Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI Verlag. Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23. Telefon 3921’ Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 17 Tieueffe Jia^rt^fen Donnerstag, 20. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Trumans Korea-Botschaft

Der amerikanische Präsident fordert 10 Milliarden / Teilmobilisierung der Heimatfront

Washington, 19. Juli. (AP.) Präsident Truman hat am Mittwoch den Kongreß um die Bewilligung eines Zehn- Milliarden-Programms ersucht. Damit sollen die für den Korea-Konflikt benötigten Waffen und die Vergrößerung der amerikanischen Armee zur Abwehr einer möglichen Aggression in anderen Teilen der Welt sichergestellt werden.

Zusammen mit den neuen Militärmaßnahmen schlage er die Teilmobilisierung der amerikanischen Heimatfront vor.

Eine Preiskontrolle oder Rationierung sei nicht beabsichtigt. Sollte sich dies jedoch bei einem scharfen Anziehen der Preise als notwendig erweisen, so werde er nicht zögern, strikte Maßnahmen zu ergreifen. Eine Erhöhung der Steuern sei für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Sämtliche Beschränkungen und Begrenzungen der bewaffneten Streitkräfte des Landes müßten aufgehoben werden. Er habe Verteidigungsminister Johnson bevollmächtigt, so viele Einheiten der „National Guard“ (Heimwehr) und so viele Reservisten unter Waffen zu rufen, wie er für notwendig halte.

2 005 882 Mann

Die Mannschaftsstärke der Streitkräfte ist gegenwärtig gesetzlich auf 2 005 882 Mann begrenzt. Davon entfallen 837 000 Mann auf das Heer, 666 882 Mann auf die Marine und 502 000 Mann auf die Luftwaffe. Nach den letzten Berichten stehen in der Armee 593 000, in der Marine 451 000 und in der Luftwaffe 407 000 Mann unter den Waffen. Truman erklärte weiter: „Der Angriff auf die Südkoreanische Republik hat es ohne jeden Zweifel klargemacht, daß die internationale kommunistische Bewegung bereit ist, den bewaffneten Angriff zum Instrument der Eroberung unabhängiger Nationen zu machen. Wir müssen daher die Möglichkeit weiterer bewaffneter Aggressionen in anderen Teilen der Welt in Rechnung stellen.“

In Korea sei kein schneller Sieg zu erwarten. Dies gehe aus dem bisherigen Kampfverlauf hervor. Die Vereinten Nationen stünden gut ausgerüsteten und gut geführten Streitkräften gegenüber, die lange Zeit für eine Aggression ausgebildet worden seien. „Wir müssen Vorbereitungen treffen, um unsere Verantwortung für die Erhaltung des Friedens und der internationalen Sicherheit gegen jede Aggression erfüllen zu können. Dabei werden wir vor keiner Gefahr und keiner Schwierigkeit zurückweichen.“

Mehr für die Verteidigung tun

Die freien Völker der Welt hätten eindeutig klargestellt, daß eine aggressive Handlung mit entsprechenden Mitteln beantwortet werde, diese Tatsache könne nicht genug beachtet werden. Es sei klar, daß die freien Völker die Ausführung ihres gemeinsamen Sicherheitsprogramms beschleunigen müßten, wie die Vereinigten Staaten müßten auch ihre Verbündeten mehr für die Verteidigung tun. Sie würden jedoch darüber hinaus stärkere Hilfe von den Vereinigten Staaten brauchen.

„Wir werden den Kurs, den wir gewählt haben, mit Mut und Glauben weiterverfolgen, weil wir in unserm Herzen die Flamme der Freiheit tragen. Wir kämpfen für Freiheit und Frieden und werden mit Gottes Hilfe siegen.“

Ein neues Schreiben Nehrus

an Außenminister Acheson

Neu Delhi, 19. Juli. (AP.) Der indische Ministerpräsident, Pandit Nehru, hat am Mittwoch ein zweites Veimittlungsschreiben an den amerikanischen Außenminister Acheson abgesandt. Gleichzeitig wird vom indischen Außenministerium erklärt, die Veröffentlichung des Briefwechsels sei in Kürze zu erwarten.

Eine sjapanische Polizeitruppe

Tokio, 19. Juli, (dpa) Der japanische Ministerpräsident Yoshida hat am Mittwoch zum ersten Male öffentlich bekanntgegeben, daß das neugeschaffene 75 000 Mann starke japanische Polizeikorps der Landesverteidigung dienen solle. Diese starke Polizeitruppe sei notwendig, um Japan vor der Gefahr einer Invasion kommunistischer Streitkräfte aus Korea zu schützen.

Wyschinski wieder aufgetaucht

Er war zwei Monate in Karlsbad

Karlsbad, 19. Juli. (AP.) Der sowjetische Außenminister Wyschinski, der sich seit zwei Monaten zur Erholung in Karlsbad aufgehalten hat, hat am Dienstag seinen Urlaub plötzlich abgebrochen und die Stadt auf dem Luftwege mit unbekanntem Ziel verlassen. Sein Aufenthalt in Karlsbad war lange Zeit geheimgehalten worden. Er verbrachte se»«en Urlaub im Hotel „Imperial“ das Eigentum der Sowjetunion ist. Das Hotel war der sowjetischen Regierung 1945 als Dank für die Befreiung des Landes durch die Rote Armee übergeben worden.

Jugoslawien steht Gewehr bei Fuß

Albanische Anschuldigungen abgewiesen

Belgrad, 19. Juli. (AP) In Jugoslawien ist man vzenig geneigt zu glauben, daß sowohl die Sowjetunion als auch der Westen sich gegenwärtig bereitfinden würden, die schwebenden internationalen Probleme am Konferenztisch zu erörtern. An seinen Ostgrenzen steht Jugoslawien vorläufig Gewehr bei Fuß. Alle Grenzposten wurden von jugoslawischen Truppen besetzt.

Die Türkei rüstet

Neue Maßnahmen

Ankara, 19. Juli, (dpa) Der türkische Ministerpräsident hat bekanntgegeben, die Türkei werde neue Maßnahmen zur Reorganisation und Stärkung ihrer Streitkräfte treffen. Politische Beobachter in Ankara schließen aus dieser Bekanntgabe, daß die türkische Regierung sich auf alle Möglichkeiten vorbereiten wolle, die sich aus einer internationalen Krise ergeben könnten.

169 Rußlandheimkehxrer trafen im Juni ein

Hannover, 19. Juli, (dpa) 414 Heimkehrer trafen im Juni im Lager Friedland ein. 169 von ihnen kamen — ungeachtet der sowjetischen Meldung vom 4. Mai, daß die Rückführung deutscher Kriegsgefangener abgeschlossen sei — aus der Sowjetunion. Außerdem kehrten 14 Zivilgefangene und fünf Frauen aus der Sowjetunion zurück.

Propagandasturm in West-Lerlin

Unter 1556 Verhafteten befinden sich Künstler und Wissenschaftler

Drahtbericht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 19. Juli. West-Berlin war am Dienstag der Schauplatz eines kommunistischen Propagandaansturms, wie er in solchem Ausmaß bisher noch nicht festgestellt worden ist. Sechstausend kommunistische Agitatoren waren in kleinen Gruppen au die verschiedenen Stadtteile und S ra en züge verteilt, wo sie als Diskussions ruPP die West-Berliner für die kommunistisch Unterschriftensammlung zur Aechtung Atombombe gewinnen wollten. ie munisten arbeiten dabei auch mit Stellung von Kriegsbeschädigten und Kr g -

Diinuen. „ „ ~n_. Die West-Berliner Bevölkerunö ging, bald sie den Zweck der Agitation erkannt hatte, an den . densten Stellen der Stadt zur ® über. Die Propagandareden der £ stischen Funktionäre gingen m Zwscnen rufen unter. „Gebt die Gefangenen zuruck*, rief man ihnen zu, „Schert euch Aue“, „Ab mit Pieck nach. Moskau „Lost die Konzentrationslager auf ^n Stellen nahmen diese Vorgang sehen Charakter an.

Die Erregung der West-Berliners^ die Kommunisten sich mit der• benS durch die Bevölkerung nicht zufr• 8 So kam es zu Prügelszenen <7?“ Bevölkerung die Kommunisten zu ve.jag

suchte. In sehr vielen Fällen mußte die Polizei eingreifen, um die Agitatoren vor der Menge zu schützen. An anderen Stellen wurden die Propagandagruppen schon gleich nach ihrem Auftreten von der Polizei in Gewahrsam genommen. Insgesamt sind so 1556 Personen festgenommen worden, zum allergrößten Teil in eine Art Schutzhaft, um den Betroffenen Tätlichkeiten von der Bevölkerung zu ersparen. Ein sehr großer Teil der Verhafteten wurde schon in den Abendstunden wieder entlassen. 668 Verhaftete sind im Laufe des Mittwochvormittags dem Vernehmungsrichter vorgeführt worden.

Unter den Verhafteten befanden sich der Intendant des Ost-Berliner Deutschen Theaters, Wolfgang Langhoff, der Rundfunkreporter Wolfgang Klein sowie die Schauspieler Gustav von Wangenheim und Inge von Wangenheim. Langhoff wurde sehr bald wieder aus der Haft entlassen, da am Abend die Premiere des Schauspiels „Der große Verrat“ über die Bretter einer im Ostsektor gelegenen Bühne ging. Unter den verhafteten kommunistischen Wissenschaftlern befindet sich der Atomphysiker und Vorsitzende des kommunistischen „Komitees der Kämpfer für den Frieden“, Professor Havemann, Professor Winternitz, Frau Professor Zahn von der Ost-Berliner Humboldt-Universität.

Amphibische Landung der Amerikaner

Die 1. Kavallerie-Division bildet einen neuen Brückenkopf

Tokio, 19. Juli. (AP./BBC.) Einheiten der 1. amerikanischen Kavallerie-Division sind im Hafen Pohang an der koreanischen Ostküste 150 Kilometer nördlich des Ausladehafens Pusan gelandet.

Die 1. Kavallerie-Division, eine zur Panzerdivision umgegliederte amerikanische Truppe, landete am Mittwoch um 7 Uhr Ortszeit mit Amphibienfahrzeugen und stieß mit Panzern und motorisierten Truppen sofort in das Land hinein und bildete um Pohang einen Brückenkopf von etwa zehn Kilometern Tiefe Das Unternehmen stieß auf keinen feindlichen Widerstand, obwohl das Gebiet um Pohang von feindlichen Partisanen verseucht ist und die Nordkoreaner vor wenigen Tagen in der Nähe des Hafens ebenfalls ein Landeunternehmen vorgenommen hatten

Die amerikanische Flotte, von Verbänden der britischen Flotte unterstützt, hatte starke Verbände zusammengezogen, bei denen sich auch Flugzeugträger befanden, von denen aus kurze Zeit vor der Landung zahlreiche Maschinen aufstiegen und einen Luftschirm über dem Landekopf flogen. Die alliierten Kriegsschiffe legten eine Feuerglocke während der Ausladung der Truppen um Pohang. Die Landung, die sorgfältig vorbereitet und seit zehn Tagen geplant war, vollzog sich reibungslos und in kürzester Zeit.

Zur Entlastung von Pusan

Wenige Stunden nach dem Eintreffen der ersten amphibischen Fahrzeuge in der Bucht von Pohang konnten bereits die Versorgungsgüter an Land gebracht werden. Nadi zwölf Stunden waren alle Truppen an Land. Die amerikanische Führung hatte sich entschlossen, den Hafen Pohang in Besitz zu nehmen, um einen weiteren Ausladehafen für den Kriegsschauplatz in die Hand zu bekommen und damit den Hauptausladehafen Pusan zu entlasten. Außerdem sollten in der Nähe von Pohang stärkere Kräfte zusammengezogen werden, die den drohenden Vorstoß der Nordkoreaner entlang der Küstenstraße nach Süden wirksam aufhalten können.

Außer der 1. Kavallerie-Division sind, wie aus dem Hauptquartier des Generals Mac Arthur bestätigt worden ist, alle Verbände der 25. amerikanischen Infanterie-Division nunmehr in Südkorea eingetroffen.

Der Oberbefehlshaber der 8. Armee, General Walker, verfügt jetzt über drei Divisionen und zwar die 24. und die 25. Infanterie-Division und die 1. Kavallerie-Divisioif.

U-Boot-Alarm

Seit der Abfahrt von Japan hatte die amerikanische Flotte, auf der die 1. Kavallerie-Division herangeführt wurde, Alarmbereitschaft, weil die Gefahr von - Boot-Angriffen bestand. Nach Schätzungen amerikanischer Marinedienststellen sollen die Russen etwa ein Viertel ihrer - Boot-Waffe in der Nähe von Korea zusammengezogen haben und außerdem die Nordkoreaner in der Führung von U-Booten schulen.

Am Westabschnitt der amerikanischen Front, im Raum Taidschon—Kumschon, ist keine Veränderung der Lage eingetreten. Die Nordkoreaner sollen immer noch nicht in Taidschon eingedrungen sein, in dem sich nach Korrespondentenberichten am Dienstag nur ncch wenige Amerikaner befanden, ' und zwar nur Angehörige von Sanitätstruppen, die mit der Abfertigung der letzten Lazarettzüge in Richtung Taiku beschäftigt waren.



Gescheitert

an. Der indische Ministerpräsident will seine Bemühungen fortsetzen, im koreanischen Konflikt zu vermitteln. Dennoch wird man heute bereits sagen können, daß sein Versuch ebenso wie der des britischen Außenministers gescheitert ist. In dem Augenblick, in dem bekannt wurde, daß die Sowjetunion als Bedingung die Aufnahme seines chinesischen Bundesgenossen in den Sicherheitsrat verlangt, war es auch deutlich, daß der Krieg weitergehen werde. Unmöglich können sich die Vereinigten Staaten nur deshalb dem sowjetischen Ausdehnungsdrang mit den Waffen in der Hand widersetzen, um ihm dann eine ungeheure Stärkung seiner diplomatischen Machtstellung zu gewähren. Wenn die Sowjetunion ihrem nordkoreanischen Trabanten befohlen hätte, auf den 38. Breitengrad zurückzugehen, wenn sie aber gleichzeitig für die Genehmigung zukünftiger Überfälle eine entscheidende Stellung in den Vereinten Nationen gewonnen hätte, so wäre das ein großer und bedeutsamer Sieg für sie gewesen. Stalin hätte dabei den Rückzug in Korea leichten Herzens in Kauf nehmen können — wobei keineswegs einmal sicher ist, daß dieser Rückzug überhaupt vollzogen worden wäre, wenn Rußland seine diplomatische Forderung bewilligt erhalten hätte.

Es ist so, was man gleich nach dem Bekanntwerden der beiden Vermittlungsvorschläge empfand: Der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen. Die Waffen müssen noch weiter sprechen. Das ist bitter, am bittersten für die Menschen in der Kampffront, aber ein bitteres Gefühl auch für die Beobachter in der ganzen übrigen Welt. Dennoch sieht man nicht, wie es zu ändern wäre. Die Amerikaner werden eines Tages die nordkoreanischen Angreifer bis zu ihren Ausgangsstellungen zurücktreiben. Ob dann die Gelegenheit zu einer Vermittlung ist, wird sich zeigen. Vorläufig müssen alle solche Versuche ins Leere stoßen.

Pahong ist nicht Casablanca

Wr. - Millionen deutscher Herzen atmen auf: Die Amerikaner sind — endlich — irgendwo auf Korea gelandet. Was ist es damit?

Die Zivil-Strategen haben hohe Zeit. Sie können, mit der Neige aus den Biergläsern, ganz genau aufzeichnen, an welchem Teil der koreanischen Küste die amerikanischen Divisionen gelandet sind! Sie können sich beträchtlich begeistern, indem sie an den Sommer 1944 erinnern und, bedeutsam, darauf hinweisen, daß damals, mit der Landung an der normannischen Küste, in Saint Lö, das Kriegsglück begonnen hatte, sich zu wenden. Sie können noch mehr tun: Sie können auf die Landungen der amerikanischen Divisionen in Casablanca und Oran hinweisen: Denn damit hat „es“ ja eigentlich angefangen. Vom Augenblick jener Landung an ging es rückwärts und abwärts mit Hitler und seinen Armeen.

Aber wie? Überlegt man sich bei diesen Berechnungen, wieviele Divisionen es damals gewesen waren, die an den Küsten von Westafrika und der Normandie ausgebootet worden waren? Falls unsere Berechnungen einigermaßen stimmen, müssen es hundert und einige gewesen sein. Die Landung in Casablanca und in Oran hatte sich mit einigen acht Divisionen vollzogen, und als damals, November 1943, jene Landung erzwungen' worden war, wurden die Gauleiter in Deutschland verständigt, unter „streng geheim“, daß jetzt „alles aus“ sei. Die Parole, die späterhin, im Juli 1944, ausgegeben wurde, nachdem sechsundachtzig Divisionen in Saint Lö an der normannischen Küste gelandet worden waren, ist uns im Moment nicht zur Hand. Immerhin: Es waren sechsundachtzig Divisionen.

Zwei Divisionen

In Pohang sind, zunächst, zwei Divisionen gelandet worden. Darum handelt es sich vorläufig. Es ist so gut wie gewiß: In Korea wird sich zu irgendwelcher Zeit einmal eine Wende vollziehen. Aber die Ausbootung von ganzen zwei Divisionen, die in Pohang erfolgt ist, bedeutet vorläufig so gut wie gar nichts. Um zwei Lande-Divisionen abzuwürgen, dafür ist nicht viel Aufwand erforderlich. Der Aufwand hierfür ist in Korea vorhanden. Wer weise ist, macht sich einstweilen auf betrübliche Rückschläge gefaßt.

Alles kommt darauf an, wie es mit der Kampfkraft dieser Landetruppen bestellt ist. Felderfahrung besitzen sie nicht; das steht wohl fest. Ebenso steht aber auch fest, daß die Feindtruppen Felderfahrung besitzen, teils aus ihrer früheren Verbindung mit den Armeen von Mao Tse-tung, teils aus der Zeit her, in der sie in den Reihen der „Roten Armee“ mitgekämpft haben. Es hat also nicht den mindesten Sinn und Zweck, darauf zu rechnen, daß sich infolge dieser Landung von amerikanischen Divisionen demnächst schon die „große Wende“ vollziehen werde. Sie wird sich vollziehen, das ist sicher, aber kaum vor dem Ablauf von Monaten.

Solange also heißt es für alle Vernünftigen, die Nerven zu bewahren. Es heißt für alle in Westeuropa, sich stets und immer bewußt zu sein: Es sind die Amerikaner, um die es geht, in erster Linie, nicht um uns arme Leute am Westrande dieses Erdteils. Die Landung in Pohang bedeutet praktisch vorläufig sehr wenig. Sie ist ein Anzeichen, das selbstverständlich ist. Aber weiter nichts.

ZehnMilliardenDollar

Wesentlich, ganz wesentlich hingegen, ist für Westeuropa diesseits des Vorhangs die Tatsache, daß der Mann an der Spitze des mächtigsten Staates der Welt, Truman, soeben für den Krieg in Korea „sechs bis acht“ Milliarden Dollar verlangt hat, und daß ihm zehn Milliarden Dollar bewilligt worden sind.

Zehn Milliarden Dollar — die sind auch für das reichste Land der Erde nicht aus dem Aermel zu schütteln. Vom Ge-

meinschaftsbewußtsein und Patriotismus der Amerikaner ist erstaunlich viel zu erwarten — das ist durch die bisherige Geschichte immer wieder dokumentarisch bewiesen worden —, aber man hat drüben auch mit den absolut unentrinnbaren Folgen zu rechnen. In den Vereinigten Staaten gibt es, und nicht erst seit gestern, Inflations-Sorgen. Es ist weit mehr an Geldzeichen im Umlauf, als es „der Situation“ entspricht. Rückhalt, in Gestalt von enormen Bodenschätzen und an „Gemeinvermögen“, ist vorhanden, weit mehr, als zur Führung eines Krieges auf Korea erforderlich ist.

In Sowjetrußland weiß man das ebenso. Man weiß es dort, wie man zu folgern hat, sehr genau. Es ist, offensichtlich, nicht umsonst, daß Stalin auf den Vermittlungsversuch von Pandit Nehru eingegangen ist. Es ist ihm offensichtlich sehr gelegen gekommen, nach außen hin so tun zu können, als sei Korea ganz und gar eine Nebensache. Und was ihn, Pandit Nehru, selber anbetrifft, so könnte wohl dieser Inder erst in einigen Jahren begreifen, wie sehr und in welchem Maße er durch sein Vermittungsangebot naiv und ahnungslos die Geschäfte des Kremls besorgt hat.

Und Stalin?

Die „Basler Nachrichten“, die nicht unbedingt als die zuverlässigste aller Informationsquellen in Westeuropa zu bewerten sind, erklären: Stalin, überzeugt, daß er am Vorabend eines dritten Weltkrieges stehe, habe sich in der Zwangslage gesehen, demonstrieren zu müssen: Er habe allen Anlaß zu fürchten, daß sein Zwangssystem zu einem neuen und furchtbaren Kriege führen müsse. Er habe allen Anlaß, den Volkszorn in seinem eigenen Lande in Rechnung zu stellen. Er spiele praktisch in Korea um Kopf und Kragen.

Pandit Nehru, indem er seine Vermittlung angeboten habe, sei sich offensichtlich nicht bewußt gewesen, in welchem Maße er die Geschäfte des Kremls besorgt habe: Kaum je in der Vergangenheit habe das Moskauer Zentralkomitee eine Vermittlungsaktion so nötig gehabt wie diese.

Mit der Gegenseite: der Großmacht der westlichen Halbkugel sieht es nicht viel anders aus. Eine ausgesprochene Inflationsgefahr besteht in Amerika zur Zeit wohl noch nicht, aber immerhin: Sie erhebt sich am Horizont. Die Vereinigten Staaten geben in der Erfüllung ihrer Aufgabe gegenüber der Menschlichkeit ungeheure Summen aus. Bisher sind diese Summen tragbar gewesen. Das Volkseinkommen hat zur Bestreitung dieser freiwillig übernommenen Ausgaben durchaus ausgereicht. Zur Zeit aber sind die Männer und Kräfte im Vordergründe der Verantwortungsbewußtheit in den Staaten sich darüber klar, daß in Bälde gebremst werden muß.

Die Landung von zwei amerikanischen Divisionen in Pahong ist nicht so anzusehen und zu bewerten, wie damals die Landung in Casablanca und Oran. Es ging damals um die Vollkraft der Gegenwehr, die Nordamerika einzusetzen hatte. In Pahong handelt es sich einstweilen um zwei Divisionen. Nordkorea hat ihnen gegenüber hundertsiebenundzwanzig entgegenzustellen.

Pahong, das ist nicht Casablanca. Falls aus Pahong eine Art von Oran oder gar Tobruk werden sollte, würden sich die Vereinigten Staaten noch ganz anders ersichtlich machen müssen.

Bedell Smith geht nach Tokio

In das Hauptquartier MacArthurs

Neuyork, 19. Juli, (dpa) Der ehemalige amerikanische Botschafter in Moskau, Bedell Smith, wird als Sachverständiger für sowjetische Fragen in das Hauptquartier General Mac Arthurs entsandt werden.

Ein Botschafter

We. München, im Juli.

Sechzig Journalisten legten den Bleistift fort und hörten nur noch zu. Der Mann mit dem feinen Gelehrtenkopf und den guten Augen, mit dem sie ein paar Stunden nach seiner Ankunft beieinander saßen, war der neue amerikanische Landeskommissar für Bayern. Zum ersten Male wurde kein Dolmetscher in diesem Saal benötigt. Professor Shuster hatte seine Pressekonferenz mit der Bitte begonnen, man möge Nachsicht mit seinen Sprachkenntnissen haben, aber er gedenke sich auf deutsch zu verständigen. Er spricht über jene deutschen Werte, an die er immer geglaubt habe, auch wo das nicht überall so gewesen sei. „Es wäre toll, wenn wir uns als Amerikaner da einmischen wollten"; so weist er jede Absicht einer Einwirkung in Erziehungsfragen zurück. Er hat — ohne jeden Pathos, aber dafür mit um so stärkerer Kraft der Ueberzeugung •— einiges zur großen Lage zu sagen. Manchmal fügt er in einer kleinen Randbemerkung hinzu: „Das möchte ich aber bitte nicht in die Presse bringen“, oder: „Das sollte ich jetzt eigentlich lieber weglassen.“ Eine echte menschliche Wärme ist zu spüren, wenn er sich den Sorgen des kleinen Mannes zuwendet, die er zu seinen eigenen machen wolle. Als Mister Shuster bittet, sich verabschieden zu dürfen, sind sechzig Journalisten mit Freude der Meinung, daß hier ein wirklicher Botschafter Amerikas gekommen ist.

Keine höheren Zinsen

R. Bonn, 19. Juli. Bundesfinanzminister Schäffer hat sich auf einer Pressekonferenz dagegen gewandt, daß Erörterungen über eine Erhöhung der Zinssätze für langfristige Kapitalanlagen Beunruhigung auf dem Kapitalmarkt geschaffen hätten. Die Bundesregierung und die sehr große Mehrheit des Zentralbankensystems dächten an keine grundsätzliche Aenderung des Zinssystems. Die Ansicht sei falsch, daß ein freier Zins einen Ausleseprozeß auf dem Gebiet der Investitionen bewirken werde, vielmehr würde dann das Kapital zu den rentabelsten Anlagen drängen, die aber keineswegs mit den volkswirtschaftlich wichtigsten identisch seien.

Um die Mitbestimmung

Verschärfung der Gegensätze

AZ. Mainz, 19. Juli. Der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes hatte, wie wir bereits kurz berichteten, beschlossen, gewerkschaftliche Kampfmittel anzuwenden, um die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der Wirtschaft zu erreichen. Die Leitung des Deutschen Gewerkschaftsbundes wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß bei den bisherigen Verhandlungen in wichtigen Punkten noch keine Einigung erzielt werden konnte, besonders über die paritätische Besetzung der Aufsichtsorgane in den Betrieben. Die Vorschläge der Unternehmer über die Funktionen der Betriebsräte in personellen und sozialen Angelegenheiten sowie über das Informationsrecht der Betriebsräte wurden als völlig ungenügend bezefichnet.

In diesem Beschluß sieht der Verband der Unternehmer einen Bruch der bisher geführten Verhandlungsmethoden und eine Gefährdung des sozialen Friedens. Die Unternehmerschaft bedauert, wie es in der Erklärung der Unternehmerverbände heißt, diese überraschende Wendung vom Geist der sozialen Gemeinschaft zur offenen Drohung mit Kampfmaßnahmen, die im Falle ihrer Durchführung unvermeidbar im Klassenkampf enden müsse. Die Verantwortung für diese Zuspitzung der Gegensätze müßten vor dem Volke und vor der Geschichte allein diejenigen tragen, die sich in diesem für die ganze Welt besonders kritischen Zeitpunkt ohne Anlaß von dem Geist der Gemeinschaft der bisherigen Verhandlungen losgesagt haben.

Die Studenten lehnten ab

Um die Zulassung parteipolitischer Gruppen

Na. Mainz, 19. Juli. (Eigener Bericht.) Die Mainzer Studentenschaft lehnte in einer Urabstimmung die Zulassung parteigebundener politischer Gruppen zum akademischen öffentlichen Leben mit '145 gegen 790 Stimmen ab. Zwei Fragen, die sich mit der etwaigen Zulassung solcher Gruppen befaßten, die nicht auf der Basis der Bonner Grundgesetze arbeiten, wurden gegen solr ehe Studenten gruppen mit 494 gegen 296 Stimmen beantwortet.

„Wilhelm paß auf die Uhr auf!“

Tragikomisches aus der Ostzone

Paris, 19. Juli, (dpa) In einem Augenblick, in dem man in Frankreich starke Kritik an der Sowjetunion übt, hat d-s Lachen in einem Wittenberger Kino auch die Pariser angesteckt, und zwar über einen Zwischenfall mit politischem Hintergrund bei der Vorführung der Wochenschau in einem Lichtspieltheater in Wittenberge (Sowjetzone), Als in dem Wochenschaubild bei der Begrüßung eines höheren sowjetischen Offiziers die schwere goldene Armbanduhr des Sowjetzonen-Präsidenten Pieck sichtbar wurde, ertönte der Ruf: „Paß auf deine Uhr auf, Wilhelm". Die Sowjetzonenpolizei konnte trotz der sofortigen Absperrung des Kinos und eineinhalbstündiger Suche den Zwischenrufer, der ein lautes Gelächter im Publikum auslöste, nicht ermitteln.

Exrplosion vor dem Königspalast

Brüssel, 19. Juli. (AP.) Vor dem königlichen Palast in Laeken bei Brüssel ist in der Nacht zum Mittwoch eine Bombe explodiert. sie schlug ein Loch in die Backsteinmauer, die den Garten des Palastes umschließt.

Der Palast von Laeken, in dem sich zur Zeit die Königinmutter Elisabeth aufhält, ist als zukünftiger Wohnsitz König Leopolds nach seiner Rückkehr aus dem Exil vorgesehen.

Die Weltminnte des 20. Juli

Erkenntnisse des Augenblicks entscheiden oft über das Schicksal von Millionen

„Das Schicksal wirft manchmal, ganz selten in allen Zeiten, in sonderbarer Laune irgendeinem Gleichgültigen sich hin. Manchmal — un,d dies sind die erstaunlichsten Augenblicke der Weltgeschichte — fallt der Faden des Fatums für eine zuckende Minute in eines ganz Nichtigen Hand. Immer sind solche Menschen dann mehr erschreckt als beglückt von dem Sturm der Verantwortung, der sie in heroisches Weltspiel mengt, und fast immer lassen sie das zugeworfene Schicksal zitternd aus den Händen. Selten nur reißt einer die Gelegenheit mächtig empor und sich selber mit ihr. Denn nur eine Sekunde lang gibt sich das Große hin an den Geringen! Wer sie versäumt, den begnadet sie niemehr ein zweites Mal.“

Mit diesen Sätzen beginnt Stefan Zweigs Essay „Die Weltminute von Waterloo“. Sie könnten ebenso gut auf das Verhalten des ehemaligen Majors Remer am 20. Juli 1944 geschrieben sein. Stefan Zweig behandelt in seiner kurzen Skizze die für den Ausgang der Schlacht bei Waterloo für Napoleon verhängnisvolle Rolle, die der Marschall Grouchy gespielt und dadurch den Gang der Weltgeschichte der späteren Jahrhunderte beeinflußt hat. Grouchy hatte von dem Kaiser den klaren Befehl erhalten, mit einem abgezweigten Drittel des Heeres die Preußen unter Blücher zu verfolgen und sie an der Vereinigung mit d,er englischen, russischen und österreichischen Armee zu hindern. Der Marschall hielt sich streng an den geschriebenen Befehl, obwohl er den fernen Kanonendonner der inzwischen entbrannten Entscheidungsschlacht vernahm, und obwohl er von seinen Unterführern geradezu beschworen wurde, von der Verfolgung der Preußen abzulassen und dem Kaiser zu Hilfe zu eilen, worauf dieser von Minute zu Minute hoffte. Grouchy jedoch, an Gehorsam gewohnt und ohne eigene Entschlußfähigkeit, hielt sich in dieser kritischen Stunde an sein Papier und an den durch die Ereignisse sinnlos gewordenen Befehl seines Herrn, er folgte nicht dem unhörbaren Anruf des Schicksals: ungehorsam zu sein und gerade dadurch — von Napoleon aus gesehen — richtig zu handeln.

Man erkennt sofort die Gleichheit der Situation des ehemaligen Majors Remer als Kommandant des Berliner Wachregiments am 20. Juli 1944, nicht natürlich im äußeren Ablauf der nun folgenden Geschehnisse, sondern in ihrem Ursprung, in dem inneren Hergang und seinen weltgeschichtlichen Folgen. Auch Remer handelte nur als Soldat, als Untergebener seines damaligen obersten Kriegsherrn Adolf Hitler. Auch er erkannte nicht und fühlte nicht, genau wie Grouchy, die weltgeschichtliche Bedeutung des Augenblicks, in dem für wenige Minuten die Wende der Zeit in seine Hände gelegt war. Es wäre falsch, in diesem Versagen des Majors Remer eine „Schuld“ im Sinne des Rechts etwa zu sehen. Aber statt traumhaft-sicher den, wie man jetzt weiß, großen und einzig richtigen Entschluß zu fassen und sich den Generalen des Staatsstreichs anzuschließen, also von seiner Soldatenpflicht abzuweichen und ihr zuwiderzuhandeln, um eine größere Aufgabe zu erfüllen, war er taub gegen diesen Ruf des Schicksals und tat seine militärische Pflicht. Das war, für den Soldat berufsmäßig das Höchste, im Blick auf die Jahrhunderte sehr wenig und verhängnisvoll, die Ereignisse haben es bewiesen.

Und wenn nun heute der zum Generalmajor Aufgestiegene zu seiner Entschuldigung und sogar Rechtfertigung sagt, er habe ja eigentlich persönliches Pech gehabt, weil er zu jener Zeit gerade an jener Stelle gestanden habe und nicht an der Front und er habe durch sein Verhalten einen Bürgerkrieg verhindern wollen, so ist das eine sonderbare Rechtfertigung, und die von ihm angeblich beabsichtigte Verhinderung eines Bürgerkrieges ist nichts anderes als eine nachträgliche Konstruktion. In der entscheidenden Minute hat er bestimmt derartige Betrachtungen nicht angestellt. Mit solchen Erklärungen beweist er lediglich, daß er die weltgeschichtliche Größe der ihm zugefallenen Aufgabe auch heute noch nicht begriffen hat. Seine Gedankengänge sind die eines Majors und nicht eines Vollstreckers des Schicksals.

Die neuerdings gegen Remer und seine politische Betätigung erhobenen Bedenken und Vorwürfe spielen in dem hier erörterten Zusammenhang natürlich keine Rolle. Sie liegen vielmehr auf der Ebene des irdischen Rechtes, auch des Taktes, des Feingefühls und der politischen Klugheit. Die hier angestellte Betrachtung gehört jenseits aller menschlichen Berechnung ausschließlich in den Bereich des Irrationalen, des Metaphysisdien. Der Weltgeist, der den einen beruft und den anderen verwirft, geht viele und verschlungene Wege, er handelt nach tiefverborgenen Gesetzen, wir können sein Wollen nicht im voraus entschleiern. Wir müssen uns dabei bescheiden, daß er mitunter auch einmal einen Alltagsmenschen vor seinen Wagen spannt. Der General Remer hat als Major jedenfalls bewiesen, daß er die Probe höchster Bewährung — als Politiker, nicht als Soldat — nicht bestanden hat. Das ist, wie gesagt, sein zwar irdisch schuldloser, aber gerade deshalb wahrhaft tragischer „Ruhm“.

Nicht nur der geräuschvolle 30. Januar 1933, sondern mindestens ebenso sehr stellt der lautlose Vorgang von kaum einer Minute in dem Kopfe eines einfachen Majors am 20. Juli 1944 uns Heutigen immer wieder vor eine Schicksalsfrage von unermeßlicher Bedeutung: Was wäre geschehen, oder was hätte geschehen können, wenn Remer gehandelt hätte, wie er nicht gehandelt hat! Dieser Tag, der sich eben zum sechsten Male jährt, war der letzte, der nach den vorausgegangenen Attentaten auf den von den Dämonen der Tiefe Besessenen eine Wende des deutschen Schicksals hätte einleiten können, nicht im Sinne eines bereits unmöglich gewordenen Sieges, aber doch so, daß Deutschland nicht völlig zerstückt und in eine geographisch und politisch zerfetzte Einöde — so muß man es schon nennen —- verwandelt worden wäre, und der asiatische Erdteil sich nicht bis in das Herz von Europa ausgedehnt hätte, ein Vorgang, der das Sein der gesamten gesitteten Welt für eine lange Zukunft aufs äußerste bedroht.

Man denkt gerade heute unwillkürlich an die erstaunliche staatsmännische Vision des Fürsten Metternich, der nach den Napoleonischen Kriegen im Jahre 1820 die stolzen prophetischen Worte schrieb: „Ich hätte im Jahre 1900 geboren werden und das zwanzigste Jahrhundert vor mir haben sollen. Mein geheimster Gedanke ist, daß das alte Europa am Anfang seines Endes steht. Das neue Europa ist anderseits noch im Werden; zwischen Ende und Anfang wird es ein Chaos geben.“

Dr. Ferdinand Willenbücher.

Gemischte Gefühle in Paris

Frankreichs Bedenken zur weltpolitischen Lage

Drahtbericht unseres Korrespondenten

P. M. Paris, 19. Juli. In Paris ist die Ablehnung der Vermittlungsversuche von Pandit Nehru durch Washington mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Ebenso wird die Solidaritätserklärung der englischen Regierung beurteilt. Alle Welt ist sich darüber klar, daß man Moskau durch Nachgiebigkeit keine Angreiferprämie gewähren dürfe, und niemand wagt in Paris offen einem neuen München das Wort zu reden. Das hindert nicht, daß man von der amerikanischen Diplomatie dennoch die erforderliche Elastizität erwartet, um ein Abbrechen aller diplomatischen Brücken zu verhindern.

In gemäßigten politischen Kreisen ist man sogar der Ansicht, daß die französische Regierung anständigerweise in Washington vorstellig werden müsse, um ein allzu radikales Vorgehen der amerikanischen Außenpolitik zu verhindern und um den führenden amerikanischen Diplomaten klar zu machen, daß — wie der Herausgeber des „Monde“ schreibt — „man die Möglichkeiten

Frankreichs von 1914 nicht mit denen von 1950 verwechseln dürfe“.

Im ersten Ministerrat der Regierung Pleven, der am Mittwochvormittag zusammentrat, wurde kein Beschluß in dieser Richtung gefaßt. Die unmittelbaren Probleme Frankreichs im Zusammenhang mit der Weltlage liegen auf militärischem und finanziellem Gebiet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß bei der Konferenz des - Mächte-Generalstabes, die am Donnerstag in Fontainebleau zusammentritt, die französischen Vertreter ein klares Bild des Rüstungsstandes in Frankreich geben werden, der im Augenblick keine ernsthafte Möglichkeit einer militärischen Aktion von Ausmaß gestattet. Auf der Konferenz der stellvertretenden Außenminister des Atlantikpaktes, die in einer Woche in London zusammentritt, ebenso wie auf der Außenministerkonferenz der Atlantikmächte im Haag am 1. August, wird Frankreich als die bedeutendste der bedrohten Kontinentalmächte eine gleich offene und energische Sprache zu führen haben.

Das Bier wird billiger

Der Bundestag will im Braugewerbe Arbeit schaffen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 19. Juli. Nach der Annahme eiher Aenderung der Biersteuer, die den Bundestag am Mittwoch beschäftigt hat, soll das Bier im Durchschnitt um zwanzig Prozent billiger werden. Diese Steuersenkung hat ausdrücklich eine Vereinbarung mit den Brauern und den Wirten zur Voraussetzung, auch ihrerseits zur Preissenkung beizutragen. Das billigere Bier wird also eine Gemeinschaftsleistung des Staates, der Produzenten und Vertreiber werden, wobei der Hauptteil des Verzichts allerdings bei der Staatskasse liegt, denn die Biersteuer soll auf fast die Hälfte herabgesetzt werden. Sie wird damit allerdings nur auf den ungefähren Vorkriegsstand gebracht, während der Bierverbrauch gegenüber dieser Zeit auf fast die Hälfte gesunken ist.

Das Finanzministerium hat sich entschlossen, dem Absinken eines Verbrauchssteuerertrags mit einem Herabsetzen des Steuersatzes zu begegnen, allerdings nicht in der Hoffnung, den Ausfall am Steueraufkommen voll durch einen erhöhten Konsum ausgleichen zu können. Man nimmt einen Verzicht auf über fünfzig Millionen DM an Biersteuer in Kauf, um die Arbeitslosigkeit im Braugewerbe einzudämmen und kleine Mehreinnahmen bei der Umsatzsteuer zu- haben. Aber augen-

scheinlich spielen im Letzten nicht nur fiskalische Gründe mit. Bei diesem Gesetz stand bei Regierung und Parlament auch der Wunsch Pate, breiten Kreisen eine kleine Aufmunterung zu geben durch die Verbilligung des Abendschoppens. Auch der Fiskus kann Verständnis für die kleinen Genüsse des Lebens zeigen, vor allem dann, wenn der Finanzminister aus Bayern stammt.

Die Deutsche Presse-Agentur meldet ergänzend: Der Bundestag hat mit großer Mehrheit das von der Regierung vorgelegte Gesetz zur Aenderung des Biersteuergesetzes verabschiedet.

Das bisher in Norddeutschland erhältliche Konsum-Vollbier zum Preise von 1,66 Mark je Liter wird in Zukunft nur noch 1,18 Mark bis 1,28 Mark kosten. Der Preis für die entsprechenden Biersorten in Mittel- und Südwestdeutschland verringert sich von 1,17 bis 1,27 Mark auf 1,00 Mark und in Bayern von einer Mark auf 0,78 bis 0,80 Mark.

Die Debatte um den Bierpreis war, mit Ausnahme eines Redners, eine rein bayrische Angelegenheit.

Alle Fraktionen des Bundestages befürworteten bei der ersten Beratung eines Gesetzes über Darlehen zum Bau und Erwerb von Handelsschiffen den Wiederaufbau der deutschen, Seeschiffahrt.

Die Lünder sollen bezahlen

Pläne des Finanzministers zum Brotpreis

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 19. Juli. In die Verhandlungen über den Brotpreis und die Subventionen ist ein neues Moment getreten. Finenzminister Schäffer hat am Mittwoch erklärt, seit acht Tagen habe sich die Lage auf dem Weltgetreidemarkt geändert. Der Drang, auszuführen, sei nicht mehr so fühlbar wie bisher, und somit könne nicht übersehen werden, ob die vorgesehene Relation des inländischen Getreidepreises zum Weltmarktpreis bestehen bleibe.

Er legte aber gleichzeitig dar, daß eine Fortführung des bisherigen Systems jähr-

lieh 650 Millionen kosten werde, unter der Voraussetzung sogar, daß die bisherigen Weltpreise blieben. So will nun der Finanzminister, wie aus seinen Bemerkungen hervorging, die Subventionierung in der Hauptsache auf Brotgetreide beschränken. Schäffer erklärte dazu, bei diesem neuen Weg würde auch bei einer neuen Kalkulation der Weltpreise eine zumutbare Ausgabe entstehen, die weit unter den bisherigen Erfordernissen läge.

Diese Ausgabe aber scheint das Kabinett jetzt den Ländern zuzumuten. Schäffer sagte nämlich, neue Steuern würden ihm schon deswegen nicht helfen, weil diese erst in einigen Monaten Erträge bringen könnten, während die Subventionen sofort gezahlt werden müßten.

Die Regierung hat also in der Subventionsfrage den Rückgriff auf die Länderkessen ins Auge gefaßt, während sie beim zweiten Problem, bei der Abdeckung der Folgen der Erhöhung der inländischen Getreidepreise, noch immer in Verhandlungen mit den zuständigen Gewerben über die Herstellung eines Konsumbrotes zum alten Preis steht- Schäffer sagte, diese Verhandlungen hätten schon zu einer Einigung geführt, wenn nicht der Bundestag seinen Subventionsbeschluß gefaßt hätte. Im Vertrauen jedoch auf diesen Beschluß hätten manche der Verhandlungspartner Hoffnung auf eine umfassende Subventionierung, die sie den Vorschlägen der Regierung anscheinend nicht zugänglich mache.

Die Regierung denke daran, falls die Gewerbe ihre Mitarbeit an einer vernünftigen Regelung des Brotpreises verweigern sollten, alle Verarbeitungsspannen und die Mühlenkontingente aufzuheben und gegebenenfalls auch zu Mehlimporten zu schreiten. Es sei die Aufgabe der Regierung, eine Preiserhöhung zu vermeiden, zumal wenn diese sich auf Wirtschaftskonstruktionen überholter Art stütze.

Bäcker werden bestraft

St Stuttgart, 19. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Als erstes Land in der Bundesrepublik hat Württemberg-Baden am Mittwoch scharfe Maßnahmen gegen Preiserhöhungen für Backerzeugnisse, Mehl, Oel und Zucker angeordnet. Wirtschaftsminister Dr. Veit hat im Auftrage der Regierung und des Parlamentes die Landratsämter angewiesen, jede Preiserhöhung bei den genannten Waren anzuzeigen. Gleichzeitig wurden im ganzen Land Betriebsprüfer eingesetzt, die Bäckerläden und Einzelhandelsgeschäfte auf ihre Preise überwachen sollen.

Schon am Mittwoch wurden gegen verschiedene Stuttgarter Bäckereien wegen Preiserhöhung oder Gewichts- und Qualitätsverminderung empfindliche Strafen verhängt. Die Bäcker wollen jedoch auf eine zehnprozentige Brotpreiserhöhung nicht verzichten. Das Wirtschaftsministerium will gegen die Bäckerinnung Anzeige wegen Vergehens gegen das Kartellgesetz erstatten.

Sechs Milliarden Mark für die Vertriebenen aufgewandt

Bonn, 19. Juli. (NWDR) Der Bundesfinanzminister hat eine Denkschrift über die Leistungen des Bundes und der Länder für die Heimatvertriebenen veröffentlicht. Danach sind im Bundesgebiet seit 1945 für die fünfzehn Millionen Vertriebenen mehr als sechs Milliarden Mark aufgewendet worden.

Stimmen der Anderen

Drei wichtige Wochen

Der Pariser „Figaro“ schreibt:

„Drei Wochen hat es gebraucht, bis Frankreich wieder eine Regierung hatte, und in diesen drei Wochen hat Frankreich, in einem Werk der gemeinsamen Verteidigung und Sicherheit mit den Vereinigten Staaten und 42 anderen Nationen vereinigt, einen Beschluß unterzeichnen müssen; der sehr bald alle Verpflichtungen und Erscheinungsformen des Krieges enthüllte.

Als wir uns alle besorgt fragten, was die Zukunft bringen möge, als wir uns an die wandten, die unsere natürlichen Berater sein sollten, da fanden wir e*n Parlament ohne Regierung vor und Parteien, die durch Wahlgeschäfte und provinzielle Empfindlichkeiten die Krise verlängerten.

Diese Abwesenheit Frankreichs im ernstesten Augenblick seit Beendigung der Feindseligkeiten darf nicht ohne den Protest aller Bürger hingenommen werden, die die Sorge um die Größe der Nation und den Bestand der republikanischen Einrichtungen bewegt.

Eine Krise ist in Zeiten der Ruhe eine Seite des parlamentarischen Lebens und ohne größere Bedeutung. Wenn aber die Krise sich in einer außergewöhnlichen Lage einstellt, dann richtet sich ganz deutlich alles, was ihre Verlängerung will, gegen die Interessen und die Sicherheit des Landes. Das haben wir eben erlebt.

Man kann an eine Ausweitung dessen, wag man heute den koreanischen Krieg nennt, glauben oder nicht glauben. Aber wenn an irgendeinem Krisenpunkte der Welt ein Fehler gemacht wird, so könnte daraus die Tragödie erwachsen; unvermutet könnte sie plötzlich als Folge eines politischen Irrtums eintreten.

Schnelles Handeln wäre dann der letzte Versuch, den Weltfrieden zu retten. Während dieser drei Wochen aber wären wir dazu völlig außerstande gewesen. Der Beweis dafür zeigt sich darin, daß England in dieser Zeit Verhandlungen einleiten konnte, mit denen bei uns — da wir keine Regierung hatten — niemand sich hätte entscheidend befassen können.“

Kominform in Berlin?

Berlin, 19. Juli. (AP.) Zahlreiche führende Vertreter der Kommunistischen Parteien Europas und Chinas trafen am Mittwoch als Delegierte zum dritten Parteitag der SED in Berlin ein. Die Tatsache, daß sich unter ihnen Männer wie M. R. Suslow, Sowjetunion, Palmiro Togliatti, Italien, Jaques Duclos, Frankreich, Ministerpräsident Josef Cyrankiewicz und Politbüro-Mitglied Jakub Berman, Polen, Bedrich Geminder, Tschechoslowakei, und Joseph Revai, Ungarn, befinden, die im kommunistischen Informationsbüro eine Rolle spielen, gab in politischen Kreisen Anlaß zu der Vermutung, daß sie tatsächlich zu einer Kominform-Konferenz nach Berlin gekommen sind.

Die Himalaya-Cxrpedition

Fünf Mitglieder sind wieder in Paris

Paris, 19. Juli. (AP.) Fünf Mitglieder einer französischen Himalaya-Expedition sind wieder in Paris eingetroffen. Die Expedition hat die Erstbesteigung des 8078 Meter hohen Anapuma in der Everestgruppe erzwungen und dürfte damit den höchsten von Menschen betretenen Punkt der Erde erreicht haben.

Mitglieder der Expedition haben berichtet, daß das Unternehmen wegen der großen Kälte auf den Gletschern fast abgebrochen werden mußte. Der 41jährige Leiter, Maurice Herzog, mußte in Paris aus dem Flugzeug getragen werden; ihm waren alle Finger und Zehen amputiert worden. Auch die anderen Mitglieder der Expedition haben zum größten Teil erfrorene Zehen und sind körperlich völlig erschöpft. Drei Teilnehmer der Expedition befinden sich noch in Indien.

Herzog erklärte, daß der Versuch, den einige hundert Meter höheren Dhaulagiri zu besteigen, wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten aufgegeben werden mußte. Besonders der Abstieg sei der erschöpften Expedition sehr schwer gefallen. Die kranken Mitglieder mußten von den Gesunden wochenlang auf dem Rücken getragen werden. Die Expedition war mit modernsten Geräten ausgerüstet, die sich gut bewährt haben sollen.

Kinder werden gesucht

St. Stuttgart, 19. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Bei einer polizeilichen Großfahndung in Südwestdeutschland ist keine Spur von den gesuchten drei Stuttgarter Kindern gefunden worden. Die Suche nach den vermißten Kindern, deren Zahl sich inzwischen auf zehn erhöht hat, soll fortgesetzt werden. Im Verlauf der Fahndungsmaßnahmen konnte, wie zu erwarten war, eine Reihe polizeilich bekannter Verbrecher und Landstreicher festgenommen werden.

Kurz vor Redaktionsschluß ist gemeldet worden, daß vier der vermißten Kinder gefunden worden sind: Ein vierzehnjähriges Mädchen wurde in einem Flüchtlingslager bei Ulm gefunden, ein elfjähriger Junge aus Reutlingen am Bodensee, im Mannheimer Hafenviertel wurde ein fünfzehnjähriger Junge aus Weinheim auf gestöbert und ein Fünfzehnjähriger Stuttgarter in einem Fürsorgeheim bei Freiburg, wo er sich unter falschem Namen aufhielt.

Inzwischen hat die Aschaffenburger Polizei das Verschwinden zweier weiterer Kinder im Alter von zehn und dreizehn Jahren gemeldet.

Zwei Dampfer stießen zulsammen

Santos (Brasilien), 19. Juli. (AP.) Der 2a 676 Bruttoregistertonnen große britische Damper „Andes“ ist im Hafen von Santos mit einem anderen Schiff zusammengestoßen. Beide Schiffe erlitten Beschädigungen. Verluste an Menschenleben sind nicht entstanden, niemand ist verletzt worden. wxmhzi

Die Sozialisierung

Der kritische Punkt der hessischen Verfassung

der hessischen*^erfassunr'ui <iE,gAner Bericht) Einer der umstrittensten Punkte Er lautet- Mit Tnkmftt der Artikel 41, der sich mit der Sozialisierung befaßt, die Betriebe der '“"«'f“ ElSen‘ s'ahl"ze «u"'bundene Verkehrswesen." ‘ dds an Schlenen »der Oberleitungen ge-

Rechtliche, finanzielle und verfassungsmäßige Bedenken sind dagegen geltend gemacht worden. Es ist übrigens für die Ueberführung in Gemeineigentum nicht viel übrig geblieben; denn aus den genannten Betrieben sind die wichtigsten dadurch hefausgenommen worden, da nach den alliierten Gesetzen Nr. 52 und Nr. 75 der Kohlen-, Kali- und Erzbergbau und die Betriebe der Eisen- und Stahlerzeugung treuhänderisch verwaltet werden. Die Betriebe der Energiewirtschaft und des Verkehrswesens sollen statt sozialisiert kommunalisiert werden. So bleiben eigentlich von den insgesamt 137 hessischen, in Betracht kommenden Betrieben nur zehn übrig, über die das System der sogenannten Sozialgemeinschaften angewandt werden soll.

Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Landtages hatte am 9. Februar d. Js. nach der ersten Lesung des Gesetzes über Sozialgemeinschaften die Regierung gebeten, zu seinen Abänderungsvorschlägen Stellung zu nehmen. Eine solche lag bei der heutigen Sitzung dieses Ausschusses noch nicht vor. Der Vorsitzende des Ausschusses, der sozialdemokratische Abgeordnete Heinrich Fischer, beriet gleichwohl den Gesetzentwurf, der 155 Paragraphen umfaßt, bis zum Paragraphen 133, so daß mit der Durchberatung in der nächsten Sitzung am Dienstag gerechnet werden kann. Der Gesetzentwurf gelangt dann zur zweiten Lesung an den Landtag.

Wie Fischer dem Korrespondenten der „Allgemeinen Zeitung“ erklärte, wurde mit den Stimmen der Kommunisten und der Sozialdemokraten vorgeschlagen, an Stelle der im Entwurf vorgesehenen Wirtschaftsgerichtsbarkeit der Sozialgemeinschaften bei internen Fragen eine Schiedsgerichtbarkeit vorzuschlagen, im übrigen aber die Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte festzulegen. Klein- und Kleinstbetriebe sollen von der Sozialisierung ausgeschlossen sein. Die Vertreter der Christlich-Demokratischen Union und Freien Demokraten haben, nachdem sie wiederholt Anträge auf Vertagung gestellt hatten und dieselben abgelehnt worden waren, aus sachlichen und geschäftsmäßigen Ueberlegungen auf die weitere Mitarbeit verzichtet. Sie wohnten der Verhandlung nur informatorisch bei.

Der Landkreis Bergstraße

Die größte Kommunalverwaltung Westdeutschlands

Wr. Für die Zwecke der staatlichen und kommunalen Verwaltung ist dieser südlichste Teil des Hessenlandes als „Landkreis Bergstraße“ konstituiert. Er besteht praktisch aus drei Teilen: den beiden ehemaligen Kreisen Bensheim und Heppenheim, zu denen die Kontrollrats-Mächte 1945 auch den rechtsrheinischen Teil des Landkreises Worms geschlagen haben, ohne dabei zu berücksichtigen, welch ein Mammut-Gebilde dadurch zustande kam.

Geographisch liegt der Kreis mit seinem ■westlichen Teil in der Oberrheinischen Tiefebene, mit seinem Ostteil im Vorderen Odenwald. Es sind die ehemaligen Flußläufe des Rheins und Neckars, die das Geheimnis der ungewöhnlichen Fruchtbarkeit dieser Landschaft in sich bergen.

Infolge der Proklamation Nummer 2 der amerikanischen Militärregierung vom 19. September 1945, durch die die zehn rechtsrheinischen Gemeinden des Landkreises Worms zum Kreise Bergstraße geschlagen wurden, umfaßt der Verwaltungsbezirk zur Zeit 106, demnächst 107 Gemeinden mit rund 180 000 Einwohnern.

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So sehr auch das „Hessische Statistische Landesamt“ sich auf der vollen Höhe seiner Aufgaben befindet: seine Aufzeichnungen und Tabellen werden durch den Wirbel der Ereignisse fortgesetzt überholt. Die Volkszählung von 1946 ermittelte gegen 33 000 Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene. So gewichtig und belastend diese Zahl ist: in Wirklichkeit hat die Kreisverwaltung für eine weit höhere Anzahl von Unglücksopfern der Hitlerzeit zu sorgen. Für die Wiesbadener Regierung war es meist eine Herzenserleichterung, daß ein „Landkreis Bergstraße“ vorhanden ist. Wußte man sich dort, angesichts des Andrangs von Flüchtlingen, nicht mehr zu helfen: In diesen Kreis konnte man — so war und ist die Auffassung — immer noch einige Tausende hineinpumpen.

Cinzelheiten

Die hundertsechs Gemeinden des Kreises sind zu guten neun Zehnteln kleinere Ortschaften. Fünfunddreißig Ortsgemeinden sind ohne eigene Bürgermeistereien. In religiöser Hinsicht: Der Anteil der evangelischen Bevölkerung bemißt sich auf 39,8 Prozent (früher 41,3), der katholischen auf 57,9 (früher 56,4). Die geringe Verschiebung ist eine Folge der Zuwanderung. Geändert hat sich dadurch nichts.

Die Christlich-Demokratische Union hat das Uebergewicht. Nach den Wahlen von 1948, die allerdings Gemeindewahlen waren, erhielt die Sozialdemokratie 34,7 vom Hundert der Stimmen, die Christlich-Demokratische Union 44,5, die Liberale Partei 11,3. Die Kommunisten rangieren unter „Ferner liefen...“

Unter den 106 Gemeinden sind einige 40, bei denen man von einer gewissen Verschuldung sprechen könnte. Sie ist aber nicht namhaft. Alle anderen sind unverschuldet. Damit jedoch kein Landrat der Bundesrepublik den Herrn und Gebieter des Landkreises Bergstraße, Landrat Dengler, beneidet, ist zu berücksichtigen, daß diese Kreisbehörde über fünftausend Kilometer Kreisstraßen zu verwalten und zu unterhalten hat. Unter den heutigen Geldverhältnissen. Dabei kommt noch ein ganzes Bündel von anderen „Verhältnissen“ in Betracht: Es ist Verkehrserfordernissen zu genügen, die ungewöhnlich sind, durch die aber die Kreisstraßen Tag und Nacht in ungestümer Weise in Mitleidenschaft gezogen werden.

Grenmziand-Kanflikte

Es ist leicht, nach Heppenheim hineinzugehen. Schwer, wieder hinaus zu gehen. Man nimmt eine Fülle von beglückenden Eindrücken mit.

Aber alle diese zu herzerquickender Fröhlichkeit stimmende Anmut der Landschaft kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es hier äußerst ernste Probleme gibt. „Der Landkreis Bergstraße“, erklärt uns Landrat Dengler mit allem Ernst des verantwortlichen Verwaltungs-Präfekten, „hat innerhalb über viertausend Pendel-Wanderer, und an seiner Südgrenze über vierzehntaüsend.“

Das ist, wenn auch nicht „das Problem“ der Kreisverwaltung, aber es ist eines ihrer gewichtigsten Probleme.

Die Grenze nach dem Badischen hin — wer weiß das eigentlich, wie wirr und abenteuerlich sie verläuft? Aber für den Landkreis Bergstraße und seine Verwaltung geht es nicht um diesen bloßen Schönheitsfehler auf der Landkarte.

Für den Landkreis Bergstraße handelt es sich in erster Linie um die Tatsache, daß — sagten wir das nicht schon? — vierzehntausend Menschen Tag für Tag über die Landesgrenze gehen: zumeist nach Mannheim, teilweise nach Heidelberg, nach Weinheim — irgendwohin.

Es handelt sich für diesen südlichsten Grenzkreis des Hessenlandes sodann um die Tatache, daß die lieben Nachbarn, drüben im Badischen, das natürlich ebenso gut wissen.

Es ist aber nicht lediglich die Arbeitskraft und der Lohnverdienst, der nach dem Badischen hinströmt. Im ganzen Südteil des Landkreises Bergstraße gehen beispielsweise die weitaus meisten Aufträge und Bestellungen von Personen- und Lastautos nach drüben, obwohl diesseits, im Hessischen leistungsfähige Lieferfirmen, die ihre Umsatz- und Gewerbesteuern nach Bensheim, Michelstadt und Fürth i. Odw. bezahlen würden (in Heppenheim ist komischerweise kein Finanzamt) in Hülle und Fülle vorhanden sind.

Landrat Dengler hat vielleicht kaum je in seiner Amtszeit seinen Kreiseingesessenen dermaßen aus dem untersten Herzen gesprochen, wie kürzlich, als er die „ Grenzland-Frage“ in die Hand nahm und gegen Baden hin, mit viel Freundlichkeit und netter Courtoisie, erklärte: „Die Grenze — die ist so — siebleibtso — ein Rütteln an ihr gibt es nicht! Sonst, im Uebrigen: alle gute Nachbarschaft!“

Der Landkreis Bergstraße ist in vieler Hinsicht eine Merkwürdigkeit. Nicht nur für den handwerksmäßigen Kommunalpolitiker. Man wird sich noch öfters mit ihm beschäftigen müssen.

Landtag einberufen

H. G. R. Wiesbaden, 19. Juli (Eigener Bericht). Landtagspräsident Witte hat den Hessischen Landtag zu einer außerordentlichen Sondersitzung am 26. Juli einberufen. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung des neuen Wahlgesetzes.

Hessischer Rundfunk

kauft Akademie und Kongreßhalle

Wiesbaden, 19. Juli. Die Verhandlungen zwischen der Hessischen Staatsregierung und dem Hessischen Rundfunk über den Ankauf der Pädagogischen Akademie und der Kongreßhalle in Frankfurt a. M. durch den Hessischen Rundfunk wurden zum Abschluß gebracht und der Kaufvertrag vom Minister für Finanzen, Dr. Hilpert, und dem Intendanten des Hessischen Rundfunks, Beckmann, unterzeichnet.

Kassels Anspruch

auf das Bundesarbeits- und Sozialgericht

Kassel, 19. Juli, (dpa) Der Auffassung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, daß die Verlegung des Höchsten Arbeits- und Sozialgerichts nach Kassel auf keinen Fall gebilligt werden kann, weil Kassel keine Universität habe, müsse entschieden widersprochen werden, erklärte Oberbürgermeister Willi Seidel. Ein wichtiges Argument sei, daß der Bund sich ernsthaft Gedanken machen müsse, was mit dem in Kassel fast nicht mehr ausgenutzten größten bundeseigenen Bürogebäude geschehen solle. In' Kassel selbst gebe es soviel gute Fachbibliotheken — abgesehen davon, daß die Universitäten Marburg und Göttingen so nahe liegen —, daß das vom Deutschen Gewerkschaftsbund angeführte Argument nicht stichhaltig sein könne. Die Wohnungsfrage für die Bundesbehörden sei ebenfalls geklärt.

Hessische Kurznachrichten

Das Sekretariat des kommunistischen Landesvorstandes in Hessen hat mitgeteilt, daß der Bürgermeister der Gemeinde Dörnigheim im Kreis Hanau, Alwin Lapp, aus der Partei ausgeschlossen worden sei. Er habe gegen die Moral der Arbeiterklasse verstoßen. Lapp wurde aufgefordert, von seinen Aemtern als Bürgermeister und Kreistagsmitglied zurückzutreten.

Von dem in Furth im Walde eingetroffenen 15. Transport mit insgesamt 561 Umsiedlern aus der Tschechoslowakei wird Hessen insgesamt 94 aufnehmen. 28 dieser Umsiedler waren fünf Jahre lang interniert oder in Haft.

Acheson lehnt Nehrus Vorschlag ab

Amerikas Antwort auf den ersten Vermittlungsvorschlag

Washington, 19. Juli, (dpa) Die Vereinigten Staaten haben am Dienstag den Vorschlag des indischen Ministerpräsidenten Nehru abgelehnt, den Korea-Konflikt durch die Aufnahme der kommunistischen Volksrepublik in die Vereinten Nationen beizulegen. Außenminister Acheson teilte dem indischen Ministerpräsidenten auf dessen Botschaft vom 13. Juli in einer höflich gehaltenen, am Mittwoch veröffentlichten Note mit, daß die Zulassung der Vertreter Pekings zu den Vereinten Nationen von diesen geregelt werden müsse, jedoch nicht durch eine ungesetzliche Angriffshandlung oder irgendein anderes Verhalten diktiert werden dürfe, das die Vereinten Nationen einem Zwang und einem Druck unterwerfe. Acheson macht die Sowjetunion, ohne sie ausdrücklich zu erwähnen, für die Fortdauer der Kämpfe in Korea verantwortlich.

Die Waffenhilfe gebilligt

Washington, 19. Juli. (AP.) Das amerikanische Repräsentantenhaus hat am Mittwoch die Ermächtigungsvorlage für das zweite Jahr des Waffenhilfeprogrammes in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar gebilligt. Die Vorlage geht nunmehr in das Weiße Haus zur Unterzeichnung durch den Präsidenten und erlangt damit Gesetzeskraft.

Die Entscheidung des Hauses fiel kurz nach der Bekanntgabe der Botschaft des Präsidenten Truman an den Kongreß.

Zwölf Jahre Zuchthaus für Schulz

Er verzichtet auf eine Revision

Drahtbericht unseres Korrespondenten

W. S. Offenburg, 19. Juli. Im Schwurgerichtsprozeß gegen den zweiten Erzberger-Mörder Heinrich Schulz ist am Mittwochabend das Urteil ausgesprochen worden. Danach erhielt Schulz zwölf Jahre Zuchthaus wegen vorsätzlicher Tötung des ehemaligen Reichsfinanzministers Erzberger, während die versuchte vorsätzliche Tötung im Falle des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Diez unter die Amnestie fällt.

In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende Dr. Pfeifer, der Tatbestand des Mordes sei nicht gegeben, weil der Täter nicht heimtückisch oder aus niedrigen Beweggründen gehandelt, sondern sein Opfer frontal angesprungen habe. Zur Frage der Anwendung des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 (Verbrechen gegen die Menschlichkeit) wurde erklärt, es sei nicht richtig, wenn dieses Gesetz nur auf Handlungen und Taten der Nationalsozialisten angewandt würde, weil es sich hierbei nicht um ausgesprochenes Reichsgesetz handele, sondern um Gesetz gewordenes Völkerrecht.

Zur Verjährung des Attentats auf Erzberger, das am 26. August 1921 verübt worden war, wurde festgestellt, daß neben einigen richterlichen Unterbrechungen auch hier ein Kontrollratsgesetz die Verjährung in der Zeit von 1933 bis 1947 habe ruhen lassen. Auch die verschiedenen Amnestien, zumal die vom 31. März 1933, seien entweder durch Kontrollratsgesetz außer Kraft gesetzt oder nicht anwendbar, weil ein Menschen-

leben vernichtet worden sei. Das Strafmaß sei in dieser Höhe notwendig gewesen, um eine allgemeine Abschreckung zu erreichen und in Zukunft politische Gewaltanwendungen von rechts und links zu verhindern.

Im Anschluß an die Urteilsverkündung gab der Verteidiger im Namen des Angeklagten eine Erklärung ab, nach der er auf alle Rechtsmittel wie zum Beispiel eine Revision verzichte und um Unterstützung eines Gnadengesuches zu geeigneter Zeit bat. Schulz ließ dem Gericht und besonders dem Vorsitzenden für seine „objektive Verhandlungsführung“ danken.

Fünfzehn Todesurteile

Der Köpenicker Blutwoche-Prozeß

Berlin, 19. Juli. (AP.) Die vierte Große Strafkammer des Landgerichts in Ostberlin hat im sogenannten „Köpenicker Blutwoche-Prozeß“ fünfzehn Angeklagte zum Tode und dreizehn zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. 56 weitere Personen erhielten Freiheitsstrafen von fünf bis fünfundzwanzig Jahren. Gegen vierundzwanzig dieser Angeklagten wurde in Abwesenheit verhandelt.

Gegenstand des Prozesses waren Greueltaten der SA im Jahre 1933 in dem Berliner Vorort Köpenick. Damals waren zahlreiche Bürger von uniformierten SA-Leuten schwer mißhandelt worden.

Bewölkt, aber warm

Eigener Wetterbericht

Um ein mit seinem Schwerpunkt über Westeuropa liegendes Hoch wandern atlantische Störungen über die Britischen Inseln und die Nordsee nach Norddeutschland. Bei uns verändert sich dadurch mehrfach das Wolkenfeld. Zu wesentlichen Niederschlägen kommt es jedoch vorerst nicht.

Aussichten: Wechselnd bewölkt, überwiegend trocken, warm. Zum Wochenende aufkommende Gewitterneigung.

Der Rundfunk am Donnerstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk: 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Hausfrauenkonzert; 17.00 Unterhaltungskonzert; 18.00 Es singt Vera de Luca; 18.30 Leichte Unterhaltungsmusik; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Unterhaltungsmusik von heute; 21.45 Passiert — glossiert; 22.15 Kompositionen von Max Reger und Max Seeboth; 23.10 Tanzmusik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.00 Schulfunk; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.05 Klassische Hausmusik; 18 00 Unterhaltungsmusik; 20.00 Die Leute von nebenan; 20.30 Eins nach dem andern; 22.00 „I too sing America“; 23.00 Melodien aus amerikanischen Operetten.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 „Hallo München“; 15.30 Nachwuchs stellt sich vor; 16.15 Nachtnittagskonzert; 17.15 SWF-Unterhaltungsorchester; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 „Hab' oft im Kreise der Lieben“; 22.30 Die großen Meister; 23.30 Für Kenner und Liebhaber

NWDR.: 12 00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Mittagskonzert; 14.15 Das Kurt-Kiermeir-Sextett; 15.00 Solisten spielen Unterhaltungsmusik; 15.40 Das Hamburger Radio-Tango-Orchester; 16.50 Ballade g-moll, op. 24 von Edvard Grieg; 17.15 Lieder von Jean Sibelius; 18.00 Zwischen sechs und sieben; 20.00 Die hängenden Gärten der Semiramis; 22.15 Kabarett; 0.05 Berlin am Mikrofon.

Der Weise von Darmstadt

HERMANN GRAF KEYSERLING ZUM GEDÄCHTNIS

Der heutige 20. Juli gibt Veranlassung, einer Darmstädter Persönlichkeit zu gedenken, die an diesem Tage das 70. Lebensjahr vollendet hätte, wenn nicht vier Jahre vorher, am 26. April 1946, der Tod dem bis zum letzten Augenblick unermüdlich Schaffenden buchstäblich die Feder aus der Hand genommen hätte.

Als Großherzog Emst Ludwig im Jahre 1920 dem durch die russische Revolution heimatlos gewordenen Philosophen die Seßhaftmachutng in Darmstadt ermöglichte und ihn in die Lage versetzte, hier „ re Schule der Weisheit“ zu gründen, war Grat Keyserling kein Unbekannter mehr. Außer anderen philosophischen Werken hatte er „Das Reisetagebuch eines Philosophen veröffentlicht, das ihn mit einem Schlage m der ganzen Welt berühmt machte und ihmi Begeisterte Beurteilungen eintrug. Das Bucn wurde in eine Reihe mit Dantes „Gottucn Komödie“ und Goethes „Faust“ gestellt und sein Schöpfer als einer der Großen und B gnadeten dieser Erde gepriesen. Die so™s so kühle „Times“ nennt Keyserlmo den „Buddha unter den Philosophen , un Frankreich wird er als der „Prop e neuentstehenden Welt“ bezeichnet.

Im Reisetagebuch erschließt uns ganz neue Lebensbereiche, die eine Ahnu g geben von der ungeheuren Fülle des grundes, aus dem er durch die Kraft seine Intuitionsgabe und Wesensschau einen. ganzen Kosmos von Gestaltungen elner läßt, handle es sich um so^hf t Persönlichkeiten oder ganzer Kulturen,_sam deren religiösen, ethischen Niederschlägen. Da er eine un„- . same Seele besitzt, die sich den verleibt und von innen her, aus erweist heraus kündet, was sie erle ’ h er sich als echter Sinnes-Philosoph d^h.^er baut einen Kosmos des Sinn . pr’vr<j,e als verschiedenen Sinngestaltungen

Ausstrahlung eines göttlichen Sinneszentrums versteht.

Seine Philosophie der Sinneserfassung geht unmittelbar auf Kant zurück, denn dieser hat nach Keyserlings eigenen Worten die Frage nach dem Sinn aller Tatsachen als die eigentlich philosophische begriffen, und somit ist jeder, der vom Sinn aus weiterfragt, Kants Nachfahr. Weil es bei Kant nur auf den Sinn ankommt, kann auch der sich zu ihm bekennen, der seinen Buchstaben verwirft. Nicht der Kantianer oder Neukantianer ist Kants wahrer Schüler, der zu seinem Buchstaben als zu einem Dogma schwört, sondern einzig jener, der von ihm lernt, wie man von allen Buchstaben fort zum Sinn gelangen kann. Denn der Buchstabe ist vergänglich, der Sinn aber ewig. Darum ist Kant als Denker wie kein zweiter unsterblich und völlig unabhängig von seiner historischen Verkörperung.

In seinem philosophischen Werk hat Keyserling also den Sinn-Begriff zur Generalbezedchnung für allen geistig faßbaren Ursprung gewählt. Das „Buch vom Ursprung“, das er uns als Vermächtnis hinterlassen hat und das der Dichter Hans Carossa als „herrlichen Schlußstein des großen Gewölbes“ bezeichnet, gibt uns Aufschluß über das Problem jenes Ursprünglichen, in welchem Anfang und Ende zusammenfallen. Es ist aus der Zeit in die Zeitlosigkeit herausgehoben und birgt Schätze in sich, die von vielen Generationen gehoben werden müssen, um als unvergängliches Geistesgut in der Menschheit weiterzuleben und diese zu immerwährendem Streben nach Geist-VerwirkMchung, nach Vollendung anzuregen. Denn Keyserling war, wie alle großen Urheber der Geistesgeschichte, Anreger, Beweger und Zielsetzer. Ihm war das Zeugen in den Seelen im Sinne Platos Drang und Berufung. Ihm kommt es auf klares Erkennen, strengste Wahrhaftigkeit, freudige Beherrschung durch den Geist, auf innere Wachstums- und Wandlungsfähigkeit an. Die wichtigste Aufgabe der Menschheit in dieser Wendezeit liegt seiner Auftastung nach darin, aus dem Zwischenreich zum Ursprung zurückzufinden und unmittelbar aus diesem heraus zu leben. Da das Denken zum mechanischen Teil des lebendigen Geschehens gehört, ist auch die reine Verstandeskultur, innerhalb der sich das Leben der modernen Völker in den letzten Jahrzehnten erschöpft hat, immer mehr zu einer Welt der Künstlichkeit geworden, in der alles lebendige geistige Leben zu ersticken droht. Immer neue Zwüschenredchsgestaltungen werden vom modernen Menschen auflgebaut, damit er sein bequemes Leben in seinem gewohnten Vorstellungsrahmen weiterführen kann. Darum muß die Trägheit, die Keyserling als „Sünde gegen den Geist“ bezeichnet, überwunden werden, die Künstlichkeiten und Zwischenreichsgestaltungen müssen also solche erkannt und durchschaut werden, und dieses einleuchtende Verstehen öffnet dann als begnadete Intuition das Tor zum Ursprung, zur Erkenntnis der Wahrheit, zum schöpferischen Sinn.

Für Keyserling bedeutet also „Sinn“ ein reines Symbol für das, was im Fall von Lebendigem real hinter der Erscheinung steht und von der Intuition wahrzunehmen ist. Das Mittel, durch welches schöpferischer Sinn unmittelbar ins Leben eingreift, ist das Wort. Die „Ur-Worte“ z. B. offenbaren einen so tiefen Sinn, daß durch das Aufleuchten dieses Sinns dem Menschen die metaphysische Wirklichkeit bewußt werden kann. Außer dem „Buch vom Ursprung“ liegt den Lesern ein weiteres Nachlaß werk Keyserlings vor: der erste Band der „Reise durch die Zeit“. In diesem Bekenntnisbuch setzt sich der Verfasser in Polarisation zu denjenigen Zeitgenossen, die ihm, solange sie noch lebten, etwas bedeutet haben, der Grundakzent ruht auf dem Persönlichen und Intimen. Mit ungeheurer Spannung verfolgen wir die Entwicklung seines geistigseelischen Erlebens und Reifens, und in Ergriffenheit wird es uns bewußt, daß das Leben dieses schöpferischen Geistes von tiefer Tragik umwittert ist. Aber auch denjenigen, die diesen großen Mann nicht persönlich gekannt haben, muß beim Lesen dieses Buches die Erkenntnis aufgehen, daß sein Leben und Werk eine untrennbare Einheit bilden. Unbestechlich hat er dem Geist die Treue gehalten, um seine Sendung zu erfüllen. Er ist den Weg des „Kreuzes- Menschen“ gegangen, dem innere Ergriffenheit und Wandlungsfähigkeit das Ziel seines Erlebens sind, der gewachsen ist von Ergriffenheit zu Ergriffenheit, von innerer Entscheidung zu innerer Entscheidung, von Opfer zu Opfer, von Wiedergeburt zu Wiedergeburt.

Wem aber das große Glück zuteil wurde, Keyserling als Redner zu erleben, wer die gewaltige Strahlkraft seines Wesens gespürt hat, dem ist das Phänomen des Geistesmenschen Hermann Keyserling als schöpferische Substanz unmittelbar bewußt geworden. Diese haben ihn als ein „magisches Sein von unheimlicher Strahlkraft“ empfunden und neigen sich in Ehrfurcht vor der Größe dieses Mannes, der der Welt einen so mächtigen geistigen Impuls gegeben hat.

Ella Hellmundt

Ein Jahr Selbstkontrolle

Aus Anlaß des einjährigen Bestehens der freiwilligen Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft wurden etwa sechzig Vertreter der deutschen Presse eingeladen, um zum ersten Male in den Film-Prüfvorgang Einblick zu gewinnen. Der kürzlich von der Selbstkontrolle überprüfte deutsche Film „Robert Koch“ wurde von Vertretern der Presse nochmals zensiert, mit dem Ergebnis, daß die Journalisten schärfer kürzten, als es die Selbstkontrolle getan hatte.

In einer Feierstunde im Biebricher Schloß teilte der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Podehl, mit, daß die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft in dem einen Jahre ihres Bestehens 1500 Filme geprüft habe. Bis zum 10. Juli haben 798 Spielfilme, 300 Kulturfilme, 252 Werbefilme, 64 Schmalfilme, 54 Werbevorspanne und 32 Kurzspielfilme die Selbstkontrolle passiert.

Der Generalsekretär der ständigen Kultusminister-Konferenz, Ministerialrat Dr. Keim, erklärte, daß die Kultusminiter in ihrem Vertrauen nicht enttäuscht worden seien und der freiwilligen Selbstkontrolle Dank und Anerkennung übermittelten. Die Selbstkontrolle sei der erste Versuch, auf dem Kulturgebiet eine wirkliche Selbstverwaltungsorganisation zu schaffen, die sich nicht hinter anonymer Bürokratie verschanze. Ein Sprecher des Bundesministeriums teilte mit, daß man sich in Bonn damit beschäftige, den Gedanken der Selbstkontrolle in das Presse- und das Rundfunkgesetz einzubauen. Der Ehrenpräsident der SPIO (Spitzenorganisation der Filmwirtschaft) und Kulturfilmproduzent Curt Oertel wurde während des Festakts als „Vater der Selbstkontrolle“ gefeiert. R.

Professor Dr. Karl Jaspers Basel, hält vom 18. bis 20. Jub an der Universität Heidelberg Gastvorlesungen über das Thema „Philosophie in unserer Zeit“.

Filme, die wir morgen sehen

In der Hafenbar „Zum blauen Affen“

PAVIAN WURDE FILMSTAR — MEISTERRINGER ALS SPELUNKENWIRT

Ueber Nacht gewissermaßen hatte sich im Wandsbek-Studio dies geographische Wunder vollzogen, die Kehrtwendung um etliche Grade auf dem Globus. Waren es gestern noch Palmen und Meereshorizont, die sonnige Landschaft der französischen Riviera, so leuchten die Scheinwerfer heute das Innere einer deftigen Hafenkneipe an der nordwestdeutschen Küste aus. Der Schauplatz des Neo-Films „Der Mann, der sich selber sucht“, ist für einen Teil der turbulent-spannenden Handlung auf Hamburg übergegangen. Welthafen, Großstadtstraßen und — die „Hafenbar zum blauen Affen“ bilden die Naturkulisse dieser Einstellungen.

Diese „Hafenbar“ steht im Wandsbeker Real-Film-Studio. Sie ist vielleicht bei oberflächlicher Betrachtung „Illusion“. Aber wo sollte man sie in Hamburgs Straßen, diesseits und jenseits der Reeperbahn echter finden? Es fehlt einfach nichts von dem, was vor der 43er Zerstörung das Fluidum einer solchen Matrosenkneipe ausmachte. Vom Indianer-Totem über den Elefantenbein-Aschbecher bis zum „Buddelschipp“ und Massaispeer ist alles da, sogar ein ausgewachsenes Krokodil hängt rauchgeschwärzt unter der Decke. Auch Hagenbeck, Hamburgs weltberühmter Tierpark, hat das seinige dazu getan. Aus seinem Affengehege kam: „Pavian Hannemann“. Wappentier der Hafenkneipe und origineller Neo-Filmstar mit Tagesgage von 50,- DM. Gelassen hockt er auf einem Baumast und nimmt mit Würde die Aufmerksamkeit seiner Bewunderer entgegen. Mit der linken Hand ergreift er dankend die goldgelbe Banane, die ihm Geza von Cziffra darreicht und mit der rechten setzt er eine Cocaflasche zum kühlen Trünke an. Er kennt keine sozialen Unterschiede, er ist gewissermaßen ein schauspielerisches Naturtalent. „Ja, so wenn die Komparserie wär“, seufzt Willy Winterstein an seiner Kamera, „so alert, wie der Hannemann, aber wann ma’ net aufpaßt, da gehn’s wie die ,Pompfuneberer‘.“ (Wiener Ausdruck für Leichenträger erster Klasse.)

Nun, von einem prunkvollen Leichenzug kann wohl kaum die Rede sein, denn gerade betritt diese Komparserie die Dekoration. Ein Massentufgebot von Salzwassermatrosen und leichten Mädchen. Man könnte meinen, daß die Filmbörse am Gerhart-Hauptmann-Platz einen Totalausverkauf zu verze-ichnen hatte. Matrosenbuscherumps und Kulanies dominieren neben wadenfreien Röckchen, abenteuerlichen Tätowierungen und „Sixpencemützen“, und das alles füllt die Dekoration mit einem farbigen Leben, Wie man es nur in einer echten Kneipe an der „Beach“ erleben kann. Ganz verloren eigentlich in dieser Salzwasserpracht, begeben sich die Stars an ihre Plätze im Hintergrund: Vera Molnar, quick und lebendig, wie es ihre Rolle als Viktoria Miller verlangt, Petra Trautmann, charmant, gut aussehend mit dem gewissen „haut goüt“, den ihre Rolle als Gehilfin des „Schmuckliebhabers“ d’Almonte (Karl Schönböck) vorschreibt, und Marius, der Mann, der sich selber sucht (Wolf Albach-Retty).

Aber Willy Wintersteins Kamera scheint ihnen zunächst noch nicht hauptsächliche Bedeutung zu schenken. Sie zielt vielmehr eindeutig auf den Kneipentresen, jener vortrefflich aufgebauten Hochburg eines Lamme Goedzack, mit Boulettenkäfig, blitzenden Bierkränen und funkelnder Flaschenbatterie. Hier zapft ein abenteuerlicher Mann, mit krausem Lockenbubikopf bis über den weißen „Halsquäder“, die kühlen Hellen. Zygumiloff, der böhmische Riese, Favorit aus der internationalen Ringerkonkurrenz, die allabendlich die Besucher des großen Zeltbaues zu Beifallsstürmen ob ihrer Kraftproduktionen hinreißt, ist mit sechs seiner starken Kollegen mit von der Partie. Fachgemäß zapft er die kühlen Biere und kippt die klaren Steinhäger in die Gläser.

Die Hupe ertönt. Rotlicht vor den Türen. Achtung Aufnahme! Die Kamera fährt ab. Sie erfaßt „Samba-Heini“ (Rudolph Platte), der hier einen Gang-80ß abgibt und ziemlich rigoros in seinem Reich regiert. Gelassen kippt er einen Zygumiloff „Klaren", verhilft einem „Kavalier“ zum Kopfstand und tanzt mit dessen „Braut“ in das Gewühl der beschwingten Komparserie hinein. Mit ihm schwenkt die Kamera, erfaßt dies handfeste, rhythmisch-abenteuerliche Tanzdurcheinander, über dem sich dichte, blaue Tabakswolken zu einer Aureole bukolischer Lebensfreude erheben. Die Seemanskapelle spielt sich „einen aus dem Hut“, daß der Deckenbehang wackelt, und alles ist so echt, daß man einfach mitmachen möchte.

Nur „Hannemann“, der Wappenpavian, hockt gelassen auf seinem Ast. Ungerührt von dieser Turbulenz betrachtet er die geleerte Coca-Flasche und wendet sich dann der zunächst verschmähten Banane zu. -ö-


DAS GEHEIMNIS VON MALAMPUR ist in einem Brief niedergeschrieben, den Leslie Grosby an dem Tag schrieb, als sie Jeff Hammond niederschoß, der sie besuchte, als ihr Gatte verreist war. Der Film spielt in Indien und wurde nach einem Roman von Somerset Maugham gedreht. Die Hauptrolle spielt die zweimal mit dem Akademiepreis ausgezeichnete Bette Davis. Im Belida.
DAS GEHEIMNIS VON MALAMPUR ist in einem Brief niedergeschrieben, den Leslie Grosby an dem Tag schrieb, als sie Jeff Hammond niederschoß, der sie besuchte, als ihr Gatte verreist war. Der Film spielt in Indien und wurde nach einem Roman von Somerset Maugham gedreht. Die Hauptrolle spielt die zweimal mit dem Akademiepreis ausgezeichnete Bette Davis. Im Belida.

HIER IRRTE DIE JUSTIZ nn diese beiden wollten — obwohl ausgewachsene Gauner — nichts anderes, als der ..ahrheit dienen. Eine Gruppe von Ganoven hat sich zusammengetan, um die Unschuld eines Mannes zu beweisen, der angeblich seine eigene Frau vergiftet haben soll. Daß es dabei nicht ohne dramatische Zwischenfälle abgeht, dafür sorgen die plötzlich ehrlich gewordenen „Typen". Im Palast.
HIER IRRTE DIE JUSTIZ nn diese beiden wollten — obwohl ausgewachsene Gauner — nichts anderes, als der ..ahrheit dienen. Eine Gruppe von Ganoven hat sich zusammengetan, um die Unschuld eines Mannes zu beweisen, der angeblich seine eigene Frau vergiftet haben soll. Daß es dabei nicht ohne dramatische Zwischenfälle abgeht, dafür sorgen die plötzlich ehrlich gewordenen „Typen". Im Palast.

Die lachende Leinwand

Raimu, den man nicht ganz zu Unrecht den französischen Jannings nannte, war für seine intensive Vorliebe für einen guten Tropfen bekannt. Das Unglück wollte, daß er einmal ahnungslos bei dem Wohltätigkeitsfest eines Frauenvereins als Ehrengast präsidieren mußte, der sich den Kampf gegen die Trunkenheit auf das Panier geschrieben hatte. „Können sie sich eine schlimmere Plage als den Alkohol vorstellen?“ wurde Raimu gefragt, als das Gespräch auf die zu bekämpfenden Laster kam. „Was schlimmer als der Alkohol ist?“ meinte Raimu, „das ist der Durst!“ Sprach's, ging in das nächste Bistro und beschloß, nie wieder zu einem Frauenverein zu gehen.

Errol Flynn wurde von einer besorgten Verehrerin gefragt, wie er denn geschlafen habe. Die Antwort lautete: „In gestreiften seidenen Pyjamas, in einem großen Bett, mit geschlossenen Augen.“

Für eine Kinderrolle in „Gabriela“ wurde eine ■ kleine, sechsjährige Heidelbergerin, Dagmar Glombig, verpflichtet. Die reizende junge Dame, die schon in zwei anderen Filmen mitwirkte, zeigte sich vor der ersten Aufnahme so selbstbewußt, daß Zarah Leander sich veranlaßt fühlte, ihre kleine Kollegin zu fragen: „Hast du eigentlich keine Angst, Dagmar?“ Klein Dagmar (im Brustton tiefster Ueberzeugung): „Angst? Keine Spur! Bist du denn bange?“ Zarah Leander (ebenso überzeugt): „Nein, keine Spur!“ Dagmar; „Brauchste auch nicht zu sein. Filmen ist nicht schlimm. Ich kenne das!“

Nach einem Boxkampf, dem ten Hoff als Zuschauer beiwohnte, ließ sich ein kleiner Steppke von dem bekannten Sportler gleich drei Autogramme auf verschiedenen Zetteln geben. Als ten Hoff ihn fragte, ob denn nicht ein Autogramm genüge, meinte der Kleine pfiffig: „Nee, drei muß ich haben! Denn ich krieg von meinem großen Bruder zwei von Hans Albers, und die beiden tausche ich bei meinem Freund Heini gegen eins von die Leander.“

geht um. Menschen werden ermordert, Züge entgleisen, Banken sind ausgeraubt. Üeberall ist der Unsichtbare und terrorisiert das Land. Der alte Wunschtraum der Menschheit, sich unsichtbar machen zu können, ging hier in Erfüllung. Aber dieser Film zeigt auch die große Gefahr, die eine solche Macht der Unsichtbarmachung mit sich bringen kann, wenn sie in verbrecherische Hände gegeben ist. Im Hansa.


DER UNSICHTBARE
DER UNSICHTBARE

Männerbeine gefragt

Oft ist es so, daß Schauspielerinnen und Statistinnen ihre Beine zur Begutachtung vorzeigen müssen. Kürzlich trat nun aber in Hollywood der Kuriose Fall ein, daß auch die Beine von Männern fachmännisch bewundert wurden. Man brauchte nämlich als Darsteller für Musketiere m dem MGM-Farbfilm „Die drei Musketiere“, der im Herbst auch in Deutschland zu sehen sein wird, Schauspieler mit besonders kräftigen und gut gebauten Waden. So mußten die Herren der Schöpfung ihre Hosen hochkrempeln und der Regisseur George Sidney traf dann die Auswahl. Es muß ein komischer Anblick gewesen sein — glücklicherweise brauchte er nur 28 gute Wadenpaare. Schlimmer wäre es gewesen, wenn er, wie in dem Revuefilm „Der große Ziegfield“ 600 Beine zu prüfen gehabt hätte. Diese 600 Beine waren allerdings weiblich — und das soll ja immerhin interessanter sein.

Nachahmung nicht empfehlenswert

Um in dem Film „Die Liebesabenteuer des Don Juan“ möglichst getreu die Atmosphäre des Jahres 1620 wiederzugeben, wurden von einer amerikanischen Filmgesellschaft umfangreiche Forschungen angestellt. Dabei stellte es sich heraus, daß die Königin von Spanien damals auch verschiedene Schönheitsmittel benutzte, wie heute ihre „Nachfolgerin“ Viveca Lindfors. Doch wird Viveca wohl kaum die Neigung verspüren, sich der königlichen Schönheitspräparate von einst zu bedienen. Die Königin Margarete nämlich, die in dem Film Don Juan bezaubert, malte sich mit Kohlen dunkle Ringe unter die Augen, ihr Rouge bestand — je nach der Jahreszeit — aus zerquetschten Johannisbeeren oder Beetensaft und ihre Gesichtscreme war aus Rindertalg gemacht.

Bing Crosby kann nicht nur singen, sondern hat jetzt auch ein neues Haarwasser erfunden — wahrscheinlich veranlaßt durch seine eigene Kahlköpfigkeit. Anscheinend genügt es ihm nicht mehr, der höchstbezahlte Schauspieler Hollywoods zu sein und die meisten Schallplatten besungen zu haben.

Auf in den Kampf, Torero!

TYRONE POWER — HELD WIDER WILLEN

Tyrone Power, der Mann, der im allgemeinen seine schnöden Widersacher in Viererreihen säuberlich auf die Spitze seines Degens spießt, der mit Hilfe eines zürnenden Blitzes seiner Augen die Stadt vom Tyrannen befreit und solchermaßen seinen Mitmenschen den Glauben an den Sieg der guten Sache wenigstens zwei Kinostunden lang rettet, besteht derlei Gefahren teils mit Hilfe seiner robusten Konstitution und eines sorgfältigen langjährigen Trainings, teils unter Assistenz eines Mannes, der berufsmäßig in der gerade fälligen Gefahrenbranche zu tun hat — eines Doubles.

Das heißt bei weitem nicht, daß die Arbeit dieses Doubles den Vielgeliebten Filmhelden abseits aller Gefahrenquellen und Unannehmlichkeiten rückt. Was nicht nur einmal bewiesen wurde.

Daß Tyrone Power in der Rolle eines Matadors in dem Cent-Fox-Film „König der Tqreros“ zeitweilig vertreten werden mußte durch einen echten „König der Toreros“, lag von vornherein fest, da der Film vom Leben eines der wenigen ganz großen Stierkämpfer zum erstenmal ungekürzte Spiele in den Arenen Mexikos in ihrer grandiosen Prachtentfaltung auf den Tribünen und dem grausam anmutigen Schauspiel mit dem Tode in der Arena zeigen sollte. Daß Mr. Power sich dennoch einen echten Matadorenkranz verdiente, stand indes nicht im Drehbuch und ist desto rühmenswerter.

Die Stierkampfszenen wurden, wie gesagt, während der Spitzenkämpfe m Mexiko gedreht. Tyrone hatte nach Beendigung der Kämpfe im wundervoll gestickten Torerokostüm mitten in der Arena zu stehen, und, den Lorbeerkranz in der hoch erhobenen Rechten, den Beifallssturm der tobenden Zuschauer entgegenzunehmen, die an dieser ungewohnten Fortsetzung der Kämpfe als willkommene Statisten lebhaften Anteil nahmen. Tyrone also stand, lächelte sieghaft, die Kamera surrte, die Menge brüllte. Plötzlich sah er die Augen seiner Partnerin Rita Hayworth, die laut Manuskript in verführerischer Halbgeschlossenheit auf ihm zu ruhen hatten, starr und weit werden. Ihr Mund öffnete sich, aber ihr Schrei ging unter in dem von tausend anderen Kehlen. Power war über den unprogrammgemäßen Verlauf der Handlung erstaunt und drehte sich um. Im nächsten Augenblick schon stand an seiner Stelle ein Prachtexemplar eines mexikanischen Stieres, schnaubend, im Kreise stampfend, Mr. Powers Lorbeerkranz auf den Hörnern, der ihm jede weitere Disposition unmöglich machte, da er ihm weit über die Augen hing. Schreiende Picadores stießen ihn nach Sekunden wilder Aufregung zurück in seine Zelle.

Der Beifallssturm, der jetzt durch die Arena brauste, ließ den Regisseur, Rouben Mamoulian, seinen Kameramann anfauchen, sofort an die Kurbel zurückzukehren, die dieser beim Auftauchen des lorbeerbekränzten Stieres im Bild fluchtartig verlassen hatte.

Tyrones vollendete Wendung vor dem entwichenen wütenden Tier, dem seh prachtvoller roter Hosenboden ein willkommenes Ziel war, riß die rasch entflammten Mexikaner zur äußersten Begeisterung hin.

Mr. Mamoulian auch. „Es war mein bester Regieeinfall“, strahlte er hinterher, die kalten Schweißperlen der Angst noch auf der Stirn.

Die internationalen Film festspiele in Karlsbad wurden in Anwesenheit von Mitgliedern des tschechoslowakischen Kabinetts und Vertretern der ausländischen diplomatischen Vertreter eröffnet. Delegationen aus der Deutschen Demokratischen Republik, der Sowjetunion, Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Volksrepublik China, Nordkorea, Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, der Schweiz, Finland, Holland, Dänemark, Schweden, Belgien, Israel, Oesterreich und Mexiko waren erschienen.

„Rendezvous in Paris“ heißt ein Film, der zur Zeit unter der Regie von Renö Clement im Atelier von Billancourt in französischer und italienischer Fassung entsteht. Hauptdarsteller sind Michdle Morgan und Jean Marais.


IM TEMPEL DER VENUS findet eine reichlich verwickelte Angelegenheit ihren glücklichen Schluß. Unt”r südlichem Himmel treffen sich Willy Birgel, Olga Tschechowa, Olly Holzmann, Friedrich Domin, Erika von Theilmann und Hubert von Meyerinck in einem Lustspiel nach dem Motto: Wer liebt hier wen? Es geht ziemlich kunterbunt durcheinander, ein bißchen Eifersucht, ein bißchen (viel) Flirt, ein wenig aus „1001 Nacht“ und viel Humor. Im Union.
IM TEMPEL DER VENUS findet eine reichlich verwickelte Angelegenheit ihren glücklichen Schluß. Unt”r südlichem Himmel treffen sich Willy Birgel, Olga Tschechowa, Olly Holzmann, Friedrich Domin, Erika von Theilmann und Hubert von Meyerinck in einem Lustspiel nach dem Motto: Wer liebt hier wen? Es geht ziemlich kunterbunt durcheinander, ein bißchen Eifersucht, ein bißchen (viel) Flirt, ein wenig aus „1001 Nacht“ und viel Humor. Im Union.

HEIMLICHES RENDEZVOUS SSÄ KÄS Er « Dr- BShm., seines gehens und schmuggelt sich deshalb ,’ pädagogisch belastet, bekam aber keinen Zuzug stehen kann Inn , lhrem Mädchennamen ins Städtchen. Was daraus entwXrum die hX ™ zvus^mmen^in wol,en’ die rechtlich zusammengehören, was aber wiederum die hohe Obrigkeit nicht erfahren darf weil sonst der Zürn* ’ daraus entsteht, das zeigt dieser Lustspielfilm der Neuen Deutschen FiimgesenschaH Im Thalia
HEIMLICHES RENDEZVOUS SSÄ KÄS Er « Dr- BShm., seines gehens und schmuggelt sich deshalb ,’ pädagogisch belastet, bekam aber keinen Zuzug stehen kann Inn , lhrem Mädchennamen ins Städtchen. Was daraus entwXrum die hX ™ zvus^mmen^in wol,en’ die rechtlich zusammengehören, was aber wiederum die hohe Obrigkeit nicht erfahren darf weil sonst der Zürn* ’ daraus entsteht, das zeigt dieser Lustspielfilm der Neuen Deutschen FiimgesenschaH Im Thalia

Darmstadt und Umgebnng

Zwei alte Bänme...

We - Groß und mächtig standen sie Kra 7eg’ der V°n der Paßstraße in ^hf biS ZUr Hesseler Chaussee zieht - die dem Andenken an Landgraf Ludwig VIII. gewidmete Ludwigsbuche un ihre nicht minder große Schwester. Sie haben große Zeiten erlebt. Frohe Menschen in der Kleidung von vier Jahrhunderten zogen an ihnen vorbei und feierten im Schatten der weitausladenden Aeste ihre Feste. Frauen in Reifröcken waren darunter, die ihre Schäferstunden dort erlebten, Männer auf Pferden, die in roten Fräcken und mit der Meute’ hinter dem Fuchs her waren; aber auch noch junge Menschen unserer Tage, die ihre Namen in die Rinde der beiden Riesen eingruben.

Inzwischen waren die beiden Buchen alt geworden. Es kam ein Frühling, in dem die jungen Blätter ausblieben. Ihr langes Leben war zu Ende. Männgr fuhren mit schreienden Sägen in ihre gewaltigen Stämme. Aexte schnitten in Aeste, und Wagen brachten die 60 Raummeter Holz, die die Ludwigsbuche mit ihren 6,40 Meter Umfang ergab, weg. Von der namenlosen Schwester steht heute nur noch ein etwa fünf Meter hoher Stumpf, um den die Menge der Meterstücke herumliegt. Sie wird nicht ganz soviel Nutz- und Brennholz hergeben, denn ihr Umfang beträgt einen Meter über dem Boden nur knapp fünf Meter.

Zwei alte Bäume standen am Waldesrand beim Schloß Kranichstein. Sie vergingen, wie alles Lebendige einmal vergeht. Und nur „Der Edlen Ruhm kann niemals untergeh’n“, wie das auf der Widmungstafel zu Ehren Ludwigs VIII. einmal zu lesen war.

Straßenreinigungsgebüůhren für Ruinen

Am 14. Juli veröffentlichten wir eine Zuschrift des Haus- und Grundbesitzervere*ns armsta t e. V., der dagegen protestierte, daß den Besitzern von Ruinengrundstücken von der Stadt für Straßenreinigungsgebühren Zahlungsaufforderungen zugegangen sind. Die Stadtverwaltung hat dem Grundbesitzerverein daraufhin eine Entgegnung geschickt, die wir zur Klärung der Angelegenheit unseren Lesern nicht vorenthalten mochten. In dem Antwortschreiben, dessen Wortlaut wir nachfolgend wiedergeben, ist erwähnt, daß in dieser Angelegenheit jederzeit bei Herrn Stadtrat H o t z ma nn ruckgefragt werden kann.

Als nach den Zerstörungen des Krieges und dem Zusammenbruch die Städte dazu übergingen, ihre Verhältnisse wieder allmählich in Ordnung zu bringen, tauchte sehr bald die Frage auf, inwieweit die Stadtverwaltungen berechtigt und gegebenenfalls auch verpflichtet seien, die Gebühren für Straßenreinigung. Müllabfuhr und Kanalbenutzung zu erheben. In der gesamten damals entstandenen Literatur bestand Stadt durchgefuhrt werde. Die Straßenreigungsgebühr auch vom zerstörten Grundbesitz verlangt werden könne, wenn nur eine Straßenreinigungsgebühr von der Stadt durchgeführt werde. Del Straßenreinigungsgebünr wird allgemein nach der vor einem Grundstück entlangziehenden Reinigungsfläche erhoben ohne Rücksicht auf die Ausnutzung des Grundstückes. Dies ist auch in Darmstadt der Fall.

Ungeachtet dieser eindeutigen Rechtslage hatte man in Darmstadt zunächst aus allgemeinen Erwägungen die Straßenreinigungsgebühr bei zerstörten Grundstücken gestundet. Da die Stadt beim Fortschreiten oer Wiedernerstellung friedensmäßiger Zustande die Straßenreinigung mehr und menr intensivieren mußte, verteuerte sich zwangsläufig die Straßenreinigung, ohne daß die Einnahmen stiegen. Daauren stand die Stadt vor der Frage, ob sie auch weiterhin ganz allgemein auf Einnahmen verzichten könne, weiche ihr satzungsgemäß zustanden. Die Stadtverwaltung glaubt dies nicht tun zu dürfen, zumal da ein Verzicht auf gesetzliche Einnahmen auf der einen Seite zur zusätzlichen Belastung der übrigen Bürgerschaft auf der anderen Seite führen mußte. Sie hat daher die Gebühren entsprechend den gesetzlichen Voraussetzungen überall da angefordert, wo der Tatbestand vorlag, an welchen das Gesetz die Leistungspflicht knüpft.

Wenn nun auch die Gebühr ähnlich wie eine Realsteuer auf die persönlichen Verhältnisse des Gebührenpflichtigen keine Rücksicht nimmt, so war sich doch die Stadtverwaltung darüber im klaren, daß Notzeiten, wie wir sie heute erleben, Abweichungen von diesem Grundsatz verlangen. Die Stadt ist daher dazu übergegangen, in allen Fällen, in welchen vom Rechtsmittel Gebrauch gemacht wurde, nachzuprüfen, inwieweit eine ausgesprochene Notlage zwingt, von der Erhebung der Gebühr abzusehen. Hier muß eine Einzelüberprüfung vorgenommen werden. Es darf aber die Not im einzelnen nicht zu Verallgemeinerungen führen. Wir sind z. B. der Ansicht, das ein altes Ehepaar, welchem der Krieg sämtliche Kinder geraubt hat und dem durch einen merkwürdigen Zufall sein schlecht verwertbares Haus mit allem Mobiliar verblieben ist, sich unter Umständen in größerer Not befindet, als ein Grundstücksspekulant, welcher die Währungsumstellung so gut wie seiner Zeit die Inflationszeit zu seinem Vorteil genutzt hat, kein Opfer an Blut gebracht und manche Güter sich erhalten hat. und der sich nunmehr mit viel Lärm in die Reihe derjenigen stellt, welche als Bombengeschädigte die Gebühren nicht bezahlen wollen und zwar deshalb, weil er u. a. auch ein paar Grundstücke besaß, die zerstört wurden. Es gibt auch eine ganze Reihe von Besitzern zerstörter Anwesen, welche duren aus bei Entfaltung einiger Initiative und eines entsprechenden Willens in der Lag wären, ihr Grundstück wieder einer Verwendung zuzuführen, welche aber sich nie

mühen wollen und den Aufbau der Stadt anderen überlassen. Bei Personen, welche Grundstücke erst nach der Zerstörung erworben haben, besteht vollends kein Anlaß, von einer Gebührenerhebung abzusehen.

Daß nahezu alle anderen Städte von der Gebührenerhebung absehen, ist nicht zutreffend. Im übrigen machen wir darauf aufmerksam, daß die Gebühr seit ihrer Einführung im Jahre 1928 nicht erhöht worden ist, daß wir somit alle inzwischen eingetretene Verteuerungen durch besseren Einsatz des Personals und bessere Ausnutzung des Materials zu begegnen suchten. Im übrigen bitten wir, sich den von uns vorgetragenen Gründen nicht zu verschließen und zu bedenken, daß man zwar über gewisse Gesichtspunkte verschiedener Ansicht sein kann, daß man es aber vermeiden sollte, sich gegenseitig den guten Willen, im Interesse der Gesamtheit sich zu bemühen, abzusprechen.

gez.

Dr. Holtzmann Stadtrat

staatsanwalt brantragte hohe Zuchthausstrafen

Zweiter Verhandlungstag im Prozeß gegen Genuit und Genossen

Vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt wurde gestern fr^i Hauptverhandlung gegen die Einbrecher bande Genuit - Kollath - Trierweiler ffortgesetzt. Im Gerichtssaal sah man Krim n rat i. R Weidmann, der mit den Beamte der Kriminalinspektion Darmstadt monae lang in diesem Kriminalfall tätig war ihn erfolgreich abschließen konnte. Karlheinz Genuit, der am Dienstag; den wilden Mann spielte und sogar er heiße Baranoff, verhielt sich am_Best r gen Tag vollkommen diszipliniert. Die weisaufnahme schloß mit g uit Sachverständigengutachtens, in dem als ein intelligenter und geistesgesunder Mensch bezeichnet wird.

Kurz vor Mittag begann das Staatsanwaltes, der stellte: KarlheinzGenuit und Andreas . weiler je 7-Jahre Zuchthaus und Sidfermi^verwahrung, Robert Kollath Schwendhaus und Sicherungsverwahrung, ner 3 Job« Zoobiha^ Zuchthaus, Zeltwanger 2 Janre Kolodzie) IV, und Helene Trierweiler 1 Jahr dz Gefängnis. Der Staatsanwalt führte man dürfe sich nicht dui Angeklagten reumütige Verhalten, das die■ An^ekLagten teilweise für die wenigen .. . iassen richtssaal gezeigt hätten ai-bredierische sondern müsse stets an ihre verbrechens

Vergangenheit denken. Es seien Leute gewesen, die ohne besondere Notlage' und im Besitz von guten Geistesgaben und körperlicher Gesundheit den Weg des Verbrechens der ehrlichen Arbeit vorgezogen hätten. Der Staatsanwalt würdigte die teilweise unglückliche Jugendzeit der Angeklagten, billigte ihnen jedoch keine mildernde Umstände zu. Zwar ließ er die Anklage bezüglich des Ueberfalls auf den Gendarmeriebeamten Kraft fallen, da man Kollath und Zeltwanger keine einwandfreie Täterschaft nachweisen konnte, hielt aber die Tatsache des Bandendiebstahls, des teilweisen Rückfalls und des Waffenbesitzes von Kollath und Genuit in den betreffenden Fällen für straferschwerend. Kollath, Genuit und Trierweiler bezeichnete der Staatsanwalt außerdem als gefährliche Gewohnheitsverbrecher.

Sämtliche Fenster des Gerichtsgebäudes am Richthofenturm waren besetzt und eine große Menschenmenge staute sich, als die Angeklagten in der Mittagspause mit Handschellen gefesselt aus dem Saal in die moderne „grüne Minna“ geleitet und zum Gefängnis gefahren wurden.

Der Nachmittag war mit den Plädoyers der verschiedenen Anwälte ausgefüllt, die die Verbrechen ihrer Mandanten von ihrem Verteidigerstandpunkt aus beleuchteten.

Die Urteilsverkündung wird heute nach¬ mittag erwartet. v-st.

Meister der heiteren Muse

Am morgigen Freitagabend steigt im Thalia wieder ein Meisterabend froher Unterhaltung mit einem — man kann schon sagen — Massenaufgebot prominenter und beliebter Künstler von Funk und Bühne. Da ist die sehr geschätzte Maria von Schmedes, in Darmstadt nicht mehr „neu“, aber immer wieder gern gesehen und gehört. Gleiches kann man von Barnabas von Geczy, dem Meistergeiger, sagen, ebenso wie von Heinz Ehrhardt, dessen sehr volkstümlich gewordenes „Noch ’n Gedicht“ allen Rundfunkhörern vertraut ist. Eine Stimme, die nun wirklich jeder kennt, gehört Rudi Schuricke, der, begleitet von seinen Instrumentalsolisten, einen großen Freundeskreis besitzt. Kurt Engel von der Staatsoper Berlin sahen und hörten wir zuletzt vor Jahren im alten Orpheum Marimbaphon spielen!

Engel ist der unbestrittene Meister des Marimbaphons und Xylophons. Neu für Darmstadt sind Liesel Stranzinger, eine Sopranistin von besonderen Qualitäten, und das komisch-seriöse Gitarren-Terzett, die 3 Peheiros, ebenfalls Ernst Günther Zebel, ein glänzender Sprecher und Programmführer. Am Flügel waltet Hans A. Naumann.

Georg Steen ist in unserem neuen Roman „Unsereiner wird immer kleiner“ von Hans Wörner die Hauptperson. Ais bescheidener Buchhalter eines großen Warenhauses besitzt K er grade so viel, um seine vierköpfige Familie anständig zu

ernähren und eine uralte Hypothek abzu¬ • zahlen. Da kommt eines morgens Generaldirektor Miels und bringt 10 000 Kronen für den statistisch errechneten „ Normal-Familienvater“ ” und zugleich die Einladung, vier Wochen im ersten Hotel der Hauptstadt mit seiner Familie Ferien zu machen. Aber was für Ferien sind das! Jede Sekunde ist mit Reklame für Kunstschwämme, Taschentücher, Windeln usw. ausgefüllt. Das kann nicht gut gehen, und darüber wird ihnen morgen Herr Steen junior einiges erzählen.



Kinder packen an

Jugend-Rot-Kreuz-Arbeit im Bezirksverband Darmstadt

Der Bezirksverband des Roten Kreuzes Darmstadt hat seit März 1949 in 12 Tagungen etwa 1200 Personen aus Darmstadt und den Kreisen, aus denen Meldungen für die Jugendarbeit kamen, mit deren Aufgaben vertraut- gemacht. 5000 Jugendliche haben sich in lilO Jugendgruppen zusammengeschlossen.

Diese Gruppen'betätigen sich auf den verschiedensten Gebieten. Sie besuchen Altersheime und Krankenhäuser, machen Wanderungen mit Blinden^ beteiligen sich an Sammlungen, schicken Päckchen an Kriegsgefangene und in die Ostzone. Bei Veranstaltungen unterhalten rie mit Volkstänzen, Liedern und Laienspielen Kranke und Schwerbeschädigte. Um größere Jugendtreffen einheitlich zu gestalten, wird innerhalb der Gruppen gleiches Liedgut und Volkstanz gepflegt. An Bastelnachmittagen stellen die Gruppen Spielzeug her, das sie an Kinder verteilen. Durch Bildalben, die sie zusammenstellen und ins Ausland verschicken, knüpfen sie Verbindungen mit Jugendgruppen anderer Länder. Aerzte unterrichten die Jugendlichen in der ersten Hilfe, über vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung von Krankheiten und im Unfallschutz.

Nachdem am Anfang dieses Jahres Kultusminister Stein in einem Erlaß die Förderung des Jugend-Rotkreuzes empfohlen hat, legt der Bezirksverband das Schwergewicht seiner Arbeiten auf die Bildung von Jugend in den Schulen. Mitarbeiter des Jugend-Rotkreuzes sprachen in Versammlungen und gewannen auf diese Weise Lehrer, die als Verbindungsleute zwischen Schule und Rotem Kreuz tätig sein wollen. Die Erbacher Volksschule trat, um ein Beispiel zu nennen, mit 16 Lehrkräften und 700 Kindern geschlossen in das Jugend-Rotkreuz ein. Die Kinder bezahlen keinen Beitrag, bekunden aber durch ihre Unterschrift, daß sie sich in den Dienst am Nächsten innerhalb derßchule und im Elternhaus stellen wollen.

Die Zeitschrift des Jugend-Rotkreuzes „Junge Hilfe“ und Kalenderblätter des Oesterreichischen Roten Kreuzes, die als Liebesgaben verschickt wurden, sorgten für die Verbreitung des Gedankengutes des Jugend-Rotkreuzes. Im Herbst wird eine Zählung der in den - Rotkreuz-Gembinschaften erfaßten Kinder durchgeführt. t-s

In der Stadt notiert

Ein unbekannter Mann sprach, wie die Polizei gestern mitteilte, in den Mittagsstunden des 11. Juli in verschiedenen Häusern der Heidelberger Straße vor und gab an, für Blinde zu sammeln. Eine Sammelliste führte er nicht mit. Nach einer Mitteilung des Blindenhundes e. V., Darmstadt, handelt es sich bei diesem Sammler um einen Schwindler. Er wird wie folgt beschrieben: mittelgroß, schlank, hellblondes Haar, etwa 30 Jahre alt. Die Kriminalpolizei Darmstadt bittet alle Personen, die diesen Mann kennen oder bei denen er schon vorgesprochen hat, um Mitteilung bei der nächsten Polizeidienststelle. Diesen Vorfall nimmt die Polizei zum Anlaß, um nochmals die Bevölkerung vor all den Sammlern zu warnen, die ohne Sammelliste erscheinen, wst

Etwa zweitausend Besucher zählte in den ersten fünf Tagen nach der Eröffnung die Ausstellung „Ströher-Preis für Kunst der Gegenwart“ und die mit ihr verbundene Möbelschau „Gute Möbel, die wir kaufen können“. Trotz ihrer ungünstigen Lage in der Holzhofallee finden beide Ausstellungen großes Interesse. Es wurden bereits Kaufabschlüsse über 5000 DM für WK-Möbel getätigt. DT

Der Hessische Fechtverein Waisenschutz, Zweigstelle Darmstadt, veranstaltet für seine Mitglieder, Freunde und Gönner am 23. Juli 1950 einen Familienspaziergang um das Odenwaldhaus. Treffpunkt 15 Uhr an der Odenwaldbrücke, Dieburger Straße, oder ab 17 Uhr im Gasthaus „Heiligkreuz“. Der Spaziergang findet bei jeder Witterung statt.

Ein Zusammenstoß zwischen Motorrad und Pkw. ereignete sich am Dienstagabend um 21 Uhr an der Ecke Rhein- und Neckarstraße. Der Motorradfahrer, der in Richtung Innenstadt fuhr, stieß mit einem amerikanischen Pkw., der aus der Innenstadt kommend in die Neckarstraße einbiegen wollte, zusammen. Er mußte mit Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert werden. DT

Ein Radfahrer stieß gestern morgen an der Ecke Nieder-Ramstädter- und Heinrichstraße mit einem Motorrad zusammen. Dabei kam der Radfahrer so unglücklich zu Fall, daß er mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert werden mußte.

wst

Zeltlager in Brandau i. O.

In der Zeit vom 22. Juli bis 29. Juli können im Zeltlager in Brandau noch Jugendliche vom 10. Lebensjahr an aufwärts aufgenommen werden.

Abfahrt: Samstag, den 22. Juli, um 15 Uhr ab Böllenfalltor. Anmeldungen sind bis spätestens Donnerstag, den 20. Juli, 16 Uhr, an den Stadt-Jugendausschuß Darmstadt, Lagerhausstraße 9 (Telefon 941, Nebenstelle 255) zu richten.

Einige tausend Kauflustige bestürmten am Montag, am Tage der Eröffnung, die beiden Geschäfte Kalb fu ß und Jungmann am Ludwigsplatz. Während der gesamten Verkaufszeit mußten Polizeibeamte absperren und konnten die Kundschaft nur schubweise in die Verkaufsräume einlassen. Der Warenausstoß, besonders in Teppichen, war außerordentlich hoch. Wie uns Herr Broe ck , der Inhaber bzw. Teilinhaber der beiden Firmen, mitteilte, konnten trotz des starken Andrangs alle Kundenwünsche durch eine sehr große Lagerhaltung befriedigt werden. DT

Im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe spricht am Freitag, dem 21. Juli 1950, 18.15 Uhr, im Hörsaal 167 der Technischen Hochschule Darmstadt Professor Dr. Siebert (Universität Göttingen) über das Thema „Der Aufbau der deutschen Arbeitsverfassung“ und am Montag, dem 24. Juli 1950, um 18.00 Uhr, findet im Saal 158 ein Vortrag von Dr. O. Mahr, Frankfurt a. M., über „Die Geschichte der Zeitmessung“ statt.

An der Fahrt des VdK Darmstadt nach St. Goarshausen am Sonntag, den 23. Juli beteiligt sich auch die Ortsgruppe Arheilgen des VdK. Abfahrt vom Bahnhof Arheilgen 4.40 Uhr. Der Omnibusbetrieb Horn, Wixhausen, stellt freundlicherweise einen Omnibus zur Verfügung, damit die Schwerbeschädigten nach Frankfurt und zurückgebracht werden können. DT

Existenzaufbaubilfe

Die Stadtverwaltung macht darauf aufmerksam, daß die Anträge auf Existenzaufbauhilfe bis spätestens 23. d. M. eingereicht werden müssen. Die dafür vorgeschriebenen Formulare und nähere Auskunft über die beizubringenden Unterlagen usw. sind für die im Stadtbezirk Darmstadt wohnenden Interessenten beim Amt für Soforthilfe, Mühlstraße 33, erhältlich (Sprechstunden: montags, mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr).

Betriebsausflug der Stadtverwaltung

Die Stadtverwaltung Darmstadt veranstaltet am Samstag, dem 22. Juli 1950, einen Betriebsausflug. Sie bittet die Bevölkerung dafür Verständnis zu haben, daß an diesem Tage die städtischen Dienststellen in der Lagerhausstraße 1 — mit Ausnahme der Stadthauptkasse und des Amtes für Soforthilfe in der 'Mühlstraße — geschlossen bleiben.


Der Weise von Darmstadt Graf Hermann Keyserling (Siehe auch Artikel auf Seite 3) Foto: Archiv
Der Weise von Darmstadt Graf Hermann Keyserling (Siehe auch Artikel auf Seite 3) Foto: Archiv

Kartoffelkäfer -Invasion und Wissenschaft

Darmstadt — Sitz des Instituts für Kartoffelkäferbekämpfung

Darmstadt ist, das wird vielen Einwohnern noch nicht bekannt sein, zur „Kartoffelkäferbekämpfungszentrale“ aufgestiegen. Die „Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft — Institut für Kartoffelkäferforschung und -bekämpfung“ hat hier ihren Sitz. In einem Gebäude, inmitten eines Parks zwischen Darmstadt und dem Kranichsteiner Schloß, arbeiten drei Wissenschaftler mit ihren Laborantinnen. Ueber die Forschung wollen sie einen Weg in die Praxis der Vernichtung des Schädlings finden.

Zum ersten Male stellte man im Jahre 1877 in Mühlheim am Rhein das Vorkommen von Kartoffelkäfern fest. Mit Militär und Schülern begann eine systematische Suchaktion. Trotzdem war das allmähliche Ausbreiten nicht aufzuhalten, und nach dem ersten Weltkrieg war Frankreich geradezu überschwemmt. Die Ausbreitung machte auch in Deutschland Fortschritte, und heute ist der Kartoffelkäfer zu einer ernsten Gefahr geworden. Um ihr wirksam begegnen zu können müssen neue chemische Mittel erforscht und erprobt werden, die eine Vernichtung garantieren.

Die Bundesregierung stellte zum Ankauf von Bekämpfungsmjitteln für das Jahr 1950 2,5 Millionen D-Mark zur Verfügung und empfahl den Ländern, auch ihrerseits Mittel bereitzustellen. Das Land Hessen gab 2,4 Millionen frei, die zum Einkauf von Spritz- und Stäubungsmitteln, notwendigen Geräten und Maschinen Verwendung fanden. In Frankfurt wurde ein umfangreiches Ersatzteillager angelegt. Jeder Kreis hat seinen Pflanzenschutztechniker, der mit den Orts- und Kreisbehörden alle zur Bekämpfung notwendigen Schritte unternimmt.

Das hiesige Institut hat mit der eigentlichen Bekämpfung nichts zu tun. Seine rein wissenschaftliche Aufgabe besteht in der Erforschung neuer Schutzmittel, die als Fraßoder Kontaktgifte einmal lOOprozentig wirken müssen, zum andern aber auch keine anderen Tiere töten und die den Geschmack der Kartoffel nicht beeinträchtigen dürfen. Die Arbeit erstreckt sich nicht nur auf das Labor. Sie findet ihre Fortsetzung und Ergänzung auf den an der unteren Bergstraße zur Ver¬ fügung stehenden Versuchsfeldern. Dort wird einmal die Ueberwinterung und das Reagieren in heißen, trockenen Jahreszeiten studiert, aber auch festgestellt, welche natürlichen Feinde der Kartoffelkäfer hat. Deren sind es leider nicht allzuviele. Versuche mit Vögeln führten zu keinem Ergebnis- Ohrwürmer vernichten nur die Larven und eine Fliegenart legt ihre Eier in den Kartoffelkäfer, dessen Weichteile dann von den ausschlüpfenden Fliegenlarven aufgefressen werden. In dem trocken-heißen Sommer des Jahres 1949 legte man zu wenig Gewicht auf die zweite Käfergeneration, die zwar der fast ausgereiften Kartoffel nicht mehr gefährlich werden konnte, aber nach der Überwinterung zu einer katastrophalen Vermehrung führte. Es ist daher im eigenen Interesse notwendig, allen Vorschlägen der Sachverständigen Folge zu leisten und damit eine weitere Verbreitung des Kartoffelkäfers zu verhindern. So arbeiten in Darmstadt Männer, die in stiller, zäher Tätigkeit bemüht sind, durch ihre Forschungen das Hauptnahrungsmittel der deutschen Bevölkerung zu schützen. W. R.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: Union: „Polonaise“; Thalia: „Die Liebe unseres Lebens“; Bebda: „Gastspiel im Paradies“; Palast: „Recht auf Liebe“, nur 18.15 und 20.30 Uhr, „Aus guten, alten Zeiten“, 13.45 und 16.00 Uhr; Hansa: „Gefährliche Gäste“.

Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler: Holzhof-Allee: Ausstellung zum Ströher-Preis; Mathildenhöhe: Das Menschenbild in unserer Zeit; Amerikahaus: fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellungen Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika; d’Hooge, Mathildenplatz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.

Schauspielstudio der T. H., Darmstadt: Schauspiel von Jan de Hartoog: „Schiff ohne Hafen“ im Amerikahaus, 20 Uhr.

Wir gratulieren

90. Geburtstag: Frau Marie Schwarzer, Höchst, Siedlung 2.

Wirtschaftsblatt

Gute Ernte-Aussichten

K. J. Mit dem Getreideschnitt, der in den Niederungsgebieten bereits begonnen hat, läßt sich ein gewisser Ueberblick über die Aussichten der diesjährigen Ernte gewinnen. Auswinterungsschäden hat es in diesem Jahr so gut wie überhaupt nicht gegeben. Die Halmfrüchte, Wintersaaten ebenso wie die Sommerung, konnten sich im Verlauf des Frühlings schnell und kräftig entwickeln, so daß die Reife verhältnismäßig früh einsetzte. Man kann bei Winter- und Sommergerste, Roggen, Weizen und Hafer einen guten Ertrag erwarten. Dies gilt sowoh. für den Anfall an Körnern wie auch an Stroh. Günstige Getreide-Ernteergebnisse hat in diesem Jahr auch die Höhengebietslandwirtschaft aufzuweisen, die aus bodenwirtschaftlichen Gründen stets auf reichliche Niederschläge angewiesen ist. Die Niederschläge waren bei durchschnittlich warmer Witterung seit April im allgemeinen günstig, strichweise infolge gewitterhafter Regengüsse sogar übermäßig stark, so daß Abschwemmungen und Lagerfrucht eingetreten sind. In ganzen gesehen, dürfte das Ergebnis der diesjährigen Getreideernte, vorausgesetzt, daß sie ohne größere Witterungsschäden eingebracht werden kann, mengenmäßig kaum hinter dem vorjährigen Ertrag Zurückbleiben.

Die Heuwerbung litt in diesem Jahr, wenigstens in den Höhenlagen, wo sie später erfolgt als in der Niederung, stark unter den Einwirkungen gewitterhafter Regenfälle. Der Mengenertrag ist erheblich höher als in den drei voraufgegangenen Jahren. Dagegen hat die Qualität, beson-- ders wo die Werbung in der Form der Bodentrocknung erfolgte, stellenweise erheblich gelitten.

Sehr gut haben sich in diesem Jahr auch die Kartoffeln entwickelt. Die Stauden stehen üppig im Kraut und versprechen überall dort eine gute Knollenbildung, wo es gelungen ist, den Kartoffelkäfer, der in diesem Jahr außergewöhnlich stark auftritt, rechtzeitig, wirksam und nachhaltig zu bekämpfen. Zuckerrüben sind in der Wachstumsentwicklung bisher gut vorangekommen. Die Ertragsaussichten der Zuckerrüben werden gegenwärtig als günstig beurteilt.

Stein- und Kernobst gingen im allgemeinen gut durch die Blüte. Sie litten dagegen in allen Obstanbaugebieten sehr stark unter Schädlingsbefall. Wo die tierischen und pilzlichen Schädlinge rechtzeitig und wirksam bekämpft werden konnten, dürfte die Ernte im allgemeinen zufriedenstellend sein bzw. ausfallen. Gemüse aus deutscher Ernte war bisher stets reichlich, vorübergehend sogar in überreichen Mengen am Markt.

Diese Zwischenbilanz wäre unvollkommen, wenn sie nicht mit dem Hinweis abgeschlossen würde, daß Menge und Qualität der Ernte erst dann richtig beurteilt werden können, wenn die letzte Erntefuhre den sicheren Hort des Hofes erreicht hat.

Schiffahrtsberichte (Bergfahrt)

Remagen haben passiert am 19. Juli von 4.00—19.00

Abkürzungen: GB = Güterboot, TM ” Tankmotorschiff MS = Motorschiff, TL = Tankleichter, ohne Beze:chnung Schleppboot, MP = Motorpiniche, KM = Küstenmotorschiff.

4.30: MS Rheingold; 5-15: MS Griesalp; 6.00: MS Niedersachsen 6; 6.15: MS Ernst Schweckendieck; 6.30: MS Mars; 7.00: Baden 8. 6 Kähne: Weißhorn, Mannheim 303, Mannheim 189, Baden 58. Rheinfahrt 149; Mannheim 172; 7.30: MS Onderneming- 7.30: Franz Friedrich. 2 Kähne: Charlois Elfred; 8.30: Braunkohle 4. 7 Kähne: Leidel 4, Braunkohle 8. Merkur. Overeen Körnst, F 209 Weilenteiler, Bavaria 31; 8.45: TM Königsberg.

9.00: MS Alpina 3; 9.00: Haniel 28. 7 Kähne: Elise, Winschermann 4, Haniel 51, Haniel 82, Juno Frimar. Marie Luise- 9.15: KM Iduna; 9.30: MS Akkermans 2;' 9.30: MS Ambroise pare; 9.45: MS Ostland; 10.00- MS Verbano; 10.15: MS Erpress 37; 10.15: TM Tiberia: 10.30: MS Wilhelmina- 10.30: TM Fanto 42; 10.30: MS Express 23; 10.45: MS Rheinunion 2.

11.00: MS Arbois; 11.00: MS Hunte; 12.30: MS Johann Bossmann; 12.30: MS Drie Gezusters; 13.15; MS Airolo; 14.00: MS Willi; 14.00: TM Tanigan 1; 14.30: MS Hendrica Johanna; 14.30: Wilma. 1 Kahn: Fortuna; 14.15: Ge 10. 1 Kahn: Anjome; 15.30: Racnar. 4 Kähne: Klingsor, Hobbema, Moretto. Gounod; 15.45: Katharina. 2 Kähne: Elslein von Kaub, Wilhelm; 16.30: Irmgard. , Kähne: Elisabeth, Jupiter. Silesia; 17.30: MS Keer Terug; 18.00: Navexmotor 3; 18.00: Bernina; 18.00: MS Westschiffahrt 6; 18.15: MS Hamburg.

Wasserstände Frühpegel vom 19. Juli

Rhein: Konstanz 3,64. Straßburg 2,56, Maxau 4,06. Mannheim 2,50, Mainz 2,30, Bingen 1,55. Kaub 1.62. Koblenz 1,66. Andernach 1,91. Köln 1,31. Ruhrort —75. Main: Viereth 0.38, Schweinfurt 0,45, Wurzburg 0.59, Steinbach 1,52, Frankfurt 2,44. Neckar: Plochingen 1,01.

Zunahme des Rhein-Seeverkehrs

K. H. Der Rhein-Seeverkehr bzw. der Versand von Massen- und Stückgütern mt Küstenfahrzeugen, namentlich nach nordischen Ländern, hat in der letzten Zeit zugenommen, so daß im Juni die doppelte Gütermenge gegenüber Mai allein nach nordischen Ländern verfrachtet wurde.

38 000 Motorräder neu zugelassen

AP. Im Mai sind im Bundesgebiet 47 890 Kraftfahrzeuge neu zugelassen worden. Unter den neuzugelassenen Fahrzeugen befinden sich 38 179 Motorräder und Motorroller, 11 051 Personenkraftwagen und 5081 Lastkraftwagen.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse verlief die Geschäftstätigkeit am Mittwoch sehr still. Bei nach wie vor nur sehr geringer Kundschaftsbeteiliguna blieben die Kurse dabei allgemein aut behauptet. Abweichungen. die vielfach zufallsbedinat waren gingen meist nicht über 0.5 bis einen Punkt hinaus.

Berliner DM-Wechselkurs

F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 19. 7. 1950 für eine DM-West 5,50 Ostmark gezahlt und für 5,70 Ostmark eine DM-West geboten.

Frankfurter Eiergroßmarkt

Bz. Bei unbedeutenden Geschäftsabschlüssen kam es wiederum zu keiner amtlichen Notierung. Ein deutsches Eierangebot von Seiten der Erzeuger fehlt fast gänzlich. Einfuhren kamen aus Schweden, Dänemark und aus dem Osten sowie auch aus Holland herein. Der Preis für das gut sortierte holländische Ei der Größenklasse B stellte sich im Großhandel auf 18.5 und im Detailhandel auf ungefähr 21.5 Pfennig. Die weniger zuverlässige und nicht so gut sortierte Ostware wird durchschnittlich um zwei Pfennig billiger abgegeben.

Frankfurter Kartofselgroßmarkt

Bz. In Frühkartoffeln hat sich die Nachfrage belebt. Die Großhandelspreise erfuhren daher einen leichten Anstieg auf 6.80 bis 7.00 Mark für den Zentner lose Frachtpreis Frankfurt.

Mainzer Schlachtviehmarkt

AZ. Auftriebszahlen für die Zeit vom 12. bis 18. Juli 1950. Auftrieb: Großvieh 162, Kälber 55, Schweine 520. Schafe 20. Schlachtung: Großvieh 113, Kälber 46, Schweine 176, Schafe 20. Abtrieb: Großvieh 49, Kälber 9, Schweine 344. Preise: Ochsen 40—88, Bullen 75—88, Kühe 38—84, Rinder 80—95, Kälber 80—110. Schweine 134—140. Schafe nicht notiert.

Internationale Warenpreise

Chicago (Mittelkurse, Cents 17. 7. 18. 7.
per bushel) Weizen per Juti
Mais, per Juli 223,69 224,63
Hafer, per Juli 154,63 154,—
Schweine, schwere (höchster 78,88 77,75
Preis per Ib.) 23,25 22,75
Schmalz, loco 13,37 G 13,62 B
New York (Cents per 1b.)...
Zucker Nr. 4 per Sept 4,75G/4,76 B 4,80
Kaffee „D" per Juli 57,10 N 55,75 N
Kakao, Accra, loco 37,25 N 37,—N
Kakao, Bahia, loco 35,25 N 35,—N
Häute, per Sept 26,50 6 24,50 B
Baumwolle, loco 40,— 38,50
Baumwollsaatöl per Juli.... 18,05 17,33
Kammzüge, loco 221,— 219,—N
Kautschuk, loco 36,50 N 38,50 N
Kupfer, Weltexport, fas. ... 22,50 22,50
Blei, gewöhnlidi 12,— 12,—
Zink, East St. Louis 14,75-15,—N 15,—
Zinn, straits 92,— 91,—
London, Zinn, Settlement (Pfund per ton) 688,— 681,—
Kautschuk, loco 30,-6/30,50 B 31,25 B
(pence per Ib.) Alexandria, Baumwolle, fully good (tallaris per cantar) Ashmouni 86,—
Karnak —— 103,85
Zagora 85,25
Giza 88,50

Pharmazeutische Industrie holt auf

Rechtslage der Warenzeichen noch immer ungeklärt

Die Beschäftigungslage der pharmazeutischen Industrie wird bei stärkeren Unterschieden in den einzelnen Werken insgesamt als nicht unbefriedigend bezeichnet. Auf dem Inlandsmarkt üben u. a. die auf eine Senkung der Arzneimittelkosten gerichteten Bestrebungen der gesetzlichen Krankenkassen einen Absatz hemmenden Einfluß aus. Bei der Gestaltung der Arzneimittelpreise, die sich seit 1938 im Durchschnitt kaum veränderten, ist die straffe Preisdisziplin der pharmazeutischen Industrie bemerkenswert; weitere Preiskonzessionen werden nicht mehr für tragbar gehalten.

Die Versorgung mit ausländischen Rohstoffen bereitet, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, keine Schwierigkeiten. Vor dem Kriege bewegte sich der Anteil der deutschen Arzneimittellieferungen am Welthandel zwischen 35 bis 40 v. H. Infolge des Ausfalls der deutschen Lieferungen während des Krieges und der Nachkriegszeit konnten sich andere Länder in stärkerem Maße in den Welthandel einschalten, insbesondere Amerika, dessen Arzneimittelproduktion auf das Drei- bis Vierfache anstieg, während der Export sich verzehnfachte. Die schon seit 1936 eingetretene starke Beschneidung der für die deutsche Forschungsarbeit zur Verfügung stehenden Mittel sicherte den USA, England und auch der Schweiz in der Herstellung hochwertiger Arzneimittel einen gewissen Vorsprung. Anzeichen für ein Wiederaufkommen der deutschen Leistungen gegenüber dem Auslande und ein Schritthalten mit dessen neueren Forschungsergebnissen machen sich nunmehr bemerkbar.

Für eine stärkere Belebung der deutschen Heilmittelausfuhr wird neben der zu fordernden Gleichstellung in den Absatzbedingungen durch hanäalsvertragliche Abmachungen die Klärung der Rechtslage in der Warenzeichenfrage von entscheidender Bedeutung sein. Die Forderung auf Rückgabe der deutschen Auslandsmarken gründet sich sowohl auf rechtliche wie auch auf wirtschaftliche Erwägungen. Die Erkenntnis, daß sich die Rechtsnatur des Warenzeichens einer Enteignung entzieht, scheint sich auch im Auslande allmählich Bahn zu brechen.

Wirtschaftliche Vereinigung tagt

A. Z. Was von 1869 bis 1934 der Mittelrheinische Fabrikantenverein für die Unternehmerschaft des Rhein-Main-Gebietes und des angrenzenden Wirtschaftsraumes war, will die im März in Mainz neu gegründete Wirtschaftliche Vereinigung am Mittelrhein von 1369 fortsetzerr. Dies brachten die beiden Vorsitzenden der Vereinigung, Adam Krautkrämer von der Jakob Berg K. G. in Budenheim und Alexander von Engelberg von den Dyckerhoff- Portland-Zementwerken in Amöneburg bei einer Veranstaltung der Gesellschaft in Hattenheim zum Ausdruck. Neben anderen Organisationen und Zusammenschlüssen will man in erster Linie die Tradition der angesprochenen Unternehmerschaft pflegen, Wissen und Können durch Erfahrungs- und Gedankenaustausch erweitern und insbesondere die Weiterbildung des Nachwuchses fördern.

Die positive Arbeit des früheren Fabrikantenvereins kam in einer Würdigung durch Dr. Benzinger zum Ausdruck, der die Geschichte dieses Vereins aufzeichnete. Besonderes Interesse fanden auch die Ausführungen des Syndikus der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen Dr. CharissS, desich mit den wirtschaftlichen Folgen der Zonentrennung befaßte und die jeder wirtschaftlichen Vernunft widersprechende Zerreißung des deutschen Wirtschaftsraumes in Ost und West kritisierte.

In einer Jie Veranstaltung abschließenden Diskussion wurden aktuelle Gegenwartsfragen erörtert, wobei auch das rege Interesse des unternehmerischen Nachwuchses erfreulichen Ausdruck fand.

Die Ladenzeiten

-ck. Der Einzelhandelsausschuß Mainz der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen befaßte sich nochmals mit der Lage, die durch die Anordnung des Regierungspräsidenten vom 30. Mai 1950, über die Offenhaltung der Verkaufsläden entstanden ist. Die Diskussion zeigte, daß diese Anordnung keineswegs allen berechtigten Wünschen gerecht wurde. Es sollen sich zunächst einmal die einzelnen Fachgruppen über ihre Erfahrungen mit der Ladenzeitverordnung äußern. Alsdann soll erwogen werden, ob von der Industrie- und Handelskammer Schritte auf Abänderung der derzeitigen Ladenzeitverordnung unternommen werden sollen.

Mainzer Getreidegroßmarkt

Der Getreide-Großmarkt Mainz teilt uns folgendes mit:

Dem Landesproduktenhandel sind nun nach dem Wegfall der meisten seitherigen Bewirtschaftungsvorschriften seine früheren Funktionen wiedergegeben worden.- Aus diesem Grunde wird der Getreide-Großmarkt Mainz ab Freitag, den 21. d. M. im Gasthof „Neubrunnenhof“, Mainz, wieder abgehalten. Die nunmehr an jedem Freitag stattfindenden Zusammenkünfte beginnen um 10.30 Uhr. An jedem Börsentag wird ein Preis- und Tendenzbericht herausgegeben. .

1,5 Milliarden DM aus der Soforthilfe

ke. Das Aufkommen aus der Soforthilfe betrug seit Inkrafttreten des Soforthilfegesetzes bis 15. Juli dieses Jahres insgesamt 1.51 Milliarden DM. Davon entfielen 1.25 Milliarden DM auf die allgemeine Soforthilfeabgabe. während die Sonderabgabe auf das Vorratsvermögen 207 Millionen DM erbrachte. Die Leistungen beliefen sich mit Stichtag zum 15. Juli 1950 auf 1.408 Milliarden DM. so daß noch eine Reserve von 104 Millionen DM vorhanden ist. die zur Weiterzahlung der Unterhaltshilfe für den nächsten Monat benötigt wird.

Der SPORT

„Tour“-Fahrer im Invasionsgelãnde

Hubschrauber im Einsatz — Nur noch 110 Fahrer im Rennen

Die Teilnehmer der Frankreich-Rundfahrt konnten am Dienstag ihren ersten Ruhetag feiern, nachdem bisher mehr als ein Viertel der Gesamtstrecke (1327 von 4832 km) zurückgelegt ist. Auf der fünften Etappe berührte die Strecke das einstige Kampfgelände der Invasion. Diesmal aber handelte es sich bei der Fahrt durch die Normandie um einen friedlichen „Feldzug“, der von dem sportlichen Direktor Goddet mit Hilfe eines Hubschraubers, der in ständiger Funkverbindung mit der Rennleitung steht, geleitet wird. Auch andere Flugzeuge kreisen ständig über der bunten Fahrerschlange. Sie sind von Filmoperateuren und Zeitungen gechartert, die auf schnellstem Wege die neuesten Aufnahmen nach Paris und Brüssel bringen. In Belgien beispielsweise setzt dann die Sportzeitung „Les Sports“ täglich vier weitere Flugzeuge ein, die die neuesten Ausgaben täglich bereits zwei Stunden nach Erreichen des Etappenzieles an gewissen Punkten des Landes abwerfen.

Im Vorgefühl der Freude, in der Bucht von St. Malo ein Bad nehmen zu können, drückten die Giganten auf der längsten Etappe von Rouen nach Dinard über 316 km nicht allzu sehr auf das Tempo. Der 30- jährige Italiener Corrieri und der 26jährige Franzose Desbats holten einen Vorsprung von einer Minute heraus und wurden, nachdem es am Ziel durch den Enthusiasmus einiger unbeherrschter Zuschauer turbulente Szenen gab, mit 10:35,51 Std. gemeinsam auf den ersten Rang gesetzt. Diese Entscheidung wurde übrigens durch eine Ziel-Photographie wieder umgeworfen. Nach dieser kam der Italiener Corrieri zuerst an. So wurde er auch zum Etappensieger erklärt. Im Rennen sind nur noch 110 Fahrer, da Jansen (Holland) infolge Krankheit und Fernandez (Südost) und Neri (Italien) wegen Zeitüberschreitung dem Start am Montag fernblieben. Im Verlauf der 5. Etappe gaben auch noch Berton (Südwest) und Charrion (Nordafrika) das Rennen auf. Nur 110 Fahrer erreichten das Ziel Dinard.

Ferdinand Kübler Etappensieger

Nach einem Ruhetag am Dienstag wurde am Mittwochmorgen die sechste Etappe, die von Dinard nach St. Brieuc führt, „gegen die Uhr“ gestartet. In diesem Fall startet der im Gesamtklassement an letzter Stelle liegende Fahrer zuerst und ihm folgen dann, gleichfalls in umgekehrter Reihenfolge, die anderen Fahrer mit je drei Minuten Abstand. Es ist deshalb ganz gleich, wer als Erster im Ziel eintrifft, da lediglich die Zeit gewertet wird.

Der Schweizer Ferdinand Kübler bewältigte die 78 Kilometer in einer Stunde. 57 Minuten und wurde somit Sieger der sechsten Etappe. Auf den nächsten Plätzen folgten Orenzo Magni (Italien) in 1:57,29, Jean Goldschmidt (Luxemburg) in 1:58,18, Maurice Blomme (Belgien) in 1:58,38 und Lousion Bobet (Frankreich) in 2:00,17 Stunden. . In der Gesamtwertung löste Goldschmidt den Franzosen Bernard Gauthier ab. Die siebte Etappe am Donnerstag führt über 248 Kilometer von St. Brieuc nach Angers.

Doch schon am 23. Juli

Komplizierter Aufstiegskampf in Hessen

Der erweiterte Spielausschuß des Hessischen Fußballverbandes hat am Sonntag die Form der neuen Landesliga Hessen festgelegt. Er hat sich an den Beschluß des Elt-Vlu Ei Verbandstags gehalten, der zwar mit erheblicher Stimmenmehrheit für eine Zweiteilung der Landesliga war aber die satzundgsgemäß notwendige Zweidrittlmehrheit nicht gefunden hatte. Es bleibt also bei einer Einer-Landesliga. Ihre Zahl wird auf 14 Vereine festgelegt.

Den Stamm der Landesliga bilden die sechs vom Vorjahr in der Landesliga gebliebenen Vereine Rot-Weiß Frankfurt, Union Niederrad, Borussia Fulda, 03 Kassel, 1. FC Rödelheim und Germania Bieber. Da nur drei Vereine satzungsmäßig aufsteigen können, aber neun Bezirksmeister für den Aufstieg da sind, müssen die Aufstiegsspiele beschleunigt durchgeführt werden, um die drei Aufsteigenden zu ermitteln. Die Aufstiegsspiele werden deshalb bereits am 23. Juli (sicher mit Zustimmung des DFB) weiterseführt

Nach Hinzunahme der drei Ersten der Aufstiegsrunde zur Landesliga bleiben noch sechs Bezirksmeister übrig. Diese werden mit den vier Absteigenden der früheren Landesliga (Vfß Friedberg, Eintracht Wetzlar. Hermannia und SV Kassel) zusammengeworfen und als Gegner für fünf Entscheidungsspiele ausgelost. Da die Zeit drängt, war eine andere Lösung nicht möglich. Alle fünf Spiele finden an einem Tag statt. Die fünf Sieger steigen zur Landesliga auf.

Auch der Pokal, der in Hessen wohl zum letztenmal in dieser Art ausgespielt wird, drängt zur Entscheidung. Am 2. August spielen: Eintracht Wetzlar—SV Wiesbaden (in Wetzlar). Hanau 93—Hassia Dieburg (in Hanau) und Kickers Offenbach—Hessen Kassel (Ort wird noch festgelegt). Der Sieger des Hanauer Spieles ist bereits Endspielteilnehmer am. 13. August), während die Sieger der beiden anderen Treffen am 9. August noch den zweiten Endspielteilnehmer ermitteln. -th.

USA-Leichtathleten im Olympiastadion

Berlin (AP). Im Berliner Olvmniastadion werden am kommenden Sonnabend die amerikanischen Besatzungsstreitkräfte in Europa „ihre leichtathlet'sehen Meisterschaf tsorüfun gen abwickeln Das Programm, das sich eng an das olvmoisdie Programm anlehnt, beschränkt sich auf Entscheidungskamnfe Die leistungsstärksten Vertreter usr einzelnen TrunDen teile wurden vorher in Ausscheidungsnrüfungen ermittelt. Das deutsche Snortnublikum wurde zum Besuch der Veranstaltung eingeladen.

Jakob Kiefer überragte

Deutsch-finnisches Turnervergleichstreffen in M.-Gladbach

München-Gladbach. (AP) Ein inoffizielles Vergleichsturnen zwischen einer finnischen und einer deutschen Auswahl nahm am Dienstag vor 5000 Zuschauern im München-Gladbacher Rollsportstadion einen eindrucksvollen Verlauf. Beide Riegen boten hervorragende Leisungen. Eine leichte Ueberlegenheit der Finnen am Seitpferd, an den Ringen und beim Bodenturnen war nicht zu leugnen. Dagegen zeigte sich am Barren und am Reck kein nennenswerter Unterschied zwischen beiden Mannschaften. Den stärksten Eindruck hinterließ bei den Gästen Olavi Rove. während bei den Gastgebern der deutsche Kunstturnmeister Jakob Kiefer (Bad Kreuznach) überragte. Das Vergleichsturnen, das nicht gewertet wurde, zeigte, daß die deutschen Spitzentumer die Vorkriegsledstungshöhe annähernd wieder erreicht haben.

Deutscher Antrag lag nicht vor

Basel (AP). Die Frage der Wiederaufnahme Deutschlands in den Internationalen Turnverband (FIG) wurde auf dem Kongreß der Federation am Montag in Basel nicht besprochen, da von deutscher Seite kein Aufnahmegesuch orlag. Dagegen wurden Janan und das Saargebiet nrovisorisch in die FIG aufgenommen.

Die Leistungen der Leichtathleten

Spitzenklasse auf den Mittelstrecken

Hamburg, (dpa) Nach derr Leichtathletik-Treffen im Norden, Süden und Westen und im Hinblick auf eine eventuelle Teilnahme deutscher Leichtathleten an internationalen Kämpfen ist es angebracht, etwas über die Leistungen der deutschen Spitzenklasse zu sagen.

Unsere Sprinter müssen einen starken Leistungsrückgang verzeichnen. Nach den guten Ergebnissen der letzten Jahre ist eine fühlbare Flaute eingetreten. Keiner ist in der Lage, 100 Meter in 10,6 Sekunden sicher zu laufen. Etwas günstiger ist es bei der 200-Meter-Strecke, wo Zandt (Stuttgart) und Haas (Nürnberg) mehr können, als ihre bisherigen Zeiten besagen. Stark sind unsere 400- und 800-Meter-Läufer. Geister, Huppertz, Cleve, Ulzheimer und Steines brauchen nur wenige europäische Konkurrenten zu fürchten. Erfreuliche Fortschritte werden über 1500 Meter und auf den langen Strecken gemeldet. Der 5000-Meter-Rekordläufer Schade zählt zur Europa-Spitzenklasse. Auf den Hürdenstrecken besitzt Deutschland gute und beständige Läufer. Die Marathonläufer. wie Bürklein. Legge. Weber sind stärker geworden. Wenn nicht alles trügt, dürften auch die Staffeln über 4XIOO Meter von München 60 und Eintracht Frankfurt verhältnismäßig gut abschneiden. Hervorzuheben ist die 4X 400-Meter-Staffel von Koblenz (3:18 Minuten).

Schwächen gibt es bei den technischen Uebungen, mit Ausnahme des Speerwurfes. Im Weitsprung scheint Deutschland über eine gewisse Weite nicht hinauszukommen. Im Diskuswurf gilt Hipp (Bahlingen) als einzige Hoffnung.

Bei den Frauen ist die Situation auf den kurzen Strecken wie bei den Männern. Die bisherigen Zeiten enttäuschten, auch über 80 Meter Hürden wurde der Vorjahrsstand noch nicht erreicht. Aufstrebende Leistungen gab es beim Hochsprung und beim Speerwurf. Die Speerwurfweite von 46,69 Meter von Marlies Müller (Koblenz) ist hervorragend. Sehr schwach sind noch Kugelstoßen, Diskuswurf und Weitsprung. Trotzdem sind die Frauen als ausgeglichen zu bezeichnen. Sie können Länderkämpfen mit einiger Zuversicht entgegensehen.

Neues vom Segelflug

Am Dienstagabend kamen die Segelflugfreunde der am Samstag im Cafe Hauptpost gegründeten Segelfluginteressengemeinschaft, unter ihnen der 1. Vorsitzende Layritz, der Schriftführer Isterling und der Verbindungsmann zur T.H., Herr Spangenberg, und viele junge Anhänger des Segelflugsportes in der Gaststätte Knauf zusammen und befaßten sich eingehend mit den Plänen der Gruppe. Nachdem viele andere Städte in der Bildung von Interessengemeinschaften mit gutem Beispiel vorangegangen seien, bestehe für die hiesige Gruppe die vornehmste Pflicht, Darmstadt, die einstige Wiege des Segelfluges wieder zu einem Mittelpunkt dieses Sportes werden zu lassen. Der Verein will an die alte Tradition der vor 1933 in Darmstadt bestandenen Vereine (tHessenfliegerverein für Luftfahrt, Darmstädter Modellbaugruppe, Arbeitersegelflfiegerverein „Sturmvogel“, Akademische Fliegergruppe (Akaflieg), Deutsches Forschungsinstitut für Segelflug, Ballonfahrerverein Darmstadt und Segelfluggruppe Richthofen) anknüpfen.

Der Verein bittet um Bücherspenden, um ein Archiv und eine Vereinsbücherei zusammenstellen zu können. Sporthaus Hübner, die Geschäftsstelle des Vereins, will eine Art Leseraum für die Interessenten einrichten und die entsprechenden Fachzeitschriften auslegen.

Einmal im Monat wird der Verein zu einer großen Veranstaltung in der T.H. zusammenkommen. Er hofft, für diese Abende namhafte Segelflieger als Referenten gewinnen zu können. Zur Erledigung anfallender Fragen trifft sich der Verein jeden Dienstag in der Gaststätte Knauf. Die Segelfluggruppe beschloß, an dem großen Rhöntreffen der Segelfluginteressenten aus dem Bundesgebiet, das Anfang August stattflndet, teilzunehmen.

Am Dienstagabend kam auch zur Sprache, daß nach dem Bericht E. Jachtmanns weder Bundesinnenministenium noch Bundesverkehrsministerium in der Frage der Wiederzulassung bis jetzt offizielle Schritte unternommen haben. Jachtmann habe in Köln mit Prof. Diem vom Bundesinnenministerium, der auch die Zulassung des Fechtens und Schießsportes erreicht hat, einen Entwurf zu der Wiederzulassungsfrage des Segelflugsportes verfaßt, nachdem man auf den Flugzeugschlepp verzichten und sich bei dem Bau von Segelflugzeugen auf Ein- und Zweisitzer beschränken wolle. Prof. Diem habe auch in einem Schreiben an den deutschen Altmeister Wolf Hirth, der sich zur Zeit in Schweden befindet, auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, daß durch ein entsprechendes Gesuch an die Ministerpräsidenten der einzelnen Länder eine Befreiung vom Kontrollratsgesetz Nr. 24 zu erreichen sei.

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Bezirksmeisterschaft der Radfahrer

Am kommenden Sonntag wird auf der Rundstrecke rund um Kranichstein die Bezirksmeisterschaft des Hessischen Radfahrerverbandes ausgefahren. Das bisherige Meldeergebnis verspricht interessante Rennen, denn zum ersten Male treffen die Fahrer des VCD-Clubs mit der Rennmannschaft des Radsportclubs zusammen. Außerdem werden noch die Fahrer aus Michelstadt, Dieburg, Bürstadt und Lengsfeld erwartet. Start des Rennens um 9 Uhr am Jagdschloß Kranichstein.

Das für den gleichen Tag angesetzte Rennen „Der erste Schritt“, offen für alle Fahrer, die bis jetzt noch keine öffentlichen Straßen- oder Bahnrennen bestritten haben, muß wegen der großen Zahl der Meldüngen auf den nächsten Sonntag, den 30. Juli 1950, verlegt werden.

Handhballer in neuen Klassen

Auf dem Hessischen Handballverbandstag wurde bekanntlich ein neues Spielsystem geschaffen, das vier Klassen gegenüber drei im Vorjahre vorsieht. Die oberste Klasse wird Verbandsliga, die zweite Klasse Gruppenliga genannt. Es folgen die Bezirks- und A- und B-Klassen.

Die Verbandsliga spielt in zwei Gruppen. Die Gruppe Süd besteht aus 14 Mannschaften, von denen SG Dietzenbach, SV Darmstadt 98, Kickers Offenbach, SG Nied, Griesheim, Gelnhausen, VfR Wiesbaden, Wormatia Worms, Mainz-Mombach, TSV Herrnsheim und Kempten feststehen.

Die Gruppenliga besteht aus vier Zehnerstaffeln. Die SG Nieder-Roden und Tgd Ober-Roden spielen in Staffel 3. Der Staffel 4 wurden zugeteilt: Gernsheim, Rüsselsheim, Bauschheim, Braunshardt, Kostheim, Pfungstadt, Alzey, Herrnsheim, Wörrstadt und TG Darmstadt.

Hessische Rollkunstmeisterschaft in Darmstadt

Auf der herrlichen Terrazzobahn des RSC Darmstadt hinterm Orpheum werden am Wochenende die Hessischen Rollkunstmeisterschaften ausgetragen. Ausrichter ist der RSC Darmstadt. An beiden Tagen wird sich ein buntes Programm abwickeln. Die bisher abgegebenen Nennungen übertreffen alle bisherigen Landesmeisterschaften. Die Meisterschaften an denen Aktive, Junioren, Anfänger. Jugend und Schüler teilnehmen, werden sich im Einzel- und im Paarlaufen über beide Tage erstrecken Der Sonntag, der die Kürläufe zeigt, wird das Hauptinteresse bringen. Am Samstag müssen die Läufer die Pflichtläufe absolvieren.

Der RSC und TSG 46 werden etwa 40 Läufer und Läuferinnen zu den Meisterschaften abstellen.

. An beiden Tagen findet die Veranstaltung in der Zeit von 9-12 und 15—18 Uhr statt. Die Endkampfe werden am Sonntagnachmittag gestartet. -eri-

Von den Vereinen der süddeutschen Oberliga hat der Vfß Mühlberg im abgelaufenen Geschäftsjahr 40 000 DM%n SÄ und Umsatzsteuer an Stadt und Staat abgeiunrt.

Starkenburg

Landbereinigung im Kreis Erbach

Eingliederung gemeindefreier Gemarkungen und Grundbesitze

Im Landkreis Erbach gab es seither noch insgesamt 9571 ha Grundstücke, die nicht zum Gebiet einer Gemeinde im Sinne des § 12 der Hessischen Gemeindeordnung gehörten. Sie führten teils die Bezeichnung selbständige Gemarkung“, teils „gemarkungsselbständiges Grundstück“ oder auch „gemeindesteuerfreies Grundstück“ und gehörten zum überwiegenden Teil zum Grundbesitz der ehemaligen Standesherrschaften, der Grafen zu Erbach-Erbach, Erbach-Fürstenau, der Fürsten zu Leiningen, zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg sowie der Kurhessischen Hausstiftung Philippsruhe bei Hanau.

Nach mehrmonatigen Verhandlungen mit den Grundstückeigentümern und zahllosen Beratungen in örtlichen Bürgerversammlungen und Gemeinderatssitzungen sowie insgesamt fünf Kreisausschußsitzungen wurde jetzt durch den Kreistag des Landkreises Erbach — wie wir bereits berichteten — das schwierige Problem im Sinne des innenministeriellen Erlasses gelöst. Danach werden folgende selbständigen Grundstücke eingegliedert:

Der Forst Schöllenbach mit Hohberg in die Gemeinde Schöllenbach, der Gammelsbacher Forst in die Gemeinde Gammelsbach, die Grundstücke „Ameisenklinge“, „Vogelbaumhecke“ und „Großschneiß“ in die Gemeinde Hesselbach und das gemarkungsselbständige Grundstück „Herrenberg“ in die Gemeinde Etzean.

Die selbständige Gemarkung „Brunnthal“ der Fürsten zu - Wertheim-Rosenberg kommt zu Vielbrunn, „Eduardsthal“ des Fürsten v. Leiningen zu Kailbach - jenseits, ’ der Forst Bullau, in den sich fünf Besitzer teilen, wird aufgeteilt, und zwar erhalten Flur I bis VI Hetzbach, VIII bis X Schöllenbach, VII und XI Bullau. Vom „Falkengesäßer Forst“ des Grafen Alfred zu Erbach-Fürstenau erhalten Finkenbach die Fluren II und IV, Falkengesäß V bis VII, Olfen VIII bis X und Raubach XI bis XIV. Die Gemarkung Roßbach kommt zur Stadt Erbach. Der Reichenberger Forst des Grafen Alexander zu Erbach-Erbach wird aufgeteilt an die Gemeinden Ober-Mossau Flur I, Ober-Kainsbach II und 111, Unter-Ostern IV und V, Rohrbach VI bis XIII und Ober-Hiltersklingen XIV bis XVII. Die Gemarkung „Eichels“ der Kurhessischen Hausstiftung kommt mit Flur I und IV zu Bad-König, II zu Kirch-Brombach und 111 zu Lang.-Brombach. „Gaisrain“ und „Scheuerberg“ desselben Besitzers kommen zu Sandbach, „Heubusch“ mit Flur I bis 111 und VII zu Hainstadt und IV bis VI und VIII bis XV zu Rai-Breitenbach.

Der insgesamt sechs Gemeinden gehörige „Höchster Zentwald“ wird wie folgt aufgeteilt: der Besitz der Gemeinde Dusenbach mit zirka 16,5 ha zu Sandbach, der Sandbacher Besitz mit 144 ha zur Gemeinde oanabach, der Rimhorner Besitz mit 106,3 ha zu Rimhorn, dagegen bleibt der Hainstadt gehörende Teil, der nicht an die Gemarkungsgrenze stößt, als Enklave bestehen.

Der „Gräben“ der Kurhessischen Hausstiftung wird Mümling-Grumbach eingegliedert. Revier Zell des dem Grafen Alexander zu Erbach Erbach gehörenden Eulbacher Forstes wird aufgeteilt mit Flur I und II an Weitengesäß, 111 bis VI an Zell, VII und VIII an Steinbach und IX und X an Michelstadt; Revier Eulbach mit Flur I bis IV an Weitengesäß, V und VI an Michelstadt, VII, IX bis XI und XIII an Würzberg, XII und XIV an Erbuch und VIII an Ernsbach. Die Gemarkung Eulbach selbst, in der das Jagdschloß des Grafen zu Erbach-Erbach und der Englische Garten liegt, wurde nicht wie vorgeschlagen, der Stadt Erbach, sondern der Gemeinde Würzberg eingegliedert.

Die größte selbständige Gemarkung im Kreis, „Hainhaus“ mit 1757,8 ha, die der Kurhessischen Hausstiftung gehört, kommt mit Flur VII bis X zu Breitenbrunn, XI bis XIV und XIX zu Haingrund, IV bis VI zu Fürstengrund, II und* 111 zu Kimbach und XVII, XVIII, XX, XXXVIII bis LI zu Vielbrunn. Die drei verschiedenen Besitzern gehörende „Hardtsteinshecke“ wurde entgegen dem Vorschlag des Kreisausschusses, sie zwischen Seckmauern und Haingrund aufzuteilen, geschlossen der Gemeinde Seckmauern angegliedert.

Die Eigentumsverhältnisse der bisher selbständigen Gemarkungen werden durch die Eingemeindung nicht verändert, nur werden die Grundstückseigentümer künftig höhere Grundsteuern zu entrichten haben, denn während sie bisher ihre Grundsteuern zum Hebesatz von 130 Prozent unmittelbar an den Kreis bezahlten, liegen die gemeindlichen Hebesätze durchweg höher, teilweise bis 283 Prozent. Die ihnen daraus erwachsenden Mehrausgaben werden aber größtenteils aufgewogen durch den Wegfall der Unterhaltskosten für die öffentlichen Wege, die nun den Gemeinden zur Last fallen. (-ch)

Heimkehrern wird geholfen

Die erst kürzlich ins Leben gerufene Kreissektion Erbach des Zentralverbandes der Heimkehrer e. V. konnte auf einer Vorstandssitzung in den „Drei Hasen“ in Michelstadt bekanntgeben, daß bereits einer großen Zahl von Heimkehrern geholfen werden konnte. Fast jedem Heimkehrer sind die für ihn in Frage kommenden Bestimmungen zur Steuerermäßigung, Wohnraumbeschaffung, Fürsorgeunterstützung, Ueberbrückungsgeld usw. unbekannt. Die Zahl der Mitglieder des Kreisverbandes nimmt dementsprechend täglich zu. (ch)

Großfener in Kirschhausen

Kurz nach Mitternacht brach am Mittwoch im Sägewerk Nikolaus Mit sc h in Kirschhausen ein Großfeuer aus, das in den aufgestapelten Vorräten und dem Gebälk reichlich Nahrung fand und rasch um sich griff. Die Feuerwehren von Heppenheim, Kirschhausen und Sonderbach waren rasch zur Stelle, bemühten sich jedoch vergeblich, das Feuer einzudämmen. Wirtschaftsgebäude und Scheune brannten restlos ab. Nur ein Teil des Wohnhauses blieb erhalten. Das Großvieh konnte gerettet werden. Der Schaden von etwa 60 000 DM ist weitgehend durch Versicherung gedeckt. Es besteht Verdacht auf Brandstiftung. r.

Odenwälder Brieftauben unterwegs

Die „Reisevereinigung Odenwald“, Sitz Michelstadt, führte einen Wettflug von Freilassing über eine Flugstrecke von 365 km durch. Es wurden insgesamt 142 Tauben gesetzt, die sich in folgende Ortsvereine aufgliedem: Michelstadt 30, Erbach 4, König 14, Höchst 21, Steinbach 2, Groß-Bieberau 22, Reinheim 2, Lengfeld 18, Zeilhard 22, Sprachbrücken 6. Mit einer Fluggeschwindigkeit von 1330,7 m'Minute erreichte die erste Taube, die dem Züchter Georg Kränkel, Lengefeld gehört, ihren Schlag. In die Preise teilen sich: Michelstadt 4, Erbach 2, König 2, Höchst 3, Groß-Bieberau 4, Reinheim 2, Lengfeld 6, Zeilhard 11 und Sprachbrücken 2. Am Sonntag, dem 23. d. M., wird nochmals von Freilassing gestartet und am 29. 7. evtl, von Linz. (er)


So wirbt Nieder-Ramstadt, die Perle des Modautals zwischen den zehlh"y-9^l für seine 750-Jahr-Feier. Unser Bild zeigt das von Atelier Delp, Darmstadt, entworfene wirkungsvolle plakat-. Emich
So wirbt Nieder-Ramstadt, die Perle des Modautals zwischen den zehlh"y-9^l für seine 750-Jahr-Feier. Unser Bild zeigt das von Atelier Delp, Darmstadt, entworfene wirkungsvolle plakat-. Emich

Staubbedeckte Jahrtansende auf dem Rathausboden

Groß-Gerauer Heimatmuseum wird wieder eröffnet — Geheimnisvolle Buchstaben, deren Lösung niemand fand

Seit einigen Monaten ist der Groß-Gerauer Stadtarchivar Philipp Fuchs damit beschäftigt, das Heimatmuseum wieder einzurichten. Durch die Wirren des Krieges wurden die Zeugen einer Jahrtausende alten Vergangenheit des Gerauer Landes über Rumpelkammern und in alte Schränke zerstreut. Nun holt Stadtarchivar Fuchs all diese Dinge wieder hervor, ordnet, beschriftet, katalogisiert und sorgt für einen geeigneten Platz, wo das Auge heimtliebender Besucher diese Reste vergangener Zeiten wieder erreichen kann. Im Herbst dieses Jahres soll dann in der Ehrenhalle des Genauer Rathauses das Heimatmuseum wieder eröffnet werden. Bürgermeister Dr Lüdecke fördert dieses Vorhaben in verständnisvoller Weise. Viel Arbeit aber muß noch geleistet werden. Auf dem Dachboden des Rathauses unter dem kleinen Uhrtürmchen liegen die Jahrtausende noch in wirrem Durcheinander: zerfallene Schädel und Knochenreste, römische und fränkische Töpfe, Speerspitzen und steinzeitliche Gerätschaften, Reste eines Mörsers der mittelalterlichen Stadtverteidigung und Vieles andere mehr schlummert hier noch friedlich und staubbedeckt nebeneinander.

Im ersten Stock des Rathauses sind Schränke mit Hunderten von alten Büchern vollgestopft. Eine lange Reihe ”on „ Gerichts- und Währbüchern“ nimmt ihren Anfang im Jahre 1555. Auch Gemeinderechnungen und Ackerbücher aus alten Zeiten sind dort in Mengen vorhanden.

Unten in der Ehrenihalle des Rathauses ist für das Heimatmuseum schon ein hoffnungsvoller Anfang geschaffen: Ein 5000 Jahre alter Topf aus der Steinzeit, bronzezeitlicher Frauenschmuck (3500 Jahre alt), ein römischer Faltenbecher, ein fränkischer Bratrost (um 300 n. Christus), das versteinerte Knochenhom eines Auerochsen und eine zirka 100 000 Jahre alte Muschel aus dem Rheinischen Meer( das unsere Gegend einst bedeckte) sind repräsentable Stücke des Heimatmuseums.

An der Wand hängt die Fotokopie eines im Darmstädter Museum aufbewahrten Originalbriefes, in dem im Jahre 1002 Kaiser Heinrich der H. den „Domanialhof Geraha“ (= Gerau), an das Bistum Worms verschenkt; es wird die Gerauer befried’'gen, wenn sie hören, daß das später wieder rückgängig gemacht wurde. Auch eine umfangreiche Groß-Gerauer Stadtkasse mit kunstvollem Schloß wird noch aus dem späten Mittelalter aufbewahrt,.

Manches Kopfzerbrechen hat schon eine Gerauer Stadtfahne von 1596 bereitet, deren stark beschädigtes Original auf dem Rathausspeicher liegt, von der jedoch, in der Ehrenhalle eine getreue Nachbildung aufgestellt ist. Außer dem hessischen sowie einem einfachen Gerauer Wappen und der Jahreszahl 1596 finden sich auf ihr noch die Buchstaben D. R. K, M. F. Vergeblich hat

der im Jahre 1930 verstorbene Heimatforscher Wilhelm Hermann Diehl versucht, für diese Buchstaben eine Erklärung zu finden. Bis heute hat man inzwischen noch nicht herausbekommen, was diese fünf Buchstaben bedeuten sc ”'n . . . (cg)


Der Schmuck einer „Schönen“ aus 3000 v. Chr. Foto: Suchy
Der Schmuck einer „Schönen“ aus 3000 v. Chr. Foto: Suchy

500 Jahre ist der linke Topf schon alt, während die Terakottavase aus der Zeit 200 bis 300 n. Chr. stammt. Foto: Suchy
500 Jahre ist der linke Topf schon alt, während die Terakottavase aus der Zeit 200 bis 300 n. Chr. stammt. Foto: Suchy

Nieder-Ramstadt im Wandel der Jahrhunderte

Große Vorbereitungen zur Feier des 750 jährigen Bestehens

Perle des Modautales, — diese Bezeichnung,.von kurzfristig hier weilenden Fremden oder Nachbarn erdacht, ist gut gewählt. Von bewaldeten Höhen rings umgeben, liegt Nieder-Ramstadt eingebettet zwischen 10 Hügeln, einstmals rebenbewachsene Hänge, deren terrassenförmigen Aufbau wir heute noch auf der Südseite des Schmallert sehen. Gemarkungsnamen wie: Wingertsberg, Sandwingert, berichten davon. Es war die Müller- und Bäckerzunft, deren Leistungen Alt- Nieder-Ramstadt seine Blütezeit im Mittelalter verdankte.

Einen genauen Einblick in die damaligen Verhältnisse gibt die in den nächsten Tagen erscheinende Festschrift, die nicht nur den Werdegang der Gemeinde von der Frühzeit bis zur Gegenwart, sondern auch die Zusammenhänge mit den großen geschichtlichen Ereignissen zeigt. Außerdem werden beigefügte Bilder, Ortsplan und Karte von der näheren Umgebung Nieder-Ramstadts den Inhalt anschaulich gestalten.

In diesem Sinne ist auch der Festzug zusammengestellt. 30 Gruppen werden durch die festlich geschmückten Straßen ziehen und dem Beschauer ein lebendiges Bild von einst und jetzt geben. Der erste Teil ist rein historisch, er gibt ein getreues Abbild der damaligen Bewohner und ihrer Tätigkeit. Die Gruppen und Wagen des 2. Teils zeigen das heutige Nieder-Ramstadt.

Den gleichen Zweck verfolgt auch die Ausstellung. In drei Sandkästen ist die Besiedlung durch die Franken, das mittelalterliche Müller- und Bäckerdorf und das heutige Nieder-Ramstadt dargestellt. Ein breites Bildband an der Wand zeigt die bauliche Entwicklung, Funde, Urkunden, alte Geräte und Möbel vertiefen den Einblick in das Werden der Gemeinde. Die Kirchengemeinden, die Innere Mission, der künstlerische Teil und die Leistungs- und Gewerbeschau werden einen Ueberblick über das rege Wirtschafts- und Gemeinschaftsleben Nieder-Ramstadts geben.

Die Ausstellung wird am 30. Juli, vormittags 11.30 Uhr, eröffnet und kann bis einschließlich 6. August besucht werden. Während der Festwoche finden Tagungen aller Art statt. Der Festzug ist für Sonntag, 6. Aug., vorgesehen und beginnt um 13 Uhr. Selbstverständlich sind auch die Heimatvertriebenen mit einer eigenen Gruppe vertreten.

Donauwalzer am Altrhein

Scmmemachtsfest in Stockstadt

Welche Landschaft wäre wohl geeigneter für ein solches Fest als das mit hohen Pappeln und alten Linden umsäumte, fast romantische Altrheingebiet bei Stockstadt?

Am Sonntagabend, 20 Uhr, wird sich ein Festzug durch die Straßen bewegen, um 21 Uhr beginnt das von der Sport- und Kulturgemeinschaft veranstaltete Fest am Altrhein. Mondscheinzauber, Rheinbeleuchtung und dazu das Solotanzpaar Erich Dilfer und Erika Riemenschneider vom Staatstheater Kassel.

Am Sonntag sind ab 9 Uhr Sportwettkämpfe am Rhein vorgesehen. Um 14 Uhr beginnt das Volksfest mit Tanz, Wurstschnappen, Sackhüpfen u. ä. Der Merkersche Massenchor mit 200 Sängern, der Gesangverein Harmonie Griesheim, der MGV 1813 e. V Leeheim und die Sport- und Kulturgemeinde Stockstadt werden zum Gelingen des Festes beitragen. (uc)

Verschärfte Kontrolle angeordnet

Besser die Kennkarte als einen Strafzettel in der Tasche

Das hessische Innenministerium hat angeordnet — so meldeten wir bereits — daß in der Zeit vom 20. Juli (also von heute an) bis 20. August die Kennkarten kontrolliert werden, weil in verschiedenen Fällen Staatenlosen und Ausländern eine Kennkarte ausgehändigt wurde, obwohl sie einen ausländischen Paß besitzen und eine Kennkarte ihnen nicht zusteht. Diese Maßnahme hat aber nicht etwa nur theoretischen oder gar rein bürokratischen Grund, sie soll vielmehr in der Praxis mithelfen, all denen noch schärfer als bisher auf die Finger zu sehen, die, gedeckt durch die deutsche Kennkarte, Geschäfte betreiben, die unbedingt strafwürdig sind. Es geht also auch hier gegen die „geräuschlosen Kaufleute“, die durch Schwarzhandel, Schmuggel und Zollhinterziehung den Staat um Millionen betrügen.

Es besteht zwar von jeher die Bestimmung, daß jeder seine Kennkarte stets mit sich führen, muß, um sich im Kontrollfalle ausweisen zu können und Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen, abef viel zu viele sind in dieser Hinsicht lässig geworden! Menschen, die tagtäglich unterwegs sind, die oft reisen, die einfach aus Gewohnheit ihre Brieftasche bei sich tragen, haben wahrscheinlich auch ihre Kennkarte immer zur Hand. Aber draußen auf dem Land ist das nicht so. Da haben zum Beispiel die meisten Arbeiter, die jahraus, jahrein von ihrem Wohnort in die Stadt fahren, vielfach ihre Kennkarte nicht immer greifbar — weit mehr aber ist das noch beim Landwirt der Fall. Er fährt früh ins Feld, bei dieser Hitze nur leicht bekleidet, hat also meist gar keinen Platz, keine Tasche, wo er dieses wichtige Papier unterbringen könnte.

Jetzt also kommen die Kontrollen: da ist es vor allem bei Reisen mit der Bahn (und gingen sie auch nur vom Städtlein über wenige Kilometer in die nahe Großstadt) zu empfehlen, die Kennkarte mitzunehmen. Zu Hause im Dorf, da kennt jeder jeden, da weiß der Gendarm oder der Polizeimann, wen er vor sich hat. Aber als Fremder in der Stadt kanns unter Umständen verhängnisvoll werden, wenn die Kennkarte nicht zur Hand ist, und sei es auch nur, daß ein Gang zum nächsten Polizeirevier notwendig wird, um Aufklärung zu bringen. Das kostet Zeit und unter Umständen Geld. Beides kann gespart werden.

Wir haben uns nun mit Gendarmerie- und Polizeistellen eines Landkreises, die mit der Durchführung der Kontrolle beauftragt sind, unterhalten und dabei Auffassungen festgestellt, die man uneingeschränkt als gesunden Menschenverstand bezeichnen darf. „Wenn wir zum Beispiel in ein Gasthaus kommen“, so kann man die Antworten sinngemäß zusammenfassen, „werden wir natürlich nicht den Wirt und auch nicht die uns seit langem bekannten Gäste unter die Lupe nehmen. Ihnen gilt diese Anordnung auch nicht. Es gibt aber auf dem Lande viel unsichere Kantonisten — die müssen sich selbstverständlich ausweisen.“

Also: in Zukunft am besten immer Kennkarte mitnehmen, „Wenn einer eine Reise tut . . . sonst kann er was erzählen!“ (RG)

Bissiges Pferd

Ein junger Mann aus Unter-Ostern machte ausnahmsweise nicht mit einem bissigen Hund sondern mit einem bissigen Pferd Bekanntschaft. Das Pferd „kniff“ ihn derart in den Arm, daß eine ärztliche Behandlung notwendig wurde. (ptoo)

Holzladung rutschte

Als der Kraftfahrer Hans Peter aus Reinheim am Dienstagnachmittag auf der Raststraße an der Autobahn bei Viernheim die Holzladung auf seinem Lastwagen sichern wollte, kam diese ins Rutschen. Peter wurde von den herabfallenden Stämmen so. schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus nach Mannheim transportiert werden mußte. (DT)

Schenune und Stall eingeäschert

In dem Anwesen des Landwirts Ernst Bormann, Biebesheim, Dammstraße 6, brach gestern aus bisher ungeklärten Gründen ein Schadenfeuer aus, dem die Scheune und der Stall zu mOpfer fielen. Durch das tatkräftide Eingreifen der Biebesheimer Feuerwehr konnte weiteres Unheil verhütet werden. C-od-)

Bibliser Sorgen um die Volksschule

Zuschuß zum Erweiterungsbau nur bei Steuererhöhung — Die Einwohner sind davon wenig begeistert

Bei einer kürzlich stattgefundenen Besprechung der Bibliser Gemeindevertretung gab Kreisoberinspektor Hartmann vom Landkreis Bergstraße einen ausführlichen Bericht über die finanzielle Lage des Kreises und ging hierbei auch auf das von der Gemeinde begonnene Schulbauprojekt ein.

Oberinspektor Hartmann legte die Gründe dar, die zur Ablehnung des Ar(tragsi maßgeblich waren. Die Gemeinde hatte für den Schulerweiterungsbau einen Zuschuß von 10 000 DM beantragt. Da die Steuerhebesätze der Gemeinde zu den niedrigsten des gesamten Kreises gehören, könne ohne deren Erhöhung ein Zuschuß nicht gewährt werden. Eine Steuererhöhung auf die Dauer von ein oder zwei Jahren wurde daher der Gemeindeverwaltung zum Vorschlag gemacht. Hiernach müsse die Grundsteuer A, die den land- und forstwirtschaftlichen Besitz betrifft, von 141 Prozent auf mindestens 180 Prozent, die Grundsteuer B, die den Hausbesitz betrifft, um mindestens 100 Prozent erhöht werden. Oberinspektor Hartmann versicherte der Gemeindeverwaltung, sich beim Kreisausschuß erneut einsetzen zu wollen, falls die Gemeinde diese Vorschläge akzeptiert.

Der Referent erklärte, daß der Landkreis Bergstraße wohl an Ausdehnung der umfangreichste, an finanziellen Mitteln jedoch sehr arm sei. Unter 100 Gemeinden befänden sich 73 selbständige Bürgermeistereien. 26 000 Evakuierte seien vom Kreis aufgenommen worden, obwohl im Odenwald sehr wenig Industrie bestehe. Dadurch müßten etwa 18 000 Arbeitnehmer in auswärtigen Industrien beschäftigt werden. Besondere Beachtung schenkte Oberinspektor Hartmann dem Umstand, daß dem Kreis im Jahre 1949 der geringste Teil Baudarlehen zugewiesen worden sei.

Abschließend machte Bürgermeister Reichert den Vorschlag, die Frage der Steuererhöhung in einer Bürgerversammlung zu erörtern. Es solle den Einwohnern klargemacht werden, daß die Erhöhung als ein Beitrag zum Schulbauprojekt betrachtet werden müsse.

Der daraufhin am vergangenen Sonntag einberufenen Bürgerversammlung wohnten Regierungsdirektor Ahl, Darmstadt, und Dr. Litzalek vom Resident Office des Landkreises Bergstraße bei. Bürgeiyneister Reichert erklärte den zahlreich erschienenen Versammlungsteilnehmern die Gründe, die zur eventuellen Steuererhöhung in Biblis führen sollen. Regierungsdirektor Ahl unterstrich diese Ausführungen, in dem er darauf hinwies, daß Zuschüsse für den begonnenen Schulerweiterungsbau nur dann gegeben werden könnten, wenn die der Gemeinde zur Verfügung stehenden Steuerhebesätze voll ausgelastet würden.

Gegen diese geplante Erhöhung wurde aus der Versammlung heraus allseits Stellung genommen. Man erklärte, daß weder der Gewerbetreibende, noch der Landwirt in der Lage seien, nur einen Pfennig an Steuern mehr zu zahlen. Die diesjährigen niedrigen Gurkenpreise wurden hierbei besonders hervorgehoben.

Da die oft erregten Debatten zu keinem Resultat führten, überließ man es der Gemeindevertretung, hierüber die Entscheidung zu fällen. (MW)

Zwei Kinder verbrüht

Ein tragischer Unfall ereignete sich in Waldamorbach. Das einjährige Söhnchen des Kraftfahrers Wilhelm Wendel griff in einem unbewachten Augenblick in der Küche nach der Schnur des elektrischen Tauchsieders, der noch in einer Kanne mit frisch gekochtem Kaffee stand. Die Kanne fiel um. Durch ihren kochenden Inhalt erlitt das Kind so schwere Verletzungen, daß es nach seiner Einlieferung in die Klinik von Bad König starb. (-ch-)

In E r b a c h wurde ein vierjähriges Mädchen von einem 14 Monate alten Jungen, dem es helfen wollte, eine Treppe hinabzusteigen, so heftig zurückgestoßen, daß es hinterrücks in einen auf dem Treppenabsatz stehenden Zuber mit kochender Waschlauge fiel. Das Mädchen erlitt so schwere Verbrühungen 2. Grades, daß es in die Heidelberger Klinik gebracht werden mußte. (-ch-)

Mädchenleiche am Rheinufer geläündet

Am Dienstag wurde bei Stromkolimeter 475 im Neurhein die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, handelt es sich um die 15jährige Mannheimer Schülerin Siglinde Auburger, die am 17. Juli bei Brühl im Rhein beim Baden ertrunken war.

Jlugendverderber am Werk

Am Montag gegen Abend lockte ein unbekannter Mann in Crumstadt ein Iljähriges Mädchen in den Wald, an dem er sich in unsittlicher Weise verging. Die Ermittlungen über seine Person sind noch im Gange. (DT)

„Frau ohne Kuß“ in Bensheim

Am Freitag gibt eine Gruppe von Opernschülern der hessischen Landesmusikschule um 20.30 Uhr im Kolping-Saal Bensheim die in Darmstadt und Umgebung schon wiederholt als Studio mit Erfolg aufgeführte Operette: ~Die Frau ohne Kuß“ von Walter Kollo. Die musikalische Leitung liegt in Händen von Ernst Krauskopf. HB

Mozart in kleinem Kreise

Im Hause Wolfarth in Roßdorf sind künstlerische Veranstaltungen keine Seltenheit. Ein am vergangenen Sonntag veranstaltetes Konzert reihte sich dieser Gepflogenheit würdig an. Maria Geißler (Piano) sowie die Herren Breitfelder und Engelmahn (Violine) boten ein überwiegend Mozart interpretierendes Programm. Frau Dr. Wolfarth gab eine von Professor Geißler verfaßte Einführung in Mozarts Leben und Wirken. Ausgewählte Sätze aus dem Es-Dur-Trio und dem Es-Dur-Konzert brachten die Künstler in technisch einwandfreier Wiedergabe und klarer Erfassung der Komposition zu Gehör. Das virtuose Können Frau Geißlers bot sich eindeutig in dem Menuett für Violine und Klavier, sowie dem Klavierkonzert dar. Das Melodrama „Mozart“ von Mos en - t h a 1 wurde durch Karl Bögel eindrucksvoll wiedergegeben, der auch die kaum bekannte humorvolle Dichtung Felix Dahns „Die Geschichte von der grauen Stute“ vortrug. Ein abendliches Programm, das es verdient hätte, einem größeren Zuhörerkreis zugänglich zu sein. (sl)

Meldungen aus den Landkreisen

Darmstadt-Land

Pfungstadt- Die Gemeindeverwaltung gab den Stand der Flüchtlingsbetriebe vom 15. Juli 1950 bekannt. Danach gibt es fünf selbständige Schneidermeister und drei Schuhmacher. Die folgenden Berufssparten sind jeweils einmal vertreten: Maler, Stellmacher, Mechaniker, Kraftfahrzeugmechaniker, Friseur, Elektriker, Juwelier, Apothekerin, Tischler. Weiterhin ein Baugeschäft und ein Glas- und Porzellanladen. Nur die günstige wirtschaftliche Struktur der Stadt, Fleiß und zähe Beharrlichkeit ließen die über den allgemeinen Durchschnitt hinausgehende Beteiligung der Flüchtlinge am gewerblichen Leben möglich werden. (ng)

Dieburg

Dieburg. Vor einer Wirtschaft in der Zuckerstraße wurde einem Gast aus Hemsbach an der Bergstraße das Kleinkraftrad von einem unbekannten Täter gestohlen. Der Dieb kam aber nicht weit. Schon auf der Straße nach Groß-Zimmern riß die Antriebskette, und dort wurde am nächsten Tag auch das Vehikel wiedergefunden. — Wenigstens den Hofhund hat ein bis jetzt noch unbekannter Einbrecher mitgenommen. Er war in ein Wochenendhaus in der Kettelerstraße eingedrungen, brach alle Türen des Anwesens auf, fand aber anscheinend nicht die vermutete Beute — und so ist er denn auf den Hund gekommen, bei dem es sich allerdings um eine wertvolle Boxerhündin handelt. (RG)

Ober-Roden. In der letzten Sitzung der Gemeindevertreter wurden alle vorliegenden Baugesuche einstimmig genehmigt. Die Ratsmitglieder verfaßten eine Resolution gegen die Baubehinderung durch die vorgesetzte Behörde im Siedlungsgelände an der Babenhäuser Straße. Das Protestschreiben wurde an das Staatsbauamt in Dieburg weitergeleitet. Herr 801 l erhielt in der Siedlung Waldacker Gelände zum Aufbau seiner Bäckerei. (gi)

Schaafheim. Bei dem von uns bereits gemeldeten Diebstahl zweier Stück Großvieh von einer Gutshofweide handelt es sich um trächtige Herdbuchrinder, die einen Wert von 3000 DM haben. (RG)

Babenhausen. Von der Gendarmerie wurden zwei Mädchen festgenommen und dem Kreisjugendamt zu,geführt, die vor kurzem aus der Erziehungsanstalt Marburg ausgerissen waren. — Aus einem Hause in der Schlierbacher Straße wurden von unbekannten Tätern Kleidungs- und Wäschestücke sowie ein Barbetrag gestohlen. Die Diebe waren von der Straße aus durch ein offenstehendes Fenster in das Schlafzimmer gestiegen. (RG)

Groß-Umstadt. Ein hiesiger Altwarenhändler verlieh vor einiger Zeit sein Motorrad, das er bis jetzt noch nicht zurückerhalten hat — es wurde von dem Entleiher inzwischen verkauft. (RG)

Erbach

Sandbach. Am Samstag findet das Richtfest des neuen Rathauses statt, zu dem Landrat Neff und Regierungsbaurat Sp e e 1 vom staatlichen Hochbauamt Erbach erscheinen werden. — Zur Zeit wird das Becken des Schwimmbades gereinigt. Im Laufe dieser Woche soll das Bad wiedet eröffnet werden. (hm)

Ober-Ostern. Bei günstigem Wetter brachte am Sonntag der Obst- und Gartenbauverein „Grund“ seine Mitglieder mit Omnibus nach Zwingenberg zum Pfirsichfest und zur Besichtigung des Obstgutes Thalhof bei Balkhausen, (ptoo) Unter-Ostern. Im Saale Schimpf gastierte das „Theater des Odenwaldes“ Erlenbach mit dem Lustspiel in 3 Akten von Ludwig Sippel „Ein Blitz aus heiterem Himmel“, (ptoo)

Hiltersklingen. Aßmannshausen und das Niederwalddenkmal waren das Ziel einer Omnibusfahrt des Männergesangvereins „Liederkranz“. Schönes Wetter und der gute Rheinwein sorgten für Stimmung. Erst um Mitternacht verspürte man Lust, wieder in den Heimathafen einzulaufen. (ptoo)

Bergstraße

Lorsch. Gestern mittag alarmierte die Sirene die Lorscher Bevölkerung zu einem in der Schreinerei Brunnengräber, Wormser Straße, ausgebrochenen Brand. Hilfsbereite Nachbarn und zufällig vorübergehende Straßenpassanten konnten jedoch das Feuer an seiner Ausbreitung hindern, so daß die Feuerwehr keine große Mühe mehr hatte, den Brand zu löschen. — In einer Sitzung des „Ried-Ring“-Ausschusses wurde in dieser Woche endgültig beschlossen, am 27. August 1950 ein Motorradrennen zu veranstalten. Nachdem man bei der letzten Motorsportveranstaltung am 4. Juni 1950 manche Lehre gezogen hatte, wird eine weit bessere Organisation für das gesamte Rennen, das wieder in allen Klassen gefahren wird, Fahrern. Zuschauern und auch der finanziellen Seite Vorteile bringen. Wie verlautet, sollen namhafte Rennfahrer eingeladen werden. — Der Verein für Körperbeschädigte und Kriegshinterbliebene beabsichtigt demnächst eine größere Omnibusfahrt »Ins Blaue“ zu unternehmen. — Eine behördliche Besichtigung des hiesigen Faselstalles brachte der Gemeinde Lorsch Lob und höchste Anerkennung für Pflege der Tiere und Instandhaltung der Räume.

Mitlechtern. Ais einem Pferdefuhrwerk auf einem abschüssigen Teil der Straße die Bremsen versagten, schlug der Wagen gegen einen Baum. Der Wagenlenker fiel auf die Straße und wurde überfahren. Seine Verletzungen waren so erheblich, daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Die Beifahrer kamen mit dem Schrecken davon; die Pferde rissen sich los und gingen im Galopp querfeldein. (-r)

Trösel. Durch den Genuß unbekannter Pilzsorten zog sich eine Einwohnerin ein-, starke Vergiftung zu, die ihre Ueberführung in die Heidelberger Universitätsklinik erforderlich machte. _ ("*)

Eulsbach. Am Samstag findet eine Bürger ve rsammlung statt, zu der Vertreter des Kreisamtes und des Kreis-Resident-Office ihr Erscheinen zugesagt haben. (-r)

Groß-Gerau

Büttelborn. Unweit der Unterführung am Dornberger Bahnhof drückte der Anhänger eines schwerbeladenen Lastzuges in der Kurve einen Personenwagen zur Seite. Es entstand erheblicher Sachschaden. (Kb)

Königstädten. Am 12. August, dem Tag des nächtlichen Luftangriffes im Jahre 1944, trauert die ganze Gemeinde um die damals ums Leben gekommenen Ortsbürger. An diesem denkwürdigen Tag soll die neue Glocke der evangelischen Kirche der Notstandsgemeinde ihr erstes Geläut geben. (Kb;

Trebur. Der Turnverein 1886 unternahm am Sonntag mit 120 Teilnehmern einen Omnibusausflug in das Nahetal, wo Sehenswürdigkeiten in Bad-Kreuznach, Bad Münster und der herrliche Aussichtspunkt „Rheingrafenstein“ besichtigt wurden. (Kb)

Raunheim. Ein achtjähriges Mädchen fiel knapp vor dem Pkw des Bäckers Ho 11 um so unglücklich vom Rad, daß es mit einer schweren Beckenverletzung ins Rüsselsheimer Krankenhaus gebracht werden mußte. (au)

Bauschheim. In der letzten Gemeinderats. Sitzung wurden die Arbeiten an der Bedürfnisanstalt der Schule vergeben. Demnächst soll die Verlegung der Wasserleitung in der verlängerten Baumstraße und in der Taunusstraße ausgeschrieben werden. (au)

Am 18. Juli 1950 verschied nach längerem Leiden Herr Heinrich Himmelmann Rottenführer i. R. im 79. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Poth Witwe Darmstadt-Eberstadt, 19. Juli 1950 Robert-Koch-Straße 3 Die Beerdigung findet am Freitag, 21. Juli 1950, um 11.15 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.

Am 18. Juli 1950 ist unser guter Vater, Großvater, Schwiegervater und Bruder Karl Christ Reichsbahn-Sattler i. R. im 73. Lebensjahr von uns gegangen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Christ jr. Darmstadt, den 19. Juli 1950 Die Beerdigung findet am Freitag, 21. Juli 1950, 15.15 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.

TODESANZEIGE Nach Gottes heiligem Ratschluß entschlief gestern abend 9.30 Uhr an ihrem 82. Geburtstage nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unsere liebe Schwester, Schwägerin, Tante und Patin, Fräulein Margarethe Müller Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Jakob Jüngling 3. nebst allen Angehörigen Nauheim, den 17. Juli 1950

Bestattungen am Donnerstag, dem 20. Juli 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 14.00 Margarete Ruhmann geb. Witzler, Bismarckstraße 3, 62 J. Arheilger Friedhof: 16.00 Jakob Feissel, Hirschstraße 4, 71 J. Feuerbestattung: Waldfriedhof: I 13.45 Marie-Luise Erle, Roßdorf b/Darmst., 62 J.

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