrer Bezeichnung auf den Frieden beziehen. Dessenungeachtet sei jedoch die Behauptung unwahr und beleidigend, daß die Kirche und ihre Glieder Friedensgegner oder Kriegsfreunde seien.
Diese Erklärungen sind um so bedeutsamer, als sie in der Sowjetzone selbst erfolgt sind, wo die Kirche unter Druck steht, wo ihre Hirten aber den Kommunismus an seinen Früchten erkennen.
Nicht zu lange hinausschieben!
en. Es war eine Weile stillgeworden um den Schuman-Plan. So still, daß mancher schon vermuten wollte, die Sache sei sanft entschlafen. Aber jetzt sind plötzlich bemerkenswerte Äußerungen gefallen. Vizekanzler Blücher hat auf einer Pressekonferenz in Bonn betont, daß die Verhandlungen sich erst im Vorfeld bewegten und die Hauptentscheidungen noch immer bevorstünden. Das französische Oberkommissariat hat verlauten lassen, daß Deutschland auf industriellem Gebiet indirekt an der gesamteuropäischen Materialbeschaffung — gedacht war in dem Zusammenhang an Verteidigungsmaßnahmen — teilnehmen könnte und daß hierzu auch der Schuman-Plan gewisse Möglichkeiten biete. Einen Tag danach hat ein Sprecher des französischen Außenministeriums in Paris bekanntgegeben, daß bei den Schuman- Plan-Verhandlungen in letzter Zeit beträchtliche Fortschritte erzielt worden seien und man sich über die Rechtsstellung des obersten Verwaltungsorganes für die Kohle und Stahlbehörde ebenso geeinigt habe wie über die Bildung eines Rates von Stellvertretern der Minister über einen Gerichtshof zur Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten und über ein parlamentarisches Überwachungsgremium, das aus Abgeordneten der verschiedenen Länderparlamente zusammengesetzt sein solle.
Verschmelzung der Völker
Man sieht: Die mitgeteilten Tatsachen weichen nicht nur von den Vermutungen der Öffentlichkeit wesentlich ab, sie unterscheiden sich auch untereinander. Gewisse Gründe für die Unterschiedlichkeit in der Beurteilung der Entwicklung deckt wohl die offizielle Parteikorrespondenz der Freien Demokraten mit einer Zuschrift auf, die sie veröffentlicht hat und mit der Bemerkung einleitet: „Trotz der eminent politischen Bedeutung des Schuman-Planes für das deutsch-französische Verhältnis wäre es verhängnisvoll, wollte man die Augen vor der Notwendigkeit wirtschaftlicher Überlegungen verschließen, die folgender Aufsatz aus berufener Feder anstellt.“ Der Aufsatz bekennt sich nachdrücklich zu der Auffassung, nach der „der Schuman-Plan gelingen muß, weil er politisch richtig und wirtschaftlich vernünftig ist“. Freilich dürfe er auf jeden Fall nur unter diesem Gesichtspunkt beurteilt werden.
Das ist überzeugend. Wir wollen es noch verdeutlichen: Der Plan soll und muß die in Betracht kommenden Völker verschmelzen und ihre Volkswirtschaften vereinheitlichen helfen. Solche Worte wären vor wenigen Jahren die eines Utopisten gewesen. Auch heute gehört noch eine gewisse Kraftanstrengung dazu, sie auszusprechen, wenn man sich gleichzeitig die realen Schwierigkeiten vor Augen hält, die der Verwirklichung entgegenstehen. Aber das Überzeugende am Schuman-Plan ist es gerade, daß er die Völker begeistert, daß er sie die Schwierigkeiten vergessen läßt und daß er doch gleichzeitig die Verwirklichung an einem Zipfel anpackt, von dem man hoffen kann, er werde trotz der Widerstände nicht abreißen.
Zu viel Planung?
Als damals die westdeutsche Regierung die Anregung aus Paris aufnahm, kamen massive Einwände aus der Sozialdemokratie, daß der Plan zu einer Restauration der alten schwerindustriellen Einflüsse führen würde. Jetzt wird — offensichtlich unter dem Eindruck der internen Besprechungen — auf der anderen Seite befürchtet, daß sich eine übermäßige Planung daraus entwickeln könne. Die Absicht der Regierungen geht bestimmt weder nach der einen noch nach der anderen Seite, sie ist viel weitergesteckt. Nun wollen wir nicht bestreiten, daß sich die eine oder andere Folgerung ergeben kann. Ob sie aber gezogen wird, das sollen und werden, wenn der Schuman-Plan die auf ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt, die zu einem Gesamtvolk verschmolzenen Völker später einmal bestimmen, wenn sie die Dinge unter ganz anderen Blickpunkten beurteilen werden als heute, da sie dann über ihren großen vereinigten Markt verfügen. Natürlich muß wenn wir Deutsche jetzt bereit sind, dafür Opfer zu bringen das Opfer „klar umgrenzt und wirtschaftlich vertretbar“ sein. Ohnehin sind die Opfer für ein so verarmtes, ausgeplündertes, zerteiltes und übervölkertes Land schwer genug zu tragen. Es muß außerdem vor allen Dingen gesichert werden, daß die große wirtschaftliche Idee des Schuman - Plans, die die Aufhebung aller Zollschranken, Subventionen, Produktionsverbote und anderer Diskriminierungen zum Inhalt hat, in der Praxis nicht durch eine Planung so lange aufgeschoben wird, bis die Grundidee sich schließlich überhaupt nicht mehr realisieren läßt. Die Planung kann nur als Übergangsbehelf der Notzeit verstanden werden. Auch uns wäre es lieber gewesen, wenn sich die erste wirkliche Tat zur Einigung der beiden westlichen Völker nicht ausgerechnet an der Schwerindustrie manifestieren würde. Aber das war und ist unvermeidbar, weil ein wirksamerer Beginn von keiner Seite empfohlen werden konnte. Also kommt man um die damit verbundenen Risiken nicht herum; man muß sie aber diese Forderung ist berechtigt von vornherein auf ein mögliches Mindestmaß begrenzen.
Nur Zupacken hilft
Nach dem Willen aller Beteiligten darf die Planung nicht die Arbeitsleistung beschränken und nicht auf die Aufteilung der Märkte zielen, sondern auf Höchstergebnisse innerhalb des künftigen Gesamtgebietes. Die politische Entwicklung mit den Aufrüstungstendenzen der ganzen Welt kommt dem in einer unvorhergesehenen Weise zugute. Das darf den Eifer zur Verständigung der Schwerindustrien nicht lähmen, etwa weil sie glauben könnten, die Verständigung unter den veränderten Umständen nicht mehr so nötig zu haben. Vielmehr muß die gute Gelegenheit, in der die Schwerindustrien nicht in dem gleichen Grad wie noch kurz vorher unter der Peitsche der Absatzsorgen stehen, benutzt werden, um desto schneller zu einem Ergebnis zu kommen. Denn es darf niemals vergessen werden: die Verständigung über die Schwerindustrien bildet nur Vorstufe und nur Mittel zum Zweck, nämlich zur Verständigung des deutschen und französischen Volkes und zur Befriedung eines freien Europas.
Hier liegt der Punkt, an dem man sich sichern muß: Im Schuman-Plan dürfen Bestimmungen nicht fehlen, die uns und allen anderen Beteiligten gestatten, von diesem ersten Schritt zurückzutreten, wenn nicht die weiteren Schritte in einer angemessenen Zeit folgen und wenn sich damit die als Vorleistung gebrachten Opfer als vergeblich erweisen. Dagegen glauben wir, daß die Idee, daß ein Ideal heute gerade das ist, was helfen kann. Und mehr als je möchten wir vor einem „Weg des langsamen Wachsens“ in diesem Augenblick warnen, in dem nur noch energisches Zupacken Erfolg verspricht und der Gedanke des Schuman-Plans — die Vereinigung des Westens — durch die Entwicklung der politischen Lage von den verschiedensten Seiten Zuzug erhält.
In Straßburg
an. Das europäische Parlament in Straßburg tritt heute zum ersten Male zusammen. So wenig, wie man geneigt sein wird, dieses Ereignis zu überschätzen — der Europa-Rat hat nur beratende Rechte —, so darf man doch einen Augenblick verweilen bei der Tatsache, daß zum ersten Male seit langem in einer großen politischen Organisation, auf die sich die Augen der Welt richten, Deutsche gleichberechtigt neben den Ausländern sitzen.
Der Einzug der Deutschen in dieses Parlament hat eine schmerzliche Vorgeschichte; man hat es uns als Nation schwer gemacht, unsere Zustimmung zu dem Beitritt zu geben. Aber im gegenwärtigen Augenblick müssen die Empfindungen der Deutschen mehr denn je nach vorwärts gerichtet sein. Der Weg nach Straßburg war beschwerlich, und in Straßburg selbst werden nicht nur Rosen für die deutsche Delegation geflochten werden. Entscheidend aber ist, daß sie nun einmal da ist und daß es jetzt zum ersten Male möglich ist, auch die Stimme Deutschlands in diesem Kreise zur Geltung zu bringen.
• Die Stimme Deutschlands — das darf nicht die Stimme des Nationalismus und enger und verstaubter Meinungen sein. In Deutschland hat die Idee eines vereinigten Europas starke Wurzeln geschlagen, stärker vielleicht als in jedem anderen Lande. Die Nation weiß, und sie wird das auch durch ihre Delegierten zum Ausdruck zu bringen verstehen, daß Deutschland wie jedes andere Land verloren ist, wenn das vereinigte Europa nicht zustande kommt. Aber eben darum darf in dem großen Konzert der Stimmen die des Volkes aus der Mitte des Erdteils nicht fehlen. Unsere Delegierten haben die schwierige, aber dankbare Aufgabe, mit Takt und Würde der Welt deutlich zu machen, daß die Deutschen entschlossen das europäische Ideal bejahen, ohne die Zusammengehörigkeit ihres Volkes zu verleugnen.
Der Wunsch ist da
AW. Der französische und der britische Verteidigungsminister haben sich beide vor ihren Parlamenten für die Idee einer Erhöhung der Wehrhaushalte eingesetzt. Sowohl die Nationalversammlung als auch das Unterhaus haben nur auf die Argumente gewartet, die Moch und Shinwell hervorbrachten. Es gab keine Einwände? im Gegenteil, sogar sehr energische Vorstöße der Abgeordneten, bei denen es zur schonungslosen Darstellung der eigenen militärischen Schwäche kam und den Völkern ein erschreckendes Bild der sowjetischen Uebermacht gezeichnet werden mußte.
England und Frankreich sind sich auch einig, daß die Front bei einer künftigen Auseinandersetzung möglichst weit nach Osten vorgeschoben werden soll. Zwischen Elbe und Rhein will man sich aufstellen. An dem Willen zur Abwehr wird auch niemand mehr zweifeln, aber mit Sorge ist vorerst festzustellen, daß der Wille allein noch kein Sicherheitsgefühl gibt, und daß das nervöse Spannungsgefühl — man kann es auch Furcht nennen — geblieben ist. Eine Reserve an der Hoffnung, die Weltrevolution werde doch nicht kommen, hindert den Westen wohl daran, radikal an die Aufrüstung heranzugehen. Wie sollte man sich sonst die für die militärische Erstarkung vorgesehenen Termine erklären.
Die britische Regierung gibt keinen festen Zeitraum an, sie vertritt aber die Auffassung, es lägen keine Anzeichen vor, daß es in nächster Zeit zu einem Krieg kommen müsse und man könne sich mit der Aufrüstung Zeit nehmen. Die Franzosen haben Jahreszahlen genannt. In fünf Jahren wollen sie eine schlagkräftige Luftwaffe haben und etwa 1952/53 ein starkes Heer.
Diese Ruhe ist wohl kaum ein Ausdruck der Stärke. Gewiß darf nichts überstürzt werden, wenn man aber sieht, mit welcher Energie in Amerika der Entschluß in die Tat umgesetzt wird und den Arbeitsrhythmus dort mit dem Europas vergleicht, dann muß das nachdenklich stimmen. Spätestens im Sommer des nächsten Jahres werden die Vereinigten Staaten militärisch stärker denn je dastehen, aber in Europa werden nach den bisherigen Planungen praktisch noch keine Auswirkungen höherer Bereitschaft zu verspüren sein. Wenn man im Vorfeld liegt, neigt man vielleicht dazu, die Gefahr zu überschätzen, man hat aber ein- untrügliches Gefühl dafür, was richtig ist.
„Südkoreaner“ Adenauer
Angriffe der Kommunisten
Frankfurt, 6. August, (dpa) Die Frankfurter Kommunisten gedachten in dem zu einem Viertel gefüllten Althoffbau des Fünfjahrestages des Atombombenabwurfes auf Hiroshima mit einer Kundgebung gegen die amerikanische Regierung und die Bundesregierung. Der kommunistische Landtagsabgeordnete Wilhelm Feller von Rheinland-Pfalz erklärte nach scharfen Angriffen gegen Präsident Truman und den amerikanischen Kriegsminister Johnson wegen ihrer Haltung im Koreakonflikt: „Wer in Korea begann, wird auch in Westdeutschland anfangen. Der Befreiungskampf des deutschen Volkes wird durch den ,Südkoreaner Adenauer' nicht aufgehalten werden. Wie die Koreaner sollten es auch die Deutschen machen. Wenn noch kein Weltkrieg begonnen habe, so sei das nur Stalin, dem ,Leuchtturm des Friedens' zu danken.'*
Appell der Vertriebenen an die Welt
Die „Charta der Vertriebenen“ /Kundgebungen am Tag der Heimat
A. Z. Frankfurt, 6. August. Am Sonntag haben in ganz Westdeutschland die aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen den „Tag der Heimat“ begangen. Am Vorabend war in Stuttgart auf der Bundestagung des Zentralverbandes der vertriebenen Deutschen feierlich die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ verkündet worden.
Die Heimatvertriebenen fordern darin das Recht auf die Heimat, gleiche Rechte als Staatsbürger und eine gerechte Verteilung der Kriegslasten. Sie betonen ausdrücklich, daß sie auf Rache und Vergeltung verzichten wollen.
Bei allen Kundgebungen kam eine unmißverständliche Unzufriedenheit mit der Bonner Regierung zum Ausdruck.
In Stuttgart sprachen am Samstag Vizekanzler Blücher, der Erste Vorsitzende des Zentralverbandes der Heimatvertriebenen im Bundesgebiet Dr. Kather und Staatssekretär Schreiber. Am Sonntag wurde auf dem Hof des Neuen Schlosses im Zentrum der Stadt Stuttgart eine Kundgebung abgehalten, an der etwa 90 000 Vertriebene teilnahmen. Auf dieser Kundgebung sprach Bundesflüchtlingsminister Dr. Lukaschek.
In Frankfurt sprach am Sonntag auf dem Römerberg vor etwa 5000 Ostdeutschen der frühere Bürgermeister von Lötzen und heutige Zweite Vorsitzende des „Blocks der Heimatvertriebenen“ vor? Schleswig-Holstein Dr. Gille. TT ~ -L. T> L.
In Hamburg waren ehemalige Bewohner der Freien Stadt Danzig zusammengekommen. Insgesamt waren es etwa 20 000 Danziger. Sie kamen aus allen Teilen des Bundesgebietes, aus Holland, Skandinavien und Oesterreich. Sie faßten eine Entschließung, die in der Anerkennung der Eigenstaatlichkeit Danzigs gipfelt.
Für Rückgabe Ostpreußens
„Potsdam kein Diktat des Kremls“
F. A. Z. Frankfurt. 6. August. In Frankfurt hat am Sonntag auf dem Römerberg, der mit den Fahnen aller verlorenen Provinzen und Länder geschmückt war, vor etwa fünftausend Ostdeutschen der frühere Bürgermeister von Lötzen. Dr. Gille, gesprochen. Er betonte, daß die neue Magna Charta der Vertriebenen (sie wurde zu Beginn der Kundgebung verlesen) ein Dokument des Maßes und der Würde sei. Die Flüchtlinge würden ihre politischen und materiellen Forderungen niemals über das gesamtdeutsche Interesse stellen, doch müßten sie verlangen, daß die Last des verlorenen Krieges gleichmäßig auf alle Schultern verteilt würde. Den Flüchtlingen liege Säbelgerassel und Rachegeschrei fern, doch sei der Wuijsch nach der Rückgabe der Heimat eine politische Realität, was man sich in Bonn nicht ausreichend vor Augen halte. Keiner könne der amerikanischen und der englischen Nation die Mitverantwortung für den Raub deutscher Gebiete in Potsdam abnehmen. Potsdam sei kein Diktat des Kremls gewesen, sondern eine freie Uebereinkunft der vier Großmächte. en
Für Rückkehr nach Danzig
el. Hamburg, 6. August. (Eigener Drahtbericht.) Die in Hamburg versammelten 20 000 Danziger fordern in einer Ent- Schließung die Rückgabe des Heimatgebietes der Freien Stadt mit dem gesamten staatlichen und privaten Vermögen und die Rückkehr der vertriebenen Danziger in ihre Heimat nach der Wiederherstellung ihrer Rechte. Sie wollen Ersatz für alle Schäden in voller Höhe haben. Sie begründen ihre Forderungen mit der völkerrechtlich anerkannten weiteren Existenz des Freistaates Danzig, für die auch der britische Außenminister Bevin im Jahre 1945 und der amerikanische Außenminister Acheson in diesem Jahre eingetreten seien.
Der Hauptredner auf der Kundgebung, Rechtsanwalt Dr. Langguth, teilte mit, daß die im Januar ordnungsgemäß gewählte Danziger Exilregierung in Westdeutschland demnächst an die Alliierten, die Vereinten Nationen und den Sicherheitsrat herantreten würde, um das Problem Danzig ,auf die Tagesordnung der Vereinten Nationen zu bringen.
Eine neue Partei, die „Partei freiheit¬ licher und entrechteter Bürger“ ist in West-Berlin gegründet worden.
Gegen die Arbeitseinheiten
Knothe fordert Abberufung von Erhard und Schäffer
Langendiebach, 6. August, (dpa) Der Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei in Hessen, Willy Knothe, wandte sich auf einer Kundgebung in Langendiebach gegen die geplante Errichtung von bewaffneten „Arbeitseinheiten“. Er erklärte, daß sich das deutsche Volk und vor allem die deutsche Jugend geschworen hätten, kein Gewehr mehr zu schultern.
Aus einem positiven Pazifismus heraus könne er sich ebensowenig für eine Bundespolizei wie für eine kasernierte Landespolizei einsetzen. Gute kommunale Polizeiverbände seien ausreichend, um Ruhe und Ordnung zu garantieren. Knothe forderte außerdem die Abberufung der beiden „Interessenpolitiker“ Erhard und Schäffer aus dem Bundeskabinett. Knothe empfahl den sozialdemokratischen sozialen Arbeitsgemeinschaften mit den christlichen Sozial-Gemeinschaften zusammenzuarbeiten und ihnen zu beweisen, daß die Politik der Christlichen Demokraten im Bundestag auch für sie verhängnisvoll sein müsse.
Politischer Zusammenschluß
Nationaldemokratische Reichspartei
Alsfeld, 6. August, (dpa) Die Gründung einer „Nationaldemokratischen Reichspartei (Block der Vaterländischen Einigung) ist in Alsfeld bekanntgegeben worden. In ihr haben sich die „Nationaldemokratische Partei“ (Hessen), der „Block der Nationalen Einigung“ (Nordrhein-Westfalen), der „Bund der Unabhängigen“ (Hamburg) und der „Ostdeutsche Bauern- und Mittelstandsbund“ (Niedersachsen) zusammengefunden. Das vorläufige Präsidium der neuen Partei wird vom bisherigen Landesvorsitzenden der Nationaldemokratischen Partei, Karl Heinz Priester, und dem Blockvorsitzenden Joachim von Ostau gebildet. Mit der „Vaterländischen Union“ Karl Feitenhansls in Bayern verbindet die neue Partei eine Arbeitsgemeinschaft.
Auf einer Delegiertentagung am Vortage war Karl Kadesch (Wiesbaden) zum Landesvorsitzenden der neuen Partei in Hessen gewählt worden. Zweiter Vorsitzender ist Dr. Kullmann (Wetzlar). Priester hatte sein Amt als Landesvorsitzender der Nationaldemokraten zur Verfügung gestellt, da er ins Präsidium der Nationaldemokratischen Reichspartei berufen wurde.
Jetzt auch in Hessen
Frankfurt, 6. August. (Eigener Bericht.) Am Sonntag wurde in Frankfurt der Landesverband Frankfurt des „Blockes der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ (BHE) gegründet. Zum ersten und zweiten Vorsitzenden wurden Waldemar Kraft und Dr. Gille gewählt, die die gleichen Stellungen im Landesverband Schleswig-Holstein bekleideten. Man will damit dokumentieren, daß der Block im gesamten Bundesgebiet tätig werden will. In den vorläufigen Vorstand wurden Exponenten aller maßgebenden bereits bestehenden Flüchtlings- und Geschädigtenverbände gewählt. Der Landesverband Hessen
Keine neue Wohnungsbeschlagnahme soll nach Erklärungen des amerikanischen Oberkommissars McCloy trotz gegenwärtiger Schwierigkeiten vorgesehen sein.
Für eine Konferenz der Großmüchte
Trygve Lie fordert die Zulassung Rotchinas
Lake Success, 6. August. (AP.) Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, hat sich am Sonntag von neuem für eine Konferenz der Staatsoberhäupter aller Großmächte eingesetzt und die Zulassung des kommunistischen Chihas in den Sicherheitsrat gefordert. In seinem 143 Seiten umfassenden Jahresbericht an die Generalversammlung der Vereinten Nationen behandelt Lie den koreanischen Konflikt, die Zulassung Chinas, den sowjetischen Boykott des Sicherheitsrates und andere Probleme des kalten Krieges.
Lie fordert die Generalversammlung auf, die Zulassung Chinas trotz des Widerstandes der Westmächte sofort eingehend zu prüfen. Er sei der Ansicht, daß derjenige Vertreter im Sicherheitsrat sitzen solle, dessen Regierung den größten Teil des Landes verwalte.
In der gegenwärtigen Krise, die die schlimmste seit dem Ende des letzten Krieges sei, könne nur eine kühne und weise Politik aller Verantwortlichen die Welt aus einem neuen Krieg heraushalten. Im vergangenen Jahr sei auf keinem Gebiet eine Uebereinstimmung zwischen den Großmächten erzielt worden, die Staatsmänner hätten sich noch nicht einmal bereit gefunden, sich überhaupt an den Konferenztisch zu setzen.
Solange dieser Zustand anhalte, würde sich der Konflikt von Monat zu’ Monat vergrößern. Sobald der Friede in Korea wiederhergestellt sei, sei es von äußerster Wichtigkeit, durch Verhandlungen und Vermittlungen den Konflikt endgültig beizulegen.
Moskaus „Friedensplan“
Lake Success, 6. August. (AP.) Der sowjetische Delegierte Jakob Malik hat im Sicherheitsrat die ersten Einzelheiten über den sowjetischen „Friedensplan“ für Korea bekanntgegeben.
In einer zwei Punkte umfassenden Resolution zur „friedlichen Beilegung des Korea-Konfliktes“ forderte Malik
1. die Kampfhandlungen einzustellen und alle ausländischen Truppen aus Korea zurückzuziehen,
2. vor weiteren Besprechungen Vertreter des kommunistischen China und Koreas anzuhören.
Gleichzeitig kündigte der sowjetische Delegierte sein Veto an, falls der Rat die Nordkoreaner nicht einladen würde
Der amerikanische Delegierte Warren Austin brachte eine Resolution ein, in der der Rat aufgefordert worden war, die Nichtbeachtung des Feuereinstellungsbefehls der Vereinten Nationen durch die Nordkoreaner zu verurteilen und alle Nationen aufzufordern, Nordkorea nicht zu unterstützen.
Nach einer einstündigen Debatte über Verfahrensfragen vertagte sich der Sicherheitsrat schließlich auf den Dienstag der kommenden Woche.
Wer erhält Ueberbrückungs-Beihilfe?
Der Bundesfinanzminister gibt Richtlinien an die Länder
zer Bonn, 6. August. Der Bundesfinanzminister hat jetzt die von den Bundestagsausschüssen für Beamtenrecht und für Heimatvertriebene erarbeiteten Richtlinien für die Auszahlung der Überbrükkungsbeihilfe den Landesregierungen zugestellt. Mit den Richtlinien hat er an die Landesregierungen zugleich die Aufforderung gerichtet, sie in der Tagespresse und im Rundfunk bekanntzumachen und mitzuteilen, wo Anträge für die Gewährung der Überbrückungshilfe zu stellen und welche Unterlagen beizubringen sind.
Von den zuständigen Bundestagsausschüssen wurde im gleichen Zusammenhang an die Länder die Mahnung gerichtet, für die Zukunft falsche, mißverständliche und engherzige Auslegungen, die bisher die Auszahlung der notwendigen Hilfe verhindert hätten, zu vermeiden. Da die neuen Richtlinien bereits vom 1. April an gelten, sind Nachzahlungen auch an diejenigen möglich, die nach den ersten Richtlinien bereits etwas erhalten haben, denen aber unter Zugrundelegung der neuen Richtlinien höhere Beihilfen zustehen.
Als allgemeiner Stichtag gilt nach den neuen Richtlinien der 8. Mai 1945 oder der Zeitpunkt der Besetzung. Voraussetzung für Ruhegehaltsbeamte ist die Erfüllung einer ruhegehaltspflichtigen Dienstzeit von mindestens zehn Jahren. Berufsoffiziere werden berücksichtigt, soweit sie bis zum 8. Mai 1945 eine Dienstzeit von mindestens zehn Jahren, Berufsunteroffiziere von mindestens 18 Jahren abgeleistet haben. Bedienstete des Reichsarbeitsdienstes werden nur berücksichtigt, wenn sie vor ihrem Eintritt in den Reichs arbeitsdienst bereits Beamte auf Lebenszeit waren.
Antragsberechtigt sind ferner Ehefrauen und Kinder von Personen des öffentlichen Dienstes, die vermißt sind oder sich in Kriegsgefangenschaft befinden. Antragsberechtigt sind ferner alle Beamten, Angestellten und Arbeiter des öffentlichen Dienstes, deren Dienststelle untergegangen ist oder die Vertriebene oder Entnazifizierte sind. Zuerst sind diejenigen zu berücksichtigen, die bisher keine Zahlungen von Unterhaltsbeträgen erhalten haben. Dann folgen diejenigen, die weniger als 180 Mark und schließlich alle übrigen, die mehr als 180 Mark erhalten haben. Alleinstehende Sollen 70 Mark, Verheiratete 100 Mark erhalten. Sind bisher keine Vorschüsse von Versorgungsbezügen oder Unterhaltsbeträgen gezahlt worden, kann bis zum Betrag von 180 Mark monatlich hinausgegangen werden.
Die Ueberbrückungshilfe darf weder allein noch mit anderen Leistungen aus öffentlichen Mitteln bei einem erdienten Ruhegehalt, Witwen- oder Waisengeld bis zu 200 Mark den vollen Betrag übersteigen, von dem 200 Mark übersteigenden Betrag die Hälfte, aber nicht über 300 Mark. Wer bisher bereits Versorgungsbezüge über 300 M„rk erhalten hat, bekommt keine Ueberbrückungshilfe. Der Zuschlag für jedes Kind beträgt 20 Mark
Wieder Hausratshilfe
Bonn, 6. August, (dpa) Das Hauptamt für Soforthilfe hat in Bonn bekanntgegeben, daß die Antragsperre für die Hausratshilfe für die Zeit vom 1. September bis 31. Oktober dieses Jahres aufgehoben sei. Nach diesem Termin werden Anträge nicht mehr angenommen. Nur Heimkehrer. die nach dem 31. Juli dieses Jahres zurückkehren, und Heimatvertriebene, die nach dem 31. Juli dieses Jahres ihre Heimat verlassen mußten und in die Bundesrepublik eingewiesen werden, können auch nach dem 31. Oktober Anträge für Hausratshilfen einreichen.
Stimmen der Anderen
Das Ziel erreicht
Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt:
„Jeder Versuch der Westmächte, deutsche Soldaten zur Verstärkung der westlichen Abwehrfront in Europa heranzuziehen, würde heutzutage großes psychologisches und diplomatisches Geschick erfordern.
Ein großer Teil der antikommunistisch eingestellten Bevölkerung der Bundesrepublik reagiert auf den Gedanken einer Einschaltung der Ruhrindustrie in die Aufrüstung der Westmächte oder gar auf den Vorschlag zur Heranziehung deutscher Soldaten für die Verteidigung des Westens mit betonter Zurückhaltung, ja vielfach mit offener Abwehr. Ursachen sind die grundlegende Wandlung der Weltlage seit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und die alliierte Erziehungsarbeit, deren Ziel bis vor kurzem die Ausschaltung des unheilvollen deutschen Militarismus war. Die rigorose Bestrafung hoher Offiziere und die Behandlung, die ehemaligen Berufsoffizieren heute noch beispielsweise von selten der Gewerkschaften zuteil wird, haben ihren Zweck durchaus erreicht: den meisten Deutschen erscheint heute der Beruf des Soldaten als ein Metier, das sich auf die Dauer schlecht bezahlt macht und von dem man am besten die Hände wegläßt. Dazu kommt natürlich der Schock der letzten Kriegjahre mit ihren Bombennächten und dem Cha s der Niederlage, der noch nicht überwunden ist und vor allem bei Frauen und Müttern einen unauslöschlichen Eindruck gemacht hat. Der Versuch, die deutsche Wehrmacht für die Verteidigung des Westens heranzuziehen, kann nur mit einiger Aussicht auf Erfolg unternommen werden, wenn es dem Westen zuvor gelingt, seine eigene Fähigkeit und Entschlossenheit zur Selbstverteidigung so nachdrücklich zu demonstrieren, daß den Deutschen die Beteiligung nicht von vornherein als ein Kampf für eine verlorene Sache erscheint.“
Verschollene Soldaten
Jeder fünfte ist am Leben
Aachen, 6. August. (AP.) Etwa jeder fünfte der als verschollen gemeldeten ehemaligen deutschen Soldaten sei nach bisherigen Feststellungen noch am Leben, teilte der Leiter der Hamburger Zonensuchzentrale, Dr. Wagner, auf einer Tagung des Deutschen Roten Kreuzes mit.
Augenblicklich seien rund 250 000 Todeserklärungen beantragt. Er warnte davor, diese Erklärungen allzu schnell auszustellen, da es sich gezeigt habe, daß zahlreiche Verschollene noch am Leben seien.
Bis Weihnachten dieses Jahres sollten Namenslisten d. verschollenen ehemaligen deutschen Wehrmachtsangehörigen vom Zonensuchdienst angefertigt werden, die dann jedem Heimkehrer übergeben würden. Auf diese Weise hoffe der Zonensuchdienst, Gewißheit über das Schicksal von 500000 ehemaligen deutschen Soldaten — einem Drittel der insgesamt 1,5 Millionen Vermißten — zu erhalten.
Polizei und Gewerkschaften
F. A. Z. Frankfurt, 6. August. Die alliierte Oberkommission hat neue Richtlinien veröffentlicht, nach denen Angehörigen der deutschen Polizei nunmehr der Beitritt zu Gewerkschaften freigestellt ist.
„Kreuzzug für die Freiheit“
Clay will ihn in Berlin eröffnen
Berlin, 6. August, (dpa) Der frühere amerikanische Militärgouverneur für Deutschland, General Clay, will in der zweiten Oktoberhälfte in West-Berlin einen „Kreuzzug für die Freiheit“ eröffnen. Clay will in seiner Eigenschaft als Präsident eines amerikanischen Freiheitsausschusses dabei der Stadt eine Freiheitsglocke übergeben.
Professor Havemann verhaftet
Berlin, 6. August, (dpa) Der Vorsitzende des kommunistisch gelenkten „Friedenskämpfer-Komitees“ in Ostberlin, Professor Dr. Robert Havemann, wurde am Sonntag auf einem Privatgrundstück in Nikolassee (amerikanischer Sektor) von der West-Berliner Polizei vorläufig festgenommen, wei er eine nicht genehmigte Versammlung des Komitees veranstalten wollte. Das Ost-Berliner Friedenskämpfer-Komitee ist in West-Berlin nicht lizenziert. Die Versammlung, die von 16 Menschen besucht war, wurde aufgelöst.
Weitere Erwärmung
Eigener Wetterbericht
West- und Mitteleuropa liegen unter dem Einfluß einer schwach ausgeprägten Hochdruckbrücke, die von den Azoren bis Nordskandinavien reicht. Damit sind die Voraussetzungen zu Ausbildung zunächst flacher Randstörungen besonders über Frankreich gegeben, die zeitweise auch Rheinland-Pfalz streifen werden.
Aussichten: Bei vorwiegend nur leichter Bewölkung weitere Erwärmung mit Ausbildung örtlicher Gewitterherde. Schwache Winde wechselnder Richtung.
Der Rundfunk am Dienstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Orchesterkonzert; 17.15 Fröhliches Spiel; 20.00 „Kinder, wie die Zeit vergeht“; 22.15 Das Abendstudio.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 18.15 Klänge der Heimat; 20.00 „Blume von Hawai“; 22.00 Virtuose Musik; 23.00' Die Rundfunktanzkapelle.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Operettenkonzert; 20.45 Hörspiel: „Die Fahrt ins Blaue“; 22.30 Musik der Welt.
NWDR: 12.00 Melodien von Joh Strauß; 13.20 . Musik am Mittag; 15 40 Musikalisches Allerlei aus der Schweiz¬ -20.00 Perpetuum mobile; 22.45 Tanzmusik; 0.05 Berlin am Mikrofon.
Darmstadt und Umgebung
Grillen
R. W. Sommerabende, Sommernächte sind schön, unter Umständen sogar’ herrlich, zLyrisch veranlagte Gemüter glauben, dies liege mit am Zirpen der Grillen. Gewiß, wenn wir im hohen Gras einer Sommerwiese liegen, versetzt uns ein vielstimmiges Grillenkonzert ebenso wie der Mondschein oder das Leuchten der Glühwürmchen in eine Stimmung schwebender Freude.
Aber alles zu seiner Zeit. Wir wollen und müssen ja auch in Sommernächten zuweilen schlafen. Diese Tatsache scheint leider den Grillen gänzlich unbekannt zu sein. Natürlich wissen wir, wie wichtig das lockende Gezirpe für die männlichen Grillen ist, denn auch Grillen-Weibchen lieben durch das Ohr, aber mir ging gestern doch der Hut hoch.
Hatte man doch nichts Besseres zu tun, als ausgerechnet vor meinem Fenster eine nächtliche Vollversammlung abzuhalten. Es war einfach unerträglich, weil es dabei so menschlich zuging: alle zirpten zu gleicher Zeit, eine lauter als die andere. Werwünschungen murmelnd, stieg ich aus dem Bett, um eine gütliche Einigung herbeizuführen. Man schwieg. Ich bat höflich um Ruhe und garantierte freien Abzug. Man schwieg heimtückisch, nur meine Frau fing an zu kichern. Mich packte die Wut, ich versuchte eines der Biester zu erwischen, im Fensterladen, am Gesims, in den Ritzen des Rauhputzes, nichts! Oh, ich hätte die ganze Grillenbande „auf dem Grill“ rösten mögen!
„Nimm ein Schlafpulver und Baldrian“, meinte meine Frau. Das tat ich denn auch.
Wehrmachtgeräte bei Darmstadt beschlagnahmt
Besitzer von zwei Wehrmachtssendeanlagen verhaftet
Vor einiger Zeit wurde amerikanischen Sicherheitsbehörden in Berlin bekannt, daß westdeutsche Besitzer von Wehrmachtsendeanlagen, Ersatzteilen und sonstigem wertvollem Wehrmachtsgerät letzter Konstruktion Verbindung mit sowjetischen Stellen aufgenommen hatten, um die in ihrem Besitz befindlichen Materialien, deren Wert hunderttausend DM weit überschreitet, zu veräußern. Es sollten, so war bekannt geworden, zwei komplette 200-Watt-Sender für Kurz- und Langwellenbetrieb vom Typ „Ehrenmal“, Fabrikat „Lorenz", wie er im letzten Kriegsjähr auf schweren Kriegsschiffen der deutschen Kriegsmarine eingebaut wurde, zur Aufstellung bei einer sowjetischen Gesandtschaft in Rot-China und auf der Insel Rügen gelangen. Die Lieferung sollte über eine West-Berliner Firma an die sowjetische Besatzungsmacht erfolgen. Den Spuren folgend, erhielten Spezialbeamte den Auftrag, als Scheinkäufer aufzutreten. Sie stellten dabei fest, daß die Anlagen sich im Besitz eines Beamten des Fernmeldetechnischen Zentralamtes in Darmstadt und eines Fabrikanten in Mainz-Kostheim befanden.
In einer überraschenden Aktion beschlagnahmten am Freitagmittag im Auftrag der Staatsanwaltschaft bei dem US-Resident-Office in Darmstadt Beamte der Militärpohzei die Geräte und verhafteten deren Besitzer, die jedoch ohne Stellung einer Kaution bis zur Gerichtsverhandlung wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Es wird ihnen in der Anklage vorgeworfen werden, daß sie entgegen den Bestimmungen der amerikanischen Besatzungsmacht ehemaliges Wehrmachtsgerät ungemeldet in ihrem Besitz hatten und ohne Wissen der Besatzungsmacht einen dadurch ungesetzlichen Verkauf tätigen wollten. Es besteht die Möglichkeit, daß, wie die Beschuldigten erklärten, die Materialien als Metallschrott rechtmäßig im Jahre 1946 in ihren Besitz gelangten.
Bei der Durchsicht der Lagerbestände wurden neben den beiden kompletten Marinesendern große Mengen an Senderersatzteilen und ein „ Infrarot-Bildwandler“ aus Wehrmachtsbeständen ermittelt. Bei letzterem handelt es sich um ein Nachtsichtgerät, das als eine der letzten deutschen Geheimgeräte mit außerordentlichem Erfolg in Nachtjägern und Panzerkampfwagen Verwendung fand und auf der Sichtbarmachung der infraroten Wärmestrahlen beruhte. In einem Versuchseinsatz wurden im März 1945 mit Hilfe einiger „Infrarot-Bildwandler“ bei den Kämpfen um Stuhlweißenburg in Ungarn in einer Nacht 46 sowjetische Panzer ohne deutsche Verluste bei völliger Dunkelheit abgeschossen.
Die Gerichtsverhandlungen gegen die beiden Beschuldigten werden nach Abschluß der Ermittlungen in Darmstadt erfolgen. DT.
Fristlos entlassen
Er hatte Schwarz-Weiß-Rot geflaggt
Der Regierungspräsident in Darmstadt hat — wie uns offiziell mitgeteilt wird — den Gendarmeriemeister O. fristlos entlassen, weil dieser aus Anlaß eines Sängerfestes eine schwarz-weiß-rote Fahne gehißt hatte. Mit dieser Tat, so heißt es in der Begründung, habe O. in gröblicher Weise gegen seine Dienstpflicht verstoßen, die verlangt, daß der Beamte innerhalb und außerhalb seines Dienstes nach Kräften für die Festigung und Vertiefung des demokratischen Gedankens in einer demokratischen Staatsordnung eintritt. Der Beamte habe mit der Anbringung der schwarz-weiß-roten Fahne der Förderung von Bestrebungen gedient, die darauf abzielen, das demokratische Gedankengut und die demokratischen Einrichtungen herabzusetzen und in ihrer Wirksamkeit zu behindern oder zu beseitigen. Eine derartige Pflichtverletzung Sei bei einem Polizeibeamten, als dem Repräsentanten der Staatsgewalt, besonders schwerwiegend, sein Verhalten mit dem Dienstverhältnis eines staatlichen Beamten unvereinbar und die sofortige Entlassung des Beamten geboten.
Eine Festnahme
Wie wir erst jetzt durch eigene Informationen erfahren konnten, soll in den letzten Tagen ein bekannter Bäckermeister aus dem Darmstädter Nordviertel von Kriminalbeamten in Haft genommen worden sein. Die Festnahme erfolgte, weil der Festgenommene in dem dringenden Verdacht steht, sich an Kindern in unsittlicher Weise vergangen zu haben. Auf Anfrage teilte uns die hiesige Kriminalpolizei mit, „man könne der Presse keine Mitteilung geben, um die Bevölkerung nicht unnötig zu beunruhigen“.
Wir sind hier anderer Auffassung und meipen. daß die Oeffentlichkeit ein Recht auf sachliche und ungeschminkte Unterrichtung durch die Presse hat. Wir meinen, man sollte gerade auf diesem kriminellen Sektor schonungslos jene Gefahren, aufzeigenj, die durch sittlich verkommene Personen unseren Kindern drohen und durch solche Meldungen immer wieder die Eltern ermahnen, ihre Kinder zu warnen, aufzuklären und entsprechend zu erziehen. yk
Zuchtbullen-Verkauf
Fünfzehn prächtige Bullen der Starkenburger Fleckviehzucht standen am Wochenende auf einer Absatzveranstaltung in Darmstadt zum Verkauf. Der Versteigerung ging eine Körung durch Sachverständige voraus, bei der die Tiere nach Form und Leistung (gemeint ist damit die Milchleistung der Mütter) in Zuchtwertklassen eingeteilt wurden. Es konnte festgestellt werden, daß 15 Prozent der Muttertiere, deren Nachkommen im Ring standen, in das Deutsche Ringleistungsbuch eingetragen waren. Die Hälfte der aufgetriebenen Bullen hatte die Leistungsnoten 1 und 2 erhalten. Als Spitzenbullen bezeichnete man den Bullen des Johann Schäfer 3. in Airlenbach, der auf die Pelzjäger-Blutlinie zurückgeht, und den Bullen des Züchters Richard Seeger in Habitzheim, der aus der ebenfalls in Züchterkreisen bekannten Mentor-Marbod-Blutlinie stammt. Beide Bullen erhielten Gebote über 2000 DM und wurden von der Odenwaldgemeinde Günterfürst bzw. der Riedgemeinde Crumstadt erworben. Weitere an der Spitze stehende Bullen wurden von den Zuchtgemeinden Dorf-Erbach, Brandau, Pfungstadt, Höchst, Langen-Brombach, Hähnlein, Brandau, Langstadt, Rohrbach, Groß-Zimmern, Lützelbach, Waldamorbach, Ober-Modau und Rothenberg i. O. erworben. Aber auch andere Starkenburger Gemeinden erwarben neue Zuchtbullen. Die Preise lagen im allgemeinen zwischen 1000 und 2000 DM. — Eine weitere Versteigerung wird im Oktober abgehalten werden. -oa-
Nur keine Hemmungen, meine Damen...
„Heiß und kalt“ in der WK-Möbelausstellung
hgr. Zu einem „Preisraten“ hatte am Samstagnachmittag die WK-(Wohnkultur) Ausstellungsleitung in der Holzhofallee eingeladen. Nette Preise, von namhaften Darmstädter Firmen gestiftet, waren zu gewinnen. Die Beteiligung war rege.
Diejenigen Besucher der WK-Möbelausstellung in der Holzhofallee (wir haben bereits ausführlich darüber berichtet), die nichts von dem angesetzten Preisraten wußten, erlebten am Samstag-Nachmittag eine freudige Überraschung, als sie plötzlich gebeten wurden, zum Preisraten Platz zu nehmen. Noch während sie sich niederließen, spiegelten ihre Gesichter Mißtrauen und Neugier wieder. Bald aber, nachdem sich das Darmstädter Orchester der Berufsmusiker, unter Leitung von Herrn Hintze, mit leichten Unterhaltungsweisen in ihre Herzen gespielt hatte, entspannten sich ihre Mienen, und ein erwartungsvolles Gelöstsein verdrängte Mißtrauen und Neugier... .
Herbert Görner, der das Preisraten ähnlich auf gezogen hatte wie Just Scheu sein „Heiß oder Kalt“, schuf mit geistvollen Worten die Atmosphäre, die ein aufgeschlossenes Publikum wünscht und zum „Mitgehen“ anspornt. Die Aufforderung: „nur keine Hemmungen, meine Damen ...“ war nur einmal erforderlich. Kein Wunder, Herbert Görners graumelierte Schläfen schienen es gar mancher Dame angetan zu haben. Wir sahen nur wenige, die sich nicht nach vorne drängten, die nicht die Absicht hatten, seine schmale Hand zu drücken und aus der hölzernen Schale einen Zettel ziehen wollten, auf dem das zu ratende Wort stand. Aber auch die Herren waren nicht träge. Vielleicht sympathisierten sie mit den beiden hübschen Assistentinnen, die abwechselnd mit einer Stoppuhr die Zeit des Ratenden stoppten oder notierten, wieviel Fragen er (sie) noch stellen durfte. Es klappte alles vorzüglich. Wenn sich mal einer (eine) zu sehr verrannt hatte, dann half Herbert Görner nach. Sicher hat er genau so wenig wie wir den Eindruck mitgenommen, daß das Publikum borniert gewesen ist. Alle, die sich gemeldet hatten, schafften es, nahmen freudestrahlend die Geschenke an, die ihnen Herbert Görner anbot. Sogar die Dame in dem rotgeblümten Sommerkleid, die sich partout nicht darauf besinnen konnte, je in ihrem Leben ein Rendezvous (oder Stelldichein) gehabt zu haben; oder der noch sehr junge Mann, der einen Schlüpfer von einer Unterhose nicht zu unterscheiden wußte, rieten richtig in allerletzter Sekunde. Am besten schnitt ein Darmstädter Pressefotograf ab. Na ja, die Presse .sj
Da alles einmal ein Ende nimmt, gab es — zum Bedauern vieler — auf einmal auch nichts mehr zu raten und zu gewinnen. Ein Glück, daß die Kapelle das Publikum noch an die Plätze fesselte. Wir können nicht beurteilen, ob es sonst Landrat Becker gelungen wäre, noch ein paar freundliche Worte zu sprechen, die darin gipfelten, daß er glaube, daß man eines Tages eine andere Wohnkultur haben werde, eine Wohnkultur, wie sie auf der Ausstellung gezeigt werde...
Ganz zum Schluß verkündete Herbert Görner noch eine Überraschung für den kommenden Freitag, den 11. August, um 17.30 Uhr, indem er auf die bunte Veranstaltung der WK-Aussteller mit Künstlern von Rang und Namen hinwies. Auf dem Programm, das unter Herbert Görrters Leitung abrollen wird, werden wir am Freitag in der Holzhofallee folgenden Künstlern begegnen: Erika Köth vom Staatstheater Karlsruhe, Otto Böttcher vom Landestheater, den Geschwistern Heck mit ihrer beliebten „Musikschau“, dem bekannten heimatlichen Büttenredner Hans Herter, genannt Mickedormel, den sechs frohen Sängern mit Kurt Altwein am Flügel, dem Konzert-Baritonisten Heinrich Metzger und last not least der Kapelle Bänisch. Wie wir sehen, ein Programm, das einem manches erwarten 1äßt...
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Die Tabakfirma Arnold Bönninger, Andernach veranstaltet zur Zeit in Darmstadt einen großangelegten Werbefeldzug, der die Firma wieder in den Westzonen einführen soll, da seither die gesamte Produktion von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt war. Dabei werden in der Hauptsache Studenten der Technischen Hochschule Darmstadt eingesetzt, denen dadurch Gelegenheit gegeben wird, ihr Studium durch diesen Verdienst weiterzufinanzieren. Mit dieser Meldung sei die Bitte an die Darmstädter Geschäftswelt verbunden, für die mittellosen Studenten der Technischen Hochschule Verdienst- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, damit sich die Studenten in den Semesterferien eine finanzielle Grundlage für ihr weiteres Studium schaffen können. -th-
Sommer -Sonne - Sing-Sang
Frankensteintreffen der Jugend des Kreises Darmstadt
Gestern war was los auf der alten Burgruine, die sonst in tiefem Frieden liegt. Etwa 600 Jungen und Mädel der verschiedenen Jugendorganisationen und der Schulen fanden sich (seit dem Kriege zum vierten Male) dort zusammen. Durch die schlechte Witterung konnte in den vergangenen beiden Jahren das Treffen nicht stattfinden. Um so erfreulicher ist es, daß dieser Brauch nicht einschlief. Denn was die Jugend hier zusammenbrachte, sind keine konfessionellen oder politischen Bindungen, sondern ganz einfach die Freude an Spiel, Tanz, Gesang, Sonne und der eigenen Jugend.
Um 10 Uhr morgens trafen sie ein, „per pedes“ und,, per pedales“ kamen sie, keuchend, schwitzend, aber mit einem Lied auf den Lippen, solche, die gerade schon und solche, die gerade noch die Schulbank drückten. Nachdem auch die letzten (die „per motores“ sich auf die luftige Höhe des Frankensteins schraubten), nachdem also auch diese eingetroffen waren, lagerte sich das bunte Gezappel von lustig schnatternder Jugend auf einer Wiese am Fuße der Burg zu gemeinsamem Gesang. Landrat Wink und Schulrat Dr. Plötz begrüßten die muntere Schar und die Einrichtung des Frankensteintreffens, das die Lebensfreude in so hohem Maße hebe. Es sei wohltuend, frohe Jugend vor sich zu sehen, die man auf diese Weise von der Straße und ihrem Einfluß weggeholt habe. Auch Mr. Go tche us, den Chef der US.- Zivilverwaltung, sah man in dem Gewimmel.
Da saßen sie alle beisammen, die „Sport-Jugend und die „Naturfreunde“, die „Katholische Jugend “neben der „FDJ“, die „Entschiedenen Christen“ neben den „Falken“, die Schuljugend neben den Verbündender „Flüchtlingsjugend“und sangen: ,fWann wir schreiten Seit an Seit . . Das Spiel der Königsteiner Puppenbühne um „Die kluge Bauerntochter“, das übrigens am kommenden Dienstag im Zeltlager Breitenloh wiederholt werden wird, pef die kleine Gesellschaft in den Burghof. Darüber wurde es Mittag.
Die ersten Hungerchöre wurden gerade laut, als ein Lastwagen eintraf, der kübelweise zünftige Erbsensuppe anbrachte mit feinen Würsten und Brötchen in solchen Mengen, daß wir überall hören konnten: „Ihr könnt ruhig noch einmal was holen“. Na, und nachdem die knurrenden Mägen befriedigt waren, ging der Trubel erst richtig los. Unter der Mitwirkung der einzelnen Gruppen, besonders der Schülergruppe Gräfenhausen und der Königsteiner Puppenspieler, wurde den ganzen Nachmittag über getanzt, gespielt und gesungen.
“Wir wollen durch diese Zusammenkünfte die Arbeit der einzelnen Jugendgruppen fördern und der Jugend die Augen öffnen für die Schönheiten ihre: engeren Heimat“, erfuhren wir vom Leiter des Kreisjugendausschusses Li e - bi g und seiner Gehilfin, Kreisjugendpflegerin Fräulein Seit n e r, denen für das Zustandekommen und das Gelingen dieses Treffens auf dem Frankenstein besonderer Dank gebührt. bst
KPD-Funktionäre
Wie wir zu unserer Meldung über die Verhaftung von KPD-Funktionären am Freitagmittag in Darmstadt ergänzend erfahren, erfolgte diese Maßnahme auf Anordnung der Staatsanwaltschaft beim US-Resident-Office in Darmstadt. Den kommunistischen Parteimitgliedern Heinrich Benz, Walter Weber und Karl Fleck wird vorgeworfen, in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August Plakate im Nordviertel Darmstadts und in Arheilgen geklebt zu haben, die das Ansehen und die Sicherheit der amerikanischen Besatzungsmacht schädigen. Diese Anschuldigung wurde erstmalig in der US-Zone zum Grund einer Verhaftung kommunistischer Funktionäre genommen. Entgegen dem bei amerikanischen Gerichten sonst üblichen Brauch, Inhaftierte bis zur Gerichtsverhandlung gegen Stellung einer Kaution auf freiem Fuß zu belassen, werden die drei Angeklagten bis zum Gerichtstermin in Untersuchungshaft einbehalten. Bei der von uns gleichfalls gemeldeten Kundgebung des kommunistisch beeinflußten Friedenskomitees am Freitagabend auf dem - Ebert-Platz wurde eine Resolution an die Besatzungsmacht gerichtet, die Verhafteten wieder frei zu lassen. DT
Erfahrungsaustausch der Berufsschullehrer
Die bisher auf freiwilliger Basis beruhenden Aussprachetagungen und Facharbeitsgemeinschaften von Berufsschullehrern in verschiedenen Kreisen des Regierungsbezirks Darmstadt wurden nunmehr mit offizieller Unterstützung des Regierungspräsidiums Darmstadt für den gesamten Regierungsbezirk angeregt. Unter Leitung von Regierungsrat Stein, Darmstadt, trafen sich am vergangenen Samstagvormittag Vertreter der verschiedenen Fachrichtungen an den Berufsschulen zu grundlegenden Besprechungen über die Tagungen der Facharbeitsgemeinschaften.
Die Leitung der Arbeitsgemeinschaften wurde Handelsschuldirektor Dr. Zeiger und Berufsschuldirektor K i n s b e rg e r übertragen. Die Tagungen, die nach den verschiedenen Fachgruppen geordnet, die Berufsschullehrer aus dem gesamten Regierungsbezirk zusammenfassen sollen, haben vor allem den Zweck, Lehrpläne nach modernen Gesichtspunkten aufzustellen und Erfahrungen aus dem Berufsschulunterricht auszutauschen. Die Lehrerschaft der Berufsschulen, so betonte Regierungsrat Stein, solle sich enger als seither zusammenschließen, um ihren Wünschen Nachdruck verleihen zu können. Die große Aufgabe der Berufsschule, durch die heute 90 Prozent der gesamten Jugend gehe und die für diesen Lebensabschnitt der heranwachsenden jungen Menschen die einzige Einflußmöglichkeit des Staates darstelle, müsse klarer herausgestellt werden.
Neben einigen verwaltungstechnischen Fragen wurde die unterschiedliche Stellung der Berufsschullehrer in den althessischen Gebieten gegenüber den altpreußischen Kreisen des hessischen Staates erörtert. Größtes Interesse fanden die Mitteilungen von Regierungsrat Stein über die an der Bergstraße geplante Schulstadt, in der die Ideen, von Kultusminister Stein verwirklicht werden sollen. Es wurde angeregt, aus den Kreisen der Lehrerschaft der Berufsschulen und Berufsfachschulen Vorschläge über die Ausgestaltung und räumliche Anlage vorbildlicher Berufsfachschulen im Rahmen dieser Schulstadt zu machen.
Am Nadimittag besprachen die anwesenden Lehrkräfte die Durchführung der beruflich differenzierten Fachtagungen. DT
Internationales Pädagogisches Treffen
Darmstadt, 6. August 1950. Die Pädagogische Arbeitsstelle in Wiesbaden bereitet ein „Internationales Pädagogisches Treffen“ vor, das in der Zeit vom 14. bis 19. August in Jugenheim bei Darmstadt stattflndet. Zu der Tagung, während der über das Thema „Wie die Kinder wachsen . und werden, wie sie lernen und in dei’ Gruppe leben“ diskutiert wird, werden neben namhaften Pädagogen Deutschlands Gruppen aus Italien, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, England und den USA, aus Südasien, Australien und ein Vertreter der UNESCO erwartet.
Abschlußfeier
in der Städtischen Ingenieurschule und der Chemotechniscuen Fachschule
In einer von Musikstücken und Liedern des Schulchores umrahmten Feierstunde, an der alle Studierenden teilnahmen, verabschiedete am Samstagmorgen Direktor Schwalm in der Städtischen Ingenieurschule 25 Maschinenbauer und 20 Elektriker, die nach fünfsemestriger Ausbildung ihre Prüfung bestanden hatten.
Am Abend feierten Studierende, Absolventen und Dozenten in Arheilgen im Gasthaus „Zum Schwanen“ ein Abschiedsfest, das unter dem Motto „Gaudeamus igitur“ stand und von dem vierten Semester der Maschinenbauer inszeniert worden war. Der Senior der Dozenten, Baurat Hermanny, forderte die Versammelten auf, nach dem Be.spiel der Studentenverbindungen einen Freundschaftsbund zu gründen, der dem Studierendenverband angeschlossen würde. Zwei Absolventen wurde durch Vermittlung von Direktor Schwalm und Regierungsdirektor Walk ein zweijähriger Aufenthalt in Amerika im Rahmen des Werkstudentenaustauschs ermöglicht.
In der Chemotechnischen Fachschule sprach Direktor Dr. Hindenburg vor 28 Absolventen, von denen 17 ihre Abschlußprüfung mit gut bestanden hatten, ernste Mahnworte für ihren Berufsweg. Die Chemotechniker dürften sich nicht durch gute Noten blenden lassen, sondern sie müßten ständig an dem Ausbau ihres Wissens und an der Erringung weiterer praktischer Fähigkeiten arbeiten. Nach einem Wort von Goethe gelange weder das Talent, noch das Genie sondern nur der Durchschnittsmann zu den Früchten seiner Arbeit. Die Studierenden möchten den Ausspruch des bekannten Physikers Geheimrat Planck beherzigen, nach dem der Mensch keinen Anspruch auf Glück hätte, sondern jede froh verlebte Stunde als ein unverdientes Geschenk betrachten müßte. In einer reinen Gesinnung, die in gewissenhafter Pflicherfüllung liege, sollten die Absolventen ihr Leben meistern t-s
Diamantenes Priester-Inbiläum
Geistlicher Rat, Dekan und Pfarrer i. R. Adam Schmitt in Darmstadt-Eberstadt wurde vor 60 Jahren zum Priester geweiht
Die Pfarrei St. Josef von Darmstadt-Eberstadt begeht am 15. August das Fest des diamantenen Priester-Jubiläums des Geistlichen Rats, Dekan und Pfarrer i. R. Adam Schmitt. Der Jubilar wurde am 26. Juli 1864 als zweitjüngstes Kind von 12 Geschwistern in Kolmbach im Odenwald geboren und trat mit 16 Jahren in das Bensheimer Gymnasium ein. Nach seinem Abitur begann er 1886 im Priesterseminar zu Eichstätt philosophischtheologische Studien, die er am Mainzer Priesterseminar beendete. Am 9. August 1890 wurde er von Bischof Leopold Haffner zum Priester geweiht.
Der Ruf des Bischofs berief den Neupriester nach Bürstadt, Klein-Krotzenburg und Mainz. Nach den Pfarrverwalterstellen in Ober-Hilbersheim, Fürfeld und Mainflingen übertrug ihm Bischof Haffner 1897 die 1. Pfarrstelle in Mainflingen. 1903 wurde der Jubilar Pfarrer in Oberhilbersheim, 1911 Pfarrer in Heldenbergen. Hier wurde ihm die Führung des oberhessischen Dekanats anvertraut. Nach kurzer Erholungspause im St.- Josephs-Haus zu Eberstadt übernahm er 1927 die neu errichtete Pfarrei in Wörrstadt. Dort ernannte Bischof Ludwig Maria Hugo Adam Schmitt zum Geistlichen Rat.
Nach fast 50jährigem Wirken wählte sich Geistlicher Rat Schmitt 1938 das St.- Josephs-Haus in Eberstadt zum Ruhesitz. t-s
Die Geschichte einer Opferschale
Oberbürgermeister Metzger erzählte sie in einer Washingtoner Kirche
Zwischen Gliedern der evangelischen Johannesgemeinde und einer Washingtoner Gemeinde hat sich im Laufe der letzten Jahre ein herzlicher Briefwechsel entwickelt. Als Oberbürgermeister Metzger seine Amerikareise antrat, gab ihm seine Gemeinde eine Opferschale als Zeichen der Dankbarkeit für die mannigfache Hilfe mit, die ihr von drüben zuteil geworden ist. Im Anschluß an den gestrigen Gottesdienst verlas nun Pfarrer Jäschke einen Dankesbrief aus Washington, in dem ausgesprochen wird, daß man sich über die sinnvolle Gabe sehr gefreut habe. In zwei Morgengottesdiensten habe Herr Metzger in Washington gesprochen. Dazu heißt es:
„Er war sehi' fein in allem, was er sagte und überbrachte Ihre guten Wünsche. Er erzählte uns die Geschichte des Opfertellers, wie er schon in Ihrer eigenen Kirche benutzt worden war und wie er dann von ihren eigenen genommen wurde, ihn uns zu übersenden. Das erhöht uns seinen Wert. Letzten Sonntag wurde die Opferschale auf unseren Opfertisch gestellt, zusammen mit unseren Schalen und wird nun jeden Sonntag benutzt. Wir wollen sie als Erinnerungszeichen unserer schönen Freundschaft gebrauchen ... Wir hoffen, daß dies eine dauernde Mahnung zur Verbundenheit zwischen Ihnen und uns sein wird, die für uns so viel bedeutet ... Herrn Metzgers Besuch hier hat unseren Wunsch gefestigt, unsere deutschen Freunde besser kennenzulernen und durch fortwährende Korrespondenz die Freundschaft zwischen uns zu bereichern. Ich hoffe, daß wir ihn noch einmal sehen werden, bevor er nach Darmstadt zurückkehrt.“ DT
Ein Opel Olympia überschlug sich und stürzte die Autobahnböschung in der Nacht zum Sonntag hinunter, als der Fahrer des Wagens die Absperrung eines in Reparatur befindlichen Stückes Autobahn in der Nähe des Flughafens Rhein-Main übersah und umrannte. Die Insassen des Wagens wurden verletzt, das Fahrzeug stark beschädigt. DT
Die Sprechstunden des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner, Bezirksgeschäftsstelle Darmstadt, Steubenplatz 12, finden montags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 12 Uhr statt. Außer dieser Zeit können nur ganz dringende Fälle abgefertigt werden.
Sechs herrenlose Fahrräder warten bei der Darmstädter Kriminalabteilung auf ihren Besitzer. Sie wurden im letzten Monat von der Polizei sichergestellt.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: s. Anzeigenteil. Amerikahaus: Ausstellungen: „Moderne Skulptur in Amerika“ und ..Korea“, eine aktuelle Bilderserie.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit.“
30 000 DM für den sozialen Wohnungsbau
Das war Nieder-Ramstadts schönstes Festgeschenk
Innenminister Zinnkann übergab Sonderzuweisung der Hessischen Staatsregierung / Historischer Festzug in den Straßen der Gemeinde
Mit dem Wochenende erreichten die Festlichkeiten zur 750-Jahr-Feier der Gemeinde Nieder-Ramstadt ihren Höhepunkt. Festsamstag und Festsonntag sahen Tausende Einheimischer und Auswärtiger in den Mauern des „Ortes inmitten der 10 Hügel“ zu Freude und Frohsinn vereint, einem Frohsinn, der, wie Innenminister Zinnkann in seiner Festrede am Sonntagnachmittag betonte, allen arbeitenden Menschen nach den Jahren der Not und des Elends zustehe, soweit alles darangesetzt werde, den Armen und Aermsten unseres Volkes zu helfen, damit auch sie einer Freude teilhaftig sein könnten.
Auftakt zum Höhepunkt der Nieder-Ramstädter Festwoche anläßlich ihrer 750-Jahrfeier bildete der Samstag. Nachdem die Tagung der Schmiede-Innung das Programm der allgemeinen Tagungen abgeschlossen hatte, fand am Nachmittag ein großes Platzkonzert unter der Linde statt, das von der Nieder-Ramstädter Blaskapelle Schwinn unter Stabführung von W. Stroh ausgeführt wurde. Hunderte von Zuhörern hatten sich hierzu eingefunden.
Am Nachmittag waren die Einwohner noch emsig an der Arbeit, die Stadt in einen würdigen Zustand zu versetzen. Rechts und links der Straßen waren kleine Birkenbäumchen aus dem Pflaster ..gewachsen“, Männer eilten mit Eimern und Besen über den Weg und waghalsige hinge Männer übten sich im Fassadenklettern, um meterlange Tannengirlanden an den Hausfronten anzubringen. Große Feste haben ein eigenartiges Fluidum, es klingt nach Stimmengewirr, es riecht nach Kuchenduft und die Gesichter der Menschen haben einen eigenen Ausdruck.
Auf dem außerhalb der Stadt gelegenen Festplatz waren am Nachmittag die Vorbereitungen noch im vollen Gange. Man stolperte über Lichtkabel und Kisten, es wurde gehämmert und gesägt, als gelte es, in Stundenfrist eine Stadt aus dem Boden zu stampfen, eine Stadt aus Licht und Pappendeckel, aus dünnen Bretterbuden, aus Karussellmusik und freudiger Erwartung. Lastwagen brachten dickbauchige Fässer, Kisten mit Alkoholica und Hunderte von Metern Bratwürste, die nun mal zum Inbegriff eines ordentlichen Festes gehören. In der Schießbude wurden die letzten Probeschüsse gemacht, wurden grellfarbene Papierblumen auf dünne Tonröhrchen gesteckt, und dann lehnten sich die Schausteller und Kleinhändler über ihre Theken und warteten, auf den Besucherstrom.
Richtig in Schwung kam die Sache mit dem großen Festzug der Ortsvereine durch die Straßen Nieder-Ramstadts. Unser guter Mond dürfte sich gewundert haben, wieviele pausgesichtige Lampionmonde ihm am Samstagabend Konkurrenz gemacht haben. In allen Farben schwebten die matt leuchtenden Papierkugeln durch die Straßen, tausende von winzigen Kerzen flackerten hinter bunten Cellophanhüllen auf den Fensterbänken der Häuser, und die Straßen waren vollgestopft mit Menschen. Zuerst zog auf dem Festplatz der Gewerbe- und Verschönerungsverein ein, dann folgte die Sängervereinigung Nieder-Ramstadt mit einer riesigen Krone, der Turn- und Sportverein kam mit allen seinen Abteilungen und den Schluß bildete der Brieftaubenverein.
Ein unübersehbares Menschengedränge stürmte die Kassen, man drängte sich durch die Sperren mit und ohne Festplakette, wie es die Geschicklichkeit und Ehrlichkeit der Einzelnen erlaubte. Unterdessen hatte die Kapelle auf dem Podium Aufstellung genommen, und nach einem Vortrag des Gesangvereins begrüßte Bürgermeister Keil die zu Tausenden erschienenen Gäste. Landrat Wink war der nächste Redner, aber alle Worte gingen in dem Tumult der Menschen unter, die Kellner kassierten doppelt oder gar nicht, mit einem Wort, es war eine Mordsgaudi, das von Stunde zu Stunde größer wurde, und das das beste Zeichen dafür war, daß der Samstagabend allen Anwesenden eine bleibende Erinnerung sein dürfte. -st
Festsonntag bei Hundstagshitze
Bereits um 5 Uhr wurden die ersten Brieftauben jener Reisevereinigungen gestartet, deren Tauben die weitesten Flugstrecken hatten. Mit dem. Weckruf des Posaunenchors und dem Festgottesdienst wurde sodann der Festsonntag eingeleitet. Tausende erwartungsfroher Menschen, die besonders von auswärts mit Kraftfahrzeugen und Fahrrädern zum Besuch der Jubiläumsgemeinde eingetroffen waren, umsäumten zur Mittagszeit die Straßen und Gassen, um den historischen Festzug miterleben zu können. Landrat Wink, Bürgermeister Keil und die übrigen Ehrengäste erwarteten den Zug auf dem Podium vor dem Kriegerdenkmal, gegenüber dem Geibelschen Haus, wo später der historische Akt der Entrichtung des Wegzolls an der aufgestellten Schranke stattfand.
Herolde zu Pferd, eine Musikkapelle und Landsknechttrommler eröffneten den ersten, historischen Teil des Zuges. Ihnen folgte der Ritter von Ramstadt mit seinen Knappen auf dem Wege zur Jagd. Als dann die Handelswagen des Mittelalters eintrafen, senkte sich die Schranke und keiner durfte passieren, ehe nicht der übliche Zoll entrichtet worden war. Das Geld hierzu wurde vom Landrat „eingetrieben“ (gewöhnlich war es umgekehrt), der es dem Kaufmann übergab. Aus der langen Lederbörse flogen dann die Münzen auf den Tisch des Zöllners, die Quittung wurde ausgefertigt und der Schlagbaum zur Durchfahrt wieder geöffnet.
Mit den folgenden Wagen und Fußgruppen zog an den Augen der Zuschauer all das noch einmal vorüber, was Sinn und Inhalt des Lebens der Vorfahren war. Bauern im Frondienst, eine Gruppe aus dem Bauernkrieg, Winzer aus der Zeit des Weinbaus der Gemeinde, Landsknechte des 30jährigen Krieges, — ja und dann auch, beifallempfangen, die Mühle im Mühltal, die alten Mehlwagen, die Handwerksburschen auf der Wanderschaft, die Bäcker, Begründer des Wohlstands der Gemeinde — und nicht zuletzt auch die Bauern —, im Zuge jedoch „fast“ zuletzt, mit der Wiedergabe ihrer landwirtscha'+I'^h'’ri A’^eiten .in Vergangenheit und Gegenwart. Die Spinnstube der Heimatvertriebenen beschloß, ihnen folgend, den ersten Teil.
Heimatvertriebene waren es auch, die den zweiten Teil einleiteten, — die Egerländer Kapelle, der in langem Zuge die Ortsvereine der Gemeinde folgten; voran der Ehrenausschuß des Festes, hinter ihm die Schmiede und Wagner mit klingendem Amboß, die Maurer, Zimmerleute und Dachdecker, die Schreiner, die Gärtner, — und auch die Feuerwehr, Beschützerin aller irdischen Güter. Sängervereinigung, Taubenverein, TJprn- und Sportverein und der Deutsche Gewerkschaftsbund schlossen sich an. Einen besonderen Wagen hatte die Baugenossenschaft „Wildnis“ und auch der Karnevalverein hatte sich „ganz groß“ — unter „einem Hut“ — hineingestürzt, um seinerseits in launiger Ansprache seines Präsidenten vor der Ehrentribüne eine humorvolle Begrüßung vom Stapel zu lassen. Blumengeschmückte Kraftfahrzeuge mit den ältesten Gemeindemitgliedern als Insassen bildeten den Schluß des gutorganisierten und eindrucksvollen Festzuges. Böllerschüsse begleiteten in seinem Verlauf die Totenehrung vor der Linde. Als die.Spitze des Zuges auf dem Festplatz eintraf, standen auch dort bereits wieder Tausende, um dem Festakt beizuwohnen.
Festrede des Innenministers
Nach der Begrüßung der Gäste durch Bürgermeister Keil — es waren u. a. Resident-Officer Mr. Gotcheus, Landrat Wink, Reg.-Rat Schön und Kreisamtmann Dietrich erschienen —, sprach Innenminister Zinnkann.
In den 750 Jahren des Bestehens der Gemeinde Nieder-Ramstadt, so führte der Minister aus, liege eine Unsumme von guten und bösen Tagen eingeschlossen. An Hand der Chronik des Ortes sei festzustellen, daß Krieg und Pestilenz die Einwohner nicht verschont hätten. Auch in der Gegenwart habe die Gemeinde ihre Sorgen und Nöte. Wenn sie von den Zerstörungen des letzten Krieges nicht erreicht worden sei, habe sie dafür einer großen Menge Heimatvertriebener und Evakuierter Unterschlupf geben müssen. 1650 hilfebedürftigen Menschen das zu geben, was sie dringend benötigen, sei für einen Bürgermeister und seinen Gemeinderat keine leichte Aufgabe. Das Problem des sozialen Wohnungsbaus stehe daher im Vordergrund jeglicher Arbeit der Gemeindeverwaltung. Um diese zu unterstützen, habe die Hessische Staatsregierung der Gemeinde als Festgeschenk und Sonderzuweisung einen Betrag von 30 000 DM staatlicher Baudarlehen für den Bau von 6 Wohnungen zur Verfügung gestellt. Aufgabe des Bürgermeisters sei es nun, die erststellige Hypothek zu beschaffen. Gelänge dies nicht, so wolle er sich persönlich für deren Beschaffung einsetzen.
Ganz selbstverständlich, daß dieses Geschenk der Regierung lauten Beifall der Bevölkerung hervorrief.
Namens der Regierung übermittelte der Innenminister der Gemeinde und ihrer Einwohnerschaft die besten Grüße und Wünsche, die er besonders für deren Zukunft aussprach, einer Zukunft, die hoffentlich die Lösung aller brennenden Probleme, die einen jeden bewegen, herbeiführen möge.
Ein Massenstart der restlichen Brieftauben schloß sich dem Festakt an. Darbietungen der Sänger-Vereinigung, der Kreisriege der Turner, der Egerländer Volksgruppe, tänzerische Vorführungen von Frl. Matthes und musikalische Umrahmung durch die Nieder-Ramstädter Blaskapelle Schwinn unter Leitung von W. Stroh bildeten das weitere Programm des Nachmittags. Hans Herter — Mickedorrr et — geleitete dabei die Zuhörer und Zuschauer sicher und humorvoll auf seine Art.
Später aber kam die Tanzmusik zu Wort und noch lange wurde in den Bier- und Weinzelten gezecht, das Russische Rad drehte sich munter im Kreise und ein Zirkus zeigte seine allerneuesten Attraktionen . . . bis das Licht ausging und von neuen, anbrechenden Tag abgelöst wurde. -öde-
Interessiert schauen Landrat Wink und Bürgermeister Keil dem Festzug zu
Auch die Mühle aus dem Mühltal fehlte nicht DT-Fotös (3): Schröder
Nach der Entrichtung des Zolls passieren die Kaufmannswagen die Schranke
Liebesgeflüster
„Die kleine Hütte“ von Andre Roussin
Vielleicht ist das Spiel zwischen den Geschlechtern dem Franzosen besonders eigen. Keiner versteht es aber so wie er, eine Konversation darüber zu machen. Möglich, daß man schon in den frühesten französischen Literaturerzeugnissen den Nachweis für ein jeu de morale führen kann, seit Stendhal nimmt es aber klassische Formen an, wird bei Balzac im Stil etwas geschwätzig, bei Maupassant reich an Bizarrerien und liefert seit jenen Tagen in unaufhörlicher Folge ein Stoffgebiet, dem man mit psychologischer Verve und analytischem Uebermut zu Leibe geht. ,
So mag auch dieses amüsante Stück von Andre Roussin, das Hans Adler prachtvoll ins Deutsche übertragen hat, trotz der Leichtfertigkeit des Sujet mehr aus der Freude einer möglich-unmöglichen Situation heraus entstanden sein. Wer es ernst nimmt, ist sich selbst schuld und der Spaß wird ihm vergällt. Wer sich der phantasievollen und ungewöhnlichen Laune des Dialekts anschließt und das Gefühl für Wirklichkeit abstreift, amüsiert sich köstlich. Natürlich hat diese Salon-Atmosphäre der Schiffbrüchigen auf einer Südseeinsel auch einen moralisierenden Hintergrund. Aber er bleibt eben Hintergrund. Im übrigen folgt man mit Schmunzeln dem Dialog, in dem Susanne stets ihrem Gatten Philippe die geliebte Frau ist, wenn sie auch seit Jahren die Geliebte des Hausfreundes Henri war. Die logisch-unlogischen Bonmots rollen unaufhörlich über den Theaterbesucher hinweg, Gatte und Liebhaber erhalten die schönsten charakteristischen Farben im Theaterlicht des Pariser Montparnasse-Milieu, und nur das Geschlechtstierchen Susanne erleidet eine Niederlage mit ihrem Reinfall auf den Südseehäuptling alias Schiffskoch. Für einen Schock ist jedoch auch sie nicht geeignet.
Der Ausgang ist wie der Anfang des Stückes. Es bleibt alles beim alten. Der Gatte behält seine Frau, der Hausfreund seine Geliebte. Als neuer Spezi und Belami bekommt der Schiffskoch eine Chance, sich an diesem Idyll um eine Frau zu beteiligen, indem er zum Hauskoch avanciert. Geschah vorher alles heimlich, so geht jetzt nach dem „klärenden“ Inselaufenthalt das gemeinsame, aber variierte Duettleben in vollem Wissen von einander vor sich.
Siegfried Breuer ist der großartige Gatte für eine Frau, die die Abwechslung liebt, Sein Spiel ist bis zur letzten Geste ausgefeilt ünd verhält immer im Kammerton. Ein großer Schauspieler zeigte hier beispielhaftes Können. Dagegen ist Huber Kiurina als Geliebter zu stark im Pathos. Dadurch schiebt er der Konversation einen ernsten Ton unter, der das Stück gefährdet. Nach seiner Auffassung wäre dann nämlich diese Episode wirklich unmoralisch. Sie soll aber doch für den Zuschauer nur pikant sein, und das wäre durch Selbstparodie zu erreichen. Elf re Gerhart sieht glänzend aus und erlebt mit Charme ihre Rolle. Eine Künstlerin, die das filmische Komfort auf der Bühne absetzt. Erik de Wit paßt sich mit seiner guten Gestalt und schauspielerischem Talent dem Reigen der Ausführenden bestens an.
In der Gesamtheit: ein Ensemble aus Oesterreich, das seine Gastspielreise in Darmstadt beginnt, hervorragend aufeinander eingespielt ist und schönstes Unterhaltungstheater auf gewagtem Boden darzustellen weiß. Das Publikum, leider nicht sehr zahlreich erschienen, begeisterte sich von Akt zu Akt mehr und spendete reichen Beifall. G. J.
Anton Karas, der durch das Harry-Lime-Motiv in dem Film „Der dritte Mann“ berühmt geworden ist, traf in München em, um zu den Vorstellungen des Films eigene Melodien vorzutragen.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNERi 3) Copyright hv 0' Alexander Fuchs. Braunschweig
Dieser junge Reporter, der seinen Vorsprung zu nutzen haf, hört alle Rollen der ‘vier Steens, während sie zum ersten Mal gesprochen werden!
Er findet in Georg J. Steen den besten Typ, den das Land hervorbringf, er ist entzückt über Marys Reisefieber und er hat ein echtes Abenteuer mit Eva Steen, denn Eva Steen schluchzt leise, während sie den letzten Satz ihres Interviews spricht („Nichts ist schöner, als in einer friedlichen Familie zu leben und für sie zu sorgen.") Und dieses Schluchzen ist echt. Es bedeutet ihre verzweifelte Trauer, hier heucheln zu müssen, was sie sich in ihrer Jugend ehrlich ge¬ nug von ihrem Leben wünschte. Es bedeutet, daß sie dieses Theaterstück vom Spielplan absetzen möchte, um es im wirklichen Leben zu einer lebendigen Wahrheit zu machen, und es bedeutet ihre Verzweiflung darüber, daß das ganz unmöglich ist. Woran kann das nur gelegen haben? Eva Steen neigt mit einem wehen Lächeln den Kopf.
Und in diesem Augenblick schießt der junge Journalist ihre Großaufnahme, die dazu bestimmt ist, ihrer schönen Ungestellf eit wegen an diesem Tage die erste Seite einer großen Zeitung zu erobern. .
17.
Tatsächlich kann der Junge, der das wilde Motorrad fährt, seine Aufnahmen und Stenogramme ganz zu Ende bringen, ehe die nächsten Zeitung sie ufe ankommen. Er rast davon, und sein Gedanke
dabei ist, daß der Zufall endlich einmal ein paar Leute getroffen haf, die es werf sind, und er entschließt sich, in diesem Falle seine Fähigkeiten so zu steigern, wie es nur möglich ist Im gleichen Augenblick fällt ihm die Ueberschriff ein, die er seinem Bericht geben wird („Die Leute, die ich immer suchte“.) Er ist sehr glücklich mit dieser wirklich guten Ueberschrift.
Und er jagt seine Maschine jetzt, um seinen Vorsprung vor den anderen möglichst noch zu vergrößern. Er begegnet einer ganzen Reihe von Wagen, die mit Zeifungsleufen dorthin unterwegs sind, wo er selber schon war. Alle diese Leute können den gutherzigen Knut Steen, seine liebe, kleine Schwester, diesen prächtigen Georg J. Steen und diese wundervolle Frau nun nicht mehr für sich allein haben. Interviews zu mehreren sind wenig vorteilhaft. Aber es gibt bei Steens gar keine solcher Sammelinterviews.
Diese Steens haben zufällig einen „alten Bekannten“ im Hause, der auf seine lustige und unvereipgenommene Art auf einen netten Ausweg kommt.
„Machen wir es doch einfach so: Steen geht in die Wohnstube, Frau Steen in das Schlafzimmer, Mary in die Küche und Knut... nun, Knut muß in der Diele bleiben“, ruft er einem Dutzend Journalisten zu. „Und dann machen wir einen Schleusenbetrieb auf!"
Knut grient dazu. Mary Steen haf nichts dagegen einzuwenden, ihre wunderschöne und ganz offenbar erfolgreiche Szene so oft zu geben, wie es nur gewünscht wird. Georg J. Steen schlendert in der Wohnstube umher, wie ein Löwe, dem alle fünf Minuten ein standardisiertes Kaninchen vorgeworfen wird. Er leidet, oder er hat genug bitteren Humor, um es zu erfragen.
Nur Eva Steen ist dieser Sache nicht unbedingt gewachsen. Ihr „Bekannter“ hilft ihr gelegentlich und beantwortet ein paar Fragen für sie, erinnert sie an dieses oder jenes nette Geschichfchen aus Knuts Babyzeit.
Um die Mittagszeit gibt es ein paar Interviews für den Funk. Dann eine Menge Aufnahmen... Knut mit seinen Laubsägearbeiten.., Mary im Garten bei den Astern... Frau Steen in der Küche. Alle vier Steens vor ihrem Hauseingang. Aber sie sind dann alle recht zufrieden, das Haus in ein paar Autos zu verlassen zu_ diesem Mittagessen mit dem Sfadfpräsidenfen. Sie glauben, es gäbe eine Pause. — Aber es gibt keine Pause.
Georg J. Steen muß eine Ansprache verlesen, die sein Manager ihm geschrieben in die Hand gibt. Unaufhörlich treten Reporter an sie heran. Mary ist die erste, die damit beginnt, Autogramme zu geben.
Nachmittags in ihrem Heim wieder Interviews. Interviews und Aufnahmen.. Aufnahmen und ein paar Schallpiaffen... Schallpiaffen und wieder Interviews...
Gegen sechs Uhr läßt der Ansturm nach. Sie essen ein paar Happen. Während sie essen, sehen sie schon die ersten Zeitungen aus der Hauptstadt mit ihren Bildern, und dem, was sie sagten, sagen mußten, herausschnurrten.
Vor ihrem großen Bilde, das der junge Mann mit dem Motorrad nahm, erschrickt Frau Steen. Es ist wirklich ein sehr gutes, großes, echtes Bild. Sie erschrickt, weil sie nun denken muß, daß alle wirklich guten, großen und echten Aufnahmen, die man in den Zeitungen sieht, auf die gleiche Weise zustande kommen, wie die ihrige hier . . .
Mary hantiert schon mit ihren Mappen. Sie muß das unterbrechen, weil der Fackelzug anrückf.
Endlich, als auch dieser Fackelzug überstanden ist, verabschieden sich die Manager.
Der Chefmanager tippt an seinen Hut „Schlafen Sie sich gut aus“, sagt er, „Diese Generalprobe heute war gut Morgen ist die Premiere in der Hauptstadt. Die Kostüme bleiben dieselben. Gute Nacht!“
Die Steens sitzen noch ein paar Augenblicke in der Wohnstube, und eigentlich sind sie fast ein wenig fremd hier, obwohl es doch unverändert ihre alte eigene Wohnstube ist
„Ich weiß nicht, ob ich das ein paar Wochen lang erfragen werde, Georg“, sagte Eva Steen leise.
„Natürlich, Mama!“, behauptet Knut „Ich finde, daß man so etwas einmal mifgemacht haben muß. Es ist eine gute Gelegenheit, diesen Leufen mal hinter ihre Schliche zu kommen.“
„Aber diese Heuchelei, Knut"
„Ach was“, Knut zuckt die Achseln. „Man muß schließlich nur wissen, was gemeint ist Wenn jemand Frühling sagt und wir wissen, daß er damit Geld meint, können wir mit ihm reden.“
„Als ich so alt war wie du, war ich jedenfalls noch nicht so verdorben“ brummt Steen.
„Vielleicht hättest du es weiter gebracht, wenn du damals schon gesehen hättest, was eigentlich im Leben los ist" eifert Knut
„Das Leben war damals noch nicht so , wehrt Steen ab .
„So ist es , pflichtet seine Frau bei.
„Das kann ich mir nicht denken“, widerspricht Knut. „Es muß notwendigerweise immer genau so gewesen sein ... nur habt ihr euch so viel vorgemacht, daß ihr es nicht einsaht. Zumindest in unserer Schicht war es immer so, denke ich, während es unter den kleinen Leufen wahrscheinlich auch heute noch nicht so ist“
„Merkwürdige Ansichten ", brummt Steen. Er steht auf. Er verläßt das Zimmer.
„Geht auch zu Bett', ermahnt Frau oteen ihre Kinder und fol^t ihrem Mann.
Knut brummt irgendetwas
nrM* wieder ^ei ihren Mappen.
. Plötzlich^ stutzt sie. „Meinst du, daß ich noch einmal ausgehen könnte?“ fragt sie ihren Bruder. ® „Wohin denn?“
„Ich möchte mich von Teddy Beer verabschieden.
„Laufpaß für Teddy?“ grient Knut. „Nein... und es geht dich außerdem einen nassen Dreck an“ zischt Mary.
•Uann geht es mich ebenso wenig an bekommt d'" T" Ohrfeigen zu denen bekommst die du gestern einge'anöen hast , ruft Knut ärgerlich und öeht^
Nach einer Weile klappt die Wohnungstür leise. Knut sieht aus dem FenöterFS«lneS^ kleinen Zimmers im Obertenweg Mary auf dem Gar-
Sie trägt die Kleidung, die ihr die „Gesellschaft für Statistik una Marktforschung für ihre Rolle in diesem Reklametheater gegeben hat M^Kcherweise plappert sie in diesem Zeud jetzt auch dem guten Teddy Beer ihren Brave-Madchen-Spruch vor, rein ans ~ hdt denk, Kn« GeSe ^Äspn».
Knut nimmt eine Zigarett» Fr plötzlich den EinfaH, „s haf « trotz an wen halte, Emfahrer zu werden. * (Fortsetzung folgt)
Der Sport
Die gemäßigten Erwartungen in Stuttgart erfüllt
Gute Leistungen und auch neue Deutsche Meister
Von Bernhard GnegelEs ist ein alter, nicht nur im Rheinland beliebter Spruch, daß man nichts übertreiben soll. Auch die Erwartungen nicht. Wer von den 50. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Stuttgart Wunderdinge erhoffte, hatte die falsche Brille auf der Nase. Die deutsche Leichtathletik hat, wie kaum ein anderer Sport, im Kriege schwer gelitten. Der größere Teil ihrer Spitzenkönner ist nicht mehr auf die Bahnen eines friedlichen Kampfes zurückgekehrt, und 'in die Jahrgänge, die nachrücken sollten, sind noch empfindlichere Lücken gerissen worden. Da zudem die Leichtathletik ein Sport ist, der einen wohlüberlegten und zeitraubenden Aufbau braucht, so mußten zwangsläufig Jahre vergehen, bis sich eine gründliche Erholung spürbar machen konnte. Nun kommt endlich der Nachwuchs mit neuen, vom «Kriege verschonten Jahrgängen, aber dieser Nachwuchs ist schließlich auch im Kriege und in der Nachkriegszeit aufgewachsen, und man kann unmöglich von ihm verlangen,-daß er in einem stürmischen Tempo den Anschluß an das alte Niveau der deutschen Leichtathletik oder gar an den internationalen Leistungsstand herstellt. Wer all’ dies berücksichtigte, ging mit gemäßigten Erwartungen nach Stuttgart und sah sie zu seiner Genugtuung erfüllt. Der Nachwuchs drängt mit schönen Leistungen auf breiter Front nach vorne, und selbst die Könner, deren Namen uns schon seit einigen Jahren vertraut sind, haben sich weiter erholt und verbessert. Ausnahmen, das heißt Wettkampf arten, die noch — zum Teil bedenklich — zurückhängen, sind immer noch zu beobachten, aber dies durchweg in technischen Übungen, in denen auch der beste Nachwuchs Jahre der Schulung braucht, wenn es nicht gerade Ausnahmeathleten sind, wie etwa die kaum zwanzigjährige Naturbegabung Hipp aus Balingen.
Gute Voraussetzungen
Dem Berichtersfatter über die Stuttgarter Tage mangelt es weiß Gott nicht an Stoff, wenn er mit einem Gespräch über Wetter, Bahnen und einen Weltstarter beginnt, aber der Fachmann erwartet dieses Gespräch, weil er die Kenntnis der Voraussetzungen braucht, um die Leistungen prüfen zu können. Nun, die Voraussetzungen sind in Stuttgart recht gut gewesen. Die tüchtigen schwäbischen und auswärtigen Organisatoren der Meisterschaften hatten einen gut funktionierenden Apparat aufgestellt, der für Klagen nicht einmal einen Ansatzpunkt ließ. Die überholten Kampfbahnen des Neckarstadions wurden durch Zeltplanen vor den Regengüssen der voraufgegangenen Tage geschützt, so daß sie brauchbar und „schnell“ blieben. Ansage und Abwicklung verdienten Applaus, eine wahre Wonne aber war es, „Weltstarter“ Franz Miller wieder einmal die Pistole handhaben zu sehen. Auch das Starten will gekonnt sein, wenn Fehlstarts eine Rarität bleiben sollen, wie sie es bei diesem Mann sind.
Die Sprinter kommen wieder
Man hat sie entbehrt und sah schon am Samstag, daß sie dabei sind, die deut-
sehe Sprintertradition wiederherzustellen. Das große, erst neunzehnjährige Talent Haas aus Nürnberg hatte im 200- m-Lauf zwar noch nicht Nerven genug, aber der nicht sehr viel ältere Zandt aus Stuttgart jagte wirbelnd und leichtfüßig durch die Kurven und ließ den anderen keine Chance. Seine 21.7 Sek. (die auch von Haas sehen im Zwischenlauf erreicht worden waren) sind beachtlich. Zwischen Zandt und dem Titelverteidiger Liekes (Krefeld) schob sich noch ein zweiter neuer Mann, Wudtke, gleichfalls aus Stuttgart.
Noch mehr neue Gesichter als hier sah man im 200-m-Lauf der Frauen, und abermals freuten sich alle schwäbischen Herzen, denn auch hier kam mit dem fast zierlichen Mädchen Hertnack (Vaihingen) der Sieger aus ihrem Ländle. Mit der Zeit von 25.9 Sek. wurde die Leistung der Vorjahrsmeisterin Gundlach nicht unerheblich verbessert.
Kleine Tragödien
Schmerzliches ist alten Meistern im 10 000-m-Lauf der Männer und im 80- m-Hürdenlaufen der Frauen widerfahren. In der Langstrecke bildete sich schon nach drei Runden eine klar führende Spitzengruppe aus Eitel (Titelverteidiger), Eberlein, Metz und Hesselmann. Der Eintrachtler Metz, Inhaber- der Jahresbestleistung, fiel bald ab. Nach 2000 m stürzte Eitel. Kameradschaftlich und ohne Rücksicht auf den Zeitverlust, hob der junge Hesselmann (Dinslaken) den 42jährigen Altmeister auf, währenddem Eberlein davonziehen konnte. Eitel und Hesselmann liefen weiter, hatten aber wohl beide einen Knacks weg. Eitel gab bei 3000 m, Hesselmann bei 7000 m auf. Eberlein lief allein, aber im prächtigen Stil vorneweg und siegte in der guten Zeit von 31:32.4 Min. Metz ließ sich den zweiten Platz noch in. der Zielgeraden von dem Charlottenburger Steller nehmen.
Ärgeres fast noch als Eitel und sein junger Kamerad erlitt die hohe Favoritin Sander-Domagalla, die — klar führend — im Zwischenlauf der 80 m Hürden stürzte. Zwei Mädchen vom 1. FC Nürnberg, Seonbuchner und Wackersreuther, machten später die Entscheidung unter sich aus. Die Domagalla hatte schon im Vorlauf 11.9 Sekunden erreicht, die neue Meisterin brauchte 12.1. Es wird wieder einmal Tränen gegeben haben...
Packender Marathonlauf
90 Läufer, überwiegend ältere Semester, machten sich am Samstag um 15.00 Uhr auf den 42,2 km langen Weg, der bis hinter Plochingen und wieder zurück führte. Sie freuten sich, daß zwar die Sonne am blanken Himmel stand, die Temperaturen aber annehmbar blieben. Hogreve (Eintracht Braunschweig) hieß dei’ helle Stern dieses großen Rennens. Er führte schon nach 10 km mit drei Min. Vorsprung vor den Verfolgern, unter denen sich auch der Titelverteidiger Bürklein befand, dehnte seinen Vorsprung weiter aus und passierte frisch die Wende. Aber bei 35 km drohte dem Wackeren ernste Gefahr, ein Wadenkrampf zwang ihn zum Schrittgehen, Weber und Bürklein rückten näher. Ehe sich jedoch der Vorsprung ernstlich verringerte, lief Hogreve wieder, und ehrlich war die Freude d^r Menschen im Stadion, als Hogreve in der seit vielen Jahren nicht mehr erreichten Zeit von 2:40.48 Std. ins Ziel kam. Bürklein, der unterwegs den Charlottenburger Weber noch abgecchüttelt hatte, brauchte fast vier Minuten mehr.
Meister und Placierte
Die Ergebnisse der Stuttgarter Kampftage
Stifter am
Männer
200 m: 1. Zandt (Stuttgarter Kickers) 21,7 Sek., 2. Wudtke (Vfß Stuttgart) 21,8 Sek., 3. Liekes (Krefeld 1910) 21,8 Sek., 4. Haas (1. FC Nürnberg) 21.9 Sek.
1500 m: 1. Lamers (Rot-Weiß Oberhausen) 3:54.0 Min., 2. Warnemünde (Pinneberg) 3:55.2 Min., 3. Lauffer (Schwenningen) 3:55.4 Min.
10 000 m: 1. Eberlein (München 1860) 31:32.4 Min., 2. Steller (SC Charlottenburg) 32:04.8 Min., 3. Metz (Eintr. Frankfurt) Brustbr. zur.
400 m Hürden: 1. Kohlhoff (Rot-Weiß Koblenz) 54.5 Sek., 2. Richter (Hagen) 55.2 Sek., 3. Dengler (Fürth) 55.8 Sek.
Hochsprung: 1. Hoppenrath (Krefeld) 1,88 m, 2. Nacke (Kiel) 1,88 m, 3. Theilmann (Eintr. Frankfurt) 1,86 m, 4. Naumann (SC 80 Frankfurt) 1.86 m. ...
Dreisprung: 1. Bodenhagen (Wolfenbüttel) 14,82 m, 2. Strohschnieder (Cloppenburg) 14,65 m., 3. Zimmer (Oberhausen) 14,00 m.
Diskuswerfen: 1. Hipp (Balingen) 47,85 m, 2. Hillbrecht (München 1860) 45,86 m, 3. Marktanner (Kickers Stuttgart) 45,60 m, 4. Noack (Eintracht Frankfurt) 44.60 m.
Frauen
200 m: 1. Hertnack (Vaihingen) 25.9 Sek., 2. Schürmann (R.-W. Oberhausen) 26.0 Sek., 3. Neukirch (Bonner FV) 26.1 Sek.
80 m Hürden: 1. Seonbüchner (1. FC Nürnberg) 12.1 Sek., 2. Wackersreuther (1. FC Nürnberg) 12.2 Sek., 3. Hellwig (Remscheid) 12.3 Sek.
Weitsprung: 1. Lena Stumpf (Werder Bremen) 5,86 m., 2. Hofknecht (Bayreuth) 5,60 m, 3. Schmitz (Hörde) 5,58 m.
Kugelstoßen: 1. Kreß (Pinneberg) 12,34 m, 2. Siemer (Oberhausen) 12.19 m, 3. Köhler (Freiburg) 11,99 m.
Marathonlauf (42,2 km)
1. Hogreve (Eintracht Hannover) 2:46.48 Std., 2. Bürklein (Vfß Stuttgart) 2:50.23 Std., 3. Weber (SC Charlottenburg) 2:59.17 Std., 4. Wange (Köln), 5. Scholz (SC Charlottenburg), 6. Wiedemann (München 60), 7. Starke (Büren/W.). 8. Ludwig (Eintr. Braunschweig), 9. Preisch (FSV Frankfurt), 10. Lachheim (FSV Frankfurt), 11. Nichtgenannt (Büren). 12. Engel (FSV Frankfurt), 13. Wolfrum (München 60), 14. Pfarr (FSV Frankfurt), 15. Maibaum (Charlottenburg), 20. Rother (FSV Frankfurt); Mannschaftssieger: 1. SC Charlottenburg, 2. FSV Frankfurt, 3. SV Büren.
^rgtVnt|Tr wem ^önntng
Männer: 110 Meter Hürden: 1. Zepernick (Osnabrück) 14,8 Sekunden. (Jahresbestzeit), 2. Troßbach (Berliner SC) 15,0, 3. Becker (Werder Bremen) 15,0, 4. Theilmann (Eintracht Frankfurt).
800 Meter: 1. Steines (Koblenz) 1:50,9 Min. (Jahresbestzeit) 2. Cleve (Krefeld) 1:51,4, 3. Ulzheimer (Eintracht Frankfurt) 1:51,6. 100 Meter: 1. Zandt (Stuttgarter Kickers)
10,6 Sekunden (Jahresbestzeit), 2. Wittekind (Eintracht Frankfurt) 10,7 3. Fischer (Pr. Krefeld) 10,7, 4. Sturm (Phönix Ludwigs-
hafen) 10,8. 400 Meter: 1. Huppertz (Koblenz) 47,4 Sek. (Europajahresbestleistung) 2. Geister (Krefeld) 47,6, 3. Audorf (Koblenz) 47,6.
Kugelstoßen: 1. Bongen (Viersen) 14,62 Meter, 2. Dr. Luh (Gießen) 14,51, 3. Hipp (Bahlingen) 14,50.
Stabhochsprung: 1. Oertel (Koblenz) 3,90 m; 2. Stührk (1860 München) 3,90 m; 3. Schneider (Pforzheim) 3,90 m.
tut aa*. 3000-m-Hindernislauf: 1. Dompert (Stuttgarter Kickers) 9:28,5 Min.; 2. Wiedenhoven (Böblingen) 9:46,8 Min.; 3. Maassen (Barmen) 9:48,2 Min.
5000 m: 1. Schade (TV Barmen) 14:38,6 Min.; 2. Müller (Schweinfurt) 15:16,0 Min.; 3. Hesselmann (Dinslaken) 15:16,2 Min.; 4. Boltzhausen (Eßlingen).
Speerwerfen: 1. Sick (Stuttgarter Kickers) 63,52 m; 2. Hausmann (Düsseldorf) 61,47 m; 3. Will (Flensburg) 61,32 m.
Weitsprung: 1. Luther (1860 München) 7,25 m; 2. Vatter (Nürnberg) 7,19 m; 3. Göbel (Karlsruhe) 6,98 m.
Hammerwerfen: 1. Storch (Fulda) 56,05 m; 2. Wolf (Karlsruhe) 55,57 m; 3. Haigenbuchner (Mannheim) 51,70 m; 4. Blask (Eintr. Frankf.) 49,09 m.
4XIOO m: 1. Eintracht Frankfurt 41,9 Sek.; 2. Preußen Krefeld 42.3 Sek.; 3. ASV Nordrach 42,4 Sek.; 4. Stuttgarter Kickers 42,8 Sek.
4X400 m: 1. Rot-Weiß Koblenz 1. Mannschaft 3:16,4 Min.; 2. VfL Hagen 3:18,0 Min.; 3. Rot-Weiß Koblenz 2. Mannschaft.
3X 1000 m: 1. Werder Bremen 7:28,3 (Neuer deutscher Rekord); 2. Rot-Weiß Oberhausen 7:30,4 Min.; 3. Rot-Weiß Oberhausen.
Frauen:
100 Meter: 1. Glöckler (Eintracht Frankfurt) 12,1 Sekunden (Jahresbestzeit), 2. Sander-Domagalla (Oberhausen) 12,2, 3. Marga Petersen (Bremen) 12,2.
Speerwerfen: 1. Müller (Köln) 44,26 Meter, 2. Maier (Stuttgart) 40,9, 3. Karsten Hamburg) 38,50.
Diskuswerfen: 1. Sonneck-Uthke (Köln) 42,01 m (Jahresbestleistung): 2. Hettlich (Singen) 39,61 m; 3. Hümmel (Nürnberg) 39,04 m.
Hochsprung: 1. Butz (Siegen) 1,57 m; 2. Beickelmann (Opladen) 1.56 m; 3. Eckelt (München) 1,54 m.
4XIOO m: 1. MTV München 49,2 Sek.; 2. Werder Bremen 49,2 Sek.; 3. Eintracht Frankfurt 49,8 Sek.
Packende Höhepunkte am Sonntag
Der zeitweilig lebhafte Wind war nicht allen Athleten lieb. Davon abgesehen aber hatte der Haupttag der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Stuttgarter Neckarstadion ein wahrhaft ideales Wetter. Unter blauem Himmel und vor der Kulisse von schöner Landschaft und mehr als 35 000 begeistert mitgehenden Menschen lief der spannende Film der großen Entscheidungen mit seinen vielen Höhepunkten ungestört ab. Im gleichen Maße erfreute auch am Sonntag wieder das gute Niveau, auf dem die deutsche Leichtathletik nach schweren Jahren erneut steht. Die Ergebnisse in den Laufwettbewerben können sich sogar international sehen lassen. Dagegen ist der offensichtliche Rückgang der. Leistungen im deutschen Frauensport, der früher eine so große Rolle gespielt hat, noch nicht aufzuholen gewesen, obwohl er doch so starke Persönlichkeiten wie beispielsweise die vielseitige Friesin Lena Stumpf besitzt.
Neue Sprintermeister
Nur ein Bruchteil der alten Meister hat in Stuttgart die Titel verteidigen können. Auch im 100-m-Lauf der Frauen gab es eine neue Meisterin. Margot Glöckner von der Frankfurter Eintracht gewann mit ihrer großen Schnelligkeit zwischen dreißig und sechzig Meter so viel Boden, daß sie auch den Schlußangriff von Sander-Domagalla abwehren konnte. Die indisponierte Marga Petersen wurde nur Dritte. Die Zeit von Margot Glöckner mit 12,1 Sek. ist ebenfalls eine neue Jahresbestleistung.
Im bestechenden Stil riß Zandt (Kickers Stuttgart) nach den 200 m auch die 100 m der Männer an sich, so daß er also Doppelmeister geworden ist. Zandt hatte schon bei sechzig Meter einen klaren Vorsprung vor dem Feld und siegte in der bemerkswerten Zeit von 10,6 Sek. vor Wittekindt (Eintracht Frankfurt), dem Titelverteidiger Fischer (Preußen Krefeld) und dem angenehm überraschenden Sturm (Phönix Ludwigshafen).
Der deutsche Frauensport hinkt. Darüber konnte auch die einer gute Ausnahme im Speerwerfen, die Koblenzerin Müller mit ihrem Wurf von 44,26 Meter, nicht hinwegtäuschen. Noch bedrückender aber war das Ergebnis im Kugelstoßen der Männer, wo Bongen (Viersen) nur die mäßige Weite von 14,62 Meter zum Titelgewinn brauchte.
Ulzheimer nicht mehr Meister
Wahrhaft atemlos war die Spannung, als die Teilnehmer am Endlauf an der 800-m-Entscheidung aufgerufen wurden. Es gab dann auch ein sensationelles Rennen. Gleich nach dem Start legte sich der viermalige Meister Ulzheimer (Eintracht Frankfurt) vor Steines (Koblenz), dem jungen Cleve (Krefeld) und Sauer (Eintr. Frankfurt) an die Spitze. Die 400 m wurden in 54,5 Sek. gelaufen. Bei 600 m ging Cleve im scharfen Zwischenspurt an Steines und Ulzheimer vorbei, aber sofort griff auch Steines an, überspurtete seine Konkurrenz und lief in schönem Stil die Zielgerade hinunter als Sieger ins Band. Ulzheimer versuchte vergebens, Cleve noch einmal niederzukämpfen. Auch Steines erreichte mit 1:50,9 Min. eine neue Jahresbestzeit. Der erst neunzehnjährige Cleve brauchte 1:51,4 Min., während für den auf den letzten Metern sichtlich erschöpten Ulzheimer 1:51,6 Min. gestoppt wurden.
Huppertz in Europa-B e s t ze i t
Die erwartete Sensation im 400- m-Rennen, nämlich die Entthronung des Meisters Huppertz (Koblenz) durch das starke Talent Geister (Krefeld) blieb aus. Dennoch war dieser Kampf großartig. Obwohl Huppertz die ungünstigste Außenbahn hatte, war er in keiner Phase des Rennens gefährdet. Geister mußte zum Schluß noch einen scharfen Angriff des Vereinskameraden von Huppertz, Audorf, abwehren. Alle drei Ersten blieben unter 48 Sekunden. Huppertz Zeit von 47,4 Sek. ist sogar eine neue Europajahresbestzeit.
Zum Abschluß ein Rekord .
Die 3 mal 1000-m-Staffel spitzte sich bei den Endläufen zu einem Duell zwischen Bona (Werder Bremen) und Lamers ( Rot-Weiß Oberhausen) zu. das von Werder Bremen in der neuen deutschen Rekordzeit von 7:28.2 Mi i. entschieden wurde. Zwischen die beiden 4 mal 400- m-Mannschaften von Rot-Weiß Koblenz konnte sich im Endlauf nur noch der VfL. Hagen schieben. Die erste Koblenzer Mannschaft gewann das Rennen sicher in 3:16,4 Min.
„Tour“ schon entschieden?
Kübler mit 10 Minuten Vorsprung
Lyon. (A. Z.) Der Schweizer Spitzenfahrer Ferdinand Kübler hat am Samstag die 20. Etappe von St. Etienne nach Lyon (98 km), die als „Zeitfahren“ ausgetragen wurde, in der Bestzeit von 2:29:35 Std. vor dem Belgier Stan Ockers und dem Luxemburger Jean Goldschmidt gewonnen und damit seinen Vorsprung in der Gesamtwertung gegenüber seinem Konkurrenten Ockers auf volle zehn Minuten ausgedehnt. Kübler hat sich damit praktisch den Endsieg bereits vor Ablauf der beiden letzten Etappen (Lyon—Dijon und Dijon —Paris) gesichert. Das Gesamtklassement hatte nach der 20. Etappe folgendes Aussehen: 1. Kübler (Schweiz) 129:11:19 Std., 2 Ockers (Belgien) 129:21:19, 3. Bobet (Frankreich) 129:33:38, 4. Geminiani (Frankreich) 129:42:33 und 5. Kirchen (Luxemburg) 129:45:40 Std.
21. Etappe: Stand unverändert
Dijon. (AP) Gino Sciardis ( Frankreich-West) ist am Sonntag als Tagessieger der „Tour de France“ in Dijon durchs Ziel gegangen. Er hat die 233 Kilometer der 21. Etappe Lyon—Dijon in 6:42:38 Stunden zurückgelegt. Zweiter wurde Emile Baffert (Frankreich) in der gleichen Zeit. Es folgten mit derselben Zeit: Raoul Remy (Südwest), Paul Giguet (Frankreich), Gilbert Bauvin (Nordost), Roger Lambrecht (Belgien), Goldschmidt (Luxemburg). Das gesamte übrige Feld, bei dem sich auch der in der Gesamtwertung weiterhin an der Spitze liegende Ferdinand Kübler (Schweiz) befand, führte Stan Ockers (Belgien) in 6:47:31 Stunden durch das Ziel. Küblers Vorsprung vor Stan Ockers beträgt aber nur noch eine Minute. Die Schlußetappe (22.) führt am Montag über 314 Kilometer von Dijon nach Paris.
„Großer Bergpreis“ mit Ueberraschungen
Wünsche vor Heiner Fleischmann / Auch Georg Meyer Klassensieger
AZ. Freiburg. Deutschlands ideale Bergstrecke, der schwierige, zwölf Kilometer lange Höhenkurs auf dem Schauinsland erlebte am Sonntag mit einem Rekordbesuch den zweiten „Großen Bergpreis“ der Nachkriegszeit. Obwohl einige ausländische Klassefahrer, unter ihnen die Italiener Villoresi und Ascari, sowie die Schweizer Hirt und Feierabend ihren Startverpflichtungen nicht nachkommen konnten, hätte dies keinen ausschlaggebenden Einfluß auf die Klassebesetzung der Felder.
In idealer Verfassung präsentierte sich beim Start am Sonntag die Rennstrecke. Bei herrlichem Sonnenschein begaben sich als erste die Fahrer in der Klasse der Kleinstmotorräder auf die Strecke. In Klasse 125 ccm dominierte eindeutig der Ingolstädter Ewald Kluge. Mit der ausgezeichneten Zeit von 9:27,1 verbesserte der DKW-Fahrer nicht nur den bisher von Dietrich gehaltenen Klassenrekord (68,3 km/std), sondern distanzierte auch gleichzeitig den bisherigen Rekordhalter in sicherer Manier. H. P. Müller, der gestürzt war, mußte mit Rippenbrüchen und einer leichten Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Zu seinem zweiten Erfolg kam Kluge in der Viertelliter-Klasse, wenn auch hier der zeitliche Abstand wesentlich geringer war.
Der favorisierte Heiner Fleischmann mußte sich in der 350-Klasse überraschenderweise dem DKW-Fahrer Siegfried Wünsche beugen. Aeußerst knapp allerdings war der Erfolg, den Wünsche vor allem seiner Kurventechnik zu verdanken hat.
Die Ueberraschung in der - Liter-Klasse war der zweite Platz des BMW-Werkfahrers Walter Zeller, der Heiner Fleischmann ein harter Rivale war. Zum Enderfolg kam erwartungsgemäß Georg Maier, der mit 89,5 km/std. Tagesbestzeit fuhr, damit allerdings erheblich unter seiner absoluten Streckenrekordzeit von 91,6 km/std. blieb.
In der kleinen Gespannklasse mußten sich Böhm-Fuchs (NSU) von Klankermaier-Wolz geschlagen geben. Der zweite Platz des NSU-Gespanns verdient allerdings insofern besondere Erwähnung, als Böhm wegen einer Erkrankung Startverbot hatte. Ungefährdet war der BMW-Doppelerfolg in der großen Sportwagenklasse durch Kraus-Huser bzw. Hildebrandt-Werschke. Mohr-Fritz (MFK) mußten unerwartet Ringel-Kesenich den Vorrang lassen.
In der kleinen Sportwagenklasse erzielte der Frankfurter Glöckler mit einem „Schnitt“ von 75,8 km/std. einen neuen Klassenrekordc Glöcklers Erfolg ist vorwiegend auf seine routinierte Fahrweise zurückzuführen.
Auch in der Sportwagenklasse 1500 ccm war ein neuer Klassenrekord fällig. Der Lorsbacher Kathrein verbesserte die bisher von Glöckler gehaltene Bestzeit von 73,3 km/std. auf 79,2 km/std.
Zu einem Doppelsieg kam der Nürnberger Fritz Rieß in der Sportwagenklasse bis 2000 ccm, sowie in der Rennwagenklasse 11. Der Berliner Niedermayer (BMW-Reif) blieb allerdings dem Sieger dicht auf den Fersen. Mit Helferich und Ulmen belegten zwei Veritas-Fahrer die nächsten beiden Plätze.
Sämtliche 15 gemeldeten Fahrer gingen in der Klasse der Kleinstrennwagen 111 an den Start. Polensky (Karlsruhe) steuerte seinen Monopoletta mit einem Stundendurchschnitt von 76,1 km zum Sieg vor Kreuzer-Menschen und dem Kettwiger Vollmer zum Sieg.
Das interessanteste Rennen, der Lauf in der Rennwagenklasse 11, endete mit einem vielumjubelten Erfolg des Nürnbergers Fritz Rieß auf AFM. Mit 85,0 km/std. fuhr Rieß die zweitbeste Zeit aller Wagenfahrer und erzielte darüber hinaus einen neuen Klassenrekord. Fischer (Zürich) belegte mit seinem BMW (84,5 km/std.) den zweiten Platz vor Toni Ulmen (Veritas) und Hans Stuck In dessen AFM ein neuer Motor eingebaut war, der sein Debüt erfolgreich bestand.
In der Rennwagenklasse I schaffte der Freiburger Paul Pietsch mit einem Stundendurchschnitt von 87,5 km die Tagesbestzeit der Rennwagenfahrer.
Mit Wiener Gästen
Fußballbetrieb schon recht lebhaft
Frankfurt. (A.Z.) Die deutschen Spitzenmannschaften nutzen die wenigen Spieltage bis zum Beginn der harten Punktkämpfe mit interessanten Freundschaftsspielen, in denen die zahlreichen Neuerwerbungen Gelegenheit haben, in die Mannschaften hineinzuwachsen. Raummangel verbietet es uns leider heute, auf die einzelnen Spiele näher einzugehen, so daß wir uns auf die Ergebnisse beschränken müssen.
Samstag: Rot-Weiß Oberhausen—Vienna Wien 0:4, FC St. Pauli—Austria Wien 2:2, München 1860 — 1. FC Saarbrücken (um den Saarlandpokal) 2:1, Rheydter SpV — Eimsbüttel 2:1, 1. FC Köln — FK Pirmasens 3:2, Kickers Offenbach — Rot-Weiß .Essen 2:2, Schwaben Augsburg — TuS Neuendorf 3:3, Altona 93 — Admira Wien 3:3, Holstein Kiel — BC Augsburg 2:2, Teutonia Uelzen — Concordia Hamburg 3:4, Arminia Hannover — Hannover 96 2:2, Lüneburger SK — SV Itzehoe 4:3, SSV Reutlingen — 1. FC Pforzheim 1:2, Phönix Ludwigshafen — Vfß Neunkirchen 5:4, Eintr. Trier 05 — FSV Frankfurt 1:1, Union 06 Berlin — Minerva Berlin 3:2, Alemannia 90 Berlin — BSV 92 4:1, Blauweiß Berlin — VfL Nord 3:2, Gießen 1900 — VfR Mannheim 3:4, VfL Witten — STV Horst Emscher 1:2, Westfalia Herne /Solingen komb. — Schalke 6:3, Vfß Mühlburg — Vfß Lübeck 7:1.
Weitere Spiele: VfR Kaiserslautern— FSV Frankfurt 1:3 (1:1). VfR Mannheim —Kickers Offenbach (in Erbach) 8:0 (2:0), Hamburger SV—Preußen Münster 5:1, Offenburg—ASV Landau 5:5, Hassia Bingen—Mainz 05 5:2, Alemannia Aachen— Hertha BCC Berlin 3:3, Schalke 04—1. FC Kaiserslautern 2:4. SV 98 Darmstadt— Kickers Stuttgart 2:0.
in
SC Bad Neuenahr—Tura Ludw’h. 1:1 (0:1) TuS Konz—Eintracht Kreuznach 1:0 (0:0) SC Zweibrücken—Sportfr. Herdorf 2:3
RSC.Darmstadtnener Hessenmeister im Rollhockey
TSG Darmstadt—RSC Darmstadt 1:2 (0:1)
Die Entscheidung im Spiel um die Hessenmeisterschaft ist zugunsten des RSC Darmstadt gefallen. Der Favorit, TSG, blieb im Lokalderby hinterm Woog mit 1:2 auf der Strecke.
TSG: Klausen; Mangold; Prtzeminski; Zörgiebel, Fuß;
RSC: Witzel; Schulz; Trautmann; Kraft, Bender.
Vom Bully an war der Gastgeber leicht im Angriff und bedrängte das Tor des RSC. Bereits nach 15 Sekunden gab es den ersten 6 m, den Witzel abwehren konnte. In der 18. Minute fiel unerwartet das entscheidende Führungstor. Eine Flanke von links verwandelte Kraft aus dem Gedränge zum 1:0 für den RSC. Die TSG blieb weiter im Angriff, doch ließ die stocksichere Abwehr des RSC keinen Torerfolg zu. Lediglich zwei 6-m-Bälle waren die Ausbeute, die aber verschossen wurden. Die ersten Minuten nach dem Wechsel verliefen ausgeglichen. In der 27. Minute konnte Klausen einen Weitschuß abwehren, doch blieb der Ball vor dem TSG-Gehäuse liegen, und Kraft konnte den Nachschuß zum zweiten Treffer einschieben. Nun kam es vor beiden Toren zu turbulenten Szenen. Die TSG gab sich nicht geschlagen und wollte unbedingt den Ausgleich erzwingen. Drei Minuten später gelang auch der wichtige Anschlußtreffer, als Zörgiebel den Ball ins lange Eck einschlenzte. Angriff auf Angriff starteten nun dlte Leute vom Woog. Doch war die RSC-Abwehr nicht mehr zu überwinden. Zwei Minuten vor Spielende hatte die TSG nochmals eine große Chance, als ein hart geschossener 6-m-Ball von der Querlatte ins Aus prallte. Der RSC Darmstadt verließ nach dem Schlußpfiff als strahlender und verdienter Sieger die Bahn.
Der Sieg des RSC war das Hauptverdienst eines Mannes. Und zwar war es der einarmige Trautmann, der als Verbinder den gesamten TSG-Sturm in Schach hielt. Der sonst so vorzügliche Fuß war gegen diesen Könner machtlos und wurde immer wieder ausgespielt. Ferner war es Witzel im RSC-Tor, der durch Prachtparaden den Ausgleich verhinderte. Der RSC war technisch etwas unterlegen (außer Trautmann), doch durch größeren Kampfeinsatz und Schnelligkeit wurde dieser Mangel ausgeglichen. Bei der TSG war der Verbinder Prtzeminski bedeutend schwächer als am letzten Sonntag. Auch der Sturm spielte nicht in gewohnter Form. Durch zu große Nervosität wurde manche gute Chance vergeben. Lediglich Mangold stellte sich in ausgezeichneter Verfassung vor. Klausen im Tor hatte neben sehr guten auch wieder äußerst schwache Momente.
Beide Mannschaften fahren als hessische Vertreter zu den am 12. und 13. August in Schweinfurt stattfindenden Süddeutschen Meisterschaften.
Im Spiel der 2. Mannschaften siegte die TSG mit 4:2 Toren. Das Spiel war bedeutend härter als das Entscheidungsspiel der ersten Mannschaften. Der Grund dürfte bei dem unfairen Verhalten eines RSC-Verteidigers liegen, der zweimal wegen unfairen Spieles die Bahn verlassen mußte. -Ks-
2:0-Sieg des SV. 98 über die Stuttgarter Kickers
Ein Spiel ohne Höhepunkte / Schwache Stürmerreihen standen vor starken Hintermannschaften
Trotz des 2:0-Erfolges über die Stuttgarter Kickers gingen die 8000 Zuschauer nicht ganz befriedigt vom Hochschulstadion fort. Beide Mannschaften spielten ziemlich salopp im Sommerfußball-Stil und konnten nur in den hinteren Reihen zufriedenstellende Leistungen zeigen. Man muß jedoch berücksichtigen, daß sich beide Teams noch im Stadium des Umformens befinden und die einzelnen Teile erst eine lockere Bindung zueinander haben. •
SV 98: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Bohmann, (Reeg), Becker, (Bohmann), Mühlbach, Herwig, Thrän.
Stuttgarter Kickers: Goth (Bechthold); Schnee, Vogler, (Utz); Fauser, Schnagerick, (Herberger); S. Kronenbitter, Dreher, Pfisterer, Schaletzki, Soßna.
Zuschauer: 8000. Schiedsrichter: Lotz, Frankfurt a. M.
Tore: 60. Minute Reeg, 1:0, 63. Minute Thrän 2:0.
Immerhin dürfen die 98er etwas hoffnungsvoller in die Oberliga-Zukunft blicken, als sie es noch vor 4 Tagen nach dem schwachen Spiel in Gießen tun konnten. Dr. Barth im Tor war neben einigen kleinen Unsicherheiten souveräner Beherrscher des Torraumes. Leichtlein und Abt spielen sich immer mehr in die Rolle des Standartverteidigerpaares. Die Läuferreihe hat in Schmidtmer als Achse den wirkungsvollsten Mann. Ihm wurde von Barth und Herder glänzend assistiert. Schlechter sah es dagegen im Sturm aus. die 5 Mann sind noch nicht aufeinander abgestimmt. Der kleine Thrän ist schnell und wendig, hat eine gute Veranlagung, ist aber noch zu unerfahren und wurde schlecht bedient. Herwig rackerte wie immer unermüdlich, spielte aber zu wenig mit Köpfchen, Mühlbach ist weit von seiner „Aufstiegsform“ entfernt und fiel fast vollkommen ab. Becker war zwar schon besser als in Gießen, zeigte auch einige saftige, aber schlechtplacierte Schüsse, ist aber noch zu steif und schwer für diesen schnellen Sturm. Bohmann gab einige schöne Sololeistungen zum besten, verfiel aber dann wieder in seinen alten Fehler, den Ball zu lange zu halten. Auch Reeg, der nach der Pause für den verletzten Becker einsprang, spielte zu nervös, um dem gegnerischen Tormann gefährlich werden zu können.
Bei den Stuttgarter Kickers imponierte in der 1. Halbzeit der Ex-Fürther Goth, der sich bei hohen, halbhohen und flachen Bällen als Meister seines ‘Fachs erwies. Die beiden Verteidiger Schnee und Vogler waren hart und schlagsicher, während nach der Pause der Nachwuchsmann Utz mit Reeg seine liebe Not hatte und sich nur durch Ausschlagen des Balles helfen konnte. Das Dreigespann Herberger, Fauser, Schnagerick und nach der Pause Handschuh war die tragende Säule der Elf. Aber auch ihre Stürmer konnten mit den sicheren, weiten Pässen nicht viel anfangen. S. Kronenbitter, Dreher und Schale tzki kombinierten zwar fürs Auge im Mittelfeld oft recht schön, aber zu engmaschig und umständlich, so daß die sichere Deckung der 98er immer wieder dazwischenfahren konnte. Auch der Blondschopf Soßna auf dem Linksaußenposten erinnerte nur selten an seine guten Zeiten. Von Mittelstürmer Pfisterer hatte man in seiner neuen Umgebung kaum mehr erwartet.
Spielverlauf: Eine von Barth unnötig verschuldete Ecke beschwor die erste heikle Situation vor seinem Kasten. Pfisterers Volleyschuß nahm jedoch den Weg ins Aus. Der gleiche Spieler kam zu einer unverhofften Schußgelegenheit, als Schmidtmer den Ball nicht wegbrachte. Er gab jedoch aus 8 m Entfernung einen so harmlosen Schuß aufs Tor, daß Dr. Barth keine Mühe bei der Abwehr hatte. Die Darmstädter bekommen langsam immer mehr Oberwasser. Bohmann kann sich zweimal elegant an Vogler vorbeiwinden. Sein Flanken bekommt der indisponierte Mühlbach nicht richtig auf den Kopf. Auch die linke Seite kommt jetzt besser ins Spiel. Herwig gibt den Ball schön vor Goths Gehäuse, Bohmann zieht den abgeprallten Ball noch einmal an die Querlatte und den Nachschuß meistert der Ex-Fürther. Das war die schönste Szene des ganzen Spiels. Kurz darauf wird Mühlbach von Becker freigespielt und wieder ist es Goth, der heraushechtend das Leder ap sich zieht. Die 98er drücken. Herder stürzt mit dem Ball am Fuß nach vorn, Becker übernimmt sein Zuspiel und knallt eine 25- m-Bombe los, die Goth nur mit Mühe über das Tor fausten kann. Ein 30-m-Schuß von Herwig landet ebenfalls in Goths Armen. Herwig wühlt sich durch und spielt den Ball in die Gasse zu Becker, der an Goth vorbei, aber auch über die Auslinie geht. Auf der Gegenseite kann Dr. Barth einen Bodenroller Schaletzkis sicher abwehren. Bevor sich Goth in der Halbzeit von Bechtold ablösen läßt, holt er sich noch einmal im eleganten Sprung eine Flanke von Bohmann herunter. Halbzeit 0:0.
Nach der Pause führte sich Reeg gleich gut ein, zieht den Ball vors gegnerische Tor, aber Mühlbach und Thrän lassen den Ball an sich vorüberrollen. 5 Minuten später eine ähnliche Situation, diesmal ist Reeg der Sündenbock, der eine Situation nicht ausnützen kann. In der 15. Minute macht er den Fehler wieder wett. Nach einem Weitschuß von Herwig übernimmt er den krachend vom Pfosten zurückspringenden Ball geistesgegenwärtig und schießt halbhoch ein. 1:0 für SV 98. Viel Jubel, noch mehr Anfeuerungsrufe. Auftrieb bei den Lilienträgern, Flaute und Resignation bei den Kickers. Das Spiel bekommt Farbe. Schon drei Minuten später kann Trän ein Zuspiel von Reek aus nächster Nähe zum 2:0 verwandeln. Während Abt seine Hose wechselt, hat Dreher freie Bahn, läuft allein durch und gibt einen überhasteten Schuß ab, der weit über das Tor geht. Nun plätschert das Spiel wieder geruhsam dahin. Die Degerlocher kommen etwas auf, aber ihre Kombinationszüge sind viel zu durchsichtig und ihre Schüsse zu ungenau, als daß sie bei der starken Darmstädter Hintermannschaft Erfolg haben könnten. Die große Gelegenheit für die Lilien vergibt Mühlbach, als er ganz allein mit dem Leder auf das Kickers-Tor loszieht und statt über dem hinauslaufenden Torwächter den Ball ins Netz zu heben, viel zu scharf an den Mittelläufer Reek abgibt. Wie das besser gemacht wird, zeigt im Gegenangriff vorbildlich Schalezki, wenn er dabei auch das Pech hat, nur die Latte zu treffen. Ohne weitere Höhepunkte geht das Spiel mit dem verdienten Sieg der Lilien zu Ende.
Berlin Deutscher Jugendmeister im Basketball
SKS Roßdorf und 1846 Darmstadt auf dem zweiten bzw. dritten Platz
Höhepunkt der Deutschen Jugendmeisterschaften im Basketball war der dritte Spieltag, an dem nicht nur die Entscheidungen um die Meistertitel fielen, sondern auch heiß um die Plätze gekämpft wurde.
Die mit großer Spannung erwartete Auseinandersetzung um den 1. Platz der männlichen Jugend zwischen dem Titelverteidiger BC Heidelberg und den Neuköllner Sportfreunden endete mit einem verdienten Sieg der Berliner Mannschaft, die vor allem in der 2. Spielhälfte einige grobe Deckungsfehler des BC Heidelberg zu Korberfolgen 'ausnutzte. Von Beginn an rissen die Berliner die Führung an sich und gaben sie während der gesamten Spieldauer nicht mehr ab, wenn auch die Heidelberger zeitweise nahe herankommen konnten. Bei Seitenwechsel lagen die Neuköllner 22:17 vorn und vermochten später ihren Vorsprung nicht nur zu halten, sondern zum Endresultat von 55:42 zu vergrößern. An diesem großen Erfolg waren alle Spieler der Neuköllner Mannschaft in gleicher Weise beteiligt. Altmeister Heidelberg war in dem bemerkenswert fairen Treffen ein anständiger Verlierer.
Das Spiel um den 3. Platz brachte nach hartem Ringen einen Darmstädter Sieg mit 30:23 Körben über den VfL 48 Bad Kreuznach. Bei Halbzeit hieß es 14:9 für die Einheimischen, deren 3. Platz ein schöner Erfolg ist.
Um den 5. Platz spielten die bisher sieglosen Mannschaften ATV 1877 Düsseldorf und Tuspo Göttingen. Die etwas besseren Düsseldorfer konnten sich gegen die durch Verletzungen geschwächten Göttinger mit 41:29 (16:9) Körben durchsetzen.
Die Schlußtabelle der Spiele hat folgendes Aussehen:
Bei der weiblichen Jugend gab es insofern eine Ueberraschung, als die favorisierten Roßdorfer Mädel gegen den BC Heidelberg eine 15:21 Niederlage einstecken mußten. Das Treffen wurde wenige Minuten vor Spielschluß abgebrochen, da Roßdorf vier Spielerinnen mit vier persönlichen Fehlern verlor und nur noch zwei Mädel im Feld hatte. Trotz der Niederlage konnten aber die Roßdorferinnen ihren 2. Platz behaupten.
Im Spiel gegen den VfL 1848 Bad Kreuznach zog der Olympische Sport-Club den Schlußstrich unter seine Meisterschaft und brachte durch seinen 15:3- Sieg auch den zweiten Meistertitel nach Berlin. Die Kreuznacher Mädel leisteten aber dem neuen Meister heftigen Widerstand und ließen ihn nicht zur Entfaltung kommen. Das reifere Spiel der Berlinerinnen war jedoch für den letzten Endes verdienten Sieg ausschlaggebend. Die Schluß tabeilen:
| Spiele | Körbe | ||
| Punkte | Neuköllner Sportfrde. | 5 | 230:117 |
| 10:2 | BC Heidelberg | 5 | 246:154 |
| 8:2 | 1846 Darmstadt | 5 | 150:155 |
| 6:4 | VfL 48 Bad Kreuznach | 5 | 139:151 |
| 4:6 | ATV 77 Düsseldorf | 5 | 156:213 |
| 2:8 |
| Spiele | Körbe | |||
| Punkte | OSC Berlin | 3 | 89:35 | |
| 6:0 | SKG Roßdorf | 3 | 66:60 | |
| 2:4 | V_._, 1J L.'.d Kre;u | nach | 3 | 48:63 |
| 2:4 | BC Heidelberg | 3 | 52:97 | |
| 2:4 | ZBZ eh 9Z | chD | enfi |
Glanzvoller Abschluß der Handball-Werbewoche
SV 98 schlägt Saarlandmeister Hassel 20:10 (10:2)
Das gestrige Spiel zum Abschluß des Handballjubiläums des SV 98 gegen den mehrjährigen Saarmeister Hassel erfreute einmal wieder mehr die Herzen der Handballanhänger. Es war mitunter verwirrend, in welchen Zügen die gegnerischen Hintermannschaft ausgespielt wurde, und es wurde auch nicht mit kräftigen Torwürfen gespart. Vor allem in der ersten Halbzeit zeigten sich die 98er von ihrer besten Seite und legten ein zügiges Tempo vor, so daß die Saarländer alle Mühe hatten, mit den Angriffen fertig zu werden. Es wurde mit sechs bis sieben Mann gestürmt und ebenso verteidigt.
Der erstmals im Tor spielende Junior Göbel machte seine Sache recht gut und dürfte bei weiterem harten Training sehr wohl in der Lage sein, seine Leistung zu verbessern. Allerdings muß einschränkend gesagt werden, daß die Mannschaft der 98er in der Mitte der zweiten Halbzeit etwas nachließ und damit dem Saarmeister Gelegenheit gab, innerhalb weniger Minuten drei Tore aufzuholen. Zu der etwas zu sorglosen Spielweise in Anbetracht der klaren Führung gesellte sich die Hitze, und deshalb ließ wohl auch das Tempo nach. Erst gegen Schluß setzten die Darmstädter nochmals etwas zu und vervollständigten die Torziffer auf 20.
Die Torfolge ist rasch geschildert. Nachdem Roß die 98er in Führung brachte, glichen die Hasseler durch ihren Strafwurfspezialisten Unbehend rasch aus. Peters erzielte das zweite Tor und eine feine Strafwurfabgabe von Lehning benutzte Reinhardt zur Erhöhung der Führung. Durch Schüsse von Schäfer, Glock, wieder Schäfer und Reinhardt gingen die 98er auf 7:1 davon bis wiederum Unbehend einen Strafwurf verwandelte. Aber Schäfer, Lehning und Roß schufen die klare Pausenführung.
Auch nach der Pause schien der Torsegen weiterzugehen. Reinhardt erhöhte auf 11:2, während Hassel ein Feldtor erzielte. Dann kamen Lutz, Schäfer (zweimal) wiederum zu Torehren, denen die Hasseler das vierte Tor entgegensetzten. Nachdem Lutz das 16. Tor erzielt hatte, kamen die Gäste in kurzen Abständen durch einige Deckungsfehlei' der 98er zu drei Gegentoren. Wiederum Schäfer erhöhte auf 17:7, und dann kam erneut eine Hasseler Serie von drei Toren. Peters, Reinhardt und Lutz stellten schließlich das Endergebnis her. Die Mannschaft der Darmstädter stand wie folgt: Göbel; Mark,Glock; Glenz, Peters, Fischer; Schäfer, Lutz, Roß, Reinhardt, Lehning.
Am Samstagabend wurden die sympathischen Gäste in der Stadionsgaststätte Jung von dem Herrn Bürgermeister Schröder namens der Stadtverwaltung herzlich willkommen geheißen und ihnen zum Andenken an ihre Darmstädter Fahrt für jeden Spieler ein Buch überreicht: „Darmstadt, wie es war und wie es werden soll.“ Einige gemütliche Stunden im Kreise der saarländischen Sportler beschlossen den netten Abend. -r-
Radballturnier in Rüstelsheim
Sieger VCD 99 Darmstadt
Rüsselsheim hatte die Mannschaft von Groß-Auheim (Hessenmeister 1949 und zweiter Hessenmeister 1950) und Darmstadt auf Samstag, den 5. August, zu einem Städtekampf im 2er Radball eingeladen.
Der Velciped-Club 1899 wurde durch die Mannschaft GunstZMohr und Matheis /Gebhardt vertreten, denen es gelang, durch Siege über Groß-Auheim und Rüsselsheim den Turniersieg zu erringen. Ergebnis :
Turniersieger: VCD 99 11 Punkte, 2. Rüsselsheim 9 Punkte, 3. Groß-Auheim 4 Punkte..
Alte Herren lieferten sich scharfe Kämpfe
Einen glänzenden Auftakt nahm das 75jährige Jubiläum der TG 75 am gestrigen Sonntag im Woog.
Bereits am Vormittag lief ein Wettkampfprogramm ab, das die Jüngsten des Schwimmsportes in harten Kopf-- Kopf-Kämpfen sah. Angefeuert von ihren Vereinskameraden gingen die Buben und Mädels über die Bahn, daß oft die schon zahlreichen Zuschauer lebhaften Beifall zollten. Noch stärker war das Interesse am Nachmittag und schon der Wettkampf über 100 Meter Rücken für weibliche Jugend, Klasse 3, brachte ein scharfes Rennen, das im Endspurt Inge Emig von der TG 75 für sich entscheiden konnte. Die 4-mal-50-Meter-Bruststaffel für Mädchen war eine sichere Angelegenheit des DSW 12 Darmstadt. Die 100 Meter Kraul für Herren von Kl. 3 sicherte sich überlegen Karn (TSG 46) vor seinem Vereinskameraden Jobst. Ein Lokalderby* war die 3-mal-50-Meter-Lagenstaffel für Herren von 35—40 Jahren, die der DSW vor den beiden Mannschaften der TG 75 buchen konnte. Die 100-Meter-Kraul für männliche Jugend waren eine Beute von Germann, SC Reinheim. In der 3-mal-100- Meter-Lagenstaffel Klasse 3 sicherte sich Reinheim vor DSW den ersten Platz und in der Klasse 4 konnte die TSG 46 vor TG 75 anschlagen. Hart war das Rennen der Jugendlichen Klasse 3 über 100 Meter Rücken, das in Hund (TuS Rüsselsheim) vor Oldendorf (TG 75) den sicheren Sieger sah. Klar siegte Jobst (TSG 46) über 100 Meter Brust bei der Klasse 3. Spannend war wiederum der Kampf der 40-50- jährigen über 50 Meter Brust, die in überlegener Form Richter (DSW) vor Conrad und Löhrer (TG 75) an sich brachte. Auf und davon zog Sproß (TSG 46) im 100-Meter-Kraul der Herren Klasse 4 und ebenso sicher konnte Treusch (TG 75) die 50 Meter Kraul der Klasse von 35 bis 40 Jahren für sich entscheiden. Bei den Damen siegte Zimmer (Heppenheim), über 100 Meter Brust und in der Klasse 4 konnte Roßkopf (TSG) vor Lautner (TG 75) am Ziel anschlagen. Der Kampf über 50 Meter Brust der 40—50jähr. war eine sichere Sache von Germann (Reinheim) vor Späth (TG 75). Ueberiegen konnte Koch (TSG 46) die 100 Meter Rücken der Klasse 4 an sich bringen. Mit Spannung wurde die 4-mal-50-Meter-Kraulstaffel der Klasse von 35—40 Jahren verfolgt, die mit den alten bewährten Kämpfern früherer Glanzzeiten besetzt war. DSW 12 siegte knapp vor den beiden Staffeln der TG 75 Darmstadt.
Den schönsten Erfolg hatten mit die beiden Meister im Turm- und Kunstspringen Günther Haase und Aderhold, dazu die hessische Meisterin Mia Weilbach und nicht zu vergessen die Springerschule unter Landesspringwart Becker (Rüsselsheim). Lebhaften und langanhaltenden Beifall zollte man diesen fabelhaften Leistungen vom 10-Meter-Turm.
Als Abschluß trugen die beiden Traditionsmannsehaften des DSW 1912 und der TG 75 ein Freundschaftsspiel im Wasserball aus, das die besser eingespielte Sieben der DSW mit 7:0 gewinnen konnte.
75 Jahre TGD 1875
Im Rahmen der Jubiläumswoche der 1875 er finden folgende Turn- und Sportveranstaltungen statt:
Heute — Montag — Mathildenhöhe, 19.30 Uhr, Oeffentliches Singen der Gesangsabteilung und der Woogsfinken.
Dienstag, 8. August. 19.30 Uhr, Herrngarten, Ausschnitte aus dem Jugend-, Frauen- und Männerturnen.
Mittwoch, 9. August. 18 Uhr, Sportplatz Am Ziegelbusch - Kranichsteiner Straße, Jugendkämpfe der Leichtathleten; Handball TGD 75 — TuS Griesheim.
Donnerstag, 10. August. 18 Uhr, Sportplatz Am Ziegelbusch, Jugendfußball SV 98 — Rot-Weiß, Walldorf; 19.30 Uhr, Turnhalle Eleonorenschule, Tisch-Tennis TGD 75 — SV 98 I. Ma.
Freitag, 11. August. 18 Uhr, Sportplatz am Ziegelbusch, Faustball-Turnier mit TSV Pfungstadt, TSG 46 und TG Bessungen — Turnen der Kreisriege.
Samstag, 12. August. 16.30 Uhr, Sportplatz Am Ziegelbusch, Hahdball, TGD 7o —SV 98, Traditionself; 17.30 Uhr, Fußball, SV 98 —Phönix, Karlsruhe, Oberliga Süd-West; Einladungsläufe bekannter Leichtathleten.
Sonntag, 13. August. 10 Uhr, Stadthalle, Oeff entliehe Feierstunde unter Mitwirkung der Gesangs-Abteilung, Solist Heinrich Mitschdörfer, Eintritt frei; 16 Uhr, Jubiläums-Schauturnen mit der - Winter-Riege in voller Besetzung.
Hoher Kantersieg der einheimischen Boxer
ABC Darmstadt-Eberstadt schlägt badische Boxauswahl 13:1. — Willnow besiegt Böhler in der 1. Runde durch k.o.
Am Samstagabend empfing der ABC Darmstadt-Eberstadt eine badische Boxauswahl. Nachdem die geplante Freiluftveranstaltung wegen des unbeständigen Wetters in den „Schwanen“ verlegt worden war — das Wetter hätte an diesem Abend nicht idealer sein können — waren immerhin etwa 600 Zuschauer gekommen, die ihren Besuch auch nicht bereuen brauchten. Etwas reichlich verspätet kam die Mannschaft aus Baden an, es war inzwischen 21.30 Uhr geworden, als Ringrichter Proske (Eintracht Frankfurt) den 1. Kampf leiten konnte. Der ABC Darmstadt-Eberstadt, der ohne die Gebrüder Knieß in den Ring ging, hatte in Willnow (Rüsselsheim) eine wesentliche Verstärkung erhalten. Die Gästemannschaft war aus den badischen Vereinen VfR Mannheim, Weinheim, SV Waldhof, Schönau und Schwetzingen zusammengestellt. Sie hinterließen durchweg einen sehr guten Eindruck. Die Höhe des Sieges täuscht über die Ausgeglichenheit der einzelnen Kämpfe hinweg. Bezeichnend ist, daß bis auf das Halbschwergewicht alle Paarungen über die volle Distanz gingen. Die Zuschauer gingen bei den Kämpfen lebhaft mit.
Im ersten Treffen der Senioren standen sich Weigel (ABC) und Drackert (Waldhof) im Fliegengewicht gegenüber. Nach ausgeglichenem Kampf konnte Drackert, der in der 3. Runde mächtig Punkte sammelte, als knapper Punktsieger erklärt werden. Im Bantamgewicht sah man einen farbigen Kampf zwischen Bischoff (ABC) und Hanß (Schwetzingen). Bischoff, der von der ersten Runde gegen seinen körperlich stärkeren Gegner führte, war in seinem Punktsieg nie gefährdet. Ein schneller Kampf war im Federgewicht zu sehen. Hier waren in Kohl (ABC) und Betzscha (Schönau) beiderseits gute Kämpfer im Ring. Kohl, der es verstand, sich blitzschnell aus einer Umklammerung zu lösen, tänzelte geschickt um seinen Gegner herum und brachte ihm überraschende Haken als Körperserien an. Sein Punktsieg war völlig verdient. Ausgeglichen verlief der Kampf im Leichtgewicht. Hier hatte Nicoley (ABC) in Schuhmacher (Waldhof) einen Gegner gefunden, der die gleichen Nehmerqualitäten aufwies wie er. Beiderseits wurde hart geschlagen. Erstaunlich, wie beide Boxer am Schluß noch so frisch waren. Der* Punktsieg von Nicoley war knapp, aber verdient. Bemerkt sei, daß der Gast wegen Klammerns eine Verwarnung einstecken mußte. Die Begegnung im Weltergewicht hatte nicht die Farbe der anderen Kämpfe. Nachdem Müller (Schönau) in der ersten Runde leichte Vorteile gegen Ströher (ABC) aufzuweisen hatte, mußte er in der 2. Runde wegen Tiefschlag eine Verwarnung einstecken. Eine weitere Verwarnung erfolgte wegen „Sprechens im Ring“. Müller, dadurch im Nachteil liegend, versuchte mit wilden Schlägen eine Entscheidung herbeizuführen, was ihm jedoch nicht gelang. Ströher konnte sich mit seinen Aufwärtshaken stets Luft verschaffen. Der knappe Punktsieg von Ströher kann als glücklich angesehen werden. In der Mittelgewichtsbegegnung zwischen Formella (ABC) über Merk (Schwetzingen) gab es beiderseits schwere Schlagwechsel, die das technische vermissen ließen. Nach ausgeglichenen Runden gab es ein verdientes Unentschieden. Den kürzesten Kampf des Abends gab es im Halbschwergewicht zwischen dem als Gast für Darmstadt-Eberstadt boxenden Willnow (Rüsselsheim) und Böhler (Weinheim). Willnow, der an Körpergröße und Reichweite seinem Gegner klar überlegen war, diktierte den Kampf von der 1. Sekunde an. Seine Linke vorschiebend, setzte er seinem Gegner mit schweren Aufwärtshaken mächtig zu. Böhler konnte ziellos schlagend, gegen den visierten Willnow nichts anbringen. So war es nicht verwunderlich, daß Böhler bereits nach der 1. Minute die Bretter aufsuchen mußte. In der 2. Minute der ersten Runde vermochte er auf einen Haken von Willnow den Kampf nicht mehr fortzuführen und verlor durch technischen k. o.
Da die Gäste keinen Schwergewichtler mitbrachten, lieferten sich die zwei Klubkameraden des ABC Heinz und Heinel einen Schaukampf. Letzterer, der an Jahren weit mehr als der jüngere Heinz auf dem Buckel hat, zeigte, daß er noch gut in der Lage ist, mitzuhalten. Der Kampf ging, da beide Klubkameraden waren, ohne Wertung.
Bei der Jugend gab es einen Kampf zwischen Dieter (ABC)—Müller I (Weinheim), der unentschieden endete.
Aus den Reihen des ABC stellten sich Jugendliche und Schüler in Freundschaftskämpfen vor dem Hauptkampf gegenüber und überbrückten dadurch die Verspätung der Gäste. Die einzelnen Ergebnisse: Lüttke I—Hechler unentschieden, Bereuther—Hörr unentschieden und Lüttke II— Huthmann. Punktsieger Lüttke 11. Ku.
Schöner Verlauf des Jugendhandball-Turnieres
Anläßlich des 30jährigen Handballjubiläums des SV 98 wurde am Sonnabend und Sonntag auf dem Stadion Vorfeld ein Jugendhandballturnier abgewickelt. Der Jugendleiter des SV 98, Fritz Emig, hatte die Veranstaltung mustergültig organisiert und führte sie mit seinem Kampfrichterstab reibungslos durch.
Am Sonnabend hatte die B-Jugend das Wort. Mit großem Eifer waren die beteiligten Mannschaften am Werk, und was an Technik bei den Jungen noch fehlte, wurde durch unermüdlichen Einsatz wettgemacht. Zum Endspiel hatten sich die Mannschaften von Arheilgen und Pfungstadt durchgesetzt, und Pfungstadt wurde durch einen 4:2-Sieg Turniersieger. Den einzigen Mißton gab es, als die Mannschaft von Büttelborn in unsportlicher Weise das Spielfeld verließ.
Am Sonntagvormittag war dann die A-Jugend dran, und hier sah man schon wesentlich mehr vom Handballspielen als bei den jüngeren Kameraden. Mancher veranlagte Spieler fiel auf, und man wird ihn in einem Jahre da und dort in den ersten Mannschaften wiederflnden. Die Jugendmannschaften vom TSG 46 und SV 98 qualifizierten sich für das Endspie!, das am Nachmittag vor einer ansehnlichen Zuschauermenge mit einem verdienten Siege der TSG 46 von 5-2 endete. Hoffentlich werden diese Jugendturniere in jedem Jahre wiederholt Sie finden bei der Jugend starken Anklang, -r
Sehiedsrichterenrung in Dieburgs
Die Schiedsrichtervereinigung des ^e«eS k^ng ihr 25jähriges Bestehen am Samstagabend im Saal „Zur Traube“ Urf' Kraus (Urberach' begrüßte die zahlreich mit ihren Frauen erschienenen Mitglieder und die AH-Mannschaft von Hassia Dieburg Aals Gaste die am Nachmittag gegen eine Elf Tm TSf.hfed^lCht^ 3:1 §ewonnen hatte. Im Laufe des Abends, an dem Kraus MSte!0^ Bebzlrksschiedsrieh^^^^ k ®aunhöm) besonders herzlich ter^ntJ’ .T1!™ folgende Schiedsrichter unter Anerkennung ihrer Verdienste Sportes durch Urkunden geehrt- Glöckner, Groß-Umstadt (27 Jahre) Geist Dieburg (22 Jahre), Frank, UrbSch Reisert, Ober-Roden, Euler, Epperts-UßM’ Ueberau (je 18 Jahre) und Schönig, Mosbach (17 Jahre) rg
Starkenburg
Myriaden bunter Sterne und Raketen über Lindenfels
Die Burg im Scheine bengalischer Beleuchtung — „Odenwälder Hochzeit" im Trachtenfestzug
Vor den Scheinwerfern unseres Wagens tummelten sich am Samstagabend Hunderte von Radfahrern und Fußgängern, die von allen Seiten Lindenfels zustrebten, um den Auftakt zum Burg- und Trachtenfest, die Burgbeleuchtung und das Brillantfeuerwerk, erleben zu können. Das ganze Städtchen, sonst geruhsamer Ort der Erholung, war wie ein wimmelnder Ameisenhaufen: Ueberall festlich gestimmte Menschen, erwartungsfroh, — ja sogar neugierig, denn das Programm für die diesjährige Veranstaltung hatte gerade für den Beginn ein Feuerwerk versprochen, das alle bisherigen an dieser Stätte in den Schatten stellen sollte. Daß hier nicht übertrieben wurde, bewiesen die Ereignisse.
Böllerschüsse kündeten die Burgbeleuchtung an und im roten Licht der bengalischen Fackeln erstrahlten die Trümmer, der Berg, die Bäume der Bergkuppe und die angrenzenden Häuser des Städtchens. Weit hinaus in das Land mag man diese Illumination gesehen haben, die sich blutrot gegen den nächtlichen Himmel abhob. Nachdem die Lichter verglommen waren und der Qualm der Fackeln sich verzogen hatte, stiegen Hunderte von Raketen in den Himmel, eine die andere an Schönheit und Ueberraschungen übertreffend, von Tausenden bunter Sternchen begleitet, bis Kanonenschläge in vielfacher Folge den Abschluß bildeten. Ein Fest für das Auge, — ein immer wieder packender Augenblick, wenn im Dunkel des Firmaments Leuchtfäden und Kaskaden sprühenden Feuers in wechselnder Folge zur Erde rieselten.
Als dann auch dieses märchenhafte Spiel zu Ende war, bliesen die Posaunisten und Trompeter auf der Burg in ihre Instrumente, und der Paukenist schlug den Takt dazu. In W’ein- und Bierzelten, in verschwiegenen Ecken saßen frohe und jubelnde Menschen und gaben Gott Bacchus die Ehre. Die Bratwurststände konnten sich sicherlich über Mangel an Absatz nicht beschweren . . . ein Fest hatte begonnen, wie man es in Lindenfels, der „Perle des Odenwaldes“, schon immer gewohnt war. -öde-
Wer am Sonntag, dem zweiten Festtag des Lindenfelser Burgfestes die Serpentinen hinunter in die Stadt fuhr, sah schon unterwegs, daß es kein Fest im engeren Rahmen der einheimischen Tradition war, sondern daß hier eine alt-ehrwürdige Veranstaltung stattfand, zu der Gäste au® allen Himmelsrichtungen und Gegenden zusammenströmten. Die Parkplätze waren brechend voll, und den Zeitungsmann ergriff ein beschämendes Gefühl seiner eigenen Minderwertigkeit, als er seine 6 PS schamvoll hinter einem 12- Zylinder-Horch abstellte.
Die Straßen wimmelten von Menschen. Man sprach englisch und französisch, sogar hochdeutsch, und wenn man genau aufpaßte, konnte man gelegentlich auch den einheimischen Dialekt vernehmen. Männei' und Frauen mit großrandigen Sonnenbrillen und noch größeren Kino- und Photoapparaten säumten die Straßen und warteten auf das Vorbeiziehen des Festzuges.
Schon am frühen Morgen war von den Lindenfelser Burgzinnen der Weckruf ergangen. Auf der Straße stand man im Gedränge der Masse und hoffte nur, daß man dorthin getrieben würde,' wo man eigentlich hin wollte. Nach dem Mittagessen gruppierte sich der Festzug zum Marsch durch die Ortsstraßen. Eine gute Idee: die Darstellung einer alten Odenwälder Hochzeit den inter- und nationalen Gästen vorzuführen. Nach den Vorreitem in stolzer Bauerntracht kam die Fahnengruppe mit grün-weißen Bannern.
Dann erschien, schon von weitem vernehmbar, „die Musik“, ohne die kein richtiges Odenwälder Fest denkbar wäre. Der Wagen der Stadt Lindenfels mit dem Wappen, einer Linde „en miniature“ und viel Volk bildete den Auftakt der Vierrädrigen. Hinter den Bauernmädchen folgte die Spinnstub’, mit Spinnrädern und Klatsch. Der nächste Wagen war „Der Handstreich“ genannt, gestikulierende Bauern, die mit Nachdruck unter den Augen des Ortsvorstehers ein Geschäft aushandelten. Dem Stimmaufwand zufolge konnte es nicht nur um eine Kuh gehen. Der Hochzeitskranz zog vorüber, die Kirchgänger in feierlicher Kleidung, das „Gothekissen“, das, mit bunten Bändern besteckt, von jungen Mädchen ins Hochzeitshaus gebracht wird, und hinter der Kinderkapelle rollten mit hungrigen Augen die Hochzeitsgäste drein. Dem Kammerwagen, mit dem Bett der Braut und ausgestatteter Wiege, folgte die Brautkuh, die Trachtengruppen, der Schulmeister mit Zöglingen und Backenbart, und als letzter Wagen die Odenwälder Äppelweinstub’, 5 kartenspielende Bauern, nebst Wirt mit jakobinischer Zipfelmütze. Allerlei Leut’ aus dem Städt’l und aus dem Tal bildeten den Abschluß des Festzuges, der sich hinauf zur Burg begab.
Die Musik spielte, der Lindenfelser Gesangverein „Eintracht“ sang, und Bürgermeister Schwabe, in Bauerntracht mit Knotenstock, wies in seiner kurzen Begrüßungsansprache auf die bewußte Pflege heimatlichen Brauchtums hin. Reigentänze wechselten mit allgemeinem Tanz und nach Abschluß des offiziellen Programms kam die Stimmung.erst richtig in Schwung. Eine besondere Überraschung waren die außerplanmäßigen Musikeinlagen Berliner Kinder und Jugendlicher, die vorm Burgtor Volkslieder sangen, und denen Bürgermeister Schwabe Grüße an Berlin und Oberbürgermeister Reuter auftrug, der vor kurzem einige Tage zur Erholung in Lindenfels weilte.
Die Einheimischen waren zufrieden, die Auswärtigen begeistert, und selbst eine bebrillte Überseeische sagte überzeugt: „very nice“ — na also was kann sich Stadt und Burgfestausschuß noch anderes wünschen? Ml-
Raketen und Feuerkaskaden über Lindenfels
Pakgranate explodierte
In dem Waldgelände zwischen Eppertshausen und der Thomashütte ereignete sich ein bedauernswerter tödlicher Unfall, doch trifft die Schuld den verunglückten 10 Jahre alten Rudolf Karl Seib aus Urberach selbst. Er hatte zusammen mit einem Alterskameraden in dem mit Grundwasser gefüllten Steinbruch gebadet und anschließend Beeren gesucht. Dabei fanden die Jungen eine 3,7 cm Pakgranate mit Aufschlagzünder. Trotz Warnung seines Freundes machte sich Seib daran, das Geschoß zu zerlegen, um die Pulvertreibladung herauszunehmen. Die Granate explodierte und brachte ihm so schwere Verletzungen an den Händen und vor allem durch Splitter im Körper bei, daß er auf der Stelle starb. Der zweite Junge hatte sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht und blieb unverletzt.
Anläßlich dieses Unglücksfalles weist das Gendarmeriekommissariat des Kreises Dieburg darauf hin, daß dieser Steinbruch in den Jahren 1945/46 der amerikanischen Armee als Sprengplatz gedient hat, und wahrscheinlich noch weitere Munition in seiner Umgebung verstreut umherliegt. Deshalb werden alle Personen zur besonderen Vorsicht beim Betreten dieses Geländes angehalten, das überdies durch Warntafeln gekennzeichnet ist. Vor allem sollen Kinder vom Baden und Beerensuchen an dieser Stelle abgehalten werden. (RG)
Waschenkach - eine Ausnahme
Kaum 400 Einwohner zählt die Gemeinde (mit Flüchtlingen), sagte uns der Bürgermeister, den wir auf dem Felde, mitten in reger Arbeit trafen. Das Einvernehmen mit den Heimatvertriebenen sei ein gutes, ja, es gäbe hier kaum die scharfe Trennung wie in manchen anderen Gemeinden, in denen es immer noch heiße: Hie Flüchtling — hie Einheimischer. Die Jahre des Zusammenlebens haben diese Abgrenzung aufgehoben. Der Sohn des Bürgermeisters ist mit einer Heimatvertriebenen verheiratet — ein Beispiel für andere.
Gewiß gibt es auch in Waschenbach, wie anderorts, das Problem der Wohnungsnot. Doch man ist bemüht, die größten Härten zu lindern. Eines der beiden Gemeindehäuser wird auf Kosten der Gemeinde umgebaut. Damit werden zwei neue Wohnungen geschaffen. Der Voranschlag für dieses Projekt umfaßt 7000 DM, eine hohe Summe für den kleinen Ort. Aber das hindert nicht, davor zvuückzuschrecken. Denn zwei glückliche Familien werden noch vor dem Winter eine menschenwürdige Behausung erhalten.
75 Jahre Groß-Umstädter Feuerwehr
Die Groß-Umstädter Freiwillige Feuerwehr hatte zu ihrem 75jährigen Jubiläum am vergangenen Wochenende eingeladen und ihre Festtage am Samstagabend mit einem Fackelzug durch die Stadt eingeleitet. Für die Ehrendamen sprach Hildegard Schütz einen von Frau Kern verfaßten Festspruch, der in der Ueberreichung zweier Fahnenschleifen und eines Trägerbandoliers ausklang. Ortsbrandmeister Karl Heimer begrüßte unter den Gästen als Vertreter des Landrats den Sachbearbeiter für Feuerschutz, Regierungsrat Spamer, Kreisbrandinspektor Geidel und die Stadträte von Groß-Umstadt, an der Spitze Bürgermeister Hartmann, mit herzlichen Worten. Letzterer unterstrich in seiner Ansprache die hohen Ideale der Feuerwehr, die in der uneigennützigen Hilfe für den Nächsten, in der Erhaltung oder Errettung oft erheblicher Werte die Erfüllung ihrer Ziele sehe. Regierungsrat Spamer überbrachte die Grüße des Landrats und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr in Groß-Umstadt bald nicht mehr notwendig sein werde. Kreisbrandinspektor Geidel sprach der Wehr Dank und Anerkennung aus und nahm dann die Ehrung der Männer vor, die jederzeit selbstlos in ihren Reihen standen und heute noch zum Teil aktiven Dienst tun. Ehrenurkunden und die goldene Ehrennadel für 50 und mehr Jahre Feuerwehrdienst wurden überreicht an Johann Berthold, Heinrich Ackermann, Georg Frieß IX., Heinrich Landzettel, Johann Georg Kling und Friedrich See1
Der Männergesangverein, der Gesangverein Sängerlust-Liederkranz und der Turnverein 1878 waren Gratulanten, die mit Liedvorträgen und turnerischen Uebungen ihre Frauenriege Glückwünsche darbrachten, für die Brandmeister Heimer dankte.
Nach dem Festgottesdienst am Sonntagmorgen nahm die Groß-Umstädter Feuerwehr auf dem Friedhof eine Ehrung ihrer verstorbeneij und gefallenen Angehörigen vor und trat um die elfte Tagesstunde zu' einer Brandangriffsübung, deren Objekt das Rathaus war, an. Die Vorführung zeigte, wie wir von Kreisbrandmeister Geidel erfuhren, daß die Groß-Umstädter Wehr, die heute über 118 Mitglieder, mit nahezu 15 Feuerlöschgeräten und -fahrzeugen verfügt, jederzeit einsatzbereit und schlagkräftig ist.
Mittags bewegte sich ein großer Festzug durch die Straßen der Stadt. Die Bevölkerung selbst nahm an der Feier der Wehi- außerordentlich regen Anteil und es entwickelte sich in Hof und Turnhalle des Realgymnasiums nach Auflösung des Festzuges ein fröhliches Volksfest. Bürgermeister Hartmann begrüßte die erschienenen Wehren aus den Kreisen Dieburg, Erbach und dem benachbarten Bayern. Studienrat Ksc ho - wa k würdigte anschließend den Gründer der Wehr, Steuer rat St o 1 t'e, und schloß mit seiner Festrede den offiziellen Teil des Hauptfesttages ab. Der Nachmittag und der Abend fand die Jugend beim Tanz und das kleine Volk beim Karussell. (RG)
Ein schwerer Anfang!
Während des Paris-Aufenthaltes von Bürgermeister Dr. Lüdecke, Groß-Gerau, gab es kürzlich in der Groß-Gerauer Stadtverwaltung einige aufregende Minuten. Für 10 Uhr war eine Trauung angesagt. Weniger als 2 Stunden vorher jedoch bemerkte man, daß der Standesbeamte in Urlaub war. Man suchte Hilfe bei dem ersten Beigeordneten. Der war jedoch die Treppe hinuntergefallen und konnte die Trauung nicht vollziehen. Der zweite Beigeordnete, den man bat, das in Anmarsch befindliche Brautpaar zu trauen, hatte so etwas noch nie gemacht und bekam vor lauter Aufregung Bauchsdimerzen, so daß er nicht in der Lage war, die Situation zu retten. . . .
In letzter Minute entsann man sich, daß bei der Stadtverwaltung ja der Beigeordnete einer Nachbargemeinde beschäftigt war. Schnell holte man die Erlaubnis vom Landrat ein, daß der den feierlichen Akt vollziehen könne. Da aber erklärte der Auserwählte, daß er für diesen Zweck sich erst einmal rasieren müsse und dringend ein weißes Hemd und einen dunklen Anzug benötige. Ehe er sich versah, hatte man ihn schon in ein Auto gepackt, um ihn zu Hause so schnell als möglich für die Trauung herzurichten die dann auch wirklich zustande kam. (cg)
Nene Ortadurchfahrt
In Worfelden will man vom „Oberdorf“ zu der nach Braunshardt führenden Straße eine neue Ortsdurchfahrt schaffen. An dem als Durchfahrt vorgesehenen Weg werden zur Zeit 15 Häuser von der Baugenossenschaft Ried und zwei von Privatpersonen errichtet; diese Bauten sind teils schon bis auf Stockhöhe vorangetrieben und enthalten je zwei Wohnungen.
Nach Klärung der Frage, wie hoch der Zuschuß zu diesem Straßenbau von dem Straßenbauamt Darmstadt ist, will Bürgermeister Reitz die übrigen Formalitäten in die Wege leiten. Man rechnet damit, daß abgesehen von der finanziellen Beteiligung des Staates und der Gemeinde es möglich sein wird, die Straße als Notstandsarbeit durchzuführen. In den nächsten Monaten soll mit dem Bau begonnen werden. (cg)
Tag der Heimatvertriebenen in Dieburg
Keine Leistungsschau des Kreises am 17. September
Am 5. August 1950 waren fünf Jahre seit dem Beginn der Austreibung der Deutschen aus den Ostgebieten vergangen. Aus diesem Anlaß waren die Vertrauensmänner des Kreises Dieburg in der Kreisstadt zusammengekommen, um aus zwei Referaten Richtlinien für ihre weitere Arbeit mitzunehmen, zugleich aber auch um in offener Aussprache alle Probleme zu berühren, die es in ihrem engeren Wirkungskreis noch zu lösen gilt. Kreisvorsitzender Gold begrüßte die Teilnehmer und die Redner Oberregierungsrat Wa 11 e k vom Bundesflüchtlingsministerium und Bundesflüchtlingskommissar Kutzner. Oberregierungsrat Wa 11 e k erläuterte das z. Z. im Entwurf vorliegende Lastenausgleichsgesetz, das auf der Einnahmeseite einmalige Vermögensabgabe, neuen Verwendungszweck der laufenden Vermögenssteuer, Hypotheken-, Obligationen- und Kredit-Gewinnabgaben und auf der Leistungsseite unter anderem Kriegsschädenrente für einen noch näher zu bestimmenden Personenkreis, Umstellung der Sparkassen- und Bankverluste, Haushaltshilfen und Förderung des Wohnungsbaues vorsehe. Er verband allerdings mit seinen Darlegungen auch eine Warnung vor allzu großem Optimismus. Bundesflüchtlingskommissar Kutzner deutete zunächst die großen außenpolitischen Zusammenhänge an, kam dann auf die Ziele des in Schleswig-Holstein neugegründeten „Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ zu sprechen und sprach schließlich von den in Hessen bevorstehenden Wahlen. Dabei stellte er die Forderung, daß die Parteien des Kreises Dieburg in ihre Listen nur Flüchtlinge aufnehmen sollten, die das Vertrauen des Verbandes der Heimatvertriebenen genießen.
Am Schluß der Versammlung wurde bekanntgegeben, daß in diesem Jahre die Flüchtlingsleistungsschau nicht mehr wiederholt zu werden brauche, weil die Flüchtlingsbetriebe bereits engeren Anschluß an das Wirtschaftsleben gefunden hätten. Dieser Tag werde jedoch unter Einbeziehung der protestantischen Heimatvertriebenen zu einem christlichen Flüchtlingstreffen ausgeweitet. In der großen Kundgebung am Nachmittag werde voraussichtlich Bundesflüchtlingsminister Lukaschek sprechen. Dem nun auch für Reinheim festgelegten Dorfgemeinschaftsafeend (26. 8.) werde dank dem Entgegenkommen des Kreisschulrats Schmitt vom 2. bis 7. Oktober eine Volkstumswoche folgen, die am Sonntag, dem 8. Oktober, mit einem Treffen der Flüchtlings jugend ausklinge, auf dem voraussichtlich, wie im vergangenen Jahre, Hessens Kultusminister Stein sprechen wird. / (RG)
Sommernachtsfest in Mörfeldeu
In den dreißiger Jahren fanden die Mörfelder Sommernachtsfeste auf dem früheren Sportplatz „Am grünen Haag“ statt. In diesem Jahr, als am Samstag, dem 5. August, erstmalig wieder die alte Tradition des Sommerfestes von der Mörfelder Sport- und Kulturvereinigung 1879 e. V. aus dem Scheintod erweckt wurde, wählte man das wunderbar gelegene WaJdsch wimmbad als den geeigneten Platz dafür.
Bunte Lampions schwangen rund um das große Schwimmbecken und der Himmel tat mit dem Funkeln seiner’ blanken Sterne ein übriges, um den Festbesuchern die erforderliche Stimmung zu geben. Als auswärtige Gäste waren die Mitglieder der Sportgemeinschaft Westend aus Frankfurt erschienen. Alle Abteilungen der Mörfelder Sport- und Kulturvereinigung trugen ihr Teil zum Gelingen des großen Festprogramms bei, die Handharmonikaspieler, die Sänger, Radfahrer und Schwimmer. Das Programm, das die vielen Gäste den ganzen Abend bis spät in die Nacht unterhielt, konnte sich sehen lassen.
Um 20.30 Uhr begann die offizielle Veranstaltung mit einem Umzug der Ortsvereine durch die Straßen Mörfeldens. Unter Musikbegleitung zog alles hinaus in das Waldschwimmbad, wo der Vorsitzende der Festveranstalter, Schulmeier, die Anwesenden im Namen der Sport- und Kulturvereinigung herzlich willkommen hieß. Die Sänger leiteten das bunte Treiben ein. Dann folgte das Wasserballspiel der Mörfelder gegen den Frankfurter Gastverein Westend. Als Zwischeneinlage wurde allerseits das Tanzbein geschwungen, man betrachtete sich den Lampionreigen, der von den Schülerinnen geschwommen wurde, bewunderte das Turm- und Fackelspringen mutiger Männer und freute sich über die humoristischen Einlagen.
Auch die Kunstradfahrer gaben Proben ihres Könnens zum besten und die Hauptattraktion war zweifellos die Seilhangfahrt über das 50 Meter lange Schwimmbecken, im Kniehang und mit zwei Fackeln in den Händen. Zwei Kapellen sorgten bei bengalischer Beleuchtung für die Stimmungsunterlage und es war wohl niemand, der behaupten konnte, daß das Mörfelder Sommernachtsfest nicht gelungen wäre. -st
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Neunkirchen. Das Gasthaus „Zur Linde“ stellte sich wieder auf Landschulheim-Betrieb um. Im Monat August werden Klassen von Frankfurter Schulen erwartet. — Im Gasthaus „Zum grünen Baum“ sind die 28 Betten mit Kurgästen laufend belegt. — Von dem als Schwimmbad zur Verfügung gestellten Feuerlöschteich machen Einheimische und Fremde eifrig Gebrauch.
Urberach. Durch Herrmann und Nagel, beide Union Niederrad, sowie Heberer, SG Dreieichenhain, erhält der KSV Urberach weitere Verstärkung. wu
Urberach. Victoria Urberach wird durch den Weggang von Torwart Gensert zum Lokalrivalen KSV und von Mittelstürmer Lotz zu der SG Niederroden erheblich geschwächt. Eine Verstärkung bedeutet der Nachwuchsverteidiger Martin Schwab, bisher KSV. wu
Epperthausen. Der FV hat mit Torwart Geist, Klein-Zimmern einen wertvollen Neuzugang zu verzeichnen. wu
Ober-Roden. Werner Strixner und Helmut Thrän haben den Verein verlassen und werden in der kommenden Saison bei Hausen-Offenbach bzw. SV Darmstadt spielen. Dafür kehrt Keck, FSV, wieder zu seinem Stammverein zurück. wu
DIEBURG
Eppertshausen. Im Herbst wird durch das Kulturamt Darmstadt die Neuzuteilung der Grundstücke erfolgen. Die Uebergangsbesbimmungen im Zuge der Flurbereinigung wurden jetzt öffentlich ausgehängt. Es ist jedem Grundstücksbesitzer öder Pächter zu empfehlen, sich mit den Ausführungen vertraut zu machen. (gi)
Ober-Roden. Die Renovierungsarbeiten der Schule haben jetzt ihren Anfang genommen. Verschiedene Schulsäle und das Treppenhaus werden instandgesetzt. Die nötigen Mittel waren im Haushaltsplan veranschlagt. (gi)
Münster. Der Faselstall der Gemeinde wird gegenwärtig umgebaut. Die Deckzeiten sind aus diesem Grunde von 6 bis 7 Uhr morgens verlegt worden. (gi)
ERBACH
Neustadt. Die Bodenbenutzungserhebung 1950 ergab folgendes: Auf die Gesamtwirtschaftsfläche der Gemeinde von 2452,91 ha entfallen auf Ackerland 58,25 ha, Gartenland 8,68 ha, Obstanlagen 3,43 ha, Grünland mit Weiden 74,70 ha, so daß die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 145,06 ha ergibt. Die Waldfläche beträgt 2157,26 ha, Oedland 15 ha, Hof- und Gebäudeflächen erfordern 42,26 ha. Mit Getreide sind bebaut 25,80 ha, während für Kartoffelanpflanzung 12,74 ha benötigt werden. (le)
BERGSTRASSE
We|her. Die Ziegenzüchter und die Gemeinde einigten sich jetzt in einer Besprechung dahingehend, daß durch finanzielle Hilfe der Gemeindeverwaltung ein Stall für den Ziegenbock gebaut wird. Seine Wartung soll von Georg Mader übernommen werden. (-r)
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Der Kreisverband der Fliegergeschädigten veranstaltet am Sonntag, 13. August 1950, eine öffentliche Kundgebung bei der Verbandsvorsitzender Prof. Dr. W. Ziegler, Frankfurt (Main) sprechen wird. (eng)
Büttelborn. Die Wohnbautätigkeit innerhalb der Gemeinde macht gute Fortschritte. Während im Jahre 1949 31 Häuser fertiggestellt und bezogen wurden, ist in diesem Jahre mit einer Fertigstellung von etwa 30 Häusern zu rechnen. Die Gemeinde hat in Selbsthilfe ebenfalls zwei Häuser erstellt. (Kb.)
Büttelborn. Aus Anlaß des 20jährigen Jubiläums der Gartenwirtschaft „Zur Waldesruh“ veranstaltet der Inhaber Johannes Hamm, in Kürze ein großes Lampionfest mit allerlei Ueberraschungen. (kb.)
Büttelborn. Der Gemeindeverwaltung ist es gelungen, einen Gaslieferungsvertrag mit der Südhessischen Gas- und Wasger-AG. Darmstadt auf die Dauer von 30 Jahren abzuschließen. Es haben sich 90 v. H. aller Hausbesitzer zum Anschluß an das Gasnetz bereit erklärt. (-Kb)
Leeheim. Die Neubauten an der Erfelder Straße, die zum Großteil in Selbsthilfe durchgeführt werden, machen gute Fortschritte. Man rechnet in diesem Jahr mit der Fertigstellung von zehn Häusern. (-Kb)
Erfelden. Da das Anpflanzen von Gurken unrentabel sei, will man im kommenden Jahr einige hundert Morgen Gurkenland umpflügen und mit Futterpflanzen bestellen. (-Kb)
Bürstadt. Der Kaninchenzuchtverein H 18 hielt am vergangenen Sonntag mit ca. 200 Tieren von 15 Rassen eine Jungtierschau ab. Sie war verbunden mit einem Züchtertreffen, zu welchem Zuchtfreunde aus ganz Hessen und den benachbarten Gebieten gekommen waren. Beide Veranstaltungen konnten einen unerwartet starken Besuch verzeichnen. (bb.)
Hofheim. Die Hofheimer Radfahrervereinigung hatte am vergangenen Sonntag einen Radsportwerbetag veranstaltet, bei dem die Nachbarvereine aus Biblis, Einhausen, Bürstadt und Dalsheim mitwirkten. Nach einem Festzug durch die Ortsstraßen zeigten die Radler im „Kaiserhof“ ihre Leistungen im Saalfahren. (bb.)
Dornheim. Am 20. August jährt sich zum ersten Male das große Dornheimer Bauernfest, daß in diesem Jahr mit einem Erinnerungsfest des Reit- und Fahrvereins Dornheim verbunden ist. Bei dem großen Reit- und Fahrturnier werden die Vereine Jagdspringen Dressur- und Fahrprüfungen zeigen. Der Pferdezuchtverband wird gleichzeitig die Pforten zu einer Kreisfohlenschau öffnen. (kb.)
Biebesheim. Beim Fruchtladen fiel eine Bauersfrau vom Wagen und brach sich den linken Fuß. (sp_)
Mörfelden. Der Verein für Schäferhunde hat sich hinter dem Schwimmbad einen vorbildlichen Dressur- und Abrichteplatz eingerichtet. Die . Mitgliederzahl des jungen Vereins, der erst im Laufe dieses Jahres gegründet wurde, ist ständig im Steigen. au.
Wolfskehlen. Die Gemeindeverwaltung läßt z. Z. sämtliche Gräben in der Gemarkung reinigen. Die anfallenden Arbeiten wurden an drei Interessenten vergeben.
Raunheim. Die landwirtschaftliche Bevölkerung von Raunheim mußte lange auf ihre neue Dreschmaschine warten. Jetzt ist sie doch noch gekommen. Der Drusch des Getreides wird mit Volldampf aufgenommen werden. (-au-)
Rheinisches Fischerfest -„Fest des Friedens“
Tausende von Besuchern zürn Wochenende in Gernsheim
Tausende von Besuchern kamen am Sonnabend und Sonntag nach Gernsheim am Rhein, um mit den Fischern das Rheinische Fischerfest zu feiern. Ununterbrochen verkehrten Sonderzüge der Bundesbahn, Autobusse der Heag und der Privat-Transportunternehmen und brachten immer wieder neue Gäste in das mit Netzen behangene Fischerstädtchen.
Nachdem der stürmisch begrüßte süddeutsche Fußballmeister eingetroffen war und das gastlich ausgerichtete Mittagessen eingenommen hatte, eröffnete Bürgermeister Adler in der Rheinallee die Schau „Quer durch die Gernsheimer Geschäftswelt“. In seiner Ansprache brachte er zum Ausdruck, daß er Industrie und Handwerk in Gernsheim stets gefördert habe und daß nun das Ziel nicht mehr fern sei, den Käufern aus Gernsheim und dem Ried den Weg in die ferne Stadt zu ersparen.
Als der Bürgermeister das Band zer¬ 'schnitt, strömten die Menschen in die Straßen der Ausstellung. Großen Anklang fand vor allem die Schiffsmodellschau, bei der Willi Kuhn aus Gernsheim mit seiner Motorjacht den ersten Preis erhielt.
Den Höhepunkt des ersten Tages brachte der Abend, als Bürgermeister Adler auf dem idyllisch zwischen Hafen und Rhein gelegenen Festplatz das 2. Rheinische Fischerfest unter dem Motto „Friede“ eröffnete. Mit herzlichen Worten begrüßte er’die Ehrengäste, Vertreter der Oeffentlichkeit, die Presse und alle Besucher. Landrat Hart betonte in seiner Rede, daß vor allem die Jugend ein Recht zum Feiern hätte, doch dürfe sie darüber ihre ernsten Pflichten für die deutsche Zukunft nicht vergessen.
Nach den Ansprachen wurde der Fröhlichkeit des echten Volksfestes Raum gegeben. Zahlreiche Paddelboote fuhren zu Lampionsfahrten auf. Die von den Fischern entzündete Rheinbeleuchtung ließ das Festgelände in malerischer Pracht aufleuchten, und die bunten Lichter spiegelten sich vielfältig in den Wellen des Rheins.
Am Sonntag traten nach Sonnenaufgang 300 Angler zum großen Wettangeln an. Dabei konnte Walter Meister den schwersten und größten Fisch fangen. (40 cm lang, Gewicht 1200 g.) Sieger im Preisangeln wurde Fritz Rapp mit einem Fisch von 9*/a Pfund Gewicht. Er erhielt den Ehrenpreis der Stadt Gernsheim: eine komplette Angler-Ausrüstung.
Auch ein Seifenkistenrennen fehlte nicht bei diesem rheinischen Feste. Darmstadt, Ober-Ramstadt, Rüsselsheim, Gernsheim, Groß-Gerau und Dornberg beteiligten sich daran. Sieger wurde der zwölfjährige Wolfgang Müller aus Dornberg. Den zweiten Platz belegte Gerhard Heick aus Groß-Gerau. den beiden Siegern wurde je eine Armband-Uhr überreicht.
Der Nachmittag brachte viele wassersportliehe Darbietungen, bei denen vor allem das Rettungsschwimmen der DLRG, Ortsgruppe Gernsheim, gefiel. Bei dem Wettschwimmen über 16 Jahre siegte Alfred Adler, bei dem Wettschwimmen bis zu 16 Jahren Heinz Bartel.
Große Heiterkeit gab es bei dem traditionellen Fischerstechen, bei dem zwei geschmückte Fischkutter gegeneinander fuhren und die aufgesessenen Fischer einander mit Lanzen ins Wasser zu stoßen suchten.
In den Staffettenläufen wurde die SV Concordia Gernsheim Sieger vor TSV Gernsheim. Zum ersten Male zeigten die Wurfvereine Frankfurt, Offenbach und Darmstadt ein großes Wurfturnier. Es ist beabsichtigt, diesen Sport auch in Gernsheim einzuführen.
Bei dem Wellenreiten der Damen und Herren verteilte Bürgermeister Adler die Preise und ehrte die Sieger. Als Sieger im Staffettenlauf erhielt die Concordia den Pokal des Fischerfestes 1950 verliehen.
Zwischen den einzelnen Vorführungen am Nachmittag hatten mehrere Kapellen zum Tanze aufgespielt, und nun wurde bei Einbruch der Dunkelheit von einem Schiff .im Rhein ein imposantes Kunstfeuerwerk abgebrannt. Der Montag als dritter Tag des Rheinischen Fischerfestes soll nun vor allem der Jugend gehören. -spa-
„Es ist allerhöchste Zeit“
Der „BEJ“ interessiert sich für den europäischen Gedanken
Einige aufgeschlossene junge Menschen mit klarem Blick und schlichter, unpathetischer Sprache kamen am Freitagabend aus dem gegenwärtig in Klein-Heubach a. M. stattfindenden internationalen Freundschaftslager des „Bundes Europäischer Jugend“ nach Erbach, um erstmals zur Jugend des Odenwaldes über den europäischen Gedanken, die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Jugend aller Völker Europas, zu sprechen. Heinz Hahn (Kitzingen) gab eingangs seine Meinung zu diesem Thema kund, das . möglicherweise schon in naher Zukunft die Schicksalsfrage aller Menschen des Abendlandes werden wird. Erfreulich war, daß ohne vorherige große Ankündigung doch viele junge Menschen im Vortragssaal der neueröffneten amerikanischen Lesehalle in Erbach zusammengekommen waren und sich sehr lebhaft an der Aussprache beteiligten.
Ein junger Freund aus Frankreich, der ebenfalls an dem Lager in Klein-Heubach teilnimmt, erzählte von der -geistigen Haltung der Jugend seiner Heimat, die mehr und mehr Interesse nimmt an Deutschland und seinen Menschen. In der Diskussion wurde die Erkenntnis bestätigt, daß für die Völker Europas weder die Blickrichtung nach West noch nach Ost entscheidend ist, sondern einzig die Konsolidierung der jungen Kräfte des alten Kontinents, damit eine dritte Macht als ruhender Pol in der sich anbahnenden Auseinandersetzung der extremen Weltanschauungen bestehe. An diesem Punkte der Aussprache angelang , rief ein junger Erbacher spontan aus: „Dann ist es aber allerhöchste Zeit. , und traf damit den -Nagel auf den Kop .
Sie haben gut lachen, — bei so einem Weinchen! — Mit dieser Flasche läßt sich s sicher gut sein Fotos Hemme
Rundhaus in Eppertshausen
Die kleine Arbeitergemeinde Eppertshausen kann sich rühmen, wieder emmal eine Pionierarbeit zu leisten: Das erste Rundhaus im Kreis Dieburg soll in der Gemeinde entstehen.
In seiner letzten Sitzung befürwortete der Gemeinderat die Bereitstellung des Baugeländes für das System Rundhaus-Ostermann. Der Neubau wird einstöckig und umfaßt bei einer bebauten Fläche von 63,61 Quadratmeter und einer Nutzfläche von 58 Quadratmeter einen Rauminhalt von 156,4 Kubikmeter mit drei Zimmern, Küche, Bad, Klosett, Flur und Abstellraum. Herr Ostermann, der Bauunternehmer und Konstrukteur dieses Rundhauses, erklärte der Gemeindeverwaltung, daß sich die Kosten für das fertige Haus auf 6000 DM belaufen, (gi)
Gefängnis für Unzucht
Wegen Verbrechens gegen den Paragraph 175 hatten sich gestern ein älterer Mann und ein junger Bursche aus Wolfskehlen vor den Richtern der zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt zu verantworten.
Nach mehrstündiger Verhandlung ging das Gericht noch über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus und verurteilte den 46jährigen Automechaniker Christian L. wegen ein^s versuchten und eines fortgesetzten Falles der Verführung einer männlichen Person unter 21 Jahren in Tateinheit mit Unzucht unter Männern zu acht Monaten, und den 19jährigen Schreiner Ludwig Sch. wegen fortgesetzter Unzucht zu zwei Monaten Gefängnis.
Lützelbach. Die Gemeinde, feiert „ihre Kerb“ am letzten Sonntag im September. — Als erster Neubau der Gemeinde nach dem Krieg ersteht das Haus des alten Schullehrers Sauerwein. (t-s)
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