Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKT Verlag; Darmstädter Tagblatt L. C Wittirh Erscneint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 24 £effW Jieueffe Ttac&riäfen Freitag, 28. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Generalstreik in Belgien?

Die Sozialisten wollen die Abdankung König Leopolds 111. erzwingen

Brüssel, 27. Juli. (AP./BBC./dpa) Die Opposition in Belgien scheint zu den entscheidenden Schlägen auszuholen. Es soll nun ni t mehr gegen die Rückkehr des Königs protestiert werden, sondern eopold 111. soll gezwungen werden abzudanken. Die Sozialisten steuern auf den Generalstreik zu.

Nach zahlreichen Sabotagefällen und vereinzelten kleinen Streiks haben die Sozialisten und Liberalen nunmehr die Vorbereitungen zum Generalstreik getroffen. Im Industriegebiet v n Charleroi sind hunderttausend Arbeiterin den Generalstreik getreten. Die Streikbewegung wird auf Lüttich übergreifen, wo ebenfalls hunderttausend Werktätige in den Ausstand treten wollen. Charleroi, die Hochburg der Sozialisten, das Zentrum des Kohlenreviers in Belgien, steht ganz unter dem Eindruck der Streiks. Die Fabriken sind leer und die Zechen ohne Belegschaft. Gewerkschaftsfunktionäre haben erklärt, Revolution und Aufruhr sei für die Sozialisten von praktischer Bedeutung. Man wolle die Kohlengruben vollaufen und die Hochöfen erlöschen lassen.

Die Streiks sind von der Parteileitung gen. . vorbereitet. Sie sollen nach einem bestimmten Plan ablaufen. Voraussichtlich werden die Hafenarbeiter von Antwerpen am Wochenende die Arbeit niederlegen und die Textilarbeiter in der kommenden Woche. Für Freitag ist Streikbeginn für Brüssel angekündigt worden.

Vorläufig hat die Streikleitung Anweisungen gegeben, daß der Pumpdienst in den Kohlenbergwerken besetzt bleibt, um zu verhindern, daß die Zechen versaufen.

Auf der Strecke Brüssel—Charleroi wurde der Eisenbahnverkehr zeitweilig durch Streikende unterbrochen, die sich auf die Schienen gelegt hatten. Auf die Strecke Brüssel—Lüttich wurden Bombenanschläge verübt. Im Gebiet von Charleroi wurde ein Signalposten der Eisenbahn überfallen. Während der belgische Rundfunk die Streiks überhaupt nicht erwähnt und die Anhänger des Königs erklären, die sozialistische Opposition sei nicht zu fürchten, weil sie nicht spontan sei, bezeichneten die Sozialisten den Streik als vollen Erfolg.

Der belgische Innenminister hat alle Bürgermeister in den Streikgebieten gewarnt und sie an ihren Treueid auf die Verfassung erinnert. Die Bürgermeister im Gebiet von Charleroi haben die Absicht geäußert, die Regierung König Leopolds nicht anzuerkenn n und sich nur der Autorität des Volkes zu beugen.

In den Häusern der belgischen Volksvertretung ist dem Kabinett Duvieusart erneut das Vertrauen ausgesprochen worden.

Verstärkung der Polizei

Bonn, 27. Juli, (dpa) Die Polizeisachverständigen der alliierten Oberkommission haben am Donnerstag ihre Beratungen über eine Verstärkung der deutschen Polizeieinheiten fortgesetzt. Aus Teilnehmerkreisen heißt es, daß die Gesamtstärke der Polizei aller Bundesländer um zehntausend bis fünfzehntausend Mann erhöht werden soll. Rund fünfhundert Mann sollen für die Bundeshauptstadt zur Verfügung stehen.

Die westlichen Alliierten sind übereinstimmend der Ansicht, daß die Polizei nicht der Bundesregierung als „Bundespolizei“ unterstehen soll, sondern den Ländern unterstellt bleibt, wie es im Grundgesetz festgelegt ist. Im Falle eines „Notstandes“ soll die Bundesregierung jedoch über die gesamten Polizeikräfte der Länder verfügen können. Als Notstand wird in alliierten Kreisen eine Revolution oder ein bewaffneter Angriff angesehen.

Die Polizei soll nach den bisherigen alliierten Plänen mit leichten Waffen Maschinengewehren ausgerüstet werden.

Kein Urlaub nach Uebersee

Heidelberg, 27. Juli. (AP.) Das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Europa hat am Donnerstag bekanntgegeben, daß Offiziere und Mannschaften vom 31. August an, für die Dauer von sechs Monaten, ’ keinen Uebersee-Urlaub erhalten In der Bekanntmachung der Armee heißt es, daß die Dienstzeit aller Offiziere und Mannschaften im Befehlsbereich des europäischen Hauptquartiers vom 31. August an, um ein halbes Jahr verlängert werde. Sprecher des Hauptquartiers lehnten es ab, nähere Einzelheiten zu dem Befehl mitzuteilen. Sie sagten, die Anordnung sei aus Washington gekommen, und es sei lediglich ihre Aufgabe, sie auszuführen.

Eine europäische Wehrmacht

Auch die Wehrmachthaushalte sollen zusammengelegt werden

London, 27. Juli. (AP/BBC/dpa) Der Exekutivausschuß der Atlantikpa - Staaten hat sich in seiner letzten Sitzung mit den Einzelheiten der Aufstellung einer internationalen Armee in . " europa beschäftigt. Der amentanÄ Vorsitzende des Rates, Charles Sp , bezeichnete eine weitgehende P sierung der einzelnen Länder au - stimmte Waffengattungen als notwendig. Die Länder des europäischen Festlandes müßten den größten Teil der Bodentrup pen, die man auf etwa 450 000 f® gliedert in 30 Divisionen, veran,sc^f®_ müsse, stellen. Die britischen und amer kanischen Besatzungstruppen in Deujc land könnten in diese Armee emgeghe dert werden. Die Vereinigten Staaten würden die Kriegsschiffe und die Lang streckenbomber stellen. haben zu-

Frankreich soll sätzliche amerikanische TrupP®? hat Europa zu entsenden. Darüber . g n Frankreich bestimmte Yorausset /ein für die französische Beteiligung st_ Wiederaufrüstungsprogramm machte genannt. rmachthaushalte

Erstens sollen die der Atlantikpakt-Staaten teilweise sammengelegt werden. nakf_staat

Zweitens soll jeder Atlan"^-^ entsprechend seiner Bevo . seiner wirtschaftlichen Lage Truppen verbände stellen und

Drittens sollen Großbritannien und die Vereinigten Staaten in naher Zukunft eine wesentliche Anzahl von Divisionen auf dem europäischen Festland stationieren. Frankreich wolle die Erfahrungen der Jahre 1914 und 1939 nicht noch einmal machen.

Erhöhte Besatungskosten?

Bonn, 27. Juli. (dpa/AP.) In Bonn wird ein französischer Vorschlag, die Besatzungskosten in Deutschland im Rahmen einer verstärkten Verteidigungsbereitschaft Westeuropas zu erhöhen, sehr beachtet. Die Regierung hat zu diesen Vorschlägen noch nicht Stellung nehmen können, da offizielle Meldungen darüber noch nicht eingegangen sind. Aus den Kreisen des Bundestages wird jedoch eine Erhöhung der Besatzungskosten entschieden zurückgewiesen

Die Gespräche um die Besatzungskosten sind ins Rollen gekommen, weil ein Sprecher des französischen Außenministeriums erklärt hatte, die deutschen Besatzungskosten sollten in absehbarer Zeit im Zusammenhang mit der stärkeren Belegung des westdeutschen Raumes durch alliierte Truppen heraufgesetzt werden.

Stellen des amerikanischen Oberkommissariats in Frankfurt dementierten die aus französischen Kreisen stammende Meldung, daß die Besatzungskosten erhöht werden sollten.

Man wartet auf die Engländer

Die heftigen Kämpfe in Korea halten an

Pusan, 27. Juli. (AP-BBC-dpa.) Die Kämpfe auf Korea haben auch am Donnerstag im Zeichen der nordkoreanischen Großoffensive gestanden. Unvermindert stark war der Druck der kommunistischen Verbände an der Rollbahn nach Taiku. Dort zwangen nordkoreanische Infanterie und Panzer die Amerikaner zur Zurücknahme ihrer Stellungen.

Nördlich im Abschnitt des südkoreanischen V. Korps entrissen frisch gelandete amerikanische Verbände dem Feind zwölf Kilometer Gelände. An der Ostküste griffen Marineartillerie, Heeresartillerie und von Flugzeugträgern gestartete Maschinen in die Erdkämpfe ein. Im Süden hält die Bewegung des Feindes in Richtung Pusan an. Der Hafen Yosu an der Südküste Koreas ist in der Hand der Bolschewisten. Der Hafen ist von alliierten Kriegsschiffen unter Feuer genommen worden. Die amerikanische, taktische Luftwaffe warf Bombenteppiche auf Ortschaften und Städte und schoß zahlreiche Dörfer in Brand.

Mac Arthur, der Oberbefehlshaber der Truppen der Vereinten Nationen, hat am Donnerstag die Front in Südkorea besucht. Der Oberbefehlshaber zeigte sich sehr optimistisch und meinte in seinen Gesprächen mit General Walker, dem Oberbefehlshaber der 8. Armee, er habe noch nie so fest an den Sieg geglaubt wie jetzt. In diesem. Krieg sei ein Auf und Ab selbstverständlich. General Mac Arthur meinte nach Besuch der vorderen Linien, er habe an der Front wiederum den Eindruck gewonnen, daß sein Bericht an Präsident Truman, in dem er die Hoffnung auf ein glückliches Ende ausgesprochen hat, richtig sei. Der General gab daj Urteil ab, daß die amerikanischen Generale sicher und gut führen.

Dei’ Kommandeur der 1. Kavallerie-Division General Gay, hat für jeden Soldaten, der einen nordkoreanischen Panzer knackt, einen Orden und eine Flasche Sekt ausgesetzt. Gay vertrat die Auffassung, sechs amerikanische Divisionen könnten die Nordkoreaner hinwegfegen.

In Washington spricht man davon, daß Großbritannien den Vereinigten Staaten in der schwärzesten Stunde der amerikanischen Militärgeschichte zu Hilfe käme. Die führenden amerikanischen Stellen im Pentagon fordern das baldige Eintreffen der englischen Truppen. Zu der Bereitschaft der übrigen Staaten, den Amerikanern Truppen zur Verfügung zu stellen, erklärte der Vorsitzende des politischen Ausschusses des Repräsentantenhauses, Senator Key: „Wenn es je eine Zeit gegeben hat, die unser Zusammenstehen erforderte, so jetzt.“ Man rechnet noch für mindestens drei Wochen mit dem jetzigen kritischen Zustand an der Korea-Front.

Der Rat der Oberkommissare hat am Donnerstag über den Londoner Fragebogen der Studiengruppe zur Revision des Besatzungsstatuts beraten.


Amerikanische und britische Flugzeugträger werden z. Z. im Rahmen der Kämpfe um Korea als schwimmende Basen für die rollenden Angriffe der westlichen Luftstreitkräfte benutzt. Unser Bild zeigt die Flakbedienung eines amerikanischen Flugzeugträgers, die in ständiger Alarmbereitschaft den An- und Abflug der Maschinen überwacht
Amerikanische und britische Flugzeugträger werden z. Z. im Rahmen der Kämpfe um Korea als schwimmende Basen für die rollenden Angriffe der westlichen Luftstreitkräfte benutzt. Unser Bild zeigt die Flakbedienung eines amerikanischen Flugzeugträgers, die in ständiger Alarmbereitschaft den An- und Abflug der Maschinen überwacht

Lastwagen und Stahl

tü. Die französische Regierung hält daran fest,, daß Deutschland nicht wieder bewaffnet werden dürfe. Das ist keine Ueberraschung; in Frankreich ist der Widerstand gegen eine deutsche Wiederbewaffnung am lebhaftesten, und die Amerikaner haben noch nicht vermocht, ihren Bundesgenossen zu überzeugen. Aber Frankreich will Deutschland doch einen verstärkten Schutz gewähren, durch Vermehrung der Besatzungstruppen nämlich. Dafür soll Deutschland höhere Besatzungskosten zahlen, und dies soll der deutsche Beitrag zur allgemeinen Verteidigung des Westens sein. Dazu ist im Augenblick nur kurz zu sagen, daß Deutschland gegenwärtig bereits vier Milliarden Besatzungskosten zahlt. Das sind keine amerikanischen Zahlen, aber sie würden genügen, unserem Lande einen vergleichsweise genügenden Schutz zu geben. Daß dieser Schutz gegenwärtig nicht vorhanden ist, weiß jeder; daß Deutschland bei einer Erhöhung der Besatzungskosten ausreichend verteidigt wäre, muß zum mindesten heftigen Zweifeln begegnen.

Ir- übrigen voll man offenbar den Deutschen die höhere Belastung ihres Haushalts dadurch annehmbar machen, daß man ihnen einen Anteil an der Rüstungskonjunktur in Aussicht stellt Sie sollen zwar keine Waffen, aber Stahl, Lastwagen und Funkeinrichtungen liefern. Es scheint dabei, als ob Frankreich gegenwärtig bereit wäre, die Revision des Besatzungsstatuts ernsthafter als bisher zu erwägen. Das Gesamtbild ist das eines Westens, in dem Deutschlands Stellung im ganzen noch schwankend bleibt, sich aber verbessern soll. Schade, daß es auch für die relative Beschleunigung der Entwicklung erst eines Krieges im Fernen Osten bedurft hat.

Koreas rote Köpfe

Unbekannte, die die Welt erschüttern

ipr. Nicht mehr mit dem Haarpinsel auf Seidentuch, sondern mit den Raupenspuren der Panzer wird jetzt die koreanische Geschichte geschrieben, vielleicht ein Stück Weltgeschichte. Wer sind die roten Köpfe, deren Soldaten wie der Monsun über das morgenstille Land des Fernen Ostens gefallen sind und die mit der groben Keilschrift des Krieges der wechselvollen Geschichte Asiens ein neues blutiges Kapitel hinzufügen?

Die Namen von Kim Irsen, dem nordkoreanischen Regierungschef und Oberkommandierenden, und Pak Heunjung. seinem Außenminister, haben über Nacht die Runde um den Erdball gemacht. Gestern noch waren sie nicht einmal den Asienspezialisten geläufig. General Kim Irsen — das ist der rote Napoleon unter den Heerführern Koreas, wenn die Knopfaugen unter der tief über die Stirn fallenden schwarzen Haarsträhne und die vollen'runden Backen auch an einen 'Puppenkopf aus Porzellan erinnern mögen. Schon sein Vater, ein Dorfschullehrer mit bewegtem Lebenslauf, war Revolutionär. Der heute 38 Jahre alte Kim Irsen hat den meistens im nationalen Untergrund Lebenden kaum gesehen. Trotzdem ist das väterliche Vorbild in ihm bis heute unverwischt. Er war auch noch ein Kind, als nach dem ersten Weltkrieg die koreanischen Nationalisten den ersten Anschluß an die Bolschewisten in der Mandschurei fanden; nicht etwa, weil diese Kommunisten waren, sondern weil sie in ihnen Verbündete gegen die verhaßten Japaner und die russischen Weißgardisten sahen.

Der heranwachsende Kim Irsen zog wie sein Vater die Mandschurei der Kolonialherrschaft vor. Als die Japaner dann auch sein Zufluchtsland besetzten, wurde der junge Exil-Koreaner zum Partisanenführer. 1934 soll er bereits eine ganze Division Freischärler kommandiert haben. Zwischen diesen revolutionären Frühjahren und dem zweiten Weltkrieg liegt jene Episode, in der die Kommunistische Partei Koreas wegen ihrer „ständigen prinzipienlosen Kliquenkämpfe“ vorübergehend aus der Komintern ausgeschlossen wurde. Kim Irsen stand schon immer auf ihrem extremen linken Flügel. Im zweiten Weltkrieg tauchte sein von den Japanern ebenso gesuchter wie gefürchteter Rebellenkopf an der Spitze einer unter Mao Tse-tung kämpfenden Armee in China auf. Damals paßte er seinen Namen der chinesischen Schreibweise an und nannte sich Kim Ilsung. 1945 kehrte er mit den sowjetischen Truppen als General nach Nordkorea zurück. Seitdem er, „der große Führer“, drei Jahre später auch Ministerpräsident der jungen Volksrepublik wurde, schmückt sein Bild neben Lenin und Stalin die Amtsstuben und Läden Nordkoreas. Inzwischen hat er auch, an der Spitze einer Delegation, im Frühjahr 1949 Moskau einen Besuch abgestattet.

Der zweite Mann in den roten Schlüsselstellungen Nordkoreas Ist der 61 jährige Außenminister Pak Heunjung. Er war schon im Mai 1919 bei der Gründung der KP Koreas im Norden von Wladiwostok dabei, gehörte zu den wenigen Genossen, die die große, von Moskau befohlene Säuberungsaktion nach der Einnahme Wladiwostoks durch die Bolschewisten im Jahre 1922 überstanden und später in der Illegalität gegen die Japaner arbeiteten. Pak Heunjung ist zum Unterschied von seinem Chef ein . .Akademiker“ des Leninismus; er hat ihn drei Jahre, von 1927 bis 1930, als Gast der Sowjetunion an der Moskauer’ Universität studiert. Vor diesem Hintergrund war es eine Selbstverständlichkeit, daß er unter der Parteiführung Kim Irsens den Posten des allgewaltigen Generalsekretärs übernahm. Als solcher baute Pak Heunjung nach 1945 die Partei von neuem wieder auf und gewann auch in Südkorea, wo er die KP unter anderem Namen mit zwei anderen Linksparteien zusammenschloß, erheblichen Einfluß. Die Amerikaner erließen wegen Anstiftung zum Aufruhr und Widerstand gegen die Militärbehörden einen Steckbrief nach ihm.

Er und Kim Irsen werden wohl für Moskau die Bürgen dafür sein, daß die in der Mehrzahl aus der politischen Tradition des Nationalismus stammenden Koreaner nicht eines Tages auch die Sowjets wieder als feindliche Fremde ansehen.

Reis

ein. Mit dem Vorstoß nach Süden haben die Nordkoreaner die reichsten landwirtschaftlichen Provinzen des Landes in die Hand bekommen. Von Söul bis Taidschon zieht sich bereits ein weiter Gürtel von Reisfeldern hin. die beachtliche Ernten hervorbringen. Südlich von Taidschon dehnen sich aber in einer Breite von mehr als hundertfünfzig Kilometer, vom Gelben Meer und den Höhenzügen im Westen begrenzt, bis in die südlichste Spitze der Insel unübersehbare Reisfelder aus. die zu den besten Koreas gehören. Die Täler tragen wegen ihres Reichtums den Beinamen „golden“ und stehen zur Zeit vor einer unerwartet guten Ernte. Aus diesen Gebieten wurde vor allem der Reis hach Japan gebracht, das schon immer der Abnehmer für diese begehrte Ware war.

1938. einem normalen 'Erntejahr mit normalem Export, lieferte Korea an das japanische Mutterland rund f ünf undverzig Millionen Doppelzentner Reis. Damit deckte es vierundsechzig Prozent des japanischen Reisbedarfs. Nur wenn man berücksichtigt, daß für die Asiaten der Reis dieselbe Bedeutung hat wie für die Deutschen die Kartoffel, dann gewinnen diese Zahlen Profil.

Die Reisgebiete Koreas sind nun fast ausschließlich unter der Kontrolle der Nordkoreaner. Japan, das auch nach der Niederlage aus Korea den Reis als Hauptnahrungsmittel bezog, wird unbeliefert bleiben. Eine Belastung, die die amerikanische Besatzung bald spüren wird. Ebenso werden die fast eine Million zählenden Flüchtlinge im Landekopf Pusan und die Millionenbevölkerung dieser Gebiete vor ein ernstes Versorgungsproblem gestellt. Die Koreaner sind zwar mäßig, aber der Mangel kann nicht ausbleiben. Der Reis, der den Allierten fehlen wird, wird bald nach Norden rollen als eine willkommene Hilfe für den Bundesgenossen der Nordkoreaner. Rotchina.

Kirchenland in Rot-China

wird beschlagnahmt

Manila, 27. Juli. (CND.) Das von der kommunistischen Regierung Chinas mit Wirkung vom 30. Juni erlassene Agrarreformgesetz verfügt, daß der den Kirchen, Klöstern, Schulen und anderen Einrichtungen gehörende Grund und Boden beschlagnahmt wird. Diese Maßnahme geschieht im Zuge der allgemeinen Enteignung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes als Auftakt zu einer Neuverteilung des Bodens unter die ärmeren Bauern, die wenig oder gar kein Land besitzen. Das neue Agrargesetz bestimmt zwar, daß durch die örtlichen Behörden „geeignete Maßnahmen zur Losung der finanziellen Probleme der Schulen, Waisenhäuser, Krankenhäuser und Altersheime“ getroffen werden sollen, gibt aber keine Weisungen, wie das geschehen soll. Da die Kirchengüter in China seit Jahrhunderten ausschließlich zur Unterstützung karitativer und erzieherischer Einrichtungen dienten, werden diese Institutionen durch das neue Gesetz in ihrem Bestand gefährdet.

Die Anrede „Genosse“ ist jetzt in der tschechoslowakischen Armee allgemein eingeführt worden.

Um Frings

Wr. - Kardinal Frings in Köln hat am Sonntag in einer öffentlichen Erklärung die unbedingte Kriegsdienst-Verweigerung abgelehnt. Er hat damit keine politische Parole ausgegeben, sondern lediglich die moraltheologische und damit grundsätzliche Lehrauffassung seiner Kirche erläutert. Diese Auffassung vertritt die katholische Kirche überall, wo sie verbreitet ist, also in allen Erdteilen. Gegen seine Erklärung hat sich alsbald der „Bund der deutschen Kriegsdienstverweigerer“, Sitz Nürnberg, gewandt. Es sei zu bedauern, daß ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche in dieser Weise der wahren Lehre Christi, die jede Gewaltanwendung verurteile, zuwiderhandle.

Es wird hier, von allem übrigen abgesehen, zunächst nach der beiderseitigen „Aktiv-Legitimation“ zu fragen sein. Was die wahre Lehre Christi sowohl ganz allgemein wie speziell in bezug auf den Kriegsdienst ist und enthält —, das zu lehren und öffentlich zu erklären, das wird — mag man sonst zu den Bekenntnissen und Kirchen stehen wie immer — ein Kirchenfürst, ob katholisch oder evangelisch, eher legitimiert sein als irgendwer.

Hier ist nicht der Raum, um zur theologischen Erklärung des Kölner Kardinals Stellung zu nehmen. Wirkliche und ■tatsächliche Angriffspunkte bietet sie nicht.

.Weder in Sidney, Montreal oder Montevideo, auch nicht in Paris, London oder Moskau hätte ein Theologe, katholischen oder evangelischen Bekenntnisses, etwas anderes sagen können. Beide sähen sie sich — und sehen sie sich — gebunden an die unzweideutigen Lehren, die im Buch der Bücher niedergeschrieben sind. Sie besagen, vom „Buch der Makkabäer“ angefangen, daß es unter letzten Umständen Pflicht und Aufgabe des gottverbundenen Menschen werden und sein könne, für die ihm Anvertrauten zu kämpfen.

Der Standunkt des Kardinals, der unabänderlich der Standpunkt der christlichen Kirchen ist —, daß er populär sei, ist nicht zu sagen. Wirklich populär ist heute weithin in Deutschland nur der eine Standpunkt: „Das nächte Mal — ohne mich!“

Damit ist nicht gesagt, daß dieser Standpunkt unanfechtbar sei. Bei allem Bösen, das uns widerfahren ist: In den Krieg gezogen für „Nazi-Deutschland“ sind gegen zehn oder wieviel Millionen Deutscher, von denen noch keine zehn Prozent für Hitler und seinen Anhang um ihn haben kämpfen wollen. Sondern wofür? Für Haus und Heimat und Herd! Für die Frauen, für die Kinder!

Man soll das nicht in einen Topf werfen mit dem, was von Verbänden der maßlos Erbitterten erklärt wird.

Wem die Stunde schlägt

p. ehr. b. Es gab einmal einen bezaubernden amerikanischen Film mit dem ‘Titel: „Du kannst es nicht mit dir nehmen“ — nämlich all das, mit dem sich der moderne Mensch täglich herumschleppt und belastet, seine Papiere und Geschäftsbücher und Geschäftssorgen und vor allem sein Geld. Dieser Film war äußerst moralisch und dazu noch vergnüglich, was sich nicht von allen moralischen Werken sagen läßt. Er gab, indem er bis zur Groteske übertrieb, dem Durchschnittsamerikaner den freundschaftlichen Rat, den Betrieb nicht zu überschätzen und rechtzeitig daran zu denken, daß die Stunde kommt, da die günstigsten Wertpapiere für denjenigen, der dran ist, nur noch schlechten Kurs haben . . s Jetzt hat ein Bornholmer Uhrmacher durch einen erstaunlichen Einfall seine Umgebung in Unruhe und Verwirrung gebracht. Nachdem er jahrzehntelang in seiner Werkstatt Uhren repariert und gesäubert hatte, kleine und große, teure und billige, bekam er plötzlich einen Uhrenrappel. Er nahm den ganzen ihm zur Reparatur überlassenen Stapel und schüttete ihn in die See, und dann setzte er sich auf sein Rad und fuhr davon — weg von seinen Uhren, weg von seiner Werkstatt, weg von seinem Alltagsleben. Nun ist Bornholm ja eine Insel, und wenn heute einer alles satt hat und sich davon machen will, dann ist das sofort ein Fall für die Polizei. Der Uhrmacher, der vor sich selbst flüchten wollte, wurde denn auch bald darauf verhaftet. Er sieht einem Verfahren wegen verschiedener Delikte entgegen: Sachbeschädigung und Unterschlagung und was eine Polizei eben sonst noch herausfinden kann. Da er ein vernünftiger redlicher Mann ist, hat er sich gleich offen zu dem Kernpunkt seiner Flucht geäußert: er konnte keine Uhren mehr sehen und hören. Er hatte genug gehabt, er wollte nicht warten, bis es soweit war, er wollte schon vorher mit dem täglichen Krimskrams Schluß machen und versuchen, noch etwas aus seinem Leben herauszuholen. Es ist unwahrscheinlich, daß der Bornholmer Uhrmacher den alten amerikanischen Film gesehen hat. Sonst könnte dieser Fall als Beweis dafür genommen werden, daß moralische Tendenzen in der äußersten Konsequenz zu höchst unmoralischen Handlungen führen.

Ohne Fingerabdrũcke

Bonn, 27. Juli, (dpa) Der Bundestag hat am Mittwoch ein Gesetz über Personalausweise verabschiedet, nach dem jeder Einwohner des Bundesgebiets nach Vollendung des sechzehnten Lebensjahres einen amtlichen Ausweis mit Lichtbild besitzen muß. In dem Ausweis, für den das Innenministerium ein Muster entwerfen soll, darf kein Raum für einen Fingerabdruck vorgesehen sein.

In dritter Lesung verabschiedete das Plenum mit Mehrheit auch das Umsatzsteuer-Aenderungsgesetz, nachdem zuvor eine Ermäßigung der Warenhausumsatzsteuer von dreidreiviertel Prozent auf drei Prozent abgelehnt worden war. Auf Antrag des Rechtsausschusses wurde beschlossen, daß Karlsruhe Sitz des Bun¬ ‘desgerichtshofes werden solle.

Storch kündigt einen Regierungsentwurf an

Die Debatte im Bundestag über das Mitbestimmungsrecht

Bonn, 27. Juli, (dpa) Trotz seiner dreizehnstündigen Sitzung und vieler Ausschuß-Sitzungen am Mittwoch ist der Bundestag am Donnerstagmorgen in sehr starker Besetzung zu seiner 80. Sitzung zusammengetreten, um die Entwürfe der Christlich-Demokratischen Union und der Sozialdemokratischen Partei über das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer in den Betrieben zu behandeln.

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Nach einem eingehenden Bericht über die letzten Verhandlungen und Ereignisse um die Mitbestimmung bis zum 20. Juli stellte Dr. Schröder bei der Begründung des Entwurfes der Christlichen Demokraten fest, daß sich die Sozialpartner auf dem Gebiet der innerbetrieblichen Mitbestimmung nicht geeinigt hätten. Nun müsse das Parlament zu diesem Thema sprechen. Schröder kritisierte, daß durch die spärliche Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Verhandlungen der Sozialpartner in Maria Laach ein zu optimistisches Bild entstanden sei. Nun sei der Mißerfolg dieser Gespräche deutlich geworden.

Es sei falsch, die über- und innerbetriebliche Mitbestimmung gleichzeitig zu behandeln. Zunächst sei der zweite Punkt anzupacken. Ziel des Entwurfes der Union sei es, ein Höchstmaß der ökonomischen Produktivität mit der sozialen Gerechtigkeit zu vereinen. Das Mitbestimmungsrecht sei nur im Betrieb selbst zu regeln. Es sei falsch, wenn der Entwurf als eine revolutionäre Umwälzung angesehen werde.

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Der sozialdemokratische Abgeordnete Freitag wandte sich gegen den Begriff Mitbestimmung. Das sei ein schlechtes Wort für einen guten Zweck. Man müsse von Demokratisierung der Wirtschaft sprechen. Der Arbeiter erhebe den Anspruch, in der Wirtschaft mit zu entscheiden. Zwischen Arbeitern und Gewerkschaften gebe es keine Trennung (Beifall der Sozialdemokraten). Eine Zersplitterung nach politischen oder konfessionellen Gesichtspunkten werde es nicht mehr geben. Bei allen Forderungen der Arbeiter werde künftig der Name der Gewerkschaften genannt werden.

Der Vorschlag der Unionsparteien bringe nur ein einheitliches Betriebsrätegesetz und lasse alle anderen Fragen der Mitbestimmung unerledigt. Die Gewerkschaften seien mit den Unternehmern der Auffassung, daß die Mitbestimmung auf allen Ebenen ein einheitliches Ganzes sei. Man könne an diesen Dingen vorbeigehen, aber dann müsse man damit rechnen, daß es zu wirtschaftlichen Explosionen komme. Die Arbeiterschaft werde nichts preisgeben, was ihr versprochen worden sei (Zurufe: Drohungen!). Das seien keine Drohungen. Eine Drohung sei es aber, wenn man zum amerikanischen Oberkommissar gehe und dort das Schreckgespenst des Bolschewismus an die Wand male, damit nichts in der Mitbestimmung getan werde.

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Dr. Hammer (Jreie Demokraten) nannte den sozialdemokratischen Entwurf gefährlich für die Zukunft der Arbeiterschaft und der ganzen deutschen Nation (Beifall bei den Freien Demokraten, Widerspruch links). Die moderne Marktwirtschaft werde nicht durch Unternehmer oder Arbeitnehmer, sondern durch den Konsumenten bestimmt. Der Entwurf der Sozialdemokraten versuche, einen völlig neuen Plan der Gesellschaft und der Wirtschaft zu verwirklichen. Die Rechte des freien Staatsbürgers, die Freizügigkeit und der freie Abschluß von ArbeitsVerträgen würden gefährdet, wenn man den Arbeitseinsatz befehle.

Zu den Sozialdemokraten gewandt, sagte Dr. Hammer: „Was sie aber in den letzten Jahren begonnen haben — da können sie nicht verlangen, daß wir sie weiter begleiten.“ Die Herrschaft des Parlaments werde aufhören, wenn es zu einer Herrschaft der Korporationen komme. Düsseldorf solle die Stadt der Gewerkschaften bleiben, wenn aber die Entwicklung so weiter laufe wie bisher, werde sie zur Hauptstadt Deutschlands. Die Freien Demokraten verbäten sich, daß jemand anders in Deutschland entscheide als dieses Parlament. (Beifall bei den Demokraten.) Wer anfange grundsätzlich gegen das bestehende Wirtschaftssystem zu rebellieren, müsse sich bewußt sein, daß am Ende die Sklaverei stehe.

Nadi mehr als sechsstündiger Debatte kündigte Bundesarbeitsminister Storch an, daß die Bundesregierung einen Gesetzentwurf über die Mitbestimmung vorlegen werde, in dem das festgelegt sei, worüber sich die Sozialpartner geeinigt hätten.

gebilligt

zr. Bc..n, 27. Juli. Der Haushaltsausschuß des Bundestages hat in seiner letzten Sitzung vor den Parlamentsferien mit Mehrheit einen Antrag des Bundesfinanzministers auf Vorwegbewilligung von 3,2 Millionen Mark zur Fertigstellung von Bundesbauten gebilligt, die bereits im Rechnern ijahr 1949 begonnen worden sind. Die Bewilligung beantragter Summen für Neubauten wurde vorläufig zurückgestellt.

Ein Massenmöärder wird abgeurteilt

Pleil bezeichnete sich als den „besten Totmacher“

g Braunschweig. Mit dem Anfang August in Braunschweig beginnenden Prozeß gegen den Massenmörder Pleil wird die seit Sternickel, Haarmann und Kürten in Deutschland furchtbarste Mordsache verhandelt. Zehn vollendete und eine versuchte Mordtat werden Pleil vorgeworfen, während er selbst mehr als die doppelte Anzahl Morde eingestand, für die jedoch die Beweise nicht ausreichen. Polizeiliche Schätzungen belaufen sich auf die dreifache Zahl.

Ursprünglich eaß Rudolf Pleil wegen eines 1947 bei Zorge im Harz begangenen Mordes im Zuchthaus von Celle, als er sich eines Tages bereit erklärte, gegen zusätzliches Essen und Rauchwaren wichtige Dinge auszusagen. Man ging darauf ein, und nun begann er einen grauenhaften Bericht über von ihm begangene Untaten zu geben, die ihm zunächst nicht geglaubt wurden. Da er aber die Tatorte genau bezeichnete, begab sich die Kriminalpolizei auf die Fahrt und fand die Aussagen bestätigt Zwei Jahre lang reiste nunmehr der Massenmörder in polizeilicher Begleitung im Bundesgebiet umher, und die Nachprüfung seiner Angaben an Ort und Stelle ergab ihre Richtigkeit.

Den ersten Mord beging der aus dem Erzgebirge stammende Pleil in Sachsen, wo er einen Mann erschlug, um in den Besitz von Alkohol zu kommen. Anschließend nahm er an der Beerdigung seines Opfers teil. Nun reiht sich eine Mordtat an die andere, die teilweise mit Komplicen ausgeführt wurden. Das Motiv der Tat war meist die Absicht zu rauben. Die Personen — in der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um Frauen — die in den wirren Nachkriegs jähren bis April 1947 dem Mörder zum Opfer fielen, konnten vielfach nicht identifiziert werden. In der Sowjetzone, in Niedersachsen, in Bayern, vor allem aber im Zonengrenzraum wurden Opfer nach den Angaben des Mörders gefunden. Axt, Hufeisen, Konservendose, Knüppel und anderes waren die Mordwaffen. Ohne Gemütsbewegung und Zigaretten rauchend gab Pleil an Tatorten seine Erklärungen. Eines der Opfer, eine Frau in Holstein, war schwer verletzt worden, wurde wiederhergestellt und wird nunmehr als Hauptbelastungszeugin auftreten. In einem Fall warf Pleil eine Frau in den Sumpf und wartete, bis sie erstickt war. In einem anderen Fall wurde das Opfer von Pleils Komplicen Hoffmann vor der Ermordung vergewaltigt.

Pleil bezeichnet sich selbst als Deutschlands „bester Totmacher“ und schrieb in der Zeit der Nachforschungen Erinnerungen, die er „Mein Kampf“ betitelte. Jeweils für Zigaretten und bessere Verpflegung fügte er den bisherigen Aussagen neue hinzu. Ja, er legte sogar im Verlaufe der psychiatrischen Untersuchungen nahe, ihm eine Tätigkeit zu ermöglichen, bei der er töten könne, zum Beispiel als Henker. Noch sind sich anerkannte Wissenschaftler nicht im klaren, wie es um den geistigen Zustand dieses Massenmörders bestellt Ist.

Das Prinzip der Kollektivschuld bleibt

Ein grundsätzliches französisches Urteil gegen deutsche Kriegsgefangene

Paris, 27. Juli, (dpa) Unter dem Vorsitz des neuen Präsidenten Picard hat das Oberste französische Berufungsgericht eine Auseinandersetzung zwischen der Militärjustiz und der Strafkammer des Obersten Berufungsgerichtes entschieden. Diese Entscheidung hat grundsätzliche Bedeutung für die weiteren Prozesse gegen ehemalige deutsche Soldaten, die unter der Anklage, Kriegsverbrechen begangen zu haben, noch in französischer Haft sind.

Bei der neuen Entscheidung handelt es sich um den Fall des ehemaligen Hauptmanns Bruno Haas und des ehemaligen Matrosen Heinrich Schwartz. Beide wurden im April 1949 vom Kriegsgericht in Bordeaux für schuldig befunden, bei der Verteidigung von la Rochelle Kriegsverbrechen begangen zu haben. Beide wurden zum Tode verurteilt. Diese Urteile wurden von der Strafkammer des Obersten Berufungsgerichtes aufgehoben, weil das Kriegsgericht in Bordeaux in seiner Zusammensetzung nicht der Verordnung vom 28. August 1944 entsprochen hatte, nach der für Verfahren gegen Kriegsverbrecher Sonderbestimmungen vorgesehen sind. So sollen die Kriegsgerichte nicht, wie es sonst bei Kriegsgerichten Vorschrift ist, mit Personen besetzt werden, die gleichen Rang wie die Angeklagten haben. In Bordeaux waren die Angeklagten in ihrer Eigenschaft als Kriegsgefangene verurteilt worden und nicht als Kriegsverbrecher. Als Kriegsverbrecher verlieren sie den rechtlichen Schutz, den gefangene Soldaten nach dem internationalen Abmachungen besitzen.

Das neue Verfahren wurde an das Kriegsgericht in Marseille verwiesen. Aber dieses lehnte es ebenfalls ab, Haas und Schwartz als Kriegsverbrecher zu behandeln. Wieder wurden sie in ihrer Eigenschaft als Kriegsgefangene verurteilt. Haas erhielt lebenslängliche Zwangsarbeit und Schwartz zwanzig Jahre Zwangsarbeit.

Dieses Urteil wurde jetzt durch die vier vereinigten Kammern des Obersten französischen Berufungsgerichts — der höchsten richterlichen Instanz — aufgehoben. Damit ist die Weigerung der Militärjustiz verworfen worden, bei der Abhaltung von Kriegsgerichtsprozessen gegen Deutsche vom üblichen militärgerichtlichen Verfahren und seinen Bestimmungen abzuweichen und die geschaffene Sondergesetzgebung anzuwenden. Gegen diese Sondergesetzgebung, die zum 1. Male den Begriff der Kollektivschuld in die französische Strafgesetzgebung eingeführt hat, haben nicht nur die Militärrichter Bedenken vorgebracht, sondern auch zahlreiche Stimmen der französischen Oeffentlichkeit.

„Wenn er heute noch lebte...“

Zum dritten Male wird gegen Todt verhandelt

Drahtbericht unseres Korrespondenten

We. München, 27. Juli. Am Donnerstag ist vor der Berufungskammer München erneut gegen den im Jahre 1942 tödlich mit dem Flugzeug verunglückten Reichsminister Dr. Friedrich Todt verhandelt worden. Der 1948 ergangene erste Spruch, der Todt als Belasteten einstufte und eine fünfzigprozentige Vermögenseinziehung verfügt hatte, war 1949 in zweiter Instanz aufgehoben worden.

Die Kammer hatte in der Begründung erklärt, Todt habe zwar seinem Land die Niederlage nicht gewünscht und also auch nicht versucht, sie herbeizuführen. Daraus könne man ihm kaum einen Vorwurf machen. Eine persönliche Schuld Todts sei nicht erwiesen. Seine hervorragenden Leistungen als Erbauer der Reichsautobahnen hätten ihm die Anerkennung der gesamten in- und ausländischen Fachwelt eingebracht, die. er auch heute noch genieße. Ein britischer Sachverständiger habe an Eidesstatt ausgesagt, Todt habe seiner Kenntnis nach Deutschland nur vor dem Kommunismus bewahren wollen. Die Kammer hatte den Standpunkt vertreten, es sei sehr wohl ein Unterschied zu machen zwischen „Nationalsozialismus“ und „nationalsozialistischer Gewaltherrschaft“.

Todt habe jedoch bereits 1941 Hitler von der Sinnlosigkeit des Krieges zu überzeugen versucht und sei deshalb auf dem Wege über das Flugzeugunglück gewaltsam beseitigt worden. Wenn er heute noch lebtey so hätte er es nicht nötig, vor dieser Spruchkammer zu stehen, sondern würde bei den Amerikanern in führender Position seine Fähigkeiten in den Dienst an der gemeinsamen Sache stellen.

Die Verteidigung beantragte Einstellung des Verfahrens.

Die Berufungskammer folgte aber dem Antrag des Oeffentlichen Klägers und bestätigte den Spruch der ersten Instanz jedoch mit der Maßgabe, daß statt fünfzig Prozent nur 10 Prozent des 22 000 Mark betragenden Vermögens eingezogen werden.

Der Beamtenbund lehnt ab

Köln, 27. Juli. (AP.) Der Deutsche Beamtenbund lehnt den Entwurf des Versorgungsgesetzes für vertriebene Beamte ab und hat die erforderlichen Schritte zur Erzielung einer Aenderung unternommen.

Das Kabinett hatte empfohlen, die Beamtengehälter und Pensionen im Bundesgebiet durch eine neue Steuerbelastung um drei Prozent zu kürzen und Renten nur an diejenigen ehemaligen Reichs- und Wehrmachtsbeamten zu zahlen, die 1945 bereits zehn Jahre im Dienst waren.

— — —— VV UX vll« In einer Stellungnahme des Beamtenbundes heißt es, der von der Regierung verabschiedete Gesetzentwurf entspreche in der Form weder dem Grundgesetz noch dem Beschluß des Bundestages vom 29. Dezember 1949, „die nach dem Entwurf trotz aller Gegenvorstellungen doch vorgesehene Kürzung kann keinesfalls gebilligt werden“. Bereits heute lägen die Gehälter der Hauptmasse der Beamten in der unteren und mittleren Laufbahn unter denen des qualifizierten Arbeiters.

Der Fall Bartali

Anfrage an die französische Regierung

Paris, 27. Juli. (AP.) Der Präsident des außenpolitischen Ausschusses der französischen Nationalversammlung, Bonnefous, hat eine Anfrage an die Regierung gerichtet, welche Schritte sie wegen der skandalösen Vorfälle bei der Tour de France zu unternehmen gedenke. Die Zeitungen Frankreichs und Italiens bringen die Zwischenfälle in großer Aufmachung. Das Ausscheiden der italienischen Fahrer wird in der französischen Oeffentlichkeit außerordentlich bedauert

Gino Bartali soll gesagt haben, daß er für sein Leben gefürchtet habe. Es wäre unsinnig am kommenden Samstag die Etappe nach San Remo zu fahren, denn es bedürfe der gesamten italienischen Armee um die französischen Fahrer vor Angriffen wütender Italiener zu schützen. Die Rennleitung hat sich entschlossen, die Etappe nach San Remo ausfallen zu lassen.

Ueber 13 000 katholische Priester sind nach einer Feststellung des Vatikansenders in den letzten fünf Jahren im kommunistischen Osteuropa ermordet oder in Konzentrationslager geworfen worden.

Stimmen der Inderen

gürgerehre und Pressefreiheit

Bundesjustizminister Dr. Dehler schreibt in der „Freien Demokratischen Korresponden z“:

„Der Entwurf meines von der Bundesregierung im Mai verabschiedeten Entwurfs eines Strafrechtsänderungsgesetzes enthält eine Vorschrift, die öffentliche wertende Aeußerungen zu einem schwebenden Gerichtsverfahren, durch die der richterlichen Entscheidung vorgegriffen wird, verbietet. Die Oeffentlichkeit hat die mit der Vorschrift verfolgten Absichten vielfach mißverstanden.

Die Justiz soll nicht unter eine gläserne Glocke gesetzt und der Presse soll kein Maulkorb umgebunden werden. Für die Gerichtsverhandlungen gilt der Grundsatz der Oeffentlichkeit. Die Rechtspflege wird der Kritik nicht entzogen. Es handelt sich nicht um den sachlichen Inhalt der Kritik, nicht um das, was gesagt wird, sondern nur darum, wann wertend Stellung genommen werden darf. Der Kritiker wird, um einer höheren Sache willen, um Geduld gebeten. Wahrheitsgetreue Tatsachenberichte, die jedem Staatsbürger gestatten, sich selbst ein Urteil zu bilden, sind jederzeit ohne Beschränkung zulässig.

Es geht nicht um die Person des Richters und um den Schutz der Autorität des Gerichts. Es geht um Höheres: um die Gerechtigkeit. Es gilt, die Voraussetzungen zu schaffen, daß die Gerichte unbeeinflußt ihre Aufgabe erfüllen können, die Wahrheit zu finden. Der Bürger, der, wenn auch unter schwerem Verdacht — schuldig oder nichtschuldig in die Maschinerie des Polizei- und Justizapparates gerät, hat das Recht auf ein gerechtes, unparteiisches, objektives Verfahren. Es wird ihm versagt, wenn er in der Oeffentlichkeit als schuldig hingestellt wird oder gar gebrandmarkt wird, bevor er Gelegenheit gehabt hat, sich zu verteidigen und bevor ihn der für den Schuldspruch allein zuständige gesetzliche Richter schuldig ge¬ snrnrhpn hat.

Ein Rechtsuchender, gegen den die öffentliche Meinung aufgebracht wird und der sich einer Welle von ,Vor-Urteilen‘ gegenübergestellt sieht, muß unsicher und mutlos werden. Seine Ausgangsposition im Prozeß wird geschwächt. Wie kann er später glauben, daß er mit Recht verurteilt wurde? Er wird das Vertrauen zur Gerechtigkeit verlieren und argwöhnen, das Gericht habe dem Druck der öffentlichen Meinung nachgeben. Auch wertende Aeußerungen zum Vorteil des Angeklagten sind vom Uebel. Wertende öffentliche Stellungnahmen können die Schöffen und Geschworenen an der unbefangenen Beurteilung des Sachverhalts hindern. Es ist dem Laien nicht ohne weiteres gegeben, sich solchen Einflüssen zu entziehen. Auch Zeugen und Sachverständige können beirrt und dadurch die Grundlagen, auf denen das Gericht sein Urteil aufbauen muß, verfälscht werden.

Nur tun den Prozeßbeteiligten, vor allem dem Angeklagten gegenüber ein faires Verfahren zu gewährleisten, soll mit wertenden Stellungnahmen in der Oeffentlichkeit zugewartet werden, bis der Richter gesprochen hat. Dann mag die Kritik einsetzen.

Niemand kann die Aufgabe der Presse höher achten als ich. Ich stelle das Redaktionsgeheimnis der Presse im Strafverfahren wieder her. Ich will die Presse und den Rundfunk in ihren Aufgaben nicht beschneiden. Ich müßte nicht ein freier Demokrat sein, um nicht das Recht der freien Meinungsäußerung und die in ihr eingeschlossene Freiheit von Presse und Rundfunk als hohen Wert anzusehen. Aber die Freiheit der Presse ist nicht um der Presse willen geschaffen, ebensowenig wie die Unabhängigkeit der Gerichte um der Gerichte willen. Beides dient höheren Werten. Es gibt auch einen Mißbrauch der Freiheit. Das Grundgesetz selbst zieht dem Recht der freien Meinungsäußerung Schranken durch die allgemeinen Gesetze und das Recht der persönlichen Ehre. Gegenüber dem Wunsch nach vorgreifender öffentlicher Stellungnahme zu einem schwebenden Verfahren muß das Interesse an einem fairen gerichtlichen Verfahren den Vorrang beanspruchen.

Im klassischen Lande der Demokratie, in England, bestehen weit strengere Vorschriften. Man komme nicht mit dem Einwand, daß die Stellung des englischen Richters eine andere sei als die des deutschen Richters. Der englische Ausdruck .Contempt of Court' (Mißachtung des Gerichts) ist unscharf und nur geschichtlich zu erklären. Bei den Anwendungsfällen des .Contempt of Court', die hier in Frage stehen, geht es ausschließlich um die Sicherung eines einwandfreien Verfahrens für die Prozeßbeteiliigten. Es soll, wie es in einem neueren englischen Erteil heißt, ,nicht nur den allgemein anerkannten Grundsätzen der Gerechtigkeit Geltung verschafft werden, sondern auch den besten und höchsten Qualitäten der Presse*. Dazu die .Times* vom 26. März 1949:

,uie Veröffentlichung einer Erklärung, die auf irgendeine Weise eine faire Führung des Rechtsfalles beeinträchtigen könnte, ist ganz klar ein Verstoß gegen das Recht, Nachrichten unbehindert wiederzugeben. Aber sobald eine Verhaftung erfolgt, ist es angebracht - es ist tatsächlich Pflicht —, daß das Recht auf eine faire Gerichtsverhandlung in den Vordergrund rückt'

— viqluuu IUCKL. Ueber die Fassung kann man streiten. Man_ mag die Vorschrift auf die erste Instanz Beschranken, man mag die Möglichkeit ge-Fä"en’ in denen keine ernste Beeinträchtigung vorliegt, von Strafe abzu¬ ® man ^ag, den eigentlichen Unrechtsgehalt einer Verletzung der Vorschrift durch ^e Formuiierung noch schärfer heraus_ 3ber der Grundgedanke muß festp werden: Die Pressefreiheit darf Eh?e s * K°St^n der Gerechtigkeit und der rrnre des einzelnen gehen!“

Einigung über die Hohe Behörde

sechTaVde^AP’) Die Werten der gln beteil? haben atf ^etsteuroPäischen Länder Einriditun^ Sl!zunS am Mittwoch die 1 vier Körperschaften für mens^^ ®ePlanten Zusam-Stahlpro-

Wird Wagner bleiben?

Die Meinungsveischiedenheiten um den hessischen Arbeitsminister

dor ieS (Eigener Bericht.) Es wird immer deutlicher, daß Waontr dC“ M'n,st.e.r för Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert nniuiech« 1/-r Familienstreit der Sozialdemokratischen Partei als eine politische Krise ist.

Wagners eigenwilliges Vorgehen in der hessischen Brotpreispolitik war nur Anlaß, nicht Ursache zu den gegenwärtigen Differenzen in der Partei. Wohl hat Wagner seine Befugnisse überschritten. Er ist vom Kabinett nur beauftragt worden, ein Stillhalteabkommen mit den Mühlen, dem Mehlhandel und dem Backgewerbe zu treffen, bis in Bonn endgültig entschieden worden sei. Er hat aber bindende Preis- und Qualitätsabmachungen getroffen. Deshalb mußte er zur Ordnung gerufen werden. Doch die eigentlichen Schwierigkeiten liegen im Persönlichen.

Die heute tagende gemeinsame Konferenz zwischen dem Landesausschuß und dem auf 15 Köpfe erweiterten Fraktionsvorstand führten immer noch zu keiner endgültigen Klärung. Es fiel auf, daß der Landesausschuß schwächer vertreten war als in der ersten Sitzung. Eine neue Konferenz ist abermals notwendig geworden. Sie wird am Samstag zwischen Landesausschuß und der gesamten Landtagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei stattfinden. Minister Wagner fuhr am Donnerstagnachmittag nach Bonn. Der Eindruck verfestigt sich immer mehr, daß er bleibt.

Wie die Deutsche Presseagentur ergänzend meldet, werden gegen Minister Wagner auch von privater Seite Vorwürfe erhoben. So hat am Mittwoch der frühere Ministerialrat im hessischen Arbeitsministerium, Herbert Engler, der auf Betreiben Wagners vor Wochen wegen unrechtmäßiger Führung des Doktortitels und Nachlässigkeit im Amt seines Postens enthoben wurde, gegen Minister Wagner bei der Frankfurter Oberstaatsanwaltschaft Anklage wegen Diebstahl, Amtsmißbrauch, Verleumdung und Beleidigung eingereicht. Engler behauptet, daß Wagner Akten unterschlagen habe, die wichtiges Beweismaterial darüber enthielten, daß er den Doktortitel zu Recht geführt habe.

Außerdem wirft die „Internationale Liga zur Wahrung der Menschenrechte“ Wagner antisemitische Aeußerungen während seiner Ministerzeit sowie eine allzu nachgiebige Haltung unter dem nationalsozialistischen Regime vor. Wagner hat gegen die Liga Beleidigungsklage erhoben.

Demonstrationen in Brüssel

Tumultszenen vor dem königlichen Palast

Brüssel, 27. Juli. (AP) Etwa 2000 Leopold - Gegner begannen am Donnerstag aus fünf verschiedenen Richtungen einen Demonstrationsmarsch zum königlichen Palast in Laeken.

Die Menge hatte sich in der Nähe des Hauptportals des Palastes gesammelt, wo Sonderkommandos der Polizei Aufstellung genommen hatten. Berittene Polizisten schlugen mit dem flachen Säbel auf die Demonstranten ein und trieben sie über ein Feld zurück.

Leopold-Anhänger riefen unter dem Pfeifen und Schreien der Menge: „Es lebe der König!“ In diesem Augenblick fuhr eine Wagenkolonne vor dem Palast vor, die mit Fahnen und Bildern des Königs geschmückt war und flämische Leopold-Anhänger aus Gent mit Blumen für den König brachte. Die Demonstranten überschütteten die Wagen sofort mit einem Steinhagel. Im Innern der Autobusse und Wagen, deren Fenster zerschmettert wurden, sah man Frauen mit blutüberströmten Gesichtem inmitten ihrer Blumen sitzen.

Eine kleine Gruppe von Demonstranten hatte inzwischen die Polizeiposten umgangen und war in den Hof des Palastes eingedrungen. Sie wurde von anderen Polizisten mit Kolbenschlägen wieder hinausgetrieben.

Andere Demonstranten stürzten auf der Straße zum Palast einen Wagen um und setzten ihn in Brand. Während die Feuerwehr den Brand zu löschen suchte, rief die umherstehende Menge „Nieder mit Leopold“.

Mehrere tausend andere Demonstranten waren vor das Parlamentsgebäude marschiert, um der Regierung einen Protest gegen die Anwesenheit König Leopolds in Belgien überbringen.

Starke, mit Gewehren, Gasmasken und Tränengaspistolen ausgerüstete Polizeieinheiten wurden schnellstens mit Lastwagen an das Gebäude gefahren und sperrten die Straßen mit Barrikaden ab.

180 000 protestieren

Köln, 27. Juli. (AP.) Rund 180 000 Kölner Arbeitnehmer haben sich am Donnerstag an einem einstündigen Warnstreik zu dem die Gewerkschaften als Protest gegen die hohen 'Lebensmittelpreise aufgerufen hatten, beteiligt.

Lenkt Rußland ein?

Kein Boykott des Sicherheitsrates

Lake Success, 27. Juli. (AP) Die Sowjetunion hat den Vereinten Nationen am Donnerstag mitgeteilt, daß sie den Boykott der Sitzungen des Sicherheitsrates beende und am 1. August den Vorsitz im Rat übernehmen werde.

Eiuberufungen in Amerilka

Washington, 27. Juli (AP.) Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am Donnerstag die Einberufung von 100 000 Wehrpflichtigen für das Heer in den Monaten September und Oktober angeordnet. Bisher war nur die Einberufung von 20 000 Mann im September und weiteren 50 000 Mann im Oktober vorgesehen.

Erhöhte Luftrüůstung

Washington, 27. Juli, (dpa) Die amerikanischen Luftstreitkräfte werden innerhalb der nächsten zwölf Monate von 48 apf 51 Geschwader und bis zum Januar 1953 auf 69 Geschwader verstärkt werden. Wie der demokratische Repräsentantenhausabgeordnete Carl Vinson am Donnerstag in Washington bekanntgab, wird die Personalstärke der Luftstreitkräfte sofort erhöht, bis sie die Sollstärke von 548 311 Mann erreicht hat.

Keine Atombomben auf Korea

Washington, 27. Juli, (dpa) Präsident Truman hat in Washington erklärt, er erwäge gegenwärtig nicht den Einsatz von Atombomben in Korea.

Amerika wird Deutschland verteidigen

Washington, 27. Juli, (dpa) Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums hat erklärt, in der deutschen Bundesrepublik solle man keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Vereinigten Staaten hegen, die Bundesrepublik im Falle eines Angriffs aus dem Osten' zu verteidigen. „Die Westdeutschen, die in Freiheit sehen, denken, sprechen und handeln können, werden kaum auf die Lorelei-Gesänge der ostdeutschen Marionettenregierung hereinfallen. Sie haben wenig Illusionen über die Sowjetutopie, unter der ihre weniger glücklichen Brüder leben müssen. Sie sollten deshalb keinen Zweifel in unsere wiederholt ausgesprochene und dauernde Entschlossenheit setzen, das Gebiet der Bundesrepublik gegen einen möglichen Angriff aus dem Osten zu verteidigen.“

Amnestie gefordert

London, 27. Juli. (dpa). Lord Hankey, der während des zweiten Weltkriegs Mitglied des britischen Kriegskabinetts war, hat am Donnerstag in London eine sofortige Amnestie für deutsche und japanische Kriegsverbrecher gefordert.

Arnold wieder Ministerpräsident

Der Landtag von Nordrhein-Westfalen hat entschieden

Fö. Düsseldorf, 27. Juli. Del’ neue Landtag von Nordrhein-Westfalen hat am Donnerstag mit 120 Stimmen gegen 78 Stimmenthaltungen und vier ungültigen Stimemn in geheimer Wahl den Abgeordneten der Christlich - Demokratischen Union und bisherigen Ministerpräsidenten Arnold auf Vorschlag der Fraktion der Christlich-Demokratischen Union zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.

Damit steht die Person des neuen Ministerpräsidenten, noch keineswegs aber das Ausehen der neuen Regierung fest. Seit der Entscheidung der Fraktion der Christlich-Demokratischen Union über die Kandidatur Arnolds, die am Mittwoch vergangener Woche getroffen worden war, hatten Christlich-Demokratische Union, Freie Demokratische Partei und Zentrum verhandelt, ohne zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen, während die Sozialdemokratie nbgelehnt hatte Verhandlungen aufzunehmen, solange die Christlich-Demokratische Union ihnen vorher bestimmte Bedingungen stelle.

Nuding wieder im Landtag

Stuttgart, 27. Juli, (dpa) Der Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Kommunistischen, Partei in Württemberg-Baden, Nuding, ist nach seiner Berlin-Reise zum Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei am Donnerstag wieder im Württembergisch-Badischen Landtag erschienen.

Reimanus Immunitätaufgehoben

Bonn, 27. Juli, (dpa)

Der Bundestag beschloß am Donnerstag, die Immunität des Ersten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Westdeutschlands, Max Reimann, aufzuheben. Der kommunistische Abgeordnete Walter Fisch wurde während der Debatte, die dem Beschluß vorausging, wegen Ver- Stoßes gegen die Geschäftsordnung auf 30 Sitzungstage ausgeschlossen.

Die Aufhebung der Immunität Reimanns war vom niedersächsischen Justizminister wegen der vermuteten maßgeblichen Beteiligung Reimanns an der Entführung des kommunistischen Bundestagsabgeordneten Kurt Müller beantragt worden.

Keine weiteren Preissteigerungen

Bonn, 27. Juli, (dpa) Vertreter der Wirtschaft erklärten am Donnerstag in mehrstündigen Besprechungen mit Kabinettsmitgliedern in Bonn, daß im Bundesgebiet keine weiteren Preissteigerungen zu erwarten seien. Auf dem gewerblichen Sektor mache sich bereits eine allgemeine Tendenz der sinkenden Preise bemerkbar. An den Besprechungen nahmen Vizekanzler Blücher, Bundeswirtschaftsminister Prof. Ludwig Erhard, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Dr. Fritz Berg und die Vorstände des Einzel- und Großhandels teil. Vizekanzler Blücher erklärte im Namen der Bundesregierung, daß das Kabinett alle Maßnahmen ergriffen habe, um die Preise, insbesondere der Lebensmittel, zu halten.

Brotpreisgesetz angenommen

Bonn, 27. Juli. Gegen die Stimmender Sozialdemokraten und Kommunisten hat der Bundestag am Donnerstag einen Gesetzentwurf über die Festsetzung von Brotpreisen angenommen'. In dem Gesetz wird die Bundesregierung ermächtigt, durch Rechtsverordnungen Preise für Mehl, Brot und Kleingebäck festzusetzen. Das Gesetz tritt am 31. Dezember außer Kraft.

Italiens Verteidigungslinien sind die Alpen, hat der italienische Verteidigungsminister Pacciardi erklärt.

Wechselnd bewölkt

(Eigener Wetterbericht)

Die am Donnerstag über Westdeutschland liegende flache Tiefdruckstörung, die das Hoch über den Karpathen von dem Hoch über der Biscaya trennt, wird langsam aufgefüllt. Damit ist eine vorübergehende Beruhigung der Wetterlage verbunden.

Aussichten: Wechselnd wolkig mit späterer Aufheiterung, nachlassende Gewittertätigkeit bei geringer Temperaturzunahme. Wechselnde Winde.

Der Rundfunk am Freitag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Zeitgenossen von .Johann Sebastian Bach; 17.00 Froh und heiter; 18.30 Das kleine Ensemble; 20.00 Zum 200. Todestag von Johann Sebastian Bach; 22.15 Tonfilmmelodien von gestern und heute; 23.15 Swing-Cocktail.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Froh und heiter; 18.15 Musik zum Feierabend; 19.30 Im Namen des Gesetzes; 20.00 Johann Sebastian Bach, gest 28. Juli 1750; 22.15 „Sommerlied“; 23.00 „Die Kunst der Fuge“.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musik zur Teestunde; 16.30 Klaviermusik; 17.15 Das Schlager-Intermezzo; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Gemeinschaftssendung der westdeutschen Sender; 22.30 Im Dreivierteltakt; 23.20 Musik zur Nacht.

Wirtschaftsblatt

Ein Torpedoschuß

F. C. Die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik nimmt ab. Die Ausfuhrziffern steigen. Aufträge des Auslandes gehen auch bei der Produktionsgüterindustrie verstärkt ein. Auch die Konsumgüterindustrie verzeichnet in den verschiedensten Teilen erhöhte Bestellungen. Im Ausland und am Inlandsmarkt zeichnet sich also eine erhöhte Bereitschaft ab, nach einer Periode der Zurückhaltung im Verbrauch wieder erhöhte Ausgaben zu machen.

Diese Belebung der Konjunktur darf aber nicht zu einem Freudenrausch verleiten. Mit Hilfe der bisher sich abzeichnenden Konjunkturbelebung läßt sich die Pyramide der Arbeitslosigkeit nur langsam abtragen. Aus den verschiedensten Quellen werden dazu ständig Arbeitsuchende zusätzlich auf den Arbeitsmarkt strömen. Der natürliche Bevölkerungszuwachs hält noch einige Jahre an. Die Zuwanderung aus der Ostzone und aus Berlin setzt sich fort. Die Notwendigkeit, die Wirtschaft stärker als bisher zu rationalisieren, droht weitere Arbeitskräfte freizusetzen. Der Druck auf die Erlöse der Landwirtschaft infolge zunehmender Auslandskonkurrenz, der Druck auf die Handelsspannen und nicht zuletzt der Zwang, im Verkehrsgewerbe rationeller als bisher zu arbeiten, werden Arbeitskräfte freisetzen.

Aus allen diesen Gründen ist es notwendig, die Investitionen in der deutschen Industrie erheblich auszudehnen. Nur durch eine solche Erweiterung der Neuanlagen wird es möglich sein, in den nächsten fünf Jahren Arbeitsplätze in genügender Zahl zu schaffen, um neu hinzuströmende Arbeitskräfte ständig zu beschäftigen und darüber hinaus die chronische Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen.

Diesem Ziel dienen die Arbeitsbeschaffungsprogramme der Bundesregierung. Das zweite Arbeitsbeschaffungsprogramm, das die Bundesregierung auf das erste Programm aufstocken will, soll nicht zuletzt dazu dienen, Engpässe zu beseitigen, die sich bei wachsender Beschäftigung in der deutschen Wirtschaft bemerkbar machen werden. Die Kapitalbildung in der Bundesrepublik ist aber immer noch mangelhaft. Mit Auslandskapitalien können wir im Zeichen des Koreakonfliktes kaum rechnen. Um so mehr muß sich die deutsche Wirtschaft auf die Krücke des Marshallplans verlassen. Eine Gesamtsumme von 1,8 Milliarden aus ECA-Mitteln war für das Jahr 1950 vorgesehen. Die deutsche Wirtschaft hat mit diesen Mitteln fest gerechnet.

Es wirkt deshalb als schwerer Schlag, plötzlich hören zu müssen, daß die Amerikaner diese Mittel um 600 Millionen DM, also um rund ein Drittel rigoros kürzen wollen. Der sorgfältig aufgestellte deutsche Investitionsplan gerät dadurch ins Wanken. Der Torpedoschuß, den die Amerikaner damit gegen den deutschen Wiederaufbau abgeben, wirkt um so nachhaltiger, als die Amerikaner an die Hergabe der restlichen Mittel aus dem Counterpart funds die Bedingung einer weiteren Kreditausweitung binden. Auch durch die amerikanischen Grundsätze für die Geldhergabe werden die Pläne der Bundesregierung über den Haufen geworfen, Investitionen vor allem in der Schwerindustrie durchzuführen. Die Amerikaner beteuern, die deutsche Wirtschaft im Interesse der Allgemeingesundung schnell wieder aufrichten zu wollen. Wie lassen sich solche Beteuerungen mit der radikalen Streichung der ECA-Mittel vereinbaren?

Einheitskurs für den Schilling?

Die vierte österreichische Währungsreform in Vorbereitung

J. B. Wien. (Eigener Bericht.) Die Bildung eines Einheitskurses für den östei - reichischen Schilling ist nicht mehr lange aufzuschieben. Die Wirtschaft hat das gegenwärtige System des vielfach gespaltenen Wechselkurses schon abgelehnL, al» es unter amerikanischer Assistenz ( „Tnifin-Flan“) geschaffen wurde. Der Ausgleich verschiedener Kursbewertungen bei Einfuhr und Ausfuhr durch die Nationalbank funktioniert mehr schlecht als recht. Ein Anschluß an die geplante Zanlungs-Union fordert erst recht diese Re¬ form

Um den Kurs selbst hat ein interner Streit begonnen. Zur Zeit erhalt der österreichische Exporteur für den Dollar 21,36 Schilling (für eine DM 5,08), der Importeur zahlt bei dringendster Einfuhr 14.40 für den Dollar (3,42 für die DM), Die Exporteure möchten nun einen Einheitskurs bei etwa 24 Schilling je Dollar, die Importeure bei 21 Schilling, und maßgebende Stellen schätzen, daß der künftige Kurs zwischen „21,36 und 22 Schilling je Dollar“ liegen werde. Man werde, so wird erklärt, berücksichtigen müssen, daß Oesterreich noch lange auf hohe Einfuhren angewiesen sein werde und nicht durch eine zu hohe Bewertung der anderen Währungen seine Importe verteuern dürfe.

Diese Vorhaben sind nun insofern besonders bedeutungsvoll, als schon jetzt über eine Reihe von Lohnforderungen verhandelt wird und der Wunsch der Gewerkschaften nach einer allgemeinen Lohnerhöhung durch die erwarteten Verteuerungen der Lebenshaltung weitere Grundlagen erhält, i

Mandat der Gewerkschaften

hd. Der Deutsche Gewerkschaftsbund wendet sich gegen die Schlußfolgerungen, die von verschiedenen Seiten aus der Tatsache gezogen werden, daß der Deutsche Gewerkschaftsbund nur 36 Prozent aller im Bundesgebiet beschäftigten Arbeitnehmer vertrete und infolgedessen nicht das Recht habe, im Namen der Arbeitnehmer zu sprechen (von 13,6 Millionen Beschäftigter am Ende 1949 waren rund 5 100 000 Mitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes). Der Deutsche Gewerkschaftsbund weist darauf hin, daß in der Beschäftigtenzahl über vier Millionen Frauen enthalten sind; davon seien nur wenige, nämlich rund 750 000 gewerkschaftlich organisiert. 47 Prozent aller männlichen Beschäftigten und etwa 70 Prozent aller Beschäftigten der Schwerindustrie gehören einer Gewerkschaft an. Im Kohlenbergbau und in der Metallindustrie seien sogar etwa 90 Prozent aller Beschäftigten erfaßt.

Importweine werden untersucht

Gd) Die Weinuntersuchungsanstalten in Rheinland-Pfalz wurden durch eine Verfügung des Ministeriums für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten ermächtigt, ein Obergutachten bei eingeführten Weinen zu erstatten. Wie der Regierungspräsident der Pfalz in Neustadt a. d. H. mitteilte, soll durch eine Ueberprüfung der Importweine vermieden werden, daß minderwertige oder gar gefälschte Weine in die Bundesrepublik eingeführt werden.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse waren am Donnerstag bei etwas lebhafteren Umsätzen weitere Kursverbesserungen auf fast allen Märkten zu verzeichnen. Im Mittelpunkt des Interesses standen weiterhin Montanwerte, die Kursverbesserungen bis zu 2 Punkten erzielten. Auch der Maschinen- und Metallmarkt nahm an der weiteren Aufwärtsentwicklung des Kursniveaus teil, und es kam hier zu durchschnittlichen Kursgewinnen von einem Punkt. Auch die übrigen Märkte lagen freundlich. Kleinere Abschwächungen waren meist zufallsbedingt.

Kurserholung deutscher Elfekten

tp Bei den in Zürich und Basel notierten deutschen Wertpapieren, die seit Ausbruch des Korea-Konfliktes einem starken Kursdruck ausgesetzt waren, traten ganz erhebliche Kursbesserungen ein, die einen großen Teil der Kursverluste wieder wettmachten. So wurden IG-Farben-Aktien zuletzt wieder mit etwas über 40 Prozent gehandelt, nachdem sie bis auf 31 abgesunken waren.

Devisenhandel

Frankfurt. (Eigenbericht.) Im Frankfurter nichtoffiziellen Devisenhandel wurden am 27. 7. 1950 für den US-Dollar 5,40—5,90 DM gezahlt, für das englische Pfund 12,50—13,50 DM, für den Schweizer Franken 1,20—1,35 DM, für den holländischen Gulden 1.20 bi.; 1.35 DM, für die dänische Krone 0,52—0,56 DM, für die schwedische Krone 0,75—0,80 DM.

Protest gegen Prämienerhöõhung

Revision der neuen Kraftfahrzeug-Versicherungsprämieri gefordert

F.A.Z. Als im Frühjahr dieses Jahres ersichtlich wurde, daß die Prämien in der Kraftfahrzeugversicherung kaum ausreichen würden, um die stark angestiegenen Schadensfälle zu decken, hat das Bundeswirtschaftsministerium eine Vereinbarung mit dem Kraftverkehrsgewerbe und den Versicherungsgesellschaften getroffen, wonach die neue Prämienberechnung, die ursprünglich ab 30. 6. 1950 erfolgen sollte, nach dem zu prüfenden Jahresergebnis des Schadensverlaufes 1949 erfolgen sollte. Dieses Jahresergebnis wies nach, daß bei der Haftpflichtversicherung 75,27 Prozent der vereinnahmten Prämien 1949 für Schäden verausgabt oder zurückgestellt werden mußten. Das Ergebnis der Untersuchung für die Fahrzeugversicherung wurde nicht bekanntgegeben. Nach der Verlängerung der alten Prämiensätze bis 30. 9. 1950 hat nun, wie bereits gemeldet, der Preisrat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, die Prämien bei der Haftpflichtversicherung um durchschnittlich 46 Prozent und bei der Kasko-Versicherung um 75 Prozent zu erhöhen. Das Kraftverkehrsgewerbe hat gegen diese Prämienerhöhungen beim Bundeswirtschaftsministerium Protest erhoben. Es hat fermer das Bundesministerium gebeten, Gegenmaßnahmen tu ergreifen. Es wird verlangt, daß ein Sonderausschuß des Bundestages alle Möglichkeiten untersuchen soll, die zu einer Senkung der Ausgabenseite bei den Versicherungsgesellschaften führen könnten. Nochmals wurde die Forderung wiederholt, die Prämiensätze zumindest für die Kasko- und Unfallversicherung preislich freizugeben. Vom Preisrat sollten lediglieh Höchstprämien festgesetzt werden.

Erhöhte Stahlquote wahrscheinlich

gr. London. (Eigenbericht.) Die englische Presse aller Parteirichtungen veröffentlichte dieser Tage wiederholt Meldungen, daß eines der Hauptthemen bei den jüngsten Beratungen der Bevollmächtigten der Atlantikpaktmächte in London die Möglichkeit einer Erhöhung der deutschen Stahlproduktion sei. Obwohl ein Sprecher des Foreign Office dazu erklärte, daß über derartige Absichten in London nichts bekannt sei, und daß diese Frage auch nicht auf der Tagesordnung der Sitzung stehe, rechnen politische Kreise Londons doch mit einer weitgehenden und unmittelbar bevorstehenden Aufhebung der bisherigen Beschränkungen.

Für eine Aufhebung der bisherigen Beschränkungen setzt sich nach hiesiger Ansicht vor allem Washington ein: doch werden auch von französischer und britischer Seite, wie aus zuverlässiger Quelle bekannt wird, keine ernsthaften Einwände mehr erhoben. Allerdings soll eine Beschränkung und Kontrolle der herzustellenden Stahlsorten und Fabrikate unter allen Umständen beibehalten werden, und die Herstellung von Waffen, Tanks und Kriegsmaterial nach wie vor strengstens verboten bleiben. Eine Verlagerung bisher englischer oder französischer Friedensproduktionen nach Deutschland mit dem Ziel der Freimachung entsprechender Kapazitäten in diesen Ländern für Verteidigungszwecke dagegen lehne man in London als eine einseitige wirtschaftliche Begünstigung Deutschlands weitgehend ab.

Einfuhrüberzeichnungen

(vwd). Auf die Ausschreibungen für die Einfuhren der Bundesrepublik aus Belgien-Luxemburg im dritten Quartal 1950, für die wieder 20 Millionen Dollar zur Verfügung standen, sind 323 509 Millionen Dollar angefordert worden. Diese beträchtliche Ueberzeichnung hat zu einer entsprechenden Repartierung geführt.

305 Konkurse im Juni

vwd Die Zahl der Konkurse im Bundesgebiet war im Juni mit 305 Fällen um 19 höher als im Vormonat. Dagegen blieb die Zahl der eröffneten Vergleichsverfahren mit 128 Fällen fast unverändert.

Freigabe von Zucker

Die Vorratstelle für Zucker des Bundesernährungsministeriums hat die Freigabe von 60 000 Tonnen Zucker bei den Fabriken angeordnet.

Metallgewerkschaft kündigt Tarife

F. A. Z. Die Industriegewerkschaft Metall hat die Lohn- und Gehaltstarife für die Metallindustrie in Hessen gekündigt

Schankverzehrsteuer bleibt

(Idn) Die Steuerordnungen der einzelnen Gemeinden über die Schankverzehrsteuer bleiben in Rheinland-Pfalz in Kraft, bis das Finanzministerium eine neue Steuerordnung auf Grund des Gesetzes über die Landes-Schankverzehrsteuer herausgegeben hat.

We. Waggonfabrik Jos. Rathgeber AG München Der Hauptversammlung am 2. August wird die volle Umstellung des Akticnhapitals von 4,233 Millionen R'.l auf DM vorgeschlagen. Die gesetzliche Rücklage soll auf 0,78 Millionen erhöht werden.

Feuilleton

Ein Diener der Menschheit in seiner Kunst

ZUM 200. TODESTAG VON JOHANN SEBASTIAN BACH

Als Bach vor 200 Jahren in den Abendstunden des 28. Juli seine Augen für immer schloß, gab es kaum jemanden, der ihn und sein Werk vergessen konnte. Es war außer den nächsten Angehörigen und einigen wenigen Schülern niemand da, der an ihn dachte. Es brauchte also keine Stadt- oder Landeszeitung einen Nekrolog zu verfassen. Eine kleine Notiz in den „Nützlichen Nachrichten“ Leipzigs, hier und da ein dürftiger Hinweis, im übrigen ging man über diesen Fall mit bürokratischer Amtsmiene hinweg wie der Rat der Stadt Leipzig, der „in der Enge“ schon einen guten Tag nach dem Tode den Nachfolger auf Grund seiner „guten Beziehungen“ bestimmte. Erinnerte sich damals wirklich jemand Bachs, so meinte er den großen Orgel- und Klaviervirtuosen oder den Vater der zwei berühmteren Söhne Philipp Emanuel in Berlin und Hamburg und Johann Christian in London. Ein ganzes Zeitalter hatte nicht die geringste Ahnung von der umfassenden Größe dieses Meisters der Tonwelt. Die zahlreichen Manuskripte seiner Werke gingen größten Teils als Erbe auf Friedemann und Philipp Emanuel über. Von ersterem wurden sie aus Not verkauft und verstreuten sich in alle Winde, von Emanuel gelangten sie auf verschiedenen Umwegen schließlich in die Berliner Staatsbibliothek. Bei der Neuausgabe des Gesamtwerkes Bachs konnte daher nur allzu oft nicht mehr auf das Original zurückgegriffen werden, sondern Kopien der Schüler und Söhne und manchmal erneute Abschriften davon mußten als Grundlage dienen und in harter Arbeit vom Wissenschaftler gesichtet und von allen Fehlern und Zutaten befreit werden.

Wer hätte sich auch in den letzten Lebensjahren Bachs noch für seine große Kunst erwärmen, wer sie verstehen und wer sie demonstrativ an die nächste Generation weitergeben sollen. Da man die Besten, nicht bekommen könne, müsse man mittlere nehmen, schreibt 1723 Leipzigs Oberbürgermeister zu der Wahl Bachs, als Telemann und Graupner das Thomaskantorat ablehnten. Später beherrschten Gottsched, Scheibe, Marpurg und der vielumjubelte Opernkomponist Hasse die Kritik und Bühne. Bach wurde ebgelehnt oder gar nicht erwähnt. Der englische Gesellschaftsroman, die italienischen Lustspieldichter Goldoni und Carlo Gozzi und ihre zahllosen komponierenden Landsleute, die französischen Philosophen Lamettrie und Montesquieu, der junge Lessing waren die Geister, die das Tagesgespräch führten. Die liberale Idee und Aufklärung lehnte den Zopf der Orthodoxie und religiösen Bindung ab. Freiheit der Sitte und Galanterie des Gesprächs waren die Etikette der Gesellschaft, das Weltbild emanzipierte sich von der Bibelautorität und fand an den physikalischen Errungenschaften und naturwissenschaftlichen Neuentdeckungen den größten Gefallen. Die Musik hatte neben der noch bestehenden fürstlichen Prunkoper des Barock in Mannheim und Wien bereits den Höhepunkt des vorklassischen Stils erreicht, der in seinem durchgehend homophonen und akkordischen Satz diametral von der Kunst Bachs unterschieden ist. Rousseaus Parole „Zurück zur Natur“ wurde in der Musik mit „Zurück zur Einfachheit“ übersetzt und Rameau lieferte bereits 1722 in seiner Harmonielehre das theoretische Grundgerüst für diese Epoche. In Paris wurde 1752 im sogenannten Buffonistenstreit um die Neugestaltung der komischen Oper in revolutionärer Ablehnung Stellung gegen die Vergangenheit genommen. Die Auswirkungen dieses Kampfes beeinflußten die gesamte damalige Musikwelt. Denn nicht diese allein hatte sich grundlegend gewandelt, auch die geistige Lebensschau war in ihrer Struktur bis zum letzten Gedanken über Sein und Werden des Menschen verändert.

Damals ging erst das „Mittelalter“ zu Ende, aber schon wurde das Dynamo-Zeitalter eingeleitet. Der letzte Hexenprozeß traf mit der Erfindung der Dampfmaschine zusammen. Bach und Balthasar Neumann, der Erbauer der Würzburger Residenz, waren die letzten Vertreter eines ganzheitlichen Stils, der noch keiner Selbstrechtfertigung bedurfte, die aber bereits vom anbrechenden Klassizismus vom neuen Bildungsbewußtsein gefordert wurde. Die letzten festlichen Kirchenbauten entstanden noch aus zeiteigener Formkraft, • aber schon lösen sie die ersten Symphonien für immer ab.

Diese historische Uebersicht muß man vor Augen haben, um die Ablehnung des Badischen Werkes zu seiner Zeit zu begreifen. Um so höher ist die innere Kraft und der Wert seiner Musik einzuschätzen, die sich trotz ungünstiger Voraussetzungen doch noch den Lorbeer der Unsterblichkeit errang. Ein kleiner Kreis war es nur, der in Berlin um Philipp Emanuel und in Wien um den Staatsbibliothekar und Diplomaten van Swieten die Kunst Johann Sebastian Bachs pflegte. Klavier- und Orgelstücke standen im Vordergrund. Hier in Wien wurden auch Mozart und Beethoven mit den Kompositionen des Kantors bekannt, deren Stilentwicklung ohne das Studium Bachscher Kompositionen nicht denkbar ist. Spärlich führte der zweite Nachfolger im Thomaskantorat, Doles, Motetten und Kantaten auf .Ein paar Schülef und Enkelschüler taten ein übriges zur Erhaltung des Werkes. Aber der Kult der Verehrung einiger weniger Musiker war im einzelnen doch so stark, daß er als Quelle kräftig genug blieb, um in den nächsten Jahrzehnten nicht zu versickern und in der Romantik durch Mendelssohn, E. T. A. Hoffmann und andere zu einem Strom zu werden, bis sich zu Ende des 19. Jahrhunderts Beethovens Ausspruch bewahrheitete: „Nicht Bach, Meer sollte er heißen!“

Selbstverständlich konnten weder Mozart und Beethoven noch die Romantik ein gültiges Bild von Bach gewinnen. Letztere war in ihrer Entdeckerfreude teils von geschichtlichen Eigeninteressen ausgegangen, teils versuchte sie in der Ästhetisierung alter Kunst auch das Werk Bachs auf den Thron ihrer überschwänglichen Anschauungen zu heben. Lange Zeit ist dadurch die Sicht auf den geistigen Hintergrund von Bachs Schaffen verbaut worden und bei so großen Musikforschern wie Kretzschmar, Schweitzer und Schering leuchten trotz wichtiger neuer Erkenntnisse oft noch allzu sehr romantische Kriterien in Biographien und Aufsätzen hervor. Nach manchen Umwegen, vielen Einzelarbeiten und Einzelleistungen hat das 20. Jahrhundert jetzt den Schleier vom geistigen und musikalischen Porträt des Thomaskantors hinweggezogen und den Blick zu einem wohl endgültigen Bachbild freigegeben.

Dabei soll nicht vergessen werden, daß die Vergangenheit, insbesondere die Romantik mit ihrer These von der „absoluten Existenz“ der Musik auch das Klangbild als solches in den Vordergrund der künstlerischen Betrachtung schob und so auf einen der wesentlichsten Grundzüge im Kompositionsbereich des Meisters aufmerksam machte. Auch der große Bach-Biograph Splitta verteidigte einst auf dieser Basis das Werk und suchte nach dem „allgemeinen musikalischen Prinzip“, um u. a. das Vokalschaffen gegen jede Umdeuterei zu schützen. Der zeitgenössische Komponist hat jedoch im eigenen Werk wohl am stärksten die Auffassung von der absoluten Klangmusik bei Bach erhärtet und für sich ausgewertet, wenn er nicht nur in der Uebernahme von Formtypen zu neuen Architekturen vorstößt, sondern auch in der Wahl kompositorischer Technik und in der „Erfindung“ motivischer wie thematischer Gebilde jene abstrahierende lineare Stimmführung übernimmt. Daß er dabei nur die eine Seite von Bach, und fast ausschließlich die handwerkliche sieht, mag in unserem heutigen Stadium der Musik nicht ungerechtfertigt sein, da wir ja erst über das solide und gesunde Handwerk hinweg zu einem neuen Stil unserer Zeit gelangen können. Auch hier waren und sind die Umwege oft kraß und hart, wie es nicht anders sein kann, wenn man in eine neue Geistesepoche eintreten will.

Kaum jemals ist der Gedenktag eines großen Mannes in der Welt der Musik daher mit größerer Berechtigung gefeiert worden als in den Tagen, in denen der lebende Komponist immer wieder in seinem Schaffen auf das musikalische Erbe Bachs hinweist, sich damit in die Geschichte der Menschheit einreiht und auf den Errungenschaften der Tradition zu neuen künstlerischen Ergebnissen durch- und emporarbeitet. Was ihn aber grundsätzlich unterscheidet von Bach, ist der Anspruch auf die Selbstherrlichkeit seines Schaffens. Bachs Kunst diente. Sie suchte kein Publikum, sie lebte der Gemeinde. Nicht der Käufer im Konzertsaal, sondern der Verehrer in der Kathedrale empfing die Gabe. Ob uns wieder ein gemeinschaftliches Weltgefühl diesen Weg zur geistigen Verbundenheit aller gehen lassen wird, scheint auf absehbare Zeit nicht erkennbar. Man sollte aber daran glauben, wenn man die lebendige und musikalische geistige Pflege Bachs in der Gegenwart als quellendes Herzensbedürfnis aller Menschen, die Musik hören, ansieht. Dr. G. Ilgner


Das Denkmal Johann Sebastian Bachs vor der Thomaskirche in Leipzig , Photo: Kenner
Das Denkmal Johann Sebastian Bachs vor der Thomaskirche in Leipzig , Photo: Kenner

Notizen

Die Städtische Oper Berlin-Charlottenburg bringt in der kommenden Saison die szenische Uraufführung von Fortners Ballett „Die weiße Rose“, die bühnenmäßige Erstaufführung der beim Niederrheinischen Musikfest in Wuppertal erstmals für Deutschland aufgeführten „Scees de Ballet“ von Strawinsky und die deutsche Erstaufführung der Oper „Puck“ von Delannoy.

Fortners Fantasie über B-A-C-H für zwei Klaviere und Orchester die Anfang September beim Donaueschinger Musikfest uraufgeführt wird, ist am 10. Oktober in einer Sendung des Mitteldeutschen Rundfunks zu hören.

„Sommerliche Musiktage“ veranstaltet auch in diesem Jahr die kleine Stadt Hitzacker an der Elbe. Die neuen. „Wiegenlieder“ von Kurt Hessenberg werden dort durch Gertrud Pitzinger, begleitet von dem Komponisten, zur Uraufführung kommen.


Edgar Varese im Gespräch mit dem Musikreferenten des Darmstädter Tagblatts, Dr. Gerhard Ilgner, im Hotel Knauf. DT Photo: Schröder.
Edgar Varese im Gespräch mit dem Musikreferenten des Darmstädter Tagblatts, Dr. Gerhard Ilgner, im Hotel Knauf. DT Photo: Schröder.

Edgar Varese in Darmstadt

DT Als erster der zu den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik nach Darmstadt eingeladenen Dozenten traf gestern, von Neuyork kommend, Edgar Varese auf dem Flughafen Rhein - Main ein, wo er von dem Leiter des Kranichsteiner Musikinstitutes, Dr. Gerhard Ilgner, empfangen wurde.

Der Künstler, der sich in seinen Kom-I»sitionen hauptsächlich mit den Möglichkeiten des Eindringens der technischen Mittel in die Musik beschäftigte, soll den jungen Komponisten während der Ferienkurse aus seinem Arbeitsgebiet Richtlinien und Anregungen für ihr Schaffen vermitteln.

Edgar Varese ist 1885 bei Paris geboren. Er studierte an der Schola cantorum und war später Schüler von d’lndy in Komposition und von Roussel in Kontrapunkt. Nachdem er noch die Meisterklasse bei Widor absolviert hatte, gründete er 1906 den Chor der Volksuniversität in Paris und gab zahlreiche Konzerte. Zwei Jahre später gründete er den Symphonischen Chor in Berlin und setzte sich besonders für die Aufführungen älterer polyphoner Musik ein. 1914 war er Leiter des Prager Symphonieorchesters. Zwei Jahre später ging Varese nach Amerika und fand sofort herzlichste Aufnahme. Er wurde sofort mit der Leitung des „Neuen Symphonieorchesters“ in Neuyork beauftragt. 1921 gründete er mit Carlos Salzedo die „Internationale Komponisten - Gilde“, die bis 1927 bestand und dann in dem allgemeinen Komponistenverband aufging. Sein Kompositionsstil ist durchaus unkonventionell. Rhythmik und Klangfarbe sind die hervorstechenden Merkmale in seinen Kompositionen. Das Ohr ist nach seiner Meinung der alleinige Regulator für jeglichen musikalischen Ausdruck. Wohl kann ein Klangreiz fremdartig sein, sobald er aber gehörmäßig aufgenommen und einer Begutachtung für wert gehalten wird, muß der musikalische Einfall von Bestand sein. Ein höchst differenziertes Orchester ist daher stets in seinen Werken vorzufinden. Mögen es die „Hyperprismen“ sein, die „Arcanä“ oder die „lonisation“, Klangstudien nur für Schlaginstrumente (1931!), seine Symphonie mit Chor (1937) oder seine neuesten kammermusikalischen Werke, stets werden neue Klangregister erprobend eingesetzt. Bekannt sind seine Studien für elektronische Instrumente geworden. Edgar Varese wird sich auch in einem Kurs und Einzelvorträgen während der „Internationalen Ferienkurse für Neue Musik“ in Darmstadt mit dem kompositorischen Einsatz neuer und elektronischer Musikinstrumente beschäftigen.

Werner Egks Oper „Peer Gynt“ wird für die kommende Spielzeit am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und an den Städtischen Bühnen Freiburg im Breisgau vorbereitet.

Als deutsche Erstaufführung bringt der Südwestfunk Anfang Oktober das 2. Violinkonzert von Darius Milhaud.

Das Deutsche Nationaltheater in Weimar bringt zu Beginn seiner neuen Spielzeit „Die Zaubergeige“ von Werner Egk heraus.

Unsereiner uird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

5) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

Sind sie Verkäufer, wenn man sie kennenlemf, so ist man als junges Mädchen davon überzeugt, daß sie nach drei Jahren erster Verkäufer, nach fünf Jahren Prokurist und nach sieben Jahren Geschäftsinhaber sein werden und sich während dieser gleichen Zeit breiter, stärker männlicher und liebenswürdiger entwickeln. Man glaubt törichterweise, daß sich auch alle anderen Umstände mit Sicherheit zum besten wenden.

Vielleicht tun sie es auch bei anderen Leufen, glaubt Eva Steen immer, wenn sie mit ihren Gedanken bei diesem Punkt angeiangt ist. Ihrem Mann gegenüber hat sie jedenfalls schon einige Male von ihrer Meinung gesprochen, daß das Leben bei anderen Leuten unverhältnismäßig glättere und erfreulichere Wege geht als bei den Steens. Leider war das Ergebnis ihres Redens immer das, daß Steen sich angegriffen fühlte und sich zur Wehr setzte. Er brummte, zuckte die Achseln, mäkelte an den Leuten herum, denen es nach der Meinung seiner Frau so viel besser ging, und zuletzt erklärte er regelmäßig, schließlich habe er es zum Besitz eines Hauses gebracht Und in Wirklichkeit zahlen wir in diesem dünnwandigen Serienhaus mit nur eine: einzigen kleinen Wrasen klappe im Küchenfenster, bitte so viel H nofhekenzinsen, wie wir auch als Miefe !ur ein besseres Haus nur hätten aufbringen müssen, und wir haben den Äerger mif den Reparaturen obendrein, den Aerger und die Kosten, denkt Eva Steen.

In Wirklichkeit ist Steens Gehalt seit fast zehn Jahren nicht mehr erhöht worden, weiß Eva Steen und sie erinnert sich, daß ihr Mann auch dafür eine bittere Erklärung hat. Er sagt, daß ein Chef selbstverständlich die Gehälter seiner Angestellten langsam erhöht, wenn er befürchtet, sie möchten ihn sonst eines Tages verlassen, aber ein Buchhalter, der sich ein Haus an das Kreuz gebunden hat, kann die Stadt nicht verlassen. Er könnte innerhalb dieser kleinen Stadt eine andere Stellung nehmen, aber wer engagiert einen Mann aus der gleichen Stadt, wenn sie so klein ist und jeder längst jeden besser kennt als sich selber?

Nicht schwer für Frau Steen, von diesem Punkt auf das unangenehme Gerede zu kommen, das in bezug auf ihre Kinder ganz ohne Zweifel in der Straße umhergeht. Und tatsächlich besiegelt Mary mit ihrem Flirt auch den Mißerfolg des Lebens ihrer Eltern. Ein schrecklicher Gedanke ist das. Aber Eva Steen hat in gewissen Stimmungen eine gewisse Vorliebe für selbstvemichtend klare Gedanken. Sie empfindet Marys Verhältnis zu Beer, diesem kraushaarigen Verkäufer in der Drogerie drüben, als einen vollgültigen Beweis dafür, daß Mary niemals besser daran sein wird als sie selbst... niemals... niemals...

Mary wird alle meine Irrtümer und alle meine Enttäuschungen wiederholen, sieht Frau Steen voraus. Sie wird unfähig sein, sich die Erfahrungen ihrer Mutter zunutze zu machen. Gewiß steht sie in dreißig Jahren genau so wie ich hier und scheuert einen Topf, in dem die Milch anbrannfe, denkt Frau Steen. Marys Tochter wird heimlich davon gegangen sein und auch Beer, Marys Mann, hat dann die Tür hinter sich zugeschlagen, um sie zu holen. Und Mary steht in ihrer Küche und scheuert den Topf und grübelt, und das Haus gehört ihr und gehört ihr im Grunde nicht, und der Geruch die ungebrannten Milch weicht nicht aus der Küche, weil die einzige Wrasenklappe des Küchenfensfers zu klein ist.

v 7.

Es klingelt. Es ist Knut

Er pfeift vor sich hin, grüßt kaum, wirft seine Mütze wie einen Ring auf den Garderobenhaken und schnüffelt.

„Gibt es Milchsuppe“? fragt fer.

Frau Steen nickt. Sie ist nahe daran, zu weinen.

Sie muß Knut den Rücken zudrehen und geht in die Küche. Sie hat die Hoffnung, K int /erde ihr nicht dorthin folgen, und wiederum hat sie die Hoffnung, er werde es doch tun.

Knut folgt ihr.

Er setzt sich auf den Schuhkasfen. Er tut das seif vielen Jahren immer, wenn er in der Küche ist, und er tat es schon, als seine Beine noch viel zu kurz waren, um vom Schuhkasten auf den Boden zu reichen. Inzwischen reichen sie längst, und überdies sperrt Knut mit seinen Beinen den Durchgang zwischen dem Schubkasten und dem Eisschrank völlig, wenn er so sitzt.

„Also morgen fange ich an“, sagt Knut.

Frau Steen fühlt ihr Herz stocken.

„Aber Knut“, erschrickt sie.

Knut lächelt. „Ja", sagte er. „Morgen fange ich an.“

Eva Steen hat das Scheuem des Topfes gerade in diesem Augenblick beendet. Der Topf, in dem die Milch anbrannfe, ist wieder sauber. Sie könnte ihn jetzt wegstellen, bis sie ihn morgen wieder braucht, um wieder Milch darin aufzukochen. So ist das Leben. Der Schaden des vorangehenden Äergers ist immer gerade behoben, wenn der nächste Aerger beginnt. Und der nächste Aerger ist immer größer als der vorangehende, und das Leben wird von Woche zu Woche schwerer.

„Wie willst du das dem Vater sagen?“ fragte Frau Steen und ihre Hände zittern ein wenig, während sie den Milchtopf wegstellf.

„Ich denke, das sagst du ihm’*, antwortet Knut

Frau Steen sieht ihren Sohn betroffen an. Sie fühlt, wie grimmig Knut an seinem Plan hängt, wie trotzig er daran hängt, ihn durchzusetzen. Obwohl er die unangenehme Eröffnung, die er seinem Vater zu machen hat, nicht zuletzt aus Mangel an Pflichtgefühl auf seine Mutter ablegt, steckt darin noch etwas Schlimmeres. Es ist Knut einfach einerlei ob sein Vater einwilligt oder nicht. Er erwartet nicht, daß seine Mutter bei seinem Vater mehr Erfolg haben wird als er selber. Es ist ihm gerade nur darum zu tun, daß Steen es überhaupt erfährt Also genügt es, wenn irgend jemand es ihm sagt. Es könnte auch Mary sein oder ein Nachbar oder der Müllfahrer oder das Radio.

Und dieser Umstand bedeutet für Eva Steen einen tiefen, stechenden Schmerz m ihrem Herzen. Sie empfindet, daß ihre Familie nichts, gar nichts, nicht die allergeringsfe Spur von jener wundervollen Einhelligkeit hat, die sie von vier in einer Pension zusammentreffenden Menschen unterscheiden könnte.

Wir sind jeder mit sich selber allein, denkt sie. Wir denken jeder nur an uns selbst, auch, was wir dem Anschein nach für den anderen denken, denken wir nur un® selber, für die Nadibarn, für das Bdd, das wir als Familie zu bieten wünschen. Wir sind durchaus fähig, uns für ein paar Stunden zusammenzureißem, wenn wir Gäste haben, oder selber irgendwo zu Gast sind, wenn wir ausöehen oder irgendeiner der Befrager der "statistischen Firmen bei uns ist, die seit ein Paar Jahren überall herumlaufen und ihre lächerlichen und zudringlidien Fragen stellen. Aber in Wirklichkeit fehlt uns die Gemeinsamkeit des Lebens, die belbstvcrgessenheit, die sich an die an-SiunA_Ver^ert’ und zusammen mif deren oelbstentaußerung eine wundervolle Familie ausmachen würde. Und nichts als das alte Schema des Lebens zwischen Vater, Mutter, Sohn und Tochter hält uns eisammen... die Kochtöpfe und Georgs Gehalt, das Haus und die Hypofhekenzuisen, die Leute in der Straße und diese Kleine Stadt sind es, die uns zusammenhalfen.

Es gibt keine Gnade in alledem, denkt Eva.Steen und die tiefe Traurigkeit des Lebens erfüllt sie und macht sie weinen.

«Muß es denn sein, daß du das tust, Knut?' fragt sie weinend. Knut nickt aber er senkt den Kopf dabei. Er läßt seine Äugen bei dem Muster der Sfeinfhesen dieses Küchenbodens, das in allen • Sfraße ^au dasselbe ist Ls laßt ihn keineswegs gleichdülfiö daß seine Mutter weint, gewiß nicht nein... irgendwo in seinem Kopf wahrt sich immer noch die Erinnerung daß seuie Mutter es gut mit ihm meinte nur tut sie das natürlich aut ihre eigene Alt, die außer auf ihn auch auf den ^Vater und einige andere Rücksicht nimmt.

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung

Brombeeräugelchen...

H. W. W. - Ja, so hatte ich dich getauft, Biomoeeraugelchen», als ich vor vielen Jahren so oft an der Haltestelle der „Sechs“ am Schloß stand, den damals noch sehr harmlosen Straßenverkehr beobachtete und dich, schöne Unbekannte nur zu oft an mir vorübergehen sah.’ Frisch und jung warst du und lieb sahst du aus, wenn du mit deinen schwarzbraunen Augeichen um dich schautest und ohne dir etwas zu vergeben die bewundernden Blicke wohl aufnahmst, mehr aber auch nicht. Wie reife Brombeeren, mit ein paar braunschwarzen Pünktchen, so sahen deine flinken Äuglein aus, und so taufte ich dich ..Brombeeraugeichen“. Dein Name, deine Wohnung, alles blieb mir unbekannt, die vielen Jahre hindurch. Stets war es eine herzliche, unbeschwerte Freude, dich immer wieder auftauchen zu sehen und einen, wenn auch kühlen, sachlichen Blick aus deinen dunklen Funkelaugen zu erhaschen. Fast täglich stand ich da, Bekannte fingen schon an, mich mit meinem Standpunkt zu necken, ich zähle wohl die Autos und Fahrräder oder glaubten gar, ich fange langsam an, zu spinnen...

Und gestern? Da sah ich dich wieder, eine lange, lange Zeit, Krieg und Zerstörung unserer lieben Stadt lagen dazwischen! Ein altes Frauchen mit grauen Haaren, mit schwerem und langsamem Gang kam just an „unserer“ Ecke an mir vorüber. Kein Blick traf mich wie früher, kein Zeichen des Wiedererkennens war zu spüren. Was einst strahlte und funkelte, war zu glanz- und teilnahmslosen Augen geworden. Armes Brombeeräugelchen, auch an dir sind die vergangenen Ereignisse nicht spurlos vorübergegangen. Und abends zu Hause? Da stellte ich mich vor den großen Stehspiegel, ganz dicht, alle Lampen an, sah lange und genau hinein. Und das Ergebnis? Auch ich bin alt geworden, mit einem Male merkt man es auch selbst, unwiderruflich.

Eltern, helft unseren Volksschulkinderu!

Ihnen fehlen Schulbücher und Lernmittel aller Art

Schulrat Artur E. Brätu wendet sich in dem nachstehenden Aufruf an die Eltern er j a^stadter olksschüler und bittet sie, alles zu tun, um dem immer größer werdenden Mangel an Schulbüchern und anderen Lernmitteln in den Volksschulen abzuhelfen.

Das in Ausführung des Artikels 59 der Hessischen Verfassung am 16. 2. 1949 von der Landesregierung verkündete Gesetz über Unterrichtsgeld- und Lernmittelfreiheit konnte bis jetzt noch nicht in seiner vollen Tragweite verwirklicht werden. Namhafte Organisationen und Persönlichkeiten der Oeffentlichkeit haben wiederholt in der Presse darauf hingewiesen, daß anstatt der 21 Millionen DM, welche die vollständige Durchführung der Lernmittelfreiheit in diesem Jahr erfordern würde, von der Landesregierung noch nicht einmal 2 Millionen DM in Anschlag gebracht worden sind. Es ist unsere Pflicht als Eltern und Staatsbürger, von Regierung und Landtag die Verwirklichung dieser wichtigen Bestimmung der Hessischen Verfassung zu fordern. Nunmehr handelt es sich aber darum, einen Notstand zu überwinden, der keinen Aufschub duldet.

Drei Monate sind vergangen seit Beginn des neuen Schuljahres und noch immer stehen in zahlreichen Klassen Schülern und Lehrern nicht diejenigen Lernmittel zur Verfügung, deren An- Schaffung ein Ausschuß der Darmstädter Lehrerschaft schon vor Ostern empfohlen hatte. Gerade das Schulbuch, von der Lesefibel angefangen, ist angesichts unserer überfüllten Klassenräume das bedeutendste Lern- und Arbeitsmittel für unsere Kinder.

Wir erlauben uns daher im Interesse unserer Darmstädter Volksschule und ihren neuntausend Schülern und Schülerinnen, die Eltern und Erziehungsberechtigten auf den § 2 des Gesetzes zur Durchführung der Lernmittelfreiheit vom 12. 7. 1949 hinzuweisen, der in seinem Absatz 2 sagt:

„Die Lernmittelfreiheit schließt nicht aus, daß die Lernmittel von den Schülern oder von denjenigen, die für sie unterhaltspflichtig sind oder für ihre Person zu sorgen haben, auf eigene Kosten erworben werden.“

Die Bücher, welche die Eltern ihren Kindern beschaffen, bleiben selbstverständlich deren Eigentum, während die vom Schulträger zur Benutzung ausgegebenen Lehrmittel nach Abschluß des Schuljahres zurückzugeben sind.

Angesichts der ernsten Lage, die durch den Mangel an öffentlichen Mitteln entstanden ist, bitten wir alle Eltern und Erziehungsberechtigten, aus eigenen Mitteln, soweit möglich, die erforderlichen Lehrmittel zu beschaffen. Die Klassenlehrer und Schulleiter sind bereit, jederzeit Auskunft über die genaue Bezeichnung der Bücher zu geben. Wir regen ferner an, daß die Elternversammlungen der einzelnen Schulklassen versuchen, durch Spenden der materiell bessergestellten Eltern auch die Anschaffung von Lernmitteln für bedürftige Kinder zu ermöglichen.

Alle in den Darmstädter Volksschulen eingeführten Schulbücher sind bei den Verlagen vorrätig und können in jeder Buchhandlung bestellt werden.

Im Interesse unserer Kinder und der Verpflichtung für die Zukunft unseres Volkes bitten wir alle Eltern aufs herzlichste, die Schulbehörde in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe für den Neubau unserer Darmstädter Schule zu unterstützen.

Mit dem Lastzug

die Böschung hinunter

Gestern morgen gegen 7.30 Uhr rollte ein auf der Autobahn in der Gemarkung von Viernheim fahrender Lastzug die Straßenböschung hinunter. Der Fahrer gab an, durch die Straßennässe auf die Böschung geraten zu sein. Es entstand nur Sachschaden.

Bessunger Kirchweih

Entgegen anderslautender Gerüchte findet die traditionelle Bessunger Kirchweih auch in diesem Jahr am dritten Sonntag im September — das heißt vom 16. bis 18. September 1950 — statt.

Meister Kiefer feiert goldene Hochzeit

Heute feiern Friseurmeister Philipp Kiefer und seine Frau Berta geb. Hudel-' maier, zur Zeit wohnhaft in Alzey, ihre goldene Hochzeit. Friseurmeister Kiefer kam im Jahre 1900 nach Darmstadt und eröffnete im Hause Mathildenplatz 5 sein Friseurgeschäft. Von 1917 bis 1933 war er Obermeister der hiesigen Friseurinnung. Im Jahre 1919 wurde er Vorsitzender des Landesverbandes der Friseure für Hessen und Nassau, 1924 Vorsitzender des Süddeutschen Bezirksverbandes der Friseure für Hessen, Württemberg und Baden, und im gleichen Jahre in den Vorstand des Bundes deutscher Friseure berufen. Diese Aemter hatte er bis zum Jahre 1933 inne. Im Jahre 1944 wurde sein Haus völlig zerstört. Herr Kiefer ist heute 77 Jahre, seine Ehefrau 73 Jahre alt. Beide sind noch sehr rüstig und warten auf den Tag, an dem sie wieder in ihr Haus, in dem sich die Bäckerei ihres Neffen Georg Herrmann befindet, zurückkommen können.

Auf neuer Wellenlänge

Die UKW-Sender Feldberg und Kassel, die bisher auf den Wellenlängen 95,7 MHz bzw. 89,3 MHz betrieben wurden, werden vom 28. Juli, 5.30 Uhr, auf den neuen Frequenzen 92,9 MHz (Feldberg) und 90,1 MHz (Kassel) senden. Der Betrieb des UKW-Senders Frankfurt auf dem Heiligenstock wurde eingestellt, da der große Ausstrahlungsbereich des UKW-Senders Feldberg seine Weiterverwendung überflüssig macht.

Achtung, Stopstraße!

in Eberstadt, kurz vor der Endhaltestelle der Linie Sieben befindet sich jenes Straßendreieck, an dem so mancher von Darmstadt kommende Fahrer seinen Wagen vor dem Kriegerdenkmal anhält, um festzustellen, welche Straße eigentlich nach Heidelberg führt.

Kommt aber ein Fahrzeug aus Bikkenbach, um in Richtung Darmstadt zu fahren, dann muß es an der Kreuzung halten, weil dort ein Stopschild steht. Leider hat die Polizeibehörde zu sehr gespart, denn das rotblaue Dreieck ist wirklich etwas klein geraten und kann leicht übersehen werden. Fast 50 Prozent aller Fahrer, vornehmlich die von Fernlastzügen, übersehen es. Das kann zu schweren Verkehrsunfällen führen, zumal der aus der Kurve kommende Gegenverkehr nicht weit genug eingesehen werden kann. Vielleicht wäre es angebracht, im Interesse der allgemeinen Verkehrssicherheit in weit sichtbares Normalstopschild mit Katzenaugen anzubringen. “h"

Lohnbescheinigung für Körperbeschädigte

Wie die Landesversicherungsanstalt Hessen mitteilt, brauchen die mit den Lebensbescheinigungen zusammen von den KB-Abteilungen ausgegebenen Erklärungen über die Vermögens- und Einkommensverhältnisse von den Beschädigten nur dann ausgefüllt zu werden, wenn sie eine höhere, als die Mindestrente beziehen. In allen anderen Fällen genügt die durch die Unterschrift des Empfängers bekräftigte Angabe: „Bezieht Mindestrente“.

„Musik in Deutschland“

Leitwort der Fremdenverkehrswerbung

Eine besondere Aufgabe erwächst dem Verkehrs verein für das Jahr 1951. Im kommenden Jahr steht die gesamte deutsche Fremdenverkehrswerbung unter dem Leitwort „Musik in Deutschland“. Die International Society for Contemporary Music hat auf ihrer diesjährigen Tagung beschlossen, das Internationale Musikfest m Deutschland stattfinden zu lassen. Mit der Durchführung sind der Hessische Rundfunk, Frankfurt-Main, das Kr a - nichsteiner Musikinstitut, Darmstadt und das Wiesbadenei Theater betraut. Diese Entscheidung is eine hohe Anerkennung für die vom Kranichsteiner Musikinstitut und der Stadt Darmstadt geförderte Pflege der neuen Musik. Sie bietet eine einmalige Gelegenheit, Darmstadt in der Weltpresse genannt zu sehen. Es liegt an Darmsta , sie durch eine wirksame Sonderwerbung geschickt auszunutzen!

Verbindungsstraße in Eberstadt

Die Pläne für die Verbindungsstraße zwischen Wilhelm-Leuschner- und Hugeistraße mit einem Übergang über die dau lagen 14 Tage auf dem " amt in Darmstadt zur Einsichtnahme fu die Bevölkerung offen- Gegen die -Plan hat nur ein Gastwirtin,der Muhltalstoße Einspruch erhoben. Mit der Umlegung soll noch in diesem Jahr begonnen wer-

Um die alte Linde vor dem Rathaus wird eine achteckige Bank angelegt.

Autohof wird Wirklichkeit

Von Stadtrat Direktor Fritz Dreiheller

In meinem Aufsatz „Eine Straßenkreuzung macht Sorgen“ hatte ich auch die Frage eines Autohofes in unmittelbarer Nähe der Autobahneinfahrt gestreift. Erfreulicherweise wird mir von interessierter Seite mitgeteilt, daß die außerordentlich langwierigen Verhandlungen mit den Behörden usw. wegen eines geeigneten Grundstückes zum Abschluß gekommen sind. In dem Winkel zwischen der Bundesstraße 26 und der Straße Darmstadt—Griesheim konnte dieser Tage mit den ersten Arbeiten zur Anlage eines solchen Autohofes begonnen werden. Es sollen dort errichtet werden:

eine groß angelegte Tankstelle,

ein Gasthof mit Uebernachtungsmöglichkeit,

eine Halle für den Warenumschlag und vor allen Dingen

ein großer, befestigter Hof, auf dem bis zu 100 Lastzüge parken können.

Hierdurch wird erreicht, daß die Lastzüge von den Zufahrtswegen der Autobahnauffahrt wegkommen. In etwa drei Monaten soll die Eröffnung erfolgen. Alle guten Wünsche begleiten das Unternehmen, welches einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen bestrebt ist.

Das neur Café Petermann

Am Samstagmittag öffnet Herr Petermann zum erstenmal für seine Gäste die Tür seiner Konditorei an der Kreuzung der Heinheimer- und Liebfrauenstraße. Damit erhält das Martinsviertel endlich die so lange entbehrte geschmackvolle und anheimelnde Kaffeestube.

Herr Petermann und seine Familie sind keine Neulinge im Kaffeehausfach. Schon im Mai 1914 gründete er am Hochschulplatz das alte Cafe Petermann. Später verlegte er es an die Ecke Wenk- und Pankratiusstraße. In all den Jahren seines Bestehens hatte dieses beliebte Cafe seine zahlreichen treuen Gäste. Die Bomben auf Darmstadt verschonten auch Petermanns nicht. Sie mußten nach dem Kriege wieder von vorn anfangen. In gemeinsamer Arbeit wurde im Jahre 1947 erst mal eine primitive Holzbude an der Barkhausstraße in Betrieb genommen. Das genügte natürlich nicht lange und mit eiserner Energie ging es an den Ausbau des heute eröffneten Cafes. Gediegene Arbeit in der Innendekoration leistete die Firma H. Eichenauer, die geschmackvollen Lampen lieferte die Firma Knauff in der Dieburger Straße und die praktischen Bäckereieinrichtungen wurden von der Firma Rossel geliefert. All diese Mühe und Sorgfältigkeit ergaben ein Cafe, das bald seine Freunde haben wirdt. agt.

An der Wiege der Dauerlutscher

Ein Blick in die Bonbongläser der Griesheimer Pasquay-Werke

Wohl keiner von uns ist schon so alt, als daß er sich seiner Kindheit nicht mehr erinnert, in der versprochene Bonbons ihn zur höchsten Leistungssteigerung und Artigkeit anspornten. Wenn es galt, sein monatliches Taschengelt in Höhe von fünfzig Pfennig sinnvoll anzulegen, dann stand man stundenlang vor Erfrischungsbuden und wägte die Schmackhaftigkeit der verschiedenen Bonbonsorten gegeneinander ab. Sie gab es in allen Formen und Farben, sie schmeckten nach Pfefferminz und Zitrone, nach Himbeeren und Ananas, es gab überhaupt kaum eine Sorte, die man nicht kaufen konnte. Es blieb immer ein unerfüllbarer Wunsch, einmal nur an der Quelle all dieser Herrlichkeiten einen tiefen Griff in die Bonbongläser tun zu dürfen, von den vielen bunten Arten jeweils nur ein einziges probieren zu dürfen.

Wenn man älter wird, hat man Gelegenheit, die Herstellung von Bonbons zu besichtigen, aber das Naschen ist geblieben und auch der verdorbene Magen. Das gleiche ist auch von den Arbeiterinnen und Arbeitern der Griesheimer Pasquay-Werke zu befürchten, die tagtäglich damit beschäftigt sind, tonnenweise den Zucker in schillernde Bonbons und farbenfrohe Dragees umzuwandeln.

Da kommt der Zucker aus dicken Säkken in die Auflösekessel und wird mit Wasser und Sirup versetzt. Die Zukkerpumpe preßt die Masse anschließend in die Vakuumkochmaschine, die Feuchtigkeit wird entfernt und die Bonbonmasse wandert auf den Kühltisch. Jetzt beginnt das eigentliche Mischen. Aromazusätze, wie Himbeer-, Erdbeer-, Orange- und Waldmeistergeschmack, ungiftige Nahrungsmittelfarben und notfalls weitere Säurezusätze werden hinzugefügt. Wenn dann alles die geforderte Farbe und den Geschmack hat, wird die Masse in einer kunstvollen Maschine zu einem konischen Strang gedreht, der nach vornen immer dünner wird. Das dünne Ende läuft dann in die Walzmaschine, aus der die gepreßten Bonbons auf ein schmales Förderband fallen, und die durch Zufuhr von Luft gekühlt werden. Die letzte Etappe ist der Mischtisch, auf dem das süße Produkt endgültig das Licht der Welt erblickt.

Bei gefüllten Boonbons ist der Herstellungsprozeß ähnlich, nur kommt zu Anfang die Karamelmasse vom Kühltisch auf den Wärmetisch, wird mit der Füllung versehen und in der Plastikmaschine zu Kissen, Nüssen und ähnlichem geformt. Eine ganz andere Herstellungsart erfordert die Drageeware, z. B. die wohlschmeckenden Likörbohnen. Mit Hilfe von besonderen Gipsformen werden in Maispuder die Profile gedrückt, das Ganze mit einer Zuckermasse ausgegossen damit sie geleeförmig bleibt. In rotierenden Drageekesseln werden sie zum Schluß mit Zucker bestäubt und zum Versand fertiggemacht Andere Bonbons werden in einer sinnreichen Wickelmaschine mit der Verpackung versehen.

Das Lager ist ein wahres Kinderparadies. Da stehen Hunderte von verschlossenen Bonbongläsern, schlanke Blechdosen und dicke Cellophanbeutel mit über hundert Sorten Süßigkeiten. Es riecht nach Pfefferminz und Orange, nach sommerlicher Erfrischung und Kindheitserinnerungen. Die Drageeware wird in bunten Pappschachteln aufgehoben, da sie, im Gegensatz zu den Bonbons, Luft haben muß. Ein eigener Fuhrpark beliefert das ganze Bundesgebiet von Griesheim aus mit den Markenerzeugnissen der Pasquay-Werke. Viele Tonnen Zukker müssen jeden Tag verarbeitet werden, und manche Hausfrau würde blaß vor Neid werden, wenn sie die Stapel gefüllter Zuckersäcke sehen könnte. Aber auch für das Werk bereitet es augenblicklich Schwierigkeiten, von den Zukkerfabriken die erforderliche Menge Rohstoff zu erhalten, die notwendig ist, Hunderttausende von Kinderherzen jeden Alters beim Anblick all der vielen farbenfrohen Süßigkeiten höher schlagen zu lassen. -st

In der Stadt notiert

Eine eigene Verkaufsetage erhält in die¬ sen Tagen die alte Firma W. u. P. -Damenmenmoden im Hause Stegmüller am Marktplatz. Gerade in diesem Haus, in das die Firma Stegmüller durch ihre Ausbombung hinter dem Schloß nach dem Krieg einzog, wurde W. u. P. bei der Damenwelt bekannt. Die offizielle Eröffnung, die mit dem Beginn der Wmtersaison eine ausgewählte Modenschau bringen soll, wird voraussichtlich im September oder Oktober stattfinden. DT

Eine Besichtigungsfahrt zu ihrem Müttergenesungsheim „Haus Waldfriede“ in Kronberg im Taunus unternimmt am Sonntag, dem 30. Juli, die Arbeiter-Wohlfahrt Darmstadt mit ihren Helfern und Mitarbeitern. Abfahrt mit Heag-Omnibussen Sonntag vormittag 9 Uhr am Heaghaus, Luisenstraße. DT

Ueber Probleme der Berufsausbildung der Versicherungsangestellten sprach ge¬ stern nachmittag im Bräustübl vor etwa 70 Mitgliedern des Vereins für Versicherungswissenschaft und -Praxis Universitätsprofessor Dr. Grosse, Köln. In seinen umfassenden Ausführungen legte der Referent die große Lücke zwischen der Hochschulausbildung höherer Versicherungsangestellter einerseits und der gewöhnlichen Berufsschulausbildung der unteren Angestelltengruppen andererseits dar. Zu deren Ueberbrückung habe man in Köln eine Höhere Fachschule für das Versicherungswesen geschaffen, die jedem intelligenten und strebsamen Versicherungsangestellten zur Förderung seines Wissens und der damit verbundenen Aufstiegsmöglichkeit offen stehe. Dr. Bentfeldt, 1. Vorsitzender der Darmstädter Zweigstelle des Vereins, kündigte anschließend Winterkurse zur Fortbildung im Versicherungswesen in Darmstadt an.

Blindenhunde gehen in die Schule

Im starken Vormittagsverkehr trafen wir auf der Rheinstraße drei Schäferhunde der Blindenhundeschule in Seeheim mit ihren Lehrern und ihren zukünftigen Besitzern. Die Hunde, die eine acht- bis zehnwöchige Lehrzeit hinter sich hatten, sollten sich nun auch an den wirklichen Straßenverkehr gewöhnen. „Senta“ schaute aufmerksam nach links und rechts, bevor sie ihren späteren Herm, den Kriegsblinden Gri eße r aus Bad Ems, über die Straße leitete. Herr Eisinger von der Blindenhundeschule überwachte die Hebungen und half durch Zuruf nach, wenn es mal noch nicht so klappen wollte. Die Seeheimer Blindenhundeschule hat sich, nachdem sie vor einigen Monaten in einer schweren Krise stand, wieder gefangen. Fünfzehn Hunde befinden sich augenblicklich in der Ausbildung. agt



Ein Bauprosekt von weittragender Bedentung

Erweiterungsbauten der Technischen Hochschule auf dem Altstadt-Gelände

In einer internen Besprechung, bei der unter anderen Regierungsdirektor Ahl, Ober-Regierungsbaurat Hotz, Ober-Regierungsbaurat von der Leyen, Stadtbaudirektor Prof. Grund und Baudirektor Miller von der Technischen Hochschule zugegen waren, wurde gestern über das Problem des Aufbaus des Altstadtgeländes verhandelt. Der Senat der Technischen Hochschule hatte vor einiger Zeit den Antrag gestellt, daß auf diesem Gelände die in Aussicht genommenen Erweiterungsbauten für die Technische Hochschule errichtet würden. Dieser Vorschlag fand bei den maßgeblichen Stellen um so mehr Entgegenkommen, als die ursprüngliche Planung einer Gesamtverlegung der Technischen Hochschule auf die Lichtwiese an die Nieder-Ramstädter Straße nach Vorschlag von Baudirektor Rimpel an den Kosten scheitern mußte. Auch der zweite Vorschlag, auf der Lichtwiese die Institutsneubauten zu errichten, bereitet durch die räumliche Trennung der Neubauten von den Gebäuden am Herrengarten große Schwierigkeiten.

Der beprochene Plan, die Erweiterungsbauten auf dem Altstadtgelände aufzuführen. ist vorerst von dem Entscheid des Landtags abhängig, der über den Ausbau der Hochschule und die dazu verfügbaren Mittel zu entscheiden hat. Von diesen Geldmitteln wird weitgehend der Umfang der Neubauten und die Größe der von ihnen beanspruchten Fläche zwischen Alexanderstraße und Landgraf-Georg-Straße abhängen.

Um die Verwirklichung dieser Planung und die Grundstücksumlegung beim Wiederaufbau dieses Stadtteils zu erleichtern. bemüht sich die Stadt in letzter Zeit, alle im Altstadtgebiet zur Veräußerung angebotenen Grundstücke käuflich oder im Tausch zu erwerben. Diese vorausschauende Maßnahme wird wesentlich die Möglichkeit vergrößern, nach modernsten Gesichtspunkten auf dem restlichen Altstadtgebiet Wohn- und Geschäftshäuser zu errichten und Straßen anzulegen.

Die Bedeutung dieses Erweiterungsprojektes der Technischen Hochschule für Darmstadt ist unverkennbar. Darmstadt wird durch seine Verwirklichung in seiner Bedeutung als Hochschulstadt wachsen. Die an sich bedauerliche Zerstörung der Altstadt gibt Darmstadt wie keiner anderen Stadt die Möglichkeit, im Anschluß an die bereits vorhandenen Gebäude eine wesentliche Vergrößerung seiner Hochschule unter günstigen Bedingungen in Angriff zu nehmen. Aufgabe der Stadt wird es hierbei sein, die durch Bomben geschädigten Eigentümer der Altstadtgrundstücke in einwandfreier Form abzufinden. DT

Neue Fenster

für die St. Josephskirche in Eberstadt

Die im Krieg an der St. Josephskirche durch Bomben entstandenen Schäden sollen nach und nach behoben werden. Architekt Dipl.-Ing. Craemer wurde mit der Planung der Ausbesserungen und Neuerungen beauftragt.

Während im letzten Jahr drei von ihm entworfene neue Fenster in die behelfsmäßig mit Brettern verschlossenen Fensteröffnungen des Nordchores der Kirche eingesetzt worden waren, können nun in den nächsten Wochen die Lücken der Seitenschiffe ausgefüllt werden. Zur Zeit arbeiten Schlosser, Maurer und Glaser Felmer aus Darmstadt an ihrer Fertigstellung. Wie die Chorfenster werden sie durch rechteckige Eisenrahmen gegliedert und mit einem feinmaßstäblichen Gitternetz von Bleisprossen versehen. Während aber die Fenster des Chores wegen der Nordlage aus hell getönten, leicht strukturierten Antikglasscheiben angefertigt worden waren, um den Chor lichter zu gestalten, werden die Fenster der Seitenschiffe wegen der Möglichkeit des Blendens gedämpfter gehalten. Außerdem wird hierdurch vermieden, daß der Kirchenraum zu farbig wird.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: Union: „Maharadscha wider Willen“; Thalia: „Der Herr Kanzleirat“; Belida: „Zigeunerprinzessin“: Palast: „Alarm in San Juano!“; Hansa: „Wiener Mädeln“; Scala-Eberstadt: „Ihr erster Mann“.

Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler; Holzhofallee: Ausstellung zum Ströher-Preis; Mathilden¬ höhe: Das Menschenbild in unserer Zeit;

Amerikahaus: fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellung Gustav Wolf und Hoffmann - Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika; d’Hooge, Mathildenplatz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.

Amerikahaus: 20 Uhr, Vortrag Dr. Hans S. Reiß (Irland): „Die geistige Krise in der englischen und deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts“.

Pauluskirche: 19.30 Uhr, Musikalische Gedenkstunde für Bach.

Starkenburg

aber die Fenerwehr muß besteh'n

Reinheimer Gemeinderat beschließt erweiterten Kanalisations- und Straßenbau

Die Reinheimer Feuerwehr wird sicherlich bei der nächsten Gelegenheit einen bedeutsamen „Streifen“ aus ihrer Kalebasse auf das besondere Wohl des Gemeinderates trinken: er hat in seiner Sitzung am Mittwoch ohne große Debatte einen runden Tausender für 200 Meter neuer Schläuche geopfert. Hierbei ging er sogar über den im Haushalt vorgesehenen Betrag um 200 Mark hinaus. Je zur Hälfte in B- und C- Leitung soll die Neuanschaffung aufgeteilt werden, und weil die Wasserverhältnisse in Reinheim gut sind, so führte Brandmeister Daum erläuternd zu seinem Antrag aus, braucht der Gemeinde dann nicht mehr bange zu sein um die Schlagkraft der Wehr, die zudem aus eigenen Mitteln bereits Anschaffungen für 1200 DM gemacht hat. Zum Schlüße bat der Wehrführer noch, daß sich die Stadtväter bei der nächsten Übung etwas zahlreicher sehen lassen möchten, damit ihr bei der Genehmigung der Schlauchdukaten gezeigtes Interesse auch nach außen hin deutlich sichtbar werde.

Bei dem Antrag des Amtsgerichts, das ebenfalls neue Schläuche für den Feuerschutz in seinem Pachthaus braucht, soll zuerst noch die Frage geklärt werden, wer hierfür anschaffungsverpflichtet ist, — die Gemeinde als Hausherr oder die Justiz als Pächter. In jedem Falle soll letztere die Anschaffungsßosten mit tragen helfen. Im übrigen wird man sich wahrscheinlich zur Anschaffung von Trockenlöschern entschließen, die neuzeitlicher sind und die die Feuerwehr selbst benötigt. (Im Dutzend ist dann so etwas womöglich billiger.)

Genau 3300 deutsche Mark möchte das Straßenbauamt für die Angleichung der Feldwegeinmündungen in die neu her-Reinheim aber macht das billiger; die gerichtete Straße Reinheim—Hahn haben. Stadt will diese Arbeiten in eigener Durchlaß und 175 DM für „Unvorherge¬ -225 DM als Kostenanteil an einem neuen Regie durchführen. Dann wurden da noch sehenes und Aufrundung“ angefordert. Darüber ist jedoch das letzte Wort noch nicht gesprochen ...

Ueber einen Antrag von privater Seite, den gemeindeeigenen Häuserblock im Teichweg anzukaufen, wird ebenfalls später, gegebenenfalls unter Angebot des Vorkaufsrechts an die derzeitigen Mieter, entschieden, da über den Verkauf städtischen Eigentums eine grundsätzliche Entscheidung herbeigeführt werden soll. Gleichfalls zurückgestellt wurde der Antrag auf käufliche Überlassung eines Pachtgartens am Kirchberg. Dem Antrag eines nach Reinheim versetzten Eisenbahnbediensteten auf Überlassung eines Bauplatzes wurde zugestimmt.

Um nicht halbe, und damit zum Teil unnötige Kosten zu verursachen, sollen in dem neuen Wohnviertel an der Waldstraße Straßen- und Kanalbauarbeiten in einem Zuge als Notstandsarbeiten aus Mitteln des außerordentlichen Haushalts in Angriff genommen werden. Die im Frühjahr bei der Wiesenbegehung festgestellten Verwachsungen und Versandungen zahlreicher Entwässerungsgräben werden in einzelnen Abschnitten bis März nächsten Jahres beseitigt. RG

„Bolezeidiener Strubbes ...“

un die Besemgrait“ nannte sich eine lustige Dorfgeschichte aus dem Odenwald, die am Mittwochabend in der Erbacher Festhalle anläßlich des Eulbacher Marktes von der Spielgruppe des Gesangvereins Lauerbach aufgeführt wurde. Das Lustspiel wird am Donnerstag, dem 3. August, 20.00 Uhr, in der Festhalle wiederholt. -ch-

Bachfeier in Habitzheim?

Es wäre an und für sich nicht ausgeschlossen, denn wir leben ja im Erinnerungsjahr Johann Sebastian Bachs. Wer aber sollte diese Feier in Habitzheim gestalten? Etwa die Kräfte des Kirchenchores, denen man djeses Vorhaben schon zutrauen könnte? ...

Als wir es hörten, wuchs selbstverständlich unser Interesse. Bachfeiern in der Stadt mit Berufschören, ständigen Orchestern und bezahlten Solisten sind ja schließlich schon keine Besonderheit mehr. Eine Bachfeier auf dem Lande — und zudem in Habitzheim — erregte jedoch unsere besondere Aufmerksamkeit.

Und schließlich erfuhren wir Näheres. Allerdings nichts über das Programm, wohl aber über den Termin, für den Sonntag, der 27. August, vorgesehen ist. Ganz groß, sagte man uns, soll die Feier werden. Heißt das nun künstlerisch wertvoll, — oder breit im Umfang? Und die mitwirkenden Kräfte? — „Natürlich die Freiwillige Feuerwehr!“ ...

Wieso „Natürlich!“? — Wir waren einen Augenblick leicht erschüttert von solch musikalischer Begabung. (Nichts gegen die Feuerwehr, meine Herren!) Aber wie soll sich denn dies alles vertragen ... etwa in der Kombination: Spritze, Wasser, Hydrant, Bach ... ?

Ehe wir jedoch zu einem Ergebnis kamen, erfuhren wir noch mehr. Daß nämlich die Gemeinde Habitzheim eine gründliche Bach-Regulierung mit Einbau einer Löschsenke vornehmen ließ, daß die Beendigung dieser so wichtigen Arbeit am 27. August als ~B ach-F eie r“ gebührend begangen werden soll — allerdings hatte man „B äch-F eie r“ gesagt, — und da lag der feine Odenwälder Lautunterschied, den man nicht überhören sollte! (-ha-)

Straßen-Instandsetzungen in Roßdorf

Gemeinderat debattiert über die Bauplätze am Bessunger Forsthaus

In seiner Mittwochsitzung beriet der Roßdörfer Gemeinderat neben den Instandsetzungsarbeiten zweier Ortsstraßen die Baugesuche zweier Ortseinwohner und die Vergebung der Dachdeckerarbeiten für das Gemeinde-Siedlungshaus „Am steinigen Berg“. Zu letzterem wurde einstimmig beschlossen, die Arbeiten an Georg Menzer, Roßdorf, zu vergeben, wobei deren Ausführung, gegenüber einem früheren Kostenvoranschlag von 8 DM pro qm Tonziegel, auf 6,50 DM pro qm zu stehen kommt. —

In Verbindung mit der Instandsetzung der Bundesstraße 26 von Roßdorf nach Dieburg durch das Straßenbauamt Darmstadt wurde der Vorschlag einer angemessenen fianziellen Beteiligung der Gemeinde für den im Ortsteil liegenden Straßenzug bis zur Eisenbahnbrücke einstimmig angenommen. Die Bundesstraße soll mit einer 5 cm dicken Asphaltdecke versehen werden, wobei die Kosten für die neue Floßrinne durch die Gemeinde getragen werden. Gleichzeitig ist eine Neusetzung von Bordsteinen und die Instandsetzung des beiderseitigen Fußsteiges geplant. Die Arbeiten, die bereits durch das Straßenbauamt ausgeschrieben sind, sollen in Kürze in Angriff gnommen werden.

Für die Vergebung der Pflasterer- und Chaussierungsarbeiten im Traisaer Weg reichten 6 Unternehmer Angebote ein. Der Auftrag wurde Jakob Roth, Traisa als Mindestforderndem erteilt. Nach iner Beschlußfassung über Bebauurig des Geländes am Bessunger Forsthaus soll dieses den Bauenden erst nach Einteilung und Vermessung zugeteilt weiden. Die Anträge zweire Bauherrn, wovon einer nach Ueberprüfung durch die Baukommission vorläufig als nicht zweckentsprechend abgelehnt wurde, sollen erst nach Durchführung obiger Maßnahmen berücksichtigt werden. Nur für ernstlich gewillte Bauherrn sollen Geländestücke von ca. 800 qm zugewiesen werden.

Die Festsetzung eines Bauplatzpreises in der Darmstädter Straße löste lebhafte Diskussionen aus. Der von Bürgermeister Roßmann vorgeschlagene Kompromiß von 1,50 DM pro qm fand keine Zustimmung. Durch Mehrheitsbeschluß wurde 1,80 DM festgelegt. Ein Antrag von Dr. Lackner auf Zulassung als praktischer Arzt wurde in nichtöffentlicher Sitzung behandelt. (sl)

Das ging noch gut

Als ein Lastkraftwagen aus Münster in Ober- Roden in die Darmstädter Straße einbog, wurden zwei junge Männer und ein mitgeführtes schweres Turn-Pferd durch die rasende Fahrt vom Deck des Wagens geschleudert. Während nur geringer Sachschaden entstand, trugen die Jugendlichen starkblutende Wunden davon. (gi)

Neues Kino in Heppenheim

Im Saalbau Kärchner wird heute unter der Direktion von Herrn Ba n - nicke ein neues Lichtspieltheater eröffnet, das den Namen „S aalb au - Lichtspiele“ erhält. In der Eröffnungsvorstellung wird der Film „Nachtwache“ gezeigt. (HB)

Der Festgottesdienst anläßlich der 750- Jahrfeier Niedcr-Ramstadts findet nicht, wie wir bereits berichteten, am 6. August, sondern bereits am 30. Juli statt.

Haftbefehl gegen Denzer aufgehoben

Im zweiten Strafprozeß ein Jahr und acht Monate Zuchthaus

In einem zweiten Prozeß hatte sich gestern erneut der vierundvierzigjährige ehemalige Landrat des Kreises Groß-Gerau, Polizeidezernent im Kreis Heppenheim, Chef des Sicherheitsdienstes im Gebiet Bergstraße und Groß-Gerau und NS-Gauhauptstellenleiter Hans Denzer vor der Ersten Strafkammer des Landgerichtes Darmstadt zu verantworten.

Bereits am 28. Mai vergangenen Jahres war der Angeklagte im Zusammenhang mit den Judenausschreitungen im November 1938 in Heppenheim wegen schweren Landfriedensbruches in Tateinheit mit Nötigung und Freiheitsberaubung zu zwei Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Eine Lagerspruchkammer hatte vorher gegen ihn als Hauptschuldigen zehn Jahre Arbeitslager verhängt. Dieser Spruch ist noch nicht rechtskräftig.

Gegen das erste Strafkammerurteil hatte sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Revision eingelegt. Im Dezember 1949 bestätigte das Oberlandesgericht den Schuldspruch des Gerichts, ordnete aber wegen der Strafhöhe eine nochmalige Hauptverhandlung an.

Denzer erschien gestern in Begleitung von zwei Anwälten. In der Beweisaufnahme befaßte man sich allein mit der Frage, ob dem Angeklagten mildernde Umstände zuerkannt, die erlittene Haftzeit angerechnet und die Strafhöhe herabgesetzt werden kann. Wegen dem neu hinzugekomimenen Tatbestandder Rädelsführerschaft beantragte der Staatsanwalt die Erhöhung der Strafe auf zwei Jahre und drei Monate Zuchthaus, zwei Jahre Ehrverlust, Anrechnung der gerichtlichen Untersuchungshaft und Nichtanrechnung der Internierungslagerhaft.

Die Verteidigung wandte sich scharf gegen die angebliche Spruchkammer rede des Staatsanwaltes und wies darauf hin, daß das Gericht niemals nach politischen Grundsätzen urteilen dürfe. Denzer, so betonte man, sei zwar ein überzeugter Nazi gewesen und heute sogar stolz darauf. Er sei ein Mann von brutaler Offenheit, was ihm viele Gegner einbringe. Die Verteidigung plädierte auf eine Gefängnisstrafe, die durch die bisherige Haft verbüßt sein solle und Aufhebung des Haftbefehls.

Denzer selbst, der die Judenpogrome als „widerliche Schweinerei“ und „Blödsinn Goebbels“ bezeichnet haben will, erklärte, er bitte nicht um ein mildes Urteil, halte ein solches aber im Interesse seiner Familie für angebracht.

Am späten Abend kam die Strafkammer zu folgendem Urteil: Ein Jahr und acht Monate Zuchthaus, Aberkennung der Ehrenrechte für zwei Jahre, Anrechnung der Untersuchungs- und Internierungshaft in Höhe von eineinhalb Jahren. Außerdem beschloß das Gericht, den Haftbefehl gegen Denzer aufzuheben. Straferschwerend berücksichtigte die Kammer, daß der Angeklagte als Polizeirat gefühlsrohe und verwerfliche Taten an den Juden begangen habe, während man umgekehrt seine Unbestraftheit, die schlechte Lage seiner Familie, sein damals junges Alter, den erlittenen automatischen Arrest als NS-Landrat und seine teilweise Judenfreundlichkeit strafmildernd berücksichtigte. wst.

Auch die Kirchen feiern mit

Aus Anlaß der 750-Jahr-Feier der Gemeinde Nieder-Ramstadt teilt uns die ev. Kirchengemeinde mit:

An der Festwoche, die aus Anlaß der 750-Jahr-Feier der Gemeinde Nieder-Ramstadt stattfindet, wird auch die Kirche teilnehmen. Die Geschichte der politischen und kirchlichen Gemeinden ist eng mit einander verbunden. Wo dankbar und mit berechtigtem Stolz ein Ort auf seine Geschichte zurückschaut, da hat auch die Kirche die Aufgabe und das Anliegen, daran zu erinnern, von wo aller Segen kommt, der über ein Gemeinwesen und seine Glieder in der Vergangenheit gekommen ist.

Darum soll die Festwoche mit Festgottesdiensten beginnen, die am Sonntag, dem 30. Juli (nicht, wie kürzlich mitgeteilt, am 6. August) stattfinden und zwar in der evangelischen Kirche um 9.30 Uhr, in der katholischen Kirche um 9,45 Uhr.

Auch in der Ausstellung werden die Kirchen vertreten sein. Alte Kirchenbücher, alte Urkunden, wertvolle kirchliche Gebrauchsgegenstände werden in einem Raum des Schulhauses gezeigt werden.

Die 750-Jahr-Feier fällt in das gleiche Jahr, in dem die Nieder-Ramstädter Anstalten der Inneren Mission ihr 50 jähriges Jubiläum feiern. Darum hat der Landesverband der Inneren Mission, der seit der Ausbombung seiner Geschäftsstelle in Darmstadt hier seinen Sitz hat, eine Schau vorbereitet, die einen eingehenden Einblick gewährt in die gesamte Arbeit der Inneren Mission im ehemaligen Hessen - Darmstadt. Große Karten werden die Gemeinden bezeichnen, in denen evangelische Kindergärten und Gemeindepflegestationen sich befinden. Zahlreiche Bilder werden über die Geschichte und den gegenwärtigen Bestand der Arbeit unterrichten. Wer die Ausstellung besucht, gehe an dem Raum der Kirchen nicht vorüber! W. R.

Ein Lausbubenstreich?

In der Nacht vom 25. auf 26. Juli erprobten einige bis jetzt noch unbekannte „starke Männer“ in Heppenheim ihre überschüssigen Kräfte an einem Kiosk in der Darmstädter Straße. Sie demolierten das Firmen- und Getränkeschild, brachen die Eisfahne ab und beschädigten das Ausschankbrett. Der Schaden beläuft sich auf 60 DM. Es ist noch üngewiß, ob es sich hierbei um einen Einbruchsversuch oder nur um einen schlechten Bubenstreich gehandelt hat. Polizeiliche Ermittlungen sind im Gange. (HB)

Zmei Scheunen brannten ab

Am Mittwochmorgen, gegen 10.20 Uhr, schlugen aus den beiden aneinandergrenzenden Scheunen von Frau Knapp Wwe. und Frau Stumpf in Urberach, Bahnhofstraße 9, die Flammen. Den sofort alarmierten Feuerwehren aus Urberach und Ober-Roden gelang es, den Brand in einer Stunde einzudämmen. Die beiden Scheunen brannten mit den Erntevorräten ab. Die Schadenhöhe wird auf insgesamt 14 000 Mark geschätzt. Die Ursache des Brandes ist noch nicht völlig geklärt; es besteht jedoch die Möglichkeit, daß trokkenes Heu sich an einem elektrischen Stromschluß entzündete. DT

Flotter Ferkelmarkt

Auf dem Groß-Gerauer Ferkelmarkt am 26. Juli 1950 überstieg die Nachfrage das Angebot, so daß die angetriebenen 261 Ferkel in kurzer Zeit verkauft waren. Es kosteten 4 Wochen alte Ferkel 35—40 DM, 5 Wochen alte 40—45 DM, 6 Wochen alte 45—55 DM, 7 Wochen alte und ältere 55—90 DM. Der nächste Ferkelmarkt findet am Mittwoch, dem 9. August 1950, auf dem Marktplatz statt. eng

Kreis-Pferdeschau beim Wiesenmarkt

Trotz Regens starke Beteiligung im Erbacher Schloß

Alljährlich zum Wiesenmarkt veranstaltet der Kreis-Pferdezuchtverein Erbach seine Kreis-Pferdeschau. Das ist bereits zur schönen Tradition geworden, und wie sehr die große Bedeutung derartiger Veranstaltungen in den Kreisen der Pferdezüchter erkannt wird, konnte nichts besser beweisen als die starke Beteiligung an der am Donnerstagvormittag im Erbacher Schloßhof durchgeführten Prämiierung.

Gewöhnlich findet die Schau auf dem Gelände des Wiesenmarktes statt. Die starken Regengüsse am Donnerstagfrüh hätten aber den Sportplatz derartig aufgeweicht, daß sich Alexander Graf zu Erbach-Erbach als Vorsitzender des Kreis-Pferdezuchtvereins entschloß, die Veranstaltung in den Schloßhof zu verlegen.

Die bekanntesten Pferdezüchter des Kreises hatten sich durch den Regen nicht abhalten lassen, mit ihren besten Pferden nach Erbach zu kommen. Es war für die Preisrichter, Landesstallmeister Dr. Frielinghaus, Darmstadt, Rudolf Walter, Reichelsheim (Wetterau), den Präsidenten, und Dr. Uppenborn, Frankfurt a. M., den Geschäftsführer des Landes-Pferdezuchtvereins Hessen, wirklich keine leichte Arbeit, unter den zahlreichen guten Tieren die besten und schönsten in gerechter Reihenfolge herauszufinden. In fast allen vorgestellten Klassen mußten mehrere erste Preise verteilt werden, was allein schon die Gleichwertigkeit und den guten Durchschnitt der Odenwälder Pferdezucht kennzeichnet.

Durchweg konnten die vorgestellten Tiere als „gut bis sehr gut“ bezeichnet werden. Die besonders zahlreichen dreijährigen Stuten, die nunmehr erstmalig in die Zucht eingereiht werden können, verdienten allesamt die Note „sehr gut“. Abgesehen von kleinen Mängeln der Fohlen befriedigte beim Warmblut auch die Klasse dei- Mutterstuten mit in diesem Jahre gefallenen Fohlen.

Bei der Prämiierung, zu der die Stadt Erbach 570 Mark zur Verfügung gestellt hatte, erwiesen sich Bauer Adam Hoffarth, Rehbach, und Georg Kredel, Elsbach, als die erfolgreichsten Züchter. Für sie war der „Regenspaziergang“ am Donnerstagmorgen nach Erbach immerhin recht lohnend.

Die ersten Preise erhielten in den einzelnen Klassen:

Abteilung Warmblut: Klasse I, 2 jährige Stuten: Adam Hoffarth, Rehbach. — Klasse 11, 3jährige Stuten: la Georg Kredel, Elsbach; 1b Graf Alexander zu Erbach-Erbach; lc Philipp Eckstein, Asselbrunn. — Klasse 111, 4—Bjährige Stuten: la Georg Kredel, Elsbach; 1b H. Eckert, Untermossau; lc Adam Hoffarth, Rehbach; ld Georg Siefert, Etzean. — Klasse IV, Stuten mit in diesem Jahre gefallenen Fohlen: la Ludwig Schwöbel, Elsbach; 1b Hermann Bräunig, Bad König; lc Adam Hoffarth, Rehbach.

Abteilung B^altblut: Klasse 11, 3jährige Stuten: Karl Walter, Erbach. — Klasse 111, 4—Bjährige Stuten: la Wilhelm Schwöbel, Hüttenthai; lb Wilhelm Scior, Untermossau. — Klasse IV, Stuten mit Fohlen: Wilhelm Scior, Untermossau. -ch-

Ferienkinder im Opelwerk

Die älteren der Kieler und Berliner Kinder, die zur Zeit im Waldzeltlager des Kreises Groß-Gerau in Quartier liegen, konnten auf Kreiskosten eine Omnibusfahrt nach Rüsselsheim unternehmen, um die Opelwerke zu besichtigen. Anderthalb Stunden war ihr Interesse von dem Geschehen in den riesigen Stätten der Arbeit in Anspruch genommen, nachdem sie ein einführender Vortrag über die Entwicklung der Weltfirma unterrichtet hatte. Die Fahrt, die unter der Leitung von Inspektor Hoffmann stand, war gewissermaßen der Abschied dieser Kindergruppe: in der nächsten Nacht fuhren die Kieler wieder in ihre Heimat, die Berliner verlassen Montag, kommender Woche das Lager. Ihre Plätze nehmen ab Dienstag, dem 1. August, 100 Kinder aus der Gegend von Neumünster ein.

Im Austausch beziehen 100 Kinder aus dem Kreis Groß-Gerau mit Beginn der neuen Woche auf 14 Tage das Lager „Heidkate“, in dem sie am Schönberger Strand nahe Laboe Ostseeluft atmen können. Am 5. August wird dann der fünfte und wahrscheinlich letzte Austauschtransport für diese Sommerferien auf die Reise nach dem Norden geschickt.

Meldungen aus den Landkreisen

Darmstadt-Laund

Ober-Ramstadt. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft läßt im hiesigen Schwimmbad von zwei LehrScheininhabem dienstags und freitags — jeweils um 18.00 Uhr beginnend — Lehrgänge durchführen. — Die Sängervereinigung 1871 in der SKG und in der Ortsgruppe des Schäferhundezuchtvereins führen am Sonntag einen Vereinsausflug durch. Während die Sänger die Weinstadt Oppenheim besuchen, begeben sich die Hundefreunde an den Neckar. (-D-)

Ober-Modau. 70 cbm Wasser ergeben die fünf Quellen, die jetzt im Wiesengelände gegen Ernsthofen gefaßt werden. Um das anfallende Wasser dem Sammelbehälter zuführen zu können, soll eine Pumpstation errichtet werden. (-D-)

Seeheim. Die Anlieferungsstelle der Obst- und Gemüseverwertungsgenossenschaft nimmt Obst vormittags von 7 bis 8 Uhr und abends von 18 bis 20 Uhr an. Das Obst muß baumreif sein. — Der Turnverein 93 hält heute abend 20.30 Uhr bei Georg Hill eine Versammlung ab.

Dieburg

Habitzheim. Der Heimatbund veranstaltet am 30. Juli eine Omnibusfahrt an den Rhein durch den Taunus. (gi)

Heubach. Ein Kreis Theaterfreudiger hat sich zusammengeschlossen, der monatlich zweimal mit dem Omnibus das Landestheater in Darmstadt besuchen will. Die Organisation hat Lehrer Wasserheß übernomemn. (hm)

Reinheim. Die Ortsgruppe des Odenwaldklubs hält am Samstag, den 29. Juli, abends 8.30 Uhr. im Klublokal Stahl einen Klubabend ab. Besprechung der nächsten Tageswanderung, Ehrung "dreier Mitglieder und Rundholzbeschaffung für die Klubhütte sind die wesentlichsten Themen, die an diesem Abend behandelt werden sollen. ah

Erbach

Nieder-Kainsbach. Der Fluchtlinienplan der Gemeinde, der vom Kreistag genehmigt wurde, liegt bis einschließlich 12. August in der Bürgermeisterei zur Einsichtnahme aus. m.

Neustadt. Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 verabschiedet. (hm)

Bergstraße

Heppenheim. Der Kreisjugendpfleger hat auf Einladung an der internationalen Jugendwoche vom 16. bis 24. Juli, zu der Vertreter von 18 Nationen erschienen waren, in Köln teilgenommen. In Anschluß daran besuchte er noch den Allgemeinen Deutschen Sportkongreß, der vom 21. bis 23. Juli stattfand. HB.

Siedelsbrunn. Durch Blitzschlag in das hiesige Wasserreservoir ist die Wasserversorgung der Gemeinde seit einigen Tagen unterbrochen. Die Reparaturarbeiten sollen bis zum Wochenende behoben sein. _r

Birkenau. Eine seit 16. Juli vermißte I4jahnge Schülerin aus Viernheim wurde jetzt in der Gemeinde aufgegriffen und in das Elternhaus zurückgebracht, das sie aus Furcht vor einer zu erwartenden Strafe mit unbekanntem Ziel verlassen hatte. -r.

Rodau. Dem Bauern Vierheller wurde von einem seiner Arbeiter ein Fahrrad gestohlen. Der Dieb, G. Z., ist flüchtig. gi.

Groß-Geran

Groß-Gerau. Der Kreistag des Kreises Groß-Gerau wird am 15. August 1950 in Gernsheim zusammentreten. au

Klein-Gerau: Bei Feldarbeiten fn der Gemarkung „Im Gießen“ stieß der hiesige Einwohner Fritz Kahlenberg auf Gefäßscherben. Es wird angenommen, daß diese Funde aus der Zeit um Christi Geburt stammen. Das Amt für Bodendenkmalpflege in Darmstadt wird sich weiter mit dem Fund beschäftigen.

(Kb.) Nauheim: Zur Zeit wird die Bahnlinie Bischofsheim — Nauheim — Groß - Gerau mit neuen Schienen und teilweise mit neuem Schotterunterbau versehen. — Nach Abschluß der begonnenen Vermessungsarbeiten in der Gemarkung „Muschel“ beabsichtigt die katholische Kirchengemeinde Nauheim dort ein Gotteshaus zu errichten. Die Pläne hierfür sind bereits vorhanden. (Kb.)

Büttelborn: Am Dienstag, dem 1. August kommen die Renten für den Monat August zur Auszahlung. (Kb.)

Königstädten: Bürgermeister Schä¬ fer legte in einer Besprechung mit dem Lehrerkollegium den Tag der Einweihung des Schulhauses auf den 2. September fest. Lehrer Wedel wird diesem Tag durch Rezitationen, Kinderchöre usw. einen festlichen Rahmen verleihen. Am Nachmittag finden sportliche Veranstaltungen der Schulklassen statt. Landrat Harth, Kreisamtmann Seipp und Kreisschulrat Schnedes werden zu der Einweihung eingeladen. (-Kb.)

Worfelden: Die Augustrenten kommen am 1. August zur Auszahlung.

Kelsterbach: Für die kommende Gewerbeschau hat der Verkehrsverein bereits einen vorbereitenden Ausschuß gebildet, der sich in verschiedenen Sitzungen mit organisatorischen Fragen beschäftigte. (aU)

Astheim. Die Freiwillige Feuerwehr wurde neu eingekleidet. Die Garnituren bestehen aus einer blauen Jacke mit roten Spiegeln und Mütze. (au)

Mörfelden: Der Sportplatzbau ist ins Stocken geraten. Zwar geht der Bau des 18 Meter Igngen Hauptbaues seinem Ende entgegen, jedoch ist es um die Anlage der drei Sportplätze sehr ruhig geworden. Dem Vorstand des SKV ist es trotz allen Versuchen nicht gelungen, eine Planierungsmaschine zu erhalten, die die nötigen Vorarbeiten für die Sportplatzamagen schaffen sollte. (au)

Mörfelden. Am Mittwoch, 2. August kommen die August-Renten zur Auszah¬ lun§- . Kb

Trebur. Die Renten für den Monat August werden am Montag, dem 31. Juli ausgezahlt. Kb

Wolfskehlen. Der Verein der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen. Ortsgruppe Wolfskehlen, hält am Samstag im Saale des Frankfurter Hofes ein Sommernachtsfest ab. Es spielt das bekannte Tanzorchester Karl Pöhler

Der Sport

30-jähriges Handball-Jubiläum des SV 98

eiJXfüW°F Jahren WU.rde Überall in Deutschland das Handballspiel wurde aber S z\lnächst als ein Spiel für Frauen gedacht gewesen, _ > •< • ^U<i VOn den Männern mit Begeisterung gespielt und Xa, f S die ganze Welt In diesen ^nnel viele Vereine . jahnge Handballtätigkeit zurückblicken. In Darmstadt ?er in zäher Arbeit diese Sportart beim SV 98 groß e. ecis suddeutsche Meisterschaften errangen die Lilienträger . ,im are 190 l standen sie sogar im Endspiel um die deutsche eia ersc aft. Es sei deshalb im Nachfolgenden den Aelteren von uns a es noc i einmal kurz zur Erinnerung gesagt und den Jüngeren, welche die glanzvollen Tage des Darmstädter Handballs noch nicht miterleben konnten, zur Nacneiferung und zum Ansporn berichtet.

Anfänge mit Schelenz in Berlin

Das Handballspiel wurde nach dem ersten Weltkrieg aus einem ähnlichen Spiel, das im Turnerlager gespielt wurde (Raffball, Korbball usw.) entwickelt. Der Sportlehrer Schelenz darf wohl als der Begründer des Handballspiels in der neueren Form betrachtet werden. Er war es auch, der dem Handball Eingang zur Deutschen Hochschule für Leibesübungen verschaffte und somit ermöglichte, daß bereits im Jahre 1920 die ersten Meisterschaftsspiele durchgeführt werden konnten. Durch die deutsche Sportbehörde wurde dann im Jahre 1923 eine Neubearbeitung der Handballregeln durchgeführt, die im wesentlichen bis zum Jahre 1950 die gleichen blieben. Erst neuerdings arbeitete man durchgreifende Aenderungen der Spielregeln aus, die probeweise eingeführt wurden, um dem Handballspiel und damit seinem eigentlichen Charakter als Laufspiel, das körperliche Gewandtheit mit Geschicklichkeit verbindet,, gerecht zu werden. Es ist zu erwarten, daß die derzeitige deutsche Regelkommission in Kürze endgültig die neuen Regeln bekanntgibt, um dem Handballspiel wieder Auftrieb zu geben.

Jans förderte das Spiel in Darmstadt

In Darmstadt war es der bekannte 98er Leichtathlet Hauptmann Josef Jans von der Schutzpolizei, der sich um die Einführung des Handballspiels in Darmstadt verdient gemacht hat und für Darmstadt als der Vater des Handballsportes zu bezeichnen ist. Seiner kämpferischen Natur lag besonders dieses rassige und schnelle Kampfspiel, das den Einsatz der Person im Mann-gegen-Mann-Spiel erfordert. Er war es auch, der die erste Handballmannschaft in Darmstadt zusammenbrachte, die sich in der Hauptsache aus Angehörigen der ersten Bereitschaft der Schutzpolizei zusammensetzte. Gemeinsam mit den Leichtathleten des SV 98 wurde in der ehemaligen 61er-Kaserne das Training aufgenommen und bereits im Winter 1920/21 nahm die Mannschaft an der Verbandsrunde des Frankfurter Verbandes für Turnen und Sport teil. Ab 1921 gehörte die Mannschaft der Verbandsrunde des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes an. Eine zweite Handballelf spielte in einer Runde des Allgemeinen Deutschen Turnerbundes und errang im Jahre 1926, nach durchweg harten Spielen gegen gute Mannschaften, die Deutsche Meisterschaft.

Sechs süddeutsche Meisterschaften

Im Süddeutschen Fußball- und Leichtathletikverband waren es besonders die Mannschaften der Spvgg Fürth und des PSV Frankfurt/M, an denen die damaligen Mannschaften immer wieder scheiterten. Aber unentwegt wurde im härtesten Training durch Jans die Handballelf weiter geformt und geschult, Und zum ersten Male im Jahre 1925 gelang der große Wurf: die Mannschaft wurde Süddeutscher Meister. Diese Süddeutsche Meisterschaft verteidigten die 98er in den Spielrunden 1925/26, 1926/27 und 1927'28 mit Erfolg in jedem Jahre. Erst in der Spielsaison 1928/29 gelang es dem damaligen PSV Darmstadt, den Lilien die Meisterschaft streitig zu machen. Dafür wurden die 98er Süddeutscher Pokalmeister. Aber bereits im darauf folgenden Jahre wurde zum 5. und im Jahre 1930/31 zum 6. und letzten Male die Süddeutsche Meisterschaft wieder errungen. In jedem Jahre stellte die berühmte Mannschaft der Spvgg Fürth, die Mannen um den unvergessenen Mittelläufer Gebhardt, den großen Widersacher und den jeweiligen Endspielgegner. Diese Auseinandersetzungen mit den Fürthern waren immer sportliche Höhepunkte. Lesen Sie selbst, was Fürth in seiner Jubiläumsschrift des Jahres 1931 schreibt:

„Da kamen wir zum ersten Male am 3. 5. 1925 in Darmstadt gegen den SV 98 Darmstadt ins Endspiel und unterlagen 3:6. Wohl lagen wir bei Halbzeit mit 1:0 in Führung, aber am Schluß hieß es 2:2. Die 2x 10 Min. Verlängerung brachte aber den Darmstädtern die erste Meisterschaft. Diese Niederlage war wieder die einzige des Jahres 1925, aber in den Darmstädtern bekamen wir einen Gegner, der uns auch in den folgenden Jahren durch sein besseres Können beim Kampf um die Meisterschaft stets nur zweiten Sieger werden ließ. Dieser Gegner war auch seinem Können nach, stets ein kleines Etwas vor uns.“

Die Spieler der Glanzzeit

Die Spieler der damaligen Mannschaft des SV 98 waren außer Jans, dessen Doppelhänder im ganzen deutschen Handballsport gefürchtet waren, die Polizisten Eisfeiler, Meyer, Spieß, Walter, Kadel, Reuter, Götz (der vor den Meisterschaftsspielen den Ball mit ins Bett nahm), Daniel, Halboth, Galm, Bönzel, Häußer, Lohnes, Wurster, Klein, Müller, sowie einer der wenigen Zivilisten: Hans Juda. Es waren durchwegs Männer von 1,80 m und größer, die von Jans in eisenharten Trainings erzogen und geschult wurden.

Mehr und mehr aber kamen Zivilisten hinzu, die dem neuen Sport begeistert zugetan waren. Es kamen der großartige Torhüter August Trautwein, der sich trotz seiner Körpergröße von 1,87 Meter in härtestem Spezialtraining zu einem Meister seines Faches entwickelt hatte. Aus Nauheim kam der Student Allwohn, aus Bickenbach Hennemann (genannt Lord), aus Pfundstadt der heute noch mit bestem Erfolg in der Traditionsmannschaft wirkende Liudwig Delp, der Nachfolger des damaligen Mittelläufers Götz wurde. Er stand bis zum Jahre 1940 ununterbrochen als Mittelläufer in der Mannschaft und begeisterte immer wieder durch sein gewandtes, raffiniertes Spiel, und war durch nichts kleinzukriegen. Von der Jugend kamen der großartige Rechtsaußen Karl Fiedler, der ausgezeichnete Auf bauer Ludwig Werner (genannt Wernsch) und auf Linksaußen tauchte ein schußgewaltiger Linkshänder auf, mit Namen Dietz- Hinzu kamen die großen Läufer Karl Jäger, Bobb Dittmar, Alwin Wehr und der Sprinter Willi Pabst. Dann traten weitere gute* Spieler auf den Plan, welche die Aera der dreißiger Jahre einleiteten: der stets zuverlässige und auch heute noch in der Traditionsmannschaft stehende ausgezeichnete Torhüter Adolf Henß, ferner der Büttelborner wurfgewaltige Ernst Feick, dessen Wurf die Torhüter zittern ließ und der durch seine rasanten, kraftvollen Durchläufe begeisterte, sowie Heini Rothenburger und Adolf Förster, die eisenharten Verteidiger. Aus der Jugend hatte sich inzwischen Rudi Freund („die Rudsch“) hochgespielt, weiter der elegant und gewandt spielende Ludwig Ploch, Bobbi Fuchs aus Wolfskehlen, der den Handball wie einen Schlagball warf. Weiterhin kamen an guten Spielern noch der Ballartist Karl Spalt, der in den dreißiger Jahren ebenfalls zu repräsentativen und internationalen Ehren kam, der Durchreißer Heiner Merz, Seppel Kaltenbach, Hermann Klöß, Eichhorn, Philipp Weber. Wilhelm Fendt, Helmut Buß, Ludi Fuchs und Georg Creter, der aus der 5. Schülermannschaft sich bis in die Liga hinaufspielte und der heute noch aktiv in der Handballabteilung ein gewichtiges Wort spricht. Der Zustrom zu den Jugendmannschaften war groß und es gab Zeiten, in denen der SV 98 außer 5 Schülermannschaften 5 Jugendmannschaften und bis zu 4 bis 5 aktive Mannschaften auf das Feld stellte.

1931 Zweiter in der „Deutschen“

Als das erfolgreichste Spieljahr dürfte wohl die Saison 1930/31 bezeichnet werden. Die Mannschaft hatte die Süddeutsche Meisterschaft errungen und stieg in die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft ein. Am 19. April 1931 Wurden die Sportfreunde Siegen in Darmstadt 8:3 geschlagen. In der Zwischenrunde am 3. Mai 1931 wurde in Gotha der dortige PSV mit 9:5 ausgeschaltet und in der Vorschlußrunde am 17. Mai 1931 in einem heute noch unvergessenen Spiel der PSV Spandau 11:8 besiegt und damit das Endspiel gegen den PSV Berlin erreicht. Am 31. Mai 1931 stieg in Magdeburg das große Endspiel. Die Siegesgöttin schien den 98ern hold zu sein, denn in der ersten Halbzeit wurden die Polizisten in einem tollen Wirbel überspielt. Der Sturm legte ein großes Tempo vor und half trotzdem der Hintermannschaft aus, so daß, indem jeder sein Letztes gab, der große Endspielerfolg sicher schien. Bis auf 5 Tore Vorsprung waren die 98er gekommen, als der Läufer Pabst des Feldes verwiesen wurde und der PSV aufholte. 8:7 stand es 10 Minuten vor Schluß, und den vielen Darmstädter Schlachtenbummlern wurde bange ums Herz. Da griff Petrus ein und ein gewaltiger Wolkenbruch brachte den Spielabbruch und somit eine Wiederholung. Das Wiederholungsspiel 14 Tage später in Hagen stand unter keinem glücklichen Stern. Allein 10 Lattenschüsse in den ersten 15 Minuten und der phantastische Torhüter Chuchra, der den älteren Darmstädtern in seinem brandroten Dreß wohl noch in Erinnerung sein wird und der die tollsten Sachen hielt, verhinderte eine klare Führung. So wurden die 98er nach großer Gegenwehr mit 7:4 geschlagen. Auch die Jugend war damals dabei und sie besiegte vor 10 000 mitgehenden Zuschauern eine Jugendmannschaft von Hagen. Die Handballbegeisterung schien auf ihrem Höhepunkt angelangt zu sein. Allsonntäglich wurden Tausende von Menschen von dem Spiel der 98er mitgerissen, die auch ihrer Mannschaft bei den Auswärtsspielen den nötigen Rückhalt verliehen. Geradezu unvorstellbar liest es sich heute, daß sogar Anhänger des Vereins mit dem Fahrrad (!) bis nach Magdeburg fuhren, um ihrer Mannschaft die Treue zu beweisen. Die Spieler des SV 98 kamen auch immer wieder zu repräsentativen Ehren. Sehr oft standen 8 bis 9 Spieler in der Süddeutschen Auswahl und fast alle haben bis zu lOmal Süddeutschland vertreten. Delp, Werner und Henß trugen allein 25mäl die süddeutschen Farben. Jans, Fiedler und Feick standen zweimal in der deutschen Nationalelf.

Der große Rivale PSV Darmstadt

Im Jahre 1928 wurde der PSV Darmstadt gegründet und Hauptmann Jans mußte mit seinen Polizisten zu diesem überwechseln, und sehr bald hatten die 98er in diesem neuen Verein einen starken Konkurrenten erhalten, w'e ihn die Lilien von heute in ihrem Widersacher SG Dietzenbach haben.. Höhepunkte der jeweiligen Verbandsrunden in Darmstadt waren die Lokalkämpfe, die mehr als einmal die „Volksseele zum Kochen" brachten. Eine Darmstädter Zeitung schrieb damals von der „Schlacht“ auf dem Exerzierplatz.

Die folgenden Jahre brachten allgemein ein Härterwerden des Spielens und sehr oft unschöne Formen des Handballspiels. Besonders die körperlich hart geschulten Polizisten und später die Militärsportvereine brachten oft äußersten Einsatz in die Spiele, so daß der Handball an Schönheit wesentlich verlor. Auch in Darmstadt gab es einen Rückgang des Handballs. Berufliche Veränderungen und der Verlust vieler junger Nachwuchsspieler, die durch die Arbeitslosigkeit der Jahre bis 1933 gezwungen waren, in die damalige Reichswehr einzutreten, ließen das Spielniveau der 98er langsam absinken.

Wohl wurde noch im Jahre 1931/32 das Endspiel um die Süddeutsche Meisterschaft erreicht und in Mannheim gegen den dortigen VfR verloren, im Jahre 1932 bis 1933 jedoch nur noch die Gruppenmeisterschaft errungen. Das Jahr 1934/35 brachte den 98ern noch einmal die Gau-Meisterschaft und die Spiele um die Gruppenmeisterschaft, die aber durch keine Endspielerfolge gekrönt wurden. Die Jahre bis zum Beginn des 2. Weltkrieges sahen die 98er dann oftmals auf einem Mittelplatz der Tabelle. Doch war der Darmstädter Handball nach wie vor stark gefragt. Im Jahre 1931 war die Mannschaft des Linienschiffes „Hessen“ und im Jahre 1933 die Handballer vom Panzerschiff „Deutschland“ in Darmstadt zu Gast.

Auch der Hallenhandball gewann allmählich in Darmstadt an Boden und im Jahre 1930 wurde das erste Hallenhandballturnier in der Festhalle ausgetragen, mit dem Erfolg, daß diese Hallenspiele große Beliebtheit erlangten und die besten Hallenmannschaften Deutschlands und Österreichs oftmals in Darmstadt vertreten waren.

Schöne Erfolge auch nach 1945

Nach dem 2. Weltkrieg zeigte es sich als ein Problem, aus den verbliebenen bzw. inzwischen heimgekehrten und neu hinzugekommenen Spielern wieder eine Mannschaft aufzubauen. Hier war es vor allem Georg Creter, der sich als erster darum bemühte, eine Handballmannschaft zusammenzubringen, nachdem bereits die Landvereine wie Griesheim, Seeheim, Erfelden usw. den Spielbetrieb wieder aufgenommen hatten. Um Creter scharten sich die verbliebenen älteren Spieler wie Kaltenbach, Merz, Spalt, Buß, Fuchs, Arnold, Lindenberger, Karl Becker und Erich Werth. Bis zur Neugründung des TSV Darmstadt waren außerdem Richard Witzleb und Karl Arnold als Gastspieler beim SV 98 und ermöglichten somit, daß bereits um die Wende 1945/46 eine recht ordentliche Mannschaft auf den Beinen stand, die bald in die Rundenspiele eingreifen konnte. Im Jahre 1945/46 wurde die Kreismeisterschaft errungen, 1946/47 und 1947/48 jeweils der 2. Hessenmeister. In der darauffolgenden Spielsaison 1948/49 nahmen die 98er erstmalig wieder die Hessenmeisterschaft mit nach Darmstadt. Bei den Spielen um die Süddeutsche Meisterschaft hatten die 98er jedoch wenig Glück und landeten, nach teilweise recht unglücklich verlorenen Spielen auf dem letzten Platz der Runde. 1949/50 waren sie wieder in der Spitzengruppe der Landesliga zu finden und belegten hinter den alten Rivalen der SG Dietzenbach, die an den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft teilnahmen, den 2. Platz in der Südgruppe der Hessischen Landesliga. Auch in den letzten Jahren wurden bei privaten Spielen beachtliche Erfolge erzielt. Als wichtigste seien genannt: der 10:8-Sieg gegen den PSV Hamburg an Pfingsten 1948 in Darmstadt, der Sieg im Hallenhandballturnier im April 1947 in Darmstadt, der 3. Platz bei den Deutschen Hallenhandballmeisterschaften in Bremen und der Turniersieg beim vorjährigen, großartig besetzten Berliner Hallenhandballturnier.

Der heutigen Generation sind die Spieler Gerd Schmidt, Mark, Glock, Emig, Peters, Creter, Schäfer, Lutz, Wenz, Dr. Barth, Reinhardt, Spieker, Lehning usw. bekannte Namen. Dr. Barth und Peters waren bereits für Süddeutschland repräsentativ, während neben diesen beiden ter, Mark und Glock nach dem Kriege mehrmals die hessischen Farben vertraten.

Die Jugend wahrt alte Tradition

Darmstadts Sportwelt erhofft sich von der nachdrängenden Jugend wieder eine ansteigende Linie im Handballgeschehen ihrer Heimatstadt und somit weiterhin ein ehrenvolles Bestehen neben den großartigen Erfolgen der 98er Fußballer.

Auch die handballfreudigen Mädel haben wieder „Mannschaften“ gebildet. Leider kommen sie immer wieder in Schwierigkeiten durch Spielerinnenausfall oder das Fehlen entsprechender Wettspielgegner. Aber die Mädel der 98er sind eifrig beim Training, haben eine gute Kameradschaft untereinander und sind auch auf fremden Spielplätzen gern gesehene Gäste. In der vergangenen Runde konnte sogar die Bezirksmeisterschaft errungen werden.

Nicht vergessen sei die sogenannte Traditionsmannschaft, auch AH-Mannschaft genannt, die der rührige Ludwig Delp in alter Frische um sich geschart hat und durch ihr auch heute noch ansprechendes Können der Jugend ein Vorbild gibt. Sie bildet außerdem das wichtige Verbindungsglied zwischen den ehemaligen Glanzzeiten im Darmstädter Handball und der heute nachdrängenden Jugend. Insgesamt stellen die 98er heute auf das Spielfeld: 1 Ligamannschaft, 1 starke Liga-Reservemannschaft, 1 dritte Mannschaft, 1 eifrige und gut zusammenhaltende Juniorenmannschaft, 2 Jugendmannschaften der A - Klasse, 2 Jugendmannschaften der B - Klasse, 2 Schülermannschaften, 2 Frauenmannschaften sowie die alten Herren, die sogar 2 Mannschaften auf die Beine stellen können; insgesamt also 14 Mannschaften.

Wünschen wir den 98er Handballern, daß die Aufwärtsentwicklung der letzten Jahre weiter gute Fortschritte bringt und die Lilien den Darmstädter Handball wieder nach vorne bringen, um somit an die stolze Vergangenheit anzuknüpfen.


Die Siegermannschaft im großen Berliner Hallen-Handballturnier, Oktober 1949.
Die Siegermannschaft im großen Berliner Hallen-Handballturnier, Oktober 1949.

Erfolgstaffel der Handballabteilung des SV 98

1920/21: Kreismeisterschaft ohne Spielverlust. 1924/25: 1. süddeutsche Meisterschaft, 3. Mai 25 6:3 gegen SpV Fürth. 1925/26: 2. süddeutsche Meisterschaft, 4:1 gegen SpV Fürth. 1926/27: 3. süddeutsche Meisterschaft, 13. März 27 5:1 gegen SpV Fürth (hier), 20. März 27 1:1 gegen SpV Fürth (dort). 1927/28: 4. süddeutsche Meisterschaft, 18. März 28 7:4 gegen DSV München (hier), 1. April 28 4:4 gegen DSV München (dort), 13. Mai 28 5:4 gegen WSC Wien. 1928/29: Süddeutscher Pokalmeister, 27. Juli 29 gegen 1. FC Nürnberg 5. August 29 8:2 gegen Wien-Floridsdorf. 1929/30: 5. süddeutsche Meisterschaft, 6. April 30 10:4 gegen SpV Fürth (dort), 26. Dezember 30 6:2 gegen WAC Wien, 27. Dezember 30 Hallenhandballturniersiger mit WAC Wien. 1930/31: 6. süddeutsche Meisterschaft, 12. April 31 7:3 gegen SpV Fürth (hier), 19. April 31 7:3 Vorrundensieger, 3. Mai 31 5:9 gegen Polizei Gotha (Zwischenrunde), 17. Mai 31 11:8 gegen Polizei Spandau (Vorschlußrunde), 31. Mai 31 8:7 (abgebrochen wegen Wolkenbruch) gegen Polizei Berlin (Endspiel), 14. Juni 31 4:7 gegen Polizei Berlin ( Endspiel-Wiederholung) in Hagen, 30. August 31 15:4 gegen Linienschiff „Hessen“. 1931/32: Hessenmeisterschaft, 14. Mai 33 13:3 gegen Panzerschiff „Deutschland“, 15. Mai 33 16:2 gegen Panzerschiff „Deutschland“. 1934/ 35: Gaumeisterschaft. 1945/46: Kreismeisterschaft. 1946/47: 2. Hessenmeister, April 1947 Stadt-Pokalmeister. 1947/48: 2. Hessenmeister, Pfingsten 1948 10:8 gegen PSV Hamburg. 1948/49: Hessenmeister, 22. Oktober 49 Turniersieger im Berliner Hallenhandball-Turnier. 1949/50: 2. Tabellenplatz in der Südgruppe der Hess. Oberliga. r.

Veranstaltungsfolge vom 29. Juli bis 6. August

Samstag, den 29. 7.: 16 Uhr A.-H. -Turnier mit Eintracht Frankfurt, SV Mühlheim, TSG Auerbach und SV 98; 20 Uhr Festabend im Concordiasaal, Adelungstraße, Festansprachen, Ehrungen, buntes Programm beliebter Künstler, Tanz. Sonntag, den 30. 7.: 15.30 Uhr Entscheidungsspiel des A.-H.-Turniers; 16.45 Uhr Ligaspiel TV Hochelheim—SV 98.

Dienstag, den 1. 8.: 17.30 Uhr Schüler TSV Braunshardt—Schüler SV 98; 18.15 Uhr Reserve Braunshardt—Junioren 98.

Donnerstag, den 3. 8.: 17.30 Damen TSG Auerbach—SV 98; 18.20 Uhr Offene Uebungsstunde der Handball-Abt. 98; 18.30 Uhr 1. Mannschaft TSG Auerbach gegen Ligareserve 98.

Freitag, den 4. 8.: 19.30 Uhr Handballerabend mit Angehörigen (Lichtbilder: 30 Jahre Handball im SV 98) bei Jung, Stadiongaststätte. Samstag, den 5. 8.: 16 Uhr Turnier der

Handball-B-Jugend mit Pfungstadt, Büttelborn, Arheilgen, Sprendlingen, Nied.- Auerbach und "zwei B-Jugendmannschaften SV 98.

Sonntag, den 6. 8.: 9.30 Uhr Turnier der Handball-A-Jugend mit TSV Darmstadt, Braunshardt, Gelnhausen, Leutershausen, TV Altenhaßlau, Bonsweiher und zwei A-Jugendmannschaften SV 98. 14.30 Uhr Endspiel des A- Jugend-Turniers; 15.30 Uhr Ligaspiel SG Hassel gegen SV 98.

Die Ligaspiele finden mit Genehmigung der Besatzungsbehörde auf dem Hochschulstadion statt. Alle anderen sportlichen Veranstaltungen und die Spiele müssen, da dem Sportverein Darmstadt 1898 e. V. zur Zeit kein anderer Platz infolge der Beschlagnahme seines Sportfeldes zur Verfügung steht, auf dem Vorfeld zum 98er Stadion (Nieder-Ramstädter Straße) stattfinden. Außer zu den Ligaspielen ist der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen frei.

Der Samstag für die Alten Herren

Zu Beginn des 30jährigen Handballjubiläums und damit gleichzeitig der achttägigen Handball-Werbewoche des SV 98, steigt am Samstagnachmittag ein Handballturnier für die Alten Herren. Die alten Kämpen der Vereine Eintracht Frankfurt. SG Auerbach (Bergstraße), SV Mühlheim (Main) und die Männer des SV 98 Darmstadt werden sich am Samstagabend auf dem Stadion-Vorfeld ein Stelldichein geben. Durch Auslosung wird festgestellt, wer gegen wen spielt., und am Sonntagnachmittag um 14 Uhr werden die beiden Siegermannschaften des Samstagabend an der gleichen Stelle um den Tumiersieg kämpfen. Am Samstag. .20 Uhr. findet dann im Convordiasaal der Bunte Abend statt, der mit namhaften Künstlern besetzt ist und gleichzeitig eine Wiedersehensfeier mit alten und ältesten Kameraden des Handballspiels im Sportverein und seinen Nachbarvereinen bringen wird.

Am Sonntag SV 98 Darmstadt — TV Hochelheim

Am Sonntagnachmittag 15 Uhr beginnt im Hochschulstadion die neue Handballsaison 1950/51. Es sind zwar noch 2 Tage bis zur Beendigung der Sperre, der Verband hat aber in Anbetracht des Jubiläums dem SV 98 das Spiel zwei Tage vor Ablauf der Sommersperre genehmigt.

Das Vorspiel vor wenigen Wochen ging unter recht unglücklichen Umständen 10:9 verloren, und die 98er werden am Sonntag Anlaß haben, in sportlichem Sinne Revanche zu nehmen. Die Hochelheimer sind die Darmstädtern ja keine Unbekannten mehr. In der vorjährigen Runde, in der Hessen-Oberliga, waren sie gern gesehene, faire Sportler, die mit tadellosem Können sich einen 4. Platz in der Tabelle erkämpft haben. Sie sind auch in diesem Jahr in feiner Form und haben in der diesjährigen Pokalrunde den bekannten TV Lützellinden geschlagen, was für ihr Debüt am Sonntag in Darmstadt als gute Visitenkarte gilt. Das schlechte Abschneiden der 98er beim Rhein-Mosel-Turnier am vergangenen Sonntag in Mülheim darf nicht als Maßstab des Könnens der 98er angeseherf werden. Es waren zum Teil recht knappe Niederlagen, welche die Mannschaft einstecken mußte, und mit etwas Glück hätte man auf einem der vorderen Plätze landen können. Die Mannschaft wird voraussichtlich antreten mit: Seipp im Tor (für den am Oberarm operierten Rupp), die Verteidigung und Läuferreihe voraussichtlich mit Glock. Mark. Dascher, Fischer. Peters und evtl. Spieker, während der Sturm in der Besetzung Schäfer, Lutz, Roß, Rheinhardt, Lehning antreten wird.

Hoffen wir. daß der Wettergott ein Einsehen hat und das Darmstädter Sportpublikum sich die stark verjüngte 98er Mannschaft wieder einmal ansieht.

Stürmischer Empfang

S. Mailand. (Eigener Bericht.) Bartali und die übrigen, bei der „Tour de France“ ausgeschiedenen italienischen Radrennfahrer und Journalisten sind inzwischen wieder in ihrer Heimat eingetroffen. Schon an der Grenzstation Ventimiglia (Italien) wurden die Heimkehrer von einer mehrtausendköpfigen Menge enthusiastisch begrüßt. Die Kundgebungen wiederholten sich an allen Bahnhöfen und erreichten in Mailand ihren Höhepunkt.

Abermals ein Außenseiter

Jt. Paris. (Eigener Bericht.) Nach dem Verlassen der Pyrenäen führte die 13. Etappe der „Tour de France“ von Perpignan über 215 km durch flaches Gelände nach Nimes. Wie schon am Vortage, so konnten auch diesmal wieder Außenseiter einen erfolgreichen Ausreißversuch unternehmen. In Montpellier (160 km) führten die beiden Nordafrikaner Marcel Molines und Abd el Kader Zaaf mit zehn Minuten vor ihren Verfolgern. Zaaf fiel dann zurück und auch Molines verlor Boden, doch konnte er vier Minuten Vorsprung behaupten und in 6:22.56 Std. die Etappe vor G. Meunier (Frankreich) gewinnen. Dritter wurde Sten Ockers (Belgien) in 6:27.22 Min. vor dem Träger des „Gelben Trikots“, dem Schweizer Ferdinand Kübler, der sich am Vortage geweigert hatte, auf der Etappe nach Perpignan das Trikot zu tragen. Im Gesamtklassement liegen Kübler und Sten Ockers auf den ersten Plätzen.

Trainingsspiel des SV 98

Am Samstag, dem 29. 7., findet auf der Woogswiese um 17.30 Uhr ein Trainingsspiel der 1. Ligamannschaft des Sportvereins und der verstärkten Reserve des Sportvereins statt. Es wirken sämtliche „Neuerwerbungen“ wie Herder, Bamberg, Becker, Idar-Oberstein, und Barth, Mainz 05, sowie Ruhl. Roßdorf, u. a. mit. Der Sportverein beabsichtigt, hiermit eine schlagfertige Mannschaft für die kommenden Verbandsspiele einzuspielen Ermäßigte Eintrittspreise. ph.

Der Allmächtige hat meine liebe Frau, unsere gute, treusorgende Mutter, Oma und Schwiegermutter, unsere Schwester, Schwägerin und Tante Dora Vetter geb. Höbel im Alter von 63 Jahren am Mittwoch zu Sich in die Ewigkeit genommen. Hermann Vetter Anneliese Hornung geb. Vetter (Dieburg) Irene Winkler geb. Vetter (Dieburg) Helga List Darmstadt, 27. Juli 1950 .Lindenhofstraße 15 Die Einäscherung findet Samstag, den 29. Juli, vorm. 10.15 Uhr im Krematorium (Waldfriedhof) statt.

Bestattungen am Freitag, dem 28. August 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof 14.30 Langgesser, Elisabeth, Rheinzabern, 51 Jahre Waldfriedhot 14.45 . Schyklowsky, Ludwig, Gastwirt. Pallaswiesensträße 106, 36 Jahre Darmstadt-Eberstadt 15.00 Reinhard Bley, Rentner, D.-Eberstadt, Strohweg 28

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