Die amerikanische Flanke bedroht
Nordkoreanische Panzerspitzen erreichten nach heftigen Kämpfen die Südküste
Taiku, 25. Juli. (AP./BBC./dpa) Die Schlacht in Südkorea steht vor ihrem Höhepunkt. An der Rollbahn nach Taiku entrissen die Nordkoreaner den Amerikanern Yongdong. Im Süden haben die feindlichen Panzerspitzen den äußersten Zipfel Koreas erreicht und sind nach Osten eingeschwenkt. Damit ist die tiefe Flanke der Amerikaner bedroht.
Am Dienstag lieferten sich die Amerikarer und die Nordkoreaner an allen Stellen der Front blutige Gefechte, denen jedesmal stundenlange Artilleriekämpfe vorausgingen. Der Feind sucht die Hauptentscheidung im mittleren Abschnitt herbeizuführen. Sein Stoß richtet sich frontal und umfassend auf die Truppen der Amerikaner, die Taiku decken. Die nordkoreanischen Divisionen wollen vor allem die Rollbahn in die Hand bekommen, um die eine heftige Schlacht entbrannt ist.
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In den Morgenstunden des Dienstag stürmten Panzer uijd Infanterie der Nordkoreaner Yongdong. Die kampfmüden, zum Teil völlig erschöpften Amerikaner wehrten sich in den Vororten und in den Straßen der Stadt verbissen. In diesem Kampfraum sind Teile der 1. Kavallerie-Division eingesetzt, die, vom Nordabschnitt bei Pohang abgezogen, die Trümmer der 24. amerikanischen Infanterie-Division aufgenommen haben. Die Panzerverbände der Division, die den Beinamen „Tropenblitz“ trägt, schlugen sich hartnäckig und konnten immer wieder aus den kleinen Kesseln ausbrechen, in die sie durch die nordkoreanische Uebermacht geraten waren.
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Der zweite neuralgische Punkt der Amerikaner ist der Südabschnitt. Praktisch gibt.es hier keine Front, so daß die Westflanke der Amerikaner völlig offen ist. Die Nordkoreaner haben ihre südliche Bewegung angehalten, weil sie das Meer erreicht haben, und drehen nach Osten ein. Damit ist die Einkreisung des Brückenkopfes Pusan beendet und gleichzeitig die Gefahr gegeben, auf der Küstenstraße nach Pusan vorzustoßen.
Mogpo, Kwang-schu, Namwon und Suchon sind in der Hand der nordkoreanischen Truppen, denen nun das gesamte südkoreanische Eisenbahn- und Straßennetz zur Verfügung steht. Hanan und Kur je, die südlichsten Städte der Insel, sind gleichfalls besetzt, Flugzeuge, die von zwei amerikanischen Flugzeugträgern, die vor der Südküste patrouillieren, aufsteigen, greifen den Feind immer wieder an.
Das amerikanische Kommunique hat die' Truppen der seit Tagen in der Schlacht stehenden Verbände selbst als schlachtmüde bezeichnet. Mit Bazookas konnten wiederum zahlreiche Panzer des Feindes abgeschossen werden. Die amerikanische Artillerie bekämpfte bei Yongdong im direkten Schuß so lange die nordkoreanische Infanterie, bis diese die Artilleriestellung überschwemmte.
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Unvorstellbare Schwierigkeiten haben die amerikanischen Sanitätstruppen. Die Nordkoreaner halten sich nicht an die Bestimmungen des Roten Kreuzes und mißachten die Genfer Flagge. Vielfach sehen sich die Aerzte gezwungen, das Rote Kreuz von den Häusern wegzunehnfen, um nicht die Nordkoreaner und Partisanen auf diese Häuser aufmerksam zu machen, da diese dann rücksichtslos ausgeräumt werden.
Verwundetentransporte können nur unter Panzergeleit in das rückwärtige Gebiet gebracht werden. Das Sanitätspersonal verlangt dringend die Ausrüstung mit Waffen, weil Hauptverbandsplätze und Krankensammelpunkte immer wieder überfallen werden. Da der Zeitdruck oft die Mitnahme der Verwundeten nicht erlaubt, macht sich die Truppe große Sorgen um die Verletzten, wenn man diese unter der Schutzflagge des Roten Kreuzes dem Feind in die Hände fallen lassen muß.
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Die bereits gestern gemeldete Ueberwachung der südkoreanischen Zivilbevölkerung wird weiterhin verschärft. Die Amerikaner haben bei Yongdong alle Zivilisten aus dem Kampfraum entfernt. Es wurde außerdem der Befehl erlassen, alle Ziviltransporte zu durchsuchen. In zahlreichen Fällen fand die amerikanische Militärpolizei in den Körben der Frauen und unter den Planwagen der Bauern Waffen. Auch durch die Partisanentätigkeit und das Einsickern der verkleideten nordkoreanischen Truppen ist die Versorgung selbst in Räumen, die der Front weit entfernt liegen, schwierig. Die amerikanische Infanterie ist von ihren Versorgungsbasen durch einen breiten Gürtel gut organisierter Partisanen getrennt.
Englische Truppen für Korea
Ein Beschluß des Kabinetts
London, 25. Juli. (AP.) In der Geheimsitzung des britischen Kabinetts ist beschlossen worden, daß Großbritannien den Truppen der Vereinten Nationen in Korea Bodentruppen zur Verfügung stellen wird.
Bonn blickt nach London
Gemischte Gefühle über die Erhöhung der Stahlquote
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn. 25. Juli. Die Atlantikpakt-Konferenz in London wird in Bonn mit stärkster Aufmerksamkeit verfolgt werden. wobei zunächst der Eindruck be¬ .steht, daß allem Anschein nach noch Leine Uebereinstimmung der westlichen Mächte im Hinblick auf Westdeutschland zu verzeichnen ist. Mit sichtlicher Zufriedenheit, zwar werden in Bonn die Erklärungen aus dem Westen aufgenominen, daß von einer Wiederaufrüstung in der Bundesrepublik nicht geredet werden könne. Aber die Debatten über die deutsche Stahlquote werden mit verschiedenartigen Gefühlen verfolgt. Denn weder die Pariser Veröffentlichungen, daß die Begrenzung der deutschen Stahlerzeugung beibehalten werden müsse, noch andere Stimmen des Westens, daß sie wegen einer Eingliederung in das westliche Verteidigungssystem abgebaut werden solle, entsprechen dem grundsätzichen deutschen Standpunkt, daß eine Freigabe der westdeutschen Stahlkapazität vor allem wegen der eigenen Wiederaufbaubedürfnisse notwendig sei.
Vor allem aber wird in den hiesigen politischen Kreisen auch ein Widerspruch darin gesehen, daß zwar von einer Eingliederung der Bundesrepublik in das Wirtschaftliche Verteidigungssystem gesprochen wird, aber die politische Eingliederung in die westliche, Gemeinschaft, die sich durch die Revision des Besatzungsstatuts vollziehen soll, anscheinend in den Hintergrund getreten ist. Bonn sieht nicht ein. daß die Schwierigkeiten, die sich bei der Beratung des Londoner Revisionsausschusses ergeben haben sollen, so unüberwindlich sein sollen, wie gesagt worden ist. Es wird hervorgehoben, daß die Weltlage Entschlüsse zur Aufnahme Westdeutschlands in die Gemeinschaft der freien Völker nur fördern und nicht hemmen könne. Es besteht der vielleicht nicht gerechtfertigte, aber verständliche Eindruck, daß sich retartierende Tendenzen bei den Beratungen über die Revision des Besatzungsstatuts verzeichnen lassen können, und es wird in Bonner Kreisen betont, daß eine solche Entwicklung nicht nur für die Bundesrepublik sehr bedauerlich wäre und den Erfordernissen der Zeit in keiner Weise gerecht würde. ,j.
Militanter Kommunismus
Das Ergebnis des Berliner Parteitages: Stoßrichtung nach Westen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
er. Berlin, 25. Juli. Das entscheidende Ereignis der fünftägigen Parteitagung der Sozialistischen Einheitspartei ist der Umbau der Partei. Mit der Einsetzung Ulbrichts zum Generalsekretär des neugeschaffenen Zentralkomitees ist die geistig führende Gestalt in eine bedeutende Rolle hineingewachsen, die Stalin in Rußland innehat. Der' organisatorische Aufbau ist jetzt ganz dem russischen Muster angepaßt, so daß der unmittelbare Verkehr von den r-ussischen Zentralstellen zu den einzelnen deutschen Parteistellen reibungslos und nach dem gleichen Schema vor sich gehen kann.
Die weitreichende Bedeutung dieser Maßnahmen ergibt sich daraus, daß die westdeutsche Kommunistische Partei
nicht mehr als selbständige Partei erscheint, sondern völlig in allen sachlichen und in allen organisatorischen Fragen der Sozialistischen Einheitspartei untergeordnet und eingeordnet ist. Der Umbau der Partei hat in sachlicher Hinsicht eine insbesondere für die westdeutschen Verhältnisse sehr bedeutsame Wirkung. Sie wird künftig nur noch militante Mitglieder umfassen,- nachdem der neue Status festsetzt, daß jedes Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei und der Kommunistischen Partei zur Ausführung von Befehlen der oberen Parteistellen verpflichtet ist und einer Strafgewalt dieser übergeordneten Stellen untersteht. Der militante Charakter der Partei unter Abstoßung von nur nominellen Mitgliedern soll nach den Plänen Ulbrichts, die wiederum auf Moskauer Pläne zurückgehen, die Schlagkraft des Apparates wesentlich steigern.
Die vorangegangenen Beratungen mit den Moskauer Instanzen hatten, wie sich schon vorher aus manchen Informationen ergab, zu der Schlußfolgerung geführt, daß die kommunistische Politik in Deutschland deshalb so erfolglos sei, weil sie mit dem Mittel der Stimmen Werbung, statt mit dem Mittel revolutionärer Aktionen arbeite. Dieser Gesichtspunkt ist jetzt stark herausgearbeitet. Man zielt offenbar dahin, insbesondere auf Westdeutschland eine doppelte Betätigungsförm herbeizuführen: Einmal stärkere Anziehungskraft auf die zu Unruhen geneigte Jugend auszuüben, zum anderen die Masse der nichtkommunistischen Bevölkerung einzuschüchtern und dadurch die Neigung zu einem Widerstand gegen kommunistische Infiltration abzuschwächen.
Die Schlacht in Südkorea ist mit äußerster Heftigkeit entbrannt
Kastner nusgeschlossen
Beschluß gegen den Partei-Vorsitzenden
. er. Berlin, 25. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Vorsitzende der Liberaldemokratischen Partei der Sowjetzone und stellvertretende Ministerpräsident, Professor Kastner, ist aus seiner Partei ausgeschlossen worden.
Der Generalsekretär
he Wer es noch nicht wußte, der hat es jetzt aus den Berichten über den Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei erfahren: die stärkste Figur in der sowjetischen Zone ist Walther Ulbricht. Seine Partei hat ihn zu ihrem Generalsekretär gewählt. Man erinnert sich dabei, r’^ß Stalin lange Jahre das Amt eines Generalsekretärs der Kommunistischen Partei in Rußland bekleidete, ohne die kleinsten staatlichen Posten innezuhaben, und daß damit doch bereits alle Macht in seiner Hand vereinigt war. Ulbricht ist stellvertretender Ministerpräsident, aber nicht hier liegen die Quellen seiner Macht. Die Männer, die stärker sind als Ulbricht, sitzen nicht in der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, sondern im Kreml. Ihnen allein gehorcht er. Vom Staatspräsidenten aber und vom Minis'erpräsidenten in Berlin nijnmt er keine Befehle an, sondern er gibt sie ihnen.
Die Stationen seines Lebens sagen genug über seine unerschütterliche Zuverlässigkeit gegenüber der Partei. Der ehemalige Holzarbeiter hat schon im Spartakusbund 1919 gekämpft und ist in Deutschland und dann in Moskau auf das
gründlichste geschult worden. Er stieg mit sicheren Schritten in der Partei-Hierarchie in die Höhe, war im spanischen Bürgerkrieg als Kommissar in Albacete in einer dunklen Rolle tätig, die heute noch nicht ganz geklärt ist, ging mit den letzten Sendboten des Kremls nach Moskau zurück, befand sich bei Stalingrad auf russischer Seite im Kampfgelände, wählte aus dem Nationalkomitee Freies Deutschland die künftigen Bundesgenossen des Bolschewismus aus und bereitete mitten in Rußland die Volkspolizei vor.
Ueber seinen Charakter sind sich alle Beobachter einig, die ihn aus der Nähe kennengelernt haben: einer der ganz wenigen deutschen Kommunisten, die es an eisiger Kälte und an äußerster Entschlossenheit mit den russischen Führern des Bolschewismus aufnehmen können; daher einer der wenigen, dem sie ganz vertrauen. Er gilt auch in der marxistischleninistischen Theorie erfahren, als ein gewandter Dialektiker, ein Mann nicht ohne Scharfblick, und im ganzen von der furchtbaren Einseitigkeit des Denkens und des Handelns, die das Wesen der Weltanschauung seiner Partei ausmacht. Vielleicht eine bedeutende, auf jeden Fall eine unheimliche Figur.
Berlin wie es weint und lacht
Eindrücke von einem Abstecher auf die Insel Berlin
K. K. Was die Menschen denken und treiben, was sie fühlen und ob sie stumpf werden, wer vermöchte darüber aus der Beobachtung von ein paar knappen Tagen mehr als flüchtige und leicht irreführende Impressionen mit nach Hause zu bringen? In West-Berlin hatte ich den Eindruck, als habe die Absperrung nach außen etwas erzeugt, was es-früher nur in Paris gab, das Leben der Menschen in der Stadt als einem landschaftlichen Gebilde. Die Sommerabende am und um den Kurfürstendamm sind nicht mehr so sehr von jener snobistischen Eleganz beherrscht wie früher. Man sieht die Berliner, viele Ehepaare in mittleren Jahren darunter, richtig gemächlich einherwandeln und die entzückenden Auslagen, die in ganz Westdeutschland ihresgleichen nicht haben, genießerisch betrachten. Es lohnte sich, über die kleinen Einfälle all der Modistinnen und Schneiderinnen zu berichten, die ihre Kunstwerke in die sehr originell dekorierten Auslagen legen. Ich habe Schaufenster mit einigen Sommerhütchen gesehen oder eines mit weißen Gesellschaftskleidern, deren applizierter Schmuck durchweg gold war — Schaufenster, die es früher in dieser raffinierten und delikaten Eleganz in Berlin nicht gegeben hat. ' Es ist, als hätte das eingesessene künstlerische Handwerk aus der insularen Abschließung an Arbeitsintensität und Verfeinerung des Geschmacks gewonnen. In den Seitenstraßen des Kurfürstendamms kann man beobachten, wie so manche Schneider- und Kunsttischlerwerkstatt bis gegen neun Uhr abends offen ist, wie darin mit einer gewissen Muße weitergewerkelt wird und wie Freunde und Bekannte sich zur abendlichen Arbeit und zu einem kurzen Schwatzbesuch einstellen, der nicht selten auch dem gerade unter den Händen befindlichen Werkstück gelten dürfte. Am Kurfürstendamm selbst entwickeln die Leutchen immer wieder überraschende Einfälle, die nur aus der insularen Stadtintimität der Westsektoren zu erklären sein dürften. Wem würde es bei uns einfallen, an einem brütend heißen schwülen Sommerabend drei Weinfässer — es dürften den Ausmaßen nach Stückfässer gewesen sein — hochkant auf die Straße zu stellen, dazu eine kuragierte Dame in mittleren Jahren hinter einen Tisch und großen Eisbottich zu setzen und an den zu Tischen gemachten Fässern einen Glasausschank zu improvisieren, der den Vorbeischlendernden zu einem herrlich zwanglosen Schoppen und die alten Kneipenbummelanten zu einem Szenenwechsel veranlaßt, der seine besonderen Reize haf.
Freude und Ernst
Die West-Berliner hört man kaum einmal jammern. Sie haben sich mit der „Insel“ abgefunden und genießen, was sich ihnen bietfet, ihre sehr schön wiederhergestellten Anlagen, die Auslagen, auch wenn man nicht kaufen kann, das Funktionieren der Bahnen, die flinken Taxis, die Fülle der neuen Filme, die aus Berlin eine Stadt der ständigen Biennale gemacht nat, das bißchen Leben mit Würstchen und vollen Kirschtüten, die täglichen politischen Sensationen. Da freilich hört die Gemütlichkeit meist auf, und es beginnt ein verbissener und sehr entschlossener Ernst, der dem Besucher aus dem Westen nicht selten als unverhüllte Kritik an unsrer vermeintlichen oder echten Laschheit ins Gesicht springt. Ein neuer West-Berliner Wesenszug dürfte für den, der zwei und mehr Jahre nicht mehr da war, das Ueberraschendste sein. Mit dem bißchen wiedergekehrter Lebensfreude haben die Berliner ihre Gereiztheit und Schroffheit von dazumal abgelegt. Ruft man irgendwo an, dann sagt eine freundliche Stimme: Hier sowieso, Guten Morgen, Tag und Abend — je nachdem. Fragt man jemand nach dem Weg, erhält man aufs freundlichste Auskunft. Geht man in Lokale, die ein wenig seitab liegen und nicht gerade von Publikum bersten, kann es einem passieren, daß einen die bildhübsche Tochter mit weltstädtischer Unbefangenheit unterhält. Nur eben in der Politik sind sie unnächsichtlich und sehr entschlossen.
Im Ostsektor
Dasselbe in der entgegengesetzten Version — ich meine die wilde politische Entschlossenheit — kann man im Ostsekl^r erleben. Ich bin in einem HO-Restaurant Unter den Linden an einen Tisch geraten, der mich mit improvisierter politischer Propaganda reichlich eingedeckt hat. Vielleicht haben sich die vier Männer aus Sachsen, die leitenden Angestellten einer volkseigenen Weberei, nach unserm Gespräch vielleicht sogar eingebildet, mich zugedeckt zu haben. Als sie mir ihr „gesundes“ System, sich ohne Auslandsschulden langsam emporzuärbeiten und die westlichen Aggressionsabsichten genügend klargemacht hatten, entließen sie mich mit der halb lustigen, halb todernsten Verheißung, daß sie mich in Frankfurt wiedersehen würden. Wie sie sich das Wiedersehen dachten, verrieten sie nicht im einzelnen. Doch hatte ich zuvor einiges von ihnen über Aggression erfahren. Vom Westen hatten sie ein sehr bestimmtes Bild. Es enthielt Flüchtlingslager in Dorftanzsälen und -turnhallen, Arbeitslosigkeit und angebliche Revancheforderungen unserer Heimatvertriebenen aus Schlesien, den Sudeten und Pommern.
Der Zufall hatte mich an diese vier Männer, die man ohne Gehässigkeit Nutznießer nennen könnte, geraten lassen. War es nur ein Zufall? Als mich ein West-Berliner Taxichauffeur zum Flughafen Tempelhof fuhr, ein unverfälschter Mann mit Schnauze, dem vieles auch in West-Berlin nicht zu gefallen schien, da sagte mir der Mann, die aus dem Osten seien schon so ziemlich vernagelt. Man hätte es ja an der Freien Deutschen Jugend sehen können an Pfingsten. Die seien nicht mehr zu bekehren, sagte mein Taximann — und der war gewiß kein Freund der Sozialistischen Einheitsnartei.
In den Rhein gefahren
Drei Tote jund sechs Schwerverletzte
St. Goar, 25. Juli, (dpa) Ein mit fünf deutschen Waisenkindern, zwei französischen Ordensschwestern, einem französischen Geistlichen und einem französischen Fahrer besetzter Militärkraftwagen fuhr am Dienstag gegen Mittag am „Kammereck“ bei St. Goar aus einer Kurve, durchbrach das Geländer und stürzte in den Rhein. Von den neun Insassen des Wagens, die sämtlich schwer verletzt wurden, starben zwei Waisenkinder und eine Ordensschwester auf dem Weg ins Krankenhaus, zwei weitere Kinder schweben in Lebensgefahr.
Der Wagen gehörte zu einer Omnibuskolonne, die mit. Waisenkindern . aus Landstuhl in der Pfalz auf dem Weg nach St. Goar waren, um von dort aus eine Rheindampferfahrt nach Rüdesheim zu unternehmen.
Krise
ein. Die ganze Front zwischen dem Gelben Meer und dem Japanischen Meer ist wieder in Bewegung. Yongdong an der .Rollbahn nach Taiku ist von den Nordkoreanern gestürmt worden. Für die Mittelfront besteht damit die Gefahr, daß der Feind sie eindrückt. Im Norden von Pohang bis Kumschon ist der Druck auf die amerikanisch-südkoreanischen Stellungen unvermindert stark und hat zur Zurücknahme der Hauptkampflinien geführt. Die größte Gefährdung für die amerikanischen Truppen ist aber die Bewegung des Feindes nach Süden, eine Bewegung, die seit gestern nach Osten umgeleitet worden ist. Die Nordkoreaner sind dabei, den Stoß in die tiefe Westflanke der Amerikaner zu führen.
Das Ziel dieser operativen Planung, die sich seit der Einnahme von Taidschon anbot und sich auch sofort in den Maßnahmen der koreanischen Führung abzeichnete, ist offenbar, Pusan zu überrennen. Die Nordkoreaner bereiten gleichzeitig die Einkreisung des Brückenkopfes und seine Säuberung vor. Die im Süden operierenden Verbände wollen anscheinend auf den Höhenstraßen nach Taiku vorstoßen und damit die Teile der dort kämpfenden Amerikaner abschneiden. Zum anderen sind die motorisierten und Panzertruppen des Feindes in der Lage, eine zweite Bewegung auf Schinju einzuleiten und von dort nach Pusan vorzugehen.
Die amerikanische Führung muß infolge ihrer Unterlegenheit an Zahl um Zeit und Raum kämpfen, aber dabei werden die Truppen beansprucht, die später in der letzten Stellung halten sollen, und die Luftstreitkräfte zersplittert. Die Abnutzung hat die 8. Armee zu harten Maßnahmen gezwungen. Die 1. Kavallerie-Division, ein zu selbständigen Unternehmungen hervorragend geeigneter Verband, hat auseinandergerissen werden müssen. Sie steht mit Teilen im Nordosten bei Pohang und liefert mit abgestellten Einheiten blutige Gefechte bei Yongdong, um die Trümmer der 24. Infanterie-Division aufzunehmen. Die 25. Infanterie-Division hält die südkoreanischen Verbände zusammen, die nördlich Taiku stehen und kann keinen Mann entbehren. Der Süden und Südwesten der amerikanischen Front aber ist von allen Truppen entblößt.
Es zeigt sich, welch wichtige Rolle Taidschon gespielt hat. Die amerikanische Führung hatte die Bedeutung dieser Stadt richtig erkannt und wollte dort die letzte Stellung wissen. Ihre Planung war deshalb auf das Halten von Taidschon abgestimmt. Die Straßen und Eisenbahnen verlangten geradezu hier den feindlichen Vorstoß und den eigenen Widerstand. Mußte man Taidschon aufgeben, dann war die Bedrohung der eigenen Front durch eine feindliche Flankenbewegung sofort gegeben. Die koreanischen Angriffe nach dem Fall der Stadt, die alle Kräfte banden, erlaubten nicht die großzügige Umgruppierung, und die Notwendigkeit, Zeit zu gewinnen, ließ die sofortige weiträumige Absatzbewegung ebenfalls nicht zu.
Die nun entstandene Krise läßt sich nur überstehen, wenn entweder ' bald neue Truppen eintreffen oder wenn der Feind selbst so beansprucht ist, daß seine Kräfte für diese letzte große Anstrengung nicht ausreichen.
Luftschutzmaßnahmen
In den Vereinigten Staaten und England
Zürich, 25. Juli, (dpa) Ueber verstärkte Luftschutzmaßnahmen in den Vereinigten Staaten berichtet am Dienstag der amerikanische Korrespondent der Züricher „Tat“. In Seattle, der amerikanischen Großstadt, die von Sibirien aus am leichtesten mit Flugzeugen zu erreichen wäre, sollen in den letzten Tagen große Atombomben - Manöver abgehalten worden sein. Zahlreiche amerikanische Städte hätten unter dem Eindruck der Kriegsnachrichten aus Korea Luftschutzorganisationen ins Leben gerufen.
Aus London wird berichtet: Eine Forderung nach freiwilligen Luftschutzwarten, die am Montag im britischen Unterhaus von Innenminister Ede erhoben worden ist, wird in der englischen Presse an hervorragender Stelle gebracht. Der Innenminister hatte verlangt, daß die sechzehn Millionen Männer und Frauen, die die notwendigen Bedingungen erfüllten, ihre Meldung zum Luftschutzdienst nicht länger hinausschieben dürften.
Ein großer Teil der Unterhausdebatte war den Schutzmaßnahmen gegen Atombombenangriffe gewidmet. Der Innenminister war überzeugt, die Wirkung von Atombombenangriffen könne abgeschwächt werden, wenn rechtzeitig genügend ausgebildete Luftschutzwarte zur Verfügung stünden.
Moskau stellt Liefernngen ein
Kein Mangan und Chrom nach Amerika
Washington, 25. Juli. (A.P.) Die Sowjetunion hat ihre Lieferungen von Mangan und Chrom an die Vereinigten Staaten eingestellt. Nach einer Mitteilung des amerikanischen Statistischen Amtes ist zum letzten Male eine Lieferung des kriegswichtigen Materials aus der Sowjetunion im Februar in den Vereinigten Staaten eingetroffen.
Amerika schreitet nicht ein
Washington, 25. Juli. (AP.) Ein Vertreter des amerikanischen Außenministeriums hat durchblicken lassen, die Vereinigten Staaten würden nicht einschreiten, wenn die chinesischen Kommunisten eine Invasion der von den Nationalchinesen gehaltenen Insel Quemoy versuchen sollten. Trumans Anweisung beziehe sich nur auf Formosa und die benachbarten Pescadores-Inseln.
„Unser Amt ist der Friede“
Die Ausstellung „Im Zeichen der Frau“ in München eröffnet
We. „Bitte glauben Sie nicht, daß hier ein paar wildgewordene Suffragetten eine Ausstellung machen wollen“, rief die temperamentvolle Regierungpräsidentin von Hannover und 1. Vorsitzende des Deutschen Frauenringes, Theanolte Bähnisch, den Journalisten zu. Das war auf einer Pressekonferenz drei Wochen vor Beginn der Ausstellung „Im Zeichen der Frau“ in München. Wir wollen es freimütig gestehen: wir waren doch ein ganz klein wenig skeptisch. Aber nun ist diese erste große deutsche Frauenausstellung seit 1912 eröffnet worden — und bereits am Vorabend, als in allen Hallen die freiwilligen Helferinnen im Malerkittel mit auf gekrempelten Aermeln letzte Hand anlegten, waren wir überzeugt, daß sie gelungen sei.
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Es gibt sehr langweilige Schaubilder, an denen der Besucher mit erhöhter Geschwindigkeit vorbeizukommen trachtet. Diese hier sind ungemein aufschlußreich. Ihr maßvoller Ton ist überzeugend. Die Zahlen sprechen für sich. 66 Prozent der westdeutschen Wahlberechtigten sind Frauen, aber im Bundestag sitzen sie mit 4 Prozent, in den Landtagen mit 1 Prozent und in den Gemeinderäten mit 0,4 Prozent, während der Weimarer Nationalversammlung immerhin noch 10 vom Hundert angehörten. Nirgendwo wird hier die laute Forderung nach kategorischer Gleichmacherei erhoben, aber schon am ersten Tag verharrten immer wieder Gruppen unter dem Bild der ebenso gütigen wie tapferen und energischen Louise Schröder, die meinten, die Politik der Mütter sei doch wohl die schlechteste nicht. Der Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt nicht auf praktisch unerfüllten Forderungen, sondern überall ist der Wunsch nach Neuaufbau in kameradschaftlicher Verbundenheit zwischen Mann und Frau zu spüren.
Das ist eine um so wohltuendere Linie, wenn man sich der beim Anrollen der Propagandawelle für das neue ostzonale Eherecht geführten Sprache entsinnt. Hier kennzeichneten die Kommentare über die „unerträgliche Ausbeutung der Frau“ und das „System der kapitalistischen Sklavenarbeit“ hinlänglich die Marschrichtung. Jener Raum in der Münchner Ausstellung, in dem der vorläufigen Theorie des Grundgesetzes „Der Mann und die Frau sind gleichberechtigt“ die Tatsachen der gegenwärtigen Praxis gegenübergestellt sind, gehört gewiß zu den eindrucksvollsten. Aber die lapidare Behauptung des Justizministeriums der Deutschen Demokratischen Republik, das westdeutsche Grundgesetz sei nichts weiter als ein Lippenbekenntnis, ist erst noch zu beweisen. Gesetzgeber und Rechtslehrer sind sich durchaus darüber einig, daß der gehobenen sozialen Stellung der Frau Rechnung getragen werden müsse. Nur meint man hier, der Satz von der Gleichberechtigung von Mann und Frau dürfe bei der seelischen und körperlichen Verschiedenheit nicht rein technisch als mechanische Gleichschaltung verstanden werden. Auch verzichtet man darauf, bei der Gelegenheit ein politisches Feuerwerk abzubrennen. Die Gleichberechtigung der Frau gehört zu den vier großen Hauptthemen des diesjährigen Deutschen Juristentages in Frarfkfurt. Bis zu dem im Grundgesetz vorgesehenen Termin im Jahre 1953 sollen die neuen Bestimmungen vorliegen.
©in Kerg von Kartoffeln
Die Münchner Ausstellung ist nicht einmal in den Abteilungen eine Sammlung politischer Schlagworte, deren Themenstellung dazu wie geschaffen scheint. Im übrigen ist sie ein großartig lebendiger und vielgestaltiger Beitrag zu allen Problemen einer würdigen und zweckmäßigen Lebensgestaltung. Hier hat man jeweils in glücklicher Form eine Lehr- mit einer Firmenschau gekoppelt. Man wird auch den Besuchern eine ganze Reihe aktueller Fragen vorlegen (zum Beispiel über Wünsche in der Wohnraumgestaltung) und das Ergebnis den interessierten Wirtschaftskreisen übermitteln. Stehen normale Modevorführungen im allgemeinen unter dem betrüblichen Zeichen „Schön wäre es, wenn..so können die Besucherinnen der Ausstellungs-Modenschauen „Was wir haben müssen“ und „Was wir haben sollen“ auch zu praktischen Ergebnissen gelangen, während erst die dritte Schau „Was wir uns erträumen“ zu den im Grunde gern unternommenen Höhenflügen anregt. In Sinnen versunken fanden wir einen männlichen Besucher gesetzteren Alters vor einem gewaltigen Gestell, hinter dem sich ein ungeheurer Berg von Kartoffeln türmte, die Ladung einer Kraftwagenkolonne. Davor stand zu lesen, daß das die Menge sei, die eine Frau für eine vierköpfige Familie in ihrem Leben schäle. Das nur als Beispiel für manche’ ü andere erstaunliche Offenbarung auf de: Gelände.
Das Schönste dieser großen Ausstellung aber ist der schlichte Raum mit den Sommerblumen und der Getreidegarbe, über dem geschrieben steht: „Unser Amt ist der Friede“. Mit Absicht ist jede Bezugnahme auf aktuelles Geschehen vermieden worden. Aber wer hier durchgeht, verhält einen Augenblick, obwohl es sonst nichts zu sehen gibt.
Kein Abwarten auf Minister Storch
Das Mitbestimmungsiecht auf parlamentarischer Ebene
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R Bonn, 25. Juli. Die große Debatte über das Mitbestimmungsrecht am Donnerstag wird den Höhepunkt der Bundestagsverhandlungen dieser Woche bilden. Die Fraktion der Christlich-Demokratischen Union wird ihren Gesetzentwurf zum Mitbestimmungsrecht einbringen, nachdem Tendenzen, eine solche hochpolitische Debatte so kurz vor den Parlamentsferien nicht abzuhalten, in der nicht sehr zahlreich besuchten Fraktionssitzung nicht zum Tragen .gekommen sind. Zweifellos ist die. Vorlage des eigenen Entwurfs ein Zeichen starker Selbständigkeit der Fraktion gegenüber der Regierung, nachdem der Arbeitsminister die andere Konzeption eines Abwartens während der Verhandlungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften über das Mitbestimmungsrecht gehabt hat.
Minister Storch hat sich unermüdlich um ein Gelingen dieser Methode bemüht, obschon seine Fraktion und auch die Mehrheit des Kabinetts selbst seinen Optimismus auf eine Einigung zwischen den Sozialpartnern nicht teilten. Immerhin wartete die, Fraktion einige Konferenzen der Sozialpartner mit dem Arbeitsminister ab, sie stimmte aber nach dem Abschluß von Maria Laach der grundsätzlichen Ansicht ihres Ministers nicht mehr zu, daß zufriedenstellende Ergebnisse in absehbarer Zeit zu erwarten seien, so daß ihr der Augenblick gekommen schien, die parlamentarische Behandlung des Mitbestimmungsrechts zu eröffnen. Dabei wird es durchaus für möglich und wahr-
scheinlich gehalten, daß die Sozialpartner jetzt bei den Ausschußverhandlungen nach der ersten Lesung im Bundestag zu Wort kommen werden.
Es versteht sich von selbst, daß dabei die Koalition nicht als Einheit in Erscheinung treten kann, nachdem die beiden anderen Koalitionsparteien schon erhebliche Bedenken gegen den Inhalt des Gesetzentwurfes der Union angemeldet haben und auch mit dieser Initiative des Koalitionspartners so wenig wie das Kabinett in seiner Gesamtheit einverstanden waren.
Cine Riesenrakete abgeschossen
Sie fliegt auf den Atlantik hinaus
Cocoa (Florida), 25. Juli, (dpa) Eine ferngelenkte Riesenrakete ist durch Versuchseinheiten der amerikanischen Luftstreitkräfte von Florida aus über den Atlantik abgeschossen worden. Der Verlauf des Versuchs ist von amerikanischen Offizieren als erfolgreich bezeichnet worden. Am vergangenen Mittwoch war ein ähnlicher Versuch mißglückt.
Die Riesenrakete wurde in waagerechter Richtung abgeschossen, nachdem alle Schiffe die Gewässer vor Florida verlassen hatten. Die Rakete wird zunächst von einem V-2-Geschoß getragen, das dann, sobald es die Höchstgeschwindigkeit erreicht hat, die eigentliche Rakete abschießt. Wenn die Rakete vom Kurs abweicht oder nicht mehr auf die Radarlenkung reagiert, kann sie durch Fernzündung zur Explosion gebracht werden.
Verhöre von deutschen Fliegern
Anschuldigungen der kommunistischen Presse
Frankfurt, 25. Juli. (AP.) Die westdeutsche kommunistische Presse hat am Dienstag die Behauptung aufgestellt, daß eine Dienststelle der amerikanischen Luftstreitkräfte ehemalige Angehörige der deutschen Luftwaffe registriere und einem Verhör unterziehe. Es soll sich vornehmlich um Luftwaffenangehörige handeln, die im Einsatz in Rußland gewesen sind. Als Beweis ihrer Behauptung hat die „Sozialistische Volkszeitung“ in Frankfurt einen Brief veröffentlicht, der von einer Dienststelle der amerikanischen Luftwaffe an Mitglieder der früheren deutschen Luftwaffe versandt worden sein soll. Der Brief trug die Unterschrift von Captain Oscar J. Herzog von der Kriegsgeschichtlichen Forschungsabteilung der amerikanischen Luftstreitkräfte, die ihren Sitz in Frankfurt hat.
Captain Herzog, dem die kommunistische Behauptung unterbreitet wurde, erklärte, er könne sich nicht ohne vorherige Rücksprache mit seiner vorgesetzten Behörde im Hauptquartier der amerikanischen Luftstreitkräfte in Wiesbaden darüber äußern. Captain Herzog stritt jedoch die Versendung von Briefen, wie sie in der kommunistischen Presse veröffentlicht wurden, nicht ab.
Amerikanische Korrespondenten vermuten, daß die amerikanische Luftwaffe die ehemaligen Angehörigen der deutschen Luftwaffe möglicherweise über Flugbedingungen und -Verhältnisse in der Sowjetunion befragt.
Die Bundesbahn gewappnet
K. Frankfurt, 25. Juli. Von der Hauptverwaltung der Bundesbahn in Offenbach wird erklärt, daß die zuständigen Stellen über kommunistische Bestrebungen, Sabotagetrupps zur Störung in dem westdeutschen Eisenbahnverkehr im Falle eines Ost-West-Konfliktes einzusetzen, schon seit längerer Zeit unterrichtet seien. Die Bahnpolizei habe Maßnahmen getroffen, um etwaige Zwischenfälle auszuschalten und Störungen zu vermeiden.
Keine Remilitarisierung
Deutschlands Beitrag: Stärkung der Wirtschaft
AZ. Mainz, 25. Juli. Aus britischen Kreisen wird uns geschrieben:
Beschleunigte Maßnahmen zur Steigerung der westlichen Verteidigungsbereitschaft werden in dieser Woche auf internationaler und nationaler Ebene im Brennpunkt der Londoner Ereignisse stehen, wie aus gutinformierten Kreisen der britischen Oberkommission verlautet. Der Ständige Ausschuß der Außenministerstellvertreter der Mächte des Atlantikpaktes beginnt am Dienstag seine wichtigen Beratungen im Lancaster House, und am Mittwoch wird das britische Unterhaus Rüstungsmaßnahmen debattieren. Welche neuen Schritte die Regierung dem Parlament bekanntgeben wird, ist noch Gegenstand widersprechender Pressespekulationen, aber die vielbeachtete Rede, die Kriegsminister Strachey am Sonntag auf einer Versammlung der Labour Party in London hielt, hat die britische Oeffentlichkeit bereits darauf vorbereitet, daß eine umfassende Steigerung derßüstungs- Produktion und andere Verteidigungsmaßnahmen beträchtliche Opfer sowie Auswirkungen auf den zivilen Verbrauch mit sich bringen würden.
Alle Maßnahmen, die von den Mächten des Atlantikpaktes zur beschleunigten Erhöhung ihrer Schlagkraft und Verteidigungsbereitschaft beschlossen werden, werden automatisch der deutschen Sicherheit zugute kommen, die bekanntlich durch die Bestimmungen des Paktes gedeckt ist. Während die Koreakrise die Dringlichkeit einer ausreichenden westlichen Aufrüstung klar unterstrichen hat und die Inititative Präsident Trumans bereits außerordentliche Möglichkeiten andeutet, ist, wie von zuständiger Seite betont wird, gegenüber der Frage einer deutschen Remilitarisierung keine Aenderung eingetreten, und die bekannten Gründe, die in der Vergangenheit maßgebend waren, haben ihre Gültigkeit behalten.
Britischerseits wurde auch heute wieder erklärt, daß die Frage einer deutschen Remilitarisierung nicht auf der Tagesordnung der Außenminister-Stellvertreter des Atlantikpaktes steht, und daß von keiner Seite Vorschläge unterbreitet worden sind, das Problem zu erörtern.
Diese Tatsache bedeutet jedoch, wie britische Beobachter hervorheben, keineswegs, daß die 50 Millionen Deutschen in der Bundesrepublik und in West-Berlin nicht einen wertvollen Beitrag zur Stärkung ihrer eigenen und der allgemeinen westlichen Sicherheit leisten können. In der gegenwärtigen gespannten Weltlage zählen nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche und moralische Faktoren. In dieser Hinsicht, so erklärt man, kann das deutsche Volk Wichtiges leisten, so besonders durch die Entwicklung einer gesunden Wirtschaft als Bollwerk gegen den Kommunismus. Im Nervenkrieg hat gerade der jüngste Kongreß der Kommunisten deren Absichten enthüllt und der deutschen Bevölkerung im Westen damit die Möglichkeit gegeben, den kommunistischen Plänen wirksam entgegenzutreten und sie zu vereiteln. Durch die Entlarvung und Bekämpfung der hohlen Propaganda der „Nationalen Front“ in all ihren Schattierungen kann das deutsche Volk wesentlich zur Abwehr der gemeinsamen Gefahr beitragen.
Drohung mit Lohnforderungen
Frankfurt, 25. Juli, (dpa) Die Industriegewerkschaft Metall droht mit Lohnforderungen, falls die Bundesregierung der jüngsten Entwicklung der Preise nicht begegne. Vorstand und Beirat seien mit dem Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes einig, daß die Bundesregierung eingreifen und die Preise auf den alten Stand zurückbringen müsse.
Literaturpreis in Mainz
Protest gegen Schundgesetz
AZ. Mainz, 25. Juli. Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz wird in diesem Jahre zum ersten Male einen Literaturpreis in der voraussichtlichen Höhe von zehntausend Mark vergeben. Er gilt für hervorragende Leistungen zeitgenössischer Schriftsteller in deutscher Sprache auf dem Gebiet der Literatur als Gesamt- oder Einzelwerke, die bereits im Druck vorliegen. Die Verleihung soll im Dezember erfolgen.
Dem Bundespräsidenten wurde ein Schreiben der Klasse Literatur der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz zugestellt, worin die Klasse im Namen ihres Vizepräsidenten Dr. Alfred Döblin gegen bevorstehende Bemühungen, ein neuerliches Schmutz- und Schundgesetz zu erlassen, protestiert.
Keine Ferien nimmt die Alliierte Oberkommission und wird ihre Beratungen auch während der Parlamentsferien des Deutschen Bundestages auf dem Petersberg fortsetzen.
Ein Geschwader der amerikanischen Mittelmeerflotte wird am 31. Juli in Istanbul erwartet.
Stimmen der Anderen
„Nicht nur Vertriebene!“
In der „Freien Demokratischen Korrespondenz“ übt der Abgeordnete Dr. Wellhausen scharfe Kritik an der Politik des Bundesfinanzministeriums gegenüber den Vertriebenen. Im übrigen bestehe die „Partei der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ keineswegs nur aus Vertriebenen:
„Man kann nicht feststellen, wieviel von denen, die in Schleswig-Holstein die sogenannte Flüchtlingspartei gewählt haben, Vertriebene sind und wieviel Entrechtete; denn diese Bezeichnung findet sich auch in dem Namen der neuen Partei.
Mir will scheinen, als ob zu den Entrechteten in hohem Ausmaß — und leider nicht ohne Recht — sich die Kriegsbeschädigten zählen, die Entnazifizierten, die ehemaligen Wehrmachtsangehörigen und innerhalb der Vertriebenen besonders die Beamten, also in erster Linie die Gruppen, denen durch Artikel 131 des Grundgesetzes in, wie man zu sagen pflegt, feierlicher Form Hoffnungen oder gar Zusicherungen gemacht worden sind. Sie alle gesellen sich den Vertriebenen im eigentlichen Sinne zu und bilden einen neuen Stand, für dessen Existenz jeder,- der nicht zu ihnen gehört, Verständnis gewinnen muß. Mindestens aber sollte er aus Sorge vor der damit heraufziehenden Gefahr oder meinetwegen auch aus Angst davor das Menschenmögliche tun. Das geschieht nicht immer und nicht überall. •
Es wäre möglich gewesen, vor Monaten einen Gesetzentwurf vorzulegen. Je früher dieser Gesetzentwurf gekommen wäre, desto weniger hätte es bedeutet, wenn er nun nicht allen Wünschen gleich von Anfang an voll entsprochen hätte. Auch das ist psychologisch nicht erkannt worden. Was soll man aber dazu sagen, wenn Einigungen auf breiter Basis, das heißt zu deutsch auf der Basis der Koalitionsparteien und des Kabinetts, erzielt und diese dann nach wenigen Tagen von einer Seite wieder umgeworfen werden?
So kann nicht regiert werden, und man kann noch nicht einmal, wie das in der Presse geschah, sagen, daß die Regierung sich ,von der Fülle der Aufgaben hätte überwältigen lassen'. Vielmehr fehlt es an der richtigen Erkenntnis des Vordringlichsten, das entsprechend unseren Möglichkeiten, vor allem aber schnell — sofort — geregelt werden muß.“
Kein Grund zur Panik
In der „Welt“ schreibt Rudolf Kircher: •
„Die Amerikaner konnten nicht anders handeln, als sie handelten. Die Sowjets dagegen haben das Spiel völlig in der Hand: wenn sie wollen, gibt es den Weltkrieg, wenn sie nicht wollen, unterbleibt er. Der kalte Krieg ist heißer, sehr viel heißer geworden, aber er bietet Moskau noch so große und zahlreiche Chancen, daß es ein Wunder wäre, wenn sie sie ausließen und statt dessen einen Weltkrieg erzwängen.
Die Westmächte werden reichlich beschäftigt sein (und viel Kraft und Geld dabei verlieren), wenn sie im Fernen Osten auch nur notdürftig das gestörte Gleichgewicht wiederherstellen wollen. Alles, was sie dort hineinstecken müssen, wird in der Atlantikregion, besonders in dem noch fast ungeschützten Europa fehlen — es wird so lange fehlen, bis die großen Anstrengungen, die nun in den Vereinigten Staaten gemacht werden, und denen sich auch kein europäischer Staat wird entziehen können, überall eine wesentliche Frontverstärkung erlauben.
In der Zwischenzeit kann sich Stalin die Hände reiben. Seine Kräfte bleiben im wesentlichen geschont. Er sieht, wie immer, größere oder wichtigere Gebiete im Vorgelände des Sowjetreiches in kommunistische Gewalt kommen, er sieht die Verlegenheit des Westens. Er hofft wohl auch, die Anstrengung des Westens werde endlich die Wirtschaftskrise, auf die er schon so lange vergeblich wartet, herbeiführen. Mit Sorgfalt — um nicht zuviel zu riskieren — wird er die Brandstellen zu vermehren trachten.
Bei der Auswahl könnte er allerdings katastrophale Fehler machen. Bisher vermied er sie. Von ihm aus gesehen ist der .kalte' Krieg noch immer das ideale politische Geschäft, durch das sich der Kommunismus ausbreiten und die russische Weltposition verbessern läßt. Warum sollte er diese Methode voreiligzugunsten eines Weltkrieges aufgeben? Daran dachte wohl auch Churchill, als er sagte, der allgemeine Krieg stehe nicht unmittelbar bevor, aber die Zeit arbeite nicht mehr für. den Westen.“
Lehren
Der konservative „Figaro" zieht aus den Ereignissen in Korea folgende Schlüsse:
„Der Kreml scheut dort, wo er die Ueberlegenheit hat, nicht vor militärischen Maßnahmen zurück. Er zögert nicht, die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen herauszufordern, wenn die allgemeinen Umstände eine Ausbreitung des Konfliktes unwahrscheinlich machen. Er schreckt nicht vor dem Industriepotential oder dem Atombombenvorrat der Vereinigten Staaten zurück, zumindest nicht in dem Maße, wie man in Washington glaubte. Die europäischen Völker haben aus dem koreanischen Konflikt gelernt, daß die Vereinigten Staaten ihre Versprechen halten, aber nicht über die militärischen Mitte] verfügen, um die Angreifer in allen Teilen der Welt zurückzuschlagen.“
Radioaktiver Todessand
Ein Massenvernichtungsmittel
Chicago, 25. Juli, (dpa) Nach Ansicht des amerikanischen Wissenschaftlers Dr. Louis N. Ridemour bietet sich die Möglichkeit, radioaktive Nebenprodukte als Todessand zur Massenvernichtung von Menschenleben über dichtbevölkerten Städten in einem zukünftigen Krieg abstreuen zu können. Nach der Darstellung wurde das neue Kampfmittel fast nicht wahrnehmbar sein.
Wagner will zurücktreten
Kommt es zu einer Krise in der Koalition?
krd^ veHau^e^w^rd <Essener Bericht.) Wie in Wiesbadener Regierungs-Wirtschaft wf™ hessische Minister für Arbeit, Landwirtschaft und mehr das Vertrauen d & Mlttwoch seine Demission anbieten, da er nicht mehi das Vertrauen der Parteiinstanzen besitzt.
Er wird der sozialdemokratischen Landtagsfraktion nahelegen, sich der Auffassung der Partei, wie sie im Landesausschuß zum Ausdruck kam, anzuschließen, Das erfordert von der Fraktion, daß sie ihren Standpunkt revidiert, da sie die Brotpreispolitik des Ministers, der ein dunkleres Mischbrot zum seitherigen Preis entgegen dem von der sozialdemokratischen Fraktion des Bundestages eingenommenen Standpunkt anordnete, ausdrücklich gebilligt hat.
Die Demission Wagners wird ernste Folgen haben. Schon allein, weil es sehr schwer fallen wird, einen Ersatz für den Minister zu schaffen, dem man eine ungewöhnliche Arbeitskraft nachsagt und weil es sich nur um die Übernahme für den Rest von vier Monaten handelt, die der gegenwärtigen Regierung noch beschieden sind. Wohl erklärte Ministerpräsident Stock, der seinen Urlaub unterbrochen hat, er habe noch keinen genauen Überblick über die Lage und er glaube nicht an eine Gefährdung der seither bestehenden Koalition zwischen den Christlich-Demokraten und den Sozialdemokraten.
Finanzminister Hilpert, der stellvertretende Ministerpräsident und Landesvorsitzende der Christlich - Demokratischen Union, beharrt aber auf dem bereits vorgestern eingenommenen Standpunkt, die Christlich - Demokratische Union sehe keine Möglichkeit, die seitherige Koalition fortzuführen. Er befindet sich dabei in Übereinstimmung mit dem Vorsitzenden der Landtagsfraktion seiner Partei, dem Abgeordneten Stieler. Es könne nicht geduldet werden, daß die Souveränität einer Partei zur einseitigen Losbrechung eines Ministers aus der Koalition führe. Im übrigen habe Wagner die Verhandlungen mit den Mühlenbesitzern, dem Mehlhandel und dem Backgewerbe, die zu seiner Anordnung führten, im Auftrage des Kabinetts geführt.
Gegen das hessische Mischwahlgesetz
Ein Appell der Deutschen Wählergesellschaft an den Hessischen Landtag
F. A. Z. Frankfurt, 25. Juli. Am heutigen Mittwoch beginnen im Hessischen Landtag die Beratungen des neuen Wahlgesetzes. Aus diesem Anlaß hat der Geschäftsführer der Deutschen Wählergesellschaft, Baer, ein Schreiben an alle Landtagsabgeordneten gerichtet, in dem es heißt: „Das Wahlgesetz ist eine der wichtigsten Entscheidungen für die Zukunft des Landes Hessen und für das Geschick seiner Bevölkerung. Von seinen unmittelbaren Folgen wird es abhängen, ob sich die innenpolitische Not wendet oder verschärft. Notwendig ist, den politischen Willen zu sammeln und seiner Zersplitterung entgegenzuwirken. Notwendig ist weiter eine saubere Trennung der Parlamentsfaktoren von Regierung und Opposition. Notwendig ist schließlich, den Staatsbürger, vor allem die Jugend, wieder am politischen Leben zu interessieren und weitestgehend zu beteiligen. Das von der Regierung vorgeschlagene Mischwahlgesetz gewährleistet' nicht die Entfaltung dieser von der reinen Mehrheitswahl zu erwartenden staatspolitischen Funktionen.“
Die Deutsche Wählergesellschaft erhebe gegen dieses Mischwahlverfahren ernste Bedenken. Es sei zu schwierig, unverständlich, undurchsichtig und deshalb gefährlich. Als überparteiliche Vereinigung appelliere die Deutsche Wählergesellschaft an alle Landtagsabgeordneten, alle parteitaktischen Gesichtspunkte oder persönlichen Rücksichten auszuschließen und ihren Beschluß in der Wahlrechtsfrage allein von staatspolitischen Erwägungen abhängig zu machen.
Das Schreiben schließt: „Die relative Mehrheitswahl bietet eine letzte erfolgversprechende Chance; haben Sie den Mut, Sie zu wahren.“
Das Sozialisterungsgeset
HGR. Wiesbaden, 25. Juli. (Eigener Bericht.) Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Hessischen Landtags hat in seiner Dienstag-Sitzung den Entwurf eines Gesetzes über die Sozialgemeinschaften zu Ende beraten. Er umfaßt J 95 Paragraphen. Der Entwurf wird nun mit den durch die Sozialdemokraten und Kommunisten durchgebrachten Abänderungen dem Landtag zur zweiten Lesung vorgelegt.
Der damit im inneren Zusammenhang stehende Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums für ein Entschädigungsgesetz und für Ueberbrückungsvorschriften, der bereits am Montag Gegenstand eingehender Beratungen des Landesausschusses der Sozialdemokratie war, wird am Donnerstag weiter durchgesprochen. Vorgesehen sind unter anderem eine Entschädigung von mindestens 25 Prozent des Vermögenswertes, den der enteignete Betrieb am 1. Dezember 1946 hatte. Die Entschädigung soll zu zehn Prozent in bar und der Rest in Schuldverschreibungen des Landes Hessen vergütet werden, die in zwanzig Jahren abgelöst werden. Eine gemischte Kommission, der Vertreter der Regierung, der Wirtschaft, der kommunalen Spitzenverbände und der Industrie- und Handelskammer angehören, soll die Entschädigungssumme endgültig festsetzen.
Warnstreik
WS. Freiburg, 25. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die südbadischen Gewerkschaften haben für Mittwoch, den 26. Juli, in der Zeit von 15.00 bis 18.00 Uhr eine Betriebsstillegung im ganzen Lande angeordnet, um öffentliche Protestkundgebungen gegen Milch-, Fleisch- und Brotpreiserhöhung veranstalten zu können. Letzte Verhandlungen, die am Dienstag mit Vertretern der badischen Landesregierung, der Innungen und Arbeitgebern abgehalten worden sind, waren zu keinem Ergebnis gekommen. Der Gewerkschaftsvorsitzende der Bezirksstelle Baden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reibel, hat dem Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ er¬ , klärt, daß dieser Betriebsstillegung der Charakter eines Warnstreiks zukomme.
Rudel stellt Strafantrag
Kassel, 25. Juli, (dpa) Der jetzt zum Landesvorstand der Deutschen Heimatfront in Hessen gehörende frühere Kasseler Vorsitzende des Landesverbandes der Heimatvertriebenen, Leo Peter Rudel, der am Sonntag von der Polizei bei Zwischenfällen während der Einweihung eines Flüchtlingsdenkmals in der Flüchtlingssiedlung Waldhof vorübergehend in Schutzhaft genommen worden war, teilte am Dienstag mit, daß er gegen Versammlungsteilnehmer und Polizei wegen Landfriedensbruch, Diebstahl, tätlicher Beleidigung, Körperverletzung und Amtsmißbrauch Strafantrag gestellt habe. Rudel erklärte, er sei von angetrunkenen Versammlungsteilnehmern und von einem Gendarmeriebeamten tätlich angegriffen worden.
Die Luftwaffe wird verstärkt
Washington, 25. Juli. (AP.) Der amerikanische Verteidigungsminister Louis Johnson hat am Dienstag nach einer Unterredung mit Präsident Truman bekanntgegeben, daß die amerikanische Luftwaffe um 5000 Flugzeuge verstärkt werden würde.
Die Flugzeuge würden aus dem 10 486- Mill.-Dollar-Fonds finanziert werden, um dessen Bewilligung Truman am Montag den Kongreß ersuchte.
Heta Fischer ausgeschlossen
Frankfurt, 25. Juli, (dpa) Heta Fischer, die Lebensgefährtin des allem Anschein nach in die Sowjetzone verschleppten früheren Mitgliedes des kommunistischen Parteivorstandes und Bundestagsabgeorddneten Kurt Müller, ist mit sofortiger Wirkung aus der kommunistischen Partei' ausgeschlossen worden.
Der „Sozialistische Informationsdienst“ der kommunistischen Partei erklärte am Dienstag, Heta Fischer sei „Mittlerin zwischen dem Spinonagedienst einer imperialistischen Macht und dem Agenten Kurt Müller gewesen“.
Bundestags-Debatte
übher Reimanns Immunität
Bonn, 25. Juli, (dpa) Der Bundestag wird am Donnerstag über einen Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Hannover auf Aufhebung der Immunität des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, Max Reimann, abstimmen. Der Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Hannover wurde im Zusammenhang mit dem Verschwinden des kommunistischen Bundestagsabgeordneten Kurt Müller eingereicht, für das — nach den Worten der Lebensgefährtin Müllers, Heta Fischer — Reimann verantwortlich sein soll.
Sozialisterte Kleinbahnen
Wiesbaden, 25. Juli, (dpa) Wie aus einem Bericht des hessischen Wirtschaftsministeriums über den derzeitigen Stand der Sozialisierung in Hessen hervorgeht, stehen von den nach Artikel 41 der Verfassung in Gemeindeeigentum übergeführten, an Schienen oder Oberleitungen gebundenen Verkehrseinrichtungen acht Kleinbahnen mit rund sechzig Prozent des hessischen Kleinbahnnetzes unter der unmittelbaren Aufsicht des Wirtschaftsministeriums. die übrigen Kleinbahnen sind Kommunalbetriebe.
Ferner wird mitgeteilt, daß die Gewerkschaft „Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr“ ein Gesetz vorgeschlagen hat, nach dem die in Gemeineigentum übergeführten sowie in kommunalem Besitz befindlichen Kleinbahnen als „Hessische Landesbahnen" zu einer * Körperschaft des öffentlichen Rechts zusammengefaßt werden sollen. Dadurch soll die Verwaltung und Betriebsführung vereinfacht und die Fortführung der wirtschaftlich schwächeren, volkwirtschaftlich aber notwendigen Bahnen ohne wesentliche finanzielle Zuschüsse des Landes erreicht werden.
Hessische Kurznachrichten
In Allendorf bei Marburg, das zu dem größten Notstandsgebiet Hessens gehört, will der Deutsche Gewerkschaftsbund einige Lehrwerkstätten und ein Jugendwohnheim errichten. Die noch vorhandenen Gebäude dei’ ehemaligen Sprengstoffwerke Allendorf sollen für diese Zwecke hergerichtet werden. Zwischen 60 und 100 Jungens und Mädchen sollen in dem neuen Heim Unterkunft und in den Lehrwerkstätten Beschäftigung finden.
Wie der Vorsitzende des Verbandes der Sterilisierten, Oscar Friedrich in Gießen, mitteilte, gibt es allein in Hessen etwa 10 000 Sterilisierte. Die Zahl der Sterilisierten im Bundesgebiet wird auf zwei Millionen geschätzt. Der Verband tritt dafür ein, den Sterilisierten durch Gesetz angemessene Renten auszuzahlen, soweit ihre Erwerbsfähigkeit durch die Operation gemindert ist.
Wahrheitsdrogen werden verboten
Eine Flurbereinigung in der deutschen Rechtssprechung
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 25. Juli. Das Gesetz zur Wiederherstellung der Rechtseinheit, das vom Bundestag am Mittwoch und Freitag verabschiedet werden wird, dient, wie Vertreter des Justizministeriums darlegten, der Vereinheitlichung der Gerichtsverfahren im ganzen Bundesgebiet, die sich vor allem auch durch die Schaffung eines Bundesgerichtshofes als Nachfolger des Reichsgerichtes ausdrückt, der Entfernung kriegsbedingter Vorschriften und nationalsozialistischen Gedankengutes und bringt beim Strafprozeß auch bemerkenswerte Neuerungen. Dieses Gesetz, das eine Flurbereinigung großen Stils genannt wird, stellt die Laienbeteiligung in der Rechtspflege in vollem Umfange beim Schöffengericht, der Kleinen und der Großen Strafkammer und den Kammern für Handelssachen wieder her und führt im ganzen Bundesgebiet das Schwurgericht in seiner Form von 1924 mit der Beset- . zung mit drei Berufsrichtern und sechs Geschworenen wieder ein. Ebenso wird die Präsfdialverfassung bei den Gerichten wieder eingeführt, und auch das System der Gerichtsferien von Mitte Juli bis Mitte September wird wiederkehren.
Im Zivilprozeß werden vor allem die im Kriege eingeführten Beschränkungen des Rechtszuges und der Rechtsmittel wieder aufgehoben; als Zuständigkeitsgrenze zwischen Amts- und Landgericht wird der Streitwert auf tausend Mark festgesetzt.
Beim Strafprozeß werden zahlreiche Bestimmungen zum Schutze des Angeklagten eingeführt. So kann ein Richter wegen Befangenheit noch während der Vernehmung abgelehnt werden, was nach Meinung des Justizministeriums zu einem fairen Stil der Rechtspflege beitragen wird. Auch der Erlaß eines Haftbefehls wird an strengere Voraussetzungen als bisher gebunden. Das mündliche Haftprüfungsverfahren wird wieder eingeführt, und nach drei Monaten Untersuchungshaft steht dem Häftling das Recht auf einen Verteidiger zu. Es besteht bei Verhaftungen ferner die Benachrichtungspflicht.
Als ein grundsätzlicher Bruch mit dem bisherigen Verfahrensstil wurde von seifen des Ministeriums ein Paragraph bezeichnet, der jede Ermüdungsverhöre, die Anwendung von Hypnosen, Wahrheitsdrogen und so weiter bei Vernehmungen verbietet, sogar wenn der Vernommene an sich zugestimmt hat. Ferner wird jede Art von Täuschung bei den Vernehmungen untersagt.
Endlich wird das Recht der Wahrung des Redaktionsgeheimnisses wieder eingeführt. Es wird auch im ganzen Bundesgebiet die polizeiliche Strafgewalt abgeschafft.
Die Schmuggelbekäümpfung
H. G. R. Wiesbaden, 25. Juli. (Eigener Bericht.) Der Zollgrenzdienst an der hessisch-thüringischen Zonengrenze konnte in den ersten drei Wochen des Juli besondere Erfolge aufweisen. Unter anderem wurden 229 Kisten Propagandamaterial aus der Ostzone sichergestellt. Es handelt sich dabei um Zeitschriften, Broschüren und Bücher, die einen Wert von etwa 95 000 Mark darstellen. In der gleichen Zeit wurden Waren im Werte von etwa 530 000 Mark sichergestellt. Die Höhe der Summe kommt daher, daß ein größerer Posten Zigaretten und Kaffee beschlagnahmt werden konnte. Auch der Wert der sichergestellten Textilmaschinen, Stoffe, Wolle und Fertigwaren übersteigt mit etwa 36 000 Mark den üblichen Rahmen.
Zwei eigene Heime
für jugendliche Grenzgänger
ms. Wiesbaden, 25. Juli. (Eigener Bericht.) Die zuständigen Bundesministerien planen, zwei Heime für jugendliche, illegale Grenzgänger aus der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands in Anlehnung an das Lager Gießen zu errichten. Die Jugendlichen sollen von dem nicht immer erfreulichen Lagerbetrieb ferngehalten vzerden. Nach ihrer politischen Ueberprüfung werden sie in entsprechende hessische Jugendheime überwiesen werden.
Keine wesentlichen Niederschlüge
Eigener Wetterbericht
Rheinland-Pfalz liegt im Grenzbereich eines Hochs im Süden und eines Tiefdruckgebietes über Skandinavien. Im Zuge der allgemeinen Westströmung überqueren schwache Störungen Westdeutschland und gestalten die Witterung leicht veränderlich, wobei besonders in Rheinhessen und der Pfalz der Hochdruckeinfluß überwiegen wird.
Aussichten: Wolkig, zeitweise heiter. Keine wesentlichen Niederschläge. Temperaturen leicht ansteigend, mäßige Winde südwestlicher Richtung.
Der Rundfunk am Mitiwoch
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 15.00 Ein Ständchen für die Hausfrau; 16.15 Promenadenkonzert; 17.15 Aus der Handwerkerzunft; 18.20 Mach dir’s bequerp; 20.00 Unterhaltungskonzert; 20.40 Schneider Wibbel; 22.15 Die Kurbel; 23.00 Tanzmusik.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.30 Unterhaltungsmusik; 16.15 Konzertstunde; 17.15 Volksweisen im Jahreslauf; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 „Die kühne Operation“; 20.50 Unter bunten Lampions; 22.00 Tanzmusik; 23.00 Johannes Brahms; 0.05 Jazz im Funk.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde; 17.15 Kammermusik; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Scheinwerfer auf; 21.00 Johann Sebastian Bach: 22.30 Klaviermusik; 23.15 Tanzmusik zum Tagesausklang; 0.10 Swing-Serenade.
NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Volksmelodien aus europäischen Ländern; 14.15 Musik nach Tisch; 15.40 Kleines heiteres Konzert; 16.00 Musik an zwei Klavieren; 16.25 Filmmusik aus aller Welt; 16.50 Acht Lieder aus dem „Schwanengesang“ von Franz Schubert; 18.05 Musik zum Feierabend; 18.30 Melodische Rhythmen; 20.00 Der NWDR bittet zum Tanz; 23.00 Kurt Wege spielt; 0.05 Berlin am Mikrofon.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER5) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Georg H. Miels unterbricht sich. Er lächelt
„Im ganzen berechneten wir in bezug auf den Durchschnittsmenschen und seine Familie vierfausendachthundert Daten , schließt Miels. „Wir korrigierten jedes dieser Daten in vier Jahren siebenmal. Und nun suchen wir unter den vierzig Millionen der tatsächlich lebenden Manner dieses J,andes denjenigen, der diesem theoretischen Ideal der Durchschnittsfamilie mit ihrem lebendigen Dasein entspricht.“
Ein junger Journalist drängt sich näher zu Georg H. Miels...
„Es ist doch theoretisch möglich, daß es zwar einige lebende Männer gibt, die diesem Ideal recht nahe kommen, aber niemanden, der es voll und ganz verkörpert, nicht wahr?“
Miels nickt gemessen, ernst, tast feierlich ...
„Sie haben ganz recht, lieber junger Freund“, antwortet er. „In der gleichen Weise, in der unsere Astronomen den Standpunkt eines neuen Fixsternes mit ihren scharfsinnigen Berechnungen »en.au bestimmen, dann aber Jahre und Jahre jene anscheinend leere Stelle des_ Himmels absuchen, um ihn wirklich zu finden, genau so ist es möglich, daß wir den ^wahren und wirklichen Durchschnittsbürger, den ech.ei Menschen aus unserer Mitte heute nicht finden. Wie weit sind wir? ruft Georg H. Miels einem Herren zu, der über ihm auf dem Rundgang der Maschinen steht.
o,Buchstabengruppe I—J... Bisher kam die beste Karte bis zum siebten Auswerfer, Chef“, antwortet dieser Herr.
Und Miels führt die Gruppe der Gäste, in der er steht, jetzt näher an die Maschine heran.
Es ist erregend, diesen Roboter von Maschine, dieses wirbelnde, mit nadeldünnen Tastern über einen Strom von Karten hin fasten de Maschinengehirn zu beobachten. Drüben schütten die langen Leichtmefallkästen die Karten zu zehnfausenden in die Greifer hinein, und sofort ordnen sie sich zu dicht hinter einander und aufrecht stehenden Reihen. Blitzschnell wehen sie mit einem beständigen Zucken, Hüpfen und Rücken in der Maschine vorwärts. Ungezählte blitzende Taster suchen jeder eine bestimmte der nadelfeinen Lochungen. Sie lassen die Karte passieren, wenn sie diese Lochung enthält, sie werfen die Karte aus, wenn sie diese bestimmte Lochung nicht aufweist.
Jeder dieser abertausend Taster läßt bei weitem mehr Karten passieren als er auswirff, trotzdem ist zwölf Minuten nach dem Anlaufen der Maschine noch keine Karte über das achte Äuswerfwerk hinweggekommen und die Maschine hat zweiundzwanzig Auswerfwerke... Und langsam, aber unausweichlich zieht eine schmerzende Spannung jeden der Gäste des Generaldirektors Georg H. Miels an jenes achte Auswerferwerk heran. Es gibt einen Jubel, als eine Gruppe von sieben Karten das Werk passiert, aber sie verschwinden alle im neunten Auswerfer ...
„Ist es Ihnen möglich, mir zu sagen, was dieser bestimmte Taster dort bedeutet, der drifte in der oberen Reihe, der kurz gebogene, der die äußere linke Ecke der Karten anfasfef?“ fragt eine Journalistin.
Miels winkt einen der Ingenieure herbei.
„Diese ganze Tastergruppe fagf nach Verbrauchsgewohnheiten, meine Dame“, antwortet der Ingenieur. „Der Taster, den Sie bezeichneten, stellt fest, ob der betreffende Mann an Sonntagen nicht nur mehr, sondern auch teurere Zigarren zu rauenen pflegt als an den übrigen Tagen der Woche.“
Ganz überraschend läuft in der fünfzehnten Minute eine einzelne Karte bis zum vorletzten Auswerfer durch. Ein erregter Schrei ruft die vierhundert dorthin, aber die Karte wird gleich darauf ausgeworfen.
„Stellen Sie bitte fest, welches der Grund ist“, befiehlt Georg H. Miels. Seine Stimme verrät etwas von Erregung, Bedauern, Sorge.
„Dieser Mann kennt alle Dramen von Shakespeare, Chef“, antwortet der Ingenieur. „Das ist nicht durchschnittlich genug.“
Georg H. Miels zuckt die Schulter.
4.
Elf Karten passieren das Auswerferwerk zwanzig. Alle elf versinken im Auswerfer einundzwanzig. Die Kartenförderer bringen die Buchstabengruppe Sch. Diese Gruppe hat bis zum achten Auswerfer schon mehr als neunzig Prozent Verluste.
Genau neunzehn Minuten nach dem Anlaufen der Maschine schütten die Kästen aus Leichfmefall die letzten zehntausend Karten in die Greiter der Hollerith-Maschine.
Man kann jetzt hinter den letzten Karten her an der großen Maschine entlang gehen, und Georg H. Miels tut es. Er geht langsam und aufrecht, er zeigt keine Erregung, er hat jede Ursache, zu zweifeln, daß auch nur einer der vierzig Millionen Männer dieses Landes mit seinem tatsächlichen Leben und seiner Familie genau auf dem Punkt steht, den die „Gesellschaft für Statistik und Marktforschung“ für den Durchschnittsmenschen errechnete, oder Georg H. Miels weiß auch, daß ein völliger Mißerfolg in dieser Sache nicht wahrscheinlicher ist als ein voller Erfolg. Von seinen Gästen nimmt niemand mehr eine Erfrischung von den spiegelnd blanken Tabletts der weißgekleideten Aufwärter. Niemand stellt mehr eine Frage. Niemand spricht mehr.
Unter den letzten zehntausend Karten halfen die Auswerfer ihre seelenlos strenge Auslese genau, wie sie es unter den ersten taten. Miels und die vielen Männer, die ihn auf dem Wege entlang der wirbelnden, tickenden, schnurrenden Maschine begleiten, haben bisweilen ein paar Schritte schneller zu gehen ... immer dann, wenn die vorletzten Karten durch den Ausfall der allerletzten selber zu den letzten Karten werden.
„Hier läuft eine Karte aus der Gruppe St durch den neunzehnten Auswerfer“, ruft der Ingenieur vom Ende der Maschine.
Miels nickt nur. Er geht mit seinen sich immer näher zu ihm herandrängenden Gäste gerade vom vierzehnten zum fünfzehnten Werk.
Jetzt zum siebzehnten, weil der Rest der Karten der beiden letzten Gruppen im sechzehnten ausfielen. „Läuft die Karte dort immer noch?“ fragt Georg H. Miels nach vorne.
„Ja... sie passiert gerade das einundzwanzigste Auswerferwerk", ruft der Ingenieur.
Miels geht schnell nach vorne.
Seine Gäste, drängen stumm hinter ihm her, stumm, erregt, völlig befangen von dem Wunsch, es möge den Mann wirklich geben, der ganz und gar mitten in der Nation lebt, wohnt, arbeitet, leidet und lächelt, den echten, vollkommenen Menschen aus der Mitte... Es gibt ihn...
Georg H. Miels, Generaldirektor der „Gesellschaft für Statistik und Markt orschung“, trift gerade in jenem Augenb'ick an die mit rotem Samt ausgeschlagene Bronzeschale am letzten Auswerfer der großen Hollerith-Maschine, in dem d:e Karteikarte des vollkommenen Durchschnittsmenschen lautlos in sie hineinfällt.
Sie fällt, wie eine Perle in ihr Futteral
Sie kommt darin zur Ruhe, wie ein kleiner Vogel in seinem Nest. Sie liegt dort wie ein Wunder, dessen man nach vielen sehnsuchtsvollen Wünschen endlich habhaft geworden ist.
Georg H. Miels streckt seine Hand aus und nimmt die Karte an sich, dieses federleichte, kleine, überraschend feste Ding aus dünnem Preßstoff. Jemand reicht ihm eine in Silber eingefaßte Lupe. Er liest die hauchfein eingravierte Anschrift des ' Durchschnittsmenschen.
Er räuspert sich.
Er richtet sich auf.
Er spricht. Es ist der bisher größte Augenblick seines Lebens... und seine Stimme ist hell, klar und stolz.
„Der Mensch aus unserer Mitte, heißt Steen... Georg J. Steen ...“, sagt Miels laut. „Er ist der wirklich lebende Durchschnittsmensch. Alle seine Daten und die seiner Frau, seines Sohnes und seiner Tochter sind die, die wir im voraus für den vollkomme en Durchschnitt stand unseres Landes errechneten. Er ist der echteste Sohn unseres Volkes, unser aller nächstgeborener Bruder,... Georg J. Steen.“ (Fortsetzung folgt.)
Darmstadt und Umgebung
Liebeserklärung
Cz. — Jedes Jahr gestehe ich dir meine Liebe, jedes Jahr, wenn ich zum ersten Male meine Zähne in dein weiches Fleisch gegraben habe, und das feine Aroma deines Körpers meine Nasenflügel zum Zittern brachte. Ach, ich liebe dich, und wenn ich dir auf dem Wochenmarkt begegne, fängt mein Herz stürmisch zu klopfen an, denn jedes Rendezvous mit dir ist ein neues Erlebnis.
Ehe du in meine Hände kamst, führtest du ein freies, ungebundenes Leben. Eine Vergangenheit, um die ich dich immer beneide. Du bist ein Naturkind. Nie kannst du verleugnen, daß deine Vorfahren aus dem unergründlichen Asien stammen. Aber dieser Hauch Exotik, der um dich liegt, macht dich nur noch reizvoller und begehrenswerter. Ja, du warst ein Wildfang, ehe du zu mir kamst. Auf den Bäumen hast du gehangen, und der Wind trieb sein tolles Spiel mit dir, daß man glauben konnte, du würdest jeden Augenblick auf die Erde purzeln. Sonne brannte auf dich hernieder, Regen prasselte auf deinen Körper, und nachts hüllte der Mond seine weichen Strahlen um dich. Sie alle haben deinen Körper zur Vollendung gebracht, haben ein Stück ihres Wesens in dich hineingelegt. Oh, wie schmecke ich die Sonne und den Wind, wenn ich dich mit meinen Lippen berühre.
Das Schönste aber an dir ist deine Haut. Du brauchst keine Creme und keinen Puder, denn eigentlich hast du keine Haut, sondern ein Fell, einen Pelz, der so weich wie der eines Zobelins ist — auch ein wenig haarig. Ich habe ja gesagt, daß du deine Abstammung nicht verleugnen kannst. Einen würdigen Platz habe ich für dich bereitgestellt. Die schönste Kristallschale des ganzen Haushalts nimmt dich auf, mein Liebling, und die Luft ist erfüllt von deinem duftenden Naturparfüm. Was sind Lavendel und 4711 gegen diesen Duft!
In der Liebe zu dir bin ich ein wenig brutal, das mußt du verzeihen, sie ist eben zu groß. Es ist nicht schön, daß ich immer gleich beiße, abei' du bist zu verführerisch. Dann lege ich dich frei bis auf deinen guten Kern, und in mein Herz schleicht etwas Trauer, weil ich Barbar dich ratzekal aufgefressen habe — und immer noch nicht satt bin —.
Schöne Leserin, die du vielleicht schon manchmal mit den Zähnen geknirscht hast, muß ich noch erklären, daß ich kein Kannibalist bin, sondern ein leidenschaftlicher Pflrsichesser?
Das Forum und sein Vorstand
Von C. KollmannspergerDas Forum ist keine Organisation und kein Verein, es hat keine Mitglieder, es hat keine feste Form. Eigentlich ist das Forum nur ein. zeitweiliger Zustand. Nach der Beschreibung, die bisher gegolten hat, wird mit dem Namen „Form“ bezeichnet ..die freiwillige, nichtbeitragspflichtige, öffentliche Zusammenkunft von Menschen zu dem Zweck, allgemein interessierende Fragen zu erörtern, gemeinsame Probleme zu lösen und gegebenenfalls auf die Abstellung von Mißständen hinzuarbeiten, wo immer sie auftreten mögen“.
Aber: Für eine Aussprache braucht man einen Raum, der Raum kostet vielleicht Miete, die Aussprache muß angekündigt werden, evtl, müssen Fachleute, Vertreter von Behörden und Organisationen eingeladen werden. Wenn die Teilnehmer einer Aussprache ihre gemeinsame Meinung schriftlich weitergeben wollen, so muß dies geschehen. Wenn Einzelpersonen, Organisationen oder Behörden auf Grund einer Anregung aus dem Forum an dieses Forum schreiben, dann müssen solche Schreiben irgendwie bearbeitet werden, die Diskussion muß geleitet werden. Um diese Dinge zu erledigen, braucht das Forum einige Beauftragte oder einen Vorstand. Seitdem das Forum Darmstadt besteht (es wurde im August 1948 gegründet), hat es einen Vorstand gehabt. Diesel' wurde in Abständen von etwa sechs Monaten jeweils neu gewählt, aber ... Während die durchschnittliche Besucherzahl des Foriims — sehr vorsichtig angegeben — bei 100 Personen liegt, waren zur Wahl immer nur sehr wenige, bei der letzten Wahl im Januar dieses Jahres nur 65 Teilnehmer erschienen. Diese wählten einen Vorstand von 16 Personen, die bisher versucht haben, ihre Aufgabe zu lösen, so gut sie konnten. Es ist wohl jedem Menschen klar, besonders aber den Mitgliedern dieses Vorstandes, daß die Ansichten über das Forum im allgemeinen und über den Vorstand im besonderen, sehr verschieden sind. Vielen hat das Forum, oder der Vorstand mißfallen. Einige waren vielleicht ganz zufrieden. Wie dem auch sei, der Vorstand tritt gemäß den Regeln des Forums jetzt zurück. Es muß eine neue Gruppe Menschen mit der Arbeit beauftragt werden, denn es sind noch lange nicht alle Fragen erörtert, die von Darmstädtern im Forum als Diskussionsthema bestimmt wurden.
Es wäre schön, wenn am Donnerstag, 27. Juli, 20 Uhr, in der T. H. viele Darmstädter zusammen kämen, die in den letzten beiden Jahren ein Forum besucht haben. Es wäre nicht nur schön, sondern sogar das einzig Richtige, daß diejenigen, die im Forum offen ihre Meinung kundgetan haben, nun auch ihre Meinung bei der Wahl eines neuen Vorstandes dokumentieren, denn der Vorstand hat den Auftrag, die praktische Arbeit zu tun, damit auch die nichtorganisierten Darmstädter weiterhin öffentlich ihre gemeinsame Ansicht über. einzelne Fragen erörtern und gegebenenfalls an Menschen, die es angeht, weiterleiten können. Davon haben schon viele Gebrauch gemacht und vielleicht werden noch viele davon Gebrauch machen. Alle diejenigen, die schon eine oder mehrere Aussprachen im Forum besucht haben, täten gut daran, ihren Einfluß geltend zu machen, wenn am 27. Juli eine neue Gruppe von Beauftragten gewählt wird, denn diese Gruppe soll das besser machen, was ihnen bisher nicht gefallen hat.
Nachtsportfest in Arheilgen
Ein Sommernachts-Sportfest veranstaltet die Sportgemeinschaft Arheilgen am Samstag, den 5. August, um 20 Uhr, im Arheilger Schwimmbad. Es werden radsportturnerische Vorführungen, Gymnastik und Tänze gezeigt. Sämtliche Arheilger Gesangvereine werden unter Begleitung der Kapelle Anthes an dem Fest mitwirken. Für dieses Ereignis ist eine Beleuchtung des „Arheilger Mühlchens“ vorgesehen. _st
Das Bein in der Maschine
Betriebsunfall in der Rheinstraße
Ein schwerer Bauunfall ereignete sich gestern gegen 17 Uhr an den beiden Neubauten der Bundespost in der unteren Rheinstraße. Der Bauarbeiter Heinz Richter aus Langstadt hatte, nach Aussage des Baupoliers, in den Motor der Lastenaufzugwinde Kühlwasser eingefüllt, war auf der Maschine ausgerutscht und mit dem linken Bein zwischen Kammrad und Eisenrahmen geraten. Die laufende Winde zog seinen ganzen Oberschenkel nach, so daß ihn weder Arbeiter noch herbeigerufene Polizei und Rot-Kreuz-Sanitäter aus seiner schmerzhaften Lage befreien konnten. Die gleichfalls alarmierte Feuerwehr mußte schließlich das Kammrad mit Seilwinde abmontieren, um das stark blutende Bein herausziehen zu können. Richter wurde sofort in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert. Die polizeilichen Untersuchungen stellten keinen Verstoß der Bauaufsicht gegen baupolizeiliche Sicherheitsvorschriften fest und lassen vermuten, daß Richter vorschriftswidrig bei laufender Machine gearbeitet hatte. DT
Kettenreaktion
Einen kleinen Menschenauflauf gab es gestern mittag gegen 12 Uhr an der Ecke Rhein- und Ernst-Ludwig-Straße. Dort war ein fahrender Pkw. plötzlich in Brand geraten. Die nichts ahnenden Insassen des Wagens wurden erst durch das Eingreifen von Passanten und das schrille Pfeifen eines Straßenbahnschaffners auf das Feuer aufmerksam. Sie stoppten sofort und konnten den kleinen Brand noch rechtzeitig löschen. Inzwischen hatte ein Polizist die Feuerwehr verständigt. Als sie anbrauste, hatte der Pkw. bereits seine Fahrt fortgesetzt. Beim Anfahren der Feuerwehrkolonne geriet das Motorrad des mitfahrenden Kommandoführers plötzlich ins Schleudern. Der Motorradfahrer kam zu Fall, zog sich jedoch glücklicherweise keine Verletzungen zu. Seinen inzwischen losgefahrenen Löschzügen konnte er nicht folgen, denn seine Maschine sprang nicht mehr an. wst.
Eine Gehirnerschütterung erlitt ein junges Mädchen am Montagabend auf der Rollschuhbahn hinter dem großen Woog. Das Mädchen war bei seinem Training gestürzt und so unglücklich auf die Betondecke der Bahn aufgeschlagen, daß es mit dem Krankenauto nach Hause gefahren werden mußte. DT
Richtfest bei der Firma Schrumpf
Unter den Klängen der Kapelle des Musikvereins Wixhausen marschierten gestern nachmittag im Gleichschritt hinter dem von Zimmerleuten getragenen, mit bunten Girlanden geschmückten Richtbaum Bürgermeister Schröder und Stadtbaumeister Prof. Grund aus dem im Rohbau erstellten Geschäftshaus der bekannten Firma Schrumpf & Co., gefolgt von dem Bauherrn Walther Schrumpf, seinen Angestellten, dem Architekten, dem Bauleiter, Bauhandwerkern und Arbeitern. Das Lied „O Tannenbaum, o Tannenbaum,- wie schön sind deine Blätter“ lockte Hunderte von Darmstädter Bürgern an die Front „Am Friedensplatz“.
Nach der Verlesung des Richtspruches durch den jüngsten Lehrling dankte Bauherr Schrumpf im zukünftigen Verkaufsraum den Männern vom Bau, vor allem aber Polier Plattner, Bauleiter Röder, Architekt Ruppenthai, Zimmermeister Petry und den verschiedenen Firmen.
Bürgermeister Schröder hob in seiner Ansprache hervor, daß trotz allen sorgfältigen Rechnens in der heutigen Zeit, auch bei den Arkaden- und Fluchtlinienproblemen, schon eine Portion Mannesmut dazu gehöre, einen solchen Bau zu erstellen. „Möge uns der Frieden erhalten bleiben, daß Werke des Aufbaues, wie diese, nicht umsonst geschaffen worden sind.“
Auch Prof. Grund sprach den Zimmer- und Maurerleuten seine Anerkennung aus. Er lobte den Weitblick des Bauherrn, der mit dem Arkadenbau, der Möglichkeit des ungestörten Betrachtens der Läden bei jedem Wetter, die besten Voraussetzungen für ein gutes Geschäft geschaffen habe. Nicht zuletzt war es auch der ausgezeichneten Bewirtung von Herrn Mischling zu danken, daß dieses Richtfest ein wirklich „zünftiges“ gewesen ist.
Mit dem Verkauf in den neuen Geschäftsräumen wird am 31. Juli 1950 begonnen. -s.
Versorgungsgesetz - Hauptziel des VdK
Kundgebung des „Verbandes der Kriegsbeschädigten“ in Griesheim
Die Ortsgruppe Griesheim des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands hielt am Sonntagnachmittag im gut besuchten Saal zum „Grünen Laub“ eine Kundgebung ab.
Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Langner, begrüßte die Erschienenen, unter ihnen insbesondere die geladenen Vertreter der Parteien, der Behörden und der Kirchen. Er wies kurz auf die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Kriegsopfer hin, lehnte jedoch, unter Hinweis auf die im Norden des Bundesgebiets mit großem Erfolg erstmals aufgetretene Flüchtlingspartei, jede eigene politische Tätigkeit des Verbandes ab. Es sei aber Aufgabe der Parteien, für die Belange der Kriegsopfer einzutreten. Bisher sei allerdings die Unterstützung seitens der Parteien unbefriedigend gewesen. Der Warnruf aus dem Norden dürfe jedoch von den Parteien nicht überhört werden.
Der 1. Landesvorsitzende des Verbandes schilderte nach einem kurzen Gedenken für die gefallenen Kameraden und die noch nicht heimgekehrten Kriegsgefangenen den Leidensweg der Kriegsopfer nadf 1945 und den Kampf des Verbandes gegen Unvernunft und Böswilligkeit um die Sicherung der Lebensexistenz der Kriegsopfer. Die Aufhebung des Reichsversorgungsgesetzes von 1920 sei für die Kriegsopfer beider Kriege ein schwerer Schlag gewesen. Erst nach langen und schweren Kämpfen sei es gelungen, mit dem im übrigen völlig unzureichenden KB-Leistungsgesetz dem Rechtsanspruch der Kriegsopfer auf Versorgung wieder Anerkennung zu verschaffen, Die Versorgung allerdings, die dieses Gesetz gewähre, sei so gering, daß sie nicht ausreiche, um das Existenzminimum zu sichern. Durch ständige Angriffe und Eingaben sei es zwar dem Verband gelungen, für Kriegerwitwen und Sozialrentner kleine Verbesserungen zu erreichen; sein Hauptziel sei und bleibe jedoch, die Schaffung eines Versorgungsgesetzes zu erzwingen, das im wesentlichen den Bestimmungen des Reichsversorgungsgesetzes von 1920 entspreche. Sauer zeigte, wie bisher immer wieder zunächst vom Direktorium für Arbeit, dann vom Bundesarbeitsministerium die ergangenen Anweisungen des Wirtschaftsrates bzw. des Bundestages auf Besserstellung der Kriegsopfer und Schaffung eines neuen Bundesversorgungsgesetzes sabotiert wurden. Obwohl der Bundestag die Vorlage des Gesetzes vom 1. 4. 50 gefordert, der V. d. K. der Bundesregierung zum 20. 6. 1950 ein Ultimatum gestellt habe, sei bis heute noch nichts geschehen. Die Bundestagsferien stünden bevor und es würden dann noch drei Monate vergehen, bis frühestens mit dem Inkrafttreten eines neuen Gesetzes gerechnet werden könne. Diese Verschleppungstaktik würden sich die •Kriegsopfer nicht länger gefallen lassen. Die Regierung müsse damit rechnen, daß der bereits angedrohte Protestmarsch der Kriegsopfer nach Bonn in die Tat umgesetzt werde, und keine Bannmeile werde die Kriegsopfer davor zurückhalten, den verantwortlichen Männern im Bundestag und der Bundesregierung ihre berechtigten und bisher immer wieder beiseite geschobenen Forderungen nachdrücklichst vorzutragen.
Zur Durchsetzung einer gerechten Versorgung und des Rechtes auf einen gesicherten Arbeitsplatz sei es notwendig, daß sich alle Kriegsopfer zusammenschließen würden. Besonders die jungen Kameraden rief Sauer auf, sich nicht der Verantwortung zu entziehen und im Gedenken an die Verpflichtung gegenüber ihren gefallenen Kameraden tatkräftig mitzuarbeiten. Wenn der Protestmarsch nach Bonn notwendig werden sollte, müßten alle dabei sein!
In der an die Ausführungen des Landesvorsitzenden Sauer anschließenden Diskussion sprachen für die Kommunistische Partei Landtagsabgeordneter Keil und für die Freie Demokratische Partei ein Vertreter des verhinderten Bundestagsabgeordneten Hammer. Beide brachten zum Ausdruck, daß ihre Parteien in vollem Umfange die gerechten Forderungen des V. d. K. billigen und unterstützen. Sie forderten ebenfalls alle Kriegsopfer auf, sich in dem Verband zusammenzuschließen, um ihre Forderungen durchsetzen zu können.
In Schlußworten dankten Landesvorsitzender Sauer und Ortsgruppenvorsitzender Langner den Parteivertretern für ihre Ausführungen, baten sie aber auch dringend, in ihren Fraktionen das durchzusetzen, was sie hier versprochen hätten. Dann nahm Landesverbandsvorsitzender Sauer die Ehrung einer großen Zahl von Kameradinnen und Kameraden vor, die sich durch eine 30-, 25- und 20- jährige aktive Mitarbeit im Verband besonders verdient gemacht haben. Er überreichte ihnen als kleines Zeichen der Anerkennung eine Ehrenurkunde.
In der Stadt notiert
Mit dem Meißel die Pulsader aufge¬ schlagen hat sich am gestrigen Mittag der Maurer H. Büttner aus Roßdorf auf seiner Baustelle in der Holzhofallee in Darmstadt. Bei der Arbeit mit dem Meißel sprang dieser plötzlich ab und dem Maurer so unglücklich gegen das Handgelenk, daß dessen Arm abgebunden und er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. DT
Mit dem Motorrad gegen einen Baum fuhren am Montagabend gegen 23 Uhr zwei Amerikaner in der Nähe der Ecke Heidelberger und Noackstraße. Während der Fahrer auf der Stelle tot war, wurde der Soziusfahrer in schwerverletztem Zustand in das amerikanische Lazarett eingeliefert. Vor dem Anprall gegen den Baum hatte das Motorrad einen Lichtmast umgerissen. DT
„Kasper Hildebrandt“ ist wieder da
Allmählich hat es sich in Darmstadt herumgesprochen, daß die Kasperbühne Hildenbrandt, die einst von der Darmstädter Messe an der traditionellen Ecke zwischen Schwimmbad und Finanzamt nicht wegzudenken war, nun endlich, nach langer, langer Pause wieder spielen will.
Die alte Puppenbühne ist in moderner Form, aber unter der Wahrung bester Tradition wiedererstanden. Hans Hildenbrandt hat wirklich weder „Prospekte noch Maschinen geschont“, um, wie es in Ankündigungen alter Puppenbühnen heißt, „dem geehrten Publikum manche angenehme Unterhaltung zu verschaffen“. Wir wollen nicht zu viele Einzelheiten vorher verraten, das Darmstädter Publikum soll selbst hinkommen, sehen und urteilen, wenn sich am Nachmittag des 30. Juli in der Stadthalle zum erstenmal der rote Vorhang von Hans Hildenbrandts Puppenbühne heben wird.
Bekannte Darmstädter haben sich um die Gestaltung der Köpfe, um die Schaffung der schönen Kostüme und um die Herstellung der eindrucksvollen Dekorationen bemüht. Die ganze Familie wird sich — wie es alte, gute Puppenspielertradition ist — als Puppenführer und Sprecher betätigen. Auf etwas ganz Neues müssen wir aber doch hinweisen: Während die Familie Hildenbrandt früher mit den sogenannten Handpuppen spielte, sehen wir nun eine richtige Stockpuppenbühne vor uns, wie wir sie vom Kölner Hänneschen her kennen, nur daß Hans Hildenbrandt bei diesen von unten geführten großen Stockpuppen auch den Kopf beweglich gemacht hat und hierbei wie bei der Bewegung der Beine noch weitere Pläne andeutet. „Ich möchte eine künstlerische Puppenbühne herausbringen, die weit über Darmstadt hinaus wirkt“, sagte uns Hans Hildenbrandt, und wir, die wir die Hildenbrandts seit vielen Jahren kennen, glauben ihm gerne, daß er den Idealismus und die künstlerischen Fähigkeiten hat, ohne die heutzutage ein solcher Versuch zum Scheitern verurteilt wäre.
Gespielt wird zunächst „Der Zauberer“, ein Puppenspiel für jung und alt, von Hans Hildenbrandt bearbeitet, mit vielen Bildern, mit noch mehr Puppen, unter denen wir zuallererst „Heinerle“ und „Gretel“ kennenlernen werden. Im „Kaufhof“ sind übrigens zur Zeit einige Puppen aus dem „Zauberer“ in einem kleinen Bühnenrahmen ausgestellt. Noch ein Blick auf die ganze, vielgestaltige Künstlerschar, die auf ihren Stielen hoch an der Wand lehnt, und wir verabschieden uns von Hans Hildenbrandt mit einem traditionellen und herzlichen „Hals- und Beinbruch“. H. W. W.
Arbeiter-Wohlfahrt Darmstadt verschickt Kinder in Zeltlager
Am Montagmittag bestiegen 80 Kinder aus dem Landkreis Darmstadt freudestrahlend und schwerbepackt einen Omnibus, um an dem während der Sommermonate errichteten Zeltlager „Breitenloh“ bei Nieder-Beerbach teilzunehmen. Helferinnen und Helfer der AW nahmen die Kinder in ihre Obhut und geleiteten sie zu dem 14tagigen Erholungsaufenthalt.
Porträt eines Darmstädters
Das „Darmstädter Tagblatt“ besucht Dr. von der Au
Wir trafen Dr. von der Au, als er von Lüneburg — noch von der Reise ermüdet — zurückgekommen war. Es ist darum nicht ganz einfach, in relativ kurzer Zeit alle Fragen beantwortet zu bekommen, die Leistung, Wirken und Pläne umfassend schildern, weil seine geistige Lebhaftigkeit dem Gesprächspartner Fragen aufdrängt, auf die eben nur wenige Antwort geben können. Wenn hier einige Daten aus seinem Leben aufgeschrieben werden, so entspricht das zwar nicht seinen ausdrücklichen Wünschen, ist aber notwendig, um dem Porträt Abrundung zu geben.
Von Haus aus Theologe, promovierte er mit einer archivarischen Arbeit über das „Seniorat in den Hessischen Kirchen 1526 — 1832“. Mitte bis Ende der zwanziger Jahre beanspruchte die Tätigkeit als Vorsitzender des Landesjugendausschusses der Hessischen Jugendverbände, viel und gern gegebene Zeit, zumal in diese Arbeitsperiode — und zwar erstmalig in Hessen — die Gründung von Sing-, Volkstanz- und Laienspielfreizeiten’ einem periodischen Treffen zu praktischer Volkstumsarbeit, fielen. Auf der Orbishöhe und Westerburg halfen Reinhold Heyden, Hilmar Höppner, Anna Helmer, Julius Blasch und Georg Götsch bei der erfolgreichen Ausgestaltung. Lange Jahre war er Landesjugendpfarrer der evangelischen Kirche in Hessen
„Der allgemein an mich herangetragene Wunsch, neben außerhessischen Volkstanzgut auch eine vollständige Zusammenfassung heimatlicher Lieder und Tänze zu bekommen, war der ausschlaggebende Grund, daß ich mit der intensiven Arbeit zur Sammlung begann“ sagte Dr. von der Au.
So entstanden 1931 und 1932 die Hessischen Volkstänze“ und im Lauf der nächsten Jahre Sammlungen aus Nassau der Rhön, und zwei weitere Hefte Hes ’ sische Volkstänze aus dem Spessart und ^er Pfalz“. Etwa in diese Zeit fällt auch die erstmalige Bemühung, aus nachweislich pfälzisch gebliebenen Auswanderergebieten (Batschka-Banat) zu einer fast luckemosen Sammlung zu kommen. So ist der Forscher in vielen Fällen als einziger in Deutschland in der Lage Anfragen des In- und Auslandes zu beant-Worten und den nunmehr heimatlos Gewordenen Hilfe und Anregungen in ihrer kulturellen Arbeit zu geben. Mehrere große Aufsätze, das Tanzgut wissenschaftlich untersuchend, wurden in dem Werk¬ „Volkstanzgut im Rhein-Mainischen Raum“ zusammengefaßt. Die „Gießener Beitrage zur deutschen Philologie“ brachten grundlegende Ausführungen des Darmstädter Forschers. 8 3
T Vor dem Kriege arbeitete er mit Dr. Luis Pink, dem bekannten elsässischen Philologen (Pinks bedeutendes Werk „Verklungene Weisen“), stand in ständiger Verbindung mit Schweizern, Dänen und Oesterreichern, und referierte anläßlich des dritten Weltkongresses für Volkstanz in Stockholm erfolgreich.
Nach dem Kriege knüpfte Dr. von der Au die zerrissenen Fäden nach der Schweiz, Elsaß und Oesterreich wieder an, wurde Mitglied der Kommission der Gesellschaft für deutsche Musikforschung Mitarbeiter der CIAP (UNESCO), korrespondierendes Mitglied des „International Folk music council“ (London) und enger Mitarbeiter des „Deutschen Institutes für Musikforschung.“ Die Institute vieler europäischer Hauptstädte kennen ihn, wünschen die Mitarbeit des Mannes, dem man in Rußland sichtende Archivarbeit der Bibliothek Katharinas der 11. anvertraute (wundervolle Erstlingsdrucke deutscher Klassiker fand er dort vor).
Als der Darmstädter 1920 über Ostasien zurückkehrte, hatte er Arbeiten über vergleichende Sprachstudien indogermanischer Sprachen fertiggestellt, und russische, tartarische, grusinische Sprach-und Liedstudien im Entwurf bereitliegen. -ng-
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Union: „Die Kuckkucks“; Thalia: „Träum’ nicht, Annette!“; Belida: „Abenteuer auf hoher See“; Palast: „Leckerbissen“; Hansa: „Wiener Mädeln“.
Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler; Holzhofallee: Ausstellung zum Ströher-Preis; Mathildenhöhe: Das Menschenbild in unserer Zeit; Amerikahaus: fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellung Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika; d’Hooge Mathildenplatz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.
Amerikahaus: 20.00 Uhr, Vortrag Prof Dr. Walter Tritsch: „Die Nationen und die Geschichte.“
Technische Hochschule: Aula, 19 30 Uhr Vortrag Dr. Erich Tilgenkamp, Zürich: „Das heutige Südamerika.“
V erein für Versicherungswirtschaft und “Praxis: „Braustüb’l“, Darmstadt, gegenüber dem Bahnhof, 16.30 Uhr: Vortrag Frof Dr. Grosse: „Probleme der Berufsausbildung der Versicherungsangestell-
Wir gratulieren
Goldene Hochzeit: Eheleute Philinp Delp, Kirch-Beerfurth. 1 P
85. Geburtstag: Frau Margarethe Grüstraß^lF^T'^ Habitzheim. Schulstraße 12 (Ehefrau des gestern 87 Jahre gewordenen Johannes Griinpww»
ü Grunewald). 75. Geburtstag: Herrn Müller X Habuzheim, Klingerweg SOVm
__ r- weg t ’u Geburtstag: Frau Eva Bohrer Lorsch, Hirs-hstr. 6 innrer,
73. Geburtstag: Herrn Philinu n.m Lors?h, Hügelstr. 25. Ru”’
MD 'S?' HHOTn S *wön, Dorsch, Heppenheimer Str. 10.
Starkenburg
Kunst - Gewerbe - Kunstgewerbe
Ein Rundgang durch die Verkaufs- und Werbeschau Erbacher Betriebe auf dem Wiesenmarkt
™ Und Werbeschau Erbacher Betriebe im Rahmen des 148. Marktes bietet in den 63 Ständen des rund 1800 Quadratmeter großen Ausstellungszeltes eine solche Fülle geschmackvoll dargebotener Erzeugnisse der heimischen Industrie und des Handels, daß es sich lohnt, mit aller Ruhe und Aufmerksamkeit einen Bummel durch die breiten Straßen der Ausstellung zu unternehmen.
Schon äußerlich unterscheidet sich das Zelt durch seine Größe vom vorjährigen. Diesmal hat er noch ein BXIO m großes Vorzeit erhalten, das als Ehrenhof mit einer Büste des Grafen Franz I. zu Erbach-Erbach, des Stifters des Eulbacher Marktes, gleichzeitig als würdiger Ausstellungsraum für Arbeiten bildender Künstler Erbachs verwendet wird.
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Wenn die Schau einen wirklichkeitsgetreuen Querschnitt durch das Gesamtschaffen der Kreisstadt Erbach geben soll, dürfen die Künstler nicht fehlen; ihre Zahl ist größer, als selbst viele Erbacher es ahnen. Maler und Graphiker sind am stärksten vertreten. Kurt Arnold von der Staatlichen Fachschule für Elfenbeinschnitzerei zeigt zwei duftige Aquarelle. Heinz Otto Müller läßt in vier modernen Aquarellen seine Loslösung vom Ornamentalen zum Gegenstandslosen erkennen. Georg Schwinn hat zwei handwerklich solide Bleistiftstudien ausgestellt. Zwei Oelbilder Hermann Edelbauers verraten seine gediegene Schau der Dinge. Georg Reinhard zeigt zwei Oelbilder in leichter Pastos-Manier, die von südlicher Sonne überstrahlt sind. Zwei Aktstudien in Blei zeugen von der starken Ausdruckskraft mit sparsamsten Mitteln, die Prof. Franz Neundlinger eigen ist. Er ist noch mit zwei interessanten Aquarellen „Kleinstadt bei Nacht“ und „Straße im Winter“ vertreten.
Einige Plastiker Erbachs haben mehrere große und kleinere Stücke ausgestellt. Der Direktor der Staatlichen Fachschule A. Glenz zeigt einen „sitzenden Jüngling“ und zwei stehende Knabenakte. Frau Röhrig, eine ausdrucksstarke Mannheimer Künstlerin, die während des Krieges nach Erbach evakuierte, ist mit drei Porträtstudien und einem lebensgroßen weiblichen Halbakt vertreten. Wilhelm Wegeis Kleinplastik „Kauernde“ und besonders sein „Sakrales Kreuz“, wobei durch Verwendung von Elfenbein, verschiedenfarbigen Hölzern und Gold bemerkenswert interessante Wirkungen erzielt werden, zeugen von dem guten handwerklichen Können des jungen Erbacher Künstlers.
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befindet sich das bildschöne im gemütlichen Odenwälder Bauernhausstil gehaltene Probierstübchen des Erbacher Brauhauses, ob seines dort in Probeflaschen erhältlichen „Jakobus-Pilsners“ eine ganz gefährliche. Klippe für alle trinkfreudigen Besucher. Der kluge Mann geht deshalb rechts herum, und spart sich den erfrischenden Trunk als krönenden Abschluß des Rundgangs auf. Die Hofgärtnerei wirbt durch die Ausschmükkung der Vorhalle, Ueber zwei neue Ford-Modelle des Fahrzeughauses Wind, das noch einen zweiten Stand „gegenüber“ unterhält, gleiten sehnsuchtsvoll die Augen aller „Noch- nicht-Kraftwagenbesitzer“ bis sie von dem strahlenden Lächeln eines Mädchenkopfes im Stand des Graphikers Georg Reinhard gefesselt werden.
Der Stand der Kunsttöpferei Dönig ist immer von Schaulustigen umlagert, die das Werden der schönen Kannen, Töpfe und Schalen mit dem hübschen Odenwälder Muster im ersten Stadium miterleben wollen. Vor Thesings Feinkoststand läuft jedem Feinschmecker das Wasser im Munde zusammen, das auf der anderen Seite in den „Frigidaire“-Modellen Ingenieurs Panzer gleich zu Gefrorenem werden kann. Daneben tritt der „E A E“, Elektromotoren- und Apparatebau, Erbach, von Ingenieur K. Schäfer, mit Schalt- und sonstigen elektrischen Anlagen erstmals vor die Erbacher. Offenbacher Lederwaren in neuzeitlichsten Modellen für Herren und Damen bietet Frau Bauer-Neppach feil. Die Sattlerei Planz zeigt daneben, was man in Erbach selbst aus Leder alles macht. Fritz Glenz nennt sich bescheiden „Kunsthandwerker“ und bietet vielgestaltige Ziervasen und Plastiken an. Präzisionsmaschinen stellt die Mechanische Werkstätte Julius Volks aus, während die Kollektion der Kammfabrik Schork in Dorf-Erbach auch für die „lausigsten“ Zeiten ausreichen würde. Zwischen zwei Vertretern der „schwarzen Kunst“, dem „Darmstädter Tagblatt“ des Verlags L. C. Wittich, und der Druckerei Franz liegt der Stand der leckeren Sahne-Törtchen der Konditorei Schwarz, die in den blitzenden Herdmodellen der gegenüberliegenden Stände der Gebr. Volk oder auch der Firma Holschuh gebacken sein könnten. Tapeten, Putz- und Anstrichproben hat der Weißbindermeister Karl Bereiter ausgestellt.
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Gleich neben den Kostümen und Modellanzügen des Schneidermeisters Ernst Egert, der sich ebenso wie sein Kollege Phil. Jucht als Berater in allen Modefragen empfiehlt, hat Herbert G. Grix eine Bar aufgebaut eigens zur Demonstration des „Turmix“ einer universellen Küchenmaschine, in der man einen Cocktail buchstäblich mit „ganzem“ Ei machen kann, denn sie pulverisiert vollständig die Schale. Ein naher Verwandter dieser Maschine ist der „Starmix“, der neben vielen anderen elektrischen Geräten und einer lauschigen Kaminecke im Stand des Ingenieurs Hans Fischer gezeigt wird. Fässer für Wein und Jauche in allen Größen und schmucke Trink- und Ziergefäße empfiehlt die Küferei Georg Bechtold. Nicht weniger als sieben Möbeltischler und -händler, und zwar die Firmen Gebr. Breitwieser, Wilh. Hastert, L. u. K. Küchler, Hch. Lang, Stockheim, Eberhard Müller, Schweickert und Ernst Schmidt, haben teilweise hervorragende Arbeiten ausgestellt. Z immermeister Eduard Engelhardt zeigt Treppenmodelle und schwierige Dachkonstruktionen. Wilhelm Eichenhofer ist mit seinen Büromöbeln ebenfalls hinzuzurechnen, obw<il er auch Schreibwaren, Buchbinderarbeiten usw. ausstellt.
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erläutert die Kafeerösterei Peschwitz & Schäfer in ihrem Ausstellungsprospekt und ihre Kostproben des schwarzen Zaubertranks sind wirklich aufregend gut. Stollwerk-Schokoladen und Pralinen sowie Berge von Karamellen türmen sich in dem dekorativ mauresken Stand Otto W. Rosseggs. Gleichermaßen appetitanregend wirkt der Stand der HEAG, wo im Non-stop Kuchen, Plätzchen und Torten gebacken werden.
Werkzeuge aller Art, Beschläge usw. zeigen die Firmen Heinrich Brand und Max Odenthal, die Schlosserei Leonhard Stellwag ist mit von dei' gleichen Partie. Fahrzeuge, vom Liliput-Rennfahrrad bis zum Opel-Kapitän sind bei den Firmen Werner Schmäling, Autohaus Dingeldein, Stockheim, und Karl Wind zu finden.
Alle Frauenherzen werden entzückt von den geschmackvolen Auslagen der Kaufhäuser Joh. Stetter und Schneider und nicht zuletzt den modischen Wollkleidchen von Frau Schramm. Passende Schuhe dazu bieten die Firmen Löffler und Schmidt, Stockheim, an. War dann ein braver Ehemann mit seiner Frau noch vor dem Stand der Kürschnerei Loudwin mit den „todschicken“ Pelzmänteln, dann wird er schnell den Ständen der Erbacher Wein- und Sektkellerei oder der Likörfabrik Frdr. Scior zustreben, um sich bei einem Trunk zu stärken. Das Neueste auf dem Buchmarkt bietet die Buch- und Kunsthandlung Bruno Kraft an. Gegenüber zweigt Max Walberer Glas und Porzellan für Heim und Gaststätte. Gut eingeführt hat sich Erbachs neuer Uhrmacher Bender mit seinem kleinen Stand.
Das „Darmstädter Echo“ versinnbildlicht in seiner Boxe die lange Leitung des Nachrichtendrahts. Die Schloßdrogerie Wens bringt neuartige Modelle für Schädlingsbekämpfungsspritzen; die Wäscherei Stegmüller führt eine Wäschemangel vor. Die Gerberei Joachim Glenz bietet Handschuh- und technische Leder, Frau Luise Sackmann Leibbinden nach Maß an. Die Haarkünstler Leun und Frau Schuch sowie Fotomeister Willi König beschließen die Reihe der gewerblichen Betriebe.
Auch Sie, meine Herren, werden diese aparten Kleider recht anziehend finden. Das meinte auch die Besucherin auf unserem Bild, die „leider“ erst zu spät feststellte, daß sich ihr Ehegatte inzwischen klammheimlich „verduftet“ hatte.
Erbach als Elfenbeinstadt
wird durch die beiden großen Stände der Staatlichen Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Berufe sowie der Elfenbeinschnitzer - Innung vertreten. In großen Vitrinen sind hier die bekanntesten Erbacher Meister von Stichel, Schaber und Bohr schlauch mit wirklich erstklassigen Arbeiten vertreten, die eigentlich schon in den Rahmen der bildenden Künste gehören. Die Fachschule gibt an zwei Arbeitsplätzen Einblick in die interessante Arbeitsweise der Schnitzer und Drechsler.
Ueberwältigt von der Fülle des Geschauten läßt man sich gerne in Wörners Braustübel zu einem erquickenden „Jakobus“ nieder. • -ch
Die Heimat als Bildungsgrundlage
13. Arbeitswoche der Pädagogischen Arbeitsstelle Wiesbaden in Lichtenberg
Die Pädagogische Arbeitsstelle Wiesbaden veranstaltet während der Sommerferien mehrere Arbeitswochen zur Weiterbildung der Lehrer. Die 13. Arbeitswoche fand vom 17. bis 22. Juli unter der Leitung des weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannten Landschulpraktikers Lehrer Karl Colmar in Lichtenberg im Odenwald statt.
Ein Lehrer, der glaubt, er könne nichts mehr hinzulernen, seine Ausbildung sei abgeschlossen, tut gut, sofort sein Pensionsgesuch einzureichen. Er ist innerlich erstarrt und hat kein Anrecht mehr, die Jugend zu erziehen, denn jeder neue Schultag wirft Probleme auf, die ihn zwingen, immer wieder neue Wege zu suchen und zu gehen. Daß dies von der Lehrerschaft Hessens erkannt wird, zeigt die rege freiwillige Teilnahme an den Arbeitswochen der Pädagogischen Arbeitsstelle Wiesbaden.
Es war ein glücklicher Umstand, gerade der Arbeitswoche in Lichtenberg das Thema „Heimat als Bildungsgrundlage“ zu geben. Einmal, weil uns gerade in Lichtenberg die Schönheit unserer Heimat so recht bewußt wird, zum andern die Tatsache, daß dort Lehrer Colmar im Laufe der Jahre ein Schulwesen entwickelt hat, das, auf dem Heimatgedanken auf gebaut, ein Vorbild für alle Landschulen darstellt.
So waren aüch nahezu 30 Lehrer im 30. Dienstjahr neben dem jungen Lehramtsanwärter, die Rektorin neben dem Lehrer, der gerade seine 2. Prüfung bestanden hat — alle bereit, zu lernen und neue Anregung für ihre Arbeit aus Lichtenberg mitzunehmen.
Schon der Schulsaal wies neue Wege. Die steifen viersitzigen Bänke sind längst von Tischen und Stühlen abgelöst. An der Wand ist ein Geschichtsfries aufgehängt, der die Geschichte unseres Volkes von der Urzeit bis zum heutigen Tag veranschaulicht. Mit ihm parallel läuft eine Darstellung der Heimatgeschichte Lichtenbergs, so daß die Schüler sofort erkennen können, inwieweit die Geschichte unseres Volkes den Raum um Lichtenberg beeinflußt hat. Außerdem schmükken gute Darstellungen der Odenwälder Landschaft und ihrer kulturellen Kostbarkeiten den Saal.
In mehreren Referaten zeigte Lehrer Colmar wie groß der Einfluß der Heimat auf die Erziehung der Jugend ist. Nur fünf Stunden des Tages verbringen die Kinder in der Schule. Die übrige Zeit leben sie im Elternhaus, sehen den Bauer und den Handwerker bei der Arbeit, erleben Wald und Flur, hören Lieder und Sagen der Heimat und sehen die Zeugen vergangener Zeiten. An diese Erlebniswelt muß der Unterricht in der Schule anknüpfen, wenn er eine natürliche Weiterentwicklung der geistigen Welt des Kindes zum Ziel hat. Natürlich darf der Weitblick des Kindes nicht hinter dem nächsten Odenwaldberg zu Ende sein. Am Beispiel der Füllhalterfabrik in Lichtenberg zeigte Herr Colmar wie er mit den Erzeugnissen dieser Fabriki die auch ihre Rohstoffe zum Teil aus dem Ausland bezieht, seine Kinder in fremde Länder führt, wie Zeitungsausschnitte, die die Kinder mit in die Schule bringen, immer wieder über die Heimat hinaus in die weite Welt weisen. So wird die Schule zu einer Stätte, die dem natürlichen Wissensdrang des Kindes gerecht wird.
Zu einem Erlebnis wurde die geologische Exkursion nach dem Felsenmeer. Der bekannte Geologe Dr. Diehl verstand es meisterhaft, die großen Umbrüche in der Struktur des Odenwaldes darzustellen. Staunend standen die Teilnehmer der Exkursion vor der Riesensäule, dem Altarstein und anderen Zeugen römischer Steinmetzarbeit aus dem 2. Jahrhundert nach Christi Geburt.
Auch die Musik kam während der Arbeitswoche zu ihrem Recht. Unter der Leitung von Lehrer Volk, Erbach, dem früheren Leiter des Schülerchores der Ballonschule, wurde ein Dorfabend vorbereitet, der am Freitagabend mit der Bevölkerung Lichtenbergs durchgeführt wurde. Herr Volk bewies wie entscheidend gerade heut edie Auswahl des Liedgutes für die Erziehung in der Schule ist. Der Welt des Samba und des Swing muß eine andere Welt entgegengesetzt werden. Wer ist zu diesem Kampf eindringlicher aufgerufen als der Erzieher der Jugend?
Eine Schule, die aus den Werten der Heimat ihre Kräfte nimmt, wird diesen Kampf bestehen. (kli)
Zirkus „Lorbserini“
Höhepunkt des Wiesenmarkt-Kinderfestes
Die geheimnisvollen Vorbereitungen der Erbacher Schulkinder, die in den letzten 14 Tagen mit fieberhaftem Eifer zu Hause und in der Schule betrieben wurden, haben eine Erklärung gefunden. „Wanderzirkus Lorbserini kommt nach Erbach“ heißt es auf einem Plakat, das die Ueberraschung des heutigen Kinderfestes ankündigt. Um 14 Uhr wird der Zirkus mit seinen 25 verschiedenen Abteilungen von der Neuen Schule aus seinen Einzug in Erbach halten, um anschließend auf dem Sportplatz seine „Attraktionen“ vorzuführen. In einer nie vorher gesehenen Tierschau ist alles vertreten vom Tausendfüßler bis zum Kamel. Nicht minder bunt sind die Abordnungen fernster Länder und Völker.
Zirkus „Lorbserini“, der Name allein verpflichtet alle kleinen und großen Lorbser zu letztem Einsatz. Die Stadtverwaltung will auch nicht zurückstehen. Sie wird den kleinen Zirkusleuten mit einem ganzen Wagen voller Brezeln und Würstchen eine Freude machen. Auf alle Fälle wird das Kinderfest des diesjährigen Wiesenmarktes seine ganz besondere Note haben. (-ch)
Kreispferdeschau am Donnerstag
Wiesenmarkt und Pferde sind voneinander untrennbare Begriffe. Während an denßermtagen die Reiter im Mittelpunkt stehen, sind es am morgigen Donnerstag bei der Kreispferdeschau die Züchter. Sie wollen in Vergleichen ihre eigene Zucht mit den besten Tieren des Kreises prüfen, ob sie auf dem richtigen Wege sind, oder ob sie ihre Zucht umstellen müssen. Wenn auch die Kreispferdeschau 1950 vneder än drei verschiedenen Plätzen durchgeführt wird — der erste Teil in Beerfelden gelegentlich des Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarktes ist bereits vorüber — so ist durch dasselbe Preisgericht sowohl in Erbach als später auch in Reichelsheim gewährleistet, daß wirklich objektive Vergleiche angestellt werden können. Die vier vorzustellenden Klassen gliedern sich in:Zweijährige, Dreijährige, Vier- bis Achtjährige sowie Fohlen führende Stuten. Der Auftrieb der vorzuführenden Tiere erfolgt bis 9 Uhr. Die Stadt Erbach hat wiederum einen größeren Betrag für Prämien in den einzelnen Klassen bereitgestellt. (-ch)
Das Licht ging aus
Mitten im schönsten Trubel des Erbacher Wiesenmarktes ging am Montagabend um 21 Uhr das elektrische Licht aus. Bis die Störung an der Ueberlandleitung wieder behoben werden konnte, standen sämtliche Karussells, das Russische Rad und die Achterbahn still. Die 15 dunklen Minuten wurden von den zahlreichen Marktbesuchern in den Bierzelten bei Gesang und Schunkeln überstanden. Die Polizei wußte zu berichten, daß keine Langfinger sich die Dunkelheit zunutze gemacht hatten. (tehad)
Badisch oder hessisch
Die Tatsache, daß nahezu 75 Prozent aller Arbeitnehmer Viernheims in Mannheim oder Weinheim beschäftigt sind, läßt die Grenzveränderungswünsche dieser jüngsten Stadt Hessens immer nachdrücklicher in Erscheinung treten. Nachdem neuerdings sich die Ansicht verbreitet hat, daß die Stadt bei der Verteilung der ersten Rate des Landesbaudahrlehens absichtlich übergangen worden sei, haben diese Tendenzen erheblich an Gewicht zugenommen und werden mit denjenigen anderer Riedstädte koordiniert. Da sich außerdem die Mannheimer Industrie immer stärker nach Viernheim ausbreitet und auch die Industrieanlagen des hessischen Städtchens in ihrer Struktur nach der nordbadischen Metropole ausgerichtet sind, fallen die wirtschaftlichen Gesichtspunkte besonders stark ins Gewicht. Andererseits wird vor allem von administrativer Seite her darauf verwiesen, daß mit einer Aenderung der Landeshoheit schwerwiegende beamten- und sozialversicherungsrechtliche Probleme verbunden Sind. (-r)
Lindenfelser Burg- und Trachtenfest
In der Zeit vom 5. bis 7. August startet in Lindenfels das diesjährige traditionelle Burg- und Trachtenfest Wie alljährlich, so soll auch diesmal das Fest zu einem wahren Heimatfest werden, das in dieser Art seif etwa 70 Jahren besteht. Am Samstagabend, dem 5. August, erfolgt die Burgbeleuchtung mit anschließendem Feuerwerk. Der Sonntag bleibt dem Heimatfest auf der Burg Vorbehalten, dem Trachtenzug um 14 Uhl den .Volkstänzen und dem Bauerntheater. Der Burgfestausschuß hat auch in diesem Jahr einmütig beschlossen, von den bewährten Grundzügen des Festes um keinen Schritt abzugehen. Die Pflege der Odenwälder Tracht, des Volksliedes und des Volkstanzes sollen wie seither den Charakter des Festes bestimmen. Die angespannte Wirtschaftslage erfordert größte Sparsamkeit und in weit umfangreicherem Maß als bisher muß daher an die ehrenamtliche Mitarbeit der Bevölkerung appelliert werden.
In der übergroßen Vielzahl der Volksfeste, die oft notdürftige Vorwände haben und außer der Durchführung eines farblosen Jahrmarktsrummels keinerlei wertvolle Bestandteile aufweisen, ragt das alte, schöne Lindenfelser Burgfest mit seiner stolzen Tradition weit aus dem Rahmen des sonst üblichen hervor. Für die vielen Kurgäste der „Perle des Odenwaldes“ wird das Burg- und Trachtenfest einen tiefen und bleibenden Eindruck hinterlassen. hfl.
Mit der Heimat-Gemeinschaft unterwegs
Am Sonntag, dem 30. Juli unternimmt die Heimat-Gemeinschaft Habitzheim eine Omnibusfahrt ins Rheingebiet und den Taunus. Die beiden bereits durchgeführten Omnibusausflüge — Bergstraße, Felsenmeer, Lindenfels und Odenwald, Neckar, Heidelberg — sind noch in bester Erinnerung, so daß wieder mit reger Beteiligung gerechnet wird. Vor allem haben Vertriebene und Neubürger Gelegenheit, bei der kommenden Fahrt unter der Reiseleitung von Erich Glöckner wieder ein Stück ihrer neuen Heimat kennenzulernen. Jg
Erbacher Bilderbogen
Ein Gang durch die Gewerbeschau
Vom kleinsten bis zum größten Faß ist alles vorhanden, ganz gleich, ob nun edler Wein oder die Jauche der Landwirtschaft darin Platz finden sollen.
Am Stand der Elektrogeräte wird nicht nur gute Hausmannskost, sondern auch piekfeines Teegebäck zubereitet. Schließlich muß man ja. wissen, wie lange so etwas im Ofen oder auf der Platte sein muß, ohne es anbrennen zu lassen.
Leckere Sachen — gut verpackt Etwas für die Damen —, aber auch für die Herren, die (außer Zigaretten) auch Schokolade gut vertragen.
Unermüdlich dreht der Lan z - B ull - dog seine „Ehrenrunden“ auf dem Freigelände. Er macht für sich selbst Reklame, die nun einmal notwendig ist, um ins Geschäft zu kommen. * Das Foto der Rauchwarenfirma („Mein Gott, Oskar, welch herrlicher Pelz —, und noch gar nicht mal teuer!") wollten wir Ihnen, meine Herren, ersparen. Man soll die „teuren“ Gattinnen nicht noch durch Bilder verleiten, die „häusliche Ruhe" — die wir so lieben — zu stören .... Text und Fotos: Arco
Ortsverein feiert 60sjähriges lubiläum
Ober-Roden im Zeichen des SPD-Kreisfestes
Im Jahre 1890 gründeten eine Handvoll beherzte Arbeiter den Ortsverein der SPD Ober-Roden. Was in all den vergangenen Jahren geleistet wurde, gibt Zeugnis von dem idealistischen Aufbauwillen aller Mitglieder. Wenn auch kein Gründer mehr in den Reihen des Ortsvereins weilen kann, so können doch eine Anzahl Jubilare auf 50 und 40 Jahre treue Mitgliedschaft zurückblicken. Jakob Gotthold steht dem Ortsverein seit dem Kriegsende als 1. Vorsitzender vor. Namen wie Krickser, Röhrig, M e r g e t u. a. machten sich im Wandel der Zeiten viel Ehre.
Mit dem SPD-Ortsverein feiert am 29. und 30. Juli die Gemeinde Ober-Roden und der Wahlkreis Dieburg das diesjährige Parteifest. Fahnen- und girlandengeschmückte Straßen werden den auswärtigen Gästen ein Willkommen bieten. Zum Auftakt der Festlichkeiten wird im Saale der Turnhalle am Samstag die akademische Feier abgehalten. Alle ortsansässigen Vereine haben ihre Teilnahme zugesagt. Der 1. Vorsitzende Gotthold ehrt die Jubilare, und der aus Ober-Roden gebürtige Gewerkschaftssekretär Wilhelm Weber, Offenbach, hält die Festrede mit einem Rückblick auf die Parteigeschichte. Musikalische Darbietungen, Gesang und Sport geben den Feierstunden einen würdigen Rahmen.
Der zweite Festtag erreicht seinen Höhepunkt in dem nachmittäglichen Festzug durch die Dorfstraßen, unter Beteiligung der auswärtigen Gäste des Wahlkreises Dieburg. Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel wird an diesem Tag zu den Festteilnehmem sprechen. Volksfest und Jubelball beschließen die denkwürdigen Tage. (gi)
Feldbereinigung. in Eppertshausen
Das Kulturamt Darmstadt nimmt im September die Neuzuteilung der Grundstücke im Zuge der Feldbereinigung vor. Die Verhaltungsmaßregeln für die Zeit zwischen Ernte und Zuteilung werden in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Wie Bürgermeister Gruber dazu mitteilt, hat sich das im Zuge der Flurbereinigung neu aufgelegte Entwässerungsnetz sehr gut bewährt. gi)
Achtzehn nene Wohnungen
In Unter-Flockenbach fand am Samstag eine Veranstaltung besonderer Art statt: Das Richtfest für 18 neue Wohnungen, die dieser besonders stark belegten Gemeinde wesentliche Erleichterungen bringen dürften. Gegenüber dem Kreisdurchschnitt mit 183 Prozent (1939: 141 Prozent) beträgt hier die Wohndichte rund 200 Prozent, und die geographische Lage dieses engen, überwiegend von Arbeiterdörfern belegten Tales erlauben kaum eine wesentliche Ausweitung.
Um so anerkennenswerter ist, wie Landrat Dengler bei seiner Ansprache ausführte, die Tat des Bauunternehmers Heckmann, der durch Eigeninitiative die Voraussetzung zum Bau dieser achtzehn Wohnstätten geschaffen hat. Sie sollen noch in diesem Herbst bezugsfertig werden und damit unterstreichen, was energischer Wille und Verständnis bei den Behörden vermögen.
Insbesondere der Presse dankte cfer Landrat für ihre in dieser Hinsicht erwiesene Unterstützung, die wesentlich zur Klärung der gegenseitigen Standpunkte beigetragen habe. Der Redner wurde bei dem Hinweis auf die jetzt laufenden Stfaßenarbeiten in Unter-Flockenbach—Trösel mit der Frage: „Bis wohin soll diese Straße instandgesetzt werden?“ unterbrochen. „Wir werden sie bis nach Waldmichelbach instandsetzen“, betonte der Landrat und erhielt dafür herzlichen Beifall der aufgeschlossenen Versammlung.
Baurat Lulay vom Staatsbauamt Heppenheim unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung dieses Tages, der für viele Menschen die Zuversicht auf ein neues, eigenes Heim bringe. Landrat Dengler gab zum Schluß noch bekannt, daß das Landesbaudarlehen für diese neue Siedlung genehmigt sei. (r)
Bühren festgesetzt
Vor einigen Tagen konnten wir ausführlich über das Schuldkonto eines gewissen Bühren berichten, der sich als Handelsvertreter ausgegeben und bei einem Einwohner in Semd ein Motorrad entliehen hatte, um ts für den Eigentümer gegen ein neues einzutauschen. Bühren hat aber nichts mehr von sich hören lassen, so daß der Geschädigte Anzeige erstattete. Der Schwindler wurde jetzt in Krefeld von der Kriminalpolizei festgenommen. Das Motorrad hatte er bereits in St. Goarshausen verkauft. (RG)
Richtig laden!
Verkehrsunfälle könnten vermieden werden
Die Umgehungsstraße der Bundesstraße 26 (Mainz—‘Darmstadt—Aschaffenburg) bei Büttelborn bietet in letzter Zeit mehrfach Gefahrenstellen für den Verkehr durch herabfallende oder herabgefallene Bausteine, die von durchfahrenden Lastzügen, die Baumaterial aus dem Rheinland holen, verloren werden. Verschiedentlich war dies die Ursache für zum Teil schwere Unfälle. Durch das starke Profil der Straße geraten die Fahrzeuge beim Ueberholen oder Ausweichen leicht ins Schleudern, so daß sich bei den meist zu hoch beladenen Wagen ein Stein lösen und den Verkehr stark gefährden kann. Erst in dieser Woche konnte ein Radfahrer gerade noch m’it Mühe und Not einem herabfallenden Stein ausweichen, lenkte dabei aber sein Fahrrad gegen einen Baum, wobei Sachschaden entstand. — Dies sollte eine ernste Warnung und Mahnung für alle Kraftfahrer und Verkehrsüberwachungsorgane sein, darauf zu achten, daß eine Ladung die Seitenwände nicht überragt oder zumindest so gesichert ist, daß eine Verkehrsgefährdung vollkommen ausgeschlossen ist. (-th-)
Kreis-Liedertag in Ober-Klingen
Der diesjährige Kreisliedertag der Kreisgruppe Gersprenz des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes findet am 20. August in Ober-Klingen statt. Sämtliche Gesangvereine aus dem Gersprenz- und den Nebentälern geben sich dort ein Stelldichein. Jeder Verein bringt wie immer 2 Chöre zum Vortrag, die bis zum 1. August unter Angabe der Text- und Tondichter sowie Anzahl der Sänger und Name des Chorleiters bei dem 1. Kreisvorsitzenden Scholl, Reichelsheim gemeldet sein müssen. (ptoo)
Doppelkonzert in Stockstadt
Die Sport- und Kulturgeimeinschaft Stockstadt veranstaltet im Verein mit dem Männergesangverein „Arion“ Pesch am Sonntag, dem 30. Juli, um 21 Uhr im Restaurant „Zum Deutschen Haus“ ein Doppelkonzert. Ausführende sind: Heinz Rees (Bariton), Willi Rasche, Konzertmeister am Hessischen Landestheater, (Violine), der Chor des Männergesangvereins „Arion“ Pesch (Broisch-Niederrhein) und der aktive Chor der Gesangsabteilung der Sport- und Kulturgemeinschaft Stockstadt. Die Leitung des Konzerts hat am Flügel August Merker. -st
Wer mit „Glümk“ fährt, hat mehr vom Leben
Eine kleine Betrachtung über das „Bergsträßer Reisebüro“
Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1944, als an der Bergstraße vor lauter totalem Krieg kaum noch eine Eisenbahn verkehrte und diejenigen, die doch noch gelegentlich fuhren, fortgesetzt von Jabos beschossen wurden? Damals hielt nur die wackere HEAG mit kriegsbemalten Wagen bis Jugenheim die Stellung. Das Bickenbacher Bähnchen war zuvor schon sang- und klanglos entschlummert, und wer von Jugenheim nach Alsbach, Zwingenberg und Bickenbach reisen .wollte, der mußte sich wohl oder übel zu Fuß oder mit dem Rad bequemen, falls er den Mut dazu hatte.
In dieser Zeit also erinnerte sich eine gewisse Jugenheimer Autovermietung daran, daß sie noch zwei Omnibusveteranen mit Westwallverdienstkreuz auf dem Hof stehen hatte, und daß man damit den Verkehr an der alten Bergstraße eigentlich ein bißchen fortschrittlicher gestalten könnte — vorausgesetzt, daß die Regierung nichts dagegen hätte.
Sie hatte nichts dagegen, weil unterdessen das in Darmstadt ausgebombte Finanzpräsidium nach Heppenheim verschickt worden war, und also fuhren fortan zwei treue himmelblaue Omnibusse dreimal täglich das steuerliche Gewissen des Landes von Jugenheim nach Heppenheim und zurück. Im folgenden Jahr fuhren sie dann viermal, woraus zu ersehen ist, daß der Krieg mittlerweile aufgehört und die Steuer sich vermehrt hatte.
Bei den neuen Herren kämpfte das tapfere Unternehmen erneut um seine Konzession und erhielt sie immer gerade, ehe der Ofen ausging. (Sie erinnern sich doch, man bevorzugte zu jener Zeit den deutschen Wald als Brennstoff!) Weil aber das Reisen unterdessen ungefährlich geworden war, wurde es im Omnibus immer enger. Neue Kurswagen mußten eingelegt und neue Haltestellen errichtet werden.
Allmählich nahm der Omnibusverkehr Straßenbahncharakter an. Die zwei blauen Alten, obwohl inzwischen mit gutem Benzin besänftigt, konnten es nicht mehr allein schaffen. Siebzehnmal am Tage von Jugenheim nach Heppenheim zu fahren, ist ja auch kein Vergnügen. Ein jugendlicher Kollege mit allem Komfort, Mikrophoaanlage und Radio schaltete sich ein. Nach dem Motto: „Mit Gesang geht alles besser“ schaukelte er fortan einen Teil der Bergstraßenfahrgäste rasch und zeitgemäß an den blauen Bergen entlang. Und dann kam in diesem Jahr noch einer mit blitzendem Chrom und glänzendem Lack, die schlechten Zeiten versanken langsam hinter den sieben Bergen und die Konzession wurde nun endlich auf zehn Jahre ausgestellt.
Inzwischen aber genügte es den Bergsträßern nicht mehr, auf billige Wochenkarten rasch zu ihrem Arbeitsplatz befördert zu werden, und es genügte auch der aufstrebenden Firma nicht mehr, ihre schönen Omnibusse sich auf der kurzen Strecke zu Tode hetzen zu sehen. Stattdessen nahm sie einen jungen Teilhaber — kurz ehe sie ihr 25jähriges Jubiläum feierte — gab dem Kind aus dieser glücklichen Ehe einen neuen Namen und — was nach nie da war, konnte man nun auf Plakaten und Kinoreklamen sehen, daß nämli chdie Bergstraße ein eigenes Reisebüro bekommen hatte, mit dem sich billig und bequem die schönsten Tagesausflüge und Ferienreisen unternehmen
ließen. Jedermann freute sich, und wer es sieh leisten konnte, fuhr mit. Das Programm wurde immer umfangreicher, und heute ist es keine Seltenheit, wenn man den schönen Omnibussen des Bergsträßer Reisebüros an den entlegensten Orten begegnet, vorausgesetzt, daß diese reizvoll sind oder etwas Außergewöhnliches zu bieten haben.
So haben si chdie Zeiaen halt doch ein bißchen geändert, und wenn sie auch noch schlecht genug sind, so müssen wir doch zugeben, daß zwischen dem angstbeklemmten, verdunkelten Omnibusfahren von Anno dazumal und den fröhlichen Gesellschaftsreisen von heute ein kleiner Unterschied ist. Man muß ihn nur wahrnehmen und — etwas daraus machen. (Kä)
Zirkus Schickler in Roßdorf
Am Donnerstag und Freitag gastiert der bekannte Zirkus Schickler mit seinem zweitausend Personen fassenden Vier-Masten-Zelt in Roßdorf. Mit 120 Artisten, Musikern und Angestellten, 80 Fahrzeugen sowie 60 dressierten Pferden, vielen Raub- und exotischen Tieren und einer Indianerschau dürfte ein reichhaltiges und spannendes Weltstadtprogramm zu erwarten sein. (sl)
Wer macht es nach?
Die Stadtverwaltung Bensheim hat auf dem Verhandlungswege mit dem Besitzer des Pali-Theaters Bensheim, Rudolf, und mit dem Besitzer der Deutschen Lichtspiele Auerbach, van Pe e, erreicht, daß künftig jeden Mittwochnachmittag um 17.30 Uhr eine besondere Vorstellung für Arbeitslose durchgeführt wird. Gegen Vorzeigen ihres Arbeitslosenausweises erhalten die Arbeitslosen eine verbilligte Karte zum Preise von 0,60 DM beim Pali-Theater und 0,50 DM bei dm Deutschen Lichtspielen, die für alle vorhandenen Plätze Gültigkeit hat. Hierbei verzichtet die Stadt Bensheim zugunsten der Arbeitslosen auf die Vergnügungssteuer. Andere Besucher dieser Vorstellung müssen allerdings den vollen Eintrittspreis bezahlen. (HB)
Wieder Höchster Maimarkt
Auf einer Mitgliederversammlung des Höchster Gewerbevereins wurde die Durchführung einer diesjährigen Gewerbeschau besprochen. Der 1. Vorsitzende, Rechtsanwalt Rux, erläuterte eingangs, daß die vorgesehene Finanzierung der Gewerbeschau in Form einet Lotterie von Wiesbaden abgelehnt worden sei, weil dies eine unzulässige Werbemethode darstelle. Dadurch sei die Durchführung der Schau, die in einem größeren Rahmen stattfinden sollte, bis September in Frage gestellt. Da aber Höchst eine Tradition in seinem Maimarkt hat, soll dieser in Zusammenarbeit mit der hiesigen Geschäftswelt wieder aufblühen. Es wurde einstimmig beschlossen, die geplante Gewerbeschau im nächsten Jahr zusammen mit dem Maimarkt durchzuführen. Mit den Vorarbeiten soll in aller Kürze begonnen werden. (le)
Seinen Verletzungen erlegen
Der 52jährige Rudolf Barton, der in der vergangenen Woche durch eine scheuende Gespannkuh umgerissen und von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren wurde, ist inzwischen im Lindenfelser Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen.
Meldungen aus den Landkreisen
Darmstadt-Land
Roßdorf. Am vergangenen Sonntag besuchten 44 Mitglieder des Touristenvereins „Die Naturfreunde“, darunter 14 Kinder, mit einem Omnibus den Frankfurter Zoo. — Die Freiwillige Feuerwehr hält am kommenden Sonntag, 16 Uhr, im Saale des Gasthauses „Darmstädter Hof“ ihre Generalversammlung ab. Die Tagesordnung wurde bereits in der letzten Mitgliederversammlung festgelegt. — Der Touristenverein „Die Naturfreunde“ geht vom 5. bis 13. August mit etwa 25 Mitgliedern in das Zeltlager, das bei den Naturfreunden Oberreifenberg im Taunus von der Landesjugendleitung der Naturfreunde Hessen errichtet wurde. (sl)
Diehburg
Urberach. Ein Motorradfahrer, der in rascher Fahrt von Eppertshausen an die Kreuzung an der katholischen Kirche heranfuhr, rannte einem seinen Weg kreuzenden Pkw in die Flanke. Es entstand erheblicher Sachschaden. (RG)
Ober-Roden. In der Darmstädter Straße hatte eine Frau ihr Fahrrad im Vorhof eines Hauses abgestellt; es wurde — vermutlich von Hausierern — gestohlen. (RG)
Münster. Der 82 Jahre alte Neubürger Josef B. hatte sich während der Ausführung von Walzarbeiten an der Straße nach Eppertshausen auf das Geländer der gesperrten Gersprenzbrücke gesetzt. Der Fahrer der Motorwalze stieß zurück, wobei B. an beiden Beinen erhebliche Quetschungen erlitt. Dei- Walzenführer veranlaßte erste Hilfe durch einen Arzt, der die Ueberführung des Verletzten in ein Krankenhaus anordnete. (RG)
Sickenhofen. Aus noch ungeklärter Ursache entstand im Gemeindewald von Sickenhofen ein Flächenbrand, dem 2500 Quadratmeter Gras, mehrere zum Abtransport bereitgelegte Baumstämme und ein Fichten- und Tannenbestand zum Opfer fielen. Der Schaden beträgt 1500 Mark. (RG)
Babenhausen. Ihre allzu große „Offenheit“ mußte die Besitzerin eines Textilwarengeschäfts in der Fahrstraße teuer bezahlen. Sie ließ immer Wohnung, Schreibtisch und Geldkassette unverschlossen. Nun mußte sie feststellen, daß ihr unbekannte Täter einen Betrag von über 600 DM entwendet hatten. (RG)
Erbach
Erbach. In der Michelstädter Straße in Erbach lief der vom Wiesenmarkt kommende Schüler Manfred Gieb aus Steinbach blindlings über den Fahrdämm und in ein aus Michelstadt kommendes Motorrad. Er wurde zu Boden geschleudert. Auch der Fahrer, der auszuweichen versuchte, stürzte und zog sich Schürfwunden zu. (-ch)
Mümling-Crumbach. Wegen Verbrechens gegen den 8 175 wurde ein 52 Jahre alter Mann festgenommen und dem Amtsgericht Höchst vorgeführt. Der Unhold ist bereits einschlägig vorbestraft (-di)
Bergstraße
Zwingenberg. Am kommenden Freitag findet abends um 20 Uhr im „Adlersaal“ eine Bürgerversammlung statt. (HB)
Bensheim. Der Landrat des Landkreises Bergstraße ernannte Peter Gölz, Bensheim-Auerbach, Georg Rehmann, Bensheim-Schönberg und Peter Leist, Bensheim-Zell zu Feuerwehrkommandanten dieser Ortsteile. Die Stellvertreter sind: Adolf Brückmann, Auerbach, Ludwig Rettig, Schönberg und Christian Schmitt, Zell. (HB)
Heppenheim. Am kommenden Donnerstag setzt der Bensheimer Bildhauer Hans Mühlhäuser seinen Lichtbildervortrag: „Bildhauerei und Malerei des 20. Jahrhunderts“ in der amerikanischen Lesehalle fort und spricht über „Malerei im 20. Jahrhundert“. Der Vortrag beginnt um 20 Uhr. (HB)
Groß -Gerau
Goddelau. Der Gemeinderat übernahm in seiner letzten Sitzung einstimmig die Bürgschaft für Landbaudarlehen gegenüber der Baugenossenschaft Ried für 3 mal 5 400 DM, 2 mal 6 000 DM und 5 900 DM. od.
Königstädten. Die Straße Nauheim —Königstädten erhält z. Z. einen beiderseitigen Radfahrweg, der von der Bevölkerung, besonders von den Opelarbeitem, sehr begrüßt wird. Der Fahrradweg soll noch in dieser Woche fertiggestellt werden. (au)
Büttelborn. Die Gemeinde hat jetzt eine neue Feuersirene angeschafft. Am kommenden Sonnabend wird sie zum erstenmal bei einer- Uebung der Freiwilligen Feuerwehr ertönen.
Berkach. Weit über 200 Personen waren zu einer Kino-Freilichtaufführung gekommen, die das Resident Office Groß-Gerau veranstaltet hatte. Es wurden mehrere Kulturfilme gezeigt. Der Erfolg dieser Veranstaltung wird Veranlassung dazu sein, ähnliche Vorführungen auch in anderen Kreisorten anzusetzen. eng
Wallerstädten. Am Montag, 31. Juli, gelangen die Augustrenten zur Auszahlung, kb.
Leeheim. Die Augustrenten werden am Freitag, 28. Juli ausgezahlt. kb.
Musikwissenschaftlicher Kongreß in Lüneburg
Eigener Bericht des Darmstädter Tagblatts
G. I. Der internationale Kongreß der Gesellschaft für Musikforschung ist in Lüneburg mit vollem Erfolg zu Ende gegangen. Zum festlichen Rahmen, den die Stadtväter mit offenen Händen aus repräsentativen Erwägungen geschaffen hatten, gehörten auch die Konzerte, die in den historischen Kirchen und im Fürstensaal des Rathauses stattfanden. Die Vereinigung ~Pro Arte Antiqua“ aus Brüssel unter Safford Cape erzielte die größte Wirkung mit der Wiedergabe älterer Musik des 13. bis 16. Jahrhunderts. Ein Bachkonzert der Lübecker Kammermusikvereinigung (D-moll-Konzert für 3 Cembali und Streicher, Kantate Nr. 209 und 4. Brandenburgisches Konzert in der Bachschen Bearbeitung für zwei Blockflöten, Cembalo und Streicher) zeugte von edelster Laienmusizierkunst, Bachsche Motetten und Orgelmusik von Lüneburger Chören und Organisten dargebracht, stellten der dortigen Musikpraxis das beste Zeugnis aus und ein Cembalo-Konzert ( Goldberg-Variationen) im Kloster Lüne von Prof. Neumeyer (Freiburg) bildete den erlebnisreichen Abschluß der Tagung.
Der wissenschaftliche Charakter des Kongresses fand seinen ausgeprägten Widerhall in den zahlreichen Referaten und Vorträgen, die teils von namhaften Fachgelehrten, teils auch von jungen Forschern gehalten wurden. Die Ergebnisse waren nicht immer gleichwertig und manches Wort hätte lieber unausgesprochen bleiben sollen, wie das des jungen Komponisten und Theoretikers Jens Rhower, der die gesamte gegenwärtige Musiktheorie gegenüber seinen eigenen „Erkenntnissen“ in Bausch und Bogen verurteilte. Der Bonner Ordinarius Schmidt-Görg führte allerdings in wenigen Sätzen diese Auslassungen ad absurdum. Andererseits ergaben sich auch viele neue Gesichtspunkte, die besonders auf dem Gebiete der Bachforschung wichtige Richtlinien eröffnen. Ein ausgezeichneter Vortrag von Prof. Besseier (Jena) wies auf die progressive Stellung im Schaffen Bachs hin, ein Referat des Darmstädter Volkskundlers H. von der Au über „Frühformen des deutschen Volkstanzes“ wurde viel beachtet.
In 6 Sektionen (ältere und neuere Musikgeschichte. musikalische Volkskunde, Aesthetik, Theorie, Akustik und Instrumentalkunde) wurden fast alle Fragen der Musikforschung angeschnitten, behandelt und eifrig diskutiert; auch die Technik, wie Rundfunk, Schallplattenindustrie und elektronische Musikerzeugung, war in die Gespräche einbezogen worden. Lebhaft wurde allerseits bedauert, daß die Musik der Gegenwart noch keinen Fachvertreter aufweist, der mit Akribie und wissenschaftlicher Gründlikeit zu den Problemen der zeitgenössischen Musik zu sprechen vermag.
Die internationale Ausrichtung des Kongresses erweiterte die Maßstäbe der Forschungsbereiche und ließ bei planvoller Zusammenarbeit aller Nationen die feste Zuversicht erstehen, nach Jahren der Behinderung nunmehr schneller und leichter zu den vorgefaßten und allgemein interessierenden Zielen zu gelan-' gen. Damit dürfte besonders bei der Neuherausgabe älteren Musikgutes, bei der Aufspürung verlorengegangener’oder zur Zeit nicht auffindbarer Quellen eine der wichtigsten Voraussetzungen geschaffen sein, um den Forscher und Wissenschaftler in seiner Arbeit zu unterstützen und zu fördern und eine eventuelle Ueberschneidung in der Bearbeitung eines Gebietes zu verhindern. Beachtenswert war, daß bei allen noch so speziellen Forschungen die Aufführungspraxis und Verlebendigung der alten Musik im Vordergrund des Interesses stand. Mag einer der Gründe hierfür auch der lebhaften historischen Erkenntnissucht entspringen, letzten Endes soll aber doch das Erbe die Gegenwart besonders deshalb erreichen, um ihr einen gesunden und soliden Ausgangspunkt zu vermitteln, von dem aus sie sich neue Wege in die Zukunft bahnen kann.
Bachfeier
Eine Gedenkstunde für Johann Sebastian Bach, getragen von der Kurverwaltung der Stadt Darmstadt in Verbindung mit der evangelischen und der katholischen Gesamtgemeinde, wird am Freitag, dem 28. Juli, in der Todesstunde des Meisters, um 19.30 Uhr, in der Pauluskirche stattfinden. In der Feier wird eines der stärksten Werke Bachs, die 1727 komponierte „Trauerode“ durch den Stadtkirchenchor und den Chor des Pädagogischen Instituts Jugenheim unter der Leitung von Prof. Borngässer zur Aufführung kommen. Solisten: Sibylle Fuchs. Mainz (Sopran). Lu Keil-Schleucher (Alt), Heinz Matthei, Frankfurt (Tenor), Robert Hager, München (Baß), Prof. Marguerre (Cembalo). Dr. Ludwig Borngässer wird auf der Orgel eines der fünf- großen Leipziger Präludien und Fugen, das Präludium in Es-dur mit seiner dreifachen Fuge, zum Vortrag bringen. Zwischen den beiden Teilen der Trauerode wird Prof. Dr. Friedrich Blume, Kiel, einer der hervorragendsten Musikwissenschaftler und Bachkenner, die Gedenkrede halten. Der Eintritt zu der Feierstunde ist frei.
Neue Filme in Darmstadt
UNION. „Die Kuckucks.“ Fünf Geschwister ziehen durch Berlin. Ohne Mutter die schon lange tot ist, ohne Vater, der seit dem Kriege als Volkssturmmann vermißt ist. Nirgends sind sie gerne gesehen denn es sind nun mal Kinder, fröhlich’ unbeschwert, laut. Ihre Hauptbeschäftigung besteht im fortwährenden Umziehen, von einem Zimmer in ein anderes. Nur die älteste, Inge, die den kleineren die Mutter ersetzt, und Rolf, der große Bruder, wissen schon um die Sorgen des Alltags. Es ist herzerfrischend, mit anzusehen, wie die fünf „Kuckucks“ trotz allem das Leben meistern und sich über mancherlei Schwierigkeiten hinweg ein neues Heim aufbauen.
Hier paßt alles zusammen! Frisch von der Leber weg wurde von Hans Deppe Regie geführt. Zügig und mit feinem Einfühlungsvermögen arbeitete die Kamera. Vor ihr standen fünf junge Menschen, Kinder noch, die ihre Aufgabe großartig lösten, ohne große Problematik und mit jugendlicher Unbeschwertheit in ihren Rollen hineingewachsen waren.
BELIDA: „Abenteuer auf hoher See “ Wenn Dick und Doof ihr Brot als Hupenstimmer einer Autohupenfabrik verdienen, aus der man alle halbe Stunde einen vom Krach wahnsinnig gewordenen Arbeiter hinausschafft, und daß dann selber Dick vom Hupenlärm leicht angeschlagen gen Heimat wankt, dann kann vernünftigerweise nicht mit einem Drama gerechnet werden. Die Wohnung erweist sich als eine Hölle des Unsinns, in der ein- schielender Installateur die Gas- und Wasseranschlüsse falsch montiert hat. Auch mit dem Telefon stimmt nicht alles. Als sie dies alles lebend überstanden haben sind eie reif für eine Seereise, die sie auf einem vertäuten Boot im Hafen vornehmen, die Ziege für die Ziegenmilchkur des Kranken auf dem Steg festgebunden, die sich sehr bald als Bode erweist. Nun kommt noch ein entsprungener Raubmörder mit Stoppelbart hinzu, der Berufsmörder Nick, nebst Nick 11., einem glänzenden Colt mit einem Minimallauf von acht Zoll. Inzwischen frißt die Ziege aus Langeweile, oder aus Wut über den verfilmten Blödsinn, das Tau durch, der Kahn treibt nachts aus dem Hafen, doch das böse Meer ist tief und der Landungssteg weit, aber da taucht ein Polizeiboot am Horizont auf, Doof bläst voller Energie die mitgenommene Trompete, Dick punktet den Berufsmörder stilgerecht aus. Damit wäre die Belohnung gerettet und der Film zu Ende.
PALAST. — „Leckerbissen“. Kinder, Kinder, das sind fürwahr Leckerbissen! Vieles, was in der deutschen Vorkriegsfilmzeit Star und Musik war, wurde serviert. Nur: Pikanter Heringssalat und schmelzend süße Törtchen, würziges Paprika-Gulasch auf Teegebäck, ein saftiges Beefsteak nach Schlagsahne, das sind zwar jedes für sich vorzügliche Leckerbissen, aber nur ein bissel geistlos zusammengestellt. Drum: Man hätte den ganzen Streifen mit etwas mehr Idee an einen besseren „roten Faden“ binden können. Die Brücken zwischen den einzelnen Bruchstücken aus der Vorkriegsfilmkiste fehlen. Das ist die Schwäche an der Sache Aber sie verblaßt gegenüber dem Vergnügen, Ilse Werner pfeifen zu hören, La Jana tanzen zu sehen, Zarah Leander ertragen zu dürfen, Johannes Heesters bewundern zu können und all die vielen anderen von Paula Wessely bis Willi Forst in ihren besten Szenen auf der Leinwand wieder zu treffen.
Der Sport
33. Odenwälder Reiterfest in Erbach
Neun Rennen der Warm-, Halb- und Vollblüter auf der Flachen und über die Hindernisse
Erbach hielt der^ÄvÄ des.Präsident*n Alexander Graf zu Erbachtraditionellen Renn fair a™ zweiten Tage des Eulbacher Marktes seinen traberTdie erTt^^ diesem Jahre durch den Stert von Berufshun^skraft ausühtc U” Frbach zu sehen waren, eine besonders große Anzie-Tribünen bekam ein Sa • auch trotz des unsicheren Wetters gut besetzte und Rennen auf der Programm von Hindernisrennen, Trabrennen von der alle Pferllrl a k geb?ten und erlebte die prickelnde Atmosphäre, gestartet werden nnen U|ngeben sind, auch wenn sie wie hier ohne Totalisator
Beim Eröffnungstrabreiten der Warmblutpferde über 1200 m als Einleitung machte sich im ersten Lauf die Fuchsstute Anni (Bes. Hallstein-Haisterbach) unter Reiter Schwöbel schon im 1. Bogen auf und davon und siegte überlegen vor Nelli, Hermann und Hans, während im zweiten Lauf Reiter Ihrig sein Pferd Lilli (Bes. Krämer/Unter-Mossau) nur knapp vor Uschi und Lotte ins Ziel brachte.
Im Preis der Halbblüter über 1600 m wurde eingangs des Einlaufbogens der aus dem Gestüt Palatia kommende Tristan von seinem Reiter Cooter kurz gefordert, ging an der lange Zeit führenden Diana vorbei und lief sein Rennen mühelos und sicher nach Hause. Auch Fliegende konnte noch den Angriff des Vorjahrssiegers Feisel parieren, der leider nicht von seinem Besitzer geritten werden konnte.
Im Nibelungen - Preis der Vollblüter über 1800 m kam der Stall Palatia mit der braunen Stute Ulf zu seinem zweiten Sieg. Noch im Einlaufbogen führte Tacitus im scharfen Kampf mit Ilona das geschlossene Feld an. Als die Reiter aber die Peitsche nahmen, schob sich die von Kästner geschickt auf Warten gerittene Ulf an die Führenden heran und gewann mit Kopf gegen den ebenfalls gut nach vorn gebrachten Krakeeler. Tacitus wurde im Ziel noch von Ilona abgefangen. Thorita ging am Start nicht mit und blieb ohne Chance.
Der Preis der Warmblüter wurde wieder in zwei Läufen ausgetragen. Hierbei holte sich Jockey Kästner seinen 2. Sieg auf Hansa vor Hektor und Normann, dessen Reiter sich offensichtlich verkalkuliert hatte und sein Pferd reichlich spät brachte. Der Sieger des zweiten Laufes Regent mußte auf einen Protest hin disqualifiziert werden, da er nicht als Warmblüter angesehen werden konnte. Dadurch kam Else Wiesen auf Lord zum Erfolg.
Beim Preis der Traber über 2000 m gingen 5 Pferde an den Start. Die beiden schon auf vielen Bahnen gelaufenen Karlsruher Jupp und Drusus waren nicht zu schlagen und ließen ihre Konkurrenten Xaverinus, Zores und Bergkristall mit Längen hinter sich. Im Hürdenrennen über 2800 m, dem Siegfried-Preis, waren nur 4 Pferde gesattelt worden, die alle gut sprangen und sich einen aufregenden Kampf lieferten. Der braune Hengst Frauenjäger mit Leich kam nur knapp vor Boheme ein. Die Vorjahrssiegerin Friosa hatte Mühe, die anfliegende Ulf auf den vierten Platz zu verweisen.
Beim abschließenden Preis der Festwiese, dem Ehrenpreis des „Darmstädter Echos“, ging ein Rudel von 12 Warmblütern über die 1200 m lange Bahn. Hier siegte Bijou mit Preuschoff in guter Haltung vor Bubi, der im Bogen etwas aufgepullt wurde, und Uschi. Die als Zweite eingekommene Ella war außer Konkur - renz gelaufen.
Bieihalter jr. geht strahlend durchs Ziel, Unangefochten brachte er seinen braunen Wallach Jupp v. d. Kiebitzheide beim 1. Erbacher Trabrennen zum Siege.
2. Riedring-Rennen am 27. August
Wer am Sonntag das 1. Frankenthaler Motorradstraßenrennen verfolgt hat, der konnte mit Befriedigung feststellen, daß dieser durch die Stadt führende Kurs mit seinen diversen Straßenbelagsorten, unausgebauten Kurven und störenden Kanalvertiefungen bei weitem nicht an unseren rechtsrheinischen Riedring herankam. Dementsprechend war auch das Urteil fast aller Fahrer, welche sich bereits auf das kommende Lorscher Rennen am 27. August freuen. Wenn auch auf dem Riedring wegen seiner zahlreichen Kurven keine so hohe Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht werden kann wie beispielsweise beim Dieburger Dreieck, so hat die Strecke den Vorteil, daß sie die Anforderungen weniger an die Leistungsfähigkeit der Maschine, als vielmehr an Technik und Können der Fahrer stellt. Herbert Böhm, Fritz Willand, Kurt Geiß und viele andere Fahrer aller Klassen äußerten sich am Sonntag sehr befriedigt über den Riedring und waren erfreut, von dem zweiten Rennen Ende August zu erfahren, das wieder bekannte Größen der Ausweis Lizenzklasse am Start sehen wird.
Der MSC Lorsch steht schon wieder mitten in den Vorbereitungen zu diesem Tag. Was sein 1. Vorsitzender Heinz von Manger in die Hand nimmt, scheint unter einem besonders glücklichen Stern zu stehen. Kaum einer der Mitbegründer des MSC Lorsch, die damals bereits den Bau der Rennstrecke im Auge hatten, hätte daran gedacht, daß es der Tatkraft und Umsicht eines Mannes gelingen würde, ihren Plan innerhalb weniger Monate, fast kann man sagen Wochen, zu verwirklichen. Und doch ist an dieser Tatsache nichts zu rütteln. Mit beiden Füßen steht der durch die Kriegswirren aus Oesterreich nach Lorsch Verschlagene im Leben. Schon als Junge hat er dort mit allen möglichen Maschinen praktiziert und ist seit je begeisterter Anhänger des Motorsportes gewesen. So war es kein Wunder, daß der Lorscher MSC ihn schon bald an seine Spitze stellte. Die Entwicklung hat diesen Entschluß gerechtfertigt, und der junge Lorscher Klub ist ebenso wie sein Riedring weit über die Grenzen unserer hessischen Heimat hinaus bekannt geworden. Diese Entwicklung weiterzuführen und den herrlichen Ring zwischen Rhein und Bergstraße jetzt auch bei allen Klassen der Lizenzfahrer bekannt und beliebt zu machen und einem motorsportbegeisterten Publikum mehr zu bieten als es eigentlich erwartet hatte, ist das erste Ziel der Lorscher Motorradfreunde. bb.
Gino Bartali gewann die Pyrenäen-Etappe
Magni (Italien) eroberte das gelbe Trikot der „Tour“
Saint Gaudens, (AP.) Gino Bartali (Italien) gewann am Dienstag die 11. Etappe der „Tour de France“ über 230 Kilometer von Pau nach Saint Gaudens. Mit einer Zeit von 7:28:17 traf er kurz vor Louis Bobet (Frankreich) und Stan Ockers (Belgien) am Ziel ein. Die weitere Reihenfolge lautete: Raphael Geminiani (Frankreich), Andre Brule (Ile de France), Pierre Cogan (Frankreich-Mitte-Südwest), Fiorenzo Magni (Italien). In der Gesamtwertung hat Fiorenzi Magni (Italien) den Franzosen Bernard Gauthier an der Spitze abgelöst.
Noch 93 Fahrer nahmen am Dienstagmorgen in Pau das Rennen mit der 11. Etappe, die sie über die gefürchtete Gebirgsstrecke der Pyrenäen über 230 Kilometer bringen sollte, wieder auf. Es gab den erwarteten Vorstoß der italienischen Mannschaft wie überhaupt der Bergspezialisten, der sich im ersten Drittel der Fahrt bemerkbar machte und dann mit einem Triumph der Mannschaftsarbeit der Italiener endete. Als die Kolonne der Fahrer den Aubisque-Paß erreichte, hatte Jean Robie einen Vorsprung von zwei Minuten herausgefahren. Als zweiter folgte der Schweizer Ferdinand Kübler, der mit Stan Ockers (P ’gien), Louis Bobet (Frankreich) und Georges Meunier ( Frankreich-Südwest) eine Gruppe bildete. Mit drei Minuten Abstand hinter dem Spitzenreiter folgten Gino Bartali (Italien) und der Träger des gelben Trikots, Bernard Gsathier (Frankreich).
In Arrens, 68 km von Pau entfernt, lag Robie immer noch mit eineinhalb Minuten Vorsprung an der Spitze vor Kübler, Bobet und Ockers. Bartali war etwas aufgerückt und folgte mit eineinhalb Minuten Rückstand. Gauthier hatte bereits 14 Minuten verloren. In Argeles-Gazost, 80 Kilometer hinter Pau, hatte sich das Bild wieder etwas geändert. Robies Führung war auf eine Minute zusammengeschrumpft. Drei Minuten zurück hatte sich ein Rudel von elf Fahrern gebildet, darunter Bartati und Geminiani.
Auf der Höhe des gefürchteten Tourmalet-Passes lag überraschend der Franzose Kleber Piot mit zweieinhalb Minut m Vorsprung in Front vor Bartali, Bobet und Ockers. Robie folgte mit drei Minuten Rückstand. An seinem Hinterrad lagen Coga.. (Frankreich) und Kübler (Schweiz) Auch in Sainte-Marie-de-Campon, nach 133 Kilometern Fahrt, lag Piot noch an der Spitze. Bartali, Bobet und Ockers waren ihm aber schon auf eineinhalb Minuten Abstand nahegerückt. Nach 166 Kilometern, bei Sarrancolin, hatten Bartali, Bobet und Ockers den Ausreißer Piot eingeholt und strebten in rascher Fahrt dem 65 Kilometer entfernt liegenden Saint Gaudens, dem Etappenziel, zu. Der Franzose Geminiani folgte mit einer Minute Abstand. In dieser Reihenfolge gingen die Fahrer auch durchs Ziel.
400 Teilnehmer beim Turnertreffen in Eschollbrücken
Am Wochenende steht Eschollbrücken im Zeichen der Turner. Schon wochenlang wurden die Vorbereitungen für dieses zweite Turnertreffen getätigt, so daß am Samstag und Sonntag das große Fest steigen kann. Der erste Abschluß der Meldungen zeigte schon ein gutes Bild. 22 Vereine werden nach Eschollbrücken ihre Wettkämpfer entsenden und in fast allen Klassen muß schon etwas gezeigt werden, um den Siegerkranz erhalten zu können.
In der Ober-, Mittel- und Unterstufe treten 65 Turner im Zehn- bzw. Zwölfkampf an. Namen von gutem Klang — Landesturnfestsieger — werden sich hier ein Stelldichein geben.
Die Alten, im Turnen noch gut vertreten, sind mit 24 Teilnehmern am Platz und im Neun- und Sechskampf wird man noch beachtliche Leistungen, gemessen am Alter, zu sehen bekommen.
Einen guten Platz nehmen die Jugendturner ein. 190 jugendliche Kämpfer messen ihre Kräfte in einem gemischten Kampf und daneben noch im Gerätekampf. Gute, leistungsfähige Jugendturner, die in Kassel bewiesen haben, daß auch aus unserem Kreisgebiet noch etwas zu hören ist, sind auf dem Wettkampfplatz.
Die Turnerinnen, hier besonders die älteren Wettkämpferinnen, sind diesmal etwas schwach vertreten, dafür kommt aber die Jugend weit besser weg. Ein erfreuliches Zeichen des guten Nachwuchses. Insgesamt 117 Wettkämpferinnen kommen zum Mehrkampf.
Neben diesen Turnwettkämpfen stehen noch 115 Teilnehmer im reinen Dreikampf (Lauf, Wurf und Sprung) auf den Plätzen, so daß auch hier hart um den Turnerkranz gekämpft werden muß. So ist in diesem Jahre auch das zweite Kreisturnfest wiederum mit über 400 Teilnehmern besetzt und der neue Platz des TSV Eschollbrücken mit seiner Rundbahn wird Zeuge turnerischer Leistung und Größe sein. kof.
Leichtathletik-Wettkämpfe der TSG Wixhausen
Am Sonntag wurden auf dem Sportplatz der TSG Wixhausen die alljährlichen Vereinsmeisterschaften der Leichtathleten ausgetragen. Da am Vormittag ideales Sportwetter herrschte, war die Beteiligung in allen Altersstufen und in allen Disziplinen sehr rege. Die gut organisierte Veranstaltung fand am Abend mit der Siegerehrung und Tanz in der „Krone“ einen schönen Abschluß. Wie die folgende Siegerliste zeigt, waren die Ergebnisse in den Einzelwettbewerben recht ansprechend: 100 m: H. Stork 12,1 Sek., Weitsprung: H. Stork 5,83 m, Hochsprung: K. Schönfeld und W. Stork 1,50 m, Kugelstoßen: Gg. Petry 9,83 m, Diskuswurf: K. Horn 27 m, Speerwurf: Gg. Volz 45,40 m. Vierkampf für Aktive: 1. H. Stork, 2. Gg. Volz, 3. K. Schönfeld, 4. Gg. Petry, 5. E. Klein. A.H. über 5 0 Jahre: 1. F. Melk, 2. Chr. Grempel. A. H. von 41 bis 49 J a hr e : Th. Jakobi, 2. Ph. Wesp, 3. F. Schmuck. A. H. von 32 bis 40 Jahren: 1. E. Stork, 2. F. Heller. Jugend A: l. H. Dönges, 2. W. Röder, 3. F. Benz. Jugend B: 1. N. Stork, 2. Oswald, 3. H. WeSp. Schüler A: 1. W. Kraus, 2. H. Wesp, 3. W. Benz. Schüler B: 1. H. Gruber, 2. Ph. Frey, 3. M. Wesp. Frauen-Juge n d : 1. Chr. Benz, 2. H. Bitter, 3. U. Schulz. Schülerinnen A: 1. H. Franz, 2. T. Leonhard, 3. H. Galinat. Schülerinnen B: 1. I. Damm, 2. Warwell, 3. I. Marschall.
212 Nennungen für Groß-Gerau
Zu den Hessischen Schwimm-Meisterschaften, die am 29. und 30. Juli im Groß-Gerauer Schwimmbad ausgetragen werden, haben sich folgende Vereine angemeldet:
Darmstädter Schwimm- und Wassersportclub 1912, Kasseler Schwimmverein 1898, Schwimmabteilung des Groß-Gerauer Turnvereins 1846, Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846, Erster Frankfurter Schwimmclub 1891, Schwimmabteilung KSV Hessen-Kassel, Erster Sodener Schwimmclub 1927, Damen-Schwimmverein Frankfurt, Schwimmclub Wiesbaden 1919, Gießener Schwimmverein, Schwimmclub Offenbach 1896, Marburger Schwimmverein, Vfß Friedberg Schwimmabteilung, Schwimmsportclub Sparta Frankfurt, Schwimmclub Wasserfreunde Fulda, TuS Rüsselsheim Schwimmabteilung.
212 Nennungen sind zu verzeichnen, von denen 74 auf die Damen entfallen. Die Wasserballmannschaften des Schwimmerbundes Schwaben, Stuttgart, von Niederrad 04 und die des Darmstädter Schwimm- und Wassersportclubs 1912 werden im Rahmenprogramm Wasserballspiele zeigen. Die Frankfurter Springerschule Ludwig Hemmer bringt Sprungvorführungen. Kunstschwimmen und Figurenlegen wird von dem Damenschwimmverein Frankfurt gezeigt. Insgesamt 29 Wettbewerbe werden ausgetragen, von denen 28 Entscheidungen für die Meisterschaften sind. Das Programm beginnt am 29. Juli nachmittags 16 Uhr im Gerauer Schwimmbad, (cg)
Deutsche Hochschulmeisterschaften
Alle westdeutschen Hochschulen werden am 29./30. Juli 1950 ihre besten Sportler zu den Deutschen Hochschulmeisterschaften nach Berlin entsenden. Zum ersten Male nach dem Krieg werden die Studentenmeister in der Leichtathletik und im Schwimmen im Olympia-Stadion ermittelt. Zum gleichen Termin finden die Endspiele im Fußball, Handball und Hockey in Berlin statt.
Bei den leichtathletischen Wettbewerben wird A. Schäfer den 5000-Meter-Lauf bestreiten, während Michel zu dem 400-Meter-Hürdenlauf an den Start gehen wird. Hoppe vertritt die TH Darmstadt beim Kugelstoßen.
Bei den Schwimmermeisterschaften darf man E. Müller über die 200- Meter-Brust-Strecke eins Chance geben.
Besondere Hoffnungen aber werden die Darmstädter Hockeymannschaft begleiten, die als Titelverteidiger zum Endspiel um die Meisterschaft gegen die Universität Köln antreten wird. — Einer Einladung zufolge werden die Hockeyspieler der TH auf der Rückreise ein Freundschaftsspiel in Jena gegen die Betriebs-Sportgemeinschaft Zeiß austragen. Die Jenaer Mannschaft gehört der ersten Liga der russisch besetzen Zone an. -A-
Tischtennis
Mörfelden—Bensheim II 9:0
Mit dem Spiel SKV Mörfelden gegen SG Bensheim II wurde am Sonntag die Vorrunde um den Aufstieg in die Bezirksklasse beendet. Damit stehen, nachdem Lampertheim und Höchst ihre Mannschaften zurückgezogen haben, Ober-Ramstadt und Mörfelden punktgleich an erster Stelle, gefolgt von 1875 Darmstadt, Groß-Umstadt und Bensheim 11. Ku.
Tischtennisturnier in Nieder-Ramstadt
Aus Anlaß der 750-Jahr-Feier Nieder-Ramstadts findet am Sonntag, 30. Juli, im Schützenhof und in der Turnhalle ein Tischtennisturnier statt, das von der rührigen Tischtennisabteilung des TSV Nieder-Ramstadt veranstaltnt wird. Erwartet werden: SKG Eberstadt, Ernsthofen und TG Bessungen. Mit den einheimischen Spielern werden acht Mannschaften um den Sieg ringen. Das Turnier beginnt nach Eröffnung der Ausstellung und endet mit Siegerehrung und Verleihung von Ehrenurkunden bei geselligem Zusammensein. Aller Wahrscheinlichkeit nach nehmen die Gäste, für welche schon Privatquartiere bereitstehen, auch a’n den Hauptfesttagen am Fackelzug und am großen Festzug teil. Hr.
Spinne, lauf nicht weiter...
VON KARL JOHANN ANDERIch lese in einem Buch. Mit einemmal läuft eine kleine Bücherspinnrie die Blätterstufen am linken Buchrand hinauf ... Oho. hier geht’s nicht weiter, rasch zurück, nochmal Anlauf genommen, und nun hat man als kleine Bücherspmne freies Feld vor sich: das Blatt.. •
Ein Miniaturpyramidentourist ist so eine Spinne. Nein, falsch, so schnell hat noch kein Mensch Pyramidenstufen erstiegen, wie so eine Spinne die Blättertreppen hinaufläuft . . . Sie sieht mich nicht, hat kein Bedürfnis gesehen zu werden, sie ist einfach da. tut was ihr einfällt (oder hat sie gar keine Einfälle, sondern funktioniert nur als Verkörperung einer Miniaturidee X mit Antrieb zur Netzfabrikation?) und. ja, es läßt sich nicht länger verheimlichen, sie stört mich, wie sie so über die Buchstaben jagt.
Ich lege rasch die Finger hin, aber auch das irritiert sie nicht weiter, es ist nur eine interessante Abwechslung auf dem Weg ihres Irdischen, sie überklettert sie. wenn man bei diesem rasenden Lauf von Klettern sprechen kann, sie hat keine Ehrfurcht vor mir. Sollte sie früher entdeckt haben, worauf mich die interessierte Betrachtung ihrer scheinbar ziellosen Eile gebracht hat: daß mich die Lektüre gar* nicht so sehr interessiert wie die Spinne. Zweifellos ist mir die Betrachtung der Spinne noch immer interessanter als die Buchstabenfolge, über welche sie hinwegeilt.
Halt, da läuft sie eben über ein Wort, dessen Buchstabenkombination Schöpfertum eine mich faszinierende Begriffsfolge auslöst. Mein Auge folgt ihr, sie ist über die Blattwelle quer hinaus und jetzt hält sie einen Augenblick inne und wiederum &n einer Buchstabenreihe, die eine Art Kennwort für den Ti’esor von Erkenntniswerten bedeutet, die man nur einzustellen braucht, um die Alltagswand zu durchstoßen und wie auf ein „Sesam öffne dich“ in magische Bereiche des Denkens einzudringen: Ursinnes-Sphäre.
Spinne, du wirst mir unheimlich! Ich würde Kopf und Kragen wetten, daß die Spinne nicht lesen kann. Wie kommt sie dazu, Wegweiser für Gedanken zu sein, indem sie aus einem Text von zwei Seiten zwei Worte hervorhebt, sie in Zusammenhang bringt, als Begriffswerte aneinanderreiht und so eine Belehrung veranlaßt?
Ich sage ganz laut: „Spinne, lauf nicht weiter!“
Sie läuft aber denoch weiter!
„Ich werde dich töten, wenn du nicht hören willst!" schreie ich sie an in Anwandlung des berühmten Wortes: „Wer nicht hören will, muß fühlen!“ Solch berühmte Worte spricht man immer mit erhobener Zeigefingerstimme.
Aber die Spinne nimmt einfach keine Notiz von meinen Worten. Es ist erstaunlich, mit welch olympischer Ruhe sie sich zwei ihrer kleinen Vorderbeine zu reiben beginnt und mit welch nahezu vertraulicher Indolenz mir gegenüber sie in sich ruht. Ich überlege, ob ich mich auch so in mir selbst beruhend fühlen kann, konkurrenzlos. „unbeherrscht“, will sagen: von niemand beherrscht, oder ob ich mich in meiner Würde gekränkt und von der Spinne beschämt fühlen müßte?!
Abwegiger Gedanke! Als ob ein Löwe an seiner Würde zweifeln müßte, wenn ihn eine Wespe sticht! Ob ich die freche Spinne töte,, «
Es gäbe keinen Paragraphen gegen diesen Mord, begangen vom Größten am Kleinsten. Groß zu klein verhält sich bekanntlich wie Gott zur Schöpfung, die er aus dem Nichts hervorzaubert oder in das Nichts verstößt, denn auch das Nichts ist irgendwie von ihm.
„Spinne“, rufe ich sie an, „ein lieber Götze spricht zu dir, ein Gott für dich, kleines Wesen!“ Jetzt ist sie wirklich erschrocken. Offenbar hat sie mein Atem gestört und sie eilt, um zu den für sie riesengroßen Stufen der geschichteten Buchblätter zu gelangen. Achtung! Da läuft sie in Richtung auf ein Wort, und das heißt Tod. Nein, diese Verschlüsselung eines den letzten Dingen zugehörenden Begriffs soll sie nicht auch noch aus den Buchstabenreihen, welche die 64 Zeilen der aufgeschlagenen Buchblätter füllen, hervorheben. Ein Wettlauf beginnt, ein Wettlauf sonderbarster Art. Mit eiligen Fingern und, ich weiß nicht warum, mit größter Spannung versuche ich, sie von diesem Schlußziel dieses Daseins wegzuhalten. Endlich glückt es mir, Gott sei Dank, meine ich, und nun läuft sie die für sie riesengroßen Stufen zum Einbanddeckel hinab. Ungehorsam? Taubheit? Blindheit? Spiel mit dem Zufall? Jedenfalls wurde sie von etwas vertrieben, hatte mir etwas zu sagen, da sie wie ein losgelöster Teil einer Fingerspitze über die Zeilen lief und mich drei Worte lesen ließ: Schöpfertum. Ursinnes-Sphäre, Tod. — Zwar das letzte Wort konnte ich sie vermeiden lassen, aber sein Sinn bleibt ja ewig unvermeidbar und muß von der Kreatur höchster Stufe vorn Menschen einmal gelöst werden.
Jedenfalls ließ ich sie weiterlaufen und weiterleben, denn ich bin zwar im Verhältnis zu dieser kleinen Spinne für diese etwas wie der liebe Gott, aber ich bin auch nicht einmal im Gnadenstande eines fraglosen Insichberuhens wie so eine kleine Spinne.
Freilich, wie der Schöpfer in höchster Vollkommenheit in sich beruht, so beruht keine Kreatur in sich selbst. Vor ihm sind wir auch nicht mehr als so eine Spinne.„ Und, mein guter Gott, welche Sinne hätten dich schon jemals wirklich gesehen, gehört und verstanden?
Granila und Elpenor
VON PETER SCHERAls ihre Verliebtheit so weit gediehen war, daß sie sich selbst mit Anstrengung nicht närrischer gebärden konnten, fanden sie es an der Zeit, ungewöhnliche Namen für sich zu suchen; besonders ihr lag viel daran. Sie wählten Granila und Elpenor.
Nichts und niemand hätte sie gehindert, sich einfacher Erbswurst und Sauerkraut zu nennen. Aber diese Namen, ob auch kraftvoll und obendrein nahrhaft klingend, ermangelten zu offenkundig der holden Eigenschaft, die Luft beständig mit dem süßen Gezirp verliebter Anrufe zu veredeln.
„Darf ich dir noch ein Täßchen reichen, bezaubernde Granila?"
„Elpenor, Teurer, sei aber sparsam mit dem Zucker, denn du Süßer weilst ja bei mir!"
So etwa der Stil ihres Hausgebrauchs an herzerhebenden Tönen.
Das ging eine ganze, eine verhältnismäßig lange Zeit, dann trat der Umschwung ein — mit einem Schlage.
„Erlaubst du mir, Goldschatz ..wollte sie ihm das Zuckrigste bieten, das an sich selbst kaum noch bewußtem Geflöte parat war, da in diesem so diffizilen Moment sich selbst überbietender Leistung griff er daneben. Er konnte nichts dafür, es war scheinbar ein Mißgeschick — doch nein, wir wollen nicht vorschnell urteilen, denn es kommt immer anders. Elpenor also, der wonnig Bezirpte, war, wie es so kommt in Gedanken bei seiner Verflossenen und raunzte in seiner inneren Abwesenheit auf einmal grimmig hinein in der Gegenwärtigen holdseligen Anschlag: „Gib her denn die Lorke."
Einen Augenblick, einen nur, stand ihr herzförmig geschnutetes Mündchen, das purpurn bemalte, sprachlos geöffnet, dann war auch schon — ritsch-ratsch! — die Antwort zur Stelle. „Mein Lieber! Als Frau hab ich mir öfter im stillen gedacht, nur ein Würstchen von Mann könne unser kindisches Gelall so lange ohne Widerspruch ertragen!“
Die Folge war verblüffend
„Würstchen!" sagte er fassungslos und schnappte nach Luft. „Gelall und Würstchen!" wiederholte er, „wenn das nicht bitter ist!“
„Na ja“, bemerkte sie darauf mit einer KratzbüTstigkeit, in der aber schon ganz reizend ein ungeahnt neuer Ton von wahrhafter Süße ohne jeden Syrup mitschwang, „die Liebe ist ja doch überhaupt kein Bonbonlutschen!"
„Aber hast du denn nicht vor allem darauf bestanden, die vielleicht ein bißchen hergeholten Namen zu wählen?“ fragte er sanft und kleinlaut.
_ „Eben“ erwiderte sie lächelnd — mit weiblicher Logik — „eben darum, aus Liebe, mein Freund, hättest du nicht darauf eingehen dürfen."
Er griff sich an die Stirn. Es war, als ob er sich des Kopfes ein wenig spät und nur durch Zufall erinnere. Aber dann entwickelte sich eine nie dagewesene temperamentvolle Aussprache, die zwar der bisher so zärtlich geübten Poesie gänzlich ermangelte und sogar eine Vase in Trümmer gehen ließ; aber dafür bot sie den beiden zu erstenmal Gelegenheit, sich wirklich ineinander zu verlieben.
Wirtschastsblatt
Genossenschaftstagung
el. Hamburg. (Eigener Drahtbericht.) Am Dienstagvormittag ist der vierte Nachkriegskongreß des Zentralverbandes deutscher Konsumgenossenschaften in Hamburg eröffnet worden.
Auf einer Pressekonferenz wurde bekanntgegeben, daß die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumgenossenschaften, die im Jahre 1894 gegründet, 1933 aufgelöst und nach der Kapitulation wieder ins Leben gerufen worden war, auf verschiedenen Arbeitsgebieten, so vor allem in der Eigenproduktion der 32 genossenschaftlichen Fabriken, den Stand des Jahres 1933 wieder erreicht habe. Gegenüber 1948 habe im vergangenen Jahr mit 343 Millionen Mark ein Mehrumsatz von 28 Millionen Mark erzielt werden können. Die in der Bundesrepublik bestehenden 286 Genossenschaften verfügen über 1,25 Millionen Mitglieder.
Minister a. D. Koch wandte sich auf der Pressekonferenz gegen die Höhe der Umsatzsteuer, die sich für siebzig bis achtzig Prozent der Konsumgenossenschaften auf 3,75 Prozent belaufe. Allein in Hamburg schöpfe die steuerliche Belastung jährlich annähernd 400 000 Mark ab. Ein Ausgleich könne nur durch die niedrigen Handelsspannen erzielt werden. Die Erhöhung der Getreidepreise verursache auch den Genossenschaften Kopfzerbrechen, da die Eigenbäckereien bereits heute an der Grenze der Wirtschaftlichkeit arbeiteten. Es sei unmöglich, die Brotpreiserhöhung in sich aufzufangen.
„Zuckerversorgung gesichert“
zr. Am Donnerstag werden, wie das Bundesernährungs-Ministerium mitteilte, 60 000 t Zucker durch den Großhandel zum Verkauf freigegeben. Am Mittwoch werden bei der Außenhandelsstelle in Frankfurt 60 000 t Zucker zum Einkauf durch die Importeure ausgeschrieben, die innerhalb der nächsten Tage in Kuba eingekauft werden sollen. Weitere Ausschreibungen sind vorgesehen. Die Zuckerversorgung für die Monate August und September sei auf alle Fälle reichlich gesichert. Preiserhöhungen für Zucker, wie sie in den jüngsten Tagen angekündigt worden waren, werden nicht eintreten.
Landwirtschaftsproduktion auf Vorkriegshõhe
Geschäftsbericht der Landwirtschaftlichen Rentenbank für 1949
b. Die mit Gesetz vom 11. Mai 1949 gegründete „Landwirtschaftliche Rentenbank“ in Frankfurt hat jetzt ihren Geschäftsbericht für das erste Geschäftshalbjahr vom 1. 6. bis 31. 12. 1949 vorgelegt der eingehend zur Lage der Landwirtschaft Stellung nimmt. Während der Nahrungsraum für 100 Einwohner 1938 noch 41 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche betrug, so entfallen jetzt nach dem Verlust der Ostgebiete nur noch 29 ha Nutzfläche auf 100 Einwohner. Das Bundesgebiet vermag zur Zeit nach der günstigen Ernte von 1949 nur noch etwa 50 bis 55 Prozent des westdeutschen Nahrungsmittelkonsums aus eigener Produktion aufzubringen, gegenüber 82 Prozent in der Vorkriegszeit.
Der Geschäftsbericht stellt allerdings fest, daß nach der Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Verhältnisse nach der Währungsreform die westdeutsche Landwirtschaft ihre Produktion im Jahre 1949 wieder auf eine dem Vorkriegsniveau angenäherte Höhe steigern konnte. Die Getreideernte war 1949 mit 10,2 Millionen Tonnen um 2,3 Millionen Tonnen höher als 1948 und erreichte wieder die durchschnittliche Erntemenge der Vorkriegszeit.
Die Verkaufserlöse des Landwirtschaftsjahres betrugen 1948/49 rund 6,5 Milliarden DM, davon entfielen 49 Prozent auf pflanzliche und 51 Prozent auf tierische Erzeugnisse. Die Wirtschaftseinnahmen lagen 1948/49 um 31 Prozent über den Einnahmen von 1938/39. Der Preisindex für landwirtschaftliche Erzeugnisse lag im gleichen Zeitraum bei 161 Prozent. Die Einnahmen waren in diesem Zeitraum nicht der Preissteigerung gefolgt, da die Verkaufsmengen 1948/49 noch erheblich hintej denen der Vorkriegsjahre zurückgeblieben waren. Daraus, daß die Erzeugung 1949/50 aber angestiegen ist, folgt, daß die Schere zwischen Preisindex und Einnahmen sich wesentlich verringert hat.
Wie in dem Geschäftsbericht weiter 'vermerkt wird, konnte für das lang- und mittelfristige Kreditgeschäft die Aufnahme von Anleihen im Hinblick auf die Unergiebigkeit der Kapitalmärkte noch nicht eingeleitet werden. Die Vergebung eigener Mittel konnte erst allmählich mit Eingang der Rentenbank-Grundschuldzinsen, die sich bis Mitte 1950 auf 26 Millionen DM beliefen, auf schmaler Basis beginnen. Der Schwerpunkt der Kreditdispositionen lag daher 1949 bei den zur Verfügung gestellten ERP-Mitteln in Höhe von 48 Millionen DM,
Statt Karten Für die Beweise der Verehrung beim Heimgang unserer lieben Mutter und für die Anteilnahme an unserem Leid sprechen wir hiermit unseren herzlichen Dank aus. LISL DIETER geb. Berntheisel FRITZ DIETER Darmstadt, 25. Juli 1950 Dieburger Straße 52
Bestattungen am Mittwoch, dem U. Juli 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof 11.15 Emrich, Maria, Parkhausstraße 13, 47 Jahre Darmstidt-Eberstadt 14.00 Schepper, Ernst. Kaufmann, Schulstr. 20, 36 Jahre
Wo ich geh' und steh' alles liest „DT“
Auch die Straßenarbeiter bei Gumpen haben in der Mittagspause Zeit und Muße, einen Blick in das „Darmstädter Tagblatt" zu werfen. Am Abend aber —, ja dann kann man erst alles so richtig verdauen, in aller Ruhe und Aufgeschlossenheit. Darum sollten auch Sie nicht lange zögern, noch heute das „DT" zu bestellen, zumal der neue Roman erst am Montag begonnen hat ....
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Bekanntmachung Betr.: Güterfernverkehr mit Berlin und der sowjetischen Besatzungszone; hier: Abfertigung von Kraftfahrzeugen. Nachstehend gebe ich den 5. Aenderungsnachtrag zur Uebersicht über die Abfertigungszeiten der Grenzkontrollstellen im Kraftfahrzeugverkehr mit Berlin und der sowjetischen Besatzungszone bekannt: 1. Wartha (Grenzkontrolle Herleshausen): 9—13 Uhr und 14—20 Uhr. 2. Vacha (Grenzkontrolle Philippsthal): 9—21 Uhr. In der Zeit von 21—9 Uhr für jeden Kraftfahrzeug- und Personenverkehr gesperrt. , 3. Probstzella (Grenzkontrolle Falkenstein b. Ludwig-Stadt a. F.): 7—19 Uhr. 4. Hönbach (Grenzkontrolle Neustadt b. Coburg): B—lß8—18 Uhr. 5. Gutenfürst (Grenzkontrolle Trogen/Autobahn Hof): Im allgemeinen 7—19 Uhr durchgehend. Eine Gewähr für die Einhaltung dieser Zeiten kann nicht übernommen werden. Heppenheim, den 21. Juli 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Öffentliche Ausschreibung der Maurer- und Betonarbeiten für das Große Haus des Landestheaters zu Darmstadt (Vestibül und Portikus). Angebote, solange Vorrat, ab Donnerstag, 27. Juli, vorm. 8 Uhr, beim Staatsbauamt Darmstadt, Alicestraße 25. Einreichungstermin: Freitag, 4. August 1950, vorm. 9.30 Uhr, bei gleichem Amt. Staatsbauamt Darmstadt Die Post zahlt ihre Renten für August 1950 am Freitag dem 28. Juli, in der Zeit von 8 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr und Sonnabend, den 29. Juli, von 7 bis 13 Uhr bei dem früheren Hauptpostamt in der Rheinstraße (Paketannahme). Postamt Darmstadt Versteigerung Idi werde versteigern am 27. 7. 1950, 10 Uhr, Pfandkammer Amtsgericht Darmstadt: 1 Radioapparat, 1 Vertikoschrank, 1 Rauchtisch. Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b) Familiennadiridilen im 5 mm ft übt er erfreuen sich von jeher besonderer Beachtung. Benutzen Sie daher für die Bekanntgabe wichtiger Familien-Ereignisse das „Darm¬ städter Tagblatt'', welches Anzei¬ gen dieser Art zu besonders ver¬ billigtem Tarif aufnimmt.
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