Agenten in Westdentschland
Enthüllungen über kommunistische Sabotage-Vorbereitungen in der Bundesrepublik
Drahtbericht unseres Korrespondenten
St. Stuttgart, 24. Juli. Der Vorsitzende der Deutschen Eisenbahnergewerkschaft, Jahn, hat auf dem Kongreß der Internationalen Transportarbeiter-Föderation in Stuttgart am Montag erklärt, in mehreren deutschen Großstädten befänden sich kommunistische Agentenzentren. In Frankfurt sei der geistige Mittelpunkt, während die Organisation von Düsseldorf aus gesteuert werde.
Der Kongreß der Transportarbeiter hat sich am Montag erneut mit dem Problem des Boykotts argentinischer Reedereien und mit der durch den Korea-KTonflikt entstandenen weltpolitischen Lage befaßt. Der Boykott argentinischer Schiffe wird als eine Kraftprobe der nichtkommunistischen Transportarbeiterorganisation angesehen, die sich vor allem mit den von den kommunistisch organisierten politischen Streiks auseinandersetzen muß.
Die kommunistischen Streiks in Kanada und Frankreich, vor allem gegen die amerikanischen Waffenlieferungen, wurden von den Delegierten einstimmig als die Ausführung von Befehlen einer fremden Macht bezeichnet.
In diesem Zusammenhang machte der Erste Vorsitzende der Deutschen Eisenbahnergewerkschaft, Jahn, zu Beginn der Sitzung eine hochpolitische Mitteilung über ein in Westdeutschland weit verbreitetes Netz kommunistischer Sabotagetrupps. Unter den erregten Ausrufen der Konferenzteilnehmer erklärte Jahn, diese militanten Trupps hätten den Auftrag, im Falle einer kriegerischen Einverleibung der Bundesrepublik in die Sowjetzone die westdeutschen Eisenbahnknotenpunkte zu zerstören. Kommunistische Agentenzentren sollen sich nach den Informationen Jahns in Essen, Dortmund, Rothenburg o. d. T., Dinkelsbühl, Hannover, Braunschweig, Bremen und Oldenburg befinden. Frankfurt sei das geistige Zentrum der Agenten, während die Organisation von Düsseldorf aus gesteuert werde. Die Verbindung zum Kreml werde über Konstanz und die Schweiz aufrechterhalten. Nähere Angaben lehnte Jahn ab.
Zur weltpolitischen Lage äußerten alle Redner ihren festen Willen, auf der Seite der westlichen Welt zu stehen. Ein japanischer Delegierter sagte, seine Nation wolle und könne an den weltweiten Auseinandersetzungen nicht teilnehmen. Die Haltung der japanischen Seeleutegewerkschaft gehe aus ihrem Beschluß hervor, Besatzungen für die amerikanischen Transporte nach Korea zu stellen. Japan wisse heute genau, wo es stehe. In diesem Zusammenhang brachte der Japaner einen Antrag ein, die Internationale Transportarbeiterföderation solle beim alliierten Oberbefehlshaber in Tokio vorstellig werden, die Handels- und Schifffahrtsbeschränkungen für Japan jetzt ■endlich aufzuheben.
Uranschmuggler gefaßt
Helmstedt, 24. Juli, (dpa) In Helmstedt sind zwei Männer und zwei Frauen verhaftet worden, die versucht hatten, eine größere Menge Uran — die vorliegenden Berichte sprechen von einem Kilogramm — in die Sowjetzone zu bringen. Der Wert des beschlagnahmten Metalls, das sich in einer Bleikapsel befand, wird mit mehreren Millionen Mark angegeben.
Sondersitung in London
Das Kabinett berät die Weltlage
London, 24. Juli, (dpa) Premierminister Attlee hat am Montagvormittag überraschend eine Sondersitzung des britischen Kabinetts einberufen. An der Kabinettsitzung nahm Generalstaatsanwalt Sir Hartley Shawcross teil. Wie es heißt, soll die internationale Lage beraten worden sein.
Der britische Verteidigungsminister Strachy hatte am Sonntagabend erklärt, Großbritannien werde vielleicht einige seiner Wiederaufbaupläne zurückstellen müssen, wenn es alle Kräfte für die Verteidigung des Westens mobilisieren wolle.
Streikdrohungen
Die alten Preise werden gefordert
WS. Freiburg, 24. Juli. (Eigener Drahtbericht.) In einer von dreizehn badisehen Gewerkschaftsverbänden unterzeichneten Entschließung ist die badische Regierung aufgefordert worden, dafür Sorge zu tragen, daß das Brot in der bisherigen Qualität zum alten Preis verkauft werde, daß jede Preiserhöhung bei den Fleisch- und Wurstwaren unterbleibe und daß d-.‘ Pre’ ""r Vollmilch um einen Pfennig je Liter ermäßigt werde. Die Preise für Mehl, Teigwaren und andere Konsumgüter dürften nicht erhöht werden. Die Regierung solle sofort die nötigen Maßnahmen einleiten, damit die beim Großhandel lagernden Waren an den Einzelhandel ausgegeben werden könnten. Falls diese Forderungen der Gewerkschaften nicht bis zum Dienstagmittag erfüllt sein sollten, würden die Betriebe am Mittwoch um 15.00 Uhr aus Protest gegen die Preissteigerung stillgelegt werden.
Kraft ruft alle Geschädigten auf
Der Block der Heimatvertriebenen will auf Bundesbasis arbeiten
Drahtbericht unseres Korrespondenten
el. Hamburg, 24. Juli. Am Sonntagabend ist in Hamburg ein Landesverband des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten gegründet worden, dessen Vorsitz die Leiter des Wahlblocks in Schleswig-Holstein, Waldemar Kraft und Dr. Gille, übernommen haben. Geschäftsführender Vorsitzender wurde Karl von Hase, ein Neffe des im Zusammenhang mit den Vorgängen des 20. Juli 1944 in Herlin hingerichteten Generalleutnants. Hase ist Vorstandsmitglied des Reichsverbandes der Bombengeschädigten.
In einer Rede vor den Gründern des Landesverbandes Hamburg brachte Kraft zum Ausdruck, daß seine Partei nicht nur den Interessen der Vertriebenen diene, sondern sich auch der übrigen vom Krieg und seinen Folgen in Mitleidenschaft gezogenen Bevölkerungskreise annehmen «volle. Besonderes Gewicht werde man auf die Mitarbeit der Bombengeschädigten, von denen allein in Hamburg noch vierzigtausend in Bunkern und Nissen- Hütten unwürdig untergebracht seien, und der Währungsgeschädigten legen.
Kraft wandte sich .erneut mit besonderer Schärfe gegen die Bundesregierung, die noch nicht die geringsten Anzeichen erkennen lasse, daß die Kriegsfolgelasten gleichmäßig auf alle Deutschen verteilt würden. Die bisherigen großen Parteien hätten sich als Vertreter derjenigen erwiesen, die glücklicher durch den Krieg gekommen seien als die Hälfte des deutschen Volkes. Nur ein politischer Dummkopf könne glauben, daß sich dieser Teil des Volkes mit dem ihm zugefügten Unrecht abfinden werde. Die Tatsache, daß bisher Ruhe bewahrt worden sei, biete keine Gewähr für die Zukunft. Kraft teilte ferner mit, daß der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten, dessen niedersächsischer Landesverband bereits die Hälfte der dortigen Landkreise erfaßt habe, sich sehr bald in Bayern und in Hessen konstituieren und sich dann auf das gesamte Bundesgebiet ausdehnen werde.
Albricht: Es gibt kein Anmöglich
Die Sozialistische Einheitspartei wird die Parteipolitik im Westen leiten
Drahtbericht unseres Korrespondenten
er. Berlin, 24. Juli. Der dritte Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei ist mit der Wahl des Zentralkomitees, der beiden Vorsitzenden — Pieck und Grotewohl wurden einstimmig wiedergewählt — und einer öffentlichen Kundgebung unter freiem Himmel mit Reden von ausländischen Politbüro-Delegierten abgeschlossen worden. In seinem Verlauf hatte der Parteitag ein immer stärker nach Westen gewandtes Gesicht erhalten. Der voraussichtliche künftige Generalsekretär des Zentralkomitees Walter Ulbricht forderte in seinem Schlußwort, für den Fünfjahresplan der Sowjetzone jetzt auch in Westdeutschland zu werben. „Wenn die heldenhaften Leistungen der Aktivisten in Westdeutschland bekannt werden, würde es nicht schwer sein, auch unter den westdeutschen Arbeitern Begeisterung für die Nationale Front zu erwecken.“
Den neuen Ton, der mit Ulbrichts Rangerhöhung in die kommunistische Politik gekommen ist, wird vielleicht am besten durch seinen Ausruf gekennzeichnet: „Das Wort .unmöglich’ muß ein für allemal aus dem deutschen Sprachschatz verbannt werden.“ Ulbrichts Mitteilung: „Im Laufe des Jahres 1951 und 1952 wird schrittweise der freie Handel mit allen Nahrungsmitteln und Industriewaren zu einheitlichen Preisen eingeführt“, fand nicht den sonst üblichen stürmischen Beifall. Außer Fett und Fleisch sollten im Herbst die Rationierung der Lebensmittel in der Sowjetzone aufgehoben werden. Allgemein wurde sogar damit gerechnet, daß die Aufhebung der Rationierung noch vor den Oktoberwahlen vorgenommen würde.
Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, wonach die Sozialistische Einheitspartei die Verantwortung für die kommunistische Parteilinie in der Bundesrepublik übernehmen wird. Der Entschließung zufolge wird die Kommunistische Partei auch weiterhin in der Bundesrepublik tätig sein, jedoch nicht länger die kommunistische Parteipolitik in Westdeutschland leiten.
Seit einigen Tagen setzen die Amerikaner auf dem koreanischen Knegsschauplatzeine Raketenwaffe ein, die dem deutschen Panzerschreck ähnelt. — Unser Bild zeigt einen amerikanischen Sergeanten auf dem Uebungsplatz mit dieser Waffe, die 10,4 kg wiegt und ein Kaliber von 8,9 cm hat. Mit ihr sind bereits zahlreiche nordkoreanische Panzer abgeschossen worden. Die Amerikaner nennen diese Panzerabwehr - Waffe Bazooka.
Artilleriefeuer von Dschunken
Die Vorbereitungen gegen Formosa
Peking, 24. Juli. (AP.) Die kommunistische Regierung in Peking hat Korrespondentenmeldungen aus Hongkong zufolge weitere Vorbereitungen für die Invasion von Formosa getroffen. Am Montagmorgen haben mehrere Dschunken der Kommunisten, die mit Artillerie bestückt waren, die Insel Quemoy, die zwischen Formosa und dem Festland liegt, unter FeUer genommen. Ein Sprecher der nationalchinesischen Truppen erklärte, die Invasion der Kommunisten werde abgewehrt werden.
Mehr Stahl?
tü Ist es wirklich erst ein halbes Jahr her, daß die Deutschen mit Kundgebungen, Protestversammlungen, Telegrammen und amtlichen Schritten den Westmächten klar zu machen versuchten, wie widersinnig die Demontage von Hochöfen und Stahlwerken war? Jetzt kommt die Nachricht, daß die Vormacht des Westens, daß also die Vereinigten Staaten mit aller Entschiedenheit für die äußerste Ausnutzung der deutschen Stahlkapazität eintreten, was eine Erhöhung unserer Stahl-Erzeugung um rund die Hälfte bedeuten würde. So schnell hätte kaum jemand die Wendung erwartet.
Ein Sieg der Einsicht? Man wird abwarten müssen, was Großbritannien und Frankreich zu dem amerikanischen Wunsche sagen. Auf jeden Fall ist die Aussicht auf eine Erhöhung der deutschen Stahlerzeugung größer als jemals seit Jahren. Aber der Deutsche vernimmt diese Meldung doch mit Beklemmung. Als wir den Westmächten sagten, nicht nur wir in Deutschland, sondern ganz Europa brauche mehr Stahl für den Aufbau der zerstörten Städte, für den Ersatz der ausgebrannten Eisenbahnwagen und für den Neubau von Schiffen, haben wir nicht allzuviel Glück damit gehabt. Aber jetzt kommt ein Argument von einer Beweisstärke, das wir vorher nicht zur Verfügung hatten: der koreanische Krieg hat den Westen aufgerüttelt. Man hat bei Söul und Taidschon gelernt, daß man zu wenig Panzer und Geschütze hat, und den Stahl dafür sollen nun die Deutschen liefern.
Es wäre uns lieber gewesen, der Weg zu einer erhöhten deutschen Stahlerzeugung wäre über friedlichere Wege gegangen. Aber suchen wir, in dem amerikanischen Wunsch das Positive herauszufinden. Er ist am Ende ein Beweis dafür, daß man unter der Wucht der weltpolitischen Ereignisse jenseits unserer Grenzen immer mehr begreift, wie wenig sich die westliche Welt noch den Luxus der Teilung in Sieger und Unterworfene leisten kann. Hoffen wir, daß diese Einsicht auch auf weniger kriegerischen Gebieten bald ihre Fortschritte nimmt.
Achtung: Falle!
Von Victor SchiffEs ist wohl kein Zufall, daß beide, Pandit Nehru- und Trygve Lie, in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen die Aufnahme der Regierung MaoTse-tung in den Sicherheitsrat an Stelle der Vertreter Tschiang Kai-scheks gestellt haben. Denn beide wissen, daß dies Stalins Hauptbedingung für eine Wiederaufnahme der russischen Mitarbeit an den Vereinten Nationen ist.
Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Argumente für eine Ersetzung Tschiangs durch Mao als Vertreter Chinas im Sicherheitsrat, und überhaupt in der Neuyorker Organisation schlechthin, wenigstens nach außenhin sehr stark sind. Die Kommunisten haben nun einmal in erstaunlich kurzer Zeit die Regierung der Kuomintang aus dem riesigen chinesischen Reich geradezu weggefegt.
Deshalb hätte wahrscheinlich, ohne die Invasion Südkoreas, die Erkundungsfahrt Trygve Lies nach Moskau schon angefangen, ihre Früchte zu tragen, und die von Stalin geforderte Aufnahme Mao Tsetungs wäre vermutlich noch vor der Jahresversammlung der Vereinten Nationen im September unter widerwilliger Duldung durch die Vereinigten Staaten beschlossen worden.
Die Ereignisse in Korea haben selbstverständlich das gesamte Problem in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen. Pandit Nehru und Trygve Lie hoffen, die Rückkehr Rußlands zu zivilisierteren und friedlicheren Methoden durch eine Aufnahme Maos in den Sicherheitsrat erkaufen zu können.
Dag aber würde sich als eine verhängnisvolle Illusion erweisen, wenn es je dazu käme. Der Einzug Mao Tse-tungs in den Sicherheitsrat würde die Aussichten des Weltfriedens nicht vergrößern, sondern verschlechtern. Das lehrt ein einfaches Studium der entscheidenden Stellen des Statutes der Vereinten Nationen. Es hat sich längst herausgestellt, daß der größte Fehler, der im Frühjahr 1945 bei der Ausarbeitung der Satzungen der Organisation in San Franzisko gemacht wurde, die Einführung des sogenannten Veto-Rechtes war. Laut Artikel 27, Absatz 3, bedürfen alle Entscheidungen des Sicherheitsrates (außer über Prozedurfragen) der Zustimmung von mindestens sieben von den elf Ratsmitgliedern, „einschließlich der Zustimmung der(d. h. „aller“) permanenten Mitglieder“. (Also: China, Frankreich, Großbritannien, Sowjet-Union, Vereinigte Staaten.)
Allerdings, so wird gleich hinzugefügt, bei Entscheidungen, die die friedliche Beilegung von Streitfragen bezwecken, muß ein Ratsmitglied (das heißt auch ein ständiges), das Partei in einem Streit ist, sich der Stimme enthalten.
Diese Einschränkung ist schon unbestimmt genug, denn in den meisten Fällen würde die betreffende Großmacht bestreiten, daß sie „Partei“ sei, und damit ihr Veto ausüben können.
Wohlgemerkt: jene, ach so zahme und unbestimmte Einschränkung bezieht sich ausdrücklich auf das Kapitel VI, das die „friedliche Lösung von Streitfragen“ behandelt, nicht einmal auf das Kapitel VII, in dem die „Maßnahmen gegenüber Friedensgefährdungen, Friedensbrüchen und Angriffshandlungen“, also die Sanktionen wirtschaftlicher und militärischer Art, erörtert werden.
Demnach hätte die Sowjet-Union, falls sie es nicht vorgezogen hätte, den letzten Ratssitzungen in Neuyork fernzubleiben, die ganze Gegenaktion der Vereinten Nationen in Korea mit ihrem Veto blockieren können. Das allerdings hätte das sofortige Ende der Vereinten Nationen und vielleicht schon den neuen Weltkrieg bedeutet, auf den es Stalin anscheinend noch nicht ankommen lassen will.
Nehmen wir aber an, der Westen gäbe jetzt in der Frage Mao Tse-tungs nach. Was wäre die Folge? Hier einige Beispiele, von denen jedes heute nur theoretisch angeführt wird, aber morgen sehr leicht zur Tatsache werden kann:
Beispiel Nr. 1: Ungarn oder Bulgarien unternehmen gegen Jugoslawien Aktionen, die eine unmittelbare Kriegsdrohung akut werden lassen. Marschall Tito appelliert an den Rat und beschuldigt gleichzeitig Rußland als eigentlichen Friedensstörer. Ob das genügen würde, um Rußland als „Partei“ im Sinne des Artikels 27, Absatz 3, zu stempeln und ihm das Stimmrecht zu nehmen, ist zwar nicht sicher, aber wir wollen es dennoch annehmen. Das kann Rußland gleich sein, denn nun sitzt der Vertreter des kommunistischen Chinas als ständiges Mitglied im Rat und stimmt allein gegen die von allen anderen beschlossenen Empfehlungen, die somit hinfällig werden.
Beispiel Nr. 2‘ Dasselbe geschieht in Berlin oder irgendwo an der deutschen westlichen Zonengrenze. Rußland wird für Partei erklärt, kann nicht mitstimmen, — aber der Chinese besorgt für Stalin das Veto-Geschäft.
Beispiel Nr. 3: China wird von Frankreich beschuldigt, die Rebellion in Indo-China mit der Tat zu unterstützen. Der Rat behandelt den Streit, Frankreich und China müssen sich der Stimme enthalten. Alle anderen Mitglieder geben Frankreich recht, nur Rußland nicht, infolgedessen kann nichts geschehen.
Durch die Aufnahme des roten Chinas in den Rat wird dessen Aktionsunfähigkeit nur noch verschlimmert und die Wahrscheinlichkeit des endgültigen Zusammenbruchs der Vereinten Nationen nur noch erhöht.
Der einzige Ausweg aus der jetzigen Sackgasse wäre eine Aenderung des Statutes von San Franzisko und eine völlige Abschaffung des ungeheuerlichen Veto-Rechtes, das sich die Westmächte damals in Verfolgung ihrer verhängnisvollen Politik von Yalta von den Russen haben aufschwatzen oder abpressen lassen. Das Veto-Recht steht übrigens in offenem Widerspruch zum Artikel 2, Absatz 1, des Statutes, der unaufrichtig verkündet, daß „die Organisation begründet ist auf dem Grundsatz der souveränen Gleichheit aller ihrer Mitglieder“. Dieses Veto-Recht, das von der Sowjet-Union sogar mißbraucht wurde, um zum Beispiel die von der überwältigenden Mehrheit der Generalversammlung gewünschte Aufnahme Italiens zu verhindern, ist überhaupt der Krebsschaden der Vereinten Nationen und die sicherste Bürgschaft ihrer Ohnmacht und ihres Todes, früher oder später, vielleicht sehr bald.
Aber Statutenänderungen der Organisation, obwohl ihre Möglichkeit ausdrücklich vorgesehen ist, sind laut Artikel 108 und 109 praktisch ausgeschlossen, wiederum durch das Veto-Recht der ständigen Ratsmitglieder. Ein absolut fehlerhafter Kreis!
Mit .Abschaffung des Vetos könnte man die Regierung Peitings in den Sicherheitsrat an Stelle Tschiang Kai-scheks aufnehmen. Unter dem jetzigen Statut von San Franzisko wäre der Einzug Mao Tsetungs eine tödliche Falle, tödlich für die Vereinten Nationen und tödlich für den Frieden!
Belgien ist verteidigungslos im Falle eines sowjetischen Angriffes, hat der Kommandant der belgischen Militärakademie in Brüssel im Hinblick auf die mangelhafte Ausrüstung der Truppen erklärt.
Die Erhöhung der Kampfbereitschaft hat am sechsten Jahrestag der Befreiung Polens Marschall Rokossowski am Montag in einem Tagesbefehl angeordnet. - :
Die Zeit drängt
Fi. In London wird heute der ständige Rat der stellvertretenden Außenminister der Atlantikpaktstaaten zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Unter den vordringlichen Fragen, mit denen sich die Delegierten zu befassen haben, steht die Bildung einer gemeinsamen europäischen Armee, die Aufstellung beweglicher Reserven, die schnell an jeden Gefahrenpunkt des westlichen Verteidigungssystems gebracht werden können, und die teilweise Umstellung der westeuropäischen Industrie auf Rüstungsproduktion. Zusammenfassend soll weiterhin ein Gesamtplan für die strategische Verteidigung und Aufrüstung des Westens getroffen werden, der die flüssige und reibungslose Abwicklung des kontinentalen Verteidigungsprogramms garantiert.
Angesichts der weltpolitischen Krise, die der Ausbruch des Korea-Konfliktes heraufbeschworen hat, muß dieser Konferenz besondere Bedeutung zugemessen werden. Denn mit dem ersten Schuß, der in Korea fiel, ist der so geruhsame Zustand theoretischer Erörterungen, ist jedes akademische Gespräch über das Wie und Wo der Verteidigung jählings beendet worden. Das Gesetz des Handelns verlangt eine andere Bereitschaft als jene papiernen Wahrscheinlichkeits-Rechnungen, mit denen sich die Strategen der Atlantik-Mächte bisher so ausgiebig zu beschäftigen wußten. Militärische Sachverständige haben immer wieder auf die Lücken hingewiesen, die das westliche Verteidigungssystem noch in sich birgt. Die Vergleichszahlen, die von ihnen über die militärische Kräfteverteilung in Europa genannt werden, sind für den Westen nicht gerade sehr ermutigend. Der größte Teil der atlantischen Bodentruppen besteht zur Zeit aus den Besatzungseinheiten. Sie würden bei weitem nicht ausreichen, um einem möglichen Angriff auch nur einigermaßen wirksam zu widerstehen. Dazu hat weiter die Erfahrung in Korea gezeigt, daß ein Feldzug nicht nur durch Bomben zu entscheiden ist. Eine Lehre, die den Alliierten zweifellos ihre größte Illusion gekostet hat.
Was der Westen im Augenblick tun kann, um sich hinreichend vor einem Ueberfall zu schützen, ist, militärisch gesehen, nicht viel. Die Zeit, die für den Ausbau einer Verteidigungsfront zur Verfügung steht, ist kostbar geworden und unter Umständen schon bemessen. Die Strategen, die heute in London ihre Beratungen wieder aufnehmen, werden sie daher anders führen müssen als bisher. Denn in der Stunde der Gefahr ist Entschlossenheit die beste Strategie.
Gefahrenherd Formosa
-I Nach Berichten des nationalchinesischen Geheimdienstes sollen die Kommunisten vor Fukien eine seegängige Flotte von 1500 Schiffen zusammengezogen haben. Die Nationalchinesen vermuten eine bevorstehende Landungsoperation gegen Formosa, den letzten Stützpunkt Tschiang Kai-scheks. Zwischen Formosa und dem Festland liegt eine Meerenge von hundert Seemeilen Breite. Durch ihre tückischen Strömungen und Winde ist ein Landungsunternehmen schon seetechnisch ein Wagnis und bedarf daher besonders sorgfältiger Vorbereitungen, zumal auch der Nachschub reibungslos herübergeleitet werden muß. Für den Verteidiger bleibt die schwierigste Frage, rechtzeitig den vom Gegner vorgesehenen Brückenkopf zu erkennen — und nicht zuletzt die Haltung der Formosaner im Falle eines kommunistischen Einbruchs.
Die politische Stellung dieser Insel ist derjenigen von Korea insofern nicht unähnlich, als die Insulaner von Formosa Jahrzehnte hindurch unter fremder Herrschaft standen. Im Jahre 1895 kam Formosa nach dem chinesisch-japanischen Kriege unter japanische Herrschaft. Nach genau fünfzig Jahren kehrten die Chinesen als Herren zurück. Aber der erste Begeisterungsrausch der Befreiung soll jedoch bald, wie Inselbesucher berichten, von einer Ernüchterung abgelöst worden sein, da die der chinesischen Herrschaft entwöhnten Formosaner nun bittere Vergleiche ziehen konnten zwischen dem korrupten und autokratischen Regime Tschiang Kai-scheks und der straffen und geordneten japanischen Verwaltung. Die Formosaner sind trotzdem weder pro-japanisch, noch stehen sie auf Seiten der Nationalchinesen. Die von den Chinesen verbannten Politiker Formosas fordern einen Volksentscheid für die politische Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Insel. Der Haß gegen die festländischen „Postenjäger“ ist bestimmend für die Einstellung der Bevölkerung Formosas.
Nach Ausbruch des Korea-Krieges hat Präsident Truman entschieden, die Insel Formosa vom Festland abzuschirmen, um einen weiteren kommunistischen Angriff auf einen Teil der freien Welt die Grenze zu setzen. Gleichzeitig wurde Tschiang Kai-schek aufgefordert, seine militärischen Aktionen gegen das Festland einzustellen. An Formosa kann sich daher erneut erweisen, inwieweit auch die Sowjetunion an einer Lokalisierung des Korea-Konfliktes interessiert ist.
Anabhängige Arbeiterpartei
Düsseldorf, 24. Juli. (AP.) Eine Anzahl Kommunisten in der Bundesrepublik, die vor kurzem wegen angeblichem Titoismus aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden sind, haben am Sonntag in Düsseldorf eine Gegenpartei gegründet, die Unabhängige Arbeiterpartei Deutschlands. Zum Vorstand der neuen Partei gehört Josef Schappe, der ehemalige Herausgeber des kommunistischen Organs für das Ruhrgebiet „Freies Volk“ und Georg Fischer, ehemaliges Mitglied des Sekretariats der Kommunistischen Partei Bayerns.
Wüsteneien in der Weltstadt
Berliner KaleidoskopK. K. So sehr sich Ost-und West-Berlin im Straßenbild, im sozialen Klima, im Lebensstil auseinanderentwickelt haben — man kann in Ost-Berlin keine einzige westliche und in West-Berlin keine einzige Ost-Berliner Zeitung kaufen —, einiges ist doch gemeinsam geblieben: die in sommerlicher Hitze leicht bekleidet arbeitenden Frauen vom Bau und in den Anlagen. Vom Bau ist etwas übertrieben. Es handelt sich noch immer um Trümmerfrauen, nur daß die schlimmste Arbeit jetzt getan scheint. An vielen Orten ist mit Berliner Großzügigkeit weggesprengt worden, was aufzubauen nicht mehr lohnt, und die Frauen sind noch immer dabei, Terrain zu planieren oder brauchbare Backsteine zu wohlabgemessenen Blocks aufzuschichten. Da, wo der Tiergarten ans Brandenburger Tor reicht, im britischen Bereich also, sah ich ganze Trupps von Frauen neu angelegte Parkwege mit Backsteinschotter, den sie zuvor eigenhändig zerklopft hatten, bestükken. Andere schippten goldgelben Kies auf die Schotterunterlage, und kleine Motorwalzen fuhren das Ganze fest. Der Tiergarten, vor vier Jahren nocheinekelerregendes Bild böser Verwüstung, ist aus dem Stadium der improvisierten Schrebergärten heraus. Er ist fast ganz mit Gras und kleinen grünen Sträuchern angepflanzt, die Baumleichen sind entfernt, die wenigen erhaltenen Bäume prangen im sommerlichen Grün und geben dem Ganzen den Charakter einer Park- und Heidelandschaft. Trümmerfrauen sah ich auch, ganz in der Nähe, an der ehemaligen Reichskanzlei beschäftigt. Sie waren dabei, die mit Preßbohrern losgesprengten Gesteinsstücke auf Loren zu schippen.
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Wenn in Berlin geschippt wird, dann bedeutet das Räumen im größten Stil. Die SED-Parteichefs haben sich mit Konsequenz an die Beseitigung der nationalsozialistischen Hochburgen gemacht. Der Kaiserhof ist völlig vom Erdboden verschwunden, die Reichskanzlei mehr als zur Hälfte abgetragen. Zur Zeit steht noch der lange rückwärtige Trakt in der Voßstraße und die rückwärtige Fassade des einstigen Ehrenhofs mit den riesigen Säulen, deren ägyptische Kapitelle die fremde Strenge der Despotie symbolisieren sollten. Die Bauten der Wilhelmstraße vom einstigen Reichskanzlerpalais (Palais Schulenburg) bis zum größten Teil des Auswärtigen Amtes sind völlig niedergelegt, so daß man über die ehemaligen Ministergärten hinweg in das offene Gelände des Tiergartens sehen kann. Das Palais des Prinzen Karl, in dem Goebbels’ Propagandaministerium sich eine vornehme Schinkelfassade gegeben hatte, ist völlig verschwunden, so daß der jetzige Thälmannplatz (vordem Wdlhelmplatz) auch nach dieser Seite riesige Ausmaße bekommen hat. Völlig wiederhergestellt und zum Sitz des Propagandachefs der Ost-Republik erkoren sind die hohen, im sachlichen Bürohausstil erstellten rückwärtigen Bauten des „Pro-Mi“. Auf der linken Seite der Wilhelmstraße (links, wenn man zu den Linden geht) ist das zerbombte und zerschossene Palais Schwerin, einst der Sitz des Reichspräsidenten, als Ruine erhalten. Aber auch dieses schönste Haus der ehemaligen Regierungsstraße dürfte der Spitzhacke bereits bestimmt sein, ebenso wie die ehemalige englische Botschaft. Auf der andern Seite steht noch, erneuert und in frischem Glanze prunkend, das ehemalige Erziehungsministerium, heute der Sitz der gleichen Behörde mit freilich ganz anderen Zielen und Methoden unter dem Präsidenten Wandel.
Ob die neuen Machthaber des Ostsektors vorhaben, die riesigen freien Flächen, die durch diese Gebäudeniederlegungen entstanden sind, neu zu bebauen oder ob sie das gesamte Terrain mit seiner planen Weite als Aufmarschgelände und roten Massendemonstrationsplatz in ihre Dienste nehmen wollen, ist noch unbekannt. Man dürfte richtig vermuten, daß das Gelände der ehemaligen Reichskanzlei dem Erdboden gleichbleiben soll. Unter den Linden sieht es noch immer trostlos nach Wüstenei und Armut aus.
Außer der alten Berliner Universität, deren beide vorderen Seitenflügel völlig erneuert wurden, hat die Staatsbibliothek bezeichnenderweise allein von allen andern Bauten eine kostspielige Wiederherstellung der den Linden zugekehrten Fassade erfahren. Der zurückgelegene Mittelbau mit dem kuppelbekrönten Lesesaal liegt zwar noch in Trümmern, doch ist man zur Zeit eifrig und eilig dabei, den Flügel, der die Preußische Akademie der Wissenschaften beherbergt, noch rechtzeitig zu deren 250. Jubiläum wiederherzurichten. Biegt man in die Dorotheenstraße ein und schaut an der einigermaßen erhaltenen Universitätsbibliothek hinauf, dann gewahrt man noch immer die jämmerlichen Fensterverkleidungen der Bombenzeit. Rückwärts ist nun einmal nicht die Schauseite, obwohl nicht zu bestreiten sein dürfte, daß man auch dort Licht und Luft sehr wohl brauchen könnte. Was sich hinter der eingerüsteten Sdiinkelwache entwickelt, vermag der ungebetene und unauffällig einherschlendernde Bummler aus dem Westen nicht auszumachen. Vielleicht hat man es auf die Dauer als störend empfunden, daß vor dem in hellem Weiß strahlenden ehemaligen preußischen Finanzministerium, das heute das Haus der Sowjetkultur beherbergt, und hinter der zu einem sowjetischen Theater umgebauten Singakademie die Ruine der Schinkelwache in allzu krassem Gegensatz verblieben war.
Arbeit
In den Westsektoren der Stadt ist man bei der Niederlegung unnützer Ruinen nicht minder großzügig verfahren. So kann man an der oberen Bundesallee, die früher Kaiserallee hieß, große freie Flächen entdecken. Berlin ist eine Stadt der Ebene, und in der Ebene ist Raum. Früher machte man sich das klar, indem man die enge Schneise der Friedrichstraße kilometerlang und schnurstracks durch die wie Kaimauern aufragenden Steinblöcke hinauf- und hinunterschaute. Ueberraschend ist heute der Blick von der abbruchreifen Gedächtniskirche, deren höchsten Turm man aus Gründen der Sicherheit kurios abgestumpft hat, in Richtung des ehemaligen Romanischen Cafes. Von dem in massigen Buckelquadern errichteten pseudoromanischen Bau ist kein Stein mehr vorhanden. Die Berliner haben auch hier ganze Arbeit gemacht. Man sieht tief in die Budapester und Nürnberger Straße hinein.
Diese riesigen Bauflächen sehen alle, ob in West oder Ost, nach kühnen städtebaulichen Projekten aus. Die Stadt ist jenseits aller schmerzlichen politischen Probleme immer wieder ein Phänomen des in die Zukunft gerichteten Lebenswillens.
Um die Grhöhung der Stahlquote
Paris zur Frage der Verteidigung des Westens
P.M. Paris, 24. Juli. Die Aufmerksamkeit der Pariser politischen Kreise ist ganz auf die Stellvertreter-Konferenz des Atlantik-Komitees gerichtet, die am Dienstag in London eröffnet wird. Die Frage einer deutschen Bewaffnung soll aber im Gegensatz zu den Meinungen in der französischen und internationalen Presse — wie dem ständigen Vertreter der „Allgemeinen Zeitung“ von zuständiger Seite versichert worden ist — nicht erörtert' werden. Es scheint zu stimmen, daß von amerikanischer Seite Sondierungen in dieser Richtung in den europäischen Hauptstädten vorgenommen wurden, aber sie haben sowohl in London wie in Paris unverändert die bekannte ablehnende Stellungnahme ergeben. Auf französischer Seite betont man, daß trotz der hoffnungsvollen Besprechungen zur Vergemeinschaftlichung der Stahl- und Kohlfenproduktion dieser Standpunkt nicht korrigiert werden könne. Kenner der Verhältnisse fügen hinzu, daß die Beibehaltung dieser Auffassung nicht zuletzt durch die wachsende Ueberzeugung gestärkt werde, die man in Paris von der in Deutschland vorherrschenden Abneigung gegen eine Aufrüstung gewonnen habe.
Anders steht es mit der Frage einer Beteiligung der deutschen Produktion an der technischen Aufrüstung Europas. Sie wird von. den Amerikanern als dringlicher angesehen als die Aufstellung einer deutschen Truppe. Man ist auch in den, der. Regierung nahestehenden Pariser Kreisen der Ansicht, daß eine solche deutsche Anteilnahme nicht nur möglich, sondern wünschenswert sei und daß die dazu erforderliche Erhöhung der deutschen Stahlproduktion erteilt werden könnte, bevor noch der Schuman-Plan auf diesem Gebiet praktische Ergebnisse zeige.
Einspruch der Alliierten?
Gegen die Subventionen
Bonn, 24. Juli. (dpa/AP.) Die Ministerpräsidenten und Finanzminister der westdeutschen Bundesländer werden am Donnerstag mit der Bundesregierung in Bonn über den Beitrag der Länder zur Brotsubventionierung verhandeln. Aus Frankfurt wird gemeldet, daß zuständige Beamte der amerikanischen Oberkommission Bedenken gegen die von der Bundesregierung geplanten teilweisen Weiterzahlung der Getreidesubventionen geäußert haben. Die Beamten erklärten, daß die Subventionen immer nur vom Steuerzahler aufgebracht werden müßten und bei Lebensmitteln ungesund seien. Die Beamten deuteten an, daß die Alliierte Oberkommission gegebenenfalls die Getreidesubventionierung ablehnen könne, da sie nicht dem Grundsatz des Marshallplans entspreche.
Keine 5000 Fremdenlegionäre?
Paris, 24. Juli, (dpa) Ein Sprecher des französischen Verteidigungsministeriums hat deutsche Presseberichte über angebliche Masseneinstellungen von Deutschen in die französische Fremdenlegion als absolut unglaubwürdig bezeichnet. Gegenwärtig gebe es in der Fremdenlegion weniger als fünftausend deutsche Soldaten, die sich größtenteils in Indochina und Nordafrika befänden. In der französischen Besatzungszone Deutschlands meldeten sich monatlich nur etwa zweihundert Mann.
Kampf mit der Zeit
Verbissene Rückzugsgefechte der Amerikaner in Korea
Taiku, 24. Juli. (AP/BBC/dpa). Vom Gelben Meer bis zum Japanischen Meer ist die Front auf einer Breite von 240 Kilometer in Südkorea erneut in Bewegung geraten. Die Nordkoreaner griffen überall nach heftiger Artillerievorbereitung die amerikanischen Stellungen an, konnten jedoch vorerst nirgends den Durchbruch erzwingen.
Der Schwerpunkt der Kämpfe in Korea hat sich aus dem Raum Taidschon in die Umgebung der Stadt Yongdong verlagert. Yongdong liegt an der Rollbahn nach Taiku. Um die Stadt sind heftige Kämpfe entbrannt.
Das nordkoreanische Kommunique meldet, die 24. amerikanische Division könne als völlig aufgerieben bezeichnet werden. Im Kampfraum Taidschon habe sie allein 1500 Mann Verluste erlitten. Nach dem nordkoreanischen Kommunique soll sich die Armee Kim 11-sungs an allen Teilen der Front im Vormarsch befinden und zahlreiche Gefangene gemacht haben.
Nach den amerikanischen Berichten müssen die Truppen im Kampfraum Yongdong aus der Luft versorgt werden.
Im Kampfraum nördlich Kumschon, das ebenfalls an der Rollbahn nach Taidschon liegt, mußte sich das südkoreanische V. Korps weiter nach Süden zurückziehen. Die Bewegung der motorisierten feindlichen Kolonnen im Süden hält an. Die nordkoreanische Kampfgruppe, die seit Tagen nach dem Ueberschreiten des Kum nach Süden und Südosten vorstieß, hat Kwang-schu erreicht. Die Spitzen dieser nordkoreanischen Kolonne sind über die Stadt hinaus vorgestoßen und nähern sich dem Meer.
Im amerikanischen Hauptquartier ist man über diesen Vorstoß geteilter Meinung. Es wird als bedenklich angesehen, daß der Feind fast ganz Korea durchstoßen hat und bereits in absehbarer Zeit am südlichsten Punkt zu erwarten ist. Aus diesem Vormarsch kann sich die bedrohliche Lage entwickeln, daß beim Einschwenken nach Osten die nordkoreanischen Kampfgruppen entweder auf den Höhenstraßen nach Taiku vorstoßen und damit die amerikanischen Stellungen in der tiefen Flanke treffen, oder aber noch Weiter ausholen, um über die Küstenstraße bei Schinju in unmittelbare Nähe des Brückenkopfes Pusan zu gelangen.
Diese beiden möglichen Umfassungsbewegungen könnten der operativen Planung des Feindes den strategischen Erfolg einer Räumung Pusans einbringen. In amerikanischen militärischen Kreisen glaubt man jedoch, daß der Feind diese Umfassungsbewegungen nicht gleichzeitig mit den Anstrengungen im mittleren Abschnitt unternehmen kann. Man rechnet deshalb, daß für die südliche Bewegung entweder nur schwache Kräfte zur Verfügung stehen, die man aufhalten kann, oder aber von der mittleren Front feindliche Truppen abgezogen werden müßten, womit die Amerikaner in diesem Abschnitt die Handlungsfreiheit wiedergewinnen könnten. Auf jeden Fall werden die Bewegungen des Feindes mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und seine Angriffsspitzen unter dem dauernden Feuer der taktischen Luftwaffe gehalten.
Wyschinski noch in Karlsbad
Prag, 24. Juli (dpa). Gut unterrichtete Stellen in Prag bestätigen, daß der sowjetische Außenminister Wyschinski sich noch immer in Karlsbad befindet, wo er sich wie jedes Jahr zur Kur aufhält.
Leopold hält sich zurück
Brüssel, 24. Juli (AP/BBC/dpa). Seit der Rückkehr König Leopolds sind fünf Bombenanschläge verübt worden, die sich nicht gegen die Person des Königs richteten, aber als Demonstration ^u werten sind. Große Schäden sind nicht eingetreten. Der König, der in den ersten beiden Tagen der Opposition keine Gelegenheit gab, zu behaupten, er provoziere, hat sich erstmalig den vielen Tausenden, die vor den Gittern des Schlosses Laeken ihm stürmische Ovationen brachten, gezeigt. Der König dankte der Menge in Begleitung seiner beiden Söhne Balduin und Albert.
Die Opposition zeigt sich etwas beunruhigt durch die bewußt zurückhaltende Art des Königs. Vorerst ist noch kein Anlaß gegeben, den Generalstreik auszurufen, und man befürchtet, daß die Arbeitermassen, die sowieso streikmüde sind, nicht einsehen werden, daß sie gegen einen Mann in einen Proteststreik treten sollen, den sie nie gesehen haben und der ihnen nichts getan hat. Trotzdem haben die Sozialisten eine große Protestkundgebung in Brüssel angekündigt und durchblicken lassen, daß sie zum Generalstreik bereit seien.
Kicherheit nicht Aufrüstung
R. Bonn, 24. Juli. Die Frage der Sicherheit, die vom Bundeskanzler vor vielen Monaten schon aufgeworfen worden ist, bleibt das wahre Thema Nummer 1 auch der Bonner Politik, und es ist eindeutig, daß dabei für die verantwortlichen Kreise die Antwort auf die Frage nach der Sicherheit nicht deutsche Wiederaufrüstung heißt.
Hiesige Kreise bezeichnen es als seltsam, wie schwer es dem Westen werde von seiner falschen Vorstellung abzugehen, als ob die Wiederaufrüstung der sehnlichste Wunsch der Deutschen sei. Man steht in Bonn auf dem klaren Standpunkt, daß eine deutsche Wiederaufrüstung aus den verschiedensten Gründen, nicht nur aus der Abneigung der Oeffentlichkeit dos Westens gegen sie, eine Utopie darstellt. Daraus geht hervor, daß die Antwort auf die Frage Sicherheit eine Angelegenheit der Alliierten ist.
Stimmen der Anderen
Mehr Stahl
Die amerikanischen Pläne, die Ruhrindustrie für die Aufrüstung Westeuropas einzusetzen, werden von mehreren britischen Zeitungen behandelt.
Die liberale „News Chronicle“ schreibt:
„Die Deutschen sollen mehr Stahl her-Stellen. Die Notwendigkeit, die Stahlproduktion in Westeuropa zu erhöhen, hat jetzt den Vorrang. Deutschland besitzt heute die größte ungenutzte Stahlkapazität. Man kann als selbstverständlich annehmen, daß die Produktionsgrenze für deutschen Stahl erhöht wird, ohne daß man auf die Durchführung des Schuman-Planes wartet. Die Westalliierten haben die deutsche Stahlproduktion auf 11,1 Millionen Tonnen jährlich begrenzt. Aber die Kapazität liegt bei sechzehn bis siebzehn Millionen Tonnen. Frankreich ist sich der Gefahr des Kommunismus bewußt genug, um diese Erhöhung der Stahlproduktion zu billigen und dabei seine Furcht vor der deutschen Rüstung zu übersehen.“
Das Labour-Organ „Daily Hera 1d“ schreibt:
„Washington ist der Ansicht, nur durch eine schnelle und uneingeschränkte Aufrüstung Westeuropas unter Ausnutzung der ganzen vorhandenen Kapazität kann einer kommunistischen Aggression der nötige Widerstand entgegengesetzt werden.“
Der liberale „Manchester Guardian" betont:
„Es ist heute eine große Gefahr, daß man sich zu sehr mit Asien beschäftigt und dadurch die Gefahr für Europa unterschätzt.“
Der konservative „Daily Telegraph“ schreibt:
„Der Westen hat nur noch wenig Zeit. Seine bisherige Verteidigung ist, unzureichend.“
Eine Fremdenlegion?
Der militärische Korrespondent der „New York Times“ fordert die Bildung einer westdeutschen Polizei oder Armee unter alliierter Kontrolle und den sofortigen Abschluß eines Friedensvertrages mit Japan:
„Die für die Verteidigung der freien Welt notwendigen Menschen können nur aus zwei Hauptquellen kommen: Japan und Deutschland. Mit Japan sollte sofort ein Friedensvertrag abgeschlossen werden. Man sollte den Japanern die Verantwortung für die Vertei-* digung ihrer Inseln geben. Gleichzeitig müßte man das Recht zugestehen, in Japan Stützpunkte zu behalten. Unter alliierter Kontrolle müßte eine westdeutsche Polizeitruppe oder Armee geschaffen werden. Ferner könnte man unter amerikanischem oder alliiertem Oberkommando sehr gut aus Deutschen, Japanern und anderen Ausländern Fremdenlegionen bilden, die den Vereinten Nationen angeboten werden könnten. Der amerikanische Vertreter im Exekutivausschuß der Atlantikpaktmächte wird die europäischen Partner zu neuen Bemühungen um die Verteidigung des Westens auffordern, die in einem- angemessenen Verhältnis zu den amerikanischen Verteidigungsanstrengungen stehen sollen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, den europäischen Partnern durch höhere Geldzuwendungen zu helfen. Die Vereinigten Staaten werden Geldbeträge bis zu fünf Milliarden Dollar bereitstellen, wenn die Garantie besteht, daß diese Summen wirksam genutzt werden. Die westliche Welt muß nicht nur in Asien, sondern auch im Nahen Osten und in Europa auf sowjetische Angriffe gefaßt sein. Die Ereignisse in Korea haben bewiesen, wie schlecht der Westen vorbereitet ist. Die freie Welt ist heute weniger gut vorbereitet, einem neuen totalitären Angriff zu widerstehen als in den Tagen Hitlers und der japanischen Generale.“
Entuazifizierung
Der „Fortschritt“ veröffentlicht einige Szenen aus der Spruchkammerverhandlung gegen Kolbenheyer. Wir entnehmen daraus folgende:
„Sachverständiger Dr. Hupka, Kulturabteilung Radio München.
Vors. (verliest Gutachten Dr. Hupka): Wie stand nach Ihrer Auffassung Kolbenheyer zum Nationalsozialismus?
Hupka: Unzweideutiger Nationalsozialist in seinen Werken.
Vors.: Kennen Sie als Bücherrezensent von Radio München die Werke Kolbenheyers?
Hupka: Ich habe sie alle gelesen! (Einige weitere Zwischenfragen und Antworten folgen. Dann):
Dr. K.: Kennen Sie meine Tetralogie? Hupka: Selbstverständlich! Ich habe alles von Ihnen gelesen!
Dr. K.: Die dramatische Tetralogie, das heißt, ein Werk von vier Dramen, ist aber bisher noch gar nicht veröffentlicht worden.
(Brausendes Gelächter im Publikum.)
Hupka; Ach so! ich verstand, Sie meinten Ihre Paracelsus-Trilogie! Man kann sich doch mal verhören!
(Gelächter verstärkt sich und hält lange an.)“
Vor großen Bundestagsdebatten
R. Bonn, 24. Juli. 37 Punkte stehen in dieser Woche auf der Tagesordnung v°n _.^re^ großen Bundestagssitzungen. Die für den August vorgesehene Parlamentspause hat diese voraussichtlich letzte Woche des ersten Sitzungsjahres des Bundestages mit Aufgaben überhäuft. Allerdings erscheint einigen Kreisen des Parlaments eine Ferienpause angesichts der drängenden gesetzgeberischen Aufgaben für verfrüht.
Die Bundesrepublik ist eingeladen worden, an der in dieser Woche in Paris beginnenden internationalen Konferenz ^le Lageü.er überbevölkerten Gebiete Europas teilzunehmen.
Noch keine Klärnng
Der Fall Wagner / Eine Tagung des Sozialdemokratischen Landesausschusses
HGR. Wiesbaden, 24. Juli. (Eigener Bericht.) Am Schluß der ganztägigen Tagung des Landesausschusses der Sozialdemokratischen Partei Hessen erklärte ihr Vorsitzender, Minister a. D. August Zinn, der Beschluß des Bezirksvorstandes der Partei Hessen-Süd über den Fall Wagner sei nicht behandelt worden, er werde aber am Donnerstag auf der Tagesordnung des erneut tagenden Landesausschusses stehen.
Unter starker Zustimmung der Gewerkschaften habe man die Ausführungsvorschriften zum Sozialisierungsartikel 41 der hessischen Verfassung beraten, vor allem Entschädigungs- und Ueberleitungsfragen, da die Ausführung dieses Gesetzes noch in dieser Legislaturperiode erlassen werden solle.
Man geht aber nicht fehl in der Annahme, daß der Fall Wagner nicht zu einer endgültigen Klärung geführt werden konnte. Wie wir bereits gemeldet haben, wurde dem hessischen Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, vom Bezirksvorstand Hessen-Süd der Sozialdemokratischen Partei vorgeworfen, in der Frage des Brotpreises voreilig gehandelt, die Parteilinie in dieser Frage verlassen und die seitherige Brotpreispolitik der Sozialdemokratie durchkreuzt zu haben. Der Landesausschuß der Gesamtpartei sollte darüber entscheiden, ob man Wagner deshalb das Mißtrauensvotum aussprechen sollte, das die Fraktion dann veranlassen könnte, seine Demission zu fordern.
Wie wir erfahren, traten besonders die nordhessischen Abgeordneten und die Vertreter der Flüchtlingsbelange, für die sich Wagner stark eingesetzt hatte, sehr für Wagner ein. Eine Abberufung Wagners durch die eigene Partei könnte zu einer Lösung der Koalition führen, da die Christlich-Demokratische Union nicht zugeben wird, daß ein Minister abberufen wird wegen einer Handlung, zu der sie selbst positiv steht. Da auch ein Mißtrauensantrag der Kommunistischen Partei gegen Wagner vorliegt, so ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sich Sozialdemokratie und Kommunisten gegen einen sozialdemokratischen Minister wenden. Dadurch wird die Lage aber nur noch verschärft.
„Ein enropäisches Problem“
Stein zur Flüchtlingsfrage / Die Ostdeutsche Kulturwoche
Marburg, 24. Juli, (dpa) Die vom Landesverband der Heimatvertriebenen in Hessen veranstaltete Ostdeutsche Kultur- und Hochschulwoche wurde am Montag in der Aula der Marburger Universität in Anwesenheit von Vertretern der Bundesleitung der Heimatvertriebenen, der hessischen Staatsregierung und der Kirche eröffnet. Kultusminister Dr. Erwin Stein, der zusammen mit dem Rektor, Professor Dr. Gerhard Albrecht und Oberbürgermeister Karl Theodor Bleek, die Schirmherrschaft übernommen hatte, erklärte in seiner Festrede „Europa als Schauplatz der Begegnung“, daß die Flüchtlingsfrage nur als europäisches Problem im Rahmen einer europäischen Föderation zu lösen sei. Der Europarat könne den Heimatvertriebenen mit einem europäischen Siedlungsamt sowie durch Zuerkennung einer europäischen Staatsbürgerschaft helfen. Den aus ihrer Heimat Vertriebenen falle vielleicht die geschichtliche Aufgabe zu, ein einigendes Band um die ideologisch zerfallenen Völker zu s ’ ,en. Eine stärkere Berufung von heimatvertriebenen Professoren an die Universitäten werde die wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen der deutschen Gebiete im Osten und Südosten besser erkennen lassen.
Am Sonntag war in Marburg der Ostdeutsche Kulturrat gebildet worden. Er will die kulturelle Arbeit aller Heimatvertriebenenverbände im Bundesgebiet koordinieren und stärker als bisher auf die kulturelle Bedeutung der verlorenen Ostgebiete hLiweisen. Vorsitzender wurde Staatssekretär a. D. von Bismarck. Dem Vorstand gehören ferner Kirchenpräsident Hamm, Dr. Lehmann, Professor Dr. Böhm und Professor Dr. Oberländer an. In einem Aufruf zu der Ostdeutschen Kultur- und Hochschulwoche erklärte der Rektor der M rburger Universität, Professor Dr. Gerhard Albrecht, durch die Austreibung der Ostdeutschen habe eine gegenseitige Durchdringung der Kulturleistungen des Ostens und des Westens stattgefunden wie nie zuvor. Vielleicht forme si h aus der Ost-West-Begegnung von Mensel zu Mensch ein neuer Typ des Mensch , der sein Wesen aus einer größeren Tiefe als bisher versteht. Sinn dieser Kultur- und Hochschulwoche sei es, sich darüber Rechenschaft zu geben und in der T auer um die verlorene Heimat diese in einem harten Schicksal verborgene Führung nicht zu vergessen.
Nachrichten ohne Politik
Auf Giulianos Spuren
Ravensburg, 24. Juli. (Ids) Zwei jugendliche Räuber, die einen Raubüberfall auf ein abgelegenes Gehöft in der Gemeinde Schmalegg im Kreis Ravensburg verübt hatten, konnten verhaftet werden. Einer der beiden, ein siebzehnjähriger, hatte sich bereits in Fürsorge-Erziehung befunden, war wegen eines schweren Raubes vorbestraft und wurde wegen Diebstahls von der Ravensburger Kriminalpolizei gesucht. Seinen neunzehnjährigen Komplizen hatte er im Jugendgefängnis Ulm kennengelernt. Die beiden waren zunächst in einem Stahlwarengeschäft in Ravensbrück eingebrochen und hatten sich dabei ein Luftgewehr besorgt. Mit diesem langgeschäfteten Gewehr, das in der Nacht für einen Karabiner gehalten werden konnte, hatten sie die Bewohner eines Hofes in Schmalegg bedroht, Die Räuber erhielten 27 DM ausgehändigt, schlossen die Bewohner ein, durchsuchten das Haus und erbeuteten noch eine Armbandunr und Lebensmittel.
Falschgeldhändler verhaftet
Hamburg, 24. Juli, (dpa) Die Hamburger Kriminalpolizei hat jetzt nach langen Ermittlungen einen Ring von Falschgeldverteilern gesprengt und acht Beteiligte verhaftet. Die Falschgeldhändler hatten seit längerer Zeit falsche Hundert-Dollar- und Fünf-Dollar-Noten in Nachtlokalen und Geschäften der Hamburger Innenstadt abgesetzt. Außerdem versuchten sie, falsche Hundert- und Fünfmarkscheine in den Verkehr zu bringen. Sie bezogen das Falschgeld von zwei Polen aus einer süddeutschen Stadt.
Der Prinz und die Hosen
Paris, 24. Juli, (dpa) Alfonso de Bourbon y Bernados de Quieros, ein Vetter des ehemaligen spanischen Königs Alfons XIII. steht in Paris vor einem Gericht, weil er in einem Warenhaus 115 Paar Hosen gestohlen haben soll. Alfonso de Bourbon, der jetzt 28 Jahre alt ist, war in einem Warenhaus angestellt.
Der hessische Export
A.Z. Wiesbaden, 24. Juli. Im Mai 1950 hatte die hessische Wirtschaft Waren im Werte von 50,4 Mill. DM exportiert gegenüber 38,4 Mill. DM im Vormonat und 21,5 Mill. DM im Mai 1949. Damit hat die monatliche hessische Ausfuhr in der Nachkriegszeit erstmalig 50 Mill, überschritten. Die Exportsteigerung wurde insbesondere bei Chemikalien, Maschinen, Fahrzeugen und Zement erzielt. Der hessische Anteil an der Gesamtausfuhr der Bundesrepublik war mit Ausnahme vom April seit Januar 1950 laufend angestiegen und betrug im Mai 8,5 Proz. (Januar 7,37 Proz., Februar 7,77 Proz., März 8,32 Proz., April 7,09 Prozent).
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat die hessische Ausfuhr nach Afrika an Bedeutung gewonnen. Sie wurde von 0,629 Mill. DM im Januar auf 6,4 Mill. DM im Mai gesteigert und erreichte im Mai einen Anteil an der Gesamtausfuhr von 13 Proz. Die wichtigsten Bestimmungsländer waren Ägypten, die Union von Südafrika, Mocambique, Belgisch Kongo, Franz. Marokko und Port. Westafrika. Nach Afrika wurden insbesondere Düngemittel und Chemikalien, Metallwaren, Maschinen, Lokomotiven, Kraftfahrzeuge, feinmechnische und optische Erzeugnisse und Musikinstrumente exportiert.
Evangelisches Echo
Bonn, 24. Juli. (AP.) Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Dr. von Thadden-Trieglaff, hat erklärt, kein führender evangelischer Kirchenvertreter würde so leichtfertig gesprochen haben, wie dies Kardinal Frings getan habe. Er bezog sich dabei auf Ausführungen des Erzbischofs von Köln, zum Bonner Katholikentag am Sonntag, bei denen er erklärt hatte, man dürfe nicht Frieden um jeden Preis wünschen. Der Kardinal hatte die Kriegsdienstverweigerung und selbstsüchtige Neutralität als Grundsatz abgelehnt.
Eine Entschließung
der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste
Darmstadt, 24. Juli. Die am 20. und 21. Juli tagenden Spitzenfunktionäre des Bezirksvorstandes der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr Hessen, haben eine Entschließung zur Preissteigerung gefaßt, in der es unter anderem heißt:
Trotz wiederholten und bindenden Zusagen des Bundeskanzlers sind auf Grund von Anordnungen über den Subventionsabbau Preissteigerungen der für den Volksbedarf unentbehrlichen Lebensmittel eingetreten, die in schroffem Gegensatz zu den Einkommensverhältnissen des größten Teiles der Arbeitnehmerschaft stehen. Schon nach wenigen Tagen sind durch diesen unhaltbaren Zustand Komplikationen in den bescheidenen Lebensverhältnissen der von der Gewerkschaft betreuten Kollegen und deren Familien eingetreten, die nicht ernst genug genommen werden können. Auch der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat wiederholt gegenüber den zuständigen Regierungsinstanzen zum Ausdruck gebracht, daß die bisherige Stillhaltepolitik in der Lohn- und Gehaltsfrage sofort und in dem Augenblick illusorisch wird, wenn das Realeinkommen des einzelnen Arbeitnehmers — sei es nur um ein weniges — durch Preissteigerung geschmälert wird.
Für den Fall, daß es der Bundesregierung nicht gelingen sollte, den alten Preisstand wieder herzustellen, fordern wir vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sofort Maßnahmen wegen einer angemessenen Erhöhung der Löhne und Gehälter einzuleiten und mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln dafür zu sorgen, daß der längst fällige Ausgleich zwischen Lebenshaltungskosten und Arbeitseinkommen geschaffen wird.
Zum freiwilligen Militärdienst hat der australische Heeres- und Marineminister aufgerufen.
Die Wahlkreis-Einteilung
H. G. R. Wiesbaden, 24. Juli. (Eigener Bericht.) In der Anlage zum Gesetz über die Wahlen zum Landtag des Landes Hessen, das die Regierung vorlegte und das am Mittwoch, 26. Juli, in der 83. Plenarsitzung beraten wird, wird auch die genaue Einteilung der 48 Wahlkreise angegeben. Unter anderem umfaßt der Wahlkreis 19 den Landkreis Limburg. Wahlkreis 22 die Landkreise Rheingaukreis und Untertaunuskreis, Wahlkreis 23 die Wiesbadener Vororte Heßloch, Rambach, Sonnenberg und den östlichen Teil von Wiesbaden-Alt, Wahlkreis 24 den westlichen Teil von Wiesbaden-Alt, Wahlkreis 25 die Stadtbezirke Schierstein, Biebrich, Amöneburg, Kastel, Kostheim, Erbenheim, Frauenstein, Dotzheim, Igstadt, Kloppenheim und Bierstadt, Wahlkreis 26 umfaßt den Main-Taunus-Kreis und Wahlkreis 27 den Obertaunuskreis. Im Wahlkreis 41 werden Gemeinden des Landkreises Offenbach und folgende Gemeinden des Kreises Groß-Gerau zusammengefaßt: Mörfelden, Walldorf, Kelsterbach, Raunheim, im Wahlkreis 42 die restlichen Gemeinden des Kreises Groß-Gerau, im Wahlkreis 43 der Stadtkreis Darmstadt, im Wahlkreis 44 der Landkreis Darmstadt, im Wahlkreis 45 der Landkreis Dieburg, im Wahlkreis 46 der Landkreis Erbach.
Den Wahlkreis 47 bilden folgende Gemeinden des Landkreises Bergstraße: Groß-Rohrheim, Einhausen, Biblis, Wattenheim, Nordheim, Hofheim, Bürstadt Riedrode, Lorsch, Lampertheim, Viernheim, Bobstadt Landwaden, Rodau, Fehlheim, Schwanheim, Zwingenberg, Heppenheim. Die restlichen Gemeinden des Landkreises Heppenheim werden im letzten, dem 48. Wahlkreis, zusammengefaßt.
Stärkere außenpolitische Aktivität
Eine Forderung Blüchers
Göttingen, 24. Juli, (dpa) Vizekanzler Blücher hat auf einer Pressekonferenz in Göttingen gesagt, daß bei den augenblicklichen Londoner Verhandlungen der Alliierten über die Revision des Besatzungsstatuts auch die Ausdehnung des deutschen auswärtigen Dienstes zur Debatte stehe. Es sei völlig verfehlt anzunehmen, daß die Bundesrepublik keine außenpolitische Aktivität entwickeln könne. Die bisherigen geringen Fortschritte der Arbeiten auf diesem Gebiet seien nicht zuletzt Schuld der deutschenzuständigen Stellen.
Blücher nahm dann zu dem vom Vorsitzenden der „Deutschen Aktion“ Prinz Hubertus zu Löwenstein, in Versammlungen erhobenen Vorwurf Stellung, daß er bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten den weiteren Versand von Liebesgabensendungen nach Deutschland als überflüssig bezeichnet habe. Er habe sich für eine Fortsetzung des Versandes von Liebesgabensendungen von amerikanischen an deutsche Wohlfahrtsorganisationen, aber nicht mehr von Amerikanern an deutsche Interessenten ausgesprochen. Diese Form von Liebesgabensendungen sei nach seiner Ansicht nur dazu angetan, den Schwarzmarkt zu unterstützen.
Die Oberkommission dementiert
Bonn, 24. Juli, (dpa) Die Nachricht, daß Sachverständige der Alliierten Oberkommission in Deutschland übereingekommen sind, eine 500 Mann starke Bundespolizei und andere Polizeimaßnahmen gutzuheißen, wurde am Montag in Bonn offiziell dementiert. Ein Sprecher der Alliierten Oberkommission sagte, daß eine Antwort auf einen von Bundeskanzler Dr. Adenauer im April gemachten Vorschlag, der die Schaffung einer zentralen Polizeiorganisation betraf, noch erörtert werde.
Maltzahn optimistisch
Pe. München, 24. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Leiter der Hauptabteilung Außenhandel im Bundeswirtschaftsministerium, Freiherr Dr. von Maltzan, hat sich am Montagabend in München optimistisch zu den deutschen Exportaussichten geäußert. Im Verkehr mit den südamerikanischen Ländern, wo von Ressentiments gegen Deutschland keine Rede mehr sei, habe die deutsche Exportindustrie gewaltige Möglichkeiten und ein Erfolg könne als sicher bezeichnet werden. Die letzte Entwicklung der Weltlage eröffne auch völlig neue Perspektiven für die Schließung der Dollarlücke. Jetzt sei der Zeitpunkt da, der genutzt werden müsse, um auf dem außerordentlich schwierigen und bedeutungsvollen nordamerikanischen Markt Fuß zu fassen.
Nur noch vereinzelt Schauer
Eigener Wetterbericht
Unser Gebiet verbleibt vorläufig in der frischen Westströmung, die sich nach Durchzug einer Kaltfront bei uns zu Wochenbeginn einstellte. Stärkere Störungen sind vorerst nicht zu erwarten. Aussichten: Wechselnd bewölkt, nur vereinzelt Schauer. Meist trocken, nur mäßig warm. Tageshöchsttemperaturen 20 bis 25 Grad.
Der Rundlkfzunlk am Dienstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher: 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Französische Orchesterlieder; 17.15 Aus dem Land der tausend Seen; 18.30 Frohsinn im Volkston; 20.00 Ein Tanzpotpourri; 21.05 Das kommt mir spanisch vor; 22.15 Das Abendstudio.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.15 Klaviermusik russischer Meister; 20.00 Aus Konzert und Oper; 22.00 Die Rundfunktanzkapelle; 22.45 Wir nehmen Maß; 23.15 Abends in der Taverne.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Johann Sebastian Bach; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Operettenkonzert; 20.45 „Aus der Traum“; 22.30 Musik der Welt; 23.25 Jazz 1950.
NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Kompositionen von Werner Eisbrenner; 14.30 Unterhaltungs- und Tanzmusik; 15.00 Virtuose Unterhaltungsmusik; 15.40 Musikalisches Allerlei aus der Schweiz; 16.50 Louis Spohr 17.20 Klaviermusik; 18.00 Musik zum Feierabend; 20.00 Unterhaltung am Abend; 22.45 Drei Walzer von Johann Strauß: 23.15 Von neuer Musik; 00.05 Berlin am Mikrofon.
Unsereiner uird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER2) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig „Nachdem die ,Gesellschaft für Statistik und Marktforschung* seit zwanzig Jahren daran arbeitet, das Leben unseres Landes mit wissenschaftlichem Emst und praktischer Vernunft zu erforschen, jede seiner Entwicklungen zu erkennen und zu messen, aus ungezählten Einzelbeobachtungen immer das eine große Bild zu zeichnen, das der Augenblick uns bietet, nachdem ausnahmslos jeder Bürger dieses Landes mit allen nur denkbaren Daten seines Lebens, seiner Arbeit und seines Ergehens, mit seinen Gewohnheiten und seinen Wünschen auf einem genauestens geführten Sichtbla.t unserer Zentralregistratur erfaßt ist, können wir heute und zu dieser Stunde daran gehen, denjenigen unserer Mitbürger zu ermitteln, der dem Leben und dem Ergehen unseres Landes am allernächsten steht, viel näher als einer von Ihnen, meine Herren, oder ich selbst, der Mann, der diesem Land am innigsten verkörpert, dessen Ergehen, Fühlen und Denken identisch ist mit unserem Land, dessen Arbeit unsere Wirtschaft am rüstigsten trägt, dessen Konsum unseren Alltag bestimmt..,“ sagt Georg H. Miels...
Er sieht ein zweites Mal über seine Zuhörer hin. Es ist der Augenblick gekommen, in dem er, hoch aufgerichtef und mit der vollen Macht seiner Einflußkraft zu sagen hat, was er im Sinn trägt, dieser wundervolle, alles entscheidende, gefahrvolle Augenblick.*. Und Miels greift jetzt zu:
„Die .Gesellschaft für Statistik und Marktforschung' ermittelt in der nächsten halben Stunde vor ihren Äugen, meine Damen und Herren, aus viertausendachthundert Befragungsaktionen und aus vierzig Millionen Karteikarten den wichtigsten Mann unserer Volkswirtschaft, unseren liebsten Bruder und Nachbarn, unseren besten Freund und Mitbürger, unseren heimlichen König, den echten Durchschnittsbürger und die DurchschnittsfamiHe unseres Landes...* i-Georg H. Miels steht ruhig, er lauscht dem Schluß seiner Rede nach, als erwarte er das Echo eines Rufes, den er über eine grünende Schlucht hinweg gegen eine Felswand schickte. Er hört dieses Echo auch, es ist klar und deutlich... „den Durchschnittsbürger dieses Landes...“ Das Echo ist vielfach, sieben Ber^e werfen es sich gegenseitig zu, sieben Felswände wiederholen es „Durchschnittsbürger unseres Landes ...“ .. siebenmal ruft ... spricht ... flüstert das Echo... „Durchschnittsbürger ...
Dann plötzlich hört Georg H. Miels nichts mehr vom Echo seiner eigenen Verkündigung. Statt dessen hört er Händeklatschen, beglückwünschendes Rufen, jubelnden Beifall, hingerissenes Lob. Er sieht lachende Gesichter, strahlende Äugen... vierhundert Menschen springen von ihren Sitzen auf, vierhundert Stühle schurren über das Parkett und eine welle von Beifall, Begeisterung und ab: trömender Erregung brandet gegen ihn an und wirft sich an ihm hoch. Georg H. Miels hat das wundervolle Empfinden, er taumelte in dieser Brandung von Erfolg. Er ist so glücklich, wie er es sich nur eben gestatten darf, er lächelt und er berührt jetzt ein zweitesmal den kleinen Steinnußknopf an der rechten Kante des Pultes.
Und diesesmal bedeutet dieses Signal mehr als nur ein Kommando für ein paar Dutzend Fernschreiber. Es bewirkt vielmehr, daß die ganze, sechshundert Zentner schwere, aus Teakholz und Bronze gearbeitete Rückwand der großen Halle langsam und lautlos zur Seite gleitet. Ein melodisches Gongläufen veranlaßt die vierhundert Gäste des Generaldirektors, sich händeklafschend umzusehen. Ihr Erstaunen ist gr0ß...
In dem langgestreckten Raum hinter der beiseitegleitenden Wand aus Teakholz und Bronze steht eine Maschine, die zweiundzwanzig Meter lang und acht Meter breit, ganz aus verchromtem Metall gearbeitet und vier Meter hoch i t. Sie beginnt gerade, ihre ungezählten Achsen, Spindeln und Wellen wirbelnd zu drehen, ihre fickenden Hebel, Heber und Taster zu bewegen.
Und mitten durch die Schar seiner vierhundert Gäste geht Georg H. Mieis auf diese Maschine zu. Er betritt einen Laufgang, der in der halben Höhe der Maschine rund um sie herum führt.
„Diese Hollerithmascbiie, die größte, die bisher gebaut wu de, wird aus vierzig Millionen HqUeiith-Kn-ten in zwanzig Minuten den Durchschnittsmenschen ermitteln“, ruft Georg H. Miels. „Dort drüben sehen Sie den mit rotem SamJ ausgeschlagenen kleinen Fangbehälter, in den die Karteikarte des Mannes ausgeworfen werden wird, den wir suchen“.
Und ein letztesmal hebt Georg H. Miels seine Stimme auf die Höhe der mitreißenden Freude ••.
„Wir suchen ihn, um ihm und seinen Lieben sagen zu können, daß wir uns vor ihm verneigen", ruft Miels. Neuer Jubel umfängt ihn.
3.
Alles geht wundervoll.
Noch während Miels Gäste, vierhundert Damen und Herren. Zeifungsherausgeber, Redakteure und Reporter, Ägenfurkorrespondenfen. Werbe Journalisten und freie Schriftsteller rieh langsam dieser wirbelnd arbeitenden Maschine nähern, treten weißgekleidete Aufwärter unter sie und bieten Erfrischungen an, kleine, sorgsam angerichfete Happen und würzige Tees, Kaffee, Gin, Wodka, Aperitifs ...
Von irgendwoher mischen sich die leitenden Angestellten der „Gesellschaft für Statistik und Marktforschung“ unter die vierhundert und geben im Plauderton kleine, interessante Auskünfte, Informationen und Hinweise, Details, und ganz unmerklich führen sie die Gäste ihres Chefs von der interessanten Technik der großen Maschine dort in eine neue, fiebrige Spannung.
Ein automatisches Förderwerk bringt lange, b-eite Leichfmetallkäsfen aus dem Kellergeschoß des großen Hauses herbei, vierhundert Kasten, in jedem Kasten zehntausend kleine, federleichte, überraschend feste Karteikarten.
Jede Karfeika-te trägt, lupenfein eingravierf, den Namen und die Anschrift eines Bürgers dieses Landes. Aber im übrigen ist diese Karte mit vielen hundert nadeldünnen Löchern in bestimmten Gruppierungen ausgesfaffet und jede Lochung bedeutet eine statistische Tatsache in bezug auf den betreffenden Menschen. Nichts ücevhr.upt Feststellbares fehlt Älter und Beruf, Körpergröße und Gewicht, Statur und Gesundheitszustand, Familie und Wohnverhältnisse, Einkommen und Äusgabenverfeilung, Einstellung zu Tabak, Alkohol, Film, Theater, Politik, Daten des Lebensweges in großer Fülle, bevorzugte Warenarten und bevorzugte Lektüre, Gebrechen und Krankheitsneigung, Geschmack in bezug auf Farben, Formen, Stilbildungen, Moden. Dorf drüben liegt, unter Glas eingerahmf, die theoretische Vorausberechnung des Bildes, wie es der Durchschnittsmensch aus der Mittellinie der viertausendachfhunderf Einzelsfatisfiken bietet. Miels selbst erklärt sie.
„Der Durchschnittsbürger, der nach der optimalen Lebenswirksamkeit vorausberechnete Durchschnittsmensch, mein Herren, lebt in einer Stadt, die nicht mehr als dreißigtausend und nicht weniger als siebenundzwanzigfausend Einwohner hat. Er besitzt ein kleines Haus, das mit einer dreißigprozentigen Hypothek belastet ist. Er arbeitet unselbständig. Er ist sechsundvierzig Jahre alt und ein Meter siebenundsedhzig groß. Er hat einmal in einem Krankenhaus gelegen, nicht länger als achtzehn Tage. Er ist verheiratet, seine Frau ist zwei Jahre und sieben Wochen jünger als er selber. Er hat einen Sohn von zweiundzwanzig und eine Tochter von achtzehn Jahren. Er trägt vier Plomben in seinem Gebiß, er liebt Fußballsport, Gerichtsberichte, unterkühltes Bier, rot abgedämpffes Lampenlicht, mandelarfig duftende Seifen, er spielt Karten, trägt Konfekfionsanziige, bevorzugt dunkelgraue oder mittelbraune Muster. Er ist gegen die freie Ehe, er zahlt seine Steuern pünktlich, er schneidet seine Hühneraugen selbst, er rasiert sich viermal in der Woche, er liebt heitere Film oder solche, die Gruseln erwecken, er ißt lieber gebratenes Fleisch, lieber Blumenkohl als Wirsing. Er hat eine Frau geheiratet, die er nicht länger als vierzehn Monate kannte. Er wechselte seinen Beruf nur einmal.“ (Fortsetzung folgt.)
Feuilleton
Der Schund bleibt Sieger
An allen Ecken und Enden der Bundesrepublik wird seit einiger Zeit gegen Schmutz- und Schundliteratur Sturm gelaufen. Von der einfachen Bitte bis zu Polizei und Strafantrag ist so ziemlich alles vertreten, was von den Jugendorganisationen, Lehrern und Behörden in diesem Kampf ins Feld geführt wird.
Doch die Verfasser und Hersteller der Schundliteratur haben ihre Antwort schon bereit. Vielleicht werden sie jetzt ein Magazin herausbringen, in Riesenauflage, und nach dem üblichen Inhalt halt lächelnd auf der letzten Seite behaupten: „So stellen wir uns ein Magazin nicht vor!“ Vielleicht werden sie aber auch nur so weit gehen, als das Gesetz es erlaubt. Dann hat der Strafantrag keinen Sinn mehr, denn man kann nur bestraft werden, wenn man gegen ein Gesetz verstößt. Ich weiß nicht, was den Leuten etwa noch einfallen könnte. Sie werden das besser wissen als ich. Jedenfalls werden sie ihren Weg finden — und durch das Verbot, beziehungsweise durch die Bekämpfung noch gefährlicher werden.
Der Hauptfehler Hegt darin, daß man dieser Literatur nichts entgegenzusetzen vermag. Jugendbücher, seien sie noch so gut, sind für den Jungen wie für die Eltern in der Regel unerschwinglich. Preise zwischen sechs und zwölf Mark sind heute selbst für ein Weihnachtsgeschenk zu viel-Wieviel Jugendzeitschriften wurden begonnen und mußten ihr Erscheinen einstellen, weil sie für den Geldbeutel des Jugendlichen einfach zu teuer waren. Der Staat hat nichts dazu getan, diese zum Teil sehr guten Zeitschriften am Leben zu erhalten. Was jetzt zur Bekämpfung der Schundliteratur ausgegeben wird, hätte sicher gereicht, wenigstens eine Zeitschrift soweit zu unterstützen, daß sie sich trotz eines niederen Verkaufspreises erhalten kann.
Man muß nur einmal in einer Leihbücherei zusehen, wie die Jungen und Mädel die Regale absuchen nach Büchern, die sie ansprechen. Es gibt nicht allzuviel Literatur, die die Sprache der Jugend spricht. Und dann geht es aus Mangel an gutem Lesestoff an den schlechten.
Schlechtes kann man nur durch Besseres schlagen! Hat schon irgendjemand daran gedacht, in allen Orten eine gute und umfassende Jugendbücherei einzurichten? Eine Bücherei, in der die Jugend wirklich das findet, was sie ihrem Alter entsprechend braucht? — Mit ein paar tausend Mark wäre eine Unzahl Jugendlicher vor der Schundliteratur bewahrt. M- M.
In einem Aufruf zur Ostdeutschen Kul¬ tur- und Hochschulwoche, die vom 24. bis 30. Juli in Marburg stattfindet, erklärte der hessische Kultusminister Dr. Erwin Stein, es sei notwendig, daß sich die Universitäten des Bundesgebietes mehr als bisher wissenschaftlich mit Fragen befassen, die früher Aufgaben der ostdeutschen Hochschulen waren. Die Vermischung der Stämme, wie sie nach 1945 im Westen eingetreten ist, wirft für die künftige Entwicklung unseres deutschen Volkes Probleme auf, die dringend der Untersuchung durch die wissenschaftliche Forschung harren.
Die vergitterten Fenster
DAS „EXPERIMENTUM MEDIETATIS“ DES OBERSTEN LAWRENCE
Das Leben des Mannes, den vor nun fünfzehn Jahren jener tödliche Sturz vom Motorrad von seiner letzten, tiefsten Verzweiflung erlöste, ist seitdem immer mehr zum geheimnisvollen Mittelpunkt des Bewußtseins unserer Zeit geworden. Auf eine seltsame Weise ist aus der Legende seines Lebens das wahre Bild des Toten im Wandel der Zeit emporgetaucht. Der Lebende galt den Zeitgenossen als der „Kreuzritter des 20. Jahrhunderts“; längst bevor seine Büste in der Krypta der St.- Pauls-Kathedrale aufgestellt wurde, waren sein strahlender Ruhm wie sein dunkles Rätsel im höchsten Maße legendär geworden, und Hugo von Hofmannsthai übersandte 1926 dem Freunde C. J. Burckhardt den „Aufstand in der Wüste“ mit dem Hinweis auf den Adel und die zauberhafte Reinheit einer Seele, die sich auf der glänzendsten Stufe des Erfolges und des Triumphes von der Welt zurückzieht und verzichtet.
Zweifellos ist Thomas Edward Lawrence ein „Gleichnis des 20. Jahrhunderts“ und sein tragischer Schicksalsvollzug von brennender Aktualität und Von unausweichlicher, stellvertretender Entscheidung für unsere Gegenwart. Hat dieser Asket und Ethiker, Täter und Nihilist, der mit einer unheimlich harten und männlichen Bewußtheit einsam und stolz seinen Weg ging, das große, meisterliche Leben erreicht, das der moderne Mensch leidenschaftlich erzwingen will —, oder wird eine prüfende Deutung seiner Gestalt erkennen müssen, daß der Schwur der ausschließlichen Innerweltlichkeit die Meisterschaft in Krankheit und die Oberherrlichkeit in Verzweiflung stürzt?
Dieses Leben war nur sich selber verantwortlich; in selbstverschlossener Eigenherrlichkeit und eigengesetzlicher Bindung der Erde allein verhaftet und verpflichtet. Mit keinem Menschen wollte er sein Leben teilen, aber auch mit keinem Gott. Die Idee des Glaubens, der Offenbarung war ihm fremd. Dieser Geist war einzig besessen von dem Gedanken der einsamsten, grenzenlosesten Unabhängigkeit, und die persönliche irdische Freiheit zu erreichen war der einzige Sinn und das Ideal, das die historischen Bindungen ablösen sollte. Am Ende seines Weges aber steht die Erkenntnis eines entsetzlicher, metaphysischen Irrtums; die Freunde dieses Mannes berichten von der Verzweiflung und dem Grauen, die sie aus seinen Augen anstarrten. Bitternis und Leere sind an die Stelle des Triumphes getreten. Angst,. Einsamkeit, Schuld haben die Herzmitte dieses Lebens zerbrochen; was übrig bleibt, ist eine bettelnde Sehnsucht nach dem Reinen und Absoluten der schuldlosen Geschöpflichkeit.
Insofern ist das, was sich im Dasein dieses ebenso berühmten wie armen Mannes ereignet, die deutlichste Ausprägung des tragischen Menschen, der nicht mehr vor Gott lebt, der sein Gegenüber preisgegeben hat. Des Menschen, der Gott nicht einfach leugnet, sondern der schicksalhaft von ihm entfernt ist. Die notwendigerweise unablässig lockende Versuchung ist —: Aus „Gottverlassenheit den Menschen zu vergotten“. Der Versuch des menschlichen Ich, selbst Mitte zu sein, in sich statt in Gott das Zentrum der Welt zu sehen — — dieser Weg in den Unglauben führt unentrinnbar in die Sinnlosigkeit, in die Verzweiflung, in die Wüste ...
Daß Lawrence nicht nur dort, in seinen arabischen Jahren, sondern sein Leben lang den „Zarathustra“ bei sich trug, kann uns kaum wundern, und wenn er der „Schwester Arabien“ zurief: „Ich schrieb meinen Willen durch den Himmel hindurch in die Sterne, um die Freiheit zu gewinnen, das siebensäulige würdige Haus ..so war es gerade die letzte Säule, die das „Haus der Weisheit“, den anderen Namen seiner Freiheit, zum Einsturz brachte —. nämlich die siebente Einsamkeit Nietzsches-Zarathustras, dessen abgründige Klage „Ich bin ja kein Mensch, ich bin Dynamit * in bestürzender Analogie steht zu dem Beinamen „Scheich Dynamithos“, den die Araber ihrem Befreier gaben.
„Die sieben Säulen der Weisheit“ — — vielleicht waren es die sieben Stationen seines eigenen Lebens: Des archäologischen Forschers; des Weges nach Damaskus; des Richters über die diplomatischen Spieler der arabischen Würfel; des „Los von der Erde“ des Fliegers; des lebenslang um das Kunstwerk ringenden Schriftstellers; der Flucht in die musica divina Bachs, Beethovens und Brahms’ — und wirklich bricht ja die Musik stets in den „auseinandergefalteten Augenblicken“ am stärksten in den Menschen herein —; bis zu den bleichen Schatten der letzten inneren Zerstörung. Am Ende war alles vergeudet; der Dienst an der Erde hat sich gerächt.
Aus dem flammenden Dunkel bricht die ganze Existenz dieses Mannes hervor wie die ins Leere greifende, verkrallte Hand des Ertrinkenden —: Das Kierkegaardsche „Porträt des Verzweifelten“ ...
,Das Selbst, das er verzweifelt sein will, ist ein Selbst, das er nicht 'ist (denn das Selbst sein zu wollen, das er in Wahrheit ist, das ist ja gerade das Gegenteil von Verzweiflung)-' Dieses andauernde verhüllende und wider die eigene Absicht enthüllende Maskentreiben gaukelt ihm immer von neuem die Möglichkeit vor, sich vor sich selbst zu verstecken und zu decken. Die Räume der Seele werden undeutlich, unterwühlt und schattenhaft perspektivisch. Erfolgt einmal der tödliche Schlag, zu dem er blinden Gesichts ausholt, so trifft er eine Marionette oder sich selber. Ein dunkler Seelenbezirk, in dem Krankheit und Schuld verschleiert umherziehen, wird zur Neurose. — Nur wenige von denen, die Lawrence in seinen letzten Lebensjahren nahestanden, begriffen hinter der Virtuosität der Maske das Lachen, das sich in Schwermut hüllt; erkannten die Schwermut, die in Lachen ausbricht. Zuletzt beherrschte der „Mann ohne Kirche, halb Mönch, halb Kobold“, das Spiel nur mühsam noch, zu dunkel und lastend war die Lüge seines Lebens geworden. In der verstrickenden Tiefe des Netzes aus Schuld, Schwäche und Verstellungen wächst nicht nur die Unklarheit darüber, wo der eigene Feind steht, mehr noch drückt sich in dieser abgrundtiefen Tragik der Selbstdurchbohrung, in diesem Mitder-ganzen-Existenz-Gestikulieren die Bewegung der Zeit aus.
Helmut Müller-Schilling.
Karl Stauffer, Bern: Bildnis seiner Schwester Pergamon
Jakusch und sein Aushilfsärger
VON LANZELOT GOBBOKilian hat Aerger. Er hat zwar nur den üblichen Aerger wozu jeder Mensch, der etwas auf sich hält, verpflichtet ist, aber da er sich fleißiger mit so etwas herumschlägt als übliche Menschen, macht er damit alles natürlich nur noch ärger.
Jakusch, sein Freund, sinnt auf Abhilfe.
„Ich werde dir einen Kocher schenken.“
„Hab schon einen.“
„Ich werde dir meinen Kocher schenken.“
„Ihr Antrag ehrt mich, aber ich habe trotzdem schon einen.“
Bei seinem nächsten Besuch schenkt Jakusch Killian seinen Kocher.
„Du könntest mir eigentlich einen Kaffee kochen", sagt Jakusch.
„Trudi!“ ruft Kilian seine Frau. „Würdest du bitte für Jakusch ... “
„Nein“, sagt Jakusch, „d u solltest ihn mir kochen. Nur du allein. Auf meinem Kocher. Auf deinem Kocher. Ich leide neuerdings an Verfolgungswahn. Vielleicht tut deine Frau Dynamit in den Kaffee.“
Kilian findet das zwar merkwürdig, doch des Menschen Wille ist sein Schrebergarten. Er steckt also den Kocher an, und der Kocher macht „Pffft“ und ist kaputt.
„Kaputt“, sagt Kilian.
„Kleiner Betriebsunfall. Ein paar Drähtchen zu knüpfen, und schon ist er wieder ganz.“
Kilian knüpft Drähtchen, schließt an, und Kocherchen ist wieder ganz.
„Hab ich dir schon von meinem neuesten Aerger erzählt, Jakusch ... ?“ fragt er.
„Pffft“ macht der Kocher und ist kaputt.
Kilian bekommt Froschaugen, jedoch: Einem geschenkten Kocher guckt man nicht auf den Draht. Er bastelt zum zweiten Male, schließt zum zweiten Male an, und der Kocher leuchtet auf in alter Pracht.
„Jakusch“, sagt Kilian, „ich fühle mich elender von Tag zu Tag. Du nimmst alles so leicht. Ich versteh das einfach nicht..."
„Pffft“ macht der Kocher und ist kaputt. „Ich versteh das einfach nicht“, sagt Jakusch.
„Wollen wir nicht doch vielleicht Trudi bitten ..."
„Und was wird mit meinem Verfolgungswahn?“
Kilian zieht den Rock aus, versucht Drähtchen zu knüpfen, aber Drähtchen sind ganz.
„Vielleicht unterherum“, sagt Jakusch, „weißt du, dort wo der Anschluß ist.“
Kilian sieht unterherum nach, und der Anschluß ist kaputt.
Kilian flickt den Anschluß, zieht seinen Rock wieder an, und der Kocher ist brav und kümmert sich um das Kaffeewasser.
„Wo waren wir stehengeblieben?“ fragt Kilian.
„Pffft“ macht der Kocher und ist kaputt.
„Ich mag nimmer!“ schreit Kilian.
„Doch“, sagt Jakusch, „du magst. Denn du bist mein Freund. Du kannst mich nicht durch Dynamit umkommen lassen.“
„Strychnin“, sagt Kilian. „Dynamit ist Unsinn, Du meinst Strychnin.“ Er hat den Kocher auf den Schreibtisch placiert, ist mit der Schere in sein Inneres eingelbrochen, aber das Innere ist in Ordnung. Auch der Anschluß ist in Ordnung.
„Vielleicht die Sicherung“, sagt Jakusch. „Er hat oft so charmante Einfälle Er ist so abwechslungsreich in seinen Einfällen.“
Kilian schleudert den Rock gegen den Spiegel, rupft sich den Schlips vom Hals und wütet die Aermel hoch. „Wenn du nicht mein Freund wärst... !“
„Ich bin doch dein Freund?"
Kilian holt die Leiter, ersteigt den Sicherungskasten, hat keine Ersatzsicherung mehr, und die Sicherung ist kaputt. Nach mühseliger Forschungsreise durch die gärtnerischen Anlagen von r ilians Wohnung findet sich ein Blumendraht, und die Sicherung kann geflickt werden.
Von dem Zeitpunkt an, da der Kocher etwa zum zwölften Male neu in Fahrt gebracht worden ist, kommt Kilian nicht mehr auf die ihn bedrängenden Themen zurück Offensichtlich versucht er den Kocher zu hypnotisieren. Streckenweise scheint es ihm auch zu gelingen, streckenweise jedoch . ..
„Ich habe schon manches Sechstagerennen erlebt, aber das hier..." Schweiß steht ihm auf der Stirn, seine Hände zittern, und sobald der Kocher zu stottern anfängt, bricht er in Anfeuerungsrufe aus.
Als der Abend kommt, die Sonne sinkt und Trudi sich erkundigt, ob Jakusch zum Abendbrot bleiben wird, ist der Kaffee fertig. Kilian auch.
„Jakusch", sagt er aufatmend und alles begreifend, „du bist ein Untier."
.Hätte ich dir sonst meinen Aushilfsärger geschenkt?“
„Jakusch“, sagt Kilian, „noch niemals habe ich mich so gefühlt wie in diesem Augenblick. Ich habe eine Schlacht gewonnen. Und du bist schuld daran. Mit deinem vermaledeiten Kocher. — Wovon wollten wir eigentlich sprechen?“
„Daß ich dein Freund bin.“
Erinnerungen an Hermann Keyserling
VON LUDWIG PRINZ VON HESSENWir wir in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, fand am vergangenen Freitag in Schloß Wolfsgarten eine Keyserling-Gedenkfeier statt. Prinz Ludwig, Schirmherr der Keyserling-Gesellschaft für freie Philosophie, rief die Gestalt des Philosophen und sein Wirken in Darmstadt in die Erinnerung zurück. Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut seiner Gedenkrede. Die Redaktion
Heute wäre Graf Keyserling 70 Jahre alt geworden. An diesem Tage möchte ich Ihnen allen sagen, mit welch tiefer Dankbarkeit wir hier in seiner Wahlheimat Hermann Keyserlings gedenken. Hier in diesen Räumen (in Wolfsgarten, d. Red.), wo der Philosoph so oft geweilt hat, liegt es nahe, besonders an diesem Erinnerungstage den Blick nach rückwärts zu wenden.
Ich sehe sie noch um die Lampe sitzen, vor bald 30 Jahren, die eigentlichen Träger des Darmstädter Wagnisses: Die Hünengestalt Keyserlings, im Stuhl zurückgeworfen, daß der Spitzbart in die Luft sticht. Ihm zur Linken im Schatten das lebhaft lauschende Gesicht meines Vaters und gegenüber, mehr im Licht, der geistvolle Goethekopf Kuno Hardenbergs. Noch höre ich Keyserlings schmetterndes Lachen, das plötzlich den strudelnden, blitzenden, funkelnden Strom seiner Rede unterbricht, wie ein Wasserfall den eilenden Bergfluß unterbricht und doch weitertreibt.
Und unter der Lampe sehe ich auch die beiden Frauen, deren Schweigen dem lebhaften Gespräch erst Tiefe und Resonanz zu geben scheint.
Ich fühle noch die atemlose Spannung, mit der die-Halbwüchsigen den Wechselreden folgten, den Wechselreden, die alle Dinge der Welt, große und kleine, zu berühren schienen, und ich fühle noch das Staunen, wenn im Bogenlicht des Keyserlingschen Geistes das Alltägliche plötzlich bedeutend, das Trübe und Plumbste heiter und tänzerisch und das Schwere einfach und einleuchtend wurde.
Von solchen Erlebnissen her ist für mich wohl für immer der Begriff des geistigen Menschen zu einem Bild verdichtet: Zum Bilde des blutvoll Intellektuellen (um ein übles Schlagwort zu variieren), zum Bilde Hermann Keyserlings.
Ja, auch von den Darmstädter Tagungen tauchen jetzt Bilder auf: Ich sehe die ungeheuer bunte Zuhörerschaft vor mir: Geprägte Köpfe geistiger Menschen, aufgeschlossene Studentengesichter, Gewerkschaftler, kichernde Salondamen, Sonderlinge, bedächtige Spießer, Wandervögel — ein erstaunlich vielseitiges Bild aller durcheinander gewirbelten Kreise des ersten Jahrzehnts nach dem ersten großen Kriege. Und zwischen und über ihnen erscheint immer wieder das angespannt auffassende, ermunternde, zornig zügelnde, tiefernst leuchtende Antlitz Keyserlings. Neben ihm sind da auch die unvergeßlichen Gestalten, die er rief: Tagore, Richard Wilhelm, Frobenius, Driesch, Aponyi, C. G. Jung, Scheler, Rouseile und viele andere. Ein original gelegter Querschnitt durch den deutsch-europäischen Geist jener Tage.
Ich kann hier nur Eindrücke schildern, denn der junge philosophisch ungeschulte Mensch verstand nicht alles, was damals gesagt wurde. Unauslöschbar aber bleibt die Erinnerung an die hochgespannte Stimmung einer solchen Tagung, an das Bunte, Kaleidoskopartige, das ihren Zauber ausmachte, und an die sinnfällige Erscheinung der Vielfalt der geistigen Stimmen.
Wie dort ein Grundthema nach jeder Richtung hin variiert wurde, vom Träumenden, Denkenden, Schaffenden her, wobei keine Schranke mehr galt, wo der Zünftige neben dem Außenseiter, die Jugend neben dem Alter, der aktive Mensch neben dem contemplativen zu Worte kam, bis am Ende (ganz ohne öffentliche Diskussion) ein wesentliches Verständnis erreicht, ein Schritt zur Sinneserfassung geleistet war, das war wirklich freies Philosophieren und bleibt unvergeßlich.
Unvergeßlich bleiben auch die großartigen Schlußvorträge in denen Keyserling Ordnung in das Chaos der vielen Stimmen zu bringen verstand und das Grundthema noch einmal im großen Finale herausstellte.
Ich gab diese recht äußerlichen Erinnerungsbilder. um klarzumachen, warum ich mich so tief verpflichtet fühle, Worte des Dankes an Keyserling auszusprechen, zu denen ich dem Lebenden gegenüber wohl nie die Unverschämtheit gefunden hätte.
Als Darmstädter danke ich, daß Keyserling unserer Stadt damals wieder zu geistigem Ansehen verhalf, wenn seine Bedeutung auch noch vielfach umstritten war.
Als Sohn meines Vaters erfüllt es mich mit Dankbarkeit, daß Keyserling die Bestrebungen des Großherzogs, die immer, auch nach 1918, auf die Entwicklung eines geistigen Zentrums in unserer Heimat gingen, freundschaftlich verstand und unterstütze.
Als Mensch meiner Generation schließlich danke ich Keyserling, daß er uns in den für das Leben bestimmenden Jahren den Glauben an den Geist erweckte und die Hoffnung auf den geistigen Menschen, allen Zusammenbrüchen und Selbstmorden zum Trotz, gründete; daß er uns die Aufmerksamkeit gegen alles und jedes als ersten Schritt auf dem Wege zur Sinneserfassung vorlebte und uns in der Trägheit die schwerste Sünde wider den Geist erkennen ließ. Ich danke ihm, daß er uns ahnen ließ, was das ist: logos spermatikos.
Südamerika von heute
Dr. Erich Tilgenkamp, Zürich, der bekannte Flieger, Schriftsteller und Verleger, spricht am Mittwoch, dem 26. Juli um 19.30 Uhr in der Aula der Technischen Hochschule zu seinem Farbfilm „Das heutige Süd-Amerika“, der ebenfalls, wie vor einigen Wochen der „Moghreb-Film“, zum ersten Male in Deutschland gezeigt wird. Mit dieser Veranstaltung weist die Volkshochschule zugleich auf ihre Kulturfilmreihe im Herbstsemester hin.
Das Menschenbild in unserer Zeit Am Donnerstag, dem 27. Juli, findet um 17 Uhr eine Führung durch die Ausstellung „Das Menschenbild in unserer Zeit“ durch Dr. Schmoll gen. Eisenwerth, statt. Die Führung wird am Sonntag, dem 30. Juli, um 11 Uhr, voraussichtlich durch Dr. Dangers, wiederholt.
Zum Präsidenten der Gesellschaft für Musikforschung wurde auf der Generalversammlung in Lüneburg Prof. Dr. Friedrich Blume, Kiel, einstimmig wiedergewählt. Der übrige Vorstand setzt sich aus Prof. Werner Vetter, Berlin (Vizepräs.), Dr. Blankenburg, Schlüchtern (Schriftführer) und Dr. Baum, Kassel (Schatzmeister) zusammen. Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören Prof. Engel, Marburg, Prof. Osthoff, Frankfurt. Prof. Beßler, Jena, Prof. Feilerer, Köln und Prof. Gerber, Göttingen an.
Auf dem Zweiten Weltkongreß der Musikbibliotheken schlossen sich die Anwesenden Musikbibliothekare zu einer „Societe Internationale de Bibliothecaires Musicaux“ zusammen. Der vorbereitende Vorstand wurde gewählt; Präsident: Prof. Denis, Löwen, Sekretär Prof. Fedorow, Paris. Aus jedem Lande wurden Fachvertreter als Kommissionsmitglieder ernannt. Für Deutschland wurde Dr. Lutter, Göttingen, gewählt. Die Gesellschaft der Musikbibliothekare nimmt einen ständigen Platz im Musikalischen Rat der UNESCO ein.
Notizen
Die Kieler Universität im Film. Einen Einblick in das Leben einer deutschen Universität soll ein Film vermitteln, der gegenwärtig von der Pan-Film-Hamburg an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel gedreht wird. Mitwirkende sind ausschließlich Studenten, Dozenten und Professoren. Der Film wird Ausschnitte aus der Forschungs- und Lehrtätigkeit bringen, das Leben und die Nöte der Studenten aufzeigen und den besonderen Charakter der Kieler Universität als einzige „Wasseruniversität“ der Bundesrepublik berücksichtigen.
Das Exekutivkomitee des Lutherischen Weltbundes tritt am 1. August in der Evangelischen Akademie im Schloß Tutzing zu seiner ersten Tagung in Deutschland zusammen, f
Darmstadt und Amgebung
Zwischen Nacht und Tag
R. W. Es ist die Stunde zwischen Tag und Nacht, der erregende, kurze, messerscharfe Augenblick, in dem ein neuer Tag aus dem Nichts herauswächst und in sein heimliches Dasein tritt. Ein Kampf setzt ein zwischen Dunkelheit und Licht, ein langsamer, zäher Kampf, während Geheimnisse hinwelken und aufblühen, da die Sterne erbleichen, das Nächtige zu grauen, das Starre sich zu regen, die Stille zu raunen anhebt. Die Träume ziehen sich zurück in ihre tiefen Höhlen, eine Weile noch durch die Täler schwebend, um Häuser, Fenster und Betten, bis auch sie im Nichts verwehen.
Silbergraue Nebelschleier werden deutlicher. Da steht ein schattenhafter Baum mit schwarzem Stamm und schwarzen Zweigen. Die Farben nehmen ihre Farbigkeit wieder an, vorsichtig und behutsam aus dem Ungefähr. Schon sind im Gras die Blüten des Löwenzahns zu ahnen und im Beet das Liebesrot der üppigen Päonien und das milde Bunt der Zinnien.
Inzwischen wandelt sich das graue Dämmern in der Luft in ein zitternd bewegtes Lichtwerden. Grüner Glanz erfüllt den weiten Himmelsraum. Das Licht drängt über den Rand des Horizonts. Der junge Tag ist ganz wach geworden. Es zirpt und zwitschert in den Zweigen, ein Perlenspiel von bunten Tönen. Die Hähne krähen, ihre Stimmen klingen wie schrille Klarinetten. Das Sonnentor im Osten glüht wie ein gelbroter Feuerfluß. Ein purpurner Ball schiöbt sich langsam und scharf abgezeichnet in das breite metallische Glühen. Noch einen Augenblick, und das rote Rund hat sich vollkommen über den Horizont erhoben. Der große, ungeheure Augenblick ist da. Phoebus Apoll, der Herrliche, schleudert seinen goldenen Strahl wie eine Fanfare des Triumphes über die Welt. Die Erde badet im Licht
Ahnst du von diesem Bilde, Techniker Mensch, der du die Sonne und das Licht in der Glühbirne und Jupiterlampe künstlich nachgeahmt hast, wie es mit deiner Größe bestellt ist? Du drehst am Schalter, und es wird hell, du drehst wieder, und es wird dunkel. Urplötzlich und schnell. Unter deiner künstlichen Sonne wächst kein Halm, öffnet sich keine Blüte. Da gibt es keinen Kampf zwischen Dunkelheit und Licht, kein Geheimnis, kein Wunder. Deine Sonne bleibt klein und armselig — bei aller Nützlichkeit, die wir nicht leugnen — vor der ewig triumphierenden Sonne Gottes.
Wer kümmert sich um die Gassenkinder?
Sie sind nicht aus eigenem Antrieb dazu geworden — Auseinandergerissenc Familien — Fehlende Kinderhorte — Geforderte Spielplätze — Wer schafft Abhilfe?
Gassenkinder — das war früher einmal ein Scheltwort auch für Buben und Mädchen aus geordneten Familien, die es zum Spiel auf die Straße trieb, die aber sonst ein geborgenes Daheim hatten. In jedem Jungen steckt ja ein Stück von einem Gassenbub und man braucht darüber noch nicht einmal ein Klagelied anzustimmen. Die „Kinder auf der Straße“, um die es uns heute geht, soll man aber nicht mit jenen aus ruhigen Zeiten vergleichen und die Sorge um sie nicht mit der billigen Bemerkung abtun: „Es war auch früher schon so“. Einige Zahlen sollen zu denken geben.
Die Mutter geht schaffen
Gegenwärtig werden vom Jugendreferat beim Regierungspräsidenten Darmstadt Erhebungen über die häuslichen Verhältnisse der Schulkinder angestellt. Aus dem Ergebnis der bisher vorliegenden Befragungen greifen wir nur einen, noch nicht besonders ungünstigen Querschnitt heraus. Er bezieht sich auf das sechste Schuljahr aller Orte des Landkreises Darmstadt. Bei einer Gesamtzahl von 1394 Kindern gibt es zwölf Vollwaisen, 190 Vaterlose und 83, die noch auf die Heimkehr des Vaters warten. 25 leben bei der Mutter, weil die Ehe geschieden worden ist. In 22 von hundert Fällen liegt also die ganze. Last der Erziehung nur bei.der Mutter. Hinzu kommt, daß von diesen Müttern ein großer Teil einem Broterwerb nachgehen muß. 37 verdienen den Unterhalt für ihre Familie durch Heimarbeit, 38 gehen einer Halbtagsbeschäftigung nach, 98 sind ganztägig tätig.
Wo aber halten sich die Kinder während der Zeit auf, in der die Mutter schaffen deht? Nur zwei wissen vom Kindergarten zu berichten. 71 stehen in der Obhut der Großeltern, fünf in der von Nachbarn. Dreizehn sagen: „Auf der Straße“, 44 sind ohne Aufsicht daheim, das heißt also auch wohl, daß sie auf die Gasse angewiesen sind. Damit wird offenbar, wie dringlich die Einrichtung von Spielplätzen und vor allem von Kinderhorten für die schulpflichtige Jugend ist.
Für die Stadt Darmstadt liegen uns entsprechende Zahlen noch nicht vor. Sicher aber ist, daß sie nicht günstiger sein werden als auf dem Lande. Wenn wir an die Ferienzeit, an Regentage und vor allem an den Winter denken, wenn wir hinzufügen, daß Darmstadt nur über zwei Kinderhorte verfügt, einen im Elisabethenstift und einen im Nachbarschaftsheim, dann sollten wir die Wichtigkeit der Aufgabe erkennen. Auch frühere Zeiten sahen sich vor sie gestellt. So kam es in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zur Gründung der Knabenarbeitsanstalt, deren segensreiches Wirken noch in guter Erinnerung ist. Sie war aus privater Initiative entstanden. Ob nicht auch heute, da das Problem noch viel ernster liegt, eine solche Bereitschaft zur Hilfe geweckt werden könnte?
Die Spielplätze
Wir sehen in diesem Zusammenhang davon ab, was durch die organisierte Jugend für ihre Altersgenossen getan wird. Sie kann immer nur einen Teil erfassen. Die anderen? Nun, wenn sie nicht auf die Straße gehen, dann stehen ihnen die Spielplätze doch offen? Wir haben den vor einem Jahr von der GYA gestifteten und in Anwesenheit von Oberkommissar MacCloy durch dessen Gattin eröffneten im Prinz-Emils-Garten, den „größten Hessens“ und den im Orangeriegarten, der von der Stadt unterhalten wird. Ein dritter ist für das Nordviertel geplant.
Der große Spielplatz ist zur Zeit nur von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Man hat mit Recht beanstandet, er sei zu sehr der Sonne ausgesetzt und vorgeschlagen, ihn durch ein Stück des schattigen Gartens zu erweitern. Die Stadt hat diesen Wunsch des Forums abgeschlagen. Sieht sie ihre Aufgabe nicht richtig?
In der Begründung des abschlägigen Bescheids, so erfahren wir von Stadtrat Schrauth, mußte darauf verwiesen werden, daß alle Versuche der Stadt, die Anlage in Ordnung zu halten, immer wieder an Zerstörungswut und Diebesgelüsten scheiterten. Aus den mit beträchtlichen Kosten angelegten sanitären Anlagen wurden die Waschbecken gestohlen. Fenster wurden zertrümmert und, als sie am nächsten Tag wieder eingesetzt worden waren, wiederholte sich der Unfug. Nicht die Kinder waren die Uebeltäter. Hier wie an vielen Stellen hilft nicht der Ruf nach der Obrigkeit. Es kann nur anders werden, wenn jeder Bürger sich verantwortlich fühlt. Ob das auf dem Wege eines freiwilligen Anlageschutzes oder durch andere Aufsichtsmittel geschieht, bedarf der Ueberlegung. Die Stadt hat dem Forum vorgeschlagen, sich darüber auszusprechen.
Im Orarigeriegarten geht es gesitteter zu. Aber auch hier bereitet die Frage der Aufsicht, weil sie mit Kosten verknüpft ist, einige Sorge. Für jeden, auch den geringsten Dienst an der Allgemeinheit, wird eine Vergütung gefordert. Dabei ließe es sich — wie es in anderen Städten vor dem ersten Weltkrieg war — denken, daß angehende Kindergärtnerinnen den Aufenthalt auf dem Spielplatz als einen Teil ihrer Ausbildung betrachten könnten. Sie haben hier eine gute Gelegenheit Kinder zu beobachten und können sich auch praktisch betätigen. In ähnlicher Weise fänden auch Jugendgruppen, die sich nicht auf ihr Gruppenleben beschränken möchten, Möglichkeiten sozialer Arbeit. Wie wichtig sie ist, das zeigt die Statistik der „Kinder auf der Straße“. pd
Trotz des trüben Wetters blickten die Gesichter erwartungsfroh! Ein Bild von der Sommerfahrt des VdK, Ortsgruppe Darmstadt, von der wir ausführlich in unserer gestrigen Ausgabe berichteten.
Hochburg der Stenografen
Helmut Kochenburger Verbandsmeister 1950
Die Leistungen des Stenografenvereins 1861, der seinen Unterricht in der Goetheschule in Darmstadt und in der Gutenbergschule in Eberstadt abhält, sind in Hessen so bekannt, daß man ruhig von Darmstadt als einer hessischen Stenografenhochburg sprechen kann. In vier Wettschreiben in diesem Frühjahr haben die Mitglieder dieses Vereins wieder ihre besondere Leistungsfähigkeit bewiesen.
Zur Ehrung der erfolgreichen Wettschreiber und Prüflinge der letzten Handelskammerprüfung war eine große Zahl von Kurzschriftlern dieser Tage in der Gaststätte Ripper zusammengekommen. Eine besondere Note erhielt die Veranstaltung durch die Anwesenheit maßgebender Vertreter des stenografischen Lebens, wie des Vorsitzenden des hessischen Stenografenverbandes, Johs. Kunkel -Frankfurt, des Vorsitzenden des Südwestdeutschen Stenografenverbandes, Herold -Karlsruhe, und des □Mitinhabers von Winklers Verlag, Heinrich Grimm. Die beiden Verbandsvorsitzenden erinnerten in ihren Ansprachen -an die über Hessen hinaus bekannten ^Leistungen des Vereins 1861.
Nadi der Begrüßung durch den Ver¬ •einsvorsitzenden, Herrn Karl Volk, nahm der hessische Verbandsvorsitzende die Verleihung der Leistungsabzeichen ries Deutschen Stenografenbundes, der höchsten stenografischen Auszeichnung, an die erfolgreichsten Wettschreiber vor. ZEs wurden verliehen: Drei goldene Abseichen in 360, 340, bzw. 280 Silben an Helmut Kochenburger, Hans Fi - scher, Erna Pfaff. An sechs Wettschreiber wurde das silberne und an fünf Wettschreiber das bronzene Leistungsabzeichen verliehen. Den Titel eines „Hessischen Verbandsmeisters in Kurzschrift 1950“ erhielt mit einer Leistung von 340 Silben Helmut Kochenburger. Zweiter wurde Hans Fischer mit 340 Silben, während Erna Pfaff mit 280 Silben beste Stenografin Hessens ist.
Der Verein 1861 liegt, seiner Tradition gemäß, mit diesen drei Meisterstenografen in Hessen an der Spitze. Die Höchstleistungen aller anderen hessischen Vereine liegen mit geringen Ausnahmen bei 200 Silben.
Im Nahkampf
Gestern abend gegen 22.30 Uhr kam es in dem Cafe Hauptpost in der Rheinstraße zu einer zünftigen Schlägerei zwischen weißen und farbigen Angehörigen der US-Besatzungsarmee. Mit Stühlen und sonstigen — als Hieb-, Stich-, Stoß- und Wurfwaffen zu verwendenden Einrichtungsgegenständen gingen die GJ-s aufeinander los. Als der Raum selbst zu eng wurde, setzten sie ihre Schlägerei zum Vergnügen der späten Passanten auf der Rheinstraße fort. Die Militärpolizei kam mit zwei Wagen, verpackte ihre tatenfrohen Landsleute getrennt nach Hautfarbe in ihre Jeeps, und der nächtliche Spuk war zu Ende. hn.
Entlassene Beamte wollen ihr Recht
Ueber eine kürzlich abgehaltene Mitgliederversammlung des Allgemeinen Beamtenschutzbundes e. V. im überfüllten Concordiasaal ging uns vom „Allgemeinen Beamtenschutzbund e. V. Darmstadt“ ein Bericht zu, demzufolge Landrat a. D. Dr. Gerber, Wilkenhausen, über das Thema „Es geht ums Recht“ sprach.
Von den ursprünglichen Grundsätzen des Beamtenrechts ausgehend referierte der Redner über das Ausnahmegesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums im Jahre 1933, demzufolge etwa 1000 Beamte ihres Dienstes enthoben worden seien. Selbst bei den damaligen Machthabern wurde nur sehr wenigen davon betroffenen Beamten die verdiente Versorgung versagt. Dagegen wurden 1945 etwa 100 000 politisch nicht genehme Beamte ohne jede Versorgung, ohne Gesetz, nur nach einer Kontrollratsdirektive entlassen. Trotz des noch bestehenden Deutschen Beamtengesetzes, der beabsichtigten Wiederherstellung rechts staatlicher Grundsätze durch die Besatzungsmacht und trotz einer Feststellung des internationalen Gerichtshofes, daß persönliche Schuld erwiesen werden müsse und Vermutungsschlud keine Rechtsgrundlage sei, machten sich öffentliche Verwaltungen offenkundiger Entziehung aller Rechte aus dem Beamtenverhältnis schuldig und zahllose ehemalige Beamte liegen ohne jegliche Versorgung auf der Straße. Selbst ein Parlament habe nicht die Macht, den Raub der Beamtenrechte zu sanktionieren und durch Hessische Verfassung und Bonner Grundgesetz sei das Beamtenrecht als vermögensrechtlicher Anspruch geschützt. Alle anderen Entscheidungen seien juristisch nicht haltbar. Der Redner griff in scharfen Worten die Entfernung vom Rechtsbewußtsein in der Bundesrepublik an und sprach die Erwartung aus, daß die entrechteten Beamten, denen eine persönliche Schuld nicht nachzuweisen sei, bald wieder zu ihren Rechten kommen müßten. Recht sei nicht Gegenstand der puren Anbetung und Verehrung, es müsse der tragende Grund eines Rechtsstaates sein.
Frankensteintreffen 1950
Das diesjährige Frankensteintreffen findet am Sonntag, dem 6. August 1950 statt. Kreisjugendausschuß, sämtliche Jugendgruppen des Landkreises, die Eberstädter und Darmstädter Gruppen und die Schulen haben dazu eingeladen.
Am Sonntagmorgen halten die Geistlichen beider Konfessionen auf dem Frankenstein Gottesdienst ab. Auf der Kundgebung um 11 Uhr sprechen Landrat Wink und der neue Schulrat des Landkreises Darmstadt, Dr. Ploetz. Dr. Ploetz will sich der Schuljugend und den Schulentlassenen vorstellen. Die Veranstaltung wird umrahmt von Musik, Liedern, Volkstänzen und Laienspielen. Am Nachmittag werden die Königsteiner Puppenspieler, die auch im Ausland einen guten Ruf genießen, ein Gastspiel geben. t-s
Der Polizeipräsident warnt
Jugendliche gehören in der Dunkelheit nicht auf die Straße
Nach § 1 der Polizeiverordnung zum Schutz der Jugend dürfen sich Jugendliche unter 18 Jahren auf öffentlichen Straßen und Plätzen oder an sonstigen öffentlichen Orten während der Dunkelheit nicht herumtreiben. Gerade in dem unbeaufsichtigten Herumtreiben zur Nachtzeit — also ohne Begleitung der Erziehungsberechtigten oder einer von diesem beauftragten Person — liegt eine besondere Gefahr für die Jugend. Die Dunkelheit verlockt zur Verübung von zunächst harmlosem Unfug, der erfahrungsgemäß bald zu üblen Streichen übergeht, ia zur Begehung von strafbaren Handlungen führen kann. Diese Gefahren abzuwenden, ist neben Elternhaus oder sonstigen Erziehungsberechtigten auch die Schule berufen.
Selbstverständlich richtet sich dieses Verbot nicht gegen Jugendliche, die von der Arbeitsstelle heimkommen oder aus anderen notwendigen Gründen die Straße betreten und ordnungsmäßig ihrer Wege gehen. Die Jugendschutzbestimmungen sollen u. a eine ungestörte Entwicklung der Jugendlichen sichern.
Die Polizeibeamten sind erneut angewiesen, auf die strikte Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen zu achten und Verstöße zur Anzeige, zu bringen.
Blende auf!
Die „Skala“ in Eberstadt eröffnet
Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wurde am Freitag mit einer Festvorstellung, in der der deutsche Film „Rosen in Tirol“ gezeigt wurde, die Eberstädter „Skala“ eröffnet. Architekt Eisenkopf hat den alten Saal des „Bergsträßer Hofes“ zu einem allen modernen Erfordernissen gerecht werdenden Kino ausgebaut. Zu diesem Zweck wurden die Emporen entfernt und die akustischen Verhältnisse durch den Einbau von Starkelithplatten und einem besonderen Verputz verbessert.
Der Vorführraum liegt über dem Vestibül, das man über einen schön gestalteten Vorplatz nach der Heidelberger Straße zu betritt. Der Innenraum macht mit seinen 340 Sitzplätzen einen guten Eindruck.
Um die Zahl der Kriegsgefangenen
Erste Untersuchung des Suchdienstes mit dem Material der staatlichen Registrierung
Um die Zahl der Kriegsgefangenen ist in letzter Zeit in der Öffentlichkeit und der Presse heftig diskutiert worden. Allein die staatliche Registrierung vom März 1950 brachte eine Zahl von 69 000 gemeldeten Kriegsgefangenen. Schon damals wurde gesagt, daß es sich um eine Mindestzahl handle, da man nur die Kriegsgefangenen hatte registrieren lassen, die tatsächlich mit ihren Angehörigen in der Heimat unmittelbar in brieflicher Verbindung gestanden hatten.
Der Suchdienst, dem die Meldekarten der Registrierung nunmehr laufend vom Bayrischen Statistischen Landesamt übergeben werden, hat mit dem ersten Material Untersuchungen angestellt, um festzustellen, in welchem Umfange die Zahl von 69 000 Kriegsgefangenen eine Mindestzahl darstellt. Im Gegensatz zu der amtlichen Statistik, die bei dieser Erhebung naturgemäß ganz strenge Richtlinien geben mußte, um Zahlen ohne jeden Unsicherheitsfaktor zu erhalten, kennt der Suchdienst noch andere Gesichtspunkte, die für die Beurteilung, ob es sich um einen Vermißten oder um einen Kriegsgefangenen handelt, von Bedeutung sind. Zunächst rechnete die Registrierung vom März 1950 bewußt alle die Fälle zu den Vermißten, bei denen nicht eine unmittelbare Verbindung zwischen Kriegsgefangenen und Angehörigen bestand. Die zahlreichen Heimkehreraussagen über in Gefangenschaft lebend zurückgelassene Kameraden blieben dadurch völlig unberücksichtigt; sie liegen aber dem Suchdienst vor. In Verbindung mit der Gruppe von Kriegsgefangenen, die vor dem 8. Mai 1945 eine eigene Nachricht aus dem Lager gaben (und die bei der Registrierung ebenfalls nicht als Kriegsgefangene gezählt werden konnten), erhöht sich die Kriegsgefangenenzahl der Registrierung auf die ser Grundlage bereits um 7,1 Prozent Diese Erhöhung muß zum größten Teile bei den Vermißten abgesetzt werden. Darüber hinaus fehlen bei der Meldung der Kriegsgefangenen anläßlich der staatlichen Registrierung weitere Gruppen, die die Zahl nicht unwesentlich erhöhen werden. Es sind dies einmal alle die Kriegsgefangenen, deren Angehörige in der Ostzone wohnen und sie demzufolge bei der Registrierung nicht melden konnten. Gleiches gilt für die Kriegsgefangenen, deren Angehörige noch heute als Restteile in den ehemaligen deutschen Gebieten, bzw. den ehemaligen volksdeutschen Siedlungsräumen leben. Es gehört weiter hinzu die Gruppe der Kriegsgefangenen, die schon früher verurteilt wurden und seit diesem Zeitpunkt bekanntlich ohne Schreiberlaubnis sind. Nicht zuletzt gibt es auch eine Anzahl von Kriegsgefangenen, deren Angehörige zwar im Bundesgebiet leben, jedoch im März dieses Jahres von der Registrierung nicht erreicht wurden, bzw. an ihr nicht teilnehmen konnten.
Alle diese letztgenannten Gruppen, die zahlenmäßig teils überhaupt nicht, teils im Augenblick noch nicht feststellbar sind, erhöhen die Zahl der Kriegsgefangenen über die oben genannten 7,1 Prozent hinaus, für die die Unterlagen beim Suchdienst vorhanden sind. Allein mit dieser nicht unerheblichen Prozentzahl aber, die belegt werden kann, ist der Beweis dafür erbracht, daß es sich bei den gemeldeten 69 000 Kriegsgefangenen nur um eine Mindestzahl handeln konnte. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß Registrierungsanträge nach wir vor angenommen werden und daß diese Registrierung von großer Wichtigkeit für das Gelingen des Ostvermißtenplans ist.
Warnung an alle Gastwirte
Ein gefährlicher Raubüberfall
Einen gefährlichen Raubüberfall, der sich in der Montagnacht in Frankfurt ereignete, nimmt die Kriminalpolizei zum Anlaß, die hiesigen Gaststättenbesitzer vor ähnlichen Vorkommnissen zu warnen.
Gegen drei Uhr nachts erschienen in einem Frankfurter Lokal zwei unbekannte junge Männer im Alter von 20 bis 22 Jahren. Sie stellten sich an die Theke und verlangten Bier. Plötzlich zog einer der beiden eine Pistole und forderte den Eigentümer, die Bedienung und den Ober auf, die Hände hoch zu nehmen. Als die Bedienung in die Küche zu laufen versuchte, gab er einen Schuß ab, der jedoch nicht traf. Anschließend raubten die beiden dem Ober die Brieftasche mit 35 DM, eine Herrenarmbanduhr und einen Siegelring. Ferner rafften sie eine nicht mehr feststellbare Zahl von Zigaretten zusammen und nahmen außerdem Biergläser und einen Blechdeckel mit 100 Biermarken mit.
Die Täter werden wie folgt beschrieben: 1. 20 bis 22 Jahre alt, gesetzte Figur, blondes und gelocktes Haar, volles Gesicht, 1,65 m groß; 2. 20 bis 22 Jahre alt, schlank, schmales Gesicht, dunkelblondes und glattes Haar, 1,80 m groß. Beide waren ohne Kopfbedeckung und trugen helle Stoffmäntel. Der Oberstaatsanwalt in Darmstadt hat für die Ergreifung je eines Täters 500 DM Belohnung ausgesetzt. -wst-
In der Standt notiert
In der Bessunger Straße werden in diesen Tagen die letzten Straßenbauarbeiten an der Stelle des abgerissenen Bahnwärterhäuschens ausgeführt. Durch die Beseitigung dieses Verkehrshindernisses konnte die Fahrbahn auf 12 Meter verbreitert werden.
Haus Waldruhe im Stettbacher Tal ist, wie wir heute erfuhren, Privatbesitz von H. Pleßmann und nicht, wie wir irrtümlich annahmen, Eigentum der Evangelischen Gemeinschaft.
Einen beträchtlichen Menschenanflauf gab es am vergangenen Samflag gegen 12.30 Uhr, als an der Ecke Rhein- und Neckarstraße ein aus der Ausfahrt der Firma Heß herauskommender Lastkraftwagen gegen die stehende Straßenbahn rollte. Der Fahrer, der in der Ausfahrt die Abfahrt der Straßenbahn erwartete, erklärte, daß bei versagender Bremse sein Fahrzeug plötzlich ins Rollen gekommen wäre. Die Polizei nahm eine Ueberprüfung des Fahrzeuges auf Straßensicherheit vor. An Straßenbalm und Lkw. entstand geringer Sachschaden. DT
Die „Neue Zeitung“, München, errichtet, wie wir erfahren, ab 1. August 1950 in Darmstadt im Hause der Papier- und Schulbuchhandlung Heinrich Kraus, Wilhelm-Leuschner-Straße 20, eine eigene Geschäftsstelle. -ra-
Neuer Forums-Vorstand
Gemäß den Satzungen des Darmstädter Forums ist der im Januar 1950 gewählte Vorstand mit Beginn dieses Monats zurückgetreten. Die Neuwahl des Vorstandes ist für nächsten Donnerstag, den 27. Juli, 20 Uhr, in der Aula der Technischen Hochschule vorgesehen. Bei dieser Veranstaltung wird ein Referat über die geleistete Arbeit des Forums in den beiden Jahren seines Bestehens berichten und in der anschließenden Diskussion zur Kritik stellen.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Union: „Die Kudcucks“; Thalia: „Träum’ nicht, Annette!“; Belida: „Abenteuer auf hoher See“, Palast: „Leckerbissen“, Hansa: „Wiener Mädeln“.
Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler; Holzhofallee: Ausstellung zum Ströher-Preis; Mathildenhöhe: Das Menschenbild in unserer Zeit; Amerikahaus: fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellungen Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika; d’Hooge, Mathildenplatz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.
Opernschule der Landesmusikschule: Concordiasaal, 19.30 Uhr: „Die Frau ohne Kuß“ von Walter Kollo.
Amerikahaus: 20.00 Uhr: Liederabend der amerikanischen Sopranistin Janet Hayes. Am Flügel: Charles D. Walker, USA.
Wir gratulieren
87. Geburtstag: Herrn Johannes Grünewald, Habitzheim, Schulstraße 12.
78. Geburtstag: Frau Apollonia Massoth, Lorsch, Badegasse 7.
Wirtschaftshlatt
Export wird erschwert
Be. Seit einigen Monaten verhandelt die Körperpflegemittel-Industrie mit den zuständigen Ministerien über eine Senkung der Alkohol-Steuer, die mit 6 DM je Liter Weingeist heute gegenüber 0,96 RM im Jahre 1932 die aus versteuertem Alkohol hergestellten Erzeugnisse außerordentlich vorbelastet. In den Verhandlungen ist darauf hingewiesen worden, daß infolge der hohen Steuer die Körperpflegemittel-Industrie im Wirtschaftsjahr 1948/49 nur etwa 700 000 Liter Alkohol abgenommen hat, gegenüber 4 Millionen Liter 1938/39. Zwar wurden die 4 Millionen Liter von der Industrie des damaligen Reichsgebiets verbraucht. Im Bundesgebiet sind aber immerhin Kapazitäten für die Verarbeitung von 2 Millionen Liter vorhanden, die bei weitem nicht ausgenutzt sind.
Gerade der Absatz der mit versteuertem Alkohol hergestellten Fabrikate ist für die Beschäftigungslage der Werke wesentlich. Daher wirkt ihre Verteuerung durch die Steuer sehr nachteilig. Seit Beginn dieses Jahres hat sich die Lage weiter verschärft, so daß Entlassungen vorgenommen werden mußten. Die Schrumpfung des Inlandsabsatzes behindert auch das ohnehin schon schwierige Exportgeschäft. Obwohl im Ausland einige Anfangserfolge festzustellen sind, bleiben die Ausfuhrziffern unbefriedigend. Dagegen haben Länder wie die Schweiz und Italien den Export ansehnlich zu steigern vermocht. Seit der Liberalisierung des Außenhandels strömen zunehmend ausländische kosmetische Erzeugnisse, insbesonders alkoholartige, ins Inland. Hinzu kommt die illegale Einfuhr über die Westgrenze, die mit etwa 1 Million DM monatlich angegeben wird.
Nach Ansicht der Industrie würde sich nach der vorgeschlagenen Senkung des Alkoholpreises von 8,50 DM auf 3,30 DM je Liter (bei Abnahme von der Monopolverwaltung) das Ste aufkommen sogar noch erhöhen. Im Jahre 1949 entrichtete die Industrie für Körperpflegemittel 4 Millionen DM an Alkoholsteuer. Bei einer Senkung der Steuer wird eine erhebliche Absatzsteigerung nLLt nur auf dem Inlandsmarkt, sondern insbesondere auch auf den Exportmärkten erwartet, da zur Zeit aus ungefähr 30 Ländern Anfragen nach deutschen Spitzenerzeugnissen vorliegen. Wegenderbevorstehenden Weihnachtssaison und ihrer Bedeutung für die Beschäftigung drängt die Industrie für Körperpflegemittel auf eine schnelle und positive Entscheidung in der Frage der Alkoholsteuersenkung.
Trümmerschutt als Bauelement
Die Baukosten können um sechs Prozent gesenkt werden
hd. Die deutsche Studiengesellschaft für Trümmerverwertung hat eine Denkschrift über „die Wirtschaftlichkeit der Trümmerverwertung" ausgearbeitet. Diese Denkschrift kommt an Hand eingehender Untersuchungen und Auswertungen der Betriebsergebnisse bereits vorhandener Trümmerverwertungsanlagen und durch Vergleich der Baukosten in den verschiedenen Bauweisen errichteter Neubauten zu aufschlußreichen Ergebnissen.
Von dem noch in Deutschland am Ort der Zerstörung lagernden Trümmerschutt von etwa 400 Millionen cbm wird man etwa 100 Millionen cbm für den Aufbau von Wohnungen verwenden können -- und zwar in Form unmittelbar wiedergewonnener Altsteine, Träger und sonstiger Baustoffe, oder in Form neuer Bauelemente, die durch Brechen der alten Ziegelbrocken und durch Mischen mit Bindemitteln hergestellt werden. Der Rest des Schuttes von 300 Millionen cbm wird teils produktiv, zum Beispiel als Uferbefestigung, im Straßenbau oder für Dammschüttungen, im übrigen ohne Nutzwert vor den Städten abgelagert. ,
Da im Durchschnitt durch Räumung, Abtransport und Ablagerung des Schuttes außerhalb der Städte Kosten von mindestens 4,— DM je cbm Schutt entstehen, würde die noch erforderliche Trümmerbeseitigung ohne jede Verwertung einen Betrag von rund 1,6 Milliarden DM erfordern, der aus öffentlichen Mitteln aufgebracht werden muß. Durch die Verwendung wiedergewonnener Altbaustoffe können bei niedrigen Aufwandskosten noch brauchbare Baumaterialien gewonnen werden, und durch die eigentliche Verwertung von nur 25 Prozent der gesamten Schuttmassen treten Ersparnisse bei den Raumkosten auf. Sie können mit mindestens 15 Prozent der gesamten Räumkosten des verwerteten Schuttmassenanteils veranschlagt werden, das sind etwa 60 Millionen DM.
Die aus der Verwertung gewonnenen neuen Bauelemente bieten nach Ansicht der Studiengesellschaft zusätzliche Verbilligungsmöglichkeiten gegenüber dem bisher üblichen Ziegelbau, durch die Verwendung von Hohlblocksteinen und die Anwendung der Schüttbetonweise. Beide Bauarten haben sich in vielen in ganz Deutschland ausgeführten Bauten bewährt. Unter Zugrundelegung gleicher Wärmeeigenschaften der zu vergleichenden Wände beträgt die Verbilligung bei den Mauerwerkskosten je nach Ortslage etwa 20 bis 40 Prozent. Durch eine optimale Trümmerverwertung kann man dadurch bei mehr als einer Million Wohnungen die Gesamtbaukosten um etwa 6 bis 8 Prozent senken und dadurch im Wiederaufbau etwa 560 Millionen DM sparen.
„Hamsterkäufe unnötig“
dpa. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels weist darauf hin, daß die seit Beginn des Koreakonfliktes örtlich auf getretene Unruhe in der Bevölkerung und die damit verbundenen erhöhten Einkäufe bei der augenblicklichen Vorratslage des Einzelhandels und seiner Vorstufen nicht begründet seien. Insbesondere sei die laufende Einfuhr von Zucker so umfangreich, daß jeder anfallende Bedarf befriedigt werden könne.
Rückläusfiger Notenumlauf
F.A.Z. Nach dem Wochenausweis der Bank deutscher Länder vom 15. Juli 1950 hat sich der Zahlungsmittelumlauf um 205 Millionen DM auf 7.84 Milliarden DM verringert. Er liegt damit allerdings noch um 268 Millionen DM über dem Stand vom 15. Juni 1950. Die Guthaben der Landeszentralbanken verminderten sich um 150 Millionen DM auf 262 Millionen DM.
Markt- und Böõrsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse war am Montag bei freundlicher Grundstimmung die Kursentwicklung überwiegend fest, doch konnten die vorbörslichen Samstagkurse, die zum Teil höher lagen, nicht bei allen Werten gehalten werden, da sich die Kundschaftsbeteiligung nur in relativ engem Rahmen hielt. Durchschnittliche Kursverbesserungen von 1 bis 1,5 Punkten, insbesondere am Montan-, Chemie- und Maschinenmarkt, standen nur verhältnismäßig wenige, mehr zufallsbedingte Abschwächungen gegenüber.
Deutsche Wollpreise fester
Kl. Die Juli-Auktion der Deutschen Wollverwertung Paderborn stand unter günstigen Vorzeichen, und die Erwartungen. daß die besonders auf der Juni-Börse stark gedrückten Preise wieder anziehen, haben sich voll erfüllt.
Nach dem offiziellen Versteigerungsbericht wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Für Merino-Vollschur ca. 4.75 (reingewaschen ohne jede Spesen 12,50 DM), für Merino-Halbschur und Lamm 4,80 bis 5,25 DM (reingewaschen 10,50 bis 11,- DM), für feine Kreuzzuchten (BC-C) ca. 3,65 DM
Frankfurter Schlachtviehmarkt
bz. Am Hauptschlachttag waren aufgetrieben: 924 (688) Stück Großvieh, 796 (648) Kälber. 3469 (2629) Schweine sowie 345 (237) Schafe. Marktverlauf: Großvieh ruhig und Ueberstände. Kälber mittelmäßig, Schweine schleppend. Ueberstände, Schafe ruhig Bezahlt wurden: Schweine A 133—136 (135), B 1 und 2 144—136 (135), C 131—136 <135), Schafe, gute Qualität 50—55, mittlere 45—45. geringe Qualität bis 35 (sämtlich wie in der Vorpoche), Großvieh, Ochsen A 83—88 (82—86). B 73—80 (72—80), Bullen A 83—88 (85—88), B 72—80 (78—82), Kühe A 74—80 (72—80. B 60—70 (unV.), C 50—58 (48—58), D 35—45 (38—45), Färsen A 88—92 (90—94), B 80—86 (82—88). C 70—78 (72—80). Kälber B 105—118 105—115), C 85—100 (90—100), D 65—80 (70—85).
Arbeitsbeschaffung durch Export
Bank deutscher Länder empfiehlt geldpolitische Zurückhaltung
F. A. Z. Nach dem Juni-Monatsbericht der Bank deutscher Länder hat die Konjunktur einen ungewöhnlich starken Antrieb durch die Entwicklung des Exports empfangen. Man kann beinahe sagen, daß, abgesehen von der saisonmäßigen Erholung, der Aufschwung der letzten Monate in der Hauptsache eine „Exportkonjunktur“ war oder doch auf dem Exportanstieg beruhte. Von etwa 400 Millionen DM im Monatsdurchschnitt des vierten Vierteljahrs 1949 ist die Ausfuhr auf rund 600 Millionen DM im Mai 1950 gewachsen. Im vierten Vierteljahr 1949 waren in der gesamten Industrie etwa 425 000 Arbeitskräfte für den Export tätig. Im April 1950 war diese Ziffer bereits auf mindestens 550 000 gestiegen, und für den Mai und Juni kann man mit einer weiteren Zunahme um gut 50 000 bis 75 000 rechnen.
Diese Entwicklung bildet für die künftige Orientierung der westdeutschen Wirtschaftspolitik eine überaus interessante Lehre. Es war in Westdeutschland bisher vielfach angenommen worden, daß eine nachhaltige Erhöhung des Beschäftigungsniveaus im wesentlichen nur durch eine Ausweitung des Investitionsvolumens bewirkt werden könne, und daß hierfür wiederum eine entsprechende Kreditschöpfung unerläßlich sei. Man war sich aber klar darüber, daß eine solche Politik leicht in Konflikt geraten könne mit der Notwendigkeit, das Defizit in der Zahlungsbilanz zu beseitigen, das 1949 noch immer etwa 1,05 Milliarden Do'lar,, das sind rund gut 4,4 Milliarden DM, betragen hatte und um so bedrohlicher war, als die Auslandshilfe die 1949 den bei weitem größten Teil dieses Defizits gedeckt hatte, ständig abnimmt und 1952 nach den bisherigen Ankündigungen gänzlich aufhören soll.
Die Entwicklung, die die westdeutsche Ausfuhr in den letzten Monaten genommen hat, zeigt nun aber, daß unter den gegenwärtigen Bedingungen unseres Auslandsabsatzes ein solcher Gegensatz zwischen einer stärkeren Zunahme von Produktion und Beschäftigung und den außenwirtschaftlichen Möglichkeiten kaum mehr besteht. Die „zusätzliche Nachfrage“, die im Interesse einer raschen Konjunkturbelebung von manchen Seiten durch eine noch stärkere Kreditschöpfung, als sie bisher schon stattgefunden hatte, gefordert wurde, ist in der letzten Zeit nämlich vom Weltmarkt ausgeübt worden.
Die Möglichkeiten,' auf diesem Wege erfolgreich weiter, fortzuschreiten, sind in neuester Zeit eher noch gewachsen. Seit einigen Monaten befindet sich die amerikanische Konjunktur wieder in einem kräftigen Aufschwung. Hatte schon dies auf die internationalen Rohstoffmärkte und damit auf die gesamte internationale Konjunkturentwicklung einen fühlbaren Einfluß ausgeübt, so ist die Tendenz zur Anspannung aller Produktionskräfte noch erheblich verstärkt worden durch die weitreichenden Rückwirkungen, die der Korea-Konflikt auf zahlreiche Länder, besonders auf die Vereinigten Staaten von Amerika, ausgeübt hat. Die Aufnahmefähigkeit der Weltmärkte wird steigen. Westdeutschland hat damit erhöhte Aussichten, bei Fortsetzung seiner Exportbemühungen nicht nur dem Zablungsbilanzausgleich und der „viability“ wesentlich näherzukommen, sondern gleichzeitig auch einen Anstieg von Produktion und Beschäftigung zu erzielen, wie er bisher nur mit Hilfe einer weitgehenden staatlichen Wirtschaftsförderung möglich erschien. Auf Jahresrate umgerechnet, beträgt die Ausfuhr zur Zeit etwa 7,1 Milliarden DM. Sie beschäftigt damit direkt, d. h- ohne die von ihr ausgehende „Sekundärbeschäftigung“. schätzungsweise über 600 000 Arbeitskräfte. Wenn es nun möglich wäre, gestützt auf eine rege Weltkonjunktur bis zum Jahre 1952 das aufgestellte Exportziel von 12 bis 13 Milliarden DM zu erreichen — also eine „zusätzliche Nachfrage“ in Höhe von nahezu 5 bis 6 Milliarden DM zu mobilisieren —, so würde die Beschäftigung hierdurch unmittelbar und mittelbar sicher nochmals um einige hunderttausend Kräfte wachsen.
Unter den gegenwärtigen Entwicklungstendenzen der Konjunktur erscheint daher eine gewisse geldpolitische Zurückhaltung am Platze. Dies gilt um so mehr, als in fast allen Ländern eine gewisse Nervosität entstanden ist, die auf wirtschaftlichem Gebiet die Ausgabeneigung der Verbraucher zu erhöhen tendiert.
Verhandlungen über Großbanken
F.A.Z. Wie wir erfahren, werden Ende Juli erneute Verhandlungen zwischen der Bank deutscher Länder, den Landeszentralbanken, den Vertretern der ehemaligen Großbanken und der Bundesregierung stattfinden, um einen einheitlichen deutschen Standpunkt zur Großbankenfrage zu erarbeiten. Der Abschluß der Besprechungen wurde bisher verzögert, weil zwischen deutschen und alliierten Stellen in der Frage der Großbankenbezirke Meinungsverschiedenheiten bestanden. Die Alliierten wünschten mindestens 4 oder 6 Großbankbezirke, während die deutschen Verhandlungspartner eine geringere Zahl wünschen. Wie wir nun hören ist man in den beteiligten deutschen Kreisen jetzt der Meinung, daß die Besatzungsmächte einer Neuordnung auf der Basis von nur drei Großbezirken wohlwollender gegenüberstehen als bisher.
Der SPORT
Favoritensiege auf dem Schleizer Dreieck
Die Westfahrer sicherten sich in allen Rennen die Plätze
Gera. (AZ.) Das Schleizer Dreiecksrennen 1950, der fünfte Lauf um die Deutsche Motorrad-Straßenmeisterschaft und zugleich der erste Meisterschaftslauf, der auf dem Boden der Sowjetzone gestartet wurde, war ein großes sportliches Ereignis und ein voller Erfolg. Obwohl in der Nacht zum Sonntag über ganz Mitteldeutschland und auch über das thüringische Gebiet schwere Gewitter niedergingen, strömten die Menschenmassen in unübersehbaren Scharen nach Schleiz. Als das Rennen um neun Uhr begann, waren es rund 200 000 Sportbegeisterte, die den 7,770 km langen Kurs umsäumten, In allen sechs Rennen gab es pakkende Kämpfe und sportliche Spitzenleistungen, wie sie seit der Wiedergeburt des Motorradsportes in der Sowjetzone noch nicht wieder da waren. Dabei zeigten sich die aus dem westdeutschen Bundesgebiet kommenden Fahrer mit ihren Maschinen klar überlegen. In allen Rennen belegten sie die ersten drei Plätze. Fleischmann und Kluge hatten Kerzendefekte und kamen dabei um schon fast sichere Siege, die sich ann Wünsche-Ingolstadt und H. P. Müller-Bielefeld holten.
Die Sowjetzonenbehörden hatten das Rennen unter das Motto „Einheit für das demokratische Deutschland und Frieden für die Welt“ g. teilt. Auf ein--. Empfang des ostzonalen Sportausschusses für die , ostdeutschen Gäste betonte der thüringische Verkehrsminister Helmut von Oertzea die Notwendigkeit des „aktiven Kampfes“ der ost- und westdeutschen Sportler.
Nachstehend die Ergebnisse der einzelnen Renn-a:
Bis 125 ^cm: rH- p- Müller (Bielefeld) DKW m. K. 51:08,9 = 91,15 km/h 2 Kluge (Ingolstadt) DKW o. K. 51:09, 3 Dietrich (Frankfurt a. M.) Puch 52:26.2 = 88 90 km/h Schnellste Runde: H. P. Müller (Bielefeld) 93,43 km/h.
Bis 250 ccm: 1. Kluge (Ingolstadt) DKW mit Ladepumpe 55:55,5 = 108,37 km/h 2. (erster Saugmotor) Gablenz (Karlsruhe) Moto-Parilla 56:11,8 = 107,85 km/h 3 zweiter Kompressor) H. p. Müller (Bielefeld) DKW — K. 59:11,2. Schnellste Runde Gablenz 111,66 km/h.
Seitenwagen bis 600 ccm: 1. (erster Kompressor) Böhm/Fuchs (Neckarsulm) NSU — K. 43:05.9 = 108.17 km/h, 2. zweiter Kompressor) Klcnkermeier/Wolz (München) BMW o. K. 53:40 = 106,76 km/h, 3. (erster Saugmotor) Ewersberger/Straus (Nürnberg) BMW 46:06 = 101,13 km/h. Schnellste Runde: Böhm/Fuchs 110,36 km/h.
Bis 350 ccm: 1. (1. Kompressor) Siegfried Wünsche (Ingolstadt) DKW — K. 53:45 = 112,76 km/h. 2. (erster Saugmotor) Knees (Gö't'ngcn) AIS 54 50 3 = 110,52 km/h, 3. (zweiter Kompressor) Fleischmann (Amberg) NSU — K. 55:19,1. Schnellste Runde: Fleischmann 117,78 km/h.
Seitenwagen bis 1200 ccm: 1. Kraus/Hue¬ ser (München) BMW 48:29,7 = 96,13 km/h, 2. Seppenhauser/Wenzhofer (München) BMW 49:23,7. 3. Hankel/Trinkhaus (Berlin) BMW 50:43,1. Schnellste Runde 100,80 km/h.
Bis 500 ccm: 1. (erster Kompressor) Georg Meier (München) BMW — K. 54:29,1 = 111,23 km/h, 2. (zweiter Kompressor) Heiner Fleischmann (Neckarsulm) NSU m. K. 55:17,6, 3. dritter Kompressor) Kraus (München) BMW m. K. 58:34,5 km/h. Schnellste Runde: Georg Meier (München) 119,76 km/h.
TEC-Junioren siegten 9:0
Am Sonntag trugen die TEC-Junioren ein Freundschaftsspiel gegen eine Nachwuchsmannschaft der TSG 46 aus. Im 1. Einzel schlug Wittmann den Spitzenspieler der TSG 46, Werner Wolf, in einem spannenden 3-Satz-Kampf 4:6, 6:3, 6:4. Müller, Schöpf, Weinert und Wittich konnten ihr Einzel gegen Hahn, Schilling, Sachs und Enders glatt gewinnen, wogegen Dörr gegen Balz 3 Sätze benötigte. Ebenso mußten Wittmann-Müller und Schöpf-Wittich sich anstrengen, um gegen Hahn-Wolf und Schilling-Sax 3:6, 6:3, 8:6 bzw. 6:4, 7:5 ihren Punkt zu ge /innen, während Weinert-Müller ihren Gegnern in jeder Hinsicht überlegen waren. Das Gesamtergebnis lautete 9:0 für den TEC. -gw-
Hessische Rollkunstlauf-Meisterschaften
RSC holt vier Titel nach Darmstadt
Die diesjährigen Hessischen Rollkunstlaufmeisterschaften waren mit großen Hindernissen verbunden. Der Wettergott meinte es an beiden Tagen mit den Sportlern nicht gut. Das Programm wurde dadurch verzögert und konnte nicht reibungslos abgewickelt werden. Dennoch ist es ein Verdienst der Organisation des RSC Darmstadt, daß die Läufe, wenn sie auch bis in die späten Abendstunden andauerten, reibungslos durchgeführt werden konnten. Wie in den ververgangenen Jahren konnte in der Meisterklasse (Einzellauf der Herren und Damen) Frankfurt die ersten Plätze belegen. Frankfurt als Metropole im hessischen Rollschuhsport ist gerade in der Meisterklasse nicht gefährdet. Auch ohne Irma Fischlein und Lothar Müller fielen diese Titel klar nach Frankfurt. Im Paarlaufen hat sich jedoch das Bild verschoben. Hier konnte sich das Darmstädter Paar Ursula und Jan Di r - k e n/RSC Darmstadt in den Vordergrund schieben und klar den ersten Platz belegen. In der Juniorenklasse und bei den Neulingen war Darmstadt meist tonangebend. So blieb es nicht aus, daß der RSC Darmstadt allein 4 Titel nach Darmstadt holte. Beachtlich ist ebenso der 3. Platz von Inge Rei ma n n/TSG 46 Darmstadt in der Meisterklasse. Bei den Junioren (Männer)' war Jan Dirken mit Abstand der beste und sicherte sich diesen Titel überlegen. Bei der Juniorenklasse der Damen ging der Titel nach Frankfurt. Irmela Reimann, die auf den 3. Platz kam. verwies Ursula D i r - ke n/RSC auf den 4. Platz. Die beiden anderen Darmstädter Vertreterinnen Herta Merker und Meta-Luise Lang landeten auf dem 12. und 13. Platz. In der Neulingklasse (Herren) konnte der RSC große Erfolge verzeichnen. Frohmann belegte den 1„ H o f m a n n, H e ß und Bo 11 no w den 3.. 4. und 5. Platz.
Bei den Mädchen (über 12 Jahre) war Ulla Mahr/RSC nicht zu schlagen. Sie war ihren Gegnerinnen klar überlegen und verwies die folgenden Frankfurterinnen auf die nächsten Plätze. Auf den 4. Platz setzte sich Hannelore Thiele/ RSC Darmstadt. In der Neulingklasse (Mädchen unter 12 Jahre) gab es einen erbitterten Kampf zwischen den beiden Frankfurterinnen Marika Kilius und Ute Kitz. Erstere konnte sich knapp vor ihrer Vereinskameradin behaupten.
Die Siegerehrung und ein gemütliches Beisammensein fand in den späten Abendstunden auf dem Heiligenkreuz statt.
Nachstehend die neuen hessischen Meister 1950 im Rollkunstlauf:
Senioren Herren (Meisterklasse): 1. Herbert Bayer, FREC Frankfurt.
Senioren Damen (Meisterklasse): 1. Ellen Bruder, FREC Frankfurt; 2. Anni Hergenröder, FREC Frankfurt; 3. Inge Reimann, TSG 46 Darmstadt.
Paarlanf (Meisterklasse): 1. Ursula und Jan Dirken, RSC Darmstadt; 2. Marikka Kilius und Franzl Ningel, FREC Frankfurt; 3. Ulla Mahr und Günther Jakob, RSC Darmstadt; 4. Holzapfel/Löffke, FREC Frankfurt.
Junioren (Herren): 1. Jan Dirken, RSC Darmstadt; 2. Franzl Ningel, FREC Frankfurt; 3. H. Löffke, FREC Frankfurt; 4. Rudi Fries, TSG 46 Darmstadt.
Junioren (Damen): 1. Margot Holzapfel. FREC Frankfurt; 2. Hannelore Neubig, FREC Frankfurt; 3. Irmela Reimann, TSG 46 Darmstadt; 4. Ursula Dirken, RSC Darmstadt.
Neulinge (Mädchen über 12 Jahre): 1. Ulla Mahr, RSC Darmstadt; 2. Ilse Insel, FREC Frankfurt; 3. Ilse Fichtberger, FREC Frankfurt; 4. Hannelore Thiele, FREC Frankfurt.
Neulinge (Mädchen unter 12 Jahre); 1, Marikka Kilius, FREC Frankfurt; 2. Ute Kitz, FREC Frankfurt; 3. K. Hofmann, FREC Frankfurt; 4. Hannelore Spieß, TSG 46 Darmstadt; 5. Edith Sommer, RSC Darmstadt.
Neulinge (Herren): 1. Heinz Frohmann, RSC Darmstadt; 2. Joachim Schmidt, FREC Frankfurt; 3. Karlheinz Hofrnann, RSC Darmstadt; 4. Heß, RSC Darmstadt; 5. K. Bollnow, RSC Darmstadt. -eri-
33. Odenwälder Reiterfest in Erbach
Der gestrige Montag brachte auf der wunderbar gelegenen Rennbahn des Erbacher Wiesenmarktgeländes wieder guten Sport. Den nachstehenden Ergebnissen wird morgen ein ausführlicher Bericht folgen.
I. Eröffnungsrennen (Trabreiten) n. ö. 1200 m: 1. L. Schwöbels-Elsbach „Anni“ (W. Schöbel); 2. L. Schwöbels-Elsbach „Nelli“ (Marmula); 3. Hörr’s-Lauerbach „Hermann“ (Jean Lauer); 4. W. Pfeiffers-Schönnen „Hans“ (Bes.) — 2. Lauf: 1. A. Ripper’s-Stelnbach „Willi“ (Ludw. Ihrig); 2. Hörr’s-Lauerbach „Uschi“ (H. Hammer); 3. W. Siebert’s-Haisterbach „Lotte“ (H. Franz)
.vvvw 110116). 11. Preis der Halbblüter — 1600 m: 1. Ge¬ stüt Palatia’s-Ludwigshafen „Tristan“ (Charly Cooter); 2. A. Rothhar’s-Thalfröschen „Diana (W. Kästner); 3. L. Hembergers*- Osterburken „Fliegende“ (Ludw. Hemberger): 4. Graf Alexander zu Erbach-Erbach’s „Feisal“ (Dr. Dencker).
111. Nibelungen-Preis (Kl. B) 1800 m: 1. Gestüt Palatia’s-Ludwigshafen „Ulf“ (w' Kästner); 2. Stall Cranach’s-Frankfurt a M „Krakelet“ (K. Edler); 3. Gestüt Palatia’s-Ludwigshafen „Ilona“ (Charly Cooter); 4 Wiegand’s-Viernheim „Tacitus" (F Leicht
IV. Preis der Warmblüter — 1600 m: 1. A. Rothhar’s-Thalfröschen „Hansa“ (W Kastner); 2. H. Platz’s-Viernheim „Hektor“ (W. Wiegand); 3. Gutshof Glashof. Waldhausen „Normann“ (Schmidt); 4. Gutshof Glashof, Waldhausen „Gutsherr" (L. Hemberger); 5. Gutshof Glashof, Waldhausen „Nobelmann“ (F. Demut). — 2. Lauf: 1. E. Visel’s-Karlsruhe „Lord“ (Else Wiesen); 2. Mangold’s-Karlsruhe „Farna“ (A. Mangold); 3. K. Röskes-Bergen Enkheim „Brawada" (Kunibert Röske).
V. Preis der Traber — 2000 m: 1. F. Bierhalter’s-Karlsruhe „Jupp v. d. Kiebitzheide“ (Bierhalter jr.); 2. H. Gamm’s-Karlsruhe „Drusus“ (Bes.); 3. W. Ruf’s-Karlsruhe „Xaverinus“ (Knobloch); 4. W. Ruf’s-Karlsruhe „Zores“ (Bes.); 5. H. Beeck’s-Erbach „Bergkristall“ (Bes.).
VI. Siegfried-Preis (Kl. B) Hürdenrennen — 2800 m: 1. Fr. Antonis-Walldorf „Frauenjäger“ (F. Leich): 2. Stall Cranach-Frankfurt „Boheme“ (K. Edler); 3. Frau E. Gülcher’s-Zweibrücken (Friosa“ (S. Gülcher jr.); 4. Gestüt Palatia’s-Ludwigshafen „Ulf“ (Ch. Cooter).
VII. Preis der Festwiese — 1200 m: 1. C. Neumanns-Frankfurt „Bijou“ (Preuschoff); 2. W. Siefert’sHaisterbach „Bubi“ (Bes.); 3. K. Kiehl’s-Erbach „Uschi“ (H. Hammer).
Scharkopf / Groß-Umstadt VUeberraschungsieger in Ober-Ramstadt
y Tischtennis-Turniere pflegen immer Überraschungen zu bringen. Selten aber eine solche wie beim 4. Jubiläumsturnier der SKG Ober-Ramstadt, das glänzend besetzt war. Nahezu sämtliche Spitzenspieler aus Südhessen waren erschienen um sich gegenseitig das Leben so schwer wie möglich zu machen. Letzten Endes lockten doch gerade die Preise in den einzelnen Disziplinen, die für die Sieger ausgeschrieben sind.
Die A-Klasse hatte gegenüber den Vorjahren einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen. Wer hätte gedacht, daß bei den vielen erschienenen „Kanonen“ gerade der Kreisklassenspieler der TSV Groß-Umstadt, Scharkopf, über sich selbst hinauswachsen und alles schlagen würde was ihm an diesem Tage gegenüberstand’ öo mußten insbesondere die Spitzenspieler des hessischen Mannschafts- und Meisters> die Spieler vom SV Wiesbaden, erfahren, daß auch im Bezirk Darmstadt Kräfte vorhanden sind die durchaus in der Lage sind, ihnen ebenbürtige Kämnfe zu liefern. So war es nicht verwunderlich, daß die Begeisterung von Anfang an für diesen Spieler Endspiel schlug er Herzmann (SV Flörsheim) im 5. Satz verdient und sicherte sich damit diesen wertvollen Im„Herren-Doppel konnte sich das Paar Hardt/Kappes (98) nicht durchsetzen und konnte nur den 3. Platz belegen. Erster wurde hier das Wiesbadener Doppel Roller / Hartwig vor Nock/Hennes (Biblis). Bei den Frauen trat bei den Einzelspielen die Überlegenheit der Frankfurter Eintracht klar zutage. Darmstadts Spitzenspielerin Frl. Holzapfel (98) hat ihre Krankheit noch nicht ganz überstanden und hätte besser nicht gespielt. Im Endspiel blieb Frl. Fey über Frl. Müller siegreich. Das Damen-Doppel ging an Frl. Nungesser, die zusammen mit Frl. Blumenstein (Bad Nauheim) im Endspiel Fey/Müller schlug. Das Gemischte Doppel sah Fey/Hartwig über Müller/Wolf (Eintracht) siegreich.
Einen großen Erfolg erzielte für den Bezirk Darmstadt die B-Klasse. Hier konnten alle Titel in der engeren Heimat verbleiben. Im Endspiel der B-Klasse schlug Hartmann (98) Müller (Weiß-Blau Frankfurt) glatt 3:0. Haller belegte den 3. Platz. Im Herren-Doppel siegten schließlich Haller (98) und Scharkopf Groß-Umstadt. Bei der Jugend gab es im Einzel einen Sieg von Mörfelden, im Doppel war das 98er Doppel Schmidtmer/ Berger nicht zu schlagen. Ku.
Die Abteilungsleiter der einzelnen Vereine werden gebeten, die Tischtennis-Jugend- und Schülermannschaften bis zum 10. August 1950 an den Bezirksjugendwart Gehron zu melden. Die Verbandsrunde beginnt am 1. September 1950. Die einzelnen Vereine werden aufgefordert, Jugend- und Schülermannschaften (männlich und weiblich) zu melden Ku
- -xx, mcmcu. IX u. Am vergangenen Samstag schloß der bekannte Seitenläufer der SG Arbeiten Josef Müller (gen. Seppel) mit Frl. Margot Maurer den Bund der Ehe. Das junge Paar wurde beim Verlassen der Kirche S€lt V°n vielen Jungen und alten Fußballverehrern stürmisch gefeiert
Am kommenden Sonntag findet in Stuttgart-Cannstatt die Sitzung der Ver eme der 11. Division mit dem Fußball’ ausschuß des SFV statt. *UßDall-
Starkenburg
1400 „Freiwillige“ in Rimbach
Zahlreiche Ehrungen beim Bergsträßer Kreisfeuerwehrtag
Der Kreis Bergstraße feierte am Wochenende in Rimbach sein diesjähriges Feuerwehrfest. Leider war der Auftakt am Samstag sehr feucht, so daß* das Feuerwerk auf Sonntagabend verschoben werden mußte. Auch um die Mittagsstunde des Sonntag platschte ein geharnischter Regen-Gruß vom Himmel, der die rund 1400 freiwilligen Feuerwehr-Männer und ihre zahlreichen Begleiter im Nu von den Straßen fegte. Wenn auch leuchtender Fahnenschmuck die Straßen Rimbachs diesmal nicht beherrschte, so fühlten sich doch die Gäste aus nah und fern sehr wohl. Der Dank hierfür gebührt in erster Linie den Initiatoren des Festes, Allmann und Allert. Den bereits am Samstagabend erschienenen Gästen standen trotz der starken Belegung des Dorfes angenehme Privat-Quartiere zur Verfügung.
Beim Festkommers begrüßte Bürgermeister Schmitt die Anwesenden im Namen der Gemeinde. Kreisfeuerwehrinspektor Fässer (Bensheim) hatte vorher in seiner Darlegung einen Überblick über die Wichtigkeit und Bedeutung des Feuerschutzgedankens gegeben. Der alte Wahlspruch „Gott zur Ehr - dem Nächsten zur Wehr“ müsse wieder mehr als bisher — besonders bei der Jugend — Gültigkeit erhalten.
Der Kreis hat jetzt 58 Pflicht- und 48 Freiwillige Feuerwehren mit insgesamt 5650 Männern. Kreisfeuerwehrinspektor Ströhlein (Weinheim), der mit nahezu seiner gesamten Mannschaft erschienen war, erklärte dann, daß der Feuerschutzgedanke sich weder um Stadt- noch um Landesgrenzen kümmere. Das Verhältnis zwischen den hessischen und badischen Wehren sei gerade hier, an der Landesgrenze, besonders gut.
Anschließend wurde die Ehrung der verdienter^ freiwilligen,Feuerwehrmänner vorgenommen, die 50, 40 oder 25 Jahre im Dienste dieser Idee stehen. Es handelte sich u. a. um Brandmeister Berg (Fürth), Franz Jakob (Fürth), Adam Otterbach, Georg Hagenburger, Peter Krauß (alle Birkenau), Josef Hassel (Viernheim) für 25jährige und-Franz Bron (Fürth) für 40jährige Zugehörigkeit.
Landrat Dengler, der Bezirksvorsitzende des Hessischen Landesfeuerwehrverbandes, Kreisinspektor Pfaff und Assessor Grein wohnten dem Festakt als Ehrengäste bei. Die Turnerinnen der SKG Rimbach, der Athletik-Klub sowie einheimische Feuerwehrfreiwillige trugen mit Darbietungen zum Gelingen des Abends bei.
Dem Wecken am Sonntagmorgen folgte ein von Pfarrer Hör n 1 e gehaltener Festgottesdienst. Auf dem Schulhof wurde danach eine Vereinsübung „ohne Wasser“ abgehalten, dem auf dem Marktplatz ein Brandangriff mit Leiterübungen am Anwesen Trautmann folgte. Als man sich nachmittags vor dem Bahnhof zum Festzug formierte, hatten sich 57 Wehren mit sechs Blaskapellen und acht Spielmannszügen eingefunden. Außer dem sehr gut vertretenen Landkreis Bergstraße waren inzwischen auch Mannschaften aus anderen Gebieten Starkenburgs erschienen, so u. a. aus Eberstadt, Dieburg, Neustadt i. O. und Beerfelden. Auf dem Festplatz ergriff Landrat Dengler das Wort. Er erinnerte an die Verpflichtung der Gemeinden, sich ihrer Feuerwehren im eigensten Interesse anzunehmen und forderte von den Selbstverwaltungsorganen die Bereitstellung wesentlicher Mittel im diesjährigen Haushaltsplan, da die Tätigkeit der Feuerwehr auf der gleichen Stufe stehe wie diejenige des Roten Kreuzes. Als besonderen Zweck dieses Festes stellte er die Aufgabe heraus, vor allem die Jugend noch mehr als bisher für den Feuerschutzgedanken zu begeistern. Bürgermeister Schmitt dankte den „Freiwilligen“ für ihr Erscheinen, zugleich aber auch für ihre stetige Einsatzbereitschaft, wenn es gelte, das Eigentum anderer vor Brand und Vernichtung zu bewahren.
Zum Abschluß des Festes tanzten in blauen Gewändern Rimbacher Mädel einen langsamen Walzer-Reigen. Das nächstjährige Feuerwehrfest soll in Bürstadt stattfinden. (-r)
Grosßfeuer in Momart
Während des heftigen Gewitters am Sonntagabend schlug der Blitz in die Stallgebäude des Gehöftes Georg Müller Wwe. und zündete. Das gesamte Stallgebäude mit den darüber lagernden Heuvorräten sowie mehrere Landmaschinen fielen dem Feuer zum Opfer; das Vieh konnte gerettet werden. Durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr von Momart und Bad König wurde verhindert, daß der Brand sich weiter ausbreitete. (ch)
Regen verursachte Unfälle
Ein holländischer Personenkraftwagen kam Sonntag auf der regennassen Bundesstraße 26 bei Nauheim ins Schleudern und prallte gegen einen Chausseebaum. Der Fahrer erlitt dabei nur leichte Verletzungen. Seine Begleiterin mußte in das Rüsselsheimer Krankenhaus gebracht werden, wo deren Knochenbrüche und Schnittwunden behandelt wurden.
Nicht weit von dieser Unfallstelle entfernt war am Vortage ein von Bischofsheim kommender Personenkraftwagen gegen einen Telegraphenmast gefahren. Die Insassen trugen leichte Gehirnerschütterungen, Prellungen und Hautverletzungen davon. Der Grund für diesen Unfall ist ebenfalls in der durch Regenguß schlüpfrigen Fahrbahn zu suchen. eng
Der Dachstuhl brannte ab
Gestern vormittag brach in der Beunegasse in Roßdorf im Hause Fleckenstein ein Brand aus, dem der Dachstuhl und ein Zimmer zum Opfer fielen. Das Versagen der Feuersirene, deren Sicherungen durch Blitzeinschlag am vergangenen Wochenende zerstört wurden, hatte ein verzögertes Eingreifen der Feuerwehr zur Folge. Nur durch schnelles Handeln einiger beherzter junger Männer wurde größerer Schaden vermieden. (sl)
Verkehrt aufgestiegen
Ein junger Roßdörfer Landwirt stürtzte am Samstag beim Besteigen eines Erntewagens so unglücklich, daß er seine Kniescheibe brach und in ein Krankenhaus eingeliefert werden mußte.
Blitze ohne Folgen
Auch an Habitzheim ging das schwere Unwetter am Wochenende nicht spurlos vorüber. Mehrere Blitze schlugen größtenteils ins freie Feld. Einer jedoch fand den Weg in die Scheune des Landwirts Adam Maus, Krötengasse. Zum Glück war es ein kalter Schlag, der einige Quadratmeter Ziegel zerschlug, einen Dachsparren vollkommen zersplitterte und zwei weitere aufriß. Personen kamen nicht zu Schaden. — Ein Fuhrunternehmer, welcher gerade seinen Bulldog anwerfen wollte, bekam durch einen in der Nähe niedergegangenen Blitz einen Schlag, kam aber auch mit dem Schrecken davon. HJg.
Vom Lastwagen überfahren
Am Samstagabend wurde auf der Nauheimer Straße in Königstädten der vierjänrige Peter Bobsien von einem Lastkraftwagen angefahren und zur Seite geschleudert. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf im Rüsselsheimer Krankenhaus starb. Nach Aussage des Kraftfahrers hatte das Kind am Bürgersteig gespielt und war plötzlich über die Fahrbahn gelaufen, wobei es von dem Fahrzeug erfaßt wurde. Die Polizei veranlaßte eine Ueberprüfung des Kraftfahrzeugs auf verkehrstechnische Sicherheit. DT.
Schlechtes Gewissen
Die Angehörigen einer amerikanischen Autobahn-Streife (Highway-Patrol) staunten nicht schlecht, als beim Ueberholen eines etwas zu schnell fahrenden Opel-Olympia auf der Autobahn bei Langen der Wagen ruckartig stoppte, die Insassen in den Wald flüchteten und nicht mehr zu sehen waren. Die amerikanischen Verkehrspolizisten hatten lediglich den Wagen zum Langsamfahren ermahnen wollen, das schlechte Gewissen der 3 Insassen ließ diese jedoch Schlimmeres vermuten, so daß sie sich vorsorglich aus dem Staube machten. Die aufmerksam gewordenen Polizisten untersuchten mit einem deutschen Beamten zusammen den mit einer deutschen Zulassungsnummer versehenen Wagen und fanden sein Inneres mit Zigaretten, Kaffee, Zucker und sonstigen zollpflichtigen „Kleinigkeiten“ vollgestopft. Fahrzeug und Inhalt wurden beschlagnahmt, die Untersuchungen sind noch im Gange. DT
Die Jury entschied
Am Freitag wurde in Heppenheim von dei’ Preisrichterjury des Photo-Wettbewerbs die Auswahl der eingegangenen Aufnahmen getroffen. Die besten Bilder wurden mit einem Preis ausgezeichnet und sollen für Prospekte verwendet werden. Den ersten Preis erhielt Herr Oeser, den zweiten Herr Schröder. Von den übrigen Aufnahmen fanden die Amateuraufnahmen von Frl. Erika Hammann und Herrn Oskar Weis besondere Anerkennung. (HB)
„Kleiner Schwindel“ um die „große Erbschaft“
Sieben Monate Gefängnis für siebenfachen Betrug
Wegen vollendeten Betrugs in sieben Fällen verurteilte gestern die erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt den 30jährigen Journalisten Rolf B. aus Alsbach zu sieben Monaten Gefängnis. Da er geständig war, wurde dem Angeklagten die mehrwöchige Untersuchungshaft angerechnet. 8., der in ungünstigen Verhältnissen aufwuchs, während der Gefangenschaft in England für BBC London, später als SED-Referent für Nachwuchsfragen in Sachsen-Anhalt, 1947 im KPD-Landesvorstand Hessen und nach seinem Ausschluß angeblich als Abwehragent der Besatzungsmacht arbeitete, wurde April 1949 arbeitshos.
Um wieder zu Geld zu kommen, ging er als Vertreter einer Ober-Ramstädter Firma nach Bayern. In Verkennung der Situation wollte er eine großartige Generalvertretung aufbauen, vergaß aber dabei, sich durch harte eigene Arbeit eine reelle Grundlage zu schaffen. Da er gleich noch eine Braut mitgenommen hatte und auch sonst anscheinend sehr anspruchsvoll lebte, geriet er bei seinem ohnehin geringen Verdienst recht bald in Geldbedrängnis. Durch allerlei Vorspiegelungen — er sprach von einer 10 000-DM-Erbschaft, hohem journalistischem Verdienst und Geldern, die er noch von den Amerikanern zu bekommen habe — täuschte er bei verschiedenen Leuten eine angebliche Kreditwürdigkeit vor und verschaffte sich so Gelder, die er nie wieder zurückgeben konnte. Er geriet in immer größere, Schulden, stopfte ein Loch zu und machte ein anderes wieder auf. Auch als Impresario einer Bauernbühne erlitt er finanziellen Schiffbruch.
Der Staatsanwalt verglich B. mit einem Komet. Sein Schweif habe aber nicht aus Gold, sondern aus Schulden bestanden. 8., den er als den „Typ eines Betrügers“ bezeichnete, habe schändlicherweise immer wieder Menschen geschädigt, die selbst auf jeden Pfennig angewiesen waren. 10 Monate lautete sein Antrag. Der Verteidiger widersprach der Auffassung, daß sein Mandant ein typischer Betrüger sei. Wenn auch die Art seiner’ Kreditschöpfung verwerflich gewesen sei, so handele es sich doch in diesem Fall um ein Situationsdelikt, aas ein Mann begangen habe, der sich bisher ordentlich geführt habe, in bittere Umstände hineingeraten und im kaufmännischen Wesen ein Nichtfachmann gewesen sei. Der Vorsitzende erklärte abschließend, daß im Interesse des Angeklagten, der leichtsinnig, unstet und haltlos sei, eine fühlbare Strafe ausgesprochen werden müsse, damit er nicht auf diesem Gebiet rückfällig werde. (wst.)
Groß-Nmstadt als wirtschaftlicher Mittelpunkt
Gründung des „Umstädter Landgemeindetages“ am Wochenende
Wie wir bereits vor kurzem berichteten, wird in Groß-Umstadt demnächst auf Anregung des Bundestagsabgeordneten und Altbürgermeisters Heinrich Ritzel aus Michelstadt, und des Beigeordneten und Kreisdeputierten Ludwig Wedel aus Groß-Umstadt, ein erster Landgemeindetag hessischer Gemeindebürger für den Wirtschaftsbezirk Groß-Umstadt stattfinden.
Die Stadt Groß-Umstadt ist für diesen in anderen Ländern, besonders in der Schweiz, noch heute praktisch angewandten Akt echter Gemeindefreiheit der richtige Boden. Groß-Umstadt sieht auf eine mehr als 1200 jährige Geschichte zurück. Im Jahre 1255 erhielt es die Stadtrechte. Eine ganze Reihe von Gemeinden — so Semd, Habitzheim, Lengfeld, Wiebelsbach, Ober-, Schloß- und Frau Nauses, Heubach, Schaafheim, Radheim, Dorndiel, Schlierbach, Mosbach, Kleestadt, Langstadt, Richen, Klein-Umstädt, Raibach und Harpertshausen betrachteten Groß-Umstadt mit Recht als ihren natürlichen wirtschaftlichen Mittelpunkt.
Von dem Gedeihen der Stadt Groß-Umstadt und seiner Wirtschaft hängt zum großen Teil auch das Schicksal der Gemeinden des Bezirkes ab. Es ist deshalb nur natürlich, daß die Probleme, die Groß-Umstadt beschäftigen, zwangsläufig auch zu Problemen der Gemeinden des Bezirkes werden.
Allein das Beispiel der Krankenpflege und die damit verbundene Belastung zeigt die Notwendigkeit einer Aktivierung des allgemeinen Interesses. Es handelt sich hier nicht nur um eine Frage der Groß-Umstädter Bürger, sondern auch um eine Frage, die alle umliegenden Gemeinden angeht. Die Belastung, die der Gemeinde Groß-Umstadt aus dem bestimmt notwendigen Krankenhauserweiterungsbau entstanden ist und die trotz der Zusage des hessischen Finanzministers Hilpert keine Entlastung erfuhr, hat eine Entwicklung herbeigeführt, die für den ganzen Bezirk von größter Bedeutung — ja zum Schicksal des Bezirkes werden kann.
Wir wir erfahren, sind die gesamten Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeindevertreter aus den Gemeinden des Wirtschaftsgebietes Groß-Umstadt auf Samstag, den 29. Juli 1950 — nachmittags 16.00 Uhr — in das Gasthaus „Zur goldenen Krone“ nach Groß-Umstadt zur Gründungsversammlung des „Umstädter Landgemeindetages“ eingeladen. Bundestagsabgeordneter Heinr. Ritzel spricht in dieser Versammlung über die Bedeutung des Landgemeindetages und aktuelle Tagesfragen.
Die Kreisstadt Erbach steht derzeit mit ihren vielfältigen Veranstaltungen zum 148. Wiesenmarkt im Mittelpunkt der Ereignisse des Odenwaldes. Bereits die ersten Tage der Festwoche haben bewiesen, wie sehr die Stadt alles daran setzt, um sich ihrer alten Tradition würdig zu erweisen. Tausende werden noch erwartet, denn noch lange sind die Höhepunkte des Festes nicht erreicht, — und Tausende werden dann auch feststellen können, daß die Erbacher außer einer ausgesprochenen „Organisationsfähigkeit“ mit ihrer Stadt ein Schmuckkästchen besitzen, das lohnt, besucht zu werden. Unser Bild zeigt einen Blick auf den Schloßplatz, links das Schloß mit den berühmten Sammlungen, rechts das Denkmal Franz 1., im Hintergrund die Kirche. Foto: Kenner
Abendwanderung zur Dörnbach
Trotz schwerer am Himmel hängender Gewitterwolken und vorausgegangenen schweren Regengüssen ließen sich unentwegte Mitglieder des Reinheimer Odenwaldklubs am Samstag nicht davon abhalten, die vorgesehene Abendwanderung durchzuführen. Sie führte durch das Gewann „In der Röten“ nach der Gewann „Dörnbach“ und in die Gemarkung Hahn. Auf der im Bau befindlichen Straße Hahn —Reinheim wurde der Rückweg angetreten. (eb.)
„Judenfresser“ vor Gericht
Vor der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt begann gestern ein Prozeß gegen den 68jährigen Philipp Rodenheber aus Heppenheim. Gegen ihn, der bereits wegen Freiheitsberaubung im Jahre 1933 vorbestraft ist, hat nun die Staatsanwaltschaft Anklage wegen schweren Landfriedensbruchs erhoben.
Dem ehemaligen Blockleiter und SA-Oberscharführer wird zur Last gelegt, sich in übelster Weise an den Judenausschreitungen im November 1938 in Heppenheim beteiligt zu haben. Zeugen berichteten, der Angeklagte habe sich öffentlich als „Judenfresser“ hervorgetan und in der berüchtigten Kristallnacht mit großem Sadismus den jüdischen Leichenwagen zertrümmert, ihn anschließend mit Benzin übergossen und angezündet. Ferner soll er Juden veranlaßt haben, nach Niederbrennung ihrer Synagoge die restlichen Mauern zusammenzureißen.
Andere Zeugen wollen beobachtet haben, wie Rodenheber einen Juden in eine Wassertonne warf und einem anderen Israeliten mit Erschießen drohte, wenn er nicht aus seinem Versteck unter der Stadtgrabenbrücke hervorkomme, in das dieser vor den Nachstellungen geflüchtet war. Auch in jüdischen Wohnungen in Heppenheim soll der Angeklagte in barbarischer Weise gehaust und alles demoliert haben.
Am Freitag setzt das Gericht die Zeugenvernehmung fort. An diesem Tage dürfte auch das Urteil verkündet werden. (wst)
Von einem Wolkenbruch überrascht
Skizzen auf der Fahrt zum Erbacher Wiesenmarkt
Hero — Wir fuhren bei strahlender Sonne und blauem Himmel ab. Es war drückend heiß im Wagen. Wir spürten die in der Luft schwebende Elektrizität in den Fingern und sehnten uns gleich den uns müde begegnenden Tieren nach Entladung und Erlösung.
Bedächtig und langsam luden Bauern die letzten Garben; hier und da sah man noch einen mähen. Gleichförmig, beinahe stupid, schnitt die Sense die goldgelben Halme. Unser Wagen kroch gemächlich die staubige Straße hinan. In der Ferne stieg eine Dunstwand empor. Sie schmiegte sich zärtlich an die Mainberge, hüpfte spielerisch über die dunklen Kämme, stieg höher und höher, sich gleichzeitig zu grauschwarzen, satten Wolken verdichtend. Ein leiser Wind kam auf. Er strich uns kühlend über die nassen Stirnen. Wir fuhren schneller, hatten uns entschlossen, einen kleinen Umweg .zu machen und im Main zu baden. Inzwischen verdüsterte sich der Himmel immer mehr. Am Horizont wetterleuchtete es. Im Main plantschten und schwammen noch mehr Badelustige. Längs der Ufer parkten, soweit das Auge reichte, Autos, Motor- und Fahrräder. Nachdem wir uns erfrischt hatten, fuhren wir weiter. Unter Weg führte uns durch girlandengeschmückte Dörfer, die zu diesem oder jenem Fest rüsteten. Die Mienen der Menschen, die unseren Weg kreuzten, waren vor Festfreude gelöst und aufgehellt. Doch je weiter wir kamen, um so scheuer und ängstlicher blickten sie zu der düsteren Wolkendecke empor, in der es unheimlich und drohend grollte.
Dann ging es los: Krachend barst die Wolkendecke auseinander, klatschend stürzten sich Regengüsse von ungeahnter Wucht auf Dächer und Straßen, die plötzlieh wie leergefegt waren. Hagelkörner von Taubeneier-Größe trommelten an triefende Fensterscheiben, hinter denen manch ängstliches Antlitz kauerte und leise betend die Lippen bewegte. Plötzlich ein grelles Aufleuchten, dann ein ohrenbetäubender Knall. Finsternis umgab uns. Die Wirtin zündete Kerzen an. Die Gesichter der Menschen, die an unserem Tisch saßen, vzaren bleich, zusammengepreßt ihre Lippen. „Eben hat es eingeschlagen“, flüsterte einer. Wer das gesagt hatte, war nicht festzustellen. Vielleicht haben wir es alle gesagt, denn alle hatten wir den gleichen Gedanken.
Der Regen ließ nach. Als wir auf die Straße traten, schien die Menschen eine kleine Panikstimmung erfaßt zu haben. Ueberall heftig diskutierende Gruppen, weiter unten — am Dorfausgang — bemühte sich alles, was laufen konnte, das Wasser, das stellenweise bis an die Knie reichte, mit Besen, Schaufeln oder Eimern von der überschwemmten Straße fortzuschaffen. Im Laufschritt kam uns keuchend die Feuerwehr entgegen, die wir bedauerten, weil sie die schweren Spritzenwagen selbst ziehen mußte.
Wir fuhren den Männern nach. Dunkle Rauchschwaden zogen über die Dächer, wurden vom Wind in die bewaldeten Höhen gejagt. Der Blitz war ins Transformatorenhäuschen eingeschlagen. Zu retten war nichts mehr. Gierig fraßen die lodernden Flammen sich in das hölzerne Gerüst, stießen vor zu den Oeltanks. „Nicht weiter!“ schrie ein Gendarm. „Kann jeden Augenblick in die Luft fliegen.“ Da standen sie nun, die Menschen, und sahen mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen, was Naturmächte bewirken können, wenn sie entfesselt sind.
Als wir von Amorbach, über dem sich das Unwetter entladen hatte, nach einer erquickenden Fahrt nach Erbach kamen, stellten wir fest, daß das schlechte Wetter auch hier die Menschen abgehalten hatte, das Messegelände aufzusuchen. Erst gegen Abend belebte sich die Wiese. Wir hatten reichlich Muße, uns in Ruhe alles genau ansehen zu können. Und wir müssen sagen: Erbach hat mit dieser Ausstellung etwas auf die Beine gestellt, das zur Bewunderung zwingt.
„Behalten Sie mich warnm...“
... sagte Prinz Hussein Dschahangir in Walter Kollos musikalischem Lustspiel: „Die Frau ohne Kuß“ und hatte mit seinem herrlichen „Hochdeutsch“ stets die Lacher auf seiner Seite. Auch in Bensheim war die Studioaufführung der Darmstädter Oper wieder ein voller Erfolg, wenn auch der Besuch nicht besonders gut und der Kontakt zwischen Bühne und Publikum erst im zweiten Akt hergestellt war. Walter Kollos schmissige Musik in der Bearbeitung von Ernst Krauskopf hatte schnell die Herzen der Bensheimer erobert, und so gab es denn am Schluß viel Applaus und einige Vorhänge. (HB)
Erinnerungen an die Heimat
Sudetendeutsches Treffen in Mörlenbach
Die Heimatvertriebenen aus dem sudetendeutschen Kreise Freiwaldau-Gräfenberg trafen sich am Sonntag auf Anregung von Propst Polzer in Mörlenbach zu einer Wiedersehensfeier. Rund 500 Personen waren der Einladung gefolgt. Am Vormittag fand vor dem Ehrenkreuz auf dem Friedhof eine Toten- und Gefallenengedenkfeier statt, bei der ein Kranz niedergelegt wurde. Anschließend fand in der katholischen Kirche ein gemeinsamer Gottesdienst statt, bei dem Propst Polzer die Predigt hielt. Mit der von allen Teilnehmern gesungenen „Deutschen Messe“ von Schubert wurde ein alter heimatlicher Brauch wiedererweckt. Nachmittags zelebrierte der Propst eine Marienandacht im alten sudetendeutschen Stil.
Im Gasthaus „Zur Krone“ fanden sich die Heimatvertriebenen, die nicht nur aus dem Landkreis Bergstraße, sondern auch aus Dieburg, Mannheim, Heidelberg und Bruchsal gekommen waren, zu einem Lichtbildervortrag ein. Propst Polzer weckte in den Herzen der Anwesenden mit seinen ausgezeichneten Buntaufnahmen der Heimat so viel Sehnsucht, daß man diesen Nachmittag so rasch wohl nicht vergessen wird. Gustav Baum richtete zu Beginn des gemütlichen Beisammenseins, das durch Musik- und Liedvorträge, heimatliche Erinnerungsbilder, Tanz u. a. aufgelockert wurde, herzliche Begrüßungsworte an die Landsleute und sprach die Hoffnung aus, daß das gemeinsame Streben nach einer besseren Zukunft den aus ihrer Heimat Vertriebenen schließlich doch noch erfüllt werden möge. (-r)
Flüchtlinge in „Maria Einstedel“
Trotz des starken Regens pilgerten am Sonntag fast 10 000 Neubürger aus den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen nach der Wallfahrtskapelle Maria Einsiedel bei Gernsheim. Diese erste Flüchtlingswallfahrt stand unter dem großen Gebetsanliegen des Heiligen Jahres. Ein Priester gab mit einem großen Gefolge dem neuen Primizianten, der in Regensburg seine Weihe empfangen hatte, das Geleit zu dem Freialtar. Nach dem Hochamt erteilte der Primiziant A. Zapf der knieenden Pilgermenge den Segen. Am Nachmittag war eine außerkirchliche Flüchtiingskundgebung, bei der Diözesanflüchtlingsseelensorger D. Karl Reiß sprach. Eine marianische Schlußfeier schloß sich an, bei der Hw. Subregens M y d r a die Predigt hielt. (spa)
Heppenheimer Stadtratssitzung:
Wohnungsausschuß neu gebildet
Heppenheimer Stadtrat-Sitzung. Die öffentliche Stadtratsitzung am vergangenen Freitag behandelte als ersten Punkt der Tagesordnung die Frage einer Umwandlung der gestundeten Bauholzgelder in Darlehen mit vergünstigtem Zins- und Amortisationssatz. Es wurde beschlossen, daß eine Umwandlung in Darlehen mit 3 Prozent Verzinsung und 2 Prozent Amortisation vorgenommen werden soll, die sich allerdings vorläufig auf das Rechnungsjahr 1950 beschränkt. Im Anschluß hieran wurde der Bauplatz Ecke Jakob-Maier- und Georgenstraße vergeben und das Erbbaurecht auf den neuen Besitzer übertragen. Ein weiterer Bauplatz an der Tuchbleiche wurde gleichfalls zugesprochen. Sodann wurde der Wohnungsausschuß neu gebildet. Es wurde angeregt, neben den Vertretern der politisch Verfolgten, der. Flüchtlinge und Spätheimkehrer auch einen Vertreter des Bundes der Fliegerschädigten in den Ausschuß zu berufen.
In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung befaßte man sich mit der Einrichtung einer Assistenz- und Volontärarztstelle und einer Stelle für eine technische Assistentin am Heppenheimer Krankenhaus. Ein Antrag der nördlichen Stadtviertel, worin der Stadtrat gebeten wird, den genannten Vierteln die Erlaubnis zur Abhaltung eines eigenen Volksfestes zu erteilen, wurde dahingehend beschieden, daß der Stadtrat hierzu keine Bedenken hat, wenn bei den Festen die Steuern und Platzgelder ausschließlich der Stadt zufallen. (HB)
Ein Fest ging zu Ende
Zu einer Stunde des Dankes hatte der Bürgermeister der Stadt Reinheim die Mitwirkenden an dem Festspiel und der „Spinnstube“ sowie alle an dem Gelingen der 650-Jahrfeier Beteiligten am Samstag in das Reinheimer Volkshaus geladen. In seiner Ansprache dankte Bürgermeister Marx allen Mitwirkenden für ihre ehrenamtliche Mitarbeit, die es ermöglicht habe, das Fest weit über den örtliehen Rahmen hinaus zu einem Ereignis des gesamten vorderen Odenwaldes werden zu lassen. Allein durch die Gemeinschaftsarbeit sei der gute Erfolg der Festwoche zu verzeichnen gewesen. Besonders begrüßte Bürgermeister Marx den immer rührigen und einsatzbereiten Herrn Wittich und beglückwünschte ihn zu seinem 79. Geburtstage, den der Jubilar an diesem Tage in dem Kreis der Mitwirkenden fröhlich feiern konnte. Herr Wittich dankte im Namen aller Beteiligten für die Einladung der Gemeinde zu diesem fröhlichen Beisammensein. Er gab besonders dem Wunsche Ausdruck, daß die Feier des 650 jährigen Bestehens der Stadt Anlaß zu einem jährlichen Heimatfest werden möge, das noch mehr die Bevölkerung zu einer Einheit zusammenwachsen lasse. eb.
Schaafheim gibt ein Beispiel!
Die Alt- und Neubürgerjugend Schaafheims, zusammen mit den „älteren Jahrgängen“, fand sich im Saal des Frankfurter Hof zum zweiten diesjährigen D o r f - gemeingchaftsabend zusammen. Einleitend wies Lehrer Roloff als Leiter dieser Veranstaltung, zu der er auch die Anregung gab, auf die Bedeutung eines guten Zusammenlebens zwischen-Alt- und Neubürgem hin.
Bei der Begrüßung der Gäste wurden Mr. Conduras mit den Herren B u c h - mei e r und Pfleger vom Resident Office Dieburg und Herr Professor Geißler, der sich durch sein Heimatbuch um Schaafheim sehr verdient gemacht hat, besonders erwähnt.
Ein gemeinsam gesungenes Lied gab den Auftakt zu den Darbietungen der Jugendgruppen der Vereine. Auf dem Klavier von Anni Kreh begleitet, eröffnete der Schaafheimer Turnverein mit einem Volkstanz den Reigen. Die Evangelische Jugendgruppe schloß sich mit einem Fahrten- und Volkslied an. Der Athletenverein ließ nach drei Schaukämpfen jugendlicher Ringer die beiden Hessenmeister Kern und Trippel zu einem interessanten Kampf gegeneinander antreten. Den Abschluß machte die Jugendgrupe der Heimatvertriebenen mit Liedern aus dem Egerland und Nord-Böhmen sowie drei Volkstänzen.
Uebergehend zum zweiten Teil forderte Lehrer Roloff alle Besucher auf, mitzumachen und übergab die Leitung des Abends Fritz Hawelka, der vom Iglauer Singkreis her bekannt’ist Einer Polonaise folgten Polka, Rheinländer und Walzer, unterbrochen von gemeinsamen Gesängen, einem . Quodlibet und humorvollen Erzählungen. Bezirksjugendleiterin Frau Dr. Guy o t überbrachte die Grüße des Regierungspräsidenten
Kleine spielten für Große
Bei einem Kinderfest in Goddelau sangen und spielten am Sonntag über 100 Kinder in der Kinderschule für ihre Eltern. Die kleinen T.heaterspieler, die manchmal kaum auf ihren Beinchen stehen konnten, riefen durch ihre Leistungen bei dem Publikum großen Beifall hervor. Auf Kosten der Gemeinde werden alle Kinder zu einem Kakaokränzchen eingeladen. (spa-)
Kreistagssitzung in Nd.-Ramstadt
Der Kreistag des Landkreises Dar rnstad t wird am 1. August zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommen. Als Tagungsort wurde Nieder-Ramstadt gewählt, das in diesen Tagen seine 750- Jahrfeier begeht. Die Tagung beginnt um 9.30 Uhr im Darmstädter Hof.
Neuer Wohnranm
Glückliche Menschen
Im Vorjahr wurden in Dornheim 23 Wohnhäuser erstellt. Mit dem zweiten Bauabschnitt, der die Errichtung von weiteren 20 Wohnhäusern vorsieht, ist bereits begonnen worden. Unter den Baulustigen befinden sich allein zehn Flüchtlingsfamilien, die sich in ihrer zweiten Heimat ein neues Heim gründen wollen. Die Bauarbeiten werden zum Großteil in Selbsthilfe fertiggestellt. Ein Besuch auf den Baustellen zeigt, daß die Baulustigen mit Lust und Liebe an die Arbeit gehen. Selbst Bürgermeister Krumb, der sich auch ein Haus baut, benutzt jede freie Minute, um es seiner Vollendung näher zu bringen. Die Gemeinde will demnächst mit dem dringend notwendigen Schulhaus-Erweiterungsbau beginnen. Alle Bauten werden von der Baugenossenschaft Ried finanziert, (od)
Meldungen aus den Landkreisen
Darmstadt-Land
Roßdorf. Die am Samstag veranstaltete Wiederholung der Operette „Die Frau ohne Kuß“ im Saale das Gasthauses „Zur Sonne“ durch die Opernschule Darmstadt war wi®denuim ein voller Erfolg. Die Veranstaltung war lim Gegensatz zur Erstaufführung gut besucht, wofür wohl auch in dem anschließenden Tanz die Ursache zu suchen sein dürfte. (sl)
Dieburg
Reinheim. Oeffentliche Gemeinderatssitzung. Am Mittwochabend findet im großen Sitzungssaal des Reinheimer Amtsgerichts eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen die Befestigung der an die Straße Reinheim—Hahn grenzenden Feldwege, die Anschaffung von Schlauchmaterial für die Feuerwehr, der Ankauf zweier neuer Schlauchleitungen für das Amtsgericht sowie Bauplatz- und Grundstücksangelegenheiten. — Die der Innung angeschlossenen Bäckermeister Reinheims und der näheren Umgebung hielten am vergangenen Donnerstag im Cafe Hannemann eine Tagung unter dem Vorsitz von Bäckermeister Daab ab, bei der aktuelle Fragen der Brotpreisgestaltung zur Debatte standen. (eb)
Heubach. Der Geflügelzuchtverein unternimmt eine Lehrfahrt nach Beerfelden. Den Teilnehmern ist Gelegenheit gegeben, eine mustergültig eingerichtete Geflügelfarm zu besichtigen. (hm)
Eppertshausen. Vier neue Schulsäle sollen während der Sommerferien völlig neu hergerichtet werden. — In der Siedlung an der Frankfurter Straße sind nunmehr drei Doppelhäuser mit zwölf Wohneinheiten bewohnt, während drei weitere Doppelhäuser zum Aufschlagen des Dachgebälks fertig sind. In dem gleichen Gelände wurden zwei neue Straßen angelegt. Vier weitere Neubauten wurden außerdem begonnen. (gi)
Ober-Roden. Das zweite Transformatorenhaus an dem Gelände Babenhäuser Straße wurde dieser Tage auf Strom geschaltet. Dadurch ist die Ueberbelastung des Ortslichtnetzes aufgehoben. Eine Zufahrtsstraße wurde bereits angelegt. Mit einem Kostenaufwand von 4000 DM soll die Kanalisierung der Bachgasse durchgeführt werden. Eine Neupflasterung der Bachgasse, Enggasse und unteren Borngasse erfordert 7000 DM Etatgelder. (gi)
Habitzheim. Der Lehrling Rudolf Dietrich, Burggasse, fiel beim Ballspielen im Reinheimer Schwimmbad so unglücklich, daß er seinen linken Fuß brach. Er wurde in das Dieburger Krankenhaus eingeliefert. Mit einem Gipsverband konnte er wieder nach Hause entlassen werden. (HJg)
Erbach
Wald-Amorbach. Mit den Renovierungsarbeiten an der Dorfkirche ist nun begonnen worden. Die Kirche wird von beiden Konfessionen zum Gottesdienst benutzt. Die Kosten der Instandsetzung werden teils aus Spenden der Einwohner, teils aus der Gemeinde- und Kirchenkasse bestritten. Die Schulkinder sammelten Heidelbeeren und stellten den Erlös zur Verfügung. (hm)
Bergstraße
Bensheim. In der Zeit vom 15. 6. bis 15. 7. verzeichnete das Standesamt 37 Geburten, 18 Sterbefälle und 18 Eheschließungen. — Der Bürgermeister dankt für alle in letzter Zeit zum Aufbau der Volksbücherei eingegangenen Bücherspenden und weist darauf hin, daß weitere Spenden jederzeit im Rathaus Bensheim, Zimmer 14, und im ehemaligen Rathaus in Auerbach, Zimmer 5, entgegengenommen werden; auf Wunsch werden die Bücher auch bei den einzelnen Spendern abgeholt.
Groß-Gerau
Biebesheim. Auch in diesem Jahr wird anläßlich des Zuchtviehmarktes am 26. und 27. August eine Marktlotterie durchgeführt. Spielkapital 10 000,— DM. Die Lose dürfen im ganzen Regierungsbezirk Darmstadt abgesetzt werden. (uc)
Gernsheim. Auf der Hammerau wurde ein 40jähriger Mann aus Gernsheim erhängt aufgefunden. (sp)
Gernsheim/Rh. Anfang September wird der ägyptische Unterrichtsminister einem alten Studienfreund in Gernsheim einen Besuch abstatten. (uc)
Königstädten. Der Verband der Kriegsbeschädigten und Sozialrentner unternahm eine Nachtfahrt auf dem Rhein. Die Fahrt ging von Mainz nach Trechtingshausen, wo bei guter Unterhaltung und Stimmung die rheinische Mondscheinpartie ihren Höhepunkt fand. (au)
Am Sonntag, dem 23. Juli 1950, verschied meine liebe, gute Frau Maria Emrich geb. von der Heyden im Alter von 45 Jahren. In tiefer Trauer: KONRAD EMRICH Darmstad't, 24. Juli 1950 Barkhausstraße 13 Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem | 26. Juli 1950, um 11.15 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.
Der Herr über Leben und Tod hat heute meine | liebe Frau, herzensgute Mutter, Tochter und Schwiegertochter, Frau Margarete Bickert geb. Emig im Alter von 43 Jahren von ihrem mit großer Geduld getragenem Leiden erlöst und zu sich genommen. Ihr Leben war reich an Arbeit und Sorge um ihre Lieben. In tiefer Trauer: Heinrich Bickert nebst Kindern I Sophie Emig Wwe. Katharine Bickert Wwe. Roßdorf, den 23. Juli 1950 Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 25. 7. | 1950, 15 Uhr, statt. ■ I
Bestattungen am Dienstag, dem 25. Juli 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof 10.15 Kraft, Brigitte, Mauerstraße 14, 4 Monate 10.45 Voss, Henriette, Ruhtsstraße 7, 68 Jahre 14.45 Kriegereib, Ida, Gräfenhäuser Straße 16, 80 Jahre Feuerbestattung: Haller, Anna, Bessunger Straße 107, 66 Jahre Beerdigungen: Alter Friedhof | 10.00 Siekmann, Luise, Eschollbriicker Straße 51, 63 J.
VERLOBTE Wirhaben unsverlobt: Erika Schrader Karl Hess Jugenheim Darmstadt Darmstadter Str. 45 Rheinstr. 36 den 21. Juli 1950
Wo ich geh und steh· alles liest „DT“
Wenn einmal keine Kunden da sind, liest die Eisverkäuferin auf der Reichelsheimer Hauptstraße das „Darmstädter Tagblatt“ — und das Warten wird ihr nur halb so schwer.
der OViege bid zur 'Babre ... alle Familien-Ereignisse, die Sie einem größeren Kreis von Freunden und Bekannten kund tun möchten, veröffentlichen Sie am besten im „Darmstädter Tagblatt“. Sie wissen ja, daß Familiennachrichten zu einem besonders verbilligten Tarif aufgenommen werden.
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