Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 27 Äeffifdye Tieuefie Tia^ri^fen Dienstag, 1. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Leopold gibt nach

Der belgische König will zeitweilig zugunsten des Kronprinzen auf den Thron verzichten

Brüssel, 31. Juli. (AP/BBC/dpa). Leopold 111., König der Belgier, hat durch den Ministerpräsidenten Duvieusart bekanntgegeben, daß er beabsichtige, zeitweilig auf seine königlichen Rechte zugunsten seines Sohnes zu verzichten.

Bedingung für diesen seinen königlichen Entschluß sei jedoch, daß die Sozialisten um der Einheit Walloniens und Flanderns willen auf ihre im Zusammenhang mit der Königsfrage aufgestellten wirtschaftlichen Forderungen verzichteten und diese Frage auf verfassungsmäßigem Wege erledigen wollten. Im Kampf gegen den König hatten die Sozialisten die Parole der Vierzig-Stunden-Woche als revolutionäres Schlagwort in die Debatte geworfen.

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In der belgischen Hauptstadt und in allen politischen Kreisen war man am Montag der Auffassung, daß der Bürgerkrieg am Dienstag Wirklichkeit werden müsse, wenn nicht von Seiten des Königs Nachgiebigkeit gezeigt werde. Das Land drohte in zwei Teile auseinanderzufallen. Der Ruf „Freies Wallonien“ war bedrohlicherweise mehr eine Realität geworden als das einige Belgien. Der König hat in den Vormittagsstunden des Montags Gespräche mit politisch Verfolgten geführt, die ihm einen Kompromiß vorgeschlagen hatten. Echte Freunde des Königs, darunter der begeisterte Königsanhänger und Verehrer Leopolds, der Innenminister, hatten zur Abdankung geraten.

^Lbbankung über Kcuoluftun

In den Mittagsstunden war ein Abdanken des Königs dementiert worden. Als das Kabinett um 14 Uhr zusammentrat, bewahrten die Minister Stillschweigen über die letzte Konferenz mit dem König. Auch Max Buset, der Präsident der Sozialistischen Partei, der die Abdankung des Königs energisch forderte und der erklärt hatte, er werde nur mit einer Zusage der Abdankung des Königs zurückkehren, sagte nichts Neues, als er Laeken. verließ. Spaak, der führende Sozialist des Landes, sagte noch in den Nachmittagsstunden: „Bis heute nachmittag muß noch etwas geschehen, oder wir verlieren die Kontrolle über die Ereignisse“. Als bekannt wurde, daß mehrere Tausend sich zum Marsch auf Brüssel rüsteten, gab Ministerpräsident Duvieusart den oben erwähnten Entschluß des Königs bekannt. Zur Einstellung des Königs mag dazu beigetragen haben, daß der Tod von drei belgischen Arbeitern in Lüttich die Provinz Lüttich in einen unvorstellbaren Zustand der Erregung versetzt hatte, der das Schlimmste befürchten ließ.

Der Kompromiß, der sich aus der Bereitwilligkeit des Königs, mit dem Sozialisten Spaak eine Unterredung zu führen, be-

reits am Sonntag abzeichnete, scheint den Bürgerkrieg, der am Dienstag aller Voraussicht nach ausbrechen müßte, verhindert zu haben.

Weitere vier Milliarden

Eine Forderung Trumans

Washington, 31. Juli, (dpa) Präsident Truman hat am Montag bekanntgegeben, daß er den Kongreß um Bewilligung weiterer vier Milliarden Dollar zur militärischen Unterstützung der antikommunistischen Nationen ersuchen werde.

General Mar Arthur

bei Tschiang Kai-schek

Taipe, 31. Juli. (AP./dpa) Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea, General Douglas Mac Arthur, ist zu Besprechungen mit Tschinag Kai-schek in Taipe, der Hauptstadt Formosas, eingetroffen.

Unterrichtete Kreise vermuten, daß Tschiang sein Angebot, 33 000 Mann chinesische Truppen für Korea zur Verfügung zu stellen, erneuern werde. Ferner werde er darauf dringen, daß seinen Streitkräften in dem Kampf gegen den Kommunismus eine aktivere Rolle zugebilligt wird.

Nach der Bekanntmachung des Hauptquartiers Mac Arthurs erfolgte die Reise in Zusammenhang mit den Anweisungen des Präsidenten Truman vom 27. Juni. Truman hatte der Siebenten amerikanischen Flotte den Befehl erteilt, Formosa vor einer kommunistischen Invasion zu schützen.

Razzia in Japan

Tokio, 31. Juli, (dpa) 25 000 japanische Polizeibeamte sind aufgeboten worden, um neun führende Kommunisten zu suchen, die nach ihrem Ausschluß von jeder öffentlichen Betätigung durch General Mac Arthur von der Bildfläche verschwunden sind. Die neun Kommunisten werden seit etwa einem Monat gesucht, weil sie einer Vorladung des Generalstaatsanwalts nicht Folge geleistet haben.

gegen Sabotage

Eine Spezialabteilung in England

London, 31. Juli, (dpa) Zur verstärkten Abwehr von Sabotageakten in Großbritannien soll, wie der „Daily Herald“ am Montag berichtet, eine Spezialabteilung ins Leben gerufen werden, die aus ehemaligen Sachverständigen des Geheimdienstes bestehen soll. Die neue Abteilung soll die Bevölkerung über die Sabotagegefahr aufklären und sich bemühen, Sabotageakte politischer Agenten zu verhindern.

„Nationalbewußtsein“ als Köder

Geheimtagung des Nationalrates der „Nationalen Front“

Drabtberlcht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 31. Juli. Am Montag hat der Nationalrat der kommunistischen „Nationalen Front“ eine Geheimtagung abgehalten, über die die offizielle Meldung nur besagt, daß organisatorische und propagandistische Maßnahmen erörtert worden seien. Es handelt sich bei diesen Beratungen aber, wie wir erfahren, vor allem um die Vorbereitung stärkerer Aktivität der kommunistischen Propaganda in Westdeutschland entsprechend den Beschlüssen, die auf dem letzten Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei gefaßt worden sind.

„Deutscher Nationalkongreß"

Die Nationale Front, die das überparteilich getarnte Organ der kommunistischen Politik in der Ostzone wie in Westdeutschland ist, hat für den 25. und 26. August einen „Deutschen Nationalkongreß“ nach Berlin einberufen, der ebenso wie im vergangenen Jahr von den Kommunisten als Organ zur Vertretung des gesamten deutschen Volkes angesprochen und vorgestellt werden wird. Dieser „Deutsche Nationalkongreß“ soll diesmal noch stärker als bei seiner letzten Tagung im Mai 1949 mit seinen Parolen an das deutsche Nationalbewußtsein appellieren und die bestehenden nationalistischen Strömungen in Deutschland in den Dienst des Kommunismus stellen.

Die aus Westdeutschland erwarteten Delegierten, die von der westdeutschen Kommunistischen Partei selbst und von den mit ihr sympathisierenden Kreisen bestimmter Intellektueller, Künstler und Wissenschaftler entsandt werden sollen, werden in den kommunistischen Erklärungen schon jetzt als „Vertreter der westdeutschen Patrioten“ bezeichnet. Das deutet auf die Form der Propaganda hin. die diesmal zur Anwendung kommen wird. Dabei soll das nach Westdeutsch-

land gerichtete Schwergewicht dadurch erzielt werden, daß die überwiegende Masse der Kongreßdelegierten aus den erwähnten westdeutschen Kreisen herangeholt wird.

Der vorige Kongreß im Mai 1949 zählte unter seinen zweitausend Mitgliedern nur 647 willkürlich zusammengestellte Delegierte aus Westdeutschland. Diesmal soll das Verhältnis wesentlich geändert werden. Wahrscheinlich wird man sogar darauf Wert legen, aus Westdeutschland entsprechend den Bevölkerungszahlen zwei Drittel, aus Ostdeutschland nur ein Drittel der Delegierten zu stellen. Damit soll dann dem Kongreß die Legitimation gegeben werden, für Westdeutschland zu sprechen und die auf dem Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei ausgegebenen Parolen des „nationalen Widerstandes“ gegen die Bundesregierung und gegen die Westalliierten aufzugreifen.

Greuelbericht über die Lorelei

Auf dieser Linie liegt bereits ein Vorstoß des Zentralorgans der Sozialistischen Einheitspartei „Neues Deutschland“, das einen neuen Greuelbericht über die angeblich von den Alliierten geplante Sprengung des Lorelei-Felsens und ihre Folgen enthält. Nach dieser neuen kommunistischen Enthüllung soll durch die Sprengung des Lorelei-Felsens zunächst Südwestdeutschland überschwemmt, dann durch eine zweite Sprengung den aufgestauten Wassermengen freie Bahn nach Norden gegeben werden, so daß bis Köln, Ruhrort und Duisburg Straßen und Industrieanlagen vernichtet würden. Millionen Menschen, so behauptet die kommunistische Progaganda, würden während der fünfundzwanzigtägigen Ueberflutung des unteren Rheintales „dem Ertrinkungstod preisgegeben" werden.

Der Nationalrat tagte ohne Kastner.

Hilfe in der kritischen Stunde

Amerikanische Elite-Truppen sind in Korea gelandet

Pusan, 31. Juli (AP/BBC/dpa). Die ersten Teile der in den Vereinigten Staaten vor zwei Wochen verladenen zwei Marineinfanterie-Divisionen sind auf dem südkoreanischen Kriegsschauplatz eingetroffen. Ohne Japan anlaufen zu lassen, hat die amerikanische Führung den Entschluß gefaßt, die auf schnelleren Schiffen transportierten Vorausabteilungen der Elitedivisionen auf Korea in den Kampf zu werfen, um den in einer äußerst kritischen Lage kämpfenden Verbänden der 1. Kavallerie-Division und der 24. und 25. Infanterie-Division Entlastung zu bringen. Die Truppen, die voraussichtlich in der Bucht von Masan, wo auch der alte koreanische Kriegshafen liegt, ausgeladen worden sind, sind an der Südfront gegen den auf Pusan vordringenden Feind geworfen worden.

Im Süden ist es den Koreanern gelungen, in Stärke einer Devision über Schinju hinauszustoßen, das mehrere Male den Besitzer wechselte. Der Stoßkeil der Koreaner wurde bis in das Tal des Naktöng vorangetrieben, wodurch eine Bedrohung des Hafens von Pusan und außerdem die Gefahr entstanden ist, daß der Feind seine Truppen nach Norden abdreht.

Im Mittelabschnitt hält der Druck des Feindes unvermindert an. Koschang ist gefallen. Die auf der Rollbahn nach Taiku weiter vorstoßenden nordkoreanischen Verbände fanden energischen Widerstand

in Schyre, das im Laufe des Montags mehrere Male den Besitzer wechselte. Nördlich Kumschon und im Raum von Yondok an der Küstenstraße war der Druck des Feindes ebenfalls unvermindert stark. Augenzeugen sind der Auffassung, daß die amerikanische Front zusammenzubrechen droht, richten aber ihre ganze Hoffnung auf das baldige Eintreffen aller Teile der beiden amerikanischen Marine-Infanterie-Divisionen.

Zusammenarbeit

Die amerikanische Luftwaffe hat nach vier Wochen Kampf in Verbindung mit den Teilen des Heeres ein System ausgearbeitet, das den Einsatz der taktischen Luftwaffe nach direkter Verbindungsaufnahme mit den Heeresteilen ermöglicht. An den entscheidenden Frontabschnitten sind mit Funkwagen ausgerüstete Offiziere eingesetzt, die die Verbände der Luftwaffe heranrufen und an den Stellen zum Einsatz bringen können, an denen der Druck des Feindes den Durchbruch befürchten lassen muß.

Die operative und strategische Luftwaffe flogen am Montag systematische Angriffe auf alle Versorgungszentren im frontnahen und frontfernen Raum.

Amerikanische Stellen weisen darauf hin, daß bei den Kämpfen im Süden die Verluste der Amerikaner beträchtlich gewesen seien. Es wird jedoch betont, daß die Verluste des Feindes doppelt so groß und die Kämpfe von besonderer Wichtigkeit seien, weil der Feind durch eine Umfassungsbewegung die Rückzugslinien der Amerikaner abzuschneiden drohte.



Der Entschluß

AW. Dem König der Belgier wird der Entschluß, den er am Montag gefaßt hat, nicht leicht gefallen sein. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. hat einmal gesagt, Könige müßten mehr leiden als andere Menschen, und so wird Leopold sein Schloß in Laeken, das er vor einer Woche nach jahrelangem Exil wieder bezog, und von dem aus er hoffte, die Geschicke seines Landes wieder leiten zu können, verlassen müssen. König Leopold wird zugunsten des Thronfolgers Prinz Balduin zeitweilig auf seine Rechte' als Souverän verzichten.

Der König hat, als er mit dem Ministerpräsidenten seinen Entschluß bekanntgab, erklärt, daß er sich zu diesem Schritt nur bereit erklärt habe, wenn dadurch die Einheit Walloniens und Flanderns gesichert sei. Die Sozialisten müßten vorerst auf ihre wirtschaftlichen Forderungen verzichten — die Vierzigstundenwoche war demagogisch in die Debatte für oder gegen Leopold eingeworfen worden — und ihr Verlangen auf verfassungsmäßigem Weg einbringen. Leopold hat mit seinem Ent- Schluß die Revolution in letzter Minute verhindert. Eine Revolution, die vielleicht später in der Geschichte nur als Revolte verzeichnet worden wäre.

Die Ereignisse in Belgien haben mit einer erschreckenden Deutlichkeit gezeigt, welche zerstörenden Kräfte im alten Europa noch lebendig sind. Trotz der Nähe des Kreml und seiner völkervernichtenden Idee der Weltrevolution war es möglich, daß die Person eines umstrittenen Königs Elemente geweckt hat, über die der alte Kontinent glaubte, bereits Meister geworden zu sein. Den Konservativen standen die Fortschrittlichen gegenüber, die Katholiken standen gegen die Sozialisten, die ländlichen Bezirke gegen die Industriegebiete. Und das alles unter dem Kennzeichen Wallonien gegen Flandern.

Leopold hat nachgegeben, als die Straße aufgeboten wurde. Sollte uns Europäer aber die belgische Frage nicht nachdenklich stimmen? Ein Zeichen der Stärke kann es nicht sein, wenn man angesichts von Hunderten von sowjetischen Divisionen in einem der Kernländer Europas die Politik als Selbstzweck betreibt.

Wo wird Italien verteidigt?

Von Viktor Schiff („Daily Herald“-Korrespondent)

Rom, Ende Juli. Dieser Tage haben auf den Gebirgszügen zwischen Bologna und Florenz größere militärische Manöver stattgefunden, die in mehr als einer Hinsicht bemerkenswert waren. Einmal wegen der eingeführten Neuerung, daß auf beiden Seiten „Partisanen“ im Rücken der regulären Truppen operierten. Offiziere und Soldaten in Arbeitskitteln, mit leichter aber moderner Waffenausrüstung, die entweder den vom Norden heranrückenden „roten“ Angreifer behelligen oder dem verteidigenden „blauen“ Heer das Leben erschweren sollten. Das war durchaus realistisch gedacht. Die Italiener müssen in der Tat im Ernstfälle damit rechnen, daß eine kommunistische Fünfte Kolonne in ihrem Rücken tätig sein wird, denn die extreme Linke macht kein Hehl daraus, daß sie die russische Rote Armee als Befreier begrüßen und unterstützen würde, wenn es zum Konflikt käme. Wahrscheinlich würden dann auch antikommunistische Freischärler-Formationen im Rücken der Russen entstehen, aber einstweilen scheinen in dieser Beziehung die Anhänger Togliattis einen starken Vorsprung zu besitzen, sowohl organisatorisch, wie waffentechnisch und nicht zuletzt propagandistisch.

Wirklichkeitsnahe

Die Idee dieses Kriegsspieles war ebenfalls durchaus wirklichkeitsnahe gedacht. Sie beruhte auf der Annahme, daß eine Rote Armee die Verteidigungslinien Italiens an seiner nordöstlichen Grenze überrannt und sich den Besitz der gesamten norditalienischen Ebene gesichert hätte Würde ihr dann der Weg nach Toskana und Ligurien, also nach Florenz, Livorno, La Spezzia und Genua, durch eine erfolgreiche Verteidigung auf den Bergketten und Pässen der Apenninen, versperrt werden? Wenn ja, dann würde wertvolle und sogar entscheidende Zeit für die befreiende Gegenaktion der Atlantik-Pakt-Mächte gewonnen werden. Wenn nicht, dann stünde dem Angreifer der Weg nach Rom und Neapel zwar nicht sofort offen, denn es gäbe noch in Umbrien und Südtoskana weitere, wenn auch kleinere Gebirgsketten zu überwinden, aber das Schicksal der italienischen Halbinsel wäre doch auf längere Zeit besiegelt.

Offiziell ist man zwar sofort dieser Lesart des Manöver-Themas in den Apenninen entgegengetreten, und zwar nicht nur aus diplomatischen, sondern auch aus innerpolitischen Gründen. Denn nichts würde auf die nichtkommunistische Bevölkerung Nord-Italiens nieder drückender wirken als das Eingeständnis, daß die Provinzen Venetien, Emilien, Lombardei und Piemont im Ernstfälle abzuschreiben wären. Und nichts würde andererseits die Kommunisten, deren Hochburgen sowieso in diesen Provinzen liegen, übermütiger machen und ihrer zersetzenden Propaganda besser zustatten kommen als eine Anerkennung dieser Möglichkeit. Dennoch hat jederman in Italien, trotz aller amtlichen Ableugnungen, den Sinn dieser Manöver verstanden. Denn von dieser Annahme spricht man überall seit Jahr und Tag. Dafür hat ja die amtliche italienische Propaganda in der Zeit der Pariser Friedenskonferenz von 1946 selber gesorgt, als sie gegen die neue italienischjugoslawische Grenze mit dem vielleicht bewußt übertriebenen Einwand arbeitete, man wolle und werde Italien schutzlos einem slawischen Angreifer ausliefern.

Die Rebellion Titos gegen Stalin hat indessen, die strategische Lage Italiens unverhofft und sehr wesentlich gebessert. Aber abgesehen davon, daß die Italiener sich schlecht an den Gedanken gewöhnen können, Jugoslawien als einen künftigen

Bundesgenossen zu betrachten, sind sie keineswegs sicher, daß Tito sich ewig wird halten können: und es wäre auch etwas zuviel von ihnen verlangt, ihre nationale Sicherheit im wesentlichen darauf zu bauen, daß sich das gegenwärtige anti-kominformistische (und dennoch kommunistische) Belgrader Regime endgültig durchsetze. Und selbst gesetzt den Fall, Tito bleibe fest im Sattel, würde die jugoslawische Armee gegen die Uebermacht einer angreifenden Roten Armee, verstärkt durch Bulgaren, Rumänen, Ungarn und Tschechen, mehr als ein paar Wochen oder Monate standhalten können? Also die Voraussetzung der jetzt zwischen Bologna und Florenz, zwischen Modena und Pistoia abgehaltenen Hebungen ist schon die natürlichste und logischste. Dennoch hat der republikanische Wehrminister Randolfo Pacciardi in einer Schlußansprache an die Truppen nochmals das offizielle Dementi mit der Erklärung unterstrichen: „Italien wird nicht an den Apenninen, sondern an den Alpen verteidigt werden“. Natürlich meinte er nicht die West-, sondern die Ostalpen. Und sicher wird man im Kriegsfälle versuchen, dieses Versprechen wahrzumachen. Ganz so hoffnungslos, wie es die eigene Propaganda im Jahre 1946 hinstellte, ist in strategischer Beziehung die Lage Italiens auch nicht. Es gibt auch in der Ebene viele Flußlinien, die hintereinander verteidigt werden können: Isonzo, Tagliamento, Piave, Brenta, Etsch, und schließlich, als breitester Strom von allen, der Po. Erst dann, wenn alle diese Flüsse überwunden sind, würde die norditalienische Ebene mit ihren reichen industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen und ihrem Menschen-Reservoir von kommunistischen Hilfstruppen in dem Besitz des Feindes sein. Und dann erst würde das gestrige Manöverthema auf den Apenninen blutige Wirklichkeit werden.

Die Fünfte Kolonne

Randolfo Pacciardi, ein überzeugter Antifaschist und Führer einer italienischen Formation auf republikanischer Seite während des spanischen Bürgerkrieges, ist einer der von den Kommunisten am meisten gehaßten Staatsmänner Italiens, weil er als einer der ersten ihren dauernden Hoch- und Landesverrat erkannt und daraus die Folgerungen gezogen hat. Um so erstaunlicher ist es, daß er in der gleichen Manöver-Schlußansprache behauptete.es gäbe überhaupt keine Fünfte Kolonne, sondern höchstens drei- bis vierhundert Fanatiker, die sich einem fremden Staat verschrieben hätten, aber mit denen würde man im Ernstfälle schon fertig werden. Das scheint reichlich optimistisch. Sicher ist, daß die Kommunisten sich großen Illusonen hingeben, wenn sie glauben, die etwa acht Millionen Wähler, die wahrscheinlich heute noch für sie. ebenso wie vor zwei Jahren, stimmen würden wollten die Russen als Befreier bejubeln. Viele würden, besonders weil sie Italiener sind, zunächst abwarten, wie der Krieg verläuft. Nur eine verhältnismäßig kleine Minderheit würde sich aktiv und aufopfernd von Anfang an an einem Bürgerkrieg der Guerilla und der Sabotage im Rücken des nationalen Heeres beteiligen. Besonders dann, wenn die Regierung fest zugreift und alle „drei- bis vierhundert Führer“, von denen Pacciardi sprach, sofort mindestens hinter Schloß und Riegel setzt, würde die Fünfte Kolonne sehr schnell zusammenschmilzen und auseinanderlaufen. Aber einstweilen existiert sie und die Tatsache, daß „Freischärler“ in blauen Mechaniker-Blusen bei den Manövern eingesetzt wurden, erscheint mir realistischer als die optimistischen Redewendungen des Wehrministers.

Im Frühjahr

ein. Amerikanische Sachverständige und offizielle Sprecher haben bereits mehrere Male darauf hingewiesen, daß mit einer Gegenoffensive in Korea nicht vor dem Spätherbst, möglicherweise aber erst im Frühjahr gerechnet werden könne. Nach dem Durchbruch bei Taidschon, der mit der Ueberflutung der südkoreanischen Ebene durch nordkoreanische Truppen in seiner operativen Bedeutung der amerikanischen Bewegung bei Avranches gleichkommt, ist die Wahrscheinlichkeit, daß Gegenaktionen erst im nächsten Jahre mit Erfolg eingeleitet werden können, größer geworden.

Alle vorerst eintreffenden amerikanischen Divisionen sind für die nächsten Monate Truppen, die zur Festigung des Brückenkopfes eingesetzt werden müssen. Sie werden sich zwangsläufig abnutzen und sind dann später nur noch zu Angriffen mit begrenztem Ziel fähig, also zu Unternehmen, die dazu dienen, den Brükkenkopf auszuweiten. Die Zahl von fünf Divisionen, die in der ersten Zeit genannt wurde, die man benötige, um den Krieg zu beenden, wird man inzwischen einer Revision unterzogen haben. Mit fünf Divisionen wird man den Landekopf halten können. Weitere fünf, wenn nicht mehr, werden die Angriffsbewegungen nach Norden verlangen, denn die Amerikaner sind strategisch in derselben Lage wie im letzten Krieg in Italien. Sie müssen sich durch die Halbinsel von unten nach oben durchbeißen. Werden, was taktisch richtig wäre, Landungen größeren Stils hinter der Front vorgenommen, dann wird die Zahl an Truppen, die eingesetzt werden müssen, noch steigen.

Die Verwirklichung der Gegenoffensive verlangt Zeit. Weil der Aufmarsch für eine Entscheidung aus der Tiefe der Versorgung genährt werden muß, entsteht das Problem der Tiefe der Zeit. Die Amerikaner müssen die Divisionen erst aufstellen, die sie zum Einsatz bringen wollen. Die Bewegung größerer Heeresverbände ist noch genau so schwerfällig wie zur Zeit Napoleons. Der kleine Brückenkopf wird es gar nicht ermöglichen, daß alle zum Gegenstoß angesetzten Verbände dort unterkommen. Für die Bomberverbände vom Typ B 29 kommen auf jede Besatzung 70 Mann Bodenpersonal, für jeden Kampfwagen sind 20 Mann Werkstattpersonal notwendig. Neben fast 700 000 Flüchtlingen in einem der dichtbesiedeltsten Gebiete der Welt müssen noch die Kampftruppen und die rückwärtigen Dienste der den Brückenkopf schützenden Divisionen untergebracht werden. Die Heeresreserven wird man also nur auf Tuschima und in Japan unterbringen können.

Das nächste Frühjahr ist also ein Datum, das schon ins Auge gefaßt werden muß. Abgesehen von der Tatsache, daß die koreanischen Winter hart sind, ist eine sorgfältige Vorbereitung notwendig, wenn man einem siegreichen Feind gegenüber antreten will, der aus der Bevölkerung, die sich kompromittiert hat, ein festes Partisanenheer aufgestellt haben wird und dessen Versorgungseinrichtungen erst nach monatelangen systematischen Bombardierungen wirklich in Unordnung geraten werden.

Bromwn ist zuversichtlich

„Stettin und Danzig werden wieder frei“

Berlin, 31. Juli, (dpa.) Der Vertreter des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes American Federation of Labor in Europa, Irving Brown, hat am Montag vor Pressevertretern in Berlin versichert, daß die freien Arbeiter bereit seien, die unter sowjetischer Herrschaft stehenden Völker von der Sowjetkontrolle befreien zu helfen. Er sei überzeugt davon, daß eines Tages auch Stettin und Danzig wieder frei sein würden.

Brown nannte es eine Frechheit, wenn Ulbricht gemeint habe, auch Hamburg und die übrigen Häfen im Bundesgebiet würden eines Tages unter kommunistische Kontrolle kommen. Man sollte mit den Führern der Sowjets nicht länger verhandeln. In den Augen der fünfeinhalb Millionen Transportarbeiter, die in der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF) organisiert seien, sei Ulbricht ein Angeber und Lügner.

Nach russischem Vorbild

Der Städtebau in der Ostzone

er. Berlin, 31. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die Ausführung des Städtebaues nach sowjetischem Muster wird jetzt in verstärktem Maße in der Sowjetzone und im Ostsektor Berlins propagiert. In Dresden hielt jetzt der Minister für Aufbau und Vorsitzende der „Nationaldemokratischen Partei“ der Sowjetzone, Dr. Bolz, einen Vortrag über Städtebau. Das Zentrum der Stadt sei der politische Mittelpunkt für das Leben der Bevölkerung. Es sei daher kein Platz für Varietes, Tanzlokale und Hotels, sondern im Stadtzentrum müßten monumentale Gesellschaftsbauten sowie Platz für Demonstrationen und Paraden liegen. Parks und Grünanlagen in einer Großstadt wurden für überflüssig erklärt, da sie die arbeitende Bevölkerung vom Demonstrieren abhielten und der Karnickelzucht zuführen würden.

Sie wollen kämpfen

el. Hamburg, 31. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Im Hamburger Generalkonsulat der Vereinigten Staaten melden sich täglich etwa zwanzig frühere Angehörige der deutschen Wehrmacht, in erster Linie ehemalige Offiziere aller Waffengattungen, die an den Kämpfen in Korea teilnehmen wollen. Da keine deutschen Meldungen berücksichtigt' werden, müssen die Bewerber unverrichteter Dinge wieder umkehren.

„Stabile Löhne fördern den Export“

Erhard prophezeit eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung

R. Bonn, 31. Juli. Angesichts der weltpolitischen Lage hat Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard Gelegenheit genommen, in längeren Ausführungen vor der Presse die Grundzüge seiner Wirtschaftspolitik für die kommende Zeit darzulegen. Nach der Auffasung des Ministers bietet die wirtschaftliche Entwicklung in der Welt Deutschland eine weitere Chance seiner Exportbelebung, die durch eine Wahrung des deutschen Preisniveaus bei Besonnenheit und sozialer Disziplin ausgenützt und noch verstärkt werden sollte, da sie in keiner Weise durch irgendwelche Rohstoffknappheit gefährdet werden würde.

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Erhard wies darauf hin, daß seit März Aufschwungtendenzen in der deutschen Wirtschaft hervorgetreten seien, und diese organische Entwicklung sei durch Korea sogar etwas überspitzt worden. Gegen spekulative Ueberspitzungen werde man sich wendeja müssen, aber bis jetzt sei auf dem Weltmarkt nur eine zehnprozentige Erhöhung der Preise für industrielle Rohstoffe eingetreten, während die deutsche Wirtschaft im vergangenen Herbst die zwanzigprozentige Erhöhung durch die Abwertung nicht nur ertragen habe, sondern sogar ein Sinken noch der Preise für Fertigwaren eingetreten sei. Je mehr nun das deutsche Preisniveau gehalten werden könne, desto mehr könne diese deutsche Exportchance ausgenützt werden, die sich heute schon durch den sehr großen Auftragseingang abzeichne. Darum betonte der Minister, daß zwar da und dort Lohnauffüllungen möglich sein könnten, aber grundsätzlich auf dem Gebiet der Lohnpolitik Besonnenheit herrschen und keine falsche Auslegung der Gunst des Augenblicks an den Tag gelegt werden solle. Erhard, der der bisherigen Haltung der Gewerkschaften eine betonte Anerkennung zollte, erklärte, daß der Fortschritt der Produktion, auf lange Sicht gesehen, dem Arbeiter die größte Sicherheit gebe und die Kaufkraft der breiten Masse am besten fördere. '

Mit großem Nachdruck hob Erhard hervor, daß es sich um keine Rüstungskonjunktur handele und Deutschland nicht Cen falschen Ehrgeiz einer solchen Konjunktur habe. Vielmehr würden die Konsumgüterindustrie und die verarbeitende Industrie Lücken ausfüllen können, die in anderen Ländern entstünden, und so habe er auch schon Schritte unternommen, um die notwendigen gewerblichen Rohstoffe zu sichern und den Export auf die hochwertigen Verarbeitungsprodukte von den Halbzeugen und Rohstoffen abzulenken.

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Erhard wies auch darauf hin, daß schon in manchen Betrieben die Frage gestellt werde, wo man die Arbeiter hernehmen solle, und daß in Gegenden, wie im Ruhrgebiet, die Arbeitslosigkeit bald aufgesaugt sein werde. Sie würde allgemein in wenigen Monaten verschwinden können, wenn ein Umsiedlungsprozeß ausgeführt werden könne, der die Arbeitslosen zu den Betrieben brächte und sie dort Unterkunft finden könnten. Dabei ging Erhard auch darauf ein, daß manche Betriebsräte lieber mehr arbeiten als neue Kräfte einstellen ließen und erklärte, daß männliche Arbeiter schon durchschnittlich 51 Stunden arbeiteten. Bei einer Rückkehr zur 48-Stunden-Woche könnten 500 000 bis 750 000 neue Kräfte Arbeit finden.

Endlich unterstrich der Minister noch einmal, daß das Wirtschaftsaufbauprogramm mit einer Milliarde Mark zwar ausgearbeitet, aber in diesem Augenblick keine zusätzliche Kreditschöpfung zu verantworten sei, in dem es sich eher um die Bändigung, als um die Anstachelung einer Konjunktur handele. Seiner persönlichen Meinung nach, wie er hervorhob, wäre aber ein Zinssatz von sieben Prozent richtiger, als einer von fünf Prozent, der den Kapitalmarkt blockiere, und er werde eine neue Diskussion über dieses Thema anregen.

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Mit Vorsicht ging der Wirtschaftsminister dann auf die Spannungen ein, die zwischen seiner Wirtschaftspolitik und den agrarischen Wünschen sich ergeben haben. Er sagte aber, zum ersten Male sei jetzt in dieser Hinsicht mit Optimismus eine mittlere Linie zu erwarten, nachdem die Landwirtschaft sich geneigt gezeigt habe zu erkennen, daß nicht der Protektionismus, sondern die Steigerung der Kaufkraft der Massen durch den Export der richtige Weg für sie sei.

Erhard unterstrich, daß die Verdoppelung der deutschen Ausfuhr in einem halben Jahr, die 350 000 Menschen in Arbeit gebracht habe, durch die Liberalisierung erreicht worden sei, und ließ keinen Zweifel daran, daß nach seiner Ansicht diese Entwicklung dazu geführt habe, daß die Landwirtschaft ihren Umsatz um 1,2 Milliarden -habe erhöhen können, und die Kaufkraft der Masse für die Landwirte das Entscheidende sei. Andererseits erkannte er die marktwirtschaftlichen Ordnungsgesetze als im Augenblick und für einen langen Zeitraum notwendig an und äußerte, daß die Liberalisierung auf dem Landwirtschaftssektor heute nicht so weit gehen könne, wie auf dem gewerblichen, vor allem müßten die agrarischen Einfuhren mit den Schwemmen der einheimischen Erzeugung abgestimmt werden. Aber auch die Landwirtschaft hat nach den Worten Erhards die Notwendigkeit gewisser Umstellungen eingesehen, so daß eine weitgehende Versöhnung der Gegensätze eingetreten sei.

Die Siahlguote

Der Minister sagte schließlich, die Möglichkeiten für eine Erhöhung der Stahlquote seien günstig und unterstrich, daß auf keinem Gebiet der Vorratslage Anlaß zu Sorge gegeben sei. Der Minister schloß mit der Feststellung, daß eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung zu erwarten sei, wenn Spekulationen, Hamsterkäufe und das Anfassen von Sozialspannungen vermieden würden.

Am Mittwoch wird eine ausführliche Aussprache zwischen Vertretern der Landwirtschaft, der gewerblichen Wirtschaft und der Gewerkschaften stattfinden.

Umstrittene Tagegelder für Straßburg

Bedenken gegen den Aufwand „auf mittlerer Linie“

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 31. Juli. Der Voranschlag der Europa-Delegation des Bundestages für die dreiwöchige Tagungsperiode in diesem August in Straßburg hat in den politischen Kreisen großes Aufsehen erregt. denn der Auswärtige Ausschuß des Bundestages hat den Betrag vorläufig auf 250 000 Mark geschätzt. Dabei wurden Tagegelder von rund siebzig Mark für die 36 Delegierten und Stellvertreter veranschlagt, die nach Erklärungen vom Bundestag die Mitte der Skala der Spesensätze der verschiedenen Delegationen halten. Sie entsprechen ungefähr Bezügen der italienischen Delegierten, liegen aber anscheinend über den französischen Sätzen, und so wird die Frage gestellt, warum die deutschen Delegierten sich nicht wenigstens mit den französischen Sätzen begnügen könnten.

Ebenso hat es Verwunderung erregt, daß 36 Kraftwagen mit ebensovielen Fahrern vorgesehen worden sind, nachdem die Delegierten doch mit der Bundesbahn bis Kehl unmittelbar bei Straßburg frei fahren können. Dazu wird von Seiten des Bundestages erklärt, daß zunächst nur dieses Maximum eingesetzt worden sei, aber noch nicht zu übersehen sei, wieviele Delegierte im eigenen Wagen mit Fahrer nach Straßburg fahren würden. Es wird allgemein darauf

hingewiesen, daß die Summe von einer Viertelmillion Mark nur eine Vorausschätzung sei, und man nicht daran denke, daß sie ausgegeben werden solle. Vielmehr habe man mit einer elastischen Spanne von 80 000 Mark von vornherein gerechnet.

Frankreich ist ratlos

Alles wartet auf Amerika / Sturm auf Lebensmittel

Drahtbericht unseres Korrespondenten

P. M. Paris, 31. Juli. Das von Verteidigungsminister Moch in beredter Sprache verkündete Aktionsprogramm auf dem Gebiete der Aufrüstung und Reorganisierung der Armee hat keine merkliche Besserung der allgemeinen Stimmung hervorgerufen. Man darf auch nicht den Umstand, daß das Parlament seine Mitteilung, die Regierung würde die diesbezüglichen Beschlüsse auf dem Wege von Verordnungen fassen, ohne Widerspruch aufgenommen hat, als Beweis für seinen guten Willen zur Verteidigung hinnehmen. Es ist vielmehr der Ausdruck der allgemeinen Niedergeschlagenheit und Ratlosigkeit. Dieselben Kreise aber, die das Programm als ungenügend bezeichnen und im besten Falle als einen Anfang, fragen sich, mit welchem Geld es finanziert werden solle. Es ist wahr, daß das Versprechen des Regierungschefs Pleven, das Nationaleinkommen steigern zu wollen, niemanden zu überzeugen scheint. Auch die Annahme des Fünfjahresplans durch das Parlament zur Schaffung einer Luftwaffe von Jägern und leichten Bombern hat gleichfalls keine Wirkung auf die „Neutralisten“ im Lande ausüben können. Was bedeuten 2100 Flugzeuge in fünf Jahren?

Alles wartet auf die amerikanischen Entscheidungen über die europäische Aufrüstung, und es scheint, als gäbe sich hier niemand Rechenschaft, daß dieses Warten darauf, wer zuerst mit dem Rüsten anfängt, verheerende Wirkung auf die Moral des Landes und die europäischen Atlantikpaktländer haben muß. Die Konferenzpause der Vertreter des Atlantikpaktes in London wird in Paris mit den gleichen Motiven erklärt, die in Frankreich jeden Unternehmungsgeist bremsen und die im Dilemma der Ver-

antwortlichen liegen, ob man den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Rüstung opfern solle. Es spielen, was Frankreich betrifft, nicht nur innerpolitische Gründe bei dieser Unentschlossenheit mit. Es ist der Mangel an wirklicher Opferbereitschaft der besitzenden Klasse, der nichts anderes als eine unerklärliche Ergebenheit in das Schicksal gegenübersteht, die ebenso groß ist wie die Angst um das Geld. Daher blickt alles gebannt nach Lake Success; so erklärt sich eine an sich bedeutungslose Revolution einer Gruppe von Parlamentariern, ehemalige Mitglieder der Katholischen Republikanischen Volkspartei, die auf eine sofortige Vermittlung in der Koreaaffäre drängen, so erklärt sich die offiziell noch nie dementierte angebliche Bereitschaft des Außenministers Schuman, unter Umständen für die Aufnahme Rot-Chinas in den Sicherheitsrat stimmen zu wollen.

Allein die energische Kampfansage von Moch gegen die Fünfte Kolonne der Kommunisten hat in den bürgerlichen Kreisen einen Auftrieb gebracht. Gleichzeitig aber dürfte die Perspektive auf innere Kämpfe mehr noch als die nackte Kriegsangst den Sturm auf die Lebensmittelgeschäfte ausgelöst haben, der seit der Programmrede des Verteidigungsministers besonders in Paris und in den großen Provinzstädten sich verdoppelt hat. In gewissen Vierteln von Paris gibt es heute weder Zucker, noch Oel, noch Kaffee, noch Seife. Der Schwarzhandel mit Gold und Devisen, der seit Monaten tot zu sein schien, hat trotz der Urlaubsperiode wieder eingesetzt. Die Preise steigen täglich. Die Erklärung Plevens, daß für einen Preisstopp gesorgt werden könne, kann schon deshalb nicht beruhigend wirken, weil man sich die Form dieser Preisüberwachung im liberalistischen Regime nicht vorzustellen vermag.

Güd-Amerika schickt keine Truppen

Heftige innerpolitische Krisen / Unzureichende Streitkräfte

Drahtbericht unseres Korrespondenten

r. t. Rio de Janeiro, 31. Juli. Die offizielle Mitteilung von Trygve Lie, daß die Vereinten Nationen zur Abwehr des Angriffs auf Korea dringend eine internationale Verstärkung der Landstreitkräfte Mac Arthurs brauchen, hat in Latein-Amerika zu einem lebhaften Meinungsaustausch zwischen den verschiedenen Ländern und hier und da auch zu innerpolitischen Auseinaridersetzungen geführt.

Zunächst gaben fast alle südamerikanischen Staaten eine vorsichtige Antwort in dem Sinne, daß sie „in den Grenzen ihrer Möglichkeiten“ zur Hilfeleistung bereit seien. Ecuador bietet Kaffee,

Chinin und Gummi an, Cuba, Chile und Columbien Kupfer und Nitrate. Brasilien und Argentinien würden auch See- und Luftstreitkräfte entsenden, wenn auch nur im Sinne einer „symbolischen Geste“. Sie verhandeln darüber schon mit dem Oberkommando.

Aber Landstreitkräfte? Bolivien, dessen Armee seinerzeit von Röhm reorganisiert wurde, hat durch seinen Außenminister Arce dreißig Offiziere angeboten. Darüber hinaus aber scheint in Süd-Amerika keine Stimmung zu bestehen, auch nicht in den ABC-Staaten.

Scharfe Sprache gegen London

Washington, 31. Juli, (dpa.) Acht Ab¬ geordnete des amerikanischen Kongresses — vier Demokraten und vier Republikaner — haben Präsident Truman aufgefordert, gegen die Politik Großbritanniens im Fernen Osten zu protestieren. In einem Brief an den Präsidenten wenden sich die Abgeordneten dagegen, daß Großbritannien zögere, der siebenten amerikanischen Flotte beim Schutz Formosas beizustehen.

Die Abgeordneten werfen Großbritannien ferner vor, die Großzügigkeit der Vereinigten Staaten auszunutzen, aber mit Amerika gemeinsam keine Risiken und Verantwortlichkeiten übernehmen zu wollen. Die britische Politik im Fernen Osten sei bar jeglicher Moral. Aus britischen Häfen werde weiterhin Kriegsmaterial an das kommunistische China verschifft.

Für Deutschland und Japan

Washington, 31. Juli. (AP.) John Foster Dulles, der republikanische Berater des Außenministers Acheson, hat am Sonntag in San Franzisko gefordert, daß Deutschland und Japan zusammen mit der freien Welt gleichberechtigt am Kampf gegen den Kommunismus teilnehmen sollten. Beide Staaten lägen der Welt des Despotismus sehr nahe. Wenn sie an die sowjetische Einflußsphäre verlorengingen, so wäre dies ein bedeutender Fortschritt für die sowjetische Gesamtstrategie. Sein Vorschlag bedeute nicht, daß Deutschland oder Japan Armeen gegeben werden sollten. Deutschland und Japan sollten aber als gleichberechtigter Partner bei den Anstrengungen der Vereinten Nationen zur Abwehr des Kommunismus behandelt werden.

Der „Henker von Nürnberg", der amerikanische Sergeant John C. Woods, der die sechzehn zum Tode Verurteilten des ersten Nürnberger Prozesses hingerichtet hat, ist auf dem Eniwetok-Atoll (Marschall-Inseln) tödlich verunglückt.

Stimmen der Andexen

Falsche Töne

Die „Schwäbische Zeitung“ schreibt;

„Es kann keinen Zweifel geben, auf welcher Seite im koreanischen Krieg die gewaltige Mehrheit des deutschen Volkes sowohl in der Bundesrepublik als auch im Ostzonenstaat steht. Jeder von uns weiß, wer in diesem Falle der imperialistische Angreifer ist. Dennoch kann es uns nicht gefallen, daß das .Hamburger Echo* einen seiner Frontberichte folgendermaßen überschreibt: ,Raketengeschosse knacken Panzerwagen*. Den Ton haben wir noch zu gut im Ohr. Sechs Jahre lang hat sich das deutsche Volk den ordinären Jargon der PK-Berichterstatter gefallen lassen müssen; die armen Kerle konnten dabei in vielen Fällen gar nichts dafür, denn man verlangte ja von ihnen, daß sie in einer Weise schrieben, die das Propagandaministerium für kernig und männlich hielt. In dem jetzigen Krieg, der sich vorläufig noch sehr weit von uns abspielt, gibt aber kein Propagandaministerium seine Weisungen, nicht einmal an die amerikanischen Frontkorrespondenten, die sonst nicht so offen die Unzulänglichkeiten und Mängel im eigenen Lager zugeben könnten, geschweige denn an die westdeutschen Zeitungen — dürfen doch einige von ihnen, die allerdings nahezu unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinen, ganze Koteimer über den Verteidigern des überfallenen Südkoreas entleeren, ohne darum im mindesten behelligt zu werden. Um so schwerer ist der Rückfall des Blattes in eine Tonart zu begreifen, die gerade in den Kreisen seiner Leser noch unangenehm in Erinnerung sein muß. Dieses forsche Getue ist nicht nur geschmacklos, sondern auch politisch dumm. Jedermann weiß, die Amerikaner selbst am besten, daß die G.l.s in Korea sehr harte Nüsse zu knacken haben, und daß es sich erst erweisen muß, ob das mit Raketengeschossen geht. Schließlich hat auch die Panzerfaust nicht zu verhindern vermocht, daß sich die Tanks der Westalliierten und der Sowjets an der Elbe begegneten. In Korea wird keine drole de guerre, kein entzückender kleiner Krieg geführt, sondern es geht dort nicht minder um das Ueberieben der freien Welt Wie an anderen bedrohten Stellen. Schon das sollte vor Schnoddrigkeit im Stil des .Simplicissimus'-Leutnants bewahren.“

Trotzdem Auslieferungen?

In der „Westfälischen Zeitung“ lesen wir;

,„Kein Deutscher darf an das Ausland ausgeliefert werden*, heißt es im Artikel 16 des Bonner Grundgesetzes. Die Westalliierten haben es ratifiziert.

Trotzdem wird bis zur Stunde von britischen Behörden noch nach Personen gefahndet, die wegen angeblicher Kriegsverbrechen zur Aburteilung nach Polen ausgeliefert werden sollen. Die deutsche Öffentlichkeit hatte gehofft, daß die Ueberstellung des ehemaligen ostpreußischen Gauleiters Erich Koch nach Polen der letzte Fall der Auslieferung an einen östlichen Satellitenstaat sein würde. Obwohl dieser viel gehaßte Mann wahrhaft wenig Sympathien genießt, war sich damals die Presse aller Parteirichtungen über den Grundsatz einig, daß er wohl vor ein deutsches Gericht gehörte, daß aber seine Preisgabe an bolschewistisch geschulte Vernehmungsorgane zu höchst bedenklichen Konsequenzen führen müßte. Diese Befürchtungen haben sich bestätigt. Koch hat in Polen Aussagen gegen deutsche Generale gemacht, die so unsinnig sind, daß sie ihm nur in qualvoller Todesangst abgepreßt worden sein können. Ob er inzwischen nach Leningrad transportiert wurde, wie ein Gerücht wissen will, läßt sich nicht nachprüfen. Aber es besteht natürlich nicht der geringste Zweifel, daß jemand, der in der Gewalt eines Satellitenstaates ist, für die sowjetische NKWD jederzeit greifbar ist.

Auf diese Selbstverständlichkeit muß hingewiesen werden, weil die in Frage kommenden britischen Stellen zwischen einer Auslieferung an Polen und einer Auslieferung an die Sowjetunion einen prinzipiellen Unterschied machen und dabei offenbar von der Fiktion ausgehen, als gäbe es in Polen noch so etwas wie eine zivilisierte Justiz. Diese fromme Täuschung ist erst neuerdings durch mehrfach überprüfte Heimkehrerberichte entkräftet worden. Wo der wirklich harmlose, durch keine Exekutiv- oder Befehlsgewalt je belastete frühere Kriegsopferführer Oberlindober im Gefängnis zu Tode geprügelt wurde, dort können des Kriegsverbrechens beschuldigte ehemalige Inhaber von Kommandostellen wohl kaum auf ein ordnungsgemäßes Gerichtsverfahren hoffen.“

Bevin hat versagt

Der konservative „Daily Express“ schreibt:

„Außenminister Bevin hat in den fünf Jahren seiner Amtszeit versagt und muß durch einen jüngeren Mann ersetzt werden. Er muß zurücktreten wegen der Notwendigkeit, Großbritannien in äußerste Verteid'igungsbereitschaft für den Notfall zu bringen Aehnliche Schwächen zeigt die Amtsführung des Luftfahrtministers Arthur Henderson, des Ersten Lords Viscount Hall und des Heeresministers John Strachey. Diese drei Männer haben das eine gemeinsam: den völligen Mangel an Eignung für ihre gegenwärtigen verantwortlichen Stellungen.“

Eine Einheitswährung

Eine Empfehlung für Straßburg

London, 31. Juli, (dpa) Der Labour-Abgeordnete Mackay wird der Tagung des Europarates, die am Donnerstag in Straßburg beginnt, einen Plan für eine neue europäische Einheitswährun 4 vorlegen Sein Plan sieht auch die Bildung eines europäischen Anleiherats vor der die Nationalschulden der Mitgliedsstaaten übernehmen soll.

Rußlands Fordernng

Zulassung Rotchinas — Die amerikanischen Anträge

Lake Success, 31. Juli. (AP.) Die Sowjetunion hat in der am Montagabend dem Generalsekretär der UN, Trygve Lie überreichten Tagesordnung für die Dienstagsitzung des Sicherheitsrates die Forderung auf eine bevorzugte Beratung der Zulassung Rotchinas zum Rat erhoben. Der Korea-Konflikt soll erst in zweiter Linie behandelt werden.

Der amerikanische Antrag sieht vor: Erstens: Verurteilung der nordkoreanischen Behörden wegen der fortdauernden Mißachtung der Vereinten Nationen.

Zweitens: Alle Staaten sollen ihren Einfluß dahingehend geltend machen, daß die Nordkoreaner diese Mißachtung der UN aufgeben.

Drittens: Alle Staaten werden weiterhin aufgefordert, sich jeglicher’ Unterstützung oder Ermutigung der Nordkoreaner zu enthalten. Sie sollen ferner von jeder Maßnahme Abstand nehmen, die den Koreakonflikt auf andere Gebiete ausdehnen und damit die internationale Sicherheit und den Weltfrieden gefährden könnten.

Auf Grund der Verfahrensregeln muß der amerikanische Vorschlag vor allen anderen Anträgen, die vielleicht von der Sowjetunion eingebracht werden, behandelt werden.

Der amerikanische Chefdelegierte, Warren Austrin erklärte, es sei jedoch klar, daß nicht alle Mitglieder diesen Friedensschritt unterstützen. Moralische, wenn nicht sogar materielle Unterstützung werde den Angreifern gewährt. Damit werde ein Feind der Vereinten Nationen unterstützt. Unter diesen ernsten Umständen sei die amerikanische Delegation der Ansicht, daß die Anstrengungen des Sicherheitsrates zur Lokalisierung des Konfliktes erneuert werden müssen.

Nach der Ansprache Austins vertagte sich der Rat auf Dienstag.

Vor dem Einreichen des amerikanischen Antrages war eine von Großbritannien, Norwegen und Frankreich eingebrachte Resolution mit neun zu null Stimmen bei Stimmenthaltung Jugoslawiens gebilligt worden, wonach General Mac Arthur die volle Verantwortung für Verwaltung und Verteilung von Hilfegeldern zur Unterstützung der koreanischen Flüchtlinge übernehmen soll.

Die Zahl der koreanischen Flüchtlinge ist auf 1000 000 angewachsen.

Für baldigen Anschluß Berlins

Berlin, 31. Juli, (dpa) Der Anschluß West-Berlins an die Bundesrepublik muß in absehbarer Zeit geklärt werden, sagte der amerikanische Kommandant in Berlin, General Taylor, am Montag vor deutschen und ausländischen Journalisten im britischen Presseklub. Versuche, zu einem Uebereinkommen mit den Sowjets über ein einheitliches Berlin zu kommen, hätten sich als zwecklos erwiesen. Es sei kein Anzeichen dafür vorhanden, daß die Sowjets die Wiedervereinigung Berlins auf demokratischem Wege wünschten.

Erschwerung des Grenzuerkehrs

an der hessisch-thüringischen Landesgrenze

H. G. R. Wiesbaden, 31. Juli. (Eigener Bericht.) Die Grenze zwischen Hessen und der sowjetrussischen Zone wird neuerdings wieder scharf überwacht. Volkspolizisten und russische Soldaten teilen sich in den Dienst. Die motorisierten Militärstreifen, die bisher nur wöchentlich erschienen, patrouillieren jetzt täglich zwischen den Volkspolizisten.

Gemäß einem Uebereinkommen zwischen den Besatzungsmächten können die Interzonenarbeiter mittels kleinen Grenzverkehrsscheines die Grenze in beiden Richtungen überschreiten, um ihrer Berufstätigkeit nachzugehen. Hierin trat plötzlich eine Erschwerung ein. Die Sowjetzonenbehörden haben viele in ihrer Zone wohnende Interzonenarbeiter vorübergehend verhaftet. Dabei wurde ihnen zur Pflicht gemacht, den in der Bundesrepublik verdienten Lohn im Verhältnis 1:1 in Ostmark umzutauschen. Eine Sonderkontrolle der Volkspolizei überwacht diese Anordnung.

Wohnraumbewirtschaftung

besteht nach wie vor

Wiesbaden, 31. Juli, (dpa) Das hessische Innenministerium weist in einem Schreiben an alle hessischen Bezirksverwaltungen, Landräte und Oberbürgermeister darauf hin, daß die Wohnungsbehörden verpflichtet sind, die geltenden Bestimmungen des Kontrollratsgesetzes Nr. 18 (Gesetz über die Wohnungsbewirtschaftung), der Durchführungsverordnung des Wohnungsgesetzes und aller hierzu ergangenen Erlasse und Anordnungen wie bisher weiter anzuwenden. Nach übereinstimmenden Berichten der Wohnungsbehörden Hessens werde den Maßnahmen der örtlichen Wohnungsämter in steigendem Maße Widerstand entgegengesetzt.

Nach Leopolds Verzicht

Brüssel, 31. Juli. (AP.) König Leopold hat seinen zeitweiligen Verzicht auf den Thron am Montagabend unterzeichnet.

Der erste Protest gegen den Verzicht Leopolds auf den Thron kommt von der belgischen Royalisten-Bewegung, die sich bei Ministerpräsident Duvieusart darüber beklagte, daß der Beschluß unter Druck angesichts von Streiks und Gewaltakten gefaßt worden sei.

Der sozialistische Parteivorsitzende Max Buset erklärt, das getroffene Uebereinkommen sehe nicht vor, daß „die königliche Gewalt auf Kronprinz Baudouin übertragen wird, sondern daß ihm die königlichen Rechte zeitweilig gewährt werden.“

Sobald Baudouin 21 Jahre alt ist, werde Leopold 111. abdanken und Baudouin V. König der Belgier werden. Das wird am 7. September nächsten Jahres der Fall sein.

Aufhebung der Auntragssperre

Freigabe von Mitteln für die Soforthilfe

Bonn, 31. Juli, (dpa) Auf Antrag des Präsidiums des Hauptamtes für Soforthilfe hat der Kontrollausschuß in Bonn erneut Soforthilfemittel für die sogenannte Hausratshilfe freigegeben, und zwar 120 Millionen Mark. Wie im Anschluß an die Sitzung bekannt wurde, soll die gegenwärtig bestehende Antragsperre vom 1. September bis Ende Oktober aufgehoben werden.

Panik in LBad Hersfeld

Kurzschluß löste Sirene aus

Bad Hersfeld, 31. Juli, (dpa) Durch Kurzschluß wurde am Montagnachmittag die Feuersirene von Bad Hersfeld in Tätigkeit gesetzt. Da eine Minute Heulen Großfeuer bedeutet und vier Minuten Heulen einen Katastrophen-Einsatz, die Sirene aber 15 Minuten lang lärmte, wurde die Bevölkerung von einer Panik ergriffen, wie sie seit dem Krieg nicht mehr eingetreten war. Polizei, Feuerwehr und Einwohner standen zu Tausenden auf den Straßen, bis sich die Ursache der Aufregung klärte.

Sie lernt Königin

Rom, 31. Juli. (AP.) In diplomatischen Kreisen Roms interessiert man sich gegenwärtig lebhaft für einen streng behüteten weiblichen Gast der ägyptischen Botschaft. Trotz der fortgesetzten Dementis des ägyptischen Botschaftspersonals ist man überzeugt, daß es sich bei dieser geheimnisvollen Schönen um die als zukünftige Gattin des Königs Faruk von Aegypten angesehene Narriman Sadek handelt. Man glaubt, daß der Aufenthalt in Rom ihr den „letzten Schliff“ geben soll. Die Heirat soll erst im nächsten Jahr stattfinden.

Privatwohnungen für Verschleppte

Die Wünsche des amerikanischen Oberkommissars

AZ. Wiesbaden, 31. Juli. (Eigener Bericht.) Der Landeskommissar für Hessen, James R. Newman, teilte Ministerpräsident Stock mit, es sei der ernsthafte Wunsch des Oberkommissars McCloy, daß jede verschleppte Person in der amerikanischen Zone bis Ende dieses Jahres eine eigene Wohnmöglichkeit erwerben könne. Es liege dieses im Zuge jener Verpflichtungen, die die westdeutsche Bundesrepublik nach dem 30. Juni 1950 übernommen habe. Er vertraue darauf, daß die deutschen Behörden mit diesem Problem fertig würden.

Stock möge deshalb so bald als möglich eine geeignete Persönlichkeit ernennen, die mit dieser Aufgabe befaßt werden könne und von der die amerikanischen Behörden sich von Zeit zu Zeit über den gemachten Fortschritt unterrichten lassen könnten.

Newman teilte mit, daß seit Juli 1947 durch die Anstrengungen der achtzehn Mitgliedstaaten der IRO 400 000 verschleppte Personen aus der amerikanischen Zone ausgewandert seien. Weitere 70 000 werden bis Ende März nächsten Jahres auswandern. „Es ist uns bekannt, daß 80 000 der bereits ausgew’anderten verschleppten Personen in privaten Unterkünften in der amerikanischen Zone gewohnt haben, und daß von den zur Auswanderung kommenden weitere 35 000 Personen privat untergebracht sind. Die großartige Leistung der Vereinten Nationen würde in der Tat geschmälert werden, wenn die 20 000 bis 30 000, die in der amerikanischen Zone verbleiben werden, weiterhin in Verschlepptenlagern als separate fremdvölkische Gruppen wohnen sollt “

EGr heiratete vier Frauen

Siegen, 31. Juli, (dpa) Vier Frauen heiratete der 30jährige Eisenarbeiter Ernst Graf aus Siegen (Westerwald) innerhalb weniger Jahre, ohne sich von der jeweiligen „Vorgängerin“ scheiden zu lassen. Durch einen Zufall wurde die Krankenkasse auf Grafs reichhaltiges Eheleben aufmerksam und veranlaßte seine Festnahme. Er wurde in Siegen zu zwei Jahren Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre verurteilt.

Zeitweise gewittrige Regenfälle

(Eigener Wetterbericht der AZ)

Zwischen einem südlich Island gelegenen Tief und hohem Druck über dem südlichen Europa wandern mit der lebhaften westlichen Höhenströmung Randstörungen ostwärts. Sie beeinflussen das Rheinland stärker als die Pfalz.

Aussichten: 'Zeitweise stärker wolkig mit einzelnen gewittrigen Regen fällen. Vorerst nur geringe Abkühlung. Im großen und ganzen noch warm bis schwül.

Der Rundfunk am Mittwoch

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 14.00 Schubert: Violinsonate D-dur; 15.00 Kanadische Sendung; 15.45 Hoppla, die Purzel sind da; 16.15 Unterhaltungskonzert; 18.20 Mach dir’s bequem; 20.00 Aus den Salzburger Festspielen 1950; 23.30 Kleine Winke mit dem Zaunpfahl.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 -Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.30 Kinderfunk; 16.15 Konzertstunde; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 „Die weiße Dame“; 20.45 Lache,tanze, singe; 22.00 Das Streichorchester Heinz Hoffmann-Glewe; 23.00 Franz Schubert.

SUDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde; 17.15 Solistenkonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Scheinwerfer auf; 21.00 Das Prisma; 22.30 Klaviermusik; 23.15 Eine bunte Schlagerrevue am laufenden Band.

NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Beliebte Operettenmelodien; 15.40 Kleine Solistenmusik. 16.00 Herbert Heinemann und Gerhard Gregor an 2 Klavieren; 16.15 Filmmusik aus aller Welt; 16.50 Lieder von Mendelssohn-Bartholdy; 17.10 Streichquartett c-moll von E. N. von Reznicek; 18.05 Musik zum Feierabend; 18.30 Spreewellen; 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank; 21.00 Bach - Fest 1950: 22.45 Das Große Hamburger Rundfunkorchester; 23.00 Kurt Wege und seine Solisten; 0.05 Berlin am Mikrofon.

Wirtschaftsblatt

Warum keine Umschuldung ?

bs. Schon lange beschäftigt man sich im Bundeswirtschaftsministerium und bei der Notenbank mit dem Problem der Umschuldung eingefrorener Kurzkredite. Man will durch eine solche Aktion die Bankbilanzen bereinigen und hofft der Wirtschaft von der Geldseite einen Impuls geben zu können. Die Ansichten darüber, wie groß der Geldstoß bei einer Umschuldungsaktion sein wird, gehen weit auseinander. Wie groß ist der Betrag der eingefrorenen Kredite? Es ist eine Frage der Beurteilungsmaßstäbe, wann man einen Betrag als „auftauungsbedürftig“ ansieht. In der Industrie jedenfalls glaubt man dabei 500 bis 600 Millionen annehmen zu können. Die Umschuldung eines solchen Betrages würde natürlich die Liquiditätssorgen der Geschäftsbanken weitgehend mildern. Auch auf der letzten Sitzung des Zentralbankrates wurde die Lösung dieses Problems wieder auf einen späteren Termin verschoben. Man spricht von Arbeitsbeschaffungsprogrammen, warum läßt man eine solche Möglichkeit abseits liegen?

Der Monatsbericht der Bank deutscher Länder für Juni gibt auf diese Frage eine Antwort. Man ist in Kreisen der Notenbank der Meinung, daß wir uns in einer aufsteigenden Konjunktur befinden. Man will alle Maßnahmen, die von der Geldseite her einen wirtschaftlichen Impuls auslösen könnten, eher hemmen als fördern. Die Bank deutscher Länder ist der Auffassung, daß man durch Kreditschöpfung eine zusätzliche Nachfrage nicht mehr zu schaffen braucht, ja, daß eine solche Maßnahme sogar schädigend sein würde. Unser Außenhandel ist in einem solchen Maße gestiegen, daß diese zusätzliche Nachfrage des Weltmarktes jede durch Kreditschöpfung gesteigerte Nachfrage verbietet.

Zudem stehen wir heute vor einem völlig neuen Tatbestand. Die Durchführung eines Rüstungsprogrammes in Amerika von zehn Milliarden Dollar wird zweifellos nicht nur die amerikanische Wirtschaft beleben. Sie wird sich auch auf die europäischen Wirtschaften auswirken. Ursache und Charakter einer solchen „Kanonen“-Konjunktur sind nicht gerade erfreulich. Man muß aber diese Tatsache doch im Auge behalten. Die ersten Anzeichen machen sich schon bemerkbar. So sind zum Beispiel die Lieferfristen für Weißblech auf sieben Monate hinaufgeschnellt. Per Jakobsen sagte in Frankfurt vor der Internationalen Handelskammer, daß die wirtschaftlichen Anregungen, die von dem Koreakonflikt ausgehen werden, „kolossal" sein werden. Und diese erwarteten Auswirkungen bestimmen das Handeln der Bank deutscher Länder.

Trotzdem darf man nicht vergessen, daß die Geldlage in den verschiedenen Ländern der Bundesrepublik verschieden ist und auch weiterhin bleiben wird. Rüstungsvorlieferungen aus Deutschland werden sich in erster Linie bei der eisenschaffenden und -verarbeitenden Industrie auswirken. Die Standorte dieser Industrien sind in der Bundesrepublik nicht gleichmäßig verteilt. Wird es also nicht doch Bundesländer geben, in denen auch heute noch eine Umschuldungsaktion nützlich erscheinen würde?

Gegen Rentenaufwertung

Der Bundestagsausschuß für Geld und Kredit hat sich mit einem Vorschlag des Bundesfinanzministers zur Umstellung der Renten- und Pensionsrentenversicherungen einverstanden erklärt. Der Bundesfinanzminister und die Finanzminister der Länder hatten sich gegen eine gestaffelte Aufwertung der Renten- und Pensionsrentenversicherungen ausgesprochen, da sie nicht in der Lage wären, die entsprechenden Ausgleichsforderungen zu tragen. Der Bundesfinanzminister schlug deshalb vor, daß die alliierte Bankkommission den Erlaß einer Durchführungsverordnung zum Umstellungsgesetz erwirken solle, auf Grund deren eine Umwertung von 10:1 trotz der entgegenstehenden Rechtsprechung einzelner Gerichte festgelegt werden soll.

Die ersten Druschergebnisse

K. J. Die ersten Druschergebnisse, die sich in den letzten Tagen ermitteln ließen, sind nicht einheitlich. Einzelne Erntemengen stellten sich bei Wintergerste auf 28 bis 31 dz/ha, bei Roggen auf 28 bis 32 dz/ha. Druschergebnisse liegen bei Hafer noch nicht vor. Sie werden auf 26 bis 29 dz/ha geschätzt. Der Strohertrag ist im allgemeinen mengenmäßig höher als im vergangenen Jahr. Bei Lagerfrucht läßt die Qualität dagegen zu wünschen übrig.

Erhöhte Auslands-Guthaben

F. A. Z. Nach dem Wochenausweis der Bank deutscher Länder vom 22. 7. hat der Zahlungsmittelumlauf um 326 Millionen auf DM 7 518 Millionen abgenommen; er lag damit um 180 Millionen über dem Umlauf vom 23 Juni 1950.

Lebhaftes Bausparen

A.Z. Nach dem neuesten Bericht des Verbandes der privaten Bausparkassen in Frankfurt erreichten die Neuabschlüsse und Spargeldeingänge bei den privaten Bausparkassen im Juni 1950 eine Rekordhöhe. Es wurden insgesamt 7200 Verträge über 102 Millionen DM neu abgeschlossen. Der Spargeldeingang belief sich im Juni auf 25,6 Millionen DM. Damit haben die privaten Bausparkassen ihren Spareinlagenstand von 65 Millionen DM am Währungsstichtag auf 200 Millionen DM erhöht. Besonders beachtlich ist, daß die privaten Bausparkassen für den Wohnungsbau 1950 allein 135 Millionen DM zur Verfügung gestellt haben.

Stürmischer Ausverkauf

F. A. Z. Am Montag begann in ganz Westdeutschland der diesjährige Sommerschlußverkauf, der nach den ersten übereinstimmenden Meldungen vor allem in den Großstädten über alle Erwartungen hinaus bereits am ersten Tage Rekordumsätze erbrachte. Die Betriebe hatten meist schon ab acht Uhr früh geöffnet. Gegen neun Uhr mußten die großen Warenhäuser z. B. auf den Frankfurter Hauptgeschäftsstraßen bereits wegen Ueberfüllung gesperrt werden. Durch den Einsatz von Polizei nicht nur vor, sondern auch in den Geschäften konnte ein einigermaßen reibungsloser Ablauf des Geschäftsverkehrs sichergestellt werden. Sogar das Büropersonal mußte im Verkauf eingesetzt werden.

Erhöhte Grundstoffpreise

F.A.Z. Nach dem neuesten Bericht des Statistischen Amtes für die Bundesrepublik erhöhte sich die Gesamtindexziffer der Grundstoffpreise vom 21. Juni bis zum 7. Juli um 1,2 Prozent auf 201 Punkte gegenüber 100 im Jahre 1938. Dabei stieg die Indexziffer für Nahrungsmittel auf 173 (+ 2,9 Prozent).

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse war die Geschäftstätigkeit am Montag oei freundlicher Grundstimmung etwas ruhiger als in der Vorwoche. In Erwartung der morgigen Sitzung des Sicherheitsrates machte sich eine gewisse Zurückhaltung bemerkbar. Die Märkte lagen überwiegend fest,

Devisenhandel

Frankfurt, (Eigener Bericht.) Im Frankfurter nicht offiziellen Devisenhandel wurden am 31. Juli 1950 für den US-Dollar 5,40 bis 5,90 DM gezahlt, für das engl. Pfund 12,50 bis 13,50 DM. für den Schweizer Franken 1,20 bis 1,35 DM, für den holl. Gulden 1,20 bis 1,35 DM, für die dänische Krone 0,52 bis 0,56 DM, für die schwedische Krone 0,75 bis 0,80 DM.

Berliner DM-Wechselkurs

F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 31. Juli 1950 für eine DM-West 5,70 Ostmark gezahlt und für 5,90 Ostmark eine DM-West geboten.

Frankfurter Schlachtviehmarkt

bz. Am Montag waren aufgetrieben: 1022 (924) Stück Großvieh, 642 (796) Kälber, 3225 (3469) Schweine sowie 307 (345) Schafe. Es wurden folgende Preise erzielt: Ochsen A 82—87 (83—88), B 72—80 (73—80), Bullen A 80—86 (83—88), B 70—79 (72—80), Kühe A 72 bis 80 (74—80). B 60—70 (unver.), C 50—59, (50—58), D 40—49 (35—45), Färsen A 86—91 (83—92), B 80—85 (80—86), C 70—78 (unv.), Kälber B 105—115 (105—118), C 85—100 (unverändert), D 80—85 (75—80), Schweine A 124—128 (133—136), B 1 und 2 124—128 (133 bis 136), C 123—128 (131—136), D 120—126 (130 bis 135), G 1 110—120 (115—125), Schafe, gute Qualität 48—53 (50—55), mittlere 40—46 (40—45). geringere Qualität bis 35 wie in der Vorwoche. Verlauf: Großvieh mittelmäßig und Ueberstand, Kälber zunächst rege, später nachlassend, Schweine schleppend und Ueberstand, Schafe ruhig.

Das teure Schweinefleisch

v. G. Vor einigen Tagen äußerte der Vorsitzende der Fleischer-Innung in Ludwigshafen vor der Presse, daß die Erzeuger für die neuerliche Steigerung der Schweinepreise verantwortlich zu machen seien. Eine kurze Ueberlegung ergibt, daß ein solcher Vorwurf diesmal wirklich nicht berechtigt ist. Aber immerhin ist damit die Frage aufgeworfen, wer nun eigentlich die Schuld am Heraufschnellen der Schweinepreise um 30 Prozent gehabt hat, und ob diese Preisbewegung zeitlich begrenzt oder von Dauer sein wird.

Als im Januar die Schweinepreise in Frankfurt von einem auf den anderen Markttag um 40 Pfennig sanken, da war die Ursache dieser Bewegung verhältnismäßig eindeutig zu bestimmen. Nach den Weihnachtsfeiertagen hatte die Kaufkraft der Verbraucher frühzeitig die Grenze erreicht, wo Angebot und Nachfrage ausgeglichen wurden. Schon Anfang Januar gingen in Hamburg und Hannover die Schweinepreise ruckweise nach unten. Die Folge war eine gewisse Nervosität der Bauernschaft, die noch durch die bevorstehenden Steuer- und Soforthilfezahlungen verstärkt wurde. Nicht Importe überschwemmten den Markt. Inländische Anlieferungen wurden in einer Woche so groß, wie sie noch wenig vorher in einem Monat nicht erreicht worden war. Ein alarmierender Preissturz von 1,45 auf 1 DM je Pfund Lebendgewicht blieb als Folge nicht aus. Erst allmählich pendelten sich die Preise dann auf die Höhe zwischen 1,05 und 1,10 DM ein, die bis zum Juli mit den üblichen Schwankungen zu Monatsbeginn- und -ende eingehalten wurden.

War nun eine Zurückhaltung der Bauern nach Beginn des Korea-Konfliktes festzustellen? Die Zahlen widerlegen diese Behauptung. Die Anlieferungen waren seit Juni verhältnismäßig gleichmäßig, saisongemäß etwas niedriger als im Frühjahr, aber bei weitem ausreichend für den üblichen Bedarf. Auch der Verdacht, daß Spekulationskäufe von Fleischwarenfabriken an der Aufwärtsbewegung schuld sein könnten, ist nicht stichhaltig. Die Einkäufe dieser Firmen blieben durchaus im üblichen Rahmen. Die gesteigerte Nachfrage ging also ausschließlich vom Verbraucher aus über die Metzger, die am 3. Juli i.i Frankfurt keine bestimmten Preise mehr boten, sondern das Vieh mehr oder weniger wahllos „zehn Pfennig über Notiz“ aufkauften. Die Verwirrung war an diesem Tag so groß, daß die amtliche Notierungskommission tatsächlich keine Dw :’'~?hnittspreise angeben konnte. In den darauffolgenden beiden Wochen wurde dann die Steigerung auf zunächst 1.20, dann 1,35 DM sichtbar, die zu den Erhöhungen der Schweinepreise auch in den Metzgereien geführt hat.

Es ist bezeichnend, daß gerade die Bestände an Dauerwaren in wenigen Tagen gelichtet wurden. Die Korea-Psychose hatte viele Verbraucher ergriffen und führte dazu, daß ein unverhältnismäßig großer Teil des Einkommens auf Nahrungsmittel festgelegt wurde. Hatte man vorher lieber am Essen gespart, um einen Anzug kaufen zu können, so wollten viele sich nun mit ein wenig Speck, Oel und Zucker versorgen, um „für kommende Zeiten“ einen Rückhalt zu haben.

Die Märkte der letzten Woche in Frankfurt, wo ein Ueberstand von 900 Schweinen, und in Mainz, wo im Laufe des Markttages ein Rückgang von 1,40 auf 1,30 DM beobachtet werden konnte, lassen erkennen, daß die Entwicklung wieder in normale Bahnen zurückführt. Die Rinderpreise haben übrigens diese Bewegung kaum, die Schafpreise überhaupt nicht mitgemacht.

Kann man. also dem Erzeuger eine Schuld an den Preissteigerungen des letzten Monats zuschieben? Hat nicht der Verbraucher in einer Hamster-Psychose die Preise heraufgetrieben und darüber hinaus der Viehhandel die größere Kaufbereitschaft der Metzger für sich auszunutzen verstanden? Auch größere Importe konnten hieran nichts ändern. Es ist bezeichnend, daß selbst die 99 Tonnen Import-Schweinefleisch, die am 17. 7. in Frankfurt verkauft wurden, neben 2629 Schweinen inländischer Herkunft die erneute Steigerung der Schweinepreise auf, 1,35 DM nicht verhindern konnten. Jetzt übertrifft das Angebot die Nachfrage wieder erheblich. Der Ausgleich wird nicht lange auf sich warten lassen.

Bz Germersheimer Nahrungsmittelfabrik GmbH, Germersheim. Die Veriretungsbefugnis von Leo Rominski, Germersheim, ist erloschen. An seiner Stelle ist Dr. Hans Streit in Singen (Hohentwiel) zum Geschäftsführer bestellt worden.

Bz Ertex, Erzbacher Textilges. mbH. Erzbach (Odenw.). Die Gesellschafterversammlung beschloß, das Stammkapital vorläufig auf 10 000 DM neu festzusetzen.

We. Eisenwerk-Gesellschaft Maximi¬ lianshütte mbH. in Sulzbach-Rosenberg Die Gesellschaft begibt eine mit 6,5 Prozent p a verzinsliche und durch erstrangige Gesamtversicherungshypothek gesicherte deckungsstockfähige Teilschuldverschreibungsanleihe im Nennbetrag von 10 Millionen DM Ausgabe 1950. Die Anleihe wurde von einem unter Führung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, der Bayerischen Staatsbank und der Bayerischen Vereinsbank stehenden Bankenkonsortiums übernommen und wird zum Kurs von 98 Prozent zuzüglich Börsenumsatzsteuer zum Verkauf angeboten. Die Gesellschaft, die mit 6 300 Beschäftigten zu den bedeutendsten industriellen Unternehmungen Bayerns zählt und über eine eigene Erzbasis verfügt, will mit dem Erlös der Anleihe ihre Anlagen ausbauen und modernisieren.

Feuilleton

Salzburger Festspiele 1950

ERÖFFNUNG MIT „DON GIOVANNI“ IN ITALIENISCHEM URTEXT

„Don Giovanni“ eröffnete die Festspielwochen. Die Wiedergabe unter Wilhelm Furtwängler — die letzte unter Josef Krips liegt vier Jahre zurück — hatte das höchste musikalische Niveau, riß aber dennoch die ganze Problematik des Aufführungsstiles dieses Werkes auf.

Furtwänglers Zeitmaße . revolutionierten einigermaßen. Sie sind durchweg ungewöhnlich gedehnt und gemessen in der Ueberzeugung, daß diese genialste Musik bis in letzte Einzelheiten gehört werden soll. Manche kleine Phrasen der Partitur traten nur dadurch in neue, anziehende Beleuchtung. Selbstverständlich arbeitete Furtwängler das Allerwichtigste, den Kampf der zwei dämonischen Wirklichkeiten, des Rennaisancemenschen Don Giovanni und des Komturs aus dem Jenseits mit ungeheurer Intensität heraus. Die Ausdrucksgestalt des „Fidelio“ wurde erreicht z. B. in den Rezitativstellen der Donna Anna nach dem Erkennen des Mörders ihres Vaters und der anschließenden Arie („Du kennst den Verräter“) mit dem Aufruf zur Rache. Es läßt sich streiten darüber, ob diese durch Beethoven hindurch gesehene Auffassung des „Don Giovanni“ unbedingt richtig ist. Alles in allem ein herrlich strömendes und nur durch künstlerische Diktatur sich einstellendes Musizieren, mit dem Instrument der Wiener Philharmoniker, die im Wohllaut unübertrefflich sind.

Mit der italienischen Urfassung des Da Ponteschen Textes war man wieder der Qual der Entscheidung für eine der Uebersetzungen enthoben. Sämtliche Sängerdarsteller, meist Mitglieder der Wiener Staatsoper, beherrschen die italienische Sprache.

Als Titelträger hörte man zum erstenmal Tito Gobbi von der Mailänder Skala. Mit starker Leistung reihte er sich ein in die Linie der Schöffler, Netter, Pinza aus den letzten Festspiel jähren. Ein wendiger und gefährlicher, rasch zum Degen greifender Kavalier, ein von keiner Verlegenheit in peinlichen Augenblicken angekränkelter erotischer Sieger, immer souveräner Herr der Situation. Den Ausnahmemenschen, den beängstigenden Dämon der Unersättlichkeit jedoch glaubte man ihm weniger. Die „Champagner-Arie“, deren Tempo Furtwängler auch ihm diktierte, so daß diese Rondoform bei aller Entfesselung des Rhythmus nicht durch eine musikalische Parforcejagd zertreten wurde, brachte Gobbis Gesangskunst bravourös zur Geltung. Auch in der kantablen Linie ein hervorragender Bariton. Leporello war eine Meisterleistung von Erich Kunz. Veritabler Abglanz seines Herrn und in seinem Paradestück, der „ReglsCer-Arie“, von grandios triumphaler Geste, als ob die TaAen Don Giovannis seine eigenen wären, von Schlauheit und Verschlagenheit durchwirkt in der Servilität des Auftretens, dabei alles mit runden, vollen Tönen wiedergegeben. Alfred Poell zeichnete gut den gekränkten, störrischen Bauernburschen Masetto. Als Komtur vertrat Josef Greindl machtvoll die Welt des Erhabenen. Anton Dermota, längst in Salzburg erprobt, sang den Don Ottavio. Soweit es in der Verkörperung dieser immer nur tröstenden, nie handelnden Figur zulässig ist, nahm er ihr etwas von dem Weiblichen und Willensschwächen. Auch Ottavio möchte ja gern Tatmensch sein ä la Don Giovanni, aber er ist eben ein gehemmter Charakter. Seine beiden Arien in G (nachkomponiert) und B, wundersam schimmernde Perlen Mozarts, gaben Zeugnis von der sängerischen Kultur Dermotas.

Nun aber die Frauen, das Entzücken dieser Aufführung. Wer vermag heute die beiden Zerline-Arien, das schmeichelnde Versöhnen in F und die unendliehe Zärtlichkeit und Liebkosung in C mit soviel Süße der Stimme und soviel Hingabe im Spiel noch wie Irmgard Seefried wiederzugeben? Beseeltheit und Disziplin schlossen in dieser Stimme ihren harmonischen Bund. Ljuba Welitsch glänzte in großem, allzu großem Format ihrer Donna Anna. Diese ist nicht als Hochdramatische gedacht (was es zu Mozarts Zeiten nicht gab!), sondern als zartes Mädchen. Wohl verträgt die Rolle Glut und Leidenschaft als Reaktionen auf das grausige Geschehen, aber die Darstellung bekam durch die raumbeherrschenden Mittel der Sängerin doch etwas, das der Gestalt fremd ist. Gleichwohl schlug sie mächtige Wellen durch den Seriateil dieses „Dramma giocoso“. Und endlich Elisabeth Schwarzkopf in der schwierigsten Rolle der Donna Elvira. Wie ist das Können dieser edlen, warmen Stimme ausgereift, wie hat sich das schauspielerische Vermögen gesteigert. Man erlebte, wie die Anziehungskräfte alle Abneigung gegen Don Giovanni überwiegen, wie die enttäuschte „sposa abbandonate“, die verlassene Braut, immer wieder seiner Faszination bis zur Verzeihung erliegt.

Oscar Fritz Schuh fing als Spielleiter die erregten Bewegungen der Handelnden oft zu drastischen Stellungen ab. Im Zusammenwirken mit der Choreographie von Erika Hanka ergab sich ein außerordentlich vitalisiertes Ballfest, das von Mozart musikalisch so kühn angelegt ist mit den drei Bühnenorchestern, die gleichzeitig im ’/< (das volkstümlich gewordene Menuett), 2/< (Kontertanz für Don Giovanni und Zerline) und 3/s-Takt (Masetto Leporello) spielen. Nach dem Hilfeschrei Zerlines entvölkert Schuh die Bühne bis auf die sieben Solisten, als gelte es eine Art Privatjustiz gegen den Verführer unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Auch Blitze zucken durch den Saal, hier bereits seinen Untergang androhend. Beides war neuartig, gewiß durchdacht, aber bedenklich. Den Abschluß des Werkes vollzog Schuh, wie es mehr und mehr als Pflicht empfunden wird, nach der Höllenfahrt Don Giovannis mit dem Auftreten seiner Gegenspieler des Alltags, die ihre moralische Befriedigung über die Bestrafung des „Perfido“ ausdrücken. Die Szene des Verderbens selbst gestaltete er ohne allzu großen Feuerzauber und auch den nur im Hintergrund. Dem Kostümlichen wandte Caspar Neher viel Sorgfalt zu. Das dekorative Element des spanischen Barock sehr vornehm und klar von Clemens Holzmeister gegliedert, für Mozart allerdings zu drückend in der massiven Monumentalität. Der Gesamteindruck war bei so eindringlichem Musizieren, bei so viel Kultur und Können aller Beteiligten tief und nachhaltig. Der Beifall entsprach der außergewöhnlichen Macht und Schönheit der Wiedergabe.

Fritz Brust.

Theaterwoche in Erlangen

Großer Erfolg des Schauspielstudios der TH Darmstadt

Am Sonntagabend war das Schauspielstudio der T. H. von Erlangen wieder nach Darmstadt zurückgekehrt. Da den beiden Aufführungen des Stückes „Schiff ohne Hafen“ im Amerikahaus aus zeittechnischen Gründen nur dreizehn Proben vorausgingen, war man mit einigen Sorgen nach Erlangen gefahren. Unebenheiten in Spiel und Text schienen unvermeidlich. In mehrstündigen Nachtproben auf der Erlanger Bühne wurden noch einige Verfeinerungen erarbeitet.

Am Montag, dem 24. Juli, spielte das Schauspielstudio vor 600 Zuschauern zum dritten Male. Der Vorstellung wohnten namhafte Theaterwissenschaftler und Kritiker der größten westdeutschen Zeitungen bei. Schon nach dem ersten Bild setzte der Beifall ein, der am Schluß die Spieler dreizehnmal vor den Vorhang rief. Unter vielen anderen kam Professor John von der Harvard-University auf die Bühne, um den Spielern persönlich seine Anerkennung auszusprechen. Ein besonderes Lob sprach Günther Weißenborn, der Autor des „Eulenspiegels“, den Darmstädter Spielern aus.

Dr. Stroh von der „Frankfurter Rundschau“ erklärte in seiner Stellungnahme, daß die Darmstädter Freunde ein Stück auf die Bühne gebracht hätten, in dem Aussagen gemacht würden, zu denen in der heutigen Zeit leider Gottes schon wieder großer Mut gehöre. Dr. von Schenck, der Schweizer Soziologe, betonte, daß schon in der Wahl dieses Stückes die möglichen Aufgaben einer Studiobühne optimal erfüllt seien. Es sei gelungen, etwas über die Zeit, in der wir leben, auszusagen, wie es dem Berufstheater nicht möglich wäre. Die Darsteller wären trotz Schminke und angeklebter Bärte junge Menschen geblieben und hätten den Zuschauern mit überzeugender Kraft etwas Wesentliches und zugleich tröstlich Ermunterndes mitgegegeben. Dr. Langer, der Leiter der Wiener Hochschulstudios, sagte, eine im letzten Jahr in Wien von der Berufsbühne gespielte Aufführung des Stückes „Schiff ohne Hafen“ hätte ihm nicht so gut gefallen wie das Spiel der Darmstädter Studenten.

Das Schauspielstudio der Darmstädter Technischen Hochschule und die Studiobühne der Universität Erlangen wurden als die beiden besten westdeutschen Studiobühnen zum westdeutschen Studententag, der Ende August in Köln stattfindet, eingeladen. Unmittelbar nach der Erlanger Aufführung ergingen außerdem folgende Einladungen: Vom Amerikahaus Gießen zu einem Gastspiel und von Mr. Minniclier, Mil.-Reg. München, Protektor der Erlanger Theaterwoche, zu einer Tournee nach Bamberg, Coburg und Augsburg.

Der gestrigen vierten Aufführung von „Schiff ohne Hafen“ im Amerikahaus wohnten unter anderen Prorektor Prof. Dr. Mesmer, Mr. Evartz, Musikoffizier von Hessen, und die Studenten des internationalen Arbeitslagers bei. Durch die Vermittlung von Mr. Evartz und eine großzügige Spende der Besatzungsmacht war dem Schauspielstudio der T. H. die Teilnahme an der Theaterwoche in Erlangen erst ermöglicht worden. t-s

Geistige Krise der Literatur

Am Freitagabend sprach im Amerikahaus Dr. Hans S. Reiß über das Thema „Die geistige Krise in der englischen und deutschen Literatur“. Der Vortragende führte aus. daß der Unterschied der Dichtung zur Sprache in ihrem schöpferischen Denken liege, daß die Dichtung das Denken in Bildern voraussetze.

Die Kulturphilosophen unserer Zeit sagen einen kulturellen Niedergang voraus, der zwar nicht unbedingt zum Untergang der christlichen Kultur führen muß, der aber gerade durch den Strukturwandel des Weltbildes bedingt ist. Mit der Veränderung der literarischen Form wurde die Literatur des Intellekts, der Doppelzüngigkeit geprägt, die jede Dichtung fragmentarisch und unverständlich macht. Die Veränderung in der Thematik des literarischen Schaffens drückt sich in der Hauptsache im Nihilismus aus, von dem Nitzsche sagt, daß er bestimmend sein werde für das zwanzigste Jahrhundert. Die Verlorenheit des Menschen im Elend der großen Städte, die Suche nach neuen religiösen Auffassungen bestimmt die „Isolierung des Dichters“. Der Oede des inneren Erlebens steht die Buntheit der Außenwelt in einer merkwürdigen Diskrepanz gegenüber. Franz Kafka werde als Wegbereiter der Relativierung der Dinge bezeichnet. Th. Mann und J. Joyce schaffen eine humanistisch-geistige Atmosphäre durch die Hinwendung auf das Ewige, Zeitlose des Daseins.

Die Hinwendung zum Mystischen und die Zersetzung der Persönlichkeit macht sich auch bei T. E. Elliot und Rilke, bei Huxley und Hesse bemerkbar. Auf der Suche nach der geistigen Krise der Menschheit haben sich die Autoren auf das Monument ihrer Isolation zurückgezogen, um dort in einem fast unverständlichen Schaffen den Zusammenhang mit ihren Lesern aufs Spiel zu setzen. -st

Karlsbader Filmfestspiele beendet. Die internationalen Filmfestspiele in Karlsbad wurden mit der Verleihung von drei Hauptpreisen und einer großen Anzahl von Sonderpreisen beendet. Auf den Festspielen wurden Filme aus 24 Ländern sowie drei Kurzfilme der Vereinten Nationen gezeigt. Den „Großen Preis“ erhielt der sowjetische Film „Der Fall von Berlin“. Auch die beiden anderen Hauptpreise fielen an die Sowjetunion.

DT Film - Forum

Wunderland des Films

Wenn das Licht in unsern Filmtheatern langsam zum Verlöschen kommt... wenn sich das letzte Räuspern verlor und erwartungsvolles Schweigen über Hunderten von Zuschauern liegt ... wenn der Vorspann mit den Namen von Produzenten, Regisseuren, Architekten, Musikern vorübergehuscht ist ... wenn die ersten Takte der Begleitmusik auftönen und aus nebelhaft grau verschwimmenden Schattenspielen die erste Szene des abendfüllenden Films auf leuchtet:

Dann öffnet sich das Tor zum Wunderland Film, und alle, die da beieinandersitzen, beginnen eine gemeinsame Reise in dieses wundersame, unbekannte Land. Alltag und Beruf, Familie und Nachbarn, Sorgen und Nöte versinken, und ferne Länder bis ans Ende des Weltalls, unbekannte Schicksale beginnen uns in ihren Bann zu ziehen, unser Leben steigernd und weit über seine engen Grenzen hinaus ausweitend. Für Stunden werden wir andere Menschen, als wir sonst sind, werden wir Miterlebende des Wunderlandes Film, und in Ernst und tödlich tragischem Konflikt oder auch in überquellendem Humor weckt der Film in uns Seelenkräfte, die sonst unter dem Brausen des Alltags verschüttet lagen. Das ist das Wunderbare am Film, daß er uns einmal ganz außer uns bringt und uns Erlebnisse vermittelt, die wir ohne ihn niemals haben würden.

Deshalb lockt der Film die Millionen seiner Freunde immer und immer wieder mit unwiderstehlicher Macht an. Und es sind die Filmschauspieler, die uns die erregenden und beglückenden Erlebnissse der Reise ins Wunderland Film bescheren. Sie leben und erleben in ihm die dramatischen und komischen Dinge, die uns vor Freude und Mitgefühl weinen lassen. Indem wir ihnen dankbar sind, daß sie uns den Weg in dieses Wunderland öffnen und uns miterleben lassen, was in diesem Zauberreich geschieht, beginnen unsere Gedanken um sie zu kreisen, verlangen wir danach, sie näher kennenzulernen, etwas von ihnen zu erfahren und sie als das zu begreifen, was sie letzthin ja doch sind: Menschen wie wir! — Wie leben sie? Wie kamen sie dazu, für uns das Wunderland Film zu gestalten? Hatten sie es schwer, Filmdarsteller zu werden? Sind sie glücklich? Haben sie eine Familie, Kinder, ein Haus irgendwo, was treiben sie in ihrer freien Zeit, haben sie Liebhabereien, Steckenpferde? Und was erlebten sie bei ihrer Filmarbeit? Gab es da komische Zwischenfälle, erhoben sich plötzlich Gefahren für Leib und Leben ... wie war das eben überhaupt immer mit ihnen, diesen unseren Lieblingen, deren Glücksjubel und Verzweiflungstränen, deren Erfolg und erschütternde Mißerfolge wir im Film miterlebten — das interessiert immer und immer wieder.

Und von all dem wird nun unser FILM¬FORUM berichten.

Jedesmal von einem unserer deutschen Filmlieblinge, von alten und weltbekannten Darstellern sowohl als auch vom jungen aufstrebenden Nachwuchs wird das Film-Forum berichten und so das Menschliche und Persönliche unserer Filmdarsteller für alle Leser schildern. Unsere Gedanken und Erinnerungen werden da oftmals zurückschweifen zu den großen, glanzvollen Zeiten des deutschen Films, sie werden die ungeheuren Leistungen zu würdigen wissen, die heute von allen Filmschaffenden aufgebracht werden müssen, um den deutschen Film wieder neu erstehen zu lassen, und sie werden mit größerer Liebe als je unseren deutschen Darstellern entgegeneilen, den Frauen und Männern, die uns durch ihre Kunst den Weg ins Wunderland des Films so oft schon öffneten und noch so oft auftun wollen.




Foto: Real-Alianz-Filtn
Foto: Real-Alianz-Filtn

Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

8) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

Knut Steen begreift schnell, daß sein Vater ihn nicht schlagen wird. Es ist ganz nutzlos, daß er so dramatisch die Fäuste geballt hält. Er sieht ein, daß er sie unauffällig wieder lösen muß, daß dies alles hier der nutzlose Höhepunkt eines allgemeinen Gebrülles ist, das trotz allem nicht zur Lösung führen kann. Mary weint. Sie heult regelrecht. Sie hat es wahrscheinlich am leichtesten. Sie heult, und wenn sie es lange genug durchhält, und morgen bei Teddy Beer wiederholt, wird er entzückend lieb zu ihr sein... und Mary Steen ist in demjenigen Abschnitt ihres Lebens, in dem ihr gar nichts wichtig ist als dies, daß der Drogerieangesteilte Beer lieb zu ihr ist. Inzwischen beginnt sie, stolz darauf zu sein, daß ihr Vater sie Teddy Beers wegen geschlagen hat, daß sie „ihrer großen, unfaßbaren Liebe wegen“ geschlagen wurde.

Jeder dieser vier Menschen ist zu begreifen, jeder von ihnen hat sein Leben, jeder hat recht. Sie sind nur zusammen ein bißchen schlecht zu erfragen.

Sie stehen sich gegenüber... nichts Besonderes kann sich hier noch ereignen. Sie sind schon drauf und dran, brummend, verstockt oder leise weinend aneinander vorbei in ihre Zimmer zu gehen.

Da legt ein prachtvoll gekleideter, dicklicher Mann von rosi er Gesichtsfarbe, ein Herr mit allen Kennzeichen des erfolgreichen Lebens, vor ihrer Tür, die Spitze seines gepflegten Zeigefingers auf den Klingelknopf.

Die vier erstarren.

Sie sammeln sich erschreckt.

Sie schütteln sich, um sich von der Spannung zu befreien, -in der sie so verkrampft stecken. Sie rücken sich mühsam zu einer Gruppe zurecht, die in etwa einer Familie ähnlich sieht. Sie nehmen die Masken wieder auf, die sie für ihre Mitmenschen zu fragen pflegen.

„Das isf ein ganz schwerer Motor, der da draußen läuft“, lauscht Knut Steen.

Frau Steen trocknet hastig ihr Gesicht ab.

Mary schickt ihre leichten Hände ordnend in ihr Haar.

Steen selber rückt seine Kravatte zurecht und räuspert sich. /

Er öffnet die Tür.

Der Besucher verneigt sich.

„Generaldirektor Georg H. Miels“, stellt er sich vor. „Ich bringe Ihnen die beste Nachricht und die größte Chance ihres Lebens, Herr Steen. In der Tat bringe ich Ihnen zehntausend Kronen in bar.“

Steen, Georg J. Steen, steht ruhig.

Er ist in diesem Augenblick nicht fähig, mehr als eine Redensart anzubiefen. x. x_„ c- . <<

„Bitte, treten Sie ein“, sagte er.

10.

„Betrachten Sie mich nicht zu sehr, Herr Miels , lächelt Eva Steen, als ihr Mann sie diesem reichen Herrn unter der Deckenleuchte der Wohnstube vorstellf.

„Ich war gerade dabei, etwas Meerrettich zu reiben, zusammen mit Marv.“

’ XÜXVy lUAL £ ICIL V * Miels nickt freundlich. Er begrüßt Knut. Natürlich hat er bei Knut schon seines schweren Automobils wegen einen guten Kredit. Knut ist im Begriff, Miels nach der Marke dieses Wagens zu fragen. Er schiebt es allenfalls für ein paar Minuten hinaus.

„Nehmen Sie Platz, Herr Miels“, bittet Steen. „Und sagen Sie meiner Frau, was ■wir Ihnen anbieten dürfen.“

Miels nimmt die große, wundervoll gesteppte Aktentasche mit zu dem Sessel am Ofen. In dieser Aktentasche muß er das Geld haben, wenn es wirklich auf Wahrheit beruht, was er vorhin an der Tür sagte, überlegt Mary Steen.

Kann dies alles überhaupt auf Wahrheit beruhen, grübelt Georg J. Steen.

„Hören Sie bitte einen Augenblick zu“, sagt der Generaldirektor. „Ich meine, Sie sollten alle eine kleine Weile im Zimmer bleiben... Es ist wirklich eine große Sache für Sie, und ich habe das Geld tatsächlich mitgebracht.“

Miels rückt sich in diesem kleinen, etwas härtlichen Sessel zurecht, ehe er weiterspricht. „Sie haben nämlich großartig abgeschnitten bei diesen Befragungen, die die statistischen Gesellschaten mit jedermann veranstalteten. — Wir fanden heraus, daß Sie genau die Mittelwerte aller Familien des Landes haben. Sie sind genau der Durchschnittsbürger und die Durchschnittsfamilie unter uns vierzig Millionen“, lächelt Georg H. Miels.

„Und dafür sollen wir zehntausend Kronen bekommen?“ fragt Steen zweifelnd.

„Natürlich nicht dafür“, grient Miels. „Aber Sie sollten sich raten lassen, einen Vertrag mit meiner Gesellschaft für Statistik und Marktforschung ei zuge en der Sie, Sie alle vier, natürlich, für ein paar Wochen auf meine Kosten in die Hauptstadt einladet. Sie werden in allerersten Hotels wohnen, eine Reihe von Veranstaltungen besuchen und für eine Menge von Waren — Seifen, Stoffen, Sportgeräten, Haushaltsmaschinen, Zigarren und Gins —• zu Reklamen fotografiert werden. Sie wissen doch alle, wie man so etwas mit Prominenten macht. (Ind das kostet Sie gar nichts, und wir zahlen Ihnen zehntausend Kronen dafür.“

„Toll, das machen wir natürlich, Papa“, ruft Knut.

„Und unsere Bilder erscheinen in den Zeitungen?“ lächelt Mary.

„Natürlich... gerade Sie eignen sich ganz gewiß dazu“, bestätigt Miels.

„Scheint es nicht ein arger Rummel zu werden, Herr Miels?“ bedenkt Georg J. Steen ...

„Das steht außer Zweifel“, antwortet Miels. In Wahrheit ist er sehr zufrieden, diesen Einwand so bald zu hören, denn er kann jetzt sein bestes Argument abschießen, und er ist sicher, daß es treffen wird. „Aber diesen Rummel gibt es in jedem Fall, Steen“, sagt er ernst. „Morgen früh stehen die Zeitungen voll davon, daß der Durchschnittsbüsger unseres Landes Georg J. Steen heißt, seine Frau Eva Steen und seine Kinder Knut und Mary. Die Reporter werden Ihnen das Haus einrennen, ob ich und Sie es wollen oder nicht. Und wenn Sie den Vertrag dann nicht eingegangen sind, bebommen Sie für all diesen Betrieb keinen roten Pfennig. Es ist wirklich schon das Vernünftigste, wir machen diese Sache zusammen. Sie haben dann zehntausend Kronen und ein paar glänzende, interessante Wochen.“

„Sollen wir alle mitmachen?“ fragt Frau Steen.

„Gewiß!“ Miels ist seines Er'olg schon ganz sicher. Er gibt jetzt sein let - tes Argument. „Die zehntausend Kronen verteilen sich auf Sie alle, es sind fünftausend für Ihren Mann, dreitausend für Sie selbst, Frau Steen, und je tausend für Ihre Kinder.“

Herr Miels holt den Vertrag aus der Tasche. Es fehlt nichts an diesem auf Büttenpapier geschriebenen Vertrag als die Unterschriften der Steens. Und der Vertrag isf nicht einmal besonders lang.

Die Hälfte der Summe isf bei Vertragsabschluß zu zahlen... die zweite Hälfte nach der Erfüllung der Dinge, die dieser Vertrag vorsiehf.

Die Reise beginnt am übernächsten Morgen. Sie steht von Anfang an unter der Obhut von Managern. Jedes Glied der Familie hat einen besonderen Manager.

Dieser Manager bestimmt genau, was jeder der Steens zu tun, zu sagen, zu verschweigen hat.

Alle Kosten trägt die Gesellschaft.

Alle Kleider, Schuhe, Geräte und Waren, die der Manager bestimmt, sind zu den gewünschten Aufnahmen, Interviews, Ausgängen und Empfängen zu fragen, die der Manager jeweils vorschlägt.

Die Hotels, in denen die Steens zusammen oder getrennt wohnen, dürfen von keinem der vier ohne Begleitung durch den Manager verlassen werden. S

„werden wir auch mit Autos fotografiert?“ will Knut wissen.

„Natürlich!“

„Ich fürchte, Sie werden Ansprachen von mir erwarten“, sieht Eva Steen voraus.

„Sie bekommen den Text Ihrer Ansprachen von der Gesellschaft."

„Dürfen wir gar nichts unternehmen, was wir selbst wünschen?' fragt Steen.

..Leider nein! Das ist die Konkurrenz-Sl® haben innerhalb des Hotels se.bstve s.ändlich eine ^eH-se Bewegungsfreiheit." Miels reicht Georg I Steen einen Füllhalter, der aus Gold zu sem scheint

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebnng

Der Zahn der Zeit

Sg. - Die jeweils berechtigt ausgesprochenen freudigen oder traurigen Betrachtungen der Naturerscheinungen- die erste Märzsonne, Kirschblüten, das reifende Aehrenfeld nebst Stoppeln, und dann die ersten Schneeflocken, sind seit ewigen Zeiten —- und zwar immer wieder in neuem Licht —, beschrieben worden. Diesen Betrachtungen kann der Zahn der Zeit nichts anhaben. — Da ist er! Alt und schäbig, Krückstock in der geistigen Trokkenheit der Erzählung, ein häßlicher gelber Raffzahn, der an dem guten Geschmack derer nagt, die ihn nicht brauchen.

Ueberall ist er zu Anden als einfallsloses Verlegenheits-Aggregat; in der Vermehrung der Bisamratte gleich. Noch schlimmer: Sie bleibt bei Holz und Dämmen; er knabbert Burgen, Schlösser, Ruinen, Dörfer, Häuser, Bäume, und unästhetischerweise auch Menschen an. Uebersteht alle Regierungen und Revolutionen, alle Kunst- und andere Epochen. Saß bei Aristoteles und im Mittelalter. (Da> — in den alten Burgen hätte man ihn verschwinden lassen können, gerade dort, wo die Möglichkeit seiner Vermehrung bestand. Aber der damaligen Sitte Rechnung tragend, waren die Eberhardusse vom Rexenstein intensiv mit dem Ausplündern der Kaufleute beschäftigt und konnten keine separaten Aufgaben durchführen.)

So schabte er weiter, überlebte die Gralsgeschichten, Don-Quichottes frontalen Mühlenangriff, ließ sich frech bei Wallenstein zitieren, und erlebte aktiv den Endsieg des 30jährigen Krieges, oft benannt. Nach Macciavellis Periode — auch hier zu Hause —, begann seine Renaissance von und durch Dramen-Dichter, und igelte sich in der Zeit des Klassizismus erneut erfolgreich ein. Seine dentale Tätigkeit wurde in das Ausgrabungsgebiet Griechenlands, Italiens und den Orient verlegt. Das war die humanistische Periode, da wäre sowieso keine Verfolgung möglich gewesen. —

In begleitenden Reden der französischen Revolution tauchte er jakobinisch wieder auf, um nach der Bismarckschen Zeit ein einziges Mal festgenagelt zu werden. Der Mann hat Orden verdient, hätte geadelt werden, zum h. c. dent. ernannt werden müssen. Büchner war es in seinen „Geflügelten Worten“. Danach verfiel dessen Tat wieder. Ueber zwei Kriege, Inflationen, Entnazifizierung hinweg, ist er noch da. Man sollte meinen: er wackelt. (Nur einmal, von ganz kurzer Zeit, als er als mahnender Begriffswert von einigen Redakteuren am Niebergall-Brunnen ausgeschaltet wurde. Man sieht, es geht!) Ansonsten keineswegs. Festredner, neben sich blühende Ehren-Jungfrauen, zitieren ihn, Museumsdienern und Schloß-Betrachtern ist er Bereicherung des Wortschatzes.

Und wenn er sich nicht eines Tages selbst abnagt, wird der Zahn der Zeit — wie die Liebe und der Krieg — in Ewigkeit bestehen.

Verständigung durch Arbeit

Ferienarbeitslager der Technischen Hochschule

Auf Anregung des International Student Service der Universität Leiden wurde für die sommerlichen Semesterferien ein Ferienarbeitslager ins Leben gerufen, in dem Studenten aller Nationalitäten und Staaten sich zu einem friedlichen Arbeitswettbewerb zusammenfinden sollen. Zunächst war die Errichtung dieses Lagers in Frankfurt am Main geplant, aber wegen Unterbringungsschwierigkeiten mußte dieser Plan aufgegeben werden. Nun ist es der Technischen Hochschule Darmstadt gelungen, die ausländischen Studenten bei sich aufzunehmen. Sie werden beim Wiederaufbau der Hochschule mitarbeiten.

Am Sonntagabend trafen auf dem Darmstädter Hauptbahnhof die ersten Studenten der Leidener Universität ein. Unter ihnen befinden sich 12 Holländer, von denen acht aus China und Indonesien stammen. Außerdem werden acht Amerikaner und sechs Engländer an dem Arbeitslager teilnehmen. Von deutscher Seite sind die Universitäten Frankfurt, Marburg und die Hochschule Darmstadt mit je fünf Hörern vertreten. Zu dem Ferienlager hatten sich auch amerikanische Studentinnen beworben, die aber wegen Platzmangel nicht aufgenommen werden konnten. Die Auswahl der deutschen Teilnehmer erfolgte nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der einzelnen. Zugelassen wurden vor allem Studenten, die keine finanzielle Unterstützung durch ihre Eltern erhalten und die den Reinertrag ihrer dreiwöchigen Tätigkeit von rund 100 DM zur Weiterfinanzierung ihres Studiums gebrauchen können.

Die Teilnehmer des Ferienarbeitslagers werden in der Holzhofallee untergebracht, wo sie auf amerikanischen Feldbetten schlafen. Notwendige Möbel wurden von allen Seiten zusammengetragen.

In drei Arbeitskommandos werden die in- und ausländischen Gäste Schutträumen, Enttrümmern und andere Arbeiten tun.

Der Tagesablauf beginnt mit dem Wecken um 6 Uhr und anschließendem Frühstück um 7 Uhr. Nach B’/’stündiger Arbeitszeit wird der Abend Diskussionen und Vorträgen vorbehalten bleiben. An den Sonntagen sind Ausflüge nach Heidelberg, eine Rheindampferfahrt und ein Besuch bei der YMCA in Frankfurt geplant. Weiter sollen gemeinschaftliche Veranstaltungen in Verbindung mit den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik durchgeführt werden, über deren Programm noch nichts Näheres bekannt ist.

Die ausländischen Gäste fanden sich an Sonntagabend in der Mensa der Technischen Hochschule zur Begrüßung durch den Prorektor Prof. Dr. Meßmer zusammen. Bei einer Flasche Wein entstand sehr bald jene intensive Diskussion, die typisch ist für das Zusammentreffen junger Studenten, die bemüht sind, über nationale Grenzen und Weltanschauungen hinweg einen engen Kontakt mit der studentischen Jugend in aller Welt zu finden. Verschiedene Darmstädter Firmen haben die Technische Hochschule bei der Durchführung ihres Ferienarbeitslagers finanziell unterstützt. -st

In der Stadt notiert

Einem Herzschlag während einer Omni¬ busfahrt erlag gestern morgen der Leiter der Abteilung für Sonderfahrten der HEAG, der 48jährige H. Du 11 weile r. Herr Duttweiler hatte die Absicht, einen Sonderomnibus, der eine Reisegesellschaft von Roßdorf nach Oppenheim bringen sollte, zu begleiten. Zwischen Darmstadt und Griesheim ereilte ihn der Tod.

Richtfest und 75jähriges Geschäftsjubi¬ läum feierten vor einigen Tagen die Mitarbeiter der Baufirma Georg Heinrich Wolf, Darmstadt, Hermannstraße 7, am fertiggestellten Rohbau für Bundestagsabgeordneten Dr. Hammer in der Karlstraße 95. Das alte Baugeschäft ist im Jahre 1875 vom Großvater des jetzigen Inhabers Ludwig Wolf 3. gegründet worden. Georg Heinrich Wolf, dessen Namen die Firma noch heute trägt, übernahm von seinem Vater das Baugeschäft und jetzt steht Karl Wolf als Chef den Bauhandwerkern vor.

Der Schubert-Chor Darmstadt unter Leitung von Musikdirektor Bernd Zeh erfreute am letzten Sonntag die Insassen des Städtischen Krankenhauses Dannstadt mit einem kleinen Chorkonzert aus Werken von Schubert und Brahms.

Koren, Kleider, Käufersturm

Sommerschlußverkauf mit Massen und Musik / Preise auf der Rutschbahn

Alles in allem: Es war ein ungeheuerer Wirbel am ersten Tage des Sommerschlußverkaufes. Morgens um 5 Uhr stiegen die Käufer im Odenwald und Ried in die Frühzüge und stürmten Darmstadt. Sie brachten es fertig, daß nachmittags um 5 Uhr seriöse Geschäftsführer mit durchweichtem Kragen vor einer Wurstbude am Marktplatz eine Bratwurst verdrückten, weil sie noch nicht zum Mittagessen gekommen waren und mal für zwei Minuten dem Trubel entfliehen mußten.

Das dickste Gedränge war in der Ludwig- und Ernst-Ludwig-Straße. Es schien sich zu bestätigen, was Geschäftsleute hinter der Hand erzählen, daß diese beiden engen „Gassen“ die besten Geschäftsstraßen Darmstadts sind. „Gott sei Dank, daß unsere Ernst- Ludwig-Straße nicht verbreitert wurde“, sagt ein Geschäftsinhaber, „das gibt der ganzen Kauferei in unserer Straße ein viel intimeres Gepräge. Schon rein psychologisch ist so eine schmale Straße für den Geschäftsmann günstiger.“ A er das sagte, mußten wohl der Stadtbauverwaltung die Ohren geklungen haben.

Am Eingang der Ludwigstraße stand ein Junge und verteilte gelbe Zettel. „Hinter der Stadtkirche wohnen auch Leute“, stand darauf. Und mancher schlug sich daraufhin seitlich in die Büsche — Verzeihung! In die Passage — um mal nach den Leuten hinter der Stadtkirche zu sehen.

Trübes Wetter / Heitre Käufer

Anscheinend hatte auch das Wetter Sommerschlußverkauf: Vom Himmel nieselte ein feiner Regen. Zwar hatte im

Wetterbericht für gestern „überwiegend heiter und trocken“ gestanden, aber dafür war die Stimmung der Käufer heiter. Sie spannten die Schirme auf und auf den Bürgersteigen wurde es noch enger.

Die Kraftwagen hatten es schwer, sich da durchzudrängeln und Wachtmeister Boßler vom I. Revier hatte seine Mühe, in der Ludwigstraße Ordnung zu halten. Er machte das mit netten und freundlichen Worten, obwohl er nun schon den sechshundertzweiundsiebzigsten Radfahrer ermahnen mußte, auf dieser Straßenseite nicht zu parken, weil die Autos...

„Die Radfahrer sind die schlimmsten“, meinte er. Aber er ließ sie es nicht spüren, nahm schließlich selbst ein Fahrrad — direkt am Parkverbotsschild geparkt! — und stellte es auf die andere Straßenseite..

Monatsletzter / Frisches Geld

Bei Jungmann und Kalbfuß war die Tür fast ständig zu. Alles drängte sich dagegen und schaute in die Herrlichkeit der niedrigen Preise. Diese beiden Firmen haben, nebenbei gesagt, allerhand Aufregung in die Darmstädter Geschäftswelt gebracht: Neulich Eröffnung mit allem Werbegetrommel, jetzt schon wie-

der Schlußverkauf mit Pauken und Trompeten. Hinten an der Tür stand Herr Neue und achtete darauf, daß die Leute dort nur hinaus gingen und nicht von hinten die Festung stürmten. So ein bißchen „Koreapsychose“ sei wohl auch dabei, meinte er. Aber der Bedarf an Gebrauchsware sei vor allem nun einmal sehr groß und bei einer so günstigen Gelegenheit, da machten die Leute das Geld halt locker. Und da der Termin mit dem 31. Juli recht günstig war — bei vielen hatte es schon Geld gegeben — da hatten die Leute auch was in der Tasche. „Jedenfalls“, so meinte Herr Neue, „einen solchen Ansturm haben wir nicht erwartet!“

Das meinte auch Herr Altfuldisch von der Firma Stegmüller, „trotzdem es heute ein ungünstiges Wetter für die leichten Sommerkleider von W. u. P.- Damenmoden ist. Dafür gehen die besseren Sachen um so mehr. Von der Außenwand des Hauses Stegmüller schaute der „Schutzgott“ der Firma, Herr Nadelmann, in der Größe von mehreren Stockwerken, und aus sämtlichen Fenstern und Fensterchen bis zu den Dachlucken wehten weiß-blaue Fähnchen.

Auf die Pauke gehauen

Auf dem Platz hinter der Stadtkirche schlugen sie auf die Pauke und „blusen“ in die Trompeten, die Männer vom Darmstädter Orchester. Dazu schwang Kapellmeister Tra s e r den Taktstock und wanderte mit seinen Mannen zu geschäftsbelebenden — das war eigentlich gar nicht mehr nötig — Ständchen von Platz zu Platz. Im Kaufhof fanden wir Geschäftsführer Vetter im Trubel der Käufer und Verkäuferinnen. „Einen solchen Betrieb hatten wir nicht erwartet“. Zwei Stunden mußte er geschlossen halten, weil sich die Leute in den Verkaufsräumen nicht mehr rühren und regen konnten. „Ein Glück, daß es durch den Regen ein bißchen abgekühlt hat, sonst würde uns bei dem Gedränge das Personal Umfallen, wie die Fliegen.

„Koreapsychose“ wenig gefragt

Herr Brackeisberg vom Schuhhaus gleichen Namens hatte Kundschaft auf allen Probierstühlen und lächelte zufrieden. Um 7.30 Uhr standen die ersten Kunden im Geschäft, zeitweise mußte abgeschlossen werden. „Das mit der Koreapsychose ist ein Unsinn. Der Verkauf geht über Erwarten, weil die Leute Schuhe nötig haben, nicht um sie zu stapeln. Und nur Qualität ist gefragt. Bis heute abend habe ich 800 bis 900 Paar Schuhe verkauft!“ So Herr Brackeisberg. Sein Kollege, Dielmann war der gleichen Ansicht. Es seien nur einzelne, die sich von der Koreasache verrückt machen ließen. Von ihm habe jemand 10 Paar Schuhe auf einmal verlangt. Das sei aber ein Sonderfall und er sei kein Freund von solchen Angstkäufen. Das beunruhige nur den Markt und die Industrie. Vorne an der Tür des Schuhhauses Dielmann hing ein Schild „Wegen Ueberfüllung vorübergehend geschlossen“. Drinnen — wir schlichen durch die Hintertür mit besonderer Erlaubnis — beste und übersichtlichste Ordnung. „Voriges Jahr haben sie mir mindestens 11 Paar Schuhe gestohlen, das soll mir nicht wieder passieren. Wenn die Verkäuferinnen nicht von Dutzenden umherstehender Kunden beunruhigt werden, geht der Verkauf viel schneller.“

Die Straßenbahn kam kaum vorbei

„Ich habe ja nichts gegen einen solchen Betrieb. Mir kann er nur recht sein. Wenn nur meine Mitarbeiter es schaffen. Es ist eine unerhörte Anstrengung für alle.“ Bei Henschel und Ropertz trafen wir Herrn Ropertz mit aufgeweichtem Hemdkragen. Seinem Personal ging es nicht besser. Die Menschen drückten sich dort wie die Heringe in dei- Tonne. „Wenn‘s hier noch Kochlöffel zu kaufen gäbe, dann tätste die auch noch kaufen“, maulte ein Odenwälder mit seinem kauflustigen W’eib. „Ich hab hier ein Paar Söckchen gekauft“, meinte eine Dame, „die sind — ach so, Sie sind wohl gar nicht vom Geschäft?“ Hinter dem Packtisch stand ein Herr und wischte sich den Schweiß. Draußen auf der Straße hatte die Straßenbahn Mühe, an Henschel und Ropertz vorbeizukommen. Im ersten Stock saßen auf einigen Stühlen vom Kaufen völlig erschöpfte Männer.

Nicht nur in der Innenstadt warf der Sommerschlußverkauf seine Wellen. Auch die kleineren und kleinsten Einzelhandelsgeschäfte hatten sich nach besten Kräften in den Wirbel gestürzt. Wir besuchten draußen an der Bessunger Kirche ein kleines Textilgeschäft. „Im Spiegel“ heißt es. Fräulein Pfister, die den gesamten Geschäftsbetrieb allein versieht, hatte um 5 Uhr nachmittags noch nicht zu Mittag gegessen. Auf dem Ladentisch häufte sich alles, was ein Frauen- und Mädchenherz an Wäsche begehrt. „Wie läuft der Betrieb heute?“ „Bestens, viel besser als erwartet! So könnte das immer sein.“

Da ging’s hin — das letzte Brötchen

Sommerschlußverkauf hatten nicht nur die Leute, die was zum Anziehen verkaufen. Zwischendurch waren wir in der Bäckerei Bormuth. „Heut ist der Teufel los“, sagte der Herr hinter der Kasse. „Die Brötchen waren um 10 Uhr schon alle ausverkauft^Wir mußten schleunigst nachbacken. Ein Nachbar hatte in drei Stunden 800 Fischbrötchen verkauft.“ Und an einem Wurststand auf dem Marktplatz war Hochkonjunktur wie drei Tage vor Weihnachten. agt.


„Preise stark angeschlagen — Preise auf der Rutschbahn“ lockten die Plakate und Auslagen in den Schaufenstern. Wer sich durch den Trubel bis zu den Verkäuferinnen drängen konnte, machte ein zufriedenes Gesicht.
„Preise stark angeschlagen — Preise auf der Rutschbahn“ lockten die Plakate und Auslagen in den Schaufenstern. Wer sich durch den Trubel bis zu den Verkäuferinnen drängen konnte, machte ein zufriedenes Gesicht.

„Hier isses so voll, daß mer net emol kaafe kann“, knurrte ein Bauer aus dem Ried. Er hatte sich schon um 4.30 Uhr in den Zug gesetzt, um zeitig zum Sommerschlußverkauf in Darmstadt zu sein
„Hier isses so voll, daß mer net emol kaafe kann“, knurrte ein Bauer aus dem Ried. Er hatte sich schon um 4.30 Uhr in den Zug gesetzt, um zeitig zum Sommerschlußverkauf in Darmstadt zu sein

BSessunger Geburtstagskinder

Am vergangenen Samstag feierten im Restaurant „Ritter Georg“ die Bessunger Fünfzigjährigen ihren traditionellen Geburtstag. Am Sonntag fand ein gemeinsamer Gottesdienst statt, dem sich ein Ausflug nach Nieder-Ramstadt anschloß. Ein buntes Programm im dortigen „Darmstädter Hof“ mit anschließendem Tanz beendete die Zusammenkunft der Bessunger Geburtstagskinder.

Eine Wanderung an den Rhein unternimmt die Ortsgruppe Darmstadt des Odenwaldclubs am Sonntag, dem 6. August. Abfahrt erfolgt mit einem Sondertriebwagen um 6.30 Uhr vom Darmstädter Hauptbahnhof. Die Fahrtkosten betragen 5,60 DM, Tischkarten 2,— DM. Die Wanderroute ist Kaub—Sauerburg— Wispertal und Lorsch am Rhein. -st

Gittlichkeitsverbrechen nehmen ständig zu

Die Oeffentlichkeit ist über das ständige Anwachsen der Sittlichkeitsverbrechen beunruhigt. Aus allen Städten der Westzonen wird die gleiche Tendenz gemeldet. Besonders die an Kindern und Jugendlichen begangenen Sittlichkeitsdelikte haben in den Ländern der Bundesrepublik einen erschreckenden Umfang angenommen.

Skrupellose Verbrecher betrachten Kinder als Freiwild und vergreifen sich in schändlichster Weise an ihnen. Die Eltern haben ein Recht, von der Justiz zu verlangen, daß sie gegen diese kriminellen Elemente mit aller Schärfe vorgeht. Jede Nachsicht ist in solchen Fällen fehl am Platz, wenn auch die allgemeine soziale Situation mit ein gerütteltes Maß Schuld trägt. Der hessische Justizminister wies erst kürzlich darauf hin, daß die Mindeststrafe nach § 176/111 bei einem Jahr Zuchthaus liegt. Die hiesigen Gerichte verfahren durchweg nach diesen Grundsätzen und verhängen harte und abschreckende Strafen. Die Kriminalpolizei schenkt dem steten Anwachsen der Sittlichkeitsverbrechen verstärkte Aufmerksamkeit und bittet die Bevölkerung immer wieder um aktive Mithilfe im Kampf gegen diese Verbrecher sowie um laufende Aufklärung der Kinder durch die Eltern und die Lehrerschaft.

Ein kurzer Blick in die Statistik der Sittlichkeitsverbrechen der letzten drei Jahre im Stadtkreis Darmstadt zeigt, daß wir auch bei uns kletternde Zahlen feststellen müssen. Besonders kurz nach der Währungsreform schnellte diese Zahl merklich in die Höhe. Waren es im Jahre 1948 insgesamt 1015 registrierte Sittlichkeitsdelikte, so betrug diese Zahl im Jahre 1949 sogar 1170 Fälle. In diesem Jahr wurden einschließlich Juni bereits 593 Delikte dieser Art von der Polizei aufgeklärt. Im März erreichte die Monatsziffer der Sittlichkeitsverbrechen mit 171 Fällen einen Höchststand, Allgemein zeigen die Tabellen, daß das Ansteigen dieser Delikte am meisten in den Herbst- und Wintermonaten, d. h. in einer Zeit, wo es abends früher dunkel wird, zu verspüren ist.

Abschließend sei in diesem Zusammenhang auf Grund von Zeugenaussagen vor Gericht festgestellt, daß sich die „leichten Mädchen“, die bisher im hiesigen Stadtgebiet bei Kupplern Unterschlupf fanden, allmählich in die ländliche Umgebung zurückziehen, wo sie sich vor den verstärkten Razzien der Polizei sicherer fühlen. wst.

„Neue Wohnkultur“

Die unter dem Protektorat der Stadt stehende und von der Neuen Gemeinschaft für Wohnkultur und dem Sozialwerk getragene Ausstellung in der Holzhofallee soll in weiten Kreisen für ein kultivierte.; Wohnen werben. Sie wurde seit ihrer Eröffnung von ca. 3500 Personen besucht.

In den nächsten Wochen finden während dieser Ausstellung besondere Veranstaltungen statt. Ueber die Verwendung von Gas und Elektrizität im Haushalt wird das Gaswerk am Mittwoch um 17 Uhr Koch- und Backvorträge halten. Die Termine zu Vorträgen über „Die pflegliche Behandlung von Möbeln“, „Wohnliches Einrichten von Wohnungen“, „Verwendung von Reinigungsmitteln“ mit Demonstrationen und zu einer Modenschau, die Modellkleider zu erschwinglichen Preisen zeigen wird, werden noch bekanntgegeben. t-s

Kindererholung

durch die Arbeiter-Wohlfahrt

Eine Erholungskampagne für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren wird zur Zeit von der Arbeiter-Wohlfahrt des Stadtkreises Darmstadt durchgeführt. Bei der Fahrt zu den eigenen Heimen der Arbeiter-Wohlfahrt — Rimdidim im Odenwald, Am Klingelborn in Londorf bei Gießen, Kurhaus Quellenhof bei Kiedrich im Rheingau, Kinderheim „Frohsinn“ in Haiger im Kreis Dillenburg und Gut Gehringshof im Kreis Fulda — gewährt die Bundesbahn 75 Prozent Fahrpreisermäßigung.

Entsprechend dem ärztlichen Urteil über die Erholungsbedürftigkeit des Kindes zahlt die zuständige Krankenkasse einen Zuschuß zu dem Pensionspreis von 3,00 DM bis 3,50 DM. Ist der Vater oder die Mutter Mitglied der Invaliden- oder Angestellenversicherung, so wird auch von der LVA Hessen ein Drittel der Kurkosten übernommen, so daß nur noch ein äußerst geringer Betrag von den Eltern aufzubringen ist.

Nähere Auskunft erteilen und Anmeldungen nehmen entgegen: für das Martinsviertel: Frau M. Göbel, Riegerplatz 7; für das Johannisviertel: Frau H. Dreher, Alicenstraße 20; für Bessungen und Stadtrandsiedlung: Frau A. Körner, Haardtring 286; für die Waldkolonie: Frau G. Herrmann, Wedekindweg 38; für Arheilgen: Frau K. Langendorf, Darmstädter Straße 131.

Hildenbrandts Puppenbühne spielte

Eröffnung in der Stadthalle

Am Sonntagnachmittag ließen sich Hunderte von Kindern und viele Erwachsene in der vollbesetzten Stadthalle von Hildenbrandts Stockpuppen bezaubern. Schöne Dekorationen gab’s, Donner und Blitz, Tod und Teufel, Krokodil und Geister und das Heinerle (das bei Hildenbrandt den traditionellen Kasperle ersetzt) mit seiner Gretel, der sich nicht fürchtet, immer lustig und vergnügt ist, dem bösen Zauberer die Prinzessin wieder fortnimmt und dem traurigen Herrn König glücklich zurückbringt, waren aufmarsChiert. So heißt das Stück mit Recht „Der Zauberer“, und die sehr geschickt geführten Stockpuppen in ihren prächtigen, mittelalterlichen Kostümen gefielen den Zuhörern ebenso wie die romantische Handlung, die eingestreuten Lieder und Tänze. Bemerkenswert war der temperamentvolle Spieleifer aller Beteiligten. An den Darmstädtern wird es nun liegen, ob sich Hans Hildenbrandts Puppenbühne durchsetzen kann.

Bei der nächsten Vorstellung würden wir uns freuen, wenn „Heinerle“ seinem Namen noch mehr Ehre machen würde und tüchtig heinerte. — Vor Beginn der Aufführung sprach der Schöpfer der Bühne, Hans Hildenbrandt, ein paar sympathische Sätze über die künstlerischen Ziele seiner Bühne, und Dr. W. J. Caesar, der 1. Vorsitzende des Verbandes Deutscher Puppenspieler, fand herzliche Worte der Begrüßung mit den besten Wünschen für die Tätigkeit der Hildebrandtschen Puppenbühne. H. W. W.

„Hhans Waldfriede“

Etwa 100 Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Ehrengäste unternahmen am Sonntag, dem. 30. 7. 1950 eine Besichtigungsfahrt in das Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt „Haus Waldfriede“ in Kronberg im Taunus, wo eine eingehende Besichtigung des Heims und der angrenzenden Erholungsplätze stattfand Bei der gemeinsamen Mittagstafel begrüßte die Kreisvorsitzende, Frau Hilde Dreher, die Anwesenden. Der Nachmittag blieb einem geselligen Beisammensein Vorbehalten.

Aus ben Parteien

FDP. Politische Sprechstunde des Bundestagsabgeordneten Dr. Hammer für die Bevölkerung des Wahlkreises findet am Mittwoch, dem 2. August, 17.30 Uhr, statt. Die vorangemeldeten Besucher werden mit Angabe der genauen Uhrzeit persönlich benachrichtigt.

Wohin gehen mir heute?

Lichtspieltheater: Union: „Tanz in den Frühling“, Thalia: „Intimitäten“, Belida: „Ehekomödie“, Palast: „Alarm in San Juano!“, Hansa: „Der Mann mit der eisernen Maske“.

Mathildenhöhe: Ausstellung „Das Menschenbild in unserer Zeit“.

Amerika-Haus: Ausstellungen: „Fotoform“, „Kollektivausstellung Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer“ und „Moderne Sskulptur in Amerika“.

Wir gratulieren

87. Geburtstag: Frau Amelie Goeres geb. Giebeler, Darmstadt, Aeußere Ringstraße 106.

Starkenburg

Gewerbefreiheit und Exrport

Präsident Gisbert und Hauptgeschäftsführer Hüfner vor den Ortsgewerbevereinen in Nieder-Ramstadt

Die Vorstände verschiedener Ortsgewerbevereine der Umgebung Darmstadts kamen gestern abend in Nieder-Ramstadt zu einer vom Ortsgewerbeverein Nieder-Ramstadt einberufenen Tagung zusammen, an der sich auch Vertreter der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer und des Einzelhandels beteiligten.

Der Vorsitzende des Ortsgewerbevereins von Nieder-Ramstadt, Steinmann, wies in einleitenden Worten darauf hin, daß man Nieder-Ramstadt als Tagungsort gewählt habe, um den Gästen die Schönheit der Gemeinde vor Augen zu führen.

Ursprünglich war geplant gewesen, die Aufgabengebiete der Ortsgewerbevereine zu diskutieren. Jetzt aber gruppiere sich die Aussprache um die Referate von Handwerkskammer-Präsident Gisbert und dem Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Dr. Hüfner.

In Vertretung des Bürgermeisters der Gemeinde Nieder-Ramstadt, Keil, begrüßte Inspektor Steuernagel die Anwesenden und wünschte der Tagung einen guten Verlauf. Dann erhielt Maurermeister Blum zum 75jährigen Bestehen seines Handwerksbetriebes ein Ehrendiplom.

In seiner Rede, die die eigentliche Tagung einleitete, begrüßte Handwerkskammer-Präsident Gisbert das Entstehen der Ortsgewerbevereine und anderen Vereinigungen, warnte aber davor, daß sich zwischen ihnen ein Konkurrenzkampf entwickeln könne, der nicht im Interesse der Sache liege. Dann kam der Präsident auf die Gewerbefreiheit zu sprechen, mit der man versucht habe, amerikanische Verhältnisse auf Deutschland zu übertragen. Das sei ein Unding, da es in den USA ein Handwerk in unserem Sinne gar nicht gebe. Er verlangte, daß nach wie vor der „Große Befähigungsnachweis“, der schon 1948 eingeführt worden sei, beibehalten werde. Daß in diesem Jahre wieder 550 Meisterprüfungen abgelegt worden seien, sei ein Beweis dafür, daß das Handwerk sein Können unter Beweis stellen wolle. Dann kam er auf weitere strittige Fragen zu sprechen, bei denen er die Unterstützung der Ortsgewerbevereine aufrief. Er legte klar die Ansicht der Handwerkskammer dar über Fragen wie: Mitbestimmungsrecht, Berufsschule, Kündigungsschutz, Jugendschutzgesetz, Urlaubsregelung, Bezahlung der gesetzlichen Feiertage, Aufnahme von Sport und Religion in den Berufsschul-Lehrplan, Altersversorgung des Handwerkers und anderes mehr. Es gäbe eine Unmenge Probleme, die nur gelöst werden könnten, wenn sich alle Interressenten zusammenschlössen und die Fragen gemeinsam besprächen.

Nach dem Präsidenten der Handwerkskammer sprach der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handwerkskammer Dr. Hüfner. Seine interessanten Ausführungen begann er mit dem Hinweis auf die Korea-Psychose und deren Folgen. Seit dem April dieses Jahres sei eine wirtschaftliche Belebung festzustellen. Die Arbeitslosenzahl sei zurückgegangen, der Umsatz um 9 Prozent gestiegen (besonders in der Holz-, der Gummi- und der chemischen Industrie). Dieser Wirtschaftsaufschwung sei nur durch Belebung des Exports möglich gewesen, der vom Jahre 1948 von 1,8 auf 7 Milliarden DM gestiegen sei.

Dann kam der Korea-Konflikt.

Panik auf dem Weltmarkt und Angstkäufe seien die natürliche Folge gewesen. Während die Stadtbevölkerung Lebensmittel zu hamstern begann, habe sich die Landbevölkerung auf Textilien geworfen. Allerdings sei in Amerika eine weit größere Hamsterwelle über das Land gegangen, als in Deutschland. Sicher sei, daß Korea die Wirtschaft Westdeutschlands weitgehend beeinflusse. So sei zum Beispiel das Ruhrgebiet von Aufträgen der USA über und über eingedeckt. Daraus ergebe sich aber, daß das Exportgeschäft steige und damit die Möglichkeit bestehe, die Dollar-Lücke schneller zu schließen. Allerdings seien auch die Schwierigkeiten nicht zu übersehen. Jede spekulative Preiserhöhung habe schwere soziale Folgen. Alles in allem sei kein Grund vorhanden, mit Mißtrauen der wirtschaftlichen Lage Deutschlands entgegenzusehen. Die Tagung schloß mit der allgemein begrüßten Feststellung, daß den Ortsvereinen eine Stimme im Gemeinderat eingeräumt werden müsse.

SPD des Kreises Dieburg in Ober-Roden

60-Jahr-Feier des Ortsvereins — Ehrung verdienter Mitglieder

innerhalb von drei Wochen wurde das zweite Fest in der Gemeinde Ober-Roden gefeiert, das viele Freunde und Anhänger nach dort gebracht hatte. Mit dem Festzug durch die festlich beleuchteten Dorfstraßen, an dem auch verschiedene Ortsvereine beteiligt waren, nahmen die Feierlichkeiten am Samstag ihren Anfang. Auf dem Festgelände an der Siedlung begrüßte Karl Müller Gäste, Jubilare und Freunde. Musikdarbietungen der Kapelle des MV 03, Lieder der Gesangvereine und sportliche Uebungen umrahmten die Feierstunde.

Im Mittelpunkt des Abends stand neben dem Referat des Gewerkschaftssekretärs Wilhelm Weber, Offenbach, die Ehrung der Jubilare. Franz Gruber, Eppertshausen, überreichte den Herren Johann Krickser, Julius Merg e t, Wilh. Weckesser, August Neuhäusel und Konrad Weber die Urkunden für 50jährige treue Mitgliedschaft. Die Mitglieder Lorenz Brehm,

Johann Baptist Hornung, August Hornung, Jakob Koser, Nikolaus Krickser, Joh. Merget, Phil. Mieth, Franz Mieth, Karl Müller, Chr. Neuhäusel, Jos. Turner, Philipp Weber XIII., Franz Gotta und Jean Hörner erhielten die Ehrenurkunde für 40 Jahre treue Dienste in der SPD. Zahlreiche Ortsvereinvorsitzende der Umgebung überbrachten Grüße und Glückwünsche ihrer Körperschaften.

Dicht bevölkert war die kleine Rodgaugemeinde am zweiten Festtag. Tausende waren zum Parteifest des Wahlkreises Dieburg erschienen. Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel hielt in eindrucksvollen Worten die Festrede. Mit Volksbelustigungen und Tanz klangen die Festtage feierlich aus. (gi)

Nener Feuerwehrkommandant

Generalversammlung der Freiw. Feuerwehr Roßdorf

Die Freiwillige Feuerwehr Roßdorf führte am Sonntag ihre außerordentliche Generalversammlung durch, bei der nach den Berichten des Rechnungs- und Schriftführers die Neuwahl des ersten Kommandanten vorgenommen wurde. Lebhafte Diskussionen entstanden über die Abrechnungen und den Kartenverkauf des diesjährigen Kreisfeuerwehrfestes. Ein Teilbetrag des Gewinnes soll zur Anfertigung von Biesenhosen für die aktive Mannschaft verwendet werden. Nach der einstimmig erteilten Entlastung des Rechnungsführers gab der Schriftführer einen ausführlichen Bericht über die Jahresversammlungen, Veranstaltungen und das Kreisfeuerwehrfest.

Die Neuwahl des 1. Kommandanten löste infolge vielseitiger Auffassungen gleichfalls heftige Debatten aus. Nach Ernennung des bisherigen Kommandanten Hanstein zum Ehrenkommandanten wurde ein Vorschlag von Bürgermeister Roßmann, den früheren Kommandanten Emig wiederzuwählen vom Rechnungsführer verworfen. Eine allseitige Forderung, daß der zukünftige Kommandant jederzeit innerhalb oder in der näheren Umgebung des Ortes bei Bränden sofort erreichbar sein muß, fand Zustimmung. Von fünf zur Neuwahl Vorgeschlagenen, wovon zwei Verzicht leisteten, wurde Herr Sturm, der lange Zeit in Kriegsgefangenschaft war, durch Mehrheitsbeschluß zum 1. Kommandanten gewählt. Anschließend wurden mehrere interne Vereinsfragen behandelt, (sl)

Mehr Respekt vor Menschenleben!

Bezirksschöffengericht Michelstadt sühnte den tödlichen Unfall von Ober-Ostern

Die in besorgniserregendem Maße zunehmende Verkehrsunsicherheit auf allen Straßen, die größtenteils auf die unverantwortliche Fahrlässigkeit vieler Verkehrsteilnehmer aller Kategorien zurückzuführen ist, wurde in der letzten Verhandlung des Bezirksschöffengerichts Michelstadt grell beleuchtet, das sich mit dem schweren Verkehrsunfall am 15. März in Ober-Ostern zu beschäftigen hatte, bei dem die 52jährige Frau Marie Moser den Tod fand.

Die Frau hatte wie jeden Morgen ihre Milchkannen auf dem über der Straße befindlichen Bock abgesellt und wollte die Straße wieder nach ihrer Wohnung überqueren, als sie von einem 21jährigen Radfahrer, der mit ziemlicher Geschwindigkeit die um etwa 5 Prozent fallende Straße herunterkam, gestreift und zu Boden geschleudert wurde, wobei sie einen schweren Schädelbasisbruch erlitt, an dessen Folgen sie unmittelbar darauf starb.

Der junge Mann, dessen Fahrrad nach polizeilicher Feststellung nicht verkehrssicher war, da der Rücktritt nicht ohne weiteres wirkte, führte zu seiner Entschuldigung an, er habe die Frau aus etwa 100 m bereits erkannt und gewußt, daß sie zu ihrer Wohnung auf der linken Straßenseite gehen werde. Deshalb wollte er auf der rechten Straßenseite weiterfahren, obwohl die Frau in diesem Augenblick die Straßenmitte noch nicht überschritten hatte. Aus etwa 20 Meter Entfernung habe er nochmals ein Klingelzeichen gegeben, worauf ihm die Frau direkt in das Fahrrad gesprungen sei.

Ohne Zweifel hat die Frau ebenfalls fahrlässig gehandelt, indem sie sich nicht vergewisserte, daß die Straße frei ist und diese nicht rechtwinkelig, sondern schräg überquerte. Versäumnisse, die täglich in Hunderten von Fällen überall zu beobachten sind. Die Verantwortung für den Unfall trägt jedoch der Radfahrer als der schnellere Verkehrsteilnehmer, der zudem von hinten kam und die Frau, da sie die Straßenmitte noch nicht völlig überschritten hatte, nicht rechts überholen durfte. Der Vorsitzende machte ihn nachdrücklichst auf seine Verpflichtung aufmerksam, daß er in diesem Falle die Fahrtgeschwindigkeit so weit herabmindern mußte, daß er jederzeit auf der Stelle das Fahrrad zum Stehen bringen konnte.

Wegen dieser Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung verurteilte das Gericht den jungen Mann unter weitgehender Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten und den Kosten des Verfahrens. Der Vorsitzende, Dr. Tichy, betonte, daß eine Geldstrafe bei den furchtbaren Folgen des Unfalls nicht in Frage kommen konnte; im Interesse der Wiederherstellung der Sicherheit auf der Straße müsse in solchen Fällen mit aller Schärfe durchgegriffen werden. Es ist unhaltbar, daß sich heute jeder Mensch, wenn er sich nur auf die Straße begibt, schon in größter Lebensgefahr befindet. (—ch)

Glück am späten Abend

Am Sonntagabend, kurz vor Mitternacht, als die Verkaufs- und Werbeschau Erbacher Betriebe geschlossen werden sollte, wurde Frl. Ilona Kujowitsch, eine Heimatvertriebene, die jetzt in Stockheim lebt, als 10 000. Besucherin der Ausstellung von einem wahren Glückssegen überschüttet. Sie erhielt als Prämie 1 Pelzcape, 1 Handtasche, 1 Kasten Feinseife, 5 Flaschen „Jakobus“-Pilsner, 1 Flasche Martini - Wermut, 1 Buch, 1 Fleischbrater, 2 feuerfeste Milchtöpfe und eine Kaffeekanne. Fast kamen ihr die Tränen, als sie inmitten ihres Geschenksegens von Herrn Ingenieur Fischer im Namen der Ausstellungsleitung beglückwünscht wurde. Fortuna hatte diesmal wirklich gut gewählt! -ch

Helft den Volksschulkindern!

Zu dem am 28 Juli von uns veröffentlichten Aufruf des Stadtschulamtes Darmstadt teilt uns Kreisschulrat Dr. Ploetz folgendes mit:

Auch im Landkreis Darmstadt leidet die Schularbeit sehr unter dem Mangel an geeigneten Lernmitteln. Wir machen uns daher den Aufruf des Stadtschulamtes zu eigen und bitten die Eltern der Schulkinder des Landkreises durch Anschaffung der notwendigen Schulbücher die Arbeit der Schulen zu unterstützen.

Ein Ruf an die Stenerzahler

Schutzverband der Steuerzahler wirbt in Groß-Gerau

Die Kreishandwerkerschaft des Kreises Groß-Gerau beschäftigte sich mit Steuerfragen in zwei Veranstaltungen, die Kreisgeschäftsführer Schwerer leitete. In der ersten Versammlung zeigte der Leiter der Buch- und Steuerstelle, Dr. Eggers, die Wege, die in der Steuererklärung für das 2. Halbjahr 1948 und das Jahr 1949 eingeschlagen werden können, um zu den zahlreichen, vom Gesetzgeber zugelassenen Vergünstigungen zu kommen. In der zweiten Veranstaltung sprach der Präsident des Schutzverbandes der Steuerzahler Prof. Dr. Hoffmann, Frankfurt, über den Sinn und die Ziele des Verbandes, die sich auf folgende Formel bringen lassen: Beschleunigung der geplanten, umfassenden Steuerreform, Kontrolle der Kommunal- und Staatsausgaben durch den Steuerzahler selbst, weitgreifende Verwaltungsreform und sozial und wirtschaftlich vertretbare Lastenverteilung.

Im einzelnen wies der Referent an zahlreichen Beispielen nach, wie wenig bisher ökonomische Prinzipien in der Verwaltung Eingang gefunden haben, obwohl die Not zu äußerster Sparsamkeit allenthalben zwingen sollte. Die Belastung durch öffentliche Abgaben erreichen 43 Prozent des gesamten Volkseinkommens und bedrohen unzählige Existenzen. Mit Appellen an die Vernunft der Regierenden sei es allein nicht mehr getan. Heute scheine nur eine Massenorganisation sich mit der Wucht ihrer Zahl durchsetzen zu können. Dem Rechnung tragend, erhebe der Verband mit Ausnahme einer Aufnahmegebühr von 1 DM keinerlei Beiträge, er wolle auch keine neue Posten schaffen. Die Mitarbeit sei ehrenamtlich. Die Tätigkeit des Verbandes sei keine im Sinne eines Vereins, einer Partei oder Weltanschauung, sondern wolle allein den wirtschaftlichen Interessen des deutschen Steuerzahlers dienen.

Der Aufbau des Verbandes geschieht in Orts-, Kreis- und Landesverbänden. In Groß-Gerau wird demnächst ein Ortsverband gegründet. Die Organisationen des Handwerks werden korporativ beitragen. (eng)

Kirchweihe wie einst

Der einzige Ort des Kreises Bergstraße, der seine Kirchweihe noch nach altem kirchlichem Brauch feiert, ist das kleine Ersh ei m bei Hirschborn. Die Gründung des Ortes geht auf das achte Jahrhundert zurück. Im Jahre 773 erfolgte dort durch das Kloster Lorsch die Erbauung einer Kapelle. Sie wird als die älteste des Neckartals bezeichnet. Am letzten Sonntag des Juli feiert die kath. Kirchengemeinde von Hirschhorn das Erinnerungsfest an die Weihe des ehrwürdigen Kirchleins.

Die Festlichkeiten wurden auch am Sonntag wieder mit einer Prozession zur Kapelle und einem feierlichen Hochamt, zelebriert von Pfarrer Gre mm, eingeleitet. Am Nachmittag fand auf der Neckar wiese vor der Kirche ein Volksfest statt mit Reigen und Volkstänzen der kath. Jugend, Kasperltheater und vielen anderen Belustigungen für die Kleinen, Musik und Tanz für die Großen. Eine reichhaltige Verlosung diente der weiteren Finanzierung des Wohnhausneubaues der katholischen Kirchengemeinde. (WL)

Kuppelweib und junge Diebe

Stipvisite in zwei Gerichtssälen

Die Erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt mußte sich gestern wieder einmal mit einem Kuppelei-Fall befassen. Die Angeklagte 39 Jahre alte Amalie H. aus Birkenau i. O. wohnt in einem Barackenlager in denkbar schlechten Verhältnissen. Sie bezieht eine monatliche Rente von 96 DM. mit der sie sich und ihre im Haushalt lebenden Kinder ernähren sollte.

Die Wohnung der H., die ein Sachverständiger in seinem Gutachten als geistig und moralisch minderwertig bezeichnet, wurde mit der Zeit zu einem verrufenen Absteigequartier. Dabei bildete die 14- jährige Tochter einen Hauptanziehungspunkt. Es störte die Mutter wenig, daß die Tochter trotz ihres jugendlichen Alters zahlreiche Männerbekanntschaften machte. Ein junger Bursche knüpfte nicht nur Beziehungen mit der Tochter, sondern auch mit der Mutter an. bis er feststellte, daß er nicht der einzige war. Eine Nichte, die von ihren Eltern hinausgeworfen wurde, wohnte sieben Monate mit ihrem polnischen Freund bei der Angeklagten, deren Schlafzimmer auch der passende Ort für illegale Stelldicheine einer verheirateten Frau und deren Freund wurde.

Den Nachbarn ging das Ganze schließlich auf die Nerven. Frau H. kam in Untersuchungshaft, die Tochter in ein Erziehungsheim. Die Staatsanwaltschaft legt der Angeklagten zur Last, in mehreren Fällen von 1947 bis 1950 fortgesetzt, gewohnheitsmäßig und aus Eigennutz der Unzucht Vorschub geleistet zu haben. Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindet, wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

Vor dem Jugendrichter saßen in einem anderen Saal sechs junge Früchtchen. Eine Diebesbande in Westentaschenformat. Teils gemeinsam, teils alleine hatten sie von Oktober 1949 bis März 1950 in Weiterstadt eine große Anzahl von Diebstählen begangen. Schnaps, Zigaretten, Benzin und Werkzeuge gehörten zur Beute. Allein 15 Diebstahlsdelikte standen auf dem Konto des Haupttäters und Anführers K., der die anderen angestiftet hatte. Da bei ihm bisher Fürsorgeerziehung und Arreststrafen ohne Wirkung blieben, verurteilte ihn der Jugendrichter, Amtsgerichtsrat Holzschuh, diesmal zu Jugendgefängnis von unbestimmter Dauer. Während ihn der Richter belehrte, daß er in Rockenberg nicht bestraft, sondern erzogen wird, schlief K. ein.

Zwei der anderen Angeklagten empfingen eine fühlbare Jugendgefängnisstrafe bis zu sechs Monaten. Bei ihnen, so unterstrich der Richter, habe sich teilweise der ungünstige Einfluß von Gangsterfilmen und Räuberromanen bemerkbar gemacht. Der Rest der sechs Burschen, der durchweg das Opfer eines Gelegenheitsdelikts geworden war, kam mit Jugendarrest, Arbeitsauflage und Verwarnungen davon.

Bauernfänger abgeurteilt

Ein krasses Beispiel typischer Bauernfängerei verhandelte das Bezirksschöffengericht Michelstadt mit dem Fall des 28 Jahre alten Jakob St. aus Mannheim. Dieser hatte im Frühjahr in Weitengesäß in 14 Fällen Leute zum Abschluß einer Lebensversicherung überredet unter der Vorspiegelung, damit lebe ein alter Anspruch aus einer vor dem Krieg abgeschlossenen Zeitschriftenversicherung wieder auf. Da diese Versicherungen aber durch Gesetz erloschen sind, hat St. die Leute bewußt irregeführt. Da er auch unberechtigt Gelder kassierte und teilweise für sich behielt, verurteilte ihn das Bezirksschöffengericht Michelstadt zusammen mit einer noch ausstehenden Strafe von 10 Wochen, die er in gleicher Sache im Februar 1950 vom Amtsgericht Michelstadt erhalten hatte, zu 5 Monaten Gefängnis und den Kosten des Verfahrens. St. war aus Untersuchungshaft aus Heidelberg vorgeführt worden, wo ein weiteres einschlägiges Verfahren läuft. -ch

Obermain ging auf Urlaub

Jeder Mensch, der hart arbeitet, braucht gelegentlich eine Entspannung, sonst leidet seine Leistung oder er fällt aus.

Seit Inbetriebnahme in den Jahren 1930—1935 stehen die Schleusen- und Wehranlagen Obernau bis Erlabrunn tagein, tagaus (auch sonntags) ununterbrochen im Dienst.. Sie wurden mit Ausnahme der Schleuse Hahbach und der Wehrstege auch durch die Kriegseinwirkungen nicht unwesentlich beschädigt. Die Schiffahrt und die Kraftwerke bedienen sich ihrer, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.

Und doch braucht auch jede Schleusenanlage neben der Wartung in gewissen Jahresabständen eine Ueberholung, — zumal durch die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse diese Arbeiten immer wieder hinausgeschoben werden mußten —, wenn sie nicht plötzlich ausfallen soll, auch weil es viel schlechter ist, wenn die Schiffahrt durch plötzliche Ausfälle u n - vorhergesehen stillgelegt werden muß.

Bei den Schleusen Freudenberg, Faulbach, Erlabrunn sowie in verschiedenen Zwischenhaltungen sind diese Arbeiten nicht mehr aufschiebbar. In Tag- und Nachtarbeit geht die sorgfältig vorbereitete Ueberholung, nach Abstimmung mit der Schiffahrt, seit 24. Juli 0 Uhr bis 6. August Schleusenbeginn in Szene.

Die Schiffahrt und die Häfen, besonders Würzburg, haben in drei Schichten (die Schleusen auch durch Nachtschleusungen) vorgearbeitet, so daß mengenmäßig alles zur rechten Zeit an Ort und Stelle ist. Kein Schiff kam in Ueberliegezeit oder wurde auf der Sperrstrecke gefangen.

Der Main ging pünktlich in Urlaub.

Auf der Strecke Mündung bis Freudenberg und oberhalb der Schleuse Würzburg bis Bamberg geht selbstverständlich der Schiffsverkehr ungehindert weiter. -Ww¬

Gefährliche Kurve

In der S-Kurve der Unterführung zwischen Groß-Gerau und Büttelborn stieß gestern gegen 11 Uhr ein Personenkraftwagen mit einem amerikanischen Mannschaftswagen, der aus Richtung Darmstadt kam, zusammen. Der Mannschaftswagen geriet auf der regennassen Straße ins Schleudern und rannte gegen den Pkw. Der Besitzer, der eine Gehirnerschütterung und Schnittverletzungen erlitt, mußte in das Groß-Gerauer Stadtkrankenhaus gebracht werden. Seine Frau, die den Wagen fuhr, wurde nur leicht verletzt.

Die erwähnte Kurve gab bereits verschiedentlich Anlaß zu gleichgearteten Unfällen. Polizeioberwachtmeister Schaffner von der Groß-Gerauer Gemeindeschutzpolizei ist der Ansicht, daß die Straße anstatt an dieser Stelle überhöht zu sein, sogar abfällt. Es müsse daher von der Straßenbauverwaltung dringend Abhilfe geschaffen werden. (cg)

Schwere Kopfverletzungen

Beim Ueberqueren der Bundesstraße 26 wurde am Samstagnachmittag 350 m vor dem Griesheimer Bahnübergang Karl Krumb aus Berkach von einem schwedischen Pkw angefahren. Krumb wollte mit seinem Fahrrad die Straße überqueren, um in einen Feldweg einzubiegen. Dabei wurde er von dem Pkw erfaßt und mußte mit schweren Kopfverletzungen in ein Frankfurter Krankenhaus gebracht werden. (cg)

Er läßt das Mausen nicht

Ein mehrfach u. a. mit Zuchthaus vorbestrafter Tunichtgut, der 47 Jahre alte Hilfsarbeiter Heinrich Mai aus Klein-Heubach a. M. wurde beim Einsteigen in die Wohnung von Hch. Deitrich im Falterweg in Vielbrunn durch die heimkommende Hausfrau gestört. Mit einer Brieftasche mit 160 DM Inhalt wollte er flüchten, konnte aber von Ortseinwohnern eingeholt und der Gendarmerie übergeben werden. Das Amtsgericht Michelstadt erließ Haftbefehl. -ch

Spät kommt ihr...

doch ihr kommt — der lange Weg entschuldigt euer Säumen... sagt Schiller schon in seinem „Wallenstein“ und meint den Grafen Isolani.

Damals gab’s eben noch keine Kartoffelkäfer. Wir zitieren dieses Dichterwort und meinen den „Blasator“, jene wahrhaft leichtfüßige Maschine, die dem Pflanzenschutz dient. Sechs kamen am Sonntag von weither (aus Schleswig) in Di e bürg an. Sie werden in ebenso vielen Gemeinden stationiert, damit aus ihnen Giftpulver gegen die Schädlinge in Acker und Feld geschossen wird. Auf zwei schmalen gummibereiften Rädern rollt dieser Apparat, der in seiner äußeren Form den beräderten Fahrgestellen, den Sulkys, bei Trabrennen ähnelt. Er wird ebenfalls von Pferden gezogen, nur ist an Stelle des Fahrsitzes der Kasten für das tödliche (und rettende) Pulver angebracht. Wie gesagt: spät kommt er, aber immerhin —er ist da ... wenn auch für dieses Jahr nicht mehr rechtzeitig genug, doch gibt’s ja noch mehr Lenze und Sommer und deshalb wohl auch immer wieder Kartoffelkäfer und ähnliches Gezücht. (RG)

Bergsträsser lugend in der Schweiz

Wie der Kreisjugendpfleger in Heppenheim mitteilt, fuhr am 26. Juli eine Schuljugendgruppe von Darsberg unter Führung von Lehrer Kuchenmüller zu einem vierzehntägigen Erholungsaufenthalt nach Altdorf / Vierwaldstädter See. Die Gruppe wird dort von einem Kreis von Schweizer Jugendfreunden unterstützt, die an der Internationalen Jugendwoche vom 16. bis 24. Juli in Köln teilgenommen hat. (HB)

Habitzheim baut Löschteich

Da wie in vielen anderen Gemeinden auch in Habitzheim die Löschwasserversorgung Mängel zeigte, wird zur Zeit die Pferdeschwemme am Freien Platz einem großen Umbau unterzogen. Kanalrohre wurden neu verlegt, um bei starken Regenfällen die großen Wassermass^n aufzunehmen, die schon öfter zu Hochwasser führten und ganze Straßenzüge überschwemmten. Dieses Wasser wird jetzt größtenteils in dem neu angelegten Löschwasserbecken aufgefangen. Gleichzeitig wird eine Abschirmmauer am Hasselgraben erstellt. Anfängliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Gemeinderates wegen der Finanzierung die-Arbeiten konnten beigelegt werden Mit der Fertigstellung dieses Bauprojektes kann das Problem der Löschwasserversorgung in Habitzheim als vorbildlich gelost betrachtet werden. (HJg.)

Tagung der Heimatvertriebenen

Der Kreisverband der Heimatvertriebenen, Dieburg, veranstaltet am Sonntag dem 6. August. im Gasthaus „Zum grünen Baum eine Arbeitstagung, auf der man sich mit aktuellen Tagesfragen und sozialen Problemen beschäftigen wird. (DT)

Der SPORT

Guter Besuch bei den Erbacher Rennen

Gestüt Palatia und Jockei Schwertfeger Doppelsieger

Höhepunkt des Erbacher Wiesenmarkts war am Sonntag das Rennen der Vollblüter mit Totalisatorbetrieb. Vor vielen Tausenden, die von nah und fern herbeigeströmt waren, wickelte sich das Programm mit einer Pünktlichkeit ab, wie man sie in diesem gemütlichen Odenwaldstädtchen kaum für möglich gehalten hatte. Das Gedränge am Totalisator war zeitweise beängstigend. Unter den Besuchern bemerkte man auch Jersey Joe Walcott, der sich in Begleitung seines Rechtsanwalts Mr. Teiger in Erbach aufhielt.

Das einleitende Rennen um den „Preis von St. Georg“ war hessischen Warmblutpferden reserviert, die in der Landwirtschaft Verwendung finden. Es wurde von H. Hutz auf dem Fuchswallach „Friedensfürst“ gewonnen.

Das „Odenwald-Flachrennen“ über 1600 Meter brachte dem Gestüt Palatia durch „Tasso“ mit W. Kästner im Sattel den ersten Sieg vor „Lothar“ und „Ilona“.

Den „Preis vom Eulbacher Markt“ holte sich „Frauenjäger“, mit Leich, der seinen Hengst im Schlußbogen sicher an „Sagitta“ vorbeibrachte und leicht gewinnen konnte. „Friosa“, die als Dritte einkam, mußte disqualifiziert werden, wodurch „Ulf“ auf den dritten Platz kam.

Das am höchsten dotierte Rennen war der „Preis der Stadt Erbach“, in dem „Jupiter“ mit Jockei Schulz nicht zu schlagen war. Das zweite Geld holte sich „Vilja“ vor „Edelbitter“.

Das spannendste Rennen war das „ Graf-Eberhard-Erinnerungsjagdrennen“ um den Ehrenpreis des Grafen zu Erbach-Erbach über 3200 m. „Sansibar“ holte sich mit Schwertfeger vor „Morgentau“ und „Marietta“ den Sieg.

Den „Preis vom Mümlingtal“ holte sich „Messino“ unter R. Schmidt vor „Orpheus“ und „Wieland“.

Jockey Schwertfeger und das Gestüt Palatia kamen mit „Tristan“ zu ihren zweiten Siegen beim Abschlußrennen um den „Preis von Hessen“. „Blondine“ und „Diana“ wurden nur mit Kopf geschlagen.

Die Ergebnisse :

1. Rennen (Warmblutpferde, 1200 m): 1. Hrn. Hotz’ Friedensfürst (Besitzer), 2. Bubi (Siefert), ferner liefen: Prinz (Ihrig), Granat (Eckert jr.), Hans (Kredel jr.). Tot.: 14:10; 16, 16, EW, 40. — 2. Rennen (Kl. B, 1600 m): 1. Gest. Palatias Tasso (H.) (Kästner), 2. Lothar (Haremski), 3. Ilona (H.) (R. Schmidt). Ferner liefen: Tacitus (Leich), Ballade (Ringhoff o. W.), Höllendame (Mende), Thorita (Royer), Rhodos (Cooter ageh.). Tot.: 20:10; 14, 10, 16, EW. 244. 3. Rennen: (HR/Kl. B, 2800 m): 1. Hrn. Antonis Frauenjäger (Leich), 2. Sagitta (Kästner). Ferner liefen: Friosa (Weiz), Ulf (Cooter). Tot.: 18:10, 12, 13, EW. 40. 4. Rennen (2200 m): 1. Hrn. Boos’ Jupiter (Schulz), 2. Wilja (Cooter). Ferner liefen: Edelbitter (Heidemann), Mareike (Richter), Mignon (Wieland), Willigis (Mende). Tot.: 22:10, 19, 39, EW. 940. 5. Rennen (JR/ Amateurreiten, 3200 m): 1. Frau Müllers Sansibar (Schwerdtfeger), 2. Morgentau (Dr. Dencker). Ferner liefen: Marietta (Mouchelet), Höllendame (Eber), Indianer (Kästner), Tambour (Royer gef.). Tot.: 30:10, 14, 14, EW. 52. 6. Rennen: (A. IV, 1800 m): 1. Hrn. L. Münchs Mesino (R. Schmidt), 2. Orpheus (Wieland). Ferner liefen: Freifräulein (Richter), Colombina (Michael), Landherr (H.) (Cooter), Neider (Mende). Tot.: 28:10; 13, 29, EW. 144. 7. Rennen (Halbblutpferde/ Amateurreiten, 2000 m): 1. Gest. Palatias Tristan (Schwerdtfeger), 2. Blondine (Bathow), 3. Diana (Kästner). Ferner liefen: Feisal (Zipper), Walnuß (Osthues), Fliege (Dr. Dencker), Semuer idem (Mouchelet). Fliegende (Eber). Tot.: 38:10, 12, 16, 11, EW.: 300. Tertia)


Hartes Rennen beim Preis vom Mümlingtal
Hartes Rennen beim Preis vom Mümlingtal

Sport in Kürze

Der Vertragsspieler-Ausschuß des Süddeutschen Verbandes hat den Vertrag des Arheilger Torstehers Seibel mit dem Sportverein Wiesbaden für ungültig erklärt. Seibel spielt somit endgültig wieder für seinen Stammverein SG Arheilgen.

Nach einem Uebungsspiel am vergangenen Sonntag bestreitet am kommenden Sonntag um 16 Uhr die SG Arheilgen ihr erstes Spiel gegen Hassia Dieburg am Mühlchen. Dieser Aufgalopp gegen den Bezirkspokalmeister Dieburg wird erstmals Aufschluß über die kommende Spielstärke der Arheilger geben.

Die Reservemannschaften der Vereine der zweiten Division werden im engeren Umkreis mit den Reserven der Landesliga zu einer Spielrunde durch den Hessischen Fußballverband zusammengefaßt werden. Es kommen in Frage Aschaffenburg, Wiesbaden, Arheilgen, Rot-Weiß Frankfurt, Rödelheim, Bieber und die aufsteigenden Bezirksvereine.

Stimmungsbilder aus Cannstadt

DT Eigenbericht

Die Tagung des Süddeutschen Fußballverbandes mit den 18 Vereinen der 2. Division in Bad Cannstadt verlief sehr harmonisch. Es war eine Freude, die sachliche und elegante Führung der Verhandlung durch den 2. Vorsitzenden, Paul Flierl, zu beobachten. Er zeichnete die Situation am treffendsten, als er sagte, die Teilnahme ist freiwillig, wenn einer „nein“ sagt, stehen 20 vor der Türe und wollen eintreten. Seine Ausführungen über die Bildung der 2. Division und besonders in einer Gruppe waren so sachlich und überzeugend, daß sich niemand zum Wort meldete, als er seine Darlegungen zur Diskussion stellte. Selbst der Vertreter von Tübingen, der nachträglich für eine Teilung eintrat, war von der Beweiskraft seiner Ausführungen wenig überzeugt. *

Die Vertreter der 18 Mannschaften waren sich der Schwere der Aufgabe bewußt. Als aber Flierl für den Verbandsvorstand und besonders Dr. Walter für die Oberliga jegliche Unterstützung zugesagt hatten, hellten sich viele Gesichter auf und manchem wurde es leichter ums Herz. Wie sagte doch Dr. Walter: „Man muß auch etwas Mut haben, haben Sie den und es wird auch für Sie ein voller Erfolg werden.“ *

Am überraschendsten war der Beginn der Spiele am 20. August zusammen mit der Oberliga. Nur noch drei Wochen, und es ist doch noch so viel zu erledigen. Arheilgen muß nach auswärts. Darmstadt daheim. Am 17. September hat Arheilgen frei, ebenfalls am 12. November. Sonst geht es Sonntag auf Sonntag.

Handballwerbetag in Heubach (Odenw.)

Zusammen mit dem dortigen Turnverein führte der Handball-Spielausschuß des Kreises Dieburg seine diesjährige Schiedsrichterprüfung in Heubach durch. Bereits am Samstagabend hielt Herr Frischknecht (Habitzheim) ein Referat über die Handballregeln, dem sich eine lebhafte Diskussion anschloß. Nachdem am Sonntagvormittag die theoretische Prüfung der Anwärter erfolgte, war der Nachmittag der praktischen Prüfung gewidmet. Unter der Obhut von Schiedsrichter-Obmann Plapp (Reinheim) und Kreisspielwart Pfuhl (Habitzheim) leiteten die Anwärter folgende Spiele: TV Heubach—SSV Groß-Bieberau 2:22; SKV Habitzheim—TSV Richen 13:4 und TV Klein-Umstadt—SKG Semd 5:3. ff

Dieburger Kreisfußball

Kreisfußballfachwart Fach, Dieburg hat die Austragung des letzten Verbandsspieles des Spieljahres 1949/50 über die Meisterschaft der B-Klasse des Dieburger Sportkreises zwischen Götzenhain und Reinheim auf den 13. August festgelegt. Schon ein Unentschieden berechtigt die Reinheimer zum Führen des Meistertitels. Im Falle einer Niederlage spricht bei gleicher Punktzahl das Torverhältnis für die Odenwälder. Das vom Rechtsausschuß neu angesetzte Verbandsspiel zwischen Groß-Umstadt und Spachbrücken findet am 6. August in Spachbrücken statt. (gi)

KSV-Jugend ist ausgeschlossen

Die A-Jugend des KSV Urberach ist von der weiteren Teilnahme an der Pokalrunde der Jugend ausgeschlossen. Ein bereits für die Seniorenmannschaft freigegebener Spieler hatte noch an den Pokalkämpfen teilgenommen. Für die Vorschlußrunde wurden Spvgg Spachbrücken und Germania Ober-Roden ausgelost, die am 6. August um 10.30 Uhr auf dem Sportfeld des SV 1919 Münster ihre Kräfte messen. Die A-Jugend des SV Münster geht mit dem Sieger dieses Treffens in die Endrunde, nachdem sie bei der Auslosung auf den Freiplatz kam. (gi.)

Sieg des TEC in Mannheim

Eine seit langen Jahren gepflegte Sportfreundschaft zwischen Darmstädter und Mannheimer Tennisspielern fand am Sonntag ihren Ausdruck in einem Clubwettspiel zwischen dem TEC Darmstadt und dem Tennis-Turnierclub Mannheim auf der schönen Anlage am Neckarplatt in Feudenheim. Nach sportlich hochwertigen, ausgeglichenen Kämpfen konnte die TEC-Mannschaft einen verdienten 10:7-Sieg erringen.

In ausgezeichneter Form präsentierte sich Kleinlogel gegen den Mannheimer Spitzenspieler Helmrich, der der badischen Medenmannschaft angehört. Durch sein hartes und schnelles Angriffsspiel siegte der Darmstädter Meister mit 6:4, 6:2. Sigwart fand sich gegen Feldbausch nicht zu seiner normalen Form (3:6, 3:6), auch Pfundtner mußte gegen Engert eine unerwartet glatte Niederlage mit 1:6, 1:6 einstecken. Dafür holte Wittich mit 6:3, 6:1 einen sicheren Punkt für den TEC gegen Schwab, dem Hahn einen ebenso glatten Sieg über Plaßmann mit 6:2, 6:3 folgen ließ. Haselbach vergab im zweiten Satz nicht weniger als sieben Satzbälle und überließ dem hart und unbekümmert spielenden Bormann mit 2:6, 7:9 den Sieg.

Bei den Damen war die Darmstädter Überlegenheit deutlicher. Frau Wettlauffer gegen Frau Hoffmann, Frau Kleinlogel gegen Frau Zink und Frau Geiß gegen Frau Quentel gewannen ihre Spiele glatt, Frau Geiß sogar mit 6:0, 6:0. Lediglich Fräulein Rockstroh mußte sich durch die talentierte Juniorin Fräulein Weber geschlagen bekennen (7:9, 2:6).

Die Ausgeglichenheit bei den Herren spiegelte sich auch in den Ergebnissen der Doppelspiele, wobei Kleinlogel /Sigwart in einem temporeichen Spiel gegen Helmrich/Engert mit 6:3. 6:8. 6:3 siegreich blieben, während Wittich/Pfundtner in drei Sätzen gegen Schwab/Feldbausch unterlagen. Auch Hahn/Haselbach zogen gegen Plaßmann/Bormann mit 0:6, 6:8 den kürzeren. Der Darmstädter Vorsprung vergrößerte sich erst in den Gemischen Dopnolcnielen durch Siege von FrauKleinlogel/Wittich, Frau Geiß/Kleinlogel und Frau Wettlauffer/Sigwart. hex

T. E. C. II — T. C. Frankfurt 1880 3:6

Die 2. Mannschaft des T. E. C. bekennt . sich geschlagen. Mit diesem Sieg über die Darmstädter ist T. C. Frankfurt 1880 mit seiner 1. Mannschaft Gewinner der Zwischenrunde Hessen-Süd und muß sich noch, um in die Meden-A-Klasse aufzusteigen, gegen den Gewinner Hessen-Nord erfolgreich behaupten. Für diese Begegnung haben die Frankfurter alle Chancen, was die Darmstädter insofern versöhnlich stimmt, als es eine südhessische Mannschaft ist, die aufsteigen würde.

In dem Nachruf für die T. E. C. II darf nicht unerwähnt bleiben, daß sie als 2. Mannschaft ihres Clubs in ihren Spielen um den Aufstieg gute Leistungen gezeigt hat. Die Jlervorhebung verdienen insbesondere die Senioren Schüler und Fürst, die sich oft gegenüber technisch besseren Spielern erfolgreich durchsetzen konnten.

Zu den Ergebnissen vom Sonntag fügen wir hinzu, daß sich die T. E. C. II einer ihr überlegenen Mannschaft gegenübersah. Schon in den Einzeln bewiesen die Frankfurter ihr besseres Können. Nur H i 1 s d o r f und Polster konnten ihre Punkte für Darmstadt machen. Händschke unterlag durch unkonzentriertes Spiel; Fürst, infolge Tennisarm gehandikapt, ließ seinen Kampfesmut vermissen und gab seinen Punkt an Frankfurt. Schüler und Karcher konnten sich gegen die ihnen überlegenen Gegner nur schwer wehren und verloren ohne Satzgewinn.

In den Doppeln zeigten die Frankfurter durch gutes Zusammenspiel und treffliche Leistungen ihre Ueberlegenheit. Karcher und Polster holten durch Aufgaben des Gegners nach dem 2. Satz den 3. Punkt für Darmstadt.

Die Ergebnisse: Schüler-Eichler 2:6, 3:6, Karcher-Scheffler 1:6, 4:6, Fürst-Halberstadt 2:6, 2:6, Hilsdorf-Ruppert 8:6, 6:3, Händschke-Hildebrandt 3:6, 3:6, Polster-Köhler 6:3, 6:2, Schüler-Fürst gegen Scheffler-Eichler 0:6, 4:6, Hilsdorf-Händschke gegen Halberstadt-Ruppert 3:6, 4:6, Karcher-Polster gegen Hildebrandt-Köhler 6:3, 3:6.

Um den Fußball-Bezirkspokal

Am 6. August steigt in Darmstadt-Eberstadt das Vorschlußrundenspiel um den Fußball-Bezirkspokal der Fußball-B - Klasse des Bezirkes Darmstadt. Die Auslosung ergab die Paarung SV 45 Reinheim und Riedrode.Götzenhain, der zweite Vertreter des Kreises Dieburg zog das Freilos. Das Endspiel um den Pokal ist für den 20. August festgelegt. Im Falle eines Sieges von Reinheim ist Ober-Roden, bei einem Siege der Riedmänner Seeheim der Austragungsort. (gi)

TSV Pfungstadt Zweiter in Merscheid

Das internationale Fußballturnier in Solingen-Merscheid war mit 39 Mannschaften ganz ausgezeichnet besetzt. Der hessische Meister TSV Pfungstadt konnte wie im Vorjahre bis ins Endspiel vorstoßen, wo er jedoch gegen den Gastgeber mit 34:44 unterlag. Den dritten Platz sicherte sich der österreichische Bundesmeister ATV Linz.

Hallenhandballturnier in Langen

Die SSG Langen veranstaltete am vergangenen Sonntag ein Hallenhandballturnier, dem ein schöner Erfolg beschieden war. Vor etwa 300 Zuschauern wurde die beste und beständigste Mannschaft des Tages, die Offenbacher Kickers, Turnier- und damit Pokalsieger. Im Endkampf schlugen sie den Gruppensieger der Gruppe 2 SKV Mörfelden mit 5:2. Im Spiel um den 3. und 4. Platz schlug die SSG Langen die TSG 46 Darmstadt, die sehr verheißungsvoll in den beiden ersten Spielen begonnen hatte, mit 6:2. Auf die nächsten Plätze kamen: SG Sprendlingen, Dreieichenhain, Eintracht Frankfurt und TV Neu-Isenburg.

Spielergebnisse:

Dreieichenhain—Eintracht Frankf. 4:4 SSG Langen—Offenb. Kickers 3:7 SG Sprendlingen—SKV Mörfelden 2:7 TSG 46 Darmstadt—TV Neu-Isenb. 8:0 Dreieichenhain—SSG Langen 1:10 Eintr. Frankf.—Offenb. Kickers 3:8 TSG 46 Darmstadt—SG Sprendl. 10:0 SKV Mörfelden—TV Neu-Isenburg 5:2 Dreieichenhain—Offenb. Kickers 1:11

Beim Kanusporttag in Hannover beschloß man, die nächsten Deutschen Kanumeisterschaften 1951 nach Berlin zu vergeben, wo sie Anfang August steigen werden. Der nächste Deutsche Kanutag wird am 3. und 4. März in Koblenz am Deutschen Eck durchgeführt.

Die Fußball-Auswahlmannschaft der Stadtverwaltung spielt am Mittwoch, dem 2. August gegen die - Einsatz-Leitstelle auf der Woogswiese. Am Mittwoch darauf ist ein Spiel gegen die Elf der Firma Göbel vorgesehen.

Meldungen aus den Landkreisen

Mutter Ganzert

half tausend Kindern auf die Welt

Jeder Jugenheimer kennt Frau Elisabeth Ganzert, die am 1. August auf eine 25 jährige Dienstzeit als Hebamme zurückblicken kann. 1924/25 wurde sie in Gießen ausgebildet u. machte anschließend ihr Examen. Als geborene Jugenheimerin wurden ihr die Orte Jugen-

heim und Balkhausen übertragen. 1938 bis 1941 erhielt sie vertretungsweise Alsbach und 1941 bis 1946 Bickenbach hinzu. Zieht man in Betracht, daß die Krankenkassen für jede Entbindung (einschließlich der Wochenbettbesuche mit allen Verrichtungen) 32 Mark zahlen, so muß man die Lust und Liebe und den Idealismus bewundern, mit dem Frau Ganzert ihr schweres Amt ausübt. Mutter Ganzert hat im Laufe der 25 Jahre über 1000 Kindern auf die Welt geholfen. Einige sind im letzten Kriege blutjung gefallen, andere sind zu tüchtigen Menschen herangewachsen.

Zum Abschluß des Interviews erzählte Mutter Ganzert ein heiteres Erlebnis: Als sie im vergangenen Jahr zu einer Wöchnerin gerufen wurde, sagte sie während der Untersuchung: „Mache Se sich druff gefaßt, Sie wern scheint s Zwillinge kriehe!“ Worauf die Wöchnerin rief: „Um Gottes Wille, dann kenne Se glei ääns mit hääm nemme.“

Frau Ganzert werden an ihrem Jubiläumstag viele Ehrungen zuteil werden. Auch Bürgermeister Schürrlein wird ihr gratulieren und die Glückwünsche der Gemeindeverwaltung übermitteln, denen wir uns recht gerne anschließen. (hl)



Darmstadt-Land

Pfungstadt. Auf der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung stand die Beratung des Haushaltungsplanes für das Rechnungsjahr 1950. Bürgermeister Jäger legte die ungeheuren Schwierigkeiten dar, denen die Gemeindeverwaltung bei der Aufstellung der einzelnen Positionen gegenüberstand. Es ist ein Fehlbetrag von 222 996 DM zu decken. Man beschloß, in der nächsten Woche mit der Beratung der einzelnen Positionen zu beginnen. (ler)

Roßdorf. Dem Ortsjugendausschuß gelang es, den Jugendreferenten des „Officer Resident“ Darmstadt für eine Filmvorführung zu gewinnen. Es werden gezeigt: „Der Hafen von Neuyork“, „Lincoln Tunnel“ und die neueste Wochenschau. Die Vorführung findet am Donnerstag, dem 3. August, um 21 Uhr, im Saale des Gasthauses „Germania“ (Plößer) statt.

Roßdorf. Wegen der Gestaltung des Theaterrings Odenwald-Bergstraße in der kommenden Spielzeit 1950/51 findet am Donnerstag, dem 3. August, abends 8.30 Uhr, in der Neuen Schule, Darmstädter Straße, eine Besprechung statt, zu der alle Interessenten eingeladen werden, (sl)

Dieburg

Reinheim. Das Nachlesen von Getreide und das Stoppeln von Kartoffeln auf abgeernteten Aeckern ist nur in der Zeit von 7 bis 11 Uhr und von 13 bis 19 Uhr gestattet, wie der Bürgermeister bekanntgibt. Zuwiderhandlungen werden bestraft.

Habitzheim. Bei dem Landwirt und Maurer Fritz Pfuhl, Krötengasse, ist Schweinerotlauf ausgebrochen. (Hjg)

Heubach. Die 50jährigen aus Heubach wollen im September zusammenkommen. Die ehemaligen Schulkameraden, die ihren Wohnsitz außerhalb Heubachs haben, werden gebeten, sich bei Bürgermeister Volland anzumelden. Auch Heimatvertriebene des Geburtsjahrganges 1900, die sich beteiligen wollen, sind herzlich eingeladen. (hm)

Fränkisch-Grumbach. Die Bierbrauereibesitzersfamilie Born-Hotz kann erstmalig seit 125 Jahren die Geburt eines männlichen Nachkommen verzeichnen. Wir gratulieren! (rf)

Urberach. Eine Pilzsammlerin fand dieser Tage auf dem Urberacher Weg nach Dietzenheim eine Kreuzotter. Ein Förster tötete kürzlich in der gleichen Gegend eine Kreuzotter. Beim Pilz- und Beerensuchen ist also Vorsicht geboten. (gi)

Ober-Roden. Die Großmasten der Ueberlandleitung Kelsterbach—Dettingen werden gegenwärtig durch die HEAG entrostet und erhalten einen Schutzanstrich. (gi)

Schaafheim. Von der Gendarmerie ist ein Mann wegen Erregung öffentlichen Aergemisses festgenommen worden. Es handelt sich um einen luxemburgischen Staatangehörigen, der vor einigen Tagen illegal die Grenzen des Bundesgebietes überschritten hatte und über Ludwigshafen-Mannheim in den Odenwald gekommen war. Er wurde den amerikanischen Justizbehörden übergeben. (RG)

Babenhausen. Eineinhalb Stunden lang ließ eine Frau, die bei einem Zahnarzt in Behandlung war, ihr Fahrrad unverschlossen vor einem Hause in der Bahnstraße stehen. Als sie zurück kam, war das Rad verchwunden. (RG)

Gundernhausen. Ein nahe der Gemeinde lagernder Schausteller benahm sich einem Gendarmen gegenüber so widerborstig, daß er dem Richter vorgeführt werden mußte. Der Mann, der stets mehrere seiner zwölf Kinder zum Betteln ausgeschickt hatte, machte sich außerdem des verbotenen Weidens schuldig, weshalb er dem Eigentümer des betreffenden Grundstücks den entstandenen Schaden mit einem geringen Geldbetrag ersetzen sollte. Selbst dem zur Regelung der Angelegenheit herbeigerufenen Gendarmen leistete er so heftigen Widerstand, daß er festgenommen wurde. (RG)

Groß-Bieberau. In dem Augenblick, in dem ein Personenkraftwagen durch die Hauptstraße am Hause Nr. 8 vorbeifuhr, ließ eine Bäuerin ihren Ackerwagen rückwärts auf den Fahrdamm rollen. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem an dem Pkw beträchtlicher Sachschaden entstand. (RG)

Bergstraße

Heppenheim. Am Donnerstag um 20 Uhr erhält Dr. Paul Weiß-Reinshagen einen Vortrag in deutscher Sprache über das Thema: „Als Einwanderer im Lande der Inkas; Erlebnisbericht aus dem heutigen Peru.“ (HB)

Heppenheim. Das Programm der amerikanischen Lesehalle sieht für kommenden Dienstag erstmalig drei Filmvorführungen vor, und zwar von 17.45 bis 18.30 Uhr für Kinder, von 18.30 bis 19.30 Uhr für Jugendliche und von 20.30 bis 21.30 Uhr für Erwachsene (HB)

Lorsch. Am Sonntag beachtete ein Viernheimer Radfahrer das Stopschild am Lorscher Marktplatz nicht. Er wurde von einem Motorradfahrer zur Seite geschleudert. (el)

Mörlenbach. In der gefährlichen Verkehrsschleuse der Weiherer Straße wurde vergangenen Mittwoch der achtjährige Fritz Fink durch ein Auto vom Rade geschleudert und erheblich verletzt. Auch das Fahrrad ist beschädigt. (km)

Langenthal. Ein Lastkraftwagen, dessen Lenker die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren hatte, rannte am Ortsausgang nach Hirschhorn in eine kleine Scheune und drückte sie mitsamt ihrem Inhalt den Abhang hinunter. Das Fahrzeug selbst blieb am Böschungsrand hängen. (-r)

Langenthal. Die Gewitterstürme der letzten Tage haben einen großen Teil der stark fruchtbehangenen Obstbäume des Lachsbachtales ganz oder teilweise umgebrochen, so daß mit erheblichen Ernteverlusten gerechnet werden muß (-r)

Groß-Gerau HAL

Groß-Gerau. Kürzlich stürzte ein hochbeladener Erntewagen in der Frankfurter Straße um. Er war mit einem Hinterrad in ein Schlagloch des Fahrdamms geraten. Ein Trecker mußte an Ketten den Wagen wieder in seine normale Lage ziehen.

Wolfskehlen. Einem hiesigen jungen Mann wurde sein Fahrrad entwendet, das er abends gegen 23.00 Uhr an einem Gasthaus abgestellt hatte. Der Täter konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. -od-

Kelsterbach. Im Saalbau „Zum grünen Baum“ fand unter Vorsitz von Bankdirektor R ö d d i n g eine Generalversammlung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft statt. Nach einem umfangreichen Geschäftsbericht des Vorstandsmitgliedes Lühmann wurde nach längerer Debatte der Aufsichtsrat neu gewählt. (-Kb)

Kelsterbach. Eine von einer Urlaubsreise zurückkehrende Familie machte eine peinliche Entdeckung. Während ihrer Abwesenheit waren unbekannte Diebe mit einem Nachschlüssel in die Wohnung gelangt und hatten sieben Anzüge und zwei Armbanduhren gestohlen. (au)

Kelsterbach. In der Kantine auf der Unterschweinstiege wurde von einem 22 jährigen Einwohner, der inzwischen festgenommen werden konnte, ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt. Der Täter hatte in mehreren Fällen große Mengen Butter, Fett, Margarine und Käse gestohlen und im Walde vergraben. (kb.)

Biebesheim. Im Saalbau Staab veranstaltete die Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen ihr traditionelles „Annakränzchen“, das einen guten Besuch aufzuweisen hatte. (kb.)

Nauheim. Unter Stabführung von Kapellmeister Georg M i s c h 1 i c h hat sich ein Musikverein gegründet. — Unter Leitung des Verbandsleiters Jungblut und Gruppenleiter Wedel bereiten die Nauheimer Falken einen großen Bunten Abend vor, der gleichzeitig die Winterarbeit der Jugendgruppe einleiten soll, (kb.)

Gernsheim. Die nächste Kreistagssitzung des Kreises Groß-Gerau wird am 15. August in Gernsheim abgehalten werden. (eng)

Statt Karten Der Herr über Leben und Tod hat heute meinen lieben Mann, Vater, Opa, Schwager und Onkel, Herrn Edgar Jakob Hasdenteufel Eisenbahnlademeister i. R. nach einem arbeitsreichen Leben und kurzer Krankheit im Alter von 71 Jahren von uns genommen. In tiefer Trauer: Katharina Hasdenteufel Wwe. geb. Fatho Afaria Midinet geb. Hasdenteufel Chlotilde Midinet Darmstadt (Prinz-Chnistian-Weg 13), den 31. Juli 1950 Die Beerdigung findet in aller Stille statt.

Plötzlich und unerwartet wurde mein innigstgeliebter Gatte, mein guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwaiger und Onkel, Herr Heinrich Duttweiler im Alter von 48 Jahren für immer von uns gerissen. Wer ihn gekannt hat, kennt unseren Schmerz. IntieferTrauer: 1 Antonie Duttweiler geb. Blüm Franz Löffel und Frau Anneliese I geb. Duttweiler Darmstadt (Diebiigstraße 36), den 31. Juli 1950 Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 2. August 1950, um 14.45 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.

Meine liebe Frau, unsere innigstgeliebte, nimmermüde I ■ Mutter, Frau Elisabeth Trautmann geb. Lang ist nach schwerem Leiden für immer von uns gegangen. Adam Trautmann Elisabeth Trautmann Anny Trautmann Hilde Trautmann Wallerstädten bei Groß-Gerau, Darmstadt, den 26. Juli 1950 E Frankensteinstraße 50. Die Einäscherung fand in aller Stille statt.

Bestattungen am Dienstag, dem 1. August 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof 10.45 Gill, Karoline, 76 Jahre, Philipp-Röth-Weg 52 15.15 Kind Elfriede Hafner, Pulverhäuserweg 11

Wo ich geh' und steh'- alles liest, „DT“


Von allen Litfaßsäulen grüßen die blau-weißen Plakate des „Darmstädter Tagblatt“ die alten und treuen Leser. Wieder-da-sein heißt, die Verpflichtung zu übernehmen, die über 200 jährige Tradition des „Darmstädter Tagblatt“ ’fortzusetzen. Die Garantie hierfür geben Ihnen die Redakteure des „DT.“. Versäumen Sie bitte daher nicht, Ihren lieben alten Bekannten, das „Darmstädter Tagblatt“, wieder so mit Freuden aufzunehmen, wie Sie sein damaliges Verschwinden-müssen und Nicht-erscheinen-können bedauerten. Die Agenturen in allen Gemeinden und die Darmstädter Geschäftsstelle warten auf Ihren Besuch. Foto: Arco
Von allen Litfaßsäulen grüßen die blau-weißen Plakate des „Darmstädter Tagblatt“ die alten und treuen Leser. Wieder-da-sein heißt, die Verpflichtung zu übernehmen, die über 200 jährige Tradition des „Darmstädter Tagblatt“ ’fortzusetzen. Die Garantie hierfür geben Ihnen die Redakteure des „DT.“. Versäumen Sie bitte daher nicht, Ihren lieben alten Bekannten, das „Darmstädter Tagblatt“, wieder so mit Freuden aufzunehmen, wie Sie sein damaliges Verschwinden-müssen und Nicht-erscheinen-können bedauerten. Die Agenturen in allen Gemeinden und die Darmstädter Geschäftsstelle warten auf Ihren Besuch. Foto: Arco

Wieder schlank und schön ■ ohne Hungern efs u. schädigende W Wirkung. Be- B dienen sie sich I unser, drüsen * anregenden Floradix Entfettungskur Reformhaus Schlösser Frankfurter Str. 2

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