Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wtttlch’ Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925’ Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 29 Tieuefte TtaftrtWen Donnerstag, 3. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt.Rheinstraße 23,Te1.3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Wieder ohne Ergebnis vertagt

Fortgang der Auseinandersetzungen im Sicherheitsrat

Neuyork, 2. August. (AP.) Im Sicherheitsrat ist am Mittwoch wieder, ohne zu einem Ergebnis zu kommen, um die Tagesordnung gekämpft worden.

Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist am Mittwoch die Debatte über die Tagesordnung weitergegangen. Der britische Delegierte Sir Gladwyn Jebb schloß sich dem amerikanischen Antrag vom Vortag an, eine „Beschwerde über die Aggression gegen die Republik Korea“ als ersten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Seine Regierung könne sich dicht damit einverstanden erklären, daß die Koreanische und Chinesische Frage miteinander in Verbindung gebracht würden. Die Koreanische Frage sei das ernsteste Problem, das jemals vor die Vereinten Nationen gebracht worden sei. Sie müsse den Vorrang vor allen anderen Fragen genießen. Die britische Regierung würde es sehr begrüßen, wenn Malik Vorschläge zur Regelung dieser Frage unterbreite. Er liefere jedoch eine Probe der Verdrehungen, wenn er erkläre, die Vereinigten Staaten wünschten eine kriegerische Entscheidung in Korea. Die Behandlung der Koreanischen Frage solle so weitergehen wie in den vergangenen fünf Wochen. Die Sowjets würden dadurch nicht abgehalten werden, friedliche Vorschläge zu unterbreiten. Eine friedliche Beilegung, wie es sie schon einmal in der Tschechoslowakei gegeben habe, wünschten jedoch zum mindesten zwei Nationen nicht.

Malik: Eine Verfahrensfrage

Malik wandte sich anschließend gegen die, wie er sagte „substantivistische“ Natur einiger Bemerkungen des britischen Delegierten. Die Debatte beschränke sich ausschließlich auf Verfahrensfragen, substantivistische Einwürfe sollten zurückgestellt werden, bis der Rat die Fragen, selbst behandele.

Maliks Feststellung, daß die Annahme einer Tagesordnung eine Verfahrensfrage darstelle, ist insofern bedeutsam, als damit ein Veto der Großmächte ausgeschlossen wird.

Der amerikanische Delegierte Warren Austin sagte, die Vereinigten Staaten könnten nicht damit einverstanden sein, daß die Beendigung der Aggression von irgendeiner anderen Frage abhängig gemacht werde. Solange Männer auf dem Schlachtfeld sterben, werde der Sicherheitsrat nicht bereit sein, durch Feilschen ihre Leiden herabzusetzen oder ihr Heldentum zu besudeln.

Gegen die russischen Vorschläge

Neben Großbritannien und Frankreich hatten sich vorher Norwegen, Ekuador und Kuba gegen Maliks Tagesordnung gewandt. Der norwegische Delegierte Arne Sunde hatte dabei darauf hingewiesen, daß seine Regierung die kommunistische Regierung Chinas anerkannt habe und der Ansicht sei, das kommunistische China sollte einen Sitz in den Vereinten Nationen erhalten. Diese Frage sollte jedoch nicht mit dem koreanischen Problem in Verbindung gebracht werden.

Dreieinviertel Stunden nach Beginn dei’ Sitzung am Mittwoch wurde der Sicherheitsrat, ohne zu einem Ergebnis zu

kommen, auf Donnerstag, 20.00 Uhr (mitteleuropäischer Zeit), vertagt.

Wieder Krisenstimmung in Belgien

Brüssel, 2. August, (dpa) In Belgien hat am Mittwochabend eine neue Kabinettskrise gedroht. Einige der treuesten Anhänger des Königs stehen auf dem Standpunkt, daß der König bei den Verhandlungen, die zu seiner Abdankung geführt haben, betrogen worden sei. Der christlich-soziale Ministerpräsident Duvieusart, der bei der Rückführung des Königs aus dem Exil eine führende Rolle gespielt hatte, soll bereits Rücktrittsabsichten geäußert haben.

Ein Teil der christlich-sozialen Abgeordneten übte scharfe Kritik an der Regierung und der Parteiführung, weil sie dem Druck der sozialistischen und liberalen Königsgegner nachgegeben hätten. Kammerabgeordnete und Senatoren forderten einen amtlichen Bericht über die nächtlichen Verhandlungen, die dem Verzicht König Leopolds vorangingen.

In politischen Kreisen Brüssels hält man es für möglich, daß es in der nächsten Woche bei der Parlamentsdebatte über das Abdankungsgesetz zu einer Spaltung der Christlich-Sozialen Partei und damit zu einem Sturz der Regierung kommt.

In der „Hauptstadt Flanderns“, dem königstreuen Antwerpen, wurden in der Nacht zum Mittwoch fünf Bomben geworfen, die jedoch alle keinen größeren Schaden anrichteten.

Die Gewerkschaften mit gutem Willen nicht zufrieden

Düsseldorf, 2 August (dpa). Die Pressestelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat zum Ergebnis der Preisbesprechungen (die wir auf Seite 3 veröffentlichen) erklärt, daß die Gewerkschaftsvertreter die Absicht der Bundesregierung, den Preissteigerungen zu begegnen, als Beweis ihres guten Willens anerkannt hätten. Damit allein hätten sie sich aber nicht zufrieden geben können. Falls nicht die gesamten Preiserhöhungen rückgängig gemacht werden könnten, müßten die Renten, Unterstützungen, Löhne und Gehälter gemäß den Beschlüssen des Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes vom 25. Juli den veränderten Verhältnissen angepaßt werden.

240 Millionen für die Soforthilfe

Antragsteller mit Einkommen bis zu 100 Mark werden zuerst berücksichtigt

Frankfurt, 2. August. Auf einer Sitzung des Kontrollausschusses beim Hauptamt für Soforthilfe sind Anträge des Präsidenten des Hauptamtes genehmigt worden. Danach werden 240 Millionen Mark Soforthilfe-Gelder für verschiedene Sonderzwecke bereitgestellt. Die wichtigste Aktion dürfte die genehmigte Fortsetzung der Hausratshilfe sein, für die im Laufe der nächsten Monate weitere 120 Millionen Mark bereitgestellt werden.

Befriedigt werden hiervon vorerst nur die Antragsteller, die mindestens dreißig oder mehr Punkte nach einem besonderen System aufweisen können. Zu dieser Gruppe gehören Personen, die ein durchschnittliches Monatseinkommen bis zu hundert Mark haben. Für jedes Kind erhöht sich die Nettoeinkommensgrenze um je dreißig Mark. Antragsteller, die mehr verdienen und unter den geforderten dreißig Punkten liegen, haben keine Aussicht auf Berücksichtigung. In einzelnen Härtefällen, wie Krankheit, kann das Reineinkommen um zehn Prozent über den dreißig Punkten liegen.

Um den Geschädigten-Gruppen die Erlangung einer Wohnung zu ermöglichen, wird ein Betrag von vierzig Millionen Mark als Beihilfe für das erforderliche Eigenkapital in einem besonderen Verfahren bereitgestellt. Die erforderlichen Richtlinien hierzu werden später bekanntgegeben.

Weitere achtzig Millionen Mark werden für die Existenzaufbauhilfe zur Verfügung gestellt. Es kann damit gerechnet werden, daß der Kreis der Begünstigten bei der Neuausschüttung erweitert wird. Man wird nicht mehr unbedingt an der Forderung festhalten, daß der Antragsteller früher einen Betrieb gehabt hat.

Am 1. November sollen Studierende an Hochschulen die Ausbildungshilfe für die Dauer von zwölf Monaten bekommen. Im Gegensatz zu anderen Empfängern der Ausbildungshilfe erhielten Studenten bisher diese Hilfe nur für die Dauer von neun Monaten.

Sechsundvierzig Kilometer vor Pusan

Die amerikanischen Marine-Divisionen im Kampf

Pusan, 2. August. (AP/BBC/dpa) Im Südabschnitt der südkoreanischen Front ist den Nordkoreanern in Stärke einer Division ein tiefer Einbruch gelungen. Die feindlichen Spitzen erreichten ein Gebiet, das nur noch sechsundvierzig Kilometer von dem strategisch wichtigen Ausladehafen Pusan entfernt ist. Die Korrespondenten auf dem Kriegsschauplatz vertreten die Auffassung, die amerikanische Führung habe den Vorstoß des Feindes im Süden bei weitem' unterschätzt. Diese Bewegung habe eine bedrohliche Form angenommen.

Die frisch eingetroffenen Marineeinheiten sind sofort in den Kampf geworfen worden. Ein. Teil von ihnen wurde in den Raum nordöstlich von Schinju geführt, wo Verbände der 24. Infanterie-Division in Anlehnung an die Bergstellungen sich zu einem Gegenangriff bereitgestellt hatten, der inzwischen auch eingeleitet worden ist. Die von Sherman-Panzern unterstützten amerikanischen Truppen stießen auf Schinju zu, um den Feind in der tiefen Flanke zu treffen. In dem hügeligen Gelände sind heftige Kämpfe entbrannt. Die Amerikaner eroberten Dörfer zurück.

Im Mittelabschnitt mußte Kumsehon geräumt werden, das noch gestern in die Hauptkampflinie der Amerikaner einbezogen worden war. Die Stadt war zu einem riesigen Flammenmeer geworden. Südwestlich Taiku stoßen Verbände der Nordkoreaner, aus dem Raum Koschang genährt, auf Taiku zu. Taiku nimmt die Zentralstellung der Abwehr im Mittelabschnitt ein.

Fisch statt Fleisch

er. Berlin, 2. August. (Eigener Drahtbericht.) Ein grelles Schlaglicht auf die Versorgung der sowjetisch besetzten Zone wirft eine amtliche Veröffentlichung der Deutschen Demokratischen Republik über Lebensmittelkarten und Rationen. Der Bevölkerung wird darin als eine außerordentliche Erleichterung mitgeteilt, daß vom 1. August an die Lebensmittelkarten im Gebiet der Sowjetzone und Ostberlins einheitlich Gültigkeit hätten und daß Fleisch- und Fettabschnitte nicht mehr bei einem bestimmten Händler vorher angemeldet werden müßten. Für den August wird, wie es in der Erklärung heißt, „wieder der reguläre Plan der Fleischmarkenbelieferung durchgeführt“. Das bedeutet, daß wieder ein Drittel der Fleischmarken mit Fisch beliefert werden und zwar vorwiegend mit Salzheringen, die zum gleichen Gewicht wie Fleisch angerechnet werden.

Mit Steinen und Fahnenstangen

Blutige Zusammenstöße mit der Freien Deutschen Jugend in Hamburg

Drahtbericht unseres Korrespondenten

el. Hamburg, 2. August. In der Nacht zum Mittwoch haben sich in der Hamburger Innenstadt blutige Zusammenstöße zwischen Angehörigen der kommunistischen Freien Deutschen Jugend, und politisch andersdenkenden jugendlichen Bunkerbewohnern ereignet, in Verlauf zahlreiche Personen, zum Teil erheblich, verletzt worden sind.

Nach Angaben der Hamburger Polizei entstanden die Tumulte, als etwa 150 Mitglieder der Freien Deutschen Jugend sich am Hamburger Hauptbahnhof einfanden, um achthundert Kinder, die ihre Ferien in der Sowjetzone verbracht hatten, mit Fahnen und Fanfaren zu empfangen. Die Auseinandersetzungen wurden zunächst in etwa 25 Debattiergruppen mit „geistigen“ Waffen geführt. Bei Einbruch der Dunkelheit sammelten sich rund zwei- bis dreitausend Menschen vor dem Bahnhof, die in ein ohrenbetäubendes Pfeifen und Johlen und m den Gesang von nationalistischen Kampfliedern ausbrachen, als die Gruppen der Freien Deutschen Jugend und der Ferienkinder zusammen mit ihren Eltern auf dem Bahnhofsvorplatz erschienen. Bei dem Versuch, die polizeilichen Absperrketten zu durchbrechen, wurden sieben Personen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und

Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen festgenommen.

Mit eingerollten Fahnen begaben, sich die kommunistischen Jugendlichen dann in Richtung Lombardsbrücke, aber schon an der Kunsthalle hagelte es Steine. Hier wurden sechs Personen abgeführt. Auf der Lombardsbrücke erreichten die Schlägereien ihren Höhepunkt, so daß über hundert Polizeibeamte und die Besatzungen, von sechs Radiostreifenwagen von ihren Polizeiknüppeln Gebrauch machen mußten. Dabei wurden insgesamt sechs Personen verletzt, Fahnen zerrissen und Wimpelstangen zerbrochen. Nach Anlegung von Notverbänden konnten die Verwundeten mit Ausnahme einer Frau aus dem Krankenhaus wieder entlassen werden. ' Nach Mitternacht war die Ruhe soweit wiederhergestellt, daß der größte Teil der Polizisten zurückgezogen werden konnte.

„Notfalls Truppen“

Gegen kommunistische Revolten

Frankfurt, 2. August. (AP.) Ein hoher amerikanischer Beamter hat am Mittwoch erklärt, daß die Amerikaner im Falle von kommunistischen Revolten in Westdeutschland notfalls Truppen einsetzen würden. „Wir drohen nicht damit, aber wir schließen die Möglichkeit eines Einsätze« vor Truppen hicht. aus.“

Dramatische Szenen

an Das Auftreten eines Vertreters der Sowjetrussen hat zu den erwarteten dramatischen Szenen geführt. Die Kaltblütigkeit, mit der Malik seine Position ausnutzte, um zuerst die Abstimmung zu „korrigieren“, dann die Tagesordnung selbstherrlich zu ändern und schließlich noch einen der Mitgliederstaaten gerade des Ueberfalls zu beschuldigen, den seine eigene Regierung angestiftet hat, dies alles mag einen Vorgeschmack davon geben, zu welchen erregenden Auftritten es in dieser Versammlung noch kommen kann. Maliks Verhalten hat aber gleichzeitig wieder deutlich gemacht, wie unnatürlich der ganze Bau des Sicherheitsrates ist.

Im übrigen möchten wir zögern, uns den Ausdruck der Nachrichten-Agenturen zu eigen zu machen, die von einer „Abstimmungsniederlage“ Maliks berichten. Daß er nicht die Mehrheit bekommen würde, war ohnehin klar. Aber es hat eine peinliche Ueberraschung gegeben, als Indien mit Malik zusammen dafür stimmte, das rote China als Mitglied des Sicherheitsrates zuzulassen. Indien ist nicht kommunistisch. Aber es hat in dem ganzen Streit um Korea bisher eine zwiespältige Haltung eingenommen, und sein jüngstes Verhalten ist ein Hinweis auf die Tatsache, die man nüchtern sehen muß: wie leicht nämlich asiatische Völker geneigt sein können, sich gefühlsmäßig zusammenzuschließen und womöglich die Hilfeleistung der Vereinigten Staaten für Südkorea als ein Eingreifen von außen her in asiatische Verhältnisse anzusehen. Diese eine Abstimmung macht deutlich, welchen psychologischen Hemmnissen die Politik Amerikas in Südkorea begegnet.

Die Kampfkraft Nordkoreas

Von unserem militärischen Ostasiensachverständigen

Daß das autoritäre, kommunistische Nordkorea am 25. Juni plötzlich das an Einwohnerzahl ihm doppelt überlegene, aber in sich schwache und uneinheitliche Südkorea überfiel mit dem Zweck, die willkürliche Trennungslinie des 38. Breitengrades auszutilgen und ganz Korea unter der kommunistischen Fahne zu einen, war für die westliche Welt, obwohl sie mit dieser Möglichkeit wohl immer irgendwie gerechnet hatte, eine Ueber raschung.Eine viel größere Ueberraschun^ aber bedeutet der hohe Kampfwert, den die Nordkoreaner selbst amerikanischen Waffen gegenüber gezeigt haben.

D e r r u s s i s c h e E n t s c h 1 u ß

Von Natur sind die Nordkoreaner doch ebensowenig „geborene Soldaten“ wie die Südkoreaner. Ebensowenig wie diese brachten sie aus den rund 35 Jahren japanischer Zwingherrschaft eine eigene militärische Tradition mit; und eine solche bereits selbst zu erwerben, hatte die nordkoreanische Wehrmacht in den rund vier Jahren ihres Bestehens doch noch keine Zeit.

Der erste und wohl entscheidende Grund des großen Wertunterschiedes zwischen der nord- und der südkoreanischen Wehrmacht wird darin liegen, daß die Sowjetunion in der Lage war, den von ihr betreuten nordkoreanischen Truppen nicht nur Berater beizuordnen, wie es ja auch die Amerikaner in Südkorea taten. Sie vermochte darüber hinaus auch, in ausreichender Stärke ausgebildetes, kriegsgeübtes Stammpersonal koreanischer Nationalität und Sprache zu stellen. Seit der Jahrhundertwende waren Koreaner in erheblicher Zahl nach der Mandschurei und nach Sibirien ausgewandert. Die sowjetrussische Volkszählung von 1926 gab die Zahl der in Sibirien unter Wahrung ihrer Sprache in geschlossenen Siedlungen lebenden Koreaner mit fast 90 000 an. Diese Zahl hatte sich durch Geburtenüberschuß und eine nie ganz unterbundene Zuwanderung aus Korea und der koreanisch durchsetzten Süd-Mandschurei bis 1940 laufend vergrößert. Die Koreaner, die im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht in der Roten Armee gedient hatten, wurden im zweiten Weltkriege an der europäischen Front eingesetzt, zum Teil sogar in rein koreanischen Einheiten und unter koreanischen Führern. So standen der in der Verwendung der bei ihr heimisch gewordenen Emigration stets weitsichtigen Sowjetunion militärisch festgefügte, politisch einheitlich ausgerichtete, wertvolle Emigranten-Kadres für die Aufstellung der nordkoreanischen Truppen zur Verfügung. Sie nahmen sich der Aufgabe, eine nordkoreanische Armee aufzustellen, naturgemäß freudig und mit Schwung an.

Daß diese Emigranten-Kadres ihre Begeisterung auch ihren auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht eingezogenen, von Haus aus unkriegerischen Landsleuten vermitteln konnten, verdankten sie nicht zuletzt dem Umstand, daß durch Agrarreform und andere Maßnahmen weite Kreise der nordkoreanischen Bevölkerung für den Kommunismus gewonnen wurden und daß die Sowjetunion neuzeitliche Waffen zur Verfügung stellte. Dazu, kam, daß der nordkoreanischen Armee in Gestalt der Wiedervereinigung Gesamtkoreas unter nordkoreanischer, kommurli¬ ^tischer Führung ein nationalen Schwung auslösendes, nahes Ziel gegeben wurde, für das sich harte Ausbildung und voller Selbsteinsatz lohnten.

Asien den Asiaten

Als dann am 25. Juni die ganze nordkoreanische Wehrmacht ihren Kampfwert zu beweisen hatte, wurden die im Leben jeder Truppe so kritischen ersten Kampftage durch den geglückten Ueberfall, durch das Auftreten von Partisanengruppen und durch die voraufgegangene Einschüchterungspropaganda wesentlich erleichtert. Das den unzureichend bewaffneten und überrumpelten südkoreanischen Verbänden gegenüber sofort gewonnene Ueberlegenheitsgefühl der Nordkoreaner wurde auch beim Zusammentreffen mit ersten amerikanischen Einheiten zunächst nicht erschüttert. Diese, aus reinen Besatzungsaufgaben herausgerissenen und in hoffnungsloser Unterlegenheit auf einem ihnen nicht vertrauten, schwierigen Kriegsschauplatz hastig und vereinzelt eingesetzt, konnten ihren wirklichen Kampfwert nicht sogleich erweisen. Dazu kam, daß die nordkoreanischen Divisionen fast überall mit in Südkorea aufgestellten Freischärlern zusammenarbeiten konnten, und daß sie mit jedem Schritt vorwärts vermehrt die Unterstützung der an der Sache Südkoreas verzweifelnden Bevölkerung fanden: Die Nordkoreaner kämpfen heute in Südkorea praktisch im eigenen Lande, angepeitscht von der Parole „Asien den Asiaten“.

Die schweren Verluste, die die Nordkoreaner ganz zweifellos erlitten haben — amerikanische Stellen sprechen von 18 000 Mann — konnten bisher wohl auch deshalb verhältnismäßig leicht aufgefüllt werden, weil sie nicht, wie bei Südkoreanern und Amerikanern, unter Rückverlegung der Front eintraten: Erschöpfte und selbst Leichtverwundete stehen, da sie ja nicht in Feindeshand fallen, bald wieder zutn Einsatz zur Verfügung. Dazu kommt, daß die autoritäre nordkoreanische Regierung sicher nicht nur die Wehrkraft ihres Landes, sondern mindestens auch die Arbeitskraft der gewonnenen südkoreanischen Gebiete restlos ausschöpft. Sie mag sich außerdem wohl auch eines Freiwilligen-Zustromes von außen erfreuen, zum Beispiel aus der Mandschurei, in deren Süden Koreaner in erheblicher Zahl leben (1931 mehr als 180 000). *

Aus dem Lande leben

Aehnlich Günstiges gilt auf materiellem Gebiet: Die länger werdenden Nachschubwege haben trotz ihrer .starken Luftbedrohung der nordkoreanischen Führung bisher anscheinend noch keine Fesseln auf gezwungen: Der nordkoreanische Soldat lebt aus dem Lande, braucht also keinen Verpflegungsnachschub. Bei seinen raschen Geländegewinnen werden ihm zusätzliche Transportmittel und Betriebsstoff zugefallen sein, ganz abgesehen davon, daß er auch die südkoreanische Bevölkerung in die Transportaufgäbe einspannen kann. Stehengebliebene Panzer und Kraftfahrzeuge, beschädigte Geschütze gehen, so lange die Front sich vorwärts bewegt, nicht verloren, sondern können hergestellt und wieder eingereiht werden. Außerdem können liegengebliebene Beutewaffen deshalb ausgenutzt werden, weil die nordkoreanische wie die südkoreanische Armee in gleicher Weise zum Teil mit japanischen Waffen ausgestattet sind. Dazu kommt, daß sowohl der chinesische wie der mandschurische Nachbar, besonders aber die Sowjetunion selbst, reichlich mit Waffen und anderem Kriegsmaterial aushelfen dürften. Wie anders ist die TASS-Meldung zu verstehen, daß die nordkoreanische Bevölkerung willig ihre Ersparnisse einsetzt, um Kampfwagen, Flugzeuge und Schiffe zu kaufen? In Nordkorea selbst kann das ja wohl nicht geschehen.

„Bund deutfcher lungend“

Frankfurt, 2. August. Der kürzlich gegründete „Bund deutscher Jugend“ mit dem Sitz in Frankfurt hat sich zur Aufgabe gesetzt, alle Jugendorganisationen, die die Diktatur ablehnen und vor allem alle nichtorganisierten Jugendlichen zu erfassen, um ein starkes Gegengewicht gegen die Freie Deutsche Jugend zu bilden. Zum Ersten Vorsitzenden des Bundes wurde Heinz Schipplack, ein Heimatvertriebener aus Stettin und ehemaliger Offizier gewählt. In Frankfurt, München, Stuttgart. Mannheim, Hannover, Hamburg, Essen, Köln und in einigen westdeutschen Mittelstädten haben sich bereits örtliche Vereinigungen des Bundes konstituiert. Er will überparteilich sein, jedoch starke Stellung gegen den Kommunismus beziehen. Als erste große Aufgabe empfindet es der Bund als Ehrenpflicht, ein Jugendhilfswerk Ost

Vollendete Tatsachen

-1. Der unbeirrbare Optimismus der amerikanischen Strategen steht scheinbar in offenem Gegensatz zu dem Verlauf der Operationen in Korea. Noch ist die Kette der Rückzüge vor den andrängenden Kommunisten nicht abgerissen. Fast unvermindert hält der Druck der Nordkoreaner auf die amerikanischen Abwehrstellungen trotz empfindlicher Verluste an. .Der Raum des Brückenkopfes um Pusan verengert sich von Tag zu Tag, so daß die Frage berechtigt ist, ob es den Amerikanern überhaupt gelingen wird, den Brückenkopf zu halten. Es ist ein heißes Ringen um die Zeit. Die Kommunisten erstreben eine schnelle Entscheidung, bevor die in Aussicht genommenen Verstärkungen der Gegenseite zum vollen Einsatz und zur Entfaltung kommen können.

Ohne den Rückhalt, den die kommunistischen Angreifer auf bolschewistischer Seite haben, findet man schwerlich eine Erklärung für die Siegeshoffnungen der Nordkoreaner. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die russischen Lenker dieses Angriffs auf Südkorea vollendete Tatsachen schaffen wollen, bevor sie sich auf eine Debatte mit den Mitgliedern des Sicherheitsrates einlassen. Sie wollen damit eine diplomatische Auseinandersetzung erschweren oder gar unmöglich machen, zumal wenn auch Rotchina als Mitglied der Vereinten Nationen mit dem Gewicht seiner Stimme das Schicksal Koreas nachträglich „berichtigen“ könnte.

Was ist besser?

Wr. Die altüberlieferte, renommierte und mit dem Schimmer der Großartigkeit umflirrte „Große Woche“ in Baden-Baden fällt in diesem Jahre aus. Oberbürgermeister Schlapper hat in der letzten Stadtratssitzung mitgeteilt, der erforderliche Zuschuß der Stadtverwaltung in Höhe von 100 000 Mark könne nicht aufgebracht werden: also ziehe man die Folgerungen daraus. Fernerstehende werden sich kaum vorstellen können, was die „Große Woche“ für Baden-Baden, genauer: für seine Gewerbesteuerpflichtigen, für die Hotels, Gaststätten und Besitzer von Ladengeschäften jeweils bedeutet hat. Nicht gerade, daß sie davon lebten; aber das Erträgnis dieser Woche bedeutete für sie jeweils die Butter auf dem Brot. Die betroffenen Kreise der, Steuerzahler werden erschüttert und erbittert sein; sie werden aufhören, den Magistrat zu lieben.

Die Bonner Bundesregierung und mit ihr die Bundesrepublik hätten gegenüber dem Magistrat von Baden-Baden eine hochamtliche Dankespflicht: Dieser Verzicht, so erzwungen er auch ist, bedeutet eine moralische Werbung für uns. Er zeigt und beweist, weithin sichtbar, wie es in Wirklichkeit mit uns steht: Daß ungeachtet aller Marshall- und Europa-Hilfe unsere deutschen Städte und Gemeinden von der Hand in den Mund leben müssen, — dermaßen, daß sie selbst durch die zwingende Rücksicht auf die Erträgnisse der Gewerbesteuer nicht imstande sind, ;den Steuerpflichtigen durch Unterstützung von öffentlichen Veranstaltungen zur Erzielung höherer Steuererträge behilflich zu sein.

Dollars für Spanien

AW. Der amerikanische Senat hat mit überwältigender Mehrheit sich für eine Anleihe von hundert Millionen Dollar für Spanien ausgesprochen, die von der Export-Import-Bank zur Verfügung gestellt werden soll. Endlich scheint es den Bemühungen der einflußreichen Freunde Spaniens in den Vereinigten Staaten gelungen zu sein, das Land, wenn auch nicht von der politischen, so doch wenigsten« von der wirtschaftlichen Quarantäne zu befreien. Die Gewährung der Anleihe dürfte, wenn das Repräsentantenhaus auch zustimmt, vor allem ein Erfolg des Senators Connally sein, der seit jeher der Sprecher für Spanien im Senat war. Er verlangte immer, daß man Spanien teilnehmen lassen solle an der Entwicklung zum Wohlstand.

Noch vor wenigen Wochen war dem gleichen Verlangen nicht nachgegeben worden. Die Ereignisse in Korea jedoch haben die letzten Wolken der Ressentiments wie im Sturmwind vom politischen Himmel Washingtons gefegt. Die Tatsache, daß Amerika praktisch allein im Fernen Osten gegen den Weltkommunismus kämpft, hat zahlreiche Bedenken zurücktreten und die Notwendigkeit klarer zutage treten lassen, daß die Vereinigten Staaten alle nichtkommunistischen Völker sammeln müßten.

Spanien braucht das Geld dringend. Die Dollars werden seine Industrie beleben und den Lebensstandard des Volkes heben. Die Dollars werden aber auch ein politisches Kuriosum beseitigen. Bisher hatte der Westen praktisch durch seine Zurückhaltung den Mangel in Spanien zugelassen und die Bevölkerung bestraft, weil sie von einem nach westlichen Begriffen totalitären Regime regiert wird. Andererseits hatte aber gerade diese Regierung die gradlinigste antikommunistische Vergangenheit und war damit der beste Partner im Kampf gegen die Weltrevolution.

Der Bund als Arbeitgeber

für deutsche Besatzungsbeschäftigte

k. Frankfurt, 2. August. Zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft und dem Bundesfinanzministerium ist ein Tarifvertrag abgeschlossen worden, wonach der Bund künftig als Arbeitgeber für alle bei den drei Besatzungsmächten beschäftigten deutschen Angestellten und Arbeiter auftreten soll. Eine abschließende alliierte Stellungnahme und Genehmigung des Tarifvertrages ist in Kürze zu erwarten. Von dieser Maßnahme werden 100 000 Angestellte und 300 000 Arbeiter betroffen, die bisher außerhalb des deutschen Arbeitsrechtes gestanden haben.

keine ?

Erstaunen in Bonn über alliierte Aeußerungen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 2. August. Aeußerungen aus Kreisen der amerikanischen Oberkommission in Frankfurt, daß die Außenministerkonferenz im September nur eine grundsätzliche Erklärung über die Beziehungen der Westmächte zu der Bundesrepublik bringen und die praktische Revision des Besatzungsstatuts erst im nächsten Jahre zu erwarten sein werde, haben in den Bonner politischen Kreisen starkes Befremden erregt. Zwar hat Vizekanzler Blücher selbst mitgeteilt, daß augenblicklich anscheinend bei den Expertenbesprechungen über die Revision eine gewisse Lustlosigkeit herrsche, aber er hat der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß diese Vorarbeiten für die Revision dann vor der Konferenz der Außenminister in beschleunigtem Tempo vorangetrieben würden.

Es würde in den Regierungskreisen und in den parlamentarischen Kreisen in Bonn nicht verstanden werden, wenn nun auf einmal der späteste Zeitpunkt der Revision genommen würde. Die Revision ist frühestens ein Jahr, spätestens achtzehn Monate nach dem Inkrafttreten des Besatzungsstatuts vorgesehen. Seit dem Petersbergabkommen aber ist stets von dieser Revision nach einem Jahr, also im Herbst, gesprochen worden. Man erinnert in Bonn daran, daß der Bundeskanzler damals ausdrücklich die Erklärung erhalten habe, daß nunmehr die Beziehungen bis zum Herbst geregelt seien, und niemals sei in der vergangenen Zeit von etwas anderem als von der Revision auf der Außenministerkonferenz im September gesprochen worden. Die deutschen Kreise haben sich, wie an dieser Stelle schon dargelegt worden ist, keine übertriebenen Hoffnungen über den Inhalt der Revision gemacht, aber sie können nicht glauben, daß nun sogar der Termin verschoben werden soll. Der Wert „grundsätzlicher Erklärungen“ wird nicht verkannt. Aber es hat sich gezeigt, daß das Entscheidende die Praxis ist. und es würde in Bonn nicht verstanden werden können, wenn die Antwort auf Korea für die Bundesrepublik eine Verzögerung der Revision des Besatzungsstatuts würde.

Angriffe gegen Gründgens

Berlin, 2. August, (dpa) Das Blatt der Christlich - Demokratischen Jugend in West-Berlin „Der Tag“ bezeichnet ein Gastspiel des „Berliner Ensembles“ (Sowjetsektor) mit dem Ehepaar Bert Brecht - Helene Weigel in Düsseldorf als getarnte kommunistische Propaganda und richtet in diesem Zusammenhang scharfe Angriffe gegen den Düsseldorfer Generalintendanten Gustaf Gründgens. Es wird gesagt, die Anziehungskraft des Zyklus habe nidft ausgereicht, um das Düsseldorfer Opernhaus auf normale Weise zu füllen, so habe man kommunistische Organisationen in den Zuschauerraum gestopft. „Der Tag“ erinnert an die Ablehnung eines West-Berliner Angebots an Gustav Gründgens vor einigen Monaten und erklärt, daß Gründgens stattdessen als souveräner Herr der Düsseldorfer Bühnen das ostsektorale „Berliner Ensemble“ nach Düsseldorf geholt und die ihm anvertraute führende Bühne Westdeutschlands der Propaganda der Sozialistischen Einheitspartei geöffnet habe.

Bundespräsident Theodor Heuss ist von seinem Urlaub aus Aschau am Chiemsee nach Bonn zurückgekehrt.

Wer bezahlt die Manöverschäden?

Aufgewühlte Straßen und zerstörte Felder in der Lüneburger Heide

Drahtbericht unseres Korrespondenten

el. Hamburg, 2. August. Die diesjährigen Sommermanöver der britischen, dänischen und norwegischen Besatzungsmächte in der Lüneburger Heide sind beendet. Ein Blick über den „Kampfschauplatz“ vermochte uns davon zu überzeugen, daß auf viele Kilometer die Straßen beinahe unpassierbar geworden sind. Um ein möglichst wirklichkeitsnahes Manöverbild zu schaffen, tobten die „Kämpfe“ zum Teil in noch nicht'abgeernteten Kornfeldern. Auch Kartoffeläcker sind schwer mitgenommen. Die größten Schäden entstanden durch den Einsatz eines neuartigen Panzerstellungsgerätes, das, mit riesigen Schaufeln ausgerüstet, in kürzester Zeit Deckungslöcher für Tanks ausheben kann. Siebzig Kubikmeter Erde sind auf diese Art einem Bauern bei Soltau verlorengegangen. Das heißt, daß zwanzig Arbeits- und zehn Pferdetagewerke erforderlich sein werden, um den Schaden zu beheben. Und das ist kein Einzelfall.

Im allgemeinen ist die Unzufriedenheit unter den Landwirten über die auf ihrem Boden angerichteten Verwüstungen gering. Sie beruhigen sich damit, daß sie vollwertig in deutscher Mark entschädigt werden. Anerkennenswert ist, daß in allen Jungpflanzenschonungen von den Engländern Tafeln mit der Aufschrift „Warning! Tree nurseries, please avoid if possible“, angebracht worden sind. Aber nicht immer war es „possible“, bei einem „Gegenstoß“ gegen „feindliche Vorhuten“ um die oft ausgedehnten Anpflanzungen herumzufahren.

Angesichts dieser bedauerlichen Tatsachen erhebt sich die Frage, zu wessen Lasten die Wiedergutmachung gehen soll. Da die Kommissionen, denen die Schadensfeststellung obliegt, von den zuständigen deutschen Behörden gebildet worden sind, liegt der Schluß nahe, daß die Beseitigung der Schäden über das Konto Besatzungskosten geht. Aber ganz abgesehen davon: die Naturschönheiten, welche die Lüneburger Heide zu einer Kostbarkeit der norddeutschen Landschaft machten, sind nicht zu ersetzen. Grün war die Heide. Im Manövergebiet blüht die „Erika“ nicht mehr. Panzerketten haben sie zermalmt und die Heide zerfurcht.

Arbeitseinheiten mit Gewehren

Eine amerikanische Umorganisation / 16 000 Deutsche eingereiht

Frankfurt, 2. August, (dpa) Der Leiter der Operationsabteilung im Presse- und Informationsbüro beim Chef der amerikanischen Streitkräfte in Europa, Oberstleutnant Norman E. Sprowl, hat bekanntgegeben, daß die bisherige Industriepolizei im amerikanischen Besatzungsgebiet mit den „Labour Service Companies“ (Arbeitskompanien) zusammengelegt werde. Die neue Organisation solle unter dem Namen „Labour Service Units“ (Arbeitseinheiten) geführt werden. Sie bestehe aus 26 000 Angehörigen verschiedener europäischer Nationen, darunter etwa 16 000 Deutschen.

Alle Bediensteten der Arbeitseinheiten unterstehen nach Sprowls Mitteilung dem Hauptquartier der amerikanischen Armee in Europa. Sie sollen aus Zweckmäßigkeits- und Rentabilitätsgründen kaserniert und im Gebrauch von Karabinern geschult werden. Eine Ausbildung an anderen Waffen soll gegenwärtig nicht geplant sein. Alle Abteilungen der Arbeitseinheiten werden wie bisher neben einem deutschen Vorgesetzten einen amerikanischen Offizier als obersten zuständigen Leiter haben.

Sprowl betonte, daß die Arbeitseinheiten nicht im praktischen Militärdienst verwandt oder auch nur geschult würden. Sie hätten vielnjphr die Aufgabe, Materiallager, Flughäfen, Brücken, Parkplätze, Manöverplätze, amerikanische Dienststellen und ähnliches zu bewachen.

Zuständige Kreise des amerikanischen Hauptquartiers erklärten dazu, daß diese Neuordnung bei der Reorganisation der amerikanischen Armee in Europa notwendig sei. Die amerikanischen Truppen in Europa würden in der nächsten Zeit von ihrer Schreibtischtätigkeit und dem theoretischen Dienst abgezogen und praktisches Kampftraining erhalten. Das sei auch ein Grund für die über amerikanische Truppen in Europa vom 1. September an verhängte Urlaubssperre und Dienstzeitverlängerung.

Paris wünscht sichtbare Ergebnisse

Französische Vorschläge zu den Londoner Verteidigungsbesprechungen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

P. M. Paris, 2. August. Es liegen günstige Anzeichen vor, daß die Londoner militärischen Besprechungen vielleicht jetzt schon zu Beschlüssen gelangen, die die Beunruhigung der Öffentlichkeit Westeuropas einigermaßen beschwichtigen könnten. Besonders für die französische Moral wäre eine Herausstellung von zielgebenden Aufgaben eine unmittelbare Ermunterung. Die Fortsetzung dieser Konferenz steht jedenfalls im Augenblick im Mittelpunkt des Interesses der französischen Diplomaten und Politiker. Frankreich hofft auf Grund seiner Vorschläge zur Vergemeinschaftlichung der Finanzierungsmittel, die für die westeuropäische Verteidigung verwendet werden sollen, die Londonar Konferenz jetzt schon in die Lage zu versetzen, Beschlüsse von unmittelbarem praktischem Wert zu fassen.

Der französische Ministerrat hat sich am Mittwoch in der Hauptsache mit der Zustimmung zu dieser These der Vergemeinschaftlichung befaßt, die von Kriegsminister Moch, dem Außenminister Schuman und dem Finanzminister Petsche ausgegeben wurde. Petsche und Moch werden sich auch nach London begeben, um dort mit den auf besonderen Wunsch der Stellvertreter eingetroffenen Mitgliedern des Washingtoner ständigen Dreier-Militärkomitees diese Fragen zu besprechen. Nachdem man in Paris mit

einiger Enttäuschung die bisherigen Ergebnisse der Londoner Beratungen festgestellt hat, will man, schon um der gefährlichen Teilnahmslosigkeit im Lande selbst begegnen zu können, zu sichtbareren Ergebnissen kommen als bisher.

In Paris nimmt man an, daß es zunächst zu einer Erweiterung des militärischen Dreier-Komitees von Washington auf sämtliche Länder des Atlantikpaktes und dann zur Verlegung dieses Komitees nach London kommen werde. Zweck dieser Erweiterung soll die Unterordnung des europäischen Industriepotentials unter die militärischen Gesichtspunkte der Atlantikverteidigung sein. Wenn die neuen Besprechungen mit den amerikanischen Militärs, Diplomaten und Finanzleuten des Atlantikpaktes so günstig verlaufen, wie man das in Paris erhofft, könnte es sehr schnell zur Schaffung eines einzigen westlichen Oberkommandos kommen. Die französische Regierung wird ihre Bereitschaft dazu anbieten, wenn ihre These von der Vergemeinschaftlichung der Rüstungsfinanzierung, die bisher bei den Engländern auf Widerstand stieß, angenommen wird. Der geplanten Bildung eines westlichen Oberkommandos soll ein Stab von Wirtschaftlern und Finanzleuten beigegeben werden, der die westeuropäische Wirtschaft bei der kommenden grundlegenden Veränderung ihrer Struktur richtunggebend zu überwachen hätte.

Stabilität der Lebenslage

Die Besprechungen Blüchers mit Interessenverbänden

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R Bonn, 2. August. Die große Besprechung des Vizekanzlers Blücher mit den Vertretern der Gewerkschaften, der Landwirtschaft, der Wirtschaft und des Handels am Mittwoch setzt die Bemühungen der Regierung fort, durch Verständigung von Erzeugern und Verbrauchern untereinander eine Stabilität der Lebenslage wiederherzustellen und zu sichern. In dieser Hinsicht ist eine Initiative der Regierung zu verzeichnen, nachdem ihr in der letzten Zeit oft der Vorwurf des Treibenlassens gemgeht worden war. Diese Haltung hat aber dazu

geführt, daß zunächst die Landwirtschaft und dann im Gegenzug die Gewerkschaften sehr aktiv geworden sind, und ein Ausgleich zwischen diesen beiden Polen, wirtschaftlich gesprochen zwischen Export und Agrarschutz, zwischen Liberalisierung und Landwirtschaft, ist die Kernfrage aller Konferenzen der vergangenen Tage geworden.

„Wir müssen Formosa befreien“

San Franzisko, 2. August (AP.) Der Oberbefehlshaber der Roten Armee Chinas, General Tschu The, hat in seiner Rede über den Sender Peking erklärt, die chinesischen Kommunisten seien entschlossen, Formosa zu erobern. Der Befehl des Präsidenten Truman an die Siebente Flotte, Formosa zu schützen, sei ein Akt der Aggression: „Unser Befreiungskrieg ist noch nicht zu Ende. Wir müssen noch Formosa und Tibet befreien.".

Marschall Tschiang Kai-schek hat bekanntgegeben, daß er mit General Mac-Arthur ein Einvernehmen über die Verteidigung Formosas erzielt habe: „Jetzt können wir wieder eng mit unserem alten Waffenbruder General Mac Arthur zusammenarbeiten.“

Sturmglocken gegen das Wohnungsamt

Hof, 2. August, (dpa) An einen Hilferuf in wilden Kriegsläuften des Mittelalters erinnerte die Handluhgsweise der Frau des Gemeindedieners von Köditz bei Hof (Bayern), die mit vier anderen Einwohnern der Gemeinde vor Gericht stand. Im Mai des vergangenen Jahres sollte die Familie des Gemeindedieners zwangsweise aus einer Wohnung entfernt werden, die sie zwar mit Zustimmung des Gemeinderats, aber gegen den Willen des Kreiswohnungsamtes bezogen hatte. Kurz entschlossen lief die Frau zur Kirche und läutete die Glocken, als die mit der Zwangsräumung beauftragten Beamten erschienen. Mit diesem Alarmgerät rief sie rund zweihundert Dorfbewohner herbei, die gegen die Beamten eine drohende Haltung einnahmen. Der Staatsanwalt wollte die fünf Hauptbeteiligten an dem „Aufruhr“ für sieben bis acht Monate ins Gefängnis schicken, das Gericht erkannte aber an, daß den Angeklagten jede aufrührische Absicht ferngelegen habe und sprach sie frei. Das Glockenläuten sei tatsächlich „Notwehr" gewesen.

12 000 Kronen gefischt

hr. Flensburg. Aus einem Fluß in der Nähe von Malmö haben Jugendliche einen Geldschrank gefischt. Als die Polizei diesen näher untersuchte, stellt sich heraus, daß er einer Bahnstation gehörte, der er vor drei Jahren geraubt wurde.’ In dem Schrank lagen noch die 12 000 Kronen, die zur Zeit des Einbruchs darin aufbewahrt wurden.

Nach 50 Jahren wiedergefunden

hr. Stade. Einen goldenen Ring, den sie kurz nach ihrer Verlobung im Garten verloren hatte, fand eine Witwe aus Himmelpforten jetzt hach mehr als 50 Jahren bei Gartenarbeiten wieder.

Stalinpreise sind an vier deutsche Ingenieure der Sowjetzone ausgehändigt worden.

Stimmen der Anderen

Niemandsland

Der Pariser „Mond e“ schreibt:

„Reisende aus Spanien bestätigen, was man schon in den Zeitungen lesen konnte: Unsere Nach’ arn im Süden sind eifrig dabei, die militärischen Verteidigungsanlagen in den Pyrenäenpässen zu verstärken.

Wenn jemand vor mir steht und auf einmal eine schützende Gebärde macht, ohne daß i.h ihn im geringsten herausgefordert hätte, dann ist es mein erstes, mich umzudrehen um zu sehen, welche unsichtbare Drohung ihn zu seiner Geste veranlaßt hat.

Im Falle Spanien braucht man sich nicht lange umzuschauen, um jenseits der französischen Lande, der schwäbischen Höhen und der baltischen Ebenen den Stern herauszufinden, der von der Spitze des Kremls schimmert.

In kluger Voraussicht setzt man uns eine feste Verschanzung gegen die gefürchtete Invasion dorthin. Was 1940 die letzte Verteidigungslinie war, ist heute eine vorgeschobene Stellung. Die Maginot-Linie ist zurückgerückt bis an die Pyrenäen.

Das Uebel ist, daß wir uns im Glacis befinden. Und das ist ein etwas ungesunder Ort. Im Kriege kommen dorthin die von vornherein aufgegebenen Truppen, deren Aufgabe es ist, um Zeit zu gewinnen Widerstand zu leisten bis zum Tode. Man kann noch von Glück sagen, wenn ihr Op'ir nicht vergebens ist und wenn die Hauptfestung nicht gleich anfangs genommen wird.

In Friedenszeiten nennt man dieses Glacis die Zone. ' "an duldet zwar den Bewohner dort, jedo h auf seine Gefahr und Kosten. Er kann mit dem, was er hat, sich eine Notbehausung errichten und sie nach besten Kräften verschönern: Selbst wenn er das Glück hat zu überleben, ist sein Werk von vornherein zur Zerstörung verurteilt.

Denn es ist das Schicksal des no man’s land, ‘ ” man es nicht x rtei^Lgen kann, ohne es preiszugebe’", es nicht erobern kann, ohne es zu zerstören, es nicht befreien kann, ohne e- “lüg zu vernichter

Wie gehabt

Der Berliner „Kurie r“ bringt folgende Auszüge aus dem Tagebuch des „Vorwärts“ über den Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei:

„20. Juli: Ueber sechs Stunden spricht Genosse Pieck seinen gewaltigen Bericht . . . wieder und wieder Beifallsstürme . . . und als er schließt, umbraust orkanartiger Beifall . . .

21. Juli: Heute gilt der Jubel dem Genossen Suslow. Herrlich klingt es . . . Der mächtige Gesang der Internationale erschüttert die Halle . . . Das Auditorium billigt stehend und beifallspendend . . . Genosse Cyrankiewicz . . . kann seine Sätze nicht beenden . . . gehen in donnerndem Beifall und Zurufen und Händeklatschen unter . . . brausender Beifall grüßt Wang Chia Hsiang . . . brausender Beifall . . . Volkspolizei . . .

22. Juli: Historisches Datum . . . dröhnt die große Halle von den Rufen: Pieck — Thorez.

23. Juli: . . . spricht Harry Pollitt . . . warten nicht auf die Uebersetzung seiner Rede . . . unterbrechen mit brausendem Beifall . . .

Und dann marschieren . . . eine Schalmeienkapelle . . . über tausend junge Pioniere . . . Blumensträuße . . . Jetzt kennt der Jubel keine Grenzen; die Delegierten springen auf die Tische, heben die jüngsten Friedenskämpfer hoch. Genossen Suslow, Duclos heben Pioniere auf den Präsidiumstisch, umarmen sie . . . die Rede ihrer kleinen Sprecherin geht in Hochrufen und begeistert gerufenen Losungen unter ... der Saal ein Meer wehender blauer Tücher, von Blumensträußen und Fahnen ... wenig später orkanartiger Beifall . . . und im Rauschen der Zustimmung wird ein neues festes Band internationaler Solidarität geknüpft.“

Keine Taruunng

Die „Schwäbische Zeitung“ schreibt:

„Die Ueberzeugung war allgemein, daß es höchste Lust des Deutschen sei, in einer Uniform strammstehen zu dürfen und sich von einem Feldwebeltypus anschnauzen zu lassen. Daher dürfte sich jetzt die Enttäuschung auf der anderen Seite einstellen, wenn es sich ergibt, daß die Abneigung unserer Jugend gegen zackige Pseudomännlichkeit keine raffinierte Tarnung, sondern durchaus ehrlich ist. Kein Volk läßt sich jahrzehntelang vorwerfen, es sei milita¬ «shsch und nur darauf aus, seine Nachbarn zu überfallen, ohne zuweilen in einem historischen Atlas zu blättern und nachzusehen, Zlhv-»™ e’Sentlich die Grenzen gedeSjedenfalls ist seit dem Wiener Kongreß ständig kleiner gederhen’ivrDle ,VerärSerung, so verständlich sie bei Menschen ist, die ihren Vorurteilen Zh Vr’r habSn als den Tatsachen, wird sich natürlich gegen uns richten. Auf ein-SZh sagen> wollen die Deutschen wontn Soldaten seinJ daß sie es niemals wird man h'info!ge’ihrer Lage mußten, ding Tuf"rtK S Wegen der ^utzanwenkennt la JGegenwart zugeben. Wer aner¬ /.P4’ daß die Erfahrungen der vorläufig letzten beiden Kriege den Spaß am Sade! daT^Vde^“ spielt damh San X Da* haben die anderen untdnauäenoch^eb^ran’ Ja,ta Und DeutsXTmS^

Keine Mitbestimmungsgesprãche

Stel?”"’ dec Ar^I^' fdpa^ Zuständige haben erklärt esarbeitsrninisteriums toden Nacwchtcn™^ Gespräche zwischen den * und dem Arbeitsminister über das^ Mit” bestimmungsrecht der M 4 erwarten seien Der hmer 211

Darmstadt und Umgebung

Der Amatenrpazifist

Tom. Sje trainierten für ein Seifen- ^Uf einer abschüssigen Straße, am Rande der Stadt. Vielleicht erprobten sie ein neues Fabrikationsgeheimnis, das ihnen nächstens besser zum Zuge verhelfen soll. Die Knirpse hockten jedenfalls hinter dem Steuer, als seien sie bei Stuck oder Brauchitsch in die Schule gegangen. Dann aber kam, was bei solchen Gelegenheiten nicht auszubleiben pflegt. Zwei der jungen Rennfahrer karambolierten.

Es vollzog sich ziemlich schnell, aus hellem und heiterem Himmel. Daß die eine Seifenkiste „Blitz“ hieß, das war für den Zusammenstoß ohne tiefere Bedeutung. Von Bedeutung waren nur die Schäden. Es riß dem einen den Bremsknüpoel weg, während der Konkurrent ein ähnliches corpus delicti in der bebenden Hand hielt.

Aber das Beben der Hand übertrug sich auch auf Hirn und Herz der beiden Zusammenstößler. Und da jeder in dem andern den Schuldigen sah, gingen sie also aufeinander los. Die zwei Knüppel in ihren Händen erhöhten den schon gesteigerten Kampfgeist.

In diesem Augenblick stellte sich der eine Knirps breitspurig hin und zog ein verächtliches Gesicht: „Mit dem Knüppel, du Feigling, mit dem Knüppel?“ Das traf den andern natürlich schlimmer als ein Schlag mit dem Knüppel, zumal sich so viele Zuschauer angesammelt hatten.

So legte er denn seinen Knüppel als erster hin. Kaum aber war dies geschehn, faßte der andere blitzartig seinen Knüppel wieder und schlug ihn dem Gegner über den Schopf, daß dem die Gelenke wie aus Gummi wurden. Es war ein ausgewachsener k. o„ der ihm in die Glieder fuhr und der ihn erst erwachen ließ, als der andere schon aus dem Staube war.

Die Zuschauer halfen dem zu Boden gegangenen Kämpfer auf die Beine, aber es blieb doch die Frage, ob nicht zwischen den Knüppeln der Kleinen und den Kanonen vr Großen eine unsichtbare Verbindung bestehe.

Semesterbeginn

der Werkkunstsdiule Darmstadt

Das Wintersemester der Werkkunstschule Darmstadt beginnt am 2. Oktober 1950. Anmeldungen sind mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften über Schul- und Berufsausbildung an das Sekretariat im Hochzeitsturm zu richten. Sprechstunden täglich von B—l 2 Uhr.

Die Werkkunstschule Darmstadt vermittelt neben der handwerklichen Ausbildung, die in Händen von bewährten Fachkräften liegt, auch eine formalkünstlerische Schulung, die das Ziel hat, S zusammen mit der handwerklichen Aus-C bildung tüchtige Kunsthandwerker her-F anzubilden. Neben der künstlerischen y Durchbildung soll dem Schüler in den handwerklichen Ausbildungszweigen Gelegenheit zur Ablegung der Gesellen- und Meisterprüfung gegeben werden.

Tag der Heimat

Auch in Darmstadt wird der „Tag der Heimat“, jener Tag von Potsdam, wo vor 5 Jahren über das Schicksal der Ostvertriebenen entschieden wurde, am Sonntag, 6. August 1950, in der Gaststätte zum „Heiligen Kreuz“- in einer feierlichen und denkwürdigen Form begangen. Veranstalter ist die Notgemeinschaft Heimatvertriebener Ost- und Westpreußens. Um 15 Uhr tagen die Ost- und Westpreußen. Auf der Tagesordnung steht die Wahl der Heimatkreisvertretcr. Ab 16 Uhr findet für alle Heimatvertriebenen und einheimische Gäste die Gedenk- und Feierstunde unter Mitwirkung der Jugendgruppe sta'tt. Zum Vortrag kommt das Thema „5 Jahre Potsdam, Menschen ohne Menschenrechte.“

Nach dem offiziellen Teil schließt sich ein gemütliches Beisammensein an. Heimatlieder, Gedichte, Laienspiel und Volkstänze sollen dabei gebracht werden. Zu der Veranstaltung hat jeder freien Zutritt.

Der hessische Rundfunk wird am Abend des 6. August 1950, in der Zeit von 20 bis 21.15 Uhr, eine Heimatsendung für alle Landsmannschaften unter dem Titel „Teure Heimat, sei gegrüßt“ bringen. Außerdem wird die „Rundschau aus dem Hessenlande“ über die Kundgebung auf dem historischen Römerberg zu Frankfurt (M) berichten.

Hprechzeiten beim Regierungspräsidenten

Der Regierungspräsident in Darmstadt weist darauf hin, daß die Sprechstunden bei allen Abteilungen seiner Behörde auf Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9—12 Uhr festgesetzt sind. Die Einhaltung dieser Sprechzeiten ist aus dienstlichen Gründen erforderlich. Besucher, die zu anderen Zeiten vorsprechen, laufen Gefahr, nicht vorgelassen zu werden.

Bundesbahn transportiert von Haus zu Hauns

Vorführung neuer Transportmittel in Darmstadt

„Wenn die Bahn auf die Idee kommt, im großen Stil den Leuten Baumaterialien mit ihren neuen Behältern auf die Baustellen zu fahren, dann können wir einpacken“, sagten neulich einige maßgebliche Vertreter des Güternahverkehrs bei einer Versammlung in Darmstadt. Die Bundesbahn kam auf die Idee!

Gestern morgen versammelten sich, begrüßt von Reichsbahnrat Ebenau, Frankfurt, und Amtmann Gier er, Darmstadt, eine größere Anzahl von Vertretern interessierter Firmen und der Presse auf dem Güterbahnhof Darmstadt, um einer Vorführung der neuen „Hauszu-Haus“-Transportbehälter der Bundesbahn beizuwohnen. In einem Sonderzug, der seit dem 12. Juli die wichtigsten - Städte Süddeutschlands besucht, waren £die verschiedenen Typen zusammenge¬ ^stellt, die besonders bei jenen Firmen der v .verladenden Wirtschaft“ großes Interesse finden, die nicht den Vorteil eines eigenen Eisenbahn-Anschlußgleises besitzen. Als ^Vorbild diente der Bundesbahn eine ähnnr

liehe, von der niederländischen Bahn eingeführte Transport-Organisation, die sich gleichfalls des Großbehälterverfahrens bedient.


Mit Schüttgut beladene, offene Behälter können am Bestimmunysplatz durch Kippen geleert werden.
Mit Schüttgut beladene, offene Behälter können am Bestimmunysplatz durch Kippen geleert werden.

Neue Großbehälter für fünf Tonnen

Als bemerkenswerte Neuerung wurden die metallenen Großbehälter vbrgefuhr , die spezielle Schienenfahrzeuge und besondere Straßentransportwagen erfordern. Auf einem Spezial-Güterwagen sind drei dieser 5-Tonnen-Behälter auf Querschienen festgezurrt. Dadurch erfolgt eine Dreiteilung des Güterwagens in räumlicher und lastenmäßiger Beziehung und auch Verlader kleinerer Gütermengen können e sich den Vorteil des billigen Guterwagen-Transports zunutze machen. Beide Groß poehälterarten, der geschlossene und der k ffene Typ, sind in geschweißter Stahl kichtbauweise ausgeführt, laufen auf die llen und haben an beiden Stawariden Wocren in Größe der gsamten Wand. Die eineschlossenen Großbehälter, vor a em finahüttgut aller Art gedacht und sind vom denraßentransportwagen aus leicl“ * tretppen. Sie können mit einer Plane abge deckt werden, wodurch das Gut gegen Nässe und Diebstahl geschützt ist. Die geschlossenen Behälter, vor allem für Stapelgüter geeignet, haben an beiden Stirnwänden zwei obere Türflügel und eine herablaßbare untere Klappe, die gleichzeitig als Anfahrrampe für Sackkarren und so weiter dient.

Einfach für Verlader und Empfänger

Zum Beladen der Behälter werden diese mit dem Spezial-Straßenfahrzeug zum Verlader gefahren und können unter wesentlicher Einsparung von Verpackungsmaterial beladen und geschlossen werden. Der Transport zum Güterbahnhof er-

folgt zur. vereinbarten Zeit gleichfalls durch die Bahn. Dort wird in wenigen Minuten die Last auf das Schienenfahrzeug verladen. In gleicher Weise wird dem Empfänger der Behälter an den gewünschten Ausladeplatz — Fabrikhof oder Warenlager — angeliefert. Die Fracht soll sich, nach den gegebenen Auskünften, nicht erhöhen, die Benutzung des Behälters ist gebührenfrei, der Transport von und zum Güterbahnhof erfolgt nach niedrigsten, besonders vereinbarten Frachtsätzen.

Nach einigen anderen bemerkenswerten Vorführungen sehen wir die „Collie o“- Kiste aus Leichtmetall. Diese kleinen Verpackungskisten, die zusammengeklappt nur 10 bis 16 Kilogramm wiegen und den Inhalt eines mittleren Koffers fassen, eignen sich außerordentlich für die Versender kleiner Warenmengen. Da durch diese Kisten eigene Verpackungsunkosten der versendenden Firma völlig erspart werden,macht sich der geringe Mietpreis sehr bezahlt. Wie berichtet wurde, verschickt Opel Klein-Ersatzteile an seine Grossisten mit diesen Collico-Kisten mit guten Erfahrungen. -ae-

Das Martinsviertel erhält wieder eine Schule

In der Müllerstraße werden die letzten Arbeiten getan

Auf der Straße kommt man kaum durch. Lastwagen bringen restliches Material und fahren nicht mehr notwendiges ab. Ein Betonmischer rattert und auf dem Bürgersteig werden Platten gelegt. Bis auf ein paar Weißbinderdielen zeigt sich der Schulhof schon von seiner besten Seite. Nur die Trümmer im Hintergrund erinnern an die schwere Vergangenheit.

Im Schulhaus selbst ist quirlendes Leben. Männer in Arbeitsanzügen räumen die letzten Zeichen des Umbaues weg. Die Steinfließen sind geschrubbt und nur an den Fenstern sind noch die weißen Kalkspritzer des blendendweißen Außenverputzes. Die Schulräume selbst sind hell, geräumig, werden schöne Möbel haben und unseren Kindern aus dem Martinsviertel den Schulbesuch so angenehm machen wie eben der Schulbesuch für einen kleinen Heiner angenehm sein kann.

Und diese kleinen Heinerbuben und Mädchen sind beim Einrichten ihrer Schule nicht untätig. Sie schleppen kleine Stühle und tun gerade so, als ob von ihrer Mitwirkung das rechtzeitige Fertigwerden bis zum Ferienschluß abhinge. Wir sahen auch die Nebenräume, die zu jeder Schule gehören. Das Zimmer für den künftigen Rektor, das Lehrerzimmer und die Toiletten. Alle großzügig, sauber und schön. Auf den großen und weiten Fluren wird die Schuljugend auch bei schlechtem Wetter noch genügend Bewegungsfreiheit haben. An den Wänden, die einen hellen Rauhputz haben, sind neue Garderobenhaken, die Türen sind in hellen Pastellfarben gestrichen, es gibt keine scharfen Mauerkanten, weil das Stadtbauamt, das den Gesamtplan machte und die Bauleitung hatte, klug und überlegend alle Ecken abrunden ließ.

Darmstadt hat wieder ein neues Schulgebäude mehr. Die Stadtverwaltung hat ihr Versprechen den Bewohnern des Martinsviertels gegenüber eingelöst, und wenn die großen Ferien zu Ende sind, wird mancher Junge und manches Mädchen, das seither den weiten Weg in die Kyritzschule hatte, am frühen Morgen eine Viertelstunde länger schlafen können, weil es wieder in seine „Müllerschule“ (so wird sie wohl immer heißen, wenn man ihr auch den Namen Schillers verliehen hat) gehen kann.


Die Schillerschule in der Müllerstraße geht ihrer Fertigstellung entgegen. Sie wird nach den Sommerferien wieder ihre Pforten für die Jugend des Martinsviertels öffnen. Unser Berichterstatter war mit seiner Kamera dort, knipste, was er sah und schrieb auf, was’ ihn und unsere Leser interessiert
Die Schillerschule in der Müllerstraße geht ihrer Fertigstellung entgegen. Sie wird nach den Sommerferien wieder ihre Pforten für die Jugend des Martinsviertels öffnen. Unser Berichterstatter war mit seiner Kamera dort, knipste, was er sah und schrieb auf, was’ ihn und unsere Leser interessiert


Protest gegen Preiserhöhungen

Resolution des Betriebsrates des Darmstädter Finanzamtes

Der Betriebsrat des Finanzamtes Darmstadt begrüßt die Entschließung des Bezirksvorstandes Hessen der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr vom 20. und 21. Juli 1950 und protestierte ebenfalls gegen die erfolgten Preiserhöhungen bei allen wichtigen Lebensmitteln. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß bei den derzeitigen Einkommensverhältnissen den Beamten, Angestellten und Arbeitern eine weitere Verschlechterung der Lebenshaltungskosten zugemutet werde. Die Beamtengehälter, die sich immer noch auf der Basis des Jahres 1928 befänden, seien trotz einer Anregung des Hessischen Landtags noch nicht erhöht worden. Ebenso seien die Verhandlungen für die Verbesserung der Gehälter und Löhne der Angestellten und Arbeiter in der öffentlichen Verwaltung seit der Kündigung des Tarifvertrages im Frühjahr 1950 bisher negativ verlaufen. Es sei unter diesen Umständen völlig unmöglich, den Bediensteten in der öffentlichen Veerwaltung durch laufende und nichtberechtigte Preiserhöhungen auf vielen Gebieten des täglichen Bedarfs eine weitere Einkommensschmälerung aufzuerlegen.

„Wir verlangen — so heißt es in der Resolution wörtlich — von allen Regierungsstellen im Bund und im Land, daß sie dieser berechtigten Forderung der Bediensteten der öffentlichen Verwaltung Rechnung tragen und fordern darüber hinaus, daß die” Gewerkschaft mit allem Nachdruck sich für die Erhöhung der nicht mehr tragbaren Löhne und Gehälter der Beamten, Angestellten und Arbeiter in der öffentlichen Verwaltung einsetzt.

Wir fordern weiter von der Gewerkschaft ÖTV, Kreisverwaltung Darmstadt, daß sie sich um die Einberufung einer Betriebsrätevollversammlung in Darmstadt bemüht, in der weitere Abwehrmaßnahmen gegen die unberechtigten Preiserhöhungen beschlossen werden sollen.“

gez.: Der Betriebsrat des Finanzamtes Darmstadt

Zweigeschossige SBauweise

Die Stadtbauverwaltung weist im Einvernehmen mit der Ortsverwaltung Darmstadt-Eberstadt darauf hin, daß in der Ortsbausatzung für die Darmstädter Straße im Gebiet der Eberstädter Villenkolonie zweigeschossige Bauweise vorgeschrieben ist. Ausnahmen, wie sie in einzelnen besonders begründeten Fällen in den letzten Jahren zugelassen worden sind, können nicht mehr genehmigt werden, da die städtebauliche Ordnung des Gebiets weitere Ausnahmen nicht verträgt und der Stadt durch die unzureichende bauliche Ausnutzung unverhältnismäßig hohe Erschließungskosten erwachsen. Den Bauherrn und Architekten wird im Interesse der schnellen Genehmigung ihrer Gesuche empfohlen, die Bestimmungen der Ortsbausatzung — die bei der Stadtbauverwaltung. Abteilung Bauaufsicht, Bessunger Straße 125 eingesehen werden können — genau zu beachten.

Alexander Posch

Mit dem Maler Alexander Posch, der in der Nacht zum Dienstag seinem Leiden erlegen ist, ging einer der bekanntesten Darmstädter Künstler dahin. Der Sechzigjährige — in Schönberg an der Bergstraße geboren — war dem Darmstädter Kunstleben nahe verbunden. Hatte er sich doch schon frühzeitig für den Zusammenschluß der Darmstädter und hessischen Künstler eingesetzt.

Im Jahre 1921 gründete er die Darmstädter Gruppe, zu der M. Richter und Hartmuth Pfeil zählen. 1926 faßte er Hessens Künstlerschaft im Reichsverband der bildenden Kunst zusammen. Immer ging es ihm darum, die wirtschaftliche Situation der Künstler zu bessern. Auch im Kleinen bewies er die gleiche Fürsorge: manche repräsentative Ausstellung hat er selbst mit hängen helfen. Dabei kam der Zug seines Wesens schön zur Geltung, der auch für seine Malerei charakteristisch ist: der Sinn für das Gepflegte, das Kultivierte.

Läßt man die Bilder seiner Hand noch einmal am geistigen Auge vorüberziehen, so ergibt sich der Eindruck einer gepflegten, hellen ' Farbigkeit. Das Experimentieren lag ihm fern. Den Weg zu Expressionismus und abstrakter Kunst ging Posch nicht. Wie so viele westdeutsche Künstler ist er dem späten Impressionismus verpflichtet, der sich bei ihm mit einer Neigung zur Sachlichkeit eint. So baute er seine Stilleben mit Früchten und Blumen klar auf, so ordnete sich ihm die Landschaft zum überschaubaren Bilde, und auch das Porträt wurde ohne heftige Problematik wohltuend in seiner schlichten Harmonik.

Erst vor wenigen Jahren kehrte Alexander Posch in die Heimatstadt zurück, nachdem die Vernichtung Darmstadts ihn obdachlos gemacht und in das Allgäu vertrieben hatte. Keiner hätte denken mögen, daß man ihn so bald schon aus ihren Mauern hinaustragen müsse, daß es so bald einen neuen, nun endgültigen Abschied von dem Maler gälte, der in seinem Werk von der guten Darmstädter» Kultur lebendig zeugte. Dr. G. B.

Die Einäscherung von Alexander Posch findet am Freitag um 11.15 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.

Erfolgreiche Hundesüchter

Internationale Rassehunde-Ausstellung in Frankfurt

Zum größten hundesportlichen Ereignis d. J. der mit etwa 1100 Rassehunden beschickten Internationalen Ausstellung in Frankfurt am Main am vergangenen Sonntag hatten eine große Anzahl von Hundezüchtern und Hundefreunden aus Darmstadt und seiner näheren Umgebung ihre vierbeinigen Freunde entsandt und beachtliche Erfolge erzielt:

Frau Maria Frößler, Darmstadt: Skye-Terrier-Rüde „Barabas von Gadebusch-Eck“, Bewertung: „vorzüglich 1“, „Bester seiner Rasse“; Terrier-Zuchtgruppe „vom Elfengrund“, 1. Zuchtgruppen-Preis, 3. Zuchtgruppen-Preis der Abt. Nutz- und Gebrauchshunde; drei Hündinnen der Terrier-Zuchtgrup<pe Bewertung: „sehr gut“.

Peter Crößmann, Pfungstadt: Zwergpinscher-Hündin „Belli v. d. Rolandshöhe“, Bewertung: „vorzüglich 1“, „Beste ihrer Rasse“; Zwergpinscher-Rüde „Dolf vom Mühlberg“, Bewertung: „vorzügl. 1“, „Bester seiner Rasse“.

Karl Eysenbach, Eberstadt: Zwerg-Schnauzer-Hündin „Bona von der Modau“, Bewertung: „vorzüglich 1“ in der Offenen Klasse.

Karl Mahr, Arheilgen: Zwergpinscher-Hündin „Alba von Kranichstein“, Bewertung: „vorzüglich 1“ in der Zuchtklasse.

Johann Stenger, Hetschbach: Zwergschnauzer-Rüde „Prinz von Rauental“, Bewertung: „vorzügl. 1“ in der Offenen Klasse.

Dr. Fischer, Groß - Zimmern: Welsh-Terrier-Hündin „Anja vom Herrensee“, Bewertung: „vorzügl. 1“ in der Offenen Klasse.

Die Bewertung „sehr gut“ erhielten:

Friedrich Spalt, Darmstadt-Eberstadt: Zwergschnauzer-Hündin „Doris v. d. Burg Tannenberg“.

Heinr. Klein, Darmstadt: Dachshund-Rüde „Bautz von der Klappach“, Dachshund-Hündin „Bärbel v. d. Klappach“.

A. Wendtland, Seeheim: Schnauzer-Hündin „Hulda von Ritterbruch“.

Heinrich Thierolf, Darmstadt: Zwergschnauzer-Rüde „Rino vom Mümlingtal“.

Frau Schellhaas, Pfungstadt: Zwergschnauzer-Hündin „Hora von Liliputanien“.

Rud. Müller, Wixhausen: Dachshund-Hündin „Elke vom Silberbach“.

Platzkonzerte werden fortgeführt

Auf vielseitigen Wunsch der Bevölkerung hat sich die Direktion des Darmstädter Orchesters entschlossen, die Platzkonzerte in den einzelnen Stadtteilen Darmstadts für den Monat August weiterhin durchzuführen. Dieselben finden mittwochs jeweils von 18—19 Uhr auf folgenden Plätzen statt: Am 2. 8. Riegerplatz; 9. 8. Damaschkeplatz, 16. 8. Friedrich-Ebert-Platz, 23. 8. Heimstätten-Siedlung, 30. 8. in Eberstadt (Bürgermeisterei).

Wohin gehen wir hente?

Lichtspieltheater: Union: „Tanz in den Frühling“, Thalia: „Erpressung“, Belid-i: „Die Gräfin von Monte Christo“, Palast: „Alarm in San Juano“, Hansa: „Der Mann mit der eisernen Maske“, Scala-Eberstadt: „Zirkus Renz“.

Amerikahaus: Ausstellungen: „Fotoform“ und „Moderne Skulptur in Amerika“.

Mathildenhöhe: Ausstellung: „Das Menschenbild in unserer Zeit“.

Amerikahaus: 20.00 Uhr, Rezitationsabend, Dr. Gerhard Pallmann liest aus seinem Hörspiel „Daniel Webster, eine amerikanische Volkslegende“.

K. K. V. Konstantia: 20.00 Uhr. Hotel Knauf, Vortrag Dipl.-Kaufmann Kurt Schumacher: „Aktuelle Steuerfragen; Veranlagung 1949/50“.

Hausfrauenbund. 15.30 Uhr. Cafe Emich, Eberstädter Villenkolonie: Mitgliederversammlung.

Starkenburg

Das Geld des Dorfes dem Dorfe!

Ein Gang durch die Ausstellungen zur 750-Jahr-Feier Nieder-Ranistadts

Wenn wir das Motto der Nieder-Ramstädter Spar- und Darlehenskasse, die im Treppenhaus der Volksschule wirbt, als Ueberschrift zu unserem heutigen Bericht verwandten, so aus der Erkenntnis heraus, daß alle Geschäftsleute der rührigen Gemeinde nur von dem einen Wunsche beseelt sind, der Einwohnerschaft all e s zu bieten, um ihr den Weg in die Stadt zu ersparen und damit das Geld in der Gemeinde kursieren lassen zu können.

In ihrem Gesamteindruck zeigen die Ausstellungen zur 750-Jahr-Feier Nieder-Ramstadts eine Planung; die, von klaren Ueberlegungen ausgehend, den Besuchern ein Spiegelbild des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens und einen Rückblick in die Geschichte der Gemeinde erlaubt.

Wer an der gärtnerisch sinnvoll gestalteten Blumenrabatte mit der eingearbeiteten Jubiläumszahl vorher die Schule betritt, trifft im Vorraum auf die alten Vereinsfahnen der Gemeinde. Zuallererst aber sollte ihn sein Weg in den Keller führen, in dem von Schülerhänden die Stammbäume der ältesten Nieder-Ramstädter Familien mit den jeweiligen Berufsbezeichnungen das männlichen Geschlechts aufgezeichnet sind. Daneben, von Künstlerhand an die Wand gemalt, ein Blick in die Frühzeit, das Mittelalter und die Neuzeit, figürlich versinnbildlicht und das Wort zur Erläuterung verwendend. Panoramen der Landschaft in diesen Entwicklungsstadien, mit viel Liebe und Sorgfalt gleichfalls von Schülern gefertigt (wobei jenes der „Neuzeit“ durch Drude auf den jeweiligen Knopf die Hügel aufleuchten läßt), tragen zur Vervollkommnung bei. Bodenfunde aus der Jungstein- und Römerzeit (Speerspitzen, Buckelschilde u. a.) unter Glas runden das geschichtliche bild ab.

Einen breiten Raum nehmen im Erdgeschoß sowohl auf dem Gang wie in zwei Sälen die Gemälde, Zeichnungen und Photos lebender und verstorbener Künstler und Amateure ein. (Wir werden darauf nodr einmal besonders zurückkommen.) Ein weiterer Raum ist den Kirchen vorbehalten, in dem namentlich die Innere Mission einen Einblick in ihre Organisation und Arbeit gestattet.

Selbstverständlich nehmen die Stände des Handels, des Handwerks und der Industrie im Schulhaus den meisten Raum ein. Hier finden wir die Firma Wacker und Doerr mit Isolierpreßlingen, Isolierteilen und Hartgummiwaren. Haushaltsgegenstände aus Vitri-Glas, Bestecke, Becher, Dosen u. dgl. zeigt die Celluloid- und Spritzgußwarenfabrik Max Richter. Die Illig sehe Papierfabrik präsentiert Spezialpapiere für die Foto-Industrie, Verpackungspapiere, besonders für die Tabakwarenindustrie, Zeichen- und Bürobedarfspapiere. Dreh-, Preß- und Kunststoffteile bieten die Gebr. F 1 ec h - senhar („Beganie“) an, die in diesem Jahre auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken können.

Die Firma Schuchmann „glänzt“ in Kühlschränken und Theken, hinter denen sich die Würste und andere leckere fleischliche Genüsse verheißungsvoll ausnehmen. Stahlrohrmöbel für Büro-, Praxis- und Warteräume zeigt der Apparatebau Stern aus seiner Spezialabteilung. Besonders anziehend — und, wie uns der Werbe- und Exportleiter selbst erzählte, mit gutem Verkauf auch während der Ausstellung — wirkt der Stand der „R e fo r m“-Füllhalterfabrik H e i nz , Jung und Co., die ihr neuestes Modell, den Tinten-Kugelschreiber, ausstellt und verkauft. Die Odenwälder Hartsteinindustrie AG. wartet mit Kunststeinen und Platten aller Art und zu jeglichem Verwendungszweck auf, während die Firmen Bender und Schuchmann sanitäre und elektrische Anlagen zur Schau stellen.

Zum Verschluß von Konservengläsern bietet die Firma Hüh n 1 e und Saar (Urberach) mit ihrem „Hasafix“ eine Verschlußvorrichtung an. Angenehm nach Lacken und Farben riecht es am Stand der Drogerie Vierheller und des Farbenhauses Mahr. Zwischendurch lädt die Konditorei Angermann auf dem Gang zu einer kurzen Atem- und Stärkungspause ein.

Zimmermeister Gruß zeigt ein Modell des Treppenbaus, die Bau- und Möbelschreinerei Schiller Küchenmöbel, Tapeziermeister Trinkaus Polstermöbel aller Art. Etwas für die Damen bietet Goldschmiedemeister Partheil mit seinem Gold- und Silberschmuck aus eigener Werkstatt, unter dem sich auch ein alter schlesischer Brautschmuck befindet. Daß es wieder genügend gute Bücher gibt, beweisen die Bücherstube Falk und die Leihbücherei Möller. Süßmoste und Süßwaren sind durch Handelsvertreter Schwab vertreten. R a d i o - M i c h.e 1 präsentiert die neuesten Modelle; daneben zeigt die Firma Geräte an verschiedenen anderen Ständen.

Auch die Firmen Wein - Ritsert und Zigarren - Wichmann fehlen nicht und bieten gleichfalls ihre Waren zum Verkauf an. Polstermöbel, Tapeten und Linoleum zeigt Meister Kunkelmann während die Firma Karl Mahr mit einem ausgemalten Schlafzimmer vertreten ist. „Iris“- und „Rheinberger“-Schuhe bei Schuhgeschäft Friedrich, moderne Damen- und Herren-Maßbekleidung bei Schneidermeister Jäger und aparte Hüte in allen Modefarben bei Lotte Pfeil. Dazwischen Gebrauchspraphiker Scheibel mit Entwürfen zum ERP-Wettbewerb, Bundespost - Briefmarkenwettbewerb und einem Plakatentwurf zur 750-Jahr-Feier. Die Holzdreherei Ried e 1 stellt auf dem Flur Spinnräder zum Verkauf aus.

Im Saal der Möbelwerkstätten K a t - zenmaier findet man all das, was man zur Einrichtung einer Wohnung braucht. Wie man uns sagt, zu Preisen, die sich sehen lassen können und jeder Konkurrenz standhalten. Daneben Buchbindermeister Seip mit Bucheinbänden und Elektro- und Radio Huthmann mit Haushaltsartikeln und Schlossermeister S t r ö her mit einem Küchenherd. Porträt- und Landschaftsaufnahmen des Ateliers Emich bedecken die Wände des Treppenhauses.

Auf dem Schulhof sind dann noch Schmiedemeister Krautwurst mit seinem Eigenbau von Fahrzeugen, Zimmergeschäft, Sägewerk und Holzhandlung Bernhardt mit Dachträgerkonstruktionen alter und neuer Bauweise und die Güldner-Vertretung Huthmann mit landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen vorzuflnden.

Alles dies aber sollte man sich ansehen, man sollte sich selbst davon überzeugen, was in Nieder-Ramstadt vorgeht und was Handel, Handwerk und Industrie der Gemeinde zu leisten imstande sind. -öde-

Kreis-Pferde-u.Rindviehschau in Waldmichelbach

Die Ergebnisse der Prämiierungen

Kaltblut

2 — 3jährige Pferde: 11. Preise: Adam Falter (Scharbach) und H. Hechler (Lützelrimbach). 3 — 4jährige Pferde: la Peter Jochim, (Reisen), Ib Adam Emig (Gadern); Ila Mich. Jochim (Reisen); Hb Ludwig Otto (Mörlenbach); 111 Adam Falter (Scharbach).

Warmblut

2— 3jährige Fohlen: I. Leonhard Schmitt II (Siedelsbrunn), Ilb Johannes Schmidt (Fürth); 111. Johann Heid (Waldmichelbach).

4jährige und ältere Stuten: I. Leonhard Schork (Hartenrod); la Joh. Schmidt (Fürth); Ib Abraham Fischer II (Litzelbach); 1c Robert Falter (Unter-Scharbach); Ila Peter Jöst (Litzelbach) und Abraham bischer II (Litzelbach); Ilb Robert Falter (Unter-Scharbach); Illa Johann Marquard (Waldmichelbach); Illb Georg Bräunig (Waldmichelbach).

Bullen unter 3 Jahren: 11. Preise Gemeinde Waldmichelbach und Stationsbulle Waldmichelbach (insgesamt drei); 111. Preise: Ober-Schönmattenwag, Hartenrod und Kreidach.

Kühe — 10 Jahre und älter: I. Preise Leonh. Sattler (Unter-Scharbach) und Peter Riedel (Ober-Schönmattenwag); 11. Preis Adam Emig (Gadern); 111. Preise Hans Emig (Kocherbach) und Georg Michel IV (Waldmichelbach).

Kühe s—lo5—10 Jahre: la Adam Emig (Gadern); Ib Leonh. Sattler (Scharbach); Ic Hans Emig (Kocherbach); Id Leonh. Sattler (Scharbach); le Leonh. Schork (Hartenrod); — Ila Leonh. Sattler (Scharbach); Ilb und llc Georg Bräunig (Waldmichelbach); Ild Leonh. Schork (Hartenrod); Ile Peter Riedel (Ober-Schönmattenwag); Hf Georg Seb. Michel IV (Waldmichelbach); Hg Hans Emig (Kochberbach); Ilh und Illa Ludwig Fuhr (Kreidach); Illb Wilhelm Kredel (Waldmichelbach); IIIc Ludwig Becker ( Unter-Schönmattenwag); Illd und Ille Georg Michel IV (Waldmichelbach).

Kühe unter 5 Jahren: la Leonh. Schork (Hartenrod); Ib Abraham Fischer (Litzelbach); Ic Georg Bräunig (Waldmichelbach); Id Leonh. Schork (Hartenrod); Ha Abrah. Fischer (Litzelbach); Ilb. llc und Ild Adam Emig (Gadern); Ile Ludwig Fuhr (Kreidach); Hf Leonh. Schork (Hartenrod); Ilg Ludwig Becker (Unter-Schönmattenwag); Ilh Peter Röth (Gras-Ellenbach); Ili Adam Emig (Gadern); Illa und Illb Hans Emich (Kocherbach); lIIc Joh. Heid (Waldmichelbach); Illd und Ille Leonh. Sattler (Unter-Scharbach); Hf Leonh. Schork (Hartenrod); Illg Hans Emig (Kocherbach); IHh Adam Emig (Gadern); Illi Johann Heid (Waldmichelbach): Ulk Ludwig Fuhr (Kreidach); A: Wilhelm Kredel und Georg Michel (beide Waldmichelbach).

Gattung Rinder: la Peter Riedel (Ober-Schönmattenwag); Ib Ludw. Fuhr (Kreidach); Ic Georg Bräunig (Waldmichelbach); Id Adam Emig (Gadern); le Ludwig Becker (Unter-Schönm.); If Adam Emig (Gadern); Ig Georg Michel (Waldmichelb.)

Kuhfamilien: la Peter Riedel (Ob.- Schönmattenw.); Ib Ludwig Becker ( Unter-Schönmattenw.); Ila Ludwig Fuhr (Kreidach); Ilb Leonh. Schork (Hartenrod); Hc Adam Emig (Gadern); Ild Georg Michel (Waldmicheibach).

Einzelzüchtersammlungen: la Hans Emig (Kocherbach); Ib Leonh. Schork (Hartenrod); Ila Adam Emig (Gadern); Hb Ludwig Fuhr (Kreidach); Illa Georg Michel (Waldmichelbach).

Gastfreundliches Auerbach

Daß die Auerbacher gastfreundlich sind, hat sich wieder einmal daran gezeigt, daß auf den Aufruf des MGV Liedertafel hin für das am 5. und 6. August geplante Sängertreffen in Auerbach mehr Nachtquartiere als benötigt zur Verfügung gestellt wurden. Die Freiburger Gäste, die am Samstagnachmittäg eintreffen, geben abends zusammen mit dem MGV Liedertafel einen bunten Abend im Gasthaus „Zum kühlen Grund“, bei dem auch einige Solisten auftreten werden. Die Veranstaltung ist infolge der beschränkten Platzverhältnisse nichtöffentlich. Am Sonntagvormittag findet ein öffentliches Liedersingen statt. (HB)

Zommerfelt in Ober-Roden

Kaum daß die letzten Besucher den Festplatz an der Siedlung verlassen haben, rüstet der Musikverein „Viktoria“ zum diesjährigen Sommerfest am 5. und 6. August in den Räumlichkeiten des „Schützenhofs“. Ein reichhaltiges Programm stellte der 1. Vorsitzende Heinrich Beetz zusammen, das einen guten Erfolg in Aussicht stellt. Vom Vereinslokal bewegt sich zum Auftakt der Feierlichkeiten am Samstag ein Festzug durch die Dorfstraßen zum Festgelände. Zwei Kapellen spielen abwechselnd zu Tanz und Unterhaltung auf. Verschiedene Ortsvereine werden durch Musik- und Gesangseinlagen dem Sommerfest einen würdigen Rahmen geben. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Kapellmeister Adam Hornung. (gi)

Die Tabakbauern hoffen auf guten Erlös

Im Ried ist die Sandblatternte in vollem Gang

Während die Bauern im Südried und in Nordbaden noch die letzten Fuhren Getreide einbringen, läßt sie die in diesem Jahre etwas früher liegende Sandblattemte nicht zum Verschnaufen kommen. Herrlich stehen die Tabakfelder und die Pflanzen liefern, begünstigt durch das feuchtwarme Wetter, einen außergewöhnlichen Ertrag. Besonders zufriednstellend sind die Versuche mit dem neuen Burley-Tabak ausgefallen. Blätter von 1000 Quadratzentimeter Fläche und mehr sind keine Seltenheit.

„Hab mei Wage vollgelade“ kann der Bauer meist singen, wenn er mit dem Traktor oder mit dem Pferdegespann frühmorgens hinausfährt. Am Acker angelangt, kann man beobachten, daß viele der Arbeiterinnen Hosen tragen, und das hat seinen guten Grund. Jede von ihnen nimmt sich zwei Pflanzenreihen vor, die sie um die herrlichen reifen Blätter mit ihrem hellgrünen bis ins gelblich-weiße wechselnden Ton erleichtert.

Blatt für Blatt wird zwischen die Oberschenkel geklemmt und die Hosen hindern deshalb bei dieser Arbeit weniger als ein Rock. Während die .Tabakpflückerin mit beiden Händen arbeitet, hält sie so das bereits abgemachte Gut zwischen den Beinen eingeklemmt fest, um dann den Packen, wenn er groß genung ist, an die Seite des Ackers zu legen. Dort werden die Blätter gebündelt und auf den Wagen geladen.

Indes die Frauen ernten, geht ein anderer Schnitter durch die Reihen und „köpft“ mit geübter Hand alle Pflanzen, d. h. er schneidet zur besseren Entwicklung der Blätter die Blütenstände ab. Weithin liegt der würzige Burley-Duft über den Feldern und zieht hinter den vollbeladenen Wagen her, die um die Mittagsstunde heimwärts fahren.

Auf dem Hofe sitzt man dann nach der Mittagspause in Reih und Glied, wo die Blätter von vielen fleißigen Händen „genäht“ oder „gestubbt“ werden, wie die Nordbadener sagen. Jeder hat eine etwa 30 Zentimeter lange Nadel zur Hand, mit deren Hilfe durch die Stielenden der Blätter eine feste Kordel gezogen wird, an der man dann das Erntegut zum Trocknen aufhängt.

Das, was bei der Sandblattemte schon am Boden liegt und braun geworden ist, bezeichnet der Bauer als „Krumpeln“. Diese werden in Säcke gelesen und zu Hause auf dem Speicher’ oder der Tenne ausgebreitet, wo bei mehrmaligem Wenden der ihnen noch anhaftende Sand zum größten Teile abfällt. Reihe um Reihe wird in Scheunen, Schuppen und Trockenhallen aufgehängt, und wenn das letzte Sandblatt unterm Dachfirst baumelt, ruft schon wieder das Haupt-

gut zu neuer Emtearbeit, die immer Kreuzschmerzen und schwarze Finger mit sich bringt.

Unsere Tabakbauern aber schaffen gerne, denn sie wissen, daß sich die Bonitierer im kommenden Herbst mit keiner schlechten Ernte zu befassen haben werden und hoffen auf einen entsprechenden Erlös. bb.


Frauen und Mädchen beim Tabak,,fädeln“
Frauen und Mädchen beim Tabak,,fädeln“

L,or scher Sandblatt frisch vom Acker
L,or scher Sandblatt frisch vom Acker

75 Jahre Zuchtvwiehmarkt

Am 26. und 27. August hält die Gemeinde Biebesheim wieder ihren weit über die Grenzen unseres Heimatgebietes hinaus bekannten traditionellen „Biebesheimer Zuchtviehmarkt“ ab. Schon seit 75 Jahren war der Markt von Landwirten, Kleintierzüchtern und Interessenten aus nah und fern sehr gut besucht. Bei der Tierschau werden die Fleckviehzüchter des Riedes mit Einzeltieren, Familien und größeren Sammlungen aufwarten, die dann von einem fachmännischen Ausschuß prämiiert werden. Kb.

Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

10) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

Georg J. Steen weiß, daß er geschlagen ist. Das ganze Leben schlägt ihn, wie er glaubt, sofange er zurückdenken kann. Aber er will nicht zurückdenken, er muß vorausdenken, um zu verhindern, daß er morgen wiederum geschlagen wird. Er kann keinen Skandal gebrauchen, das ist ihm klar. Und zum Glück hat er wenigstens Beispiele von wirklich großen Männern, die viel Geld zahlten, um einen Skandal zu vermeiden, der sie noch mehr Geld gekostet haben würde.

Er schiebt zwei Reihen von je fünf Hunderf-Kronen-Nofen an die Kante des Tisches.

Knut nimmt seinen Anteil und steckt die Scheine in die Hosentasche.

„Ich kann nicht sehen, wie nachlässig du so viel Geld verwahrst“, schluchzt Frau Steen.

Mary tut ihre Scheine in ihren Büstenhalter.

Knut ist schon aus dem Zimmer...

Mary geht jetzt.

„Willst du etwa auch deinen Teil haben“, brummt Steen seine Frau an.

Frau Steen schüttelt weinend den Kopf. Sie sinkt in den Sessel neben den Ofen, denselben, in dem Miels vor einer halben Stunde saß, als er das große Glück brachte.

12.

Steens beleidigende Frage an seine Frau ist das letzte, was in dieser Nacht in seinem Hause gesprochen wird.

Steen steckt den Vertrag weg, ohne

ihn studiert zu haben, und macht sich verbissen an seine Arbeit, seinen guten Anzug zu bügeln. Zum Glück gibt es keinen Streit um die beiden Plätteisen, um die Plättbretter, obwohl auch die drei anderen Steens allerlei zu bügeln haben.

Knut verbringt zwei Stunden in der Badesfube, er pfeift dabei vergnügt und steigt dreimal aus der Wanne, weil es ihm Spaß madit, seinen mit einer dicken Seifensahne bedeckten Körper im großen Spiegel zu betrachten. Er freut sich rasend auf die Zeit in der großen Stadt, es scheint ihm fesfzusfehen, daß er eine Menge erleben wird, woran er bisher nicht im Traume dachte... Und es ist ein wichtiger Punkt, daß er auch das Geld dazu hat, es gründlich zu erleben.

Frau Steen säubert die Wohnung und wechselt die Gardinen. Sie ist sehr zweifelhaft, welches ihrer Kleider sie morgen früh anziehen soll, welches am Abend, welches auf der Reise. Es ist ein ziemlich unbefriedigender Gedanke, mit dieser Entscheidung auf das Wetter zu warten, das morgen herrschen wird.

Mary hat außer der Sorge, ob ihre Wange zur rechten Zeit in Ordnung sein wird, noch die Sorge um Teddy Beer. Es wird schwierig sein, ihn in dem zu erwartenden Trubel auch nur für zehn Minuten allein zu sprechen.. und plötzlich erinnert sie sich an eine Zeifungssfory, in der davon die Rede war, wie schwer berühmte Filmschauspielerinnen es haben, sich ein Privatleben zu erhalten. Tatsächlich scheinen sie meistens darauf angewiesen zu sein, nachts heimlich davonzuschleichen, um ihren Ge¬ liebten irgendwo in einem Atelier unter dem Dam eines Hinterhauses zu besuchen. Und Mary Steen findet an diesem Abend, daß sie in einer ähnlichen Lage ist. Natürlich werde ich Teddy die Treue halfen, denkt sie, und wechselt die Kompresse an ihrer geschwollenen Wange. Ich habe zu viel für meine Liebe gezahlt, um ihn jemals zu vergessen. Aber das Leben wird mich jetzt von ihm forfführen auf die wundervolle Höhe des großen Erfolges.

Mary Steen beschließt vielerlei in dieser erregenden Nacht, der le’tzten Nacht vor ihrem Start in das Leben der großen Glücklichen. Sie beschließt, eine Menge Mappen anzulegen, um alle Bilder zu sammeln, die die Zeitungen von ihr bringen werden. Sie beschließt, sich niemals und unter keinen Umständen im linken Halbprofil fotografieren zu lassen, weil es ihre ungünstigste Bildstellung ist. Sie beschließt, ihre Laufbahn auf demselben Geheimnis zu gründen, das Marlene Dietrich, Greta Garbo, May West und Anna Pawlowna hatten, freilich könnte sie dieses Geheimnis nicht näher erläutern, aber sie ist überzeugt, es in ihrem Gefühl zu besitzen.

Das Gefühl sagt ihr auch, daß sie von nun an einen Weg über viele Höhen gehen wird, und seufzend fragt sie sich, was eigentlich derweil aus Teddy Beer werden soll. Sie findet das Leben grausam, das zwei Herzen auseinanderreißen wird, um das eine hinfort in Seide und Atlas, das andere nach wie vor unter einem Baumwollhemd und einem Drogistenmantel schlagen zu lassen. Aber Mary Steen ist überzeugt, daß es ihr möglich sein wird, Teddy Beer zu sich empor zu ziehen, und der erste Film,' den sie: drehen wird, sobald die Filmherm sie in der Stadt entdeckt haben werden, könnte recht gut dieses Thema ihres eigenen Lebens, zum Gegenstand haben.

Und mit solch wundervollen Gedanken, bei denen Teddy Beer immer eine wichtige Rolle spielt, die Rolle des Salzkörnchens im Pudding, macht Mary Steen sich daran, ein paar neue, unglaublich aufsehenerregende Frisuren auszuprobieren, von denen sie die beste schon morgen tragen will.

13.

Um sechs Uhr früh treffen sich die Steens im Wohnzimmer. Alles ist in Ordnung. Die Wohnung ist sauber. Die neuen Gardinen sind ohne Tadel. Alles ist aufgeräumt. Allerdings blieb seit fünf Uhr off nur der Ausweg, vielerlei irgendwie in irgendeinen Schubkasten zu stopfen.

Marys Wange ist makellos. Und Mary ist sehr zufrieden mit dem Gedanken, daß ihre Gesichtspflege sich ohne Zweifel in jedem kommenden Falle bewähren Wird. Ihre Frisur ist bewundernswert, sie vereinigt eine Reihe von Stilarfen in einer Weise, die in der Hauptstadt nach Marys Meinung Aufsehen erregen muß.

Ihre Mutter ist blaß und etwas unsicher, weil ihr Kleid möglicherweise viel an Ansehen verliert, wenn sie gezwungen sein sollte, es lange Zeit unter dem guten Mantel zu tragen, weil der Mantel sehr knapp gearbeitet ist. Außerdem trägt Eva Steen daran, daß sie einen großen Teil des Inhaltes ihrer Speisekammer in die Mülltonne werfen mußte, weil es in den Wochen ihrer Abwesenheit doch verderben würde. Sie denkt jetzt, möglicherweise entdecke jemand das Brafenfleisch, die Butter und den Schinken in der Mülltonne und rede über diese Vergeudung.

Knut ist der einzige unter den vieren, der ein paar Stunden geschlafen hat. Leider waren es wirklich nur ein paar Stunden, und Knut kauf deshalb jetzt Kaffeebohnen, weil er recht wach zu sein wünscht. Natürlich trägt er seinen besten Anzug und ist entschlossen, sich bis zum Erscheinen der Reporter weder anzulehnen noch hinzusetzen, um die Bügelfalten voll in Takt zu haben, wenn das Photographieren losgehf.

Sfeen selbst überprüft immer noch einmal und noch einmal den Inhalt seiner Taschen, vor allem die Brieftasche. Er ist besorgt, alles beisammen zu haben, was er braucht, den Vertrag, seinen Paß, sein Geld, seine Policen, den Hypothekenbrief, seinen Ansfellungsvertrag und dann natürlich seine Zigarettenetuis und den übrigen Kram.

In der Diele steht das Gepäck der Steens. Es ist ein ziemlich ansehnlicher Haufen von Koffern, Beuteln und Taschen. Und Frau Sfeen ist zufrieden mit dem Gedanken, daß diese Statistische Gesellschaft daran sehen wird, daß sie sich nicht gerade irgendwelche Leute eingeladen haben, die nur mit einem alten Blechkoffer ankommen und nicht wissen, was man mit einem Fischmesser beginnt.

Es gibt nur einen einzigen, unbedeutenden Streif unter den Steens als es sich herausstellte, daß sie wahrscheinlich nicht die genaue Uhrzeit haben. Steens Taschenuhr steht, weil er sie am Abend nicht aufzog. Er zog sie nicht auf, weil er nicht zu Bett ging. Die Küchenuhr wird von brau Steen für zuverlässig gehalten, aber die anderen weisen diese Behauptung zurück. Frau Steens Uhr lag ein paar Tage in ihrem Schmuckkasfen und steht natürlich. Knuts und Marys Uhren differieren um zehn Minuten, und das ist mehr, als die Steens an diesem Morgen hinnehmen können.

(Fortsetzung folgt)

Meldungen aus den Landkreisen

Darmstadt-Land

die Mieder GM,stätte k™ Stadt derHeTmof K+reitverbandes Darm-Deimatvertnebenen, Ortsgruppe zusammen- Der Geschäftsführer des Kieisverbandes, Lam a n n behan delte ausführlich die Fragen der gegenwarhgen Situation. Im Vordergrund se"nes Referates standen Hausratshilfe Lastenausgleich und Aufbauhilfe -D-r Mannergesangverein 1895 fuhr mit Angehörigen und Freunden, insgesamt 130 Personen, nach dem schönen Miltenberg, (eb.)

t Ju^e”he*m- Das Kreisschulamt lädt alle Junglehrer und Betreuer zu einer jeweils eintägigen Arbeitstagung am 8. und 9 August in der Pädagogischen Bücherei Jugenheim (Gartensaal des Hotels Krone) ein. Thema: 2. Lehrerprüfung. Die Teilnahme ist freiwillig. / h x

Roßdorf. Vom Ministerium für Vertrieberfenfragen wurde der 6. August als „Tag der Heimat“ bestimmt. Auf Grund dessen findet am Samstag, dem 5. Au°‘ust Uhr, im Saale des Gasthauses „Germania“ (Plößer) eine Feierstunde mit anschließender Aussprache für alle Heimatvertriebenen statt. (st i

Alsbach. — Der Gemeinderat beschloß, für jeden Haushalt, der ohne Wasserzähler ist, eine Pauschale von 3 Mark pro Vierteljahr zu erheben. — Die Instandsetzung der Friedhofsmauer, die oft zu Beanstandungen Anlaß gab, wurde den Firmen Werner und Zehfuß als Gemeinschaftsarbeit übertragen. (hl)

Dieburg

Rodau. Der bei einem hiesigen Landwirt beschäftigte landwirtschaftliche Arbeiter G. Z. verschwand unter Mitnahme eines Herrenfahrrades. (RG)

Dorndiel. Die Wasserversorgung der Gemeinde ist ein schwieriges Problem. Da die Fassung einer neuen Quelle die Einrichtung einer elektrischen Pumpe erforderlich macht, wird das Projekt recht kostspielig. -hm-

Ober-Roden. Auf der Durchgangsstraße von Nieder-Roden nach Eppertshausen bog eine Radfahrerin nach links ein, ohne die Aenderung ihrer Fahrtrichtung anzuzeigen. Ein ihr begegnender Motorradfahrer konnte seine Maschine nicht mehr rechtzeitig zum Stillstand bringen, so daß es zu einem Zusammenstoß kam, bei dem die Radfahrerin Prellungen und einen Bluterguß davontrug. -RG-

Waldacker. Der hier zu Besuch weilende 11‘ Jahre alte Detlev Z. wurde von Spielkameraden neben seinem Fahrrad liegend bewußtlos aufgefunden. Er war zum Besuch einer hiesigen Familie unterwegs, bei der er jedoch nicht ankam. -RG-

Babenhausen. Der im hiesigen Lager untergebrachte Pole Sz., der sich von einer Frau bereits mehrmals das Fahrrad ausgeliehen und es immer wieder zurückgebracht hatte, ist nach seiner letzten „Anleihe“ nicht wieder ins Lager zurückgekehrt. -RG-

Eppertshausen. Der Familie W. wurden dieser Tage 600 DM gestohlen. In den Verdacht der Täterschaft kamen der 15 jährige Sohn bzw. sein 12jähriger Freund. Die Vermutung, daß die beiden mit dem Geld nach Burgpracht in Oberhessen zu Bekannten fuhren, bestätigte sich. Sie wurden von der dortigen Gendarmerie gestellt und ihnen noch 570 DM abgenommen. Der Freund des jungen W. gab im Laufe der Untersuchung zu, vor einiger Zeit in Hergershausen ein Fahrrad gestohlen zu haben. -RG-

Wiebelsbach. Durch anhaltende Stürme und Ueberschwemmungen der letzten Woche wurde das Straßennetz stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Erweiterung der Kanalisationsanlagen ist unbedingt erforderlich. — Der Antrag des Gesang- und Sportvereins um Aufnahme in den Landessportbund Hessen wurde genehmigt. Erster Vors. ist Georg Müller, Jahnstraße 51. (gi)

Groß-Umstadt. Gleichzeitig mit seiner Silberhochzeit konnte Herr Ernst Roth auch sein 25jähriges Turnwartjubiläum feiern. Der Turnverein 1878 überreichte dem Jubilar als Ehrengabe eine Silberschale, den Ehrenbrief und die silberne Ehrennadel des Hessischen Turnverbandes. (gi)

Münster. In einer Feierstunde im Bahn¬ «hof Ober-Roden wurde Herr Georg Frühwein für 40jährige treue Dienste als Schaffner bei der Bundesbahn geehrt. Dienstvorsteher Inspektor Bre u r beglückwünschte den Jubilar im Namen der Verwaltung. (gi)

Gundernhausen. Heute findet um 20.30 Uhr eine öffentliche Gemeinderatssitzung im Schulhaus statt. (sl)

Erbach

Waldmichelbach. In einer Versammlung der hiesigen SPD-Ortsgruppe wurde Heinrich Schwebel erneut einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt, sein Stellvertreter wurde Josef Stingel, Schriftführer und Kassenverwalter Herbert Lips er. (-r)

Bergstraße

Mörlenbach. Am kommenden Wochenende findet in der Gemeinde ein Sterntreffen der katholischen Jungscharen der Diözese Mainz statt. Etwa 500 Jungen aus den Dekanaten Bensheim, Heppenheim, Worms und Oppenheim werden erwartet. (-r)

VVeiher. An Einnahmen werden, wie in der letzten Gemeinderatssitzung festgestellt wurde, 10 130 DM zu erwarten sein, denen rund 8000 DM Ausgaben gegenüberstehen dürften.

Weiher. Am Sonntag, dem 6. August, halten die Heimatvertriebenen von Weiher und Vöckelbach in Knapps Bahnhofsrestaurant eine Versammlung ab. Es spricht der zweite Vorsitzende des Kreisverbandes Bergstraße, Johann Beyer, Bensheim.

Birkenau. Wegen der engen Beziehungen, die zwischen der Gemeinde und dem zwei Kilometer entfernten Weinheim bestehen, erscheint eine häufigere Verkehrsfolge unbedingt erforderlich. Der hiesige Verkehrsverein beschloß, Schritte zu unternehmen, um den Weinheimer Stadtomnibusverkehr an einer Linienerweiterung zu interessieren. (-r)

Unter-Schönmattenwag. Die neue Omnibushalle wird, wenn der seit längerem erwartete zusagende Bescheid der Ober-Postdirektion vorliegt, unverzüglich in Angriff genommen werden. Zugleich gab Bürgermeister Galle bekannt, daß der Kaufvertrag für das neue Schulhofgelände abgeschlossen werden konnte. (-r)

Aschbach. Am kommenden Montag beginnt laut Beschluß des Gemeinderates die Firma Heiligenthal unter Hinzuziehung aller männlichen Arbeitslosen der Gemeinde mit den beschlossenen Straßen- und Kanalisationsarbeiten im Rahmen des Notstandsprogrammes. — Das Staatsbauamt Bensheim wurde jetzt mit der- Aufstellung eines Flächennutzungsplanes beauftragt. (-r)

Wahlen. Die Gemeinderäte verabschiedeten den neuen Haushaltsplan, der mit rund 20 000 DM in Einnahmen und Ausgaben abschließt. Die Steuerhebesätze wurden mit 129 Prozent für Forstbetriebe, 144 Prozent für die Landwirtschaft und 350 Prozent für gewerbliche Unternehmen festgesetzt. (-r)

Groß-Gerau

Groß-Gerau. Der Groß-Gerauer „Rad- und Motorsportverein“ fuhr am Sonntagnachmittag zum Radballturnier nach Worfelden. Neben einigen Radballspielen wurden dort Reigen und Kunstfahren vorgeführt. (cg)

Groß-Gerau. Seitens des Kreiswohnungsamtes beklagt man sich darüber, daß auf Grund mißverstandener Presseberichte den Wohnungseinweisungen teilweise Widerstand geleistet wird, wozu jedoch keinerlei gesetzliche Handhabe bestünde. (cg)

Groß-Gerau. Im Groß-Gerauer Landratsamt trifft man Vorkehrungen zu der am 13. September' stattfindenden Zählung, die einen größeren Umfang als bisher üblich haben wird, da außer Personen auch Wohnungen, Gebäude und Arbeitsstätten gezählt werden. (cg)

Biebesheim. Am Sonntag hielt die hiesige Gesangverein „Harmonie“ einen Volksliedertag ab. Mit den Gästevereinen aus Goddelau und Griesheim wurde ein großes Freundschaftssingen ausgetragen, das lebhaften Beifall fand. (Kb.)

Geinsheim. Der Kirchengesangverein unternahm bei guter Beteiligung einen Omnibusausflug nach Heidelberg und durch den Odenwald. (Kb.)

Worfelden. Einem Einwohner der Gemeinde wurde ein noch sehr gut erhaltenes Fahrrad aus dem Hofe einer Gastwirtschaft gestohlen. Der Dieb ließ dafür sein altes Fahrrad als Gegenleistung zurück. (-au-)

Worfelden. Pfarrer Hans Hör e s ist unter Wahrung seiner Rechte als Pfarrer zum Pfarrverwalter in Bauschheim ernannt worden. (-au-)

Gernsheim. In einer Versammlung der TSV 1896, Abt. Wassersport, wurden Organisationsfragen zum bevorstehenden Fischerfest vom 5. bis 7. August besprochen. (Kb.)

Königstädten. Bei dem stattgefundenen Kreis-Turn- und Sportfest in Raunheim konnte der TV Königstädten im Stabhochsprung den 2., 3. und 4. Platz belegen. Auch im Weitsprung war der Verein mehrmals erfolgreich. (Kb.)

Nauheim. In seiner letzten Sitzung befaßte sich Vorstand und } Aufsichtsrat der Gemeinnützigen Baugenossenschaft mit dem in absehbarer Zeit anlaufenden Bauprogramm. Zu diesem Zweck stehen der Genossenschaft 337 000 DM zur Verfügung. (-Kb)

Goddelau. Der Gemeindearbeiter Heinrich Hammel, geb. 26. 5. 04, wohnhaft in Goddelau, Hospitalstraße 6, wurde durch den Landrat Groß-Gerau als Hilfsfeldschütz verpflichtet. (-od-)

Wolfskehlen. Die Sängervereinigung 1878 Wolfskehlen unternimmt am 20. August einen Ausflug über Bad König, Höchst i. O. nach Zwingenberg am Nekkar. Die Rückfahrt ist über Waldmichelbach und Lindenfels geplant. (-od-)

Königstädten. Der Turnverein 1894 hält sein diesjähriges Sommernachtsfest am kommenden Sonnabend im Kaisersaal ab. (-au-)

Trebur. Die Gemeindeverwaltung ist dazu übergegangen an der Schwarzbach Ruhebänke aufzustellen, was besonders von älteren Leuten freudig begrüßt wird, (-au-)

Trebur. Anläßlich der Treburer Kirchweih am 13. August findet ein Fußballturnier statt, an dem sich sechs Vereine beteiligen werden. (Kb.)

Raunheim. Die Baugenossenschaft ~Ried‘f' hat mit dem Bau von 15 Wohnhäusern begonnen. Ebenso machen die Bauarbeiten der Gemeinnützigen Baugenossenschaft gute Fortschritte. (Kb).

Raunheim. Die Baugenossenschaft „Ried“ hat die Verwaltung und die Gemeinderäte zur feierlichen Eröffnung des 1. Bauabschnittes am Samstag, den 5. August eingeladen. (Kb.)

Nauheim. Der Gemeinderat ist mit der Beschlußfassung des Kreisausschusses, die Hintergasse zur Einbahnstraße zu erklären, nicht einverstanden und wird dagegen Einspruch erheben. (Kb.)

Was aǔch interessiert:

Eine große Ladung Glas- und Porzel¬ lanwaren ging in Scherben, als am Montagmorgen ein Lastzug einer W o r ms e r Speditionsfirma in der Nähe des Königstädter Waldhauses auf der Mainzer Landstraße ins Rutschen kam und im Straßengraben landete. (kb)

Tragische Folgen hatte der von uns kürzlich gemeldete Unfall des Landwirts Valentin Weig o 1 d, den scheuende Kühe vor zwei Wochen mit ihrem Wagen gegen die Schulhofsmauer von Siedelsbrunn gepreßt hatten. Der Verletzte ist nun an den Folgen der damaligen Quetschungen gestorben. (-r)

13 650 DM für das Schulwesen stellt die Gemeinde Nieder-Roden im diesjährigen Haushaltsplan zur Verfügung. Annähernd 12 000 DM wurden für das Bau- und Siedlungsprojekt und 7000 DM für Jugend und Fürsorge veranschlagt. (gi)

Eine Wanderbücherei für den Landkreis Dieburg soll in Kürze eingerichtet werden, zu dem die Kreisverwaltung 5000 DM bereitstellen will. Auch eine wandernde Jugendbücherei ist geplant. Die entscheidenden Besprechungen werden am Montag mit Dr. Engelhardt von der staatlichen Büchereistelle in Darmstadt geführt. (gi)

„Der Kisseltag“ wurde vergangenen Dienstag in der Umgebung von Groß-Umstadt gefeiert. Er soll die Erinnerung an Hagelschläge wachhalten, die anno 1702 die gesamte Getreide-, Wein- und Tabakemte vernichteten. Festliche Gottesdienste wurden allerorts abgehalten. In vielen Betrieben ruhte die Arbeit. (gi)

Rohlinge und politisch Andersdenkende störten in der Nacht von Freitag auf Samstag deh Frieden des Zeltlagers der katholischen Jugend in Mörlenbach. Da es zu einem kräftigen Handgemenge kam, eilten auf die Rufe der Jungen Erwachsene zu Hilfe und stellten die Ruhe wieder her. Die Störenfriede wurden erkannt und angezeigt. (-r)

Unter seine Maschine geriet kürzlich ein Motorradfahrer als ihm in Mörlenbach vor der Gastwirtschaft „Zur Krone“ eine achtlos die Straße überquerende Frau in den Weg lief. Die Frau wurde auf den Bürgersteig geworfen, während der Motorradfahrer mit erheblichen Verletzungen in ärztliche Behandlung gebracht werden mußte. (-r)

40 000,— DM kostete die Gemeinde Hammelbach die neue Wasserleitung. Allen am Bau beteiligten Arbeitern gibt die Gemeinde zur Einweihung eine Art „Richtfest“. (—r)

Der SPORT

Ausverkauftes Haus bei Baran-Falk

Eine bunte und begeisternd mitgehende Zuschauermenge konnte sich am Dienstagabend auf dem Rollschuh-Stadion des RSC hinterm Orpheum an einem Meisterprogramm erfreuen, das bisher in Darmstadt wohl noch selten zu sehen war. Es mögen etwa 2500 Zuschauer gewesen sein, die Zeuge großartiger Leistungen waren. Das Viereck reichte bei weitem nicht aus, um allen Rollsportfreunden Einlaß zu gewähren.

Die mehrfachen deutschen Meister im Roll- und Schlittschuhlaufen Ria Baran und Paul Falk, EV Düsseldorf, die bei den diesjährigen Europameisterschaften den 1. Platz belegen konnten, liefen in einmaliger Form ihre Läufe. In bester Erinnerung wird wohl bei jedem ihre Meisterkür bleiben, die der Höhepunkt des Abends bildete. Mit den größten Schwierigkeitsgraden versehen, laufen diese beiden in bestechender Haltung ihre Kür. Niemand wird wohl die Trainingsarbeit ermessen können, die diese Leistungen bedeuten. In ihrem Rumba konnten sie genau so wie bei dem Walzer größten Beifall ernten. Karli Waldeck, Dortmund, der Europameister, der hinter Lothar Müller bei den Europameisterschaften in London den 2. Platz belegen konnte, zeigte athletische Sprünge, die er mit großer Sicherheit stand.

Wie im Vorjahr zeigten Baran/Falk gemeinsam mit Waldeck Trio-Tänze, die wir in dieser Art in Darmstadt noch nicht zu Gesicht bekamen. Temporeich und beschwingt waren diese Läufe sauber abgewogen.

In dem Meisterprogramm war mit Irma Fischlein, der Europameisterin im Einzellauf, eine weitere Delikatesse geboten. In ihrer Meisterkür stellte sie sich ihren Darmstädter Freunden vor, die ihr durch Beifall den Dank dafür sagten, daß sie durch ihre Arbeit und Mühe die Leistungen der Läuferinnen und Läufer des RSC Darmstadt soweit steigern konnte, daß diese bei den Hessischen Meisterschaften so hervorragend abschneiden konnten. Ihr Lauf wirkte einmalig gekonnt.

Aus den Reihen des RSC, der geschmackvoll das Rahmenprogramm ausfüllte, stellten sich die frischgebackenen neuen hessischen Meister vor. Die Paarlaufmeister Ursula und Jan Dirken (die bekanntlich in der Meisterklasse den 1. Platz belegen konnten) bewiesen, daß sie weiterhin im Kommen sind. Ulla Mahr im Einzellauf sowie Jan Dierken und Heinz Frommann ergänzten das Programm der „kleinen Meister“. Der Nachwuchs des RSC kam auch zu Wort. So konnten Trude Eisvogel und Hannelore Zorn sowie Ursula Dirken (4. bei den Junioren) und Hannelore Thiele (4. bei den Neulingen) sich ansprechend einfügen.

Die prächtige, von Heine, Darmstadt, erbaute Terrazzobahn erhielt abschließend von den Meisterläufern eine lobende Anerkennung. — eri —

Handballturnier in Reinheim

Am kommenden Sonntag wird auf dem Sportplatz in Reinheim der Hallenhandballmeister der B-Klasse des Kreise® Dieburg ermittelt. Die acht gemeldeten Vereine werden sich ab 13 Uhr m zwei Gruppen gegenüberstehen. Beide Gruppensieger ermitteln ihrerseits den niersieger, welcher wiederum berechtigt ist, am 13. August in Langstadt bei der A-Klasse mitzuspielen.

Prüfung für das Biindessportabzeichen

Im Reinheimer Schwimmbad Freitagabend um 18 Uhr die eis;e fung im Schwimmen für das neugeschaffene Bundessportabzeichen stat. Ah Interessenten hierfür können srch bei Frau Germann und bei Heim ■ (beide SC Reinheim) melden.

Sommernachtsfest der TSG 46

Das am kommenden Samstag, 5. August, auf der Rollschuhbahn am Woog — also nicht wie ursprünglich vorgesehen auf der Woogswiese — stattfindende Sommernachtsfest der TSG 46 verspricht einige nette Stunden im Kreise der großen Sportler- und Turnerfamilie. Als Auftakt findet schon am Nachmittag (18 Uhr) das mit so großer Spannung erwartete Rollhockeyspiel gegen den Lokalgegner RSC Darmstadt statt. Es geht hierbei um den begehrlichen Titel eines Hessenmeisters. Ab 21 Uhr steigt dann das eigentliche Sommernachtsfest. Durch Verlegung der Veranstaltung auf die Rollschuhbahn ist es möglich geworden das Programm durch Vorführungen der Kunstläuferinnen zu bereichern. Außerdem gibt die glatte Bahn eine ideale Fläche für den „Tanz im Freien“. Der Sonntag ist als Werbetag unter dem Motto: „Jeder tut mit“ gedacht. Ab morgens 10 Uhr werden die verschiedenen Abteilungen der TSG 46 die Plätze auf der Woogswiese beleben. Vormittags ist Handball Trumpf, während am Nachmittag Turner, Leichtathleten, Faustballer, Schüler und Schülerinnen für ihre Sportarten werben.

Das war nicht oberligareif!

Mageres 2:2 (2:0) der 98er gegen 1900 Gießen

Vor etwa 5000 Zuschauern spielte der SV Darmstadt 98 mit seiner ersten Fußballmannschaft zum Jubiläum des Bezirksklassenvereins Spielvereinigung 1900 Gießen in stärkster Besetzung. Die Gastgeber waren kein schlechter Trainigspartner. Die Elf spielte eifrig und mit letztem Einsatz und kam in den letzten Minuten noch zu dem nicht unverdienten Ausgleich. Die 98er, für die der Kampf eine erste Kraftprobe für die zu erwartenden schweren Spiele darstellen sollte, und von denen man erwartet hatte, daß sie ihren Gegner klar beherrschten, spielten zu hastig und unüberlegt.

In der ersten Halbzeit traten die Lilien mit Dr. Barth, Leichtlein, Müller, Barth, Schmidtmer, Herder, Mühlbach, Reeg, Becker, Bohmann und Herwig an, während nach der Pause Becker II auf Halblinks eintrat und Ruhl für Dr. Barth ins Tor ging. In diesem Spiel konnten lediglich die beiden Torhüter restlos gefallen, ebenso Leichtlein. Herder, Schmidtmer und die beiden Außenstürmer Mühlbach und Herwig. Der Innensturm war- eine Enttäuschung. Becker wirkte viel zu steif und von seinen Schüssen war auch nichts zu sehen. Bohmann trippelte zu viel und hatte im Abspiel nicht immer eine glückliche Hand. Reeg war nur nach der Pause als Läufer überzeugend. Bei Müller und Barth wechselten Licht- und Schattenmomente.

In der 10. Minute war es Bohmann, der ein Zuspiel von Reeg übernahm, noch einige Schritte lief und am herausstürmenden Torwart vorbei zum 1:0 einschdß. In der 30. Minute schloß Herwig eine der wenigen guten Kombinationen der Gäste mit einem erfolgreichen Torschuß ab. Die Gießener gestalteten auch in der zweiten Halbzeit das Spiel ziemlich offen und kamen in den letzten vier Minuten, als schon die Dämmerung hereinbrach, überraschenderweise durch ein Feldtor und einen Freistoß zum nicht ganz unverdienten Ausgleich.

Vor dem Spiel wurde der 1. Vorsitzende des SV 98, Dr. Grünewald, der zu den Mitbegründern der Spielvereinigung zählt, vom Jubilar durch Ueberreichung der goldenen Ehrennadel geehrt.

Olympia Lorsch — SV 98 Darmstadt Res.

Am kommenden Sonntag, dem 6. August 1950, empfangen die Lorscher Olympianer eine spielstarke Mannschaft des Sportvereins 98 Darmstadt. Wenn auch die Lorscher in der Saison nur den zweiten Tabellenplatz einnahmen und durch Pech um die Meisterschaft kamen, so werden sich die Städter doch mächtig anstrengen müssen, um nicht unter die Räder zu kommen. (el)

Die TG 1875 Darmstadt gibt bekannt, daß die Probe für das Schauturnen am Freitag in der Turnhalle und nicht am Donnerstag in der Stadthalle stattfindet, kof.

Deutschlands Basketball-Jugend in Darmstadt

Durch die plötzliche Absage des Westdeutschen Basketball-Verbandes, der die 2. Deutschen Jugend-Meisterschaften im Basketball in Duisburg-Wedau durchführen sollte, wurde Darmstadt als neuer Austragungsort für diese Meisterschaften festgelegt.

Vom 3. bis 5. August ermitteln ,die besten männlichen und weiblichen Jugendmannschaften von Berlin, Rheinland-Pfalz, Baden und Hessen den Deutschen Jugendmeister im Basketball. Bei der männlichen Jugend wird außerdem der Meister von Niedersachsen teilnehmen.

Dem vorjährigen Deutschen Meister BC Heidelberg muß auch diesmal eine Favoritenrolle eingeräumt werden, denn die Heidelberger Jungen spielen einen großartigen Basketball. Besonders die verblüffende Sicherheit im Korbschuß ist augenfällig. Nicht viel weniger spielstark sind die Neuköllner Sportfreunde (Berlin), eine sehr entwicklungsfähige Mannschaft, die ebenfalls Basketball zu spielen versteht. Hessen wird ebenso wie im Vorjahre durch die TSG 1846 Darmstadt vertreten, die auch diesmal den ersten Platz vor Roßdorf belegen konnte. Ob sich die Darmstädter in diesem starken Feld durchsetzen können, ist sehr fraglich, denn auch die etwa gleich spielstarken Vereine VfL 1848 Bad Kreuznach und TuSpo 1861 Göttingen werden alles daransetzen, um einen guten Platz zu belegen.

Der Olympische Sport-Club Berlin ist bei den Frauen hoher Favorit. Durch die starke Konkurrenz bei den Berliner Rundenspielen hat diese Mannschaft ein überdurchschnittliches Spielniveau erreicht, so daß sie wohl kaum bezwungen werden dürfte, wenn auch die Mädel des BC Heidelberg, des VfL 1848 Bad Kreuznach und der SKG Roßdorf nicht zu unterschätzen sind. Auf alle Fälle versprechen auch die Spiele der Mädel, die sich im Gegensatz zur männlichen Jugend zum erstenmal in einer Deutschen Meisterschaft gegenüberstehen, recht viel Spannung.

Austragungsort der Meisterschaften ist die Rollschuhbahn der TSG 1846 Darmstadt. Bei Regenwetter dient die QM-School Darmstadt als Ausweichplatz. Zusammen werden die Meisterschaften 16 interessante Spiele bringen, von denen am Donnerstag und Freitag je sechs und am Samstag vier abgewickelt werden. Beginn der Spiele um 10 Uhr.

Handball

Jubiläumswoche des SV 98

Die Fortsetzung der Jubiläumswoche der Handballer des SV 98 Darmstadt brachte am Dienstag die Schülermannschaft und die Junioren der 98er auf den Platz. Beide Mannschaften spielten gegen Braunshardt, mit dessen Händballabteilung schon jahrelange freundschaftliche Beziehungen gepflegt werden. Die Schüler des SV 98 besiegten die Braunshardter mit 10:8 Toren, während die Junioren die Reserve von Braunhardt hach durchweg überlegenem Spiel mit 10:3 schlugen, wobei besonders die beiden Torhüter durch gute Leistungen auffielen. Bemerkenswert war bei allem Einsatz die Fairneß des Spieles. — SR Pleyer, sehr gut und regelsicher, dürfte für größere Aufgaben zu empfehlen sein.

Am heutigen Donnerstag spielen um 17.30 Uhr die Frauen des SV 98 gegen die gleiche Mannschaft der TG Auerbach, die schon jahrelang im Bezirk Darmstadt mit führend ist. Anschließend an dieses Spiel wird die gesamte Handballabteilung des SV 98 den Zuschauern einen Ausschnitt aus ihrem Trainingsbetrieb geben, vom jüngsten Schüler bis zum ältesten Herrn. Zum Abschluß der Darbietungen spielt dann um 18.30 Uhr die Reserve der 98er gegen die erste Mannschaft von Auerbach. Hier dürfte es zu einem interessanten Kräftevergleich kommen.

Die Veranstaltungen finden auf dem Stadtionvorfeld bei freiem Eintritt statt.

Boxen

Am Samstag, dem 5. August 1950, trifft um 20 Uhr die Mannschaft des ABC Darmstadt-Eberstadt im Hofe der Fa. Karl Heß in Darmstadt, Ecke Rhein- und Neckarstraße, auf eine Amateurauswahl aus Baden. Die Paarungen der zu erwartenden spannenden Kämpfe werden wir in unserer morgigen Ausgabe veröffentlichen.

Immer noch Kübler

It. Paris. (Eigener Bericht.) Auch am Mittwoch bewegte sich die „Tour de France“ auf der 165 Kilometer langen Etappe von Gap nach Briangon noch einmal über schwierige Alpenpässe. Sieger blieb der Franzose Louis Bobet in 6:09.20 Stunden. Drei Minuten später folgten in 6:12.12 Stunden die beiden Favoriten des Rennens, der Schweizer Kübler und der Belgier Ockers auf den nächsten Plätzen. In der Gesamtwertung führt weiterhin Kübler vor Ockers, in der Länderwertung hält Belgien den ersten Platz.

Radrennen in Bürstadt

Das große Josef - Seidel - Gedächtnis-Rennen am Sonntag, dem 6. August, auf der Radrennbahn in Bürstadt, das in starker Besetzung stattflndet, gliedert sich in vier einzelne Rennen: 1. ein 100- m-Fliegerfahren mit vier Vorläufen, zwei Zwischenläufen und einem Endlauf; 2; ein 25-Runden-Punktefahren mit fünf Wertungen für die Jugend; 3. ein Ausscheidungsfahren bis zum letzten Mann; 4. das beliebte und interessanteste Rennen, das Mannschaftsrennen über 150 Runden.

Nachtwandelnde Kuh

Wie eine Kuh aufs Dach kommt, obwohl sie nicht fliegen kann, demonstrierte einfach und überzeugend eines der Rindviecher des Bauern Otto Schwöbel in Hüttenthai. Und dazu noch mitten in der Nacht. Also gewissermaßen unter erschwerten Bedingungen.

Die Geschichte war so. Als nachts um drei Uhr ganz Hüttenthai im schönsten Schlummer lag, wurde die Frau des Schreinermeisters Hörr plötzlich durch verdächtige Geräusche im Hof geweckt. „Einbrecher!“ durchzuckte es sie. Leise rief sie ihren Mann. Gemeinsam schlichen beide ans Fenster, um nachzusehen, was in ihrem Hof vorgehe. Aber kein Dieb war zu erblicken.

Da drehte Frau Hörr kurz entschlossen das Hoflicht an. Was sie dam/ sahen, ließ ihnen für einen Moment die Haare zu Berge stehen: vom Dach des im Hofe stehenden Schuppens, in dem Schreiner Hörr seine Bretter lagert, glotzte eine Kuh herunter und — brüllte. Unwillkürlich legten sich Herr und Frau Hörr die geradezu klassische Frage vor, die schon Generationen vor uns bewegte: „Wie kommt die Kuh aufs Dach?“

Die Antwort fand sich schnell und einfach, nachdem Herr Hörr erst einmal einige Nachbarn geholt hatte, um die „somnambule“ Kuh wieder von ihrem gefährlichen Standort herunterzuholen. Sie war durch die Dachpfannen und Dachlatten durchgebrochen und stand auf den Holzstapeln. Zwei Schritte weiter wäre sie etwa vier Meter tief in den Hof gestürzt. Schnell wurde rund um die Kuh das Dach abgedeckt und das Tier mit vieler Mühe und mittels einer ausgehängten Tür, die als Brücke dienen mußte, nach rückwärts wieder auf den Abhang geführt, der direkt an das Dach angrenzt.

Auf diesem Weg war auch die Kuh auf das Dach gekommen. Sie hatte — weiß Gott, aus welchem Grunde — mitten in der Nacht mit mehreren Kolleginnen den Zaun der Weidekoppel des Bauern Schwöbel durchbrochen und geriet dann „nachtwandelnderweise“ auf das Dach des Schreiners. Ganz einfach!

Da die Bergungsaktion etwa drei Stunden in Anspruch nahm, war es inzwischen heller Tag geworden und alle Ausreißer konnten wieder eingefangen werden.

Was mag die Tiere nur zu ihrem nächtlichen Bummel bewogen haben, fragt sich der denkende Mensch mit Recht. Er wird die Antwort nicht finden, es sei denn, er wende sich direkt an das liebe Vieh. (-di)

Fahnenweihe in Wallerstädten

Am 5. und 6. August findet in Wallerstädten die Fahnenweihe der Sängerabteilung „Teutonia“ der Sport- und Kulturgemeinde statt. Der Gesangverein, einer der ältesten in ganz Deutschland, wurde im Jahre 1806 gegründet und steht heute unter der bewährten Stabführung von Chormeister Behne, Gr.-Gerau. Die beiden Festtage der Gemeinde werden in einer vom Rheinfelder Hof zur Verfügung gestellten Halle, die 3000 Personen aufnehmen kann, abrollen. Am 5. August findet als Auftakt im Saalbau „Zum Löwen“ ein großer Festkommers statt. Der Ehrendirigent und Chronist des Vereins, Lehrer Weidmann, Weiterstadt, wird die Festrede, halten, Nach einem Festgottesdienst am Sonntagvormittag findet auf dem Friedhof eine Totenehrung mit Kranzniederlegung statt. Unter Beteiligung zahlreicher Gästevereine aus nah und fern wird sich am Nachmittag der Festzug durch die geschmückten Ortsstraßen in Bewegung setzen. In der Halle des Rheinfelder Hofes wird dann ein großes Freundschaftssingen der Gastvereine durchgeführt. Der Abend ist froher Unterhaltung bei Tanz für alt und jung vorbehalten. Kb

Filmabende in Ober-Modan

In der vergangenen Woche trat dife „Ostdeutsche Jugendgruppe“ des Kreisverbandes der Heimatvertriebenen, Ortsgruppe Ober-Modau erstmalig mit einer gutbesuchten Kulturfilmvorführung an die Oeffentlichkeit. Diese Veranstaltungen sollen nunmehr 14tägig, jeweils freitags, stattfinden. Es ist beabsichtigt, auch Spielfilme zu zeigen.

Durch diese Arbeit der Jugendgruppe für qlie Jugend soll die Brücke zwischen Heimatvertriebenen und Einheimischen geschlagen werden, um so zu einer echten Dorfgemeinschaft gelangen zu können.

Die Filme gelangen durch die Filmstelle der Militärregierung zur Vorführung. Herr Morasow wird zwischen den gezeigten Filmen Erläuterungen und Antworten auf die von den Besuchern der Abende gestellten Fragen geben. Da der Saal vom Besitzer kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ist es möglich, die Veranstaltungen bei freiem Eintritt durchzuführen. (wa)

Der Reifen platzte

Bei einer Fahrt an den Rhein verunglückte der 31jährige Weißbindermeister Kurt Schneider aus Raunheim in der Nähe von Lorsch tödlieh. Dem Fahrer war in voller Fahrt ein Reifen seines Motorrades geplatzt, so daß Schneider stürzte und auf der Straße tot liegen blieb. Ein mitfahrendes junges Mädchen erlitt nur leichte Verletzungen. Der Verunglückte ist verheiratet und Vater eines Kindes. (Kb)

Ihr saß das Messer locker

Im östlichen Stadtteil von Heppenheim kam es aus bisher ungeklärten Gründen zu einer Messerstecherei. Bei einer Auseinandersetzung stach eine Frau auf einen Mann ein, der mit lebensgefährlichen Stichwunden ins hiesige Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Die Ermittlungen über die Motive der Tat sind noch im Gange. (-h-)

Das Internationale Seminar König¬ stein wird am heutigen Tag mit fünfzig Teilnehmern, unter ihnen Studierende aus den USA, Italien, Belgien, Oester-. reich, Schweden, Norwegen, Finnland, Holland, Frankreich und der Schweiz, die Technische Hochschule besichtigen. Anschließend findet eine Besichtigung des Hochschulstadions statt. Eine Aussprache wird den technischen Dingen der allgemeinen Studentenselbstverwaltung gewidmet sein. DT

Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846 Samstag, 5. August, KOLLSCHUHBAHN AM WOOG 18 Uhr: Rollhockey um die Hessenmeisterschaft TSG 46 - RSC Darmstadt Volkstümliche Eintrittspreise 21 uhr Sommernachtsfest unter Mitwirkung der Abteilungen „Tani im Freien“ Eintritt 0,50 DM Sonntag, 6. August, auf der WOOGWIESE Werbetag „Jeder tut mit“ 10 Uhr: Handballspiele 15 Uhr: „Bunter Rasen“ unter Mitwirk. aller Abteilungen Eintritt frei

Bestattungen am Donnerstag, dem 5. August 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof 11.30 Kehr, Georg, Trautheim, 68 Jahre Waldfriedhof 10.15 Anna Leonhardt, Plöniusstraße 8, 73 Jahre Feuerbestattung: 14.45 Müller, Heinrich, Weiterstädter Str. 23, 71 Jahre

Beurkundete Sterbefälle in der Woche vom 24. bis 29. Juli 1950 Darmstadt: Adler, Katharina, Fiedlerweg 5, geb. 22. 12. 04, gest. 24. 7. 50; Berntheisel geb. Jekes, Friederike Sophie Christiane, Dieburger Straße 52, geb. 18. 8. 73, gest. 21. 7. 50; Haller geb. Pullmann, Anna, Bessunger Str. 107, geb. 29. 8. 84, gest. 22. 7. 50; Kraft, Brigitte, Mauerstr. 14, geb. 5. 3. 50, gest. 21. 7. 50; Pfaff, Elisabeth, med. techn. Assistentin, Darmstraße 47. geb. 29. 5. 09, gest. 20. 7. 50; Schydlowski, Ludwig, Gastwirt, Pallaswiesenstr. 106, geb. 13. 10. 14, gest. 26. 7. 50; Vaubel geb. Senner, Johanna Wilhelmine, Dieburger Straße 80, geb. 28. 2. 71, gest. 26. 7. 50; Vetter geb. Höbel, Dorothea, Lindenhofstr. 15, geb. 11. 2. 87, gest. 26. 7. 50; Voß geb. Schad, Henriette, Ruthsstr. 7, geb. 2. 11. 81, gest. 22. 7. 50; Waldschmidt geb. Lipp, Elisabeth, Lud¬ wigshöhstraße 17, geb. 9. 8. 69, ges-t. 24. 7. 50. Darmstadt-Eberstadt: Werner, Ohlipp, Maurerpolier, Seeheimer Straße 5, geb. 15. 5. 77, gest. 22. 7. 50; Meidinger, Hugo, Buchhalter, Darmstädter Straße 67, geb. 1. 11. 08, gest. 28. 7. 50; Schetter, Ernst, Kaufmann, Schulstr. 20 geb. 19. 5. 14, gest. 23. 7. 50. Darmst.-Arheilgen: Müller, Adam, Metalldreher, An der Viehtrift 5, geb. 30. 4. 87, gest. 27. 7. 50. Griesheim: Schambach, Wilfried, Friedrich-Ebert-Str. 124, geb. 23. 5. 38, gest. 25. 7. 50. * Pfungstadt: Trambauer geb. Kleinlein, Maria, Bücbnerweg 17, geb. 20. 10. 97, gest. 27. 7. 50. Ober-Ramstadt: Wuttke, Erwin, Steinrehweg 2, geb. 14. 11. 49, gest. 25. 7. 50. Hergershausen: Zinecker geb. Kraus, Antonia, Nr. 73, geb. 11. 5. 87, gest. 28. 7. 50. Roßdorf: Teske, Adolf, Krankenpfleger, Darmstädter Straße 8, geb. 23. 5. 15, gest. 24. 7. 50. Groß-Bieberau: Storck geb. Böhm, Katharina, Lichtenbergerstr. 28, geb. 14. 5. 81, gest. 28. 7. 50. Wallerstädten: Trautmann geb. Lang, Elisabeth, Kirchstraße 4, geb. 13. 1. 82, gest. 26. 7. 50. Biebesheim: Heß geb. Göbel, Katharina, Krummgasse 15, geb. 2. 8. 80, gest. 27. 7. 50. Heldenbergen: Koch, Wilfried Erich, Hanauer Straße 10, geb. 10. 3. 50, gest. 26. 7. 50. Hummetroth: Bender geb. Kautz, Margarethe, Ortsstr. 16, geb. 22. 11. 98, gest. 28. 7. 50.

AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Betr.: Aufbauhilfe (Existenzaufbau) nach dem SHG. Gemäß § 13 Abs. 1 der Weisung des Hauptamtes für Soforthilfe, Bad Homburg, war die Einreichungsfrist für Anträge auf Gewährung von Auf¬ bauhilfe auf 2 Monate vom Tage der Veröffentlichung im Bundes¬ anzeiger ab festgesetzt. Die Bekanntmachung erfolgte in der Nummer 97 des Bundesanzeigers vom 23. 5. 1950. Die Ein¬ reichungsfrist ist daher vom 24. 5. bis 23. 7. 1950 gelaufen. Da eine Verlängerung derselben für das Land Hessen nicht statt¬ gefunden hat, können Anträge auf Gewährung von Aufbauhilfe, welche nach dem 23. 7. 1950 bei den Bürgermeistereien bzw. Amt für Soforthilfe eingereicht worden sind, erst dann bearbeitet werden, wenn eine entsprechende Weisung des Hauptamtes für Soforthilfe eingeht. Heppenheim, den 31. Juli 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Amt für Soforthilfe Betr.: Versorgung von Reisenden im Interzonenverkehr. Gemäß Vereinbarung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirt¬ schaft und Forsten mit dem hessischen Innenministerium, erfolgt die Ausstellung von Reiseabmeldebestätigungen für Reisende nach Ost-Berlin und in die sowjetische Besatzungszone ab sofort von den Stellen, welche die Ausfertigung von Interzonenpässen vornehmen, in meinem Kreisgebiet also durch die Paßstelle des Landratsamtes. Die Aushändigung von Reiseabmeldebestätigungen durch die Gemeindebehörden entfällt daher mit sofortiger Wirkung. Heppenheim, den 31. Juli 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Aufruf der Freibank (Schlachthof) Freitag: 8.00 bis 11.30 Uhr Nr. 1— 500 13.00 bis 16.00 Uhr Nr. 501—1000 Samstag: 8.00 bis 11.30 Uhr Nr. 1001—1500 Versteigerung Ich werde versteigern ata 3. August, 10 Uhr, Pfandkammer, Amts¬ gericht: 1 Pelzmantel, 1 Fuchspelz Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b) Am 4. August 1»50 werde ich voraussichtlich versteigern: 10.00 Uhr in Darmstadt, Pfandkammer, Amtsgericht- 1 Wohnz.-Schrank, Schreibt.-Lampe Schreib'- masch.-Tisch, opt. Geräte, 2 Radios, 2 Schreibmasch., 5 Schreibtische, 1 Lam’pen¬ tisch, 4 Sessel, 1 Couch, 1 Kleiderschrank 3 Rollschränke 12.00 Uhr in Kranichstein • Bieter am Bahnübergang: 1 Seifenstanzmaschine, 2 Mischmaschinen 12.30 Uhr in Arheilgen - Bieter am Rathaus: 1 Büfett, 1 Schreibmaschine, 1 Couch, 1 Kassenschrank, 1 Hobelmaschine m. Motor, 1 Posten Küchen- und Wirtschaftsgeräte 13.30 Uhr in Wixhausen - Bieter am Bahnhof: 1 Schreib¬ maschine Erika 14.30 Uhr in Erzhausen - Bieter am Bahnhof. 1 Büfett, 1 Wandspiegel ILLAS Ob.-Ger.-Vollz., Darmstadt

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