Neuer Appell an Moskau
Deutschland fordert seine Kriegsgefangenen / Bonn für einen Europa-Pakt
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 26. Juli. Der Bundestag hat als erstes Parlament sich für den von der Europa-Union vorgeschlagenen Europa-Pakt ausgesprochen, der das Programm einer übernationalen Gemeinschaft ist. Gleichzeitig hat der Bundestag in einer Entschließung an die Welt und vor allem an die Sowjetunion appelliert, die noch in Rußland befindlichen Kriegsgefangenen in ihre Heimat zu entlassen und Aufschluß über ihr Schicksal zu geben.
Das Programm einer übernationalen europäischen Gemeinschaft ist die zweite Etappe auf höherer Ebene nach dem Straßburger Europarat und der Hohen Behörde des Schuman-Planes,, und es ist bedeutungsvoll, daß der Bundestag dieses Programm unmittelbar vor der Wahl der deutschen Delegation für den Europarat angenommen hat. Die Möglichkeit, daß das deutsche Element im Europarat die aktive Front derer in Straßburg verstärken wird, die aus der Straßburger Körperschaft eine wahrhaft europäische Versammlung machen wollen, ist damit zur Gewißheit geworden.
Um so enttäuschender wurden die Vorgänge bei der Wahl der deutschen Delegation. Nur Mitglieder des Bundestages werden nach Straßburg gehen. Es wird keine zweite Garnitur sein, aber diese erste Garnitur wird dann entweder in Straßburg oder in Bonn fehlen, und die erste Garnitur der Anhänger der europäischen Idee in Deutschland ist nicht zum Zuge gekommen, soweit sie nicht dem Bundestag angehören. Die Fraktionen haben sich nach einigem Zögern doch wieder zu ihrem alten Standpunkt bekannt, daß nur Parlamentarier Deutschland in Straßburg vertreten sollen. Diese Meinung war auch schon bestritten worden, als sie zum ersten Male laut wurde. Sie wird auch heute nicht ohne Widerspruch bleiben können.
(Die Erklärung des Bundestages über die Kriegs gefangenen finden unsere Leser auf Seite 2.)
Der sowjetische Botschafter soll auch eine enge Fühlungnahme der Kommunisten mit der französischen Kommunistischen Partei empfohlen haben. Zu diesem Zweck soll es möglich sein, daß die Kommunistische Partei der Bundesrepublik ihre Zentrale vom Ruhrgebiet in das Gebiet der französischen Besatzungsmacht verlagert, da in führenden Kreisen ört-
Die deutsche Delegation
für Straßburg
Bonn, 26. Juli, (dpa) Als Hauptvertreter für den Europarat sind vom Bundestag für die Unionsparteien gewählt worden: Dr. Heinrich von Brentano, Dr. Kurt Kiesinger, Dr. Eugen Gerstenmaier, Dr. Hermann Pünder, Fürst Fugger von Glött, Hafis Schütz und Frau Dr. Rehling.
Von der Sozialdemokratischen Partei: Erich Ollenhauer, Professor Carlo Schmid, Dr. Gerhard Lütkens, Professor Erik Nölting, Louise Schröder, Heinrich Ritzel und Willi Eichler.
Von der Freien Demokratischen Partei: Dr. Hermann Schäfer, Dr. Max Becker und Dr. Hans-Albrecht von Rechenberg und von der Deutschen Partei Dr. Hans Mühlenfeld.
Semjonow gibt Anweisungen
Berlin, 26. Juli, (dpa) Der Berater der sowjetischen Kontrollkommission in Deutschland, Sonderbotschafter Semjonow, hat 'lax Reimann neue Richtlinien und Instruktionen für die künftige. Politik und Arbeit der Kommunistischen Partei in der Bundesrepublik übergeben.
In einer fünfeinhalbstündigen Unterredung, an der auch der neuernannte General kretär der Sozialistischen Einheitspartei, Ulbricht, teilnahm, hat Semjonow Pläne für eine stärkere proletaris he Einflußnahme auf das politische Leben in der Bundesrepublik entwickelt.
lieber franzö eher Behörden, kommunistenfreundliche Strömungen festgestellt worden seien.
Adenauer empfängt Monnet
Köln, 23. Juli, (dpa) Der Zonenausschuß der Christlich-Demokratischen Union teilt am Mittwoch in seinem Informationsdienst mit, daß Bundeskanzler Dr. Adenauer den französischen Beauftragten für den Schuman-Plan, Monnet, Anfang nächster Woche in seinem Schweizer Erholungsaufenthalt auf dem Bürgenstock am VierwaldStätter-See empfangen wird. Der Leiter der Dienststelle für auswärtige Angelegenheiten, Ministerialdirektor Blankenhorn, werde bei dieser Zusammenkunft anwesend sein.
Einigung über das Getreidegesetz
Die Getreideeinfuhr „ein tiefer Griff in die Marktwirtschaft“
Bonn, 26. Juli, (dpa) Der Ernährungsausschuß und der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Bundestages haben sich über das von der Bundesregierung vorgelegten Getreidegesetz geeinigt. Wie der Vorsitzende des Ernährungsausschusses, Heinrich Lübke, Christlich - Demokratische Union, in Bonn erklärte, muß jede Einfuhr von Getreide über die Einfuhr- und Vorratsstelle geleitet werden. Wenn die Einfuhrstelle einen Getreideimport ablehne, so sei diese Einfuhr auch nicht auf anderem Wege möglich. Dieser „tiefe Eingriff in die Marktwirtschaft“ werde von allen Parteien für notwendig gehalten
Nach dem Inkrafttreten des Getreidegesetzes werde es keine Ablieferungspflicht für den Bauern mehr geben und auch der Warenweg vom Erzeuger zum Verbraucher werde völlig frei sein Um einen stabilen Getreidepreis halten zu können; sei jedoch vorgesehen, daß auch inländisches Getreide der Einfuhr- und Vorratscfelle anfeboten werden kann. Die im Getreidegesetz vorgesehenen marktördrierischen Bildungen sollten die Versorgung für den Verbraucher sichern und die Erzeugung steigern.
Durch die jetzt beschlossene Erhöhung der Inlandsgetreidepreise solle die Erzeugung wieder gesteigert werden. Bei der Einfuhr- und Vorratsstelle werde.es Uebernahme- und Abgabepreise geben. Dies sei notwendig, weil der Weltmarktpreis für Getreide nicht einheitlich sei. Zur Zeit liege er höher als der Inlandspreis. Die Differenz werde vorläufig von der Bundeskasse übernommen. Der Bundesfinanzminister habe erklärt, daß er „auf fremde Rechnung“ solange subventionieren werde, wie dies möglich sei.
Um ein Massensterben der Mühlen zu verhindern, sei im Getreidegesetz vorgesehen, daß eine Mühlenstelle errichtet werden kann. Zur Zeit gebe es in der Bundesrepublik 16 000 bis 17 000 Mühlen, deren gesamte Mahlkapazität doppelt so groß sei wie notwendig. Ein Bereinigungsprozeß der etwa drei bis fünf Jahre dauern werde, sei unumgänglich. Die Mühlenstelle könne über Kontingentierung, Beimischen, Ausmahlen und Typenzwang bestimmen.
Frauen wurden vorgeschickt
Die Kämpfe in Korea nehmen an Erbitterung zu
Pusan, 26. Juli. (AP/BBC/dpa) Die nordkoreanischen Panzerspitzen haben nach der Umgehung von Sonschon im Süden Koreas die Stadt Hadong eingenommen. Damit stehen die Nordkoreaner am Anfang der großen südkoreanischen Ebene, und sind nur noch hundertzwanzig Kilometer von Pusan entfernt.
Die Amerikaner haben Truppen nach Süden geworfen, die den Auftrag haben, dem Feind die Stadt Hadong wieder zu entreißen. Nach wie vor herrscht über die große Umgehungsbewegung keine einheitliche Auffassung auf seifen der Alliierten. Während ein Sprecher aus dem Hauptquartier General Mac Arthurs und ein Sprecher in Washington der Auffassung sind, die Nordkoreaner seien zu schwach, um den entscheidenden Stoß in die tiefe Flanke der amerikanischen Stellungen zu führen und Pusan unmittelbar zu bedrohen, sind militärische Kreise in Tokio anderer Auffassung. Es wird geglaubt, daß kein Anlaß zu einem Zweckoptimismus bestehe und das Argument als nicht stichhaltig erklärt, die Nordkoreaner hätten nicht so viel Verbände, daß sie im Süden die Entscheidung erzwingen könnten.
Die heftigsten Angriffe wurden auch am Mittwoch an der Rollbahn Taidschon —Yongdong—Kumschon geführt. Die Einheiten der 1. Kavallerie-Division ' konnten nur mit Schwierigkeit einer Einkesselungsbewegung des Feindes entgehen. Die amerikanischen Truppen schlugen sich nach heftigen Kämpfen, hart vom Feinde bedrängt, nach Osten zurück. Der Nachstoß der feindlichen Infanterie hielt auch mit Beginn der Dunkelheit an und setzte sich in der Nacht fort. Die nächtlichen Kämpfe, an denen Panzer teilnahmen, zwangen die Amerikaner, weiter zurückzugehen als beabsichtigt, so daß das gesamte Stellungssystem in Unordnung geriet. Nach Yongdong ist Kumschon das nächste Ziel der nordkoreanischen Angriffe. Die nördlich von Kumschon kämpfenden Teile der 25. Infanterie-Division bestätigen übereinstimmend, daß der Druck des Feindes in Richtung Kumschon ziele.
Nach den Korrespondentenberichten schrumpft die Front in ganz Südkorea mehr und mehr zusammen. Das Kampfgeschehen am Mittwoch soll unter dem Zeichen ständig sich ablösender Angriffe und Gegenangriffe gestanden haben. Im Norden an' der Küstenstraße bei Yongdong haben die alliierten Seestreitkräfte erfolgreich in die Landkämpfe eingreifen können. Truppenansammlungen wurden unter direkten Beschuß genommen.
Die Kommunisten sollen bei ihren Kämpfen wiederum zu völkerrechtswidrigen Maßnahmen gegriffen haben. Im Frontabschnitt Yongdong seien vor einem Panzerangriff Hunderte von koreanischen Frauen gegen die Linien der Amerikaner getrieben worden. Da die Amerikaner, um die Frauen und Kinder nicht zu treffen, keinen Gebrauch von ihren Schußwaffen machten, gelang es den Nordkoreanem, günstige Ausgangsstellungen für einen späteren Angriff in die Hand zu bekommen.
Am 21. Juli versuchte eine amerikanische Kampfgruppe noch einmal in die brennende Stadt Taidschon einzudringen, wo General Dean, der Kommandeur der amerikanischen 24. Division, seit den Kämpfen am 20. Juli vermißt wurde. Unser Bild zeigt General William D. Dean (rechts) und General Walton H. Walker, Kommandeur der 8. Armee, während der Kämpfe um Taidschon dpa-Bild
Hilfe für Mac Arthur
Truppen zum Kampf in Korea
Lake Success, 26. Juli. (APJBBC./dpa) England wird, wie bereits gemeldet, den Vereinten Nationen in Korea Truppen zur Verfügung stellen. Man rechnet mit der Entsendung einer britischen Brigäde. Australien und Neuseeland haben den Vereinten Nationen mitgeteilt, daß sie bereit seien, Truppen zur Abwehr des kommunistischen Ansturms in Korea für General Mac Arthur zur Verfügung zu stellen. Die Neuseeländer denken an die Entsendung von Artillerieeinheiten.
Das Königreich Thailand (Siam) Ist bereit. 4000 Mann Infanterie für Korea einzusetzen. Die Türken haben 4500 Mann gut ausgerüsteter Truppen bereitgestellt.
Kein Dünkirchen
an Ein Vertreter des amerikanischen Kriegsministeriums hat sich geäußert, es werde auf Korea Kein zweites Dünkirchen geben. Er hält die Streitkräfte seines Landes, die jetzt bereits im Kampfe um den Hafen von Pusan stehen oder in der nächsten Zeit dort eintreffen sollen, für stark genug, wenigstens den Brückenkopf auf Korea gegen den vorstürmenden Gegner zu verteidigen. Auch der Europäer liest solche Beweise des Selbstvertrauens mit Erleichterung. Schon weil man den schwachen Truppen, die als erste gegen die Uebermacht in den Kampf geworfen wurden, die Genugtuung gönnen möchte, daß ihre aufopfernde Verteidigung nicht umsonst gewesen ist, schon deshalb also würde man es begrüßen, wenn die Amerikaner wenigstens die letzte Stellung in Korea halten könnten. Aber es wäre natürlich auch ein beträchtlicher moralischer und auch militärischer Gewinn, wenn die spätere Notwendigkeit einer schwierigen und gefährlichen Landung im feindlichen Feuer vermieden würde, mit der dann die Rückeroberung des verlorenen Gebietes beginnen müßte.
Nicht ohne einige Besorgnis vernimmt man dagegen, daß im Pentagon zu Washington die Zahl derjenigen Beurteiler zunimmt, die den Beginn der Gegenoffensive nicht für den Herbst, sondern erst für das Frühjahr voraussagen. Erstens kann in einem halben Jahre viel geschehen an Stärkung nicht für die Amerikaner, sondern auch für die Bolschewisten; zweitens wäre ein so langes Verweilen der Angreifer in dem eroberten Gebiet doch wohl eine beträchtliche Stärkung des gesamten Prestiges des Weltkommunismus. Natürlich werden die Entscheidungen über den Zeitpunkt nur nach dem Gesichtspunkt der sachlichen Möglichkeiten getroffen werden. Wenn man aber sich damit abfinden soll, daß die Truppen eines Kleinstaates viele Monate lang im Besitz eines eroberten Landes bleiben könnten, und dies gegenüber den Streitkräften einer Weltmacht, so ist dies wohl der eindringlichste Beweis dafür, wie ungenügend gerüstet die westliche Welt ist und wie wenig sie auf das vorbereitet war, was seit langem am Horizont heraufzog.'
Das Brotgetreide-Gesetz
Wr. Es ist wohl nichts, was nach dem Zusammenbruch 1945 die deutschen Menschen, mochten sie parteipolitisch hingehören wo sie mochten, so schwer erschüttert und sie dermaßen in den Tiefen ihres Herzens geängstigt hat wie die Tatsache, daß wir unendliche Ackerbreiten hatten verlieren müssen: Gefilde und Gefilde, nicht zu überschauen außer auf der Landkarte, auf denen bis dahin unser Brotgetreide gewachsen war. Um volle neunmalhunderttausend Hektar, gegen drei Millionen Morgen also, war unsere Ackerfläche geringer geworden. Mancher tüchtige und tatkräftige Mann, der bis dahin die Kräfte eines Staatsmanns in sich gefühlt hatte und gewillt gewesen war, uns Uebriggebliebenen in unserer Gemeinschaftsnot beizustehen, also als Minister oder dergleichen an unsere Spitze zu treten, hat damals an allem verzweifeln zu müssen geglaubt: an der deutschen Zukunft.
Mit dem Bodenertrag der restlichen Fläche, die uns verblieben war, das deutsche Volk zu ernähren und es am Leben zu erhalten, erschien den Verantwortungsbereiten als eine völlige Unmöglichkeit. Einige von ihnen haben damals, unter der Wirkung der ersten Kontrollratsgesetze, keine andere Möglichkeit mehr sehen zu können geglaubt als die Kugel vor den Kopf oder den Strick um den Hals. Andere haben an das Beste und Größte im deutschen Wesen geglaubt: An das große „Dennoch“. Mit ihnen haben wir es — wir sagen nicht: ausschließlich oder vorwiegend, aber zu einem Teil —, bei den Männern von Bonn zu tun.
Das Volk der Westdeutschen Bundesrepublik hat in Bonn einen „Ernährungsausschuß“ und einen „Wirtschaftspolitischen Ausschuß“. Von Ausschüssen, das ist die öffentliche Meinung, sei nicht viel zu halten. Von diesen beiden Ausschüssen jedoch wird man etwas halten müssen, Das Verantwortungsbewußtsein um das Wichtigste im Staate wird ihnen nicht abzusprechen sein. Irgendwann einmal, wenn es uns einmal wieder besser geht, wird man die deutsche Jugend darüber unterrichten müssen, daß, so mäßig auch unsere Demokratie funktioniert habe, immerhin das Wichtigste von allem umsichtig und tatkräftig getan worden sei: Für das Brot habe man gesorgt.
Das Getr e id eges e t z
Die Rechnung, mit der man es zu tun hatte, war ebenso einfach wie bösartig: Der Ertrag des restlichen deutschen Bodens reicht nicht aus, um alle satt zu machen. Also ist Einfuhr nötig. Das bedeutet praktisch und bei Lichte: Weizen aus Kanada und aus Australien. Diese Länder haben den Krieg gewonnen — sie werden also die Preise diktieren. Die einheimische Ackerflur, die uns verblieben ist, wird mit diesen Preisen nicht in Wettbewerb treten können. Die deutschen Brotverzehrer werden nur darnach schauen, was das Brot kostet; aus welchem Getreide es gebacken worden ist, kommt für sie erst in irgendwelcher Linie. Dabei konnte die deutsche Landwirtschaft und insbesondere ihr Getreidebau, zugrunde gehen.
Die beiden vorgenannten Ausschüsse des Bundestages haben demgegenüber ein Gesetz ausgearbeitet, daß alle Spuren einer äußerst fleißigen und hingebenden Tages- und Nachtarbeit an sich trägt. Daß eine weitgehende Getreide-Einfuhr unerläßlich ist, war klar und unausweichlich. Aber man hat die Möglichkeit geschaffen, diese Einfuhr so zu drosseln und zu dirigieren, daß der einheimische Getreideanbau daneben allen wünschenswerten Anreiz findet und vor allem: daß er daneben bestehen kann. Es ist, teils in Anlehnung an die bisherigen Verhältnisse, teils im Widerspruch zu ihnen eine „Getreide-Einfuhrstelle“ geschaffen worden, über die alle Sendungen aus dem Ausland gehen müssen. Sie ist nicht der Willkür und den Spekulationen der ausländischen Importeure ausgeliefert: Sie kann Einfuhren ablehnen — und lehnt sie ab, dann gibt es dagegen keine Finessen. Es ist mit aller Umsicht und Sorgfalt vorgebeugt.
So sehr man sich also in Bonn für die Liberalisierung der deutschen Wirtschaft entschlossen hat: In diesem Punkte, an dem es um das tägliche Brot geht, haben sie sich allesamt und einträchtig für tiefe Eingriffe in die freie Marktwirtschaft erklärt. Sie haben sie für notwendig und unerläßlich gehalten. Soweit eine Kluft zwischen den Bauern und den Städtern oder Verbrauchern vorhanden ist: durch dieses Getreidegesetz wird sie, wenn auch nicht überbrückt, so doch eingeebnet. Auch die dumpfe und grollende Gegensätzlichkeit auf dem bäuerlichen Abschnitt wird anerkennen müssen, daß man „verbraucherseitig“ zu den Bauern steht.
Und nachher?
Was ist die direkte Folge eines solchen „Getreidegesetzes“? Zunächst und zuvorderst: Es wird keinerlei Ablieferungspflicht mehr geben. Wir sehen in diesem Augenblick die vielen Tausende von Landwirten, namentlich der mittleren und kleineren, namentlich auch der jüngeren, die in diesem Verpflichtungs-System aus der Nazi-Zeit her etwas Willkommenes gesehen haben. Vielleicht ist es manchen von ihnen, vielen vielen von ihnen, zunächst nicht einmal besonders angenehm, daß sie sich umzustellen haben. Ihren Vätern und Lehrherren dagegen wird es um so angenehmer und willkommener sein. Sie werden, nach der harten Tagesarbeit, des Abends ihren Jungen, wenn auch ungelenk, mit abgebrochenen Ausdrücken und nicht in akademischer Form, etwas darüber sagen können, was es auch für den Bauern, den freien Bauern, bedeutet, wenn der Warenweg vom Erzeuger zum Verbraucher wieder völlig frei sein wird.
Das Tn 1 an d sgetr e i d e
„Es ist vorgesehen, daß das inländische Getreide der Einfuhr- und Vorratsstelle angeboten werden kann“, heißt es in der halbamtlichen Verlautbarung. Diese Bestimmung wird als einer der wichtigsten und weisesten des Getreidegesetzes zu erachten sein. Denn sie bedeutet praktisch und in der Tat, daß nunmehr jeder Getreide-Anbauer im Gebiete der Bundesrepublik den denkbar nachhaltigsten Anreiz zur Steigerung seiner Anbaufläche erhalten hat. Vorausgesetzt allerdings, daß an der Spitzenstelle Männer sitzen mit einem Höchstmaß von Verantwortungsbewußtsein.
Die Spitzenvertretungen der Landwirtschaft müssen sich hierüber völlig klar sein. Es kann der Landwirtschaft in der Bundesrepublik nichts Verhängnisvolleres widerfahren, als wenn letzt, in dieser entscheidenden Sachlage, Geschäftemacher und „Manager“ an die Spitze kommen. Was die Landwirtschaft und alle, die von ihren Erzeugnissen leben müssen, in erster Linie, nein: ausschließlich nötig haben, das sind Männer mit einem lauteren und makellosen Herzen, Männer von einer gleichen Verbundenheit nach beiden Seiten hin: landwirtschaftliche Sachverständige zwar, mit unbeirrbarem Sinn für die Sache der Landwirtschaft, aber mit einem ebenso unbeirrbaren Sinn für ihre Verpflichtung gegenüber allen denen, die mit einem Teil ihres Arbeitslohnes das Brot bezahlen müssen, von dem sie und ihre Familien leben.
Falsche Weichenstellung
-1. Der auf dem äußersten rechten Flügel stehende Abgeordnete der französischen Kammer, General Aumeran, der schon wiederholt als „Warner vor der deutschen Gefahr“ aufgetreten ist, hat in der letzten Sitzung des Parlaments erneut auf das Gespenst eines deutschen Zusammengehens mit der Sowjetunion hinweisen zu müssen geglaubt. Im Zusammenhang mit einer Debatte um den Schuman - Plan meinte Aumeran, in welche „Demütigungen“ Frankreich auch einwilligen würde, die „russische Braut“ werde für Deutschland immer die anziehendere sein, denn sie bringe die „verlorenen Gebiete“ als Mitgift mit.
Diese Ansicht ist erstaunlich und bedauernswert. Sie zeigt, daß gewisse Kreise in Frankreich immer noch überholten Vorstellungen verhaftet sind und ihre politischen Ziele um die Sicherung des Friedens und vor allem um Frankreichs Sicherheit unter falscher Weichenstellung zu erreichen suchen. In Westdeutschland hat man, abgesehen von wenigen Unverbesserlichen, schon längst erkannt, daß ein Brautstand mit der Sowjet-Union die endgültige Bolschewisierung Deutschlands bedeuten würde und damit auch eine größere Gefahr, für Europa und nicht zuletzt für Frankreich selbst, heraufbeschwören könnte. Und der Verzicht auf die „Mitgift“ der verlorenen Gebiete, den die ostzonalen Politiker bereits sanktionierten, würde für Deutschland endgültig sein. Freie Wahlen in der Ostzone könnten den General auch eines Besseren darüber belehren, inwieweit die „Freundschaft der Sowjet-Union“ Widerhall gefunden hat. Das wissen die Lenker der Ostzone sehr genau und treffen für die Oktober-Wahlen ihre entsprechenden Vorbereitungen.
Die Spannung zwischen Ost und West berührt das gespaltene Deutschland stärker als alle anderen Völker. Nichts wäre heilsamer für den Frieden Europas als ein friedliches Nebeneinanderleben Deutschlands mit der Sowjet-Union. Abei' nach der bisherigen Praxis des Kremls würde diese Freundschaft den Preis bedingungsloser Unterwerfung kosten. Und ein solcher „Brautstand“ würde dann auch für Frankreich eine größere Gefahr bedeuten als die Gesundung Westdeutschlands im Rahmen einer europäischen Zusammenarbeit. Die Stärkung einer echten Demokratie bildet das feste Bollwerk des Widerstandes gegen alle russischen „Brautpläne“. Sie bedeutet zugleich eine ständige Anziehungskraft für die unter dem Zwang der Unfreiheit lebenden Deutschen jenseits des eisernen Vorhangs.
Schachspiel
ein. Die nordkoreanischen Verbände sind in die weite Ebene Südkoreas eingetreten. Sie stehen mit ihren Angriffsspitzen hundertzwanzig Kilometer westlich Pusan. Im Ansatz ist die nordkoreanische Operation klassisch. Nach dem Durchstoß der Straßen- und Eisenbahnschleuse im Raum Taidschon war der Weg frei nach Süden und die Möglichkeit einer weiträumigen Umgehung gegeben.
Die amerikanische Führung hatte ihre Maßnahmen auf das Halten der Kum-Stellung abgestellt. Als der Damm des Widerstandes bei Taidschon auseinanderbrach, hätte man theoretisch sofort einen Frontwechsel vornehmen, weite Räume aufgeben und den nunmehr in der Luft hängenden Westflügel stark nach Süden zurücknehmen müssen. Der Mangel an größeren taktischen Reserven erlaubte diese Abwehrbewegung nicht, zudem banden äußerst starke feindliche Kräfte die ganze amerikanisch-koreanische Front derart, daß unter diesem Druck sich kein amerikanischer Entschluß frei auswirken konnte. Die Führer der 8. Armee befanden sich in der Lage eines Schachspielers, der dem feindlichen Zug stets mit den richtigen eigenen entgegensetzen konnte, ohne aber die feindliche Planung zerstören zu können, weil diese im Tempo immer einen Schritt voraus war.
Während die Koreaner, wie nach der Vorschrift arbeitend, den Feind frontal banden und außerdem an der Westflanke der Amerikaner immer und immer zu kleinen Umfassungsbewegungen ansetzten, denen die Amerikaner ebenso klassisch durch schnelle Rückwärtsbewegungen um wenige Kilometer begegneten, bahnte sich die Umgehung an.
Nun stehen nordkoreanische Panzer in der Ausgangsstellung, aus der nach der großen, ausholenden Bewegung zum Stoß in die tiefe Flanke und auf das Herz der feindlichen Versorgung angesetzt werden soll. Wenn sich eine solche Lage erst einmal ergeben hat, dann hat der Bedrohte selten noch Entscheidendes entgegenzusetzen. Aber für den Angreifer beginnt auch gleichzeitig der gefährlichste Augenblick seiner Planung. Nach dem Gesetz der Schwerpunktbildung, als Voraussetzung für den Erfolg, muß der Angreifer, wenn er zum Stoß ansetzt, übermäßig stark sein. Möglicherweise muß er alles auf eine Karte setzen und die letzten Reserven als Trumpf ausspielen. Der Stoß in die tiefe Flanke verzehrt sich durch die Entfernungen zum Teil selbst. Wird er abgefangen, dann bricht die ganze Operation zusammen, und für den Feldzug kann sich das Wort bewahrheiten, daß der falsche Ansatz sich nie wieder gutmachen läßt und zur Niederlage führen muß.
Vorläufig halten die Spezialisten im Hauptquartier des Generals Mac Arthur die Nordkoreaner im Süden für zu schwach, um eine Entscheidung herbeiführen zu können. Die nordkoreanische Planung ist aber auf diese Entscheidung abgestellt. Bereits die nächsten Tage werden zeigen, wer die Lage richtig beurteilt hat.
Erzherzog Otto von Habsburg, der österreichische Kronprätendent, der gegenwärtig in Deutschland weilt, war in den letzten Tagen Gast des Fürsten von Waldburg-Zeil auf Schloß Zeil bei Leutkirch in Südwürttemberg.
Wir fordern Rückgabe unserer Gefangenen
Ein neuer Appell der Bundesregierung an die Sowjet-Union
Bonn, 26. Juli, (dpa) Die vom Bundestag angenommene Erklärung zur Kriegsgefangenenfrage hat folgenden Wortlaut:
„Die Moskauer Konferenz der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland, der französischen Republik und der Union Sozialistischer Sowjet-Republiken hat am 23. April 1947 beschlossen, als Endtermin für die Heimsendung sämtlicher Kriegsgefangenen den 31. Dezember 1948 festzusetzen.
©fgnt irrt«
Wir beklagen tief, daß die Machthaber des Dritten Reiches bei der Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener vielfach gegen das Völkerrecht verstoßen haben. Aber auch bei der Behandlung deutscher Kriegsgefangener ist von allen Gewahrsamsländern in mehr oder' minder großem Maße gegen das Völkerrecht verstoßen worden. Aeußerungen offizieller sowjetischer Vertreter und die Teilnahme von sowjetischen Rechtspflege-Organen am Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg und Tokio beweisen, daß die Union Sozialistischer Sowjet-Republiken sich im Prinzip an das für Kriegsgefangene gültige völkerrechtliche Gewohnheitsrecht, wie es vor allem in der Haager Landkriegsordnung von 1907 niedergelegt ist, zu halten gebunden fühlt. Dies wird auch dadurch bewiesen, ,daß sie die neue Genfer Konvention von 1949 unterzeichnet hat.
Wo blitknt i»ir
Trotzdem hat die Sowjetunion entgegen allen völkerrechtlichen Grundsätzen große Massen von deutschen und volksdeutschen Zivilpersonen, Männern, Frauen und Kindern, aus den von der Roten Armee besetzten oder’ abhängigen Gebieten verschleppt, ohne daß diese Menschen bisher in der Lage waren, ein Lebenszeichen von sich zu geben.
Weder über die Tatsache der Verschleppung noch über die Zahl der Verschleppten ist bisher eine Aeußerung der Sowjetunion erfolgt. Nachweislich handelt es sich um Huhderttausende.
Diese Tatsachen erfüllen das ganze deutsche Volk mit ernster Besorgnis um das Schicksal der in der Sowjetunion zurückgehaltenen Kriegsgefangenen und Zivilpersonen.
Der Deutsche Bundestag weist mit großem Ernst darauf hin, daß bei der Behandlung deutscher Kriegsgefangener und verschleppter Zivilpersonen gegen die Grundsätze der Menschlichkeit verstoßen worden ist. Die fortgesetzte Nichtbeachtung der allgemein verbindlichen Normen hat nicht nur den deutschen Kriegsgefangenen und verschleppten Personen unermeßliche Leiden zugefügt, sondern auch die schmerzliche Tatsache einer Zersetzung der Völkerrechtsgemeinschaft geschaffen. Die Folgen sind für die gesamte Menschheit unübersehbar.
twH gürten
Der Bundestag beriet in dritter Lesung die Aufhebung der sogenannten Warenhaussteuer. Auf eine Interpellation der Bayernpartei, des Zentrums und der Deutschen Reichspartei zur Aufwertung des Kapitals der Altsparer erwiderte Bundesfinanzminister Schäffer, es sei der Wunsch der Bundesregierung, die durch die Währungsreform gegenüber den Altsparern entstandenen Härten sobald wie möglich auszugleichen. Bei einer Gesamtaufwertung der Altsparguthaben von nur zwanzig Prozent werde eine Spareinlage von fünf Milliarden Mark erfaßt. Das bedeute einen jährlichen Aufwand an Zinsen von mindestens dreihundert Millionen Mark. Eine jährliche Verzinsung in dieser Höhe sei jedoch nicht möglich. Die Bundesregierung werde prüfen, ob es nicht im Zusammenhang mit den künftigen großen investitionspolitischen Aufgaben möglich sei, das Altsparerproblem zu lösen.
Schäffer teilte weiter mit, daß die Aufwertung der Ostsparguthaben im Gesetzentwurf über den allgemeinen Lastenausgleich geregelt werde.
Bundesfinanzminister Schäffer antwortete, die Bundesregierung beabsichtige, wesentliche Beträge aus Vermögensabgaben verschiedener Art und aus der Heranziehung von Währungsgewinnen, soweit sie noch feststellbar seien, für den Lastenausgleich zu erhalten. Es sei nicht die Absicht der Regierung, die Leistung der Soforthilfe auf die Hälfte zu senken. Sie wolle jedoch das Schwergewicht auf produktive Leistungen verlegen. Für Erwerbs- und Arbeitsunfähige solle das System der Kriegsschadenrente beibehalten werden, es sei nicht vorgesehen, die Mittel aus dem Lastenausgleich gleichmäßig zu verteilen.
Sozialgesetze für fast vier Milliarden
Für verdrängte Beamte und Beschädigte / Vom Kabinett verabschiedet
“)r ahtberlcht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 26. Juli. Das Kabinett hat in seiner langen Sitzung am Dienstag, die sich bis nach Mitternacht hingezogen hat, zwei wichtige Sozialgesetze verabschiedet, das Körperbeschädigtengesetg und das Gesetz für die verdrängten Beamten, die zusammen einen Aufwand von etwa vier Milliarden Mark bedeuten. Arbeitsminister Storch betonte, daß sich bei dem Kriegsopfergesetz ungeheure Schwierigkeiten finanzieller Art ergeben hätten, weil dieses Gesetz über drei Milliarden Mark für über vier Millionen Renten erfordern werde.
Nach diesem Gesetz sollen bei dreißig und vierzig Prozent Beschädigung Grundrenten von zehn beziehungsweise fünfzehn Mark bezahlt werden. Bei fünfzig Prozent Beschädigung werden an Grund- und Ausgleichsrenten zusammen 65 Mark, bei sechzig Prozent r 5, bei siebzig Prozent 95, bei achtzig Prozent 115, bei neunzig Prozent 140, bei darüber hinausgehender Beschädigung 165 Mark gezahlt. Dazu treten zehn beziehungsweise fünfzehn Mark für die Frau eines fünfzig bis sechzig- Prozent beziehungsweise darüber hinaus Beschädigten und der gleiche Betrag für jedes Kind unter sechzehn Jahren. Auf den Teil dieser Gesamtsumme, der die Ausgleichsrente darstellt, werden sonstige Einkommen, wie Sozialrenten, angerechnet, soweit sie vierzig Mark übersteigen; bei Arbeitslohn und Gehalt werden insgesamt hundert und ein Viertel der darüber hinausgehenden Summe nicht angerechnet.
Kinderlose erwerbsfähige Kriegerwitwen unter vierzig Jahren erhalten keine Renten, zwischen vierzig und fünfzig Jahren vierzig Mark. Erwerbsfähige Witwen in diesem Alter mit versorgungsberechtigten Kindern unter achtzehn Jahren erhalten dazu noch dreißig Mark und behalten diese Zulage, auch wenn die Kinder achtzehn Jahre alt geworden sein werden. Erwerbsunfähige Witwen oder Witwen über fünfzig Jahre erhalten vierzig Mark, zusätzlich fünfzig Mark für Kinder. Halbwaisen erhalten bis achtzehn Jahre 31 Mark, Vollwaisen 61 Mark, die versorgungsberechtigten Eltern eines Gefallenen bei Bedürftigkeit fünfzig, ein Elternteil dreißig Mark.
Innenminister Heinemann legte dann die Grundzüge des Gesetzes für die verdrängten Angehörigen des Oeffentlichen Dienstes und die ehemaligen Berufssoldaten dar. Er teilte mit, daß eine Erfassung aller Angehörigen dieses Kreises und eine volle Befriedigung ihrer Ansprüche 1,7 Milliarden Mark gekostet hätte (für 600 000 bis 650 000 Personen). Angesichts der Unmöglichkeit, diese Mittel aufzubringen, seien drei Voraussetzungen geschaffen worden: Die Leistungen würden nur an über Fünfzigjährige geleistet, welche eine zehnjährige Dienstzeit hätten und es würden nur zwei Beförderungen seit 1933 angerechnet. Bei den Berufssoldaten gälten noch die weiteren Einschränkungen, daß sie bis zum 8. Mai 1935 in die Wehrmacht eingetreten sein müßten und daß Berufsunteroffiziere eine achtzehnjährige Dienstzeit nachzuweisen hätten. Danach erfasse diese Regelung etwa insgesamt 260 000 Personen, unter denen sich siebzigtausend ehemalige Soldaten befänden, während der Hauptteil die Vertriebenen ausmachen.
An Berechtigte über 65 Jahre und Dienstunfähige würden die Pensionen bis zu einhundert Mark voll, bis zweihundert Mark zu zwei ’ Drittel, über zweihundert Mark zu fünfzig Prozent ausbezahlt, was eine Durchschnittsquote von 74 Prozent ergebe.
Die unter 65 Jahre alten Dienstfähigen gälten als außer Dienst gestellte Beamte und erhielten ein Wartegeld bis zu einhundert Mark voll, darüber hinaus zu einem Viertel, was im Durchschnitt 52 Prozent ausmacht. Arbeitseinkommen über fünfzig Mark würden angerechnet.
Politik des Ressentiments
Fi. Es ist fast zu einer geschichtlichen Tragik geworden, daß die Weltpolitik der letzten zwei Jahrzehnte meist mehr von gefühlsmäßigen Momenten bestimmt war als von praktischen Erfordernissen. Die Leichtfertigkeit, , mit der mitunter führende Männer wegen eines Ressentiments oder aus einer allzu idealistischen Grundeinstellung heraus politische Notwendigkeiten mißachtet haben, hat über die Schrecken des letzten Krieges, hat über Jalta und Potsdam hinaus in gerader Linie zu der spannungsgeladenen Wirrnis der letzten Wochen und Monate geführt. Seit dem Tage der Berliner Blockade und mehr noch, seit dem Ausbruch des koreanischen Krieges versucht man nun, in aller Eile zusammenzuschweißen, was man früher rechtzeitig zu schmieden vergaß. Die Grundlinie der westlichen Politik ist unter dem Druck der Ereignisse von Amerika bestimmt worden. Sie trägt den Stempel der Entschlossenheit, und die übrige Welt wird sich ihr früher oder später beugen müssen.
Aber während in Korea amerikanische Soldaten mit der Waffe in der Hand für diese Politik, die zugleich die letzte Chance aller freien Völker ist, zu Felde ziehen, weiß man an anderer Stelle nur schwer das Gebot der Stunde zu verstehen. England hat sich nur zögernd zu Sanktionen gegen Korea und Rotchina entschließen können. Noch zögernder zur Entsendung von Bodentruppen auf den Kriegsschauplatz. Die Ermächtigung dazu hat das Kabinett erst am Dienstag erteilt. Doch am gleichen Tage hat sein Premier, der Ministerpräsident Attlee, erneut zu beweisen versucht, daß ein solcher Entscheid keineswegs gleichbedeutend ist mit einer Gemeinsamkeit im Handeln.
In London tagt der Atlantikrat. Berichten gut informierter Kreise zufolge, ist Amerika auf dieser Konferenz mit einer Reihe fest umrissener Forderungen aufgetreten. Darunter mit dem Vorschlag, Spanien in das militärische Verteidigungsystem des Westens einzubeziehen, oder zumindest Luftstützpunkte auf der Iberischen Halbinsel zu errichten. Ministerpräsident Attlee hat diese Forderung, die im Unterhaus gleichzeitig von konservativer Seite erhoben wurde, abgelehnt. Als Begründung erklärte der Premier, nach seiner Ansicht würde gegenwärtig die Heranziehung Spaniens die Abwehrfront des Westens nicht verstärken.
Ein solches Wort aus dem Munde des englischen Regierungschefs muß im Hinblick auf das lückenhafte westliche Verteidigungssystem nachdenklich, wenn nicht niederdrückend stimmen. Es zeigt, wie wenig die britische Arbeiterpartei bereit ist, aus ihrer Politik der Voreingenommenheit heraus zu einer europäischen Lösung zu kommen. Ganz gleich, ob dabei zuerst die Frage gestellt werden müßte, welche militärischen Kräfte Spanien mitbrächte. Oder vielleicht, welches Land sich im letzten Kriege politisch klüger verhalten hat? Spanien in seiner Neutralität, oder beispielsweise Italien, das als kriegführende Macht anschließend über die verschlungenen Wege des passiven Widerstandes in das Lager der Sieger hinübergewechselt ist? Italien zählt heute zu den Atlantikpakt-Staaten. Es erhält Waffenlieferungen und hat eine Armee. Aber das ist im Augenblick nicht mehr so wichtig. Entscheidender ist, ob man in England weiß, daß jede Verteidigung da zu einem sinnlosen Unternehmen wird, wo sie mit Ressentiments und nicht mit Einmütigkeit geführt wird.
Die Ltaliener verlassen die „Tour“
Nach tätlichen Angriffen auf Bartali und seine Kameraden
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Jt. Paris, 26. Juli. Seit dem Beginn der „Tour de France“, dem bedeutendsten radsportlichen Unternehmen der Welt, sind in Frankreich selbst die großen weltpolitischen Vorgänge in den Hintergrund gerückt; die Franzosen sprechen seit Wochen in erster Linie von ihrer „Tour“. Das RennSn wollte sich in diesem Jahre zu einem wahrhaft dramatischen Zweikampf zwischen den italienischen und französischen Teilnehmern zuspitzen. Um so erregender muß in ganz Frankreich, und natürlich auch in dem nicht weniger interessierten Italien, die Nachricht wirken, daß die Italiener nach der elften Etappe, mit der noch nicht die Hälfte der Gesamtstrecke erreicht war, ausgeschieden sind. Sportlicher Fanatismus und radikale politische Gruppen haben seit Jahren bei der „Tour“ Zwischenfälle heraufbeschworen; die Italiener waren oft schon bei der Fahrt durch französisches Gebiet, vor allem im Süden, Angriffen ausgesetzt, und ihre Landsleute rächten sich dafür weidlich, wenn die Fahrt mit der Etappe Toul°n—San Remo über italienische Straßen führte. Heimtückisch ausgestreute Glasscherben, an denen die Radreifen zuschanden gingen, waren zuweilen noch die leichtesten Waffen, mit denen die Fanatiker kämpften.
Auf der ersten Pyrenäen-Etappe, die am Dienstag von Pau über hohe Pässe und schwieriges Gelände nach St. Gaudens führte, war erwartungsgemäß der bis dahin im Hintergrund liegende, aber als großer Bergfahrer bekannte Italiener Gino Bartali Etappensieger geworden. Sein Kamerad Magni kam mit der Spitzengruppe ein und wurde dadurch Träger des „Gelben Trikots“, das den Ersten im Gesamtklassement kennzeichnet. Auch im Länderklassement waren die Italiener auf den ersten Platz gerückt. Dafür sahen sich aber die Italiener auch auf dem ganzen Weg Belästigungen ausgesetzt, die sich in Beleidigungen, Steinwürfen und Anrempelungen anderer Art äußerten. Gino Bartali wurde wiederholt als „Faschist“ beschimpft und schließlich von einem Zuschauer so schwer angegriffen, daß er vom Rad fiel. Eine erregte Gruppe drang auf Bartali ein und entriß ihm das Rad. Bartali holte sich jedoch seine Maschine wieder, setzte das Rennen fort und wurde trotz dem Zeitverlust Etappensieger. Am Etappenziel erklärte er jedoch gleich, daß er das Rennen nicht mehr fortsetzen wolle. „Wenn ihr uns nicht haben wollt, dann können wir ja gehen!“ rief der Italiener aus. Da sich später herausstellte, daß auch andere italienische Fahrer beleidigt und ihre Mannschaftswagen aufgehalten worden waren, erklärten sich die Italiener mit der Forderung Bartalis, aus dem Rennen auszuscheiden, solidarisch. Obwohl zwischen den Managern des Unternehmens und dem italienischen Mannschaftsführer Binda bis zum Mittwochmorgen über die Beilegung des Konflikts verhandelt wurde, kam es zu keiner Einigung. Die Italiener traten am Mittwochmorgen nicht mehr an. Gleichzeitig stellten die italienischen Zeitungskorrespondenten und Funkberichterstatter ihre Tätigkeit ein.
Da die „Tour de France“ nach dem Ausscheiden der Italiener stark an Wert verloren hat, ist die Erregung über den Zwischenfall in ganz Frankreich besonders groß. (Weitere Berichte im Sportteil dieser Ausgabe.)
Stimmen der Anderen
Rüstungsmwettlauf?
Der Pariser „Monde" schreibt zu dem Beschluß der westeuropäischen Verteidigungsminister, die Rüstungsanstrengungen der im Brüsseler Pakt zusammengeschlossenen fünf Staaten zu erhöhen: ,
„Mit Brotkarten macht man keine guten Soldaten. Nachdem man lange die Wachsamkeit der Oeffentlichkeit mit Pakten eingeschläfert hat, kann man nun nicht zur Finanzierung und zur Durchführung der verstärkten Rüstung zu drakonischen Einschränkungsmaßnahmen übergehen. Ebenso ist es unmöglich, bei einer galoppierenden Inflation die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.
Es ist wahrscheinlich', daß die im Atlantikpakt vereinigten Staaten ihre Rüstungsanstrengungen nicht einzeln tragen, sondern, daß die atlantische Aufrüstung in der Form eines Pools vorgenommen wird, so daß Frankreich zumindest für einen Teil der Produktion seiner Rüstungsfabriken in Dollars bezahlt werden würde. Es ist ferner damit zu rechnen, daß Waffenhilfsprogramm und Marshallplan schon bald in ein einziges System verschmolzen werden.
Trotz aller Gemeinsamkeit der Anstrengungen bringt aber der Eintritt in den Rüstungswettlauf große Gefahren mit sich. Kann man sich ohne weiteres an dem Defizit der französischen Staatsbahnen desinteressieren, das in diesem Jahr auf 110 Milliarden Francs steigt, oder die sozialen Forderungen und den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete unter dtn Tisch fallen lassen?"
Schutz gegen Atombomben
London, 26. Juli. (dpa). Die britische Regierung veröffentlichte ein Handbuch über zivile Verteidigungsmaßnahmen gegen einen Atomkrieg. Starke Ziegel und Betonmauern bieten nach diesem Handbuch einen guten Schutz vor Radioaktivität und Gammastrahlen, während Holz nur in schwächerem Maße schützt. Erdbunker mit einer Erdschicht von mittlerer Dicke bieten ganz ausgezeichneten Schutz. Eine große Gefahr wird für ungeschützte Menschen die bei einer Atombombenexplosion entstehende Hitzwelle sein. Sollte die Explosion ohne Vorwarnung erfolgen, so dürften allein dreißig Prozent aller Verluste auf Verbrennungen zurückzuführen sein, heißt es in dem Handbuch. Wenn jedoch rechtzeitig gewarnt werden könnte, dürften die Verluste durch die Hitzwelle „relativ gering“ sein.
Eine Atombombe wie die über Japan abgeworfenen würde bei einem Abwurf über einer britischen Stadt etwa die Wohnungen von 400 000 Menschen beschädigen. Mindestens hunderttausend würden obdachlos. Alle Personen, die sich in einem Umkreis von achthundert Metern um die Explosionsstelle im Freien befänden, würden den Tod finden, bei 1200 Meter Entfernung stehen die Aussichten für ein Ueberieben auf fünfzig zu fünfzig. Sollten Verletzte nach drei Wochen noch leben, so haben sie Aussicht durchzukommen, nach sechs Wochen haben sie dafür sogar gute Aussichten. Allerdings besteht die Gefahr einer „zeitweiligen Sterilität“.
Statt der Gasmaske sollte in einem künftigen Krieg jeder ein „Dosimeter“ bei sich tragen, das die Stärke der Radioaktivität messen soll. Dieser Dosimeter ist so groß wie ein Füllfederhalter und kann ebenfalls in Jackentaschen getragen werden. Erste Hilfe bei Verletzten eines Atombombenangriffs soll nach den gleichen Regeln erfolgen wie bei Behandlung eines Schocks. Die Patienten müssen vor allem warmgehalten werden, da die Haut außerordentlich empfindlich wird.
Dem Handbuch ist ein Vorwort des britischen Premierministers Clement Attlee beigegeben, in dem dieser die Sowjetunion dafür verantwortlich macht, daß die Vereinten Nationen in der Frage der internationalen Atomkontrolle keine Einigung erzielen konnten.
„Ruin, Tod und Glend“
Der Papst mahnt zum Frieden
Vatikanstadt, 26. Juli, (dpa) Papst Pius XII. hat am Mittwoch die Völker und die Regierungen der ganzen Welt zum Frieden gemahnt. In seiner ersten seit Ausbruch des Korea-Krieges veröffentlichten Erklärung forderte er zu öffentlichem Gebet um Frieden und Eintracht auf. „Denke ein jeder daran, wozu der Krieg — wie wir nur zu gut aus unserer Erfahrung wissen — führt: z” nichts als Ruin, Tod und Elend.
Europa muß wachsam sein
Die Tagung des Atlantikrates
London, 26. Juli. (AP/dpa/BBC). Schon auf der ersten Sitzung des atlantischen Exekutivausschusses wurde das wichtigste Thema angeschlagen: die Verteidigung Europas gegen eine Aggression aus dem Osten. Der amerikanische Delegierte Charles Spofford, der zum Vorsitzenden des Exekutivrates gewählt wurde, hob hervor, daß die westlichen Nationen wachsam sein müßten und sich nicht durch eine irgendwo in der Welt stattfindende Aggression schlafend überraschen lassen dürften. Die westlichen Nationen hätten eine überwältigende Ueberlegenheit der moralischen und eine potentielle Ueberlegenheit der materiellen Stärke. Am vordringlichsten sei es, die militärische Stärke zu erhöhen.
Ilja Ehrenburg und drei andere prominente Sowjetrussen, die sich an der sowjetischen Friedenskampagne beteiligen, sind zu einem Besuch nach Jugoslawien eingeladen worden.
Die Vertriebenen aus Danzig* treffen sich am 5. und 6. August zum ersten Male in Hamburg/
Hilpert zum Fall Wagner
Ein Schreiben an Ministerpräsident Stock
PräsidenYstock Jn einem Schreiben an Minister-Landesvorsitzende der Christlich Ministerpräsident und Hilpert, mit dem Falle Wagner Demokratlschen Union, Finanzminister Dr.
Man dürfe Wagner nicht zum Vorwurf machen, daß er das Sozialisierungsgesetz, das sein Vorgänger entgegen allen Einwendungen des Justizministers und des Finanzministers entworfen habe, nicht weiter vorangetrieben habe Man dürfe, bei dem völligen Versagen seines Vorgängers, Wagner jetzt nicht die politischen Folgen tragen lassen. Wagner habe in den übernommenen drei Ministerien eine außergewöhnliche Tatkraft bewiesen. Schließlich müsse auch erwogen werden, daß man Wagner jetzt nicht fallen lassen dü^fe, angesichts der verschiedenen schwebenden Gerichtsverfahren, insbesondere im Falle Engler.
Grundsätzlich bemerkt Hilpert wörtlich: „Die Christlich-Demokratische Union Hessen muß als Koalitionspartner sich ebenfalls aus dem Interesse des Landes Hessen mitunter in Gegensatz zur Christlich-Demokratischen und Christlich-Sozialen Union als Trägerin der Regierung im Bund stellen. Das ist naturgemäß auch für Ihr® Partei eine zwangsläufige Folge, sofern wir nicht zu einer absoluten Gleichschaltung des Bundes und der Länder kommen wollen.“ Abschließend bemerkt Hilpert: „Bei aller Anerkennung der Souveränität der einzelnen Koalitionsparteien hoffe ich, daß seitens Ihrer Partei nichts veranlaßt wird, was nicht zunächst sorgfältigst mit dem anderen Koalitionspartner abgesprochen worden ist.“
Die hessische Landtagsfraktion der Christlichen Demokraten billigte den Brief Dr. Hilperts an Ministerpräsident Christian Stock, in dem sich Hilpert hinter Albert Wagner stellt.
Noch keine Klärung
Weitere Verhandlungen um Wagner
HGR Wiesbaden, 26 Juli. (Eigener Drahtbericht.) Das Ergebnis der Besprechungen der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, die sich gestern in mehrstündiger Sitzung mit der Demission des Wirtschaftsministers Wagner befaßte, wird geheimgehalten. Es hat sich aber als notwendig erwiesen, den Fall Wagner weiter zu erörtern. Der erweiterte fünfzehnköpfige Fraktio'nsausschuß wird sich deshalb mit dem Landesausschuß der Partei am Donnerstag, dem 27. Juli, erneut mit der Demission Wagners befassen.
Nachrichten ohne Politik
Ein Panzer abgestürzt
Amberg, 26. Juli, (dpa) Bei einer Nachtübung durchbrach ein amerikanischer Panzer eine Straßenschutzmauer auf der vierzehn Meter breiten Autobahn von Sulzbach-Rosenberg nach Auerbach und stürzte in eine Mulde. Ein Soldat der Panzerbesatzung war sofort tot, vier andere wurden schwer verletzt.. Ein Soldat ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Bereits am Vortage war auf der Bundesstraße Nürnberg-Amberg ein amerikanischer Panzer in den Straßengraben gefahren. Ein zweiter, der ihn abschleppen wollte, blieb gleichfalls im Graben stecken. Ein dritter, der den beiden helfen wollte, fuhr auf der anderen Straßenseite in den Graben. Der Straßenverkehr war über eine Stunde lang gesperrt.
Ein Autobus ausgebrannt
Hamburg, 26. Juli, (dpa) Ein dänischer Luxusautobus aus Aarhus brannte auf der Autobahn Hamburg—Bremen völlig aus. Die Reisenden, 38 dänische Studenten auf der Rückreise von einer Hollandrundfahrt, erlitten keinen Schaden und konnten auch ihr Reisegepäck in Sicherheit bringen. Ein Sturm verhinderte Löschversuche des Fahrers. Auch die Hamburger Feuerwehr konnte das Fahrzeug nicht retten.
200 000 Schafe umgekommen
Sydney, 26. Juli, (dpa) 200 000 Schafe sind in diesen Tagen bei einer Unwetterkatastrophe in Neusüdwales (Australien) umgekommen. Tausende von Menschen wurden obdachlos und mußten in Kirchen oder Schulen untergebracht werden. Die Eisenbahnstrecken sind an zahlreichen Punkten durch Hochwasser unterbrochen. In den letzten Wochen war es in Neusüdwales schon zweimal vorher durch Gewitter und Wolkenbrüche zu Hochwasserkatastrophen gekommen.
Auf der Autobahn gerammt
Bad Aibling, 26. Juli, (dpa) Ein Kleinautobus mit neun Fahrgästen wurde am Sonntag bei einem »Halt auf der Autobahn bei Bad Aibling von einem schnellfahrenden Personenauto gerammt. Eine Frau wurde auf der Stelle getötet, ein fünfzehnjähriges Mädchen starb im Krankenhaus Bad Aibling. Andere Fahrgäste wurden verletzt.
3000 Nundfunksender in USA
Washington, 25. Juli. Die Zahl der lizenzierten Rundfunksender in den USA beträgt gegenwärtig nach einem Bericht des amerikanischen Bundesausschusses für das Nachrichtenwesen insgesamt 3 176, einschließlich 109 Fernseh-Sendern. Damit kommt ein Sender auf je 46 225 Amerikaner. Um die gleiche Senderdichte in Westdeutschland zu erreichen, müßten hier über tausend Sender aufgestellt werden.
Getränke- und Eissteuer
Gemeinden können 15 Prozent erheben
Wiesbaden, 26. Juli, (dpa) Das hessische Kabinett hat in seiner Dienstagssitzung den Entwurf eines Gesetzes über die Einführung einer Getränke- und Speiseeissteuer verabschiedet. Der Entwurf, der nun dem Landtag zugeleitet wird, soll eine Rechtsgrundlage dafür schaffen, daß die hessischen Gemeinden für Getränke mit Ausnahme von Bier, Milch, Milcherzeugnissen und reinen Fruchtsäften sowie für Speiseeis eine Steuer von höchstens 15 Prozent einführen können.
Wie Staatssekretär Dr. Bach sagte, müssen die Gemeinden jedoch von dieser gesetzlichen Möglichkeit keineswegs Gebrauch machen. Das Kabinett billigte ferner die erste Durchführungsverordnung zum Gesetz über den Abschluß der politischen Befreiung. Die Verordnung sieht unter anderem vor, daß die Wiedereinstellung ehemals Betroffener in den öffentlichen Dienst nicht zur Entlassung Unbelasteter führen darf.
Kabinett gegen Lurussteuer
Wiesbaden, 26. Juli. (dpa). Das hessische Kabinett hat beschlossen, mit aller Entschiedenheit gegen den der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf für die Einführung einer Luxussteuer aufzutreten. Wie Staatssekretär Dr. Hermann Bach am Mittwoch mitteilte, lehnt Hessen ein derartiges Gesetz ab, weil damit beispielsweise die Offenbacher Lederwarenindustrie und die Schmuckwarenindustrie in Hanau, sowie der Absatz der hessischen — insbesondere Rheingauer — Spitzenweine erheblich gefährdet würde. Die Maßnahme der hessischen Regierung sei dabei nicht etwa unter dem Gesichtspunkt der Abwendung einer Belastung der „Reichen“ zu sehen, sondern allein in der Tatsache, daß bei einem geringen Absatz der von der Luxussteuer betroffenen Gewerbezweige die dort beschäftigten Arbeitnehmer getroffen würden.
Mit der vom Bundestag beschlossenen Herabsetzung des Futtermittelpreises von 260 auf 240 D-Mark hat sich das Kabinett einverstanden erklärt.
Waffenhilfe
Washington, 26. Juli. (AP.) Präsident Truman hat am Mittwoch das Gesetz für das zweite Jahr des amerikanischen Waffenhilfeprogramms über 1,2 Milliarden Dollar unterzeichnet.
Die russische Stürke
Feststellungen des britischen Verteidigungsministers
London, 26. Juli. (AP.) Rußland habe zur Zeit 2 800 000 Mann unter den Waffen einschließlich „einer beträchtlichen Zahl von Soldaten in unmittelbarer Bereitschaft“ in Ostdeutschland, hat am Mittwoch der britische Verteidigungsminister Emanuel Shinwell vor dem Unterhaus erklärt.
Angesichts der russischen Stärke, sagte Shinwell, müsse man die Besorgnis des deutschen Volkes über die Verteidigung seines Landes als berechtigt anerkennen. Die englische Regierung ihrerseits habe aber gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands Stellung genommen. Wenn diese Ansicht geändert werde, dann nur auf Grund eines allgemeinen Abkommens aller westlichen Verbündeten. Der Minister sagte, daß ihm folgende Einzelheiten bekannt geworden seien:
1. Rußland unterhält 175 Divisionen, davon ein Drittel motorisierte Einheiten.
2. Rußland ist im Besitz von 19 000 Militärflugzeugen einschließlich Düsenflugzeuge modernster Bauart.
3. Rußland besitzt 25 000 Panzer.
4. Rußland kann seine ständige Armee von 2,8 Millionen Mann durch Einberufung der Reserven binnen kurzem verdoppeln.
5. Rußland verfügt über beachtliche Seestreitkräfte, darunter eine große Zahl von U-Booten, zum Teil modernster Bauart.
6. Rußland gibt nicht weniger als 13 Prozent seines Volkseinkommens für Rüstungszwecke aus.
Trotz allem, meinte Shinwell, sei es bei einem Vergleich der Kräfte Rußlands und seiner Satelliten einerseits und der Demokratien andererseits wohl kaum zweifelhaft, wer schließlich die Oberhand behalten werde. Die Atlantikpaktstaaten und ihre Verbündeten hätten Menschen- und Materialreserven, die jedem Gegner gewachsen seien.
Mar Arthur bleibt optimistisch
Lake Success, 26. Juli. (BBC.) Der Weltsicherheitsrat hat auf einer Sondersitzung einen Bericht Generals Mac Arthur entgegengenommen, ih dem der General von neuem seine Zuversicht in einen Sieg der Vereinten Nationen ausdrückt.
In dem Bericht heißt es. Wechselfälle seien zwar unvermeidlich, man müsse zwar ebenso sehr mit Verlusten wie mit Erfolgen rechnen, aber die Macht der Vereinten Nationen über den südlichen Teil von Korea bilde eine sichere Basis. Der Bericht erwähnt ferner den Einsatz von Panzern und Flugzeugen russischer Herkunft, sowie die zahlenmäßige Ueberlegenheit der Nordkoreaner.
Der Kindesmord-Prozeß in Dũsseldorf
Hohe Zuchthausstrafen beantragt
Düsseldorf, 26. Juli, (dpa) Im Kindesmordprozeß vor dem Düsseldorfer Schwurgericht beantragte der Staatsanwalt für die 35jährige Gertrud Rogge acht Jahre Zuchthaus und für den mitangeklagten 51jährigen Polen Franz Kwiecinski sechs Jahre Zuchthaus wegen Totschlags an ihrem dreieinhalb Monate alten Kinde.
Gertrud Rogge, die das uneheliche Kind einer Prostituierten ist, lebte mit Kwiecinski und drei Kindern in einem alten Eisenbahnwagen. Ihr Mann wurde im Kriege als vermißt gemeldet. Von Kwiecinski hatte sie zwei Kinder. Eines davon erschlug die Frau mit einem Eisenstab nach einem Streit, den sie mit Kwiecinski über das Haushaltsgeld hatte. Zuerst gestand sie auch, das Gesicht des Kindes anschließend mit einer Schere verstümmelt zu haben, um Rattenbisse vorzutäuschen, später schob sie diese Tat dann Kwiecinski zu.
Die Anklage wegen vorsätzlichen Mordes wurde nicht aufrecht erhalten, weil nicht festgestellt werden konnte, daß die Tat, wie der Mordparagraph voraussetzt, heimtückisch, grausam oder'aus niederen Beweggründen begangen worden war. Der Staatsanwalt nannte die Tat der Angeklagten bestialisch. Er hielt auch Kwiecinski trotz seines andauernden Leugnens für überführt, die Tat mit Frau Rogge vorher besprochen zu haben. Darauf lasse schon die Beschädigung von Kwiecinskis Aktentasche schließen, die Rattenbisse vortäuschen sollte. Kwiecinski habe auch das Gesicht des Kindes verstümmelt.
Frau Rogges Verteidiger plädierte darauf, die Angeklagte nur wegen versuchten Totschlags zu verurteilen, da sich nach dem medizinischen Gutachten nicht feststellen lasse, durch welche Gewalteinwirkung das Kind ums Leben gekommen sei. Der um 16 Jahre ältere Kwiecinski sei ohne Zweifel der führende Teil der Tat gewesen.
Kwiecinskis deutscher Verteidiger wies eine Mittäterschaft des Angeklagten zurück. Er könne höchstens wegen Begünstigung verurteilt werden, wenn er die Kindesleiche verstümmelt hätte, um die Tat seiner Gefährtin zu decken. Er sei aber nicht einmal der Begünstigung überführt, da er nur von seiner Mitangeklagten belastet werde. Kwiecinskis polnischer Verteidiger wies darauf hin, daß der Angeklagte als Pole von den Zuschauern und der Presse mißtrauisch angesehen worden sei, was sich durch eine Anzahl schwerer Verbrechen erklären lasse, die in jüngster Zeit durch deklassierte polnische Elemente begangen worden seien. Er bedankte sich für seine Zulassung und die Anwesenheit eines Dolmetschers.
Der Arzt Dr. Sch. aus Neuß, der nach einer kurzen oberflächlichen Besichtigung des toten Kindes auf dem Totenschein offiziell bescheinigt hatte, es sei an den Folgen von Rattenbissen gestorben, hatte bei seiner Vernehmung zugegeben, daß er unvorsichtig gehandelt habe. Er habe den Erklärungen der Leute ohne Vorbehalt geglaubt. Erst später seien ihm Bedenken gekommen. Er habe seinen Vorsatz, mit einem sachverständigen Kollegen über diesen Fall zu sprechen, dann aber über seiner Arbeit vergessen.
Hessische Hurznachrichten
Vater Rhein ist um 30 000 Jungaale reicher geworden.. Die Fischereibehörden in Darmstadt veranlaßten eine Sendung von acht Zentnern gleich 30 000 Jungaalen aus Hamburg, um sie im Rhein bei Gernsheim auszusetzen. Trotz der sommerlichen Hitze gelangten die Aale, im Eis wohlverpackt, dieser Tage quicklebendig nach Gernsheim.
Die Freie Demokratische Hochschulgruppe an der Universität Marburg und der „Liberale Club" der Frankfurter Universität schlossen sich am Dienstag in Marburg auf einer Delegiertentagung in Anwesenheit des Landesvorsitzenden der Freien Demokratischen Partei Hessens, August Martin Euler, zu einer Arbeitsgemeinschaft Liberaler Studentengruppen in Hessen zusammen. Diese Arbeitsgemeinschaft will zusammen mit den liberalen Gruppen anderer Bildungsstätten den liberalen Gedanken fördern.
Warm bis schwül
Eigener Wetterbericht
Die Druckverteilung über Mitteleuropa ist sehr gleichförmig. Langsame Abkühlung in der Höhe und Erwärmung, vor allem über Süddeutschland einschließlich der Pfalz und Rheinhessen begünstigen Gewitterbildung.
Aussichten: Wechselnde Bewölkung mit strichweisen Gewitterbildungen, warm bis schwül.
Der Rundfunk am Donnerstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher: 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrofon; 16.03 Hausfrauenkonzert; 17.00 Im Dreivierteltakt; 1800 Hörerlieblinge; 18.30 Leichte Unterhaltungsmusik; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Unterhaltungsmusik von heute; 21.45 Passiert-glossiert; 22.15 Werke von Beethoven, Schumann und Rachmaninoff; 2300 Nachtkabarett; 23.15 Tanzmusik.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.00 Schulfunk; 16.00 Nachmittagskonzert; 16.50 „Patriot un-’ redlicher Weltbürger“: 17.10 Hausmusik; 18.00 Unterhaltungsmusik; 20.00 Frohes Raten — Gute Taten; 20.45 Die blaue Stunde; 22.45 Beliebte Tanzkapellen.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 „Hallo Baden-Baden", 15.30 Nachwuchs stellt sich vor; 16.15 Trossinger Musiktage 1950; 17.15 Das SWF-Unterhaltungs-Orchester; 18,„0 Musik zum Feierabend: 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 „Offenbachiaden“; 22.30 Die großen Meister; 23.30 Für Kenner und Liebhaber.
NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Tanzweisen großer Meister; 14.15 Es spielt das Kurt-Kiermeir-Sextett; 15.00 Unterhaltungsmusik; 15.40 Das Hamburger radio-Tango-Orchester; 16.50 Vier Lieder von Siegfric Rehcaliga; 17.00 Klaviermusik: 13.00 Zwischen sechs und sieben; 19.00 Don Giovanni; 0,05 Berlin am Mikrofon.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER4) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Die große Maschine steht still.
Vierhundert Bleistisfte schreiben den Namen Georg J. Steen.
Ein wilder Jubel bricht auf, ein maßloses Händeklatschen lärmt los.
„Aber wo wohnt er?“ schreit eine fordernde junge Stimme mitten aus dem hä™- ' . , ... r
Sie wird verstanden, der Lärm vereoot.
„Ja... Donnerwetter... Sie vergessen uns zu sagen, wo Georg J. Steen wohnt, Miels.“ . . „
Georg H. Miels lächelt. Er weiß, daß er lächeln muß, um auch diese letzte kleine Schwierigkeit in seiner großen Sache zu überbrücken.
„Meine Damen und Herren, Sie Verständnis dafür haben, daß ich selbst der Erste zu sein wünsche, der Georg J. Steen und seine Lieben von diesem Gluck benachrichtigt. Ich wünsche ihn zu spre' dien und sein erster Freund zu sein. Morgen früh um sechs Uhr drei funkt der Sender der .Gesellschaft für Statistik und Markt.orschung die genaue und vollständige Anschrift a s Durchschnittsmenschen. Inzwischen werae ich ihn besuchen und ihn einladen, Kosten meiner Gesellschaft für ein paar Wochen als unser Gast in der P sfadf zu leben, in der erlesensten 1 g bung, die wir zu bieten haben, im Hotel der Metropole. Sie alte werden inn sehen, interviewen, begleiten, foto’ a ren. Es wird die größte Story Sie jemals zu schreiben hatten. Sie Ihre schnellsten Wagen bereif... morgen früh... sechs Uhr drei Minuten ... Leben Sie wohl!“
Mitten durch die Schar seiner Gäste hindurch, unter die sich in diesem Augenblick wieder die weißgekleideten Äutwärter mit hohen Gläsern voll Sekt, drängen, geht Georg H. Miels zum Lift.
Nur sein erster Sekretär und das Händeklatschen seiner Gäste begleiten ihn.
Im Lift steht ein Bofenjunge mit seinem Mantel, dem Schal, dem Huf, den Handschuhen.
„Sie sorgen also dafür, daß die Verträge mit den Werbefirmen noch in dieser Stunde hinausgehen, Herr Sekretär!“
„Niemand von uns wird Sie in Ihrer größten Sache im Stich lassen, Herr Generaldirektor ...“ verspricht er.
Der Lift hält. Miels durchquert die Vorhalle.
Unten an der Treppe steht ein schwerer, sdiwarzglänzender Wagen.
Miels steigt ein.
Der Wagen rauscht schnell davon.
Der Sekretär sieht zu seiner Uhr.
Es ist fünf Uhr eine Minute.
5.
Um fünf Uhr eine Minute zieht Georg J. Steen den Schlüssel aus seiner Manteltasche und öffnet die Tür zu seiner Wohnung. Er ist verdrossen. Seit je macht ihm das graue, nieselige Wetter der frühen Herbsttage unwirsdi und reizbar, und anscheinend nimmt diese Wirkung bei ihm von Jahr zu Jahr zu.
Im Flur seiner Wohnung brennt Licht. Auch diese unnütze Strom Verschwendung scheint in seiner Familie von Jahr zu Jahr zuzunehmen. Steen schließt die Tür hinter sich und stellt die Aktentasche mit den vier Flaschen Bier neben die Garderobe. Er schnüffelt. „Eva..ruft er empört. „Merkt denn niemand von euch, daß die Milch anbrennt?“
Seine Frau eilt aus der Wohnstube an ihm vorbei in die Küche.
„Das ist seif zwanzig Jahren so", ruft Steen gereizt hinter ihr her. „Seit zwanzig Jahren begreift anscheinend niemand von euch, daß man nicht aus der Küche herausgehen kann, wenn Milch auf dem Gas steht. Wahrscheinlich weiß ich garnichf mehr, wie unangebrannte Milch schmeckt.“
„Ich war überzeugt, Mary sei in der Küche“, verteidigt Frau Steen sich.
Steen hängt gerade seinen nassen Hut auf den Garderobehaken.
„Ihr seid immer davon überzeugt, daß ein anderer eure Arbeit tut“, brummt er. „Wo steckt Mary denn?"
„Ich weiß es nicht, Georg", antwortet Frau Steen.
„Vielleicht ist sie in Ihrem Zimmer.“
„Ihr Mantel hängt nicht hier“, stellt Steen fest. „Ist sie aus dem Hause gegangen?“
„Es wäre möglich ..."
„Du weißt es nicht?" fragte Steen wütend, er tritt in die Küchentür und schiebt die Hände in die Hosentaschen, und das ist bei ihm nicht das Zeichen einer behaglichen Stimmung, sondern die Ankündigung heftiger Gereiztheit.
„Sie sagte nur, daß sie vor dem Abendessen noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen möchte", antwortet Frau Steen. Sie spricht viel zu sehr leichthin, als daß Steen ihr aufs Wort glauben könnte.
„Idi wette, daß es sich ausnahmslos um Dinge handelt, die man in einer Drogerie kauft, wie?“ behauptet er wütend.
„Ich achtete nicht darauf", weicht brau Eva aus.
Und das ist mehr, als Georg J. Steen erträgt.
Er wirft sich herum.
Er ist mit zwei Schritten bei der Garderobe. Er nimmt den Mantel, den Hut.
Seine Frau kommt erschreckt aus der Küche.
..Willst Du noch einmal Weggehen?" fragt sie kleinlaut.
„Natürlich gehe ich", schreit Steen.
„Idi hole Mary... natürlich hole idi Mary... was denkst Du eigentlich?"
„Sie muß ohnehin jeden Augenblick kommen, wirklich, Georg“, möchte Eva Steen ihn besänftigen.
„Darauf verlasse idi mich nicht“ schreit Steen wild.
Und die Wohnungstür fliegt krachend hinter ihm in das Schloß...
Frau Eva Steen steht betroffen in der kleinen, mit billigen Serienmöbeln ausgestatteten Diele. Sie seufzt, saufzend nimmt sie Steens Aktentasche auf. um die vier Flaschen Bier in den Eisschrank zu stellen, damit wenigstens diese eine Angelegenheit in Ordnung ist.
Nichts sonst ist in Ordnung, seufzt Frau Steen in Gedanken.
Nidit nur ist die Milch einmal mehr angebrannt, nicht nur ist Mary außer Hause und wahrscheinlich bei diesem netten, kraushaarigen jungen Mann aus der Drogerie, nidit nur ist sie selber, Eva Steen, ganz offenbar zu gutmütig, das Mädchen wirklich von diesem Jungen fernzuhalten.
Da ist noch ihr Solin, Knut Steen, und er hat genau wie seine Schwester ein Projekt, das den Aerger seines Vaters hervorrufen muß, sobald er davon erfährt.
Frau Steen geht langsam wieder daran, den Topf zu scheuern, in dem die Mi eh anb rannte. Das Leben wird von Woche zu Woche schwerer, denkt sie dabei, von Woche zu Woche wird es schwerer.
6.
Eva Steen gehört zu jener sehr großen Menge von Frauen, die eine augenblickliche Mißstimmung fast immer dazu benutzen, ei e gründliche Zusammenstellung aller ihrer Schwierigkeiten zu machen. Ihre Gedanken leiten sie von der angebrannfen Milch, Marys Verschwinden und Steens Verdrossenheit also zu vielen anderen Umständen. Beispielsweise findet sie, daß die Wrasenklappe am Fenster ihrer Küche nicht groß genug ist, um den unangenehmen Geruch der angeb’anmen Milch in einet ausreichend kurzen Zeit ins Freie zu befördern. Die Küche uuc. „ c ryiele und möglicherwei e noch andere Räume der Wohnung werden arso noch lange, vielleicht den ganzen abend, nach angebrannter Milch riechen. Der Grund Hegt einfach dann, daß dieses Haus schlecht gebaut ist, daß man sich mit seinen Unzulänglichkeiten ewig Uerumschlagen muß, daß es in einer so entlegenen Straße liegt, weil Häuser in weniger entlegenen Straßei einfach feu-er sind, und natü“'ich leidet man in dieer Sache daran, daß Steen nicht mehr verdient, was wiederum seinen Grund darin hat, daß er nicht dazu veranlagt ist, mehr zu unternehmen.
Georg war immer so, erinnert sich Frau Steen seufzend. Alle Männer wa en imme so, wie sie heute sind. Nur ist man als jun jes Mädcbe ’ de Meinung, daß sie sich entwickeln weiden.
(Fortsetzung folgt)
Neue Filme in Darmstadt
Im Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung
WAS SOLLTE DIESER STURM UM INGRID BERGMAN?
Langsam fällt der Vorhang über das Ingrid-Bergman-Rossellini-Drama herab. Die Höhepunkte sind verrauscht, — nur eine kleine Oeffnung gestattet dem beharrlichen Rest eines sensationshungrigen Publikums noch ein paar bescheidene Ausschnitte: z. B. den Anblick eines gesunden, kräftigen Babys; oder die Ahnung von einer geschiedenen Frau, die — vielleicht — ihre Enttäuschung noch stärker an ihre Kunst binden wird; oder das Erhaschen eines flatternden Zettels, auf dem hohe Zahlen aufgerechneter Prozeßgebühren das Seelen-Drama nüchtern ablösen. Für denjenigen aber, der gewohnt ist, nicht nur die Ereignisse als solche wahrzunehmen, sondern auch darüber zu reflektieren, erhebt sich dje Frage: was bedeutete eigentlich dieser ganze Sturm?
Da war, ein paar Tage nach der Geburt des Babys, in einer Tageszeitung ein Artikel erschienen, der versuchte, die Begebenheiten um die - Rossellini-Liebe auf eine menschlich verständliche Bäsis zu bringen und sie als private Angelegenheit zu betrachten. Als die Angelegenheit einer jungen Frau und Künstlerin, die nach langjähriger und sogar glücklicher Ehe mit einem Arzt dieser Ehe im Zusammenhang mit ihrer künstlerischen Berufung entwachsen war. Ob diese Sachlage stimmt oder nicht, steht hier nicht zur Debatte — auf jeden Fall versuchte der Autor, abseits der Sensationen, eine Deutung für die inneren Vorgänge der beteiligten Menschen zu finden —, und das war ehrlich gemeint. Was aber geschah?
Bei vielen Lesern dieser Tageszeitung hatte der Artikel größte Entrüstung hervorgerufen. Einige Männer — ausgerechnet! — verstiegen sich zu Schmähreden über die „Ehebrecherin“. Schande über einen Artikelschreiber, der versucht hatte, ein menschliches Verständnis für Ingrid Bergman und die anderen Beteiligten aufzubringen!
Freilich, es hat etwas mit den Grenzen des Geschmacks zu tun, wie weit das private Leben berühmter Leute an die Öffentlichkeit gehört. Doch kann man weder Rossellini, noch der Bergman hier einen Vorwurf machen. Reporter aus aller Welt stürzten sich auf die Geschichte. Nun —, das war ihr gutes Recht. Gerade in Hollywood sind — viel mehr als in Deutschland — „Reklametricks“ an der Tagesordnung. Ihre Grenzen sind weit gezogen. Wer konnte denn gleich zu Beginn ahnen, daß die beiden Menschen, um die es ging, diese weitgezogenen Grenzen überschreiten würden, und daß es ihnen um ihre gegenseitigen Gefühle tatsächlich ernst sei? Daß sie auf diese Weise die dann wieder sehr eng gezogenen Grenzen der Hollywooder Etikette überschreiten würden? Nein — weiß Gott —, das konnte keiner der Reporter und Fotographen wissen! Denn das wußten wahrscheinlich die beiden Menschen zu Beginn selber nicht.
Kaum einer unserer Leser kennt Rossellini, Ingrid Bergman oder Anna Magnani oder Dr. Lindström. Und wenn es schon oft sehr schwer ist, bei ehelichen Auseinandersetzungen, Zerwürfnissen und Lieben unter Freunden den Begriff „Schuld und Unschuld“ zu klären —, wieviel weniger hei Menschen, die man niemals gesehen hat. Für alle Moralinisten aber, die behaupten, so was dürfe es einfach nicht geben: haben Sie schon einmal „Don Carlos“ gesehen oder „Maria M? ,'dalena“ oder Goethes „Stella“? Sind Sie aus dem Theater gegangen, und haben Sie gesagt: so was darf es einfach nicht geben?
Eines ist doch sicher: im Falle Rossellini-Bergman haben vier, Menschen ihre sicher nicht leichten Kämpfe gekämpft. Wahrscheinlich wären sie mit ihnen lieber außerhalb des Scheinwerferlichtes der Öffentlichkeit geblieben. Ihr künstlerisches Schaffen hat das nicht behindert. Und das ist gut so, denn ein Ja oder Nein zu ihrer künstlerischen Leistung scheint uns das einzige Werturteil, das über sie zu fällen ist.
ALARM IN SAN JUANO! Rauschgiftschmuggler am Werk! Morde, Entführungen, Geheimsender, Geheimagenten, tolle Verfolgungen, Gefechte zwischen Polizei und Schmugglern — ein spannender Abenteurerfilm. Wer aber ist der Chef der Bande, wer hat alle Fäden in der Hand? Die Polizei sucht fieberhaft, und erst die letzten Meter des Filmes bringen die Aufklärung. (Im Palast.)
Gute Ratschläge
Die Filmschauspielerin Viviane Romance hat ihren begeisterten Verehrerinnen kürzlich eine kleine Liste von Ratschlägen „für alle Fälle“ zukommen lassen. „Meine Damen“, schrieb sie, „wenn Sie die Männer vor sich auf die Knie zwingen wollen, so beherzigen Sie die folgenden neun Empfehlungen, die sicher zum Ziele führen:
1. Brauchen und mißbrauchen Sie soviel Parfüm als möglich, um die Männer zu verwirren.
2. Tragen Sie anliegende Kleider, die Ihre persönliche Linie zur Geltung bringen.
3. Seien Sie heiter und aufgeweckt, selbst wenn Sie sich abgespannt fühlen.
4. Tragen Sie originelle Hüte, die sich Ihrem Profil anpassen.
5. Bleiben Sie aufrichtig, auch wenn Sie keine Lust dazu verspüren.
6. Nehmen Sie Anteil an den Sorgen und Freuden anderer.
7. Versuchen Sie über alle Zeitereignisse auf dem laufenden zu sein und flechten Sie sie in Ihre Unterhaltung ein.
8. Eignen Sie sich die Gabe des schnellen und guten Sehens an.
9. Lassen Sie sich nie in nachlässiger Kleidung überraschen.
DER MANN MIT DER EISERNEN MASKE st der Zwillingsbruder König Ludwigs von Frankreich, Philipp. Der Vater der beiden aatte ihn schon als Kind in die Gascogne verschickt, um später einen Bürgerkrieg zwischen den Söhnen zu vermeiden. Als Jüngling kehrt er zurück nach Paris. Ludwig verurteilt den Bruder zum Tragen der eisernen Maske und verbannt ihn in die Bastille. Wer wird Sieger in diesem Ringen um Frankreichs Krone? Louis Hayward ist Hauptdarsteller in der Donnelrolle der beiden Brüder. (Im Hansa).
Bustelli
EIN SPIEL IN PORZELLAN
F. A. Bustelli aus Locarno, einer der größten Porzellanbildner des Rokoko, hat für die Nymphenburger Manufaktur eine Fülle von bezaubernden Figuren geschaffen, deren Maß nicht über die Spanne einer Hand hinausgeht. Die Komposition der Figuren leitet das Auge um sie herum; sie sollen gedreht werden: hier liegt eine legitime Aufgabe für den Film.
Dr. Carl Lamb, bekannt durch seinen Kulturfilm „Raum im kreisenden Licht“ hat mit Hilfe der getreuen Neuausformungen aus der ganzen Fülle der Figuren Bustellis ein pantomimisches Spiel gestaltet, das einen Lebenstag am kurfürstlichen Hof in Nymphenburg wiedererweckt. Schloß und Park sowie Gemälde und Stiche geben den Figuren ihren eigentlichen Lebensraum. Jagd, Volksfest, fürstliche Tafel in der Amalienburg, Garten und Liebesfreuden, Teestunde in der Pagodenburg erfahren ihre Steigerung im Komödienspiel. Aus den Gebärden der Figuren wurde eine StegreiLkomödie „en miniature“ entwickelt, bei welcher die Stimmen von Schauspielern, die den Typen am nächsten kamen, den Ausdrucksreichtum der bewegten Figuren völlig deutlich machen.
Hierzu haben namhafte Schauspieler wie Rudolf Vogel und Ernst Fritz Fürbringer, der auch den erläuternden Text sprach, beigetragen. Die Kamera führte F. I. Sichhart; Armin Knab schrieb die Musik und der Porzellanplastiker Francesco Stefani bereicherte bei der Bewegung der Figuren das Spiel durch eine Fülle lebendiger Einfälle. Insbesondere die Komödie wuchs aus einer echten künstlerischen Gemeinschaftsarbeit aller Beteiligten hervor.
Mit dieser neuartigen filmischen. Aufgabenstellung wird zugleich versucht, die Tradition des deutschen Kulturfilmes von Kunstwerken wieder zu beleben.
DIE ZIGEUNERPRINZESSIN Maria will ihren Don Diego heiraten, braucht aber dazu Geld, das sie sich mit ihrem Pferd „Wings“ bei Wettrennen verdienen will. Das Pferd gewinnt, wird aber disqualifiziert — aber keine Sorge, Maria findet schon ihren Mann, es muß ja nicht gerade Don Diego sein. Die Titelrolle dieses Farbfilms spielt Annabella. Im Belida.
Splitter und Späne
Einer unterzog sich der Mühe (oder dem Vergnügen?) all das zu notieren, was Marcel L’Herbier, der Regisseur vieler hervorragenden Filmschöpfungen über den Film und sein Publikum sagte. Hier ein paar Kostproben:
Das Publikum will für sein Geld — leiden ...
Wenn du den Berauschten spielst, bleibe nüchtern!
Wenn man bedenkt, wieviel falsche Wimpern, Glyzerintränen, vorgetäuschte Leidenschaften, Trick-Schwindel und Schmuck-Imitationen es auf der Leinwand gibt, dann müßte das Publikum eigentlich das Recht haben, mit — Spielmarken zu bezahlen.
Die immer wiederkehrenden, ja schon mythisch gewordenen Film-Figuren verschwinden nach und nach. Die Psychologie tötet den Typ.
Das Publikum ist entschlossen sentimental, daß es sein Herz wie eine Suppenh terrine herumträgt.
Gute Filme sind wie hübsche Mädchen! Sie ziehen jeden an! In der Malerei und in der Musik wird der Ruhm meist e’ngeweckt genossen. Im Kino zapft man ihn immer frisch vom Faß.
Eine neue Tonanlage beschaffte sich das Palast-Kino in der Grafenstraße. Wie Herr Trietchen uns mitteilte, handelt es sich dabei um das neueste Telefunken-Modell. Bei dem gerade laufenden Film „Leckerbissen“ konnten wir uns von der wesentlich besseren Klangwirkung überzeugen. DT
„Im Westen nichts Neues.“ Der alte Film „Im Westen nichts Neues“ wird in Wiederaufführungen erneut auf der ganzen Welt gezeigt werden.
„Stumme Zeugen“, ein Dokumentarfilm aus der Praxis der Verbrechenbekämpfung, ist fertiggestellt. Schauplatz war das Krimirxttechnische Institut in Hamburg.
Eine Lanze für den Kintopp
SCHADET DER WILD-WEST-FILM UNSERER JUGEND?
Gelegentlich darf der Film Kunst sein, oft ist er Konfektion, auf die Unterhaltungsbedürfnisse eines möglichst breiten Publikums zugeschnitten, er kann aber auch Kintopp sein. Bei diesem Wort sträuben sich dem ernsthaften Menschen die Haare, er denkt sofort an die naheliegende Klamottenkiste — und doch: Kintopp, gut gemacht, ist noch immer nicht das schlechteste. Wenn es hoch hergeht auf der Leinwand, wenn Nerven und Zwerchfell nach allen Regeln bewährter Kintopp-Kunst strapaziert werden — dann ist auch ein solcher Film vollkommen. Weil er nicht die Ambition hat, mehr zu sein als eben gut gemachten Kintopp.
Obenauf in dieser Kiste liegt der handfeste Wildwester, der wahrscheinlich noch unsere Enkel mit den ersten selbstersparten Groschen in die geheimnisvolle Welt der Cowboys, Pferdediebe und Rothäute locken wird. Diese Filme bieten Verbrechen, Liebreiz und Abenteuer in so populärer Form, daß sie von dem, was man im allgemeinen Filmkritik nennt, nie ganz ernst genommen werden. Wohl aber vom Publikum, welches größtenteils offensichtlich aus noch unverdorbenen (oder schon ganz verdorbenen) Gemütern besteht. Gewiß, es ist verfänglich, zu fragen, was denn eigentlich ein „Wild-Wester“ sei. Er besteht aus einer Prairie, einer -Kneipe, meist mit Damenbedienung nicht immer ganz vordergründigen Charakters, unter der sich natürlich auch hin und wieder ein verirrtes tugendsames Mädchen befindet, das dann, natürlich im letzten Moment, von einem kraftvollen Naturburschen gerettet wird. Das übrige ist ein staubiges Gewimmel von Pferdenüstern, breitkrempigen Hüten, tellergroßen Sporen und überdimensionalen Revolvermündungen.
Kein Wunder, wenn gegen den Wild-West-Film zahlreiche Bedenken laut geworden sind. Man beschwert sich darüber, daß sie mit der Heroisierung von schlechten Manieren, Roheit, Trunksucht usw. die jugendliche Phantasie in unerwünschte Bahnen lenkte, wobei die sich häufenden Kassenüberfälle in den Details ihre Anregung durch Kinovorbilder schwerlich leugnen können. Die Jugend jeder Generation machte ihre Flegeljahre durch, in denen Kraft und Gewandtheit alles gilt; und ob es nun grüne Rasenflächen oder weiße Filmflächen sind, wo sie ihr Ideal realisiert findet, bleibt schließlich doch mehr oder weniger gleichgültig. Gefährlich wird es erst, wenn solche Pubertätsideale von steckengebliebenen Genies ganzen Völkern suggeriert werden können.
Lassen wir also ruhig das Moralin in der dafür bestimmten Flasche und der Jugend ihr Vergnügen. Oder besser: Machen wir selbst auch einmal die Probe aufs Exempel, zu sehen, ob diese Welt nicht auch für uns noch ihren Zauber hat. Kann man wirklich ruhig auf einem Kino-Polstersessel sitzen, wenn „er“, gegen den kein Kraut und kein Sheriff gewachsen ist, über die Prairie saust, wenn er nach mörderischem Kampf die Pferdediebe stellt, wenn er sich in vollem Galopp aus dem Sattel fallen läßt oder plötzlich verwegen auf den Rücken eines Mustangs schwingt?
Wer noch ein Fünkchen Abenteurerblut in den Adern hat, kann da nicht in Ablehnung verharren. Auf der Leinwand knallt es — und jedes Abenteuer ist ein Treffer ins Schwarze, in das gottlob nie zu stillende Bedürfnis nach Abenteuerlichkeit und Männerromantik, auch den Menschen des sogenannten technischen Zeitalters.
MAHARADSCHA WIDER WILLEN kann man sehr leicht werden: Man braucht nur Haarwuchsmittetfabrikant zu sein, in einen Prozeß wegen Versagens des „Antiglatzin“ verwickelt zu werden, «daraufhin wegen Unwiderlegbarkeit der Anklage — weil man selbst eine Glatze hat — heimlich zu verduften, nach Zet zu fahren, wo ein Wunderfriseur selbst auf die hoffnungslosesten Glatzen noch eine Lockenpracht zaubert — und dort mit dem Maharadscha von Hatschipur verwechselt zu werden, weil man bei Nacht und Nebel bis aufs Hemd ausgeraubt wurde und in derart exotisch leichter Bekleidung als Maharadscha angesprochen und behandelt wird. Dieser Haarwasser-Maharadscha ist Kurt Seifert. (Im Union).
Notizen vom Film
Viveca Lindfors, die schwedische Schauspielerin; die ihren Vertrag mit Hollywood löste, reist im September zu Filmverhandlungen nach Paris. Sie wird voraussichtlich an der westdeutschen Premiere ihres Films „Songoalla“ teilnehmen, der Anfang Herbst bei der Prisma herauskommt.
Einen einstimmigen Erfolg hatte der Film „Des Lebens Ueberfluß“ bei der deutschen und internationalen Fachwelt. Selten wurde ein Film aus der neuen deutschen Produktion so einheitlich positiv beurteilt wie dieser Film, zu dem Wolfgang Liebeneiner Regie führte.
Eine Wochenschau mit Lokalkolorit wurde in Schwäbisch-Gmünd gezeigt und ließ die Besucherzahlen der Kinos derart Ansteigen, daß sich auch andere Städte zur Einführung dieser Neuerung entschlossen. Dem bisher unibekannten Filmstudio in Gmünd gingen bereits eine Reihe von Daueraufträgen zu.
Jean Simmons, die in Deutschland besonders beliebt ist, spielt die weibliche Hauptrolle in dem Film „Goldener Käfig“, der ein Heimkehrerschicksal, behandelt.
Adolf Wohlbrück und Stewart Granger stehen nach einer Umfrage in Berlin an der Spitze der beliebtesten ausländischen Schauspieler.
DER HERR KANZLEIRAT ist dem schönen Geschlecht nicht gewogen, das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Daß er aber gar bei ihrem Anblick ’on „rotem Tuch“ redet, sich geschworen hat niemals einem Weiberrock in die Falle zu gehen, das fordert das Schicksal heraus, das ihm in der wohlproportionierten Gestalt von Frau Seewald ins Amtszimmer kommt. Aus dem Weiberfeind wird ein balzender Schürzenjäger, der sogar mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Hans Moser als Kanzleirat sorgt in diesem Film für das nötige Durcheinander. (Im Thalia).
Darmstadt und Umgebunng
Kasernenmauer in der Holzhofallee verschwindet
Welcher ^aUer mit der Winde herausgebrochen. .eichtert auf, daß dieses häßliche Ueberbleibsel der Vergangenheit abgerissen wird Das frühere Kasernpm^prt^i 1 m TÄZ CJ. _ 1 1 1 t t • ... .Sten der Stadt hat durch die emsi^ Tätigkeit der Wiederaufbau-GmbH. in den letzten Monaten ein völlig verändertes Gesicht beei^mal ?u den anziehendsten Gegenden unserer Stadt zu einstigen Kasernen sind weiß getünchte Bauten aus der Erde gewachsen, vor die z.T schon Grünanlagen gepflanzt wurden. Eine Reihe großer Firmen haben sich dort niedergelassen, andere warten noch auf die Fertigstellung ihrer Hauser. FotQ. Sür£
Ein Wirken in der Stille
Mitgliederversammlung des Fürsorgevereins für Körperbehinderte e.V.
In Darmstadt fand am 25. Juli 1950 eine Mitgliederversammlung des seit 1911 bestehenden in aller Stille wirkenden Hessischen Fürsorgeverbandes für Körperbehinderte e. V. Darmstadt statt. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor, daß der Verein auch nach Eintritt der Währungsreform seine Tätigkeit fortsetzen konnte.
Der Verein besteht aus 784 Mitgliedern (Private, Gemeinden und Kreise in Hessen). Durch die Währungsreform hat er sein nicht unerhebliches Barvermögen verloren. Der abgewertete Rest mußte zur Betriebsführung und Beseitigung von Kriegsschäden der Orthopädischen Klinik Gießen, die Eigentum des Vereins ist, verwendet werden. Die Klinik diente bis 1945 der Ludwigs-Universität Gießen als Lehr- und Forschungsstätte. In ihr finden in der Hauptsache Kriegsbeschädigte, Unfallverletzte, Flüchtlinge sowie minderbemittelte Körperbehinderte aus ganz Hessen Aufnahme. Sie gilt als, die modernst eingerichtete Orthopädische Klinik in Hessen und steht unter der Leitung des Herrn Prof. Dr. med. Storck. Mit der Justus-Liebig-Hochschule in Gießen wird auch eine medizinische Akademie verbunden werden. Es wird gehofft, daß dann die Orthopädische Klinik wieder ihren alten Platz als Lehr- und Forschungsstätte eihnehmen wird.
Die Kassenverhältnisse des Vereins wurden vorgetragen und in Ordnung befunden. Der Herr Regierungspräsident zu Mainz erteilte im Sommer 1949 die Genehmigung zur Fortführung der früher schon im Gebiet der Provinz Rheinhessen ausgeübten Tätigkeit. Ein großer Teil der früheren Mitglieder aus diesem Gebiet ist wieder dem Verein beigetreten.
Orthopädische Beratungstage werden in Oberhessen und Starkenburg abgehalten. Mit Rheinhessen schweben wegen Einrichtung von Beratungstagen eben Verhandlungen. Im Jahre 1949 wurden in 119 Fällen Beihilfen für Heilbehandlungskosten an minderbemittelte Körperbehinderte, die keine gesetzlich geregelten Ansprüche geltend machen konnten, gewährt.
An Stelle des am 25. Februar 1950 verstorbenen Vorsitzenden, Stadtamtmann i. R. Gustav Lang, Darmstadt, wurde Regierungsdirektor Ahl, Darmstadt, als Vorsitzender gewählt, während der seitherige Geschäftsführer, Stadtoberinspektor Dosch, Darmstadt, in seinem Amt bestätigt wurde.
Eine Mitgliederwerbung ist beabsichtigt. Neuanmeldungen werden an die Geschäftsstelle, Darmstadt, Liebigstr. 2, erbeten. Der Jahresmindestbeitrag beträgt 2 DM.
In der Stadt notiert
Zu einer Familienauseinandersetzung mit massiven Handgreiflichkeiten kam es gestern nachmittag in der Muna-Siedlung bei Eberstadt. Man zog jedoch vor, die Tätlichkeiten einzustellen, bevor das herbeigerufene Ueberfallkommando eingreifen mußte. DT
Ein Motorradfahrer stürzte über einen Backstein, als er gestern nachmittag durch das Mühltal bei Eberstadt fuhr. Er wollte dem auf der Straße liegenden Stein ausweichen, kam dabei ins Schleudern und stürzte. Der Soziusfahrer wurde verletzt. DT
Zu einem Autounfall durch die Stra¬ ßennässe kam es gestern gegen 18 Uhr auf der Heidelberger Straße in der Nähe der Rennbahn. Ein von Eberstadt kommender amerikanischer Personenwagen kam durch die Nässe ins Schleudern und schlug mit seiner rechten Fahrzeugseite gegen einen in entgegengesetzter Richtung fahrenden Dreiradlieferwagen. Der PKW kam auf dem breiten Gehweg zwischen den Bäumen zum Stillstand. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt. Personen kamen nicht zu Schaden. DT
Bei der Neuwahl des Forumsvorstan¬ des, die für heute abend, 20 Uhr, in der Technischen Hochschule geplant ist, soll weitgehend nach einem von Dr. Bonn eingereichten Vorschlag zu einer Wahlordnung vorgegangen werden. Bei zu geringer Besucherzahl wird die Möglichkeit erwogen, die Neuwahl zü vertagen. Nach Vorschlag einer doppelten Anzahl von Vorstandskandidaten sollen diese bei Abstimmung über ihre eigene Person den Saal verlassen, um eine Beeinflussung der Wahl zu vermeiden. Die Abstimmung wird durch Handaufheben erfolgen, da andere Wahlverfahren — etwa durch Stimmzettelabgabe — mit technischen Schwierigkeiten verknüpft sind. DT
Der Druckfehlerteufel hatte seine Hand im Spiel und machte in unserem gestrigen Bericht über das Richtfest der Firma Schrumpf aus dem Gastwirt, Herrn Misch 1i c h einen Herrn Mischling. Dem Inhaber der Gaststätte Mischlich in der Beckstraße an der Woogstreppe servieren wir gerne diese Richtigstellung.
Kreiskonferenz
des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes Kreis Darmstadt (Stadt)
Am Sonntag vormittag tagten die Delegierten der 21 Darmstädter Gesangvereine im „Schlachthof-Restaurant“. Der 1. Kreisvorsitzende Albert Weichei begrüßte die Erschienenen und stellte fest, daß heute mit über 1100 aktiven Sängern im Kreis Darmstadt (Stadt) der Stand aus den Jahren 1933 wieder erreicht ist. Er gab einen ausführlichen Bericht über das verflossene Geschäftsjahr und betonte. daß in den Kreisen der Sängerbewegung eine starke Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen sei, ein gutes Zeichen für das im nächsten Jahr stattfindende Sängerfest des DAS in Frankfurt a. M. Nachdem der Rechner des Kreises, Hans Merz, den Kassenbericht abgegeben hatte, wurde ihm volle Entlastung erteilt.
Bezirksvorsitzender W. Denecke übermittelte den Anwesenden die Beschlüsse der letzten Bezirkstagung. Als Vertreter des Kreismusikausschusses sprach Chormeister Gottfried Geiß. Er teilte den Delegierten mit, daß ab 1. 9. 50 ein vierteljähriger Kursus zur Schulung von Vizedirigenten unter seiner Leitung stattfindet.
Der Kreisvorstand wurde einstimmig wiedergewählt, ein schönes Zeichen vertrauensvoller Zusammenarbeit.
Er setzt sich zusammen aus: Albert Weichei. 1. Vorsitzender: Karl Weißgerber, 2. Vorsitzender: Friedrich Kilian, Schriftführer: Hans Merz. Rechner; Phil. Stöhr, Beisitzer (Eberstadt): Chr. Dietrich, Beisitzer (Arheilgen).
Bei der folgenden allgemeinen Aussprache wurde einstimmig beschlossen, an der jährlichen Gedenkfeier für die Gefallenen und die Opfer des Krieges, wie in früheren Jahren. ’ teilzunehmen. Die Gedenkfeiern sollen in Darmstadt und in den Stadtteilen Arheilgen und Eberstadt mit Massenchören umrahmt werden. Mit dem Dank an alle Delegierten für die rege Anteilnahme am Wiederaufbau unseres höchsten Kulturgutes, dem „Deutschen Lied“, schloß der 1. y°rsitzende die Tagung. -Wei-
„Umgehungsstraße“ für Radfahrer
Die Heidelberger Straße können jetzt auch bei schlechtem Wetter alle Ra - fahrer vermeiden, die aus Richtung Eberstadt in die Innenstadt wollen. In den letzten Tagen wurde, gelegentlich der Verbreiterung der Bessunger Stra an der Kreuzung mit dem Donnersbergring, auch dieser mit einer etwa 2,0 u Meter breiten Asphaltdecke vers^y Mit Ausnahme einiger noch mange u ter Stücke ist damit ein ausgezeichnc er Radfahrweg in Verbindung mit der rtm denburgstraße geschaffen worden , eine Notwendigkeit, auf die das „ seinerzeit schon hingewiesen na durch kann die Heidelberger S r ihrer unglücklichen Schienen ag sentlich von Radfahrern entlastet den.
Eine Straßenkreuzung macht Sorgen
An der Autobahn lauert der Tod
Von Stadtrat Direktor Fritz Dreiheller
Das deutsche Autobahnnetz wurde mit der Autobahn Frankfurt a.M.—Darmstadt begonnen. Es ist selbstverständlich, daß die Planungen für die ersten Auffahrten ohne besondere Erfahrungen erfolgten.
Folge des Mangels an Erfahrung für die Anlage der Auffahrten war, daß in Darmstadt, aber auch anderwärts, An- und Abfahrten geschaffen wurden, die zu Niveaukreuzungen zwangen. Die zu engräumig angelegten An- und Abfahrten waren ein weiterer Fehler. Auf diese Weise wird die Darmstädter Autobahneinfahrt ein Sorgenkind erster Ordnung. Es kommt hinzu, daß die Darmstädter Auffahrt die stark befahrene Bundesstraße 26 — Durchgangsstraße von Osten nach Westen — benützt. Unmittelbar westlich der Autobahn zweigt von dieser Bundesstraße die Straße nach Griesheim —Oppenheim—Nierstein ab, deren Belegung ebenfalls stark ist.
Die Autobahn ist beinahe rechtwinklig zur Bundesstraße 26 unter dieser hindurchgeführt. Dadurch sind die Ein- und Ausfahrten zwangsläufig unübersichtlich. Kommt man von Darmstadt und will auf die Autobahn einbiegen, muß die Straße gekreuzt werden, gleichgültig, ob man nach Frankfurt oder Mannheim —Heidelberg will. Bei steigendem Verkehr hat sich dadurch ein Gefahrenpunkt ersten Ranges entwickelt. *
Ein grundsätzlicher Umbau der Darmstädter Autobahneinfahrt muß daher gefordert werden. Teilweise Verbesserungen und Halbheiten können hier nichts nützen. Es ist notwendig:
1. Die Einfahrt nach Frankfurt muß unmittelbar von der Rheinstraße nach Norden abzweigen, und zwar noch ostwärts der Autobahn. Schwierigkeiten verursacht das Gelände und die parallel zur Rheinstraße führende elektrische Vorortbahn, die vorläufig noch eingleisig gebaut ist, aber in absehbarer Zeit zweigleisig ausgebaut werden muß;
2. Mit dieser Einfahrt von Darmstadt nach Frankfurt muß kombiniert werden die Ausfahrt von der Autobahn aus Richtung Mannheim—Heidelberg in Richtung Groß-Gerau—Mainz und Griesheim —Oppenheim.
3. Die Einfahrt nach Mannheim — Heidelberg, wenn man von Darmstadt kommt, muß von der Rheinstraße ebenfalls nach Norden abzweigen, jedoch westlich der Autobahn.
4. Mit dieser Einfahrt zu kombinieren ist die Ausfahrt aus der Bundesautobahn von Frankfurt kommend nach Groß-Gerau und Oppenheim.
5. Der Vollständigkeit halber sei vermerkt, daß die Ausfahrt von Frankfurt kommend in Richtung Darmstadt bleiben muß, wie sie bisher war.
6. Ebenso verhält es sich mit der Ausfahrt von Mannheim—Heidelberg her in Richtung Darmstadt.
Die Skizze verdeutlicht dem Auge diese Notwendigkeiten.
Infolge der Tatsache, daß sich die wichtige Ost - West - Verbindung Bayern— Aschaffenburg — Darmstadt — Mainz — Rheinland mit der wichtigen - Süd-Verbindung der Autobahn kreuzt, haben sich weitere unhaltbare Zustände entwikkelt. Konnte die Tankstellenanlage, als man die Autobahn erbaute, als großzügig und weitreichenden Bedürfnissen entsprechend angesehen werden, so zeigt sich heute bei dem ungeheuer gestiegenen Verkehr, daß diese Anlage viel zu eng für die Bedürfnisse geworden ist. Sie muß beseitigt und ersetzt werden durch Tankanlagen beiderseits der Autobahn, etwa in Höhe der Snack Bar. 'Dort sind dann auch ausreichende Abstellplätze anzulegen, damit die Lastzüge nicht mehr die Fahrbahnen der Einfahrten und ihre Umgebung zum Abstellen benutzen. Speditionsunternehmen planen die Errichtung eines Autohofes, der für mindestens hundert Lastzüge Abstellplätze und Tankgelegenheit und darüber hinaus für die Fahrer Uebernächtungsmöglichkeit bieten soll. Das Projekt ist bislang an der mangelnden Finanzierung gescheitert.
Wenn im vorstehenden die Notwendigkeit aufgezeigt wurde, die Darmstädter Autobahnauffahrt grundsätzlich und ausreichend zu reorganisieren, so bin ich mir bewußt, daß dies erhebliche Mittel verlangt. Ich halte es aber für richtig, die Darmstädter Autobahnauffahrt großzügig zu gestalten und, soweit es notwendig ist, die Straßen, die dahin führen, entsprechend zu verbessern.
Hefekranz und Streuselkuchen
Woher nehmen Hessens Bäcker und Hausfrauen ihre Hefe?
Wenn die Hausfrau beim Bäcker Hefe zum Backen ihrer Kuchen kauft, fragt sie bestimmt nicht danach, woher diese Hefe kommt und wie sie hergestellt wird. Unser We-Redaktionsmitglied besuchte deshalb Hessens einzige Hefefabrik, um sich für unsere Leser über Wesen und Herstellung der Hefe zu informieren.
Wenn man vor dem 28 Meter hohen Fabrikgebäude der Firma Josef Pleser Söhne in Eberstadt steht, macht man sich keinen Begriff von der Größe der technischen Anlagen, der Erfahrung, Zuverlässigkeit und Verantwortung, die für die Herstellung einer qualitativ hochwertigen Hefe nötig sind.
Was ist eigentlich Hefe? Sie gehört, so belehrte uns Dr. Pleser, einer der Inhaber, zu den niedrigen pflanzlichen Lebewesen und besteht aus mikroskopisch kleinen eiförmigen Einzelzellen. Ihre Gewinnung beruht auf keinem chemischen Verfahren, sondern ist ein biologischer Vorgang, der im großen durchgeführt wird und einer dauernden Ueberwachung in dem mit neuzeitlichsten Apparaturen ausgerüsteten Laboratorium bedarf.
Bis zum 1. Weltkrieg diente Getreide — insbesondere Mais — als Ausgangsmaterials. Zugunsten der Versorgung mit Brotgetreide ging man dann zur Melasse über und dabei blieb es bis heute. Die Melasse, ein Restprodukt aus der Zuckergewinnung, wird in Kesselwagen nach Eberstadt gebracht und in den drei großen, im Freigelände stehenden Tanks der Firma Pleser, die ein Fassungsvermögen von 3000 cbm haben, gelagert. Zur Fabrikation wird sie aus den Tanks in die Vorratsbottiche im Innern der Fabrik gepumpt und läuft von dort in andere Behälter. in denen man sie mit einer bestimmten Menge Wasser verdünnt. Durch Klärung mit Säuren und physikalisch in Separatoren (d. s. schnellaufende Zentrifugen) gereinigt wird die Melasse durch Aufkochen sterilisiert. Auf diese Weise vorbereitet, kann sie jetzt kontinuierlich zum Gärbottich laufen, in dem sie in der Regel 12 Stunden gärt. Im Gärraum der Firma Pleser stehen 5 Gärbottiche. Es sind große, viereckige oder kreisförmige Gefäße aus Kupfer oder nichtrostendem Stahl, die 5 bis 6 Meter hoch sind und 100 000—185 000 1 fassen. In einem dieser Bottiche werden je nach Größe 70 bis 120 Zentner Hefe erzeugt. Die Gesamtkapazität der Firma Pleser beträgt 400 Zentner Hefe täglich.
Der eigentliche Gärprozeß geht folgendermaßen vor sich:
In eine bestimmte Menge biahrlösung kommt die mit Wasser verrührte Mutterhefe — in einem langwierigen Verfahren aus einer isolierten Einzelzelle herangezüchtet. Während der ganzen Gärzeit muß die Flüssigkeit durch Kompressoren oder Gebläse, die Luft durch die am Boden der Bottiche befindliche, mit feinsten Löchern versehene Strahlrohre drücken, belüftet werden. 7500 cbm Luft bringen auf diese Weise stündlich 100 000 1 Nährflüssigkeit zum Sprudeln.
Die günstigste Wachstumstemperatur der Hefe liegt bei 30 Grad Celsius. Zu ihrer Regelung befindet sich im Bottich ein Kühlsystem. Neben dem Wachstum und der Vermehrung der Hefe findet gleichzeitig eine alkoholische Gärung statt. Nach der Beendigung des Gärvorganges muß daher die gebildete Hefe von der alkoholhaltigen Würze in einer Separatorenanlage getrennt werden. Die Würze wird in Vorratsbehälter gepumpt, von diesen in eine große, modern eingerichtete Öestilieranlage geleitet und zu 96prozentigem Alkohol abgebrannt. Rund 2 000 000 Liter Alkohol kann die Firma Pleser im Jahre erzeugen.
Die vom Alkohol befreite, dickflüssige Hefe wird nach vorangegangener Kühlung der Filterpressen abgepreßt und in 6 Zentner fassenden Behältern in einem Kühlraum bis zum Versand aufbewahrt. Nach Einstellung auf den gewünschten Trockengehalt, Knetung in Mischmaschinen, Auspfundung auf Spezial-Teil- und Formmaschinen, automatischer Einwickelung und Verpackung in Kartons geht sie mit eigenen Lastkraftwagen, der Bahn oder der Post zur Kundschaft.
Ein eigenes Heim
für das JRK in der Heimstättensiedlung
Großen Erfolg mit ihrer Arbeit hatte in der Heimstättensiedlung die unter Leitung der Herren Rosenkranz und Nink bestehende Jugendgruppe. Mit mehreren von ihr arrangierten Veranstaltungen erfreute sie die alten Leute der Heimstättensiedlung über 70 Jahre, die Buchenländer und Ungarndeutschen. Zweimal bereitete sie dem Altersheim „Kühler Grund“ bei Jugenheim mit Geschenken eine Ueberraschung. Mit einer Ausstellung trat sie an die Oeffentlichkeit und zeigte, was in stiller Arbeit in den Bastelstunden geleistet wird.
Zur Zeit arbeitet Herr Rosenkranz einen Plan für ein Heim für seine Gruppe aus. Da das Pulverhaus zur katholischen Kirche verwandelt wurde, kann die Jugendgruppe dort nicht mehr zusammenkommen. Der ihm noch für Zusammenkünfte überlassene Raum in der alten Schule reicht bei weitem nicht aus. Der Kreisverband hat nun von der Stadt einen Platz von 300 qm hinter der Heimstättenschule gepachtet, auf dem die Jugendgruppe zunächst für den Winter eine Baracke, die ihr vom Stadtjugendausschuß zur Verfügung gestellt wurde, aufbauen wird. In Selbsthilfe wird sie den Grund für den Keller ausheben, in dem sie eine Werkstatt ein¬ richten wird. t-s
Konflikt Krankenkasse - Krankenhäuser
Abgebrochene Kampfmaßnahmen / Es geht schließlich um Menschenleben
Zwischen der Allgemeinen Ortskrankenkasse Dieburg und den Krankenhäusern, in die sie ihre Mitglieder einweist, ist es zu einem Konflikt gekommen, über dessen Beilegung am Mittwoch in Wiesbaden mit positivem Ausgang verhandelt wurde. Die Krankenkasse beanstandete die Pflegesätze zweier privater Anstalten und verhängte die Sperre über sie. Die anderen Anstalten, so auch die der Stadt Darmstadt, erklärten sich mit den boykottierten solidarisch und beschlossen ihrerseits, keine Ueberweisungen von Dieburger Kassenpatienten aufzunehmen.
Mit dieser Kampfansage der Krankenkasse, die als unzulässig angesehen wurde, und ihrer Abwehr durch die Hessische Krankenhausgesellschaft war eine Situation entstanden, deren Le’dtragenae die Menschen gewesen wären, die der Krankenhausbehandlung bedürftig sind. Die Oeffentlichkeit hätte es nicht begriffen, wenn dem Streit über die Kostendeckung nur eine einzige Gefährdung auch nur eines einzigen Menschen gefolgt wäre. Wie man uns sagt, ist zum Glück ein solcher Fall nicht eingetreten.
Man hat sich also in Wiesbaden geeinigt. Den beiden Krankenanstalten—es handelt sich um Kliniken in Bad König — werden die ihnen zustehenden Sätze bewilligt und der Friede Ist damit hergestellt. Nun die Frage aber einmal aufgerollt ist, dürfte auch die Bereinigung der ganzen Streitfrage nicht mehr lange auf sich warten lassen. In seiner Rede zum Darmstädter Etat hatte Stadtkämmerer Dr. Feick folgendes über die Auseinandersetzungen mit den Krankenkassen gesagt:
„Durch einen Spruch der Preisstelle in Wiesbaden wurde zwar der Pflegesatz von 6,80 auf 7,40 DM erhöht, aber obwohl das immer noch bedeutet, daß aus den Mitteln der Darmstädter Steuerzahler pro Pflegetag rd. 2,50 DM drauf gezahlt werden, führt die AOK diesen Spruch zunächst einfach nicht durch. Es ist k^ar, daß wir dieses unverständliche Verhalten der AOK nicht stillschweigend hinnehmen können. Wir verkennen keineswegs, daß die Lage der AOK Darmstadt sehr schwierig ist. Aber wir glauben von der Gegenseite erwarten zu können. daß sie nicht der Stadt .Darmstadt zumutet, die Ortskrankenkasse zu sanieren, um so weniger, als rd. zwei Drittel der belegten Betten auf Nicht-Darmstädter entfallen. Wenn die Krankenkassen nicht mehr in der Lage sind, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen, bzw. zu halten. so müssen sie sich an den Staat wenden, und wir sind gern bereit, sie dabei zu unterstützen."
Man darf nach dem Ausgang den Wiesbadener Besprechung annehmen, daß die Verbindlichkeit des Spruches der Preisstelle allgemein anerkannt wird. P.D.
Elisabeth Langgässer
Nach schwerer Krankheit starb am Dienstag in einem Karlsruher Krankenhaus die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer.
Elisabeth Langgässer wurde 1899 in Alzey in Rheinhessen geboren. In den zwanziger Jahren, als ihre ersten Werke veröffentlicht wurden, wohnte sie in Darmstadt in der Hochstraße' und war als Lehrerin in Griesheim tätig. Sie schrieb eine Reihe von Romanen und Erzählungen, u. a. „Triptychon des Teufels“, „Proserpina“, „Gang durch das Ried“. In ihrem größten Werk „Das unauslöschliche Siegel“ ließ sie den Kosmos in seinen abgründigen und lichtvollen Bezügen Gestalt werden. Aus ihrer Lyrik, die in den „Tierkreisgedichten“, dem „Laubmann“ und der „Rose“ zusammengefaßt ist, spricht eine herrliche Bildfülle und eine antike oder christliche Naturschau. Zeitnahe Erzählungen sind im „Torso“ veröffentlicht. Im Herbst wird ein neuer Roman von ihr publiziert.
Elisabeth Langgässer wird am Freitag um 14.30 Uhr von der katholischen Pfarrei St. Ludwig aus in einem Familiengrab auf dem Alten Friedhof in Darmstadt beigesetzt werden. Sie hinterläßt in Rheinzabern, wo sie zuletzt wohnte, ihren Gatten und drei Kinder. t-s
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Union: „Die Kuckucks“; Thalia: „Träum’ nicht, Annette!“; Belida: „Abenteuer auf hoher See“; Palast: „Leckerbissen“; Hansa: „Wiener Mädeln“.
Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler; Holzhofallee: Ausstellung zum Ströher-Preis; Mathildenhöhe: Das Menschenbild in unserer Zeit; Amerikahaus: fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellung Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika; d’Hooge, Mathildenplatz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.
Mathildenhöhe: 17.00 Uhr, Führung von Dr. Schmoll, gen. Eisenwerth, durch die Ausstellung: „Das Menschenbild in unserer Zeit“.
„Constantia“, Verein für kath. Kaufleute und Beamte: 20.00 Uhr, Hotel Knauf, Vortrag von Pater Ansgar.
Amerikahaus: 20.00 Uhr, Vortrag Prof. Dr. Richard Benz. Heidelberg: ..Gustav Wolf 1887—1947; das malerische Werk“.
Technische Hochschule: 18.15 Uhr. Aula, Vortrag Dr.-Ing. Klemperer: „Aus den Grenzgebieten von Meteorologie und verwandten Wissenschaften“.
Starkenburg
Schon über 1000 Jahre wird in Pfungstadt Bier gebraut
Bei der ersten urkundlichen Erwähnung eines Pfungstädter Braubetriebes, im Jahre 785, werden mehrere Mühlplätze genannt. U. a. die Hofstatt an der Mühle und der Braukessel an der Modau. Diese frühen Belege beurkunden die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt: Müllerei und Brauerei.
Das bis in die heutige Zeit durchgehende Unternehmen beginnt im Jahre 1831 in Hahn, wo im „Hirsch“ (das heutige Bauernhaus Adam Rau) eine Hausbrauerei gegründet wurde. Der „Hirsch“ war zugleich Posthof und Sammelplatz der damaligen großen Hofjagden.
Im Jahre 1846 wurde der Betrieb nach Pfungstadt verlegt, w’O die Grundwasserverhältnisse den Bau von tiefen Lagerkellern begünstigten. Das Unternehmen blühte rasch auf, zumal es die erste Braustätte war, die in dieser Gegend untergärige Biere herstellte, und schon im Jahre 1872 als zweite in Deutschland eine Eismaschine anschaffen konnte. Der silberne Becher, den der Betrieb als Preis bei der Ausstellung 1874 in Hagenau erhielt, spricht für die Qualität der damaligen Erzeugnisse. Das wichtigste Gebäude der Brauerei, das Sudhaus, wurde im Jahre 1909 von Christian Ulrich,* dem Sohn des Kommerzienrates Justus Ulrich, Schwiegersohn des Gründers Justus Hildebrandt, errichtet.
Die wichtigsten Faktoren eines Braubetriebes sind das Sudhaus, der Gär- und Eagerkeller und der Abfüllkeller. Im Sudhaus werden die Ausgangsstoffe, Wasser, Malz und Hopfen verarbeitet. Das Malz wird über großen Walzenstühlen geschroten (zerldeinert) und unter Zugabe von Wasser gemaischt. Aus der Maische wird der Extrakt herausgezogen, indem sie je nach dem entsprechenden Sudverfahren verschiedene Temperaturen durchläuft (Stärke- und Eiweißabbau).
In großen Bottichen, die mit einer Schutzmasse ausgekleidet sind, vergärt man im Gärkeller mit Zusatz von Hefe, wodurch Alkohol und Kohlensäure auf natürlichem Wege entstehen. Weiße Schaumkronen, Kräusen, wie eine skurrile Gletscherlandschaft, zeigen den Ablauf des Gärprozesses an. Jeder Braumeister ist bemüht, eine gleichmäßige, schöne Kräusendecke zu haben. Peinlichste Sauberkeit ist auch hier oberstes Gebot, und jede Arbeit an den Kühlschlangen, die die Temperaturen regeln, wird in Gummischuhen und Handschuhen ausgeführt.
In den unterirdischen Lagerkellern beträgt die Temperatur stets um 0 Grad. Der Kellermeister des Betriebes entspricht ganz der allgemeinen Vorstellung: klein und rund, behandelt er seine Pfleglinge, Riesentanks, in denen das Jungbier zwischen drei und sechs Monaten nachgärt, mit Sorgfalt und Liebe und der Kunst langer, beruflicher Erfahrung. Er überwacht das Ausreifen des Bieres, das es zum abgerundeten, bekömmlichen Getränk macht.
Das fertige Bier wird unter iso-barometrischem Druck im Abfüllkeller in Fässer gefüllt. Von dort kommt es an die Rampe. Bevor es im Flaschenabfüllkeller eingefüllt wird, beseitigen Flaschenreinigungsmaschinen* eventuelle Verunreinigungen. Mit dem Etikettieren und Anbringen der Fahnen endet der Prozeß des Flaschenabfüllens.
Die Brauerei, die über eigene Krafterzeugung, Eis, Dampf und Strom verfügt, besaß eine eigene Malzfabrik, die jetzt leider noch zerstört liegt. Der Anbau der Braugerste geschieht heute noch in der Pfalz und im Ried, nachdem das oberschlesische und Saale-Gebiet für die westdeutsche Produktion nicht mehr zur Verfügung stehen.
Aus der traditionsreichen Hildebrandtschen Exportbrauerei gingen namhafte Leute dieses Industriezweiges hervor, neben anderen der Leiter der bekanntesten Exportbrauerei in Sachsen. Ebenfalls holte sich Südamerika nach diesem Kriege eine bekannte Fachkraft aus Pfungstadt.
„Bock-ale“, ein 17- bis 18proz. Starkbier wurde schon 1880 nach dem Orient exportiert. Die bekannten Sorten sind 12proz. Spezialbier (Pilsener), 14proz. Exportbier und das oben genannte „Bockale“ (17- bis 18proz. Starkbier).
Die Leitung des Unternehmens liegt nunmehr wieder in Hildebrandtschen Händen. Über hundertjährige Familientradition und Erfahrung geben dem Pfungstädter Erzeugnis den Namen, der es weit über die Grenzen des Landes hinaus bekanntmacht. (ng)
Im 8. Jahrhundert wird die „Hofstatt an der Mühle“ und der „Brau- ; kessel an der Modau“ erwähnt i
Weiher sucht Ziegenbockhalter
In der Gemeinderatssitzung in Weiher am Montag bildete das „Schmerzenskind“ die Suche nach einem Ziegenbockhalter. In ihrer Beratung kamen Gemeindevertreter' und Bürgermeister Feuerbach zu dem Entschluß, alle Ziegenhalter im Dorf zu einer Besprechung wegen der Uebernahme dieses für die Nachzucht so wichtigen Amtes zu laden, um einen neuen Bockhalter bei in Aussicht gestellter höherer Entschädigung als bisher verpflichten zu können."
Der Waldwirtschaftsplan wurde der Gemeinde vom Forstamt Birkenau zur Stellungnahme vorgelegt. Danach sind für den Nutzholzeinschlag 161 Festmeter genehmigt. Der Brennholzeinschlag von 239 Raummetern liegt mit 30 Raummetern unter dem Ortsbedarf. Er wird durch den Einhieb von durch den Borkenkäfer befallenen Hölzern ausgeglichen werden können. Der Plan weist sich mit 10 130 DM Einnahmen und 7980 DM Ausgaben aus. Der Pflanzungsbedarf beträgt 22 000 Buchen, 3000 Fichten, 900 Lärchen. Für Kulturen werden 2465 DM ausgegeben. Waldwege und Schädlinge sind mit insgesamt 1000 DM in Rechnung gesetzt. Die Haltung von Pflanzenvorrat erfordert 2200 DM. Die Gemeindevertreter, von denen die SPD-Abgeordneten der Sitzung farnblieben, stimmten geschlossen zu. Km
Schadenfener in Roßdorf
Am Morgen des 24. Juli brach in der Wohnung der Witwe Margarethe F 1 e k - kenstein in Roßdorf ein Feuer aus, dessen Schaden sich auf etwa 8 000 bis 10 000 DM beläuft. Durch Funkenflug war der hintere Teil des Gebäudes in Brand geraten. Trotzdem die Roßdorfer Freiwillige Feuerwehr sehr schnell eingriff und in einer halben Stunde den Brand gelöscht hatte,' wurde ein Teil des Gebäudes zerstört. (DT)
Das Rätsel um die Sternschanze gelöst
Die Bestürmung Oppenheims durch Gustav Adolf im neuen Licht
Ein fast 40 Personen zählender Kreis, der an der Heimatforschung interessierte Männer umfaßte, schloß sich anläßlich einer Besichtigungsfahrt nach Kornsand zu einer Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für den Kreis Groß-Gerau zusammen, die weitere Erkundungsfahrten geplant hat, so zunächst nach Dornheim, Wallerstädten und Nauheim, wo man den Spuren der Vorzeit und dem alten Flußbett des Neckars nachgehen will.
Vorher hatte man sich im Heimatmuseum „Gerauer Land“, das unter Leitung des Stadtarchivars Fuchs in Groß-Gerau im Wiederaufbau, ist, umgesehen und Ausführungen Dr. Wettläufers über den Erfelder Mammutknochenfund mit Spannung entgegengenommen.
Der eigentliche Anlaß zu der Besichtigungsfahrt nach Komsand waren die neuesten Feststellungen über die Sternschanze, eine Flankendeckung für die Stadt Oppenheim auf der rechten Rheinseite während des Dreißigjährigen Krieges. Nach bisherigen Annahmen sollte die Gegend von Kammerhof oder von Schusterwörth der Ort gewesen sein, an dem bei der Verteidigung der Stadt in jener Verschanzung am 7. Dezember 1631 etwa 600 Spanier den Tod fanden.
Daß dies ein Irrtum ist, konnte an Ort und Stelle Rektor i. R. Weinheimer nachweisen, der sich seit Jahr und Tag mit dieser bisher noch ungelösten Frage beschäftigt hat. Nach seinen Forschungen, die er erstmals in vollem Umfange dei’ Oeffentlichkeit bekannt gab, hat die Sternschanze auf dem Kornsand gelegen, nicht weit rheinabwärts von der heutigen Straße, die Geinsheim mit der Anlegestelle der Fähre verbindet.
Als Beweis konnte der Heimatforscher nicht nur eine bisher unbekannte Auengeländekarte aus dem Jahre 1752 und einen Stich Merians von Oppenheim und Umgebung anführen, auf denen übereinstimmend die Schanze im Norden der Rheinschleife und nicht im Westen eingezeichnet ist, sondern er konnte auch die Reste der Erdbefestigungen in Gestalt wallartiger Geländererhöhungen selbst zeigen, die sich in einer Länge von etwa 140 Metern am Ufer des Stromes entlang ziehen und die aus der Bodenstruktur nicht erklärbar sind, sondern künstliche Erdaufschüttungen sein müssen.
Aus dieser Erkenntnis heraus bekommt auch der Rheinübergang Gustav Adolfs und die Bestürmung Oppenheims ein neues Gesicht. Jetzt kann wirklich, der Ueberlieferung. gemäß, von einem „Angriff von zwei Seiten“ gesprochen werden: die Schweden kamen bei Stockstadt und Erfelden im Süden und außerdem bei Kornsand im Norden von Oppenheim über den Rhein und faßten die Stadt so in die Zange, daß sie schon am zweiten Tage erobert war. (eng)
750 Jahre Nieder-Ramstadt
Beginn der großen Veranstaltungen am Wochenen
In der Zeit vom 30. Juli bis 7. August begeht Nieder-Ramstadt seine 750- Jahr-Feier. Im Kinosaal findet am Samstagabend. 20.30 Uhr. hierzu als Auftakt ein Festkonzert statt unter Mitwirkung von Opernsängerin Lotte Leist-Veite und Opernsänger Heinrich Blasel, am Flügel
begleitet Herbert Görner. Unter der Leitung von Studienrat A. Born wird der Männer- und Knabenchor singen.
Am Sonntag, 30. Juli, beginnen um 9 Uhr im Schützenhof und in der Turnhalle Tischtennisturniere zwischen Ernsthofen. Bessungen, Münster und Nieder-Ramstadt.
Nach einem Platzkonzert der Nieder-Ramstädter Blaskapelle Schwinn unter ihrem Dirigenten W. Stroh 10.30 Uhr auf dem Schulhof findet um 11 Uhr ebenfalls auf dem Schulhof der Festakt zur Eröffnung der Ausstellung statt. Im Mittelpunkt der Feier steht die Ansprache des Bürgermeisters Keil. Auch einige Gastredner werden zu Wort kommen. Die Ausstellung, die Vergangenheit und Entwicklung Nieder-Ramstadts vergegenwärtigt, bleibt bis zum Sonntag, dem 6. August, geöffnet.
Für Sonntag, den 30. Juli, ist für 15 Uhr im Kinosaal ein Mannschaftskampf im Ringen zwischen Nackenheim und Nieder-Ramstadt vorgesehen.
Während der Festwoche finden nachstehende Tagungen in Nieder-Ramstadt statt: Am Montag, 31. Juli, Vorstände der Gewerbevereine; Dienstag, 1. August, Kreistagssitzung; Mittwoch, 2. August. Tagung der Obermeister. Tagung der Bäckerinnung und ferner des Einzelhandels; Donnerstag, 3. August, Tagung der Industrie- und Handelskammer, Samstag, 5 .August, Tagung der Schmiede¬ ’innung.
Der Tum- und Sportverein führt im Rahmen der 750-Jahr-Feier am Mittwoch, 2. August, abends 20 Uhr im Schützenhof eine Werbeveranstaltung durch, die Leistung und Ziele des TSV Nieder-Ramstadt unterstreicht.
„Fissan“ hat Sorgen
Die Nachricht von der Freigabe der „Fissan- Werke“ am 1. Juli hat sowohl in Zwingenberg als auch in der näheren und weiteren Umgebung ein freudiges Echo gefunden. Wenn jedoch die Direktion des Werkes noch ein wenig skeptisch und nicht restlos erfreut ist, so hat das verschiedenerlei Gründe:
Die Freigabe des Gebäudes, so erzählt uns einer der leitenden Herren, erfolgte auf die Fürsprache einer in Amerika lebenden Verwandten des Hauses Sauer hin. Eine§ der Hauptprobleme für die Direktion ist nun die Beschaffung der finanziellen Mittel, die zu der dringend notwendigen Renovierung der gesamten Fabrikanlage erforderlich sind. Während der fünfjährigen Besetzung durch amerikanische Truppeneinheiten hat das Haus sehr gelitten, so daß es von innen und außen erst einmal gründlich renoviert werden muß, ehe es seiner eigentlichen Bestimmung wieder übergeben werden kann. Wie lange diese Bauarbeiten dauern werden, hängt in erster Linie von der Höhe der staatlichen Zuschüsse und Entschädigungsgelder ab, ohne die das Werk nicht so schnell wiederhergestellt werden kann.
Während die für die Produktion nötigen Maschinen vor der Beschlagnahme durch die Beastzungstruppen herausgenommen werden konnten, mußte der größte Teil des Mobilars im Haus verbleiben und wieder neu angeschafft werden, da nichts mehr übriggeblieben ist. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis der unangenehme gegenwärtige Zustand, daß die „Fissan“ an verschiedenen Orten getrennt arbeiten muß, beendet, 'und die Produktion wieder in Zwingenberg aufgenommen werden kann. (HB)
Rat und Hilfe für jedermann
Wie das Sekretariat des Bundestagsabgeordneten Dr. Heinrich vonßrentano bekannt gibt, hat der Stellvertreter von Dr. von Brentano, Bundestagsabgeordneter Dr. Götz, in der vergangenen Woche eine öffentliche Sprechstunde in Groß-Rohrheim abgehalten und konnte hierbei in zehn Fällen Rat und Hilfe erteilen. Diese Außensprechstunden sollen laufend fortgesetzt werden.
Alle Gerüchte, wonach die Bundesregierung ein Verbot der fabrikmäßigen Behandlung des Kleinpflanzertabaks erlassen würde, entbehren jeder Grundlage. Sollten in einigen Ländern solche Verbote erlassen worden sein, so müssen diese entsprechend der Anweisung des zuständigen Fachministers der Bundesregierung aufgehoben werden.
Zuletzt weist Dr. von Brentano nochmals darauf hin, daß seine Sprechstunden in Heppenheim nach wie vor gehalten werden. Die Sprechstunden seines Stellvertreters, Herrn Dr. Götz, werden noch zusätzlich und zu seiner Entlastung abgehalten. Für die Sprechstunden von Dr. von Brentano ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Die Sprechstunden des Sekretariats sind täglich vormittags von 8 bis 12 Uhr, zu den übrigen Zeiten nur nach entsprechender Vereinbarung. (HB)
Lenchtende Augen beim Erbacher Kinderfest
Tausende umsäumten die Straßen und saßen auf der Tribüne der Rennbahn
Eigentlich hatte man es nicht mehr nötig, unseren Kleinen und Kleinsten für das gestrige Kinderfest beim Erbacher Wiesenmarkt die Daumen zu halten. Ein verregneter Wiesenmarktanfang hat noch immer zu allen Zeiten in der Woche das Wetter gebracht, das die Erbacher nun einmal brauchen, um so richtig nach allen Regeln der Kunst ihren Markt zu feiern.
Schon am Vormittag sah man die ersten kleinen Negerlein über die Straßen huschen; in der Schule wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Da wurde „Maske gemacht“, daß es eine wahre Pracht war, und die letzten Stunden vergingen manchen nur allzu langsam... bis der große Augenblick kam, da der stattliche Festzug der Jugend eich an der Schule formierte.
Vorweg in einem Zweispänner Alexander Graf zu Erbach.-Erbach mit seinem Leibkutscher, im Wagen Bürgermeister Volk und der Seniorchef des Erbacher Brauhauses, Karl Wörner. Dahinter eine Reitergruppe und die Musikkapelle. Was dann kam, war ein lachender und jauchzender bunter Hafen (nicht in des Wortes schlechter Bedeutung), der sich einen Spaß daraus gemacht hatte, mit
allerlei Ueberraschungen aufzuwarten, die keiner den kleinen Künstlern zugetraut hätte.
Da kamen sie an, die Schwergewichtler mit den Hanteln und 300-kg-Gewichten, die sie mit verzerrtem Gesicht emporrissen, daß die Muskeln zu platzen drohten, die siamesischen Zwillinge, die Cowboys und Seiltänzer, Indianer, Liliputaner, Neger und Chinesen mit ihren Rikschas, die stolzen Reiter vom Schaukelpferdverein „Hopp di hopp“, die Koreaner in bunten Gewändern. Da war aber auch der Tausendfüßler, der sich durch die Stadt wälzte, der Elefant und die Giraffe, das Kamel und der Tanzbär... und noch vieles mehr, was den Großen und Kleinen, die zu Tausenden die Erbacher Straßen säumten, viel Freude machte.
Nach dem Einzug auf der Rennbahn ging es dann erst so richtig los: Nahezu 3000 Zuschauer sahen mit Begeisterung das fröhliche Leben und Treiben, das sich auf der Freilichtbühne entwickelte, wo Zauberkünstler, reizende Ungarinnen, Seiltänzer, Reiter und weiß Gott noch wieviel andere ein Spiel produzierten, zu dem die Kleinsten die Patschhändchen vor Begeisterung ineinanderschlugen, daß auch die Großen mit ihrem Beifall nicht zurückhalten konnten.
Ein Fest, wie es sein soll, ein Fest der Kinder, das sie sicherlich bis zum nächsten Jahre in froher Erinnerung behalten werden. -öde-
Im Zweispänner eröffnete Alexander Graf zu Erbach-Erbach zusammen mit dem Senior-Chef des Erbacher Brauhauses, Karl Wörner und Bürgermeister Volk den Kinderfestzug beim Erbacher Wiesenmarkt. DT-Foto: Schröder
Die „Siamesischen Zwillinge“ durften natürlich nicht fehlen und ließen sich von groß und klein bewundern. DT-Foto: Schröder
Auch ein „Tausendfüßler“ (etliche Beinchen fehlten schon) wälzte sich durch die Straßen Erbachs. DT-Foto: Schröder
Das gestrandete Schneiderlein
Seit Anfang des vergangenen Jahres betrieb der 37jährige Robert M. in S e e - heim a. d. B. ein selbständiges Schneiderunternehmen. Er geriet jedoch nach einigen Monaten in Zahlungsschwierigkeiten. Obwohl er sah, daß ihm die Schulden über den Kopf wuchsen und er seine Aufträge nicht durchführen konnte, nahm er weiterhin Kredite auf und Arbeiten an. Schließlich fand er keinen anderen Ausweg mehr, als am 28. März aus Seeheim zu verschwinden. Nicht einmal seiner Frau teilte er seinen Aufenthaltsort mit. Er ging nach Frankfurt, um sich dort angeblich Arbeit zu suchen. Zu seinem Unterhalt verkaufte und verpfändete er Stoffe und Bekleidungsstücke, die ihm seine Kundschaft zur Fertigung überlassen und die er bei seinem Verschwinden mitgenommen hatte. Schließlich wurde er festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht.
Gestern klaffte ihn nun der Staatsanwalt an. von November 1949 bis März 1950 in Seeheim. Darmstadt und Frankfurt in sechs Fällen Firmen und Personen in betrügerischer Weise um Geldbeträge geschädigt und in neun Fällen ihm überlassene Stoffe. Bekleidungsstücke und Vorschußgelder unterschlagen zu haben. Hinzu kam noch ein inzwischen ermittelter Diebstahlsfall. Freimütig gab der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten zu und schilderte seine Notlage, die ihn zu den Delikten verleitet habe' Der Schnellrichter hielt eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und vier Monaten für angebracht. • (wst )
Der SPORT
Um heißbegehrte Fahrkarten
Nach den Landesmeisterschaften der Schwimmer
Von unserem Fachmitarbeiter Dr. Ewald Bussard
Die am jüngsten Wochenende ausge¬ -agenen Landesmeisterschaften der Schwimmer sind in erster Linie Prüüngskämpfe für die Deutschen Meisterchaften in Göppingen gewesen- im Hintergründe winkten aber auch die Fahrkarten für den Länderkampf gegen Italien in Triest und für die Europameisterschaften in Wien. Die unterschiedliche Stärke der einzelnen Landesverbände ist dabei wieder einmal kraß hervorgetreten. In Westdeutschland, Niedersachsen und Berlin hat man die besten Leistungen notiert von allen anderen Gebieten wurden nur vereinzelt nennenswerte Zeiten gemeldet.
Bei einem Studium der Ergebnisse aus allen Verbänden ergibt sich im Hinblick auf die großen nationalen und internationalen Kämpfe im August etwa das folgende Bild: Schnellster Sprinter war der Braunschweiger Werner Ditzinger mit 1:00,1 Min. Es folgen sein Landsmann Lehmann mit 1:01.2 vor dem Berliner Meister Harry Hitziger mit 1:01,7 und dem neuen westdeutschen Titelträger Dr. Bornhaupt, Koblenz, mit 1:01,9 Min. Ueber 200 m Kraul (diese Strecke ist für die Besetzung der klassischen 4 mal 200 m Staffel wichtig) schwammen die beiden Braunschweiger Ditzinger und Lehmann in Königslutter ein totes Rennen in 2:17.9 Min. Als nächstbeste kommen mit der Zeit von 2:23.6 Minuten Köninger, Braunschweig und der neue jugendliche westdeutsche Meister Hirsch, Köln, in Frage. Ueber 400 m war Lehmann mit 5:02.6 mit Abstand der beste Mann. Sein Klubkamerad Höninger erreichte nur 5:14,2 Min. Schnellster Rükkenschwimmer war der Düsseldorfer Sportstudent Willy Crämer mit 1:12, der anscheinend wieder seine Meisterform von 1949 erreicht. Der derzeitige deutsche Meister Hennie Schuster. Berlin, blieb bei 1:12.5 Min. Im Brustschwimmen über 100 m erreichte Herbert Klein in Augsburg 1:10,6. Die zweitbeste Zeit schwamm Walter Klinge, Braunschweig, mit 1:12,2. Ueber 200 m war der Hammer Helmut Deuerlein mit 2:49.3 Min. offiziell der schnellste Mann, da Klein ohne Gegner nur 2:52,6 Min. „badete“. Sogar der westdeutsche Zweite, Wieding aus Gladbeck, war eine Kleinigkeit schneller. Klein schwamm aber am zweiten Tag als Staffelzwischenzeit auf der schweren Augsburger Bahn die „Bombenzeit“ von 2:36,8, die außer ihm wohl nur die amerikanischen Weltrekordleute Verdeur und Brawner schwimmen können.
Bei den Frauen waren die beiden Westdeutschen Wera Schäferkordt und Elisabeth Rechlin (Düsseldorf u. Bochum) mit je 1:11 Min. die besten Sprinterinnen. Die Düsseldorferin erreichte auch über 400 m mit der Jahresbestleistung von 5:41,4. Min. eine sehr gute Zeit vor Rechlin mit 6:01,2 und der Berlinerin Dziallas rnit 6:02 Min. Im Rückenschwimmen war die Bayreuther Altmeisterin Lisi Weber mit 1:23.6 etwas schneller als Vera Schäferkordt. In allen drei Disziplinen darf aber die Pirmasenserin Gertrud Herrbruck nicht vergessen werden, die im Rückenschwimmen 1:18 Min. zuverlässig schwimmt und im Kraulen genau so schnell ist wie die anderen Landesmeisterinnen. (Die Pfälzer Titelkämpfa finden erst später statt.) Im Brustschwimmen 100 und 200 m fiel Ursel Happe-Krey wegen Krankheit aus, ihre westdeutschen Kameradinnen Ria Lörper (Kempten) und Christel Claasen (Krefeld) waren weit besser als die Schwimmerinnen der anderen Gebiete.
Im Springen zeigte sich wieder deutlich. daß die alten Kräfte noch keine Konkurrenz haben. Hans Aderholt und Hans Sobeck (Berlin) im Kunstspringen, sowie Günter Haase (Lüdenscheid) und Sobeck vom Turm. Bei den Frauen beherrschten die beiden Westdeutschen, Paula Tatareck (Lüdenscheid) und Olga Eckstein (Erkenschwick), ebenso souverän die Lage.
Hier sitzen sie einträchtig zusammen: der deutsche Schwergewichtsmeister Hein ten Hoff (links) und sein Herausforderer, Wilson Kohlbrecher (rechts). Aber seitdem Wilson Kohlbrecher nach dem schwachen Düsseldorfer Seelisch—ten-Hoff-Kampf die Aeußerung tat, daß „er (Kohlbrecher) eine andere Leistung geboten haben würde“, sind der Hamburger und der Osnabrücker sich nicht sonderlich „grün“. Am kommenden Sonntag werden in der Berliner Waldbühne die Fäuste entscheiden ...
Die Mannschaft für Wien
Hamburg. (AP.) Der Deutsche Schwimmverband wird zu den vom 20.—-27. August in Wien stattfindenden Europameisterschaften der Schwimmer neun Teilnehmer entsenden. Die folgenden Meister sollen die Reise nach Oesterreich unternehmen: für 100 m Kraul Werner Ditzinger (Eintracht Braunschweig), für 400 m und 1500 m Kraul Hans Günther Lehmann (MSV Braunschweig), für 200 m Brust Europarekordler Herbert Klein (VfSSF München), 100 m Rücken (Damen) Gertrud . Herrbruck (Pirmasens). In Abwesenheit des mehrfachen Deutschen Meisters im Springen vom Federbrett und Turm, Aki Walter, wird Deutschland durch Günther Haase (Lüdenscheid), Hans Aderholt (Gronau), Werner Sobeck (Berlin) sowie den Damen Paula Tatareck (Lüdenscheid) und Susanne von Hartungen-Heinze (München) vertreten sein. — Die Entsendung einer deutschen Wasserballmannschaft zu den Europameisterschaften ist nicht beabsichtigt.
Gaston Reiff stellte bei den belgischen Leichtathletik-Meisterschaften über 10 000 Meter mit 30:40 Min. einen neuen Landesrekord auf. Die übrigen Ergebnisse lagen unter dem Durchschnitt.
Walcott wendet sich an den Senat
Frankfurt. (AP.) Der Rechtsanwalt von Jersey, Joe Walcott, appellierte am Mittwoch an die Senatoren und Kongreßmitglieder des Staates New Jersey, dem Negerboxer bei der Sicherstellung seiner Börse aus dem Kampf gegen Hein ten Hoff am 28. Mai behilflich zu sein. Die Kampfbörse in Höhe von 70 000 DM liegt auf Sperrkonto bei der Mannheimer Sparkasse und darf auf Anweisung der alliierten Bankkommission nicht ausgezahlt werden. Walcott darf das Geld nur in kleineren Summen abheben und in Deutschland selbst ausgeben.
Nach Mitteilung von Rechtsanwalt Milton Teiger steht diese Maßnahme im Gegensatz zu dem vor dem Kampf gegebenen Zusicherungen, daß Walcott seine Börse in Dollars abheben und aus Deutschland ausführen dürfe.
Belanglos geworden
Ein Außenseiter gewinnt die 12. Etappe
Maurice Blomme (Belgien), der am Vortage um ein Haar wegen allzu verspäteten Eintreffens von der weiteren Teilnahme an der „Tour“ ausgeschlossen worden wäre, unternahm auf der 12. Etappe von St. Gaudens nach Perpignan (233 km) einen erfolgreichen Ausreißversuch. Der Belgier lag zeitweilig mit einem Vorsprung von mehr als einer Viertelstunde vor seinen Verfolgern und gewann auch in 6:29,13 Stunden vor den Franzosen Jean Baldassari und Forlini.
Städtekampf der Fechter Darmstadt-Wiesbaden
Am Sonntag, dem 30. Juli 1950, vorm. 10 Uhr und nachm. 14.30 Uhr, haben die Darmstädter Fechter auf dem „Heilig Kreuz“ eine Vertretung von Wiesbaden zu Gast. Während der Vormittag dem Florettfechten gewidmet wird, werden am Nachmittag die Säbelkämpfe ausgetragen.
Wiesbaden, das einige Gaumeister in seinen Reihen hat, dürfte schon jetzt als Sieger feststehen. Darmstadt hat sich bewußt einen schweren Gegner gewählt, um vor allen Dingen dem Nachwuchs die nötige Turniererfahrung zu vermitteln. Die Darmstädter Mannschaften, in deren Reihen auch einige Fechter der früheren Gausonderklasse stehen, werden wie folgt benannt: Florett: Koch, Sack, Melcher, Weicker, Dr. Vix, Leicht. — Säbel: Haun, Melcher, Schreher, Weicker. — Die endgültige Aufstellung der Wiesbadener Mannschaft liegt noch nicht vor. —icke—
Wie spielt die Bezirksklasse?
Am kommenden Samstag, 29. Juli, wird die Bezirksklasse Darmstadt sich im Gasthaus Reining, Pfungstadt, ihr neues Spielsystem schaffen. Es wird darüber entschieden werden, ob in zwei Gruppen gespielt wird und wie viele und welche Vereine den Gruppen zugeteilt werden. Von der Abstimmung wird es abhängen, ob Roßdorf und Heppenheim Vom Abstieg verschont bleiben. Beginn der Tagung um 15.00 Uhr. Am Sonntag, 30. Juli, findet um 10.00 Uhr eine erweiterte Bezirks-Spielausschußsitzung im Hause des Bezirks-Fußballwarts Leißler statt. Die A- und B-Klassenvereine werden dann abhängig vom Ausgang dieser Tagung ihr Spielsystem schaffen können, -nl-
Neugründung des „Sohachklubs 1924 Eberstadt“
Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Schach abteilung des SKG Eberstadt am vergangenen Samstag wurde beschlossen, aus der SKG auszuscheiden. Gleichzeitig wurde eine selbständiger Schachverein unter dem Namen „Schachklub 1924 Eberstadt“ neu gegründet. Ein großer Teil der Mitglieder gehörte früher diesem Schachklub an und seine Tradition soll nun weitergeführt werden. — In Kürze wird auch wieder der „Dr.-Kunker-Wanderpreis“ — nach Pokalsystem — ausgetrc.gen. Anmeldungen zum Pokalturnier umgehend, ebenso Neuanmeldungen an Gustav Seeh, Darmstadt-Eberstadt, Darmstädter Straße 84.
Hallenhandballturnier in Langen
Kommenden Sonntag, 30. Juli, findet auf der Langener Rollschuhbahn am Schwimmstadion ein Hallenhandballturnier statt, zu dem folgende Vereine gemeldet haben: Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt, TSG 46 Darmstadt, SG Egelsbach, Dreieichenhain und der Gastgeber, die SSG Langen. Der Pokalverteidiger, SV Kostheim, wird an dem Turnier nicht teilnehmen. Die Begegnungen bieten einen interessanten Vergleich zwischen den Vereinen höherer und niederer Klassen und den Mannschaften des Darmstädter und Frankfurter Bezirks. Der Sieger läßt sich kaum vorausbestimmen, da mehrere gleichstarke Mannschaften um den Pokal kämpfen. — Vormittags findet bereits ein Jugendturnier statt. Beginn der Hauptspiele um 13 Uhr. -th-
TEC-Nachwuchs in Kronberg
Heute, Donnerstag, trägt eine Nachwuchsmannschaft des TEC ein Freundschaftsspiel gegen den TEV Kronberg aus. Die Darmstädter fahren mit folgender Mannschaft: Wittmann, Müller, Nicklas, Schöpf, Weinert, Wittich, Kaffenberger, Vierheller, Jayme und Geiß, -gw-
Mitteilung des SV 98 Darmstadt
Für die 17 Verbandsspiele der Oberligamannschaft auf dem Hochschulstadion in der Spielrunde 1950/51 gibt der Sportverein Tribünendauerkarten zum Preise von:
17 DM für gehbehinderte Schwerbeschädigte
24 DM für Mitglieder Seitentribüne
32 DM für Mitglieder Mitteltribüne büne
32 DM für Nichtmitglieder Seitentribüne.
40 DM für Nichtmitglieder Mitteltribüne
aus. Die Inhaber der Dauerkarten haben somit den Vorteil, während der ganzen Verbandsrunde den gleichen Platz einnehmen zu können.
Ab sofort liegt bis zum 5. August die Einzeichnungsliste auf der Geschäftsstelle offen. Mitglieder müssen bei der Einzeichnung ihre Mitgliedskarte, Gehbehinderte ihren Kb. - Ausweis (Rentenbescheid) abgeben, die sie dann mit der Dauerkarte zusammen zurückerhalten.
Die Ausgabe der Dauerkarten erfolgt in der Zeit vom 10. bis 15. August gegen Zahlung des o. a. Gesamtpreises.
Die Dauerkarten haben nur Gültigkeit für die Fußballverbandsspiele.
Sämtliche Kriegsbeschädigte (nichtgehbehindert) erhalten gegen Vorlage ihres Rentetnbescheids auf der Geschäftsstelle einen Ausweis, der zum Kauf der ermäßigten Eintrittskarten berechtigt. Wir bitten deshalb die Kriegsbeschädigten in ihrem eigenen Interesse, sich der kleinen Mühe zu unterziehen, zumal wir nur eine beschränkte Anzahl Kriegsbeschädigten-Karten ausgeben können.
SV 98 Darmstadt, Geschäftsführer.
Grenzlandprobe unter der Lupe
Die Fülle der durch die wirtschaftliche Entwicklung für den südlichen Teil Hessens entstandenen Grenzland-Probleme wurden jetzt einmal mehr bei einer von Bürgermeister Weber (Birkenau) einberufenen Versammlung behandelt. Verschiedene der Anwesenden sprachen die Vermutung au,s, daß die hessischen Rand- und Grenzgemeinden im Rahmen der Landesplanung offenbar bereits „abgeschrieben“ seien, da der Eindruck einer unverkennbaren Vernachlässigung, gerade des hessischen Südzipfels, immer stärker werde.
B. Sonnen gab hierzu einige erläuternde Anmerkungen und betonte, daß über wirtschaftlichen und landsmannschaftlichen Erwägungen die Tatsache einer großräumigen Zusammengehörigkeit des deutschen Volkes nicht außer Betracht bleiben dürfe. Hier seien vor allem kulturelle und völkerkundliche Gegebenheiten zu berücksichtigen. Man möge, so betonte der Redner, die derzeitigen Grenzen schon im Interesse ^einer Vermeidung unnötigen großen Aufwandes, der ansonsten unumgänglich sei, in ihrem derzeitigen Status belassen und statt dessen die Länderplanung gerade in den Grenzgebieten stärker koordinieren und so Gegensätze vermeiden. Am augenfälligsten könne dieses Bestreben der unvermeidlich gewordenen Straßeninstandsetzungsarbeiten in die Tat um¬ £esetzt werden.
Zum Abschluß wurde das Vorhaben gutgeheißen, die Grenzänderungswunsche dienstlich an das Landesplanungsamt Wiesbaden zu leiten und ferner den Bürgermeister und zwei weitere _ beim Landratsamt und bei der Staatsregierung vorsprechen zu lassen. -r-
Neues Iugendheim in Höchst
Die Jugendarbeit in der Pfarrgemeinde Höchst/Hetschbach hat schon immer infolge Raummangels unter Schwierigkeiten gelitten. Nunmehr hat die klem~ Diasporagemeinde, obwohl erst kurzlic neue Kirchenglocken angeschafft wurden, in aufopfernder Weise erneut Mi - tel aufgebracht, die für den Aufbau eines Jugendheimes verwendet werden solle. Die Erstellung des Heimes erfolgt in Selbsthilfe, für die sich die Manner und die Jugend — an ihrer Spitze■ pfa"er P o 1 a k — zur Verfügung gestellt hab-n. Die Arbeiten sind soweit fortgeschritten, daß das Dach bereits aufgesetzt weiden konnte. Das Heim hat ein Ausmaß von 3XB m und ist unterkellert. Der Keller dient zur Lagerung des Brennmaie na für den Winter. Mit de\ des Jugendheimes ist bis Mitte ber zu rechnen.
„Die fchöõne Müllerin“
Am Sonntagabend trat die Auergruppe des MGV. „Liedertaf bach mit dem Volksstück: i - Müllerin“ von Carl S i b e r zum zweiten Male in diesem Jahre an die Oeften lichkeit. Wenn auch die Wahl des Stükkes nicht eben die günstigste war, so gaben doch die einzelnen Darsteller ihr Bestes. Man konnte feststellen, daß die Theatergruppe seit der letzten Aufführung schauspielerisch ganz beträchtliche Fortschritte gemacht hat und eine Reihe wirklich talentierter junger Laienkräfte enthält. Die Spielleitung hatte Martin D e 1 a r u e. (HB)
Crumstadts Gemeinderat tagte
In der letzten Gemeinderatssitzung gab Bürgermeister Schellhaas einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der Tagung des Modau- Sandbach-Verbandes. An dieser Tagung nahmen verschiedene Aerzte sowie Vertreter der Behörd' iu. a. Reg.-Direktor Ahl, Landrat Wi n k und Kreisamtmann Seip, teil.
Die Wasseranschlüsse in de. Lagerstraße und am Sportplatz wurden einstimmig genehmigt. Die Ausschachtung soll, wie seither, von den betreffenden Grundstückseigentümern vorgenommen werden.
Dem Waldwirtschaftsplan 1950, der das Fällen von 250 Festmeter Nutzholz im Hochwald und 50 Festmeter im Unterwald vorsieht, wurde stattgegeben. Der’ Bürgermeist-r wurde beauftragt, das bereits im vorigen Jahr geschlagene Nutzholz zuerst abfahren zu lassen.
Einem Dentisten, der um die Niederlassung in der Gemeinde Crumstadt nachsuchte, wurde unter der Voraussetzung Zusage erteilt, wenn eine — seine • Praxis entsprechende — Wohnung freigemacht werden kann. Die Verwaltung will ihr möglichstes versuchen, damit Crumstadt endlich einmal einen Zahnarzt bekommt.
Das Gesuch eines Schreinermeisters um Ueberlassung eines Gemeindegrundstücks zwecks Vergrößerung seines Betriebes sowie das Gesuch eines Siedlers um Bürgschaftsübemahme über 3000,— DM wurden zurückgestellt.
An die öffentliche Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung an. (-od-)
49 Jahre treue Pflichterfüllung:
Im Dienste seiner Gemeinde
Am 23. Juli beging der 75jährige Johann Wilhelm Hartmann aus Erzbach sein 49jähriges Jubiläum als Gemeindediener der Gemeinde Erzbach. Seit 1901, durch die Wirren zweier Weltkriege hindurch, versieht Herr Hartmann nun schon seinen Dienst als Gemeindediener. Es waren inzwischen allein fünf Bürgermeister und vier Gemeindekassenverwalter im Amt. Am Ehrentage des Jubilars trat der Gemeinderat zu einer Sitzung zusammen. Vom Bürgermeister wurde dem Jubilar Dank und Anerkennung für die langjährig geleisteten treuen Dienste ausgesprochen. Als Ehrengeschenk wurde ihm ein Ruhesessel überreicht. Infolge seines hohen Alters legte Herr Hartmann am gleichen Tage sein Amt nieder. Sein Sohn wird fortan den Dienst des Gemeindedieners in Erzbach versehen. ptoo.
Meldungen aus den Landkreisen
Darnmstadt-Land
Pfungstadt. ‘ Die Riedentwässerungsgräben, der Land-, Fang- und Rotgraben, die in den letzten Jahren nicht gereinigt wurden, werden in Kürze instandgesetzt. Diese Arbeiten sind dringend erforderlich, um mögliche Ueberschwemmungen, besonders in Allmendfeld, zu verhindern. — Das Evangelische Hilfswerk hatte im 1. Halbjahr eine Einnahme von 594,84 DM. Der Erlös aus dem Verkaufstag betrug 272,50 DM. Die Ausgaben für Beihilfen, Lebensmittel und Anschaffungen belaufen sich auf 584,81 DM. Es wurden drei Handwebrahmen angeschafft, die wochenweise kostenlos ausgeliehen werden. Der Frauenarbeitskreis hat bereits wieder Wolle gekauft, die für den im Winter geplanten Verkaufstag verarbeitet wird. (ler)
Dieburg
Georgenhausen. Die KSG 45 will Anfang August eine Omnibusfahrt an den Rhein unternehmen. — Mit der Leitung der Theatergruppe der KSG 45 wurde das Vorstandsmitglied Helene beauftragt. er.
Spachbrücken. Im Saal der Gastwirtschaft Einbach wurde von der Münchener Heimatbühne das Lustspiel „Auf der Alm doa gibts koa Sünd!“ gezeigt. Die Leistungen der Künstler waren gut und ernteten reichen Beifall. Nachmittags wurde für die Kinder „Froschkönig“ gezeigt. — Mit 2 Omnibussen der Heag fuhr der Gesangverein „Einigkeit“ nach Messel und führte bei dem dortigen Gesangverein ein Freundschaftssingen durch. Die von beiden Vereinen vorgetragenen Chöre fanden guten Anklang. Frohe Stunden auf der „Thomashütte“ beendeten den Ausflug. — Mit einer Teerdecke wurde die Straße von Spachbrücken nach Groß-Zimmern bis zur „Schneemühle“ versehen. Die Pflasterarbeiten innerhalb der Gemeinde weisen gute Fortschritte auf. Mit der Fertigstellung wird in zirka 6 Wochen gerechnet.
Wiebelsbach. Die älteste Einwohnerin, Frau Henriette Hom, feierte am Montag in körperlicher und geistiger Frische ihren 93. Geburtstag. gi.
Habitzheim. Die Konfirmanden und der Singkreis unternahmen unter Führung von Pfarrer Redhard einen Ausflug an den Main. Die Omnibusfahrt führte über Bad König, Erbach, Amorbach, Miltenberg, Aschaffenburg. Schönbusch. gi.
Groß-Umstadt. Der Stamm „Wilder Eber“ des Bundes Deutscher Pfadfinder hat seine Ferienfahrten angetreten. In Köln treffen sich drei Sippen mit französischen Freunden zu einer Rheinfahrt. Auf Einladung einer nordfranzösischen Pfadfindergruppe unternahm die vierte Sippe eine Radtour durch Nordfrankreich. gi.
Gundernhausen. Der 38jährige Einwohner F. B. wurde vom Amtsrichter in Diebürg für drei Monate hinter Gefängnismauern geschickt. Bei einem Besuch eines Beauftragten des Jugendamtes wurde B. gegen die Frau tätlich. gi.
Erbach
Olfen. Der Haushaltsplan der Gemeinde wurde jetzt durch den Gemeinderat verabschiedet. Er schließt mit 16 387 DM in Einnahmen und Ausgaben. Die Steuerhebesätze für landwirtschaftliche Betriebe wurden auf 185 Prozent, für Forstwirtschaft auf 90 Prozent und für gewerbliche Unternehmen auf 350 Prozent festgesetzt. Für Reparaturarbeiten an der Wasserleitung sind 10 000 DM eingesetzt, zu ihrer Erweiterung im oberen Ortsteilwerden 7500 DM aufgewandt, so daß eine Neufestsetzung des Wasserzinses erforderlich wurde, der mit 6 DM jährlich für Haushalte und einer Zusatzgebühr für Familienangehörige bzw. Haustiere festgelegt wurde. Den forstwirtschaftlichen Ausgaben von 3544 DM stehen voraussichtlich Einnahmen in Höhe von 7130 DM gegenüber. 1000 DM wurden der Schule für anzuschaffendes Mobiliar zur Verfügung gehalten. Die Erträge aus Fisch- und Jagdpacht belaufen sich nach dem Voranschlag auf 900 DM. (-r)
Höchst i. O. Auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses werden an Fürsorge- und Rentenempfänger ab sofort pro Familie ein Raummeter Brennholz zu dem herabgesetzten Preis von 8,50 DM abgegeben. — Die Gesamtlandwirtschaftsfläche der Gemeinde Höchst beträgt laut Bodennutzung 15 Prozent — 12 056,18 Hektar. Davon sind Ackerboden 1256,18 Hektar, Gartenland und Obstanlagen 14.57 Hektar. Wiesen 115,73 Hektar, die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche 334,97 Hektar. Waldboden 484,71 Hektar. Hof- und Gebäudeflächen 73,14 Hektar. Mit Getreide sind bebaut 80,75 Hektar, auf Dusenbach entfallen eine Gesamtlandwirtschaftsfläche von 128,01 Hektar. Davon Ackerboden 37,50 Hektar, Gartenland 0,93 Hektar. Obstanlagen 0,13 Hektar. Wiesen 20.21 Hektar, gesamtlandwirtschaftliche Nutzfläche 72,36 Hektar. Waldboden 46.40 Hektar, Hof- und Gebäudeflächen 0.59 Hektar, mit Getreide sind bebaut 17,45 Hektar, (le.)
Bad König. In der unübersichtlichen Kurve vor der Wirtschaft „Zur schönen Aussicht“ fuhr ein Lieferwagen aus Klein-Auheim so weit links, daß ein entgegenkommender Personenwagen aus Darmstadt gestreift und am linken vorderen Kotflügel eingedrückt wurde. (-ch)
Beragstraße
Ober-Abteinach. ■— Die hiesige katholische Kirchengemeinde veranstaltete auf Anregung von Pfarrer Dr. Dr. Held in den „Buchen“ ein Volksfest, zu dem die Geschäftswelt von Ober- und Unter-Abtsteinach und der umliegenden Orte nahezu 800 Sachpreise zur Verfügung gestellt hatte, so daß ein zugkräftiger Losverkauf durchgeführt werden konnte. Mehrere einheimische und auswärtige Gesangvereine nahmen teil. Als am Abend Gewitterwolken den Festabend zu stören drohten, zog man in den „Goldenen Bock“ zum Tanz. (—r)
Lindenfels. — Die bereits gemeldete Motorisierung des Postzustelldienstes im Bereich des hiesigen Postamtes, die zugleich mit Zuständigkeitsänderungen verschiedener Gemeinden verbunden ist, tritt mit dem 1. September dieses Jahres in Kraft. Schlierbach, Winkel, Winterkasten und Eulsbach werden dann nicht mehr „Post Lindenfels“, sondern „über Lindenfels“ als Zusatzbezeichnung tragen. Aus dem bisherigen Zustellbezirk Reichelsheim treten die Ortschaften Groß-, Klein-Gumpen und Laudenau zu Lindenfels. Seidenbuch, Schannenbach und Knoden werden nicht mehr von Gadernheim aus versorgt, sondern direkt von Lindenfels aus, während Kolmbach, künftig in den Zuständigkeitsbereich Bensheim fällt. (—r)
Fürth. — Der von Bürgermeister Berg vorgelegte Haushaltsplan 1950-51 wurde jetzt vom Gemeinderat einstimmig angenommen. Die Steuerhebesätze bleiben unverändert. Am alten Schulhaus werden auf Antrag der Schulleitung größere Innenreparaturen und Verbesserungen vorgenommen. Damit die Schule das dem Athletik - Verein gehörende Schwimmbad unentgeltlich mitbenutzen darf, wurde dem Verein ein jährlicher Zuschuß von 120,— DM bewilligt. Zur Einrichtung einer eigenen Volksbücherei sollen Schritte unternommen werden.
Birkenau. — Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des hiesigen Roten Kreuzes findet vom 29.—31. Juli dieses Jahres im Schloßgarten ein Sommerfest statt, an dem sich verschiedene Gesangvereine und der Sportverein beteiligen werden _ _ ... (—r)
Groß-Gerau
Groß-Gerau. Am Montag, gegen 23.00 Uhr, überfielen drei betrunkene amerikanische Soldaten zwei Groß-Gerauer Bürger und schlugen sie mit einer vollen Whisky-Flasche nieder. Der eine Groß-Gerauer mußte mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, während der andere mit einer leichten Gehirnerschütterung davonkam.
Stockstadt. Nachdem nunmehr das Wasserdefizit ausgeglichen ist, setzte der Gemeinderat das Wassergeld pro Kubikmeter auf 38 Pfennig fest. -od-
Gernsheim. Um den Aalbestand, der immer mehr zur Neige ging, zu heben, ließ sich die Hessische Fischerbehörde einige Zentner Jungaale, etwa 25 000 Stück, aus Hamburg senden, die in den Gernsheimer Buhnenfeldern ausgesetzt wurden. _od-
Königstädten. Vertreter des Kreises, der hessischen Regierung und der Kirche werden zu der am 12. und 13. August stattfindenden Trauerfeier der Notstandsgemeinde eingeladen. Königstädten wurde im Jahre 1944 durch einen Luftangriff zu 85 Prozent zerstört oder beschädigt.
Wirtschastsblatt
Ringkampf um Preise
Inwieweit erhöht Senkung der Lebenshaltungskosten den Reallohn?
FC. Am Brotpreis haben sich Kämpfe der Interessentengruppen voll entzündet. Im Zusammenhang mit der Erhöhung des Brotpreises hat die Bauernschaft einen Blütenstrauß von Forderungen überreicht. Sie verlangt, das ist Sinn und Ziel ihres Verlangens, Preisgarantien für ihre wichtigsten Erzeugnisse, Sicherung auskömmlicher Erlöse und weitestgehenden Schutz vor dem Wettbewerb des Außenhandels durch Einfuhrkontingsnt, Einfuhrschleusen und Agrarzölle.
Die Verwirklichung dieser Forderungen würde zweifellos eine Steigerung der Lebenshaltungskosten nach sich ziehen. Eine fühlbare Erhöhung der Lebensmittelpreise können wir uns aber angesichts der Notwendigkeit, unsere Ausfuhr weiter zu steigern, nicht erlauben. Ist es aber notwendig, geringfügige Preisverschiebungen einiger weniger Lebensmittel bereits mit massiven Drohungen zu begleiten? Die Gewerkschaften haben die Teilerhöhung der Preise für Brot- und Backware zum Anlaß genommen, schwerstes Geschütz aufzufahren. Das robuste Auftreten der Bauernschaft in Köln hat offenbar Schule gemacht. Der Preis für Mischbrot, das durch stärkere Roggenbeimischung etwas dunkler ausfallen wird, soll unverändert bleiben. Die Preise für alle übrigen Brotsorten, vor allem für Weißbrot und Feingebäck, werden sich geringfügig erhöhen. Das ist der Inhalt der zwischen der Bundesregierung und dem Bäckergewerbe zustandegekommenen Absprache. Sie wird den Verzehr von Feinbrot und Gebäck leicht verteuern. Den Massen, die mit jedem Pfennig rechnen müssen, räumt aber diese Absprache die Möglichkeit ein, ein Konsumbrot zum alten Preis zu beziehen. Auf diese Weise regt diese Vereinbarung gleichzeitig den erhöhten Verzehr von Roggen an, der zwar auf deutschen Aeckern wächst, aber Im vergangenen Jahr als Brotgetreide zum Teil schwer absetzbar war.
Sollte man nicht mit einem solchen Kompromiß zufrieden sein, das allen Beteiligten, vom Produzenten bis zum Konsumenten, kleine Opfer des Verzichts auferlegt? Die Führung der Gewerkschaften dürfte bei objektiver Nachprüfung diese Frage zweifellos ebenfalls bejahen, wenngleich sie zunächst vom „Armenbrot“ spricht. Unglücklicherweise haben die letzten Wochen im Zusammenhang mit dem Koreakonflikt eine gewisse Kaufpsychose ausgelöst. Unter anderem hat die Verknappung in Zucker zu unmotivierten Käufen geführt. Preissteigerungen haben sich darüber hinaus an den internationalen Rohstoffmärkten abgezeichnet. Sie haben in einzelnen Fällen auch die deutschen Rohstoffpreise anziehen lassen. Die Preise für Häute und für Schweinefleisch sind dafür beispielhaft geworden.
Die Gewerkschaften haben solche und ähnliche Beispiele aufgegriffen. Sie hauen mit diesen Beispielen, vor allem aber mit der Erklärung der Bundesregierung, die Lebenshaltungskosten zu stabilisieren und möglichst noch zu senken, auf den Tisch. Ihre Proteste haben sich zur Drohung von Lohnbewegungen und sogar von Streiks gesteigert. Sind aber Lohnbewegungen und Streikdrohungen geeignete Mittel, um die Preise niedrig zu halten? Müßten nicht solche Methoden den Anstieg des deutschen Exportes und die Verringerung der Arbeitslosigkeit unterbinden? Die Gewerkschaften dürfen bei allen ihren Erwägungen eine Tatsache nicht aus dem Auge lassen. Der Reallohn in der Bundesrepublik ist im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt gestiegen. Die Senkung der Lebenshaltungskosten von 168 (1938 = 100) im Juli 1949 auf 155 im Juli 1950 hat in erster Linie zu dieser Verbesserung des Reallohnes beigetragen. Spekulationen, die aus der Kriegspsychose entstehen und sich diese Atmosphäre zu Nutze machen, sollte man deshalb, darin haben die Gewerkschaften völlig recht, energisch entgegenarbeiten. Aber wollen wir nach trüben Erfahrungen wieder zu einem System staatlich festgenagelter und überwachter Preise zurückkehren? Sollte man nicht besser das Beispiel der Metzger in Ludwigshafen befolgen, die die Bevölkerung durch Plakataushang aufgefordert haben, das überteuerte Schweinefleisch nicht zu kaufen, sondern sich für einige Zeit stärker auf den Genuß von Rindfleisch umzustellen?
Die Disziplin der Bevölkerung vermag bereits vieles zu tun, um unverantwortlichen Spekulanten das Handwerk zu legen. Auf Preise, die die Regierung festlegt, sollte man sich dagegen nicht verlassen. Hier sollte man sich an den Ausspruch eines österreichischen Volkswirts erinnern: „Eine Regierung kann so wenig Preise machen, wie eine Gans Hühnereier legen kann.“
Einigung über Getreidegesetz
R. Wie der Vorsitzende des Ernährungsausschusses des Bundestages Minister Lübke der Presse mitteilte, haben sich der Ernährungsausschuß und der Wirtschaftspolitische Ausschuß über das Getreidegesetz grundsätzlich geeinigt. Die beiden Kernpunkte dieses Gesetzes werden die Bildung der -Einfuhr- und -Vorratsstelle sein, der alle Getreideeinfuhren angeboten werden müssen.
Höhere Löhne gefordert
hd. Der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat dem Hauptvorstand der Gewerkschaften empfohlen, angesichts der Preissteigerungen auf den verschiedensten Gebieten der Lebenshaltung alle erforderlichen lohnpolitischen Maßnahmen zu treffen. Der Bundesvorstand fordert außerdem die Fraktionen des Bundestages auf, die Kündigungszeiten für langfristig abgeschlossene Lohn- und Gehaltstarife durch ein neues Gesetz auf vierzehn Tage zu verkürzen. Außerdem wurde die Forderung erhoben, daß die Löhne und Gehälter aller im öffentlichen Dienst stehenden Personen und aller Sozialrentner erhöht werden.
Stahl für Amerika
Lieferfristen der deutschen Stahlwerke betragen teilweise sechs Monate
hd. Stahl ist in der ganzen Welt im Zeichen des Korea-Konfliktes wieder zu einem der begehrtesten Güter geworden. Die derzeitige amerikanische Stahlkapazität von 99 Millionen Tonnen jährlich ist nicht mehr in der Lage, die Nachfrage zu decken. Die amerikanischen Stahlwerke haben nicht mehr die Möglichkeit, z. B. ihren Lieferungsverpflichtungen nach Latein-Amerika nachzukommen.
Auch die westdeutsche Stahlindustrie hat in den letzten Wochen einen Anstieg des Auftragseingangs aus den Vereinigten Staaten und England zu verzeichnen.
Am Ende der zweiten Juli-Dekade lagen bei den westdeutschen Stahlwerken Exportaufträge über rund 400 000 Tonnen vor. Das sind etwa 100 bis 120 Prozent mehr als zu normalen Zeiten. Man rechnet damit, daß die Aufträge für den Stahlexport bis Ende Juli auf einen Stand gestiegen sein werden, der um 150 bis 170 Prozent über dem Normalstand liegt. An erster Stelle als Auftragsgeber stehen die Vereinigten Staaten. Aber auch England hat beträchtliche Aufträge erteilt, die zugegebenermaßen zum großen Teil für den Re-Export wieder bestimmt sind. Man vermutet, daß der deutsche Stahl über England zum Teil nach dem Fernen Osten geht. Es ist ferner ein offenes Geheimnis, daß die Ostzone trotz des Stahlembargos Stahl aus Westdeutschland bezieht und zwar entweder illegal über die Zonengrenze oder über Holland. Hinter den Kulissen wird übrigens schon seit einigen Wochen über einen großen Stahlauftrag der Sowjetunion an Westdeutschland verhandelt.
Die bei den westdeutschen Stahlwerken vorliegenden Export-Aufträge beziehen sich vor allem auf Bleche, Draht und Stabeisen, aber auch auf Muttern, Schrauben und andere Stahlerzeugnisse. Die Stahlwerke sind an der Grenze ihrer Lieferfähigkeit angelangt und können kaum noch Exportaufträge buchen. Die Lieferfristen sind ohnedies bereits beträchtlich heraufgesetzt und betragen zum Teil schon sechs Monate. Wenn die deutschen Stahlwerke diejenigen Mengen liefern sollen, die von den Vereinigten Staaten verlangt werden, müßte eine Ausweitung der Kapazität auf mindestens 15 bis 16 Millionen Tonnen erfolgen.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse kam es auch am Mittwoch in Zusammenhang mit den Erwartungen über eine weitere Steigerung des Auftragseinganges bei der Schwerindustrie zu kleineren Kursverbesserungen am Montanmarkt. Das Interesse richtete sich dabei vor allem auf effektive Stücke, während Girosammelwerte vernachlässigt blieben. Die Kundschaftsbeteiligung hielt sich dabei in sehr engen Grenzen. Die übrigen Märkte lagen etwas uneinheitlich, überwiegend jedoch gut behauptet bei verhältnismäßig geringen Umsätzen.
Internationale Warenpreise
| Chicago (Mittelkurse, Cents | 24. 7 | 25. 7. | |||
| per bushel) Weizen per Juli | |||||
| Mais, per Juli | 230,88 | 232,44 | |||
| Haier, per Juli | 151,63 | 154,25 | |||
| Schweine, schwere (höchster | 76,38 | 78,38 | |||
| Preis per Ib.) | 22,75 | 23,— | |||
| Schmalz, loco | 14,50 | 15,—G | |||
| New York (Cents per 1b,)... | |||||
| Zucker Nr. 4 per Sept | 5,35 | 5,47 | |||
| Kaffee „D" per Juli i | 53,70 N | 53,80 | |||
| Kakao, Accra, 10c0........ | 38.12 N | 37,75 N | |||
| Kakao, Bahia, loco | 36,37 N | 36,25 N | |||
| Häute, per Sept | 26,2G/26,358 | 26,4G/26,68 | |||
| Baumwolle, loco | 39,06 | 39,28 | |||
| Baumwollsaatöl per Ju1).... | 18,40 | 19,25 | |||
| Kammzflge, loco | 224,—N | 228,—N | |||
| Kautschuk, loco | 42,25 N | 44,50 N | |||
| Kupfer, Weltexport, fas. ... | 22,50 | 22,50 | |||
| Blei, gewöhnlich | 12,— | 12,— | |||
| Zink, East St. Louis | 15,— | 15,— | |||
| Zinn, straits | 96,— | 96,— | |||
| London, Zinn, Settlement | (Pfund per ton) | 717,— | 716,— | ||
| Kautschuk, loco ..... | 33,256'33,758 | 34,-6/34,58 | |||
| (pence per Ib.). , | Alexandria, Baumwolle, fully | good (tallaris per cantar) | Asbmouni | 84,20 | 84,30 |
| Karnak | 104,65 | 104,45 | |||
| Zagora | 83,45 | 83,55 | |||
| Giza | 86,70 | 86,80 |
Todesanzeige Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Mutter, Schwiegermutter, unsere gute Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Pauline Schuhmann Ww. geb. Müller am 23. d. M. um 13 Uhr im gesegneten Alter von Jahren infolge eines Schlaganfalles zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Jakob Schuhmann und Familie Pfungstadt (Waldstr. 70), Gernsheim, Düsseldorf, Stuttgart-Cannstadt, Little Falls, New Jersey (USA), 25. Juli 1950.
Todesanzeige Der Herr über Leben und Tod hat heute meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter, Urgroßmutter und Tante, Frau Katharine Kissel geb. Grünig dm Alter von 80 Jahren zu sich genommen. Ihr Leben war reich an Arbeit und Sorge für ihre Lieben. ' p Im Namen ” der trauernden Hinterbliebenen: WILHELM KISSEL I. Pfungstadt, 24. Juli 1950
Am 21. Juli früh verschied unerwartet mein lieber Mann Oberstudienrat Kurt Woltmann im 59. Lebensjahr. Ida Woltmann geb. Wendel Beerfelden, den 24. Juli 1950. Die Einäscherung hat in Heidelberg stattgefunden
Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen, Herrn August Wörner sagen wir unseren herzlichen Dank. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Stolz für die trostreichen Worte am Grabe, den Spendern der Kränze sowie allen, die ihm die letzte Ehre erwiesen haben. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Philippine Wörner geb. Bender und Kinder Hetzbach, den 21. Juli 1950
Bestattungen am Donnerstag, dem 27. Juli 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof 11.00 Adler, Käthe, Fiedlerweg 5, 45 Jahre Bessunger Friedhof I 10.30 Waldschmitt, Elisabeth, Ludwigshöhstr. 17, 80 J.
Wo ich geh' und steh' alles liest „DT“
. . . auch die Handballer der Turngesellschaft 1875 in Darmstadt, die sich über die im Sportteil des „Darmstädter Tagblatts“ erscheinenden, ausführlichen Sport- _ berichte freuen. Foto: Hilde Roth
joFTKNE STELLEN^ Mädchen m. Kochkenntnissen zum 1. 8. gesucht. Gute Bezahlung. An¬ gebote unt, DT 177 an Darmstädt. Tag¬ blatt, Darmstadt. Perfektes Mädchen für Geschäftshaus!!, tagsüber gesucht. Loos, Jugenheim. Fleißiges, sauberes Mädchen tagsüber gesucht. Frau E. Stellan, Ohlystraße 77 I. Tüchtiges Tagesmüdch. in jungen Haushalt sofort gesucht. Niebergallweg 26. |stelu-gesuchf| Perfekte Modistin sucht Stellung. An¬ gebote unt. DT 166 an Darmstädt. Tag¬ blatt, Darmstadt. Mädchen 17 Jahre, 114 Jahre tätig als Mützen¬ näherin, sucht Lehr¬ stelle als Schneide¬ rin. Off. u. DT 178 an Darmstädt. Tag¬ blatt, Darmstadt. Gepr. Foto- Laborantin mit la Zeugnissen, sucht Mitarbeit oder Leitung in Labor. Spezialität: Leica- Vergrößerungen. a. auswärts. Angeb. u. DT 168 an Darmst. Tagblatt. Darmstadt 1 Elektro¬ hocker 220 V, 6 kW (Roe¬ der) f. Werksküche geeignet 1 AEG-Motor I 220/380 V. 900 U, I 1,5 PS. zu verkauf. I Angebote unter DT I 181 an Darmstädt. I Tagb'att, Darmstadt I Modern eingericht. Betonstein¬ fahrikation I krankheitsh. günst. I zu verkauf. Angeb. I unter DT 181 an | Darmstädt. Tagbl., | Darmstadt. I Klaviere I in großer Auswahl. I W. Eppclsheimer, I Jahnstr. 133.
Frackanzüge fast neu, von'3s- DM an Wo ? in d. Möbel- und Kleiderzentrale, Casinostr. 2 Inh. Christel Rettich Triumph 200 ccm, Bauj. 28, kleiner Herd billig zu verkaufen. Liebfrauenstr. 44 Hths. p. Büro- u, Reiseschreib¬ maschine m. Garantie äußerst preisw. abzugeben. A. Bieber, Griesheim Wolfsweg 2. Ruf 17 Ankauf! Verkauf! Wir bieten an: Kinderwagen, von 15.- DM an; Radios, von 60.- DM an; Fahrräder, von 45.- DM an; Kinderlauf¬ ställchen, von 10.- DM an; elektr. Koch¬ platten, von 3.- DM an; flotte Damen¬ kleider, von 8.- DM an; Damenkostüme, von 15. DM an; Bett-, Küchen-, Leib¬ wäsche, spottbillig! Unser Schlager: Ein großer Posten Da¬ men- u. Herrenhalb¬ schuhe, fast neu, von 3.- DM an. Wo? Natürlich in der Darmstädter Mö¬ bel. und Kleider¬ zentrale, Casinostr. 2 Inh. Christel Rettich Occassion Modern. Antiquariat neue Bücher aus Restauflagen. Nie¬ bergall, Datterich -,50, Benvenuto Cel¬ lini, Lebensbild aus der Renaissance überr. v. Goethe mit Bildern von Slevogt (16,-) 5,-. Liste wei¬ terer Bücher gratis. Scholz / Antiquar Darmstadt-Arheilgen Telefon 3321
Textilwaren- Bekleidung Anzug- u. Kostüm¬ stoffe, Lederhosen, Bettwäsche in Da¬ mastu. Linon, Inlett, Hausschuhe, Damen- und Herrenwäsche. Alles a. Teilzahlung bei Marquardt, Mornewegstraße 23 Tische gebr. für Büro ge¬ eignet gesucht. Off. unter DT 176 an Darmstädt. Tagbl., Darmstadt.
Gebrauchter Eisschrank geg. bar zu kaufen gesucht. Gefl. Ange¬ bote unter DT 145 an Darmstädt. Tag¬ blatt, Darmstadt. Feder¬ deckbett gesucht. Angeb. u. DT 180 an Darmst. Tagblatt Darmstadt
VERSTEIGERUNG Ich werde voraussichtlich versteigern: Am 28.7.1950 In Darmstadt, Pfandkammer Amtsgericht: 2 Radios, 2 Polstersessel, 1 Schreibtisch, 1 Klavier, 1 komb. Schrank, 4 Motoren, 1 Wulst- u. Abkantmasch., 1 Steppmasch., 1 Schärf¬ masch., 1 Stehlampe mit Tisch 1 Schleifmasch.. 1 Ladentheke, 1 Wohnzimmerschrank, 1 elektr. Herd, 1 Punktschweißmaschine. Um 12 Uhr In Arheilgen, Bieter am Rathaus. 1 Standuhr, 1 Schreib¬ tisch, 1 Rollschrank, 1 Schreibmasch., 1 Pkw Opel, 1 Bandsäge, 1 komb. Kreis-Fräs- u. Langlochmasch., 2 Polstersessel, 1 Radio, etliche Holzbearbeitungsmaschinen, 1 Tankholzmasch., 1 Lkw- Anhanger, 2 Küchenschränke, 5 Polstersessel. 2 Chaiselongues, ? R".anlt> stütl'e> 1 elektr. Kocher, 1 Klavier, 11 Kochkessel je 300 Liter. mlll wixhausen, Bieter am Rathaus: 1 Buchpresse. Um 14.30 Uhr in Erzhausen, Bieter a. Bahnhof: 1 el. Motor 25 PS. 7‘, !n „R°Bdort Bieter 10 Uhr am Rathaus-Gend.: 1 Musikschrank, 1 Schreibmasch., 80 Ltr. Maschinenöl, 75 kg Maschinenfett. Illas, Obergerichtsvollzieher, Darmstadt
Guterhaltene Herrenräder u.Sommeiwke mittlere Figur, zu kaufen gesucht. An¬ geb. unter DT 9 an Darmstädter Tagbl.. Darmstadt, Rhein¬ straße 23. ^VERMIETUNGE>J GUt möbl. Zimmer an besseren Herrn zu vermieten. Ange¬ bote unter DT 179 an Darmstädt. Tag¬ blatt, Da'mstadt. Acker¬ grundstück 2150 qm mit zirka 20 Obstbäumen, Ortsausgang Eber¬ stadts, günstig zu verkaufen. Näheres bei Brecht, Eber¬ stadt, Weingarten. Straße 45.
|^^HnRATEN^J Landwirt 40/1,78. gut. Aeuß.. Nähe Darmstadt mit Haus, alleinstehend, wünscht Frau, auch nicht aus dem Fach, zw. Heirat. Diskret. Ehrensache. Ernst¬ gemeinte Zuschrift, möglichst mit Bild (zurück) unt. DT 163 an Darmstädt. Tag¬ blatt. Darmstadt. Büroangest. 27 Jhr., Flüchtling, schuldlos geschied., sucht zwecks Heirat ein. Arbeiter kennen zu lernen. Witwer mit 2 Kindern ange¬ nehm. Angeb. unter DT 164 an Darmst. Tagblatt. Darmstadt. jvEBSOUEnENEsJ Grabmale in Holz und Stein liefert Odin Grainer Jugenheim
Auto¬ transporte C. Welker Darmstadt-Arheilgen Darmstädter Str. 73 Telefon 971. Ich taxiere Ihre Möbel sowie al'e Gegen¬ stände, groß und klein, gut u. billig! Salvadori, Mathildenstr. 53. Wieder schlank und IW schön n ohne Hungern u. schädigende W Wirkung. Be. w dienen sie sich J unser, drüsen¬ » anregenden Floradix Entfettungskur Reformhaus Schlösser Frankfurter Str. 2
©pottoerein Darmftaöt 1898 c.K 'Uauerk.arten für die Fußballverbandsspiele müssen ab sofort auf der Geschäftsstelle, Friedrichstraße 38, bestellt werden ! Näheres im Sportteil.
Wanderer Leidilmolorrad DM 2‘ML- DKW-Chassis mit Motor 5 fach iipu bereif! DM 900.- 6. L Stüber Darinstadt Heidelberger Str. 59 - Ruf 3989
Lassen Sie jetzt Ihre Winterstrümpfe anstricken mit Wolle 2,40 DM WÄSCHE-SCHÜLER Niederramstädter Straße 13 zwischen Brauerei Grohe und Hirsch¬ apotheke
Arbeitsanzug u. braun. Jackett am 22. Juli auf der Straße von Traisa nach Ober-Ramstädt verloren. Abzu¬ geben: Darmst. Tagblatt, Rheinstr. 23
(dAR^TADT MEIDELB^fRIOZ Fachmännisch ausgesuchte Radio-Neuheiten 1950/51 noch besser • noch schöner ■ noch billiger Gute Gemälde Kunsthandlung Langheinz Darmstadt, Schulstraße 10 Überziehen von Stoffknöpfen gut — schnell — billig H. WIEMER - Textilgeschäft Da.-Bessungen, Alte Niederstraße 3
UNION Das musikalische Lustspiel mit der Bombenbesetzung Maharadscha wider Willen mit Kurt Seifert, Olga Tschechowa, Sonja Ziemann. Rudolf Prack. Iwan Petrovich, Hubert von Meyerinck, Rudolf Platte. Georg Thomallo, Rita Paul, Rudi Schurlcke u. vielen anderen Ein Film mit Gesang. Tanz, Humor u. Komik Anf.; 13.45, 16.00, 18.15. 20.30 Uhr Vorverkauf ab ILOO Uhr -Ruf-3373 THALIA zeigt in ErstautfUhrunq HANS MOSER in einem zwerchfellerschütternden Filmschwank Der Herr Kanzleirat mit Rudolf Carl, Fritz Imhoff, Fred Kraus, Hedy Fassler, Anni Rosar Anf. 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Vorverk. ab 11.00 Uhr - Ruf 33 90 PALAST-LICHTSPIELE Rui 22 40 Letzter Tag! Es stellen sich vor: Ueber 50 der alten deutschen Filmstars aus 23 der beliebtesten deutschen Filme zusam¬ mengestellt in dem großartigen Film Leckerbissen 13.45 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr HANSA-THEATER NUR NOCH HEUTE UND MORGENI Willi Forst’s Farbfilm Wiener Mädeln 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr Vorverkauf: täglich ab 11 Uhr BELIDA LETZTER TAG! Dick und Doof Abenteuer aut hoher See Lachen ist die Parole Anf. 14.00 - 16.00 • 18.15 - 20.30 I Ruf 395 '