Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Darmstadt, Rheinstraft. ■ Wit«öi. 207. Jahrgang / Nummer 30 Tteueffe 7la<brt4ten Freitag, 4. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23. Tel. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Die Nachschubwege gefährdet

Nordkorea sucht eine schnelle Entscheidung / Wird die Front halten?

Kok'153-11’ t August (AP./BBC./dpa) Die amerikanischen Truppen a enim au der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag überall ihre neuen Stellungen am Naktong-Fluß bezogen.

Der Naktong ist einer der größten Ströme Koreas und soll nach der Auffassung der amerikanischen Sachverständigen das bisher idealste natürliche Hindernis sem, an das sich gute Verteidigungsstellungen anlehnen können.

In den letzten "drei Tagen sind die Amerikaner täglich durchschnittlich zehn Kilometer zurückgegangen. Die härtesten Kämpfe wurden nach wie vor im Mittelabschnitt geführt, die größte operative Bedrohung entstand jedoch im Südabschnitt, wo die Nordkoreaner die Entscheidung ebenfalls suchen. Trotz der heftigen Gegenangriffe der Amerikaner im Raum Schinju, die nach den Berichten des amerikanischen Hauptquartiers noch völlig im Fluß sein und sich zugunsten der Amerikaner entwickelt haben sollen, erreichten die Nordkoreaner die Ebene vor Pusan. Starke amerikanische Einheiten, von Panzern unterstützt, wollen den Feind von einem Hochplateau hinuntergeworfen haben. Das nordkoreanische Kommunique sagt hingegen, die Kämpfe im Raum Schinju hätten zu einer Niederlage der Amerikaner geführt und die im Süden eingesetzten Verbände seien weiterhin im Vormarsch auf Pusan.

Yongdok zurückerobert

Die Kämpfe in diesem Abschnitt sind nicht nur deshalb für die amerikanische Führung bedrohlich, weil eine unmittelbare Gefahr für den Hafen Pusan besteht, sondern auch weil die Möglichkeit gegeben ist, daß die nordkoreanischen Panzerspitzen auf die Eisenbahnlinie Pusan— Taiku vorstoßen, die nordöstlich Masan dicht an den Naktong herangeht. Ein Unterbrechen dieser Linie bedeutet eine empfindliche Störung der Versorgung für die Mittelfront.

Rote Ungarn eingetroffen

Der nordkoreanische Rundfunk hat bekanntgegeben, daß in den Kämpfen im Mittelabschnitt in den letzten Tagen 1200 Amerikaner gefallen und 1500 in Kriegsgefangenschaft geraten seien. Der Vormarsch ginge an allen Fronten weiter. Ein ungarisches Feldlazarett und bulgarische Ärzte seien auf dem koreanischen Kriegsschauplatz zur Unterstützung der nordkoreanischen Truppen eingetroffen.

Das Luftwaffenhauptquartier der Amerikaner meldet am Donnerstag, daß von der strategischen und taktischen Luftwaffe fünfhundert Einsätze geflogen worden seien. Das größte chemische Werk in Nordkorea sei wiederum mit großem Erfolg bombardiert worden. Schinju, Taidschon, Handong seien von zweimotorigen Kampfverbänden angegriffen worden.

Der Hafen Mokpo wurde zwei Stunden von britischen Kriegsschiffen beschossen.

Shuster wird deutlicher

Wollen die Deutschen sich beteiligen?

We. München, 3. August. Der amerikanische Landeskommissar für Bayern, Shuster, hat auf einer Pressekonferenz am Donnerstag erklärt, er würde eine deutsch-amerikanische „Freundschaftswoche“ sehr begrüßen, auf der allerdings dann nicht in der Hauptsache geredet, sondern mehr „illustriert“ werden solle. Zur Frage der Flüchtlingsparteien sagte Shuster, es sei für den Amerikaner schwer verständlich, daß jedes in seinem Kern soziale Problem in Deutschland immer sogleich politisch aufgefaßt und verwertet werde. Das verleite stets dazu, einen Strich zwischen sich und den anderen zu ziehen. Man komme aber bedeutend weiter, wenn man diese Dinge vom sozialen Standpunkt aus betrachte.

Die Frage, ob Deutschland wieder eigene Divisionen aufstellen, sich an einer europäischen Armee beteiligen oder Rüstungsaufträge erhalten solle, bezeichnete Shuster als eine Frage, die mehr als bisher an die deutsche Oeffentlichkeit gestellt und von ihr beantwortet werden müßte. Es interessiere Oie Amerikaner auch sehr, was die „tüchtigsten Deutschen“ darüber dächten. Er habe volles Verständnis dafür, wenn auf deutscher Seite diese Frage bis in ihre letzten Konsequenzen durchgedacht werde.

„Ihr habt uns verkauft“

Tomaten und faule Eier in Belgien

Brüssel, 3. August. (AP./BBC./dpa) Am Donnerstag ist vom belgischen Kabinett der Gesetzentwurf gebilligt worden, der vorsieht, daß die Rechte des Königs auf den Kronprinzen übertragen werden. König Leopold, der am Donnerstag im Schloß Laeken einige Auslandsdiplomaten empfangen hat, hat in einem Schreiben, das er an den Ministerpräsidenten Duvieusart gerichtet hat, darauf hingewiesen, daß er die belgische Regierung für den Entschluß abzudanken verantwortlich mache. Die Anhänger des Königs legen dieses Schreiben so aus, Leopold habe zu verstehen geben wollen, daß er nur zögernd der Forderung der drei ‘großen Parteien nachgegeben habe.

Während einer Sitzung im Zentralbüro der Christlich-Sozialen in Brüssel drangen begeisterte Anhänger des Königs in die Räume ein und beschimpften die anwesenden Parteiführer. Ein junges Mädchen warf dem Justizminister Grafen de Wiart ein Ei ins Auge. Die Parteiführer, die sich in die Gänge zurückzogen, wurden dort von einem Hagel von Tomaten empfangen. Den christlich-sozialen Parteiführern war zugerüfen worden: „Ihr habt uns verkauft."

Nehru: Ohne Asten keine Lösung

Indien begründet seine Haltung im Sicherheitsrat

Neuyork, 3. August. (AP./dpa) Der indische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen hat vor Pressevertretern erklärt, Indien befürworte die Aufnahme des kommunistischen China in die Vereinten Nationen, weil es der Ansicht sei, daß dies zur Beilegung des koreanischen Konfliktes beitragen könne. Er begründete damit seine Haltung bei der Abstimmung über den Ausschluß des nationalchinesischen Delegierten im Weltsicherheitsrat, bei der er zusammen mit dem sowjetischen und dem jugoslawischen Delegierten für den Ausschluß gestimmt hatte. Der indische Delegierte fügte hinzu, obwohl keine Gewähr dafür bestehe, dals die Zulassung des kommunistischen China die Lösung des koreanischen Pr - blems fördere, könne man es sich dient leisten, irgendein Mittel unversucht zu lassen.

Der indische Ministerpräsident Pandit Nehru sagte in einer Regierungserklarung in Neu-Delhi, die Behandlung der

Probleme Asiens durch den Westen lasse jeden Scharfsinn vermissen. Die Lfentalität der Asiaten werde von den Westmächten nicht verstanden. Ohne die Mitarbeit der asiatischen Völker ließen sich die Probleme dieses Kontinents nicht lösen. Die Aggression der Nordkoreaner müsse verurteilt und der Konflikt lokalisiert werden. Mit der Lösung dieses Problems dürften keine anderen Fragen verbunden werden. Er sei davon überzeugt, daß die von Indien eingeschlagene Politik richtig sei. Die gefährliche Entwicklung in der letzten Zeit und die koreanische Krise wären nicht ausgelöst worden, wenn das kommunistische China rechtzeitig zum Weltsicherheitsrat zugelassen worden wäre. Durch seine Aufnahme würde eine Atmosphäre geschaffen, in' der eine Lösung gefunden werden könnte. Ohne die Sowjetunion und China würden die Vereinten Nationen keine Friedensorganisation sein, sondern zu einem Instrument des Krieges oder der Kriegsvorbereitung werden.

Tngesordnung angenommen

Sicherheitsrat beschloß Debatte über Korea

Neuyork, 3. August. (AP.) Der amerikanische Delegierte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Warren Austin, hat auf der Sitzung am Donnerstag den sowjetischen Delegierten Malik scharf angegriffen.

Malik hatte erklärt, der Rat müsse entscheiden, ob er dem von Rußland gewiesenen Weg oder dem von den Vereinigten Staaten eingeschlagenen Weg der Aggression folgen wolle.

„Zu tragisch und zu real“

Austin sagte,.Malik habe eine neue Verleumdung, eine neue Drohung, eine neue Provokation in die Debatte geworfen. „Wir, und ich glaube, auch die Welt ist dieser offensichtlichen und schamlosen Verdrehung der Tatsachen müde. Die Zeit für derartige Dinge ist gewiß vorbei, und die Angelegenheiten, mit denen wir uns heute befassen, sind zu tragisch und zu real, als daß man ihnen mit einem von propagandistischen Verdrehungen belasteten Vorurteil gerecht werden kann.“ Die amerikanische Regierung sehe keine Notwendigkeit und habe nicht den Wunsch, noch weitere Worte über den unermeßlichen Abgrund zu verschwenden, der zwischen der Erklärung des Vertreters der sowjetischen Regierung und den tatsächlichen Gegebenheiten der bekannten Situation lägen.

Malik hatte geäußert, die koreanische Konflikt sei nur ein Bürgerkrieg, und die Vereinigten Staaten begingen durch ihre Einmischung in diesen Bürgerkrieg eine Aggression. Die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und der Niederlande versuchten, den Vereinigten Staaten dabei behilflich zu sein, andere in den Konflikt hinein Zuziehen.

Der indische Delegierte und der Vertreter Aegyptens sprachen sich dafür aus, die beiden von Rußland vorgeschlagenen Programmpunkte neben dem von den Vereinigten Staaten geforderten Punkt aufzunehmen. Der Inder sagte, Indien sei von Anfang an für die Anerkennung des kommunistischen China durch die Vereinten Nationen eingetreten und könne nicht darin einwilligen, daß diese Frage beiseitegeschoben würde. Der ägyptische Delegierte protestierte gegen die lange Diskussion über die Tagesordnung und beantragte Schluß der Debatte.

Der französische Delegierte Chauvel erklärte, Frankreich sei nicht abgeneigt, die Vertretung Chinas im Sicherheitsrat zu erörtern. Jetzt aber sei Korea vordringlich. Er werde gegen eine Tagesordnung stimmen, die die früheren koreanischen Beschlüsse des Rates außer acht lasse. Malik erklärte sodann, er lasse zunächst über die von ihm als Vorsitzendem eingebrachte Tagesordnung abstimmen. Dann werde über den amerikanischen Antrag zur Tagesordnung abgestimmt werden.

Neue Vertagung

Die Sitzung wurde nach einer verwirrenden Reihe von Abstimmungen vertagt. Der Sicherheitsrat beschloß, den amerikanischen Antrag zur Tagesordnung, die nordkoreanische Aggression mit .Vorrang zu behandeln, an die erste Stelle der Tagesordnung zu setzen. Bei dieser Abstimmung enthielten sich Jugoslawien und Indien der Stimme. Abgelehnt wurde der sowjetische Antrag, die Vertretung Chinas zu erörtern. Malik erklärte diese Abstimmung als ungültig. Der sowjetische Antrag zur Tagesordnung „Friedliche Regelung der Koreafrage“ wurde gleichfalls abgelehnt.


Der sowjetische Delegierte und augenblickliche Vorsitzende des Sicherheitsrates, Malik, hat am Mittwochabend nach dreieinhalbstündiger Dauer die Sitzung mit den Worten geschlossen: ,;Na, wenn die Weltgeschichte dadurch keinen Schaden erleidet, schließe ich hiermit die Sitzung.’*
Der sowjetische Delegierte und augenblickliche Vorsitzende des Sicherheitsrates, Malik, hat am Mittwochabend nach dreieinhalbstündiger Dauer die Sitzung mit den Worten geschlossen: ,;Na, wenn die Weltgeschichte dadurch keinen Schaden erleidet, schließe ich hiermit die Sitzung.’*

Arbeitskompanien

an Es kann leicht sein, daß der 2. August 1950 von künftigen Forschern als ein Tag von hoher Bedeutung in die Geschichte der deutschen Nachkriegszeit eingeht. Bisher nämlich waren immer nur große Teile der öffentlichen Meinung und der Fachleute bei den Westmächten der Auffassung, daß Deutschland wieder bewaffnet werden solle. An diesem 2. August aber hat zuerst eine Regierung der westlichen Staaten, und zwar die mächtigste von ihnen, ihren Entschluß zur Wiederbewaffnung Deutschlands bekanntgegeben: Die Amerikaner werden in Deutschland Tausende von Mitgliedern der Arbeitskompanien mit Karabinern bewaffnen. Es wird niemanden geben, der sich damit tröstet, daß es „nur“ Kabariner sind. Mit Karabinern fängt es an, mit Maschinengewehren geht es weiter, und niemand weiß, wo es aufhört.

Man sollte nicht bestreiten, daß dieser Beschluß theoretisch den Abkommen zuwider läuft, die 1945 über die Zukunft des deutschen Volkes abgeschlossen worden sind. Die Wahrheit ist allerdings, daß dieses Abkommen seit etwa zwei Jahren nicht mehr besteht, weil es gebrochen worden war. Als die Russen ihre Volkspolizei und dann ihre Seepolizei schufen, haben sie die Westmächte geradezu herausgefordert, Aehnliches zu schaffen.

Aber das ist ein schwacher Trost. Jener Beschluß, daß die Deutschen keine Waffen mehr tragen dürfen, war zwar gegen die Deutschen gerichtet; aber, durchaus zur Verblüffung der Alliierten, stellte sich bald heraus, daß er von den Deutschen sehr geschätzt wurde. Nun ist er verlassen worden, und ein Weg ist beschritten, von dem man noch nicht weiß, wohin er führt. Hoffentlich ist er von der amerikanischen Regierung bis in seine letzten Konsequenzen durchdacht worden. Davon wird noch einiges zu sagen sein.

Ministerausschuß in Straßburg

Straßburg, 3. August, (dpa) Der Ministerausschuß des Europarates ist am Donnerstagnachmittag im Straßburger Rathaus unter dem Vorsitz des irischen Außenministers Sean Mcßride zu seiner fünften Sitzungsperiode zusammengetreten.

Die gläserne Wand

Der Bundestag war schlecht beraten, als er beschloß, nur Männer und Frauen aus seiner eigenen Mitte nach Straßburg zu entsenden. Der Auswärtige Ausschuß war noch schlechter beraten, als er die Diäten für sie beschloß. Der Bundestag weiß, daß die Gefahr der Gleichgültigkeit und der Verdrossenheit auch innenpolitisch sehr ernst ist. Nun, er sollte es denen nicht so leicht gemacht haben, die überall mürrisch erklären, von ihm sei die Rettung nicht zu erwarten.

Es gibt im Volk nur wenige, die nicht wüßt^, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist. Weder für die Erweckung von Neidgefühlen noch für filzige Knauserei wird man viele Ohren gewinnen können. Unsere Vertreter in Straßburg sollen in guten Zimmern wohnen, und sie sollen am Abend auch eine Flasche Wein trinken dürfen. Wer aus Erfahrung weiß, wie überreizt die Gehirne nach anstrengender Arbeit und nach erregenden Debatten sind, der weiß auch, daß man die Erregung nicht bei Mineralwasser für fünfundzwanzig Pfennig abklingen lassen kann. Aber zweiundsiebenzig Mark im Tag — beim Zeus, das ist zuviel, das ist viel zuviel; besonders, wenn man bedenkt, daß die allgemeinen Diäten in Bonn noch weiter laufen. Und welcher schlechte Geist hat den Bonnern nur eingeflüstert, daß auch für die Fahrten nach Straßburg wieder das Auto (mitsamt dem Fahrer) berechnet werden darf? Abgeordnete können mit der Bundesbahn frei fahren, und darum ist für sie die Kostenrechnung ganz anders als für den Geschäftsmann, der zu einer Besprechung muß. Aber man müsse in Straßburg unabhängig sein von den Verkehrsmitteln, man müsse oft schnell von einem Gespräch zum andern? Die Fälle werden so überwältigend wohl auch nicht sein, und wenn es gar so drängt, wird wohl noch ein Taxi für zwei Mark fünfzig zu haben sein. Von den anderen Nationen habe auch jeder Abgeordnete sein eigenes Auto da? Nun, die anderen Völker sind sehr reich, und wir sind arm. Deutsche Vertreter sollten, wo immer sie sind, nichts vortäuschen, was nicht da ist; auch ist es nicht einmal klug, uns für wohlhabender auszugeben, als wir sind. Unsere Abgeordneten in Straßburg aber sollten durch den Glanz ihrer Argumente und nicht durch die schnittige Form ihrer Wagen auffallen.

Hoffentlich wird man uns nicht erwidern, wir beschäftigten uns doch wohl gar zu ausführlich mit einer Summe, die im ganzen Haushaltsplan doch nur eine geringe Rolle spielt; und schließlich gäbe es Wichtigeres zu behandeln in einer Zeitung des Jahres 1950. Ein Abgeordneter hat neulich seinen Zuhörern ausgerechnet, das Parlament in Bonn sei gar nicht so teuer, wie immer behauptet werde, es koste auf den Kopf nur dreizehn Pfennig (oder dreiundzwanzig oder dreiunddreißig? Wir erinnern uns leider nicht vollständig. Für den Zusammenhang ist die genaue Zahl auch nicht so wichtig, jedenfalls war sie lächerlich niedrig.) Aber das ist es nicht, worauf es ankommt. Erfahrungen haben uns hellhörig und aufmerksam gemacht, und wir glauben, die tieferen Gefahren zu sehen. Mit zweiundsiebenzig Mark nämlich geht es an, die so im Husch-Husch bewilligt werden; mit einem flüchtigen Blick auf einen Voranschlag von drei Millionen für Umbauten in Bonn geht es weiter; hinterher wird eine Kostenrechnung von fünfundzwanzig Millionen vorgelegt; und wo soll dies Verfahren noch hinführen?

Aber womöglich noch schlimmer ist es doch, daß an dem Beispiel der Diätenbewilligungen für Straßburg wieder deutlich geworden ist, wie weit und wie schnell sich die vom Volk Gewählten von ihren Wählern entfernen. Man weiß, daß auf manchen Rheindampfem bei der Vorbeifahrt vor dem Bundeshaus von den Fahrgästen das melancholische Lied angestimmt wird: „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?“ Eine Korrespondenz, die wir sonst sehr schätzen, hat sich in den Mantel eines etwas fragwürdigen sittlichen Pathos gehüllt und zornbebend gefragt, ob die Leute eigentlich nicht wüßten, wie sehr sie mit dem billigen Spott das ganze politische System untergrüben, in dem wir leben und ohne das wir nicht leben können. Das ist alles sehr schön; aber etwas könnten die Abgeordneten doch wohl auch dazu beitragen, daß die Fahrgäste auf den Dampfern gar nicht auf so geschmacklose Gedanken verfallen. Manchmal kommen die Volksvertreter einem so vor, als wenn sie ständig hinter einer gläsernen Wand säßen. Man kann sie beobachten, man beobachtet sie auch oft viel genauer, als sie selber wissen; aber zu ihnen dringt kein Luftzug mehr von draußen herein, sie hören nur noch das Rascheln ihrer Akten und die Reden ihrer Mitdeputierten; und die Stimme des Volkes geht verloren. Sie wissen nicht mehr, was draußen gedacht wird. Und sie wissen auch nicht mehr, wie arm dieses Volk ist.

Demagogen haben es in diesen Tagen leicht, breit und in glühenden Farben den Gegensatz auszumalen zwischen den Bewilligungen in Bonn und den Sorgen der Vertriebenen, der vielen Höhlenbewohner in den großen Städten, den Plagen von vielen Millionen schlecht bezahlter Menschen. Wir möchten die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit lieber lenken auf die wahrhaft tragische Seite, die der ganzen Angelegenheit ohne Zweifel innewohnt. Unsere Bundestagsabgeordneten sind Schwerarbeiter. Sie führen ein Leben, das zwar anregend und vielfältig ist und das angenehme Gefühl der Macht gibt, aber sonst eine elende Plackerei darstellt. Zwischen Vollversammlungen, Ausschußsitzungen, Fraktionsberatungen, Besucherempfängen und Briefschreiberei bleibt ihnen kein Augenblick der Besinnung mehr. Eben das scheint uns immer gefährlicher. Sie verlieren in dem engen Kreis ihrer Mitarbeiter die Berührung mit denen, in deren Auftrag sie da sind.

Als wir vor einem halben Jahr einige Kritik an dem System der Diäten übten, ist uns von verehrungswürdiger Seite aus Heidelberg entgegnet worden, das zwanzigste Jahrhundert verlange das System der Berufsparlamentarier, und das müsse bei der Festsetzung der Diäten berücksichtigt werden. Uns aber scheint immer deutlicher, daß es wohl des Studiums der Fachleute wert wäre zu prüfen, ob nicht durch eine entschlossene Vereinfachung des parlamentarischen Betriebes die meisten Abgeordneten ihren Berufen zum großen Teil zurückgegeben werden könnten. Der Erfolg für das Staatsleben und für das Ansehen des Parlaments wäre ungeheuer. Ein Mann nämlich, der wirklich im Leben des beruflichen Alltags steht, und abends seinen Schoppen Wein regelmäßig inmitten von Arbeitern, Bauern, Handwerkern und Beamten trinkt, anstatt in der verhängnisvollen geistigen Inzucht des Bundeshauses zu leben, ein solcher Mann würde sich vermutlich hüten, Diäten über das notwendige Maß hinaus zu bewilligen.

Dem möge man nun zustimmen oder nicht; auf jeden Fall würde ein Volksentscheid dem Diätenbeschluß des Bundestages seine Zustimmung verweigern. Das weiß jeder, der einmal mit offenen Ohren eine Eisenbahnfahrt gemacht hat. Es ist aber gefährlich, wenn eine Volksvertretung in einer so delikaten Frage sich von der Meinung des Volkes entfernt. Gerade wer der Idee eines großen deutschen Parlaments ein langes und kräftiges Leben wünscht, muß auch hoffen, daß es bald die gläserne Wand zerbreche.

Panzer und Bazooka

ein. Als der Feind in Korea mit Panzern in Massen auftrat, konnte man ihm auf amerikanischer Seite nichts Entscheidendes entgegensetzen. Dem wendigen und schnellen 33-Tonnen-Panzer russischer Fertigung vom Typ T 34, mit einer 7,6-Zentimeter-Kanone bestückt, der auf Grund einer langen Versuchsreihe und zahlreicher Erfahrungen eine mustergültige Konstruktion aufweist, konnten die Amerikaner anfangs nur wenige der langsamen, schwerfälligen und hohen Panzermodelle vom Typ des „General Grant“ gegenüberstellen. Erst später erschienen auf dem Kriegsschauplatz Panzer vom Typ „Sherman“, 35 Tonnen schwer und mit einer Neun-Zentimeter-Kanone ausgerüstet, und der 45-Tonnen-Panzer „General Pershing“, die beide aber in Wendigkeit, Watfähigkeit und Widerstandsfähigkeit dem T 34 weit unterlegen sind.

Um der Truppe den Panzerschreck zu nehmen und ihr Zutrauen zu geben im Kampf Mann gegen Panzer, hat man sie mit der Super-Bazooka ausgerüstet. Der Kampf Bazooka gegen Panzer ist aber der Kampf des David gegen den Riesen Goliath. Tausend Bazookas nützen nichts, wenn sich nicht einer findet, der sie abschießt. Trifft sie, dann wirkt sie tödlich. Diese Raketenwaffe hat eine primitive Eisenblechführung und eine grobe Zieleinrichtung. Das langsamfliegende Geschoß saugt sich mit den weichen Teilen an der Panzerplatte fest und durchschlägt mit seinem harten Kern jede Panzerung. Theoretisch kann sie auf Hunderte von Metern eingesetzt werden, praktisch muß der Schütze nahe am Panzer stehen, wenn er treffen will. Zwar ist jede Panzerbesatzung in der Sicht gehindert, aber meistens fährt der Panzer nicht allein, und vor allem in Korea wird er von der Infanterie begleitet. Es gehört schon viel Glück und noch mehr Mut dazu, um mit der Bazooka einen Panzer abzuschießen. Die Bazooka ist also nur ein Notbehelf. Wenn der Panzer in Massen auftritt, kann man ihm nur Panzer in Massen entgegensetzen. Das amerikanische Verteidigungsministerium hat deshalb auch dringlich die Panzerproduktion anlaufen lassen.

Demokratische Lehrer

Ein Leser schreibt uns: Wir Deutschen werden seit längerer Zeit bekanntlich zur Demokratie erzogen, und ich glaube ganz ehrlich, daß wir schon ganz schöne Fortschritte gemacht haben. Peinlich ist es nur, daß die Beispiele, die uns der Westen praktisch vorexerziert, uns immer wieder in Verwirrung bringen.

Da ist zum Beispiel jetzt Belgien. Eine einwandfreie demokratische Mehrheit in diesem uns doch immer als sehr demokratisch geschilderten Land ruft den König zurück. Die Minderheit ist damit nicht zufrieden. Sie wendet aber merkwürdigerweise nicht die demokratischen Spielregeln an, die uns gepriesen werden, sondern sie geht auf die Straße, sie marschiert — und sie erzwingt so ihren Willen.

Ich demokratischer Lehrling komme da in Verlegenheit. Mich erinnert die ganze Geschichte peinlich an Adolf Hitler. Da ging ja auch die Minderheit auf die Straße und marschierte solange, bis es der Mehrheit auf die Nerven ging und sie schwach wurde.

Und das Ueberraschendste, ja ich kann wohl sagen Erschütterndste für uns ist, daß wir mit ansehen müssen, wie ein Mann, den wir für einen völlig einwandfreien westlichen Demokraten hielten, wie Herr Spaak, mit seiner Minderheitspartei Zusammen auf die Straße geht, eingehakt mit dem Sowjetvertreter, und dabei deklamierte, man solle nachgeben, denn er behielte die Bewegung sonst nicht in der Hand!

Das sind fatale Erinnerungen.

Das ist auch eine fatale Gemeinsamkeit, die wir da feststellen müssen. Herr Spaak muß doch auch wissen, daß, wenn sein kommunistischer Genosse einmal da ist, dieser ihn selbst prompt abservieren wird — die Beispiele dafür sind ja nun allmählich ziemlich zahlreich geworden —, vielleicht mit einer Galgenfrist, einer wirklichen Galgenfrist.

Wir Deutschen sitzen am nächsten an der Grenze. Uns wird unheimlich zumute, wenn wir so etwas beobachten müssen, insbesondere an unseren demokratischen Vorbildern.

Es geht uns nicht um den König. Was ist uns schon der König der Belgier? Aber das Beispiel veranlaßt uns zum Nachdenken.

Es wäre ganz gut, wenn uns unsere demokratischen Lehrmeister einmal einen Kommentar zu diesen Vorgängen schreiben würden.

Wittstock, Rechtsanwalt, Frankfurt.

Boun gegen Couleunr und Mensur

Bonn, 3. August, (dpa) Der Prorektor der Universität Bonn, Professor Dr. Friesenhahn, hat am Donnerstag auf einer Pressekonferenz aus Anlaß der Rektorenkonferenz in Bonn gesagt, daß die Rektoren unbedingt an dem Tübinger Beschluß festhielten, der das Mensurfechten und das Farbentragen ablehhe. Wegen einiger Vorkommnisse in der Zwischenzeit sei genauer bestimmt worden, was' unter Farbentragen in der Oeffentlichkeit zu verstehen sei. Danach würden keine Bedenken gegen das Zeigen von Fahnen in der Oeffentlichkeit bei feierlichen Anlässen erhoben.

Die Rektoren hielten an dem Beschluß aus Verantwortung für die Aufrechterhaltung des sozialen Friedens fest. Es sei ein Bedürfnis zur Bildung studentischer Gemeinschaften verständlich und die Tatsache sei anzuerkennen, daß in vielen Verbindungen, die auf alten Traditionen aufbauten, neue Wege studentischen Korporationslebens gesucht würden.

Fernstromlieferungen aus der Sowjetzone nach West-Berlin werden am 7. August nach sechswöchiger Unterbrechung wieder aufgenommen.

Der Wechsel auf das Konsumbrot

Setzt sich die Regierung durch? / Nach der Preiskonferenz

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 3. August. Das Ergebnis der Besprechungen der Bundesregierung über die Preis- und Lohnfragen ist ein befristetes Abwarten der Lohnempfängerseite auf die Auswirkung der Regierungsmaßnahmen geworden. Es kann weder am Willen der Gewerkschaften, Lohnkämpfe in der gegenwärtigen Lage nach Möglichkeit zu vermeiden, noch am Willen der Regierung gezweifelt werden, den Gewerkschaften diese Möglichkeit durch ein stabiles Preisniveau zu gewähren. Die Zusage, die Fleischimporte bis zum Maximum der Möglichkeiten der Handelsverträge auszudehnen, um jede Fleischverteuerung abzustoppen, wird als klarer Hinweis in dieser Hinsicht und auch als ein Anzeichen dafür bewertet, daß die Politik der Importschleuse nicht von vorneherein als eine Methodik der Einfuhrabdämmung aufgefaßt werden kann. Es kann aber von keiner Seite verkannt werden, daß die Abstimmung der Forderungen der Landwirtschaft auf ausreichende Erlöse und der Wünsche der Arbeitnehmer und der Industrie auf eine möglichst billige Lebenshaltung immer ihre schweren Probleme haben wird.

Dabei begründen beide Seiten ihren Standpunkt gleichermaßen mit der augenblicklichen Weltlage. Bei der Verabschiedung des Getreidegesetzes ist aus dem Mund eines Abgeordneten der Koalition das Wort gefallen, daß man „auf der Korea-Woge in den Reichsnährstand schwimm?“, weil die Steigerung der einheimischen Lebensmittelerzeugung unter dem Aspekt Korea für alle Parteien neue Bedeutung gewonnen hatte. Auf der anderen Seite ist gerade von den Vertretern der Bundesregierung auf die neue Chance der Exportsteigerung durch die Weltereignisse hingewiesen worden, deren Ausnützung sich durch eine Verteuerung des inländischen Lebensniveaus vermindern würde. Die Preisstabilisierung ist von der Regierung in den Verhandlungen darum zur Richtlinie ihrer Maßnahmen erklärt worden. Die entscheidende Frage ist, ob die Regierung mit den ihr zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mitteln diese Stabilität erreichen kann.

Zum Prüfstein in dieser Hinsicht wird die Erfüllung der Vereinbarungen über das Konsumbrot werden. Von gewerkschaftlicher Seite ist eingehend dargelegt worden, daß das Konsumbrot bis jetzt vielfach noch ein Versprechen und keine Wirklichkeit sei. Die Einlösung dieses von der Regierung und den beteiligten Wirtschaftszweigen gegebenen Wechsels an die breiten Verbraucherschichten muß die erste Etappe auf dem Weg werden, der als der mittlere Weg zwischen Agrarschutz und Ausfuhrkonjunktur bezeichnet wird.

Einmütig hinter Dibelius

Berlin, 3. August, (dpa) Die aus der Sowjetzone und dem Bundesgebiet in Berlin versammelten Mitglieder der Kirchenleitung der Evangelischen Altpreußischen Union haben in einer Entschließung erklärt, daß sie einmütig zu Bischof Dibelius und zu seiner Amtsführung stünden. Ferner bekennen sie sich mit Dibelius dazu, daß die Kirche keinen anderen Auftrag habe, als allen Menschen Christus als den Heiland der Welt zu bezeugen, ohne Menschen zu fürchten oder ihnen gefällig zu sein. Die Bischöfe der östlichen Gliedkirchen der evangelischen Kirche in Deutschland haben sich dieser Entschließung, die eine Antwort auf die Angriffe des Ministerpräsidenten Grotewohl gegen Bischof Dibelius darstellt, angeschlossen.

Dentsche Schwestern für Süůdafrika

F.A.Z. Frankfurt, 3. August. Der Generalkonsul der Südafrikanischen Union in Westdeutschland hat die alliierte Oberkommission davon unterrichtet, daß er von seinem Lande die Anweisung erhalten habe, die Möglichkeit zur Einstellung von ausgebildeten Krankenschwestern und Hebammen in Deutschland für Südafrika zu überprüfen. In Südafrika herrscht ein ständiger Bedarf an Krankenpersonal. Eine Angabe über die Anzahl der angebotenen Stellen kann von der Südafrikanischen Union noch nicht gegeben werden. Die Mitteilung des Generalkonsulats wurde dem Bundesarbeitsministerium zugeleitet.

Auch englische Arbeitseinheiten

London: Aber keine deutsche Armee

London, 3. August (dpa). Die britischen Besatzungsbehörden in Deutschland werden, wie am Donnerstag von zuverlässiger Seite in London verlautet, wahrscheinlich in gleicher Weise wie die amerikanischen Besatzungsbehörden Arbeitseinheiten in der britischen Zone bilden. Diese Arbeitseinheiten würden — ebenso wie die in der amerikanischen Zone — mit Gewehren und anderen leichten Waffen ausgerüstet.

Ein Sprecher des britischen Außenministeriums erklärte, der am Mittwoch bekanntgegebene amerikanische Beschluß zur Bildung von Arbeitseinheiten sei im Einvernehmen mit Großbritannien gefaßt worden. Die Bildung der Arbeitseinheiten stelle keineswegs den Auftakt zur Schaffung einer deutschen Armee dar. Großbritannien lehne nach wie vor eine westdeutsche Armee ab.

Der Sprecher des Foreign Office erklärte weiter, er könne sich nicht darüber äußern, ob die Arbeitseinheiten im britischen Besatzungsgebiet wie die im amerikanischen Besatzungsgebiet mit Gewehren ausgerüstetwürden. In der Bundesrepublik gebe es etwa einhunderttausend Polizisten, die ausschließlich den örtlichen Behörden unterstünden. Sie seien mit Revolvern ausgerüstet. Diese Polizei sei in keiner Weise mit der schwerbewaffneten Polizei in der Sowjetzone vergleichbar. Ferner gebe es in der britischen Zone die zivile deutsche Arbeitsorganisation mit rund 35 000 unbewaffneten Deutschen sowie das aus etwa zehntausend heimatlosen Ausländem zusammengesetzte sogenannte gemischte zivile Wachkorps.

Die Maßnahme der Amerikaner stellt nach Ansicht Londoner Kreise im technischen Sinne eine Uebertretung der Vier-Mächte-Abkommen über Deutschland dar. Politische Beobachter vermuten trotz der Versicherung, daß nicht beabsichtigt sei, eine deutsche Armee aufzustellen, die Amerikaner würden auf der kommenden Konferenz der Westaußenminister in Washington im September auf eine begrenzte deutsche Aufrüstung in irgendeiner Form drängen. Man erkennt an, daß vom Grundsatz der unbedingten deutschen Abrüstung nunmehr abgegangen worden sei.

Kastners Ausschluß bestätigt

Berlin, 3. August (dpa). Der Führungsausschuß der Liberal-Demokratischen Partei in der sowjetischen Zone hat den bereits früher gefaßten Beschluß bestätigt, durch den der bisherige Parteivorsitzende Professor Kastner aus sämtlichen Aemtern der Liberal-Demokratischen Partei entfernt und aus der Partei ausgeschlossen worden ist.

Ueberraschung im Stuttgarter Landtag

Die Christlich-Demokratische Union stimmt für die Verhältniswahl

Drahtbericht unseres Korrespondenten

St. Stuttgart, 3. August. Der Stuttgarter Landtag hat am Donnerstag nach monatelangen Beratungen das Wahlgesetz für die Landtagswahlen am 19. November beschlossen. Das Gesetz stellt einen komplizierten Kompromiß zwischen der Verhältniswahl und der Personenwahl dar. Bei der Abstimmung gab es eine Ueberraschung, als die meisten Mitglieder der christlich-demokratischen Fraktion für das Gesetz stimmten, während sie es bei allen vorhergehenden Beratungen einstimmig abgelehnt und die Einführung der reinen Mehrheitswahl gefordert hatten. Der Landesvorsitzende der Partei, Wilhelm Simpfendörfer, lehnte das Gesetz ab, der Fraktionsvorsitzende Wiedemeier stimmte ihm zu.

Wie ein Abgeordneter der Demokratischen Volkspartei nach der Sitzung mitteilte, habe seine Fraktion den Christlichen Demokraten bei einer etwaigen Ablehnung des Gesetzes die Stimmenthaltung zugesichert. Daraufhin hätten die Sozialdemokraten gedroht, sich ebenfalls der Stimme zu enthalten und das Gesetz durch die Stimmen der acht Kommunisten verabschieden zu lassen. Vor der Abstimmung hatte der Fraktionsführer der Sozialdemokratischen Partei erklärt, der Landtag müsse den Mut haben, das Gesetz zu beschließen oder sich zu blamieren.

gegen

F.A.Z. Frankfurt, 3. August. Der Arbeitsstab zur Erforschung der öffentlichen Meinung der amerikanischen Oberkommission hat eine Rundfrage in der amerikanischen Zone veranstaltet, um festzustellen, ob die Befragten glaubten, daß es dem Arbeiter besser ginge, wenn die Industrie sozialisiert würde. Die Umfrage hat gezeigt, daß heute 54 Prozent der fast zweitausend Befragten der Ansicht sind, daß eine Sozialisierung die Lage des Arbeiters nicht verbessern würde. Als vor zweieinhalb Jahren dieselbe Frage gestellt wurde, vertraten nur 41 Prozent diese Meinung.

Die Fürsprecher der Sozialisierung machen 38 Prozent der Bevölkerung aus. Bei der ersten Befragung waren es 49 Prozent. Die Opposition gegen die Sozialisierung war jetzt neben Berlin am stärksten in Hessen. Bei der Feststellung der Parteimeinung über die Sozialisierung ergab sich 1947, daß unter den Sozialdemokraten fünfzig Prozent für die Sozialisierung eintraten. Jetzt sind es nur noch 38 Prozent. Die Mißbilligung in den Reihen der Sozialdemokraten gegen die Sozialisierung hat jetzt 32 Prozent der befragten Parteimitglieder erfaßt. Sie sind sogar gegen eine Teilsozialisierung eingestellt.

Ein Zeitungsverbot

Wiesbaden, 3. August. (AP.) Der amerikanische Landeskommissar für Hessen, Dr. James Newman, hat auf Anweisung der alliierten Oberkommission das in Frankfurt erscheinende Organ der hessischen Kommunistischen Partei „Sozialistische Volkszeitung“ ab sofort für die Dauer von 90 Tagen verboten, teilte das hessische Innenministerium am Donnerstag mit

Als Begründung wurde angegeben, in der Ausgabe vom 3. August habe die Zeitung verschiedene Artikel gebracht, die eine Verletzung des Gesetzes Nummer 5 der Oberkommission darstellen.

Erhard Honorarprofessor in Bonn

Bonn, 3. August, (dpa) Bei einem Empfang aus Anlaß der Westdeutschen Rektorenkonferenz in Bonn überreichte der Kultusminister von Nordrhein-Westfalen dem Bundeswirtschaftsminister Professor Dr. Erhard die Urkunde über seine Ernennung zum Honorarprofessor in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät Bonn.

Bis znr Grenze der Leistungsfähigkeit

Englands Beitrag zur westlichen Verteidigung

Drahtbericht unseres Korrespondenten

d London, 3. August. Der amerikanische Botschafter in London, Douglas, hat dem britischen Ministerpräsidenten Attlee in den letzten 24 Stunden zweimal einen Besuch zu ungewöhnlicher Stunde abgestattet. Politische Beobachter sind der Auffassung, daß bei dieser Besprechung zu einem so ungewohnten Zeitpunkt nur die Frage des britischen Beitrags zur westlichen Verteidigung zur Sprache gekommen sei. Es wird angenommen, daß Großbritannien sich zu größeren Ausgaben für die Aufrüstung entschließen werde, und es wird erwartet, daß spätestens zum Wochenende dieser Entschluß auch öffentlich bekannt wird.

Die Engländer haben einen Plan ausgearbeitet, der als Antwort auf die Aufforderung der Amerikaner angesehen werden kann, die die Atlantikpaktstaaten aufgefordert haben, die Verteidigungsmaßnahmen schneller voranzutreiben. Dei' britische Plan soll jedoch von der Voraussetzung ausgehen, daß eine unmittelbare Kriegsgefahr noch

nicht bestehe. Es sollen Ausgaben für Rüstungszwecke vorgesehen sein, die an die Grenze der britischen Leistungsmöglichkeit gehen, jedoch die wirtschaftliche Lage Großbritanniens nicht gefährden. So sind voraussichtlich in der britischen Planung Summen veranschlagt, die zwar eine zusätzliche Verteidigungslast bedeuten, aber auch Summen, die die Anstrengungen Englands zu sehr beanspruchen würden und deshalb nur mit amerikanischer Hilfe aufgebracht werden könnten.

Zusammenstoßh mit „Friedenskämpfern“

Neuyork, 3. August. (AP.) Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen kommunistischen „Friedenskämpfern“ und Polizisten ist es in Neyork gekommen, als etwa zweitausend Demonstranten versuchten, mit Gewalt in den stark bewachten „Union Square“ einzudringen, um eine verbotene Kundgebung abzuhalten. Berittene Polizisten gingen gegen die Menge vor, die sich immer wieder zu neuen Gruppen zusammenschloß. Nach einstündigen Bemühungen gelang es tausend Polizisten, die Demonstranten zu zerstreuen. Auf der Kundgebung sollte der Sänger Paul Robeson sprechen.

Manfred Rommel in England

London, 3. August, (dpa) Manfred Rommel, der 21jährige Sohn des Generalfeldmarschalls, ist zusammen mit General Bayerlein, dem Chef des Stabes Rommels, am 2. August in London eingetroffen. Beide wollen Fühlung mit britischen Verlegern nehmen, um eine eventuelle Veröffentlichung von Aufzeichnungen Rommels zu besprechen. Sie sollen eine Reihe interessanter Gesichtspunkte über den Wüstenkrieg, Rommels Erfahrungen mit britischen Kommandeuren und seine Ansichten über Nationalsozialisten enthalten. In allen Fällen handelt es sich um bisher nicht veröffentlichtes Material.

Zusammen mit General Bayerlein wird Manfred Rommel nach den Londoner Besprechungen seine Ferien in Irland verbringen.

Seretse Khama soll abreisen

Johannesburg, 3. August, (dpa) Seretse Khama muß mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Betschuanaland innerhalb von zwei Wochen verlassen, da Verhandlungen mit dem zuständigen britischen Beamten über einen Abreisetermin zu keinem Ergebnis geführt haben. Seretse Khama erklärte, er werde nicht freiwillig gehen, da er und sein Stamm seinen weiteren Verbleib in Betschuanaland wünschten. Die britische Regierung hatte ihm vor längerer Zeit den Aufenthalt in Betschuanaland auf die Dauer von fünf Jahren untersagt, ihm aber gestattet, sich vorübergehend dorthin zu begeben, damit er bei der Geburt seines Kindes anwesend sein konnte.

Die Bewohner der Pazifik-Insel Guam können jetzt die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten und sind berechtigt, eine selbstgewählte Regierung zu bilden.

Stimmen der Anderen

Gelten alliierte Bestimmungen?

Wir lesen im „Sozi aldemokra tischenPressediens t“:

„Das Problem der deutschen Wiederaufrüstung hat der amerikanische Leiter der deutschen Arbeitskompanie (Labour Service Company) von Ansbach aus eigener Machtvollkommenheit gelöst. Er hat angeordnet, daß die 220 ihm zur Arbeit unterstellten Deutschen am Karabiner ausgebildet werden. Ein Drittel der Männer erklärte sich einverstanden, zwei Drittel etwa lehnten ab. Als fristlose Entlassung angedroht wurde, schmolz das Häuflein der Karabiner-Feinde auf etwa 35 Mann zusammen, denn wer geht schon heutzutage gern stempeln? Die standhaften 35 Mann wurden sofort entlassen, nicht ohne daß ihnen vorher bewiesen wurde, was es heißt, wenn man das Wohlwollen eines US-Sergeants verliert. Schriftlicher Entlassungsgrund: „Zum Wohle der Kompanie“.

Wir wissen zur Zeit hodh nicht, ob sich in Ansbach an dieser Situation inzwischen etwas geändert hat; vielleicht hat bereits eine höhere US-Dienststelle eingegriffen und die deutschen Arbeiter wieder entwaffnet. Denn wir kennen ein Kontrollratsgesetz, das den Deutschen das Tragen von Waffen verbietet; es ist uns auch nichts bekannt, daß dieses Gesetz aufgehoben worden wäre. Wir wissen ferner, daß Vizekanzler Blücher als geschäftsführender Bundeskanzler kürzlich strikt jede deutsche Wiederaufrüstung, auch in der getarnten Form eines Eintritts von Deutschen in Formationen der Besatzungstruppen, abgelehnt hat. Die 35 standhaften Männer von Ansbach haben sich lediglich an eine Kontrollratsbestimmung und an die Worte ihrer Bundesregierung gehalten; sie deshalb zu entlassen, ist ein Akt der Willkür, von dem wir gern hören möchten, daß er rückgängig gemacht worden ist.“

Defaitismns?

- r Die amerikanische Zeitschrift „Newsweek“ meint:

„Eine Haltung Frankreichs, die fast als Defaitismus zu bezeichnen ist, setzt die Atlantikpakt-Erörterungen über den Atlantikpakt aufs Spiel. Die Franzosen haben durchsickern lassen, daß sie die Entsendung von wenigstens zehn amerikanischen Divisionen nach Europa fordern werden. Im anderen Falle könnten sie sich der Wiederhers* ’ung der Einheit Europas widmen — eine versteckte Drohung, Polen und der Tschec. - Slowakei die Mitgliedschaft im Schumanplan anzub'aten."

Pekings Anspruch auf Formosa

Der Pariser „F i g a r o“ bezweifelt den Rechtsanspruch* Pekings auf die Insel Formosa.

„Formosa ist Tschiang Kai-schek zwar im Jahre 1943 versprochen worden. Aber Mao Tse-tun^ habe vom völkerrechtlichen Standpunkt a kaum Anspruch auf Einhaltung des Versprechens, da er alle von Tschiang Kai-schek und der Kuomintir unterzeichneten Abkommen für nichtig erklärt hat. Schließlich haben die Vereinigten Staaten und nicht China den Sieg über Japan errungen.

Es ist völlig verständlich, daß die Vereinigten Sl laten einer Regierung, von der sie täglich beschimpft werden, nicht das gewähren wollen, was sie einer befreundeten Regierung gewährt haben wurden. Außerdem hat Präsident Truman ausdrücklich festgestellt, daß es sich bei der Sicherung Formosas nur um eine bis —Wiederherstellung des Friedens im Fernen Osten befristete Maßnahme handelt.“

Gescheiterte Koalitionsgespräche in Schleswig -Holstein

el. Hamburg, 3. August. (Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlungen zwischen der Landtagsfraktion des „Deutschen Wahlblocks“ und der Fraktion des Blockes der Heimatvertriebenen und Entrechteten über die Regierungsbildung in Schleswig-Holstein sind als gescheitert zu betrachten. Sie wurden ergebnislos abgebrochen. Eine neue Zusammenkunft wurde nicht vereinbart.

Aus diesem Grunde hat sich die Wahlblockfraktion entschlossen, den bisherigen Kreispräsidenten von Bad Segeberg, Dr. Dr. Pagel, auf der ersten Sitzung des neuen Landtags am 7. August für den Posten des Ministerpräsidenten zu nominieren. Die Wahl Dr. Pagels hängt von den fünfzehn Stimmen des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten ab. Der 55 Jahre alte Dr. Pagel war Anfang 1947 zeitweilig mit der Führung der Geschäfte des schleswig-holsteinischen Sozial- und Ernährungsministeriums betraut.

Warnung vor Todeserklärungen

München, 3. August. (CND.) Seit der Einschaltung des Suchdienstes des Roten Kreuzes in die Todeserklärungsverfahren hat sich gezeigt, daß als tot zu Erklärende in 427 Fällen als noch am Leben hatten festgestellt werden können. In 966 Fällen lag bei Antrag der Todeserklärung bereits eine authentische Nachricht über den Tod des Betreffenden vor. die den Familienangehörigen noch nicht bekannt war. Von Bedeutung ist. daß auch die Dienststellen des Roten Kreuzes in der Sowjetzone bei diesem Ermittlungsverfahren eingeschaltet werden, so daß eine große Zahl irrtümlicher Todeserklärungsanträge verhindert werden konnte.

Aktivisten der Kunst

Berlin, 3. August. (AP.) Der Erste Vorsitzende des Zentralvorstandes der Gewerkschaft Film, Bühne, Funk, Musik und Artistik in der Sowjetzone, Amandus Prietzel, hat auf einer Delegiertenkonferenz in Eisenach mitgeteilt, daß bisher 186 Bühnenschaffende, Angehörige des technischen Personals. Musiker und Artisten mit der „Aktivistennadel“ des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes ausgezeichnet worden sind.

Ein Trenhänder eingesetzt

Zur Prüfung der jüdischen Bankgesellschaft

zur TTnf^r^: ü* ‘ August. (Eigener Bericht.) Der Hessische Finanzminister hat Tiidicrhor. jUn? ?er Oe^entlichkeit eine Erklärung über die zur Prüfung der Wirt«w» n ustrie- und Handelsbank-Gesellschaft, Frankfurt, eingesetzte !pru un^ssesellschaft abgegeben. Unter Weglassen der rein rechtr egungen geben wir nachstehend die Feststellungen wieder.

Anläßlich einer Prüfung durch die Hessische Ueberwachungsstelle für Devisen und Sperrkonten wurde festgestellt, daß bei der Jüdischen Industrie- und Handelsbank entgegen den Anweisungen der Bank deutscher Länder und den allgemeinen Bankgepflogenheiten Millionenbeträge von einem Sperrkonto an einen Devisen-Ausländer in bar aus^ezahlt worden sind, der mit diesen Beträft J^üchtig ging- Danach mußte mit Schadensersatzansprüchen der ausländischen Kontoinhaberin gegen die Bank gerechnet werden, die das Geschäftskapital der Bank um ein Mehrfaches übersteigen können.

Gleichzeitig wurde ermittelt, daß von der Bank Transaktionen unternommen wurden, durch die ihr das liquide Eigenkapital restlos entzogen wurde. Diese Vorgänge ließen erheblich^ Zweifel an der Zuverlässigkeit der Geschäftsführer aufkommen. Vor allem schienen danach die Einlagen und der Bestand der Bank unmittelbar gefährdet zu sein. Die Einleger sind zum größten Teil wiedergutmachungsberechtigte Ausländer. Zu ihrem Schutze mußte die Bankaufsichtsbehörde pflichtgemäß unverzüglich einschreiten. Sie hat sich dabei auf das unbedingt erforderliche Maß beschränkt. Die Arbeitsfähigkeit des Instituts ist durch die amtliche Anordnung in keiner Weise beeinträchtigt.

In der Erklärung des Finanzministers heißt es weiter, es sei nicht verständlich, daß der Aufsichtsrat sich dieser Maßnahme widersetzt hat. Der Einspruch des Aufsichtsrates der Jüdischen Bank gegen die Prüfung hat nach dem Hessischen Gesetz keine aufschiebende Wirkung, wenn die Ueberprüfung im öffentlichen Interesse liegt. Sie wird unverzüglich vorgenommen werden, und liegt auch im Interesse einer künftigen Uebernahme der Bank durch Herrn von Goldschmidt-Rothschild.

Belchäftigungslose Iugend

Ein Hauptproblem Hessens

MS Wiesbaden, 3. August. (Eigener Bericht.) Der amerikanische Landeskommissar Dr. Newman bezeichnete am Donnerstag die Lage der beschäftigungslosen Jugend als eines der Hauptprobleme Hessens. Es müsse jede Anstrengung gemacht werden, um dieses Problem zu lösen.

Schmerzliche Gastfreiheit

Stock über die Aufnahme der National-Tschechen

Wiesbaden, 3. August (dpa). Der hessische Ministerpräsident Stock hat sich auf eine Anfrage des christlich-demokratischen Landtagsabgeordneten Alois Marx bereit erklärt, dafür einzutreten, daß beim Vorliegen stichhaltiger Beweise gegen in Hessen ansässige Nationaltschechen von den alliierten Behörden Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet werden. Vorerst liege es nicht in der Zuständigkeit der deutschen Behörden, Ermittlungen einzuleiten oder Schuldige den Gerichten zu überantworten.

Marx hatte in seiner Anfrage erklärt, daß unter den nach Hessen geflüchteten Nationaltschechen viele seien, die bei der Austreibung der Sudetendeutschen Greueltaten an wehrlosen Deutschen begangen hätten. Stock erklärte in seiner Antwort, im Hinblick auf das Schicksal der illegalen Grenzgänger aus der Sowjetzone sei die dem Lande auferlegte Verpflichtung, ausländische Flüchtlinge aufzunehmen, außerordentlich schmerzlich. Die Aufnahme der geflüchteten Nationaltschechen sei von der Hohen Kommission angeordnet worden, obwohl die hessische Landesregierung die Besatzungsmacht auf die damit verbundenen Schwierigkeiten aufmerksam gemacht habe.

Schulspeisung bleibt

Darmstadt, 3. August, (dpa.) In einer Konferenz der Schulräte des Regierungsbezirks Darmstadt mit den Sachbearbeitern für Kinderspeisung in Hessen teilte Dr. Hövelheinrich, der Leiter des Referats Kinderspeisung im Ministerium für Erziehung und Volksbildung, mit, daß die Kinderspeisung im Bundesgebiet weitergeführt wird. In Hessen ist die Schulspeisung zunächst für zwei Monate sichergestellt. Die Zahl der warmen Mahlzeiten wird herabgesetzt. Die bedürftigen Kinder sollen in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Alle anderen Kinder können an der Speisung teilnehmen, wenn sie pro Mahlzeit zehn Pfennig zahlen. Das Land Hessen wird pro Mahlzeit und Kind einen Zuschuß von 20 Pfennig gewähren.

Symbolische Bereitschaft

Paris, 3. August (AP.) Ein Sprecher der französischen Regierung hat erklärt, die französische Regierung erörtere zur Zeit die Möglichkeit, ein Bataillon französischer Truppen und Kriegsschiffe nach Südkorea zu entsenden. Es sei Frankreich nicht möglich, größere Einheiten zur Verfügung zu stellen, da allein 200 000 Mann der französischen Armee in Indochina kämpften.

Das neune Konsumbrot

HGR. Wiesbaden, 3. August. (Eigener Bericht.) Bei einer Besprechung in Frankfurt zwischen Vertretern der Regierung, der Mühlen, des Mehlhandels, des Backgewerbes, der Gewerkschaften und der Hausfrauenverbände kam es zu einer Einigung über das von der Bundesregierung vorgeschlagene Konsumbrot. Das zu dem alten Preise hergestellte neue Konsumbrot wird zu 80 Prozent Roggenmehl der Type Uso und 20 Prozent Weizenmehl der Type 1200 enthalten. Das neue Mehl ist ferner um fünf Prozent stärker ausgemahlen.

Sobald die • Mühlen sich auf die neue Ausmahlung umgestellt haben, soll das Konsumbrot 2um Preise von 49 Pfennig für das Kilo und 75 Pfennig für den 3-Pfund-Laib geliefert werden. Es wurde bei dieser Regelung aber betont, daß die Preiserleichterungen nur aus sozialpolitischen Gesichtspunkten erfolgt seien und daß man sich alle Ausweichmöglichkeiten vorbehalte.

Hausstreit

Wiesbaden, 3. August, (dpa) In den Reihen der führenden Nationaldemokraten ist es zu einem Streit gekommen, der zu dem Austritt des bisherigen zweiten Landesvorsitzenden, Dr. Gerhard Woitschell, und der Absetzung des bisherigen Landesgeschäftsführers, Richard Warnke, führte. Dr. Woitschell wird vorgeworfen, den Sturz Karlheinz Priesters beabsichtigt zu haben.

Zusammenschluß der Rechten

Wiesbaden, 3. August, (dpa.) Die Nationaldemokratische Partei wird am kommenden Sonnabend und Sonntag in Alsfeld ihre erste Landesdelegiertentagung abhalten. Dabei soll die Fusion mit dem „Block der nationalen Einigung“ und der „Vaterländischen Union“ offiziell bekanntgegeben werden. Den Nationaldemokraten wird sich voraussichtlich auch der „Bund der Unabhängigen“ in Hamburg anschließen.

Tagung ehemaliger Soldaten

Veranstaltung der Evangelischen Akademie

Kassel, 3. August, (dpa) Die Evangelische Akademie in Guntershausen wird vom 31. August bis 3. September eine Wochenendtagung für ehemalige Berufssoldaten veranstalten. Die Existenz der ehemaligen Berufssoldaten werde totgeschwiegen, weil das deutsche Volk die Erinnerung an den zweiten Weltkrieg scheue, erklärte der Leiter der Akademie, Pfarrer Dr. Müller-Schwefe.

Nachrichten ohne Politik

Keine Epidemie

Mannheim, 3. August, (dpa) Von einundzwanzig in diesem Sommer im Stadt- und Landkreis Mai. theim an spinaler Kinderlähmung Erkrankten sind fünf darunter drei Erwachsene, gestorben. Das Staatliche Gesundheitsamt in Mannheim teilt mit, daß von einer Epidemie nicht gesprochen werden könne.

Elektrisch von Freiburg nach Basel

Karlsruhe, 3. August, (dpa) Die zweigleisige Eisenbahnstrecke zwischen Basel und Freiburg wird gegenwärtig in ihrer Gesamtlänge von rund sechzig Kilometer auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die Kosten belaufen sich auf rund sechsunddreißig Millionen Mark. Später soll die Strecke bis Mannheim elektrifiziert werden.

Das Bankett der Frauen

London, 3. August, (dpa) „Tausend Frauen und zehn Männer“ heißt die Ueberschrift einer Londoner Abendzeitung über das feierliche Bankett, das während des internationalen Kongresses des Verbandes der berufstätigen Frauen am Dienstag in der Guildhall in London stattgefunden hat. Außergewöhnlich war nicht nur das große Uebergewicht der Frauen, sondern auch die Tatsache, daß zum erstenmal eine Frauenorganisation die Erlaubnis erhalten hatte, ein Festessen in der historischen Guildhall abzuhalten. Dieses Recht war bisher ausschließlich Männern vorbehalten.

Einige der deutschen Frauen, die an dem Kongreß teilnahmen, sind anschließend ins Industriegebiet von Yorkshire zu Familien eingeladen worden.

Nach Jahren wiedergefunden

V. Rom, im August. (Eigener Bericht.) Ein Heimkehrer aus der Gefangenschaft fand durch Zufall im Zuge Venedig—Mailand seine Frau und seine Kinder wieder, die jahrelang verschollen waren. Der 42jährige Mario Rossi war in Afrika in Kriegsgefangenschaft geraten, während seine Familie in Bologna durch einen Luftangriff ihr Haus verlor und sich nach Genua flüchtete. Alle Nachforschungen, die er nach seiner Rückkehr angestellt hatte, waren vergeblich geblieben. In einem Abteil dritter Klasse des Zuges nun betrachtete eine Frau, die zwei Kinder im Alter von 9 und 10 Jahren bei sich hatte, einen in ihrer Nähe sitzenden Herrn, der ebenfalls auf sie aufmerksam wurde, schrie einen Namen und sank in Ohnmacht. Die beiden Gatten hatten sich wiedergefunden.

Es wird besser

Eigener Wetterbericht

Der an Regen- und Gewitterschauern reichen Rückseite eines nach Ostdeutschland abziehenden Tiefs folgt ein Zwischenhoch, das uns vorübergehend Besserung bringt.

Aussichten bis Samstag: Am Freitag Nachlassen der Schauertätigkeit und Uebergang zu wechsel wolkigem, zeitweise heiterem Wetter. Anfangs noch kühl oder nur mäßig warm, ab Samstag wieder Temperaturzunahme.

Der Rundfunk am Samstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 15.10 Musik zu Dritt; 16.00 „Alte Liebe“; 17 20 Fröhlich und herzhaft; 20.00 Funk-Karussell; 21.30 Von der Zither bis zum Dudelsack; 22.20 Geld macht nicht glücklich; 23.00 Zwischen heute und morgen.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittwoch; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 15.00 Unsere Volksmusik; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Zum Fünf-Uhr-Tee; 18.35 Kleines Konzert am Samstagabend; 20.00 Tanzmusik von der Deutschen Gartenschau Stuttgart 1950; 20.45 Das Planschbecken; 22.00 Schöne Stimmen; 22.20 Tanzmusik; 23.00 Tanz in den Sonntag; 23.50 Amerikanische Kapellen.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 14.30 Frohes Wochenend; 15.15 Opernmelodien; 16.00 Unser Samstag-Nachmittag; 17.15 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Wir erfüllen Hörerwünsche: 22.30 DerSWF bittet zum Tanz; 0.10 Tanz nach Mitternacht.

NWDR.: 12.00 Frohes Wochenend; 13.20 Mittagskonzert; 14.15 Froh und heiter; 15.30 Chormusik; 16.00 Wie Sie wünschen; 17,05 Tanzmusik; 17.35 Kleine Fische; 18.30 Volksmusik; 20.00 Bummel am Abend; 22.30 Sinfoniekonzert; 23.10 Melodie und Rhythmus; 0.05 Berlin am Mikrofon; 1.00 Jazz.

Wirtschaftsblatt

Rückfällig?

M. „Die Rohstoffpreise ziehen an, unser Vormaterial wird knapp — werden wir nicht bald wieder preisstoppen und rationieren müssen?“ Es ist erstaunlich, wie oft man solche und ähnliche Fragen heute schon wieder hören kann, auch in Unternehmerkreisen. Der Geist (besser gesagt: der Ungeist) der Reglementierung steckt uns allen doch noch ziemlich tief in den Knochen. Genau wie im Winter 1949/50 die Stockungserscheinungen in einer höchst übertriebenen Weise dramatisiert worden waren, so verbreitet sich jetzt eine Art von „Angst vor der Konjunktur“. Genau wie man damals nach dem Staatseingriff künstlicher Arbeitsbeschaffung rief, so spielt man jetzt schon wieder mit dem Gedanken des Reglements, der Rückkehr zur Bewirtschaftung.

In den USA mögen solche Rückfälle insofern begreiflich erscheinen, als direkte Rüstung nun einmal schwer möglich ist ohne Beschneidung des zivilen Bedarfs, aber wir betreiben ja in Westdeutschland gar keine Rüstung. Wir profitieren nur indirekt von der Belebung, die die amerikanische Rüstung in die weltwirtschaftliche Entwicklung hineinbringt. Eine noch „echtere“ Weltwirtschaf tskonjuhktur wäre uns gewiß lieber, aber wir müssen sehen, das Beste aus der Sache zu machen. Dieses Beste darf jedoch nicht so aussehen, daß wir uns in angeblich unvermeidliche neue Abweichung von dem Wege hineindrängen lassen, der uns so große Erfolge gebracht hat.

Sind denn anziehende Preise an sich schon ein Unglück? Die Wettbewerbswirtschaft beruht auf dem Gedanken, daß bewegliche Preise am Markt dem Produzenten zeigen, welchen Bedarf die Verbraucher als den dringlichsten betrachten. Dazu gehört, daß die Preise frei beweglich sind, aber gerade diese Selbstverständlichkeit muß erst wieder neu begriffen werden. „Irrend lernt man“ sagte Goethe. Man sollte eigentlich meinen, daß wir gerade in diesem Punkte, in bezug auf die Funktion des Preises, lange genug geirrt hatten. Also müssen wir uns wohl an ein anderes ebenso interessantes Goethe-Wort halten: „Der Irrtum wiederholt sich so oft in der Tat, daß wir das Wahre unermüdlich mit Worten wiederholen müssen.“

Das Wahre ist in diesem Fall die freie Preisentwicklung, der Irrtum ist der Rückfall in die Reglementierung. Wir sollten die Preisgefahr nicht aufbauschen. Es gibt Mittel genug, marktkonforme Mittel, um mit ihnen fertig zu werden, vor allem eine vernünftige Geldpolitik. Wenden wir diese Mittel an, dann brauchen wir nicht rückfällig zu werden und können trotzdem so viel von der Konjunktur mitnehmen, wie uns gut tut.

Steuer- und Wirtschaftskalender

10. August:

Beförderungssteuer im Personenverkehr, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer.

Umsatzsteuer für die Monatszahler, Einreichung der Voranmeldung und Entrichtung der Steuer.

Vermögenssteuer für Nichtlandwirte, Entrichtung der Vierteljahresrate.

Gewerbesteuer. Entrichtung der Vierteljahresrate an die Gemeinde.

Getränkesteuer. Erklärung und Entrichtung an die Gemeinde.

Lohnsteuer. Entrichtung der Steuer für die Monatszahler und Anmeldung.

Kirchenlohnsteuer. Entrichtung der Steuer für die Monatszahler und An-

meldung. Notopfer Berlin. Entrichtung der Abgabe für die Lohnsteuermonatszahlcr und Anmeldung.

15. August:

Börsenumsatzsteuer. Im verfahren für die Monatszahler gnrex chung der Nachweisung und Entrichtung

der Steuer. Steuererklärungen. Abgabe für Ge_ Einkommensteuer, Umsatzsteuer,

werbesteuer und Körperschaftssteuer. Ob der Termin verlängert wird, steht noch nicht fest.

Grundsteuer. Entrichtung der Monatsrate an die Gemeinde.

Kirchengeld der evangelischen Kirche. Entrichtung der zweiten Rate. (Die erste Rate war alsbald nach der Zustellung fällig.)

Beitrag zur Brandversicherungskam¬ mer. Der Beitrag für 1949 war bereits am 15. Juni 1950 fällig gewesen. Die Rückstände befinden sich zur Zeit in Beitreibung. H.W.W.

Lastenausgleich wird besprochen

zr. Am Freitag beginnt in Bad Homburg unter dem Vorsitz von Finanzminister Dr. Schäffer eine Arbeitstagung über den Lastenausgleich. An der Tagung werden außer den zuständigen Finanzleuten auch Bundesflüchtlingsminister Dr. Lukaschek, die Finanzminister der Länder und Bundestagsabgeordneter Dr. Kather anwesend sein. In der Arbeitstagung soll versucht werden, gemäß den Unkeler Beschlüssen die Einräumung individueller Rechtsansprüche an die Geschädigten weiter zu spannen, als es der Entwurf des Bundesfinanzministers vorsieht, der für die Auslegung einen erheblichen Spielraum offen gelassen hat.

Die Preisentwicklung

F. A. Z. Nach dem neuesten Bericht des Statistischen Bundesamtes über die Entwicklung der Preise, des Lebensbedarfes in den 13 größten Städten des Bundesgebietes von Mitte Juni auf Mitte Juli 1950 ergibt sich, daß sich die Preise im Durchschnitt nur wenig verändert haben. Während bei Nahrungsmitteln eine leichte Steigerung um 0,6 Prozent und bei Verkehrsausgaben um 0,5 Prozent eintrat, ergaben sich Verbilligungen bei Bekleidung um 1,1 Prozent, bei Bildung und Unterhaltung um 0,9 Prozent und bei Hausrat um 0,8 Prozent. Im ganzen gesehen trat eine Preissenkung um 0,1 Prozent ein.

Kartellklage

dpa. Der Verband des Kraftfahrzeug-Ersatzteile- und Zutehörgroßhandels hat den Weg der Kartellbeschwerde beim Bundeswirtschaftsministerium beschritten, nachdem ein gütlicher Ausgleich zwischen der Automobilindustrie und der Teile- und Zubehörindustrie gescheitert ist. Der Verband stützt sich bei seiner Beschwerde in der Hauptsache auf das Dekartellisierungsgesetz Tür die amerikanische und britische Zone. Danach sind Absprachen, deren Zweck .oder Wirkung in der Beschränkung des Zugangs zu Binnenmärkten besteht, rechtswidrig. Die Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums über die Kartellbeschwerde, die sich gegen die Automobilindustrie richtet, steht noch aus. Doch haben bereits eingehende Besprechungen stattgefunden, die nach Ansicht des Fachverbandes den Schluß zulassen, daß man sich darüber klar zu werden beginnt, mit der begonnenen Praxis künftig nicht fortfahren zu können.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse kam es am Donnerstag bei einer verhältnismäßig ruhigen Geschäftstätigkeit auf den Aktienmärkten nur zu kleinen Kursveränderungen, die bei der geringen Publikumsbeteiligung mehr technischer und spekulativer Natur waren. Am Montanmarkt, der teilweise behauptet blieb, waren Rückgänge inbesondere bei Braunkohlenwerten bis zu zwei Punkten zu verzeichnen. Die übrigen Märkte lagen etwas uneinheitlich, die beiderseitigen Kursveränderungen gingen jedoch meist nicht über 0,5 — 1 Punkt hinaus. Nur einige Spezialpapiere waren etwas stärker verändert.

Starke Weizennachfrage

F.A.Z. An der Frankfurter Getreidebörse bestand am Mittwoch eine starke Nachfrage der Mühlen nach Weizen. Es wurde gezahlt für Type 812 48,35 DM, Type 1050 46,60 DM, Type 1200 44,55 DM, Roggenmehl Type 1150 40,25 DM (brutto einschließlich Sack, frachtfrei Empfangsstation).

Lederverarbeitung an der Nahe

Massenware gut gefragt / Steigendes Interesse für deutsche Spezialartikel

F. C. Das Wasser der Nahe und das von den Wäldern des Hunsrück gelieferte Knüppelholz haben die Grundlage für eine ledererzeugende und lederverarbeitende Industrie im Nahetal geschaffen. In Kreuznach und Kirn ist eine Reihe von Betrieben entstanden, die ihre Erzeugnisse auch auf internationale Märkte senden.

Die Lederverarbeitung, die sich im Anschluß an die Gerbereien an der Nahe gebildet hat, zeichnet sich durch ein vielseitiges Erzeugungsprogramm aus. Nach Art und Qualität der Erzeugnisse sind die einzelnen Betriebe zum großen Teil auf Spezialfertigungsprogramm eingestellt. Mit dem Begriff der Lederwarenindustrie in Kreuznach und Kirn verbindet man häufig die Vorstellung von Massenartikel. Es werden auch Lederwaren in großen Serien für Kaufhäuser und Kaufhauskonzerne angefertigt. Ein moderner Großbetrieb hat sich z. B. in Kirn entwickelt, der Brieftaschen, Einkaufstaschen, Geldbörsen, Führerscheintaschen, Fotoetuis, Badebeutel und Reisenecessaires als Massenartikel liefert. Im Erzeugungsprogramm solcher Unternehmungen spielt Kunststoff als Rohmaterial eine bedeutende Rolle. Auf Grund der billigen Preisstellung erfreuen sich vor allem Taschen aus Kunstleder der Gunst einer Mode, die zum neuen Kleid oder Kostüm auch die passende Tasche verlangt. Entsprechend der Kaufkraft sind diese Betriebe bereits jetzt mit Aufträgen im Hinblick auf das Herbst- und Weihnachtsgeschäft reichlich versehen.

Die fehlende Kaufkraft macht sich demgegenüber stärker in jenen Betrieben bemerkbar, die qualifizierte und hochqualifizierte Lederwaren liefern. Gerade Kreuznach beherbergt auch solche Betriebe, die in normalen Zeiten mehrere hundert Arbeiter beschäftigen. Das Geschäft in Lederkoffern ist in diesem Sommer nicht unbefriedigend gewesen. Jetzt ist in Betrieben, die auf Koffer, Aktentaschen, Handtaschen, Reisenecessaires, Brieftaschen, Schulranzen aus qualifiziertem Leder eingestellt sind, die ruhige Zeit eingebrochen. Hier beschäftigt man sich zur Zeit mit der Musterung im Hinblick auf die kommenden Messen und das darauf aufbauende Weihnachtsgeschäft. Das Geschäft ist durch den Druck auf die Verkaufspreise und die Modelaunen des Publikums äußerst schwierig geworden. Führende Unternehmungen sind gezwungen, in Taschen mindestens 25 verschiedene Modelle zu führen, darüber hinaus jedoch einzelne Modelle wiederum in neun bis zehn Farben vorrätig zu halten. Bei der vorsichtigen Disposition des Einzelhändlers lastet naturgemäß ein großes Risiko auf den Schultern der Fabriken. Diese Feststellung gilt nicht zuletzt auch

für das Auslandsgeschäft in Damentaschen, Aktenmappen werden heute meist in einfacheren Formen hergestellt.

Auch Unternehmungen, die sich ausschließlich mit der Herstellung hochqualifizierter Galanteriewaren befassen, sehen sich angesichts der Kaufkraft des Inlandmarktes genötigt, Konzessionen im Hinblick auf die Art des Rohstoffes zu machen. So werden Damen-Einkaufstaschen kombiniert aus Leder und Tuch in Schottenmuster, teils auch in Velourleder, sowie Damentaschen aus Boxin in Betrieben hergestellt, die an sich auf die Verarbeitung von hochqualifizierter Ware eingestellt sind. In solchen Fällen legen die Hersteller Wert darauf, nur die hochwertigsten Kunststoffe zu verarbeiten.

Hochwertige Lederwaren finden steigendes Interesse im Export, wobei auch die Musterung die Wege ebnen muß. Besonders ausgesuchte Artikel, vor allem in Damentaschen, kaufen vor allem die Vereinigten Staaten. Große Konkurrenten auf dem Weltmarkt sind auch für die Lederwarenindustrie an der Nahe die Lederwarenhersteller in Frankreich und Italien. Schwierig bleibt der Handel mit Holland auf Grund von Zöllen, die noch immer bis zu 40 Prozent des Warenpreises erreichen.

Charakteristisch für die Industrie an der Nahe ist auch ein Spezialbetrieb, der ausschließlich in Streifen geschnittenes Leder herstellt, um damit Schuhe zu verzieren oder daraus leichte luftdurchlässige Schuhe zu flechten. Ganze Bahnen von Fl^chtleder, Einfaßleder und Streifenleder für Schuhgarnituren werden aus einem Spezialbetrieb in Kreuznach in ansehnlichen Mengen auch in das Ausland geliefert. Kriegszerstörungen haben die Kapazitäten dieses international bekannten Betriebes stark herabgedrückt. Technisches Leder, vor allem Treibriemen, die ebenfalls in Kreuznach hergestellt werden, waren zum Teil durch das Vordringen des Gummitreibriemens eine Zeitlang etwas vernachlässigt. Mit der Zunahme der Gesamtproduktion sind die Aussichten auf erhöhten Absatz für diese technischen Artikel sehr gestiegen.

Keine neue Eisenbewirtschaftung

vwd Die eisenschaffende und die eisenverarbeitende Industrie der Bundesrepublik bemühen sich gegenwärtig gemeinsam mit dem Eisenhandel um Mittel und Wege, trotz der wachsenden Auslandsnachfrage nach Eisen und Stahl aus Westdeutschland die Deckung des gleichfalls zunehmenden Bedarfs der deutschen Industrie sicherzustellen. Dabei sind sich die beteiligten Wirtschaftskreise darüber einig, daß eine Rückkehr zur Zwangsbewirtschaftung von Eisen und Stahl nicht in Frage kommt.

Feuilleton

Der Märchenprinz von Dänemark

Seit hundert Jahren gehen seine Märchen um die Welt. In unübersehbar vielen Ausgaben verbreitet, übersetzt in die meisten Kultursprachen, fanden sie Eingang in die Kinderstube aller Völker. Immer neue Generationen von Jungen und Mädchen wachsen mit ihnen auf: mit der Prinzessin auf der Erbse, der Schneckenkönigin, dem standhaften Zinnsoldaten, dem fliegenden Koffer, der Nachtigall des Kaisers von China, der Meerjungfrau und all den vielen Märchengestalten, deren geheimnisvoll-bunter Reigen zugleich von dem Leben ihres Verfassers Hans Christian Andersen erzählt, das selbst ein wunderbares Märdien gewesen ist.

Geboren als- Sohn eines armen, trübsinnigen Schneiders und einer Dienstmagd, umgeben von einem geisteskranken Großvater, den die Kinder auf der Straße verspotteten, einer putzsüchtigen, eitlen Großmutter und höchst fragwürdiger Verwandten, wuchs der Junge in bitterstem Elend, ohne Schulbildung inmitten des üppig wuchernden Volks- und Aberglaubens der Gassen und Spinnstuben seiner Heimatstadt Odense a*uf. Aber *in dem sonderbar träumerischen Armeleutekind, das sich von allem Wunderbaren und Mystischen angezogen fühlte, und seine schöne Stimme und schauspielerische Begabung gern bewundert sah, brannte ein phantastischer Ehrgeiz. Er hatte von großen Männern gehört, und als seine verzweifelte Mutter ihn eines Tages fragte, was denn aus ihm werden solle, antwortete er: „Ich will berühmt werden.“

Das Herz voller Luftschlösser, zieht er mit 14 Jahren nach Kopenhagen: Sänger, Tänzer, Schauspieler — etwas Aehnliches will er werden. Mit zäher Beharrlichkeit versucht er es immer von neuem als Statist, im Chor, im Ballett, aber alles lacht über seine ungelenke Gestalt und wieder versinkt er in ein zielloses, wirres Bettlerdasein. Doch es muß etwas Entwaffnendes von diesem unwissenden, seltsamen Träumer und Poeten ausgegangen sein, denn überall fand er Gönner und Freunde. Wie dem Sonntagskind im Märchen geschah es ihm eines Tages, daß er durch Fürsprache eines hohen Regierungsbeamten königlicher Stipendiat wurde. Jetzt kann er die versäumte Schulbildung nachholen, wird Student, und bereits sein erstes Buch, die Ironisch-witzige „Fußreise nach Amak“ ist ein Erfolg, dem weitere bald folgen.

ZUM 75. TODESTAG VON HANS CHRISTIAN ANDERSEN

„Ich war nun ein glücklicher Mensch, ich besaß Dichtermut und Jugendsinn, alle Häuser begannen sich zu öffnen ... Das Leben lag sonnenbestrahlt vor mir“ — schrieb er begeistert. Aber hinter dem Glück lauern wie im Märchen auch die Tücken. Er hat geliebt und kaum je Gegenliebe gefunden. Jahrzehntelang ist er von der Kritik seines Heimatlandes angegriffen, ja befeindet und gedemütigt worden. Ruhelos und im Grunde einsam, bereiste er wie ein Zugvogel ganz Europa und den Orient. Er war bei Königs- und Fürstenhöfen, auf Schlössern und Landsitzen ein gern gesehener Gast und nahm Lob und Bewunderung der besten Geister seiner Zeit entgegen. Erst als die ganze Welt von seinem Ruhme widerhallt, beginnt man auch in Dänemark hinter äußerer Eitelkeit und Ruhmsucht sein wahrhaft gütiges Herz zu entdecken. Es heißt, daß er während seiner letzten Lebensjahre dort wie ein Nationalheiliger verehrt worden sei.

Andersen hat eine Unzahl Romane, Geschichten, Dramen, Lustspiele, Operntexte und Singspiele geschrieben, die alle zu seinem so ersehnten Dichterruhm beigetragen haben, aber heute völlig hinter den Märchen, seiner eigentlichen genialen Leistung, zurücktreten. In der lächelnden Anmut dieser Märchen liegt Andersens eigentlicher Sieg über die Schatten. Hier erzählt er aus der reinsten Unmittelbarkeit des Herzens, und ihnen hat er das Heimlichste und Tiefste seines Lebens anvertraut; am unvergänglichsten vielleicht in der Geschichte vom häßlichen jungen Entlein, die auf wenigen Seiten das ganze Lebensmärchen enthält und in der ein Wort steht, das als Motto seines Lebens gelten kann: „Es schadet nichts, in einem Entenhofe geboren zu sein, wenn man nur in einem Schwanenei gelegen hat.“ E. W. G.

Ausstellung in Mainz

Spätantike und frühes Mittelalter

Anläßlich des Prähistoriker-Kongresses eröffnet das Römisch-Germanische Zentralmuseum am Samstag, 5. August, eine Ausstellung: „Spätantike und Frühes Mittelalter“. Neben ein paar Originalen — koptische Stoffe und Gewänder — sind vor allem Abgüsse ausgestellt, um bewußt den Arbeitsbereich zur Geltung zu bringen, dem das Zentralmuseum seinen Weltruf verdankt. Neben dem Sammeln von Originalen hat es seit seinem Bestehen — es wurde 1852 im Schloß gegründet — bereits von den bedeutendsten Stücken aus aller Welt Abgüsse hergestellt. Die berühmte Werkstatt des Museums fertigte alle Arbeiten selbst an. Der Wert der Nachbildungen wird noch durch die Tatsache bedeutsam unterstrichen, daß die Abgüsse des Mainzer Zentralmuseums als einzige die Zerstörungen des Krieges überstanden haben. Außer koptischen Stoffen im Original sind zahlreiche Nachbildungen zu sehen, Silberarbeiten, die sich in Rußland und Amerika befinden, Elfenbeine aus Deutschland, Frankreich und Österreich, römische Goldmedaillons aus dem Wiener Münzkabinett und Kunstgewerbe der Völkerwanderungs- und Merowingerzeit aus Deutschland, Ungarn, Frankreich, Spanien, Italien, England, Skandinavien und der Schweiz. Dr. M.

Wir machen Musik

VON GUNTHER RUPP

Kürzlich drehte ich am Radio. Irgendein Sender war gräßlich gestört. Es heulte und pfiff, es jaulte und dröhnte. Es blieb mir nichts anderes übrig: ich mußte abschalten, wollte ich nicht Gefahr laufen, mein Radio zu ruinieren.

Die Pointe dieser Geschichte — sofern eine vorhanden — müßte literarischen Spielregeln zufolge eigentlich am Schluß stehen. Weil aber diese Geschichte als Ganzes gegen die Spielregeln geht, deshalb soll die Pointe heute einmal am Anfang stehen. Halten Sie sich fest, jetzt kommt sie: Ha, ha! Ich hätte das Radio gar nicht abstellen brauchen! Die Störung war nämlich Musik!

Nein, nein, ic h bin nicht gestört! Sie haben ganz richtig verstanden: die Störung war Musik. Und zwar hieß sie — Moment mal — ganz richtig, sie hieß entweder „Liebe in Dosen“ oder „ Niagara-Fall“. Man kann das leicht verwechseln.

Also wissen Sie, ich finde das einfach fortschrittlich! Liszt, Schumann und wie sie alle heißen, das mögen ja ganz nette Leute gewesen sein. Aber ihre Musik! Na, hör’n Se mal! Wer kann denn diese Musik schon spielen? Und wo bleibt denn da der Rhythmus! Da sind wir heute doch besser dran. Wir nehmen einfach ein Instrument und halten uns immer nur an den Rhythmus. Das gibt herrliche Störungen! Man braucht sich seine schöne und einmalige Jugend nicht mehr mit Klavierstunden versauen, man braucht keine Noten mehr, man braucht nur noch genügend Kraft, um nicht vorzeitig schlapp zu machen. Sehen Sie, so was nenne ich Volksmusik!

So ein Musik-„stück“ zerfällt in drei Teile: zuerst alle Instrumente zusammen, dann jedes einzeln, und dann wieder alle auf einmal. Das Ganze wird von einem Titel zusammengehalten. Der erste und der letzte Teil ist nicht schwer. Der Kapellmeister hat hier lediglich darauf zu achten, daß keiner einen richtigen Ton spielt. Der mittlere Teil aber ist — wie schon aus seiner zentralen Lage erhellt — am schwersten. Sieger bleibt auf alle Fälle, wer die kräftigste Lunge, die schnellsten Finger und ein wortwörtliches „Trommel“fell besitzt. Deshalb sind auch die Naturmenschen, wie Neger, Indianer und Botokuden die besten Musiker. Neben ihnen verblassen wir im allgemeinen und vor Neid. Der wichtigste Mann ist der Mann am Schlagzeug. Mit ihm und seiner Trommel steht und fällt der Erfolg. Er ist es, der den Atemstößen seiner Kollegen den rhythmischen Sinn gibt. Manchmal liegt er über weite Strecken allein im Rennen. Dann haben die anderen Gelegenheit zum Verschnaufen und Erfrischen.

Es ist klar, daß diese Musik auch eine andere Ausdrucksform durch den Tanz

verlangt, denn jene schleichenden und wiegenden Schritte entsprechen nicht mehr den explosiven Spannungen, die der progressiven Musik eigen sind. Die wirkungsvollste Tanzform besteht aus Bewegungen, die man macht, wenn man mit den Füßen auf einem rollenden Ball balanciert. Natürlich haben wir — wie sollte es im Leben anders sein — als fortschrittliche Kräfte unsere Gegner und Feinde. Das sind die Leute, die den Sinn unserer Musik — die intensive Suche nach dem Urquell des menschlichen Seins unter besonderer Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten der Pantoffeltierchen und Amöben und des Einflusses der von weißer Menschenhand bislang unberührt gebliebenen Naturwaldgebiete — bis dato noch nicht begriffen haben. Von diesen Menschen unterscheiden wir uns rein äußerlich durch dickere und weichere Besohlung der Schuhe, durch voluminöseres Haupthaar und nicht zuletzt durch geringelte Besockung und aufgekrempelte Hosen.

Zusammenfassend können wir uns glücklich schätzen, endlich eine Musik zu haben, die frei ist von falscher Sentimentalität, die wir konvulsivisch verzücktverzerrten Antlitzes hören können, und die wir ausüben können, wie der Instinkt es befiehlt. Traurig wird es nur dann (hier gellt eine höhnische Lache des Autors über den Schreibtisch und seine Feder trieft vor Bosheit), wenn unsere fortschrittliche Musik in der Tat zum Allgemeingut werden sollte. Denn damit verliert sie ihren allerhöchsten und nur ausnahmsweise heute verratenen Sinn: die Extravaganz und den Snobismus. Dann wird uns nichts mehr anderes übrig bleiben, als die Haare zu schneiden, die Schuhsohlen zu demontieren und die Hosen herunterzukrempeln und etwas Neues zu erfinden, das man uns nicht so leicht nachmachen kann.

Aber bis dahin wollen wir den Kopf nicht hängen lassen und weiter unser Banner in den Wind halten, auf dem zu lesen steht:

J ammervolle A nhäufung Z appelnder Z errbilder.

30 000 deutsche Rompilger bis Ende Juni. Ueber 30 000 Deutsche aus der Bundesrepublik haben nach einer Statistik der Abteilung für Auslandsreisen bei der alliierten Oberkommission in der ersten Hälfte des Heiligen Jahres Rom besucht. Die Finanzierung der Pilgerfahrten wurde durch den deutsch-italienischen Handelsvertrag vom September 1949 ermöglicht.


Dieses GeWiälde 'ist eine der letzten Arbeiten des am I.'August in Darmstadt ver¬ storbenen Künstlers. Alexander Posch wurde am 21. Juni 1890 in Schönberg (Bergstraße) geboren, studierte in Darmstadt, München und Wien. Seit 1918 lebte er in Darmstadt, wo er 1931 den Georg-Büchner-Preis erhielt. Alexander Posch war Mitglied der neuen Darmstädter Sezession. Eine Gedächtnis-Ausstellung mit seinen Werken wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres in Darmstadt eröffnet werden.
Dieses GeWiälde 'ist eine der letzten Arbeiten des am I.'August in Darmstadt ver¬ storbenen Künstlers. Alexander Posch wurde am 21. Juni 1890 in Schönberg (Bergstraße) geboren, studierte in Darmstadt, München und Wien. Seit 1918 lebte er in Darmstadt, wo er 1931 den Georg-Büchner-Preis erhielt. Alexander Posch war Mitglied der neuen Darmstädter Sezession. Eine Gedächtnis-Ausstellung mit seinen Werken wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres in Darmstadt eröffnet werden.

Neue Filme in Darmstadt

BELIDA. „Die Gräfin von Monte Christo.“ Wenn es einem Volk schlecht geht, erleben Verbrecher ihre Blütezeit, gleichgültig, welchen Rang und Namen sie haben. In diesem Film ist der Pariser Polizeipräfekt de Villefort (John Loder), der sich mit seinen Komplizen Danglars (Charles Dingle) und Maillard (Fritz Kortner) an der Not des Volkes bereichert, in dem sie vergiftete Arzneien zu Wucherpreisen verkaufen. Gegen diese verwerfliche Grausamkeit kämpft erbittert die „Schwarze Hand“, — eine Schar unerschrockener Männer, die von dem Grafen von Monte Christo* (Martin Kosleck) angeführt werden. Man hat tatsächlich den Eindruck, daß es dem Grafen — und später auch seiner Gattin (Lenore Aubert) — nur darum geht, dem Recht zum Siege zu verhelfen und mit allen Mitteln die Verbrecher der verdienten Strafe zuzuführen. Der gutgemachte Film — wir erleben eine spannende Handlung und freuen uns an der geglückten Photographie — ist ein würdiger Nachfolger des „Grafen von Monte Christo“. Reizend, im Zuschauerraum die aufregenden Abenteuer einer hübschen und ebenso mutigen Frau mitzuerleben, die die Männer nicht nur mit ihrem Charme, mit ihrem kristallklaren Geist, sondern auch mit dem Degen bezwingt. Man darf der Ankündigung der PRC-Pictures-Produktion schon glauben, die da lautet: Ein großer Ausstattungsfilm von atemberaubender Spannung, der bis zum letzten Bilde fesselt. -zr-

HANSA. — „Das andere Leben“ (Nachtvorstellung). Die Handlung dieses Films spielt im Wien der letzten Kriegsjahre. An einigen wenigen Personen werden die chaotischen Zustände dieser Zeit, die geistige Verwirrung einerseits, ein hohes Menschentum andererseits aufgezeigt.

Vielfach sind die Probleme, die dieser Film aufwirft. Da steht der anerzogenen und bis zum Kadavergehorsam gehenden Pflichtauffassung des Majors, dessen nicht zu bestreitende Tapferkeit im Kriege mit hohen Orden und schweren Verwundungen vergolten wurde, eine aus tiefstem Herzen kommende und bis zur Selbstaufopferung gehende Tapferkeit seiner Gattin gegenüber, die — ohne wie ihr Mann dazu verpflichtet zu sein — sich aufgerufen fühlt für die Sache der Gerechtigkeit. Da entsteht der Konflikt in dieser Frau zwischen ihrer inneren Pflicht und der Liebe zu ihrem Mann, der ihr Handeln nicht verstehen will, der sich wehrt gegen den Anruf des Herzens, bis ihm von außenher der Befehl zur Besinnung gegeben wird. Da taucht episodenhaft der Versuch eines Umsturzes auf, jener 20. Juli 1944, dessen zum Scheitern verurteilte Lage blitzartig beleuchtet wird. Da wird mit wenigen klaren Strichen das gegenseitige Mißtrauen der mächtigen Institutionen dieser Zeit — Gestapo, Wehrmacht, Auswärtiges Amt usw. — hervorgehoben.

All diese Momente wurden von einer meisterhaften Regie in einen straffen Handlungsablauf gebracht und durch die eindrucksvollen Leistungen von Schauspielern wie Aglaja Schmid, Robert Linder, Gustav Waldau, Vilma Degischer und Siegfried Breuer ergreifend dargestellt. Vielleicht mag das Drehbuch an einigen Stellen etwas stark konstruiert sein. Im Endeffekt aber ist dieser Film eine Manifestation hohen Menschentums. hn

THALIA. — „Erpressung.“ Eine Frau, deren Antlitz seit früher Jugend verunstaltet ist, leidet unter dem Gefühl des Ausgestoßenseins aus der menschlichen Gesellschaft. Sie gerät auf die schiefe Bahn. Ein Arzt gibt ihr die verlorene Schönheit ihres Gesichtes zurück und damit auch das Gefühl der Geborgenheit. Noch aber hängt ihr die dunkle Vergangenheit an. Erst wenn sie sich davon befreit hat, wird auch das neu geschenkte Leben für sie einen Sinn haben. Unter Mordanklage steht sie vor den Richtern.

Der Film beginnt im Gerichtssaal und blendet mit der Aussage jedes Zeugen zurück. So ergibt sich mosaikartig ein Bild der Angeklagten, leuchten alle für ihr Verhalten psychologisch wichtigen Momente auf. Gerade in dieser konsequent durchgeführten Linie, die ganze Handlung von einer Gerichtssitzung ausgehen zu lassen, gibt diesem Kriminal-' film ein besonderes Gesicht. Die Handlung verliert dadurch nicht an Spannung, sie wird, da das Geschehen von verschiedenen Menschen' aus gesehen wird, vielseitiger und abgerundet. Joan Crawford, Melvyn Douglas und Conrad Veidt sind die Hauptdarsteller. Regie: George Cukor. hn

Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

11) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

„Das erste, was ich mir jetzt zulege, ist eine ganz fabelhafte Uhr“, beschließt Knut. „Sie muß stoßfesf und wasserdicht und auf der Sternwarte geprüft sein, eine Uhr, wie sie die Piloten der Transozeanmaschinen fragen."

„Hoffentlich haben diese Dinger eingebaute Fieberthermometer“, brummt Steen gehässig ...

Und in diesem Augenblick stellt sich heraus, daß Frau Steens Küchenuhr richig geht- Sie zeigt Punkt sechs Uhr.

Es klingelt.

Draußen brummen Mofore ...

Knut tritt an das Fenster.

„Warum kommen die Leute denn mit einem Lastwagen?“ ruft er.

Es klingelt ein zweifesmal.

Steen flucht über die Koffer in der Diele.

Er öffnet die Tür.

Es sind die Manager, fünf Manager.

Hinter diesen fünf Männern fragen noch andere Koffer und Kisten herbei.

„Guten Morgen, Steen“, tippt einer der Manager an seinen Hut. Die anderen nicken nur. „Haben Sie sich etwa alle schon angezogen? Na, wir bringen jedenfalls hier jetzt die Anzüge und überhaupt alles, was sie wirklich heute fragen werden.“

14.

Sehen Sie, es stimmt garnichf, daß die großen Drahtzieher der menschlichen Gesellschaft es mit den ganz kleinen

Leufen am leichtesten haben, mit den Arbeitern, Bauern und Seeleuten, den Äufwäschern, Fensterputzern und Taxifahrern, den Arbeitslosen, Hausierern und Bettlern. Die Großen haben es in Wirklichkeit am leichtesten bei den Leuten der Miftelarf, den Eigentümern kleiner Häuser, den Angestellten, den Beamten und Unteroffizieren, Plakafzeichnem und Verkäuferinnen.

Sie haben es sogar ziemlich schwer bei allen, die sich damit abgefunden haben, zu bleiben, was sie sind, die sich selber genug sind, die gelernt haben, daß ein alter Huf den Regen besser verträgt als ein neuer. Aber die Drahtzieher haben es kinderleicht mif denen, die etwas werden wollen, mit den Sparern und Streuern mit denen, die ihren Hals recken, um zu sehen, wie es in der Stube über ihnen zugeht.

Je mehr ich in der Mitte stehe und weder Fisch noch Fleisch bin, je mehr ich zu schwitzen bereit bin, um statt einer Mütze einen Huf und statt eines Hufes einen Chapeau claque zu haben, um so leichter haben es die Drahtzieher mif mir.

Denn wenn ich sechs Jahre spare, nur um dann endlich zu denen zu gehören, deren Frauen einen Brillantring tragen, dann hänge ich an jeder Angel', und jeder gescheite Bonze kann mir etwas vormachen, weil ich mir ja selber auch etwas vormache.

Einen Brillantring kauft man seiner Frau nämlich aus der Westentasche oder man pfeift auf Brillantringe. Das ist das ganze Geheimnis ...

• 15.

Um sechs Uhr treten die Manager bei Steens ein, um eine Minute nach sechs gehört die Wohnung nicht mehr den Steens, sondern den Managern. Und sie haben sich kaum vorgestellt.

Der Chefmanager ordnet an, daß Steen und sein Manager in der Wohnstube arbeiten, Frau Steen und ihr Manager in der Schlafstube, Knut und sein Manager in der Badestube und Mary und ihr Manager in der Küche. Entsprechend dirigiert er die Koffer und Sdiachfeln, die aus dem Lastwagen draußen herbeigetragen werden.

Die Frisöse, die eine Minute nach sechs erscheint, bekommt einen Verweis und wird zunächst zu Mary in die Küche geschickt.

„Maiy hat es am nötigsten'^, sagt der Chefmanager.

Er selbst geht von der Badestube in das Schlafzimmer, vom Schlafzimmer in die Küche, von der Küche in die Wohnstube.

Der Chefmanager ist ein energievoller Mann. Er hat seinen Auftrag, und er führt ihn durch. Der Auftrag laufet, aus den vier Steens eine gut aussehende Durchschniffsfamilie zu machen, ein Musfersfück von einer echten Durchschnitfsfamilie, an der man seine Freude haben kann. Vor allem muß Georg H. Miels seine Freude an dieser vollkommenen Durchschniffsfamilie haben.

Der Chefmanager weiß haargenau, wie die Dinge hier liegen. Die ganze Arbeit der „Gesellschaft für Statistik und Marktforschung“ zielte darauf hin, ei ■ ■ Familie ausfindig zu machen, deren Du ehnitflichkeit von keiner der konku .er enden statistischen Firmen angefochten werden kann. Das ist gelungen. Die Wissenschaft der Statistik hat ihren Zweck erfüllt. Sie tritt jetzt ab.

Es ist eine ganz neue, eine völlig andere Sache, diese Durchschnittsfamilie jetzt aufzumachen, sie als vollkommene Durchschniffsfamilie aufzumachen. Sie muß zu einer netten, sympathischen Durchschnittsfamilie werden. Nachdem die Wissenschaft nichts mehr an ihr auszusefzen hat, muß jetzt die Praxis dahin gebracht werden, die Familie Steen zwar durchschnittlich, vor allem aber sehr liebenswert, sauber, adrett, gesund, lebensbejahend und nachahmenswert zu finden.

Auf die Nachahmenswürdigkeit kommt es an, denn Millionen Menschen sollen wünschen, so zu sein, wie die Steens, die gleichen Hemden, Kleider, Schuhe, Anzüge, Uhren und Ringe zu fragen, die die Steens tragen, die gleichen Zigarren, Konserven, Seifen, Kämme, Füllhalter, Automobile, Möbel und Lampen ,zu verbrauchen, die die Steens verbrauchen. Und die Ueberredung dazu kann nur gelingen, wenn von dem Auftreten, den Interviews, den Bildern der Steens ein Zauber ausgeht, der Zauber einer liebenswerten, strebsamen, beneidenswert lächelnden Durchschniffsfamilie.

Es ist für den Chefmanager, für seine Gehilfen, für Herm Miels und für alle Firmen seines Werbetrusts völlig einerlei, was Georg J. Steen in Wirklichkeit ist, wie es um ihn bestellt sein mag, wie es in seiner Familie aussieht. Es kommt allein darauf an, wie man diese Vier gleichgültigen Leute anziehf, aufmacht, managt und schnurren läßt.

Jede andere vierköpfige Familie wäre Georg H. Miels ebenso recht gewesen. Er mußte nur die Steens nehmen, damit ihm keine andere Firma der statistischen Marktforschung an den Wagen fahren kann. Nun es einmal die Steens sind, mit denen diese große Sache gemacht werden muß, kommt es darauf an, sie eben mit den Sfeens zu machen. Der Chefmanager gibt sich einen Ruck und geht in die Badestube, um zu sehen, wie weif die Sache bei Knut Steen gediehen ist. Knuts Manager sitzt auf dem Rande der Badewanne und die Badewanne liegt voller Hosen, Pullover, Jacken, Schuhe, Hemden und Mützen ...

„Sie haben recht, Chef“, sagt er. ».Knut kann am besten einen frischen lebhaften Jungen ^machen, der Sport Journalist werden möchte, sehr mäßig raucht, seine Mutter liebt und von seiner Schwester unzertrennlich ist.

„Und was ziehen wir ihm an?" „Ich meine, wir geben ihm für den Start ein paar braune, etwas derbe Schuhe, eine gute Wollhose, einen hellen, dicken Pullover, aber keine Mütze, sondern einen kleinen feschen Huf.“

„Pullover mif viel Reißverschluß“, entscheidet der Chef. „Und Sie Knut, sagen also den Reportern, daß Sie jeden Sport heben, _ Sportjournalist werden möchten, daß Sie bisher am liebsten mif Ihrer Schwester Jary getanzt haben, und ferner sagen Sie, daß Sie das ganze Jahr über em bißchen nach Dingen jagen, die Sie Ihrer Mutter zum Geburtstag schenken konnten. Können Sie diese Punkte behalfen?“

Knut Steen grient.

Und der Chefmanager geht jetzt zu Frau Steen in das Schlafzimmer hinüber. Frau Steens äußeres Bild hat ein wenig Mühe gemacht. Sie trägt ein nettes, einfaches Wollkleid und dazu einen leichten Regenmantel. Sie ist jugendlicher frisiert, als sie es sonst liebt. Der Hut, für den ihr Manager sich entschieden hat’ ist sogar recht modisch.

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebnng

Schlußuerkauf

wieder, und jeder erfrem T^ ^mer Während J r _eTr^reut sich daran, wanrena die ersten Veilchen =run¬ ^en auslosen, ruft der sommerliche Jasmin m Verbindung mit Pfingst- Verlobungen DSCh2ndrUKoIli^FarniuengefÜge ^ervor. Das sind Kollektiverscheinungen, brauche ?®Iteill®unS1teill®unS aller in Richtung Schlusseiblumenwiese.

Bevor jedoch die Schulkinder das Lied „Der Sommer ist vergangen“ lernen, die Rubenernte beginnt, schlagartig quartalwehmutige Herbstbetrachtungen erscheinen, setzen die Geschäfte den Schlußtermin des Sommers ein. Sie sind somit einzige Konkurrenz der Naturgewalten und rufen entsprechende Stürme hervor’ Obengenannter Verkauf ist umgekehrter Clausewitz: Vereint marschieren und sich getrennt schlagen. Da werden Frauen gar nicht zu Hyänen, sondern wenden nur die Taktik aus der Papiermarkzeit (am Fahrkartenschalter) an. Sie schubsen, pieksen, stellen unten Beine, und sagen nicht pardon, wenn die Schirmspitze ins Auge geht. Wer sich im Kampf vor den Ladentischen entschuldigt, ist ein verweichlichter Wicht; hier wird nicht gefeilscht, hier wird erobert.

Neue Schuhe muß man sich sowieso kaufen, weil die am betreffenden Tag getragenen zertreten werden, Schals und Hüte erhalten abstrakte Formen. Schmale Männer weiten die Brust zu vierschrötiger Kraft, gesetzte Damen entwickeln das Temperament einer spanischen Tänzerin (und junge Mädchen den unausgesprochenen russischen Dialog: „Maine Säle chast du gehabt, du Chund, abär Chemd, dortiges, kriegst du nicht“). Die Kastagnetten sind die billigen Preise. Georgette, Voile, Taft, Crepe liegen in der Arena aus. Glutäugige Toreros sind Waisenknaben gegen das Zielbewußtsein der Käufer.

Die Geschäftsführer, eingekreist, tagelang ohne warmes Essen, lenken die Völkerwanderung in friedliche Bahnen. Draußen spielt die Musikkapelle und den Menschen ist es schwer beizubringen, daß Ppsaune und Klarinette nicht verkauft werden. Der Stand mit „Schmutzex“ und „Haar-retour“ wird in dem Trubel auch ausverkauft. Die Tankstellen übertreffen sich selbst hinsichtlich des Schlußverkaufes. Sie machen ganz Schluß. Und die HEAG, Referat Straßenbahn, beteiligt sich zwangsläufig. Die Kontrolleure, akademisch gesehen, „zerrissen sich die Kleider und streuten sich Asche aufs Haupt“. Die Menschen wollten mit angeschlagenen Gebühren fahren, und wegen der Fülle gelang vielen die non-stop-Fahrt von Eberstadt nach Darmstadt zu gänzlich herabgesetztem Preis.

Ein freundliches Ahoi den letzten Tagen, doch die Strafe folgt am Fuße: Wer vorher Zucker und Oel in Tränen aß, der kann sich nunmehr keine Schuhe kaufen.

Ausländische Gäste in der Technischen Hochschule

Am Donnerstag wurde die Technische Hochschule Darmstadt — wie wir bereits berichteten — von 50 Gästen des Internationalen Seminars in Königstein i. T. besucht. Studenten aus den USA, Italien, Frankreich, Belgien, Schweiz und den skandinavischen Ländern kommen dort unter der Leitung der United States National Student Association zusammen, um die Probleme der studentischen Selbstverwaltung zu diskutieren.

Im Rahmen dieses Königsteiner Seminars besuchten die ausländischen Gäste nun die Technische Hochschule, um sich an Ort und Stelle einen Einblick in die unterschiedlichen Situationen an den verschiedenen Universitäten machen zu können. Prof. Vieweg begrüßte die Besucher in Vertretung Seiner Magnifizenz und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß endlich wieder die Herstellung eines internationalen Kontaktes möglich ist. Das Verhältnis der Studenten unter sich habe sich seit Kriegsende grundlegend verändert. Besonders erfreulich sei die Tatsache, daß auch die Einstellung der Studenten gegenüber dem Lehrkörper eine grundlegende Wandlung erfahren habe.

Anschließend machte der 1. Vorsitzende der Asta, Engel, Ausführungen zur gegenwärtigen Situation der Studenten der TH Darmstadt. Die Hochschule stehe mit der Anzahl ihrer studentischen Verbindungen mit an erster Stelle, während sie mit der Prozentzahl der korporierten Studierenden den ersten Platz einnehme, da sich 40 Prozent studentischen Verbindungen angeschlossen haben. Die Tatsache, daß heute zwei Generationen an den Hochschulen und Universitäten studieren, habe sich auch im Korpsleben bemerkbar gemacht, wo verschiedene Strömungen gegeneinanderliefen, was mit ein Grund ist, die Spaltung innerhalb der Gruppen zu beschleunigen. Ueber die soziale Situation der Technischen Hochschule sei bemerkt, daß heute 55 Prozent aller Studierenden auf Kosten ihrer Eltern das Studium bestreiten. 15 Prozent erhalten eine geringe Unterstützung, während 30 Prozent Werkstudenten sind, die sich ihr Studium selbst verdienen müssen. Unter der Zahl der Immatrikulierten befinden sich 330 Schwerkriegsbeschädigte, 264 Flüchtlinge und 190 Flüchtlinge aus der Ostzone.

Im Anschluß an die Ausführungen des Asta-Vorsitzenden besuchten die Gäste die Arbeitsstellen des internationalen Ferienarbeitslagers. Nach dem gemeinsamen Mittagessen fuhren die ausländischen Studenten * auf das Hochschulstadion, um von dort ihre Fahrt nach Heidelberg fortzusetzen. -st

Fotograhscher Erfolg

Einen erfreulichen Erfolg für das Ansehen im Ausland konnte der Darmstädter Kunst- und Pressephotograph Hans Kenner, jetzt in Bad König lebend, verzeichnen. Bei der Internationalen Kunstphotographischen Ausstellung in Lissabon (Portugal) war er als einziger Photograph aus Hessen mit großformatigen Landschaftsbildem vertreten. Die Jury, die sich aus führenden Persönlichkeiten des portugiesischen Kulturlebens zusammensetzt, hatte die Spitzenleistungen aus 22 Nationen auszuwählen und zu prüfen. Die deutsche Bundesrepublik war mit sieben Teilnehmern vertreten. Weitere Aufforderungen auszustellen, erhielt H. Kenner aus Madrid von der „Königlichen (?) Gesellschaft für Photographie“, sowie aus Baris und London. Den verschiedenen Geschmacksrichtungen entsprechend muß ein sorgfältig ausgewähltes Bildmaterial zusammengestellt werden. Auch die Odenwaldlandschaft wird vertreten sein. V. F.

Studenten suchen Unterkunft

Der Allgemeine Studentenausschuß, ASTA, der Technischen Hochschule Darmstadt richtet an die Bevölkerung die Bitte, Unterkünfte für die ausländischen Gäste des Internationalen Ferienarbeitslagers zur Verfügung zu stellen. Verschiedene ausländische Studenten, unter ihnen Indonesier und Chinesen, haben Interesse, Darmstadt und seine Umgegend nach Abschluß des Ferienarbeitslagers am 18. August näher kennenzulernen. Es brauchen nur die Uebernachtungsmöglichkeiten bereitgestellt zu werden, für Verpflegung kommen die Studenten selber auf. Interessenten, die bereit sind, den ausländischen Gästen Gelegenheit zu geben, ihren Darmstädter Aufenthalt um ein bis zwei Wochen zu verlängern, werden gebeten, sich mit der ASTA der Technischen Hochschule, Telefon 3851/53, Apparat 17 in Verbindung zu setzen.

Verhũtet Seuchen

Einzelne Fälle von Typhus, Ruhr und anderen Seuchenkrankheiten, die in letzter Zeit im Stadt- und Landkreis Darmstadt aufgetreten sind, geben dem Gesundheitsamt Veranlassung, Ratschlage zur Seuchenverhütung in Erinnerung zu bringen: „ . .. . , Gotranke

Möglichst nur abgekochte GerranKe oder Fruchtsäfte trinken. . < „ «4a mrM inner-

Milch abkochen, sofern sie ment innerhalb von 6 Stunden verbraucht werden

Speiseeis nur von Betrieben kaufen, die vom Gesundheitsamt überwacht werden. . ... „?Mi+ -m große

Obst nicht unreif essen; nicht zu grou Mengen auf einmal; kein Wasser unmittelbar danach trinken.

Kartoffelsalat innerhalb von 6 Stunden verbrauchen; nicht in Zinkgefäßen au be™hrTenl luftig. trocken

Alle Lebensmittel kühl, lumg, und vor Fliegen geschützt aufbewahren.. „ . , v niarh essen.

Kein rohes gehacktes Fielen frische Wurst innerhalb von 24 verbrauchen. Haltbarer ist gerau Wurst. ...

Fliegen vernichten. Sie übertragen Krankheitskeime.

Vor jeder Mahlzeit Hände waschen.

Diebe am Werk

Nach Mitteilung der Polizei mehre sich in letzter Zeit Fälle, m denen Leute während des Badens in der stülgelegten Grube Prinz von Hessen von «^bekann ten Dieben bestohlen werden. Aus’ die®em Grunde empfiehlt die Kriminalpolizei allen Badegästen, ihre Kleidungsstucke so abzulegen, daß sie jederzeit unter Aut sicht sind.

Die neue Schillerschule

Im Anschluß an unseren gestrigen Bildbericht von der vor ihrer Fertigstellung stehenden Schillerschule veröffentlichen wir heute eine Mitteilung des Stadtschulamtes Darmstadt, in der Einzelheiten über die Grenzen des neuen Schulbezirks und die Einschulung der Kinder aus dem Nordviertel enthalten sind.

„Wie alle Schulen im Nordviertel wird auch die Schillerschule eine Bezirksschule für Knaben und Mädchen sein. Die Grenze des Schulbezirks geht im Süden durch die Roßdörfer Straße, folgt dann vom Kapellplatz der Mühlstraße, überquert die Alexander- und die Magdalenenstraße und erstreckt sich über die Arheilger Straße bis zum Ende des Arheilger Weges.

Es wäre nun anzunehmen, daß vom Tage der Eröffnung der neuen Schule alle Kinder, die innerhalb dieses Bezirks wohnen, auch in die Schillerschule gehen würden. Das kann aber leider nicht so sein. Es wäre unangebracht, die an der Goethe- und Kyritzschule bestehenden 8. Schulklassen zu diesem Zeitpunkt noch auseinanderzureißen. Auch die Kinder, die die sogenannten Aufbauklassen besuchen, werden vorläufig in der Kyritzschule verbleiben, da diese Klassen in absehbarer Zeit alle in der Diesterwegschule vereinigt werden. Es gibt noch andere Gründe, die es notwendig machen, daß teilweise Kinder in die Schillerschule kommen werden, die außerhalb des Schulbezirks wohnen oder Kinder, die im Schulbezirk wohnen, eine Versetzung etwa von der Goetheschule in die Kyritzschule oder umgekehrt erleben müssen.

Wenn z. B. die Anzahl der Mädchen im 5. Schuljahr aus diesem neuen Schulbezirk 20 beträgt und die der Knaben 55, so muß entweder die Mädchenklasse bis auf die Meßzahl 55 mit Kindern aus einem anderen Schulbezirk aufgefüllt werden oder aber die 20 Mädchen müssen vorläufig in ihrem alten Schulbezirk bleiben. All diese Dinge sind viel komplizierter als man gemeinhin annimmt und erfordert eine Anzahl von Versetzungen auch in der Lehrerschaft und Neubildung von Schulklassen mitten im Schuljahr.

Wir sind aber überzeugt, daß die Eltern der Volksschulkinder die Notwendigkeit dieser Anpassungsschmerzen einsehen, denn schon innerhalb der nächsten Zeit wird sich die Auflockerung des Schulbetriebes zugunsten unserer Kinder bemerkbar machen.

Die Schillerschule, die die Kinder des Nord Viertels der Stadt zu betreuen hat, wird zunächst über 23 Klassen mit etwa 1150 Schülern und Schüser innen verfügen.

Das genaue Datum der Einweihung wird noch bekanntgegeben werden."

Gerichtsverhandlung mit Hindernissen

Spaltung Deutschlands bringt im Fall W. die Justiz in eine Sackgasse

Nur 15 Minuten dauerte gestern nachmittag die Hauptverhandlung in einem ebenso kuriosen wir komplizierten Gerichtsverfahren. Dann blieb der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt kein anderer Ausweg, als die Akten über den schwierigen Fall W. wieder zuzuschlagen und den Termin einstweilen abzusetzen.

Angeklagt ist der 52jährige Maurerpolier Jakob W. aus Mörfelden. Ihm legt man Nötigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung zur Last. W. war bis 1933 Funktionär der KPD. Danach wurde er mehrfach von den Nazis verhaftet, bis er schließlich nach Frankreich emigrierte. Dort fingen ihn 1941 deutsche Truppen wieder ein. W. kam zunächst in die Rundeturmstraße und wenig später ins Konzentrationslager. 1945 befreiten ihn russische Truppen aus dem Lager Ravensbrück. W. wurde als Bürgermeister des Ostzonendörfchens Flatow (Osthavelland) eingesetzt. Er hatte damals eine Krankenschwester festzunehmen, die im Verdacht stand, mit Werwolfverbänden in Verbindung zu stehen. Diese Frau sperrte der Angeklagte mitsamt einem Polizisten, der seinen Anordnungen angeblich nicht Folge leistete, in einen Keller, aus dem er sämtliche Sitzgelegenheiten entfernte und in den er anschließend mehrere Eimer Wasser schüttete. Wegen dieser Verfehlungen wurde er damals bereits acht Tage eingesperrt und später auch abgesetzt. Ferner wird er beschuldigt, eine Frau, die früher NS-Funktionärin war und deren Mann gesucht wurde, nicht nur in den Keller der Bürgermeisterei gesperrt, sondern auch übel mißhandelt zu haben. Außerdem soll er die Tochter und die Nichte dieser Frau in seine Privatwohnung gebracht, sich dort den beiden genähert, der einen mit einem Rasiermesser gedroht und sich derart übel benommen haben, daß sogar zwei russische Soldaten gegen ihn eingeschritten seien. Der Angeklagte bestritt gestern den größten Teil der Anklagepunkte.

Nachdem W. als Bürgermeister abgesetzt worden war, siedelte er bald darauf in die Westzonen über und kam nach Mörfelden zurück. Der Oberstaatsanwalt in Potsdam gab aus diesem Grunde das Verfahren an die hiesige Staatsanwaltschaft ab.

Als der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Hahn, sichtlich wider Willen ohne Zeugen in die Beweisaufnahme eintreten und die schriftlichen Zeugenaussagen verlesen wollte, widersprach der Verteidiger, Rechtsanwalt Sturmfels, mit der'Begründung, sein Mandant sei zu den Vernehmungen nicht benachtrichtigt und geladen worden. Außerdem warf er die Frage auf, ob das Verfahren nicht auf Grund der Ostzonenamnestie eingestellt werden müsse. Da man aber nur ein Gesetzblatt über eine Ostzonenamnestie für Vergehen bis zu sechs Monaten zur Hand hatte, wurde der Staatsanwalt beauftragt, die Unterlagen zu der neuen Ostamnestie für Vergehen bis zu drei Jahren zu beschaffen. Hier hatte der Staatsanwalt wieder einige Bedenken. Er erklärte, wenn eine Ostamnestie in Frage komme, dann hätte der Potsdamer Oberstaatsanwalt diese Amnestie bereits angewandt und das Verfahren nicht an die hiesige Justizbehörde weitergegeben. Im weiteren Verlauf der Debatte tauchte die neue Frage auf, ob eine Ostzonenamnestie in der Bundesrepublik überhaupt Rechtskraft besitze. Mit einem merklichen Stoßseufzer setzte der Vorsitzende schließlich den Termin ab. Man will über das aufgeworfene Problem noch einmal intern beraten, ys.

Er hatte keinen „Reifenspion“

In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch geriet der linke Vorderradreifen eines Lastzug-Anhängers auf der Autobahn bei Gräfenhausen in Brand. Der plattgefahrene Reifen, dessen Zustand nicht durch einen sogenannten „Reifenspion“, ein Ueberwachungsgerät vor allem an Lastwagenanhängern, laufend kontrolliert werden konnte, erhitzte sich durch das Weiterfahren des gesamten Lastzuges derart, daß er sich entzündete. Von dem schiefhängenden Fahrzeug, das schließlich auf der Felge weiterrollte, fielen fünf verladene Oefen herunter. DT

Die Schulspeisung wird weitergeführt

Konferenz der Schulräte und Sachbearbeiter für Kinderspeisung

Unter dem Vorsitz von Stadtschulrat Artur E. Bratu fand am 2. August 1950 im Büchnersaal eine Konferenz der Schulräte des Regierungsbezirkes Darmstadt mit ihren Sachbearbeitern für die Kinderspeisung statt. Dr. Höbel'heinrich, der Leiter des Referats Kinderspeisung im Ministerium für Erziehung und Volksbildung, auf dessen Initiative die Konferenz einberufen worden war, gab einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen der Ländervertreter mit den Bundesbehörden, die zu einem Beschluß des Bundestages führten, künftig die Kinderspeisung mit deutschen Mitteln weiterzuführen, nachdem das amerikanische Hilfsprogramm Ende Juni zu Ende gegangen ist.

Dieses- großzügige Hilfswerk bleibt weiter eine Aufgabe der Länder, die lediglich eine finanzielle Unterstützung des Bundes in Anspruch nehmen können.

In Hessen ist die Durchführung der Kinderspeisung für die nächsten zwei Monate sichergestellt. Der Speisezettel erfährt insofern eine Aenderung, als die Anzahl der gekochten Mahlzeiten stark reduziert wird. Auch die freiwilligen Beträge zur Kinderspeisung werden in Zukunft wegfallen. In Richtlinien, die noch bekanntgegeben werden, wird der Herr Minister für Erziehung und Volksbildung die Kategorien der bedürftigen Kinder feststellen, an die künftig die Kinderspeisung kostenlos ausgegeben wird. Alle anderen Kinder können und sollen an der Kinderspeisung teilnehmen, müssen aber einen Beitrag von 10 Pfennig, pro Portion entrichten. Ein Anrecht auf die Speisung haben jedoch nur die als bedürftig bezeichneten Kinder. In Anbetracht der gesteigerten Lebensmittelpreise kommt eine Portion der Kinderspeisung auf etwa 18 bis 20 Pfennig, so daß auch für-die zahlenden Kinder das Land Hessen einen Zuschuß von B—lo Pfennig leisten wird.

Der allgemeinen Propaganda für erhöhten Milchverbrauch für die Schulspeisung wurde dem Argument entgegengetreten, daß der Liter Vollmilch beim Milchhändler 37 Pfennig kostete, aber im Kleinverkauf in ‘/«-Liter-Flaschen auf 52 Pfennig kommt.

Schulrat Bratu gab dem Wunsche Ausdruck, daß mit der Entwicklung der Schulspeisung zur dauernden Einrichtung nach und nach in den Schulen Räume geschaffen werden, die für die Ausgabe und das Essen geeignet sind, andernfalls bleibt die Kinderspeisung für immer, gerade für die großen Schulen der Städte, leider eine schwere Belastung für die Sauberkeit der Schülhäuser.

Studentenaustausch erforderlich

Am Mittwochabend sprach im Darmstädter Amerikahaus Stadtrat Direktor Fritz Dreiheller vor den Teilnehmern des Internationalen Ferienarbeitslagers über das Problem der Völkerverständigung. Es könne heute keine Isolation Europas mehr geben, denn angesichts der kommunistischen Bedrohung durch den Osten sei es wichtiger denn je, den Austausch unter den Studenten aller demokratischen Nationen zu fördern. Die studentische Jugend der westlichen Welt sei ein Hauptfaktor in der Erhaltung des Weltfriedens. . hfl

Aus den Parteien

FDP. Die deutschen Jungdemokraten (D.J.D.) treten in einer öffentlichen Versammlung Samstag, den 5. 8., um 17 Uhr, im kleinen Büchnersaal erstmalig an die Darmstädter Oeffentlichkeit. Es spricht der Landes vorsitzende der D.J.D., Bruno Kalusche, zu dem Thema: Korea und wir.


Studenten der Zeichenklasse Prof. Hermann Geibel bei Freilichtstudien am „Woog". Foto: Ziegler
Studenten der Zeichenklasse Prof. Hermann Geibel bei Freilichtstudien am „Woog". Foto: Ziegler

Bakterien naschen Speise-Eis

Konditoren und Mediziner setzten sich zusammen

Eine gewisse Abneigung zwischen dem, der etwas verdienen will und dem, der dabei den Aufpasser spielen muß, gehört zur „Tradition“. Mit ihr brachen die Meister der Konditoren-Innung, als ihr Obermeister Reinfurt sie zu einer gemeinsamen Besprechung' mit Herren des Gesundheitsamtes, des Gewerbeaufsichtsamtes und des Amtes für öffentliche Ordnung zum vergangenen Mittwochnachmittag einlud.

Auf der Tagesordnung stand das Speiseeis. Die Konditoren und Speiseeishersteller hatten den Eindruck, daß man ihnen ungerechtfertigterweise die Herstellung und den Vertrieb von Speiseeis durch behördliche Auflagen und eine warnende Pressekampagne erschweren wolle, und die behördlichen Ueberwachungsstellen hatten den Eindruck, daß die derzeitige Speiseeisherstellung nur selten den gesundheitlichen Vorschriften entspreche. So setzte man sich zusammen und beriet in angeregtem Ton, wie beide zu ihrem Recht kämen.

Meister Schwarz macht Versuche

Meister Schwarz berichtete zusammen mit Medizinalrat Dr. Ho 11 ub b und Medizinalrat Dr. Kallies über die im Cafe Schwarz angestellten Versuche, wie die Speiseeisherstellung und der -vertrieb hygienisch einwandfrei durchgeführt werden könne. In über 50 Versuchen, die alle Teilnehmer in ihren Ergebnissen überraschten, wurde auf die verschiedenste Art und Weise Speiseeis hergestellt und anschließend der Gehalt an Bakterien und Keimen festgestellt. Die Speiseeismasse, so berichtete Dr. Kallies, sei eine ausgezeichnete Brutstätte für alle Bakterien und Keime, und vor allem Seuchenkrankheiten, wie Typhus, Paratyphus, Scharlach und Ruhr fänden sehr oft ihre Verbreitung durch Genuß bakterienverseuchten Speiseeises. Das habe man sehr gut im letzten Jahr nachweisen können, als nach dem Auftreten einer Paratyphus-Epidemie in Darmstadt der Speiseeishandel auf der Straße verboten worden sei. Das sei zwar für die Hersteller hart gewesen, aber die Epidemie habe sofort nachgelassen. In einem Kubikzentimeter Speiseeis dürften nach den gesetzlichen Bestimmungen bis zu 300 000 Keime, aber nur 10 Koli-Bakterien enthalten sein. Die Gefahr von Bakterien im Speiseeis sei deshalb so besonders groß, weil während des Genusses von Eis die Schleimhäute stark abgekühlt würden und dadurch ihre Abwehrkraft wesentlich geschwächt sei:

„Reinlichkeit“ ist keine Reinlichkeit

Da in Darmstadts Stadtgebiet allein 104 Eishersteller und -Verkäufer gemeldet sind, fassen wir für die und alle, die in unserem Verbreitungsgebiet mit Speiseeis zu tun haben, die bei den Versuchen im Cafe Schwarz gemachten Erfahrungen in einigen Regeln zusammen.

L Die „landesübliche“ Reinlichkeit allein genügt nicht, um das Speiseeis hygienisch einwandfrei zu halten.

2. Nur Personal, das nachgewiesenermaßen völlig gesund und außerdem kein Bakterienträger ist, darf bei der Herstellung und beim Vertrieb beschäftigt werden. Persönliche peinliche Reinlichkeit aller Beschäftigten muß selbstverständlich sein.

3. Eistrommel der Eismaschine niemals mit einem nassen Lappen auswischen, auch wenn dieser frisch ausgekocht oder „sauber“ ist. Handtücher und Lappen wimmeln immer von Bakterien. Die Reinigung der Eistrommel mit kochendem Wasser und das Nachspülen mit kaltem, frischem Leitungswasser ohne Nachtrocknen mit einem Tuch zeigte die besten Ergebnisse.

4. Eismasse vor dem Gefrieren entweder bis auf 95 Grad erhitzen oder zehn Minuten auf 75 Grad und anschließend 30 Minuten auf 60 Grad erwärmen. Auch Fruchteis aus frischen Früchten verlor nicht im geringsten das Aroma, wenn die gesamte Eismasse erhitzt wurde.

5. Nach den gesetzlichen Bestimmungen muß Eis innerhalb von sechs Stunden verbraucht werden. Die Versuche ergaben, daß audi einwandfreies Eis am folgenden Tag bei nochmaligem Einfrieren einwandfrei war, wenn das alte Speiseeis vor dem Einfrieren vorschriftsmäßig erhitzt wurde.

6. Nur Portionslöffel — „Portionierer“ — sollen verwendet werden, die einen eindeutigen Handgriff haben. Das Wasser, in denen Portionierer stehen, soll laufend erneuert werden.

7. Die Hände sollen nicht direkt und nicht indirekt mit dem Eis oder der Eismasse in Berührung kommen. Entschuldigungen, daß Leitungswasser, Milch und die sonstigen Rohstoffe Bazillenträger seien, haben sich als nicht stichhaltig erwiesen.

Abschließend berichteten die Herren des Gesundheitsamtes, daß die diesjährigen Untersuchungen der Eisproben schon wesentlich besser gewesen seien als im Vorjahre. Man hoffe jedoch, nach dieser Aussprache im Fachkreis so weit zu kommen, daß zumindestens bei den Konditoren keine Beanstandungen mehr notwendig würden. Bedenken äußerte man allerdings gegen die Straßeneisverkäufer, denen es nach Ansicht der Fachleute unmöglich sei, hygienisch einwandfrei zu arbeiten. agf.

Wohin gehen wir hente?

Lichtspieltheater: Union: „In Fesseln von Changri-La“; Thalia: „Erpressung“; Behda: „Die Gräfin von Monte Christo“; Palast: „Wölfe von Kansas“; Hansa: „Letzte Zuflucht“, 22.45: „Das andere Leben ; Scala-Eberstadt: „Alarm in San Juano ; Gloria-Roßdorf: „Schwarzer Adler“.

Amerikahaus: Ausstellungen: „fotoform“ und „Moderne Skulptur in Amerika“.

Mathildenhöhe: Ausstellung: „Das Menschenbild in unserer Zeit“.

Goethegesellschaft und Volkshoch¬ schule: 19.30 Uhr, TH Raum 167, Vortrag Dr. Joachim Hoppenstedt: „Das Menschenbild bei Leopold Ziegler“.

Wir gratulieren

Goldene Hochzeit: Ehepaar Wenkel, Lengfeld, Habitzheimer Straße 7.

Starkenburg

Guckloch des Odenwaldes in die Welt

Die neue amerikanische Lesehalle in Erbach wieder eröffnet

Die dem Amerika-Haus Darmstadt angeschlossene Lesehalle in Erbach hat sich unter Leitung von Frl. Dr. Marbach in den nahezu zwei Jahren ihres Bestehens einen hervorragenden Platz im kulturellen Leben des gesamten südlichen Odenwaldes geschaffen.

Obwohl die bisherigen Räume in der Michelstädter Straße wegen ihres Landhauscharakters die Bibliotheks- und Vortragsarbeit des Instituts einengten, konnte es sich dennoch schon einen festen Stamm von ca. 800 eingetragenen Lesern, darunter etwa 300 Kinder, schaffen. In den letzten Wochen wurde nun das „Haus Zylow“ in der Nees-von-Esenbeck-Straße hinter dem Landratsamt für die Amerikanische Lesehalle umgebaut und eingerichtet. In zwei schönen, großen Sälen bietet das malerische Holzhaus genügend Raum für Kino-, Musik- und Vortragsveranstaltungen sowie für den immer umfangreiclier werdenden Bibliotheksbetrieb.

Der Bibliotheksraum im Obergeschoß hat eine freundliche und schöne Einrichtung erhalten, kleine viereckige Tische und breite, bequeme Sessel. In den eingebauten Bücherregalen stehen rund 2500 Bände, mehr als ein Fünftel davon in deutscher Sprache. Fast alle Gebiete der unterhaltenden und wissenschaftlichen Literatur sind vertreten, sogar ganz ausgefallene Werke wie beispielsweise ein Standardkatalog der Philatelie usw. Es handelt sich bei allen Büchern, auch den deutschsprachigen, um ausländische Verlagserzeugnisse, damit die Amerikanische Lesehalle, die keine Leihgebühr berechnet, den privaten Leihbüchereien keine Konkurrenz macht.

Die Leiterin hat die Absicht, das bisher schon reichhaltige Programm hochstehender kultureller Vorträge in deutscher und englischer Sprache noch weiter auszubauen. Sie hat auch Erbacher bildende Künstler eingeladen, in der Lesehalle Ausstellungen durchzuführen und Aus-

spracheabende über künstlerische Fragen zu veranstalten. Die Themen haben durchaus nicht die ausschließliche Blickrichtung auf die USA. Bisher wurden sogar ausgesprochen heimatkundliche Vorträge gehalten, wobei nur an die interessante Vortragsreihe „Auf den Spuren der Vor- und Frühgeschichte des Odenwaldes“ von Oberlandmesser Buxbaum, dem bekannten Heimatforscher und Stadtarchivar von Michelstadt, oder auch die Vorträge Prof. Gansers über das Weltbürgertum Goethes oder die französischen Einflüsse auf die deutsche Literatur erinnert sei. Daneben fanden allgemeinverständliche musik- und literaturgeschichtliche Abende und Schallplattenkonzerte statt.

Es ist also durchaus nicht so, daß die deutschen Besucher der Amerikanischen Lesehalle „amerikanisiert“ werden sollen. Wenn ihnen dort Literatur und Musik anderer Völker und Kontinente vorgeführt werden, dann nur zu dem Zweck, ihnen den Blick zu weiten und objektive Vergleichsmöglichkeiten zu unserer eigenen Kultur zu geben. So gesehen, stellt die Amerikanische Lesehalle in Erbach das Guckloch des Odenwaldes in die Welt dar.

Auch die jeden Mittwoch stattflndenden Kulturfilmveranstaltungen, für Kinder am Nachmittag, für Erwachsene am Abend, dienen dem Ziel, Ebenen der Verständigung und Annäherung zu suchen zu anderen Völkern. Die Sprachkurse verfolgen den gleichen Zweck. Zur Zeit laufen Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse für Kinder und Erwachsene nur für Englisch.

Es ist beabsichtigt, auch französische Kurse einzurichten. Für die Kinder will Fräulein Dr. Marbach noch eine Lustige Malstunde einrichten.

Der Besuch und die Benutzung aller Einrichtungen der Amerikanischen Lesehalle ist nicht mit Unkosten verbunden, im Gegenteil, die schönen Räume stehen auch Jugendorganisationen und ' “Diskussionsgruppen zur Verfügung. Zweifellos wird das iyllisch gelegene neue Heim wesentlich mit dazu beitragen, daß der Kreis der Freunde der Amerikanischen Lesehalle im ganzen südlichen Odenwald weiter wächst. -ch


Die Leiterin der amerikanischen Lesehalle, Erbach, Frl. Dr. Marbach (links), müßte ein lebendes Lexikon sein, wenn sie alle Fragen beantworten sollte, die täglich an sie gestellt werden. Mit viel Geduld begabt, weiß sie aber den großen und kleinen Fragestellern immer zu helfen. Aufn.: -ch
Die Leiterin der amerikanischen Lesehalle, Erbach, Frl. Dr. Marbach (links), müßte ein lebendes Lexikon sein, wenn sie alle Fragen beantworten sollte, die täglich an sie gestellt werden. Mit viel Geduld begabt, weiß sie aber den großen und kleinen Fragestellern immer zu helfen. Aufn.: -ch

Die Redaktion bedauert!

Nettes Mädchen böse geworden

Neulich schrieb unser -ng-Mitarbeiter ein paar „Betrachtungen beim Pferderennen in Erbach“.

Er betrachtete ziemlich scharf und sah: ... Joe Walcott war auch beim Rennen und auf dem Wiesenmarkt. Er hatte nur einen Pullover und einen Betreuer mit und schaute ziemlich gutmütig und vergnügt in die Gegend. Morgen früh kann er wieder seine 150 DM in Mannheim abholen und hätte dann so um Ostern herum seinen Boxkampf abgezahlt bekommen. „Sie“ war auffälliger als er, weniger in der Kleidung als, philosophisch gesehen, im „an-sich-sein“. Ein süßer, kleiner Tatzelwurm mit Goldhaaren und Garbo-Wimpern. Das ist der skandinavische Teil. Die Shorts sind von hier, die Frau auch, man merkt’s, weil sie nur englisch spricht, und was man früher als Bluse bezeichnete, ein rosaseidenes Nichts unter dem Hals, stammt auch von hier. Nachdem Sansibar gewonnen hatte, spielte die Feuerwehr einen Marsch ....

Das stand am 2. August in unserer Zeitung, unter „Sport“ auf Seite 7. Wer es nicht glaubt, kann nachsehen.

Am 3. August ging das Telefon in der Redaktion und die „Aufnahme“ stenografierte:

Zur Glosse im Sportteil der Ausgabe vom 2. August schreibt die Begleiterin von Mr. Walcott und seinem Rechtsanwalt Mr. Taiger:

Man kann über Ihre Glosse zu dem Pferde-Rennen in Erbach denken, wie man will, mir jedenfalls sind einige der darin enthaltenen Geistesblitze unklar geblieben. Doch kann ich den Abschnitt, der den Besuch von Mr. Walcott, Mr. Teiger und mir auf dem Wiesenmarkt behandelt, nicht unwidersprochen lassen. Erstens scheint Ihr Mitarbeiter „ng“ entweder eine recht dunkle Sonnenbrille aufgehabt oder das Erbacher Brauhausbier sehr ausgiebig probiert zu haben (was bei der Hitze nicht verwunderlich gewesen wäre). Gerade deshalb verstehe ich es nicht, warum er sich über meine leichte sommerliche Bekleidung aufhält. Auch hier läßt er Sachkenntnis vermissen, denn die Shorts stammen aus England. Daß Mr. Walcott einen Pullover anhatte, dürfte seine eigene Sache sein, der vermeintliche Betreuer war jedenfalls sein Rechtsanwalt. Was mich persönlich anbelangt, möchte ich folgendes richtigstellen: Erstens bin ich nicht die „Sie“ von Mr. Walcott, sondern mit Mr. Teiger durch mein Elternhaus befreundet, und Mr. Walcott war in Erbach unser Gast. Im übrigen pflegt man sich mit Amerikanern amerikanisch zu unterhalten, sofern sie nicht deutsch sprechen. Wenn der Verfasser über so viel Kinderstube verfügen würde, wie er sich einbildet, Witz zu haben, würde er sich entschuldigen und sich zu seinen „geistvollen Eskapaden“ geeignetere Objekte aussuchen. Marianne Liptau Frankfurt am Main z. 7,. Erbach, Hotel Nibelungen.

Wir haben uns in der Redaktion zweimal köstlich amüsiert: Einmal am 2. August und einmal am 3. August. Sodann schlugen wir uns jedoch an unsere sündige Brust und sagten: — Siehe Ueberschrift — Erstens wirklich und zweitens, weil der zweite Film nach einer Trink-aus-Idee auf der Geschäftsstelle einer befreundeten Zeitung in Erbach gedreht wurde.


Jersey Joe Walcott in Begleitung von Rechtsanwalt Mr. Teiger auf dem Erbacher Wiesenmarkt
Jersey Joe Walcott in Begleitung von Rechtsanwalt Mr. Teiger auf dem Erbacher Wiesenmarkt

Neue Aemter für Dr. Lüdecke

Nach Abschluß der fünften Internationalen Konferenz für Soziale Arbeit in Paris wurde Bürgermeister Dr. Lüdecke, Groß-Gerau, mit zwei weiteren Delegationsmitgliedern beauftragt, für die Bundesregierung in Bonn einen Bericht über die Konferenz auszuarbeiten. Das hessische Aufsichtsamt für Versicherungs- und Bausparwesen hat Bürgermeister Dr. Lüdecke zum Vertrauensmann für die Bausparkasse „Deutsche Baugemeinschaft AG, Königstein im Taunus“ ernannt.

Weiterhin wurde der Bürgermeister vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer für Hessen-Nassau als Mitglied des Kuratoriums der landwirtschaftlichen Schule und Wirtschaftsberatungsstelle berufen. (cg)

In die Haftanstalt verbracht

Wegen unzüchtiger Handlungen an einem elfjährigen Mädchen wurde gestern der 36jährige B. aus Georgenhausen dem Strafrichter des Amtsgerichts Reinheim zugeführt. Nach Gegenüber- Stellung wurde gegen B. Haftbefehl erlassen und er in die Strafanstalt Dieburg verbracht.

Verstärkter Kraftpostverkehr

Zum Burg- und Trachtenfest in Lindenfels

Zum Burg- und Trachtenfest der Stadt Lindenfels vom 5. bis 7. August werden die planmäßigen Kraftpostverbindungen Bensheim/Lindenfels, Reichelsheim/Lindenfels und Rimbach /Lindenfels verstärkt. Es werden außerdem folgende zusätzliche Fahrten eingelegt:

Am 5. August: Bensheim / Lindenfels 19.15 Uhr; Lindenfels/Bensheim nach der Burgbeleuchtung laufend (letzter Wagen Sonntag Punkt 01.00 Uhr); Reichelsheim/ Lindenfels 19.45 Uhr, Fürth/Lindenfels 19.00 Uhr; Lindenfels / Fürth / Rimbach 24.00 Uhr.

Am 6. August: Lindenfels / Bensheim 01.00 Uhr und 22.15 Uhr. Reichelsheim/ Lindenfels 12.30 Uhr; Lindenfels /Reichelsheim 24.00 Uhr; Lindenfels/Fürth /Rimbach 24.00 Uhr; am 7. August: Lindenfels/Bensheim 01.00 Uhr. (-r-)

Zwischen Holzwanne und Gummivorhängen

Das Lampertheimer Moorbad bewährt sich

Vier Wochen sind es her, daß die ersten Badegäste in die hellen neuen Räume des Lampertheimer Moorbades ihren Einzug hielten, und schon läuft die Zahl der in Behandlung befindlichen Patienten in die Hunderte. Das von Martin Schmitt entdeckte „schwarze Gold“ von Lampertheim verknüpft sich mit jedem Tage mehr mit dem Namen der zukünftigen Stadt. Schon wurden die ersten ausländischen Badegäste registriert. Vor dem Eingang parkt ein neuer Sanitätswagen, der die Patienten, die nicht laufen können, abholt.

In den Baderäumen selbst herrscht vom Morgen bis in die späten Nachmittagsstunden reger Betrieb. Herr Martin Sch m i 11, der Leiter des Unternehmens, erfüllt dort mit Schwester Lisa und Schwester Änne zusammen eine verantwortungsvolle Aufgabe am Dienste der Gesundheit jedes einzelnen Patienten, und so vielseitig die Beschwerden sind, so verschiedenartig gestalten sich die Behandlungsmethoden. Moorbäder, Stangerbäder, Unterwassermassagen, Spülungen und nicht zuletzt die Erkenntnisse und Errungenschaften der modernen Elektrotherapie sind es, auf welche sich Martin Schmitt in seiner Heilpraxis spezialisiert hat.

Die hohen Holzbadewannen werden bei Tage nicht kalt, und in den Behandlungsräumen gibt stets einer dem anderen die Türklinke in die Hand. Besonders rege ist der Betrieb an jedem Wochenende, wenn laufend Reinigungsbäder genommen werden. Hier wird nach Fertigstellung des Gesamtprojektes, mit der um die Jahreswende gerechnet wird, eine spürbare Entlastung eintreten, da ein Großteil der Badelustigen dem Hallenbad, das noch auf sein Stahlbassin wartet, den Vorzug geben wird. Ueber dem Eingang soll im ersten Stock außerdem noch eine orthopädische Station eingerichtet werden.

Aller Anfang ist schwer, aber man kann wohl sagen, daß Martin Schmitt und seine treuen Helfer, zu denen besonders auch Nikolaus Heiler — das Mädchen für alles — zählt, das schwerste hinter sich gebracht haben. Die seit Jahren für das Unternehmen aufgewandten Mühen bewähren sich von Tag zu Tag. Sie waren nicht vergebens, denn immer stärker wird der Zustrom der Patienten und Kurgäste, die nach der Behandlung den, Ruf Lampertheims und der Qualität seiner Moorerde weit ins Land hinaustragen. bb.


In einer der hölzernen Badewannen des Moorbades sitzt eine junge, hübsche Lampertheimerin und scheint sich ganz wohlzufühlen in dem schwarzen, schlüpfrigen Brei. Foto: pdr.
In einer der hölzernen Badewannen des Moorbades sitzt eine junge, hübsche Lampertheimerin und scheint sich ganz wohlzufühlen in dem schwarzen, schlüpfrigen Brei. Foto: pdr.

Fest der Frende und Erinnerung

Nieder-Ramstadts Höhepunkte zur 750-Jahr-Feier am kommenden Wochenende

Die Hauptfesttage der Nied. er-Ramstädter 750-Jahr-Feier sind der 5., 6. und 7. August. Am Festsamstag gibt die Nieder-Ramstädter Blaskapelle Schwinn unter Stabführung von W. Stroh von 17 bis 18.30 Uhr ein Platzkonzert unter der Linde. Der große Fackelzug aller Ortsvereine um 20.30 Uhr beginnt in der Karlstraße und führt zum Festplatz, wo ein Festkommers mit Tanz den Abend beschließt.

Der Festsonntag wird mit dem Weckruf des Posaunenchors eingeleitet. Ihm schließen sich Festgottesdienste der beiden Konfessionen an. Der große Festzug bewegt sich ab 13.30 Uhr durch die festlich geschmückten Straßen zum Festplatz. Bei Beginn des Festzuges findet am Geibelschen Haus, dem alten Zollhaus, ein historischer Akt statt: Der Zug kann erst nach Entrichtung des Wegzolls die Barriere passieren. Vor Ankunft auf dem Festplatz ist eine Totenehrung an der Kirche vorgesehen, die durch Salutschüsse eingeleitet una bendet wird. In seinem ersten Teil ist der Festzug rein historisch, während der zweite Teil die Ortsvereine, Handwerker, Feuerwehr und andere Organisationen umfaßt. Den Zug beschließen in einem Auto-Blumenkorso die ältesten Einwohner der Gemeinde.

Auf dem Festplatz, der einen umfangreichen Vergnügungspark mit Bier- und Weinzelt, Verkaufsständen u. a. aufweisen wird, sprechen Bürgermeister Keil, Landrat Wink und als Festredner Innenminister Zinnk an n. Es singt der Chor der Sängervereinigung, die Kreisriege turnt, Lilli Matthes, Traisa, tanzt und annähernd 1000 Brieftauben der Reisevereinigungen Kassel, Dieburg, Babenhausen, Münster, Gr.- Zimmern, Ober-Ramstadt und Nieder-Ramstadt werden im Massenstart freigelassen. Die Ansage auf dem Festplatz hat Hans Herter-Mickedormel. Der Sonntag klingt als frohes Volksfest mit Tanz bei den Klängen der Festmusik aus.

Am Festmontag vereinen sich die „Frühaufsteher“ zum Frühschoppen mit Konzert auf dem Festplatz. Um 15 Uhr ziehen die Kinder im Festzug durch die Bahnhof-, Dornweghöh- und Kirchstraße zum Festplatz, wo sie ein frohes Kinderfest mit allerlei Ueberraschungen erwartet. Ab 20 Uhr abends wird das Volksfest für alt und jung fortgesetzt und endet mit einem Riesenfeuerwerk. (Her)

Die Klappe war anf

Auf der Landstraße von Erbach nach Erlenbach fuhr ein Lastzug mit Anhänger, an dem die linke Seitenklappe nicht geschlossen war, so dicht an der auf dem Heimweg befindlichen 17 Jahre alten Anneliese Walther aus Erlenbach vorüber, daß die schleifende Spannkette dem Mädchen über beide Beine schlug. Es stürzte zu Boden und zog sich erhebliche Prellungen, Quetschungen und einen Bluterguß zu. (-ch.)

Anterfraktioneller Ausfcduß

Auf einer Gemeindevertretersitzung beschloß man in Groß-Gerau Ende Juli die Bildung eines interfraktionellen Ausschusses, der in dringenden Angelegenheiten Beschlüsse fassen kann, die bei Einstimmigkeit gültig sind. Diese Beschlüsse sollen später durch einen offiziellen Gemeinderatsbeschluß anerkannt werden. Der Ausschuß, der. die Aufgabe hat, den Gemeinderat in den kommenden Wochen zu entlasten, setzt sich aus Vertretern der einzelnen Fraktionen und den beiden Beigeordneten zusammen, (cg.)

meldungen aus den Landlaeisen

DARMSTADT-LAND

Alsbach. Dem Gemeinderat lag eine Anfrage einer Firma vor, die Interesse für 30 000 bis 40 000 qm Industriegelände hat. Die Firma will 1200 bis 1500 Arbeitskräfte beschäftigen. Die Gemeindevertretung ist bereit, der Firma ein Gelände von zirka 37 000 qm zu billigem Preis abzugeben. (hl)

Seeheim. Die Obstannahme der Genossenschaft findet vorläufig nur noch von 6.30 bis 8 Uhr statt. (hl)

Jugenheim. Das „Freiherr-- Stein-Institut“, das Gemeinderäte, Stadtverordnete und Kreistagsabgeordnete in Kommunalpolitik unterrichtet, hat seine Lehrgänge beendet. Der Beginn des neuen Lehrganges ist auf den 28. August festgesetzt. (M)

Bickenbach. Die Obstannahmestelle ist je nach Bedarf von 7 bis 9 Uhr geöffnet. — Die Schach-Uebungsstunden beginnen wieder am Montag, dem 7. August, abends 8 Uhr, im kleinen Saal des Gasthauses „Zur Sonne“. (hl)

DIEBURG

Groß-Bieberau. Am Montag stürzte ein hiesiger Bauer vom hochbeladenen Erntewagen, als beim Befestigen des Wiesbaumes dieser entzweibrach. (wr.)

Reinhcir .In einer Mitgliederversammlung der SPD am Freitag im Volkshaus wird Bürgermeister Marx referieren, (gi) Georgenhausen. Bei dem in der hiesigen Kirche durchgeführten Missionsfest sprachen Volksmissionar Müller von der Inneren Mission, Pfarrer Zimmer von Gundernhausen und der Ortspfarrer Dehlinger über das Thema „Wem gehört die Zeit?“ (we.)

Münster. Auf der Ziegenbockauktion in Darmstadt erwarb die Gemeinde zu ihren drei Vatertieren noch zwei Ziegenböcke. (gi.)

Babenhausen. Der Gesangverein Volkschor Sängerbund 1840, der am 12. bis 14. August sein UOjähriges Jubiläumsfest begeht, hielt am Mittwochabend eine Vorstandssitzung mit Kreisvorsitzenden Fleckenstein (Dieburg) vom Deutschen Allgemeinen Sängerbund ab. (prah)

ERBACH

Erbach. Das Standesamt registrierte im Monat Juli 8 Geburten, 4 Eheschließungen und 3 Todesfälle. (—ch)

Sandbach. Die Verwaltung der Ernst-Ludwig-Heilstätte läßt durch die Firma Nohl, Darmstadt, Bohrungen für die Erschließung eines neuen Brunnens durchführen, um die bestehende Wasserknappheit beseitigen zu können. (le)

Höchst. Beim Ueberholen eines mit Hafer geladenen Erntewagens an der Abzweigung der Schwanenstraße streifte der Lieferwagen eines hiesigen Bäckers den Gespannführer Friedrich Siebert an der linken Schulter. Durch den Kastenaufbau des Wagens erlitt der Mann eine schwere Platzwunde. (—eh) Neustadt. Die Erweiterung des Ortsbauplanes (Fluchtlinienpläne) liegen nach Genehmigung durch den Kreistag auf der Bürgermeisterei offen. Am kommenden Sonntag findet die diesjährige Kirchweih statt. Für die Tanzlustigen spielen in den Gaststätten „Zum Ochsen“ und „Breuberger Hof“ bekannte Tanzkapellen auf.

Stierbach. In der S-Kurve der Ortsdurchfahrt wurde der 13jährige Schüler Willi Ott, der auf seinem Fahrrad die abschüssige Straße von Ober-Kainsbach auf der rechten Seite heruntergefahren kam, von einem unvorschriftsmäßig links entgegenkommenden Motorradfahrer aus Groß-Bieberau angefahren und zu Boden geschleudert. Der Junge trug Verletzungen davon.

BERGSTRASSE

Bensheim. Das Standesamt verzeichnete im Monat Juli 20 Eheschließungen, 35 Geburten und 16 Sterbefälle, davon drei nachträgllich beurkundete Kriegssterbefälle. — Die Benzinausgabe erfolgt am Freitag, dem 4. August, und Samstag, dem 5. August, im Bensheimer Rathaus, Zimmer 20. Es wird darauf hingewiesen, daß die Ausgabetermine unbedingt einzuhalten sind, da keine spätere Ausgabe mehr erfolgt. (HB)

Lindenfels. Auf Grund der Tatsache, daß Lindenfels das bedeutendste Fremdenverkehrszentrum des Odenwaldes ist, wurde die Genehmigung erteilt, die einschlägigen Ladengeschäfte an 30 Sonn- und Feiertagen im Jahre von 13 bis 18 Uhr geöffnet zu halten. — Als Wiesenvorstände der Stadt wurden verpflichtet: Leonhard Schmitt, Phil. Hechler, Emanuel Brand, Philipp Strohmeng er 8. und Philipp Bik el. (-st) Ober-Flockenbach. - Der Gesangverein „Sängerbund“ veranstaltet am kommenden Wochenende sein traditionelles Sommerfest im Garten des Gasthauses „Zur Krone“. (_r)

Hirschhorn. - Die trotz erheblicher Bedenken auch in diesem Jahre wieder durchgeführte „Ersheimer Kerb“ gestaltete sich zu einem wahren Volksfest, (-r)

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Die Stadtverwaltung erläßt eine letzte Mahnung verschiedene rückständige städtische Steuern und Gebühren baldigst zu entrichten, da andernfalls die zwangsweise Beitreibung erfolgen wird. (Cg)

Trebur. Am Ufer der idyllisch gelegenen Schwarzbach hat die Gemeinde Ruhebänke aufgestellt, was von der Bevölkerung freudig begrüßt wird. (Kb.)

Worfelden. Pfarrer Hans Hör e s ist unter Wahrung seiner seitherigen Rechte endgültig zum Pfarrverwalter nach Bauschheim bestellt worden. (Kb.)

Astheim. Auf der Bundesstraße 26 wurde in der Nähe der Nebenstraße nach Astheim ein Radfahrer von einem Pkw angefahren und leicht verletzt, (cg)

Stockstadt. Heute um 14 Uhr treffen sich die Fleischbeschauer des Kreises Groß-Gerau zu einer Dienstversammlung im Gasthaus Roth in Stockstadt. Den Vorsitz dieser Versammlung führt Reg.- Vet.-Rat Dr. Schmidt. (-od-)

Biblis. Am Samstag läuten bei Radio Frankfurt die Glocken der St. Bartholomäuskirche der Gemeinde den Sonntag ein. (Kb.)

Dieburger Stadtrat im Festsaal Fechenbach

Die erste Sitzung im neuen Heim

fuM^e^J^? als n°twendig empim Dieburser bfteilung der Diensträume sehr guten TPathaus konnte nun einer £l™ Parkgarten zu soll zum Amts¬ -7 d !S BurSermeisters werden, das tinn^ SltzunSsz™mer der Frak-Xnt ’ • Kommissionen und Ausschüsse n ent, m dem gegenüberliegenden Teil ist u. a. die Unterbringung der Registratur vorgesehen. Durch diese Neuordnung wird sich auch in den Erdgeschoßräumen eine andere Aufteilung der Zimmer und vor allem die Möglichkeit ergeben, die seinerzeit in dem Eckhaus an der Steinstraße untergebrachte Polizei wieder ins Rathaus selbst, in dem sie bisher zur Nachtzeit immer nur „Gastspiele“ gab, hereinzunehmen. Ihr würden die drei ineinandergehenden, zur Zeit noch von der Registratur, dem Wohnungsamt und dem Standesamt benutzten Räume eingeräumt werden können, denn der Standesbeamte soll das jetzige Bürgermeisterzimmer mit Vorraum beziehen, das Wohnungsamt gegenüber der Stadtkasse untergebracht werden.

Gestern abend hielt der Gemeinderat seine erste Sitzung in dem neu hergerichteten Festsaal des Fechenbachschen Schlosses ab. (Wir kommen darauf in unserer morgigen Ausgabe zurück.) Die Lage dieses Raumes sowohl als auch sein äußeres Bild sind durchaus den Forderungen angepaßt, die man als selbstverständlich für eine ersprießliche Arbeit betrachten darf. Der besonders in der warmen Jahreszeit oft bis in die späten Abendstunden am Rathaus vorbeirollende lärmende Straßenverkehr hat gelegentlich doch störend gewirkt. Jetzt aber, im Schloß, durch den großen Park von der Straße abgerückt, fällt dieses hemmende Moment fort.

Die handwerkliche Ausgestaltung der Wände und Türen des neuen Sitzungssaales läßt schon erkennen, in welch geschmackvoller Weise sich der Raum nach seiner endgültigen Wiederherstellung präsentieren wird. In Anlehnung an das einstige Aussehen wurden die großen schmalen doppelflügeligen Türen in weißer Oelfarbe gestrichen und ihre Füllung mit breiten Goldstreifen abgesetzt. Die Wände sind großflächig in elfenbeinfarbigem Münchner Putz angelegt. Die Leuchtwirkung der in der Mitte der Decke angebrachten mattglasigen Lampe wird erhöht durch mehrere Wandarme, die in etwa zwei Metern Höhe, gleichmäßig verteilt, angebracht sind. Ueber der Eingangstür zum Saal ist eine Fläche ausgespart, die später das neue Dieburger Stadtwappen aufnehmen soll. (RG)

Jdh distanziert sich

Die Ortsgruppe der Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen richtete vor kurzem folgendes Schreiben an den Groß-Gerauer Bürgermeister Dr. Lüdecke: „Die Ortsgruppe der IdH Groß-Gerau legt großen Wert darauf, Ihnen davon -Mitteilung zu machen, daß sie die unsachlichen Schreibereien in dem Aushangkasten des hiesigen Flüchtlingsvertrauensmannes, vor allem jene in der Spalte die ,Glosse', als für die Gesamtheit der Groß-Gerauer Flüchtlinge schädigend verurteilt. Weiterhin muß festgestellt werden, daß bisher alle Bemühungen und Versuche unsererseits, dies zu unterbinden, gescheitert sind. In Anbetracht der Notwendigkeit einer guten und fruchtbaren Zusammenarbeit hoffen wir, daß dieser Mißstand, der nur parteipolitischen Interessen entspringen kann, nicht Anlaß zur Trübung eines erfreulicherweise guten Verhältnisses gibt.“

Dieses Schreiben ist von dem ersten und zweiten Vorsitzenden der IdH-Ortsgruppe unterschrieben. -cg-

Zweimal überschlagen

Ein Pferdefuhrwerk bog in Zwingenberg von der Wiesenpromenade kommend in die Hauptstraße ein, ohne vorher das Vorfahrtsrecht zu beachten. Ein Tempo-Lieferwagen, der zur gleichen Zeit die Stelle passierte, versuchte auszuweichen und überschlug sich hierbei zweimal. Während das Auto beschädigt wurde, blieben Fahrer und Begleiter unverletzt. (HB)

Keine Sprechstunde bei Ritzel

Für die Dauer seiner Teilnahme als deutscher Delegierter an den Sitzungen des Europäischen Rates in Straßburg hat der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Dieburg-Erbach, Heinrich Ritzel, Michelstadt, die von ihm abgehaltenen öffentlichen Sprechstunden einstellen müssen. Vor Mitte September ist nicht mit ihrer Wiederaufnahme zu rechnen. (-ch.)

Auerbachs Glockensorgen

Nachdem durch Sammlungen und Stiftungen in Auerbach genügend Geld zusammengekommen ist, konnte nunmehr die zweite Glocke für die Auerbacher Kirche bestellt werden. Nun ist nur noch das Problem der Tonhöhe der dritten Glocke zu lösen, denn es besteht die Auswahl, entweder ein Geläute auf die Töne e, gis, h oder fis, gis, h zu bekommen. Während der erste Klang der schönere ist, kommt der zweite dadurch billiger, daß die fls-Glocke um einige Zentner leichter ist als die e-Glocke. Man hofft jedoch, in Kürze über diesen Punkt eine Einigung erzielen zu können. (HB.)

Das Preisgericht entschied

Die Stadt Gernsheim hat die Absicht, ein neues Schulhaus zu errichten, das 24 Klassen enthalten soll. Das Preisgericht hat nun den Entwürfen der Architekten Feldmann, Novotny und Dienhold die ersten drei Preise zugesprochen. Der Entwurf Feldmann sieht ein Schulhaus vor, in dem sich rechts und links von einem Mittelgang die Schulsäle befinden. Eine derartige Bauweise zeichnet sich besonders durch niedrigere Kosten aus. Der 21jährige Novotny hatte drei kleinere Schulbauten im Pavillon-Stil entworfen, zwischen denen sich Grünflächen und Tummelplätze befinden. Diese modernere und gesündere Bauweise erfordert jedoch höhere Kosten. (cg)

Verkürzte Umgehungsstraße?

Das Hessische Straßenbauamt Darmstadt hat die Groß-Gerauer Stadtverwaltung um ihre Stellungnahme ersucht bezügl. einer Verkürzung der geplanten Umgehungsstraße, die in Anbetracht der durch den Bundesfinanzminister erfolgten Kürzung der Ausgaben für den Straßenneubau wahrscheinlich notwendig sein wird. Die aus Richtung Mainz kommenden Fahrzeuge sollen auf die Richtung Gernsheim führende Umgehungsstraße geleitet werden und dann auf die Gernsheimer Straße einmünden, diese entlang fahren bis zum Marktplatz und von hier in Richtung Darmstadt einbiegen. Hierdurch würden bauliche Veränderungen notwendig an der Einmündungsstelle der Umgehungsstraße in die Gernsheimer Straße, sowie an der Kurve am Marktplatz.

Der aus Richtung Darmstadt kommende Verkehr soll als Einbahnverkehr wie bisher durch Groß-Gerau geleitet werden. (cg.)

Obermeister tagten in Nieder-Ramstadt

Anläßlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Nieder-Ramstadt veranstaltete die Handwerkskammer eine Tagung der Obermeister des Stadt- und Landkreises im „Deutschen Haus“ in Nieder-Ramstadt, zu der etwa 50 Teilnehmer erschienen waren.

Der Präsident der Handwerkskammer, Gisbert, eröffnete die Tagung. Bürgermeister Keil wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß eine traditionelle Verbundenheit zwischen dem Handwerk und der Gemeinde bestünde, da Nieder-Ramstadt mit seinem altansäßigen Müllerhandwerk vor Jahren Worms, Ludwigshafen und andere Städte mit Brötchen belieferte. Schon im Dreißigjährigen Krieg haben die Nieder-Ramstädter Bäkker ein ganzes Armeechor mit Backwaren versorgt.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Müller, sprach über „die derzeitige Situation der Wirtschaft, insbesondere der Handwerkswirtschaft, unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Stadt- und Landkreis Darmstadt“. Die Handwerkerschaft erhoffe sich von der bevorstehenden großen Steuerreform eine wirtschaftliche Entlastung, insbesondere, eine Vereinfachung der Erhebung der Steuersätze, da bei der augenblicklichen Steuergesetzgebung selbst der Fachmann sich nicht mehr durch die Vielzahl der Verfügungen aus Ausführungsbestimmungen hindurchfinde. Eine besondere Sorge gelte der Verschiedenartigkeit der Tarifverträge in den einzelnen Ortsklassen, die mit ein Grund dafür sind, daß die Handwerker auf dem Lande billiger arbeiten könnten. Hinsichtlich der Pflichten der Handwerkerorganisationen bei der Lehrlingsausbildung wurde von den Obermeistern Klage gegen die Einführung des zweiten Berufsschultages geführt. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurde gegen diese Neuerung Stellung genommen.

Im Anschluß an die Tagung besichtigten die Teilnehmer die Nieder-Ramstädter Gewerbeausstellung und fanden sich dann zu einem gemütlichen Zusammensein im „Deutschen Haus“ zusammen. -st

Regen beeinträchtigt Ernte

Während die Roggenfelder schon umgepflügt werden, wurde der Weizen im Odenwald erst zum Teil gemäht. Nur manche Bauern haben es gewagt, ihn ohne Trocknen heimzufahren und ihn der Gefahr des Schimmelns in den Scheunen auszusetzen. Gersten- und Haferfelder warten auf heißes Wetter, — hoffentlich nicht vergebens. (t-s.)

Kaum Rückgang der Unfälle

Obwohl während des Monats Juli die Gendarmerie des Kreises Erbach eine verschärfte Verkehrsüberwachung durchgeführt hat, ging die Zahl der vom GKK Erbach bearbeiteten Verkehrsunfälle mit Personen- und Sachschaden nur unwesentlich zurück. Sie betrug im Juli 21 gegenüber 25 im Vormonat. Die erschreckende Höhe wird erst in Gegenüberstellung zur Gesamtziffer des ganzen ersten Vierteljahrs 1950 deutlich, die nur 22 Unfälle im Kreis Erbach umfaßte. (-ch.)

Keine Nachfrage nach Obst

Der Anstieg der Preise auf dem Lebensmittelsektor wirkt sich bereits für die Landwirtschaft nachteilig aus. Wie Odenwälder Bauern berichten, ist die Nachfrage nach Pflaumen, Zwetschen und Aepfeln so gering, daß sie dazu gezwungen sind, einen Teil ihrer Obsternte zu verfüttern. Wie die Pflaumenernte verspricht auch die Aepfelernte günstig auszufallen. (t-s.)

Der Wohnraum der Altenteiler

Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hat als höchstrichterliche Instanz einen Spruch des Darmstädter Verwaltungsgerichts bestätigt, der für die Altenteiler mit Einsitzrecht in Bauernhöfen von Interesse ist. Entgegen einer Erfassungsverfügung des Landratsamtes Gießen wurde entschieden, daß Altenteiler die gleiche Stellung wie Mieter unä Untermieter einnehmen, wobei es keine Rolle spiele, ob sie noch einen eigenen Hausstand führen. Ihr Wohnraum genießt deswegen, unabhängig von den sonstigen Raumverhältnissen, den Mieterschutz, das heißt, er kann nur beschlagnahmt werden, wenn er unterbelegt ist, frei wird oder ein Tausch angeordnet wird. DT

Sport der Heimat

Nochmals Hanau 93—Dieburg

Das Spiel in der Hessen-Pokalrunde um das Freilos fürs Endspiel, das Hanau 93 und Hassia Dieburg am Mittwochabend zusammenführte, wurde ein Fehlstart. Ein kräftiges Ungewitter mit Hagelschlag verzögerte den Spielbeginn bis 19 Uhr. Eine Viertelstunde lang ging’s leidlich, doch dann setzte wieder so starker Regen ein, daß der Schiedsrichter — dessen guten Willen, das Treffen unter Dach und Fach zu bringen, man anerkennen mag — nach 32 Minuten abpfiff.

Zu dieser Minute stand es 1:0 für die Gastgeber, deren außerordentlich schneller und damit besonders gefährlicher Flügel in der 5. Minute durchgebrochen war, seine weitgezogene Schrägflanke nahm Linksaußen Eßlinger am Torpfosten auf und schoß ein. Der anfänglichen leichten Feldüberlegenheit der Hanauer setzte Dieburg manch gefährlichen Angriff bis vors Tor der 93er entgegen, doch schwerer Ball und nasser Boden ließen es nicht zum Torschuß kommen. Immerhin ließ die halbe Stunde erkennen, daß es bei der Wiederholung des Treffens am kommenden Sonntag um 16 Uhr auf dem Dunlop-Platz zwischen zwei durchaus gleichwertigen Mannschaften zu einem spannenden Spiel kommen wird — vorausgesetzt allerdings, daß die äußeren Bedingungen einigermaßen erträglich sind. (RG)

Handball im Kreis Dieburg

Der Hallenhandballmeister der Dieburger B-Klasse wird am 6. August auf dem Spielfeld des Reinheimer SV 45 ermittelt. Die Spiele werden in zwei Gruppen ausgetragen und wurden bereits durch Lose ermittelt. In der Gruppe 1 spielen: SV Babenhausen, SSV Brensbach, SKG Semd, SKV Habitzheim. Die Mannschaften der Gruppe 2 sind: TSV Richen, TV 88 Reinheim, TV Klein-Umstadt und SV 45 Reinheim. Die Kämpfe beginnen pünktlich um 13 Uhr. In einem Entscheidungsspiel ermitteln die beiden Gruppensieger den Meister, der am 13. August in Langstadt an den Spielen der A-Klasse teilnehmen kann. SV 45 Reinheim nimmt eine Favoritenstellung ein. (gi)

Im Zuge der A-Klassenmeisterschaften im Hallenhandball findet am 13. August in Langstadt eine Vereinsdelegiertensitzung des Handballkreises Dieburg statt. — Karl Spalt, ein bekannter Handballer von 98 Darmstadt, hat das Training des TV 88 Reinheim übernommen. (gi)

SC Reinheim sehr aktiv

Einen beachtlichen 3. Platz bei den deutschen Hochschulmeisterschaften in Berlin konnte Heinz Wiemann (SC Reinheim) als Angehöriger der Universität Mainz über 100 Meter Rückenkraul in der hervorragenden Zeit von 1:22,4 Min. erzielen.

Am Samstagabend empfängt der SC Reinheim die Reserve der TSG 46 Darmstadt zu einem Wasserballspiel. Zum ersten Male in dieser Saison tritt die Reinheimer Sieben in diesem Spiel wieder mit „Betz“ Germann als Verbinder an. Im Vorspiele stehen sich die Reserve des SC und die erste Mannschaft der SKG Ober-Ramstadt gegenüber.

Ein DLRG-Lehrgang zum Erwerb des Grundscheines hat am Mittwochabend im Reinheimer Schwimmbad begonnen. Anmeldungen und Auskunft, hierfür bei dem Bademeister.

Die erste Abnahmeprüfung für das Bundessportabzeichen findet am Freitag, 18.30 Uhr, im Reinheimer Schwimmbad durch Herrn Kunz und Frau Germann statt. -gi-

Mannschaftsrennen im - Ritzel-Stadion

Die Radsportabteilung des VfL Michelstadt, die am 4. Juni auf der Heinrich-Ritzel-Stadionrennbahn ein internationales Steherrennen sowie am 11. Juni die diesjährigen Hochschulmeisterschaften im Bahnfahren mit vollem Erfolg veranstaltet hat, konnte nun für Sonntag, den 13. August, ein Rennen genehmigt bekommen, das die bekanntesten deutschen Bahnfahrer am Start sehen wird. Die Startliste, die noch nicht abgeschlossen wurde, enthält bereits jetzt so bekannte Namen wie Gebrüder Daibler (Augsburg), Meisser (Dortmund), Intra und Holzmann (Frankfurt), Mertens (Dortmund), Knößldönfer (München), Klehr ( Dannstadt-Pfalz), Schlienz und Schärtle (Stuttgart), Spiegel (Nürnberg) und Barth (Wiesbaden). Es ist ein Fliegerhauptfahren, Ausscheidungsrennen und als Höhepunkt ein 75 - Kilometer - Mannschaftsrennen nach Sechstageart um den „Großen Patria-Preis“, eine Stiftung der Patria WKC, Fahrradfabrik Hans A. May, Solingen, vorgesehen. Selbstverständlich wenden bei diesem Rennen auch die beliebten Prämienspurts nicht fehlen. Als Rahmenprogramm wird ein gutbesetztes Jugendrennen gestartet werden. —ppi-

Sportkreis Bergstraße

Gelegentlich des 50jährigen Vereinsjubiläums des SV Aschbach wird am kommenden Samstag in Aschbach der Kreisfußballfachwart mit den Vereinsführern über die Spielplangestaltung der A- und B-Klasse konferieren.

Die Tischtennisvereine des Sportkreises Bergstraße treffen sich am kommenden Sonntag, 10.00 Uhr, in Bensheim, um über die Rundenspiele des kommenden Jahres und die eventuelle Gründung einer Gruppe Odenwald zu beraten.

Als Auftakt zu dem 50jährigen Aschbacher Vereinsjubiläum findet samstags abends ein Treffen der Gründermannschaft gegen eine AH-Elf aus Mörlenbach statt.

In Krumbach wird am kommenden Sonntag der neuangelegte Sportplatz mit einem Handballspiel gegen TV Reisen eingeweiht.

In Nieder-Liebersbach findet am kommenden Sonntag ein Handballturnier um den Odenwald-Pokal statt.

Der Sportkreis Bergstraße veranstaltet sein diesjähriges Herbstsportfest am 20. August in Heppenheim.

Der Tabellenzweite der Kreisklasse Bergstraße, Alemannia Groß-Rohrheim, wird künftig im Kreis Groß-Gerau mitwirken.

Reichelsheim hat bei der Mitwirkung seiner Fußballelf im Sportkreis Bergstraße gute Erfahrungen gemacht, so daß es auch im Spieljahr 1950/51 seine Elf in der Gruppe Odenwald mitwirken läßt.

Lennert (früher SV Fürth) hat für das Spieljahr 1950/51 vom SV Mannheim-Waldhof einen Vertrag als Torwart erhalten. ni

Am Sonntag, dem 6. August 1950 stehen sich in der Vorschlußrunde des Kreispokals die Mannschaften der Fußballjugend von Germania Ober-Roden und FSV Spachbrücken in Münster gegenüber. Die Mannschaft des SV Münster kam durch Freilos in das Endspiel.

Tischtennis

SG Wixhausen empfängt Kreisauswahl

Die Tischtennisabteilung der SG Wixhausen, die in diesem Jahre auf ihr vierjähriges Bestehen zurückblicken kann, wird am kommenden Sonntag mit seinen sämtlichen Mannschaften Freundschaftskämpfe bestreiten. Aus den Spielen ragt die Begegnung der 1. Herrenmannschaft gegen die Kreisauswahl hervor. Die Gastgeber, die eine starke Mannschaft für die kommende Verbandsrunde zusammenstellen konnten, werden ein gleichwertiger Gegner für die Kreisauswahl sein, die in der Hauptsadie aus Spielern des SV 98 Darmstadt zusammengesetzt sind. Für die Kreisauswahl spielen folgende Spieler: Hardt, Lutz, Kappes, Hartmann (alle SV 98), Leichtweiß (SKG Jugenheim) und Gehron (SKG Darmstadt-Eberstadt). Die Gastgeber haben mit Fleck (Arheilgen) und Schaad (Groß-Gerau) wertvollen Zuwachs erhalten und werden auch in der kommenden Verbandsrunde ein zu beachtender Gegner sein. Die 2. Mannschaft der Gastgeber spielt zuvor gegen Langen. Ku.

„Blatt-Zeit" im August

Der rote Bock — des Jägers Stolz

Die Erinnerung an längstvergangene Tage steigt herauf. Glühend heiß brennt die August-Sonne auf die alte Freie Reichsstadt Wetzlar. Glühend heiß war auch die Temperatur in der Prima, wo Professor Dr. Adalbert Gl., die Primaner in die Schönheiten der griechischen Tragödie ein weihte.

Es war die letzte Stunde vor den Ferien. Die Aufmerksamkeit war geteilt. Au die Gedanken des Lehrers, des alten Gie Bener Studenten und waidgerechten Jagers, weilten schon in seinem Seil® Revier am „Stoppelberg“, das er ein Menschenalter hindurch bejagt hat, in " sen weitgedehnter Dickung —dem “ kenheim — die kapitalsten Bocke auf weit und breit standen. .

Auch unter seinen Primanern ya drei, die den Schluß des Unterrichts kaum erwarten konnten, denn auch Sl® in den Ferien hinaus in die Reviere ihre Väter. Und, als es endlich zwo!: Unr schlug, die Qual der Zeugnis-Vertedu g beendet war, da riefen sie au . , dem geliebten Lehrer ein dreisto* „Waidmanns-Heil“ zu, das herzlich erwiderte mit dem Zusatz. öcke Jungens, nun dürft ihr al . . ch;e_ schießen, die ihr in der' Schule nicht sch Ben durftet! Aber bitte, nr ‘ hörne; ich sehe sie mir nach den Ferien einmal an.“

Und dann nach Hause und ins Revier. Bald erklang der ..Heerte tende Ruf des Schmalrehs duich aen Wald. Die Tage vom 4. ’ ren die Zeit, wo auch die sonst unsicni baren sagenhaften Böcke, die sogenannten „Geheimräthe“, aus des Waldes „tiefsten Gründen“ auftauchten.

Wie schön jene glückliche Zeit als Pennäler, später als Student, und dann noch vierzig Jahre lang immer in demselben Revier, wo viele Stellen durch Erinnerung geweiht waren. Wieviele Freunde haben hier mit uns gewaidwerkt, die nun schon in die ewigen Jagdgründe hinübergewechselt sind. An jener Bergeshalde, wo der kanzelartige Sitz sich an die Berglehne anschmiegt, erlegte mein treuer Vater zur Blattzeit seinen letzten Sechser. So ist es eine Fülle von Erinnerungen, die mich jedesmal erfaßt, wenn die Blattzeit mich ins alte Revier führt.

Lautlos pürscht man sich zum Stand; mindestens zehn Minuten lang harrt man ruhig auf seinem Platze aus, dann beginnt die „Blatt-Musik.“ — „Pi pi piäh!“ Ganz schüchtern heb’ ich an. Und es verklingt wie eine scheue Frage — „piäh, piäh“, sehnsüchtig lockend zischts hinüber in der Tannen grünes Dunkel.

Die alten einfachen „Blatten“, die sich in Jägerfamilien vom Vater auf den Sohn vererbten, waren und sind die besten: ein „Fiep-Blatt“ und ein „Angstgeschrei-Blatt“ genügen. Am besten ist der Waldmann daran, der auf dem einfachen Buchen-Blatt die berückenden Töne hervorzaubern kann.

Kommt der Bock nicht gleich „angedonnert“, dann wiederholt man in Pausen, nicht allzuoft, den Sirenengesang. Ist der letzte Bock-Ton verhallt, so eilt man nicht gleich weiter, sondern hält noch ruhig eine Viertelstunde auf seinem Sitze aus. Eine jede solche „Blatt-Station“ soll im ganzen etwa dreiviertel Stunden beanspruchen, erst dann pürscht man lautlos weiter zum nächsten Stand. Ganz verkehrt ist es, im Sturmschritt durch das Revier zu eilen, mal da und mal dort zu blatten, dann wieder auf und fort: das führt zu nichts. Gegen Ende der Blattzeit findet alljährlich der alte Spruch seine Bestätigung:

„Kurz, eh’ die Brunft zu End’ will gehn, läßt mancher fremde Bock sich sehn.“

Diese „Wander-Böcke“ bringen manche freudige Ueberraschung, gerade auch für den Waidmann, der sonst sein Revier und seine nsassen genau kennt. In meiner Jugend pflegten die alten Jäger zu sagen: „Der Bock kam sicher aus dem ,H a i - ne r Wald’“, womit der Reichsforst „Drei-Eich“ gemeint war.

In den vergangenen Jahrhunderten wurde das Reh von der zünftigen Jägerei wenig beachtet. Doebel in seiner „ Jäger-Praktika“ (Leipzig 1746) erwähnt es zwar mehrfach, ohne aber die Jagd eingehender zu behandeln. Das „Blatten“ will er mit der auswendigen Schale der Birken oder auch, wiewohl weniger gut, mit Buchen-, Birn- oder Apfelbaum-Blättern bewerkstelligen, künstliche Instrumente erwähnt er nicht. Bei den Minnesängern des deutschen Mittelalters wird das „Blatten“ erwähnt; Parzival blattete auf einem Blatt (111. 129). Dietrich aus dem Winkell (1804) empfiehlt zum Blatten die bekannten Messing- oder Bleiblättchen. Der „alte Diezel“ sagt in seiner ersten Ausgabe, die im Jahre 1849 in Offenbach erschienen ist: „Der Ruf kann auf verschiedene Art hervorgebracht werden. Man hat Instrumente von Horn, von Blei und von Silber usw., doch gibt es auch viele Jäger, die mit einem Baumblatt, mit einem Grashalm, ja sogar ohne jedes Hilfsmittel mit dem Munde den Ruf aufs täuschendste nachahmen können.“

Aber zum Schluß nochmals: das „Blatten“ ist eine Kunst, das Instrument allein tut es nicht.

Wir stehen vor dem Wiederaufbau unserer durch den Krieg und die Nachkriegszeit dezimierten, nahezu vernichteten Rehwildbestände. Gottlob ist noch für einige Zeit eine Abschußsperre verhängt, so daß wir hoffen dürfen, allmählich wieder einen angemessenen Rehbestand herauszuhegen. Möge das edle Rehwild auch fernerhin wieder die Zierde unserer Wälder sein und bleiben. Die schönste Zeit für den waidgerechten Jäger beim Waidwerk auf den roten Bock wird dann wieder „die Blatt-Zeit“ sein.

Dr. Ludwig Roth.

Was aǔch interessiert:

Eine Liverpooler Studentengruppe, die sich auf einer Studienreise durch Deutschland befindet, trampte quer durch den Odenwald. (le)

Das Bürger-Forum Ober-Ramstadt hält kommenden Samstag um 20 Uhr eine öfxentliche Versammlung im Saalbau Suppes ab. (DT)

Demolierte Fensterscheiben und Wasser in den Kellern wurden bei dem plötzlich einsetzenden Sturm in der Gemeinde Lorsch gemeldet. Mehrere Wohnhäuser und Scheunen wurden teilweise abgedeckt. (el)

Ein tragischer Unfall ereignete siach m Dienstagabend in der Dreschhalle von Urberach. Ein Schwerkriegsbeschädigter glitt beim Besteigen der ueiter rum Dreschwagen aus und stürzte ab. Mit einem schweren Schädelbruch und inneren Verletzungen mußte er in ein Krankenhaus eingeliefert werden. (wu)

Beim Roller-Fahren stürzte der vierjährige Sohn des August Boßler, Georgenhausen, und verletzte sich schwer am Kiefer. Es mußte sofort ein Arzt zugezogen werden. (-we-)

Im Briefwechsel mit jungen Ameri¬ kanern stehen sehr viele Schüler der Oberklasse der Schule Wald-Amorbach. Die Verbindung wurde über die Division of International Educational Relations, Washington, USA, hergestellt. Ein kleiner Schritt zur Verständigung der Jugend ist damit getan. (hm)

Alles Bremsen konnte nicht verhindern, daß am Dienstag in Mörlenbach ein Sattelschlepper mit drei voll beladenen Anhängern auf einen schweren Lastkraftwagen auffuhr. Als der Lkw plötzlich bremste, fuhr der Schlepper mit voller Wucht auf ihn auf, so daß er nahezu unbrauchbar wurde. Der Fahrer des Schleppers kam mit Prellungen davon. (-r)

Einen Nachtdienst für Taxis richtete der Verkehrsverein Groß-Gerau ein, der im Wechsel durch die einzelnen Kraftwagen-Unternehmen jeweils von samstags 22 Uhr bis zum Samstag der nächsten Woche um die gleiche Zeit versehen wird. Nähere Erläuterungen hierzu finden sich im Aushangkasten des Verkehrsvereins. (cg)

Um die Wassernot zu beheben, wurden nach der Planung des Wasserwirtschaftsamtes Darmstadt als Notstandsarbeiten im Walde zwischen Neunkirchen und Winterkasten zwei neue Quellen gefaßt. Zur Zeit wird an der Zuleitung der Quellen zum Wasserwerk gearbeitet. (t-s)

Schreibt an Fritz Knippelius

Liebe Tagblatt-Leser!

Da kamen in der letzten Zeit ein paarmal anonyme Briefe an mich. Nicht, daß die Leute mir gedroht hätten, Bomben in meinen Metzgerladen zu schmuggeln oder mir eine mit dem Ochsenziemer über den Kopf zu dreschen. Ganz und gar nicht! Die Leute freuten sich, daß das „Tagblatt“ hier oder dort mal ein offenes Wort gesprochen hatte. Darüber freuten sie sich und was mich wunderte, sie vergaßen dann ihre Unterschrift.

Da muß ich wirklich noch einmal vom Redaktionsgeheimnis sprechen, das ich allen Briefschreibern neulich schon einmal — es war am 21. Juli — zugesichert habe. Wer also etwas an uns zu schreiben hat, ob er uns zustimmt oder über uns schimpft, darf das ruhig unter seiner vollen Anschrift machen. Wer aber bei der Veröffentlichung seiner Zuschrift nicht seinen Namen darunter zu sehen wünscht, der kann uns das ruhig schreiben und wir werden seinen Wunsch gern befolgen, denn mir ist es klar, daß es trotz aller Demokratie ein Geschäftsmann oder ein Beamter nicht immer riskieren kann, mit seinem vollen Namen in der Oeffentlichkeit seine Meinung kund zu tun, wenn seine Vorgesetzten oder seine Kundschaft vielleicht anderer Meinung sind. Daran denkt immer

Euer Fritz Knippelius

Schwere Zeit für Speiseeis

Gestatte mir als Inhaber einer Verkaufshalle, verbunden mit Zeitschriften und Bezieher Ihres „Darmstädter Tageblatts“ — betreibe noch in der Sommerzeit Eisherstellung und -verkauf — auf den einliegenden Artikel der .... „Eis in Variationen“ zur gefl. Kenntnisnahme zu übersenden. Sie wollen hieraus ersehen, wie sehr diese Zeitung das Eisgeschäft zu heben versucht; zweifellos dürfte auch dieser Artikel belebend auf das Eisgeschäft in Frankfurt wirken.

Dieser Artikel steht in schroffem Gegensatz zu dem. was bereits mehrmals im erschien, nämlich: von vierzehn Eis-Versuchsproben seien nur zwei einwandfrei befunden worden. Dieses Prinzip dürfte nicht das Richtige sein. Die Behörde sollte hier offen zutage treten und die Sünder bekanntgeben. Diese Artikel, welche fortgesetzt Stellung gegen die Eishersteller nehmen, legten das Eisgeschäft in Darmstadt völlig brach, so daß unter anderen auch ich mich gezwungen sah, die Eisherstellung zeitweise auszusetzen, ja sogar ganz aufzugeben. Ganz besonders möchte ich bemerken, daß die Eisherstellung bei mir mit nur bestem Material erfolgt, weshalb ich auch annehmen muß, daß bei mir keinerlei Anstände bestehen. Die vielen Bedingungen, welche vonseiten der Gewerbepolizei an die Eishersteller gestellt wurden, waren mit großen Kosten verknüpft und stehen in gar keinem Verhältnis zu den Einnahmen. Der große Ausfall der Eisgeschäfte dürfte für Stadt und Staat ein beträchtlicher Steuerausfall bedeuten.

In meinem Namen und mehrerer Kollegen wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie diesen Artikel in Ihrer geschätzten Zeitung veröffentlichen würden.

Wilhelm Neuroth, Darmstadt, Lauteschlägerstraße 38

Lieber Herr Neuroth!

Schönen Dank für den Hinweis! Aber wissen Sie, einen Artikel aus einer anderen Zeitung abschreiben, das kann man nicht gut als Zeitungsmann. Im übrigen möchte ich Sie auf unseren heutigen Bericht über die Versammlung der Konditoren-Innung verweisen, bei der alle diese Punkte besprochen wurden. Wenn sich alle Eishersteller an die darin aufgestellten Regeln halten, wird das Gesundheitsamt bestimmt mit seinen Warnungen vor verseuchtem Speiseeis aufhören. Und daß gegen unsaubere Eishersteller und -Verkäufer nach dieser aufklärenden Besprechung scharf vorgegangen werde, das war eine glaubhafte Versicherung der Behördenvertreter. Aber wie gesagt, es wurde anerkannt, daß in diesem Jahr die hygienischen Zustände schon wesentlich besser seien als im Vorjahre. Ihr Fritz Knippelius..

Deß viele Kunstgeschwätz

Lieber Fritz Knippelius

Deß viele Kunstgeschwätz wächst eim awwer jetzt doch zum Hals eraus. Je mehr vun Kunst und dem „Menschenbild“ in unsere aamselige Zeit geredd werd, desto weniger gude Bilder wem gemalt. Deß kannste mer glawe.

Wann ich e werklich schee und gut Bild seh, haw ich mei Freud dra, obs ald odder nei is, Mode un Richtung is mer worscht, des Schwätze hot gor kaan Wert. Awwer wann ich gor net seh, was des sei soll, was owwe odder unne is, hols de Deiwel, dann is es Mist — meinetwege „ganz moderner“ Mist

Es grüßt Dich Dein Freund Heiner X.

Lieber Heiner!

Waasde, goar so einfach wies’de maanst, is des auch net! Kannsde der vorschtelle, daß dein Vadder als junger Mensch uff de Madildeheh bei dene erste Ausschtellunge in de Johrn um 1901 aach geschdanne hawwe kennt und zu dene domols moderne Maler gesagt hawwe kennt: „Was en Mist, was en Mist!“ Kansde der des vorschtelle? Des is als so mit dene affantgadistische Maler, die veschdeht mer immer erst, wannse dood sin. Mer mißte emol unser Kinner in verzieh Johrn fröche, was die zu dene Bilder maane, die wo Dir und meistens aach mir net gefalle. Vielleicht hawwe die en annere Schtandpunkt, wie unseraans. Awwer ich maan, mer solid net driwwer vergesse, daß unser ald Dammschdadd sich die Mich macht, die Kunst ebeizulocke, wann mer sich aach manchmal wunnert, was des for e Kunst is. Awwer unser Kinner sind uns for unser „Kunstverschdändnis" — wanns uns aach schwerfällt — vielleicht dankbar.

Also woart emol, Heiner, vielleicht kriegste in e paar Johrn noch Geschmack dodran!

Dein Fritz Knippelius.

Wer müßte Schaden zahlen

Vor wenigen Tagen stürzte ich mit meinem Motorrad in der Rheinstraße, da unmittelbar neben den Straßenbahnschienen die Pflasterung einige Zentimeter höher lag als die Schiene selbst. Glücklicherweise ist mir bei dem Sturz, außer einer Schramme am Arm, nichts geschehen. Nun möchte ich aber doch einmal wissen, ob ich die Stadt dafür haftbar machen kann, wenn' mir durch den schlechten Zustand einer Straße ein Unfall zustößt und ich dabei Schaden erleide. G. P., Darmstadt

Lieber Herr P.!

Selbstverständlich kann derjenige, der für die Instandhaltung der Straße verantwortlich ist, auch in einem solchen Falle haftbar gemacht werden. Das kann entweder die Stadt oder der Staat sein, je nachdem ob der betreffende Platz oder die Straße städtisch oder staatlich ist. Außerdem träfe in ihrem Fall auch die HEAG ein Teil der Verantwortung, wenn nachgewiesen werden könnte, daß die Pflasterung durch den Straßenbahnbetrieb ihre Lage verändert habe. Insgesamt müßten Sie aber wohl nachweisen können, daß der Unfall ausschließlich durch den Fehler der Straße verursacht wurde und nicht durch zu schnelles Fahren oder einen Fehler am Fahrzeug. Ziemlich eindeutig wäre aber der Fall, wenn Sie zum Beispiel an einem Schlagloch zu Fall kämen, Wie sie sich in der Soderstraße zwischen Beck- und Heidenreichstraße befinden. Ein solcher Fehler in der Straßendecke könnte die Stadt unter Umständen teuer zu stehen kommen.

Ihr Fritz Knippelius.

Die Darmstädter Goethegesellschaft und die Volkshochschule kündigen für Freitag, den 4. August, um 19.30 Uhr im Raume 167 der TH Darmstadt einen Vortrag von Dr. Joachim Hoppenstedt an mit dem Thema: „Das Menschenbild bei Leopold Ziegler“. Dr. Hoppenstedt, seit vielen Jahren mit Leopold Ziegler befreundet, führte gerade über dies Problem zahlreiche Gespräche mit Leopold Ziegler, der im Jahre 1929 als Dritter den Goethepreis der Stadt Frankfurt erhielt. DT

Siegried Breuer und Elfe Gerhart geben am Samstagabend um 8.15 Uhr in der Stadthalle mit der Komödie „Die kleine Hütte“ von Andrä Roussin ein Gastspiel.

In der Stadt noriert

Ueber „Das Menschenbild bei Leopold Ziegler“ spricht heute abend um 19.30 Uhr in der Technischen Hochschule der Philosoph Dr. Joachim Hoppenstedt auf Einladung der Darmstädter Goethe-Gesellschaft und der Volkshochschule.

Die Ortsgruppe Arheilgen im VdK weist darauf hin, daß die Beratungsstunden in allen Rentenangelegenheiten ab Freitag, den 4. August 1950 regelmäßig jeden Freitag ab 20 Uhr im Rathaüse, Zimmer 13, stattfinden. Stellung von Rentenanträgen, Nachfrage nach bereits gestellten Anträgen usw. werden dort an Ort und Stelle erledigt. Alle Auskünfte sind kostenlos und werden an jedermann erteilt.

Ein heiteres Rätselraten mit Preisverteilung wird am Samstag, den 5. August, um 17 Uhr, den Besuchern der Ausstellung „Gute Möbel, die man kaufen kann“ in den Ausstellungsräumen in der Holzhofallee geboten werden. Unter der Leitung von Herbert Görner und bei musikalischer Umrahmung sind den Gewinnern eine große Anzahl schöner Preise in Aussicht gestellt.

Eine Abschlußführung durch die Kolektiv-Ausstellung Hans Hoffmann-Lederer findet am Samstag um 17 Uhr im Amerikahaus durch den Künstler persönlich statt.

Ein Volkswagen und ein Leichtmotor¬ rad stießen gestern gegen 13 Uhr in der Rheinstraße vor dem Schloß zusammen. Der Fahrer des Leichtmotorrades erlitt leichte Hautabschürfungen. Es entstand geringer Sachschaden.

Zwei kleinere Verkehrsunfälle ereigneten sich am Mittwoch im Stadtgebiet. Während gegen 10.30 Uhr an der Ecke Adelung- und Wilhelminenstraße ein Motorrad und ein Pkw zusammenprallten. gerieten gegen 18.25 Uhr im Stadtteil Arheilgen in der Darmstädter Straße zwei Personenwagen ineinander. In beiden Fällen entstand jedoch nur geringer Sachschaden.

Atn Mittwoch, dein 2. August 1950, ist mein gütiger, treusorgender Mann, unser über alles geliebter Vater ® Karl Fornoff Finanzangestellter w unerwartet an einem Herzschlag im Alter von 55 Jahren von uns gegangen. In tiefer Trauer: Frieda Fornoff geb. Ludwig Sohn Karl und Tochter Gisela ä Darmstadt, den 2. August 1950 Kranichsteiner Straße 59Vto Die Beerdigung findet am Samstag, dem 5. August 1950, um 9.45 Uhr, auf dem Alten Friedhof, - Ram-Städter Straße, statt.

Bestattungen B am Freitag, dem 4. August 1950 I Beerdigungen: Alter Friedhof I 14.30 Wagner, Katharina, Viktoriastraße 36, 80 Jahre Waldfriedhot | Feuerbestattung; I 11.15 Posch, Alexander, Kunstmaler, Alexandrastr. 23, 60 Jahre

Gernsheim am Rhein,wie bist du so schön

2. Rheinisches Fischerfest vom 5. bis 7. August / Das Volksfest der Metropol e der Rheinschiffahrt

Drei Tage lang wird Gernsheim wieder sein diesjähriges Fischerfest feiern, zu dem als Ehrengäste bereits Finanzminister Hilpert und der Vorsitzende des Deutschen Angelsportverbandes, Oberstaatsanwalt Schade, Hamburg, ihre Teilnahme zugesagt haben. Unermüdlich waren die Ausrichter des Festes des vergangenen Jahres, Bürgermeister Adler, Joh. Meister, Jakob Kissel und wie sie alle heißen mögen, die auch damals schon dieses Heimatfest gestalteten, an der Arbeit, auch dieses Jahr wieder in einem ganz großen Rahmen all das zu bewerkstelligen, was nun am Wochenende in der Metropole der Rheinschiffahrt pausenlos abrollcn soll..

Wenig bekannt und benannt im Kreise der deutschen Städte, liegt Gernsheim, dem ein Musiker das vielgesungene Lied: „Gernsheim am Rhein, wie bist du so schön . . .“ widmete, inmitten fruchtbarer Aecker und Wiesen. Wer dort einmal am Rheinufer entlangging, wenn die Dächer im letzten Sonnenstrahle aufleuchten und die ehrwürdige Barockzwiebel der mächtigen Magdalenenkirche wie ein roter Ball über den Häusern glänzt, dem geht recht die Schönheit dieses alten Fischerstädtchens auf. Die Wipfel der schlanken Pappeln am Strom rauschen im Abendwind, der jeden Ton über das Wasser trägt: das Abendläuten und den Zuruf der Schiffer, das Rattern der Ankerketten und ein fernes Scherzwort. Die Positionslampen flammen in der Mitte des Rheins auf, die Schiffahrt geht zur Ruhe, und nun beginnt die mühevolle Arbeit der Berufsfischer. Schwerfällig treiben die Kutter in die Strömung, und die Ausleger mit den Netzen werden zu Wasser gelassen.

Seit Jahrhunderten hat sich das Fischerhandwerk, erstmals im 13. Jahrhundert für Gernsheim erwähnt, in den Gernsheimer Familien vererbt. Die Kissel, Badersbach und Adler sind alteingesessene, typische Fischerfamilien, und der heute 85jährige Jakob Kissel ist gegenwärtig der älteste Fischer im Städtchen. Seit dem Mittelalter hat Gernsheim, dem Karl IV. von Mähren 1365 die Stadtrechte gewährte, bis weit in das Reich hinein Fische geliefert und ist durch diesen Handel damals zur bedeutenden Stadt angewachsen.

Bewegte Zeiten der europäischen und deutschen Geschichte spielten sich im Gernsheimer Bereiche ab. Als die Römer den Winkel zwischen der oberen Donau und dem mittleren Rhein ihrem Weltreiche einverleiben wollten, entstand 765 n. Chr. das Kastell Gernsheim als Brückenkopf. Strahlenförmig liefen hier mehrere Heerstraßen zusammen, und große Münzenfunde zeugen davon, daß damals schon eine bedeutende Siedlung hier bestanden hat.

Der Jugend dieser Stadt ist auch die Nibelungensage verbunden, denn bei Gernsheim soll der grimme Hagen den Nibelungenschatz versenkt haben. Im Nibelungenliede heißt es: „Er sancte in da ze Loche allen in den Rhin“, und der schwarze Ort bei Gernsheim wird als dies „Loche“ angesehen.

Der Name Gernsheim selbst scheint von dem fränkischen Namen „Garine“ abgeleitet zu sein, denn die Franken blieben in der Schlacht von 493 Sieger über die Alemannen.

Friedlichen Zeiten fleißigen Aufbauens folgten im Laufe der Jahrhunderte wiederholt Zeiten der Zerstörung, in denen Gernsheim mehrmals in Flammen aufging. Auch im 20. Jahrhundert, 1945, brannte ein Drittel der Stadt nieder. Nur noch wenige Gebäude sind Zeugen ehemaliger Herrlichkeit. Das schönste Fachwerkhaus Gernsheims ist die „Krone“, die jetzt wiederhergestellt wurde.

Wertvoller aber als diese Häuser ist die Erinnerung an Peter Schöffer, der als Schüler und enger Mitarbeiter Gutenbergs die Buchdruckerkunst förderte und ihr neue, künstlerische Antriebe gab. Die Erfindung der Druckerschwärze war sein Werk, ein Werk des Gernsheimer Sohnes. Sein Denkmal bleibt das Zentrum der Stadt und der Stolz strebsamer Gernsheimer Bürger.

Der Sport- und Sonntagsangler, der dort am Rheinknie auf den Biß der Fische wartet, vergegenwärtigt sich kaum, daß er, etwa 280 Kilometer von Basel und 380 Kilometer von Rotterdam entfernt, seine Liebhaberei an solch historischem Orte betreibt. Aber er selbst als Silhouette mit der langen Gerte vor dem Abendhimmel ist vertrautes Bild an jener Stätte, deren Schicksal allzeit der Strom ist.


Uraltes, mythisches Bild des Stromes: Licht spiegelndes Wasser, windgekraust dahinziehend unterm Gewölke des Himmels —, einsames Ufer, von dem Bäume und Strauchwerk den Wolken und Wellen mit ihrem Geäste nachgreifen. Foto: Möller
Uraltes, mythisches Bild des Stromes: Licht spiegelndes Wasser, windgekraust dahinziehend unterm Gewölke des Himmels —, einsames Ufer, von dem Bäume und Strauchwerk den Wolken und Wellen mit ihrem Geäste nachgreifen. Foto: Möller

Das Volksfest am Rhein

Mit der Eröffnung der Schau „Quer durch die Gernsheimer Geschäftswelt“ wird am Samstagnadimittag um 15 Uhr in der Rheinallee das Fischerfest eingeleitet. Im Fußball treffen dann um 16 Uhr auf dem Sportplatz der Jugendkreismeister des Kreises Groß-Gerau, Concordia Gernsheim auf den des Kreises Bergstraße, Starkenburgia Heppenheim. Dem Spiel sdiließt sich um 17.30 Uhr das Treffen zwischen der Spvgg. Fürth und einer Riedauswahl an. Nach dem Aufmarsch der am Fest beteiligten Vereine zum Festplatz erfolgt die Eröffnung des Festes durch Bürgermeister Adler. Am Festakt wirken der Gesangverein „Liederkranz“, die „Sängerlust“, der Musikverein Gernsheim und die Paddler der Wassersportabteilung des Turnvereins mit. Bei Eintritt der Dunkelheit warten diese mit einer Lampion-Reigenfahrt bei magischer Beleuchtung und Abbrennen von Feuersprühturbilions auf.

Der Festsonntag

Das sonntägliche Programm läuft mit einem Weckruf in den Gernsheimer Straßen an. In der Zeit zwischen 7 und 11 Uhr findet sodann das Preisangeln am Rhein statt, während von 10 bis 12 Uhr auf dem Fest platz ein Platzkonzert durchgeführt wird. Zu gleicher Zeit fällt die Startflagge zum Seifenkistlrennen der Jugend an der Auffahrt zur Rheinbrücke, das vom GYA Supervisor Groß-Gerau unter Sgt. Lewis M. Conn ausgerichtet wird.

Der Nachmittag bringt um 14 Uhr in der Rheinstraße die gemischte Staffel um den Wanderpreis der Stadt. Das Hauptrennen der Seifenkistlfahrer beginnt um 14.30 Uhr. Gleichzeitig wird das Wurfturnier im Hafen und auf der Festwiese durchgeführt. Das Wellenreiten für Damen und Herren im Rhein, das Fischerstechen und die Vorführungen der DLG im Rettungsschwimmen im Hafen, wie auch die Schwi m m wettkä mp f e Jüber 500 Meter für Jugendliche bis 16 Jahre und 1000 Meter von 16 bis 75 Jahre im Rhein finden ebenfalls um 14.30 Uhr statt.

Nach Beendigung des Wurfturniers erfolgt auf dem Festplatz die Preisverteil u n g an die Sieger des Turniers und die Preisangler. Um 17 Uhr Preisverteilung und Ehrung der Sieger im Seifenkistlrennen. der gemischten Staffel und des Wassersports. Dazwischen Konzert und Tanz und allgemeine Volksbelustigungen auf dem großen Rummelplatz. Letztere Vergnügungen werden um 20 Uhr fortgesetzt und finden in dem Kunstfeuerwerk auf dem Rhein bei Eintritt der Dunkelheit ihren Höhepunkt.

Ausklang am Montag

Der Festmontag ist einem Jugend - f e s t vorbehalten, das um 14 Uhr auf dem Festplatz beginnt. Seifenkistlrennen, Wettschwimmen, Wettlaufen. Sackhüpfen, Eierlaufen, Stammklettern. Wurstsehnappen und viele andere Ueberraschungen werden zur Festesfreude der Jugend beitragen.


Fischer und Angler — das ist im Laufe der Zeiten Zweierlei geworden. Geblieben aber ist die Einheit der Landschaft mit Strom und Wolkenzug, steinigem Ufer und baumbestandener Insel, die Welt, in der Fischer und Angler ihr Revier haben Foto: Schuch
Fischer und Angler — das ist im Laufe der Zeiten Zweierlei geworden. Geblieben aber ist die Einheit der Landschaft mit Strom und Wolkenzug, steinigem Ufer und baumbestandener Insel, die Welt, in der Fischer und Angler ihr Revier haben Foto: Schuch

Heimat- und Festtage in Nieder Ramstadt

Immer zahlreicher und auffälliger werden die Zeichen, die in Nieder-Ramstadt, der Gemeinde zwischen den zehn Hügeln, vor den Toren Darmstadts gelegen, auf den großen Tag des Volks- und Heimatfestes hinweisen. Viele Häuser haben eine neue Fassade erhalten, die aufgesfellten Ehrenpforten rufen den auswärtigen Fesfgästen ein herzliches Willkommen zu und bis zum Samstagabend wird wohl kein Haus in den Hauptverkehrsstraßen ohne Fahnen- und Grönschmuck dastehen. Es ist ein ehrliches und tatkräftiges Bemühen, das die Nieder-Ramsfädter in diesen Tagen erfaßt und beschwingt, die 750- Jahrfeier zu einem Fest für alle zu gestalten, einem Fest nach dem Wesen, dem Gepräge und der gestaltenden Kraft der Heimat.

^Nachdem am letzten Sonntag bereits die große Ausstellung in allen Räumen des Schulhauses in der Bahnhofstraße eröffnet wurde (sie wird bis einschl. Sonntag, den 6. August L Js. für die Besucher zugänglich sein), nachdem die im Laufe der Woche von verschiedenen Organisationen durchgeführten Tagungen zum Abschluß gekommen sind, beginnen nunmehr die eigentlichen Festtage. Der Auftakt hierfür ist der große Fackelzug am Samstag, den 5. August abends, an dem alle Ortsvereine feilnehmen werden. Auf dem herrlich am Orfsausgang nach Ebersfadf zu gelegenen Fesfplatz wird sich an diesem Abend ein buntes Treiben entwickeln. Den Höhepunkt des Festes wird der Nachmittag des Festsonnfags (6. August) bringen, wenn sich der große historische Fesfzug, der über 30 Gruppen umfaßt und in dem über 50 Trachten und Kostüme vertreten sein werden, durch die reich ■mit Grün geschmückten Straßen bewegt und mit einem Festakt aut dem Festplatze, bei dem der Minister des Innern, H. Zinnkann, die Festrede halfen wird, endet. Die Gemeinde gibt ein Festbuch heraus, dessen Text jmit Bildern von fachkundigen Heimatforschern zusammengestellt wurde. Nach dem Festakt findet aut dem Festplatz ein Volksfest statt, das allen Besuchern Rechnung trägt. Ein umfangreicher Vergnügungspark, gegen alle Wetter geschützte Bier- und Weinzelfe, Verkaufsbuden und anderes mehr sorgen für Unterhaltung und Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse. Der Montag, der 7. August, sieht neben einem Frühschoppen auf dem Festplatze, in den Nachmittags-Stunden einen großen Kinderfestzug durch die Ortsstraßen nach dem Festplatz vor, woselbst Kinder- und Volksbelustigungen der verschiedensten Art stattfinden werden. Das Fest endet in den späten Abendstunden mit «inem Riesenfeuerwerk.

Die „Heag“ hat für die Festtage verstärkten Fährverkehr auf allen Linien angesetzt, so daß Gelegenheit gegeben ist, den Festort bequem und zu allen Tageszeiten zu erreichen. Für beste Verpflegung haben die Nieder-Ramstädter Gastwirte gesorgt. Der „Albiger Hundskopf“, der im Weinzelt des Festplatzes zum Ausschank gelangt, wird, wenn der Wettergott Einsicht hat, zur Hebung der Stimmung beitragen. Kurzum: Nieder-Ramstadt ist gerüstet. Es erwartet die Festgäste aus nah und fern. Sie sollen uns alle willkommen sein. Das große Volks- und Heimatfest wird allen stets eine angenehme Erinnerung bleiben.

Wilh. Steinmann.

Der SPORT

Vor dem Beginn der Toto-Saison

Parole des Hessentoto: Für möglichst Viele möglichst Vieles!

Neue Wettbestimmungen

R. L. Die einzelnen Toto-Gesellschaften haben im Laufe der Zeit neben der eigentlichen Fußballwette immer mehr Zusätzliches eingeführt, um die Konkurrenz zu schlagen. Das war etwa so wie früher, als die Hotels sich gegenseitig zu überbieten suchten: ein Wirt gab ein Ei zum Frühstück, dann schlug ihn der nächste mit zwei Eiern, der dritte mit Eiern und Schinken, der vierte mit Eiern und Schinken, Wurst und Käse, und dann waren sie alle zusammen pleite.

Die deutschen Toto-Gesellschaften haben auf der Hamburger Tagung beschlossen, sich dieses Schicksal zu ersparen, indem sie sich gegenseitig verpflichteten, auf alle Sachwertverlosungen und kostenlosen Zusatzwetten zu verzichten. Das ist sehr vernünftig, wenn man es auch vielleicht bedauern mag, daß damit gleichzeitig die Verlosung von Eigenheimen in Fortfall kommt, deren Beibehaltung wegen ihrer großen sozialen Bedeutung zu begrüßen gewesen wäre. Der Hessen-Toto hat inzwischen versucht, diese Frage der Eigenheimverlosung noch einmal aufzurollen, so daß es nicht ausgeschlossen ist, hier eine befriedigende Lösung zu finden.

In der neuen Saison führt der Hessen-Toto die Fußwallwette wieder in der Form der Zehnertipreihe durch, die sich in der Vergangenheit so großer Beliebtheit erfreute. Neu ist eine Zusatzwette, die jedoch nur in Verbindung mit der Hauptwette abgeschlossen werden kann. Diese Zusatzwette umfaßt acht Spiele und vier Ersatzspiele, und die Gewinnausschüttung erfolgt nur in einem Rang. Bei der Zehnertipreihe beträgt der Wetteinsatz wie in der vergangenen Saison eine DM, die Zusatzwette kostet dagegen 0,50 DM. Infolge dieser Neueinführung sind die amtlichen Wettbestimmungen des Hessentoto in einigen Punkten abgeändert oder ergänzt worden. Die Totofreunde haben Gelegenheit, die neuen Wettbestimmungen bei allen Annahmestellen einzuschen oder sie durch die Zentrale zu beziehen.

Fata morgana: Riesengewinn

Der Hessentoto will die Gewinnchancen möglichst verbreitern, sei es auch auf Kosten der Möglichkeit, wenigen zu jenen hohen Gewinnen zu verhelfen, welche die Köpfe sonst ganz normaler Leute in Verwirrung brachten, die glaubten, diese Riesengewinne seien ein Massenartikel. In Wirklichkeit ist die Chance, einmal einen dieser Riesengewinne zu ergattern, verschwindend gering. Es ist ja bei andern Wetteinrichtungen auch nicht anders. Wieviel Leute gewinnen schon mal das „Große Los“?

Die Meinung des Hessentoto, das ewige vergebliche Warten des Wetteilnehmers auf den Riesengewinn könne ihm auf die Dauer keine Befriedigung gewähren, erscheint uns zutreffend. Es ist auch richtig, daß, von den Ausnahmefällen abgesehen, der Wettumsatz auf die Höhe der Quoten deshalb keinen Einfluß hat, weil bei größerer Beteiligung von Wettern — die Voraussetzung für den hohen Umsatz — auch wieder mehr Gewinner dasein werden.

Ab nächster Woche werden wir die Leser wieder auf dem Laufenden über den Betrieb des Hessentoto halten und sie mit unsern Tips „erfreuen“ (es wird gebeten, nicht auf den Tip-Vorschauer zu schießen, er tut sein möglichstes!).

Arheilgen ohne Spiel

Wie uns die SG Arheilgen mitteilt, fällt das für Sonntag gegen HassiaDieburg vorgesehene Spiel aus. Arheilgen wird somit seine gesamten Neuerwerbungen und zwar die Stürmer Wendler, Kilian, Bauer und Kirchrath, der ebenfalls von der SGA unter Vertrag genommen wurde, voraussichtlich erst am Samstag, den 12. August im Spiel gegen die badische Mannschaft Mannheim-Friedrichsfeld ausprobieren können.

I. Tag der Baskettball-Jugend-Meisterschaften

Die Veranstalter wurden am ersten Tag der Deutschen Baskettball- Jugend-Meisterschaften auf eine harte Probe gestellt, denn der am Donnerstagmorgen einsetzende Regen machte das Spielen auf der Rollschuhbahn des TSG 46 unmöglich. Nachdem auch die Quartermaster-School von amerikanischer Seite gesperrt wurde, blieb schließlich nur noch die Arheilger Turnhalle als Austragungsort übrig. Dann liefen jedoch die Spiele in bunter Folge ab, und es gab keine weiteren Verzögerungen.

Mit der Begegnung ATV Düsseldorf gegen BC Heidelberg wurden die Spiele eingeleitet. Der vorjährige Deutsche Meister erwies sich als die einwandfrei bessere Mannschaft und siegte überlegen 52:33. Im zweiten Spiel behauptete sich Kreuznach mit 32:12 gegen Göttingen. Der Hessische Meister, die TSG 1846 Darmstadt, hatte die wahrscheinlich besten Manschaften des Turniers zum Gegner. Die Neuköllner Sportfreunde spielten ausgezeichnet und ließen den Darmstädtern keine Chance. Mit 35:16 gewann die Berliner Mannschaft. Auch gegen den BC Heidelberg mußte sich die TSG 46 geschlagen geben, diesmal mit 54:34.

Bei den Frauen gelang den Roßdörfern ein beachtlicher 30:13-Erfolg gegen den Rheinland-Pfalz-Meister VfL 1848 Bad Kreuznach. Roßdorfs Mädel hatten eine gute zweite Halbzeit und stellten hier ihren Sieg sicher.

Im z weiten Frauenspiel schlug der favorisierte Olympische SC Berlin die Heidelbergerinnen klar 50:11.

Bei den Männern gab es außerdem noch folgende Ergebnisse: ATV 1877 Düsseldorf—VfL 1848 Bad Kreuznach 29:42, Neuköllner Sportfreunde—Tuspo Göttingen 52:12.

Nach den Spielen des ersten Tages ergeben sich folgende Tabellen:

Männliche Jugend: Körbe Punkte

Bei gutem Wetter werden die Spiele am Freitag auf der Rollschuhbahn auf der Woogswiese fortgesetzt, bei schlechter Witterung in der Arheilger Turnhalle.

1. Neuköllner SC 87:28 4:0
2. BC Heidelberg 106:67 4:0
3. VfL 48 Bad Kreuznach 74:41 4:0
4. ATV 1877 Düsseldorf 62:94 0:4
5. TSG 1846 Darmstadt 50:89 0:4
6. Tuspo Göttingen 24:84 0:4
Weibliche Jugend: Körbe Punkte
1. OSC Berlin 50:11 2:0
2. SKG Roßdorf 30:13 2:0
3. VfL 48 Bad Kreuznach 13:30 0:2
4. BC Heidelberg 11:50 0:2 ’

TEC-Nachwuchs in Hanau

Ueber Samstag-Sonntag fährt eine Nachwuchsmannschaft des TEC zu einem Vier-Städte-Turnier nach Hanau. Für den TEC spielen Polster, Nicklas, Jayme, Wittmann, Weinert, Hummel, Müller und Schöpf. -gw-

Tennis:

Der schönste Kampf: Kern—Heidrich

Die erste Reise über die Grenze ihres Verbandsgebietes Rheinland-Pfalz hinaus unternahm am vergangenen Wochenende eine Ringerstaffel, die sich am Samstag in Frankfurt und am Sonntag in Sprendlingen vorstellte. Zu ihr zählten Männer aus einer Kante, die einst Hochburg des deutschen Amateurringens war, aus Idar-Oberstein. Einen sehr eindrucksvollen Begriff von der einstigen Stärke der Nahetäler vermittelte der schon seit mehr als zwanzig Jahren aktiv ringende Gustav Klein, ein kleiner, stämmiger, mit routinierter Ruhe arbeitender Sportsmann, der in dem Sprendlinger Freundschaftskampf den einzigen Sieg für seine Staffel herausholen konnte. Mit einer 6:2-Niederlage in Frankfurt und einem 7:1 für Hessen in Sprendlingen haben die Rheinland-Pfalz-Vertreter eine ganz schöne Pakkung mitbekommen. Dabei war der Sport, den sie boten, durchaus angetan, werbend zu wirken, denn es gab keinen Mißton während des ganzen Kampfes. So konnte denn auch Heckmann (Darmstadt) wohlbegründete Worte des Dankes an die Gäste richten.

Nur ein einziger Kampf ging über die volle Zeit, denn unter der Leitung von Schon (Laubenheim) und der Punktrichter Meier (Rheinland) und Lecke (Kasse) kam es zu folgendem Verlauf:

Fliegengewicht: Nach ausgeglichenem Kampf, der Oberst (Rheinland) gegenüber Kronenberger (Hessen/Kahl) durch Ausheber schon in Punktnachteil gebracht hatte, siegte der Hesse durch Kopfzug am Boden nach 5V2 Minuten; Bantamgewicht: Nach fast der gleichen Zeit unterlag Stromberg (Rh) dem Isenburger Euler durch Armdrehgriff am Boden; Federgewicht: Gustav Klein (Rh), bei dem Heuser (H/Dettingen) besonders in der Bodenrunde kaum einen erfolgversprechenden Griff ansetzen konnte, ging über die volle Zeit und holte einen Punktsieg; Leichtgewicht: Heidrich (Rh) und Kern (H/Dieburg) lieferten sich in einem temperamentvollen und schnellen Kampf die schönste Begegnung des Tages, die Kern nach IIV2 Minuten durch Ueberwurf aus dem Stand für sich entschied; Weltergewicht: Kalter (Rh) hatte gegen Schlagmüller (H/Eckenheim) nicht viel zu bestellen. Nach 3:50 Minuten unterlag er durch Hüftzug aus dem Stand. Noch kürzeren Prozeß machte Henze (H/Frankfurt 86) mit Adam (Rh), der nach 3:25 Minuten durch Hammerlock am Boden unterlag. Im Halbschwergewicht stellte Rheinland mit Zerwas einen Ringer auf die Matte, der in Stil und Bewegung mitunter an den Profi erinnerte (der er wohl früher auch einmal gewesen sein mag). Seine Niederlage nach 5:27 Minuten gegen Heinl (H/Sprendlingen) durch Hammerlock am Boden war nicht ganz unverschuldet. Zerwas war jedenfalls starker Anwärter auf den 2. Sieg seiner Mannschaft; Schwergewicht: von der Weiden (Rh) war für Max Leichter (H/Eckenheim) kein Gegner. Der Hesse ging denn auch recht nonchalant mit seinem Partner um und legte ihn nach 3:40 Minuten durch Hammerlock auf die Schultern. (RG)

Zatopek lief Rekord

Helsinki (AP.) Der tschechoslowakische Langstreckenläufer Emil Zatopek erreichte am Mittwoch in Helsinki im Kampf gegen gute finnische Klasse mit 14:06.2 Minuten über 5000 m eine neue tschechoslowakische Rekordzeit. Die letzten 1000 m durchlief Zatopek in der sehr guten Zeit von 2:46.2 Minuten.

Am Freitag, 4. August, um 19.30 Uhr treffen sich in der Stadionsgaststätte Jung die Handballer des Sportvereins mit ihren Angehörigen zu einem gemütlichen Abend. Es werden Lichtbilder aus den Anfängen des Handballs bis zum heutigen Tage gezeigt, ebenso zwei Filme aus dem früheren Handballgeschehen vorgeführt. Von allen Handballern des SV 98 wird ihr Erscheinen erwartet. -r.

Fußballauftakt am Frankenstein

Die SKG Eberstadt trifft am Samstag, 17 Uhr 30, auf dem Waldsportplatz zum ersten Spiel nach der Sommerpause auf die Elf der Union Wixhausen. Da beide Mannschaften dabei neue Kräfte einsetzen werden, ist es schwer, eine Voraussage zu machen. Eine starke Soma gastiert zur Platzeinweihung in Nieder-Beerbach. Die Juniorenmannschaft tritt in Griesheim an.

Der Sportverein 98 Darmstadt macht darauf aufmerksam, daß die Frist für die Vorbestellung der Dauerkarten am kommenden Samstag um 16 Uhr abläuft.

Um wirtschaftlich schlecht Gestellten den Kauf einer Dauerkarte zu ermöglichen, können diese die Dauerkarten in zwei Raten bezahlen, und zwar die 1. Hälfte beim Abholen der Karte in den Tagen vom 10.—15. August, die 2. Hälfte am 1. Oktober. Meldungen hierfür sofort an die Geschäftsstelle.

^^AMTUCHE^BEKANNTM^ Bekanntmachung Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 10. 5. 1950 in Nr. 114 der „Südhessischen Post“ vom 16. 5. 1950 gebe ich nachstehenden Erlaß des Hessischen Finanzministeriums bekannt: An die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. Landesverband Hessen, Wiesbaden Ich bin damit einverstanden, daß Sie die Lose ans der mit meinem Erlaß vom 13. 2. 1950 genehmigten Landeslotterie an den Tagen vom 1. bis 5. August 1950 auf den Straßen und in den Gaststätten zum Verkauf anbieten. Hierbei ist aber zu beachten: a) Mit dem Straßenverkauf dürfen nur solche Personen be¬ auftragt werden, die in strafrechtlicher, wirtschaftlicher und persönlicher Hinsicht vollkommen einwandfrei sind. b) Der Straßenverkauf darf nur in einer ordnungsmäßigen Weise -stattfinden: Aufflringlichkeiten und Belästigungen müssen auf alle Fälle unterbleiben. c) Der Straßenverkauf wird während des ganzen Tages zugelassen. d) Im übrigen sind die entsprechenden polizeilichen Vor¬ schriften maßgebend. Insoweit verweise ich auf die nach § 56 c Gew.-O. vorgeschriebene Erlaubnis der Ortspolizei¬ behörden. Im Auftrag: gez. Dr, Stahlberg Heppenheim, den 2. August 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Sprechtag des Kreisschulamtes Der Sprechtag des Kreisschulamtes in Heppenheim wird von Donnerstag, 3. August 1950, auf Freitag, 4. August 1950, verlegt. Heppenheim, den 1. August 1950 Kreisschulamt des Landkreises Bergstraße Sprechzeiten beim Regierungspräsidenten in Darmstadt Der Regierungspräsident in Darmstadt weist darauf hin. daß die Sprechstunden bei allen Abteilungen seiner Behörde auf Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr festgesetzt sind. Die Einhaltung dieser Sprechtage ist aus dienstlichen Gründen erforderlich. Besucher, die zu anderen Zeiten vorsprechen, laufen Gefahr, nicht vorgelassen zu werden. Das Gleiche gilt für die Sprechstunden des Innenministeriums in Wiesbaden. Die Stadt Bensheim vergibt die Ausführung nachstehender Arbeiten: 1. Maurerarbeiten zur Errichtung einer Fahrzeughalle der Feuer¬ wehrunterkunft 2. Straßenbauarbeiten zum Ausbau der Mühltalstraße in Bens¬ heim-Auerbach (Kleinpflaster) 3. Straßenarbeiten zur Verbreiterung der Wormser Straße (Klein¬ pflaster). Die Angebotsunterlagen können ab 3. August beim Stadtbauamt Rodensteiner Hof, Zimmer 29, abgeholt werden. Die Angebots¬ eröffnung findet im Beisein der erschienenen Anbieter am 11 August, vormittags um 9 Uhr. und am 11. August, vormittags um 10 Uhr statt.

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$ Samstag, Fußballspiel £ S den 5. August F" 1L IM B HB I s i™l*' Spvgg. Furth >Riedauswahl $ £ Vorspiel 16 Uhr Cone. Gernsheim Al. Jug. — Heppenheim Al. Jug. $ Z (KreiismieüSter Gr.-Gerau) (Kreismst. Bergstraße) S 5 Festkommers am Rhein mit Tanz ? £ und Lampionfahrt der Paddler auf dem Rhein S ? jonn?T . Großes Seifenkist'l-Rennen I S den 6< August * > S ' auf der neuen Rennstrecke am Rhein - Normklasse s S Montag: Offene Klasse - durchgeführt von der GYA Supervisor S ? Groß-Gerau, Sgt. Lewis, M. Coun S i Grohes Preis-Angeln t S der Anigelsportvereine von Hessen und Hessen-Nassau £ 1 Große wassersporilidie Vorführungen j lu. a.: Wettschwimmen - Wettpaddeln - Rettungsschwimmen der $ D. L. G. - Stafetten - Fischerste dien - Wellenreiten £ Fesfgelände am Rhein J mit großem Vergnügungspark s Auf dem Rhein s Abbrennen eines Riesenkunstfeuerwerks $ Montag, T J I J < den z. August lag der Jugend mit Unterhaltung und fröhlichem Spiel £ Fahrzeiten: Rheinfähre Gernsheim, Samstag 6-24 Uhr, Sonntag 5-24 Uhr, Montag 6-22 Uhr s Verstärkte Omnibusverbindving der Heag von Jugenheim nach Gernsheim ab: £ 6.00 7.30 9.01 12.01 13.01 13.30 13.40 14.30 15.31 17.39 19.00 19.36 2 C Zu jedem Omnibus fährt die Linie 8 ab der Stadt S S Sonntagsrückfahrkarten im Umkreis von 30 Kilometern S S s i i £ . %

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