Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 31 Jieueffe Tia^ri^fen Samstag, 5 August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis „15 Pfennig *

Keine denutschen göldner

Das Bonner Echo auf die geplante Bewaffnung der „Arbeitskompanien“

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 4. August. Die Ankündigung, daß die englischen und amerikanischen Arbeitskompanien in Westdeutschland, unter ihnen auch Deutsche, mit Karabinern bewaffnet werden sollen, hat allgemeine Bedenken und auch Ablehnung zur Folge gehabt.

So ist auch in diesen Tagen in den Bonner politischen Kreisen die Ankündigung von „Arbeitskompanien“ durch die amerikanische und englische Besatzungsmacht nicht positiv auf genommen worden, man verweist darauf, daß es sich bei diesen Einheiten zum großen Teil um Deutsche handle, die jetzt im unmittelbaren Dienst der Besatzungsmächte bewaffnet würden, demgegenüber hat aber Dr. Adenauer schon vor langer Zeit sich in einem damals sehr beachteten Interview gegen jede Art eines deutschen Söldnertums ausgesprochen, und weite politische Kreise in Bonn sind nicht sicher, ob sich nicht ein solcher Tatbestand aus der angekündigten Entwicklung ergeben könnte.

In einem Kommentar des Deutschland-Union-Diehstes wird zu diesem Thema erklärt, daß dieser neue Tatbestand weder auf deutschen Wunsch noch mit deutscher Mitwirkung geschaffen worden sei. Es handle sich um eine einseitige Maßnahme von englischer und amerikanischer Seite, die in diesem Kommentar für nicht gut erklärt wird, denn die Eingliederung Deutschlands in ein System der europäischen Sicherheit könne nur im Rahmen eines organischen Planes unter deutscher Mitwirkung vorgenommen werden, während sprunghafte Maßnahmen diese Entwicklung nur stören würden.

Die deutschen Angehörigen der Arbeitseinheiten bei der amerikanischen Armee unterstünden nur in ihrem Privatleben, nicht aber während ihres Dienstes dem Grundgesetz. -

Kirk hei Gromnuko

Moskau 4. August, (dpa) Der stellvertretende sowjetische Außenminister Gromyko hat am Freitag in Moskau den amerikanischen Botschafter Allan Kirk empfangen. Die amerikanische Botschaft teilte anschließend mit, daß während der fünfzehn Minuten dauernden Unterredung Routinefragen erörtert worden seien.

Ein Autounfall Maliks

Neuyork, 4. August, (dpa) Der Kraftwagen Maliks ist am Donnerstagabend auf der Fahrt von Lake Success nach Neuyork-City verunglückt. Es entstand lediglich Sachschaden. Malik wurde nicht verletzt. Der französische Delegierte Chauvel bot Malik sein Fahrzeug an. Das inzwischen eingetroffene Unfallkommando brachte den Sowjetdelegierten in die Stadt.

Erneute Frage an die Sowjets

Wo bleiben die japanischen Gefangenen?

Washington, 4. August, (dpa) Die Vereinigten Staaten haben die Sowjetunion erneut aufgefordert, einer internationalen unparteiischen Untersuchungsgruppe zu gestatten, an Ort und Stelle Nachfor¬ ’schungen über das Schicksal der rund 370 000 noch in sowjetischer Hand befindlichen japanischen Kriegsgefangenen anzustellen. Diese Forderung wurde nach einer Bekanntgabe des amerikanischen Außenministeriums auf einer Sitzung des alliierten Kontrollrates für Japan erhoben, an der die Sowjetunion nicht teilnahm.

Waldbräünde bedrohen Städte

Toulon, 4. August. (AP.) Große Teile der französischen Bevölkerung haben am Freitag an der Riviera panikartig die Flucht vor den riesigen Waldbränden ergriffen, die am Freitagmorgen an drei neuen Stellen ausgebrochen sind. Der Kurort Saint Maxime und die Ortschaft Rayol mußten von der Bevölkerung völlig geräumt werden. Die Städte Grimaud, Beauvallon und Cavalarie sind nach den letzten Berichten Von dem Flammenmeer bedroht. Die größten Brände wüten zwischen Toulon und Cannes.

Im ganzen Küstengebiet werden die Brände von starken Westwinden, die eine Geschwindigkeit von über sechzig Stundenkilometer haben sollen, angefacht.

Zu den Löscharbeiten sind die Feuerwehren von Toulon, Hyere und Marseille, sowie französische Truppen alarmiert worden.

2000 Käufer in flammen

Istanbul, 4. August. (AP.) Die Stadt Balikesir in Westanatolien ist am Freitag von einem Großfeuer heimgesucht worden, bei dem über zweitausend Häuser und sämtliche Telephon-, Fernschreib- und Elektrizitätsleitungen mit den benachbarten Ortschaften zerstört wurden.

Balikesir hat etwa 40 000 Einwohner und ist einer der größten militärischen Standorte in der Türkei.

Das Feuer ist nach den bisherigen Ermittlungen in einem Spielwarengeschäft ausgebrochen, in dem mit Feuerwerkskörpern hantiert wurde. Das windige und trockene Wetter begünstigte die schnelle Ausbreitung des Brandes. Die Zahl der Verletzten ist noch nicht bekannt.

Die Entscheidung fällt im Süden

Nordkorea will den Durchbruch auf Pusan erzwingen

Pusan, 4. August. (AP./BBC./dpa) Im südlichsten Abschnitt der koreanischen Front ist eine große Schlacht im Gange. Beide Seiten haben im Raum Schinju-Masan Verstärkungen zusammengezogen. Die Nordkoreaner wollen hier in Stärke von drei Divisionen, unterstützt von rund 50 Panzern, den Durchbruch auf Pusan erzwingen, um den strategisch wichtigen Hafen den Amerikanern zu entreißen und damit die erste Phase des Krieges zu entscheiden. Die amerikanische Führung will, um dieser Gefahr zu entgehen, alle Kräfte auf’bieten. Unter allen Umständen soll der Hafen in der Hand behalten werden und ein Dünkirchen vermieden werden. Vom Mittelabschnitt wurde deshalb die 25. Inf.-Division abgezogen und nach Süden in den Kampf geworfen. Einheiten der 1. Marine-Division und Verbände der zweiten neu eingetroffenen Infanterie-Division sind ebenfalls im Kampfgebiet von Masan zusammengezogen worden. Die Amerikaner verfügen jetzt auch über stärkere Panzerverbände, so daß der Ausgang der Schlacht durchaus offen ist.

Der Schwerpunkt liegt bei Pusan

Der Kampfverlauf am Freitag, der an der Mittelfront und an der Nordfront ruhig war, zeigt, daß beide Teile die Entscheidung im Süden suchen. Die amerikanische Führung hat sich entschlossen, den gesamten Nordabschnitt den Koreanern zu überlassen und ihre Kräfte schwerpunktartig im Süden zu konzentrieren. Mit der Zurücknahme der amerikanischen Linien auf den Naktong ist die Front auf nur zweihundert Kilometer verkürzt worden. Diese Verkürzung bietet gewisse Vorteile, hat aber den Nachteil, daß der Bereitstellungsraum für den Gegenangriff kleiner geworden ist. Für die amerikanischen Divisionen wird es leichter sein, zweihundert Kilometer zu verteidigen, die Nordkoreaner hingegen können ihren Gefechtsstreifen schmaler nehmen und bleiben bei ihrer zahlenmäßigen Ueberlegenheit immer noch in der Vorhand.

Die Amerikaner glauben, daß der große Rückzug in Südkorea beendet sei. Sie setzen große Hoffnung in das Naturhindernis des Naktong, der wesentlich tiefer und erheblich breiter ist als der Han oder der Kum, der sich für die nordkoreanischen Angriffsverbänd? als kein großes Hindernis erwiesen hat.

Die amerikanische Luftwaffe griff wie an den Vortagen im frontnahen und im frontfernen Raum in die Kämpfe ein. Truppenansammlüngen, Fahrzeuge, Vorratslager und Versorgungszentren wurden mit Erfolg angegriffen.

Ulbricht droht mit „Volksgerichten“

Massive Einschüchterungsversuche gegen westdeutsche Politiker

er. Berlin, 4. August. Der kommunistische Kampf gegen Westdeutschland ist von dem neuen Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei, Ulbricht, jetzt in einer Schärfe proklamiert worden, wie sie selbst auf dem Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei noch nicht zutage getreten ist. Ulbricht verlangte, daß die patriotischen Kräfte des Volkes mit aller Kraft den Kampf führen müßten, um die Nester der Kriegsprovokateure zu liquidieren, wie das in Südkorea geschehe. Dieser direkte Hinweis auf den Krieg in Korea ist in Berliner diplomatischen Kreisen um so mehr aufgefallen, als er zeitlich mit der Erklärung des sowjetischen Delegierten Malik vor dem Sicherheitsrat zusammenfiel, in Korea handele es sich um einen Bürgerkrieg, der nicht als Aggression anzusehen sei.

Die Linie des Kommunismus in Deutschland scheint sich damit immer deutlicher von der politischen Kampfführung zur Gewaltanwendung zu verlagern. Nach Ulbrichts Anweisungen an das sogenannte Parteiaktiv sollen in Westdeutschland „Friedensausschüsse“ gebildet werden, der von den Kommunisten proklamierte nationale Widerstand soll zur Verhinderung amerikanischer Einfuhr an Waren und Lebensmitteln führen, die in Deutschland gewonnen werden können. Der Herstellung von Kriegsmaterial in Westdeutschland soll durch Arbeitsniederlegungen begegnet werden. Das Eintreten für Europarat, Nordatlantikpakt, Marshallplan oder Schuman-Plan wird als Versuch bezeichnet, Westdeutschland dem Diktat amerikanischer Kriegsinteressen zu unterstellen. Die Kommunisten werden angewiesen, auch die Aufführung amerikanischer Kriegs- und Kriminalfilme und das Tanzen moderner amerikanischer Tänze zu verhindern.

Auf der gekennzeichneten Linie, kommunistische Gewaltvorhaben in Westdeutschland als innerdeutsche Angelegenheit zu erklären, liegt es auch, daß Ulbricht, der ja gleichzeitig stellvertretender Ministerpräsident in der Deutschen Demokratischen Republik ist, sich offiziell auf den Standpunkt gestellt hat, daß die englischen und die amerikanischen Besatzungsmächte kein Recht hätten, sich weiter in Westdeutschland aufzuhalten. Einer der Höhepunkte der Rede Ulbrichts war seine Ankündigung eines Volksgerichts, das ordnungsgemäß in Berlin die Adenauer, Pferdmenges, Reuter aburteilen werde.

Nach diesen Ankündigungen erwarten politische Kreise, die das Vorgehen der Kommunisten in Osteuropa beobachtet haben, daß in Westdeutschland sehr bald und in wesentlich verstärktem Umfange von entschlossenen aktiven kleinen Gruppen der Kommunisten Aktionen eingeleitet würden, die zunächst vor allem der Einschüchterung der Bevölkerung dienen sollten.


Nordkoreaner versuchen nach Pusan durchzübrechen. Eine südkoreanische Maschinengewehrgruppe hat sich am Ufer eines kleinen Sees eingenistet. Gegenüber liegt der Feind, dessen Anwesenheit sich durch eine weiße Rauchwolke kundtut. Foto: dpa
Nordkoreaner versuchen nach Pusan durchzübrechen. Eine südkoreanische Maschinengewehrgruppe hat sich am Ufer eines kleinen Sees eingenistet. Gegenüber liegt der Feind, dessen Anwesenheit sich durch eine weiße Rauchwolke kundtut. Foto: dpa

Eingeengt

ein. Diese Woche hat für die Führung der 8. amerikanischen Armee auf Korea nervenbelastende Tage gebracht. Der Brückenkopf um Pusan ist erheblich eingeengt. Dem energischen Tagesbefehl des Oberbefehlshabers, General Walker, keinen Fußbreit Boden mehr aufzugeben, folgte bereits vierundzwanzig Stunden später der Befehl, an der gesamten Front strategische Rückzüge einzuleiten. Die amerikanischen Stellungen lehnen sich nun an das große Naturhindernis des Naktong-Flusses an, eine wie es heißt, letzte Linie wenn man Pusan halten soll. Der Feind nutzte wiederum mit Heftigkeit seine zahlenmäßige Ueberlegenheit aus; da die Amerikaner ohne Tiefe kämpfen müssen, barg jeder taktische Durchbruch die Gefahr in sich, ein strategischer Durchbruch zu werden, dem die amerikanische Führung nur mit strategischen Rückzügen begegnen konnte. Es heißt die Erfolge der Nordkoreaner keineswegs bagatellisieren und die Rückzüge der Amerikaner nicht beschönigen, wenn festgestellt wird, daß die kommunistischen Truppen die Entscheidung dennoch nicht erringen konnten.

Mit dem Eintreffen von zwei hervorragend ausgerüsteten Divisionen aus Amerika haben die Truppen der Vereinigten Staaten auf Korea eine Runde im Kampf gegen die Zeit gewonnen. Nun sind sie doppelt so stark wie bisher, womit die Chance größer geworden ist, den Hafen Pusan zu halten und den immer drohenden Durchbruch bei Taiku, der den Landekopf Korea in zwei Teile spalten müßte, zu verhindern.

Das Dach über dem Kopf

Von Erich Dombrowski

Mit die wichtigste soziale Aufgabe ist die Lösung der Wohnraumfrage. Das kann nicht mit einem Schlag geschehen. Wohnungen können nicht aus dem Boden gestampft werden. Sie müssen geplant, finanziert, gebaut und das Ganze, vor allem ausgabenmäßig, in einen organischen Zusammenhang mit all den Problemen gebracht werden, die heute den Bund, die Länder, die Städte und die Gemeinden fast bis zur Zerreißprobe belasten. Wie ist die Lage, vor der wir stehen? Der Krieg hat alle größeren und mittleren Städte mehr oder minder zerstört. Einzelne bis zu neunzig Prozent, Für diese Millionen Menschen, die dabei um ihre Bleibe gekommen sind, müssen neue Räume geschaffen werden. Das sind die sogenannten Ausgebombten. Zu ihnen treten die zwölf Millionen, die aus dem deutschen Osten ausgesiedelt und vertrieben wurden und die sich nun im Westen eine neue Heimat zu schaffen versuchen. Das sind die Flüchtlinge. Aber noch nicht genug damit: viele tausende Familien haben ihre Wohnungen dadurch verloren, daß die Besatzungsmächte sie beschlagnahmt und für sich in Anspruch genommen haben. Das sind die zeitweilig Auslogierten. Endlich muß man, bei einer Bedarfsaufstellung, auch berücksichtigen, daß mindestens hunderttausend neue Wohnungen im Jahr durch Eheschließungen, also Familengründungen, erforderlich werden. Alles in allem kann somit der gegenwärtige Fehlbestand an Wohnungen im Bundesgebiet, wenn man dabei von der Familie ausgeht, auf etwa fünf Millionen geschätzt werden. Das ist der gigantische Bedarf, den der Bund heute zu befriedigen hat. Wehklagen der Wohnungslosen ringsum. Zaghafte Gemüter, Hamlet-Naturen, würden darüber zerbrechen. Nur entschlossene Menschen, die einen starken Willen, eine nüchterne Einsicht in die gegebenen realen Verhältnisse, das heißt in die nun einmal beschränkten finanziellen Voraussetzungen haben, können an das Werk erfolgreich herangehen. Man erinnert sich, daß nach dem ersten Weltkriege auch ein gewaltiger Wohnungsbedarf auftrat, der sich freilich nicht mit dem gegenwärtigen Notstand vergleichen läßt. Man weiß aber auch, daß das damalige Drauflosbauen (neben den Reparationsleistungen in Devisen) nicht wenig zu der sich schließlich Überschlagenden Inflation beigetragen hat. Das muß heute unter allen Umständen vermieden werden. Immerhin wurden nach der Währungsreform des Jahres 1924 im Verlaufe von zehn Jahren noch zweieinhalb Millionen Wohnungen für etwa achtzehn Milliarden Mark gebaut, von denen fast die Hälfte auf öffentliche Mittel entfielen. Was ist nun bis heute getan? Was ist noch dieses, was noch die folgenden Jahre, das nächste Jahrzehnt, planmäßig vorgesehen?

* Es kommt dabei nicht bloß auf das notwendige Geld dafür an, das aus allen Ecken und Winkeln aufgebracht werden muß, sondern auch auf die Leistungsfähigkeit der Baustoff-Industrie und des Baugewerbes. Beides: Geld und Produktionskraft vermögen nicht, bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge, mehr als drei- bis vierhunderttausend Wohnungen im Jahre herzustellen. Das macht allein, in Geld busgedrückt, eine Gesamtsumme von drei Milliarden Mark für den Wohnungsbau des Jahres 1950 aus. In den folgenden Jahren soll das Tempo eingehalten werden. In die Finanzierung sind nic^t nur private Mittel, die Hypotheken der Sparkassen, der Pfandbriefinstitute, der Lebensversicherungen, der verschiedenen Bausparkassen und Baugenossenschaften, sondern auch öffentliche Mittel des Bundes, der Länder und Gemeinden, nicht zuletzt auch der Marshall-Hilfe inbegriffen. Im vergangenen Jahr konnten bereits zweihundertzwanzigtausend Wohnungen erstellt werden. Ein Teil davon war am Jahresschluß noch unvollendet und reichte als „Ueberhang“ in das Jahr 1950 hinein. Unabhängig davon werden in diesem Jahre dreihunderttausend neue Wohnungen errichtet werden, also ein

Drittel mehr als im vergangenen. Das ist aber keineswegs eine zunächst nur auf dem Papier stehende Ziffer eines Fünfoder Zehnjahresplanes, sondern eine bereits auf Zement ruhende Tatsache. Denn bereits im ersten Halbjahr 1950, worüber der initiativreiche Bundesminister für Wohnungsbau Wildermuth soeben eine Denkschrift herausgegeben hat, sine Baugenehmigungen für rund zweihundertfünfzigtausend ausgesprochen worden. Davon sind schon annähernd achtzig Prozent in Angriff genommen worden. Man kann somit, ohne Uebertreibung, sagen, daß die Tatwerdung mil dem Programm Schritt hält. Gleichwohl wird, trotz allem heißen Bemühen des Bundesministers, der Entwicklungsprozeß gehemmt durch den langen Instanzenweg, den jeder Bauanspruch, von oben nach unten und von unten nach oben, zu durchlaufen hat. Das hängt nicht zuletzt von der umständlichen Aufbringung und Zuleitung der erforderlichen Gelder, das hängt auch von der Verschiedenartigkeit der Gesetze und Verordnungen in den einzelnen Ländern ab, da in ihren Händen nach dem Grundgesetz die Durchführung des Wohnungsbaues liegt. Wenn es denen, die nun bauen wollen, seien es einzelne, seien es Genossenschaften, nicht schnell genug geht, ehe sie anfangen können, so sind Beschwerden darüber beim Bundesministerium unangebracht, Verärgerungen oder Aufregungen über die Bundesbürokratie. Sie hat eine verhältnismäßig rasche und saubere Arbeit vollbracht. Sie hat die Voraussetzungen für das Bauen in einem weitgesteckten Rahmen geschaffen. Sie kann nun den Ländern sagen: ich habe das meine getan, tut ihr das eure. *

Natürlich di^ht es sich dabei aber immer wieder um das liebe Geld. Wie soll man es aufbringen? Wie soll man es gerecht verteilen? Wie kann man das Privatkapital, bis zum kleinsten Sparer, interessieren? Wie kann man, nicht zuletzt, das Bauen so billig wje nur möglich machen? Auch nach der Richtung hat das Bundesministerium, im Zusammenklang vor allem mit dem Finanzminister, weithin Vorsorge getroffen. Da ist zunächst einmal die Wissenschaft eingeschaltet worden. Nicht theoretisch, sondern praktisch. Der Bauforschung ist aufgegeben worden, Normen für Baustoffe und Typen für Bauteile zu schaffen. Eine gewisse Mechanisierung soll den Aufwand für jede Wohnungseinheit herabdrücken. Vergleichsbauten sollen, unter dem besonderen Gesichtspunkt kostensenkender Einzelteile, ausgeführt werden. Kurz: man drängt auf eine Standardisierung bei der Herstellung wichtiger Bauelemente. Dabei soll das kostspielige und zeitraubende Verfahren bei der Zulassung neuartiger Baustofe und Bauarten vereinfacht werden. Zu dieser vorausschauenden Forschungsarbeit tritt eine Fülle vorbereiteter Gesetze über die Miethöhe für neugeschaffenen Wohnraum, über die Enteignung von Grundstücken zugunsten des Wohnungsbaues, des Wiederaufbaues und anderes mehr. Dieses andere ist zum Teil von nicht geringem Interesse. Weite Kreise der Bevölkerung zum Beispiel sind nicht in der Lage, sich Eigenheime zu errichten. Um diesen Bevölkerungsschichten die Vermögensbildung zu erleichtern, sollen Rechfe an Grundstücksanteilen (Stockwerks-Eigentum, dingliche Wohnrechte) zugelassen werden, wie sie bis jetzt nur dem Eigentümer an einem Grundstück zustanden. Das Mieterschutzgesetz, heute ein Irrgarten für Grübler und Tüfteler, soll neu, und zwar allgemeinverständlich, gefaßt werden. Wichtiger aber noch ist, daß baulustige Steuerpflichtige mit kleinerem Einkommen ein Viertel ihrer Sparbeträge von der Steuerschuld abziehen dürfen oder im Prämienwege erstattet bekommen. Diese vorgesehenen gesetzlichen Regelungen der verschiedensten Art bedürfen allerdings erst noch der Zustimmung der beiden Häuser, des Bundestages und des Bundesrates, ehe sie in Kraft treten. Aber eines steht heute schon, gesetzlich bestimmt, fest: alle diejenigen Wohnun-

gen sind .in der Mietbildung und von der Zwangswirtschaft völlig frei, die ohne Inanspruchnahme öffentlicher Darlehen, Einkommen- und Grundsteuer-Vergünstigungen gebaut werden. Damit ist bereits die erste Bresche in die Zwangs - bewirtschaftung der Wohnungen gelegt, wenn diese Gruppe privatwirtschaftlicher Bauherren infolge der fraglichen Rentabilität zur Zeit auch noch keine bedeutende Rolle spielt.

Im Vordergründe aller Planungen stehen, alles in allem, die sozialen Erfordernisse. Zunächst muß für die breiten Schichten des Volkes gesorgt werden. Der soziale Wohnungsbau * berücksichtigt sie denn auch zu nicht weniger als achtzig Prozent. Unter ihnen hat man zuerst an die Heimatvertriebenen und die Lastenausgleichs-Berechtigten gedacht, deren Anteil am Wohnungsbau ' sich auf drei Fünftel beläuft. Allmählich soll so jeder wieder sein eigenes Dach über dem Kopf bekommen. Wie indessen immer im Leben: ohne Geduld geht es nicht.

Gegenfragen

an Der neue Landeskommissar der amerikanischen Regierung für Bayern, Mister Shuster, gilt bei allen, die ihn kennen, als ein Mann von besonders nobler Gesinnung und geistiger Aufgeschlossenheit. Wenn er in diesen Tagen die Deutschen aufgefordert hat, sich zu überlegen, wie sie zu einer Aufrüstung stehen, so beansprucht die Frage aus einem solchen Munde eine besondere Aufmerksamkeit.

Es will uns scheinen, als müßten die Deutschen zuerst mit einigen Gegenfragen antworten. Die eine geht von der militärpolitischen Situation Europas aus. Durch die Beschlüsse der Alliierten von 1945 ist in Mitteleuropa ein militärischer Hohlraum entstanden. Damit ist den Sowjets ein Geschenk von unschätzbarem Wert gegeben worden. Ohne die militärische Schwäche Mitteleuropas könnten sie in der Welt nicht so auftreten, wie sie es tun. Glaubt Mister Shuster oder seine Regierung, daß ausgerechnet die Sowjets jetzt schweigend zusehen würden, wie ihnen dieses Geschenk wieder genommen wird? Glaubt er nicht auch, daß eine solche deutsche Wiederbewaffnung, anstatt als Verteidigung zu dienen, geradezu als Sog für den russischen Ausdehnungsdrang wirken müßte.

Die andere Gegenfrage ist politischer Natur. Fast am gleichen Tage, an dem Mister Shuster seine Ausführungen machte, kamen aus London Meldungen, daß man unter den Alliierten gesonnen sei, den Deutschen „grundsätzlich“ das Außenministerium zuzugestehen, daß man es ihnen tatsächlich aber erst im Frühjahr geben wolle, und daß das Vetorecht der alliierten Oberkommissare natürlich bleiben müsse. Glaubt Mister Shuster, daß sich ein Deutscher einen Stahlhelm auf den Kopf setzen würde, um für das Veto-Recht der Alliierten zu fechten?

Ueberprũfung der Polizei

F. A. Z. Frankfurt, 4? August. Von alliierter Seite verlautet, nach den Erfahr rungen bei der Polizeiaktion gegen kommunistische Klebekolonnen und Verteiler illegaler Flugblätter in der Nacht zum Dienstag dieser Woche werde die deutsche Polizei in den Bundesländern auf ihre Einsatzbereitschaft und politische Zuverlässigkeit überprüft werden. Außer einei’ Beurlaubung des Solinger Polizeichefs und seines Stellvertreters sind bisher jedoch noch keine Maßregelungen bekanntgegeben worden. .

Die Straßburger Diäãten

Die Delegierten wußten von nichts

R. Bonn, 4. August. Ztf der Debatte über die Diäten der Delegierten für Straßburg hat Oberdirektor Dr. Pünder vor der Presse erklärt, daß er die in der Presse erschienenen Berichte aufs tiefste bedauere und viele Mitglieder der Delegation über sie so entrüstet seien, daß sie bei einer Neuwahl ihre Mandate für Straßburg niederlegen wollten. Pünder teilte .“mit, daß der- Finanzminister ihm brieflich versichert Habe, er stehe diesen Berichten fern und bedauere sie. Pünder betonte, daß die Delegation selbst sich überhaupt noch nicht mit einem Spesensatz beschäftigt habe.

Arnolds Rücktritt gefordert

Stellungnahme der Freien Demokraten

Fö. Düsseldorf, 4. August. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen ist am Freitag vor Beginn der beabsichtigten Parlamentsferien in eine Debatte über die Lage eingetreten, die durch die Bildung eines Uebergangskabinetts Arnold entstanden ist. Die Redner der verschiedenen Fraktionen brachten zwar übereinstimmend den Wunsch zum Ausdruck, daß der gewählte Ministerpräsident sein Uebergangskabinett möglichst bald erweitere und zu einer endgültigen Regierung ausbaue, doch kam in der Debatte erneut der seit Wochen im Hintergrund der Verhandlungen schwebende Streit um die Frage der großen oder kleinen Koalition zum Ausdruck.

Während es der Redner der Christlich-Demokratischen Union, Schaeven, vermied, sich festzulegen und nur zum Ausdruck brachte, daß das Uebergangskabinett bestehen bleiben müsse, wenn es bei den Koalitionsverhandlungen zu keiner Einigung komme, verlangte für die Freie Demokratische Partei Rechtsanwalt Achenbach Arnolds Rücktritt mit der Begründung, daß Arnold mit den Stimmen der Freien Demokraten gewählt worden sei, nun aber nicht mehr das Vertrauen dieser Partei besitze, denn die Freien Demokraten hätten Arnold gewählt, als sie nach den Vorverhandlungen geglaubt hätten, davon ausgehen zu können, daß Arnold ein Kabinett auf der Grundlage der Verständigung zwischen Union und Freien Demokraten bilden werde.

Charles A. Willoughby

Der Intelligence-Chef des Generals Mac Arthur aus Heidelberg

General Mac Arthurs Informationschef in Tokio stammt aus Heidelberg und trug früher einen deutschen Adelsnamen.

ipr. General Mac Arthur kam kürzlich zu der Ansicht, daß ein Krieg mit der Sowjetunion für die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht wahrscheinlich sei. Zu dieser Meinung kam General Mac Arthur durch einen Bericht seines Intelligence-Dienstes. Unterschrieben war der Bericht von einem der engsten Berater des neuen Operationschefs in Fernost, von General Willoughby.

Dieser General, seiner Funktion nach also neben Mac Arthur einer der Männer mit der größten Verantwortung im Hauptquartier Tokio, wai' einmal ein Deutscher. Sein Vater hieß Tülff von Tschepe und Weidenbach. Er selbst ist 1892 in Heidelberg geboren, mit Neckarwasser getauft und hatte einen Verwandten, der damals irgendwo am Rhein General war. Der „Junker“, wie die Amerika"^ solche Adelssprößlinge nennen, auch 1 es sich um Brief- oder Offlziersadel eit, gilt heute bei Eingeweihten als einer der most colorful Generale in Amerika. Er kam um die Jahrhundertwende mit seiner Mutter Emma, einer geborenen Willoughby, nach den Staaten und erhielt dort 1910 den Bürgerbrief. Als ziemlich altes Semester studierte er am Gettysburg College in Pennsylvanien, wurde dann 1915 Leutnant und machte zwei Jahre Dienst an der Grenze nach Mexiko. In den letzten beiden Kriegsjahren kämpfte er dann noch mit der 1. Division in Frankreich gegen seine ehemaligen Landsleute. Nachrichtendienst und Spionageabwehr wurden sein Spezialgebiet. So ist es zu verstehen, daß der bereits perfekte Generalstäbler mit 40 Jahren noch einmal als Student an die Universität Kansas ging. Ein anderer, eine Generation älterer Willoughby war übrigens von 1915 an für fast ein Jahrzehnt Berater bei der Regierung Chinas gewesen. Der Ferne Osten hatte es auch unserem Charles angetan. Seine weitere militärische Laufbahn ist, wie es bei einem Intelligence-Offlzier nur natürlich ist, allerdings von allerlei Schleiern umgeben. Zum ersten Male trat er 1941 als Nachrichtenchef Mac Arthurs in dessen philippinischem Hauptquartier hervor. Seitdem ist er ständig an der Seite des „Kaisers aus Amerika“ geblieben. Ganz in Weiß, groß, schlank, lässig elegant erschien er wie das Double des Pazifik-Stars Mac Arthur, als er in dessen Auftrag im August 1945 im Rathaus von Manila den kleinen dicken japanischen General Kawabe mit dem Kapitulationsangebot Japans empfing. Der mit allen Orden und einem Samurai-Schwert geschmückte Japaner streckte seinem Partner die Hand hin. Willoughby nahm sie nicht. Er war längst ganz Amerikaner geworden, und niemand erkannte in seinem dunkelhaarigen Rassekopf mit der Adlernase den Erben seiner deutschen Vorfahren. Inzwischen hat Willougby selbst viele Orden bekommen. Was mehr zählt ist aber, daß er die Nummer 1 im exklusiven Team der alten „Bataan-Boys“ um den wegen der Unzugänglichkeit seines Arbeitszimmers und seiner aristokratischen Allüren bekannten weißgoldenen Fünfstern-General und „Vizekönig von Japan“ ist. Wie seinem Chef ist er auch seinem Ressort des geheimen Nachrichtendienstes durch alle Etappen seiner Laufbahn treu geblieben, was in der dünnen, kühlen Atmosphäre von Mac Arthurs Hauptquartier im Dai - Itschi - Gebäude Tokios schon einiges heißen will. Mac Arthur hat den einstigen Edlen von Tschepe und Weidenbach, der seinen deutschen Adelsbrief mit einer abenteuerlich bunten, von vielen Pluspunkten übersäten Geheimakte in Washingtons Pentagon vertauscht hat, sogar zum Historiker seiner Feldzüge, manche sagen auch „zum Hofbiographen“, ernannt.

Sonst hört man nicht viel von dem Mann, der sich darum zu kümmern hat, wie es hinter den Fronten und hinter den Kulissen Koreas, Rotchinas, Malayas und Indochinas aussieht. Vor einem halben Jahr fiel er mit einer Rundreise durch ganz Südostasien auf. Wenn heute hier und da die Rede davon ist, daß die Amerikaner die Entwicklung in Korea verschlafen hätten, dann müßte dieser Vorwurf in erster Linie den exdeutschen Intelligence-Chef in Tokio treffen. Aber derselbe General Willoughby hat erst vor nicht allzu langer Zeit mit einem 32 000- Worte-Bericht nach Washington die These jahrzehntelanger amerikanischer Inaktivität in Ostasien neu untermauert und die sowjetische Gefahr in Fernost eindringlich dargestellt. Wer wo und wann geschlafen hat, ist im Fall Korea also durchaus noch nicht klar. Vielleicht wird der einstige deutsche Adelssproß vom Neckarstrand das einmal in seinen Memoiren erzählen. Vorläufig hat er andere Sorgen und eine erhebliche Mitverantwortung für den Weltfrieden. Hoffentlich weiß er es.

Die Front zwischen Elbe und Rhein

Verteidigungsminister Moch für Wiederaufrüstung aller Waffengattungen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

P.M. Paris, 4. August. Nach der Sitzung der französischen Nationalversammlung am Freitag steht fest, daß das Parlament der Regierung die Entscheidung über alle Fragen überlassen hat, die einer dringenden Lösung bedürfen. So wird die Regierjrng . Pleven sich mit . dem Problem des Lebensminimums der französischen Arbeiterschaft noch vor dem 5. August zu beschäftigen haben. Diese Frage ist für die soziale und politische Beruhigung des Landes von ausschlaggebender Bedeutung.

Von den letzten Sitzungen waren die Ausführungen des Verteidigungsministers Moch im Senat bemerkenswert, weil zum ersten Male offiziell von der Notwendigkeit der Bildung einer Verteidigungsfront zwischen Elbe und Rhein gesprochen worden ist. Man dürfe, sagte Moch, einen Kampf in der Bretagne oder in den Pyrenäen gar nicht ins Auge fassen und noch weniger eine Befreiung nach erfolgter Invasion.

Es kann angenommen werden, daß Moch, der sich in den letzten zwei Wochen mehrmals mit dem englischen Kriegsminister Shinwell zu längeren Besprechungen getroffen hat, diese in der Oeffentlichkeit bisher nur akademisch geäußerte Forderung nicht ohne vorher getroffenes Einverständnis mit der englischen Regierung aufgestellt hat. Auch die Forderung von Moch, von der Idee

der Spezialisierung abzugehen, wonach England die Marine, Amerika die Luftwaffe und Frankreich Infanterie stellen soll, vielmehr eine gemeinsame Armee aufzustellen, in der jeder Alliierte über diese Waffengattungen verfügt, entspricht dem Konzept der französischen Regierung von einem gemeinsamen Rüstungsfonds.

„In den Osten geflüchtet“

Ein Amerikaner und ein Engländer

Berlin, 4. August, (dpa) Der Leiter des Informationsamtes der Deutschen Demokratischen Republik, Eisler, hat am Freitag vor der Presse im Berliner Sowjetsektor die Flucht eines amerikanischen und eines britischen Soldaten in die Sowjetzonenrepublik bekanntgegeben. Die beiden Flüchtlinge, der britische Corporal Ceethswaller und der amerikanische Soldat Natzkakula, saßen in Uniform am Tisch des Informationschefs. Eisler begründete die Flucht der beiden Soldaten mit deren Wunsch, in der Sowjetzonenrepublik in Frieden leben zu können. Dieser Wunsch sei ihnen selbstverständlich erfüllt und damit ein neuer Beweis für die friedliche Einstellung der Sowjetzonenrepublik gegeben worden. „Diese Soldaten haben das Herz auf dem rechten Fleck.“

Heute Wissenschaft, morgen Gxport

Der Bundespräsident vor der Wissenschaft / Eine Kundgebung in Bonn

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 4. August. (Eigener Drahtbericht.) In einer Kundgebung im Plenarsaal des Bundestages, an der Vizekanzler Blücher mit mehreren Bundesministern, Vertreter der Oberkommissare und Repräsentanten der Länder teilnahmen, hatten sich die Mitglieder der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, des Stifter-Verbandes der deutschen Wissenschaft, des Deutschen Forschungsrates und Rektoren deutscher Hochschulen zu einer Demonstrierung der Not und des Lebenswillens der deutschen Forschung versammelt. Professor Geiler, der Präsident der Notgemeinschaft, hob die grundlegende Bedeutung wissenschaftlicher Forschung für das geistige und das materielle Leben hervor und zeigte die Aufgabe der Geisteswissenschaft und der Naturwissenschaft in der heutigen Zeit auf, wobei er im Zusammenhang mit der notwendigen Ueberwindung der Rechtserschütterung dieser Tage das Beispiel des Generals von Falkenhausen nannte. Geiler forderte abschließend mehr Mittel für die wissenschaftliche Forschung, für die in den Vereinigten Staaten jährlich mehr als eine Milliarde Dollar ausgegeben würde.

Der Bundespräsident, der dann an das Rednerpult trat, übernahm das Losungswort der Tagung, daß die Wissenschaft von heute der Export von morgen sei, ermahnte aber dazu, nicht nur die Nützlichkeit der Forschung zu suchen, sondern auf das Nebeneinander von zweckhafter und zweckfreier Wissenschaft zu achten. Heuss hob hervor, daß die Länder die Treuhänder der wissenschaftlichen Ent-

wicklung Deutschlands mit sehr verschiedenen persönlichen und materiellen Voraussetzungen geworden seien, daß es aber eine deutsche Gesamtverantwortung für die Wissenschaft gebe. Er wies auch auf das Schicksal der vertriebenen Ostprofessoren hin, deren Kraft nicht verlorengehen dürfe, wandte sich gegen eine Scheidung von praktischer und freier Wissenschaft und würdigte den Geist der Lehre und Forschung.

Aufruf von Geldscheinen

F. A. Z. Frankfurt, 4. August, (za) Die Bank deutscher Länder hat die Kleingeldscheine zu fünf Pfennig zum 31. Oktober 1950 aufgerufen. Von diesem Tag an verlieren sie ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Landeszentralbanken und die Berliner Zentralbank werden die Fünf-Pfennig-Scheine jedoch noch bis zum 31. Januar 1951 gegen gesetzliche Zahlungsmittel umtauschen, Danach erlischt jeder Anspruch aus den aufgerufenen Kleingeldscheinen.

Neur Uran-Vorkommen

er. Berlin, 4. August. (Eigener Drahtbericht.) In Westthüringen sind neue Uran-Vorkommen entdeckt worden. Im Gebiet des Inselberges inden Orten Ruhla, Altenstein und Bad Liebenstein ist mit umfangreichen Schürfarbeiten begonnen worden. Bisher wurden vom Landesarbeitsamt Thüringen mehr als zweitausend Arbeiter für den Uranbergbau zwangsverpflichtet.

England rüstet auf

Ein neues Programm / Hilfe von Amerika erforderlich

London, 4. August, (dpa) Die britische Regierung hat der amerikanischen Regierung in einem am Donnerstag veröffentlichten Memorandum mitgeteilt, daß Großbritannien im Rahmen eines sich über die nächsten drei Jahre erstreckenden Programms 3,4 Milliarden Pfund Sterling (über 37 Milliarden DM) für die Aufrüstung ausgeben wird. Die Aufwendung dieses Betrages sei zum Teil von erhöhter Dollarhilfe abhängig.

Durch das neue britische Aufrüstungs-Programm erhöht sich der für Verteidigungszwecke aufzuwendende Betrag von acht auf zehn Prozent des britischen Volkseinkommens.

In dem Memorandum, das der amerikanischen Regierung in Beantwortung einer Bitte um Auskunftserteilung über die britische Rüstung zugeleitet wurde, heißt es: „Es wird von der kommenden Unterstützung der Vereinigten Staaten abhängen, wieweit es möglich sein wird, bis zu dieser neuen äußersten Grenze zu gehen.“ Das neue Rüstungsprogramm werde beträchtliche Opfer vom britischen Volk fordern und den wirtschaftlichen Wiederaufbau verzögern.

Großbritannien teilt weiter mit, daß es nicht imstande sei, eine so weitgehende Abzweigung der produktiven Hilfsquellen für Verteidigungszwecke vorzunehmen, wenn nicht die Vereinigten Staaten finanzielle Unterstützung gewährten. Die Denkschrift enthält keinen Hinweis auf den Betrag, den Großbritannien von Amerika für das vergrößerte Rüstungsprogramm erhofft.

Das neue Programm wird Großbritannien fast an den Zustand der Kriegswirtschaft heranführen. „Es ist das größte innerhalb des vorgesehenen Zeitraums praktisch durchführbare Programm ohne Wiedereinführung der Arbeitsmarktlenkung, der Beschlagnahme von Fabriken und ohne die Errichtung und Ausstattung neuej industrieller Kapazitäten, die zu keinen schnellen Ergebnissen führen würden.“

Großbritannien bietet seinerseits an, britisches Ausrüstungsmaterial kostenlos anderen Atlantikpaktstaaten zur Verfügung zu stellen.

Gebet für den Frieden

Köln, 4. August, (dpa) Der Kölner Erzbischof Kardinal Frings hat die Priester seiner Erzdiözese angewiesen, täglich bei den Messen und sonntags nach jeder Predigt ein Gebet für den Frieden zu halten. In diesem Erlaß geht Kardinal Frings von einem Rundschreiben des Papstes aus, in dem die Gläubigen zu besonderen Gebeten und Werken der Buße und Sühne aufgefordert werden, um so von Gott den Frieden und die Eintracht innerhalb der Völker und zwischen den Völkern zu erlangen.

Tote bei einem Erdbeben

Caracas, (Venezuela), 4. August. (AP.) Ein heftiges Erdbeben hat die Städte Tocuyo, etwa dreihundert Kilometer südwestlich der venezolanischen Hauptstadt Caracas, und Guanare, etwa sechzig Kilometer südlich von Tocuyo, heimgesucht. Die ersten Berichte aus Tocuyo sprechen von siebzig Todesopfern und siebzig Verletzten. Nach bisher unbestätigten Meldungen soll sich die Gesamtzahl der Toten auf mindestens hundert Personen belaufen. In Caracas wurde ein Beben von sechs Minuten Dauer verspürt.

12 Millionen suchen Wohnraum

Straßburg, 4. August, (dpa) Aus einem Bericht des Sozialausschusses für die Beratende Versammlung des Europarates geht hervor, daß in den elf ursprünglichen Mitgliedsstaaten des Europarates zwölf Millionen Familien Wöhnraum suchen. Angaben für die Bundesrepublik sind in dem Bericht nicht enthalten, da sie nicht zu den ursprünglichen Mitgliedern zählt.

In Fontainebleau

Verteidigungsbesprechungen

Paris, 4. August, (dpa) Die Verteidigungsminister von vier Staaten des Brüsseler Westunion-Paktes sind am Freitag erneut in Fontainebleau zusammengetreten, um Verteidigungsfragen der Westeuropa-Union zu erörtern. An der Konferenz nehmen für Frankreich Moch, für die Niederlande Dr. Schokking, für Großbritannien Shinwell und für Belgien Moreau de Melen teil.

Der Negersänger Robeson ist von der amerikanischen Regierung aufgefordert worden, seinen Paß abzugeben.

Stimmen der Anderen

Feste der Freiheit

Professor Hans von H< g, Kansas City, schreibt in der „Philadelphia Gazette“:

„Der Juli ist der Monat, in dem große Völker den Tag der Freiheit feiern. Es ist der höchste Festtag der Nation. Als sie ihre Unabhängigkeit gewannen, von kolonialem Joche oder von der Herrschaft absoluter Könige, fiel ihnen das Wertvollste zu, von dem ein unfreies Volk sinnt und träumt, den Vereinigten Staaten, Argentinien und Frankreich. Für Deutschland ist diese Zeit noch nicht gekommen. 'ie alle unfreien Völker ist das besetzte Deutschland politisch und moralisch zum Zusehen und Stillhalten verurteilt. Es kann weder ein tüchtiger Feind seiner Feinde, noch ein guter Freund seiner Freunde sein. Es ist eine brüchige Stelle im schwankenden Gefüge der Welt.

Wie ungesund diese künstlich geschaffene und gepflegte Schwäche ist, zeigt eine Episode, die kürzlich vorfiel. Lord Vansittart, der Mann in London, der die jetzige verzweifelte Lage der Welt hat herbeiführen helfen, machte in der Daily Mail den Vorschlag, die Deutschen mit leichten Waffen auszurüsten und im Falle eines russischen Vormarsches hinter den Linien des Feindes als Partisanen zu verwenden. In öffentlicher Diskussion wagte dieser Mann vorzuschlagen, die Deutschen für eine völkerrechtswidrige Aktion auszurüsten, nachdem sie als anständige Soldaten eben abgerüstet worden waren. Mit .leichten Waffen“ versehen, wie die Südkoreaner, sollten sich die Deutschen, deren Luftschutzkeller in die Luft gesprengt sind, den Massen-Repressalien des Gegners und der von ihm eingesetzten Sowjets aussetzen. Ein unfreies Volk ist der insultierenden Roheit solcher Vorschläge ausgesetzt. Es muß die Empfehlung zum Selbstmord stumm über sich ergehen lassen. Für Vansittart hat der Deutsche keine andere Funktion auf dieser Welt mehr als die der Selbstvernichtung. Aber vielleicht hat die Niederlage und vor allem die Nachkriegszeit die Deutschen einiges gelehrt.

Der Juli, in dem wir überall die Freiheit feiern, hält überhaupt einige Lehren bereit. Warum liefen die Franzosen bei Roßbach weg, während ihre revolutionären Heere Europa im Sturme nahmen? Die Antwort ist, daß Völker nicht für Unterdrücker kämpfen, während sie für sich selbst und ihre höchsten Güter alles in die Schanze schlagen. In diesem Monat der Unabhängigkeitsfeiern ist es auch angebracht, daran zu erinnern, was Deutsche für die Sache der Freiheit leisten können und geleistet haben. Die ersten Truppen, die sich im Jahre 1775 George Washington zur Verfügung stellten, waren eine Kompanie Deutsche aus Pennsylvania. Echte .Militaristen“, wie sie waren, waren diese Freiwilligen 500 Meilen zu Fuß marschiert, der Sache der Freiheit zu dienen. Und die ,First Defenders“, die 1861 vor Präsident Lincoln in Washington aufzogen, waren fünf Kompanien von Deutschen aus Pennsylvania.

Von einer deutschen Familie ist bekannt, daß sie im Bürgerkrieg folgende Kämpfer stellte: Zwei Generäle, einen Generaladjutanten, einen Oberst, zwei Hauptleute, zwei Militärärzte, einen Leutnant, 13 Unteroffiziere und Feldwebel und 65 Mann. Nach dem Bericht, der uns vorliegt, war kein Partir sanenk" pfer dabei, alles waren ehrliche Soldaten.

Präsident Truman hat sich zu einer völligen Aenderung der Asienpolitik entschlossen. Wir greifen tief in die eigenen Menschenreserven hinein. Wir klopfen bei den Verbündeten an, wir bewilligen viele Millionen'und rüsten uns, so gut es geht, für den Waffengang in Asien und das, was noch kommen mag.

Unsere Weltpolitik aber hat noch nicht mobil gemacht. Wir haben nichts getan, was uns erlauben würde, aufrichtig im Namen der ,freien“ Völker zu sprechen. In Asien wurden wir überrascht. Man sagt uns, daß die Lage schlimmer und gefährlicher sei als zur Zeit des Unglücks von Pearl Harbor. Und wir zögern noch, dem Feind eine Ueberraschung zu bereiten, die er nicht für möglich hält, weil seine Arbeit so erfolgreich war, uns in einer verhängnisvollen Fixation den einstigen Gegnern gegenüber festzulegen.“

Der Senat bleibt fest

Die Anleihe für Spanien

Washington, 4. August, (dpa) Der amerikanische Senat hat es abgelehnt, die spanische Anleihe erneut zu erörtern. Der demokratische Senator Harley Kilgore hatte versucht, den Beschluß rückgängig zu machen. Der Senat hatte am Dienstag für Spanien aus Marshallplan-Mitteln eine Anleihe in Höhe von hundert Millionen Dollar vorgesehen. Inzwischen hatten sich Präsident Truman und Außenminister Acheson auf ihren Pressekonferenzen scharf gegen diesen Beschluß ausgesprochen.

Die Internationale Sozialistenkonferenz (Comisco) hat am Freitag in einem Telegramm an den amerikanischen Außenminister Acheson gegen den Beschluß des Senats protestiert, Spanien eine Hundert-Millionen-Dollar-Anleihe zu gewähren.

Andieus Politik

Neu-Delhi, 4. August. (AP.) Das indische Parlament hat mit überwiegender Mehrheit die Politik der indischen Regierung in der koreanischen Frage gebilligt. Während der zweitägigen Debatte hatten mehrere Abgeordnete die Entsendung indischer Truppen zur Unterstützung der alliierten Streitkräfte in Korea gefordert.

Der indische Ministerpräsident Pandit Nehru erklärte kurz vor der Abstimmung, Indien sei nicht in der Lage, Truppen nach Südkorea zu schicken. Dadurch werde nur die eigene Verteidigung geschwächt und die indische Position im Falle einer Ausdehnung des koreanischen Krieges gefährdet. Das Gerede. Korea könne in einen dritten Weltkrieg ausarten, könnte ja schließlich eine Atmosphäre erzeugen, die tatsächlich einen dritten Weltkrieg erzeugen müßte.

Urteil im Verfassungsstreit

Der hessische Staatsgerichtshof weist Anträge zurück

Ro. Wiesbaden, 4. August. Der hessische Staatsgerichtshof hat am Freitag das Urteil in dem Verfassungsstreit verkündet, der durch einen Antrag der Landtagsfraktion der Freien Demokratischen Partei in der Frage der Gültigkeit des wirtschaftlichen Mitbestimmungsrechtes in Hessen entstanden war.

Der Staatsgerichtshof hat den Antrag, die Paragraphen 30, Absatz 1, 32, Abs. 1 sowie 52 bis 55 des hessischen Betriebsrätegesetzes als verfassungswidrig und somit rechtsungültig zu erklären, abgewiesen, da sie nicht im Widerspruch zur hessischen Verfassung stehen. Die Entscheidung erging gebührenfrei.

In der Urteilsbegründung ging der Präsident des Gerichtshofs, Landgerichtspräsident Dr. Lehr (Limburg) zunächst auf die Vorgeschichte der beanstandeten Paragraphen ein, die zunächst von der amerikanischen Militärregierung suspendiert waren, später aber von Oberkommissar McCloy freigegeben und von der hessischen Regierung in Kraft gesetzt worden waren. Zur Frage der Zuständigkeit des Gerichts, die vom Land Hessen bestritten wurde, wurde erklärt, daß der Staatsgerichtshof sich nur insoweit für zuständig halte, als die Vereinbarkeit des Betriebsrätegesetzes mit der hessischen Verfassung zu prüfen gewesen sei. Er halte sich dagegen nicht für berufen, darüber zu entscheiden, ob landesrechtliche Bestimmungen dem Besatzungsrecht widersprächen, das mit Vorrang ausgestattet sei oder ob sie mit dem Bundesrecht vereinbar seien. Hierüber sei ausschließlich das vorgesehene Bundesorgan, also das Bundesverfassungsgericht, zuständig. Somit habe auch die Frage, ob der Bund von seinem Recht, ein Bundesgesetz über das Mitbestimmungsrecht zu erlassen, rechtzeitig Gebrauch gemacht habe, nicht der Entscheidung des Staatsgerichtshofes unterlegen.

Dagegen sei aber die entscheidende Frage, ob die angegriffenen Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes mit der hessischen Verfassung vereinbar seien, zu bejahen. Artikel 151 der hessischen Verfassung, nach dem Reichsrecht Landesrecht bricht, sei nur als Programm anzusehen. Auf dem Gebiet des Mitbestimmungsrechtes sei zwar die Rechtseinheit erheblich gestört, aber es könne nicht der Prüfung des Gerichtshofes unterliegen, ob das unvollkommene Gebilde des Bundes als die Rechtseinheit anzusehen sei, von der der Artikel 151 spreche. Die verfassungsmäßige Ermächtigung zur Einführung des wirtschaftlichen Mitbestimmungsrechtes in Hessen sei durch den Artikel 37 der hessischen Verfassung verankert.

Zur Frage, ob das Land Hessen die Treue- und Loyalitätspflicht dem Bund gegenüber verletzt habe, wurde festgestellt, daß zur Zeit des Inkrafttretens der angegriffenen Paragraphen des Betriebsrätegesetzes von seifen des Bundes noch nicht einmal ein Gesetzentwurf vorgelegen habe, und daß das Betriebsrätegesetz bereits vor der Existenz des Bundes beschlossen und erlassen worden sei.

Auch die Grundrechtsklage der National-Demokraten gegen das Land Hessen wegen Verletzung der Versammlungsfreiheit wurde zurückgewiesen.

Sie nehmen keine Waffen an

Bonn, 4. August, (dpa) Bonner Regierungsstellen sind am Freitag davon verständigt worden, daß eine Reihe von Arbeitseinheiten die Uebernahme von Waffen abgelehnt haben.

Kommunistische Kundgebungen

Aufmärsche in Wiesbaden und Darmstadt

Frankfurt a. M., 4. August. (AP) Das kommunistisch beeinflußte Friedenskomitee veranstaltete am Freitagabend in Wiesbaden und Darmstadt Friedenskundgebungen aus Anlaß des fünften Jahrestages des Atombombenabwurfes auf Hiroshima.

Der Kundgebung schloß sich in Wiesbaden ein Fackelzug an, an dem etwa 300 Wiesbadener und Mainzer Angehörige der Freien Deutschen Jugend teilnahmen. Transparente mit den Ueberschriften „Korea darf nicht zum dritten Weltkrieg werden“, „Denkt an die deutschen Städte, die durch amerikanische Bomber zerstört wurden“, wurden mitgeführt.

Die Marschkolonne wurde von einer größeren Menschenmenge begleitet, die den Marschierenden „nieder mit den Kommunisten“, „Stalinknechte“ und „Verräter des deutschen Ostens“ zurief. Als die Kolonne kommunistische Kampflieder anstimmte, anwortete die Menge mit dem Deutschlandlied und versuchte mehrmals, den Zug zu sprengen. Dies wurde jedoch von einem starken Polizeiaufgebot verhindert.

Nach etwa einstündigem Marsch durch die Stadt löste sich die Kolonne auf, wobei es zu kleineren Zwischenfällen mit der erregten Menge kam. Die Polizei brauchte jedoch nicht einzugreifen.

Eine Friedenskundgebung in Darjmstadt, zu der etwa 300 Personen erschienen waren, verlief ohne Zwischenfälle.

Zivilinternierte aus Rußland

werden erwartet

Bonn, 4. August, (dpa) Die Bundesrepublik erwartet, wie aus zuverlässigen Kreisen verlautet, die Rückkehr einer größeren Zahl von deutschen Zivilinternierten aus der Sowjetunion. Man hofft auf wöchentliche Transporte von zehntausend Deutschen.

Im Juni sind 1736 Heimkehrer in das Bundesgebiet zurückgekehrt. Aus der Sowjetunion kamen 274 Heimkehrer.

Die Demontage in Hessen

Wiesbaden, 4. August. Der Wert der in Hessen demontierten Betriebe beträgt nach einer Mitteilung des hessischen Innenministeriums über 115,4 Millionen DM. Von alliierter Seite sind jedoch auf Grund anderer Bewertungs- und Abschreibungsgrundsätze nur 57 Millionen DM anerkannt worden.

Von den ursprünglich vorgesehenen 112 Unternehmen sind in Hessen nur 51 demontiert worden. 26 davon waren reine Kriegsbetriebe, der Rest sogenannte Ueberschußbetriebe, von denen zehn teildemontiert wurden. Die Kosten zur Abwicklung der Demontage in Hessen betrugen bis zum 31. März insgesamt 35,4 Millionen DM.

Block der Heimatvwertriebenen

bei den Wahlen in Hessen

Frankfurt a. M., 4. August. (AP.) Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten wende sich als politische Partei an alle Deutschen und nicht ausschließlich an Flüchtlinge und Entrechtete, hat der Vorsitzende des schleswigholsteinischen Blocks, Waldemar Kraft, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt erklärt.

Auf die für Sonntag in-Frankfurt vorgesehene Gründung des hessischen Landesverbandes Hessen eingehend, betonte Kraft, daß außer einer um den Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs stehenden Gruppe in Hessen niemand ermächtigt wurde, den Landesverband zu organisieren. In diesem Zusammenhang distanzierte sich Kraft von den unter der Leitung von Leo Peter Rudel in Kassel eingeleiteten Organisationsarbeiten.

Die Beteiligung des neugegründeten Landesverbandes -an den hessischen Landtagswahlen bezeichnete Kraft als sicher.

Eine neue Grundrechtsklage

HGR. Wiesbaden, 4. August. (Eigener Bericht) Der ehemalige Wiesbadener Notar und Rechtsanwalt Dr. Gürten hat beim Staatsgerichtshof für da s Land Hessen eine Klage eingereicht, daß Paragraph 6, Absatz 3 des Gesetzes über den Abschluß der politischen Befreiung in Hessen vom 30. November 1949 und Paragraph 123, Absatz 2 der Rechtsanwaltsordnung verfassungswidrig seien, da sie gegen das Grundrecht der Gleichheit und des Verbots der Doppelbestrafung verstoßen.

Malik kündigt ein Veto an

Er verlangt, daß ein Nordkoreaner im Sicherheitsrat gehört wird

Neuyork, 4. August (AP.) Die Sowjet¬ union hat im Sicherheitsrat am Freitag den sofortigen Abzug aller amerikanischen und anderen ausländischen Truppen von koreanischem Boden gefordert. In dem zwei Punkte umfassenden „Friedensvorschlag' ‘ wird der Rat außerdem aufgefordert, Vertreter Nord- und Südkoreas zu hören. Gleichzeitig kündigte der sowjetische Delegierte ein Veto für den Fall an, daß der Rat die Nordkoreaner nicht hören wolle.

Der amerikanische Delegierte vertrat die Ansicht, die sowjetische Resolution gehe über den Rahmen der Tagesordnung hinaus, er wips darauf hin, daß die Russen darin von „Vertretern des koreanischen Volkes“ sprächen und fügte hinzu, die Regierung der Republik von Südkorea sei die einzige Vertreterin des koreanischen Volkes. Nach Ansicht der amerikanischen Regierung sollte ein Vertreter Nordkoreas nicht eingeladen werden, weil es den Sicherheitsrat nicht nur mißachte, sondern durch militärische Feindseligkeiten herausfordere.

Der britische Delegierte sagte, die Nordkoreaner müßten sich erst nach den Grundsätzen der Vereinten Nationen richten, bevor sie angehört werden könnten. Es ginge nicht an, daß sie vor dem Rat erscheinen und erklären, sie seien das Opfer einer Aggression. Es würden zwei Abstimmungen nötig sein, eine über die Einladung der Nordkoreaner und eine über die Einladung der Südkoreaner.

Nach einer einstündigen Debatte über Verfahrensfragen vertagte sich der Sicherheitsrat auf Dienstag kommender Woche. Ein Beschluß wurde am Freitagabend nicht gefaßt.

Wieder Amerikaner ermordet

Pusan, 4. August. (AP.) Zwei weitere amerikanische Soldaten, die dem Feind an der Südfront Koreas verwundet in die Hände gefallen waren, sind ermordet aufgefunden worden. Ein amerikanischer Sanitätsoffizier erklärte hierzu, daß die Leichen der beiden Gefangenen an den Händen gefesselt gewesen seien. Der eine Soldat habe Schußwunden am Kopf aufgewiesen, der andere Bajonettstiche.

Damit sind bisher zwanzig Morde an gefangenen amerikanischen Soldaten bekannt geworden.

Meist trocken

Eigener Wetterbericht

Aussichten bis Sonntag: Am Samstag Bewölkungsauflockerung, meistenorts bereits trocken. Am Sonntag anfangs heiter bis leicht bewölkt. Im Westen aufkommende Gewitterneigung.

Der Rundfunk am Sonntag

RADIO FRANKFURT: 6.00 Morgenständchen; 8.30 Evangelische Morgenfeier; 13.00 Virtuose Musik; 13.30 Unser wöchentliches Wiederholungsprogramm; 15.15 Die Stunde des Chorgesanges; 17.00 Gute Unterhaltung, liebe Hörer! 20.00 ..Teure Heimat, sei gegrüßt!“ 23.15 Tanzmusik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 14.00 Die Stunde des Chorgesanges; 15.00 Unterhaltungsmusik; 20.05 Musik für jedermann; 22.20 Im Rhythmus der Freude; 24.00 Tanzmusik.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Johann Seb. Bach; 13.30 Unterhaltungskonzert; 15.30 Jedem das Seine! 17.00 Das SWF-Unterhaltungsorchester; 18.15 Die Sportreportage; 20.00 Sinfoniekonzert des SWF-Orchesters; 22.15 Sport und Musik; 23.30 Im Rhythmus der Freude.

...und am Montag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 17.00 Unterhaltungskonzert; 18.30 Zum» Feierabend; 20.00 Liebesleute von gestern und heute; 21.15 Aus der Welt der Oper; 23.00 Zärtliche Musik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 15.30 Kinderfunk; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Alte Musik; 20.00 Fröhlich fängt die Woche an; 21.15 Rendezvous am Montagabend.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 15.30 Musik am Nachmittag; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Musik für Didi; 21.15 Aus der Welt der Oper; 22.20 Klaviermusik; 23.15 „Tausend bunte Noten.“

Wirtschaftsblatt

Man sucht Helfershelfer

F. C. Die Rentner der Sozialversicherung haben ihre Renten über die Währungsreform gerettet. Durch Gesetz sind ihre Renten ebenso wie die Pensionen der Beamten im Verhältnis 1:1 umges teilt worden. Demgegenüber hat die Währungsreform die Renten der Privatversicherten im Verhältnis 10:1 dezimiert.

Die Tatsache, daß den privaten Versicherungsrentnern 90 Prozent ihrer Renten durch einen Federstrich weggenommen wurden, hat bereits im Januar zu einem Antrag im Ausschuß für Geld- und Kredite des Bundestages geführt. Die Antragsteller waren sich darüber klar, daß es nicht möglich ist, die Renten der Privatversicherten sämtlich im Verhältnis 1:1 umzustellen. Die Umstellung 1:1 ist zwar durch verschiedene Gerichtsurteile, nicht zuletzt durch Spruch des Oberlandesgerichtes Frankfurt vom 17. April 1950 als rechtskräftig erklärt worden. Auch andere Gerichte haben eine Lücke im Währungsgesetz festgestellt und eine Abfindung der privaten Rentenansprüche im Verhältnis 1:1 als rechtens erachtet.

Die privaten Versicherungsgesellschaften begrüßen diese Entscheidungen. Eine volle Aufwertung der Priyatrenten ist jedoch nur möglich, wenn die öffentliche Hand den durch die Währungsreform zusammengeschrumpften Dekkungsfonds der privaten Versicherungsgesellschaften mit Hilfe von Ausgleichsforderungen auffüllt. Man hat deshalb ein Kompromiß zwischen den Forderungen der Gerechtigkeit und den eng begrenzten materiellen Möglichkeiten gesucht. Ein Antrag der FDP-Fraktion im Ausschuß für Geld und Kredite des Bundestages sieht unter solchen Gesichtspunkten eine Aufwertung der Renten bis zu 70 DM im Verhältnis 1:1, der Renten von 70 bis 100 DM im Verhältnis von 2:1 und der darüber hinausgehenden Renten im Verhältnis 10:1 vor.

Eine solche begrenzte Aufwertung erfordert 250 Millionen D-Mark Ausgleichsforderungen. Die jährlichen Zinsbelastungen von etwa 9 Millionen D-Mark für die aufgewerteten Renten von rund 40 000 Rentenversicherten hätten Bund und Länder zweifellos tragen können. Hinter den Rentenversicherten der Privatgesellschaften stehen jedoch ^uch die Rentenversicherungen der Pensionskassen. Eine entsprechende Anerkennung ihrer Ansprüche erhöht die Ausgleichsforderungen der privaten Gesellschaften an die öffentliche Hand auf rund 1 Milliarde D-Mark.

Die dadurch entstehende Zinsbelastung von jährlich 35 Millionen D-Mark glauben aber Bund und Länder nicht tragen zu können. Auch die Argumente, daß eine Aufwertung in dem skizzierten Sinn die öffentliche Hand von Fürsorgelasten befreien wird, hat auf die Bundesregierung keinen Eindruck gemacht. Im Gegenteil, die Bundesregierung ist dabei, die alliierte Bankkommission als Helfershelfer mobil zu machen. Sie erstrebt mit ihrer Hilfe eine Klarstellung der strittigen Bestimmungen des Umstellungsgesetzes in dem Sinn, daß grundsätzlich eine Umstellung 10:1 erfolgen soll. Ein solches Vorgehen würde weiteren positiven Gerichtsurteilen zugunsten der privaten Rentner den Boden entziehen. Es wäre ein schwerer Schlag gegen diese Menschen, die sich ihre Renten aus eigener Sparsamkeit aufgebaut haben. Es würde eine Proklamation des Unrechts bedeuten, die niemals in dieser Form anerkannt werden kann.

Chemie-Gewerkschaft kündigt Lohntarife

dpa. Der Vorstand der Industriegewerkschaft Chemie, Papier und Keramik hat am Donnerstag in Hannover alle bestehenden Lohn- und Gehaltstarife gekündigt. Wie die DGB-Pressestelle mitteilte, sollen durch die Kündigung Verhandlungen eingeleitet werden, um die Löhne und Gehälter den gesteigerten Preisen anzupassen.

Das IG-Farben-Gesetz

Die Arbeiten der Alliierten Oberkommission an dem sogenannten - Farben-Gesetz, mit dem deren Rechtsverhältnisse neu geregelt werden sollen, sind im wesentlichen abgeschlossen. Wie wir von zuverlässiger alliierter Stelle erfahren, sei keinesfalls beabsichtigt, die Verfügungsmacht über die IG.-Farben der Oberkommission zu übertragen. Das neue Gesetz werde sich allerdings weitgehend dem alliierten Gesetz Nr. 27 über die Neuordnung der Stahl-, Eisen- und Kohlenindustrie annähem.

Handel mit China

ap. Zahlreiche westdeutsche Firmen seien der Aufforderung der Regierung der Sowjetzone gefolgt und hätten unter Umgehung der westdeutschen Behörden Angebote für den Handel mit dem kommunistischen China gemacht, wird aus informierten Kreisen des sowjetzonalen Außenhandelsministeriums berichtet. Diese Angebote würden bereits bei dem zur Zeit stattfindenden Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen der Sowjetzone und China berücksichtigt. Die Regierung der Sowjetzone hat den westdeutschen Firmen bei der reibungslosen Uebernahme und Weiterleitung der Lieferungen nach China ihre Unterstützung zugesagt.

Bereinigung der IG-Aktien

F.A.Z. Wie uns die Hessische Bank (früher Deutsche Bank) zu unserer Meldung vom 1 8. 50 mitteilt, sind die IG-Farbenindustrie-Aktien von der Kammer für Wertpapierbereinigung beim Landgericht in Frankfurt a. Main als bereinigungsfähig anerkannt, indes bisher noch nicht offiziell zur Bereinigung aufgerufen worden, weil zunächst die von der Hohen Kommission In Aussicht genommene Angleichung der in den Westzonen und in den Westsektoren Berlins verschiedenen gesetzlichen Regelungen hinsichtlich der IG.- Farbenindustrie-Aktien im Interesse der Aktionäre abgewartet werden sollte.

Rauchtabak steuerbegünstigt

zr. Für schwarze Zigaretten und Rauchtabak mit einer bestimmten Beimischung von Inlandstabak wird demnächst eine Steuervergünstigung eintreten.

Deutsche Weinwerbung nach Mainz

(Id) Die Deutsche Weinwerbung GmbH, hat beschlossen, ihren Sitz von Oppenheim nach Mainz zu verlegen.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse war auch am Freitag bei unlustiger Grundstimmung die Geschäftstätigkeit nur gering. Das Publikum blieb den Märkten weiterhin fern und auch der Berufshandel war zurückhaltend und vermied umfangreichere Engagements. So kam es an den Aktienmärkten bei verhältnismäßig kleinen Umsätzen nur zu geringen beiderseitigen Kursveränderungen von durchschnittlich 0,5 bis 1 Punkt.'

Internationale Warenpreise

Die Entwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten war in der Woche zum 3. August uneinheitlich; Rückgänge standen bedeutenden Gewinnen, besonders bei Kautschuk, gegenüber.

Die Chikagoer Getreide börse war für Weizen leicht rückläufig; Mais hat sich nicht geändert, und Hafer zog etwas an.

Die Notierungen an der Neuyorker Kaffeebörse waren erheblichen Schwankungen unterworfen. Im Schnitt haben sie sich nur wenig geändert. .

Die Neuyorker Kakaobörse war fest; die Preise zogen an.

An der Neuyorker Baum wo 11 börse waren die Notierungen zum ersten Male seit längerer Zeit bei erheblichen Schwankungen und wechselnder Tendenz rückläufig.

Der Kauts c h u k preis ist in Neuyork für September-Kontrakt wiederum um fast 25 Prozent gestiegen.

Der Neuyorker NE-Me ta 11 markt hat in der Woche zum 3. August nichts von seiner festen Haltung eingebüßt. Der starke Deckungsbegehr aus dem Inlande für Kupfer und Zink wird durch bedeutende Kaufwünsche aus dem Auslande verstärkt.

Rechtsfolgen der Sozialisierung

Hessen auf Entschädigung in Höhe von 100 000 DM verklagt

-ch. Die Frage der Entschädigungsleistungen an die nach Artikel 41 der Hessischen Verfassung enteigneten Eigentümer von Betrieben der Grundstoffindustrie ist Gegenstand eines Zivilprozesses, der zur Zeit vor dem Oberlandesgericht Frankfurt schwebt, nachdem das Landgericht Wiesbaden in erster Instanz in einem Zwischenurteil zugunsten des Klägers und gegen das Land Hessen entschieden hat. In diesem Prozeß klagt der enteignete Eigentümer, das ist in diesem Falle der Vergleichsinhaber der inzwischen stillgelegten Braunkohlengrube Lahr a. d. Lahn gegen das Land Hessen auf Zahlung einer Entschädigung von 100 000 DM, da der gesamte Besitz einschließlich des Ausbeutungsrechtes durch die Einsetzung eines Treuhänders des Landes Hessen Ende des Jahres 1946 entzogen worden ist, ohne daß bisher ein Pfennig Entschädigung dafür gezahlt worden wäre.

Wie in dem Prozeß der Kasseler Verkehrs AG. (Vergleiche „FAZ“ vom 3. 8. 50) wird auch in diesem Rechtsstreit das gesamte Problem des Sozialisierungs-Experimentes in Hessen aufgerollt. In der Verhandlung vor dem Landgericht Wiesbaden hat das Land Hessen zunächst geltend gemacht, daß nicht die ordentliche Gerichtsbarkeit, sondern das Verwaltungsgericht für die Austragung des Streites zuständig sei. In einem Zwischenurteil hat sich das Landgericht jedoch als zuständig erklärt, wogegen das Land Hessen Berufung eingelegt hat. Die Regierung beruft sich ferner darauf, daß die Klage nicht gegen das Land Hessen, sondern gegen den Treuhänder zu richten sei, der die Grube für die noch zu bildende „Sozialgemeinschaft“ verwaltet habe. Im Gegensatz zu der sonstigen Auffassung des Landes Hessen, daß der Artikel 41 aktuelle Rechtsnorm sei — weshalb ja ohne das erforderliche Ausführungsgesetz die sofortige Enteignung vorgenommen wurde — wird von der Regierung in diesem Prozeß der Standpunkt vertreten, daß der Verfassungssatz nur ein Programmpunkt sei, der noch der endgültigen gesetzlichen Regelung bedürfe. In den Durchführungsbestimmungen vom 20. August 1947 wird jedoch ausdrücklich bestimmt, daß der vom Minister für Wirtschaft und Verkehr eingesetzte Treuhänder als Treuhänder des Landes Hessen gelte. Auch nach dem Allgemeinen Landrecht, so wird vom Kläger geltend gemacht, sei das Land Hessen, das die Enteignung vorgenommen habe, für die Entschädigungsleistungen zuständig, gleich ob der Artikel 41 rechtsgültig ist oder nicht.

Ein weiterer Einwand des Landes Hessen ist, daß der frühere Besitzer keinen Schaden erlitten habe, weil es sich um einen Zuschußbetrieb handle. Der Kläger weist jedoch darauf hin, daß der frühere Eigentümer das Risiko des Betriebes nur bis zu dem Zeitpunkt trage, zu dem er enteignet worden ist. Von diesem Tage an gehe das Risiko auf den Treuhänder beziehungsweise auf das Land Hessen über, das bei einer Enteignung nicht nur den Gewinn, sondern auch die Verluste übernehme. Der Zuschuß, den das Land Hessen zur Erhaltung des Betriebes geleistet habe, wird mit 213 000 RM angegeben. Gleichwohl mußte der Betrieb bald nach der Währungsreform, da das Kohlevorkommen erschöpft war, stillgelegt und die gesamte Belegschaft entlassen werden. Der Kläger hat sich über den bisher verlangten Teilbetrag hinaus weitere Schadenersatzforderungen vorbehalten

Steigende Bauleistungen

dpa. Die Betriebe des Bauhauptgewerbes mit zwanzig und mehr Beschäftigten verzeichneten im Juni dieses Jahres einen Anstieg der Beschäftigtenzahl um rund 27 000 auf 530 000. Damit ist bereits jetzt der Beschäftigtenhöchststand des Vorjahres in diesen Betrieben erreicht, der im Oktober 490 000 betrug. In den Ländern des britischen Besatzungsgebietes ist der Oktoberstand durchweg überschritten, im amerikanischen Besatzungsgebiet dagegen noch nicht. Den stärksten Anstieg verzeichnen die Flüchtlingsländer —

F. A. Z. Die Farbwerke Höchst, vormals Meister. Lucius und Brüning, die die Penicillinforschung seit dem Jahre 1942 betreiben, haben jetzt die modernste Großanlage Deutschlands zur Herstellung von Penicillin fertiggestellt. Am Freitag besichtigten Vertreter der deutschen Regierung und der Besatzungsmächte die neue Anlage. Unter den Gästen befand sich der amerikanische Oberkommissar Mc.Cloy.

Die neue Höchster Anlage wurde auf Grund eines Lizenzvertrages zwischen der amerikanischen Firma Merck in Rahway (New Jersey) erbaut, der Ende 1948 abgeschlossen wurde. Die Gesamtkosten zum Bau der Anlagen beliefen sich auf 6.98 Millionen DM. Die Farbwerke erhielten dazu 1.5 Millionen DM ERP-Gelder und 1 Million DM in Form einer Anleihe der Besatzungsmächte. Die restlichen 4.48 Millionen DM wurden aus eigenen Mitteln aufgebracht.

Bz. Dora Abitzsch G. m. b. H., Lampert¬ heim. Die G. m. b. H. führt die unter der Firma Dora Abitzsch K. G. eingetragene Kommanditgesellschaft fort. Das Stammkapital beträgt 150 000 DM. Alleinige Geschäftsführerin ist Dora Ries geb. Abitzsch in Frankenthal.

Feuilleton


INGRID SCHUBERT: SPIELENDE KINDER
INGRID SCHUBERT: SPIELENDE KINDER

Der Weltmann als Schriftsteller

GUY DE MAUPASSANT ZUM 100. GEBURTSTAG

Guy de Maupassant war ein Wissender und Erkennender. Tragisches und Komisches, Mensch und Natur, den Einzelnen und die Gesellschaft, zarte Empfindung aristokratischer Seelen und sozialen Geltungstrieb, die Welt des Wesens und die des Scheins, alles hat er umfaßt. Das flache Land, die Sphäre der Bauern und Fischer, die Tragödie eines Maires, das Schicksal einer Magd, die Liebestrauer des kleinen Soldaten und der fast seriöse Geschäftsbetrieb des Bordells, sie lagen ihm ebenso offen wie die kerzenerleuchteten, spiegelglänzenden Räume der Schlösser und der Pariser Clubs, der Boulevards und der Ministerien, der Zeitungen und der Politik. In ihm ist das Frankreich des dritten Kaiserreichs und der Republik, der schönen Frauen und der Elegants, der Bohemiens und der Rentner, des Geldhungers und der Liebe in allen ihren Spielarten.

Maupassant war Normanne, die Kühle und Nüchternheit seines Blicks rührt daher; er war ein Kavalier, darum seine galanten und amourösen Erfahrungen; er saß in den Ministerien, weshalb die Einsichten ins Politische nicht überraschen. Als einer der bedeutendsten „eerivains“ des 19. Jahrhunderts schuf er einen neuen Typus der Erzählung, die short story oder die „novelliere“, wie die Concourts es nannten, eine Mittelstufe zwischen Novelle und Anekdote, eine Kunstform, die Poe und Mark Twain kultivierten und die neueren Amerikaner fortsetzten. Er war Mitglied jener Anhänger des Dandysmus. deren Nachfahre Oscar Wilde heißt. Erfolg und Ruhm hefteten sich mit Macht an seine Feder: Villa. Yacht und ein Einkommen von 80 000 Franc. Verwöhnung durch die Damen. Bewunderung Flauberts und Zolas, der Besten seiner Zeit. Größenwahn mit dem Gotha auf dem Nachttisch und schließlich Wahnsinn. Die Theaterstücke mögen verklungen, von den Romanen allein „Bel ami“. unübersetzbarer Titel eines Werkes voll Pariser Fluidums, noch lebendig sein. Frisch wie am ersten Tag aber sind seine kurzen Novellen geblieben. Um ihretwillen wollen wir ihn mit Zolas Worten am Grab „lieb behalten wegen seines unsterblichen Liebesgesangs auf das Leben“.

Herbert Schönfeld.

Die Fähre

Die grün angestrichene Fähre liegt auf dem Fluß. Das Ufer ist leer, der Zutritt zur Fähre ist durch einen Schlagbaum gesperrt. Der Fährmann Ät nicht zu sehen. Ich höre Klopfen und wende mich um. Ein viereckiges Wellblechhäuschen steht -an einer Mauer, hinter dem kleinen Fenster nickt fragend der Fährmann, ob ich überfahren wolle. Ich winke ab, denn die Mauer hinter dem Häuschen hat meine Aufmerksamkeit erregt. Diese Mauer ist oben mit einer Hecke aus Immergrün bepflanzt, aus der sich wehende Lebensbäume erheben, in geräumigen Abständen, die breit genug sind, die weiße Fassade des Schlößchens freizugeben, von der die Gegend eine fürstliche Allüre empfängt.

Auf den schieferblauen Wellen des Flusses, die der Wind erregt, schaukelt einsam die Fähre. Eine schöne Laterne schmückt die rechte Bordseite, und wie die Fähre schwankt, schwankt auch die Laterne mit. Die Zungen der Wellen fließen klatschend aufs Land, es dämmert schon, und im Fluß glüht das Abendrot. Jetzt werde ich mich übers Wasser fahren lassen.

Ich poche ans Wellblechhäuschen. Auf ein „Herein“ trete ich über die schmale Schwelle. Der Raum ist eng. An einem kleinen Tisch vor dem Fenster sitzt der Fährmann und raucht eine Pfeife, raucht und blickt durch die Scheibe hinaus. Es ist schon recht dunkel, doch ist noch zu erkennen, was die Hütte enthält: ein Oefchen steht im Winkel, Drahtseil und Ketten hängen an den Wänden, auf Regalen stehen Oelkännchen und Büchsen, und Werkzeuge liegend dort umher. Bevor der Fährmann sich erheben kann, halte ich ihn durch Fragen auf seinem Stuhl. Und er selbst läßt mich mit seinen Auskünften nicht mehr los. Dabei wird es dunkel, durch das kleine Fenster flimmern die Sterne. „Wie eine Wiese im Juni, so grasgrün ist Ihre Fähre, alle Achtung vor dieser Sauberkeit“, sage ich zu dem Mann. Er äußert sich nicht hierzu, er saugt an der Pfeife, der brodelnd der Rauch entquillt. „Nur möchte ich wissen, ob es noch die gleiche Fähre ist, von der meine Mutter sich über den Fluß hat tragen lassen, vor gut fünfzig Jahren.“ — „Ihre Mutter? Sie wohnte hier im Dorf?“ — „Nicht eigentlich, sie gehörte zum Dienstpersonal des Schlößchens droben.“ — „So.“ — Sonst sagt der Fährmann nichts. Aber nach einer Weile, während der er an seinen Gedanken gesponnen haben mag, fügt er kurz hinzu: „Wieviele sind nicht schon übergefahren. Wer weiß! Ich glaube, nun fahren auch Sie?“ — „Ich fahre.“ Und schweigend gehen wir hinaus.

Der Nachtwind weht. Der Fährmann geht voran, hebt den Schlagbaum auf, zündet die Oellaterne an. Er dreht an einem Rad, Ketten rasseln, ganz langsam schwimmen wir in die Strömung hinaus. Und neben uns schwimmt der Schimmer der Laterne mit. Außer mir fährt kein Gast. Das Wasser spült. Wenn es so spült in der Dunkelheit, Fährmann, dann fährst du auch die unsichtbaren Gäste, sieh! — Wellen, meinst du, kichern uns zu. Ach, Mädchen sinds, Personal vom Schloß; und die, die an hochgeschlossener Bluse die Brosche trägt, wo Herz, Anker und Kreuz sich ineinanderschlingen zum Symbol, das ist sie, meine Mutter, im jugendlichen Schmelz. Den Freundinnen gesellt, lacht sie im fröhlichen Bund. Sommer ist’s und droben im Park blühen die Rosen schwer. Und drüben am andern Ufer, auf das du zuhältst, Fährmann, ziehen Hügel, und auf einem dieser Höhen steht ein Dorf, dort ist heute Musik. Und schon freuen sich die Mädchen, und wie die Wellen lachen sie, wie die Wellen um unser Gefährt. —

Das Wasser spült. Wenn es spült in der Nacht, nimmt die Reise kein Ende. Wasser bleibt sich immer gleich, auch der Schimmer aus der Laterne bleibt sich gleich, man fährt wie auf dem Meer. Und die Unsichtbaren fahren mit. Eine von ihnen tritt erschrocken auf mich zu, ihr Lachen stockt,. Sie trägt eine Brosche aus Kreuz, Anker und Herz, und sie sagt, ganz still: „Noch nicht einmal empfangen bist du, und so erwachsen schon, so ernst. Was drängst du dich jetzt schon in meine Jugend ein?“ — Und sie neigt den Kopf.

So fahren wir.

Kilian Kerst.

Notizen

Pavillon für deutsche Studierende. Der Rektor der Universität Bonn, Professor Dr. Kiauser, sagte auf einer Pressekonferenz, die zur Zeit tagende „Westdeutsche Rektorenkonferenz“ habe mit Dank davon Kenntnis genommen, daß in der Universitätsstadt in Paris ein Grundstück für einen deutschen Pavillon kostenlos zur Verfügung gestellt werden solle und der französische Oberkommissar in Deutschland die Baukosten übernehmen werde. Weiter wurde mitgeteilt, daß hochqualifizierte Studierende und Praktikanten von Universitäten der Bundesrepublik durch Zuwendungen des Stifterverbandes einen Studienaufenthalt im Ausland erhalten könnten.

Hildegard Knef in Frankfurt. Die Filmschauspielerin Hildegard Knef ist am Donnerstag aus den Vereinigten Staaten auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt eingetroffen. Sie wird am 7. August mit den Dreharbeiten zu dem Willy-Forst-Film „Die Sünderin“ in den Ateliers Hamburg-Bendestorf beginnen und dann nach Hollywood zurückkehren, wo sie vor ihrer Abreise Filmverhandlungen geführt hat. Hildegard Knef wird im Frühjahr 1951 wieder nach Deutschland kommen, wo Eric Pommer mit ihr einen Film drehen will.

Pfälzische Sezession. In Neustadt a. d. Haardt findet bis zum 26. August die Jahresausstellung der „Pfälzischen Sezession“ statt. Sie zeigt unter anderem Bilder von Werner Gilles. München, Hans Kuhn, Baden-Baden. Gustav Seitz, Berlin, Fritz Zolnhofer, Saarbrücken, Eduard Bargheer, Florenz und Hans Wimmer, München.

Ein französischer Pfadfinderchor be¬ gann von Lindau am Bodensee aus eine zwölftägige Deütschlandtournee, die den Chor über Konstanz. Freiburg, St. Goar nach Andernach. Aachen und Dortmund führen wird. Der Chor wird in deutschen Ferien-Zeltlagern und vor deutschen Jugendgruppen singen.

Zum ersten deutschen Studententag seit Kriegsende, der vom 30. August bis 3. September in Köln stattfindet, werden über 500 Studenten aus Deutschland und 50 Delegierte aus westeuropäischen Ländern erwartet. Die Tagung soll der deutschen Oeffentlichkeit einen geschlossenen Ueberblick über die Entwicklung des studentischen Lebens geben. Vizekanzler Blücher, Bundestagsabgeordneter Dr. von Brentano und Professor Carlo Schmid werden über aktuelle politische Fragen sprechen. Ueber Formen der studentischen Gemeinschaft diskutieren unter anderem die Vertreter der deutschen Burschenschäften, der sozialistischen und der katholischen Studenten. Außerdem findet eine Ausstellung „Studentische Kunst und Architektur“ statt. ,

Eine Mosaik-Reproduktion von Leonardo da Vincis „Abendmahl“ aus den Vereinigten Werkstätten für- Mosaik und Glasmalerei in Berlin wird auf der Internationalen Handelsmesse vom 7. bis 20. August in Chikago gezeigt. In der Ankündigung wird betont, daß die Mosaik-Reproduktion der Berliner Firma angesichts des immer stärkeren Verfalls des berühmten Leonardo-Originals in Mailand eine neue und fast einzigartige Bedeutung für die christliche Welt erhalten habe.

Film-Forum

Schneewittchen, im Sarge niesend...

Ach, wie ergreifend ist es doch, wenn Schneewittchen im Sarge liegt, die siet en Zwerge stehen trauernd um sie herum, sie hatte den Apfel gegessen, den ihr die böse Königin, als Hexe und Händlerin verkleidet, zu essen gab und das ganze herrliche Leben mit den lieben kleinen sieben Zwergen ist aus und vorbei... da rinnen die Tränen, da werden die härtesten Herzen weich, und . . . und ... da liegt also Schneewittchen und spürt etwas! Was spürt es? Ein Kribbeln spürt es! Wo spürt es das Kribbeln? In der Nase spürt es das Kribbeln! Was bedeutet das Kribbeln? Daß Schneewittchen eigentlich niesen müßte!! Was tut Schneewittchen da? Es beißt die Zähne zusammen unc| will, will, will absolut nicht niesen ... da wartet Schneewittchen, daß die Szene zu Ende gehen möge, daß der Vorhang fallen möge und daß es dann niesen könne (Hatttschschschiiiu!) ... so richtig aus tiefstem Herzensgrund!!! Aber der Vorhang fällt nicht, und so wird das Kribbeln endlich derart hahnebüchen stark, daß Schneewittchen nicht mehr anders kann, es muß, muß absolut niesen und niest. Bums. Der ganze zarte Zauber der Szene ist zum Teufel, die Zuschauer lachen, oder, aber sie sind baß erstaunt, denn daß Tote niesen, das ist doch neu! Und wem geschah so etwas?

Natürlich Fita Benkhoff! Denn zu ihr passen nun einmal alle komischen und unerwarteten und verblüffenden Situationen wie zu keiner anderen. Dabei wollte sie ursprünglich durchaus eine Künstlerin mit ernsthaften Aspirationen sein! Es zog sie zu den großen dramatischen Rollen, sie dachte gar nicht an die Komik, die ihren ferneren Lebensweg und ihre fernere Künstlsrinnenlaufbahn begleiten sollte. Aber als sie einmal zur UFA bestellt wurde, und als man dort von ihr drei Probeaufnahmen machte, ernste, charmante und grotesk-kornische — ja, da gefielen den zuständigen Beurtei'ern die komischen am besten, und von Stund an hatte Fita Benkhoff eben die große Chance, eines der größten komischen Talente des deutschen Films zu werden. Was sie dann spielte, wie sie dann ihre wahnwitzig halsbrecherischen Sätze heraussprudelte, welche Typen mit und ohne Dutt sie dann darstellte — lauter komische, schrullige, etwas leicht unnormale Frauen und Mädchen, geziert, verkrampft, altmodisch, mit und ohne Brille: das ist den deutschen Filmfreunden unvergeßlich geworden. Man hat so oft schon über sie gelacht, daß man sich jedesmal von neuem freut, wenn man wieder über sie lachen kann. Es ist hohe Kunst, wenn einer Schauspielerin solch stetiger Lacher-folg sicher ist!

Akrobatisch kann man ihre Sprechart nennen; wenn man einen ihrer atemlos gehetzten Sätze im gleichen Tempo wiederholen will, merkt man erst, welche ungeheure Sprechtechnik hinter diesen Satz-Katarakten steckt! Aber wenn man dann hört, daß sie einstmals Telefonistin war und die Zeit, da sie Verbindungen herzustellen hatte, dazu benutzte, mit ihren Telefonkunden so exakt wie möglich zu sprechen — dann wundert man sich nicht mehr: Aus so viel Fleiß mußte ja schließlich etwas Gutes herausspringen,! Sie war bienenfleißig und eifrig, und der Erfolg hat die blonde Westfalin schließlich auch reich belohnt.

Ja, und wer würde, wenn er sie heute im Film erlebt, daran denken, daß sie, wäre es nach dem Willen der Mutter gegangen, Assistentin bei einem . . . Zahnarzt geworden wäre? So können Eltern sich irren ... aber sie war schon Assistentin, treu und brav, nur, daß sie mehr als einmal ausriß. Sie ist der besorgten Mutter gehorchend, mehrmals wieder hingegangen zu ihrem Zahnarzt-Chef. Aber einmal ging sie nicht mehr hin. Und das ist gut so. So wurde sie nämlich unsere Fita Benkhoff! Foto: Viktoriafilm


FITA BENKHOFF
FITA BENKHOFF


Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

12) Copyright by Dr. Alexander Fuchs. Braunschwelg

„Eine Hausfrau verfügt über den größten Teil der Ausgaben, die von einer Familie gemacht werden. Sagen Sie in dieser Beziehung also immer etwas Vertrauenerweckendes‘’, ermahnt der Manager sie jetzt. „Sagen Sie beispielsweise: Mein Mann überläßt mir den größten Teil seines Gehaltes für die Haushaltung, aber ich kontrolliere mi?h selbst. Meine Erfahrung ist, daß ich nie etwas kaufen darf, was unerprobt ist. Ich überlasse niemanden die Zubereitung der Hauptmahlzeit, aber ich liebe es sehr, wenn Mary uns den Kaffee brüht. Ich verabscheue Filme, in denen das Zerbrechen einer Ehe geschildert wird, aber ich werde nie zu alt sein, um mich für Ratschläge zu interessieren, wie man eine gute Ehe aufrecht erhält."

„Das ist alles ohnehin meine Meinung“, sagt Eva Steen. Sie lächelt etwas schmerzlich dabei.

Am schwierigsten ist alles bei Mary, aber natürlich beruht die Schwierigkeit nicht darauf, daß Mary sich gegen die Manager sperrt, denn sie tut nichts derartig Unvernünftiges. Aber gerade Mary ist so schrecklich entschlossen, jede ihr anbefohlene Rolle so gut darzustellen, daß sie alles übertreibt. Sie ist zu hausbacken, wenn sie wie eine anhängliche Tochter wirken soll, und sie legt sich zu sehr ins Mondäne, wenn sie etwas Modernes zu sagen versucht. Und dabei ist sie wirklich so hübsch, daß sie die besten Bilder verspricht und wahrschein-

lieh von den Reportern bevorzugt werden wird...

Der Chefmanager grübelt ernsthaft.

„Was würden Sie denn von sich aus sagen, wenn jemand Sie fragt, was Sie von dieser Sache hier denken?“ fastet er sich in das ganz verstellte und vor sich selber unwahrhaffige Mädchen heran. Nun, Mary Steen weiß sofort, was sie sagen würde. „Wenn ich ehrlich sein darf, möchte ich nur Mama nicht allein lassen auf dieser Reise. Es ist ihre erste Reise, aber lachen Sie bitte nicht darüber, daß es natürlich auch meine erste Reise ist“, plaudert sie.

„Das ist sehr gut, Mary“. Der Chef springt von dem Schuhkasten auf. „Ich überlasse Ihnen, Ihre Interviews frei zu sprechen... in dieser Ärf. Kleiden Sie sie als gutartiges, aber sehr begabtes Mädchen, aus dem noch viel werden kann“, wendet er sich an Marys Manager

und geht zu Steen. Aus Georg J. Steen, der in seinem gestreiften dunklen Anzug um sechs Uhr wie ein zuverlässiger, reichlich verdrossener und vom Leben in einer kleinen Stadt schon etwas abgenutzter Prokurist aussah, der eine Reise zu einer Fachtagung anfrefen will, aus diesem ganz uninteressanten Herrn Steen ist ein prächtiger Mann geworden! Er trägt einen Anzug aus gutem Wollstoff, aber das Muster ist lauf und lebensfroh, der Schnitt der Hose wirkt bequem und sportlich, und seine Kravatfe bedeutet, daß dieser Georg J. Steen jedermann zu einem Glase Bier einjadef, der das Herz gleich ihm auf dem rechten Fleck hat, die Dinge sieht, wie sie wirklich sind, und der Meinung ist, daß sie auch so bleiben sollen. Obwohl sein Hut natürlich neu ist, sieht er doch so aus, als liebe er ihn seit Jahren. Und wenn man diesen ganzen Mann betrachtet, so schaut man unwillkürlich umher, ob nicht ein paar Hunde mit Schlappohren und kugelrunden braunen Augen in der Nähe sind und auf jedes Wort lauschen, was dieser lebendige, gutartige und zufriedene Mann sagen könnte.

Gerade wiederholt Steen seine Ansprache für die Reporter. „Ich liebe meine Frau, meine Kinder, mein Haus und meine Zigarre", sagt er. „Ich verlasse mich auf sie und ich arbeite gerne, ich bin nicht der Meinung, daß die Arbeit einen Mann hindern darf, sein Lebeh zu genießen, ja. Deshalb halte ich viel von Versicherungen und davon, daß man sich ein kleines Haus baut. Ich bin stolz zu sagen, daß meine Frau gut zu kochen versteht, und dabei habe ich, als wir heirateten, nicht einmal danach gefragt, ob sie es verstehe.“

„Es ist gut, Steen“, unterbricht ihn der Manager. „Sie werden das andere genau so gut machen, wie diesen ersten Teil. Ich bin froh, es bei Ihnen so leicht zu haben. Sie verstehen das Leben.“

Georg J. Steen nickt... Ja, er versteht das Leben, er ist lange genug hinter den Schablonen des Glücks jm Eigenheim, des Fortschritts im wirtschaftlichen Leben und all diesen Täuschungen hergelaufen, um genau zu wissen, was diese Leute für ihr Geld von ihm erwarten ...

Aber trotzdem spielt er seinen Part nicht nur deshalb gut genug. Er findet sich eigentlich darum so leicht in seine Rolle, weil er sich der Sehnsucht erinnert mit der er einmal sein wollte, wie er jetzt zum Schein hier steht. Er

fand nur nie die Worte, die diese Manager ihm hier vorsprechen, er fand nie die Anzüge und die Kravaffen, die man haben muß, um so zu sprechen, um so zu sein.

Woran könnte das gelegen haben? — Georg J. Steen hat einen naheliegenden Verdacht,

„Was kostet übrigens dieser Anzug, den ich hier trage?" Iragt er seinen Manager.

„Das ist nicht die Welt“, antwortet Miels Mann. „Ich schätze, er kostet achtzig Kronen. Steen erschrickt. Dann habe ich mein

Leben lang mehr Geld für einen Anzug ausgegeben und mich nie so wohl darin gefühlt. Dann habe ich die Chance gehabt, mich freier zu bewegen und ganz anders zu leben, und ich habe diese Chance einfach verpaßt, denkt Georg J. Steen...

16.

Um acht Uhr räumen die Manager die Wohnung. Es verschwändet alles, was sie mitbrachten, soweit es die Steens nicht am Leibe fragen, oder in ihren neuen, kleinen, nicht besonders teuren Koffern haben. Der Lastwagen rollt davon, die Manager verstecken sich mit ihren Wagen in einer Seitenstraße. Nur der Chef bleibt in der Wohnung. Die Verabredung laufet, daß er ein Bekannter der Steens sei... für die Reporter. Die Bühne ist fertig, die Schauspieler fragen ihre Kostüme, sie beherrschen ihre Rollen, und natürlich vermeiden die Steens sich jetzt gegenseitig anzusehen. Frau Steen kocht als die Frau Steen des Theaterstücks Kaffee für ihren zu einem lebensfrohen Bärenmann verwandelten Gaffen, für ihren sie und seine Schwester herzlich liebende.i Sohn Knut und den netten Wirbel, den sie ihre Tochter nennt.

Sie setzen sich an den gemütlich, betrachtenswert gemüt ich arrangierten Frühstückstisch, und gerade sagt der Chefmanager, daß sie alle noch in Ruhe essen könnten, ehe die ersten Zeifungsleute aus der großen Stadt die weiten Strecken hinter sich gebracht haben werden, da schmettert draußen ein wild gegefahrener Motor.

Knut läuft an die Haustür.

Der Motor gehört zu einem schweren Motorrad und das Motorrad gehört zu einem jungen Mann, dessen Overall sehr beschmutzt ist. In den Augen dieses jungen Kerls glüht das Jagdfieber. Er hat das Rennen gewonnen, und nichts kann ihn hindern, die Chance zu nutzen, die er sich gegen die Wagen seiner Konkurrenten erkämpft hat.

„Nicht wahr, Sie sind Knut Steen? Sie sehen prächtig aus“, ruft er, während er seine Maschine an Knuts Garfenzaun anlehnt. „Und was sagen Sie zu dieser großartigen Sache?“

„Ich freue mich schrecklich für meiie Eltern“, schnurrt Knut. „Sie haben uns das Leben so mitten im Strom aufgebauf. Ich denke wirklich, daß sie sich’sehen lassen können und vielleicht ein recht gutes Beispiel geben. Aber erwarten Sie bitte von mir keine besondere Sache. Ich freue mich auf die Stadt, weil ich eigentlich immer auf der Jagd nach Dingen’bin, die ich meiner Mutter schenken könnte.’ Glauben Sie übrigens, daß ich dort ein paar Mal öfter mit meiner Schwester tanzen werde als hier?“

„Sie sind ein fabelhafter Jun<se", sagt der Reporter. „Was möchten Sie einmal arbeiten?“

„Ich möchte Sportjournalist werden “ „Wundervoll! Darf ich mit Ihnen hineingehen?“

~Aber natürlich!''

Alles geht wundervoll...

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung


„Wenn alle Brünnlein fließen..." Die Weise des alten Volksliedes klingt durch den Sinn, wo immer Mutter Erde uns das köstliche Naß spendet. Die Quelle, der Bronnen, das „Wasser des Lebens" —. Mythe und Märchen, Sang und Sage sind seit Menschengedenken mit den strömenden Wassern verbunden; mancherlei Sehnsucht stillte das nimmermüde Gemurmel, und manches Herzweh spülte es mit sich fort. Vielbrunn im Odenwald. Foto: Hans Kenner
„Wenn alle Brünnlein fließen..." Die Weise des alten Volksliedes klingt durch den Sinn, wo immer Mutter Erde uns das köstliche Naß spendet. Die Quelle, der Bronnen, das „Wasser des Lebens" —. Mythe und Märchen, Sang und Sage sind seit Menschengedenken mit den strömenden Wassern verbunden; mancherlei Sehnsucht stillte das nimmermüde Gemurmel, und manches Herzweh spülte es mit sich fort. Vielbrunn im Odenwald. Foto: Hans Kenner

Was die Woche brachte:

Eine Plauderei zum Sonntag

Festliche Stimmung, wohin man sieht / Von Heia-safari-Hüten, luxuriösen Hunden und eleganten Sportkabrioletts / Sie erkannten, daß es zusammen besser geht / Besorgt Bagger für einen häßlichen Buckel — ein Wunsch vieler Darmstädter / Ein Rezept, wie man Sie umgarnt...

Lockende Feste ...

Mit einer Reihe festlicher Veranstaltungen ging der Juli zu Ende: In S t o c k - stadt zeigte man den Besuchern die Schönheit sommerlicher Altrhein - Idylle, Zwingenberg bot mit reizvollen Lagen Pfirsichfest - Traditionen und Pfungstadt gelang die Mischung zwischen leistungsförderndem Sportfest und Alle verbindendem Volksfest. Im Odenwald hatte der eine Woche dauernde Wiesenmarkt hinsichtlich Größe und Leistung schon Messe-Charakter angenommen. Wenn man die 60 000 vom kurz zuvor stattgefundenen Dieburger Dreiecksrennen zu den Besuchern des Nieder - Ramstädter Volksfestes zählt, dann kommt eine stattliche Zahl Teilnehmer, Zuschauer zusammen. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt der seit jeher bestehenden Feste...

Sicherlich, die Karussells laufen nicht umsonst, man möchte halt auch verdienen — wo will man das nicht? —, aber im großen und ganzen entspringen alle Veranstaltungen dem gesunden, kräftigen Wunsch zur Leistung, zum Lebenwollen ... Man arbeitet stark und möchte am Sonntag als Lohn nicht gerne Dünnbier trinken. Klare Sache. Wenn wir jeden bemerkenswerten Ort zu begründeter Festlichkeit nutzen wollten, wäre die Achterbahn wahrscheinlich bis Weihr achten allein nur zwischen Odenwald, Rhein, Main und Bergstraße beschäftigt. Nun, bei einem so abwechslungsvollem Angebot kann man ja wählen ...

Ferienzeit, schöne Zeit

Die Reisebüros arbeiten auf Hochtouren, um die Erholungssuchenden, ihren mannigfaltigen Wünschen entsprechend, unterzubringen. Auf den Straßen rieht man Reisende auf Fahrzeugen aller Größen und Schattierungen. Am auffallendsten sind die „auf Fahrt“ gehenden Jugendgruppen und Pennäler, und von denen wiederum die Kopfbedeckungen: Gestrickte Seemannsmützen in Grau und Blau, rot-, gelb-, schwarzwollene sogenannte alpine Kombinationsmützen (wie Birger Rud und Sepp Weiler in Garmisch), große Heia-safari-Hüte, tropenhelmartige Boy-scouts-Helme, bestickte Türkenkappen und alle nur denkbaren Formen von Baskenmützen. Das sind die Dauerreisenden mit schweren Rucksäcken auf Gepäckträgern. Sie fahren von Hamburg an den Bodensee oder von Köln an die Bergstraße. Sie können, wenn sie wollen, hundert Kilometer am Tag fahren, oder le können sich einen ganzen Tag lang an den Rhein legen und träumen und in rußgeschwärzten Kochtöpfen die traditionelle Würfelsuppe kochen. Verachtungsvoll sondern sie sich von den „Sonntags-Familien-Fahrern“ ab, die mit Kinderkörbchen und fertigen Stullen den kurzen Ruhetag genießen. Ihre Ferien-Ungebundenheit begreift noch nicht, daß die Woche für Woche schwer arbeitenden Familienväter das Frühstücksmesser nun mal nicht an der Hose abwischen können. Am Abend kommen sie von der eintägigen Tour, der Sonne und dem Wind etwas ermüdet zurück. Sie sind nicht neidisch auf die dr.tte Kategorie, die in eleganten Sportkabriolets. mit weißen Autohauben, Riemenkoffern mit aufgeklebten Hotelmarken nur an Restaurants oder Tankstellen zu halten scheinen. — Das Bild von der Eleganz der Kleidung und der Wagen, luxuriösen Hunden und piekfeinen Ledertaschen gehört auch zum Ferienbild, genau so wie vollgestopfte Gesellschafts-Omnibusse und überfüllte Züge, Hitze, Ruhe, Gepäckträger und Zeitungsverkäufer, lachende und weinende Abschiednehmende.

Warum aber in die Ferne schweifen? — Unsere Heimat zwischen Rhein, Main und Bergstraße ist so schön, daß sie der nicht möglichen Reise nach Sylt oder Konstanz Ersatz bieten kann, wenn man ihre Schönheiten zu sehen versteht.

Leuchtender Wettstreit

Gas- oder elektrische Straßenbeleuchtung? — Das ist hier die Frage, um die es geht. Für beide Beleuchtungsarten wurde heiß gefochten. Eine Entscheidung war nicht leicht zu treffen, obgleich die Gefahr bestand, daß durch diesen Streit die Stadt — ähnlich wie weiland Buridans Esel, der. zwischen zwei Heuhaufen verhungerte, weil er nicht wußte, von welchem er fressen sollte — beinahe im Dunkeln liegengeblieben wäre . . . Nun hat der Magistrat beraten. Erfolg: Keiner Beleuchtungsart wird der Vorzug gegeben. Eine Entscheidung erfolgt von Fall zu Fall. — Wahrlich, ein salomonisches Urteil.

Jetzt grübelt die Stadtverwaltung nur noch darüber, welche Straßen mit einer intensiveren Beleuchtung versehen werden müssen. Keine leichte Sache, denn die Unterhaltungskosten sind sehr hoch. Wahrscheinlich Werden zunächst einige Außenviertel besser beleuchtet werden. Hier haben die Gaslaternen den Vorzug, ebenso in der Innenstadt, wo der Blick durch die Mittelaufhängung elektrischer Lampen gestört wird. Nach Ansicht des Magistrats sind alle anderen Straßen — hauptsächlich Verkehrsstreßen — mit einer elektrischen Be'euchtung besser bedient. Wir werden es erleben, daß die Beleuchtung der He’delberger Straße in Kürze bis zur Moßbergstraße durchgeführt wird.

Erfreulich, daß der Magistrat zu seiner Beratung die beiden städtischen Gesellschaften die HEAG und die »Südhesssische“ herangezogen hat. Wir schließen uns der Hoffnung des Magistrats Bn, daß beide Unternehmen in f-' ”" ^chaftlichem Wettstreit dafür sorgen werden, daß unser Darmstadt bald eine einwandfreie Straßenbeleuchtung bekommen möge, ohne daß der Geldsäckel der Bürger zu sehr belastet wird.

Baggert den Buckel weg!

„Ganz meine Meinung!“ möchte ich den Bürgern zurufen, die mich baten, der Stadtverwaltung vorzuschlagen, den Herrengartenberg abzutragen. In der Tat, dieser Buckel ist scheußlich. Er verhindert die Sicht zu den schönen Häusern der Schloßgartenstraße und der St. Elisabethenkirche. Es nützt meines Erachtens nicht viel — wie es geplant war —, dem Hügel ein freundlicheres Gesicht zu verleihen, denn die unbeaufsichtigte Jugend wird nach wie vor dort ihren Unfug treiben. Warum also unnötig Geld hineinstecken? — Wäre es nicht besser, den Hügel, der sowieso kein natürlicher Berg ist, ganz zu entfernen und den gewonnenen Platz zu einer Blumenanlage oder einem Kinderspielplatz umzugestalten? — Selbstverständlich müßte auch die unschöne Mauer an der Schloßgartenstraße auf die Höhe der Mauer gebracht werden, die parallel zur Frankfurter Straße läuft. Ein Vorschlag, meine Herren Stadtväter. Vielleicht überlegen Sie ihn sich einmal.

Launische Damen

„Warum sind auch feinfühlige und gebildete Damen launisch?“ fragte mich dieser Tage ein Bekannter. Da ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht hatte, zog ich den alten Freiherr von Knigge zu Rate. Er gab eine Antwort, die mir sehr einleuchtet. Das ist sie: „Auch die edelsten Weiber haben mehr abwechselnde Launen, sind weniger gleichgestimmt zu allen Zeiten als wir Männer. Reizbarere Nerven, die leichter zu allerlei Gemütsbewegungen in Schwingung zu bringen sind, und ein schwächerer Körperbau (Hm?), der manchen unbehaglichen Gefühlen ausgesetzt ist, die wir gar nicht kennen, sind Schuld daran. Wundert euch daher nicht, meine Freunde, wenn ihr nicht jeden Tag denselben Grad von Teilnehmung und Liebe in den Augen derjenigen Damen zu finden glaubt, an deren Zuneigung euch gelegen ist. Ertraget diese vorübergehenden Launen, aber hütet euch, in solchen Augenblicken von Verstimmung euch aufzudrängen oder zur Unzeit mit eurem Witze oder Tröste angezogen zu kommen; sondern überlegt wohl, was sie in jeder Gemütslage gerne hören möchten, und wartet ruhig den Augenblick ab, wo sie selbst den Wert eurer Nachsicht und Schonung fühlen, und ihr Unrecht gutmachen ...“

Schlauer Kerl, der Knigge. Da hat er gleichzeitig ja noch ein Rezept gegeben, wie man sich launischen Damen gegenüber verhalten soll. Dieser Frechdachs, finden Sie nicht auch, liebe Leserinnen?

Maximilian II

Weiße Zimmer schwarz gemacht

Schwarzarbeit schädigt die Wirtschaft

In letzter Zeit rufen die maßgeblichen Institutionen durch Plakatanschlag zum Kampf gegen die Schwarzarbeit auf. Es ist immer noch zu wenig bekannt, welche Auswirkungen die Schwarzarbeit auf das gesamte Wirtschaftsgefüge hat, daß sie nicht nur den Staat schädigt, sondern mehr noch die Gemeinden und nicht zuletzt alle Bevölkerungsschichten.

Die Einführung der Gewerbefreiheit durch Direktiven der Militärregierung vom 28. 3. 1949, trotz erheblicher Bedenken der zuständigen deutschen Stellen, hat nicht minder zur Ausweitung der Schwarzarbeit beigetragen. Durch langwierige und schwierige Verhandlungen wurde von den deutschen Stellen nach und nach erreicht, daß bei einer Anzahl von Berufen, unter ihnen auch handwerkliche, bei der Eröffnung eines Betriebes der Inhaber im Besitze einer ordnungsgemäßen Zulassung sein muß, die den Nachweis der abgelegten und bestandenen Meisterprüfung oder der sich mit Erfolg unterzogenen Sachkundeprüfung erbringt. Der Herr Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft hat in seinem an die Herren Regierungspräsidenten in Hessen gerichteten Erlaß vom 3. 1. 1950 eindeutig festgelegt, daß zulassungspflichtige Unternehmen, und hierunter fallen im handwerklichen Sektor Hoch- und Tiefbau (Maurer, Zimmerer, Dachdecker, Schornsteinbauer, Brunnenbauer) Elektroinstallateure, Gas- und Wasserinstallateure, Heizungs- und Entlüftungs-Installateure, Installateure für sanitäre Anlagen, Augenoptiker, Orthopädiemechaniker, Bandagisten, Orthopädieschuhmacher, Schornsteinfeger, Wäscher, Färber und Chemiereiniger, nicht ohne gewerbliche Zulassungen „beginnen dürfen“.

Diese Anordnung hat sich leider nicht jede örtliche Bürgermeisterei zu eigen gemacht, da sie zumeist die Auffassung vertreten, daß eine Anmeldung des Unternehmens gemäß § 14 der Gewerbeordnung vollauf genüge. So selten die Beachtung der ministeriellen Verfügung wahrgenommen wird, so häufig muß die Feststellung getroffen werden, daß gerade innerhalb der zulassungspflichtigen Berufe die Schwarzarbeit überhand nimmt. Hierdurch entstehen in erheblichem Umfange schädigende Auswirkungen auf dem Gebiete der Sozialversicherung, der Wirtschaft und der Arbeitsmarktlage. Es ist immer noch nicht genügend bekannt, daß nicht nur der Ausführer von Schwarzarbeit sich wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen des Strafgesetzbuches, der Gewerbeordnung, der Steuergesetzgebung, der Unfallverhütungsvorschriften und des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, strafbar macht, sondern daß sich auch der, der eine Schwarzarbeit vergibt, einer Bestrafung aussetzt. Als Schwarzarbeit gilt nicht nur die verschwiegene Arbeitnehmertätigkeit Arbeitsloser, sondern die häufig festgestellte unerlaubte Nebenbeschäftigung von Arbeitnehmern, die in einem regulären Arbeitsverhältnis stehen und die ihren arbeitslosen Kollegen die geringen Möglichkeiten zur Beschaffung eines ständigen Arbeitsplatzes nehmen. In letzter Zeit haben verschiedentlich Besprechungen zwischen den maßgebenden Stellen stattgefunden, die Maßnahmen zur positiven Unterbindung von Schwarzarbeit zum Gegenstand hatten. Insbesondere war der beängstigende Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen die Sorge der verhandelnden Institutionen.

Schwarzarbeit hilft nicht im geringsten der allgemeinen Wirtschaft. Sie ist ein Krebsgeschwür innerhalb des Handwerks und kann unübersehbare Folgen für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung nach sich ziehen. hfl

Lustmord im Kleeacker

Polizei sucht Täter

Wer kannte die Ermordete?

Am Mittwoch gegen 16.30 wurde auf einem Kleeacker an der Autobahn bei Grüningen im Landkreis Gießen eine vollkommen entkleidete, unbekannte weibliche Leiche aufgefunden. Die Hände der Unbekannten waren mit einem Damenstrumpf auf dem Rücken gefesselt und im Mund der Leiche steckte ein Knebel. Am Körper stellte man zahlreiche Stichverletzungen fest. Nach Lage der Dinge handelt es sich um einen Lustmord. Von dem Täter fehlt bisher jegliche Spur. Die Polizei hat die gesamte Bevölkerung um Mitfahndung gebeten und bittet jeden, der irgendeine sachdienliche Mitteilung machen kann, sich an die nächste Polizeidienststelle zu wenden.

Die Ermordete ist etwa 26 bis 28 Jahre alt, 1,60 Meter groß und hat kastanienbraun gefärbtes Haar. Sie trug erbsengroße Perlenohrringe, eine silberne Halskette mit Kreuz, eine Damenarmbanduhr in brauner Ledereinfassung, einen auffallend großen Siegelring mit den eingravierten Buchstaben „M.8.“ und am rechten Ringfinger einen Ring mit Karneolstein. Auf der Leiche lagen verschiedene Kleidungsstücke. In einen braunen Wollpullover waren drei Löwen nach Art des hessischen Landeswappens eingestrickt.

ys.

Was soll aus unseren Kindern werden?

Die Arbeitsgruppen zur Vorbereitung des Evangelischen Kirchentages in Essen werden sich am Dienstag um 20 Uhr im Paulussaal treffen und dabei den Schlußbericht abfassen, der den Referenten zu dem Thema: „Was soll aus unseren Kindern werden“ zugeleitet wird. Auch zu dieser Besprechung sind Eltern, Lehrer und an den Jugend- und Fürsorgefragen interessierte Teilnehmer herzlich eingeladen.

Alexander Posch beigesetzt

Am Freitagvormittag versammelten sich im Krematorium auf dem Waldfriedhof die Angehörigen und Freunde des im 60. Lebensjahr plötzlich hingeschiedenen Kunstmalers Alexander Posch.

Pfarrer Widmann führte den zahlreich erschienenen Trauernden noch einmal das schaffensfrohe Leben des Verstorbenen vor Augen. Er habe viele Lebenskämpfe zu bestehen und schwere Schicksalsschläge auszuhalten gehabt, er sei ein Mensch gewesen, der wie alle echten Künstler, aus dem Inneren sein Erleben schöpfte. In den zutiefst empfundenen Worten des Pfarrers stand das Leben eines der künstlerischen Repräsentanten Darmstadts auf, der mit dazu beitrug, das kulturelle Gesicht der Stadt prägen zu helfen. Im Namen der Neuen Darmstädter Sezession legte ihr Präsident, Kurt Heyd, einen Kranz auf die letzte Ruhestätte des Verstorbenen. Bürgermeister Schröder würdigte in bewegten Worten die Verdienste Alexander Poschs um das Kunst- und Kulturleben Darmstadts. Anschließend legte er im Namen der Stadt und des Magistrats einen Kranz nieder. Feierliche Orgelklänge begleiteten das langsame Absinken des mit Blumen überdeckten Sarges, in dem einer der letzten bedeutendsten Darmstädter zur ewigen Ruhe ging, -st

KPD-Funktionäãre verhaftet

DT.-Eigenbericht. Gestern nachmittag sollen der stellvertretende Betriebsratvorsitzende Heinrich Benz und das Betriebsratmitglied Karl Weber von amerikanischer MP auf dem Gelände der Firma Merck in Darmstadt verhaftet worden sein. Als Grund wurde bekannt, daß die beiden Verhafteten, Angehörige der KPD, verbotene Plakate und Flugblätter in ihrem Besitz gehabt hätten. Die amerikanische MP-Station in Darmstadt konnte gestern abend über die Angelegenheit keine Auskunft geben. Auch der Polizeipräsident von Darmstadt war über diese Angelegenheit nicht informiert.

Zwei Menschen ohne Halt

Die eigene Tochter verkuppelt / Schwindler aus Trunksucht

Die Erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt beendete gestern unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor For c h den Kuppelei-Prozeß gegen die 39jährige Hausfrau Amalie H. aus Birkenau i. O. Wie wir bereits in einer früheren Ausgabe berichteten, hatte diese Frau, die in ärmlichen Verhältnissen und getrennt von ihrem Mann lebt, gewohnheitsmäßig jeder männlichen Person Tür und Tor geöffnet. Dabei scheute sie sich nicht, ihre eigene, erst 14jährige Tochter zu verkuppeln- und drückte beide Augen zu, wenn diese laufend Männerbesuch erhielt. Auch andere „illegale“ Pärchen fanden in ihrer Wohnung eine Uebernachtungsmöglichkeit. Die Strafkammer sah von einer in solch schwerwiegenden Fällen an sich verwirkten Zuchthausstrafe noch einmal ab. da die Beschuldigte von einem medizinischen Sachverständigen als vermindert zurechnungsfähig bezeichnet wurde. Wegen schwerer und einfacher Kuppelei verhängte das Gericht ein Jahr und einen Monat Gefängnis und ordnete die Unterbringung der Angeklagten in eine Heil- und Pflegeanstalt an. Der Vorsitzende betonte, die Verhandlung habe deutlich gezeigt, daß diese Frau sich ihrer groben Entgleisung gegenüber ihrer Tochter überhaupt nicht bewußt sei. Aus diesem Grunde müßten sich die Aerzte in der Anstalt einmal näher mit ihr befassen, zumal keinerlei Aussicht bestehe, daß die Angeklagte in ihrem Milieu zu Hause auf eigenen Füßen Stehen könne. Viel höher als die strafrechtlichen Gesichtspunkte wiege das moralische Unrecht dieser Mutter, die ihre Tochter nicht vor den Gefahren des Lebens gewannt oder bewahrt, sondern zu einem Dirnendasein getrieben habe. Ihr schlechtes Beispiel habe die schlimmsten Auswirkungen auf die 14jährige, die glücklicherweise heute in einem Caritasheim in guten Händen sei, gehabt. Der Verteidiger, der die menschlich warme Verhandlungsführung des Vorsitzenden lobte, veranlaßte seine Mandantin, das Urteil sofort anzunehmen.

Aehnlich erging es einem Angeklagten vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt. Der 41jährige Angestellte Ludwig G. aus Trautheim hatte durch seine Trunksucht völlig den Halt verloren und war dadurch auf die schiefe Bahn geraten. So ließ er sich, ein keineswegs kriminell veranlagter Mann, zu zahlreichen Zechprellereien, Betrügereien und Unterschlagungen hinreißen. Immer versuchte er sich Geld zu verschaffen, um den Alkohol in vollen Zügen genießen zu können. Lange Zeit war er als Vertreter einer hiesigen Textilfirma tätig gewesen. Dabei steckte er den für die verkauften Stoffe eingenommenen Erlös in die eigene Tasche und ließ nicht weniger als 3500 DM in Form von Alkohol durch seine Gurgel fließen. Nebenher betrog er einen Rechtsanwalt um Geld und erlitt bei einem zweiten Versuch Schiffbruch. Unter Einbeziehung einer früheren Strafe erkannte das Gericht gegen ihn wegen Untreue, Unterschlagung und Betrug auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und ordnete die Unterbringung des Angeklagten in eine Trinkerheilanstalt an. „Dies ist der Ort, wo sie hingehören“, sagte der Vorsitzende, Amtgerichtsrat Dr. Wenck. G. beklagte sich darüber, daß er in Goddelau in der Nähe von Geisteskranken untergebracht sei, was ihn schwer belaste. Er bat, in eine andere Anstalt eingewiesen zu werden vs.

In überraschenden Aktionen gegen das Dirnenunwesen wurden im Juli 1950, einschließlich der Personen ohne Ausweispapiere, 61 Personen, meist weibliche, aufgegriffen. Die Zahl der kriminalpolizellichen Amtshandlungen für auswärtige Staatsanwaltschaften und Gerichte beläuft sich in der gleichen Zeit auf 335. -st

Bereitschaftsdienst am Sonntag

Apotheken, Sonntags- und Nachtdienst: (v. Sa. 5. 8. 13.00 Uhr bis Sa 12. 8. 8.00 Uhr) Darmstadt: Apotheke am Justizpalast, Bismarckstraße 17; Bessunger-Apotheke, Hermannstraße 4 Gutenberg-Apotheke, Kittlerstraße 34;

Darmstadt-Eberstadt: Apotheke Dst.- Eberstadt, Oberstraße 10.

Darmstadt - Arheilgen: Goethe - Apotheke, Darmstädter Straße 65.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (v. 10.00 bis 12.00 Uhr) 6. 8. Zahnarzt Dr. Floeth, Darmstadt, Dieburger Straße 32.

Sonntagsdienst der Dentisten: (v. 10.00 bis 12.00 Uhr) 6. 8. Dentist Karl-Heinz Reubold, Dst.-Arheilgen, Weiterstädter Straße 104.

Wohin gehen wir heute ?

Lichtspieltheater: s. Anzeigenteil. Amerikahaus: „fotoform“ und „Moderne Skulptur in Amerika“. Mathildenhöhe: Ausstellung: „Das Menschenbild in unserer Zeit“.

Stadthalle: 20.15 Uhr, Gastspiel von Siegfried Breuer und Elfe Gerhart in der Komödie „Die kleine Hütte“.

Deutsche Jungdemokraten: 17.00 Uhr, Büchersaal, Vortrag von Bruno Kalusche: „Korea und wir“.

TSG 46: Sommernachtsfest auf dem Sportplatzgelände Woogswiese fällt wegen der schlechten Witterung aus.

...und morgen?

Lichtspieltheater: s. Anzeigenteil. Amerikahaus: wie Samstag. Mathildenhöhe: wie Samstag. Stadthalle: wie Samstag. TSG 46: Sommernachtsfest auf dem Sportplatzgelände Woogswiese.

Wir gratulieren

81. Geburtstag: Herrn Thomas Dorsch, Darmstadt, Arheilger Straße 52 (5. 8.).

81. Geburtstag: Frau Anna Margarete Bethendörfer geb. Siefert, Habitzheim, Langgasse 184 (5. 8.)

Das D.T. Märhenschiff


Zu Euch, Ihr lieben Kinder, klein und groß, segelt heute zum ersten Male unser DT.-Märchenschiff, und fortan könnt ihr es an jedem Samstag erwarten. Bunte Fracht hat es geladen, Euch zur Sonntagsfreude. Viele Märchen und Bilder, Verse und Geschichten, Rätsel und auch einmal ein Preisausschreiben wird es Euch im Lauf der Zeit zutragen. Schaut nur, wie der Wind die Segel füllt — welch flotte Fahrt es macht! Eile hat es, Euch heute das Märchen von der „Prinzessin mit den goldenen Augen“ zu bringen. Wer’s noch nicht selber lesen kann, dem liest es vielleicht die Mutter oder die God oder die große Schwester vor, und die Bilder von der Prinzessin kann ja ein jedes selbst besehen. Ihr Größeren könnt auch an das DT.-Märchenschiff schreiben, seine Kommandostelle hat es in der Rheinstraße 23. Und wem ein lustiger Reim oder eine kleine Geschichte eingefalllen ist, legt sie bei. Vielleicht kann das Märchenschiff sie mitnehmen auf seiner Fahrt zu nahen und fernen Ufern. Was meint Ihr wohl, wie sich dann die Zwerge freuen, die Ihr da oben winken seht! Und nun laßt es bei Euch landen, Euer DT.-Märchenschiff.
Zu Euch, Ihr lieben Kinder, klein und groß, segelt heute zum ersten Male unser DT.-Märchenschiff, und fortan könnt ihr es an jedem Samstag erwarten. Bunte Fracht hat es geladen, Euch zur Sonntagsfreude. Viele Märchen und Bilder, Verse und Geschichten, Rätsel und auch einmal ein Preisausschreiben wird es Euch im Lauf der Zeit zutragen. Schaut nur, wie der Wind die Segel füllt — welch flotte Fahrt es macht! Eile hat es, Euch heute das Märchen von der „Prinzessin mit den goldenen Augen“ zu bringen. Wer’s noch nicht selber lesen kann, dem liest es vielleicht die Mutter oder die God oder die große Schwester vor, und die Bilder von der Prinzessin kann ja ein jedes selbst besehen. Ihr Größeren könnt auch an das DT.-Märchenschiff schreiben, seine Kommandostelle hat es in der Rheinstraße 23. Und wem ein lustiger Reim oder eine kleine Geschichte eingefalllen ist, legt sie bei. Vielleicht kann das Märchenschiff sie mitnehmen auf seiner Fahrt zu nahen und fernen Ufern. Was meint Ihr wohl, wie sich dann die Zwerge freuen, die Ihr da oben winken seht! Und nun laßt es bei Euch landen, Euer DT.-Märchenschiff.

Die Prinzessin mit den goldenen Augen

rs war einmal eine winzig kleine Prin-

c zessin, so fein und zart wie die Kelchblätter der weißen Mohnblüte, in der sie wohnte. Ihr Haar war dunkel wie die Staubgefäße, aber ihre Augen waren wie zwei goldene Lichter. Damit schaute die Prinzessin vergnügt in den grünen Garten, denn sie war sehr glücklich in ihrem Mohnblütenschloß. Mit Schmetterlingen und Bienen, Libellen und Nachtfaltern war sie gut Freund, so daß sie bei Sonnenschein und Mondesglanz Besuch hatte und sich niemals zu langweilen brauchte.

Eines Tages zögen finstere Wolken am blauen Sommerhimmel herauf. Sturm ergriff die Bäume und duckte Halm und Blüte zur Erde. Auch vor der weißen Mohnblüte machte er nicht halt, und von seinem Ungestüm stürzte die Prinzessin heraus zwischen Blättern hindurch zu Boden. Dort war sie nun freilich geschützt vor dem Regen, der alsbald herabströmte. Aber als Wind und Wolken vorübergezogen waren, stand sie in der Wirrnis der Stengel und wußte nicht, auf welchem ihr Schloß gelegen war und wie sie dorthin zurückgelangen sollte. Suchend eilte sie hin und her und setzte sich endlich müde unter ein Löwenzahnblatt nieder.

Des Weges kam eine Spinne, die auf langen, gewinkelten Beinen ihren schwarzen Körper trug und ihre listigen Augen geschwind rundum spähen ließ.

„Guten Tag, schönes Jüngferlein“, grüßte sie, „wo fehlt’s?“

„Ach“, antwortete die Prinzessin, „ich bin einer weißen Mohnblüte zu Hause, aber der Sturm hat mich herausgestürzt, und ich finde sie nicht mehr.“

„So, so“, erwiderte die Spinne, „da bist du gewiß die Prinzessin mit den goldenen Augen, von deren Schönheit im ganzen Garten und weit darüber hinaus erzählt wird“, und sie kam näher, um die Prinzessin recht zu betrachten. „Nun, so viel Schönheit ist gar nicht daran“, fuhr sie fort, „Aber du kannst mit mir gehen und bei mir bleiben, bis ich dein Mohnblütenschloß ausfindig gemacht habe“.

Der Prinzessin grauste es vor der schwarzen Spinne. Sie schüttelte den Kopf.

„Vielen Dank für die Einladung, Frau Spinne. Ich möchte nicht weiter fortgehen von hier und lieber warten, bis sich anderer Rat findet.“

„O schnick schnack“, sagte die Spinne böse. „Was weiß eine solche Mohnblütenprinzessin von der Welt und was einem alles passieren kann, wenn man nur am Wege sitzt und wartet. Wenn du mir nicht folgen willst, nehme ich dich ohne deinen Willen mit mir“, und sie packte die arme Prinzessin und schleppte sie weit fort, unter dem Gartenzaune hinaus zu dem Gesträuch, bei dem sie wohnte.

Die Prinzessin weinte viele Tränen aus ihren goldenen Augen. Aber niemand sah es, denn sie hielt ihr Tüchlein davor, und hören konnte es auch niemand, denn Prinzessinnen weinen ganz still und heimlich und machen kein Geschrei damit.

Bei dem Gesträuch angekommen, setzte die Spinne sie auf einen dürren Zweig und sagte:

„Wie ich sehe, haben Wind und Regen mein Netz zerrissen. Ich werde zwei neue spinnen. Wenn du anstellig bist und zur Hilfe geschickt, sollst du es gut haben.“ Sie wies ihr das Weben und Knüpfen, aber wie sehr sich die Prinzessin auch mühte, sie konnte es der Spinne nicht recht machen.

„Laß nur die Hände davon“, sagte diese endlich, „dazu bist du nicht zu gebrauchen, ich schaffe es besser allein“, und sie eilte geschäftig hin und her, spann und knüpfte, bis zwei hellgraue Netze fertig waren.

„Nun gibt es doppelte Beute“, sprach sie darauf zur Prinzessin, „denn ich werde das eine Netz in a‘cht nehmen und du das ändere. Ich werde dir zeigen, was du dabei zu tun hast. Sieh, so!“ rief sie plötzlich und hastete über ihren Laufsteg zu einer bunt schillernden Fliege, die sich gefangen hatte und aus Leibeskräften zappelte und summte. Aber die Spinne hatte sie bald gefesselt, trug sie aus dem Netz heraus, hing sie an einem Fadenende unter den Strauch und spann eilig das Loch wieder zu, das die Beute ins Gespinst gerissen hatte.

Die Prinzessin schauderte. Aber als die Spinne zu ihrem anderen Netz gelaufen war, dachte sie: „O, es ist gut, daß ich hier bin, keins soll mehr der Spinne zur Beute werden!“

Aufmerksam schaute sie umher und sprang rufend und winkend von einer Seite zur anderen, daß die Geflügelten alle die Gefahr rechtzeitig erkannten und einen anderen Weg nahmen.

Nur eine feine, durchsichtige Mücke gab auf das Warnen nicht acht. Selig taumelte sie im Sonnenlicht, und schon war es geschehen! Mitten im Fangnetz

hing sie, und alles Sirren und Zappeln half ihr nichts, immer enger legten sich ihr die klebrigen Fäden um den Leib. Vorsichtig, um sich selbst nicht zu verfangen, kletterte die Prinzessin in ihre Nähe.

„Halte dich still“, flüsterte sie, „dann kann ich dich befreien“, und sie begann, die Fesseln abzustreifen.

„Wie kommst du an das Spinnennetz, Prinzessin mit den goldenen Augen? Dein weißes Mohnblütenschloß liegt verlassen, und der ganze Garten trauert um dich. Willst du nicht heimkehren?“

„Wie gerne wollte ich das?“, seufzte die Prinzessin, „aber wie sollte ich den Weg finden? Die Spinne hat mich fortgeschleppt“, und sie erzählte, wie sich alles zugetragen hatte, während sie ihr Werk vollendete. Die Mücke putzte ihre Flügel blank und saß noch eine Weile bei d,er Prinzessin. „Ich will Hilfe schaffen“, versprach sie, ehe sie davonflog.

Nicht lange, so kam die Spinne herbei, erblickte das Loch im Netz und fragte freundlich, wohin die Prinzessin wohl die Beute gebracht habe.

Aber die Prinzessin sprach, und ihre goldenen Augen glänzten dabei: „Die Mücke, die sich dort gefangen hatte, habe ich befreit.“

„Wie? Befreit?“ rief die Spinne erbost. „Hat man das schon einmal gehört? Aber warte, das sollst du mir künftig unterlassen!“

Zornig lief sie um die Prinzessin herum, und ehe diese begriff, was vorging, hatte die Spinne sie in ein graues Gewand eingesponnen, daß sie sich nicht mehr regen konnte. Dann trug sie sie unter den Busch an die Erde. Unter trockenen Blättern mußte sie sich niedersetzen und ward mit Spinnenfesseln an einen trockenen Ast gebunden.

„Da sitze nun“, rief die Spinne, „und überlege dir, ob du mir nicht lieber helfen willst. Morgen werde ich dich wieder danach fragen!“

Noch ehe sie ihre Netze wieder erreicht hatte, aber hörte sie Gesumm und Gebrumm von vielen Käfern und Mücken, Faltern und Fliegen. Ein ganzer Schwarm war gekommen und stürzte sich in die Netze. Ihren vereinten Kräften konnten die Fäden nicht widerstehen. Zerrissen flatterten sie ungefährlich im Winde. „Wo ist die Prinzessin, die Prinzessin mit den goldenen Augen, die Prinzessin aus dem Mohnblütenschlosse?“ sirrten die feinen Stimmen. Da lachte die Spinne schadenfroh und dachte bei sich: „Die habe ich gut verwahrt, niemals wird sie Schloß und. Garten wiedersehen. Morgen aber werde ich die Netze neu spinnen, und die Prinzessin wird euch nicht mehr davor warnen!“

Traurig flogen die Geflügelten heimwärts. „Die Netze der Spinne haben wir zerstört, doch nirgends sahen wir die goldenen Augen unserer Prinzessin glänzen“, erzählten sie, und nach der frohen Hoffnung erfüllte tiefe Trauer wieder den ganzen Garten.

Der Abend kam und die Nacht. Die Prinzessin saß mit geschlossenen Augen in ihrem Gefängnis und dachte an das weiße Mohnblütenschloß, wo es so licht und kurzweilig gewesen war. Mit einem Male hörte sie es ganz in ihrer Nähe knistern, als sollte eine harte Hülle durchbrochen werden. Erschrocken blickte sie sich um und gewahrte ein längliches, schwarzgraues Etwas, das von innen her bewegt zu werden schien. Nicht lange, so brach es an einem Ende auf. Zwei schmale Fühler streckten sich heraus, und bald kam ein schwarz glänzender Schmetterlingskopf zum Vorschein. Die Prinzessin sah staunend mit ihren goldenen Augen zu, und auf einmal sprach der Schmetterling:

„Guten Morgen, ihr zwei Glühwürmchen! Schönen Dank, daß ihr mir zu meiner Arbeit leuchtet! Döch nun wird es Tag, und ihr könnt das Licht löschen.“

„Guten Morgen, Junker Schmetterling“, erwiderte die Prinzessin, „aber ihr irrt euch, hier ist nirgendwo ein Glühwürmchen.“

„Kein Glühwürmchen?“ fragte der Schmetterling und hob sich ein Stück höher aus der harten Puppenhülle, „und was sind das für zwei golden'e Lichter gerade dort in der Ecke, aus der du zu mir sprichst?“

„Ach“, erwiderte die Prinzessin und lachte, „das sind nur meine Augen.“

„Deine Augen, goldene Augen?“ sprach der Schmetterling und streifte die Hülle wieder ein Stück weiter zurück. „So seid Ihr gewiß eine Prinzessin, denn nur Prinzessinnen können goldene Augen haben.“

' „Ja“, antwortete sie, „ich bin wirklich eine Prinzessin“ und erzählte, wie sie dahingekommen war.

Unterdessen wurde es hell. Ein Sonnenstrahl fand den Weg bis unter die trockenen Blätter, und der junge Schmetterling, der nun ganz der Hülle entstiegen war, sah die Prinzessin mit den goldenen Augen grau eingesponnen in der Ecke sitzen.

„Die Spinne ist auch meine schlimme Feindin“, sprach er, „und ich muß eilen, in die warme Sonne hinaufzukommen, damit sie meine Flügel glättet und stark macht. Ist das geschehen, kann mich die Spinne nicht mehr binden. Aber Euch, Prinzessin mit den goldenen Augen, will ich zuerst das graue Gespinst lösen.“

Mit scharfen Beißzangen zerbiß er die Fesseln und das Gewebe der Spinne; da kam die Prinzessin daraus hervor' und war so fein und lieblich, daß er sie bewundernd anschaute.

„Laß uns eilen“, sprach er dann. „Wenn die Spinne mich trifft, ehe meine Flügel erstarkt sind, kann sie mich leicht überwältigen, und wir sind beide verloren.“ Zusammen bahnten sie sich einen Weg durch die trockenen Blätter und dürren Zweige am Boden und stiegen an einem starken, hohen Halm in den Sonnenschein empor.

Der Falter dehnte und reckte sich. Er bewegte die bunten Flügel auf und nieder, und die Sonnenwärme glättete sie zusehends und machte sie fest und glänzend. Wachsam spähte indessen die Prinzessin umher, damit die Spinne sie nicht überrasche.

„Jetzt will ich einen Flug versuchen, Prinzessin mit den goldenen Augen“, sprach der Schmetterling, „doch sei ohne Sorge! Bald kehre ich zurück, und dann trage ich dich heim in dein Mohnblütenschloß“; noch ein wenig unsicher erhob er sich in die blaue Luft und war bald verschwunden.

„Hab ich dich wieder, du Ausreißerin!“ ertönte plötzlich die scheltende Stimme der Spinne, „nun will ich dich binden, daß du nimmermehr entkommst!“ Starr vor Schrecken sah die Prinzessin die Spinne den Halm heraufsteigen und näher, immer näher kommen. Hell auf schrie sie, und im gleichen Augenblick schatteten leichte Flügel neben ihr; der Schmetterling war an ihrer Seite. Kopfüber stieß er die Spinne vom Halme, daß ihr keine Zeit blieb, einen Faden zu spinnen, um sich langsam hörabzulassen. Die Prinzessin sah ihr-nicht nach. „Sie ist fort“, sagte sie nur aufatmend, „nun kann ich heim in mein Mohnblütenschloß.“

„Steig nur auf“, lud sie der Schmetterling ein, und als sie zwischen seinen Flügeln Platz genommen hatte, schwang er sich mit ihr empor.

Bald erkannte sie den grünen Garten und wies dem Schmetterling den Weg zum Schloß mit den weißen Blütenwänden und dem dunklen Kelchgrund. Weit offen standen die Tore, sie zu empfangen, und bald wußte der ganze Garten, daß der schöne, junge Schmetterling die Prinzessin mit den goldenen Augen aus der Gefangenschaft bei der Spinne befreit und zurückgebracht hatte. Da sollte ein gar fröhliches Fest gefeiert werden, und der Schmetterling als der Mohnblütenprinzessin liebster Page trug die Einladungen aus. Ich glaube, Ihr hättet auch gern jeder eine bekommen, gell? M.







Probleme der Steuergesetzgebung

Der Verein katholischer Kaufleute und Beamter hielt am Donnerstag in der Gaststätte Knauf eine Versammlung ab. Ueber aktuelle Steuerfragen referierte Dipl.- Kfm. Schumacher. Veranlassung gab die bevorstehende Abgabefrist der Steuererklärungen für 1943 ab Währungsreform und 1949. über die trotz der inzwischen ergangenen Richtlinien in weitesten Kreisen noch große Unklarheiten bestehen. Von dem Referenten wurde als Grundlage einer gerechten Besteuerung eine korrekte Buchführung bezeichnet, die auch bei etwaigen Betriebsprüfungen absolute Beweiskraft habe. Die Rückkehr zur Steuerehrlichkeit müsse oberstes Ziel für jeden Steuerzahler sein.

In einer anschließenden Diskussion wurden Einzelfälle für die Veranlagung und die Erstellung der DM-Eröffnungsbilanz, Bewertungsfragen, Fragen der Lohnsteuergesetzgebung und der abzugsfähigen Sonderausgaben erörtert. Der Redner betonte, daß die DM-Eröffnungsbilanz, die mit den Steuererklärungen zusammen abzugeben sei, in Verbindung mit dem Lastenausgleich für die nächsten 23 Jahre von wesentlicher Bedeutung sein könnten. Die schwerwiegenden Entscheidungen und ihre Auswirkung auf die Zukunft sollten die Steuerpflichtigen veranlassen, sich nur des Rates der zugelassenen Steuerberater und Helfer in Steuersachen zu bedienen. deren Anschriften am schwarzen Brett des Finanzamtes zur Zeit angeschlagen seien. Nachdrücklichst warnte der Referent vor der Inanspruchnahme der Schwarzarbeiter in diesem Beruf. Er verwies dabei auf die erst kürzlich ergangene Bekanntmachung der Hessischen Finanzämter. die schwere Strafen für nicht zugelassene Berater und deren Klienten vorsieht. t-s.

Neue Straßenkreuzung

Vor wenigen Tagen begannen Bagger und Kran mit den Vorarbeiten zur neuen Straßenkreuzung von Heidelberger-, Heinrich- und Eschollbrücker Straße. Nach den Plänen von Oberbaudirektor Prof. Grund sollen Eschollbrücker Straße und Heinrichstraße in zügigem Bogen miteinander verbunden werden. Zu diesem Zweck war die Einbeziehung einiger Grundstücke — unter anderen des alten Oktroihäuschens — in die Straßenflucht notwendig. In schnell voranschreitender Arbeit wurden zuerst die Trümmer der wegfallenden Wohngrundstücke sortiert und je nach Verwendungsmöglichkeit abgefahren. Am ersten Tage der Arbeiten riß der Kran ein zwischen den Trümmern verstecktes stromführendes Kabel hoch. Dabei verschmorte eine hohe Stichflamme die Kontaktstellen. Glücklicherweise hatte während des Vorfalls kein Arbeiter den im Augenblick unter Strom stehenden Kran berührt, so daß die Heag anschließend nur einige technische Reparaturen durchzuführen hatte. DT

Autobahnkurve als Autofalle

Die vor einigen Wochen instand gesetzte Autobahnkurve bei Gräfenhausen verursachte in letzter Zeit mehrere Verkehrsunfälle bei Regennässe. In Richtung Frankfurt fahrende Kraftwagen und Lastzüge gerieten an dieser Stelle durch eine anscheinend mangelnde Griffigkeit der Straßendecke ins Schleudern und stürzten zumeist die 1,5 m hohe Böschung hinunter. So geriet am vergangenen Donnerstag ein Personenwagen bei Regen von der Straße und am Freitag rutschte ein auf der Fahrt nach Frankfurt befindlicher Lastzug die Böschung hinab. In beiden Fällen entstand beachtlicher Sachschaden. Wenige Tage zuvor hatten sich zwei Ausländer beim Ueberschlagen ihres Wagens in der gleichen Kurve verletzt. DT

„Sehr gut“ für Rottweiler

Bei der großen Rassehunde-Ausstellung am 30. Juli 1950 in Frankfurt a. M., bei der 30 Rottweiler gemeldet waren, konnte sich die Ortsgruppe Darmstadt mit folgenden, alle mit der Note sehr gut ausgezeichneten Hunden behaupten.

Altersklasse Hündinnen: Ella von der Fleinerhöhe, Besitzer: Ludwig Heeb, Darmstadt, Sandbergstraße 22.

Jugendklasse Rüden: Bruno v. d. Kraftsruhe, Besitzer: Otto Schnauber, Darmstadt-Arheilgen, Kleine Hundsgasse; Arko v. Haßlochberg, Besitzer: Georg Storck, Groß-Bieberau, Ernst-Ludwig-Straße 9.

Jugendklasse Hündinnen: Anka v. d. Kraftsruhe, Besitzer: Gg. Schmunk, Darmstadt, Mollerstraße 1; Blanka v. d. Kraftsruhe, Besitzer: Hans Luther, Darmstadt, Kranichsteiner Straße 11.

Abschlußprüfung

an der Stadt. Ingenieurschule Darmstadt

Am 2. und 3. August standen 25 Maschinenbauer und 20 Elektrotechniker vor dem Staatlichen Prüfungsausschuß unter dem Vorsitz des Herrn Regierungs- und Gewerbeschulrates Stein, um ihr Studium mit der Ingenieurprüfung abzuschließen. Es zeugt von dem hohen Stand der Ausbildung, daß alle Prüflinge ihr Ziel erreichten. Vier von ihnen erhielten das Prädikat „Mit Auszeichnung bestanden“, 15 das Prädikat „Gut bestanden“, 16 „Befriedigend bestanden“.

In der Stadt notiert

Im Berichtsmonat Juli 1950 ermittelten die Beamten des Polizeipräsidiums Darmstadt von 284 bekanntgewordenen oder bearbeiteten Verbrechen und Vergehen 155 Täter. 225 Fälle konnten aufgeklärt werden. Unter den ermittelten Tätern befanden sich 88 männliche und 55 weibliche erwachsene deutsche Angehörige, sowie zehn männliche und zwei weibliche Jugendliche. Das aus den einzelnen Straftaten wieder eingebrachte Gut hatte einen Wert von 3 256,— DM. Es setzt sich aus zwei Krafträdern, neun Fahrrädern, ein Elektromotor, Uhren, Kleider, Wäschestücken u. a. zusammen. -st

Zwei Fahrradmarder, Günter Sieger und Heinz Ulrich Ka s t e 1 a n aus Frankfurt konnten in diesen Tagen von der Kriminalpolizei festgenommen werden. Personen, die von den beiden Fahrräder gekauft haben, werden gebeten, sich umgehend bei der Kriminalabtcilung des Polizeipräsidiums Darmstadt zu melden, da sie sich sonst der Hehlerei schuldig machen und mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten.

Ein mit Langholz beladener Anhänger eines Lastkraftwagens löste sich gestern morgen gegen 7.55 Uhr auf der Rheinstraße in Höhe des Anwesens Nr. 26. Der Anhänger fuhr dabei auf einen parkenden Lieferwagen auf, der ganz erheblich beschädigt wurde. ys. Gegen einen Baum fuhr am Donnerstag um 23 Uhr ein Personenauto in der Nieder Ramstädter Straße. Der Fahrer wurde leicht verletzt, das Fahrzeug schwer zertrümmert. Am Nachmittag wurde an der Ecke Bismarck- und Casinostraße bei einem Zusammenprall mit einem Omnibus eine Radfahrerin leichtt verletzt, ys.

Einen Nasenbeinbruch beim Sport¬ training zog sich am Freitag der 19jährige Gerhard Kretzer in der Turnhalle der Volksschule Arheilgen zu. Er mußte in das Krankenhaus eingeliefert werden. DT

Ein Abschiedsfest zu Ehren der ab¬ gehenden Semester veranstalten die Studierenden der Städtischen Ingenieurschule am Samstag, den 5. August, im Saal der Gaststätte „Zum Schwanen“, Dst. -Arheilgen, für alle Besucher und Freunde der Schule. t-s

Italiener sprechen in letzter Zeit mehrfach in Privatwohnungen vor und bieten Stoffe zu billigen Preisen an. Die Polizei warbt die hiesige Bevölkerung, diese Ware zu kaufen, da sie von minderer Qualität ist.

Seine zweite Kreisausschußtagung veranstaltet der DGB-Kreisausschuß Darmstadt am Mittwoch, den 9. August, um 8.30 Uhr, im „Braustübl“, gegenüber dem Hauptbahnhof. Es spricht Herr Le u - nin g e r vom Landesbezirksvorstand Frankfurt a. M. Nach dem Bericht über das erste Halbjahr 1950 wird zum Preis- und Lohnproblem Stellung genommen. -s

75 Jahre TG 1875 Darmstadt

Während der Jubiläumswoche gibt die Gesangsabteilung der TG 1875 Darmstadt am Montag, 20 Uhr auf der Mathildenhöhe ein Chorkonzert. Die Leitung hat Chormeister Georg Späth. Der Eintritt ist frei.

Ein Leben im Dienste der bildenden Kunst

EUGEN BRACHT ZUM GEDÄCHTNIS

In diesem Jahre sind hundert Jahre verflossen, daß Eugen Bracht seine zweite Heimat in Darmstadt gefunden hat. Am 3. 6. 1842 erblickte er in Morges bei Lausanne das Licht der Welt. Die Eitern stammten aus Westfalen. Als der Junge acht Jahre alt war, zogen die Eltern im Jahre 1850 nach Darmstadt.

Von frühester Jugend an hat der Junge gezeichnet. Alles Erreichbare wurde kopiert, jede schulfreie Stunde gehörte dem Skizzenbuch. Die Türme der alten Stadtmauer waren gute Objekte, und aus Farbenpulver und Oel versuchte er sich Farben herzustellen, bis ihm der Vater auf Veranlassung des Hofmalers Fritsch richtige Tonfarben kommen ließ. Bei Fritsch durfte er nach dessen Studien und Radierungen Johann Anton Kleins zeichnen. Dazu kam noch landschaftlicher Unterricht bei Galerie-Inspektor Prof. Carl Seeger.

Eine kleine Reise mit dem Malgenossen und Jugendfreund Philipp Röth 1858 nach Heidelberg brachte den Sechzehnjährigen mit Professor Schirmer, dem Leiter der Landschaftsklasse der Karlsruher Kunstschule in Berührung. Diese Begegnung war für seinen Lebensweg ausschlaggebend. Schirmer fand Gefallen an seinen Arbeiten und half, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Der Vater wurde nach Heidelberg gerufen, wo dann zur unaussprechlichen Freude des Jungen sein Künstlertum beschlossen wurde.

1859 bezog er mit seinem Freund Röth die Karlsruher Kunstschule. Außer Schirmer war es C. F. Lessing, der Direktor, der einen großen Einfluß auf Bracht ausübte. In jener Zeit lernte er Hans Thoma kennen, mit.dem er Freundschaft fürs Leben schloß. In Düsseldorf, wo er bei Prof. Hans Gude malen wollte, aber wegen Ueberfüllung der Klasse nicht ankommen konnte, erlebte er eine Sturm- und Drangperiode. Seine damaligen Anschauungen und die Art seiner Auffassung ließen sich mit der Düsseldorfer nicht in Einklang bringen und es kamen Unruhe und Zweifel über ihn, die so stark waren, daß er als Zwanzigjähriger zu dem verzweifelten Entschluß kam, der Kunst zu entsagen. Zehn Jahre lang war er Kaufmann; von 1863—1870 hielt er sich in Vervies in Belgien auf, wo auch sein Vater einmal als verfolgter Bonner Burschenschaftler Aufnahme gefunden hatte. In dieser Zeit entstanden Oelbilder und Aquarelle. Eines dieser Bilder, eine romantische Landschaft mit Ruine von 1870, war ein Geschenk an die Braut, Marie Deuter, die Tochter eines Mannheimer Malers. 1872 finden wir ihn auf der Hochzeitsreise nach Italien. 1875 kehrte er endgültig zur Malerei zurück und erlebte dann mit Bildern aus der Lüneburger Heide einen unerhofften Erfolg.

Zweimal besuchte er den Orient. Im Kidrontal und am Roten Meer wurde 12 Wochen unermüdlich gearbeitet. In Bethlehem und auf der Sinaihalbinsel entstanden zahlreiche Studien und Hunderte von Zeichnungen. 1881 erschien auf der großen Baseler Ausstellung u. a. die „Mondnacht in der Wüste“ (im Besitz von Frau Julia Merck), „Der Abend am Toten Meer“ (Nationalgalerie) und die erste Fassung des „Sinai“, die Kaiser Wilhelm I. erwarb.

Dann führte ihn sein Weg nach Paris. 1882 trat er sein Lehramt als Akademieprofessor in Berlin an, wo er seinen Schülern ein unermüdlicher Lehrer und Berater war. Später folgte er einem Rufe nach Dresden, wo er bis 1920 wirkte und wo sich eine höchst erfolgreiche „ Bracht-Schule“ herausgebildet hatte. Als besonders reife Frucht seiner Studienfahrten ist das „Gestade der Vergessenheit“ anzusprechen, wovon eines für die Berliner Ausstellung und ein zweites für die Galerie der Vaterstadt Darmstadt bestimmt war.

Der 70. Geburtstag des Meisters wurde überall gefeiert. In Darmstadt wurde die große Eugen-Bracht-Ausstellung auf der Mathildenhöhe mit über 400 Werken veranstaltet. 1920 trat Eugen Bracht in den Ruhestand. Auf der Mathildenhöhe, im Hans-Christian-Haus, dem „Haus der Rosen“, das er erworben hatte, nahm er Wohnung. Von einer Studienreise nach Schwaben zurückgekehrt, wo er noch 40 Gemälde geschaffen hatte, die seine ungebrochene Kraft zeigen — man hatte schon im stillen für seinen 80. Geburtstag eine große Ausstellung vorbereitet —, überkam ihn eine Erkältungskrankheit, von der er sich nicht mehr erholte. Eugen Bracht starb am 16. November 1921. H. K.

Im Lande der Inkas

EIN ERLEBNISBERICHT AUS PERU

Dr. Paul Weiß-Reinshagcn verstand es, in seinem interessanten Vortrag über das Thema: „Als Einwanderer im Lande der Inkas“, den er in der amerikanischen Lesehalle in Heppenheim hielt, den Zuhörern einen Einblick in die Verhältnisse im heutigen Peru zu geben, die in so vielen Dingen ganz anders als in Europa sind. Der Redner war selbst lange Jahre in diesem Lande und schilderte das Leben zwischen den Indios, die. wenn man sie richtig zu nehmen weiß, die treusten und ehrlichsten Freunde des Europäers sein können. Auch heute noch habe der, der etwas könne und strebsam sei. in Peru Aussichten etwas zu erreichen. Mit viel Humor schilderte Dr. Weiß-Reinshagen sein erstes Frühstück in dem neuen Lande, an dem eine ganze Negerfamilie ungeladen teilgenommen habe. Er betonte die Großzügigkeit die für dieses Land bezeichnend sei. In Verbindung mit diesem Vortrag wurde ein Ton-Kulturfilm vorgeführt, der das heutige Peru zeigte. Eine Fortsetzung dieses Vortrags wurde in Aussicht gestellt. (HB)

Musikalische Vesper

Heute abend findet um 20 Uhr in der Pauluskirche eine musikalische Vesper statt. Der holländische Organist Maarten W. Kooy aus Haarlem wird Orgelwerke alter holländischer Meister spielen. Auf dem Programm stehen: Toccata et Capriccio . a-moll von Sw.eelinck, Präludium et Fuga von van der Kerckhoven, sechs Variationen über Psalm 116 von Noordt. Alle drei Meister können als Vorläufer der Bachzeit gelten.

Neue Filme in Darmstadt

PALAST. — „Die Wölfe von Kansas.“ Ein Film mit Männern, einer unangenehmen Frau, mit vielen Pferden und Colts — besonders letztere. Mit dem Ruf „Da sind sie!“ wird im ersten Filmmeter eine Rinderherde überfallen, die Cowboys kaltgemacht und damit einer üblen Bande Gelegenheit gegeben, während weiterer tausend Meter noch einige verunglückte Streiche in Szene zu setzen, bis sie bei einem großen Aufräumen der zornigen Mitbewohner der Stadt aus der „Paradies“-Kneipe und unter den Rasen gefegt wird.

Der Hauptdarsteller Hopalong Cassidy, von Willian Boyd gespielt, ist jedem Wildwestfilmbcsucher bekannt, ein Mann mit silbergrauem Haar, mit übermännlicher Männlichkeit und trotzdem fast echt wirkendem Elan. Der komische Typ wird von Andy Clyde verkörpert, als tolpatschiger California, auf den selbst ganz abgefeimte Banditen hereinfallen. Er hat in diesem Film übrigens eine merkwürdige Vorliebe für Druckmaschinen, eine stille Sympathie für das Zeitungswesen, vielleicht wegen der Kritiken, die über ihn veröffentlicht werden. Lucky Jenkins (ein Neffe von Bill Jenkins?) wird wieder einmal von Russell Hayden gespielt.. Im ganzen betrachtert ist es ein guter, echter Wildwestfilm, orthodox photographiert, ohne besondere Gags, ganz nach alter, bewährter Wildwest-Masche. Ein großer Mangel war die schlechte Synchronisation, die nicht in der Lage war, die im englischen Original witzigen Gesprächs-» stellen sinngemäß zu übersetzen. hfl

HANSA. — „Letzte Zuflucht“. Eine bittere Sache, wenn sich ein Mann zum erstenmal in seinem Leben unglücklich verliebt, nachdem er einen anderen ermordet und beraubt hatte. Da nützen die besten Grundsätze nichts mehr: Der Makel bleibt haften wie eine Fliege am Hönigtopf. Trotzdem scheint uns die ganze' Geschichte ein wenig an den Haaren herbeigezogfen. Gewiß, es ist rührend gemacht, manchmal sogar mit Spannung geladen, und die Fotografie kann sich auch sehen lassen. Etwas bleibt aber nach dem Verlassen des Theaters zurück, die Frage nämlich, ob man mit solch hervorragenden Schauspielern — wie sie uns in diesem Film vorgesteilt wurden — nicht etwas Besseres hätt drehen können.

UNION. — „In Fesseln von Shangri-La“. Asien, das ewig unruhige und ewig geheimnisvolle, ist Schauplatz der Handluhg. Mit letzter Not gelingt es einigen Europäern, aus dem von einer Revolution erschütterten Baskul mit einem Flugzeug zu fliehen. Statt in Schanghei aber landen sie in einem bisher unerforschten Gebiet Tibets. Und nun geschieht das Wunder: Mitten in Eis und Schnee tut sich ein Tal von märchenhafter Schönheit auf, Shangri-La, eine Insel des Friedens und der Ruhe.

Der nach einem Roman von James Hilton gedrehte Film besticht vor allem durch einzigartige Naturaufnahmen. Dazü kommt eine zwar unwahrscheinliche aber packende Handlung. Frank Capra, der Regisseur, hat seinen Schauspielern manche^ zugemutet, um seinem Film den Stempel des Außergewöhnlichen zu geben, was allerdings nicht, immer gelungen ist. Ronald. Colman, Jane Wyatt, John Howard und die anderen Darsteller traten mit ihrern Spiel oft hinter einem anderen Mitwirkenden zurück: dem mächtigen Zauber der majestätischen Bergwelt Tibets. hn

dt Für die innige Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben || Entschlafenen, Frau Dora Vetter geb. Höbel sprechen wir unseren herzlichsten Dank aus. Besonderen Dank ■ Herrn Pfarrer Knodt für die trostreichen Worte bei der Ein- S H äscherung. . ® Für die Hinterbliebenen: ■ Hermann Vetter, Obersteuerinspektor w Darmstadt (Lindenhofstraße 15), den 2. August 1950

Am 3. August 1950 verschied plötzlich und unerwartet nach einem arbeitsreichen Leben mein lieber Mann, mein guter B Vater, Bruder, Schwager und Onkel Valentin Bender Malermeister im 60. Lebensjahr. In tiefer Trauer: Katharine Bender geb. Lerch Philipp Bender und alle Angehörigen B Darmstadt (Gutenbergstraße 3), den 4. August 1950 ■ Die Beerdigung findet am Montag, dem 7. August 1950, 10.15 Uhr, auf dem ■ K Waldfriedhof statt.

Danksagung Für die überaus herzliche Anteilnahme sowie die herrlichen Kranz- und Blumenspenden anläßlich des Heimganges meines lieben Gatten, guten Vaters, Schwiegervaters, Bruders, Schwagers und Onkels, Herrn Heinrich Duttweiler sagen wir unseren herzlichsten Dank. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Jaeschke sowie Herm Dr. Strahringer und allen Arbeitskollegen der Heag für ihre trostreichen Worte. 9 In. tiefer Trauer: Antonie Duttweiler geb. Blüm . Franz Löffel u. Frau Anneliese geb. Duttweiler Darmstadt (Liebigstraße 36), den 5. August 1950

Bestattungen am Samstag, dem 5. August 1950 Alter Friedhof Beerdigungen: 9.45 Fornoff, Karl, Krarüchsteiner Straße 59, 55 Jahre Bescunger Friedhof 9.00 Weitzel, Adam, Taunusstraße 17, 77 Jahre Waldfriedhof 9.45 Brenneis, Katharina, Löfflerstraße 9, 53 Jahre 11.16 Bereiter, Katharina, Feldbergstraße 84, 65 Jahre Feuerbestattungen: 10.15 Engel geb. Schmitt, Dorothea, Kirchstr. 6'/s, 47 Jahre

GEBURTEN Die Geburt unseres dritten Kindes Cornelia Maria geben wir voll Freude bekannt^ Frau Else Thaer geb. Hofmann Albrecht G. Thaer Darmstadt, den 4. August 1950

K. KNAUFF, ELEKTROMEISTER Dieburger Sfrafje 50 telefon 3417

DT am Sonntag

WOCHENEND-BEILAGE DES DARMSTÄDTER TAGBLATTS

Das Heilige Jahr und die Luitfahrt

ÄAZohl kaum überzeugender hätte * ” bewiesen werden können, welche Rolle das Flugzeug im Reiseverkehr unserer Zeit spielt, als durch das Heilige Jahr 1950. Noch vor fünfundzwanzig Jahren hatten Eisenbahn und Schiff den Pilgerstrom zur Ewigen Stadt zu bewältigen.-Versunken ist die Zeit, in der die Pilger mühselig über oftmals noch verschneite Alpenpässe wandern mußten, wobei manche ihr Ziel nie erreichten. Der moderne Pilger besteigt, sofern er über einen gefüllten Geldbeutel verfügt, einfach irgendwo ein Flugzeug und reist in Höhen bis zu sechstausend Metern nach Rom. Der dortige Flugplatz wurde schon im vorigen Jahr im Hinblick auf das Heilige Jahr bedeutend ausgebaut, denn neben den regulären Flugverbindungen nach Italiens Hauptstadt, benutzen viele Pilger Charterflüge mit irgendeiner Luftverkehrsgesellschaft.

Welcher Unterschied zwischen einst eund jetzt! Vor hundert Jahren dauerte eine Romreise noch Wochen, ganz zu schweigen von dem ersten Heiligen Jahr (1300). Mit der viermotorigen DC-4 bewältigt der Pilger heute die Strecke Amsterdam—Rom in noch nicht vier Stunden, ohne jegliche Zwischenlandung. Vom bequemen Sessel (aus Schaumgummi) aus, genießt er die unter ihm weggleitende Landschaft: Die Kanäle Hollands, das silberne Band des Rheins umsäumt von qualmenden Schloten, Städten und Burgen. Dann türmt sich zur Linken der dunkle Schwarzwald auf, in der Ferne leuchten schon die schneebedeckten Alpen herüber. In 5000 Meter Höhe fliegt die Maschine ruhig über dem Häusermeer von Zürich hinweg, während die Stewardeß den Lunch serviert. Selbst im Sommer herrschen in dieser Höhe oftmals Minustemperaturen, der Passagier verspürt davon nichts, er ist in der Druckkabine von der Außenwelt abgeschnitten, die große Einsamkeit über dem Wolkenmeer will ihn überfallen. Aber vorne beim Funker pipsen die Kurzwellen, sie lenken das Flugzeug aus seiner unsichtbaren Bahn und bilden die Verbindung mit Mutter Erde.

Zwischen schneebedeckten Felsen schlängelt sich die Gotthardstraße entlang, das Kloster auf dem Paß wirkt wie ein winziges Bauklötzchen. Die Bernhardiner sind brotlos, sie finden keine Pilger mehr, die sie vom Schneetod erretten müssen. Blau leuchten die norditalienischen Seen herauf: Der Lago Maggiore, der Comer See und der Gardasee, die weißen Hochhäuser Mailands heben sich von der Umgebung ab und dann durchschneidet der Po die weite Ebene. Neue Berge: Der Apennin. Unsere Pilgerreise neigt sich dem Ende zu, die Maschine verliert an Höhe, die Erde nähert sich uns wieder. Und dann der große Augenblick, der Flug über Rom, einst und heute ein Mittelpunkt des Erdballs. Die Pilger (im Flugzeug) ■ haben ihr Ziel, das große Erlebnis Rom, erreicht. Morgen schon werden sie den weiten Petersplatz überschreiten, auf dem Weg zum Petersdom, wo sie den Heiligen Vater sehen sollen. Doch noch herrscht das Heute: „Bitte die Gurte anschnallen“, sagte die schmucke KLM-Stewardeß, die sie vom Amsterdamer Flughafen ab sorglich betreute, „wir landen in zehn Minuten.“

Unsere Bilder zeigen: Oben links: Ueber die schneebedeckten Berge des Berner Oberlandes geht es hinweg nach Italien. Darunter: In Oberitalien hält sich das Flugzeug meist über dem Wolkenmeer. — Oben rechts: Während sich das Flugzeug zur Landung senkt, erblicken die Pilger ihr Ziel: Den Petersdom und den Vatikan. — Darunter: Der Triumphbogen des Konstantins ist eines der von den Pilgern besonders gern besuchten Altertümer.— Unten rechts: Auch in das Collosseum, wo einst die großen Gladiatorenkämpfe stattfanden, gehen die Pilger g'rn. Selbst als Ruine wirkt der Bau noch großartig.



Sonnenbrillen: Schädlich oder nicht?

Sonnenbrillen begegnen uns auf jedem Schritt. Während man in den verflossenen Jahren sich häufig damit begnügen mußte, Ueberreste aus verflossenen Jahrzehnten mühsam reparieren zu lassen, kann man heute schönste Modelle in buntesten Farben, in exzentrischen Formen und in allen Preislagen bewundern und erstehen. Die dunklen Gläser haben mindestens einen Vorteil für sich: man kann dem Gegenüber nicht ohne weiteres ins Auge schauen. Inzwieweit freilich Sonnenbrillen vom medizinischen und optischen Standpunkt aus ihre Aufgabe erfüllen, ist eine sehr umstrittene Frage. Es gibt Augenärzte, iie versichern, daß die Augenbindehaut unter der Wirkung der dunklen Gläser direkt von den ultravioletten Strahlen der Sonne angegriffen werde, denen man das Polster der anderen Strahlen, der normalen Lichtstrahlen genommen habe. Aber diese Bedenken werden jedoch die Verehrer der Sonnenbrille nicht daran hindern, sich dieser mindestens amüsanten Kulisse zu entledigen und der Sonne „schutzlos“ ins Auge zu schauen.

Die Sonnenbrillen sind ziemlich jungen Datums. Früher begnügte man sich mit einem breitrandiger Hut und war vollkommen davon überzeugt, daß das Auge — in den Schatten versetzt — keinerlei Schaden nehmen könne. Grelle Strahlen, riesige weiße Flachen — weiß von Schnee oder gelbweiß von Sand — haben allerdings nicht erst in unserer Zeit die Augen und die Bindehäute der Menschen gereizt. Und nun kommen wir zum Kern der Sache, zu der wichtigen Frage, ob unsere Sonnenbrillen eigentlich „richtig“ sind. Die schon zitierten Bedenken der Augenärzte bestätigen die Befürchtungen, die jene hatten, die sich nicht zu dunklen Gläsern entschließen konnten. Aber horchen wir ein wenig auf der Welt herum, wie Menschen, die in stark besonnten Gegenden wohnen oder dort leben, wo lange Zeiten des Jahres hindurch riesige weiße Flächen sich ungünstig auf die Sehwerkzeuge des Menschen auswirken könnten, sich gegen die schädlichen Einwirkungen zu schützen verstanden.

Da gibt es erst einmal die berühmte Eskimo-Schneebrille, die von Alpinisten längst übernommen worden ist, und der auch die sogenannte Kläppchenbrille oder Jalousiebrille entspricht, die man heute häufig beobachten kann. Die Jalousiebrille ist eigentlich der letzte Schlager, der von der anderen Seite des Ozeans zu uns kommt, und stellt genau genommen doch nur eine Weiterentwicklung der Eskimo-Schutzbrille dar, die einfach aus Knochenscheiben besteht, die in der Form einer Brille geschliffen werden und einen ganz schmalen Sehschlitz für das Auge freigeben Da die einfallenden Strahlen — Sonnenstrahlen oder Strahlen der Schneefelder — in ihrer Zahl so durch den Schlitz begrenzt werden, kann eine Blendung und eine schädliche Einwirkung auf die Augen nicht erfolgen .

Noch einfacher macht es sich der Araber. Die meisten Wüstenbewohner — und auch die Wüstenbewohnerinnen — nehmen einfach dunkle Kohle, die sie mit etwas Fett verrieben haben, und bemalen sich die Augen, — also die Augendeckel, die Augenlider, so daß die Augen in einem schwarzen Kranz liegen. Es ist erwiesen, daß di :ser so einfache Sonnenschutz höchst wirksam ist. Wer weiß — wenn die Mode der bunten Sonnenbrillen vorüber ist, werden wir vielleicht bei uns eines Tages die auf die Haut gemalten Sonnenschutzbrillen erleben. Im Augenblick aber hält die Kläppchenbrille, die Jalousiebrille, die Spitze. Auch hier regiert die Königin Mode!

Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION

8. Fortsetzung

Und wenn dann unter den Männern, die in ehrlicher Verehrung und Liebe ihren Blick auf Margaret Rose geworfen haben, einer ist, der so energisch auf den Tisch klopft wie Philipp, Lilibet’s Gatte, es tut, wenn er bei Margaret Rose etwas durchsetzen wül, dann kann noch alles gut werden.

Man würde bald nicht mehr von Margaret Rose sprechen. Und nun jene, die aus einem schlechten Charakter heraus nicht vergessen wollen und können, würden sich daran erinnern, daß es einmal ein temperamentvolles, um nicht zu sagen — recht wildes Prinzeßchen gab, das gar zu gern tanzte und lachte und die anderen verliebt sein ließ und selbst bei aller Fröhlichkeit den Kopf gerade auf den schmalen Schultern behielt — ein Prinzeßchen, das Margaret Rose hieß.

„Wär’ es nur erst soweit!“ stöhnen die alten Lords und die noch älteren Ladies. „Sie hat so vieles an sich, was an Eduard VIII., den jetzigen Duke of Windsor, erinnert, daß einem angst und bange werden kann!“

Aber wer Margaret Rose ganz genau kennt, der weiß, daß diese Prinzessin, die Rebellin gegen die Tradition, der kleine Revolutionär im Buckhingham-Palast, letzten Endes doch die Herkunft nicht verleugnen kann und verleugnen wird, — auch wenn versteinerte Vertreter einer überalterten Tradition immer wieder mit dem Kopf schütteln und zischeln: „Shokking! Shocking!“

Und es ist so vieles „shocking“, also anstößig, an Margaret Rose. Aber gestehen wir es ehrlich — shocking nur für jene, die ihren Horizont aus Angst vor der großen Welt und dem wirklichen Leben zu eng geschraubt haben.

Schauen wir einmal an, was man Margaret Rose als shocking alles ankreidete auf der schwarzen Wandtafel, auf der Margaret Rose all’ die Anklagen eines Tages mit einem einzigen Wisch auslöschen wird, die Menschen gegen sie erhoben, die nicht wahrhaben wollten, daß auch in einer Prinzessin ein Wesen aus Fleisch und Blut lebt, das sich nach Sonne und Liebe und Freiheit sehnt.

Denn etwas anderes ist . doch nicht der Beweggrund all’ des Tuns, das manchen ein Dorn im Auge ist, und über das sie entrüstet den Stab brechen, indem sie flüstern: „Shocking!“

IV.

„Aber Margaret — shocking!“

Queen Mary ist entsetzt-Mode aus Paris mit Streifen

„Alles an ihr ist unmöglich! Alles ist shocking!“

„Sie ist ein tolles, aber wundervolles Geschöpf!“

„Wehe dem Mann, der eines Tages ihr Opfer wird!“

„Sie wird die fröhlichste und amüsanteste Ehefrau, die man sich denken kann!“

Das sind Aeußerungen, die man jeden Tag in England hinter der hohlen Wand in Gesellschaftskreisen über Margaret Rose vernehmen kann. Hörte man je einander so widersprechende Urteile über eine Frau?

Man wird solch wiedersprechende Urteile vernehmen, bis Margaret Rose eines Tages in den Ehehafen eingelaufen ist. Und solange wird sie auch Brandholz über der Glut häufen, die heimlich schwelt, und die von jenen unterhalten wird, die sich nun einmal nicht damit abfinden können, daß das Jahr 1950 auch in bezug auf Prinzessinnen andere Ansichten erfordert als das Jahr 1850. Dabei ist es doch im Grunde genommen nur so, daß Margaret Rose offen und ehrlich sich zu dem bekennt, was jeder mutige und selbstbewußte Mensch für sich verlangt und die mutigsten unter den Königen dieser Erde auch für sich selbst durchsetzen konnten.

Aber diese Shocking-Serie! Sie wird Stunde um Stunde länger. Da hat man wieder einmal festgestellt, daß Prinzessin Margaret erneut eine „Woche der späten Nächte“ hinter sich habe. Und sie sind genau — diese spitzen Zungen, sie sind sorgsam und haben schöne große Notizbücher und spitze Bleistifte und notieren jeden Namen und erfahren auch, wenn Margaret Rose zu einem ihrer Verehrer nicht etwa „Herzog“ oder „Earl“ oder einfach „Sir“ oder „Mister* sagt, sondern „Sonny!“ Und Sonny hat sie zuviel gesagt, und statt „M’am“ sagte mancher zu ihr „Honey“, was soviel wie Bienchen bedeuten könnte.

Das weiß man alles ganz genau. Genau so wie man die Pudersorten erörtert, die - shocking - Margaret Rose in einem Geschäft kauft, das eigentlich nur französische Produkte anbietet.

Und erst diese Nachtklubs! Da wurde doch erzählt, daß Margaret Rose versucht habe, in Erinnerung an ihren Urgroßvater Eduard VII. im „Klub der Vierhundert“ einen Cancan zu tanzen. Sie hatte nämlich am Vortag vernommen, daß Eduard VII., von dem wir schon sagten, daß er fröhlich lachen und sich des Daseins freuen konnte, diesen Tanz über alles liebte und mehr als einmal — natürlich nur um dieser Tanzes willen — nach Paris gereist sei. Aber das ist schon so lange her — daß man an dieser Tatsache, die Eduard VII. angeht, nichts mehr shocking findet. Doch Margaret Rose, eine lebende

Prinzessin, die Schwester der Kronprinzessin, eine Tochter des Königs, tanzt Cancan! Es soll Ladies gegeben haben, die in Ohnmacht fielen — oder wenigstens so taten —, als sie das vernahmen.

Auch über die Zusammerkünfte, die Margaret R_se mitunter in ihren eigenen Räumen veranstaltet, und bei denen amerikanische Schallplatten gespielt werden, erzählt man sich tolle Dinge. Margaret soll an einem Abend vierzehnmal hintereinander die Platte aufgelegt haben „Küß mich, Katy!“ Und außerdem trinke man bei diesen Zusammenkünften sehr viel Gin und — was die Damen angehe — 'Cherry. Nur Margaret Rose begnügte sich meist mit Zitronensaft, weil sie es nicht nötig habe, sich in Stimmung zu bringen, Sie sei schon immer in Stimmung — von Natur aus!

Niemand wird bestreiten können, daß solche Kleinigkeiten älteren Damen, falsch erzählt, Rufe des Entsetzens und einen shocking-Schrei nach dem anderen entlocken können.

Und was sich kürzlich zugetragen hat: sie sollte zu einer Eröffnung, bei der Margaret Rose sogar eine Rede halten mußte. Tausende von Menschen waren da. Tausende von Menschen lauschten ihr. Sie hielt auch eine Rede. Aber die Menschen schmunzelten und die anderen, die ganz Offiziellen, wurden todernst und sehr bleich.

„Mit dieser Margaret Rose weiß man nie, woran man ist. Natürlich werden ihr die Reden vorher zurechtgelcgt Es geht ja auch nicht um das, was sie sagt. Aber — wie sie es sagt —, das kann uns zur Verzweiflung bringen. TTnd doch kann man ihr nichts nachsagen “ Das ist die Auskunft, die ein hoher Staatsbeamter dem Innenministerium übermittelte.

(Schluß folgt.)


Prinzessin Margaret Rose mit dem Marquis of Blandford als Leiterin einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten einer Organisation, die heimatlosen Kindern Adoptiveltern vermittelt.
Prinzessin Margaret Rose mit dem Marquis of Blandford als Leiterin einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten einer Organisation, die heimatlosen Kindern Adoptiveltern vermittelt.

Starkenburg

Dieburg stellt Schulspeisung ein

Gemeinderat nahm neue Straßenbenennung vor

Für einen weiten Kreis der Dieburger Bevölkerung war der Punkt „Einstellung der Schulspeisung“ auf der am Donnerstag erstmals im Festsaal des Fechenbachschen Schlosses abgehaltenen Gemeideratssitzung wohl am bedeutsamsten. Die Anregung dazu ging von der Stadtverwaltung aus, für die Bürgermeister Steinmetz in der Begründung anführte, daß die Zahl der an der Schulspeisung beteiligten Schüler der Volksschule und des Realgymnasiums seit Januar auf nahezu ein Fünftel zurückgegangen sei. Damals hätten noch 1086 Schüler an der Schulspeisung teilgenommen, jetzt aber seien es nurmehr 270. Der 'Beitrag von 10 Pfennig je Tag und ausgegebener Portion habe seither einen kleinen finanziellen Ueberschuß gebracht, der über den Kreis den Gemeinden zugute gekommen wäre, die mit den ihnen zufließenden Mitteln aus der Schulspei* suhg nicht ausgekommen seien. Nach dem starken Abfall der Verbrauchsziffer aber und den gleichhoch gebliebenen Unkosten für die Küchenhilfen, Miete des Lagerraums, Beleuchtung und Heizung sei nunmehr ein monatlicher Zuschuß von etwa 450 D-Mark seitens der Stadt notwendig. Zu dieser Frage wurde aus den Reihen der Stadtverordneten erläuternd dargetan, daß die Schüler selbst nach den zuletzt gemachten Beobachtungen auf die Schulspeisung kaum mehr Wert legten, es sei denn es handele sich um die Ausgabe von Schokolade. Außerdem habe die Qualität der Schulspeisung merklich nachgelassen. Der Gemeinderat kann!» sich diesen Argumenten nicht verschließen und sprach sich deshalb für die Einstellung der Schulspeisung aus. Um aber sozial schlechtgestellten Kindern trotzdem eine Ernährungshilfe zukommen lassen zu können, soll gegebenenfalls nach eingehenden Erhebungen eine andere Möglichkeit gefunden werden.

Zum Beschluß einer grundsätzlichen Klärung über die Versorgung der Geschäftswelt und der Handwerkerschaft für Lichtreklame bzw. Motorenantrieb mit Wechselstrom führte ein Antrag des Radio-Ingenieurs Haas auf Genehmigung zur Anlage einer derartigen Leitung vom Städtischen Elektrizitätswerk durch das Gelände des Fechenbachschen Schlosses bis zu seiner neueröffneten Werkstätte in der Zuckerstraße. Der Verlegung eines W-Strom-Kabels stehen — die Stadt Dieburg wird mit Ausnahme des südöstlichen Teils noch mit Gleichstrom versorgt — vor allem technische Schwierigkeiten entgegen. Bei W- Strom-Anschluß unter den derzeitigen Verhältnissen würde unter Umständen in einem und demselben Haus Gleich- und Wechselstromversorgung notwendig. Die Entscheidung über den Antrag wurde zurückgestellt; sie soll in erster''Linie abhängig gemacht werden von 'der Haltung der Geschäftswelt und der Handwerkerschaft. Zu diesem Zweck ist für die nächste Zeit das Referat eines einschlägigen Fachmannes vor den in Frage kommenden Interessenten ins Auge gefaßt.

„Staatsbauamt und Forstamt suchen wohl einen Prügelknaben — das Häuschen steht schon 30 Jahre und fünf Meter weiter fährt die Eisenbahn vorbei“, erklärte Rat Steinmetz zu diesem Ansinnen der Staatsbehörde, die Waldhütte am Semet wegen Brandgefahr abreißen zu lassen. Dieses Hüttchens erinnern sich die alten Dieburger noch aus ihrer Kindheit; da rauchte schon sein Schornstein. — kein Brand entstand bis jetzt. Die vielbefahrene Eisenbahnlinie Darmstadt-Aschaffenburg führt durch diesen Wald und man müßte sie der staatlich gewitterten Gefahr halber verlegen oder jeder Lok einen Funkenfänger aufsetzen, wie das mindestens von dem Hüttnemann bezüglich seines Schornsteins gefordert wird. Der Gemeinderat beschloß, „dem Staatsbauamt anheimzustellen, den Hüttenbesitzer zu veranlassen, einen Funkenfänger anzubringen“.

Ueber die Neubenennung dreier Straßen gab es keine lange Debatte, da man sich nach Vorschlag des Bürgermeisters auf geschichtliche Namen einigte. So wurde aus dem Weg von der Aschaffenburger Straße zum Bahnwärterhaus „Am Mohnfeldersee“. aus dem Weg zwischen Minnefelder Straße und dem Eisenbahndamm die „Rodgaustraße“ und in Erinnerung an uralte Zeiten aus dem verlängerten Steinweg zum Wolfgangshäuschen die „Alte Mainzer Landstraße“. — Der Grund und Boden, auf dem das Blutshäuschen ( Groß-Umstädter Straße), das St. Wendelinushäuschen (am Marienplatz) und das Wolfgangshäuschen (am Sportplatz) stehen, wird der katholischen Kirchengemeijide überschrieben. Einige Bürgschaftsgesuche wurden genehmigt. Das Wohnhaus- und Fabrikbaugesuch des Chemikers C. Pranz bedarf der Zustimmung des Staatlichen Hochbauamtes, da das Projekt außerhalb des Ortsbauplanes liegt. Die von dem Flüchtling Kucznierz zur Errichtung einer Seilerei erbetene Bürgschaft soll mit Unterstützung der Stadtverwaltung aus Mitteln der Aufbau- und Soforthilfe beschafft werden. Der Parität halber soll wegen käuflicher (an Stelle der angesuchten kostenlosen) Ueberlassung eines Bauplatzes für zwei Wohnhäuser an den Kreis verhandelt werden. Nach der Erledigung einiger minder bedeutsamer Punkte wurde die Sitzung geschlossen; eine nichtöffentliche Beratung schloß sich an. (RG)

Großfener im Sägemerk

Im Sägewerk der Gebrüder Kreuzer in Berkach bei Groß-Gerau brach gestern früh um 3.30 Uhr ein Großfeuer aus. Der Schaden wurde an Gebäuden auf 25 000 DM, an Maschinen und Holzvorräten auf über 50 000 DM geschätzt. Die Ermittlungen über die Brandursache sind noch im Gange. Vor etwa zwei Jahren hatte es schon einmal im gleichen Betrieb gebrannt. DT.

An der Kirchenkasse vergriffen?

Die Leitung der evangelischen Landeskirche in Hessen sah sich veranlaßt, den Vorsteher des Kirchspiels Beerfelden im Odenwald, zu dem 11 Gemeinden der Oberzent gehören, Oberpfarrer Heimann, mit sofortiger Wirkung zu beurlauben, da in der Pfarrkasse erhebliche Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, die ihm zur Last gelegt werden. Es handelt sich dabei nicht nur um Gelder aus dem normalen Kassenverkehr, sondern um Beträge, die für die Glockenspende des neuen Beerfeldener Geläutes gezeichnet wurden.

Die kommissarische Verwaltung des Kirchspiels und der Pfarrkasse wurden Pfarrer Neff übertragen. Für Sonntagabend 18 Uhr ist in Beerfelden eine außergewöhnliche Sitzung des Kirchen Vorstandes einberufen worden, wobei Probst Rau einen ausführlichen Bericht über Art und Umfang der Unregelmäßigkeiten erstatten wird. Die Landeskirchenleitung versichert den Gemeinden des Kirchspiels, daß alle erforderlichen Maßnahmen zur restlosen Aufklärung der Vorgänge ergriffen werden und über das Ergebnis genau Bericht erstattet wird. (-ch-)

Vom Fahrrad ins Krankenhauns

Ein 13jähriger Junge, der, ohne das Vorfahrtsrecht zu beachten, in Bensheim am gestrigen Tage die steile Hochstraße hinabfuhr, geriet mit seinem Fahrrad in einen aus der Darmstädter Straße in nördlicher Richtung fahrenden Lastkraftwagen. Er wurde mit einem Beinbruch und einer Gehirnerschütterung in das Krankenhaus eingeliefert. HB

Nur leichter Schaden

Am Donnerstagabend kam es gegen 19 Uhr am Reinheimer Bahnübergang zu einem Verkehrsunfall, als ein Personenwagen einen Motorradfahrer, der vörschriftsmäßig auf der rechten Straßenseite fuhr, rammte. Der Motorradfahrer stürzte und zog sich leichte Verletzungen zu. Am Rad entstand Sachschaden, der Personenwagen konnte seine Fahrt fortsetzen. (eb)

Ein vielgeplagter Mann

12 000 wollen was er nicht geben kann

Wer von den 123 627 Einwohnern des Kreises Groß-Gerau mit seinen Wohnverhältnissen unzufrieden ist und bei der Wohnungsbehörde seiner Gemeinde keine befriedigende Lösung findet, der steht gewiß eines Tages vor dem Schreibtisch von Karl Werner, dem Leiter des Kreiswohnungsamtes.

Da nun den Einwohnern des Kreises nur 72 464 Wohnungen zur Verfügung stehen, ist es einerseits verständlich, daß die Zahl der Unzufriedenen nicht gering ist; andererseits wird daraus klar, daß dieser Mann nicht ganz umsonst schon recht viele graue Haare auf seinem Kopf hat. Zwar haben im letzten halben Jahr, dank der regen Bautätigkeit, die Wohnräume im Kreisgebiet sich um 1014 vermehrt. Doch ist in demselben Zeitraum die Einwohnerzahl um 3705 gestiegen.

4345 Familien mit insgesamt 12 000 Köpfen suchen zur Zeit im Kreise Groß-Gerau eine entsprechende Wohnung. Hierunter befinden sich 153 Tuberkulosekranke, die auf Anraten der Lungenfürsorge dringend ein eigenes Zimmer benötigen. Fast ein jeder, der mit den Erklärungen von Herrn Werner nicht zufrieden ist, geht in die Sprechstunden des Landrats, der Landtagsabgeordneten oder des Bundestagsabgeordneten. Allein an dem Mieteinigungsamt des Amtsgerichts wurden im Jahre 1949 zirka 2000 Fälle vorgetragen.

Wenn es oft schon schwierig ist, Einweisungen vorzunehmen (schon manches Mal mußte die Polizei nachhelfen), so ist es häfig nicht viel einfacher, die Eingewiesenen aus einer überbelegten Gemeinde (wie zum Beispiel Astheim) wieder herauszubekommen. In vielen Fällen — und Herr Werner hält das für ein erfreuliches Anzeichen — haben sich dann die Flüchtlinge schon so gut eingelebt, daß sie ihren Wohnplatz nicht mit einem anderen vertauschen wollen.

Doch neben all den unerfreulichen Geschehnissen einer solchen Tätigkeit gibt es auch für den Leiter des Kreiswohnungsamtes hin und wieder mal einen erfreulichen Augenblick. So war beispielsweise einmal Herr Werner gezwungen, eine Flüchtlingsfrau mit zwei Kindern, die einen sehr guten Eindruck machte, mit Hilfe der Polizei in eine Wohnung einzuweisen. Da er nun die Notwendigkeit empfand, diese arme Frau in eine angenehmere Umgebung zu bringen, gelang es ihm nach einigen Wochen, eine andere Wohnung für sie zu finden. Als er nun hinging, um das mitzuteilen, sah er die anfänglich so widerspenstige Hausbesitzerin mit den beiden Flüchtlingskindern auf dem Hofe sitzen, sah, wie die Kleinen mit Butterbrot und Kaffee von ihr gefüttert wurden und hörte sie bitten, die Flüchtlingsfrau solle doch mit ihren Kindern bei ihr bleiben. Sie wäre ja so froh, daß sie so angenehme Menschen in ihrer Nähe hätte.

Und so etwas ist schließlich doch sehr erfreulich ... (cg)

Die FDP lehnt ab

Walldorfs Haushaltplan verabschiedet

Unter Vorsitz von Bürgermeister Jourdan fand in Walldorf eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Nach dem Bericht des Bürgermeisters über das verflossene und kommende Haushaltsjahr nahmen die Fraktionen zu dem vorgelegten Entwurf des neuen Haushaltsplanes Stellung. Die SPD wünschte, daß die vorgesehenen 6 000,— DM für den sozialen Wohnungsbau für die Anschaffung einer größeren Baracke verwendet werden sollen. In dieser Baracke ließen sich 8 bis 10 Zwei-Zimmer-Wohnungen einrichten, wodurch am schnellsten die vordringlichsten Fälle der noch in Walldorf herrschenden Wohnungsnot beseitigt werden könnten. Der Antrag wurde mit den Stimmen der SPD und einer Stimme der KPD gegen eine Stimme der CDU und bei Stimmenthaltung der FDP angenommen.

Nach Schluß der Beratungen gab die Fraktion der FDP bekannt, daß sie den Haushaltsplan ablehnen müsse, da ihre Forderungen auf Streichung der 12 000,— DM für Rückerstattung, sowie die Streichung der Stelle des Wohnungsamtes nicht berücksichtigt worden seien.

Der Haushaltsplan der in Einnahmen und Ausgaben mit 312128,61 DM abschließt, wurde sodann mit acht Stimmen der SPD gegen die Stimmen der FDP, CDU und KPD bei je einer Stimmenthaltung der CDU und KPD. angenommen. Eine Steuererhöhung ist für das kommende Rechnungsjahr nicht vorgesehen.

Der Wasserwirtschaftsplan der mit 148 500,— DM ausgeglichen ist, wurde mit 14 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen ebenfalls angenommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung übernahm der Gemeinderat eine Bürgschaft von 1 000,— DM Baudarlehen. Der Antrag auf Bürgschaftsübernahme der Notbaugemeinschaft Walldorf wurde vorläufig zurückgestellt. au.

Ein Jahr öffentliches Forum Schaafheim

Rückblick auf die bisher geleistete Arbeit

Am heutigen Tage blickt das Oeffentliche Forum ...Schaafheim auf eine einjährige Tätigkeit zurück. Bereits im Juni 1949 verdichtete sich bei zahlreichen Ortsbürgern der Wunsch, aktiver am Ortsgeschehen teilnehmen zu können, als es gemeinhin möglich ist. Der Vorschlag, dem Beispiel anderer Städte und Orte zu folgen und ein öffentliches Forum zu schaffen, wurde beifällig aufgenommen. Zwecks Klärung technischer und organisatorischer' Fragen wurde Fühlung mit der Militärregierung Dieburg genommen, um sich die dort bereits gemachten Erfahrungen zunutze machen zu können. Die Hoffnung bei dieser Stelle, wenn nötig auch Unterstützung und Rückendeckung zu finden, wurde in der Folge leider enttäuscht.

Die Veranstaltung „Vertreter der Parteien sprechen“ aus Anlaß der vorjährigen Wahl zum Bundestag, gab am 5. August 1949 den Auftakt. Die drei folgenden Versammlungen machten die Ortseinwohner durch Referate des Kulturamtes Darmstadt und recht lebhafte Diskussionen mit der Feldbereinigung, ihren Vorteilen und Schwierigkeiten vertraut. Der in einer Resolution an die Militärregierung zum Ausdruck gebrachte Wunsch, die Gemeinde durch Stellung einer Planierraupe zur Verschleifung eines Hohlweges bei der Durchführung der Feldbereinigung zu unterstützen, fand anfänglich günstige, zu allen Hoffnungen berechtigende Aufnahme, endete jedoch nach mancherlei „Irrungen und Wirrungen“ mit einer Absage. Das Enttäuschende für Bürgerschaft und vor allem Forumsleitung war weniger die Absage selbst, als die Art ihrer Begründung nach all dem, was vorangegangen.

Zwei weitere Zusammenkünfte befaßten sich mit örtlichen Schul- und allgemeinen Erziehungsfragen und gaben vor allem der Lehrerschaft Gelegenheit, die Schwere ihrer Aufgabe der Elternschaft nahezubringen. In einer Resolution an den Kultusminister brachte die Elternschaft ihre Ansicht über die Handhabung der Prügelstrafe zum Ausdruck. „Forumsprobleme“ standen in der letzten und sechsten Veranstaltung zur Debatte. Nach einem Rückblick brachte der Geschäftsführer des Forums, Herr Dann, die Ansicht der Leitung zum Ausdruck, daß trotz aller Mühen wenig Positives erreicht sbi. Die Ursache hierzu liege in einer gewissen Nichtbeachtung der durch die Bürgerschaft zum Ausdruck gebrachten Wünsche und Vorschläge seitens der behördlichen Verwaltungsstellen und unklarer Behandlung von an die Militärregierung herangetragenen Anliegen. Die befragten Veranstaltungsteilnehmer sprachen sich jedoch für die Beibehaltung eines Forums aus, und da das Forum eine Einrichtung der Oeffentlichkeit ist, wird diesem Wünschte entsprochen werden müssen. Die Leitung wird es sieb für die Zukunft angediehen sein lassen es zu vermeiden, sich bei der Lösung von Fragen und Problemen von dritter Seite abhängig zu machen. Sache der Ortsbürger wird es sein, durch ihre Mitarbeit und Teilnahme am Oeffentlichen Forum ihren Wünschen und Vorschlägen den Nachdruck zu verleihen, der in sich den Erfolg garantiert.

Die Arbeit der ländlichen Bevölkerung im Sommerhalbjahr läßt für anderes nicht viel Raum. Wird in diesem Winterhalbjahr der Forumsarbeit das gleiche Interesse entgegengebracht, wie es im vergangenen der Fall war, so wird die „sommerliche Flaute“ bald überwunden sein und der kommende Jahresrückblick ein freundlicheres Bild bietenrals der jetzige. (io)

Gundernhansen schafft Wohnraum

In seiner Donnerstagsitzung beriet der Gemeinderat in Gunderhhausen neben der Neuschaffung von Wohnraum mehrere Baudarlehen und die Neubesetzung der Hauptlehrerstelle. Zu letzterem wurde nach lebhaften Debatten keinerlei Einigung erzielt. Die Neubesetzung der Stelle, die infolge Versetzung des hiesigen Lehrers notwendig ist, wird nun mit der Kreisschulbehörde beraten. Zur Schaffung von Wohnräumen wurde beschlossen, den sofortigen Ausbau der Gutsscheune der früheren „Herr von Heilschen“ Güterverwaltung vörzunehmen. Dabei ist außer acht Familienwohnungen noch eine Arztwohnung im Parterre vorgesehen. Fünf Baulustigen wurden Darlehen von. 1000 DM mit einer Stundung bis zu 10 Jahren und 3 Prozent Zinsen bewilligt. Weiterhin wurde noch die Bürgschaft für das Baudarlehen eines Ortseinwohners übernomrhen. (sl)

Noch einmal:

Das Vobksfest in Roßdorf

Zu dem heute und morgen stattfindenden Volksfest auf dem alten Sportplatzgelände sei zu dem bereits veröffentlichten Festprogramm noch ergänzend mitgeteilt, daß Bürgermeister Roßmann und der 1. Vorsitzende der Sport- und Kulturgemeinschaft, Lehrer Amann, heute um 21 Uhr Begrüßungsansprachen halten werden. Dem Fußballspiel der „Alten Herren“ um 18 Uhr geht noch ein Jugendfußballspiel gegen Messel voraus. Morgen früh finden um 9.30 Uhr Ringkämpfe gegen Münster und Basketballspiele statt. (sl)

Fahrten ins Theater

Am Donnerstagabend fand in Roßdorf unter Leitung des örtlichen Mitarbeiters Konrad Engert eine Besprechung aller Interessenten für den zukünftigen Theaterring „Odenwald— Bergstraße“ statt. Das Ziel des Landestheaters ** Darmstadt, auswärtigen. Teilnehmern den Vorstellungsbesuch zu ermöglichen und genau so bequem wie den Darmstädtern zu machen, soll durch den Theaterring erreicht werden. Dabei will man die Besucher bei verbilligten Eintrittspreisen und wesentlich ermäßigten Fahrtkosten in Omnibussen nach Darmstadt und zurück bringen. Bei schwachem Besuch der Besprechung wurde der als monatlicher Vorstellungstag vorgeschlagene Mittwochabend einstimmig begrüßt. Um die erforderliche Teilnehmerzahl zu gewährleisten, wird ein Zusammenschluß mit dem Kulturbund in Erwägung gezogen. (sl)

Ferienlager der ev. Jugend

Unter ihrem Lagerleiter Alfred Trüsche 1 und seinem Gehilfen Georg S e 1 - zer halten 300 Jungen der evangelischen Stadtjugendschar Worms auf dem Gelände der Oberrealschule in Rimbach ein Ferienlager ab. Die Teilnehmer im Alter bis zu 16 Jahren sind Vorkonfirmanden und erhalten hier im schönen Weschnitztal neben gründlicher Unterweisung nach evangelischer Anschauung eine Charakterschulung, aufgebaut auf den heutigen Grundlagen des Gemeinschaftslebens. Spiel, Sport und Wandern sollen den Sinn für die Wirklichkeit lebendig wachhalten. In einzelne Quartiere aufgeteilt, lernen die aufgeschlossenen Jungen, daß Ordnung, Sauberkeit und Disziplin zur Erhaltung der menschlichen Gemeinschaft gehörten. Das Lager hat durch Bürgermeister Schmitt die größte Förderung erhalten. Auch Pfarrer Hörnle nimmt am Leben und Treiben der Jungen kameradschaftlich Anteil, kie.

Eine Waldwanderung führt die Volkshochschule Bergstraße unter Leitung des Forstmeisters Zimmermann, Jugenheim, am 12. August durch.- Treffpunkt: 14 Uhr am Bahnhof Jugenheim. (DT)

meldungen aus den Landlacisen

DARMSTADT-LAND

Seeheim. Der Odenwaldklub, Ortsgruppe Seeheim, unternimmt am Sonntag eine Wanderung nach Darmstadt, Oberwaldhaus, Kranichstein, Arheilgen. Treffpunkt um 13 Uhr an der Haltestelle der HEAiG, Schulstraße. Die Taunus-Autobusfahrt ist auf den 3. September verlegt. (hl)

Jugenheim. Bürgermeister Schü r r - lein wird für Anfang nächster Woche eine Gemeinderatssitzung einberufen. Gegenstand der Beratung ist das Schulbauprojekt Seeheim-Jugenheim in der Gemarkung Seeheim. (hl)

Bickenbach. Der Verein der Körperbeschädigten unternimmt am Sonntag im Triebwagen einen Ausflug nach St. Goarshausen. Die Theatergruppe und der Gesangverein fahren mit Omnibussen nach Rüdesheim. Für alle drei Fahrten können noch Teilnehmermeldungen entgegenommen werden.

DIEBURG

Nieder-Roden. Das große Sommerfest der Sportgemeinschaft findet am heutigen Samstag auf dem Sportfeld an der Dudenhöfer Straße statt. Sportdarbietungen lösen Musik- und Gesangsvorträge in bunter Reihe ab. Als Kapelle wurden die „Sieben Teddys“ verpflichtet (gi)

Ober-Roden. Die Instandsetzungsarbeiten innerhalb des Ortes sind dieser Tage zum Abschluß gekommen. Die Pflasterarbeiten in den Seitenstraßen werden in Kürze aufgenommen. (gi) Babenhausen. Eine Omnibusfahrt nach dem Rhein unternimmt die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner am kommenden Sonntag. Dreizehn Teilnehmer an einem Lehrgang der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft legten den Grundschein und ein Teilnehmer den Leistungschein ab. (NB.)

Groß-Bieberau. Am Sonntagabend um 20.30 Uhr gastiert die Münchener Heimatbühne im Saalbau „Zur Linde“ mit dem oberbayerischen Lustspiel „3mal Hochzeit“. Ein Märchenspiel „Frau Holle“ erfreut die Kleinen nachmittags um 16 Uhr. (eb)

Reinheim. Ein Sommernachtsfest mit Hammeltanz veranstaltet der Carnevalverein „Capri“ am Sonntagabend im Reinheimer Volkshaus. Zum Tanz spielt Kapelle Fischer, Oberramstadt auf. (eb)

ERBACH

Neustadt. Pfarrer Bernhard Peri z o - n i u s, Hausen, wurde zum Verwalter der hiesigen Pfarrassistentenstelle ernannt. (—ch)

Lützel-Wiebelsbach. Das neunte Wohnhaus der neuen'Siedlung wurde im Rohbau fertiggestellt. (—ch)

Nieder-Kinzig. Unter Teilnahme der Schulkinder und des Gesangvereins „Frohsinn“ wurde die neue Kirchenglocke mit Ansprachen des Bürgermeisters und des Gemeindepfarrers geweiht. Ihre Anschaffung war durch freiwillige Spenden der Gemeinde ermöglicht worden. (—ch)

Sandbach. .Nach der Bodenbenutzungserhebung 1950 beträgt die Wirtschaftsfläche der Gemeinde 428,82 ha, davon entfallen auf Ackerland 89,02 ha, Gartenland 4,39 ha, Obstanlagen und Baumschulen 0,66 ha, Wiesen 55,91 ha. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt somit 149,98 ha. Für Wald (Holzung) werden 232,11 ha, für Oedland 4,77 ha benötigt. Die Hof- und Gebäudeflächen betragen 23.93 ha. Mit Getreide sind 35,60 ha und mit Kartoffeln 15,94 ha bebaut. (le)

BERGSTRASSE

Bensheim-Auerbach. Am kommenden Dienstag findet in der Zeit von 14 bis 15 Uhr wieder eine Mütterberatungsstunde im ehemaligen Rathaus in Auerbach statt. (HB)

Lindenfels. Dekan Wilhelm Wahl, Langgöns bei Gießen, der in seinen jungen Amtsjahren seit 1906 Pfarrassistent in der evangelischen Gemeinde Lindenfels und von 1908—1915 Pfarrer in Schlierbach im Odenwald war, beging am 3. August seinen 70. Geburtstag. Dekan Wahl entstammt einer alten hessischen Pfarrersfamilie, in der 5. Generation aktiv im Amt stehend, während die Reihe seiner Ahnen im geistlichen Amt bis in die Reformation hinauf reichten.

Weiher. Am kommenden Sonntag findet im Gasthaus “Zum Bahnhof“ eine Neubürgerversammlung statt, bei der Kreistagsabgeordneter Johann Bayer (Bensheim) zu den Heimatvertriebenen der Gemeinden Weiher und Vöckelsbach sprechen wird. (-r)

Lorsch. Vor dem Standesamt der Gemeinde Lorsch wurden im Monat Juli fünf Eheschließungen vorgenommen. An Geburten wurden 15, an Sterbefällen 7 registriert. Außerdem meldeten in diesem Monat 11 Gewerbebetriebe ihre Neueröffnung, 10 dagegen ihren Gewerbebetrieb ab. (el)

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Die für den 15. Äugust in Gernsheim angesetzte Kreistagssitzung wurde in Anbetracht des kirchlichen Feiertages auf den 17. August verlegt. (cg)

Groß-Gerau. Die für den 6. August geplante große Wanderung des Oden-Waldklubs über Ober-Ramstadt, Brandau, Jugenheim ist äuf Sonntag, den 13. August 1950 verlegt worden. Die Leitung dieser Wanderung hat der Wander-

freund Philipp Mager. (-od-) Büttelborn. Am kommenden Sonntagvormittag findet eine gemeinsame Übung der Freiwilligen und Pflichtfeuerwehlj statt, wobei als Uebungssignal, die neue Sirene, eine Viertelstunde vor Beginn eine Minute lang heult. Bei Brandalarm wird es so gehandhabt, daß die Sirene smal hintereinander in Tätigkeit gesetzt

wird. (-od-) Haßloch. Die Gemeinde hat von der Stadt Rüsselsheim ein Darlehen von 20 000 DM zur Fertigstellung von Flachwohnbauten erhalten. (Kb.)

Stockstadt. Die Fabrik für gelochte Bleche, Nold & Co., Stockstadt, feiert in diesem Monat ihr 60jähriges Bestehen. (Kb.)

Gernsheim. Die Arbeiterwohlfahrt hatte ihre Generalversammlung, in der der neue Vorstand gewählt wurde. Die Bezirkssparkasse Gernsheim häit ihre Dienststunden vorübergehend im Nebenzimmer des Darmstädter Hofes ab. (sn-)

Woifskehlen. Der hiesige Kindergarten war wegen Erkrankung der seitherigen Kindergärtnerin Fräulein Leni IVI aus ® geschlossen. Die Stelle von Frl. Maus hat jetzt Frau Klein übernommen^ Auf Antrag von Pfarrer K o c h beschlossen, die Hälfte dei Unterhaltungskosten für den Kindergarten zu übernehmen, (-od-)

Die Heimat


Ein frischer Junge im blütenweißen, schön gefältelten Hemd, darüber die blumenbunt gestickten Hosenträger laufen, ein Junge, dem das keck unterm Kragen her gebundene Halstuch im Winde fliegt, einer, dessen strahlende Augen unterm runden Rand des schwarzen Hutes hervorfragen, was die Welt kostet —, das ist ein Klang von ewiger Bauernjugend, der jedes heimatstolze Herz erfreut. Foto: Schermer
Ein frischer Junge im blütenweißen, schön gefältelten Hemd, darüber die blumenbunt gestickten Hosenträger laufen, ein Junge, dem das keck unterm Kragen her gebundene Halstuch im Winde fliegt, einer, dessen strahlende Augen unterm runden Rand des schwarzen Hutes hervorfragen, was die Welt kostet —, das ist ein Klang von ewiger Bauernjugend, der jedes heimatstolze Herz erfreut. Foto: Schermer

Christian Gottfried Nees v. Esenbeck

Ein berühmter Sohn unserer Heimat

Unmittelbar über dem alten Marktflecken Reichelsheim erhebt sich der Reichenberg mit dem gleichnamigen Schloß, das in einer Urkunde aus dem Jahre 1307 erstmals als Richinberg mit Rychenburg genannt wird. In vergangenen Jahrhunderten hatte die starke Mauer der Burg manchen Sturm abzuhalten, und besonders im 30jährigen Krieg diente sie der Bevölkerung des Gersprenztales als Zufluchtsort.

Weniger bekannt ist die Tatsache, daß dort im Jahre 1776 einer der berühmtesten Botaniker Deutschlands das Licht der Welt erblickte: Christian Gottfried Nees von Esenbeck.

In den Reichelsheimer Kirchenbüchern ist zu lesen: „Christian Gottfried Daniel Nees vom Reichenberger Schloß, geb. den 14. Februar, morg. um 7 Uhr, getauft den 15. Februar, Donnerst. — Aeltern: Herr Johann Conrad Nees, Hochgräfl. Erbachscher Rentmeister allhier auf d. Reichenberger Schloß und Frau Friederike Dorothea Catharina, geb. Esenbeckinn aus Giebelstadt im Freyherrl. v. Zobelischen Gebiete, dessen Ehegattin.“

Die herrliche Lage des Geburtsortes weckten in dem empfänglichen Gemüte des Knaben schon frühzeitig die Liebe zur Natur, die durch eine verständige häusliche Erziehung, sowie durch den trefflichen Unterricht auf dem Darmstädter Gymnasium, das Nees 1792 bezog, noch mehr vertieft wurde. Auf der Universität Jena studierte Nees Medizin, daneben aber mit Eifer Naturwissenschaften und Philosophie. Die Nähe Weimars, vor allem jedoch der persönliche Umgang mit Goethe, wirkte fördernd auf die geistige Entwicklung des begabten Jünglings.

Nach seiner Promotion zu Gießen lebte er auf einem kleinen Gut bei Kitzingen am Main, auf dem er mehrere Jahre in ungestörter Ruhe seinen Studien und Sammlungen nachging. Neben ausgedehnten sprachlichen Forschungen lag er dem Sammeln von Tieren und Pflanzen ob. So entstand eine Sammlung einheimischer Vögel und eine reichhaltige Insektensammlung. Nees entfaltete eine reiche literarische Tätigkeit. Besonders verdient seine Wirksamkeit als Redakteur der von der Kaiserlich-Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher herausgegebenen Abhandlung Erwähnung. Im Jahre 1818 wurde Nees zum Präsidenten dieser berühmten Gesellschaft gewählt.

1817 wurde er als Professor der Botanik nach Erlangen und 1818 nach Bonn berufen. Dort arbeitete er bis 1830 und verfaßte in dieser Zeit seine bedeutendsten botanischen Schriften. 1830 würde er nach Breslau versetzt. In den vierziger Jahren schlug seine wissenschaftliche Tätigkeit infolge seiner Hinneigung zu den sozial-politischen und religiösen Strömungen nach und nach eine andere Richtung ein und verdrängte mit der Zeit seine Wirksamkeit auf rein wissenschaftlichem Gebiete. Im Jahre 1851 wurde Nees als 75jähriger G^eis auf dem Wege des Disziplinarverfahrens aller seiner Aemter entsetzt und ohije Pension entlassen. Er war auf verschiedenen Gebieten mit der bestehenden Staatsordnung in Konflikt geraten.

Die letzten Lebensjahre waren für Nees trübe und kummervoll. Ohne Einnahmen war er auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen. Seine wertvolle Bibliothek und sein aus 80 000 Exemplaren bestehendes Herbarium mußte er verkaufen. Am 16. März 1858 verstarb er über 82 Jahre alt, in äußerlich ärmlichsten Verhältnissen in Breslau.

Wie berechtigt es ist, dem Sohn unserer Heimat ein ehrendes Andenken zu bewahren, zeigen die Worte des ehern. Prof. Dr. Kieser, Jena, in einer im Jahre 1859 verfaßten Lebensbeschreibung:

„Mögen auch im Laufe der Zeiten in der Naturwissenschaft neben den bereits vorhandenen noch andere berühmte Namen auftreten, so wird dennoch sein Name unter den Förderern der Wissenschaft genannt werden, solange die von ihm herausgegebenen 47 Bände der „Verhandlungen der Akademie“ die Zierde der cis- und transatlantischen Bibliotheken bilden und den deutschen Namen verherrlichen.“ tm

Drinnerum un drumerum

Wann mer net grad maant, mer mißt sich in die Bolledigg eneuhengge un wann mer ausnahmsweis emol nix mit erjend ere Beheerde zu dhu hot, do is es meglich, sich emol net uff zurege un sich net zu ärjern. Wie ich noch im Dienst war, do hab ich um die Zeit immer meun Urlaab genumme un dodewäje hab ich am Sunndaach zu meune Lißbedd gesucht: „Horch emol, Fraache, mir wolle mol e par Daach so dhu, als hett ich wid-

der emol Ferje, mir kimmern uns um garnix un losse Gott en gude Mann seu. Un wann mer glaawe, es dhet uns erjend wo erjendebbes Fraad mache, do mache mer hie." Un so sin mer glei middaachs in die Schdadthall zum Kasber Hildebrand gange. De Kasber Hildebrand is noch e Stick alt Damstadt un do derf doch eichentlich kaan Heiner fehle. Ich hab mich gefraad, daß de Saal gestobbde voll war un die klaane Heiner hawwe e Gedees gemacht, daß mer seu eige Wort net verschdanne hot. Wann mer in de Mitt vun so ere uff geregte Bande hoggd un e klaa bißje freundlich Ohr for deß all hot, was do gebabbelt werd, do kumme aam soviel liewe Erinnerunge, daß mer selwert Widder jung fiehle dhut. Weils net genaa nooch de Uhr a’gefange hot, do sin die Kerlcher so uff die Folder geschbannt worn un hawwe kaan Moment die Mailer halde kenne. Ich war selwert bis zum Blatze neischierisch un hab als uff die Uhr geguggt, obs dann net bald haaße dhet: Seid ihr alle daaa? Was hab ich als Bub so oft bei dere Geläjenheit „Jaaa" gekrische, un ich glaab, ich hetts Widder gedha, wann so gefroocht worn weer. Awwer de Kasber is feuner worn. Er hot net gefroocht, dreimol uff en Grobbedeggel gehaache un losgange is es. Un schee war’s. Alles was zu eme Kasbertheader geheert, war do. De Kasber, der wo dißmol Heiner gehaaße un aach so geredd hot, is am beste verschdanne un am meiste bejuwelt worn, besunners bei de Knibbel, die wo er ausgedaalt hot. Wolle mer hoffe, daß sich noch viel Leit ihr Kinnergemiet erhalde hawwe un sich an eme Kasbertheader erfreie kenne. Was weers so gut, wann mer aach sunst als emol so en freundliche Kasber hette, der wo dene, die aam deß Läwe sauer mache, mit eme bißje bolligge, bollagge uff die Hemer un uff die Finger globbe kennt. Wie ich deß zu meune Lißbedd saach, stumbd se mir in die Ribbe un sekt: „Ich maan, du heßt Urlaab?“ Vun Mondaach ab, hatte mer schun Widder Theader. Do warn mer jeden Daach in der Schdadt vun wäjem Summer-Schlußverkaaf. Do sin mer aus de Iwwerraschunge un aus em Freie garnet erauskumme. Gekaaft" hawwe mer nix, bloß geguggt hawwe mer, weil mir ja sozesaache Urlaab hawwe. Urlaab mit Musigg! Ich kann der ihne saache, mann mer wie ich, bei de Drachoner gedient hot, do fehrt aam en richdische Masch doch in die Knoche. Es geht aach nix iwwer Drumbede un Posaune. Wie gesucht, Mussigg wie friejer, un aach die Breise solle beinah wie friejer gewäse seu. Un die viele Leit, wo die nor all herkumme? Vun Zeit zu Zeit hot’s alsemol e Velkerwanderung die Rheinschdrooß eruff gäwwe. Do hab ich mer gesacht, aha, die draache ihr Geld endlich Widder mol vun auswärtz nooch Dammschdadt, weil se merke, daß hier Widder was zu krieje is. Un sie hawwe all was krickt. Deß hot mer gesehe an dene viele Päckelscher, die wo se aus de Lüde, meistens awwer aus de Schuhläde erausgeschlebbt hawwe. Meu Lißbedd könnt net begreife, wo die Mensche uff aamol deß viele Geld herhawwe. Deß is doch klor, es war doch grad de Erste, un do is die Geläjenheit benutzt worn, wo’s grad emol so billig war un doch jeder noch so vieles brauche kennt, wann mer sich aach noochher e Zeitlang krummleje muß. Deß hawwe mer schun mehrgemißt un hatte uns nix a’schaffe kenne. Hoffendlich mache die Geschäftsleit net die next Woch glei Widder enuf mit de Breise, noochdem se gesehe hawwe, was en große Umsatz for en Wert hot. Warte mer’s ab, ewe hab ich Urlaab.

Sie sehe also, mer kann seun Urlaab sich so eurichte, daß er aam net viel koste dhut, un wann se beim Schlußverkauf sich e bißje verhobbaßt hawwe, so soll deß, was ich ihne gesacht hab, en Vorschlaach seu. Unner alle Umschdend awwer geht mer jedem Aerjer aus em Wääk, wie l.

eier Anton Berze



Die Gralsburg im Odenwald

Aus der Geschichte der Burg Lindenfels — Klara Dett saß hier gefangen

Wir stehen auf den Zinnen der verfallenen Burg und verweilen im Banne des majestätischen Rundblicks. Der Umkreis ist gesäumt von breiten Bergrücken mit dunklem Wald. Der Burg gegenüber das zweite Wahrzeichen von Lindenfels: die Bismarckwarte. Zu Füßen die Lindenfelser Talzent mit dem freundlichen Schlierbach und in der Ferne die Tromm und das Weschnitztal.

Alt, reich und bewegt ist die Geschichte der Burg Lindenfels. Um 500 kämpften Franken, Alemannen und Burgunder um die Hochburg der Stadt, und während der Völkerwanderung zogen die Stämme durch das Römerkastell auf den Berg. Um 1100 wurde dann vom Lor scher Klostervogt, Graf Berthold, die eigentliche Burg errichtet, die über viele Jahrhunderte hinweg die Geschicke der Stadt bestimmte.

Nach öfterem Wechsel kam die Burg an den Pfalzgrafen Konrad, den Bruder des Hohenstaufen Friedrich I. Als Schwiegersohn Konrads erwarb 1195 Heinrich von Sachsen, der Sohn Heinrichs des Löwen, die Burg. Dessen Tochter Irmgard brachte Lindenfels ihrem Gatten, Markgraf von Baden, in die Ehe mit, und seine drei Söhne verkauften die Burg im Jahre 1277 erb- und eigentümlich ihrem Vetter Ludwig 11. Im Besitz der Wittelsbacher Pfalzgrafen und Kurfürsten wurde die Burg bedeutend vergrößert. Die Burgmannen entstammten den vornehmsten Rittergeschlechtern der damaligen Zeit: den Grafen von Katzenelnbogen, den Schenken von Erbach, den Herren von Bickenbach, von Rodenstein, Ulner von Dieburg und anderen.

1410, bei der Teilung der pfälzischen Lande, fielen Stadt und Burg Lindenfels an Kurfürst Ludwig 111., blieben bis 1803 in kurpfälzischem Besitz und kamen dann zu Hessen. 1476 bis 1485 hat der Kurfürst Pfalzgraf Philipp die schöne Klara Dett, deren Schönheit so bestrickte, daß sie eine Zauberin genannt wurde, als Witwe seines Oheims und Vorgängers Friedrich des Siegreichen auf der Burg gefangen gehalten. Ihm gefiel die Unebenbürtige nicht, die vom Volk wieder befreit wurde. Ein zweiter Gefangener des Kurfürsten Philipp, der 1498 aus seinen! Land vertriebene Herzog Eberhard 11. von Württemberg, Sohn Eberhard des Greiners, starb 1504 auf der Burg.

Im Bayerischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt von Wilhelm 11. von Hessen besetzt. Und im Dreißigjährigen Krieg hausten hier nacheinander die Bayern, die Schwe-

dftß und die Kaiserlichen. Trotzdem hielt die Burg den schlimmsten Anstürmen stand, und es ist auffallend, daß weder Burg noch Stadtbefestigung jemals nach der Einnahme durch den Feind zerstört worden ist. Ausgang des Mittelalters hatten die Pfalzgrafen kein sonderliches Interesse mehr an der Burg und ließen sie, wohl auch wegen ihres geringen strategischen Wertes, immer mehr verwahrlosen. Um die Schloßbauten noch auszunutzen, wurden sie als Wohnungen für gräfliche Beamte bestimmt. Auch unterhielt man hier eine winzige Garnison, die beim Übergang auf Hessen nur noch aus einigen Invaliden unter dem Kommando eines Wachtmeisters bestand.

Anfang des 18. Jahrhunderts war es dann so weit, daß die umfangreichen Bauten der Burg als Steinbruch benutzt wurden. 1779 gar wurde sie auf Befehl der kurpfälzischen Herrschaft nach und nach abgerissen und das starke Mauerwerk vornehmlich für Straßenbauten und Dienstwohnungen verwandt. Der Abbruch soll sich auch zu einem ganz guten Geschäft des Oberamtsverwesers Morlock, des Amtsverwalters Mack und des Rentamtmannes Ferber gestaltet haben, denn bald darauf entstand das geflügelte Wort: ~Morlock, Mack und Ferber — Burg Lindenfels Verderber!“ Die hessische Regierung hat nach dem Erwerb der Burg alles getan, die immer noch imposanten Bauten zu erhalten.

Allezeit hat die prächtige Burganlage mit ihrer zauberhaften Natur phantasievoll auf romantische Gemüter gewirkt. Und so geschah es auch vor 135 Jahren, daß Achim von Arnim, Friedrich Kreuzer und August Böckh, die ausgezogen waren, die Burg Wolframs von Eschenbach zu suchen, beim Anblick der Lindenfelser Burg im Glanze eines Spätsommertages in den begeisterten Ausruf verfielen: „Das ist das Gralsschloß im deutschen Land!“ Fleute noch künden die Reste der Burg von der einstigen starken Feste. Vom Fürstenhaus sind noch der Nordwestgiebel, ein Teil der Außenmauer und die Keller vorhanden. Zur Burg gehörten auch der Bergfried, der Kaplaneibau, die Amtskeller, ein äußerer und ein innerer Zwinger. In den letzten Jahrzehnten hat man manches zur Erhaltung der Ruine getan. Besonders beim 600 jährigen Stadtjubiläum im Jahre 1936 wurden die Burganlagen ausgebessert.

Hier auf der Burg mit ihrem geräumigen Hof spielt sich nun wieder am

Wochenende drei Tage lang das weitbekannte Lindenfelser Burg- und Trachtenfest ab, an einer Stätte, wo sich geschichtlicher Hauch und traumschöne Natur zu einem einzigartigen Klang verbinden. (us)







Geschichten um Gg. Chr. Lichtenberg

Lichtenberg, der berühmte Physikprofessor, satirische Schriftsteller und Aphorist, ist geborener O b er - R am - Städter.

Im Mineralogischen Institut war aus einem Kasten eine wertvolle Silberarbeit verschwunden. Nachdenklich umstanden mehrere Professoren — darunter auch Lichtenberg — den leeren Kasten, bis schließlich einer fragte:

„Was fangen wir jetzt mit dem leeren Kasten an?“

Trocken antwortete Lichtenberg:

„Dahinein stecken wir die Nase, die wir von unserer vorgesetzten Stelle bekommen werden!“

Der kleine Professor und große Spötter war von der Natur mit großen Ohren ausgestattet worden. Ein Bekannter sagte taktlos zu ihm:

„Was für schrecklich große Ohren Sie haben, Herr Professor!“

„Ja“, entgegnete Lichtenberg, „stellen Sie sich vor: meine Ohren und Ihr Gehirn, das gäbe einen Esel von besonderer Herrlichkeit!“

Als Lichtenberg von einem Beamten nach dem Unterschied zwischen Zeit und Ewigkeit gefragt wurde, antwortete er:

„Ihre Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Wenn ich mir die Zeit nehmen wollte, Ihnen den Unterschied zu erklären, dann würden Sie wohl eine Ewigkeit brauchen, um mich zu verstehen.“

Der Holzkopf

Ein heftiger Windstoß hatte einem Einheimischen den Hut vom Kopf gerissen. Er sauste hinter dem Ausreißer her und griff ihn endlich. Ein Fremder, der den Vorgang beobachtet hatte, sagte lachend:

„An Ihrer Stelle würde ich mir den Hut annageln.“ Worauf der Hesse antwortete:

„Sie hawwe gut redde. Es hot nit jeder so’n Holzkopp wie Sie!“

Kleine Verwechslung

Ernst Elias Niebergall, der Verfasser des „Datterich“, unterhielt sich gern mit dem Frankfurter Dialektdichter Christian Maiss. Eines Tages trafen sie sich in der „Boxhaut“ in Darmstadt, und Maiss, dessen Geburtsort Hanau war, hatte sich vorgenommen, den Darmstädter zu foppen.

„Was ist eigentlich Wahres daran?“ fragte Maiss scheinheilig. „Ich komme gerade aus Frankfurt, und dort wird behauptet, der Himmel wäre in Darmstadt 200 Meter höher als in Hanau!“

Niebergall schwieg eine Weile, schüttelte dann den Kopf und sagte:

„Da ist den Frankfurtern eine Verwechslung unterlaufen, lieber Maiss. Der Himmel ist bei uns durchaus nicht höher, bloß der Horizont ist weiter.“

Odenwälder Lauernhochzeit in Lindenfels

Echte Trachten beim Burgfest — Farbenfreudige Pracht alten Volkstums

„Hochzeit machen, das ist wunderschön!“ So mögen sich auch die Mitglieder des Lindenfelser-Burgfestausschusses gesagt haben, als sie beschlossen, in diesem Jahre wieder für den Festzug das alte schöne Motto einer Odenwälder Bauernhochzeit zu wählen. Gerade bei festlichen Anlässen entfaltete sich doch die ganze farbenfreudige Pracht des Volkslebens zu Zeiten unserer Vorväter.

Man hat in Lindenfels ganz sicherlich nicht den Ehrgeiz, den längsten Festzug darzubieten; fest steht aber, daß der Betrachter des Lindenfelser Festzuges die Gewähr hat, ein Stück unverfälschten Volkslebens geradezu studieren zu können, wobei ihm ein sorgfältig zusammengestelltes Programm eingehende Erklärung und reizvolle Erinnerung zugleich sein mag.

Es ist nicht die Aufgabe einer Vorbetrachtung, die Einzelheiten eines bevorstehenden Festes zu schildern; dem weniger Eingeweihten aber glauben wir doch den Hinweis schuldig zu sein, daß gerado in Lindenfels nur Echtes gezeigt wird; da, wo Trachten nachgearbeitet wurden, hält man sich peinlich genau an die überlieferten Formen. Sepplhosen etwa, die man zuweilen in Festzügen sieht, sind hier natürlich verpönt und selbst an die Haartracht der Mädchen stellt man gewisse, unabdingbare Forderungen: nur der Mittelscheitel wird als wirklich echt zugelassen.

Die Buben tragen runde schwarze Hüte, die sogenannten Tälchen, die zum Fest mit bunten Bändern geschmückt sind. Das weiße Hemd aus grobem Leinen ist hochgeschlossen; der kühn geschlungene schwarze Querschlips hat den bezeichnenden Namen „Gäihschderreweg“. Die bunten Hosenträger sind der Stolz der Burschen und sind, sofern sie nicht aus der Familie überliefert wurden, von der Liebsten mit bunter Wolle nach alten Mustern auf Stramin gestickt. Die frei herabhängenden Vorderenden tragen die Anfangsbuchstaben des Besitzernamens und zuweilen auch die Jahreszahl seiner Geburt. Die schwarzen Kniehosen enden mit einem Schnallenbund unter dem Kniegelenk; die handgestrickten weißen Schafwollstrümpfe sind mit bunten Strumpfbändern gehalten, auf denen das Stickereimotiv der Hosenträger wiederkehrt. Der kräftige schwarze Halbschuh wird von einer schönen Messing- oder gar Silberspange geziert.

Abweichend von der hier geschilderten Tracht der jungen Burschen tragen die Männer als Hut einen Dreispitz; dabei ist der Unverheiratete daran zu erkennen, daß er eine Spitze nach vorne trägt, während der Verheiratete eine Breitseite nach vorn stellt. Schließlich sei auch noch der „Mutze“, eine Art dreiviertellanger Bratenrock erwähnt, der dem so Gekleideten in Verbindung mit dem stolzen Dreispitz, dem knorrigen Eichenstock und einer halblangen Pfeife ein gediegenes, eindrucksvolles Aussehen verleiht.

Die Tracht der Mädchen zu beschreiben würde noch erheblich mehr Platz in Anspruch nehmen; darum sei nur kurz geschildert, daß in der Mischung von Häubchen, Halstuch, Hemdbluse, Mieder Rock und Schürze immer wieder vielfältige und reizvolle Zusamenstellungen geboten werden, die wohl einer eingehenden persönlichen Betrachtung wert sind; dies umsomehr, als ja nicht nur die Hülle, sondern auch der köstliche Inhalt, die frischen Odenwälder Mädels, zum Betrachten reizen.

Der 62jährige Hofbauer mit seinen „40 Morgen blauer Himmel“ hat zugesagt, wieder im Festzug (in der Gruppe Odenwald-Klub) mitzuwirken. Zum 45. Male wird er eine „neue Braut“ in den Mauern der altehrwürdigen Burgruine spazieren führen.

Es war nicht so einfach, alle die Dinge vorzubereiten, wie sie im Interesse der Gäste erforderlich sind, weil kein Stand und keine Restauration verpachtet wurde, sondern alle Einrichtungen ehrenamtlich von Mitgliedern des Burgfestausschusses und von allen beteiligten Bürgern in ehrenamtlicher Gemeinschaftsarbeit betrieben werden. Dadurch alleine läßt sich ein verhältnismäßig günstiger Ertrag herauswirtschaften, der ausschließlich zur Erhaltung der Burg und zur Pflege der Volkstrachten verwandt wird.

So bietet das Lindenfelser Burg- und Trachtenfest unter Verzicht auf jeglichen Jahrmarktsrummel, unter Einschaltung weitester Kreise der Bevölkerung und unter bewußter Herausstellung des Odenwälder Brauchtums nicht nur die Gelegenheit, fröhlich zu sein, sondern auch die Möglichkeit, im heiteren Rahmen und in einer bevorzugt schönen Landschaft das Wesen unserer Heimat zu erfassen und kennen zu lernen. Die Wetteraussichten sind für den Samstagabend günstig, für Sonntag sogar sonnig, am Montag zum Ausklang urgemütlich!

Das Bild der Heimat


Die „Krone“, das schönste Fachwerkhaus Gernsheims Foto: Schuch
Die „Krone“, das schönste Fachwerkhaus Gernsheims Foto: Schuch

Die Bensheimer Aufbaunschule zieht um

Die Schüler freuen sich, wieder im eigenen Schulhaus zu sein

Als es vor einigen Monaten endlich soweit war, daß das Gebäude der ehemaligen Aufbauschule in Bensheim freigegeben wurde, und lange Verhandlungen mit den übrigen in dieses Haus einziehenden Schulen zu einem Ergebnis geführt hatten, begann ein reges Treiben. Handwerker zogen ein, und es wurde fieberhaft gearbeitet, um das Gebäude wenigstens soweit herzurichten, daß die Aufbauschule ihren Unterricht nach den großen Ferien dort beginnen konnte.

Das Haus, das lange Jahre mit DP's belegt war, dann wieder eine geraume Zeit leer stand, ist schwer mitgenommen und vernachlässigt, und muß erst von Grund auf hergerichtet werden, um überhaupt wieder benutzbar zu sein. Außer einer Volksschule und der Goetheschule (Realgymnasium für Mädchen) wird vor allem die Realgymnasialo Aufbauschule hier untergebracht. Während in den oberen Stockwerkep das seither in der Zwingenberger Jugendherberge untergebrachte Internat sowie Wohnungen für Lehrer, Hausmeister und die Heimleiterin eingerichtet werden, steht der ganze Südflügel mit einem eigenen kleinen Schulhof für den Unterricht der Aufbauschule zur Verfügung.

Ais wir gestern einen kurzen Besuch abstatteten, herrschte noch eine richtige Umzugsstimmung. Die Lehrer, an das neue Haus noch nicht gewöhnt, suchten ihre Klassen, Schulmöbel standen herum, im Lehrerzimmer lagen ganze Bücherberge auf den Tischen, und hinter Weißbinderleitern, Farbkübeln, Besen schwingenden Putzfrauen und vor allem bei solchen Arbeiten unvermeidlichen Schmutzhaufen schien ein Unterrichten fast unmöglich zu sein — und doch wurde gearbeitet, wenn auch vielleicht nicht so intensiv wie sonst. Wir hatten Gelegenheit, in einige Klassenzimmer hineinzusehen, wo die Schüler an neuen Bänken und Tischen in blitzsauberer Umgebung saßen und sichtlich auch froh darüber waren, endlich ein eigenes Schulhaus zu haben. Ueberall konnte man feststellen, daß dieses Schulgebäude ganz nach modernen Gesichtspunkten eingerichtet wird, hier soll dem Schüler kein trockenes, nüchternes Schulhaus, sondern eine Arbeitsstelle geschaffen werden, an der er sich auch wohlfühlen kann.

Ein etwas abseits gelegenes Klassenzimmer fiel uns in dieser Beziehung ganz besonders auf, denn hier waren die Tische im Viereck aufgestellt und nur noch die Wandtafel und das Klassenbuch erinnerten daran, daß man hier in einem Schulzimmer war. Das Internat muß vorläufig noch in Zwingenberg verbleiben, bis auch diese Räume hergerichtet sind, aber Oberstudiendirektor Dr. Kaffenberger ist sehr zuversichtlich und hofft, daß bald alles geschafft sein wird und dann geht es an die anderen für die Goetheschule und Volksschule bestimmten Räume. (HB)

Internationale Pädagogenkonferenz

Auf Veranlassung der Pädagogischen Arbeitsstätte (Wiesbaden) findet vom 7. bis 12. August am Pädagogischen Institut Jugenheim eine Arbeitswoche der hessischen Lehrer und Lehrerinnen statt, zu der 50 Teilnehmer vorgemerkt sind. Die Leitung hat Lehrer Krick.

25 Jahre nach der letzten Pädagogenkonferenz, die vom 2. bis 15. August 1925 in Heidelberg .stattfand, treffen sich vom 14. bis 19- August 140 deutsche und 60 ausländische Pädagogen auf dem Heiligenberg, um Erziehungsfragen gemeinsam zu erörtern. Das Thema der Konferenz lautet: „Wie die Kinder wachsen und werden, wie sie lernen und wie sie in der Gruppe leben.“ Diese Fragen sollen in Vollversammlungen am Vormittag und in kleineren Arbeitsgruppen am Nachmittag eine Antwort finden. Konferenz-Sprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch.

Das Wintersemester des Pädagogischen Instituts beginnt am 16. Oktober, am 2. November starten die Vorlesungen, die Ende Februar beendet sind. Ein Landschulpraktikum für das 5. Semester schließt sich den Vorlesungen an. Im Wintersemester, das bis 15. März dauert, werden 220 Studenten im 3. und 5. Semester der Normalausbildung studieren. Ferner werden von Ende Oktober bis Mitte Dezember und von Mitte Januar 1951 bis Mitte Februar 1951 je 60 Studenten an den Lehramtslehrgängen teilnehmen. (hl)

Liedertag in Altheim

Acht auswärtige Gastvereine aus dem Kreis Dieburg erwartet der Altheimer Männergosangverein zu seinem ersten diesjährigen Liedertag, der morgen im Darmstädter Hof unter Leitung von Chormeister Musikdirektor Leist, Dieburg, abgehalten wird. Zu der am Nachmittag, 14.15 Uhr, beginnenden Veranstaltung erwartet die Gemeinde etwa 500 auswärtige Sänger. Abends schließt sich ein geselliges Beisammensein mit Tanz in der Gastwirtschaft „Zum Löwen“ an. (-se.)

Seeheim lehnt ab

Wenig Interesse am Schulbauprojekt

Am Donnerstagabend hatte Bürgermeister Speckhardt in Seeheim die Gemeinderäte zu einer Sitzung eingeladen, um über das in der Gemarkung vorgesehene Schulbauprojekt Stellung zu nehmen. Im Laufe seiner Ausführungen wendete sich der Bürgermeister entschieden gegen die Annahme, daß die Gemeinde das 6 bis 8 ha große Baugelände unentgeltlich zur Verfügung stelle; er ist auch dagegen, daß die Seeheimer Berufsschule in das Schuldorf mit einbezogen wird.

Allgemein sind die Gemeinderäte der Anssicht, daß die Grundidee nicht schlecht sei, doch sei für Seeheim das Projekt nicht tragbar und aus finanziellen Gründen abzulehnen. Jedermann müsse sich darüber im klaren sein, daß keine Gemeinde in der Lage sein dürfte, die laufenden Unterhaltungskosten zu tragen. Der Vorschlag des Bürgermeisters, die für das Projekt in Frage kommenden Bürgermeister und einige Gemeinderäte zu einer Besprechung einzuladen, fand einstimmige Annahme. (hl)

Bensheim baut und bessert ans

Gegenwärtig hat die Stadt Bensheim die Errichtung einer neuen Feuerwehrunterkunftin der Rodensteinstraße in Angriff genommen, da nach der Zerstörung der alten Unterkunft in der Platanenallee ein neues Spritzenhaus mit Geräteschuppen und Uebungsturm dringend benötigt wurde. AufdemTrümmergelände in der Platanenallee wird nun ein Wohnhaus mit fünf Wohnungen erbaut; hier soll auch der städt. Fuhrpark untergebracht werden. Das neue Schulhaus am Wambolterhof wird voraussichtlich bis Ende dieses, Anfang nächsten Jahres fertiggestellt sein. Der Seitenflügel des Rathauses, in dem sich auch die Sitzungssäle befinden, soll weiter ausgebaut werden; es sollen hier noch die Büroräume der Stadtverwaltung untergebracht werden. Die Mathilden- und Neckarstraße werden augenblicklich ausgebaut, die Straßen nach Zell und von Auerbach ins Mühltal ausgebessert. Das Auerbacher Pumpwerk wird eine neue Pumpe erhalten, ebenso soll die Wasserförderung verbessert werden. (HB)

Hundewerbeschau in Crumstadt

In Verbindung mit dem „Verein für Hundefreunde Pfungstadt“ haben sich die Hundefreunde Crumstadts bereit erklärt, morgen um 16 Uhr auf dem Sportplatz in Crumstadt eine große Hundewerbeschau zu veranstalten. Vorgeführt werden Hunde verschiedener Rassen und verschiedenen Alters. Außerdem werden Schutzhundeprüfungen der Klasse I, II und 111 gezeigt. Wie wir erfahren konnten, sind auch persische Windhunde zu sehen, die bekanntlich wegen ihrer Seltenheit auf allen Ausstellungen größtes Interesse erweckten. — An diesem Tag wollen sich die Hundefreunde des südlichen Riedes zu einer zwanglosen Vereinigung zusammenschließen. -od-

Sport der Heimat

VfR Mannheim—Kickers Offenbach in Erbach

Nachdem inzwischen die beiden von der Stadt Erbach verpflichteten Gegner ihre Mannschaftsaufstellung für das am kommenden Sonntag im Erbacher Sportpark um 14.30 Uhr stattfindende Freundschaftsspiel bekanntgegeben haben, wächst das Interesse an dieser ersten Begegnung der spielstärksten Mannschaften zu Beginn der neuen Spielsaison, zeigen doch sowohl Mannheims, als auch Offenbachs Eliten kaum Veränderungen. Mannheim bestreitet das Spiel mit Jöckel, Müller, Rößling, Stiefvater, Keuerleber, Maier, de la Vigne, Langlotz, Löttke, Danner und Bolleyer, während Offenbach Ricker, Magel, Emberger, Keim, Picard, Schreiner, Baas, We-» ber, Maier, Kaufhold und Ruscher ins Feld schicken. Der beiderseits unbedeutende Spielerwechsel erhöht den Reiz dieses Spieles, besonders wenn man berücksichtigt, daß der VfR Mannheim die Kickers im Zwischenrundenspiel des Jahres 1949 mit einem 2:1 als Endspielteilnehmer ausschaltete und in den diesjährigen Entscheidungsspielen um die „Deutsche“ der VfR Mannheim und die Kickers nicht aufeinandertrafen. In diesem Jahre blieben die Kickers zwar glücklicher Endspielteilnehmer, aber auch da war Fortuna nicht auf Seiten der Offenbacher. Wer wird am kommenden Sonntag das Spiel für sich entscheiden können? Der Ausgang ist offen. Bei diesen beiden Mannschaften dürfte ein interessantes Spiel zu erwarten sein, das seine Anziehungskraft, wie auch der Kartenvorverkauf beweist, nicht verfehlen wird.

Fußball-Kreisklasse Darmstadt

Nach wohlverdienter Ruhe rollt nun auch in den Kreisklassen wieder der Fußball, und somit ist es möglich, vor allem den Bozirks-Pokalmeister von A- und B-Klasse auszuspielen. Nachdem sich beide Parteien der A-Klasse, Nauheim und VfR Langen, auf einen neutralen Platz in Erzhausen geeinigt haben, findet das Entscheidungsspiel am Sonntag um 15.00 Uhr statt. Nauheim wird auch ohne Sieg in die Bezirksklasse aufsteigen, während sich Langen den Aufstieg erst erringen muß.

Bei den letzten Drei der B-Klasse kommt nach Verlosung das Spiel Riedrode—Reinheim in Pfungstadt zustande, während Götzenhain das Freilos zog. Am 20. 8. wird dann der Sieger gegen Götzenhain spielen. Ort wird noch bekanntgegeben.

Weitere Freundschaftsspiele um Sonntag, 5. 8. 1950:

Jugenheim—Auerbach N.-Beerbach—Eberstadt II Gadernheim—0.-Beerbach Hahn—Kl.-Gerau TSG Darmstadt—Neustadt Griesheim—Eberstadt komb. Eschollbrücken—Union Darmstadt

Am Samstag spielt: Erzhausen—Gräfenhausen

Ferner spielen am Sonntag:

Handball:

SKV Mörfelden—Ober-Roden (Endspiel um den Bezirkspokal) SKG Bauschh.—Hessenm. Dietzenb. TuS Rüsselsheim—Bad Vilbel

Fußball:

Rot-Weiß Walldorf—SKV Mörfelden Groß-Rohrheim—TSV Wolfskehlen

Am Samstag, dem 12. 8., findet in Darmstadt bei Arnold um 15.00 Uhr eine Vereins-Vertretertagung der A- und B-Klasse statt. Erscheinen ist Pflicht.

Tagesordnung: Spielsystem der A- und B-Klasse, Verschiedenes. -od-

Der süddeutsche Meister in Gernsheim

Während des Fischerfestes in Gernsheim tritt die Spvgg Fürth am Samstag um 17.30 Uhr am Kaffedamm gegen eine Riedauswahl an. Vor dem Spiel treffen die beiden Jugend - Kreismeister Gernsheim und Heppenheim zusammen. Die Heag und der Omnibusbetrieb Schüßler lassen Sonderfahrten zu dem großen sportlichen Ereignis nach Gernsheim laufen. Die Spvgg Fürth tritt in folgender Aufstellung an: Seidel; Maschinsky, Jäckel; Ehrhardt, Rueß, Göttinger; Ehrlinger, Frosch, Sieber, May, Landleiter.

Falter und Spanner unter Glas

In den Ausstellungen zur 750-Jahrfeier der Gemeinde Nieder-Ramstadt erregt eine große Schmetterlingssammlung in 46 Glaskästen besondere Bewunderung. Wir baten aus diesem Grunde unseren -er-Mitarbeiter um eine Betrachtung über diese Schau.

Die erste Abteilung enthält die Tagfalter (Diurna). Sie lieben den Sonnenschein und saugen an Blumen, Früchten und Baumsäften, sehr gern auch an Pfützen. Schmetterlinge aus der Gattung Papilio, zu welchen auch unsere einheimischen Schwalbenschwanz (machaon) und die Segelfalter (podalirius) gehören, befinden sich in einem weiteren Kasten. Segelfalter sind gewandte und schnelle Flieger. Die folgenden Augenspiegelfalter (Gattung Parnassius) bewohnen die Mittel- und Hochgebirge Europas und Asiens. Ihr Flug ist nie so elegant wie derjenige der Segelfalter, obwohl sie mit ihnen ganz nahe verwandt sind.

Zu den Weißlingen (Pieridae) gehören neben den bekannten Kohlweißlingsarten der Resedafalter (daplidice), der Aurorafalter (cardamines), die Heufalter (Gattung Colias) und der Zitronenfalter (Gonepteryxrhamni) mit seinen sichelförmig ausgebogenen Flügelspitzen. Viele Weißlingsarten tragen ein prächtiges Farbenkleid.

Die größte, in zahlreiche Gattungen untergeteilte Familie der Tagfalter bilden die Edelfalter (Nymphalidae). Zu ihnen zählen die Eisvögel (Limenitis), die Scheckenfalter (Melitaea), die Perlmutterfalter (Argynnis), die Mohrenfalter (Erebia) und viele andere. Die Schmetterlinge der Gattung Apatura sind unter der volks-Himvhen Bezeichnung Schillerfalter be-V- -.nt, weil die männlichen Falter die Eigenschaft besitzen, bei gewisser Beleuchtung in violetten Farbtönen zu schillern.

Die Bläulinge (Lycaenidae) sind zwar meist kleine Falterchen, entzücken aber das menschliche Auge durch ihren blauen Farbenglanz und ihren oft prächtigen metallischen Schimmer. Eigentümlich ist die Gewohnheit, beim Stillsitzen mit den Hinterflügeln reibende Bewegungen auszuführen, die wahrscheinlich Duft erzeugen sollen.

Die zweite Abteilung der Sammlung enthält die Nachtfalter (Phalaenae), die bei weitem verschiedenartigere Faltergruppen umfaßt als die der Tagfalter. Während alle Tagfalter gut ausgebildete Saugwerkzeuge haben, zeigen viele Nachtfalter zum Saugen untaugliche, weil hochgradig verkümmerte Mundteile. Unter den Schwärmern (Sphingidae) fällt besonders der robüste Totenkopf (Acherontia atropos) mit seiner auf der Oberseite des Thorax befindlichen Totenkopfzeichnung auf sowie der Oleanderschwärmer (Daphnis nerii), eine afrikanische Art, die alljährlich im Juni und Juli in Europa weit nordwärts wandert.

Der charakteristische Vertreter der Familie Bombycidae (Spinner) ist der Seidenspinner (Bombyx marD, dessen Raupe sich in einem Gespinst verpuppt, das bekanntlich die Rohseide liefert. Die Wollraupenspinnen (Lasiocampidae) tragen ihren Namen von dem zottigen Haarkleid ihrer Raupen. Unter vielen anderen Faltern findet man hier die tief kupferbraun gefärbte Kupferglucke (Gastropacha quercifolia) und die Pflaumenglucke (Odonestis pruni). Imposant wirkt das in der südlichen Schweiz und in Oesterreich-Ungarn vorkommende große oder Wiener N-'chtT'f"uenauge (Satumia nyri).

Die Schmetterlinge, die mit dem Namen Noctuidae (Eulenfalter) bezeichnet werden, zeigen eine außerordentliche Verschiedenheit in Größe, Färbung und Zeichnung. Sie werden in mehrere Untergruppen aufgeteilt. Besonders schöne metallische Flecken und mannigfaltige Zeichnung haben die Falter der Gattung Plus ia, lebhafte bunte Binden auf den Hinterflügeln die Ordensbänder (Catocale). Die Spanner (Geometridae) bilden eine der umfangreichsten Falterfamilien. Charakteristisch sind der zarte Körperbau und die breiten Flügel, die in der Ruhe meist flach auf die Unterlage aüsgebreitet werden. Zu unseren in der Färbung auffallendsten Schmetterlingen zählen die Blutströpfchen (Lygaenidae). Der Name Blutströpfchen bezieht sich darauf, daß die Falter bei Gefahr ein Tröpfchen ihres Sekrets zutage treten lassen. Wegen ihrer kräftigen, langen Fühler werden sie auch Widderchen genannt.

Unter den Schmetterlingen gibt es eine Anzahl Arten, die auf Grund ihrer Lebensweise als Kulturschädlinge zu bezeichnen sind. Der ärgste Feind der Kiefernwälder ist der Kiefernspinner (Dendrolimus pini); die Nonne (Lymantria monacha) ist der größte Forstschädling für die Fichte, während der Schwammspinner (Lymantria dispera) Laubholz und besonders Obstbäume heimsucht. Bezeichnend ist der Name Lymantria-Verwüsterin.

Kunstausstellung in Nieder-Ramstadt

Der Gedanke, in Verbindung mit der 750-Jahr-Foier eine Kunstausstellung zu machen,, ist sehr naheliegend. Dr. Landzettel bemühte sich in aufopfernder Weise um das Zustandekommen. Wenn man durch die alten verwinkelten Gassen Nieder-Ramstadts in die Ausstellung im Schu]haus kommt, merkt man zweifellos, wie dieser Geist an den Wänden zum Ausdruck kommt. Einige Perlen der städtischen Sammlung — August Lucas, J. K. Sehillbach und Georg All he i m — prägen das Gesicht.

Sympathisch und ruhig wirken die wesenhaften Landschaften Gustav Walds. Lothar Toller mit seinen Radierungen, fernöstlich orientiert, schreibt eine wildgezügelte, gekonnte Aquarellhandschrift. Ein klares Winteraquarell Hermann Veit es — Lindenbergweg im Winter — überzeugt sehr. Durch die etwas grafisch vorgetragenen Blätter Walter Habichts werden gute Anzeichen verwischt. Erfreulich, und das Niveau der Ausstellung ungemein hebend, stimmen die Bilder von Heinz Hohmann und Otto Feist. Der kürzlich verstorbene Heinz Hohmann war mit Leib und Seele Impressionist. Seine differenzierte Farbigkeit, besonders die der Grünwerte, zeigen die feine Kultur echten Augenerlebnisses. Otto Feist, der jetzt 25jährige, wirkt stabiler, massiger. Eine schöne Malerei und Delacroix’ Wort „Ein Bild muß ein Fest für die Augen sein“ findet hier Anwendung. Sein Weg ist konsequent. Wünschenswert wäre eine noch klarere Raumordnung.

Leider schleichen sich auch hier gänzlich mißverstandene romantische Landschaftserlebnisse ein. Bilder von Ferdinand Barth. Robert Eckert, Hans Ruh, sowie die typischen Schlafzimmerbilder des Malers Fal c h müssen hier genannt werden. Es ist schade, daß die an Sonntagsmalern doch so reiche Nieder-Ramstädter Gemeinde diesen, in diesem Rahmen unbedingt wichtigen Leuten so wenig Platz ließ. Der einzige Vertreter ist der gefallene Heinrich Bitsch mit einer anmutigen, versponnenen, eigenwilligen, sehr schönen Umsetzung des 1820 von Schillbach gemalten Dorfstraßenbildes von ’ Nieder-Ramstadt.

Die Fotoschau von Friedrich Emich, Trautheim, ist unkompliziert. Technische Reife und ein sicheres Auge verraten einen selbstbewußten doch streng an sich arbeitenden Fotografen. DT

Was aǔch interessiert:

Um von der Einquartierung verschont zu bleiben, hatte eine Frau in Büttelb o r n in einem Raum, in dem Flüchtlinge untergebracht werden sollten, den Boden aufreißen und ein Loch in die Wand brechen lassen. Das Kreiswohnungsamt hat unverzüglich Schritte hiergegen in die Wege geleitet. (cg)

Eine Obermeister-Tagung findet kommenden Montag im Caf6 Menne, Groß-Gerau, statt, bei der Präsident Gisbert ein Referat halten wird. Der Geschäftsbericht und der Haushaltsplan 1950/51 der Kreishandwerkerschaft kommen zur Erörterung. (cg)

Als ein schadhaftes Haltetau des Krans im Steinbruch des Groß-Bieberau e r Gemeindewaldes riß, wurde der Kran durch einen zirka 100 Zentner schweren Stein, der gerade hochgezogen werden sollte, aus seinem Gleichgewicht gebracht und stürzte mit seiner Last um. Es entstand glücklicherweise nur Sachschaden. (wr)

Ein Transformatoren-Häuschen will die Groß-Gerauer Stadtverwaltung im Hofe der Schillerschule errichten lassen, um dem erhöhten Stromverbrauch gerecht werden zu können. Die Arbeiten hierfür wurden jetzt ausgeschrieben, (cg)

Der Sport

SV 98 startet mit den Stuttgarter Kickers

Doppelveranstaltung im Hochschulstadion

Die schreckliche Zeit der Fußballanhänger ist vorüber. Der Fußball rollt wieder. Die Männer freuen sich, daß sie nicht mehr die Sonntagnachmittage mit Tanten- und Schwiegermütterbesuchen ausfüllen müssen, sondern nach dem Mittagessen — auf geht's! — Richtung Sportplatz enteilen können, die Jungens brauchen nicht mehr artig an der Seite des Elternpaares spazieren gehgn, auch sie bekommen für die Sonntage wieder ihre zwei Stunden Dispens.

Die Darmstädter erwarten morgen mit Spannung das erste Auftreten der 98er gegen die sehr spielstarke Elf der Stuttgarter Kickers. Diese Begegnung darf nicht als Freundschaftsspiel in herkömmlichem Sinne gewertet werden, denn die Gäste kommen mit der Absicht, zu beweisen, daß sie zu Unrecht abgestiegen sind und noch immer einen besseren Fußball zu spielen verstehen, als die Mannschaften, die statt ihrer in das Oberhaus aufgerückt sind. So wird die Auseinandersetzung des Abgestiegenen mit dem Aufsteiger zu einem Prestigekampf, der schon einen Vorgeschmack von dem bringen wird, was ab 20. August zu erwarten ist. Beide Vereine werden zudem die Begegnung benutzen, um aus ihrem großen Spielermaterial die für die Punktspiele bestmögliche Aufstellung herauszufinden.

Die 98er übten zwar schon recht überzeugend am vergangenen Samstag mit einer A- und B-Mannschaft, spielten dann am Mittwoch auswärts weniger zufriedenstellend gegen die Spielvereinigung 1900 Gießen nur unentschieden und werden nun am Sonntag die erste große Kraftprobe zu bestehen haben. Das Tor wird in der ersten Halbzeit Dr. Barth hüten, nach der Pause wird ihn Ruhl ablösen. Die Verteidigung dürfte mit Leichtlein und Abt, die Läuferreihe mit Barth, Schmidtmer und Herder kaum stärker besetzt werden können. Für den Sturm stehen Herwig, Becker, Bohmann und Mühlbach fest, während auf Rechtsaußen Reeg und Thrän jeweils eine Halbzeit stürmen werden.

Die Stuttgarter Kickers haben einen guten Namen im deutschen Fußballsport, und es wurde allgemein bedauert, daß dieser bekannte Verein in der vergangenen Saison so vom Pech verfolgt war, daß ihm schließlich der Abstieg nicht erspart blieb. Die Elf hat aber für die Spiele in der 11. Division ihre entstandenen Lücken durch Neuzugänge so gut ausgefüllt, daß sie berechtigte Hoffnungen haben darf, im nächsten Jahre wieder im Oberhaus zu erscheinen. Im Tor steht Goth, der 1948 von den Stuttgarter Sportfreunden zu der abgestiegenen Spvgg Fürth überwechselte und dieser Mannschaft nicht nur den Wiederaufstieg, sondern im nächsten Jahre auch die süddeutsche Meisterschaft mit erkämpfen half. Wird er auch die Degerlocher wieder in die Oberliga bringen? Die Reihen der Verteidigung wurden mit frischem Blut aufgefüllt. So steht rechts die Neuerwerbung Schnee vom Stuttgarter Sportklub und links Vogler vom SV Untertürkheim, während die Läuferreihe mit den bewährten Kämpen Herberger, Fauser. und Handschuh besetzt ist. Im Sturm ist neben den Stammspielern S. Kronenbitter, Pflum und Dreher, der nach seiner Meniskusoperation erstmals wieder dabei ist, ' wieder der zweifache internationale Schaletzki, der vor zwei Jahren nach Freiburg abgewandert war. Pfisterer kam vom FV Zuffenhausen. Aus Auswechselspieler kommt Soßna mit, der ebenfalls lange Zeit wegen einer Meniskusoperation pausieren mußte.

Beginn des Spieles 16.15 Uhr. Vorher spielt die erste Handballmannschaft des SV 98 -gegen den Saarlandmeister SG Hassel.

Stuttgarter Kickers: Goth; Schnee, Vogler; Herberger, Fauser, Handschuh; S. Kronenbitter, Pfisterer, Dreher, Schaletzki, Pflum.

SV 98: Dr. Barth (Ruhl); Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Reeg (Thrän), Mühlbach, Bohmann, Becker, Herwig. Es ist genau 25 Jahre her, seitdem die Stuttgarter Kickers das letzte Mal in Darmstadt gegen den SV 98 gespielt haben. Am 2. August 1924 wurden sie von der Mannschaft Girnscheid; Steffan, Laumann; Bärenz, Kratz, Ruppel; Berger, Müllmerstadt, Takacs, Jakobi und Frick mit 5:1 geschlagen.

Der Sportsonntag des Jahres

Eine Fülle von Deutschen Meisterschaften wird am Wochenende entschieden

B. G. Als „Sportsonntag des .Jahres“ darf man den 6. August bezeichnen, ohne sich auch nur im geringsten einer Uebertreibung schuldig zu machen. Ein kurzer Blick auf das Programm genügt, um die Bestätigung zu finden. Da stehen die Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik, im Rudern, Golf, Amateurboxen, Freistilringen, Amateur-Bahnfahren, Wasserball, sowie die Titelkämpfe der Jugend im Tennis, Baskett-Ball und Rollsport hart nebeneinander. Das allein würde schon genügen, um jeden Sportredakteur in einen schweren Konflikt mit seinen Platzverhältnissen in der Zeitung zu bringen. Aber die Meisterschaften machen nur ungefähr fünfzig Prozent des Programms aus, hinzu kommen ein großes Fußball- und Handballprogramm, der der „Große Bergpreis von Deutschland“ auf dem Schauinsland bei Freiburg (Zweiter Meisterschaftslauf der Wagen), wichtige Galopprennen, interessante Berufsboxkämpfe und manches andere mehr. Es fehlt jetzt schon der Raum, um auch nur auf die wichtigsten Dinge näher einzugehen, wir müssen uns daher einmal auf die Aufzählung der einzelnen Veranstaltungen beschränken:

Fußball: DFB-Lehrgangsspiel in Duisburg; Freundschaftsspiele, u. a. Vienna Wien bei RW Oberhausen und Bor. M.-Gladbach, Austria Wien bei FC St. Pauli Hamburg und Weder Bremen, Admira Wien bei Altona 93 und Flensburg 08 Bor. Dortmund—SpVg Fürth (in Bad Harzburg), VfR Mannheim—Kickers Offenbach (in Ebersbach), Schalke 04— I.FC Kaiserslautern, I.FC Saarbrücken bei München 60.

Handball: Internationales Jugendtumier in Geislingen (bis So.), Polizeimeisterschaft: Niedersachsen—Hessen in Hannover.

Basketball: Deutsche Jugendmeisterschaft in Darmstatt (Fr.—Sa.).

Tennis: Deutsche Junioren-Meisterschaften in Cannstatt (Fr.—So.); Meisterschaften von Hessen in Kassel, Internationales Turnier in Köln, u. a. mit Drobny, Quist, Weiß, v. Gramm, Buchholz, Dorothy Head, Rita Anderson, Ingo Pohmann, Frau Weiß, Alice v. Tarny.

Golf: Internationale Deutsche Amateurmeisterschaften in Krefeld.

Leichtathletik: Deutsche Meisterschaften (Mäner u. Frauen) in Stuttgart (Sa., So.); Außerordentliche DLV.- Tagung in Stuttgart.

Wasserball: Deutsche Meisterschaft in Wuppertal mit SSF Barmen (Titelverteidiger), Wasserfreunde Wuppertal, Duisburg 98, Wasserfreunde Hannover, Bayern 07 Nürnberg und Südring Berlin, SV Augsburg—l. Linzer SC.

Rudern: Deutsche Meisterschaften auf dem Maschsee in Hannover.

Boxen: Berufsboxen in Dortmund mit Endausscheidung Deutsche Schwergewichtsmeisterschaft Neuhaus-Seelisch und Peter Müller-Streicher; Deutsche Amateurbox-Meisterschaften in Essen.

Schwerathletik : Deutsche Meisterschaft im Freistil-Ringen in Ebersbach (Sa., So.).

Radsport: DeutscheAmateur-Bahnmeisterschaften Sn München (Sa., So.), Steherrennen in Köln-Riehl (Fr.), Frankfurt, Düsseldorf und Bamberg.

Motorsport: „Großer Bergpreis“ Freiburg-Schauinsland.

Pferdesport: Galopprennen in Frankfurt, Dortmund, München und Hannover.

Turniersport: Olympia-Vorbereitungs-Vielseitigkeitsprüfung in Herborn (Sa., So.).

Auch DRC sucht seine Meister

3. Lauf zur Clubmeisterschaft des Darmstädter Radsportclubs 1919

Sonntag, den 6. August 1950, pünktlich vormittags um 8.30 Uhr, wird sich auf der Rundstrecke „Rund um Kranichstein“ die Rennfahrer-Abteilung des DRC 1919 ihrem Starter zum 3. Clublauf im Massenstart stellen. Das Rennen, das über 20 Runden, (84 km) ausgetragen wird, dürfte sehr interessant werden und es ist heute noch eine sehr interessante Frage, welcher Fahrer zuerst die 84 km durchfahren wird. Außer der Junioren-Mannschaft fährt auch die Jugend in zwei Klassen über je zehn Runden (42 km).

Nach Beendigung des Rennens findet in der Restauration Katzenbach, Kastanienallee, Preisverteilung und Sieger¬ ehrung statt.

ABC boxt gegen Baden-Auswahl

Es herrscht Großkampfstimmung im Lager der Amateurboxer. Die Eberstädter haben sich allerhand vorgenommen. Kein Geringerer als die badische Länderstaffel wird heute gegen die ABC-Mannschaft durch die Seile klettern. Zehn Kämpfe vom Fliegengewicht bis zu Schwergewicht — die Mittelgewichtsklasse ist sogar doppelt besetzt — stehen auf dem Programm. Die Einheimischen werden durch den Halbschwergewichtler Willnow (Rüsselsheim) verstärkt, so daß folgende Paarungen zustande kommen: Fliegengewicht Weigel (D)—Drakert (B); Bantamgewicht Bischoff (D)—Hitscherich (B); Federgewicht: Kohl (D)—Betzschka (B); Leichtgewicht: Nicoley (D) —Schuhmacher (B); Weltergewicht: H. Knieß (D)—Müller I (B); Mittelgewicht: Formella (D)—Dörr (B), Ströher (D)— Müller II (B); Halbschwergewicht: Willnow (D)—Schulz (B); Schwergewicht: Heinz (D)—Scheuermann (B).

Vor den Hauptkämpfen treffen im Jugend-Fliegengewicht Heckhaus (D) und Spät (B) aufeinander. Beginn der Kämpfe 20 Uhr, nicht wie vorgesehen, im Hof der Fa. Heß, Ecke Rhein- und Neckarstraße, sondern im „Schwanen“ in Eberstadt.

SV 98 - SG. Hassel im Handball

Zum Abschluß ihrer Handball-Jubiläumswoche empfangen die 98er Handballer am Sonntag, um 15 Uhr im Hochschulstadion den mehrjährigen Saar-Handballmeister, die SG Hassel.

Wir grüßen die Sportkameraden von der Saar auf das herzlichste und heißen sie in unserer Mitte willkommen. Mögen sie in den zwei Tagen, während deren sie in Darmstadts Mauern weilen, erleben, daß wahre Sportkameradschaft sich über alle Hemmnisse und sonstigen Erschwernisse hinwegsetzt.

Mit den Handballgästen aus Hassel verbindet die Handballabteilung des SV 98 seit ihrem Besuch vor einigen Monaten eine herzliche Freunschaft, um so mehr, da der 98er Rechtsaußen Kurt Schäfer aus Hassel stammt. Bei ihrem Besuch in Hassel konnten die 98er feststellen, daß in dem handballfreudigen Dorf ein wirklich ausgezeichneter Handball gespielt wird. Die Darmstädter hatten es seinerzeit nur einer ausgezeichneten Mannschaftsleistung und dem hervorragenden Torhüter Rupp zu verdanken, daß sie mit 10:8 siegreich bleiben konnten. Es war, nebenbei bemerkt, für Hassel die erste Heimniederlage seit drei Jahren. Auf allen Posten gut besetzt und im Durchschnittsalter von 33 bis 24 Jahren, spielen sie einen modernen, zweckmäßigen Handball unter Einsatz der ganzen Mannschaft. Die Hasseler Elf hat bei internationalen Spielen in Spanien, Belgien und Holland hervorragend abgeschnitten, in Spanien blieben sie unbesiegt.

Bei den 98ern gibt es am Sonntag insofern eine kleine Veränderung in der Mannschaftsaufstellung, als für den verletzten Seipp der Junior Göbel das Tor hüten wird. Wenn er frei von Nervosität auf das Spielfeld geht, dürfte er zu einer schönen Leistung befähigt sein. Im übrigen sei gesagt, daß die Mannschaft1 sich augenblicklich wieder auf einer aufsteigenden Linie befindet. Es wird ihr hoffentlich gelingen, endlich einmal wieder vor einem gutbesetzten Stadion eine ansprechende Leistung hinzulegen. -r

SV 98er Handballer übten öffentlich

Die Handballer des SV 98 zeigten am Donnerstag umfangreichen Trainingsbetrieb. In den Abendstunden, vor Beginn des Reservespieles SV 98 — TG Auerbach, brachten die einzelnen Mannschaften einen Ausschnitt aus ihrem Trainingsprogramm. Unter der Leitung des Trainers Georg Creter und des Jugendleiters Fritz Emig entwickelte sich für wenige Minuten ein buntes Treiben. Neben der Frauen-Mannschaft waren 3 Schüler-, 3 Jugend-, 3 aktive Mannschaften, sowie 1 Alte-Herren-Mannschaft an der Arbeit. Nach einem abschließenden.’ kurzen Lauftraining dankte der 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Grünewald, den Beteiligten für die geleistete Arbeit und ermahnte sie. weiterhin im Geiste der Lilie und der Handballtradition des SV 98 weiter zu wirken. Bezirksfachwart Georg Walter überbrachte die Grüße des Handballbezirks und wünschte ebenfalls für die Zukunft das Beste.

In dem sich daran anschließenden Spiel besiegten die gut aufgelegten jungen Reservisten des SV 98 die 1. Mannschaft der TG Auerbach mit 16:2 Toren. Dabei zeigten sie. daß sie in den letzten Jahren vieles gelernt haben und sich in einer sauberen Kondition befinden. SR. Pleyer war ein guter Leiter des Treffens.

TSG 46—SG Sprendlingen

Am kommenden Sonntag findet um 11 Uhr vormittags auf der Woogswiese ein Handballfreundschaftsspiel der TSG46 gegen die SG Sprendlingen statt, das den Auftakt zu der neuen Spielsaison sein soll. Dabei soll gleichzeitig die neu aufgestellte Mannschaft der TSG 46 ihre Feuerprobe bestehen. Im Laufe dieses Monats sollen dann noch mit weiteren stärkeren Vereinen die Kräfte gemessen werden. Durch eifriges Training und die kommenden Freundschaftsspiele soll die Mannschaft für die Verbandsrunde fitgemacht werden, damit sie in der Lage ist, sich einen guten Tabellenplatz zu erkämpfen. — Im Vorspiel, das um 9.45 Uhr beginnt, stehen sich die Reservemannschaften der beiden Vereine gegenüber. -th-

Auftakt zum 75er Jubiläum im Woog

Als erste sportliche Veranstaltung steigt am Sonntag das bezirksoffene Schwimmfest, das eine ausgezeichnete Besetzung aufweist. 25 Wettkämpfe mit Jugend, Aktiven und Alten Herren verzeichnet das Meldeergebnis.

Am Vormittag kommen in erster Linie die Jugendkämpfe zum Austrag, denen als Abschluß ein Wasserballspiel des DSW 11. gegen Reinheim folgt. Der Nachmittag bringt interessante Rennen, wobei u. a. die 3x50- m-Lagenstaffel, die 100 m Brust für männl. Jugend mit einer ausgezeichneten Besetzung, weiter die 50 m Kraul für alte Herren, wobei alle Vertreter des DSW und der TG 75 am Start sind. Ebenso spannend dürfte, die Begegnung bei 50 m Kraul für die 35—40 jährigen liegen und die Damenkämpfe über 100 rn Kraul Kl. 3 und 4 sein. Ueber 100 m Rücken Kl. 4 liegen 8 Nennungen vor und die 4x50- m-Kraulstaffel wird einen Zweikampf zwischen DSW und TG 75 bringen.

Als Abschluß folgt noch ein Wasserballspiel zwischen den Traditionsmannschaften von DSW 12 und der TG 75 Darmstadt.

Eine Bereicherung erfährt das Programm noch durch die Mitwirkung der Springerschule Rüsselsheim mit den neuen Hessenmeistern u. a. Frl. Weilbach und voraussichtlich Stork (Frankfurt). kof.

Entscheidung in der Meisterschaft

Rollhockeyderby TSG gegen RSC

Auf der Rollschuhbahn am Woog werden am Samstagabend um 18 Uhr die Wogen wieder hochschlagen. Es stehen sich die TSG Darmstadt (Hessischer Rollhockeymeister des Vorjahrs) und der RSC Darmstadt im Endspiel um die Hessenmeisterschaft 1950 gegenüber.

Wie bei allen Lokal- und Endspielen, wird es auch hier ein spannendes Treffen geben. Mit ihrem Punktvorsprung würde den bis jetzt ungeschlagenen Mannen vom Woog auch ein Unentschieden reichen. Der RSC wäre dann an 2. Stelle. Bei einem Sieg der TSG jedoch würden der RSC Darmstadt und der RC Langen punktgleich, wobei das bessere Torverhältnis den Ausschlag geben müßte. Der 2. Platz ist ebenfalls begehrt, denn zu den Süddeutschen Rollhockeymeisterschaften fahren zwei hessische Vertreter.

Die Mannschaften: TSG: Clausen, Mangold, Przementski, Fuß, Zörgiebel und Häuser. RSC: Witzel, Schulz, Trautmann, Kraft, Bender und Traser.

Sollte das Spiel wegen Regens am Sonnabend ausfallen, wird es am Sonntag, 18 Uhr, am Woog nachgeholt.

Die 11. Mannschaften beider Vereine spielen ebenfalls um Punkte. Bei der TSG wirkt erstmals wieder Koppert im Sturm mit.

Sommernachtsfest der TSG 46 fällt aus

In Anbetracht der naßkalten Witterungslage fällt das für heute abend angesetzte Sommernachtsfest der Darmstädter Turngemeinde 46 aus. Hingegen finden das für heute 18 Uhr angesetzte Rollhockeyspiel um die Hessenmeisterschaft zwischen TSG 46 und RSC Darmstadt auf der Rollschuhbahn am Woog und die Sonntagsveranstaltungen auf der Woogswiese statt.

Alle Vereine des Kreises Darmstadt werden nochmals darauf hingewiesen, daß auch bei Freundschaftsspielen Schiedsrichter anzufordern sind.

Ohl, Kreisschiedsobmann, ( Darmstadt, Büdinger Str. 39

Wo gehen wir zum Wochenende hin?

Samstag: 8.30 Uhr: Basketball, Schlußkampfe um die deutsche Jugend-Meisterschaft, Turnhalle Arheilgen; 18.00 Uhr: Rollhockey, TSG 46—RSC, Rollschuhbahn hinterm Woog; 20.00 Uhr: Boxen, ABC-Badische Auswahl im „Schwanen“ Eberstadt. — Sonntag: 8.30 Uhr: Radfahren, Meisterschaften des DRC, Schloß Kranichstein; 9.00 Uhr: Schwimmen, Jubiläumskämpfe, Jugend und Vorläufe, im Woog; 14.30 Uhr: Schwimmen, Jubiläumskämpfe, Aktive und Alte Herren, Kunst- und Turmspringen, Wasserball, DSW 12 —TG 75, im Woog; 15.00 Uhr: Handball, SV 98 —SG Hassel, Hochschulstadion; 16.15 Uhr: Fußball, SV 98—Stuttgarter Kickers, Hochschulstadion.

Jubiläums-Meisterschaften der Leichtathleten

Zum 50. Male — Zwei Tage Großkämpfe in Stuttgart

Stuttgart und sein Neckarstadion stehen am Wochenende im Zeichen der 50. Deutschen Leichtathletikmeisterschaften. Auch wenn es sich nicht um eine Jubiläums Veranstaltung, die fünfzigste Wiederkehr der Meisterschaften, handeln würde, darf man annehmen, daß die rührige schwäbische Hauptstadt auch dieses Fest wieder — wie schon andere vorher — in ganz großem Rahmen aufziehen wird. Alle Vorbereitungen deuten darauf hin, daß es auch am Samstag und Sonntag wieder so sein wird.

87 über 42,5 Kilometer

Die 50. Deutschen Leichtathletikmeisterschaften haben ein großes Meldeergebnis gebracht. Obwohl die Mindestleistungen gegenüber dem Vorjahr beträchtlich heraufgesetzt wurden, bewerben sich um die Titel eines deutschen Leichtathletikmeisters insgesamt 760 Teilnehmer aus 195 deutschen Vereinen. Die große Ueberraschung ist die starke Besetzung des Marathonlaufes über 42,5 Kilometer, der nicht weniger als 87 Nennungen aufweist und damit die am stärksten besetzte Disziplin ist. An zweiter Stelle rangieren die Meldungen im 100-Meter-Lauf, die sich auf 60 belaufen. Am schwächsten besetzt sind das Hammerwerfen und das 10-km Bahngehen mit je elf Startenden. Bei den Frauen ist das Diskuswerfen außerordentlich gut besetzt. Mit 23 Teilnehmerinnen stellt es zusammen mit dem 100-Meter-Lauf an der Spitze. Am schwächsten besetzt ist hier die viermal 100-Meter-Staffel mit 15 Meldungen.

Wägt man in den einzelnen Disziplinen die Chancen der etwa 760 Teilnehmer gegeneinander ab, so stehen erfreulichen Fortschritten auch weniger günstige Ergebnisse gegenüber. Eine starke Stagnation tritt vor allem bei den Springern auf. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, daß auch hier überraschende Leistungen geboten werden. Im großen und ganzen geht es aber bei den diesjährigen Meisterschaften darum, festzustellen, inwieweit wir Anschluß an die europäische Spitzenklasse gefunden haben. Ist das Wetter den Kämpfen günstig, so sollte dabei ein durchaus erfreuliches Ergebnis herauskommen.

Von Samstag bis Sonntag

Das Programm wird an zwei Tagen durchgeführt. Dreizehn der 32 Titel werden bereits am Samstag vergeben. Die Reihenfolge der Entscheidungskämpfe ist dabei wie folgt festgesetzt:

Samstag (ab 15 Uhr). Männer: Marathonlauf, Hochsprung, 200 Meter, 1500 Meter, Dreisprung, 10 000 M^ter, Diskus, 400 Meter Hürden, 10 km Bahngehen; Frauen: 200 Meter, Weitsprung, 80 Meter Hürden, Kugelstoßen.

Sonntag (ab 15 Uhr). Männer: Stabhochsprung, Kugelstoßen, 800 Meter, 100 Meter, 400 Meter, 3000 Meter Hindernislauf, Weitsprung, Speerwerfen, 5000 Meter, Hammerwerfen, viermal 100 -Meter-Staffel, dreimal 1000-Meter-Staffel, viermal 400-Meter-Staffel; Frauen: Hochsprung, Speerwerfen, 100 Meter, Diskuswerfen, viermal 100-Meter-Staffel. -f. Kr.

Ehrung für Ritter von Halt

Kongreß des Deutschen Leichtathletikverbandes

B. G. Stuttgart. (Eigener Bericht.) Im Rahmen seiner 50. Deutschen Meisterschaften hielt der Deutsche Leichtathletikverband am Freitag in Stuttgart einen außerordentlichen Kongreß ab. In seinem großen Rechenschaftsbericht bezeichnete der Verbandsvorsitzende, Dr. Danz, die Entwicklung der deutschen Leichtathletik in den fünf Nachkriegs jähren als durchaus erfreulich. Das Verhältnis zwischen Fachverbänden und Landessportbünden habe sich gebessert. Man dürfe auch zuversichtlich hoffen, daß sich die Gründung des Deutschen Sportbundes am 14. und 15. Oktober in Hannover reibungslos vollziehen werde.

Ueber die Wiederaufnahme des Deutschen Leichtathletikverbandes in den Internationalen Verband werde am 26. und 27. August in Brüssel beim Internationalen Leichtathletikkongreß aus Anlaß der Europameisterschaften entschieden. Die deutschen Leichtathleten vertrauten darauf, daß sich dabei die Tore zur Welt für die deutsche Jugend wieder öffneten.

Die Entscheidung über die Wahl des Schauplatzes für die deutschen Leichtathletikmeisterschaften 1951 wurde dem Verbands vorstand überlassen, der am 26. August in Duisburg zusammentreten will.

Mit dem sehr herzlichen Beifall der Versammlung wurde die Mitteilung von Dr. Danz aufgenommen, daß sich der Vorstand entschlossen habe, den verdienten Förderer der deutschen Leichtathleten, Dr. Karl Ritter von Halt, zum Ehrenvorsitzenden des Verbandes zu ernennen. Dr. von Halt, der erst vor kurzem aus einem Konzentrationslager der sowjetischen Zone entlassen worden ist, gab das Versprechen ab, daß er sich auch weiterhin nach Kräften für die deutsche Jugend einsetzen werde, vor allem auch auf internationalem Gebiet.

Der neu geschaffene goldene Ehrenring des Deutschen Leichtathletikverbandes wurde an die folgenden sieben Pioniere des Sports verliehen: Hans Borowick, Christian Busch, Konstantin Jersch, Johann Krause, Willi Kohlmey, August Leunig (Frankfurt) und Josef Waitzer.

Olympischer SC Berlin vor der Meisterschaft

Der zweite Tag der Spiele um die Deutsche Jugend-Meisterschaft im Basketball brachte zwar keine Ueberraschungen, doch mußten die Favoriten z. T. schwer kämpfen, um ihre Positionen zu behaupten.

So nahm das entscheidende Spiel der weiblichen Jugendmannschaften zwischen OSC Berlin und SKG Roßdorf einen dramatischen Verlauf. Bei Halbzeit schien das Rennen für den OSC bereits gelaufen, denn die 22:8-Führung der Berlinerinnen war sehr überzeugend. Als aber die Berliner Mädel nach Seitenwechsel ihr aggressives Spiel mit zahlreichen persönlichen Fehlern bezahlen mußten und dadurch vier gute Spielerinnen ausschieden, bekam Roßdorf immer mehr Oberwasser und verkürzte auf 21:26. Berlin hielt jedoch den knappen Vorsprung und wurde verdienter Sieger.

Im zweiten Frauenspiel gab es einen verbissenen Kampf zwischen dem VfL 48 Bad Kreuznach und dem BC Heidelberg, den die Kreuznacherinnen mit 32:20 für sich entscheiden konnten.

Die Tabelle der weiblichen Jugend nach dem zweiten Spiel:

Der BC Heidelberg und die Neuköllner Sportfreunde wahrten auch am Freitag ihre Favoritenstellung. Beide Mannschaften liegen jetzt ohne Punktverlust an der Tabellenspitze und werden am Sanas-

tag um 10.30 Uhr im entscheidenden Spiel aufeinander treffen. Der Deutsche Jugendmeister besiegte die am Vortage ebenfalls angeschlagenen Bad Kreuznacher 34:21 und fertigte auch Göttingen 64:11 ab. Neukölln hatte es zunächst mit dem ATV 1877 Düsseldorf zu tun, der mit 42:26 Körben die Ueberlegenheit der Berliner anerkennen mußte.

Den zweiten Sieg errangen die „Sportfreunde“ mit 46:21 gegen Bad Kreuznach, das somit eine abermalige Niederlage erlitt und aus der Reihe der Anwärter um den Meistertitel ausschied.

Der Hessenmeister TSG 1846 Darmstadt gewann nach hartem Kampf gegen Göttingen knapp 22:16 und nach einem Halbzeitrückstand von 7:9. Gegen den ATV 1877 Düsseldorf hingegen spielten die Darmstädter in Hochform und besiegten ihre Gegner 48:27.

Tabelle nach dem zweiten Spieltag:

Schauplatz war auch diesmal die Arheilger Turnhalle, wo auch am Samstag, 8.30 Uhr, die Spiele fortgesetzt werden.

1. OSC Berlin 76:32 4:0
2. SKG Roßdorf 51:39 2:2
3. VfL Bad Kreuznach 45:50 2:2
4. BC Heidelberg 31:82 0:4
1. BC Heidelberg 204: 99 8:0
2. Sportfr. Neukölln 175: 75 8:0
3. VfL 48 Bad Kreuznach 116:121 4:4
4. TSG 46 Darmstadt 120:132 4:4
5. ATV 1877 Düsseldorf 115:184 0:8
6. Turpo 1861 Göttingen 51:170 0:8

WIR GESTALTEN IHR Heim

Wohnung und Raumgefühl

Bei der Vielgestaltigkeit unserer derzeitigen Wohnbauten und der Mannigfaltigkeit der Zweckausnützung eines Raumes gibt es keine patentierten Behelfslösungen. Es bleibt nur die Möglichkeit, eine Funktion zum Nachteil einer andern zu bevorzugen — so tritt der Charakter des Schlafraums stärker in Erscheinung als der des Wohnraums, wenn man glaubt, auf das Bett an Stelle einer überdeckten Matratze nicht verzichten zu können. Doch man kann mit ein paar Farben und etwa Stoff den Charakter des Nützlichen zum Vorteil des Wohnlichen zurücktreten lassen, wie es zahlreiche geschickt hergerichtete Wohnküchen beweisen.

Nicht jeder hat das Glück wie jene Frau, die ein paar schöne Teppiche, etwas Wäsche und Geschirr gerettet hatte, und die mit einem durch ihren Beruf geschulten Blick aus altem Gerümpel einen verwahrlosten, halbverfallenen Schrank und ein paar Stühle hervorgezogen hat, mit denen sie sich in zwei Dachkammern ein reizvolles Heim einrichtete.

Der Haushalt braucht nicht reich, diä Einrichtung nicht neu zu sein, damit Behaglichkeit sich einstellt. Man kann sehr wohl einfach und schlicht und doch sehr behaglich und schön wohnen. Wir sehen heute vor allem auf eine zweckmäßige Raumausnutzung. Unser Raumgefühl hat sich gewandelt. Die Möbel sind zudem beweglicher geworden. Die Zimmer sind auch kleiner geworden, so daß sich jede Raumverschwendung schon aus diesem Grunde verbietet. Wir nutzen deshalb mehr die Ecken aus und gewinnen dadurch eine größere Bewegungsfreiheit.

Haben wir nur einen Wohn- und Eßraum, so läßt sich hier mit einer Couch, ein paar Stühlen und einem kleinen Tischchen eine nette Wohnzimmerecke herrichten. Der ausziehbare Eßtisch und der Geschirrschrank lassen sich bei richtiger Anordnung trotzdem zweckentsprechend aufstellen. Solch Zimmer braucht durchaus nicht „uneinheitlich“ zu sein. Wenn alles in einem bestimmten Verhältnis zueinander steht, dann wird auch ein aus verschiedenen Möbeln zusammengestelltes Zimmer als wohnlich empfunden werden.

Entscheidend für die Behaglichkeit eines Raumes ist seine Farbwirkung. Von ihr ist die Stimmung des Zimmers abhängig und damit zugleich der Einfluß, den dieses Zimmer auf den oder die Bewohner ausübt. Bei der Wahl der Farben, z. B. bei Tapeten und Gardinen, ist es gut, eine fachmännische Beratung zu haben. Eine ähnliche Rolle wie die Farbe spielt die Lichtwirkung, sei es nun der Einfall des Lichtes von außen oder das Licht, das uns die Beleuchtungskörper spenden.


Wehnraum mit Eßplatz am Ofen, in mehrfarbig getöntem Fichtenholz. Sessel in Esche mit grünen Bezügen
Wehnraum mit Eßplatz am Ofen, in mehrfarbig getöntem Fichtenholz. Sessel in Esche mit grünen Bezügen

Gardinen zieren ihr Heim

Erinnern Sie sich der Jahre der Dunkelheit? Als wir die Fensterrahmen mit Pappe vernagelten und nach jeder neuen Luftmine schräg gegenüber aufs neue wider den Zugwind die klapprigen Rahmen mit den Pappen neu verrammelten, als wir Tag und Nacht in der Finsternis hockten? Damals wurde mir Glas zum Inbegriff aller nur erdenklichen Wunschträume und Idealvorstellungen großen, freien, menschenwürdigen Lebens. Nach dem Krieg würden wir alle Maler werden, dachte ich, uns Riesenatelierfenster bauen und das Licht, das helle, befreiende, in wahren Fluten hereinströmen lassen in unsere neuen, kahlen Behausungen. Auch würde das Verhüllende, Dämpfende jedweden Vorhangs, jeder Gardine, jeden Ueberwurfs, die Draperie, das Salonhaft-Gesellschaftliche wohl schwerlich noch zu unserem Lebensstil passen. Dachte ich. Aber da kam der New Look, und da kam unaufhaltsam und mit elementarer Gewalt die Rückkehr zum Intimen, Bürgerlichen, zum Sanften, Zarten, zum Weiblichen, zur gerafften Gardine. Ich bin geschlagen. Das Weib hat die Gardine erfunden. Es liebt die Hüllen. Es ist und bleibt die Herrin der Interieurs, der Rüschen, der Faltenwürfe, der Raffungen und der Fransen. Und ich hatte von einem Landhaus geträumt ohne Nachbarn mit weiten Fenstern, die auf den wildwachsenden Garten hinausgehen, von einem Leben sans gene, ich hatte geglaubt, daß kein Frisiertisch und keine Sofakissen, keine Tischlampen und keine Biedermeiermedaillons, keine Büchschen und keine Döschen samt all den Spiegelchen und Samtschleifen — daß nur Licht und Freiheit und Atelier übrigbleiben würden. Aber die Gardinen sind wieder da. Ich bin geschlagen.

Bequemlichkeiten im kleinen Heim

Gewiß — wir sind mehr als bescheiden geworden. Aber den beschränkten Raum, der uns heute als Wohn-, Eß-, Schlaf- und oftmals auch als Arbeitszimmer zur Verfügung steht, sollten wir so zweckmäßig und behaglich wie nur möglich einrichten.

Behaglich da haben wir es! Was ist behaglich? Hatten wir nicht schon manchmal bei einem Besuch in einer fremden Umgebung das Empfinden: hier möchtest du leben? Hier engen dich weder Decke noch Wände, noch verlierst du dich im Raum; du hast Atem- und Ellenbogenfreiheit! Alles paßt, alles fügt sich ringsum und umschließt dich mit wohliger Harmonie! Es ist im wesentlichen eine Leistung des Menschen, ob er sich in seiner Behausung wohl fühlt oder nicht. Raum ist in der kleinsten Hütte — nicht wahr? Es steckt etwas Wahres darin. Nur — es kommt eben darauf an, was man aus dem Raum macht.

Richten wir einmal im Geiste unsere heutige Wohnung ein. Grundsatz: kleiner geht’s nimmer. Wer sich etwas durch Ausbau auf dem Lande oder unter besonders günstigen Verhältnissen noch unbehelligt mehrere Räume leisten kann, wird nach wie vor auf die alte Einteilung — Wohnraum, Schlafraum, Küche — zurückgreifen und findet heute schon wieder durchaus Brauchbares für nicht wesentlich überteures Geld. Der große Durchschnitt hat dagegen nur einen Wohn-Schlafraum: Alleinstehende, junge Eheleute. Sie werden sich aufs „Kombinieren“ verlegen. Auch hier zeigen Möbelindustrie und Handwerk bereits ansprechende Lösungen.

Die Einraumwohnung wird deshalb auf Mehrzweckmöbel, Schlaf-Couch und Schrankkombinationen nicht verzichten. Das Sinnvolle und Zweckentsprechende ist dabei auch hier immer das Schönste.

Auch der übrige Hausrat — Leuchten, Teppiche, Gardinen, Porzellan und Bestecke — folgt dem Zuge zur Schlichtheit. Der Gehalt macht’s!, sagte man früher. Auch hier verdrängt die zweckmäßige und sinnvolle Form den Massenschnörkel. Glücklicherweise gibt es auf diesem Gebiet eine Zahl von Firmen, die auch heute schon wieder Gutes anbieten. Lediglich unter der Vielzahl der angebotenen Lampen njuß man noch sehr nach Geschmackvollem suchen. Ob man sich dann Gardinen vor die Fenster hängt oder mit schlichten Vorhängen vorlieb nimmt, die am Tage zur Seite gezogen, das Licht voll ins Zimmer lassen, ist Geschmackssache. Auch ob man einen Raum, vielleicht mit-

samt der Decke,' tapezieren oder lieber hell streichen läßt, bleibt ebenfalls dem einzelnen überlassen. Nur . zusammen passen sollten die Möbel, Wand und Zubehör. Wir lieben heute starke Farben. Sie kommen in Dekorationsstoffen, Sesselbezügen, Kissen, Decken und Bildern zur Geltung.

„Die Kunden greifen zuerst natürlich immer zu dem billigsten Angebot. Aber sie bevorzugen dann doch in den meisten Fällen die gute mittlere Qualität.“ Das sagen, übereinstimmend, die Fachleute in den einschlägigen Geschäften. Sie sagen auch, daß die Wünsche der Männer und Frauen häufig auseinandergehen. „Vor allem will ich etwas haben, worin ich vernünftig und ordentlich schlafen kann!“ Das ist immer das erste und Eigentliche, was ein Mann weiß und sagt, wenn er ein Einrichtungsgeschäft betritt. „Er“ bevorzugt in den meisten Fällen auch immer ein richtiges Schlafzimmer mit richtigen Betten, Nachttischen, einem richtigen Kleiderschrank.

„Sie“ dagegen, die Frau, ist es, die mit dem Wohnschlafzimmer mit der Doppelschlafcouch sympathisiert. Sie möchte natürlich gern, daß das einzige Zimmer, das sie beide haben werden, zugleich auch ein Wohnraum ist. „Sie“ ist es auch, die vor allem an den schönen, praktischen Anbaumöbeln interessiert ist. Weil sie sich größeren und kleinen Räumen einfügen. Weil sie Wand und Ecken raumgestaltend ausriutzen und wohnlich machen. Weil man sie nach und nach ergänzen kann mit den Abteilungen für Kleider und Wäsche, mit der Vitrine für Geschirr und Glas, dem Bücherregal, dem aufklappbaren Sekretär . . .

Als gute Zwischenlösung scheint sich das sogenannte Kombinationszimmer zu erweisen. — Richtet sich eine vierköpfige Familie, Eltern mit zwei Kindern, eine Zwei-Zimmer-Wohnung ein, so entschließen sie sich immer für ein richtiges Eltern-Schlafzimmer. Für das Kinderzimmer werden dann gewöhnlich aufklappbare Umbaubetten genommen, die am Tage hinter den Türen oder der Gardine des Umbaus verschwinden. Im übrigen wird dies Zimmer dann wohnzimmermäßig gehalten und in der Regel nach und nach ergänzt.

Eigentlich sollte auch jede Frau beispielsweise den Unterschied zwischen Daunen und Halbdaunen nicht nur wissen, sondern beim bloßen Zufassen mit ihren Händen spüren können. Sie sollte sich für die Beschaffenheit von Bettrahmen und Matratzen interessieren. Sie sollte wissen, daß eine Krollhaarmatratze aus Roß- und Rinderhaar mit Watteauflage besteht, und daß zwischen der* Schlaraffiakeimeinlage mit Roßhaarauflage und Wattepiquierung bis hinunter zu der Seegrasfüllung es ausgezeichnete mittlere Standardqualitäten gibt. Leinen, Halbleinen, Linon und Nessel und ihre entsprechende Verwendung für Bettwäsche seien ihr ein Begriff.


Eßplatz mit eingebauter Eckbank und Schränkchen in der Dachschräge (oben) und kleines Arbeitszimmer mit eingebauten Regalen, Fichte natur, zweifarbig getönt
Eßplatz mit eingebauter Eckbank und Schränkchen in der Dachschräge (oben) und kleines Arbeitszimmer mit eingebauten Regalen, Fichte natur, zweifarbig getönt

Die moderne Einbett-Couch Entwurf: Architekt Carl Hensel,
Die moderne Einbett-Couch Entwurf: Architekt Carl Hensel,

Lebenskunst im Kleinen

Es gibt leider auch heute noch viele Haushaltungen, in denen es sehr schnell einmal heißt: „Nein, nimm nicht die gute Tischdecke, die ist ja viel zu schade.“ Auch das gute Porzellan ist „zu schade“ und steht verborgen im hintersten, dunkelsten Schrankfach, um höchstens eipbis zweimal im ganzen langen Jahr ans Tageslicht und auf unseren Tisch zu kommen, und dann auch meistens nur, wenn Besuch eingeladen worden ist.

Der bequeme Sessel dient in solchen Haushaltungen mehr zum Ansehen als zum bequemen, ausruhenden Sitzen nach des Tages Arbeit und Mühen. Ja, es gibt auch heute poch hier Und da die fast ängstlich - vor jeder Benutzung gehütete „gute Stube“, die am liebsten so selten wie nur irgend möglich betreten wird, um sie zu „schonen“.

Gewiß, wir wollen und sollen in einem vernünftigen Sinne, unsere guten Sachen schonend behandeln, um ihnen eine möglichst länge Lebensdauer zu verleihen. Wir wollen auch gerne zweierlei Sachen haben, praktische Dinge für den dauernden täglichen Gebrauch und einige auserlesene Stücke, die den festlichen Tisch zieren, die zum Festefeiern eben einfach mit dazugehören, und die wir in unsere festliche Stimmung einbeziehen. Aber trotzdem brauchen die guten Dinge, das schöne Porzellan, die kostbare Tischdecke, der handgemalte Leuchter, die formschöne Vase, das seidene Kissen nicht nur ein- bis höchstens zweimal im ganzen Jahre ans Licht des Tages zu kommen. Wollen wir nicht lieber einmal einen Sonntagskaffeetisch, einen abendlichen Teetisch damit ganz besonders liebevoll decken, eine gemütliche Abendstunde damit verschönen, wenn wir auch keinen Besuch haben? Sind diese Dinge wirklich einzig und allein dazu da, daß wir sie anderen „vorführen“, oder sollen wir sie nicht in allererster Linie benutzen, an ihnen unsere wahre und rechte Freude haben? Sie werden davon bestimmt auch nicht schlechter oder abgenutzter, im Gegenteil, es gibt, wie wir alle wissen, Sachen, die vom langen Liegen und Aufbewahren nicht besser werden und die einfach hin und wieder einmal benutzt werden müssen, wollen wir nicht eines Tages feststellen, daß sie vom vielen Schonen und vom vielen „Zuschadesein“ mehr gelitten haben als vom öfteren Gebrauch.

... und die Lampen

Seit unsere. Wohnräume eng wurden und für die verschiedensten Lebensbedürfnisse und Familienmitglieder zugleich dienen müssen, beginnen wir die raumvergrößernde Kraft der Wandlampen und -lämpchen zu entdecken. Wandleuchten und Wandarme finden heute bereits in vielen Wohnräumen und an vielen Plätzen, vor allem über der Couch, Verwendung. Der mit einem gut stilisierten Blattornament gekrönte Spiegel in der Diele oder auch im Zimmer ist von zwei Wandarmen flankiert. Ein besonders reizvoller Lichtträger ist die Wandlaterne mit zwei kleinen, halbrunden Türchen, die gewöhnlich geöffnet sind-, wobei sich das Licht in den blanken Messingflächen spiegelt.

Die Zeiten sind vorbei, in welchen die Lampe, zumal in den Wohnzimmern, in erster Linie ein Schmuckstück des Zimmers sein mußte, ihre Verpflichtung als Lichtquelle jedoch weit weniger wichtig genommen wurde. Wie wir am Tag darauf bedacht sind, möglichst viel Licht von draußen hereinzulassen, so wollen wir auch, wenn es Abend wird, gute Helligkeit in unseren Räumen haben. Darum ist auch der Zweck der Beleuchtungskörper als künstliche Lichtspender überall in den Vordergrund gestellt, und die modernen Lampen zeigen durchweg äußerste Schlichtheit in ihrer Form und Ausgestaltung.

Lampenschirme, die Gemütlichkeit verbreiten, in Papier, wie auch in Seide für Steh- und Tischlampen sowie als Hängelampen über dem Eßtisch, sind gleichfalls ganz schlicht gehalten.

Man zeigt sehr viele schöne und zierende Lampen, die bei moderner Formschönheit und sehr geschmackvoller Behandlung von Glas und Metall sämtlich dem Hauptgesetz als Lichtquelle folgen, in ihren Schalen nach oben zeigen, so daß das Licht nach der Decke, und von dort zurückgeworfen wird. Das Kunsthandwerk hat es verstanden, auch hier unzählige gute und. geschmackvolle Muster zu schaffen.


Entwurf: Architekt Carl Hensel,
Entwurf: Architekt Carl Hensel,

Spielwaren von „Faix“ seit über 100 Jahren -i.l. noch Rheinstr. 22, Tel. 2303

Kinder- und Jugendräder billig wie immer bei BENZ, Grafenstraße 22

Erste Reinheimer Beerdigungsanstalt LEICHTEERDE Gg. Ph. Schröbel Reinheim - Fernruf 109

Wer! Verstopfung,Darmträgheit,unreines Blut, unreine Haut beseitigen und den inneren Menschen gründlich reinigen will, dter nehme das Heil¬ vasser. das man sich selbst bereitet aus Dr Schieffers Stelfwednetalz Glas 1,40, Doppslpackung 2,20 DM Erb. in Apotheken und Drogerien

■nna ng । »m muhmi

OTZSNB «TELUCN | Lehrstelle in bekanntem Ingenieurbüro (auch Umschüler) mit Ausbildung als Bautechniker und amtlich. Abschlu߬ prüfung sofort zu besetzen. Bewer¬ bungen unter DT 235 an das Darm¬ städter Tagblatt, Darmst., Rheinstr. 23 Bedeutendes Industrieunternehmen sucht erstklassigen Mahnbuchhalter erfahren im Wechselrecht, mit gründlichen Kenntnissen im Klage¬ u. Vollstreckungswesen, selbständig arbeitend Bewerber sollen ähnliche Stellun¬ gen mit Erfolg innegehabt haben. Antritt möglichst sofort. Schrift¬ liche Bewerbungen mit Lebenslauf, Bild und Zeugnisabschriften erbeten unter DT 246 an das Darmstädter Tagblatt, Darmstadt, Rheinstr. 23 Ehrliches, intelligentes Mädchen als Lehrling gesucht. Nur hand¬ schriftliche Bewerbung mit Bild an Rheinstr. 14 '

Flotter Vertreter mit Motorrad für leichte Werbetätigkeit gesucht. Vorzustellen samstags bis montags 14 bis 15 Uhr. Cafe Barth, Grafenstr. Schreiner¬ meister mit langj. Erfahrung im Ladenbau, sofort ges. Gerisch & Co., Darmstadt-Eberstadt, Jakobstraße 4. Buchhalter (in) bilanzsich., wöchent¬ lich für einige Tage gesucht. Offerten u. DT 243 an die Ge¬ schäftsstelle. Tüchtige Stenotypistin für 2 bis 3 Tage wöchentlich, für Ar¬ chitektenbüro ges. Angeb. unt. DT 240 a. d. Geschäftsstelle. Hausgehilfin Jahnstraße 133 in 3-Personen-Haus¬ balt zum 15. 8. od. 1. 9. gesucht. Eisele Traisa Da’mst. Straße 60

Sprech¬ stundenhilfe, welche mit allen vor¬ kommenden Arbeiten und Abrechnung ver¬ traut ist, gute Schrift und gute Umgangs¬ formen, zum alsbal¬ digen Eintritt ges. Handschriftliche Be¬ werbungen u. DT 242 a. d. Geschäftsstelle. Erfahrene, Hausgehilfin nicht zu junge für 1. September in Privathaushalt ges. Dr. Murjahn Ober-RamstatH Nieder-Ramstädter St-aße 33 Mädel für Haushalt, tags¬ über gesucht. Göckel, Dst. Molletstr. 38. !^stell.-gesuche| Ich suche den Chef dem ich auf Vertrau¬ ensbasis Mitarbeiter sein kann. Kaufmann, '42 J„ reiche Lebens¬ erf. Ideenreich, talen¬ tiert. FIUi erwh. IH. Angeb. uni. DT 239 a. d. Geschäftsstelle.

Student sucht Ferienorbeit Angeb. unt. DT 236 a. d. Geschäftsstelle. Heimatvertr. Bank¬ angestellter (Kassie¬ rer), sucht dringend Anstellung. Mit vorkommenden Büroarbeiten vertr. Uebernehme noch schriftl. Heimarbeit. Angeb. unt. DT 245 a. d. Geschäftsstelle. | WOHN.-MARKT j Große S-Zimmsr¬ wohnung mit Ktiche, Veranda, Garten und Zubehör, i. Tintenviertel, geg. 2 - Zimmer -Wohnung, Bad und Küche zu tauschen, evtl, auch zu vermieten. Angeb. unter DT 241 an die Geschäftsstelle. 4-Zim.-Wohg. in guter Wohnlage Darmst. gegen Bau¬ kostenzuschuß dem¬ nächst zu vermieten. Off. unt. DT 226 an Darmstadt. Tagblatt. Schöne 4-Zlmmer- Wohnung mit Küche und Bad, Nähe Pauluskirche, gegen Baukostenzu¬ schuß zu vergeben. Zuschrift, u. DT 233 a. d. Geschäftsstelle. 3 Zimmer mit Küche und Bad, abgeschl. Vorplatz, gegen .Baukostenzu¬ schuß in Dst.-Eber¬ stadt (Neubau) zu vermieten. Bis Oktober beziehbar. Angeb. unt. DT 237 a. d. Geschäftsstelle. MöbLZimmer mit Pension, Nähe Holzhofallee zu ver¬ mieten. Angebote u. DT 232 an die Ge¬ schäftsstelle. MIETCESUCHE Geräumige 4-Zim.-Wohg. in guter Wohnlage, mögl. mit Heizung u. Ga-age. gesucht. Baukostenzuschuß b. 6000 DM. Ang. unt. DT 230 an Darm¬ städter Tagblatt. Werktätiges Ehepaar sucht in Arheilgen, Eberstadt od. Gries¬ heim möbliert, oder teilmöbliert Zimmer. Angeb. unt. DT 231 an das Darmstädte' Tagblatt.

Suche leer. Zimmer auch Mansarde, Hilfe im . Haushalt mögl. Angeb. unt. DT 234 a. d. Geschäftsstelle. Mansarden- Zimmer Kl. beschlagnahmen. , für Möbel gesucht. . Preisang. u. DT 238 a. d. Geschäftsstelle. '

I GESCHÄFTS-I | RÄUME Ladenanteil mit Erker für den Verkauf eines kon¬ kurrenzlosen Mode¬ artikels im Zentrum gesucht. Angeb. unt. DT 229 an Darmst. Tagblatt.

1 Laden Neubau Rheinstraße und 3 Läden Neubau Riedesel-Saalbaustr., bezieh¬ bar Ende d. Jahres, gegen Baukosten¬ zuschuß zu vermieten. Bauverein für Arbeiterwohnungen, Gemeinschaft!. Aktiengesellschaft, Darmstadt, Landgraf-Georg-Str. 146

jIMMOBUjEN^J Suche größeren Gewerbe¬ raum Angebote unter DT 139' an das Darmst. Tagblatt. Bau¬ grundstück mit Garten (Ruine), in guter Wohnlage Darmstadts o. näch¬ ster Umgebung ges. Angebote unter IJT 212 an das Darmst. Tagblatt. Wer beteil, sich am Aufbau von Läden in der Stadtmitte. Ang. u. DT 224 an Darmst. Tagblatt. I BETEILIGUNGEN I U.GELDVERKEHRg Beamter s. dringend 700 DM gegen angen. monat¬ liche Rückvergütung und hohe Zins. Ang. unt. DT 141 an das Darmstädt. Tagblatt, Mod. Gesell¬ schaffsanzug (Gr. 50). preiswert zu verkaufen. Ang. unt. DT 221 an das Darmstädt. Tagblatt. Zu verkauf? Tanksäule mit Zwillingsmeßgefäß. 3 Schaukast. aus Metall. 1 Markise 1 kl. Kassen¬ schrank 7acobv Ober-Ramstadt Markt. - Ruf 364

Backsteine Bruchsteine. T-Trä¬ ger 10 + 15 hoch, 7 m lang, Hunde¬ hütte, Dachfenster vergl. und Küchen¬ platten zu verkauf. Landwehtstr. 21 y? Prachtvolles Herren¬ zimmer (Renaissance) günst. zu verk. Angeb. u. DT 249 an die Ge¬ schäftsstelle, . Gebrauchter Kohlenherd und Sprungrahmgn preiswert zu verkau¬ fen. Ang. u. DT 247 a. d. Geschäftsstelle. la Mädchen- Fahrrad billig abzugeben. Mollerstr. 27 I. Eisern. Ofen preiswert abzugeben. .Fichtesiraße 35. , Klaviere neue und gespielte, ’/j Anzahlung, 12 Mo¬ natsraten Klavier-Arnold gegr.lß3o,Mühlstr,l2 Ecke Erbacher Straße Korbwagen mit Matratze und Säuglingswäschc, zu¬ sammen für 40 DM < abzugeben. Heinrich- Straße 200. Elekfr. Bügeleisen < kotnpl. zu verkaufen. 1 Tannenstr. 35 11. j la Herren- ’ Fahrrad (neuw.) billig abzug. Molierstraße 27 I.

Großer Ton- Einmachtopf (75 Ltr.) für 20 DM u. kl. Fruchtpresse, 10,- DM zu verkauf. Alicenstraße 2 1. j^AUTOÄLARKI^j P 4 oder Volkswagen gegen bar zu kaufen gesucht. Ang. u. DT 222 an das Darmst. Tagblatt. Motorrad von privat preiswert zu kaufen gesucht. Angebote unter DT 203 an das Darmst. Tagblatt. 1 gehr. 20/22 • PS.- Schlepper elastikbereift ge¬ neralüberholL für Acker u. Straße, Um¬ ständehalbter gün¬ stig abzugeben. Zu besiditigen bei: Fa. Carl Henningar Darmstadt Bisinarckstr. 116 Mercedes- Benz 170 H., neu über¬ holt, weg.Geschäfts¬ aufgabe sehr preis¬ we’t zu verkaufen. Ang. unter DT 140 an das Darmstädter Tagblatt. Verkaufe neuwertige gut eingefahrene NSU, 125 Bauj. 49, verst. u. vers. Ang. u. DT 244 a. d. Geschäftsstelle. BMW " 350 ccm DKW 350 ccm Ardie 121 ccm zu verkaufen. Eidonmüller Frankfurter Str. 26. Günstige Personen¬ wagen! Sfeyr Opel-Olympia, 4tür„ 1,7 Wanderer, 4tür„ 2-Ltr.-Wanderer, 4t., Opel-Kapitän, Cabr,, i Citroen, 4türig, ' 350-Mot. m. Beiwag. zu verkaufen. Haas u. Bernhard Rheinstraße 19 Telefon 976

* Selten schöner, roter Cocker- spaniel Rüde, mit Stammb., 9 Monate alt, um¬ ständehalber abzu¬ geben. Niebergall¬ weg 26 I, Welsch- Terrier- Welpen 7 Wochen' alt, mit Stammbaum, zu ver¬ kaufen Pönicke, Im tiefen See 34. Zwerg- Schnauzer Rattenfänger, junge Stallhasen, verkauft Anhalt. Darmstadt Taunusstr. 39 p. [ AXXXüFE || Suche Harmonium gegen bar zu kau¬ fen. Ang. u. DT 228 an das Darmstädter Tagblatt. Gegen bar kaufe ich gut erhal¬ tene, neuwertige Da¬ men- und Herren¬ bekleidung Helmut Bartsch An- und Verkäufe aller Art Elisabethen- Ecke Neckarstraße Leica zu kaufen gesucht. Ang. unt. DT 209 an das Darmstädter Tagblatt. ^EM P J Unseren gemütlichen originell ausgestat¬ teten Saal empfebL wir Vereinen und Gesellschaften. Cafe-Restaurant Eisgrotte Darmst., Arheilgen Darmstädt. Str. 73 Tel. 971 Imke’ verkault Odenwald¬ honig Angebote unter DT 211 an das Darmst. Tagblatt. Wir haben unsere Reparatur v. Stahlmatratz, wied. autgenommen. Kart Brückner Darmstadt Feldbergstraße 11 j Auskunft jederzeit. |

TT e A N E O A r,_ DST MC ‘( K '--‘e;?äz. T "‘7;.Ä";E"}‘"'!"fi‘t'ä D D EN E ME D S \%efl „l; Ar A w‚;r E P ( E DD A N ET A E S A E E CS O s:3(r‚—" AA AND D E A » NS aD VE E ‚;";’ E E O D Ml&a RA AD VE DE A D R N VE A a ( K S ET SPE E A A E ASBA Y E S a E A N E T n D M ® 4‚ E E An r ANBY a R Q N E N e E N A ED E N

Obst- und Gemüsekisten jeder Art und Ausführung sowie Bauholz, Bretter, Latten, Rahmen, Fußboden liefert prompt und preiswert Sägewerk und Kistenfabrik RODENHAUSEN Höchst-Sandbach/Odw.. Tel. Höchst 138

Klaviere in großer Auswahl. W. Eppelsheimer Schreib- maschinen neu und gebraucht, mit Garantie, kauft man sehr vorteilhaft bei A. Bieber & Sohn, Griesheim/Dst., Wolfsweg 2, Tel. 17. Plissee Stickereien, Applika¬ tionen. Kurbeln, Kanteln,Kordinieren, Hohlsäume, Knopf¬ löcher, Stoflknöpfe wird schnell und billig in eigener Werkstätte angefert. bei Rodenhäuser, Schuchardtstraße 12. Teilzahlung Bettwäsche, Schlaf¬ decken, Anzug-, Ko¬ stümstoffe. Berufs¬ kleidung, Herren- u. Damenunterwäsche b. Marquardt, Morne¬ wegstraße 23. Auto- transporte C. WEIKER Darmstadt-Arheilgen, Darmstädter Str. 73. Tel. 971. Warnung! Warne jeden, Frau Wilh. Seeger Ober- Ramstadt, Friedhof¬ straße 11. etwas -'n¬ entgeldlich zu geben oder zu borgen da ich' für nichts hafte. Karl Seeger. Wieder schlank und ® schön O ohne Hungern O u. schädigende w Wirkung. Be¬ ■ dienen sie sich I unser, drüsen¬ ' .anregenden F[oradix Entfettungskur Reformhaus Schlösser Frank Hirthr Rtr. 2

Grabmale in Holz und Stein liefert Odin Grainer Jugenheim Strmpgl Schilder¬ fabrik Gravier¬ werkstätte E. Feuerpeil Darmstadt Liebfrauen¬ straße 50 Telefon 26 35 Akkordeon Bandonion Reparaturen Fachwerkstättc Darmstadt Pulverhäuserweg 4 Kriegerwilwe 37 Jh,. blond, 1,65, angenehmes' Äußere, mit 2 Knaben. 5 und 7, wünscht Her n in sicher. Stellung bis 50 Jahre. Angebote unt. DT 225 an das Darmstädt. Tagblatt. Ärztin 40/168 Geschäfts’- tochter 32/168, Schneiderin 27/165. vermögende hübsche Blond., beh. He;m. Beamter 30/175; selbst, Ge¬ schäftsinh. 35/178, Studienrat 45/177, gutes gesichert. Ein¬ kommen wüh. Part¬ ner bzw. Partnerinn. entspr. Kreise durch Institut Starkenburg Bensheim Postfach 118 Handwerker 38 J., 1,75 gr., such’ zwecks spät. Heirat Frau. Freuhdl. Zu¬ schriften u. DT 248 a. d. Geschäftsstelle,

^lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllfllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll E Durch Überlastung in meinem Darmstädter Betrieb ist es mir S leider nicht möglich, das Restaurant „©djmefjerbaus'’ S in Eberstadt, Mühltal, weiterzuführen. Ich habe Herrn J. Dächerf, seither Hotel Fuchsbau, Zwingenberg, S mit Wirkung vom 1-August das S c h we i z e r h a u s abgetreten. H Das mir seither erwiesene Vertrauen bitte ich auch auf meinen S Nachfolger übertragen zu wollen. | Rudolf Schwerdt und Frau

GESCHÄFTS-EROFFN U N G Meinen lieben, alten Gäsfen, Freunden, Bekannten und besonders allen Eberstädler Einwohnern zur Kenntnis, dafj ich am 1. August 1950 das CAF^-RESTAURANT ^©chlDeijetböUS" im schönen Mühlfal in Eberstadt übernommen habe. ERÖFFNUNG Am Samsfag, dem 5. Augusf 1950, um 19 Uhr, mit Unterhaltungs-Konzert. Nachdem Ich 12 Jahre lang das HOTEL FUCHSBAU In Zwingenberg an der Bergstraße fachmännisch und zur Zufriedenheit all meiner Gäste geführt habe, wird es mein Bestreben sein, auch das SCHWEIZERHAUS als „HAUS DER GUTEN KOCHE" In Eberstadt aufzuziehen, um jedem Anspruch gerecht zu werden. Jakob Dächert und Familie Jeden samstag und sonntag Gesellschaftstanz

Vom 6. bis 23. August 1950 keine Sprechstunden Dr. HELMUT WANDEL ZAHNARZT Richard-Wagner-Weg 35 Praxis geschlossen bis 26. 8. 1950 Dr. H. Bühner Darmstadt-Eberstadt, Mühltalstraße 5 Professor Küster Rheinstr. 14 (Rhein-Main-Bank) wieder Sprechstunde ab Dienstag, den 8. August 1950 Zurück Dr. B. Günther homöopath. Arzt Eberstädter Villenkolonie Am Elfengrund 70 Telefon Amt Darmstadt 424 Zurück Dentist Oskar Lauck Wittmannstr. 45 Telefon 805 """^Moderne Augengläser, Sonnenbrillen, Prismengläser In allen Preislagen Optiker am Weißen (/ Turm ERNST-LUDWIG-STRASSE 7 ERICH HEEB Wilhelm-Leusdiner-Straße 34 Schilder, Transparente Spez. Autobeschriftung Med. Kosmetik und Gesundheitspflege Gisela Simon-Gruschwitz staatl. u. ärztl. geprüft Heinr.-Rinck-Weg 3 (Linie 6 Regerweg) Gesichts-Massage elektr. Entfernung von Haaren, Warzen u. Leberflecken Kurzwellen-Theraple Tel. 2466 Klavier-stimmen Arnold, Tei. 2457 Herren- u. Damenräder Sporträder in schöner Auswahl Teilzahlung auf Wunsch PULLMANN Bessunger Straße 2 MMS Drogerie Loge), Eckhardtstr. 1 Part. Frank, Elisabethenstraße 9

Gedelldclya^tdtanz Habe meine Tätigkeit als Tanzlehrerin wieder aufgenommen Kurse für Schüler • Studenten - Ehepaare Einzelunterricht Anmeldungen täglich ab 16 Uhr Annemarie Wießell-Surmann Darmstadt • Landskronstrafle 20 ( SPIELBANK^ Wiesbaden Roulette e Baccara RESTAURANT-BAR Täglich ab 15 Uhr Theaterfoyer in den Kolonnaden L Familiennathnditen im f (Tngblntt erfreuen sich von jeher besonderer Beachtung. Benutzen Sie daher für die Bekanntgabe wichtiger Familien-Ereignisse das „Darm¬ städter Tagblatt", welches Anzei¬ gen dieser Art zu besonders ver¬ billigtem Tarif aufnimmt. Tadiometer- Reparalur J. Lanninger, Magdalenensir. 17 Weinbau Organ des deutschen Wetabauverbandes mit der größten Auflage aller deutschen Weinfachzeitschriften Erscheint zweimal im Monat zum Bezugspreis von 1,— DM zuzüglich Zustellgebühr Mainzer Zeiti<hriflenverlag Dr. Bilz < Fraund G.m.b. H Mainz, Löwenhofslraße S, Fernrnl 437 t

Geschäftsstelle des „DARMSTÄDTER TAGBLATT“ DARMSTADT RHEINSTRASSE 23 Im alten Tagblatt-Haus Ich bestelle hiermit ab 1. August das sechs¬ mal wöchentlich erscheinende „Darmstädter Tagblatt" zum Bezugspreis von DM 2,60 pro Monat zuzüglich 40 Pfg. Trägerlohn. Vor- und Nachname: — _ Beruf: — „ Ort: Straße: —

K7CTIi 1 W. 1 MI!OJ O S Spezialwerkstätte für Auto- W V 4'^733 Elektrik - DKW-Noris-Anlagen WEI) INI STOSS IE 24

® Boxen ABC. DarmstadtEbersfadf gegen ♦ Auswahl-Mannschaft Baden

•x coooooooocoococoooooooooooooooooo X- J O| ■ . ... =i]O (. 0o o C ig ©er®eMtnw4)t’s! o o p* -Ko 3n|tüem&atbreiner[örnd)enf:erfk^ gg- 2° fclbrauner, Bügernöcr Bern au& nd)t<ßem °G-D o ^öftmal^ucfer - unö Der macbt’e! Der ®c' •Ko gibt öicfcm sl?a!^affee Denken ok •K o " • , o X- d o ift Der befte, fegte ©ebapian kneipp, o Q •Kg öet&ünber Dee Lehre Dom gefunden Cffen gp¬ -3 g unö fünfen, ©eshalb ncrlieh er ihm aud) gQ. 3 o bas scd)t, allzeit fein und feinen o C •P o tarnen tragen - getviffermagen, um op- -3 o ihn jedermann perfönlid) ju empfehlen! gG- p Kathreiner 0 3 g ber Bnci pp-sßahfaffee g £ JU O C ■K O O C‘ •K 2 ° p .0 g o c.

S Sommer- | Schluß- j Verkauf $ m Einkauf orientieren sich die $ lerksamen Leser $ • Tagblatt" in Stadt und Land über die | öligen Angebote J igöfäbiger firmen! [ des „DT" ist dabei ihr bester Berater s tßäbto tagblatt s ierhr<h* JUueps ?htdrCT<hien s t der erfolgreichen Anzeigenwerbung 7 ! | g^Abonnenten bevor^en g® inse^ | । s \//ss f f

CDU-Mitgliederversammlung Montag, den 7. Aug., 20 Uhr HEAG-HAUS Luisenstraße

il M| A M Ein selten spannender Abenteuer-Film UHi V H |n Fesse|n von Shangri-La • mit j ■ Ronald Colman und Jane Wyatt Ein Film, der Sie in’ Spannung und in ■ Atem hält voller Rätsel, Sensation und • Geheimnisse Ruf 33 73 Anfangszeiten: 13.45, 16.00, 18.15, 20.30 Vorverkauf ab 11.00 Uhr _ _ zeigt in Erstaufführung einen IHA iI A Spitzenfilm mit der Spitzenbesetzung IIIHLIM JOAN GRAWFORD, ALBERTBASSERMANN • MELVYN DOUGLAS. KONRAO VEIDT in Erpressung Ein Film voller atemberaubender Spannung und dramatischer Höhepunkte! Ruf 33 90 Anfangsz.: 14.00, 16.00, 18.15, 20.3 Ö Vorverkauf ab 11.00 Uhr DEI I IV A Erstaufführung: DL LE E/A Tollkühne Abenteuer einer schönen Frau im Kampf gegen Tyrannei u. Ungerechtigkeit in „Die Gräfin von Monte Christo“ nach Alexander Dumas Samstag u. Sonntag: 16.00, 18.15, 20.30 Sondervorstellung: Samstag u. Sonntag 14.00 u. 22.30 Uhr: „Drei tolle Mädels“ Ein herzerfrischendes Lustspiel mit einer glänzenden Besetzung: Ruf 395 J°h‘ Riemann, Lucie Englisch, Grete Weiser, Carola Höhn PALAST WILLIAM BOYD © „Die Wölfe von Kansas“ Ruf 2 2 40 13 45 . 16 00 . 18 15 _ 20 3Q uhf U 1 M f i RAYMOND ROULEAU und MILA PARELI Fl Un f A als Gangsterpaar, dem der Glücksstern ■ untergegangen ist, in dem spannenden Kriminalfilm • „Letzte Zuflucht“ Riviera - Kasinos - Paläste . schöne Frauen - das Spiel mit der klirrenden Roulettekugel. Ein Mann hat sich selbst durch seine Verbrechen aus der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen - und wird jetzt wie ein wildes Tier gehetzt. Abenteuer - Sensationen - Dramatik 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr Vorverkauf täglich ab 11.00 Uhr Samstag - Sonntag 22.45 Uhr Nachtvorstellung: „Im Netz der Gestapo“ „Das andere Leben“ SCALA Alarm in San Juana KÄTHE VON NAGY, LUIS MARIANO • RIEARDO MENDI in dem großen Abenteuer- u. Kriminalfilm von Freitag bis Montag Samstag 18.30, 20.45 - Sonntag 16.00 18.30, 20.45 Uhr, wochentags 20.15 Uhr Eberstadt S°nA7„^°°ä”he JU“e_ndvorstellims Alarm in San Juano GLORIA Freitag bis Sonntag j Schwarzer Adler Roßdorf Ein Kosakenoffizier schwört Blutrache ANKER „Amico,ihr Geheimnis“ Q mit Otto Wernicke, Kirsten Heiberg, Mar- Jugenheim üarete Hagen, Grete Weiser und anderen

O^öbeL MIT PERSÖNLICHER NOTE BIETET __ Grofje Auswahl an Möbeln t J Beste Fachkräfte und ein gepflegtes Holzlager garan- AWItELV/EKKSTÄTTE! *ieren' dafs lhnen ’eder Wunsch erfüllt werden kann. ACHTEN SIE AUF ADRESSE UND ZEICHEN Nur am Palaisgarten WERKSTÄTTE: GARDISTENSTRASSES SEIT 27 JAHREN

Schöne Beleuchtungskörper eI ektr. Geräte aller Art Kühlschränke - Waschmaschinen Rad io-Geräfe Allf. WH If AUn. Ellsabefhenstrah« «Vv. On<>.,dem WKV-Kredit angeschlossen MODERNE GERÄTE HERDE • GASWASSERHEIZER • KÜHLSCHRÄNKE FÜR DAS NEUZEITLICHE HEIM AUF BEQUEME RATENZAHLUNG SODHESS. GAS UND WASSER A.G. LIND DIE MITGLIEDER DER GASGEMEINSCHAFT DARMSTADT

m durch eine gediegene Einrichtung der neuzeifl'chen Modelle des Verbandes der MÖBEL DEUTSCHER WERKARBEIT (ALLEINVERKAUF FÜR SUDH-2SSEN) Ein unverbindlicher Besuch unserer großen Möbel - Ausstellung mit ca. 100 ZIMMER- UND KÜCHEN-EINRICHTUNGEN wird auch Sie von der hohen Qualität und Preiswürdigkeif überzeugen DARMSTADT, ALEXANDERSTR.3, hinter dem Schlofj, gegr. 1880,Te1.2165 Bequeme Zahlungsweise bis 12 Monate

Elektrische Beleuchtungskörper elektr*Heiz'u- Kocllseräte Radio-Geräte Sattwey ^o, Friedrichstraße 15 - Fernsprecher 844 ftlg Jeden Zweck (früher Eljsabeihensiraße 28

beim Sommer-Schluß-Verkauf beweist erneut unsere Leistungsfähigkeit. Beachten Sie unsere 11 Schaufenster! Das führende Fachgeschäfl für Tapeten, Gardinen. Möbelstoffe, Teppiche, Linoleum, Stepp- und Daunendecken, Wolldecken Trifsch & Heppenheimer, Darmstadt Rheinstrafje 123/<, Ecke Gralenslrafje Telefon 3253 u. 3254

Mö&Mauf. - Vecfaauenssacfie Sie sollten daher nicht versäumen, vor jedem Möbelkauf das Haus der guten Möbel zu besuchen. In einem Lager gepflegter Oualitätsmöbel, die auch in preislicher Hinsicht allen Anforde rungen gewachsen sind, finden auch Sie ihre Einrichtung. MÖBEL - UND BETTENHAUS L. MENGER Darmstadt Bleichstraße 17 Weitgehendste Zahlungserleichterungen - freie Lieferung Kundendienst /^wnnbrust CC IT 10 -1 Xjjz Elisabethenstraße SEH 1826 (Palaisgarten) IDer Weg zur lohnt sich! Geringe Kosten ermöglichen bei hochwertigem Material preiswerte Produkte \ Sitz- und Schlafcouch .... DM 290 engl. Leinen Doppel-Bettcouch DM 650 engl. Leinen Chippendale-Rohrflechtsessel DM 149 In Deko- u. Möbelstoffen werden Sie vom Fachmann beraten! - jlaütnluwist Tübz Tel. 2956 DARMSTADT Tel. 2956

lll&M Mm ^achmomi^ in allen Holzarfen und für alle Ansprüche, teils aus eigener Herstellung, finden Sie in meinem reichhaltigen Lager. Zadikcäfte Beaten Sie ! Sie werden über Qualität und Preise erstaunt sein. Ein Besuch lohnt sich! Möbel-Klohe Ruf 2934 MATHILDENPLATZ Ruf 2934 1/s Anzahlung — Rest in 12 Monatsraten

Ununterbrochen fließendes, heißes Wasser für Küche und Bad aus dem neuen Elekfro-Heifjwasserspeicher mit Starkheizung HESSISCHE ELEKTRIZITÄTS A.-G. Darmstadt, Luisenstrafje 12

^onndcJ^öne Polsfermöbel in Sfil- und modernen Formen Dekorations- und Möbelstoffe in herrlichen Farben und hervorragenden Qualitäten Brokat Epingle Brokatell Gobelin Damast Velour u. a. FR. MANGOLD Spezial-Geschäft für Polstermöbel DARMSTADT/KASINOSTRASSE

Atle kennen den „£an^en £üdwi^" kennen Sie auch | Ludwig Lange? - fA' mit das älteste Eifchthaus Ä: Darmstadts K Für jeden Zweck und zu jedem t Preis finden Sie bei uns die passende Woßinraum- Beleuchtung und elektr. Hausgeräte aller Art - / zu günstigsten Teilzahlungen SCHULSTRASSE 6

/T) ili Ein schönes Heini sei Euer Streben Ora Ul Leute --» - - Möbel Vftn BERGMAnn sind Möbel iür’s Leben 1 MÖBEL-BERGMANN jetzt Darmstadt, Dieburger Straße 18, Telefon 2811 (unterhalb Thalia) Verkaufsstelle der „MUSTERRING-MÖBEL“ Beanitenbank und Möbe 1 sparhi lie angeschlossen Ibk - - jd öiaiw ul I ^9 geben dem Raum ersf Behaglichkeif ' - und Wärme • Wir liehen mi f Vorschlägen und Entwürfen jederzeit unverbindlich zu Ihrer Verfügung A Ak Das leistungsfähige g Darmstadt am Ludwigsplatz

/ GEMÄLDE \ ® Piper- und B Hanfsfaengl-Drucke M Einrahmungen * i in eigener Werksfäffe Jqnqhem£ SCHULSTR.IO SU MÖBEL Dann lohnt sich für Sic ein kleiner Umweg nach der Stiftsstraße 3$ (gegenüber der Kirche) in das alte Fachgeschäft MÖBEL-WOLF

I uff iSglraET 8 •»W^Waßßi wb* I Sammer SMufi/ltedlau^ einige besutdeHs günstige .Angebote. Gordinen-Muil m. farbigen Streifen weif} u. ecru, 130 cm breit 1,15 Druck-Stoff in reichhaltieer Musterung 2,95 K Haargarn-Läufer in schönen Jacquardmustern f, Bettumrandungen 13,75 geeignet, 67 cm breit ’ Haargarn-Teppich 160/230 cm gute Sfrapazierqualifäf QU,”” Der Waren-Kredit-Vermittlung und der I Hessischen Beamtenbank angesch lassen jwomawwW Darmstadt MN am Ludwigsplatz JE FÜLLHALTER-FABRIK ^Reforu^ HEINZ/JUNG & CO. Werbeverkauf während der Ausstellung zum Herstellerpreis! Kolbenfüllhalter, Exportmodell . 1,50 DM Kolbenfüllhalter . . . . 4, . . 1,— DM Kugelschreiber 0,50 DM mit Goldprägung „750 Jahre Nied.-Ramstadt“ । SB 0 Bg ä&adi ... s§Efe ~,j|p'i2üaöOß’ .1 fadUZ. Wukedet Nessel, so cm breit, ungebleicht pr. mtr. ”,98 Kissenbezüge, Linon kräftige Qual. 2,75 Damast, 130 cm breit sehr schöne Qual. 3,75 Geschirrtuch, rot kariert gesäumt und gebänd. ”,69 Kleiderstoff, 90 cm breit einfarbig und kariert, pr. mtr. 2,45 Damen-Feinripp-Schlüpfer, Gröfje 42 und 44 1,20 Kunstseid. Damen-Garnituren ' . „ Grofje 42 bis 48 2,75 § I Der Waren-Kredit-Vermittlung und der I | Hessischen Beamtenbank, angeschlossen Darmstadt am Ludwigsplatz BH

JUGEND! Der Kreisjugendausschuß des Landkreises Darmstadt ruft Euch zum Frankensteintreffen Am 6. August 1950, vormittags 10 Uhr Wird das Treffen durch eine Kundgebung eröffnet, die durch Musik und gern einsame Lieder aius¬ geschmückt wird. Die Königsteiner Puppen¬ spieler werden uns durch ein lustiges Spiel „Die kluge Bauerntochter“ erfreuen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wird die gesamte Jugend den Nachmittag mit Volkstanz, Lied, Spiel und Musik ausgestalten. Nicht allein die Jugend, sondern alle, die Interesse an der Ju¬ gendarbeit haben, sind recht herzlich eingela¬ den, an dem Kreisjugendtreffien teilzunehmen. Für die konfessionelle Jugend ist Gottesdienst in den Kirchen von Eberstadt vorgesehen und zwar für die kath. Jugend um 7.00 Uhr und für die evangelische Jugend um 7.30 Uhr AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Allgemeiner Hinweis Es wird hierdurch darauf hingewiesen, daß im Monat August 1950 folgende Steuern zu entrichten sind: ““ 1. Die Abschlußzahlungen auf Grund von Steuerbescheiden für das I. Halbjahr 1948, fällig am 10., 20. u. 30. 8. 50 2. Die Umsatzsteuer für den Monat Juli 1950 der Monatszahler, fällig am 10. August 1950 3. Die Lohnsteuer, Kirchenlohnstcuer sowie das Notopfer Berlin für den Monat Juli 1950 der Monatszahler, fällig am 10. August 1950 4. Die 3. Rate Vermögenssteuer 1950, fällig am 10. 8. 1950 5. Die 3. Rate Gewerbesteuer 1950 (soweit das Finanzamt und nicht die Gemeinde zuständig ist), fällig am 10. 8. 50 6. Die 2. Rate Allgemeine Soforthilfeabgabe 1950, fällig äm 20. August 1950 Einzahlungspflichtige, die nicht rechtzeitig bezahlen, haben mit Mahn- und Vollstreckungsmaßnahmen zu rechnen und müssen außer der Steuer noch Säumniszuschläge und Mahn- und VOll¬ - nach Maßgabe besonderer Vorschriften entrichten. Es wird gebeten, die Steuern möglichst unbar unter Angabe der Steuernummer und des Verwendungszweckes bei den für die einzelnen Finanzämter maßgebenden Postscheckkonten bzw. Konten bei der Landeszentralbank einzuzahlen. Für Bareinzahlungen ist die Finanzkasse von montags bis freitags von B—l 28—12 Uhr geöffnet. Darmstadt, den 1. August 1950 Die Finanzämter: Bensheim. Darmstadt, Dieburg, Fürth/Odw., Groß - Gerau, Langen und Michelstadt Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 5. August 1950 Wochenschlußandachten: Martinsstift und Johannesgemeinde 20.00 Uhr; Paul Gerhard-Haus: 19.00 Uhr Jugendandacht; Pauluskirche: 20.00 Uhr musikal. Vesper; Elisabethenstift: 20.00 Uhr Beichtgottesdienst. Sonntag, den 6. August 1950 Bessunger Kirche: 8.30 Kgd., 9.30 Hgd. m. hl. Abdm., 12.00 Tgd., Pfr. Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd. m. hl. Abdm., 11.30 Kgd., Pfr. Knodt. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd., Pfr. Köhler, 10.00 Hgd., Pfr. Widmann, 11.15 Kgd., Martinsstift, Pfr. Widmann, 11.15 Kgd., Gemeindehaus. Altersheim, Emllstraße: 10.00 Gottesdienst, Pfr. Köhler. Mathäuskirche: 8.30 Chr.-L„ 9.30 Hgd., 10.45 Kgd., Pfr. Stenger. Johannesgemeinde: 9.30 Hgd. m. hl. Abdm., 11.15 Kgd., Pfr. Jaeschke. (Mi., 9. Aug. 1950: 20.00 Abendand. Pfr. Jaeschke: jed. Morgen 7.30 Morgengebet.) Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., Pfr. Ring. Pauluskirche: 9.30 Hgd., 13.00 Kgd., Pfr. Wintermann. Elisabethenstitt: 9.30 Hgd. m. hl. Abdm., 11.00 Kgd. Stadtmission, Mühlstr. 24: 7.30 E. C. Weihestd., 8.30 Gehetsstd., 11.00 Kgd., 15.30 Sommerfest, Pred. Neuber, Eberstadt, 20.00 Jugendbd. f. E. C. (Do., 10. Aug. 1950: 20.00 Bibelstunde.) Därmstadt-Eberstadt: 7.30 Ev. M., 9.45 Hgd., 11.15 Kgd. Darmstadt-Arheilgen: 8.00 Schloßkirche Kranichstein, 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., 15.00 Landeskirchl. Gemeinschaft, 15.00 Evg. Frauenhilfe. Katholische Gottesdienste St. Ludwig: 8.00 Singmesse m. Pred., 9.30 Hochamt m. Pred., 11.00 Singmesse m. Pred., 20.00 Andacht. (Wilhelminenplatz 9; 8.30 Kindergottesd. m. Pred. u. gemeins. hl. Kommunion.) Liebtrauen: 7.00 Singm. m. Pred., 8.15 Hochamt m. Pred., 10,00 Kinderg. m. Anspr., 18.30 Andacht. St. Elisabeth: 6.30 hl. Messe, 7.45 Singm. m. Fred., 9.00 Kinderg., 10.15 Hochamt m. Pred., 20.00 Andacht. (Beichtgelegenheit: Samstag 16.30 bis 18.30 und 20.00 Uhr.) St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm, bei den Schwestern (Feldbergstraße 32), 6.45 Beichte, 7.30 Sing. m. Pred. u. Männerkomm., 8.45 Kinderm. m. Pred. u. Komm., 10.00 Hochamt m. Pred. u. Komm., 19.30 Andacht. (Samstag: 17.00 bis 19.00 u. ab 20.00 Uhr Beichtgelegenheit, sonst werktags vor jeder hl. Messe.) Darmstadt-Eberstadt: 6.50 Morgengebet d. Jgd., 7.00 Gemeins. Messe d. Jgd. m. Anspr., 9.30 Hochamt m. Pred., 10.30 Abendandacht m. Segen. (Samstag: 16.00 bis 18.30 Beichtgelegenheit, 20.00 Abendgebet.) Darmstadt-Arheilgen: 7.00 hl. Messe, 8.30 Kindergottesdienst, 9.45 Hochamt, 20.00 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissensdiafter (First Church of Christ, Scientist), Taunusstr. 40: Sonntagsgottesdienst 14.30, Mittwoch abend 18.30 (Zeugnisvers.). Christengemeinschaft, Herderweg 31 Sonntag, 10.00: Menschenweihehandlung. Freireligiöse Landesgemeinde Hessen Gemeinde Darmstadt, Viktoriastraße 73: Sonntag, 10.00 Morgenfeier im HEAG-Saal, Luisenstraße.; Sprecher; Dr. Bonnes, Ludwigshafen. Ff M Btriatirtgt, gtfwtt Wohnung im eigenen san6 BeuerbegünßigtrtepOTen Sofienfrei Sufflär un g^f^riften unb Beratung ®butd) Deutfdie Baufporhaffe (D 65 e.®.m.b..ft., Dormftuöt

kb ^8^—' S Nur noch bis Samstag / den 12. August, 16 Uhr ) Das um den Desis bei Stegmüller gehtweifer. Nach wie vor ist mächtig dabei zu gewinnen, deshalb an alle Säumigen der Ruf: Mitmachen! Sakko-Anzüge 49,— 59,— 69,— 79,— DM und höher Sport-Anzüge 49,— 59,— 69,— 85,— DM und höher * Regenmäntel 19,50 29,50 52,50 55,50 DM und höher Popeline-Mäntel 41,50 49,50 62,— 74,— DM und höher Herren- u.Burschen-Sportsakkos u. Janker 24,50 55,— 45,— 59,— DM und höher Waschjoppen und Leinensakkos 8,— 12,50 18,50 21,— DM und höher Herren- und Burschen-Lumberjacks 29,50 54,50 58,50 42,— DM Radfahrerpelerinen 11,90 dm Herren- und Burschen-Windblusen 24,50 28,50 50,50 52,— DM Knaben-Anzüge 14,50 21,— 27,— 52,— DM und höher Knaben-Janker 4,90 5,90 8,50 11,50 DM und höher Knaben-Hemden 5,90 4,50 5,50 6,50 DM und höher Knaben-Hosen 4,90 5,90 6,50 7,50 DM und höher Knaben-Strümpfe ab —,95 DM Knaben-Lederhosen ab 12,50 DM Herren- und Burschen-Anzugshosen 8,90 11,50 17,50 19,50 DM und höher Herren- und Burschen-Arbeltshosen in Buxkin, Zwirn, Cord, Pilot und Manchester in allen Preislagen Sport- und Polohemden 5,90 4,90 5,90 7,70 DM und höher Herren-Schlafanzüge ab 15,90 DM Taschentücher ab —,65 DM Krawatten ab —,50 dm Damen-Sportpullover 8,75 15,75 16,75 20,50 DM Kinder-Badeanzüge 5,25 5,95 7,— DM Kinder-Badehosen 1,60 5,20 4,20 DM Turnschuhe ab 195 DM Damen-Sportstrümpfe weiß und farbig —,95 1,95 2,95 5,95 DM Herrenstoffe für Anzüge und Kostüme Importware - reine Wolle, ca. 150 cm breit, 11,50 15,50 25,— DM per Meter \ —- — " ———■ — —- I . ■■— Angeschlossen der Waren-Kredit-Verkehr und der Hessischen Beamtenbank DARMSTADT - AN DER MARKTECKE