Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 15 Jieueffe Jtadjrid)fen Dienstag, 18. Juli 1950 Redaktion: Darmstadter Tagblatt L, C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Vor dem Fall von Taidschon

Weitere Umfassungs-Versuche der Nordkoreaner / Wechselvolle Kämpfe an allen Fronten

Taiku, »17. Juli. (AP./BBC./dpa) Die amerikanische Infanterie hat bei der Schlacht um Taidschon den linken Flügel der Kum-Stellung weiter zurücknehmen müssen. Nach erbitterten Kämpfen zogen sich die Einheiten des 19. und 34. amerikanischen Infanterie-Regiments um etwa zwölf Kilometer zurück und bezogen neue Stellungen in und östlich von Taidschon.

Der Flugplatz der Stadt war bereits vorher geräumt worden und liegt unter heftigem Artilleriefeuer der nordkoreanischen Geschütze. Dem Feind soll es gelungen sein, größere Partisanenverbände in die amerikanische Front einsickern zu lassen, die in den Vororten und in den Straßen von Taidschon den Kampf mit der amerikanischen Infanterie aufgenommen haben.

Die Stadt Taidschon ist bereits zum größten Teil geräumt. Die nordkoreanischen Truppen versuchen mit allen Mitteln, um Taidschon einen Ring zu schließen.

Die Korrespondentenberichte und die Kommuniques des amerikanischen Hauptquartiers stimmen nicht ganz überein. Während nach den Meldungen der Frontberichterstatter eine völlige Umgehung der amerikanischen Stellung bei Taidschon droht, ist das Kommunique des Hauptquartiers optimistischer, weil die Nordkoreaner zwar Eliteverbände über den Kum hätten übersetzen können, jedoch die Masse ihrer Panzer das Flußhindernis noch nicht überwunden habe. Dennoch glaubt man auch an offiziellen Stellen, daß der Fall von Taidschon unmittelbar bevorstehe. Am Unterlauf des Kum haben die Nordkoreaner stärkere Verbände zu einer weit ausholenden Umfassungsbewegung eingesetzt. Die Spitzen der motorisierten Kolonnen der Nordkoreaner sollen noch immer in südöstlicher Richtung vorstoßen, mit offensichtlichem Ziel, die Amerikaner einzukesseln.

Der Durchbruch droht

Im Raum Sangschu ziehen die Nordkoreaner wie am Vortag weiterhin starke Verbände zusammen, um ihren Anfangserfolg an der Nahtstelle zwischen der südkoreanischen und der amerikanischen Armee ausnutzen zu können. Sie bedrohen nach wie vor die Versorgungslinie - Taiku-Taidschon.

Im Ostabschnitt haben die amerikanischsüdkoreanischen Verbände die bisher größten Abwehrerfolge dieses Krieges erzielt. Mit Unterstützung amerikanischer Artillerie und alliierter Jagdkräfte haben die Südkoreaner feindliche Stellungen überrannt und den Feind zum ungeordneten Rückzug gezwungen. Zwanzig Kilometer nördlich Yongdok an der östlichen Küstenstraße sprengten Spezialverbände amerikanischer Landeinheiten, wie bereits gemeldet, die Straße, um den nordkoreanischen Vormarsch aufzuhalten. Die Amerikaner warteten mit ihrer Sprengung, bis die Nordkoreaner in unmittelbarer Nähe waren, und fügten dem Feind unter Ausnutzung der Verwirrung erhebliche Verluste zu.

Das amerikanische Hauptquartier gibt bekannt, daß die Nordkoreaner in den letzten Tagen durchschnittlich fünfzehn bis zwanzig Kilometer vorgedrungen seien. Bei Angriffen hätten sie zum ersten Male Panzerbüchsen verwandt, die die Panzerplatten der leichten amerikanischen Kampfwagen durchgeschlagen hätten. Die Tätigkeit der Partisanen und ihr planmäßiger Einsatz an der gesamten Front nehme zu. Die Überlegenheit des Feindes sei immer noch 20:1. Die nordkoreanischen Truppen zeigten einen fanatischen Kampfgeist bei einer sehr geschickten Führung. Ini Nahkampf und als Scharfschützen seien sie außerordentlich gefährlich. „

Der amerikanische Nachschub rollt bereits mit einer gewissen Stetigkeit. Die Nachschublager im frontnahen Raum wachsen, und der Antransport von Truppen erfährt keine Unterbrechung. Zwei Divisionen sollen bisher mit Masse auf dem Kriegsschauplatz ausgeladen worden sein.



Neuntausend Priester vermißt

Den Haag, 17. Juli. (CND.) Das niederländische katholische Pressebüro veröffentlicht eine Aufstellung über die Opfer der kommunistischen Verfolgungen an katholischen Priestern in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang. Danach sind in der Ukraine, Estland, Lettland, Litauen, Polen, in der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien und Albanien insgesamt neuntausend katholische Priester ermordet oder deportiert worden.

200 000 Menschen

Die Opfer von Hiroshima

Paris, 17. Juli. (AP.) Der Bürgermeister von Hiroshima, Shinzo Hamai, hat in Paris einem Vertreter der Pariser Zeitung „Le Monde“ erklärt, die tatsächliche Zahl der durch den Atombombenabwurf am 6. August 1945 ums Leben Gekommenen liege weitaus höher als die von amerikanischen Stellen offiziell bekanntgegebene Zahl. Über 200 000 Menschen seien getötet worden, und auch diese Zahl sei noch nicht vollständig, da zur Zeit des Angriffes Tausende von Flüchtlingen in Hiroshima geweilt hätten, die niemals identifiziert worden seien.

Die vom amerikanischen Hauptquartier in Japan angegebene Zahl belief sich auf 78 150. Nachfolgende Todesfälle, die durch intensive radioaktive Bestrahlung verursacht wurden, erhöhten diese Zahl auf hunderttausend.

Schulz kann sich nicht mehr entsinnen

Das Schwurgericht Offenburg verhandelt gegen einen Mörder Erzbergers

Drahtbericht unseres Korrespondenten

WS. Offenburg, 17. Juli. Das Schwurgericht in Offenburg hat am Montag mit der Verhandlung gegen den ehemaligen Oberleutnant Heinrich Schulz begonnen, der des Mordes an dem Reichsfinanzminister Mathias Erzberger und des versuchten Mordes an dem Reichstagsabgeordneten der Zentrumspartei Diez angeklagt ist. Die Tat, die Schulz zusammen mit dem bereits zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilten Heinrich Tillesen auf Befehl des „Germanenordens“ am 26. August 1921 ausgeführt hatte, hatte damals in der gesamten Weltöffentlichkeit großes Aufsehen erregt.

Die Beweisaufnahme am ersten Verhandlungstag war verhältnismäßig einfach, da sowohl die Tat als auch die Gründe und die Vorgeschichte von Tillesen( und von Schulz überwiegend übereinstimmend angegeben worden waren und sich mit den Ermittiiingen der Staatsanwaltschaft deckten. Nur in

der Frage der Tat selbst und des Verhaltens dem seinerzeit zufällig anwesenden Abgeordneten Diez gegenüber gehen die Aussagen auseinander.

Schulz, der während der Vernehmung mehreremale sehr erregt schien und sich an viele Einzelheiten nicht mehr erinnern konnte, gab an, man habe nur im äußersten Notfall gegen etwaige Zeugen der Tat vorgehen wollen und auch das nur getan, wenn die Ausführung durch sie gefährdet worden wäre. Demgegenüber hat Tillesen während der Verhandlung gegen ihn ausgeführt, man sei sich auch vorher schon darüber im klaren gewesen, daß man in einem solchen Fall radikal vorgehen müsse.

Die Staatsanwaltschaft erhofft sich von einer für Dienstag vorgesehenen Gegenüberstellung von Schulz und Tillesen eine Klärung, dieser Frage.,

Erhard spricht von Hysterikern

Der Wirtschaftminister gegen weitere Subventionen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

We. München, 17. Juli. Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard hat am Montag in München auf einer Veranstaltung der deutsch-belgisch-luxemburgischen Handelskammer die Ankündigung gewerkschaftlicher Maßnahmen bei der Auseinandersetzung um den Getreidepreis in entschiedener Form zurückgewiesen. Erhard erklärte: „Hier waren wieder einmal Hysteriker als Wirtschaftspolitiker am Werk“.

Mit den Subventionen müsse zu einem naheliegenden Zeitpunkt doch Schluß gemacht werden. Wenn man es nicht heute tue, werde man in einem viertel oder einem halben Jahre dazu gezwungen werden. Es gebe durchaus wesentlich günstigere und billigere Lösungen für den Fiskus. Für diesen Fall brauche man nur vier Wochen gute Nerven. Die Subventionen kämen nur zu einem geringeren Teil den wirklich bedürftigen Bevölkerungsschichten und der Landwirtschaft zugute, zum größeren aber den Müllern und Bäckern, die zu subventionieren der Staat keine Veranlassung habe. Das letzte Wort sei in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen.

Es sei untragbar, wenn von gewerkschaftlicher Seite in diesem Zusammenhang ein Notstand proklamiert werde, aus dem man die Berechtigung zur Bejahung genereller Lohnbewegungen herleiten zu können glaube. Es müsse dem deutschen Arbeiter mit aller Deutlichkeit klargemacht werden, daß seit eineinhalb Jahren der Lebensstandard der Bevölkerung ununterbrochen verbessert worden sei. „Wie man angesichts dieser Anstrengungen ausgerechnet jetzt, wo bejm Eintritt Deutschlands in die europäische Zahlungsunion Tod und Leben der Wirtschaft davon abhängt, ob wir uns in dem verschärften Wettbewerb behaupten können, derartige Forderungen erheben kann, vermag ich nicht zu begreifen. Es geht nicht an, das über die Aufrollung des gesamten Lohnproblems alles aus einer Hysterie heraus zusammenzuschlagen. Solange ich an dieser Stelle stehe, wird diese Politik nicht getrieben werden.“

Zum Außenhandelsproblem sagte Professor Erhard, bei aller Anerkennung der Landwirtschaft könne das deutsche Schicksal nur über eine glückliche Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft gemeistert werden. Es sei nicht liberalisiert worden, um fremden Waren einen bequemen Zugang zum deutschen Markt zu öffnen. Das Gegenteil sei der Fall. Hätte Westdeutschland während des letzten Jahres nicht liberalisiert, so wären jetzt beim Eintritt in die europäische Zahlungsunion die düstersten Besorgnisse am Platze gewesen. Nun dürfe man der ruhigen Zuversicht sein, daß Deutschland heute in der europäischen Wirtschaft eine günstige Entwicklung nehmen werde.


Amerikanische Rekruten, die sich freiwillig zur Marine gemeldet haben, werden von einem Offizier vereidigt Foto: dpa
Amerikanische Rekruten, die sich freiwillig zur Marine gemeldet haben, werden von einem Offizier vereidigt Foto: dpa

Solidarisch mit den Bückern

Bonn, 17. Juli (AP). Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat in einem am Montag veröffentlichten Kommunique mit aller Entschiedenheit den Versuch abgelehnt, die Brotpreisfrage auf dem Rücken eines einzigen deutschen Handwerkszweiges austragen zu wollen. Das gesamte Handwerk fühle sich mit dem Bäckerhandwerk solidarisch. wenn es darum gehe, Diffamierung abzuwehren und der Vernunft und Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Das deutsche Handwerk werde sich nachdrücklich zur Wehr setzen.

Um welchen Preis?

-1. Marschall Stalin soll, wie gut unterrichtete Kreise Neu-Delhis wissen wollen, die Vermittungsvorschläge des indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru angenommen haben. Danach wäre also die Sowjetunion bereit, über den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Korea-Konflikt auf friedlichem Wege beizulegen, allerdings unter der Voraussetzung, daß die chinesische Volksrepublik als Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen würde.

Die Nichtzulassung Rot-Chinas im Sicherheitsrat war bisher die Klippe, an der die internationale Zusammenarbeit mit der Sowjetunion scheiterte. Wenn es nicht zum Zusammenstoß mit Korea gekommen wäre, würde diese Frage wahrscheinlich schon gelöst sein. Die Vereinigten Staaten hatten zugestimmt, sich bei der Abstimmung über die Zulassung Rot-Chinas dem Mehrheitsbeschluß zu fügen. Nach den vermutlichen Stimmenverhältnissen konnte die Zulassung Rot-Chinas bereits als gesichert gelten.

Bemerkenswert ist die Feststellung Stalins, daß die Wiederbelebung des Sicherheitsrates der erste Schritt zur Beendigung des Korea-Konfliktes sein müßte. Das deutet darauf hin, daß der Kreml doch noch nicht alle Türen zu der anderen Welt zugeschlagen haben möchte. Es ist zweifellos zu früh, in diesem Stadium der sich allmählich klärenden Lage schon Rückschlüsse selbst auf die nächste Zukunft ziehen zu wollen. Denn die augenblickliche militärische Lage, die die Amerikaner auf dem Kriegsschauplatz immer weiter auf ihre Einsatzhäfen zurückdrängte, ist Äls Zeitpunkt für eine Vermittlung nicht gerade günstig. Der amerikanische Außenminister Acheson hat erklärt, daß er eine scharfe Trennungslinie zwischen einer „Friedenspolitik“ und einer „Politik des Friedens um jeden Preis“ ziehen würde. Voraussetzung für eine friedliche Beilegung des Konflikts im amerikanischen Sinne und zweifellos auch im Sinne der Vereinten Nationen ist die Wiederherstellung der Demarkationslinie am 38. Breitengrad. Ob die Kommunisten 'angesichts ihrer Anfangserfolge bereit wären, sich auf das nordkoreanische Gebiet wieder zurückzuziehen, hängt nicht zuletzt von der Haltung des Kremls ab. Dies ist zunächst die schwerste Klippe, die es für die Ingangsetzung eines Gespräches zu überwinden gilt.

Der Vatikan und Ofstasien

Von Josef Schmitz van Vorst (Rom)

Von dem Entschluß der Amerikaner, in Korea einzugreifen, wurde der Vatikan schon deshalb überrascht, weil keine diplomatischen Beziehungen mehr zwischen ihm und Washington bestehen. Di? Nachricht erfuhr er aus den Zeitungen.

Auch einen amerikanischen Geschäftsträger gibt es beim Vatikan nicht mehr. Die Stellung bekleidete Franklin Gowen. Während M/r . Taylor nur zur Erfüllung gelegentlicher Aufträge über den Ozean reiste und sich deshalb den Beinamen des fliegenden Botschafters erwarb, war sein Stellvertreter zehn Jahre lang ununterbrochen in Rom anwesend. Als Taylor am 18. Januar 1950 abberufen- wurde, folgte er ihm zwei Tage später mit den fünf Angehörigen seines Büros, das damit die Tore schloß. Versuche der Amerikaner, ihre Botschaft beim Quirinal mit den laufenden Geschäften beim Vatikan zu betreuen, schlugen fehl, da von der römischen Kurie ein solches Verfahren abgelehnt wurde.

Gegensätze

Im Februar erschien der amerikanische Kardinal Spellman an der Spitze einer Wallfahrt in Rom. Ihr gehörten Mitglieder der führenden Gesellschaftsschichten Neuyorks an, Industrielle, Kaufleute, Bankiers, Zeitungsbesitzer, Personen also, die in der Lage waren, nach ihrer Rü. ' ehr ein . starken Einfluß auf die öffentliche Meinung ihres Landes auszuüben. Dagegen brachte der amerikanische Kirchenfürst nid'.'; mit. - ts viele erwartet hatten, einen gültigen Vorschlag über die Neuregelung der diplomatischen Beziehungen zwischen Amr - und dem Heiligen Stuhl. Alle gegenteiligen Meldungen, die damals darüber verbrr'J ’-rr—’«n. trafen ni ht zu.

Ein politischer Gegensatz von ernsthaftem Charakter war zwischen Papst und Präsident in der palästinesischen Frage aufgetreten, in der Pius XII. unmißverständlich die Internationalisierung der heiligen Stätten gefordert hatte, während die Vereinigten Staaten eine abweichende Haltung einnahmen. Dieser Zwiespalt blieb nicht unter den Aktendeckeln verborgen, —ndern teilte sich auch der Bevölkerung der katholischen Länder, vor allem Südamerikas, mit, so daß sich die Amerikaner in ihnen plötzlich einer Welle wachsender Feindschaft gegenübersahen.

Auch in der allgemeinen Politik fiel die Linie des Vatikans nicht immer mit dem amerikanischen Kurs zusammen. Zwar stehen sich Christentum und Bolschewism s für Pius XII. wie Feuer und Wasser gegenüber. Doch wurde in den Artikeln des „Osservatore Romano“ wiederholt der Grundsatz „Si vis pacem, para bellum“ („Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg“) verworfen. Ebenso brachte das päpstliche Blatt seine Bedenken gegen die Atomaufrüstung und erst recht gegen die Planung der Wasserstoffbombe vor, die in „das Chaos des Unmenschlichen“ führe. Dies bedeutet freilich nicht, daß der Vatikan für eine Politik der Schwäche eingetr.ten wäre. Es ist kein Geheimnis, daß einflußreiche vatikanische Kreise mit der amerikanischen China-Politik nicht ein¬ verstanden waren und ihr mehr Klugheit und Festigkeit gewünscht hätten. Solche Einwände scheinen indes vom amerikanischen Staatsdepartement sehr ungnädig zurückgewiesen worden zu sein.

Die Mission

Gewiß war es in erster Linie amerikanisches Einflußgebiet, das im Fernen Osten verlorengegangen ist. Aber auch die christliche Missionsarbeit wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Als die Prüfung kam, war der im Jahre 1946 von Pius XII. zum ersten chinesischen Kardi-

nal erhobene Erzbischof von Peking, Thomas Tien Ken-sin, so schwer erkrankt, daß er außerhalb seines Sitzes in Hongkong Heilung suchen mußte. Er ist aus der Schule der deutschen Missionare hervorgegangen. Ebenso mußten die Jesuiten die berühmte Wetterstation in der Nähe von Schanhai aufgeben, die als einzige in Ostasien die notwendigen Angaben über das Entstehen und die Richtung der Taifune sammelte. Auch der Bischof von Nanking, Youpin, der fünfzehn Jahre lang Student in Rom gewesen war, nach dem Doktor der Theologie den Doktor der politischen Wissenschaften auf der Ausländeruniversität in Perugia erworben und seine Feder damals in der italienis en Tagespresse bekanntgemacht hatte, befindet sich nicht mehr im kommunistischen China. Er ist nach Amerika gegangen, woher er den Kampf weiterführt.

Im kanonischen Recht jedoch ist festgelegt, daß ein Bischof seine Diözese niemals verlassen darf, geschweige denn im Falle der Gefahr. So wurde der polnische Kardinal Hlond, als er nach dem deutschen Einbruch in Polen seine Heimat verließ, um nach Rom zu flüchten, im Vatikan sehr streng empfangen. Auch der Hinweis konnte ihn nicht rechtfertigen, daß sein Leben bedroht gewesen sei.

Nachdem China von den Bolschewisten Maos erobert worden ist,- setzt die katholische Kirche nicht mehr ihre Hoffnung auf einen Wechsel der politischen Ordnung. Die einheimischen und europäischen Priester und Ordensschwestern (ungefähr achtzig Angehörige des chinesischen Klerus und ungefähr zwanzig weiße Missionare haben ihr Leben geopfert) mußten sich in den kommunistischen Arbeitsprozeß einordnen lassen, als Krankenpfleger und -Pflegerinnen, Fabrikarbeiter und -arbeiterinnen, Straßenreiniger, fliegende Händler usw. Doch ist China ein Land, in dem es nur wenige Straßen, Eisenbahnen und Telephone gibt, keine Kartotheken und Einwohnerverzeichnisse, in dem eine halbe Milliarde Menschen mit ein paar hundert Namen auskommen müssen, die sich infolgedessen ewig wiederholen und nicht voneinander zu unterscheiden sind. Auch verändert die Sprache von Ort zu Ort ihren Charakter. Es genügt ein falscher Akzent bei der Aussprache eines Wortes, und es bedeutet etwas ganz anderes. Es ist leicht einzusehen, daß sich unte- 'iesen Umständen auch gegenwärtig noch große Möglichkeiten für die christlichen Missionen, zumal für den einheimischen Klerus, bieten.

Und Korea?

Nun schwebt der südliche Teil Koreas in Gefahr, in die gleiche Lage zu geraten, wie die meisten anderen ostasiatischen Gebiete. (Der dortige apostolische Delegat ist ein Amerikaner.) Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Vatikan die Unterstützung billigt, die den Ueberfallenen aus Amerika und der westlichen Welt zuteil wird. Auch glaubt er nicht daran, daß die Kämpfe in einen großen allgem inen Krieg münden werden. Eine Persönlichkeit der römischen Kurie, die ausgezeichnet unterrichtet ist und in täglichem Verkehr mit dem Papst steht, äußerte in einem Gespräch über Korea in bestimmter Weise: „Es gibt keinen dritten Weltkrieg.“

Die Kämpfe in Korea werden inaes wohl dazu beitragen, die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vatikan zu beschleunigen. Wie es heißt, sind schon seit einiger Zeit darüber Verhandlungen zwischen der amerikanischen Botschaft beim Qun-inal und der Kurie im Gange. Aller Voraussicht nach soll wiederum ein Sonderbotschafter das Präsidenten entsandt werden, da es zur Errichtung einer ordentlichen diplomatischen Vertretung der Zustimmur j des amerikanischen Kongresses bedürfte, die nicht leicht zu erhalten iSt. Nachdem Taylor gebeten hat, von einer zweiten Entsendung abzusehen, scheinen sich die Blicke nunmehr auf seinen Stellvertreter, Gowen, gelenkt zu haben, der indes ebenfalls seine Bedenken hat, da er wie Taylor Protestant ist und sich nicht gerne die Unzufriedenheit seiner Glaubensgenossen auf einem Posten wie dem beim Vatikan zuziehen möchte.

Verwirrung

tü. Als der Bundeswirtschaftsminister gestern aus der Schweiz zurückkam, hat er sich in einer Rede über die Subventionspolitik beschwert, die eines Tages doch abgeschafft werden müsse. Aber damit hat er sich, wie jeder nach den Ereignissen der letzten Tage weiß, auf das entschiedenste gegen seine eigene Partei gewandt, die ihn vor weniger als einem Jahre auf den Schild gehoben und mit ihm den Wahlkampf gewonnen hatte. Erhard hat sie jetzt nicht genannt, aber er hat sie ganz bestimmt gemeint. Gäbe es nur dieses eine Zeichen der Verwirrung innerhalb des Regierungslagers, so wäre es unangenehm genug. Leider haben sich in den letzten Wochen noch mehrere dazugesellt. Das Kabinett droht in wichtigen wirtschaftspolitischen Fragen ebenso auseinanderzufallen wie die Koalition, die hinter ihm steht. Die Zeiten sind gekommen, in denen nach dem Bibelwort „jeder, tut, was ihm gut deucht“.

Im Augenblick ist es noch nicht zu einem wirklichen Bruch gekommen. Und da niemand weiß, was hinterher werden würde, darf man wohl annehmen, daß sich die Koalition auch wieder zusammenfinden wird. Aber sehr viele solcher Lagen, wie sie gegenwärtig in Bonn herrscht, können wir uns auf die Dauer kaum erlauben. Das haarscharfe Vorbeigleiten an einer Regierungskrise darf nicht zur Regel werden.

Vermutlich wäre, das ist die Meinung unbefangener Beobachter in Bonn, manches anders und besser geworden, wenn die Regierung sich nicht von der Fülle der Aufgaben hätte überwältigen lassen, sondern wenn sie ihr rechtzeitig mit einem entschlossenen Willen zur Führung entgegengetreten wäre. Daß Parlamentar.smus nicht Führungslosigkeit zu sein braucht, ist eine alte Weisheit der westlichen Welt aus den Zeiten, in denen sie politisch in Höchstform war. Auch das müssen wir offenbar noch lernen.

Wallace

-1, Wenn man von den bestellten Kundgebungen der Massen und Organisationen hinter dem Eisernen Vorhang und den nicht minder befohlenen Protesten der Stadthalter Moskaus vor dem Eisernen Vorhang absieht, ist das Echo, das die energische Abwehraktion der Amerikaner gegen den kommunistischen Angriff auf Südkorea ausgelöst hat, übereinstimmend in der Ablehnung dieser Herausforderung. Man mag dabei zu den Hintergründen des Angriffs und insbesondere zu der innerpolitischen Lage auf der Halbinsel Korea stehen, wie man will. Man mag weiter bedauern, daß die südkoreanische Regierung manches, wenn nicht alles versäumt hat, um auch den breiten Massen der Südkoreaner nach ihrer Befreiung von der japanischen Herrschaft das Bewußtsein zu stärken, daß nun auch für sie ein Zeitalter demokratischer Selbstbestimmung hereingebrochen sei. Aber das überfallartige Vorgehen der Nordkoreaner, um die Probleme euch für Südkorea im kommunistischen Sinne zu lösen, hat in der gesamten freien Welt schärfste Mißbilligung gefunden.

Wenn auch diese Reaktion auf den Kreml kaum großen Eindruck gemacht haben dürfte, so wird die Stimme eines Rufers in diesem Streit auch in Moskau nicht ganz ungehört verhallt sein. Es ist die Stellungnahme Bes früheren amerikanischen Vizepräsidenten Wallace, der sich eindeutig auf die Seite der Vereinigten Staaten stellte und die Aktion der Vereinten Nationen befürwortete. Wallace, der bisher oft für eine Verständigung mit der Sowjetunion eingetreten war, ist damit offen von den bolschewistischen Methoden abgerückt. Er hat sogar mit dem Rücktritt aus der Fortschrittspartei, in deren, Führung er tätig war, gedroht, wenn die Parteileitung nicht von ihrer ablehnenden Stellungnahme gegen jegliche Intervention im Korea - Konflikt lasse und die Maßnahmen der Regierung und der Vereinten Nationen weiter mißbillige.

Sonderbotschaft Trumans

Washington, 17. Juli. (AP.) Von maßgeblichen Persönlichkeiten der Demokratischen Partei ist am Montag bekanntgegeben worden, Präsident Truman werde dem amerikanischen Kongreß am Mittwoch in einer Sonderbotschaft über die Lage in Korea Bericht erstatten. Gleichzeitig werde er Gesetze vorschlagen, die seiner Ansicht nach in Anbetracht der Lage notwendig seien. Regierungsbeamte hatten am Sonntag erklärt. Truman werde den Kongreß um Befugnisse zur Kontrolle der Stahlindustrie bitten, ferner sei eine Steuererhöhung geplant.

Der erste deutsche Generalkonsul in Frankreich, Prolesso. Hausenstein, ist ’m Montag im Paris Ungelroffen.

Bonn vor schweren Entschlüssen

Blücher an Böckler zum Brotpreis / Noch keine Regierungskrise

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 17. Juli. Die erste amtliche Erklärung der Bundesregierung nach der Entscheidung des Parlaments, daß die Subventionen für Getreide ufld Düngemittel weitergezahlt werden solletf ist ein außerordentlich vorsichtig formuliertes Telegramm des Vizekanzlers Blücher an den Gewerkschaftsvorstand. Darin wird erklärt, die Bundesregierung hoffe zu einer Lösung wegen des Brotpreises und der Ausgleichsabgabe für Fette zu kommen, die nicht nur den wirtschaftlichen Bedürfnissen entspreche, sondern vor allem auch die außerordentlichen Beanspruchungen berücksichtige, denen die Bundesflnanzen durch die großen sozialen Gesetzgebungsmaßnahmen ausgesetzt seien.

Diese Formulierung zeigt, daß der Finanzminister in seinen Besprechungen mit dem Vizekanzler seinen grundsätzlichen Standpunkt aufrechterhalten hat, daß der Haushalt mit Ausgaben für Subventionen nicht länger belastet werden dürfe, wenn nicht der Sozialetat bedroht werden solle. Das Kabinett wird am Dienstag zu einer eingehenden Beratung “'dieser Fragen zusammentreten, die sich durch die Forderungen des, Deutschen Bauernverbandes noch erheblich ausgeweitet haben. Auch wenn diese Forderungen ein Maximalprogramm darstellen sollten, sind sie grundsätzlich eine Kampfansage an die Liberalisierungspolitik des Wirtschaftsministers, und in diesem Zusammenhang wird der letzte Punkt des Programms besonders beachtet, daß der Bundesernährungsminister in allen Fragen der landwirtschaftlichen Preis-, Handels- und Zollpolitik zuständig sein müsse. Trotz allem erscheint es noch nicht angebracht, von einer Regierungskrise zu sprechen. Aber die Beziehungen der Regierung zum Parlament und auch die Beziehungen innerhalb der Regierungskoalition sind in ein kritisches Stadium getreten. Eine seit langem schon bestehende Mißstimmung der Koalitionsfraktionen gegenüber manchen Methoden der Regierung ist aus diesem aktuellen Anlaß ausgebrochen. Der Ausspruch eines Abgeordneten zur Stellungnahme der Christlich-Demokratischen Union bei der letzten Abstimmung, man brauche nicht immer „Ja“ zu sagen, wenn die Regierung etwas wünsche, ist für diese Stimmung ebenso kennzeichnend, wie die Initiative der christlich-demokratischen Fraktion beim Mitbestimungsrecht entgegen den Absichten des Arbeitsministers und der Schritt der Freien Demokraten beim Schadensfeststellungsgesetz entgegen den Meinungen des Finanzministers.

Die Arbeitsfähigkeit des Kabinetts wird durch diese Entwicklung so wenig gestärkt, wie' die Arbeitsfähigkeit der Koalition durch plötzliche Entschlüsse eines Teils, der die Partner vor vollendete Tatsachen stellt.

Das Kabinett wie die Koalitionsparteien werden zu grundsätzlichen Entscheidungen in den strittigen Fragen kommen müssen. Die Lehre aus der Brotpreisentwicklung, daß das Treibenlassen zu einem Prestigeverlust für die Regierung geführt hat, muß nach der Ansicht vieler Beobachter beherzigt werden. Sie meinen, daß die notwendigen Entscheidungen schwer seien, dürfe nicht dazu führen, daß sie nicht, gefällt würden.

Reichliche Rorrũte

Kein Grund zum Hamstern

Frankfurt, 17. Juli. (HR.) Ein Sprecher des Amtes des amerikanischen Oberkommissars in Frankfurt hat am Montag Kritik an der Hamsterei von Lebensrnitteln geübt. Der gesunde Menschenverstand müsse jedem klar machen, daß zu Angstkäufen keine Veranlassung bestehe. Bei dem Korea-Konflikt handele es sich um lokale Vorgänge, die keine nachteilige Wirkung für die Versorgung der westdeutschen Bevölkerung haben könnten. Die Lebensmittelvorräte der Westmächte seien so groß, daß zu Besorgnissen kein Anlaß vorliege. Hinzu komme, daß in diesem Jahr in den meisten Ländern eine neue Rekordernte zu erwarten sei. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien verfügten über ausreichenden Schiffsraum, um trotz der Beanspruchung im Fernen Osten die Versorgung der Bundesrepublik mit allen erforderlichen Lebensmitteln sichern zu können.

Monnet trifft Adenauer

Besprechungen in der Schweiz

Bonn, 17. Juli, (dpa.) Der französische Planungskommissar und geistige Urheber des Schuman-Plans, Monnet, wird noch in dieser Woche mit Bundeskanzler Dr. Adenauer an dessen Schweizer Aufenthaltsort auf dem Bürgenstock am Vierwaldstätter See Zusammentreffen.

In Bonner Regierungskreisen wird angenommen, daß Monnet den deutschen Bundeskanzler über die bis jetzt erzielten Ergebnisse der Sechs-Mächte-Verhandlungen in Paris unterrichten wird.

Europa-Ministerium für Bonn

Forderung der Europa-Bewegung

F. A. Z. Frankfurt, 17. Juli. Der Deutsche Rat der Europäischen Bewegung, der aus 250 Mitgliedern der deutschen politischen Parteien, der Organisationen, der Gewerkschaften, der Jugendverbände, der Wirtschaft und der Verwaltung besteht, hat am Montag in Frankfurt seine zweite Vollversammlung abgehalten. Im großen Festsaal des Senckenberg-Museums, der mit den grün-weißen Farben Europas geschmückt war, versammelten sich die Mitglieder des Rates unter seinem Präsidenten Paul Loebe. Unter anderen waren Bundesverkehrsminister Seebohm, der Hamburger Bürgermeister Brauer, die Länderminister Wessel, Treutsch und Spiecker sowie zahlreiche Bundestagsabgeordnete anwesend.

Die Versammlung faßte nach mehrstündiger Diskussion eine Resolution, die auch vom Bundestag als Forderung der Bundesrepublik an den Europa-Rat verabschiedet werden soll.

Sondersitzung in London

Das Kabinett berät über Korea

London, 17. Juli, (dpa) Das britische Kabinett wird am Dienstagvormittag eine Sondersitzung abhalten. Wie am Montag in London amtlich verlautet, konnte das Kabinett auf seiner Sitzung am Montag nicht alle Punkte der Tagesordnung erledigen. Am Montag hatte das Kabinett unter Teilnahme der Chefs der Generalstäbe und des australischen Ministerpräsidenten Menzies getagt. Ueber das Ergebnis der Sitzung wurde amtlich nichts veröffentlicht.

Beratungen über den Schuman-Plan in Bonn

Bonn, 17. Juli, (dpa) Die einzelnen Bonner Fachausschüsse für Angelegenheiten des Schuman-Plans haben am Montag ihre Beratungen über den Zwischenbericht der Pariser Delegation, in dem Einzelheiten über den Aufbau der Oberbehörde der Montan-Union enthalten sind, wieder aufgenommen.

Wo sind die Akten?

Wr. - Eine private Angelegenheit ist öffentlich geworden: Ein bejahrtes Fräulein, Betty Hönika in Uffenheim, ausgebombt und völlig verarmt, sollte durch die Soforthilfe, weil sie ledig ist, mit einem Kleckerbetrag abgespeist werden, der noch nicht einmal die Bezeichnung eines „Almosens“ verdient. Sie erhob Einspruch, daß sie keinerlei Unterhaltshilfe erhalten solle, nur allein, weil sie nicht verheiratet war. (So hatte man sie an zuständiger Stelle „abgefertigt“.)

Ihr Fall, in die Oeffentlichkeit gelangt, hat manche Stellen in Bewegung gesetzt. Vereinigungen und Verbände, meist Landesverbände, haben sich um sie angenommen und sich bereiterklärt, für sie einzutreten. Aber hierfür benötigt man der „Unterlagen“, also der Akten und der amtlichen Bescheide.

Diese Papiere jedoch sind merkwürdigerweise bis auf den heutigen Tag nicht erreichbar gewesen. Weder die Vereinigung „Volk will Recht“ in Frankfurt, noch der Landesverband Bayern des Bundes für Flieger- und Kriegsgeschädigte, noch irgendein anderer Verband hat bisher herausbekommen können, wo in der Bundesrepublik die Akten „beruhen". Das örtliche Amt für Soforthilfe erklärt: „Irgendwo in Bad Homburg oder Bonn.“ Andere Stellen behaupten: „In München.“ München jedoch erklärt: „Wahrscheinlich in Ansbach — oder so irgendwo.“ Ansbach wiederum erklärt: „Wieso? Wie kommen wir dazu? Hier ist, nichts.“ Aber alle Amtsstellen erklären übereinstimmend: „Der Spruchsenat für Soforthilfe — der muß sie haben.“

Man forscht nach diesem Spruchsenat. Man forscht mit Eifer. Aber wie? Es ergibt sich, daß man nirgendwo etwas von der Existenz dieses angeblichen Spruchsenats weiß. Jeglicher Ort, an den man sich wendet, erklärt: „Hierorts nichts bekannt.“ Schließlich vereinigt sich die Mutmaßung der gesamten einschlägigen Bürokratie auf Homburg v. d. H. „Dort ist der Spruchsenat. Dort müssen die Akten liegen!“

Aber es ergibt sich zu allgemeiner Betroffenheit, daß weder in Homburg noch sonstwo ein Spruchsenat ist. Mindestens zur Zeit noch nicht. Aber alle von den Soforthilfe-Aemtern nicht zu erledigenden Akten der Bundesrepublik wandern, stur und einem mystischen Gesetz gehorchend, dorthin. Dort erfüllen sie ihre Zweckbestimmung, die im Liegenbleiben besteht.

„Da soll denn doch ... !“ Der friedliche Bürger fühlt zornige Wallungen. Soviel er auch gewohnt ist: hier geht ihm etwas über sein Begriffsvermögen. Er mutmaßt, es müsse ein Fehler im System sein.

Westunion tagt in Paris

London, 17. Juli (AP). Die Verteidigungsminister der fünf Partner der Westunion werden am Donnerstag zu einer Konferenz in Fontainebleau bei Paris Zusammentreffen. Die Bekanntmachung über die Sitzung ist überraschend gekommen. Es soll sich jedoch, wie zein Sprecher des britischen Außenministeriums am Montag erklärte, nur um eine „Routine“-Konferenz handeln.

Man nimmt an, daß die europäischen Verteidigungspläne im Licht der westlichen Verpflichtungen im Fernen Osten besprochen werden. Eine Konferenz von eigens ernannten Delegierten der zwölf Atlantikpaktsiaaten wird einige Tage später in London folgen. Auf dieser zweiten Konferenz wird die Beschleunigung der Rüstungen der Westmächte und ein Schlüsselplan für die westliche Verteidigung besprochen werden.

Kicherheit durch den Atlantikpakt

Kirkpatrick in Berlin über deutsche Fragen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 17. Juli. Der britische Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick wird Berlin am Dienstagfrüh nach einem dreitägigen Besuch wieder verlassen. Empfänge, offizielle Besuche und informierende Gespräche mit maßgeblichen Politikern und Wirtschaftlern über die besondere Situation der Stadt Berlin haben diesen ersten Besuch nach dem Amtsantritt des Oberkommissars ausgefüllt. Kirkpatrick, der die Jahre zwischen 1933 und 1938 als Sekretär und späterer Geschäftsführer der britischen Botschaft in der Berliner Wilhelmstraße miterlebt hatte, versicherte, es werde alles getan werden, um Berlin weiter zu helfen.

Auf seinem Berliner Wohnsitz empfing der britische Oberkommissar am Sonntagabend den Berliner Oberbürgermeister Pro-

fessor Reuter, den Bundesbevollmächtigten in Berlin,. Dr. Vockel, sowie Persönlichkeiten der Berliner Verwaltung. Am Montagvormittag stattete der britische Oberkommissar dem Berliner Magistrat im Rathaus Schöneberg einen offiziellen Besuch ab und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

Auf einer Pressekonferenz erklärte Kirkpatrick, die politische Lage habe sich nicht verändert, seitdem er sein Amt angetreten habe. Auf die Frage, was er von der Sicherheit Deutschlands halte und von den Schritten der Bundesregierung in dieser Frage bei der Oberkommission, sagte Sir Ivone, die Sicherheit Deutschlands hänge vom Funktionieren des Atlantikpaktes ab. Eine etwaige Wiederaufrüstung Deutschlands sei vor allem eine militärische Frage.

Schauprozesse in der Sowjetzone

Hohe Zuchthausstrafen wegen Wirtschaftssabotage

Berlin. 17. Juli (dpa). — In dem Wirtschaftsprozeß gegen zehn der Wirtschaftssabotage angeklagte leitende Persönlichkeiten der mecklenburgischen landwirtschaftlichen Genossenschaften verhängte die Große Strafkammer des Landgerichts Güstrow hohe Zuchthaus- und Gefängnisstrafen. Im einzelnen erhielten der Direktor der landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft Raiffeisen, Leo, zwölf Jahre Zuchthaus, der Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbandes Mecklenburg, Lehmitz, fünfzehn Jahre Zuchthaus, Raiffeisen-Direktor Moeke ebenfalls fünfzehn Jahre Zuchthaus. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von acht bis zwei Jahren.

In einem kleineren Genossenschaftsprozeß in Greifswald, der parallel zu dem Schauprozeß in Güstrow verlief, sind drei Raiffeisen-Direktoren zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt worden, weil sie „Schiebergeschäfte mit West-Berlin“ getätigt haben sollen.

Am Montag wurde in Magdeburg ein neuer Schauprozeß gegen acht ehemalige Direktoren und leitende Angestellte des Saatzuchtbetriebes Klein-Wanzleben bei Magdeburg eröffnet. Die Angeklagten werden beschuldigt, Aktien des enteigneten Betriebes im Werte von 22 Milhonen Ostmark und große Mengen Saatgut den früheren Besitzerin Rabethge und Giesecke „in die Hände gespielt“ zu haben.

Kriegsgefahr auf dem Balkan?

Jugoslawien verlangt Prüfung

Belgrad, 17. Juli, (dpa) Der jugoslawische Ausschuß zur Verteidigung des Friedens hat am Montag beschlossen, die Friedensbewegung in der ganzen Welt zur Entsendung von Delegierten nach Jugoslawien einzuladen, um zu prüfen, ob auf jugoslawischem Gebiet militärische Stützpunkte ausländischer Großmächte bestehen und ob in Jugoslawien Angriffsvorbereitungen gegen die Nachbarländer im Gange sind.

Exportgut bleibt liegen

Ein Teilstreik im Hamburger Hafen

el. Hamburg, 17. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die Hamburger Hafenarbeiter haben den Beschluß der internationalen Transportarbeiter-Föderation in London, alle argentinischen Schiffe so lange zu bestreiken, bis die in Buenos Aires und anderen Städten verhafteten argentinischen Gewerkschaftsfunktionäre wieder auf freien Fuß gesetzt werden, Folge geleistet. Der 5300 Brutto-Register-Tonnen große Dampfer „Rio Gualegay“, der aus Hamburg wertvolles Exportgut mit in die Heimat mitnehmen sollte, mußte den Hamburger Hafen aus eigener Kraft anlaufen, da ihm die Schlepperhilfe verweigert wurde. Dag schwierige Einlaufmanöver scheint aber vergeblich gewesen zu sein, da die für Montagmorgen angesetzten Verladearbeiten auf Weisung der Gewerkschaften nicht begonnen haben. Die Arbeiter verließen den Kai, ohne eine Hand gerührt zu haben.

Wirtschaftskreise weisen darauf hin, daß es sich Deutschland nicht leisten könne, aus politischen Gründen seinen Export zu verhindern. Da die Handelsbeziehungen zwischen der Bundsrepublik und Argentinien ernsthaft gefährdet werden können, hat der Zentralverband deutsche Seehafen-Betriebsverbände Verhandlungen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund eingeleitet, zu denen auch der Schlichter des Hamburger Senats hinzugezogen werden soll.

Stimmen der Anderen

Eine harte Lehre

Francois Mauriac schreibt im „Figaro“;

„,Eine Demokratie ist nie bereit für einen Krieg oder für eine Krise', hat der ehemalige Oberkommandierende der amerikanischen Flotte, General Nimitz, gesagt. Ein Angreifer kann schnell handeln und Anfangserfolge erzielen. Wenn aber eine Demokratie anfängt, sich in Bewegung zu setzen, so wird sie ihn am Ende stets besiegen.' \

Wie man die Sache auch ansieht, sehr beruhigend sind Erklärungen dieser Art nicht, vor allem deshalb nicht, weil sie wie alle solche Beteuerungen der Wirklichkeit nicht entsprechen. Es stimmt zum Beispiel nicht, daß es die Demokratien heute mit einem rasch handelnden Angreifer zu tun hätten. Sowjetrußland zeigt im- Cjegenteil durchaus keine Eile. Es läßt sich Zeit, einige Wochen vielleicht oder einige Monate, mehrere Jahre, dann tut es einen Zug auf dem Schachbrett, und dann beobachtet es die Wirkung beim Gegner, die es zweifellos — wie wir wenigstens annehmen — genau voraussieht. Wir kennen die Absichten von Sowjecrußland nicht; aber jeder einigermaßen Vernunftbegabte erkennt nach einem Blick auf die Weltkarte alle Spielmöglichkeiten für Rußland.

Unsere amerikanischen Freunde, auf denen die schwerste Verantwortung lastet, die je ein Volk vor der Geschichte getragen hat, denken sicher — und mit welcher Bitterkeit —, daß es noch nicht sechs Jahre her sind, daß sie neben ihrer heutigen potentiellen auch eine erdrückende tatsächliche Uebermacht besaßen. Ihre Eile, die Waffen niederzulegen, war das noble Tun eines freien Volkes, dessen Armee aus Bürgern besteht; so gebieterisch drängte sie sich auf, daß sie sogar vor dem Reich an ihrer Seite ihre Augen schließen mußten, und auch dieses gleichzeitig marxistische und totalitäre Reich gehorchte einem zwiefachen, unwiderstehlichen Instinkt: die Welt zu ändern um jeden Preis und seine Stärke zu erhöhen mit allein, was sein Partner in seiner törichten Vertrauensseligkeit von sich warf.

In einer harten Lektion lernen die Vereinigten Staaten heute, daß ein großes Volk auch in der Lage sein sollte, seine Politik zu verteidigen, besonders wenn seine Politik einer großen Berufung gleichkommt, und wenn es um die Freiheit der Welt geht. Ist diese Waffe einmal geschmiedet, so darf es sie auch in den Tagen des wiedergekehrten Friedens nicht stumpf werden lassen, denn der Frieden ist kein Frieden, solange es unter den Nationen noch ein einziges totalitäres Land gibt: Ein reißendes Tier macht die Welt zur Wildnis.

Wenn das amerikanische Volk die menschliche Freiheit retten will, dann muß es seine ganze Weltanschauung überprüfen. Ein Volk kann nicht gleichzeitig das glücklichste und das mächtigste der Welt sein. Staatliche Macht oder Glück des Menschen — das sowjetische Rußland hat gewählt.“

England führt Waffen aus

Die Londoner Zeitung „Daily Mail“ wendet sich dagegen, daß die britische Regierung Waffen exportiert, die für die Verteidigung Großbritanniens selbst gebraucht werden. Das Blatt erwähnt besonders den Export von hundert Düsenjägern nach Argentinien.

„Wir möchten Herrn Shinwell gern fragen, wieviele Divisionen für die Verteidigung Großbritanniens zur Verfügung stehen und wieviele in Deutschland stehen und über den Mittleren Osten und weitere Außenstellungen des Empires verteilt sind. Welche Stärke^ haben unsere Panzerstreitkräfte? Wieviele Geschwader der RAF sind sofort einsatzbereit und wieweit sind die Reserveluftstreitkräfte mit Düsenjägern ausgerüstet? Und wie steht es um unsere Kriegsmarine? Nach den uns vorliegenden Informationen ist keineswegs alles in Ordnung.“

Ein Mythos

Die Züricher Zeitung „Die Tat“ schreibt:

„Giuliano lebt noch. So geht es von Mund zu Mund in Italien. Natürlich lebt er! Das war nur ein abgefeimtes Spiel des Polizeiobersten Luca, der General werden wollte. Giuliano soll tot sein? Warum hat man denn keine Bilder vom toten Giuliano veröffentlicht? Also: er lebt noch.

So ist es in Italien und anderswo auch: Wenn einmal ein Mann, aus dem man einen Mythos gemacht hat, stirbt, so weigert sich das Volk, an seinen Tod zu glauben. Nur so lange er lebt, pflegt man angstvoll zu fragen; ist er wohl schon tot, ist es nicht eine Attrappe, die sich in der Oeffentlichkeit zeigt oder am Radio spricht?

Man kennt noch die rohe Art, in welcher die Partisanen den toten Mussolini öffentlich ausgestellt haben, um jeder Legendenbildung zuvorzukommen. Giuliano läßt sich also, vor allem in dieser Hinsicht, lediglich mit Hitler vergleichen. Von diesem hieß es auch immer, er seit tot, solange er noch lebte, und er lebe noch, als er bereits tot war. Und das gleiche scheint sich jetzt bei Stalin wiederholen zu wollen Das scheint also der Mythos des 20. Jahrhunderts zu sein.“

Einen Aal für Wohleb

Freiburg, 17. Juli, (dpa) Der Vorsitzende des Vereins der Badener von Hamburg und Umgebung, Direktor Schwörer, hat am Montag an der Spitze einer Delegation im Freiburger Rathaus für den badischen Staatspräsidenten Wohleb einen geräucherten Aal überreicht. Der Aal war von folgendem Text begleitet: „Als Staatsmann stets ein Aal zu sein, bringt manchmal goldene Lorbeeren ein. Doch Deine Feinde dürfen Dich nicht fassen und Dich wie diesen räuchern lassen.“ Landtagspräsident Dr. Person, der das Geschenk entgegennahm, versprach, den Aal dem Staatspräsidenten mit den nötigen Grüßen auszuhändigen

Hessen regelt Brotpreis

Vereinbarungen zwischen Regierung und Erzeugern

HGR. Wiesbaden, 17. Juli. (Eigener Bericht.) In etwa acht Tagen wird in Hessen ein neues Roggenmischbrot zum Preise von 49 Pfennig pro Kilo gebacken werden. Es stellt einen anderen Typ des seither gebräuchlichen Mischbrotes dar und ist etwas dunkler als dieses.

In Kurhessen, das meist Roggenbrot verlangt, wird der Preis für das neue Roggenbrot von 42 auf 43 Pfennig pro Kilo erhöht. Bei den übrigen Brotsorten wird sich eine Preiserhöhung von vier bis sechs Pfennig pro Kilo ergeben.

Diese Regelung wurde in vorläufigen Abmachungen zwischen dem Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, und den Vertretern der Mühlen, des Mehlhandels und des Backgewerbes erzielt. Das Backgewerbe hat sich bereit erklärt, auf einen Teil seiner Handelsspanne zu verzichten.

Minister Wagner erklärte, daß angesichts der Erschöpfung der hessischen Mehlvorräte zu dieser Regelung gegriffen werden mußte. Man habe eine endgültige Entscheidung der Bundesregierung nicht abwarten können, um in jedem Falle eine Störung der Brotversorgung zu vermeiden.

Kubnentionen oder zurůcktreten'

Ollenhauer gegen Schäffer und Erhard

Bonn, 17. Juli, (dpa) Der stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Ollenhauer, hat sich am Montag in scharfer Weise mit den Aeußerungen einiger Bundesminister zu dem Brotpreisbeschluß des Bundestages auseinandergesetzt. Ollenhauer beteog sich auf die Berichte, nach denen Finanzminister Schäffer den Bundestagsbeschluß — die Subventionen beizubehalten — „idiotisch“ genannt und Wirtschaftsminister Professor Erhard von „Hysterikern als Wirtschaftspolitikern“ gesprochen hat. Er wiederholte, daß die Herren zurücktreten sollten, wenn sie die Ausführung dieses Beschlusses nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren könnten.

Appell zur Preisdisziplin

HRG. Wiesbaden. 17. Juli (Eig. Bericht.) In einem Appell an Wirtschaft und Handel« richtet der Minister für Arbeit. Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, an die Kreise des Handels und der Wirtschaft die Bitte, in ihren eigenen Reihen Ordnung zu schaffen und gegen jede Störung des Wirtschaftsfriedens sich zur Wehr zu setzen. Die Einstellung der Subventionszahlungen für Getreide, die Verhandlungen über die Wiedererhebung der Ausgleichsabgabe für Margarinerohstoffe und die infolge der außenpolitischen Entwicklung eingetretene vorübergehende Beunruhigung der Bevölkerung sei verschiedentlich zum Anlaß genommen worden, die Preise für Nährmittel und Fette, zum Teil auch für andere Lebensmittel über Gebühr zu erhöhen. Es könne nicht hingenommen werden, die bisher erzielten Erfolge durch hemmungslose Profitgier einzelner in Frage stellen.

Das Kupfer-Schieferwerk Sontra

Dr, Hilpert zu der Anfrage über die Bundeshilfe

AZ. Wiesbaden, 17. Juli. (Eigener Bericht.) Finanzminister Dr. Hilpert nahm am Montag Stellung zu der von den Sozialdemokraten im Bundestag eingebrachten Interpellation wegen einer Hilfeleistung der Bundesregierung für das notleidende Kupferschieferwerk in Sontra. Der Minister betonte, Hessen habe nach den Bestimmungen des Militärregierungsgesetzes Nr. 19 im Falle Sontra die Nachfolge des Deutschen Reiches angetreten und bisher auch allein die Mittel für den Wiederaufbau des Bergwerkes in Sbntra ausgeworfen.

Der Bergwerksbetrieb Sontra habe in den Jahren 1933 bis 1945 rund 50 Millionen Mark an Zuschüssen verschluckt. Nach 1945 seien zwei Schächte infolge Wassereinbruchs betriebsunfähig geworden, zwei Hüttenöfen seien demontiert. Um das Kupferschieferwerk wieder in Betrieb zu nehmen, habe Hessen bis zum März 1949 aus Etatmitteln rund 1,7 Millionen D-Mark zur Verfügung gestellt. Auch im Haushaltsjahr 1950 seien weitere 2,5 Millionen verplant, von denen 700 000 D-Mark bereits ausgeworfen worden seien. Gegenwärtig seien in dem Bergwerk rund 700 Arbeiter beschäftigt; da bis Herbst dieses Jahres mit der Einrichtung eines zweiten Hochofens zu rechnen sei, könnten etwa 200 weitere Bergleute eingestellt werden. Nach dem Auslaufen der Subventionen sei die Rentabilität des Bergwerks Sontra als gesichert anzusprechen, vorausgesetzt, daß der Weltmarktpreis für Kupfer seinen derzeitigen Stand nicht verändert.

In der Bundestagsdebatte war zum Ausdruck gekommen, daß dieses Gebiet eine Arbeitslosigkeit von 42 Prozent aufweise und daß in den Bergarbeitersiedlungen mit 69 Prozent der höchste Stand der Erwerbslosigkeit Westdeutschlands herrsche. Das Kupjerschieferbergwenk Sontra ist der einzige Betrieb dieser Art Westeuropas. Bis zum Kriegsende fanden hier rund 2500 Personen Arbeit. Der hessische sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Arndt erinnerte in seiner Begründung für die Subventionen an die politische Gefahr, die dem nur sechs Kilometer von der Zonengrenze entfernten Werk drohe. Es seien etwa 900 000 D-Mark erforderlich, um die notwendigsten Arbeiten wieder aufnehmen zu können.

Am runden Tisch

Um das Landeswahlgesetz

Kassel, 17. Juli, (dpa) Der erste Vorsitzende der „Unabhängigen Deutschen Gemeinschaft“, Rechtsanwalt Dr. Günther Draub, hat den hessischen Innenminister Heinrich Zinnkann aufgefordert, Vertreter der im Landtag vertretenen Parteien und aller übrigen Parteien und politischen Gruppen zu einer Konferenz am „Runden Tisch“ zusammenzurufen. In dieser Konferenz soll der Entwurf des beabsichtigten Landtagswahlgesetzes erörtert werden.

Dr. Draub erklärte dazu, eine solche Konferenz könne zu einer Entgiftung des politischen Lebens in Hessen führen. Das vorgeschlagene Verfahren wäre geeignet, die unheilvollen Folgen zu beseitigen oder zu mildern, die aus der bisherigen „Heimlichtuerei“ der Hessischen Regierung in der Frage der Wahlrechtsreform entstanden seien.

Die Wahlen in Waldeck

erneut vor dem Verwaltungsgericht

Kassel, 17. Juli (dpa). Das Verwaltungsgericht in Kassel wird am Dienstag erneut die seit über zwei Jahren offene Frage der Gültigkeit der Waldecker Kreistagswahlen behandeln, die bereits durch die Instanzen des Verwaltungsgerichts. Verwaltungsgerichtshofs und des Hessischen Staatsgerichtshofs gelaufen ist. Offen blieb bei all den seitherigen Entscheidungen, ob der vor den Neuwahlen im März 1949 eingereichte Vorschlag der Bürger- und Bauernliste zu Recht wegen 142 nicht eigenhändig vollzogener Unterschriften abgelehnt wurde. Wenn das Kasseler Verwaltungsgericht am Dienstag entscheidet, daß auch die nicht persönlich auf dem Wahlvorscl^lag geleisteten 142 Unterschriften ordnungsgemäß sind, müssen die Wahlen zu dem seit über zwei Jahren unklaren Kreistag ein drittes Mal stattfinden.

Leuchtgens abgewiesen

E. Wiesbaden, 17. Juli. (Eigener Bericht.) Nach mehrwöchiger Verhandlung hat das Landgericht Wiesbaden am Montag die Klage des Gründers der Nationaldemokratischen Partei und jetzigen Landesvorsitzenden der Deutschen Reichspartei (DRP/ NDP), Dr. Heinrich Leuchtgens, gegen den ersten Vorsitzenden der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NDP/NRP), Karlheinz Priester, auf Unterlassung der Führung der Parteibezeichnung Nationaldemokratische Partei abgewiesen.

In der Urteilsbegründung heißt es, daß Dr. Leuchtgens inzwischen die Parteibezeichnung Deutsche Reichspartei vorangestellt und sich damit des ursprünglichen Namens selbst begeben habe. Infolgedessen sei mit einer Verwechslung der beiden Parteien des Dr. Leuchtgens und des Karlheinz Priester nicht mehr zu rechnen. Gegen dieses Urteil, das sich auf die Beklagten Priester und Kardesch, den Wiesbadener Kreisvorsitzenden der Nationaldemokratischen Partei, bezieht, will Dr. Leuchtgens Revision einlegen. Für den Monat August ist noch ein weiteres Urteil in der gleichen Angelegenheit zu erwarten.

EGrnente Demonstrattonen

Kommunisten vor McCloys Hauptquartier

Frankfurt, 17. Juli, (dpa) Etwa hundert Frankfurter Kommunisten, meist Frauen, versuchten am Montagnachmittag erneut, vor dem Hauptquartier des amerikanischen Oberkommissars in Frankfurt eine Protestdemonstration gegen den Korea-Konflikt abzuhalten. Sie wollten McCloy eine Entschließung überreichen und trugen Transparente mit Aufschriften wie „Freundschaft mit dem koreanischen Volk“ und „Wir sind gegen die, Atombombe“. Ein großes Polizeiaufgebot hinderte die Kommunisten etwa dreihundert Meter vor dem IG-Hochhaus daran, die Auffahrt zu McCloys Hauptquartier zu benutzen.

Bereits am Montag vergangener Woche hatten die Frankfurter Kommunisten zu einer Protestdemonstration aufgerufen, die jedoch später auf Anraten des Frankfurter Polizeipräsidenten abgesagt worden war.

„Erbauer einer neunen Zeit“

Storch über Kolpingsarbeit

Kassel, 17. Juli, (dpa.) Als eine der größten Aufgaben der katholischen Gesellenvereine bezeichnete Bundesarbeitsminister Anton Storch am Sonntag vor dem Vierten Hessischen Kolpingstag in Kassel die Abwehr der östlichen Einflüsse in Deutschland. Er betonte, daß die weltumspannende Kolpingsbewegung berufen sei, deutscher Handwerkskunst im Ausland wieder zum alten Ansehen zu verhelfen. „Mit dem jungen deutschen Handwerker, der zur Kolpingsfamilie gehört, kommt eine Kultur zur Kenntnis der anderen Völker, die einmal entscheidenden Einfluß auf die östlichen Staaten gehabt hat. Bei uns müssen wieder Gesellenhäuser aus der Erde wachsen, damit die Kolpingsfamilie wieder ihre große kulturelle Aufgabe erfüllen kann. Menschen, die die christliche Kultur in die Welt tragen, sind die Erbauer einer neuen Zeit.“

Schwerer Giunbruch

Frankfurt, 17. Juli, (dpa.) Schmuck im Werte von 30 000 DM entwendeten unbekannte Täter am Montag während der Abwesenheit des Wohnungsinhabers aus einer Frankfurter Wohnung in der Ulmenstraße. Die Diebe nahmen einen Schlüsselbund an sich, an dem sich die Schlüssel für die Büroräume des Wohnungsinhabers in der Karlstraße befanden. Dort drangen die Einbrecher anschließend ein und entwendeten aus dem Kassenschrank 10 000 D-Mark Bargeld.

Auf der Hessischen Schuhmacherausstel¬ lung in Kassel wurde die Fachschule Frankfurt mit dem ersten Ausstellungspreis, dem hessischen Staatspreis, ausgezeichnet. Den zweiten Platz und damit den Preis des Obermeisters der Stadt Kassel errang die Meisterschule Göttingen. Mit dem Ehrenpreis des Hessischen Handwerks wurde der Stand des Schuhmachermeisters Dittmeier aus Würzburg ausgezeichnet.

Stalin und Nehru derselben Anffassung?

Acheson hat die Antwort aus Moskau an Indien erhalten

Washington, 17. Juli. (AP./dpa/BBC) Der amerikanische Außenminister Acheson hat am Montag in Washington eine kurze Unterredung mit dem indischen Botschafter Frau Lakschmi Pandit gehabt. Diese übergab ihm eine Abschrift der Antwort Stalins auf die Vorschläge des indischen Ministerpräsidenten 'Pandit Nehru. Stalin soll die Vorschläge angeblich angenommen haben. Auch an England ist eine entsprechende Orientierung ergangen

Obwohl in Indien der Inhalt der Botschaft streng geheimgehalten wird, scheinen die Zeitungen in Neu-Delhi den Text dem Sinn nach genau zu kennen und auch über die Antwort Stalins informiert zu sein. Die indische Zeitung „Indian News Chronicle“ glaubt, daß Stalin geantwortet habe, er stimme ganz mit Pandit Nehru darüber überein, daß das Korea-Problem durch den Sicherheitsrat unter Teilnahme der großen Fünf einschließlich des Vertreters der chinesischen Volksrepublik gelöst werden müsse. Nach Stalins Auffassung — so will die Zeitung wissen — könne das Korea-Problem gelöst werden, wenn man Vertreter des koreanischen Volkes zu Worte kommen lasse.

In Neu-Delhi glaubt man optimistisch sein zu dürfen, weil Stalin als erster geantwortet hat, während Antwortnoten von Acheson und Attlee noch nicht eingegangen sind. Der amerikanische Außenminister hat am Montag die Schwester des indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru, Frau Lakschmi Pandit, die indischer Botschafter in den Vereinigten Staaten ist, zu einer Unterredung gebeten, die zehn Minuten gedauert hat.

Kelly bei Geomyko

Moskau, 17. Juli. (AP.) Der britische Botschafter in Moskau, Sir David Kelly, hat am Montagnachmittag den stellvertretenden sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko im sowjetischen Außenministerium aufgesucht.

Wie die britische Botschaft bekanntgab, erfolgte die Unterredung auf Ersuchen Gromykos.

Evangeline Looth

Die ehemalige Leiterin der Heilsarmee

Harsdale (Neuyork), 17. Juli, (dpa) Frau Evangeline Booth, die ehemalige Leiterin der Heilsarmee im Generalsrang, ist am

Montag im Alter von 84 Jahren in Harsdale im Staate Neuvork gestorben.

Frau Booth, deren Vater, General William Booth, die Heilsarmee gründete, wurde vor sechzehn Jahren zur Leiterin der Heilsarmee gewählt. Sie hat die Welt kreuz und quer bereist, um für die Sache der Heilsarmee zu wirken.

Grosßfahundung naech neun Kindern

Frankfurt, 17. Juli. (AP.) Polizeistreifen in sechs südwestdeutschen Staaten begannen am Montag eine gemeinsame Großsachaktion nach neun Kindern, die zum Teil seit Moftaten in Südwestdeutschland vermißt werden.

Die Fahndung erstreckt sich auf Fahrzeuge aller Art, Wartesäle, entlegene Bauernhöfe, Krankenhäuser, Massenunterkünfte und atogestellte Eisenbahnwagen. Verschiedene Zeitungen veröffentlichten Bilder der Vermißten und riefen die Bevölkerung auf, sich an der Fahndung zu beteiligen.

Hessische Hurznachrichten

Etwa dreißig aus der Kommunistischen Partei am 22. Juni ausgetretene ehemalige Funktionäre und Mitglieder dieser Partei in Offenbach haben sich in zwei Flugblättern an ihre ehemaligen Parteifreunde gewandt und ihnen die Frage gestellt: „Könnt Ihr in einer Kommunistischen Partei, die ein doppeltes Gesicht zeigt, noch für die sozialen Belange der Arbeiterschaft kämpfen?"

1150 wird das Wetterauer Dorf Rockenberg als Siedlung zum ersten Male urkundlich genannt. Mit einer Festwoche feiern Dorf und Kreis Friedberg das 800 jährige Bestehen. Der Sonntag brachte als Höhepunkt der Festwoche eine Feier, bei der Bürgermeister Weckler den hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock, Finanzminister Hilpert, Staatssekretär Bach, den Landrat des Kreises Friedberg, Dr. Krauss, und dem Resident-Officer Mr. Knoblauch begrüßte.

Ein mit 140 000 Eiern beladener holländischer Lastwagen stürzte in einer Straßenkurve bei Rennerod im Westerwald um. Fast die gesamte Ladung ergoß sich als „Rührei“ auf die Straße und über das erheblich beschädigte Fahrzeug.

In der Hütte der Reichswerke in Watenstedt-Salzgitter ist am Montag mit den Vorbereitunge . zum Abbau von Teilen des Walzw rkgebäudes begonnen worden.

Ueberwiegend heiter

Eigener Wetterbericht

Das Tief im Raum der Britischen Inseln entfernt sich nordwärts. Eine neue Störung kommt vom Westen heran Druckanstieg über dem Festland führt aber zunächst zum Aufbau eines neuer Zwischenhochs.

Aussichten: Uebergang zu überwiegend heiterem Wetter. Wieder wärmer. In Rheinhessen und in der Pfalz Höchstwerte wieder über 25 Grad.

Der Rundkfunk am Dienstag

Radio Frankfurt: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Zwei klassische Instrumentalkonzerte; 17.15 Musikalische Ansichtskarten; 18.00 Sendung für die Frau; 18.30 Leichte Kost; 20.00 Ein Tanzpotpourri; 21.05 Klingende Kleinigkeiten; 21.30 Ping-Pong; 22.15 Das Abendstudio.

Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.00 Schulfunk; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Frauenfunk; 17.15 Ludwig van Beethoven; 20.00 Aus der Welt der Oper; 22.00 Die Rundfunktanzkapelle; 22.45 Sie sind uns ein lieber Gast; 23.15 Bei zärtlicher Musik.

Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Sinfoniekonzert; 16.30 Sang und Klang im Volkston: 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abeudmusik; 20.00 Operettenkonzert; 20.45 Hörspiel: „Der silberne Pfeil“; 22.30 Wege zur neuen Musik; 23.25 Jazz 1950.

NWDR.: 12.00 Operettenmelodien; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Georg Häntzschel spielt eigene Kompositionen; 14.30 Unterhaltungs- und Tanzmusik; 15.00 Sommer — Sonne — Sonnenbrand; 15.40 Bekannt und beliebt; 16.50 Georg Friedrich Händel; 17.05 Kammermusik; 18.00 Und jetzt ist Feierabend; 20.00 Wie es Euch gefällt; 22.45 Tanzmusik; 0.05 Berlin am Mikrofon.

Geheimnisse des Lebens - sichtbar gemacht

DIE TECHNISCHE HOCHSCHULE BESITZT EIN ELEKTRONEN-MIKROSKOP

Als der holländische Naturforscher Antony van Leeuwenhoek etwa im Jahre 1700 mit seinem selbstgebauten Mikroskop als erster Mensch die roten Blutkörperchen in einem Bluttropfen entdeckte, da ahnte niemand, welche ungeheure Entwicklung der forschenden Naturwissenschaft auf dem Gebiet des Mikrokosmos noch bevorstand. Von seinem primitiven Gerät bis zur Herstellung unserer modernen Lichtmikroskope war ein weiter Weg, aber es war auch ein Weg, der entwicklungsmäßig in eine Sackgasse mündete.

Heute sind wir im Besitz neuester Forschungsmikroskope, die mit Hilfe der Oelimmersion eine über achtzehnhundertfache Vergrößerung des Objektes ermöglichen. Mit der fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnis über den Bau der Materie zeigte sich jedoch die Begrenzung seiner Leistungsfähigkeit: Mehr als eine zweitausendfache Vergrößerung wind mit dem Lichtmikroskop nicht zu erzielen sein, da die Lichtwellen zu groß sind, um unfaßbar kleine Lebewesen und Bauteilchen der Materie sichtbar zu machen. Da kamen Wissenschaftler auf die Idee, die viel ferneren Elektronenstrahlen zu verwenden, die durch ein magnetisches Feld gebündelt und so auf kleinste Gegenstände ausgerichtet werden können. Läßt man sie sich wieder ausbreiten, dann kann man das ElektronenMchtbild auf einem Leuehtschirm auffangen, beobachten und sogar fotografieren.

Etwa 250 Elektronenmikroskope mag es heute in den Laboratorien der Welt geben, davon allein über 200 in Amerika. In Deutschland mögen es v:el'e;cht 20 sein, von denen ein Teil allerdings nicht in Betrieb ist. Seit November vergangenen Jahres steht auch im Zintl-Institut der Darmstädter Technischen Hochschule ein derartiges Wunderwerk der Technik. Durch großzügige Unterstützung des hessischen Staates konnte das kostbare Gerät im Werte von 100 000 DM angeschafft werden.

Das Schema des Mikroskopes ist eine aufrechtstehende Röhre: im Oberteil werden durch einen Wolframfaden als Lichtquelle, der unter einer Spannung von 50 000 Volt steht, Elektronen ausgestoßen, die durch mehrere Schleusen und magnetische Kraftfelder auf das zu untersuchende Objekt treffen. An Stelle der beim Lichtmikroskop üblichen Glaslinsen treten hier magnetische Felder oder Spulen, da sich Elektronensfrahlen beim Durchgang durch Glaskörper nicht bündeln lassen. Auf den Lichtschirm fällt dann das Bild des Objektes in 1500 facher, 5000 facher oder 15 OOOfacher Vergrößerung. Mit Hilfe des üblichen lichtoptischen Mikroskopes lassen sich diese Bilder weiter auf das 20fache vergrößern, so daß am Ende eine Vergrößerung von 1:300 000 möglich ist, d. h. eine Amöbe von 1 mm Länge würde zu einem Riesen von 300 m anwachsen.

Heute kann man mit dem Elektronenmikroskop bis zu einer halben Million vergrößern, und damit dürfte auch für dieses Gerät die äußerste Grenze erreicht sein. In Amerika sind bereits Versuche im Gange, die Röntgenstrahlen in den Dienst der Mikroskopie zu stellen. Wenn es gelingen sollte, so wird der Tag nicht mehr fern sein, wo wir an der Grenze des Sichtbaren überhaupt anlangen werden.

Normalerweise werden mit dem Elektronenmikroskop die Struktur chemischer Elemente o-der winziger Leu een untersucht, die im gewöhnlichen Lichtmikreskop nicht sichtbar werden. So groß der Apparat Ist, so unendlich klein ist der Objektträger: der das zu untersuchende Material aufnimmt: Ein Metallplättchen vom Durchmesser der Krone einer Armbanduhr hat in der Mitte ein feines Loch, das man nur sieht wenn man es gegen das Licht hält. DaS Plättchen wird mit einem Film von einem tausendstel mm Stärke überzogen und dann mit dem Präparat bedeckt. Es kommt in einen Metallzylinder, wird in eine Kammer seitlich des Instruments eingeführt, und wenn der Raum durch Vakuumpumpen luftleer gemacht ist. kann das eigentliche Arbeiten beginnen. Wie bei jedem normalen Lichtmikroskop kann man Dunkelfeldaufnahmen anfertigen, bet denen das Objekt sich leuchtend von einem schwarzen Hintergrund abhebt. Selbst Stereoaufnahmen sind möglich. Dabei wird aus zwei Winkeln jeweils eine Aufnahme gemacht und im Stereomikroskop erscheint dann ein plastisches Bild. Eine andere Methode setzt das Objekt von einer Seite Metalldämpfen aus, so daß die Gegenstände in der Vergrößerung Schatten werfen, wobei man die Dicke eines Objektes messen kann.

Das Gerät des Zintl-Instituts gr' ört dar Interessengemeinschaft der Elektronenmikroskopie. In der Hauptsache werden chemische Forschungsarbeiten damit durchgeführ'-, -aber es ist auch jederzeit Gelegenheit gegeben, für die Industrie, für medizinische oder andere wissenschaftliche Institute Fors-chungsaufträge auszuführen.

Das Elektronenmikroskop, das von der Firma AEG-Zeiss geliefert wurde, wird mit daziu beitragen, den ungelösten Geheimnissen des Lebens auf die Spur zu kommen, den Namen deutscher Forschungsarbeit und deutschen Erfinderfleißes weit In die Welt hinauszutragen, und nicht zuletzt Darmstadts Ruf als einer Stätte ernster Forschung auszudehnen und zu festigen. HFL.

Die Schönheitskonkurenz

von Peter Thomasius

Neulich juckte auch die Hühner das Fell. Und so beschlossen sie, herausgefordert durch die vielen Berichte in den Menschenzeitungen, unter einander eine Schönheitskonkurrenz abzuhalten und eine Schönheitskönigin zu wählen. Sie entschieden sich für einen Wettbewerb nach dem K. 0.-System. Jedes Huhn, das sich berufen fühlte, konnte sich beteiligen.

Die organisatorischen Vorbereitungen waren rasch abgeschlossen. Man wählte bekannte Hähne zu Managern und Leitern der Auslesekomitees. Die ersten dörflichen Konkurrenzen liefen schnell an.

Dabei stellte sich nach kurzer Zeit heraus, daß' in bestimmten Gegenden Deutschlands Hühner von außergewöhnlicher Schönheit gediehen, worauf man ohne die Schönheitskonkurrenz natürlich niemals gekommen wäre. So hatten denn auch die Wissenschaftler und Forscher mit einem Schlage ein neues, recht dankbares, Arbeitsgebiet. Und hier ist die Arbeit des gelehrten Hahnes Sorombo besonders erwähnenswert, die sich betitelti^.Von der Einwirkung des Seelenlebens auf Federfarbe und Schnabelstellung bei Hühnern“. Der Artikel erregte beträchtliches Aufsehen in der gesamten Hühnerwelt und viele Hühner sollen diese Erkenntnis beherzigt und sich durch Herauskehrung ihres Seelenlebens bis weit in die vordersten Runden gespielt haben.

Nun. Bei den ersten Konkurrenzen fielen die beiden Hühner Jerlnde und Jelinde durch ihre märchenhafte Schönheit besonders auf und es konnte kaum ein Zweifel bestehen, daß sie bei der letzten Entscheidung das ernsteste Wort zu reden hätten. Nicht nur, daß ihr Federwerk alle Anforderungen übertraf, auch die Augen hatten den von dem berühmt gewordenen Hahn Sorombo geforderten seelischen Tiefgang — von den vollendeten Maßen an allen nur möglichen Köperbaulichkeiten ganz zu schweigen.

Jerinde oder Jelinde, eine von ihnen würde also mit ziemlicher Sicherheit die zukünftige Schönheitskönigin sein, zumal sie sich inzwischen obendrein noch dadurch eine ganz außerordentliche Gangart zugelegt hatten, da sie wochenlang von früh bis spät ein Ei auf dem Kopfe trugen.

So kam der Tag heran, da die Schönheitskönigin vor aller Hühnerwelt gewählt werden sollte. Zwar waren sich alle Experten darüber einig, daß es wie gesagt nur ein Duell zwischen Jerinde und Jelinde werden würde, aber immerhin man mußte die Prozedur durchführen, um gerecht zu bleiben. Sorombo äußerte einem Reporter gegenüber, möglicherweise gebe der gerade herrschende Sonnenschein Jerinde einen kleinen Vorsprung, da Jerinde bei solchem Wetter bisher besonders gute Messungsergebnisse gehabt habe.

Indessen kam es zu alledem nicht. Jerinde und Jelinde, die so aussichtsreichen Kandidatinnen, waren im letzten Augenblick mit Gewalt am Erscheinen verhindert worden.

Ihr Herr und Gebieter hatte sie im Zorn geschlachtet, weil sie in den letzten Wochen vor lauter, lauter Schönheit — keine Eier mehr legten.

Kölner spielten das Schicksal ihrer Stadt. Mit dem großen Festspiel der Bürger „Mer sin noch do“ erreichte Kölns 1900-Jahr-Feier noch einmal einen Höhepunkt. Ueber fünfhundert Männer und Frauen spielten zu Füßen des zerstörten alten Rathausturmes auf dem Alten Markt das Schicksal ihrer Stadt. Ruinen im Hintergrund bildeten die Kulisse. In bunten Szenen wurde von Freud und Leid berichtet, das Colonia seit der Verkündung der Stadtrechte die Jahrhunderte hindurch begleitet hat. Der Ruf „Kölle alaaf“ nach der Freiheitsschlacht von Worringen wurde tausendfältig aufgenommen. Zum Schluß ertönte jäh Sirenengeheul, die Bühnenlichter wurden zu Flakscheinwerfern, die den Himmel absuchten, und aus den Kellern hallten Schreie. Dann kroch es von allen Seiten hervor, und zerlumptes Volk streckte die Hände gegen den Nachthimmel: „Wo es uns Kölle?“ Aber die Lumpen fielen wieder zur Erde, und das Licht kehrte zur Bühne zurück. Spieler und Zuschauer sangen die Festhymne, das Trutzlied der unbeugsamen Kölner.

Der allgemeine musikwissenschaftliche Kongreß der Gesellschaft für Musikforschung wurde am Sonntag von Professor Dr. Friedrich Blume (Kiel) im Fürstensaal des historischen Lüneburger Rathauses eröffnet. Der Kongreß, der das erste internationale musikwissenschaftliche Treffen seit 25 Jahren in Deutschland ist. steht im Zeichen des Gedenkens an Johann Sebastian Bach, dessen Todestag sich am 28. Juli zum 200. Male jährt. An dem Kongreß nehmen rund zweihundert Musikwissenschaftler sowie etwa hundert Musikstudenten von fast allen deutschen Universitäten teil. In sechs Sektionen werden über siebzig Referate über alte und neue Musikgeschichte, musikalische Volks- und Völkerkunde, vergleichende Musikforschung. Aesthetik und Psychologie, Theorie. Pädagogik, Soziologie, Akustik" und Instrumentenkunde gehalten. Außerdem finden in der kommenden Woche sechs bedeutende musikalische Veranstaltungen statt, darunter ein Konzert der Kammervereinigung „Pro Musica“ (Brüssel).

Feuilleton

Internationales Musikfest in Brüssel

Von Dr. Wolfgang Steinecke

(Fortsetzung und Schluß)

Neue Kraftfelder

Wir sprachen zu Anfang von der Entdekkung „neuer Kraftfelder“, die der Entwicklung der Neuen Musik immer wieder revolutionäre Antriebe zuführen. Denn man darf sich durch die mehr personalistische Entwicklung im Schaffen der großen „Klassischen“ Meister der Neuen Musik, durch die Tendenzen der „Rückkehr“, des „Ausgleichs“ im Spätwerk Bartöks, Strawinskys, Hindemiths, Honeggers usw., nicht dazu verleiten lassen, die gesamte Entwicklung der „Neuen Musik“ gewissermaßen als „historisch abgeschlossen“ und nur noch vom Blickpunkt der Evolution aus zu sehen. Die einfache Existenz eines Werkes wie der Zweiten Kantate opus 31 von Anton Weber widerlegt eine solche Betrachtungsweise. Denn hier ist nicht etwa Ende, Auflösung, letzte Ueberspitzung oder wie die platten stilkritischen Etiketten sonst noch heißen mögen, die voreilige Historiker der Neuen Musik für Weberns Schaffen parat haben, sondern hier sind ganz entscheidende neue Anfänge, nicht nur im Hinblick auf eine neue Lösung des Formproblemes auf der Basis der Zwölftonmusik und Reihentechnik, sondern auch ganz allgemein im Hinblick auf eine Verwesentlichung und Verdichtung der musikalischen Sprache, auf eine neue Konstituierung der Substanz, des tönenden Materials. Insofern war es wohl eines der wichtigsten Ereignisse des Brüsseler Musikfestes, daß die Existenz dieses künstlerischen Testaments von Anton Webern (es ist das letzte Werk, das er vor seinem tragischen Ende 1945 vollendete), durch die hier vollzogene Uraufführung bekanntgemacht wurde. Auf demselben Weg befindet sich — wenn auch keineswegs auf jener Höhe reifer Meisterschaft — ein mehr noch experimentierendes Werk wie die „Explication des Metaphores“ von Rend Leibowitz, eine Komposition, die Sprechstimme, zwei Klaviere, Harfe und Schlagzeug zu prägnanter Form bindet. In diesem Zusammenhang sind auch die knapp pointierten Lieder des jungen Lüttichers Pierre Froidebise zu erwähnen, die zwischen der Klangtechnik der Schönbergschule und der Diktion etwa der „Pribaoutki“ von Strawinsky interessant vermitteln. Als ein neues, wenn auch zunächst noch undeutlich wogendes Kraftfeld im allgemeinen Entwickilungsbild der „Neuen Musik“ ist die Gruppe um Messiaen zu benennen, die „Jeune France“, die hier mit dem mystisch-ekstatischen Tongedicht „Psyche“ von Andre Jolivet in Erscheinung trat. Der berliozistisch ausschweifende Tonschwall und die von Skrjabinschen Ekstasen genährten „kosmogonischen“ Gefühlswallungen branden gewaltig gegen das französische Musikideal der „clairte“ an, ohne daß man schon erkennen kann, welche Ufer diese Brandung letzten* Endes erreichen mag.

Junge Komponisten

Der Messiaenschüler Karel Goyevaerts, ein junger schüchterner Flame, offenbart in seinen von den „Trois Tala“ abgeleiteten „Drei

Liedern für Kammerorchester“ (mit säuselnden Martenot-Kantilenen) eine ähnlich lebhaft schweifende, allerdings mehr noch ins Lyrisch-Haltlose verfließende Klangphantasie. Um bei den Jungen zu bleiben — das diesjährige Musikfest zeichnete sich überhaupt durch eine lebhafte Einbeziehung junger Komponisten aus, von denen sich z. B. der Engländer Peter Racine Fricker und der in Paris lebende Tscheche Karel Husa, beide mit ausgezeichneten Streichquartetten, der Italiener Camille Togni (mit einer dreistimmigen Psalm-Komposition) und der Schwede Ingvar Lidholm (mit - cappella-Chören) als profiliertere Begabungen hervortaten (Lidholm und Fricker waren im vorigen Jahr erstmals in Darmstadt vorgestellt worden).

In Europa fallen die Entscheidungen

Vom Gesamtüberblick aus darf man sagen, daß die Entscheidungen der musikalischen Entwicklung immer noch in Europa fallen. Musikalische Ausflüge nach Japan, Brasilien und Südafrika (letzteres mit dem Amsterdamer Streichquartett) brachten keinerlei bereichernde Ergebnisse. Auch die europäischen Randstaaten (Norwegen, Schweden, Dänemark, Holland und auch Belgien) kommen meist über Konventionelles nicht hinaus, aktiver ist die Schweiz (die hier durch Conrad Beck charaktervoll vertreten war), wird neuerdings auch England (hier vertreten durch ein barock-kraftvolles Streicher-Concerto von Alan Rawsthorne), dann natürlich neben Deutschland besonders Frankreich (von wo man ein reizvolles neues Werkchen von Milhaud zu hören bekam) und Italien. Italiens heute führender Komponist Luigi Dallapiccola (der übrigens für die nächstjährigen Darmstädter Ferienkurse die Leitung eines Kompositionsseminars in Aussicht gestellt hat) wurde zusammen mit Milhaud, Honegger und Hindemith in das Gremium der Ehrenmitglieder der IGNM gewählt.

Diskussion der Künstler

ZUM „DARMSTÄDTER GESPRÄCH 1950“

Etwas klein war der Kreis der Künstler, der sich gestern morgen auf der Bühne der Stadthalle zu einer öffentlichen Diskussion zusammengefunden hatte. Erst als Professor Evers die Bitte an die im Saal anwesenden Künstler richtete, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen, füllte sich die Reihe.

Zwei Möglichkeiten stellte Prof. Evers als Richtlinien für das Gepräch der Künstler heraus: Einmal gäbe es eine Fülle von Fragen und Problemen, über die sich im Kreise von Kollegen auszusprechen für jeden Künster wünschenswert und fördernd sei. Zum anderen bestehe auch bei den Zuhörern der Wunsch, den Künstler über sein Werk sprechen zu hören, seine eigene Auffassung über sein Schaffen nähergebracht zu bekommen.

Prof. Itten hatte die Leitung der Diskussion übernommen. Mit Geschick versuchte er dem Gespräch die vereinbarte Richtung zu geben, konnte es aber nicht verhindern, daß zeitweise ein für das Publikum etwas enttäuschender Leerlauf entstand, den ein Gesprächsteilnehmer treffend in die Worte zu fassen wußte: „Unser heißes Herz wird hier akademisch zerredet!“ Itten wies darauf hin, daß es den Maler oder Bildhauer eine große Ueberwindung koste, über die eigene Arbeit zu sprechen. Sie sei entweder deutlich und damit nicht weiter zu erklären, oder aber diese Deutlichkeit sei nicht erreicht und das Werk bleibe somit schwach.

Zunächst ging die Diskussion um die Gegenstandsform und die Umgebungsform jedes Bildes. In einem guten Bild, so stellte Prof. Itten zusammenfassend fest, sind Positiv- (Gegenstands-) und Negativformen (Umgebungsformen) in harmonischem Einklang. Beide Formen müssen etwas aussagen. Der Laie liest nur die Gegenstandsform aus dem Bild — oder unter dem Bild —, sieht aber nicht die Umgebungsform, ohne die das Bild ungestaltet bleibt. So deute Brueghel gerade mit der Negativform das, was mit der Positivform nicht aussagbar sei. Nicht die Positivform allein habe der bildende Künstler auf sich einwirken lassen, sondern auch die simultan entstehende Negativform. Bei inspirierten Werken sei dies meist der Fall, während intuitiv entstandene Werke diese Synthese häufig vermissen ließen.

Mehrfach wurde versucht, das Gespräch auf die von Prof. Evers vorgeschlagene Linie zu bringen und es in einen Zusammenhang mit der Ausstellung auf der Mathildenhöhe zu stellen. Fragen wie Menschenbild oder Menschenbildnis, d. h. Portrait oder wesenhaftes Schauen wurden in die Debattte geworfen — aber verdrängt. Letzten Endes blieb es immer wieder bei dem Begriff „Abstraktion“, der angegriffen, verteidigt, erklärt und diskutiert wurde. Das gegenstandslose Bild sei keine Angelegenheit von heute, sei geschichtlich zu betrachten. Es sei einer reichen Erfahrung entsprungen und geschaffen mit einem hohen emotionalen Willen. Schon bei alten Meistern sei ein Ueberwinden der positiven Form zugunsten der negativen festzustellen; allmählich sei der Gegenstand aufgelöst worden. Kandinsky wurde zitiert: „Die Palette ist die Klaviatur, auf der wir spielen!“ Der Künstler empfindet mit allen Sinnen — nicht nur mit den Augen. Er will seine innere Erregung mitteilen, sie weitergeben. Dazu aber ist beim Beschauer des Bildes eine Bereitschaft erforderlich.

In der Analyse des Menschenbildes, so er_ klärte Prof. Itten, brauche man nur auf einige wenige große Menschen zurückzugehen, um ein klares Bild zu bekommen. Christus, Lao-Tse, Buddha, die großen Religionsstifter seien das Vorbild in ihrem Leben und Wirken. Danach richte sich auch das heutige Menschenbild. Jeder ernsthaft schaffende Künstler strebe wie diese nach der Wahrheit, auch wenn er sie im Häßlichen oder Unscheinbaren suche.

Zeitweise ging das Gespräch auf den Surrealismus über. Probleme der Realisierung desl Traums, der Versuch seiner Deutung mit künstlerischen Mitteln wurden besprochen. Erst nach der konkreten Frage eines Zuhörers fand die Diskussion — leider viel zu spät — zu ihrer eigentlichen Themenstellung zurück. Prof. Itten erläuterte: Ein Unfaßbares zwingt den Maler zu Formen, die mit äußeren Sinnen nicht definierbar sind. Die bildende Kunst schwenkt damit von der materiellen Richtung ab zu einer neuen Epoche des inneren Lebens. Zwar befindet man sich auf diesem Wege heute noch in einem Uebergang, aber einmal wird sich diese geistige, seelische, heute noch unfaßbare Welt der neuen bildenden Kunst durchgesetzt haben. Vom rein Aeußerlichen her wird sie nie begreifbar sein, wie auch alle echte alte Kunst rein äußerlich nie begreifbar ist.

Abstrakte Kunst — so betonte einer der Gesprächsteilnehmer — ist zutiefst religiös. Es gehe gegen ihr Gewissen, Gott als „Turnvater Jahn im Nachthemd“ darzustellen. Daher suche sie nach neuen Möglichkeiten der Bildhaftmachung religiöser Themen. Letzten Endes, so bezeichnete ein anderer Künstler die Situation der modernen Kunst, finde die ganze Zerschlagenheit der Zeit im Bilde ihren Ausdruck.

Nachdem Prof. Itten die Diskussion der Künstler geschlossen hatte, hielt ein Herr — anscheinend Darmstädter — noch einen kurzen Privatvortrag, in dem er in beredten Worten an die Rückbesinnung der bildenden Kunst auf alte christliche Symbole appellierte — worauf sich der Saal schnell leerte. _rn_


PIETER BRUEGHEL; HEUERNTE
PIETER BRUEGHEL; HEUERNTE

Verteidigung des Menschenbildes

Am Sonntagvormittag wurde das „Darmstädter Gespräch“ in der Stadthalle mit den angekündigten Referaten über „Das Menschenbild in unserer Zeit“ in der Sicht der Theologie, Soziologie und Medizin, der Naturwissenschaft und der Philosophie fortgesetzt.

THEOLOGIE

Professor A. Köberle betonte, die christliche Schau stimme mit der modernen Kunst in dem Wissen um die Ratlosigkeit und Abgründigkeit der menschlichen Existenz überein. Die christliche Schau wisse aber um die Existenz der Gnade, die nicht als „Idee der Erlösung“, sondern als „Gestalt des Erlösers“ besteht. Die christliche Kunst habe daher die Aufgabe, im Leiblichen die ewige Schönheit, den gnadenhaft gefügten Zusammenklang der in uns hineinwirkenden kosmischen Kräfte mit unserem geistigen Wesen ahnen zu lassen. Erst dann, wenn es ihr dank ihrer „Ganzheit der Menschheitsschau“ gelingt, die ganze Schöpfungsfülle des menschlichen Seins zum Ausdruck zu bringen, hat sie den Menschen wahrhaft beschenkt. Ehemals war die Kunst „die Magd der Kirche“, bis sie ihr Mündigkeitsweg sich gegen die Kirche scharf abzugrenzen zwang.

SOZIOLOGIE

Prof. Dr. Alfred Weber fühlte sich nicht berufen, irgendein Werturteil über die moderne Kunst zu füllen, stellte aber fest, daß das geordnete Bild des Daseins von den modernen Künstlern beiseite geschoben wird, die wie Seismographen die kommende neue Weitsicht schon zum Ausdruck bringen. „Die moderne Kunst ist ein konzentriertes Symptom einer soziologischen Situation.“ In ihr ist die Krise einer 3500 vor Christi begonnenen Geschichte zu erkennen, von der es Abschied zu nehmen gilt. Auch die Künstler fühlen sich nicht mehr als Fortsetzer der bisherigen Geschichte berufen und nehmen „äußerliche Deformierungen“ in Kauf zugunsten des Wesenhaften. Dennoch dürfen sie nicht als Zerstörer des explosiv aufgebrochenen Menschenbildes gelten, da auch sie nur ein menschliches Fühlen und Sehnen zum Ausdruck bringen, nämlich den Versuch einer „Projizierung des Menschlichen in die technische Rationalität“, einer „Einschmelzung des Neuen in unser altes, tief gefühltes Menschenbild“.

MEDIZIN

Dr. Alexander Mitscherlich begriff in seinem kurzen, einprägsamen Referat den gegenwärtigen, ein sphärisches Weltbild besitzenden Menschen als einen „Menschen, der sich nicht mehr erkennt“ und sich auf den verschiedensten Gebieten selbst suchen muß. um neue Provinzen seiner Selbstverantwortung übernehmen zu können. Er ist erkrankt mit einer Vielzahl von Symptomen. die ein Ausdruck der ihm zugemuteten Ueberbürdung sind. Die Krankheit ist keine Nemesis, kein von außen kommendes Verhängnis, sondern ein selbst zugefügter Schmerz, der „Bezug auf das Selbst des Menschen hat“.

BIOLOGIE

Professor Ankel sah den Menschen gegenüber dem „ausdifferenzierten Tier“ als einen „Plan, dem tausend Möglichkeiten offenstehen“. Die Instinkte der Tiere sind wie ablaufende Grammophonplatten, von denen niemand weiß, wer sie besprochen hat. Das Antlitz des Menschen aber enthält kein „Nur“, keine endgültige Festlegung. weil es offengeblieben ist. Allerdings: In der modernen Kunst spiegelt sich die Tatsache, daß sich der Mensch selbst zur Maschine machte und daß an die Stelle seines lebendigen Auges ein „blindes Loch“ getreten ist. Von hoher dichterischer Kraft waren die Ausführungen Dr. Ankels, daß der Mensch, im Gegensatz zum Tier, im ersten Lebensjahr in den Armen der Mutter ruht als auf dem Grunde der Welt und so die Schönheit und die Wahrheit des Menschseins erfährt.

PHILOSOPHIE

Professor Holzamer gab in seinem klärenden Vortrag eine Uebersicht über die Wandlungen des Menschenbildes und legte dar, daß durch die Selbstbeschränkung auf das Menschliche das Humane verlorengegangen sei. „Der Mensch ist mehr als er selbst.“ Die Gesamterschütterung mußte kommen, auf daß der Mensch seinen Auftrag leiste: gottergeben die Schöpfung mit der Besonderheit der menschlichen Existenz zu durchdringen. M.

Warum ich keine Witze erzähle

VON HELLMUTH KRÜGER

Warum ich keine Witze erzähle? Hören Sie . . Als Kain und Abel kleine Jungen waren, beschloß der alte Adam eines Tages, seinen Söhnen die Anfangsgründe der Mathematik beizubringen.

„Also, paß mal auf, Kain“, sagte er. „Wenn hier auf dieser Schiefertafel vier Fliegen sitzen und du schlägst eine Fliege tot“ — hier horchte Kain auf, weil die Sache mit dem Totschlägen ihn außerordentlich interessierte — „wieviel Fliegen bleiben da übrig?“

Kain dachte angestrengt nach: „Da sitzen vier“, sagte er langsam, „ich schlage eine tot, da b'eibt also eine Fliege übrig.“

„Wieso denn eine?“ fragte Adam.

„Naja“, sagte Kain, „die tote Fliege.“

Das ist der älteste Kindermund der Weltgeschichte. Adam und Eva haben oft darüber gelacht. Sie kannten ja sonst keine Witze. So hat sich dieser Witz durch die Jahrtausende konserviert — bis zum Jahre 402 vor Christi Geburt. Da saßen Sokrates und Kriton auf den Stufen der Marmortreppe der Athener Ortskrankenkasse. „Wenn nun traun fürwahr hier auf der Marmorstufe“, sagte Sokrates, „vier Fliegen säßen und du schlügst eine davon tot, würden dann noch vier Fliegen hier sitzen?“

„Nicht dünket mich also“, sprach Kriton. „Warum denn nun gar denkest du dieses?“ fragte Sokrates.

„Weil keine hier säße“, erwiderte Kriton. „Sie flögen alle davon, bevor ich eine erhaschte.“

In dieser Form hat man den Witz über tausend Jahre weitererzählt, bis zum

August 1524. Da saßen Franz von Sickingen und Heinrich George von Berlichingen im Ratskeller zu Heilbronn am Neckar und Herr von Berlichingen polierte sich ab und zu die Fingernägel seiner eisernen Faust am Lederkoller.

Plötzlich sagte der von Sickingen: „Kotz Speikatz, Berlichingen, da krabbeln vier Fliegen ohne schuldhaften Respekt auf den Tisch des Holzes um unsere Atzung. Wenn Ihr nun zuschlagt mit Eurer eisernen Faust und eine tötet, wieviel ^liegen bleiben auf dem Holze?“

Herr von Berlichingen sagte nicht, was man von ihm zu hören erwartete, sondern: „Keine bleibt, die werden wohl alle vier an meiner eisernen Faust kleben.“

So wanderte diese Geschichte weiter bis zum 16. September 1812. Da stieß Napoleon im Kreml im Vorraum zu den inneren Gemächern auf einen Grenadier, der durch die fliegenbedeckte Fensterscheibe in den auffallend roten Abendhimmel blickte.

„Fängt er Fliegen?“ fragte Napoleon. „Nein, Majestät!“

„Es sind vier“, sagte Napoleon nach einem raschen Feldherrnblick. „Wenn er zuschlägt und eine tötet, wieviel bleiben dann auf der Scheibe?“

Schlagfertig erwiderte der Grenadier; „Sire! Wo ein Grenadier seiner Majestät zuscnlägt, da bleibt weder Fliege noch Scheibe.“

„Parbleu“, sagte Napoleon, „ab heute ist er Korporal der Flieger.“

Mit Variationen pflanzte sich der Witz 1892 durch die „Meggendorfer Blätter“, dann 1912 in den „Simplizissimus" und alsdann nach T. im Chiemgau fort, wo der joviale Landgerichtsrat von Sch. den Aktuar S., der schon drei Stunden Fliegen fing, fragte, wieviel Fliegen auf dem Aktendeckel sitzenbleiben, wenn er von vieren eine totschlüge. Da sagte der Aktuar, ohne sich in seiner Beschäftigung stören zu lassen: „Himmelherrgottsakrament! Dös müssens preußische Fliegen san! Wenn i eine verjagt hab, sitzen gleich zwoa neue da!“

Vor vierzehn Tagen sitze ich da, wo man heute alte Zeitungen zu lesen pflegt, und da entdecke ich die Besprechung eines Filmlustspiels. Mein Blick fällt auf die Zeilen: „Den Höhepunkt fröhlicher Ausgelassenheit erreicht Theo Lingen als Diener Johannes in der Szene mit dem Kammerdiener Jean, dem Hans Moser seinen bekannten Schelm im Nacken verleiht. Da stellt Lingen in seiner trockenen Art die Frage, wieviel Fliegen übrigbleiben, wenn man von vieren eine tötet, worauf Moser unnachahmlich nuschelt: .Eine, es bleibt eine einzige — die tote Fliege.“ Hier darf der Kunstbetrachter mit Fug und Recht feststellen: endlich einmal ein guter neuer Witz.“

Sehen Sie — darum erzähle ich keine Witze. mi

Das Leben

VON VIKTOR AUBURTIN

Es lebte ein Mann, der war ein sehr tätiger Mann und konnte es nicht übers Herz bringen, eine Minute seines wichtigen Lebens ungenützt vorübergehen zu lassen.

Wenn er in der Stadt war, so plante er, in welchen Badeort er reisen werde. War er im Badeort, so beschloß er einen Ausflug nach Marienruh, wo man die berühmte Aussicht hat. Saß er dann auf Marienruh, so nahm er den Fahrplan her, um nachzusehen, wie man am schnellsten wieder zurückfahren könne. Wenn er im Gasthof einen Hammelbraten verzehrte, studierte er während des Essens die Karte, was man nachher nehmen könne. Und während er den langsamen Wein des Gottes Dionysos hastig heruntergoß, dachte er, daß bei dieser Hitze ein Glas Bier wohl besser gewesen wäre.

So hat er niemals etwas getan, sondern immer nur ein nächstes vorbereitet. Er war nie einer ganzen und gesunden Minute Herr, und das war gewiß ein merkwürdiger Mann, wie du, lieber Leser, nie einen gesehen hast.

Und als er auf dem Sterbebett lag, wunderte er sich, wie leer und zwecklos doch eigentlich dieses Leben gewissermaßen gewesen sei. mi

Notizen

Veit Harlan wird nach übei fünfjähriger Arbeitsunterbrechung im August bei der Domnick-Produktion in Göttingen wieder Regie führen. Der Film soll mit Kristina Soderbaum in der Titelrolle in den Göttinger Ateliers gedreht werden Die Staatsanwaltschaft Hamburg hatte kürzlich die Revision gegen den zweiten Harlan-Freispruch zurückgenommen.

Hindemith an die Universität Zürich be¬ rufen Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat Professor Dr. Paul Hindemith zum Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Zürich berufen. Die Neue Zü ncher Zeitung" schrieb dazu am Donnerstag¬ „Mit dieser Berufung hat die Universität Zurich einen begeisternden, an praktischer Lebenserfahrung reichen Pädagogen «Gewonnen. Der Umstand, daß es der Universität Zürich gelungen ist, Paul Hindemith ™r ^ine akademische Wirksamkeit auf europäischem Boden zu gewinnen, wird über die Grenzen der Schweiz hinaus starke Beachtung und ein positives Echo finden.“

Die Erstaufführung zweier Einakter von Luigi Pirandello, „Der Schraubstock“ und „Die Pflicht des Arztes“, in der deutschen Uebersetzung von Luigi Biagioni, findet am Freitag, dem 21 Juli, in der Aula der Mainzer Universität statt. Die Darsteller sind Studenten des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Universität. Der Einakter „Der Schraubstock“ wird anläßlich der diesjährigen Studententagung deutscher Hochschulbühnen in Erlangen (21. bis 28. Juli) als Beitrag der Studiobühne der Mainzer Universität zur Aufführung gelangen. R. B.

Eine neue Gesamtausgabe der Werke Soeren Kierkegaards kündigt der Eugen-Diederichs-Verlag Düsseldorf an, der das Werk des großen dänis n Religionsphilosophen und Begründers der Existentialphilosophie bereits vor Jahrzehnten in Deutschland einführte.

Zum Problem der Prädikatisierung von Kulturfilmen hat die SPIO, die Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft, beschlossen, daß auch vor 1945 hergestellte Kultur- und Dokumentarfilme prädikatisiert werden können. Damit soll das Unterangebot von Kulturfilmen ausgeglichen werden. In Übereinstimmung mit dem Bund ist die SPIO ferner der Auffassung, daß auch ausländische Spielfilme in das Prädikatisierungsverfahren einbezogen werden sollen. Eine längere Debatte hatte sich bei der SPIO-Sitzung in München um die Frage einer generellen Erhöhung der Eintrittspreise für die Lichtspieltheater entwickelt Da eine einheitliche Preiserhöhung im Bundesgebiet voraussichtlich nicht zu erreichen sei, wurde beschlossen, es jedem Theaterbesitzer zu überlassen, in Verhandlungen mit den örtlichen Preisprüfungsbehörden eine Erhöhung seiner Eintrittspreis® zu erreichen.

Darmstadt und Umgebung

Lob dem Telefonamt

H. F. L. Als moderner Mensch bin ich dafür, mit der Zeit Schritt zu halten. Ich benutze einen Kugelschreiber, ich habe einen Trockenrasierer, der nie funktioniert, ich fahre schwarzes Benzin, langweile mich in den neuesten Wildwestfilmen und lese J. P. Sartre. Trotzdem ist das Leben immer noch anstrengend genug, und ich beschloß daher, nach diplomatischer Rücksprache mit meiner Frau, die in einer modernen Ehe ja das letzte Wort hat, mir ein Telefon zuzulegen.

So ein Telefon ist eine prachtvolle Erfindung. Ich wollte schon immer Vorschlägen, daß endlich einmal ein Kandidat der psychologischen Fakultät eine Dissertation über den Einfluß des Telefons auf die zwischenmenschlichen Beziehungen schreibt. Hätte es im Mittelalter Telefone gegeben, würde die Weltgeschichte anders aussehen. Früher mußte man zu jedem persönlich hingehen, seine Wut hinter der Maske höflicher Konvention verbergen, man platzte innerlich und lächelte nach außen.

Nun, ich begann mir also ein Telefon anzuschaffen; so vor einem dreiviertel Jahr. Ich stellte einen formlosen Antrag, fügte Dringlichkeitsbescheinigungen bei und erhielt nach knappen drei Monaten die Nachricht, ich wäre registriert und bekäme demnächst eine Nummer. Ich brauchte ein Telefon, selbst auf die Gefahr hin, daß mein Freund Oskar nachts um zwei bei mir anruft, um mir mitzuteilen, daß er vor drei Tagen wegen einer Geschäftsreise nicht zum Skatspielen kommen konnte. Ich kenne Oskar gut, er ruft nie vor Mitternacht an, er ist immer voller Rücksicht, und dann ist der Schlaf vor Mitternacht der gesündeste.

Vor kurzem war es nun soweit, ich hatte eine Nummer und stand im Telefonbuch. Ich sah mich gedruckt mit allen Vornamen und Berufen. Plötzlich wurden meine sämtlichen Gläubiger höflicher, sie brauchten nun nicht mehr zu mir in die Wohnung zu kommen, sie konnten ja telefonisch ihr Geld anmahnen. Ich grüße sie jetzt wie liebe Bekannte, sie sind mir noch nie so sympathisch gewesen wie jetzt. Ich lebe seit einiger Zeit in paradisischer Ruhe, denn —, nun, denn ich habe ja noch gar keinen Telefonapparat.

Festzug der Jugend in Arheilgen

Der Montag, war der dritte und letzte Festtag des Arheilger „Eintracht“-Jubiläums. Die Wettergötter hatten ein Einsehen, sie drohten mit Wind und schoben nur versuchsweise einige Regenwolken über den Himmel. Um so stärker war der Staub, der in dichten Wolken über dem Festplatz lag, und der trotz Anmarsch von Gießkannen und Putzeimern voll Wasser nicht zum Weichen gebracht werden konnte.

In den Restauratipnszelten saßen durstige Zecher, mit offenen Hemden und dem Aussehen, als säßen sie dort schon seit Samstag. Ueberhaupt waren die schwarzen Anzüge und die verschwitzten Smokings hellerer und luftigerer Kleidung gewichen, die Hemdsärmel triumphierten, und die ganz Vornehmen trugen ihre Kravatte in der Hosentasche. Abgesehen von den Hunderten von Wurstpapptellern, die, senfbeschmiert, den Festplatz zierten, deutete nichts auf ein Nachlassen der allgemeinen Stimmung hin.

Nach dem morgenlichen Frühschoppen mit Konzert im Festzelt versammelten sich um 15 Uhr die Jungens und Mädchen in hellgelben Kleidern und Turntrikots in der Alten Darmstädter Straße, um den Umzug durch die Ortschaft zu begleiten. Der Nachmittag bis zum Festausklang um 20 Uhr gehörte der Jugend. Die Festwagen vom Sonntag wurden diesmal von den Kindern bestiegen, die mit würdigen Gesichtern die Huldigungen der Zuschauermenge an den Straßenrändern entgegennahmen. Sie trugen Kränze im Haar, blau-gelbe Schärpen und Dauerlutscher, sie schielten sehnsüchtig nach den „Negerküssen“ der Süßwarenstände und bewegten sich mit sicherer Eleganz auf dem mit Tannenreisern geschmückten, zeltüberdachten Podium. Richtigen Spaß zu machen begann die Sache aber eigentlich erst mit den Kinderbelustigungen. Die eisessenden Biedermeierdamen bestiegen mit ihrem kindlichen Gefolge das Karussell, die Behendesten unter den Kleinen maßen ihre Geschicklichkeit im Eierlaufen, offene Kindermünder schnappten mit wechselndem Erfolg nach dicken Würsten, und das größte Gaudi bildete die anschließende Kinderpolonaise. Währenddessen spielte die Kapelle Anthes unermüdlich Stück um Stück, das Karussell gab traditionsreiche Kirmesmusik von sich, mit modernen Einlagen und Rundengeklingel, und als die Jugendabteilung der SGA Kinderturnen vorführte, war der Höhepunkt des nachmittäglichen Programms erreicht.

Um 20 Uhr begann dann der eigentliche Festausklang mit Chören des Arheilger Gesangvereins „Liederzweig“. Im Anschluß daran stand das Podium, das die vergangenen zwei Tage eine Fülle von verschiedenartigsten Darbietungen sah, den Tanzlustigen unter den zahlreichen Besuchern zur Verfügung. Wenn man hört, daß allein am Sonntag weit über 3000 Gäste das Jubiläumsfest des Arheilger Gesangvereins „Eintracht“ besucht haben, so kann man wohl von einem schönen Erfolg sprechen. Es war ein Fest, das weit über den .Rahmen seiner eigentlichen Bedeutung hinauswuchs, das zu einer Angelegenheit ganz Arheilgens wurde, und wenn nun die Einwohner ihre Fahnen einrollen, die vertrockneten Birkenstämmchen Lund Tannengirlanden auf den Haufen werfen werden, dann wird die Erinnerung an drei schöne und abwechslungsreiche Tage siicherlich noch lange in ihnen nachklingen.

Staatsanwalt legt Revision ein

Gegen das am letzten Freitag im Dengler-Prozeß vom hiesigen Schwurgericht ausgesprochene Urteil hat, wie wir erfahren, die Staatsanwaltschaft Darmstadt Revision eingelegt. Die Anklagebehörde bezieht sich bei diesem Schritt lediglich auf jene fünf Fälle, in denen ein Freispruch Denglers erfolgte. Im übrigen erkennt die Staatsanwaltschaft den Urteilsspruch des Schwurgerichts Darmstadt gegen den ehemaligen Leiter des Judenreferats der Gestapodienststelle Darmstadt an.

Bekanntlich hatte das Gericht den Angeklagten nur in sieben Fällen der Beihilfe zur Freiheitsberaubung im Amt, Freiheitsentzug über eine Woche und Verfolgung Unschuldiger, davon sechs Fälle mit Todesfolge, für schuldig befunden, während der Staatsanwalt eine Bestrafung wegen schwerer Freiheitsberaubung im Amt in Tateinheit mit Verfolgung Unschuldiger in zwölf .Fällen, davon neun mit Todesfolge, beantragte. wst.

Eberstädter Kriegsbeschädigte

feierten Sommerfest

Im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ hatten sich am Samstagabend etwa 300 Kriegsversehrte, Sozialrentner mit ihren Angehörigen und viele Witwen zusammengefunden, um einmal für ein paar Stunden ihre Nöte zu vergessen. „Humor kann manchmal besser Wunden heilen als mancher Arzt. Laßt uns drum heute fröhlich sein.“ Mit diesen Worten eröffnete Herr Böhm, der erste Vorsitzende des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner der Ortsgruppe Eberstadt das traditionelle Sommerfest. Die Handharmonika-Abteilung des Zither-, Mandolinen- und Handharmonikaklubs unter Leitung von Herrn Zickler und das Quartett der Gesangsabteilung „Frohsinn“, sorgten mit fröhlichen Weisen für Stimmung und Unterhaltung. Viel Beifall gab es für die von Frau Peters, Herrn Dornbach und Herm Hinkel gesungenen Lieder. Herr Knies hatte als Ansager mit selbst gedichteten Versen die Lacher auf seiner Seite. Nach den Melodien der Kapelle Junker wurde eifrig getanzt. t-s

Baustahlgewebe

Dyckerhoff-Weiß

Zu einer Film- und Vortragsveranstaltung hatte dieser Tage der Mittelrheinische Architekten- und Ingenieurverein Darmstadt in das Union-Theater eingeladen. Neben maßgeblichen Vertretern der Darmstädter Bauplanung und Bauwirtschaft waren vor allem eine große Anzahl Studenten der Einladung gefolgt.

Einführend wurde in einem Werbefilm der Dyckerhoff-Portland-Zementwerke in Wiesbaden-Amöneburg die vielfältige Anwendungsmöglichkeit von Dyckerhoff-Weiß, einem hochwertigen Zement, aufgezeigt. Der Portlandzement, erstmalig 1825 ;n England und 1855 in Deutschland zur Anwendung gebracht, ist in diesen Jahrzehnten ein unentbehrlicher Baustoff geworden. Im Film wurde vor allem die vielfältige Anwendungsmöglichkeit des Deyckerhoff-Weiß-Zementes für die verschiedensten Verputzarten, Bodenplatten und Wandplatten anschaulich gemacht. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache von Prof. Dr. Kle inl og el sprach Dr.-Ing. W. Ernst, Düsseldorf, über „Baustahlgewebe, seine Herstellung und Verwendung“. Dr. Ernst verbreitete sich besonders über die Bedeutung der Massivdecken-Konstruktionen im Rahmen des Wohnungsbaues. Diese Decken werden vorteilhafterweise mit fabrikfertig hergestelltem Stahldrahtgewebe „armiert“, das je nach den bautechnischen Berechnungen in verschiedenen Stärken hergestellt wird. Auch beim Bau der Reichsautcbehnen. in einem anschließenden Film sehr anschaulich gezeigt, wurde Baustahlgewebe zur Vermeidung von Rißbildungen in den Betonplatten zur Anwendung gebracht. aßt-

Der Lastwagen des kleinen Mannes

Tempo-Wagenkolonne in Darmstadt eingetroffen

Am Montag traf auf dem Friedensplatz die Wagenkolonne der Tempowerke Hamburg-Harburg ein. Die Firma Vidal & Sohn, deren Produktionsprogramm ausschließlich Klein-Lastwagen umfaßt, zeigt eine Reihe von Sonderfertigungen ihrer Fahrzeuge. Die Tempo-Wagen haben sich seit ihrem Bestehen das volle Vertrauen ihrer Besitzer erworben. Ueber 40 000 Klein-Lieferwagen fahren heute im Bundesgebiet, und sie sind infolge ihrer Wirtschaftlichkeit zum Lastwagen des kleinen Gewerbetreibenden und Kaufmannes geworden.

In der Hauptsache werden zwei Wagentypen herausgebracht, der „Matador“, ein 1-Tonner-Nutzfahrzeug mit dem bewährten Volkswagenmotor, und der„Tempo-Hanseat 1950“ mit einer Ladefähigkeit von 800 kg und einem 400-ccm^Motor mit 14 PS und Vierganggetriebe. Besondere Beachtung verdient die Verschiedenartigkeit der Aufbauten. So werden die beiden Typen „Matador“ und „Hanseat“ mit Hoch- und Tiefladepritsche geliefert, als Kasten- und Viehtransportwagen, der „Matador“ auch als Kastenwagen mit einer 2. Kabine, als elfsitziger Omnibus und als Leichenwagen. Genau so vielseitig ist die Verwendungsmöglichkeit des „Hanseat", der als Verkaufsstandwagen, Möbelwagen und mit Kofferkasten zu haben ist.

Eine besondere Konstruktion ist der „Hanseat-Kombiwagen“, der Liefer- und Personenwagen in einem ist, und besonders für Kunden gedacht wurde, die kein Geld für einen gesonderten Privatwagen haben. Er besitzt an der rechten Seite eine große Türe, zu Privatfahrten wird eine breite hintere Sitzbank hineingeschoben, auf der drei Menschen bequem Platz haben. Gegenüber dem älteren Tempowagen weist der „Hanseat“ manche Konstruktionsverbesserungen auf, so vor allem einen um 2 PS stärkeren Motor, Vorderradteleskopfederung und eine 2jährige Garantie auf die Antriebskette. Die Zuverlässigkeit dieser Wagen ist sprichwörtlich geworden. Fast alle Tempo-Besitzer überladen ihre Wagen um 10 bis 15 Zentner, ohne daß die Leistungsfähigkeit wesentlich herabgemindert wird. Auf der Deutschlandfahrt des ADAC konnte das Werk-Team bei Einsatz von sechs Wagen sechs goldene Medaillen erringen. Die augenblickliche Monotsproduktion des Werkes beträgt 2000 Wagen.

In Kürze kommt der „Tempo-Boy“ auf den Markt, im Aussehen wie der „Hanseat 50“, aber mit einem 200-ccm-Motor, zehn Zentner Tragfähigkeit und mit 7 PS. Er ist fast 1000 DM billiger wie sein größerer Bruder und als ausgesprochenes Stadtfahrzeug gedacht. Alle Wagen können auf langfristige Ratenzahlungen gekauft werden, und besonders ihre niedrigen Steuern von 4 DM bzw. 2 DM pro Monat machen sie zum idealen Gebrauchswagen für den kleinen Mann, da sie für alle Berufe Verwendung finden können. Die Darmstädter Tempo-Vertretung hat die Firma Müller & Ober in der Rheinstraße. hfl.

Eröffnung bei Kalbfuß und Jungmann

Die Polizei mußte absperren

Als gestern morgen gegen 10 Uhr der Inhaber, bzw. Teilhaber der Firmen Phil. Jungmann Nf. und Tb. Kalbfuß Nf., Herr B r oec k , die offizielle Neueröffnung der beiden Geschäfte am Ludwigsplatz feiern wollte, drängten die durch die umfangreiche Werbung in Bewegung gesetzten Käufermassen derartig gegen die Einganstüren, daß nichts weiter übrig blieb, als deren Wünsche möglichst schnell zu befriedigen, um Schlimmeres zu verhüten. Trotzdem kostete das Gedränge eine große Glasscheibe, und die Polizei mußte den ganzen Tag über die Eingangstüren bewachen, um die Käufer nur schubweise einzulassen. In der ersten Verkaufsstunde am Vormittag spielte gegenüber dem neuen Haus das Darmstädter Orchester mit 32 Mann unter Leitung von Kapellmeister Tra se r und die erschienenem Vertreter von Behörden, Handel und Wirtschaft beglückwünschte Herrn Broeck zu dem gelungenen Start. Eine Unmasse Geschäftsfreunde der Firmen hatten große Blumenkörbe zur Eröffnung geschickt. DT

Junge vom Rheinschiff gefallen

Bei Nordheim am Rhein in der Nähe von Worms wurde am letzten Freitag die Leiche eines etwa 6jährigen Jungen gelandet. Die inzwischen eingeleiteten Ermittlungen ergaben, daß es sich dabei um den Sohn eines Rheinschiffers handelt, der wenige Tage zuvor bei Ludwigshafen vom Schiff in den Rhein gefallen und ertrunken war. DT

Industrie-Polizist als Rãuber

Wegen schweren Raubes verhängte gestern das Schwurgericht Darmstadt gegen den 35- jährigen Industrie-Polizisten F. Sch. aus Arheilgen zwei Jahre und neun Monate Gefängnis. Der Angeklagte hatte am 9. Dezember vergangenen Jahres gegen Abend am Hochschulstadion ein junges Mädchen angefallen und ihm die Handtasche geraubt. Durch einen herbeieilenden beherzten Mann konnte Sch. damals gestellt und der Polizei übergeben werden. Der Angeklagte selbst war seinerzeit durch einen Schwindler hereingeleigt worden und hatte versucht, sich durch einen Raub das verlorene Geld wiederzubeschaffen. In einer früheren Schwurgerichtsverhandlung war er zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Diesen Urteilsspruch hatte das Oberlandesgericht aufgehoben. wst

Sie wollten sleichzeitigs überholen

Dem Fahrer 'eines an der Autobahn in der Nähe von Lorch haltenden Lastzuges fuhr der Schrecken in die Glieder, als zu gleicher Zeit rechts und links zwei weitere Lastzüge vorbeisausten. Dieses Rennen, das nicht ohne Sachschaden ablief, wurde durch die gleichzeitige Absicht der nachfolgenden Fahrer, den Vordermann zu überholen, verursacht. Als der zweite Anhänger des dritten Lastzuges den Motorwagen des zweiten kurz vor dem Überholen des stehenden streifte, blieb dem zweiten Fahrer nichts anderes übrig, als im letzten Augenblick die Lenkung herumzureißen und durch das Gebüsch an den stehenden Fahrzeugen rechts vorbeizukommen. Die Polizei stellte die Ueberholungsspezialisten. DT *

Ein schweres Unglück ereignete sich, wie erst jetzt verlautet, am 15. Juli gegen Abend am Großen Woog. Dort spielte der 17 jährige H. D. aus Darmstadt mit einem Gewehr, das er angeblich gefunden und aus Gefallen behalten hat. Plötzlich löste sich dabei aus dem kleinkalibrigen Gewehr ein Schuß. Ein 11 Jahre alter Junge wurde in den Arm getroffen und verletzt. Die Polizei weist auf Grund dieses Vorfalls nochmals darauf hin, daß derartige Gegenstände sofort bei der Polizei abzuliefern sind und daß es strafbar ist, irgendeine Schußwaffe unerlaubt zu besitzen. wst.

Schreibt an Fritz Knippelius

Nüuberstaat oder nicht?

Anläßlich meiner Wiederverheiratung brauchte ich einige Urkunden. Ich ging also zunächst zum Standesamt, wo ich für jedes Stück dieser kleinen Formulare DM 0,80 bezahlen mußte. Ich fand das zwar teuer, doch nach den heutigen sonstigen Preisen tragbar. Zu wundern begann ch mich jedoch, als ich bei der Polizei für ein gleichgroßes Stückchen Panier DM 1.30 bezahlen mußte. Im ersten Fall kann die Schreibarbeit 10 Minuten gedauert haben. Im zweiten Fall betrug sie bestimmt nicht mehr als 5 Minuten. Das größte Wunder mußte ich jedoch beim Amtsgericht erleben. Dort mußte ich mir ein noch etwas kleineres Papierchen besorgen. Die damit verbundene Arbeit war zwar etwas mehr, kann aber keinesfalls 1 Stunde überschritten haben. Dafür durfte ich dann die nette Kleinigkeit von 16 DM bezahlen.

Ich frage nun: Will man. trotz aller Moralpredigten kirchlicher und anderer Stellen für die Ehe, die Heiratswilligen durch möglichst hohe Gebühren abschrecken? Müssen wir, trotz der an sich schon viel zu hohen Steuern unseren aufgeblähten Beamtenapparat noch einmal bezahlen? Oder müssen wir so langsam daran gewöhnt werden, daß die kommunistische Propaganda vom „Räuberstaat“ doch den Tatsachen entspricht?

Rudolf Arnold,

Darmstadt Löffelstraße 2.

Lieber Herr Arnold!

Schon mein Urgroßvater mußte bei dem letzten Landgrafen Ludwig für den Heiratkonzens Stempelgebühren entrichten. Zu meiner Zeit mußten sie einen Feuerwehreimer für die Stadt bezahlen. Der war auch nicht viel billiger. Ob’s meinem Enkel besser gehen wird? Fritz Knippelius.

Gewerbefreiheit - ja oder nein?

Wenn man in letzter Zeit in der Presse Berichte über Handwerkertagungen und Berufsversammlungen liest, dann taucht irgendwann darin der Satz auf. daß die Versammelten einen einstimmigen Protest an diese oder jene Stelle gegen die Gewerbefreiheit gerichtet hätten. Daß ein solcher Einspruch einstimmig angenommen wird, ist auch nicht weiter zu verwundern, denn die Gewerbefreiheit wirkt sich ja eindeutig zum Schaden der gelernten Handwerker und Kaufleute aus — der Ansicht sind sie wenigstens. Diese Einsprüche gegen die Gewerbefreiheit werden aber wenig Zweck haben, denn sie wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht angeordnet und die wird sich auch in diesem Falle an ihren Maßnahmen nicht viel herumkorrigieren lassen.

Viele junge Leute, die zu tüchtigen Handwerksmeistern geeignet gewesen wären, wurden in den letzten 15 Jahren Soldaten und der Krieg vor allem hinderte auch diejenigen, die gerne einen Beruf gründlich erlernt hätten an der Erfüllung ihrer Wünsche. Sollten alle diese Menschen, die ein großes Interesse an diesem oder jenem Beruf hatten und sich in den langen Kriegsoder Gefangenschaftsjahren selbst Kenntnisse dazu erwarben daran gehindert sein, in dem von ihnen gewünschten Beruf tätig zu sein, dessen Ausbildungsvorschriften sie aber nach den alten Bestimmungen nicht formell erfüllen können? Ihnen kann nur die Gewerbefreiheit helfen.

Der zweite Grund, der für die Gewerbefreiheit spricht, ist die Tatsache, daß es neben guten Handwerkern leider auch schlechte gibt, trotz Gesellen- und Meisterprüfung. Dagegen kann manch Selbstgelernter wesentlich bessere Leistungen aufweisen. Das Rennen wird also bei der Kundschaft der machen, der sie am besten und sorgfältigsten bedient, einerlei ob er Prüfungen gemacht hat oder nicht. Und andrerseits ist es nicht einzusehen, daß in einem Dorf ein miserabler Handwerker sich eine Art Monopolstellung schaffen kann — wie das in der Praxis oft vorkommt — nur weil er die Prüfungen mit Ach und Krach abgelegt hat, während ein befähigter „Amateur“-Handwerker wegen gesetzlicher Bestimmungen den gewünschten Beruf nicht ausüben darf. Gottseidank steht durch die Gewerbefreiheit der wirklichen Leistung der Weg offen. Dadurch hat ein harter, aber leistungssteigender Existenzkampf begonnen. Die gründliche Ausbildung des gelernten Handwerkers sichert diesem sow.eso e.nen wesentlichen Vorsprung vor seinen „Amateur“-Kollegen. wenn er in seiner Lehrzeit die Augen aufgemacht hat. Und auf einen ungelernten Pfuscher wird die Kundschaft nur einmal hereinfallen. Er wird sich auf die Dauer nicht halten können.

Der wesentliche Vorteil der Gewerbefreiheit ist aber meiner Ansicht nach die dadurch herabgesetzte Arbeitslosenziffer. Gottseidank ist heute noch so viel Arbeitsmoral vorhanden, daß die meisten Menschen alle möglichen und unmöglichen Versuche eines Broterwerbs machen, bevor sie zur Stempelstelle gehen. Wieviel höher wäre heute unsre Arbeitslosenziffer, wenn nicht durch die Gewerbefreiheit die Möglichkeit gegeben wäre, sich eine beliebige Existenz aufzubauen, oder wenigstens den Versuch dazu zu machen. Andernfalls müßte der Staat noch zusätzliche ungeheure Arbeitslosenunterstützungen aufbringen, die letzten Endes wieder von den gelernten Kaufleuten und Handwerkern in Form von Steuern aufgebracht werden müßten. Nun ist es doch praktisch einerlei für die Handwerker und Kaufleute, ob sie durch erhöhte Steuern — für größere Arbeitslosenunterstützung der anderen -- oder durch größere Konkurrenz der „Nutznießer der Gewerbefreiheit“ weniger verdienen. Moralisch anständiger ist es jedenfalls. das wenige Brot, das wir alle haben, untereinander zu teilen, anstatt es dem Arbeitslosen als Almosen geben zu müssen, während der Verdiener es im Monopol hat. Finanziell kommt es für den gelernten Handwerker auf das gleiche heraus und die Gewerbefreiheit ist nur ein scheinbarer Schaden für den Handwerker. Man sollte es den Leuten, die andrerseits stempeln gehen müßten, nicht verwehren wollen, daß sie mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen. Dazu verhilft ihnen die Gewerbefreiheit. Gustav E. in W.

Was meint Ihr dazu, liebe Leser?

Schreibt Eure Meinung an

Fritz Knippelius

Sein eigener Wetterprophet?

Seit 1. September 1939, also seit Beginn des 2. Weltkrieges, gibt es in den deutschen Zeitungen keine Wetterkarten mehr. Nachdem nun d®r Krieg seif fünf Jahren beendet ist. möchte ich mir die Frage erlauben. ob es ihnen möglich ist. mit dem Abdruck der tägilichen Wetterkarten wieder anzufangen. Eine diesbezügliche Bitte an das ... ist unbeantwortet geblieben.

Ich bin fest davon überzeugt daß ein nach Täusenden zählender Personenkreis die Wetterkarten mit großer Freude wieder begrüßen würde . . . Angler. Kleingärtner, Bauern und viele andere haben ein großes Interesse nicht nur an der amtlichen „Wettervorhersage“. sondern wollen mit Hilfe der Wejtjerkarte und des Barometers auch selber for£Taufend den Ablauf des Wettergesche'hens beobachten.

Die Vorhersagen der Frankfurter Wetterdienststellp sind von einem Tiefstand der Treffsicherheit, der an die ersten Anfänge der Meteorologie erinnert. Vor dem Krieg war die Treffsicherheit in Hamburg (Hamburger Seewarte) 98^ Prozent! Berlin (Tempelhofer Warte) 96—97 Prozent Die heutige Treffsicherheit bei der Frankfurter Wetterwarte erreicht noch nicht 80 Prozent. Es ist also höchste Zeit, daß wir wieder unser Wetter selber machen und dazu bitte ich um die tägliche Veröffentlichung der neuesten Wetterkarten. Sie dienen damit mehr einem wirklich ernsthaften Bedürfnis als etwa andere mit so lächerlichen „Gesellschaftsspielen“ .

Otto Erich Wichmann

Darmstadt

Landskronstraße 79

Liebe Tagblattleser, schreibt mal eu, Meinung darüber an Fritz Knippelius

Arrestanstalt wird Studenten -Unterkunft

Ein altes Haus im neuen Kleid

Die Romantik des Studentenlebens hat seit etwa zwanzig Jahren das Zeitliche gesegnet. Das Geld ist knapp, die meisten Studierenden müssen sich ihr Studium selber verdienen und dann ist das Problem der eigenen „Bude“ so gut wie unlösbar. In den vergangenen Jahren waren sie behelfsmäßig in Baracken und alten Bunkern untergebracht, sie lebten bestenfalls in einer Wohngemeinschaft zusammen und fanden in den seltensten Fällen Ruhe und Gelegenheit, sich auf ihr Studium konzentrieren zu •können

Das Wohnungsproblem ist mit der Kardinalpunkt, ein Studium erfolgreich durchführen zu können, zumal in einer Stadt wie Darmstadt, deren Studenten der T. H. ein Großteil der Bevölkerung ausmachen. In der Riedeselstraße steht ein Gebäude, das ehemals als Standortarrestanstalt einen höchst unrühmlichen Ruf besitzt. Der Initiative der zuständigen Stellen ist es zu verdanken, daß das Gebäude durch die Darmstädter Wiederaufbau A. G. in ein Studentenheim umgewandelt worden ist. In den drei Etagen ■werden jeweils 15 kleine Zimmer den Studierenden der T. H. Aufnahme gewähren. Auf jedem Gang befindet sich ein Waschraum, ein größeres Zimmer als gemeinschaftlicher Tagesraum und einige größere Räume, die voraussichtlich von mehreren Bewohnern bezogen werden. Augenblicklich sind die Weißbinder in den Gängen und Treppenhäusern beschäftigt, und wenn nichts dazwischen kommt, ist das Gebäude zur Freude der Studenten Mitte August bezugsfertig. Da die Räume naturgemäß sehr klein sind, weil die Grundaufteilung der Stockwerke nicht wesentlich verändert wurde, mußte die Möblierungsfrage gesondert behandelt werden.

Von den eingereichten Vorschlägen zur zweckmäßigsten Möblierung wurden zwei Zimmertypen ausgewählt, die den Erfordernissen der Raumausnützung am nächsten kamen. Diese Möbel werden aus Tannenholz hergestellt, naturalisiert, und sind von klaren und modernen Linien. Wandregale und Schubladen unter dem bequemen Bett ermöglichen die Unterbringung der vorhandenen Wäsche und persönlichen Gegenstände des Studierenden. Ein großer Arbeits- und Schreibtisch füllt den Raum unter dem Fenster aus. Das Ganze macht den Eindruck einer wohnlichen Schiffskajüte. Die Zimmer werden den Studenten möbliert vermietet. Der Bewohner findet einen voll eingerichteten Raum vor und braucht sich keine Sorgen um Stuhl und Schrank zu machen. Im Laufe der Zeit sollen weitere 250 Studentenzimmer fertig ausgebaut werden; das heißt, daß noch mindestens 4 weitere Studentenheime zu errichten sind. Damit dürfte das Problem der studentischen Wohnungen fast gelöst sein. -st

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: Union: „Polonaise“, Thalia: „Die Liebe unseres Lebens“, Belida: „Gastspiel im Paradies“, Palast: „Recht auf Liebe“, Hansa: „Gefährliche Gäste“.

Amerikahaus: 19.30 Uhr: Lichtbildervortrag Dr. Franz Roh, mit Diskussion: „Mechanismus und Ausdruck — Möglichkeiten und Grenzen der Fotografie“.

Ausstellungen: Landesmuseum: Werke hessischer Künstler; Holzhof-Allee: Austeilung zum Ströher-Preis; Mathildenhöhe: Das Menschenbild in unserer Zeit; Amerikahaus: Fotoform; Amerikahaus: Kollektivausstellungen Gustav Wolf und Hoffmann-Lederer; Amerikahaus: Moderne Skulptur in Amerika; d’Hooge, Mathildenplatz 20: Fotomontagen von Juro Kubicek und Ausstellung Helmut Lorz.

Wir gratulieren

Goldene Hochzeit: Herrn Philipp Lohnes und Frau Katharina geb. Klinger, Rehbach, Ortsstraße (17. Juli).

Silberne Hochzeit: Herrn Philipp Keller V. und Frau Mina Ottilie geb. Fröhling, Ober-Ramstadt.

86. Geburtslag: Frau Anna Eva Berlieb, Güttersbach, Kleine Harras.

83. Geburtstag: Herm Jak. Göckel, Spach¬ brücken.

Starkenburg

Die Situation des deuntschen Obstbanes

Fachtagung der Bergsträßer Obstbauern in Zwingenberg

Im Rahmen des 2. Obstbautages in Zwingenberg fand gestern eine Fachtagung der Bergsträßer Obstbauern statt, bei der Herr Kreisgartenbauamtmann Philippi, Bad Dürkheim, ein bedeutendes Referat über den Frühobstbau, insbesonders Pflrsichbau, hielt. Leider war die Beteiligung an dieser Tagung sehr mäßig, so daß die Markthalle, die am Vortag nahezu 1000 Menschen beherbergt hatte, an diesem Vormittag fast leer war. Dies ist um so bedauerlicher, als Herr

Philippi als ausgezeichneter und anerkannter Pfirsichspezialist gerade den kleinen und mittleren Obstbauern wesentliche Anregungen hätte geben können.

Ausgehend von der gegenwärtigen Marktlage, rollte er das umfassende Thema des Frühobstbaus von der wirtschaftlichen Seite auf und sprach von der Gefahr des starken Obstimportes, dem nur durch Rationalisierung der heimischen Betriebe und durch Qualitätssteigerung zu begegnen sei. Während es der Regierung zuflele, die Einfuhr sinnvoll zu gestalten, bliebe es Aufgabe der Obsterzeuger, die beste und billigste Ware — die allein beherrschen kann — auf den Markt zu bringen. Der Tendenz des Verbrauchers, ausländische Waren den deutschen Produkten vorzuziehen, gälte es durch erhöhte Leistung in Qualität und Verpackung Einhalt zu gebieten.

Die tatsächliche Situation des deutschen Obstbaues zeigte der Referent mit dem Hinweis auf, daß heute zunächst die Kriegsschäden beseitigt werden müßten. Das, was durch mangelnde Düngung, unzulängliche Schädlingsbekämpfung, durch Frostschäden und Wassermangel an den Obstkulturen geschehen sei, gleiche einer Demontage des Obstbaus. Am verheerendste^ habe sich der Kalimangel ausgewirkt, während durch den Mangel an Phosphorsäure der Ertrag nur unmaßgeblich beeinträchtigt worden sei. Herr Philippi forderte einheitliche Baumbestände, nach Kern- und Steinobst voneinander getrennt, und gab grundsätzlich Halbstämmen und Pyramiden den Vorzug, weil sie, leichter zu pflegen und zu bepflücken, eine bessere Ernteleistung gewährleisteten. (Je mehr in einer Stunde gepflückt werden kann, desto größer ist der Gewinn für den Erzeuger!) Philippi demonstrierte diesen Umstand sehr anschaulich an dem Beispiel der Johannisbeere, die unbeschnitten mit nur äußerlichem und kleinbeerigem Behang einen Bruchteil des Ertrages liefert, den beschnittene Büsche mit vollen Trauben ohne weiteres — bei geringerem Arbeitsaufwand — hergäben. Gerade bei kleinfrüchtigem und empfindlichem Obst sei es wichtig, die Werbungskosten bei der Ernte auf das Mindestmaß zu beschränken. Der Referent wies besonders darauf hin, daß gerade Johannisbeeren — und wohl auch Stachelbeeren — für den Export in Frage kämen, da eine große Nachfrage in Frankreich und in der Schweiz bestände.

Im Folgenden wurde ausgeführt, daß durch einen regelmäßigen Baumschnitt nicht nur die Qualität der Früchte verbessert, sondern auch die Lebensdauer der Bäume erhöht würde. Rekordernten führten zur Erschöpfung der Bäume und hätten zumeist Mißernten im Gefolge. Erstrebenswert aber seien stabile Erträge, gute Durschnittsleistungen, die nie aussetzten und die Bäume schonten. Von Unterkulturen, die doch nur mäßig gediehen, den Bäumen das

Wasser entzögen und — zumal bei Halbstämmen — die Bodenarbeit erschwerten, sei abzusehen. Gleichzeitig warnte er vor den neuartigen Bodenbearbeitungsgeräten, die heute in großer Zahl auf den Markt geworfen würden, ohne recht erprobt zu sein. Johannisbeeren, einmal im Klein- und Mittelbetrieb, zum anderen plantagenmäßig angepflanzt und im Akkord geerntet, gleichfalls Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren — die jährlich beschnitten gehörten — hätten im Ausland wenig Konkurrenz. Frühes Steinobst sei auch auf dem deutschen Markt gefragt. Der Akzent läge dabei auf „früh“. Gleichzeitig sei es wichtig, daß vielfach verwendbare Sorten, die sich sowohl zum Frischverbrauch als auch zur Konservierung eigneten, zur Anpflanzung kämen. Aprikosen seien immer gefragt, gediehen aber nur mäßig. Aepfel beherrschten nach wie vor den deutschen Markt, während Birnen auch gut für den Export geeignet seien.

Anschließend zeigte Herr Philippi Farbphotos aus seiner Versuchspfirsichplantage in Bad Dürkheim und erläuterte daran, welche Sorten sich besonders zur Vermehrung und zum gewerbsmäßigen Anbau eigneten.

Der Verbandsdirektor des landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbandes, Dr. Rohr, hielt dann noch ein Kurzreferat über Absatzschwierigkeiten und Preisgestaltung in der heutigen Zeit. Er sah die vorzüglichste Möglichkeit, der augenblicklichen Schwierigkeiten Herr zu werden, in einer gewissen Absatzstrategie, die Angebot und Nachfrage in gleicher Weise überschaue. Vor allem sei es wichtig, die Einzelerzeuger an den Markt heranzubringen und zu einer einheitlichen und gemeinsamen Preisbildung zu bewegen. Ziel müsse es sein, zu einer Marktregelung zu kommen, die es unternimmt und fertigbringt, die gegensätzlichen Interessen der Erzeuger- und Verbraucherorganisationen so auszugleichen, daß sowohl die einen wie die anderen sich gern und freiwillig ihr unterwerfen. (Kä.)


„Da ist selbst das ,Gegessen-werden‘ nur noch halb so schlimm“, dachten die Pfirsiche, als sie sahen, von welchem hübschen Mädchen sie an die Zuschauer des Festzuges verteilt wurden. DT-Foto: Archiv
„Da ist selbst das ,Gegessen-werden‘ nur noch halb so schlimm“, dachten die Pfirsiche, als sie sahen, von welchem hübschen Mädchen sie an die Zuschauer des Festzuges verteilt wurden. DT-Foto: Archiv

Der Mozartchor in Bensheim

Der Goethegesellschaft war es gelungen, den bekannten Dresdner Mozartchor für ein Konzert in der Turnhalle des Gymnasiums zu gewinnen. Das sehr vielseitige Programm enthielt Chorsätze der Musica sacra, Madrigale, Sätze der Romantiker, Volksweisen und Abendlieder. Es wäre wirklich schwer, einzelne Sätze besonders hervorheben zu wollen, da jeder Chorsatz von der Musica sacra bis zur einfachsten Volksweise in vollendeter Wiedergabe dargebracht wurde, ganz gleich, ob dies nun die „Nacht“ von Barth, die „Jahreszeiten“ von Czernik, das schlichte „Guten Abend, gut’ Nacht“, die übermütige Froschkantate oder der sehr wirkungsvolle Echochor „Im Wald“ war. Da der Chor sich ausschließlich aus gut ausgebildeten, sehr schönen Stimmen zusammensetzt, ergibt sich ein glockenreiner Ton, der bisweilen fast überirdisch genannt werden kann. Was hier geschieht, ist reiner Belcanto im wahrsten Sinne des Wortes, verbunden mit einer hohen Vortragskultur. Dies kam auch bei den Soli,' den Duetten und Terzetten besonders zum Ausdruck. Werner Schück ist ein Chordirigent großen Formats, ein Künstler, der sein eigenes Ich hinter dem Dienst am Wahren und Schönen zurücksetzt. Jeder einzelne Satz war bis in kleinste Feinheiten ausgearbeitet und wurde vollendet zu Gehör gebracht. Das zahlreich erschienene Publikum spendete reichen Beifall für diese •hohen künstlerischen Darbietungen und erklatschte noch als Zugabe: „Schlafe, mein Prinzchen, schlaf’ ein“. (HB)

Odenwaldklub im Bachgau

Unter der sach- und wegekundigen Führung von Wanderwart Krapp unternahm die Reinheimer Ortsgruppe am Sonntag eine Wanderung, die in vielfältiger Beziehung geeignet war, das Verständnis nicht nur für die Odenwälder Landschaft, sondern auch deren Geschichte zu wecken. Als Enflziel war Schaafheim gewählt worden, das die etwa 40 Wanderer von Groß-Umstadt aus auf schattigen Wegen durch das Raibacher Tal, über den Binselberg und die Schaafheimer Warte erreichten. Wanderwart Krapp gab an der Schaafheimer Warte geschichtliche Erläuterungen, die von den Teilnehmern dankbar aufgenommen wurden, zumal er es verstand, mit der geschichtlichen auch eine Betrachtung der landschaftlichen Eigenart und der Zusammensetzung des Bachgaues zu geben. Einen Ueberblick über die Besiedelung des Schaafheimer Gebietes in frühgeschichtlicher Zeit und die wechselhafte Geschichte des festen Platzes Schaafheim gab Rektor Krapp bei der Mittagsrast. Anschließend wurde das Bachgaumuseum unter Führung des Gründers und Leiters, Herrn Nowotny, besichtigt. Man war stark beeindruckt von der Reichhaltigkeit der Sammlungen, die leider in einem sehr beengten Reum zur Schau gestellt werden müssen. Die Rückfahrt wurde von Babenhausen aus angetreten. (eb)

AUnglücklircher Kopfsprung

Im Groß-Gerauer Schwimmbad verurglückte am Sonntag ein junger Mann be: einem Kopfsprung in das große Becken. Er schlug sich auf dem Beckenrand den Kopf auf und mußte in stark benommenem Zustand in das Stadtkrankenhaus gebracht werden. Keg)

Ein Ort der Ruhe und Grholung

Auerbacher Fürstenlager wieder in altem Glanz

Die ehemalig großherzogliche Sommerresidenz, das Fürstenlager in Auerbach, war schon immer ein Anziehungspunkt für Fremde und Ausflügler von nah und fern. Es schmerzte daher an den vergangenen Jahren besonders, zusehen zu müssen, wie der Park immer mehr verwilderte, weil niemand seine Pflege übernahm. Seit nun das Fürstenlager in den letzten Jahren unter die Obhut des Landeskonservators von Hessen gestellt wurde, sind hier eifrige Hände am Werk, um den Park wieder zu einem wirklichen Schmuckstück zu machen. Freilich geht so etwas nur langsam, denn es fehlt auch hier vor allem wie anderenorts an den nötigen Mitteln.

In vorbildlicher Zusammenarbeit ist bisher schon viel geleistet worden. Neben der Säuberung und Neugestaltung des Schwanenteiches und der Einebnung der stark vom Wasser ausgewaschenen ehemaligen Wiese oberhalb des Teiches wird gegenwärtig am Springbrunnen vor dem Herrenhaus gearbeitet. Nachdem das vorher überall wild wuchernde Gestrüpp beseitigt wurde, kommen die herrlichen, teilweise in unseren Gegenden sehr seltenen Bäume, die um die Herrenwtiese herum stehen, wieder voll zur Geltung. Hier wird der Kenner so manche Rarität entdecken. Diese Bäume sind auch der Stolz des Parkmeisters Arndt, der von seinen Schützlingen mit großer Liebe spricht. Hier findet man auch eine gewaltige „Sequoia gigantea“, auch „Mammutbaum“ genannt — deren Alter auf etwa 170 bis 180 Jahre geschätzt wird — mit einer Höhe von 45 m und einem Umfang an der Erde von 7,10 m. Von ihr gibt es noch etwa ein Dutzend kleinerer Exemplare im Park.

Auch die im Frühjahr zartviotett blühende „Paulownia imperialis“ (Ostasien), die „Libanon-Zedern“, deren höchste mit 33,60 m zugleich die höchste in Deutschland ist (die älteste befindet sich in Weinheim), der „Gingko biloba“ (Japanischer Götterbaum), den Goethe schon besungen hat, die „Taxussortten“, oder unter den Laubhölzem die „Manna-Esche“ (Blüten-Esche), der „Christusdorn“, die „Gleditschia iriacanta“, die seltenen Baummagnolien usw. werden nun Stück für Stück wieder freigelegt und so dem Besucher zugänglich.

Parkmeister Arndt hofft noch manche Plläne verwirklichen zu können, wie die Anpflanzung eines Edelkastanienwäldchens, eines Zedernwaldes u. a. m. Schon jetzt wurden von ihm einige ganz seltene Bäume nachgepflanzt. Der Verkehrsverein ließ Bänke aufstellen und auf dem Rasen gegenüber dem Herrenhaus ein großes Rosenbeet anlegen. Das „Vogeltempelchen“ wurde neu gestr’ hen und beherbergt eine Anzahl bunter Wellensittiche. Die Wege werden aufgefüllt: die Stahlquelle ist seit einiger Zeit freigelegt und fließt wieder. Auch der alte Efeut- "-el soll neuerstehen.

Aus Musikerkredsen kamen schon Anregungen für Serenadenkonzerte während des Sommers, aber vorläufig ist das noch „Zukunftsmusik“, denn die Verwirklichung all dieser Pläne ist eine Frage — des Geldes. Jeder, der den Park in den letzten Jahren gesehen hat, wird zugeben müssen, daß erstaunlich vieles geleistet wurde. Beweis dafür ist, daß das Fürstenlager schon wieder von vielen Fremden besucht wird. (HB)


Der Wachtturm im Fürstenlager Foto: Schermer
Der Wachtturm im Fürstenlager Foto: Schermer

Das Herrenhaus Foto: Schermer
Das Herrenhaus Foto: Schermer

Sonderbare Ehetragödie:

Das Opfer reicht dem Täter die Hand

Die Bluttat von Sandbach vor dem Schwurgericht Darmstadt

Wegen einer versuchten und einer vollendeten Vergiftung sowie eines versuchten Totschlags verurteilte gestern nachmittag das Schwurgericht in Darmstadt den 36jährigen, vorbestraften Hilfsarbeiter Philipp Stapp aus Sandbach im Odenwald unter Zubilligung des § 51 Absatz 2 zu zwei Jahren Gefängnis.

Stupid und gleichgültig, als sei ihm nicht zum Bewußtsein gekommen, was er getan hat, saß jener schwachsinnige Mann auf der Anklagebank, der in der Nacht zum 9. März dieses Jahres eine schwere Bluttat beging und um Haaresbreite seine 29jährige Ehefrau und sich selbst umgebracht hätte.

Um seine Tat beurteilen zu kennen, muß man, wie der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Hahn, ausführte, von der Ehe ausgehen, die durch die eigenartige Persönlichkeit des Angeklagten und die weitaus größere Schuld der Ehefrau zerrüttet war. Obwohl sie sterilisiert war, heiratete Stapp, der im Kriege zum ersten Male Beziehungen mit Frauen anknüpfte, 1941 seine jetzige Frau, die ihn aber auf Grund eines übersteigerten Sexualtriebs in der Folgezeit laufend durch allerlei Männerbekanntschaften betrog. Diese eheliche Untreue verursachte in dem Mann, der stets ordentlich arbeitete, sein Geld prompt auf den Tisch legte, nicht rauchte, nicht trank und in allem ein Mustergatte sein wollte, eine verständliche Eifersucht und Erregung.

Durch die schweren Eheverfehlungen seiner Frau redete er sich allmählich in eine chronische Wutstimmung hinein. Wie brüchig die Ehe war, beweisen drei Ehescheidungsklagen, die jedesmal jedoch wieder zurückgenommen wurden. Um seiner Frau nun einen Denkzettel zu geben und zu erreichen, daß sie infolge Schmerzen im Bett blieb und nicht „auf den Strich“ ging, streute er ihr 1942 in einer Kaffeemühle feingemahlenes Mäusegift in ihr Mittagsmahl. Die Frau schüttete allerdings die bitterschmeckende Soße weg. Wenig später mengte er vergifteten Weizen ins Mehl, von dem eine Suppe bereitet wurde. Die Frau nahm es diesmal zu sich und klagte lange Zeit über heftige Magenschmerzen. Am 9. März wußte nun der, wie der Verteidiger sich ausdrückte, arme, eifersüchtige Tropf nicht mehr, was er tat. Seine Frau hatte das Haus verlassen und abermals die Ehescheidung beantragt. Als sich die Frau nicht zu einer Rückkehr und zur Zurücknahme des Antrags bewegen ließ, kam es zu erbitterten Streitereien. Stapp trug sich von da an mit dem Gedanken, sich und seine Frau aus der Welt zu schaffen:

Gegen 3 Uhr nachts stand er plötzlich auf, holte in der Küche ein Messer, brachte der schlafenden Frau zwei schwere Halsschnittwunden bei und stach auf sie ein, als sie vor ihm d avonrannte. Ein herbei geeilter Verwandter entriß Stapp das Messer und holte einen Sanitäter. In dieser Zeit versuchte der Angeklagte, sich beide Pulsadern zu öffnen. Er kam jedoch nicht dazu. Im Krankenhaus wurden beide wieder geheilt.

Mildernd berücksichtigte das Gericht die psychopathische Veranlagung des Angeklagten und die Tatsache, daß die Ehefrau die Hauptschuld an den Ehezerwürfnissen trug. Als nicht unerheblich für eine mildernde Strafzumessung bezeichnete der Vorsitzende außerdem die Tatsache, daß das Opfer, also die Frau, ihrem Manne die Tat verziehen und ihm wieder die Hand zur Versöhnung gereicht hat.

Da der Angeklagte geständig war, wurde ihm die erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Wegen der Höhe der ausgesproche- t nen Strafe blieb der Haftbefehl allerdings bestehen. Die Tatwaffe, das Küchenmesser, wurde eingezogen. (wst)

Das Pfirstchfest ausgenützt

Ein frecher Einbruclisdiebstahl ereignete sich nach Mitteilung der Kriminalinspektion Darmstadt in der Nacht zum Montag in Zwingenberg an der Bergstraße. Während die Hausbewohner bei den weinseligen Vergnügungen des Pfirsichfestes weilten, drangen unbekannte Diebe in die Wohnung eines Fuhrunternehmers ein und stahlen eine Schreibmaschine (Marke Adler Modell 7). einen Radioapparat (Teletfunken, Sechskreiser, 8 Watt) und einen Geldbetrag in Höhe von 1900 DM, davon 1000 .DM in Fünfzigmarkscheinen. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sind im Gange. (wst)

Rasch geklärter Einbruch

In Unter-Schönmattenwag versuchte ein Jugendlicher während der Abwesenheit eines alleinstehenden Einwohners, dessen zu Hause aufbewahrte Barschaft, von der er offenbar wußte, an sich zu bringen. Er drang in die Wohnung ein. durchsuchte nahezu sämtliche Behältnisse, mußte aber unverrichteter Dinge wieder abziehen, da die vorhandenen 750 DM zu gut versteckt waren. Der gegen 22 Uhr heimkehrende Wohnungsinhaber erstattete sofort Anzeige. Da der Einbrecher als Visitenkarte deutlich sichtbare Fingerabdrücke auf dem staubigen Koffer hinterlassen hatte, war seine Ermittlung nicht allzu schwierig. Der des Einbruchs verdächtige junge Mann leugnete zwar zunächst die Tat, gestand aber angesichts der daktyloskopischen Kronzeugen den Diebstahlsversuch ein. Er wurde dem Amtsrichter in Waldmichelbach vorgeführt. (-r)

Schwer bestrafter Leichtsinn

Am Sonntagabend veranstaltete ein 11- jähriger Gymnaiast zusammen mit mehreren Schulkameraden auf einem unübersichtlichen Feldweg ein Radrennen. Dabei rannte er an der Einmündung des Pfades in die Landstraße auf einen aus Richtung Bensheim kommenden Lastwagen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Fahrrad völlig zertrümmert. Der Junge erlitt stark blutende Verletzungen am Kopf, einen dreifachen komplizierten Knochenbruch oberhalb des Knies und am rechten Arm sowie zahlreiche Hautabschürfungen. Bei dem Lastwagen wurde der rechte Scheinwerfer durch den Kopf des Jungen eingeschlagen.

Eingebrochen und abgesackt

In den Mittagsstunden des Samstags geriet der Lastwagen einer Lebensmittelgroßhandlung aus Traisa beim Passieren der Lengfelder Rathausdurchfahrt in den nur notdürftig zugeschaufelten Graben der im Bau befindlichen Wasserleitung. Die lockere Erde gab nach, und die eine Seite des Wagens sackte bis zur Achse ein. Nach längeren Bemühungen des Fahrers und mit Hilfe einiger Bauarbeiter und einer Dreibockseilwinde konnte der Wagen wieder flottgemacht werden. Schuld an dem Vorkommnis war die schlechte Kennzeichnung der Baustelle. (eb)

Fast tausend Soldatengräber im Kreis Dieburg

Zu den am längsten währenden Erinnerungsmalen an einen Krieg gehören zweifelsohne die Soldatenfriedhöfe und -gräber, die zum Teil von den Angehörigen der Gefallenen oder Verstorbenen, soweit sie jedoch Soldaten fremder Nationen bergen, vom Staat errichtet und unterhalten werden.

In größerer Zahl und deshalb in abgeschlossenen Gräberfeldern beigesetzt sind von den insgesamt 229 deutschen Soldaten, die im Kreis Dieburg beerdigt sind, auf dem Friedhof der Stadt Dieburg 116; es sind durchweg Angehörige der ehemaligen deutschen Wehrmacht, die im Dieburger Lazarett verstarben, in Babenhausen 82, die meist zu den in der dortigen Kaserne untergebrachten Einheiten gehörten.

Weit größer ist die Zahl ausländischer Opfer des Krieges, von denen im Kriegsgefangenenlazarett Klein-Zimmern 450 in einem Massengrab beigesetzt worden sind, das lange Zeit nicht sonderlich gepflegt war. Zudem war bei der Inangriffnahme der Instandsetzung nur noch der Name eines einzigen russischen Kriegsgefangenen zu identifizieren, so daß also in Klein-Zimmern „Am Glockenrain“, im Gewann zwischen dem Ort und der Heßmühle 500 unbekannte Soldaten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es handelt sich ausschließlich um russische Staatsangehörige, die in Arbeitskommandos, in Fabriken oder bei den Flakeinheiten eingesetzt waren und die zum Teil von weither kamen: aus Frankfurt, Hanau, Friedberg, Bad Orb, Hersfeld. Soweit Angehörige anderer Nationen — z. B. Italiener — im Klein-Zimmerner Lazarett verstarben, wurden sie meist nach Dieburg übergeführt, wo im ganzen 176 solcher Soldatengräber zu finden sind.

In zahlenmäßig weitem Abstand folgt Nieder-Roden mit 23 Gräbern, in denen vornehmlich Verstorbene aus dem nahegelegenen Lager Rollwald beerdigt wurden. Soweit auf den Friedhöfen zahlreicher anderer Gemeinden Gräber angelegt wurden, handelt es sich um die Beisetzung von Kriegsgefangenen auch westeuropäischer Nationen, die bei Landwirten in Arbeit standen und durch Krankheit starben. Es verzeichnen Altheim 2, Asbach 1, Babenhausen 7, Fränkisch-Crumbach 1, Groß-Bieberau 2, Groß-Umstadt 2, Habitzheim 2, Langstadt 1, Mosbach 1, Münster 4, Niedernhausen 1, Ober-Klingen 3, Ober-Roden 2, Reinheim 2, Richen 1, Rodau 1, Schaafheim 2, Sickenhofen 2, Ueberau 4, Urberach 2 und Wiebelsbach 2 Gräber. Auf dem jüdischen Friedhof Babenhausen sind ferner afrikanische Soldaten beigesetzt.

Die Friedhöfe und die Einzelgräber werden von den betreffenden Gemeinden in Ordnung gehalten, denen jeweils am Jahresende die entstandenen Kosten zurückerstattet werden. Größere Ausgaben bedingte lediglich die Neuanlage des Friedhofs in Klein-Zimmern, der mit Grünhecken eingefriedigt ist und von einem großen Holzkreuz überragt wird.

Todesopfer während der Kampfhandlungen im Jahre 1945 sind, soweit es deutsche Soldaten betrifft, in größerer Zahl nicht zu verzeichnen. Von der Besatzung eines bei Asbach abgestürzten viermotorigen amerikanischen Flugzeugs kamen zwei Mitglieder ums Leben; sie wurden in der Zwischenzeit umgebettet bzw. in die Heimat übergeführt. (RG)

Zeltlager der Bergsträßer lugend

In Siedelsbrunn befinden sich gegenwärtig insgesamt 140 Angehörige der kath. Jugend aus dem Dekanat Bergs tr a ß e und Darmstadt. Lagerleiter ist Diözesanjugendseelsorger Rektor Christian SiePs c h e n, technischer Leiter, in Verbindung mit dem Kreisjugendpeger, ist Heini Keßler, Heppenheim.

Ein Lager der Kath. Jugend Lampertheim befindet sich auf der Wiese „Himmelreich“ in Ober-Schönmatte nwa a g , ein Zeltlager der Eva n g , Jugend auf dem Darsberg bei’ Neckarsteinach. Etwa 26 Buben und Mädchen der „Olympia“ Lorsch sind augenblicklich zur Erholung in Lam im Bayrischen Wald, 10 Mädchen der Kath. Jugend Mörlenbach in Furth im Wald. Eine weitere große Anzahl Jungen und Mädel aus Waldmichelbach hält sich zur Erholung in St. Mergen und auf Amme ru n (Nordsee) auf. (HB)

65,10 Meter mit dem Wind im Rücken

Gute Speerwerfer beim norddeutschen Verbandskampf in Kiel

Kiel, (sid.) 1500 Zuschauer erlebten auf dem Kieler Holstein-Platz bei böigem Winde den norddeutschen Verbandskampf, den Schleswig-Holstein überraschend glatt mit 195 Punkten vor Niedersachsen mit 176 Punkten und dem Vorjahrssieger Hamburg mit 152 Punkten gewann. Während der starke Wind, der genau gegen die 100-m-Bahn stand, die Läufer in den Laufwettbewerben (zusammen mit der bekannt schweren Bahn) stark hemmte, trieb er im Speerwerfen den deutschen Exmeister Will zu der Jahresbestleistung von 65,10 Meter. Da auch der Zweite, Koschel (Niedersachsen). mit 64,30 m seine diesjährige Standardleistung um mehr als 5 m übertraf wird klar ersichtlich, daß der Wind an dieser Leistungssteigerung einen erheblichen Anteil hatte. Die zweite Jahresbestleistung gab es im Kugelstoßen der Trauen durch Hilde Siemer (Oldenburg) mit 12,49 m. Gute Leistungen gab es auch im Weitsprung der Frauen mit drei Sprüngen über 5,40 m. Siegerin wurde hier Klüver (Schleswig-Holstein) mit 5,56 m. Die Sieger:

Männer: 100 m; 1. Golgert (St 11,3 Sek.. 200 m: Golgert 23,0 Sek., 400 m: Wegener (S) 50,1; 800 m: 1. Bock (N) 1:56.5 Min. 2. Akolt (S) 1:58.4 Min.; 1500 m: 1. Warnemünde (S) 4:02,0 Min. 2. Carsten (H) 15.6 Sek. 4XIOO m: 1. Niedersachsen 43,7 Sek. 4X400 m: Schleswig-Holstein, 3:24,8 Min. 2. Hamburg 3;24,9 Min. 3. Niedersachsen 3:24,9 Min.; 3XIOOO m: 1. Schleswig-Holstein 8:00.4 Min. Weitsprung: Hillebrecht (N) 7:01 m; Hochsprung: 1. Nacke (S) 1,80; Stabhochsprtng: 1. Adomeit (S) 3,51 m; Kugel: Fonfara (S) 13,86 m; Diskus: Wosnitzka (N) 40,69 m; Speer: Will (S) 65,10 m, 2. Koschel (N) 64,30 m; Hammer: Hein (H) 48,85 m.

Frauen: 100 m: 1. Heinemann (N) 12,9; 80 m Hürden: Ruthel (S) 12,9; Weitsprung: 1. Klüver (S) 5,56 m, 2. Groz (H) 5,47 m. 3. Kreutzer (S) 5,42 m; Hochsprung: von Ladebur (S) 1,46 m; Kugel: Siemer (N) 12,49 m, 2. Kreß (S) 11,91 m; Diskus: 1. Siemer (N) 38,03 m; Speer: Carsten (H) 37,97 m.

Gauthier bleibt Trikotträger

Nadi der fünften Etappe der „Tour de France“ Dinard. (AP.) Die fünfte Etappe der „Tour de France“ führte am Montag über 316 Kilometer von Rouen nach Dinard durch die Normandie. Etappensieger wurden Giovanni Corrieri (Italien) und Robert Desbat (Frankreich) im toten Rennen. Beide benötigten 10:35,51 Stunden. Dritter wurde in 10:36,11 Stunden Herve Prouzet ( Mitte-Südwest), Vierter Lambertini (Italien), Fünfter Lajoie (Mitte-Südwest) und Sechster Dubuisson (Belgische Adler).

In der Gesamtwertung behielt Gauthier die Führung. Am Dienstag ist ein Ruhetag eingelegt, während am Mittwoch die Strecke von Dinard bis San Brieuc nur über 78 Kilometer geht. Die Fahrer müssen hier „gegen die Uhr“ kämpfen.

Die Langstreckler in Stuttgart

Stuttgart, (sid.) Gleichzeitig mit den süddeutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg wurden beim TSV 03 Mühlhof-Reichelsdorf die Titelkämpfe im 50- km-Gehen und im Marathonlauf ausgetragen. Bei den Gehern fiel der Sieg an den Stuttgarter Kübler, der mit 4:45:16 Std. ebenso klar gewann wie der deutsche Marathonmeister Bürklein (Eisenbahn SV Stuttgart), der für die 42 km 2:32;53 Std., benötigte. Die Mannschafts-Meisterschaft in den beiden Konkurrenzen fiel an Bajuwaren München bzw. 1860 München.

Hilde Sperling und von Cramm

Favoriten-Siege bei „Etuf“ Essen

Essen, (sid) Das Jubiläums-Tennisturnier von Etuf Essen brachte am Sonntag bei gutem Wetter und vor zahlreichem Besuch auf der neu hergerichteten Anlage in Hügel die ersten Entscheidungen in den Einzelkonkurrenzen. Bei den Herren traf Gottfried von Cramm erneut auf Jack Harper und schlug ihn sicher mit 2:6, 6:1, 6:2, 6:3. Ueberraschend leicht fiel der Sieg bei den Damen an die frühere Essenerin Hilde Sperling-Krahwinkel, die über Frau Weiß (Argentinien) 6:2, 6:1 erfolgreich blieb.

Das Finale im „Mixed“ zwischen Frau Hilde Sperling-G. von Cramm und dem Ehepaar Weiß kam nicht zustande, da die Dänin abreisen mußte. Das Herrendoppel gewannen Jack Harper-Heraldo Weiß gegen Buchholz-Hermann mit 6:1, 6:4. Eine Ueberraschung gab es im Damendoppel, denn Frau Schneider-Peitz/Eva Fuchs schlugen Frau Jenquel-Horn/ Frau Hamann-Engers 8:6, 0:6, 6:3.

Tischtennis

SV 98 schlägt Riedauswahl

Einer Einladung folgend spielte am Samstae der SV 98 in Groß-Röhrheim gegen eine Auswahl des Ried-Bezirkes. Die Riedauswahl. die ebenso wie die 98er nicht in stärkster Besetzung antreten konnte, leistete bei den Herren erbitterten Widerstand und mußte sich nur knapp geschlagen bekennen. So waren es vor allem Nock und Hennes, die beiden Bibliser Spitzenspieler, die sich gegen Essinger und Hardt 98 durchsetzen konnten. Wittmann 98. der an diesem Tage besonders schwach war. verlor gegen Zensinder. Bensheim. Die 98er konntendurch Haller. Hartmann und Kappes, der sich wieder aut gefunden hat. bei den Einzelspielen ausgleichen und später durch Siege von Essinger-Wittmann und Haller-Hartmann im Doppel die Führung und gleichzeitig das Spiel zu ihren Gunsten entscheiden. Das letzte Spitzendoppel Nock-Hennes und Hardt-Kappes hatte also keine Bedeutung mehr für den Spielausgang. Die beiden Bibliser Spitzenspieler konnten schließlich das Doppel zu ihren Gunsten ertscheiden.

Die Damen des SV 98 konnten nur zwei Vertreterinnen stellen, so daß sie mehrmals gegen die komplett antretende Riedauswahl spielen mußten. Frl. Nungesser und Fr. Guvot entledigten sich aber mit Bravour dieser Aufgabe und konnten ihre Spiele im Gesamtergebnis mit 6:0 gewinnen. Frohe Stunden in der Form eines bunten Abends beschlossen die gut gelungene Werbeveranstaltune für dem Tischtennissport. Der SV 98 bekam für seine gezeigten Leistungen ein Blumengebinde' überreicht. Ku.

TAV Eppertshausen feiert Jubiläum

60 Jahre besteht der Turn- und Athletikverein, der 1890 von einigen jungen Leuten unter Jakob Murmann gegründet wurde. Schöne Erfolge waren auf’ den Gaufesten der neunziger Jahre erzielt worden. Im Jahre 1906 wurde das Fest in Eppertshausen abgewickelt und damals konnte der Verein den ersten Sieger stellen. Im Jahre 1919 hatte man sich mit dem Athletenverein zusammengeschlossen. In den Jahren 1927/28 wurde neben Leichtathletik auch Handball aufgenommen. Eine stattliche Turnhalle konnte in dieser Epoche geweiht werden.

Nach dem letzten Kriege wurde das Sportfeld neu erweitert. Der 1. Vorsitzende Herr Architekt Müller ist mit dem Verein unlösbar verbunden. Heute zählt der TAV rund 150 Mitglieder. Sie spielen einen ausgezeichneten Handball, die Turner sind im Kommen und neben der Männerabteilung verfügen sie. über eine starke Frauenriege und über 100 Schüler und Schülerinnen.

Mit der akademischen Feier nahmen am Samstag die Jubiläumstage im Edersaal ihren Auftakt. Alle Ortsvereine hatten sich dazu eingefunden. In der Jubilarehrung wurde als einzigem dem Verein noch angehörenden Gründer, Jakob Murmann, die Ehrenurkunde überreicht. Ehrenvorsitzender P. J. Waldmann konnte auf seine 50jährige Mitgliedschaft zurückblicken. Weitere 10 Mitglieder konnten für 40 Jahre und 28 für 25 Jahre Vereinszugehörigkeit geehrt werden. Die Vorsitzenden der Ortsvereine überbrachten die Grüße ihrer Körperschaften, Bürgermeister Gruber die der Gemeinde. Die Feierstunden waren durch Musik- und Gesangsdarbietungen umrahmt. Der Sonntagvormittag gehörte den Leichtathleten, die folgende Ergebnisse erzielten: 100 Meter: 1. Schlett (Eppertshausen) 12,2; 2. Hitzel (Ober-Roden) 12,3; 3. Nostadt (Urberach) 12,3. 400 Meter: Hitzel (Ober-Roden) 55,6; 2. Beckmann (Ober-Roden) 55,6. 3000 Meter: 1. Schrod (Urberach) 10:32. Hochsprung: 1. Schneider (Ober-Roden) 1,57 Meter. Weitsprung: 1. Schrod (Oberßoden) 6,06 Meter; 2. Seib (Urberach) 5,86 Meter. Kugelstoßen: sprung; 1. Schrod (Ober-Roden) 6,06 Meter; 2. Müller (Eppertshausen) 9.92 Meter. 4XIOO¬ - 1. BSC Urberach 48,6; 2. TAV Eppertshausen und TG Ober-Roden 48,8. lOXVs-Runden-Staffel: 1. TAV Eppertshausen 4:25,6; 2. TG Ober-Roden 4:25,9.

Verbandsrunde der Wasserballer

Auf Anregung des Bezirkswasserballfachwarts, Dr. Sachs, Darmstadt, haben sich zu einer Verbandsrunde der A-Klasse folgende sieben Vereine gemeldet: DSW 1912 Darmstadt Res., TSG 1846 Darmstadt Res., TSG 1846 Groß-Gerau, SC Heppenheim, Mörfelden, SC Reinheim, TG. Rüsselsheim. Ausgetragen wird das Turnier in drei Etappen. Laut Terminliste hat jeder Verein ein Heim- und ein Auswärtsspiel, d:e bis zum 12. August erledigt sein müssen. Der Rest der Runde wird durch zwei Turniere, und zwar am 13. August in Darmstadt und am 27. August in Heppenhe'm, geklärt. ff

Triumph der Schweizer Turner

Nur Finnland unterbrach die Schweizer Siegesserie

Basel. (sid. Mit einem in diesem Ausmaß nicht erwarteten Erfolg der Schweiz endeten am Sonntag in Basel die Turner-Weltmeisterschaften. Lediglich Finnland vereitelte durch zwei Erfolge die durchaus gegebene Möglichkeit, daß die Schweizer Turner auf sämtliche Weltmeistertitel Beschlag gelegt hätten. Alle übrigen Nationen blieben sowohl im Gesamtergebnis als auch in den Einzelwertungen aussichtslos zurück. Mit rund 14 Punkten Vorsprung im Nationen-Klassement, fünf Geräte-Mannschaftssiegen und sechs Einzel-Gerätemeistern fiel der schweizerische Erfolg imponierend aus. Der einzige Turner, der zwei Meistertitel errang, war der Schweizer Gebendinger, der im Klassement aber erst an achter Stelle landete. Ergebnisse:

Fünfzehnkampf der Nationen: 1. Schweiz 852,30 P., 2. Finnland 838,40 P., 3. Frankreich 807,85 P., 4. Italien 783,40 P., 5. Jugoslawien 664,1 P., 6. Ägypten 623,8 P. — Einzelwertung-Gesamt: 1. Walter Lehmann (Schweiz) 143,30 P., 2. Marcell Adette (Schweiz) 141,0 P., 3. Olavi Rove (Finnland) 140,8 P., 4. Figone (Italien) 139,95 P., 5. Stoffels (Luxemburg) 139,50 P., 6. Stalder (Schweiz) 139,40 P., 7. Viscari (Italien) 138,95 P., 8. Gebendinger (Schweiz) 138,80 P.

Geräte-Weltmeister: Reck: Paavo Aaltonen (Finnland) 19,45 P., Mannschaften: Schweiz 115,20 P.; Barren: Hans Eugster (Schweiz) 19,85 P., Mannschaften: Schweiz 113,90 P.; Ringe: Lehmann (Schweiz) 19,40 P., Mannschaften: Schweiz 113,70 P.; Seitpferd: Stalder (Schweiz) 19,70 P., Mannschaften: Schweiz 114,20 P.; Freiübung: Gebendinger und Stalder (beide Schweiz) je 19,25 P.; Mannschaften: Finnland 113,45 P.; Pferdsprung: Gebendinger (Schweiz) 19,45 P., Mannschaften: Schweiz 115,45 P.

Über die Kämpfe der Turnerinnen hatten wir bereits gestern berichtet.

Leichtathletische Vereinswettkämpse der SG Weiterstadt

Am letzten Sonntag hielt die Sportgemeinde ihre diesjährigen leichtathletischen Vereinswettkämpfe auf dem Sportplatz ab. Es beteTigten sich 49 Turnerinnen, Turner und Sportler des Vereins. Die Ausrichtung lag in den Händen des Sachbearbeiters für Leichtathletik, Heinrich Schydlowski. Trainer Ebert und die eingesetzten Kampfrichter des Vereins trugen zum guten Gelingen bei. Es kamen vier Wanderpreise zum Austrag. In der Altersklasse errang ihn Hch. Schydlowski im Fünfkampf mit 111 Punkten. Bei den Aktiven (Männer) im Fünfkampf Friedel Feller mit 94,5 Punkten; in der Jugend A (Männer) im Dreikampf Karlheinz Pfeiffer mit 60 Punkten, und bei den Frauen Jugend A im Vierkampf Irmgard Löb mit 62,5 Punkten.

Ergebnisse:

Männer (Alterski. über 50 Jahre) Fünfkampf:

1. Greifenstein, Jakob, mit 55,5 Punkten. Männer — Altersklasse 40—50 Jahre 2. Friedrich, Johann, mit 63 Punkten. Männer (Altersklasse Jahrgang 1910—15): Fünfkampf:

1. Schydlowski, Heinrich, mit 111 Pkt. den 1. Rang; 2. Hirsch-Philipp, mit 89,5 Pkt. den 2. Rang; 3. Schwörer, Ludwig, mit 89 Pkt. den 3. Rang; 4. Heß, Heinrich, mit 66,5 Pkt. den 4. Rang; 5. Pfeiffer, Martin mit 52,5 Pkt. den 5. Rang.

Männer — Aktive — Fünfkampf

1. Veiler, Friedel, 94,5 Pkt.; 2. Fußbroich, Friedel, 93,5 Pkt.; 3. Schmitt, Willi, 93 Pkt.; 4. Schmenger, Karlheinz 78 Pkt.; 5. Petri, Kurt, 76 Pkt.; 6. Thorke, Willi, 71,5 Pkt.

Männer — Jugend A — Dreikampf

1. Pfeifer, Karlheinz, 60 Pkt.; 2. Schmidt, Heinz, 45 Pkt.; 3. Fischer, Manfred, 42 Pkt.

Männer — Jugend Klasse B — Dreikampf 1. Schmidt, Walter, 22 Pkt.; 2. Hahn, Willi, 16 Pkt.; 3. Klink, Walter, 16 Pkt.; 4. Striller, Siegfried, 15 Pkt.

Frauen-Jugend Klasse A — Vierkampf 1. Löb. Irmgard mit 62,5 Pkt.; 2. Schupp, Erika 57 P.; 3. Engel. Armanda 56,5 P.; 4. Sehamber, Edith 53,5 P.; 5. Schöneberger. Liesel 45 P.; 6. Kriegelstein 42,5 P.

Frauen-Jugend Klasse B — Vierkampf 1. Numrich, Kätha mit 50,5 Pkt.; 2. Brodrecht. Anni 43 P.; 3. Hirsch. Irene 37 P.

Einzelkämpfe — Schlcuderballweitwurf Frauen

1. Engel. Armanda mit 30,62 m.; 2. Schamber. Edith 27,90 m; 3. Sdhupp. Erika 26,15 m; 4® Krämer. Wilma 23,05 m.

4xloo-m-Frauenstaffel Jugend Klasse A

1. Mannschaft mit 62,3 Sek.; 2. Mannschaft mit 65,2 Sek.

Gründung eines Rad-und Motorsportvereins

Der „Rad- und Motorsportverein 1893 Groß-Gerau“ wurde am Freitagabend wiedergegründet. Bisher haben .sich etwa 30 Personen angemeldet, die teilweise dem früheren Radfahrerverein von 18Ö3 und der früheren Ortsgruppe des ADAC angehörten. Der Verein will alle 14 Tage eine Versammlung abhalten. Der Sportleiter wurde beauftragt, Veranstaltungen vorzubereiten, mit denen der Verein vor die Oeffentlichkeit-treten kann. Der provisorische Vorstand setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden Peter Rauch, dem Sportleiter Wilhelm Thomas, dem Rechner Georg Jakobi und der Schriftführerin Elisabeth Rauch. (cg)

Schwimmfest in Höchst/Odenw.

Ein kreisoffenes Schwimmfest veranstaltet der TSV Höchst am 23. Juli. Die Unterlegenen der Kreismeisterschaften in Bad König vor zwei Wochen kommen hier zu ihrer ersten Revanche. ff

Wasserball

SC Wiesbaden — TSG Darmstadt 7:1 (3:0) Anläßlich des Schiersteiner Hafenfestes trugen die Mannschaften ein Freundschaftsspiel aus. Die Darmstädter waren nicht in Form und mußten eine hohe Niederlage einstecken. Vor allem in der ersten Hälfte konnten sie den großartigen Kombinationen des Gastgebers nichts Gleichwertiges entgegensetzen. Nach dem Wechsel kam die TSG zwar besser ins Spiel, konnten jedoch lediglich das Ehrentor erzielen. -ks-

Lange Debatten ohne GErgebnis

Zusammenkunft der Religiösen Sozialisten in Bensheim

Zu einer Zusammenkunft zjvecks Gründung einer Kreisgruppe für den Kreis Bergstraße hatte der Bund der Religiösen Sozialisten am Sonntagmorgen im „Winzerkeller“ in Bensheim eingeladen. Als erster Redner sprach Herr Lippold über das Thema: Warum religiöser Sozialismus? Sozialismus sei nicht Zerstörung sondern Wiederherstellung des Privateigentums unter Ausschaltung aller Ausbeuterei. Der Sozialist müsse Bruderliebe üben. Eine wahre Bruderliebe verlange Opfer und vor allem Zurücksetzung des eigenen Ich. Hiernach ergriff Herr W i nt z e r das Wort und sprach über das Thema: Warum Zusammenschluß der religiösen Sozialisten?

Wir müßten erkennen, so betonte der Redner, daß nicht das Materielle aller Weisheit Anfang und Ende sei, sondern, daß es ein höheres Prinzip über uns gibt, Gott, der die Erde geschaffen und ihr Gesetze gegeben habe. Unter dem Mantel des Christentums politische Geschäfte zu treiben, sei eine der größten Sünden.

Die Diskussion kam nach anfänglich guten und wertvollen Gedanken leider immer mehr von dem eigentlichen Thema ab und verbreiterte sich schließlich ins Endlose, wo es nicht mehr um die eigentlichen Kernfragen, sondern um kleine Nebensächlichkeiten geht. Herr Wintzer brach schließlich die Debatten ab, so daß es wenigstens nach fast drei Stunden zu der Ernennung eines Geschäftsführers kam. Mit der vorläufigen Leitung der Geschäfte wurde Herr Lippold beauftragt.

Schaafheimer „Vierecksrennen“

Nur noch Deichsel und Vorderräder zogen die durchgegangenen Pferde des Landwirts W. K., als man sie zum Halten brachte. Zuvor waren sie mit einem Pfuhlwagen durchgegangen und hatten ein Häuserviereck bei der neuen Schule in Schaafheim mehrmals umfahren. ('°'

Später Omnibus bis Jugenheim

Auf vielseitigen Wunsch hin ist die Stadtverwaltung Bensheim mit der Firma Glück und Seitz in Verhandlungen getreten und hat bewirkt, daß künftig nach Konzert-, Theater- und Kinoveranstaltungen von überörtlicher Bedeutung ein Sonderwagen zur Rückfahrt der auswärtigen Besucher bis Jugenheim eingesetzt wird. Die Stadtverwaltung hofft, daß von dieser Fahrgelegenheit reger Gebrauch gemacht wird, da die Firma Glück bei ungenügender Beteiligung diese Verbindung ruicht aufrecht erhält. (HB)

Heppenheimer Waldfest

Am Sonntag feierte der Heppenheimer Turnverein zum erstenmal nach dem Kriege wieder sein traditionelles Waldfest. Am Nachmittag zog der Verein mit Musik durch die Straßen Heppenheims hinauf zum Festplatz auf der Wilhelmshöhe. Hier begrüßte der 1. Vorsitzende Giegerich die Gäste und Vereinsmitglieder. Die einzelnen Gruppen legten Proben ihres turnerischen Könnens ab. Die Kindergruppe der Mädchen zeigte verschiedene gymnastische Uebungen, die Jungen Bockspringen, Staffellauf mit Medizinbällen, Reiterkämpfe, die größeren Mädel führten Keulenübungen vor, die Männer turnten am Reck und Barren. Im Anschluß an die Vorführungen fand unter dem Schatten der Bäume ein Volksfest mit Tanz statt, (HB)

Die schöne Müllerin

Am kommenden Sonntag führt die Theatersparte des MGV „Liedertafel“, Auerbach, im Saale Daum das Volksstück „Die schöne Müllerin“ auf, ein Stück voll Liebe und Eifersucht, voll Humor und Schwung. Martin D e 1 a r u e hat die Spielleitung wieder übernommen. Die Mitwirkenden sind von der Aufführung der „Ehefrau wider Willen“ her noch in §uter Erinnerung. (HB)

Schlagfertiger Rektor

Rektor Darmstädter von der Schaafheimer Schule schlug ein 14- jähriges. bereits konfirmiertes Schulmädchen derart, daß es sich mit starken Kopfschmerzen zu Bett legen mußte. Der herbeigeholte Arzt stellte Schwellungen im Gesicht fest. (io)

Süngerfest in Momart

Momart, das saubere kleine Dörfchen, das sich oberhalb Zell längs der Hohen Straße hinzieht, hatte vergangenen Sonntag seinen großen Tag. Sänger aus Michelstadt, Erbach, Zell, Bad König, Vielbrunn, Kimbach, Weitengesäß, Steinbach, Kirch- und Langenbrombach und anderen Orten der Umgebung waren bei strahlendem Sonnenschein auf die Momarter Höhe gepilgert, um an dem 40. Stiftungsfest der Gesangsabteilung der Momarter Kultur- und Sportgemeinde teilzunehmen, die als Gesangverein „Liederkranz“ im Juli 1910 gegründet wurde. Da Bürgermeister Re i - chert gleichzeitig 1. Vorsitzender des Vereins ist. entwickelte sich das Jubiläum zu einem Fest des ganzen Dorfes.

Vormittags wurde am Kriegerdenkmal der Gefallenen gedacht, am frühen Nachmittag ging nach Eintreffen der Gastvereine ein Festzug hinaus auf den Festplatz bei dem alten Friedhof. Die reizvolle Landschaft, übergoldet von strahlender Sommersonne, bildete den festlichen Rahmen. Der Jubiläumschor unter seinem Dirigenten Lehrer Zink, Bad König, leitete die eigentliche Feier ein, in deren Mittelpunkt die Ansprache des Festredners D üh n er t stand. Der Vorsitzende des Sängerkreises Odenwald, Gi e g, Höchst, nahm die Ehrung von 3 Mitbegründern der Momarter „Liedertafel“ sowie 11 aktiven Sängern und 10 weiteren Mitgliedern für 25jährige Vereinszugehörigkeit vor. Die Michelstadter Feuerwehr unter Leitung von Fritz A r z t spielte den Sängerinnen und Sängern noch bis in den späten Abend zum Tanz auf. (-ch)

Meldungen aus den Landkreisen

Darmstadt-Land

Pfungstadt. In einer schlichten Betriebsfeier in der Brauerei Hildebrand ehrte Betriebsleitung und Belegschaft den Schlosser Heinrich Reining, der am 15. Juli sein 25jähriges Arbeitsjubiläum feierte. Feiern solcher Art sind in der Pfungstädter Brauerei keine Seltenheit und. zeugen vom guten Einvernehmen zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmerschaft. — Anläßlich der goldenen Hochzeit des Neubüreer-Ehepaares Korektor i. R. Franz Ko r bu s überraschte der Volkschor das Jubelpaar mit einem Ständchen und ließ durch seinen Vorsitzenden Rudi Kor wey. die besten Wünsche aussprechen. Herr Korbus wirkte 50 Jahre an der Mädchenschule in Clausbe r g. Oberschlesien, wo er auch als Organist tätig war. — Zum neuen Leiter des hiesigen Postamtes ist Postverwalter G a n - do 1 f von Gersfeld, Röhn, berufen worden. Sein Vorgänger Oberpostverwalter Röder ist mit der Leitung des Postamtes Darmstadt-Eberstadt beauftragt worden. — Das herrenlos in einem Getreidefeld gefundene Klein-Kraftrad wurde an seinen Besitzer zurückgegeben. Das Rad war ihm vor 14 Tagen gestohlen worden. — Das vom Musikverein in den schönen Anlagen des - Mierendorf-Platzes veranstaltete Abendkonzert war ein voller Erfolg. Das unter der Stabführung von Kapellmeister Otto Apfel stehende Orchester brachte im ersten Teil Werke von Cherubini Rossini, Haydn. Günther und Humpendink, während im zweiten Teil Melodien von Bentzky. Strauß und Reymond zu Gehör kamen. Opernsängerin Fräulein Anni Rensch. Darmstadt, und der Kinderchor der hiesigen Volksschule unter Leitung von Herrn Schrever fanden ebenfalls dankbare Zuhörer. (ler)

Dieburg

Dieburg. Am kommenden Sonntag veranstaltet die hiesige Ortsgruppe des Qdenwaldklubs nach längerer durch die verschiedenen Großveranstaltungen bedingter Pause wieder eine Wanderung. Sie führt mit Treffpunkt an der evangelischen Kirche um 7.30 Uhr per Rad nach Heubach und von dort über einen besonders idyllischen Höhenweg nach dem Breuberg. — Die Ortsgruppe Dieburg der SPD und die Freie Sängervereinigung Dieburg ehrten am Sonntagabend ein verdientes Mitglied. Michael Fuchs und seine Ehefrau Maria geb. Wolf, Mitbegründer der Sängervereinigung, feierten an diesem Tage das Fest der goldenen Hochzeit. Mitglieder der Partei und der Freien Sänger veranstalteten einen Fackelzug in die Groß-Zimmerner Straße, wo der 1- Beigeordnete Georg Hach und der Vereinsvorsitzende Johann Brand Glückwunschansprachen hielten, die die Verdienste des Jubilars hervorhoben. Der Chor der Vereinigung und die Kapelle Hiemenz umrahmten die Feier mit Lied- und Musikvorträgen. Der Rückweg in die Stadt endete mit einem fröhlichen Umtrunk im „Weißen Roß“. (RG)

Klein-Umstadt. In einem nahe dem Ort gelegenen Gutshof wurden übers Wochenende von der Weide zwei Stück Großvieh gestöhlen. (RG) Groß-Umstadt. Die Landstraße 2. Ordnung Groß-Umstadt — Lengfeld ist zur Zeit wegen Bauarbeiten für den Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Bis an den Ortsausgang hinter dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik hat die Straße Kleinpflaster erhalten. Auf der übrigen Strecke sind die Vermessungsarbeiten bereits beendet. Die Planierungs- und Bestückungsarbeiten sind im vollen Gange, so daß mit einer baldigen Fertigstellung gerechnet werden kann. Der Verkehr wird z. Z. über Bahnhof Wiebelsbach—Zipfen—Lengfeld umgeleitet. — Auch die Straße Groß-Umstad t—R ich e n ist für den Verkehr polizeilich gesperrt. Mit der Erneuerung dieser Straßen werden weitere „Steine des Anstoßes“ im Kreis Dieburg verschwinden. (eb)

Reinheim. Das anläßlich der 650-Jahr-Feier der Stadt Reinheim uraufgeführte Festspiel Dr. Th. Meisingers „Ich thus nit, ich bin vun Reinem“, erlebte am Sonntag im Reinheimer Volkshaus seine dritte Wiederholung Sehr wohltuend wirkte sich eine Aenderung des dritten Aktes aus, der durch das Auftreten des Pfarrer Höver (Herr Stuckert) sehr gewann. Wieder war das Volkshaus gut besetzt und der Erfolg gab den Veranstaltern recht. Der Odenwaldklub mußte seine „Spinnstube“ leider absagen. So wurde das Spiel durch Violinvorträge von Frl. Hofmann, begleitet von Frl. Paul am Klavier, aufgelockert und damit ein schöner Uebergang der einzelnen Akte ermöglicht. Das Publikum dankte mit. reichem Beifall. (eb)

Erbach

Bad König. Das Kurorchester hat für seine wöchentlichen Konzerte im Kurgarten Wunschlisten in allen Hotels und Pensionen des Stahlbades aufgelegt, in denen die Kurgäste ihre Lieblingsweisen eintragen können. Der Kurverein Bad König hat sich mit einer Bewertungsliste dem Blumenschmuckwettbewerb angeschlossen, so daß jeder Kurgast die Möglichkeit hat, als Preisrichter mitzuwirken.

Affolterbach. Auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses werden jetzt insgesamt 3000 DM an Baudarlehen durch die Gemeinde an Ostvertriebene vergeben und weiterhin eine Bürgschaftshypothek von 1500 DM übernommen. Ebenfalls ,im Sinne verstärkter Neubauförderung lag die Zusage, eine Wasserzuleitung von 200 Metern Länge durch die Gemeinde legen zu lassen. Zur Friedhofserweiterung bewilligten die Räte als Vorschuß den Betrag von 3500 DM. (r)

Sandbach. — Ein Lehrgang der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, wurde kürzlich abgeschlossen. 15 iugendliche Teilnehmer bestanden die Prüfung für den Grund- bzw. Leistungsschein. In diesem Jahr soll noch ein weiterer Kursus stattfinden Anmeldungen zur Teilnahme nimmt Lehrer Lindner. Neustadt, entgegen. — Durch den Bau eines über 200 Kubikmeter fassenden Wasserbehälters, der von mehreren Quellen gespeist wird, will man die Wassernot der Gemeinde beheben. Der Hochbehälter wird in Kürze in Betrieb genommen

Ober-Scharbach. Der Bienenzüchter-Verein, dessen Mitglieder aus den Gemeinden Aschbach, Affolterbach, Gras-Ellenbach, Hammelbach, Gadern, Weschnitz und Olfen kommen, beschloß in seiner Sonntagssitzung, angesichts der erschwerten Einkaufsbedingungen für Zucker den Winterbedarf gemeinsam einzukaufen. Auch Honiggläser, Fütterungsgeräte usw. sollen gemeinsam bestellt werden. Der Verein umfaßt gegenwärtig 41 Mitglieder mit rund 320 Völkern, (r)

Bergstraße

Gadern. Nachdem sich die organisatorische Zusammenfassung der Heimatvertriebenen, die in den Gemeinden Gadern, Kocherbach und Hartenrod untergebracht wurden, infolge der räumlichen Entfernung als unzweckmäßig erwiesen hat, wurde nun eine Teilung der Ortsgruppe vorgenommen. In Gadern wurde Alois Langer zum Obmann bestellt (Stellvertreter Gustav Göttlicher), für Kocherbach - Hartenrod wählte man Johann Kreuzig (Stellvertreter Josef Ziegel sch m i d). Lehrer Bayer (Bensheim), der bei den entsprechenden Versammlungen zugegen war, sagte für die kommenden Wintermonate eine Intensivierung der Jugendarbeit unter den Ausgewiesenen zu, damit heimatliche Sitte und gewohntes Brauchtum erhalten bleiben. (-r)

Ober-Mumbach. Die sich alljährlich im Sommer bemerkbar machende Wasserknappheit soll in Kürze durch die Neufassung einer Quelle und deren Anschluß an das Hauptreservoir behoben werden. Die erforderlichen Erdbewegungsarbeiten sind durch freiwillige Hilfskräfte bereits ausgegeführt. (-r)

Mörlenbach. Die Vermessung des vom Staat, der kath. Pfarrkirche und aus privadem Besitz zur Verfügung gestellten Baugeländes an den Pfadwiesen hat durch das Amt Fürth begonnen. Es sollen 34 Hauseinheiten entstehen, die innerhalb von zwei Jahren begonnen oder fertiggestellt werden müssen. Die Bauwilligen sind in der Hauptsache Flüchtlinge.

Groß-Gerau

Groß-Gerau. Wie das Forstamt bekanntgibt, ist die Hegbachbrücke der Mönchbruch-Pfadschneise wegen Einsturzgefahr für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt, (cg) Nauheim. Der Nauheimer Gemeinderat beschloß Ende vergangener Woche die Renovierung eines Schulsaales und die Wiederherrichtung des Blitzableiters auf dem Schuldach. Weiterhin besprach man noch einige Baugesuche und Pachtverträge und entschloß sich, einen Kaufvertrag des Autostraßenamtes Frankfurt zu unterschreiben, der bereits seit 16 Jahren fällig war, da um diese Zeit ein Stück Wald der Gemeinde Nauheim für den Bau der Autobahn benötigt wurde. — Der Verband der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen. Ortsgruppe Nauheim, will am 22. und 23. Juli ein großes Volksfest veranstalten. (cg)

Mörfelden. Die Eheleute Josef Köhler, Weingartenstraße, feiern am 24. Juli ihre goldene Hochzeit. (cg)

Gustavsburg. Die MAN-Feuerwehr konnte überraschend schnell einen Dachstuhlbrand eindämmen, der trotzdem erheblichen Sachschaden verursachte. Der Schaden beläuft sich auf 12 000 DM. Als Brandursache wird Kurzschluß vermutet. (-au-)

Königstädten. Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt noch in diesem Jahr ihren Schulhausnsubau fertigzustellen. Entsprechende Mittel sollen hierfür noch beschafft werden. Der Kreis wird sich auch mit feinem Zuschuß beteiligen. (-au-)

Wirtschastsblatt

Ist dieser Weg möglich?

bs. Die Brotpreissubventionen sind gefallen. Das Erwartete ist eingetreten: Auf dem Brotmarkt herrscht große Unordnung. In Braunschweig haben die Bäcker den Brotpreis um 3 Pfennig für das Kilogramm erhöht. In Hannover wollen die Bäcker diese Erhöhung vermeiden und dem Brot „Untergewicht“ geben. In Bonner Regierungskreisen dagegen behauptet man, daß der Brotpreis nicht erhöht werden müßte. Man will sogar für drei Monate Brotpreishöchstsätze festsetzen und damit die Bäcker zwingen, beim alten Preis zu bleiben. Man verlangt also von den Bäkkern, daß sie den Brotpreis trotz Roggenmehlerhöhung von 240 DM auf 280 D-Mark, aüf der alten Höhe halten. Ueber die Backspannen ist das möglich, behauptet man in Bonn.

Der logische Schluß: die Backspannen waren bisher zu hoch. Untersucht man aber einmal die Differenz zwischen dem Preis für 1 Kilogramm Brot und den darin enthaltenen Mehlanteil — also die Backspannen — so kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Indexrelation für 1950 hat nämlich folgendes Bild: (1938 = 100) Mehl 140,5, Brot 121,5, Bruttobackspanne 102. Dagegen liegt heute der gesamte Lebenshaltungskostenindex bei 153. Die Bruttobackspanne hat also kaum die Vorkriegshöhe überschritten. Sie enthält aber Fertigungs- und Vertriebskosten, die ungleich mehr gestiegen sind. Mit Brotbacken verdient der Bäcker heute kein Geld mehr. Die Verlustrechnungen der Brotfabriken werden also, den Tatsachen entsprechen. Dazu soll der Bäcker noch rationalisie¬ •ren und modernisieren. Das dürfte ein Kunststück sein.

Den Druck auf die Backspannen haben wir schon seit 1931. Damals wurde die Spanne auf 14 Pfennig festgesetzt. Der Reichskommissar für Preisbildung wies darauf hin, daß die Bäcker mit anderen Erzeugnissen, zum Beispiel mit Feinbackwaren, die Unkosten decken könnten. 1947 erließen die verschiedenen Länder Westdeutschlands eine Brotpreisanordnung, um die unterschiedlichen Preise in den Ländern einander anzugleichen. Aber wieder blieb das Problem der Spannen ungelöst. Nach der Währungsreform wurde der Druck auf die Backspannen wieder fühlbar. Die Landwirtschaft wollte höhere Getreidepreise, der Konsument wollte billigeres Brot. Heute hat dieser Druck seinen Höhepunkt erreicht.

Ist es also möglich über die Backspannen den Brotpreis zu halten? Kaum. Man kann es mit Zwang versuchen. Ein qualitativ schlechteres Brot wird die Folge sein. Der Leidtragende wäre dabei der Konsument. Schlechtes Brot wird auch dem volkswirtschaftlich unerwünschten Absinken des Brotverbrauchs Vorschub leisten. Diese Tendenz besteht heute bereits. Entgegenwirken kann man ihr nur mit einer Werbung für das Brot. Die beste Werbung wiederum ist allerbeste Qualität. Ob die Mühlen etvas nachgeben können, ist eine andere Frage. Aber auch das übersetzte Mühlengewerbe kann nicht die ganze Last tragen. Muß nicht also der Verbraucher auch einen Anteil an der Getreidepreisverteuerung mitübernehmen?

Bz HEGEMAG Hessische gemeinnützige AG für Kleinwohnungen in Darmstadt. In der Hauptversammlung wurde das bisherige Grundkapital von 50 000 RM neu auf 50 000 DM festgesetzt und zugleich auf 250 000 DM erhöht.

Bz Helvetia Konservenfabrik Gr.-Gerau AG in Groß-Gerau, Durch AR-Beschluß ist Dir. Hermann Flick, Gr.-Gerau, zum weiteren Vorstandsmitglied bestellt worden.

•Bz Rheinische Kunsthorn- und Leimfabrik Esbrilith GmbH, Gernsheim. Der Sitz des Unternehmens ist unter Firmenänderung in „Hessische Kunststofffabrik GmbH“ von Gernsheim nach Bruchköbel Kreis Hanau verlegt worden.

Bz Dr. Schwarz KG, Fabrik ehern. Pharmazeut. Präparate, Reichelsheim i. Odenw. Die Niederlassung ist nach Monheim (Rheinland) verlegt worden.

Bz. H. Jung & Cie, Carolinenhiitte GmbH, Wetzlar. Durch Gesellschafterversammlung ist das Stammkapital auf 700 000 DM neu festgesetzt worden.

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse kam es am Montag bei relativ kleinem Geschäftsumfang zu weiteren Meinungs- und zum Teil auch Deckungskäufen insbesondere am Montanmarkt, so daß sich die bereits in der Vorwoche begonnene Aufwärtsentwicklung der Montankurse fortsetzte. Nachrichten über erhöhte Auftragseingänge bei der Stahlindustrie wirkten dabei anregend.

Berliner DM-Wechselkurs

F.A.Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 17. 7. 50 für eine DM-West 5,50 Ostmark gezahlt und für 5,80 Ostmark eine DM-West geboten.

Altmetalle stärker gefragt

R. M. Die weltpolitische Krise in Korea und die hiermit verbundene Hausse an den Rohstoffmärkten hat sich auf den deutschen Altmetallmarkt ausgewirkt, an dem eine nervöse Stimmung zu bemerken war. Die Lage ist im ganzen sehr undurchsichtig und unterschiedlich. Die Nachfrage nach allen Materialien belebte sich merklich. Die Preise haben auf der ganzen Linie stark angezogen, wobei weiterhin regionale Unterschiede zu bemerken waren.

Id. Die Jockers-Holzhausbau-GmbH in Germersheim hat nach Mitteilung des Amtsgerichts in Germersheim am 14. Juli 1950 das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses über ihr Vermögen beantragt. Die Firma Jockers war zu diesem Schritt gezwungen. nachdem die Landesregierung von Rheinland-Pfalz durch Kabinettsbeschluß kürzlich eine weitere Finanzierung der Jockers-GmbH aus öffentlichen Mitteln abgelehnt hatte. Wie die Werksleitung mitteilte, hat sie inzwischen mit privater Seite Verhandlungen aufgenommen, um eine Weiterfinanzierung der Firma mit anderen als staatlichen Mitteln zu erreichen.

Altes Geschirraluminium Preise in DM je 100 kg 55— 60
Alu-Motorgehäuse u. Alu-Gußschr. 45 — 50 Altblei 80— 85
Schwerkupfer 160 — 165
Leichtkupfer 140 — 150
Alter Elektrolytkupferdraht 165 — 170
Schwermessing 65— 70
Leichtmessing 55— 60
Alter Rotguß u. Maschinenrotguß 103 — 108 Altzink 80— 85

Vorschläge zur Arbeitsbeschaffung

Eine Denkschrift des Bundesverbandes der deutschen Industrie

hd. In einer soeben veröffentlichten Denkschrift des Bundesverbandes der deutschen Industrie zum zweiten Arbeitsbeschaffungsprogramm der Bundesregierung wird festgestellt, daß die direkte Arbeitsbeschaffung nach wie vor von der öffentlichen .Hand durchgeführt werden müsse, da es sich dabei um soziale Hilfsmaßnahmen handele. Diese könnten aber sehr wohl der volkswirtschaftlichen Werteschaffung dienen. (Arbeiten an öffentlichen Gebäuden, an dem Verkehrsnetz usw.) Es wird vorgeschlagen, diese werteschaffende Arbeitslosenfürsorge auf die laufenden Investitionen der öffentlichen Hand aufzupfropfen. Bei der Finanzierung könne teilweise auf Mittel der Arbeitslosenversicherung zurückgegriffen werden. In der Hauptsache müßten die Ausgaben aber durch außerordentliche Etats des Bundes, der Länder und der Gemeinden beschafft werden. Da die Mittel jedoch nicht einfach auf dem normalen Anleihewege aufgebracht werden könnten, müsse die Notenbank zur offenen Marktpolitik greifen und gegebenenfalls die ersten Anleihen geschlossen übernehmen. Die Förderung des Wohnungsbaues bezeichnete der Bundesverband als einen besonders wichtigen Faktor zur Belebung de» Konjunktur. Das Ziel müsse sein, etwa in Jahresfrist die industrielle Produktion auf 120 Prozent des Standes von 1936 und in etwa fünf Jahren auf 175 Prozent ausweiten. Allerdings dürfe die Wirtschaftsförderung nicht zu einer zwangs weisen Vollplanung werden. Sie solle sich daher auf die Aufspürung und Bekanntgabe gewisser Markt- und Finanzierungschancen beschränken. Eine ins einzelne gehende Vorbereitung der Förderungsobjekte laufe stets Gefahr, an der wirklichen Marktentwicklung vorbeizutreiben. Aus diesem Grunde sei auch die Herausstellung von sogenannten Anpassungs- oder Schwerpunktprogrammen überholt

Billiges Mehl aus dem Ausland

k. Ausländische Staaten bemühen sich seit einigen Tagen, sich stärker in das deutsche Mehlgeschäft einzuschalten, nachdem die innerdeutschen Mehlpreise ab Anfang Juli angezogen haben. Amerikanische, belgische und französische Mühlen haben deutschen Unternehmen jetzt Mehlofferten gemacht, die unter den Abgabepreisen der deutschen Mühlen liegen. So liegen die amerikanischen Offerten für Mehl der Type 812 bei 39,50 DM und französische Offerten bei 43 bis 45 DM pro Doppelzentner frei Waggon - Main-Gebiet. Es ist noch nicht bekannt geworden, ob Geschäfte auf dieser Basis zustande gekommen sind. Unklar ist noch, wie hoch die Zollbelastung von der Bundesregierung endgültig festgesetzt wird,

Heu teilweise minderwertig

Idn Infolge der starken Gewitter ist in fast allen Gebieten von Rheinland-Pfalz eine Lagerung des Getreides festzustellen. In verschiedenen Landesteilen entstanden große Hagelschäden. Durch die feucht-warme Witterung treten Pflanzenschädlinge in verstärktem Maße auf. Aus den Weinbaugebieten wird starker Befall von Oidium und Peronospora gemeldet. Infolge der großen Niederschläge wurde teilweise nur minderwertiges Heu geerntet.

Diskontierung von DM-Akzepten

F.A.Z. Die Außenhandelsbanken wurden von der Bank deutscher Länder ermächtigt, ab sofort Akzepte deutscher Importeure anzukaufen, die ihnen von ausländischen Banken oder unmittelbar von Auslandsfirmen angeboten werden.

Um den Demontage-Stop

zr. Der Wirtschaftsausschuß des Bundestages fuhr am Montagnachn- 'ttag nach Watenstedt-Salzgitter, um an Ort und Stelle zu prüfen, ob die Niederlegung der beiden großen Gebäudekomplexe und der völlige Abbau der Rennanlage durch Verhandlungen verhindert werden kann. Die bisherigen Verhandlungen hatten bereits zu dem Ergebnis geführt, daß die französischen Empfänger an Stelle von Teilen der Rennanlage mit der Ersatzlieferung von Speziallokomotiven einverstanden waren. Die Verhandlungen wurden jedoch durch Eingreifen der Oberkommission plötzlich abgebrochen.

Danksagung Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie für die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgang unseres unvergeßlichen Entschlafenen Jacob Zimbrich sagen wir unseren herzlichsten Dank. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Strack für seine trostspendenden Worte bei der Einsegnung und am Grabe, dem Odenwaldklub und dem evangelischen Kirchenchor für den warmen Nachruf und die Kranzniederlegung sowie allen denen, die ihm die letzte Ehre erwiesen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Elise Zimbrich geb. Grund und Kinder Pfungstadt, den 15. Juli 1950.

Danksagung Für die vielen Beweise der Anteilnahme an dem Verlust unserer lieben Entschlafenen Elisabeth Reiß sagen wir hiermit allen unseren Dank. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Scholl für seine Grabrede, desgleichen Schwester Dorothe für die aufopfernde Pflege während des langen Krankseins. Wir danken ferner allen denen, die ihrer durch Kranz- und Blumenspenden gedachten und ihr die letzte Ehre erwiesen. Im Namen der Hinterbliebenen: Joh. Leonhardt Reiß Pfungstadt, den 15. Jüli 1950.

Bestattungen am Dienstag, dem 18. Juli 1950: Beerdigungen: Alter Friedhof: 15.00 Uhr: Lich, Julius, Alexanderstraße 3, 68 Jahre Feuerbestattung: Waldfriedhof: 14.15 Uhr: Hamm, Minna, Jahnstraße 123, 74 Jahre

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Beurkundete Sterbefälle (In der Zeit vom 26. Juni bis 8. Juli 1950) In auswärtigen Gemeinden verstorbene Darmstädter: Bächmann, Klara, geb. 20. 5. 83, Darmstadt, Barkhausstr. 7, gest. 19. 5. 50 in Jugenheim. — Bechtold, Sophie geb. Ehrhardt, geb. 21. 10. 81, Darmstadt, Arheilgerstr. 94, gest. 22. 5. 50 in Nieder-Ramstadt. ■— Lange, Wilhelm, geb. 1. 8. 19, Gärtner, Darmstadt-Eberstadt, Darmstädter Straße 14, gest. 20. 3. 50 in Heidelberg. — Niedenthai, Susanna geb. Petry, geb. 12. 10. 94, Darmstadt, Am Erlenweg 14, gest. 28. 5. 50 in Wiesbaden. — Schiller, Agnes, Martha, Emma, geb. 15.6.73, Schneiderin, Darmstadt, Liebigstraße 35, gest. 18. 5. 50 in Nieder-Ramstadt. — Speth. Johann, geb. 10. 2. 75. Justizoberinspektor i. R., Darmstadt, Rhönring 145, gest. 8. 5. 50 in Nieder-Ramstadt. — Veith, Elisabetha Margareta geb. Gumbinger, geb. 14. 6. 85, Darmstadt, Moosbergstraße 24, gest. 7. 5. 50 in Nieder-Ramstadt. — Wege, Klara geb. Bullmann, geb. 22. 1. 85, Darmstadt, frene¬ straße 11, gest. 13. 3. 50 in Heidelberg. AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Ab 1. Juli 1950 sind für die Bearbeitung der Besatzungskosten und der Besatzungsfolgekosten im bisherigen Rahmen im Regie¬ rungsbezirk Darmstadt die folgenden staatlichen Besatzungs¬ kostenämter zuständig: 1. Besatzungskostenamt Darmstadt, Darmstadt, Bessunger Str. 125, mit dem Amtsbereich: Stadtkreise: Darmstadt und Offenbach; Landkreise: Darmstadt, Groß-Gerau, Dieburg, Erbach, Berg¬ straße (Heppenheim); Offenbach. 2. Besatzungskostenamt Gießen, Gießen Bergstraße 20, mit dem Amtsbereich: Stadtkreis: Gießen; Landkreise: Gießen, Alsfeld, Lauterbach. 3. Besatzungskostenamt Friedberg, Friedberg, Burg, mit dem Amtsbereich: Landkreise: Friedberg, Büdingen. Für Stadt- und Landkreis Offenbach besteht eine Nebenstelle des Besatzungskostenamtes Darmstadt in Offenbach, Herrenstr. 52. Im Auftrag des Regierungspräsidenten in Darmstadt: Besatzungskostenamt Darmstadt Arbeitsvergebung Für das Bauvorhaben der Gemeinnützigen Siedlungsbaugenossen¬ schaft eGmbH., Bensheim, Ecke Mozart- und Wilhelmstraße, Bau¬ block 2 und 3, sind die nachstehend angegebenen Bauarbeiten zu vergeben: 1. Glaserarbeiten 2. Schreinerarbeiten 3. Treppenanlage 4. Sanitäre Installation 5. Elektrische Installation 6. Schlosser- und Anschlagarbeiten 7. Innenputz-Arbeiten 8. Außenputz-Arbeiten 9. Anstreicher-Arbeiten 10. Tapezier-Arbeiten Die Leistungsverzeichnisse für diese Arbeiten können in unserer Geschäftsstelle, Rathaus, Zimmer 17, in Empfang genommen werden. Letzter Einreichungstermin: Dienstag, 25. Juli 1950. Bensheim, den 13. Juli 1950. Gemeinnützige Siedlungsbaugenossenschatt eGmbH Der Vorstand: F. Obert, W. Volk Änderung der Hauptsatzung der Stadt Darmstadt Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Darmstadt hat am 15. Juni 1950 nachstehende Änderung der Hauptsatzung vom 26. November 1948 beschlossen: Die Hauptsatzung erhält folgenden § 1, Absatz 2: a) An Stelle des Bürgermeisters führt ein Stadtverordneten¬ vorsteher den Vorsitz in der Stadtverordnetenversammlung. Dem Stadtverordnetenvorsteher stehen zwei Stellvertreter zur Seite. b) Der bisherige AbsatZ\2 wird Absatz 3. Der Regierungspräsident Darmstadt hat dieser Änderung gemäß § 3, Absatz 2 der Hessischen Gemeindeordnung vom 21. Dezem¬ ber 1945 am 6. Juli 1950 (I 1500 — 5011/50) seine Zustim¬ mung erteilt. Darmstadt, den 14. Juli 1950. Der Magistrat. Änderung der Verwaltungsordnung der Stadt Darmstadt Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Darmstadt hat am 15. Juni 1950 nachstehende Änderung der Verwaltungsordnung vom 26. November 1948 beschlossen: Die Verwaltungsordnung der Stadt Darmstadt wird im § 2, Ab¬ satz 2 wie folgt geändert: a) Die Stadtverordnetenversammlung wählt aus ihrer Mitte ein Präsidium, das aus dem Vorsteher und zwei Stellver¬ tretern (dem stellvertretenden Vorsteher und dem Schrift¬ führer) besteht. Die in den §§ 32, Absatz 3, 54, Absatz 1 und 56, Absatz 4 der Gemeindeordnung genannten Rechte des Bürgermeisters gehen auf den Vorsteher und in dessen Verhinderung auf seinen Stellvertreter über. b) Der bisherige § 2, Absatz 2 der Verwaltungsordnung wird gestrichen. Darmstadt, den 14. Juli 1950. Der Magistrat. Amtliche Bekanntmachungen der Stadtverwaltung Bensheim Betr.: Ladenverkaufszelten. Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß offene Verkaufsstellen, Ladengeschäfte, Ver¬ kaufsstände usw. It. Arbeitszeitordnung vom 30. 4. 38, § 22, Abs. 1 von 19.00 bis 7.00 Uhr geschlossen sein müssen. Wäh¬ rend dieser Zeit darf, It. § 23 des genannten Gesetzes, auch der ambulante Handel, bzw. das Wandergewerbe, nicht aus¬ geführt werden. Die Beamten der Gewerbeaufsicht in Verbindung mit Beamten der Polizei werden dieserhalb Kontrollen durchführen. Bei fest¬ gestellten Verstößen gegen die genannten gesetzlichen Bestim¬ mungen wird Strafanzeige erhoben. • Bensheim, den 10. Juli 1950. Der Bürgermeister der Stadt Bensheim: 1. V. Seidel

öffentliche Aufforderung zur Abgabe von Steuererklärungen für die Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 und für das Kalenderjahr 1949 Die Erklärungen für die Einkommensteuer einschließlich der ein¬ heitlichen Feststellung von Einkünlten, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer für die Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 und für das Kalenderjahr 1949 sind in der Zeit vom 15. Juli bis 15. August 1950 bei den Finanzämtern abzugeben. Steuerpflichtige, die Gewinne aus abweichenden Wirtschaftsjahren bezogen haben, die nach dem 31. Mai 1950 geendet haben, haben die Erklärungen späte¬ stens am 10. des dritten Monats nach Ablauf des Wirtschafts¬ jahres einzureichen. A. Einkommensteuererklärungen haben abzugeben: 1. Unbeschränkt Steuerpflichtige, * a) wenn ihr Einkommen in der Zeit vom 21. Juni 194$ bis 31. Dezember 1948 oder im Kalenderjahr 1949 mehr als 600 DM betragen hat und darin weder lohnsteuer¬ pflichtige Einkünfte noch Einkünfte aus einem nicht¬ buchführenden land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb enthalten sind, b) wenn ihr Einkommen in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 oder im Kalenderjahr 1949 ganz oder teilweise aus lohnsteuerpflichtigen Einkünf¬ ten bestanden hat und entweder aa) das Einkommen in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 12 000 DM oder mehr betragen hat oder im Kalenderjahr 1949 24 000 DM oder mehr betragen hat, oder bb) die Einkünfte, von denen der Steuerabzug vom » Arbeitslohn nicht vorgenommen worden ist, in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 oder im Kalenderjahr 1949 mehr als 600 DM betragen haben, c) wenn ihr Einkommen in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 oder im Kalenderjahr 1949 ganz oder teilweise aus Einkünften aus einem nichtbuch¬ führenden land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb be¬ standen hat und die anderen Einkünfte in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 oder im Kalender¬ jahr 1949 mehr als 600 DM betragen haben, d) wenn sie Einkünfte aus mehreren Dienstverhältnissen bezogen haben, die dem Steuerabzug vom Arbeitslohn unterliegen und der Gesamtbetrag dieser Einkünfte in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 1800 DM überstiegen hat, im Kalenderjahr 1949 3600 DM überstiegen hat. 2. Beschränkt Steuerpflichtige über die inlän¬ dischen Einkünite in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 und im Kalenderjahr 1949. B. Körperschaftssteuererklärungen haben abzugeben: 1. Unbesehränkt Steuerpflichtige (Kapitalgesell¬ schaften, Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, Ver¬ sicherungsvereine a. G., sonstige juristische Personen des privaten Rechts, nichtrechtsfähige Vereine, Anstalten, Stif¬ tungen und andere Zweckvermögen, Betriebe gewerblicher * Art von Körperschaften des öffentlichen Rechts), soweit sie nicht nach § 4 KStG voll steuerirei sind, über ihr Einkommen in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 und im Kalenderjahr 1949. 2. Beschränkt Steuerpflichtige (Körperschaiten, Personenvereinigungen und Vermögensmassen, die weder ihre Geschättsleitung noch ihren Sitz im Inland haben) über ihre inländischen Einkünfte in der Zeit vom 21 Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 und im Kalender¬ jahr 1949. C. Gewerbesteuererklärungen haben abzugeben: 1. alle gewerbesteuerpflichtigen Unternehmer, deren Gewerbe¬ ertrag im Wirtschaftsjahr den Betrag von 4000 DM oder deren Gewerbekapital an dem maßgebenden Feststellungs¬ zeitpunkt den Betrag von 20 000 DM überstiegen hat; 2. Kapitalgesellschaften (Aktiengesellschaften, Kommandit¬ gesellschaften auf Aktien, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, bergrechtliche Gewerkschaften); 3. Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften und Versiche¬ rungsvereine auf Gegenseitigkeit; sonstige juristische Personen des privaten Rechts und nichtrechtsfähige Vereine haben eine Gewerbesteuererklä¬ rung nur abzugeben, soweit sie einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (ausgenommen Land- und Forstwirtschaft) unterhalten, der über den Rahmen einer Vermögensver¬ waltung hinausgeht; 4. ohne Rücksicht auf die Höhe des Gewerbeertrages oder die Höhe des Gewerbekapitals alle gewerbesteuerpflich¬ tigen Unternehmen, bei denen der Gewinn auf Grund eines Buchabschlusses zu ermitteln ist oder ermittelt wird. D. Eine Umsatzsteuererklärung ist von allen Unternehmern abzu¬ geben, deren Gesamtumsatz (steuerpflichtiger und steuerfreier Umsatz) in der Zeit vom 21. Juni 1948 bis 31. Dezember 1948 mehr als 400 DM oder im Kalenderjahr 1949 mehr als 800 DM betragen hat. Land- und Forstwirte, deren Gesamtumsätze nach Richtsätzen ermittelt werden, und Straßenhändler, die ein besonderes Straßensteuerheft führen, brauchen eine Umsatzsteuererklä¬ rung nur abzugeben, wenn sie vom Finanzamt dazu aufge¬ fordert werden. E. Eine Steuererklärung hat außerdem abzugeben, wer vom Finanzamt dazu besonders aufgefordert wird. Die Zusendung eines Steuererklärungs-Vordrucks gilt als besondere Aufforde¬ rung. Für die Steuererklärungen sind die amtlichen Verdrucke zu verwenden. Diese sind bei den Finanzämtern erhältlich. Wer später erkennt, daß eine abgegebene Erklärung unrichtig oder unvollständig ist, hat dies dem Finanzamt unverzüglich anzuzeigen. Darmstadt, den 15. Juli 1950. Die Finanzämter Bensheim, Darmstadt, Dieburg, Fürth I. Oäw., Groß-Gerau, Langen und Michelstadt.

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