Taidschon in Flammen
Vom Gelben Meer bis zum Japanischen Meer ist die Front in Bewegung
Taiku, 20. Juli. (AP./dpa/BBC.) Im Kampfraum Taidschon ist nach einer unheimlichen Ruhe von fast 48 Stunden die Schlacht wieder mit äußerster Heftigkeit entbrannt.
Das amerikanische Hauptquartier meldet, daß in der Stadt die amerikanischen Nachhuten sich mit den seit Tagen in den Vororten und ärmeren Vierteln kämpfenden Partisanen blutige Gefechte geliefert hätten. Da die Stadt in Flammen steht, waren die Kämpfe infolge des beißenden Rauches und der sengenden Hitze äußerst schwer. Die Sicht für die Kämpfenden war fast immer behindert und der Feind konnte nur langsam, zum Teil mit Panzern unterstützt, sich in den brennenden Straßen vorwärts schieben.
Zähe Rückzugegefechte
Die Dörfer im Kum-Tal brennen ebenfalls. Die Flugzeugbesatzungen berichten, daß sich ein unübersehbares Feuermeer und dicke Rauchschwaden von Horizont zu Horizont ziehen. Die Amerikaner verfolgen nach wie vor die Methode, die Dörfer mit der taktischen Luftwaffe in Brand zu schießen, weil beim Auftauchen von Flugzeugen die nordkoreanischen Panzer und motorisierten Kolonnen unbedenklich in die leichten Holzhäuser hineinfahren, um sich zu tarnen. Der Flüchtlingsstrom nach Süden und Südosten reißt nicht ab. Die Bevölkerung versucht verzweifelt aus der Kampfzone zu fliehen.
Die amerikanischen Truppen liefern zähe Rückzugsgefechte. Bei Taidschon wurden mit einem neuen Typ der amerikanischen Bazooka, einer Waffe, die dem deutschen Panzerschreck ähnlich ist, elf feindliche Panzer außer Gefecht gesetzt. Es hat nach wie vor den Anschein, daß die Nordkoreaner an Taidschon unmittelbar wenig interessiert sind. Ihre zur Umfassung angesetzten Divisionen rollen mit zunehmender Geschwindigkeit nach Südosten. Schonju und Nonsan, mehr als 60 Kilometer südlich Taidschon, sind seit gestern in ihrer Hand. Die südliche Bewegung hält an. Aufklärungsflieger konnten noch nicht melden, daß die südlichste Kolonne bereits eingeschwenkt sei. Die Spitzen der feindlichen Truppen liegen unter dauerndem Beschuß der amerikanischen Luftstreitkräfte.
Yongdok beschossen
Im mittleren Kampfraum verstärken die Nordkoreaner ihren Druck im Raum Sangschu und drücken immer heftiger auf Kumschon. Im Ostabschnitt hat die 1. Kavallerie-Division weiterhin erfolgreiche Kampfhandlungen in nördlicher Richtung, geführt. Die Kriegsschiffe der 7. amerikanischen Schlachtflotte griffen in die Erdkämpfe ein und beschossen Yongdok an der Küstenstraße. In der Stadt entstanden zahlreiche Brände.
Die taktischen und die operativen Luftstreitkräfte der Amerikaner griffen erfolgreich in die Kämpfe ein. 78 feindliche Flugzeuge sollen in den letzten Tagen abgeschossen oder am Boden zerstört worden sein. Die Amerikaner verloren 37 Maschinen. Zahlreiche Angriffe wurden von den Flugzeugträgern gestartet.
Seit der Landung der 1. Kavallerie-Division zeigt sich das Hauptquartier des Generals Mac Arthur optimistisch. Das Oberkommando glaubt, daß nunmehr die Entscheidung im Krieg gefallen sei. Es sei den Nordkoreanern nicht gelungen, ihre Anfangserfolge auszunutzen und die amerikanischen Stellungen völlig zu überrennen. Der Widerstand der amerikanischen Infanterie, die nur tropfenweise in den Kampf hätte geworfen werden können, habe den Feind zu zahlreichen zermürbenden Frontalangriffen gezwungen, ohne daß er die Entscheidung habe herbeiführen können.
ECinheitliche Luftverteidigung
Eine Erklärung im Unterhaus
London, 20. Juli, (dpa) Der britische Verteidigungsminister Shinwell hat im Unterhaus bekanntgegeben, daß für Nordwesteuropa ein einheitliches System der Luftverteidigung auf gebaut worden sei. Es umfasse die Duftkontrolldienste und Jägerverbände Großbritanniens, Frankreichs, Belgiens und Hollands. Alle Verbände seien mit britischen Düsenjägern und britischem Radargerät ausgerüstet. Die norwegischen und dänischen Luftstreitkräfte seien ein zusätzlicher Teil der Luftverteidigung des Gesamtgebiets.
Keine westdeutsche Armee
Washington, 20. Juli, (dpa.) Amerikanische amtliche Kreise haben am Donnerstag erklärt, an eine Aufstellung einer deutschen Armee in der Bundesrepublik sei trotz der koreanischen Lage im Augenblick nicht gedacht. Maßgebliche Vertreter der Regierung äußerten sich jedoch nicht zu Fragen, ob der Kampf in Korea die Vereinigten Staaten dazu veranlassen könne, als Vorsichtsmaßnahme die Bildung einer westdeutschen Bundespolizei zu genehmigen.
Belgien ruft den König zurück
Parlament und Senat hoben Regentschaftsgesetz auf
Brüssel, 20. Juli. (AP./dpa/BBC.) Beide Häuser der belgischen Volksvertretung haben in der mit Spannung erwarteten Sitzung am Donnerstag Leopold 111., König der Belgier, auf den Thron zurückberufen.
In der Abstimmung wurden 198 Stimmen für den König abgegeben. Die Abstimmung sollte über die Beendigung der Regentschaft bestimmen, mit deren Ablehnung der König automatisch zurückgerufen wird. Die Sozialisten. die Liberalen und die Kommunisten hatten vor Beginn der entscheidenden Stimmabgabe das Parlament verlassen. Der König ist mit Mehrheit von der Partei der Christlich-Sozialen, die in beiden Häusern die Majorität besitzt, auf den Thron zurückgerufen worden.
Nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses versammelten sich die Abgeordneten der Opposition zu einem Protestmarsch zum Königlichen Schloß, um dem Prinzregenten Charles zu huldigen. Der Führer der Sozialisten, Spaak, der diesen Tag als den ernstesten und katastrophalsten in der Geschichte des belgischen Volkes nannte, batte bereits in der Debatte die Nerven verloren und den König als arroganten Schwächling bezeichnet. Spaak, dessen Taktgefühl und diplomatisches Geschick bekannt ist, hat außerdem erklärt, daß die Sozial!- sten Leopold nicht mehr als den König der Belgier anerkennen könnten.
Vor dem Zusammentritt des Parlaments war eine Entschließung der Sozialisten bekannt geworden, in der diese erklärten, sie würden bei der Rückkehr des Königs alle Ehrenämter zur Verfügung stellen und sich an keiner Regierung mehr beteiligen, und den Generalstreik ausrufen.
Ganz Belgien erwartet mit fieberhafter Spannung den Freitag, den Tag der belgischen Unabhängigkeit, an dem die größte Parade der Heeres- und Luftstreitkräfte abgehalten wird. Für diesen Tag sind mehr als 5000 Mann der belgischen Truppen, unterstützt durch Besatzungseinheiten aus Deutschland zusammengezogen, um in Brüssel eine Parade abzuhalten. In der belgischen Hauptstadt hält sich das Gerücht, daß der König an diesem Tage als Oberbefehlshaber der belgischen Armee zum ersten Male seit vielen Jahren die Parade abnehmen wolle. Ein Sonderflugzeug und Verbände der belgischen Jagdstreitkräfte sollen bereitstehen, um den König abzuholen.
Weder die Ereignisse in Korea noch die Erklärung des Präsidenten Truman haben die belgische Bevölkerung in den letzten vierundzwanzig Stunden erregen können. Belgien wartet, ob der Souverän zurückkehren oder sich den! Druck der Opposition beugen wird.
Aus der Arbeitshose wurde Maßanzug
Groteske Fehlschätzungen über den Ausbau von Bonn
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 20. Juli. Die starken Verschiedenheiten zwischen den vor der Wahl Bonns zum Bundessitz für den Ausbau genannten Zahlen und den tatsächlichen Kosten haben am Donnerstag das Thema der Sitzung des Untersuchungsausschusses des Bundestages gebildet. Der Leiter der .ersten Bauphase in Bonn, der damalige Chef der Staatskanzlei in Düsseldorf und heutige Staatssekretär Dr. Wandersieb, gab die Aufklärung, soweit sie seine Arbeiten betrifft, mit dem Vergleich, daß man damals von ihm eine Arbeitshose verlangt, jetzt aber einen guten Maßanzug gemacht habe, der natürlich um vieles teurer sei.
Nach den Ausführungen Dr. Wandersieb ist zum Beispiel der Ausbau zweier Kasernen um das Dreifache teurer geworden, weil unter anderem mit einem Aufwand von fast einer Million viele Zimmer eingebaut werden mußten, denn, wie ein Vertreter des Bundesfinanzministeriums bemerkte, haben die Besatzungsmächte ihr
Versprechen nicht eingehalten, zahlreiche Wohnungen zu räumen. Es wurden auch weitere, ursprünglich nicht vorgesehene, Erweiterungsbauten vorgenommen, und zu diesem Punkt wies .Wandersieb darauf hin, daß viele Dienststellen heute bei weitem stärker besetzt' seien, als man bei den Berechnungen vor der Wahl angenommen habe. Wandersieb legte Wert darauf, zu betonen, daß die in seinen Berechnungen angeführten Bauvorhaben sogar mit noch weniger Aufwand, als damals vorgesehen, ausgeführt worden seien. Es könne ihm aber nicht zur Last gelegt werden, wenn das Palais Schaumburg, das seinerzeit als einfaches Bürogebäude für .180 000 DM vorgesehen war, auf einmal zum Bundeskanzlerpalais mit einem Aufwand von fast einer Million geworden sei.
Es ergab sich weiter durch die Erklärungen von Wandersiebs und durch den Architekten Professor Schwippert, daß unmittelbar nach der Wahl Bonns der Bundeskanzler das für seinen Amtssitz vorgesehene Museum König aus gesundheitlichen Gründen für ungeeignet erklärte und in mündlichem Gespräch Schwippert den Auftrag erteilt habe, das Palais Schaumburg so schnell als möglich in Tag- und Nachtarbeit zum Bundeskanzlersitz auszubauen. Schwippert betonte, daß der Ausbau dieses Gebäudes sich jetzt nach ständigem Umdisponieren endgültig auf 814 000 DM belaufe. Die Türen allein hätten fünfzigtausend DM gekostet.
Ein besonderes Beispiel für die bei diesen Bauten herrschende Unklarheit ergab sich bei der Aussprache über die Kosten für den Garten des Bundeskanzlerpalais. Das Finanzministerium hatte ausdrücklich eine Höchstsumme von 63 000 DM festgesetzt. Trotzdem liegen heute Rechnungen für 120 000 DM vor.
Der Eindruck dieser langen Diskussionen war, daß zwar die Kosten für eine Arbeitshose richtig berechnet worden sein dürften, in der Tat dann aber ein Maßanzug daraus geworden ist. Es wird nun zu fragen sein, zunächst ob nicht dieser Maßanzug zu elegant geworden ist, vor allem aber, ob es wirklich zu vermeiden war, daß es ein Maßanzug werden mußte.
Es wirft aber ein Licht auf mancherlei Seltsamkeiten dieser damaligen Zeit, daß die beiden vom Hauptstadtausschuß des Bundestags berufenen Sachverständigen zu grotesken Fehlschätzungen gekommen sind. So haben sie unter anderem die Umbaukosten für das Palais Schaumburg zu Bürozwecken mit 25 000 DM beziffert, während für diese Zwecke allein das Achtfache fast notwendig geworden ist.
Die amerikanische Luftwaffe hat auf dem koreanischen Kriegsschauplatz Tankflugzeuge eingesetzt, die es den Kampfflugzeugen ermöglichen, in der Luft bei voller Geschwindigkeit neuen Treibstoff aufzunehmen Foto: Seeger
Arnold
he Die stärkste Partei in Nordrhein-Westfalen hat sich dafür ausgesprochen, daß der bisherige Ministerpräsident Arnold von neuem mit der Regierungsbildung beauftragt werden soll. Das ist eines der wichtigsten innerpolitischen Ereignisse der letzten Wochen, dessen Bedeutung weit über Düsseldorf hinausgeht und nach Bonn hinüberwirkt. Es stellt einen bedeutenden Erfolg derjenigen Gesamtrichtung in Deutschland dar, die man als links bezeichnen darf. Es bedeutet zugleich eine persönliche Niederlage des Bundeskanzlers.
Allerdings ist formell die künftige Regierungslinie des Ministerpräsidenten noch nicht festgelegt. Es heißt, daß er mit den Freien Demokraten ebenso wie mit den Sozialdemokraten verhandeln wolle. Aber die Vergangenheit Arnolds hat sein politisches Bild scharf geprägt; er ist ein entschiedener Vertreter des linken Flügels in der Christlich-Demokratischen Union. Zum mindesten über seine innersten Wünsche kann kein Zweifel sein. Er hätte es am liebsten, wenn er mit den Sozialdemokraten zusammen weiter regieren könnte. Dabei mag es noch Streit um den Posten des Innenministers geben, den die Sozialdemokraten gern behalten möchten; aber an der Tatsache zum mindesten, daß in dem größten deutschen Lande ein entschlossener Anhänger der Großen Koalition die Regierungsbildung versucht, ist kein Zweifel.
Man weiß, daß nach dem Wahlergebnis vom Bundesparlament aus versucht worden ist, die Düsseldorfer Beratungen so zu beeinflussen, daß auch dort eine Koalition ähnlich wie in Bonn geschaffen werde. Namentlich der Bundeskanzler selber, der zugleich Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Partei ist, hat sich mit seiner ganzen Autorität dafür eingesetzt, daß Arnold gehe und ein Mann seinen Platz einnehme, der eine Brücke nach rechts einschlagen könne. Wir erleben es jetzt zum ersten Male seit langer Zeit, daß auch das taktische Geschick des Kanzlers einen Mißerfolg erleidet.
. Liegt es an seiner Abwesenheit? Hat ihn vorher schon seine Krankheit behindert? Waren einfach die örtlichen Widerstände in Düsseldorf auch gegen den Willen des Parteivorsitzenden zu stark? Oder zeigt sich schließlich in den nordrheinisch-westfälischen Vorgängen einfach nur ein Widerspiegel davon, daß von Monat zu Monat stärkere Kühle zwischen den Bonner Regierungsparteien eingetreten ist? Unser Bonner Korrespondent meldet, daß auch auf der Bundesebene eine gewisse Neigung zur Großen Koalition gewachsen sei. Nun, man wird sehen, was ein wieder gesundeter Bundeskanzler mit diesen Bestrebungen macht.
Kann man schon Lehren daraus ziehen?
Von Erich DombrowskiAuf dem ostasiatischen Kriegsschauplatz scheint sich eine Wende vorzubereiten. Der Blitzkrieg der Nordkoreaner will sich totlaufen. Die amerikanischen Truppen haben, zahlenmäßig völlig unzureichend, zunächst einmal Widerstand dem Ansturm leisten und ihn, sozusagen Schritt für Schritt, aufhalten müssen. Diese Aufgabe war höchst undankbar. Denn die Ueberraschungssiege der einbrechenden nordkoreanischen Massen konnten und mußten bei denen, die nicht über den Tag hinaus zu sehen vermögen, den Eindruck erwecken, als ob die Amerikaner ihren Gegnern militärisch nicht gewachsen seien. Ein solches Urteil war vorschnell und wird sich, in jeder Woche mehr, als völlig unhaltbar erweisen. General Mac Arthur, der Oberbefehlshaber, erklärte jetzt auch ausdrücklich, daß inzwischen der Aufmarsch der achten amerikanischen Armee abgeschlossen sei und die Siegesaussichten des Gegners damit geschwunden seien. Präsident Truman hat diese Erklärung im Kongreß, im Anschluß an seine bedeutsame Botschaft, vorbringen lassen. Es darf denn auch nicht überraschen, daß Rußland sich Vermittlungsvorschlägen, wie sie ihm von dem indischen Regierungschef Pandit Nehru nahegelegt wurden, keineswegs abgeneigt gezeigt, sondern nach ihnen fast mit beiden Händen gegriffen hat. Auch die Gespräche, die der englische Botschafter in Moskau mit dem Vertreter des russischen Außenministers geführt hat, verraten ein gewisses Unbehagen des Kremls. Man möchte offenbar, solange man noch sein Gesicht irgendwie wahren kann, rechtzeitig aus der Affäre herauskommen. Die Forderungen der Russen beschränken sich, nach ihren eigenen offiziellen Verlautbarungen, darauf, daß Rot-China in die Organisation der Vereinten Nationen aufgenommen und daß man bei der Auseinandersetzung über den Konflikt auch Vertreter Nordkoreas anhören möge. Die Forderung der Amerikaner ist bekanntlich, daß erst einmal die nordkoreanischen Truppen Südkorea bis zu der ehedem festgesetzten Grenze, dem achtunddreißigsten Breitengrad, zu räumen hätten, ehe an irgendwelche Auseinandersetzungen zu denken sei. Rußland ist inzwischen noch einen Schritt weiter entgegengekommen. Die russische Nachrichtenagentur, die „TASS“, berichtet, daß der Kreml den britischen Vorschlag, die Feindseligkeiten in Korea zu beenden, nicht ohne weiteres abgelehnt habe. Doch solle er, wie alle anderen Vorschläge, dem Sicherheitsrat vorgetragen werden. *
Aus diesem Verhalten Rußlands, so vorsichtig abtastend es noch ist, geht dies hervor: Der nordkoreanische Vorstoß beginnt sich festzufahren. Die Amerikaner werden, über kurz oder lang, der Eindringlinge Herr werden und Südkorea von ihnen säubern. Die Amerikaner haben sich, im Zusammenhänge mit der Organisation der Vereinten Nationen, entschluß- und schlagkräftiger erwiesen, als man in Moskau angenommen hatte. Die Probe auf das Exempel ist zu Ungunsten der Russen ausgefallen. Man steht heute also vor der Frage, ob man, zur Entlastung der militärischen Lage in Korea, noch andere glimmende Herde, an den Grenzen Persiens, der Türkei, auf dem Balkan oder sonstwo, anzünden und damit einen Weltkrieg entfesseln soll, oder ob man beizeiten, solange man noch kein Prestige zu verlieren braucht, den Kampf
abbrechen soll. In diesem Falle würde das ganze Abenteuer darauf hinauslaufen, durch einen militärischen Streich die anderen Mächte dazu zu veranlassen, Rot-China diplomatisch anzuerkennen und es in die Organisation der Vereinten Nationen, unter Aufopferung des auf Formosa beschränkten National-China, aufzunehmen. Dann hätte dieser Schlag mit der gepanzerten Faust eine verzweifelte Aehnlichkeit, mit dem Auftrumpfen Deutschlands unter dem Reichskanzler Bethmann Hollweg, als ein deutscher Kreuzer plötzlich vor Agadir an der westafrikanischen Küste erschien und durch diese Drohung die Franzosen und Engländer zu einer Bereinigung des Marokko-Konfliktes zu zwingen versuchte. Damals, vor vierzig Jahren, ging dieses Vabanque-Spiel insofern gut aus, als die Westmächte nachgaben und sich an den Verhandlungstisch setzten. Als aber die Konferenz zu Ende ging, blieben die Deutschen, allein die Oesterreicher an ihrer Seite, doch die zweiten Sieger. Wird das Spiel, diesmal in Ostasien, auch so ausgehen?
Aber lassen wir dieses diplomatische Spiel vorerst hinter den Kulissen der Oeffentlichkeit einmal beiseite. Wichtiger ist, ob wir bereits einige Schlußfolgerungen auf die Sicherheit Europas, insbesondere Deutschlands, aus den militärischen Vorgängen in Ostasien ziehen können? Man kann es. Man muß es. Was hat sich bisher ergeben? Gegenüber einem Angreifer spielt zunächst die Zahl, die Bewaffnung und die militärische Schlagkraft des angegriffenen Teils eine entscheidende Rolle. Das heißt: der erste Anprall muß aufgehalten werden, bis genügend andere zur Verfügung stehende Landtruppen herangezogen werden können. Mehr oder weniger weit ab. Andernfalls wird der Feind in das Land eindringen, es zum großen Teil verwüsten und sich militärischer und wirtschaftlicher Positionen bemächtigen. Im Zusammenhang mit einer für ihn arbeitenden Untergrundbewegung. Die Wiedereroberung der besetzten Gebiete wird neue Menschenopfer, neue Verheerungen, neues Elend bringen, auch wenn schließlich, nach wer weiß wie langer Zeit, der Endsieg errungen wird. Sind diese Voraussetzungen der Abwehr für einen etwaigen plötzlichen Angriff auf das westliche Europa heute schon gegeben? Nein. Das deutsche Volk selbst ist völlig entmilitarisiert. Desgleichen sein wirtschaftliches Potential. Sind die Alliierten ihrerseits imstande, sofort in die Bresche zu springen und den Feind aufzuhalten? Nein. Die Besatzungstruppen, so hoch man ihren Kampfwert einschätzen möge, sind ziffernmäßig viel zu schwach, um anrollenden feindlichen Armeen zu begegnen. Die Kämpfe in Korea haben gezeigt, daß sie über das modernste technische Material verfügen. Also hat das Atlantik-Abkommen die militärische Ausrüstung der westlichen Alliierten so rasch wie möglich durchzuführen. Es handelt sich nicht nur darum, daß Amerika Waffen aller Art liefert, sondern auch, daß seine europäischen Alliierten finanziell instand gesetzt werden, Armeen rechtzeitig aufzustellen und auszubilden. Den Deutschen wird man unverzüglich die von ihnen verlangte Bundespolizei zugestehen müssen, damit sie in der Lage ist, einer ausbrechenden Untergrundbewegung ein Paroli zu bieten, die seif Monaten unter allen möglichen Tarnungen der sogenannten Nationalen Front bereits das Feld zu bereiten versucht. Die russisch dirigierte deutsche Ostzone ist uns ja schon seit Jahr und Tag damit vorängegangen. In einem etwaigen militärischen Konflikt zwischen Ost und West leiden beide Teile, Amerika und Rußland, unter gegenwärtig noch unberechenbaren Transportschwierigkeiten. Der, welcher den Blitzkrieg anfängt, wird zunächst im Vorteil sein, da er ja in aller Ruhe die dafür vorgesehenen Truppenverbände an die Angriffsstelle hat heranführen können, während der andere diese Zeit der unmittelbaren Vorbereitungen erst nachholen muß. Darum geht es für das zunächst angegriffene Gebiet. Das wäre in Europa Westdeutschland. Auf die Länge der Zeit aber werden die Transportschwierigkeiten für Amerika geringer, für Rußland größer. Westeuropa hat ein Straßennetz, das allen Anforderungen schneller Truppenbewegungen genügt. Rußland nicht. Das braucht im einzelnen nicht ausgeführt zu werden. Das ergibt sich ohne weiteres aus den weiten Räumen des Landes. Das ergibt sich auch aus dem Rückstände, in dem sich die Sowjetunion schon allein durch die noch keineswegs behobenen Kriegsverwüstungen befindet. *
Die militärische Aufgabe des Angegriffenen, in unserem Falle der Westmächte, besteht also in zwei abwehrenden Handlungen: zum ersten sich sofort in die Lage zu versetzen, genügend Truppen schlagartig an die bedrohten Grenzen zu werfen, um den Gegner aufzuhalten. Zum anderen, die Transportmöglichkeiten des Angreifers, ebenso unvermittelt, zu unterbinden. Da es um Leben oder Tod der Kulturwelt geht, wird man in diesem Moment, ob man will oder nicht, sich der Atombombe zu bedienen haben, in der man heute noch überlegen ist. Nicht, indem man wahllos Städte dem Erdboden gleichmacht und das Leben von Millionen Menschen gefährdet, sondern indem man einen Atomvorhang quer durch das westliche Rußland zieht, also sozusagen eine Todesgrenze schafft. Es ist fürchterlich, das auszusprechen. Aber noch fürchterlicher ist es, überhaupt an die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges zu denken. Aber die, welche mit dem Feuer spielen, sollen sich dessen bewußt sein, was ihrer wartet, wenn sie einen neuen Weltbrand, nach all den schrecklichen Leiden der Vergangenheit, entfesseln. Das sind die eindringlich warnenden Lehren, die man aus dem heutigen Geschehen in Ostasien ziehen kann. Die Botschaft des Präsidenten Truman zeigt der Welt, daß die Amerikaner kein physisches und materielles Opfer scheuen wollen, um der Welt wieder Ruhe, Frieden und Sicherheit zu geben. Derselbe Präsident Truman hat, als er nach der Anwendung der Atombombe gefragt wurde, eine ausweichende Antwort gegeben und sich alle Möglichkeiten für die Zukunft offengehalten. Es scheint, als ob alle diese Dinge, auch die sich vorbereitende militärische Wende in Korea, nicht ohne Eindruck auf Moskau bleiben werden. Können wir bereits heute mit dem amerikanischen Dichter sagen: „Sind wir noch einmal davongekommen?" Wir möchten es hoffen. Die Zukunft liegt noch verhüllt vor uns.
Die Konlitionsgesprũche
in Nordrhein-Westfalen
Fö. Düsseldorf, 20. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Henßler hat vor Pressevertretern am Donnerstag erklärt, die Verhandlungen zwischen der Sozialdemokratischen Partei und der Christlich-Demokratischen Union über die Neubildung der Regierung in Nordrhein-Westfalen seien am Donnerstagabend abgebrochen worden. Die von der Christlich-Demokratischen Union aufgestellten Richtlinien seien so stark von Alleinherrschergelüsten getragen, daß sie für die sozialdemokratische Fraktion keine Grundlage für weitere Gespräche bilden könnten. Dennoch seien die Sozialdemokraten bereit, in neue Verhandlungen einzutreten, wenn der bisherige Ministerpräsident Arnold von den unmöglichen Beschlüssen seiner Fraktion abrücke und tragbare neue Vorschläge unterbreite.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den Sozialdemokraten hat die Christlich-Demokratische Union Koalitionsgespräche mit den Freien Demokraten aufgenommen.
Der Bundestag zum Fall Müller
R. Bonn, 20. Juli. (Eigener Drahtbericht) Der Vorsitzende des Immunitätsausschusses, Abgeordneter Ritzel, hat erklärt, der Bundestag werde im Falle des nach der Sowjetzone gebrachten und dort inhaftierten kommunistischen Abgeordneten Kurt Müller eine neue Initiative ergreifen. Ritzel hob hervor, daß der Brief, in dem Müller die Niederlegung seines Mandats mitgeteilt habe, von einer Frankfurter kommunistischen Stelle aus abgesandt worden und die Unterschrift Müllers vielleicht eine Blankounterschrift sei. Die Lebensgefährtin Müllers, Heta Fischer, teilte mit, daß sie in einem Brief an den Abgeordneten Reimann erklärt habe, Kurt Müller sei aus seiner Wohnung durch den für solche Zwecke üblichen Apparat der Kommunistischen Partei zu einer Reise nach Berlin, angeblich zur Besprechung aktueller politischer Fragen, abgeholt worden. Reimann habe vorher’ sich in Berlin mit Ulbricht besprochen und habe ihm auch selbst erklärt, daß er Einfluß auf die Verhaftung genommen habe. Heta Fisch r eiklärte alle Vorwürfe Reimanns gegen Müller für unwahr und hält Müllers Erklärung gegenüber dem Bundestag für erpreßt.
Zentralrat der luden
Frankfurt, 20. Juli. Die Organisationen der Juden in Deutschland haben in einer Sitzung in Frankfurt eine Gesamtvertretung gebildet, die den Namen „Zentralrat der Juden in Deutschland“ führen wird. Der Zentralrat wird durch ein aus vier Personen bestehendes Direktorium und einen aus fünfzehn Delegierten gebildeten Rat repräsentiert. Sitz des Zentralrates ist Frankfurt.
Fremdenwerbung in Ameriha
Gespräch des „AZ“-Vertreters mit dem Auslandswerbedirektor der „New York Times“
Ruriä 60 Millionen Amerikaner geben in diesem Jahre mehrere hundert Millionen Dollar für Auslandsreisen aus. Unser Frankfurter Dr. Bz.-Korrespondent konnte sich mit dem gegenwärtig in Deutschland weilenden Auslandswerbedirektor von „The New York Times“, Dr. Eric W. Stoetzner, über die sich hieraus ergebenden Probleme unterhalten.
Frage: Wie kann man Ferienreisende aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika für einen Besuch in Deutschland gewinnen?
Antwort: Nach ziemlich genauen Schätzungen werden itn Jahre 1950 rund 60 Millionen Amerikaner, also mehr als die gesamte Bevölkerung Englands, Hollands und Belgiens zusammengenommen, Hunderte von Millionen Dollars für Auslandsreisen ausgeben. Hauptziele sind nord-, zentral- und südamerikanische Gebiete sowie die Bermuda- und westindischen Inseln. Nach Westeuropa strömen, soweit Schiffs- und Flugzeugraum verfügbar sind, rund 400 000 nordamerikanische Gäste. Dabei läßt sich die Beobachtung machen (übrigens ähnlich wie vor 25 Jahren), daß zwar Tausende amerikanischer Pilger auch nach Rom und Italien gehen, noch mehr Amerikaner aber Italien meiden werden. Die mit der Verkündung des Heiligen Jahres gegebene weltumspannende,, Publizität“ hat den Amerikaner von Italien teilweise verscheucht. Die italienische Werbung hat es aber verabsäumt, gleichzeitig auf die Schönheiten und Unterkunftsmöglichkeiten hinzuweisen. Dann wäre wahrscheinlich schon Ende 1949 der amerikanische Reiseverkehr mit vielen Vorbestellungen in weit größerem Umfange nach Deutschland gegangen.
Frage: Wieviel Geld haben die amerikanischen Touristen im vergangenen Jahr ausgegeben und welche Länder haben daran besonders Nutzen gezogen?
Antwort: Im Jahre 1949 haben die Amerikaner 823 Millionen Dollar (über 3,45 Milliarden D-Mark) für Auslandsreisen ausgegeben. Hiervor gingen 272 Millionen Dollar in die Marshall-Plan-Länder, übrigens im laufenden Jahre dürfte Westeuropa mindestens 300 Millionen Dollar (1,26 Milliarden D-Mark) von amerikanischen Ferienreisenden einnehmen. Um solche Einnahmen zu erzielen, bedarf es der intensivsten Werbung in den Vereinigten Staaten.
Frage: Ist das amerikanische Reisevolumen mit diesen Rekordziffern eigentlich nicht erschöpft?
Antwort: Ganz und gar nicht! Bedenken Sie doch, daß die Amerikaner in den Sommermonaten für ihre Ferienreisen im In- und Auslande insgesamt zwischen 6 und 7 Milliarden Dollar (oder über 25 bis nahezu 30 Milliarden D-Mark) verbrauchen. Dabei fährt nur ei n Prozent aller Ferienreisenden ins Ausland. Man kann natürlich nicht behaupten, daß auch alle diese 99 Heimattouristen für Reisen nach Uebersee gewonnen werden können. Doch ist es so, daß mit den außerordentlich erhöhten Einkommen aus der Nachkriegszeit, der wachsenden Zahl bezahlter Ferien und Alterspensionen auch die Zahl der ins Ausland reisenden Touristen noch ganz wesentlich steigen könnte. '
Frage: Wie können wir in Deutschland einen großen Anteil von amerikanischen Reisedollars für das kommende Jahr erreichen?
Antwort: Schon jetzt muß eine sehr geschickte Werbung einsetzen, denn der Amerikaner plant seine Ferien weit im voraus. Persönlich kenne i® einen Fall, wo bereits im Mai dieses Jahres Schiffskarten für nächsten Sommer bestellt worden sind. Der allerspäteste Zeitpunkt für die Werbung von amerikanischen Feriengästen für das kommende Jahr dürften die Monate Februar bis April 1951 sein. Der Werbefeldzug selbst kann nur von Erfolg sein, wenn alle Anzeigen und Werbemittel und nicht zuletzt Werbeliteratur
mindestens Ende dieses Jahres in Neuyork zur Verteilung bereit liegen. Dabei sind die amerikanischen Reiseagenten ungemein geschickte Verkaufshelfer, die Millionen von Reiselustigen beraten und beeinflussen können. Gerade diese Reiseagenten müssen mit Informationen für die Kundenwerbung besonders versorgt werden. Dabei sollte es sich um farbiges und recht anschauliches Material handeln. Die Werbung selbst müßte diesen großen Kontinent in besondere Gebiete je nach der geographischen Lage, nach Klima, Sitten und so weiter einteilen und berücksichtigen. Das aussichtsreichste Gebiet für die Werbung dürften wohl die Stadt Neuyork und die sechs Staaten der näheren Umgebung dieses Hafens sein. Geschickte, frühzeitige Werbung hätte also überall und nicht zuletzt an der Ostküste der Vereinigten Staaten gute Erfolgsaussichten, um noch weit mehr amerikanische Reisende als bisher für Europa und nicht zuletzt für Deutschland zu gewinnen.
Englisches Memorandum an Moskau
Mißverständnisse über die Besprechungen sollen vermieden werden
London, 20. Juli. (AP/dpa) Großbritannien "hat der Sowjetunion am Donnerstag ein Memorandum über die Ansichten der britischen Regierung in der Korea-Frage übersandt. Die Hauptpunkte des britischen Memorandums sind die folgenden: Das dringenste Problem ist die Einstellung der Feindseligkeiten in Korea. Dies kann nicht von der Regelung anderer Fragen abhängig gemacht werden. Großbritannien erklärt daher erneut, daß es hinter der Resolution des Sicherheitsrates steht. Es gibt ferner erneut der Hoffnung Ausdruck, daß die Sowjetregierung ihren Eipfluß bei den Nordkoreanern auf sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und den Rückzug der nordkoreanischen Truppen hinter den 38. Breitengrad geltend machen wird.
Attlee erklärte zur Absendung dieses Memorandums vor dem Unterhaus, der Vorschlag, ein Memorandum an die Sowjetunion zu schicken, sei die Folge der Veröffentlichung der russischen Version der Moskauer Besprechungen über Korea zwischen dem britischen Botschafter in Moskau und dem stellvertretenden russischen Außenminister Gromyko gewesen. Um Mißverständnisse zu vermeiden, werde die Ansicht der britischen Regierung der Sowjetunion schriftlich mitgeteilt.
Attlee gab sodann über die Besprechungen eine Erklärung ab. Zunächst habe der britische Botschafter die Sowjetregierung ersucht, ihren Einfluß bei den Nordkoreanern auf eine Einstellung der Feindseligkeiten geltend zu machen. Später habe der Botschafter vorgeschlagen, alle Parteien, die den Frieden wünschten, sollten gemeinsam versuchen, die Einstellung der Feindseligkeiten herbeizuführen. Der britische Botschafter habe ferner den Vorschlag gemacht, eine Erörterung der Meinungsverschiedenheiten in der koreanischen Frage aufzuschieben, bis wieder friedliche Verhältnisse hergestellt seien. Gromyko habe aber auf Zulassung der kommunistischen Regierung Chinas zum Weltsicherheitsrat und auf Hinzuziehung koreanischer Vertreter bestanden, die dem Rat den Standpunkt der koreanischen Bevölkerung hätten darlegen sollen, weil dies der beste Weg zum Frieden sei. Der britische Botschafter habe dann wiederholt, daß die Zulassung der kommunistischen Regierung in China zum Sicherheitsrat nichts mit der Lage in Korea zu tun habe.
Pieck kündigt russische Kredite an
Eröffnung des Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei in Berlin
Berlin, 20. Juli. (AP./dpa/BBC.) Am Donnerstag hat in Ost-Berlin der dritte Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands begonnen. Eine großzügige Organisation sorgte dafür, daß alle Reden über Kopfhörer sofort in mehrere Sprachen übertragen werden konnten, da zu der demonstrativen Tagung die Abgeordneten von 25 Ländern geladen worden waren. Zum Ehrenpräsidium der Tagung wurden neben Stalin der Chef der chinesischen Volksrepublik, Mao Tse-tung, und der Oberbefehlshaber der nordkoreanisdien Streitkräfte, Kim 11-sung, sowie sämtliche Staatsoberhäupter aller Volksdemokratien gewählt.
Das Hauptreferat wurde von dem Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik, Pieck, gehalten. In einer Zehnpunkte-Erklärung forderte Pieck den Abzug der Besatzungstruppen, die Aechtung der Atombombe und die Freundschaft zur Sowjetunion.
Unter dem rhythmischen Klatschen der Delegierten kündigte Pieck an, daß die Sowjetunion der Sowjetzone einen kurzfristigen Kredit über 20 000 Tonnen Fleisch, 5 000 Tonnen Butter, 2 500 Tonnen Butterschmalz und große Baumwollmengen gewähren wolle. Pieck prophezeite, daß im Jahre 1952 der Lebensmittelverbrauch in der Sowjetzone den Vorkriegsstand erreicht haben werde.
Pieck teilte dann mit, daß die Mitgliederzahl der Sozialistischen Einheitspartei in den letzten eineinhalb Jahren zurückgegangen sei. Nach der letzten Zählung am 1. April dieses Jahres habe die Partei 1750 000 Mitglieder und Kandidaten gehabt. Vorher seien es zwei Millionen gewesen.
Pieck übte schonungslose Kritik an der Sozialistischen Einheitspartei. Der Staatsapparat lasse noch vieles zu wünschen übrig. Bürokraten müßten entfernt und durch neue Menschen aus dem Volke ersetzt werden. Der Kampf um den Frieden müsse verstärkt und der Sieg der „Nationalen Front“ bei den Oktoberwahlen herbeigeführt werden.
Pieck beschuldigte die Berliner Sozialistische Einheitspartei, auf ihr Konto komme der geringe Erfolg in West-Berlin, das der Brückenkopf des anglo-amerikanischen Imperialismus sei.
Volkspolizei in Maxrineblau
Berlin, 20. Juli, (dpa) Alle Einheiten der neu gebildeten Seepolizei der Sowjetzone sind jetzt in dunkelblaue Uniformen eingekleidet worden, die sich kaum von den Uniformen der ehemaligen deutschen Kriegsmarine unterscheiden. Die Mannschaften tragen die weiten Seemannshosen mit den kurzen Uniformjacken und goldenen Ankerknöpfen und als Kopfbedekkung weiße oder dunkelblaue Tellermützen ohne Schirm. Die Offiziere der Seepolizei der Söwjetzone tragen breite goldene Armstreifen auf den dunkelblauen Uniformröcken. Ihre Mützenschirme sind mit vergoldeten Eichenblättern nach dem Muster der internationalen Marineoffiziersmützen geschmückt. Die übrige Volkspolizei soll demnächst erdbraune Uniformen erhalten.
Handlungsfreiheit behalten
Das Commonwealth und die Vermittlungsversuche
Drahtbericht unseres Korrespondenten
gr. London, 20. Juli. Sämtliche einflußreichen englischen Blätter bringen in diesen Tagen eine betonte und daher wohl kaum ganz zufällige Distanzierung von dem Vermittlungsversuch^ Pandit Nehrus zwischen Moskau und Washington zum Ausdruck. Und die offizielle Erklärung eines Sprechers des Foreign Office, die britische Regierung sei von dem indischen Ministerpräsidenten zwar über seinen Schritt unterrichtet, aber keineswegs vorher darüber befragt worden, wird allenthalben herausgestellt. Trotzdem sind diplomatische Kreise Londons der Überzeugung, daß die indische Aktion keineswegs selbständig oder gar gegen den Willen Großbritanniens unternommen worden sei. Im Gegenteil, man ist der Ansicht, daß dieser Versuch Pandit Nehrus nur ein Teil, und zwar ein durchaus überlegter Teil, eines größeren Planes sei, und die Tatsache, daß der indische Vertreter in Moskau im Anschluß an die Überreichung des Schreibens eine lange Unterredung mit dem dortigen englischen Botschafter hatte, bestärkt nur diese Auffassung.
Als zu Anfang des Monats der britische Botschafter seine erste Unterredung mit dem stellvertretenden russischen Außen-
minister über die Frage einer friedlichen Beilegung des Korea-Konflikts hatte, erschien dieser Schritt zunächst allgemein nur als ein rein englischer Versuch, der im wesentlichen an den guten Willen Rußlands — und zugleich Amerikas — appellierte. Denn die englischen Streitkräfte sind bei den heutigen Kräfteverhältnissen der Welt kaum in der Lage, den Vorschlägen ihrer Regierung ein ernsthaftes militärisches Gesicht zu verleihen.
Inzwischen sind jedoch auf diesen englischen Schritt eine Reihe anderer Maßnahmen und Erklärungen gefolgt, die ausnahmslos in eine gleiche oder ähnliche Richtung zielen. Pandit Nehru hat einen Brief an Stalin und zwei an Acheson geschrieben. Die kanadische Regierung hat bekanntgegeben, daß die nach Korea entsandten kanadischen Streitkräfte keine Genehmigung hätten, sich an einer Verteidigung Formosas zu beteiligen.
Sämtlichen Maßnahmen und Erklärungen dieser Staaten ist dabei eines gemeinsam: Sie beschränken die Beteiligung ihrer Regierungen und militärischen Kräfte in dem bisherigen Konflikt auf Korea selbst und behalten sich für den Fall seiner Ausweitung auf andere Kriegsschauplätze ihre Handlungsfreiheit vor. Diese Haltung ist aber weit mehr als etwa lediglich Unentschlossenheit oder auch nur ein bloßer, unverbindlicher Vermittlungsversuch. Sie ent¬ 'hält eine durchaus selbständige politische Entscheidung. Während die beiden großen Mächte des Westens und des Ostens auch für den Fall einer Ausweitung des jetzigen Konflikts durch die Erklärungen ihrer Regierungen sich bereits ausdrücklich festgelegt haben, versucht England, und nunmehr nicht mehr England allein, sondern das gesamte weder für Rußland noch für Amerika als Machtfaktor zu unterschätzende Commonwealth, sein politisches und militärisches Gewicht in der Schwebe zu halten und dadurch eine Barriere „gegen jede Ausweitung des Konflikts sowohl durch eine russische als auch durch eine amerikanische Aktion“ zu errichten.
Eine weitere Unterredung
Moskau, 20. Juli, (dpa) Der stellvertretende sowjetische Außenminister Gromyko hatte am Donnerstagabend im Kreml eine neue Unterredung mit dem britischen Botschafter Sir David Kelly.
Churchill: Kein Weltkrieg
Bath, 20. Juli, (dpa) Churchill hat am Donnerstag erklärt: „Ich glaube nicht, daß ein neuer Weltkrieg vor der Tür steht“. Er begrüßte die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten.
Beschleunigte Aufrüstung
Eine Forderung der Westunion
Paris, 20. Juli, (dpa) Eine verstärkte Aufrüstung fordern die Verteidigungsminister der fünf Westunionsmächte, die am Donnerstag in Fontainebleau bei Paris Besprechungen abgehalten hatten. Nach Abschluß der Sitzungen wurde ein kurzes Kommunique herausgegeben: „Die Minister erörterten die internationale militärische Lage und die von den Oberbefehlshabern genlachten Vorschläge. Sie erkannten die Notwendigkeit an, ohne Verzögerung die Herstellung von Kriegsmaterial zu beschleunigen und die Verteidigungskraft der Westunionsstaaten zu Lande, zu Wasser und in der Luft als Garantie gegen einen Angriff zu verstärken.“
Grenzzwischenfall
Ankara, 20. Juli (dpa). An der türkischsowjetischen Grenze im Gebiet der türkischen Provinz Kars ist es nach Presseberichten aus Ankara dieser Tage zu einem Grenzzwischenfall gekommen, bei dem ein türkischer Grenzbewohner von sowjetischen Posten erschossen worden ist. Sowjetposten eröffneten das Feuer auf den Türken, als er noch hundert Meter von der Grenze entfernt war, verletzten ihn dabei schwer und schleppten ihn dann von türkischem Gebiet aus auf die andere Seite der Grenze. Nach längeren Verhandlungen wurde den türkischen Behörden gestattet, ihn wieder von dort abzuholen, nachdem er inzwischen seinen Verletzungen erlegen war. Eine Untersuchung hat ergeben, daß der Tod erst auf sowjetischem Gebiet eingetreten sein muß.
Ungarn will zur Unterstützung der nordkoreanischen Streitkräfte ein vollständig ausgerüstetes Feldlazarett nach Korea entsenden.
timmen der Anderen
Ist Stalin verwundbar?
Die Züricher „Tat“ untersucht die Außenpolitik der Westmächte gegenüber Stalin.
„Man tut Stalin unrecht, wenn man meint, er lasse sich provozieren. Er ist ebensowenig zu provozieren wie zu beschwichtigen. Solche Begriffe fehlen in seinem Vokabular, das aus härteren Maximen besteht als das der westlichen Demokraten. Er verfolgt seine Ziele mit kaltblütiger Konsequenz, gleichgültig, ob man ihn schmäht oder ihm schmeichelt. Inkonsequent ist lediglich der Westen, der so tut, als sei Nordkorea der Friedensbrecher, obwohl dieses Land doch nur das Werkzeug Moskaus ist. Stalins besondere Finesse ist die zweifache Tarnung, das doppelte Alibi. Nicht eine Marionette Moskaus wurde zur Aktion veranlaßt, sondern die Marionette einer Marionette. Die unterirdischen Drähte von Nordkorea führen nach Peking, so daß zunächst nur die Gefahr eines Konfliktes mit Rot-China und nicht mit Moskau besteht. Dieses kann ruhig weiter die Rolle des Unbeteiligten spielen. Tut man Stalin dien Gefallen und erklärt Peking den Krieg, so kann Stalin bis zum letzten Chinesen kämpfen. An anderen Stellen in Osteuropa, auf dem Balkan und in Persien Ist Stalin viel verwundbarer. An diesen Punkten muß Stalin eigene Truppen einsetzen, denn auf die Marionetten seiner Westfront ist kein Verlaß.
Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie rasch das Schicksal des Abendlandes besiegelt wäre, wenn die 48 Nationen hinter Stalin stünden. Aber leider ist die Kraft dieser 48 Nationen bis auf einen verschwindend kleinen Prozentsatz vorläufig nur theoretisch. Es fehlt -~n Einigkeit und Entschlossenheit und an dem Willen, für die Ideale, zu denen man sich bekennt, auch um den Preis von Blut, Schweiß und Tränen einzustehen.“
„Ohne Kampfgeist“
Das englische Magazin „Public Opin io n“ schreibt, die amerikanische Armee müßte in Korea, Flucht und Rückzug über sich ergehen lassen, da sie nachlässig geführt und schlecht ausgerüstet sei und einen zahlenmäßig überlegenen Gegner vor sich habe.
„Es ist jedoch besorgniserregend, daß der durchschnittliche amerikanische Soldat keinen Kampfgeist hat. Die großen Siege der Amerikaner im letzten Krieg sind auf die vernünftige Weise zurückzuführen, in der Massen von überlegenem Material zur richtigen Zeit und am richtigen Ort eingesetzt wurden. Der Feldzug in Europa wurde durch Material, Konzentration der Feuerkraft und eine schützende Luftwaffe ermöglicht, mit denen alles überrannt wurde, was der deutsche Generalstab den Alliierten entgegenstellen konnte. Die amerikanische Armee schnitt aber nicht so gut ab, sobald der Gegner gleichwertiges Material zur Verfügung hatte. In Nordafrika wurden wichtige Stellungen mehrmals von den Amerikanern aufgegeben, von britischen Elitetruppen zurückerobert und von den Amerikanern erneut aufgegeben. Aehnliche Vorfälle ereigneten sich in Anzio (Italien) wo erfahrene Truppen in die von den Amerikanern aufgegebenen Stellungen geworfen werden mußten.
Die Vormachtstellung der Amerikaner beruht auf einer einzigartigen Militärverwaltung und einem ausgezeichneten Nachschubsystem. Im Augenblick ist davon in Korea jedoch nichts zu spüren.“
Irgend etwas tun
Die „Daily Mail“ macht einen Vorschlag:
„Der Atlantik-Pakt ist ein eindrucksvolles Gebäude — auf dem Papier. Etwas Konkretes ist bisher nicht dabei herausgekommen. Die Abgeordneten, die die Verteidigungsmöglichkeiten der zwölf Mächte koordinieren sollen, wollen am 25. Juli in London zusammenkommen.
Warum nicht jetzt gleich? Am 25. Juni ist der Koreanische Krieg ausgebrochen. Es ist mehr als ein Jahr her, daß die atlantischen Staaten .beschlossen, ihre Kräfte zum gemeinsamen Schutze zusammenzuschließeri. Seitdem hat es wenig mehr als Worte gegeben. Eine feste Front gegen die schleichende Bedrohung aus dem Osten besteht nicht, und nichts ist getan worden, sie zu schaffen.’ Die demokratischen Nationen stehen noch nicht eng genug zusammen, wenn auch ihre Völker nach vereinigtem Handeln verlangen. Ihre Staatsmänner scheinen unentschlossen und wie gelähmt. Warum tut nicht irgendeiner irgend etwas? Wir meinen, eine Zusammenkunft der Westmächte sei das Dringlichste, nicht nächste oder übernächste Woche, sondern jetzt.
Warum sollten Truman, Attlee und andere Führer sich nicht sofort zu einer Konferenz treffen? Und warum sollte nicht auch Churchill dabei sein? Sein Rat wäre von unschätzbarem Wert. Als Premierminister hat er Attlee mit nach Potsdam genommen, um die Kontinuierlichkeit der Politik für sein Land zu sichern. Warum sollte Attlee, wie es Churchill stets tut in solchen Zeiten, sich ^^we8se^zen über Parteiengezänk und -naaerr
Massensäuberung in Rumänien
192 000 Kommunisten ausgeschlossen
Bukarest, 20 Juli (dpa). Etwa 192 000 Mitglieder - mehr als ein Fünftel - der rumänischen Arbeiterpartei (Kommunisten) sind aus der Partei ausgestoßen worden. Die Säu berungsaktion wird vom Parteivorstand als eines der bedeutendsten Ereignisse im Leben der Partei bezeichnet. Die Partei werde von Opportunisten sowie fremden und feindlichen Elementen gesäubert.
Gefährlicher als 1939 bezeichnete der ehemalige französische Ministerpräsident Paul Reynaud vor britischen Journalisten die derzeitige Weltlage.
Die Kartoffelrationierung in der Ostzone soll vom 1. Oktober dieses Jahres an aufgehoben werden.
Der soziale Wohnungsban
1950 Fertigstellung von 30 000 Wohnungen in Hessen
HGR. Wiesbaden, 20. Juli. (Eigener Bericht.) Der Wiederaufbauausschuß des Hessischen Landtages nahm in seiner Sitzung am Donnerstag einen Bericht des Innenministers und Finanzministers über die Verteilung der Förderungsmittel der ersten Rate der Landesbaudarlehen entgegen. Gleichzeitig wurde der Verteilungsplan für die zweite Rate vorgetragen. Beide Berichte fanden bei drei Stimmenthaltungen Billigung des Ausschusses.
In der ersten Rate standen für Landesbaudarlehen 50 Millionen, für das Flüchtlingssonderbauprogramm 12,5 Millionen, für Bundesbahn und Bundespost 2 Millionen, für landwirtschaftliche Siedlungsbauten 2,5 Millionen und für Staatsbedienstete, die Trennungsentschädigungen erhalten, 1,5 Millionen, im ganzen also 68,5 Millionen Mark zur Verfügung.
Die zweite Rate kann zuverlässig 20 Millionen betragen, davon erhält der Regierungsbezirk Darmstadt 6,27 Millionen, der Regierungsbezirk Kassel 6,21 Millionen und der Regierungsbezirk Wiesbaden 7,52 Millionen. Minister Zinnkann schlug bei dieser Gelegenheit vor, die Stadt- und Gemeindekreise zu ermächtigen, bei neuen Bauvorhaben von Wohnungsunternehmen in eigener Zuständigkeit auch bis zu einer Darlehnshöhe von 5000 Mark statt der bisher üblichen 3000 Mark je Wohnung zu gehen. »
Mit dieser zweiten Rate sind nunmehr die für das Baujahr 1950 vorgesehenen Wohnungsmittel bis auf einen möglicherweise aus Umstellungsgrundschulden und aus rückflüssigen früheren Baudarlehen aufkommenden Betrag von 3 bis 5 Millionen, der der Regierung als Reserve vorbehalten bleiben soll, restlos verteilt. Nach den bisherigen Erfahrungen aus der ersten Rate kann erwartet werden, daß mit den insgesamt für das Baujahr 1950 zur Verfügung stehenden öffentlichen Mitteln etwa 25 000 Wohneinheiten erstellt werden können. Hinzu kommen die Wohnungen, die ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel im Rahmen der freien Finanzierung errichtet werden. Erfahrungsgemäß wird die Anzahl dieser Wohnungen etwa 20 v. H. der mit öffentlichen Mitteln gebauten Wohnungen betragen. Das Wohnungsbauprogramm 1950 dürfte für Hessen etwa 30 000 Wohnungen ergeben.
Kabinettsbeschlüsse
in Wiesbaden
HRG. Wiesbaden, 20. Juli. (Eigener Bericht.) Das hessische Kabinett beschloß in seiner Donnerstag-Sitzung, im Bundesrat gegen diie Margarine-Ausgleichsabgabe zu stammen, damit nicht ein wichtiges Volksnahrungsmittel verteuert werde. Hessen wird ferner beantragen, ein im Wirtschaftsausschuß bereits behandeltes Gesetz über die Dezentralisierung der Banken von der Tagesordnung des Bundesrates abzusetzen, damit der Finanzausschuß unter Dr. Hilpert noch dazu Stellung nehmen kann. Eine hessische Landesstelle für Außen- und Interzonenhandel soll errichtet werden. Der Verkehr zwischen Kabinett und dem hessischen Bevollmächtigten in Bonn soll günstiger gestaltet werden. Ein Gesetzentwurf über eine Getränke- und Speiseeis-Steuer, die den Gemeinden die Rechtsgrundlage für Erhebung dieser Steuern geben und eine Herabsetzung der Getränkesteuer ermöglichen soll, wurde zurückgestellt. Der Entwurf sieht unter anderem als höchstzulässige Besteuerung des Speise-Eises eine solche von fünfundzwanzig Prozent vom Kleinverkaufspreis vor. Man hatte hauptsächlich Bedenken wegen der schwierigen Durchführung der Besteuerung in der Praxis.
Stock srchert Toleranz zu
Wiesbaden, 20. Juli. (AP.) Ministerptäsident Stock hat an den amerikanischen Landeskommissar von Hessen, Dr. Newman, ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, daß von der hessischen Regierung alles getan werde, um die Toleranz zu fördern und antisemitische Ausschreitungen zu bekämpfen. In dem Schreiben des Ministerpräsidenten wird erwähnt, daß seit Januar 1947 in Hessen insgesamt 35 Fälle von Schändungen jüdischer Friedhöfe gemeldet worden seien. Tn 17 Fällen habe es sich bei den Tätern um Kinder unter 14 Jahren gehandelt.
Die Wildschweinplage
Rückgang der Abschüsse
ms. Wiesbaden, 20. Juli. (Eigener Bericht.) Wie die amerikanische Landeskommission für Hessen mitteilt, wurden in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 6500 Wildschweine abgeschossen. Von Juli 1948 bis 1949 wurden 6717 Stück Schwarzwild erlegt. Ein amerikanischer Sprecher erklärte, daß der Rückgang an der Abschußziffer dem nicht mehr so großen Interesse der hessischen Forstbeamten an der Schwarzwildjagd zuzuschreiben wäre. Nach Ansicht des Sprechers müßte in Anbetracht des geschätzten Wildschweinbestandes die Abschußzahl für das vergangene Jahr weit über der des Vorjahres liegen.
Wagners Rücktritt gefordert
Lippmann kritisiert den Minister
fs. Wiesbaden, 20. Juli. (Eigener Bericht.) In einer Versammlung der Sozialdemokratischen Partei Wiesbaden-Süd sprach als Hauptreferent der hessische Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, über die gegenwärtige Brotpreislage in Hessen. Max Lippmann, Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Süd, kritisierte in der anschließenden Diskussion das „undisziplinierte Vorgehen des hessischen sozialdemokratischen Ministers“.
Lippmann, der unmittelbar von der Bonner Bundestagsberatung-, gekommen war, schilderte die „einhellige Empörung, die Wagners Haltung bei der gesamten sozialr demokratischen Fraktion ausgelöst“ habe, und kündigte abschließend an, daß er auf dem bevorstehenden Bezirks-Parteitag den Ausdruck des Mißtrauens gegen den Minister vertreten und seine Demission verlangen werde.
Die ehemalige deutsche Botschaft in Paris wird Sitz des neu geschaffene« Ministeriums für die assoziierten Staaten Frankreichs (Indochina-Ministerium).
Nachrichten ohne Politik
Spinale Kinderlähmung
Stuttgart, 20. Juli. (Id.) In den letzten achtundvierzig Stunden sind in Stuttgart insgesamt dreiundzwanzig Fälle von spinaler Kinderlähmung aufgetreten, von denen zwei Fälle tödlich verlaufen sind. Aus anderen Gebieten Württemberg-Badens sind zwei Fälle gemeldet worden. Das Innenministerium hat alle Sportveranstaltungen und andere Versammlungen von Jugendlichen bis auf weiteres untersagt.
Wiedergefunden
Aschaffenburg, 20. Juli. (AP.) Die Eltern des in Aschaffenburg vermißten dreizehnjährigen Wilhelm Georg Rüdinger haben ihren Sprößling im Frankfurter Zoologischen Garten wiedergefunden. Sie waren nach Frankfurt gefahren, nachdem sie von Schulkameraden ihres Sohnes gehört hatten, Wilhelm habe die Absicht geäußert, sich die Tiere im Frankfurter Zoo anzusehen.
Ein ungewöhnliches Visum
Duisburg, 20. Juli, (dpa) Mit einem ungewöhnlichen Visum ist der deutsche Dirigent Generalmusikdirektor Georg Ludwig Jochum (Duisburg) auf seiner Rückreise von den französischen Musikfestspielen in Lyon durch Belgien gereist und dadurch noch rechtzeitig zu einem Konzert in Bonn eingetroffen. Bei der Paßkontrolle auf der französisch-belgischen * Eisenbahngrenzstation bei Namur hatte sich herausgestellt, daß das belgische Konsulat ihm das Durchreisevisum versehentlich nur für die Hinfahrt ausgestellt hatte. Der belgische Zollbeamte bestand darauf, daß Jochum nach Paris zurückkehren und sich beim belgischen Konsulat ein neues Visum ausstellen lassen müsse. Der Generalmusikdirektor hatte jedoch keine Franken mehr für die Rückreise. Als letzten Ausweg zeigte er dem Zollbeamten ein Programm von den Festspielen in Lyon, auf dem sein Name als Dirigent mehrfach verzeichnet war. Der Beamte wurde sofort freundlich, drückte dem Dirigenten den Visumstempel auf das Programm und schrieb darunter: „Hiermit ist dem deutschen Dirigenten die Durchreise durch Belgien erlaubt worden."
Eine Prinzenhochzeit
Leutstetten, 20. Juli, (dpa) Ohne jedes Zeremoniell sind auf Schloß Leutstetten in Bayern Prinzessin Irmgard von Bayern und Prinz Ludwig von Bayern standesamtlich getraut worden. Prinzessin Irmgard ist die Tochter des Kronprinzen Ruprecht von Bayern und der Prinzessin Antonie von Luxemburg-Nassau. Prinz Ludwig ist ein Sohn des Prinzen Franz von Bayern und der Prinzessin von Croy. Beide sind Enkel des letzten bayrischen Königs Ludwig 111. von Wittelsbach. Die kirchliche Trauung findet in Schloß Nymphenburg statt; dort wird der Abt von St. Bonifaz das Paar in der Schloßkirche trauen.
Im Strandkostüm zur Kirche?
London, 20. Juli, (epd) Die Kirche in Hunstanton an der englischen Küste veranstaltet während der Badesaison täglich Gottesdienste, an denen die Besucher in jeder beliebigen Bekleidung teilnehmen können. Man hofft auf diese Weise die Feriengäste zu bewegen, auf dem Wege zum Strand am Gottesdienst teilzunehmen.
Ginlianos Begräbnis
Montelepre (Sizilien), 20. Juli, (dpa) Der sizilianische Räuberhauptmann Salvatore Giuliano, der in einem Gefecht mit der Polizei ums Leben kam, ist jetzt in Montelepre zu Grabe getragen worden. Der Leichenzug bestand aus einem altmodischen Automobil, in dem die Angehörigen Giulianos saßen, und einem Leichenauto älteren Datums. Während der sechzehnstündigen Fahrt von Montelepre nach Castelvetrano, wo die Leiche abgeholt wurde, und zurück wurde der Begräbniszug neunmal von Fahrzeugpannen aufgehalten.
Die Genossen Giulianos
Rom, 19. Juli, (dpa) Frank Mannino und Nunzio Badalamenti, zwei führende Mitglieder der Giuliano-Bande, sind in Viterbo eingetroffen und vernommen worden. Dabei stellte sich heraus, daß die beiden Briganten, deren Verhaftung die Polizei unmittelbar nach dem Tode Giulianos bekanntgegeben hatte, bereits vor rund vier Monaten den Carabinieri ins Netz gegangen warm.
Zu den zahllosen Gerüchten, die über das Ende Giulianos umgehen, gehört auch jenes, daß man in Frank Mannino den Verräter und Mörder des Räuberkönigs sehen will. Mannino hat nun in Viterbo feierlich erklär*: „Ich bin ein Mann, der außerhalb des Gesetzes lebte, aber ich bin kein Verräter, ich habe Giuliano nicht getötet.“
Gaspare Pisciotta, der Schwager Giulianos, der von allen Banditen dem toten „Chef“ am nächsten stand und in letzter Zeit fast ständig bei ihm war, befindet sich noch immer auf freiem Fuß.
Amerxika schnallt den Gürtel enger
Truman fordert Besonnenheit / Eine Rundfunkansprache
Washington, 20. Juli, (dpa) Präsident Truman hat am Mittwochabend das amerikanische Volk in einer Rundfunkbotschaft zur Besonnenheit aufgefordert. Die Amerikaner müßten auf erhebliche Steuererhöhungen und andere Opfer gefaßt sein, die zur Erlangung des Sieges in Korea notwendig würden.
Truman mahnte die freien Völker der Welt, vor überraschenden Angriffen der Kommunisten auf der Hut zu sein.
Im wesentlichen glich die Botschaft an die amerikanische Bevölkerung dem Bericht des Präsidenten an den Kongreß. Ein langer und harter Kampf sei in Korea zu erwarten. Er sei aber zuversichtlich, daß die freie Welt letzten Endes den Sieg davontragen werde. Truman zitierte dann einen Bericht Mac Arthurs, in dem es heißt, daß die Nordkoreaner nicht in der Lage gewesen seien, ihre Chance auszunutzen. Jetzt sei es zu spät, denn die Streitkräfte der Vereinten Nationen würden immer stärker werden, während die der Nordkoreaner relativ schwächer würden.-
Präsident Truman wandte sich schließlich gegen Angstkäufe und gegen das Horten von lebenswichtigen Gütern. „Wir haben nur solche Mangelerscheinungen zu erwarten, die wir selbst künstlich schaffen“. Ob Preiskontrollen und Rationierungen eingeführt werden müßten, hänge vom amerikanischen Volk selbst ab. Wenn dieses in selbstsüchtiger und unsinniger Weise horten sollte, dann würden Kontrollen erforderlich werden. Bewahrten die amerikanischen Bürger jedoch einen kühlen Kopf, und hielten sie sich an ihre bisherigen Einkaufsgewohnheiten, dann würden solche Schritte nicht erforderlich werden.
Ein Weißbuch über Koren
Von Amerika veröffentlicht
Washington, 20. Juli, (dpa.) Das amerikanische Außenministerium hat am Donnerstag ein Weißbuch über die Korea-Krise veröffentlicht Das Weißbuch enthält über hundert Dokumente zur Entwicklung dieser Krise. In ‘einer Vorrede wird die Vorgeschichte des nordkoreanischen Angriffs geschildert, ebenso werden die von den Vereinigten Staaten und anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen getroffenen Maßnahmen erläutert.
Das Außenministerium geht in dem Weißbuch auch auf den sowjetischen Einwand gegen die Rechtlichkeit der Maßnahmen des Sicherheitsrates ein. Es heißt dazu, daß sich auf Grund ähnlich gelagerter Fälle bereits seit 1946 die Praxis herausgebildet habe, die Abwesenheit eines ständigen Mitgliedes nicht als Veto, sondern als Stimmenthaltung zu werten. (Rußland war bei der Abstimmung über den Korea-Konflikt im Sicherheitsrat nicht anwesend.)
Beschädigte SBanknoten
F. A. Z. Frankfurt, 20. Juli. Die Bank deutscher Länder warnt die deutsche Bevölkerung erneut vor der Annahme von Banknoten, die zerschnitten oder neu zusammengeklebt sind. In den meisten Fällen ist der Klebestreifen gut sichtbar und befindet sich auf der Vorder- und Rückseite der Banknote. Bei diösen Noten besteht der Verdacht, daß sie in betrügerischer Absicht beschädigt worden sind. Die Notenbank empfiehlt, die Annahme solcher Noten abzulehnen und sie zur Prüfung an die nächstgelegene Landeszentralbank zu verweisen.
Flughafen Rhein-Main
A. Z. Wiesbaden, 20. Juli. Bei einer Be¬ sprechung des hessischen Landesplanungsamtes mit führenden Männern Frankfurts wies Oberbürgermeister Dr. Kolb darauf hin, daß die Stadt Frankfurt durch ihre Stellung als Handels- und Wirtschaftsknotenpunkt eine Sonderstellung im Rahmen des hessischen Staates einnehme, der soziologisch ein Land der Kleinbürger, Bauern und Arbeiter sei. Frankfurt bringe durch seine Steuerzahlungen 44 Prozent der Gesamteinnahmen des hessischen Staates auf. Eine der Aufgaben der Landesplanung könne es sein, endlich die Besitzrechte am Gelände des Rhein-Main-Flughafens zu bereinigen. Es sei unbedingt notwendig, das Gelände, das zum Teil zum Landkreis Offenbach und zum Kreis Groß-Gerau gehöre, in einer Hand zu vereinigen. Die Stadt habe jedoch nicht die Absicht — was in einigen Nachbarstädten befürchtet werde —, irgendwelche Expansionspolitik zu betreiben.
Abgestürzt
Lobito Angola, 19. Juli. (AP.) Ueber dem westafrikanischen Busch ist am Mittwoch eine Dakota-Maschine beim Flug von Nova Lisboa nach Lobito abgestürzt. Sämtliche sechs Fluggäste und die beiden Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.
Gewitter künden sich an
Eigener Wetterbericht
Das umfangreiche Hoch, das sich von den Azoren über die Biscaya bis zum Westrand der Karpathen erstreckt, zerfällt langsam. Der Höhepunkt der Hochdrucklage ist damit erreicht. Weitere Erwärmung in den bodennahen Schichten, beginnende Abkühlung in der Höhe begünstigen das Aufkommen örtlicher Gewitter.
AUSSICHTEN : Heiter bis wolkig, anfangs noch trocken. Sehr warm. Um und über 30 Grad. Allmählich beginnende Gewitterbildungen. zunehmende Schwüle. Schwache Winde wechselnder Richtungen.
Der Rundfunlk am Freitag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher: 7.15 Frühkonzert: 8.15 Morgenmusik: 11.15 Schulfunk: 12.00 Musik am Mittag: 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Werke von Beethoven und Schubert: 17.00 Froh und heiter: 18.30 Rhythmische Klänge; 20.00 Ocerettenrevue: 21.20 Das vergessene Wort; 22.15 Unterhaltungskonzert: 23.15 Der Jazzclub.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik: 16.00 Das Pfalzorchester Ludwigshafen spielt; 17.00 Froh und heiter: 18.15 Musik zum Feierabend: 19.30 Im Namen des Gesetzes: 20 00 Svmphoniekonzert: 22.00 Die Rundfunktanzkapelle; 23.15 Tanzmusik.
SÜDWESTFUNK: 12 20 Mittagskonzert: 13.15 Musik nach Tisch: 15.30 Musik zur Teestunde: 16.30 Klaviermusik; 17.15 Das Schlager-Intermezzo: 18.30 Musik zum Feierabend: 20.00 Kammermusik: 21.30 Volksmusik und Chorgesang: 22 30 Kunterbunt zur Abendstund: 23.15 Musik zur Nacht.
NWDR: 12.00 Kleines Operettenkonzert: 13.20 Mittagskonzert: 14.15 Unterhaltungsmusik: 15.40 Operettenkonzert: 16.50 Klaviermusik; 18.00 Musik von Schallplatten: 18.30 Das Große Hamburger Rundfunk-Orchester; 20.00 „Der Liebestrank“: 21.00 Opernkonzert: 22.15 Tanzmusik: 0.05 Berlin am Mikrofon.
Schreibt an Fritz Knippelius
LIEBE TAGBLATTLESER!
Da hatte ich letzten Dienstag so unvermutet ein paar Sachen aus meinem Briefkasten auf den Redaktionsschreibtisch geleert und nun mußte ich aus verschiedenen Anfragen aus den Kreisen der vielen neu hinzugekommenen Abonnenten merken, daß viele von Euch mich noch gar nicht kennen.
Wenn Ihr Darmstädter seid, oder werden wollt, dann müßtet Ihr eigentlich den „Datterich“ kennen. Den „Datterich“ von Ernst Elias Niebergall. In dem komme ich drin vor. Da steht vorne im Personenverzeichnis, daß ich Metzgermeister wäre, und im übrigen hab ich zusammen mit dem Ernst Elias ein paar Jahre auf der Landesuniversität in Gießen studiert. Und später hat er dann im „Datterich“ von mir erzählt, wie ich mal einen Brief an die richtige Stelle gelegt habe und daher meine Vorliebe für Briefe, vor allem für Eure, liebe Tagblattleser.
Also, wenn Ihr etwas auf dem Herzen habt, wenn Euch der Schuh irgendwo drückt, Euch etwas ärgert, oder Ihr Euch über etwas besonders freut, dann schreibt es mir. Ich werde mich immer bemühen, auch Eure Briefe an die richtige Stelle zu bringen. Aber dazu noch ein paar Bitten, die ich schon früher einmal geäußert habe: Kurze, treffsichere Briefe von 250 Worten sind gerade richtig.
Anständiger Ton und bei Kritik möglichst ein Vorschlag zum Bessermachen.
Bei jedem Brief genaue Absenderangabe. Wer die Veröffentlichung seines Namens nicht wünscht, schreibt es dazu, und im Druck kommt nur ein Namenszeichen. Also, wenn es Euch so recht ist, dann schreibt an
Euren Fritz KnippeliusDenkmüäler in Darmstadt
Vor einiger Zeit wurde das Niebergalldenkmal dank privater Initiative wieder hergerichtet. Damit ist über alle Amtsstuben hinweg eine der vielen noch klaffenden Wunden des Stadtbildes geschlossen worden. So erfreulich und begrüßenswert diese Tatsache auch ist, so muß in diesem Zusammenhang doch einmal darauf hingewiesen werden, daß auch die Stadtverwaltung im Rahmen der für diese Aufgaben zur Verfügung stehenden, leider nur knapp bemessenen Mittel schon einiges in der Denkmalpflege getan hat. Es wurden nicht nur die Schäden an den Denkmälern von Goethe. Justus von Liebig, Abt Vogler und Bismarck behoben, sondern auch die Grabsteine der Großen Landgräfin und das Denkmal Friedrich von Flotows ausgebessert. sowie die beschädigten Figuren im Platanenhain auf der Künstlerkolonie restauriert.
Bei allen Verpflichtungen der Stadt für ihre kulturgeschichtliche Tradition und trotz aller Liebe für ihre großen Söhne und Töchter darf jedoch nicht verkannt werden, daß die erste Hilfe der heute lebenden Generation gehören muß. Bei notwendigen Renovierungen ist deshalb last ausnahmslos die Frage entscheidend: Wo werden die Mittel am dringendsten gebraucht? . ..
In Anerkennung der Notwendigkeit dieser Arbeiten hat die Stadtverordnetenversammlung für das Rechnungsjahr 1950'51 die Mittel für die Denkmalpflege auf 4000 DM erhöht. Zunächst sollen die Kosten für die Ausbesserung des Denkmals Justus von Liebig auf dem Luisenplatz. Gustav Lorenz, der Grabstätte Abt Voglers am Kapellplatz, des Grabsteins Johann Friedrich Merck, der Gedenktäfel am Herrgottsberg sowie des Marktbrunnens und des Platanenhains bestritten werden. . _
Abschließend sei noch erwähnt, daß von den zuständigen Stellen Verhandlungen geführt werden, um auch den Schnampelweg wieder instandzusetzen und den Wald am Herrgottsberg aufzuforsten.
Presse-, Werbe- und Verkehrsamt Darmstadt.
Als die Redakteure vom „Darmstädter Tagblatt“ damals den alten Niebergall wieder gerade rückten, da hatten sie eigentlich gar nicht die Absicht, die Stadt damit zu höheren Ausgaben für die Denkmalspflege aufzupulvern. Wenn die Lebenden kein Dach über dem Kopf haben, dann müssen die Toten ein bißchen warten, bis man ihrem Andenken „Dächer“ bauen kann, das ist ganz klar. Aber daß man mit etwas Zupacken — auch wenn man kein „rühriger Gewerbetreibender“ ist, wie das „Darmstädter Echo“ schrieb — eine Sache ausrichten kann, die von Amtes wegen Jahre zu ihrer Erledigung braucht, das sollte mal demonstriert werden.
Da wir gerade bei Darmstädter Denkmälern sind, finde ich in meinem Briefkasten noch einen Forumsantrag zum Lie.- big-Denkmal in der Landwehrstraße. Was meinen die zuständigen Stellen dazu?
Fritz Knippelius.
. . Das Denkmal von Liebig, eines der größten Söhne unserer Stadt, das sich vor der Liebig-Oberrealschule in der Landwehrstraße befindet, steht an ungeeigneter Stelle. Außerdem beschädigen es dort die spielenden Kinder immer wieder. Es wird deshalb vorgeschlagen, das Denkmal dieses großen Sohnes unserer Stadt auf den Platz vor dem Hauptbahnhof zu verlegen. Der an und für sich ausdruckslose Platz vor dem Hauptbahnhof kann durch die Aufstellung dieses Denkmals ein ausgesprochenes Darmstädter Gepräge erhalten . . .
Das Forum Darmstadt.
Chlor im Wasser
Da hatte mir am Anfang des letzten Monats Frau C. H. einen Brief über das Chlor im Darmstädter Leitungswasser geschrieben. Sie meinte, daß ihre Blumen das Chlorwasser nicht vertragen und daß im übrigen es früher auch ohne Chlor gegangen wäre. Und zum Schluß befürchtete sie ungünstige Auswirkungen auf den menschlichen Körper durch das Chlorwasser.
Wenipe Tage darauf hatten, wir bereits eine Stellungnahme der Südhessischen Gas- und Wasser-AG. auf dem Tisch liegen. Dr. Erich Boye, Laborleiter von der „Südhessischen“, meinte, daß das Darmstädter Leitungswasser ungechlort einwandfrei sei. Es sei auch nur eine ganz geringe Menge Chlor darin— ein Reiskorn auf eine Badewanne Wasser —, trotzdem wären an bestimmten Metallen der Wasserleitungen Schäden durch den Chlorgehalt festzustellen. Es könnten auch Menschen, wie manche Leute beim Genuß von Erdbeeren, gegen das Chlor empfindlich sein und es wäre durchaus möglich, daß auch die Pflanzen das Chlor im Wasser übelnehmen. Da es bei Frau C. H. um die Pflanzen ging, fragten wir weiter und vor wenigen Tagen kam von Herrn Professor Dr. Knickmann, aus dem in Fachkreisen der ganzen Welt bekannten Institut für Bodenkunde und Pflanzenernährung in Geisenheim am Rhein, die folgende Stellungnahme, die mir sehr wertvoll erscheint:
Ueber den Einfluß chlorhaltigen Wassers auf die Pflanzen ist in der Fachliteratur nichts zu finden, da dies Problem früher keine Rolle spielte. Beobachtet wurde neuerdings ein Verblassen der Blütenfarbe von Topfblumen (genau das gleiche hatte auch Frau C.H. beobachtet). Sonstige Schäden an Gartengewächsen können um so eher auf-
treten, je leichter, das heißt sandiger der Boden ist. Sandboden hat nämlich nicht die Fähigkeit, ungünstige Einflüsse aufzufangen oder zu „puffern“, wie der Fachmann sich ausdrückt. Boden mit reichlichem Lehm-oder Humusgehalt kann dies viel besser. Zweckmäßig wird man daher regelmäßig gut zersetzten Kompost oder ersatzweise käufliche Torfmischungen zur Bodenverbesserung eingraben.
Als vorsorgliche Maßnahme wäre zu empfehlen, die besonders empfindlichen Pflanzen nur mit aufgefangenem Regenwasser, auch Bach- oder Brunnenwasser zu gießen. Bei kleinem Bedarf kann man sich mit gut abgekochtem Leitungswasser behelfen.
Die Besatzungsmächte haben die laufende Chlorung als Vorbeugungsmittel gegen Seuchen angeordnet und lehnen es vorläufig ab, diese Maßregel aufzuheben.
Institut für Bodenkunde und Pflanzenernährung Geisenheim.
Ein Redakteur vom „Tagblatt“ hat neulich über diese Frage mal mit Mr. Gotcheus, dem US Resident Officer in Darmstadt, gesprochen. Er zeigte sich sehr bereitwillig, eine Aussprache über das Chlor im Darmstädter Leitungswasser mit den verantwortlichen Offizieren der US-Army herbeizuführen.
Ich meine, aus der obigen Antwort von Geisenheim geht hervor, daß das Chlor im Wasser bei unseren sandigen Böden in Darmstadt besonders empfindlich in den Gärten wirkt. Wie sind eure Beobachtungen, liebe Tagblattleser?
Euer Fritz Knippelius.
Einen Bruch des linken Oberarmes und einen Beckenbruch erlitt die 82jährige Frau Eva Krämer in Darmstadt-Eberstadt, als sie gestern in ihrer Wohnung ausrutschte. Sie wurde vom Krankenwagen des Roten Kreuzes in das Krankenhaus gebracht. DT
Gehirnerschütterung und zwei gebrochene Fußzehen stellte der Arzt nach der Einlieferung des Maschinenschlossers K. H. Friedrich in das Krankenhaus fest. Er hatte sich diese Verletzungen bei einem Unfall an seiner Arbeitsstelle in einer Schrott-Großhandlung zugezogen. DT
Feuilleton
Italienische Impressionen
Es gilt zusammenzufassen und zu bewahren: Landschaft, Menschen und Werke. Das eine ist ohne das andere kaum denkbar: Das Meer ohne die Kähne und Segel, die Buchten ohne die Häfen und Strandstraßen, die Abende ohne die Beleuchtung durch Lampions und weißes Licht, die untergehende Sonne ohne die roten Häuserflächen und die blaue und rote Wäsche an bröckelnden Wänden und die noch nicht eingeholten, bunt gestreiften Sonnendächer. — Eine alte Burg, die die Hafeneinfahrt schützte, bietet Rundblick auf das alles; und dann das Vollmondlicht in flimmernden Streifen aüf dem Meer. In der Ferne zwei Landzangen die das Becken zu umfassen suchen. Dahinter die offene See. — Aber die Natur bietet neue Blicke: auf Pinien, Zypressen und Palmen, wie sie die Postkarten zeigen-
Mailand ist eine moderne Stadt. Dem Dom gegenüber eine mächtige Fassade voller leuchtender, fließender, zuckender Reklamen: Coca Cola und Persil- Der von Burckhardt getadelte Dom ist matt erleuchtet. Sein Zuviel scheint zwielichtig verschleiert. Der Innenraum selbst am Tage dämmernd, mystisch, jenseitig: Kontrast zu der gegenwärtigen Helle eines sommerlichen Tages und den hastenden Menschen.
Mailand ist noch vergleichlich, Rom aber ist eine unvergleichliche Stadt. Vielleicht hatte ich die Augen geschlossen, aber ich sah keine geschmacklose Kleidung und keine geschmacklosen Dinge, abgesehen von dem Tand, der nur für Fremde berechnet ist, und den kein Römer kaufen wird. Bei uns färbt die Fremdenindustrie ab. Gefährlicher schon scheint der Stadt der Amerikanismus: Neonröhren auf weiß getünchten Wänden der Bars, und die Tünche mag Fresken bedecken oder ein Relief. Die Armen wohnen in den früheren Patrizierhäusern Der Fuß raschelt im Papier der engen und weiten Gassen, die eigentlich keine Gassen sind, sondern nur zufälliger Raum zwischen den Häusern. Innen im Hausgang, hängt eine Ampel, und über der abgewetzten Treppe ruht altes Gewölbe, schwach erleuchtet. Wir sehen leicht romantisch, aber „romantisch“ ist eine falsche Kategorie. Die Gewölbe warten auf den Tag und nicht auf größere Dunkelheit. Sie wollen gesehen sein. Trotzdem gefällt meinem Auge das Zwielicht und die künstlich geschickte Beleuchtung des eisernen Gitters, die schlanken maurischen Säulen und Kettenbögen der Chancelleria, die Galerie und der eingeschlossene Innenhof mit dem Blumenbecken. Hiervon erzählen die Märchen. Unregelmäßig erweitert sich der Spielraum zwischen den Häusern zum Platz, und gibt die Front eines Palastes frei. Vor ihm ein Brunnen. Wasserspeier in Tier- und Menschengestalt. Römische Brunnen, vielsagendes und doch abstraktes Wort, die Anschauung ist nicht zu ersetzen, Überall plätschert Wasser. Vor den Trattorien sitzen Menschen und trinken noch, ohne sich zu betrinken. Halbwüchsige liegen auf den Stufen einer kleinen Kirche und spielen mit Karten. Von Unrat überdeckt, in einem Hausflur eine zerbrochene Skulptur, und im engen Hof ein von tausenden Mündern abgewetzter Trinkstein.
Die Peterskirche ist die größte Kirche der Welt Sie ist trotzdem nicht kolossal. Sie ist zu harmonisch um grenzenlos zu wirken. Ich denke an den Kölner Dom und werde nicht schlüssig. Erst wenn man geht, bemerkt man die Ausmaße, und der Blick von der Kuppel gewährt endlich das Gefühl räumlicher Größe Auf dem Dache dann befindet man sich in einer eigenen Stadt.
Der Auszug des Papstes ist ein Triumphzug. Die Südländer sind begeistert, und wenn der Heilige Vater am Ende der Kirche sich noch einmal grüßend und segnend wendet, schreit der Raum. Auf heißem Platze wartet die Menge auf sein weißes Gesicht und seine ausgebreiteten Arme.
Die Kirche hatte gesiegt: Gotteshäuser aus antiken Resten, das Wappen der Päpste auf den Mauern und schließlich das Kreuz auf den Obelisken. Wie eine Schicht, die tiefer liegt, das Forum. Man muß hinabsteigen, um die zertrümmerten Reste noch vollkommen zu finden. Auf dornigem Hügel wachsen drei Säulen. Sie ziehen mit dem Schleier einer Wolke. Das Gefühl, das sie schuf, ist nicht mehr zu bestimmen-Ich liege und staune. Ob unser Gefühl trifft, einen Menschen vor diesem Tempel knien zu sehen, ringend mit sich selbst und um Gott?
Figuren der Oberpriesterinnen im früheren Tempel der Vesta. Ich habe sie kaum gesehen außer einer. Ihr fehlte der Kopf. Wenn ich mich nahe dem Boden setzte, konnte ich die Gestalt rein, ohne einen anderen Hintergrund als den blauen Himmel sehen. Auch sie schien mit dem Schleier einer Wolke zu schweben, für mich die Bewegung der Ungreifbarkeit. Priesterin oder Frau? Das faltige, gegürtete Gewand, hinderte nicht den Blick. Abweisung in der Gestalt, an der sich die Menschen entzünden. Sie verändert sich nicht. Schon seit Jahrtausenden und noch bis zum Ende ihrer Existenz schrillen reißende Mauersegler im blauen Grunde hinter ihr. Keine Antwort hat solch Gebild auf zerbissene Finger und zerpreßte Blüten. Ich konnte den Riesenbau des Kolosseums kaum ästhetisch fassen. Er ist nach dem Prinzip der Wasserleitungen errichtet. Hier bekämpften sich die Sklaven, hier starben erste Christen, hier feierte das Volk. Der Bau ein Zeichen der Macht (>wie auch die Triumphbögen. Ich bin geneigt, moralisch zu urteilen. Die Hitze flimmert auf dem Sandstein — auch hier Mauersegler.G-tlichter und Historiker erzählen die Geschichte, und in der Sprache wird die Macht ästhetisch. Ich gebe mich zufrieden, Geschichte so verwandelt zu sehen. Wir könnten nicht leben, bliebe sie uns ursprünglich bewußt. Wir können uns erinnern, erschauern oder staunen. Unsere Zeit selbst fordert unsere ganze Neigung.
Günther Braun.
Der Mann, der Jules Verne hieß
VON PETER FREHJules Verne, nicht zu verwechseln mit dem bekannten, wenn auch inzwischen von der Technik überrundeten Abenteuer- und Märchenerzähler gleichen Namens, an dessen phantasievollen Berichten unsere Großväter sich ergötzten, wenn sie, mit der langen Pfeife auf dem Kanapee sitzend, ihm auf seinen Reisen um die Welt oder gar zum Mond folgten .. . Jules Verne war ein junger Mann, der im gleichen Jahr 1905 geboren wurde, da der alte Jules, mit dem er wirklich nur den Namen gemeinsam hatte, das Zeitliche segnete.
Wer am Montmartre zum erstenmal Pariser Luft atmet, so "dachten seine Eltern, Portiersleute in einem kleinen Kabarett, der hat schließlich Anspruch auf eine oder auch mehrere künstlerische Adern, und so hatten sie wenig dagegen, wenn ihr Jules sich schon als Junge mit den Malern und Chansonsängern in der Nachbarschaft anfreundete, anstatt einem soliden Handwerk zuzustreben, wie das sonstwohl in Ordnung gewesen wäre.
Mit zwanzig Jahren schrieb Jules bereits selbst nette, kleine Feuilletons: mit jenem Esprit, der ja den Kameraden seiner Zunft, namentlich in Paris, seit langem eignet. Die Redakteure der Magazine und Zeitschriften, an die er sich nun, mit seinen Manuskripten unterm Arm, heranschlängelte, sahen den jungen Mann nicht ungern, sie druckten auch zuweilen eine seiner kleinen Erzählungen ab, doch fanden sie, daß ein Autor, dem der Name Jules Verne sozusagen in den Schoß gefallen sei, darin einen Wink des Schicksals erblicken müsse.
„Natürlich sollen Sie nicht den alten Jules plagiieren“, meinte Monsieur Bredoir, indes er zärtlich durch seinen keilförmig zugestutzten Kinnbart fuhr, „aber Ihre Sachen sind zu brav, mein Lieber . . ein bißchen attisches Salz müßte hinein oder Paprika, und vor allem etwas mehr Pikanterie und Sensation! — Wir wissen freilich", winkte er ab, „daß es in Wirklichkeit weniger Skandale und Skandälchen gibt als in unseren! Magazin . . . aber sehen Sie selbst: die Leser wollen es so!“
Jules Verne war zwar nicht unbedingt davon überzeugt, „daß die Leser es so wollten“, aber schließlich war er nur ein unbekannter Schriftsteller, indes Monsieur Bredoir als anerkannter rädacteur en chef galt, ein Mann, den man nicht nur bei allen Premieren und Empfängen sah, sondern der auch über jenen Einfluß verfügte, den junge Leute wie Jules brauchten, wenn sie es zu etwas bringen wollten. Er tat also sein Möglichstes und ließ es auch, wie er dachte, nicht an „unartigen Pointen" fehlen, so daß er nicht wenig überrascht war, als ihm Monsieur Bredoir bei seinem nächsten Besuch nachsichtig lächelnd erklärte: „Aber, junger Mann, das sind doch keine Pointen, wie wir sie brauchen!" — Der gleiche Vorgang wiederholte sich einigemale, Jules der Andere,
es ist nicht zu verwundern, geriet darüber allmählich in gefährliche Wallungen, und sein Blutdruck stieg auf zweihundert, was bekanntlich selbst bei älteren Herren als bedenkliches Symptom gewertet wird.
Als er wenige Wochen später wieder bei Bredoir vorsprach, mit einer nun einwandfrei gepfefferten Kurzgeschichte „auf der Pfanne“, die dieser dennoch wiederum achselzuckend beiseiteschob und lediglich bemerkte: „Jules, Jules, was meinen Sie wohl, was der alte Jules dazu sagen würde . . riß ihm nicht nur der Geduldsfaden, sondern er riß auch seinerseits so heftig und ausdauernd an Bredoirs vorbildlich gestutztem Assyrerbart, daß, wenn schon nicht die Fetzen, so doch die Haare flogen. Und es entwickelte sich daraus eine solenne Keilerei, an der vielleicht Jules Verne sen. seinen Spaß gehabt hätte, die aber in den teppichbelegten Räumen der Magazinredaktion ein, wenn auch gedämpftes, so doch offensichtlich peinliches Aufsehen erregte. Was man sogar, bei aller Nachsicht, begreifen kann, denn wohin sollte es führen, wenn alle abgewiesenen Autoren ihren Verlegern die Bärte ausreißen wollten?!
Monsieur Bredoir freilich erwies sich auch in dieser Situation als Meister seines Fachs. Zwar noch etwas zerzaust, doch schon wieder obenauf, packte er Jules Verne am Revers seines gleichfalls derangierten Jakketts und schnaufte: „So, mein Bester, jetzt werden Sie mir zeigen, was Sie können ... aus diesem Rencontre schreiben Sie uns ein Feuilleton, aber etwas phantasievoll, wenn ich bitten darf, und keinen Tatsachenbericht!“
Und Jules Verne hat sich in der Tat die hundert Francs verdient, die ihm das Magazin für seine Novelle „Der Assyrerbart“ zahlte, was für einen Anfänger damals eine ganze Stange Geld war. Ja, sein Ruhm stieg mit der Zeit so, daß er später die Nachfolge von Bredoir antrat, als dieser sich ins Privatleben zurückzog, um eine Anthologie der schönsten Chansons d’amour aus fünf Jahrhunderten herauszugeben, indes an seiner Statt Jules Vernes das attische Salz, Paprika und spanischen Pfeffer in die Kurzgeschichten seines Magazins mengte.
gehend durch den Arzt vor Augen geführt, daß die Frauen im Interesse ihrer eigenen Gesundheit und ihres Eheglücks vor diesem verhängnisvollen Schritt zurückschrecken. Da der Arzt als Berater der Frauen den kriminellen Abort scharf verurteilt und helfend die richtigen Wege weist, werden durch diesen Film viele zur gesunden und natürlichen Erkenntnis gelangen.
Das Problem der außerehelichen Schwangerschaft, die so oft ein Mädchen zum Kurpfuscher treibt, wird in seiner ganzen Bedeutung würdig aufgegriffen. Das Mädchen. das sich scheut, durch ein uneheliches Kind seiner Familie „Schande“ zu bereiten und die materielle Belastung durch ein Kind fürchtet, wird hier durch die menschliche und kluge Einflußnahme des Arztes dazu bewegt, das Kind auszutragen und schließlich ihre Mutterpflichten zu bejahen.
Der oberflächlichen Kritik an der unehelichen Mutter, die immer noch anzutreffen ist. wird das erwachende Pflichtbewußtsein der natürlich empfindenden Frau gegenübergestellt: es bleibt die peinliche Erinnerung an das unerfreuliche Charakterbild des gewissenlosen Verführers, der nichts weiter als die Befriedigung seiner leichtfertigen Wünsche sucht und über dessen unmoralische Handlungsweise die Oeffentlichkeit stillschweigend hinwegzusehen pflegt. Die Fürsorgearbeit für Mutter und Kind wird in dem Film vorbildlich dargestellt. Diese ideale Arbeit ist allerdings nur ip einem Lande möglich, das jahrzehntelang ohne politische Zerrissenheit, wirtschaftliche Katastrophen und Terror war. Trotzdem ist auch diese Darstellung für unsere Frauen von großer Wichtigkeit, da sie auf die Mütterberatungsstellen und auf die karitativen Institutionen hinweist, die jetzt auch bei uns nach dem Kriege und nach überstandenen wirtschaftlichen Krisen wieder ausreichend zur Verfügung stehen."
Letzte Vorbereitungen für Seligsprechung Papst Pius X. Die Kardinale der Ritenkongregafion traten im Vatikan zusammen, um die letzten Vorbereitungen für die Seligsprechung Papst Piüs X. zu treffen. Die endgültige Abstimmung über die Seligsprechung wird in Kürze erwartet.
Dimitri Schostakowitsch traf als Mitglied einer sowjetischen Delegation zu den Leipziger Bachfeiern in Berlin ein. Die „Deutsche Bachfeier 1950“ findet vom 23. bis 30. Juli unter dem Ehrenprotektorat des Präsidenten der Sowjetzonenrepublik. Wilhelm Pieck, statt. Die künstlerische Leitung hat Thomaskantor Professor Dr. Günther Ramin.
POMPEJI, IM HINTERGRUND DER VESUV Pergamon-Archiv
Möglichkeiten und Grenzen der Fotograsie
Im Anschluß an das Darmstädter Gespräch sprach am Dienstagabend im Amerikahaus Dr. Franz Roh über „Mechanik und Ausdruck, Grenzen und Möglichkeiten der Fotografie“. An Hand einer Reihe von Lichtbildern ging der Vortragende de? gesetzmäßigen Entwicklung der Fotografie nach, angefangen von der Daguerreotypie bis zur fotografischen Kunst der Gegenwart. Ausgehend von den Möglichkeiten frühester Bildgestaltung, deren Beschränkung im Material lag, entwickelte Dr. Roh die verschiedenen Stufen des künstlerischen Auffassungsvermögens der Fotografen, die gleichzeitig Ausdruck ihrer gesamten Zeit waren.
Waren zu Beginn der Fotografie alle Möglichkeiten in der Wiedergabe des Visuellen erschöpft, machte sich sehr bald die Verlogenheit des bürgerlichen Zeitalters bemerkbar, die im Kitsch mit Plüsch und Stechpalmen ihren triumphalsten Erfolg sah. Die Aufnahmen entsprachen wohl dem inneren Wesen des damaligen Menschen, der in einer selbsterbauten Scheinwelt lebte, losgelöst von allen echten Bindungen an .die Umwelt seines Daseins. Die schwülstige Pose gehörte zur täglichen Geste des Bürgers.
Nach dem Abklingen der Kitschfotografie traten Künstler auf den Plan, die versuchten, aus dem Auseinanderstreben der Erscheinungsformen ein Ganzes, Einheitliches zusammenzubauen, die vom französischen Impressionismus inspiriert waren, und denen es trotz guten Willens nicht gelang, eine gültige Form zu finden, da die Zeit, in der sie lebten, für das Naturverbundene im Sinne der Moderne keinen Platz hatte. Alles, was geschaffen wurde, entbehrte der Echtheit.
Die Befreiung der Form setzt eigentlich erst mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein, als die philosophische Grundeinstellung des Menschens zu seiner Zeit eine Wandlung erfuhr. Die Hüllen fielen, der Naturalismus bildete den Uebergang zu einer Epoche, die im Auswägen des Harmonischen und Naturbedingten ihre vornehmste Aufgabe sah. Die Natur fand auch in der Wiedergabe, des im landläufigen Sinne Unschönen und Häßlichen eine daseinsgewollte Harmonie und Rechtfertigung.
Vielfältig sind die Erscheinungsformen der Fotografie seit ihrem Bestehen, sie bewegen sich auf einer nicht eben geraden Linie bis zur höchstmöglichen Vollendung unserer Tage, und das Betrachten der alten Bilder jener Fotoperioden läßt bedeutsame Rückschlüsse' auf eine künstlerisch-ästhetische Wandlung der Menschen zu, deren Verhältnis zum Dasein ein anderes ist, und die heute im Sichtbarmachen des harmonischen Zusammenhangs die innere Rechtfertigung ihres Kunstempfindens erblicken. hfl
„Schiff ohne Hafen“
EINE AUFFÜHRUNG DES SCHAUSPIELSTUDIOS DER TH
In einer Erstaufführung für Darmstadt spielte am Mittwochabend im Amerikahaus das Schauspielstudio der TH Darmstadt „Schiff ohne Hafen“ (Schipper naast God) von Jan de Hartog, aus dem Holländischen übersetzt von Rolf Italiander. Vor voll besetztem Auditorium ging eine Aufführung über die Bretter, mit der diese Spielergruppe in der nächsten Woche zur 2. Internationalen Theaterwoche der Studiobühnen deutscher Hochschulen in Erlangen unter 16 Studiobühnen des In- und Auslandes Ehre einzulegen hofft.
Finden sich Studenten der Philosophie, Germanistik, Geschichte, der älteren und neueren Sprachen, der Theologie zum Spiele zusammen, so leisten sie etwas, das zugleich im Sinne ihres Studiums liegt, es weitet und vertieft. Studenten technischer Fächer wenden sich mit dem Theaterspielen einem Gebiet weitab von ihrer Berufsausbildung zu. Um so höher ist die uneigennützige Freudigkeit, die begeisterte Hingabe an das Spiel zu achten und die Leistung, die nur in schwer abgerungener Zeit erarbeitet werden kann.
Das kurz vor dem 2. Weltkriege geschriebene. in Paris, London und Neuyork mit großem Erfolge aufgeführte, holländische Drama „Schiff ohne Hafen“ ist grundsätzlich für eine Studiobühne geeignet, obgleich es Schwächen hat, die ganz zu überspielen wohl nur routinierten Berufsschauspiclern gelingen mag.
Die Situation seit 1938. in welches Jahr dies Drama hineinführt, hat seither nur eine Verschiebung in den Rollen erfahren: flüchtende Menschen, Staatenlose, die ihre Heimat verloren haben und Zuflucht suchen müssen, gibt es heute wie damals, und heute wie damals verweigrn christliche Regierungsstellen den Gequälten und Verfolgten, Flüchtenden und Ausgewiesenen die Aufnahme, um internationale Verwicklungen zu vermeiden. In dem Schauspiel von Hartog handelt es sich um ein Schiff mit geflohenen Juden an Bord, die an Land und unter Schutz irgendeiner überseeischen Regierung zu bringen, der Eigentümer und Kapitän der „Young Nelly“ für seine Christenpflicht hält.
Die Gegensätze der sich wieder und wieder auf die Bibel berufenden Auffassung des Kapitäns und dem Vernunftstandpunkt der Regierungsstellen, des kirchlichen Vertreters, des Arztes an Bord, ja schließlich des Rabbiners selbst, der um die Rückführung des Schiffes bittet, sind bis zu äußerster Schärfe mit einer realistischen Wortwörtlichkeit gesteigert, die mit geistiger Auseinandersetzung um das Problem von Glaube und Vernunft nichts zu tun hat. Allzu schlecht kommt „die Vernunft“ dabei weg, und der Autor hat ihren Verfechtern wenig sympathische Züge verliehen. Andererseits vermag auch der Kapitän Joris Kuiper nicht mit seiner Glaubensleidenschaft zu überzeugen, wenn auch seinem Opfermut — er versenkt das eigene Schiff, um die Uebernahme der Passagiere und Mannschaften auf amerikanische Kriegsschiffe zu erzwingen — volle, ethische Zustimmung gehört. Die Uneinheitlichkeit seines Wesens ist in dem Stücke selbst angelegt. und der Darsteller Hans K Hofmann, vermochte sie trotz manchen guten Ansatzes nicht zu lebensechter Geschlossenheit zu bringen. Wo die Szene verantwortliche Ueberleeenheit des klarsichtigen Schiffskapitäns von ihm verlangte, hatte er seine besten Augenblicke.
Menschlich am wärmsten berührte in aller Derbheit des Ausdrucks die glaubhaft wiedergebene Gestalt des Steuermannes (Heiko Stamm), dessen Liebe und Leidenschaft nur dem Kapitän und dem Schiff gelten.
In doppelter Rollenbesetzung zeigten Hansjörn Dimel als Kapitän der „Amsterdam“ und als Pfarrer, Claus Claasen als Schiffsarzt und Marioneoffizier, Heinz Gretz als Rabbiner und als holländischer Marineoffizier erfreuliches Können. Die schwierige und etwas undankbare Rolle des Schiffsjungen Henky bewältigte Heinz Hartmann mit viel Geschick. Erich Heyne als Schiffsarzt, Klaus Turatus als „Chief“ Davelaar und Karl H. Jacobitz als Konsul von Montevideo trugen das Ihre zum Gelingen des Ganzen bei.
Herzlicher Beifall dankte der Spielergruppe und ihrem Leiter Joachim Spieß und ermutigte sie zu dem Start nach Erlangen. D-s
Kirchenmusikalische Abendfeier in der Stadtkirche
Am Mittwochabend veranstaltete die evangelische Stadtkirchengemeinde in der vollbesetzten Stadtkirche eine kirchenmusikalische Abendfeier mit Werken von Joh. Seb. Bach. Zur Aufführung gelangten Präludium und Fuge in c-moll, eines der fünf großen Werke des Meisters aus seiner Leipziger Schaffensperiode, das besonders in der fünfstimmigen Fuge mit seinen halben und Viertel-Noten charakteristisch ist. Es folgte die Arie: „Leget euch dem Heiland unter“ für Alt, Flöte und Continuo aus der Kantate Nr. 182, „Himmelskönig sei willkommen“. Die Sonate Es-dur für Flöte und Continuo, Allegro moderato- Siciliano-Allegro folgte, die Bach als Kapellmeister am Hofe des Herzogs von Anhalt komponierte, in welche Zeit auch seine hauptsächlichsten Instrumentalkompositionen fallen. Es ist eine beschwingte, duftige Sonate, in der die Melodien abwechselnd von der Flöte geführt und dann vom Cembalo übernommen werden, ein ständiges Uebergleiten des Themas von der Orgel, die hier die Cembalostimme interpretiert, auf die klare, jubilierende Flöte. Die drei Lieder für Alt „Gott lebet noch“, „Ich halte treulich still“ und „Brunnquell aller Güter“ entstammen dem Gesangbuch des Kantors Sehemellir. das dieser 1736 herausbrachte. Das letzte Stück war die Fantasie und Fuge in g-moll, der Weimarer Zeit J. S. Bachs entstammend, deren später hinzugekommene Fuge, um 1720, ein holländisches Volkslied zum Vorwurf hat. In diesem Querschnitt durch das Schaffen des größten deutschen Orgelmeisters ist deutlich die Verlagerung des Spontanen seiner Jugendperiode zugunsten einer ruhigeren und strengeren Kompositionsauffassung zu erkennen.
Prof. Wilhelm Bomgässer saß an der Orgel. Er spielte mit Verhaltenheit des Ausdrucks, mit einer tiefen Innerlichkeit der Empfindung, über die reine Interpretation hinausgehend und so zum Kern der Bachschen religiösen Aussage vordringend. Bomgässer erweist sich besonders in dem letzten Stück, der Fantasie, als wahrer Meister seines Instrumentes. Die Fantasie und Fuge in g-moll stellt hohe Anforderungen an die Registrierung, die Bässe haben stellenweise die Leitmotive zu übernehmen, eine Aufgabe, die der Organist mit virtuoser Technik löste. Stud.-Ing. H. Th. Wörnle. Darmstadt, spielte die Flötensoli, mit sauberem Ansatz, vielleicht etwas kurzatmig, aber mit genau eingehaltenen Tempi, nur in der Sonate Es-dur stimmten im Allegro die Einsätze nicht. Frau L. Ehlers-Becker, Mainz, brachte eine angenehme Altstimme mit, warm in den mittleren und tiefen Lagen, in der Oberstimme dagegen leicht tremolierend und unsicher, was auf eine unvollkommene Atemtechnik zurückzuführen sein kann. Dagegen war das dritte Lied au® dem Schemellischen Gesangbuch mit erstaunlicher Sicherheit des Ausdrucks vorgetragen, da es den Möglichkeiten ihrer Stimmlage am nächsten kam. hfl
Sechweizer Vorscher im Amerikahaus
Am Mittwoch machte das Amerikahaus Darmstadt den ersten Versuch, einen rein wissenschaftlichen Vortrag zu bringen und konnte eine ermutigend hohe Besucherzahl zu dem Referat des bekannten Schweizer Psychiaters und Forschers Dr. Paul Vonwiller über „Neue Forschungsmethoden über den Bau des Nervensystems“ verzeichnen. Mit Dr. Vonwiller, der an der Pflege- und Heilanstalt Rheinau und an der Universität Zürich tätig ist. kam ein Mann zu Wort, der in 30jähriger intensiver Forschungsarbeit, in Gemeinschaft mit anderen namhaften Gelehrten des Auslandes, ein neues Forschungsgebiet erschloß, die Mikroskopie lebender Zellen und Gewebe höherer Organismen. Der einstündige Vortrag konnte nur einen kurzen Ueberblick geben, der aber genügte die große Bedeutung seiner durch Anwendung neuartiger Färbungsmethoden gewonnene Untersuchungsergebnisse für die Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems aufzuzeigen. Die durch ausgezeichnete Lichtbilder veranschaulichten Ausführungen des Forschers fanden selbst bei den wenigen Nichtfachleuten unter den hauptsächlich aus Aerztekreisen stammenden Besuchern größtes Interesse, was auch in der anschließenden Diskussion zum Ausdruck kam. d.
Professor Josef Albers, der vor seiner Emigration ein Jahrzehnt am .Bauhaus“ in Dessau gelehrt hatte, ist zum Direktor der neugeschaffenen Abteilung füt bildende Künste an der Yale-Universität in Newhaven, Connecticut, ernannt worden.
Darmstadt und Umgebung
Schleckereien...
Sg. - Schöner und glättender Anblick in der ein wenig hysterischen Sommer-Atmosphäre. Oh, diese Kinder! Unbeschwertes Hineinschauen in den Tag, dem Ablauf der Ereignisse spielend entgegensehend! Der Schmelz morgendlicher- Blumen ist in den Gesichtern, und nach dem Bade zeichnet die Sonne zarte Kringel auf die Haut. Schon bei den kleinsten Mädchen gibt die Eistüte eine Gelegenheit — unbewußte Eleganz der Bewegung —, jenen Gleichklang von Körper und Umgebung zu schaffen, den sich die Aelteren oft herbeiwünschten und in langen (und teuren Stunden in Studios) nur selten erreichen können. Das affektlose Hinschmiegen ..^ingt diejenigen, die den Sinn für Natürlichkeit noch nicht verloren haben, zu bewunderndem Schauen. Makelloses Fließen der Linie der Arme braucht die Freude des Auf-der-Welt-sems durch keine Pose zu unterstützen, und die zierliche Koketterie hat den Charme des Unbewußten.
Nur.in den Augen ist eine kleine Kerze des Mißtrauens! Was der Mann wohl mit seinem Photo will! Zu Schulaufgaben wird er nicht mahnen, und Eis kann er sich selber kaufen. So, ohne Bonbons also, na ja, das könnte man schon machen. Annehmen darf ich v'on fremden Leuten sowieso nichts, aber vielleicht wäre mit dem eine kurze Wasserschlacht im Planschbecken möglich. Das bekäme man schon genehmigt von Mutti, wo die gerade wieder einmal lästigerweise raucht! Nur dadurch war aber die Eistüte möglich. Letzten Endes kommt man auch nur auf diese Weise an den Eiswagen heran. — Mit dem Schulranzen war das einfacher. Der wurde sofort gekauft, obwohl der viel teurer war. Wenn bloß die Schwester nicht schon so groß wäre! Die braucht auch schon immer eine ganze Tüte, dabei kleckst immer alles auf das Kleid. So, das war also alles; solche Erwachsenen sind doch zu komisch. Immer fragen sie einen, ob es schmeckt, und „wie alt bis du denn, mein Kind?“. Es schmeckt immer, und
wer schon schwimmen kann, ist auch alt genug!
Es ist ein wenig kühler geworden, die Mutter wickelt sie in das große Frottiertuch ein. Und sie erleben, aus der Geborgenheit der Umhüllung, mit noch immer staunenden Augen unter hohen, wölbenden Stirnen, den milden Anfang des Abends.
Foto: Kenner
Richtfest am Luisenplatz
Daß man bei den notwendigen Voraussetzungen ein mehrgeschossiges Haus auch in wenigen Monaten unter Dach bringen kann, davon zeugt der Großbau der Zu¬ «atzversorgungskasse Darmstadt, die am Luisenplatz 4 am 1. Mai dieses Jahres mit dem Ausschachten ihres Grundstückes begann. Wenn man täglich an der Baustelle vorüberging, mußte man sich immer wie-
der wundern, mit welcher Schnelligkeit das Haus in die Höhe wuchs. Auf einer Grundfläche von 24 zu 30 Meter wurde in knapp drei Monaten im Schüttbetonverfahren ein Geschäfts- und Bürohaus errichtet, das am heutigen Freitag sein Richtfest feiert.
Das viergeschossige Haus wird in Zukunft die Ladengeschäfte Darmstädter Firmen und die Praxisräume für Aerzte und Rechtsanwälte in seinen Mauern aufnehmen. Einige der Läden im Erdgeschoß stehen mit den Räumen im ersten Stockwerk durch eine separate Treppe in Verbindung, so daß den Geschäftsinhabern Gelegenheit gegeben ist, im Obergeschoß weitere Ausstellungen ihrer Waren vorzunehmen, falls der Platz im Laden nicht ausreicht. Eine Ausnahme macht die Möbelfirma WK-Möbel, deren weitere Geschäftsräume im ersten Kellergeschoß liegen.
Mit dem Aufbau der Außenwände wurde gleichzeitig eine Oelheizung in die Decken eingebaut, die vom zweiten Kellerstockwerk aus bedient wird. In den Läden wird auch das „Haus der Moden“ Aufnahme finden, das schon in Mainz und Wiesbaden Filialen unterhält. Der Hauptanteil an den Räumlichkeiten wird von den Ausstellungsräumen der Südhessischen Gas- und Wasser AG in Anspruch genommen, die auch eine Versuchsküche einrichten wird. Im ersten Stock etablieren sich die Gutenbergsche Buchhandlung, Faix & Söhne, Spielwaren, und das moderne Kaffee-Restaurant „Monument“ mit Weinstube. Der zweite und dritte Stock steht den Praxisräumen der Aerzte und Rechtsanwälte zur Verfügung. Unter anderem wird ein Röntgenlaboratorium eines Ludwigshafener Arztes eingerichtet, das vollkommen mit Bleiplatten ausgeschlagen werden muß. Die Bauleitung lag in den Händen von Architekt Dr. Scholl, einem Dozenten der Darmstädter Technischen Hochschule. Dank der rationellen Arbeitsweise des Bauherrn werden die Gesamtkosten des Voranschlags voraussichtlich um 10 bis 15 Prozent unterschritten werden. -st
Zwei PS am Eisenbetonbau . . . ... in der Wilhelminenstraße helfen während der Bauarbeiten treu und brav mit, daß die trockenen Kehlen der Bauarbeiter aufgefrischt werden konnten. Auch zum Richtfest brachten sie die begehrte nasse Ladung. Foto: Hage
Der sympathischste Wann unseres neuen Romans von Hans Wörner „Unsereiner wird immer kleiner“ ist Knut Steen. Er hat einen ordentlichen Dickkopf, genau wie sein V^ier, ist trotz seiner Jugend klug und energisch und schlägt
manchmal mit der Faust auf den Tisch. Zum Beispiel, als der Reklamerummel um die „Normalfamilie Steen“ zu bunt wurde. Knut hat aber auch Herz, oder besser: ein Mädchen namens Jo Tompson hat es in Obhut genommen, und weil die beiden sich sozusagen durch die Reklame kennenlernten, weil sogar Knuts Lieblingswunsch, Einfahrer zu werden, dadurch in Erfüllung geht, verzeihen die beiden Glücklichen dem Reklamechef Miels manche Rücksichtslosigkeit. Wer würde das nicht tun?
Das Ende im Einbrecher-Prozeß:
286 Monate Zuchthaus und Gefängnis
Verhandlung zeigte die moralischen Zerstörungen der Kriegs- und Nachkriegszeit, sagte der Vorsitzende
Dichtgedrängt saßen und standen gestern nachmittag die Zuhörer im Gerichtssaal 205, als der Vorsitzende der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt, Direktor Dr. Fei Ibach nach dreitägiger Hauptverhandlung die Urteile im Einbrecher-Prozeß Genuit-Kollath-Trierweiler verkündete.
Zuchthaus erhielten der 51jährige Andreas Trierweiler alias Harry Bolz aus Hannover 6 Jahre, der 27jährige Karlheinz Genuit aus Frankfurt 5 Jahre und der 22jährige Robert Kollath aus Oberursel 4 Jahre. Trierweiler wurde des versuchten und vollendeten Diebstahls in 29 (Rückfall), Genuit in 31 und Kollath in 24 Fällen für schuldig befunden, Genuit außerdem wegen Nötigung.
Zu Gefängnis verurteilt wurden: der 37jährige Philipp Schwendner 2 Jahre und 9 • Monate, der 20jährige Ernst Zeltwanger und der 21jährige Werner Schmid je 2 Jahre 3 Monate, der 19jährige Erwin Kollodziej 8 Monate (Jugendgefängnis), die 30jährige Lina Böhm 7 Monate 2 Wochen und die 42jährige Helene Trierweiler 3 Monate 2 Wochen.
Insgesamt verhängte damit das Gericht 286 Monate Zuchthaus und Gefängnis gegen neun Angeklagte. 110 versuchte und vollendete Diebstähle in ganz Hessen konnten ihnen nachgewiesen werden.
„Dieser Prozeß zeigte uns mit aller Deutlichkeit, daß die moralischen Zerstörungen der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht geringer als die äußeren Verwüstungen sind“, erklärte der Vorsitzende und fuhr wörtlich fort: „Wenn die Angeklagten eingesehen haben, daß das, was sie getan haben, der Vergangenheit angehören muß und daß sie wieder den Weg zur ehrlichen Arbeit finden müssen, dann war dieser Prozeß nicht umsonst“.
Die Sicherungsmaßnahmen während der Verhandlung, so sagte er, habe man treffen müssen, da einer der Angeklagten angekündigt hatte, er werde gegen die Mitangeklagten und gegen den Staatsanwalt gewalttätig vorgehen. Anerkennende Worte fand er für die vorbildliche Ermittlungsahbeit der Kriminalisten Weidmann und Scholl. Das Gericht verneinte eine Straferschwerung wegen Bandendiebstahls, da es sich nicht um eine organisierte Bande, sondern lediglich um das zufällige Zusammentreffen von Einzelbeteiligten gehandelt habe.
Um den teils sehr jungen Angeklagten, die der Vorsitzende als Strandgut der Zeit bezeichnete, nicht den Weg zu einem neuen anständigen Leben zu verbauen, erkannte das Gericht in vielen Fällen mildernde Umstände an. nicht zuletzt, weil sie alle freimütige Geständnisse ablegten und den Willen bekundeten, von der schiefen Bahn endlich abzuschwenken. Aus diesem Grunde sah das Gericht von anschließenden Sicherungsverwahrungen ab.
Genuit, der zweifellos intelligenteste Angeklagte, habe das Gericht mit der Erklärung, er heiße in Wirklichkeit Barranow, überraschen wollen. Es sei jedoch klar erwiesen, daß er kein Ausländer, sondern ein deutscher Staatsangehöriger aus Neu-
dorf bei Kassel sei. Trotz Bedenken sprach auch hier der Vorsitzende die Hoffnung aus, daß Genujt auf Grund seiner guten Seiten, seiner Vitalität und Intelligenz zum bürgerlichen Leben zurückfindet. Bezüglich der beiden Hauptangeklagten Trierweiler und Kollath würdigte der Vorsitzende deren schwere Jugend und Vergangenheit. Während Kollath als schmäch^tiger Jürigling den Gefahren einer Großstadt wie Frankfurt erlegen sei, habe Trierweiler als erheblich Vorbestrafter unter dem Namen Bolz nach dem Kriege wieder Fuß zu fassen versucht. Es sei jedoch abgeglitten und habe seine Verfehlungen weit über den Rahmen hinaus zugegeben
Allen Angeklagten, so sagte der Vorsitzende, habe das Gericht trotz der Schwere ihrer Verbrechen eine allerletzte Chance durch ein weitgehend gemildertes Urteil gegeben.
Im Gegensatz zu Kollath und Genuit haben, wie verlautet, sämtliche Angeklagten ihr Urteil angenommen. wst-
Der lächelnde Harry Bolz scheint auch angesichts der „grünen Minna“ den Ernst der Lage nicht erfaßt zu haben. Foto: stütz
Was kann aus Darmstadt werden?
Anregungen für die Landesplanung / Kulturzentrum nicht ohne wirtschaftlichen Unterbau/Industrieansiedlung, aber am richtigen Platz / Überholte Besitzregelung / Verkehrserschließung nach Rheinhessen / Die Grenzen nach Griesheim und Pfungstadt / Ungenutze Schätze Starkenburgs
Das Landesplanungsamt hat bisher schon viele Besprechungen in den hessischen Kreisen und kreisfreien Städten gehalten. Als die ergiebigste und fruchtbarste bezeichnete Ministerialrat Walk die gestrige im Darmstädter Büchner-Saal. In ihr habe man am meisten gehört und gelernt.
In der von Stadtrat Holtzmann geleiteten Zusammenkunft der führenden Beamten des Planungsamtes mit Vertretern der Regierung, der Stadt und der Wirtschaft, regte Ministerialdirektor Wittrock die Bildung freier Planungsvereinigungen auch in den einzelnen Kreisen und ihre regionale Zusammenfassung an. Dabei sei nicht so sehr von den Verwaltungsgrenzen, sondern von der wirtschaftlichen Verflechtung auszugehen. Planung und Koordinierung müßten, wie Referent Landzettel hinzufügte, von unten her aufgebaut und unbürokratisch gehandhabt werden. An Hand der letzten Feststellungen gab er einen Ueberblick über die wirtschaftliche Zusammensetzung und die Steuerkraft der Stadt. Im Aufbau halte Darmstadt, das der Finanzierungshilfe bedürftig sei, mit den anderen Stadtkreisen Schritt, der Steuerertrag liege unter dem Durchschnitt; verbesserungsbedürftig seien die Schulbauverhältnisse.
Das geistige Gesicht der Stadt
Die Stadtverwaltung war nicht unvorbereitet zu der Besprechung erschienen. Das zeigte die Aussprache, die den Darlegungen folgte, die der Referent für Raumplanung, Ewald, zur Beurteilung der gegenwärtigen und möglichen Struktur der Städte machte.
Man könne nicht ausschließlich die Statistik sprechen lassen, so begann Stadtrat Dr. Holtzmann, wenn man die Aufgaben und Möglichkeiten einer Stadt beurteilen wolle. Es gelte auch, ihrem geistigen Gesicht, das durch ihre Geschichte und Kultur geformt sei, Rechnung zu tragen. Darmstadt, dessen Entwicklung nicht der geographischen Lage zu danken, sondern historisch bedingt sei, gehöre zu den Kulturmittelpunkten wie München, Stuttgart, Berlin, Weimar oder Meiningen, deren Geist sich nicht verpflanzen, wohl aber durch Willkür zerstören lasse. Da aber jedes kulturelle Leben einer wirtschaftlichen Grundlage bedürfe, bedeute es eine „historische Schuld, wenn Regierungsstellen dies nicht erkennen und durch wirtschaftliche Aushöhlung oder mangelnde wirtschaftliche Stärkung das Geistige einer Stadt vernichten.
Wirtschaftlidle Stärkung
Aus diesen Leitsätzen, die durch Hinweise auf die letzten bedeutenden kulturellen und in alle Welt wirkenden Darmstädter Veranstaltungen illustriert wurden, folgerte der Sprecher des Magistrats die Notwendigkeit wirtschaftlicher Stärkung kultureller Mittelpunkte. Deshalb dürfe die Streuung von Industrie auf das Land nicht auf Kosten der Kulturstädte gehen. Zudem verbinde ein aufgeschlossenes, ^weiträumiges Stadtgebiet für den Arbeiter den Vorzug des Landlebens mit der Möglichkeit, an den großen kulturellen Auseinandersetzungen der Gegenwart teilzunehmen.
Von besonderer Bedeutung seien die geschichtlich bedingten Städte auch als Behördensitze, die nicht mit den großen Metropolen zusammenfallen müßten. So gehöre das Oberlandesgericht nicht nach Frankfurt, sondern zweigeteilt nach Darmstadt und Kassel, der Regierungssitz nicht in eine Bäderstadt. Die wirtschaftliche Basis für die Mittelpunkte geistigen Lebens werde nicht Von der Industrie allein bestimmt. Deshalb müsse die Bedeutung der dem Geistigen aufgeschlossenen Staatsbediensteten für das geistige Leben besonders beachtet werden. Bei der Ansiedlung von Flüchtlingen und der damit zusammenhängenden Industrieansiedlung wolle man beachten, daß die Grenzgebiete im Osten nicht geeignet seien, wirtschaftliche oder kulturelle Mittelpunkte zu bilden, so daß die Investierung von Kapitalien dort problematisch erscheine. Wenn auf das Beispiel Allendorf verwiesen werde, so sei zu bemerken, daß es sich hier um eine erst in den letzten 15 Jahren durch die Kriegsindustrie künstlich vergrößerte Gemeinde mit nicht bodenständiger Bevölkerung handele.
Hemmungen sind zn überwinden
Hatte Stadtrat Dr. Holtzmann in erster Linie über das geistige Gesicht der Stadt und die sich daraus für die Landesplanung ergebenden verpflichtenden Gesichtspunkte gesprochen, so ging Oberbaudirektor Prof. Grund als zweiter Sprecher des Magistrats auf die Hemmungen ein, die der Entwicklung der Stadt entgegenstehen und nur durch rechtzeitige Planung beseitigt werden können.
Besitz- und Verkehrsfragen
Darmstadt als Ausstellungs- und Tagungsort bedürfe der finanziellen Unterstützung durch den Staat und einer besonders entgegenkommenden Behandlung der Fragen des staatlichen Grundbesitzes innerhalb der Stadt. Alle öffentlichen Plätze sind Staatsbesitz — eine längst durch die Entwicklung überholte Regelung! Weil die staatlichen Stellen bisher sich nicht entscheiden konnten, drohte die Anlage eines Omnibusbahnhofes im Zentrum der Stadt zu scheitern. Für den Ausbau der Verkehrsverbindungen sei ausschlaggebend, daß Straßen und Verkehrseinrichtunigen jeder Art an die Stadt herangeführt werden. Die Ost-West-Verbindung der Bundesbahn von Aschaffenburg über Mainz, erreiche noch nicht den Vorkriegsstand und werde nicht mit Schnellzügen befahren. Für notwendig gehalten wird auch eine kreuzungsfreie Anlage der Hauptauffahrt an der Rheinstraße — heute eine bedenkliche Gefahrenquelle! — und ein Zubringer zur Reichsautobahn im Zuge der Weiterstädter Straße.
Industrie und Wohnsiedlungen
Dringend bedürfe es der Unterstützung des Planungsamtes bei der Ansiedlungvon Industrien, für die genügend freie Industriefläche, auch Kasernen- und Munagelände zur Verfügung steht. Wohnsiedlungen können in deren Nähe entstehen, wenn die Stadt bei der Geländeerschließung unterstützt wird. Dadurch wäre es möglich, krisenfeste Arbeitersiedlungen zu schaffen. Als Wohnsiedlung käme auch das Gebiet in Frage, das sich an die Siedlung „S t. S t e f a n“ anschließt, deren Gelände zur rein landwirtschaftlichen Nutzung nicht ausreicht. Prof. Grund sagte dazu:
Keine Rückgliederung
„Voraussetzung für eine gedeihliche Entwicklung des ganzen Gebietes wäre die Eingliederung der Gemeinden Griesheim und Pfungstadt in die Stadt Darmstadt. In den letzten Jahren haben diese Gemeinden keinen Fortschritt in der industriellen Entwicklung erzielen können. Die Stadt Darmstadt dagegen hat unter unendlichen Schwierigkeiten und Opfern bis an die Grenzen dieser Gemeinden heran die Kerne von entwicklungsfähigen Siedlungen geschaffen, die das Rückgrat für wertvolle industrielle Anlagen bilden können. Eine Rückgliederung dieser Gebiete in die Landgemeinden würde eine unverzeihliche Umkehrung der angebahnten Entwicklung darstellen.“ Die Ausweitung des Stadtgebietes würde sich zweifellos als Vorteil für alle Beteiligten darstellen.
Einen wesentlichen Faktor des Wiederaufbaus und der Gesundung der Stadt stellten die Erweiterungspläne der Hochschule dar, doch müsse baldmöglichst eine Entscheidung fallen, welches Projekt ausgeführt werden soll, wenn der Wiederaufbau nicht unerträglich beeinträchtigt werden soll.
Die fehlende Rheinbrücke
Nach einem Hinweis auf die unverzüglich notwendigen Umgehungsstraßen in Eberstadt, Arheilgen und im Zuge der Reichsstraße 26, ging Prof. Grund auf die Schwierigkeiten im Verkehr mit Rheinhessen ein, besonders durch die Zerstörung der Geonsheimer Brücke. Die politische Entwicklung werde zweifellos in absehbarer Zeit zu einem noch engeren Anschluß Rheinhessens an das rechtsrheinische Hessen führen, als er in früherer Zeit bestanden hat. Zur Zeit liegen die reichen landwirtschaftlichen und industriellen Quellen dieses Gebietes abseits vom Lande Hessen und werden durch das Fehlen der notwendigen Verbindungslinien gehemmt oder in unerwünschte Bahnen gezwungen. Dem Lande Hessen erwachse die Aufgabe, diese Entwicklung durch Ausbau der Verkehrsverbindungen zu fördern.
Daß der Darmstädter Magistrat über die Stadtgrenzen hinaussieht und das Gesamtinteresse des Starkenburger Gebietes im Auge behält, ging aus den Ausführungen des Redners über eine gewünschte bessere Erschließung der natürlichen Werte hervor, die in den Naturstein- und Holzvorkommen des Odenwaldes und der Bergstraße vorhanden sind. Sie können wegen der abgelegenen Lage dieser Gebiete und der schwierigen Trnnsportverhältriisse nur unzureichend volkswirtschaftlich genutzt werden und selbst mit Erzeugnissen, die aus weiter entfernt liegenden Produktionsquellen stammen, preislich nicht konkurrieren. Odenwälder Marmor, Granit, Syenit und Buntsandstein könnten sich einen weiten Markt erobern, wenn die guten Kernlagen angegriffen und mit modernen Mitteln ausgebeutet würden. Die Errichtung einer Steinmetzschule, wie sie für Darmstadt-Eberstadt geplant ist, müßte unterstützt werden, damit die Natursteinvorkommen in der richtigen Weise bekannt gemacht, verarbeitet und im Hoch- und Straßenbau verwendet werden.
Auch der Wert der Luft- und Heilbäder Starkenburgs — Bad Kö ni g hat die zweitstärkste Radiumquelle Deutschlands —sei der weiteren Oeffentlichkeit kaum bekannt. Es wäre eine dankbare Aufgabe des Landesplanungsamtes, die bessere Ausnutzung dieser volkswirtschaftlichen Werte anzuregen und sie durch entsprechende Maßnahmen der Produktionslenkung, der Propaganda und der Verkehrsführung zu unterstützen.
Schutz der Landschaft
An den Schluß seiner Anregungen stellte Prof. Grund die Bitte, die Forstbehörden anzuweisen, das Landschaftsschutzgebiet an der Ludwigshöhe, Marienhöhe bis zum Stadtrand mit größter Beschleunigung aufzuforsten.
Die Aussnrache
In der weiteren Aussnrache ging Baumeister G i es b er t davon aus. daß Landeszuweisungen nicht prozentual zur Einwohnerzahl, sondern nach Dringlichkeit und Bedürftigkeit erfolgen sollten. Er warnte vor einer zu großen Ausweitung der Stadt wegen der hohen Straßenbaukosten Der Ausbau der Innenstadt, in der Straßen und Kanalisation vorhanden sind, dürfe nicht vernachlässigt werden. Die wirtschaftliche Gesundung sei die Voraussetzung für das kulturelle Leben Man solle das eine tun und das andere nicht '.assen. Man möge auch daran denken, die früheren Pläne einer Kanalverbindung mit dem Rhein wieder aufzugreifen, die technisch durchaus zu verwirklichen seien.
Schulnlanung
Schulrat B r a t u wünschte eine Planung auch für den Schulbau Darmstadt erfülle schulisch weithin auch die Bedürfnisse des Landes. Zwei Drittel seiner 7000 Berufsschüler kämen aus z. T sehr entfernter Umgebung. Der Anteil der Landgemeinden an den sachlichen Kosten dieser Schüler decke nur einen Teil der wirklichen Aufwendungen. Sie betragen 11,50 ie Schüler und Jahr, vergütet werden nur sechs Mark. In seiner Zusammenfassung anerkannte Ministerialrat Walz den wertvollen Beitrag, den die Darmstädter Besprechung für die Landesplanung gebracht habe. Man dürfe allerdings nicht die Rolle des Staates überschätzen, der nur die Möglichkeiten für die künftige Arbeit freimachen könne. Die Darmstädter Anregungen seien bemerkenswert frei von Egoismus gewesen Zu der Frage der Eingemeindung gab er zu bedenken, daß an Stelle des „Grenzstreites“ auch eine Zusammenarbeit in Zweckverbänden treten könne.
Das Schlußwort von Stadtrat Dr. Holtzmann sagte allen Beteiligten den Dank und zeugte von dem Willen der Stadt, ihre Wünsche sachlich und dem Ganzen dienend zu vertreten. p. d.
Wohin gehen wir heute?
Lichtbildtheater: Union: ~lm Tempel .der Venus“, Thalia: „Heimliches Rendezvous“« Belida: „Das Geheimnis von Malampur". Palast: „Hier irrte die Justiz“, Hansa; „Der Unsichtbare“.
Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler: Holzhof-Allee: Ausstellung zum Ströher-Preis; Mathildenhöhe: Das Menschenbild in unserer Zeit; Amerika¬ haus: fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellungen Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika; d’Hooge, Mathildenplatz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.
Technische Hochschule; 16.00 Uhr, Raum 158. Vortrag, Prof. Dr.-Ing. Friedrich: „Fortschritt und Forschung im Betonbau“. — 1715, Raum 246, Professor Dr.-Ing. Scheubel: „Luftfahrzeuge im Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln“. — 18.15 Uhr. Raum 167, Prof. Dr. Siebert: „Der Aufbau der deutschen Arbeitsverfassung“.
Amerikahaus: 19.30 Uhr. Vortrag in englischer Sprache (unter Mitwirkung eines Dolmetschers). Mrs. Annah L. Tucker: „You and Your Community".
Christengemeinschaft:. Herdweg 31: 19.30 Uhr, dritter Vortragsabend von Matthäus Reisch (mit praktischen Beispielen): „Von alten und neuen Wegen der Musik“. Thalia: 20.30 Uhr, Meister der heiteren Muse.
Wir gratulieren
81. Geburtstag: Herrn Georg Gern et, Gemeinderechner a. D.. Jugenheim.
74. Geburtstag: Herrn Karl Fuchs, Postmeister a. D., Reinheim. Darmstädter Straße 36.
Wirtschastsblatt
Lieferanten der Chemie
B. H. Seit Kriegsende liegt in Deutschland einer der wichtigsten Zweige der Kohleveredlung, nämlich die Fischer-Tropsch-Synthese, brach, weil das Verfahren zu den sogenannten „verbotenen Industrien“ gezählt wird. An dieser Auffassung hat sich auch fünf Jahre nach Kriegsende noch nichts geändert. Allerdings sind die sechs - Tropsch-Anlagen Westdeutschlands, die alle im Ruhrgebiet liegen, nach erbittertem Ringen mit den Besatzungsbehörden im vergangenen Jahre von der Demontageliste abgesetzt worden. Die Synthese von Kohlenwasserstoffen war und ist jedoch verboten.
Auf Grund dieser Sachlage ergibt sich heute für die Industrie das Problem, wie die wertvollen Anlagen wieder in den Produktionsprozeß eingeschaltet werden können, ohne die Grundsätze der Alliierten zu verletzen. In einem gemischten deutsch-alliierten Ausschuß werden zur Zeit die Fragen, die damit Zusammenhängen, behandelt. Die deutschen Ausschußmitglieder, Dr. Tramm von der Ruhr-Chemie in Oberhausen-Holten und Dr. Nedeimann, Geschäftsführer des Fachverbandes Kohl^-Chemie, haben einige Vorschläge unterbreitet, die darauf abzielen, die stilliegenden Fischer-Tropsch-Anlagen wieder einer wirtschaftlichen Verwendung zuzuführen. Von deutscher Seite wird betont, daß die alliierten Sachverständigen sich den deutschen Wünschen gegenüber sehr aufgeschlossen zeigen.
Ein Beweis dafür ist das alliierte Zugeständnis für die Umstellung der Krupp-Treibstoffwerke auf das sogenannte Oxylverfahren. Nach dieser neuen, von der Fischer-Tropsch-Synthese völlig verschiedenen Methode werden wertvolle Ausgangsprodukte für die moderne chemische Industrie gewonnen, die der Fachmann als „höhere Alkohole“ zu bezeichnen pflegt. Diese Produkte werden auf eine Vielzahl verschiedenartiger Erzeugnisse verarbeitet, die nicht nur für den Inlandsverbrauch von Bedeutung sind, sondern in Zukunft auch eine gewisse Rolle im Export spielen werden. Unter anderem können Speziallösungsmitte! für die Lack- und Farbenindustrie, Weichmacher für die Kunststoffindustrie und wertvolle Waschmittel hieraus hergestellt werden. Der deutsche Antrag, die Krupp-Treibstoffwerke für die Oxyl-Methode zuzulassen, erfolgte auf Grund der technischen Gegebenheiten. Außerdem erschien den deutschen Sachverständigen die Reaktivierung der Anlagen dieses Werkes besonders vordringlich.
Darüber hinaus haben die deutschen Ausschußmitglieder noch zwei weitere Vorschläge für die Umstellung der übrigen Fischer-Tropsch-Anlagen gemacht. Einer davon dürfte bereits die Zustimmung der alliierten Kommissionsmitglieder erfahren haben, und es ist wahrscheinlich nur noch eine Frage weniger Wochen, bis auch die - Tropsch-Anlage der Essener Steinkohlenwerke in Bergkamen die Produktionserlaubnis erhält. Es handelt sich hierbei um die Koksgasentgiftung. Dieses Problem ist als solches nicht neu. Bisher ist man jedoch vor dem enormen wirtschaftlichen Aufwand zurückgeschreckt, der mit einer Entschwefelung des Koksgases verbunden war. Inzwischen ist ein Weg gefunden worden, die Entgiftung des Koksgases nicht nur wirtschaftlich zu lösen, sondern sie sogar wünschenswert zu machen. Die Wirtschaftlichkeit wird vor allem dadurch garantiert, daß wertvolle Nebenprodukte, zum Beispiel Alkohole und Kohlenwasserstoffe, bei der Entgiftung anfallen und zweckvoll weiterverwendet werden können. <_•
Der dritte deutsche Vorschlag für die Verwendung der Fischer- Tropsch-Anlagen hat sich noch nicht zu einem Antrag für ein bestimmtes Werk verdichtet. Vorläufig wird in der gemischten Kommission noch über das Grundsätzliche diskutiert. Es handelt sich hierbei um die Herstellung von Hartwachsen, deren Schmelzpunkt über 100 Grad liegt. Hartwachs, dessen Preis heute bei dem Mehrfachen des normalen Paraffinpreises liegt, kann für die Bohnerwachs- und Schuhcrem-Industrie große Bedeutung gewinnen, wenn es gelingt, die von deutscher Seite vorgeschlagene Methode in der Großproduktion wirtschaftlich anzuwenden, Geeignete Anlagen für die Herstellung von Hartwachs wären vor allem die Dortmunder Paraffin-Werke und die Ruhr-Chemie in Oberhausen-Holten. Es wird im übrigen daran gedacht, einen Teil der Fischer-Tropsch-Anlagen der Ruhr-Chemie für die Erdöl-Verarbeitung nutzbar zu machen.
Im Zusammenhang mit den Umstellungsplänen sind bisher die beiden Fischer-Tropsch-Anlagen Gewerkschaft Victor und Rheinpreußen noch nicht genannt worden. Es liegt jedoch die Vermutung nahe, daß diese beiden Werke sich möglicherweise der Stickstoff-Erzeugung widmen und damit ihre wertvollen Fischer-Tropsch-Anlagen der Düngemittel-Produktion nutzbar machen werden.
Es handelt sich bei den Umstellungsvorschlägen selbstverständlich nur um Ausweichmethoden, die auf Grund des Verbots der Fischer-Synthese angewendet werden müssen. Die Fischer-Synthese als solche wird jedoch heute in Deutschland wieder reizvoller, zumal da in Kürze wieder mit einem Koksüberschuß zu rechnen ist. Die Fachleute stehen auf dem Standpunkt, daß man die Fischer-Synthese aus dem Bereich der „verbotenen Industrien“ herausnehmen und sie vorläufig den sogenannten „beschränkten Industrien“ zuordnen möge. Auf diese Weise sei eine strenge Kontrolle möglich, und die Fischer-Tropsch-Anlagen könnten trotzdem wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienstbar gemacht werden.
Hilfe für Salzgittergebiet
zr. Der Bundestagsausschuß für Wirtschaftspolitik der von einer zweitägigen Besichtigungsfahrt aus Watenstedt-Salzgitter zurückgekehrt war. hat am Donnerstag beschlossen, die Hilfe für die ehemaligen Reichswerke sofort durchzuführen. Es handelt sich um ein 19-Punkte-Programm. durch das neue Industrien angesiedelt, Remontagen vorgenommen und bestehende Anlagen ausgeweitet werden sollen. Die Finanzierung dieses großzügigen Programmes ist gesichert. Außerdem soll ein kommunales Hilfsnrogramm durchgeführt werden, durch das Straßen- und Brückenbauten und Abwässerungen vorgenommen werden sollen. Durch dieses Programm sollen so viele Arbeiter beschäftigt werden daß im Salzgittergebiet die Arbeitslosigkeit völlig behoben wird.
Markt- und Börsenberichte
F.A.Z. An der Frankfurter Börse wurden am Donnerstag eingehend die Aussichten, die sich aus der bevorstehenden Durchführungsverordnung zum Ankauf von Wertpapieren aus den Sperrguthaben ergeben, erörtert. In Börsenkreisen nimmt man an, daß nunmehr in aller Kürze mit einer dementsprechenden Anordnung zu rechnen ist. Trotzdem wirkte sich dies auf den Geschäftsverlauf am Donnerstag noch nicht aus. Weite Publikumskreise, die sich noch vor einigen Wochen recht lebhaft am Geschäft interessierten, halten mit Orders zurück, so daß das Geschäft in der Hauptsache nur von den Banken getragen wurde. Dabei machte sich eine weitere Abschwächung der Umsätze am Rentenmarkt auffallend bemerkbar.
Frankfurter Getreidemarkt
Bz. Da das Bonner Ergebnis wegen Genehmigung von Subventionsmitteln für Getreide-Importe am Mittwoch noch nicht vorlag, gestaltete sich das Geschäft sehr schleppend.
Inlandsgetreide und zwar sowohl Weizen als auch Roggen neuer Ernte war in kleinen Partien mit 38,50 DM je dz genannt. Wintergerste zu Futter- und Industriezwecken bedingt je nach Qualität 25 bis 26 DM. Inlandshafer ist nur ganz vereinzelt aufzutreiben. Der Großhandelspreis dürfte um 27 DM liegen. Fest lagen dagegen Rapsrübsen infolge starker Nachfrage seitens der Oelmühlen.
Am Futtermittelmarkt liegt Kleie ausgesprochen fest. Den Mühlen-Angeboten begegnet keine sonderlich große Nachfrage. Nachmehle sind gesucht, auf der anderen Seite Futtermehle zur Zeit genügend offeriert. Mais und M'lokorn fehlen im Markt. Oelhaltige Futtermittel sind unverändert stark gefragt, ohne Angebot. Lediglich in Rapsschrot war ein Preis von 19,50 DM Brief zu hören.
Devisenhandel
Frankfurt (Eigenbericht). Im Frankfurter nicht offiziellen Devisenhandel wurden am 20. 7. 1950 für den US-Dollar 5,40 — 5,99 DM gezahlt, für das engl Pfund 12-50 — 13.50 DM, für den Schweizer Franken 1.20 — 1,35 DM, für den holl. Gulden 1,20 — 1,35 DM. für die dänische Krone 0,52 — 0.56 DM, für die schwedische Krone 0,75 — 0.80 DM.
Dyckerhoff stellt I:I um
Bz. Die Dyckerhoff Portland-Zementwerke AG., Wiesbaden-Amöneburg, meldet im letzten Reichsmarkjahr (vom 1. 1. bis 20. 6. 48) bei 7,348 Mill. RM Rohüberschuß eine ausgeglichene Erfolgsrechnung. Während in der Berichtszeit eine Produktionsausweitung nicht möglich war, wurde Ende Juni eine Verdoppelung des Vorjahresabsatzes erreicht.
Am 21. 6. 1948 betrug das Reinvermögen 31,518 Mill. DM. Die Verwaltung schlägt vor, das bisherige AK von 24,0 Mill. RM im Verhältnis 1:1,1 umzustellen. Von dem Saldo aus der Währungsumstellung und Neubewertung von 2,611 Mill. DM wurden 2,40 Mill. DM dem Grundkapital und 0,211 Mill. RM der gesetzlichen Rücklage zugeführt. Nach der Umstellung verteilt sich das 'Reinvermögen der Firma auf: 26,4 Mill. DM Grundkapital, 2,64 Mill. DM gesetzliche Rücklage, 2,478 Mill. DM freie Rücklage. Dem Bericht zufolge setzte im zweiten Halbjahr 1948 schon in den ersten Tagen nach der Reform ein einigermaßen noi^nales Geschäft ein. Im ganzen Jahr 1948 erdichte die Gesellschaft mit 251601 Tonnen wieder einen Jahresexport, der der Vorkriegszeit entsprach. Der Gesamtversand (In- und Ausland) an Zement und hydraulichem Kalk belief sich im ganzen Jahr 1948 auf 1 103 000 Tonnen.
Der ausweispflichtige Rohüberschuß zum 31. 12. 1948' bezifferte sich auf 11,156 Mill. DM. Andererseits sind u. a. Abschreibungen auf Anlagen mit 1,655 Mill. DM verzeichnet. Nach 0,295 Mill. DM Zuweisung für Pensionen schließt die Ertragsrechnung mit einem Gewinn von 0,792 Mill. DM. Der HV wird die Ausschüttung von 3 Prozent Dividende vorgeschlagen.
Aus der Bilanz: Anlagevermögen 32,130 (21. 6. 1948: 32,273) Mill. DM eingeschlossen 2,076 (1,990) Mill. DM Beteiligungen, Umlaufsvermögen 17,185 Mill. DM, darunter 10,070 Mill. DM Roh-, Hilfs- und Betriebs- Stoffe einschl. Erzeugnisse, 1,615 Mill. DM geleistete Anzahlungen. 3,875 Mill. DM Warenforderungen, 1,047 Mill. DM Barmittel. Auf der Passivseite neben dem bereits erwähnten Grundkapital und den Rücklagen: Rückstellungen 1,350 Mill. DM, Pensionen und Unterstützungs-Verbindlichkeiten 7,090 Mill. DM, weiter u. a. Warenschulden 1,855 Mill. DM, Bankschulden 2,895 Mill. DM. Akzeptverpflichtungen 2,250 Mill. DM
Die Aufwärtsentwicklung hat auch 1949 und in den ersten sechs Monaten 1950 angehalten. Im Jahre 1949 stieg der Versand um 49 v. H. gegenüber 1948 auf 1 500 000 Tonnen. Davon wurden ungefähr zwei Drittel im Inland, der Rest im Ausland abgesetzt. An den Firmen Frankfurter Si’o GmbH., Frankfurt a. M., Hüser & Co. GmbH., Oberkassel (Siegkreis), Kalkwerke Dyckerhoff, Wicking GmbH., Münster i. W., Margalit GmbH., Oberkassel (Siegkreis) und „Tubag“ Traß-, Zement- und Steinwerke A. K., Kruft bei Andernach, ist die Wiesbadener AG. mit mindestens 50 Prozent beteiligt.,
Difi Nassauische Landesbank, Wiesbaden, legte ihren Halbjahresabschluß für das erste Halbiahr 1950 vor. Danach hat die günstige Geschäftsentwicklung des Jahrgs 1949 angehalten. Die Spareinlagen haben sich um 10.1 Millionen DM auf 58 Millionen DM. die Giroeinlhgen um 10.7 Millionen DM auf 63.9 Millionen DM erhöht. Der Hypothekenbetrag beträgt 13.5 Millionen DM mit einem Durchschnittsbetrag von rynd 6000 DM. In der ersten Jahreshälfte wurden für den Wohnungsbau mehr als 10 Millionen DM zur Verfügung gestellt, davon 6,5 Millionen DM für den sozialen Wohnungsbau. Das Kreditgeschäft umfaßt einen Gesamtbetrag von 50.3 Millionen DM.
Gegenwertmittel gekürzt
zr. Das von der Bundesregierung für 1950/51 aufgestellte Investitionsprogramm aus Gegenwertmitteln ist von 1,8 auf 1,5 Milliarden DM gekürzt worden, erklärte der Chef der ECA-Mission im Bundesgebiet, Hanes, einer Kabinettsabordnung, der die Bundesminister Blücher, Erhard, Schäffer, Niklas und Storch angehörten. Von den verbleibenden 1,5 Milliarden müßten weitere 300 Millionen DM vorerst als Reserve zurückgestellt werden, so daß insgesamt nur 1,2 Milliarden DM verteilt werden könnten. Diese überraschende Kürzung geht auf einen Beschluß des amerikanischen Kongresses zurück. Auch für die Verteilung der 1,2 Milliarden DM hat die ECA-Mission besondere Vorschläge unterbreitet, die eine Konzentration auf einige Schwerpunktprogramme bedeuten und zur Folge haben, daß eine Reihe von Gebieten für die Finanzierung mit ECA-Gegenwerten ausfällt. Die Freigabe der Counterpartfunds soll künftig an bestimmte Bedingungen geknüpft werden, die ein zusätzliches deutsches Wirtschaftsförderungsprogramm betreffen.
Eine Milliarde DM Außenstände
vwd Die Hauptgömeinschaft des deutschen Einzelhandels schätzt den laufend vom Einzelhandel durch Ratenverkäufe und Kreditgewährung ausgeborgten Betrag auf über eine Milliarde DM. In dieser Entwicklung liege nicht nur für den einzelnen Kaufmann, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft eine große Gefahr. Bei der Kapitalarmut der Wirtschaft sei es nicht möglich, daß Zählungsverzögerungen von irgendeiner Wirtschaftsstufe aufgefangen werden können.
Günstige Zementverschiffungen
w In der Woche bis Mitte Juli waren die Zementverladungen über den Hamburger Hafen relativ gut. Das gleiche gilt für die Kaliverschiffungen über Hamburg nach Skandinavien und England, während der Schrottexport wegen mangelnden Schiffsraums noch nicht das früher übliche Höchstmaß erreicht hat.
Privatreisen nach dem Ausland
F. A. Z. Der Bundesminister für Wirtschaft hat gemeinsam mit der Bank deutscher Länder ein neues D-Rundschreiben herausgegeben, das den nichtgeschäftlichen Reiseverkehr nach dem Ausland neu regelt Danach werden in Zukunft Devisenkontingente für den nichtgeschäftlichen Reiseverkehr nach dem Ausland auf die einzelnen Länder einschließlich West-Berlin aufgeteilt. Über die Aufteilung auf die Länder entscheidet ein besonderer Zuteilungsäusschuß, der sich aus Vertretern der zuständigen Ministerien und der Bank deutscher Länder zusammensetzt. Für Erholungsreisen wird ein Höchstbetrag von 600.- DM je Person und Kalenderjahr festgesetzt.
Der SPORT
75 Jahre Pfungstädter Turn- und Sportbewegung
Zum Jubiläumsfest am 22. bis 24. Juli
Pfungstadt war in der Turn- und Sportbewegung unserer engeren und weiteren Heimat immer ein Begriff und ist in den letzten Jahren durch seine Faustballmannschaft in Deutschland und selbst im Ausland bekannt geworden. Und wenn die Stadt am kommenden Samstag und Sonntag das Jubiläumsfest der Turn- und Sportbewegung feiert, dann blicken an diesem Tage mehrere Abteilungen auf größere Zeitabschnitte ihres Wirkens zurück. Trotz Auf- und Abstiegszeiten darf man mit Stolz Rückschau halten.
Der erste Zusammenschluß zu einer planmäßigen Ausübung der Leibesübung geschah hier im Jahre 1860. Junge Menschen hatten sich zusammengefunden, um die Turngemeinde Pfungstadt zu gründen. Nur 6 Jahre lebte dieser Verein. Doch 9 Jahre später entstand am 19. August 1875 der Turnverein Pfungstadt. Die Gründungsurkunde enthält die Namen von 54 Männern. die das Fundament, den Grundstock zum heutigen stolzen Bau des TSV legten. Dieser Turnverein Pfungstadt, der einst zum Rhein-Main-Gau der D.T. zählte, brachte eine Reihe guter Turner hervor, die zur Spitzenklasse des Mittelrheinkreises gehörten und die Gauturnfeste, die in Pfungstadt einst abgehalten wurden, waren Marksteine in der Entwicklung der Leibesübungen innerhalb Starkenburgs.
Als zweiter Körpererziehung treibender Verein folgte im Jahre 1895 der Athletenverein, der sich später in zwei Vereine spaltete. Die heute sehr rührige Schwerathletik- und Ringabteilung setzt die Tradition dieser Vereine fort.
Die starken politischen und sozialen Gegensätze der Zeit vor der Jahrhundertwende und der engere Zusammenschluß der Arbeitermassen in Partei und Gewerkschaft trieben auch die sozialistisch eingestellten Turner und Snortler zu einem eigenen Soortverband. So fanden sich auch in Pfungstadt von ihrem Ideal begeisterte junge Männer zusammen, die die ~Fr°ie Turngemeinde“ bildeten. Dieser Verein hatte innerhalb des Arbeitersports einen guten Namen und seine Breitenarbeit war anerkannt. Eine Reihe der damaligen Gründer ist noch am Leben. Zu ihnen zählt Hessens Ministerpräsident Stock.
Zwei Jahre früher hatte sich der Radfahrerverein 9« gegründet, aus dem sich in snäteren Jahren noch zwei weitere Pad.snnrt treibende Vereine entwickelten. Bereister4" höhere Schüler waren es. die in dieser Zeit auch das Spiel um den Lederball nach Pfungstadt brachten und den ersten Fußballklub gründeten, aus dem dann 1909 der FC Germania entstand, dessen ruhmreiche Tradition die heutige Fußbn11ahteilung fortführt.
50 Jahre alt ist auch das Faustballspiel in Pfungstadt, das durch die alten Turner Peter Ley und Wilhelm Martin als Ausgleichssport eingeführt wurde. Es ist ein weito” Weg von den damaligen Anfängen zu den heutigen internationalen Faustballturnieren. die alljährlich in Pfungstadts Mauern abgehalten werden.
Groß war die Zahl der einzelnen Vereine. die Leibesübungen trieben, der Turner, Fußballer, Handballer. Radfahrer, Ringer, Boxer, Schwimmer oder Paddler. Sie alle arbeiteten am Werke der Leibesertüchtigung. Und wenn sie heute gemeinsam im großen Bau des TSV stehen, so tragen alle Abteilungen die Tradition der alten Vereine weiter. 75 Jahre Turnverein, 50 Jahre Freie Turngemeinde. 55 Jahre Athleten verein, 50 Jahre Faustball, fast 50 Jahre Fußball, 30 Jahre Handball und Leichtathletik geben wohl dem Verein das Recht, ein Jubiläumsfest zu feiern und die alten Pioniere zu ehren. 30 Mitglieder können auf eine 50jährige Tätigkeit und 100 Mitglieder auf 25 Jahre Arbeit in Spiel und Sport zurückblicken. Im Rahmen des großen Festkommerses am Samstagabend, zu der der Ehrenprotektor des Festes. Herr Ministerpräsident Stock, sein Erscheinen zugesichert hat, wird man diese Männer ehren und gleichzeitig eine stolze Bilanz der Pfungstädter Turn- und Sportarbeit ziehen können.
Den Auftakt zum Fest bildet ein Handbandsniel der Traditionsmannschaften des TV Darmstadt 98 und des TSV, der alten Kämpen, die schon so oft gegeneinander standen. Der Sonntag ist leichtathletischen Kämpfen gewidmet, zu denen deutsche und hessische Meister ihre Meldungen abgegeben haben. Die Kunstturnriege des TV Viernheim und die Kreisriege werden an Pferd. Barren und Reck ihr Können zeigen. Ein Handballspiel der hiesigen Bezirksligisten gegen den badischen Oberligaverein Birkenau wird die sportlichen Darbietungen des Sonntags beschließen. Am Abend werden Tanz und Feuerwerk auf den Waldsportnlätzen den festlichen Tag beenden. Der Montag gehört der Jugend. -ler-
„Niederländer“ in Paris?
Kampf der Zuchten um 25 Millionen
Noch niemals hat eine Nachricht so erregend auf die Kreise um Vollblutzucht und Rennen gewirkt wie die Nennung „Niederländers“ für den Prix L’Arc de Triomphe, wir dürfen wohl sagen Triumphbogenpreis, das mit 25 Millionen Franken ausgestattete reichste Rennen Europas. Die Nennung erfolgte, ehe „Niederländer“ im Derby sich bei weitem als der Beste der heutigen Generation von Dreijährigen erwiesen hatte. Der Vorgang ist ein erneuter Beweis für die Sicherheit des Urteils seines Trainers Adrian von Borcke über die Möglichkeiten seiner Pferde. In Hamburg war er — außer dem (entgegen seiner normalen Haltung vor einem Rennen) überraschend zuversichtlichen Jockey Otto Schmidt — vor dem Derby vermutlich der einzige, der nicht den mindesten Zweifel an dem Erfolg „Niederländers“ hatte. Der harte Boden des Derbykurses machte auch jene stutzig und vertrauensschwach, die mit der Ueberzeugung nach Hamburg gekommen waren: „Niederländer“ und kein anderer!
Die Nennung „Niederländers“ nunmehr im Triumphbogenpreis spricht von der Ueberzeugung des Trainers, der mit ihm den 5. Derbysieger sattelte, daß mit diesem Hengst der Anschluß der Deutschen Vollblutzucht an die Weltklasse wiedergewonnen sein könnte. Nach dieser stolzesten Trophäe haben bislang nur zwei deutsche Pferde gegriffen, die Schlenderhaner „Oleander“ und „Sturmvogel“. „Oleander“ ging sogar zweimal nach Paris und das bis dahin beste Erzeugnis der Deutschen Zucht, das heute noch so genannt wird, obwohl man den Erlenhofer „Ticino" nicht geringer einschätzen sollte, schnitt beide Male auch sehr ehrenvoll ab und gelangte nicht zum vollen Erfolg, weil seine Reiter ihn nicht zur vollen Entfaltung seines gewaltigen Könnens brachten. Der Ungar Varga, der ihn zuerst auf der Elite-Bahn von Longchamps gegen beste internationale Klasse ins Rennen brachte, war eine pessimistische Natur und fühlte sich trotz seiner unleugbaren reiterlichen Fähigkeiten mit „Oleander" nicht als Herr der Lage. Zweifel des Reiters übertragen sich ebenso wie Hoffnungen stets auch auf das hochempfindliche edle Pferd. Unsicherheiten lähmen, Zuversicht und Siegeswille des Reiters beflügeln es. In J, Childs hatte „Oleander“ bei seinem zweiten Versuch einen bestgeeigneten Mann im Sattel, der ihn aber an „Ksar“ und „Ortello“ nicht vorbeibrachte. Es wird nie geklärt werden, ob das aus Böswilligkeit geschah oder ob „Oleander“ hier die Grenzen seines Könnens zeigte. Es mag jedoch festgehalten werden, daß während des Krieges eine Nachricht durch die englische Presse ging, wonach Childs geäußert haben soll, er habe „das Deutsche Pferd“ in Paris am Sieg verhindert. Eine Ableugnung dieses beschämenden unrühmlichen Vorganges durch Childs ist uns damals nicht zu Gesicht gekommen, wohl aber lasen wir sportredaktionelle Abweisungen einer solchen Handlung als völlig untragbar und „unenglisch". Baron Waldemar v. Oppenheim sagte uns dazu gelegentlich als seine Auffassung, daß Childs nach seiner Beobachtung seine Pflicht voll erfüllt habe. Es bleibt die Möglichkeit, daß der Reiter sich aus nationalistischer Prahlsucht eines unfairen Verhaltens bezichtigte, ohne abzusehen, daß er sich damit in den Augen seiner eigenen Landsleute richtete.
„Sturmvogel“ stand „Oleander“ an Können nach. Außerdem zeigte er nie wieder seine großartigste Form, nachdem Printen ihn in einem großen Rennen wüst mit der Peitsche traktierte. Der Reiter hatte zunächst die Hände heruntergesetzt und „Sturmvogel" in Siegesgewißheit aus dem Schwung gebracht. Diesen Leichtsinn beobachtete Rastenberger auf „Wahnfried" und griff „Sturmvogel" an, der dann eben nur durch Mißbehandlung zu einem knappen Sieg gelangen konnte. In Paris ritt ihn der einäugige Rabbe im Felde mit ihm hin- und herschwankend, so daß dann „Sturmvogel“, nach unserem persönlichen Eindruck, wohl nicht mehr wußte, was er sollte und zur Enttäuschung auch vieler Franzosen, die ihn auf 55:10 heruntergewettet hatten, wohl tapfer nach vorn lief, aber nicht mehr in die Placierung kam.
Auch er hatte in dem bedeutenden Rennen bewiesen, daß die Spitzenpferde der Deutschen Zucht der internationalen Klasse gleichwertig sind oder ihr mindestens nicht unwesentlich nachstehen trotz des Nachteils unseres Klimas für die Rennvorbereitung unserer Vollblüter. Wir hoffen, daß „Niederländer“ gesund bleibt und in Paris an den Start kommt. Er trifft auf das Beste der Französischen, Englischen, Italienischen und Irizchen Zucht und kann eine Schlacht zugunsten unserer schon früher devisenraffenden Vollblutzucht gewinnen; denn gerade in diesem Preis vollzieht sich immer wieder ein ■erbittertes Ringen der Zuchten. Iff
Gauthier wieder an der Spitze
Angers. (AP.) Am Donnerstag starteten 104 Fahrer zu der 248 Kilometer langen siebenten Etappe der „Tour de France“ von Saint Brieuc nach Angers. Im Verlauf der Fahrt entwickelten sich einige Jagden, die das Feld sprengten. Zwei Gruppen vereinigten sich dann im Chateaubriand und strebten gemeinsam Angers zu. Gauthier, Sciardis, Chupin und Lauredi lagen an der Spitze. Das Hauptfeld mit Goldschmidt, Bartali und Bobet folgte mit siebeneinhalb Minuten Abstand. Der Franzose Nello Lauredi gewann die Etappe, den Zweiten Platz belegte Gino Sciardis (Frankreich-West), den dritten Attilia Lambertini (Italien) vor zwei weiteren Franzosen.
In der Gesamtwertung führt nach der heutigen Etappe erneut der Franzose Bernard Gauthier.
30 Jahre Handball beim SV 98
Es sind jetzt gerade 30 Jahre her, daß zum ersten Male das Handballspiel in Darmstadt aufgenommen wurde. Die Handballabteilung des SV 98 wird diesen Geourstag in würdigem Rahmen aufziehen. Außer zwei großen Spielen der Liga-Mannschaft wird je ein Jugend-A- und -B-Turnier sowie ein AH-Turnier durchgeführt werden. Ferner treten die Schüler- und Frauenmannschaften auf den Plan. Diese Spiele werden im Rahmen einer Jubiläums- und Werbewoche des Handballs in der Zeit vom 29. Juli bis 6. August 1950 abrollen. Es wird zugleich ein Wiedersehen mit den alten Handballpionieren in und um Darmstadt sein. Auf die Veranstaltungen der Handballer des SV 98 werden wir noch eingehend zu sprechen kommen.
Hallenhandballmeister gesucht
Auf der letzten Sitzung des Kreisopxe.- ausschusses Dieburg in Reinheim wurde als einziger Punkt der Austragungsmodus der Hallenhandballmeisterschaft des Kreises erörtert. In der B-Klassse (Kreisklasse A und B) stehen sich demnach am 6. August in Reinheim folgende Vereine gegenüber: TSV Richen, SV Babenhausen, SKV Habitzheim, TV 88 Reinheim, SSV Brensbach, SKG Semd und SV 45 Reinheim. Wie uns Kreisspielwart Pfuhl (Habitzheim) weiter mitteilt, wird .die A-Klasse (Bezirksklasse und Landesliga) sowie die Jugend ihren Meister am 13. August in Langstadt ermitteln. Ihre Nennung zu dieser Klasse haben folgende Mannschaften abgegeben: TV Groß-Zimmern. TSG Fr.-Crumbach, SSV Groß-Bieberau, SKG Langstadt und der Sieger der B-Klasse. Beide Turniere werden nach dem Punktsystem ausgetragen. Der Sieger der A-Klasse ist berechtigt, im Winter in Darmstadt an den Bezirksmeisterschaften teilzunehmen. ff.
TEC HI in Offenbach
Am Sonntag trifft die 2. Mannschaft des TEC Darmstadt in der Zusammensetzung Schüler, Fürst. Hilsdorf, Steffan, Haendschke, Polster und Karcher mit der 1. Mannschaft des Offenbacher TC zusammen. Für die Darmstädter ist das die 2. Begegnung in der Zwischenrunde um den Aufstieg in die Meden-A-Klasse. nachdem sie vor 14 Tagen die 2. Mannschaft, des Wiesbadener THC mit 5:4 geschlagen haben. Die 4. Mannschaft in der Gruppe Hessen-Süd stellt der Frankfurter TC 1880. der sich vor 14 Tagen gegen den Offenbacher TC mit 5:4 behaupten konnte. Aus diesen 4 Mannschaften wird nach dem Punktsystem der Sieger ermittelt, der gegen den Ersten der Gruppe Nord um den Aufstieg anzutreten hat. Für die Gruppe-Nord stellen die Tennisclubs TC 1931 Kassel und TC Bad Wildungen ihre 1.. TC Marburg seine 2. und der Wiesbadener THC seine 3. Mannschaft.
Schulschwimmfest in Reichlsheim
Vor Beginn der Sommerferien hatte die Kultur- und Sportvereinigung zusammen mit der Volksschule Reichelsheim alle Schulklassen der Kirchspiele Reichelsheim und Fränkisch-Crumbach zu einem Schimmifest if Reichelsheimer Schwimmbad eingeladen. Nicht alle Schulen konnten sich aktiv beteiligen, da den Schülern der kleineren Orte meistens keine Gelegenheit geboten ist, gute Schwimmer zu werden. Trotzdem zeigten beispielsweise einige Jungen und Mädchen aus den Dörfern Groß-Cumpen und Erzbach beachtliche Leistungen. Ein Schüler aus Fränkisch-Crumbach wurde in seiner Klasse 2. Sieger. Es wurden ausgetragen 50 m Freispil und 6X50- m-Freistaffel sür Jungen und Mädchen. Einklassige Schulen s chwammen eine gemischte Staffel ohne Altersbegrenzung. Ein Wasserballspiei brachte die nötige und zum Teil humorvolle Abwechslung.
Anschießend nach der 1. Vorsitzende der KSV Reichelsheim, A. Göttmann, die Siegerehrung vor. Der schnellste Schwimmer des Tages. Karl Heymann. Reichelsheim erhielt einen von der Drogerie Schäfer ae¬ stifteten Photo-Apparat. Zwei Buchpreise fielen an Helmut Fischer und Ingrid Pisek Reichelsheim. Die übrigen Sieger wurden mit handgemalten Diplomen geehrt Die besten Zeiten schwammen; 7. und 8. Schuljahr (Knaben): Karl Heymann 0:46,0, (Mädchen): Ingrid Pisek 0:55,0, 5. und 6. Schuljahr (Knaben): Dietmar Bernard 0:55,0, (Mädchen): Lydia Klingler 0:57,4, 3. und (Knaben): Heinz Weber 1:01 8 (Mädchen):; Emmi Dörrich 1:02,2. -Tr-
Tuinxreis D^ms-adt. Arn -onmae ne™ 23 Juli Kreisübungsstunde für Turner und Turnerinnen in Eschollbrücken Be ginn 9 Uhr. c
tarkenburg
Rund um den Erbacher Wiesenmarkt
Eine bunte Skala mannigfacher Veranstaltungen erwartet die diesjährigen Besucher
Das größte Odenwälder Volks- und Heimatfest, das seit nunmehr 148 Jahren unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung des südlichen Odenwaldes begangen wird, der „Eulbacher Markt“, oder wie er seit nunmehr 126 Jahren genannt wird, der „Erbacher Wiesenmarkt“, hat das Gesicht der Kreisstadt mit seinen typischen Merkmalen bereits vollkommen verwandelt.
Die Geschäftsleute haben ihre Läden, jeder Einwohner, der sich's leisten kann, sein Wohnhaus renoviert, die Stadtverwaltung hat Straßen und Wege in Ordnung gebracht, kurzum, jedermann trägt das Seine dazu bei, Urbach so schön wie möglich erscheinen zu lassen, denn Wiesenmarkt ist ja nur einnftl im Jahr!
Noch nie in seiner bisherigen Geschichte hatte der Erbacher Wiesenmarkt pine so große räumliche und zeitliche Ausdehnung wie in diesem Jahr. Auf den Seewiesen beim städtischen Sportpark einschließlich aller Zufahrtsstraßen ist eine riesige Budenstadt mit farbenfreudiger Fassade emporgewachsen; als besonderes Merkmal und Sensation für den ganzen Odenwald überragt das Gerüst einer großen Achterbahn das bunte Getriebe. Davor steht wiederum das 1800 qm große Zelt der Verkaufs- und Werbeschau Erbacher Betriebe. Der Zustrom der Marktreisenden steigert sich von Tag zu Tag und erreicht am Samstag seinen Höhepunkt. Um 14 Uhr wird bereits die Verkaufs- und Werbeschau Erbacher Betriebe feierlich eröffnet.
Ginge es nach den Gepflogenheiten vergangener Jahre, dann würden am Vortage des Marktes Bürgermeister und Gemeinderäte mit- einem Rundgang über das Marktgelände den Wiesenmarkt eröffnen. Bei seiner heutigen Ausdehnung und Bedeutung erscheint diese Sitte nicht mehr angebracht. Schon seit 1947 ist die Stadtverwaltung dazu übergegangen, jeweils samstags vor dem ersten Markttag die Eröffnung in einer dem Volksfest angepaßten Feier vorzunehmen. Diesmal wirken am Samstagabend in der Festhalle der Spielkreis Mümlingtal unter Leitung von Musiklehrer Fischer, Bad König das „Theater des Odenwaldes“ Erlenbach, und die Erlenbacher Trachtengruppe mit. Alexander, Graf zu Erbach-Erbach, dessen letzter regierender Vorfahr,-Franz 1., vor 148 Jahren den Markt gestiftet hatte sowie Bürgermeister Volk werden die Festansprache halten.
An Sonderveranstaltungen bringt der Sonntag, 23. 7., um 14 Uhr einen Boxvergleichskampf zwischen einer hessischen und einer badischen Auswahlstaffel, um 22 Uhr ein großes Feuerwerk auf dem Festplatz, der Montag ist nach alter Tradition den bäuerlichen Pferdesportveranstaltungen vorbehalten, wobei in diesem Jahr in erster Linie Trab- und Galoppreiten sowie 2 B-Vollblutrennen und als besondere Ueberraschung zum ersten Male ein Traberrennen durchgeführt werden. Mittwoch ist der Tag der Kinder mit großem Festzug durch die Stadt, abends in der Festhalle eine Aufführung der Odenwälder Dorfkomödie „Bollezeidiener Strubbes un die Besemgrait“, am Donnerstag Kreispferdeschau und schließlich am Sonntag, 30. Juli, der traditionelle Höhepunkt des ganzen Wiesenmarktes, die großen öffentlichen Vollblutrennen mit Totalisatorbetrieb.
Seit drei Jahren ist man dazu übergegangen, auch den Fußballsport in das Wiesenmarktprogramm einzuschalten. Mehr und mehr Stimmen sprachen sich dafür aus, alljährlich ein repräsentatives Fußball-Oberligaspiel in das Wiesenmarktprogramm mit aufzunehmen. Da der DFB aber für den Monat Juli Sojnmerspielpause angesetzt hat, muß dieses Spiel auch in diesem Jahr auf den ersten Aügustsonntag gelegt werden. Im herrlich gelegenen Erbacher Sportpark werden sich die alten Rivalen Kickers Offenbach, der Zweite der Deutschen Meisterschaft von 1950, und VfR Mannheim, der Vorjahrsmeister, gegenüberstehen.
Anläßlich des am 6. August stattfindenden Oberligaspiels hatte die Stadtverwaltung einen Ideenwettbewerb unter den Elfenbeinschnitzern für eine Erinnerungsgabe an die Mitglieder beider Mannschaften ausgeschrieben. 14 Arbeiten wurden dem Preisgericht vorgelegt, von denen der I. Preis der von Fachlehrer Schwinn entworfenen und Elfenbeinschnitzermeister Johann Gebhardt ausgeführten Arbeit zuerkannt wurde. Den 2. Preis erhielt Facfyschuldirektor A. Glenz, den 3. der Fachschüler Edmund Zick.
Alles in allem, der Erbacher Wiesenmarkt war noch nie so groß und bot noch in keinem Jahr so viel wie 1950. (-ch)
Bachfeiern in Bensheim
Anläßlich des 200. Todestages von Johann Sebastian Bach beabsichtigt die evangelische Kirche in Bensheim den Hauptgottesdienst am 23. Juli mit Kirchenmusik von Bach auszustatten. Frl. Lettermann, Heppenheim, spielt die Fug d-moll und Konzertsängerin Lotte Bopp (Alt), Bensheim, singt zwei Lieder.
Am Sonntag, dem 27. August, findet eine Bachfeier unter Mitwirkung der vereinten Chöre der Aufbau- und Goetheschule unter der Leitung von Musiklehrer Fritz Früh statt. Prof. Dr. Ant o n wird über das Thema: „Bach als Christ“ sprechen. (HB)
Fahrraddiebstůhle gehen weiter
In den Nachmittagsstunden des 17. Juli wurde am Bahnwärterposten 76 in Heppenheim erneut ein Fahrrad gestohlen. Die Polizei nimmt an, daß es sich bei den in letzter Zeit sehr häufig vorkommenden Fahrraddiebstählen nicht um einen einzelnen Täter, sondern um eine Bande handelt und warnt die Bevölkerung nochmals, Fahrräder unabgeschlossen. auf Straßen, Plätzen oder in Höfen abzustellen. (HB)
Erregte Debatten im lugenheimer Gemeinderat
Bauvorhaben „Pfifflergärten“ knapp angenommen
Am Mittwoch tagte der Jugenheimer (|emeinderat in öffentlicher Sitzung, die von der Bevölkerung sehr stark besucht war, im Lesesaal der amerikanischen Bibliothek. Zu Beginn führte Bürgermeister Schnürrlein den ehrenamtlichen 1. Beigeordneten Forstrat a. D. Albert Bechtel in sein Amt ein und vereidigte ihn.
Dag schon so oft debattierte Bauvorhaben in den „Pfifflergärten" löste auch dieses Mal wieder eine erregte Diskussion, aus, die teilweise recht stürmisch verlief. Es handelt sich hierbei um das Projekt des Jugenheimer Architekten Müller, eines talentvollen Planers, der einen großen Wohnbaublock am Ortsausgang nach Seeheim — an der Burkhardt- und Alten Bergstraße — erstellen wollte. Die Planung sah ursprünglich den Bau von drei Doppelhäusern mit 48 Wohnungen vor. Nunmehr soll nur ein Teil davon ausgeführt und auf dem fraglichen Gelände durch die Nassauische Heimstätte G. m. b. H. ein Doppelhaus mit 18 Wohnungen gebaut werden.
Gemeinderat Prull (SPD) betonte die Notwendigkeit des Bauvorhabens und wies dabei auf die Wohnungsnot, die Ueberbelegung und die Geländearmut der Gemeinde hin. Rat Schneider (FDP) sprach über die Finanzierung des Projektes, das sich nach den Berechnungen auf 175 620 DM stellt. Dieser Betrag wird durch Aufnahme einer 1. Hypothek von 70 000 DM, einem Landesbaudarlehen von 72 000 DM und einem Eigenkapital von 33 620 DM aufgebracht. Das erforderliche Eigenkapital ist durch Aufnahme eines Darlehens von 35 000 DM für das Wasserwerk gesichert.
Die Gemeinderäte Franz (FDP) und Hans Bauer (KPD) sind an sich nicht gegen das Bauvorhaben, vertreten aber oen Standpunkt, die Geldmittel der örtlichen Baugenossenschaft zuzuführen, die billiger bauen könne. Gemeinderat Karl Bauer (CDU) erklärte, seine Partei unterstütze jede Bautätigkeit, wende sich aber gegen die Art und Weise einer Minderheit, die ohne den Gemeinderat eingehend zu informieren, das Projekt vorangetrieben habe.
Nach stundenlanger Aussprache für und gegen das Projekt stellte Gewebera* Schneider (FPD) den Antrag auf Schluß der Debatte, der mit 10 Stimmen angenommen und damit das wenig erfreuliche Bild beendete.
In namentlicher Abstimmung wurde dann mit 8 Stimmen bei 7 Stimmen Enthaltung dag Wohnbauprojekt in den „Pfifflergärten“ angenommen und die damit im Zusammenhang stehende Darlehensaufnahme von 35 000 DM, Aenderung der Haushaltssatzung und» Aufstellung eines außerordentlichen Haushaltsplanes genehmigt.
Schennenbrand in Biebesheim
Am Dienstagmorgen brannte in Biebesheim die Scheune des Landwirtes Bormann, Darmstädter Straße, vollkommen nieder. Die Ursachen des Brandes sind noch nicht geklärt. (cg)
Irgendwo auf einer Odenwälder Weide tummelt sich frei und wohlgemut das kleine Fohlen. Kaum geboren, vermag es schon zu stehen, die ersten Sprünge zu wagen und Nahrung zu suchen, und doch spricht aus jeder Bewegung die rührende Unfertigkeit des Jungtieres. Es ahnt nicht, zu welchem Menschendienste es aufgezogen wird. Fo,o: Kenner
„Der Odenwald ist meine Heimat!“
Joachim Sattler in Affolterbach — Ferientage zwischen den Spielzeiten
Am Ortseingang von Affolterbach fragten wir ein kleines Mädchen nach Herrn Sattler. Die Antwort kam aus einem über und über von Heidelbeeren blauverschmierten Mund:
„Sattlers gibt’s hier viel!“
„Wir meinen den Sänger Sattler.“
„Ach so — unsern Herr Kammersänger! Ja, der wohnt da drowwe im Owwerdorf!“
Auf der Treppe seines Geburtshauses, das von einem hohen Kastanien bäum idyllisch überschattet wird, begrüßt uns Kammersänger Joachim Sattler, der zwischen den Spielzeiten in seiner Heimat Erholung sucht.
„Sie kommen vom Tagblatt? Ganz nebenbei — ich habe Ihre Zeitung sofort wiederbestellt, als sie jetzt nach langer Zeit wieder herauskam.“
In der Tat: Herr Sattler war der erste Abonnent in Affolterbach ...
Gemütlich ist es in der Stube, in die uns der Kammersänger führt. Nur das Klavier und ein Stapel Noten könnten daran erinnern, daß hier einer der ersten Heldentenöre unserer Zeit wohnt.
Schnell sind wir beim „Fachsimpeln“. Joachim Sattler erzählt von seinem Gastspiel im März in der Scala in Mailand. Furtwängler dirigierte dort den „Ring“ und hatte sich für die Hauptrollen die ersten Kräfte aus aller Welt zusammengeholt: Svanholm von der Metropolitan in Neuyork, Lorenz, Treptow und Sattler. Dreimal wurde der Ring gegeben. Dreimal war die Scala an allen Abenden ausverkauft, bei Preisen, die in Deutschland einiges Kopfschütteln erregt hätten: Kostete doch ein besserer Platz, in deutscher Währung ausgedrückt, etwa 70 DM. Es war ein Riesenerfolg: publikumsmäßig, für die deutschen Sänger — und für Wagner. „Wagner triumphiert in der Scala“ schrieb eine führende Mailänder Zeitung.
Das Gespräch wendet sich den Theaterverhältnissen in Darmstadt zu. „Wenn man so viel herumkommt wie ich, wenn man auf der Darmstädter Bühne groß geworden ist wie ich und zu Gastspielen immer wieder einmal hierher zurückkehrt, der fühlt die besondere Atmosphäre Eurer Bühne.
Hier ist das Publikum noch genau so aufgeschlossen wie früher, so ganz anders als in den meisten Städten. Das Landestheater hat in allem einen ganz persönlichen SJil; hier wird im Bewußtsein einer guten Tradition ein neuer Weg gesucht. Ausgezeichnet ist das Orchester und sein Dirigent, Richard Kotz. Den Raumverhältnissen entsprechend wird Hervorragendes geleistet.“ Der Kammersänger verglich das Verhältnis von Publikum und Theater mit Dresden oder Leipzig, wo, wie in keiner anderen deutschen Stadtv die Oeffentlichkeit lebhaften Anteil an dem Theater nimmt.
Nach seinen nächsten Plänen befragt, meinte Joachim Sattler: „Zunächst ruhe ich mal aus, und das kann ich nirgends besser als hier, wo ich groß geworden bin, in meinem Elternhaus. Der Odenwald ist nun mal meine Heimat! In der neuen Spielzeit singe ich wieder in Hamburg. Dazu kommen Gastspiele an der Staatsoper in Leipzig und bei dem Intendanten, der mich einst als Volontär engagierte, bei Legal am Deutschen Staatstheater Berlin. Vorgesehen sind Engagements in Rom, Palermo, Triest, Genua und Barcelona — immer mit Wagner!“
Als wir schon im Wagen saßen, rief uns Joachim Sattler noch zu: „Grüßen Sie Darmstadt von mir!“ und winkte uns nach, big unser kleiner Opel nach 50 Meter — am linken Hinterrad eine Panne bekam.. hn
Auch ohne Frack, und Loherigrinpanzer werden seine vielen Freunde Joachim Sattler wiedererkennen. DT-Foto: Schröder
Alle zwei Minuten ein Herren-Jakett
DT-Besuch in einer Roßdörfer Kleiderfabrik
So eine Herrenjacke ist eine Wissenschaft für sich, für Leute, die in ihren Taschen nie das finden, was sie suchen, und für die Frauen, die sie reparieren müssen. Die meisten Frauen nähen sich ihre Kleider zu Hause, aber es ist noch keine auf den Gedanken gekommen, ihrem Ehemann ein Jakett anzufertigen. Wenn man, wie wir, die Werkstätten der Sportindustrie Lorenz & Co., die ihren Sitz in Frankfurt hat, in Roßdorf besichtigt, wird einem klar, warum sich unsere Frauen beharrlich weigern, zwecks Einsparung im Haushaltsetat unsere Kleidung herzustellen.
Die Kleiderfabrik beschäftigt augenblicklich 150 Arbeiter und Arbeiterinnen, die dichtgedrängt hinter einer Unzahl verschiedener Nähmaschinen sitzen und emsig nähen und schneidern. Die große Werkhalle umfaßt alle Fertigungsabteilungen, angefangen von der Aufzeichnung der Modelschnitte auf den Stoff bis zur letzten Instanz, wo die fertigen Kleidungsstücke einer letzten kritischen Prüfung unterzogen werden.
Es ist ein seltsam Ding, so eine Sportjacke, aus einer Unzahl einzelner Teile zusammengesetzt und in Hunderten von Arbeitsgängen in die richtige Form gebracht. Augenblicklich werden Sportanzüge und Wintermäntel angefertigt. Eine Reihe von Kleidungsstücken sind für den Sommerschlußverkauf bestimmt, womit wieder einmal das weitverbreitete Gerücht widerlegt wird, daß bei so einem Schlußverkauf nur „alter Ramsch“ zum Verkauf gelangt.
Die ganze Produktion geht in fließender Fertigung vor sich, nicht etwa auf Fließbändern, sondern die Einzelteile werden von Tisch zu Tisch weitergereicht und in Akkordarbeit zusammengenäht. Der Betriebsleiter, Herr R. An u th, führte uns durch den Raum, das heißt, wir stiegen vorsichtig über Berge von Stoffabfällen, wanden uns zwischen den Schläuchen der Schneiderbügeleisen und Bügelapparate hindurch und schwitzten fürchterlich.
Zuerst war man sehr vorsichtig und wollte unseren Presseausweis sehen, anscheinend bestand eine nicht unberechtigte Angst vor der Konkurrenz, die auf Betriebsgeheimnisse aus ist. Als erster Arbeitsgang erfolgt das Ausschneiden der Schnittschablonen durch die Modellschneider auf starke Pappbogen. Dann werden die Muster auf eine einzelne Stoffbahn aufgelegt, mit Kreide nachgezeichnet und >m Anschluß die Stoffe zu mehreren Lagen übereinandergeschichtet und mit der Bandmessermaschine ausgeschnitten. Die sieht aus wie eine Bandsäge und arbeitet auch so, nur im kleinen.
In der Etikettiermaschine werden die Stoffteile mit der Fadenmarkierung versehen, damit man weiß, wo die Taschen und anderes aufgesetzt werden müssen. Der nächste Arbetitsgang ist das Zusammennähen der Einzelteile. Dutzende von verschiedenen Nähmaschinen besorgen diese Arbeit. Da werden blinde Knopflöcher aufgesetzt, eine andere Maschine stanzt gleich die Löcher aus und umnäht sie. Zwischendurch ist eine’Werkkontrolle eingeschaltet, wo von einer Frau die halbfertigen Stücke begutachtet und notfalls ausgesondert werden. Zum Schluß wird das Ganze in verschiedenen Dampfpressen säuberlich aufgebügelt, in Apparaten, die „Betriebsgeheimnis“ sind (was wir gar nicht bemerkt hätten, wenn man es uns nicht gesagt hätte).
Das Erstaunlichste aber an der ganzen Besichtigung war die Leistungsfähigkeit des Betriebes. Alle zwei Minuten verläßt ein fertiges H.rrenjackett die Werkstatt, alle zweieinhalb Minuten ein • Wintermantel. Wenn die Lieferung für den Sommerschlußverkauf fertiggestellt kt, dann wird die Sportindustrie Lorenz & Co auf Hochtouren für die Wintersaison arbeiten, und wenn wir uns einen neuen Mantel für die kältere Jahreszeit zulegen, dann wollen wir einen Augenblick darüber nachdenken, wieviel fleißige Hände tätig waren, um uns zu diesem neuen Staat zu verhelfen. (-st)
Umstädter Landgemeindetag
Das Leben der Gemeinde und von Bezirken, die sich um einzelne Gemeinden als natürliches Zentrum gruppieren, wird von der wirtschaftlichen, Verkehrs- und kulturpolitischen Entwicklung derart stark berührt, daß die verantwortlichen Organe vor immer neue Aufgaben gestellt werden, denen sie mit den verfügbaren Einnahmen und Steuerkräften oft nicht in ausreichendem Maße begegnen können. Dabei werden Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeindevertreter oft in einer Weise mit Verantwortung belastet, die weit in die Zukunft weist und die im guten und im bösen auf die Entwicklung des Lebens in den in Frage kommenden Kommunalbezirken von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Wir haben in der Zeit des Dritten Reiches auch in der Gemeindeverwaltung den Triumph des Führerprinzips erlebt und nicht zuletzt ist es darauf zurückzuführen, daß eine in weiten Teilen unseres Volkes zu beobachtende Scheu vor der Verantwortung in Gemeindefragen besteht. Nicht selten werden Klagen darüber erhoben, daß Bürgermeister und Gemeindevertreter in einzelnen Gemeinden am liebsten auf Weisungen des Landrates oder der Regierung warten, um keine eigene Initiative entwickeln zu müssen und in größeren Gemeinden zeigt es sich oft, daß die eigentliche Gemeindeverwaltung, also der Bürgermeister und die Beigeordneten, die Hauptlast der Verantwortung zu tragen haben und die Gemeinderäte es oft an der nötigen Stoßkraft fehlen lassen.
Dabei brennen den Gemeinden eine Fülle von Problemen auf den Nägeln — Probleme, die das Interesse aller Gemeindebürger des betreffenden Bezirkes beanspruchen dürfen. Von dieser Ueberlegung ausgehend hat in einer Besprechung, die zwischen dem Beigeordneten und Kreisdeputierten Ludwig Wedel aus Groß-Umstadt und dem Bundestagsabgeordneten und Altbürgermeister Heinrich Ritzel aus Michelstadt stattfand, der Bundestagsabgeordnete angeregt, nach dem Beispiel der alten freien Gemeinden und Stände das Interesse einer großen Zahl von Bürgern an solchen Fragen zu wecken und zur Mitveranwortung in Fragen aufzurufen, die mehr oder weniger alle angehen.
Da sich gerade in Groß-Umstadt in der letzten Zeit Probleme von größter Tragweite auf dem Gebiet der Finanz- und Schulpolitik, der Krankenbetreuung und des ■Verkehrswesens gehäuft haben, schlug Ritzel die Abhaltung einer ersten hessischen Landgemeindeversammlung an einem Sonntag im August vor.
An diesem Landgemeindetag sollen die stimmberechtigten Frauen und Männer aus Gro-Umstadt und den zum Wirtschafts- und Schulbezirk Groß-Umstadt zählenden Gemeinden in öffentlicher Kundgebung Gelegenheit haben, nach der Berichterstattung über aktuelle Probleme selbst ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen.. Dabei ist an eine würdige Umrahmung dieses ersten hessischen Landgemeindetages gedacht — an eine von ernster Verantwortungsfreude getragene Stunde echter Gemeindeselbstverwaltung auf einer die gesetzliche Kompetenz der Gemeindebehörde überragenden höheren Ebene.
Dieser Appell an den Bürgersinn der in Frage kommenden stimmberechtigten Bürger wird hoffentlich einen guten Erfolg verzeichnen, der dann auch Veranlassung gibt, das Beispiel eines Landgemeindetages auch in anderen Bezirken durchzuführen.
Vorbereitender Ausschuß des Umstädter Landgemeindetages:
gez.: Ritzel - Wedel - Füssler
Roßdorf löst Wasserproblem
Das in der letzten Gemeinderatsitzung viel diskutierte Problem der Wasserleitungserweiterung, die seit langem projektiert ist, tritt seit einigen Tagen durch seine Verwirklichung in den Vordergrund der gemeindlichen Geschehnisse. Die Finanzierung für das 400 Tagewerke umfassende Vorhaben erfolgt zum Teil durch einen aus der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge gewährten Zuschuß. Mit den Arbeiten im Siedlungsgelände „Am steinigen Berg“ ist • bereits begonnen worden. In Verbindung damit werden auch die Erweiterungsarbeiten in dem zwischen Traiser Weg und der Wilhelm-Leuschner-Straße gelegenen Teil der Ringstraße und in der Straße „Am Birke“ zwischen der Schwanengasse und der Darmstädter Straße in Kürze in Angriff genommen. (sl).
Gründung eines Kirchenbauvereins
Das bereits seit einigen Jahren bestehende Projekt einer eigenen katholischen Kirche in Krumbach, zu dem noch die Katholiken aus Kröckelbach, Leberbach und Brombach gehören, wurde jetzt bei einer Zusammenkunft, an der außer Pfarrer Burkart (Fürth) etwa 70 Personen teilnahmen. erneut behandelt. Pfarrer Burkart stellte fest, daß Krumbach die größte Gemeinde der Diözese Mainz sei. die über keine Kirche verfüge. Es ist — vor allem, nachdem sich nahezu alle Versammelten für die Verwirklichung der Baupläne aussprachen — beabsichtigt, zunächst einen Kirchenbauverein zu gründen. (-r)
Vom Lastwagen erfaßt
Bei der Überführung der Bundesstraße 26 südwestlich Dieburg über die Eisenbahnstrecke Dieburg—Groß-Zimmern, ereignete sich ein Verkehrsunfall, an dessen Folgen der dabei Verletzte in der Nacht zum Mittwoch im Dieburger Krankenhaus gestorben ist.
Der 68 Jahre alte Waagenbauer Wilhelm 8., der in Richtung Gundernhausen zu Fuß unterwegs war, benutzte dabei den die Fahrbahn links abgrenzenden Grasstreifen. Sein Fahrrad schob er neben sich her. Ihm entgegen kam ein Fernlastzug, dessen Fahrer früh genug in die Straßenmitte steuerte, um ungehindert vorbeifahren zu können. Unvermutet und unmittelbar vor dem Lkw. bog B. jedoch auf den Fahrdamm ein. Selbst ein noch weiteres Ausweichen des Lkw.s nach links konnte nicht verhindern, daß der Fußgänger erfaßt und zu Boden geschleudert wurde. Die erlittenen schweren Verletzungen am Kopf und ein Beinbruch führten trotz sofortiger Hilfe zum Tode. Es handelt sich bei dem Verunglückten um einen im ganzen Kreis bekannten Fachmann auf dem Gebiet des Eichwesens, dem vor allem die Reparaturen öffentlicher Waagen oblagen. RG
In der Fabxik erhängt
Der Hilfsarbeiter Georg Hartmann aus Bischofsheim wurde am Dienstag* morgen erhängt in dem MAN-Werk Gustavsburg aufgefunden. Es liegt Selbstmord vor; Motive zu der Tat sind nicht bekannt. (cg)
Zwei ungleiche Partner
In den Nachmittagsstunden des gestrigen Tages fuhr am Schönauerhof bei Rüsselsheim ein Motorradfahrer gegen einen Omnibus. Der Motorradfahrer wurde schwer verletzt und mußte ins Rüsselsheimer Stadtkrankenhaus gebracht werden. Das Motorrad wui-de stark beschädigt. (od)
Auf seinem letzten Kreistag wählte der Verband der hessischen Bürgermeister Dr. Lüdecke, Groß-Gerau, zum 1. Vorsitzenden der Kreisgruppe Groß-Gerau. Zum Stellvertreter wurde Bürgermeister Führer, Büttelborn, bestellt. (Kb)
Meldungen aus den Landkreisen
Volkfest in Nauheim
Samstag und Sonntag veranstaltet der Verband der Körpergeschädigten und Kriegshinterbliebenen, Ortsgruppe Nauheim, ein großes Volksfest. Der Samstagnachmittag wird mit einer Gedenkfeier um 17.30 Uhr auf dem Waldfriedhof eröffnet. Am Abend schließt sich ein Festkommers an. Nach dem Weckruf am Sonntagmorgen fällt um 8 Uhr der Startschuß zu dem Fahrradrennen „Rund um Nauheim“. Am Nachmittag erfolgt um 14 Uhr ein großer Umzug mit über 20 Festwagen. Im Anschluß daran spricht auf dem Festplatz an der Königstädter Straße Bundestagsabgeordneter Bazille über Probleme der Körpergeschädigten.
Dr. Lüdecke fährt nach Paris
Am Samstag fährt Bürgermeister Dr. Lüdecke nach Paris, um dort an der 5. Internationalen Konferenz für Soziale Arbeit als Vertreter des Deutschen Gemeindetages teilzunehmen. Die Konferenz wird sich im wesentlichen mit dem Thema „Soziale Arbeit im Jahre 1950, ihr Aufgabenkreis und ihre Grenzen“ beschäftigen. Die Konferenz dauert vom 23. bis zum 28. Juli. Bürgermeister Dr. Lüdecke will jedoch rechtzeitig genug zurück sein, um am 29., Juli die Schwimmeisterschaften im Gerauer Schwimmbad eröffnen zu können. test
Auerbach erwartet Sängerbesuch
Zum 5. und 6. August erwartet der MGV. Liedertafel etwa 130 Sänger aus Freiburg zu Besuch. Die Gäste, die in 4 Omnibussen nach Auerbach kommen, geben am Samstag gemeinsam mit dem MGV. Liedertafel einen bunten Abend, bei dem die Freiburger und Auerbacher Vereine abwechselnd singen. Auch einige Solisten werden auf treten; Tanz schließt sich der Veranstaltung an.
Am Sonntagmorgen findet ein öffentliches Liedersingen statt. Bei Ausflügen in die nähere Umgebung soll den Gästen dann ein Stück der Bergstraße gezeigt werden. Der MGV. Liedertafel sucht für seine Freiburger Sangesfreunde Uebernachtungsgelegenheiten und bittet die Bevölkerung, soweit irgend möglich, Schlafstellen für eine Nacht zur Verfügung zu stellen und die Freiburger Sänger gastfreundlich aufzunehmen. (HB)
Darmstadt-Land
Jugenheim. Am 21. Juli feiert der frühere Gemeinderechner Georg Gerne t seinen 81. Geburtstag. Georg Gernet — bekannt an der Bergstraße wie selten einer — ist unter anderem Ehrenvorsitzender der Spar- und Dahrlehnskasse und Kassenrechner des Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Er ■ist trotz seinem hohen Alter an allen Geschehnissen der Gemeinde lebhaft interessiert und erwarb sich durch seinen lauteren Charakter die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger. Mit den vielen Gratulanten an seinem Ehrentage wünschen auch wir dem alten, treuen Tagblattleser einen weiteren, schönen Lebensabend. (hl)
Roßdorf. Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung ist für Mittwoch den 26. Juli. 20.30 Uhr. in der neuen Schule vorgesehen. — Am kommenden Samstag findet im Saale des Gasthauses „Germania“ (Plößer) eine öffentliche Mitgliederversammlung der SPD statt. Bürgermeister Roßmann spricht über kommunalpolitische Fragen. — Der für den 22. Juli, um 20.45 Uhr geplante Vortrag von (Frau Dr. Stahl (Pädagogisches Institut Jugenheim) im Gasthaus „Germania“ wurde auf Samstag den 29. Juli verlegt. (sl)
Dieburg
Urberach. Durch intensive Gemeinschaftsarbeit konnte in den letzten Monaten eine Anzahl Selbsthilfeneubauten fertiggestel'.t werden. Die Wasserleitung ist bis zum Siedlungsgelände an der „Hallhütten" vorgetrieben. An der Offenthaler Straße wurden Doppelhäuser für Heimatvertriebene errichtet. (gi)
Gundernhausen. Die Ortsgruppe der Heimatvertriebenen plant im Laufe des Sommers mehrere Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung der neuen Heimat. Außer einer Odenwaldfahrt nach Lindenfels über Bensheim zum Felsenmeer, einer Mainfahrt zum Bischofsberg bei Miltenberg über Höchst (Odenwald) ist ein Rheinausflug nach Mainz und Bingen vorgesehen, von wo aus mit dem Rheindampfer, nach einem Aufenthalt in Rüdesheim, St. Goar besucht werden soll. Interessenten wollen sich bis einschließlich Samstag, den 22. Juli, bei Herrn Willi Math i s ci k , Nordhäuser Straße 46, melden. Um auc£ den Hilfsbedürftigen und alten Leuten, die selbst die geringen Unkosten nicht aufbringen können, die Teilnahme zu ermöglichen, werden Spenden erbeten, -sl-
Niedernhausen. Mit der Ausbesserung des Fischbaches im unteren Ortsteil wurde kürzlich begonnen. Damit ist einigen Arbeitslosen für etwa acht Wochen Verdienst gegeben. (gi)
Eppertshausen. Im Baugelände an der Ober-Rodener Straße werden schöne Siedlungsdoppelhäuser in Selbsthilfe errichtet und dann an die einzelnen Mitglieder ausgelost. Mit vier Neubauten wurde bereits begonnen. (gi)
Erbach
Erbach. — Die Bäcker-Innung des Kreises Erbach hatte mit ihren Angehörigen einen Sommerausflug in 8 Omnibussen durchs Taubertal nach Rothenburg unternommen. Es gefiel den mehr als 300 Teilnehmern so gut, daß es niemand wunderte, daß einer sogar die Rückfahrt versäumte. (—ch)
Reichelsheim. — Am Montag, den 24. Juli findet auf dem Marktplatz der letzte Ferkelmarkt für diesen Monat statt. — Seit gestern hat die Firma Georg Bickelhaupt, Heidelberger Straße, für die diesjährige Ernte eine Dreschmaschine laufen. Die Anlieferung des Getreides erfolgt über den „Alten Weg“. — Der Männergesangverein „Eintracht“ unternimmt am kommenden Sonntag einen Ausflug mit. 2 Omnibussen nach Miltenberg-Amorbach.
Höchst. — An der Straßenkreuzung Höchst—Hummetroth und Forstel — Annelsbach stieß ein 20iähriger Radfahrer aus Ober -Kinzig gegen einen Motorradfahrer, wurde zu Boden geschleudert und verletzt. — Auf dem Heimweg von Momart wurde der 41iährige Fabrikarbeiter Heinrich Ah 1 aus Sandbach kurz hinter dem Ortsausgang von Mümling-Grumbach auf seinem Fahrrad von einem entgegenkommenden Motorradfahrer gestreift und zu Boden geworfen, wobei er erheblich verletzt wurde Der Motorradfahrer, der seine Fahrt fortgesetzt hatte, ohne sich um ihn zu kümmern, konnte inzwischen ermittelt werden. (—ch)
Nieder-Kainsbach. — Auf der Straße zwischen Nieder-Gersprenz und Bahnhof Nieder-Kainsbach scheute eine Gespannkuh durch ein vorüberfahrendes Auto. Der 52- jährige Rudolf Barton, der das Tier führte, wurde umgerissen, wobei ihm ein Wagenrad über den Rücken ging. Mit schweren inneren Verletzungen mußte er ins Luisenkrankenhaus, Lindenfels, eingeliefert werden. (—ch)
Rai-Breitenbach. — Durch Kreisbrandinspektor Küchler, Erbach, wurde die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr vorgenommen. In den Vorstand wurden Leonhard Ti 11 v , Willi Wieß ma n n und Karl Schwinn gewählt. Zum Kommandant der Wehr wurde Leonhard Tilly ernannt. (—ch)
Sandbach — Die Industriegewerkschaft Papier, Chemie und Keramik hielt im Gasthaus „Zur Sonne“ eine Versammlung für die weiblichen Betriebsangehörigen der großen Gummiwerke ab, wobei die Vorsitzende des Frauenausschusses der Bezirksstelle Darmstadt, Frau Erler und Gewerkschaftssekretär Küpper über das Thema „Die Frau im Betrieb“ sprachen. (—di)
Bergstraße
Heppenheim. Am Freitagabend findet im Heppenheimer Rathaus eine Sitzung des Stadtrates statt. Die Hauptpunkte der Tagesordnung sind: 1. Umwandlung gestundeter Bauholzgelder in Darlehen mit vergünstigtem Zins- und Amortisationssatz. 2. Neuvergebung des Bauplatzes an des Ecke Jakob-Maier- und Georgenstraße. 3. Neubildung des Wohnungsausschusses. Im Anschluß findet eine nichtöffentliche Beratung statt. '(HB)
Lorsch. Der Polizei gelang es dieser Tage, drei Kartoffeldiebe zu fassen, die die Dunkelheit für ihr Treiben auszunützen versuchten. Die gestohlenen Kartoffeln wurden sichergestellt und die Täter angezeigt. — Am Samstag, dem 22. Juli, hält der Tabakbauverein Lorsch seine Jahresversammlung im Gasthaus „Zum weißen Kreuz“ ab. Die Tagesordnung verzeichnet unter anderem einen Bericht über das abgelaufene Jahr, Entlastung des Vorstandes sowie eine Aussprache über den eventuellen Erwerb des Tabakschuppengeländes. — Im Zusammenhang mit der Volkshochschule Heppenheim führt das Fortbildungswerk des Heimat- und Kulturvereins Lorsch in den nächsten 2 bis 3 Monaten Besichtigungs- und Lehrfahrten durch. Die erste Fahrt ist für Sonntag, den 23. Juli, in die Pfalz vorgesehen. — In der vergangenen Woche wurden im Gewann Metzgerslöchel weitere zwölf Wohnhäuser im Rahmen des Bauabschnittes II durch das „Gemeinnützige Siedlungswerk Lorsch“ im Rohbau fertiggestellt. — Die Flieger- und Währungsgeschädigten hielten am vergangenen Samstag im Gasthaus „Zum Bahnhof“ eine Versammlung ab. Es sprach Kreisvorsitzender Bote (Bensheim). (bl)
Groß-Gerau
Groß-Gerau. Der Werbe-Ausschuß im Gebietsausschuß Odenwald- Neckartal-Bergstraße des Landesverkehrsverbandes trifft sich heute zu einem Arbeitssitzung im Cafe Menne. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Vorbereitung eines Gebietsprospektes sowie die Bearbeitung der Werbeangelegenheiten aus der Frankensteiner Tagesordnung. (cg)
Büttelborn. Am Ortseingang Darmstädter Straße wird das Ueberlandwerk Mainz, Betriebsverwaltung Groß-Gerau, zur Verbesserung des Stromnetzes eine zweite Transformatorenstation errichten. Die Anlage soll möglicherweise noch in diesem Jahre fertiggestellt werden. (Kb)
Mörfelden. Nachdem die Straßenbauarbeiten in der Gemeinde beendet werden konnten, ist das Mörfelder Straßennetz wieder in einem guten Zustand. Die wichtigsten und verkehrsreichen Straßen wurden mit einer Asphaltdecke überzogen, während die Nebenstraßen gepflasterte Gossen und Randsteine erhielten. (au)
Königstädten. Zur Schlußflnanzierung eines* Landesbaudarlehens hat die Gemeinde die Bürgschaft von 29 500 DM übernommen. ’ (kb)
Dornheim. Die Angestellten und Arbeiter der Gemeindeverwaltung unternahmen zusammen mit dem Gemeinderat einen Omnibusausflug in den Schwarzwald.. Den Ausflüglem hatten sich die Gemeindebediensteten von Eschollbrücken und Biebesheim angeschlossen. (kb)
Gernsheim/Rh. Die ersten Rompilger aus der Gemeinde verlassen Ende dieser Woche ihren Heimatort. — Kommenden Sonntag findet am Gernsheimer Kaffeedamm ein Fußballauswahlspiel Rot gegen Weiß statt. Aus beiden Mannschaften werden die elf besten Spieler beim Rheinischen Fischerfest am 5. August gegen den süddeutschen Meister, die Spvgg Fürth, antreten. Spielbeginn des Auswahlspiels um 17.30 Uhr. — 14 Tage nach dem Fischerfest treffen sich die Schwimmer aus den Kreisgebieten Darmstadt, Groß-Gerau und Bensheim zum Schwimmfest. — Der Turm der katholischen Kirche, der stark baufällig ist, wird zur Zeit instandgesetzt. — In Maria-Einsiedel findet am kommenden Sonntag eine große Flüchtlingswallfahrt statt. 10 000 bis 12 000 Personen werden voraussichtlich an der Wallfahrt teilnehmen.
Geinsheim. In seiner letzten Gemeinderatssitzung beschloß der Gemeinderat einstimmig, die Bürgschaft über ein Landesbaudarlehen in Höhe von 22 700 DM zu übernehmen.
. Allen denen, die unserer lieben Mutter Agnes Gehbauer geb. Jochum das letzte Geleit gaben und sie mit Blumen bedachten, herzlichen Dank. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Jacob für seine trostreichen Worte am Grabe. Die trauernden Hinterbliebenen: Georg Gehbauer und Kinder Bensheim, den 20. Juli 1950
Bestattungen am Freitag, dem 21. Juli 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 14.00 Uhr: Rühl, Jakob, Gondershausen, früher Darmstadt, 74 Jahre Waldfriedhof: 11.15 Uhr: Himmelmann, Heinrich, Rotten!, i. R., Darmstadt-Eberstadt, Robert-Schneider-Straße 3, 79 Jahre 15.15 Uhr: Christ, Karl, Reichsbahn-Sattler i. R., Eschollbrücker Str. 44, 73 Jahre
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