Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich' Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925’ Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 13 Tleueffe Tla^rt^fen Samstag, 15. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Gie sind nicht vergessen

Drei Noten der Westmächte an Moskau über den Verbleib der deutschen Kriegsgefangenen

London, 14. Juli. (AP.) Die Regierungen der drei Westmächte naben dem sowjetischen Außenministerium am Freitag durch ihre Botschafter in Moskau drei gleichlautende Noten überreicht, in denen die Sowjetunion beschuldigt wird, das Schicksal von Zehntausenuen von deutschen Kriegsgefangenen geheimzuhalten.

Die Westmächte schlagen die Bildung einer internationalen Kommission vor, die in der Sowjetunion selbst Ermittlungen anstellen soll. Die Sowjetunion wurde ferner aufgefordert:

1. Die Namen und Aufenthaltsorte von 13 546 Deutschen anzugeben, die sich nach der sowjetischen Note vom 8. Mai noch in der Sowjetunion befinden.

2. Diesen Deutschen die Möglichkeit zu geben, mit ihren Angehörigen zu korrespondieren.

3. Genaue Angaben über jeden zu machen, fern der Status des Kriegsgefangenen durch Klassifizierung als Zivilarbeiter oder auf ändere Weise genommen und der so aus der Kriegsgefangenenstatistik gestrichen worden ist.

4. Genaue Angaben über die Identität und Beerdigungsstätten von Deutschen zu machen, die in Gefangenschaft gestorben sind.

Die sowjetische Erklärung, daß sich nur hoch 13 546 deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion befänden, sei mit Entsetzen und ernster Besorgnis in Deutschland und der ganzen Welt aufgenommen worden. Die Sowjetunion habe ein Beispiel völliger Mißachtung der Prinzipien der menschlichen Gemeinschaft gegeben, indem sie es unterlassen habe, Angaben über die große Zahl der noch vermißten Kriegsgefangenen zu machen. Außerdem habe die Sowjetunion sich nicht an das Viermächte-Abkommen vom April 1947 gehalten, wonach alle deutschen Kriegsgefangenen spätestens bis zum 31. Dezember 1948 hätten entlassen werden sollen.

In den Noten wird schließlich die Frage aufgeworfen, was mit den zahllosen Staatsangehörigen der ehemals von Deutschland besetzten Gebiete geschehen sei, die gefangengenommen oder während des Krieges als Zivilinternierte nach der Sowjetunion gebracht worden seien.

Die sowjetische F.egierung wurde aufgefordert, die Westmächte über die Schritte zu unterrichten, die sie in der Kriegsgefangenenfrage zu tun bereit sei.

Der britische parlamentarische Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Lord Henderson, hatte am 17. Mai gesagt, daß schätzungsweise 1,5 Millionen deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion verschwunden seien. Von der Bundesregierung war festgestellt worden, daß 400 000 vermißte Deutsche in Zwangsarbeitslager gebracht worden seien.

Die Sowjetunion vertritt den Standpunkt, daß die vermißten Soldaten und Offiziere während des Krieges gefallen seien. Die Unterlagen, aus denen dies hervorgehe«, seien verloren gegangen.

Weitere Subventionen

Vom Bundestag für Brotgetreide gefordert

R. Bonn, 14. Juli. Der Bundestag hat die Bundesregierung am Freitag mit großer Mehrheit beauftragt, auch in Zukunft Subventionen für Brotgetreide und Düngemittel zur Verfügung zu stellen. (Siehe auch Seite 2.)

Koren-Besprechungen in London

London, 14. Juli, (dpa) Unter Vorsitz des Premierministers Attlee hat das britische Kabinett am Freitag eine Sitzung abgehalten, an der zum erstenmal wieder seit zwei Monaten Außenminister Bevin teilnahm. Schon vorher war bekannt geworden, daß die Kabinettsmitglieder sich mit der Entwicklung des Korea-Konflikts befassen würden. An der Besprechung nahm auch der australische Ministerpräsident Menzies teil.

Den Kum überschritten

Vorgeschobenes amerikanisches Haupt¬ quartier, 14. Juli. (AP.) Nadi heftigen Kämpfen, denen jedesmal schwere Artilleriefeuerüberfälle vorausgingen, haben die Nordkoreaner auf dem südlichen Ufer des Kum einen Einbruch in das amerikanische Stellungssystem erzwingen können. In Stärke einer Kompanie haben sie einen Brückenkopf gebildet. Dreimal war es der amerikanischen Infanterie mit Jäger- und Artillerieunterstützung gelungen, dem Feind den Uebergang über den Fluß zu verwehren. (Näheres über den Verlauf der Kämpfe in Korea finden unsere Leser auf Seite 2.)

In letzter Stunde

Verbot der Atomwaffe gefordert

London, 14. Juli, (epd) Der Erzbischof von York, Dr. Garbett, hat die englische und die amerikanische Regierung zu einem direkten Schritt bei der Sowjetunion aufgefordert, damit noch in letzter Stunde durch eine wirksame Vereinbarung die Wasserstoff- und Atomwaffen geächtet würden. Jedes Herantreten an die Sowjetunion müsse jedoch Klarheit darüber schaffen, daß die westliche Welt entschlossen sei, notfalls ihre Kultur bis zum Aeußersten zu verteidigen und eine Katastrophe zu verhüten, die für alle Nationen den gemeinsamen Untergang bedeuten könnte.

Kein Deutscher in ausländischer Uniform

General Stumpf zur Gefahr einer Invasion

Genf, 14. Juli. (AP.) General Stumpf erklärt in einem Interview, das die Züricher „Weltwoche“ veröffentlicht, kein ehemaliger deutscher militärischer Befehlshaber werde zum Schutz Westeuropas gegen eine Invasion in einer ausländischen Uniform kämpfen. Jeder Deutsche habe einen berechtigten Anspruch auf angemessenen Schutz durch die Besatzungsmächte im Falle eines neuen Krieges in Europa. Er stimme mit den Pazifisten darin überein, daß Krieg die größte Plage der Menschheit sei. Stumpf fragt: „Aber wie stehen die Dinge wirklich, sind wir nicht bereits so weit, daß der Krieg auf beiden Seiten als notwendiges Uebel angesehen wird.

als IIULWCIIUIgUa — o _ Ein zukünftiger Krieg werde in der• Lun entschieden werden. Die Besetzung Westeuropas durch die Sowjetunion würde eine Idiotie sein, aber man müsse mit dieser Idiotie rechnen und einsehen, daß bei der gegenwärtigen Verteilung der Kräfte ein Marsch zur Kanalküste Erfolg haben würde. Wenn Rußland heute nach Westen marschierte, würde der Westen die ers e Runde verlieren. Im großen gesehen, würde dies nur von untergeordneter deutung sein, aber für die Europäer d s vorläufige Ende bedeuten.

wZnn der Westen in der zweiten Runde über eine klare Luftüberlegenheit verfügen würde, und die Amerikaner nicht das Interesse an der Rückeroberung des euro-US» «Höre». d.e Russen nicht viele Winter in Westeuropa verbringen. Es sei Geschmackssache, wie weit man diese zweite Phase eines eventuellen Krieges diskutieren wolle. „Ich glaube, wir würden von der ersten genug haben.“

Die Chance Europas liege in der Steigerung seiner militärischen Widerstandskraft. Er vertraue darauf, daß die Sowjetunion, im Gegensatz zu Hitler, durch die ihr gegenüberstehende Macht beeindruckt sei. Die Einheit Westeuropas sei tatsächlich mehr als ein Schlagwort.

Einbeziehung Deutschlands

Eine Forderung Manteuffels

Düsseldorf, 14. Juli. (AP.) General von Manteuffel hat in einem Interview erklärt, die Bundesrepublik müsse in die westeuropäische Verteidigungsunion gleichberechtigt einbezogen werden. Die Wiederbewaffnung Deutschlands bedeute für keinen westeuropäischen Staat eine Bedrohung, da das gegenwärtig waffenlose Deutschland Flugzeuge, Panzer, Kanonen und Munition von Amerika beziehen müßte.

Die Einfügung der Bundesrepublik in die westeuropäische Verteidigungsfront sei die Forderung der Stunde, die sich aus der kommunistischen Aggression ergebe. „Nur die Bildung einer unlösbaren Verteidigungsgemeinschaft von Gibraltar bis Lübeck kann den Frieden retten.“

Der Bundestag erhebt Einspruch

Feierliche Verurteilung des Prager Abkommens über das Sudetenland

Bonn, 14. Juli, (dpa) Der Bundestag hat am Freitag feierlich gegen das von dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Ulbricht in Prag abgeschlossene Abkommen protestiert, in dem die Austreibung der Sudeten- und Karpatendeutschen anerkannt wird.

Bundestagspräsident Dr. Köhler hat eine gemeinsame Erklärung aller Fraktionen mit Ausnahme der kommunistischen verlesen, die folgenden Wortlaut hat:

„Die Scheinregierung der von den russischen Truppen besetzten Zone Deutschlands hat der Preisgabe der deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie das Prager Abkommen vom 23. Juni 1950 folgen lassen, mit dem die völkerrechtswidrige und unmenschliche Austreibung der Sudeten- und Kärpatendeutschen als .unabänderlich, gerecht und endgültig1 anerkannt wird. Der deutsche Bundestag erklärt aus diesem Anlaß erneut, daß jene Scheinregierung weder politisch noch moralisch befugt ist, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen und Abkommen zu schließen.

Das Prager Abkommen ist nicht vereinbar mit dem unveräußerlichen Anspruch des Menschen auf seine Heimat. Der deutsche Bundestag erhebt deshalb feierlich Einspruch gegen die Preisgabe des Heimatrechtes der in die Obhut der Deutschen Bundesrepublik gegebenen Deutschen aus der Tschechoslowakei und stellt die Nichtigkeit des Prager Abkommens fest.

Der deutsche Bundestag begrüßt die Ablehnung des Prager Abkommens durch die Oberkommissare. Er richtet an die Gesamtheit der freien Völker den Appell, im Geiste der Atlantik-Charta für eine Friedensordnung einzutreten, in der die natürlichen Rechte auch der Deutschen gewahrt sind.“

Diese Erklärung wurde von den Abgeordneten stehend angehört. (Ueber den weiteren Verlauf des Bundestages berichten wir auf Seite 2.)


Zur Feier des 14. Juli, des französischen Nationalfeiertages, fand in Mainz eine große Truppenparade statt. Auf der Ehrentribüne von links nach rechts während der Parade: Oberkommissar Kirkpatrick, Oberkommissar Francois-Poncet, Oberbürgermeister Stein (im Hintergrund) Oberkommissar McCloy und der Landeskommissar von Rheinhessen Boislambert. (Siehe auch unseren Bericht auf Seite 3.) Foto: Pfülb
Zur Feier des 14. Juli, des französischen Nationalfeiertages, fand in Mainz eine große Truppenparade statt. Auf der Ehrentribüne von links nach rechts während der Parade: Oberkommissar Kirkpatrick, Oberkommissar Francois-Poncet, Oberbürgermeister Stein (im Hintergrund) Oberkommissar McCloy und der Landeskommissar von Rheinhessen Boislambert. (Siehe auch unseren Bericht auf Seite 3.) Foto: Pfülb

Bulgarische Manöver

An der Grenze Jugoslawiens

Tirana, 14. Juli. (NWDR.) Die albanische Regierung hat Jugoslawien in einer Note beschuldigt, in den letzten Tagen mehrmals albanisches Hoheitsgebiet verletzt zu haben. In der Note heißt es, jugoslawische Grenzwachen hätten im Juni siebenmal albanisches Gebiet betreten und jugoslawische Flugzeuge zweimal albanisches Gebiet überflogen.

Zu den Berichten über Truppenbewegungen an der ungarischen und bulgarischen Grenze, die an Jugoslawien grenzt, erklärte ein Sprecher des britischen Außenministeriums, in London sei darüber nichts bekannt. Jugoslawien habe sich in dieser Angelegenheit nicht an Großbritannien gewandt.

Demgegenüber schreibt der „Manchester Guardian" am Freitag, es sei nicht erstaunlich, wenn Bulgarien die in dieser Jahreszeit üblichen Manöver an der jugoslawischen Grenze abhalte.

Der amerikanische Sicherheitsrat wird von jetzt an in jeder Woche einmal zusammentreten.

Kein Dünkirchen

-1 Die Kämpfe auf Korea sind in ein Stadium getreten, das wohl für die erste Phase des amerikanischen Abwehrkampfes von entscheidender Bedeutung werden kann. Die Nordkoreaner versuchen, mit der Erzwingung des Uebergangs über den Kum die Amerikaner von ihren Versorgungslinien abzuschneiden. Ihre strategischen Ziele gehen sogar so weit, auch den Hafen von Pusan zu erobern und damit gewissermaßen das amerikanische Expeditionskorps völlig von der Halbinsel Korea zu vertreiben.

In diesem Zusammenhang ist bereits das Wort „Dünkirchen“ gefallen, um die Lage der Amerikaner mit derjenigen des britischen Expeditionskorps im Jahre 1940 zu vergleichen. Nach Ansicht strategischer Kreise in den Vereinigten Staaten ist jedoch in Korea kein Dünkirchen in Sicht. Zweifellos würde der Ernst der Lage in Korea keineswegs unterschätzt. Jedoch sei eine Katastrophenstimmung nicht am Platze. Die Amerikaner würden die Halbinsel halten, so betont man in Washington, obwohl die gegenwärtige Lage verwirrend sei. Erst wenn die notwendigen Vorbereitungen organisiert und vor allem die erforderliche Ausrüstung herbeigeschafft sei, so würden die Amerikaner in der Lage sein, den Kommunisten das Gesetz des Handelns zu entreißen.

Auf die Frage, ob die Amerikaner sich in Korea nicht zu einem derart großen militärischen Unternehmen verleiten ließen, daß sie nicht in der Lage seien, einem Angriff in einem anderen Teil der Welt entsprechend zu begegnen, betonte Truman in der letzten Pressekonferenz, daß die Lage so gemeistert werden müsse, wie sie sich entwickelt.

Kann sich Amerika das leisten?

Von Erich Dombrowski

In der Theorie führt die Organisation der Vereinten Nationen die polizeiliche Aktion gegen den nordkoreanischen Angreifer aus. In der Praxis ist Amerika, als mächtigster Staat der Welt, dabei allein auf sich gestellt. Die Teilnahme der andern an dem militärischen Strafvollzug beschränkt sich in der Hauptsache auf zustimmende Entschließungen. Gleichzeitig ist aber jeder bemüht, den Kreis seiner, etwaigen Verpflichtungen zu beschränken. Mit andern Worten: alle Verantwortung wird allein den Amerikanern überlassen. Sie sollen den kalten Krieg, der im Fernen Osten in einen heißen abzurutschen beginnt, allein durchpauken. Mit ihren Soldaten. Mit ihrer Produktion. Mit ihrem Gelde. Die andern erklären sich, nach den zwei Weltkriegen, erschöpft. Im Zustande langsamer Wiedergenesung können sie sich neue gesundheitsgefährdende Experimente vorerst nicht gestatten. Amerika sieht sich also, in diesem klirrenden Duell, allein auf weiter Flur gestellt. Ganz von selbst erhebt sich da die Frage, ob es sich das leisten kann. Um die Jahrhundertwende war es noch ein Schuldnerland. Außenpolitisch spielte es überhaupt keine Rolle. Dann wurde es von europäischen Finanzleuten, vier Jahrhunderte nach dem Reeder und Abenteurer Kolumbus, neu entdeckt. Es fiel, in den Berichten darüber, das Wort vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das wurde damals rasch geflügelt und fast noch rascher zu einer Wirklichkeit, die das alte Europa immer wieder blendete und verwirrte. Der wirtschaftliche Aufstieg des neuen Kontinents vollzog sich, im Gleichschritt mit der Technik, in einem so rasenden Tempo, daß aus dem Schuldnerland über Nacht das Gläubigerland der ganzen Welt wurde. Hatte sich Amerika bis dahin ziemlich von allen Händeln der Erde freigehalten, in selbstgewählter Isolierung, so wurde es jetzt vor allem durch den ersten Weltkrieg, in sie hineingerissen und unausweichlich mit ihnen verstrickt. Zu einem erheblichen Teile hatte es, auf der Seite der Alliierten, den ersten Weltkrieg mit Krediten finanziert. Danach hatte es wiederum soundso viel Milliarden-Kredite in die Wiederaufrichtung des zertretenen Europas hineingesteckt. Alle diese Gelder sind, bis auf wenige Ausnahmen, infolge der Zahlungsunfähigkeit der Schuldner verlorengegangen. Nimmt man noch die geradezu ins Gigantische gewachsenen finanziellen Leistungen während des zweiten Weltkrieges hinzu, so kommt man auf eine Gesamtsumme verlorener Gelder, die sich um etwa achtzig Milliarden Dollars bewegen dürfte. Das Land hat diesen finanziellen Aderlaß überraschenderweise verschmerzt. Eine fünfzigprozentige Abwertung des Dollars und eine blitzartige Wirtschaftskrise lagen allerdings dazwischen. Es hat, mit neuem Elan, das Wirtschaftswunder vollbracht, den ungeheuer aufgeblähten Kriegsproduktions-Apparat, nach seiner Umstellung auf Friedenserzeugnisse, nicht nur auf gleicher Höhe zu erhalten, sondern auch noch zu steigern. Drei Zahlen dafür: 1938 betrug das Jahres-Volkseinkommen 67, sieben Jahre später, also 1945, bereits 183 und 1949 sogar 222 Milliarden Dollars. Allerdings darf man diese Ziffern nicht absolut nehmen. Denn sie spiegeln zum Teil einen erheblichen Rückgang der Kaufkraft des Dollars wider.

Worauf ist die innere Entwertung des Dollars zurückzuführen? Auf die polypenartig um sich greifende Staatsmaschinerie, die in Form von unaufhörlich wachsenden Steuern und Anleihen allmählich ein Viertel dieses Volkseinkommens abschöpfte und für sich beanspruchte. Amerika hat, alles in allem, drei Steuer-Einnehmer: den Bundesstaat mit seinem Zentrum in Washington. Die achtundvierzig Einzelstaaten. Die Städte und die Gemeinden. 1939 holten, immer in runden Ziffern, der Bundestaat fünf, die Einzelstaaten drei und die Gemeinden fünf Mil-

liarden aus den Taschen der Steuerzahler. Insgesamt also dreizehn. Zehn Jahre später waren die entsprechenden Summen einmal einundvierzig, dann acht und schließlich sieben. Zusammen sechsundfünfzig. Innerhalb von zehn Jahren hatte sich das Steueraufkommen mithin mehr als vervierfacht. Dabei hatte sich das Verhältnis des Steuerverbrauchs zwischen Bundesstaat, Einzelstaat und Gemeinde völlig verschoben. 1939 hatte der Bundesstaat nur ein Drittel sämtlicher aufkommenden Steuereinnahmen für sich beansprucht. Zehn Jahre später waren es drei Viertel geworden. Das zeigt klar den Weg, den Amerika seit Roosevelts New Deal, seiner neuen Wirtschaftspolitik, genommen hat. Es ist der Weg zum straff organisierten Einheitsstaat, in dem die Einzelglieder, auf dem Wege der finanziellen Austrocknung, immer größere Teile ihrer Unabhängigkeit einbüßen, ohne daß es äußerlich sichtbar wird. Es ist derselbe Weg, den seinerzeit der deutsche Bundesstaat, nach der Einführung der nivellierenden Erzbergerschen Reichsfinanzreform, gegangen ist. Wenn man will, kann man diese Parallele noch weiter zurückverfolgen und sagen, es ist die Straße der zwangsläufigen Entwicklung, die schon Bismarck nach der Aufrichtung des Deutschen Reiches in der Form eines Bundesstaates beschreiten mußte, Um die sprunghaft steigenden allgemeinen Finanzbedürfnisse des Reiches zu befriedigen. Worin waren sie in erster Linie begründet? In den militärischen Anforderungen, die zu befriedigen ein Faß ohne Boden zu füllen beanspruchte. Und Amerika? *

Genau so auch hier. Die militärischen Ansprüche breiten sich wie ein Oelfleck aus, den man nicht mehr einzudämmen vermag. Aber hier, das muß zur moralischen Rechtfertigung Amerikas gesagt werden, kann nicht mehr ein Vergleich mit der europäischen Vergangenheit gezogen werden, die seif den Napoleonischen Kriegen in einem ununterbrochenen Wettrüsten gelegen hatte. Dabei hatten sich Sicherungsbedürfnis mit Geltungsdrang und Machtrausch seltsam gemischt. In Amerika liegen die Dinge grundsätzlich anders. Es ist in die Rolle eines Schiedsrichters der Welt gedrängt worden, und es hat sie übernehmen müssen, mit all ihren unabsehbaren Folgen, ob es wollte oder nicht. Diese Aufgabe, an dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Erde mitzuhelfen und, im Zusammenhänge damit, den Frieden zu sichern, wenn nötig mit Waffengewalt wie jetzt in Korea, hat ihm finanziell Lasten aufgebürdet, unter denen jedes andere Land längst zusammengebrochen wäre. Der gegenwärtige Staatshaushalt verzeichnet rund zweiuhd vier zig Milliarden Dollars an Ausgaben. Davon entfallen allein rund neunundzwanzig Milliarden auf militärische Lasten und wirtschaftliche Unterstützungsaktionen für kriegszerstörte Länder. Mit andern Worten: drei Viertel der gesamten Bundesausgaben dienen der militärischen Sicherung und der Heilung der Kriegsschäden (an Menschen und an Material). Die friedliebende Welt, die sich nach Ruhe und Arbeit sehnt, nicht zuletzt Deutschland, kann Amerika nicht dankbar genug für dieses riesige Opfer sein, das es im Interesse der ganzen Menschheit auf sich nimmt. Dieser Dank gilt nicht nur der Washingtoner Staatsregierung, sondern jedem einzelnen amerikanischen Bürger, der durch unermüdlichen Fleiß die dazu erforderlichen steuerlichen Abgaben aufzubringen hat und dabei die Kaufkraft seines Einkommens absinken sieht. Denn es ist nicht so, wie sich das der kleine Mann in Europa oder sonstwo in der Welt vorstellt, daß Amerika von lauter Millionären bevölkert ist, die sich das lächelnd leisten können. Wie anderswo setzt sich die amerikanische Bevölkerung zum allergrößten Teil auch aus Arbeitern, Mittelständlern, Beamten und Bauern zusammen, die alle mit dem Pfennig zu rechnen haben, wenn sie sich anständig durchs Leben bringen wollen. Kann aber die Last, die Amerika sich auf die Schultern geschnallt hat, ihm eines Tages zu schwer werden?

Präsident Truman hat jetzt, über den Staatshaushalt hinaus, weitere 2,6 Milliarden Dollars für militärische Zwecke angefordert, nachdem er, um dem Angriff in Korea entgegenzutreten, zu Soldaten-Einberufungen übergegangen ist. Eine weitere Viertelmilliarde hat er zur Verstärkung der Atombomben-Herstellung verlangt. Wenn dieses Ringen zwischen Ost und West weitergeht, wird es bei diesen neuen Anforderungen nicht bleiben. Die amerikanische Schuld beläuft sich gegenwärtig auf 263 Milliarden Dollars, eine geradezu astronomische Zahl, die erheblich das gegenwärtige Jahreseinkommen des gesamten Volkes überschreitet. Die jährliche Verzinsung macht allein 5,4 Milliarden aus. Alles wird also jetzt darauf ankommen, ob es der amerikanischen Wirtschaft gelingt, ihre Produktion noch weiter zu steigern, um diese unvorhergesehenen fortschreitenden Ausgaben der öffentlichen Hand zu bestreiten. Wie stets in Kriegszeiten wird der Staat selbst dabei als Auftraggeber auftreten. Aber Parlament und Regierung werden peinlichst darauf zu achten haben, daß sich aus diesem Wechselspiel nicht eine weitere Kaufkraft-Entwertung des Dollars ergibt, die das ganze wirtschaftliche ^Gefüge bedrohen könnte. Noch hat Amerika gewaltige Rohstoffreserven, erschlossen und noch nicht erschlossen, noch hat es ein ebenso gewaltiges arbeitsames Menschen-Reservoir, noch hat es, als allgemeines Gläubigerland, nicht weniger gewaltige Kapitalanlagen in der ganzen Welt. Alle diese positiven Faktoren nutzbar zu machen, im Dienste Amerikas selbst, und damit, im weiteren Zusammenhänge, im Dienste der friedliebenden Menschheit, bedarf es einer weitsichtigen ausgleichenden Innen- und Außenpolitik. Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann kann Amerika sich diese Auseinandersetzung mit dem Osten leisten. Und sie scheinen gegeben zu sein.

Vermittlung?

Die indische Regierung ist dem Beispiel der britischen gefolgt. Sie versucht, zwischen den beiden großen Weltmächten zu vermitteln und ein Ende des Krieges in Korea herbeizuführen. Man darf den Ausdruck „Vermittlung“ allerdings nicht im strengen Sinne des Wortes auffassen. Die beiden Regierungen glauben nicht, -daß der Zeitpunkt schon gekommen sei,' ein unmittelbares Gespräch zwischen den beiden großen Mächten herbeizuführen. Sie wenden sich selbständig an eine Macht. Aber sie halten doch immerhin die Verbindung mit dem feindlichen Lager aufrecht und bieten insofern Aussicht, daß in einem späteren Abschnitt des Krieges einmal ein echtes Gespräch herbeigeführt werden könnte.

Es ist unwahrscheinlich, daß der britische und der indische Schritt bereits jetzt einen Erfolg haben werden. Es ist eine traurige Erfahrung der Weltgeschichte, daß erst mehrere Schlachten gewonnen oder verloren werden müssen, bevor die Atmosphäre reif geworden ist für Friedensgespräche. Die Vereinigten Staaten werden vielleicht die Schritte der britischen und der indischen Regierung begrüßen, aber es ist deutlich, daß sie gegenwärtig, da ihre Vortruppen geschlagen und auf dem Rückzug sind, kaum Neigung haben werden, auf einen Vergleich einzugehen, der ihnen in diesem Augenblick als zu ungünstig erscheinen müßte. Sie sind auf der anderen Seite fest davon überzeugt, daß ihre Truppen auch wieder vordringen werden, mindestens bis zum 38. Breitengrad. Wenn dann das Ende der Feindseligkeiten noch nicht gekommen sein sollte, wird es für sie und für alle Beteiligten nützlich sein, daß zwei andere Regierungen in der Zwischenzeit die Unterhaltungen über den Krieg und den Frieden fortgeführt haben.

Mit dieser Einschränkung auf einen späteren Zeitpunkt wird man den britischen und den indischen Schritt als glücklich bezeichnen dürfen. Freilich muß offen gelassen werden, ob auch nach einem Zurücktreiben ihrer Trabanten die Sowjetunion geneigt sein wird, den Frieden herbeizuführen, oder ob sie es nicht vorziehen wird, die Kräfte der Amerikaner in Korea weiter verzehren zu lassen.

Baels wird freigelassen

Der Schwager König Leopolds

Brüssel, 14. Juli. (BBC) In verschiedenen Teilen Belgiens hat am Freitagmorgen der zweitätige Proteststreik gegen die Rückkehr König Leopolds begonnen, zu dem der unter sozialistischem Einfluß stehende Gewerkschaftsbund aufgerufen hat. Die gegen den Schwager König Leopolds, Walter Baels, wegen Fahnenflucht ver^ hängte Strafe von drei Jahren Gefängnis, ist am Freitag von einem Gericht in Gent auf fünf Monate herabgesetzt worden, das bedeutet, daß er sofort freigelassen wird.

Nachrichtensperre

Washington, 14. Juli, (dpa) Der amerikanische Verteidigungsminister Johnson hat die amerikanischen Land-, Luft- und Seestreitkräfte am Donnerstag angewiesen, keine Nachrichten über Schiffs- und Truppenbewegungen sowie Materialverschiffungen nach dem koreanischen Kriegsschauplatz mehr zu veröffentlichen.

Streifzug durch das hessische Ried

Kommunales aus dem Kreis Groß-Gerau — Kreis ohne Arbeitslosigkeit

Wr. Weit gedehnt, satt und behäbig erstreckt sich zwischen Rhein und Main das Hessische Ried, das den nördlichen Abschluß des (rechten) Oberrhein-Gebietes und dessen Uebergang zum mittelrheinischen Becken bildet. Wer die Güte des Bodens durch bloßen Blick aus dem Wagenfenster beurteilen wollte, müßte nach zwei Selten zugleich schauen können. Denn östlich der Bahnlinie Bischofsheim nach Groß-Gerau sieht man Sand- und Dünenböden vor sich; .westlich von ihr herrscht der angeschwemrnte Schlickboden vor. Aber diese Unterschiede sind heute nicht mehr so lebenswichtig wie im alten Jahrhundert, ehe die Industrie ins Ried gekommen war. Sie ist schon lange der Lebensnerv des überwiegenden Bevölkerungsteils geworden und ist es heute mehr denn je.

^ctnr ^rbyitalofunikni

Der Mittelpunkt des Kreises Groß-Gerau ist die freundliche Landstadt dieses Namens. Wer sie besinnlich kreuz und quer durchwandert, sieht ihr nicht an, welche kommunale Kraft und Bedeutung sie verkörpert. Denn zunächst ist dieser Landkreis der drittgrößte des Regierungsbezirks Darmstadt (nur die Kreise Bergstraße und Offenbach sind etwas größer) — er umfaßt in rund 32 Gemeinden gegen 120 000 Einwohner, darunter rund 20 000 Flüchtlinge. Von diesen 32 Gemeinden sind nicht weniger als achtzehn schuldenfrei, eine Tatsache, die — zumal heutzutage — etwas zu besagen hat.

Aber dennoch macht nicht die durchschnittliche Wohlhäbigkeit das eigentliche Charakteristikum dieses Kreises aus, sondern die Tatsache, daß man in diesem Kreise eine eigentliche Arbeitslosigkeit, Gott sei Dank, bisher noch nicht kennenzulernen brauchte. Die Gründe liegen „auf der Hand“, besser ausgedrückt: Sie sind vom Zugabteil aus sichtbar. Sie heißen MAN-Gustavsburg, OPEL-Rüsselsheim, GLANZSTOFF-Kelsterbach. Denn diese drei Werke werden hier groß geschrieben, weil sie in den Augen von vielen Zehntausenden groß zu schreiben sind. Haben diese drei Werke heute auch nicht gerade Hochkunjunktur, so können sie doch (wenn auch' nicht stets in gleicher Weise und Monat für Monat gleichmäßig) die Arbeitsuchenden aus dem Kreise in Lohn und Brot nehmen. Es wirkt -sich nicht stets als eine soziale Katastrophe aus, wenn das eine oder andere der drei Personalbüros die Annahme einmal vorübergehend stoppen muß.

Denn ganz ist die Arbeiterbevölkerung des Kreises Groß-Gerau nicht auf diesem drei Werke angewiesen. In der Kreishauptstadt selbst.-gibt es ebenfalls beacht-*' liehe Industrie. Das ist die Zuckerindustrie,’ die während der .Kampagne, die allerdings zeitlich beschränkt ist, eine stattliche And zahl von schaffenden Händen beschäftigen kann. Da ist die Konservenindustrie, die für einen beträchtlichen Teil des Jahres, während der Obst- und Gemüse-Errite, ungemein flott beschäftigt ist. Und da sind schließlich die Stanzwerke, die äüch nicht gerade am Hungertuch zu nagen brauchen.

Kurzum: Daß in der Bundesrepublik viele Hunderttausende von fleißigen und arbeitswilligen Händen zum Feiern gezwungen sind und daß unzählige Arbeiterfamilien von den kümmerlichen Stempel - groschen leben müssen, davon hat man im Landkreis Groß-Gerau bisher — Gott sei Dank, wie gesagt — noch nichts zu verspüren brauchen.

Unter Äretkö

Beim Anblick dieses Zustandes, der sich von außen darbietet, erscheint es fast als untunlich und überflüssig, den Vater dieses Kreises, den Landrat und Bundestags-Abgeordneten Harth, zu behelligen. Denn die wichtigste Frage, die ihm zu stellen wäre: „Wovon lebt Ihre Kreisverwaltung?“, ist ja bereits beantwortet: Ein Kreis, der über Gewerbesteuern in einer Höhe verfügt wie dieser, braucht dem Landesfinanzminister Dr. Hilpert in Wiesbaden nicht unaufhörlich mit Klage- Litaneien lästig zu fallen — er kann, geduldig und gottergeben, warten, bis die Zuweisungen von der Landesfinanzverwaltung eintreffen. Und während wir zu beiden Seiten des Stromes manchen Landrat kennen, der, wenn der Monat zu Ende geht, nicht weiß, wo das Geld herkommen soll, um die Gehälter und Löhne zu bezahlen — in Groß-Gerau braucht man solche Kümmernisse nicht zu haben.

Landrat Harth ist heute ein Mann von achtundsechzig. In diesem Alter hat man früher das Recht gehabt, müde zu sein und sich zur Ruhe zu setzen. Der Landral ist weder amts- noch arbeitsmüde. Er ist ein stattlicher Beweis des Gegenteils. Vor zwei Jahren hat man ihn für eine weitere sechsjährige Amtsdauer gewählt, und diese wird er durchstehen. Der Kreis hat Anlaß, sich darüber zu freuen, und er freut sich auch. Denn der alte Herr übersieht seinen Kreis wie einer, kennt ihn bis zum letzten Winkel, kennt alle Ziffern und Zahlen aus seinem Etat, hat die staatlichen Auftrags- und Anweisungs-Angelegenheiten ebenso im Kopf und fein säuberlich von den kommunalen Dingen getrennt, wie die eigentlichen Angelegenheiten der Selbstverwaltung und der Aufsicht über sie.

Es war gut, was seinerzeit beschlossen worden ist: Daß die Landräte nicht mit der Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze ausscheiden. Man braucht sie, diese alten Herren. „Wer weiß, wie sehr.“

Daß der Landkreis Groß-Gerau ungewöhnlich gut und glücklich durch den Krieg gekommen ist, erweist sich auch anhand der Bilanz Über die Zerstörungen.

Es ist ja richtig: Viel kostbarer Wohn- und Lebensraum ist durch sinnlose Bomben dämonisch verwüstet und zerstört worden. Was das gesollt oder bezweckt hat, das hat.bisher noch keiner begriffen.

ZHichtlinae

Die Kreisbevölkerung im hessischen Ried freut sich und empfindet hierüber Genugtuung, daß sie mehr als zwanzigtausend Flüchtlingen Aufnahme und Obdach hat gewähren können. Es war nicht immer ganz leicht und einfach für den Landrat und seine Beamten, die Sache gehörig in die Wege zu leiten. Aber es ist geschafft worden. Notdürftig zunächst, zugestanden.. So, wie es ist, darf es nicht bleiben. Aber man hat allen guten und besten Willen, die Dinge zu bessern, in jeder Hinsicht.

Flüchtlings-Fürsorge, es ist ein Kapitel mit vielen Abschnitten. Es ist viel Lehrgeld zu bezahlen, auf beiden Selten. Beiderseits hat man sich allzuvieles ganz anders vorgestellt. Aber beiderseits hat man erfreulicherweise allen guten Willen, sich aneinander zu gewöhnen. Die Kreisverwaltung ist bestrebt, ihr Bestes hierzu zu tun.

In dem fast klösterlich anmutenden Gebäude des Landratsamts von Groß-Gerau weiß man ziemlich genau, was alles zu tun wäre: Für die Straßenverbesserung, für den sozialen Wohnungsbau, falls unsere Finanzverhältnisse glücklicher wären als sie sind. Man weiß, was man täte, falls man das Geld hätte. — Immerhin: Einiges hat man, und man bestrebt sich, damit das Bestmögliche zu tun.

Dic Zandes-Daudarlehen

Es werden Landesbau-Darlehen gewährt. Sie gehen in erster Linie den Genossenschaften zu, erst in dritter und vierter Linie den Privaten. Aber was alles begibt sich, bis diese Darlehen erlangt sind?

Was alles auf der Kreiskommunai-Verwaltung für eine Menge von Formularbogen, Fragebogen und Papieren beschrieben werden muß, bis die Landes-Finanzverwaltung sich herbeiläßt, den Landkreisen eine gewisse Summe zu überlassen, das ist ja mit den normalen Mitteln des Sprachgebrauchs nicht auszudrücken. Die Landesregierung steht den Selbstverwaltungskörpern mit einem Mißtrauen gegenüber, über dessen Auswirkung sie sich nach aller Wahrscheinlichkeit keinen Begriff macht.

Oder was soll das eigentlich, daß man von den Gebietskörperschaften, falls sie Darlehen zur Erfüllung ihrer sozialen Verpflichtung gegenüber den Verarmten, Verelendeten, Obdachlosen, Heimatlosen, insbesondere den Wohnungslosen begehren, Nachweise verlangt, wie man sie eigentlich nur verlangen dürfte, falls in den kommunalen Kollegien lauter Gauner, Schwindler und Betrüger säßen, die Tag und Nacht auf nichts anders sännen als auf das eine: sich mit Arglist, Tücke und Niedertracht an diesen staatlichen Mitteln zu bereichern?

Die Bürger eines Landkreises müßten zu ihrem Landrat in einem ganz anderen Verhältnis stehen. Sie müßten von Zeit zu Zeit mit ihm zusammen sein können, um ihren Herzen Luft zu machen.

Die Amerikaner haben für diesen Zweck das „Forum“ mitgebracht. Es hat sich erwiesen, daß es an manchen Orten Gutes wirkt. An allen Orten war es nicht der Fall. Möglicherweise findet man in Groß-Gerau eine Form, die uns besser liegt.

Aufklärung erforderlich

-s. Die Kritik an den Ausgaben für die Einrichtung Bonns zur Bundeshauptstadt Wird immer schärfer. Sie .nifrimt in den letzten Tagen einen geradezu peinlichen Charakter an, da man unschwer aüs den gegen die Regierung erhdbenen Vorwürfen die Anklage heraushören kann, daß man dem Volke die wahren Kosten für die Verlegung des Bundessitzes von Frankfurt nach Börin verheimlicht habe. Dazu stellt sich jetzt erst heraus, daß das Finanzministerium aus dem vöm Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes aufgestellten Haushalt für 1949, in dem fast acht Millionen für unvorhergesehene Aufgaben bestimmt waren, über sechs Millionen für Bundesbauten 'Verwendet hatte. Aber nicht nur diese Gelder wurden zusätzlich über die für Bonn beanspruchten Mittel hinaus verwendet, sondern noch etliche andere Millionen, so daß der Haushaltsausschuß sich heute nicht in der Lage sieht, weitere Geldmittel für notwendige Bundesbauten zu genehmigen, wenn diese Gelder Vorgriffe auf den Bundeshaushalt 1950/51 darstellen. Bonn hat also den Bundeshaushalt in Unordnung und das Finanzministerium in Schwierigkeiten gebracht.

Es hat nun allen Anschein, daß diejenigen, die an die von den Verfechtern Bonns angegebenen Zahlen nicht glauben wollten, Recht behalten sollen. Erinnern wir uns noch, wie die an Bonn interessierten Kreise die Frankfurter Rechnung als völlig unhaltbar abtaten? Mit welchen Mitteln die schon damals laut werdende Kritik verdrängt wurde? Die Bonner Seite hatte allerdings guten Grund, alle Minen springen zu lassen, um eine Stimmenmehrheit für sich zu erhalten. Die Mittei, mit denen damals gearbeitet wurde, waren, leider nicht immer ganz einwandfrei. Trotz der • Schärfe' des Kampfes , „Frankfurt r—,Bonn“ (glaubte man jedoch, daßxier Streit korrekt ausgetragen wurde, auch tyepn. sich vereinzelt argwöhnende .Stimmen meldeten und Männer, die glaub¬ , ten, hinter die Kulissen des Kampfes geschaut zu haben, die Augenbrauen finster zusammenzogen. Sollten auch diese Männer Recht behalten?

Noch können wir einer Mitteilung der Bayernpärtei in ihrem Organ „Bayerische , Landeszeitung“ nicht recht glauben, nach der die Partei seit einiger Zeit Unterlagen besitzen soll, aus denen hervorgehe, daß bei der Abstimmung über die Hauptstadt an Abgeordnete verschiedener Parteien Geld gegeben worden sei, um sie zur Stimmabgabe für Bonn zu veranlassen. Hierzu erklärt der Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Falkner in der Bayerischen Landeszeitung“ weiter, in dem ungleichen Wettstreit um die Bundeshauptstadt seien Methoden und Mittel angewandt worden, die „im Geschäftsleben den Makel skrupelloser Schmutzkonkurrenz, in der Politik den Ruf nichtswürdiger Korruption einzutragen pflegen“. Die Bayernpartei kündigt dann an, daß sie gewillt sei, eine Revision der Abstimmung über die Bundeshauptstadt herbeizuführen.

Man kann diese Ausführungen nur kommentarlos hinnehmen. Denn jeder Bürger mit einem sauberen Empfinden sträubt sich, den Mitteilungen' der Bayernpartei einen größeren Wert, als den von Vermutungen beizumessen. Die Bayernpartei soll und muß sich jetzt weiter erklären, denn das Volk wartet auf Klarheit und 1a , 4-

Ein Brückenkopf am Kum

Nordkoreanische Verbände erzwangen den Flußübergang

Taidschon, 14. Juli (AP/dpa^BßC). Am Freitag ist es den Nordkoreanern gelungen, in die amerikanische Verteidigungsstellung am Kum einzubrechen und auf dem Südufer des Flusses einen Brückenkopf zu bilden.

Nach drei vergeblichen Versuchen, nach stundenlangen Artillerieduellen sind die Nordkoreaner in Stärke etwa einer Kompanie an einer seichten Stelle über den Fluß gesetzt. Die Amerikaner hatten mit ihren schweren Geschützen zeitweise die feindliche Artillerie vollkommen ausschalten können. Von Mustangjägern unterstützt, war es der amerikanischen Infanterie in einem Gegenstoß gelungen, den Feind, der bereits einmal Fuß gefaßt hatte, wieder aus dem Stellungssystem herauszuwerfen. Der letzte Vorstoß der Nordkoreaner, dem ein heftiger Feuerüberfall der Artillerie voranging, führte dann zu dem feindlichen Erfolg. Mit der Bildung eines Brückenkopfes und dem Einbruch in das amerikanische Stellungssystem dürfte der Kampf um Taidschon in das entscheidende Stadium getreten sein.

Im mittleren Frontabschnitt schoben sich nordkoreanische Verbände in dem unübersichtlichen Gebirgsgelände nördlich Taiku weiter nach Süden, um Ausgangsstellungen für einen Durchbruchsversuch in die Hand zu bekommen. Diese nordkoreanische Operation stellt eine Bedrohung der amerikanischen Versorgungslinie Pusan—Taidschon dar und wird von der amerikanischen Führung mit Sorge und Aufmerksamkeit verfolgt. Im östlichen Frontabschnitt soll sich die Front gefestigt haben. Amerikanische Aufklärungsflieger melden jedoch, daß in den Abendstunden des Donnerstags und den frühen Morgenstunden des Freitags von den Nordkoreanern Nachschub und Truppen an allen Stellen der Front zugeführt würden. Die südkoreanischen Verbände sind bei planmäßigen Absetzbewegungen unter heftigen Kämpfen auf vorbereitete Stellungen zurückgenommen worden.

Auch der amerikanische Nachschub rollt beschleunigt an die gefährdeten Punkte. Im Hauptquartier des Generals Mac Arthur hält man den militärischen Ablauf der nächsten 48 Stunden für entscheidend. Man glaubt, daß die Nordkoreaner in Kürze den Durchbruch erzwingen wollen, um damit die amerikanisch-südkoreanische Front in drei Teile zu zerreißen und die Umfassungsbewegung auf Taidschon einzuleiten.

Einfall nach Tibet?

Hongkong, 14. Juli, (dpa) Eine chinesische Zeitung in Hongkong meldet, zweitausend chinesisch-kommunistische Truppen seien in Tibet einmarschiert. Das Blatt beruft sich dabei auf gewöhnlich gut unterrichtete •Kreise Taipehs, der Hauptstadt von Formosa.

Müller dementiert

Berlin, 14. Juli, (dpa) Der General und jetzige stellvertretende Vorsitzende der Nationaldemokratischen Partei der Sowjetzone, Vinzenz Müller, hat am Freitag auf einer vom Sowjetzonen-lnformationsamt veranstalteten Pressekonferenz bestritten, in Westdeutschland gewesen zu sein. Müller sagte vor in- und ausländischen Korrespondenten,, er habe Westdeutschland nach seiner Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft im Jahre 1948 nicht besucht.

Müller bezichtigte dann die amerikanischen Militärs der Kriegstreiberei. Er behauptete, das amerikanische Vorgehen in Südkorea und Formosa erinnere an die vorbereitenden Kriegsmaßnahmen Hitlers, der in Spanien und in der Tschechoslowakei deutsche Soldaten ausprobiert habe.

Dr. Richter amtsenthoben

Bonn, 14. Juli. (AP.) Die Fraktion der Deutschen Reichspartei hat Dr. Franz Richter seines Amtes als Fraktionsführer enthoben und bei der Parteileitung den Antrag auf Ausschluß Dr. Richters aus der Partei gestellt. Dr. Richter habe sich seit geraumer Zeit geweigert, den von allen Abgeordneten der Deutschen Reichspartei eingegangenen Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Partei nachzukommen. Der Beschluß der Fraktion sei mit Zustimmung des Parteivorsitzenden Karl Schäfer gefaßt worden.

Stimmen der Anderen

Hedlers Niederlage

Der „D eutschland-Un )n - Dienst“ schreibt zur Niederlaf der Rechtsradikalen in Schleswig-Hols, n:

„Man wird nicht behaupten dürfe daß diese kläglichen Resultate durch dn Untätigkeit der diversen .Führer' der R —htsgruppen verschuldet wurden. Im Gegenteil: Die Herren Dr. Doris und Remer, von O :tau, Hedler, von Thadden und wie sie alle heißen haben keine Mühe gescheut, um ein bescires Wahlergebnis zu erreichen. Sie haben in etlichen Versammlungen (möglichst mit Radau), vor allem aber in zahllosen Besprechungen, Konferenzen und Konventikeln immer wieder die Probleme des Rechtsradikalismus gewälzt. Sie traten gelegentlich vor das Volk, aber in der Hauptsache tagten sie immer wieder hinter verschlossenen Türen, um Einigungen zu versuchen und gleichzeitig gegeneinander zu konspirieren, wobei das wechselseitige .Abschießen' ein recht beliebter Sport war. Das Durcheinander der Kreuzverbindungen und Querschüsse auf der Rechten ist schließlich so groß geworden, daß es zum Range einer besonderen politischen Spezialwissenschaft aufgerückt ist. Natürlich gehört zu einer solch .regen' Tätigkeit Geld. Teils fehlte es, teils war es da, wobei allerdings die Quellen mitunter der kristallenen Klarheit entbehrten.

Diese ganze Geschäftigkeit hat sich als nutzlos erwiesen. Sie spielte sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ab, und die Oeffentlichkeit — die Wählerschaft — hat nUn ihrerseits diesen Konspiratoren die kalte Schulter gezeigt. Daß dabei Herr Hedler in seinem eigenen Lande nicht mehr als rund 37 000 Stimmen (2,8 Prozent) aufzubringen vermochte, bedarf einer besonderen Unterstreichung. Gerade der Mißerfolg Hedlers in Schleswig-Holstein beweist, daß der Rechtsradikalismus nicht einmal in dem als ausnehmend .nazistisch' verschrienen Norden der Bundesrepublik eine Chance hat.

Die eklatanten Mißerfolge der rechtsradikalen Gruppen dürften ihren Eindruck auch auf jene kleinen Kreise nicht verfehlen, die bisher hinter den rechteradikalen Wortführern als Geldgeber standen. Niemand investiert gern in ein Geschäft, das sich als klare Fehlspekulation erweist.

Die Herren von der radikalen Rechten haben mit dem Getöse ihrer großen ,Pläne' und ständigen Streitereien lange genug das Ohr der Oeffentlichkeit über Gebühr belästigt. Die Wahlergebnisse zeigen klar, daß der ganze Lärm nicht dafür stand. Es wäre gut, wenn sich die Lärmmacher endlich in einen Winkel zurückzögen, um dort der verdienten Vergessenheit anheimzufallen. Sie würden mit einem solchen Entschluß nur dem Willen des Volkes Rechnung tragen, das auf Grund seiner allzu bitteren Erfahrungen von ihnen nichts mehr wissen will.“

Weitere Subventionen

Ueberraschender Beschluß in Bonn

R. Bonn, 14. Juli. Bundeskabinett, Bundestag und Bundesrat haben Frei-eg das Thema Brotpreiserhöhung, Fettabgabe und Subventionen beraten, und während der parlamentarischen Debatten gingen die Verhandlungen mit den zuständigen Branchen über die Herstellung wenigstens einer Brotsorte zum bisherigen Preis weiter. Der Vorschlag, ein dunkleres Mischbrot aus Roggen und Weizen zum alten Preis zu backen, hat bei den Verhandlungspartnern aus dem Bundestag keine Gegenliebe gefunden, und der Ernährungsminister konnte somit dem Haus nur mitteilen, daß jetzt eine Einigung über ein preisstabiles Brot einer bisher schon marktgängigen Art erstrebt werde.

Der Ernährungsminister war nicht nur bei dieser Frage in keiner glücklichen Lage. Er konnte den Eindruck im Haus nicht widerlegen, daß die Regierung den Stichtag des Endes der Subventionen und der Erhöhung der inländischen Getreidepreise hat herankommen lassen, ohne eine klare Vorstellung von der neuen Lage zu haben. Er gab zu, daß die Bäcker nicht ganz zu Unrecht darin eine Inkonsequenz sähen, daß zwar der Brotpreis sich frei ausspielen solle, aber das Mehl von ihnen zum Festpreis gekauft werden müsse, daß also die Getreidepreiserhöhung von ihnen allein aufgefangen werden solle. Audi sein Hinweis, daß der Lebenshaltungsindex im allgemeinen gesunken und die Preislage im großen und ganzen gesehen für die Verbraucher befriedigend sei, erschien vielen Teilnehmern des Hauses doch zu sehr im großen und ganzen gesprochen.

Die klarsten Worte sprach der Finanzminister mit der eindeutigen Erklärung, daß er kein Geld für weitere Subventionen habe und der sozialdemokratische Antrag, die Verbilligung der Einfuhren von Brotgetreide und Düngemittel fortzuführen und die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, nicht nachweise, woher diese Mittel genommen werden könnten. Wenn also, der Bundestag für Subventionen eintrete, müsse er auch die Deckung dieser Ausgaben schaffen.

Die parlamentarische Aussprache hat mit einer großen Überraschung und mit einer erheblichen Dissonanz zwischen dem Finanzminister und seiner Fraktion geendet. Die Regierung Ist jetzt von den Sozialdemokraten und der Christlich-Demokratischen Union beauftragt, die Getreide-Subventionen weiter zu zahlen und die notwendigen Mittel Im Haushalt bereit zu stellen, obwohl der Finanzminister erklärt hat, keine Reserven in seinem Haushalt für solche Ausgaben zu haben. Damit wird das Ringen weiter gehen, woher diese Mittel zu nehmen sind, wobei die Sozialdemokraten den Hinweis auf die Steuersenkungen nicht unterlassen haben. Von der anderen Seite wird wohl aber der Gedanke nicht aufgegeben werden, neue Mitteil für den Haushalt eben doch durch eine Margarine-Abgabe zu erhalten.

Bundeskanzler Dr. Adenauer ist auf dem Bürgenstock in der Nähe des Vierwaldstätter Sees eingetroffen, wo er einen Urlaub verbringen wird

Die Versammlungs-Freiheit

Eine Klage der Nationaldemokraten vor dem Staatsgerichtshof

des ^Taatscpr^h^h f 4 (Elgener Bericht.) Unter dem Vorsitz des Präsidenten Wiesbaden T ? [' Lehr ™ha"delte a™ Freitag der Staatsgerichtshof in hessische StaatsregiX™ Nationa,dem°kratisch™ Partei gegen die

Es solle erkannt werden, daß das durch den Innenminister unter dem 15. Juni 50 ausgesprochene Verbot der für den 21 Juni geplanten Kundgebung am Nationaldenkmal am Niederwald gegen Artikel 14 der hessischen Verfassung verstoße und daher unwirksam sei.

Die Klage wurde durch Rechtsanwalt Hintze vertreten. Der Vertreter der Regierung, Ministerialrat Dr. Mayer, beantragte, die Klage zurückzuweisen und festzustellen, daß durch die Aufforderung der Partei, an der Kundgebung teilzunehmen und durch die geplante Kundgebung selbst der verfassungsmäßige Zustand gefährdet worden sei.

Der Vertreter der Regierung begründete die vorgetragene Gefährdung des verfassungsmäßigen Zustandes aus Ort und Zeit der geplanten Kundgebung, die am Niederwalddenkmal zur Sonnenwendfeier stattfinden sollte, aus der politischen Vergangenheit des Einberufers Karl-Heinz Priester und aus der Haltung der Veranstaltungen der Partei unmittelbar vor der geplanten Kundgebung. General Koenig habe aus politischen Ressentiments schon zu Zeiten des Parlamentarischen Rates eine Zusammenkunft am Jagdschloß Niederwald mit Rücksicht auf das französische Nationalgefühl abgelehnt. Rechtlich habe sich das Verbot auf den Artikel 17 der hessischen Verfassung bezogen. Wer den verfassungsmäßigen Zustand angreife oder gefährde, könne sich auf das Recht der Versammlungsfreiheit nicht berufen.

Auch auf das Kontrollratsgesetz Nr. 8, Absatz 7, könne Bezug genommen werden. Das Grundrecht der Versammlungsfreiheit als solches sei der Allgemeinheit gegenüber nur im Rahmen des Artikels 125 der hessischen Verfassung beschränkbar. Seine Verwirkung auf Dauer oder Zeit könne gemäß Artikel 18 des Grundgesetzes nur vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochen *werden. Dagegen gebe Artikel 17 der hessischen Verfassung die Möglichkeit, die Ausübung des Grundrechtes zu beschränken, so lange ein Angriff oder eine Gefährdung des verfassungsmäßigen Zustandes gegeben sei.

Bei der Prüfung, ob die Ausübung des Grundrechtes präventiv auf Grund des Artikels 17 der hessischen Verfassung beschränkt werden könne, werde man an Gedanken, die seinerzeit bei Beratung der hessischen Verfassung im Verfassungsausschuß zum Audruck gebracht worden seien, nicht vorübergehen können. Hier sei die Befürchtung ausgedrückt worden, daß die Gegner der Demokratie immer mit den Mitteln der Demokratie darauf ausgingen, die Demokratie zu untergraben.

Hiergegen wandte sich der Verteidiger des Klägers, Rechtsanwalt \Hinze. Das Gesetz sage nichts von vorbeugenden Maßnahmen, die Bedeutung Priesters und seiner geplanten Kundgebung sei reichlich übertrieben worden. Hessen treibe keine Außenpolitik. Die Ansicht Frankreichs, wie sie in der Haltung General Koenigs zum Ausdruck gekommen sei, habe sich mittlerweile grundlegend geändert. Die politische Vergangenheit Priesters dürfe nicht anders behandelt werden als etwa die Schlange-Schöningens.

Der Landesanwalt von Baßhuysen forderte, den Fall nicht an das Verwaltungsgericht zu verweisen, sondern ihn wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung vor dem Staatsgerichtshof zu verhandeln. Denn dieses sei der erste Fall in Hessen, der sich zwar an eine kleine Begebenheit knüpfe, aber von weittragender Bedeutung sei. Priester selbst betonte in seinem Schlußwort, er habe am Niederwald für den demokratischen Staat eintreten wollen und für die Einheit Deutschlands und Europas. Er habe das Niederwald-Sieges-Denkmal als Hindernis des Friedens geistig beseitigen wollen.

Das Urteil wird zugleich mit dem Urteil über die Klage der Freien Demokraten wegen des Mitbestimmungsrechtes am 4. August verkündet.

Erweiterte Ueberbrückungshilfe

Für verdrängte Beamte und ehemalige Wehrmachtsbedienstete

FS. Wiesbaden, 14. Juli. (Eigener Bericht.) Die Ueberbrückungshilfe für verdrängte Angehörige des öffentlichen Dienstes und für ehemalige berufsmäßige Wehrmachtsangehörige soll über den Erlaß des Bundesfinanzministeriums hinaus auf einen größeren Personenkreis erweitert werden. Auch darf mit höheren Sätzen der Ueberbrükkungshilfe gerechnet werden. Nach Mitteilung des hessischen Innenministeriums muß jedoch die Endfassung des ergänzenden Erlasses des Bundesministeriums abgewartet werden, da zwar hinsichtlich der zu unterstützenden Personen Uebereinstimmung herrschte, nicht aber wegen deren lebens- und dienstaltermäßigen Begrenzung.

Grundsätzlich soll allen ehemaligen Beamten, Warte- und T- ’vestandsbeamten sowie Angestellten und Arbeitern mit lebenslänglichen Versorgungsansprüchen sowie ehemaligen berufsmäßigen Wehrmachtsangehörigen und allen Hinterbliebenen dieser Personengruppe die Ueberbrückungshilfe zugänglich gemacht w rden. Noch nicht abzusehen ist, in welchem Maße die einschränkenden Bestimmungen der Bundesregierung und das noch nicht endigt itig geklärte Anrechnungsverfahren (andere Fürsorge-, Soforthilfe- und Rentenleistungen) wirksam bleiben

Das Innenministerium empfiehlt allen genannten Personen, denen bisher Pensionsvorschußbezüge oder Unterhaltungsbeihilfen nicht zuerkannt wurden, ihren Antrag auf Gewährung der „Ueberbrückungshilfe" an den zuständigen Regierungspräsidenten (Pensionsregelungsbehörde) zu richten. Heimatvertriebene sollen sich an die Pensionsregelungsbehörde für bezirksfremde Bezieher wenden. Nähere Auskünfte erteilen die erwähnten Dienststellen.

Hessische Kurznachrichten

Das Landgericht in Darmstadt verhängte in einem kürzlich rechtskräftig gewordenen Urteil gegen einen Geschäftsmann wegen Verbreitung unzüchtiger Abbildungen und Kuppelei fünf Monate Gefängnis und 500 D-Mark Geldstrafe. Er hatte unzüchtige Aktfotos hergestellt und mit ihnen Handel getrieben. In einem Mitteilungsblatt hatte er Anzeigen veröffentlicht, in denen Partner zu erotischen Erlebnissen gesucht wurden. Das gesamte Bild- und Schriftenmaterial einschließlich der Kundenkartei ist eingezogen und vernichtet worden.

Nach den vorläufigen Ergebnissen der Rindvieh-, Schweine- und Schafzählung vom 3. Juni d. J. ist, wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, der Bestand an Rindvieh mit 760 380 Tieren, um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Der Bestand an Milchkühen hat sich besonders vergrößert, und zwar um 10 233 Stück oder 2,4 Prozent. Damit wird das Bestreben deutlich, den Vorkriegsstand in der Milchkuhhaltung wieder herzustellen. Auch der Schweinebestand (738 871 Stück) ist im Vergleich zum Vorjahr beachtlich angestiegen. (+ 12 Prozent). Die Zahl der Schafe (290 407 Stück) geht jedoch weiter zurück

Der Kurverwaltung von Bad Nauheim wurde am Donnerstag von den amerikanischen Dienststellen der Freigabeschein für den zerstörten Teil des Bad Nauheimer Kurhauses überreicht. Damit ist die Voraussetzung für den Wiederaufbau dieses Teils des Kurhauses geschaffen. Der nicht zerstörte Teil des Kurhauses bleibt weiterhin für die Zwecke der Besatzungsmacht beschlagnahmt.

Vor dem Schwurgericht in Darmstadt begann am Donnerstag die Verhandlung gegen den 46jährigen früheren Gestapobeamten und ehemaligen Leiter des Judenreferates in Darmstadt. Georg Albert Dengler, aus Stuttgart (früher Darmstadt), dem schwere Freiheitsberaubung im Amt mit tödlichem Ausgang in mindestens 9 Fällen, sowie Nötigung von jüdischen Partnern in Mischehen zur Last gelegt werden.

Vereinzelt Regenschauer

Eigener Wetterbericht der „AZ"

Am Westrande eines die Ostseeländer überlagernden Hochs wandern von Südwest- und Westeuropa Tedlstörungen eines südwestlich Island gelegenen Tiefs nach Nordosten. Das unbeständige Wetter bleibt daher im großen ganzen erhalten. Aussichten: Wechselnde Bewölkung mit nur noch einzelnen Schauern am Samstag. Südwestliche Winde, geringer Temperaturrückgang, zeitweilig auffrische Winde um Süd.

Der Rundfunk am Samstag

Radio Frankfurt: 5.30 Musik für Frühaufsteher: 6.45 Morgenständchen: 7.15 *runkonzert: 8.10 Morgenmusik: 11.15 SdiulfunK. 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 14.15 Eins für dich ^e*?3^™ mich: 15.10 Musik an zwei Klavieren la^« Volkstümliches Wissen; 16.00 einmal wieder“: 17.00 Deutsdie Volkslieder und Tänze: 18.15 Unterhaltende Weisen 20.00 Mein Herz ist in Muslk„.ve.r l Tausend Worte Hessisch: 22.20 Am offene Fenster: 23.00 „Heut will ich tanzen und fröhlich sein“: 0.30 Barmusik.

Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.001 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mitJ^^ha tender Musik: 15.00 Unsere Vo.ksmusiK. 16.00 Nachmittagskonzert: 17.00 Frohesßa; ten — Gute Taten: 18.35 Kleines Konzern am Samstagabend; 20.00 Alphorn Uals^ Zither und Policalami“; 21.15 Erinnern sich?: 22.00 Schöne Stimmen: 22.30 /an musik; 23.00 Melodie zur Mltt®^ach/jShHch Heute wollen wir tanzen und frohlicn sein.

Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert: 13.15 Musik nach Tisch: 14.30 Frohes Wochenend: 15.15 Opernmelodien: 16.00 Unser Samstag-Nachmittag: 17.15 Sang und Klang im Volkston: 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 „Vater Strauß und Sohn": 21.10 Klingende Rhythmen: 22.30 Der SWF bittet zum Tanz: 0.10 Sie tanzen nach ihren Wünschen.

..und am Sonntag

Radio Frankfurt: 6.00 Morgenständchen: 7.20 Frühkonzert; 8.30 Katholische Morgenfeier: 10.00 Zum Bach-Jahr 1950; 11.15 Un. terhaltungsmatinee; 13.00 Musik nach Tisch; 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung; 14.30 Ein Sommermärchen: 15.00 Der gemeinsame Weg; 15.15 „Meister ihres Faches“: 16.00 Tanztee; 17.00 Gute Unterhaltung liebe Hörer: 20.00 Was wird hier gespielt?: 21.00 Symphonie Fantastique: 22.30 Funkbrettl; 23.00 Melodie zur Mitternacht. _ _

Südd. Rundfunk Stuttgart: 11.50 Musik am Mittag: 13.00 Musikalische Kapriolen; 14 00 Stunde des Chorgesangs; 15.00 Ein vergnügter Nachmittag; 17.00 „Geschiedene Leute“: 17.55 Orchesterkonzert: 19.30 Der Snort am Sonntag: 20.05 Das klingende Magazin: 22.00 Virtuose Musik: 23.00 Neue Tanzmusik von Schallplatten: 24.00 Unterhaltungskonzert.

Südwestfunk: 12.20 Johann Sebastian Bach zum 200. Todestag; 13.30 Volksmusik und Chorgesang; 14.00 Meister der kleinen Form: 14.15 Frohe Melodien: 15.00 Kinderfunk: 16.00 Gute Laune: 19.15 Die Sportreportage: 19.20 Kleine Abendmusik: 20.00 Sinfonie-Konzert des SWF-Orchesters: 21.30 Wir tanzen Polka und Rheinländer: 22.15 Sport und Musik am Sonntagabend: 23.00 Nachtgespräch; 23.30 „Fröhlicher Ausklang“.

Das Wahlgesetz

HGR. Wiesbaden, 14. Juli. (Eigener Bericht.) Bei der heutigen Kabinettssitzung wurde der Referentenentwurf des Innenministeriums zum kommenden Wahlgesetz angenommen, mit der endgültigen Festsetzung:

Für die Aufstellung eines Kandidaten in jedem Wahlkreis müssen einhalb Prozent der Wahlberechtigten, mindestens aber 250 Unterschriften aufgebracht werden. Die überschüssigen Stimmen des in direkter Wahl gewählten Abgeordneten werden nicht auf die Landesliste angerechnet.

Lohnsteuer-Freibeträge in Ausnahmefällen verlängert

Wiesbaden, 14. Juli, (dpa) Des hessische Finanzministerium hat sich in einer Bekanntmachung damit einverstanden erklärt, daß die befristet eingetragenen Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte 1950 vorläufig auch über den 31. Juli dieses Jahres hinaus der Lohnsteuerberechnung zu Grunde gelegt werden, soweit den Arbeitgebern die berichtigte Lohnsteuerkarte noch nicht vorgelegt werden kann. Die Lohnsteuererrechnung ist vom Beginn des Wirksamwerdens der neuen Eintragung zu berichtigen, sobald die geänderte Lohnsteuerkarte vorliege.

Ein Flugzeug vermißt

ms Wiesbaden, 14. Juli. (Eigener Bericht.) Ein Flugzeug vom Typ F 47 Thunderbolt wurde am Freitagmittag als vermißt gemeldet. Es war am Freitagmorgen 8.30 Uhr zu einem Übungsflug vom Flugplatz Neubiberg aufgestiegen. Der Pilot hat sich seither nicht mehr gemeldet. Die Suche wurde sofort aufgenommen. 25 Flugzeuge von Ne’Jbiberg vom Typ F 47 und ein Flugzeug vom Typ SB 17 der siebten Rettungsschwadron in Wiesbaden-Erbenheim suchten die Umgebung vort Neubiberg ab.

Oberkommissar McCloy beabsichtigt, in einem Schreiben an den Oberkommandierenden der Sowjetzone, General Tschuikow, das Problem der gesamtdeutschen Wahlen erneut zu behandeln.

Truman siegesgewiß

„Wir werden auch diesmal nicht geschlagen“

Washington, 14. Juli, (dpa) Präsident Truman hat auf einer Pressekonferenz erneut seiner festen Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die militärische Intervention der Vereinigten Staaten in Korea erfolgreich sein werde. Der Präsident sagte: „Wir sind niemals zuvor besiegt worden, und wir werden auch diesmal nicht geschlagen werden.“ Die amerikanischen Streitkräfte hielten in Korea einen festen Stand und von dort aus würden sie wieder bis zu der bisherigen Zonengrenze am 38. Breitengrad vorgehen.

Die Mindestbedingungen zur Beendigung des Koreakonfliktes

Washington, 14. Juli, (dpa) Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums gab am Freitag die amerikanischen Mindestbedingungen für eine Lösung des Koreakonflikts bekannt. Diese sind: Einstellung der Kämpfe in Korea und Rückzug der nordkoreanischen Truppen hinter den 38. Breitengrad. Der Sprecher sagte weiter, der richtige Ort für die Lösung der Koreakrise seien die Vereinten Nationen. Sie sei keine Angelegenheit für direkte Verhandlungen mit Moskau. Der Sprecher ließ die Möglichkeit offen, daß Amerika auf die Initiative Nehru» positiv reagiere, wenn die Nordkorea«er vorher die amerikanischen Mindestbedingungen erfüllen.

Lie fordert Truppen an

Neuyork, 14. Juli, (dpa) Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, forderte am Freitag alle Mitglieder der Vereinten Nationen auf, Truppen, insbesondere Landstreitkräfte, für Südkorea zur Verfügung zu stellen.

Parade in Mainz

Mainz, 14. Juli (dpa). Anläßlich des französischen Nationalfeiertages fanden am Freitag in den größeren Orten des französischen Besatzungsgebietes Truppenparaden statt. Einer fast zweistündigen Parade aller Waffengattungen auf der Rheinallee in Mainz wohnten die alliierten Oberkommissare, ferner der Oberkommandierende der amerikanischen Luftstreitkräfte für den europäischen Befehlsreich, General John K. Cannon, der Befehlshaber der belgischen Truppen in Deutschland, Pire nn e, sowie der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Peter Altmeier, mit einigen Mitgliedern der Landesregierung bei. Im Anschluß an die Parade gab Frangois-Poncet auf dem Schiff „General Mangin“ einen Empfang, an dem auch die Oberkommissare Kirkpatrick und McCloy teilnahmen.

Dreißig Schiffe mit Waffen für West¬ europa sind zur Zeit als beschleunigter Transport nach Häfen der Atlantikpaktstaaten unterwegs.

Wirtschaftsblatt

Ufa-Entflechtung

k. Das Ufa-Gesetz, das von den Oberkommissaren in .Kürze erlassen werden soll, wird vermutlich keine wesentlichen Aenderungen gegenüber dem bisherigen Zustand bringen. Die Inhaltlich im wesentlichen gleichen Bestimmungen der. in; den einzelnen Zonen erlassenen Militärregierungsgesetze werden zusammengefaßt und einheitlich auf das gesamte Ufa-Vermö,gen im Bundesgebiet angäwendet werden. Der mit der Liquidierung des Ufa-Vermögens bisher betraute Treuhänderausschuß aus den Herren Feldes, Onitz und Haunt soll auch mit der Durchführung des neuen Gesetzes beauftragt Werden.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse lag am Freitag der Montanmarkt bei teilweise lebhaftem Geschäft fest; Meinungskäufe, verschiedentlich auch Deckungskaufe, führten zu Kursverbesserungen bis zu drei Punkten.

Zum Börsenhandel sind gemäß Schreiben der Bank deutscher Länder zugelassen 3 589 Millionen DM Zertifikate der öprozentigen Anleihe der Deutschen Reichsbahn von 1949. Die Zertifikate werden vom Montag, dem 17. Juli ab amtlich notiert.

Internationale Warenpreise

Unter dem Einfluß des Korea-Konfliktes setzten sich die Preissteigerungen an den internationalen Rohstoffmärkten im Laufe der vergangenen Woche fort; sie nahmen teilweise, wie bei Zinn, Kautschuk und Baumwolle stürmische Formen an.

Die Chikagoer Getreide börse verkehrte in fester Haltung zu steigenden Preisen.

Die Notierungen für Kaffee zogen in Neuyork erneut an.

Die Kakao preise zogen in Neuyork ziemlich scharf an.

Die Stimmung an den Tee märkten hat sich etwas gebessert. Die Preise zogen an.

An der Neuyorker Baum wo 11 börse zogen die Notierungen sprunghaft an.

Der K a u t s ch u k preis in Neuyork hat jetzt den Preis von 36 Cents je 1b erreicht.

Der Neuyorker NE-Metallmarkt, der zuerst auf den Konflikt im Fernen Osten kaum zu reagieren schien, hat sich jetzt als sehr empfindlich gezeigt. Das bis vor kurzem noch in Ueberfluß vorhandene Blei wurde zweimal um Vs Cent je 1b heraufgesetzt und beendete die Woche mit 12 Cents je lb. Kupfer und Zink waren sehr fest und außerordentlich knapp.

Frankfurter Großmarkthalle

bz. Aus dem Ausland standen wieder 60 Waggons Gemüse und Obst zum Angebot. Der Markt konnte nicht geräumt- werden. Deutscher Blumenkohl 25—40 (10—40) Stangenbohnen 10—12, grüne Buschbohnen 14—15, Erbsen 23—25, deutscher Kopfsalat je 100 Stück 10—14,5, ital. Tomaten 20—22 (35), deutsche 38—40 (45—48).

Bei gutem Angebot an Obst blieben auch hier Ueberstände. Deutsche Sommeräpfel 20—30. Bananen 15—17 die Kiste mit 12,5 Kilo, ital. Zitronen 100 Stück 23—25, Zuckerbirnen 20—25, deutsche Pflaumen 40—45, Pfirsiche 70—75 (75—78), Mirabellen 40, Süßkirschen 35—42 (20—37), Sauerkirschen 12 bis 18 (20—28), Aprikosen 55—60. Stachelbeeren 18—23, Heidelbeeren 25—28. Himbeeren 50—70, rote Johannisbeeren 13—16- schwarze 18—20.

Veranlagungs - Richtlinien

Vorschriften für die Ausfüllung der Steuererklärungen

HGP. Für die Ausfüllung der Steuererklärungen sind die Einkommensteuerrichtlinien für die Veranlagungszeiträume 2. Halbjahr 1948 und Kalenderjahr 1949 bedeutungsvoll.

Die Richtlinien stellen klar die unterschiedlichen Fälle heraus, in denen die Gewinne für das 2. Halbjahr 1948 und das Kalenderjahr 1949 zusammengerechnet und der Gesamtgewinn nach dem zeitlichen Anteil aufgeteilt werden kann. Von dieser — oft zu einer Steuerersparnis führenden — Möglichkeit kann jeder Steuerpljchtige Gebrauch machen, sofern er seinen Gewinn nicht nur durth gewöhnliche Ueberschußrechnung ermittelt. Alle bis zum 31. 12. 49 ins Handelsregister eingetragenen Vollkaufleute haben die Voraussetzung ohne weiteres erfüllt. Sonstige Steuerpflichtige mit Gewinnermittlung näch § 4 Abs. 1 EStG (Bilanzierung) und nach der Mindestbuchführungs-Verordnung müssen die Zusammenrechnung mit der Abgabe der Steuererklärungen beantragen. Die Zusammenrechnung ist unmöglich, wenn es an einer ordnungsmäßigen Buchführung mangelt. Dann erfolgt Schätzung der einzelnen Gewinne. Eine Bilanz auf den 31. 12. 1948 braucht nicht eingereicht zu werden, wenn mangels einer körperlichen Bestandsaufnahme zum 31. 12. 1948 die Bücher nicht abgeschlossen, sondern fortgeführt worden sind. Beide Unterlassungen sind unschädlich für die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung. Für die Wahrnehmung der Steuervergünstigung wegen nicht entnommenen Gewinns können entweder die tatsächlichen Entnahmen während der Veranlagungszeiträume zugrunde gelegt werden, oder aber es kann eine Aufteilung der Entnahmen im gleichen Verhältnis wie für den Gewinn erfolgen.

Bei verlängerten, vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahren sind die Gewinne der einzelnen Abschlüsse jeweils nach dem zeitlichen Anteil auf die beiden Veranlagungszeiträume aufzuteilen. Die Richtlinien geben dazu erläuternde Zahlenbeisniplp

Für die Gewinnermittlung nach der Überschußrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) besteht eine Einschränkung für die Bildung eines Zuschlages zum Ueberschußergebnis wegen Schwankungen im Umlaufsvermögen um mehr als 50 v. H.. Der Zuschlag muß unterbleiben, wenn der Bestand an Waren und Forderungen am 21. Juni 1948 außergewöhnlich niedrig war. In der RM-Zei'' vorgenommene Zuschläge wegen Erhöhung des Warenbestandes sind in der DM-Zeit im Verhältnis 1:1 aufzulösen, Zuschläge wegen erhöhter Forderungen im Verhältnis 10:1. Erfolgte in der Gewinnermittlungsart ein Wechsel von der Ueberschußrechnung zum Bestandsvergleich, so unterbleiben die sonst üblichen Gewinnberichtigungen.

Was die Anerkennung überhöhter Aufwendungen als Betriebsausgaben anbetrifft, so wird das Finanzamt nur dann von dem ihm zustehenden Recht Gebrauch machen, die genaue Angabe der Namen der Empfänger zu verlangen, falls die Zahlung eines überhöhten Preises nicht glaubhaft gemacht werden kann. In der DM-Eröffnungsbilanz ist bei geringwertigen Anlagegütern eine sofortige volle Abschreibung bis zur 200- bzw. 500-DM-Grenze (Bewertungsfreiheit) nicht zulässig. Es bleibt bei der normalen Abschreibung, da diese Wirtschaftsgüter nicht in den DM-Veranlagungszeiträumen angeschafft oder hergestellt worden sind. Aufwendungen für eigene Kraftfahrzeuge können nicht in Form von Kilometergeldern, sondern nur auf Grund von Einzelnachweisen geltend gemacht werden. Angehörige freier Berufe können, ab 1949 für nicht nachgewiesene Betriebsausgaben den Pauschbetrag von 5 Prozent der Einnahmen, höchstens aber jährlich 1200 DM, neben den nachgewiesenen Betriebsausgaben absetzen. Sofern eine Gemeinschaft oder beide Ehegatten freiberuflich tätig sind, steht der Pauschbetrag jedem einzelnen zu. Nebeneinkünfte aus wissenschaftlicher, künstlerischer und schriftstellerischer Tätigkeit werden in 1949 höchstens mit 15 v. H. besteuert.

Pfalzwerke legen Anleihe auf

AZ. Die Ptalzwerke Ludwigshafen legen im Benehmen miit der Bayerischen Staatsbank, Ludwigshafen, der Rheinischen Kreditbank Ludwigshafen, der Industrie- und Handelsbank, Ludwigshafen, und der Landesbank und Girozentrale der Pfalz, Kaiserslautern, eine genehmigte sechseinhalbprozentige Anleihe über drei Millionen D-Mark auf. Der Verkauf erfolgt zum Kurs von 98 Prozent unter Verrechnung von Stückzinsen, zuzüglich der Börsenumsatzsteuer.

Zweck dieser Anleihe ist die Erweiterung der Versorgungsanlagen der Pfalzwerke entsprechend den steigenden Anforderungen, die an die Stromversorgung gestellt werden. Die drei Millionen DM sollen in erster Linie der Errichtung einer 47 km langen 110-kW-Leitung von Niederhausen an der Nahe nach dem Umspannwerk Otterbach bei Kaiserslautern sowie der Errichtueg eines UO-kW- Freiluft-Umspannwerkes mit 16 MVA-Leistung bei Oberndorf in der Pfalz dienen.

Die Ludwigshafener Pfalzwerke wurden 1912 gegründet. Aufgabe des Pfalzwerkes ist die Versorgung der gesamten Pfalz mit elektrischer Energie. Diesem Zweck dienen alle Anlagen der Gesellschaft, die einen Gesamtherstellungswert von 69 Millionen Reichsmark haben. Der heutige DM-Wert wird in Fachkreisen höher geschätzt. Im Jahre 1949 betrug der Stromverkauf der Pfalzwerke 276,3 Millionen Kilowattstunden. Dies bedeutet eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Verkauf von 1948. Wie weiter mitgeteilt wird, ist die Drei-Millionen-DM-Anleihe durch eine selbstschuldne'rische Bürgschaft des Landes Rheinland-Pfalz gesichert.

Kapitalzinsen bleiben unverändert

F.A.Z. Die Bundesregierung erklärte am Freitag, daß durch die Erörterungen über die zweckmäßige Höhe der Normalzinsen für festverzinsliche Wertpapiere am Kapitalmarkt eine starke Beunruhigung entstanden sei. Aus diesem Grund hätten sich die zuständigen Stellen eingehend mit der Zinsfrage befaßt. Die Bundesregierung und der Zentralbankrat seien dabei zu der Ueberzeugung gekommen, daß sich eine Veränderung der langfristigen Zinssätze nicht empfiehlt. Sie hätten daher beschlossen, von allen Plänen einer Erhöhung der Zinssätze Abstand zu nehmen. Es würden zwischen Regierung und Zentralbankrat Maßnahmen besprochen werden, die zu einer Stärkung des Kapitalmarktes führen sollen.

Erhöhter Brotpreis in Hessen

F.A.Z. Wie auf einer Pressekonferenz der hessischen Bäckerinnungen in Frankfurt bekanntgegeben wurde, wird die Brotindustrie in Hessen ab Freitag den Preis für 1 kg Mischbrot von bisher 49 Pfennig auf 55 Pfennig erhöhen. Weißbrot kostet statt bisher 60 Pfg. jetzt 65 Pfg. pro Kilogramm.

Einfuhrquoten für Filme

vwd Ueber die Begrenzung der Einfuhr ausländischer Filme in die Bundesrepublik im Filmjahr 1950/51 haben die zuständigen deutschen Stellen Verhandlungen mit den Oberkommissaren auf genommen. Wie von unterrichteter Seite verlautet, besteht auf deutscher Seite der Plan, für wichtige Filmnroduktionsländer. zu denen vor allem die USA. Frankreich und Italien gehören, bestimmte Importquoten zu bestimmen.

Warenhaussteuer bleibt

zr. Der Bundesfinanzminister hat einen interfraktionellen Antrag, in dem eine Ermäßigung der Umsatzsteuer für Warenhäuser Kosumgenossenschaften und andere Unternehmungen von bisher 3.75 Prozent auf 3 Prozent gefordert worden war. abgelehnt. In der Begründung wird gesagt, daß sowohl Warenhäuser als auch Konsumgenossenschaften und die mit der Industrie oder Großbetrieben verbundenen Einzelhandelsstellen erhebliche Vorteile in ihrer Organisationsform besitzen, die eine erhöhte Umsatzsteuer rechtfertigten.

Aufnahme in den Währungsfonds

zr. Nachdem die Bundesrepublik wieder Mitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) geworden ist. hat der Präsident des Direktoriums der Bank deutscher Länder dem Bundeskanzler vorgeschlagen bei den Oberkommissaren den Beitritt der Bundesrepublik zum Internationalen Währungsfonds zu beantragen.

Sondergewinne werden überprüft

Idn Die SPD-Fraktion hat im Landtag von Rheinland-Pfalz beantragt, einen Sonderausschuß aus zehn Mitgliedern zu' bilden, der die Sondergewinne, welche die Zentralkellereien aus den für die französische Besatzungsmacht vor der Währungsreform eingelagerten Intendanturweinen erzielt haben, zu überprüfen und eine Gesetzesvorlage zur Sicherstellung bzw. Verteilung dieser Gewinne an die geschädigten Winzer auszuarbeiten.

F.A.Z. Ford-Werke AG, Köln. Wie die Gesellschaft mitteilt, weist die Produktionsleistung für Juni gegenüber dem Vormonat eine 30prozentige Steigerung auf. D'e Monatserzeugung stieg von 2036 auf 2604 Einheiten, die tägliche Produktionsrate von 101 auf 124. Das für 1950 vorgesehene Produktionsprogramm von 25 000 Einheiten 4st inzwischen auf 30 000 erweitert worden. Ueber die vorgesehene Jahreserzeugung von 30 000 Fahrzeugen ist auf Grund fester In- und Auslandsabsch'lüsse bereits disponiert.

Der Aufsichtsrat hat ein Modernisierungs- und Rationalisierungsprogramm von 10 Millionen DM beschlossen, die man ohne fremde Hilfe aufzubringen hofft.

F. A. Z. Porphyrwerke Weinheim-Schries¬ heim AG, Weinheim/Bergstraße. Die Ge¬ sellschaft stellt ihr Grundkapital von 0,5 Millionen RM im Verhältnis 1:1 um. Für das verlängerte Geschäftsjahr vom 21. 6. 48 bis 31. 12. 49 wird bei einem Rohertrag von 0,8 Millionen DM ein Reingewinn von 35 000 DM ausgewiesen, aus dem eine 6prozentige Dividende ausgeschüttet wird.

Bz Maschinenfabrik Jung GmbH, Mainz- Kastei. Fräulein Walburga Jung ist nicht mehr Geschäftsführerin.

Schiffahrtsberichte (Bergfahrt)

Remagen haben passiert am 14. Juli von 6.00—19.00 Uhr

Abkürzungen: GB ■= Güterboot, TM “ Tankmotorschiff. MS = Motorschiff, TL = Tankleichter, ohne Bezeichnung Schleppboot, MP ” Motorpiniche, KM = Küstenmotorschiff.

6.15: MS Franken; 6.15: MS Valcava; 6.45: MS Frika; 6.45: R 150. 3 Kähne: Helene, Roma, Anna Katharina 8.00: TM Esso Hannover; 8.00: MS Albula; 8.00: MS Genf; 8.00: MS Mosel 121; 8.00: Motor 10. 2 Kähne: SBCBL 76 u. 278; 8.15: F 51; 8.15: MS Heimburg; 8.30: Expreß 34; 8.30: Vorwärts; 9.00: TM Vaals; 9.15: Rijnsburg; 9.30: MS Friederike; 9.30: MS Bremen; 9.30: TM Friedrich Wöhler; 9.45: MS Hoffnung; 9.45: MS Hanseat 3.

10.00: MS Säntis; 10.00: Rudolf Gelbke. 5 Kähne: Marie 2, Caland, Duiveland, Elisabeth, Fanto 11; 1.30: TM Heimatland; 10.30: TM Piz Roseg; 10.45: MS Mainz; 10.45: Alexander. 2 Kähne: Helena, Fritz u. Kätchen; 11.00: Damco 9. 5 Kähne: Damco 96, Damco 23, Damco 36, Damco 93, Petre; 11.30: Mathias Stinnes 3. 6 Kähne: De Gruyter 21, Westschiffahrt 8, Wilhelm Katharina, Mathias Stinnes 23, Heinrich, Magdalene; 11.30: MS Rijn-Schelde 16; 12.30: MS Pilatus; 12.45: Winschermann 10. 5 Kähne: De Gruyter 24, Ooesch 5, Vooruitgand 2, Harpen 36 u. 70; 13.30: MS Walburg.

14.00: MS Expreß 46; 14.15: MS Graubünden; 14.15: MS Locarno; 14.30: MS Gero; 14.45: Hermann Josef. 1 Kahn: Heima; 14.45: MS Münster; 15.00: MS Beerfelden; 16.00: B. H. Wattier. 6 Kähne: Comptoire 16, Antigone, Myrrha, Beranger, Arago, F 275; 16.15: Mathias Stinnes 10. 1 Kahn: Walhalla; 16.45: MS Birsigtal mit MS Caesar; 17.00: GM Saxonia; 17.15: aHniel 20. 4 Kähne: Energie 3, Neptun, Haniel 16, Ewald 1; 17.15: Engelbert. 2 Kähne: Bavaria 19, Agnes; 17.30: Braunkohle 4. 6 Kähne: Rheingold, Braunkohle 42, Braunkohle 12, 11, F 189, Klara; 17.30: TM Thracia; 18.15: MS Odenwald; 18.30: TM Walencia.

Wasserstände

Rhein: Konstanz —, Straßburg 2,51, Maxau 4,11, Manheim 2,57, Mainz 2,39, Bingen 1,59, Kaub 1,66, Koblenz 1,70, Andernach 1,96, Köln 1,41, Ruhort 0,62. Neckar: Plochingen 1,16.

Kapitalmarkt vordringlich

Be. Auf der Käuferseite des Kapitalmarktes hat in den letzten Monaten eine, wenn auch geringe Besserung stattgefunden. Die kleine Steuerreform ermöglicht, immer noch unzulänglich und unter viel zu komplizierten Bestimmungen, eine gewisse Kapitalbildung. Es ist nun auch zu hoffen, daß sie die unerwünschten Investitionen eindämmt, die im wesentlichen geschehen sind, um das Geld nicht zum Finanzamt tragen zu müssen, daß also im Mittelstand stärker gespart wird und diese Ersparnisse durch eine Anlage in Aktien oder festverzinslichen Werten dem Wiederaufbau an einer wirtschaftlich wichtgen Stelle zugute kommen. Es dürfte nach einer Beruhigung der politischen Verhältnisse auch eine gewisse Kapitaleinfuhr aus dem Ausland zu erwarten sein, um so mehr, als zum Beispiel in der Schweiz der Eindruck vorhanden ist, daß man Geld in Europa am besten in Deutschland anlegt, weil dort am meisten gearbeitet wird.

Auf der Angebotsseite des Kapitalmarktes sieht es heute noch denkbar unerfreulich aus. Leider ist die Aussprache über die Erhöhung der Zinsen negativ verlaufen und ein marktfremder, der Kapitalarmut nicht entsprechender Zinssatz wird aufrechterhalten. Die Erfahrungen der jüngsten Zeit beweisen, daß überall dort, wo künstliche Lenkung durch freie Marktordnung abgelöst wurde, sich Energien entfaltet haben, die alle Erwartungen übertrafen und zu einem überzeugenden Aufstieg der Produktion und der Versorgung geführt haben. Die Aufrechterhaltung eines künstlichen Zinssatzes wird zwangsläufig immer stärker zur entgegengesetzten Richtung führen. Der Mißerfolg fast aller großen Emissionen spricht eine deutliche Sprache.

Ganz einfache Verhältnisse müssen wieder hergestellt werden: ein niedriger Zinssatz auf dem Geldmarkt, ein angemessener Zins — wie es sich aus der Kapitalarmut ergibt — auf dem Kapitalmarkt. Der Unterschied zwischen den beiden Zinssätzen muß den Sparer anreizen, seine Ersparnisse auf dem Kapitalmarkt anzulegen. Eine vernünftige Steuergesetzgebung muß ihm dazu von dem zusätzlichen Zins etwas übrig lassen. Das ganze muß durch ein» offene Marktpolitik ergänzt werden, so daß die Forderung, die der Erwerber von Wertpapieren an den Kapitalmarkt stellt, nämlich ausreichende Verzinsung und sichere Liquidität, erfüllt sind.

Die Wertpapierbereinigung kann praktisch als gelöst angesehen werden. Noch besteht aber die Dividenden-Stopverordnung von 1935, welche die Ausschüttung auf 6 von Hundert begrenzt und damit dem Aktionär die Chancen nimmt, aber das Risiko läßt. Noch immer sind die Körperschaftssteuersätze so hoch, daß es für die Gesellschaften reizvoller ist, ihr Kapital durch die Ausgabe von Obligationen zu erhöhen, als durch Steigerung des Aktienkapitals. Am wichtigsten für den neu aufgebauten Kapitalmarkt von Seiten des Aktienmarktes her ist aber die Reform des Aktiengesetzes von 1936. Das Gesetz hat unter anderem der Hauptversammlung die Gewinnfestsetzung genommen und die Publizität unterhöhlt, da der Reingewin nur noch als saldierte _ Zahl erscheint. Eine wichtige Aufgabe ist es also auch, auf eine baldige und gründliche Aenderung des Aktiengesetzes _ im Sinne einer erhöhten Publizität und einer Vergrößerung der Aktionärsrechte hinzuwirken und damit den Aktionären gegenüber eine Politik zu betreiben, die diese wieder zu interessierten Trägern der Unternehmen macht.

Brot- und Fettpreise

V. G. Die Debatten um die Neuordnung der Ernährungswirtschaft haben die Lage keineswegs geklärt. Das Durcheinander ist durch eine Anhäufung von Schlagworten nur gewachsen. Während auf der einen Seite nach Preisregelung und -Garantien für die Beibehaltung der Brotpreise gerufen wird, wehren sich die Vertreter der Verbraucherschaft energisch gegen Belastungen durch eine entsprechende Ausgleichsabgabe auf Margarine. Das Gegeneinander der Meinungen wird durch die Haltung des Regierungschef veranschaulicht, der zuerst eine Fettsteuer vermeiden wollte und nun die befristete Erhebung einer Ausgleichsabgabe auf Fette für die Subventionierung der Brotgetreideeinfuhren befürwortete. Die Verlängerung der Regierungsvollmachten zu einer amtlichen Festsetzung der Getreide-, Mehl-, und Brotpreise bis zum 30. September erhärtet den Eindruck, daß im Streit der Parteien Kompromisse überkommener staatlicher Lenkungsmaßnahmen einer weitsichtigen Lösung vorgezogen wurden. Der Streit ist also nur aufgeschoben.

Welches sind nun die Hauptströmungen, die den Fluß der Meinungen bestimmen? Auf der einen Seite begrüßen die Verbraucher, vertreten durch Gewerkschaften und gedeckt durch Industrie und Handel, jegliche Senkung der Lebenshaltungskosten. Auf der anderen Seite versucht die Landwirtschaft, ihre Rentabilität durch möglichst günstige Preise zu halten oder wieder zu erreichen. Diese Interessenstandpunkte überschneiden sich vielfach unter Zuhilfenahme der beiden maßgebenden wirtschaftspolitischen Theorien einer weitgehend gelenkten und einer freien Marktwirtschaft, wobei wir uns darüber klar sein müssen, daß beide Theorien im einzelnen vielfältig modifiziert werden können.

In diesem wechselhaften Streit der Interessenten eine gemeinwirtschaftlich vertretbare Linie zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Untragbar ist auf die Dauer die Zickzacklinie. Man kann nicht planwirtschaftliche Gedankengänge auf einem Gebiet der Wirtschaft anwenden, während andere Gebiete unter den Gesetzen des freien Wettbewerbs stehen. Es hat sich beispielsweise für die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren verhängnisvoll ausgewirkt, daß sie den Ausbau der gewerblichen, freien Wirtschaft durch gedrosselte und keineswegs ihren Arbeitsbedingungen entsprechende Preise mit finanzieren mußte, ohne selbst Investitionen vornehmen zu können. Es sei nur an die 350 Millionen DM Getreidesubventionen erinnert, die der Landwirtschaft den gleichen entgangenen Mehrpreis für die Eigenproduktion vorenthielten. Im Vergleich dazu waren die Düngemittelsubventionen unerheblich, betrugen sie doch mit 90 Millionen D-Mark jährlich kaum ein Viertel der Steuergelder, die für die Stützung des Brotpreises aufgebracht werden mußten. Die Zweigleisigkeit der Wirtschaftspolitik muß ein Ende haben.

Die alliierten Oberkommissare und Bundesfinanzminister Schäffer haben mit gleicher Unerbittlichkeit den Fortfall der bisherigen Subvention als unabänderlich bezeichnet. Haben sie der deutschen Wirtschaft damit einen guten Dienst erwiesen? Durch ihr Verlangen wurde der Kampf um die Nachfolgegesetze auf dem Gebiet der Ernährungswirtschaft wesentlich verschärft. Es gilt nun, vom bloßen Interessentenstandpunkt loszukommen und nach dem Grundsatz zu handeln: Leben und leben lassen. Die Mehrheit des Bundesrats und auch des Bundestags, jedenfalls seines Agrarausschusses, hat es für notwendig gefunden, daß die Landwirtschaft mit einer Getreidepreiserhöhung, die den deutschen Getreidepreis noch etwas unter dem Weltmarktpreis hält, zufrieden sein soll und daß ihr andererseits der Milch- und Butterpreis über eine Besteuerung der Margarine gesichert werden soll.

Die jetzige provisorische Lösung, die eine weitere Reglementierung der Lebensmittelpreise über den Behördenapparat bis zum Brotpreis ermöglicht, entspricht nicht der sonstigen Wirtschaftspolitik der Regierung. In einer Zeit, da die Liberalisierung des Außenhandels das erste Anliegen der gewerblichen Wirtschaft ist, kann nicht auf einem begrenzten Gebiet im Innern eine weitgehende Regelung auf dem Markt aufrechterhalten werden. Einziger Nutznießer einer solchen Reliquie der Zwangswirtschaft dürften die Behörden sein, die diese „Lenkung“ überwachen Die Tatsache, daß in Hannover und Oldenburg beispielsweise bei den Landesernährungsämtern noch 680 Menschen mit 92 Autos und 8 Motorrädern bei einem Aufwand von 5 Millionen DM „tätig“ sind, wirft ein Licht auf die Kosten einer zwangswirtschaftlichen Regelung, die mittlerweile jeden Sinn verloren hat. Die Festlegung von Getreide-Mehl- und Brotpreisen bleibt eine bedenklich starre Maßnahme, von der nie mand wirklich einen Vorteil hat

Circa-kurse

12. Juli 1950 Übermittelt durch Industrie- u. Handelsbank in Mainz Fernsprecher: Sammelnummer 4348 Telegrammadresse: Merkurbank, und

Im Freiverkehr JUr Zuteilungsrechte aus der Bereinigung von girosammelverwahrten Aktien, die im Währungsgebiet verbucht sind. Rhein - Main • Bank, Frankfurt a. M., Ir. Dresdner Bank Fernsprecher: Ort 30221, Fern 30231 Fernschreib. 041184, 041187, 041322 Telegrammadresse: Rheinmainbank

G B % % Accumulat.-Fabr. .t........ 52 — Adlerwk. Kleyer ........... 23 26
AEG 16 19 Avhaff Zellst. 42 45 BMW I 4 16 Julius Berger 27 31 Berl. Kraft u Licht I 4 I 7
Berl. Masch Schwartzk. ... 22 25 Boswau & Knauer ......y.. — 18
G B
% %
Brauerei Cluss • Brown Boveri .. ------T---- 80 83
Buderus — .
Charl. Wasser . --T------- 45 48
Chem. Albert .v. -------T--- 38 42
Conti Gummi ... 73 76
Daimler Renz .. —- - — . 29 32
Demag ■ .v.t.t. ..t 57 61
14 16
Degussa 50 53
G % B
%
13 16
47 51 Dinglerwerke • ••••
85 Dyckerhoff Zement
83 86
22 Eichbaum Werger
37 40 El. Licht u. Kraft ...v
21 24 Ensinger Union • •
38 41
35 — —
58 76 80
35 Gutehoffnunghütte
47 51 Haid & Neu
92 ——— Hamburger El.-Wk
38
68 71 Hindrichs Auffermann .....
33 35 Hoesch
33 36 ^lymann
19 22 Katz & Klumpp
52
g B
% °/ /o
Klein, Schanzlin u. B. sv... 36 ——
Klöcknerwerke 40 43
Konserven Braun -
Krauss-Maffei .-...v.-..- 52
Kromschröder •.••••••••••• 85
Kupferberg 62 66
Lanz • ••••••-•• 24 27
Lindes Eis 60 63
Ludw. Akt.-Brauerei 36
Ludw. Walzmühle 67
”ainzer Akt.-Bierbrauerei . 38 42
Mannesm.-Röhren Stamm .. 36 39
Mannesm.-Röhren Vorzüge . —-
Metallgesellsch 47 50
Mez AG ... 60 63
NSU 88 92
Parkbrau. Pirmasens 22 25
Pfalz. Mühlen v.. 66
Rhein. Braunkohle ........ 78 • 82
G % B
%
Rhein. Et.-Wk. ........... 70 74
Rheinmetali Rheinstahl 32
Rhein.-Westf. El.-Wk 58 61
Rhenser Mineralbrunnen ... 22
Rütgerswerke 27 30
Salzdetfurth . 49
Sarotti .■ 58
Scheidemandel 25
Schering Schüfferhof ............... 34 38
Schriftgieß. Stempel 88
Schubert & Salzer ........ 22
Schultheiß Stamm 13 14
Schwartz-Störchen 46
Seilind-Wolff 62
Siemens Glas
Siemens & Halske Stamm.. 30 33
Siemens & Halske Vorzüge. 29 32
Sinner 43 46
G B
Steingut Colditz % %
Stollwerck .. ^3 18
Süddt. Zucker - - 67 57
Thüringer Gas - 28 70
VDM 31
Ver. Dt. Ölfabriken .. 46 48
Ver. Stahlwerke “ 30 50
Waggonfabr. Rastatt .... .. 3? 33 35
Westdt. Kaufhof ........ .. 54
Westfalia-Dinnendahl .... .. 88 58
Wintershall Württ. Metaliw.-Fabr. ... •• .. 45 ^E
Zellstoff Waldhof . _ 23
Commerzbank .. 12 26
Deutsche Bank 7.. .. 12 14
Presdner Bank .... 14
AG. f. Verkehrswesen ... •• El .. 22 It
Allg. Lokalbahn - - 24
Hamburger Hochbahn ... .. 30 27
34 50
Süddt. Eisenbahnges. .... ..' 46

Feuilleton

Internationales Musikfest in Brüssel

Von Dr. Wolfgang Steinecke

Was ist „IGNM“?

Mit den Musikfesten der IGNM, der „Internationalen Gesellschaft für Neue Musik“, hat es eine eigentümliche Bewandtnis. Als sie 1922 in Salzburg ins Leben traten, hatten sie eine wichtige revolutionäre Funktion. Sie bildeten das alljährlich von Ort zu Ort, von Land zu Dand wandernde internationale Forum, auf dem die damals funkelnagelneuen großen Werke von Schönberg, Hindemith, Strawinsky, Bartök, Honegger usw. zuerst gegen den Widerspruch der Zeit „durchgesetzt“ wurden. Diese Funktion der IGNM hat sich historisch erfüllt, einfach dadurch, daß die Werke, gegen die damals das Publikum rebellierte, inzwischen nach dem Gesetz der Gewöhnung längst klassisches Allgemeingut jedes besseren Sinfoniekonzertes geworden sind. Das hatte zur Folge, daß die IGNM-Feste in den letzten beidien Jahrzehnten mehr und mehr gesellschaftlichrepräsentativen Charakter gewannen. Trotzdem bleiben auch heute noch genug Aufgaben, die nur im Rahmen eines solchen internationalen Musikfestes zu lösen sind, und die darum auch heute noch die Weiterführung der IGNM sinnvoll erscheinen lassen: die internationale Kommunikation des Musikschaffens, die Aufspürung junger Begabungen und die Erprobung ihrer Werke im breitgesteckten Rahmen dieser Musikwochen vor allem aber auch die Beobachtung neuer revolutionärer Tendenzen, mit denen, zunächst vielleicht noch experimentell, neue Kraftfelder des Musikschaffens entdeckt werden.

Deutschland hat wieder eine Stimme

Und es ist deshalb wichtig, daß Deutschland, das durch seine Isolierung über fünfzehn Jahre nicht am Geschehen dieser IGNM-Feste teilhaben konnte, nun wieder eine offizielle Stimme im internationalen Konzert bekommen hat. Im vorigen Jahre trat beim IGNM-Fest .in Palermo erstmals wieder eine deutsche Sektion der IGNM in Erscheinung, die sich dann kurz darauf bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt konstituierte. Das Kranichsteiner Musikinstitut in Darmstadt wurde gleichzeitig als westdeutsches Sekretariat der IGNM eingerichtet, und in Darmstadt wurde (nächst Berlin) die erste westdeutsche Sektion mit der „Kranichsteiner Musikgesellschaft" ins Leben gerufen. Wie wir hören, sind ähnliche Bestrebungen jetzt in Frankfurt, Hamburg und München im Gang, so daß die IGNM auch in Deutschland wieder aktiver werden wird. Sie hat allen Grund dazu; denn bei der Generalversammlung im Prahmen des diesjährigen Brüsseler Musikfestes erreichte die deutsche Sektion den nicht zu unterschätzenden Erfolg, daß das nächstjährige Internationale Musikfest in Deutschland stattfinden soll. Außer der Einladung von Radio Frankfurt, die schließlich mit der Mehrheit der Delegierten angenommen wurde, lagen Einladungen von Oslo, Wien und Tel Aviv vor. So sind die Musiker wieder einmal Schrittmacher der internationalen Verständigung.

Kranichstein international anerkannt

Vor allem waren die vielen ausländischen Delegierten, wie wir als Deutsche mit Genugtuung in zahlreichen Gesprächen feststellen konnten, tief beeindruckt von den fortschrittlichen Aeußerungen des deutschen Nachkriegsmusiklebens. Münchens „Musica viva“, Frankfurts „Woche für Neue Musik“ und Darmstadts „Ferienkurse“ wurden überall als diejenigen Momente hervorgehoben, die das internationale Vertrauen und die allgemeine Anerkennung fanden (nicht etwa die von der Schwerindustrie finanzierten Wagnerfestspiele in Bayreuth, denen man

höchstens noch Bedeutung für den Fremdenverkehr beimißt). Der Delegierte von Tel Aviv erzählte uns, daß er bereits zweimal die Darmstädter Ferienkurse im israelitischen Rundfunk als eine Tat des „'besseren“ Deutschland registriert hat. Und Edward Clark, der Präsident der IGNM, der im vorigen Jahre schon einmal in Darmstadt weilte, begrüßt es sehr, daß die nächstjährigen Darmstädter Ferienkurse mit dem Frankfurter IGNM-Fest verbunden werden sollen, damit auch die internationale Jugend am Geschehen der IGNM-Feste beteiligt wird. Wie hier eine eventuell noch breitere Einbeziehung der Jugend für das nächste Jahr zu ermöglichen wäre, das war der Inhalt eines Gespräches mit dem Direktor der Brüsseler Philharmonie, Marcel Cuvelier, der vor zehn Jahren die inzwischen international gewordene Bewegung der „Jeunesses musicales“ begründet hat. In Gesprächen mit Luigi Dallapiccola, Rene Leibowitz und Karl Amadeus Hartmann wurde auch die Möglichkeit erwogen, den Zwölftonkongreß, der voriges in Mailand und dieses Jahr in Locarno seinen Schauplatz hat, nach Darmstadt zu verlegen, um ihn mit den Ferienkursen zu verbinden. Für die diesjährigen Ferienkurse sagte bereits Dr, Heinsheimer, der Direktor des großen amerikanischen Musikverlags Schirmer, seinen Besuch mit den Worten an: „Ich habe gehört, Kranichstein ist das Interessanteste, was es in Deutschland auf dem Gebiet der Musik gibt“.

Fortner und Hartmann

Auch in den Konzerten, sieben an der Zahl, des Brüsseler Musikfestes war erstmals wieder das deutsche Musikschaffen vertreten, und zwar mit Werken von Wolfgang Fortner und Karl Amadeus Hartmann. Von Fortner gab es die im vorigen Jahr durch Gieseking und Hölscher uraufgeführte Cello-Sonate, nicht gerade geeignet, den derzeitigen Stand und geistigen Umfang des Fortnerschen Schaffens, anzudeuten und außerdem auch nicht ganz zulänglich interpretiert, von Karl Amadeus Hartmann dagegen die für sein Schaffen repräsentative vierte Sinfonie (für Streichorchester). Sie wurde vom belgischen Rundfunkorchester, das mit seinen hervorragenden Kräften der Hauptträger der Veranstaltungen war, unter der Leitung seines ausgezeichneten Chefdirigenten Franz Andrä sehr eindrucksvoll dargeboten.

(Fortsetzung in der nächsten Ausgabe)

Die Kunst als lebenformende Macht

GEDANKEN ZUR AUSSTELLUNG „DAS MENSCHENBIDD IN UNSERER ZEIT“ UND ZUM „DARMSTÄDTER GESPRÄCH“

Heute Nachmittag wird die diesjährige große Sommerausstellung der Neuen Darmstädter Sezession „Das Menschenbild in unserer Zeit“ in den Ausstellungsgebäuden auf der Mathildenhöhe eröffnet. Wenige Stunden später wird das eng damit verbundene „Darmstädter Gespräch 1950“ in der Stadthalle beginnen. In dem Einladungsprospekt wird die Hoffnung ausgesprochen, daß Darmstadt mit diesen Veranstaltungen einen echten Anschluß an seine kulturelle Tradition gefunden haben möge. Die Fortführung dieser Tradition läßt sich nicht an dem äußerlichen Umfang und der sachlichen Vielzahl bemerkenswerter Ausstellungen und Vorträge im jetzigen Darmstadt erkennen, sondern an dem Charakter und der unverwechselbaren Eigenart dieser Veranstaltungen. Einen Hinweis liefert hier schon die Gleichzeitigkeit von Ausstellung und Gespräch, ein Umstand, der das Verlangen nach einem Ergebnis zum Ausdruck bringt, das zu besitzen und für dessen Annahme zu werben den üblichen Anlaß zahlloser Kunstausstellungen bildet, in denen man sich mit dem verdienstvollen Zusammentragen guter Kunstwerke, mit der Uebersicht über eine Richtung oder mit dem Ueberblick über das Schaffen eines einzelnen Künstlers begnügt. Es gehört zur Eigenart der großen Darmstädter Ausstellungen, daß sie keinen rein informierenden, sozusagen „kunsthistorischen“ Charakter tragen möchten, sondern, daß sie ihrer Anlage und ihrer Aufgabe nach bezogen sind auf den Menschen und auf sein Dasein in der Zeit. Sie erschöpfen sich nicht im Entdecken und Aufzeigen guter Kunst, sondern sie möchten, — und nur so ist auch ihre häufige thematische Beschränkung zu verstehen —, die Kunst für das Leben des einzelnen faßbar und anwendbar machen. Gerade darin kann das Merkmal der Darmstädter kulturellen Tradition erkannt werden.

Einige Beispiele aus der kulturellen Vergangenheit Darmstadts mögen dies erläutern. Erinnern wir uns des Kriegsrats Johann Heinrich Merck, dessen „Richtung auf das Wirkliche, auf das Konkrete, welches den Geist zum Erforschen und zum Ordnen verlockt“ (Wilhelm Michel) ihn gleichzeitig zur naturwissenschaftlichen Forschung von europäischem Rang und zur praktisch-industriellen Betätigung trieb’ Ohne diesen klaren Lebensverstand hätte Johann Heinrich Merck auch nicht das entscheidende Urteil über Goethe gefunden: „Dein Bestreben, deine unablenkbare Richtung ist, dem Wirklichen eine poetische Gestalt zu geben; die andern suchen das sogenannte Poetische, das Imaginative, zu verwirklichen, und das gibt nichts wie dummes Zeug“.

Der schöpferischen Zusammenfassung diente auch das Werk des im Jahre 1805 geborenen Darmstädters Georg Gottfried Gervinus, der, wie Treitschke betonte, „die Wissenschaft der deutschen Literaturgeschichte im Grunde erst geschaffen“ hat.

Einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der kulturellen Besonderheit unserer Stadt gab der gerade im Zusammenhang mit der Künstlerkolonie in unseren Tagen zu selten erwähnte Verleger Alexander Koch, dessen leidenschaftlicher Leitgedanke „Die Kunst im Dienste des Lebens“ oder „Die Kunst als lebenformende Macht“ ihn zum Anreger der von Großherzog Ernst Ludwig gegründeten Künstlerkolonie werden ließ. In einer Selbstdarstellung Alexander Kochs aus dem Jahre 1925 stehen die Worte: „Ich hatte das Glück, besonders am Zustandekommen der „Künstler-Kolonie“ mitzuwirken, vor allem durch eine „Denkschrift“, die ich im Sommer 1899 dem unternehmungsfrohen fürstlichen Kunstfreund und wenige Tage darauf den Behörden überreichte. Sie wurde zum Anlaß, daß das bisher in allgemeiner Weise Erhoffte zur praktischen Verwirklichung kam.“ Er unterstreicht besonders, daß er als Auswirkung seines Grundgedankens „Kunst und Leben in innigster Verbindung" einen wesentlichen Teil seiner Anregearbeit auf die Reform des Ausstellungswesens, auf die Herausstellung eines neuen Ausstellungstypus verwendet habe. „Die Grundsätze dieser Ausstellungsreform habe ich im Jahre 1900 zusammengefaßt; ihre Feuerprobe und zugleich ihren Befähigungsnachweis haben sie in jener ersten Darmstädter Ausstellung 1901 erbracht“. Alexander Koch schuf jedoch auch einen neuen Zeitschriftentypus, in dem er sich nicht auf die trockene Fachmaterie allein beschränkte, sondern in dem er die Anliegen seiner Zeitschriften „stets im Zusammenhang mit den künstlerisch-geistigen Gipfelproblemen des Menschenlebens zu behandeln“ suchte.

Ein noch unbekannter gebliebenes Ereignis der in Darmstadt beheimateten Lebensemeuerung durch die Kunst ist die im Jahre 1912 auf der Marienhöhe erfolgte Gründung der „Elizabeth-Duncan-Schule“, die die Neugestaltung der Bewegungskunst in antikem Sinne pflegte und „die Idee von der Wiederherstellung einer unserer erwerbstüchtigen, erwerbssüchtigen Zeit in Deutschland zumal verlorengegangenen Harmonie im Menschen, von einem Ausgleich zwischen Körper, Geist und Seele“ zu verwirklichen suchte. Dr. Ernst Leopold Stahl, auf dessen Ausführungen wir uns hier stützen, stellte schon damals fest: „Die Leistungen der Duncan-Schule wollen nicht der Kunst allein, sondern dem Leben gelten“. Er glaube nicht, „daß die in Darmstadt kultivierten Anregungen noch einmal ganz verlorengehen können“, sondern daß sie im Gegenteil gerade so populär würden, daß man den Namen ihrer ersten Anregerin darüber vergäße. Wie hoch die Gründung der Elizabeth-Duncan-Schule bewertet wurde, geht aus den Worten Stahls hervor, der damals über Darmstadt schrieb: „Im Jahre 1902 hat die erste große Ausstellung der Künstler-Kolonie den Grund zu einer aus Art und Bedürfnis ihrer Bewohner erwachsenden deutschen Wohnungskultur gelegt, zu einer Reform des äußeren Lebens. Im Jahre 1912 setzt in der gleichen Stadt mit neuer Tatkraft jene revolutionäre Bewegung ein, die sich in Elizabeth Duncans Namen konzentriert: berufen, so hoffen wir, gleich jener anderen aristokratischen Idee mit der Zeit vorbildlich und vorbildend einzugreifen in das kulturelle Gesamtstreben der Gegenwart.“

Eine neue, frische Wirksamkeit des Geistes für das menschliche Leben erstrebte auch in unserer Zeit Graf Hermann Keyserling mit seinen Tagungen der Schule der Weisheit, die er folgendermaßen begründete: „Heute hat das gedruckte Wort den Höhepunkt menschlicher Tiefenwirkung überschritten. Wenn alles sofort überall auf Erden zu lesen ist, paßt niemand mehr auf das Mitgeteilte auf. Deshalb sind heute „Gespräche“ tausendmal wichtiger als Bücher, bedeutet persönliche Wirksamkeit in relativ beschränktem Kreis für die wahre Wirkung mehr als die größte Publizität.“ Die Kenntnis der kulturellen Tradition unserer Stadt, die sich vielfältig belegen ließe, ist nicht nur für deren Fortführung notwendig, sondern sie verpflichtet darüber hinaus den Sinn unserer Bevölkerung, sich stets um die Verwirklichung eines mit allem Idealen lebensrichtig verbundenen Daseins zu bemühen.

Günther Michel




GABRIELE MÜNTER: SINNENDE FRAU
GABRIELE MÜNTER: SINNENDE FRAU

Von der Kunst der Schrift

EINE AUSSAELLUNG DER SCHRIFTKLASSE DER WERKKUNSTSCHULE

Anläßlich der Darmstädter Kunstwoche der Neuen Session stellt der Leiter der Schriftklasse der Werkkunstschule auf der Mathildenhöhe, Lugwig Becker, im Schaufenster der Papierhandlung Gieselberg am Palaisgarten eigene und Arbeiten der einzelnen Semester seiner Schüler aus. Ludwig Becker, selbst ehemaliger Schüler des weltbekannten Schriftkünstlers und Schriftexperten Prof. Richard Koch, erweist sich als ein Meister seines Fachs. lAuf schwerem Pergament schwimmen wie auf milchiggelbem Glas sauber .gestochene Buchstaben, von großen Initialen angeführt, in niegesehener Vielfalt und Ausdrucksform.

Zum erstenmal merkt es der Beschauer, daß es ein eigen Ding um die Schrift ist, sie lebt nach besonderen Gesetzen und bietet Möglichkeiten des geistigen Empfindungsausdrucks, die dem Typendruck fehlen. Es ist eine aussterbende Kunst, die ’m frühen und späteren Mittelalter ihre höchste Entfaltung fand, zu einer Zeit, als es die Lebensaufgabe kunstsinniger Mönche war, das Kulturgut der Vorfahren durch mühsame Abschriften der Nachwelt zu erhalten. Es handelt sich nicht so sehr darum, eine sauber geschriebene Schrift zu Papier zu bringen, als aus der Unzahl der bekannten Schriftarten die auszuwählen, die dem Charakter und insbesondere dem geistigen Gehalt des Tertes am nächsten kommt. Die Schrift muß mit dem Text eins werden, es darf keine andere Lösung geben. Das setzt eine klare Stilempfindung voraus, die Harmonie der Schrift muß das Eild geben, nicht der Schnörkel.

Ludwig Becker ging in jahrzehntelanger Arbeit der Gesetzmäßigkeit der Schriftentwicklung nach. Er hat Teile derUlfilasbibel und der Urschrift des Nibelungenliedes nach dem im frühen Mittelalter üblichen Methoden kopiert, er studierte die Schriften der Orientalen, das Arabische, das Hindustanisehe und Japanische, er versteht es, sich in die Seele der Schriften hineinzuversetzen, ohne das er sonst nicht zu den Leistungen fähig wäre, wunderbare Kunstwerke zu schaffen, deren jedes einmalig ist, und die heute im Besitz von Liebhabern und Kunstverständigen ganz Europas sind.

Es ist eine wenig bekannte Kunst, das Schriftmalen, im Zeitalter der Druckmaschinen von dem Tempo unseres schnelllebigen Daseins verdrängt, aber es erschreckt und erhebt zugleich, zu sehen, welch Gewicht ein Spruch, eine Kanontafel oder eine handgesc'hrieibene Urkunde unter der Meisterhand seines Schöpfers bekommt. Es ist ein Stück uralte Kultur der Menschheit, die in liebevollem Verständnis der Nachwelt bewahrt und weitergegeben wird. hfl

Neue Filme in Darmstadt

UNION. „An klingenden Ufern.“ Dieser Film spielt in unseren Tagen. Maria Verena lernt im Krieg als Krankenschwester den Maler Stefan Keller kennen und verlobt sich mit ihm. Keller muß wieder an die Front, und bald danach erfährt Maria, er sei gefallen. Sie heiratet den Pianisten Verena. Der Totgeglaubte kehrt zurück, und es beginnt die schon oft behandelte Problematik der Frau zwischen zwei Männern: Maria dankt ihrem Gatten vieles, Stefan aber liebt sie. Es gibt keinen Ausweg — bis der Tod eingreift und die Herzensnöte dreier Menschen auf seine unabänderliche Art löst.

„An klingenden Ufern“, ist ein typischer Wiener Film. Mit behutsamer Hand führte Hans Unterkircher Regie, die Tiefen menschlicher Note zwar aufdeckend, um sie aber gleich wieder zu verhüllen, gleichsam zeigend, wie es wäre, wenn . . . Die Kamera paßt sich diesem Stil an. Sie ist beschwingt und zurückhaltend zugleich geführt und läßt auch dort noch Wärme des Lebens zu, wo die Nähe des Todes greifbar ist. Herrlich sind die Landschaftsaufnahmen, die einen großen Teil des Filmes ausmachen. Durch den ganzen Film hindurch ziehen sich Melodien von Chopin, Beethoven, Liszt, Bach, Schumann und Tschaikowsky, meisterhaft gespielt von den Wiener Philharmonikern.

THALIA. „Mädchen hinter Gittern“. „Es muß anders werden“, lauten die letzten Worte der Vorsteherin der Fürsorgeanstalt, in der die Mädchen hinter Gittern leben. Das „Wie anders“ aber geht von dem Film mit als Problem hinaus, denn es bleibt immerdar Aufgabe eines jeden Erziehenden, das rechte Maß von Güte und Strenge zu finden. Daß der Film viele ernste Fragen um die eigentlich Schuldigen bei Verfehlungen junger Menschen aufreißt, ohne Urteil und Rezept zu geben, ist ein großes Verdienst. Aus der Reihe der jungen Mädchen in der Fürsorgeanstalt werden, rasch und eindringlich zusammengerafft, einige Schicksale gezeigt, und die Regie von Alfred Braun führt all diese verschiedenen Lebenslinien zum spannenden Ganzen des filmischen Geschehens zusammen.

Ausgezeichnet ist die Typenwahl bei den Fürsorgezöglingen wie den Fürsorgerinnen, und das Zusammenspiel zeigt vielfältige, echte Nuancen der Temperamente. Petra Peters, die wir schon in dem Film „Das Mädchen Christine“ sahen, stellt hier das junge Mädchen Ursula Schumann dar, die, schuldlos in eine Raubmordsache verstrickt, fremd und unzugehörig durch das Leben in der Fürsorgeanstalt geht, bis der Tod der Mutter ihr das selbstgewählte Verschweigen löst. Den Kunsthändler Breuhaus spielt Richard Häußler, sympathisch, etwas weich und am Ende vom Glauben an das Gute im Menschen sprechend, ohne selbst solchen Glauben bei der jungen Geliebten bewiesen zu haben. Die Kamera fängt das Milieu der Anstalt wie das aus dem Vorleben der Mädchen in reichen Stimmungsbildern ein. Im Zusammenwirken von Fotografie, Regie und Schauspiel entstand hier ein Filmwerk von starker Eindringlichkeit, das mitten hineinführt in das große Problem unserer Zeit: Jugendschuld und Jugendführung. D-s

BELIDA. „Mit Pinsel und Degen." Das ist ein Film des wunderschönen Unsinns, ein Generalangriff auf das Zwerchfell der Zuschauer. Der amerikanische Humorist Bob Hope als Monsieur Beaucaire, der Barbier des Königs von Frankreich, stiftet eineinhalb Stunden lang Verwirrung auf der politischen Bühne Frankreichs und Spaniens. Zwischen den beiden Ländern wird eine staatsnotwendige Ehe vorbereitet, zu der der Liebling des französischen Hofes abkommandiert wird. Der Barbier fällt unterdessen beim König in Ungnade, wird zur Enthauptung geführt, flieht in letzter Sekunde und erscheint als Herzog am spanischen Königshof. Bob Hope ist ein Komiker, der nicht aus dem Burlesken schöpft, sondern allein aus den menschlichen Schwächen und Aengsten, eine Personifizierung all dessen, was wir nicht wahrhaben wollen, wenn wir uns den Schein hundertprozentiger Uebermenschen geben. Jede seiner Gesten und Handlungen sitzt, sie sind ein Spiegelbild unserer selbst. Wenn man ehrlich sein würde, müßte man eigentlich nicht über Bob Hope lachen, sondern über die Dummheit der ganzen Menschheit. PALAST. „Aus guten alten Zeiten.“ Dieser Titel, den der Pat-und-Patachon-Film trägt, gilt nicht nur für die Zeit der Ritter und Minnesänger, in der der Film spielt, sondern erinnert uns auch stark an unsere sorglosen Jugendtage, in denen wir mit Genuß und hingebungsvoller Freude die beiden Helden Pat und Patachon erlebten. Eigenartig, wia schnell wir heute wieder von jener befreienden Atmosphäre umgeben waren, in die wir uns manchmal gerne zurückträumen. Die Handlung des Films ist nicht stark. Das haben wir auch nicht erwartet. Aber sie löst einen für eine Weile von den nüchternen Fesseln des Alltags. Und das ist ja wohl das, was ein Film erreichen soll. Schade, daß die Synchronisation zu wünschen übrig läßt.

In der Nachtvorstellung sehen wir „Miranda“ — ein modernes Märchen der J. Arthur Rank Organisation. Nett ist die Idee und auch die filmische Gestaltung der Meernixe Miranda, die einen Mann zu sich herabzieht und nach einigen kleinen Liebesplänkeleien mit ihm auftaucht in seine Welt; — eine Welt der kleinen Eifersüchteleien, der harmlosen Gehässigkeiten und des immerwiederkehrenden gesellschaftlichen Tratsches, dem allem Miranda mit entzückendem Gleichmut begegnet. In den Hauptrollen: Glynis Johns als Miranda, ferner Googie Withers, Griffith Jones und John McCallum. Die gelungene Regie lag in Ken Amakins Händen. _zr_

HANSA. „Nur eine Nacht." Im Wirbel der nächtlichen Großstadt lernen sich zwei Menschen kennen, deren ähnliches Geschick ihnen den Weg zueinander ebnet. Beide hat das Chaos der Zeit in die Bars und Vergnügungslokale verschlagen, beide wollen vergessen, Zerstreuung suchen und geraten dabei in Gefahr, unterzugehen und Strandgut des Lebens zu werden. Gegenseitig richten sie sich auf. Einer wächst an der trotz großer Enttäuschung gewahrten inneren Größe des anderen. Aus der Nacht heraus führt die gemeinsame Straße in einen neuen Morgen.

Fritz Kirchhoff führte Regie. Er läßt das Nachtleben Hamburgs in einer Art erstehen, die etwas an französische Filme erinnert. Es ist nichts übertrieben, aber auch nichts verheimlicht. Seine Arbeit unterstützte die gut geführte Kamera. Das schräggytellte Bild erscheint oft und ist immer ein bedeutsames Unterstreichen der Handlung. Konzentriert ist das Geschehen auf zwei Personen: Marianne Hoppe und Hans Söhnker. Ihr Spiel läßt die Einsamkeit und Verzweiflung zweier Menschen erleben, aber letzten Endes ergreift diese Not nicht, sie geht nicht zu Herzen.

Darmstadt und Umgebung

Als Woogs-Straße und Insel noch standen...


Darmstadts Altstadt hatte keine Prunkbauten, die in den Reiseführern mit drei Sternchen bezeichnet waren. Aber uns war sie lieb und vertraut und auch an malerischen Winkeln fehlte es ihr nicht. War es nicht ein schöner Blick, der sich von der Woogsstraße über die Insel zur Stadtkirche hin auftat? Er ist auf unserer Zeichnung in liebevoller Treue festgehalten worden, und wer das alte Darmstadt als seine Heimat in seiner Erinnerung bewahrt, wird sich das Bild aufbewahren oder es an Freunde in der Ferne verschicken. Andere Zeichnungen werden folgen; als nächste der gleiche Blick unmittelbar nach der Zerstörung der Altstadt Zeichnung: Fritz Grosch
Darmstadts Altstadt hatte keine Prunkbauten, die in den Reiseführern mit drei Sternchen bezeichnet waren. Aber uns war sie lieb und vertraut und auch an malerischen Winkeln fehlte es ihr nicht. War es nicht ein schöner Blick, der sich von der Woogsstraße über die Insel zur Stadtkirche hin auftat? Er ist auf unserer Zeichnung in liebevoller Treue festgehalten worden, und wer das alte Darmstadt als seine Heimat in seiner Erinnerung bewahrt, wird sich das Bild aufbewahren oder es an Freunde in der Ferne verschicken. Andere Zeichnungen werden folgen; als nächste der gleiche Blick unmittelbar nach der Zerstörung der Altstadt Zeichnung: Fritz Grosch

Was die Woche brachte:

Nicht nur die Woogswellen gehen hoch...

Wenn Sonntags bei strahlendem Sonnen¬ schein einige tausend Darmstädter zum Woog hinausziehen, die Insel, das Frauen- und Freibad bevölkern, schwellen mitunter auch die Wellen der Erregung bedenklich an, wenn am Woog nicht alles so ist, wie es sich die Badegäste wünschen.

Als vor einiger Zeit etwa 6000 Menschen das Woogwasser in Wallung brachten und der Sand der Insel vor lauter Luft-, Wasser- und Sonnenhungrigen nicht mehr

zu sehen war, da wurde weidlich über die Badeverwaltung der Stadt hergezogen; und zwar deshalb, weil man unendlich lange auf seine Garderobe warten mußte. Klar, daß ein solcher Hochbetrieb nur ein Ausnahmefall ist. Warum also unnötig aufregen? — An Werktagen besuchen den Woog durchschnittlich 600 Menschen, an Sonntagen etwa 1500. Für diesen Andrang genügen die Garderobemöglichkeiten, auch das Personal reicht nach Ansicht <jer Bademeister Feldmann und> Quick aus. Man tut der Stadt unrecht, wenn man über sie schimpft, weil sie für Ausnahmefälle nicht vorgesorgt hat. Noch mehr Garderoben einzurichten, wäre in Anbetracht der Durchschnittsbesucherzahlen unwirtschaftlich.

Aber es wäre, meiner Meinung nach, nicht unwirtschaftlich, noch ein paar Ruderboote anzuschaffen. Natürlich kosten die auch Geld. Aber wenn sie, wie es bereits mit den vorhandenen vier Booten geschieht, die Stunde für eine Mark vermietet werden, dann hat sich die „Woogflotte“ in zwei bis drei Monaten selbst bezahlt gemacht.

Ausgesprochen miserabel finde ich die Verhältnisse im Freibad für diejenigen, die nicht immer 20 Pfennig für eine Badekarte aufbringen können, — vor allem also kinderreiche Familien von Arbeitslosen. Für sie ist im Freibad herzlich wenig gesorgt. Da steht eine Bedürfnisanlage, stinkend, nur zum Teil benutzbar, im anderen Teil mit Stacheldraht versperrt. Die Klosettanlagen sollen schon vorhanden sein, sind aber noch nicht eingebaut. Warum nicht? — Da stehen für 12 breite Bänke die Steinsockel, auf denen hier und da ein morsches Brett liegt. Wie unbequem! — Zwölf doppelzöllige Bretter in die Steinsockel eingeschraubt, und die Freibadgäste hätten endlich eine Möglichkeit, ihre Kleider ordentlich ablegen zu können. Ich bin der Meinung, daß das Freibad, auch wenn es der Stadt keinen Pfennig Geld einbringt, vordringlich instandgesetzt werden muß; man darf, schon aug sozialen Prinzipien, nicht nur für die zahlenden Gäste sorgen wollen . . .

Unter einem anderen Aspekt sieht der bekannte Heimatdichter Mickedor me 1 den Woog. Er sandte uns folgende nette Reimerei:


Auf der Wooginsel Photo: Hans Kenner
Auf der Wooginsel Photo: Hans Kenner

Wißters schun?

Wißt-ers schun, die Lorelei dhet gesprengt werrn — un am Rhei’ ging im Falle eines Falls, aam des Wasser bis zum Hals, laut Verteidigungssystem, wann’s zu me Gerumpel kam, zwische erjendwem un so. — Un versaufe kennt mer do, hott mer uns vor Aag’ gefiehrt. — Un dann Widder dementiert.

Awwer wißt-ers Neiste, heer? Unser Woog is aach net mehr bloß e Badbitt fer die Leit. Naa, aach der is vorbereit’ un vun unne oogebohrt, daß-er uff ganz aafach Oart in die Luft macht wie verrickt, wann mer mol uffs Knebbche drickt.

Nor die Insel bleibt noch steh’ Rose, un Mathildeheh’ wo die Heinerbloos sich dann, schee ins Druckne hocke kann, bis die Friedensdaub daucht uff. (Wo mer längst schun Worte druff.)

Daß des stimmt uff alle Fäll, waaß ich aus bestimmter Quell un ich glaabs aach gut un gern. Bis es dementiert dhut werrn. Mickedormel

Ob unser guter Mickedormel nicht ein wenig zu schwarz sieht? — Hoffentlich hat er sich nicht verleiten lassen, Zucker und öl zu hamstern, wie wie es zur Zeit so viele tun, denen Korea ein bißchen auf die Nerven gegangen ist. Sei ein Fatalist, Mickedormel; es kommt doch, wie es kommen soll . . .

Moderner, aber sehr bedenklicher Freikauf? — Offengestanden, es fällt mir schwer, den Brief zu verdauen, den mir ein Leser vorgelegt hat. Der Brief, den der Leser von einer Darmstädter Behörde erhalten hat, lautet auszugweise: „Die Mitarbeit im sozialen Wohnungsbau erstreckt sich in unserem Stadtteil auf alle Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren. Durch diese Gemeinschaftsarbeit sollen, wie schon genügend durch die Ortsverwaltung publiziert, die Gestehungskosten der Häuser un<j Wohnblocks und damit auch die Wohnungsmieten soweit herabgesetzt werden, daß sie dem Lohnniveau der breitesten Bevölkerungsschichten angepaßt sind. Ausgenommen von dieser Mitarbeit sind . . . Alle anderen sind gehalten, zur Behebung der Wohnungsnot mindestens einmal im Jahr 4 Stunden Gemeinschaftsarbeit zu leisten.

Um der z. Z. herrschenden Arbeitslosigkeit Rechnung zu tragen, kann der eine oder andere, der aus irgendwelchen Gründen die praktische Arbeit an den Baustellen nicht leisten will, sich einen Arbeitslosen direkt dingen oder bei der Ortsverwaltung . . . einen gewissen Geldbetrag einzahlen (mindestens in Höhe von 5 DM), damit von hier aus eine Arbeitskraft bezahlt und eingesetzt werden kann. Von diesem „Freikauf“ wird zur Zeit reger Gebrauch gemacht.

Wir nehmen bestimmt an, daß Sie die eine oder andere Möglichkeit ergreifen und Sie damit das soziale Werk der Ortsverwaltung, das weit über unseren örtlichen Rahmen hinaus Beachtung gefunden hat, unterstützen . .

Lieber Leser, natürlich haben Sie mit Ihren Bedeken recht. Aber haben Sie sich auch überlegt, wie schwer es heute ist, Wohnungen zu erstellen und zu welchen Mitteln oft Gemeindeverwaltungen greifen müssen, um der ärgsten Not zu steuern? Gerade dieses Gemeindeoberhaupt, das Sie verurteilen, ist sich darüber im Klaren, daß seine Methode zweischneidig ist: Es wußte, daß nur mit diesem außergewöhnliehen Vorschlag der so dringend benötigte Wohnraum schnell geschaffen werden konnte. Meinen Sie nicht, lieber Leser, daß es besser wäre, Sie würden die 5 DM zahlen, wenn Sie nicht selbst die vorgeschriebenen 4 Stunden arbeiten können, als zu warten, bis die „Hilfe von oben“ kommt?

Zum Tode von Matthias Weber sind uns in der letzten Woche einige rührende Zuschriften ins Haus geflattert. Sie zeigten, daß Matthias Weißer manchen trauernden Freund zurückgelassen hat. Einer von ihnen schickte uns nachfolgendes Gedicht:

Mathias Weber zum Gedächtnis

Ein heit’res Herz kann nur im Sommer sterben,

Wo selbst der Wolkenschatten donnernd singt.

Wenn sich die Wangen und die Ähren färben,

Dann ist die Zeit, wo seine Saite springt.

Gespannt zu Klängen oder Farbenfluten, Es bleibt sich gleich: der letzte Strich und Ton

Des Künstlers gilt den Besten und den Guten,

Und eine W’elt in Schmerzen lebt davon.

Sie kann nicht danken, nichts dagegen schenken;

Ihr stärkster Beifall, er verhallt im Nu. Wir können nur, Matthias, Dein gedenken: Der Himmel gebe Dir die ew’ge Ruh! S.

Schöner kann man’s nicht mehr sagen ... MAXIMILIAN II

Dengler lengnete bis zum Ende

Harte Anklage — sechs Jahre Zuchthaus

Unter lebhafter Anteilnahme der Oeffentlichkeit setzte gestern früh das Schwurgericht Darmstadt die Hauptverhandlung gegen den früheren Leiter des Juden- und Kirchendezernats der Gestapodienststelle Darmstadt, Georg Albert Dengler fort.

Ergab sich am Mittwoch bereits ein krasser Widerspruch zwischen den Behauptungen und den Bekundungen der zahlreichen Zeugon, so zeigte der gestrige Verhandlungstag das gleiche Bild: Während Dengler immer wieder seine Verantwortlichkeit und Schuld bestritt oder sich nicht mehr an die einzelnen Fälle erinnern wollte, bewiesen die erschütternden Aussagen der Zeugen, daß Dengler seit 1943 jener maßgebliche Mann im Judenreferat war, der über das ihm befohlene Maß in Form und Inhalt der Maßnahmen in schrecklicher und sarkastischer Weise gegen die jüdischen Partner in Mischehen vorging. Seltne stereotypen Ausreden und Ableugnungsversuche . veranlaßten die Zuhörer mehrfach zu Pfuirufen. Noch am Morgen erweiterte der Staatsanwalt die Anklage auf 12 Fälle der Freiheitsberaubung mit Todesfolge, nachdem der Zeuge Wolf sich kurzfristig angesagt und über die Deportation seiner Frau und die Rolle Denglers in diesem Fall berichtet hatte.

Um 14 Uhr erhob sich Staatsanwalt Keller um in einer leidenschaftlich vorgetragenen Anklagerede mit Dengler und der Gestapo abzurechnen. Dengler, fahl, eingefallen und mit zitternden Händen, blickte mehrfach unruhig zu seinem Anwalt hinauf. „Wir alle er eoten ein Staatssystem, das zusammenbrechen mußte, weil kein Staat auf die Dauer ohne die Achtung vor dem Menschenrecht auskommen kann“, begann der Staatsanwalt seine zweistündigen Ausführungen. .??er Staatsanwalt, der nur einen Teil der Falle erforschen konnte, da die Opfer nicht mehr sprechen können und viele Leidtragende nichts mehr mit der Sache zu tun haben wollen, zählte noch einmal in allen Einzelheiten jene 12 Fälle auf, in denen Dengler eine üble Rolle gespielt hat. Es handelte sich um die Verhaftung und Deportation des Oberlandesgerichtsrats Dr. Meyer, des Regierungsbaumeisters Wolfskehl, des Kunsthistonikers Dr. Freund, des Oelhändlers Wolf, des Dipl.-Ing. Dr. Engelmann, des ehemaligen Justizministers Fulda und der Frauen des Rechnungsdirektors Jung des Oberstudiendirektors Dr. Finkenwirt,’ des Amtmanns Adler, des Forstmeisters Delp, des Volkschullehrers Wolf und des Personalsachbearbeiters Dr. Henkel. In neun dieser Fälle kamen die Betreffenden in Auschwitz oder Heddernheim um. „Ich selbst“, so führte der Staatsanwalt aus, „habe alle Vernehmungen durchgeführt, da dem Angeklagten nur schwer beizukommen war und weil ich verhüten wollte, daß er anderen Hörner aufsetzt.“ Seit langer Zeit habe er nicht mehr ein derart erbärmliches Bild vor Gericht erlebt, erklärte er und betonte, daß er den letzten Rest Achtung vor dem Angeklagten angesichts seiner Lügentaktik verloren habe. Dengler stehe nicht, wie er glaube, als politischer Märtyrer, sondern als ein Mann vor Gericht, der schwere Verbrechen auf sich geladen hat. Denglers Auffassung, daß die Zeugen bestellte Arbeit geleistet hätten und man gegen ihn ein gestapoähnliches Kesseltreiben veranstaltet und seine Vorgesetzten nur deshalb hingerichtet habe, um ihn seiner Beweismittel zu berauben, bezeichnete der Staatsanwalt als irrig und typisch. Seine Anklagerede gipfelte in dem Antrag, Dengler wegen schwerer Freiheitsberaubung in 12 Fällen, davon in 9 Fällen mit Todesfolge, zu zehn Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Nicht an rechnung der Untersuchungshaft zu verurteilen.

Rechtsanwalt Jöckel stellte die Verurteilung in das Ermessen des Schwurgerichts. Er hielt lediglich den Tatbestand einer Beihilfe zur Freiheitsberaubung in zehn Fällen für erwiesen und forderte für die beiden restlichen Fälle Freispruch. Er betonte, daß sein Mandant das ihm zur Last gelegte für unmöglich halte und im übrigen das dem Deutschen eigene Machtgefühl eines Schalterbeamten gehabt habe, als er die vorsprechenden Angehörigen der Verhafteten abgefertigt hat. Bezüglich der Kenntnis über die Judenmorde führte er aus, nur ein kleiner Kreis im Reichssicherheitshauptamt sei darüber informiert gemesen. Und wenn jemand etwas gewußt hätte, dann habe er es einfach nicht gewagt, dagegen zu opponieren. Dengler sei im übrigen lediglich das Werkzeug des Kommissars Helmbroich gewesen. Wer die Verantwortung trage, könne man heute nicht mehr feststellen. Eine Schuld, von der wir heute alle nicht freizusprechen siind, so sagte der Verteidiger, könnte man heute nicht auf einen einzelnen Mann abschieben. Kein Staatsanwalt habe z. B. 1938 den Mut gehabt, das damals Geschehene anzuklagen. Dengler habe alles das für rechtmäßig gehalten, was man von obenherunter befohlen hat. Der Verteidiger widersprach der Auffassung, daß der Angeklagte bewußt die Unwahrheit sage. Er könne sich vielmehr an manches nicht mehr erinnern.

Dengler selbst führte dn seinem Schlußwort aus, er sei der Meinung gewesen, daß seine Dienstauffassung richtig war und daß er deshalb mit dem Gesetz nicht in Konflikt geraten könne. Das, was er jedoch dn der Beweisaufnahme gehört habe, bereue er. Er bestritt jedoch viele der ihm zur Last gelegten Aeußerungen und wankte zum Schluß mit tränenerfüllten Augen zur Anklagebank zurück.

Nach mehr als vierstündiger Beratung erschienen in den späten Abendstunden gegen 22.15 Uhr die Geschworenen im Sitzungssaal. Feierlich verkündete Lnndgerichtsdirektor Hahn gegen Dengler folgendes Urteil: Sechs Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre; die Untersuchungshaft des Angeklagten wirdl mit elf Monaten angerechnet.

Wie wir noch vor Redaktionsschluß erfahren, gab Denglers Anwalt um 23.06 Uhr bekannt, daß sein Mandant auf Berufung verzichtet und das Urteil angenommen hat. Staatsanwalt Keller verzichtete auf eine Erklärung. Das Urteil ist in jüdischen Kreisen mit großer Ueberraschung aufgenommen worden.

Wir gehen auf die Urteilsbegründung in unserer nächsten Ausgabe noch näher ein. wst.

Ausstellung neue Wohnkultur eröffnet

Gestern abend eröffnete Stadtrat Dreiheller im Namen der Stadt Darmstadt die von der Neuen Gemeinschaft für Wohnkultur in Verbindung mit dem Sozialwerk (eine Gemeinschaftsorganisation der beiden christlichen Kirchen und der Arbeiterwohlfahrt) und den Hessischen Werkstätten veranstaltete Ausstellung „Neue Wohnkultur“ in der Holzhofallee mit dem Hinweis auf die Tradition im Möbelbau unserer Stadt.

Graf York vom Sozialwerk für Wohnung und Hausrat betonte in seiner Ansprache, daß das Sozialwerk Möbeltypen entworfen habe, die den augenblicklichen Wohnverhältnissen angepaßt und Ausdruck unserer Zeit seien. Der Besucher dürfe deshalb nicht vergessen, daß ein namenloses Elend von über acht Millionen Heimatvertriebenen diese Ausstellung veranlaßt habe, und er müsse sich fragen, was er dazu beitragen könne, damit auch der ärmere Nächste in den Besitz einer Wohnung gelangen könne. Landrat Becker a. D., der Leiter der Ausstellung, dankte Architekt Henni und den Firmen, die der Ausstellung das äußere Gepräge gegeben haben. Die Stadt Darmstadt habe das Protektorat über die Ausstellung übernommen. Sie bliebe so lange geöffnet, bis der Besucherstrom versiegt sei.

In der Ausstellung wird die Möbelproduktion der verschiedensten Formen der Kritik der Besucher unterstellt. Der Besucher sieht Möbeleinrichtungen aller Art, angefangen vom Badezimmer, kleine Wohnschlafzimmer, Küchen mit kombinationsfähigen Finzelschränken, Wohnzimmer aus Mahagoni, Birn- und Nußbaum. Großen Anklang fanden die Studentenzimmer von 6 Quadratmeter Größe, die im Studentenheim in der Riedelstraße eingerichtet werden und beweisen, wie geschmackvoll eine Gefängniszelle ausgestattet werden kann.

Unter den Besuchern der Ausstellung befanden sich auch Bürgermeister Schröder, Landrat Wink, Stadtbaudirektor Professor Grund und Vertreter der Stadtverwaltung. — Wie uns der Darmstädter Einzelhandel noch vor Redaktionsschluß mitteilt, sind die Darmstädter Möbelgeschäfte, obgleich sie nicht ausgestellt haben, in der Lage, solche Sonderwünsche auszuführen. t_s



Wenn die losgegangen wäre ...

Luftmine in der Hügelstraße

Im Garten eines Grundstückes gegenüber der Volksbank in der Hügelstraße entdeckten gestern morgen Arbeiter des Städtischen Tiefbauamtes eine Luftmine, die seit 1944 dort friedlich gelegen hatte. Die sofort benachrichtigte Polizei sperrte die umliegenden Straßenzüge ab, und ein aus Wiesbaden herbeigekommenes Sprengkommando machte sich an die fachmännische Untersuchung des unschönen Gegenstandes. Mit der Zeit schälte sich aus der Erde ein 6 Meter langes und 60 Zentimeter im Durchmesser messendes Etwas, dem mit aller Vorsicht die Entzündungsmöglichkeit genommen wurde. Nach der Entschärfung machte sich ein amerikanischer Kran an die Arbeit und hob die 36 Zentner schwere Luftmine aus der Grube, die allein 28 Zentner Sprengstoff enthielt. DT

Warmwasser-Zuschlag im Hotel

Je Uebernachtung darf den Hotels von den Preisbehörden ein Zuschlag von 0,25 DM für Heizungskosten und ein gleicher für Warmwasser bewilligt werden. Diese vom Bundesminister für Wirtschaft ausdtücklich gebilligte Regelung im Regierungsbezirk Darmstadt soll einer Vereinheitlichung im Bundesgebiet dienen. Sie gilt jedoch nicht für Betriebe, deren Uebernachtungspreise nach der Währungsreform bereits erhöht oder wegen Neuaufbau erst neu festgesetzt waren, es sei denn, daß ihre Existenz ernstlich gefährdet würde. DT

Verlängerte Schulpflicht

Beurlaubung nur als seltene Ausnahme

Ende April dieses Jahres wurde für alle Kinder, die zwischen 1942 bis 1947 mit dem Schulbesuch begonnen haben, die Schulpflicht auf achteinhalb Jahre festgesetzt. Diese Zeit kann auch dann nicht verkürzt werden, wenn die Kinder eine Lehrstelle gefunden haben. Eine widerrufliche Beurlaubung nach siebeneinhalbjährigem Schulbesuch ist nach den geltenden Bestimmungen nur möglich, wenn dies durch ungewöhnlich schwierige häusliche, wirtschaftliche und in der Person des Schulpflichtigen liegende Verhältnisse gerechtfertigt erscheint. Als Gründe für diese strenge Handhabung werden die großen Lücken im Wissen und die Tatsache angegeben, daß es noch nicht möglich war, alle 1949 entlassenen Volksschüler in Lehrstellen unterzubringen. Gegenwärtig wird von den Schulbehörden geprüft, wie das verlängerte Schuljahr am zweckmäßigsten genutzt werden kann. Für kleinere Gemeinden wird dabei daran gedacht, die Kinder benachbarter Gemeinden in Beziirksklassen zu unterrichten. DT

Wohin gehen wir heute?

Landestheater: Orangerie: 19.30 Uhr: „Maske in Blau“. (E/24) Ende 22.15 Uhr. Lichtspieltheater: Union: ..An klingenden Ufern“: Thalia: „Mädchen hinter Gittern“. 22.30 Uhr: „So beginnt ein Leben“; Belida¬ „Mit Pinsel und Degen“ 14.00 und 22.30 Uhr: „Schrecken der Prärie“; Palast: „Aus guten alten Zeiten“. 22.30 Uhr: „Miranda“: Hansa: „Nur noch eine Nacht“.

„Verbaost“: Kreisverband Darmstadt-Stadt und -Land. 17.00 Uhr: Mitgliederzu. sammenkunft Hotel Knauf. Bleichstraße. Bericht über die Delegiertenkonferenz in Bonn Erklärungen zur Ueberbrückungshilfe u. a. m.

Komitee Darmstädter Gespräch: Mathii¬ denhöhe: 16.00 Uhr Eröffnung der Ausstellung: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; Stadthalle: 19.30 Uhr. Eröffnung des Gesprächs Dr. Gerhard Evers. Vortrag Johannes Itten: ..Ueber die Möglichkeiten der modernen Kunst“: 20.30 Uhr Prof. Dr. Hans Sedlmayr: „Ueber die Gefahren der modernen Kunst“.

und morgen?

Landestheater: Orangerie. 14.30: „Othello“ (Sonntagsmiete 12) Ende 17.00 Uhr

Wie Samstas. außer U M Uhr ta Nachtvorstellung. vormittags n.OO Uhr letztmalig: „So beginnt ein Le-

Bereitschaftsdienste am Sonntag

S^^b^TVSonntag- und Nachtdienst: (von Sa 15. 7., 13.00 Uhr, bis Sa., 22. 7.. 8.00 Uhr)

delbe^^L Frankenstein-Apotheke, Hei¬ «»»-Apotheke.

sta^SU^^^

bif S^rR61, S°nntaSsdienst (von 10.00

Frankfurter St^Ä DarmStadt’

bifS®*81 dcr Dentisten (von 10-°0

Oechler’ Da™s^‘.

(Fortsetzung des lokalen Teiles auf Seite 10)

Starkenburg

Eulbach soll zu Würzberg kommen

Kurzsichtiger Eingemeindungsbeschluß des Erbacher Kreistags

Am Freitag traf der Kreistag des Kreises Erbach zu seiner ersten diesjährigen Sitzung zusammen, um die seit langem heißumstrittene Auflösung selbständiger Gemarkungen und gemarkungsfreien Grundstücke sowie deren Eingliederung in Kreisgemeinden zu beschließen.

Fünf Sitzungen des Kreisausschusses sowie mehrere Beprechungen mit Vertretern der Grundbesitzer, größtenteils der ehemaligen Standesherrn, waren bePeits vorausgegangen. Näch Ueberwindung zahlreicher Schwierigkeiten hatte der Kreisaussehuß einen Eingliederungsplan für alle selbständigen Grundstücke und Gemarkuhgen -zustande gebracht, der die Billigung der Landeigentümer fand und hur noch vom Kreistag bestätigt zu werden brauchte.

Während die Beratung über den größeren Teil des Planes reibungslos verlief, entstanden über die Eingliederung der selbständigen Gemarkung Eu Iba.eh erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien. .Da sich- im Bereich dieser Gemarkung das Jagdschloß Eulbach der Grafen zu Erbach-Erbach sowie der als Ausflugsziel bedeutende „Englische Garten“ befindet, traten die Abgeordneten Ros-Segg und Kitz (CDU) für die Angliederung dieser Gemarkung an die Kreisstadt Erbach ein, da zu dieser jahrhundertalte, unlösbare Bindungen bestehen und sich andererseits dadurch die günstigsten steuerlichen Vorteile bieten.

Selbst die Kreisverwaltung unterstützte durch Regierungsrat Zörgiebel diesen Vorschlag, der auch der angestrebten Vereinigung der Schwesterstädte Erbach und Michelstadt förderlich sei. Eulbach gehöre dann zu seinem historischen Mittelpunkt Erbach und bildet zusammen mit den Gemarkungen von Michelstadt, Erbach und Stockheim eine Gemarkung von über 5000 Hektar, die ein leistungsfähiges Zentrum des ganzen Odenwaldes darstellen würde. Die Abgeordneten Ackermann (SPD) und Seeger (KPD) bestanden aber auf dem. Vorschlag des Kreisausschusses, die Gemarkung Eulbach insgesamt der zunächst gelegenen Gemeinde Würzberg anzugliedern.

Die Abstimmung hierüber brachte die Ueberraschung des Tages: mit 19 gegen 9 Stimmen bei einer Stimmenthaltung wurde die Eingliederung nach Würzberg beschlossen. Abweichend von dem Vorschlag des Kreisausschusses wurde ebenfalls auf Antrag der Fraktionen der SPD und KPD die Gemarkung „Hardt stei nh ecke“ der Gemeinde Seckmauern zugesprochen.

Der Beschluß über die Bauleitpläne der Gemeinden Beerfelden, Nieder-Kainsbach, Sandbach, Bad König, Höchst, Mümling-Grumbach, Neustadt und Etzengesäß ging glatter vonstatten, obwohl mit diesen Plänen die Möglichkeit von Enteignungen von Baugelände geschaffen werden soll. Regierungsbaurat D”. Speel vom Staatsbauamt Erbach erläuterte die Pläne, die bereits von den zuständigen Gemeindevertretungen angenommen wurden. Auch im Kreistag fänden sie einstimmige Billigung.

Landrat Neff hatte eingangs unter anderem mitgeteilt, daß der Haushaltsplan für den Landkreis Erbach für das Jahr 1950/51 im Entwurf fertiggestellt sei. Spätestens im Laufe des August soll er durch den Kreistag verabschiedet werden. (_ch)

Es schwelt noch immer

Gemeinderatssitzung in Einhausen

In der letzten öffentlichen Gemeinderatssitzung wurde erneut der Antrag auf Ausgemeindung des Ortsteiles Großhausen aus dem Ortsverband Einhausen behandelt. Die Aussprache über diesen Punkt war neben anderen Punkten der Tagesordnung besonders heftig.

Die Gegner einer Ausgemeindung erklärten, der Gemeinderat sei damals bei der Zusammenlegung nicht gefragt worden und die Einwohner von Kleinhausen hätten sich heftig gegen eine Zusammenlegung gewehrt — so heftig, daß sogar verschiedene Bürger inhaftiert wurden. Vertreter der Aus gerne indungsi de e erklärten, daß man sich seiner Zeit der Diktatur nicht zu widersetzen vermochte und Großhausen gleichfalls gegen eine Zusammenlegung war. Heute nun möchte man die Wiedergutmachung dieser ungesetzlichen Handlungsweise durchsetzen.

Der Antrag auf Ausgemeindung, der von den Bürgern des Ortsteiles Großhausen eingereicht worden war, wird von 95 Prozent der Bevölkerung dieses Ortsteiles befürwortet, so daß die Ignorierung eines Wunsches von nahezu 1000 Einwohnern nicht allzu einfach erscheint.

Nach weiteren Debatten, die die Einzelheiten der seinerzeitigen Zusammenlegung noch einmal detaillisierten, schritt man zur Abstimmung innerhalb des Gemeinderates. Hierbei wurden nun 7 Stimmen gegen die Ausgemeindung, 3 Stimmen für die Ausgemeindung bei zwei Stimmenthaltungen abgegeben.

Damit dürfte die Angelegenheit vorerst wieder ad acta liegen. Es ist anzunehmen, daß die Verfechter der Ausgemeindungsidee versuchen, eine neue Aussprache herbeizuführen. (fho)

Kirschen, Kirschen...


. . . aber nicht mehr lange auf dem Wochenmarkt, denn bald ist ihre Zeit vorbei, und auf den langen Tischen uhd in den Körben wird anderes Obst auf kaufende Hausfrauen warten. Foto: Kenner
. . . aber nicht mehr lange auf dem Wochenmarkt, denn bald ist ihre Zeit vorbei, und auf den langen Tischen uhd in den Körben wird anderes Obst auf kaufende Hausfrauen warten. Foto: Kenner

Freitod durch Tabletten

Als am Dienstagmorgen die Frau des Dr. med. Büchler in Schaafheim mit Hilfe einer herbeigerufenen Nachbarin die Tür zum Sprechzimmer ihres Mannes gewaltsam öffnete, fand sie ihren Gatten mit schweren Vergiftungserscheinungen vor. Trotzdem ein sofort aus Babenhausen herbeigeholter Arzt durch Einspritzung von Gegengiften Dr. Büchler zu retten versuchte, verstarb dieser kurz vor seiner Einlieferung in ein Darmstädter- Krankenhaus.

Die seitherigen Ermittlungen lassen vermuten, daß Dr. Büchler durch Tablettenvergiftung seinem Leben ein Ende bereitet hat. Familiäre Auseinandersetzungen sollen vorausgegangen sein.

Ginsheimer Schulkinder machen eine Zeitung

Die „Ginsheimer Rheinschnake“ — eine Schülerzeitung der Volksschule

Schülerzeitungen sind im allgemeinen nichts Neues, es gibt deren eine ganze Anzahl, wenn sie auch zum Teil von Erwachsenen für Kipder geschrieben werden. Nach dem Krieg wurden in vielen Schulen derartige Zeitungen herausgegeben, teilweise thektographiert oder im Maschinensatz, je nach den finanziellen Verhältnissen der kleinen Herausgeber. In Amerika kennt man diese Zeitungen seit vielen Jahren, und es gibt einige, die eine beachtliche Auflagenhöhe haben. In Deutschland jedoch hatte man keinerlei Erfahrungen und es (hieß, etwas für uns völlig Neuartiges einzuführen, dem die Elternschaft und wohl auch ein Teil der Lehrer skeptisch gegenlüberstanden.

' Mit einer erstaunlichen Einmütigkeit des Lehrerkollegiums faßte die Ginsheimer Volksschule vor mehr als einem Jahr den Entschluß, die einzige hessische Schülerzeitung einer Volksschule ins Leben zu rufen. In erster Linie war es die Absicht der Lehrer, die Schülermitverwaltung, die jede Schule besitzt, über die saisonbedingten Arbeiten, wie Vorbereitungen von Eltern- und Theaterabenden, Wettkämpfen und Sportfesten, das ganze Jahr über zu beschäftigen und eine Einrichtung zu schaffen die einem großen Kreis von Schülern und Schülerinnen Gelegenheit zur Mitarbeit bot.

So wurde die „Chefredaktion der Ginsheimer Rheinschnake“ unter lebhafter Anteilnahme der gesamten Jugend gegründet. Der „Maschinenpark“ konnte aus dem Erlös des weihnachtlichen Märchenspie s 1948 angeschafft werden: Ein yervi® - fältigungsapparat auf dem die Zeitung in Schablonen abgezogen wird. Die V€rtrauensschüler entfalteten eine rege Weroetätigkeit in den einzelnen Klassen, sie f°r derten die Mitschüler zur Einreichung von Beiträgen auf und baten um Vorschläge für den Namen der Zeitung. Daß das Projekt bei den Schülern mit aufgenommen wurde, beweist die Tatsacne, daß nach vierzehn Tagen so viel Manuskripte eingegangen waren, daß ohne Stonmangel mehrere Nummern gleichzeitg hätten gedruckt werden können.

Allein für den Titel der Schiülerzeifung lagen mehr als fünfzig Vorschläge vor. Als man so weit war, setzten sich die Vertrauensschüler mit zwei Lehrkräften zusammen, wählten aus den eingetgangenen Vorschlägen den besten Namen und suchten aus der Vielzahl der Beiträge dfie schönsten für die erste Nummer heraus; zwei Schülerinnen der Redaktion schrieben einen Leitartikel zum Erscheinen. Die Redaktionskonferenzen wurden seit der Herausgabe immer an dem großen Tisch im Rektorzimmer abge'halten, damit die Kinder auch das Gefühl haben, ernstgenommen zu werden.

Die Auswahl der Beiträge geschieht so, daß die Vertrauensschüler die Arbeiten der unteren Jahrgänge lesen und beurteilen. da eg ein ungeschriebenes Gesetz >st, daß alle Altersklassen zu Wort kommen. Selbst Kinder aus dem zweiten Schuljahr sind mit kleinen Gedichten vertreten, während die Obetklassen ganze Artikelserien schreiben, die in 'Fortsetzungen zum Abdruck gelangen. Beiträge aus dem Schulleben, vom Ortsgeschehen und Heimatkundliches, selbsterdachte Geschichten, Reportagen vom Schulsport und Witze werden veröffentlicht. Seltsamerweise' hat die Rätselecke die meisten Mitarbeiter.

Wenn die brauchbaren Arbeiten ausgesiebt sind, wird das „Material“ auf Matrizen geschrieben, zeitweise die einzige Arbeit, die ein Erwachsener an der Zeitung vornalhm. Der Ehrgeiz ließ jedoch eine Schülerin nicht eher ruhen, bis sie nach einjährigem Training auf Vaters Schreibmaschine so weit war, das Schablonenschreiben selbst zu übernehmen. Dazu bekam der „Verlag“ von der Gemeinde vor einem Jahr eine nagelneue Schreibmaschine geschenkt.

Jede Nummer umfaßt zwölf Seiten, und die Zeitung erscheint in einer Auflage von 450 Exemplaren. Die „kaufmännische Direktion“ setzte den Preis auf 12 Pfennig fest, der aber seit dem 1. Juni auf 10 Pfennig ermäßigt werden konnte. Absatzschwierigkeiten haben die Ginsheimer Zeitungsverleger keine; jede Ausgabe ist im Handumdrehen verkauft, und selbst an etwa dreißig andere Schulen wird sie versandt. Daß das Kultusministerium jeweils drei Exemplare erhält, ist selbstverständlich. Der „Kopf“ der Zeitung, die Ansicht Ginshetms vom Rhein her, wurde von einem Jungen entworfen und mußte b»her für jede Nummer neu gezeichnet werden; anläßlich des einjährigen Bestehens bekam sie ein Klischee geschenkt,

Selbstverständlich wirft diese Zeitung auch einen Reingewinn ab, etwa 15 Mark pro Nummer. Damit werden Preisausschreiben veranstaltet, in denen es Bücher und Malgeräte zu gewinnen gilbt. Abgesehen von dem Spaß und der Begeisterung, die bei den Schülern über ihre Zeitung herrscht, hat sie eine nicht zu verkennende pädagogische Bedeutung, da sie die Kinder zu Verantwortung und Selbständigkeit erzleiht, mehi- noch, als dies vielleicht in einem reinen Unterrichtebetrieb möglich ist. (HFL)


- • —— Der Kopf“ der Ginsheimer Schülerzeitung, die periodisch hektographiert erscheint, und eine „Auflage“ von 450 Exemplaren hat
- • —— Der Kopf“ der Ginsheimer Schülerzeitung, die periodisch hektographiert erscheint, und eine „Auflage“ von 450 Exemplaren hat

Neues Naturschutzgrhiet?

Schon vor längerer Zeit hatte Herr Trettau, dter Leiter der Vogelschutzwarte Mönchbruch, den Antrag gestellt, ein zirka drei Hektar umfasSeneS Waldgebiet in der Nähe von Mönchbruch unter Landschaftsschutz zu stellen.

Am Mittwochnachmittag fand nun eine Begehung dieses Gebietes statt, an der Forstmeister- Osth ei m, Regierungsamtmann Heinemeyer vom Groß-Gerauer Landratsamt, Naturschutzbeauftragter Dr. Griepenburg und Vogelschutzwart Trettau teilnahmen. In dem Gebiet finden sich mehrere 300 bis 400 Jahre alte Eichen; in den Weidenbäumen haben viele seltene Höhlenbrüter ihre Nester gebaut.

Da auch Forstmeister Ostheim den Vorschlag befürwortete, ist zu erwarten, daß vom Regierungspräsidenten diese Gegend auf Grund ihres seltenen Baum- und Vogelbestandes unter Landschaftsschutz gestellt wird. (cg)

Mehr Werbung für Geran

Der Ortsverein Groß-Gerau des Gastwirtegewerbes traf sich am Donnerstagnachmittag auf Einladung von Ortsvereinsleiter Weber im Gasthaus „Unter den Linden“. Auch verschiedene Gastwirte aus der Umgebung Groß-Geraus waren zu dieser Versammlung eingeladen.

Bürgermeister Dr. Lüdecke betonte in einer Ansprache, daß für das Genauer Land gerade durch das Gastwirtegewerbe neue Anziehungspunkte für Fremde geschaffen werden müßten. Auch der Begriff „Gerauer Land“ solle eine stärkere Bedeutung gewinnen; in dieser Bezeichnung seien die Orte Groß-Gerau, Worfelden, Wallerstädten, Berkach und Büttelborn einbezogen. Es sei wichtig, weitere Uebernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. Er wolle sich dafür einsetzen, daß zweckentfremdete Räume von Gastwirtschaften wieder ihrer früheren Verwendung zugeführt wurden.

In der Diskussion betonte der Ortsvereinsleiter Weber, man müsse den Zunftgedanken auch im Gastwirtegewerbe wieder stärker aulleben lassen. (cg)

350 Iahre Volksschule Reichenbach

Am Sonntag wird die Volksschule der Gemeinde Reichenbach ihr 350 jähriges Bestehen mit einem großangelegten Schulfest begehen. Am 3. November 1600 hat, wie aus der noch vorhandenen Chronik zu ersehen ist, Pfarrer Walter hier zum ersten Male Schulunterricht erteilt. Das Pfarrzimmer wurde indessen bald zu klein, so daß das Kirchspiel Reichenbach mit den Gemeinden Gadernheim, Lautern und Elmshausen einen eigenen Magister anstellte, der allerdings zugleich das Kirchengeläut mitbeSorgen mußte.

Knapp dreißig Jahre später wurde eine Aft Schulhaus eingerichtet, in dem die sich häufig abwechselnden, weil außerordentlich gering besoldeten Lehrer nun Unterricht und eigenes Handwerk betrieben. Mehr als zehn Jahre hindurch war dann — eine Folge des Dreißigjährigen Krieges — überhaupt kein geeigneter Kandidat aufzutreiben. Trotzdem hat sich die Einrichtung der Schule erhalten; sie zählte vor hundert Jahren nahezu 220 Schülerinnen und Schüler. Heute werden hier 300 Kinder der 2 734 Einwohner zählenden Gemeinde unterrichtet.

Die Jubiläumsfeier wird eingeleitet durch einen von Pfarrer Mager zelebrierten Festgottesdienst, dem sich nachmittags ein Kinderfestzug mit vielerlei schönen und eingängigen Motiven anschließen wird. Die Kleinen zeigen im Schulhof Volkstänze, Reigen, Musikdarbietungen, Turnvorführungen u. a. m. Die Gesamtleitung liegt bei Lehrer Hechler, der zusammen mit seinen Schützlingen bemüht ist, das Fest zu einem lange im Gedächtnis bleibenden Erlebnis für jung und alt werden zu lassen. f-rr

Neubauten in Birkenan

In der letzten Gemeinderatssitzung in Birkenau wurde zunächst über das baureif werdende Gelände am Bahnhof debattiert. Baurat Ruppenthai vom Staatsbauamt Bensheim erläuterte den Generalbebauungsplan und mahnte zur Zurückhaltung gegenüber jeglichem „wilden Bauen“. Ueber die Frage, ob die Neubauten am Bahnhof mit oder ohne Geschäftslokale errichtet werden, war man anfangs geteilter Meinung, einigte sich jedoch schließlich auf einen Verzicht neuer Geschäftshäuser zugunsten des Wohnungsbaues. Die vorgesehenen Baupläne sollen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht und ein entsprechendes Ortsstatut unverzüglich ausgearbeitet werden.

Für die anschließend diskutierte Frage, den mitten in der Gemeinde liegenden Friedhof auf vorhandenes, außerhalb der Baufluchten gelegenes Gelände, das zu diesem Zweck weit besser geeignet wäre, zu verlegen, konnte eine Mehrheit nicht erreicht werden, so daß es bei dem alten Zustand verbleibt. Gr)

Ladenschluß auf dem Lande

Der Ladenschluß für offene Verkaufsstellen ist im Regierungsbezirk Darmstadt in den Sommermonaten (April bis einschließlich September) für Orte mit weniger als 3 000 Einwohnern und mit überwiegend ländlicher Bevölkerung auf 21 Uhr festgesetzt. Der Landrat bestimmt, welchen Gemeinden der ländliche Charakter zugesprochen wird. Jugendliche unter 18 Jahre dürfen in der Zeit von 19 bis 21 Uhr nicht beschäftigt werden, ältere Angestellte und Arbeiter nur dann, wenn die zulässige tägliche Arbeitszeit nicht überschritten wird. Bei größeren ländlichen Orten und bei solchen mit weniger als 3 000 Einwohnern und nicht überwiegend ländlicher- Bevölkerung prüft der Landrat, ob die Ladenschlußzeit verlängert werden darf. Die Entscheidung liegt in diesen Ausnahmefällen beim Regierungspräsidenten. DT

An einem Tag:

Bwei schwere Unfälle

In Babenhausen ereignete sich am Mittwochnachmittag im Stadtinnern ein zweiter schwerer Verkehrsunfall. Ueber den tödlichen Ausgang des Zusammenstoßes zwischen einem jugendlichen Radfahrer und einem Lastzug hatten wir in unserer gestrigen Ausgabe bereits berichtet. Gegen 19 Uhr kam es dann zu dem zweiten Zusammenstoß. An der Kreuzung der Straße nach Seligenstadt und Dudenhofen wollte ein Motorradfahrer, der auf dem Sozius seine Frau mitgenommen hatte, einen Lieferwagen überholen. Der Lkw bog nach links ein, so daß der Motorradfahrer nach der Seite abgedrückt wurde. Die Mitfahrerin wurde zu Boden geschleudert und erlitt außer Verletzungen am Kopf und am linken Arm eine Gehirnerschütterung, die ihre Ueberführung ins Krankenhaus notwendig machte. Ueber die Ursache des Unfalls und die Schuld an dem Zusammenstoß sind die Ermittlungen der Gendarmerie noch im Gange. (RG)

Die Wahrheit über Fornoff

Urkundenfälschungen, Betrug, Untreue, Unterschlagung und Körperverletzung — das ist die lange Reihe der Delikte, die dem 28jährigen Bankbuchhalter Friedrich Heinrich Fornoff aus Stockheim i. O. zur Last gelegt werden. Ende Juni wurden diese Verfehlungen aufgedeckt.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Gendarmerie hat er nicht nur in der Zeit von 1947 bis zu seiner Festnahme durch Fälschung von Kontobestandsbelegen seine Veruntreuung von 60 000 Reichsmark zu verschleiern verstanden, sondern auch nach der Währungsreform Bankkunden um zirka 30 000 DM geschädigt. Diese Gelder waren ihm von den Kunden außerhalb der Bankstunden zur Einzahlung auf ihr Konto ausgehändigt worden. Durch Fälschung der Tagesauszüge täuschte er diese Kunden über die tatsächliche Höhe ihrer Guthaben.

Als ein Mitarbeiter diese Verfehlungen aufdeckte, brachte ihm Fornoff einige in Wasser gelöste Schlaftabletten bei, so daß er in einen zwei Tage anhaltenden Schlaf versank. (-ch-)

Mit dem Kopf unter die Räder

Der Pole Franz Stanislaw Gawlik, der bei einem Landwirt in Groß-Zimmern beschäftigt war, verunglückte dieser Tage tödlich. G. war mit dem Sohn seines Arbeitgebers zu einer Lehmgrube gefahren und hatte das mitgeführte Pferdefuhrwerk — eine Gummirolle — mit Lehm so schwer beladen, daß das Fahrzeug etwa 3 Tonnen Gewicht hatte. Als er auf der Heimfahrt an einem abfallenden Feldweg abbremsen mußte, sprang er vom Wagen herunter und zog die zwischen den Rädern befindliche Handbremse an. Plötzlich sah der auf dem Bock sitzende Landwirtssohn den Polen nicht mehr, hielt an und fand ihn tot in der Fahrzeugspur liegen. Die Räder des Wagens waren ihm über den Kopf gerollt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Es wird angenommen, daß Gawlik auf dem feuchten Boden aUSrutschte und dabei zwischen die Räder geriet, ehe er einen Hilferuf ausstoßen konnte. (DT)

Im Salto die Böschung hinab

Am Donnerstag, gegen Mitternacht, hielt der Fahrer eines Lastzuges auf der Autobahn in der Nähe von Lorsch, um mit seinem Beifahrer den Platz zu wechseln. Im gleichen Augenblick rannte ein nachfolgender amerikanischer Pkw gegen den Lastzug. Glücklicherweise entstand nur Sachschaden.

Donnerstag früh fuhr ein aus Frankfurt kommender Lastwagen mit 2 Anhängern auf der Autobahn in der Nähe von Gräfenhausen die Böschung hinunter. Es entstand erheblicher Sachschaden.

Ein mit Steinen beladener Lastzug der Firma Gg. Bitsch aus Erlenbach im Odenwald wollte auf der Straße nach Langenthal einem entgegenkommenden Omnibus ausweichen. Der Fahrer riß sein Fahrzeug — um einen Zusammenstoß mit dem Omnibus zu vermeiden — zu weit nach rechts und stürzte dabei die etwa 8 m hohe Böschung hinunter. Der Motorwagen, der sich zweimal überschlug, wurde stark beschädigt, während der Anhänger sich losgerissen hatte und auf der Straße liegenblieb. Fahrer und Beifahrer trugen nur leichte Verletzungen davon.

In den Abendstunden des Donnerstags kam ein Pkw in rasender Fahrt aus Richtung Auerbach und fuhr zweimal durch die enge Bensheimer Hauptstraße. Die Polizei nahm die Verfolgung des Wagens auf, der in Richtung Lindenfels davonbrauste. Erst in Elmshausen fand die Rennfahrt ein Ende, als der Wagen die Böschung an der Straße hinunterfuhr. Erstaunlicherweise erlitt der Fahrer, der angetrunken war, nur leichte Verletzungen. (HB)

Aus der Fahrbahn geschleudert

Etwa 300 m hinter der G r o ß-G e r a u e r Zuckerfabrik geriet am Freitagnachmittag kurz nach 16.00 Uhr ein in Richtung Mainz fahrender Pkw über den Straßenrand hinaus. Der Chefarzt der Aschaffenburger Chirurgischen Klinik, der am Steuer saß, verlor hierbei die Herrschaft über den Waig/n und fuhr gegen einen Baum. Der Küh/er wurde völlig eingedrückt, der Verunglückte mit inneren Verletzungen und Knieverletzungen von einem Sanitätswagen abtransportiert, (cg)


Das acht Wochen alte Kätzchen „Peter” der Familie Auweiler aus R.o ß dorf wird täglich durch die Milch der dreijährigen Hündin „Strubbi“ genährt, obwohl diese keine Jungen zur Welt gebracht oder zu versorgen hat. Ein Sonderfall der Zoologie, der selbst den guten, alten Aristoteles erfreut hätte. (sl)
Das acht Wochen alte Kätzchen „Peter” der Familie Auweiler aus R.o ß dorf wird täglich durch die Milch der dreijährigen Hündin „Strubbi“ genährt, obwohl diese keine Jungen zur Welt gebracht oder zu versorgen hat. Ein Sonderfall der Zoologie, der selbst den guten, alten Aristoteles erfreut hätte. (sl)

Ginbruch in lugendherberge

In der Jugendherberge im Auerbacher Fürstenlager wurde in der Nacht vom 12. zum 13. Juli ein Einbruch verübt. Die Täter, die wahrscheinlich durch die hinteren Fenster in die im oberen Stockwerk liegenden, vollbeleigten Schlafräume einstiegen, konnten dort völlig ungestört Kleider, Wäsche und Geld mitnehmen. Der Vorfall wurde ®rst am nächsten Morgen festgestellt. Einige der Jugendlichen, die sich auf einer größeren Fahrt befanden, mußten diese abbrechen, weil sie nun ohne Geld oder Kleidung waren. Die Untersuchungen durch die Bensheimer Kriminalpolizei sind noch im Gange. (HB)

Raucher auf seltsamen Wegen

In der Nacht vom 12. zum 13. August drangen in der Zelt von 2 bis 4.30 Uhr Einbrecher in das Zigarrengeschäft Furtner in Hepp e n h e i m ein und entwendeten eine größere Menge Rauchwaren — in der Hauptsache Zigaretten — im Werte von 2 500 DM. Die Täter, die über das Hoftor des Nachbargrundstücks stiegen, hatten die Vergitterung des Fensters aufgebogen und gelangten so in den Laden. Ein zur Verfolgung eingesetzter Spürhund konnte eine Spur aufnehmen, die sich jedoch in den Nachbargrundstücken verlor.

(Weitere Frovinzialnachriditen Se te 7)

i^aM—wwar Bestattungen am Samstag, dem 15 Juli 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof: 10.45: Rettich, Hellmuth, Bessunger Straße 100, 20 Jahre 11.15: Wagner, Ludwiga geb. Hirschmüller, Kiesstr. 105, 35 J. 11.15: Hirschmüller, Gottlieb. Kiesstraße 105, 48 Jahre Feuerbestattung: Waldfriedhof: 11.45: Bretsch, Elise geb. Schwab, Eichbaumeck 29. 74 Jahre Beerdigung: Bessunger Friedhof: 11.00: Mosel, Heinrich, Kittlerweg 3, 37 Jahre. 1 ..«Mwiiißimiw wu

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am Sonntag WO CHENEN D-B E I LAG E DES DARMSTÄDTER TAGBLATTS

„Gottes eigenes Land“

| Jer Bewohner der Vereinigten Staaten

nennt seine Heimat stolz „Gottes eigenes Land“, während für den Europäer lange Zeit hindurch die Bezeichnung „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ sehr geläufig war. Doch das ist lange her, inzwischen raubten Depression und Näherkennenlernen diesen (etwas übertriebenen) Nimbus. Doch noch heute erscheint dem Durchschnittseuropäer Nordamerika als ein Land voller Wolkenkratzer, Gangster, Filmstars, Schönheitsköniginnen, Millionäre und Ehescheidungen.

Gewiß, die vielen Wolkenkratzer sind nicht zu übersehen, zumal wenn man zu Füßen der „skyline“ von Manhattan an Land geht. Doch bestehen die Vereinigten Staaten nicht nur aus Großstädten, ganz im Gegenteil, die meisten Amerikaner wohnen in Kleinstädten, Dörfern oder auf einsamen Farmen. Wer die Wälder liebt, wird gerne in Maine, Montana, Oregon oder Washington leben wollen. Anderen hat es die weite Unermeßlichkeit der Prärien des Mittelwestens angetan. In Kalifornien und Florida geht man unter Palmen, während die Wüsten Neu-Mexikos und Arizonas noch nicht von ihrem Schrecken verloren haben.

Ja, auch die Gangster sind noch nicht völlig von der Bildfläche verschwunden. Doch meistens sind eä „racketeers“, die ihre Mitmenschen in Spielhöllen oder durch falsche Renntips prellen. Den Zeiten eines Al Capones oder -John Dillingers hat die Bundespolizei längst ein Ende bereitet. Für viele kleine Mädchen scheint die schimmernde Welt Hollywoods der Inbegriff des Göttlichen und «Schönen. Doch auch das Leben unter den Jupiterlampen ist voller Härte, und mancher Filmstar hat in seiner Karriere Schiffbruch erlitten und zählt zu den Längstvergessenen, welche die Armut und Not in ihren Klauen hat.

Nun, die vielen Ehescheidungen, werden Sie jetzt sagen, liest man nicht tagtäglich, daß sich Mr. X von Mrs. X sche'den ließ und -sich Mrs. X schon einen sechsten Gatten ausgewählt hat. Auch in Amerika führen Menschen gute Ehen, die nur durch den Tod zu trennen sind. Man darf die wirbelnde und zerfahrene Atmosphäre Hollywoods nicht als Maßstab rahmen Selbst der Kongreß zu Washington befaßt s eh mit der Kreuz-und-querscheiderei von Beverly Hill und will dem ein Ende bereiten.

Jedenfalls ist Amerika ein Land der Kontraste. Die Felsenburgen Manhattans und eine Autostunde entfernt das romantische Tal des Hudsons, das uns Deutsche so an den Rhein erinnert. Drei Blocks weiter vom strahlenden Broadway steht man in den Elendsvierteln der East Side, wo Juden, Italiener, Puertoricaner, Polen, Russen und Armenier in beängstigender Enge hausen. Auf schmutzigen Straßen spielen noch schmutzigere Kinder, der Wind vermag niemals die stickige Luft der Armut fortzuwehen. Gewiß ist, daß die Vereinigten Staaten den Namen „Schmelztiegel der Völker“ verdienen. In Neuyork leben mehr Juden als in Jerusalem, in Chicago mehr Polen als in Warschau. In Arizona und Neu-Mexiko gilt das Spanische als zweite Sprache neben dem Englischen, im Mittelwesten leben viele Deutsche, ja sogar bei Philadelphia kann man einen echten Pfälzer Dialekt hören, wie man ihn vor hundert Jahren in dem schönen Weinland sprach. Die Neger Amerikas haben durch ihren Blues und Ragtime den Jazz in der ganzen Welt populär gemacht.

Amerika ist uns näher gerückt, in einer Nacht kann man mit der AOA von Frankfurt nach Neuyork fliegen. Doch noch bestehen viele Mißverständnisse, viele Europäer sehen Amerika immer noch allzusehr mit europäischen Augen an. Doch die silbernen Vögel der AOA, die ihre ruhigen Bahnen über den Atlantik ziehen, haben schon ein gutes Stück zur Annäherung zwischen Alter und Neuer Welt beigetragen. Unsere Bilder zeigen links oben: Neuyork, Manhattan vom Chrysler-Building überragt — darunter: Trockenes, karges Wüsten¬ gebirge zwischen Kalifornien und Neu-Me¬ xiko — oben rechts: Die zerklüftete Land¬ schaft Arizonas — darunter: Neuyork, Bahn¬ hof der Luftlinien — unten rechts: Neuyork, die „Skyline“ von Manhattan, von Brooklyn aus gesehen.



„ und das Deutsche Museum“

Die größte technisch-naturwissenschaftliche Sammiung der Welt

Als vor kurzem eine amerikanische Reisegesellschaft vor Antritt der Fahrt nach Europa befragt wurde, was man denn unter allen Umständen in Deutschland zu sehen wünsche, gab es eine ziemlich einhellige Antwort: Oberammergau, das Heidelberger Schloß und das Deutsche Museum in München. Ueber 15 Millionen Menschen haben die größte technisch-naturwissenschaftliche Sammlung der Welt schon besucht, und es ist bezeichnend, daß nach Kriegsende aus allen Erdteilen besorgte Anfragen einliefen, ob das Deutsche Museum noch da sei.

Ja, der fast siebzig Meter hohe Turm mit seinen berühmten meteorologischen Geräten grüßt den Fremden wie einst schon aus der Ferne, und die mächtige Reihe der Bauten auf der Isarinsel sieht äußerlich unverändert aus. Drinnen gab es einige böse Verwüstungen, aber rechtzeitige Verlagerung rettete vier Fünftel der 70 000 zum großen Teil unersetzlichen Stücke. Das Deutsche Museum hat so gar nichts Museales an sich. Es ist eine überaus lebendige Schau. Heute wie früher soll es Studenten geben, die im Handumdrehen in ein paar Wochen vor dem Examen nach der großartigen Methodik der Sammlungen Versäumtes nachholen und die Prüfung mit Glanz bestehen. Man weigert sich fast, die uniformierten Männer in den lichten Sälen mit dem offiziellen Titel „Aufseher“ zu bezeichnen. Sie sind selbst halbe Gelehrte und haben schon Heerscharen von Besuchern in die Wunder des Fernsehens und der Tonfilmtechnik eingeführt, auf kostbaren alten Spinetts Haydn-Sonaten zum Erklingen gebracht und mit Professoren aus allen Ländern hochwissenschaftliche Gespräche geführt. Mit Begeisterung spielen ausgewachsene Familienväter an Motoren und Kurzwellensendern, experimentieren mit Knöpfen und Schaltern herum oder versuchen in einem unbewachten Augenblick das seltsame Laufrad des Freiherrn von Drais oder die Weltrekordmaschine Ernst Hennes zu besteigen.

Schon kann man sich wieder in das Berg- werk hinunterbegeben, und in einem der 35 geöffneten Physiksäle die aus jedem Schulbuch bekannte Magdeburger Halbkugel Otto von Guerickes sehen. Auch das erste Reissche Telefon, einige nur noch hier vorhandene Geräte von Ampere, die ersten Röntgenfotografien, die erste Dynamomaschine von Siemens und die Apparatur, mit der Hertz die elektrischen Wellen nachwies, sind erhalten geblieben. Im Barock-Musiksaal stehen in der alten Anordnung Mozarts winziges Reiseklavier, Theremins Aetherwelleninstrument, die große Konzertorgel, das köstliche „Bellonion“ mit 22 Trompeten und zwei Pauken aus Napoleonp Zeit und eine Fülle anderer musikalischer Seltenheiten. Im düsteren alchimistischen Laboratorium mit seinen einzigartigen mittelalterlichen Glasgeräten und im Lavoisier-Laboratorium erlebt man die Frühzeiten der Chemie, und in einem hellen großflächigen Raum sind ausgewählte Stücke aus der Geschichte des Straßenverkehrs ausgestellt, darunter die Prunkkutsche Ludwigs 11. und das erste Daimler-Automobil.

Noch warten Kraftmaschinen, Lokomotiven, Kommandobrücken von Schiffen, Flugmodelle, Luftballons und unzählige andere Stücke auf die Fertigstellung weiterer Räume. Die Aufbauarbeiten müssen zunächst allein aus den Mieteinnahmen des Kongreßsaales und des Bibliotheksbaues, des jetzigen Sitzes des Patentamtes, finanziert werden. Drei Millionen hat der Wiederaufbau bisher gekostet, noch sieben weitere fehlen. Aber die Leiter des Deutschen Museums glauben zuversichtlich, daß sie es aus eigener Kraft schaffen werden. Zwei Kilometer lang ist schon wieder der Rundgang. Auch die Stadt München weiß, was sie dem Werk Oscar von Millers schuldig ist. Sie kann zwar im Moment kein bares Geld beisteuern, aber das Gas, den Strom und das Wasser liefert sie umsonst. Die Männer, die hier an der Arbeit sind, fühlen sich wie eine große Familie. Sie sind Optimisten geblieben und behaupten, das Deutsche Museum werde in seiner ganzen Herrlichkeit bald wieder dastehen.

Herwig Weber

Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION

5. Fortsetzung

Xie ist jetzt zwanzig Jahre alt. Sie ist in dem Alter, in welchem man gewöhnlich die Kindergeschichten und die Mädchenstreiche zu vergessen sucht. Es fragt sich nur, ob sie über das, was hinter ihr liegt, so ohne weiteres hinwegkommt. Wie sie heute aussieht? Die meisten wissen es an Hand der zahlreichen Bilder, die von ihr in den Illustrierten der ganzen Welt in Umlauf sind. Ihr größter Kummer ist, daß sie nur 1,53 Meter groß ist, daß sie wirklich winzig klein erscheint, wenn sie an der Seite eines jungen Lords, der sich einer Höhe von 1,80 Meter erfreut, über den Rennplatz geht. Sie hat große, wundervolle blaue Augen. Aber diese Augen schauen immer etwas prüfend, so daß Augenspezialisten meinen, Margaret Rose sei ein wenig kurzsichtig. Ihre Nase ist etwas zu lang — jedenfalls länger, als nach den klassischen Schönheitsmaßen für Proportionen zwischen Stirn, Nase und Kinn erforderlich wäre. Es wird vielen schon aufgefallen sein, daß Margaret Rose immer recht lange Mäntel und ziemlich lange Kleider trägt und sich am besten dann bewegt, wenn sie bis auf den Boden reichende Tanzkleider anhat.

Das erklärt sich aus einem Umstand, den wir schon ganz kurz streiften: die Beine sind etwas zu kurz geraten. Sie versucht durch geschickten Gang, mit hohen Absätzen und den schon erwähnten langen Kleidern diese unbestreitbaren und wohl auch unabänderlichen Tatsachen zu tarnen. Von ihrer Mutter — jedenfalls von mütterlicher Seite — erbte sie eine kleine Disposition zur Wangenröte, also zu jener etwas übertriebenen und durch allzu weite Adern bedingten Röte der Wangen, die man nur durch sehr geschickte Anwendung von Puder und anderen Hilfsmitteln zu verdecken vermag.

Aber — nach dieser kleinep, etwas kritischen Betrachtung der bis in das letzte Haar sympathischen Margaret Rose weiß jeder, der mit ihr je zusammenkam, daß Margaret der reizendste und amüsanteste Mensch ist, den man sich denken kann. Jeder, der sich auf das Leben und die Menschen versteht, zieht die kleine Magy einer großen, eleganten und langweiligen Schönheit gern vor. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb um keine Frau in England so viele Verlobungs- und Heiratsgerüchte kreisen wie um Margaret Rose. Gut — sie ist keine klassische Schönheit, einverstanden, sie hat nicht die Maße einer Schönheitskönigin von Hollywood — zugegeben auch — sie wird nicht Königin von England — aber die Männer weichen nicht von ihrer Seite. Und wer zweimal mit ihr im Theater war, wer dreimal mit ihr zum Tanz ging — der steht als neues Opfer auf der riesenlangen Liste derer, die ihr Herz an Margaret Rose verloren haben.

Doch an wen verlor sie ihr Herz? Das wollen wir an Hand dessen, was Hoflisten, diskrete und indiskrete Gerüchte und internationaler Klatsch zu erzählen wissen, untersuchen.

111. „Ich liebe Sie, M'am!“ Viele Männer um eine Margaret Rose Sie kann sich nicht entscheiden und lacht über die Zukunft

„... Das Schicksal aber will, daß das Mädchen, das in Glamis-Castle das Licht der Welt erblickte, von einem Mann geehelicht ist, bevor das Mädchen zwanzig Jahre vollendet hat. Das ist der Segen oder der Fluch, der über allen Frauen schwebt, die hier den ersten Atemzug taten ...“

(Aus einer alten schottischen Legende.) Wenn diese schottische Sage, die um Glamis-Castle geistert, recht behält, dann würden wir uns also im Leben der Prinzessin Margaret Rose dem sogenannten Endspurt nähern. Es könnte nicht mehr sehr lange dauern — denn vor dem 27. August 1950 müßte Margaret Rose verheiratet sein — immer vorausgesetzt, daß schottische Legenden stets recht behalten. Wenn es sich um irgendein anderes Schloß, ein Castle, in Schottland handelte, würden die Durchschnittsengländer vielleicht nicht gar zu hartnäckig daran festhalten, daß es so sein wird, wie die Legende erzählt. Aber wir sprachen schon einmal davon, daß über Glamis-Castle der Geist des unseligen Macbeth schwebt. Und daran glaubt man in England.

Bei Margaret Rose kann man wirklich sagen, daß derjenige, der die Wahl hat, auch die Qual hat. Denn für wen soll sich Magy nun entscheiden? Dieses früh wache Mädchen wußte schon mit zwölf Jahren der stillen Lilibet genau zu erklären, weshalb dieser und jener Offizier der königlichen Wache viel besser als Mann aussehe — als irgendein anderer. Sie hatte einfach den Blick dafür und entwickelte mit vierzehn Jahren jene Neugier, die sie trieb, bei den Gartenempfängen von Edinburgh auch dann zu erscheinen, wenn sie nicht eingeladen war. Und sie erschien auf einem solchen Gartenfest so gut zurechtgemacht daß eine ältere schottische Dame, die sich mit der neuen Zeit weder an freundete noch abfinden konnte, nachher jedem, der es in geschlossenem Kreis hören wollte, erzählte:

„Also — diese Margaret Rose — sie kam, obwohl sie gar nicht eingeladen war, das heißt — sie konnte sich natürlich selbst einladen. Aber wenn man nicht gebeten ist, wenn man nicht erwartet wird, dann bleibt man doch zu Hause. Sie hatte Pudei’ aufgelegt und Wangenrot. Sie hatte einen Lippenstift benutzt und sich die Augenbrauen nachgezogen, als ob sie gleich Theater spielen wollte. Hat man je so etwas in Edinburgh gesehen?“

Man sah so etwas noch sehr häufig in der Folgezeit. Denn nachdem Lilibet sich verlobt hatte und bald darauf verheiratete, seit Magy endgültig wußte, daß sie nun

nur noch eine einfache Prinzessin im Hintergrund war, durchbrach sie auch die letzten Schranken, die sie von der Welt trennten. Freilich wohnte sie wie bisher in den Räumen, die man ihr im Buckingham-Palast zugewiesen hatte. Sie bekam dort ein großes Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, das übrigens vorher das Kinderspielzimmer gewesen war, und ein eigenes Badezimmer. Die Möbel wurden alle im viktorianischen Stile gehalten. Aber während sie — bis auf das kleine Radio neben dem Bett — im Schlafzimmer den strengen Stil duldete, richtete sie sich ihr Wohnzimmer mit tausend Kleinigkeiten so her. wie es ihr selbst paßte. Sie handelte da genau so — wie auch sonst in ihrem Leben, das nun, nachdem Lilibet verheiratet war, ein ganz anderes, viel offeneres Gesicht bekam. Sie wurde von einem Tag zum anderen der Schrecken der ewig wachen Männer von Scotland Yard und der Hofdame, die ihr beigeordnet war. Auch für Major Harvey, den Privatsekretär der Königin, der mit ihr die offiziellen Empfänge ausmachen muß, ist Margret Rose kein leichter Fall. Wie wäre das auch möglich? (Fortsetzung folgt.)


Margaret Rose auf einem Ball der Universitäten Oxford und Cambridge.
Margaret Rose auf einem Ball der Universitäten Oxford und Cambridge.

Opel-Hotel am Hauptbahnhof geplant

Feierstunde bei Porchert und Meffert

Am Freitagvormittag versammelten sich in der neuerrichteten Werkhalle der Firma Porcher und Meffert in der unteren Rheinstraße die Vertreter der Regierung des Darmstädter Magistrats, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, des Kraftfahrzeughandels und -handwerks, wie der Gewerkschaft zu einer schlichten Feierstunde, um die Einweihung des neuen Darmstädter Opel-Großhändlerbetriebs für die Provinz Starkenburg in würdiger Form zu begehen.

Die Firma Opel hat es bisher als ihre vornehmste Pflicht erachtet, nicht nur dem Verbraucher das Kraftfahrzeug zu verkaufen, sondern in erster Linie ein vorbildliches Kundendienstnetz zu entwickeln, auf das der Fahrer sich voll und ganz verlassen kann. Dazu werden in den Opelwerken Spezialisten herangebildet, die durch ständige Kurse und Ausbildungslehrgänge jederzeit mit der technischen Entwicklung im Kraftfahrzeugwesen auf dem Laufenden gehalten werden. Neben der Betreuung der deutschen Kraftfahrer ist die Fa. Porcher & Meffert seit dem 1. Juni 1950 zum E. E. S. (Europeari Exchange Service) geworden und muß, gemäß dem Vertrag mit der amerikanischen Behörde in Deutschland, alle im Firmenbereich laufende Kraftwagen amerikanischer Staatsangehöriger kraftfahrtechnisch überwachen. Zu diesem Zweck besitzt sie ein umfassendes Ersatzteillager aller gängigen ausländischen Wagentypen.

Die Firma Porcher & Meffert hat einen steilen, wenn auch beschwerlichen Aufstieg hinter sich. Am 1. Oktober 1946 erhielten die Gesellschafter den Großhändlervertrag von den Opelwerken für die Provinz Starkenburg. Vor der Währungsreform war die Errichtung einer eigenen Werkstätte mit großen Schwierigkeiten verbunden, und so wurde zunächst eine Vertragswerkstätte in der Moßbergstraße gewonnen. Dank der großzügigen Unterstützung durch den Magistrat wurde der Firma das 3000 Quadratmeter große anschließende Gelände zur Verfügung gestellt. Im Herbst 1947 siedelte die Firma aus der Moßbergstraße auf das neue Grundstück um. Damit nahm die Entwicklung einen jähen Aufschwung. Das Gelände selbst bot damals einen trostlosen Anblick mit Bombentrichtern, beschädigten Gebäuden und großen Müllhaufen. Im Laufe der Zeit wurden Werkstätten und andere Reparaturhallen errichtet, und nun sind nicht nur in der modernen Tankstelle, neben der Esso-Schnelldienstanlage, vier Zapfsäulen in Betrieb, sondern eine über siebzig Meterlange und 27 Meter breite Werkhalle bietet für Dutzende von Kraftfahrzeugen Unterkunft.

Für die nahe Zukunft ist ein repräsentatives Ausstellungslokal geplant, und, am Schnittpunkt des Hauptkraftverkehrs vom Bahnhf und von der Autobahn her, ein elfstöckiger Hotelbau, der Darmstadt das Gepräge einer aufstrebenden Großstadt verleihen soll. Wenn man sieht, was in den Jahren schon geschafft worden ist, so erscheint das keineswegs als Utopie. In seiner Ansprache betonte Regierungsdirektor Ahl als Vertreter des Regierungspräsidenten, daß die wirtschaftliche und industrielle Zukunft dem Kraftfahrzeug gehöre. Im Bundesgebiet seien eine halbe Million Arbeiter damit beschäftigt, mit einem Aufwand von 6 bis 700 Millionen Mark jährlich das Fernstraßennetz zu unterhalten.

Die würdige musikalische Umrahmung der Feierstunde besorgte die Kammermusikvereinigung des Darmstädter Landestheaters, die Konzertstücke von W. A. Mozart und Karl Stamitz zu Gehör brachte. Anschließend fand ein Rundgang durch den Betrieb unter Leitung der Herren Porcher und Meffert statt, bei dem auch die auf dem Freigelände aufgestellte Opel-Karawane besichtigt wurde. Neben 3 und lVz t Omnibusse mit 31 bzw. 18 Sitzplätzen waren eine ganze Reihe von Sonderfertigungen des l’/z t Opellasters zu sehen, so unter anderem Lieferwagen, ein Löschfahrzeug und eine fahrbare Feuerleiter, ein Polizeistreifenwagen, Krankenwagen für zwei Bahren und Vieh- und Möbeltransportwagen. Vom Typ des Opel-Olympia 1950 fanden besonders der Ein-Mann-Krankenwagen und die modernen Schnell-Lieferwagen Beachtung.

Mit der Einweihung der Firma Porcher & Meffert als Opel-Großhändlerbetrieb ist ein neuer entscheidender Schritt zum Wiederaufbau Darmstadts geleistet worden, umso mehr, als die zunehmende Motorisierung neue und bessere Pflegeanlagen benötigt und auch der Fahrer in Deutschland die Annehmlichkeiten nicht mehr vermissen will, die im Ausland seit vielen Jahren selbstverständlich geworden sind. HFL


Herr Meffert spricht zu seinen Gästen über die Organisation des Opel-Kundendienstes und über allgemeine kraftfahrzeugtechnische Fragen Foto: Hage
Herr Meffert spricht zu seinen Gästen über die Organisation des Opel-Kundendienstes und über allgemeine kraftfahrzeugtechnische Fragen Foto: Hage

Einkauf erleichtert durch Zahlungs Kredite

Warenkreditverkehr G. m. b. H. — eine zeitgemäße Einrichtung

Teizahlungsbanken — eine Einrichtung der Kreditwirtschaft, die in der Oeffentlichkeit großem Interesse begegnet — erstehen zur Zeit in allen größeren Städten. Ob wir nun durch Fliegerschaden oder Währungsreform alles verloren — die meisten Menschen sogar durch beides — arm sind wir heute alle. Aber das Leben soll weitergehn. Wo kämen wir hin, wenn es die Möglichkeit der Teilzahlung nicht gäbe? Eine größere Anschaffung wäre uns —-gleich welchen Standes und Berufes —• nicht möglich. Der Beamte, der Angestellte und der Arbeiter, alle gehören schon jetzt zu dem ständig wachsenden Kundenkreis der Teilzahlungsbankcn

Die W.K.V. - Kredit-Verkehr Waren-G.m.b.H. Frankfurt M. unterhält auch in Darmstadt eine Geschäftsstelle, die von der Firma Kahlert und Söhne, Älicestraße 14, wahrgeno rmen wird.

Einen Warenkredit kann jeder beantragen, der in einem festen Arbeitsverhältnis steht. Die Hohe des zu bewilligenden Kredites richtet sich nach dem' Einkommen und dem Familienstand des Antragstellers.

Eine 25prozentige Anzahlung an die Verkaufsfirma ist nur beim Kauf von langlebigen Gütern wie Mobiliar, Herde, Oefen, Nähmaschinen usw. zu leisten. Güter des täglichen Gebrauchs wie Kleidung, Schuhe u. a. verlangen diese Anzahlung nicht. Im allgemeinen werden die Kredite auf einen Zeitraum von 6 Monaten gewährt. Das richtet sich aber allein nach dem erworbenen Gegenstand. Langlebige Güter erhalten einen weit größeren Rückzahlungszeifraum eingeräumt.

Keine Angst vor Riesen-Fragebogen. Die nun einmal zur Erian jung eines Teilzahiu igskredi.es unumgänglichen Formulare beschränken sich auf die unbedingt notwendigen Fragen. Personal- und Dienstausweis, Gehalts- oder Lohnabrechnung sind die wesentlichsten Unterlagen.

Die Kreditkosfen belaufen sich auf ein Prozent der Kreditsumme pro Monat. Hinzu kommt 1,40 DM für jeden genehmigten Kredit bis zu 100 DM oder 2,50 DM tür jeden diese Summe übersteigenden Betrag. Wer sich für diese, unserer Zeit und ihren. Nöten Rechnung tragende Einrichtung interessiert, kann alle näheren Bedingungen aus den in allen abgeschlossenen Geschäften auflieöenden Prospekten der W. K. V. ersehen.

Unsere Heimat

Drinnerum un drumerum

Es sieht so aus, als wann grad dann deß meiste Geld verbutzt wern dhet, wann kaans do is. Wo mer hiehorcht, do werd iwwerall gegreint un gejammert, es weer lieit alles so deier, daß mer sich net emol mehr e Hemd kaafe kennt. Ich will jo kaa Nome nenne, awwer de Knorzei bei uns in de Mansadd hot bestimmt kaa Unnerhos un kaa Unnerjäckche mehr o. Meu Lißbedd hot nemtich schuh monatelang beowac'it, daß vun dem kaa biß je Unnerwesch uff em Weschleinche gehonke hot. Awwer sunndaachs, do sin die net zu halde. Jeden Sunndaach uff e anner Fest. Wo die's nor hernemme?

Soviel Feste, wie ewe, hot’s aach noch nie gewwe. Frieher als, do hawwe die Bauern ihr Kerb abgehglde un hawwe sich's dodebei was koste losse. Do is mer vun de Milchfraa oder vum Kadoffelbauer eugelade worn, un wann mer hiekumme is, hot mer hinner me Kücheberg wie hoch gehoggd un do is aam garnix anrierstes iwwrig gebliwwe, als sich de Mage zu verderwe, wann mer se net beleidische wollt. Un dann hot mer owends noch e Sackdüch voll eugepaggd kriggd. Die Kerb war dene als ihr aanzig Vergnieche, un wann die rum war, hatt die arm Seel Widder for e Johr lang Ruh. Un wie is es heit?

Wann mer in die Zeidung guggd, Feste in alle Egge; Schbaschel, Weu, Persisch, Erdbeern un Gott waaß, was all, muß herhalde. Es gibt en Haufe Geläjenheide, wie mer seu Geld ausgäwwe kann, awwer meistens wern die Geläjenheide gesucht, wie mers de annern abknebbe kann. Mer maant, die hette all beim Finanzamt gelernt. Es gibt Orte, dene reicht aa Heumatfest garnet aus, die mache glei zwaa, wie die Frankf orter. No ja, wann e Schdadt en drinkfeste Borjemaster hot, muß se em aach die Meechlichkeit gewwe, daß er sich mit seune Leistunge sehe losse kann.

Daß mir in unserm Damschdadt bis jetzt noch kaa Heumatfest uff die Baa gebracht hawwe, deß liggd net an unserm Ower, der dhet bestimmt mitmache, wann was los weer. Aan A’läaf is jo mol genumme worn. Es war wenichstens geblant gewese, un grad wie beim Luwise- blatz is e Breisausschreiwe losgelosse worn. Ich hab erst gemaant, es dhet hiwwe wie driwwe beim aide bleiwe, awwer noochdem mer e par Woche lang nix mehr geheert hatt, is es jetzt abgeblose worn. Awwer ich muß en recht gewwe, entwedder was Richdisches odder garnix. Schad defor! Ich 10ß mich jo gern uffs nächste Johr verdreste, wann ich waaß, unser Damschdadtl macht ebb es, was sich heern un sehe losse kann. Wann ich aach schun lang uff kaa Kerb mehr geh, wann mer e Heinerfest hawwe, do is de Bcrzel debei, d. h. wann ich noch leb bis dohie. Ich habs nemlich am Herz, wie se jo wisse, un do hot mer letzt die Heag en schene Schregge eugejaacht.

Die Heag is in de letzte Zeit so druff aus, uff die Winsch vun ihre Fahrgäst e bißje mehr eyzugeh, daß mer merklich seu Fraad dro hawwe kann. Noch nie hawwe die A’schliß so geklabbd wie ewe, wanns aach e bißje lang gedauert hot, bis se zvgewwe hawwe, daß de Fahrblan dorchaus net dorchenanner geworfe werd, wann emol en Wage e par Segunde uff en annere warte muß. Un jetzt kimmt deß, wo ich uff em Herze hab.

Ich verraaß jo net oft, awwer die letzt Woch do mußt ich emol fort. Ich bin mit de Elektrische an de Bahnhof gefahrn, un was maane se, wie ich verschrogge bin, wie de Wage dro verbei un nooch em Hochwaldring gefahrn is. Ich hab gemaant, ich weer in en falsche Wage gestieje un hatt noch kaa Fahrkattun hechst Zeit wars aach. Ich erunner un im Karacho eniwwer an de Schalter. Do war ich der doch so ab, daß ich geglaabt hab, ewe is es fertig mit mer. Daß mer weje de Heag seun Geist uffgewwe soll, deß kann vun eme Fahrgast net verlangt wern. Ich kann werklich net begreife, daß mer die Wäje net so lang vorm Bahnhof halde leßt, bis die Leit ausgestieje sin. Wann ich die Elekdrisch nemm, do eilt's un ich will ans Ziel un net noch erst schbaziern gefahrn wern. Es is doch aach noch so, wann mer raus will, steht immer schun aaner halbwägs uff em Drittbrettt un helt die Schdang warm. Un wann mers noch so eilig hot, so aaner helt die Schdellung. Un wann er dann endlich runnermacht, do guggt er sich erst noch e zeitlang um un iwwerlegt, wo er hiegeh soll, un unseraans kann seun Zug versäume. Wo der Wage noochher seu Wartezeit iwwersteht, deß is de Fahrgäst, wann se emol haus sin, ganz worscht. Es is bloß emol en Vorschlach, awwer schee wers, wann die Heag druffhibbe dhet. Wann meu Lißbedd aach immer zu mer sekt, reech dich net uff un kimmer dich net um Sache, die dich nix a’gehn un net um die annern Leit, kann ichs doch net losse, ihne en recht scheene Sunndaach zu winsche.

Eier Anton Berzel

Hannes und der Keil

Wenn jemand im Odenwald etwas mitgehen heißt, was ihm nicht gehört, sagt man im Volksmund, um ihn zu necken: „Haaß, Dietrich, do leit dei Keil!“

Der Ausspruch geht auf eine Begebenheit zurück, die sich bereits vor Jahrzehnten in einem Odenwalddorf zugetragen hat. Der Hannes vom Grundhof hatte einst bei dem Schmied Dietrich zu tun. Er wollte sich nur ein« Hacke scharf machen lassen. Er hatte die Pfeife im Mund und sah dem Schmied bei seiner Arbeit zu.

Wie er sich so in der Schmiede umsah, entdeckte er in einer Edie einen eisernen Keil zum Holzspalten. Da er selbst viel Holz spalten mußte und im Winter be' den Holzhauern tätig war, kam e>- auf den Gedanken, sich den eisernen Keil (der noch keinen Stiel hatte) in die Hosentäsche zu stecken. Als er sich von dem Schmied unbeobachtet glaubte, griff er schnell nach dem Keil, den der Schmied aber erst kurz vor dem Eintreten des Hannes auf dem Amboß gehabt hatte. Infolgedessen war der Keil noch heiß, so daß sich der wann’s die Finger schwer verbrannte und den Keil in hohem Bogen dem Schmied mit den Worten vor die Füße warf: „Haaß, Dietrich, do leit dei Kei'!“

Im gleichen Augenblick war der Hannes aus der Schmiede verschwunden.

Als der Schmied eine Stunde später dem Hannes durch seinen Lehrbuben die Hacke zuschickte, ließ er ihm ausrichten, er dürfe sie ruhig anfassen, „'s wär nit sou haaß wie ‘m Dietrich sei Keil!“ (hh)

„Die Heimat lädt Dich ein...“

Weltweit soll der Blick unserer Menschen werden, menschheitlich ihr Gewissen, europäisch das Denken —, wo aber sollte anders ihr Halt und Grund sein als in der Heimat? Dies darf nicht vergessen werden in einer Welt, die rasch vergißt und viel vergessen machen möchte. Je tiefer und fester die Wurzeln eines Baumes halten, um so höher und weiter breitet sich die Krone —, kein Blatt droben im lichten Raum, das nicht Nährstoff des Bodens speist.-

Ein gutes Wort sagt: „Wer nie fortgeht, kehrt auch nie heim.“

Viele sind in schweren Jahren fort gewesen und haben erfahren, was Heimkehr bedeutet. Denn die Berge und Täler, Bäche und Wiesen, Wälder und Felder und Dörfer der Welt sind nicht gleich, so spricht die Sehnsucht; und wer Menschenart, Sprache und Werke der Heimat tief in sich aufnahm, geht mit unverlierbarem Schatz durch jegliche Fremde.

„Heimatkunde“ steht als Fach auf dem Stundenplan der jüngsten Jahrgänge unserer Schulen verzeichnet. Die Unterrichtung auf diesem Gebiet aber sollte nicht enden, so alt wir werden.

Aus liebend erforschten Einzelheiten im Werden einer kleinen Stadt, in der Geschichte eines Gehöftes, in der Bedeutung eines Handwerks, in der Überlieferung von Brauch und Sage bildet sich die eine Welt, deren Verflochtenheit ins größere Geschehen die Linien des Lebens ganzer Geschlechter und Stämme zeigt. Frauen schaffen im Hause und für die Familie, Männerarbeit in Handwerksstube und Bürgermeisteramt gehören dazu wie Kinderspiel und -singen und das Erzählen der Alten auf der Bank vor der Tür.

Wer noch Heimat besitzt, soll das Herz auftun für Schwestern und Brüder, die Heimat entbehren müssen, soll sie hereinnehmen in den hellen, warmen Kreis und es ihnen „heimisch machen“ durch das Mitteilen von tausend Dingen, die sie Land und Leute in ihrer Gewachsenheit besser verstehen läßt.

So mag unsere Heimat-Seite des DT beides erfüllen: den Einheimischen das Bewußtsein ihres heimatlichen Reichtums stärken, der auf vielen Bahnen in die Welt hinaus wirkt, den Zugewanderten aber das Stück Land, auf dem sie mit uns leben müssen, lieb machen als eine zweite Heimat, die sich ihnen gern erschließen möchte in ihrer Schönheit, ihrem Ernst, ihrem Frohsinn und ihrem Fleiße. D—s


Unterm hellen Sommerhimmel mit den weißen Wolkensegeln breitet sich unser gutes Land. Das Korn wird reif —, und ehe der Schnitt beginnt, die Ernte eingebracht wird, liegt ein Feierglanz über den goldfarbenen Feldern, zu denen die Wälder den dunklen Kontrast geben. „Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir , .
Unterm hellen Sommerhimmel mit den weißen Wolkensegeln breitet sich unser gutes Land. Das Korn wird reif —, und ehe der Schnitt beginnt, die Ernte eingebracht wird, liegt ein Feierglanz über den goldfarbenen Feldern, zu denen die Wälder den dunklen Kontrast geben. „Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir , .

Die Seppelhos

„Dies Johr fohr ich mopl nooch Bayern“, hott de Heiner laut geschwätzt. Er wollt mol sein Urlaab feiern, wo wer’n richt’ge Maßkrug petzt. Un dann is er rumgelaafe in de Lüde all, un wie, um e Seppelhos zu kaafe, daß er aach kimmt zinftig hie.

Vor die Wahl gestellt nadierlich, wor die Kaaferei net leicht. — Seppelheesjer, schlank un zierlich, hawwe’m nämlich net gereicht, weil sein Bauch is schun geschwolle un sei Rickwärtsfront is stack, uh e Hos, die er dhut wolle, kost ihr fimfundsechzig Mack.

Doch was nitzts. — Er hott genumme sich e leddern Seppelhos. Awwer wie er haam is kumme, wor sei Loch im Baitel groß. Un sein scheene Urlaab schwitzt - er jetzt dehaam ab still un leis, denn — e Seppelhos besitzt - er, doch kaa Geld mehr fer die Reis. Mickedormel

Woher hat Zwingenberg seinen Namen?

Von Hermann Kalbhenn

Wenn man den hübschen Ort an der Bergstraße von der Eisenbahn aus betrachtet, wie er förmlich unter der Obhut der’ hinter ihm aufsteigenden Berge steht, dann kommt einem unwillkürlich der Gedanke, der Name konnte mit dieser Zwangslage Zusammenhängen, indem „es an den Berg hin gebaut, an den Berg gezungen“ sei. Es ist richtig, daß der Name mit der örtlichen Lage zusammenhängt, nicht aber in dem angedeuteten Sinne, sondern wegen der einstigen strategischen Bedeutung der Stadt.

Das Neckarbett dehnte sich in alter Zeit bis unterhalb Zwingenberg aus und drängte es so gegen die Höhen zurück, keinen Raum vor ihm für landwirtschaftliche Arbeit lassend. So war von Natur aus die Stadt mit ihrer dadurch bedingten Befestigung eine ganz natürliche Sperranlage für die von den Bergen und dem Neckarbett eingeengte Hauptverkehrsstraße. Dazu kam die damals auch viel näherliegende Wasserstraße, des Rheins.

Recht anschaulich äußert sich zu dieser Frage der Chronist Joh. Just Winkelmann in seiner „gründlichen und wahrhaften Beschreibung der Fürstentümer Hessen und Hersfeld .. . “ erschienen 1711. Dort heißt es:

„Zwingenberg ist die erste nach dem Rhein in der Ober-Grafschaft Catzenelnbogen mit einer starken Mauer umgebene Statt und gleichsam der Schlüssel nach der Bergstraßen, von welcher wegen der anmuthigen Felder, lustigen schattichten Wälder, lieblichen Aren, köstlichen Weinbergen, ganz gleichen und zu beyden Seiten mit Mandel-Welschen Nuß- und anderen Bäumen artig besetzten Wegen und Straßen und des auf der Seite fließenden Rheinstromes ein italienischer Theologus solle gesagt haben:

,O Germania, Germania, quam libenter veiles esse Italia. — O Teutsch’and, Teutschland, wie gern wolltes tu Italien sayn!‘

Diese Stadt Zwingenberg hat den Namen wegen umschlossener Feste des Lagers, von Zwingen empfangen, indem da selbst eine ganze Armee aufhalten und wegen des Hohen Bergs der Lachen, Gehölzen und Landgraben (welcher Wasser-reich und ein Mellwegs bis nacher Gernsheim in den Rhein fleußt) auch zu Kriegszeiten mit Verhau und Sperrung der von Natur wohlverwahrten Pässen gleichsam erschließen und zwingen kann.“

Bei der Untersuchung, wie alt Zwingenberg sei, kommt Winkelmann zu dem Ergebnis, daß keinerlei Nachricht darüber vorhanden sei, aber „aus allen Umständen“ auf ein sehr hohes Alter geschlossen werden müsse. Dafür spricht nach seiner Meinung unter anderem ein altes Schloß, „welches aber anitzo verfallen“.

Daß Ende des 17. Jahrhunderts noch Ruinen dieses Wehrbaues vorhanden waren, ergibt sich aus einem Bilde des bekannten Kupferstechers Merian, das in der ersten Hälfte des genannten Jahrhunderts entstanden ist. Unzweifelhaft handelt es sich um das Schloß der Grafen von Katzenelnbogen, die schon im Jahre 1258 Besitzer der Stadt waren, die erstmalig im Jahre 1012 als Getwinne, dem Kloster Lorsch gehörig, erwähnt wird. Das gräfliche Schloß wurde 1301 von Kaiser Albrecht I. zerstört, danach wieder aufgebaut und bis zum 16. Jahrhundert von den Herren von Katzenelnbogen sowie ihren Rechtsnachfolgern, den Landgrafen von Hessen, zu vorübergehendem Aufenthalt benutzt. Nachhermuß das Interesse daran aus unbekannten Gründen geschwunden sein. Die Gebäude verfielen rasch, denn kaum 100 Jahre später erinnerten nur noch wuchtige Reste an die einstmalige wehrhafte Wasserburg.

/ Bei der sehr gründlichen Befestigung scheint überhaupt mehr Wert auf die allgemeine Befestigungsanlage gelegt worden zu sein als auf burgartige Wehrbauten, denn man weiß, daß sehr viel früher eine Burg auf dem Berge nördlich der Kirche stand, ohne daß ihre Entstehungszeit und ihr Untergang bestimmt werden können Schon im Jahre 1490 erinnerte nur noch die Flurbezeichnung „Hinter der alten Burg“ an jene Burgfeste.


„Und viel Bauern wurden groß mitten in Gefahren“, so heißt es im Lied, und so spricht es aus diesem Gesicht unter der zur Tracht gehörenden, eng anliegenden Mütze; Sorge und Schaffen eines harten Bauernlebens sind daraus zu lesen, aber auch eine ruhig beharrende, allem flüchtigen Getriebe überlegene Kraft, wie sie der Dienst an der Erde verleiht. Zeichen dieser schweigsamen Sicherheit ist zwischen den schmalen Lippen die Pfeife geworden, um deren Kopf die Hand sich schließt, wenn sie nichts zu schaffen vorhat.
„Und viel Bauern wurden groß mitten in Gefahren“, so heißt es im Lied, und so spricht es aus diesem Gesicht unter der zur Tracht gehörenden, eng anliegenden Mütze; Sorge und Schaffen eines harten Bauernlebens sind daraus zu lesen, aber auch eine ruhig beharrende, allem flüchtigen Getriebe überlegene Kraft, wie sie der Dienst an der Erde verleiht. Zeichen dieser schweigsamen Sicherheit ist zwischen den schmalen Lippen die Pfeife geworden, um deren Kopf die Hand sich schließt, wenn sie nichts zu schaffen vorhat.

Der goldene Apfel

Ein Heppenheimer sah eines Tages im Kirschhäuser Tal einen Mann auf einen Kilometerstein sitzen, den ihm mit einem Apfel in der Hand entgegenwinkte. Der Heppenheimer hatte gerade die Schnupftabakdose gezogen, um sich eine Prise zu nehmen. Der Fremde bat ihn, auch eineinmal schnupfen zu dürfen, er schenke ihm den Apfel als Gegenleistung. Der Heppenheimer reichte ihm jedoch die Tabakdose mit der Bemerkung hin, er wolle keine Gegenleistung haben, doch bestand der Fremde darauf, daß er den Apfel nehme.

Das tat er denn auch, steckte den Apfel in seine Tasche und ging das Kirschhäuser Tal hinauf weiter.

Auf dem Rückweg hatte er auf einmal Verlangen, den Apfel zu essen. Doch ließ sich dieser weder beißen, noch mit dem Messer schälen. Da besah er ihn genauer, stellte fest, daß der Apfel immer schwerer wurde und entdeckte plötzlich, daß er wie reines Gold schimmerte. Wahrlich, er hatte keinen schlechten Tausch gemacht.

Als er daher fröhlich seines Weges zog, fand er den Fremden später wieder auf dem gleichen Meilenstein sitzen wie am Vormittag. Dr Fremde fragte ihn, wie der Apfel geschmeckt habe, worauf er lachend erwiderte: „Nach mehr!“ — „Das kannst du haben!“ erklärte der Fremde, führte den Heppenheimer auf die Starkenburg hinauf und erläuterte ihm, daß unter den Trümmern noch viel Gold und Geld begraben liege. Er müsse um Mitternacht wiederkommen und müsse drei schöne weiße Damen beobachten, die alte Schlüssel zu Kisten und Truhen bei sich trügen. Wenn diese Damen sich jedoch in feurige Schlangen verwandelten, dürfe er sich nicht fürchten, sondern müsse sie durch je einen Kuß erlösen, dann sei der ganze verborgene Reichtum sein.

Als der Mann aus Heppenheim sein seltsames Erlebnis bei seiner Familie zu Hause erzählte, drangen seine Angehörigen in ihn, ja nicht die Starkenburg hinaufzugehen. Schließlich traute er selber der Sache nicht und blieb weg, so daß die Jungfrauen noch heute unerlöst sind. (hh)

Aenderung des Wahlergebnisses

Der Groß-Gerauer Kreiswahlausschuß, der sich aus sechs Personen zusammensetzt (2 SPD, 2 CDU, 1 FDP, 1 KPD), überprüfte Mitte der Woche unter Vorsitz von Kreisämtmann Seipp die bei der letzten Wahl für ungültig erklärten Stimmzettel aus dem Kreisgebiet, hierbei wurden weitere 112 Stimmen für gültig befunden, da nach Ansicht des Wahlausschusses aus den Stimmzetteln die Absicht des Wählers klar ersichtlich war. Die Ja-Stimmen vermehren sich somit um 83, die Nein-Stimmen um 29, so daß also im Kreis Groß-Gerau insgesamt 26 011 Ja-Stimmen und 10 002 Nein-Stimmen abgegeben wurden. (cg)

Familienabend in Ingenheim

Der Ortsverein der SPD Jugenheim hatte seine Mitglieder und Freunde zu einem Familienabend eingeladen. Parteisekretär Riegel (Darmstadt) und der Vorsitzende Heinrich Müller ehrten eine größere Anzahl Mitglieder für 20- bis 50-jährige Parteizugehörigkeit durch Ueberreichung einer Urkunde und einer Ehrennnadel. Der Familienabend, der mit humoristischen Einlagen von Hansjoachim Stein (Jugenheim) gewürzt wurde, nahm einen harmonischen Verlauf. Zum Abschluß wurde getanzt.

Landrat Wink, der leider nur kurze Zeit anwesend war, der Kreisvorsitzende der SPD Krämer (Traisa) und Bürgermeister Schurrlein wohnten der in allen Teilen gut vorbereitenden Veranstaltung bei. (hl.)

Turnverein feiert Waldfest

Am kommenden Sonntag veranstaltet der Heppenheimer Turnverein zum erstenmal nach dem Kriege das traditionelle „Waldfest“ auf der Wilhelmshöhe. Während in der Zeit vor und nach dem ersten Weltkrieg 'dieses Fest alljährlich gefeiert wurde, fand es im „dritten Reich“ nur einmal statt. Der zweite Weltkrieg ließ diesen alten Brauch dann endgültig einschlafen. In diesem Jahre nun setzt der Turnverein zum erstenmal wieder diese alte Tradition fort. Alles ist liebevoll für diesen Tag vorbereitet.

Am Sonntag, um 14 Uhr, beginnt das Festprogramm mit einem Festzug durch die Straßen Heppenheims, hinauf zur Wilhelms, höhe. Dort sind die verschiedenartigsten Buden aufgeschlagen. Für jung und alt ist reichlich Gelegenheit zum Tanz. Der Verein wartet mit turnerischen Vorführungen auf. (HB)

Kreisfest der SPD

Jubiläum des Ortsvereins Ober-Roden

Der Ortsverein der SPD Ober-Roden wird am 29. und 30. Juli sein 6Ojähriges Stiftungsfest, verbunden mit dem Kreisfest der SPD des Wahlkreises Dieburg feiern. Die Festtage nehmen mit einer akademischen Feier im großen Saale der Turnhalle ihren Auftakt. Sämtliche Ortsvereine des Kreises haben ihre Teilnahme zugesagt. Im Mittelpunkt des Kommers stehen die Festansprachen von Ministerpräsident Stock und Bundestagsabgeordneten Heinrich Ritzel. Verdiente Jubilar e werden in den Feierstunden durch den 1. Vorsitzenden Jakob Gotthold geehrt. Für Sonntag sieht das Programm einen Festzug durch die Dorfstraßen zum Festplatz an der Siedlung vor, wo am Nachmittag ein großes Volksfest stattfindet, dem sich der Jubiläumsball anschließt. Für den Abend hat die SPD-Ortsgruppe besondere Ueberraschungen vorgesehen, (gi)

110 jähriges Jubiläumsfest

„Volkschor-Sängerbund 1840“ Babenhausen

„Wahrheit suchen, Tugend üben, Gott und Menschen herzlich lieben, das sei unser Losungswort!“ Unter diesem Motto fanden sich im Jahre 1840 verschiedene Sangesbegeisterte zusammen und gründeten den „Singverein", aus dem der spätere „Volkschor — Sängerbund 1840“ entstand, der somit der älteste Gesangverein der Stadt Babenhausen ist.

Die Vorbereitungsarbeiten für das Kreiswertungssingen, das — aus diesem Anlaß durch den „Deutschen Allgemeinen Sängerbund, Kreis Dieburg“, nach Babenhausen verlegt — am 12. bis 14. August stattfindet, haben begonnen. Zum Festvorsitzenden wurde Ehrendirigent Rektor i. R. Wilhelm Müller gewählt. Die gesangliche Leitung liegt in der Hand von Chormeister Heinrich Bender. Bis jetzt sind an 16 Gesangvereine Einladungen ergangen, die alle ihre Teilnahme zugesagt haben. Die Gastvereine kommen aus Altheim, Babenhausen, Groß-Zimmern, Kleestadt, Lengfeld, Münster, Schaafheim, Sickendorf, Groß-Umstadt, Harreshausen, Hergershausen, Langstadt und Heubach.

Unter dem Leitwert: „Dem Wahren, Guten, Schönen — soll unser Lied ertönen“ sind die gebildeten Fest- und Arbeitsausschüsse damit beschäftigt, das Jubiläumsfest des „Volkschors — Sängerbund 1840“ so zu gestalten, daß es zu einem Erlebnis für die Stadt und die teilnehmenden Sänger wird. (prah)

Meldnngen aus den Landkreisen

Darmstadt-Land

Roßdorf. Die Volkshochschule beabsichtigt nach den Sommerferien, bei genügender Beteiligung, einen Stenografie-Anfänger-Lehrgang durchzuführen. Interessenten wollen sich bei Herrn Leonhard Amann, Karl-Marx-Straße 15, in die dort aufliegende Anmeldeliste eintragen. In den zur Zeit laufenden Stenografle-Kursen der Volkshochschule ist Gelegenheit zur Festigung, Fortbildung und Steigerung der Fertigkeiten geboten. Es werden Kurse von 60 bis 180 Silben durchgeführt. — Die Gemeindeverwaltung weist darauf hin, daß an Eingangstoren zu Hofreiten, in denen bissige Hunde gehalten werden, entsprechende Warnungsschilder anzubringen sind. — Die Leistungen für die Instandsetzung des Traisaer Weges sollen öffentlich vergeben werden. Angebotsunterlagen können auf Zimmer 6 der Bürgermeisterei empfangen werden. — In den Zigaretten-Kiosk Breitwieser. Ecke Bahnhof- und Darmstädter Straße, brachen gestern Nacht zwischen 0.00 und 4.00 Uhr unbekannte Täter ein. Sämtliche Rauchwaren und Schokoladeartikel wurden gestohlen. In einem großen Sack sollen die Diebe ihre Beute fortgeschafft haben. Die Polizei wurde verständigt. (sl)

Eine Gustav-Adolf-Feier führt am Sonntag die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Modau durch. In einem Festgottesdienst, bei dem der DaTmstädlter Posaunenchor mitwirkt, spricht Dekan Weiß. Darmstadt. Am Nachmittag findet im Gasthaus „Krone“ eine Zusammenkunft statt, die gleichfalls vom Posaunenchor musikalisch umrahmt wird. -D-

Dieburg

Gundernhausen. Die Spar- und Darlehenskasse versucht gegenwärtig die Bevölkerung schon jetzt mit dem notwendigen Winterbrand zu versorgen, um den Transportschwierigkeiten, die erfahrungsgemäß in der kalten Jahreszeit bestehen, zu begegnen. Alle Interessenten werden gebeten, ab sofort Bestellungen für Kohlen, Briketts und Eiformbriketts im Kassenlokal aufzugeben. Für die bis. Ende August gelieferten Brennstoffe gewährt die Kasse ein Zahlungsziel von 3 Monaten, (s)

Spachbrücken. Der Verband der Kriegsbeschädigten. Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands, Landesverband Hessen e. V. Ffm.. Ortsgruppe Spachbrükken, hält jeden Sonntag vormittag und jeden Mittwoch abend von 19 bis 21 Uhr Sprechstunden ab. in denen der Vorsitzende Ludwig C o y amtiert. — Der Gesangverein „Einigkeit“ hält heute abend 21 Uhr in der Gastwirtschaft von Adam Neuroth einen „Familienabend“ ab. — Die Blumenanlagen um die Kriegerdenkmäler von 1870/71 und 1914/18 wurden neu hergerichtet. — Die ersten Kartoffeldiebstähle in der Gemarkung wurden gemeldet. Die Täter konnten bisher nicht festgestellt werden. — Die Brücke über den Dilsbach zu dem Schulhausneubau, der in aller Kürze in Angriff genommen wird, ist fertiggestellt und dem Verkehr übergeben.

Groß-Bieberau. Die Münchener Heimatbühne gastiert morgen um 20.30 Uhr im Gasthaus „Zur’ Linde“ mit dem musikalischen Lustspiel: „Auf der Alm da gibts kaa Sünd“. Nachmittags um 16 Uhr ist für die Kleinen eine Märchenvorstellung: „Der Froschkönig“ vorgesehen. (eb)

Niedernhausen. Heute abend, 21 Uhr, findet in Niedernhausen eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Baulandfragen.

Lichtenberg. Heute findet im Waldcafe Wichmann ein Sommernachtsfest mit Tanz statt. Veranstalter ist der Gesangverein „Eintracht“ Lichtenberg-Niedernhausen. (eb)

Brensbach. Die Gesangsabteilung der Sport- und Sängervereinigung Groß-Bieberau (Gemischter Chor) gibt heute einen Liederabend. (eb)

Bergstraße

Gadern. Im Anwesen des Bauern Peter Fischer II wurde amtsärztlich die Schweinepest festgestellt, so daß Gehöftsperre verhängt werden mußte. (-r)

Rimbach. Ein einheimischer Motorradschlosser überholte mit seinem Krad in der Schloßgasse einen Radfahrer, kam dabei infolge sehr hoher Geschwindigkeit auf die linke Straßenseite und fuhr auf einen entgegenkofnmenden Lastzug aus Fürth. Der unvorsichtige Motorradfahrer erlitt dabei eine Verletzung der Rückenwirbelsäule und mußte in das Weinheimer Krankenhaus eingeliefert werden. Sein Fahrzeug wurde erheblich beschädigt abgeschleppt. (-r) Krumbach. Der beim goldenen Stiftungsfest des Gesangvereins „Concordia“ als Festgelände benutzte neue Sportplatz ist nunmehr fertiggestellt. Lediglich die Tore und einige kleinere Umzäunungsarbeiten sind noch nicht fertig. Insgesamt mußten dabei über 20 000 cbm Erdreich umgesetzt werden, von denen ein wesentlicher Teil allerdings durch ein amerikanisches Raumgerät bewältigt werden konnte. Schnellwachsende Jungbäume sowie eine Heckenumzäunung werden dem Platz den letzten Schliff geben, so daß der Handballsport ebenso wie die Leichtathletik eine neue, schöne Heimstätte im Odenwald gefunden haben. (-r)

Reichenbach. Der Geburtsiahrgang 1900 der Gemeinde, zu denen auch die gleichaltrigen der Gemeinden Elmshausen und Lautern kamen, traf sich jetzt in der Gastwirtschaft „Zur Traube“, um seine Wiedersehensfeier zu begehen. Auch Lehrer Heß (jetzt Eberstadt) war zu dieser Feier seiner einstigen Schüler erschienen (-r)

Bensheim. Dem Aufruf der evangelischen Kirchensynode folgend, beabsichtigt die evangelische Kirche den Hauptgottesdienst am kommenden Sonntag zu einem großen Gebetsgottesdienst für den Frieden der Welt zu gestalten. (HB)

Heppenheim. Das Standesamt verzeichnete im Monat Juni 22 Geburten. 25 Sterbefälle, davon zwei Kriegssterbefälle und neun Eheschließungen. (HB)

Unter-Flockenbach. Das zehnjährige Bestehen der 1939/40 erbauten Heimatsiedlung wurde jetzt von deren Bewohnern mit Musik und Apfelwein feierlich begangen. Im nächsten Jahre soll eine regelmäßig wiederkehrende „Siedlungs-Kirchweih“ die Bewohner des schmucken Ortsteils wieder vereinen. (-r)

Groß-Gerau

Gerauer besuchen Langen

Zu dem Heimatfest in Langen führt der Groß-Gerauer Verkehrs verein eine Omnibusfahrt durch. Der Omnibus fährt am Samstag um 16 Uhr vom Groß-Gerauer Marktplatz und um 16.10 Uhr vom Groß-Gerauer Stadthaus ab. Die Fahrtkosten einschließlich Eintritt zu der Freilichtaufführung belaufen sich auf 3,50 DM. (cg)

Groß-Gerau. Am Dienstagabend wurde in einei Sitzung des Verkehrsvereins beschlossen, der Stadtverwaltung den Platz am Sandböhl als Parkplatz vorzuschlagen, da durch die starke Zunahme des Verkehrs geeignete Parkmöglichkeiten für Groß-Gerau dringend erforderlich sind. Der Stadt soll empfohlen werden, sich wieder intensiver um die Regelung der Müllabfuhr zu kümmern. — Der Verkehrsverein will sich für Maßnahmen einsetzen, die eine Ansiedlung von Industrieunternehmen in Groß-Gerau fördern könnten. (cg) Wolfskehlen. Am Mittwoch unternahmen

etwa 50—60 Schülerinnen und Schüler des 4. Schuljahres der Volksschule mit Lehrer Callenberg einen Ausflug nach dem Felsberg. Begünstigt durch das Wetter, besichtigten sie das „Felsenmeer“, die 9 m lange ..Riesensäule“, den „Altarstein“ sowie den ..Ohlyturm“, der seinen Namen einem bekannten Darmstädter Bürgermeister verdankt. Lehrer Callenberg gab den Kindern dazu die nötigen Erklärungen über die Entstehung des „Felsenmeeres“. — In Zusammenarbeit mit der GYA Darmstadt, veranstaltet die Jugendgruppe Wolfskehlen im „Frankfurter Hof“ einen Bunten Abend. Ein reichhaltiges Programm, bei dem es an Humor nicht fehlen wird, soll der Veranstaltung zu einem vo'len Erfolg verhelfen. Anschließend spielt das bekannte Tanzorchester K. Pöhler.

Freilichtaufführungen in Trautheim

Auf der Terrasse des Hauses Veite, Trautheim, fand kürzlich die Aufführung der Mozart - Oper: „Bastien und Bastienne“ statt, die einen großen Kreis dankbarer Zuhörer fand. Vielen Wünschen entsprechend werden diese Freilichtaufführungen am 16. Juli, 20.45 Uhr, mit der Oper „Susannens Geheimnis“ von Ermano Wolf-Ferrari fortgesetzt. Mitwirkende sind Karl Pfeifer, Werner Dietrich, Lotte Leist-Veite und Mania Lutz.

Am 23. Juli, 21.00 Uhr, ist die Wiederholung der Mczart-Oper „Bastien und Bastienne“ mit Lotte Leist-Veite, Wilhelm Keßler, Otto Heppenheimer und Maria Lutz. Nach Schluß der Veranstaltung besteht fahrplanmäßige Omniibusverbindung. (Her)

Erfolgreiches Höchster Forum

Der Vorstand des öffentlichen Forums, Höchst, hatte am 12. Juli mit dem Leiter der amerikanischen Zivilverwaltung des Kreises Erbach, Mr. Ouverson, eine mehrstündige, angeregte Aussprache. Ein Rückblick auf die Arbeit der vergangenen Wintermonate hat gezeigt, daß die Mühe nicht nutzlos war. So braucht in Zukunft der Steuerzahler der^Unterzent, bedingt durch die Initiative des Forums, seine Steuergelder nicht mehr in Michelstadt einzuzahlen, sondern er kann dies, wie früher, in Höchst erledigen. Auf Anregung des Forums findet im September eine Gewerbeausstellung, verbunden mit einem Heimatfest, statt. Da bei den stattfindenden Diskussionsabenden die Frage der Referenten und deren Beförderung bisher immer Schwierigkeiten machte, hat sich Mr. Ouverson bereit erklärt, das Forum in dieser Beziehung zu unterstützen. Auch für die Propaganda will er einen Lautsprecherwagen zur Verfügung stellen. Der nächste Diskussionsabend soll Anfang Oktober stattfinden. (le)

Fahrradmarder am Werk

In den letzten Tagen ist in Heppenheim ein raffinierter Fahrraddieb am Werk, der in kurzer Zeit drei Fahrräder gestohlen hat. Eines davon bestieg der Bursche vor den Augen der Besitzerin, die das Rad vor einem Haus abgestellt hatte. Durch einen Zuruf ließ er sich keineswegs beirren und fuhr davon. (HB)

Unzufriedener Elternbeirat

In der Sitzung des Hirschhörner Elternbeirates. zu dem die Eltern der zur Entlassung kommenden Schüler eingeladen waren, stand der Ministerialerlaß über vorzeitige Entlassung aus der Volksschule im Mittelpunkt der Beratungen. Die Eltern sehen in der Bestimmung, daß nur beim Nachweis einer nicht-lhessischen Lehrstelle eine vorzeitige Schulentlassung in Frage kommt, einen Mißstand, der sich gerade in diesem Grenzgebiet äußerst nachteilig auswirkt. Sie erhoffen durch eine Eingabe an die zuständigen Stellen (Kreisschulamt, Ministerium) zu erreichen, daß auch der Nachweis einer hessischen Lehrstelle genügt, die Entlassung schon nach achtjährigem Schulbesuch zu erwirken. (WL)

Der Sport

Bessere Zeiten auf schnellerem Kurs

Sportlich genommen ist es ungerecht, die Ausweisfahrer, die heute mittag das 3. Dieburger Dreiecksrennen eröffnen, allzuweit oder gar überhaupt von den Lizenzfahrern zu distanzieren. Denn bekanntlich kann keiner die Lizenz erwerben, der nicht zuvor ein hervorragender Ausweisfahrer war. Lest die Namen der großen Fahrer im Programm — denkt daran, daß auch sie einmal ganz auf sich gestellt waren, viel Zeit und oft die letzten Pfennige geopfert haben, um ihre Maschinen fit zu machen für die Ausweisklasse, hinter der keine Industrie, keine Fabrik, kein Rennstall, kein Ingenieur oder Konstrukteur steht. Mehr als ein Lizenzfahrer von heute startete im vergangenen Jahr in Dieburg noch als Ausweisfahrer. Nehmt Fleischmann, Wünsche, H. P. Müller, Lottes, Kohflnk, Thorn Prikker, nehmt Schnell und Richnow, Seppenhauser/Wenzhofer, Müller /Rührschneck, Böhm/Fuchs und Baitisberger, Nitschky, Knees... sie haben ohne Ausnahme einst sich die ersten Lorbeeren als Ausweisfahrer holen müssen, ehe ihr Aufstieg zum Lizenzer und weiter zur deutschen Elite bis zum Könner internationalen Formats möglich wurde. 6

Es gibt nur eine Sportart, bei der der Veranstalter ein Pflichttraining verlangt, das ist der Motorsport. Mag es ein Fußball- oder Handballspiel, ein Leichtathletikwettbewerb, mag es Schwimmen. Rudern oder Reiten, Boxen oder Ringen sein: immer steht es dem Teilnehmer frei, zu üben und zu trainieren. Beim Motorsport muß er ein Pflichttraining erfüllen, sonst ist’s aus mit dem Start. Und warum das? Zunächst soll der Fahrer die Bahn kennenlernen mit ihren Tücken und Kurven, zum zweiten wird hier schon eine Leistungsauswahl getroffen, und zum dritten bilden die Trainingszeiten die Grundlage für die Startfolge beim Rennen selbst. Wer z. B. dem erst nach dem Training für jede Klasse errechneten Allgemeindurchschnitt an zurückgelegter Strecke und Zeit nicht entspricht, kann am Start nicht erscheinen. Diese Sondierung wird vornehmlich im Interesse der Sicherheit der Fahrer durchgeführt; wer Schnellster im Training wa” kommt beim Start an die erste Stelle. Es gäbe erfahrungsgemäß, wenn etwa die Startplacierung ausgelost würde, schon zu Beginn der Rennen manche Karambolage, denn die besten Fahrer müßten sich bei dem üblichen Massenstart zwischen dem Rudel hindurchschieben, um freie Fahrt zu haben; und das ist eben zu gefahrvoll. Also auch hier wieder in erster Linie das Moment der Sicherheit für alle.

Nun also zum Freitagstraining der Ausweisfahrer: Klasse IV — Solo 125 ccm: Da war Ludwig Dörr. Frankfurt auf Spezialbau (Start-Nr. 154) mit 95 km/h nicht zu erreichen, wenn ihm auch Roth. Frankfurt auf Puch (Nr. 152) und Jean Adam Montabaur, auf DKW (Nr. 153) bedenklich nahekamen. Eberle. Lorsch (DKW) und Karl Ernst, Lampertheim (WIGÄ). gingen nicht über die Bahn.

klasse A — Solo bis 250 ccm: Hier hat sich Jakob Elbert, Darmstadt-Arheilgen auf Triumph (Nr. 106) mit einem Stundendurchschnitt von 98 km recht verheißungsvoll hinter den Trainingsbesten Heinz Heberer, Obertshausen, auf der gleichen Marke (Nr. 107) und einem Durchschnitt von 98,8 klemmen können. Karl Heß, Arheilgen, hat, wie wir hörten. Zylinderbruch und wird deshalb wahrscheinlich nicht starten können.

Klasse F — Seitenwagen bis 600 ccm: Steiner/Habinger, München, auf Norton, fuhren die beste Zeit mit 94,4 km/h und Gullery/Jung, Garreshausen auf Moto Guzzi mit 94 km/h.

Klasse B — Solo bis 350 ccm: Horst Hermann, Stuttgart, auf Norton (Nr. 66) heißt hier der Mann, der 106 km/h schaffte, nur um 7/10 Sekunden langsamer waren Roch (Norton; Nr. 62) u. Boller (Norton; Nr. 68).

' ’ *• • IN L . UO), Klasse G — Seitenwagen bis 1200 ccm: Rolf/Zimmerschied. auf BMW (Nr. 6) werden beim Rennen selbst mit Willand/Schulz, Babenhausen auf BMW (Nr. 1) zu rechnen haben, die nur 1 km langsamer waren und einen 102er-Durchschnitt fuhren. Klasse C — Solo bis 500 ccm: Hier wurde der mit 108 km/h überschläglich angesetzfe Stundendurchschnitt von Burkel auf Norton (Nr. 14) mit 110,4 merklich übertroffen.

uueurpnen. Wenn die erzielten Trainingszeiten bei denen wir das Mittel der schnellsten Runde angegeben haben, ein Maßstab für die Rennen sind — und warum sollten sie das nicht? — dann mag sich der Besucher heute mittag die in Klammern angegebenen Startnummern besonders aufs Korn nehmen, um selbst zu beobachten, wie’s im „Ernstfall“ zugeht.


Schnappschüsse von den Trainingsfahrten auf dem Dieburger Dreieck Fotos: Hemme
Schnappschüsse von den Trainingsfahrten auf dem Dieburger Dreieck Fotos: Hemme

Die Südamerikauer sind unter sich

Wirbel im Stadion in Rio

Schi. (Eigener Bericht.) Nach dem zweiten Spieltag der Endrunde gibt es keinen Zweifel mehr, daß die beiden südamerikanischen Mannschaften von Brasilien und Uruguay den Titel eines Fußball-Weltmeisters 1950 unter sich ausmachen werden. In imponierenden Stil fertigte Brasilien Europas letzte Hoffnung, Spaniens Mannschaft, mit 6:1 (3:0) ab, während Uruguay Mühe hatte, die tüchtigen Schweden 3:2 (1:2) zu schlagen. Am 16. Juli treffen sich nun in Rio de Janeiro Brasilien und Uruguay, während in Sao Paulo Schweden und Spanien die Frage nach der besten europäischen Mannschaft beantworten werden.

Brasilien genügt am Sonntag ein Unentschieden gegen die „Urus“, während diese wiederum siegen müssen, wenn sie Weltmeister werden wollen.

Jubel um Brasilien

Die brasilianische Elf wurde beim Einlaufen mit frenetischem Beifall begrüßt, aber auch die Spanier wurden freundlich aufgenommen. Die mit dem Wind, doch gegen die Sonne, spielenden Südamerikaner, starteten gut, waren zunächst jedoch etwas nervös. Der spanische Torhüter Ramallet wurde gleich in den ersten Minuten auf die Probe gestellt. Auf der anderen Seite hatte der ausgezeichnete spanische Mittelstürmer Zarra Pech, als er mit einem herzhaften Schuß nur den Torpfosten traf. In der 17. Minute fiel das erste Tor. Der brasilianische Linksaußen Arambura flankte schön zu seinem Mittelstürmer Menezes, dem spanischen Torwart schien die Sicht versperrt und der Ball sauste zum 1:0 für Brasilien in die Maschen. Pinto (21. Minute) und Aramburu (31. Minute) erhöhten unter dem stürmischen Beifall der 160 000 bis zum Wechsel auf 3:0. Das Stadion glich einem Hexenkessel, die begeisterten Zuschauer warfen ihrer Mannschaft Pakete zu; eines dieser; „Wurfgeschosse“l traf den brasilianischen Stürmer Chico so hart, daß er vorübergehend ausscheiden mußte. Er erholte sich aber so gut, daß er elf Minuten nach dem Wiederanpfiff auf 4:0 erhöhen konnte. Eine Minute später dehnte Ademir den Vorsprung auf 5:0 aus, und in der 67. Minute machte Zezinho das halbe Dutzend voll, ehe Zara für Spanien in der 72. Minute das einzige Gegentor erzielen konnte. Der Sieg Brasiliens war auch in dieser Höhe durchaus verdient, denn die Südamerikaner waren eine Mannschaft, deren „team work“ gegen das zerrissene Spiel der Spanier angenehm auffiel. Die Europäer hatten in der Abwehr auch erhebliche Schwächen.

Nur 15 000 in Sao Paulo

Das Spiel Uruguay gegen Schweden zog überraschenderweise nur fünfzehptausend Fußballfreunde an. Die Schweden hatten ihre hohe Niederlage gegen Brasilien gut überwunden, vor allem in den ersten 45 Minuten spielten sie großartig. Schon nach fünf Minuten glückte ihrem Halbrechten Palmer der Führungstreffer. In der 40. Minute erzielte Uruguays Rechtsaußen Ghiggia den Ausgleich, aber bereits eine Minute später hieß es durch den vorzüglichen Palmer wieder 2:1 für Schweden. Nach dem Wechsel dominierten die Südamerikaner; während sich bei den Schweden starke Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten, setzte nun Uruguay alles auf eine Karte. Die schwedische Hintermannschaft wehrte sich tapfer und erst in der 76. Minute fiel durch Mittelstürmer Miguez der Ausgleich. Fünf Minuten vor Schluß schoß der gleiche Spieler den 3:2-Siegestreffer.

Die Tabelle;
Brasilien
2 2 13:2 4:0
Üruguay
2 1 1 5:4 3:1
Spanien
2 1 1 3:8 1:3
Schweden
2 2 3:10 0;4

Die Raugliste der NBA

Neuyork, dna) Die National Boxing Association (NBA) veröffentlichte folgende Weltrangliste der Berufsboxer aller Klassen:

Fliegengewicht: Weltmeister: Terry Allen, Herausforderer: Dado Marino, Honore Pratesi, Peter Kon. Bantam: Weltmeister: Vic Toweel, Herausforderer: Luis Romero, Luis Galvani. Feder: Weltmeister: Willie Pep (gegenwärtig suspendiert), Herausforderer: Sandv Saddler. Leicht: Weltmeister: Ike Williams, Herausforderer: Fred Dawson, John Davis. Welter: Weltmeister: Rav Robinson, Herausforderer: keiner. Mittel: Weltmeister: Jake Lamotta, Herausforderer: Ray Robinson. Halbschwer: Weltmeister: Joe Maxim, Herausforderer: Archie Moore, Bob Satterfield. Schwer: Weltmeister: Ezzard Charles, Herausforderer: Joe Walcott, Lee Savold.

Der amerikanische Mittelgewichtler Jack Lamotta gewann am Mittwoch den Weltmeisterschaf tskampf gegen den Italiener Tiberio Mitri im Madison Square Garden von Neuyork einwandfrei nach Punkten.

In dem vom Deutschen Kanuverband herausgegebenen neuen „Deutschen Fluß- und Zeltwanderbuch“ sind wichtige Einzeln heiten für alle . Wasserwanderer enthalten, so daß eine fühlbare Lücke der Orientierung geschlossen wird.

Hunderttausend Francs in bar

Paris. (AP.) Sieger der ersten Etappe der „Tour de France“ wurde, wie gestern schon berichtet, der Luxemburger Goldschmidt in 9:23,8 ^tunden. Der zweite, Raoul Remy (Frankreich-Südost) und der dritte, Roger Lambrecht (Belgien) kamen in der gleichen Zeit ein. Mit 9:23,42 Stunden wurde Attilio Redolfi (Frankreich-Nordost-Ile de France) vierter und mit der gleichen Zeit Robert Chapatte (Paris) fünfter. Auf den ersten 50 Kilometern hielt sich das Feld zusammen. In dem Dorfe Ferte-sous-Jouarre machten dann sechs Fahrer den ersten Ausreißversuch. Nach 153 Kilometern hatte der Belgier Beyaert in Chalons-sur-Marne einen kleinen Vorsprung. Der Belgier Marcel de Mulder brachte es einmal auf einen Vorsprung von einer Minute und fünf Sekunden, doch vierzig Kilometer vor Metz hatte ihn das Feld wieder eingeholt Louison Bobet, der zu den aussichtsreichsten französischen Fahrern zählt, hatte zehn Kilometer vor dem Etappenziel eine Reifenpanne und kam erst als 89. ein. Den anderen Favoriten ging es nicht viel besser, der Italiener Gino Bartali, der im vergangenen Jahr Zweiter wurde, befand sich unter den 76 Fahrern, die gemeinsam auf den dreizehnten Platz gesetzt wurden.

Der erste Tas des Rennens stand im Zeichen beträchtlicher Hitze und einer Serie von Reifenpannen. Die Fahrer trafen erst dreiviertel Stunden nach dem angenommenen Termin in Metz ein. Goldschmidt erhält für seinen Etappensieg 100 000 Francs (etwa 300 Dollar) und darf. bis er in der Gesamtwertung überholt wird, das gelbe Trikot tragen.

Zweite Etappe: Leoni (Italien)

Lüttich. (AP.) Sieger der zweiten Etappe der ..Tour de France“ von Metz nach Lüttich, wurde am Freitag der Italiener Adolfo Leoni.

Die Zeit des Siegers betrug 7:02:07 Stunden für die 241 Kilometer 'ange Strecke. Zweiter wurde sein Landsmann Magni vor dem kleinen Franzosen Bobet und Kübler (Schweiz). Gino Bartali wurde zusammen mit Geoldschmidt und anderen Fahrern, die allp im Rudel eintrafen, auf den neunten Platz gesetzt. Goldschmidt behielt das „Gelbe Trikot“ für seine Führung in der Gesamtwertung.

Kreisvorsitzender Kern, Turnerschaft Ober-Roden, teilte in der am 11. 7. in Münster stattgefundenen Vorstandssitzung des Sportkreises Dieburg mit, daß die Vorarbeiten für das Fest abgeschlossen sind. Als letzter Termin zur Abgabe der Meldungen wurde Mittwoch (19.) festgesetzt. Die Meldungen sind zu richten für Leichtathletik an Ludwig Herd und für Turner und Turnerinnen an Heinrich Huth in Münster. —prb—

Beim ersten Abendsportfest des Berliner Leichtathletik-Verbandes im Berliner Poststadion erzielte der Krefelder Liekes über zwei hundert Meter mit 22,2 Sekunden die beste Leistung.

Lob für Gottfried von Cramm

„Edgar" zieht einen Wimbledon-Vergleich

Zürich, (sid). Edgar Joubert, einer der bekanntesten kontinentalen Tennis- und Wimbledon-Experten, veröffentlichte im „Sport Zürich“ im Rahmen seines Wimbledon-Tagebuches eine interessante Studie über den amerikanischen Ueberraschungssieger Budge Patty. Der heute in Paris lebende frühere deutsche Journalist zieht dabei eine stilistische Parallele zu Gottfried von Cramm, wobei er auch ein Gespräch anführt, das er auf der Pressetribüne in Wimbledon mit dem deutschen Spitzenspieler führen konnte. „Edgar“ bezeichnete Pattys Wimbledon-Erfolg im Herren-Einzel als einen „Triumph des Willens“, und unter dieses Motto stellt er auch seine überaus interessante Charakterisierung:

„... Der 26jährige Budge Patty aus Los Angeles in Kalifornien, einst begabter Tennisjunior, Liebling der Hollywoodgrößen und Nachtlokalbesucher, hat innerhalb von dreiviertel Jahren eine ^erstaunliche Wandlung durchgemacht. Er stellte das Rauchen und Trinken ein, legte sich abends früh schlafen, trainierte, stählte seinen Körper, erweiterte seinen Brustkorb und stand innerhalb kurzer Zeit völlig gewandelt da... Sein Erfolg über den Australier Frank Sedgman im Wimbledon-Finale 1950 war der des besseren und gescheiteren Tennisspielers. Von allen modernen Spielern ist Patty derjenige, dessen Spiel dem von Gramms am nächsten kommt. Er hat die natürliche Eleganz der Schläge, die Leichtigkeit in der Ausführung, sein Flugball hat mehr Wucht, dagegen reicht sein Rückhand nicht entfernt an den des deutschen Champions heran.

Als ich dem auf der Pressetribüne sitzenden Gottfried von Cramm diesen Vergleich nahelegte, wehrte er bescheiden ab. .Pattys Flugball ist doch viel besser als meiner je war', behauptete er. Wahrscheinlich hat Gottfried vergessen, wie seine Volleys vom Halfcourt aus in die Ecken zu fegen pflegten. ,Der Vergleich ist schmeichelhaft für mich', glaubte Gottfried hinzufügen zu müssen. Hier Irrt von Cramm. Der Vergleich ist schmeichelhaft für Budge Patty...“

In 17 Etappen über 3800 Kilometer

Der Streckenplan der Deutschland-Rundfahrt (12. bis 31. August)

Die Bemühungen der Organisatoren der Deutschland-Radrundfahrt 1950, die Veranstaltung mit Teilnahme ausländischer Fahrer durchzuführen, waren von Erfolg gekrönt. Der neue, von der UCI vorgeschlagene Termin vom 12. bis 31. August, wurde angenommen. Der Streekenplan lautet nunmehr folgendermaßen:

1. Etappe am Samstag, 12. August: Hannover—Bremen—Bielefeld (268,3 km);

2. Etappe am Sonntag, 13. August: Bielefeld-Fröndenberg—Bocholt (215,6 km);

3. Etappe am Montag, 14. August: Bocholt —Aachen (214,7 km);

4. Etappe am Dienstag, 15. August: Aachen —Gießen (276,6. km); Mittwoch, 16. August: Ruhetag in Gießen;

5. Etappe am Donnerstag, 17. August: Gießen—Zweibrücken (248,5 km);

6. Etappe am Freitag, 18. August: Zweibrücken-Stuttgart (200,5 km);

7. Etappe am Samstag, 19. August: Stuttgart-Karlsruhe—Durlach (214,0 km);

8. Etappe am Sonntag, 20. August: Karlsruhe—Durlach—Waldshut (238,2 km); Montag, 21. August: Ruhetag in Waldshut;

9. Etappe am Dienstag, 22. August: Waldshut—Konstanz (181,8 km);

10. Etappe am Mittwoch, 23. August: Konstanz-Augsburg (269,9 km);

11. Etappe am Donnerstag, 24. August: Augsburg — München — Bad Reichenhall (293,3 km);

12. Etappe am Freitag, 25. August: Bad Reichenhall—Regensburg (217,4 km);

13. Etappe am Samstag, 26. August: Regensburg—Neumarkt—Nürnberg (103,4 km);

14. Etappe am Sonntag, 27. August: Nürnberg—Schweinfurt (221,8 km);

Montag, 28. Aug.: Ruhetag in Schweinfurt. 15. Etappe am Dienstag, 29. Aug.: Schweinfurt—Fulda—Kassel (216,8 km);

16. Etappe am Mittwoch, 30. August: Kassel—Einbeck (228,0 km);

17. Etappe am Donnerstag, 31. August: Einbeck—Braunschw.—Hannover (163,7 km). Die Gesamtstrecke führt also über 3 772,5 km, wobei den Fahrern drei Ruhetage in Gießen, Waldshut und Schweinfurt gegönnt werden.

Basketball-Pokal-Runde wird fortgesetzt

Das kommende Wochenende wird wieder einige Basketball-Pokal-Spiele bringen. Die Mannschaft der SKG Roßdorf stellt sich am Samstag (15.), bei GYA Frankfurt-Bonames vor, das in seinem ersten Spiel der Universität Frankfurt mit 23:40 unterlag. Trotzdem ist die GYA-Mannschaft ein gefährlicher Gegner, der den nicht komplett antretenden Roßdorfern alles abverlangen wird.

Auch die Frauen der SKG Roßdorf spielen am Samstag in Frankfurt. Sie treffen in der Rückrundenbegegnung auf die dortige Universität. Es ist dabei sehr fraglich, ob Roßdorf seinen 30:17-Vorspielsietg wiederholen kann, denn dlie Studentinnen stellen eine stark verbesserte Mannschaft ins Feld. Das Spiel sollte daher völlig ausgeglichen verlaufen.

Die Märmermaninschaft der Universität Frankfurt wird am Montag (17.) um 19.00 Uhr zum Pokalspiel in Roßdorf antreten. Der kürzlich errungene I. Platz im Roßdorfer Basketball-Turnier ist eine gute Empfehlung für dlie Frankfurter. Es ist bestimmt mit einem spannenden Spiel zu rechnen.

Zum Zeitvertreib am Sonntag

Quadraträtsel

Um die Ziffern herum sind Wörter zu je acht Buchstaben zu bilden, deren Beginn durch Pfeile gekennzeichnet ist. Drehrichtung im Uhrzeigersinn, bei Quadrat 1,3, 5 und 10 entgegengesetzt. — 1. Aufruf, Erklärung, 2. römischer Staatsmann, 3. Werkzeugmaschine, 4. Schwärmer, 5. Schmähschrift, 6. Herrscher, 7. kurze Geschichte, 8. Streitaxt, 9. Heringsart, 10. Gralskönig, 11. Linie des Erdballes.

Etwas zum Schieben

Massengrab, Heinrich, Maschine, Kuhblume, Geselle, Sachsenspiegel, Parua, Melodrama, Patrizier, Zeitraffer, Uebereifer. Die Wörter sind untereinander zu schreiben und dann seitlich so zu verschieben, daß drei senkrechte Reihen je einen europäischen Dichter nennen.

Zwei Buchstaben zuviel

Strich, trübe, Reigen, England, Stern, Ärar, Gerte, nach, Eisen, Stand, Kresse, Nias, grün, Degen, Anstrich, Besen, Terra, Faden. Jedem dieser Wörter sind zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen. Die restlichen Bruchstücke ergeben, im Zusammenhang gelesen, ein Sprichwort.

Auflösungen vom Samstag, 8. Juli Rösselsprung

Dreifach ist der Schritt der Zeit. Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit. Schiller.

Verschmelzungsrätsel. Semiramis, Paderborn. Oldef bürg, Tasmanien, Tornister, Des-

demona, Rotterdam, Orchidee, Sanatorium, Suezkanal, Eisenbahn, Limonade. — Spottdrossel.

Geographisches Silbenrätsel. 1. Sevilla, 2. Ostchi.---isches Meer, 3. Lechfeld, 4. Anden, 5. Nubien, 6. Gascogne, 7. Ischia, 8. Santander, 9. Tondern. 10. Korea, 11. Eger, 12. Idaho, 13. Nahe, 14. Eisleben, 15. Nullaborebene, 16. Armenien, 17. Champagne, 18. Hiroshima, 19. Täbnis, 20. Deggendorf, 21. Anden, 22. Seine, 23. Schwaben, 24. Erlangen, 25. Newcastle, 26. Dachstein, 27. Lettland. — So lang ist keine Nacht, daß endlich nicht der helle Morgen wacht.



Schach

Für das „DT“ bearbeitet von E. Bogoljubow Nachstehend die Revanchepartie Kotow gegen Keres vom Budapester Kandidatenturnier. in der Kotow gebührend Revanche nahm für seine Niederlage, die wir am letzten Samstag veröffentlicht haben.

Nimzoindisch Weiß: Kotow / Schwarz: Keres

1. c2—c4, SgB—f6. 2. d2—d4, e7—e6. 3. Sbl—c3, LfB—b4, 4. a2—a 3 ( Sämisch-Variante, die Schwarz vor schwierige Probleme stellt! In den letzten Jahren spielt man meistens abwartend 4. e2—e3). Lb4xc3+, 5. b2xc3, SbB—c6. 6. f2—f3! b7—b6, (Schwarz bekündet die Absicht, den Doppelbauern c 4 anzugreifen. Da dies aber nur unter Vernachlässigung der Zentralstellung geschehen kann, können wir eine solche Taktik nicht empfahlen. Indes nimmt das Spiel dabei einen sehr scharfen Charakter an.) 7. e2—e4, LcB—a6, 8. e4—es (alle Glossatoren versehen diesen Zug mit einem Rufzeichen, aber nach meiner Ansicht zu Unrecht! Denn der Sf6 ist die einzige schwarze Figur, die von dem weißen Bauernzentrum bedroht und somit deplaciert stand. Richtig war 8. Lei—gs!_ h 6, 9. Lh4. Sc6—as, 10. Da 4, DcB, 11. Sh 3, Sh 7, 12. Ld3, o—o, 13. e 5. TeB? und nun konnte Weiß mit 14. Sf4! einen heftigen Angriff beginnen, wie aus der Anmerkung zu der Partie Geller—Smyslow 1949 hervorgeht. Deshalb mußte Schwarz, anstatt 13. .. TeB? besser f7—fs! mit etwa gleichem Spiel fortsetzen.) Sf6— gB, 9. Sgl—h3. Sc6—as, 10. Ddl—a4. SgB—e7. 11. Lfl—d3. o—o, 12. Lei—gs, h7—hG (man soll, nach der bereits erfolgten Rochade, mit solchen Zügen vorsichtig sein!) 13. Lgs—h4, d7—ds?? (ein ganü fataler Fehler! Gut war d7—d6!)

14. Ld3—bl! Ei! Ei! Mit solchen Zügen ließ’sich früher Meister Keres nicht überraschen! Das Pech ist, daß auf Deß (noch am besten!) 15. Dc2, Sg6, 16. c4xds! folgen würde und das Endspiel nach e6xds, 17. Kf2!, (in Frage kommt auch 17. Sf4, f7—f 5!, 18. Sxg6. Dxg6. 19. g2—g4! USW.) Lc4, 18. Sf4!. Sb3, 19. Sxg6, f7xg6, 20. Dxg6, Dxg6. 21. Lxg6. Sxal, 22. Txal usw. für Schwarz hoffnungslos wäre.

14... g7—gs? (bereits die Resignation!) 15. Da4—c2, Se7—g6, 16. Sh3—f4H, gsxhl (bei Deß ging er etwas langsamer, dafür aber ganz sicher zugrunde: 17. Shs, Dc6, 18. c4xds. e6xds, 19. Sf6+, Kg 7, 20. Lg3 nebst h 4 usw.!) 17. Sf4xg6, Tfß—eß, 18. Sg6—hß! (natürlich nicht 18. Sf4?, wegen Dgs!) Teß—e7, 19. Dc2—h7+', Kgß—fß. 20. f3—f4!, Sasxc4. 21. f4—fs, e6xfs. 22. o—o. Laß—cß. 23. Lblxfs, Lcßxfs. 24. Tflxfs, Kfß—eß. 25. Tfsxf7, Keß—d 7, 26. Dh7—fs+, Kd7—c6. 27. Dfs—f6+, Kc6—d7. 28. es—e6+, Kd7—c6 (alles ein bitterer Zwang!) 29. Tf7xe7, Ddßxhß, 30. Te7xc7-j-,Kc6—bs (oder Kxc7, 31. De7+'. Kbß. 32. Tfl! usw.) 31. Df6—e7. a6—as. 32 De7—d7M-, Kbs—a6. 33. Tal—bl. Schwarz gab endlich auf!

Beide Partien sind lehrreich und bezeichnend für die dortige Grundrichtung: Kampf bis aufs Messer!

Durch den Kreisspielausschuß für Handball des Kreises Dieburg findet am Samstag (15.), 18.30 Uhr im Volkshaus Reinheim eine Sitzung wegen des am 22./23. 7. stattfindenden Kreisturn- und Sportfestes statt. (PÜ



Im Dreieck nebenbei bemerkt

Am Anfang war das Wort, und danach kamen sicherlich schon BMW-, NSU- und die Lizenzfahrer. Der Krach dabei muß zwischenzeitlich sein, höchstens wurde er bei Völkerschlachten und dem gesundheitsschädlichen Eisenbahnfähren vernommen. Aus der Zeit datieren auch die schlechten Zensuren in der Schule in Aufmerksamkeit und Singen. In Dieburg war der Verlust der Menschen, die Ehrfurcht vor Entfernung und Geschwindigkeit, plakatiert. Start und Ziel sind auf derselben Stelle, schon in dem Raum, wo sich hart die Dinge stoßen, angegeben. Aus dem All troff der Regen hernieder, ein Zeichen der Trauer, daß die Zeit der orthopädischen Sandalen vorbei ist. Sokrates trug sie. Er stand oft stundenlang auf einem Fleck des Athener Marktplatzes, um zu denken. Wenn er allerdings gewußt hätte, daß „Karkassen“ Gewebeteile eines Dunlop-Reifens sind, hätte er die Tänzerinnen durch Kompressoren beflügeln lassen, und das Gastmahl hätte mehr motorsportlichen Charakter gehabt. Zur ungefähr selben Zeit entstand nämlich durch seinen Kollegen Pythagoras das Epos vom gleichschenkligen Dreieck. So alt muß also Dieburg sein; daher bezieht der morgige Tag seine Traditionen. Die Ausweisfahrer müssen schon früher,-vor der Schöpfung, bestanden haben, da sie kein Auto haben und im Regen naß werden. Weit davor liegt die Produktion von Zündkerzen, Vivil-Pfefferminz und Auto-Schläuchen. Wahrscheinlich ist das tertiäres Zeitalter, weil an den Plakaten „schon immer Bosch-Zündkerzen“ steht. An Zuverlässigkeit ist das alles der Gipfel. Der alte Blücher hatte schon an der Katzbach einen Halbliter-Telef unken-Auto-Super, und Alexander der Große wechselte erst am Fuß des Ganges das erstemal die Kerzen. „Beru“ war das in diesem Fall. Noch besser jedenfalls. — Ein dicker Herr im blauen Anzug steht auf der Fahrbahn und hält immer eine rote Fahne in der Hand. Der stammt von NSU, sagte mir der Landjäger. Die Schnelligkeit dieser Motorräder muß enorm sein. Der kommt nicht von Korea, der ist Rennleiter bei NSU und stoppt die Zeiten ab. Als ob man Zeit abstoppen könnte! Zeit ist endlos.


Selbst in der letzten Minute wird noch an der Maschine gearbeitet DT-Foto: Schröder
Selbst in der letzten Minute wird noch an der Maschine gearbeitet DT-Foto: Schröder

Die Deutsche Elite beim dritten Dieburger Dreiecksrennen

Ausweisfahrer und 125-ccm-Lizenzklasse schon am Samstag

Die Stadt im Rodgau ist für die nächsten 50 Stunden zur Großstadt geworden. Als vor drei Jahren der 1. Vorsitzende des Motorsportclubs Darmstadt Gustav Petermann dem Bürgermeister von Dieburg seine Pläne vorlegte und überraschenderweise sofort auf vollstes Verständnis stieß, ahnte noch niemand, daß das Dreiecksrennen in so kurzer Zeit zu einem der größten motorsportlichen Ereignisse Deutschlands werden würde Heute heulen nun schon zum dritten Male seit Freitag 8 Uhr auf der 3,3 kilometerlangen Rundstrecke im Dieburger Forst die Motoren. Obwohl der Kurs nicht zu den für die deutsche Meisterschaft gewerteten Rennen gehört, ist fast die gesamte deutsche Rennfahrerelite am Start, voran Heiner Fleischmann, H. P. Müller, Siegfried Wünsche, Friedel Schön, Ewald Kluge, Böhm/Fuchs und Müller/Rührschneck.

Während der Samstagvormittag' noch für das Training freigehalten ist. werden die Maschinen der Ausweisfahrer und der 125- ccm-Lizenzfahrer bereits ab 14 Uhr an den Startplatz geschoben.

In der 125-ccm-Klasse der Ausweisfahrer, die den Anfang machen, werden in dem mit 20 Bewerbern am stärksten besetzten Feld besonders Ludwig Dörr (Frankfurt) auf Spezialbau (Nr. 154), Kurt Bähr (Bruchhausen) aüf Puch-Spezial (Nr. 157), Mario Dedio (Offenbach) auf MD-Spezial (Nr. 147) und der Lorscher Valentin Eberle auf DKW (Nr. 144) in Erscheinung treten. In der 250- ccm-Klasse sind 14 Fahrer am Start. Hier wird man die beiden Arheilger Jakob Elbert auf Triumph (Nr. 106) und Karl Heß auf NSU (Nr. 113) mit dem Favoriten Heinz Heberer (Obertshausen) auf Triumph (Nr. 107) und Otto Bürkle (Feldrennach) auf Triumph im Kampf sehen. Im dritten Rennen, dem 600- ccm-Seitenwagen, treffen Gullery/Jung (Harreshausen) auf Moto-Guzzi (Nr. 37) mit acht weiteren Paaren zusammen. In der 350- ccm-Klasse kann man von den zehn startenden Maschinen Heinz Fritsch (Frankfurt) auf Horex (Nr. 60), Horst Hermann (Stuttgart) auf Norton (Nr. 66) und Werner Boller ( Lang-Göns) auf Norton (Nr. 68) als die schnellsten erwarten. Bei den 1200-ccm-Seitenwagen gehen die beiden BMW-Fahrer Willand/ Schulz (Babenhausen) (Nr. 1) und Faldermann (Niederramstadt) (Nr. 7) mit sechs anderen Gespannen auf die Strecke und bei den 500 ccm wird Ernst Groß (Bad Windsheim) auf BMW (Nr. 2) unter den 12 Fahrern wegen seines eigenartigen und technisch guten Fr’--stils die Aufmerksamkeit der Tausende ’f sich lenken. Alle Rennen der Ausweisfahrer gehen über zehn Runden = 33 Kilometer.

Die zwei H. P.‘s in der 125-ccm-Klasse , ■ .

Den Höhepunkt des Nachmittags bildet das letzte Rennen über 15 Runden = 49,5 km der 125 er Solomaschinen der Lizenzfahrer, das allein schon einen Besuch am Samstag als lohnenswert erscheinen läßt. Der „fliegende Teufel“ H. P. Müller (Bielefeld) auf seiner DKW-Kompressormaschine (Nr. 142), der das Hockenheim- und Eifelrennen gewann und in diesem Jahr wieder so schnell wie früher geworden ist, wird sich mit dem Sieger von Schotten, H. P. Ried (Königswinter) auf DKW (Nr. 148), Heiner Dietrich (Frankfurt) (Nr. 140), Rolf Hammer (Reutlingen) (Nr. 143), der 1948 in Dieburg gewann, Karl Hofmann (Frankfurt) (Nr. 159), dem Zweiten von Schotten, alle auf Puch. Hubert Luttenberger (Neu-Bamberg) auf DKW (Nr. 165) und last not least Ewald Kluge (Ingolstadt) auf DKW (Nr. 170) auseinanderzusetzen haben. Nach vier Durchgängen in der Deutschen Meisterschaft führt Ried mit 16 Punkten vor Müller mit 15. Von den 17 gemeldeten Maschinen sind Puch mit acht und DKW mit sieben am stärksten vertreten. Ende der Rennen am Samstag, etwa gegen 18 Uhr.

Start: Sonntag 10 Uhr

Kluge, H. P. Müller, Thorn-Prikker, Gablenz und Lottes bei den 250 ccm

Der Sonntag bringt die restlichen fünf Rennen der Lizenzfahrer. Um 10 Uhr senkt sich die weiße Flagge zum Start der 250- ccm-Klasse. deren 13 Fahrer erstmals über die lange Distanz von 30 Runden = 100 km geschickt werden. Die Bombenbesetzung läßt ein dramatisches Rennen erwarten. Hier ist besonders der zweifache Europameister Ewald Kluge auf seiner DKW-Kompressormaschine (Nr. 113) zu erwähnen, der erst Im Vorjahr aus russischer Gefangenschaft zurückkehrte und bereits auf dem Schottenring seine große Klasse unter Beweis stellte, wenn er auch in der letzten Runde noch von Karl Lottes (Marburg) auf DKW (Nr. 104) geholt wurde. Auch Lottes ist in Dieburg am Start, ferner der Sieger von Dieburg 1948, von der Eilenriede und von Hockenheim, H. P. Müller (Nr. 100), der Sieger von Dieburg 1949, Hermann Gablenz (Karlsruhe), auf Parilla (Nr. 101), der ausgezeichnete Stuttgarter Daiker auf DKW-Kompressor (Nr. 102), der auf der Eilenriede und im Eifelrennen Zweiter wurde, Thorn-Prikker (Bad Godesberg) auf Moto-Guzzi (Nr. 117), der das Eifelrennen gewann und die beiden DKW-Fahrer Otto Kohfink (Bietigheim) (Nr. 107) und Paul Schwarz (Stuttgart) (Nr. 118). Der DKW-Stall tritt allein mit acht Maschinen an.

Böhm/Fuchs bei den 600-ccm-Seitenwagen die großen Favoriten

Im zweiten Rennen des Sonntags gehen elf 600-ccm-Seitenwagen 20mal = 66 km über die Strecke. Den Sieg wird sich das NSU-Team Hermann Böhm/Karl Fuchs auf ihrer Kompressormaschine (Nr. 30) als Deutsche Meister und Sieger des Eilenriede-, Hockenheim- und Eifelrennens und Zweite von Schotten nicht entgehen lassen. Neußner/Minderlein (Nr. 31), Schmid/Mittelmayer (Nr. 33) und StrengerVKöhler (Nr. 44), alle auf NSU, werden ihre stärksten Gegner sein. BMW und NSU sind mit je vier Maschinen am Start.

Heiner Fleischmann beim großen Rennen der 350-ccm-Klasse

Zweifellos das packendste Rennen wird das der 350 ccm über 30 Runden = 100 km werden. Hier wird man dem Start des Siegers von Hockenheim. Eilenriede, Eifel und Schotten, Heiner Fleischmann auf NSU-Kompressor (Nr. 60) mit größtem Interesse entgegensehen. Hinter ihm werden harte Posibionskämpfe ausgetragen werden zwischen dem Deutschen Meister Siegfried Wünsche (Ingolstadt) auf DKW (Nr. 65), dem Deutschen Meister der 250-ccm-Klasse, Friedel Schön (Frankfurt), auf Horex (Nr. 72), Roland Schnell (Bad Kreuznach) auf Schnell-Spezial (Nr. 64), H. P. Müller (Nr. 87), Kurt Mansfeld (Bad Kreuznach) (Nr. 68), beide auf DKW-Kompressor, Kurt Nitschky (Karlsruhe) auf DKW (Nr. 69), Heinz Grösch (Frankfurt) auf NSU (Nr. 71), Rudi Knees (Braunschweig) auf AJS (Nr. 67) und Hans Richnow (Schotten) auf Rudge (Nr. 99) und sieben weitere Fahrer. DKW geht mit vier und NSU mit drei Maschinen ins Rennen.

Müller/Rührschneck bei den schweren Seitenwagen

Das 1200-ccm-Seitenwagen-Rennen über 20 Runden = 66 km wird den dreifachen Deutschen Meister Sepp Müller mit Karl Rührschneck auf BMW (Nr. 1) neben ihren Münchner Landsleuten und Siegern des Eifelrennens Schäfer/Höller auf BMW (Nr. 18), den Siegern auf der Eilenriede und Zweiten des Eifelrennens Seppenhauser/ Wenshofer (München) auf BMW (Nr. 2) und Roth/Ruf (Niederhausen) auf BMW (Nr. 26), die schon 1948 in Dieburg als Ausweisfahrer siegreich waren. Insgesamt sind zehn Maschinen am Start, von denen BMW allein sechs stellt.

Auch ohne Georg Meier starke Besetzung in der Halbliterklasse

Das letzte Rennen der 500 ccm über 30 Runden = 100 km hat, da der vierfache deutsche Meister Georg Meier nicht starten kann, bei »dem Feld der 13 Fahrer keinen ausgesprochenen Favoriten. Kurt Nitschky (Karlsruhe) auf NSU Nr. ,2, Georg Eberlein (Katzwang) Nr. 4, Emst Hoske (Hameln) Nr. 5, beide BMW, Rudi Knees (Braunschweig) auf Vincent HRD Nr. 7, Gerd v. Woedke (Honnef) auf Norton Nr. 8, Robert Christ (Bretzfeld) auf NSU Nr. 12, Karl Rührschneck (Nürnberg) auf Norton Nr. 15 und Hans Baltenberger (Betzingen) Nr. 28, der 1948 und 1949 als Ausweisfahrer in Dieburg siegen konnte, werden das Rennen unter sich ausmachen. BMW und Norton sind mit je vier Maschinen vertreten.

Da ohne größere Pausen gestartet wird, werden die Rennen etwa um 16 Uhr beendet sein.

Lizenzfahrer brechen schon im Training Rekorde

H. P. Müller, Böhm-Fuchs und Ebersberger-Strauß besser als die Vorjahrssieger Die Lizenzfahrer, die ihr Training wegen Platzregens oft unterbrechen mußten, zeigten bereits am ersten Trainingstag ausgezeichnete Leistungen. H. P. Müller (Nr. 163) fuhr auf DKW - Kompressor 93,0 km-Std. und unterbot damit die Zeit des Vorjahressiegers Döring auf DKW, der mit 91,7 siegte. H. P. Ried DKW (Nr. 148) fuhr die zweitbeste Zeit dieser Klasse mit 90,8 km-Std. Bei den 250 ccm fuhr Paul Schwarz auf DKW (Nr. 118) mit 102,4 die schnellste Runde vor Fritz Kläger NSU (Nr. 110) mit 91,4 km-Std. Der Sieger des Vorjahres H. P. Müller fuhr einen Durchschnitt von 111,5 km-Std. Bei den leichten Seitenwagen zeigten sich die NSU-Fahrer Böhm-Fuchs (Nr. 30) von ihrer besten Seite und fuhren mit 116,0 km-Std. eine hervorragende Zeit. Als Zweitbeste erreichten Strengert-Köhler auf NSU (Nr. 44) 105,0 km-Std. Zeit der Vorjahrssieger Schuhmann-Höller 103,6 km-Std. Heiner Fleischmann (Nr. 60) drehte seine NSU-Kompressormaschine noch nicht auf höchste Touren und erreichte „nur“ 117,8 km-Std. Siegfried Wünsche auf DKW (Nr. 65) erreichte 113,2 km-Std. Wilhelm Herz fuhr 1949 123,5. Bei den schweren Beiwagen waren Ebersbcrger-Strauß auf BMW (Nr. 17) mit 109 km-Std. am schnellsten vor Schäfer - Höller auf BMW (Nr. 18) mit 104 km-Std. Vorjahrssieger Seppenheuser-Wenshofer brachten es auf 107,5 km-Std. In der 500 ccm-Klasse schließlich fuhr Hans Baitisberger auf Norton (Nr. 28) die mäßige Zeit von 111,3 km-Std., während Robert Christ auf NSU (Nr. 12) nur 99,7 km-Std. herausfuhr. Im Vorjahre siegte bekanntlich Georg Meier mit 127,5 km-Std.


Er sieht noch etwas skeptisch drein DT-Foto: Schröder
Er sieht noch etwas skeptisch drein DT-Foto: Schröder

Regen, Dieburg, Schnelligkeit

Jeder Trainingsbesucher ein kleiner Heiner Fleischmann

Gestern nachmittag ging’s zum Training fürs Dreiecksrennen nach Dieburg. In einem alten Opel P 4. Das war mal früher ein ganz honoriger Wagen, so ein P 4. Aber jetzt ist er ein bißchen alt und klapprig geworden. Das steht ihm auch dienstgradmäßig zu, wenn er als Auto schon seine 16 Jahre alt geworden ist.

Trotzdem meinte der, der uns fuhr, anscheinend, daß er selbst noch ein bißchen fürs Dreiecksrennen trainieren müsse. So stieg er dem P 4 mit beiden Beinen auf den Pinsel und scheuchte ihn durch den Wald nach Roßdorf. Wenn mich das Karosserieklappern nicht täuschte, rasselten wir mit 65 Sachen dahin. Biedere Fußgänger hüpften bleichen Angesichts in den Straßengraben und zeigten aufgeregt auf unsere Vorderräder. Die wackelten wie die Lämmerschwänze, die Vorderräder, das wußten wir. Trotzdem machten wir eiserne Gesichter — bei einem inneren bedenklichen Gefühl im Magen —, denn wer nach Dieburg zum Dreiecksrennen fährt, ist selbst ein kleiner Heiner Fleischmann. Das werden dia Hühner in Ober-Roden, Gundernhausen und Umstadt am Sonntag zu spüren kriegen, wenn sie sich nicht beizeiten von der Straßen scheren. •

Und der Regen, der Regen der rinnt . . .

Unterwegs fings noch an zu regnen. Vor uns rutschten zwei auf Motorrädern die Straße entlang. Vom letzten sah man von hinten nur eine große Lederhose. Links hinten hatte er die Nr. 3, vorn dran hatte er ein Seil, an dem er sich in allgemeiner Richtung Dieburg schleppen ließ. In aller Gemächlichkeit im strömenden Regen, nur damit ihm nicht die polierten Zylinderwände rußig wurden.

Zweimal um die Erde?

Unser Sportchef hatte einen Block auf den Knien, auf dem er ehrfürchtig schweigend Zahlen schrieb. Als er nach einigen zehn Minuten wieder aufblickte, sagte er mit bewunderungsheischenden Augen: „Donnerwetter, alle Fahrstrecken beim Dieburger Dreiecksrennen zusammengenommen, das langt für zweimal um die Erde!“ Da guckten wir auch ganz ehrfürchtig. Nachher kam’s raus, daß er für die Rundstrecke 33 km statt der richtigen 3,3 km genommen hatte. Aha, daher! Aber trotzdem: Was so diese 154 Fahrer am Samstag und Sonntag zusammenfahren werden, das gibt schon ein ganz schönes Ende. Wenn’s auch nicht zweimal um die Erde langt!

Viel Feuchtigkeit gestern in Dieburg

In Dieburg goß es in Strömen, als wir ankamen. Die Polizisten guckten recht verschüchtert aus ihren Regenumhängen, so floß das Wasser vom Himmel. Die Fahrer saßen wie die verregneten Hühner unter irgendwelchen Zeltdächern, und unter den wenigen vorhandenen Bretterbauten drängelten sich die von der Rennleitung, die, die so taten, als wenn sie auch dazu gehörten, und ein Haufen schlachtenbummelnder Trainingsbesucher. Vor allem eine Menge Jungens, und ich fand einen dabei, der selbst neulich beim Seifenkistenrennen einen Sturzhelm auf dem Kopf hatte. Er schlich schon seit dem frühesten Morgen im Fahrerlager rum, die großen Kollegen zu begutachten. Sie waren zwar naß wie die gebadeten Katzen vom vielen Regen, diese Jungens, aber das störte die Begeisterung nicht.

Bei Rudi Felgenheier schweißten sie noch was an der 125 er DKW. Obendrüber hatten sie einen blauen Sonnenschirm aufgespannt — gegen den Regen.

Allmählich hatte Petrus ein Einsehen

Da konnte es dann endlich mit dem Training losgehen. Die Blätter wackelten an den Bäumen, und wenn ich ein Wildschwein im Dieburger Forst gewesen wäre, ich wäre vor Schreck bis Altheim gerannt, so tobten die Maschinen los. Das ist überhaupt eine putzige Geschichte mit dem Trainingsbeginn: Kickstarter sind nicht handelsüblich an den Rennmaschinen, sie müssen angeschoben werden. Ein kurzer Anlauf mit der Karre, ein neckischer Hopser, im Damenreitsitz auf den Rennsattel, das Rollsofachen auf dem hinteren Schutzblech und schon knallt’s im Auspuff — oder nicht, dann muß es noch ’mal probiert werden, wenn nicht einer anschieben hilft. Dann geht’s ein paarmal auf der Warmlaufstrecke hin und her, bis das Motörchen in wohliger Temperatur ist. Dann greift seine Exzellenz der Lizenzfahrer bedeutungsvoll in die Jackentasche und wickelt aus einem Läppchen eine der ganz speziellen Rennkerzen. Die Normalkerze, die zum Warmlaufen gut genug war, fliegt heraus und die Rennkerze kommt ’rein. Das ist das Zeichen, daß es jetzt ernst wird. Nochmal anschieben, ein Hopser und ab geht die Post, aber wie!

Heiner Fleischmann baumelte die Beine

Die NSU-Leute hatten ihre Maschinen unter einem Bretterdach neben der Rennstr ecke stehen. Heiner Fleischmann saß vor seinen beiden Kompressormaschinen auf einer Bretterplanke und baumelte mit den Beinen. Er war noch nicht dran und schaute derweilen seinen Kollegen zu. Morgen startet er zum ersten Male auf dem Dieburger Dreieck. „Die Strecke ist gut, aber in Schotten sind die Kurven nicht so scharf, da wird hier jeder im ersten Gang um die Kurven müssen.“ Das Dieburger Dreieck ist sein fünftes Rennen in diesem Jahr. Zuletzt war er in Schotten, das nächste Rennen ist in Greiz in der Ostzone. „Rennställe gibt es dort noch nicht wieder, die fahren auf ihren alten Maschinen, wie sie sie gerade haben“, meint Heiner Fleischmann. Auch seine beiden Maschinen stammen aus dem Jahr 1938, auf einer von ihnen wird er zeigen, daß Alter für eine Rennmaschine kein 6 Schande ist.

Ueberhaupt diese alten Schlitten, da kommt es wenig auf äußere Schönheit an, Hauptsache sie laufen. Und daß sie das tun, das konnten wir am Wasserstaub sehen, den sie auf der nassen Strecke brausend hinter sich zurückließen. Nur eine Triumph begegnete uns im Staat des neuen Anstrichs.

Zwei Dicke mit etlichen PS unter’m Hintern

Als die zwei himmelblaubeanzugten NSU-Fahrer Böhm und Fuchs ihr Beiwagen-Pferd aus dem Stall holten, hatten sie gleich einen Schwarm Schlachtenbummler um sich. Das Warmlaufen wurde mit allem Ritus der Rennfahrerkunst begangen. Eng um die donnernde Maschine standen die Fachsimpler und ließen sich vom Rizinusgestank des Rennbrennstoffs weihen. Dann stieg die Masse eines Hermann Böhm in den Sattel hinter dem bulligen Kraftstofftank, Karl Fuchs stürzte sich in den Beiwagen und der Wald wackelte, als sie die Gerade lang fegten. Damit es Karl Fuchs unterwegs nicht zu langweilig wird, haben sie ihm einen Zusatztank mit einer Handpumpe vor die Nase in den Beiwagen gebaut. Da darf er sich dran betätigen, wenn die Geraden zu lange werden. Jedoch in Dieburg sind die Geraden nicht zu lang, dagegen die Linkskurven scharf. Es wird ihm warm morgen werden, dem Karl Fuchs, auch wenn es regnen sollte. —agt—

Eine Stippvisite bei der Zeitnahme

Der Obmann des Deutschen Zeitnehmer-Verbandes. Ing. Kast, Stuttgart, hat ein sehr verantwortungsvolles Amt. Mit zehn Fachleuten — Ingenieuren. Technikern der Firma E. Merck, Darmstadt, und eingespielten Funktionären, die sportbegeisterte Männer vom Fach sind, mit Männern also, die etwas vom Rechenschieber und von Diagrammen, von Hyperbeln und vor allem furchtbar viel von Zahlen verstehen — wirkt er im ersten Stock des - Start- und Zielhauses. Sie sitzen also zwar mit der Nase dicht dabei, keiner versperrt ihnen die Sicht auf die Strecke . . . aber sie sehen trotzdem nichts. Vor allem nicht den Ablauf der Rennen, wie ihn der Zuschauer beobachten kann. Sie sehen nur die Startnummern, die vorbeiflitzen, rufen sie sich gegenseitig zu, notieren, tragen ein, rechnen aus, zählen die Runden jedes Fahrers, jeden einzelnen Durchgang an der Startlinie, zählen zu und zählen ab, ermitteln die Rundenzeit, rennen an eine große Tafel aus Milimeterpapier, darauf stehen unten her die Mniuten, Sekunden und Zehntelsekunden, am linken Rand von unten nach oben die zu errechnenden Stundenkilometer. Denn diese Zahl allein wollen wir wissen, will der Fahrer haben, weil sie der Schlüssel ist tum Weiterkommen.

Bei den Rennen selbst hilft ein Malefiz-Apparat .die Zeitmaschine. Die ist wirklich ein Luder. Die kann man nicht bremsen, die notiert erbarmungslos jeden Durchgang auf die Zehntelsekunde genau, immerzu, immerzu; sie kümmert sich einen Dauß drum, ob die Männer neben ihr mit dem Notieren der über die Linie kommender Startnummern Tempo halten. Denn zu jeder Zeitnotierung gehört ja schließlich auch die Maschine, die über den Streifen braust. Die Zeitnotierungen der Maschine und die Aufzeichnungen der Startnummern laufen bei der „Auswertung“ zusammen. Dort wird das alles nach genauer Ordnung in eine große Tabelle eingetragen. Und wenn die Zahlenmänner dort z. B. bei dem Fahrer Nr. 9, der in seiner 10. Runde an der, Zeitnahme vorbeikommt, die gesamte bis dahin benötigte Fahrzeit von der Gesamtfahrzeit bis zur 9. Runde abziehen, dann ergibt sich naturgemäß die für die 10. Runde gebrauchte Zeit und aus ihr wieder durch Ablesen an der großen Tafel der erreichte Durchschnitt. Wie schnell und fix das da oben alles geht, kann man daran ermessen, daß der Sieger einer Klasse nach Beendigung seines Rennens noch nicht richtig am Zielrichterhaus ist, um seinen Kranz und die Glückwünsche entgegenzunehmen, da wissen die Besucher rund um die Rennstrecke schon genau, was er herausgefahren hat.

So also ist das bei einem Motorradrennen. und alle die vielen Funktionäre und Helfer sind es wahrlich wert, daß der Zuschauer. für den sie letzten Endes dabei sind, auch einmal still-dankbar an sie denkt. (RG)

Dreiecksrennen in Zahlen

Am Samstag und Sonntag werden in Dieburg 73 Ausweisfahrer und 81 Lizenzfahrer am Start erscheinen. Diese 154 Ritter mit dem Sturzhelm werden insgesamt 2695 Runden auf dem 3,3-km-Dreieck im Dieburger Forst herunterfahren, was einer Strecke von 8893 km entspricht. Am Samstag werden 7, am Sonntag 5 Rennen ausgetragen. Man rechnet mit 50 000 Zuschauern, die durch 6 Tore auf die Rennstrecke und die 5 Tribünen geschleust werden. 200 Gendarme und Polizisten werden eingesetzt, damit alles seinen geregelten Verlauf nimmt. An hundert Fahnenmasten werden Flaggen wehen und dem Ganzen ein freundliches Bild geben. 100 Helferinnen und Helfer sind vom Roten Kreuz aufgeboten, 4 Rotkreuz-Zelte in der Nähe der größten Gefahrenstellen aufgebaut.

Nach dem Rennen läßt die Bundesbahn zwei Sonderzüge von Dieburg nach Darmstadt. fahren, die auf allen Stationen halten. Abfahrt ab Dieburg 17.30 Uhr und 19.04 Uhr.

Rennfahrer ans elf Nationen

„Großer Preis“ auf dem Nürburgring

Frankfurt, (sid) Beim Automobil-Club von Deutschland als Veranstalter des XIII. Großen Preises von Deutschland am 20. August auf dem Nürburgring lagen beim ersten Nennungsschluß die Anmeldungen von nicht weniger als 109 Rennfahrern aus elf Nationen vor, nämlich aus Argentinien, Belgien, England, Frankreich, Holland, Italien, Schweden, Schweiz, Spanien, USA und Deutschland. Bis zum zweiten Nennungsschluß am 20. Juli werden noch weitere Meldungen erwartet, zumal der AvD noch mit verschiedenen ausländischen Spitzenfahrern in Verhandlungen steht.

Der Frankfurter Stall Eichhorst hat einen großen Teil seines umfangreichen Rennstalles in die Ostzone verlegt. Für das Training der aus sechs Pferden bestehenden in Hoppegarten stationierten zweiten Abteilung des Frankfurter Stalles zeichnet der bekannte Trainer Martin Lücke verantwortlich. Ed.


An Rudi Felgenheiers 125er-DKW ist auch eine kleine Reparatur vorzunehmen DT-Foto: Schröder
An Rudi Felgenheiers 125er-DKW ist auch eine kleine Reparatur vorzunehmen DT-Foto: Schröder

Kalbfuß und Jungmann im neuen Heim

Eines Tages sagte meine Großmutter zu ihrer Tochter, die damals noch ein junges Mädchen war: „Karlinchen, nächste Woche fahren wir zum Kalbfuß nach Darmstadt, die Betten für die Aussteuer einkaufen!“ Das war so um die Jahrhundertwende und eine Selbstverständlichkeit, daß man, wenn man etwas auf sich hielt, Bettzeug nur bei dem Herrn Theodor Kalbfuß einkaufte. Es war noch die alte Residenzstadt Darmstadt, in der man, konservativ wie nur irgendwo, besonders als Großherzoglicher Landbeamter oder Pfarrer immer in dem gleichen Geschäft durch Generationen seinen bescheidenen Bedarf deckte und Kalbfuß, das war eben die Firma, bei der „man“ Bettzeug kaufte. '

Etliche Jahre vorher hatte ein Fabrikant aus Merkelstetten, J. A. Zoepritz, in der Schulstraße ein Zweiggeschäft seiner Firma begründet. Das bekam bald einen so guten Ruf, daß sich eine Geschäftsvergrößerung notwendig erwies und man zog an den Marktplatz in einen hohen Badesteinbau neben dem Rathaus. Dieses Geschäft erwarb sich eines Tages der Darmstädter Kaufmann Theodor Kalbfuß und auf dem Firmenschild stand „Theodor Kalbfuß vormals Zoepritz“. Die Kundschaft folgte willig dem neuen Geschäftsinhaber und vor allem auf dem Lande hatte das Geschäft einen festen Kundenstamm, der nur zu Kalbfuß ging. Wer schon lange nicht im Laden sich hatte sehen lassen, den besuchten von Zeit zu Zeit die tüchtigen Vertreter der Firma, sprachen ein bißchen übers Wetter, die schlechten Zeiten und nahmen ein Bündel Aufträge mit nach Darmstadt. So florierte das Geschäft und erlebte eine Glanzzeit zu Beginn des Jahrhunderts. Damals schon begann ein junges Mädchen, Fräulein Bienhaus, in dem Geschäft die Kundschaft zu bedienen. Heute, mit 41 Jahren Betriebszugehörigkeit, steht sie noch immer als erstklassige Fachkraft der Kundschaft beratend zur Seite.

Wenn man zu jener Zeit seine Zimmer tapezieren lassen wollte, dann war das Geschäft, in dem „man“ sich die bunten Papierrollen auswählte und einkaufte, die Firma Phil. Jungmann am Ludwigsplatz. In dem Haus, neben dem heute die Drogerie Schäfer ihre Räume hat, vergrößerte sich die Firma Jungmann von Jahr zu Jahr. Nicht nur von den Tapeten und den Gardinen der Firma Jungmann sprach man zu jener Zeit, ein Hauptgesprächsthema für das Volk war eine Feuerwehrleiter im Hof des Geschäftshauses, die, 15 Meter lang, ganz Darmstadt in Erregung versetzte. Sie reichte bis in den dritten Stock und man schrieb sogar Gedichte darüber an die Zeitung. Zu Beginn des Jahrhunderts war das Tapetenhaus Jungmann schon fast 30 Jahre alt und in den Häusern der „besseren Gesellschaft“ klebten Tapeten von Jungmann an den Wänden und Vorhänge von Jungmann hingen an den Fenstern. Langsam wurde auch das Haus mit der Feuerwehrleiter für den Betrieb zu klein und man zog gegenüber an die Ecke der Schulstraße.

So ging die Zeit des ersten Weltkriegs und die nachfolgende Inflationszeit über Darmstadt hinweg. Diese beiden alten Geschäfte standen aber wie zuvor auf festen Füßen. Am Marktplatz hatte sich das Firmenschild in „Th Kalbfuß Nf.“ geändert und in der Firma Jungmann waren Linoleum und Teppiche im Verkaufsprogramm dazugekommen. Erst in den Jahren nach 1930 zeigte sich ein bedauerlicher Abstieg in beiden Firmen und es wäre hier wie dort nicht sehr gut ausgegangen, wenn nicht ein früherer Zentralverkäufer des Karstadt-Konzerns nach Darmstadt verschlagen worden wäre. Herr Broeck nahm sich in jenen Jahren nacheinander der beiden Firmen an und in den letzten Jahren vor dem 2. Weltkrieg waren die beiden Geschäfte wieder führend in ihren Branchen in Darmstadt geworden. Nicht nur die Schaufenster wurden größer, auch die Läger und die Vielfältigkeit der Waren zog das kauflustige Publikum mehr und mehr an.

Dann kam der Krieg und mit ihm der Tag der Ausbombung. Es waren noch keine zwei Monate vergangen, als man irgendwo in Nieder-Ramstadt in einem Behelfsladen schon wieder bei Kalbfuß kaufen konnte. Das war die Punktezeit mit allen ihren Sorgen und die beiden Firmen können heute für sich buchen, in Darmstadts Umgebung in jener schweren Zeit den größten Umsatz an Textilpunkten gehabt zu haben.

Die Währungsreform änderte alle Verhältnisse im Wirtschaftsleben und am Schlachthausplatz in der Biegung der Landgraf-Georg-Straße stand eines schönen Tages mit der Firmenbezeichnung „Th Kalbfuß Nf.“ und „Phil. Jungmann Nachf.“ eine Holzbude. Diese engen Räumchen konnten oft kaum das Gedränge der alten treuen Kundinnen fassen und selbst in letzter Zeit, als schon manches Textilgeschäft sich nach Kundschaft sehnte, mußte manchmal der Laden während der Verkaufszeit geschlossen werden, weil es einfach nicht mehr ging vor Gedränge im Verkaufsraum. Herr Broeck schmunzelte zwar darüber, aber so konnte das auf die Dauer nicht weiter gehen.

Den Erfolg dieser Ueberlegung zeigen die beiden Firmen in einer Hand in den nächsten Tagen in ihrem neuen alten Geschäftshaus am Ludwigsplatz. Tag und Nacht wurde dort in den letzten Tagen gearbeitet, verputzt, gestrichen, verglast und dekoriert. Unten im Erdgeschoß wird sich Th. Kalbfuß Nf. mit seinem traditionellen Bettzeug, seinen Kleiderstoffen, Trikotagen und Matratzen vor allem dem alten Stamm der treuen Kundschaft des nicht allzugroßen Einkommens vorstellen und im 1. Stock wird unter der Firma „Phil. Jungmann Nachf.“ alles geboten, was an Tapeten, Linoleum, Wandbespannungen und Gardinen preiswert ist.

Als Prokurist wird Herr Annacker, der 26 Jahre schon zur Firma Jungmann gehört, wieder das alte Bismarckdenkmal vor sich sehen, wie in den 20 Jahren vor der Ausbombung. . ; ' . .

===== DIE W. K.V.-WARE N■KRE DI T-VERK EH R-G. M. 8.H., F RAN KFURT AM MAIN ¥ unterhält seit Ende März dieses Jahres auch in Darmstadt eine Geschäftsstelle, die von der Firma J. G. Kahlert & Söhne, Inhaber Heinrich und Herbert Hahn, Alicenstraße 14, geleitet wird. Obgleich diese Einrichtung erst allmählich bekannt zu werden beginnt, hatte die Geschäftsstelle bis jetzt einen monatlichen Publikumsverkehr von rund - 600 Personen aus Darmstadt und seiner Umgebung.

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Bekanntmachungen Ausschreibung Die Elektro-Installationsarbeiten für den Neubau Luisenplatz 4 werden hiermit ausgeschrieben. Unterlagen hierfür sind ab so¬ fort erhältlich bei der Zusatsversorgungskasse Frankfurter Straße 3. Abgabetermin Mittwoch, den 19. Juli 1950, 9 Uhr. Zwangsversteigerung 3 K 10750. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das im Grundbuch von Darmstadt, Bezirk 5, Band 107, Blatt Nr. 5320, eingetragene, nachstehend beschriebene Erbbaurecht an nach¬ genanntem Grundstück am Montag, dem 4. September 1950, 9 Uhr, an der Gerichtsstelle, Mathildenplatz Nr. 12, Zimmer Nr. 303, versteigert werden. Erbbaurecht an dem Grundstück: Nr. 1. Gemarkung Darmstadt. Flur 8, Nr. 181 9/10, Wirt¬ schaftsart und Lage: Hofreite Nr. 6, Grabgarten, Grasgarten, Frankenäckerweg, 604 qm. — Ortsgerichtliche Schätzung: 23 000 D-Mark. Zulässiges Höchstgebot: 24 000 DM. Gegen diese Fest¬ setzung können die Beteiligten binnen zwei Wochen seit Zu¬ stellung der Terminsbestimmung Beschwerde bei der Preis¬ behörde einlegen. Der Versteigerungsvermerk ist am 13. März 1950 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals der Maurermeister Karl Lich in Gießen eingetragen. Darmstadt, den 6. Juli 1950. Amtsgericht, Abt. 5 Beschluß: 3 VN 5/50. Die Firma Samenhaus Gercke und Schnell, Kom¬ manditgesellschaft in Darmstadt, Frankensteinstraße 33—41, hat heute beantragt, über ihr Vermögen das Vergleichsver¬ fahren zur Abwendung des Konkurses zu eröffnen. Zum vor¬ läufigen Verwalter wird Rechtsanwalt Dr. Neuschäffer in Darm¬ stadt, Rheinstraße 14, Telefon 3878, bestellt. Gegen die Ver¬ gleichsschuldnerin wird mit Wirkung vom 11. Juli 1950, 10 Uhr. ein allgemeines Verfügungsverbot erlassen. Den Drittschuldnern wird verboten, ohne Zustimmung des vorläufigen Verwalters an die Vergleichsschuldnerin zu leisten. Verfügungen und Leistungen mit Zustimmung des vorläufigen Verwalters sind unbeschränkt wirksam. Darmstadt, den 11. Juli 1950. Amtsgericht, Abt. 3 Bekanntmachung nach § 17 Gewerbeordnung Auf Grund des § 17 der Gewerbeordnung und des § 16 der Hess. Ausführungsverordnung zur Gewerbeordnung machen wir bekannt, daß die Firma Mittinger & Co., Kommanditgesellschaft, Holzhofallee 11, Echt-, Antik- und Spezial-Farbglashütte auf dern Grundstück Darmstadt, Holzhofallee 11, die Errichtung einer Glashütte beabsichtigt. Die Bauarbeiten sind bereits im Gange. Wir fordern hiermit auf, etwaige Einwendungen gegen dieses Vorhaben binnen 14 Tagen bei dem unterzeichneten Amt schrift¬ lich oder zu Protokoll vorzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr angebracht werden. Die Beschreibungen, Zeichnungen und Pläne für das genannte Vorhaben liegen während der Einspruchsfrist werktäglich von 8 bis 12 Uhr im Stadthaus, Lagerhausstraße 1, Zimmer 404 b, zur Einsicht auf. Darmstadt, den 14. Juli 1950. Stadt Darmstadt Amt für öffentliche Ordnung

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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, 15. Juli 1950 Wochenschlußandachten: Johannesgemeinde, Paulusgemeinde, Elisabethenstift jeweils 20.00 Uhr. Sonntag, 16. Juli 1950 Bessunger Kirche: 9.30 Hgd. Pfr. Weiß, 12.00 Tgd. Pfr. Weiß, Stadtkirche: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Knodt. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd. Pfr. Köhler, 10.00 Hgd. Pfr. Stühlinger, 11.15 Kgd. / Martinsstift Pfr. Köhler 11.15 Kgd. / Gemeindehaus Pfr. Stühlinger. Matthäuskirche: 9.30 Hgd., Pfr. Mappes. Johannesgemeinde 9.30 Hgd. 11.00 Kgd. Pfr. Orth, Mi. 19. 7., Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd. cand. Stoll, 11.15 Kgd. Pauluskirche: 8.00 Abdmgd. Pfr. Wintermann, 9.30 Hgd. Pfr. Wintermann, 11.00 Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm., 11.00 Kgd. Stadtmission: 8.30 Gebetsstd., 11.00 Kgd., 15.30 und 20.00 Schlußvorträge in d. Zeltmission a. d. Meßplatz, Redner: Ob.-Med.-Rat a. D. Dr. W. Vetzberger, Siegen; Do., 20. 7., 20.00 Bibelstd. Mühlstr., Miss.-Insp. Folchert. Da.-Arheilgen: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., 15.00 Landeskirchl. Ge¬ meinschaft. Da.-Eberstadt: 7.30 Ev. M., 9.45 Hgd. Selbständ. luth. Kirche: 15.00 Gottesdienst in der Stadtkirche, Pfr. Müller, Erbach. Katholische Gottesdienste Sonntag, 16. Juli 1950 St. Ludwig: 8.00 Singmesse m. Pred., 9.30 Hochamt m. Pred., 11.00 Studentengottesdienst m. Pred., 20.00 Abendandacht. Liebfrauenkirche: 7.00 Singmesse m. Pred., 8.15 Hochamt m. Pred., 10.00 Kindergottesdienst m. Ansprache, 18.30 Andacht. St. Elisabeth: 6.30 Frühmesse, 7.45 Singmesse m. Pred., 9.00 Kindergottesdienst, 10.15 Hochamt m. Pred. u. Segen, 20.00 Sakrament. Andacht m. Segen; während der Woche tgl. 7.15 hl. Messe. Beichtgelegenheit: Samstag 16.30 bis 18.30 und 20.00 Uhr. St. Fidelis: 6.00 Frühmesse m. Komm. b. d. Schwestern, 7.30 Frühmesse m. Pred. u. Komm., 8.00 Hochamt m. Pred. und Komm, in Weiterstadt, 8.45 Kindermesse m. Pred. u. Kinder¬ komm., 10.00 Hochamt m. Pred. und Komm., 19.30 Sakrament. Andacht. Donnerstag: 7.30 Frauenansprache u. Gemeinschafts¬ messe. Beichtgelegenheit: Samstag 17.00 bis 19.00 und ab 20.00 Uhr; werktags vor jeder hl. Messe. Da.-Eberstadt: 7.00 Frühmesse m. Ansprache, 9.30 Hochamt m. Pred. und Kinderkomm., 19.30 Sakrament. Andacht m. Segen. Werktags: 7.00 Gottesdienst. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Darmstadt, Taunusstraße 40: Gottesdienst: Sonntag 14.30, Mittwoch 18.30 (Zeugnis- VorfßmmllinP'V

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