Bleibt es beim alten Brotpreis?
Verhandlungen der Regierung mit Gewerkschaften und Bauernverbänden / Gegen Steuererhöhung
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 18. Juli. Wegen des Brotpreises verhandelt das Kabinett mit den Gewerkschaften und den Bauernverbänden, mit Fraktionen, mit den betreffenden Wirtschaftszweigen und auch mit den Alliierten. Die Pläne der Regierung zur Lösung dieses Problems sind, wie ein Sprecher erklärte, in der Kabinettssitzung am Dienstag einmütig gefaßt worden. Der Brotpreis war das einzige Thema der Sitzung.
Im Mittelpunkt der Pläne der Regierung steht nach wie vor die Herstellung eines Mischbrotes, das einer marktgängigen Brotsorte gleichwertig oder, nach einer anderen Version, ungefähr gleichwertig sein soll und zum alten Preis verkauft werden soll. Über diese Frage wird mit den zuständigen Wirtschaftszweigen verhandelt. Die Regierung hält ihre Meinung aufrecht, daß diese Wirtschaftszweige bei dieser Lösung ihr Auskommen zwischen dem neuen Getreidepreia und dem alten Brotpreis 'finden müßten und könnten.
Hier zeigt sich das eigenartige Schauspiel, daß die Regierung in den Verarbeitungsspannen der betreffenden Wirtschaftszweige noch Reserven sieht, während die sozialdemokratische Opposition sich hinter die Bäcker stellt und ihre Forderung anerkannt hat, den Brotpreis bei der Erhöhung des Mehlpreises zu steigern.
Ebenso hat auch der sozialdemokratische Sprecher im Bundestag sich mit Nachdruck auf die Margarineindustrie berufen und in diesem Falle die Meinung der Industrie für maßgebend erklärt, daß eine Ausgleichsabgabe von der Margarineindustrie nicht getragen, sondern auf den Preis geschlagen werden müsse. Dagegen hält die Regierung eine Erhöhung des Margarinepreises durch diese Abgabe angesichts des Sinkens der Rohstoffpreise für diese Industrie für durchaus unberechtigt. Der Regierungssprecher erklärte, daß die Regierung jede Erhöhung der Ausgleichsabgabe auf Margarine über 25 Pfennig je Kilogramm ablehne, während die Bauernverbände eine Abgabe von 50 Pfennig gefordert haben. Da die Regierung nach den weiteren Erklärungen des Regierungssprechers auch jede Erhöhung der Umsatzsteuer und der Einkommensteuer ablehnt, scheint sie nach wie vor die Ausgleichsabgabe auf Margarine für die einzige Möglichkeit zu halten, eine weitere Subventionierung der Einfuhren von Brotgetreide und Düngemittel zu finanzieren.
Denn die Herstellung eines Brotes zum alten Preis könnte nur die Erhöhung der inländischen Getreidepreise auffangen. Da aber auch diese neuen Preise noch immer unter dem Weltmarktpreis für Getreide liegen, stellt sich darüber hinaus die Aufgabe der Herabschleusung der Einfuhren auf diesen neuen Inlandspreis durch die Subventionen, die der Bundestag beschlossen hat.
Die Bundesregierung ist entgegen einer in der Oeffentlichkeit vertretenen Anschauung nicht verpflichtet, jeden Beschluß des Parlamentes auszuführen. Das Grundgesetz bestimmt, daß Beschlüsse des Bundestags, die neue Ausgaben in sich beschließen, der Zustimmung der Bundesregierung bedürfen. Darüber hinaus hat der Bundestag selbst sich vor einiger Zeit dafür ausgesprochen, daß Anträge, die Ausgaben bedingen, gleichzeitig mit der Angabe der Deckung dieser Ausgaben verbunden sein müssen. Sein Beschluß über die Weiterführung der Subventionen enthält aber nur
die Genehmigung für die Regierung, diese Subventionen im sogenannten Haushaltsvorgriff zu zahlen, den das Grundgesetz vorsieht.
Eine neue Verhaftung
wegen Atomspionage
Washington, 18. Juli. (AP.) Das amerikanische Bundessicherheitsamt hat den 32 jährigen Amerikaner Julius Rosenberg in Verbindung mit der Atomspionage-Affäre in den Vereinigten Staaten verhaftet. Der Leiter des Bundessicherheitsamtes. Hoover, nannte Rosenberg ein weiteres wichtiges Glied des sowjetischen Spionage-Apparates. Rosenberg war Leiter einer Neuyorker Maschinenfabrik und hat früher bei den. amerikanischen Nachrichtentruppen gedient.
Rosenberg wird vorgeworfen, während des Krieges amerikanische Verteidigungsgeheimnisse an die Sowjet-Union verraten zu haben.
Hübner ist zuverstchtlich
Heidelberg, 18. Juli, (dpa) Der stellvertretende amerikanische Oberkommandierende in Europa, Generalleutnant Hübner, hat am Dienstag versichert, daß es für jeden Angreifer eine harte Nuß sein werde, die gegenwärtig in Europa stationierten amerikanischen Streitkräfte zu überwinden. Er sei überzeugt, daß die Amerikaner Deutschland und Westeuropa sehr gut verteidigen könnten.
London entschließt sich zu Sanktionen
Keine britischen Oellieferungen mehr an Rot-China
Drahtbericht unseres Korrespondenten
F. A. Z. Frankfurt, 18. Juli. Von der britischen Oberkommission ist am Dienstag in Frankfurt bekanntgegeben worden, daß alle britischen Oellieferungen an Rot-China, die in den letzten Monaten nur einen minimalen Umfang gehabt haben sollen, jetzt ganz aufgehört haben. Die britischen militärischen Stellen haben alle Oel- und Treibstoffvorräte britischer Oelgesellschaften im Fernen Osten mit Beschlag belegt, da sie hierüber im Rahmen der britischen Teilnahme an der Korea-Aktion verfügen wollen.
In den ersten sechs Monaten des Jahres 1950 wurden von der britischen Shell-Gesellschaft 26 000 Tonnen Oel an China geliefert. Dies sind weniger als zehn Prozent des chinesischen zivilen Verbrauches. Dabei wurde kein Treibstoff mit hoher Oktanzahl geliefert. 1949 betrugen die britischen Lieferungen an China noch Tonnpn und 1948 sogar 257 000 Tonnen.
iunnen uuu . • Die amerikanische Regierung ist von britischen Maßnahme unterrichtet worden.
Sabotage an Kriegsschiffen?
England ist beunruhigt
London, 18 Juli. (AP.) Drei neue Fälle mutmaßlicher Sabotage an britischen Kri g schiffen sind am Dienstag in Lon?™ kanntgegeben worden. S.e haben ' drei Zerstörern zugetragen. Einzelneren wurden von der britischen Admiralität nicht bekanntgegeben. Die britische Oeffentlichkeit zeigt sich in steigendem Maße über die Sabotagewelle alarmiert. Die Presse verlangt in Leitartikeln einschneidende Schutz- und Abwehrmaßnahmen gegen die Umtriebe der kommunistischen fünften Kolonne.
Indonesien meldet Erfolge
Gegen die Republik der Südmolukken
Djakarta, 18. Juli, (dpa) Nach einem Bericht des indonesischen Verteidigungsministeriums soll die erste Phase der Kämpfe gegen die Republik der Südmolukken für die indonesischen Truppen gut verlaufen sein. Die Landungen auf der Insel Buru seien erfolgreich abgeschlossen worden, und die Bevölkerung habe die indonesischen Truppen mit Freude begrüßt.
Der Sender der aufständischen Südmolukken behauptet dagegen, nach den Landungen indonesischer Einheiten auf der Insel Buru hätten sich schwere Kämpfe entwickelt, bei denen beide Seiten Verluste erlitten hätten. Die Republik der Südmolukken war im vergangenen April von föderalistischen Aufständischen ausgerufen worden, welche die Zentralisierungspolitik der indonesischen Regierung ablehnten.
England wird deutlicher
Die öffentliche Meinung positiver zur Frage einer deutschen Armee
gr. London, 18. Juli. Die Times hat dieser Tage einen Brief veröffentlicht, in dem es abschließend hieß: „Es mag ein Risiko sein, eine deutsche Armee aufzustellen, aber sie nicht aufzustellen und ein unbewaffnetes Deutschland der Gefahr zu überlassen, vorn Osten überrannt zu werden, ist ein noch viel größeres Risiko. Und von zwei Uebeln soll man das kleinere wählen. Eine Gendarmerie, selbst wenn sie 25 000 Mann stark ist, ist kein Ersatz für eine Armee.“
Diese Zeilen lassen deutlicher als alle offiziellen Reden und Erklärungen den heutigen Standpunkt der öffentlichen Meinung Englands in dieser Frage erkennen und die tiefgehenden Wandlungen, die er in den letzten Monaten durchgemacht hat. Noch vor einem Vierteljahr überwogen in der Diskussion über das Thema der deutschen Aufrüstung eindeutig die ablehnenden Stimmen. Heute werden in der Oeffentlichkeit bereits Aeußerungen hörbar, die der Regierung zu langes Zögern und unzureichende Entschlußkraft auf diesem Gebiet vorwerfen.
Erst seit kurzer Zeit erörtert man in Kreisen der britischen Regierung ernsthaft die Frage einer Verteidigung Westdeutschlands gegen einen Angriff kommunistischer Kräfte aus dem Osten. Und die im Augenblick auffällig langsamen Fortschritte des Komitees, das sich mit der Revision des Besatzungsstatuts befaßt, sind in erster Linie darauf zurückzuführen, daß man sich hier bemüht, die Folgerungen aus der völlig veränderten politischen Situation zu ziehen.
Nach der Ansicht politischer Kreise Londons ist es, im Gegensatz zu früheren derartigen Verhandlungen, zur Zeit vor allem Frankreich, das darauf drängt, möglichst weitgehende Konsequenzen aus der gegenwärtigen europäischen Lage zu ziehen und Westdeutschland in irgendeiner Form in die europäische Verteidigung einzureihen. Auf englischer Seite dagegen macht sich im Augenblick eine starke Zurückhaltung bemerkbar. Die britische Regierung sucht anscheinend alles zu vermeiden, was in irgendeiner Weise zu einer Verschärfung der politischen Situation führen könnte. Hiesige Beobachter bringen dies mit den englischen Vermittlungsversuchen im Korea-Konflikt in Verbindung und erklären, man möchte in London dem keinen Vorwand für eine feindselige Haltung geben. Daher sei im Augenblick sogar das Thema der Bundespolizei noch einmal zurückgestellt worden.
In der englischen Oeffentlichkeit indessen machen sich zunehmende Zeichen der Ungeduld und der Sorge bemerkbar, daß es möglicherweise dann zu spät dafür sein könne. „In Korea sind wir in einer fatalen Weise überrascht worden“, schreibt der einflußreiche Londoner „Observer“. „In Europa sind die zahlreichen russischen Satelliten erheblich stärker als in Nordkorea. Sind die Grenzen Westdeutschlands und Westeuropas wirklich geschützt gegen einen unvorhergesehenen Angriff nicht von selten der Russen. sondern durch die vereinten Kräfte Ostdeutschlands, Polens und der Tschechoslowakei?“
In San Diego (Kalifornien) ist die 1. Marine-Division zur Verstärkung der Truppen in Korea eingeschifft worden. Sie wird im Geleitzug über Japan an die Kampffront gebracht
Bedingungen
-1. Die einseitige Bekanntgabe des Vermittlungsvorschlages zum Korea-Konflikt durch den Kreml hat in Neu-Delhi peinliche Ueberraschung ausgelöst. Sie wird von westlichen Politikern so ausgelegt, daß sich Stalin damit nur den Anschein einer Verhandlungsbereitschaft geben wolle. Die russische Antwort enthielte zwar Bedingungen, aber keinerlei Zugeständnisse. Es wird vor allem die Bereitschaft des Kremls vermißt, einer Wiederherstellung der Demarkationslinie des 38. Breitengrades zuzustimmen. Und das bleibt die Bedingung, die nicht allein nach amerikanischer Ansicht eine Befriedung gewährleisten würde.
Daher mehren sich bereits die Stimmen der Skepsis. Man kann in Stalins Antwort keinen praktischen Weg zur Beilegung der Auseinandersetzung erkennen. Wenn es zuträfe, so schreibt ein Pariser Blatt, daß Stalin nichts von eigenen Bemühungen gesagt habe, um die Angreifer auf ihre Ausgangsstellungen zurückzubringen, dann müsse man sich fragen, ob „der geniale Vater der Völker“ sich nur über die übrige Welt lustig machen wolle. Er gebe sich damit den Anschein, als ob er mit der ganzen Korea-Angelegenheit nichts zu tun habe und die Invasionstruppen durch den Heiligen Geist bewaffnet worden seien.
Weiter wird bemerkt, daß die britische Aktion, die auf Wunsch Gromykos fortgesetzt wird, von Presse und Rundfunk in Moskau stillschweigend übergangen wird, was man als eine betonte Unfreundlichkeit gegenüber dem Westen auslegen könne. In Kreisen des Sicherheitsrates hält man strikt an der Auffassung fest, daß zunächst einmal die Beschlüsse des Sicherheitsrates befolgt werden müssen, die eine Einstellung des Kampfes und eine Zurücknahme der nordkoreanischen Truppen verlangen. Erst wenn diese Beschlüsse verwirklicht worden sind, könnten die Fragen der Zulassung nordkoreanischer Vertreter zu den Verhandlungen des Sicherheitsrates und die Frage der Vertretung Rot-Chinas bei den Vereinten Nationen erörtert werden. Nehrus Vermittlungsvorschlag sei zwar in guter Absicht erfolgt, er könnte jedoch von der sowjetischen Propaganda vorteilhaft ausgeschlachtet werden, wenn die „Vorschläge“ des Kremls nicht zu einem Gespräch führen würden.
Zwischen Bonn und Bürgenstock
Wr. Bürgenstock, das ist der Felskamm am Südufer des Vierwaldstätter Sees, unweit von Luzern, berühmt durch die Herrlichkeit seiner Aussicht. Dort weilt seit einer Woche der Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer. Nicht völlig abgeschieden von aller Politik, wie hinzuzufügen ist. Denn neben anderen hervorragenden Persönlichkeiten weilt im gleichen Kurhaus auch Monsieur Jean Monnet. Der Mann müßte in Deutschland, vor allem in der Bundesrepublik, bekannter sein, als er es ist. Denn er ist neben Robert Schuman einer der bedeutendsten Männer in der Gegenwartsgeschichte Frankreichs. Von ihm stammt der nach ihm benannte Vierjahresplan für die wirtschaftliche Wiedererstarkung Frankreichs, mit dessen Verwirklichung er seit 1946 als Staatskommissar und Leiter der Nationalen Planungskommission betraut ist.
Keines der bisherigen Kabinette hat an ihm vorübergehen können. Vermutlich wird auch kein anderes dazu imstande sein.
Als im Mai dieses Jahres Robert Schuman mit seinem Plan hervortrat, die Schwerindustrie in Westeuropa zusammenzuschließen und zunächst einmal die französische und deutsche Schwerindustrie zusammenzufassen, sah man sich allenthalben vor einer Weltsensation, und das war sie schließlich auch. Nur ganz beiläufig hat man von der Tatsache Kenntnis genommen, daß ein Finanzmann und Bankier in der Umgebung Robert Schumans mit dem Staatsauftrag belehnt würde, die englischen und amerikanischen Fachleute über das Ziel und die Bedeutung des Schuman-Plans zu unterrichten. Am Quai d’Orsay war man nicht umsonst überzeugt, daß dieser Mann aus der Rue Martignac 18, Jean Monnet, hierfür wohl bestens geeignet sei. Denn es ist heute kein Geheimnis mehr, daß Monnet der geistige Urheber des Schuman-Planes ist.
Das geschichtliche Verdienst des französischen Außenministers wird dadurch nicht geschmälert. Monnet hätte hundert oder wieviel mal über seinen Plan vor französischen Kaminen träumen können: ohne einen Außenminister, der ihm kongenial und mit ihm eines Willens war, hätte sein Plan, so revolutionär er auch war, bloße Träumerei bleiben müssen.
Mitte Mai kam über Rundfunk und Presse eine offiziöse Mitteilung aus Bonn an die Öffentlichkeit der Bundesrepublik: Man habe „mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß Monsieur Jean Monnet zum Leiter der französischen Delegation bei den deutsch-französischen Verhandlungen über das Projekt der schwerindustriellen Union in Aussicht genommen“ sei.
Plan — oder nicht?
Wer also will, mag vermuten oder folgern: Es sei doch wohl nicht ganz von ungefähr, daß ausgerechnet die beiden Staatsmänner, die für den Abschluß und den Inhalt einer französisch-deutschen Schwerindustrie - Union verantwortlich und zuständig sind, sich an einem neutralen Ort, im schweizerischen Kanton Unterwalden, zusammenfinden. Beide gewissermaßen incognito, getarnt, unter der Vorspiegelung von Erholungsbedürftigkeit (die wohl bei keinem der beiden Männer auf bloßer Heuchelei beruht).
Vielleicht, so könnte man sagen, habe sich noch nicht häufig in der Geschichte die Erholungsbedürftigkeit von Staatsmännern dermaßen schicksalhaft auf einen einzigen Ort konzentriert wie hier.
Zwei der wichtigsten Völker Westeuropas, jedenfalls die beiden Völker, von denen das Zustandekommen der Europa-Union und damit die Rettung Europas vor dem Untergang entscheidend abhängt — haben zur Zeit alle Veranlassung, in diesen Hoch- und Nachsommertagen nach dem Kurhaus an der Hammetsch-Wand zu sehen. Keinerlei Kunstfertigkeit des diplomatischen Protokolls wird imstande sein zu verhindern, daß diese zwei Männer höchst zwanglos, in der losen Jacke, ohne zeremonielle Begleitung und Bekleidung, Zusammentreffen, vielleicht am Frühstückstisch bei „ham and eggs“, bei Ahorn-Marmelade und Grapefruit.
Die Sache — es erscheint fast putzig, wenn man sie in der Nähe betrachtet — steht also zur Zeit so: Ganz gewiß, mächtig sind die Kabinette und die Volksregierungen in Bonn und in Paris. Aber was sie auch in diesen zwischenzeitlichen Sommertagen für staatsnotwendig befinden, das hat bloße Übergangsbedeutung. Es kommt darauf an, daß Adenauer, steif im Kreuz, vom Leben zur Steifnackigkeit gezwungen, mit einem Mitbewohner des Kurhauses am Bürgerstock zu plaudern und zu promenieren gezwungen ist.
Der Mitbewohner des Kurhauses, der ihm stets zur rechten Seite gehen wird, auf der kurzen Promenade, in deren äußerstem Winkel eine uniformierte Zigeuner-Kapelle spielt, die, lästerlich, von sich behauptet, die Nachfolge-Truppe von Radicz Bela zu sein —, dieser Mitbewohner ist mehr als ein Jahrzehnt jünger, also elastischer als Adenauer. Jean Monnet ist heute zweiundsechzig. Das ist ein Vorteil für Frankreich. Adenauer ist jenseits der Siebzig. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil für die Bundesrepublik und für Westeuropa.
Draht nach Bürgenstock
Telefon-Fräulein in Bonn zu sein, behaftet mit der Aufgabe, die Drahtverbindung zwischen Bonn und Bürgenstock herzustellen und aufrechtzuerhalten — wer möchte das heute sein? Alles Mitgefühl des Herzens mit ihr: sie wird später, wenn sie ihre Memoiren schreibt, erklären müssen, daß diese Tage der Höhepunkt ihres Lebens gewesen seien. Denn die Minister, die in Bonn zurückgeblieben sind, sehen sich in schwülen Bedrängnissen. „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse“ witzelt die „Nationalzeitung“ in Bern. Es hat sich im Bonner Bundestag Disziplinlosigkeit ereignet — die Fraktion der christlichen Demokraten hat Mißlichkeit verursacht. Von ihrer Abstimmung sagt alle Welt: „Wäre er dagewesen, Adenauer, dann hätten sie sich das nicht herausgenommen.“
Aber war das so? Es war natürlich nicht so. Auch dem Bundeskanzler Adenauer gegenüber, und ihm mitten ins Gesicht, hätten die Nein-Sager vom vergangenen Freitag Widerspruch erheben müssen. Allerdings: Falls er dagewesen wäre, dann hätte er ihnen, in seiner schroffen Art, erklärt, daß es noch höhere Gesichtspunkte gibt als den Krach über die Subventionen und die Brotpreise. Es ist zu gewärtigen, daß er die Widersacher irgendwie „zusammengestaucht“ hätte, indem er ihnen nebenbei Aufschlüsse gegeben hätte über gewisse „europäische Gesichtspunkte“.
Das Bundeskabinett in Bonn erscheint, während Adenauer auf Bürgenstock ist, nicht in glorreichem Lichte. Sie, in Bonn, begehren nach ihm. Sie telefonieren und drahten nach ihm. Man sieht sich auf ihn angewiesen. Aber er, wenn er frühmorgens aufsteht und sich an seinen Frühstückstisch begibt, muß die Depeschen und Telefonate aus Bonn zu jener Ecke hinschieben, wo die Marmelade steht. Wichtiger, unendlich wesentlicher für Europa ist das, was nachher zu besprechen ist, sobald Jean Monnet sein Frühstück eingenommen hat.
Sanktionen
an. Auf Korea sind die Amerikaner weiter zurückgedrängt. Wahrscheinlich sind die Nordkoreaner schon in Taidschon. Rückwärtige Stellungen sind bereits vorbereitet. Bald wird das Kartenbild die amerikanischen Stellungen in einem großen Halbkreis um Pusan, den einzigen Hafen Südkoreas zeigen. Das ist bitter; aber daß es dahin kommen werde, war bereits seit langem zu sehen. Mit zwei Bataillonen kann man keine Armee aufhalten. Jetzt werden sich die Amerikaner um Pusan festkrallen, bis sie stark genug sind, wieder bis Söul und darüber hinaus zuzustoßen.
Aber zu der gleichen Zeit, in der die Truppen der Westmächte in Korea zu weiterem Rückzug genötigt sind, schließt sich ihre politisch-diplomatische Front enger zusammen. Die Briten haben sich entschlossen, an den Sanktionen gegen Rot-China teilzunehmen und dem Marschall Mao Tse-tung kein Oel mehr zu liefern. Das ist fast in demselben Augenblick geschehen, in dem die sowjetische Regierung bekannt gab, daß sie zu einem diplomatischen Druck auf Nordkorea bereit sei, wenn die Westmächte Rot-China in den Sicherheitsrat aufnähmen. Die britische Entschließung bedeutet doch wohl, daß man in der Downing Street nicht gewillt ist, diese Bedingung Stalins anzunehmen. Man weiß in London, daß die Sowjetunion und China zusammen im Sicherheitsrat stark genug wären, jedes Vorgehen gegen einen Friedensbrecher zu gefährlich zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen.
Die britische Regierung erkennt mit ihrem neuen Entschluß an, daß ihre Vermittlung noch zu früh gekommen ist und daß es drst noch militärischer Erfolge in Korea bedarf, wenn ein Friedensgespräch zustande kommen soll. Ihre neuen Entschlüsse sind ihr nicht leicht geworden; man braucht in diesem Zusammenhang nur das Wort Hongkong auszusprechen. Um so bedeutungsvoller ist es, daß Großbritannien nun doch, entschlossener als bisher, an die Seite der Vereinigten Staaten getreten ist.
Schwierigkeiten
Fi. Die Koalitionsgespräche in Schleswig-Holstein dauern noch an. Dem anfänglichen Triumph der Flüchtlingspartei ist wie ein dunkler Schatten die Schwierigkeit der Regierungsbildung gefolgt, die allein erst dem Wahlsieg der Vertriebenen zu politischer Wirksamkeit verhelfen kann. Die Flüchtlingspartei hat es von vornherein abgelehnt, sich mit einer Minderheiten-Regierung zu versuchen. Denn das würde dem Elan der jungen Interessengemeinschaft die Spitze brechen, die sie benötigt, um den sozialen Forderungen ihrer Wähler gerecht zu werden. So ist der Optimismus, mit dem anfänglich die Sozialdemokratie ihrem eigenen Koalitionsangebot entgegensah, inzwischen etwas gedämpfter geworden. Man weiß auf beiden Seiten, daß eine solche Verbindung nur möglich wäre, wenn sie von der Dänenpartei (Südschleswigsche Wählervereinigung) unterstützt, zumindest aber geduldet würde. Und eine solche Unterstützung ist, den politischen Zielsetzungen dieser Partei zufolge, ein Unsicherheitsfaktor, den man lieber vermeiden möchte.
Ein Versuch der Vertriebenen, mit der Freien Demokratischen Partei in ein Koalitionsgespräch zu kommen, darf ebenfalls als gescheitert angesehen werden. Denn mittlerweile haben sich die Christ-- lich-Demokratische Union, die Freien Demokraten und die Deutsche Partei, die schon gemeinsam in den Wahlkampf zogen, zu einer Fraktion zusammengeschlossen. Sie bilden mit 31 Sitzen zur Zeit die stärkste Gruppe im schleswigholsteinischen Landtag. Diesen Block zu sprengen, dürfte für die Heimatvertriebenen schwierig und nach Verlautbarungen maßgeblicher Persönlichkeiten der Freien Demokratischen Partei nahezu unmöglich sein. Da die Flüchtlinge weiter eine Koalition mit den Christlichen Demokraten wegen der Person des Bundesfinanzministers Schäffer als unvereinbar mit ihren Zielsetzungen abgelehnt haben, wird die Frage der Regierungsbildung zu einem Rechenexempel, das alle Tücken einer Gleichung mit vielen Unbekannten in sich verbirgt.
Angesichts dieser Schwierigkeiten neigt man in Bonn immer mehr zu der Überzeugung, daß Neuwahlen in dem nördlichsten unserer Bundesländer unvermeidlich sind. Doch fragt es sich, ob das eine Lösung bringen würde, die der Bundesregierung angenehmer ist, als ihr der augenblickliche Erfolg der Vertriebenenpartei unangenehm zu sein scheint. Denn es wäre wenig realistisch gesehen, wollte man sich in Bonn der Hoffnung hingeben, eine zweite Wahl brächte einen Stimmenzuwachs für die Regierungsparteien. Sie würde lediglich die Position der politischen Gruppe verstärken, die jetzt so urplötzlich aus dem Boden gestampft auf die Regierungsväter ohnehin schon bedrohlich wirkt.
Die nächsten Tage werden erweisen, ob ein anderer Ausweg als nur über die schwache Brücke der Neuwahlen möglich ist. Für die Vertriebenen hängt Entscheidendes davon ab, ihre anfängliche Stoßkraft zu erhalten und durch eine geeignete Regierungsbildung nach Möglichkeit zu verstärken. Denn für die Masse der Entrechteten bleibt immer noch der Angriff die beste Verteidigung.
Erste Delphiade 1950
Eine Olympiade des Geistes im Dienste der Völkerverständigung und der Freiheit des Menschen
An den Litfaßsäulen klebt ein großes grünes Plakat mit der Ueberschrift „Erste Delphiade“. Eine Woche hindurch sind studentische Theatervorstellungen angezeigt. Ausführende sind deutsche und ausländische Studenten. Die Menschen, die vor den Plakaten stehen, fragen sich: was ist denn das nun wieder? Was soll uns das heute? Nur hübsch langsam. Zunächst einmal: Delphi, die alte Kultstätte Griechenlands, war zugleich auch der Ort dichterisch-religiöser Spiele, die in einem Theater Tausende von Andächtigen versammelte. Zu einer solchen Andacht streben die Delphiaden, deren erste am 21. Juli in Mainz beginnt, ins Leben gerufen von der Johannes- Gutenberg-Universität; getragen von studentischer Jugend aller Fakultäten, geführt von einem Manne der Kunst und der Wissenschaft.
Jugend in innerer Not
Und der Grundgedanke? Jugend ist in jedem Lande in innerer Not, die Jugend, die nicht nur dem Materiellen verhaftet ist. Sie weiß, daß internationale Sportwettkämpfe, so begrüßenswert sie sind, auf die Dauer keine völkerverbindende Kraft haben. Sie spürt, daß nur das Musisch-Geistige und die Freundschaften, die daraus erwachsen, wahre Gemeinschaft zu schaffen und zu halten vermögen. Auch über Kriege hinweg. Einer solchen Gemeinschaft will die Erste Delphiade einen günstigeren Boden bereiten, als es bisher möglich war, will es gerade in dieser weltpolitisch düsteren Zeit, in der von neuem bedroht erscheint, was dem Kulturmenschen auf der ganzen Erde höchstes Gut ist: internationale Geistigkeit, die keines Landes Grenzen und keine Rassen anerkennt. In diesem Bereich ist die monumentale Dramatik das Zeichen, um das sich die Anhänger des in Mainz gegründeten Collegium Delphicum versammeln. Jene Werke also sind es, die um das tragisch bestimmte Schicksal des Menschen wissen und ihn in dem ihm auferlegten Kampfe mit den dämonischen Mächten stärken und ihn trösten mit der Größe einer Weltanschauung und der Hoheit einer Form, in der diese Anschauung Gestalt gewinnt. Aischylos und Goethe vor allem sind die Schutzgötter dieser international voranstoßenden Jugend. Auch die Gefühlsmacht mittelalterlicher Mysterienspiele ist ihnen nahe. Ihre Bestrebungen haben nichts mit einer dilettantisch verschwommenen Sehnsucht zu tun, Theater spielen zu wollen, sondern kommen von dem Verlangen her, nicht nur die Pflege der Sprache in Rhetorik und Poetik zu betreiben, sondern in der Aufführung jener Werke das Völkerverbindende zu empfinden und zu fördern.
Vor fünfundzwanzig Jahren
Was nun gab den Anlaß, den „delphischen“ Gedanken in die Tat umzusetzen? Zur Ergänzung der Olympiade der Leiber galt es, eine Olympiade des Geistes zu schaffen. Die ersten Anhänger dieser Idee waren Kölner und Berliner Studenten. Die Berliner haben es mit ihrem 1923 gegründeten Sprechchor vermocht, in 25- jähriger Arbeit bei hervorragenden Universitäten vieler Länder Gleichgesinnte zu finden. In den Jahren 1927 bis 1942 hat das Berliner Institut „Die Perser“, den „Agamemnon“, den „Prometheus“ sowie „Stationen aus Goethes Faust I. und 11. Teil“ aufgeführt. Gastspiele in Athen, Kopenhagen, Oslo, Stockholm folgten. Es kamen Besucher aus Südafrika, Australien, aus den Vereinigten Staaten. An der Sorbonne, in Cambridge, in Oxford, Brüssel, Zürich, Madrid, Coimbra wurden Gruppen gegründet. Die politischen Ereignisse überschatteten den Wunsch nach einer ausgedehnten Zusammenkunft und engeren Fühlungnahme. Aber trotz Krieg und Schwierigkeiten aller Art ist der Zusammenhang bestehen geblieben, was deutlich wurde, als acht Tage, nachdem Paris wieder frei war, die französischen Studenten „Die Perser“ spielten, also jenes großartige Werk des Aischylos, in dem das besiegte Volk auf das würdigste behandelt, der Sieger keinerlei Triumphgeschrei über den Besiegten auästößt. Und im Jahre 1947 besuchten die französischen Studenten bereits ihre deutschen Freunde mit einer Aufführung des „Agamemnon“.
Ein solches Unterfangen bedarf einer Führung. Wenn man dem Vater der Idee, ihrem Pfleger und Propagandisten, dem Professor Dr. Wilhelm Leyhausen, gegenübersitzt, so weiß man schon nach den ersten Worten, daß da ein Besessener für sein Werk einsteht. Ein schauspielerischer Mensch mit lebhaften braunen Augen, ein Mann reifen Alters, dem die Sprache Lebenselement ist. Ein Vergnügen, ihm zuzuhören, wenn er formuliert, wenn er die Sätze baut und ihnen Atem zu geben versteht. In einer eiskalt gewordenen Zeit fast ein Wunder, wenn ein Gelehrter mit solchem Elan bereits über ein Menschenalter hinaus als Lehrender und Lernender der Jugend dient und kühn genug ist, ihr den Schwung in der Aufführung großer prophetischer Dramatik wiedergeben zu wollen. Er ist es auch gewesen, der seinerzeit den Sprechchor der Universität Berlin gründete und die studentischen Aufführungen im Berliner Staatstheater durchsetzte, unter Einbeziehung bedeutender Schauspieler in den Hauptrollen; ein Bestreben, das zum Aufführungsstil der Werke gehört, die für die Delphiaden ausersehen sind. Er ist es gewesen, der kürzlich in einer Zusammenkunft mit dem von der Besonderheit der Idee überzeugten Directeur General des Affaires Culturelles, M. Raimond Schmittlein, die Gründung des Delphischen Institutes in Mainz erreichte.
Um die Freiheit des Menschen
Und die politische Seite der Idee? Es geht um den so unendlich wichtigen Teil der Jugend, die zu allen Zeiten nach außen hin immer die hilfloseste gewesen ist. Und doch ist gerade sie für den Werdegang eines Volkes unendlich wichtig, weil aus ihr führende Menschen aller Bereiche hervorgehen. Werde diese Jugend, so meint Leyhausen, angeregt, an den ewigen Problemen der Menschheit tätig mitzuarbeiten, so werde sie die Zukunft Europas segensreich beeinflussen können, selber beeindruckt und geformt von Werken, in denen die großen Ideen der Menschheit besungen werden: Freundschaft, Recht und Gesetz, Freiheit des Menschen innerhalb der großen Ordnung; gleichgültig ob es sich um die antike Tragödie, das christlich-abendländische Weltspiel, um Byron oder Goethe handele. Die Beschäftigung mit solchen Kunstwerken unterscheide auch diese Gruppe von anderen a> ich lobenswerten akademischen Theatei studios.
Unzweifelhaft eine noch nicht verbrauchte Idee, vom gestalteten Wort her den Menschen neu zu erfassen. Student und Studentin, indem sie das Sprechen erfassen, lernen sie zu denken, weil das was sie zu sagen haben, von weiser, poetischer Gewalt erfüllt ist. Sie lernen zugleich, daß Wort und körperliche Bewegung eines sind, daß das Wort der Gebärde und die Gebärde dem Wort anzupassen sind. Die Idee Leyhausens rührt an die von vielen künstlerischen Menschen oft genug geäußerte Ueberzeugung, daß alles Poetische von Format erst dann zu voller Entfaltung kommt, wenn es, von lebendigem Atem durchwebt, gesprochen und nicht nur gelesen wird.
Man mag zu allen diesen Dingen stehen wie man will: Man wird dem Pflänzlein, das da wächst, Luft und Boden zusprechen müssen, damit es sich entwikkeln kann. In kaum einer anderen Zeit ist es so wichtig gewesen, alles, was sich im Gedanklichen rührt, mit aller Sorgfalt zu betreuen und zu beobachten; denn an wildem Unkraut, welches das Geistig-Musische zu überwuchern droht, gibt es wahrlich genug in unserer Zeit. Mag man die Bestrebungen einseitig nennen. Es gibt eine Kraft der Einseitigkeit, die dem Zersplitterten nicht zu eigen ist. M. G.
Tillesen will Schulz entlasten
Zeugenaussagen im Prozeß gegen einen Mörder Erzbergers
Drahtbericht unseres Korrespondenten
WS. Offenburg, 18. Juli. Im Prozeß gegen den zweiten Erzberger-Mörder, Heinrich Schulz, ist die Beweisaufnahme am Dienstag mit der Vernehmung der Zeugen fortgesetzt worden. Der am 26. August 1921 bei dem Attentat auf den Reichsfinanzminister Matthias Erzberger verletzte Reichstagsabgeordnete der Zentrumspartei Diez sagte aus, er habe nach dem Schuß Tillesens auf ihn keine Schreckschüsse mehr gehört. Der Angeklagte Schulz hatte erklärt, er habe nur, um Diez in die Flucht zu treiben und am Eingreifen zu hindern, zwei Schreckschüsse abgegeben.
Der bereits zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilte Heinrich Tillesen versuchte am Dienstag wieder, in den Zweifelsfällen die größere Schuld auf sich zu nehmen und Schulz zu entlasten. Er sagte: „So verblendet wie wir beide, waren natürlich die anderen Mitglieder der Organisation Consul nicht." Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich auch jetzt noch an seinen Eid gegenüber dem Germanen-Orden, von dem sie den Befehl zur Ausführung der Tat bekommen haben, gebunden fühle, sagte er: „Natürlich nicht.
aber ich will nicht, daß heute noch andere Mitglieder in die Sache hineingezogen werden.“
Im Verlauf der Vernehmung gab Tillesen an, während der Vorbereitungen der Tat und der Tat selbst der aktivere Teil gewesen zu sein. Während der ersten Verhandlungen vor seiner Verurteilung hatte Tillesen immer behauptet, er habe Erzberger aus eigenem Entschluß getötet. Selbst Killinger, einer der führenden Köpfe der Organisation Consul, habe nichts davon gewußt. Entgegen den Aussagen des Angeklagten Schulz erklärte er, daß sie vor der Tat bereits über die sogenannte „radikale Lösung“ gesprochen hätten. Am Montagnachmittag war Schulz weiter vernommen worden. Auf Fragen des Staatsanwalts hat er erklärt, er habe zwar von der Organisation ein monatliches Gehalt bekommen, darüber hinaus aber keine besonderen Gelder für die Ausführung der Tat. Schulz sagte ferner: „Ich möchte nicht behaupten, aber ich glaube, es stimmt, daß der spätere Chef der Abwehr, Canaris, Mitglied der Organisation Consul gewesen ist.“
Die Kum-Stellung besteht nicht mehr
Taidschon nach heftigen Kämpfen von den Amerikanern geräumt
Taiku, 18. Juli. (AP./BBC./dpa) Die Stadt Taidschon, die eine Zeitlang zur provisorischen südkoreanischen Hauptstadt ernannt worden war und in der auch das vorgeschobene amerikanische Hauptquartier und zahlreiche amerikanische Heeresdienststellen untergebracht waren, ist geräumt worden. Der Räumung Taidschons war eine kurze Ruhepause vorangegangen, bei der beide Seiten Truppen und Material zusammenzogen. Den Amerikanern gelang es, von dem bereits unter Feuer liegenden Flugplatz Taidschon noch einige Transportmaschinen mit Verwundeten nach Japan abfliegen zu lassen. In Taidschon herrschte bis zum entscheidenden Vorstoß der Nordkoreaner eine unheimlich wirkende Ruhe. Die Läden in den Straßen waren heruntergelassen und jede Bewegung erstarrt. Der größte Tqil der Zivilbevölkerung ist abtransportiert worden. Die Kum-Stellung besteht mit der eingeleiteten Rückzugsbewegung praktisch nicht mehr. Für die amerikanische Führung kommt es nun darauf an, die sich absetzenden Truppen so in die neuen Verteidigungsräume zu führen, daß sie diese erreichen, bevor der Feind mit starken motorisierten Kräften nachstoßen kann.
Nach der Auffassung des amerikanischen Hauptquartiers haben die Nordkoreaner noch nicht genügend Panzer und schwere Waffen zum energischen Nachstoß zur Verfügung. Trotzdem muß mit dem Auftauchen des Feindes in der tiefen Flanke der Amerikaner jederzeit gerechnet werden, da die Nordkoreaner bereits seit zwei Tagen eine tiefe Umfassungsbewegung mit motorisierten Truppen eingeleitet haben, die in südöstlicher Richtung angesetzt waren und deren Spitzen möglicherweise in kürzester Zeit mit amerikanischen Seitendeckungen Zusammentreffen können.
An der Nahtstelle zwischen der südkoreanischen und der amerikanischen Armee im Raum um Sangschu sind die amerikanischen Kräfte umgruppiert worden. Da der Feind jedoch nach wie vor erhebliche Verstärkungen auf den Straßen, die von Norden in das Kampfgebiet führen, heranbringt, und der Druck auf die Stellungen anhält, ist die Nachschublinie Pusan— Taiku — Kumchon heftig bedroht. Militärische Kreise sind davon überzeugt, daß von dem Ausgang der Schlacht im Westabschnitt der amerikanischen Front die Zukunft des Brückenkopfes Pusan abhängen wird.
An der Ostküste haben sich die Kämpfe versteift. Die nordkoreanischen Truppen haben nach Meldung des Senders Pjöngjang die wichtige Stadt Yongdok genommen. Die Stadt liegt 150 Kilometer nördlich Pusan.
In den Kreisen der amerikanischen Luftwaffe soll man sich, wie aus den Berichten eines offiziösen Organs der amerikanischen Fliegerstreitkräfte hervorgeht, über die Verluste an Maschinen auf dem koreanischen Kriegsschauplatz beunruhigt zeigen. In den ersten zehn Kampftagen hätten die amerikanischen Streitkräfte 27 Flugzeuge verloren. Auf den Monat umgerechnet, müsse das eine Verlustziffer von 81 Maschinen ergeben. Um diese Verluste zu ergänzen, müßten die Luftstreitkräfte die Ersatzmaschinen zu fünfzig Prozent in Anspruch nehmen.
Korea wirkt wie Pearl Harbour
We. München, 18. Juli. Der neue amerikanische Landeskommissar für Bayern, Professor Shuster, hat es auf seiner ersten Pressekonferenz in München am Dienstag als seine Aufgabe bezeichnet, ganz klar die Linie McCloys zu verfolgen. „Der neue Kurs begann mit McCloy. Seine Ernennung war der entscheidende Wendepunkt. Wer jetzt nach Deutschland kommt, ist nur dazu da, diese Politik mit aller Energie zu unterstützen.“
„Ich glaube sagen zu dürfen“, betonte Shuster, „daß während der nächsten sechs Monate auf dem Gebiet der Flüchtlingsfrage Dinge von großer Bedeutung passieren werden.“ Der Schuman-Plan habe das Denken Amerikas in einer Weise beeinflußt, die man nicht hoch genug einschätzen könne. Bei seiner Abreise aus den Vereinigten Staaten habe die Solidarität des amerikanischen Volkes gegenüber dem Korea-Konflikt einen Grad erreicht gehabt, der nur mit der nach der Katastrophe von Pearl Harbour verglichen werden könne.
Auch Frankfurt soll abstimmen
Ke. Frankfurt, 18. Juli. Auf der Kundgebung der Europäischen Bewegung in der Frankfurter Paulskirche am Montagabend hat der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Kolb erklärt, er werde den städtischen Körperschaften seiner Stadt empfehlen, auch in Frankfurt eine Volksabstimmung über ein vereintes Europa abzuhalten. Nachdem sich Breisach als Kleinstadt und Castrop-Rauxe] als Mittelstadt für ein vereintes Europa entschieden hätten, müsse nunmehr auch eine Großstadt ihr Votum abgeben. Frankfurt, eine Stadt, in der europäisch gedacht, gelebt und gehandelt würde, sei dazu am besten prädestiniert.
Dertinger in der Sowjetunion
Berlin, 18. Juli, (dpa) Der Außenminister der Deutschen Demokratischen Republik, Dertinger, ist überraschend in die Sowjetunion gereist. Vom Außenministerium wurde auf Anfrage mitgeteilt, daß er einen längeren Erholungsurlaub auf der Krim verbringen werde. Dertinger reiste so plötzlich ab, daß er kaum Zeit fand, sich von seinen Mitarbeitern zu verabschieden.
Ein Kindesmord
wird politisch ausgemünzt
er. Berlin, 18. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Eine durch Boten zu Zehntausenden als Flugblatt verteilte Sonderausgabe des Zentralorgans der Sozialistischen Einheitspartei „Neues Deutschland“ sucht aus dem Mord an der sechsjährigen Petra Koch in West-Berlin politisches Kapital zu schlagen. Unter der Ueberschrift „Die Schuld am Tode der kleinen Petra Koch“ heißt es, „der grausige Mord an der kleinen Petra Koch geht zu Lasten derjenigen, die West-Berlin zu einem neuen Chicago gemacht haben, der amerikanischen Kriegstreiber und der Reuter-Stumm. Was gilt denn ein Kind, was gelten denn der Schmerz und die Verzweiflung einer Mutter in West-Berlin?“
Stimmen der Anderen
Zweckpessimismus?
In den „Basler Nachrichten“ lesen wir:
„Man wäre nach den jüngsten Berichten aus Washington geneigt anzunehmen, die Schläge in Korea kämen, in gewissem Sinne, dem Weißen Haus, dem Staatsdepartement und noch mehr dem Pentagon (Militärdepartement) gar nicht so ungelegen! Wohl kann man seit Jahr und Tag hören, der Isolationismus sei überwunden. Aber die anderhalb Jahrhunderte alte isolationistische Denkweise überdauerte im Unterbewußtsein eben doch die Katastrophe von Pearl Harbour.
Mit der .Ueberrumpelung1 in Korea ist nun offenbar nach dem Dafürhalten der Regierung in Washington der Augenblick gekommen, die militärische Armatur für die Außenpolitik, wie sie von General George Marshall und Staatssekretär Dean Acheson abgesteckt worden ist, zu überholen und den Aufgaben, die ihr erwachsen können, anzupassen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es der Regierung gelingt, den psychologischen Schock, der von Korea ausgeht, auszunützen. Man tut einstweilen alles, um diesen Schock nicht zu mildern — nicht zuletzt durch eine schonungslose offene Berichterstattung über die fernöstliche Kampffront.
Wie weit die Stimmen aus dem Militärkomitee des Senates die tatsächliche Lage wiedergeben oder wie weit sie einem wohlüberlegten ^Zweckpessimismus' dienen, das läßt sich vorderhand nicht ausmachen. Aber alles deutet doch auf die Entschlossenheit Präsident Trumans sowie seiner diplomatischen und militärischen Ratgeber hin, die Aufrüttelung der amerikanischen Oeffentlichkeit durch den Ueberfall auf Korea nicht ungenützt verstreichen zu lassen.“
Und die Bundesgenossen?
Professor Hans von Hentig, Universität Kansas City, früher Professor der Rechte in Bonn, schreibt in der „ Sonntagspost“ Minnesota:
„Sonntägliche Leitartikel suchen den bedrückten Lesern Mut zu machen, indem sie darauf hinweisen, daß die koreanische Expedition keine Privatsache der Vereinigten Staaten, sondern eine Herzenssache aller freien Völker, Großbritanniens und Ekuadors, Italiens und Siams, Frankreichs und Chiles, Kanadas und Luxemburgs sei. Ihre Unabhängigkeit, ihre Freiheit sei ebenso in Gefahr wie die der Vereinigten Staaten. Sie alle müßten sich aufraffen und nach ihren Kräften zum Kampfe beitragen.
Suchen wir in ernster Stunde so klar und so nüchtern wie möglich zu sehen. Was sind die Kräfte von Ekuador, Chile .und Luxemburg? Was können Siam, Italien und Kanada zum Siege in Korea beitragen? Muß nicht England um Hongkong und Frankreich um Indochina bangen?
Ekuador, Siam, Chile und Luxemburg sind frei. Sie sind frei, aber kraftlos. Sie sind weithin über die Erde verstreut, durch endlose Strecken vom russischen Block getrennt. Die großen Völker dagegen, die in der Flanke des Gegners liegen, von denen jedes einzelne im letzten halben Jahrhundert sich Rußland gewachsen gezeigt hat, sind unfrei. Wir haben sie geschlagen und dann entkräftet, entmutigt, immer aufs neue verletzt und gedemütigt liegenlassen. Achtlos und unklug haben wir die tapfersten und ehrliebendsten von den Nationen, die uns hätten rettend — vielleicht kriegverhindernd — zur Seite treten können, unter dem schmerzenden Joch eines fortdauernden Kriegszustandes gehalten.
Dieser weiter schwelende Kriegszustand, dem wir in Voraussicht unabwendbarer Entwicklungen kein Ende machten — in unserem Interesse, von falschen Propheten beraten, kein Ende machen —, ist jetzt in helle Flammen ausgebrochen. Vielleicht gibt uns ein gütiges Geschick noch die Zeit, einen Teil dessen wieder zurechtzurücken, was niemals hätte geschehen dürfen.“
Vermittlung
Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt:
„Wenn nicht alles täuscht, begrüßt das Staatsdepartment die britischen Bemühungen, die diplomatisch-politischen Kanäle nach dem Kreml offen zu halten. Von .Vermittlung* ist natürlich im Augenblick nicht die Rede. Wenn aber die militärische Lage in Korea sich wenden sollte, so wäre ein diplomatischer Versuch zur Herstellung eines Modus vivendi nicht undenkbar. Die Voraussetzung dazu ist. indessen ganz klar ein militärischer Sieg über die Friedensbrecher. Man ist sich in Washington darüber im klaren, daß derartige Fühlungnahmen in der jetzigen Phase der Entwicklung leicht zu einer Falle für die freie Welt werden könnten, und ist demgemäß überaus skeptisch und vorsichtig, aber man gedenkt andererseits doch auch nicht, von sich aus die Türen zuzuschlagen. Wenn die Eindringlinge einmal aus Südkorea zurückgeschlagen sind, könnte man vielleicht wenigstens zu einem Modus vivendi kommen. Die Gefahr, daß die Vereinigten Staaten von Amerika in diesem Falle dann wieder auf das mit hoffnungsvollen Friedenssprüchen bestickte Ruhekissen der .Business as usual‘- Haltung zurücksinken werden, erscheint heute klein.“
Keine Gefangenenpost mehr
Erlangen, 18. Juli, (dpa) Das Evangelische Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene in Erlangen hat seit der TASS-Meldung über den Abschluß der Rückführung deutscher Kriegsgefangener aus der Sowjetunion vom 4. Mai keine einzige Nachricht mehr von deutschen Kriegsgefangenen erhalten. Dagegen hat das Hilfswerk festgestellt, daß in der Sowjetunion festgehaltene Kriegsgefangene aus den volksdeutschen Gebieten nach wie vor an ihre Angehörigen schreiben und ihrerseits Post aus Deutschland empfangen.
Das Hilfswerk bittet alle, die noch Nachricht von deutschen oder volksdeutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion erhalten, sich beim Evangelischen Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene in Erlangen, Universitätsstraße 26, zu melden.
Die verdräüngten Beamten
Neue Richtlinien in Hessen für die Unterstützung
" lesbaden, 18. Juli. (Eigener Bericht.) Finanzminister Dr. Hilpert berichtigte lenstag die Vorwürfe, die dem Lande Hessen gemacht werden, es verzögere le uszahlung der Ueberbrückungshilfe für verdrängte Angehörige des Oeffentic en Dienstes und der ehemaligen berufsmäßigen Wehrmachtsangehörigen.
Von den vom Bund zur Verfügung gestellten 900 000 Mark seien bis Anfang Juli an 3550 Betroffene 206 000 Mark ausbezahlt worden. Alles habe sich verzögert, da die Durchführungsbestimmungen des ’ Bundes bereits zweimal hätten revidiert werden müssen. Er selbst habe unter dem 23. Juni dem Bundesfinanzminister geschrieben, daß die Anwendung der Richtlinien des Bundes nicht zum beabsichtigten Erfolg führen könnten.
Demnächst aber träten neue Richtlinien in Kraft, die von Vertriebenen des Bundes und der Länder gemeinsam mit den Abgeordneten des Beamtenrechts- und Vertriebenen-Ausschusses anfangs Juli erarbeitet worden seien.
Hilpert führte die in der Praxis eingetretenen Schwierigkeiten darauf zurück, daß ein "großer Personentkreis der verdrängten Beamten, die als Bezirksfremde und Flüchtlinge von der hessischen Landesregierung bereits Vorschüsse auf Grund des Gesetzes vom Februar 1946 erhalten, für die vom Bund gewährte Überbrückungshilfe zunächst nicht in Frage kommen; denn ihre Bezüge liegen genau so hoch, gelegentlich noch höher, als sie ihnen nach den Richtlinien des Bundes zustehen.
Ferner könnten die noch im dienstfähigen Alter stehenden vertriebenen Beamten, denen man nachträglich ebenfalls Ueberbrückungshilfe zugebilligt hat, aktenmäßig bis Ende Juni noch nicht erfaßt werden. Auch die anderen Länder des Bundes hätten dieselben Schwierigkeiten, erklärte Hilpert. Es sei aber damit zu rechnen, daß nach dem Erlaß der neuen Richtlinien erhebliche weitere Unterstützungen an die in Frage kommenden verdrängten Beamten gegeben werden können.
Gegen die Brot-Verschlechterung
Die sozialdemokratische Fraktion zur Brotpreisfrage
HGR. Wiesbaden, 18. Juli. (Eigener Bericht.) In einer außerordentlichen Zusammenkunft nahm die sozialdemokratische Fraktion des Hessischen Landtages Stellung zur Brotpreisfrage und gab folgende Erklärung ab: Die Fraktion teilt die Auffassung der sozialdemokratischen Fraktion des Bundestages, die sich gegen die Brotverteuerung und Brotverschlechterung wendet. Zur Verhinderung von Preiserhöhungen und Qualitätsminderungen des Brotes hält die Fraktion die Fortführung der bisherigen Subventionierung für unerläßlich und empfiehlt der hessischen Landesregierung, diese Auffassung im Bundesrat gegenüber der Bundesregierung auch weiterhin mit Nachdruck zu vertreten.
Das Versagen und die Entschlußlosigkeit der Bundesregierung hat zu chaotischen Verhältnissen in der Brotpreisbildung geführt, die sowohl den Erzeuger wie den Verbraucher unerträglich belasten. Um für das Land Hessen diesem Verfahren zu begegnen, hat der Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft sich gezwungen gesehen, Anordnungen zu treffen, die stabile Brotpreise gewähren sollen. Die Fraktion erblickt in diesen Anordnungen eine vorläufige Notmaßnahme zur Ueberbrückung des drohenden chaotischen Zustandes in der Brotpreisbildung bis zur bundeseinheitlichen Regelung gemäß dem Beschluß des Bundestages vom 14. Juli 1950.
Den Rücktritt Erhards gefordert
Ein sozialdemokratischer Antrag
Bonn, 18. Juli. (AP.) Die Sozialdemokratische Partei hat am Dienstag den Rücktritt deg Bundeswirtschaftsministers Erhard gefordert. Zu dem Antrag, der keine Begründung enthält, erklärte der sozialdemokratische Abgeordnete Mellies vor Pressevertretern, die Rüchtrittsforderung werde wegen der wiederholten, unerträglichen Flegeleien Erhards erhoben. Die Aeußerungen Erhards in seiner Rede am Montag in München vor einem deutsch-luxemburgischen Gremium seien um so schlimmer, als sie nicht nur vor Deutschen, sondern auch vor Ausländern gemacht worden seien. Sie hätten sich nicht nur gegen die Opposition, sondern auch gegen die eigenen Anhänger der Christlich-Demokratischen Union gerichtet.
Erhard hatte in München den von der Sozialdemokratie beantragten Beschluß des Bundestages zur weiteren Subventionierung der Brotpreise als „idiotisch“ und die Diskussion im Bundestag als „Wirtschaftspolitik von Hysterikern“ bezeichnet.
Wie aus Kreisen der Sozialdemokratischen Partei weiter verlautet, ist der Antrag auf Abberufung Erhards nicht als Maßnahme gegen dessen Wirtschaftspolitik beschlossen worden, sondern wegen Erhards Auftreten in der Oeffentlichkeit, das als eine Beleidigung des Parlaments angesehen werde.
Lager Hanau aufgelöst
ms Wiesbaden, 18. Juli. (Eigener Bericht.) Wie die amerikanische Landeskommission mitteilt, wurde am Dienstag das Hanauer Lager heimatloser Ausländer an den hessischen Staat zurückgegeben. Im Lager Hanau waren nach dem Krieg 5400 verschleppte Personen, untergebracht, die zum größten Teil auswanderten oder in die deutsche Wirtschaft eingegliedert wurden. Nach der Rückgabe des Lagers Hanau verbleiben für die verschleppten Personen in Hessen nur noch zwei Lager, das Butzbacher Umsiedlungs- und das Repatriierungslager in Babenhausen.
27 500 Verschleppte, die bereits in die hessische Wirtschaft eingegliedert wurden, beabsichtigen Deutschland zu verlassen.
Sowjetische SBerater in Korea
Washington, 18. Juli. (AP.) Das amerikanische Verteidigungsministerium habe Informationen, daß sich bei einer „gewissen Einheit“ der nordkoreanischen Truppen zehn bis zwanzig sbwjetische Berater befinden.
„Wahlen“ in Korea
Tokio, 18. Juli. (AP.) In dem von den Nordkoreanern besetzten Südkorea sollen vom 25. Juli an Wahlen abgehalten werden.
Wie der Sender Peking dazu berichtet, sollen alle Koreaner, die älter als 20 Jahre sind, das Recht haben, zu wählen und in die Volksausschüsse „in den befreiten Gebieten Südkoreas ungeachtet ihres Geschlechtes, ihrer Volkszugehörigkeit, ihrer Klasse, ihrer Herkunft, der Dauer des Aufenthaltes an ihrem Wohnsitz, ihres Eigentums oder ihres Bildungsgrades“ gewählt zu werden. Lediglich „projapanisch oder proamerikanisch eingestellte Personen und Nervenkranke" sollen kein Wahlrecht haben.
Nun auch Griechenland?
Kominform-Angriff möglich
Genf, iß. Juli, (dpa.) Nach Jugoslawien, das in letzter Zeit wiederholt als mögliches Ziel einer Aggression der Kominform-Staaten bezeichnet wurde, ist nun auch Griechenland als mutmaßliches Angriffsobjekt der von der Sowjetunion beherrschten Ländei’ genannt worden. Diese Vermutung wird in einem Bericht von der Balkankommission der Vereinten Nationen geäußert. Die Kommission stützt sich dabei auf einen in der Kominform-Beitschrift erschienenen Artikel, dem zufolge griechische Streitkräfte mit Unterstützung Großbritanniens und Amerikas einen Angriff auf Albanien und Bulgarien vorbereiteten.
Es habe sich gezeigt, daß einem Angriff häufig Propagandamanöver vorausgingen, bei denen das in Aussicht genommene Opfer selbst umfassender Angriffsabsichten beschuldigt wird.
Die Königin unerwünscht
Dublin, 18. Juli (AP). Während eines Besuchs der Königin Elisabeth im britischen Nordirland ist auf einer Kundgebung gegen die Teilung Irlands in Dublin erklärt worden, kein Mitglied der Königsfamilie sei berechtigt, irischen Boden zu betreten, solange britische Truppen irgendeinen Teil des Landes besetzt hielten. Die Königin werde herzlich willkommen sein, wenn sie nach dem Abzug der britischen Truppen die irische Republik besuchen würde.
Zum dritten Mal Kreistagswahl
Entscheidung des Verwaltungsgerichts zum Fall Waldeck
Kassel, 18. Juli, (dpa.) Das Verwaltungsgbricht Kassel gab der im Namen der Waldecker Bürger- und Bauernliste geführten Klage des Bauern Wilhelm Emde aus Orpetal (Waldeck) statt. Es erklärte auch die Waldecker Kreistagswahlen vom 20. März 1949 erneut für ungültig'. Die Wahlen waren als Ersatz für die vorher bereits ungültig erklärten Wahlen vom 25. April 1948 abgehalten worden waren.
Der Kreiswahlausschuß hatte kurz vor den Neuwahlen die Bürger- und Bauernliste zurückgewiesen, weil auf ihr nur 1025 Unterschriften eigenhändig und 241 nicht eigenhändig, das heißt im Auftrage geleistet worden waren. Die Gesamtunterschriftenzahl von 1266 hätte die gesetzlich erforderliche Mindestzahl von 2 Prozent (1203) Unterschriften und einen ordentlichen Wahlvorschlag dargestellt. Durch den Ausschluß von der Neuwahl am 20. März 1949 beteiligten sich nach Meinung Emdes in Waldeck etwa 20 000 Wähler der Bürger- und Bauernliste nicht an der Wahl. Das Verwaltungsgericht hat nun entschieden, daß auch die 241 nicht eigenhändig geleisteten Unterschriften als gültig im Sinne des Wahlgesetzes angesehen werden müßten. Im privaten wie im öffentlichen Recht werde eine Stellvertretung bei der Abgabe einer Unterschrift grundsätzlich anerkannt. Da das Wahlgesetz keine andere Vorschrift enthalte, bestehe kein Grund, bei Wahlvorschlägen anders zu verfahren. Abgesehen hiervon habe der Landrat als Vorsitzender des Kreiswahlausschusses unmittelbar nach Eingang des Wahlvorschlages die damals schon aufgetretenen Bedenken dem Vertrauensmann des Wahlvorschlages der Bürger- und Bauernliste mitteilen müssen. In diesem Vesäumnis sah das Gericht einen Verfahrensmangel, der das Wahlergebnis beeinflussen konnte. Durch den jetzigen Entscheid wird eine dritte Kreistagswahl erforderlich.'
Die Eisenbahu wird schneller
F. A. Z. Frankfurt, 18. Juli. Der große Fahrplanausschuß, in dem die Industrie- und Handelskammern vertreten sind, hat auf seiner 25. Jubiläumssitzung in Köln eine Konferenz über den neuen Jahresfahrplan der Deutschen Bundesbahn 1951'52 abgehalten. Grundsätzlich sollen die Reisegeschwindigkeiten im nächsten Jahr bedeutend erhöht werden. Schnelltriebwagen sollen danach Durchschnittsgeschwindigkeiten von hundert bis 110 Kilometern aufweisen, während die übrigen D- und FS-Züge im Durchschnitt 75 bis 90 Kilometer fahren sollen. Der Eilzugverkehr in seiner heutigen Form wird zugunsten eines Städte-Schnellverkehrs umgebaut, wobei zahlreiche Verbindungen zwischen den Hauptverkehrsknotenpunkten neu in Aussicht genommen sind. Auf den Nebenbahnen werden Triebwagen eingesetzt,
Nachrichten ohne Politik
Auf eine Mine gelaufen?
el. Hamburg, 18. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der rund 1100 Bruttoregistertonnen große dänische Dampfer „Danix“, der sich auf der Reise von Hamburg nach Holding befand, ist etwa drei Seemeilen nördlich von Schleimünde gesunken. Die sechzehn Besatzungsmitglieder konnten von einem dänische!) Motorschiff, das sich glücklicherweise in rfer Nähe befand, übernommen werden. Der Untergang des Dampfers dürfte durch eine Treibmine verursacht worden sein. Sofort nach Bekanntwerden des Unglücks lief von der Rettungsstation Maasholm ein deutsches Seenotboot aus, das den Verletzten die erste Hilfe bringen konnte.
Wettrennen der Kellner
Berlin, 18. Juli (dpa) Berlin bereitet sich auf ein Kellner-Wettrennen vor, das am 17. September auf dem Kurfürstendamm gestartet werden soll. Die Strecke führt von der Gedächtniskirche bis zur Bleibtreustraße und zurück;- beim Wettlauf muß ein Tablett getragen werden, das mit gefüllten Gläsern und Tellern vollgestellt ist. Sieger wird, wer mit dem geringsten Verlust am schnellsten am Ziel eintrifft.
Ein Holzstapel stürzte in den Inn
Innsbruck, 18. Juli, (dpa) Bei einem schweren Unwetter ist im Zillertal in Tirol in der Nähe von Mayerhofen ein aus zweitausend Festmetern bestehender Stapel geschältes Rundholz in Bewegung geraten, hat zwei Sperren durchbrochen und ist in den Inn gestürzt. Die Masse des Holzes war so dicht aneinandergelagert, daß man auf den Stämmen den Inn überqueren konnte. Das Holz trieb bis Rosenheim.
Hausrat, der mit dem Holz schwamm, läßt vermuten, daß Gebäudeschäden entstanden ist. Auch wurde auf dem treibenden Holz ein Toter gesichtet; er hatte sich jedoch so verfangen, daß er bis jetzt noch nicht geborgen werden konnte. Der Wert des Holzes wird auf fünfzigtausend Mark geschätzt.
Vergiftungen beim Hochzeitsmahl
V Rom, im Juli. (Eigener Bericht.) In einem Ort bei Neapel sind fünfunddreißig Teilnehmer eines Hochzeitsmahles vergiftet worden. Gerade in dem Augenblick, in dem das junge Paar, von den Hochzeitsgästen umgeben, das Auto besteigen wollte, um zum Bahnhof zu fahren, wurde die Gesellschaft von Magenkrämpfen ergriffen. Das Fahrzeug mußte deshalb einen anderen Weg einschlagen und die Hochzeiter und nach ihnen die Tafelgäste ins Krankenhaus überführen. Die Vergiftung wird auf Süßigkeiten zurückgeführt, die sie bei der Feier in reichem Maß genossen hatten.
Mit 22 Personen abgestürzt
Neu-Delhi, 18. Juli. (AP.) Eine Dakota-Maschine der staatlichen indischen Luftfahrtgesellschaft ist bei Pathankot abgestürzt. Nach den ersten Berichten ist von den zweiundzwanzig Personen, die an Bord waren, keine mit dem Leben davongekommen. Die Luftfahrtgesellschaft hat bekanntgegeben, daß sich unter den achtzehn Fluggästen der militärische Chefbeobachter in Kaschmir, der kanadische Brigadier H. H. Engie, der österreichische Geschäftsträger in Neu-Delhi, Dr. Karl Periera, ein soeben eingetroffener amerikanischer Militär-Beobachter, Oberst Brown und der Verbindungsoffizier der indischen Armee bei den militärischen Beobachtern der Vereinten Nationen, befanden.
Die Ratte als Brandstifter
Paris, 18. Juli, (dpa) Meterhohe Stichflammen haben die Transformatoren-Station der Berliet-Werke in Venissieux bei Lyon in Brand gesetzt; der Schaden beträgt dreißig Millionen Francs (360 000 D-Mark). Die Explosion ist durch einen Kurzschluß verursacht worden, den eine Ratte in einem Generator ausgelöst hat.
EGifersuchtsdrama
Paris, 18. Juli, (dpa.) In den Wäldern von Compiegne wurde der 25jährige Arbeiter Michael Herang von der Gendarmerie festgenommen. Er gab zu, in der vergangenen Woche seine Frau im Schlaf mit Benzin übergossen, sein kleines Haus fest verriegelt und anschließend in Brand gesetzt zu haben. Die völlig eingeäscherte Leiche der bei lebendigem Leibe verbrannten Ehefrau wurde gefunden. Grund der Tat ist Eifersucht.
Kognak erplodierte
V Rom, im Juli. (Eigener Bericht.) Ein Kognakfaß explodierte und eine ganze Likörfabrik stand in Flammen. Das Unglück hat sich ereignet, als das Faß unter offener Flamme mit Siegellack verschlossen werden sollte. Die Bevölkerung von Catania, in dessen Nähe die Fabrik liegt, hatte den Eindruck, ein Munitionslager sei in die Luft geflogen.
Heiter, trocken, warm
Eigener Wetterbericht
Das Hoch über dem europäischen Festland verstärkt sich weiter und hält vorerst Störungen vom Festland fern. Hochliegende Wolkenfelder streifen gerade noch unser Gebiet. _
Aussichten : Heiter, trocken und sehr warm.
Der Rundfunk am Mittwoch
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik- 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 14.00 Kleine Stücke für Cello und Klavier; 14.15 Schulfunk; 15.20 Ein Ständchen für die Hausfrau: 17.15 Gezunfte Ständchen; 18.20 Mach dirs bequem: 20.00 „Boccaccio“; 22.15 Fröhliche Mondfahrt: 23.00 Zärtliche Musik.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik: 14.00 Schulfunk; 14.30 Unterhaltungsmusik; 16.15 Konzertstunde; 17.15 Kleines Orchesterkonzert; 18.15 Im Dreivierteltakt; 20.00 „Gebt acht auf die Welt“: 20.45 Unterhaltungskonzert; 22.00 Tanzmusik: 23.00 Hans Pfitzner; 0.05 Jazz im Funk.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde: 17.15 Solistenkonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 26.00 Scheinwerfer auf: 21.00 Das Prisma: 22.30 Cembalomusik: 23.15 Tanzmusik zum Tagesausklang: 0.10 Tanzmusik.
NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause: 13.20 Musik am Mittag: 14.15 Musik nach Tisch: 15.40 Orientalische Skizzen; 16.00 Musik an zwei Klavieren: 16.50 Fünf Morgenstern-Lieder: 17.00 7. Sonate für Violine und Klavier d-moll op. 52 von Karl Hoeller; 18.05 Musik zum Feierabend; 18.30 Melodische Rhythmen: 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank: 20.30 Tanzmusik; 21.00 Johann Sebastian Bach:
Möve Emma wehrt sich
zz. Christian Morgenstern hat es festgestellt: „Die Möven sehen alle aus, als ob sie Emma hießen." Demnach müßten eigentlich auch alle, die Emma heißen, eine Aehnlichkeit mit Möven haben. Eine Untersuchung darüber, ob das stimmt, ist wohl noch nicht vorgenommen worden. Wir wollen Morgensterns Satz lediglich so auffassen, daß Möven der gleichen Art nicht voneinander zu unterscheiden sind. Eine sieht genau so aus, wie die andere.
Das wurden wir gewahr, als wir in einer größeren Gesellschaft auf der Nordseeinsel Langeoog in einer Wagenkolonne durch Marschwiesen zu der Vogelkolonie hinausfuhren und von deren Betreuer geleitet, querfeld den Weg zum Strand nahmen, wo uns die Wagen zur Rückfahrt erwarteten. Hunderte van Möven kreisten über dem hügeligen Gelände. Anscheinend schwerelos, kurvten sie in den Aufwind, ein Vorbild für die Segelflieger, die vor dem Kriege weiter ostwärts, in Rositten, stundenlang über den Dünenhängen des Preeden schwebten.
Möve Emma hatte auf diesem entlegenen Teil der Insel Langeoog ihre Wochenstube. Das heißt, Hunderte von Emmas brüteten gleichzeitig. Bei keinem Schritt durfte man den Blick vom Boden wenden. In kaum angedeuteten Nestern lag das Gelege von jeweils drei grünen schwarzgefleckten Eiern. Bei vielen hatte schon der Eizahn des Möwenkückens einen Teil der a abgehoben, so daß man deutlich sah wie das junge Leben sich regte. Andere cwen waren bereits ausgeschlüpft und lagen von der vorhergehenden Anstrengung ers P , wie ein gelbes flaumiges Bällchen in den grünen Dünengräsern.
Die erwachsenen Emmas nahmen en Einbruch in ihre Wochenstube keineswegs gelassen hin. mit anhaltendem Geschrei segelten sie über unseren Köpfen. Sie versuchten kühne Angriffe auf die Störenfriede, immer wieder in geringer Höhe die einzelnen Gruppen umkreisend und plötzlich zum Schnabelhieb niederstoßend. Einer von uns, dessen Länge wie ein Blitzableiter für die anderen wirkte, erhielt einen heftigen Schnabelhieb in den Hinterkopf. Das helle Blut floß über seine blonden Haare. Die Damen wurden ängstlich und nervös. Emma hatte nämlich noch eine andere hinterlistige Waffe. Wenn sie über die Köpfe hinweghuschte, ließ sie etwas fallen, was auf den Röcken und Kleidern kalkweise Striche zeichnete. Aber es half nichts, man war nun einmal mitten in der Vogelkolonie und mußte durch sie hindurch zum Strande.
Es wurde ein „siegreicher Rückzug“ des Menschen vor den Möwen. Man konnte es auch Flucht nennen. Regenschirme wurden in der prallen Sonne als Abwehr aufgespannt und, wie man es dem Vogelwart abgesehen hatte, irgend ein dürrer Ast senkrecht am Kopf vorbei hochgehalten, um Emmas Schnabelhiebe zu erschweren.
Aufatmend gelangten die zersprengten Trupps an den höheren Dünen des Strandes an, von Möwen aus dem Felde geschlagen, aber voller Hochachtung für die tapferen Emmas, die so nachdrücklich ihre Wochenstube verteidigt hatten. Sie müssen doch irgendwie wissen, daß ihre Eier, wenigstens solange sie noch nicht angebrütet sind, als Leckerbissen gelten.
Wunschträume
VON GLAGLATräumen ist eine Kunst. Das heißt, richtig zu träumen. Einfach so daliegen und Irgendeinen Blödsinn drauflos träumen, kann schließlich jeder. Aber sinnvoll und erfolgreich träumen — das will gelernt sein. Dazu bedarf es gewissenhafter Vorbereitung.
Am mühelosesten ist das Träumen mit offenen Augen. Die Leute gaukeln sich dabei Dinge vor. nach denen ihnen gerade gelüstet. Sie phantasieren von einer Menge Geld. Oder einem Haufen Tomaten. Oder einer Horde Kinder. Das sind die einfachsten Fälle von Wunschträumen.
Ein erfolgreicher Träumer hat einmal gesagt: Aus Luftschlössern entstehen die Paläste der Erde! Gewöhnlich jedoch hören Wachträumer zu spinnen auf. sobald Ihnen die Gaukelbilder unerfüllbar erscheinen. Wie wollen sie da im Schlaf vernünftig träumen, wenn sie schon mit offenen Augen
schlapp machen? Immerhin ist die Zeit, die wir träumend verbringen, recht beträchtlich. Ob wir nun schlafen, schlummern ein Nickerchen machen oder pennen einige Tages- oder Nachtstunden gehen dabei drauf, und im Laufe eines Lebens läppern sich etliche Jährchen zusammen. Warum also diese Zeit nutzlos vertrödeln? Auch im Traum kann man etwas leisten. Abgesehen davon ist es auch ein billiges Vergnügen, wenn der Geist erfreuliche Abenteuer besteht. während der Körper auf der faulen Haut liegt. Vielleicht sogar sehen wir uns im Traum als Zierde der Menschheit und werden von diesem verführerischen Bild so erfüllt, daß wir — kaum sind die Aeuglein geöffnet — tatsächlich ein Musterexemplar von Mensch geworden sind.
Diese Erkenntnis hat sich ein Schlaumeier zunutze gemacht Es hilft nichts sagt er, wenn sich jemand bloßen Wunschträumen hingibt und gleichzeitig an deren Erfüllung zweifelt. Das ersehnte Bild muß greifbar vor Augen stehen. Nicht von ungefähr wird der Film auch Traumfabrik genannt. Die Zuschauer vergleichen sich insgeheim mit den Helden der Leinwand; sie leben, lieben und leiden mit ihnen. Aber Vergleiche allein genügen nicht; die Leute müssen sich selber in der Rolle sehen, die sie im wirklichen Leben darstellen wollen. Dann glauben sie am Ende, was sie nur zum Schein erlebt haben.
Unser Schlaumeier machte also ein Studio auf. Mit einer Schmalfilmkamera und einer Menge Requisiten. Seine Kunden stammen aus allen Schichten. Da kommt zum Beispiel der kleine Angestellte, der sich einmal als Chef fühlen möchte. Er wird an einen spiegelblanken Schreibtisch gesetzt, bekommt eine dicke Zigarre, und ihm gegenüber sitzt ein bildhübsches Mädchen als Sekretärin. Und wenn es ihm gefällt, kann er einen Statisten rufen und ihn nach Herzenslust abkanzeln. Er darf nörgeln, schimpfen, toben — — alles in allem: er kann sich wie ein vorbildlicher Chef benehmen. Dadurch wird die Seele des kleinen Angestellten von Schlacken befreit, seine aufgestauten Hemmungen entladen sich. Tritt er später seinem richtigen Chef gegenüber und wird von diesem angeraunzt, dann steht er erhaben über den Dingen. Na, wenn schon! — sagt er sich, so etwas habe ich mir auch geleistet, der kann mir nichts vormachen! Die gespielte Rolle hat ihn durchdrungen, er träumt von ihr und er lebt sich so hinein, daß er eines Tages wirklich ein Chef wird.
Zu Hunderten strömen die vom Leben Vernachlässigten ins Studio und spielen jene Szenen, die ihnen der Alltag verwehrt. Und weil alles im Film festgehalten wird, können sie den Streifen beliebig oft vorführen, bis sich die Rolle in ihre Träume schleicht und so In Fleisch und Blut übergeht. daß sie als verkörperte Wunschbilder durchs Daseir h andeln.
Selbstverständlich kann man mit einem bißchen Einbildungskraft den gleichen Erfolg auch billiger haben. Kommt dann noch die innere Sammlung hinzu, sind die wichtigsten Voraussetzungen gegeben, um allmählich seine Träume zu lenken.
Fürwahr! — welch verlockende Zukunftsaussichten eröffnen sich. Während wir ruhen, entsteht in uns der neue Mensch mit bisher verborgenen Fähigkeiten. Demgemäß könnte ein Zeitalter anbrechen, wo nur noch Tugendbolde die Erde bevölkern.
Allerdings — ein kleiner Haken ist schon dabei. Die Menschen müßten den Wunsch hegen, Edelmenschen zu werden. Aber diese Richtung wird vielleicht manchem keinen Spaß machen. Möglicherweise will der eine oder andere lieber ein Machthaber werden. Nun. und dagegen müssen sich die anderen natürlich wappnen. Das heißt, die Sanftmütigen und Gutwilligen werden ihre Gedanken nicht nur auf edle Ziele richten können.
Es wird also alles beim alten bleiben. Ach ja, — von welcher Seite man solch ein Problem auch betrachten mag, im Grunde ist es immer dasselbe, immer dasselbe ...
Politische Wissenschaft soll Promotionsfach werden. Die Kulturpolitische Konferenz der Kultusministerien der Länder in Königstein hat in einer Entschließung den weiteren Ausbau der politischen Wissenschaft als Lehrfach und Forschungsgebiet an den deutschen Universitäten empfohlen und die Anerkennung der politischen Wissenschaft als Promotionsfach gefordert. Die Dozenten werden aufgefordert, in planmäßiger Zusammenarbeit an ihren Universitäten die aller mit der Politik verwandten Fakultäten spezifischen Tatbestände des politischen Lebens wissenschaftlich zu erforschen.
Die Städtischen Bühnen Bonns werden erstmals in der kommenden Spielzeit von September 1950 an die Bezeichnung „Bühnen der Bundeshauptstadt“ führen.
Darmstadt und Umgebunng
Von Mensch nsd Tier
D-s. Tiere und Blumen als lebendige Wesen zu achten, an ihnen sich zu freuen, sie zu pflegen und zu lieben, sind Grundzüge wahrer Herzensbildung, die wir schön beim Kinde zu erreichen trachten. Hier wie in allen Dingen ist das stete Beispiel der Erwachsenen entscheidend. Aus dem Kinde kommt ursprünglich beseligte Freude an allem lebendig sich Regenden und Leuchtenden entgegen; nicht schwer ist es, sie in die Bahn der Fürsorglichkeit und aufmerksamen Liebe zu lenken, Weh bereitendes Ungestüm aber und Mutwillen auszutilgen.
Den meisten verwehren die Verhältnisse, daheim oder in einem Garten mit Pflanzen und Getier sich fürsorgend einzurichten. Doch jeder Weg hinaus, jede Wanderung durch Fluren und Wäldär bringt der Möglichkeiten viele, den mitlebenden Geschöpfen der Pflanzen- und Tierwelt liebende Aufmerksamkeit zu schenken, sich von ihnen belehren zu lassen und Kinder einzuführen in die wunderbaren Zusammenhänge dieser Daseinsweisen. Welch atemloses Entzücken strahlt aus den Gesichtern der Kleinen, wenn gar Tiere der freien Wildbahn sich zeigen, ein Hase aufspringt, ein Reh in hohen Fluchten über den Weg setzt! Welche Trauer malt sich im Blick, wenn ein totes, ein wundes, ein hilfloses Geschöpf sich findet. Hier nun gilt es, aus größerem Wissen das Erbarmen im rechten Sinne zu lenken. Jungtiere, kleine Kitzen, die allein angetroffen werden, sind zumeist nicht von den Müttern verlassen und preisgegeben worden. Sie dürfen nicht von Menschenhand gestreichelt, geliebkost werden. Heimlich entfernt euch wieder, denn das Muttertier kehrt zurück und würde das Kleine nicht mehr annehmen, wenn es Menschenwitterung an sich trägt. Frevel aber wäre es, solch ein Jungtier zu rauben und mit sich zu nehmen. Das „gute Herz“ muß bedenken lernen, was Wald und Wild nützt und was ihnen schadet.
Mancher wohl auch hält sich für einen großen Tierliebhaber, wenn er einen Hund besitzt, den er in Wald und Feld ableint oder gar unbeaufsichtigt schweifen läßt. Wieviel Angst und Not, Schaden und Verderb wird dem Waldgetier durch wildernde Hunde verursacht! Wieder und wieder wird von Regierungsstellen auf das Jagdgesetz hingewiesen, das die Besitzer wildernder Hunde mit Strafen bedroht. So eng edles Waidwerk und Kultur seit je zusammengehören, so kennzeichnend für Roheit und Unkultur ist es, Wild von Hunden zu Tode hetzen zu lassen.
Ein wenig weitergefaßte Tierliebe, Verantwortung, „Ehrfurcht vor dem Leben“ aber ließen auch in dieser Hinsicht Strafgesetze ohne Anwendung und würden Wald und Flur und ihr Getier vor Schaden und Frevel bewahren, die sich irgendwo doch auch wieder gegen den Menschen selbst auswirken.
In Handschellen vor dem Richter
Dramatische Strafkammerverhandlung gegen Einbrecherbande Genuit-Kollath, Trierweiler / Genuit spielt den wilden Mann
In Handschellen gefesselt und von sechs Polizisten scharf bewacht sitzen seit gestern sieben „schwere Jungens“ und zwei Frauen vor der zweiten Darmstädter Strafkammer, die unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Feilbach den großen Strafprozeß gegen eine der gefährlichsten Einbrechergruppen der Nachkriegszeit eröffnet hat.
Der 22jährige Robert Ko 11 at h , der 27- jährige Karlheinz Genuit. der 51jährige Andreas Trierweiler alias Harry Bolz-Holzmann, der 37jährige Philipp Schwendner, der 20jährige Ernst Zeltwanger, der 22jährige Erwin Kolodziej, der 21jährige Werner Schmid, die 30jährige Lina Böhm und die 42jährige Helene Trierweiler werden im einzelnen als Vorbestrafte von der Staatsanwaltschaft wegen schweren Rückfall- und Einbruchsdiebstahls, Widerstandes, gefährlicher Körperverletzung, Erpressung, Hehlerei, Urkundenfälschung usw. angeklagt und zum Teil als gefährliche Gewohnheitsverbrecher bezeichnet. Genuit und Trierweiler, mit Spitznamen Harry und Piffke, gegen die zuweilen eine Großfahndung in ganz Westdeutschland lief, werden, flankiert von Posten, besonders bewacht.
Wie wir bereits vor einigen Tagen ausführlich berichteten, haben die Angeklagten in den letzten drei Jahren gruppenweise im ganzen Gebiet Hessens eine Unmenge nächtlicher Einbruchsdiebstähle verübt, die kaum alle zu erfassen sind. Kollath und Zeltwanger sollen ferner einen Gendarmeriebeamten bei Alsbach überfallen und Trierweiler sich mehrerer Kennkartennamen bedient haben. Vor der Strafkammer Limburg wird außerdem demnächst ein Mordprozeß gegen Genuit eröffnet, weil er im Januar 1948 während eines Diebeszuges einen Mann im Kreis Wetzlar er - schossen hat. Genuit und Kollath trugen stets eine Pistole.
Vor zahlreichen, schaulustigen Zuhörern nahm der gestrige erste Verhandlungstag bereits einen bewegten Verlauf. Der Vorsitzende hatte alle Mühe, den ständig grinsenden, dazwischenredenden und wild gestikulierende Genuit in den Schranken zu halten. Bald wollte er austreten, Wasser trinken oder seine Handschellen gelöst haben. Der bewachende Beamte war sein stän_ diges Gesprächsopfer. Seine Ausführungen, sonderbarerweise in gebrochenem Deutsch vorgebracht, riefen immer wieder Heiterkeit im Saal hervor. Offenbar war er bemüht, einen geistesgestörten Eindruck zu machen. Während der Vernehmung seiner Komplicen sprang er oft wild auf und bezeichnete diese als „Schurken, Banditen, Huren und Lügner, die ihn verführt und in schwierigen Situationen mißbraucht hätten und jetzt verrückt machen wollten“. Als er schließlich einmal mit der Faust derart auf den Richtertisch schlug, daß die Akten hochflogen, ermahnte ihn der Richter eindringlich. Selbst vernommen, erzählte er, er sei wegen einer Wehrmachtsstrafe im KZ Esterwegen, später bei der holländischen Untergrundbewegung, in der russischen Armee, in der NKWD und in einem Internierungslager bei Niederrad als Wachmann mit 350 DM Monatsgehalt gewesen. Im übrigen leugnete er seinen Namen und seine angeblichen Eltern. „Stimmt nix, hat Kollath gemacht", sagte er zu verschiedenen Anklagepunkten. Einige Diebstähle und den Mordschuß gab er zu, wenn er auch im letzteren Falle behauptet, ungezielt und in Notwehr geschossen zu haben.
Die anderen Angeklagten gestanden größtenteils ihre Taten. Den Ueberfall auf den Gendarmeriebeamten bestreiten Kollath und Zeltwanger jedoch hartnäckig. Im übrigen distanzieren sich die Genossen scharf von Genuit, den sie als nicht mehr normal und Lügner bezeichnen und dessen Wutausbrüche sie mit Gelächter quittieren. „Ich wollte ihn früher decken. Als er mich jedoch belastete. habe ich den Mund nicht mehr gehalten“, rief Schwendner.
Die Verhandlung wird heute fortgesetzt, wst.
Neues Kino in Eberstadt
Mit dem Film „Rosen in Tirol“ wird am kommenden Samstag, um 18,45 Uhr das neuerstandene „Skala-Filmtheater“ in Eberstadt (Heidelberger Straße) seine Premiere-: Vorstellung geben.
Wir konnten uns davon überzeugen, daß das Kino nach modernsten Richtlinien erstellt worden ist. Die Decke ist mit He¬ . raklit-Platten ausgelegt, um eine gute Tonwidergabe zu gewährleisten. Dem selben Zweck dienen die hellen freundlichen Wände, die einen Holzverputz tragen. Wie uns Theaterbesitzer Bernhard Schrod und Architekt Eisenkopf (Eberstadt) erklärten, gehört die „Skala“ in Darmstadt zu den Kinos, die in jeder Hinsicht den bau- und feuerpolizeilichen Vorschriften genügen. Die vorzügliche „Bauer- Tonfilm-Anlage“ lieferte die Fa. Kinpgraph, Frankfurt/ Main. Der Theaterraum umfaßt insgesamt 340 Sitzplätze.
Bis auf weiteres werden samstags zwei und sonntags drei Vorstellungen sein; an den übrigen Wochentagen ist jeweils nur eine Vorführung geplant. — Wir wünschen der „Skala“ einen guten Start. DT
Betriebsausflug der Hessenwerke in Darmstadt
Die Elektrotechnische und Maschinen-Fabrik „Hessenwerke GmtoH.“, Darmstadt, unternahm am letzten Samstag ihren Betriebsausflug in Heag-Omnibusscn über Bensheim, Heidelberg nach Schwetzingen. Nach einem Frühstück fand die Besichtigung des Schloßparkes mit all seinen Sehenswürdigkeiten statt. Nachmittags ging die Fahrt wieder zurück nach Heidelberg. Dort unternahmen die Betriebsangehörigen mit ihren Frauen einzeln und in Gruppen Spaziergänge nach dem Schloß, zur Molkenikur, zum Königsstuhl und zum Neckar, wo reichlich Betrieb herrschte.
In den frühen Abendstunden wurde dann unter fröhlichem Gesang die Heimreise über die Autobahn angetreten. Gegen 22,00 Uhr trafen die Betriebsangehörigen nach einem schönen, erlebnisreichen Tag wieder in Darmstadt ein.
Vortrag von Berufsschuldirektor Kinsberger fällt aus
Der für heute abend angesetzte Vortrag von Berufsschuldirektor Kinsberger über „Religionsunterricht in den Berufsschulen“ in der Technischen Hochschule fällt mit Rücksicht auf den Vortrag von Pater Hirschmann über „Christentum und Sozialismus“ aus. Der Vortragsabend wird von dem Verein für katholische Kaufleute und Beamte, „Constantia“/veranstaltet.- . . DT
Im Blickfeld des,, Langen Ludewig“
Griesheim die Gemeinde mit Zwiebeln und dem schönsten Gemüse
We.— Wer vom „Langen Ludewig“ nach Westen blickt, wird durch die schnurgerade nach dem Rhein ziehende Rheinstraße bestimmt veranlaßt, einmal vor die Tore der Stadt zu fahren, um festzustellen, wie die Dinge, die er im Dunstschleier von der Höhe der Ludwigssäule erkennen kann, aus der Nähe aussehen. —
Die Vorortbahn der „Heag“ bringt uns in rascher Fahrt an den alten Kasernen, die jetzt friedlichen Zwecken dienen, dem Richthofenturm, der seine umstrittenen Fenster erhalten hat, hübschen kleinen Landhäusern und der Autobahneinfahrt vorbei, nach Griesheim, dem großen Garten vor den Toren unserer Stadt. Die Griesheimer sind seit jener etwas gewaltsamen Ausgemeindung eines Teiles ihrer Gemarkung zur Zeit des Dritten Reiches nicht besonders gut auf Darmstadt zu sprechen, zumal sie glauben, daß Darmstadt noch eine alte Dankesschuld abzustatten hat. Denn Griesheim hatte einmal einem hessischen Landgrafen das Eichwäldchen übergeben, in dem sich die Darmstädter Pumpstation befindet und in dem es von Kuckucken nur so wimmelte, nach denen mehr oder wenige böse Zungen die Einwohner Griesheims heute noch „Grießemmer Kuckucke“ nennen. Die „Grießemmer Zwieweln“ werden längst nicht mehr in gleichem Umfang angebaut wie früher, und daß die tapferen Griesheimer Marktfrauen, die Jahr und Tag nach Darmstadt und Frankfurt auf den Markt fahren, wegen ihrer scharfen Zungen diesen Namen verdienten, kann man wirklich nicht sagen. Denn wo gäbe es Frauen, die so fleißig arbeiten und den Wohlstand ihrer Gemeinde mitbegründen helfen, wie in Griesheim. Die weiten Gemüsefelder, die Obst- und Spargelanlagen in den die Abwässer aus Darmstadt verwertenden Rieselfeldern sind ein Beweis für den Arbeitsgeist der Frauen in Griesheim, deren Männer in vielen Fällen noch einem Beruf — Griesheimer Maurer sind im ganzen Land bekannt — nachgehen.
Zu Griesheim gehört, wenn auch dem Stadtgebiet Darmstadts einverleibt, der „Griesheimer Sand“, jene weite Fläche zwischen der Gemeinde und der Autobahn. Einst haben auf ihm fluchende Soldaten Schweiß in jeder Menge vergossen. Vom „Chimborasso“ übersahen Generale mit Feldhermblick Kriegsspiele buntberockter Männer. Nach dem ersten Weltkrieg waren Franzosen in allen Farben hier stationiert, denen deutsche Flieger folgten. Der Windkanal des Deutschen Forschungsinstituts für Segelflug, Namen wie Jachtmann und Riedel machten den Griesheimer Sand in der ganzen Welt bekannt.
Heute düngen wieder Menschen mit ihrem Schweiß seine weiten Flächen. Deutsche aus Ungarn, vom Krieg hierher verschlagen, bauen an der Siedlung „St. Stephan“, die ihnen und vor allem ihren Kindern wieder eine neue Heimat werden soll.
Den „Chimborasso“ aber wird man heute vergeblich suchen. Er mußte beim Bau der Reichsautobahn restlos abgetragen werden und nur noch die älteren unter uns werden sich an den ehemaligen „Feldherrnhügel“ und Tummelplatz der „Grießemmer Kukkucke“ und Darmstädter „Heiner“ erinnert.
Frau Margarethe Ruhmann
Ein Stück des guten alten Darmstadt sank gestern mit dem Tod der in ganz Darmstadt bekannten Marktfrau, Frau Margarethe Ruhmann, dahin. Jedem Marktbesucher war die respektgebietende Gestalt dieser tüchtigen Frau ein Begriff. Mit ihren Kolleginnen, Frau Göttmann und Frau Heß, war sie eine der Obsthöckerinnen mit der längsten „Dienstzeit“ auf Darmstadts Marktplatz. Seit ihrer frühesten Kindheit mußte sie schon ihrer Mutter bei deren Handel auf dem Markt helfen. Sie führte im Jahre 1509 den von ihrer Mutter seit 1875 geführten Handel weiter und als sie, eine geborene Witzler, im Jahre 1910 heiratete, begannen Herr und Frau Ruhmann mit nur wenigem Hausrat ihren Ehestand. Eiserner Fleiß und bedächtige Sparsamkeit brachte es in der Familie Ruhmann zuwege, daß das Haus Nr. 37 in der Großen Kaplaneigasse erworben werden konnte. Ein Fuhrbetrieb wurde angeschlossen und schon im ersten Weltkrieg, als ihr Mann Soldat wurde, fuhr die tüchtige Frau mit zwei Pferden Obst und Gemüse zu den Verteilerläden in der Stadt.
Die langen Jahre zwischen den beiden Weltkriegen sahen Frau Ruhmann sommers und winters an ihrem Stand. Der zweite Weltkrieg nahm ihr, wie allen Darmstädtern, die in der Altstadt lebten, den blühenden Besitz. 17 Familien wohnten in dem im Jahre 1724 erbauten Haus, das unter Denkmalschutz stehend, eines der schönsten und größten Gehöfte der Altstadt war. Sie ließ sich nicht unterkriegen und nahm in den schweren Jahren nach dem Krieg erneut den Existenzkampf auf. Da machte am Anfang der vorigen Woche ein Schlaganfall ihrer Arbeit auf dem Marktplatz ein Ende, und gestern starb die überall beliebte und angesehene Frau im Krankenhaus im Alter von 62 Jahren an einer Lungenentzündung, die sich zusätzlich eingestellt hatte. DT.
Der Tod kennt keine Grenzen
Betrachtungen auf dem Waldfriedhof
Durch eine Kastanienallee an deren Ende Bildhauer und Gärtner ihre kleinen Geschäftsräume haben, kommt der Besucher zum Waldfriedhof. Das große Rondell mit seinem Säulengang, an dessen Seiten Leichenhalle und Krematorium liegen, wird von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet. Die roten Geranien, die um den Springbrunnen angepflanzt sind, haben leicht die Blütenköpfe geneigt. Ueber den gepflegten Hauptweg, an dessen Seiten die Erbbegräbnisse liegen, kommen wir zur letzten Ruhestätte der Toten des furchtbaren Angriffes auf Darmstadt.
Weithin kündet das große Steinkreuz, daß hier Menschen, Opfer des ersten und zweiten Weltkrieges nebeneinander liegen. Es ist ein beklemmendes Gefühl, wenn man vor den vielen Holz- und Steinkreuzen steht. Kleine braune Holzkreuze. Siebenmal lese ich das kleine Wort „Unbekannt“. Sieben Familien hoffen irgendwo, daß er noch einmal zurückkehren wird, sieben Familien warten vergebens. Die Blüte der Jugend liegt in den Gräbern. Vor meinen Augen sehe ich Belgien, Luxemburg, Ungarn, Kreta. Es ist eigentlich ein Wunder, daß man noch herausgekommen ist. Wie viele mußten für einen Kriegswahnsinn ihr junges hoffnungsvolles Leben lassen? Zerstörte Städte Ruinen, Kriegsbeschädigte, die die Mützen aufhalten und betteln, das sind die Folgen. Nie wieder — ich auf keinen Fall mehr. Die Anlage der Gräber unserer gefallenen Mitbürger läßt zu wünschen übrig. Es ist ein Wirrwarr, der einmal durch die Stadt gepflegt werden sollte. Wir sind dies den Toten schuldig. 6000 Tote, 4500 Vermißte. Das Ergebnis eine Bombenangriffes, der Darmstadt zu 80% zerstörte. Auf Gedenktafeln und Inschriften spiegeln sich die Schicksale ganzer Familien wieder. „Hier ruht in Gott — Familie Fechter — Alois und Liesel. Ihre Kinder: Annemie, Lilo und klein Eleonore.“
Gibt es eine furchtbarere Anklage?
Wie denkt der Mensch in seinem Leben doch beengt und kleinmütig? Völker, Nationen, Grenzen, scheinen ihm das wichtigste zu sein. Der Tod verwischt alles. Kann es im Leben nicht anders sein? Französische, russische und serbische Soldaten haben hier auf dem Waldfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Namen von 300 französischen Soldaten sind in einem Kriegerdenkmal eingeschlagen. Gefallene Soldaten des ersten Weltkrieges „Bouchard, Munzin, Laval, Fasouri . . .“. Das Denkmal zeigt einen mit dem Tode ringenden Soldaten, der von Schmerzen gequält seine Hände in die Brust krallt und in seinen letzten Zügen noch einmal seine Lieben sieht. Auf ihn warteten vielleicht in der Bretagne, vielleicht in Marseille oder Paris seine Frau und Kinder. Lupalow, Schipow, Irmschoff, Duntjuschi ein paar Namen nur von den vielen' Menschen, die sich zurück in ihre Heimat sehnten und ihr frühes Grab Tausende von Kilometern von ihren Freunden gefunden haben.
Langsam führt uns der Weg zurück. Wir sind nachdenklich geworden. „Warum?“ — diese Frage stieg in unserem Innern auf. Mußte das sein und soll sich noch einmal ein Kriegswahnsinn wiederholen? Schlingt ein Band von Volk zu Volk, von 'Mensch zu Mensch und seht nicht mehr den Feind in dem anderen Volk, dann wird ein neuer Weg in der Zukunft möglich sein. -ib-
In der Stadt notiert
Einrnal anders herum lief gestern der Verkehr durch Luisen- und Marstallstraße zwischen Luisenplatz und Bismarckstraße. Tiefbauarbeiter hatten gegenüber vom alten Kollegiengebäude die Straße aufgerissen und zwei große Sandhaufen versperrten die Durchfahrt. Ein Autofahrer, der die Umleitung nicht rechtzeitig bemerkte und zurückstoßen mußte, zertrümmerte einem nachfolgenden Wagen die Scheinwerfer. DT
Ganz in Gedanken fuhr gestern nachmittag eine Frau auf ihrem Fahrrad gegen einen vorschriftsmäßig geparkten Kraftwagen. Sie stürzte bei dem Zusammenprall von ihrem Rad und wurde, da sie innere Schmerzen verspürte, in das Krankenhaus gebracht. Ueberfallkommando und Rot-Kreuz-Krankenwagen waren bereits 4 Minuten nach dem Unfall zur Stelle. DT
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Personenauto und einem Lastkraftwagen am Freitagnachmittag auf der Frankfurter Straße in Darmstadt-Arheilgen entstand erheblicher Sachschaden. Personen wurden nicht verletzt. wst.
Eine eigene Fußballmannschaft stellen zur Zeit die Justizbehörden in Darmstadt auf. Man hofft und beabsichtigt, in absehbarer Zeit gegen Mannschaften der Stadtverwaltung, des Finanzamtes, der Presse usw. Spiele austragen zu können. wst.
Der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner, Landesverband Hessen, Ortsgruppe Eberstadt, hat seine Sprechstunden auf Dienstag von 19 bis 20 Uhr bei Herm Böhm, Ulvenbergstraße 14, festgesetzt. DT.
Eine Landesverbandstagung der Kanarien¬ züchter bereitet der Kanarienzucht- und Vogelschutzverein 1897 Darmstadt vor. Die Tagung wird voraussichtlich am 30. Juli um 10 Uhr im Lokal Lorenz, Lautenschlägerstraße, beginnen. Aus allen Vereinen Hessens werden Delegierte erwartet. Vor der eigentlichen Tagung findet um 9 Uhr eine Vorstandssitzung statt. Besondere Aufmerksamkeit wird der Vortrag des bekannten Zuchtfreundes Jünger aus Wiesbaden finden, der über das Thema „Wie baue ich einen Stamm auf“ referiert. wst
Zwei Verkehrsunfälle ereigneten sich gestern Ecke Barkhaus- und Schuhknechtstraße, wo gegen 11 Uhr zwei Lastkraftwagen zusammenstießen. Es entstand nur Sachschaden.
Neuer Schornstein bei der Südhessischen
Ein Plan wurde Wirklichkeit
Gestern, gegen Abend, verließen die letzten Arbeiter der Firma Franz Hof mit ihren restlichen Baumaterialien die Werkshalle bei der „Südhessischen“. 66 Meter über ihnen reckte der Blitzableiter des neuen Kamins für die im Aufbau begriffene moderne Kokcreianlage seine Spitzen in die Luft.
Die Projektierung der neuen Kokerei geschah durch Oberingenieur Wolfskehl, dessen Urgroßvater Mitgründer der „ Portativ-Gas-Gesellschaft“ war und Ingenieur Günther. Man hofft, im Februar 1951 die Gas- und Koksproduktion in der neuen Anlage aufnehmen zu können.
Die Errichtung dieser neuen Kokerei, der ersten, die seit 1945 in einem westdeutschen Gaswerk errichtet wird, wurde der Spezialfirma Heinrich Koppers G. m. b. H. übertragen. Herr Weinbörner überwacht den Aufbau der modernen Ofenanlagen. Den Bau des hohen Kamins zu dem Ofenblock ließ man von der Kaminbau-Firma Franz Hof, Frankfurt am Main, ausführen.
Während wir um den neuen Kamin gingen, in den „Fuchs“ — das ist der Rauchkanal zwischen Ofenbatterie und Kamin — kletterten und in dem dunklen Schlot nach oben schauten, erzählte uns Dipl.-Ing; Schubert von den Schornsteinbauten seiner Firma. „Wieviel Backsteine sind denn ungefähr in diesem Kamin verbaut?“ Herr Lützenberger denkt kurz nach: „Ja, das sind etwa 135 000 Steine. Natürlich nicht gewöhnliche Backsteine, sondern Spezial-Klinker“.
Diese Klinker-Backsteine müssen außergewöhnlichen Beanspruchungen standhalten können. Schon während der Lagerung wird laufend Wasser über die Steine geschwemmt, damit sie sich vollsaugen können und nicht später dem Mörtel das Wasser entziehen, bevor er „abbindet“. Den „Schornstein naß zu halten“, erfordert das Hauptaugenmerk des Polier. Das Mauervzerk muß bei einem Kamin besonders einwandfrei aufgeführt werden, sonst zeigen sich schon nach kurzer Zeit Schäden, die hohe Reparaturkosten verursachen.
Vorläufig ist für den 66 Meter hohen Riesen nur eine Ofenanlage vorgesehen. Bei der geplanten Vergrößerung des Werkes kann er auf 70 Meter erhöht werden. Zur Sicherheit wird der ganze Kamin von insgesamt 35 „Bauchbinden“ in gleichmäßigem Abstand gehalten. In allen Einzelteilen numeriert, lagen die Bandagen griffbereit neben dem Kamin. Ein schwerer breiter Abdeckring schützt die Kaminkrone gegen Witterungseinflüsse.
Oben in der windigen Höhe standen auf einer doppelten Arbeitsplattform die Katninbauer unter Leitung ihres Polier Georg Herth. So lange der Kamin nur ein paar Meter Höhe hatte, konnten die Männer zum Frühstück herunterkommen. Als der Schornstein immer höher wurde, kamen sie nur noch zum Schichtwechsel um 13.30 Uhr herunter.
Als uns Dipl.-Ing. Schubert einen Blick auf die Konstruktionszeichnung werfen ließ, waren wir überrascht, zwei Schornsteine ineinander gebaut zu finden. Die starke Hitzeeinwirkung an der „Sohle“, am Fuße des Schornsteins, soll sich nicht auf die tragende Masse, auf der die ganze Gewalt des riesigen Gewichts ruht, auswirken. Deshalb steht in dem weiten Mantel mit dem äußeren Durchmesser von über fünf Meter ein. halbhoher Innenschornstein, der nirgends den Außenkamin fest berührt. Er kann sich unabhängig vom Außenmantel durch die Hitzeeinwirkung ausdehnen. Die Innenweite des Bauwerks beträgt fast drei Meter im Durchmesser an der Sohle, und an der Krone kann man — wenn man hinaufkommt — in ein 1,70 Meter weites Loch schauen. In dieser windigen Höhe ist das Mauerwerk nur noch 25 cm stark.
Unten an der Winde zum Kaminaufzug stand der langjährige Betriebsangehörige Altvatter und ließ mit Zentimeter-Genauigkeit seinen „höheren“ Kollegen Baumaterialien. Handwerkszeug und alles Nötige hinauflaufen. Um das Zugseil hatte er an einer bestimmten Stelle ein Läppchen gebunden, damit er merkte, wann die „Ware“ richtig oben war. Eigentlich war der Kamin noch gar nicht ganz fertig, aber da der Zeitpunkt ansonsten günstig war, wurde am letzten Samstag das Richtfest bei einer Riesenfleischwurstportion und etlichen Bierhumpen gefeiert. „Der Schornstein muß immer gut naß gehalten werden“, meinte mein Nachbar. agt
Mit seinen 66 Metern überragt der neue Schornstein alle Bauten des Werkes. DT-Foto: Schröder
Neue Bänke in Gberstadt
Das Forstamt Eberstadt ließ auf Veranlassung von Forstmeister Heid in der Umgebung des im Walde gelegenen Sportplatzes acht neue Ruhebänke aufstellen. Die Spaziergänger und Sportplatzbesucher werden es der Forstverwaltung zu danken wissen. Vielleicht läßt es sich auch noch möglich machen, an dem Weg zum Frankenstein einige Ruhebänke aufzustellen.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Union: „Polonaise“, Thalia: „Die Liebe unseres Lebens“, Belida: „Gastspiel im Paradies“. Palast: „Recht auf Liebe“. Hansa: „Gefährliche Gäste“.
Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler; Holzhof-Allee: Ausstellung zum Ströher-Preis: Mathildenhöhe: Das _ Menschenbild in unserer Zeit; Amerikahaus: fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellungen Gustav Wolf unfl Hoffmann-Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika: d’Hoog-e, Mathilden¬ platz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.
Stadtkirche: 20 Uhr, kirchenmusikalische Feier; Orgel- und Gesangswerke von Joh-Sebastian Bach.
Technische Hochschule: 18 Uhr, Raum 167, Vortrag Prof. Dr. Delekat: „Ethische Probleme der Technik“.
Amerikahaus: 19.30 Uhr, Raum 8, Lichtbildervortrag, Dr. Paul Vonwiller: „Neue Forschungsmethoden über den Bau des Nervensystems“.
Schauspielstudio der T. H., Darmstadt: Schauspiel von Jan de Hartoog: „Schiff ohne Hafen“ (Erstaufführung für Darmstadt) im Amerikahaus 20 Uhr.
Wir gratulieren
Goldene Hochzeit: Herr Georg Dietrich und Frau Elisabeth, geb. Lang.' Groß-Umstadt. Hügelstraße 20.
80. Geburtstag: Frau Anna Elisabeth Ritscher geb. Schnauber, Ober-Ramstadt Herr Adolf Schieferdecker, Kaminfegermeister Darmstadt, Otto-Wolfskehl-Straße 25
Starkenburg
Auch die Friseure haben es nicht leicht
Generalversammlung der Friseurinnung des Kreises Groß-Gerau
In einer General-Versammlung der Friseur-Innung des Kreises Groß-Gerau gab am Montagnachmittag Obermeister Herzberger, Mörfelden, den Geschäftsbericht. Nach dem Bericht des Kassierers wurde der Vorstand entlastet. Kreishandwerksmeister Gruber wandte sich scharf gegen die Schwarzarbeit und wies darauf hin, daß sich das Handwerk noch stärker in den Innungen zusammenschließen müsse, um sich gegen die Auswüchse der Gewerbefreiheit zu behaupten.
Oberbürgermeister Herzberger gab sodann einen Bericht über die Obermeistertagung in Kassel. In diesem Zusammenhang betonte man, daß es zweckmäßig wäre, bei der Beufsberatung auch Innungsvertreter hinzuzuziehen; nur so wäre dem Friseurberuf ein wirklich fähiger Nachwuchs gewährleistet.
Die Vorstandswahl brachte folgende Zusammensetzung: Vorsitzender Herzberger, Mörfelden, Obermeister; Stellvertreter: Hamann, Erfelden; Schriftführer: Frau Schweikhard, Groß-Gerau; Kassierer: Engert, Bischofsheim; Lehrlingswart: Pfeifer, Bischofsheim.
Demnächst soll in Rüsselsheim ein Schaufrisieren stattfinden. Ein Preisfrisieren lehnte man ab, da sich hieraus leicht Unstimmigkeiten unter den Innungsmitgliedern ergeben könnten, Ortsobmänner, die sich nicht hinreichend für die Bereiche ihres Standes einsetzen, will man bald durch fähigere Leute ersetzen. In einigen grundsätzlichen Ausführungen stellte Geschäftsführer Schwerer von der Kreishandwerkerschaft fest, daß von den 148 Mitgliedern der Pflicht-Innung nach der Umstellung in eine freie Friseur-Innung noch 106 Mitglieder verblieben seien. (cg)
Die reiche Abtei Lorsch hat auf dem „Urberg“ die Burg Auerbach zum Schutze ihrer Besitzungen erbauen lassen, lange bevor sie 1275 zum ersten Male urkundlich erwähnt wird. Damals waren bereits die Grafen von Katzenelnbogen die Besitzer, von denen sie im 15. Jahrhundert die hessischen Landgrafen erbten. Nach einer Brandschatzung im 30jährigen Kriege wurde die Burg von den Truppen des Marschalls Turenne belagert und erobert und gesprengt. Das Uebrige, sie zur Ruine werden zu lassen, tat die Zeit. Im 19. Jahrhundert ließ Großherzog Ludwig 111. dem Verfall Einhalt gebieten und den eingestürzten Turm wieder errichten. Seit dieser Zeit sieht Schloß Auerbach jahraus jahrein wieder eine große Zahl Besucher. Sie haben dort einen guten Einblick in die Anlage mittelalterlicher Wehrbauten, und der fast mühelose Aufstieg mird mit einem unvergleichlichen Rundblick über das Land belohnt.
Grube Messel soll bezahlen
Im Gegensatz zu den früheren Gemeinderatssitzungen in Georgenhausen, die zum Teil sehr erregt durchgeführte wurden (der Grund ist darin zu suchen, daß zur Zeit noch eine Klage der DWG wegen der Zusammensetzung des Gemeinderats beim Verwaltungsgericht Darmstadt läuft) verlief die letzte Sitzung sehr ruhig. Der Antrag der Kirchengemeinde Georgenhausen auf Tausch eines Grundstücks wurde vorerst zurückgestellt. Einige Anlieger an ein kircheneigenes Grundstück (das Grundstück liegt hinter den Hofreiten der Antragsteller) traten an die Kirchengemeinde zwecks käuflicher Erwerbung heran. Die Kirchengemeinde jedoch lehnte einen Verkauf ab und beantragte, daß die Gemeinde auf dem Wege eines Tausches beiden Seiten gerecht werde. Der Gemeinderat vertrat einstimmig den Standpunkt, die Kirchengemeinde möge dem Wunsch der Antragsteller auf Ankauf des Grundstücks entgegenkommen. — Für verschiedene Baulustige wurden Bürgschaften in einer Gesamthöhe von 23 000 DM übernommen.
Da ein Teil der Werksgebäude und Anlagen des Paraffin- und Mineralölwerks Messel auf den Grundstücken der Gemeinde liegt, ist das Werk seit Jahren verpflichtet, gewisse Steuern an die Gemeinde abzuführen. In den letzten Jahren ergaben sich jedoch derartig große Schwierigkeiten zuungusten der Gemeinde — bis heute wurden nur kleinere Zahlungen geleistet —, daß nun eine Kommission gebildet wurde, die unter allen Umständen versuchen soll, auf Erfüllung der Zahlungen zu drängen. Die Kommission setzt sich auf den Ratsmitgliedern Poth (SPD) Strauß (DWG) und dem zur Zeit amtierenden Bürgermeister Löffler zusammen. er.
„Acht um ein Kind“
Nach nahezu zweijähriger, infolge personeller Umbesetzungen bedingter Pause, trat die Sport- und Kulturgemeinde Waldmichelbach in Fortsetzung ihrer einstigen Aufführungserfolge mit „Preciosa , ..Freischütz“, ..Spanische Fliege“ usw. je-zt wieder mit einem zugkräftigen Dreiakter „Acht um ein Kind“ von Schwartz und Lengbach vor ein interessiertes Publikum. Unter der Regie von Dr. Schr elt e r rollte ein pausenloser Angriff auf die Lacnmuskulatur der Zuschauer ab, die den gekonnten Darbietungen der Laienspieler mit viel Beifall dankten und eine Wiederholung erbaten. Die Aufführung wird nach dieser geglückten Premiere in Gras-Ellenbacn, Siedelsbrunn und Unter-Schönmattenwag noch über die Bretter gehen. ( r>
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Schlecht besuchte Gemeinderatssitzung in Babenhausen
In der Freitagssitzung des Gemeinderajes Babenhausen wurde der vom Postamt ausgearbeitete Waldwirtschaftsplan 1900,51, der mit 59 985 DM in den Ausgaben und 127614 DM in den Einnahmen abschließt, einstimmig angenommen und verabschiedet der im Jahre 1943 abgebrannten Waldflache Moldenborn — 16 Hektar liegen noch brach sollen jeweils 8 Hektar in diesem u
nächsten Jahr aufgeforstet werden. Bürgermeister Melk wurde beauftragt, wegen einem finanziellen Zuschuß zu den Notstandsarbeiten einen dementsprechenden Antrag an das Arbeitsamt zu richten. Die Arbeiten sollen im Herbst beginnen und umfassen über 1500 Tagewerke.
Von der Anlegung eines neuen Pflanzgartens wurde Abstand genommen. An dem Ruinengrundstück „Altes Forsthaus“, das vom Autohaus Waldhaus gekauft wurde, soll der dort liegende Gemeindeweg im Tausch verlegt werden. Für den Faselstall wurden neue Deckkosten festgelegt. Danach müssen für jedes Stück Zuchtrindvieh 4 DM, für jede Ziege 80 Pfennig entrichtet werden. Zwecks Kontrolle des Viehbestandes wurde eine örtliche Viehzählung mit Stichproben beschlossen. Die im Gemeinderat vertretenen Landwirte sprachen sich gegen die Anschaffung von Ohrenschildern für die Tiere aus.
Der bereits im öffentlichen Forum diskutierte schlechte Zustand der Wilhelm-Leuschner-Straße stand als letzter Punkt auf der Tagesordnung. Bürgermeister Melk brachte hierbei einen nicht bindenden Kostenvoranschlag zur Ausbesserung in Höhe von 8000 DM zur Kenntnis, während jedoch im Haushaltsplan für Straßenarbeiten nur 3000 DM vorgesehen sind. Da die Straße umgehend ausgebessert werden soll, wurde die Baukommission mit den nötigen Feststellungen beauftragt.
An die leider nur sehr schwach besuchte öffentliche Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche an. (NB)
Ober-Ramstadts Gemeinderäte waren sich einig
Eine Sitzung, in der es keine Widersprüche gab
In der Ober-Ramstädter Gemeinderatssitzung herrschte dieses Mal eine erfreuliche Einmütigkeit der drei Parteien bei der Beschlußfassung zu fünf als Tagesordnung angesetzten Fragen. Ein Antrag der Arbeiterwohlfahrt, Ortsverein Ober-Ramstadt, der bereits der Finanzkommission vorgelegen hatte, befaßte sich mit der Finanzierung des Kindergartens, den die Arbeiterwohlfahrt seit 1945 im Hofe der Turnhalle in der Leuschnerstraße unterhält. Obgleich sich diese Einrichtung eines guten Besuches erfreut, können die entstehenden Unkosten auf die Dauer nicht mehr von der Arbeiterwohlfahrt getragen werden. Um den Hort aus diesen Gründen nicht einstellen zu müssen, wurde die Gemeinde gebeten, die Finanzierung zukünftig zu übernehmen. Damit die Gemeindevertreter ein klares Bild über den Stand des Kindergartens bekämen, wurde der vom Bürgermeister und der Finanzkommission gemachte Vorschlag, eine Aussprache zwischen Gemeindevertreturig und Vorstand der Arbeiterwohlfahrt herbeizuführen, angenommen.
Lehrer Hahn hatte für sieben bedürftige Schülerinnen seiner Klasse, die im August eine Omnibusfahrt in die Alpen unternimmt, einen Fahrtzuschuß erbeten. Die Gemeindevertreter stimmten dem Vorschlag der Finanzkommission, einen Zuschuß von jeweils 15 DM zu gewähren, aus sozialen Gründen zu. Auch dem Antrag des Polizeiwachtmeisters Hartmann, der vor einigen Monaten einen Schäferhund gekauft hatte, um ihn später im Polizeidienst zu verwenden, wurde dahingehend stattgegeben, daß die Gemeinde für die notwendige Hundeausrüstung 50 DM zusteuert und auch für das Rechnungsjahr 1950 pro Tag ein Verpflegungsgeld in Höhe von 0,65 DM übernimmt. Dem Hess. Heimatbund für den Regierungsbezirk Darmstadt e. V. beizutreten, lehnten die Gemeindevertreter ab. (-O-)
Keine gemeindlichen „Bausteine“
Wie aus einer Darmstädter Regierungsverfügung ersichtlich ist, wird die Ausgabe von „Bausteinen“ durch die Gemeinden für unzulässig gehalten. Diese „Bausteine“, durch die gemeindliche Bauvorhaben finanziert werden sollen, hätten den Charakter von Darlehen. Alle Darlehen müßten aber von der Aufsichtsbehörde genehmigt werden. Die Genehmigungen für die „Bausteine“ seien nicht zu erteilen, sondern die Gemeinden seien anzuweisen, sich der Kreditinstitute, der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften usw., zu bedienen.
Die letzten Wrakstücke eines bei Gernsheim im Rhein versenkten Schiffes werden zur Z.eit gegenüber dem „Schwarzen Ort“ von einem 150-Tonnen-Kran der Wassenstraßendirektion Koblenz gehoben. Die Arbeiter legen ein starkes Drahtseil um den Rumpf und auf Kommando brüllen dann die schweren Dieselmotoren auf, mit denen der Kran die schweren Eisenbrocken wie ein Spielzeug aus dem Wasser hebt. Foto: Schtrch
Gedenkstein für Fr. v. Gagern
Der Verein Hessischer Jäger, Kreis Dieburg, weiht am Samstag, dem 22. Juli, einen zum Gedenken an Friedrich v. Gagern im Oberwald bei Steinau errichteten Gedenkstein ein.
Friedrich von Gagern, einer der bekanntesten deutschen Jäger, wurde besonders durch seine zeitlosen, einzigartigen schriftstellerischen Arbeiten auf jagdlichem Gebiete bekannt. Die Jägerschaft stattet mit der Weihe des Gedenksteines ihren tiefempfundenen Dank für das Schaffen des Schriftstellers und Meisters der deutschen Dichtung ab. DT
Zur Freude aller Wanderer
Aussichtsturm auf dem Katzenbuckel wird renoviert
Ueber das Schicksal des auf dem höchsten Odenlwald-berg, dem Katzenbuckel, stehenden Aussichtsturmes ist jetzt endgültig entschieden worden. Der Turm, der durch Artilleriebeschuß in den letzten Kriegstagen schwer beschädigt wurde, durfte wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden. Aus diesem Grunde schien es unumgänglich, ihn abtragen zu müssen.
Durch den badischen Staat, das großherzogliche Haus und die umliegenden Gemeinden wurden nunmehr Gelder zur Verfügung gestellt, um den Aussichtsturm wiederherzustellen. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, wird der Katzenbuckel wieder das beliebte Ziel vieler Wanderer sein, da man vom Turm aus einen herrlichen Fernblick, im Norden bis zum Taunus, im Süden bis zu den Höhen des Schwarzwaldes, hat. (WL)
350 Jahre Volksschnle Reichenbach
Seit Jahrzehnten das erste größere Fest der Gemeinde
Seit mindestens einem Jahrzehnt hatte die aufstrebende Odenwaldgemeinde Reichenbach keine ausgesprochene Festlichkeit mehr begangen. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß die 350- Jahr-Feier der Volksschule jetzt zu einem Festtag besonderer Art nicht nur für Reichenbach selbst, sondern ebenso für die angeschlossenen Filialgemeinden Beedenkirchen, Elmshausen und Lautern wurde. Mindestens 1500 Menschen bevölkerten den Schulhof und seine Umgebung, als dort am Nachmittag die acht Klassen der Volksschule ihr für diesen Tag vorbereitetes Können in begeisternder Hingabe darboten: Volkstänze, Turnen, Pyramiden, Reifenreigen, Keulenübungen, Märchenspiele, Gesänge und Musik.
Bingeleitet wurde der Tag durch einen von Pfarrer Mager zelebrierten Gottesdienst, an dessen Ausgestaltung auch die oberen Klassen der Schule mitwirkten. Vor allem fielen die Meßgesänge des Schülerchores durch Ausgeglichenheit und Wohllaut der Stimmen angenehm auf.
Nachmittags versammelten sich die nahezu 400 Mädel und Buben mit ihren Lehrkräften auf dem Sportplatz, von wo ein festlich mit Blumengebinden geschmückter Umzug ausging, begleitet von den Weisen der drei Schülerkapellen mit Hand- und Mundharmonikas und Pauke. Die Feier im Schulhof selbst wurde eingeleitet vom Schülerchor, der ebenso wie die Orchester unter der Leitung von Lehrer Hechler die Anerkennung aller Besucher fand. Schulleiter Lechner betonte in einer Begrüßungsansprache das außerordentlich gute Einvernehmen zwischen Schulleitung und Gemeindeverwaltung, die mit Bürgermeister Jährling und dem Gemeinderat vollzählig vertreten war. Schulrat Regn i t z (Heppenheim) gab, zugleich im Namen des verhinderten Landrats, seiner Freude über den herrschenden guten Geist und die gezeigten Leistungen Ausdruck.
Unter den Ehrengästen sah man Frau Mink, die 44 Jahre lang in Reichenbach als Lehrerin tätig war, ferner die Rektoren Orth und Meyer sowie Lehrer B a r b i g.
Daß abschließend jedem Kinde eine Brezel überreicht wurde, fand allgemein freudige Zustimmung. Im ganzen war es ein Tag, von dem es abends beim gemütlichen Beisammensein und Tanz hieß: „Von diesem Jubiläumsfest wird Reichenbach noch sprechen, wenn ein Teil der heutigen Schüler schon Großvater geworden ist.“ (-r-)
Das Wasserschloß von Güttersbach
„Steinfundgrube“ für die baulustige Bevölkerung
Bei der Güttersbacher Bevölkerung, deren Gemeinde vor dem Dreißigiährigen Krieg ein großer Marktflecken mit einem Kloster, einer Wallfahrtskirche und einem Brunnen mit heilkräftiger Wirkung gewesen sein soll, geht eine Sage um, die kürzlich wieder lebendig geworden ist. Sie berichtet von einem großen Schatz, der im Boden des Geländes vor dem Ort, der im Volksmund als „Klosterbrunnen“ bezeichnet wird, verborgen sein soll.
Von der Sage wußten natürlich auch Lehrer Hartes von dem Nachbardorf Hüttenthai, ein Archäologe, der sich bemüht mit eifrigen Studien die dunkle Vergangenheit seiner Schulgemeinde und umliegenden Orte aufzuhellen, und der Müller von Güttersbach, der Besitzer des sich an den „Klosterbrunnen“ anschließenden Wiesengeländes. Was Lehrer Hartes schon lange aufgefallen war, ist der unregelmäßige Wuchs des Grases auf des Müllers Wiese. „Was ist das?“, dachte der Müller im letzten Jahr, als er mit seiner Sense beim Mähen dauernd auf harte Steine gestoßen war. „An der Sage muß doch etwas dran sein, vielleicht finde ich einen Schatz“.
Und er fing im geheimen zu graben an.
Als er aber in diesem Frühjahr nur Steinbrocken auf Steinbrocken, zum Teil sehr schwere mit besonderer Technik vorgehauene Buckelquadersteine fand, rief er andere Güttersbacher zu Hilfe. In gemeinsamer Arbeit wurden die doppelten Grundmauern einer viereckigen Burg mit vier Ecktürmen und die Kanalisation freigelegt.
Vergeblich suchte der Lehrer, der als Kenner auf die Bedeutung dieses Fundes als einer der ältesten Burgen des Odenwaldes hinwies, das Ausbuddeln der Steine zu verhindern. Die erfreuten Güttersbacher trugen die Steine von den Burgmauern in zwei bis drei Lagen ab, sortierten sie und fuhren mit ihnen davon. Auch der Einspruch des inzwischen benachrichtigten Landeskonservators und Bodendenkmalpflegers beeinträchtigte die Uebereifrigen nicht, in der weiteren Erschließung der Steingrube aufzuhören, denn es war ihnen gleichgültig, daß sie mit ihrer Arbeit dem Archäologen die Feststellung des Alters der Burg erschwerten. Die Bauleute dachten nur an ihre Steine, und der Müller wollte eine glatte Wiesenfläche haben. Er ging nicht auf die ihm vom Kreis Erbach gemachte Zusage, der das Wiesengelände bis zur Vermessung der Burg pachten und ihn für den Heuausfall entschädigen wollte, ein. So kam es, daß in den letzten Monaten über 100 Wagen mit Steinen verschiedener Größen über das sumpfige Wiesengelände rollten. Die Steine sind zum Teil schon vermauert oder liegen noch an den Baustellen. Was sieht man nun heute noch von dem archäologischen Fund in Güttersbach? Ueber die Ausgrabungen ist wieder Gras gewachsen. In einem Viereck von ca. 20 m Breite und 30 m Länge ist der Boden noch 1 m tief aufgerissen. Ueber den Grundmauern soll sich an manchen Stellen der Sand von 1 m Höhe angeschwemmt haben, weshalb die Burg noch nicht früher entdeckt worden ist. 250 m westlich des Fundes im Klostergarten sollen sich weitere Mauerreste in der Erde befinden. Die Entstehung der Burg, die wahrscheinlich ohne Wassergraben angelegt wurde, soll bis ins 12. Jahrhundert, vielleicht noch in frühere Zeit, zurückgehen. Man fand beim Graben auch Reste von Schiefern, die im Mittelalter sehr wertvoll gewesen sind. Wenn die Mittel bereitgestellt sind, ist eine flächenmäßige Abdeckung des Geländes geplant und wird sich das genaue Alter der Burg ergeben.
Bürgermeister Dr. Haller, Güttersbach, hat den Ausgrabungen von Anfang an großes Interesse entgegengebracht. Mit seiner Unterstützung wurde auch von einem Fuhrwerk ein Buckelquaderstein von 1 Quadratmeter Fläche und ca. 50 cm Höhe nach dem Friedhof gefahren, wo er als Sehenswürdigkeit aufbewahrt wird. Seiner Einflußnahme ist es auch zu verdanken, daß die Güttersbacher inzwischen von einer weiteren Steinentnahme Abstand genommen haben. Sie haben inzwischen eingesehen, daß sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie sich eines Anziehungsobjektes, das einmal zu einer Belebung des Fremdenverkehrs in ihrer Gemeinde beitragen wird, entledigen. Durch die Burg, deren Grundmauern schon in 1 bis 2 m Tiefe im Wasser stehen, ist zweifellos der Odenwald um eine wertvolle Sehenswürdigkeit bereichert worden. t-s
Darauf haben sie fünf Jahr gewartet
Siedler in Wolfskehlen gelangen wieder in ihre alten Rechte
Im Herbst 1945 wurden die Siedlerstellen dreier Familien aus Wolfskehlen durch die Nassauische Heimstätten GmbH., Frankfurt/Main, unter Berufung auf die Anweisung der damaligen deutschen Regierung des Landes Hessen, Darmstadt, vom 22. 10. 1945 gekündigt und zugleich die Räumung verfügt. Durch die Aussagen einiger Personen aus Wolfskehlen, die politische Vergangenheit der Siedler betreffend, mußte der damalige Bürgermeister von Wolfskehlen die Räumung vornehmen. Für die freigewordenen Wohnungen fanden sich seinerzeit einige Bewerber, die von den Nassauischen Heimstätten, durch einen Ersatzsiedlungsvertrag, eingesetzt wurden. Vergeblich versuchten die geschädigten Siedler ihr Heim wieder frei zu bekommen.
Rechtsanwalt Jockel stellte nun fest, daß — nach der Direktive der Militärregierung für Hessen vom 30. 12. 1948 — alle bisherigen, im Lande Hessen erlassenen Anordnungen, die eine Uebertragung von Wohnungen früherer Mitglieder der NSDAP an andere Personen betreffen, aufgehoben sind. Alle früheren Anweisungen, Anordnungen, Erlasse usw., die zu den Bestimmungen dieser Militärdirektive im Widerspruch stehen, gelten mit dem Inkrafttreten dieser Direktive als aufgehoben, annuliert und widerrufen. Nach einem Erlaß des Hessischen Innenministeriums gilt dies auch für diejenigen Heimstätten, die nach dem Reichsheimstättengesetz vom 25. 11. 1937 errichtet sind.
Diesen gesetzlichen Bestimmungen zufolge sind alle Beschlagnahme- und Erfassungsverfügungen, die die Zuweisung der früheren Wohnungen der Siedler an andere Personen ausgesprochen haben, als unwirksam anzusehen. Somit besteht ein Anspruch der Siedler auf Wiederzuteilung des früheren Wohnraumes. — Die geschädigten Siedler sind nicht in einer der Gruppen des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus eingestuft. vielmehr auf Grund dieses Gesetzes amnestiert worden.
Zu erwähnen sei noch, daß Wolfskehlen die einzige Gemeinde Hessens war, in der eine solche Räumung durchgeführt wurde. Hoffentlich gelingt es dem jetzigen Bürgermeister von Wolfskehlen, die Häuser frei zu machen, damit die Eigentümer nach fünfjähriger Ausquartierung wieder ihr mit Mühe und Not erbautes Heim beziehen können. (-od-)
Drei auf einem Motorrad
Zwei Brüder und ein junges Mädchen fuhren zu dritt in der Nacht zum Montag auf einem Motorrad nach Hause, nachdem sie ausgiebig in Nieder-Klingen die „Kerb“ gefeiert hatten. Licht hatten sie keines, um ihren unklaren Kurs zu beleuchten. Der Landwirt Otto Becker aus Nieder-Klingen hielt vorsichtigerweise scharf rechts am Straßenrand sein Pferdefuhrwerk an. als er durch Nacht und Finsternis das Gefährt herankommen hörte. Der Fahrer, Paul T., steuerte gerade „zufällig“ auf der linken Straßenseite herum, als vor ihm ein Pferdekopf auftauchte, gegen den er sein Gefährt lenkte. Nachdem sich der erschrockene Landwirt Becker den Schaden besah, war sein Pferd verletzt und die Soziusbraut der zwei hatte einen Schädelbasisbruch weg. Wegen Alkoholverdacht wurde eine Blutprobe des Motorradbesitzers beantragt. DT
Nauheim führt Hundemarken ein
Der Nauheimer Gemeinderat beschloß in seiner ersten Sitzung, während den Schulferien einen Schulsaal zu renovieren. Desgleichen soll die Blitzableiteranlage einer gründlichen Reparatur unterzogen werden. Mehrere Pachtverträge von gemeindeeigenem Gelände wurden der Baukommission überwiesen, da die Verwaltung an den Ansuchern bis zur Parzellierung dieser Grundstücke ein Vorkaufsrecht vorläufig ablehnt.
Da die Carlo-Mierendorf-Straße, bedingt durch den starken Lastwagenverkehr der „Stoga-Großmarkt“, Nauheim, zu den meistbefahrenen Ortsstraßen gehört, beabsichtigt die Verwaltung den Eingang der Straße zu erweitern. Ein Baugesuch mußte aus diesem Grunde zurückgestellt werden. — Dem Vorschlag der Verwaltung, Hundemarken einzuführen, wurde zugestimmt. Anschließend fand eine nichtöffentliche Gemeinderatssitzung statt, bei der Personalangelegenheiten und die Mitgliedschaft bei der Zusatzversorgungskasse auf der Tagesordnung standen. (au)
Sinkende Einnahmen in Aschbach
Gemeinderat diskutierte den Haushaltsplan
Bürgermeister Arnold hatte am Samstag die Gemeinderäte Aschbachs zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengerufen, um den Haushaltsplan für das Geschäftsjahr 1950/51 zu beraten und verschiedene andere, dringende Probleme zu klaren. Entgegen den Vorjahrseinnahmen, die mit 21 000 DM aus der Gewerbesteuer veranschlagt waren — die Summe hatte sich noch etwas erhöht — können diesmal nur 10 000 DM in den Voranschlag gebracht werden, da mit einer rückläufigen Entwicklung gerechnet werden muß. Fürsorgemittel erfordern 2000 DM Aufwand, die Ortsstraßen dürften mindestens 1000 DM an Unterhaltungs- und 4000 DM an Instandsetzungskosten verursachen. 1800 DM sind an Stromkosten für das Pumpwerk einzusetzen und weitere 2000 DM für Reparaturen am Wasserwerk. Für Wegebau und Waldarbeiten dürften 4200 DM ausreichen. Die Steuerhebesätze wurden mit 117 Prozent angesetzt. Zusammen mit einigen weiteren Beträgen beläuft sich die Voranschlagsrechnung auf 49 619 DM gegenüber 92 108 DM im Vorjahre.
Dem in Kürze sein 25iähriges Jubiläum feiernden Sportverein spendet die Gemeinde einen Pokal. Um die derzeit behelfsmäßige Kanalisation, die bei Frosttemperaturen durchweg zur Straßenvereisung führt, auszubauen, bewilligte der Gemeinderat 7600 DM; weitere 1750 DM treten als Zuschuß aus dem Notstandsfonds des Landesarbeitsamtes hinzu, so daß mit den Vorbereitungen, die größtenteils in gemeindlicher Selbsthilfe ausgeführt werden sollen, nun begonnen werden kann. Ab 1. August werden von den vorhandenen 13 Arbeitslosen der Gemeinde zehn im Rahmen dieses Notstandsprogrammes angesetzt (-r)
Es geht wieder aufwärts
bei der Kohlenverbrauchergenossenschaft in Höchst
„ Die Kohlenverbrauchergenossenschaft Höchst hielt am Sonntag ihre diesjährige Generalversammlung ab. Aufsichtsratvorsitzender Bosch dankte dem bisherigen Vorstand für seine Aufbauarbeit seit dem Bestehen der Genossenschaft und gab einen kurzen Ueberblick über den Werdegang der Genossenschaft. Hierbei hob er besonders hervor, daß man im Dezember 1948 die Neugründung ohne Geld- und Gerätebestände — die Lagerhalle am Bahnhof war durch Kriegseinwirkung vernichtet — vorgenommen habe. Die Genossenschaft kann nun seit diesem Zeitpunkt über 400 Mitglieder aufweisen. Die fehlenden Geräte, wie Schaufeln, Gabeln, Waage und Säcke, konnten beschafft werden. Eine neue Lagerhalle am Bahngelände wurde wieder errichtet, um deren Entstehen sich die Herren Daum und Wölfeischneider besonders verdient gemacht haben. Während früher die Mitglieder ihre Kohlen und Briketts am Bahnhof selbst abholen mußten, bekommen sie diese, nachdem nun genügend Säcke beschafft wurden, direkt ins Haus geliefert. Nach Verlesung des Geschäfts- und Jahresberichtes wurde dem seitherigen Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Bei der Neuwahl wurden Johannes Wölfeischneider, Philipp Thierolf, Georg Daum und Konrad Schmantt gewählt. Das Geschäftsguthaben wird den einzelnen Mitgliedern mit 2*/o auf die Summe der bisherigen Einzahlung gutgeschrieben. (,ee)
Neunbürgerversammlung in Schaafheim
Im Gasthof zum „Frankfurter Hof“ sprach Kreisvorsitzender Gold vom Kreisverband der Heimatvertriebenen vor den ortsansässigen Neubürgern. Lastenausgleich und Hausratsbeihilfe wurden behandelt. Sein eindrucksvoller Rückblick von der Vertreibung bis heute gab ein anschauliches Bild über die Lage der Neubünger. Auf das Erfordernis, den Verband, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Sache der Vertriebenen zu vertreten, durch Mitgliedschaft zu unterstützen, wies er besonders hin. Abschließend wurde das Verhältnis der Heimatvertriebenen zu den Flüchtlingen aus der CSR erörtert.
In der Diskussion land der Fortfall der Arzneikostenerstattung für Unterhaltebeihilfeempfänger besondere Beachtung. Hierdurch würde der Vorteil der an sich höheren Unterhaltsbeihilfe gegenüber der bisherigen Fürsorge oft bis auf den Nullpunkt gemindert. (io)
Sachfeier in Gr.-Umstadt
Die Schüler und Schülerinnen des Realgymnasiums und der oberen Volksschulklassen von Groß-Umstadt versammelten sich am Samstagmorgen In der evangelischen Stadtkirche zu einer eindrucksvollen Bachfeier. Unter der Leitung von Lehrer Schnellbacher brachte der Schülerchor einen Chorgesang von Johann Sebastian Bach zu Gehör. Streichinstrumente und Orgelmusik umrahmten die Feier, in deren Mittelpunkt ein umfassender Vortrag von Dr. Schilling-Trygophorus über Johann Sebastian Bach stand, dessen zweihundertster Todestag sich in diesem Monat jährt. (at)
Baufinamziernung und Kelbsthilfe
Im Gasthaus „Zum Ritter“ in Heppenheim fand am Sonntag eine Ausstellung der Leonberger Bausparkasse statt. Architekt Harry Obst, Bensheim, sprach in einem Aufklärungsvortrag über Baufinanzierung und Selbsthilfe und erklärte den Unterschied von Bausparkassen Sund Baugenossenschaften. Danach sei in der Bausparkasse niemand an einen bestimmten Bautyp gebunden, sondern könne frei zwischen Kleinwohnhäusern und Fertighäusern wählen. Allerdings kämen die Fertighäuser nach Hinzurechnung der Transportkosten, Handwerker usw. auf ungefähr den doppelten Preis. Unter den Modellen zeigte Architekt Obst auch solche, die zunächst nur zur Hälfte gebaut und später ohne allzu große Kosten fertiggestellt werden können. Ein Bausparvertrag werde als Selbsthilfe bewertet, außerdem erfolge eine Vergünstigung bei der Lohn- und Einkommensteuerabgabe. Die Zuteilung erfolge nicht durch Verlosung, sondern auf Antrag. Bei Kündigung werde das Spargeld einschließlich der Zinsen zurückerstattet. Im Laufe des Tages erfolgten zahlreiche Neuanmeldungen. (HB)
Bensheim rüstet zum Winzerfest
Die Vorstandssitzung des Kur- und Verkehrsvereins Bensheim befaßte sich im wesentlichen «nit der Durchführung des diesjährigen Winzerfestes. Wenn auch noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt werden konnten, so ist man sich darüber einig, daß das Winzerfest in diesem Jahre ganz beson ders gestaltet werden müsse. Da sich sehr viele Interessenten für die Buchten im Winzerdorf gemeldet haben, soll am Montag, dem 24. Juli, eine Versteigerung der Buchten im Rathaussaal stattfinden. Im großen und ganzen wird das Winzerdorf, abgesehen von einigen kleinen Aenderungen, das gleiche Aussehen halben wie im vorigen Jahre, eine verdeckte Tanzfläche wird wieder in der Mitte errichtet, und auch auf der Straße vor der Apotheke soll wieder ein großer Tanzplatz geschaffen werden. Wandernde Händler und Hausierer sollen keinen Zutritt zum Winzerdorf erhalten. Die Offenhaltung des Winzerdorfes während der Woche wird weitgehendst von den zu erwartenden auswärtigen Besuchsfahrten abhängen. Auch die Werbe- und Verkaufsmesse soll wieder groß aufgezogen werden. Im Festzug werden außer den Winzergruppen in diesem Jahre vor allem Bilder aus der Nibelungensage zu sehen sein; natürlich wird auch die Biedermeiergruppe von „Oald Bensern“ nicht fehlen. (HB)
Feunerwehrkommandanten in Wolfskehlen
Im Saale des „Frankfurter Hofes“ kamen am Sonntag die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Groß-Gerau zu einer Besprechung zusammen. Kreisbrandinspektor Schrödtwieser schilderte in kurzen Zügen den Verlauf des Landesfeuerwehrtages in Dieburg und dankte der Freiwilligen Feuerwehr Gernsheim für die tadellose Organisation des Kreisfeuerwehrfestes in Gernsheim. Der Kreisbrandinspektor gab bekannt, daß einige Kommandanten an einem Uebungslehrgang der Feuerwehr in Frankfurt am Main mit Erfolg teilgenommen haben. Man beabsichtigt, im Kreis Groß-Gerau drei Kurse abzuhalten, bei denen von jeder Gemeinde einige Feuerwehrmänner als Maschinisten ausgebildet werden sollen. Der Kreisvorstand wurde einstimmig von acht auf elf Mitglieder erweitert.
Hauptthema der Kommandantenbesprechung war der Entwurf über das neue Kreisfeuerschutzgesetz, der eingehend durchgesprochen wurde. Es wurde ferner beschlossen, in den Besprechungen jeweils einen Fachmann zuzuziehen, der ein Kurzreferat über das Feuerlöschwesen halten soll. Die nächste Kommandantenbesprechung findet in Trebur statt. (od)
Unterschönmattenwag. Ein 62jähriger Einwohner wurde am Montagabend erhängt aufgefunden. Die Ursache des Freitodes dürfte in einer unheilbaren Erkrankung und einem Nervenleiden seiner Ehefrau zu suchen sein. (-r-)
Meldungen aus den Landkreisen
Darmstadt-Land
Ober-Ramstadt. Der hiesige Handharmonikaspielring hat seine Krisenjahre 1947/48 gut überstanden. Unter der bisherigen Stabführung der Dirigentin Frau Foerstl-Löschke, Darmstadt, wurde ein guter Nachwuchs herangebildet. Seit 1. Juli ist nun der bekannte Dirigent Hermann Schwarz, Mainz, verpflichtet. Er leitet außerdem die beiden bekannten Mainzer Orchester „Kohler“ und „1- Mainzer Harmonikaklub“.
Roßdorf. Auf vielseitigen Wunsch wird am Samstag, dem 22. Juli, um 21 Uhr. im Gasthaus „Zur Sonne“ die Operette „Die Frau ohne Kuß“ von der Opernschule der Hessischen Landesmusikschule, Darmstadt, wiederholt.
Nieder-Modau. An der Dekanatefeier nahmen die beiden evangelischen Gemeinden Nieder- und Ober-Modau regen Anteil. Der Frühgottesdienst, dem ein Weckruf des Darmstädter Posaunenchors vorausgegangen war, erfreute sich eines guten Besuches. Eine besondere Ehrung bedeutete für die Gemeinde, daß Dekan Weiß die Festpredigt hielt. In der Nachmittagsversammlung des ~Gustav-Adolf-Werkes“ referierten die Pfarrer Pec he 1 und Ramge. Als Gäste waren Abordnungen aus Ober-Ramstadt, Ernsthofen und Rohrbach anwesend. (-D-)
Dieburg
Georgenhausen. Eine erweiterte Vorstandssitzung der „Reisevereinigung Odenwald“ findet heute bei dem Mitglied des Brieftaubenzuchtvereins Lautenschläger in Höchst i. O. statt. (er)
Lengfeld. Auf einer Versammlung der Gewerkschaften, die im Gasthaus „Zur goldenen Kette“ stattfand .sprach kürzlich der Nebenstellenleiter des DGB im Kreis Dieburg, Buchsbaum, über das Thema „Warum heute noch Gewerkschaften?“ — Im Gehöft des Landwirts Karl Judith, Otzbergstraße, ist Schweinerotlauf ausgebrochen. — Nach Fertigstellung der Wasserleitung soll in der Gemeinde im Herbst ein großes „Wasserfest“ gefeiert werden. (eb)
Ueberau. In der Versammlung der Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten. Hinterbliebenen und Sozialrentner wurde am Freitagabend durch die Mitglieder eine Resolution verfaßt, gemäß der der Verband Sorge tragen soll, daß der angekündigte „Marsch auf Bonn“ schnellstens an einem Werktag durchgeführt wird. (prr.)
Ober-Klingen. Am Dienstag feierte Herr Leonhard Daum seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar, seit 1924 Kirchendiener, zieht selbst noch täglich die Kirchturmuhr auf. (“i)
EGrbach
Gras-Ellenbach. Das Steinkreuz an dem weltbekannten Siegfriedbrunnen, das seit längerer Zeit infolge Witterungsschäden sich nicht mehr an seinem Platz befand, soll auf Grund eines Beschlusses der hiesigen Odenwald-Klub-Ortsgruppe wieder aufgerichtet werden. Dabei ist beabsichtigt, die verwitterte Inschrift erneuern zu lassen, (r)
Hainstadt. Die Gemeinde hat ihren Kurbetrieb wieder aufgenommen. An besonders schönen Plätzen wurden von der Gemeinde- Verwaltung Ruhebänke aufgestellt. Weiterhin ist man bestrebt, beschlagnahmte Privatzimmer freizugeben, um so dem Luftkurort wieder zu seinem alten Ruf zu verhelfen. hm.
Heubach. Die Kreisstraße, die die Verbindung zur Bundesstraße nach Groß-Umstadt herstellt, soll jetzt asphaltiert werden. Die Arbeiten sind ausgeschrieben und sollen noch in diesem Monat begonnen werden. hm.
Bergstraße
Heppenheim. In der amerikanischen Lesehalle spricht am Donnerstag Reinhard Lochner, Kulturreferent des ASTA der Universität Heidelberg, über das Thema: „Hemingway and T. S. Eliot: the Change in their work — An Outstanding Example for the New Trent in Modern Literature“. Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten. — Durch einen Schaden am Epidiaskop konnte der Lichtbildervortrag von Hans Mühlhäuser nicht fortgesetzt werden. Der Vortrag, der das Thema: „Die Malerei im 20. Jahrhundert“ behandeln sollte, findet nun voraussichtlich am 27. Juli statt.
Jugenheim. Eine öffentliche Sitzung des Gemeinderats findet heute um 20.30 Uhr im Lesesaal der amerikanischen Bibliothek (Gartensaal Hotel BKrone“) statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Einführung und Verpflichtung des 1. Beigeordneten, Forstrat a. D. Albert Bechtel; Aufnahme eines Darlehens für das Wasserwerk; Aenderung der Haushaltssatzung und Aufstellung eines außerordentlichen Haushaltsplanes, den Wohnungsbau in den Pfifflergärten betreffend. — Die Sport- und Kulturgemeinde beginnt heute abend um 20.30 Uhr mit den Uebungsstunden in allen Sportarten. Anschließend ist eine Spielerversammlung und Aussprache über die im September stattfindende Sportwerbewoche und die Vereinsmeisterschaften angesetzt. — Die amerikanische Bibliothek (Pädagogische Bücherei) ist montags, mittwochs und freitags von 9—17 Uhr, dienstags und donnerstags von 9—19 Uhr und samstags von 9—13 Uhr geöffnet. (hl)
Groß-Gerau
Wolfskehlen. Um die Wohnungsnot in der Gemeinde möglichst bald zu beseitigen, hat Bürgermeister Hammann 5 Offizierswohnbaracken bei dem Leitenden General des Rhein-Main-Flughafens bestellt. Der General erklärte, die Baracken zu einem erträglichen Preis abgeben zu wollen (-od-)
Astheim. Die kath. Kirchengemeinde Astheim unternahm eine Frauenwallfahrt nach dem bekannten Franzickanerkloster Marienthal im Rheingau. Die Beteiligung war außerordentlich groß.
Trebur. Die Jugendgruppe des Roten Kreuzes ließ ihre Ballone unter großem Jubel der Buben und Mädchen starten. Nun werten die Kinder gespannt auf die Rücksendung der Anhängekarten; für die größten Flugstrecken werden schöne Preise zur Verteilung kommen. (-au-)
Nauheim. Vorstand und Aufsichtsrat der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Nauheim befaßten sich in einer gemeinsamen Sitzung mit dem in Kürze anlaufenden Bauabschnitt, der 47 Wohneinheiten vorsieht. Der Genossenschaft wurden für diesen Bauabschnitt 337 000 DM zur Verfügung gestellt. ' (-au-)
Der SPORT
Seeheimer Volksturnfest
Nach jahrelanger Unterbrechung konnte am Sonntag auf dem Seeheimer Waldsportplatz, begünstigt durch ideales Sportwetter, wieder ein Volksturnfest gestartet werden. Trotz der für solche Zwecke schlechten Sportplatzanlage wurden vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag reibungslos die Mehrkämpfe und Einzelkämpfe für Männer, Frauen, Buben und Mädchen abgewickelt. Die Leistungen sprechen für sich. Hervorzuheben sind die in 'allen Disziplinen guten Leistungen von H. Adelberger (100 m 12,2 Sek.; Weitsprung 5,32 m; Kugelstoßen 11,68 m; Hochsprung 1,61 m; Diskus 31,85 m.). Ausgezeichnet sind die Mehrkampfleistungen der B- Jugend-Mädchen Anneliese List und Anita Schwinn. A. List sprang 4,30 m weit. Auch die Schülerleistungen sind beachtlich.
Ergebnisse:
Dreikampf (Männer): 1. Adelberger 68; 2. H. Hartmann 55,5; 3. G. Schmidt 43,5; 4. E. Brandl, J. Keller und Gg. Rühl 42,5; 5. O. Heß 40,5; 6. F. Menke 40 Punkte.
Dreikampf (männliche Jugend): 1. H. Schwenda 52,5 P.; Dreikampf (weibl. Jugend): 1. A. List 60,5 P,; 2. A. Schwinn 60 P.; 3. J. Hennemann 46,5 P.; 4. E. Anders 41.5 P.; 5. Kretschmann 41 P.; 6. E. Schneider 40 Punkte.
Dreikampf Schüler (1936/37/38): 1. E. Schwinn 73,5 P.; 2. H. Hörr 68,5 P.; 3. K. Heil 65 P.; 4. G. Maul 64 P.; 5. H. Maul 62 P.; 6. Göltzenleuchter 59,5 P.; 7. E. Schaaf 54,5 P.; 8. G. Krämer 52,5 P.; 9. W. Keller 52 P.; 10. J. Bauer 45,5 P. (1939/40): 1. B. Stöckeler 53 P.; 2. V. Hartmann 52 P.; 3. W. Daum 51,5 P.; 4. A. Hartmann 50 P.; 5. A List 47,5 P.; 6. H. Opper 41 P • 7 K Krämer 40 P. (19 41): 1. H. Lottmann 49,5 P.! 2. M. Junkert 38 P.; 3. D. Klinger 37,5 P.; 4. B. Schollenberger 37,5 Punkte.
Einzelkämpfe:
(Männer) 100-m-Lauf: 1. H. Adelberger 12,2 Sek.; 2. E. Brandl 12,8 Sek. 3. H. Hartmann 13 Sek.
Weitsprung: 1. Adelberger 5,32 m 2. H. Hartmann 5,11 m; 3. O. Heß 4,94 m.
Kugelstoßen: 1. Adelberger 11,68 m; 2. H. Hartmann 9,98 m; 3. J. Keller 8,62 m. Hochsprung: 1. Adelberger 1,61 m; 2. Rampe 1,50 m; 3. G. Schmidt 1,48 m.
Diskus: 1. Adelberger 31,85 m, 2. Menke 26,55 m, 3. Keller 24,80 m.
Männliche Jugend
100-m-Lauf: 1. Schwenda 14,0 Sek., Weitsprung: 1. Schwenda 5,00 m. Kugelstoßen: 1. Schwenda 10,07 m. 3000-m-Lauf: 1. Gg. Rühl 11,20 Minuten, 2. W. Hechler 12,40 Minuten.
Weibliche Jugend B
1 00-m-Lauf : 1. A. Schwinn 15,2 Sek., 2. A. List 15,4 Sek., 3. J. Hennemann 16,0 Sek.
Weitsnrung: 1. A. List 4,30 m. 2. A. Schwinn 4,10 m, 3. J. Hennemann 3,85 m.
Handballweitwurf: 1. A. List 22,50 m, 2. Schwinn, Kretschmann 22,00 m, 3. Anders, Schneider 21,00 m.
Kugelstoßen: 1. J. Hennemann 6,65 m, 2. A. List 5,90 m, 3 E. Anders 4.80 m.
Sommernachtsfest in Höchst
Am 22. und 23. Juli hält der TSV Höchst sein diesjähriges kreisoffenes Schwimmfest mit Sommernachtsfest ab. Samstags wird das Fest im Schwimmbad mit Vorführungen der Turner und der Radfahrabteilung sowie mit Einlagen der beiden Gesangvereine eröffnet. Der Sonntag ist mit Wettkämpfen der Schwimmer ausgefüllt, wobei außer dem TSV Vereine aus Michelstadt, Bad König, Sandbach, Reinheim und Groß - Umstadt vertreten sind. Zwischen den Wettkämpfen werden Wasserballspiele zwischen Reinheim und einer Kreismannschaft ausgetragen. Auch bekannte Kunst- und Turmspringer haben ihr Erscheinen zugesagt, u. a. die hessische Meisterin im Kunstspringen, Fräulein Vogt, Darmstadt, die Meisterin im Turmspringen der französischen Zone, Mia Weilbach, und Schüler des Altmeisters H emer. Ab 20 Uhr Sommernachtsfest mit venezianischer Beleuchtung des Schwimmbades. Den Abschluß bildet ein Brillantfeuerwerk. le.
„Bnlldozzer“ in Dietzenbach
Bei allem Idealismus, den die Mitglieder von Turn- und Sportvereinen aufbringen, wenn es gilt, sich einen neuen Sportplatz zu schaffen, übersteigt das Maß der Arbeit oft die Kräfte, die zur Verfügung stehen. Und gar aus einem Waldgelände ein sportgerechtes Stadion zu zaubern, das schien selbst Optimisten in Dietzenbach überaus schwierig. Niemand erwartete deshalb das Räumgerät, das die amerikanische Besatzungsmacht auch im Landkreis Offenbach für den Bau von Sportanlagen zur Verfügung stellt, sehnlicher als Hessenmeister SG Dietzenbach.
„Bulldozzer“, das ist das Zauberwort. Wo die mächtige Maschine erscheint, da wird das schier Unmögliche dennoch geschafft. Mit mächtiger Schaufel räumt das Gerät die Erde dort weg, wo sie zuviel ist, und bringt sie dahin, wo aufgefüllt werden muß. Das Räumgerät ist zur Zeit auf dem Gelände im Wald zwischen Dietzenbach und Offenthai wo das Waldstadion entstehen wird, in Betrieb. (gi)
Um die Hessische Wasserball-Meisterschaft im Woog
Der Hessische Schwimm-Verband hat alle Vorspiele um die diesjährige Wasserballmeisterschaft reibungslos unter Dach und Fach gebracht und startet nun am kommenden Wochenende in Darmstadt die Zwischenrundenspiele. für die sich der Kasseler SV 98, Wiesbaden 1911, Sparta Frankfurt und die TSG 46 Darmstadt qualifiziert haben. Dem Bezirksmeister TSG Darmstadt ist die Durchführung dieser wichtigen Spiele übertragen worden, und diese Veranstaltung erhält für die Darmstädter Sportgemeinde noch ganz besonderes Interesse dadurch, weil die Möglichkeit besteht, daß als zweiter Darmstädter Vertreter der DSW 12 in diese Meisterschaftsspiele eingreifen kann. Das wird sich in den nächsten Tagen entscheiden — Es steht schon heute fest, daß sich am kommenden Samstag, Sonntagvormittag und Sonntagnachmittag auf der Sportbahn im Woog, die schon so viele große Spiele erlebt hat, erbitterte Kämpfe abspielen werden, zumal nur der Sieger aus diesem Turnier an den Endspielen teilnahmeberechtigt ist. -te-
Odenwälder Reitervereine siegten
Am Sonntag schnitten die Odenwälder Reitervereine beim Isenburger Reitturnier gegen die starke einheimische und Frankfurter Konkurrenz vor 5000 Zuschauern hervorragend ab. Das erfolgreichste Pferd des ganzen Turniers war „Hexe“ (Besitzer Vierling, Darmstadt).
Ergebnisse:
Geländeritt: 1. „Hexe“ (Vierling, Darmstadt), 2. „Prinz“ (Gg. Stumpf, Roßdorf). Zugleistungsprüfung: 1. „Kastor“ (Ph. Köhler, Offenbach), 2. „Betty“ (Holzapfel, Neu-Isenburg).
Dressurprüfung, Klasse A: 1. „Lotte“ (A. Schmidt, Seligenstadt), 2. „Plavia“ (Breitwieser, Lengfeld).
Dressurprüfung, Klasse A, Abteilung B: 1. „Baschkir“ (Frau Wittich, Jugenheim), 2. „Jupiter“ (Oiemotz, Darmstadt).
Jagdspringen, Klasse A: 1. „Hexe" (Vierling, Darmstadt), 2. „Lotte“ (A. Schmidt, Seligenstadt), 3. „Prinz“ (Gg. Stumpf, Roßdorf).
Jagdspringen, Klasse L: 1. „Erika“ (O. Becker, Lengfeld) 0 Fehler, 68 Sekunden, 2. „Hexe“ (Vierling, Darmstadt) 5 Fehler, 75 Sekunden.
DT-Foto: Schröder Das ist Erich Herder, der Ex-Bamberger, der in der kommenden Saison die Farben des SV Darmstadt 98 tragen wird. Der 33jährige kann auf allen Posten eingesetzt werden. Von Münster (Westfalen) kommend, war er in den Jahren 1941 bis 1944 meist als Halbrechter in der Elf des 1. FC Nürnberg zu finden und seit 1945 als Verteidiger und Läufer beim 1. FC Bamberg, wo er einer der Stützen des bayrischen Landesligameisters war. Herder spielte schon mehrmals für Bayern repräsentativ und stand auch in der NürnberglFürther Stadtmannschaft. Die „Lilien" sollten mit dem erfahrenen Routinier, dessen genaues Zuspiel und hartes, aber faires Dazwischengehen besonders ins Auge fällt, eine wesentliche Verstärkung ihrer Elf erhalten haben. Er hat sich, wie er uns bei seinem Besuch auf der Redaktion versicherte gut in Damstadt eingelebt und trainiert bereits eifrig zusammen mit seinen neuen Kameraden vom Böllenfalltor.
Der erste Schritt
Das Radrennen für alle Jugendlichen
Schon zu allen Zeiten wurden in jedem Jahre Anfänger-Rennen von den radsporttreibenden Vereinen veranstaltet. Diese Rennen waren offen für alle Jugendlichen, die noch keinen Preis in irgendeinem Rennen errungen hatten. Sie dienten zur Förderung des Nachwuchses und manche später bekannt und erfolgreich gewordenen Fahrer sind auch in Darmstadt ehemals in einem Anfänger-Rennen entdeckt worden. An diese großen Erfolge anknüpfend, die früher durch diese Anfänger-Rennen erzielt wurden, hat sich der Hessische Radfahrer-Verband entschlossen, von jetzt ab wieder in jedem Jahr den „Ersten Schritt“ austragen zu lassen, der zur Förderung des Nachwuchses im Radsport dient. Teilnahmeberechtigt sind alle jugendlichen Radfahrer, die in den Jahren 1932 bis 1936 geboren sind und noch keinen öffentlichen Wettbewerb im Radfahren auf der Straße bestritten haben.
Die Zugehörigkeit zu einem Radsportverein ist nicht erforderlich. .Die Art des Fahrrades ist nicht vorgeschrieben, jedoch muß es den polizeilichen Bestimmungen entsprechend mit Glocke, Rückstrahler und zwei sicher wirkenden Bremsen versehen sein. Die Fahrer starten in Sportkleidung und in jedem Falle im Massenstart.
Vorgaben: Teiilnehmer auf Rädern mit Wulstbereifung erhalten für je ID km eine Vorgabe von 30 Sek. und Teilnehmer auf Rädern mit Drahtbereifung erhalten für je 10 km eine Vorgabe von 15 Sek. gegenüber Teilnehmern auf Fahrrädern mit Schlauchreifen.
Der „Erste Schritt“ des Bezirks Darmstadt des Hessischen Radfahrerverbandes /wird am Sonntag, dem 23. Juli 1950, auf der Strecke „Rund um Kranichstein“ ausgetragen. Klasse A umfaßt die Jahrgänge 1932, 1933 und 1934 über 50 km. Klasse B die Jahrgänge 1935 und 1936 über 30 km.
Der Sieger jeder Klasse erhält Blumenstrauß mit Schleife sowie den Titel „Bezirkssieger — Erster Schritt 1950 Klasse A bzw. Klasse B“. Ferner erhalten die zehn Besten jeder Klasse Urkunden und die fünf Besten jeder Klasse sind startberech tilgt bei der Landesentscheidung. Die drei Besten jeder Klasse der Landesentscheidung sind teilnahmeberechtigt an der Endentscheidung des Bundes Deutscher Radfahrer. Gefahren wird nach den Wettfahrbestimmungen des B.D.R. Jeder Teilnehmer fährt auf eigene Rechnung und Gefahr. Veranstalter und Ausrichter lehnen Ansprüche von Teilnehmern untereinander oder gegen sich oder gegen dritte ab.
TEC-Tenniserfolge in Offenbach
Am Sonntag wurden in Offenbach die hessischen Tennisjuniorenmeiisterschaften beendet. Die Leistungen, die der Tennisnachwuchs dort zeigte, waren recht erfreulich. Sie lassen hoffen, daß die Jugend in einigen Jahren den Anschluß an die Spitzenklasse gefunden hat.
Im Einzel verteidigte der Vor jahrsmeister Meyer (Eschersheim) seinen Titel erfolgreich. Er schlug in der Schlußrunde Glinicke (Kassel), der den Vorjahrszweiten Schacht mit 8:6, 6:1 aus dem Rennen geworfen hatte. Den Titel im Doppel gewannen Glinicke-Wilhelm durch einen 6:2-, 1:6-, 6:3-Sieg über Meyer-Schacht.
Die Darmstädter Vertretung schlug sich ausgezeichnet. Christa Vierheller und Dagmar Kaffenberger (beide TEC) eroberten den Meistertitel im Damendoppel, und Erik Jayme (TEC), der in der ersten Runde seinen Klubkameraden Heinz Wittmann ausgeschaltet hatte, spielte sich bis unter die letzten 16. wo er auf Glinicke traf, dem er erst nach hartem Dreisatzkampf den Weg in die nächste Runde freigab.
Meisterin im Jumiorinnen-Einzel wurde Frl. Glinicke (Kassel) durch einen glatten 6:1-, 6:1-Sieg über Frl. Goeke.
Jubilare wurden geehrt
Anläßlich des 60jährigen Stiftungsfestes des TAV Eppertshausen wurde eine größere Anzahl Jubilare geehrt, unter ihnen besonders als einziger Gründer Herr Jakob Murmann. Der Ehrenvorsitzende Josef Waldmann konnte auf 50 Jahre Vereinszugehörigkeit zurückblicken. Die Ehrenurkunde für 40jährige Mitgliedschaft wurde den Herren Josef Müller, Christian Gruber, Peter Waldmann, Heinrich Tüncher, Martin Müller, Heinrich Kraus und Adam Konz überreicht. Ein Vierteljahrhundert gehören dem Verein an: Michael Larem, Adam Geibel, Ignaz Müller, Heinrich Kolb, Peter Weber, Heinrich Tüncher, Peter Scharf, Adam Scharf, Josef Heiß, August Murmann, Heinrich Müller, Josef Müller, Ph. Josef Müller, Jakob Müller, Th. Müllner, August Müller, Franz Müller, Adam Müller, Peter Larem Johann Krickser, Ph. Kohl, Josef Gruber, Johann Gruber, Ignaz Gruber, Karl Gotthold, Peter Euler, Johann Euler und Karl Blickhan. Kreisvorsitzender Andreas Kern, Turnerschaft Ober-Roden, überbrachte die Wünsche des Kreises und würdigte die glanzvollen Leistungen des alten Vereins, (gi)
Kurz aber interessant
Oesterreichs Fußball verliert, falls die FIFA die Snider freigeben sollte, nicht nur den Nationalstürmer Decker an Fortuna Düsseldorf, sondern auch den bekannten Mittelläufer Occwirk an FC Mailand und den bereits emigrierten Aurednik an Le Havre
Hertha/BSC, verstärkt durch die Spieler des früheren Dresdner SC. macht eine Westdeutschlandreise und spielt am 6. August gegen Alemannia Aachen, 9. August gegen Marathon Remscheid, 13. August gegen Duisburger SpV 16. August gegen SpVg Andernach und 20. August gegen Hannover 96.
Wie der Deutsche Athletik-Bund bekanntgab, wird eine deutsche Ringerstaffel einen offiziellen Länderkambf gegen die Türkei bestreiten. Insgesamt sind bei der Reise nach der Türkei in der Zeit vom 7. bis 14 Oktober drei Starts vorgesehen.
Albert Wirsching und A. Schmitt, Kickers Offenbach, ließen verlauten, daß sie im Laufe der Woche nach Bern übersiedeln und beim dortigen FC spielen werden. (gi)
Germania Ober-Roden veranstaltet am ersten Augustsonntag ihr traditionelles Sommernachtfest in den Räumen des „Schützenhof“. Eingehende Vorbereitungen dazu werden schon jetzt getroffen. (gi)
Der SV Darmstadt 98 bittet uns, mitzuteilen, daß morgen, Donnerstag 18 30 Uhr, am Böllenfalltor ein Training für die gesamte Handballabteilung stattfindet zu dem das Erscheinen aller Spieler dringend erforderlich ist.
Die 1. Mannschaft des TSV Pfungstadt besiegte in einem Tischtennis-Freundschaftsspiel den SV Crumstadt mit
Feuilleton
Höhepunkt und Abschluß des Darmstädter Gesprächs
DIE MODERNE KUNST IM KREUZFEUER DER MEINUNGEN — KÜNSTLER, HISTORI KER UND LAIEN DISKUTIEREN ERGEBNISSE UND LEHREN DER TAGUNG
Die Zeit der Proklamationen, der Kundmachungen eines höchsten, alleingültigen Willens auch auf dem Gebiete der Kunst, ist noch nicht fern. Aber wie sehr sie auch innerlich überwunden ist, haben wir in diesen Tagen in Darmstadt erlebt. Einige Restbestände autoritärer Denkweise oder Regungen von Unduldsamkeit, die von ganz verschiedenen Seiten gezeigt wurden, hatten jeweils zur Folge, daß die Anwesenden in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit sich für freie Meinungsäußerung entschieden. Es waren Höhepunkte der Tagung, als gleichsam ein Funke vom eben geschlossenen Berliner „Kongreß für kulturelle Freiheit“ nach Darmstadt zündend herübersprang und das blutige Geschehen in Korea den dumpfen, nicht zu überhörenden Unterton für Bekenntnisse, Urteile und Zwischenrufe abgab. Auch Darmstadt wählte die Freiheit! Und dies Ergebnis ist wichtiger als es etwa einstimmig angenommene Resolutionen hätten sein können.
Das äußere Bild
des „Gesprächs“ in der Stadthalle wurde bestimmt durch das Vorhandensein der großen Bühne. Sie gestattete die Hervorhebung — im ganz wörtlichen Sinne — einzelner Gruppen von Gesprächspartnern. Mal saßen oben in einem Halbkreis hinter Tischen die Gelehrten — Historiker, Kunstwissenschaftler, Philosophen, Mediziner —, mal die Maler und Bildhauer. In ihrer Mitte befand sich, als eine Art erster Sprecher, aber nicht als Dirigent, in dem einen Fall der Darmstädter Kunsthistoriker Prof. Evers, in dem anderen der Züricher Maler und Kunstpädagoge Prof. Itten.
Was ging nun da oben vor sich? War das eine riesige Stammtischrunde von Gelehrten, der man lauschen konnte? Waren es Geschworene eines Gerichts, die ein Urteil fällen sollten? Behandelten Dunkelmänner abliegende Dinge in unverständlicher Geheimsprache? Traten gar Agitatoren auf, die — persönlichen Erfolg erstrebend — statt neuer Erkenntnisse glärlzende Scheinwahrheiten verkündeten? Oder waren es nur Komödianten, die denen da unten „eine Gaudi“ bereiten wollten? Es war von allem etwas — eine erregende Mischung! In stetem Wechsel trat mal dieser, mal jener Zug mehr hervor. Eben sprach ein feingeistiger Forscher, dessen Profil sich dem Auditorium einprägte, mit leiser Stimme zu seinem „verehrten Herrn Kollegen“ am Nebentisch, dann trat ein Maler von imposanter Statur an die Rampe und rief — im Mundwinkel ein Zigarre „Bremer Fleiß“ — hinab: „Versteht ihr mich da hinten? Wollt ihr das weiter hören?“
Gelegentlich gelang es einzelnen aus der Masse unten, sich zeitweise Sitz und Stimme oben zu erringen: am letzten Nachmittag nahm ein gewichtiger Herr, dem man massiven Erfolg im Leben ansah, oben Platz und begann: „Ich bin nur ein einfacher Laie, ich verstehe nichts von Theorie, aber wenn ich mir mal Bilder ansehe, verlange ich Erholung . ..“ Die Gefährlichkeit eines solchen Appells an die Masse begriffen „die da oben“ nach der ersten Schrecksekunde. Prof. Hartlaub (Heidelberg) fragte den Interpellanten, ob man denn in der Musik nur Operetten anhören solle, und der Musikhistoriker Prof Wiesengrund - Adorno aus Frankfurt brachte im Saal eine starke Mehrheit hinter sich und rettete das Prestige „der Oberen“, als er den falschen Biedermann einer gefährlichen Demagogie zieh. (Er brauchte nicht auszusprechen, daß Goebbels mit ähnlichen Floskeln den,Bildersturm des Dritten Reiches eingeleitet hatte.)
Hat ein Gesprächspartner versagt?
Diese Frage wurde oft erörtert, doch scheint sie uns falsch. Man lese in der „Italienischen Reise“ nach, wie Goethe ein öffentliches Gespräch in Vicenza beschreibt — das unserer Darmstädter Tagung nicht ganz unähnlich gewesen sein kann. Goethe äußert sich vor allem über die Fähigkeit mündlicher Aeußerung des Südländers. Der deutsche Gelehrte ist „ein schriftlicher Mensch“, und ohne die schriftliche Formulierung ist ja ein Fortschritt des geistigen Lebens in der Welt nicht mehr denkbar. Nicht jeder besitzt die Gabe des Worts, wie sie dem Wiener Gast Prof. Sedlmayr gegeben ist. Der Verfasser des „Verlusts der Mitte“ war am Sonntagnachmittag in seiner besten Form; sein Erfolg verlieh ihm spielende Leichtigkeit, und als er schließlich merkte, daß im geistigen Florettgefecht kein gleichwertiger Gegner mehr gegen ihn antrat, focht er gleichsam vor dem Spiegel gegen sich selbst und nannte seinen Kollegen Argumente, die man etwa gegen seine — Sedlmayrs — Theorien anführen könne. Neben Sedlmayr gewannen namentlich Prof. Hartlaub und Dr. Roh (München) Kontakt zum Publikum, ohne je eine Konzession zu machen, welche diesen Effekt erleichtert hätte.
Dieser Versuchung erlagen jedoch einige Künstler. Es muß ihnen aber zu gute gehalten werden, daß sie mehr Partei sind als die Gelehrten. Der Kunsthistoriker X. will „eine bessere Wahrheit“ mitteilen, der Künstler Y. aber verteidigt sein Lebenswerk, seine Existenz in jedem Sinne des Worts, wenn er diese neue Wahrheit als gefährlich für sein Werk ansieht. Man wird dem Künstler also den Appell ans Publikum, ja sogar Invektiven gegen den Gegner nachsehen (wenn es auch billig ist, Sedlmayr als „Großpapa aus der jüngeren Bronzezeit“ zu betiteln). Im übrigen waren die Maler oft sehr geschickte Anwälte ihrer Sache: Westphal, nicht immer gleich glücklich in seinen Formulierungen, gefiel stets im Parterre; Baumeister, der viele Register beherrschte und mit überzeugender Bonhomie handhabte, wurde gern gesehen und gehört; Itten, wenn wir ihn hier einordnen dürfen (wodurch man ihm nicht ganz gerecht wird), erschien als „ein Turm in der Schlacht“. Andere Künstler machten sogar den Kunsthistorikern Konkurrenz und redeten deren Fachsprache, zur Verwirrung der Hörerschaft und zum geheimen Vergnügen einiger Beobachter.
In einem Gerichtssaal haben die Zuschauer zu schweigen oder zu gehen. Nach gewissen Zwischenrufen des ersten Abends konnte man wünschen, daß Herrn Prof. Evers wenigstens „die Glocke des Präsidenten“ zur Verfügung gestellt worden wäre. Aber sieh da, das Publikum begriff seine Rolle, xund die am ersten Abend noch stumme und passive Mehrheit gewöhnte sich daran, eine Art Schnelljustiz gegen unverbesserliche Störenfriede auszuüben: am Sonntag und Montag erstickte mancher überflüssige Zwischenruf in lautem Scharren, Trampeln und Klatschen. Bald spielte „die Masse Mensch“ aber auch ihre Macht gegen die Kaste der Wissenden oben aus. Zwischenrufe wie „Lauter!“, „Zum Publikum sprechen!“, „Weiter!“, „Schwach!“, „Leitartikel!“, „Frei sprechen!“, „Aufhören!“, konnten das Geschehen auf der Bühne nachhaltig beeinflussen. Mancher Gedankengang wurde vorzeitig abgebrochen oder gröber als nötig formuliert, weil das Parterre es so verlangte.
Der erfahrene Schauspieler oder Sänger schätzt den Applaus der Logen höher ein als den des Parterre und der Galerie. In der Darmstädter Stadthalle, wo es keine Logen gibt, übernahmen die treuen Dauerbesucher in den ersten Reihen die Funktion des Logenpublikums. Von hier kam Beifall nicht nur bei groben rhetorischen Effekten, sondern auch bei tiefsinnigen Formulierungen. Es war amüsant, zu beachten, welcher Redner mehr für die vorderen Bänke sprach — mit besonderer Vorliebe tat es Prof. Jedlicka (Zürich) in seinem trefflichen Schlußvortrag „Wo steht die außerdeutsche Kunst?“ — und wer sich mehr nach hinten wandte, „playing for the gallery“. Sedlmayr — auch hierin gewiegt — hatte an jedem Tage bald heraus, wo das Gros seiner Anhänger saß und wendete sich dann in die Richtung.
Im ganzen war es erstaunlich, daß das Interesse überhaupt nicht nachließ. Die Stadthalle war am dritten Tage genau so gefüllt wie am ersten, und bei einiger Phantasie kann man sich vorstellen, daß die Darmstädter das Zeug zu Athenern haben, wie sie die Römer geschildert haben: als Leute, die nichts tun, als auf dem Markte stehen, Reden halten und Reden anhören. (
Das Menschenbild - Thema in Diskussion und Ausstellung
Eine Tageszeitung ist nicht der Ort, an dem der Inhalt dicker und gelehrter Bücher wiedergegeben werden kann. Um Thesen, die gedruckt vorliegen, ging es aber vor allem (vielleicht allzusehr) in den Diskussionen. Sämtliche Kunsthistoriker, aber auch Maler wie Baumeister, Mediziner wie Winkler haben ihre Erkenntnisse und Ueberzeugungen bereits gedruckt vorgelegt. (Der Bücherstand im Vorraum der Stadthalle war dicht belegt und von Käufern umlagert.) Wir wollen hier nur jene Erörterungen streifen, die zur Ausstellung auf der Mathildenhöhe in näherem Bezug stehen.
Das Ausstellungsthema „Menschenbild“ stammt aus dem Vokabular des Buches von Sedlmayr; in seinem klugen Vorwort zum Katalog der Ausstellung zitiert Dr. Schmoll gleich zu Beginn einen Satz aus dem „Verlust der Mitte“, der von künstlerischen Richtungen des 20. Jahrhunderts handelt, die „ein unentstelltes Menschenbild gar nicht mehr geben können oder wollen“. Ueber den Ausdruck „Menschenbild“ ist in den letzten Tagen nicht einmal genug gesprochen worden. Er hängt eng mit dem Begriff der „Gottebenbildlichkeit des Menschen“ zusammen. Nach dem Alten Testament — mit dem genauen Zitat überraschte uns Baumeister — schuf Gott den Menschen „nach seinem Bilde“, wie es Luther übersetzt hat. Der Mensch wurde in der abendländischen Kunst somit jahrhundertelang der Ausgangspunkt auch der Gottesdarstellung. Hier setzte Baumeister zu einem groben Angriff an, indem er „die Zumutung“ ablehnte, Gott „als Turnvater Jahn im Nachthemd“ malen zu sollen. (Es wäre zu fragen gewesen, wie das stilisierte dreieckige „Auge Gottes“ in den protestantischen Kirchen der Aufklärungszeit zu deuten ist; meldete sich damals schon die Scheu, Gottvater mit Händen und Füßen darzustellen?)
Prof. Hartlaub wies im Schlußgespräch am Montagnachmittag darauf hin, daß in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit die geschaffene Welt mit ihren Geschöpfen, in ihr „als Krone der Schöpfung der Mensch“ — als, eine Art Spiegelbild Gottes galt; Gott stieg in die Natur hinab — „die Gottesnatur“ wurde ein Buch, durch das Gott mittels Zeichen redete und das somit der Anbetung wert wurde. Die Naturnachahmung in der Bildkunst und in der Wortkunst, so stellte Prof. Hartlaub fest, erwuchs auf religiöser Grundlage. Heute erscheint uns die Welt nicht mehr „als ein objektives Gegenüber des Menschen“ (Hartlaub). Menschenbild, Tierbild und Landschaftsbild sind gleich fragwürdig geworden.
Kritik aus Stuttgart und „Neu-Weimar“
Ueber das Menschenbild in der modernen Kunst gibt die Ausstellung auf der Mathildenhöhe unseres Erachtens gut Auskunft. Von zwei Seiten wurde der Inhalt der heute wiederhergestellten Schauräume in Darmstadts Stadtkrone jedoch lebhaft angegriffen. Zum Sprecher eines autoritären Anspruchs der abstrakten Malerei machte sich Dr. Domnick (Stuttgart). Er pries die ungegenständliche Malerei als die „fortschrittlichste“ Richtung an, neben der alles andere veraltet und wesenlos sei. Baumeister, ihr deutscher Hauptvertreter, bekannte ausdrücklich, daß sein Schaffen mit irgendeiner Art von Stilisierung von Gegenständen nichts zu tun habe. Er geht von mathematischen Formen aus, die Kugel lobte er „als allseitige Strahlung“ und „die schwebende Kraft ist die höchste Form“. (Warum malen die abstrakten Maler übrigens nicht manchmal runde Bilder?)
Selbstverständlich sind abstrakte Bilder auch „Ausprägungen des menschlichen Geistes“ (Baumeister), aber mit dem engeren Sedlmayrschen Begriff des „Menschenbildes“ haben sie nichts zu tun und sind daher in der gegenwärtigen Ausstellung auf der Mathildenhöhe fehl am Platz (was gesprächsweise auch Baumeister selbst als seine Meinung äußerte).
Wenn gewisse Wortführer der abstrakten Richtung gegen alle anderen künstlerischen Ausdrucksformen intolerant sind, so kam aus der Sowjetzone eine konsequente Ablehnung alles dessen, „was auf der Mathildenhöhe blüht“. Prof. Weidhaas (Weimar), der sich in diesem Sinne aussprach, vertrat linientreu den im übrigen wohlbekannten offiziellen Standpunkt der Sowjetideologie, wonach die gegenwärtigen künsterlischen Richtungen der deutschen und französischen Malerei sämtlich „nur die kraftlosen letzten Zuckungen des bürgerlichen Geistes“ seien. Jedermann weiß, daß der von Stalin für Rußland und alle Satellitengebiete verkündete „heroische Realismus“ wie ein Ei dem anderen der Ziegler-Kunst des Dritten Reiches gleicht, und das Eingreifen von Prof. Weidhaas, der mit giftigen Zwischenrufen überhäuft wurde, hatte zur Folge, daß sich vorübergehend eine Einheitsfront des freiheitlichen Westens bildete, als dessen leidenschaftlichste Sprecher Prof. Itten und Prof. Sedlmayr (beide am Tage danach sich äußernd) plötzlich Hand in Hand erschienen.
Gibt es noch ein Menschenbild?
Um diese Frage, den Begriff im engeren Sinne genommen, ging es immer wieder in den Erörterungen in der Stadthalle und in privaten Gesprächen auf der Mathildenhöhe. Die wenigen Gemälde der Ausstellung, in denen der Mensch realistisch gezeigt wird, muten epigonenhaft und schwächlich an. Es folgt dann in der Malerei des Expressionismus die sehr subjektive Gestaltung des Menschen im Porträt, im religiösen Bild, im einst so benannten „Genre“ und in der freien, nicht sinnbetonten figürlichen Darstellung. Wehn es erlaubt ist, den Begriff Expressionismus etwas weiter zu fassen und etwa Beckmanns Arbeiten der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit einzubeziehen, so sind gerade hier die überzeugendsten Werke der Ausstellung zu finden. Von den deutschen Malern, die nach wie vor die freie Gestaltung der Natur als ihre Aufgabe ansehen, hat Beckmann sich wiederholt auch theoretisch geäußert: „Ein Menschenantlitz, eine weibliche Brust, ein paar schwarze Bäume im Schnee“, dergleichen will er nicht aufhören zu malen, wie er 1948 bekennt. An die Abstrakten gerichtet, fährt er fort: „Ich möchte nicht in alten Geometriebüchern blättern und mit Eiskristallen spielen!“ Von den stilisierenden Expressionisten, die nach Sedlmayrs Wort „das Bild des Menschen durch den Abgrund tragen“, geht es zu all denen, welche das Menschenbild entstellen oder zerstücken. Hier ist der Platz des „Surrealismus“ und hierhin gehören viele Künstler, welche die Gegenstandswelt nach den verschiedensten Methoden zersetzen, um nach neuer Mischung der Elemente Kunstwerke von großem Reiz zu schaffen. Die beste Deutung dieser Schöpfungen gab wohl Prof. Wiesengrund-Adorno mit der Bemerkung, hier „halte die Kunst der Zerrissenheit der Gegenwart stand“. Doch sprach er auch aus, daß etwa bei Picasso ein spielerisches, ironisches Element unverkennbar sei: Picasso „schlägt den Gegenständen ein Schnippchen!“ (Hausenstein hat etwas ähnliches empfunden und in seiner letzten Broschüre ausgesprochen.)
Wir folgen hier nicht mehr den vielen Abschweifungen, die das Gespräch in der Stadthalle nahm. Besteht die Hoffnung Sedlmayrs zu recht, daß „der Mensch auch einmal wieder menschlicher“ dargestellt werde? Ist es so, daß in Paris und Mailand die abstrakte Malerei nur (noch) eine Richtung neben anderen ist, während sie bei uns — als Verfolgte d|er Nazizeit — sich einer isolierten Spätblüte erfreuen kann? Liegt der Augenblick der größten Gefährdung des Menschenbilds schon ein Menschenalter hinter uns (worauf manches in der Entwicklung von Beckmann, Braque, Picasso hindeutet)? Diese Und andere Fragen sind nicht durch Gespräche zu beantworten. Als Troja brannte, flüchtete Aeneas, aber er nahm die Penaten mit; für Sedlmayr sind die Penaten der christliche Gottesglaube. Die mittlere und jüngere Generation — so schien es — war überwiegend seiner Ansicht, während hochbetagte Männer von einer Bedrohung oder Gefährdung nichts wissen wollten und nur von einem „seelischen Reinigungsakt“ (Prof. Weber, Heidelberg) sprachen. (Haben sie vielleicht die zwei letzten Jahrzehnte weniger stark miterlebt und kommen sie von Stimmungen ihrer Jugendzeit nicht los?)
Das Schicksal der Kunst ist nur ein Teil des Gesamtschicksals der europäischen Menschheit. Wir nehmen Abschied von Darmstadt mit hoffendem Herzen: Erkenntnis der Krankheit ist der erste Schritt zur Genesung!
Dr. N. v. HolstNotizen
Bonner Musikfreunde treten für Elly Ney ein. In einer Versammlung der „Gesellschaft der Musikfreunde, Bonn“ wurde gegen den Beschluß der Stadtverordnetensitzung vom 7. Juli protestiert durch den der Bonner Ehrenbürgerin und berühmten Beethoven-Interpretin Elly Ney das Auftreten in städtischen Konzerten verweigert wurde. Die Gesellschaft, zu deren 500 Mitgliedern namhafte Vertreter des Musiklebens gehören, sehe in dem Beschluß eine Schmälerung des städtischen Ansehens. Der Vorstand wurde beauftragt, mit den Fraktionsvorsitzenden aller Parteien Besprechungen zu führen, um den Beschluß rückgängig zu machen. Der Beschluß war gefaßt worden, da Elly Ney „ihre Kunst in der Vergangenheit dem Nationalsozialismusdienstbar gemacht“ habe.
Der Rudolf-Koch-Kreis veranstaltet für Freunde schöner Schrift vom 21. bis 26. September im Jugendhof Vlotho an der Weser unter Leitung des Schreibmeisters Hans Kühne, Hamburg, eine Schreibwoche. Teilnahmebedingungen sind in der Geschäftsstelle des Rudolf-Koch-Kreises. Hamburg 1, Lange Reihe 50. zu erfahren.
Das bekannte Richter-Marionettentheater, das vor der „Volksbühne“, in Halle ein neues „Aktivistenstück“ aufführen sollte und geschlossen über die Zonengrenze flüchtete, ist mit einem Wohnwagen und dem gesamten Bühnenmaterial im Flüchtlingslager Uelzen-Bohldamm eingetroffen. Dem Theater war von den SED-Volksbildungsbehörden vorgeschrieben worden, an Stelle seiner Märchenspiele nur noch „fortschrittliche“ Stücke aufzuführen.
Das diesjährige Dichtertreffen bei Hans Grimm fand in Anwesenheit von mehreren tausend Zuhörern auf dem Klosterhof von Lippoldsberg, dem Wohnort des Dichters, statt. Im Verlauf der Lesung brachte Hans Grimm zum Ausdruck, daß ohne eine tiefe Ehrfurcht und ohne eine leidenschaftliche Redlichkeit des Charakters ein neuer Weg in Deutschland und Europa nicht begangen werden könne. Erwin Guido Kolbenheyer las aus eigenen Gedichten und aus der Einleitung seines „Paracelsus“, Hans Grimm aus „Die Stätte brennt—eine Südwesterbegebenheit“, Heinrich Zillich aus „Eine feste Burg“ und Will Vesper aus Gedichten.
Mit einem Kostenvoranschlag von rund zwei Millionen DM ist der Film „Gnade über Oberammergau“ nach einer Mitteilung der Rudolf-Dworsky-Filmgesellschaft das teuerste Filmobjekt der Nachkriegszeit. Der Film soll nach Beendigung der Passionsspiele von Professor Leo Weismantel in der Umgebung von Oberammergau gedreht werden.
Internationaler Musikforscher-Kongreß
Eigener Bericht des „Darmstädter Tagblatt“ aus Lüneburg
G. I. Die alte Backsteinstadt am Rande der Heide, Lüneburg, kann auf eine tausendjährige Geschichte zurückblicken. Vom Jahre 956 datiert die älteste urkundliche Erwähnung Das gesamte Stadtbild, die Kirchen, das Rathaus, viele alte Privathäuser präsentieren sich in einer prächtigen Architektonik vom Gotischen bis zum Barock un bergen in ihren Innenräumen kostbare Schätze vergangener Zeiten.
Auf diesem traditionellen Boden, der von den Schrecken des letzten Krieges verschont blieb, findet zur Zeit der „Allgemeine Kongreß der Gesellschaft für Musikforschung statt. Nach 25 Jahren ist damit Deutschland wieder zum Treffpunkt der internationalen Musikwissenschaft auserkoren worden. Vertreter von zwölf Nationen tauschen in e feraten und Diskussionen ihre neuesten r °!’" schungsergebnisse aus. Im Mittelpun a dieser Vorträge steht das große Werk Johann Sebastian Bachs, der in Luneburg von 1700 bis 1702 seine Primanerjahre an der Michaelisschule verbrachte und in er i chaeliskirche als Sänger auf dem Chor stand. Die zentrale Lage Lüneburgs, ie g schlossenheit des Lüneburg-Braunschweigischen Fürstenhauses für kulturelle Zeitereignisse hatten in dem Städtchen einst ein äußerst reges Kunstleben sich entwidreln lassen, das dem jungen Bach entscheidende Eindrücke für sein ganzes Leben zu vermit teln vermochte.
Zur Finanzierung des sen, S£? fm eh^^ vom Präsidenten der Deutsch Friedrich von Albert Schweitzer und dem Nestor der Musikwissenschaft, dem Leiter der spanischen Musikbibliotheken und des päpstlichen Instituts in Rom, Professor Angles, wurden verlesen. Für die Bundesregierung überbrachte Staatssekretär Dr. Wende, für das Land Niedersachsen Dr. Küster und für die Stadt Lüneburg Oberbürgermeister Dr. Müller Grüße an die Festversammlung. Für die „Internationale Gesellschaft für Musikforschung“ sprach Dr. Mohr (Basel).
Der Nachmittag begann mit einem hochinteressanten öffentlichen Vortrag von Prof. Arnold Schmitz, Mainz, über „Die orato-Tische Kunst J. S. Bachs, Voraussetzungen zu ihren» Verständnis“. Die neuen Perspektiven und Forschungsergebnisse, die er an Hand zahlreicher Beispiele in der Anwendung von „Figuren“ und „Tropen“ aufzeigte, werden für die künftige Aufführungspraxis richtungweisend sein. Die tonmalerische Interpretation und romantische Symbolik dürfte wohl für immer, zu Grabe getragen werden und die Bach’sche Vokalmusik mit den klassischen Grundregeln der alten Rhetorik ihre Wiedergabe finden, die sich damals und also auch heute unter dem Aspekt des „docere, movere, delectare“ an die Gemeinschaft der christlichen Menschen richtete. Jede Figur ist eine oratorische, festgelegte Wendung, die an Stelle eines Affekts steht, der als nicht mehr besonders ausgedrückt zu werden braucht. Allerdings kommt es häufig vor, daß die Figur in ihrer Bedeutung irrelevant ist, das heißt vom Komponisten abgewandelt wird. Die mehrstimmige Vokalmusik bei Bach rechtfertigt sich also im Gefühlsausdruck durch musikalische „Redewendungen“ (gleich „Figuren“), die sich nach den Gesetzen der antiken Redekunst aufbauen- Jede Interpretation muß demnach einfach, fließend und
ohne großes Affetuoso vor sich gehen.
In der abendlichen Darstellung der „Matthäus-Passion" unter dem Bremer Domkantor Prof. Richard Liesche fanden Prof. Schmitz’ Darlegungen ihre glänzende Bestätigung. Hier wurde wirklich in musikalischer Redekunst das dramatische Oratorium verlebendigt. Hervorragend der Bremer Domchor in Klang und Stimmtechnik. 250 Sänger hauchten ein Piano, daß man kaum zu atmen wagte. Der Stärkegrad überstieg nicht das „f" und wirkte doch infolge der dynamischen Differenzierung erschütternd. 2500 Besucher füllten die gotische Johanniskirche bis auf den letzten Platz.
Am nächsten Vormittag wurde der Festgottesdienst in der Michaeliskirche zu einem Erlebnis. Neben Chorsätzen von Haßler und Vulpius wurde die Kantate „Gott soll allein“ vom St. Johannischor und Collegium musicum ausgezeichnet gesungen. Kirchenmusikdirektor Gottlob Rümelin, Lüneburg, spielte Bech’che Orgelwerke, Bischof a. D, Prof. Rendtorff, Kiel, hielt die Festpredigt und Liturgie.
Neue Filme in Darmstadt
UNION-THEATER. „Polonaise“. — Musikfilme leiden sehr oft unter der mangelhaften schauspielerischen Gestaltung und entbehren ebenso oft einer den ganzen Film tragenden Handlung. Die unter der Regie von Charles Vidor gedrehte „Polonaise“ weist keinen dieser Mängel auf Nach einer Ernst-Marischka-Novelle schrieb Sidney Buchman ein Drehbuch, das im wesentlichen jeden Anspruch auf dramaturgische Vollkommenheit erheben kann. Im weiten Bogen schwingt sich die Handlung, von der Jugend Frederic Chopins ausgehend, über den Freiheitskampf seiner polnischen Heimat, sein Ringen um den Erfolg in Paris und seine Liebe zu George Sand, zurück in den Bereich seiner Kunst, die er am Schlüsse wiederum in den Dienst Polens stellt. Die Kamera fängt diese Handlung in Bildern von wunderbarer Eindringlichkeit und einer Farbigkeit ein, die wir bis jetzt selten so vollkommen auf der Leinwand sahen. Die achtzehn ausgewählten Kompositionen von Chopin werden meisterhaft w'iedergegeben und es ist nur zu bedauern, daß weder das Programm noch der Vorspann den Namen des Pianisten nennen. Mit großer Ueberlegung wurden die Träger der Hauptrollen zu diesem Film ausgewählt. Cornel Wilde spielt ebenso überzeugend Frederik Chopin wie Merle Oberon in der Rolle von George Sand brilliert, wenn auch nicht in allen Phasen der Handlung die liebende Frau zum Ausdrude kommt. Meisterhaft Paul Muni als Professor Joseph Elsner, dem man den von seiner Idee besessenen deutschen Musikprofessor vom ersten bis zum letzten Meter glaubt. Unter den übrigen Darstellern ragten besonders Stephen Deka ss y als Franz Liszt, Nina Foch als Constantia und George Coulouris als Louis Pleyel hervor. We.
THALIA. - „Die Liebe unseres Lebens“. Ein Arzt lebt mit seiner Frau und seinem Töchterchen in einer glücklichen, harmonischen Ehe, bis er sich eines Tages von der Gattin betrogen glaubt. Er trennt sich von ihr. Die kleine Suzette glaubt, ihre futter sei gestorben und sieht in der Frau, die der Vater nach Jahren ins Haus bringt, eine Fremde, obwohl es die eigene Mutter ist.
William Dieterle hat hier einen Film gedreht, der das Problem der zweiten Mutter geschickt und wirkungsvoll variiert. Ohne das Schwergewicht allzusehr auf das psychologische Moment zu legen, wurde die Gefühlswelt eines Kindes und die Wirkung seines Handelns auf die Erwachsenen — in diesem Falle die Eltern — durchaus glaubwürdig demonstriert. Der Film fesselt durch seine schlichte Themenführung. Mit Merle Oberon, Charles Karv in , Claude Rains und der kleine Sue England in den Hauptrollen hat der Film zwar keine Starbesetzung erster Klasse gefunden, aber alle Schauspieler haben mit großem Einfühlungsvermögen Gestalten auf die Leinwand gebracht, deren Handeln und Denken in jedem Augenblick lebendig nah gestaltet ist. Ein Film, der ergreifen kann, hn.
BELIDA: „Gastspiel im Paradies.“ Unter der flott geführten Regie von Karl Hartl, der mit F. D. Andam zusammen auch für das Manuskript zeichnet, entstand eine vergnügte und vergnügende Filmkomödie, hinweggespielt über einen in unserer Zeit nicht neuen, ernsten Hintergrund: ein Theater muß schließen, Schauspieler stehen vor dem Nichts, wenn ihnen ihr Regisseur nicht mit dem einzigen zu helfen vermag, was er einsetzen kann: seiner Schauspielkunst. Doch dies erfährt man erst zum Schluß, wenn das einfallsreiche Wagnis um Geld und Liebe sich als geglückt erweist. Hilde Krahl, Albert Matjerstock, Gustav Waldau, Georg Alexander, Oskar Sima spielen als bewährte und beliebte Kräfte, sich steigernd, zusammen, und die Kamera verbindet Bilder aus den Bergen, vom Wintersport, vom Leben im Grandhotel „Paradies“ und dem Milieu „hinter den Kulissen“ zu vielfältig wechselndem Rahmen des Geschehens. Di
„Nürnbergs große Kunst", eine Sonderausstellung des Germanischen Nationalmuseums zur Neunhundert-Jahr-Feier der Stadt, mit Hauptwerken Albrecht Dürers und seiner Zeitgenossen ist von Oberbürgermeister Dr. Ziebill eröffnet worden.
Wirtschasftsblatt
Das teuerere Brot
Umlage der Getreideverteuerung auf alle Beteiligten?
F. C. Die Neufestsetzung der Getreidepreise hat eine gefährliche Verwirrung hervorgerufen. Zusammen mit der sogenannten Ausgleichsabgabe für Margarine hat sie zu ernsthaften Spannungen geführt. Das Schlagwort vom politischen Brotpreis hat den um das Brot und die Margarine geführten Auseinandersetzungen politische Akzente aufgeprägt.
Die Gewerkschaften verknüpfen die sich abzeichnende Brotpreiserhöhung mit der Drohung von Lohnbewegungen. Das Mühlen- und Bäckergewerbe weigert sich, die durch die Getreidepreiserhöhung entstandene Mehrbelastung abzufangen. Die Fabrikationsspannen der Müllerei, go sagt das Mühlengewerbe, betragen am Brotpreis gemessen lediglich 7,5 Prozent bei Weizen und 8 Prozent bei Roggen. Eine Roggenpreiserhöhung um 4 DM je Doppelzentner zehrt nach den Berechnungen der Mühlen die bisher bestehende Müllerspanne auf. Eine Erhöhung des Weizenpreises um 6 DM je Doppelzentner übersteigt sogar diese Spanne. Auch die Brotfabriken und Bäkkereien sind mit ihren Kalkulationen zur Hand. Die Bruttobackspannen, so erklären die Brotfabriken, lagen bisher bereits nur geringfügig über der Vorkriegshöhe. Die Unkosten aber haben sich fast verdoppelt. Können die 50 000 Bäckereien und die 400 Brotfabriken des Bundesgebietes unter solchen Umständen die Erhöhung des Getreidepreises auf ihre Schultern nehmen und das Brot zum alten Preis liefern, während sich das Mehl verteuert?
Mühlen, Brotfabriken und Bäckereien verneinen diese Frage. In vielen Orten hat sich in den letzten Tagen unter solchen Umständen das ortsübliche Roggenbrot um etwa 3 big 4 Pfennig und das Weißbrot bis zu 6 Pfennig je Kilogramm verteuert. Mit Strafanträgen gegen Innungsverbände, gegen das Verbot der Kartellbildung verstoßen zu haben, dürfte die Regierung die Lage nicht meistern.
Der Zick - Zack - Kurs, den die Bundesregierung hier steuert, trägt dazu bei, die Verwirrung zu erhöhen. Auf die behördliche Festlegung des Brotpreises, als Requisit der Zwangswirtschaft will die Regierung angesichts des Auftretens der Gewerkschaften offenbar nicht verzichten. Subventionen aber kann die Bundesregierung ohne Erhöhung der Umsatzsteuer oder Wiederaufstockung der gerade ermäßigten Einkommensteuer nicht aufbringen. Bei allen ihren Entscheidungen sieht sie sich zudem einer um ihre Interessen mit äußerster Entschlossenheit kämpfenden Landwirtschaft gegenüber. Vorschläge, eine Brotpreiserhöhung durch weitere Senkung der Preise anderer Nahrungsmittel auszugleichen, stoßen auf den energischen Widerstand der Landwirte. Sie wünschen Gesetze zur Erhaltung auskömmlicher Preise für Getreide, Milch, Fetten, Fleisch und Zucker. Solche Bestrebungen lassen sich schwer mit den Forderungen an die Arbeitnehmer vereinigen, die Löhne im Interesse der Exportförderung nicht zu erhöhen.
Wie soll man inmitten dieses Aufmarsches großer Interessentengruppen die Frage des Brotpreises lösen? Alle Beteiligten werden hier Opfer bringen müssen.
Man sollte den Vorschlag ernstlich prüfen, die bisherigen Subventionsbeträge gleichmäßig auf alle Stufen vom Erzeuger bis zum Verbraucher umzulegen, damit der Brotpreis nur um etwa 1 Pfennig pro Kilo erhöht werden muß. Mindestens sollte man sich aber darüber einigen, ein Roggengreubrot zu unveränderten Preisen herzustellen, die Preise für Weißbrot und Gebäck dagegen freizugeben. Die Wochenverdienste lagen Ende März dank höherer Stundenverdienste durchschnittlich um fast 11 Prozent höher als vor einem Jahr. Im gleichen Zeitraum waren dazu die Lebenshaltungskosten um rund 8 Prozent zurückgegangen. Seif jenem Zeitpunkt war der Ernährungsindex weiterhin von 174 im März bis auf 157 im Juni abgesunken. Darf man da nicht ein gewisses Opfer euch vom Verbraucher verlangen?
Mannheimer Produktenbörse
pbz. Während die bisherige Unsicherheit über die Zukunft des Getreidepreises den Geschäftsbetrieb an der Produktenbörse stark hemmte, hat sich in den letzten Tagen eine zunehmende Bereitschaft, Verkäufe abzuschließen, erkennen lassen. Die Abschlüsse erfolgen zumeist unter der Bedingung „Preis zur Zeit der Lieferung?.
Auf dem Futtermittelmarkt haben vor allem Mühlennachprodukte angezogen. Weizenfuttermehl wurde zuletzt mit 13,50 DM, Weizennachmehl mit 17,00—18,00 DM gehandelt. Jedoch wird hier mit rückläufigen Preisen gerechnet. Für Mais wird am freien Markt 28.00 DM geboten. Malzkeime und Biertreber sind genug am Markt und erzielen bis 20,50 DM.
30 000 Arbeitslose weniger
dpa Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik ging in der ersten Juli-Hälfte um 29 689 zurück und' betrug Mitte des Monats 1 508 377, damit ist sie im Jahre 1950 bisher um rund 344 000 zurückgegangen.
Den stärksten Rückgang von Arbeitslosen meldete Bayern mit 8000 Männern und Frauen. Es folgen Niedersachsen mit 6704, Nordrhein-Westfalen mit 5738 und Hessen mit 3574.
Erfolgreicher Abschluß
Bz. Mit gutem Erfolg ging die neunte Ausstellung für chemisches Apparatewesen (ACHEMA IX) in Frankfurt a. M. zu Ende. Das im Krieg so hart betroffene doch schon wieder äußerst rührige Darmstadt nebst seinen Nachbargebieten war mit den Firmen Röhm & Haas GmbH, als den Spezialherstellern von „Plexiglas“ und „Plexigum“, der Pharmaglas GmbH (Verpakkungsgläser, Ampullen und so weiter), der Maschinenbau AG vormals Venuleth & Ellenberger (Kontinuierliche Mischer usw.), der Carl Schenck, Maschinenfabrik GmbH (Waagen, Transportanlagen) und Ing. Georg Nold (chemische Apparate und Maschinen) erschienen. Aus dem übrigen Starkenburger Land zeigte das Simrit-Werk der Carl Freudenberg KG a. A. in Weinheim. Dichtungen für bewegte Maschinenteile, bei der Nassovia Maschinenfabrik Hanns Pickert. Langen, sah man Pressen und Tablettenwerkzeuge, bei der Chemieschutz GmbH für Säurebau in Bensheim transportable Säure- und Laugenbehälter und so fort.
Wird wieder gespart?
ib Es gibt zweifellos viele Menschen, die nicht mehr sparen wollen. Andererseits wird der Großteil der Bevölkerung auf Grund des derzeitigen Einkommens nicht in der Lage sein, vom Arbeitsverdienst Sparrücklagen vorzunehmen. Wie sieht es auf diesem Gebiet in Hessen aus? Die Spareinlagen betrugen im Monat August 1949 224,9 Millionen, im Dezember 1949 254,0 Millionen, im Januar 1950 268,4 Millionen und im Mai 1950 304,2 Millionen.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse lagen am Dienstag verhältnismäßig Limits aus der Kundschaft vor. Lediglich von der Börse wurden einige größere Um* sätze in Girosammelwerten getätigt. Andererseits war die Abgabeneigung a^c“ recht schwach, so daß der größte Teil der Papiere an allen Märkten umsatzlos blieb.
Devisenhandel
Frankfurt. (Eigenbericht.) Im Frankfurter nicht offiziellen Devisenhandel wurden am 18. 7. 50 für den US-Dollar 5.40—5.90 DM gezahlt, für das engl. Pfund 12.50—13.50 DM, für den Schweizer Franken 1.20—1.35 DM. für den holl. Gulden 1.20 1.35 DM. für die dänische Krone 0.52—0.56 DM. für die schwedische Krone 0.75—0,80 DM.
Bz. Franksche Eisenwerke AG, Adolfs¬ hiitte Niederscheld (Dillkreis). Die Hauptversammlung soll den Jahresabschluß vom 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949 genehmigen. Das RM-Kapital ist von 2,316 Millionen im Verhältnis 1:1 auf 2,316 Millionen DM umgestellt worden.
Bz. Odenwälder Wollindustrie GmbH in Michelstadt i. O. Mit 20 000 DM Stammkapital betreibt die Firma den Ankauf, die Verarbeitung und den Vertrieb von Spinnstoffen und Geweben jeder Art.
. Heider empfangen hat. Die Hinterbliebenen m 17. Juli 1950
DANKSAGUNG Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen, Herrn | Ludwig Blab H sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Besonders m danken wir Herrn Pfarrer Jacob für die trostreichen ■ Worte sowie den Alterskameraden für den ehrenvollen ■ Nachruf. Die trauernden Hinterbliebenen Groß-Umstadt, 8.-Auerbach, den 15. Juli 1950
DANKSAGUNG Für die vielen Beweise aufrichtiger Anteilnahme sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, Frau Marie Kraft geb. Kistinger sagen wir herzlichen Dank. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Dr. Uhrig, der Belegschaft, den Schulkameraden und all denen, die ihr das letzte Geleit gaben. Wilhelm Kraft und Kinder Horst und Gisela Eschollbrücken, den 15. Juli 1950. SnHBHIBfInBHinEnMHffiHBBHBiHiniHnHBMmB
Bestattungen am Mittwoch, dem 19. Juli 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 15.00 Uhr: Hartmann, Heinrich, Formstecher, Michelstadt, früher Darmstadt, 82 Jahre Bessunger Friedhof: 11.00 Uhr: Eberhard, Marie, geb. Schmidt, Forstmeisterstraße 14, 67 Jahre
veredelte Seifte 'U I lü P^egt die fäurt
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN 3 VN 6/50: Beschluß: Die Firma Breidt u. Daub KG., Bau¬ unternehmung in Darmstadt, hat am 13. Juli 1950 beantragt, über ihr Vermögen das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses zu eröffnen. Zum vorläufigen Verwalter wird Rechts¬ anwalt E. Weigand in Ober-Ramstadt bestellt. Gegen die Ver¬ gleichsschuldnerin wird mit Wirkung vom 15. Juli 1950, 9 Uhr, ein allgemeines Veräußerungsverbot erlassen. Den Drittschuldnern wird verboten, ohne Zustimmung des vorläufigen Verwalters an die Vergleichsschuldnerin zu leisten. Verfügungen und Leistungen mit Zustimmung des vorläufigen Verwalters sind unbeschränkt wirksam. Darmstadt, den 15. Juli 1950, Amtsgericht. Abt. 3
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