Maulik klagt Amerika an
Eine dramatische Abstimmung gegen die Russen im Sicherheitsrat
Neuyork, 1. August. (dpa/AP.) In der mit Spannung von der ganzen Welt erwarteten Sitzung des Sicherheitsrates am Dienstagabend hat der sowjetische Delegierte in der Frage der Anwesenheit des nationalchinesischen Delegierten seine erste Abstimmungsniederlage erlitten. Nach heftigen Wortgefechten, in deren Verlauf der Russe die Vereinigten Staaten der Aggression in Korea bezichtigte, vertagte sich der Rat auf Mittwoch.
Der russische Delegierte verfügte gleich zu Anfang der Sitzung in seiner Eigenschaft als Vorsitzender den Ausschluß des nationalchinesischen Delegierten. Er begründete diesen Schritt damit, daß der nationalchinesische Vertreter ein „Usurpator“ sei, hinter dem kein Volk und keine rechtmäßige Regierung stehe.
Die Delegierten der Westmächte bezweifelten, daß ein Vorsitzender von sich aus berechtigt sei, den Status eines Delegierten zu ändern. Sie verlangten eine Abstimmung. Der indische Vertreter kündigte überraschend an, daß er für Maliks Vorgehen stimmen werde. Auch der jugoslawische Delegierte stellte sich auf die Seite Maliks.
Acht Hände erheben sich
Als abgestimmt wurde, erhoben sich acht Hände gegen Malik. Drei Vertreter stimmten für ihn, darunter Malik selbst. Für das weitere Verbleiben Chinas im Rat stimmten die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Aegypten, Ekuador, Kuba, Norwegen und Nationalchina selbst, dagegen stimmten die Sowjetunion, Indien und Jugoslawien.
Unmittelbar nach der Abstimmung entwickelte sich ein Streit über die Frage, ob der nationalchinesische Delegierte berechtigt gewesen sei, an der Abstimmung teilzunehmen. Malik hatte als Abstimmungsergebnis verkündet: sieben gegen drei. Die .nationalchinesische Stimme zählte er nicht mit.
Der amerikanische Delegierte Warren Austin bestritt Maliks Zählung und erklärte, der nationalchinesische Delegierte habe gegen Malik gestimmt. Er forderte eine neue Abstimmung. Malik rief den amerikanischen Delegierten zur Ordnung, berichtigte dann aber das Abstimmungsergebnis mit den Worten: „Ich verkünde, daß acht Gegenstimmen abgegeben wurden, einschließlich der Kuomintang-Stimme.“
Nach der Abstimmung wollte Malik sofort zur Tagesordnung übergehen und erklärte diese für angenommen. In diesem Augenblick sprang der amerikanische Delegierte Austin auf und sagte: „Ich bin erstaunt, daß die Tagesordnung nichts von der am Montag von meiner Regierung eingebrachten Resolution enthält.“ Austin forderte, daß diese Resolution als erster Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werde.
Malik wandte sich gegen die Forderung des amerikanischen Delegierten und erklärte, daß an der Sicherheitsratssitzung, auf der diese Resolution eingebracht worden sei, zwei ständige Mitglieder nicht vertreten gewesen seien, die Sowjetunion und China. Malik behauptete, daß die amerikanische Resolution nicht auf eine Beilegung, sondern auf eine Verlängerung und Verschärfung des Koreakonfliktes ausgehe. Die Resolution verfolge ganz offen die Einbeziehung weiterer Staaten in den Krieg gegen das koreanische Volk und schließlich auch gegen die anderen Völker Asiens. Der Versuch, diese Resolution als ersten Punkt der Tagesordnung beraten zu lassen, stelle eine Sabotage der von der Sowjetunion vorgesehenen friedlichen Regelung des Koreakonfliktes dar.
„Bevor das Kriegsgebiet größer werde“
Im weiteren Verlauf der Sitzung beschuldigte Malik die Vereinigten Staaten der Aggression in Korea. „Es ist hohe Zeit, daß diese Aggression eingestellt wird.“ Die Vereinigten Staaten versuchten, so viele Nationen wie möglich in den koreanischen Krieg hineinzuziehen. Der sowjetische Delegierte forderte die Vereinten Nationen auf, sich umgehend mit der Korea-Frage zu befassen, bevor das Kriegsgebiet größer werde.
Die Fragen Korea und die chinesische Vertretung seien eng miteinander verbunden und müßten daher zusammen erörtert werden. Die Vereinigten Staaten zielten auf eine Inbesitznahme Koreas ab. „Wir appellieren an den Sicherheitsrat, daß er rasche Maßnahmen zur Beendigung der Aggression in Korea treffe, die über den Häuptern der Völker wie ein von den Vereinigten Staaten geschwungenes Damoklesschwert schwebt.“
Um 23.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit vertagte sich der Sicherheitsrat auf Mittwoch um 20.00 Uhr.
Drohender Stoß anf Pusan
Rückzug an allen Fronten in Korea — Vor dem Durchbruch in der Mitte?
Pusan, 1. August. (AP./BBC./dpa) Das Hauptquartier des Generals Mac Arthur hat in den späten Abendstunden’ des Dienstag bekanntgegeben, daß die amerikanischen Truppen an allen Teilen der Front strategische Rückzüge eingeleitet hätten.
Den erfolgreichsten Vorstoß unternahmen die nordkoreanischen Verbände am Dienstag entlang der südlichen Küstenstraße auf die Bucht von Masan. In der Bucht von Masan ist der alte Kriegshafen Koreas, in welchem, wie angenommen werden muß, die ersten Teile der auf Korea gelandeten Verbände der 1. und 2. amerikanischen Marine- Infanterie-Division ausgeladen worden sind. Die Panzerspitzen einer nordkoreanischen Division waren am Dienstagabend kurz vor Masan eingetroffen. Masan selbst liegt nur noch 64 Kilometer von dem amerikanischen Versorgungshafen Pusan entfernt. Diese Bewegung bedroht unmittelbar Pusan, hat jedoch auch gleichzeitig eine unangenehme Lage entstehen lassen für die zusammengerafften Einheiten der 24. amerikanischen Infanterie-Division, die als Eingreifreserve der 8. Armee in Stellungen nordöstlich von Schinju geworfen worden waren. Die Nordkoreaner haben praktisch die amerikanischen Stellungen ausmarschiert.
Die Kämpfe im Süden sind besonders heftig. Der Feind ist hier zahlenmäßig weit überlegen, und es ist bisher noch nicht bekanntgeworden, ob die frischeingetroffenen amerikanischen Eliteverbände hier eingesetzt werden sollen oder den unmittelbaren Schutz von Pusan übernehmen müssen, wo seit vier Wochen gewaltige Mengen an Material, Ausrüstung und Verpflegung gestapelt werden. Am Montag gelang es einer nordkoreanischen Einheit, südöstlich Hadong ' eine amerikanische Truppe in Stärke etwa eines Bataillons abzuschneiden und auf das Meer abzudrängen und die Amerikaner schließlich ins Wasser zu werfen. Die amerikanischen Kompanien konnten sich nur auf kleinen Fischerbooten durch die Flucht der Vernichtung entziehen.
Zangenangriff in der Mitte
Im Mittelabschnitt hält der äußerst starke Drude der Nordkoreaner unvermindert an. Aufklärungseinheiten der 1. Kavalleriedivision wurden von ihren Hauptverbänden abgetrennt und mußten aus der Luft versorgt werden. Kumschon, der wichtige Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt, mußte in die Hauptkampflinie einbezogen werden. In einem Bogen, der sich bis acht Kilometer nach Südwesten um die Stadt herum ausdehnt, haben die Amerikaner neue Stellungen bezogen. Immer gefährlicher wird der Zangenangriff an diesem Frontabschnitt, weil die dort eingesetzten nordkoreanischen Verbände auf Taiku zielen. Sie kämpfen sich langsam aber stetig durch das Gebirgsgelände nach vorwärts. Ihre Ueberlegenheit an Infanterie ist nach wie vor erheblich. Die Amerikaner haben dagegen starke Artillerieeinheiten einzusetzen.
Im nördlichen Abschnitt wurde Gelände im Raum Sangju aufgegeben. Die Lage in Yondok an der Küstenstraße ist unverändert geblieben.
Die Nordkoreaner haben schätzungsweise 200 000 Mann unter den Waffen und ergänzen ihre Verbände täglich durch Rekrutierungen in den eroberten Gebieten. Die Infanterie setzt sich in zahlreichen Fällen aus Soldaten zusammen, die erst vier Tage eingezogen sind. Zusammengehalten werden aber die nordkoreanischen Verbände durch fünf Elitedivisionen, die als Kernmacht der zusammengestellten neuen Verbände eingesetzt sind.
Den Amerikanern stehen zur Zeit zur Verfügung die 1. Kavallerie-Division, die 24. Infanterie-Division, die 25. Infanterie-Divison, eine Marine-Füsilier-Brigade, die aus Okinawa herangeführt worden war, und die Vorausabteilung der 1. sowie der 2. Marine-Infanterie-Division. Mit der Ausladung der Masse der beiden Marine-Infanterie-Divisionen wird innerhalb von vierundzwanzig Stunden gerechnet. Die Marine-Infanterie ist in Amerika besonders gut ausgebildet und hat sich im letzten Krieg durch ihren rücksichtslosen Einsatz und ihre zahlreichen Erfolge einen Namen gemacht.
Amerikanische Anleihe für Spanien
Washington, 1. August. (AP.) Der amerikanische Senat hat am Dienstag mit 65 gegen 15 Stimmen für eine Anleihe an Spanien in Höhe von hundert Millionen Dollar gestimmt. Die Anleihe soll durch die regierungseigene Export - Import - Bank gewährt werden.
Gin Massengrab entdeckt
Berlin, 1. August, (dpa) Ein Arbeitskommando deutscher Häftlinge aus Konzentrationslagern in der Sowjetzone hat nach Angaben der West-Berliner „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ kürzlich bei Erdarbeiten im Wallgraben des Torgauer Forstes ein Massengrab entdeckt.
Wie ein geflüchteter Häftling berichtet hat. ist das Leichenfeld etwa hundert Meter lang. Die Leichen seien in etwa fünfzig Zentimeter Tiefe verscharrt. Die Schädel der Toten wiesen zum Teil schwere Verletzungen und Spuren von Genickschüssen auf. Sie hätten nur geringe Zeichen von Verwesung gezeigt und könnten nach seinen Schätzungen nicht älter als ein Jahr sein.
Leopold verhinderte den Bürgerkrieg
Unstimmigkeiten über den künftigen Aufenthalt des Königs
Brüssel, 1. August. (AP./BBC./dpa) König Leopold hat am Montagabend eine Rundfunkansprache an das belgische Volk gerichtet, in der er, nach der Bekanntgabe seiner Absicht zurückzutreten, an alle Belgier appellierte, seinen Sohn bei dessen schweren Aufgaben zu unterstützen. Er werde zurücktreten, um die Bedrohung im Augenblick der schweren internationalen Lage von Belgien zu nehmen.
In der Na^ht zum Dienstag war es dann noch einmal zu einer Krise gekommen. Der König wollte sich nicht damit einverstanden erklären, daß der Zeitpunkt für seine Abdankung schon jetzt festgesetzt werde. Um 1 Uhr nachts wurde noch konferiert. Als sich das Gerücht verbreitete, der König wolle nicht abdanken, versammelten sich die Demonstranten zum Marsch auf Brüssel. Nach vierstündiger Kabinettsitz mg gab der König schließlich nach. Daraufhin wurde an alle Sozialisten über den Rundfunk die Anweisung gegeben, nicht in die Hauptstadt «u marschieren.
Am Dienstag hatte sich die Lage in Brüssel immer noch nicht ganz entspannt. Der belgische Gewerkschaftsbund forderte jedoch am Dienstagabend alle Streikenden auf, am Mittwoch wieder,die Arbeit aufzunehmen. Die Regierung hat den Sozialisten mehrere Forderungen erfüllt. Verhaftete der jüngsten Unruhen sollen freigelassen und Bestrafungen nicht ausgesprochen werden. Außerdem wird am 7. und 8. August ein Gewerkschafts-Kongreß einberufen, auf dem mit Arbeitnehmern und der Regierung Lohnforderungen und die 40-Stunden-Woche erörtert werden sollen.
Neue Schwierigkeiten sind am Dienstagabend über den künftigen Aufenthalt Leopolds entstanden. Der König möchte unt- • allen Umständen in Belgien bleiben Die Sozialisten und Liberalen verlangen aber, daß er das Land verläßt, während die Christlichen Sozialen es als eine rein private Angelegenl it des Königs ansehen, wo er künftig wohnen will.
Geheime Konferenz bei MeCloy
Die Abwehr gegen den Kommunismus
. Frankfurt, 1. August. Die Ministerpräsidenten der amerikanischen Besatzungszone haben am Dienstag mit Oberkommissar MacCloy vereinbart, die alliierte Warnung an die westdeutschen Kommunisten auch durch die deutschen Länder zu unterstützen. Die Tagesordnung der Besprednmg war geheim. An der Konferenz nahmen Senatspräsident Kaisen, die Ministerpräsidenten Ehard und Stöck und der württembergische Innenminister teil. Ein Verbot der Kommunistischen Partei wurde von den deutschen Teilnehmern als nicht opportun betrachtet.
Das Echo
an In der Welt ist große Zufriedenheit über das Nachgeben des Königs Leopold. Das ist begreiflich. Bereits war ein Bürgerkrieg ausgebrochen, der Tote gefordert hatte. Seine Fortsetzung hätte schwere Trauer über das Land gebracht und es politisch für lange Zeit gelähmt, vielleicht -ngar auseinandergerissen. Der Westen kann es sich aber nicht leisten, daß irgendeines seiner Glieder für längere Zeit geschwächt werde. Uebrigens haben Militärsachverständige der Westmächte bereits berechnet, daß die Stärke des belgischen Heeres ungefähr vier Divisionen betrage, und daß man bei einer Fortsetzung der inneren Unruhen auf diese Streitmacht zur Verteidigung Europas nicht mehr rechnen könne.
So scheint alles in schönster Ordnung, und nichts ist natürlicher und berechtigter als das Aufatmen in der Oeffentlichkeit ganz Westeuropas. Aber bei näherem Hinsehen gewinnt man den Eindruck, daß hier noch etwas anderes geschehen ist als nur die Vermeidung innerer Wirren. Die politische Grundanschauung des Westens ist die der Demokratie. Auf ihr sind alle anderen Einrichtungen und Ueberlegungen aufgebaut; sie will man, wenn es nottut, mit den Waffen gegen den Osten verteidigen. Wie man nun immer den Ausgang der Brüsseler Krise preisen mag — daß hier das Gegenteil von Demokratie geschehen ist, unterliegt keinem Zweifel. Eine Minderheit hat sich dem Beschluß der Mehrheit nicht fügen wollen. Sie ist aufgestanden, hat mit der Revolution gedroht und hat diese Revolution auch bereits begonnen. Vor dem bewaffneten Angriff der Minderheit ist der König zurückgewichen, der durch die Mehrheit berufen war. Das ist ein böses Beispiel, von dem man nur hoffen kann, daß es bald vergessen werde. Wo wollen die Befürworter der Abdankung des Königs in Zukunft noch die innere Sicherheit hernehmen, der Welt zu predigen, daß sich die Minderheit der Mehrheit fügen müsse?
Kranke - Spitäler - Kassen
Die Krise der Krankenhäuser
Wr. — Es ist leider nicht öffentlich bekannt, daß die deutschen Krankenhäuser sich im Zustand einer gefährlichen finanziellen Krise befinden. Sie besteht darin, daß so gut wie sämtliche deutschen Krankenhäuser mit Unterbilanzen arbeiten, schon jahrelang.
Bei einem Teil dieser .Hospitäler schwelt die Krise unterhalb, im Verborgenen: sie sind Eigentum der Städte, Gemeinden und Kreise, — die „kommunalen Lastenträger“, wie man sie nennt, nehmen den jeweiligen Fehlbetrag in ihren Etat auf und schleppen ihn mit sich wie eine Kugel am Bein. Bei dem übrigen Teil der Lastenträger, bei den caritativen Verbänden der Bekenntnis-Gemeinschaften, äußert sich die Krise in unablässigen, heftigen und zum Teil förmlich verzweifelten Hilferufen an ihre übergeordneten Stellen.
Der tägliche Fehlbetrag
Die Rechnung ist verwünscht einfach. Die Krankenkassen vergüten den Krankenhäusern einen täglichen Pflegesatz von DM 7,15. Die täglichen Selbstkosten der Häuser dagegen belaufen sich auf DM 9,02. Das bedeutet: Jeder Tag kostet den Krankenhäusern einen Zuschuß von DM 1,87 pro Bett und Patient.
Wir haben in der Bundesrepublik insgesamt 3300 Krankenhäuser mit zusammen 450 000 Betten, die, auf das Gesamte berechnet, zu 85 Prozent belegt sind. Für das Jahr 1950 ergibt sich ein Fehlbetrag von 500 Millionen DM. Wie kann die Gesundheitsfürsorge unter diesen Bedingungen aufrechterhalten werden?
Leben die Krankenhäuser zu üppig? Bezahlen sie ihre Aerzte und ihr Pflegepersonal zu hoch? Kein Mensch hat das je behauptet. Selbst die Krankenkassen, die den Krankenhäusern scharf auf die Finger sehen, behaupten es nicht. Auch die gestrengsten Kritiker der Krankenhäuser seher Die Hospitäler haben enorme Kriegs- und Währungsschäden erlitten. Gute 25 Prozent der früher vorhandenen Betten sind zerbombt und nicht mehr vorhanden. Ebenso zum mindesten ein Viertel aller Wäschevorräte, und was schlimmer ist, aller diagnostischen, hygienischen und therapeutischen Einrichtungen. Ebenso zum mindesten ein Viertel aller Gebäulichkeiten.
Betten aber, versehen mit Wäsche, müssen sein. Ohne sie ist ein Gebäude kein Krankenhaus. Auch die genannten Einrichtungen müssen sein. Auch die Aerzte müssen sein. Auch das Pflegepersonal. Was die Pflege anbetrifft: auf je hundert Betten entfallen fünfzig Pflegekräfte.
Kann man an ihnen sparen? Man spart. Kaum irgendwo sonst in irgendwelchen Arten von Privatbetrieben herrscht eine solche Sparsamkeit, und wird mit der willigen Gutherzigkeit von wahrhaft christlich gesinnten Menschen dermaßen gerechnet wie in den Hospitälern.
Der Nachholbedarf
Soll für den Menschen, wenn er in Lebensnot ist, von oben, von der Gemeinschaft her, gesorgt werden können, dann ist weit mehr erforderlich, als daß die Hospitäler eben knapp von heute auf morgen kommen. Die Oeffentlichkeit hat ein (im unbarmherzigsten Sinne des Wortes gesprochenes) Lebensinteresse daran, daß „Reserven“ vorhanden sind: Reservebetten also, die da stehen, aufnahmebereit, für die Fälle von besonderer Not, von Katastrophen also und dergleichen. Leerstehende und aufnahmebereite Betten kosten aber, aufs ganze/ berechnet, der Hausverwaltung ziemlich genau soviel wie belegte Betten.
„Nachhol-Bedarf“ — das bitterste aller Worte in der Daseins-Geschichte der Hospitäler. Denn praktisch haben sie ja zu allermeist von irgendwelchen „Fonds“ gelebt. Aber diese Fonds sind seit der Währungsreform weg.
Wenn heute in irgendeinem Krankenhaus, auch im besten, großartigsten, etwa auf irgendeine tückische Weise die Röntgen-Einrichtung entzweiginge und durch eine neue ersetzt werden müßte: Was wäre dann?
Wasfolgtdaraus?
Es müßte ein Bittgang zu dem Lieferanten gemacht werden: Ob er nicht im Hinblick auf den guten Zweck die Einrichtung zunächst einmal liefern wolle?
Aber mit dem Bezahlen: anders, als sie auf soundso viele Jahre verteilen, das könne man nicht . . .
Darauf wird der Lieferant, gütig, freundlich und zuvorkommend, wie man es gegenüber alten Kunden und zumal gegenüber Oberinnen oder Kreis-Inspektoren immer ist, erklären: „Gewiß, ja. Natürlich. In Ordnung.“
Und dann wird er sich mit seiner Landesbank herumkämpfen, bis sie soweit ist, daß sie ihm für die drei- oder fünfmalhunderttausend DM gerade steht.
Aber dort: Solange die Sache gut geht, geht sie gut. (Welche Binsenwahrheit!) Aber seitdem wir Landesbanken haben, ist schon immer wieder einmal eine Sache nicht gut gegangen.
Ist die Krankenhaus-Frage eine öffentliche Sache? Oder ist sie es nicht?
Keine Aufrüstung
Aber indirekte Hilfe
. Frankfurt, 1. August. Das französische Oberkommissariat hat zur Frage einer Wiederaufrüstung Westdeutschlands, die in letzter Zeit wiederholt von der Presse des In- und Auslandes aufgenommen worden war, einige Feststellungen getroffen. Dieses Problem sei unter einem moralischen und einem politischen Gesichtspunkt zu betrachten. Was die moralische Seite anbelange, so seien gewisse Kreise der Ansicht, es gehe nicht an, daß das deutsche Gebiet ohne Beteiligung der Deutschen verteidigt werden könne. Andererseits werde bemerkt, es sei unmöglich, mit der deutschen Wiederaufrüstung zu beginnen, bevor die anderen westeuropäischen Länder, die während des letzten Krieges ein Opfer Deutschlands gewesen seien, nichts selbst wieder aufgerüstet dastünden. Das französische Oberkommissariat sagt dazu, wenn dieses Stadium der außerdeutschen Aufrüstung erreicht sein werde, so werde es für die Sicherheit Westeuropas keineswegs nötig sein, eine Wiederaufrüstung Deutschlands ins Auge zu fassen.
Vom praktischen Standpunkt stellten sich für Westeuropa die Fragen der Truppenstärke, des Materials und der Finanzierung. Es sei ein leichtes für die westeuropäischen Länder, Truppenverbände in der erforderlichen Stärke aufzustellen, ohne daß eine Beteiligung Deutschlands dazu nötig wäre. Man könne also sagen, daß die Frage einer Wiederaufrüstung Deutschlands hinfällig sei. Die Frage der Aufstellung einer deutschen Armee brauche infolgedessen nicht aufgeworfen zu werden.
In finanzieller Hinsicht sei Westdeutschland zur Zeit schon indirekt an den westeuropäischen Verteidigungsausgaben in Höhe von 4,050 Millionen Mark, das seien etwa 320 Milliarden Franken, beteiligt. Wenn Deutschland diesen Beitrag nicht leistete, so müßten diese Kosten zusätzlich von den drei Besatzungsmächten getragen werden. Man könne also sagen, Deutschland habe, ohne selbst eine Armee zu besitzen, ein Militärbudget, dessen Höhe sich gegebenenfalls bei einer. etwaigen Heraufsetzung der Stärke der, Besatzungstruppen erweitern könnte. ’
Zusammonfassend könne man also sagen, daß eine Wiederaufrüstung Deutschlands nicht in Betracht komme.
Eine Warnung
-1. General Mac Arthur hat das Angebot der nationalchinesischen Regierung, Truppen nach Korea zu entsenden, als „zur Zeit nicht ratsam“ abgelehnt. Zugleich stellte er fest, daß bei seinen Besprechungen mit den Vertretern der nationalchinesischen Regierung Vorkehrungen getroffen seien, jeden Angriff auf Formosa abzuwehren. Ein etwaiger Angriff auf diese Insel würde auch, nach amerikanischer Ansicht, wenig Aussicht auf Erfolg haben. Zur Bekräftigung dieser Erklärung gab der Oberbefehlshaber der amerikanischen Seestreitkräfte im Femen Osten bekannt, daß die ihm unterstellten Flotteneinheiten die Formosastraße abschirmen würden.
Diese Maßnahmen dienen ausschließlich dem Bestreben, den Korea-Konflikt zu lokalisieren, da eine kommunistische Invasion als eine Bedrohung der auf Korea operierenden Kräfte und als eine Gefährdung der Sicherheit im Raum des Stillen Ozean betrachtet werden muß. Sie sind zugleich eine Warnung an Rotchina, in dieser kritischen Phase die Grenzen nicht zu überschreiten, die lediglich im Interesse der Beilegung des Krieges in Korea eingehalten werden müssen. Daß die Vereinigten Staaten mit allen Mitteln dieses Ziel durchsetzen werden, darüber dürfte Rotchina nicht im Zweifel sein. In einer Botschaft Trumans an den Kongreß, die auch durch den indischen Ministerpräsidenten an Peking weitergeleitet wurde, hat Washington eindeutig zum Ausdruck gebrach, daß die Vereinigten Staaten keinerlei Ansprüche auf Formosa geltend machten und sich ebensowenig in die Auseinandersetzung zwischen dem nationalen und kommunistischen China einmischen wollten. Die Klärung dieser Frage müsse den Vereinten Nationen überlassen bleiben.
Es ist gut, daß die Linien klar abgezeichnet wurden, bevor die Fronten an diesem kritischen Punkt in Bewegung geraten können. Ob sie ruhig bleiben werden, hängt in erster Linie von dem Willen oder der besseren Einsicht der kommunistischen Kräfte ab, inwieweit sie eine Ausdehnung des Brandes im Augenblick ihrem Ziele näher zu bringen vermöchte. Wenn es zutrifft, daß, wie ein nationalchinesischer Rundfunksprecher behauptete, auf dem chinesischen Festland 1,6 Millionen nationaler Freischärler gegen die Kommunisten tätig seien, so wird Peking selbst diese Gefährdung seiner inneren Front nicht außer acht lassen können.
Pusan
ein. Auf den Seekarten steht Fusan. Die Reisenden, die vor dem letzten Weltkrieg, von dem etwas mehr als zweihundert Kilometer entfernten japanischen Hafen Schimonoseki kommend, in dem größten koreanischen Hafen eintrafen, können sich nur erinnern, Fusan auf den Kais gelesen zu haben, genau so wie ihre Schiffsbilletts auf Fusan lauteten. Fusan ist die japanische Schreibweise für den Hafen, der zur Zeit im Blickpunkt der Welt liegt. Fusan heißt Topfberg, eine plastische Bezeichnung der gern in Bildern denkenden und sprechenden Asiaten, für den großen Festungsberg, der den alten koreanischen Stadtteil Fusanchin überragt. Die koreanische Schreibweise aber ist Pusan.
Dieser Hafen, der vielleicht in der Geschichte neben Wladiwostok, Port Arthur, Dairen, Hongkong und Tsingtau einen besonderen Platz einnehmen wird, ist von außerordentlicher strategischer Bedeutung für beide in Korea kämpfenden Parteien. Die negative Formulierung eines möglichen Dünkirchen, das die amerikanischen Sachverständigen mit schonungsloser Offenheit geprägt haben, zeigt besonders eindeutig seine zentrale Stellung.
Seit Jahrhunderten spielt Pusan die große Rolle eines Umschlagplatzes zwischen dem asiatischen Kontinent und Japan. Als die Japaner kamen, konzentrierte sich gleich zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Personenverkehr und der überragende Teil des Güterverkehrs in dieser Stadt, deren Hafen eine Tiefe von elf Meter hat und am Anfang des letzten Krieges über Kaianlagen von fast 1400 Meter verfügte, an denen auch die größten Schiffe anlegen können. Reis und Fische werden hier vor allem umgeschlagen. Die große Eisenbahnlinie Pusan— Taiku—Taidschon—Söul—Pjöngjang mit den Anschlüssen an das mandschurische und das transsibirische Eisenbahnnetz verteilt die eingetroffenen Güter oder führt das Material heran. Unzählige Straßen und Saumpfade in Korea streben wie Bäche auf einen Hauptstrom, den Eisenbahnlinien, zu, so daß ein fast ideales Verteilungs- und Sammlungssystem entstanden ist, das die Bewegung aller Transporte in kürzester Zeit ermöglicht.
Mehr als 200 000 Einwohner zählt die Stadt. Die dem Hafen vorgelagerte sieben Kilometer lange Insel Makinoschima hat Teile der modernen Stadt aufgenommen. Eine Eisenbahnbrücke verbindet Insel und Stadt. Mehr als sieben Kilometer lang ziehen sich die Hafen-, Eisenbahn- und Fabrikanlagen zwischen Alt- und Neu-Pusan hin, in denen seit vier Wochen bei Tag und Nacht amerikanisches Material und Truppen ausgeladen werden. Eng um Hafen und Stadt herum liegt aber wie eine letzte gewaltige Schutzmauer eine schroffe, steilanstrebende Bergkette, eine letzte Widerstandslinie gegen einen fanatischen Feind, der nur noch sechzig Kilometer entfernt ist.
Dr. Schacht hat den Präsidenten des bayrischen Landesentschädigungsamtes, * Dr. Auerbach, wegen Beleidigung verklagt, weil Auerbach den ehemaligen Reichbankpräsidenten einen Kriegsverbrecher genannt haben soll.
Deutschland nicht an der Aufrüstung beteiligt
Eine eindeutige Feststellung des Vizekanzlers Blücher
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 1. August. Auf einer Pressekonferenz hat Vizekanzler Blücher mit größtem Nachdruck erklärt, daß entgegen falschen Meldungen Deutschland nicht in das Rüstungsprogramm Amerikas einbezogen sei. Im übrigen erläuterte der Vizekanzler seine frühere Bemerkung, daß die kommende Zeit größere Anforderungen an das deutsche Volk stellen könne dahin, daß er damit meine, daß das deutsche Volk noch bessere Nerven als bisher zeigen müsse.
Besprechungen mit Gewerkschaften
Blücher bestätigte dann, daß er am Mittwoch Besprechungen mit den Gewerkschaften, der Landwirtschaft, der gewerblichen Wirtschaft und dem Handel führen werde, bei denen der Gedanke eines nationalen Preisrates besprochen werden könne, denn es gelte, die Preise nicht laufen zu lassen, weil sich Deutschland bei seiner Abhängigkeit vom Export ein Andrehen der Lohn- und Preisspirale noch weniger als andere Länder leisten könne. Die Gewerkschaften hätten bisher ein sehr großes Maß an Verantwortungsbewußtsein gezeigt, und er habe keinen Anlaß, an diesem Verantwortungsbewußtsein auch für die Zukunft zu zweifeln.
Der Vizekanzler wies darauf hin, daß der sogenannte nationale Wirtschaftsplan Ehrhards auf lange Sicht angelegt sei und das Herbstprogramm der Regierung mit ihm nichts zu tun habe. Als dieses Programm im Mai beschlossen worden sei, habe man das Ausmaß der heutigen Konjunktur nicht vorhersehen können, und man müsse die geplanten Maßnahmen den heutigen Zuständen anpassen. Für Schiffsbau, Kohle, Stahl und Eisen würden allerdings noch Investitionsmittel notwendig sein.
Sehr deutlich sprach sich Blücher für eine Beibehaltung der jetzigen Zinssätze
aus, solange es noch Lohnstopp, gebundene Mieten und Preise gebe.
Revision gehört zur Sicherheit
Auf eine Frage nach dem Stand der Verhandlungen um die Revision des Besatzungsstatutes erwiderte der Vizekanzler, daß die letzten Meldungen die „Tendenz lustlos“ gezeigt hätten, diese Entwicklung aber mit der vordringlichen Behandlung aktueller Probleme zu erklären sei. (Die Revision sei aber notwendig, weil die Sicherheitsfrage nicht allein unter dem militärischen Gesichtspunkt gesehen werden dürfe. Deutschland müsse auch politisch krisenfest gemacht werden, und dazu gehöre das Gefühl erhöhter Souveränität ebenso wie die soziale Stabilisierung. Der Minister bestätigte, daß der Brief der Oberkommission über die Frage der Polizei eingetroffen sei, erklärte dazu aber nur kurz: „Wir nehmen, was wir kriegen.“
„Keine politischen Märtyrer“
Zu den Drohungen der Nationalen Front bemerkte er, daß man keine politischen Märtyrer schaffen solle.
Dann antwortete der Vizekanzler auf eine Frage zu den Erklärungen von amerikanischer Seite, daß man gegen Berlin als zwölftes Land nichts einzuwenden habe, daß eine solche Eingliederung Berlins nur mit dem Willen aller drei Besatzungsmächte vorgenommen werden könne.
Zum Schuman-Plan betonte Blücher, daß die Verhandlungen sich erst im Vorfeld bewegten und die Hauptentscheidungen noch immer bevorstünden.
„Reimann der mutigste Patriot“
Grotewohl will die Kommunisten in Westdeutschland schützen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
er. Berlin, 1. August. Am Dienstag hat der Rat der kommunistischen „Nationalen Front“ die Ergebnisse seiner am Montag abgehaltenen Sitzung veröffentlicht. Es hat sich um die Formulierung eines Aufrufs gehandelt, der insbesondere auch an die Einwohner des deutschen Westens die Aufforderung richtet: „Wählt euere Delegierten zum Nationalkongreß in Versammlungen, Konferenzen, in Städten und Dörfern und in Großbetrieben.“ Gemeint ist der für den 25. und 26. August in Berlin vorgesehene Kongreß, dessen Aufgabe es sein soll, eine von den Kommunisten geführte Widerstandsbewegung gegen die Besatzungsmächte und gegen die Bonner Bundesregierung ins Leben zu rufen.
Ministerpräsident Grotewohl begründete diese geplante, vor allem gegen die amerikanische Besatzungsmacht gerichtete Aktion mit den Worten: „Wir sind berechtigt, Widerstand zu leisten gegenüber Mächten, die sich bei ihren Handlungen nicht auf völkerrechtliche Bestimmungen berufen können, sondern sich ausschließlich auf Gewalt stützen.“ Grotewohl greift damit die von Außenminister Dertinger schon vor einiger Zeit vertretene These auf, daß die westlichen Besatzungsmächte sich illegal in Deutschland befänden.
Es fiel im übrigen auf, daß Dertinger bei allen Veranstaltungen der letzten Tage nicht in Erscheinung trat, so daß sich vorläufig die Gerüchte festigen, er befinde sich aus politischen oder sonstigen Gründen in der Sowjetunion.
Grotewohl erweiterte Dertingers These dahin, daß „die amerikanischen Imperalisten“ in Deutschland „den kalten Krieg, in Korea den heißen Krieg“ führten.
Der Aufruf der kommunistischen Körperschaft appelliert an „die besten Patrioten aus ganz Deutschland“, was ergänzt wird durch eine Abschlußresolution, die Max Reimann den „mutigsten Patrioten Westdeutschlands“ nennt. Grotewohl hat den kommunistischen Kämpfen in Westdeutschland den Schutz der Deutschen Demokratischen Republik zugesichert.
Gemeinsame Abwehr
Eine englische Stimme
London, 1. August, (dpa) Der Bonner Korrespondent der „Times“ schreibt, die britischen Behörden in der Bundesrepublik seien entschlossen, jede umstürzlerische Tätigkeit zu unterdrücken, zu der die Kommunistische Partei anstiften könnte. Gleichzeitig seien jedoch die britischen Behörden in Uebereinstimmung mit den französischen und den amerikanischen Oberkommissaren entschlossen, jeden Gewaltakt und jeden Umsturzversuch zu unterdrücken, zu dem von der Kommunistischen Partei angestiftet werden könnte. In amtlichen Kreisen werde man sich immer mehr bewußt, daß die Absicht der Kommunisten, ihre Herrschaft auf Westdeutschland auszudehnen, keine leere Drohung darstelle.
Graf Luckners Pfeife
Hattingen (Ruhr), 1. August, (dpa) In Not geriet der „Seeteufel“ Felix Graf Luckner in dem Ruhrstädtchen Hattingen. Nach einem Vortrag vermißte er seine Shagpfeife, die ihn 23 Jahre lang als Andenken an einen Indianerhäuptling aus dem amerikanischen Mittelwesten auf allen Fahrten begleitet hatte. Hattingers Freunde versuchten Luckner zu trösten: „Wir schaffen ihnen bis morgen vor der Weiterreise eine neue Pfeife, die der alten nicht nachstehen soll.“ Luckner winkte bekümmert ab: „Dat wird nix. De brukt minnestens twölf Stunn gleunigen Brand, bit se smeukt un smeckt.“ Die Nachtbelegschaft einer Hattinger Zeitung opferte sich. Sie machte sich sofort daran, eine neue Shagpfeife an- und einzurauchen. Unentwegt zogen 24 Mann in stündlichem Wechsel an der Pfeife, bis ihnen die Zungen brannten. Graf Luckner erhielt fristgerecht vor der Weiterreise feierlich seine neue wohleingerauchte „Piep“.
Detektivin im Abendkleid
Neuyork, 1. August. (AP.) Kathryn Barry, eine der 190 weiblichen Kriminalbeamten in Neuyork, spürte, als Barfrau verkleidet, kürzlich einen Rauschgifthändler auf. Mit Unterstützung von drei männlichen Kollegen verhaftete sie den Händler und einen Käufer an einer Straßenecke in Brooklyn. Als der Fahrer des Wagens merkte, daß sein Chef in eine Falle gegangen war, gab er Gas. Die Beamtin sprang auf das Trittbrett des Wagens. Während der Fahrt versuchte der Fahrer, sie durch Faustschläge von dem Wagen zu stoßen, doch gelang es Kathryn endlich, ihre Pistole zu ziehen. Sie zwang den Fahrer, anzuhalten und verhaftete ihn — im langen Abendkleid.
Mehr als dreißigtausend westdeutsche Pilger haben in den ersten sechs Monaten des Heiligen Jahres Rom besucht.
Tausende wollen Malik sehen
Stärkster Publikumsandtang zur Sitzung des Sicherheitsrates
Neuyork, 1. August. (AP./dpa) Mit größter Spannung erwartet die ganze Welt die Beratungen des Weltsicherheitsrates über die Koreafrage, an denen zum ersten Male wieder ein Sowjetvertreter teilnehmen wird. Auf der Tagesordnung der Sitzung, die von dem sowjetischen Delegierten Malik geleitet wird, steht der russische Antrag auf Aufnahme der kommunistischen Volksrepublik China in den Rat und der Vorschlag Maliks für die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in Korea. Auf Grund seiner Verfahrensordnung wird der Sicherheitsrat allerdings zunächst einen amerikanischen Antrag behandeln, der auf der Montagsitzung eingebracht worden war. In dem amerikanischen Antrag wird der Rat aufgefordert, Nordkorea wegen fortgesetzter Mißachtung der Vereinten Nationen zu verurteilen und jegliche Unterstützung des Angreifers zu unterlassen. Die Nachfrage nach Zulassungskarten für die Sicherheitsratssitzung war noch niemals so groß wie für die Dienstagsitzung. Mindestens zwanzigtausend Menschen bemühten sich beim Sekretariat der Vereinten Nationen um Zulassungskarten. Im Sitzungssaal des Sicherheitsrates sind aber nur 514 Plätze für Besucher vorhanden. Im Sitzungssaal des Wirtschafts- und Sozialrates, der neben dem Verhandlungsraum des Sicherheitsrates liegt, wurde ein großer Fernsehschirm angebracht, wodurch einige Kartenwünsche befriedigt werden konnten. In einem Konferenzsaal wurden weitere drei Fernsehschirme für die Presse aufgestellt.
Grenzorte werden abgerissen
Sprengarbeiten der Tschechen
Weiden (Bayern), 1. August, (dpa) Ein tschechisches Arbeitskommando bricht seit dem Wochenende die ehemalige sudetendeutsche Ortschaft Ulrichsgrün ab. Die Abbruchsarbeiten können von dem bayerischen Ort Neualbenreuth im Kreis Tirschenreuth beobachtet werden. Der Ort Neumugl hat aufgehört zu bestehen, nachdem auch das Schulhaus gesprengt worden ist. Nur die Kapelle ist noch nicht abgetragen. Die Marienstatue in dieser Kapelle wurde nach Aussagen von Grenzgängern dadurch geschändet, daß man dem Standbild der Maria einen rostigen Nagel in den Mund geschlagen hat.
Kabinettsumbildung in Portugal
Lissabon, 1. August (AP.) Angesichts der internationalen Lage ist die portugiesische Regierung am Dienstag erweitert worden. Es wurden zusätzlich drei Ministerien geschaffen, je eines für die Verteidigung, für das Korporationswesen und für die Präsidentschaft. Ministerpräsident bleibt Salazar, der dieses Amt bereits seit 1932 bekleidet.
Notruf der deutschen Forschung
Die Woche der Deutschen Wissenschaft hat begonnen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 1. August. Die Woche der Deutschen Wissenschaft in Bonn, die gleichzeitig die zum Teil gemeinsame Tagung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft und des deutschen Forschungsrates bringen wird, hat am Dienstag mit der westdeutschen Rektorenkonferenz begonnen, auf der vor allem Fragen des Korporationswesens behandelt wurden. Ein Sprecher der Notgemeinschaft wies vor der Presse darauf hin, daß es sich bei der von ihr vorgenommenen Förderung der wissenschaftlichen Forschung um ein eminent wirtschaftliches Problem handle.
Nach der Wegnahme der deutschen Patente im Werte von acht bis zehn Milliarden Mark seien neue Forschungen notwendiger denn je. Im vergangenen Jahre habe die Notgemeinschaft zwei Millionen Mark von den Ländern und eine halbe Million Mark vom Bund und von privaten Spendern erhalten. Jetzt erwarte sie vier Millionen Mank von den Ländern, zwei Millionen Mark vom Bund und einige Millionen aus ERP-Mitteln, was noch immer ein lächerlich kleiner Betrag angesichts ihrer Aufgabe sei, die deutsche Wissenschaft auf das internationale Niveau zu heben. Von seifen des Stifterverbandes sei bis jetzt gegen eine Million Mark für wissenschaftliche Zwecke gegeben worden.
Hcn Höhepunkt der Tagung werden die große Kundgebung der Deutschen Wissenschaft mit einer Ansprache des Bundespräsidenten und die Versammlung des Deutschen Forschungsrates mit einer Rede seines Präsidenten, Professor Heisenberg bilden.
Der Forschungsrat hat sich, wie mitgeteilt wurde, gegen die Beschränkungen
der deutschen Forschung ausgesprochen, vor allem auch gegen die halbjährliche Vorlage aller Forschungsergebnisse.
Hungerstreik in Eichstätt
We. München, 1. August. (Eigener Drahtbericht.) Ministerialdirektor Sachs hat im Entnazifizierungsausschuß des Bayerischen Landtags über den Hungerstreik von acht Insassen des Arbeits- und Festhaltelagers Eichstätt berichtet, von denen einer bereits zur Zwangsernährung in das Eichstätter Krankenhaus gebracht worden ist. Die Internierten verlangen nach der kürzlich vorgenommenen Verabschiedung des „Gesetzes über den Abschluß der Entnazifizierung“ die Auflösung des im Gerichtsgefängnis untergebrachten Lagers. Der Referent bemerkte dazu, der bayerische Ministerpräsident habe von seinem ihm nach dem Befreiungsgesetz zustehenden Begnadigungsrecht bisher keinen Gebrauch gemacht. Der Ausschuß kam zu dem Ergebnis, daß die Klagen der Internierten unberechtigt seien, da ihre Unterbringung keinen Grund zu Beanstandungen gebe.
Sie sparen den Brautstaat
London, 1. August, (dpa) Der König und die Königin der amerikanischen Nudisten haben nach einer Meldung der Londoner „Daily Mail“ mitgeteilt, daß sie heiraten werden. Die jetzt 27jährige Nudistenkönigin Vicki Atkins erklärte: „Die Braut wird nichts anhaben, auch der Bräutigam nichts und die Gäste auch nichts.“ Der Bräutigam, Frank Molnar, hofft, daß ein nudistischer Pfarrer die Trauzeremonie vornehmen wird. „Man kann also wirklich nicht viel über die Kleidung sagen“, bemerkt die „Daily Mail“ in ihrem Bericht.
Stimmen der Andexen
Befriedigung
Ueber die Lösung der Königskrise in Belgien herrscht in Paris Befriedigung.
Das Blatt der Volksrepublikaner „L ’ Aub e“ überschreibt seinen Leitartikel: „Vive la Belgique!“ und erklärt, Belgien sei nicht nur ein befreundetes Land und ein Nachbarstaat, sondern eine Schwesternation, mit der Frankreich seit mehr als einem halben Jahrhundert Gefahren, Unglück und Ruhm geteilt habe.
Der linkssozialistische „Franc Tire u r“ bemerkt:
„In Belgien ist der Beweis geführt worden, daß man in einer Demokratie nicht gegen den Willen der Arbeiterklasse regieren kann. Es ist unbestreitbar, daß der Widerstand der Sozialistischen Partei Belgiens und der sozialistischen Gewerkschaften gegen König Leopold die wirklichen Interessen der belgischen Arbeiterschaft zum Ausdruck gebracht hat. In unserem Land, wo das Abenteuer die ,Könige“ immer wieder kitzelt, die zwar keine Krone, aber Sterne tragen, wird diese Lehre heilsam sein.“
Der sozialistische „Populaire“ er¬ klärt:
„Keine andere Lösung als die Beseitigung des Königs, wie und unter welchen Formen sie auch immer durchgeführt wurde, vermochte blutige Zusammenstöße und den Bürgerkrieg zu verhindern.“
Das Rechtsblatt „L ’E p oque“ hegt Besorgnisse um die belgische Einheit und fragt, ob die Zugeständnisse des Königs als Akt der Befriedung oder als eine Schwäche'gedeutet werden können.
„Jede Schwächung der künftigen Macht wirft erneut die Frage der Beziehungen zwischen Flamen und Wallonen auf. Wilhelm 11. und später Hitler haben die Spaltung Belgiens als Kriegsziel angestrebt. Werden die politischen Leidenschaften die Träume der Alldeutschen verwirklichen?“
200 Dollar
Im „Sozialdemokratischen Pressedienst“ erzählt Gerhart H. Seger aus Neuyork, wie das Dekabel in Korea be¬ gann:
„Im Haushaltsausschuß (am 26. Juni) erschien der Chef des Nachrichten-Dienstes, Admiral Roscoe H. Hillenkoetter, und nahm seine Abteilung in Schutz. Er verlas einen vertraulichen Bericht vom 20. Juni, also fünf Tage vor dem Ueberfall, in dem die Regierung in Washington darüber informiert wurde, daß nicht nur große Truppenansammlungen nördlich des 38. Breitengrades erfolgt seien (mit genauer Beschreibung der Kategorien und Verbände), sondern daß auch neue Chausseen für den Transport schwerer Artillerie und ähnlichem Kriegsmaterial gebaut worden seien. Die Mitglieder des Senatsausschusses stimmten überein, daß dieser Bericht die Regierung hätte hellhörig machen sollen.
Schließlich sprach Generalmajor Lyman L. Lemnitzer, Direktor des Büros für Militärhilfe ans Ausland. Seine Aussagen waren noch peinlicher für die Regierung, und zugleich bewiesen sie, daß kein Land der Erde so weltenweit davon entfernt war, einen Krieg zu erwarten, geschweige denn selber herbeizuführen, wie die Vereinigten Staaten.
Lemnitzer wurde gefragt, wieviel von der für Korea bewilligten Summe von 10 230 000 Dollar für militärische Unterstützung denn vor dem Angriff an die koreanische Republik gelangt sei. Zögernd erwiderte Lemnitzer, nur für einen sehr geringen Betrag sei etwas Signalausrüstung tatsächlich an Korea geliefert worden. Für wieviel, wollte Senator Ferguson wissen. Für sehr wenig Geld, antwortete General Lemnitzer. Für wieviel? bestand Senator Ferguson auf seiner Frage. Also mußte General Lemnitzer herausrücken: für 200 Dollar. Von den bewilligten 10 230 000 Dollar für militlirische Ausrüstung der Republik Korea waren also vor dem Ueberfall ganze 200 Dollar tatsächlich ausgegeben worden — kann sich da noch jemand wundern, daß die kommunistischen Nordkoreaner, die das sicher durch ihren Spitzeldienst wußten, sich gerade den gegenwärtigen Zeitpunkt für ihren Ueberraschungsangriff ausgesucht haben?
Die weitere Vernehmung des Generals Lemnitzer und seines Vizedirektors John H. Ohly ergab, daß trotz flehentlicher Bitten der Republik Korea nicht ein einziges Kampfflugzeug geliefert worden war. Dann kam die entscheidende Frage: Hat das Büro für Militärhilfe an das Ausland wenigstens einen Plan ausgearbeitet, um Korea mit den Verteidigungsmitteln gegen einen Angriff aus dem Norden auszustatten? John Ohly mußte darauf mit „Nein“ antworten. Heber den Rest der Ausschußberatung kann nicht öffentlich berichtet werden, da die Ausschußmitglieder über den Mangel an Vorbereitung zur Verteidigung der Republik Korea gegen eine Invasion vom Norden so empört waren daß sie beschlossen, die Beratungen hinter verschlossenen Türen fortzusetzen.“
Keine Einigung in Düsseldorf
Arnold bildet Uebergangskabinett
Fö. Düsseldorf, 1. August. In Nordrhein-Westfalen erklärte Ministerpräsident Arnold vor dem Plenum des Landtages, die Verhandlungen über eine Regierungskoalition auf ausreichender Grundlage hätten bis Dienstag früh keinen Erfolg gehabt. Er habe sich daher zu einer Uebergangsregelung entschlossen, weil der regierungslose Zustand vor dem Volk nicht länger habe verantwortet werden können.
Mit 60 Jahren ohne Wohnurecht
Leipzig, 1. August. (AP.) Der Magistrat von Leipzig hat ein Gesetz verabschiedet, nach dem alle Leipziger mit sechzig Jahren ihr Wohnrecht verlieren. Sie müssen bei Erreichen dieser Altersgrenze ihre Wohnung aufgeben und entweder zu Verwandten ziehen oder sich damit einverstanden erklären, daß sie mit anderen alteren Personen in einer Wohnung untergebracht werden. Die dadurch freiwerdenden Wohnungen sind für sogenannte „Aktivisten" vorgesehen.
Straßengefahren
Newman fordert Sicherheits-Bestimmungen
Newman bat^n Duer Landeskommissar für Hessen, Dr. James R. siZXTt ÄUT" Sc’reibTen an Ministerpräsident Stock, die Verkehrslassen und dip aß es®lscben Landstraßen und Autobahnen überprüfen zu issen untl die Straßen in Hessen so verkehrssicher wie möglich zu machen.
Vordringlich abzustellen seien folgende uebelstände: Zu schwer beladene Lastwagen mit Anhängern hielten sich beim Entgegenkommen oder Ueberholen anderer Fahrzeuge nicht auf der rechten Seite, da sie es mit Rücksicht auf ihre Ladung nicht riskieren könnten, am Straßenrand zu fahren. Die Anzahl ihrer Anhänger zwinge sie, in den Kurven und an Ecken die verkehrte Fahrbahn zu benutzen.
Eine weitere Landstraßengefahr stelle die große Anzahl von Lastwagen dar, die auf Grund irgendwelcher Mängel auf den Landstraßen und Autobahnen parken. Dieses komme daher, daß die Fahrzeuge vor Beginn der Fahrt nicht auf ihren Zustand und ihre Straßenfestigkeit überprüft worden seien.
Der Landeskommissar schlägt vor, die hessische Regierung möge bestimmen, daß die Zahl der Anhänger, besonders solcher ohne Bremsen, beschränkt werde. Ferner müsse sichergestellt werden, daß kein Fahrzeug so gebaut oder beladen werde, daß es dadurch in seiner Verkehrssicherheit beeinträchtigt werde.
Unter einem Trenhänder
H. G. R. Wiesbaden, 1. August. (Eigener Bericht.) Vertreter der Geschäftsführung der Jüdischen Industrie- und Handelsbank in Frankfurt am Main sprachen am Dienstagnachmittag bei Ministerpräsident Stock vor, um ihm über die Vorgänge bei der Bank zu berichten.
Am Dienstagvormittag hatte der hessische Finanzminister außer der Einsetzung eines Treuhänders angeordnet, daß das Unternehmen durch die deutsche Revisions- und Treuhändergesellschaft beschleunigt überprüft werde. Anlaß zu diesen Maßnahmen war der Verdacht, daß bei der Bank Transaktionen vorgenommen worden sein sollen, die das Finanzministerium stutzig machten. Von dem bisherigen Vorstand ist Direktor Mariem im Amte belassen worden.
Ministerpräsident Stock hat eine beschleunigte Ueberprüfung des Unternehmens zugesagt.
Kampfmittel oder neue Form ?
Die Gründung des Groß-Umstädter Landsgemeindetages
hwd. Darmstadt, 1. August. Als die fünfzehn von zwanzig Bürgermeistern aus dem „Wirtschaftsgebiet -Um¬ stadt“ am letzten Samstag in der Oden¬ walder Weininsel den Umstädter Landsgemeindetag gründeten, waren sie sich wahrscheinlich nicht ganz über die Tragweite ihres Entschlusses im klaren. Denn was will dieser Landsgemeindetag denn? Nach den Worten seines Präsidenten, des ersten Kreisdeputierten im Landkreis Dieburg und Beigeordneten der Stadt Groß-Umstadt Ludwig Wedel soll die Landsgemeinde „in allen Fragen der Kommunalpolitik, die das Wirtschaftsgebiet betreffen, gemeinsam gegen den Kreis, das Land Hessen und den Bund vorgehen.“
Stellt es schon ein Novum dar, ein so kleines Gebiet als eigenes Wirtschaftsgebiet mit enger Umgrenzung zu bezeichnen, ist es auf der anderen Seite nach unserer Meinung ein gefährliches Beginnen, an den Anfang der Arbeit des Landsgemeindetages eine so scharfe Kampfansage gegen die verfassungsmäßigen Organe der Selbstverwaltung bzw. der Regierung zu stellen. Man sollte doch in Groß-Umstadt nicht vergessen, daß die „Schweizerische Landsgemeine“, die zweifellos — r^ben manchen, uns bekannten parteipolitischen und privaten Interessen — bei der Gründung Pate stand, in der Schweiz das Organ der kommunalen Selbstverwaltung schlechthin darstellt.
Diese Aufgabe kann die Umstädter Landgemeinde in keinem Falle übernehmen, denn ihr stehen der aus freien Wahlen der Gesamtbevölkerung hervorgegangene Kreistag, der Landtag und der Bundestag gegenüber. Den aus diesen Gremien hervorgegangenen Regierungen aber hat man den Kampf angesagt.
Zugegeben: Groß-Umstadt und sein Hinterland, bestehend aus einer ganzen Reihe kleiner Gemeinden, hat seine Sorgen. Der Kreis sowohl als auch das Land Hessen haben bis heute für sie noch nicht das Verständnis aufgebracht, das man in Groß-Umstadt erwartet hatte. Auf der anderen Seite aber war die kommunale Verwaltung in Groß-Umstadt so unvorsichtig — sie selbst nannte es fortschrittlich —, Dinge zu planen und mit ihrer Durchführung zu beginnen, die weit über den Rahmen einer Kleinstadt mit rund 7 000 Einwohnern hinausgehen. Beispiel dafür ist das Stadtkrankenhaus, das an sich notwendig war, in seiner Anlage aber entschieden zu groß geriet und die Finanzen der Stadt empfindlich belastet. Die Spekulation, es zum Kreiskrankenhaus erhoben zu sehen, erfüllte sich leider nicht, denn in Dieburg, der eigentlichen Kreisstadt, dachte man nicht daran, auf nur irgendeinem Gebiet, und sei es auch nur auf einem so „nebensächlichen“, sein Erstgeburtrecht an Groß-Umstadt abzutreten.
Damit ist ein weiterer Grund, der zur Gründung des Umstädter Landsgemeindetags führte, angedeutet. Seit Jahren besteht eine gewisse Rivalität zwischen der Kreisstadt Dieburg und Groß-Umstadt. Es fehlt in Groß-Umstadt nicht an Personen von Einfluß, die behaupten, daß das Schwergewicht in wirtschaftlichen und vor allem kulturellen Dingen im Kreise Dieburg in Groß-Umstadt läge. Und diese gleichen Kreise sähen es durchaus als richtig und normal an, wenn auch der politische Schwerpunkt nach Groß-Umstadt verlegt und die Odenwälder Weininsel Kreisstadt würde.
Aber auch in diesem Punkte scheint uns ein Trugschluß vorzuliegen. Das soll durchaus nicht heißen, daß man in Groß-Umstadt in kulturellen und wirtschaftlichen Dingen hinter der Kreisstadt herhinke. Im Gegenteil: Sowohl das Realgymnasium, die Landwirtschaftsschule, der Bund für Volksbildung und viele andere Einrichtungen zeugen von einer großen Aktivität auf diesem Gebiet. Sie berechtigt aber nicht zu der Forderung, den Sitz der Kreisverwaltung, die bis jetzt nur ein Wunschtraum ist, zu verlegen.
Die Umstädter Landsgemeinde kann, davon sind wir überzeugt, zu einem wertvollen Instrument der verfassungsmäßigen Verwaltungs- und Regierungsorgane werden. Sie kann diese aber nicht ersetzen und wird in dem von ihr angesagten Kampf gegen Kreis, Land und Bund immer wieder den kürzeren ziehen.
Transport-Gewerkschaft
kündigt Lohntarifverträge
Frankfurt, 1. August (dpa). Die Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr hat alle laufenden Lohntarifverträge zum nächstzulässigen Termin gekündigt. Die Gewerkschaft begründet diesen Schritt mit den „eingetretenen und sich noch anbahnenden Preissteigerungen“.
Gablonzer: Vorbildlich
Oberursel, 1. Aug. (dpa) Die hessische Glas- und Schmuckwarenindustrie in Oberursel, die gegenwärtig mit etwa 400 Arbeitern neben Schmuckwaren-Betrieben im Westerwald die Tradition der weltbekannten Gablonzer-Industrie fortsetzt, ist bestrebt, ihren Aufbau zu vollenden. Der Exportumfang hat jetzt etwa 90 Prozent des Produktionsumfanges erreicht.
Geplant ist eine geschlossene Industriesiedlung von 10 kombinierten Betriebs- und Wohngebäuden in Oberursel. Dadurch sollen 60 neue Arbeitsplätze für Facharbeiter geschaffen werden. Mit dieser geplanten Industriesiedlung wird die drückende Wohnraumnot der Gablonzer allerdings noch nicht endgültig beseitigt. Es werden dringend 12 Wohnungen in Stierstadt, 20 in Oberursel und 10 in Bad Homburg benötigt.
„Im wesentlichen unzutreffend“
Die Prüfung der Vorwürfe gegen die Landesheilanstalt Eichberg
Wiesbaden, 1. August. Die vom hessischen Innenministerium eingesetzte Prüfungskommission hat sich mit der Landesheilanstalt Eichberg und den Vorwürfen befaßt, die die illustrierte Zeitschrift „Stern“ gegen die leitenden Aerzte der Anstalt, Dr. Hinsen und Dr. Ohm, erhoben hatte. Im „Stern“ wurde gefragt, ob es wahr sei, daß zwei Anstaltsinsassen nach Injektionen, die als Strafe verabreicht worden waren, gestorben seien und ob Patienten nach ihrer Genesung in der Anstalt als Arbeitskräfte zurückbehalten worden seien.
Der Vorsitzende der Prüfungskommission, Professor Villinger, erklärte — wie der hessische Rundfunk meldet —, daß die im „Stern“ gewählte Darstellung „im wesentlichen unzutreffend“ sei. Ueberhaupt scheine im „Eichberg kein großes Unrecht“ geschehen zu sein. Isolierungen im Keller habe es schon seit mehreren Jahren nicht mehr gegeben. Alkoholspritzen, die laut dem „Stern“ zweiwöchige Uebelkeit verursachen, werden in der Anstalt nicht verwendet, lediglich sei mit Olobintin gespritzt worden. Diese Anwendung werde jedoch nicht für zweckmäßig erachtet, da die gleiche Wirkung wie bei Alkoholspritzen eintrete, jedoch nicht für die Dauer von vierzehn Tagen, sondern nur für einige Stunden. Auf keinen Fall sei diese Spritze zur Bestrafung verabreicht worden.
Die Prüfungskommission vertrat ferner den Standpunkt, daß die gleichzeitige Verwendung des Anstaltsleiters Dr. Hinsen als Gutachter beim Städtischen Gesundheitsamt Wiesbaden nicht zweckmäßig sei. Es wurde vorgeschlagen, Professor Zutt, Frankfurt a. Main, bei den jährlichen Besuchen des Amtsarztes für den Regierungsbezirk Wiesbaden als Sachverständigen hinzuzuziehen.
Die Feststellungen der Kommission stützen sich auf Prüfungen des Krankenbuches und auf Aeußerungen der Aerzte und Pfleger, sowie auf die Befragung von dreißig bis vierzig Patienten, wobei in erster Linie solche Patienten befragt wurden, die Klagen oder Beschwerden vorgebracht haben.
Das Berufungsverfahren gegen Eber¬ hard Wolfgang Möller ist von der Zentralberufungskammer in Stuttgart auf Grund des Gesetzes zum Abschluß der Entnazifizierung eingestellt worden.
Wechselnd bewölkt
Eigener Wetterbericht
Ein zwischen Island und Irland liegendes Tief gewinnt vorübergehend wieder etwas mehr Einfluß auf unser Wetter. Bei westlichen Winden bleibt es noch unbeständig.
Aussichten bis Donnerstag: Wechselnd wolkig, zeitweise wieder Schauer. Mäßige westliche Winde. Temperatur wenig geändert.
Der Rundfunk am Donnerstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 15.15 Musik; 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrofon; 16.00 Hausfrauenkonzert; 17.15 Unbeschwerte Musik; 18.00 Hörerlieblinge; 18.30 „Mein bester Kamerad ist die Harmonika“; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Unterhaltungsmusik von heute; 21.45 Passiert — glossiert; 22.15 Klaviermusik und Lieder von Clementi und Schubert; 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.00 Schulfunk; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.05 Junge Künstler stellen sich vor; 18.00 Unterhaltungsmusik; 20.00 Die Leute von nebenan; 20.30 Eins nach dem anderen; 22.45 Tanzmusik; 0.05 Jazz im Funk.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Hallo München; 15.30 Nachwuchs stellt sich vor; 16.15 Nachmittagskonzert; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 „Rudolf Nelson spielt“; 22.30 Die großen Meister; 23.30 Für Kenner und Liebhaber.
NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Mittagskonzert; 15.00 Musik zur Unterhaltung; 15.40 Das Hamburger Radio-Tango-Orchester; 16.50 Robert Schumanns Klavier werke; 18.00 Zwischen sechs und sieben; 20.00 „Romeo und Julia“; 22.15 Barnabas von Geczy spielt; 22.30 Ich stell den Rundfunk ganz leise ein; 0.05 Berlin am Mikrofon.
Wirtschaftsblatt
Von Pérignon zu Dr. Ott
-ws. Etwa um das Jahr 1680 erfand Dom Perignon, Benediktiner-Mönch und Kellermeister der Abtei Hautviller§ in Frankreich, ein Verfahren zur Herstellung des schäumenden Weines, den er „vin mousseux de la Champagne“ nannte. Das neue, Auge und Geschmack zugleich bestrickende Getränk fand schnell seine Käufer: Es war zu lustig, in einem Glase den „anmutigen Tanz der Gas-Atome“ zu beobachten und dann einen abgelagerten, klaren und doch stark schäumenden Wein zu trinken. Ludwig XIV. soll einer der ersten großen Konsumenten des neuen Getränkes gewesen sein, das unter der Bezeichnung „Champagner“ bald in der ganzen Welt berühmt wurde.
Del' Mönch Dom Perignon und alle, die nach seiner Methode den Champagner — in Deutschland „Sekt“ genannt — herstellten, waren trotz ihrer Sorge um den Flaschenbruch zu beneiden, denn sie kannten keine — Absatzschwierigkeiten. Mit diesen Absatzschwierigkeiten aber hat die deutsche Sektindustrie heute zu kämpfen, und zwar in einem Ausmaß, das bei Fortdauer der derzeitigen Markttendenz den Zusammenbruch dieses Wirtschaftszweiges vermuten läßt. Die Gründe für diese Absatzschwierigkeiten liegen vorwiegend in dem Kriegszuschlag von 3 DM je Flasche, der heute, fünf Jahre nach Kriegsende, immer noch erhoben wird.
Die Krisensituation, in der sich die deutsche Schaumweinindustrie infolge der Erhebung dieser ungerechten Steuerlast befindet, scheinen jetzt endlich auch die zuständigen Stellen in Bonn erkannt zu haben. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten der verschiedensten Parteien verlangt die Aufhebung der Schaumweinsteuer. „Die ernste Lage, in der sich die gesamte Sektindustrie befindet, zwingt zum schnellen Handeln“, heißt es in der Begründung des Antrages. In Bonn hat die Tatsache Heiterkeit erregt, daß an der Spitze der Antragsteller der unabhängige Abgeordnete Dr Franz Ott steht, der katholischer Geistlicher ist. Vielleicht erinnert sich Dr. Ott an die Kapelle der Abtei Hautvillers, in der noch heute in dankbarem Gedenken an den Erfinder des schäumenden Weines eine Flasche Sekt steht. Vielleicht fühlt sich Dr. Ott aber auch verpflichtet, für seinen großen Vorgänger, den Mönch Dom Perignon, einzutreten, der mit seiner Erfindung der Welt die gute Laune selbst schenkte. Auf jeden Fall hat Dr. Ott den Mut, endlich eine Frage aufzurollen, die für einen wichtigen deutschen Wirtschaftszweig zur Lebensfrage geworden ist.
Deutsche Delegation für Athen
Bz. An dem Internationalen Weinbaukongreß in Athen vom 24. August bis 2. September 1950 wird erstmals wieder nach dem Kriege eine große deutsche Delegation teilnehmen. Als Delegierte der Bundesregierung sind für den Kongreß nominiert worden der Minister für Landwirtschaft und Weinbau von Rheinland-Pfalz, Oskar Stübinger, als sein ständiger Vertreter Ministerialrat Dr. Freiherr von Canstein vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Weiter gehören der Delegation noch an: der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes Graf Matuschka-Greiffenclau sowie Weingutsbesitzer Schmidt, Nierstein, als Vertreter des Weinhandels, und Präsident Rechtsanwalt Kaspers, Koblenz, als Vertreter der Winzergenossenschaften.
D-Zug-Wagen für Brasilien
HB. Die MAN-Werke in Gustavsburg sind im In- und Ausland schon immer ein Begriff für beste Werkmannsarbeit gewesen. Neben ihren eigentlichen Erzeugnissen wie Brückenbauten, Schleusenanlagen, Dreh- und Theaterbühnen und Stahlblechbauten, wurde im Jahre 1948 versuchsweise und später in Serienfabrikation die Erstellung von Stahlhäusern aufgenommen.
Bedingt durch die stark gesteigerten Anforderungen des Schwesternwerkes in Nürnberg, hat das Werk dem Gustavsburger Betrieb nun auch die Fertigung von 30 modernen D-Zug-Wagen übertragen. Vorerst sind es zwar nur dreißig auf das komfortabelste eingerichtete Wagen, die in Brasilien für Gustavsburger Erzeugnisse werben. Es mehren sich aber die Anzeichen, daß auch auf anderen Gebieten Nachfrage, insbesondere nach Stahlblech- und Brückenbauten aus überseeischen und fernöstlichen Ländern herrscht.
Weniger verbilligter Treibstoff
zr. Das Bundeswirtschaftsministerium hat angeordnet, daß ab 1. August die Treibstoffzuteilungen für bevorzugte Verbrauchergruppen, zu denen insbesondere Landwirtschaft und Schiffahrt gehören, um 30 Prozent gekürzt werden. Diese Maßnahme war notwendig geworden, weil durch die Preissteigerungen für Treibstoff auf den Weltmärkten die Abschöpfungsbeträge für Dieselkraftstoff von bisher 3 Pfennig je Kilo gänzlich fortgefallen sind und die für Vergaserkraftstoff von 4 Pfennig auf 2 Pfennig je Liter gekürzt werden mußten.
F. A. Z. Portlandzementwerke Heidel¬ berg AG. In der Sitzung des Aufsichtsrates vom 25. und 26. Juli 1950 wurden die DM-Eröffnungsbilanz zum 21. Juni 1948 und der Jahresabschluß zum 31. Dezember 1949 festgelegt. Das Kapital der Gesellschaft (30 Millionen Reichsmark) wird 1:1 umgestellt. Für die Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1949 wird eine Dividende in Höhe von 6 Prozent ausgeschüttet.
Der Lastenausgleich
Wir veröffentlichen die Grundzüge des im Finanzministerium ausgearbeiteten Referentenentwurfes zum kommenden Lastenausgleichgesetz. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß es sich bei diesem ersten Entwurf nur um eine Diskussionsbasis handelt, und daß im Laufe der Verhandlung des Gesetzes im Bundestag und Bundesrat wesentliche Änderungen noch möglich und wahrscheinlich sind.
dpa. Der Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums zum Lastenausgleich wird zur Zeit bei den Bundesministerien und den Koalitionsparteien im Bundestag eingehend beraten. Führende Abgeordnete der Koalitionsfraktionen erörtern den Entwurf seit Mittwoch vergangener Woche in Klausur in Bonn und werden der Bundesregierung Empfehlungen zu seiner Abänderung vorlegen.
Der in Konklave in Schmitten (Taunus) erarbeitete Referentenentwurf sieht eine Entschädigung für Vertriebene und Kriegsgeschädigte vor. Die hierfür benötigten Beträge sollen in 23 Jahresraten bis zum 1. März 1974 aufgebracht werden. Grundsätzlich ist eine 50prozentige Vermögensabgabe vorgesehen, die durch eine Vermögenssteuer und durch Sonderabgaben auf Schuldnergewinne ergänzt wird. Die Kriegssachschäden werden berücksichtigt, soweit das abgabepflichtige Vermögen 80 000 DM nicht übersteigt. Geldvermögen und Geldansprüche, die in einem stärkeren Ausmaß als fünf zu eins abgewertet wurden, bleiben bei der Ermittlung des abgabepflichtigen Vermögens außer Betracht Für Hausbesitz und land- und forstwirtschaftliches Vermögen ist eine niedrigere Abgabeschuld vorgesehen.
Die Entschädigung soll — dem Entwurf zufolge — vor allem in Form von Kapital erfolgen. Auf Antrag kann das Kapital auch in eine Leibrente umgewandelt werden, oder es können Naturalleistungen an Zahlungsstatt treten. In beschränktem Umfang sollen auch Währungsgeschädigte eine Leibrente erhalten können. Hierauf haben jedoch nur solche Währungsgeschädigten Anspruch, die Altsparguthaben verloren haben und Not leiden, weil sie nicht mehr erwerbsfähig sind und sonst kein Vermögen oder Einkommen besitzen.
Die Vertriebenen und Kriegsgeschädigten haben Anspruch auf eine „Hauptentschädigung“ als Ausgleich für erlittene Vermcgrn'”chäden oder Verlust der beruflichen Lebensstellung. Daneben besteht Anspruch auf Hausrathilfe und auf Hilfe bei Erstellung oder Zuteilung von Wohnraum.
Die Belastung der Vermögen
Beim Bemessen der Abgabepflicht werden die Zahlungen der Soforthilfe grundsätzlich angerechnet. Neben der allgemeigabe auf sonstige Schuldnergewinne gewerblicher Unternehmungen und schließlich eine Sonderabgabe vom Vorratsvermögen, die aber durch die entsprechende Abgabe des Soforthilfegesetzes abgegolten sein soll Die allgemeine Abgabe ist vom 1. April 1951 an bis 31. März 1974 zinslos in 92 gleichen Vierteljahresbeträgen zu entrichten. Sie gründet sich auf die Einheitswerte. Für Aktiengesellschaften ist dabei eine etwa 50prozentige Minderbewertung des Aktienkapitals vorgesehen, damit die Doppelbesteuerung bei der Gesellschaft und beim Aktionär gemildert wird. Bei dringenden sozialen Notständen des Abgabepflichtigen wird die Abgabe erlassen, be-’ehungsweise gestundet.
Maßgebend für die Höhe der Abgabe ist der Vermögensstand vom 21. Juni 1948, dem Währungsstichtag. Vermögensteile in der Sowjetzone, in Berlin oder im Saarland sind von der Abgabe ausgenommen. Das gleiche gilt für Gelder- oder Geldforderungen, die im Verlauf der Währungsreform in einem ungünstigeren Verhältnis als fünf zu eins abgewertet worden sind.
Kriegsschäden werden berücksichtigt, wenn ihr Ausmaß mindestens 30 Prozent des Stichtagvermögens beträgt und das Vermögen 80 000 DM nicht übersteigt. Der Abgabepflichtige wird erst dann von der Vermögensabgabe befreit, wenn der Schaden das Vierfache des noch vorhandenen Vermögens aus:—iht. Kriegsschäden in der Sowjetzone und in Berlin und Währungsschäden bleiben unberücksichtigt. Schulden können voll abgesetzt werden. Es wird ein Freibetrag von 5 000 DM gewährt, der jedoch bei Vermögen über 15 000 DM fortfällt.
Die Sonderabgaben im Lastenausgleich
Am 1. Januar 1953 tritt bis 1974 eine Vermögenssteuer in Höhe von jährlich 1 Prozent in Kraft. Die normale Vermögenssteuer von 0,75 Prozent wird in dieser Zeit nicht erhoben. Für die Lastenausgleichsvermögenssteuer gelten niedrigere Freibeträge als für die normale Vermögenssteuer. In den Jahren 1951 und 1952 wird eine einmalige Vermögensabgabe in Höhe von 2 Prozent des Vermögens erhoben.
Der Entwurf hebt die bisherigen Umstellungsgrundschulden auf, setzt aber dafür eine Reihe von Sonderabgaben auf Hypothekengewinne, Obligationsgewinne und sonstige Schuldnergewinne fest. Damit werden sämtliche Gewinne von Schuldnern aus dinglich gesicherten Forderungen zugunsten des Lastenausgleichsfonds abgeschöpft. Gewinne aus Krediten bei gewerblichen Unternehmen verfallen ebenfalls dem Lastenausgleichsfonds. Gläubigcrverluste können allerdings von den Schuldnergewinnen abgezogen werden. Alle diese Sonderforderungen sind genau so zu verzinsen und zu tilgen wie die abgewerteten Reichsmarkverpflichtungen zu verzinsen und zu tilgen gewesen wären. Die Kreditgewinne der Gewerbebetriebe werden anhand eines Vergleiches der RM-Abschluß- und der DM-Eröffnungsbilanz festgestellt.
Die Abgabepflicht betrifft grundsätzlich alle natürlichen und juristischen Personen im Bundesgebiet. Auch die Kommunalbetriebe werden davon erfaßt. Ausnahmen gelten unter anderem für sämtliche Banken, Sparkassen, gemeinnützige, kirchliche oder politische Institutionen aber nicht für gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaften, für das Grundvermögen des Bundes und der Länder, die Post, die Eisenbahn, die Bundesautobahn, Bundes- und Landesstraßen und Wasserstraßen. Schließlich sind reine Verwaltungsgesellschaften, deren Streben nicht auf Gewinn gerichtet ist, dem Lastenausgleich nicht unterworfen.
Markt- und Börsenberichte
F.A.Z. An der Frankfurter Börse wurden mit Interesse die opl listischen Aeußerungen des Bundeswirtschaftsministers über den Konjunkturaufschwung in Westdeutschland registriert. Die freundliche Stimmung wurde indessen durch die allgemeine Unsicherheit kompensiert, die sich aus der Eröffnungssitzung des Weltsicherheitsrates ergibt. Infolgedessen konnte sich das Geschäft nicht recht beleben, sondern beschränkte sich auf kleinere Käufe und Verkäufe, so daß das Kursgefüge sich vor allem an d Aktienmärkten nicht allzu stark veränderte.
Frankfurter Großmarkthalle
Bz. Es standen reichliche Zufuhren aus dem Inland und a nnähernd 115 Waggons Gemüse und Obst aus dem Ausland zum Angebot. Deutscher Blumenkohl 10—35 (25 bis 40), holl, die Steige mit acht bis zehn Stück 4,50—6, Salatgurken 50 kg 4—5 (2—3), Salzgurken 6—B, Essiggurken 10—12, Weißkohl 5—7 (6—7). Wirsing 6—lo, grüne Buschbohnen 10—15 (8—12), Stangenbohnen J 5 bis 20 (16—20), Kopfsalat 100 Stück 7—B, deutsche Zwiebel 10—12 (7—12). deutsche Tomaten 20 bis 23.
Sommeräpfel 25—30, Pflaumen 15—18 (20 bis 25), deutsche Birnen 10-18-, Zuckerbirnen 3—5, Klaps-Lieb 10—30, ital. 30. Aprikosen 50—70 (45—65), Pfirsiche 50—60 (40 bis 50), ital. 42,5—45, Mirabellen 28—30, Stachelbeeren 15—20, Heidelbeeren 22—25, Brombeeren 25—28, Rote Johannisbeeren 12 bis 18 (13—15), Reineclauden 12—20 (15—25), franz. 25
Mannheimer Produktenbörse
pbz. Der Preisauftrieb bei Brotgetreide hat auch zu erheblichen Rückwirkungen auf den Futtermittelsektor geführt. Für Milocorn werden bis 26 DM ab badischen Stationen geboten, während Mais vereinzelt über 30 DM ging, aber nur direkt verkauft wurde. Mühlennachprodukte sind gesucht, insbesondere Kleie. Weizennachmehl erzielte 18—19 DM. Weizenfuttermehl 14 bis 14,50 DM je DopneUantner. Biertreber und Malzkeime oberrheinischer Mälzereien sind zu 19,50—20 DM, bzw. 18—19,50 DM je nach Qualität waggonfrei Mannheim greifbar.
Feuilleton
Anton Grauel: Kniende Pergamon
Probleme der modernen Kunst
EINE VORTRAGSFOLGE IN HEPPENHEIM
Wegen der Fülle des Bildmaterials mußte der Bensheimer Bildhauer Hans Mühlhäuser seinen Lichtbildervortrag in der amerikanischen Lesehalle in Heppenheim auf zwei Abende verteilen und behandelte am ersten Abend die Bildhauerei und am zweiten die Malerei im 20. Jahrhundert.
Als die Kunst um 1897 im Jugendstil immer mehr verflachte, erkannten einige Künstler, daß Wege gefunden werden mußten, um die Kunst wieder neu zu beleben und aus der Traumwelt der Romantik in die Wirklichkeit zurückzukehren. Kunst hänge sehr eng mit Religion und Philosophie zusammen, und die Grenzen lägen hier bereits im Ueberirdischen.
Mit seinen Lichtbildern zeigte Mühlhäuser Aufnahmen von Gemälden, Zeichnungen und Plastiken aus dem 20. Jahrhundert und gab einen Ueberblick über das künstlerische Schaffen der bedeutendsten Vertreter dieser Zeit. Deutlich wurde der Unterschied der einzelnen Richtungen erkennbar und die Entwicklung von der wirklichkeitsnahen Darstellung über die immer freiere Gestaltung bis zur einfachen Andeutung der Linien und Formen zur Abstraktion, ließ sich verfolgen. Während einige Maler durch starke Farbenkontraste Wirkungen zu erzielen suchten, seien andere bestrebt, irgendwelche Stimmungen durch einfache Linien und geometrische Figuren auszudrücken.
Interessant war die Reaktion des Publikums bei den verschiedenen Aufnahmen. Im allgemeinen konnte man feststellen, daß allzu kühne Gebilde, Linienführungen und Farbkompositionen meist Ablehnung fanden oder mit trockenem Humor aufgenommen wurden. Es wurde angeregt, solche Diskussionsabende über moderne Kunst im kleineren Kreise fortzusetzen. (HB)
Die Flucht in die Freiheit
VON A. E. JOHANN„Draußen wären wir!“
Paul flüsterte zurück: „Ruhig Blut, Mann! Die Hauptsache ist geschafft; das übrige wird sich finden.“
Die beiden lagen lang im hohen Gras >-nd blickten über die Kante des steilen Abhanges in das weite Tal hinunter, dem sie mühsam entstiegen waren.
Wie Perlenschnüre schimmerten die Lampenreihen, die das mächtige Geviert des großen Lagers bezeichneten. Von den Ecktürmen blitzten zuweilen Scheinwerfer auf und tasteten das Vorgelände des doppelten Stacheldrahtzaunes ab. Die langen Baracken inmitten lagen dunkel. Nur dort, wo ein Lichterbogen den Haupteingang verriet, glimmten noch gelb ein paar erleuchtete Fenster: die Wachtstube, die amerikanische Kommandantur. Dicht dahinter rechts und links ins Dunkel gestaffelt wohnten in besonderen Baracken — getrennt von der Masse des gewöhnlichen Volkes — die Köche, die Lagerverwalter, die Schreiber, die Dolmetscher und andere Angehörige des Lageradels. Warm war die Sommernacht. Die Sterne funkelten wunderbar. Es duftete nach Wald, nach Tau, nach nächtlich atmenden Feldern.
„Paul, endlich sieht man wieder die Sterne. Zum erstenmal seit einem Jahr in Amerika! Bei der Lampenfülle in den Lagern konnte man sie nie erkennen. Und wie es duftet! Da unten roch es immer nach Baracken. Paul, alter Junge, es riecht nach Freiheit!“
„Fang nicht wieder an zu dichten, Peter. Spar dir das für später auf. Ich wollte, wir wären erst hundert Meilen weit weg und über den Ohio!“
„Bis jetzt hat noch keiner was von unserer Flucht gemerkt. Sonst wäre da unten längst Trara im Gange. Sie werden auch vor morgen früh nichts merken. Und bis dahin müssen wir längst auf der anderen Seite des Flusses sein.“
„Müssen? — Müssen ist gut! Außerdem, ich traue dem Ohio nicht. Was nutzt uns die ganze Freiheit, wenn wir vorher ersaufen!“
„Und dann, überleg dir das, wir kommen patschnaß drüben an, oder womöglich nackedeier, wenn wir unser Zeug zum Schwimmen zusammenwickeln. Und gehen zur nächsten Station der Heilsarmee und bitten um Obdach, was? Vorm Ersaufen habe ich weniger Sorge.“
-Heilsarmee? 810ß nicht. Peter! Wir bekommen womöglich wieder eine Uniform angezogen! Eine furchtbare Vorstellung! Mein Bedarf an Uniform ist für den Rest meines Lebens gedeckt.“
„Paul, lehn das nicht so ohne weiteres ab. Du mit Kapotthütchen und roter Seidenschleife unter dem Kinn und mit Gitarre im Arm und schönem blauem Damenrock bis auf die halbe Wade — entschuldige! Da glaubt dir keiner mehr den ehemaligen PW. Und dann singst du schön laut: Schon wieder eine Seele vom Alkohol ...“
Der Gesang brach plötzlich ab. Paul hatte Peter beim ersten lauten Ton so kräftig aufs Haupt geklopft, daß der Sänger mit der Nase ins Gras stieß.
„Bist "du verrückt, Kerl? Das schallt meilenweit in dieser Stille! Los jetzt, weg von hier. Der erste Akt ist geglückt: wir sind raus, und sie haben nichts gemerkt. Also: allgemeine Richtung Ohio. Oberhalb von Point Pleasant setzen wir über den Strom.“
Aber Peter Bolt, unverbesserlicher Schwärmer, der er war, rollte sich noch einmal auf den Rücken und blickte in die dunkelblaue Nacht mit all ihrem Sternengeschmeide. Leise, mit veränderter Stimme, sagte er:
„Ich weiß, Paul, du bist für den Ernst des Lebens. Aber fünf Minuten mußt du
mir noch bewilligen, drei nur meinetwegen. Paul, merkst du das gar nicht: kein Stacheldraht mehr, kein Barackengestank? Und wir sind allein! — Paul ich bin endlich mal wieder glücklich!“
Der andere schwieg eine Zeitlang. Der Nachtwind hob sich auf und wühlte zärtlich und träumerisch in den Kronen der alten Steineichen, die sich am Rande des Waldes schattenhaft, aufreckten. Dann meinte Paul, als müßte er sich verteidigen:
„Du hältst mich für einen Büffel, ich weiß. Aber wenn ich unsere Flucht nicht Schritt für Schritt, Woche für Woche, Monat für Monat vorbereitet hätte, dann säßen wir jetzt noch in der Menagerie da unten.“
Peter erwiderte versöhnlich: „Stimmt, stimmt! Aber ich habe den Einfall gehabt und dir immer wieder Mut gemacht, wenn du an dem ganzen phantastischen Plan verzweifeln wolltest.“
»» •• „Stimmt auch! Komm jetzt! Die fünf Minuten sind um!“ Die beiden Männer erhoben sich aus dem Gras, schulterten die Bündel, die neben ihnen gelegen hatten, und vertrauten sich einem schmalen Pfade an; schnell hatte die Waldnacht ihre Schatten verschlungen; sie kannten den Weg; sie hatten hier Bäume gefällt. Hinter ihnen im Tal versanken die Lichter; in ihrem grellen Schein waren sie gefangen gewesen; sie sahen sich nicht mehr um.
(Aus dem Abenteuerroman „Schneesturm, Heimweh und nächtlicher Bambus“, Bertelsmann-Volksausgabe.)
Neue Filme in Darmstadt
HANSA- „Der Mann mit der eisernen Maske". Es ist ein auf historischen Hintergrund projizierter Film von einem Zwillingsbruder Ludwig XIV., des „Sonnenkönigs“ von Frankreich. Der Film, obwohl in geschichtlicher Annäherung in Szenerie und aktierenden Personen, dürfte jedoch mit seiner Hauptfigur keinerlei Anspruch auf historische Tatsachen erheben können.
Das schadet ihm als Film aber nicht viel. Er ist von Anfang bis zu Ende packend, dramatisch und gut gespielt, gut fotografiert. Er ist im Stile eines historischen Jugendromanes aufgezogen mit schwärzestem Schwarz gegen weißestes Weiß. Und als solcher ist er durchaus gut. Der Zwillingsbruder Ludwig XIV. wird bei seiner Geburt zu einem treuen Gefolgsmann Ludwig XIII. gebracht und dort erzogen. Nur wenige wissen davon. Auch die beiden Zwillingsbrüder kennen das Geheimnis nicht, bis sie sich mit ihrer Mutter einander gegenüber stehen. Damit beginnt der erbitterte Kampf des Egoisten auf dem Thron gegen den selbstlosen Idealisten neben dem Thron. Das Gute siegt und damit wird die geschichtliche Tatsache über den Haufen geworfen. agt
UNION - „Tanz in den Frühling“. Da taucht plötzlich ein Diener bei Onkel Josua auf, von dem Judy, seine Sekretärin und Nichte, nicht ganz weiß, ob er nun ein Gentleman-Verbrecher, Akademiker oder Eintänzer ist. Jedenfalls^pielt er Bridge, und deshalb wird er von Mrs. Howard eingestellt. Daß dieser Richard in Wirklichkeit der Baron von Borchester ist, und warum er sich aus gerechnet in der Livree eines Dieners tarnte, stellte sich erst nach mancherlei Umwegen und amüsanten Situationen heraus.
Es ist ein netter Unterhaltungsfilm, versehen mit vielem, was ihn über die meisten Streifen seiner Art stellt, die in letzter Zeit gezeigt wurden. Eine flüssige Regie schuf eine Handlung ohne tote Punkte, der geschliffene — gut synchronisierte — Dialog vermittelte Freude am geistreichen Wort, die geschickt geführte Kamera fing oft Bilder aus interessanten Perspektiven ein. Anna Neagle spielt die Rolle der zuerst mißtrauischen und dann verliebten Privatsekretärin überzeugend. Michael Wilding ist der charmante, allen Situationen gewachsene Pseudo-Diener. Eine prächtige Studie gibt Tom Walls als Onkel Josua. hn
BELIDA. - Ehekomödie. - Man müßte von Rechts wegen eine tiefschürfende Betrachtung über die Ehe, den ewig beschäftigten Mann und die ebenso ewig gelangweilte und deswegen auf Abwege geratende Frau schreiben. Das entspräche aber kaum dieser von Ernst Lubitsch mit leichter Hand ebenso leicht inszenierten „Ehekomödie“, in der die liebenswerte Merle Oberon (als ewig gelangweilte Gattin), Melvyn Douglas (als ewig beschäftigter Mann) und Burgeß Meredith (als spleeniger Musiker und halber Scheidungsgrund) Gelegenheit haben, sich in scharmantem Plauderton eheliche und außereheliche „Wahrheiten“ zu sagen. Gewiß, der Streifen hat einige Mängel, aber — wer und welcher hätte keine. Er ist eine amüsante Angelegenheit, und über manche langweilige Stelle trösten einige hübsche, wenn auch nicht unbedingt neue Gags. — Hervorragend im Beiprogramm die „Reitvorschrift für eine Geliebte“ nach Rudolf Binding. We.
Notizen
Ostvertriebene Hochschullehrer. Die Mitgliederversammlung der Landesgruppen Hamburg und Schleswig-Holstein des Notverbandes amtsverdrängter Hochschullehrer hat in Hamburg erneut die Westdeutsche Rektorenkonferenz auf die große Notlage der ostvertriebenen Hochschullehrer hingewiesen. Der Notverband mit der Geschäftsstelle in Lüneburg erstrebt auf Bundesebene die Wiedereingliederung aller außerhalb des Bundesgebiets aus ihrer akademischen Wirkungsstätte vertriebenen Gelehrten und Forscher.
Professor Traugott Schulz, der Nürnberger Kunst- und Kulturhistoriker, vollendet am 6. August das 75. Lebensjahr. Von den zahlreichen Veröffentlichungen des Gelehrten steht an erster Stelle das Werk „Nürnbergs Bürgerhäuser und ihre Ausstattung“.
„Berliner Künstler 1950.“ In der Münsterschule in Bonn wurde die Ausstellung „Berliner Künstler 1950“ eröffnet. Sie steht unter dem gemeinsamen Ehrenprotektorat von Oberbürgermeister Professor Reuter. Berlin, und Oberbürgermeister Dr. Stockhausen. Bonn. Vertreten sind die bekanntesten Maler der „Insel Berlin“. Die Ausstellung wird im Bundesgebiet nur in Bonn gezeigt. Sie verbleibt hier bis zum 27. August und geht dann in das westliche Ausland, um auch dort zu bekunden, daß „das Wesenselement der Berliner Kunst die Freiheit“ ist. L. K.
Eine Gedenktafel für die Gebrüder Grimm. Bei der Eröffnung eines Hanauer Lichtspieltheaters, das auf dem Gelände des Geburtshauses der Gebrüder Grimm erbaut wurde, soll eine Gedenktafel enthüllt werden, die von der amerikanischen ~RKO“-Filmgesellschaft und von Trickfilm-Zeichner Walt Disney gestiftet wurde. Auf der Tafel werden die Gebrüder Grimm als die Schöpfer des schönsten aller deutschen Märchen, „Schneewittchen“, geehrt. Walt Disney hat bekanntlich das Märchen in einem farbigen Trickfilm auf die Leinwand gebracht.
Unsereiner wird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER9) Copyright by Dr. Alexander Fuchs. Braunschweig
Während Steen ihn befrachtet, nimmt Miels fünf kleine Bündel neuer Banknoten aus seiner Aktentasche. Er löst die Zählstreifen und blättert die Noten langsam auf den Tisch.
Fünf Reihen von je - Kronen-Scheinen.
Georg J. Steen unterschreibt den Vertrag.
Eva Steen setzt ihren Namen in fädiger Schrift neben den kaufmännisch gezüchteten Namenszug ihres Mannes.
Mary Steen schreibt steil und breit, wie sie es von den Autogrammen der Filmheldinnen kennt.
Knut zerrt einen stechenden Strich aus dem letzten Buchstaben querabwärts über das Papier.
Miels nimmt den Vertrag und erhebt sich. Jetzt erst wirft er einen kurzen Blick durch das Zimmer und schätzt In Gedanken ein paar Preise für die Möbel, die Bilder, den imitierten Teppich.
„Morgen früh um sechs Uhr treten die Manager ihren Dienst bei Ihnen an“, erwähnt er gelassen. „Der Vormittag dient zu Aufnahmen für die Zeitungen und für ein paar Interviews. Das Mittagessen haben Sie im Rathaus. Am Abend sehen Sie einen Fackelzug.“
Georg H. Miels verabschiedet sich.
Die Steens begleiten ihn bis zu seinem Wagen. Der Wagen startet schnell.
„T011..-“, sagt Knut. „Den Siriusleuten schreibe ich jetzt eine Postkarte. Sie müssen einsehen, daß ich morgen nicht bei ihnen antreten kann.“
Steen brummt etwas Unverständliches, aber es scheint nicht unfreundlich zu sein. Er denkt, daß auch er eine Postkarte schreiben sollte, um die Hypothek zu kündigen.
Frau Steen begreift, daß das Haus morgen früh um sechs Uhr sauberer sein sollte denn je.
Und Mary Steen erinnert sich erschreckt, während des Besuches jenes Herm Miels nicht ein einziges Mal an Teddy Beer gedacht zu haben.
Uebrigens regnet es in Strömen.
11.
So ist das Leben der vier Steens. So erregend die Chance ist, der sie in Stundenfrist entgegengehen, sie ist ihnen gerade in demjenigen Augenblick begegnet, in dem eine grelle Szene all die Mißhelligkeiten Ihres Zusammenlebens entlarvte, an jenem Abend, an dem Georg J. Steen erkannte, daß er in einer Sackgasse stehe für immer und unausweichlich in einer herrisch bestimmten Sackgasse.
Ganz klar, daß er sich auf dem kurzen Weg von der Tür seines Hauses, unter der er sich von Herrn Miels verabschiedete, zu seiner Wohnung, an iene grelle Szene erinnert, daß alle vier Steens sich gleichzeitig erinnern. Sie haben soeben Marzipan gegessen, nachdem sie vorher Sauerkraut aßen. Jetzt bewegen sich ihre Mägen, und der Geschmack, der aus ihren Mägen in ihre Kehle steigt, bedeutet nicht Marzipan, sondern Sauerkraut.
Frau Steen möchte sofort damit beginnen, die Wohnung gründlich zu säubem, frische Gardinen autzuhängen und alle Vasen mit Blumen zu füllen. Sie bittet Mary, ihr dabei zu helfen. Aber Mary behauptet, die ganze Nacht damit zu tun zu haben, ihre geschlagene Wange zu kühlen, die zu schwellen beginnt, und sehr rot ist. Steen ist entschlossen, jetzt seinen gestreiften, dunklen Anzug auszubürsfen und zu bügeln. Er ist entschlossen, diese und eine Reihe anderer Arbeiten an seinen braunen Schuhen, Kravatten und Hüten selbst zu verrichten. In der Art, in der er über die zehn Stunden der kommenden Nacht... bis zum Eintreffen des Managers... disponiert, bleibt nicht eine Minute für etwas, was nicht ihn selber betrifft. Vor, allem will er sein Exemplar des Vertrages studieren, er ist gierig darauf, ihn Wort für Wort zu beherrschen. Nach seiner Meinung nämlich sind Verträge gleichbedeutend mit Fallgruben, aber auch gleichbedeutend mit Stehaufmännchen. — Steen gehört zu derjenigen großen Gruppe von Männern, die über nichts lieber reden als über geschickt aufgebaute, einem schwächeren Mann in einer noch schwächeren Stunde aufgepreßte Verträge, über das lebenslängliche Gezappel eines solchen rechtlich einwandfrei Betrogenen. Andererseits aber erinnert Steen sich mit Bewunderung an Leute, die einen sie scheinbar eng fesselnden Vertrag eingingen, ihn aber an einem einzigen, winzigen Punkt glorreich aus den Angeln stürzten und sich mit einem Sprung über ihren Besieger erhoben.
Für Männer von der Art Georg J. Steens sind solche Vertragsakrobaten die beinahe einzigen Helden dieses Lebens, und Steen möchte jetzt wissen, ob sein Vertrag mit Miels nicht Tücken hat, die er mit Witz überbrücken müßte, oder bestimmt Lücken, durch die er hindurchschlüpfen könnte, um einen unerwarteten, ganz großartigen Schlag zu landen.
Steen steht schon unter der Deckenleuchte und studiert seinen Vertrag. Er erwägt gerade, ob er nicht niedersitzen sollte, um seine durchnäßten Schuhe auszuziehen. Er meint, er könne das ganz gut tun, ohne dabei einen Blick von seinem Vertrag zu wenden. Da triff Knut in die Wohnstube.
„Von den fünftausend Kronen, die wir zusammen bekommen haben, gehören also fünfhundert Kronen mir“, sagt Knut. „Ich möchte sie bitte gleich haben.“ Steen braust auf.
„Das ist eine Unverschämtheit“, ruft er. „Das ist deine typische Unverschämtheit. Das Geld ist dazu bestimmt, die Hypothek auf unser Haus abzugelten. Ich werde mich hüten, dich das Geld verjubeln zu lassen“, schreit Steen.
Knut stemmt schon wieder die Füße breitbeinig auf den Boden.
„Was geht mich dein Baukasten an?“ tobt er.’ „Ich habe dir längst eröffnet, daß ich auf den Bodenverschlag verzichte, der mein ganzer Anteil an deinem Filmbau ist. Wir wollen mal klar sehen, lieber Papa, ich habe den Vertrag für mich selber unterschrieben und die fünfhundert Kronen gehören zweifelsfrei mir.“
„Das bildest du dir ein“, schreit Steen. Und dann beweist er, daß er seine Vorstellung von geschickter Vertragshandhabung bedenkenlos gegen seinen eigenen Sohn zu praktizieren wünscht. „Dein Irrtum ist gerichtlich feststellbar, mein Pflänzchen. Deine Unterschrift gilt nur in Verbindung mit der meinigen. Dir gehören Ohrfeigen, aber nicht fünfhundert Kronen! Verstanden?“
Knut stutzt für einen Augenblick. Frau Steen steht ganz plötzlich neben ihm, sie ringt die Hände und weint.
„Könntest du ihm nicht wenigstens hundert Kronen schenken, Georg?“ schluchzte sie dabei.
„Schenken?“ lacht Knut wild auf. „Ich brauche keine Geschenke. Ich habe fünfhundert Kronen zu beanspruchen und ich werde sie bekommen.“
„Einen Dreck bekommst du!“ tobt Steen.
„Langsam, Älter!“ Knut spricht plötzlich leise. Mit einer bitteren Erregung in seiner mühsam zurückgehaltenen Stimme. „Laß mich ausreden. Ob ich nur Mitunterzeichner bin oder nicht, ich habe einen Mund. Morgen früh wimmelt es hier von Reportern. Ich werde ihnen haargenau sagen, was mit dir los ist, und sie werden sich die Finger danach lecken, dir den ersten Skandal an deinen frischgewaschenen Hals zu hängen."
„Knut!" jammert Frau Steen. „Du sprichst zu deinem Vater!“
„Ich spreche zu einem Geizhals", sagt Knut
Georg J. Steen steht starr, er ist bleich von Betroffenheit, sein Kopf steckt voller Anklagen, wie man sie in Familienzeitschriften über die Verdorbenheit der jungen Generation liest, voller weinerlicher Reden über das sinnlose Leben, über diese gnadenlose Hintergründigkeit der Welf, in der man Verträge schließt. Aber Georg J. Steen weiß, daß seine Familie nicht das Publikum für die Anklagereden ist, die er jetzt halfen könnte. Und außerdem geht die Tür auf und Mary kommt herein.
Sie hat sich eine Gesichtspackung gemacht, ihre hübschen Züge verschwinden fast unter einem Gebäude aus Waschlappen und Frottestoff. Und sie geht in einer Wolke von duftender Essenz.
„Idi will mein Geld genau so naben wie Knut", sagt sie gereizt. „Idi betrachte es als Schmerzensgeld und übrigens hätte ich den Zeitungsleuten wohl mehr zu erzählen als Knut.“
(Fortsetzung folgt)
Darmstadt und Umgebung
Kleine Heimkehr
D-s. Die kleinen Sehnsüchte sind es ihre Erfüllung und ihre Wiedergeburt die im Wechsel der Tage Auftrieb und Gefälle des Lebens ausmachen.
Da war vor kurzem noch die Sehnsucht nach Ferien, nach der Endlosigkeit von vierzehn Tagen in einem stillen Tal auf bewaldetem Berg, am Wasser oder in einem Park abseits vom Getriebe der Stadt, des Berufslebens, der engen Behausung.
Die freundliche Erfüllung kam, schenkte Aufatmen, Gelöstheit, Ruhe —, und unversehens wuchs im Schatten des Genießens abermals ein Kräutlein Sehnsucht heran, das seine freudefarbenen Blüten just in dem Augenblick erschließt, indem du die Türe deines Zuhauses öffnest.
Da liegt wieder vor dir, wonach du sich mehrendes, unruhiges Verlangen trugst: deine Vier - Zimmer - Wohnung in dem einen Raum mit den halbschrägen Wänden. Viel Weite haben deine Augen gesehen in der letzten Zeit. Nun grüßen sie zufrieden wieder diese beschränkte Enge.
- „Ah, sieh, du bist zurückgekommen“, scheinen die Dinge deines täglichen Gebrauchs zu sagen und blinzeln dich an, ein wenig verstaubt und verschlafen im Dämmerschein des Lichts, das durch die geschlossenen Vorhänge dringt. Es rührt dich, und du verschenkst an sie, was du mitgebracht hast: ein Lächeln, noch voll vom Frieden und Traum des fernen Aufenthalts, ein Lied, das sich durch die Urlaubstage schwang, vielleicht eine Photographie, die in der Ecke neben dem Radio ihren guten Platz findet. Die Hand streift Über Tischkante und Stuhllehne, am Regal entlang, wie begütigend und sich versichernd: ihr seid da, wie ich euch verließ, treue Gesellen, die auf mich warteten und willig wieder zu Diensten sind.
Aus dem Fenster fällt der Blick über das gewohnte Bild, das sich in den vierzehn Tagep nicht änderte: begrünte Trümmer, aus denen hier und da ein aufgestocktes Haus stellt. Unten treibt der Verkehr vorbei, und morgen treibst du wieder in seiner Mitte zum Büro, in die Geschäfte, zu den dienstlichen Verabredungen. Die Ferien sind Erinnerung. Hier, dein Zuhause bleibt wirklich, entläßt dich jeden Morgen, empfängt dich jeden Abend, geduldig, vertraut und so dankbar, daß du dich ein wenig nach ihm sehntest und stille, kleine Heimkehr mit ihm feierst.
Diesmal ohne „Befehl von oben“
schlechter Gesundheitsstand bewahrt Rodenheber vor Zuchthaus
Darmstadts Dritte Strafkammer setzte gestern wieder einmal den strafrechtlichen Schlußstrich unter eines jener Landfriedensbruchsverfahren, die im Jahre 1938 geschahen und nach dem Kriege erst angeklagt wurden. Über den Fall des vorbestraften 68jährigen Philipp Rodenheber aus Heppenheim haben wir bereits berichtet. Er wurde gestern nach dreitägiger Verhandlung unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
Als besonders brutal und roh bezeichnete Landgerichtdirektor Hahn in seiner Urteilsbegründung das Verhalten des Beschuldigten während jener berüchtigten Judenaktion in Heppenheim. Bis zum Schluß des Prozesses wollte Rodenheber, jetzt ein alter und gebrochener Mann, nichts mehr von den ihm zur Last gelegten Taten wissen. Zahlreiche Zeugen besaßen jedoch anscheinend ein besseres Gedächtnis. Sie berichteten mit aller Klarheit Dinge, die den Angeklagten schwer belasteten. Entgegen den Bedenken der Verteidigung hielt das Gericht die Zeugen, die zum Teil selbst schwer belastet sind und inzwischen abgeurteilt wurden, für durchaus glaubwürdig.
Als einwandfrei nachgewiesen stellte das Gericht folgendes fest: Rodenheber begab sich am Morgen des 10. November 1938 als Bote des Landratsamtes Heppenheim in die Stadt und sah sich ohne einen Befehl zu einer Beteiligung an der Judenaktion veranlaßt. Er half mit, den jüdischen Leichenwagen zu zertrümmern, er zwang gemeinsam mit dem damaligen Polizeidezernenten Denzer die vor der Synagoge zusammengetriebenen Juden, die Reste ihres Gotteshauses einzureißen, er trieb persönlich den Juden David vom Platz vor der Synagoge, nachdem er ihn vorher mit der Drohung, er werde ihn erschießen, aus einem Versteck herausgeholt hatte, er demolierte zusammen mit anderen Personen die Wohnungen jüdischer Bürger, warf vor einer hundertköpfigen Menge Einrichtungsgegenstände aus dem, Fenster und stieß schließlich zwei Juden mit dem Kopf in ein Wasserfaß.
„Ein Mann, der sich derart roh an wehrlosen Menschen vergreift und Häuser schändet, die der Religionsausübung dienen, hat eine Zuchthausstrafe verdient“, führte der Richter aus. Wenn der Angeklagte davon verschont bleibe, so nur deshalb, weil er sich gesundheitlich in einem schlechten Zustand befindet und wahrscheinlich haftunfähig sei. Trotzdem müsse auf eine empfindliche Gefängnisstrafe erkannt werden, da sich Rodenheber, aufgeputscht durch die fortgesetzte NS-Hetze, bereitwillig den Drahtziehern in Berlin zur Verfügung gestellt und Verbrechen begangen habe, für die wir alle heute und in Zukunft büßen müßten.
Hartes Urteil aufgehoben
Erneuter Mordprozeß Heilmann-Rödl
Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Darmstadt hat in seiner letzten Sitzung das Urteil des Schwurgerichts Darmstadt im Mordprozeß Heilmann-Rödl aufgehoben. In der Begründung zu diesem Schritt heißt es, das Schwurgericht habe bei der Urteilsfindung die äußeren Lebensumstände, die Familienverhältnisse und die Persönlichkeit der beiden Angeklagten unberücksichtigt gelassen.
Der 44jährige Fabrikantensohn Alfred Heilmann und die 43jährige Flüchtlingsfrau Marie Rödl aus Heisterbach Marbach im Landkreis Erbach waren am 10. März dieses Jahres wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. Sie hatten am 31. August 1949 ihr elf Tage altes, unehelich geborenes Kind mit einem Kissen erstickt. Beide waren verheiratet und hätten die Tat verübt, um ihr Liebesverhältnis weiterführen zu können, das sie durch die Existenz eines Kindes gefährdet glaubten. Die Anklage vertrat seinerzeit Oberstaatsanwalt Dr. Kant, den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Hahn.
Das Oberlandesgericht hat die Durchführung einer neuen Hauptverhandlung angeordnet und empfohlen, zu diesem Prozeß einen Psychologen als Sachverständigen zu laden. (ys)
Wegen Kuppelei wurde am 1. August ein Ehepaar aus Darmstadt-Eberstadt von der Kriminalpolizei festgenommen und dem Amtsgericht Darmstadt vorgeführt. Die Wohnung der beiden Festgenommenen genoß seit geraumer Zeit den Ruf eines Absteigequartiers.
Wettbauen auf dem Saalban-Gelände
Seit Wochen sind in der Riedeselstraße die Handwerker emsig an der Arbeit. Drei große Wohnblocks wachsen sichtbar aus dem Boden. Hier baut der Bauverein für Arbeiterwohnungen zusammen 72 Wohnungen. Jeder Block besteht aus drei Häusern und jedes Haus enthält sechs Wohnungen zu je drei Zimmern mit Küche, Bad und Loggia. Nur der äußere Eckbau wird im Gegensatz zu den anderen beiden Blocks vier Stockwerke haben und Vier-Zimmer-Wohnungen für kinderreiche Familien aufnehmen. Da er auf die Straße vorgesetzt ist, weist er auf der Seite der Riedeselstraße Arkaden auf, unter denen drei Ladengeschäfte eingerichtet werden
Schon in 14 Tagen soll das Richtfest für die Wohnblocks sein, und augenblicklich sind die beiden rückständigen Baustellen in einem erbitterten Wettbauen begriffen, um zum Termin ihren Baum auf dem Dach aufpflanzen zu können. Man hofft, daß alle 72 Wohnungen, die in erster Linie für Ausgebombte und Flüchtlinge gedacht sind, die in Darmstadt arbeiten und noch außerhalb der Stadt wohnen, im Herbst oder gegen Ende des Jahres bezugsfertig sein werden. Der Bauverein weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Vergebung dieser Wohnungen, wie auch aller anderer Bauten, die von ihm errichtet werden, ausschließlich in den Händen der Wohnungsämter liegt, die nach besonderen Richtlinien die Zuweisungen vornehmen.
Weitere große Bauprojekte des Bauvereins für Arbeiterwohnungen werden in der Wilhelminenstraße durchgeführt, wo zwei Blocks mit zusammen 24 Zwei- und Dreizimmerwohnungen errichtet werden. In der Kranichsteiner Straße, Ecke Spessartring, werden 32 Ein- und Zweizimmerwohnungen, und in der Bismarckstraße-Lagerhausstraße 60 Wohnungen zu je ein, zwei und drei Zimmern fertiggestellt. -st
Foto: Hage
Vereinigung „Liebig-Haus“ aufgelöst
Die Geburtsstätte des größten Sohnes unserer Vaterstadt, Justus von Liebig, stand in der Großen Kaplaneigasse Nr. 30. In den 20er Jahren mußte das Haus wegen Baufälligkeit eingerissen werden, wurde aber einige Jahre darauf von der „Vereinigung Liebig-Haus“ nach alten Plänen wieder aufgebaut und als Museum eingerichtet. Außer einer Anzahl Porträts Liebigs, seiner Familie, Wöhlers und anderer berühmter Chemiker und Schriftstücken waren viele Produkte aus der chemischen Industrie, auf die Liebigs Arbeiten Bezug hatten, ausgestellt.
Die „Vereinigung Liebig-Haus“ ist nicht nur ihres wertvollen Besitzes, sondern auch damit ihrer Aufgabe verlustig gegangen. Sie wurde am 31. Juli 1950 in einer letzten Mitgliederversammlung aufgelöst. Das restliche Barvermögen erhielt statutengemäß die Stadt Darmstadt, um beim Wiederaufbau dieses Stadtteils, etwa durch Anbringen einer Plakette, auf die historische Stätte hinzuweisen. Eine große Anzahl Bücher und verschiedene Akten, Schriftstücke und Briefe von und an Liebig wurden der Gesellschaft Liebig-Museum in Gießen übereignet.
Zum Schluß der Versammlung gedachte der Vorstand der Gründer der Vereinigung, im besonderen des Herrn Professors Berl, und dankte dem Bürgermeister Buxb au m für seine großen Verdienste um die Gründung der Vereinigung und die seinerzeitige Errichtung und Einrichtung des Hauses. Außerdem dankte der Vorsitzende der Stadt Darmstadt und dem Staat Hessen für die jederzeit erfolgten Unterstützungen.
Adolf Mangold im Ruhestand
Regierungsbaurat Adolf Mangold, zuletzt Amtsvorstand des Gießener Wasservirtschaftsamtes, trat am 1. August in den verdienten Ruhestand. Bis zur Erreichung der Altersgrenze — am 27. Juli vollendete er das 65. Lebensjahr — hat er dem hessischen Staat in mehr als vier Jahrzehnten wertvolle Dienste geleistet. Er absolvierte die Oberrealschule in Darmstadt, wo er im Jahre 1904 das Abitur machte, studierte von 1904 bis 1909 an der hiesigen Technischen Hochschule Ingenieurwissenschaften und war nach Ablegung seiner Doplomhauptprüfung zunächst als Regierungsbauführer beim Wasserwerk Darmstadt, später beim Wasserwirtschaftsamt Darmstadt tätig. Nach Teilnahme am Weltkrieg wurde er Regierungsbaurat bei den Kreisämtern Dieburg und Friedberg. Seit 1924 gehörte er dem Wasserwirtschaftsamt Gießen an, wo er seit 1937 als Amtschef fungierte. Auch beim Bauamt des Kaiser-Wilhelm-Kanals in Kiel-Holtenau erwarb er sich vor Ablegung seiner zweiten Staatsprüfung vor dem ersten Weltkrieg wertvolle Berufserfahrungen. (se)
Polizei und Rettungsschwimmen
Am Montagabend fand im Restaurant Ripper am Woog die Verleihung der Urkunden zum Grund- und Leistungsschein der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft statt. Der Bezirksleiter der DLRG, Dr. Lachmann, konnte noch zwei Jugendlichen vom letzten Lehrgang die Grundscheine überreichen. Von dem Lehrgang im Rettungsschwimmen für Polizeibeamte bestanden fünf Polizisten die Prüfungen zum Grundschein und drei Beamte den Leistungsschein. In der anschließenden Diskussion über das Thema „Polizei und Rettungsschwimmen“ wurde darauf hingewiesen, daß die Polizei nicht nur Helfer der Bevölkerung im Straßenverkehr sein soll, sondern daß sie auch in der Lage sein muß, jederzeit ihre Hilfsbereitschaft im Kampf gegen den nassen Tod einzusetzen. Es sei erfreulich, daß gerade in der Beamtenschaft der Gedanke des Rettungsschwimmens immer mehr an Boden gewönne, getreu der Devise der DLRG „Jeder Deutsche ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Retter.“ hfl
Mit HEAG-Veteranen durch den Odenwald
Über 5½ tausend Jahre waren zusammen
hgr. — Zu einer „Fahrt ins Blaue“ hatte die Heag am vergangenen Montag ihre Pensionäre eingeladen. Nadi vielen Jahren wurde damit das traditionelle „ Alte-Herren-Treffen“ wieder fortgesetzt.
Der Titel „Fahrt ins Blaue“ war zweifellos gut gewählt, denn bei der Abfahrt wußte keiner der 90 alten Herren, wohin die Fahrt gehen würde. Nachdem alle erkannt hatten, daß es nicht an den Rhein, sondern in den Odenwald ging, schlief das Interesse nach dem Endziel der Reise ein wenig ein. Nur ein wenig. Hin und wieder kam noch mal einer darauf zu sprechen. Im übrigen aber wurden alte Erinnerun-
gen ausgetauscht, und dicke, von der Heag gespendete, Zigarren geraucht, daß man manchmal das Empfinden hatte, in einer überfüllten Kellerwirtschaft zu sein.
„Ja, ja“, hörten wir den hinter uns sitzenden, 76 Jahre alten, Kontrolleur Huppertz sagen, „das waren noch Zeiten! — Damals, vor 48 Jahren, als ich noch die Nummer 2 trug und die erste Elektrische der Heag fuhr. Viel verdient haben wir ja nicht. Nur 28 Pfennig die Stunde. Aber Trinkgelder hatten wir. Hm...“ Und dann erzählte er ein kleines Erlebnis, das er mit dem Großherzog gehabt hatte. Seiner Zeit habe er eine Jagdgesellschaft zum Böllenfalltor gefahren, berichtete er leicht schmunzelnd. Der Adjutant des Großherzogs habe ihm einen Taler auf den Teller gelegt, worauf er, Huppertz, gewechselt und das Wechselgeld neben den Taler gelegt habe. An der Endstation habe der Großherzog den Taler nebst Wechselgeld an sich genommen und sei, ohne ein Wort zu sagen, fortgegangen. Großherzog hin, Großherzog her, habe Huppertz überlegt, und kurzentschlossen den hohen Herrn auf seinen „Mißgriff“ aufmerksam gemacht. Erfolg: Drei Taler und ein freundlicher Händedruck des Großherzogs ...
Aehnliche Begebenheiten wußten fast alle zu berichten. Da waren noch Heinrich Kolb und Johann Back — beide mit annähernd vierzig Dienstjahren — die die erste Dampfstraßenbahn von Eberstadt bis Arheilgen fuhren. Nett, wie die beiden lächelnd zugaben, daß so eine Fahrt manchmal vier bis sechs Stunden gedauert hätte. Waren das noch Zeiten! Und die Ruhe der Menschen! — Unvorstellbar. Ja damals ...
Unvorstellbar war für uns auch die Treue und Anhänglichkeit aller zur Firma, zur Heag. Doch bald erkannten wir, daß diese Treue, diese Anhänglichkeit in den langen Jahren natürlich, organisch gewachsen sind. Alles in allem: Bedingungsloses Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Das gesellige Beisammensein in Mörlenbach dehnte sich etwas länger aus als vorgesehen. Dafür aber war es um so schöner. Jeder der alten Herren gab sich wie er war. Und wir müssen sagen: es waren durchweg feine Kerle, ganze Kerle, auf die die Heag stolz sein kann.
Während einer kleinen Rast in Lindenfels Foto: Rop
Das ist er: Herr Huppertz, der Veteran, der alle seine Kollegen von damals überlebt hat. Seine 76 Lenze sieht man ihm nicht an. Sicher aber, daß er darauf stolz ist, Nummer 2 gewesen zu sein. Foto: Rop
Langfinger beim Srchlußverkauf
Bereits am ersten Tag des Sommerschlußverkaufs konnten in verschiedenen Darmstädter Kaufhäusern zwei Ladendiebinnen und ein Ladendieb festgenommen und den anwesenden Kriminalbeamten übergeben werden.
In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die Darmstädter Kriminalpolizei während der Schlußverkaufstage sämtliche Kaufhäuser im Stadtgebiet überwachen läßt. Dies möge eine eindringliche Warnung für diejenigen sein, die glauben, diese Tage zum Stehlen ausnutzen zu können.
Gegen die drei festgenommenen Personen ist inzwischen ein Strafverfahren eingeleitet worden.
Aussprache der Heimkehrer-Treuhänderschaft
Die Treuhänderschaft der Heimkehrer e. V. Darmstadt, Zentralstelle Darmstadt, hatte dieser Tage ihre 5. Aussprache, die allmonatlich (letzten Sonntag des Monats) im Ausschank der Brauerei Fey, Alexanderstraße 23, stattfindet.
Die gutbesuchte Versammlung wurde von dem 1. Treuhänder eröffnet. In seinen Ausführungen gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß in der kurzen Zeit des Bestehens der Treuhänderschaft die Mitgliederzahl beträchtlich gestiegen sei. Unter anderem konnte er veröffentlichen, daß bereits fünf Fälle durch das „Punktsystem der Organisation“ geklärt und den Angehörigen Nachricht gegeben werden konnte. Er appellierte an die Anwesenden, in die Treuhänderschaft einzutreten. Um die gestellte Aufgabe durchführen zu können, sei es außerdem notwendig, alle interessierten Kreise zu erfassen. ’ Anschließend sprach er über das Heimkehrergesetz und verwies auf das Nachrichtenorgan „Der Heimkehrer-Treuhänder“, in dem das Gesetz mit Kommentar und sonstige Grenz- und Wechsel fälle veröffentlicht werden.
Einige fürsorgerechtliche Angelegenheiten konnten persönlich durch die Anwesenheit des Fürsorgeleiters Dr. B a r t h und durch Oberinspektor Koch geklärt werden.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Union: „Tanz in den Frühling“, Thalia: „Intimitäten“, Belida: „Ehekomödie“, Palast: „Alarm in San Juano!“, Hansa: „Der Mann mit der eisernen Maske“.
Mathildenhöhe: Ausstellung „Das Menschenbild in unserer Zeit“.
Amerika-Haus: Ausstellungen: „Fotoform“, „Kollektivausstellung Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer“ und „Moderne Skulptur in Amerika“.
Stadtkirche: 20 Uhr, Gebetsstunde für die Kriegsgefangenen.
In der Stadt notiert
Der Karnevalverein Bessungen 1905 veranstaltet am Donnerstag, dem 3. August 1950, um 20.30 Uhr im Restaurant „Ritter Georg“ eine Mitgliederversammlung mit Damen. Zur Sprache kommen organisatorische Dinge der Bessunger Kirchweih und die Durchführung des Familienausflugs. -st
Der Kreisausschuß des DGB Darmstadt hat in seiner gestrigen außerordentlichen Vorstandssitzung hinsichtlich der Lohn-Preis-Gestaltungsfragen beschlossen, eine Kreisausschußdelegierten-Versammlung am 9. August 1950 in Darmstadt einzuberufen. Die Delegierten vertreten 70 000 Mitglieder der Gewerkschaften des Bezirkes Darmstadt.
Der Hausfrauenbund Darmstadt hält am Donnerstag um 15.30 Uhr im Cafe Emig (früher Cafe Henn) in der Eberstädter Villenkolonie eine Mitgliederversammlung ab.
Einen Wink mit dem Z..unpfahi gaben die Bauhandwerker an den beiden Neubauten der Post in der unteren Rh nstraße in den letzten Tagen, als sie als „Riel .bäum“ auf dem zuletzt fertiggestellten Wohnblock eine "tange mit Besen und ’ erc.i E mern aufrichteten. Wie man hört, soll durch eine Geldspende an die Bauhand. erker das obligate Richtfest e zt und der Bauherr aus seiner moralischen Verpfl: ’.tung „ elöst“ werden.
Ein zugeschütteter Bombentrichter in der Straßendecke der Martinstraße an der Einmündung der Mathildenstraße wurde Ende vergangener Woche endlich neu gepflastert. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, soll bei dieser Gelegenheit die gesamte Straßendecke der Martinstraße instandgesetzt werden.
Das Kinderheim Waldmühle bei Darmstadt kann nun auch für Freizeiten von Erwachsenen und Jugendgruppen zur Verfügung gestellt werden, nachdem eine Fortsetzung der Erholungskuren für Kinder nach Ablauf der Sommerferien nicht beabsichtigt ist. Nähere Auskünfte erteilt der derzeitige Lehrer der Waldmühle, Diakon Schweppe, Eb '•stadt bei Darmstadt.
Unfälle ohne Ende
Nachdem sich die Zahl der Verkehrsunfälle auf der Autobahn zwischen Frankfurt und der badischen Landesgrenze im Süden unseres Verbreitungsgebietes im Juni auf 16 verringert hatte, stieg ihre Zahl im Monat Juli erheblich. Während der 31 Tage ereigneten sich 25 Unfälle, bei denen es zwei Tote gab. D.T.
Am Montagmittag fuhr ein aus Richtung Heidelberg kommender Motorradfahrer in die A”t >bahn-Raststraße, in der Nähe von Lampertheim ein. Dabei fuhr er so scharf an einem parkenden Personenwagen vorbei, daß er mit seinem Lenker dessen offenstehende Tür streifte und zu Fall kam. Motorrad und Kraftwagen wurden beschädigt. D.T.
Ein Verkehrsunfall ereignete sich am Dienstag gegen 11.30 Uhr an der Ecke Grafenstraße- Adelungstraße, als ein amerikanischer Personenwagen unter Nichtachtung der Vorfahrtsbestimmungen auf einen deutschen PKW auffuhr. Es entstand erheblicher Sachschaden. st.
Ein Sachschaden von 600 DM entstand, als am Montag gegen 18.30 Uhr ein Personenwagen und ein Motorrad an der Kreuzung Dieburger Straße-Spessartring zusammenprallten. Personen kamen nicht zu Schaden. ys.
Starkenburg
Landkreis Darmstadt wehrt sich gegen Ausgemeindungen
Etatberatung in Nieder-Ramstadt / Bau des Landratsgebäudes beschlossen / Protest gegen die planlosen Flüchtlingszuweisungen
Im Zusammenhang mit der Beratung des Haushaltsplanes, der mit sämtlichen gegen drei kommunistische Stimmen angenommen wurde, sprach sich der Kreistag des Landkreises Darmstadt am Dienstag gegen die Ausdehnungsbestrebungen der Stadt Darmstadt und die überstürzte, von den oberen Instanzen schlecht organisierte Einweisung neuer Flüchtlinge in den nicht mehr aufnahmefähigen Kreis aus. Der ordentliche Haushalt schließt mit 2 479 638 (1949: 3 216 796) DM in Einnahme und Ausgabe ab; der außerordentliche mit 630 000 DM. Darin sind an Mitteln für den Neubau des Landratsamtes in Darmstadt 100 000 DM aus dem ordentlichen und ’ 500 000 DM aus dem außerordentlichen Etat enthalten.
Als Tagungsort war der Jubiläumsort Nieder-Ramstadt ausersehen worden, dessen Bürgermeister Keil den Kreistag herzlich willkommen hieß, habe doch die Gemeinde lange Zeit der Kreisverwaltung in schweren Zeiten neben 1700 Flüchtlingen und Evakuierten Unterkunft gewährt.
Der Haushaltsplan
In seinen Erläuterungen zum Voranschlag hob Ländrat Wink dessen besondere Merkmale heraus. Die Gründe, die den Kreis bewogen, den Bau eines eigenen Landratsamtes vorzuschlagen, liegen in der Mietersparnis, da der jetzige Mietherr, die Landesversicherungsanstalt, den. jährlichen Mietpreis von 20 000 DM auf 35 000 DM heraufgesetzt habe. Der fünfgeschossige Bau, in dem auch fünf Wohnungen und Läden enthalten sein werden, kommt auf staatliches Gelände in der Rheinstraße. Leider sei der Finanzminister im Grundstückpreis — 57 000 DM, das heißt 22 DM der Quadratmeter — nicht entgegengekommen. Doch verteilen sich die Kosten auf lange Sicht. Man hoffe, unter dem Kostenvoranschlag bleiben zu können. Vier Wohnungen werden auch durch den 30 000 DM erfordernden Umbau der „Kronen“-Scheuer in Jugenheim geschaffen. Die „Krone“ selbst entwickelte sich zufriedenstellend. Wie andere Kreise, beteiligte sich auch der Landkreis an der „Nassauischen Heimstätte“, die den Gemeinden wertvolle Hilfe im sozialen Wohnungsbau leiste. Dafür sind 10 000 DM in den Etat eingesetzt. Zwar seien die Gesamtschlüsselüberweisungen der Landkreise um 3,5 Millionen DM geringer, aber es sind für die Gemeinden selbst insgesamt 4,5 Millionen DM mehr ausgeschüttet worden. Das komme besonders den steuerschwachen kleinen Orten zugute. Für das K rei s - krankenhaus sind 20 000 DM für Anschaffungen vorgesehen.
Viel besprochen werden müssen in der nächsten Zeit noch die Schulbeiträge, besonders der interkommunale Lastenausgleich für die Zuschüsse an die höheren Lehranstalten. Die Städte dürften nicht vergessen, daß sie durch diese Schulen vom Lande her auch wirtschaftliche Vorteile haben. Zu begrüßen seien die erhöhten Zuwendungen für die Straßenbauten und die Gesundheitsämter, wenn letztere auch bei weitem nicht die Kosten deckten.
Der Landrat erwähnte aus der für den Kreis angestellten Querschnittsprüfung« daß eine Personalüberbesetzung festgestellt sei. Man wolle aber bei der Unterbringung von zehn Angestellten aus sozialer Verantwortung nicht mit rauher Hand vorgehen. Im ganzen erweise sich jedoch, daß sparsam gewirtschaftet wurde. Die bis zum Jahre 1952 anzunehmende günstige Entwicklung müsse ein rechtzeitiges Handeln bewirken, wozu auch die Schaffung von Werten gehöre.
Die Aussprache
Abgeordneter Schneider (FDP) ging davon aus, daß bis zu dreiviertel aller Ausgaben Pflichtausgaben seien, so daß für die eigentlichen Aufgaben des Kreises nur ein geringer Spielraum bleibe. Sehr deutlich müsse jedoch über das Verhältnis der Stadt Darmstadt zum Landkreis gesprochen werden. Wenn das Prinzip der Kostenzuschläge Schule mache, dann würden auch bald Zuschüsse für das Theater und andere kulturelle Einrichtungen verlangt werden. Man könne bei der engen Verflechtung keine Schranke zwischen Stadt und Land ziehen. Die Kostenzuschläge bedeuteten, als ein Art Binnenzölle, einen „Rückfall in biedermeierliche Etatpolitik“. Die Eingliederungspläne Darmstadts, die sich auf Griesheim und Pfungstadt erstreckten, seien energisch abzulehnen. Wo gemeinsame Aufgaben bestünden, seien Zweckverbände angebracht. Man müsse dem Land die Möglichkeit einer Eigenkultur geben. Der Redner brachte zu diesen Fragen eine Entschließung ein, die am Schluß der Sitzung einstimmig angenommen wurde.
Abgeordneter Bauer (CDU) schloß sich den Ausführungen über das Verhältnis zur Stadt Darmstadt voll an. Anlaß zu Bedenken gäben die sich steigernden Ausgaben für die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, die — wie Landrat Wink später feststellte — darauf zurückzuführen sind, daß die Trägerinnen der Ansteckungsherde die Razzien in der Stadt fürchteten und auf dem Land unterzukommen versuchten. Ein am Schluß der Sitzung für hinfällig erklärter Antrag, der Siedlergenossenschaft „Wildnis“ einen Zuschuß zu geben, sei der Konsequenzen wegen abzulehnen. Wie der FDPsprecher, so erklärte sich auch Abgeordneter Bauer für die Stelle eines Rechtsberaters, die entsprechend einem Antrag der SPD jedoch gestrichen wurde.
Abgeordneter Lorenz (SPD) wünschte, daß bei der Etatberatung die Interessen der Bevölkerung vorangestellt würden. An sie sei bei allen Einsparungen in erster Linie zu denken, wenn es in diesem Etat auch noch nicht möglich gewesen sei, durch Reorganisation zu einer Senkung der Kreisumlagen zu kommen. Der Kreishausbau sei allein schon durch den späteren Fortfall der hohen Mieten gerechtfertigt.
Abgeordneter H u x h o r n (KPD) beanstandet die Kürzung des Abschnittes Fürsorge- und Jugendhilfe, beantragt, ein Zehntel der Etatsumme für den sozialen Wohnungsbau zu verwenden und sieht in den Zuwendungen für illegale Grenzgänger eine Zweckpropaganda. Die geringe Summe für die Unterstützung begabter, unbemittelter Schüler zeige, daß die Privilegierung der besitzenden Schichten fortgesetzt werden soll.
In seiner Erwiderung wendet sich Landrat Wink noch einmal gegen die Expansionsbestrebungen Darmstadts, die auch nach Nieder-Ramstadt und Treysa hinzielten. Im Namen aller Landkreise sei zu fordern, daß ihnen die noch einigermaßen wirtschaftskräftigen Gemeinden erhalten bleiben müßten. Man sähe in der Stadt die Dinge falsch. Auch der Landjugend müsse Gelegenheit gegeben werden, ihre Fähigkeiten auszubilden, heute aber stamme, im Gegensatz zu den alten Lehrerseminaren, nur ein Zehntel der Studenten des Pädagogischen Institutes, das er bejahe, vom Lande. Die Aufwendungen für die Fürsorge seien nicht vermindert, sondern weithin vom Staat übernommen worden. Im übrigen müsse sich der Kreis an die Richtlinien halten. Was irgendwie gehe, werde aber getan.
Zur Frage Stadt- und Landkreis sprach auch Abgeordneter Müller, Griesheim (SPD), der sich nicht so sehr an den Ausführungen von Oberbaudirektor Professor Grund in den Planungsbesprechungen stieß als vielmehr an dem Kommentar von Ministerialrat Wolk, der sie sich zu eigen gemacht habe. Das bedeute „eine Unverschämtheit“. Aus Zusagen von Ministerpräsident Stock sei zu erhoffen, daß seiner Gemeinde bei den Gemarkungsgrenzen entgegengekommen werde, notfalls müsse der Landtag die Gesetze ändern.
Straßenbauwünsche Pfungstadts brachte Abgeordneter Huxhorn (KPD) vor. Die Uebernahme der Kosten für die Schädlingsbekämpfung durch Land oder Bund regte Abgeordneter Löffler (KPD) an und sein dahin zielender Antrag wurde einstimmig gutgeheißen.
Die FlGchtlingseinweisungen
Der Sachbearbeiter für Wohnungsfragen, Hechler, berichtete über die Schwierigkeiten, die neuen Flüchtlinge im Kreisgebiet unterzubringen. Er verwies dabei auf einen Bericht im „Darmstädter Tagblatt“ aus dem Kreise Dieburg. Trotz der Einwände zweier Flüchtlingsabgeordneter, es gäbe auch noch unterbelegten Wohnraum, wurde doch einstimmig ein scharfer Protest gegen die unüberlegten Einweisungen in den Kreis angenommen.
Bergstraßenschule-Bezirksverband
Nach den Abstimmungen berichtete der Landrat noch über die Schulbaupläne an der Bergstraße und bat alle Gemeinden, objektiv an diese Frage heranzugehen, auch wenn die endgültigen Beschlüsse noch erst zu fassen seien. Handele es sich auch nur um vorbereitende Maßnahmen, so müsse man sich doch darauf einrichten, um sich spätere Vorwürfe zu ersparen. Ebenso sei die Bildung eines Bezirkskommunalverbandes vorangetrieben worden. Nur durch Zusammenschluß sei es möglich, Aufgaben wie den Bau eines Tuberkulosekrankenheims zu lösen. Auch Anstalten wie Goddelau und Heppenheim, die staatlicher Besitz sind, könnten von der Selbstverwaltung übernommen werden, was eine Befruchtung des demokratischen Lebens bedeuten würde.
Im Anschluß an die Kreistagung besuchten die Abgeordneten die Ausstellungen in Nieder-Ramstadt. P. D.
Einspruch gegen Ausgemeindungen
Der von Abg. Schneider (FDP) eingebrachte und einstimmig angenommene Antrag gegen die „Darmstädter Pläne“ hat folgenden Wortlaut:
Dem Gedanken der Stadt Darmstadt, sich durch Einbeziehung umliegender Orte wie Griesheim und Pfungstadt .in den Stadtbezirk auf Kosten des Landkreises zu vergrößern, muß aus den folgenden Gründen ganz entschieden widersprochen werden;
Die erstrebte Eingliederung hebt die wirtschaftliche und kulturelle Eigenständigkeit sowie die verwaltungsmäßige Selbständigkeit der betroffenen Gemeinden auf;
die zunehmende Verstädterung ländlicher Gemeinden hat sich in bevölkerungspolitischer und sozialer Hinsicht als höchst nachteilig erwiesen;
die gedachte Eingemeindung entspricht weder dem Willen noch dem Interesse der davon berührten Einwohnerschaften;
der Landkreis Darmstadt kann als einer der finanzschwächsten Kreise des Landes niemals zugeben, daß durch Ausgliederung von Gemeinden seine wirtschaftliche Grundlage geschmälert und er dadurch in der Pflege der Interessen der Landkreisbevölkerung schwer beeinträchtigt wird.
Im Fahrzeug eingeklemmt
In eine höchst unangenehme Situation geriet ein während eines Gewitters im Jägersburger Wald abgestellter Personenkraftwagen samt seinem Lenker. Ein abgerissener großer Ast schlug derart auf das Karosseriedach, daß es zusammengedrückt wurde und den Fahrer hilflos einklemmte. Erst nach Hinzukommen eines Revierförsters und verschiedener Passanten konnte der Fahrer mit Säge und Axt aus seiner unangenehmen Lage befreit werden. Die Wagenkarosserie wurde erheblich beschädigt. (-r)
Bürgermeisterwahl in Kinzig
Gumbersberg, Mittel- und Oberkinzig sollen sich zusammenschließen
Am Montagabend sind sämtliche Gemeindevertreter von Ober- und Mittelkinzig sowie Gumpersberg zu ihrer denkwürdigsten Sitzung seit 1945 zusammengetreten.
Die besondere Bedeutung des Tages kam auch durch die Teilnahme Regierungsrats Zörgiebel und Kreisamtmanns Sattler als Vertreter des Landrats zum Ausdruck. Zwei Entscheidungen von größter Bedeutung für das kommunale Leben der drei Gemeinden waren zu treffen. Zunächst war für den seitherigen Bürgermeister Ludwig Br ö - nin g, der als Direktor der Veith-Gummi-Werke AG. so sehr in Anspruch genommen ist, daß er sein Amt als Gemeindevorsteher der drei Gemeinden zur Verfügung stellen mußte, einen Nachfolger zu wählen. Der bisherige Beigeordnete von Ober-Kinzig, Georg Schuchmann, konnte die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen. Der besonderen Verdienste Direktor Brönings um alle drei Orte wurde in anerkennenden Worten gedacht.
Noch bedeutsamer als diese Wahl war der vorhergehende Beschluß, durch den die drei bisher zwar unter einem gemeinsamen Bürgermeister stehenden, verwaltungsmäßig aber selbständigen Gemeinden Ober- und Mittelkinzig sowie Gumpersberg endgültig zu einer einzigen Gemeinde zusammengelegt werden. Regierungsrat Zörgiebel hatte zuvor eingehend über die seit längerer Zeit im Kreise Erbach verfolgte Vereinfachung der Kommunalverwaltung durch Vereinigung mehrerer leistungsschwacher Kleingemeinden zu starken, lebensfähigen Kommunen gesprochen. Durch diese Maßnahmen ließen sich beträchtliche Kosten ersparen und der gesamte Betrieb der kommunalen Verwaltung wesentlich verbessern.
Die anwesenden Gemeindevertreter aller drei Orte waren von der Notwendigkeit dieser Maßnahme derart über-
zeugt, daß sie sich sofort für den Zusammenschluß entschieden. Die Gumpersberger Gemeindevertreter regten nur an, ihrer Einwohnerchsaft im Rahmen einer Bürgerversammlung nochmals über diese wichtige Maßnahme zu berichten.
Immerhin ist die Zusammenlegung beschlossen, wodurch jetzt die Zahl der Gemeinden des Landkreises Erbach von 95 auf 93 zurückgegangen ist. Regierungsrat Zörgiebel gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch die übrigen Zwerggemeinden des Kreises, die aus eigener Kraft nicht lebensfähig sind, diesem vernünftigen Beispiele bald folgen werden. -ch.
Direkt in die Weschnitz
Ein von Bürstadt nach Bensheim fahrender Personenwagen konnte die spitze Kurve an der Lorscher Weschnitzbrücke nicht meistern und fuhr geradewegs hinunter in die Weschnitz. Das Vorderteil des Wagens stand im Wasser. In der Nähe befindliche Bauern halfen dem vom Pech Verfolgten wieder weiter, (el)
Gernsheim bangt um 30 Neuwohnunngen
Plötzlicher Darlehens-Verzicht der Baufirma rief Beunruhigungen hervor
Der Gernsheimer Stadtrat beschloß in seiner Sitzung am vergangenen Samstag, die durch den plötzlichen Verzicht der Lampertheimer Firma Nagel freigewordenen 30 000 DM, die dieser von der Gemeinde für den Bau zweier Wohnblocks an der Darmstädter Straße zugesprochen waren, sofort für den dringend erforderlichen Straßenbau zu verwenden. Zunächst soll die Magdalenenstraße im Betonverfahren renoviert werden. Die hierbei entfallenden Altpflastersteine werden zur Ausbesserung der Bleichstraße verwandt.
Hinsichtlich des Verzichts der Firma Nagel befürchtet jedoch die Gemeinde, daß ein Staatsbaufond in Anspruch genommen wurde, der jedoch voraussetzt, daß die aus Schlesien zu erwartenden Flüchtlinge in die neuen Wohnungen eingewiesen werden. Diese Vermutungen führten auch in der Bevölkerung Gernsheims zu einer großen Beunruhigung. Der Stadtrat beauftragte deshalb die Gemeindeverwaltung, alles zu unternehmen, daß die 32 Neuwohnungen für die wohnungsarme Stadt nicht verloren gehen.
Dem Fluchtlinienplan in der Flur 17 stimmte der Stadtrat zu. Damit sind die Meinungsverschiedenheiten mit der Firma Friedrich Haas um eine Straßenzufahr'. geregelt. Die neue Industriestraße führt von dem Gelände der Firma zwischen dem Industriegelände der Firma Bork und dem Privatgelände der Witwe Nungesser nach der Bundesstraße 44.
Das Vergleichsverfahren der Firma Stanger & Co. wurde einstimmig abgelehnt. Herr E. Diller kann auf dem von ihm gepachteten Gelände ein Einfamilienhaus errichten, wenn es die übergeordneten Stellen gleichfalls befürworten. Das Kiosk Draut im Waldfrieden geht an Kratz, Biebesheim, über, -spa-
Preisangeln in Biebesheim
Der Anglerverein Biebesheim veranstaltete am Sonntagvormittag am Rhein ein Preisangeln, bei dem die Vertreter des Verbandes der deutschen Sportflscher anwesend waren. Den 1. Preis konnte Heinrich Witzler, Biebesheim erringen, der 2400 Gramm angelte. Abends kamen die Mitglieder zu einem gemütlichen Beisammensein zusammen, wobei die Preisverteilung vorgenommen wurde. (-od-)
Kredit für Schulhausnenban
In der letzten Gemeinderatssitzung in Nauheim wurden alle Beschlüsse der Gemeindevertretung einstimmig gefaßt. Ein Vertrag mit der Deutschen Städtereklame wurde abgelehnt. Das obere Nauheimer Forsthaus soll im Rahmen der vorgesehenen Haushaltsmittel neu hergerichtet werden. Die Gemeindevertretung beschloß, die Mitgliedschaft zur Zusatzversorgungskasse weiterhin aufrecht zu erhalten und die Angestellten durch die Verwaltung zur Anmeldung zu bringen.
In diesem Zusammenhang gab Bürgermeister Schad bekannt, daß die Zusatzversorgungskasse die nötigen Geldmittel für den Schulhausneubau, im Wege eines Kredites, zur Verfügung stellen wird.
Die Bachreinigungsarbeiten wurden dem Tiefbauunternehmen Spengler, Nauheim, vergeben. Mehrere Straßen, die im Zuge des Bebauungsplanes errichtet werden müssen, wurden entsprechend den Fluren benamt. Anschließend fand eine nichtöffentliche Gemeinderats-Sitzung statt, bei der Personalangelegenheiten auf der Tagesordnung standen. -au-
Das 2. Retinen auf der Bürstadter Rad¬ rennbahn findet am kommenden Sonntag statt. Bekannte Fahrer aus allen Teilen der Bundesrepublik haben ihr Erscheinen zugesagt. (bb)
MNieder-Nodens Yaushaltsplan genehmingt
Lebhafte Diskussion um die Rückerstattung des Sportplatzes der Freien Sportvereinigung
Sehr lebhaft verlief die letzte Sitzung der Gemeindevertreter von Nieder-Roden, bei der eingangs der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1950 beraten wurde. In Einnahmen und Ausgaben schließt der Etat mit 183 501 DM ab. Einem Antrag des Ratsmitglieds Weyland, dem ortsansässigen Arzt eine Wohnung zu stellen, wurde entsprochen. Das in der Schulstraße als Lehrerwohnung dienende Gemeindehaus wird als Arztwohnung und Praxis zur Verfügung gestellt. Die dort wohnenden Familien will man anderweitig unterbringen.
Angeregte Diskussionen entspannen sich über den im Voranschlag vermerkten zweiten Posten des Feldhüters und Wegewärters, mit dessen Einführung die CDU-Fraktion nicht einverstanden war. Der Voranschlag wurde in geheimer Abstimmung mit sechs gegen fünf Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt.
Die gleichen Debatten erfolgten bei dem Antrag der SG Nieder-Roden, die um die Rückerstattung des Sportgeländes der früheren Freien Sportvereinigung bzw. auf Wiedergutmachung bat. Die Gemeinde, die das Gelände an die „GEWOBAG“ verkaufte, soll den Erlös zurückerstatten. Ein Anspruch auf den Erlös aus Geräten und Einrichtungsgegenständen wird nicht erhoben, da die Gemeinde keine erhielt. In einer Sitzung mit dem Vorstand der SG will man die Angelegenheit auf gütlichem Wege regeln. Der Platz neben dem Spritzenhaus soll an Herrn Adam Schüler verpachtet werden. Die Räte beschlossen, einem Antrag der Firma Gebr. Wilz stattzugeben und den Weg neben der Villa Wilz am Ortsausgang nach Dudenhofen 32 Meter weiter nach Osten zu verlegen, um. einen Fabrikneubau zu ermöglichen. (gi)
in genannt
Ein besonderes Fest für das westliche, jenseits der Bahn gelegene Bensheimer Stadtviertel, das den Scherznamen „Port Arthur“ trägt, war am vergangenen Sonntag wieder die traditionelle „ Port-Arthur-Kerb“. Entlang der Wormser Straße waren Buden und eine Schiffsschaukel aufgeschlagen und in der Gastwirtschaft „Zum Rosengarten“ fand ein richtiges Volksfest mit warmen Würstchen, Bier, Wein und Tanz statt. (HB)
Ueue Bahnhofsgaststätte
Nachdem in den letzten Wochen auf die Initiative der Bundesbahnverwaltung hin die früher recht wenig einladende Bahnhofsgaststätte in B e n s h e i m einmal von Grund auf renoviert wurde, konnten am Samstag die neuen Pächter, Anton Hans und Frau, ihren Betrieb eröffnen. Die Gasträume haben ein helles und freundliches Aussehen bekommen, das Büfett und die Küche wurden modernisiert und auch das Mobilar und die Beleuchtung erneuert. Die Arbeiten leitete Innenarchitekt Direktor Krug. Es beteiligten sich hieran mehrere Bensheimer Firmen. (HB)
Hinter den Mauern...
. . . regt es sich, — auch in Roßdorf, wo in der Kurve am Rathaus ein neues Geschäft entstand, in dem eine Eisdiele eröffnet werden soll. Sozusagen fast unbemerkt wuchs der Bau, — bis man eines Tages anfing, die Mauer einzureißen, und das schmucke Geschäft bewundern konnte. Die letzten Reste der Steinwand weisen noch die Spuren des letzten Wahlkampfes auf, Spuren, über deren Verschwinden man ebenso erfreut sein dürfte wie über den „Zuwachs“ hinter besagter Mauer.
DT-Foto: Schröder
Abschied von Pfarrer Berck
Am vergangenen Sonntag verabschiedete sicfe in der vollbesetzten Kirche Roßdorfs mit einer Predigt Pfarrer i. R. D. Berck von der Gemeinde, der er 14 Jahre als Pfarrer gedient und in der er dann noch weitere sechs Jahre als Fliegergeschädigter gewohnt hat. Sein Abschiedstext war aus Joh. 20,26, das Wort des Herrn an seine Junger „Friede sei mit Euch“, ein Gebot, das heute von besonders eindringlicher Kraft ist. Der Ortsgeistliche Pf. Lutz sprach dem Scheidenden namens der Gemeinde den herzlichsten Dank für seine segensreiche Tätigkeit aus und wünschte dem Hochverdienten einen sonnigen Lebensabend, den der 83jährige im Altersheim Schloß Babenhausen zu verbringen gedenkt. Die Gemeinde Roßdorf wird ihren langjährigen Geistlichen dankbar in Erinnerung behalten. (K. B.)
Roßdörfer Volksfest
Durch Zusammenarbeit zwischen der Sport- und Kulturgemeinde, dem Gesangverein „Concordia“, dem Touristenverein „Die Naturfreunde“ und anderen Organisationen kann Roßdorf am kommenden Samstag und Sonntag auf dem alten Sportplatzgelände sein diesjähriges Volksfest feiern.
Am Samstag stehen sich um 17 Uhr die „Alten Herren“ der Fußballabteilung und eine Messeler Mannschaft in einem Freundschaftskampf gegenüber. Um 20 Uhr beginnen die Darbietungen der SKG, wobei die Schwerathleten mit lebenden Pyramiden und die Turner und Turnerinnen Ausschnitte aus ihrem Können zeigen. Der Gesangverein „Concordia“ unter Leitung seines Dirigenten Rektor Hackemer bereichert das Programm durch gesangliche Darbietungen. Das Abendprogramm wird von einem großen Festkonzert, das Kapellmeister Breitwieser leitet, umrahmt.
Im Mittelpunkt des Sonntagsprogramm stehen die sportlichen Darbietungen, wobei ein Handballspiel gegen Groß-Zimmern und Fußballspiele der 1. und 2. Mannschaft gegen Messel zur Austragung kommen. Als Einlagen sind leichtathletische Wettkämpfe vorgesehen. Im Schwimmbad werden die Jugendschwimmer starten. Für Kinderbelustigungen und Ueberraschungen sorgen die Naturfreunde. Abends wird, wie am Vortage, getanzt. (si)
25 Jahre „Rotes Kreuz“
Die Ortsbereitschaft Birkenau des Roten Kreuzes feierte mit einem stimmungsvollen Festkommers in herzlicher Verbundenheit mit der Bevölkerung ihr 25jähriges Bestehen im Rahmen des samstäglichen Sommernachtsfestes im Schloßpark Wambold. Dr. Simmet H. Wilderotter. A. Hoffmann, Adam Jakob, Adam Emig, Georg Diehm, Rudolf Welzel, R. Schmitt, Valentin Scheuermann, A. Kadel, Fr. Bauer, H. Oehlenschläger und P. Schmidt wurden als älteste Mitglieder der Bereitschaft besonders geehrt. Die Turner des TSV zeigten ihr Können am Barren, die Schüler brachten Schuhplattler und Volkstanzreigen, die Turnerinnen boten Flamrnenkeulen-Uebungen, die Kapelle Brehm konzertierte zu Unterhaltung und- Tanz. Am Sonntag hielt die Ortsbereitschaft zusammen mit der Freiwilligen und Pfichtfeuerwehr eine Einsatzübung ab, die viele Schaulustige angelockt hatte und in ihrer Exaktheit als Werbung für die Idee der tatkräftigen Hilfe dem Nächsten gegenüber sehr zugkräftig wirkte. Der nachmittägliche gemütliche Teil, der abendliche Festball und ein Kinderfest am Montag vervollständigten das gelungene Programm, mit dem manch neuer Faden des Verständnisses geschlungen wurde. (_rj
Meldungen aus den Landkreisen
Alsbach stimmt für Schulprojekt
In der Montagssitzung des Alsbacher Gemeinderats, der Landrat Wink Kreisschulrat Dr. Plötz und Amtmann Dieterich beiwohnten, nahm die Gemeindevertretung zu dem 4- Millionen-Schulprojekt bei Seeheim Stellung. Landrat Wink schilderte die Entstehung des Planes und wies auf die Vorteile (modernste Lehrmittel, beste Schulkräfte usw.) der Gemeinschaftsschule und die Bedeutung des in Deutschland einmaligen Projektes hin.
Kreisschulrat Dr. Plötz erklärte, daß die Beseitigung der Schulraumnot und die damit verbundene Ueberbelegung der Klassen, die es den Lehrkräften unmöglich mache, sich den Kindern eingehend zu widmen, ein ernstes Problem sei. Auch die Vorteile, die durch Schaffung einer Bibliothek, einer Lehrwerkstätte, eines Physik- und Chemiesaals, der Schulküche u. a. für die Kinder entstehen, die später „ihren Mann“ stellen sollen, ließ der Kreisschulrat nicht unberücksichtigt.
Gemeinderat Kemna (FDP) erklärte, daß die Finanzfrage zwar einen großen Schock ausgelöst habe, jedoch seien die Kinder das wertvollste Gut, und es müsse ihnen in jeder Weise geholfen werden.
Nach kurzer Aussprache faßte der Gemeinderat den einstimmigen Beschluß, sich mit der Errichtung der Schule grundsätzlich einverstanden zu erklären und an dem zu bildenden Zweckverband teilzunehmen. (hl)
Er belästigte Frauen und Mädchen
Am Montagvormittag sowie am späten Abend waren Frauen und Mädchen in der Allee der Michelstädter Straße in der Nähe von Stockheim von einem Exhibitionisten belästigt worden. Am Dienstagnachmittag konnte der Sittlichkeitsverletzer, ein Schausteller des Erbacher Wiesenmarktes, durch die Stadtpolizei in Michelstadt festgenommen und dem Amtsgerichtsgefängnis zugeführt werden. (_ch)
„Leichte Kost“ im Jugendklub
Mit Rücksicht auf die Ferien und Urlaubstage, auf die Erntearbeiten und schließlich auf die warme Sommertemperatur, hat der Bergsträßer Jugendklub während des Monats August von größeren Veranstaltungen und Vortragsabenden abgesehen und das Programm mehr auf „leichte Kost“ eingestellt. Heute abend sind unter dem Motto „Von jedem für jeden etwas“ unter Leitung von Ella Klein (BJC) allerlei bunte Ueberraschungen für die Mitglieder und Freunde des Clubs vorgesehen. Für den am 9. August in Bensheim im Gasthaus „Zur Stadt Bensheim“ (Stock), stattfindenden Filmabend wird das Kreis-Resident-Office in Heppenheim einige Kultur-Tonfilme zur Verfügung stellen. Der Vortrag von Erich Knapp (BJC) am 16. August in Heppenheim im Hotel „Schloßberg“ behandelt das Thema „Der Uebergang von der römischen Republik zum Kaiserreich“. Am 23. August findet eine Führung durch den Zeitungsverlag Heß in Bensheim statt und am 30. August ist ein geselliger Abend in Heppenheim im Hotel „Schloßberg“ vorgesehen. (HB)
Unruhe im „Orbis“
Der Zwingenberger „Orbis“ wurde seinerzeit von der Gemeinde als Wohnsiedlung bestimmt. Noch in letzter Zeit wurden, wie bei seiner baulichen Erschließung, alle Baugesuche abgelehnt, die ihm seinen ruhigen Charakter hätten nehmen können.
Nun wurden in der vergangenen Woche die Anwohner damit überrascht, daß man Steine für den Bau eines gewerblichen Unternehmens der Füllhalterindustrie anfuhr -und mit Ausschachtungsarbeiten für zweistöckige Gebäude anflng.
Wie auf Anfrage festgestellt wurde, hat der Gemeindevertretung ein Baugesuch nicht vorgelegen und sind auch, entgegen einer beim Hochbauamt eingegangenen Zusicherung des inzwischen von seinem Amt zurückgetretenen Bürgermeisters, die Anlieger nicht befragt worden. Sie haben inzwischen Protest erhoben. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein wird sich ebenfalls mit der Angelegenheit befassen. Die Einberufung der Gemeindevertreter wird für die nächsten Tage erwartet. (d)
Witte nor dem Kreistag
Als Auftakt zu einer Beratung über die Bildung eines Kommunalverbandes wird Landeshauptmann Witte, Wiesbaden, am Dienstag, dem 15. August, um 10 Uhr im Saalbau „Esselbach“ in Gernsheim vor dem Kreistag des Kreises Groß-Gerau über das Thema „Die Aufgaben eines Kommunalverbandes“ sprechen. Außerdem stehen auf der Tagesordnung: Die Beschlußfassung über den Flächennutzungsplan des Kreisgebietes; die Festlegung der Fluchtlinienpläne „Sportplatz Nauheim“ und „Industriegelände Gernsheim“; die Einleitung der Enteignungsverfahren von Grundstücken in den Gemarkungen Leeheim, Raunheim, Rüsselsheim und Wallerstädten; die Eigentumsentziehung einiger Grundstücke der Gemarkung Gernsheim im Fluchtlinienverfahren.
Im Anschluß an die Sitzung werden die Abgeordneten eine Besichtigungsfahrt zu den Wohnbaustellen in den südlichen Riedgemeinden unternehmen. cg
Darmstadt-Land
Nieder-Modau. Wie in Ober-Modau soll auch in der hiesigen Gemeinde mit Kulturfilmvorführungen für Heimatvertriebene und einheimische Jugend begonnen werden. Die erste Vorführung findet kommenden Freitag, 4. August, um 20 Uhr im Gasthaus „Modautal“ statt, zu der die Jugend über 14 Jahre sowie deren Eltern und Bekannte eingeladen werden.
Pfungstadt. Der Karnevalverein unternahm kürzlich eine Omnibusfahrt in die Pfalz. (ler.)
Seeheim. In würdiger Weise gedachte die evangelische Kirchengemeinde am vergangenen Sonntag Johann Sebastian Bachs. Auch im Kindergottesdienst wurde den Kleinen vom Leben und Wirken des Meisters erzählt.
Bickenbach. Die Schachabteilung der Sport- und Kulturgemeinde setzt ihre Uebungsstunden ab 7. August um 20 Uhr im Gasthof „Zur Sonne“ wieder fort, (er.)
Alsbach. — Heute findet von 20.00 bis 22.00 Uhr im Rathaus eine Werbeausstellung „Das eigene Heim“ statt. Veranstalter ist die Oeffentliche Bausparkasse (Abteilung der hessischen Landesbank-Girozentrale). Ein Sachbearbeiter gibt Interessenten Rat für die Finanzierung und Anregung für die Gestaltung des
Dieburg
Lengfeld. Aua dem Schlafzimmer' eines Hauses in der Rathausgasse wurde ein größerer Geldbetrag gestohlen. Als Täter steht ein landwirtschaftlicher Arbeiter im Verdacht, der bei einer Verwandten der Bestohlenen einige Tage gearbeitet hatte, dann aber ohne seine Arbeitgeber von seiner Abreise in Kenntnis zu setzen, verschwand. -RG-
Groß-Umstadt. Aus der Volliere eines hiesigen Taubenzüchters wurden von unbekannten Tätern sechs wertvolle Zuchttauben (Pfau- und süddeutsche Schildtauben) gestohlen. -RG-
Babenhausen. Unbekannte Täter stiegen vom Hof eines Geschäftshauses in den Verkaufsraum und plünderten die Ladenkasse. -RG-
Eppertshausen. In der Freitagsitzung der Gemeindeväter wurde der von der Forstverwaltung vorgelegte Waldwirtschaftsplan abgelehnt, da er 20 000 DM mehr Ausgaben als Einnahmen aufwies, -gi-
Schaafheim. Einem hiesigen Bauern wurde aus seiner Weidekoppel ein neun Zentner schweres, trächtiges Herdbuchrind Von unbekannten Tätern gestohlen. -RG-
Groß-Zimmern. Bei der Witwe K. H. in der Beinestraße erschien ein Mann, der vorgab, Eier einkaufen zu wollen. Er gab der Frau einen Fünfzigmai:kschein zu wechseln, steckte ihn aber mit dem Wechselgeld wieder ein und verschwand. Die Gendarmerie konnte den Kauffmann W. J. aus Spachbrücken als Tater ermitteln. Anzeige wegen Betrugs wurde erstattet. -RG-
Erbach
Rai-Breitenbach. Nach eingehender Prüfung wurde nun festgestellt, daß das Leitungswasser Kolikbakterien enthält. Man hofft nach Fassung einer neuen Quelle Abhilfe zu schaffen. (hm)
Bergstraße
Mörlenbach. Das Jungschärlertreffen der katholischen Jugend .aus den Dekanaten Oppenheim, Bensheim, Worms und Heppenheim auf dem Tannbuckel nahm einen schönen Verlauf. Es waren etwa 400 Jungen zusammengeklommen. Am Sonntag hielt Kaplan May die Feldmesse und Rektor Siepcgen, Mainz schloß am Nachmittag das Sterntreffen mit seiner Ansprache an die .Versammelten. (km)
Waldmichelbach. Im neuen Haushaltsplan der Gemeinde sollen auf Antrag der SPD-Fraktion die Steuersätze um 20 Prozent gesenkt werden. Der Etatsausschuß wird sich noch in dieser Woche mit dem Antrag befassen, bevor der Gesamtplan im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung zur Diskussion gestellt wird. (-r)
Aschbach. Um Unglücksfällen vorzubeugen, ist ab sofort das Baden im Turbinenteich des Hammerwerkes Kurtz verboten. — Lehrer Heinz, der 20 Jahre an der hiesigen Volksschule tätig war, ist ab 1. August nach Viernheim versetzt. (-r)
Unter-Schönmattenwag. In der letzten Sitzung des Gemeinderates wurde beschlossen, verschiedene Stiehkanäle in der Hauptstraße zu verbessern und die Kanalisation im Ortsteil Klingen vornehmen zu lassen.
Hammelbach. Am vergangenen Freitag wurde die neuerbaute Wasserleitung erstmalig in Benutzung genommen, nachdem es Bürgermeister Keil gelungen war die ausstehenden Arbeiten mit Rücksicht auf die Wasserknappheit besonders rasch vorantreiben zu lassen. (r)
Groß-Gerau
Groß-Gerau. Das Rote Kreuz, Kreisverband Groß-Gerau, sucht Angehörige des Kriegsgefangenen Meier oder Maier unbekannten Vornamens, der HJ.-Führer gewesen sein soll. Seine Eltern sollen ein Möbellager oder eine Schreinerei besitzen. (-eng-)
Nauheim. Die Gemeindeverwaltung läßt z. Z. sämtliche Flüsse und Gräben in der Gemarkung reinigen. Die Arbeiten wurden an den Tiefbauunternehmer Spengler & Söhne vergeben, (-au-)
Dornheim. Der Freiwilligen Feuerwehr wurden von der Gemeindevertretung Gelder zur Anschaffung von Uniformen bewilligt. — Der Rathaussaal soll künftig allen Vereinen und Körperschaften für Versammlungen und Vorträgen zur Verfügung gestellt werden. Sportliche Veranstaltungen fallen nicht darunter, (-od-)
Bischofsheim. Die Gemeinde konnte in der letzten Gemeinderatssitzung ihren Haushaltsplan für das Rj. 1950 verabschieden. Der ordentliche Haushaltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe auf 519 180.- DM festgesetzt. (-au-)
Gernsheim. Der Wassersportverein hatte am Sonntagfrüh eine Mitgliederversammlung, in der vorwiegend Organisationsfragen zu den wassersportlichen Veranstaltungen am rheinischen Fischerfest besprochen wurden. (sp-J
Was aǔch interessiert:
Zwei Motorräder stießen am Sonntagnachmittag zusammen, da sie beide den Fußweg auf der Straße nach Eschollbrücken benutzten. Der Fahrer des einen Krades wurde mit einem doppelten Oberschenkelbruch in das Krankenhaus eingeliefert. Der andere kam mit Kopfverletzungen davon. (ler)
Fast 1000 Zentner Gurken 'waren bei der letzten Ablieferung in der Genossenschaft, Pfungstadt, unverkäuflich und mußten von den Erzeugern zurückgenommen werden. Es blieb den Bauern keine andere Wahl, als die Salatgurken zur Fütterung des Rindviehs zu verwenden. (ler)
Ein Brand im Kühlraum des Hauses Fahrstraße 80 in Babenhausen verursachte einen Schaden von nahezu 2000 DM. Es wird angenommen, daß die neben der Kühleinrichtung liegende Wäsche durch den Anlauffunken des automatisch geschalteten Elektromotors Feuer fing und den Brand auslöste. (RG)
Von einer zurückprallenden Kugel am Auge verletzt, mußte ein junger Bursche ins Krankenhaus eingeliefert werden, der sich Sonntagn^cht beim Kirchenfest in Urberach an einer Schießbude aufhielt. (wn)
1000 DM Schaden durch Kurzschluß-Brand entstand auf dem Arbeitsgelände des Zimmermeisters Franz Röhring in Ober-Roden. (RG)
Eine scheuende Kuh drängte eine Radfahrerin in Zotzenbach so weit vom Fahrweg ab, daß sie die Bachböschung hinabstürzte und bewußtlos liegen blieb. Mit schweren Kopfverletzungen mußte die Frau ins Krankenhaus nach Lindenfels gebracht werden. (—r)
Der SPORT
Betrachtungen beim Pferderennen in Erbach
Angenehme Erleichterung männlichen Ausdrucksvermögens, daß Frauen in Verbindung mit Pferden Weiber genannt werden dürfen. Weniger wegen der Spielschulden, als vielmehr der anerkannten Verteuerung der Ursprünglichkeit. Reiterinnen im Sattel eines edlen Tieres haben sich auf andere Ufer begeben. (Kleinwüchsige Männer werden unangenehm an ein evtl, matriarchalisches Zeitalter erinnert. So wurde Juchten erfunden, man kann sich Männlichkeit — Geruch von Tabak und Pferden — in der Flasche kaufen. Sozusagen gepflegte Urigkeit.) — Das Schwierigste beim Pferderennen sind die Namen. Sie erfordern Geschichtskenntnisse, man muß gesellschaftlich orientiert sein, und unter der Rubrik „who is who?“ Bescheid wissen. Ilona z. B. und Ballade. Die Kleider der Zuschauerinnen in Erbach sind eine Ballade, dem Sinn des Wortes nach: erzählendes Gedicht. Schlicht und teuer. Letzte konventionelle Form der Kleidung. Taubengraue Kostüme, drapierte, schwere Atlasseide, Parfüms aus kostbaren Flacons. Keine Volksbesatzung auf den Tribünen. — Bei Fußballwettkämpfen oder Schwimm-Meisterschaften ist es insofern wesentlich einfacher, als man entweder die entsprechende Vereinsfahne schwingt, auf Tambourins schlägt, in Kuhhörner bläst, und unter allen Umständen hat man nur einen oder zwei Namen zu rufen. Hein oder Paule! Hier beim Pferderennen fällt der Name „Sansibar“ als Anfeuerungsruf weg, weil sonst die außerdeutschen Gäste glauben, man würde koloniale Forderungen erheben. Tücke des Zufalls, daß besagtes Tier mit Morgentau in einem Rennen lag, und die Namens-Inkarnation des ab 1945 geplanten Nur-Rübenbaues das Nachsehen hatte. So ist es auch eine Spekulation geblieben, daß „Marietta“, dazwischenliegend, den Sieg des Hengstes verhindern konnte. Auch nicht (die) Indianer. Marietta ist ein Mädchenname, und wenn die nicht gewesen wäre, hätte die Verwandtschaft kein Care-Paket bekommen. Uebrigens Afrika: Joe Walcott war auch beim Rennen und auf dem Wiesenmarkt. Er hatte nur einen Pullover und einen . Betreuer mit, und schaute ziemlich gutmütig und vergnügt in die Gegend. Morgen früh kann ei' wieder seine 150 DM in Mannheim abholen und hätte dann so um Ostern herum seinen Boxkampf abgezahlt bekommen. „Sie“ war auffälliger als er, weniger in der Kleidung, als philosophisch gesehen im „ an-sichsein“. Ein süßer, kleiner Tatzelwurm mit Goldhaaren und Garbo-Wimpern. Das ist der skandinavische Teil. Die Shorts sind von hier, die Frau auch, man merkts, weil sie nur englisch spricht, und was man früher als Bluse bezeichnete, ein rosaseidenes Nichts unter dem Hals, stammt auch von hier. Nachdem Sansibar gewonnen hatte, spielte die Feuerwehr einen Marsch. Da immer so wenig über die Feuerwehr geschrieben wird, möchte ich nicht versäumen, ihr permanentes Wirken in den Pausen gebührend zu unterstreichen. Sie hat die Pferde nicht scheu gemacht, da Märsche nun mal zu Gäulen gehören wie Frauen-Porträts zu kosendem Pferdekopf. Früher waren beide adelig, die Reiterinnen und die Gestütspferde. Bei dem Vormarsch von Ostpreußen nach Westdeutschland verloren die Pferde ihre Gestütsbesitzer und die Gestütsbesitzer ihre Pferde. Wechselwirkung des entarteten Krieges. Im Odenwald fanden nur Reste der edlen Zucht eine neue Heimat. So könnten hier neue Traditionen beginnen, und Jupiter, ein Hengst mit zeitlosem Namen, siegte in dem Preis der Stadt Erbach. Der Schimmel lief ein großartiges Rennen. In den vorigen Kämpfen lag er nur auf den zweiten Plätzen. Man sieht, weiß arbeitet sich nach vorne. Der Schnee, die Unschuld, die Uebergabe ist weiß. Nicht alles kommt im Leben wieder. Dann liefen noch Krakeeler, Frauenjäger, Boheme, Sagitta, Feisal. Verwirrende Fülle schöner, nichtplebejischer Namen. Sie kamen ganz gut zum Zuge. Feisal hatte noch Magenbeschwerden von der Schweiz her, damals.
Alle applaudierten zu den einzelnen Kämpfen, und gegen Ende stiegen die Tribünen-Zuschauer in ihre Wagen, die von den Stehplätzen auf Motor- und Fahrräder, und andere gingen zu Fuß z. T. noch auf den Festplatz, um sich im Hinblick auf die kommende Arbeitswoche die vornehme Gesinnung wieder abzugewöhnen. ~ng-
Ringen
SG Arheilgen—Sprendlingen 5:3
Die 200 Zuschauer, die sich Samstagabend im Vereinshaus der SG Arheilgen eingefunden hatten, um den Landesliganeuling Sprendlingen in einem Freundschaftskampf gegen ihre Mannschaft auf der Matte zu sehen, sind wohl auf ihre Kosten gekommen. In durchweg temperamentvollen und farbigen Kämpfen zeigten die Gäste ein Können von beachtlichem Niveau, wenn sie sich auch der größeren Erfahrung und Routine der Einheimischen beugen mußten. Leider kam es nicht zu dem erwarteten Kampf zwischen dem Lokalmatador Spatz und Heinel. Doch auch Schäfer (Sprendlingen) bewies, daß man trotz seiner Niederlage in den kommenden Ligakämpfen mit ihm rechnen muß.
Im Fliegengewicht kam Freudenberger (A) gegen E. Schlapp (Sp) durch Schulterdrehgriff in etwa 9 Minuten zum Sieg, nachdem der Kampf bis dahin ausgeglichen war. Bei E. Häuser (A) und Neubecker (Sp) sah man zwei Kämpfer, die schnell, gewandt und einfallsreich auf jede Blöße des Gegners reagierten. Die bessere Kondition ließ Häußer in der 6. Minute durch Eindrücken der Brücke Sieger werden. Der Kampf Dern (A) gegen Stork (Sp) im Mittelgewicht wirkte schleppend. Erst nachdem Dern parterre mußte, gelang Stork der Sieg durch Eindrücken der Brücke in der 7. Minute.
Bei F. Häuser (A) gegen G. Schlapp (Sp) wurde Schlapp bereits nach einer Minute Sieger durch Kopfzug. DerWeltergewichtskampf zwischen Arnold (A) und Specht jr. (Sp) war der einzige Kampf des Abends, der nicht gefallen konnte. Ohne Feinheiten, steif wirkend, gingen sie über die volle Distanz. Selbst eine Verwarnung des Ringrichters wegen Passivität änderte nichts daran. Arnold bekam den Sieg nach Punkten zugesprochen. Im Mittelgewicht zeigte Fiedler (A) gegen Scharenberg (Sp) in einem sehr schönen Kampf, daß man auch noch mit 46 Jahren überlegen siegen kann. Jeder Zeit dominierend, stand sein Punktsieg nie in Frage. Werkmann (A) und Specht sen. (Sp) im Flalbschwergewicht zeigten Können und Erfahrung. Nachdem Specht außerhalb der Matte mit dem Kopf aufschlug, gelang es ihm, in der 6. Minute Sieger durch Hüftzug zu werden. Bei den Schwergewichtlern stand der Sieg von Spatz (A) nie in Frage. Trotz heftiger Gegenwehr von Schäfer zermürbte er seinen Gegner Schritt für Schritt und beendete den Kampf in der 8. Minute durch Eindrücken der Brücke. Ringrichter Feiger (Roßdorf) leitete zur Zufriedenheit.
Ergebnisse: Fliegengew. Freudenberger (A) Sieger in der 9. Min. gegen E. Schlapp (Sp); Bantamgew. E. Häuser (A) Sieger in der 6. Min. gegen Neuhecker (Sp.); Federgew. Dern (A) verliert in der 7. Min. gegen Stork (Sp); Leichtgew. F. Häuser (A) verliert in der 1. Min. gegen G. Schlapp (Sp); Weitergew. Arnold (A) Sieger nach Punkten über Specht jr. (Sp); Mittelgew. Fiedler (A) Sieger nach Punkten über Scharenberg (Sp); Halbschwergew. Werkmann (A) verliert in der 6. Min. gegen Specht sen. (Sp); Schwergew. Spatz (A) Sieger in der 8. Min. gegen Schäfer (Sp). -ter-
Bezirksklasse in zwei Gruppen
Beginn der Verbandsrunde am 3. September
Für den erkrankten Bez.-Fachwart Leißler eröffnete sein Stellvertreter Allendorf die einberufene Vereinsvertreter-Tagung. Olympia Lorsch stellte einen Antrag, in der neuen Saison in einer zahlenmäßig großen Klasse zu spielen, um den Vereinen finanziell einen Rückhalt zu geben und der Nordgruppe spielstark entgegentreten zu können. Bei der anschließenden Abstimmung waren bei zwei Enthaltungen 10 für eine Gruppe, 13 für zwei Gruppen. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt daß Lampertheim, Bensheim und Bobstadt fehlten.
Der Bezirksausschuß stellte den Vorschlag, in 2 Gruppen zu spielen, zur Diskussion, bei der Stimmen laut wurden, die den Verbleib der Absteiger Heppenheim und Roßdorf kritisierten. In jeder Gruppe werden 14 Mannschaften spielen. Sollte Lampertheim nicht aufsteigen können, spielt es in Gruppe 1, Opel Rüsselsheim würde der Gruppe 2 zugeteilt. Die Meister der A-Klasse steigen ohne Entscheidungsspiele auf, ebenso der Pokalmeister (VfR Langen).
Die beiden Gruppen wurden wie folgt zusammengestellt:
Gruppe 1: Vikt. Urberach, Bensheim, Biblis, Bobstadt, Bürstadt, Eberstadt, Heppenheim, Hofheim, Lorsch, Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Roßdorf, Wixhausen, Messel, Lampertheim.
Gruppe 2: Dieburg, Münster, KSV Urberach, Ober-Roden, VfR Langen, Egelsbach, Walldorf, Mörfelden, Nauheim, Trebur, Bischofsheim, Michelstadt, Erbach, Eppertshausen, Rüsselsheim.
Auch über die Einteilung wurde ab¬ gestimmt. Es waren 17 dafür, 3 dagegen und 3 enthielten sich der Stimme.
Der Beginn der Verbandsrunde wurde einstimmig auf den 3. September festgelegt. Bis zum Samstag, dem 7. August, müssen alle privaten Wünsche der Vereine beim Bezirkswart vorliegen.
Am Sonntag tagte dann der erweiterte Bezirksspielausschuß, wobei alle Wünsche der Bezirksklasse eingehend besprochen wurden. Nach einer Abstimmung von 5:4 verbleiben die Abstiegsbedrohten in der Bezirksklasse. Der Vorschlag der 2 -Gruppen-Einteilung wurde mit 6:1 angenommen.
Ein Antrag vom Kreis Darmstadt an den Kreis Bergstraße über die Abgabe von Zwingenberg und Bedenkirchen als B-Vereine konnte nicht akzeptiert werden, da darüber erst beim außerordentlichen Kreisfußballtag am Samstag gesprochen werden muß.
In Kürze wird ein außerordentlicher Bezirks-Fußballtag stattfinden, der über Auf- und Abstieg beschließen soll. Groß-Rohrheim wurde auf eigenen Wunsch dem Kreis Groß-Gerau zugeteilt.
Jakob Kiefer turnt in Darmstadt
Am 13. August turnt der Deutsche Meister im Olympischen Zwölfkampf und deutsche Meister am Red«, Barren, Seitpferd, Pferd-Sprung und an den Ringen, Jakob Kiefer, Bad Kreuznach, anläßlich des 75jährigen Bestehens der TG 75 Darmstadt zusammen mit der international bekannten Ernst - Winter - Riege, Frankfurt, in der Stadthalle.
SV 98 heute in Gießen
Am heutigen Mittwoch tritt der SV 98 zum ersten Male nach der Sommerpause mit der für die Oberligaspiele vorgesehenen Aufstellung in Gießen zu einem Freundschaftsspiel gegen die dortige Spielvereinigung an. Die Mannschaft fährt mit Dr. Barth; Barth, Abt; Leichtlein, Schmidtmer, Herder; Reeg, Bohmann, Mühlbach, Becker I, Herwig. In der zweiten Halbzeit werden noch Ruhl, Müller, Ewald und Becker II eingesetzt werden.
Am kommenden Sonntag findet dann die erste große Doppelveranstaltung im Hochschulstadion statt. Nach dem Jubiläumsspiel der 98er Handballer gegen den sehr spielstarken Saarlandmeister SG Hassel wird sich die Fußballelf der „Lilien“ dem Darmstädter Publikum im Spiel mit den Stuttgarter Kickers vorstellen. Der Aufsteiger gegen den Absteiger, eine reizvolle Paarung. Die bekannten Gäste werden in diesem Jahre versuchen, auf dem Wege über die zweite Division wieder ins Oberhaus zu kommen. Sie haben sich dafür eine ausgezeichnete Elf verpflichtet, und auch sie betrachten das Spiel in Darmstadt als Probegalopp für die neue Saison. Mit dem Ex-Fürther Goth im Tor, dem zweifachen Internationalen Schaletzki, den mehrfachen Repräsentativspielern Herberger, Kronenbitter und Dreher und ihren guten Neuerwerbungen und hoffnungsvollen Nachwuchsspielern werden sie für die 98er einen sehr schwer zu schlagenden Gegner abgeben.
Beginn der Wasserball A-Runde
Um den weniger spielstarken Vereinen bessere Betätigungsmöglichkeiten zu verschaffen und vor allem dem Wasserballsport eine breitere Basis zu geben, wurde in diesem Jahr im Bezirk Süd des Hessischen Schwimmverbandes eine Verbandsrunde der A-Klasse ausgeschrieben, die erfreulicherweise einen lebhaften Widerhall gefunden hat. Zur Teilnahme an diesen Spielen, bei denen jeder gegen jeden anzutreten hat, haben folgende Vereine gemeldet: TV 1846 Groß-Gerau, TG Rüsselsheim, SC Heppenheim, TSG 46 Darmstadt 11., SKV Mörfelden, DSW 12 Darmstadt 11., SC Reinheim. Jugendklasse: DSW 12 Darmstadt, TSG 46 Darmstadt, VfL Michelstadt.
Gewertet wird nach dem allgemein üblichen System: gewonnenes Spiel: 2 Punkte, unentschiedene und verlorene Spiele 1 bzw. 0 Punkte, während bei Punktgleichheit das bessere Torverhältnis entscheidet. Für die Austragung der Verbandsrunde hat der Bezirkswasserballwart Dr. Sachs (Darmstadt) einen Plan ausgearbeitet, der sich in 3 Spielabschnitte gliedert. Im 1. Spielabschnitt werden die Kämpfe in den Bädern der einzelnen Orte abgewickelt, während sich der .2 und 3. Abschnitt in Turnierform am 13. 8. in Darmstadt und am 27. 8. in Heppenheim vollziehen. -er-
Plötzlich und unerwartet verschied nach längerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Georg Kehr Steuersekretär i. R. im Alter von 68 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Heinrich Kehr und Frau Käte geb. Gunder I Darmstadt, Beckstarße 25 Hermann Scior und Frau Suse geb. Kehr und Kinder Trautheim, Alte Darmstädter Straße 4 Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 3. Aug. 1950, um 11.30 Uhr, auf dem alten Friedhof in Darmstadt, Nieder-Ramstädter Straße, statt.
I FÜR DIE VIELEN BEWEISE DER VER-I EHRUNG BEIM HEIMGANG UNSERER I LIEBEN TOCHTER, FRAU DR. MED. GERTRUD SCHMITT-BUXBAUM UND DIE ANTEILNAHME AN UNSEREM GROSSEN LEID, SPRECHEN WIR HIER¬MIT UNSEREN HERZLICHSTEN DANK AUS. AUGUST BUXBAUM UND FRAU DARMSTADT, DEN 30. JULI 1950 (RICHARD-WAGNER-WEG 40)
I Bestattungen am Mittwoch, dem 2. August 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof 14.30 Bauer, Friedrich, Liebfrauenstraße 111, 77 Jahre 15.00 Hasdenteufel, Edgar, Prinz-Christian-Weg 13, 71 J. Waldfriedhof 14.45 Duttweiler, Heinrich, Liebigstraße 36, 48 Jahre 15.30 Mannel, Friedrich, Viktoriastraße 79, 64 Jahre Oarmstadt-Eberstadt 10.00 Fischer, Auguste, geb. Adolf, Zeilhard, 70 Jahre
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|AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Mittwoch, den 2. August 1950, vormittags 11 Uhr, versteigere ich gegen Barzahlung: 1 Radio „Telefunken“ Zusammenkunft der Bieter: Ecke Mackensen- und Grafenstraße. BOHM, Gerichtsvollzieher.
Die Vertrauensärztliche Dienststelle der Landesversicherungsanstalt Hessen zieht von der Heinheimer Straße 21 nach der Wilhelmlnen¬ straße 34 um. Am 4. und 5. August finden daher keine Sprech¬ stunden statt. Ab 7. August 1950 wieder Sprechstunden in der Wilhelminenstraße 34. Auf die genaue Einhaltung der In der Ortsbausatzung vor¬ geschriebenen Geschoßzahl im Gebiet der Villenkolonie Darmstadt- Eberstadt wird hingewiesen. Stadtbauverwaltung Darmstadt. Betr.: Fluchtlinienplan für das Grundstück Bessunger Straße 55. Der in der Stadtverordnetenversammlung vom 15. Juni 1950 be¬ schlossene Fluchtlinienplan für das Grundstück Bessunger Str. 55 liegt bei der Stadtbauverwaltung, Abt. Stadtplanung, Bessunger Straße 125, Zimmer 205, vom 2. bis 18. August 1950 zur Einsicht offen. Einwendungen gegen diesen Fluchtlinienplan sind innerhalb der genannten Frist schriftlich bei der Stadtbauverwaltung zu er¬ lieben. Darmstadt, den 28. Juli 1950. Stadt Darmstadt - Stadtbauverwaltung.
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