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General Walker über die kritische Lage der amerikanischen Truppen in Korea
Pusan, 30. Juli. (AP./BBC./dpa) Der Schwerprunkt der kommunistischen Angriffe in Korea hat sich von der Mittelfront nach Süden verlagert. Die Kämpfe haben am vierten und fünften Tag der koreanischen Großoffensive an Heftigkeit nicht nachgelassen.
An der Südfront kam es im Raum von Schinju zu hartnäckigen Kämpfen. Die Städte und Dörfer wechselten mehrere Male ihren Besitzer. Die Amerikaner haben an diesen Teil der Front von dem japanischen Stützpunkt Okinawa Truppenverstärkungen gesandt, die im Süden der Insel gelandet waren. Die taktische Luftwaffe der Amerikaner hat Samstag den bisher schwersten Angriff, der seit Beginn der Kampfhandlungen in Korea geflogen worden ist, unternommen. Die Bomberverbände warfen Bombenteppiche in der ganzen Breite des Tales, das sich zwischen Hadong und Schinju hinzieht. Ein riesiges Flammenmeer war nach dem Abflug der amerikanischen Maschinen zu sehen. Alle Dörfer und Städte müssen in diesem Abschnitt niedergebrannt sein. Die Nordkoreaner setzten denhoch ihren Vormarsch fort.
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Nördlich von Hadong sind die Nordkoreaner nach der Einnahme von Anui nicht weiter nach Süden, sondern nach Norden vorgestoßen, und nahmen die Stadt Koschang. Damit ist eine kritische Lage für den Mittelabschnitt entstanden, weil Kumschon an der Rollbahn nach Taiku nun auch unmittelbar von Süden bedroht wird. Bei Kumschon nahmen die Amerikaner ihre Stellungen um einige Kilometer zurück. Der Fall der Stadt wird befürchtet, da bereits fünf Kilometer westlich von Kumschon Partisanenverbände aufgetaucht sind, die regulären Verbände sich nicht mehr als zwölf Kilometer weit vom Stadtzentrum entfernt befinden.
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Der Oberbefehlshaber der 8. Armee, General Walker, hat erklärt, es habe keinen Zweck zu verschweigen, daß die amerikanischen Truppen sich in einer kritischen Stunde befänden. Der Zeitpunkt sei erreicht, an dem kein Fuß breit Boden mehr aufgegeben werden dürfe, die Truppe müsse sich gegebenenfalls in ihren Stellungen totschlagen lassen. Die Nordkoreaner müßten jedoch jeden Vorstoß teuer bezahlen. Ihre Verluste würden immer größer, während sich der amerikanische Widerstand verstärke. Die Amerikaner schätzen die Verluste der Nordkoreaner auf 31 000 Tote und 170 abgeschossene Panzer. Es ist selbstverständlich, daß diese Zahlen nur auf Vermutungen beruhen können, da zurückgehende Truppen in den seltensten Fällen die feindlichen Toten zählen können. Auch die Zahl der abgeschossenen Panzer wird zu hoch gegriffen sein, denn die Flugzeugbesatzungen haben des öfteren erklärt, daß manche Abschüsse doppelt gezählt sein könnten. Den nordkoreanischen Verlusten stellen die Amerikaner 76 eigene Tote gegenüber. Acht Soldaten sollen noch ihren Verwundungen erlegen sein, während 269 schwer verwundet seien. 472 werden als vermißt gemeldet.
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Das nordkoreanische Kommunique spricht von heftigen Kämpfen an allen Teilen der Front. Am Samstag seien im Raum Yongdong 100 Amerikaner als Gefangene in die Hände der Volksarmee gefallen. Die „Prawda“ meldet, die Amerikaner bereiteten die Einziehung japanischer Soldaten zum Kampf in Korea vor. Japanische höhere Offiziere sollten außerdem den amerikanischen Führungsstellen
zugeteilt werden. Die russische Presse beschuldigt die Amerikaner, in Korea nach der Methode der „verbrannten Erde“ zu arbeiten. Die TASS meldet, die amerikanischen Truppen hätten bei dem Rückzug von Taidschon die Dörfer niedergebrannt und Zivilisten ermordet. Allein in Taidschon seien tausend Einwohner umgebracht worden.
Hein bleibt Meister
Oe. Berlin,. 30. Juli. (Eigener Bericht.) Ein unerwartet schnelles Ende hat am Sonntagnachmittag in der Waldbühne des Berliner Olympischen Stadions dei' Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Schwergewicht der Berufsboxer gefunden. Hein ten Hoff, dessen Selbstvertrauen seit dem guten Kampf gegen Joe Walcott offensichtlich gewachsen ist, konnte seinen Herausforderer Wilson Kohlbrecher (Osnabrück) schon zu Beginn der zweiten Runde entscheidend schlagen. Kohlbrecher, der von dem ehemaligen Schmeling-Betreuer Max Machon in eine gute Form gebracht worden und sogar um eine Kleinigkeit schwerer als der um einen halben Kopf größere Meister war, wurde von einem harten rechten Schwinger des Meisters an der Halsschlagader getroffen, sackte weg und wurde von dem Ringrichter Otto Nispel ausgezählt. Die 22 000 Zuschauer waren vom schnellen Ende des Kampfes sehr überrascht, sparten aber nicht mit der Anerkennung für die meisterliche Leistung ten Hoffs. (Ausführlicher Bericht im Sportteil.)
Dibelius antwortet Grotewohl
„Die Kirche kennt keinen weltlichen Auftraggeber“
Berlin, 30. Juli. (AP/BBC/dpa) Dr. Dibelius, der evangelische Bischof von Berlin, hat am Sonntag im sowjetischen Sektor von Berlin die wiederhergestellte Pfingstkirche eingeweiht. In seiner Predigt sagte der Bischof, die christliche Gemeinde in Deutschland müsse sich wieder aufbauen und innerlich erneuern. Bei der Jugend solle der Aufbau im christlichen Sinne beginnen, nachdem in den Schulen des sowjetischen Sektors und in der sowjetischen Besatzungszone die materialistische Weltanschauung zur Grundlage bestimmt worden sei. „Ich glaube nicht daran, daß die Schule in unserem Vaterland materialistisch werden wird, weil diese Weltanschauung uns viel zu fremd ist. Wo christliche Elternhäuser sind, wird auch immer etwas vom christlichen Geist leben.“
Ueber den Sender Frankfurt sprach der Bischof von seinen Eindrücken auf der Konferenz des Zentralausschusses des Weltkirchenrates in Toronto. Die Stimmung sei während der Konferenz wegen des koreanischen Konfliktes sehr ernst gewesen. Man habe die Ueberzeugung gewonnen, daß in Korea die Rechnung für eine nach dem zweiten Weltkriege erfolgte willkürliche und unhaltbare Grenzziehung präsentiert worden sei.
Auf einer Berliner Pfarrerversammlung hatte Dr. Dibelius am Samstag die Vor würfe Grotewohls zurückgewiesen, daß er sich als deutscher Bischof vom amerikanischen Präsidenten Truman Richtlinien für den Kampf der Kirche gegen das kommunistische Friedenslager geholt habe. „Die Kirche kennt keine politischen Auftraggeber.“ Die auf dem sozialistischen Parteitag aufgestellte Behauptung, die hohen Kirchenführer von heute seien dieselben Männer, die die Waffen zu Hitlers Raubkrieg gesegnet hätten, sei eine massive Propagandalüge.
Nuschke, der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Union in der sowjetischen Besatzungszone, hat ebenso wie Grotewohl erklärt, Dr. D. Dibelius habe während seiner Reise nach Amerika in den Vereinigten Staaten dem Ueberfall auf Korea zugestimmt.
Der Halbkreis um Pusan
Der Westen bleibt zurückhaltend
Aber das Rätselraten um Malik geht weiter
Washington, 30. Juli. (AP/dpa). Das Rätsielraten in aller Welt über die Sitzung des Sicherheitsrates am 1. August, in der der sowjetische Delegierte wieder den Vorsitz führen wird, hält an. Sachverständige der Vereinten Nationen, die seit vielen Jahren die von der Sowjetunion angewandte Taktik eingehend verfolgt haben, sind zu einem gewissen Optimismus geneigt. Sie rechnen mit einem Friedensprogramm der Russen, das folgende Punkte enthalten könnte:
L die sofortige Feuereinstellung in Korea,
2. die Ernennung einer Waffenstillstands-Kommission der Vereinten Nationen, der ein sowjetisches Mitglied angehören soll, die die Zurückziehung aller militärischen Streitkräfte und ihre Demobilisierung überwachen müßte,
3. freie Wahlen in ganz Korea unter der Ueberwachung der Vereinten Nationen.
Dieser Plan hat nach Ansicht dieser Sachverständigen mehrere Vorteile für die Nordkoreaner. Es sei bekannt, daß diese ihre militärischen Erfolge durch eine schnell vorgenommene Bodenreform hätten untermauern können. Zum anderen hätten politische Agitatoren den Südkoreanern in den letzten Wochen den Gegensatz zur weißen Rasse eingehämmert; und schließlich seien die korea¬ . nischen Kommunisten in der Lage gewesen, ihren Appell zur Einheit Koreas durch ein volkstümliches Programm zu festigen. Ein solches Programm habe gute Aussichten auf Erfolg, wenn die Wahlen bald nach Beendigung der Feindseligkeiten in die Tat umgesetzt würden.
Regierungskreise in Washington sind weniger optimistisch. Sie bereiten sich schon jetzt darauf vor, etwaigen sowjetischen Manövem durch Altemativ-Vorschläge zu begegnen. Sie gehen dabei von der Annahme aus, Malik könnte dem nationalchinesischen Delegierten im Sicherheitsrat das Recht zur weiteren Teilnahme an den Sitzungen bestreiten zugunsten eines Delegierten des kommunistischen China. Sie rechnen außerdem mit der Möglichkeit, daß Malik die bisherigen Beschlüsse zur Hilfeleistung für Südkorea als unrechtmäßig erklären werde. Nicht zuletzt stellt man sich in Washington die Frage, ob Malik im Falle einer Niederlage in der chinesischen Frage wieder aus dem Sicherheitsrat ausziehen oder sein Veto-Recht geltend machen werde. Vor allem aber bemüht man sich um das Problem, wie Malik daran gehindert werden könnte, seine Rechte als Vorsitzender dazu zu benutzen, die Tätigkeit des Sicherheitsrates im August lahmzulegen. Das wäre, nach Ansicht der amtlichen Kreise in Washington, ein besonders kritischer Punkt, da sich die militärische Lage in Korea ständig zuspitzt.
Gegen die Senkung der Biersteuer bei gleichzeitiger Brotpreiserhöhung hat der Guttemplerorden protestiert.
Malik
an. Jakow Alexandrowitsch Malik ist erst vierundvierzig Jahre alt, für einen Stellvertretenden Außenminister und Bevollmächtigten Botschafter also noch sehr jung. Aber in diesen Tagen ist er diejenige Figur in der internationalen Diplomatie, über die am meisten gesprochen wird und die der Welt die größten Rätsel auf gibt. Vielleicht werden sich morgen im Sicherheitsrat die Rätsel lösen, vielleicht auch nicht... Die Berichte aus dem Tagungsort des Sicherheitsrates und aus den Hauptstädten der Westmächte geben ein anschauliches Bild davon, wie sehr es der Sowjetunion gelungen ist, die übrigen Staaten in Verwirrung zu bringen, indem sie Malik in den Sicherheitsrat zurückzukehren hieß.
Die sowjetische Diplomatie hat wie die Außenpolitik aller totalitärer Staaten immer eine Neigung zu überraschenden Coups gehabt. Es ist auch diesmal nicht anders. Gegenüber dieser Methode helfen nur zwei Eigenschaften: Kaltblütigkeit und Festigkeit. Was auch immer Malik vorbringen wird, die Antwort der Vereinten Nationen kann immer nur die sein, daß ein räuberischer Überfall vonstatten gegangen ist und daß erst die Angreifer das eroberte Gebiet wieder aufgeben müssen, ehe von normalen Zuständen und Beziehungen die Rede sein kann.
Im übrigen wird es wenige Menschen geben, denen die gesamte Einrichtung der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrates in diesen Tagen nicht wieder Kopfschütteln und unwilliges Erstaunen abnötigt. Alle Welt weiß, wer der Angreifer und der Räuber ist; jeder weiß, daß der Entschluß zum Kriege nicht in Nordkorea, sondern in Moskau gefaßt worden ist; aber der Vertreter der Angreifer kann einer Versammlung präsidieren, die den Raub und den Ueberfall verhindern soll. Ist eine Organisation lebensfähig, in der solche Dinge möglich sind?
Vergessenes Land
FWB. Wenn heute in Deutschland von Notstandsgebieten gesprochen wird, so denkt man zunächst an das unglückselig zerrissene Berlin, dann an das mit Flüchtlingen übervölkerte Schleswig-Holstein und allenfalls noch an das demontierte Watenstedt-Salzgitter. Daß es aber auch noch andere Landstriche gibt, in denen eine unerbittliche Not tagtäglich an die Türen klopft, ist weithin unbekannt oder wird sogar übersehen. Vielleicht liegt das daran, daß wir alle übergenug mit uns selbst zu tun haben. Nicht wenig trägt aber auch die Lage dieser Gebiete abseits der großen Verkehrsstraßen dazu bei. Nur der Zufall öffnet den Blick in solche Verhältnisse, und dann ist der Beobachter erstaunt, ja nahezu erschrocken darüber, wie hart die Menschen dort mit ihrem Schicksal zu ringen haben.
Das haben auch wir empfunden, als wir jetzt unseren Urlaub im Bayerischen Wald verbrachten, einem von der Natur mit Schönheiten gesegneten Berg- und Waldland im Südosten des Bundesgebietes zwischen Donau und Main. Aller Frieden der Waldeinsamkeit konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß an den häuslichen Herden und auch in den Stuben der Aemter die Not und die Sorge hocken und sich nicht vertreiben lassen wollen. Und die Menschen, die dort wohnen, glauben sich vergessen, vergessen von Bonn und von München. Bittere Worte fallen, wenn sie über die Regierenden sprechen. Sie erinnern an die Grenzlandkommission, die in diesem Frühjahr aus Bonn zu ihnen gekommen war. Es sei eine flüchtige Stippvisite gewesen. Irgendwelche Auswirkungen dieses Besuches? Nein, die hätten sie bisher nicht verspürt. Auch der Bundesverkehrsminister, der in der letzten Zeit einmal in Niederbayern gewesen ist, kommt nicht besser in der Beurteilung weg. Er sei nur soweit gefahren, als die Schienen für seinen Sonderzug gereicht hätten. Noch drastischer werden die Bemerkungen, wenn die Rede auf die Münchner Landesregierung kommt. Versprechungen über Versprechungen seien von Ministern an Ort und Stelle gemacht worden, aber nichts hätten sie gehalten, wenn sie zu ihren Akten zurückgekehrt seien. Ja, für Oberbayern da werde noch etwas getan. Es liege auch näher bei München. Aber der Bayerische Wald . . . Wer mag entscheiden, ob der Verdacht der Waldbewohner berechtigt ist, München fürchte für Oberbayern einen Konkurrenten im Fremdenverkehr. Fest steht jedoch ohne jeden Zweifel, der Bayerische Wald wäre auch ohne die Folgen des letzten Krieges Notstandsgebiet.
Von Passau nach Haidmühle
Die kleine, aber kräftige Lokomotive keucht und pustet von Passau hinauf in die Berge und Wälder. Tapfer zieht sie ihre drei Wagen, die wohl um die Jahrhundertwende einmal modern gewesen sein mögen. Von Zeit zu Zeit verschnauft das Bähnchen auf einer Station. Nur wenige Menschen steigen aus und ein. Durch einen Tunnel geht es hindurch und wieder hinaus in die besonnte Landschaft der Almen mit ihren glasklaren Triftbächen. Und dann Wald, nichts als Wald. Endstation ist Haidmühle, ein weltabgelegener Flecken, über den der Dreisessel aus 1300 Metern hinwegschaut auf die Wälder und die offenen grünen Täler und Hügel, in die Dörfer und einsame Gehöfte eingestreut liegen, als habe man sie eben aus einer Spielzeugschachtel hervorgeholt. Das kleine Städtchen ist mit seinen 1800 Einwohnern einmal Zollstation zur Tschechoslowakei hin gewesen. Jetzt ist der Schienenweg gesperrt, jedoch noch nicht zerstört. Kein Zug geht mehr hinüber ins Böhmerland, das in einer anderen Welt zu liegen scheint. Und doch ist die ein wenig schwermütige Landschaft jenseits der Grenze nicht zu unterscheiden von der auf unserer Seite. Ist sie das wirklich? Behaglich sitzen wir auf der Terrasse unseres idyllischen Ferienheims und schauen hinüber zu den Hängen der Sudeten, die ganz nahe, vom Grenzbach aus, ansteigen. Wir lächeln über uns selbst, daß wir uns beinahe hätten ins Bockshorn jagen lassen, als man uns daheim wohlwollend davor warnte, so dicht an den Eisernen Vorhang zu fahren. Seit Tagen sind wir nun schon hier, und nichts hat bisher die Ruhe und den Frieden gestört, die wir nach all dem Hasten des Alltags gesucht und nun auch gefunden haben. Noch nicht einmal ein tschechischer Grenzbeamter war auf der anderen Seite zu sehen. Aber es gibt da doch etwas in der Landschaft, was uns stört, was uns erregt: Drüben sehen wir Trümmer, nur vereinzelt zwar, aber immerhin zerstörte Häuser, obwohl von Passau aus bis hier hinauf keine Spur des Krieges festzustellen war. Das sind Wunden, die nicht die Waffen gerissen haben. Längst hatten die Kanonen geschwiegen, als die neuen Machthaber in Prag beschlossen, die ehemaligen sudetendeutschen Gehöfte abbrechen zu lassen. Was einst von bäuerlichem Leben erfüllt war, ist mitten im sogenannten Frieden in Trümmer gelegt worden. Ausgestorben liegen Felder und Wiesen vor uns. Kein Pflug zieht mehr seine Furchen und kein Vieh weidet auf den Almen. Eine tote Zone, die die östliche Welt zwischen sich und den Westen gelegt hat.
Oft geht der Blick der deutschen Bauern und Waldarbeiter dort hinüber. Mancher, der von „drüben“ stammt, hat mit ansehen müssen, wie das Haus seiner Väter dem Erdboden gleichgemacht wurde. Wer mag ihre Gefühle beschreiben, wenn sie für einen Augenblick mit der Arbeit inpehalten, um den Blick auf die alte Heimat zu richten? Aber immer noch ist in ihnen die unzerstörbare Hoffnung, dereinst wieder ihr Tagewerk als freie und unabhängige Menschen auf eigener Scholle verrichten zu können.
Auch die Muttergottes
Noch mehr als sonst haben sie in diesen Tagen hinübergeschaut, da deutsche Männer aus Ost-Berlin in Prag vorgaben, im gesamtdeutschen Interesse zu handeln und die Vertreibung der Sudetendeutschen als „abgeschlossen und gerecht“ vertraglich festlegten. Ohne große Worte zu machen, sprechen sie über diese Anmaßung ihr Urteil und nur zögernd erzählen sie davon, daß sie zumeist bei Nacht und Nebel, mit dem Notdürftigsten bepackt, herübergekommen sind. Sie wollten nicht mit den großen Aussiedlertrecks ziehen. Der Heimat nahe bleiben, nicht weit weg nach dem Westen, das waren ihre Gedanken, als sie dicht hinter der Grenze im Bayerischen Wald einen Unterschlupf suchten. Und während sie darangingen, recht und schlecht unter fremden Dächern ihr neues Leben einzurichten, wurden „drüben“ ihre Häuser verkauft um einen Preis, der in der Tschechoslowakei für wenige Kilo Butter gezahlt wird. Und diejenigen, die sie kauften, waren gezwungen, sie abzureißen. Sie brauchten das Holz des Fachwerks, um ihre Oefen zu heizen, da ihnen das Brennmaterial aus den Wäldern in unzweideutiger Absicht versagt wurde.
Es sind aber nicht die sudetendeutschen Gehöfte allein, die von den Tschechen abgebrochen werden. Unweit der deutschen Ortschaft Mittelfirmiansreut im Landkreis Wolfstein stand, schon auf tschechischem Boden, eine alte Wegkapelle. Dieser Tage nun entfernten die Tschechen aus der Kapelle die Muttergottes-Statue. Sie trugen sie zu einem nahe der Grenze stehenden deutschen Haus und legten sie dort vor die Haustüre Das Marienbildnis hat jetzt einen würdigen Platz in der Kirche von Mittelfirmiansreut gefunden. Von ihrer Kapelle auf tschechischem Boden ist jedoch nichts mehr übriggeblieben. Ein schlimmes Zeichen, sagen die Flüchtlinge, wenn auch die Muttergottes ausgewiesen wird.
Walton Walker
Generalleutnant Walker ist der Oberbefehlshaber der amerikanischen Bodenstreitkräfte in Korea.
ipr. "Er ist untersetzt, sein Bulldoggengesicht grimmig-ernst. Zwischen der dicken Nase und dem harten Kinn ziehen sich die schmalen Lippen halbmondförmig zu skeptischen Mundwinkeln herab. Daran ist nichts blasiert. Daß er Generalleutnant ist, erkennt man an den drei Sternen am offenen Kragen seines Khakihemdes. Wenn er den Stahlhelm aufsetzt, leuchten sie auch da nochmal, weiß auf olivgrünem Grund. Sie stammen aus der Hand Pattons, der sie ihm an der Donau auf den Uniformrock heftete, im April 1945, nach dem Sturmlauf seines „Gespenster-Korps“ über Metz und Mosel nach Süden. Patton wiederum hatte die Rangsterne von Eisenhower bekommen. Er wußte wohl, wem er sie weitergab. Denn Walton Walker, dessen Name als Beispiel eines großartigen Taktikers 1944 aus Churchills Mund im Unterhaus fiel, galt als ein As unter den Panzergenerälen der amerikanischen Armee.
Heute ist seine Aufgabe defensiv. Zunächst jedenfalls, bis aus dem kleinen Verteidigungsdreieck über Pusam der Aufmarschraum einer Offensivmacht geworden ist. Bis dahin wird der 60jährige Armeechef aus Texas noch manchen bitterernsten Ansturm gegen seinen Brückenkopf zurückschlagen müssen. Darin ist er nicht ganz unerfahren. Im letzten Weltkrieg setzte er seine Voraustruppen in schwerem Feuer über die Seine und hielt sich auch da am anderen Ufer, bis das Gros zur Stelle war. Das mag gegenüber seiner Aufgabe in Pusan aber nur eine bescheidene Generalprobe gewesen sein. Ein Militärkritiker in den Vereinigten Staaten nannte sie den schwersten Job, den je in der Geschichte ein amerikanischer General übernommen hätte.
Als Walker noch ein kleiner Leutnant war, im ersten Weltkrieg, wurde er zweimal im Heeresbericht zitiert und wegen Tapferkeit vor dem Feind auf dem Schlachtfeld befördert. Er kämpfte damals im Argonnerwald. Zwei Jahrzehnte später avancierte er in weniger als einem Jahr vom Oberstleutnant zum Generalmajor, vom Regimentschef zum Korpskommandeur. 17 Orden, darunter zwei sowjetische und das Offizierskreuz der französischen Ehrenlegion zeichnen ihn aus. Sechs Städte Frankreichs machten ihn zu ihrem Ehrenbürger. Schnelles Handeln liegt dem bärbeißigen Rekrutenvater und geschickten Taktiker, der sich seine Sporen vor fast einem halben Jahrhundert in Mexiko verdiente, wohl eben im Blut. Schon seine beiden Großväter dienten als Berufssoldaten in den Sätteln der amerikanischen Armee.
Kompromiß ?
AW. Die Belgier sind ein ruhiges Volk. In diesem Sommer nach einem aufregenden politischen Frühling sehnten sie sich eigentlich nach Ruhe. Man hatte sie zu oft wählen lassen und nur, weil das Fernbleiben von der Wahlurne bestraft wird, haben sie immer wieder ihre Stimme für oder wider den König abgegeben. Eigentlich war es vielen schon gleichgültig, ob nun Leopold zurückkehren würde oder nicht. Die meisten kennen ihren König nur von den unzähligen Bildern her und se' politisches Profil ist wie auf einem „Epinaler Bilderbogen“ vorgezeichnet; es ist geschmeichelt in der christlich-sozialen Presse u^d verzerrt in der oppositionellen.
Um so verwunderlicher ist bei dem ausgesprochenen politischen Phlegma des einzelnen Belgiers die Atmosphäre der Erregung und das Vibrieren einer revolutionären Spannung, die über dem Land liegt. Ganz echt ist das alles nicht, das empfindet jeder — nd daß dieses Empfinden bald in das Stadium des klaren Bewußtseins treten könnte, befürchten die Gegner Leopolds insgeheim.
Die Verhängung des Belagerungszustandes in der Provinz Lüttich muß böses Blut erregen, weil damit Kräfte in dem friedlichen Bürger geweckt werden, die seit den Zeiten der Revolution von 1830 schlummerten, sowie die Wasser im alten Gent, wenn sie der Wind nicht bewegt. In dem Wort Belagerungszustand klingt etwas von Sturmgeläute mit, da kann es an die persönliche Freiheit gehen. Aber andererseits nimmt es die Bevölkerung auch wunder, daß ein so friedfertiger Mann von echtem europäischen Format wie Spaak, die m^’^ante Politik so weit treibt, daß er, der klu_ wie Talleyrand ist, nun einem belgischen Marat gleich, die D emonstranten bis in die königlichen Gärten führte und einen Rückzug — in Begleitung des Kommunistenchefs übrigens antreten mußte, als die staatstreue Polizei den Säbel schwang.
Das Bedenklichste ist bei all der Turbulenz, nicht der Ruf „Abdanken“, sondern der Schrei „Wallonien“. Von Brüs¬ . sei bis Waterloo sind die flämischen Hausanschriften überschmiert. Aus dem König der Belgier würde der König der Flamen. Die Idee eines wallonischen Parlaments spukt in den Köpfen separatistischer Ve.reter. Aus dem Kampf gegen die Person des Königs ist ein Gefecht der Sozialisten gegen den Klerus geworden. Bei »sehe Truppen sind gegen belgische Arbeiter aufgeboten worden.
Die Bilanz der Ereignisse ist also wenig erfreulich. Alle haben sich kompromittiert. Die nüchternen Politiker haben längst erkannt, daß der Politil der Unnachgiebigkeit eigentlich eine Methode der Geschmeidigkeit folgen müßte. Vielleicht ist der erzt Schritt auf diesem Wege bereits getan. Während in Lüttich die Straß n noch widerhallen von dem Gesang der Marseillaise, des alten Kampfliedes gegen den Klerus, und die Flamen erst recht Rosen an das Bild des Königs stellen, haben Spaak und der Kabinettschef Leopolds eine Unterredung geführt, über der, so will es das Gerücht, das erlösende Wort Kompromiß gestanden haben soll.
Der Halbkreis um Pusan
Von einem militärischen Ostasien-Sachverständigen
Die alarmierende Nachricht, daß längs der Westküste vorstoßende nordkoreanische Truppen am Abend des 23. Juli die Südküste Koreas erreicht und Mokpo, Kwangschu, Sunschon und Namwon genommen haben, verliert bei genauer Betrachtung einer guten Karte manches von ihrem Schrecken.
Der im wesentlichen flache Küstenstreifen zwischen Kumzan und Mokpo, wo der nordkoreanische Angreifer geländemäßig ähnlich günstige Bedingungen fand wie bei Söul, wird von den Amerikanern kaum verteidigt worden sein. Wie die Skizze zeigt, liegt zwischen den jetzt bis Sunschon und nördlich gelangten nordkoreanischen Vortruppen — nur um solche konnte es sich zunächst handeln — und dem amerikanischen Hauptnachschubhafen Pusan eine beachtliche Gebirgskette. Sie weist nur wenige natürlich Durchlässe auf und bietet bei ihrer Höhe, Schroffheit und Waldarmut, sofern der Verteidiger nicht zu hoffnungslos unterlegen ist, gute Abwehrmöglichkeiten nach Nordwesten. Daß die Nordkoreaner in der Lage sein sollten, bei und nördlich Sunschon rasch einen Schwerpunkt zu bilden, ikt nicht anzunehmen: Die Luftlinie bis Taidschon mißt über 150, bis jenseits des 38. Breitengrades fast vierhundert Kilometer. Das sind Entfernungen, die der aus der Luft stark angegriffene nordkoreanische Nachschub nicht leicht überwinden kann, selbst wenn er, wie zu erwarten, zu küstennahen Seetransporten greift.
Leichter ist es für den Nordkoreaner, südöstlich Taidschon weiter mit starken Kräften anzugreifen. Nach Einnahme von Yongdong (fünfzig Kilometer südöstlich Taidschon) stehen sie hier unmittelbar vor dem einen schweren Frontalangriff erfordernden, wichtigsten Gebirgspaß. Hier wird wie in den letzten, so auch in den nächsten Tagen der nordkoreanische wie der amerikanische Schwerpunkt liegen.
Nordöstlich dieser zur Zeit am härtesten umkämpften Frontmitte haben die Nordkoreaner bisher nirgends ein besorgniserregendes Uebergewicht über die hier eingesetzten amerikanischen und südkoreanischen Kräfte gewinnen können. Neue Gefahren scheinen sich im Augenblick hier auch nicht abzuzeichnen.
Noch genügt das von den Amerikanern in Südkorea gehaltene Gelände mit seinen rund 150 bis 100 Kilometer Tiefe und seinen 200 Kilometer Breite allen Anforderungen, die billigerweise an einen Landekopf — und um mehr handelt es sich nicht — zu stellen sind. Daß dieser Landekopf wahrscheinlich sogar noch weiter verengt werden muß, ist denkbar angesichts des Umstandes, daß zur Verteidigung seiner Frontlänge von rund 300 Kilometer, neben südkoreanischen Truppen unbekannter Stärke, nur drei, allerdings aus der Luft unterstützte amerikanische Divisionen zur Verfügung stehen, die in ihrem Rücken sich obendrein mit Partisanen herumzuschlagen haben.
Die Schlacht in Südkorea steht in ihrem Höhepunkt. Geländebesitz um seiner selbst willen entscheidet nicht. Daß sich die amerikanische Führung auf das Wesentliche beschränkt, daß sie keine Kräfte für nebensächliche Aufgaben einsetzt, zeigt gerade die Tatsache, daß sie das für sie nicht entscheidende Gelände nördlich Mokpo—Sunschon kampflos aufgab.
150 Dschunken versenkt
Taipeh, 30. Juli. (AP.) Nationalchinesische Flugzeuge wollen mehr als 150 kommunistische Dschunken, die für eine Invasion der Insel Quemoy bereitgestellt gewesen sein sollen, versenkt oder beschädigt haben. Die Luftangriffe wurden als Maßnahme der Selbstverteidigung bezeichnet.
Ueber der Sahara abgestůrzt
Algier, 30. Juli, (dpa) Die Trümmer einer Bristol-Maschine, die seit Samstag bei einem Flug über die Sahara vermißt worden ist, sind am Sonntag, 150 Kilometer von Aulef entfernt, von einem Verkehrsflugzeug entdeckt worden. In der Nähe der Unglücksstelle sind keine Spuren von Leben zu entdecken. Das vermißte Flugzeug hatte 22 Passagiere und vier Mann Besatzung an Bord.
53 Todesopfer
Rio de Janeiro, 30. Juli, (dpa) Das bisher schwerste Flugzeugunglück in Brasilien ereignete sich, als eine viermotorige Constellation-Maschine der brasilianischen Luftfahrtgesellschaft bei Sao Leopoldo in der Nähe der Stadt Porto Alegre abstürzte. Sämtliche Insassen — 43 Passagiere und zehn Mann Besatzung — kamen ums Leben. Das Flugzeug soll im Gewitter gegen ein Hochspannungskabel geflogen sein.
Ein Gesandter für Formosa
Washington, 30. Juli, (dpa) Ueber die indische Regierung hat das amerikanische Außenministerium der Chinesischen Volksrepublik mitteilen lassen, daß die Vereinigten Staaten keine territorialen Absichten auf Formosa hätten. Amerika hoffe jedoch, daß das kommunistische China von einem Angriff auf die Insel absehen werde. Der bisherige Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Hongkong, Rankin, ist zum Gesandten und vorläufigen Geschäftsträger bei der nationalchinesischen Regierung in Taipeh auf Formosa ernannt wordlen.
Jahn für die Vierzig-Stunden-Woche
Abschluß der Transportarbeiter-Konferenz in Stuttgart
Drahtbericht unseres Korrespondenten
St. Stuttgart, 30. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Kongreß der Internationalen Transportarbeiter-Föderation ist in Stuttgart am Wochenende beendet worden.
in der Eisenbahner-Sektion erklärte der Präsident der Deutschen Eisenbahner-Gewerkschaft, Jahn, angesichts des Ausmaßes der Arbeitslosigkeit in Deutschland und ihrer politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen vertrete seine Gewerkschaft nachdrücklich die stufenweise Einführung der - Stunden-Woche.
Allgemeine Ueberraschung löste eine Mitteilung aus Hamburg aus, nach der gegen den Vorsitzenden der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Kummernuß, im Zusammenhang mit dem Boykott argentinischer Schiffe im Hamburger Hafen Strafanzeige erstattet worden sei. Von Seiten der Hamburger Wirtschaft sei die Leitung der Gewerkschaft für den durch den Boykott entstandenen Schaden mit der Begründung regreßpflichtig gemacht worden, daß zu einer Zeit beginnender Handelsbeziehungen mit Argentinien die von deutscher Seite gemachten Anstrengungen vereitelt würden. Es wurde bekanntgegeben, daß der für den 5. August in Häm-
bürg angekündigte argentinische Regierungsdampfer „Cordova“ mit einer Fracht von 1800 Tonnen ebenfalls nicht gelöscht werde.
gütete
Kritik an der Regierung
Fö. Düsseldorf, 30. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Beamtenausschuß des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat in einer Erklärung den Gesetzentwurf der Bundesregierung zu Artikel 131 des Grundgesetzes scharf kritisiert und behauptet, daß der Entwurf unter den Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes große Erregung ausgelöst habe. Der Entwurf mute den Beamten und Angestellten dadurch, daß er eine dreiprozentige Abgabe von den Bezügen aller Angehörigen des öffentlichen Dienstes einschließlich der Pensionäre vorsehe, eine Sonderlast zu, die nicht zu rechtfertigen sei. Der Anlaß für das Gesetz sei eine Kriegsfolgelast, für die die Gesamtheit einzustehen habe. Die geltende Beamtenbesoldung stamme noch von 1927. Die inzwischen wesentlich veränderte Wirtschaftslage mache eine sofortige Revision und Erhöhung der Beamtengehälter erforderlich.
Schumacher: Maximale soziale Leistung
Der Beitrag Deutschlands im Kampf gegen den Bolschewismus
Bonn, 30. Juli, (dpa) Dr. Schumacher hat am Sonntag vor dem in Bonn tagenden Vorstar ’ der Sozialdemokratischen Partei gesagt: „Der einzig mögliche effektive Beitrag Deutschlands für den Schutz Europas vor dem Bolschewismus ist eine maximale soziale Leistung in Westdeutschland.“ Diese soziale Leistung sei um so notwendiger, als Deutschland in der europäischen Lohnskala an viertletzter Stelle stehe.
Die sozialdemokratische Fraktion des Bundestages hat in einem Antrag eine Aufbesserung aller Sozialbezüge, entsprechend den gegenwärtigen Preiserhöhungen, gefordert. Der Antrag wurde auf der Vorstandssitzung verlesen und dann dem Bundestag zugeleitet. Die Bundesregierung wird darin ersucht, bis spätestens Mitte September dem Bundestag die erforderlichen Gesetze zu unterbreiten, um die Leistungen der gesamten Sozialversicherung, der Unterstützungen der Arbeitslosenversicherung und -fürsorge, der Bezüge für Körperbeschädigte und Hinterbliebene und die Unterhaltsbeiträge aus der Soforthilfe dem „veränderten Preisgefüge“ anzupassen. Bei den Länderregierungen soll eine entsprechende Erhöhung der Unterstützungssätze der Fürsorgeempfänger erreicht werden. In dem Antrag wird diese gesetzliche Regelung auf die Zeit vom 10. September bis 31. Dezember 1950 befristet.
Auf der Vorstandstagung wurde ferner erklärt, die Sozialdemokratische Partei werde sofort nach dem Ende der Parlamentsferien ihren „Kampf um die Senkung der Lebenshaltungskosten“ mit aller Entschiedenheit wieder aufnehmen. Die Vorstandstagung beschloß, Ollenhauer als Teilnehmer an der Comisco-Tagung am 9. und 10. September nach Straßburg zu entsenden.
Der Pressechef der Sozialdemokratischen Partei, Heine, berichtete über Vorbereitungen seiner Partei für eine zentrale Werbeaktion, die vom 30. September bis zum Ende des November laufen soll. In dieser Aktion sollen alle Kräfte zusammengefaßt werden, um eine Aktivierung und eine Erweiterung des Lebens in der Partei zu erreichen.
Attlee ruft England zur Abwehr auf
Rundfunk-Ansprache des britischen Premierministers
Chequers, 30. Juli. (AP.) Der britische Premierminister Attlee hat am Sonntag in einer Rundfunkansprache gesagt, daß der Krieg in Korea in einen neuen Weltbrand ausarten könne, wenn die Aggression nicht unter allen Umständen aufgehalten werde. Um eine Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern, müßte die britische Bevölkerung die Behörden entschlossen in ihrem Kampf gegen die Sabotage unterstützen und wirtschaftliche Vorteile zugunsten des Ausbaus der britischen Verteidigung aufgeben. Hierzu sei es auch erforderlich, daß sich mehr Engländer den britischen Streitkräften und den zivilen Verteidigungsorganisationen zur Verfügung stellten.
Attlee beschuldigte die Russen, in den Vereinten Nationen jede gemeinsame Arbeit unmöglich und alle Vorschläge über eine gemeinsame Abrüstung durch unfruchtbare Gegenvorschläge und das Veto unwirksam gemacht zu haben.
In einem Drei-Punkte-Programm forderte er die Engländer auf, sich zugunsten der Verteidigung einzuschränken, einen Teil ihrer Freizeit zur Ausbildung in der zivilen Verteidigung und den Streitkräften zur Verfügung zu stellen und vor feindlichen Agenten auf der Hut zu sein. „Wir hoffen von ganzem Herzen, daß die Sowjet-Union ihre Politik ändern und mit den anderen Nationen für die Erhaltung des Friedens und zum Schutz der ganzen Menschheit Zusammenarbeiten möge.“
Reimann fühlt sich unschuldig
Fö. Düsseldorf, 30. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Vorsitzende der westdeutschen Kommunistischen Partei Reimann hat auf einer Kundgebung in Düsseldorf die Verantwortung für die Verhaftung des ehemaligen Zweiten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, Kurt Müller, erneut mit der Begründung abgelehnt, daß Müller wegen Agententätigkeit in der Sowjetzone für eine fremde Macht durch die Sicherheitsorgane der „Deutschen Demokratischen Republik:“ in der Sowjetzone verhaftet worden sei.
Billigeres Bier erst im September
Bonn, 30. Juli. (dpa). Die mit Zustimmung vom Bundestag beschlossene Biersteuersenkung kann — einer Veröffentlichung des Bundesfinanzministeriums zufolge — erst in Kraft treten, wenn sie von der alliierten Oberkommission genehmigt ist. Das Gesetz wurde am Freitag in Bonn von beiden Häusern verabschiedet und tritt vierzehn Tage nach seiner Verkündung in Kraft. Es kann aber erst verkündet werden, wenn die dreiwöchige Einspruchsfrist der Oberkommission abgelaufen ist. Die neuen billigeren Bierpreise werden also frühestens Anfang September wirksam werden.
Tagung des Cartell-Perbandes
Mainz, 30. Juli. (Eigener Bericht.) Auf der 64. Carteilversammlung des C artellverbandes farbentragender kathohscher deütscher Studentenverbindungen (CV) in Mainz hat der Justiz- und Kultusminister von Rheinland-Pfalz. Dr. Süsterhenn, für die farbentragenden Verbindungen Stellung genommen. Diese Korporationen versuchten genau so wie die anderen studentischen Gemeinschaften, die neue studentische Lebensform zu suchen. An diesem Wettbewerb mit teilzunehmen, müsse . entsprechend der Grundrechte der Bundesverfassung auch dem CV zugestanden werden. Süsterhcnn protestierte gegen den Beschluß der Bonner Universität, nach dem es farbentragenden Verbindungen dieser Universität untersagt worden war. an der Fronleichnamsprozession in Couleur teilzunehmen. An dem Festakt des CV in Mainz nahm der Bischof von Mainz. Dr. Stohr, Eundespostminister Schubert. Ministerpräsident Altmeier und der Direktor der Kulturabteilung des französischen Oberkommissariats Schmittlein teil. Die Teilnehmer an der Cartellversammlung waren nach einem dem Festakt vorausgegangenen Pontifikalamt im Mainzer Dom von dort aus in Couleur zum Kurfürstlichen Schloß gezogen.
Die Länder sind zustůüundig
Die Hilfe für Flüchtlingsbeamte
Bonn, 30. Juli, (dpa) Die vom Bundestag beschlossene Weiterzahlung einer Ueberbrückungshilfe von insgesamt 36 Millionen Mark an die unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden verdrängten Beamten für die Monate Juli, August und September wird nach den Richtlinien vorgenommen, die die Ausschüsse für Beamtenrecht und für Heimatvertriebene erarbeitet haben. Wie die Pressestelle des Bundestages mitteilt, sind allein die Länder für die Auszahlung der Ueberbrückungshilfe zuständig. Die zuständigen Länderministerien würden daher auch die Richtlinien veröffentlichen und die Auszahlungsstellen bekanntgeben.
Der Wald brennt
Toulon, 30. Juli. (AP.) Auf weit über eine Million D-'^ark schätzt man den Schaden, den die seit vier Tagen in der Nähe der französischen Riviera wütenden Waldbrände bis jetzt angerichtet haben. Das Feuer begann bei Collorbrieres, etwa 35 Kilometer nordwestlich von Toulon, und breitete sich in nordöstlicher Richtung auf St. Tropez zu aus.
Stimmen der Auderen
Waffen aus Deutschland
Unter der Ueberschrift „Waffen aus Deutschland“ schreibt die „New York Herald Tribune“:
„Eine Aenderung oder Aufhebung der Beschränkungen für die deutsche Rüstung, wie die Franzosen sie anscheinend vorsehen, wäre eine logische Auswirkung des Schumanplans und würde Westdeutschland praktisch, wenn auch nicht formell zu einem Mitglied des Atlantikpaktes machen. Die günstigen Folgen, die ein solcher Schritt für die deutsche Wirtschaft und für das Kriegspotential Westeuropas haben würde, sind zu eindeutig, als daß man sie aufzählen müßte. Der französische Vorschlag, der bisher nur von einem Regierungssprecher in Paris vorgebracht wurde, bedeutet einen bemerkenswerten Wendepunkt in der französischen Deutschlandpolitik und zeigt, wie die sowjetische Drohung das traditionelle Denken in Paris geändert hat. Seit Jahren ist das Mißtrauen gegenüber Deutschland aus gutem Grund in den Franzosen verwurzelt, und zweifellos wurde der neue Plan auch nicht ohne beträchtliche Befürchtungen auf Seiten der Regierung vorgebracht. .
Es muß festgestellt werden, daß die Franzosen Deutschland keinen Blankoscheck geben, die Waffen, die es herstellen könnte, zu behalten und vielleicht mit ihnen eine neue Wehrmacht auszurüsten. Waffenproduktion ist eine Sache, Schaffung einer Armee eine andere. Mit beiden Problemen sollte man sich auf der Grundlage der militärischen Erfordernisse Europas getrennt beschäftigen. Selbst wenn man Westdeutschland erlauben sollte, Waffen herzustellen, würde die französische Oeffentlichkeit und wohl die ganze Welt, die in den letzten achtzig Jahren mit drei deutschen Armeen schlechte Erfahrungen gemacht hat, strenge Kontrollen und beständige Wachsamkeit fordern. Rüstungen aus Deutschland sind ein zweischneidiges Schwert. Man muß dafür sorgen, daß damit kein Mißbrauch getrieben wird.“
Begnadigung für verurteilte Deutsche in der Türkei?
Fl. Instanbul, 30. Juli. (Eigener Bericht.) Im türkischen Parlament ist im Zusammenhang mit dem Amnestiegesetz ein besonderer Erlaß beschlossen worden, der die Begnadigung von vier Deutschen vorsieht, welche während des Krieges wegen Spionage zu sehr langen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren. Unter ihnen befindet sich auch der bekannte Archäologe vön der Osten, der die wichtigen hititischen Ausgrabungen in Borghazköy vorgenommen hat.
Im Segelboot über den Atlantik
Bremerhaven, 30. Juli. Ein Amerikaner und ein Deutscher sind am Sonntag mit ihrem 14 Meter langen, selbstgebauten Segelboot in See gegangen, um den Atlantik zu überqueren und durch den Panama-Kanal nach San Franzisko zu fahren. Der ehemalige amerikanische Marineverwaltungsbeamte Jack Wool aus San Rafael in Kaliforni n hat sich mit dem Deutschen Erich öppen zusammengetan, der die Pläne zu dem Boot entwarf. Das Boot, „Tornado 4“, hat etwa 25 000 D-Mark gekostet. Die Reiseroute geht über Spanien nach West-Afrika und von dort über den Atlantik zum Panama-Kanal. In Lissabon soll der ehemalige amerikanisc 3 " larinesoldc’ Ebbe G. Kohlbeck aus San Diego an Bord genommen werden.
Ein Schmnuggler-Prozeß
Berlin, 30. Juli. (AP.) Vor einem Hohen amerikanischen Gericht hat in Berlin der Prozeß gegen einen internationalen Schmugglerring begonnen, dessen Mitglieder des Kaffeeschmuggels und der Hinterziehung von 300 000 DM an Steuern beschuldigt werden. Die' Schmugglerbande bestand aus drei Deutschen, drei Italienern, einem Polen und zwei Staatenlosen. Der Ring konnte durch einen amerikanischen Leutnant gesprengt werden, der zum Schein auf das Angebot eingegangen war, gegen Bezahlung von 500 Dollar Schmuggelgüter auf einem Armeelastwagen von West-Berlin nach Frankfurt zu transportieren. Als die Bande beim nächstenmal mit Hilfe des Offiziers drei Waggons mit Kaffee verschieben wollte, griff der amerikanische Geheimdienst zu.
Eine Düfenmaschine
auf der Strecke London—Paris
Paris, 30. Juli, (dpa) Zum erstenmal ist jetzt eine Düsenmaschine im Passagierverkehr eingesetzt worden. Ein britisches Düsenflugzeug vom Typ „Vickers Viscount“ mit 26 Personen an Bord brauchte für die 345 Kilometer lange Strecke auf dem Hinweg 57 und auf dem Rückweg 66 Minuten. Die Passagiere hatten nur zu bemängeln, daß die Ventilatoren in dem Flugzeug größeren Lärm als die Motoren machten. Der Mangel kann behoben werden.
Wieder Trümmer angetrieben
St. Peter, 30. Juli, (dpa) Ein sieben Meter langes Bruchstück der Steuerbordseite des schwedischen Wikingerschiffes „Kräftige Schlange“ wurde am Strand des schleswig-holsteinschen Nordseebades St Peter-Ording angetrieben. Die Eigenart der Bruchstelle an dem jetzt angetriebenen Wrackteil läßt nach Ansicht der Fischer in St. Peter nur den Schluß zu daß das Wikingerschiff im Sturm kenterte oder vor Anker treibend auf den Sänden vor der schleswig-holsteinschen Westküste von der Brandung zertrümmert worden ist. Sie halten es dagegen für unwahrscheinlich, daß das Boot auf die Felsen der Insel Helgoland getrieben wurde, da die „Kräftige Schlange“ in diesem Falle nach ihrer Meinung völlig zerschlagen worden wäre.
Keine Einigung um Wagner
Die Fraktion entscheidet — Stock an Hilpert
HGR. Wiesbaden, 30. Juli. (Eigener Bericht.) In gemeinsamer Sitzung des Landesausschusses und der Landtagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei am Samstagnachmittag beschloß der Landesausschuß, sich mit Wagners Regelung der Brotpreisfrage nicht einverstanden zu erklären. Alle weiteren Maßnahmen überlasse er der Landtagsfraktion. Damit bleibt voraussichtlich Wagner in seinem Amt, da die Fraktion hinter dem Minister steht. Es bleibt aber auch der Riß zwischen dem Ausschuß und der Fraktion.
Kurz bevor der Gesamtlandesausschuß und die Landtagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei zusammentraten, wurde ein Brief des Ministerpräsidenten Stock an Finanzminister Dr. Hilpert bekannt, in dem der Kabinettschef Stellung zu dem Briefwechsel in Sachen Wagner und der Koalition nimmt. Er stimmt mit Hilpert überein, daß zwar eine Uniformierung der Arbeit im Bund und den Ländern die Arbeit manchmal erleichtert. Aber eine solche Gleichschaltung liege keineswegs im Interesse einer wirklichen Demokratie und würde auch der im Grundgesetz verankerten föderalistischen Gesinnung widersprechen.
Wagner aber habe sich nicht nur in den Gegensatz zu der von der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften im Bund vertretenen Haltung gesetzt, sondern auch zur Politik der hessischen Regierung. Diese habe sich wiederholt einstimmig gegen jede Erhöhung der Brot- und Fettpreise ausgesprochen. Wenn Wagner auch guten Glaubens gewesen sei, der Bevölkerung zu helfen, so sei er doch verpflichtet gewesen, sich vorher bei den zuständigen Instanzen, insbesondere bei seinen Kabinettskollegen, zu unterrichten und nicht selbständig zu handeln. Bei den Besprechungen mit dem Backgewerbe habe er nicht einmal die Gewerkschaften als Verbraucher hinzugezogen.
Die Vertrauensfrage sei zunächst nur Sache der sozialdemokratischen Fraktion, „die durch die Stellungnahme des Kabinettspartners nicht berührt wird. Eine etwaige Einflußnahme in dieser Hinsicht müßte meine Partei sogar entschieden ablehnen.“ Aus diesem Grund bedauere er, daß Hilperts Brief in die Oeffentlichkeit gekommen sei.
Im übrigen habe der Artikel 41 der hessischen Verfassung (Sozialisierung) bisher in der ganzen Frage keine Rolle gespielt. Er lehne es aber ab, wenn in dem Brief Hilperts von einem völligen Versagen des Ministers a. D. Dr. Koch gesprochen werde. Solche Angriffe gegen einen sozialdemokratischen Minister seien nicht geeignet, die sachliche Zusammenarbeit der beiden Koalitionspartner zu fördern. Auch im Fall Engler werde man Wagner selbst dann nicht fallen lassen, wenn er aus dem Amt scheidet. Die Nichtigkeitserklärung der Berufung Englers zum Ministerialrat sei vom gesamten Kabinett, nicht von Wagner beschlossen worden. Auch die Sozialdemokratische Partei habe Engler gegenüber die notwendigen Schlußfolgerungen gezogen.
„Wagner handelte zu früh“
Feststellungen Zinnkanns
FS Wiesbaden, 30. Juli. (Eigener Bericht.) Der hessische Innenminister Zinnkann sprach am Sonntag auf zwei stark besuchten Veranstaltungen der Sozialdemokratischen Partei in Bad Soden und in Ansprach. Zu den in der Oeffentlichkeit geäußerten Vorwürfen gegen Minister Wagner sagte Innenminister Zinnkann, Wagners zu frühes Handeln sei sein politischer Fehler gewesen, während die Schuld für die plötzliche Brotpreiskrise bei dem Bundesfinanzminister liege. Die hessische Regierung hätte eine Brotpreiserhöhung und eine vom Bund geplante Fettsteuer unter allen Umständen abgelehnt, so sei Minister Wagner in eine Verantwortung getreten, die die Bundesregierung zu tragen habe.
Zur Politik der Sozialdemokratie in Hessen erklärte der Minister, daß noch in dieser Legislaturperiode die Gemeindeordnung und das Durchführungsgesetz zum Artikel 41 (Sozialisierung) verabschiedet werden solle. Beim sozialen Wohnungsbau halte Hessen die Spitze, abgesehen von den „reichen Ländern“ Hamburg und Nordrhein/Westfalen. In diesem Jahre noch würden in Hessen durch Staatszuschuß 25 000 und durch freie Finanzierung 5000 Wohnungen gebaut.
Rechenbücher aus Staatsmitteln
Wiesbaden, 30. Juli, (dpa) Rechenbücher für das dritte, vierte, siebente und achte Schuljahr der Volksschulen sind nach einer Mitteilung des hessischen Ministeriums für Erziehung und Volksbildung mit Zustimmung des Finanzministers im Vorgriff auf Etatmittel angeschafft worden.
Die Volks- und Mittelschüler des 6. und 7. Schuljahres und die Quintaner der höheren Schulen sollen darüber hinaus ein neues Geschichtsbuch erhalten, welches vom Geschichtsausschuß des hessischen Landesschulbeirates erarbeitet worden ist.
Da erst nach Verabschiedung des Etats weitere Mittel den Schulen übergeben werden können, empfiehlt das Kultusministerium den Eltern, die dazu in der Lage sind, auf eigene Kosten ihren Kindern Schulbücher zu beschaffen.
Die kulturelle Arbeit
der Heimatvertriebenen
Marburg, 30. Juli, (dpa.) Die Kulturstelle des Hessischen Landesverbandes der Heimatvertriebenen hielt in Marburg im Rahmen der Ostdeutschen Kultur- und Hochschulwoche ihre Hauptversammlung ab. Der Erste Vorsitzende, Dr. Ernst Lehmann, Kassel, wurde wiedergewählt. Es wurde betont, daß allein die kulturelle Arbeit der Heimatvertriebenenverbände eine Verständigung mit den Altbürgern herbeiführen könne, da es den Heimatvertriebenen bisher kaum möglich gewesen sei, auf finanzieller und wirtschaftlicher Basis einen Anschluß zu finden.
Die Versammelten baten in einer Entschließung an die hessischen Minister für Kultur und Finanzen um eine gerechte Verteilung der von der hessischen Staatsregierung zur Unterstützung der Flüchtlingsorganisationen bereitgestellten 20 000 DM, die ihrer Meinung nach prozentual nach den Mitgliederzahlen der einzelnen Organisationen aufgeteilt werden sollten.
Baumeisterprüfung
Bewerbungen für die Ablegung der diesjährigen Baumeisterprüfung nimmt die Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Darmstadt, Hügelstraße B—l 6,8—16, noch bis zum 30. August entgegen.
Die Handwerkskammer verlangt zu dem Gesuch:
1. Einen eigenhändig geschriebenen Lebenslauf.
2. Eine Geburtsurkunde.
3. Das Zeugnis über das Bestehen der Gesellenprüfung in einem Bauhauptgewerbe.
4. Das Zeugnis über das Bestehen der Reifeprüfung an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Bau- oder Baugewerkschule.
5. Den Nachweis, daß der Prüfling mindestens 5 Jahre als Geselle, Bauführer oder Techniker bei Ausführung von Bauten praktisch — nicht nur zeichnerisch! — tätig gewesen ist.
6. Ein polizeiliches Führungszeugnis.
7. Einen behördlichen Nachweis, daß der Prüfling im Bezirk des Prüfungsausschusses seit 6 Monaten seinen Wohnsitz hat.
8. Eine eidesstattliche Versicherung, ob der Prüfling sich noch nicht oder schon einmal einer Baumeisterprüfung unterzogen oder zur Ablegung gemeldet hatte.
Die Bewilligung von Ausnahmen einzelner Voraussetzungen kann der Prüfling gegebenenfalls gleichzeitig mit dem Gesuch um Zulassung zur Prüfung bei dem Prüfungsausschuß unter Darlegung der Gründe beantragen.
Auf Grund der Anmeldung entscheidet der Vorsitzende des Prüfungsausschusses über die Zulassung. Gegen eine Ablehnung des Zulassungsgesuches ist binnen zwei Wochen die Beschwerde an den Regierungspräsidenten zulässig.
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Muß das sein?
Kürzlich versuchte ich als Besitzerin eines von der Besatzungsmacht beschlagnahmten Hauses in Trautheim aus meinem eigenen Garten, in dem ein fremder, deutscher Junge Himbeeren erntete, eine Handvoll Früchte für meinen kranken Sohn geschenkt zu bekommen. Während ich dem Kind einen Behälter über den Stacheldrahtzaun reichte, erhob sich plötzlich aus der Himbeerhecke die uniformierte Gestalt des Hausbewohners, ein Offizier der Besatzungsmacht, und legte eine Pistole auf mich an. Als ich forteilte, verfolgte er mich auf der Straße. Ich versuchte daraufhin in einem Restaurant Unterschlupf zu finden, lief durch den Saal und durch das Nachbargebäude, bis ich mich in einem Lebensmittelgeschäft verstecken konnte. Unterdessen war der Offizier durch Trauthein geeilt, immer die Pistole in der Hosentasche, deren Kolben jedem Passanten sichtbar war, und schellte an unserer jetzigen Wohnung. Nach einer Weile entfernte er sich, da außer meinen beiden kleinen Kindern niemand in der Wohnung war und diese nicht öffneten. Die herbeigerufene Militärpolizei und das Ueberfallkommando erwiesen sich als machtlos. Man wartete auf das Eintreffen eines höheren Offiziers der Militärpolizei aus Frankfurt, der nach einer dreiviertel Stunde ankam, sich umgehend in unser beschlagnahmtes Haus begab und dann meinem Mann auf der Straße mitteilte, daß ich mich in Zukunft nicht mehr in der Straße meines beschlagnahmten Hauses sehen lassen dürfte. Jener Offizier sei im Recht.
Dies ist der Tatbestand des Vorfalls. Daß ich selbst, Mutter von zwei kleinen Kindern, in mehrfachen, persönlichen und brieflichen Rücksprachen mit dem Bewohner meines Hauses versucht hatte, eine teilweise Nutzung meines Gartens zu erreichen, sei unberücksichtigt. Nachdenklich stimmt jedoch, ob es der Völkerverständigung und der Versöhnung zwischen den einzelnen Nationen dienlich ist, wenn ein Offizier der Besatzungsmacht die Waffe auf eine Mutter anlegt, die versucht, von der Straße aus von einem fremden Jungen eine Handvoll Himbeeren aus ihrem eigenen Garten zu bekommen, von denen der Junge behauptet hatte, sie seien ihm von dem Besatzungsangehörigen geschenkt worden, weil er auf dessen Kinder aufgepaßt habe.
Frau Suse Scior, geb. Kehr Trautheim
Die Berufung von Otto Abetz, des ehe¬ maligen deutschen Botschafters in Paris, gegen das über ihn verhängte Urteil von zwanzig Jahren Zwangsarbeit ist vom Obersten französischen Berufungsgericht abgelehnt worden.
Ueberwiegend herter
Eigener Wetterbericht
Die über Westdeutschland ang.' ngte Hochdruckzelle wandert nach dem östlichen Süddeut -hland. Die chfolgende Störung ent' 'ekelt sich mehr nach Nordosten, ihre Auläufer streifen höchstens mit vereinzelten Gewittern den nördlichen Teil des Rheingebietes.
Aussichten: UeberwLomü heiter und trocken, wärmer. Im gebirgig. Teil des Nord n±s strichweise Gewitter. Höchstwerte ’ ei 28 Grad.
Der Rundkfunk am Dienstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Mui .ür Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikal-- ’ies Allerlei; 16.00 C"chesterkcrzert; 17.15 Mit Mandoline und Gitarren; . '0 „Leichtes Blut“; 20.00 Ein Tanzpotpourri; 21.05 Die Liebe macht nicht immer blind; 21.30 Ping-Pong; 22.15 Das .A bendstudio.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; IMO Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzer . 17.0 C Frauenfunk; 17.15 Musik italienischer Meister; 18.15 Klänge Jer Heimat; 20.05 Salzburger Festspiele 1950, I. Orcher '/konzert; 22.00 Die Rundfvnktanzkanelle; 23.15 Das Kammcrorc -«■ter Hans Conzelmann.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Sinfoniekonzert; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Operettenkonzert; 22 30 T'usik der Welt; 23.25 " zz 1950.
Ausverkauf beginnt
Wenn man sich eine Vorstellung machen will, was der Ausverkauf bringen wird, so muß man von dem ausgehen, was vorausgegangen ist. Die Kaufpsychose infolge der Ereignisse in Korea begann Anfang Juli. Zunächst bei Lebensmitteln, speziell Gelen, Fetten und Fleischkonserven, Zucker und Seife. Später griff die Psychose auf Textilien und Schuhe über. Der erste Samstag des Juli übertraf bei den großen Unternehmen des Einzelhandels die Juli-Umsätze des Vorjahres um 20 bis 40 Prozent. Der Höhepunkt lag etwa in der Mitte des Monats, wo an Textilien und Schuhen zwischen 50 und 100 Proz. mehr verkauft wurde als im Vorjahr. Nach der Monatsmitte begann die Nervosität der Verbraucher abzuklingen; es blieb offenbar nicht ohne Eindruck, daß die Bestände wieder aufgefüllt wurden. Schließlich ging den Verbrauchern auch das Geld aus.
Es ist gar keine Frage, daß diese Käufe, die teilweise auch schon das Weihnachtsgeschäft vorweggenommen haben, die für den Ausverkauf verbleibende Kaufkraft stark geschwächt haben. Um sich ein Bild davon zu machen, was an Kaufkraft noch vorhanden ist, muß man fragen, wer gekauft hat. Auf einen Nenner gebracht kann man sagen: Die Stadtbevölkerung hat im wesentlichen Lebensmüttel gekauft, die Landbevölkerung Textilien, Schuhe und Zucker. Auf diese Weise ist zweifellos ein großer Teil des Ausverkaufs für das flache Land schon vorweggenommen worden. Bei der Stadtbevölkerung dagegen dürften Bereitschaft und Möglichkeit, die Ausverkaufs-Angebote wahrzunehmen größer sein, zumal der Ausverkauf mit dem Monats-Ersten zusammenfällt, der für die Stadtbevölkerung ja der entscheidende Zahltag ist.
Die Folge der „Korea-Käufe“ ist für den Einzelhandel die, daß sich die Liquidität infolge der hohen Umsätze zu regulären Preisen sehr verbessert hat. Der Zwang, sich von alter Ware zu befreien, um auf diese Weise wieder für die nächste Saison einkaufen zu können — der eigentliche Zweck des Ausverkaufs — ist wesentlich geringer geworden. Aber auch von den „Korea-Käufern“ .abgesehen, die Notwendigkeit, unverkaufte Saison-Waren zu ungewöhnlich niedrigen Preisen an den Mann zu bringen, ist in diesem Sommer viel geringer als im vorigen.
Aber trotzdem ist die Situation nicht so. daß man den Ausverkauf auf selten der Einzelhändler nicht brauchte. Jeder Kaufmann macht Fehler und kauft Ware, die zum regulären Preis nicht geht. So gab es trotz der günstigen vorangegangenen Konjunktur überall Lagerrückstände, die nun zu heruntergezeichneten Preisen auf den Markt kommen werden. Man darf auch nicht übersehen, daß die großen Einzelhandelsunternehmen, die in heftiger Konkurrenz miteinander stehen, ihren Ehrgeiz dareinsetzen, auch in den Ausverkaufstagen „vorn zu liegen“ und den Kunden etwas Besonderes zu bieten, auch wenn von der Lagerhaltung aus gesehen, eine Notwendigkeit besonders billig anzubieten gar nicht besteht. Die Geschäfte haben sich daher bei der Industrie nach Ausverkaufsware umgesehen, wodurch sie der Industrie die Möglichkeit geben, Lagerbestände, die zur „zähen Masse“ gehören, aufzutauen. Man wird daher trotz der gewandelten Situation damit rechnen können, daß der Handel mit ausgesprochenen „ Ausverkaufs-Schlagern“ aufwartet, wenngleich sie nicht so sensationell sein werden wie im Vorjahr.
Der Einzelhandel muß bei seinen Preisen für die Ausverkaufsartikel auch die allgemeine Preistendenz im Auge haben. Die Preisabsatzbewegung, besonders bei Textilien und Bekleidung, schien schon etwa im Juni ihr Ende gefunden zu haben, während der Juli sogar eine ausgesprochene Tendenzumkehr mit sich brachte, wobei die infolge des Korea-Konflikts stark gestiegenen Baumwoll- und Wollpreise zweifellos eine Rolle spielen. Von Preiserhöhungen für Gewebe wird zunächst nur vereinzelt berichtet. Aber die Industrie gewährt kaum noch Nachlässe von den Listenpreisen. Die Vertreter haben wieder „Format“ gewonnen. Einzelne Fabrikanten haben die Auftragsannahme beschränkt oder gesperrt, da man sich in den Kontrakten nicht über zu große Zeiträume festlegen will, solange die Zukunft der Rohstoffpreise so ungewiß ist.
Chancen in Südafrika
vwd. Für deutsche Unternehmen, die in Südafrika Zweigstellen oder Fabrikanlagen errichten wollen, bestehen gute Gewinnmöglichkeiten, erklärte der Wirtschaftsminister der Südafrikanischen Union, Dr. Eric Louw, bei seinem Besuch in Hamburg am Sonntag.
Rheinschiffahrt belebt sich
vwd. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein hat sich nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Schiffahrtsstellen in den letzten Tagen infolge einer verstärkten Exporttätigkeit außerordentlich belebt. Vor allem haben die Verladungen von Eisen und Kohle nach den skandinavischen Ländern zugenommen. Der Gesamtumschlag der Duisburg-Ruhrorter Häfen wird nach Mitteilung der Hafenverwaltung im Juli erstmalig nach dem Kriege die Eine-Million-Tonnen-Grenze überschreiten.
Provision für Auslandsvertreter
vwd. Nach neuen, ergänzenden Bestimmungen können rückwirkend ab 1. Juli 1950 Provisionen an Auslandsvertreter auch in DM einem den Beschränkungen des Militärregierungs-Gesetzes Nr. 53 unterliegenden Konto, einem sogenannten Vertreterkonto, gutgeschrieben werden. Mit den Gutschriften kann der Auslandsvertreter im Bundesgebiet Waren einkaufen und diese in das Land ausführen, in dem er seinen Wohnsitz hat.
Monopolverwaltung
Ze. Der Entwurf eines Gesetzes über die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein wurde in der vorigen Woche vom Kabinett verabschiedet und dürfte in Kürze dem Bundestag zugeleitet werden. Man nimmt an, daß zum 1. Oktober die Arbeit der jetzigen „Ueberleitungsstelle“ auf die Bundesmonopolverwaltung unter anderem die Rechte und Pflichten aus den laufenden privatrechtlichen Verträgen, welche die mit dem Monopol befaßten Dienststellen abgeschlossen haben oder in die sie selbst eingetreten sind. Die Bundesregierung erhält auf Grund dieses Gesetzes die Ermächtigung, den Sitz der Bundesmonopolverwaltung zu bestimmen, den Präsidenten der Bundesmonopolverwaltung zu ernennen und alle übrigen Maßnahmen in personeller, sachlicher und finanzieller Hinsicht durchzuführen.
Um den Sitz der Bundesmonopolverwaltung bemühen sich zur Zeit die verschiedensten Städte. Das Gewerbe und die beteiligten Spiritus erzeugenden und verarbeitenden Kreise befürworten mehr oder minder Frankfurt oder Offenbach, weil beide Städte zentral liegen und für eine größere Behörde, die immerhin über mehrere Mitarbeiter verfügt, auch die Voraussetzungen für die räumliche Unterbringung besitzen.
Jagdwaffen werden eingeführt
vwd Wie der Deutsche Jagdschutzverband mitteilte, müssen die Jagdwaffen, die den deutschen Jägern auf Grund der alliierten Verordnung zugestanden sind, aus dem Ausland eingeführt werden. Die früheren Waffenfabriken im Bundesgebiet sind restlos demontiert worden. Der Verband verhandelt deshalb mit dem Bundeswirtschaftsministerium, der Fachindustrie und dem Waffenhandel, um den Import von Jagdbüchsen auf etwa fünf bewährte Patronentypen zu beschränken.
Bz Chemische Werke Brockh’jes AG, Nie¬ derwalluf a. Rh. Die Hauptversammlung der Gesellschaft findet am 18. August in Niederwalluf statt. Neben Vorlage der DM-Eröffnungsbilanz zum 21. 6. 1948 soll Neufestsetzung des Grundkapitals (0,85 Millionen DM) im Verhältnis 1:1 beschlossen werden.
Bz Firma Eisen-Rieg AG, Darmstadt. Die auf Grund des Gesetzes Nr. 52 der Militärregierung verhängte Vermögenssperre ist aufgehoben und die Treuhänderschaft von Min.-Dir. a. D. Rudolf Bissigkeit. Bensheim-Auerbach, erloschen.
bt Karl Mayer, Erste hessische Wirk¬ maschinenfabrik GmbH, Obertshausen bei Offenbach am Main. Mit 100 000 DM Stammkapital übernimmt die neugegründete GmbH die seitherige OHG Karl Mayer, Obertshausen. Die Firma befaßt sich mit der Herstellung von Wirkmaschinen aller Art und führt das bisherige Geschäft fort. Als alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer zeichnet Fabrikant Karl Mayer in Obertshausen.
Mehr Weizenanbau in Hessen?
Er. Die Möglichkeiten des Ausweichens in einen anderen Produktionszweig sind in der Landwirtschaft sehr gering. Der derzeitige Weltmarktpreis für Getreide könnte aber einen Anreiz bilden, den Brotgetreideanbau zu verstärken. Eine solche Maßnahme würde zudem auch eine Verringerung der kostspieligen menschlichen Arbeitskräfte ermöglichen. Wäre aber diese Maßnahme nicht höchst unsozial?
Aber auch sonst ergeben sich ernstliche Bedenken. Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist eine Einheit. Seine einzelnen Produktionszweige müssen schon aus Gründen der Fruchtfolge in einem nur begrenzt beweglichen Verhältnis zueinander stehen. Die Abstimmung der einzelnen Produktionszweige muß für Jahre im voraus geplant sein. Ställe, Scheunen, Anspannung, Zuchtrichtung bei der Pferde-, Rindvieh- und Schweinezucht, bei Kartoffel-, Zuckerrüben- und Getreidebau müssen in diesem Plan festgelegt sein. Sie können nicht jeweils nach der Weltkonjunktur geändert werden. Eine geringe Erhöhung der Getreideanbaufläche ist unter Zurückstellung eines anderen Erzeugnisses möglich. In solchen Fällen ensteht aber sofort ein hohes Risiko gerade beim Brotgetreidebau, der wie kaum ein anderes Produkt vom Weltmarktpreis abhängig ist. Und gerade dieses Risiko sollte man den Getreideländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien usw. überlassen.
Zum andern ist jetzt bekannt geworden, daß die amerikanischen Farmer in den Getreidestaaten von der flächenmäßigen Anbaubegrenzung durch den Staat (dann natürlich unter Fortfall der Mindestpreisgarantie) befreit sind und für den Weltmarkt erzeugen wollen. Sie glauben den Bushel (27,2 kg) Weizen für einen Dollar erzeugen zu können, während nach dem Weltweizenabkommen etwa 1,8 Dollar je Bushel vorgesehen waren und wir seither über zwei Dollar je Bushel bezahlen mußten. Würde der Weltmarktpreis auf einen Dollar je Bushel sinken, so kostete der Auslandsweizen 22,97 DM je Doppelzentner frei Mühle gegenüber heute 30,30 bis 32,50 DM für deutschen und etwa 38 DM für ausländischen Weizen. Bei sinkender Schiffsfracht wird der Preis noch niedriger. Ein Preis von 22 bis 23 DM je Doppelzentner würde die Kosten der deutschen Erzeugung aber nicht decken.
Aus diesen Gegebenheiten heraus kann eine wesentliche Ausdehnung der Brotgetreidefläche in Hessen nicht befürwortet werden. Der Bauer kann sich aber anders einstellen. Soll er nicht die Gelegenheit solange nützen, als der Weltmarktpreis noch höher liegt als der deutsche Preis? Durch Verwendung besten Zuchtsaatgutes und Anwendung einer Volldüngung bei sorgfältigsten Pflegemaßnahmen muß der höchstmögliche Ertrag erzielt werden. Eine solche Erzeugung liegt sowohl im Interesse der Landwirte als in dem des Verbrauchers. Durch die erhöhte Einnahme wird der Erzeuger in den Stand gesetzt, möglichst viel Kunstdünger und bestes Saatgut für alle Kulturarten, Maschinen und Geräte zu beschaffen und seine Gebäude neuzeitlich herzurichten. Hierdurch gibt er der Industrie die Möglichkeit, ihren Absatz zu erhöhen und ihre Arbeiter weiter zu beschäftigen. Außerdem werden Devisen eingespart. Es ist, wie erst kürzlich von einem namhaften Wirtschaftswissenschaftler gesagt wurde, bis zum Ausgleich der Zahlungsbilanz noch ein mühevoller Weg.
Produktionsindex auf 107 gestiegen
AP./vwd. Das industrielle Produktionsvolumen hat sich von Mai bis Juni nochmals um 1,9 Prozent auf 107 Prozent des Standes von 1936 erhöht und liegt damit um 23 Prozent über dem Vorjahr. Die wirtschaftliche Lage im Bundesgebiet zeigt nach dem Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums eine „in die Breite gehende Belebung“. Der Auftrieb werde besonders durch die günstige Entwicklung im Bausektor und das weiter zunehmende Exportgeschäft unterbaut. Eine Zunahme der Beschäftigten um mehr als eine halbe Million im zweiten Vierteljahr zeige den Grad des Auftriebes. Das Außenhandelsvolumen habe sich im Juni wieder „kräftig erhöht“. Diese Erhöhung beziehe sich allerdings mehr auf die Einfuhr als auf die Ausfuhr. Der Gesamtpassivsaldo für Juni sei mit 34.0 Millionen Dollar wieder höher als mit 20,8 Millionen Dollar im Mai. Bei der Einfuhr sind die Importe für die gewerbliche Wirtschaft wesentlich stärker gestiegen als die für die Ernährungswirtschaft. Die ei teilten Einfuhrbewilligungen auf Grund der Freiliste und der liberalisierten Handelsabkommen haben sich im Juni gegenüber Mai weiter erhöht, besonders ™ „,Handelsverkehr mit Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Norwegen.
Termin für DM-Bilanz
vwd. Die Bundesregierung beabsichtigt, dem Bundestag den Entwurf eines DM-Bilanz-Ergänzungsgesetzes zur Beschlußfassung vorzulegen. Der Gesetzentwurf enthält keine Aenderung der Bewertungsvorschriften des DM-Bilanzgesetzes, so daß kein Anlaß besteht, deshalb die Aufstellung der Eröffnungsbilanzen zu verzögern.
Feuilleton
Darmstadt gedachte Joh. Seb. Bachs
EINE FEIERSTUNDE IN DER PAULUSKIRCHE
Die Stadt Darmstadt, die evangelische und die katholische Gesamtgemeinde gedachten in einer schlichten Feier in der Pauluskirche des 200. Todestages Joh. Seb. Bachs. Prof. W. B. Borngässer hatte mit dem Darmstädter Stadtkirchenchor und einem gemischten Chor des Pädagogischen Instituts Jungenheim die „Trauerode“ einstudiert. Ein kleines Orchester von Musikfreunden, unterstützt von einigen Mitgliedern des Landestheater-Orchesters, war Träger des instrumentalen Parts. Im solistischen Gesangsquartett fungierten Sibylle Ursula Fuchs „ (Mainz), Lu Keil-Schleucher (Darmstadt), Heinz Matthei (Frankfurt) und Robert Hager (München). Prof. Margurre hatte die Cembalo-Ausführung übernommen, Dr. Ludwig Borngässer spielte Es-Dur-Praeludium und Trippelfuge aus der Orgelmesse. Die Gedenkrede hielt Prof. Dr. Friedrich Blume. Kiel.
Im Gegensatz zu den zahlreichen Monster-Bachfeiern dieses Jahres wurde in der dicht gefüllten Pauluskirche gute Laienkunst geboten, dlie zwar für die Solis Berufskünstler zu Hilfe nahm, sich sonst aber auf den Musikliebhaber als Ausführenden beschränkte. Wenn daher technisch hie und da nicht alles zum Besten gelang und die nicht gerade idealen akustischen Verhältnisse der Chorempore für einen kleinen Musizierkreis immer wieder Schwierigkeiten bei der Wiedergabe nach sich ziehen, so wurde doch diese Aufführung doch mehr im Sinne Bachs getan, als es sonst gewöhnlieh geschieht. Die stilistische Haltung war es, die allgemein erfreute, die Sauberkeit des chorischen Singens, die schönen Solostimmen, die Festigkeit des Continuo-Traktierens und der einfache und natürliche Klangcharakter des Ganzen. Die Orgel umrahmte mit ausgesuchter Registrierung die Gedenkstunde.
Im Mittelpunkt stand die Rede von Prof. Blume. Sie wich glücklicherweise vom üblichen Typ der „Festrede“ gänzlich ab. Es sprach der Wissenschaftler und historische Mentor Bachs, der das neu gewonnene Bachbild in prägnanten Zügen nachzeichnete und seinen bekenntnishaften Worten stets den Quellenbeweis beigab. Bach als dienender Kantor und ästhetisch denkender Hofmusiker, Bach auf der Scheide eines der größten Geistesumbrüche menschlicher Geschichte, Bach als Bewahrer lutherischer Tradition und als Erneuerer musikalischer Prinzipien. Bach in der Zweiheit seines Denkens seiner Zeit verbunden, trägt in dieser Vielfalt ein so starkes persönliches Künstlertum in sich und in seinem Werk, daß Generationen darauf aufbauen können, ohne es je zu erschöpfen.
Man konnte diese Worte des Gedenkens an den großen Meister nicht hören, ohne sich mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Tätiges Mitgehen verlangte diese Feierstunde und war daher in ihrer Art nicht Reminiszenz auf den Todestag eines Großen, sondern lebendiger Ausdruck einer Gemeinde, die im Ringen um eine eigene neue Geisteshaltung steht. G. I.
Zusammenarbeit auf internationaler Basis
11. WELTKONGRESS DER MUSIKBIBLIOTHEKEN IN LÜNEBURG
Die Schäden und Verluste an kulturellen Werten nach dem letzten Kriege stellen auch den Musikbibliothekar vor eine gänzlich neue und außerordentlich schwierige Situation. Schon beim 1. Weltkongreß im vorigen Jahr in Florenz war es allen Musikbibliothekaren und Fachwissenschaftlern klar, daß nur in gemeinsamer Arbeit aller Nationen eine schnelle Uebersicht über die noch vorhandenen Quellen erreicht wird und dem Forscher das Material an die Hand gegeben werden kann, das er zur Fortführung seiner wissenschaftlichen Studien benötigt. Mikrofilm, Photokopie und Neuausgabe sollen dabei wertvolle Hilfe leisten. Durch Austausch der Erfahrungen, durch rascheste Neueinrichtung der Kataloge und Sichtung und Festlegung des archivalisch noch nicht wieder geordneten Urkunden- und Notenmaterials muß auf internationaler Basis der Wiederaufbau der Musikbibliotheken betrieben werden. Jede Bibliothek und jedes Archiv müssen sofort den wissenschaftlichen Fachmusiker oder Musikbibliothekar zu Rate ziehen, falls sich irgendwelche Musikalien in den Beständen befinden. Immer wieder kommt es vor, daß bei nichtsystematischer Durcharbeitung der Bibliotheken und Archive später „durch Zufall“ alte und neuere musikalische Schätze zutage gefördert werden, die durch ihren einmaligen Wert plötzlich einen Komponisten oder eine ganze , Epoche in einem völlig neuen Blick erscheinen lassen. Die Kultusminister wurden daher in einer Resolution gebeten, den Archiven musikalische Fachberater zur Seite zu geben. Auch die Unesco hat sich mit dem ganzen Gewicht ihrer Institution für die Belange der Musikbibliothekare eingesetzt und ihre direkte Beteiligung am Aufbau der Bibliotheken zugesagt.
Unter diesem Aspekt konstituierte sich in Lüneburg die „Soicite internationale des bibliothecairs musicaux“. Eie vorläufiger Vorstand wurde zunächst gewählt. dem Prof. Valentin Denis ( Löwen-Belgien) als Präsident und Prof. Vladimir Fedorow (Paris) als Sekretär angehören. Jede Nation hat außerdem in einem Kommissionsausschuß ihren Vertreter, der die Belange seines Landes wahrnimmt. Für Deutschland wurde Dr. Lutter. Göttingen, gewählt. Der gesamte Vorstand ist gleichzeitig Mitglied des musikalischen Rates der Unesco.
In zahlreichen Vorträgen der Musikbibliothekare verschiedener Länder wurden bereits die ersten Ergebnisse und Erfahrungen bekanntgegeben, wobei auch eine ganze Reihe ..Neuentdeckungen“ Erwähnung fanden, die man bisher erahnte, aber nicht kannte oder die man durch den Krieg verloren glaubte. Da wegen der ständigen Neuordnung in absehbarer Zeit mit endgültigen Archivkatalogen kaum zu rechnen ist. sollen jetzt durch ständige „Mitteilungen“ alle Musikbibliothekare auf dem laufenden gehalten werden. G.I.
Mahnung zur Vernunft
In seinem Vortrag in der Technischen Hochschule mit dem Thema „Aus den Grenzgebieten der Meteorologie und verwandten Wissenschaften“ erklärte am Donnerstagabend Dr.-Ing. Klemperer von dei- Douglas Aircraft Company, Los Angeles, in maßgeblichen Kreisen Amerikas bestünde die Ansicht, daß die Sicherheit einer mehrwöchigen Wettervorhersage zunehmen würde. Nach der Aufhebung des Segelflugverbotes im deutschen Bundesgebiet befragt, antwortete der Pionier des Segelflugs, der Zeitpunkt sei genau so schwer zu prophezeien wie das Wetter. Das Aufstellen von Forderungen sei immer eine delikate Angelegenheit. Die amerikanischen Segelflieger wünschten jedenfalls, daß die Deutschen wieder fliegen. Man solle deshalb auf die Vernunft bauen, damit ruhige Ueberlegungen die Entscheidung heranreifen ließen. Er glaube daran, daß sich ein Modus finden lasse, durch den der deutschen Jugend die Ausübung des Segelflugsportes erlaubt würde, der aber auf der anderen Seite eine Ausübung des Segelfliegens zu militärischen Zwecken verhindere. t~s
„Herrin und Dienerin des Menschen zugleich”
DIE NATIONEN UND DIE GESCHISCHTE / EIN VORTRAG IM AMERIKAHAUS
Ueber Probleme, die sich bei dem tiefgreifenden Wandel auf allen Gebieten des Denkens und Wissens heute ergeben, sprach im Amerikahaus Professor Dr. Walter Tritsch zu dem Thema: „Die Nationen und die Geschichte“. Ohne Manuskript, in einer zugleich gelösten und erhöhten Art geistigen Gesprächs suchte er, aus der Fülle des Stoffs besonders interessierende Fragen um Nation und Kultur, Geschichte und Sprache zu klären.
Es ist keine leichte Aufgabe, Menschen, deren Alltagspflichten eng gebunden und einer alten Tradition verhaftet s:nd, vor eine Schau zu führen, die den steten Wandel aller gefundenen Satzung offenbart und dem Worte Stammlers recht gibt, daß Herr der Zukunft nur bleibt, „wer sich wandeln kann“.
Gegenüber der seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert geltenden Ueberzeugung, daß es sich bei Nation und Kultur um gänzlich eigenständige Grundgegebenheiten handele, die fortlebend nur Arteigenes in bestimmter Weise entwickeln, verwies Professor Tritsch auf Forschungsergebnisse der Archäologie und Sprachwissenschaften, der Biologie und Entwicklungslehre, die den fördernden Sinn, die Zeugungskraft und Fruchtbarkeit von Uebertragungen und Verbindungen, Losreißung und Aufnahme bestätigen. Es zeigen sich in den verschiedenen Völkerkreisen gewisse Züge des Allgemeinmenschlichen, Grundlinien der Entwicklung, Gesetze für Wachstum und Erstarrung, die wohl nach verschiedenen Bedingungen verschieden abgew'ndelt erscheinen. doch in der tatsächlichen Gültigkeit sich überall gleichen. Es ist daher unsachlich, Bausch- und Bogenurteile über ein ganzes Volk oder über die Verhaltensweise bestimmter Gruppen zu fällen. Die prüfende Frage heißt stets: du und ich, in dieselbe Lage gebracht, wie würden wir uns verhalten? Eine umfassende Berücksichtigung von Mentalität und Anschauung der Gruppen oder Volker, von Zeitgeist, politischen, wirtschaftlichen, sozialen Gegebenheiten ist erforderlich, um zu gerechtem Urteil in Geschichte und Kulturdarstellung zu gelangen,
In diesem Zusammenhang sprach Professor Tritsch von der entscheidenden Bedeutung des Geschichtsunterrichtes, wie er an Schulen und Universitäten gehandhabt wird. Es müsse sich geradezu lebengefährdend auswirken, die Heranwachsenden mit Vorstellungen zu erfüllen, die dem Welt- und Entwicklungsbilde, das die Forschung heute erarbeitet, nicht entsprechen. Der Einklang von Wissen und Verhalten, von Lebensgefühl und Vorstellung im einzelnen ist unerläßlich für gemeinsames Menschenwerk der verschiedenen Völkerschaften. Unter Begriffen, die überall und immer gebraucht werden, wie „Kultur“, „Nation , „Demokratie“ u. a. wird in verschiedenen Staatswesen jeweils etwas anderes v°r* gestellt und gemeint. Es ist notwendig, Klärung und Erläuterung der verschiedenen Auffassungen vor einem internationalen Forum von Wissenschaftlern zu suchen und Grundbegriffe des vöJkeJ" lebens neu zu denken und mit verbindlichem Sinn zu erfüllen.
In der Vielschichtigkeit und unendlichen Bewegung der Kulturen des geschichtlichen Lebens, der menschlichen Seinsweisen und ihrer Entwicklung bleibt für uns, denen die Herzländer des Abendlandes mit ihrer Vergangenheit seelisch-geistige Heimat sind, Antwort heischend die Frage nach der Begnffs- Spannung „abendländischer Mensch . „abendländische Kultur“ bestehen, an deren Zukunft uns alles gelegen ist.
Der Vortragende gab dafür eine Fassung die weite Räume und Variationen umgreifend, doch beim Ursprung abendländischer Menschengesinnung anknüpfte, bei dem Worte des Hesiod: „Die Göttin des Schicksals ist Herrin und Dienerin des Menschen zugleich.“ In der Antike wurde zum ersten Male das Wesen abendländischer Seinsweise ausgesprochen mit der Entdeckung des mehrfachen Sinnes der menschliches Verhalten und Handein haben kann. Kennzeichnet es einen Kulturkreis, menschliches Handeln als eitel, sinnlos und vertan zu werten vor den ewigen, gebietenden Schicksalsmächten, ist ein anderer von der Auffassung durchdrungen, der Mensch vermöge das Schicksal zu zwingen und zu beherrschen, so erkennt abendländischer Sinn das Zwiefache und Zusammenwirkende im Verhältnis von Menschenwille und ewigem Schicksal, von Freiheit und Gebundenheit und nimmt die Tragik und Komik, die vielfältig daraus resultieren, willig als Situation des menschlichen Lebens und als Feld seiner Tätigkeit an.
In der grundsätzlichen Bejahung dieser Wesensbestimmung der abendländischen Geisteshaltung fand sich nach mancher Fragestellung der Hörerkreis dieses Abends aufrichtig zusammen und dankte Professor Tritsch für die Einblicke, die er in die Zusammenhänge der verschiedenen Wissensgebiete gab und für die klärende Kraft, die seiner lebendigen Darstellung eigen war. D-s.
Bedrohung und Ueberwindung
Richard Benz sprach im Amerikahaus über seinen langjährigen Freund, den verstorbenen Maler Gustav Wolff, dessen wichtigste Arbeiten in einer Kollektivausstellung gegenwärtig in Darmstadt zu sehen sind. Zahlreiche Lichtbilder, die den« Lebenslauf des Künstlers in seinen Werken zeigten, vermittelten den Eindruck einer Persönlichkeit, die die kolmischen Erregungen, das Wesenhafte in das Dasein oder die Gegenständlichkeit hereinzunehmen versucht, um eine gesteigerte Wirklichkeit, eine neue kosmische Lebendigkeit zu schaffen. Gustav Wolff blieb seinem Menschsein treu. Not und Elend trieben ihn nicht zur Aufgabe des Menschenbildes, sondern machten ihn zu einem schöpferischen Ueberwinder. Er der die Dämonen kannte, die das göttlich Geschaffene zerstören und auflösen möchten, schildert in seinen Werken sowohl die Bedrohung als auch die Ueberwindung, die ihn besonders in seinen letzten Arbeiten zu überzeugenden Darstellungen der göttlich beseligten und himmlisch befriedigten Menschenseele befähigte. Gerade diese Werke zeigen eine große Aufgabe der Kunst: dem Menschen die Höhe des Lebens und das Wunder der Erfüllung sichtbar zu machen.
Richard Benz, dessen Vortrag als ein nachträglicher Beitrag zu den Darmstädter Gesprächen über das Menschenbild in unserer Zeit gedacht war, deutete das Werk Gustav Wolffs als einen Weg zur Zusammenführung des ganzen Menschen mit der ganzen Zeit. M.
Hohe Liedkunst im Amerikahaus
Einen seltenen Kunstgenuß erlebten die wenigen aber ständigen Sommerbesucher des Amerikahauses im Konzert der amerikanischen Sopranistin Janet Hayes. Ihre Stimme schwelgt im Wohllaut und verdient alle Prädikate, die in dieser Beziehung zu vergeben sind. Klarheit und Reinheit in Ton und Sprache, Ausdruck, Empfindung und schlichte Größe in der Wiedergabe, stilistisches Einfühlungsvermögen und technische Vollendung in der musikalischen Gestaltung sind die beispiellosen Vorzüge dieser Sängerin, die zudem noch eine charmante Bühnenfigur mitbrachte. Ob es Händel, Brahms oder die griechischen Volkslieder Ravels waren, der Charakter der Gesänge wurde distinguiert und gleich gut getroffen. Mühelos wußte die Sängerin die melodischen Linien verströmen zu lassen, denn ihre Stimme ist leistungsfähiger, als sie es für den Einsatz in Lied und Arie benötigt.
Charles Dodsley Walker war ein unaufdringlicher Begleiter am Flügel, der der Sängerin an feinnerviger Musikalität und aparter Technik in nichts nachstand. Das beglückende Konzertieren dieser beiden großen Kürtstlei' wurde von den Hörern mit starkem Beifall belohnt. G. I.
Das Land der Zukunft
EIN FARBFILM ÜBER SÜDAMERIKA
Das zahlreiche Publikum, das in der Aula der Technischen Hochschule die von der Volkshochschule angekündigte deutsche Erstaufführung des neuen Farbfilms „Das ist Südamerika“ erlebte, wurde von dem Schriftsteller und Flieger Erich Tilgenkamp aus Zürich, der den ablaufenden Film erläuterte, mit dem Geheimnis des „Kontinentes mit der größten Zukunft“ vertraut gemacht. Die menschliche Gesinnung Tilgenkamps, die seine bezwingenden Schilderungen prägt, ging besonders aus seinen Bemerkungen über die alte Kultur und die „Revolutionslust“ Südamerikas hervor. Der Weiße vermeidet es, auf andere Kulturen herabzublicken, wenn er erfährt, daß die wegen ihrer religiösen Menschenopfer vernichtete Kultur der Inkas und Azteken bei weitem nicht so vielen Menschen das Leben raubte wie die modernen religionslosen Kriege — ganz abgesehen davon, daß am Anfang aller Kulturen das Opfer des Menschen stand. Auch die zahlreichen „Sonntagsrevolutionen“ Südamerikas sind längst nicht so ernst zu nehmen, wie die wahren Tyrannen dieses Kontinents, die Zucker, Kaffee, Baumwolle, Gummi, Weizen und Erdöl heißen.
Der in starken Farben gehaltene Film gab einen als Uebersicht und Reise gedachten Querschnitt durch den 90 Breitengrade umfassenden Halbkontinent mit seinen zahlreichen Ländern und Inseln. Riesige Ströme, gewaltige Bergzüge, undurchdringliche Urwälder, endlose Seen und prächtige Blumen, Sträucher und Bäume wurden gezeigt. Luxusvillen und Elendshütten, Kathedralen und Hindutempel, Stierkämpfe und Negertänze, vergessene Dörfer und glänzende Hauptstädte unterhielten das Auge. Das alte Tenochtitlan, das Venedig Mexikos und die Iguassu-Fälle, die Niagara-Fälle Südamerikas bannten den Blick. Die Originalmusik der Dum-Dumtrommeln im Urwalddschungel von Paramaribo, der Volkstänze im guatemalischen Bergland und Schwerttänze auf den Bahama-Inseln bezwangen das Ohr. — Es waren dankbar angenommene Abenteuer des Wissens, die Dr. Tilgenkamp durch seinen Film vermittelte. M.
Notizen
Die Suite in D von Michael Tippett wird Bruno Vondenhoff im November in einem der Frankfurter Museumskonzerte zur deutschen Erstaufführung bringen.
Bei den deutsch-französischen Kultur¬ tagen, die für Oktober in Wiesbaden geplant sind, werden im Hessischen Staatstheater zwei Pantomimen uraufgeführt werden: „Die Kamelien“ von Jean Franqais und „Topsy“ von Hermann Reutter. Die Idee zu beiden Stücken stammt von Sonja Korty. Im gleichen Haus wird auch Werner Egks neues Ballett „Ein Sommertag“, das kürzlich in Berlin uraufgeführt wurde, zusammen mit Blachers Balletten „Chiarina“ und „Quadrille“ herauskommen. Die Entwürfe dieser drei Tanzschöpfungen stammen von dem vor wenigen Monaten in Berlin verstorbenen Bühnenbildner Prof. Paul Strecker.
Unsereiner wird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER7) Copyright by Dt. Alexander Fuchs, Braunschweig
Zum Glück beschränkte sich das Feuer auf einen Bestand an älteren, nicht mehr leicht zu verkaufenden Baumwollwaren. Steen rettete das meiste von diesem Stapelzeug. Er riskierte seine Hauf dabei. Aber er erntete als Dank beinahe eine Kündigung. Man warf ihm vor, er habe wissen müssen, daß die Versicherungssumme dieses Warenbestandes höher war als ihr Verkaufserlös.
Das Leben besteht aus einer kurzen Zeit, in der man sich Blumen ins Gehirn pflanzt, denkt Steen jetzt — wieder mit den Füßen in einer Pfütze des Parkweges — und einer endlos langen Zeit, in der einem diese Blumen eine nach der anderen wieder aus dem Kopt gerissen werden.
Und eines Tages geht es einem dann, wie es mir hier geht, höhnt er sich selber an. Man sieht, wie die Kinder, die man sich wie aus einem Prospekt aussuchfe, in Wirklichkeit fast unbekannte Menschen sind und sich darauf versteifen, die gleichen unsinnigen Dinge zu tun, die man selber tat. Und dann macht man sich auf um mit leerem Magen und nassen Füßen hinter ihnen her zu laufen ... und wahrscheinlich isf das eine Strafe, die man verdient hat.
Georg J. Steen hat das Ende der Parkanlage erreicht. Er sfehf still und blickt In die leere Straße hinein, in der sein Haus sfehf. Er ist in Versuchung, jetzt heimzugehen, auch ohne das Mädchen. Aber sein Trotz siegt über seine Bequemlichkeit, seinen Hunger, seine zerweich-
fen Schuhe. Er isf wütend genug, um sich auf den wüsten Schnupfen zu treuen, den er so gut wie sicher hier auffängf... Er ergibt sich dieser Kur ganz.
Er hat keine Begründung mehr für dieses anscheinend völlig nutzlose Suchen und Warten aut Mary Steen. Sie isf ihm einerlei, seitdem er begreift, daß es lächerlich isf, zu hoffen, Mary sähe den Fehler ein, den sie zu begehen wünscht, obwohl ungezählte Mädchen vor ihr den gleichen Fehler begingen und dafür bestraft wurden.
Es ist nicht nur lächerlich, sondern ich setze mich hier dazu noch einem unangenehmen Gerede aus, begreift Steen, und er trift tiefer in den Schaffen der tropfenden Bäume zurück, damit er nicht gesehen wird.
Und in diesem Augenblick, in dem Georg J. Steen den bitteren Irrweg seiner Gedanken bis zu der Empfindung seiner vollkommenen und nutzlosen Einsamkeit zu Ende gegangen isf — dieser entsetzlichen Einsamkeit des vom Leben enttäuschten Mannes, der seine Familie gerade nur noch erträgt, weil er sich ihr nicht entziehen mag —■ hört er Schritte hinter sich, hört Flüstern und eilige Abschiedsküsse.
Es ist Mary, die an ihm vorüber in die Straße hineingeht, ohne ihren Vater zu erkennen.
Steen hastet hinter ihr her ...
Es ist so jämmerlich, das Schmatzen von Küssen zu hören, mit denen die eigene Tochter einen dummen kleinen Verkäufer verabschiedet.
Es isf so beschämend, daran erinnert zu werden, daß man selber einmal den Nieselregen eines Herbsfabends, die Pfützen auf einem Parkweg, die Mäuse unter dem Latfenboden eines Pavillons in Kauf nahm, um ein kleines, neugieriges Mädchen zu küssen.
Es isf so empörend, hier hinter einem schnell und leicht, ausdauernd und mit federnden Beinen ausschreifenden Mädchen her zu hasten, während einem selber das Wasser in den Schuhen quatscht, der Hut wie ein nasser Schwamm auf dem Kopf liegt und die Manfelschöße vor den Knien wie Waschlappen umherflappen.
Es ist alles 50... Jämmerlich... Beschämend ... Empörend ...
Das ganze Leben isf so.
Steen hastet. Er holt Mary ein, als sie schon fast das Haus erreicht hat. Sie wendet sich um. Sie erkennt ihn. Und irgend etwas an ihm verursacht, daß sie lachen muß.
Tatsächlich lacht sie . .. ziemlich laut sogar.
Georg J. Steen holt aus, er schwingt die geöffnete Hand weif zurück, er schlägt Mary eine volle, klatschende, nasse Ohrfeige.
Und er schlägt ein zweites Mal, ehe das Mädchen in das Haus flüchtet.
Dann geht er mit rotem Kopt hinter ihr her und atmet schnaubend.
9.
Eva Steen eilt aus der Küche in die Diele, und Knut poltert die Treppe herab, die aus dem oberen Stockwerk herunferführf.
Knut isf empört, daß anscheinend heute niemand daran denkt, ihn zum Abendbrot zu rufen. Er isf bereif, noch sehr viel mehr empört zu sein, sollte sich — beispielsweise — herausstellen, daß es inzwischen Abendbrot gegeben hat, ohne daß man ihn rief, weil er Einfahrer werden will.
Frau Steen eilt in die Diele, weil sie irgendetwas vor dem Hause, hastige Schritte im Flur und ein Schluchzen vor der Wohnungsfür hört. Sie ist empört, daß sie seit zwei und ein halbe Stunde auf Steen und ihre Tochter warfen muß. Und sie ist bereif, noch viel mehr empört zu sein, sollte sich — beispielsweise — herausstellen, daß Mary in der Wohnung des kleinen Beer war.
Sie öffnet die Tür.
Mary stürzt heulend herein.
Steen kommt brütend und mit heftigem Äusatmen hinter ihr drein.
„Was ist hier los?“ ruft Knut von der untersten Stufe der Treppe.
„Papa hat mich geschlagen", heult Mary. „Ich glaube, ich blute.“
„Um Himmels willen“, schreit Eva Steen. „Das erfrage ich nicht, Georg.“
Knut ist mit einem Satz in der Mitte der Diele.
„Schläge sind doch wohl das letzte ... das allerletzte“, ruft er.
Steen duckt sich unter diesen Ruten, sein Kopt braust vor Zorn.
„Erträgst du es besser, daß deine Tochter da irgendwo im Park mit irgendwem herumstreicht und irgendetwas Scheußliches treibt?“ brüllt er seine Frau an.
vc ovmv k. tau an. „Aber du brauchst sie nicht zu schlagen“, ruft Knut.
„Was sagst du?“ brüllt Steen. „Willst du besser wissen als ich, was meine Pflicht ist, du dummer Lümmel?"
Tatsächlich dringt Steen auf Knut ein.
„Rühre mich nicht an", schreit Knut wild. „Mit mir kannst du solche Barbareien nicht machen ..
„Höre dir das an, Eva!" tobt Steen. „Das klingt genau, als sollte ich diesen jungen Herm noch heute aus dem Hause jagen.“
„Ich ertrage das nicht“, schreit Eva Steen und lehnt sich matt gegen den Pfosten der Wohnstubentür. „Ich ert age dieses entsetzliche Leben nicht.“
„Du brauchst nur zu sagen, daß du mich aus dem Hause haben willst, ein einziges Wort genügt“, tobt Knut. „Daß du es nur weißt, ich fange morgen bei Sirius als Einfahrer an.“
Frau Steen schluchzt auf.
„Hoffentlich hat Sirius auch einen Bodenverschlag mit einem Strohsack für dich. Ich beherberge hier keinen Lohnkutscher“, schreit Steen.
„Ganz recht", brüllt Knut. „Und ich brauche den Hühnerstall nicht, den du mir in deiner witzigen Villa hier anzubiefen hast.“ — Steen taumelt unter «o viel Hohn.
Seine Frau schluchzt wild und ihre Knie scheinen unter dem Gewicht ihres Körpers nachzugeben.
Mary steht bleich vor ihrer Mutter.
Knut hält die geballten Fäuste bereit.
Und die Diele dieses kleinen, schablonenhaft hingebauten Hauses ist voll von dem Unglück dieses Mannes Georö J. Steen, der sein Leben mit lauter Mittelmäßigkeiten verdarb, der sich von Schablonen leiten ließ, der seine Lebenswunsche zu billig einschätzte und zu wenig verteidigte, der in allem auf halbem Wege stecken blieb und darum plötzlich nicht mehr weiter findet.
Er greift Knut nicht an, natürlich nicht.
Er steht hier, schnaubt, knirscht mit den Zähnen.
Seine Frau fürchtet eine Ohnmacht und gleichzeitig wünscht sie eine Ohnmacht. Aber sie tritt nicht ein. Frau Eva Steen wimmert nur, und natürlich sollte ihr bald etwas anderes einfallen.
(Fortsetzung folgt)
Darmstadt und Umgebunng
Zugelanfen
Agt. Es gehört nun mal ohne Zweifel zur moralischen Pflicht eines rechtsschaffenen Stadtchronisten und Lokalspitzenskribenten, über den ersten Maikäfer in Verzückung zu geraten, die dickste Kartoffel zu bestaunen, den ersten Schnee zu begrüßen und all die kleinen lokalen menschlichen, tierischen und pflanzlichen Begebenheiten zu berichten, die des Lesers Herz höher schlagen lassen.
Dazu gehört es auch, die Klugheit der Kreatur zu bewundern, soweit sie das in „Brehms Tierleben“ verzeichnete Maß überschreitet. Ein solches Wunder an Klugheit erlebten wir in diesen Tagen, als wir unsere Geschäftsstelle in der Rheinstraße betretend, unter dem Arbeitstisch eines unserer Vertriebsangestellten die klugen Augen eines hübschen Schäferhundes unter gespitzten Ohren hervorschauen sahen. Es gehörte offensichtlich nicht hierher, das gute Tier, denn mit einem geradezu entschuldigenden Schweifwedeln begrüßte es uns beim Nähertreten, ließ sich freundlich kraulen und ringelte sich sodann mit einem leisen Seufzer wieder unter den Tisch.
Um aber den Beweis seiner überdurchschnittlichen Klugheit erbringen zu können, müssen wir von der Annahme ausgehen, daß dieses, uns zugelaufene, liebenswürdige Geschöpf unzweifelhaft auf der Suche nach seinem verlorengegangenen Herrn im „Tagblatt“ gelesen haben mußte, daß dort eine Kleinanzeige pro Wort nur 10 Pfennig kostet, das fettgedruckte Wort „Schäferhund“ allenfalls 15 Pfennige, mithin es also durchaus wirtschaftlich sei, sich durch eine Kleinanzeige — oder müßte es nicht eine Familienanzeige, bei einem so sympathischen Hausgenossen sein? im „Tagblatt“ suchen und finden zu lassen.
Man möge uns auch nicht unterstellen, bei diesem Wunsche des gescheiten Tieres irgendwie nachgeholfen zu haben, denn einer unserer Männer vom Vertrieb erschrak nicht schlecht, als er am Donnerstagmorgen gegen 5 Uhr beim Verpacken von Zeitungspaketen sich umsehend, direkt vor sich die groß auf ihn gerichteten Augen des Tieres sah, das abwartend und erwartungsvoll mitten in der Geschäftsstelle des*,,Tagblatts“ stand.
Es eroberte sich im Sturm die Herzen aller Tagblatt-Leute, schlappte in langen Zügen Wasser aus unserem Putzeimer und verriet durch sein sonstiges Auftreten eine so vortreffliche Kinderstube, daß es schon binnen kurzem keine Frage mehr war, wer sich des Wesens annehmen würde, wenn sein Herr nicht mehr gefunden werden sollte. Dieses Problem wäre kein Problem, meinte man allgemein....
Eine Steuermarke fehlte ihm, diesem Burschen von 2 oder 3 Jahren. Nur ein festes Lederhalsband hing ihm um den Hals. Wahrscheinlich, so schien uns, daß er, mit seinem Herrn im Auto kommend, Darmstadt zum erstenmal sah und — vor allem — roch — dabei, von den fremden Gerüchen überwältigt, verloren ging und umherirrend zu uns gelangte.
Und nun wartet er auf der Geschäftsstelle auf seinen Herrn. Vielleicht hat er ihn schon gefunden — oder sein Herr ihn —, wenn Sie diese Geschichte von ihm lesen.
Das Hundetier aber wird, einerlei ob es in sein altes Zuhause zurückkehrt oder ein neues findet, unsere Sympathie mit sich nehmen, die es sich durch sein Vertrauen zum „Darmstädter Tagblatt“ redlich verdient hat.
Vorerst keine Cutlassungen bei der Bundesbahn
Probleme der Bundesbahn und Eisenbahngewerkschaft
In der Gaststätte „Zum Bismarck“ in Eberstadt hielt am Freitagabend die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands eine Versammlung ab, in der der erste Vorsitzende der Ortsstelle Eberstadt, Castritius, die Teuerung und den Kampf um das Mitbestimmungsrecht als die aktuellsten Tagesfragen bezeichnete. Die Gewerkschaften seien heute stärker als alle Parteien.
Stellvertretender Werksdirektor im Lokwerk, Engel, der gewählte Delegierte der Ortsverwaltung Darmstadt für den Gewerkschaftstag in Gelsenkirchen am 10. 9. 1950, wies zunächst darauf hin, weicht Leistungen die deutsche Arbeiterschaft nach dem Kriege mit dem Ingangbringen des Eisenbahnverkehrs vollbracht habe. Während 1936 im Deutschen Reich durch die Reichsbahn über 53l/2 Millionen Personen befördert worden seien, seien im Jahre 1946 im Bundesgebiet fast das Doppelte, 95 Millionen, und 1947 sogar 155 Millionen Menschen mit der Bundesbahn gefahren. Nach der Währungsreform sei der Personenverkehr gewaltig zurückgegangen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund trete heute in erster Linie für die Unterbringung der iVs Millionen Arbeitslosen und für eine Vollbeschäftigung der Eisenbahner ein. Die Arbeiten zur Elektrifizierung der Eisenbahnlinie Stuttgart—Ham, zu der 35 000 Personen beschäftigt werden könnten, scheiterten noch an der Frage der Finanzierung. Während private Betriebe aus dem Boden schössen, der Bund 16 bis 17 Milliarden in der Privatindustrie investiert habe und für den Straßenverkehr jährlich 432 Millionen (Aufwendungen für Unterhaltung der Straßen 754 Millionen weniger 322 Millionen Steuereinnahmen) aufbringen müßte, würde von der Bundesbahn verlangt, daß sie sich selbst erhalten solle. Durch die Senkung des Personentarifs nach der Währungsreform seien aber die Einnahmen der Bundesbahn auf ein Drittel zurückgegangen, d. h. sie müsse mit einem Defizit arbeiten. Die Hälfte aller Reisenden mache von der sozialen Einrichtung von Arbeiterwochen-, Rückfahr- und Schülerkarten Gebrauch. In der Zeit vom 25. 7. bis 31. 12.' 48 seien z. B. von diesem Personenkreis 4968 Millionen Personen-Kilometer zurückgelegt worden und 68,2 Millionen Mark eingegangen, wonach für den Kilometer nur Ll/« Dpfg. bezahlt worden sei. Demgegenüber sei die Bundesbahn jährlich zur Leistung folgender Zahlungen verpflichtet:
Für Unterhaltung und Erneuerungen der Bundesbahn 550 Millionen, für Verkehrssicherung 50 Millionen, für die Verwaltung des vereinigten Wirtschaftsgebietes 175 Millionen, für Ausgleichsforderungen an die Barde deutscher Länder 29,6 Millionen, für kriegsfolgebedingte Versorgungsansprüche (für Ostflüchtlinge, Versorgungsberechtigte, Witwen und Beamte) 113 Millionen, für Umsatz- und Kraftfahrzeugsteuer 20 Millionen, für Beförderungssteuer 200 Millionen, insgesamt zu 1247,6 Millionen.
Der Redner betonte ferner, daß die Gewerkschaft gegen den einmal von der Bundesverwaltung gehegten Plan, die Eisenbahnwerkstätten, in denen das Gros der Arbeiter beschäftigt sei, aus den Betrieben herauszunehmen und sie zu einer G.m.b.H. zu machen, protestiert habe, weil dann wahrscheinlich alle sozialen Einrichtungen für die Arbeiter in Wegfall kämen. Die Gewerkschaft der Eisenbahner wünsche, daß die Bahn, die dem ganzen Volk gehöre, als sozialisierte Einrichtung erhalten bleibe und daß keine Privatleute mit ihr Geschäfte machten.
Entgegen anderslautenden Gerüchten von Entlassungen von Eisenbahnern könne er darauf aufmerksam machen, daß zwischen der Gewerkschaft der Eisenbahner und der Hauptverwaltung der Bundesbahn ein Vertrag bestehe, nach dem bis zum 31. Dezember 1950 keine Entlassungen vorgenommen werden können. Herr Engel wies noch darauf hin, daß im ersten Vierteljahr 1950 von 671 verstorbenen gewerkschaftlich organisierten Eisenbahnern im Bundesgebiet 73 Personen an Krebs gestorben seien und im zweiten Vierteljahr wieder 73 Personen von 626 Toten. Die Gewerkschaft der Eisenbahner habe im ersten Halbjahr 1950 336 000 DM Sterbegelder gezahlt. t-s
Perlender Sekt und frohe Herzen
An den Rhein mit dem Presse-, Werbe-, Verkehrs- und Kulturamt
Zum Reisen und Wandern muß man in Stimmung sein. Die Teilnehmer am Betriebsausflug des städtischen Presse-, Werbe-, Verkehrs- und Kulturamtes waren es, brachten die Voraussetzungen mit, die einen solchen Tag zu einem beglückenden Erlebnis machen. Selbst unser „Wetterbericht“, den die Fährtteilnehmer vor dem Start mit Interesse diskutiert, und der selbst mich veranlaßt hatte, meinen Regenmantel mitzunehmen, vermochte die heiteren Mienen der Reisefreudigen nicht zu trüben. Im Gegenteil. Sie gaben offen zu verstehen, daß sie den Wetterberichten in den Zeitungen noch nie geglaubt hätten und nicht glauben würden. Das trieb mich ein wenig in die Enge. Hin und wieder schielte ich vorsichtig zum Himmel. Nur schüchtern wagte sich dort die Sonne durch die grauschwarze Wolkendecke. Im Wetterbericht stand: Anfangs noch heiter bis wolkig, sehr warm . . . Stimmte haargenau. Ich wagte nicht weiter zu lesen, weil mir die später aufkommenden Kumulus-Wolken, die sich außerdem zu dem charakteristischen „Gewitter-Amboß“ auswuchsen, das verrieten, was der Wetterbericht wei-
ter ankündigte. Als diese Beobachtung noch mehrere Personen im Omnibus — der, nebenbei bemerkt, von der HE AG zur Verfügung gestellt worden war — machten, drehte sich das Hauptgespräch eine Weile um die Frage: Hat der Meteorologe des „Tagblatts“ recht oder haben wir recht, die wir an ein Gewitter nicht glauben wollen, weil wir es nicht brauchen können . . .?
Der erste Abstecher wurde in Eltville zu Matheus Müller gemacht. Sie wissen doch, liebe Leser: „In die Hände Eurer Lieben steht MM geschrieben . . .“ Am Portal der Sektkellerei empfingen uns einige freundliche Herren, von denen uns einer einen Bong für ein Glas Sekt in die Hand drückte. Dann gings unter Führung eines Kellermeisters hinunter in die riesigen, feuchten und betörend duftenden Gewölbe. Zwar staunten wir über das unvorstellbar große, 300 000 Liter fassende gläserne Mischfaß — dem Ausgangspunkt für die Sektherstellung — zwar lauschten wir aufmerksam den Erklärungen des Kellermeisters, der erzählte, daß der Sekt eine Produktionszeit von 2V2 Jahren brauche, zwar wunderten wir uns über die unvorstellbar vielen, auf dachgiebelähnlichen Regalen aufgetürmten Flaschenbatterien und über die „Rüttler“, die tagein, tagaus die Flaschen drehen, damit sich die Hefe mit dem Wein verbindet, im Grunde genommen aber lauerten wir alle auf den Augenblick des Sekt-Ausschankes. Immerhin hatte der Sekt die richtige Temperatur. Keine schlechte Sache, auf nüchternen Magen Sekt zu trinken. Erstaunlich, wie lustig man darauf werden kann . . .
Jedenfalls gings von Eltville aus mit Schifferklavier-Klängen weiter. Und gesungen wurde auch. Jeder sang, so gut er konnte. Fahrtengruppen, zu Fuß und zu Rad, begegneten uns, winkten freundlich zu uns herein. Gemächlich wandt sich der Bus durch die engen, winkligen Gäßchen, die alle dasselbe Gesicht haben. Das Mittagessen wurde in Geisenheim eingenommen, wenige Kilometer vor Rüdesheim.
Während des Essens sah es so aus, als ob unser Wetterprophet recht behalten würde: der Himmel hatte sich mittlerweile ganz bedeckt, und ein frischer Wind war aufgekommen. In Rüdesheim jedoch empfing uns eine unbarmherzig strahlende Sonne, die uns zwang, die Röcke auszuziehen und die Hemdsärmel aufzurollen. Dann stiegen wir empor zur „Germania“. Nur eine halbe Stunde. Aber was für eine! — Keuchend und schwitzend stapften wir über die holprigen Sandsteinwege und -treppen.
Die Germania war — wie stets — auch an diesem Nachmittag der Anziehungspunkt vieler. Es interessierte weniger, daß ihr Schwert 7 Meter lang oder ihre Krone 1 Meter hoch ist, vielmehr, welche Kleider oder Brillen die anderen Wandergruppen trugen. In der Tat: ein aufschlußreiches Studienpflaster zu Füßen der Germania, die, wie ich von einem Mädel aus der Quarta hörte, nach Frankreich drohen solle.
Klar, daß die Hitze und der perlende Wein gar Manchen ein wenig schwankend gemacht hatte, klar daß die Stimmung den Höhepunkt bei Tanz und schräger Musik in Kiedrich erreichte. Bürgermeister Schröder, der sich trotz seiner vielen Arbeit noch ermannt hatte, zu kommen, kam mit seiner Gattin gerade richtig an, um noch ein paar Tänzchen tanzen zu können. Auch Professor Edgar Varese, den wir in unserer letzten und vorletzten Ausgabe vorstellten, war von den Eindrücken erschlagen, wie er uns gegen Mitternacht etwas müde lächelnd gestand.
Schade nur, daß unser Wetterprophet daneben prophezeit hatte . . .
Text und Bilder: Hero.
Wieder wie früher: Kauf stand an Kaufstand. Souvenirs sind nach wie vor begehrt; sie locken viele Menschen an.
Eine Szene, die man sehr häufig sah: Weinbergarbeiter mit ihrer traditionellen Vitriol-Spritze auf dem Rücken.
Arbeitabesprechnng
Die Gruppen des Darmstädter Arbeitskreises für den Evangelischen Kirchentag in Essen werden ihre nächste Besprechung am Dienstag im Haus der Johannisgemeinde, Kahlertstraße 26, abhalten. Das Ergebnis der vorangegangenen Aussprachen ist inzwischen den Referenten der großen Essener Kundgebung zugeleitet worden, ^armstadt hat das Thema behandelt: „Was soll aus unseren Kindern werden?“
Die Aussprachen am Dienstag setzen die Teilnahme an den früheren Gruppenarbeiten durchaus nicht voraus, so daß auch neue Interessenten vor allem aus den Kreisen der Eltern und Lehrer und der in der Fürsorge Tätigen daran teilnehmen können. Vom Stadtschulamt ist mitgeteilt worden, daß einer Anzahl von Lehdern, die in den Tagen vom 23.—27. August nach Essen fahren wollen, Urlaub gegeben werden kann. Die Gesuche müssen aber rechtzeitig eingereicht werden. Von der Kirchenleitung sind die Gemeinden aufgefordert worden, möglichst viele Laienvertreter, die in der kirchlichen Arbeit tätig sind, durch teilweise oder völlige Ersetzung der Unkosten, nach Essen zu entsenden. Sonderzüge, die auch von unserem Gebiet aus fahren, geben eine billige Fahrtenmöglichkeit.
Kreishauns im Haushaltsplan
Morgen Etatberatung des Landkreises
Eine halbe Million für den Bau des Kreishauses in Darmstadt sieht der außerordentliche Etat des Landkreises Darmstadt vor. Sie soll durch Darlehen beschafft werden, genau wie jene 30 000 DM, die zum Ausbau der Scheune des Hotels „Zur goldenen Krone“ in Jugenheim zu Wohnungen notwendig sind. Der Voranschlag wird am Dienstag in der Jubiläumsgemeinde Nieder-Ramstadt beraten werden. Er- ist mit 2 479 638 DM im ordentlichen und mit 630 000 DM im außerordentlichen Haushalt ausgeglichen. Wie in den Vorjahren beläuft sich die Kreisumlage für die Gemeinde auf 800 000 DM. Zur Festsetzung des Hebesatzes soll der Kreisausschuß ermächtigt werden, da die Umlagegrundlagen noch nicht festliegen.
Der Stellenplan sieht einen Gesamtaufwand von 336 361 DM vor, das sind 19 720 DM weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Beamtenstellen erhöht sich von neun auf dreizehn, die der Angestellten verringert sich von 95 auf 81. Dabei gibt es Verschiebungen in den einzelnen Dienststellen. Fallen z. B. einerseits in der Hauptverwaltung fünf von bisher 14 und im Ernährungsamt sämtliche 15 Stellen fort, so mußte andererseits das Lastenausgleichsamt mit acht Angestellten neu eingerichtet werden. Das ist ebenso zeitbedingt wie die Schaffung einer Pfandmeisterstelle zur Unterstützung des Kreispfandmeisters. DT.
Ausländische Studenten
Gestern nachmittag trafen auf dem Hauptbahnhof die letzten 17 holländischen, indonesischen und amerikanischen Studenten zum Internationalen Studentenferienlager der Darmstädter Technischen Hochschule ein. Insgesamt sind durch den Internationalen Studentenaustausch zu diesem Lager 23 ausländische Studenten gekommen, um mit etwa der gleichen Anzahl deutscher Studenten beim Wiederaufbau der Technischen Hochschule als Bauhandwerker zu arbeiten.
Die Studenten fanden Vnterkunft in einer . der neu umgebauten Reithallen der alten Kasernen in der Holzhofallee. Sie werden bis zum 29. August bleiben und genau wie deutsche Bauhandwerker entlohnt, um im Anschluß an die vierwöchige Arbeitszeit noch einige Tage in Deutschland auf Reisen verweilen zu können.
Gestern abend fand in der Mensa der Technischen Hochschule die offizielle Begrüßung der ausländischen Studenten statt. DT
Der Sommerschlußverkauf in Darm¬ stadt warf schon am gestrigen Sonntag seine Schatten voraus. An allen Geschäften, die zum Sommerschlußverkauf besonders dekoriert hatten, stauten sich die Menschen, um sich zu „orientieren“. Preise und Angebote der großen und kleinen Firmen lassen einen wahren Käufersturm zum heutigen Tage erwarten.
Schreibt an Fritz Knippelius
Als ich so gestern, am Sonntag, eine Weile in der Rheinstraße zu unserer Geschäftsstellentür hinausschaute, da hatte ich den Eindruck, daß eine ganze Menge Vereinsausflüge gemacht würden: Ein Omnibus rollte hinter dem anderen her, entweder in Richtung Bergstraße oder nach dem Rhein zu. Und bei diesen Vereinsfahrten und Treffen werden eine Menge von Euch dabei gewesen sein. Da ist es dann ganz verständlich, daß Ihr an einem der folgenden Tage etwas in Eurer Zeitung, im „Darmstädter Tagblatt“, über den Vereinsausflug oder die sonstigen Veranstaltungen Eures Vereins lesen wollt.
Aber das wird nicht gut möglich sein, wenn die schreibgewandten Leute Eures Vereins, die so ein kleines Berichtchen für das Tagblatt schreiben können, erst bis zum nächsten Donnerstag warten, bis sie sich zu einem Brief an die Redaktion aufraffen. Denn dann ist es schon ein bißchen arg lange her und man kann nicht gut am Samstag in der Zeitung über die Veranstaltungen des letzten Sonntags lesen.
Also: Wenn Ihr wieder einmal mit Eurem Verein oder Eurem Betrieb einen Ausflug maent, dann muß der Bericht darüber möglichst schnell, möglichst bis zum Mittag des folgenden Tages auf der Redaktion sein. Dann werden wir den Bericht — manchmal allerdings ein bißchen gekürzt — gerne bei uns im Tagblatt veröffentlichen.
Und gestern einen schönen Sonntag gehabt zu haben, das wünscht Euch Euer Fritz Knippelius
Jeder sein eigener Wetterprophet?
Da hatte Herr Wichmann mit seinem Wunsch nach der Veröffentlichung der täglichen Wetterkarte im „Tagblatt" aber ins Fettnäpfchen getreten! Meine Güte! Ich hatte eigentlich erwartet, daß die Wetterwarten uns postwendend die täglichen Wetterkarten zum Abdruck anbieten würden, damit alle „Besserwisser“ sich ihr Wetter selber machen könnten. Statt dessen schrieb der Deutsche Wetterdienst in der US-Zone an Herrn Wichmann:
Im Darmstädter Tagblatt vom 18. 7. 1950 ist eine mit Ihrem Namen gezeichnete Zuschrift veröffentlicht. .. Die darin enthaltenen Zahlenangaben sind völlig unzutreffend und stellen eine öffentliche Herabsetzung und Verächtlichmachung unserer Tätigkeit dar, die uns veranlaßt, von Ihnen bis zum 31. Juli des Jahres entweder den Wahrheitsbeweis, oder, falls Sie hierzu nicht in der Lage sind, die Zurücknahme Ihrer Behauptungen an der gleichen Stelle der betreffenden Zeitung zu verlangen. Bis zum Eingang Ihrer Antwort behalten wir uns alle weiteren Schritte in dieser Angelegenheit vor.
Dr. Christians Frankfurt am Main.
Und wir lasen: . . . eine Zuschrift, die wegen der darin enthaltenen sachlichen Unrichtigkeiten und der aus diesen abgeleiteten Verächtlichmachung unserer Tätigkeit von uns nicht unwidersprochen hingenommen werden kann...
.. .überprüft zur Zeit das Zentralamt für Wetterdienst in Bad Kissingen die Vorhersagen der Wetterämter der US-Zone. Es ergibt sich hierdurch eine durchschnittliche Eintreffwahrscheinlichkeit von 85 Prozent. Der langjährige frühere Vorsitzende der „Deutschen Meteorologischen Gesellschaft“ Geheimrat Schmauß, München, bewertet im 14. Kapitel seines vor dem Krieg erschienenen Buches, „Das Problem der Wettervorhersage“ die durchschnittliche Treffsicherheit der Wettervorhersagen ebenfalls mit 85 Prozent, wodurch bewiesen sein dürfte, daß die Wettervorhersage inzwischen nicht schlechter geworden ist.
Da die Meteorologen sich heute mit ihren Vorhersagen jedoch viel genauer festlegen, als es früher üblich war, muß das Gleichbleiben der Treffsicherheit bei erweiterter Aussage, sogar als eine Verbesserung der Vorhersagen angesehen werden.
Wir geben nachstehend die vom Zentralamt festgestellten Eintreffprozente für Frankfurt während der letzten 3 Monate an:
April: 81,9 Prozent, Mai 85 Prozent. Juni: 85,8 Prozent
Die hierbei zwischen den einzelnen Monaten auftretenden Unterschiede haben in der überwiegenden Anzahl der Fälle als Ursache nicht die persönliche Unzulänglichkeit einzelner Meteorologen, als vielmehr den außerordentlich wechselnden Schwierigkeitsgrad der betreffenden Wetterlagen und Jahreszeiten.
Zu keiner Zeit lag die Treffsicherheit weder der Hamburger Seewarte noch der Wetterwarte Berlin-Tempelhof oder irgendeiner anderen Wetterwarte über längere Zeiträume hinweg bei 98,5 Prozent oder ähnlich hohen Noten. Auch gibt es weder bei der Seewarte noch in Tempelhof irgendein den anderen Wetterwarten unbekanntes Geheimverfahren für Wettervorhersagen oder den anderen Wetterwarten nicht zur Verfügung stehende Unterlagen.
Das Personal aller Wetterdienststellen wird vielmehr zur Erlangung umfassender Erfahrung über die Wetterverhältnisse in allen Teilen Deutschlands stärker ausgetauscht, als das bei den meisten anderen Berufen üblich ist. In diesen Austausch sind auch die Meteorologen der Seewarte und der Wetterwarte Tempelhof einbezogen.
Wenn Herr Otto Erich Wichmann glaubt, lediglich mit Hilfe einer kleinen schematischen Zeitungswetterkarte und eines Barometers bessere Vorhersagen machen zu können, so ist das seine Privatangelegenheit.
Da wir es uns selber nicht so leicht machen, erheben wir allerdings nachdrücklichst den Anspruch auf Sachlichkeit, wenn er es unternimmt, unsere jedermann zugänglichen Ergebnisse durch irreführende Zahlenangaben herabzusetzen.
gez. Dr. Christians.
Aber Herr Wichmann meinte am 26. Juli: Ich lese gerade Ihren eingeschriebenen Brief vom 24. Juli, in welchem Sie entweder Wahrheitsbeweis oder Zurücknahme meiner Behauptungen ... verlangen.
Während dieser Lektüre zieht draußen eine Serie von Gewittern über die Taunusgegend, ein anderes Gewitter liegt gerade mit starken elektrischen Entladungen in unserer Nähe über Odenwald-Bergstraße. Weitere sind vom Westen her „im Anrollen“ (und haben sich abends über Darmstadt entladen).
Wie lautete nun Ihre Voraussage für heute? „Vorherrschend, sonnig und meist trocken, weitere Erwärmung. Weitere Aussichten: Trocken und warm.“
Und wie hätte sie eigentlich heißen müssen? „Wieder auflebende Gewittertätigkeit mit starken Regenfällen. Weitere Aussichten: Gewitter, Dauerregen und leichte Abkühlung.“ Warum haben Sie das nicht vorausgesehen? Weil Sie offenbar die gestern nachmittag und abends auftretende starke Cumulus-castellatus-Wolkenbildung entweder nicht beobachtet oder als Gewitteranzeichen nicht gekannt haben. Beides ist mehr als bedauerlich.
Sie muten mir einen Wahrheitsbeweis innerhalb einer knappen Woche zu. Dabei wissen Sie als Fachleute sehr gut, daß das völlig unmöglich ist. Ein Wahrheitsbeweis dafür, daß Ihre Voraussagen nur zu knapp 80 Prozent eintreffen, ist nur möglich durch eine Kontrolle Ihrer Voraussagen über einen wesentlich längeren Zeitraum. Denn Sie könnten in dieser einen Woche das Glück haben, daß zufällig alle Ihre 7 Vorhersagen stimmen, obwohl das meiner Erinnerung nach noch nie vorgekommen ist. Leider haben Sie bis jetzt Pech: Die erste ist heute schon vorbeigegangen.
Was die beiden anderen Zahlenangaben (Treffsicherheit der Hamburger Seewarte mit 98,5 Prozent, der Tempelhofer Warte mit 96 bis 97 Prozent betrifft, so bin ich nicht in der Lage, diese Angaben, die in der wissenschaftlichen Meteorologie international anerkannt sind, zurückzunehmen.
Darmstadt, den 27. Juli.
Heute bringen Sie eine verschämte Korrektur Ihrer gestrigen Vorhersage. Statt „trocken und warm“ melden Sie für heute: „Wolkig bis heiter, einzelne Gewitterschauer, sonst noch trocken.“ Aber selbst diese Korrektur bleibt weiter hinter der Wirklichkeit zurück: Von 6 Uhr morgens bis 9.30 Uhr Dauergewitter und Dauerregen mit der höchsten Niederschlagsmenge dieses Sommers für Darmstadt. Dazu eine fast nächtliche Finsternis. Ihre heutige Vorhersage enthält noch die Bemerkung: „Beibehaltung des vorherrschenden Witterungscharakters.“ Des von Ihnen vorhergesagten sonnigen, trockenen, warmen Wetters? Oder Beibehaltung des Dauergewitters. des Dauerregens und der Abkühlung? Und ich frage höflichst weiter: Verfolgen Sie mit einer so unklaren Formulierung eine bestimmte Absicht? Eines steht fest: Auch Ihre zweite Vorhersage ist vorbei gegangen! Sozusagen am laufenden Band.
Hochachtungsvoll Otto Erich Wichmann.
Wohin gehen wir hente?
Lichtspieltheater: Union: „Maharadscha wider Willen“, Thalia: „Der Herr Kanzleirat“, Belida „Zigeunerprinzetssin“. Palast: „Alarm in San Juano“, Hansa: „Wiener Mädeln“, Scala-Eberstadt: „Ihr erster Mann“, Gloria-Roßdorf „Nichts als
Mathildenhöhe: Ausstellung „Das Menschenbild in unserer Zeit'1. .
Amerika-Haus: Ausstellungen: „Fotoform“, „Kollektivausstellung Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer“ und „Moderne Skulptur in Amerika".
Schauspielstudio der Technischen Hoch¬ schule, Darmstadt: Amerikahaus, 20 Uhr, „Schiff ohne Hafen“ von Jan de Hartog.
Starkenburg
Nieder-Ramstadts lubiläumswoche begann
Festkonzert der „Sängervereinigung“ / Eröffnung der Ausstellung durch Bürgermeister Keil
Nieder-Ramstadts große Tage zum 750 jährigen Jubiläum haben begonnen. Reicher Fahnenschmuck an den Einfahrtsstraßen empfängt die Besucher und die gesamte Gemeinde hat ein festliches Kleid angelegt. Girlanden schmücken Häuser und Transparente. Das Wetter, das so mancher in den zahlreichen Vorbereitungen zur Feier fürchtete, ist so, daß keiner mehr daran zu zweifeln vermag, daß es „schiefgehen“ könnte und auch dem Bürgermeister fiel ein Stein vom Herzen, als er feststellen durfte, daß die finanziellen Sorgen der vergangenen Tage gerade noch rechtzeitig genug ihre mustergültige Lösung gefunden haben.
Würdiger Auftakt und ein besonderes kulturelles Ereignis für die Jubiläumsgemeinde war das Festkonzert der Sängervereinigung am Samstagabend in dem mit den alten Fahnen der Nieder-Ramstädter Gesangvereine geschmückten Kinosaal. Die sorgfältig ausgesuchte Vortragsfolge bot eine klare Gliederung, die leider, vielleicht etwas zu lang — da ohne Pause —, trotz der ausgezeichneten Leistungen der Solisten und Chöre, auf die Dauer etwas anstrengend auf die Besucher wirkte.
Unter der Leitung von Studienrat A. Born gab der Männerchor der Sängervereinigung ein Musterbeispiel ausgefeilten und ^kultivierten Chorgesanges. Vom Piano bis zum Forte war ein disziplinier-
tes Mitgehen der Sänger unter ihrem tadellos leitenden Dirigenten festzustellen. Besonders hervorzuheben wäre Webers „Die Sonne erwacht“ und Friedrich Hegers „In den Alpen“. Auch der Schülerchor unter dem gleichen Dirigenten zeigte schöne Ansätze, die hauptsächlich im gemischten Chor mit der Sängervereinigung fühlbar waren, wie beispielsweise in Mozarts Bundeslied.
Einen besonderen Genuß bot — wie immer — Heinrich Blase 1 s Bariton, dem man nicht nachsagen könnte, in seiner Reinheit und spielerischen Leichtigkeit im Ansatz und Ausdruck nachgelassen zu haben. Hier waren es vor allem die Lieder von Schumann („Die Frühlingsfahrt“), Schuberts „Allmacht“ und „Musensohn“, wie auch die Lieder von Wolf, die von den Zuhörern mit begeistertem Beifall aufgenommen wurden.
Opernsängerin Lotte Leist-Veite wirkte erfrischend mit ihrem Sopran, der leider in dem Kinosaal nicht ganz so zur Geltung kam, wie wir ihn sonst in Erinnerung haben. Sehr ansprechend Schumanns „Mondnacht“ und Schuberts „ Frühlingsglaube“. Herbert Görner begleitete die Solisten am Flügel sicher und dezent. Konzertmeister Heinrich Crö Bma nn , vom Stadttheater Bielefeld, der derzeit in seiner Heimatgemeinde auf Urlaub weilt, brachte als Gast einen Satz aus Beethovens Frühlingssonate und Tänze von Dvorak in Begleitung von Kapellmeister E. Born vom Stadttheater Göttingen zu Gehör.
Zu Beginn des Festkonzerts hatte Bürgermeister Keil die anwesenden Gäste, unter ihnen den Schirmherrn der 750- Jahr-Feier, Landrat Wink, Reg. - Rat Schön und Kreisamtmann Dietrich, im Namen der Gemeinde begrüßt. Er dankte allen Beteiligten, die zur Ausgestaltung der Feierlichkeiten zum Jubiläum mitgewirkt hatten und überreichte im Laufe des Abends Studienrat Born als dem tatkräftigen Dirigenten der „Sängervereinigung“ eine Sonderausgabe des neuen Nieder - Ramstädter Heimatbuches.
Nachdem bereits am Sonntagmorgen um 9 Uhr im „Schützenhof“ und in der Turnhalle die Mannschaften aus Ernsthofen, Bessungen, Münster und Nieder-Ramstadt begonnen hatten im Tischtennis-Turnier die Bälle zu wechseln, spielte die Nieder-Ramstädter Blaskapelle unter der Stabführung von W. Stroh vor dem Schulhause in einem Platzkonzert auf. Anschließend begann der Festakt zur Eröffnung der Jubiläums-Ausstellung. Bürgermeister Keil konnte hierbei Landrat Wink, den Präsidenten der Handwerkskammer, Gisbert, den Vizepräsidenten Scherer, sowie Fabrikant Euler als Vertreter der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, begrüßen.
Präsident Gi sbe r t wies in seinen Worten zum Festakt darauf hin, daß in der 750 jährigen Geschichte der Gemeinde das Handwerk wesentlich dazu beigetragen habe, das Gemeinwesen zu fördern. Die wieder; eingeführte Gewerbefreiheit habe wesentliche Nachteile gezeitigt und es gelte in Zukunft, das handwerkliche Können wieder erneut unter Beweis zu stellen. Die Anforderungen, die an das Handwerk gestellt würden, seien groß und es müsse alles getan werden, um ihnen gerecht zu werden. Dies bedinge noch größeres Wissen und Können, das durch die vergangenen Kriegszeiten in der Ausbildung stark gelitten habe. Ohne Import sei das Bestehen unseres Volkes nicht möglich. Dies bedinge jedoch einen Export, der nur durch tüchtige Kräfte erreicht werden könne, um konkurrenzfähig zu sein. Gesellen- und Meisterbriefe wären die Voraussetzungen für ordentlich ausgebildete Fachkräfte.
Fabrikant Euler übermittelte die Grüße und Wünsche der Industrie- und Handelskammer und gab einen Ueberblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Nieder-Ramstadt und die Möglichkeiten zur weiteren Ausbreitung der bestehenden Industrie, deren Grundlage eine fleißige, treue und zuverlässige Arbeiterschaft sei. Bürgermeister Keil eröffnete im Anschluß die Ausstellung, die im Kellergeschoß einen historischen Einblick in die Entwicklung der Gemeinde in den vergangenen Jahrhunderten gibt. In den weiteren Stockwerken des Schulgebäudes nehmen die Stände der Industrie, des Handels und Handwerks einen weiten Raum ein. Neben einer Schau verstorbener und lebender Künstler auf den Gebieten der Malerei und der Fotografie zeigt die Innere Mission in Verbindung mit den Kirchen in einem Saal alte Kirchenbücher und kirchliche Gebrauchsgegenstände aus vergangenen Zeiten. (Wir werden über die Ausstellung noch eingehend berichten.) -öde-
Bürgermeister Keil bei der Eröffnung der Ausstellung. DT-Foto: Schröder
Sinnlos betrunken
Samstag nachmittag fuhr ein Motorradfahrer mit einem sinnlos betrunkenen Begleiter durch die Darmstädter Straße in Roßdorf. Der Beifahrer, der mehrere Male vom Sozius fiel, blieb am Ortsausgang in der Floßrinne liegen, wurde von der Polizei als „Verkehrshindernis“ entfernt und mit einem Auto nach Darmstadt gebracht. (sl)
Hauptamtlicher Bürgermeister für Zwingeuberg
Die Entscheidung des Stadtrats — Stellungnahme der Bürgerversammlung
Nachdem die erste Zwingenberger Stadtrats itz u n g am 26. Juli zu keinem Ergebnis geführt hatte, wurde in der am 27. Juli erneut einberufenen Stadtratsitzung wieder über die Ausschreibung einer hauptamtlichen Bürgermeisterstelle diskutiert.
Bei der Abstimmung über diesen Punkt ergab sich Stimmengleichheit. Da jedoch der Beigeordnete sich für die Annahme des Antrags entschied, konnte der Antrag als angenommen gelten. Die Stelle eines hauptamtlichen Bürgermeisters der Stadt Zwingenberg wird nun, nachdem Bürgermeister Jakob Ke r n aus seinem Amt ausgeschieden ist, öffentlich ausgeschrieben.
Die Bürgerversammlung, die am Freitagabend von der SPD einberufen worden war, befaßte sich ebenfalls mit der Frage, ob Zwingenberg einen hauptoder ehrenamtlichen Bürgermeister erhalten solle.
Zuerst ergriff Unterbezirkssekretär Ramm das Wort und führte aus, daß durch den Stadtratsbeschluß am Abend zuvor eine Diskussion an und für sich überflüssig sei. Seiner Ansicht nach habe der Gemeinderat in diesem Punkte zu voreilig gehandelt. Einen Antrag des Gemeindevertreters D ä c h e r t habe man außerdem einfach überhört.
Als erster Diskussionsredner ergriff Beigeordneter Nickels das Wort und betonte, daß es überflüssig sei, einen Antrag auf Änderung der Hauptsatzung, der vor einem Jahre mit Stimmenmehrheit angenommen worden ist, in dem Augenblick umwerfen zu wollen, in dem er vom Landrat genehmigt würde. Zudem könnten an einen hauptamtlichen Bürgermeister weit größere Anforderungen gestellt werden, als an einen ehrenamtlichen. Im Fortlauf der Diskussion wurden Fragen der Besoldung und Pensionsberechtigung des hauptamtlichen Bürgermeisters besprochen. Ein hauptamtlicher, besoldeter Bürgermeister koste die Gemeinde weniger als ein ehrenamtlicher, dessen Aufwandsentschädigung bis 6000 DM pro Jahr betragen habe; außerdem habe noch ein Sekretär bezahlt werden müssen, dessen Posten dann auch wegfalle. Beigeordneter Nickels verlas die Bedingungen, die ein Bewerber um den Posten eines hauptamtlichen Bürgermeisters der Stadt Zwingenberg erfüllen muß. Danach müssen Zeugnisse über die bisherige Tätigkeit des Bewerbers, ein eigenhändig geschriebener Lebenslauf, Spruchkammerbescheid (allgemeine Heiterkeit!) usw. vorgelegt werden, das Alter des Kandidaten soll möglichst nicht 50 Jahre übersteigen, die Entlohnung erfolgt nach dem Gehaltssatz A 4 81, beträgt zu Anfang 4892 DM Jahresgehalt und kann sich zu einem Endgehalt von 6592 DM steigern. In der weiteren Debatte wurden einige Probleme im Zusammenhang mit der Wahl der Gemeindevertretung, des Bürgermeisters, der Beschlußkraft der Bürgerversammlung usw. erörtert. Es wurde angeregt, künftig öfter Bürgerversammlungen zur Aussprache über die brennendsten Fragen einzuberufen, um dann der Gemeindevertretung Vorschläge machen zu können. (HB)
Vier-Millionen-Schulbau-Pläüne an der Bergstraße
Ein ungewöhnliches Projekt: Kindergarten, Grundschule, Berufsschule und höhere Schule an einem Platz — Erzieher und Gemeindevertreter beginnen die Aussprache
In letzter Zeit wurde verschiedentlich berichtet, daß an der Bergstraße ein vollkommen neuartiges und in seinem Umfang ungewöhnliches Schulprojekt verwirklicht werden solle. Es ist dabei nicht nur an den Bau eines gemeinsamen Schulhauses für mehrere Orte gedacht, die Schule soll vielmehr gleichzeitig in ihrem Aufbau alle Entwicklungsstufen vom Kindergarten über die Volksschule (Grundschule) bis zur Berufsschule bzw. Höheren Schule umfassen.
Auf Einladung von Landrat Wink waren in Jugenheim zum erstenmal Kreisausschuß, Bürgermeister und Schulleiter zu einer unverbindlichen Aussprache zusammengekommen. Ihr wohnten auch Vertreter des Kultusministeriums, der amerikanischen Erziehungsabteilungen, darunter Herr Bateman und des Sozialen ForschungsinstitutesDarmstadtbei. Landrat Wink, Ministerialdirektor Friedrich von der Schulabteilung des Regierungspräsidenten und Direktor Prof. Dr. Trost vom Pädagogischen Institut Jugenheim gaben Einzelheiten über den Plan bekannt.
Wie es zu dem Plan kam
Die Schulraumnot ist in den durch Flüchtlinge und Evakuierte schnell gewachsenen Gemeinden der vorderen Bergstraße besonders groß. Um die Kinder einigermaßen ordnungsgemäß unterrichten zu können, benötigt die Schule in Alsbach noch zwei, Bickenbach drei, Jugenheim drei und Seeheim vier Schulräume mehr. So kam man auf den Gedanken, an Stelle doch unzureichender und teurer Schulhauserweiterungen in den einzelnen Gemeinden ein einziges, großes Schulhaus für alle Gemeinden zu erbauen. Dann ging man noch einen Schritt weiter, die einzelnen Gemeindeschulen überhaupt zusammenzulegen, zum mindesten die Kinder vom elften Lebensjahre ab aus den einzelnen Orten zusammenzuziehen und ihnen eine bessere Ausbildung in einer Gemeinschaftsschule angedeihen zu lassen. Daraus entwickelte sich wiederum der Plan, eine Schule aufzubauen, die vom Kindergarten über die Grundschule bis zur Berufsschule (Haushaltungsschule) und Höheren Schule reicht. Es wird dabei vorgeschlagen, die Aufbauschule Darmstadt, die sich gegenwärtig in Traisa in dem Kinderheim befindet, das die Stadt mit Recht wieder seinem eigentlichen Zweck zuführen will, nach der Bergstraße zu verlegen. Andererseits hätten die Studenten des Pädagogischen Instituts in Jugenheim Gelegenheit, sich in der neuen Schule in die Unterrichtspraxis einzuarbeiten. Eine andere Ueberlegung war, in den durch die Zusammenlegung freiwerdenden Schulhäusern mit verhältnismäßig wenig Mitteln Wohnungen einzubauen. Es wurde auch daran erinnert, daß früher jede Gemeinde ihre eigene Fortbildungsschule hatte, während heute zentrale Berufsschulen eine Selbstverständlichkeit seien.
Die Finanzierung des Projektes
Insgesamt werden etwa 4 Millionen beansprucht. 2 Millionen sind von privater amerikanischer Seite gestiftet worden unter der Bedingung, daß die gleiche Summe auch von deutscher Seite bereitgestellt wird. Abgesehen von den Leistungen des Staates kann dies nach Ansicht des Landrats am besten auf dem Wege über einen Zweckverband erfolgen. Durch die Errichtung eines derartigen Schultyps käme man auch dem Schullastenausgleich näher, da die Städte mit Höheren Schulen immer stärker auf Zuschüsse aus den Gemeinden drängen, aus denen eine bestimmte Prozentzahl von Schülern die Höheren Schulen besucht.
Zustimmung trotz Bedenken
Im allgemeinen ergab die Aussprache eine grundsätzliche Zustimmung zu dem Plan. Vor allem sprachen sich Pädagogisches Institut und Aufbauschule dafür aus. Der Vertreter des Kultusministeriums begrüßte ebenfalls den Versuch. Die Bürgermeister äußerten sich sehr vorsichtig zu dem Plan, da sie noch keine Gelegenheit hatten, sich mit ihren Gemeindevertretern zu beraten. Sie hegten vor allem Bedenken, ob die Gemeinden in der Lage seien, eine derartige Schule später zu unterhalten. Von besonderem Gewicht war die Erklärung des Seeheimer Bürgermeister Speckhardt, daß die Gemeinde Seeheim nicht abgeneigt sei, unter gewissen Bedingungen das Gelände (links der Straße Jugenhei m— Neue Bergstraße) zur Verfügung zu stellen. Die Schule ist gedacht für die Kinder aus Seeheim, Jugenheim, Bickenbach, Alsbach, Balkhausen und Stettbach. Stettbach kommt jedoch kaum in Frage, da die Schule wegen Rückgangs der Kinderzahl ohnehin eingeht und die Kinder nach Ober-Beerbach eingeschult werden. Stettbach ist nämlich Filialgemeinde von Ober-Beerbach. Für die Balkhäuser Kinder erscheint der Weg na chSeeheim zu weit. Kreisausschußmitglied Lorenz sprach sich für das Projekt aus. Für die Schule könne nicht genug getan werden, da nur ein Volk auf hoher kultureller Stufe sich durchsetzen werde.
Die Schulleiter bejahten vom Standnunkt der Erziehung aus (mit einer Ausnahme) das Projekt. In einer größeren Schule sei es auch leichter, eine Fremdsprache einzuführen. Ueberhaupt müsse man vom schulischen Standpunkt aus, wie Ministerialdirektor Friedrich hervorhob, an Stelle des Klassenunterrichts durch Auflockerung immer mehr •zu einem Gruppen- und Abteilungsunterricht kommen.
Dorfgemeinschaft und Heimatschule
Man gab vor allem zu bedenken, daß einer Gemeindeschule die Bodenständigkeit nicht genommen werden dürfe. Die Landschule sei eine Heimatschule, die enger Verbindung mit der Elternschaft und der Dorfgemeinschaft bedürfe. Das Problem der Landflucht spiele eine große Rolle. Die Lehrer hegten durchweg Bedenken wegen des längeren Schulweges, der bei dem heutigen Straßenverkehr unbedingt eine Gefahr bedeute. Sie machten einhellig den Vergleichsvorschlag, die vier Jahrgänge der Grundschule zunächst in den Gemeindeschulen zu belassen.
Bis Mitte August erhofft man eine Stellungnahme der einzelnen Gemeindeparlamente. Dann soll ein neuer Gedankenaustausch stattfinden. (hh)
Dreschhalle stürzte ein
Beim Einfahren in die Dreschhalle in Hering, Kreis Dieburg, riß die Dreschmaschine einen Teil der Halle mit, so daß diese zusammenstürzte. Die Pferde kamen mit Hautabschürfungen davon; der Fuhrmann erlitt einen schweren Bluterguß, (gu) Vom Pkw. angefahren uM
Ein älterer Mann aus Berkach, Kreis Groß-Gerau, der sich am Sonntagmittag mit seinem Fahrrad auf der Fahrt von Berkach nach Büttelborn befand, wurde von einem ausländischen Personenwagen angefahren. Bei dem Sturz auf die Straße erlitt er einen Schädelbruch. Die Insassen des Kraftwagens transportierten ihn nach Hause. Seine Ueberführung in ein Krankenhaus war jedoch in Anbetracht seiner schweren Verletzung notwendig. DT
Lastzug verlor Anhänger
Ein Lastzug verlor am Samstag auf der Autobahn in der Nähe der Tankstelle bei Lorsch seinen Anhänger. Der freiheitsdurstige Ausreißer kam nicht weit. Er geriet auf die Böschung und kippte um.
Gründung des,Umstädter Landsgemeindetages“
15 Gemeinden des Wirtschaftsgebietes bildeten Interessengemeinschaft
Mehr als einmal in letzter Zeit hat Groß-Umstadt von sich reden gemacht, sei es bezüglich der für die Stadt unerschwinglich gewordenen persönlichen Kosten für das Realgymnasium, sei es in der Frage der Erweiterung seines Krankenhauses oder gar dessen Uebernahme in andere Hand.
Nun gibt es dort wieder eine Neuerung — den „Umstädter Landsgemeindetag“. (Dabei ist besonderer Wert auf das kleine s zu legen, sonst könnte es unliebsame Verwechslungen geben.)
Im Gasthaus „Zur Krone“ hatten sich am Samstagnachmittag etwa 40 Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinderäte des Wirtschaftsgebietes Groß-Umstadt zusammengefunden, die schließlich zur Gründung des ersten Landsgemeindetages in Hessen schritten. Bundestagsabgeordneter Altbürgermeister Heinrich Ritzel, auf dessen Anregung die Versammlung stattfand, und der ein einführendes Referat über den Grundgedanken solcher Arbeitsgemeinschaft nach Schweizer Vorbild halten wollte, wurde dringend abgerufen. So legte an seiner Stelle Kreisdeputierter und Beigeordneter Ludwig Wedel, Groß-Umstadt, klar, daß auf Grund bestimmter Umstände eine gute Zusammenarbeit sämtlicher Gemeinden des Wirtschaftsgebietes Groß-Umstadt notwendig sei. Der Einladung, die an zwanzig Gemeinden ergangen war, hatten fünfzehn Folge geleistet.
Der Umstädter Landsgemeindetag, der keineswegs etwa in die Belange des hessischen Landgemeindetags — dessen Arbeiten auf gänzlich anderem Gebiet liegen — eingreifen wird, will in allen Fragen der Kommunalpolitik, die das Wirtschaftsgebiet betreffen, gemeinsam gegen den Kreis, das Land Hessen und den Bund vorgehen. Es müsse, so betonte Wedel, zum Beispiel verhindert werden, daß Staatsaufgaben auf die Gemeinden abgewälzt würden (höhere Schulen). Weiter sei das Wirtschaftsgebiet hinsichtlich der Krankenpflege vernachlässigt worden (Kreiskrankenhaus). Zur Vervollständigung der für neuzeitlichen Verkehr zu fordernden Verbindungsstraße Babenhausen — Groß-Umstadt — Reinheim — Darmstadt sei die Fertigstellung einiger Teilstrecken anzustreben, damit dann auch der Einrichtung einer Omnibusverbindung zwischen diesen Orten nähergetreten werden könne. Außerdem ergebe sich mancher Berührungspunkt mit der Arbeit der Interessengemeinschaft Oden« wald, die ihre Tätigkeit nach ähnlichen Gesichtspunkten auf fasse.
Die lebhafte Aussprache ließ erkenne», daß die anwesenden Gemeindevertreter den Gedanken der Gründung des „Umstädter Landsgemeindetages, Interessengemeinschaft für das Wirtschaftsgebiet Groß-Umstadt auf überparteilicher Grundlage“ guthießen. Darauf wurde das Präsidium gewählt, das sich wie folgt zusammensetzt: Präsident Ludwig Wedel, Groß-Umstadt, Stellvertreter Bürgermeister 11 ze 1, Lengfeld, Schriftführer und Kassierer Georg Füss 1e r, Groß-Umstadt, Beisitzer wurden die Bürgermeister Sehnert, Schaafheim, Müller, Semd, Volland t, Heubach, Brehm, Kleestadt, Kohlbacher, Wiebelsbach, Hartmann, Groß-Umstadt- die Gemeinderäte Falkenstein, Lengfeld, Bohland, Groß-Umstadt, Hamann, Semd, Sattler, Wiebelsbach, Direktor Schmitt, Groß-Umstadt (für Landwirtschaft) und Architekt Bickelhaupt, Groß-Umstadt (für Bauwesen).
In die sogenannte Landsgemeindeversammlung entsenden die Gemeinden unter 500 Einwohner je einen Vertreter, die größeren Gemeinden je 500 Einwohner einen Vertreter, die jeweils aus den Kreisen der Bürgerschaft vom Gemeinderat gewählt werden. Der Landsgemeindetag hält in. regelmäßigen Abständen Sprechtage ab, auf denen die Gemeindevertreter, Beigeordneten und Gemeinderäte sich über alle kommunalpolitischen Fragen Aufklärung holen können; zum Beispiel über die Aufstellung des Gemeindeetats, über Wohnungsbaufragen und Landesbaudarlehen, gemeinsame Fremdenverkehrswerbung, Verwaltungsangelegenheiten aller Art.
Auf dem Landsgemeindetag selbst aber hat jeder Bürger das Recht, zu allen die Allgemeinheit betreffenden Fragen das Wort zu ergreifen. Der 1. Umstädter Landsgemeindetag findet am 27. August auf dem Marktplatz in Gro ß-Umstadt statt, auf dem Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel sprechen soll.
Die Gründungsversammlung war von Vertretern der Gemeinden Groß-Umstadt, Kleestadt, Klein-Umstadt, Schlierbach, Schaafheim, Langstadt, Lengfeld, Semd, Wiebelsbach, Ober-Nauses, Frau-Nauses, Schloß-Nauses, Ober- und Nieder-Klingen und Heubach besucht. (RG
Rutsch in den „Säuferhimmel“?
In einer Sitzung des Winzerfestausschusses in Bensheim wurde den Gastwirten, soweit sie di£ Versteigerungsbedingungen am vergangenen Montag erfüllten, ihre Buchten im Winzerdorf zugesprochen. Verschiedene kleine Unklarheiten wurden noch geregelt, ebenso einige besondere Wünsche einzelner Gastwirte sowie die Plakatfrage. Für den Mittwoch der Winzerfestwoche wurde ein großer Hausfrauennachmittig mit Modenschau und für Sonntag, den 10. September, eine Imkertagung festgesetzt, bei bei der ein Fachmann vom Staatlichen Forschungsinstitut für Imkerei und Seidenraupenzucht in Marburg (Lahn) sprechen wird.
Die Anlage und der Spitalplatz werden in große Vergnügungsplätze mit Buden und Karussells umgewandelt. Das aus dem vergangenen Jahr bekannte „Stadtbähnchen“ wird wieder die Verbindung zwischen den einzelnen Festplätzen und der Werbe- und Verkaufsmesse im „Haus der Jugend“ herstellen. Über die Frage der Anbringung einer Rutschbahn vom ersten Stockwerk des ehemaligen Rathauses in das Winzerdorf herrscht insofern noch keine Klarheit, als man nicht weiß, ob man den Tanzlustigen den Weg in das Winzerdorf oder den „Kornblumenblauen“ den Weg aus dem Winzerdorf in den „Säuferhimmel“ erleichtern soll. Am besten sorgt man für beides ... (HB)
Zuchthaus für Rodenheber beantragt
Urteilsverkündung vor der Strafkammer am Dienstag
Am zweiten Tag der Hauptverhändlung der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gegen den 68 Jahre alten, vorbestraften Maschinenschlosser Philipp Rodenheber aus Heppenheim beantragte am Freitagabend nach Abschluß der Beweisaufnahme Staatsanwalt Hoppmann zwei Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre.
Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten, der erst vor kurzer Zeit eine zweieinhalbjährige Haftstraße wegen Freiheitsberaubung im Jahre 1933 verbüßte, des schweren Landfriedensbruchs für überführt. Bekanntlich hatte sich Rodenheber, wie wir bereits in einer früheren Ausgabe berichteten, in übler Weise an den Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und deren Besitz am 10. November 1938 in Heppenheim beteiligt.
Der Verteidiger des Beschuldigten forderte entgegen dem Antrag des Anklagevertreters für seinen Mandanten einen Freispruch.
Am Freitae hatte die Strafkammer die Verhandlung in Darmstadt kurzfristig unterbrochen und einen Lokaltermin in Heppenheim anberaumt. In einem Polizeiauto kehrte man gegen Abend wieder zurück und führte den Prozeß bis nach 21 Uhr weiter.
Am Dienstag wird die Dritte Strafkammer unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Hahn das Urteil im Prozeß Rodenheber verkünden. (wst)
Tumult als Festausklang
Die Ortsgruppe des Vereins der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen von Wolfskehlen hielt am Samstag im Frankfurter Hof ein Sommernachtfest ab. In dem mit Laub und bunten Lampions geschmückten Saale herrschte, beschwingt durch die Klän«e der Kapelle Pöhler, fröhliche Stimmung. Kurz nach Mitternacht kam es leider zu tumultartigen Szenen zwischen einigen jungen Männern und Angehörigen der amerikanischen Besatzunas-Verar>staltung durch die Polizei abgebrochen werden mußte. -od-
Meldungen aus den Landkreisen
Zwei Schüler ertrunken
Der nasse Tod hat wieder zwei Menschenleben gefordert: den 19 jährigen Erich Treiber aus Oberliebersbach und den 20jährigen Emst Arnold aus Oberabtsteinach.
Beide waren mit ihrer Schulklasse, dem Realgymnasium Weinheim, zur Koller-Insel bei Brühl am Altrhein zum Baden gefahren und hatten dort gegen das ausdrückliche Verbot ihres Lehrers Dr. Hai ny , als dieser vorübergehend abwesend war. einen Altrheinarm betreten. Der durch lautes Rufen alarmierte Lehrer versuchte sofort mit mehreren guten Schwimmern die untergegangenen Schüler zu bergen. Es gelang ihnen jedoch nur, den Neunzehnjährigen an Land zu bringen, bei dem sich sofort vorgenommene Wiederbelebungsversuche als erfolglos erwiesen, während der zweite Untergegangene nicht gefunden werden konnte. Die von der Polizei vorgenömmenen Ermittlungen ergaben einwandfrei. daß der Tod beider Schüler kein fremdes Verschulden war. -r-
Riedringkünstler mit Pech
Der Besitzer eines Rauchwarengeschäftes in Lorsch versuchte sich als Rennfahrer mit artistischer}. Einlagen auf dem Riedring. Dabei stürzte er mit seiner neuen Puch-Maschine und trug schwere Verletzungen davon. Das Motorrad wurde stark beschädigt.
Evangelische Pfarrpersonalien
Unter Wahrung ihrer Rechte als definitive Pfarrer wurden ernannt bzw. beauftragt: Pfarrer Hans Hör es in Worfelden als Pfarrverwalter in Bauschheim, Pfarrer Bernhard Perizonius zu Hausen zum Verwalter der Pfarrassistentenstelle in Neustadt i. 0., Pfarrer Hans Schilling, früher Mainz, z. Z. Erzhausen, mit der Verwaltung der Pfarrassistentenstelle in Heusenstamm, Pfarrverwalter Hans-Dietrich Harhausen in Seckmauern zum Pfarrer daselbst, ferner Pfarrer Friedrich von der Au, zuletzt Pfarrer in Neuentempel (Brandenburg) zum Pfarrvikar in Ernsthofen. — In den Ruhestand versetzt wurden auf ihren Antrag mit Wirkung vom 1. Juli Pfarrer Wilhelm Döll in Mühlheim, Pfarrer und Dekan Herman Kahn in Lich (1. August), Pfarrer Otto Wilhelm Döll in Steinbach (1. September), Pfarrer Karl Frank in Reiskir¬ che n, Pfarrer Ludwig Strack in Pfungstadt (1. Oktober) und wegen Erreichung der Altersgrenze, ebenfalls mit Wirkung vom 1. Oktober Pfarrer Wilhelm Becker in Ernsthofen und Pfarrer und Dekanatsverwalter Wilhelm Wahl in Lang - Gön s.
„Ueberwälder Heimatfest“ in Waldmichelbach
Das „Ueberwälder Heimatfest“ in Waldmichelbach erwies mit seinem erfolgreichen Verlauf auch in diesem 2. Jahre seine Existenzberechtigung und Wie Dr. Kattier, der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, bei der Eröffnungsfeier festgestellt hatte, seine Notwendigkeit für dies fernab jeden städtischen Getriebes gelegene Gebiet.
Bürgermeister Bachmann konnte eine große Anzahl von Ehrengästen, unter ihnen Regierungsdirektor Dr. Ahl als Vertreter des Regierungspräsidenten, Generalkonsul a. D. Dr. Kolb, Vertreter der Bundespost und der Bundesbahn und den Schirmherrn, Landrat Dengler, begrüßen, der mit seinen Worten das Fest einleitete. Die Gesangsabteilung der SKG Waldmichelbach umrahmte die Eröffnungsfeier mit 2 Chören von Mendelssohn-Bartholdy. Am Abend fand im Festzelt ein Heimatabend statt, bei dem die Hornbach - Birkenauer Trachtengruppe, einige Odenwälder Orignale sowie Anneli Weber mitwirkten.
Der Sonntag, der wie der Samstag von strahlendem Sonnenschein begünstigt war, brachte nahezu 8000 Menschen nach Waldmichelbach. Die Sektion XIII des Odenwaldklubs hatte eine Sternwanderung angesetzt, an der sich über 500 Mitglieder beteiligten, die auch den Festzug am Nachmittag begleiteten. Auf dem zum Festplatz gewordenen Sportfeld fanden Vorführungen des Reitervereins Rimbach und Waldmichelbach statt. Weiß gekleidete Turnerinnen zeigten rhythmische Keulenübungen und fanden damit ebenso herzlichen Beifall wie die Reiter. Den Abschluß der Nachmittagsveranstaltungen bildeten Motorradwettbewerbe, die sowohl auf Schnelligkeit als auch auf Sicherheit bewertet wurden. Der Abend brachte ein bisher im Ueberwald noch nicht gesehenes Brillantfeuerwerk, dem der überwiegende Teil der Gäste beiwohnte. Sie zollten damit den Verantwortlichen volle Anerkennung für die Ausgestaltung des Festes. Der Montag wird nun im Zeichen der Landwirtschaft stehen. -r-
Darmstadt-Land
Pfungstadt. Wie durch den Bürgermeister bekanntgegeben wurde, ist in der Gemeinde ein Fall von Paratyphus aufgetreten. Durch das Kreisgesundheitsamt sind sofort die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen gegen eine weitere Verbreitung der Krankheit getroffen worden. Der Verkauf von Eis auf der Straße ist verboten. (ler.)
Jugenheim. Frau Margarethe A n h ei - ße r, des im vergangenen Jahr verstorbenen Malers und Graphikers Dr. Roland Anheißer, veranstaltet in Kürze eine ständige Ausstellung aus dem Nachlaß des Verstorbenen. (hl)
Seeheim. Morgen, Dienstag, werden von 14 bis 16.30 Uhr auf dem Rathaus die Invaliden-, Angestellten-, Witwen-, Waisen- und Körperbeschädigtenrenten ausgezahlt. (hl)
Roßdorf. Wegen Reparaturarbeiten an der Sirenenanlage, wird der Bevölkerung zur Kenntnis gebracht, daß bis zur Wiederinbetriebnahme Feuermeldungen an Karl Haas, Hintergasse 5, Heinrich Feiger, Bahnhofstraße 10, Rohrmeister Friedrich Poth, Bahnhofstraße 61 und die Bürgermeisterei zu richten sind, (sl.)
Dieburg
Dieburg. In den Dieburger Lichtpielen „Zum weißen Roß“ lief am Freitag der Rank-Farbfilm „Schwarze Narzisse“ auf den in der vergangenen Woche neu eingebauten Kinomaschinen „Bauer B 6“ an. Die erste nach Kriegsende aus dem Werk gelieferte sog. „Linksmaschine“ wurde in diesem Hause aufgestellt. Durch Einbau eines zweiten Lautsprechers wurde auch der Ton merklich verbessert. (RG)
Groß-Umstadt. Am Wochenende begeht die Freiwillige Feuerwehr Groß-Umstadt die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Der Samstag bringt Vereinsdarbietungen und die Ehrung der Jubilare. Am Sonntagvormittag findet auf dem Marktplatz eine Brandangriffsübung statt. Den Nachmittag leitet ein Festzug ein, der mit der Festrede ausklingt. Ein Volksfest und ein Festball schließen sich an. (RG)
Erbach
Höchst i. O. — Das Rathaus, an dem schon jahrzehntelang keine Ausbesserungen vorgenommen wurden, soll renoviert werden. Der Haushaltsplan der Gemeinde sieht hierfür 5000,- DM vor. Mit den Arbeiten am Dach wurde bereits begonnen.
Höchst i. O. In der Ernst- Ludwig-Heilstätte in Sandbach i. O. wird am Samstag, 5. August, 18 Uhr, ein Konzert stattfinden, bei dem u. a. der Heldentenor der Hamburger Staatsoper, Joachim Sattler und Generalmusikdirektor Mesch¬ -lenb ur g von Darmstadt mitwirken werden. (Id)
Wald-Amorbach. Die Gemeinde begeht wie alljährlich am 1. August ihren Hagelfeiertag. Der Dankgottesdienst findet unter freiem Himmel statt, da die Dorfkirche zur Zeit repariert wird, (hm)
Urberach. Die hiesige Gemeinde stand am Sonntag ganz im Zeichen eines von der katholischen Pfarrgemeinde veranstalteten Festes unter dem Leitwort „Alles for die Kersch“. (RG)
Bergstraße
Bensheim. Die Stadtkasse bleibt am Montag, dem 31. Juli, wegen Abschlußarbeiten geschlossen. (HB)
Lorsch. Der Teilhaber der Firma „Hekolo“ (Henkes & Co.), Vält. Br. machte seinem Leben — wahrscheinlich wegen geschäftlicher Schwierigkeiten — durch Erhängen ein Ende. (el)
Birkenau. — Der Verband der Körperbeschädigten beschloß in seiner jüngsten Sitzung, am 26. August ein Sommernachtsfest abzuhalten, dessen Reinertrag sozialen Zwecken zugeführt werden wird. (—r)
Rimbach. Ein kürzlich in der Gemeinde gestohlenes Damenfahrrad konnte jetzt in Heidelberg sichergestellt werden. Ein Mädchen aus Lindenfels hatte das Rad entwendet, um damit auf Abenteuer zu gehen. -r.
Weiher. Die guten Leistungen des Gesangvereins „Sängerlust“ bei den letzten Sängertreffen haben den Dirigenten des Vereins veranlaßt, Darbietungen des Chors vor dem Mikrofon des Heimatfunks zu planen. — Die Bautätigkeit in der Gemeinde leidet sehr unter der finanziellen Notlage der Wirtschaft. Die sieben Neubauten werden in diesem Jahr nur zum Teil bezogen werden können. (km)
Mörlenbach. Ein Sommernachtsfest veranstaltet die Gemeindeverwaltung in Zusammenarbeit mit allen einheimischen Verbänden und Vereinen am 12. und 13. August auf der Jockelswiese. Der Reinerlös der Veranstaltung fließt dem Wohnungsbaufonds der Gemeindeverwaltung zu. (-r)
Mörlenbach. Der Kreisausschuß bewilligte für die Gemeinde aus der nächsten Ausschüttung insgesamt 26 000 DM Staatsbaudarlehen. Dadurch wird es möglich sein, einen großen Teil der unfertigen Neubauten nöch vor Einbruch der feuchten Witterung fertigzustellen. (-r)
Krumbach. Der Landwirt J. B. stürzte beim Getreideabladen so unglücklich yon der Tenne, daß er bewußtlos liegen blieb und in das Lindenfelser Krankenhaus eingeliefert wurde. (-r)
Unter-Flockenbach. Ein Tljähriger Rentner, der bei Erntearbeiten aushalf, stürzte beim Abladen eines Wagens so unglücklich vom Scheunenboden, daß er in schwerverletztem Zustand in ein Krankenhaus übergeführt werden mußte. (-r)
Groß-Geran
Groß-Gerau. In einer Versammlung des Haus- und Grundibesitzervereins machte am Freitagabend Vorsitzender Heu eher die Feststellung, daß Wohnraum immer noch der Beschlagnahme unterliege. Um die Interessen der Hausbesitzer intensiver vertreten zu können, wäre eine Vergrößerung der Mitgliederzahl notwendig. Allein in Groß-Gerau gebe es zur Zeit annähernd 250 Wohnungssuchende. (cg)
Nauheim. Der Turnverein 1888/94 beschloß in seiner letzten Sitzung mit dem Ausbau des Umkleidehauses auf dem Turnplatz in der Bleichstraße zu beginnen. Für die über 300 Mitglieder des Vereins soll in. erster Linie eine Duschanlage errichtet werden. — Die Sporthaus-Interessengemeinschaft hat das Sporthallengelände mit einer neuen Einfriedung versehen. Der Gastbetrieb der Gemeinschaft ist sonntags durchgehend geöffnet. (kb.)
Goddelau. Im.Saale des Gastwirts Ludwig D i eh 1 wurden durch das Resident Office Groß-Gerau Kultur- .und Landschaftsfilme gezeigt. Nach einer Wochenschau wurdeh die Film d* „Der Reichtum“, „Wo der Niger fließt“ und „Südamerikanische Tänze“ vorgeführt. — Die gleichen Filme liefen auch in Wolfskehlen. , .. -od-
Dornheim. In der letzten Gemeinderatssitzung beschloß der Gemeinderat, an Konrad Schmidt und Jakob Wiesinger je einen Bauplatz in der Bahnhofstraße abzugeben. Der Gemeinderechner gab einen kurzen Ueberblick über die Gemeindefinanzen. Die Friedrich - Ebert - Straße wurde wegen Bautätigkeit gesperrt.
Meine liebe Frau, unsere liebe Mutter und Großmutter Johanna Vanbel • geborene Senner ist am 26. Juli sanft entschlafen. Professor Dr. Wilhelm Vaubel Darmstadt, Dieburger Straße 80 Die Beisetzung hat in aller Stille stattgefunden. Allen Verwandten und Freunden danken wir herzlich für ihre innige Anteilnahme.
Wo ich geh und steh alles liest „DT“
Vor der Geschäftsstelle des „Darmstädter Tagblatt" im alten Tagblatthaus, Rheinstraße 23, ist ein ständiges Kommen und Gehen. „Nur auf einen Sprung" wird die neueste Ausgabe „überflogen", die Tag für Tag aus Darmstadt und allen Gemeinden Starkenburgs das Neueste vom Neuen berichtet. Darum sollten Sie nicht länger zögern, noch heute Ihr Abonnement aufzugeben... denn wer das „DT.“ liest, ist immer auf dem laufenden. Foto: Arco
Der Sport
Der Sport an den Hochschulen macht Fortschritte
Gute, wenn auch noch nicht voll überzeugende Leistungen bei den Meisterschaften im Olympia-Stadion
er. Berlin. (Eigener Bericht.) Etwa sechshundert Aktive und knapp viertausend Zuschauer verloren sich geradezu im Berliner Olympia-Stadion, als die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Professor Heuss stehenden Zweiten Deutschen Hochschulmeisterschaften eröffnet wurden. In seinem Geleitwort hatte der Berliner Oberbürgermeister Professor Reuter von der Erwartung gesprochen, daß die sportlichen Wettkämpfe zu einer noch größeren Verbundenheit unter den deutschen Hochschulen führen möchten.
Köln Fußballmeister
Die Münchener Studenten spielten zwar den technisch besseren Fußball, aber die Stürmer der Universität Köln wirkten vor dem Tor der Bayern weitaus gefährlicher. So kam es. daß die mit Herkenrath im Tor spielenden Westdeutschen mit 3:1 (1:1) durchaus verdient gewinnen konnten. Das Spiel stand auf überraschend hohem Niveau.
Gute Leichtathleten
Die jungen Studenten von der Mainzer Universität hatten bei der 3 - m-Staffel Pech. Zu Beginn führte die Technische Hochschule Stuttgart, sie fiel jedoch durch den Sturz eines Läufers entscheidend zurück. Mainz übernahm später die Führung und siegte schließlch mit fünf Meter Vorsprung vor der Bonner und der Kölner Staffel. Die Mainzer machten indes betrübte Gesichter, als sie vernahmen, daß sie disqualifiziert werden mußten, weil ihr Schlußläufer kurz vor dem Zielband von einem allzu begeisterten Anhänger umarmt worden war.
Ein packendes Rennen gab es über 200 m, das Tinnin (Heidelberg) in der guten Zeit von 22,4 Sek. gewann.
Die Ergebnisse vom Samstag: Männer: 200 m: 1. Tinnin (Uni Heidelberg) 22,4 Sek.; 2. Steines (Uni Mainz) 22,6 Sek. — 1500 m: 1. Anderko (TH Stuttgart) 3:59,8 Min.; 2. von Stackeiberg (Uni Mainz) 4:03,0 Min. — 400 m Hürden: 1. Niepoth (Uni Köln) 57,2 Sek.; 2. Ulrich (Uni München) 58,0 Sek. — 3XIOOO m: 1. Uni Bonn 7:47,4 /Min.; 2. Uni Köln 7:48,0 Min. — Hammerwerfen: 1. Hausmann (Uni München) 47,59 m; 2. Goerdten (Uni Frankfurt) 36,79 m. — Stabhochsprung: 1. Oertel (TH Karlsruhe) 3,80 m; 2. Wischmann (Uni Mainz) 3,40 m. Dreisprung: 1. Schrahn (Uni Köln) 13,78 m; 2. Dreyer (Uni Kiel) 13,17 m. Diskuswerfen: 1. Kunz (FU Berlin) 44,25 m; 2. Kroschei (Uni Göttingen) 38,84 m. Fünfkampf: 1. Luther (Uni München) 2938 Punkte; 2. Rudorf (Uni Göttingen) 2303 Punkte.
Frauen: 80 m Hürden: 1. Erhardt (Uni Marburg) 12,5 Sek ; 2. Jores (Uni Bonn) 12,8 Sek. — Hochsprung: 1. Erhardt (Uni Marburg) 1,51 m; 2. Quast (Uni Köln) 1,48 m. — Weitsprung: 1. v. d. Busche-Haddenhausen (Uni Göttingen) 5,29 m; 2. Jores (Uni Bonn) 5,07 m. — Kugelstoßen: 1. Klos (Uni Marburg) 10,86 m; 2. v. Langen (Uni Marburg) 10,78 m. — Speerwerfen: 1. Hillebrandt (TH. Braunschweig) 36,14 m.
Steines 800-Meter-Sieger
Der 800-. ter-Lauf ani Sonntag wurde eine glatte Sache für den Titelverteidiger Steines von der Mainzer Universität. Neun Teilnehmer befanden sich am Start. Steines übernahm sofort die Führung und wies alle Angriffe seiner Konkurrenten mühelos ab. Der Mainzer lag durchweg zwei bis drei Meter vorne. In der Zielkurve verschärfte er das T< .npo und dann dur schnitt er unangefochten in 1:54,5 Minuten vor dem Würzburger Zimmerlein, der 1:56,0 Minuten benötigte, das Zielband.
In der 4-mal-100-Meter-Staffel der Frau- gab es insofern eine Ueberraschung, als die favorisierten Kölner Studentinnen mit dem dritten Platz vorliebneh...en mußten. Beir zweiten Wechsel führt- Köln knapp vor Göttingen, dann aber übernahm Göttingen die Führung, um schließli-1 in 52.6 Sekunden klar vor der Uni Hamburg (53,0) und der Uni Köln (53,1 Sekunden) zu iegen.
Der Anfang
Nach einem Monat Sommerpause übernimmt der Fußball in der Meinung der breiten Masse wieder den ersten Rang. Aus der Vielzahl der Begegnungen hebt sich die Wettspielreise der USA-Fußballer heraus. Daneben beansprucht das Uebungsspiel des Herberger-Lehrgangs und das Treffen Vfß Stuttgart—Hamburger Sportverein größeres Interesse. Vienna Wien, Austria Wien, Roter Stern Belgrad, Girondins Bordeaux und der 1- FC Saarbrücken ragen unter den Mannschaften hervor, die von über den Grenzen zu uns kommen. Eine vorläufige Zusammenstellung der wichtigsten bekannten Freundschaftsspiele sieht so aus:
1. August: Vfß Stuttgart —Hamburger SV, SV Weinheim—Vfß Mannheim, Köln 99—TuS Neuendorf, Vfß Neunkirchen—FC Saarbrücken.
2. August: Hertha/BSC—Wacker 04 Berlin, Bor. Münch.-Gladbach—l FC Kaiserslautern, VfR Kaiserslautern—SV Waldhof.
5. August: DFB-Auswahlspiel in Duisburg, Tunier in Bad Harzburg mit Eintracht Braunschweig — Wormatia Worms, Bor. Dortmund—FC Wien, 1. FC Köln—FK Pirmasens, ASV Durlach— Fortuna Düsseldorf, Phönix Ludwigshafen—Neunkirchen, 1860 München— 1. FC Saarbrücken, FC St. Pauli—Austria Wien, Werder Bremen—SpVgg Fürth
6. August: Schalke 04—1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen—Austria Wien, FC Straubing—l. FC Saarbrücken, Schwaben Augsburg—Neuendorf, Bor. M.-Gladbach—Vienna Wien, Hamburger SV—Preußen Münster, FC Basel —Freiburger FC, Alemannia Aachen— Hertha-BSC, SV Darmstadt—Stuttgarter Kickers, VfR Mannheim—Kickers Offenbach.
9. August: Marathon Remscheid— Hertha/BSC, Bremerhaven 93—FK Pirmasens.
Voggenreither vor Bunzel
Schu. Wuppertal. (Eigener Bericht.) Die 20 000 Zuschauer, die bei sommerlichem Wetter am Sonntagnachmittag in die Elberfelder Radrennbahn gekommen waren, warteten zwar in erster Linie auf die Entscheidung im Kampf der Dauerfahrer, sie verfolgte aber auch die Rennen der Flieger mit lebhafter Anteilnahme. Nach schönen Vor- und Zwischenläufen kam es zur Entscheidung zwischen dem Nürnberger Voggenreither und dem Berliner Werner Bunzel. Der Nürnberger gewann den Endlauf mit einer klaren Radlänge und wurde damit Deutscher Fliegermeister 1950.
Zohmann nicht mehr Meißter
Schu. Wuppertal. (Eigener Bericht.) Das 10<'-km-Rennen zur Deutschen Steher-Meisterschaft brachte den Zuschauermassen schwere Enttäuschungen. Die beiden großen Favoriten Ex-Weltmeister Lohmann (Bochum) und Jean Schorn (Köln) wurden durch Defekte der Schrittmacher - Maschinen entscheidend zurückgeworfen. Lohmann hatte schon bei 30 km mehr als eine Runde verloren und steckte das seiner Meinung nach aussichtslos gewordene Rennen auf. Auch Schorn war aus dem gleichen Grunde bereits in dieser Phase des Rennens ohne Chance. Die Entscheidung des Rennens lag jetzt nur noch zwischen Kittsteiner und dem Dortmunder Bautz.
Sieger des Rennens und neuer Deutscher Stehermeister wurde der Veteran Bautz (Dortmund) vor dem im zweiten Teil des Rennens lustlos fahrenden Kittsteiner und dem übrigen, weitabgeschlagenen Feld.
Hoffnungsvoller Leichtathletik-Nachwuchs
Deutsche Jugend-Meisterschaften in Landau
Dr. F. Landau. (Eigener Bericht.) In der Pfalz wachsen nicht nur die Reben, es gedeiht dort auch — wenn auch unter manchen Schwierigkeiten und oft nur im Verborgenen — die kleine Liebe zur Leichtathletik. Darum war es auch möglich, in Landau die Deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathletik abzuhalten. Die 600 Jungen und Mädchen, die aus 200 Vereinen in die Südpfalz gekommen waren, freuten sich nicht wenig, auf den Tribünen eine Anzahl alter namhafter Meister zu sehen, darunter auch Gisela Mauermeyer, die erst am Tage vorher in München „Fräulein Doktor“ geworden war.
Die Sieger der Meisterschaften sind:
Männliche Jugend:
Hammerwerfen: 1. Lorenz (Lüdenscheid) 36,95 m. — 3000-m-Lauf: 1. Schlegel (Eßlingen) 8:55,4 Min. — Diskuswerfen: 1. Schröder (Blumenthal) 39,50 m. — 110 m Hürden: 1. Bötefür (Rot-Weiß Oberhausen) 15.4 Sek. 1000-m-Lauf: 1. Batienne (Hessen Kassel) 2:36,0 Min.— Kugelstoßen: 1. Kopp (1860 München) 13,35 m. — Stabhochsprung: 1. Bötefür (Oberhausen) 3,40 m. — 400 m: 1. Hannig (07 Unna) 49,9 Sek. — Hochsprung: 1. Zeiß (Hessen Kassel) 1,75 m; 2. v. Eckartsberg (Frankfurt 1880) 1,71 m. — ICO m: 1. Krauß (VfL München) 11,0 Sek. — Speerwerfen: 1. Zeiß (Hessen Kassel (52,99 m.
Staffeln und Mehrkämpfe. 4XIOO m: 1. Rot-Weiß Oberhausen 43,8 Sek.; 2. Preußen Krefeld 44,9 Sek. — Olympische Staffel: 1. SSV Wuppertal 3:39,5 Min.; 2. VfL München 3:42,4 Min. — Fünfkampf: 1. Schaal (Vfß Stuttgart) 3077 Pkt.; 2. Kahle (TV Kloppenburg) 3030 Punkte. — Mannschaftsfünfkampf: 1. Hamburger SV 12 399 P.; 2. Spvgg Hamm 12 140 Punkte.
Weibliche Jugend: 80 m Hürden: 1. Jall (VfL München) 12,8 Sekunden. Kugelstoßen; 1. Grünberg (Duisburg) 11.45 m. Hochsprung: 1 Schanze (Eschwege) 1.50 m Speerwerfen: 1. Herd (SV Münster) 34.09 m. 100 m: 1. Kühn (SC Charlottenburg) 12,5 Sekunden. 4XIOO m: 1. Schwarz-Weiß Essen, 50.7 Sekunden Weitsprung: 1. Marsaille (Preußen Krefeld) 5,22 m. Diskuswerfen: 1. Merkle (SV Feuerbach) 37,0 m. Fünfkampf: 1. Schittek (Hamburger SV) 3416 Punkte. Mannschaftsfünfkampf: 1. Hamburger SV. 15 310 Punkte.
Der Blitzsieg des Meisters
Kaum vier Minuten widerstand Kohlbrecher
Oe. Berlin. (Eigener Bericht.) Eindrucksvoll, fast elegant wirkend und sauber frisiert, stand Hein ten Hoff im Ring, als Otto Nispel ihn und den Herausforderer zum Kampfbeginn in die Ringmitte rief. Als gleichzeitig der Sprecher die Gewichte bekanntgab, staunten die 22 000 Zuschauer in der Waldbühne nicht wenig, denn ten Hoff war mit 97,3 Kilogramm um ein Pfund leichter als der um wenigstens einen halben Kopf kleinere, aber eben bulliger aussehende Osnabrücker Wilson Kohlbrecher. Die Massen sollten bald ein zweitesmal staunen. Wenn für viele der Meister aus Oldenburg auch als Favorit galt, so erwartete man von Kohlbrecher nach seinen jüngsten guten Kämpfen doch einen harten Widerstand und vielfach wurde sogar mit einer für ten Hoff unangenehmen Ueberraschung gerechnet.
Kohlbrecher sah auch gut aus und er verriet in der ersten Runde mit seiner klugen Taktik und seinen blitzschnell kommenden Linken auch die Schule und die routinierte Beratung durch den ehemaligen Schmeling-Betreuer Max Machon. Aber das fachmännische Auge erkannte dann schon am Ende der ersten Runde die souveräne Stellung ten Hoffs. Der Mann scheint nach seinem tapferen und guten Kampf gegen Joe Jersey Walcott in Mannheim ungemein an Sicherheit und Nerven gewonnen zu haben. Kohlbrecher griff an, er war sogar verblüffend beweglich, aber noch leichtfüßiger und flüssiger wirkte der Meister. Er blokkierte den Herausforderer mit seiner vorgeschobenen Linken, die übrigens auch oft genug ins Ziel zuckte, so stark, daß Kohlbrecher den Kopf ten Hoffs überhaupt nicht erreichen konnte. Als der Osnabrücker dann versuchte, Treffer auf den Körperpartien anzuöringen, drehte und deckte der Meister geschickt ab. Einmal konterte auch Kohlbrecher einen Angriff ten Hoffs gut ab. Erst in der letzten Minute der ersten Runde setzte ten Hoff, sozusagen als Versuch, seine Rechte zum erstenmal ein. Sie kam an der Herzspitze ins Ziel und sicherte dem Meister für diese Runde einen kleinen Vorsprung.
Weit lebhafter als zu Beginn der ersten Runde wirkte der Meister nach dem Gongschlag zur zweiten Runde. Die Linke flog einige Male täuschend vor und dann kam auch schon der schwere rechte Haken, der Kohlbrecher unter dem Ohr an der Halsschlagader so schwer traf, daß es vor dem „Aus“ des Ringrichters kein Erwachen mehr gab. Auch die Zuschauer brauchten eine Weile, um sich von dieser Ueberraschung zu erholen, dann aber wurde ten Hoff für seine wahrhaft meisterliche Leistung gebührend gefeiert. Der Kampf hatte nicht einmal vier Minuten gedauert.
Süũddeuntschlands 11. Division steht
Der Gründungsakt in Stuttgart — Spielbeginn am 20. August
Be. Stuttgart. (Eig. Drahtbericht.) Die vielumstrittene 11. Fußball-Vertragsspieler-Division ist nun auch de jure anerkannt worden. Sie wurde am Sonntagmittag in Stuttgart in Anwesenheit der achtzehn Vereinsvertreter aus der Taufe gehoben. Zwar konnten sich die Beauftragten des SV Tübingen und des VfL Konstanz anfangs aus naheliegenden wirtschaftlichen Erwägungen nicht sofort zustimmend entschließen- aber der Spielausschuß-Vorsitzende Berg (Waldhof) machte darauf aufmerkfam, daß er bereits am Montag die fertiggestellten Terminlisten mit der Toto GmbH zu besprechen hätte, daß auch sonst keine Zeit mehr zu verlieren sei. Der Vorsitzende des Süddeutschen Fußballverbandes, Hans Huber, habe schon vor Wochenfrist deutlich die Absicht verraten, die geplante Achtzehnerliga der zweiten Division in zwei Gruppen aufsplittern zu lassen. So gaben schließlich Tübingen und Konstanz ihr Einverständnis und damit geschah die Bildung der zweiten Vertragsspieler-Division des Südens einstimmig. Die zweite Liga setzt sich wie folgt zusammen-
Stuttgarter Kickers, Jahn Regensburg, 1. FC Pforzheim, 1. FC Bamberg, Bayern Hof, Wacker München, Straubing, ASV Cham, Ulm 46, VfL Konstanz, SV Tübingen, Freiburger FC, Union Bückingen, ASV Durlach, Hessen Kassel, Viktoria Aschaffenburg, SV Wiesbaden, SG Arheilgen.
Der Beginn der Spiele wurde, wie bei der ersten Liga, entgegen der bisherigen Planung, auf den 20. August festgesetzt. Dr. Walter, der bisherige Chef der Oberliga Süd. sprach über die finanzielle Si-
tuation und hoffte dabei, daß die Toto-Gesellschaft einen Betrag von tausend Mark monatlich für jeden Verein zur Deckung der zweifellos sehr hohen Unkosten auswerfen werde.
Ueber die Einteilung von Reservemannschaften der ersten Liga konnte noch nicht Beschluß gefaßt werden, da es sich bekanntlich um gemischte Mannschaften handelt (Amateure und Vertragsspieler), die nach den Bestimmungen des Deutschen Fußballbundes nicht in Amateurligen spielen dürfen.
USA-Fußballer in Deutschland
Die Fußballmannschaft des Deutschamerikanischen Fußballbundes, die den Besuch des Hamburger Sportvereins erwidert, ist bereits namhaft gemacht und der genaue Wettspielplan festgelegt worden. Danach spielen die Amerikaner, die am 10. August in Hamburg eintreffen werden, am 12. August beim HSV, am 13. August bei Werder Bremen, am 20. August in Berlin gegen eine Berliner Auswahl, am 23. August beim Vfß Stuttgart, am 25. August bei SV Waldhof und am 30. August bei Fortuna Düsseldorf. Die USA.-Auswahl wird von folgenden Vereinen gestellt: SC Neuyork, Hota Neuyork, SC Elizabeth. Schweizer SC Neuyork, Newark SC, Eintracht Neuyork und Deutsch-Ungarischer FC Neuyork.
Ende der Oesterreich-Rundfahrt
Wien. (A.Z.) Der Oesterreicher Richard Menapace gewann das große Straßenrennen „Rund um Oesterreich“, das am Samstag mit der Etappe Linz—Wien abgeschlossen wurde.
Scheinkampf in Köln?
Peter Müller besiegte Ken Stribling durch k. o.
Li. Köln. (Eigener Bericht.) Zwölftausend Besucher füllten die Ränge des Kölner Eisstadions, als zum Hauptkampf des Abends der amerikanische Halbschwergewichtler Ken Stribling und der Kölner Mittelgewichtler Peter Müller durch die Seile kletterten. Im Kampf auf die Distanz war Müller der bessere, aber im Infight hatte der farbige Amerikaner klare Vorteile. Die beiden ersten Runden verliefen ohne besondere Höhepunkte, Müller mied den Nahkampf und bewies, daß er sich auf diesen Kampf gut vorbereitet hatte. Die Zwölftausend tobten, als kurz nach der dritten Runde Peter Müller seinen Gegner mit einer Serie beidhändig geschlagener Haken eindeckte und dieses Bombardement mit einer schweren Rechten an das Kinn Striblings abschloß, worauf der Amerikaner wie ein Klotz zu Boden stürzte. Der- Kölner Ringrichter Rosen begleitete das Auszählen mit dem Erheben seines rechten Armes, die erregten Zuschauer zählten mit. Als Rosen seinen Arm zum siebenten Male hob, sprach er bereits das entscheidende „Neun und Aus“ — Stribling hatte sich bei „Neun“ jedoch bereits wieder erhoben und zum Kampf gestellt. Die sehr fragwürdige Entscheidung: Peter Müller Sieger durch k. 0., wurde von den Besuchern mit einem langanhaltenden Proteststurm beantwortet.
Noch am gleichen Abend tagte der Sportausschuß des Verbandes Westdeutscher Faustkämpfer. Er kam zu dem Ergebnis, zumindest habe Stribling einen Scheinkampf geliefert; seine Börse wurde gesperrt und beim Verbandsvorstand beantragt, Stribling für Deutschland zu sperren, ferner den Ringrichter Rosen (Köln) auf die Dauer eines halben
Bad und Borkampf
Die „Tour“ versandet
Jt. Paris. (Eigener Bericht.) Als die „Giganten der Landstraße“ auf der 205 km langen Etappe der „Tour de France“, die von Toulon nach Mentone führte, bei Sainte Maxime die Gestade des Mittelmeeres erreichten, konnten einige Fahrer nicht widerstehen, sie stürzten sich „in die Fluten des Meeres“, obwohl die Rennleitung gegen dieses wenig programmmäßige Bad heftig protestierte. Die Fahrer jedoch waren sich einig, zumal die große Hitze allen Beteiligten schwer zu schaffen machte. Vielleicht war eben diese Hitze daran schuld, daß sich zur Abwechslung wieder einmal zwei Fahrer in die Haare gerieten, diesmal trugen die Franzosen Lazarides und Robie einen privaten Boxkampf miteinander aus. Der Luxemburger Jean Diederich gewann die Etappe, die in sehr gemächlichem Tempo zurückgelegt wurde, in 6:45,25 Std. vor Castelin (Frankreich-Südost) und Molinaris (Frankreich). In der Gesamtwertung führt weiterhin der Schweizer Kübler mit 100:40,09 Std. vor dem Belgier Stan Ockers (100:41,05) und Pierre Brambilla (Frankreich-Südost) mit 100:49,10 Std.
Kübler auch Etappensieger
Die 16. Etappe der „Tour“ führte am Sonntag von Mentone über 96 km nach Nizza. Sie wurde von dem Träger des „Gelben Trikots“, dem Schweizer Ferdinand Kübler, in 3:02,43 Stunden vor dem Franzosen Bobet, dem starken Belgier Sten Ockers und Jean Robie (Frankreich) gewonnen.
SV 98 hielt Heerschau
Neuerwerbungen schlagen ein — Weiß schlug Blau 6:3
Den etwa 2000 Zuschauern stellte der SV 98 Darmstadt am Samstag auf der Woogswiese in einem Uebungsspiel alle seine Spieler vor, die für die künftigen Oberligaspiele in Frage kommen. Dabei war es weniger wichtig, Daß die „Weißen“ mit 6:3 über die Blauen erfolgreich blieben, daß die Tore der Sieger von Becker (2) und Bohmann geschossen und der Rest von Schmidtmer mit Eigentoren (!) besorgt wurde, daß Ewald und Thrän den Ball im „weißen“ Tor unterbringen konnten, viel erfreulicher war die Tatsache, daß der SV 98 über ein so reichliches und ausgezeichnetes Spielmaterial cerfügt, daß es den Verantwortlichen nicht leicht fallen dürfte, aus der Menge der Könner das Passende für die wirklich schlagkräftigste Elf auszuwählen. Dabei fehlten noch Dr. Barth und die beiden an Verletzungen laborierenden Stürmer Thalheimer und Michel.
Die beiden Mannschaften waren so geschickt zusammengestellt, daß nach der Pause nur noch geringfügige Veränderungen vorgenommen werden brauchten. Die 1. Stürmerreihe mit Reeg, Bohmann, Becker. Mühlbach und Herwig stand gegen die gute Hintermannschaft Ruhl; Barth, Abt; Müller, Schmidtmer, Fischer. Von den Torwächtern machte Ruhl (früher Roßdorf) auf der Linie eine gute Figur, während er im Strafraum noch Mängel zeigte. Mit flachen Bällen dürfte er besser fertig werden als Dr. Barth. Im anderen Tor machte Müller einer recht unsicheren Eindruck. Von den Verteidigern war wieder Abt der sicherste und zuverlässigste. Barth (früher Mainz) sollte ihn mit seiner Schnelligkeit und seinem genauem Zuspiel noch am besten ergänzen können. Auch Leichtlein gefiel vor der Halbzeit durch seinen Eifer. Von den Läufern war der Ex-Bamberger Herder den andern durch sein präzises Abspiel überlegen. Schmidtmer, der recht lustlos spielte, Müller, Barth und der leider etwas Schwächliche Andernach werden in die engere Wahl gezogen werden. Aus der Vielzahl der eingesetzten Stürmer war man besonders von der Neuerwerbung Becker begeistert. Er gab einige Kostproben seiner immensen Schußkraft, stellte sich geschickt frei, kann dribbeln — als Mittelstürmer ließ er Schmidtmer einige Mal glatt stehen —. schießt viel und mit beiden Füßen gleichgut und hat eine Statur, wie sie für die harten Oberligakämpfe gerade richtig ist. Auch der kleine wieselflinke Thrän aus Ober-Roden war auf Rechtsaußen technisch brillant und der Roßdörfer Ewald wäre noch besser zur Geltung gekommen, wenn er die richtigen Spieler neben sich gehabt hätte. Von den „Alten“ machten Reeg, Bohmann und selbst Herwig einen verspielten Eindruck — Reeg sollte man doch wieder in die Läuferreihe zurücknehmen —, und Mühlbach hat die in den letzten Aufstiegsspielen gezeigte Form noch nicht wieder erreicht.
Es wäre verfehlt, nach diesem Uebungsspiel schon entgültige Urteile abzugeben, denn Trainer Keck fängt ja erst an, seine Schäfchen langsam in die richtige Form zu bringen. Der erste Eindruck nach der Sommerpause war jedenfalls durchaus befriedigend. Die Neuerwerbungen sind keine Fehlschläge, sondern werden sich gut in das Mannschaftsgefüge der „Lilien“ einbauen lassen. Die 98er sind bereits heute für die Oberligaspiele gerüstet. Nach einigen Freundschaftsspielen wird in Darmstadt ihr Start am 20 August mit größter Spannung erwartet, obwohl der Gegner noch nicht bekanntgegeben wurde.
Der „Erste Schritt“um den Kranichstein
Während am letzten Sonntag die Bezirksmeisterschaften um den Kranichstein ausgetragen wurden, kämpften diesmal Jugendliche der Jahrgänge 32 bis 36, die noch nie ein Rnnen gefahren hatten, um den Sieg. Es war'der Aufruf vom Bund der deutschen Rennfahrer, der über 20 Jugendliche zur ersten Etappe auf den Plan gerufen hatte.
Die Zahl der Beteiligten mag nicht überwältigend gewesen sein, doch hat es
weniger am Willen als an den fehlenden Rädern gelegen. Um so erstaunlicher waren die Leistungen, welche die vielen Zuschauer zu sehen bekamen. Mit Rädern aller Art wurden Einzelkämpfe und Spurts gezeigt, die zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft des Radsportes berechtigen.
Besonderer Dank gebührt den Firmen, die diese Breitenarbeit durch Spenden unterstützten. So stifteten die Veith-Werke in Höchst eine Sportbereifung, die Fa. Lehmann, Frankfurt, eine Garnitur Sporttaschen und die Fa. Lusmann. Frankfurt, eine Simplex-Schaltung.
Bei den Rennen, die in zwei Klassen gefahren wurden, erwarben sich die jeweils ersten 5 Sieger die Berechtigung, an dem Landesrennen teilnehmen zu können. Neben dieser Möglichkeit wurden ihre Bemühungen mit einem Diplom und den Geschenken der Firmen belohnt.
I ersten Rennen über 30 km fuhren die Jahrgänge 1935—36. Es gab folgende Sieger: 1. Horst Schäfer, Darmstadt, Zeit 55/14; 2. Helmut Beck, Darmstadt, Zeit 55/14; 3. Manfred Kuschewski, Darmstadt, Zeit 56/04; 4. Ludwig Riedlinger, Darmsatdt, Zeit 60/15; 5. Karl-Heinz Zahn, Darmstadt, Zeit 60/15. Im Rennen der Jahrgänge 1932—34 über 50 km siegten: 1. Walter Rose, Darmstadt. 1 Stde. 30 Min. 2. Peter Germann, Darmstadt, 1 Stde. 31 Min. 3. Horst Walther, Darmstadt, 1 Stde. 38,5 Min. 4. Horst Christ, Darmstadt,
Die Meister von 1960 beim „Ersten Schritt“
Schömig bleibt Meister
ng. Hannover. (Eigener Bericht.) Nur etwa zweitausend Besucher hatten sich in Hannover zu dem Kampf um die deutsche Meisterschaft im Bantamgewicht zwischen dem Titelhalter Hans Schömig (Schweinfurt) und dem Krefelder Herausforderer Walter Limbach eingefunden. In dem Zwölfrundenkampf gab der Meister eine gute Vorstellung, er wirkte viel beweglicher als sein Herausforderer und hatte auch in technischer Hinsicht ein Plus. Nach neun Runden hatte sich der Schweinfurter einen klaren Punktvorsprung herausgeboxt; alle Versuche Limbachs, in den letzten Runden doch noch die Entscheidung zu erzwingen, scheiterten an der ausgezeichneten Deckung von Schömig.
Koblenz’ ältester Sportverein, Rot-)Veiß Koblenz (ehemals CFC 1900), feiert im Herbst dieses Jahres sein 50jähriges Bestehen und plant dafür eine Wiedersehensfeier aller seiner alten Mitglieder und Vereinsbegründer. Rot-Weiß umfaßt heute 1000 Mitglieder.
Hessische Meisterschaften im Schwimmen
Kreisstadt Groß-Gerau im Zeichen des nassen Sports
Die Landes-Schwimm-Meisterschaften in Groß-Gerau brachten guten Sport. Erich Dilfer vom KSV Hessen-Kassel und Walter Minnich von EFSC 1891 konnten mit vorzüglichen Leistungen ihre Titel erfolgreich verteidigen. Staunen und Beifall erregte das Figurenlegen des Damen-Schwimmvereins Frankfurt a. M.
Festabend der Schwimmer
Im Rahmen der - Schwimm-Meisterschaften wurde am Samstagabend in der Halle des Groß-Gerauer Turnvereins ein Sommernachtsfest veranstaltet. Ein weiterer Tanzboden war im Hofe der Turnhalle aufgebaut, der mit bunten Lampions geschmückt war.
Albert Faulstroh, der erste Vorsitzende des Turnvereins, dankte in einer Begrüßungsansprache der Stadtverwaltung, die durch ihre entgegenkommende Hal-
tung die Abhaltung der Meisterschaften ermöglicht habe. Bürgermeister Dr. Lüdecke, der erst am Abend von der fünften Internationalen Konferenz für Soziale Arbeit aus Paris zurückgekehrt war, schilderte einige Eindrücke seiner Reise und hob hervor, daß gerade die Sportkameradschaft eine schöne Brücke zur Völkerverständigung sei. Er wünschte, daß die Landes- Schwimm-Meisterschaften dazu beitragen möchten, Ansehen und Beliebtheit der Kreisstadt Groß-Gerau zu stärken.
Vorsitzender Binner vom Hessischen Landes-Schwimmverband dankte für die herzliche Aufnahme und wünschte den am Nachmittag begonnenen Meisterschaften weiterhin einen glücklichen Verlauf.
Die Wettkämpfe
Eine große Zuschauermenge war am Samstagnachmittag im Groß-Gerauer Schwimmbad, um den Beginn der Hessischen Landes-Schwimm-Meisterschaften beizuwohnen. Kurz vor halb fünf Uhr begannen die Wettkämpfe mit einer 4- mal-100-Meter-Staffel für Damen, an der nur die Mannschaft des DSV Frankfurt teilnahm; die Strecke wurde in 6:45,9 Minuten zurückgelegt. In 200 Meter Brust für Herren konnte der Hessische Meister 1949, Walter Minnich vom EFSC 1891, mit 2:57,1 seinen Titel behaupten; an zweiter Stelle lag Ludwig Berg (Darmstädter TSG 1846) mit 3:02,7 Minuten. Dritter war Kurt Staubach vom Kasseler SV 1898. In dem Entscheidungskampf über 200 Meter Brust für Damen siegte Doris Müller (Kasseler SV 1898) mit 3:22,1. Hinter ihr lag Erika Bernhard vom DSV Frankfurt mit 3:32,5. Margrit Deiters vom DSV Frankfurt war an dritter Stelle.
In dem 400-Meter-Kraul für Herren siegte der Titelverteidiger Erich Dilfer (KSV Hessen, Kassel) mit 5:15,4; hinter
ihm lagen Hans Klaußner (Offenbach 96) mit 5:25,0 und Klaus Utz (1. Frankfurter SC 1891) mit 5:27,3. Im übrigen waren verschiedene Vorläufe auf dem Programm, deren Entscheidung am Sonntag ausgetragen wurde.
Nach einer Kampfrichtersitzung wurden am Sonntagmorgen um 10 Uhr die Wettkämpfe fortgesetzt. Den Vorläufen über 100 Meter Brust für Damen und 100 Meter Brust für Herren folgte der Entscheidungskampf über 50 Meter Brust
für Damen von 30 bis 35 Jahren. Lilo Eimer vom DSV Frankfurt war mit 0:47,7 als erste am Ziel. In der Stufe 40 Jahre und älter siegte Mizzi Butzbach (SC Wiesbaden 1911) mit 0:47,0.
Bei der 4-mal-100-Meter-Rückenstaffel für Herren bewältigte die Mannschaft des SC Wiesbaden 1911 die Strecke in 5:32,9; an zweiter Stelle lag der EFSC 1891 mit 5:38,4. Bei der 3-mal-100-Meter- Lagenstaffel für Damen war der DSV Frankfurt mit 4:33,9 als erster am Ziel vor dem Kasseler SV 1898, der 4:48,4 brauchte. An dritter Stelle folgte die Darmstädter TSG 46 mit 5:01,1.
Im 100 Meter Kraul für Herren siegte Erich Dilfer vom KSV Kessen-Kassel mit 1:04,0; dicht hinter ihm folgte Klaus Utz (EFSC) mit 1:04,6. Bei den Damen legte Hilde Schmidt (DSV Frankfurt) die 100- Meter-Kraul-Strecke in 1:18 zurück, vor Hannelore Altstadt (DSV Frankfurt).
Den ersten Platz der 4-mal-200- Meter-Bruststaffel für Herren eroberte sich der EFSC 1891 mit 12:38,1. Die Darmstädter TSG 1846 war Dritter mit 13:21,7. Ursula Schultz (Kasseler SV 98) siegte in 100 Meter Brust für Damen mit 1:36,0. Bei der 3-mal-100-Meter-Lagenstaffel schnitt der EFSC 1891 mit 3:48,5 am besten ab. Die Darmstädter TSG lag mit 4:03,2 an zweiter Stelle. Hilde Schmidt vom DSV Frankfurt trug im 100 Meter Rücken für Damen den Sieg davon. Im 100 Meter Brustschwimmen für Herren gewann Willi Stockhaus (Marburger SV) mit 1:19,6 vor .Minnich (EFSC) mit 1:20,8. In der Kraulstaffel für Herren über 100-200- 200-100 lag die Darmstädter TSG 1846 mit 7:51,1 hinter dem EFSC 1891, der für die Strecke 6:33,4 benötigte.
Das Figurenlegen des Damenschwimmvereins Frankfurt sowie das Gruppenspringen erregten Staunen und Beifall bei den zirka 1000 Zuschauern, die das Gerauer Schwimmbad bevölkerten. Eine Siegerehrung gab den Wettkämpfen einen feierlichen Abschluß.
In der Gesamtbewertung für Herren erhielt der 1. Frankfurter SC 1891 180 Punkte, die Turn- . und Sportgemeinde Darmstadt 1846 58 Punkte und der KSV Hessen-Kassel 53 Punkte. Bei der Gesamtwerlung der Damen schnitt der DSV Frankfurt mit 184 Punkten am besten ab. Die Darmstädter Turn- und Sportgemeinde war an dritter Stelle mit 26 Punkten hinter dem KSV Hessen-Kassel, der 78 Punkte erhielt.
Nachdem bei dem Wasserballspiel am Samstagnachmittag der Schwimmerbund Schwaben-Stuttgart über Niederrad 04 Frankfurt gesiegt hatte, wurde der Schwimmerbund Schwaben-Stuttgart am Sonntagabend von einer kombinierten hessischen Mannschaft 5:3 geschlagen. (cg)
Dilfer (KSV Hessen Kassel) war bei den Hessischen Schwimm-Meisterschaften in Groß - Gerau auf den kurzen Kraul-Strecken nicht zu schlagen.
Rollhockey:
TSG Darmstadt—RC Langen 7:3 (4:1)
Mit zwei Stunden Verspätung begann der Rollhockey-Kampf auf der TSG-Bahn. Durch eine Umdisponierung des Verbandes war das Spiel von 17 Uhr auf 18 Uhr verlegt worden. Da die Langener Mannschaft tröpfelweise angerollt kam, konnte Schiedsrichter Trautmann (RSG Darmstadt) erst um 19 Uhr anpfeifen. Vorher hatten die Rollschuhläufer der TSG ihr teilweise gutes Können gezeigt.
Der Rollhockeykampf selbst war eine ausgezeichnete Partie. Vom Bully an war die TSG im Angriff, und auf eine Vorlage des agilen Fuß schoß Zörgiebel das erste Tor. Zwei Minuten später war es derselbe Spieler, der im Alleingang zum zweiten Treffer einschlenzte. Doch postwendend verkürzte Langen auf 2:1. Dem ausgezeichneten Verbinder Schirminsky war es Vorbehalten, auf 3:1 zu erhöhen. Kurz darauf hatte sich Fuß wieder freigespielt, seine Vorlage kam zu Zörgiebel, der es zum vierten Male klingeln ließ. Zahlreiche 6-Meter wurden von dem großartigen Spergler im Tor der Gäste abgewehrt. Doch zeigte auch sein Gegenüber Klausen prachtvolle Paraden.
Nach dem Wechsel verkürzte Langen durch Weitschuß auf 4:2. Als wenige Minuten danach ein Nachschuß das 4:3 ergab, war der Höhepunkt des Spieles gekommen. Die TSG ließ sich aber nichts vormachen und spielte in den letzten 15 Minuten groß auf. Ein harter und genauer Schuß von Zörgiebel ergab die 5:3 -Führung für die TSG. Ein Nachschuß von Schirminsky brachte das sechste Tor, und ein Alleingang desselben Spielers wurde mit dem siebenten Tor abgeschlossen.
Beide Mannschaften zeigten ein gutes Können, und die Zuschauer wurden für die lange Wartezeit vollauf entschädigt. Schiedsrichter Trautmann leitete ausgezeichnet. -ks-
Kreisturnfest in Eschollbrücken
Turnerische Arbeit vollzieht sich in der Stille und nur einmal im Jahre treten sie an ihrem. Turnfest in die Oeffentlichkeit, um zu zeigen, welche Breitenarbeit in den Vereinen geleistet wird und den Geist zu bekunden, den Turner in sich tragen, nämlich daß alle Arbeit dem Volke dient. Es muß eindeutig gesagt werden, daß
Eschollbrücken, das zweite Kreisfest des Kreises Darmstadt, ein Hochfest der Turner und Turnerinnen war, daß festgebender Verein und Einwohnerschaft das Beste geleistet haben, um allen Besuchern den Tag zu einer bleibenden Erinnerung des turnerischen Lebens zu machen. Ueber 500 Turner, Turnerinnen und Jugendliche waren zum friedlichen Wettkampf um den Siegeslorbeer angetreten und reibungslos, dank der einwandfreien Platzgestaltung und Disziplin der Teilnehmer, konnten die Kämpfe durchgeführt werden.
Nach vorangegangener Kampfrichtersitzung begannen schon am Samstag die Wettkämpfe der Altersturner, die treffend zeigten, wie turnerische, sportliche Lebensführung der Körper jung erhält. Der Abend versammelte Männer und Frauen, die Bevölkerung Eschollbrückens und auch viele Besucher der umliegenden Ortschaften zu einem feierlichen Festkommers, der Zeugnis turnerischen Gemeinschaftsgeistes war. Besonders der TSV Pfungstadt und die Pfungstädter Gesangvereine sowie der Handharmonika-Spielring stellten sich in den Dienst der Sache und zeigten was Idealismus ist. Sie fragten nicht nach Lohn und Lob, sie unterstützten in kameradschaftlicher Weise den kleinen Bruderverein, der Großes gewagt und auf sich genommen hatte.
Nach einem Marsch eröffneten die Eschollbrücker Sänger mit einem Chor den Festabend. Anschließend begrüßte der Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Klingelhöfer, die Gäste. Bürgermeister Rothärmel rief Turnern und Turnerinnen ein herzliches Willkommen zu und überreichte unter dem Beifall der Besucher dem TSV Eschollbrücken eine Schenkungsurkunde, die den neuen Sportplatz dem Verein zu eigen macht.
Ein Weckruf leitete den Sonntag ein. Punkt sieben Uhr standen alle Wettkämpfer auf dem Festplatz angetreten, um in einer Morgenfeier "den Worten des Ortspfarres Dr. Uhrig zu lauschen. Und dann begannen die Wettkämpfe unter der Leitung des Kreisoberturnwartes Kurz, Arheilgen. Es war das altvertraute Bild, die Riegen an der Arbeit zu sehen. Fünf Sprunggruben und sechs Kugelstoßbahnen sorgten für eine schnelle Abwicklung der leichathletischen Uebungen und genügend Geräte ließen keine Verzögerung eintreten. Pünktlich um die Mittagsstunde waren die Wettkämpfe abgeschlossen.
Ein Festzug, wie ihn Eschollbrücken selten sah, bewegte sich am Nachmittag durch das mit Eichengrün geschmückte Dorf und gab mit seinen Turnern und Turnerinnen in Weiß, an der Spitze die fast zwei Jahrzehnte verschwundene Vereinsfahne, ein bewegtes Bild. Anschließend begannen die Mannschaftskämpfe. Ein Faustballspiel Pfungstadt—Darmstadt leiteten sie ein. Staffelläufe schlossen sich an und gaben den Zuschauern anregende Spannung und gute Zeiten auf der neuen Bahn. Ein Tauziehen schwerer Männer bildete eine gute Einlage. Eine Freude besonderer Art bereitete die Kreisriege am Hochreck. Und dann marschierten sie auf, die Turnerinnen, zu den Keulenübungen und die Turner zu den Massenfreiübungen und wie immer war es ein Bild der Zucht und Ordnung, das Bild der Gemeinschaft. Die Siegerehrung, vorgenommen durch den Kreisvorsitzenden Matthes, beschloß den offiziellen Teil des Festes. Abends kam dann im Festzelt bei frohen Weisen und mancherlei Unterhaltung alt und jung auf seine Kosten, und mit Tanz fand der Tag seinen frohen Ausklang. ier
Germann (Arheilgen) am Reck beim Kreisturnfest in Eschollbrücken.
Die Ergebnisse:
Turner über 60 Jahre
Vierkampf, Geräte: 1. Philipp Schneider (TG Darmstadt) 74,5 Punkte, 1. Rang; 2. Schuck (TuSP 46 Darmstadt) 72 P., 2. Rang; 3. Karl Craß (TuSP 46 Darmstadt) 69 P ’ 3. Rang.
Deutscher Zwölfkampf (Hessische Meister¬ schaft, gemischt): 1. Jakob Germann (SG Arheilgen) 205 Punkte, 1. Rang; 2. Heinrich Anthes (SG Arheilgen) 189 P., 2. Rang; 3. Alfred Helfmann (SG Arheilgen) 180,6' P. 3. Rang.
Zehnkampf (Hess. Meisterschaft), Geräte: 1. Jakob Germann (SG Arheilgen) 184,4 P„ 1. Rang; 2. Heinrich Winkler (Langen) 184,3 P-, 2. Rang; 3. Heinrich Anthes (SG Arheiigen) 181,7 P., 3. Rang.
Neunkampf, Turner-Jugend (1932'36), Hess. Meisterschaft (gemischt): 1. Horst Ruckeishausen (TSV Pfungstadt) 163 Pkte., 1. Rang¬ 2. Seppel Michell (SKG Roßdorf) 150 P' 2. Rang.
Zehnkampf, Turner-Jugend (1932/36), Hess. Meisterschaft (Geräte): 1. Horst Ruckeishausen (TSV Pfungstadt) 173,5 P., 1. Rang; 2. Walter Feiger (SKG Roßdorf) 165,5 P., 2. Rang.
Zwölfkampf, Klasse A (gemischt): 1. Walter Schlichtmann (TG 75 Darmstadt) 206 P., 1. Rang; 2. Otto Feuerbach (TG Griesheim) 188,3 P., 2. Rang; 3. Ernst Hemsdorff (SG Wixhausen) 182 P., 3. Rang.
Zehnkampf, Klasse A (Geräte): 1. Rudi Gärtner (SK Arheilgen) 170,9 P., 1. Rang; 2. Walter Schlichtmann (TSG 75 Darmstadt) 169,7 P., 2. Rang; 3. Ernst Hemsdorf (SG Wixhausen) 162,5 P., 3. Rang.
Zwölfkampf, Klasse B (gemischt): 1. Eugen Seeger (TSG 46 Darmstadt) 218,5 P., 1. Rang; 2. Erhard Laufer (SKG Ober-Ramstadt) 211,5 P„ 2. Rang; 3. Karl Wagner (TSG 76 Eberstadt) 202,5 P., 3. Rang.
Zehnkampf, Klasse B (Geräte): 1. Willi Görig (TV 1862 Langen) 176,5 P., 1. Rang; 2. Hans Klein (TV 1862 Langen) 173 P., 2. Rang; 3. Herbert List (SKG Roßdorf) 172 P„ 3. Rang.
Ncunkampf (gern. Kampf)
1. Kurt Rimmler (TuSpG 46 Darmstadt) 170 Punkte, 1. Rang 2. Philipp Schneider (TSG Darmstadt) 169 P., 2. Rang; 3. Wilhelm Vierheller (TG 75 Darmstadt) 143 P., 3. Rang.
Sechskampf Klasse A, Jahrgang 1901—1910 (Geräte)
1. Kurt Rimmler (TuSpG 46) 116 Punkte, 1. Rang; 2, Philipp Schneider (TGD Darmstadt) 107,5 P., 2. Rang; 3. Wilhelm Spieß (TuSpV 76 Dst.-EberStadt) 102,5 P., 3. Rang.
Neunkampf (1891—1900) gemischt
1. Georg Schmidt (TV 93 Seeheim) 157 Punkte, 1. Rang; 2. Georg Treupel (SKG Roßdorf) 151,5 P„ 2. Rang; 3. Wilhelm Kunz (TG Darmstadt) 139 P., 3. Rang.
Sechskampf Klasse B (1891—1900) Geräte
1. Georg Schmidt (TV 93 Seeheim) 106,5 Punkte, 1. Rang; 2. Wilhelm Kunz (TG Darmstadt) 106 P., 2. Rang; 3. Fritz Bosch (SG Wixhausen) 105,5 P., 3. Rang.
Dreikampf Klasse D (1891—1900)
1. Nikolaus Scherer (TG Bessungen) 67,5 Punkte, 1. Rang; 2. Karl Müller (TSG 1846 Darmstadt) 59,5 P., 2. Rang; 3. Georg Schmidt (TV 93 Seeheim) 50,5 P., 3. Rang.
Dreikampf Klasse A (Männer)
1. Herbert Adelberger (TV 93 Seeheim 71,5 Punkte, 1. Rang; 2. Alex Wolf (TSG 46 Darmstadt) 58 P„ 2. Rang; 3. Karl Wagner (TSG Eberstadt) 57 P., 3. Rang.
Dreikampf Klasse B (1911—1917)
1. Josef Balzert (TGD 75 Darmstadt) 70,5 Punkte, 1. Rang; 2. Johann Speckhardt (TG Eberstadt) 56 P., 2. Rang; 3. Heinrich Schydlowski (SG Weiterstadt) 51,5 P., 3. Rang.
Dreikampf Klasse C (1901—1910)
1. Ernst Fischer (TG Ober-Ramstadt) 69 Punkte, 1. Rang; 2. Seppel Rohrer (TSG 4« Darmstadt) 68 P., 2. Rang; 3. Philipp Schneider (TG 75 Darmstadt) 61,5 P., 3. Rang.
Neunkampf Turner-Jugend Klasse A (gern.) (1932—1933)
1. Hermann Jäger (TSV Pfungstadt) 151,5 Punkte, 1. Rang; 2. Heini Kramer (TSV Pfungstadt) 139 P., 2. Rang; 3. Ludwig Sigmund (TCV Pfungstadt) 137,5 P„ 3. Rang.
Dreikampf Turner-Jugend Klasse A (1932—1933)
1. Hermann Jäger (TSV Pfungstadt) 47 Punkte, 1. Rang; 2. Heini Kramer (TSV Pfungstadt) 47 P., 1. Rang; Werner Milius (TSV Pfungstadt) 43,5 P., 2. Rang. •
Siebenkampf Turner-Jugend (1932—1933) Klasse A Geräte
1. Alfred Seib (SK Roßdorf) 124 Punkte, 1 Rang; 2. Heinz Hofmann (SKG Ober-Ramstadt) 126,5 P., 2. Rang; 3. Heinz Langendorf (SK Grafenhausen) 119,5 P., 3. Rang.
Neunkampf Turner-Jugend (1934/36)
1. Gg. Heinz Sehring (1862 Langen) 160 P., 1 Rang: 2. Philipp Fuchs (S. u. K. Grafenhausen) 159,5, 2. Rang; 3. Walfried Hasselbeck (S.K.G. Roßdorf) 150,5, 3. Rang.
Sechskampf Turner-Jugend (1934/36)
1. Fr. Bormet (iS. G. Wixhausen) 110,5 P., 1. Rang; 2. Manfred Barens (Sp. u. S. Langen) 109,5, 2. Rang; 3. Georg Heinz Sehring (1862 Langen) 107, 3. Rang.
Dreikampf Turner-Jugend A (1932/33)
1. Gunther Schindler (TV. Hahn) 79,1. Rang; 2. Horst Fidler (T.S.G. 46 Darmstadt) 71, 2. Rang; 3. Egon Seiler (S.K.G. Grafenhausen) 68, 3. Rang.
Dreikampf Turner-Jugend (1934/36)
1. Hermann Roth (T.S.V. Eschollbrücken) 72, 1. Rang; 2. Manfred Nau (S.G. Egelsbach) 68, 2. Rang; 3. Walter Klink (1846 Darmstadt) 64, 3. Rang.
Neunkampf Turnerinnen Klasse B
1. Renate Knöß (T.V. Egelsbach) 159,5 P., 1. Rang; 2. Lilo Dorsch (T.S.G. Darmstadt) 148,5, 2. Rang: 3. Elisabeth Harnischfeger (T.V. Schneppenhausen) 147, 3. Rang.
Fünfkampf Turnerinnen (Geräte)
1. Edith Phiel (T.S.K. Darmstadt) 98,5 P., 1. Rang; 2. Hanna Epin (T.V. Schneppenhausen) 86,5, 2. Rang; 3. Ria Lindstädt (T.S.K. Darmstadt) 82,5, 3. Rang.
Dreikampf Frauen Klasse A
1. Gisela Meinhardt (TSG Darmstadt 46), 53 Punkte. 1. Rang; 2. Edith Rohrer (TSG Darmstadt 46), 48 P., 2. Rang; 3. Wilma Michel (TSV Eschollbrücken), 32 P., 3. Rang; 4. Lydia Nicklas (SKG Eberstadt), 25,5 P-, 4. Rang.
Siebenkampf Turnerinnen Jugend Klasse A Jahrgang 1932/1933
1. Käthe Volkert (SSG 62 Langen) 127,5 P., 1. Rang; 2. Gertrud Breitwieser (TSG Darmstadt), 125 P., 2. Rang; 3. Ria Keil (TG 75 Darmstadt). 123,5 P.. 3. Rang; 4. Edith Schamber (SG Weiterstadt), 118 P-, 4. Rang; 5. Marianne Brehm (SSg 62 Langen), 116,5 P., 5. Rang.
Siebenkampf Turnerinnen Jugend Klasse B Jahrgang 1934/1936
1. Elfriede Wannemacher (TV Egelsbach), 138 P., 1. Rang; 2. Annemarie Wolf (TG Arheilgen), 130,5 P„ 2. Rang; 3. Marga Bier (TG 75 Darmstadt), 129,5 P., 3. Rang; 4. Else Gärtner (SSG Langen), 129 P., 4. Rang; 5. Ilse Schroth (SSG Langen), 128,5 P„ 5. Rang.
Dreikampf Turnerinnen Jugend Klasse A Jahrgang 1932/1933
1. Margot Thomas (TSG 46 Darmstadt), 58 P., 1. Rang; 2. Irma Steinbach (TSG 46 Darmstadt), 50 P., 2. Rang; 3. Marga Hanke (SSG Langen), 46 P., 3. Rang; 4. Ammande Engel (SG Weiterstadt), 45 P., 4. Rang; 5. Elisabeth Bergmann (TSG 46 Darmstadt), 45 P., 4. Rang; 6. Brunhild Wolf (SGG Roßdorf), 44 P., 5. Rang; 7. Anti Morschel (TSG 46 Darmstadt), 44 P„ 5. Rang; 8. Erika Schupp (SG Weiterstadt). 40 P., 6. Rang.
Dreikampf Turnerinnen Jugend Jahrgang 1934/1936
1. Gertrud Berger (TG Bessungen), 65 P-, 1. Rang; 2. Elfriede Wannemacher (TV Egelsbach), 63 P., 2. Rang; 3. Hannelore Sauerbach (SSG Langen), 61 P„ 3. Rang; 4. Inge Bitsch (TG Bessungen), 58 P., 4. Rang; 5. Annemari Wolf (SG Arheilgen), 57 P., 5. Rang.
Wohlgelungene Iubiläumsveranstaltung
der 98er Handballer im Concordia-Saal
Die festlich gestimmte Sportvereinsfamilie füllte am Samstagabend den Concordia-Saal, als Herr Karl Fischer den Bunten Abend im Rahmen der Jubiläums-Woche der 98er Handballer eröffnete. Der 1. Vorsitzende Dr. Grünewald begrüßte die Anwesenden und setzte an den Anfang das Gedenken an die vielen Toten der Handballer als den Verlust vieler lieber Menschen und Freunde. Er ging ganz kurz auf die ruhmreiche Geschichte der Handballer ein und nahm am Schluß seiner Ausführungen Ehrungen verdienter Mitglieder vor, die die silberne Ehrennadel bzw. die Treuenadel für 25jährige Zugehörigkeit zum SV 98 erhielten. Es schlossen sich die Glückwünsche des Hess. Sportbundes durch Reg.-Rat Heinz Lindner und für den Hess. Handballverband durch Lehrwart Ernst Feick an, der eine Ehrenurkunde überbrachte. Stadtverordneter Willmann überbrachte die Glückwünsche des städt. Sportausschusses und viele Vereine schlossen sich noch an. Besonders eindrucksvoll war die Ehrung von Ludwig Delp durch den 1. Vorsitzenden der TSV Pfungstadt, der ihm als Pfungstädter Kind die Ehrennadel seines Vereins überreichte.
Dann ging es in die zwei bunten Stunden. Otto Böttcher vom Hess. Landestheater stellte als Ansager sehr schnell die Verbindung von der Bühne zum Saal her und erfreute durch Gesang und brachte den Saal schon bald ins Schunkeln. Es kamen in bunter Folge der Bassist Hch. Mitschdörfer, die Tänzerin Rosemarie Engel vom Landestheater, der Handharmonika - Spielring Darmstadt, Agathe Groß als Kinderstimmenparodistin und nicht zuletzt die Woogsfinken, die alle reichen Beifall ernteten. Dann spielte die Kapelle B ä n i s c h zum Tanz auf und es wurde kräftig das Tanzbein geschwungen.
Alles in allem, eine wohlgelungene Veranstaltung die Heiner Merz mustergültig zusammengestellt hatte. _r
Sportlicher Auftakt am Sonntag
Am Samstag begann bei dem SV 98 die Handball-Werbewoche zum 30jährigen Handbailj übiläum. Den Auftakt machten die AH-Herrenmannschaften von Mühlheim, Eintracht Frankfurt, TSG Auerbach und dem SV 98. Nachdem im ersten Spiel die 98er gegen Auerbach mit 18:4 gewonnen hatten, besiegte die Eintracht die Mannschaft von Mühlheim. Sie mußte aber dennoch Mühlheim den Vortritt zum Endspiel lassen, da sie sich zwei Mann „Ersatz“ von den Darmstädtern ausgeborgt hatten. Im Endspiel am Sonntag siegten dann die Mannen um Ludwig Delp nach wechselvollem Spielverlauf verdient mit 11:6 über Mühlheim. Den Spielen war eine Kranzniederlegung am Gedenkstein für die Toten des SV 98 vorausgegangen.
Am Sonntagnachmittag stellte sich dann die Ligamannschaft nach der Sommerpause vor. Sie siegte verdient. Wenn sie auch noch nicht hundertprozentig gut war, so darf doch gesagt werden, daß bei weiterem Einsatz und gutem Willen in kurzer Zeit die Mannschaft wieder auf der Höhe ist.
Im einzelnen sei gesagt: Seipp im Tor übernervös und sich damit selbst um seinen Einsatz bringend. Die beiden Verteidiger Mark und Glock wieder sehr zuverlässig, ebenso die Läuferreihe, in der die beiden Außenläufer Glenz und Fischer sehr schnell und beweglich waren, Peters zuverlässig, in der ersten Halbzeit etwas weniger einsatzfreudig. Der Sturm war recht schnell, dürfte aber noch beweglicher werden. Wie gewohnt auf dem Posten Schäfer, Lutz, diesmal kräftig nach vorn drückend, spielte einige Male schlecht zu, Roß muß noch Gewicht abtrainieren, Reinhard diesmal besonders rasant und Lehning einsatzfreudig nur muß sein Schuß noch besser werden.
Die erste Hälfte des Spiels war recht ausgeglichen, und von 0:1 ging es durch Glock und zweimal Reinhardt über 3-1 durcheinenStrafwurf für Hochelheim d.urch Lehning, Lutz und zweimal Schafer bis auf 7:2 nach vorn ehe ein weiterer Straf wurf das 7:3-Halbzeit ergebnis brachte. Nach der Pause fielen die Tore innerhalb kurzer Zeit durch Glenz, Roß und Reinhardt, bis die Gästa in einer Drangperiode bis auf 10:6 herankamen. Aber Lutz, zweimal Reinhardt und Schäfer schraubten die ToZlauf 14 denen die Hüttenberger noch 2 Tore entgegensetzten. Schiedsrichter Wermuth Griesheim, war recht schwach. _r’
Herbert Schade (Barmer TV) unterbot am Sonntag im Barmer Waldstadion im Alleingang die alte deutsche Bestleistung <Munchen) über 2000 m um zwei Sekunden und erzielte mit 5-23 2 diesemeiJahr.ZWeiten
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