Der erwartete Grokangriff
Vorstoß der nordkoreanischen Verbände gegen die amerikanischen Versorgungslinien
Taidschon, 13. Juli. (AP. / dpa / BBC.) Die nordkoreanischen Truppen haben am Donnerstag einen neuen Großangriff eingeleitet, der gegen die einzige Nachschublinie der amerikanischen Streitkräfte zwischen Pusan und Taidschon gerichtet ist. Bereits zu Beginn der Operation gelangen den Nordkoreanern mehrere Einbrüche.
Der Schwerpunkt der nordkoreanischen Offensive hat sich von dem Gebiet nördlich des Kum-Flusses mehr nach Osten verlagert. Den nordkoreanischen Truppen sind hier am Donnerstagmorgen im Rahmen eines Großangriffes mehrere Durchbrüche gelungen. Zwei nordkoreanische Divisionen stehen jetzt 75 Kilometer vor der Bahnlinie Fusan-Taidschon, der einzigen Versorgungslinie der am Kum-Fluß kämpfenden Amerikaner.
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Nördlich von der provisorischen südkoreanischen Hauptstadt Taidschon herrschte am Donnerstagmorgen Kampfruhe. Korrespondenten an der Front sagten, es sei eine unheimliche Ruhe. Ein 23jähriger amerikanischer Leutnant aus Kansas sagte, es sei der erste Morgen an der Front gewesen, an dem sie nach dem Erwachen nicht eingeschlossen gewesen seien. Die Amerikaner sind in diesem Gebiet jedoch auf das Südufer des Kum-Flusses zurückgegangen und haben zwei Brücken gesprengt. Amerikanische Militärsachverständige sind der Ansicht, daß es vom Wetter und der Zufuhr weiterer Verstärkungen abhängen werde, ob die Amerikaner Taidschon halten könnten.
Auch an der Ostküste Koreas hat sich der Druck der Nordkoreaner verstärkt. Die Absicht dieses Offensivstoßes scheint ebenfalls darauf abzuzielen, die amerikanischen Truppen durch eine weit nach Osten ausholende Umfassungsbewegung von ihren Nachschubbasen abzuschneiden.
Drei Stostkeile
Das Zentrum der neuen Offensive liegt im Raume nordostwärts von Taidschon. In drei Stoßkeilen sind die Nordkoreaner am Donnerstagmorgen vorgegangen. Die 5. und 15. nordkoreanische Division, die den westlichen Stoßke. bilden, sind nach der Einnahme von Tschungdschu, das am Mittwochnachmittag gefallen ist, weiter nach Süden vorgestoßen und nähern sich dem Kum-Fluß. Die gesamte Offensive hat nach der Ansicht zuständiger amerikanischer Militärs das strategische Ziel, die bei Taidschon stehenden Truppen einzukesseln und gleichzeitig den Amerikanern bei Pusan ein „Dünkirchen“ zu bereiten.
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Der nordkoreanische Rundfunk hat am Donnerstag die bereits am Mittwoch von Korrespondenten verbreiteten Meldungen bestätigt, daß Verbände der Nordkoreaner den Raum des amerikanischen Nachschubhafens Pusan erreicht haben. Nach den letzten Frontberichten stehen zwei nordkoreanische Elitedivisionen 75 Kilometer vor Kumchon. Eine andere Division ist an der Ostküste bis nach Hupo, fünfzehn Kilometer nördlich von Pohang, vorgestoßen. Gleichzeitig mit diesem Vorstoß ist den Nordkoreanern sechzehn Kilometer nördlich von Pohang eine Landung gelungen, bei der sie unter dem Feuer amerikanischer und britischer Schiffsartillerie eine ganze Division landen konnten. Nach nordkoreanischen Angaben soll es damit möglich geworden sein, hundert Kilometer nördlich des amerikanischen Nachschubhafens Pusan 75 000—100 00 Mann zu konzentrieren.
Ein amerikanischer Sprecher stellte fest, daß General Mac Arthur zur Verteidigung Pusans kaum mehr als zwei amerikanische Divisionen — das sind etwa 25 000 Mann — zur Verfügung stehen werden, falls die Nordkoreaner innerhalb der nächsten drei oder vier Wochen zu einem entscheidenden Angriff auf diese Stadt ansetzen sollten. Die Marineinfanterie, die von den Vereinigten Staaten nach Korea verschifft wird, kann frühestens in zweieinhalb Wochen dort eintreffen. Sollten die Amerikaner gezwungen werden, so wird betont, sich auf einen Brückenkopf bei Pusan zurückzuziehen, ■würden alle verfügbaren alliierten Kriegsschiffe zur Verteidigung des Brückenkopfes herangezogen werden.
Eine umfassende Konzentration amerikanischer Seestreitkräfte in den koreanischen Gewässern ist bereits eingeleitet worden. Die amerikanische Luftwaffe setzte in den letzten 24 Stunden ihre Angriffe auf die nordkoreanischen Verbände und Nachschubwege fort. Nach dem Kommunique des amerikanischen Hauptquartiers haben sie dabei 38 kommunistische Panzer, 82( Last-Wagen, vier Lokomotiven und fünf Raupen- Schlepper vernichtet. Das amerikanische Kommunique hebt besonders den Angriff von rund fünfzig amerikanischen Super-
feslungen vom Typ B 29 hervor, die ein ungenanntes, aber, wie es heißt, bedeutendes militärisches Ziel nördlich Söul mit Bomben im Gewicht von insgesamt fünfhundert Tonnen angegriffen haben.
Das Rechenerxempel von Bonn
Aus drei Millionen wurden fünfundzwanzig Millionen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 13. Juli. Die Auseinandersetzung des Haushaltsausschusses des Bundestages mit dem Bundesfinanzminister über die Kosten der Bauten in Bonn, über die an dieser Stelle schon berichtet worden ist, geht über den unmittelbaren Anlaß hinaus. Seit langem schon herrscht in Kreisen des Bundestages der Eindruck, daß die vor der Wahl des vorläufigen Bundessitzes dem Parlament unterbreiteten Kostenrechnungen für Bonn der Wirklichkeit nicht standgehalten haben. Es wird von den Kritikern durchaus anerkannt, daß sich bei einem Bau oft später höhere Kosten ergeben, als veranschlagt gewesen waren, aber wenn ein Umbau einer Kaserne das Vierfache der im Voranschlag eingesetzten Summe kostet, wie es der Fall gewesen ist, wird das Gefühl wach, daß von Anfang an diese eingesetzte Summe nicht stimmen konnte, zumal damals schon praktische Erfahrungen mit solchen Umbauten vorlagen, die auf die jetzt erreichte Kostenhöhe hinwiesen. Ebenso wurden damals die Gebäude für den Bundes-
kanzler und den Bundespräsidenten als sofort beziehbar bezeichnet, während das Gebäude für Dr. Adenauer in einer Arbeit von Monaten jetzt erst bezugsfertig geworden ist, und der Bundespräsident die vorgesehene Villa im Herbst erst beziehen kann, wobei der Umbau wohl über eine Million Mark kosten wird. Die Bilanz ist daß vor der Wahl Bonns etwas über drei Millionen als noch für Dienstgebäude erforderlich bezeichnet wurden, während jetzt 25 Millionen genannt werden.
■ Wie sich zeigt, empfinden vor allem auch Abgeordnete, die im Vertrauen auf ■ die ihnen vorgelegten Berechnungen für Bonn gestimmt haben, diese Differenz zwischen Vorberechnung und tatsächlichen Kosten sehr hart. Aus dieser Atmosphäre ist vor allem die Opposition des Haushalts-Ausschusses gegen das Verlangen des Finanzministeriums. nach einer ersten Rate der Bausumme für das Rechnungsjahr 1950 zu verstehen.
Feststellung der erlittenen Schäden
Eine Forderung der Freien Demokraten zum Lastenausgleich
R. Bonn, 13. Juli. Die Spannungen zwischen dem Bundestag und dem Bundesfinanzminister wegen des Lastenausgleichs haben sich abermals verschärft Wie von dem Abgeordneten Professor Noell von der Nahmer (Freie Demokratische Partei) am Donnerstag bekanntgegeben worden ist, wird ein Schadenfeststellungs- Gesetzentwurf jetzt gleichzeitig als Initiativantrag der Freien Demokraten und als interfraktioneller Antrag der Vertriebenen-Abgeordneten im Bundestag eingebracht werden, wobei es sich um eine vom Zentralverband der Heimatvertriebenen ausgearbeitete Vorlage handelt. Die Vertriebenen-Abgeordneten der Sozialdemokraten haben allerdings bis jetzt ihre Unterschrift unter den Antrag noch nicht geben können, sie haben sich aber mit ihm solidarisch erklärt.
Es ist bekannt, daß Finanzminister Schäffer eine individuelle Erfassung der erlittenen Schäden für zu zeitraubend, zu kostspielig und auch gleichzeitig für technisch sehr schwer ausführbar hält. Dazu erklärte Professor Noell von der Nahmer, es seien genügende Unterlagen für die Feststellung der Vermögensverhältnisse in den Heimatgebieten der Vertriebenen vorhanden. Die Schädenfeststellung könne von den auf Wartegeld gesetzten Vertriebenenbeamten vorgenommen werden. Jetzt müsse das große Werk beginnen, und man wolle nicht mehr warten, bis das Kabinett endlich fertig werde. Es müsse auch das Hauptamt für Soforthilfe eine Bundesoberbehörde werden und aus der Unterstellung unter das Bundesfinanzministerium herausgenommen werden. Auch in dieser Forderung zeigte sich, daß die Initiative des Parlaments sich deutlich gegen die bisherigen Arbeiten des Finanzministers am Lasten ausgleich richtet.
Der auf dieser Pressekonferenz anwesende Vorsitzende des Blockes der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Schleswig-Holstein, Kraft, erklärte' erneut, seine Partei halte es für psychologisch fast unmöglich, eventuell mit der Christlich-Demokratischen Union in einer Koalition zusammenzugehen, die einen - ponenten wie den FinanzministSchäffer habe, der eine Belastung für sie sei.
Eines der Großlandungsboote, die General Mac Arthur für den Einsatz in Korea erhalten wird. Die Landungsboote können in ihrem Rumpf Amphibientanks und Traktoren aufnehmen
Tote und Verletzte
bei einem Eisenbahnunglück in Sachsen
Berlin, 13. Juli (dpa) Auf der Strecke Zwickau—Aue in Sachsen ist bei Wildenfeld an der Hartensteinbrücke ein Arbeiterzug, in dem eine große Zahl von Uranbergleuten mitfuhr, auf einen haltenden Güterzug aufgefahren. Nach den bisherigen Meldungen sind zwanzig Personen getötet und mehr als fünfzig schwer verletzt worden.
Nach Mitteilung der Eisenbahn-Generaldirektion in Berlin ist der Zugverkehr auf der Strecke Zwickau—Aue inzwischen wieder aufgenommen worden. Die mit der Untersuchung des Unglücks beauftragte Kommission hat ihre Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Ein Stellwerksbeamter wurde verhaftet.
Brückenkopf Pusan?
—s Die jüngsten Berichte zuständiger amerikanischer Militärstellen lauten sehr pessimistisch. Zwar wird die Front am Kum-Fluß noch gehalten. Man läßt aber jetzt schon durchblicken, daß der Widerstand an dieser Stelle nur dazu dienen soll, Zeit für den Ausbau eines starken Brückenkopfes im südlichsten Teil von Korea zu gewinnen. Es scheint, daß die Amerikaner das Gebiet von Pusan für ihre Brückenkopf-Verteidigung bestimmt haben. Möglicherweise aber haben die Nordkoreaner ihnen, noch bevor es zur Sammlung der Kräfte bei Pusan kommen konnte, einen Strich durch ihre militärische Rechnung gemacht. Denn die gut geführten Nordkoreaner konnten trotz dem heftigsten Feuer amerikanischer und britischer Schiffsartillerie bereits eine ganze Division nördlich von Pusan landen. Diese Landung bringt die südkoreanischen und amerikanischen Streitkräfte erneut in eine schwierige Lage, da ein Vorstoß von der Landungsstelle in Richtung auf Taiku die am Kum kämpfenden Truppen im Rücken fassen würde.
Jetzt schon spricht man in amerikanischen Militärkreisen davon, daß alle verfügbaren alliierten Kriegsschiffe zur Verteidigung des Brückenkopfes herangezogen würden. Die Konzentration ist bereits im Gange. Sechs Flugzeugträger haben aus den verschiedenen Gewässern zwischen Mittelmeer und Pazifik den Kurs auf Korea genommen. Man rechnet damit, daß in etwa zehn bis vierzehn Tagen eine genügend starke Flotte bei Pusan versammelt ist, und daß um die gleiche Zeit große Einheiten von Marine-Infanterie in Korea an Land gehen können. Bis dahin vollzieht sich ein Wettlauf beider Armeen mit der Zeit, bei 'dem die Nordkoreaner zweifellos im Vorteil sind.
Besteht ein Grund zum Hamstern?
op. Wir haben die Angst um die täglichen Dinge, um Brot und Fett, um Schuhe und Kleider alle kennengelernt und am eigenen Leibe verspürt — damals nämlich, als nicht nur wir in Deutschland, sondern alle Völker nervös wurden und sich in Angstkäufe flüchteten, als man glaubte, mit einigen Kilo Schmalz und Hülsenfrüchten, mit ein paar Lederstücken und Tabakpäckchen schlimme Notzeiten überstehen zu können. Es hat sich aber gezeigt, daß man mit Hamstern und ängstlichen Aufkäufen keine Not abwehren, sondern sie nur für ganz kurze Zeit aufhalten kann. Und dann erlebte man, daß sie um so stärker über uns hereinbrach.
Es gibt nun interessierte Kreise, denen sehr daran gelegen ist, daß eine solche Situation auch jetzt wieder geschaffen wird, daß eine Unruhestimmung über das Land zieht und die Unzufriedenheit sich nach Möglichkeit in einen krakeelenden Unmut verwandelt. Das sind jene Kreise, denen der schnelle Wiederaufbau im ganzen Bundesgebiet, die wirtschaftliche Erholung und die wiedergewonnene Freizügigkeit unseres gesamten Lebens ein Dorn im Auge ist, die nur von der Unzufriedenheit und einer Sturmstimmung profitieren wollen und alle Möglichkeiten auszunutzen versuchen, das Volk gegen seine Regierung aufzuputschen. Das war zu allen Zeiten immer dann verhältnismäßig einfach, wenn es um das tägliche Brot ging.
Es geht nun in der Tat im Augenblick um das tägliche Brot. Aber es ist nicht so, wie man es in diesen Tagen überall von den Verbreitern beunruhigender Alarmgerüchte und einer aus der Ostzone geschickt aufgezogenen Flüsterpropaganda hören kann, daß nur unsere Wirtschaftsordnung und die Rüstungen der Westmächte Preiserhöhungen und gewisse Warenverknappungen hervorrufen. Daß gewisse Verknappungen eingetreten sind, daß hier und dort Oel und Fett, Zucker und Reis gehamstert werden, daß man glaubt, sich mit Schuhen, Wolle und Kleidungsstücken eindecken zu müssen — das alles ist eine Tatsache, die nicht bestritten werden kann. Wenn man aber die ängstlichen Aufkäufer und die übervorsichtigen Menschen nach den Gründen für ihr Verhalten fragt, erfährt man, daß sie meist von einer Propaganda eingeschüchtert sind, deren Ursprung östlich unserer Bundesgrenzen zu suchen und zu finden ist.
Natürlich kommt der Kampf um den Brotpreis in einer Zeit, die gewisse Zeichen der Nervosität und Spannung erkennen läßt, sehr ungelegen. Auch die Regierung sollte wissen, daß jeder Pfennig, der für das tägliche Brot mehr ausgegeben werden muß, einen Stachel der Unzufriedenheit zurückläßt. Sie hätte in erster Linie die Pflicht, den Preis für das Brot insoweit zu stützen, daß nicht gerade das Brot ein Anlaß zur Beunruhigung gibt. Bisher geschah diese Stützung auf dem Wege der Subvention, die dadurch notwendig wurde, daß die Weltmarktpreise für Getreide weit über unseren Inlandspreisen lagen. Es dürfte der Regierung sehr schwer fallen, das Volk davon zu überzeugen, daß die Gelder für weitere Subventionen fehlen, wenn es zu gleicher Zeit erfährt, daß man in Bonn einige Millionen für Bundesbauten und Repräsentationszwecke mehr ausgegeben hat, als bei der Etatsfestsetzung veranschlagt worden sind. Schwerlich wird man im Volke dafür Verständnis aufbringen, daß die Einrichtung von Bonn zum Bundessitz gegenüber den in Frankfurt notwendig gewesenen Aufwendungen zum mindesten ebenso hohe Geldmittel beansprucht wie die Beibehaltung des Brotpreises erfordern würde. Den Kampf um das tägliche Brot sollte man nicht auf jene Schultern abwälzen, die ihn am schwersten durchfechten können.
Und wie steht es mit den anderen Dingen? Gewiß — Zucker ist knapp geworden. Aber hat das mit der gegenwärtigen politischen Spannung etwas zu tun? Ist die Verknappung darauf zurückzuführen, daß man den Zucker zurückhält, um die Preise steigern zu können? Nichts von alledem. Zucker gehört zu jenen Gütern, die zu allen Zeiten stoßweise verladen wurden. Nach einem kurzen Verladestopp sind aber seit einigen Tagen wieder 10 000 Tonnen nach dem Bundesgebiet unterwegs. Unsere Hausfrauen sollten dazu noch bedenken, daß in diesen Wochen der Einmachzeit die Nachfrage besonders groß ist, so daß die geforderten Mengen vorübergehend einmal die Lagervorräte überstark beanspruchen. Nach Ansicht der Zuckerindustrie und der Importeure dürfte sich die ungewöhnliche Situation in ein bis zwei Wochen wieder normalisiert haben. Die Preisfrage scheint für die Zukunft allerdings noch nicht geklärt zu sein, da auf den amerikanischen Zuckerbörsen die Preise um etwa zehn Prozent angestiegen sind. Trotzdem dürfte nach einer Mitteilung des Bundesernährungs-Ministeriums der Zuckerpreis gehalten werden können. Oder sollte man der Bekundung, daß die Meldungen über eine Erhöhung des Zuckerpreises jeder Grundlage entbehren, ebenso mißtrauisch gegenüberstehen müssen wie den amtlichen Verlautbarungen über den Brot- und Fettpreis, die immer wieder revidiert wurden, bis es dann doch zu Erhöhungen kam. Jedenfalls haben die Verknappung des Zuckers und eine vielleicht eintretende Erhöhung der Zuckerpreise ihre ganz natürlichen Ursachen. Es lassen sich um den Zucker nur bei ganz leichtgläubigen und überängstlichen Gemütern politische Fäden spinnen.
Die sogenannte Fettknappheit existiert in Wirklichkeit nicht. Wenn jedoch jeder das Drei- bis Vierfache des Normalbedarfes kauft und den Vorräten und der Erzeugung entzieht, muß es notwendigerweise zu einer Verknappung kommen. Mit dem Gel, das eine reine Importware ist, liegen die Gründe zu einer Verknappung nicht anders. Hier spielt noch ein anderer Grund hinein. Wenn durch eine Verteuerung der Margarine die Spanne zwischen dem Margarine- und Oelpreis geringer wird, steigt die Nachfrage nach Oel ebenfalls auf ganz natürlichem Wege.
Bei den Bewegungen, die im Augenblick auf den Warenmärkten im Gange sind, darf allerdings nicht unbeachtet bleiben, daß der Krieg in Korea und Vorsichtsmaßnahmen der Westmächte die Rüstungsindustrie veranlassen, wichtige Rohstoffe sicherzustellen. Zu ihnen gehören Zinn, Gummi, Baumwolle, Erdöle, Getreide und andere Dinge. Seit zwei Wochen sind diese Rohstoffe auf Grund der erhöhten Nachfrage preislich in ständiger Aufwärtsbewegung. Naturgemäß muß sich diese Bewegung auch auf die Bundesrepublik auswirken. Mit innerdeutschen Entwicklungen, mit einer falschen Wirtschafts- und Sozialpolitik, mit unserem westdeutschen demokratischen System haben die gegenwärtigen und kommenden Schwankungen aber nichts zu tun. Die Lebensmittelläger sind mit sämtlichen Lebensmitteln so ausreichend gefüllt, daß trotz vereinzelter Verzögerungen kein Grund zur Beunruhigung vorliegt. Die falschen Propheten und Gerüchtemacher, die in letzter Zeit sogar mit anonymen Flugblättern arbeiten, werden bald die Zwecklosigkeit ihrer Bemühungen einsehen müssen, zumal da das Volk hinreichend kennengelernt hat, was hinter einer parteipolitisch aufgezogenen Flüsterpropaganda in Wirklichkeit steckt: ein schlechtes Gewissen und innere Unsicherheit.
Gegen zn teures Brot
Niklas läßt einschreiten
Bonn, 13. Juli. (AP.) Bundesernährungsminister Professor Niklas hat Anweisung an die Preisprüfungsstellen der obersten Länderbehörden gegeben, energisch gegen Brotpreis-Erhöhungen ein zu sch reiten. Wie das Bundespresseamt bekanntgab, sollen Preiserhöhungen strafrechtlich verfolgt werden.
Vor Tisch - anders
Wr. Oberst Ilio war bei jenem Liebesmahl, das Wallenstein seinen Unterführern gab, unzweifelhaft betrunken. Immerhin besaß er als einziger von allen, die damals düpiert werden sollten, noch einen ausreichenden Rest von Klarheit, um den Betrug zu erkennen. „Vor Tisch las man’s anders“, murrte er. Auf seinen Argwohn zu hören, war er allerdings nicht mehr imstande; dafür war sein Zustand bereits zu fortgeschritten. Es sollte sich später als tragisch erweisen.
„Vor Tisch“, nämlich vor der Abstimmung über die Errichtung des Bundessitzes in Bonn, las und hörte man ebenfalls manches anders, insbesondere alles, was sich auf die Kosten der Verlegung der Ministerien von Frankfurt nach Bonn bezog. Hohe und höchstgestellte Persönlichkeiten, die absolut für Bonn waren, machten damals eine Rechnung auf, die sich in Bälde als — sagen wir: äußerst oberflächlich erwies.
In der privaten Wirtschaft ist kein Äufsichtsrat denkbar, der einen Direktor, falls er mit dem Geld der Aktionäre dermaßen umgegangen wäre, auch nur drei Tage geduldet hätte. Nachdem die Millionen der Steuerzahler vertan und nicht mehr zu reffen sind, hat man in Bonn infolge gewisser Anwandlungen zwar einen Untersuchungsausschuß eingesetzt, aber das ist mehr eine kultische Zeremonie. Mag die Untersuchung ergeben, was immer: das verschleuderte Geld bringt keinerlei „Feststellung“ mehr herein.
Einerder stärksten und einflußreichsten Rufer im Streit war, wie erinnerlich, der Bundesfinanzminister Schäffer. Er setzte sich für Bonn mit einem Eifer ein, der suggestiv wirkte. Ihm hafte man weit mehr Glauben zu schenken als jedem anderen; denn er war bekannt als ein Finanzfachmann von hohen Qualitäten. Wann und wo er auch mit überlegener Geste sich für Bonn erklärte und mit Zahlen aufwartefe, da schlug er durch; gegen ihn und seine Argumente vermochten alle Befürworter der Sparsamkeit Und Frankfurts „kein Bein auf die Erde zu bringen“.
Nunmehr jedoch kommt dieser selbe Bundesfinanzminister Schäffer und muß dem Bundesverkehrsminister Seebohm kategorisch erklären, an einen Neubau des Verkehrsminisferiums und der Hauptverwaltung der Bundesbahn in Bonn sei „angesichts der Finanzlage des Bundes" nicht zu denken. Also komme eine Verlegung der Ministerien und Verwaltungsstellen von Frankfurt und Offenbach keinesfalls in Betracht.
„Du mußt es dreimal lesen“, heißt es im „Faust“. „Vor Tisch las man’s ananders“, heißt es im „Wallenstein“. Die Steuerzahler fragen sich: Sind sich die Herren in Bonn bewußt, daß das System der Demokratie steht oder fällt, je nachdem, ob man die offene, blanke und Saubere Wahrheit sagt, — oder ob man sie nicht sagt? Aber das bloße Sagen der Wahrheit drückt den Sachverhalf, um den es geht, nur ungenügend aus. Denn ob man sich an der Spitze der Bundesrepublik um die Wahrheit kümmert oder nicht, das ist es doch wohl, worauf es entscheidend ankommf.
Die Steuerzahler warten einstweilen noch immer darauf, daß an der Spitze der Verantwortlichen in Bonn einer aufsfeht und den Muf aufbringt, um über den Fall Frankfurt—Bonn die Wahrheit zu sagen. So, wie wir die Sachlage beurteilen, würde es allmählich Zeit.
Neuer Oberbefehlshaber
Amerikanisches Hauptqartier, 13. Juli. (AP) Den Oberbefehl über die amerikanischen Landstreitkräfte in Korea hat jetzt Generalleutnant Walton Walker übernommen, der im zweiten Weltkrieg das XX. amerikanische Korps geführt hatte, das im November 1944 Metz eroberte. Er ist der Kommandeur der 8. amerikanischen Armee in Japan, die einen vorgeschobenen Kommandoposten in Korea errichtet hat. Die 8. Armee übernimmt damit die Verantwortung für die Kampfhandlungen, die bisher von den amerikanischen Streitkräften in Korea unter Generalmajor William F. Dean getragen wurde.
Kein Atombomben-Einsatz
Washington, 13. Juli, (dpa) Alle Gerüchte, daß die Vereinigten Staaten bereit sein sollen, den Krieg in Korea mit dem Einsatz der Atombombe zum Abschluß zu bringen, sind von maßgeblichen Stellen in Washington als gegenstandslos zurückgewiesen worden. Trotz der Forderung einiger Kongreßabgeordneter, daß die Vereinigten Staaten im koreanischen Feldzug Atomwaffen anwenden sollten, wird es in Washington für außerordentlich unwahrscheinlich gehalten, daß Amerika zu diesem Mittel greifen werde, wenn es sich nicht ,um einen Kampf um Sein oder Nichtsein in einem dritten Weltkrieg handele. Es wird erklärt, die führenden amerikanischen Militärs würden der kommunistischen Welt außerdem nur äußerst ungern enthüllen, bis zu welchem Grade die Vereinigten Staaten die Atomenergie als taktische Waffe entwickelt hätten.
Achtung der Genfer Konvention
Tokio, 13. Juli. (AP.) Der Sender der noräkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang meldet am' Donnerstag, daß die nordkoreanische Regierung sich einverstanden erklärt habe, die Genfer Konvention über die Behandlung der Kriegsgefangenen zu beachten. Der nordkoreanische Außenminister Pak Hong Yong habe dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, auf dessen Bitte, Kriegsgefangene menschlich zu behandeln, eine entsprechende Mitteilung zugehen lassen.
Zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers ist zwischen der Regierung der Sowjetzone und der tschechoslowakischen Regierung ein Abkommen unterzeichnet wonden.
„Lieber einen guten Robinson“
Das Gesetz gegen jugendgefährdende Schriften vor dem Bundestag
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 13. Juli. Das Gesetz gegen den Vertrieb jugendgefährdender Schriften, das am Donnerstag im Bundestag eingebracht worden ist, soll zum Schutz der heranwachsenden Jugend dienen. Die Praxis dieses Gesetzes ist einfach. Schriften, die nach der Ansicht der Landesprüfstellen geeignet sind, die Jugend sittlich zu gefährden, werden auf eine Liste gesetzt, dürfen damit nicht mehr an Kiosken verkauft, nicht mehr öffentlich aufgelegt und Jugendlichen nur mit dem Einverständnis der Erziehungsberechtigten zugänglich gemacht werden. Eine Bundesprüfstelle soll als Oberinstanz amtieren.
Keine Neuauflage des Weimarer Gesetzes
Innenminister Heinemann, der den Entwurf begründete, legte großen Wert auf die Versicherung, daß dieses Gesetz ke;ne Neuauflage des Schund- und Schmutzgesetzes der Weimarer Zeit sei, da es den Begriff Schund nicht kenne und die in Frage kommenden Schriften nicht diskriminiere, sondern nur auf gleiche Weise für Jugendliche verbieten wolle, wie auch Filme für Jugendliche nicht zugelassen würden. Er sprach davon, daß diese Vorlage überaus zurückhaltend sei, gab aber dennoch zu, daß grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über diese Bestimmungen bestehen könnten.
Billigung und Ueberraschung
Die Debatte zeigte die Wahrheit dieser Voraussage des Ministers. Von der Christlich-Demokratischen Union zwar wurde das Gesetz grundsätzlich gebilligt, andererseits war es eine Ueberraschung, daß die sozialdemokratische Opposition ihm nicht mit Sympathie gegenübertrat. Dabei bezieht sich aber die sozialdemokratische Ablehnung augenscheinlich mehr auf die Methode, als auf die Zielsetzung dieser Vorläge, da die Sozialdemokratische Partei strafrechtlichen Bestimmungen den Vorzug vor einem solchen Gesetz geben möchte. Sie trifft damit den schwachen Punkt dieses Gesetzes, keine klaren Definitionen für den Tatbestand zu enthalten, wie der Kritiker der Sozialdemokraten feststellen konnte, daß nirgends gesagt werde, was unsittlich sei.
Auffallend war es aber, daß sich auch die beiden anderen Koalitionsparteien keineswegs für die Vorlage der Regierung begeistern, während die Deutsche Partei nur einer Selbstkontrolle zuzustimmen bereit zu sein scheint, prägte der Sprecher der Freien Demokraten, ohne eine Mitarbeit an der Beratung dieses Gesetzes abzulehnen, das Wort: „Lieber ein guter Robinson, als ein Schund- und Schmutzgesetz.“ Damit wurde die positive Förderung unterstrichen, der Jugend gute Literatur zu bieten, was auf den meisten Bänken des Hauses für wichtiger gehalten wird, als ein negatives Verbot. (Bei Redaktionsschluß dauerte die Sitzung noch an.)
Achtzigtausend Streunnende
Tübingen, 13. Juli, (dpa) Nach Angaben des Vorsitzenden des Internationalen Bundes für Kultur- und Sozialarbeit, Professor Dr. Steinbach, Tübingen, gibt es zur Zeit 80 000 streunende Jugendliche im Bundesgebiet. Eine Tübinger Studentengruppe, die mit den Hilfsdienstgruppen des Internationalen Bundes für Kultur- und Sozialarbeit in Verbindung steht, beabsichtigt, eine eigene Hilfsdienstgruppe zu bilden, die sich mit der sozialen Not der streunenden Jugend befassen und praktische Abhilfe schaffen soll.
Geschmacklosigkeit in Oberammergau
Bürgermeister Lang versichert energische Abwehr
Drahtbericht unseres Korres p o n d e n t e n
We. München, 13. Juli. Der Oberammergauer Bürgermeister Lang hat am Donnerstag in München vor Pressevertretern über die ^Passionsspiele gesprochen. Lang erklärte, man habe mit insgesamt 250 000 Besuchern gerechnet, doch seien bereits die bisherigen 32 Aufführungen von 108 000 Menschen, davon 41 000 Ausländern, besucht worden. Jedes Spiel sei mit drei- bis achthundert Zuschauern überbesetzt. Es sei einmalig in der Geschichte der Passionsspiele, daß von Anfang an jede Woche vier Aufführungen gespielt wurden. Die physischen Kräfte der Darsteller hätten aber ihre Grenzen, und deswegen werde man erst am Schluß die Einfügung eines fünften Spieles versuchen.
Die Gemeinde sei bestürzt über eine Reihe von Falschmeldungen und Gerüchten der letzten Wochen. Leider sei es nicht ganz möglich, das Geschäftliche vom Spiel zu trennen. Oberammergau setze sich aber mit aller Energie gegen jede Art von Geschäftemacherei im Zeichen der Gewerbefreiheit zur Wehr, die zum Teil mit ganz unglaublichen Geschmacklosigkeiten den Ruf des Dorfes schädigen. „Nehmen Sie unseren Abwehrkampf gegen die Vermischung des Religiösen mit dem Geschäft bitte sehr ernst.“
Zum Spiel selbst sagte Lang, die Gemeinde sei sich darüber im Klaren, daß die Textänderung nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfe. Man versuche wieder zur Einfachheit und Schlichtheit der Menschen früherer Jahrhunderte zurückzukehren. Es sei richtig, daß das Spiel zwischen Kunst und Volkskunst stehe, aber das könne nicht, von einem Jahr auf das andere geändert werden. „Wir warten auf den großen Dichter und tiefen Menschen, der uns eine Passion mit der wunderbaren lutherischen Sprache gibt, die wir haben möchten.“ Würde es zu einer Materialisierung
des Spiels kommen, so müßte man es verloren geben. Auch eine Wiederholung im nächsten Jahr, von der gesprochen werde, würde der Beginn des Abstieges sein. Er könne die Versicherung abgeben, daß das vor dreihundert Jahren gegebene Gelübde wach bleibe.
Der Freispruch für Harlan bleibt
Der Revisionsantrag zurückgezogen
Hamburg,' 13. Juli. (AP.) Der Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht in Hamburg hat am Donnerstag bekanntgegeben, daß der Revisionsantrag zu dem Freispruch des Filmregisseurs Veit Harlan vom 29. April zurückgezogen worden sei.
In der Begründung zu diesem Schritt heißt es: „Das Schwurgericht hat auf Grund der zweiten Hauptverhandlung im Urteil festgestellt, daß der Film ,Jud Süß' ein antisemitischer Hetzfilm und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist und daß Harlan das auch erkannt und gebilligt hat.
Harlan hat daher wissentlich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Er beruft sich jedoch darauf, daß er im Notstände gewesen sei, weil Goebbels ihm mit Gefahren für Leib und Leben gedroht habe. In einer neuen Verhandlung müßte ihm bewiesen werden, daß er nicht aus einem unwiderstehlichen Zwange heraus gehandelt hat.
Jeder Zweifel in der Beweisführung muß zu seinen Gunsten bewertet werden. Nach so langer Zeit wird dieser Beweis, wie die beiden Hauptverhandlungen gezeigt haben, nicht mit letzter Gewißheit geführt werden können, da viele Beweismittel nicht mehr zur Verfügung stehen.“
Remer, der bisherige Beauftragte der Sozialistischen Reidhspartej in Schleswig-Holstein, hat seinen Auftrag an die Parteileitung zurü'dkgegeben.
Kraft: Schäffer soll gehen
Die Koalitionsbedingungen der Vertriebenen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
el. Kiel, 13. Juli. Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten, sowie der aus der Christlich-Demokratischen Union, der Freien Demokratischen Partei und der Deutschen Partei bestehende Deutsche Wahlblock haben am Mittwoch in Kiel Konferenzen abgehalten, in deren Mittelpunkt die Möglichkeiten einer Regierungsbildung in Schleswig-Holstein standen.
Der Deutsche Wahlblock teilte nach der Beendigung seiner Beratungen mit, daß er Anspruch auf die Regierungsbildung erhebe und im neuen Landtag eine gemeinsame Fraktion bilden werde. Diese Fraktion wird mit ihren 31 Abgeordneten die stärkste sein. Zum Fraktionsvorsitzenden wurde der Siegeberger Landrat Dr. Pagel gewählt, der vor den Landtagswahlen mehrfach als aussichtsreichster Bewerber der Christlich-Demokratischen Union für den Posten des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten genannt worden war.
Waldemar Kraft, der Vorsitzende des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten, erklärte auf einer Pressebesprechung vor seiner Abreise nach Bonn, er halte es für bedenklich, eine Koalitionsregierung mit der Sozialdemokratischen Partei zu bilden, da die wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse im Landtag unbedingt notwendige Unterstützung einer solchen Zweiparteienregierung durch den Südschleswigschen Wählerverband ein zu erheblicher Unsicherheitsfaktor sei. Seine Unterredung mit deni Ministerpräsidenten
Diekmann am Montag habe ein sozialdemokratisches Koalitionsangebot ergeben, da Diekmann der festen Ueberzeugung sei, daß sich die südschleswigsche Minderheitenpartei wohlwollend neutral verhalten werde.
Mit dem Deutschen Wahlblock seien noch keine Besprechungen geführt worden. Unter der Voraussetzung, daß die Parteien der Bonner Koalition dem Bundesfinanzminister Schäffer ihr Vertrauen entzögen, sei der Block der Heimatvertriebenen zu Verhandlungen mit dem Deutschen Wahlblock bereit, da er ohne dogmatische Vorurteile an die politische Arbeit gehen wolle. Das bedeute jedoch keine Absage an die Sozialdemokraten, sondern lediglich die Ablehnung jeder Mehrheitsregierung. Audi nach der Wahl wünsche der Flüchtlingsblock mit allen Parteien des Landtags die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit zu erörtern. Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten werde in jeder Regierung, gleichgültig wie sie sich zusammensetze, das soziale Gewissen darstellen.
Wie das „Hamburger Abendblatt“ am Donnerstag aus Uelzen (Niedersachsen) meldet, soll Kraft sich dieser Tage mit dem früheren niedersächsischen Landwirtschaftsminister Dr. Gereke getroffen haben, der seine Politik den Flüchtlingen zuzuwenden beginne. Dr. Gereke selbst hat am Mittwoch alle Vermutungen, daß er sich einer der bestehenden Parteien annähern wolle, dementiert.
Auch Mitläufer künftig wählbar
Ein Gesetz zum Abschluß der Säuberung in Bayern
Drahtbericht unseres Korrespondenten
We. München, 13. Juli. Der Bayerische Landtag hat am Donnerstag mit allen gegen drei Stimmen das Gesetz zum Abschluß der politischen Befreiung verabschiedet.
Durch das Gesetz werden zwei Aenderungen im Landeswahlgesetz erforderlich Auch Mitläufer sind künftig grundsätzlich wählbar. Nach einer neuen Bestimmung verliert ein Abgeordneter seine Wählbarkeit auch dann, wenn er die freiheitliche demokratische Grundordnung bekämpft.
Der Abgeordnete Haußleiter lehnte für die Deutsche Gemeinschaft in einer der Presse übergebenen Erklärung das Gesetz ab. Die Deutsche Gemeinschaft werde mit Schärfe für die endgültige Beseitigung des
Zweiklassenstaates eintreten und sich insbesondere dafür einsetzen, daß an Stelle des Spieles mit vergangenen politischen Kategorien wieder die politische Leistung gesetzt werde.
Gegen Gewerbefreiheit
Berlin, 13. Juli, (dpa) Auf der Hauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Apotheker Deutschlands ist in Berlin betont worden, daß sich bereits über neunzig Prozent aller approbierten Apotheker für das beschränkte Niederlassungsrecht und gegen eine unbeschränkte Gewerbefreiheit ausgesprochen hätten. Dieses Ergebnis könne von den Bundesbehörden nicht übersehen werden. Außerdem bittet die Arbeitsgemeinschaft der Apotheker das Bundesinnenministerium und die zuständigen Ländermmisterien in einem einstimmig angenommenen Antrag, in allen Ländern des Bundesgebietes Apothekerkammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts mit einer Berufsgerichtsbarkeit zu schaffen.
Ahbmontiert
Berlin, 13. Juli. (AP.) In den frühen Morgenstunden des Donnerstag ist das in Berlin Unter den Linden (sowjetischer Sektor?, stehende Denkmal Friedrichs des Großen abmontiert worden. Ein am Vortage bereitgestellter Kran hob das Reiterstandbild von seinem Sockel. Nach Erklärungen des Ostmagistrates soll das Denkmal in Potsdam wieder aufgestellt werden.
Säuberung der Oberschulen
Berlin, 13. Juli. (AP.) Die Oberschulen des Sowjetsektors sollen nach einem Bericht der Schulbehörde des Berliner Ostsektors mit der „gesellschaftlichen Entwicklung“ nicht Schritt gehalten haben. Eine sorgfältige Ueberprüfung aller Ost-Berliner Oberschulen haben das „niederschmetternde“ Ergebnis gezeitigt, daß sie in einem „gefährlichen Objektivismus erstarrt“ seien. Um dem abzuhelfen, müßten alle Maßnahmen getroffen werden, die geeignet seien, die Bewußtseinsbildung an den Oberschulen entscheidend zu verändern. Als Folge dieser „rückläufigen Entwicklung“ sei ein höherer Prozentsatz der Schüler nicht in die nächsthöhere Klasse versetzt worden.
Altmeter: Sicherheitsmaknahmen im Rheingebiet
Koblenz, 13- Juli, (dpa) Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Altmeier, hat im Landtag erklärt, die alliierten Sicherheitsmaßnahmen im Rheingebiet seien notwendig. Die Alliierten müßten sich gegen den Osten schützen, und dieser Schutz komme auch Deutschland zugute. Man habe diese Sicherheitsmaßnahmen, die nicht nur im Rheingebiet getroffen worden seien, nicht verhindern können und sei auch nicht dafür verantwortlich gewesen.
Altmeier wandte sich gegen die Erklärung der Kommunisten, sie hätten eine Friedenskundgebung an der Lorelei nur veranstalten wollen, um gegen die geplante Sprengung des Felsens und die dadurch entstehende Ueberschwemmungsgefahr zu protestieren. Altmeier sagte: „Das ist blanker Unsinn.“ Die Friedensschalmeien aus der sowjetischen Zone seien ausgemachter Volksbetrug. Im Westen denke kein Mensch an Krieg, aber es sei notwendig, daß Europa zusammenstehe, um sich gegen die bolschewistische Gefahr aus dem Osten zu schützen.
Mehr französische Flugzenge
Die erste Sitzung des Kabinetts Pleven
Paris, 13. Juli, (dpa) Auf ihrer ersten Sitzung am Donnerstag hat die neue französische Regierung einen Fünfjahresplan für den Ausbau der französischen Luftstreitkräfte beschlossen. Nach diesem Plan, der bereits der Nationalversammlung vorliegt, sollen die französischen Luftstreitkräfte in fünf Jahren über 3650 Flugzeuge, darunter 1800 Düsenjäger, verfügen.
Schlangen von Freiwilligen
Paris, 13. Juli, (dpa) Von Boston bis nach Los Angeles stehen vor den amerikanischen Rekrutierungsbüros dichte Menschenschlangen. Die Zahl der Meldungen soll sich im ersten Julidrittel gegenüber der Zahl des Juni verzehnfacht haben. Es wird berichtet, der amerikanischen Oeffentlichkeit habe sich eine Art kalten Zorns wegen Korea bemächtigt. Besonders die bestialische Ermordung amerikanischer Gefangener durch die Nordkoreaner habe ein nachhaltiges Echo gefunden. Trotz der sich häufenden schlechten Nachrichten vom koreanischen Kriegsschauplatz bleibe die amerikanische Oeffentlichkeit zuversichtlich und entschlossen.
Stimmen der Anderen
Mindestens ein Monat
Das „Journ al de Geneve“ schreibt:
„Wenn die Verein gten Staaten in Korea siegen wollen, dann müssen sie ein richtiges Expeditionskorps aufstellen und sich zu einem wirklichen Feldzug entschließen. Bei einem theoretischen Vergleich der beiderseit’gen Streitkräfte kann über den Ausgang des Konfliktes kein Zweifel bestehen, jedoch muß man sich die Schwierigkeiten nüchtern vor Augen halten. Es wurde festgestellt, daß die Entsendung und die Unterhaltung von zehn Divisionen in Asien den gleichen Aufwand erfordern wie hundert Divis'onen in Europa. Wenn die Amerikaner’ einen schnellen Krieg führen wollen, müssen sie mindestens über drei Divisionen verfügen, was eine Anlaufzeit von wenigstens einem Monat erfordert. Sollten sich die Amerikaner jetzt zurückziehen, so werden sie zu einer umfangreichen Landungsoperation schreiten müssen, um den verlorenen Boden wieder zurückzuerobern.“
Die „National-Zeitung“ schreibt:
„In London verstärkt sich zusehends die Ueberzeugung, daß die Sowjetregierung den koreanischen Krieg dazu benutzen möchte, um die alliierten Kräfte nach der strategisch so ungünstigen Halbinsel zu ziehen. Gromyko hat die neue These aufgestellt, nach der der bewaffnete Angriff im Interesse nationaler Einigung gerechtfertigt sei. Dies läßt die Schlußfolgerung zu, daß im Namen nationaler Einigung und demokratischer Rechte, wie sie von Rußland verstanden werden, nun auch andere Probleme im kommunistischen Sinne gelöst werden könnten, zum Beispiel ein Angriff aus Sowjet-Aserbeidschan nach dem Iran, aus Bulgarisch-Mazedonien gegen Griechenland oder Jugoslawien, vor allem aber aus der Sowjetzone gegen Westdeutschland. Alle diese Möglichkeiten, vor allem die letzte, werden in London sehr ernst genommen. Zwar sieht man in der Volkspolizei noch keine unmittelbare Bedrohung, aber doch die Vorbereitung einer Streitmacht analog zum Aufbau der nordkoreanischen Armee.“
Die nene Bewegung
Zu den Wahlergebnissen in Schleswig-Holstein schreibt die „Times“:
„Der Deutsche Wahlblock hat die Vorherrschaft der Sozialdemokratie gebrochen. Aber es ist bezeichnend, daß es ihm nicht gelungen ist, eine Mehrheit zu gewinnen. Ein weiteres typisches Zeichen der Wahlen ist die völlige Ausschaltung der extremen Parteien. Vizekanzler Blücher hat in Bonn erklärt, daß er wenig Zweck in einer politischen Organisation der Flüchtlinge sehe. Hilfsmaßnahmen für sie seien hauptsächlich eine Aufgabe des Bundes. Diese Ansicht grenzt an Selbstgefälligkeit. Ein Zusammenschluß der Flüchtlinge in der Bundesrepublik zu einer politischen Partei würde weitgehende politische Bedeutung haben. Beiden Wahlen in Niedersachsen, die noch in diesem Jahr stattfinden, wird es sich zeigen, ob der Wahlerfolg der Flüchtlinge in Schles.- wig-Holstein nur eine vorübergehende Bedeutung hat oder ob diese neue Bewegung sich halten wird.“
Panik
In der „Neuen Zürcher Zeitung* lesen wir:
„Die Ankunft der ersten amerikanische* Truppen trug wesentlich zur Hebung dec Stimmung bei den Südkoreanern bei, die begeistert den jungen blonden Soldaten zujubelten, die in voller Kriegsausrüstung den. aus Pusan kommenden Zug entstiegen. Diese Ermunterung war um so notwendiger, als sowohl die einheimischen Soldaten wie auch die Zivilbevölkerung den Gerüchten über eine überlegene Ausrüstung des Gegners Glauben schenkten. Die vor kaum zwei Jahren geschaffene Armee hatte nur geringe Kenntnisse von dem modernen Kriegsmaterial, und es scheint, daß die russischen Panzerwagen auf die Soldaten eine ähnliche psychologische Wirkung ausübten wie seinerzeit Hannibals Elefanten auf die römischen Legionäre. Sobald diese Ungeheuer heranrollten, wurden ganze Einheiten von einem derartigen Schrecken ergriffen, daß sie ihre Waffen liegen ließen und entsetzt davonliefen, ohne den Versuch zu machen, den Feind aufzuhalten.“
Ein einziger Mann...
Das dänische Regierungsorgan „Socialdemokraten“ schreibt zu dem britisch-russischen Kontakt:
„Fest steht, daß die demokratischen Mächte unmöglich daran denken können, in ihren Prinzipien nachzugeben. Sie werden sich ganz unbeugsam an die Grundsätze halten, nämlich an die Verurteilung jeden Angriffs und an die unbestreitbare Pflicht, Aggressionen entgegenzutreten. Der norwegische Ministerpräsident Gerhardsen hat erklärt: Es gibt heute ein Land und einen Mann in der Welt, die den Krieg in Korea beenden können. Das Land ist die Sowjetunion, und der Mann ist Stalin. Ein Wort von ihm, und in derselben Stunde würde der Krieg zu Ende sein. Niemand braucht daran zu zweifeln.“
Die Frage der Zinsen
Die Entscheidung wird erwartet
F. A. Z. Frankfurt, 13. Juli. Am Donnerstag ist die zweitägige Routinesitzung des Zentralbankrates in Frankfurt zu Ende gegangen. Wie dazu verlautet, wurden keine besonderen Beschlüsse gefaßt. Vielmehr stand der Zentralbankrat ganz unter dem Eindruck der noch in Bonn liegenden unerledigten Entscheidung über die künftige Zinspolitik. Die Bank deutscher Länder glaubt, daß sich das Kabinett am Freitag mit der Zinsfrage endgültig beschäftigen wird. Erst dann werden wohl für den Zentralbankrat die Wege geebnet sein, damit auch er entsprechende Maßnahmen ergreift.
Bürohäuser werden frei
Amerikaner geben beschlagnahmte Gebäude in Frankfurt zurück
Frankfurt, 13. Juli, (dpa) Die amerikanischen Besatzungsbehörden haben sich in Verhandlungen mit der Frankfurter Stadtverwaltung bereit erklärt, eine Reihe großer, bisher beschlagnahmter Bürohäuser freizugeben.
Im einzelnen handelt es sich dabei um die Pädagogische Akademie, in der gegenwärtig die Abwicklungsstellen der JEIA untergebracht sind, und die in absehbarer Zeit Radio Frankfurt zur Verfügung gestellt werden soll. Ferner um das Allianz-Gebäude, das bisher von der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) benutzt wurde, und nun an die Allianz-Versicherung zurückgegeben wird. Ueberflüssige Räume sollen für Behörden und Privatfirmen bereitgestellt werden. Auch das Lurgi-Haus, das seit Jahren der Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und später dem Bundesemährungsministerium diente, wird sofort frei und damit wieder für die Lurgi-Apparatebau GmbH benutzbar. Weiterhin wird die. bisher von amerikanischen Dienststellen belegte Holzhausenschule wieder ihrer Bestimmung zurückgegeben.
Begründet wird die Freigabe damit, daß, nachdem Frankfurt nicht Bundeshauptstadt werden konnte, alle nur möglichen Maßnahmen zur Förderung des industriellen und kommerziellen Potentials der Stadt getroffen werden sollen. Als Ersatz für die freigegebenen Gebäudekomplexe will das amerikanische Oberkommissariat nunmehr auf dem Gelände neben dem IG-Hochhaus ein vorläufiges großes Bürohaus bauen. Es soll bei einer Nutzfläche von etwa zehntausend Quadratmeter dem Stil des IG-Hochhauses angepaßt werden und bis zum Winter fertig sein. Die Baukosten, die auf eine Million DM veranschlagt wurden, sollen zu je einem Viertel von der Metallgesellschaft und der Allianz-Versicherung und der Rest von der Frankfurter Stadtsparkasse aufgebracht wererJ’ Treuhänder für die drei deutschen Geldgeber dient die Frankfurter Aufbau AG.
Ueber sechshundert Büroxräume
In Kassel steht ein Gebäude leer
Kassel, 13. Juli, (dpa) Das zur Zeit größte bundeseigene Verwaltungsgebäude, das ehemalige Generalkommando in Kassel, wird in Kürze von der Stadtverwaltung geräumt sein und leerstehen. In der Oeffentlichkeit versteht man nicht, daß der Bund Millionenbeträge ausgibt, wenn er die Chance hat, in Kassel Bundesbehörden im großen Stil unterzubringen. Der Stadt Kassel macht man den Vorwurf, daß die Bundesregierung nicht hinreichend über die Verwendungsmöglichkeiten und die Größe des Gebäudes unterrichtet worden sei.
Das ehemalige Generalkommando enthält in fünf Geschossen über 600 Büroräume. die sämtlich mit Zentralheizung, Wandtresoren sowie Telefonanschlüssen versehen sind. Insgesamt stehen sieben Säle zur Verfügung. Das Gebäude, nach den modernsten Gesichtspunkten errichtet, verfügt weiterhin über vier Paternoster und Aufzüge, eine moderne Großküchenanlage sowie über eine eigene Telefonzentrale. Zur Zeit wird es als Stadtkrankenhaus provisorisch verwendet. Der Wiederaufbau des eigentlichen Stadtkrankenhauses ist soweit vorgeschritten, daß mit der Zurückverlegung in Kürze begonnen wird.
Wieder Liga für Menscheurechte
Sie will den Fall Engler aufgreifen
F. A. Z. Frankfurt, 13. Juli. Auf einer Pressekonferenz ist bekanntgegeben worden, daß sich eine neue „Internationale Liga für Menschenrechte und geistige Freiheit“ für das Bundesgebiet mit dem Sitz in Frankfurt konstituiert hat. Erster Vorsitzender der Liga ist der Jounalist Ewald Zweig. Zweig erklärte, die Internationale Liga sei nach wie vor notwendig, um den Einzelmenschen gegen den Staat zu schützen. Das oberste Ziel der neuen Liga sei der gesetzgeberische und gerichtliche Schutz des Individuums vor der Staatsallmacht und der Willkür.
Als ersten konkreten Fall, den die neue Liga aufrollen wolle, nannte Zweig den Fall des entlassenen hessischen 'Ministerialrats Engler. Ein Rechtsanwalt der Liga wird Engler bei seinem Prozeß vertreten, da die Liga zu dem Schluß gekommen sei, daß er im Recht und der hessische Staat im Unrecht sei.
Wenig Aussicht auf Grfolg
Die Einsprüche gegen die Volksabstimmung
Wiesbaden, 13. Juli, (dpa) Die von verschiedenen Oppositionsparteien angekündigte Anfechtung des Ergebnisses der Volksabstimmung am vergangenen Sonntag habe wenig Aussicht auf Erfolg, erklärte am Donnerstag der hessische Landeswahlleiter, Ministerialrat Dr. Hans Mayer. Die Oppositionsgruppen begründen ihren Einspruch mit der Behauptung, daß der Aushang des Regierungsaufrufes in verschiedenen Wahllokalen eine „unzulässige Beeinflussung der Wähler“ gewesen sei.
Mayer sagte, es werde den Klägern schwer fallen, nachzuweisen, daß durch den irrtümlichen Aushang des Aufrufes mit der Aufforderung zum „Ja“ das Abstimmungsergebnis beeinflußt worden sei. Die Verantwortung für das Vorhandensein der Plakate liege bei den einzelnen Wahlvorständen, die die Regierungsrichtlinien über die Durchführung der Volksabstimmung nicht richtig befolgt hätten. Die Landeswahlleitung habe sofort nach Bekanntwerden dieses Tatbestandes verfügt, daß die Plakate entfernt werden müssen.
„Hört ihr die Trompete blasen“
Kassel, 13. Juli, (dpa) Die erste Strafkammer des Landgerichts Kassel verurteilte am Mittwoch den landwirtschaftlichen Arbeiter Heinrich Dilcher aus Burguffeln (Kreis Hofgeismar) wegen vorsätzlicher Brandstiftung in drei Fällen unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr acht Monaten Gefängnis. Der Angeklagte, der für seine Taten nur beschränkt verantwortlich ist, hatte in den Jahren 1949 und 1950 landwirtschaftliche Objekte im Gesamtwert von 80 000 DM in Flammen aufgehen lassen, um zu beweisen, daß er vorschriftsmäßige Signale auf seiner Trompete blasen könne.
Vertrauen für Pleven
Paris, 13. Juli, (dpa) Die neugebildete französische Regierung Pleven hat am Donnerstag in der Nationalversammlung mit 335 gegen 226 Stimmen ein Vertrauensvotum erhalten. Die Regierung hatte gefordert, alle Anträge auf eine allgemeine Aussprache über ihre Politik zurückzuweisen und diese Forderung zur Vertrauensfrage gemacht.
Nachrichtensperre
Washington, 13. Juli, (dpa) Der amerikanische Verteidigungsminister Johnson hat die amerikanischen Land-, Luft- und Seestreitkräfte am Donnerstag angewiesen, keine Nachrichten über Schiffs- und Truppenbewegungen sowie Materialverschiffungen nach dem koreanischen Kriegsschauplatz mehr zu veröffentlichen.
20 000 Mann einberufen
Washington, 13. Juli, (dpa) Die amerikanischen Militärbehörden haben die Einberufung von 20 000 Mann für die Landstreitkräfte angeordnet. Die Einberufenen sollen sich so schnell wie möglich und spätestens bis zum 30. September stellen Generalmajor Hershey, der Chef des Rekrutierungsamtes, erklärte, wenn nötig, könnten innerhalb von drei Monaten 300 000 Mann gestellt werden.
Eine Milliarde Dollar für Korea
Washington, 13. Juli, (dpa) Das amerikanische Verteidigungsministerium wird den Kongreß in der nächsten Woche um Bewilligung von mindestens einer Milliarde Dollar zur Deckung der Unkosten des Koreafeldzuges ersuchen.
Präsident Truman hat den Kongreß am Donnerstag um die Bewilligung von 89 Millionen Dollar für die Ausführung eines „Feldzuges der Wahrheit“ gegen den Kommunismus gefordert.
Beschleunigte Waffenlieferung
■Kopenhagen, 13- Juli (AP). Das nordatlantische militärische Produktions- und Versorgungsamt hat am Donnerstag beschlossen, infolge des Ausbruchs der Feindseligkeiten in Korea die Lieferung und Produktion von Waffen in Westeuropa zu beschleunigen. Dieser Beschluß wurde nach Beendigung einer zweitägigen Geheimsitzung des Amtes in Kopenhagen in einem Kommunique bekanntgegeben.
Flughafensiedlung Frankfurt
Ent viuHjiuiigrii crbVviat Frankfurt, 13. Juli, (dpa) Die ersten von den 224 Wohnungen der amerikanischen Siedlung am Rhein-Main-Flughafen wurden jetzt fertiggestellt. Sie sind für amerikanisches Flugpersonal bestimmt und mit allem Komfort, wie elektrischer Herd, Eisschrank, eingebauten Schränken, Dachgarten usw. ausgestattet.
Hessische Kurznachrichten
Der dritte Transport von Flüchtlingen aus Schleswig-Holstein, die im Zuge der Umsiedlungsaktion nach Hessen kommen, wird am Mittwoch der kommenden Woche im Zonenlager Gießen erwartet. Die 314 Flüchtlinge dieses Transportes kommen aus dem Kreis Eutin. 130 sollen in den Regierungsbezirk Kassel, der beim zweiten Transport keine Flüchtlinge erhielt, 110 in den Regierungsbezirk Wiesbaden und 84 in den Regierungsbezirk Darmstadt eingewiesen werden.
Die Musikinstrumentenbau-GmbH. Amati in Eschwege, die zu 90 Prozent für den Export arbeitet, wird auf der Weltausstellung, die vom 7. bis 20. August in Chicago stattfindet, ihre Erzeugnisse zeigen. Bei der Firma handelt es sich um ein altes sudetendeutsches Unternehmen, das nach der Ausweisung auf dem ehemaligen Flugplatzgelände Eschwege eine neue Heimatstätte fand. *
Die, sudetendeutschen Gruppen in den Landesverbänden der Heimatvertriebenen von Hessen, Nordbaden und Württemberg haben am Donnerstag in einer Veröffentlichung Bundesregierung und Bundestag aufgefordert, gegen die willkürliche Preisgabe unveräußerlicher Heimatrechte im „Prager Vertrag“ zu protestieren und „als einzig rechtmäßig gewählte Vertretung des deutschen Volkes“ alle in dem Vertrag getroffenen Abmachungen und Feststellungen für nichtig zu erklären. Die Sudetendeutschen bezeichnen in der Stellungnahme ihre Ausweisung aus der Heimat als eine „allen Rechtssätzen des Menschen- und Völkerrechts entgegenstehende gewaltsame Austreibung“.
Die aus 10 Hochschulprofessoren bestehende Mediziner-Mission der amerikanischen Unitarian Church, die unter Führung von Prof. Dr. Erwin W. Straus (Lexington, Kentucky) gegenwärtig in Marburg weilt, hat im Rahmen ihres fast vierwöchigen Aufenthaltes enge Verbindung mit den Professoren und Studenten der Marburger Universität aufgenommen. Die Mediziner hielten Vorlesungen auf ihren Spezialgebieten, insbesondere der Narkose. Ferner nahmen sie eine schwierige und seltene Aortaoperation in einer Marburger Klinik vor. Die Mission reist am Samstag nach Berlin weiter. Sie wird sich ferner in Frankfurt, Tübingen und Hamburg je eine Woche lang aufhalten.
Deutsche Exportkohle wird billiger
Ein Beschluß der Ruhrbehörde
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Hd. Düsseldorf, 13. Juli. Die Internationale Ruhrbehörde in Düsseldorf hat am Donnerstagabend beschlossen, die Differenz zwischen dem Inlandspreis und dem Exportpreis der Ruhrkohle, die sich seit dem 1. April 1950 auf rund 5,50 Mark je Tonne beläuft, um zwanzig Prozent zu senken. Das bedeutet, daß der Exportpreis je Tonne um etwa 1,10 Mark im Durchschnitt auf rund 37,20 Mark je Tonne herabgesetzt wird.
Die deutsche Delegation hatte sich zu der zwanzigprozentigen Senkung der Preisdifferenz bereit erklärt. Als Ausgleich für dieses deutsche Entgegenkommen beschloß der Rat der Ruhrbehörde weiter, zur Sicherung eines angemessenen Gleichgewichts zwischen der den Ruhrkohlenzechen auferlegten Verpflichtung, Kohle für den Export zur Verfügung zu stellen, und der Gewißheit eines stabilen Absatzmarktes in Zukunft als Mindestzuteilungen nur diejenigen Ruhrkohlenmengen den Importländern zuzuteilen, zu deren Abnahme eine bindende Verpflichtung eingegangen wird.
Damit sind im großen und ganzen die deutschen Vorschläge akzeptiert worden. Der Rat der Ruhrbehörde bezeichnete es allerdings in einem Kommunique als Ziel, allen Verbrauchern von Ruhrkohle die gleichen Abnehmerbedingungen zu gewähren. Der jetzige Beschluß wird also nur als eine Etappe auf diesem Wege betrachtet.
Der Beschluß der Ruhrbehörde wurde von allen Ratsmitgliedern (Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien, Luxemburg) unter Stimmenthaltung der englischen Delegation angenommen. Die Engländer haben bereits seit je eine besondere Stellung zum Ruhrkohlenexportpreis eingenommen. Sie befürchten, daß die Ruhrkohle eines Tages eine scharfe Konkurrenz für die englische • Exportkohle darstelle, wenn der Preis zwangsweise auf den Inlandspreis herabgesetzt wird, der zur Zeit noch beachtlich unter dem Weltmarktpreis Hegt.
Die Oberkommissare beraten den Londoner Fragebogen
Bonn, 13. Juli, (dpa) Die Oberkommissare haben in ihrer Donnerstagsitzung ihre Experten angewiesen, die Antwort zu den Fragebogen des Londoner Studienausschusses vorzubereiten. Der Rat der Oberkommission wird dann diese Empfehlungen in einem gemeinsamen Bericht verarbeiten und der Studiengruppe zur Revision des Besatzungsstatuts in London übermitteln. Es wird damit gerechnet, daß dieser Bericht nicht vor Ende Juli nach London gesandt werden kann.
Die Oberkommission hat ferner ihren Gesetzesausschuß beauftragt, bis zum Donnerstag nächster Woche ein eigenes Gesetz über die Auflösung der UFA auszuarbeiten. Die UFA steht zur Zeit unter alliierter Treuhandschaft. Bis ein entsprechendes deutsches Gesetz endgültig verabschiedet und durch die Oberkommission gebilligt ist — was erst nach Ende der Parlamentsferien erwartet wird — soll das alliierte Gesetz in Kraft sein.
Nach Rücksprache mit der Bundesregierung haben die Oberkommissare das neue Statut des Deutschen Turnerbundes an den politischen Ausschuß überwiesen.
Die Oberkommissare besprachen außerdem Maßnahmen, die gegen die kommunistische Presse eingeleitet werden könnten.
Kredit für die Bundesbahn
Bonn, 13. Juli, (dpa) Der Bundestag hat am Donnerstag einstimmig beschlossen, daß die Bundesbahn und die Südwestdeutschen Eisenbahnen aus dem zweiten Arbeitsbeschaffungsprogramm einen Kredit von 16,2 Millionen Mark erhalten sollen. Davon sollen 9,8 Millionen für Aufträge an die Waggonindustrie und 6,4 Millibnen für Aufträge an die Lokomotiv-Industrie zusätzlich über die bereits erteilten Aufträge für das Jahr 1950 hinaus verwandt werden. Außerdem soll die Bundesregierung einen ausreichenden Betrag zur Sicherung des Anschluß-Programms für das Jahr 1951 zur Verfügung stellen.
Bei zehn Arbeitnehmern ein Betriebsrat
We. München, 13. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Mit nur einer Stimme Mehrheit ist am Donnerstag im Bayerischen Landtag während der zweiten Lesung des Betriebsrätegesetzes gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und eine Minderheit der Christlioh-Sozialen Union die Errichtung von Betriebsräten in allen Betrieben mit mindestens zehn wäTnlbaren Arbeitnehmern beschlossen worden. Nach eineinhalbstündiger Unterbrechung gab darauf das Haus einem sozialdemokratischen Antrag auf Rücküberweisung des Gesetzes an den interfraktionellen Ausschuß und Vertagung der Verabschiedung im Plenum statt.
Vorwiegend heiter
Die Wetterlage gestaltet sich zur Zeit etwas um. Die letzten Tage brachten durch aus Westen kommende Störungen eine wechselhafte Witterung. Jetzt werden die Tiefdruckgebiete bereits über England nach Nordosten gelenkt. Sie können uns nur noch streifen und einzelne Gewitter bringen. Aussichten bis Samstag: Im ganzen freundliches Wetter. Mindestens teilweise heiter. Einzelne Gewitter vorwiegend an den Nachmittagen. Mittagstemperaturen wieder über 25 Grad.
Der Rundfunk am Freitag
Radio Frankfurt: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert: 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Muslik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Klavier- und Violinmusik; 17.00 Froh und heiter; 17.40 „Man spricht von ..18.30 Konzert für die Jugend; 20.00 So ein Zufall; 20.45 Französische Chansons; 21.15 Die Frau von Potdphar; 22.15 Frankfurter Komponisten; 23.15 Swing-Cocktail. Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Froh und heiter; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 Symphoniekonzert; 22.00 Melodien von Franz Grothe und Theo Mackeben; 22.45 Dreißig Minuten Kleinkunst; 23.15 Tanzmusik. Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musik zur Teestunde; 16.30 Klaviermusik; 17.15 Das Schlager-Intermezzo; 1830 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Johann Sebastian Bach zum 200. Todestag; 20.45 „Peter Cornelius“; 21.30 Volksmusik und Chorgesang; 23.00 Unterm Lampenschirm; 23.15 Musik zur Nacht. NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause: 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Musikalisches Kunterbunt; 15.40 Musikalische Kleinigkeiten: 16.50 Klaviermusik; 18.00 Musiik zum Feierabend; 18.30 Das Große Hamburger Rundfunkorchester; 20.00 Opernkonzert; 22.15 Moderne Musik; 0.05 Berlin am Mikrofon.
Ende der Spielzeit 1949/50
Die Aufführung der Oper „Othello“ am Sonntag, dem 16. Juli, um 14.30 Uhr im Orangeriehaus ist die letzte Vorstellung der Spielzeit 1949/50. Trotz des dreimonatigen Ausfalles des Orangeriehauses hat das Landestheater seine Abonnementsverpflichtungen voll erfüllt.
Mit Ende der Spielzeit scheiden aus dem Verbände des Landestheaters aus: der Spielleiter der Oper Heinrich Altmann, der Oberspielleiter des Schauspiels Helmut Kollek, Chordirektor Wolfgang Perschmann, Kapellmeister Herbert Fries, Repetitor Kurt Hinze; vom Ensemble der Oper: Rosemarie Grahn, Micaela Panajott, Ilse Winhold, Jakob Gerhardt; vom Schauspiel: Erica Beer, Trude Moos, Horst-Michael Neutze; von der Tanzgruppe: Elinor Ehinger, Inge Strauß, Hildegard Kunz und Helmut Semmler.
Nachdem die meisten Bühnen des Bundesgebietes ihr Programm für die neue Saison bereits veröffentlicht haben, gibt nunmehr auch das Landestheater einen Teil seiner Pläne für 1950/51 bekannt. Die Spielzeit beginnt am 16. September mit einer Neuinszenierung von „Maß für Maß“ von William Shakespeare. Am 17. September folgt die erste Opernpremiere: „Tannhäuser“ von Richard Wagner. Die Oper bringt als nächste Werke: „Fra Diavolo" von Auber und Verdis „Troubadour“. Im Schauspiel folgt Schillers „Don Carlos“ und „Das Gewitter“ von Ostrowski.
Für die Spielzeit 1950/51 wurden neu verpflichtet: Curt Haug als Spielleiter der Oper vom Theater der Stadt Göttingen, Paul Cadow als Chordirektor vom Staatstheater Kassel, Paul Zelter als Solorepetitor von Hamburg, Dita Dreesen als erste Operettensängerin vom Staatstheater Oldenburg, Petra Böser als Altistin von der Staatsoper Berlin, Ferdi Küppers als Buffo für Oper und Onerette. Für das Schauspiel wurden verpflichtet: Rosemarie Kilian, Ilse Bartram, Johann Kraus als jugendlicher Held und Liebhaber. Für die Tanzgruppe: Annedore Schröder, Gisela Jaquet und Joachim Leipziger.
Wie das Landestheater weiter mitteilt, wird es erst Mitte August zusammen mit der Werbung für die Platzmiete seine weiteren Pläne für die kommende Spielzeit bekanntgeben. Die bisherigen Mieter haben bis zum 20. August Gelegenheit, ihre Miete bei der Mietkasse des Landestheaters, die über die Ferienzeit geöffnet bleibt, zu erneuern.
„Ströher-Preis“ entschieden
Gestern nachmittag entschied die Jury über das beste der zum „Ströher-Preis“ eingesandten Werke. Der erste Preis wurde Gerhard Fietz, Stuttgart, zugesprochen.
Am „Ströher-Preis“ haben sich folgende Künstler beteiligt: Max Ackermann, Hom über Radolfzell; Alfred Arndt, Darmstadt; Hubert Berke, Alfter bei Bonn; Rolf Cavael, Garmisch; Alfred Eichhorn, Stuttgart; W. Faßbänder, Bornheim bei Bonn; Gerhard Fietz, Stuttgart; Wolfgang Frankenstein, Berlin; Erich Fuchs, Stuttgart; Rupprecht Geiger, München; Willi Hempel, München; Hanns Hoffmann-Lederer, Darmstadt; Mila Hoffmann-Lederer, Darmstadt; Gerhard Kadow, Krefeld; Juro Kubicek, Berlin (außer Wettbewerb, da verspätet eingetroffen); Hans Kuhn, Berlin; Emst Wilhelm Nay, Hochheim (Taunus); Alexander Rath, Kattenhorn; Otto Ritschl, Wiesbaden; Hildegard Schill, Emmendingen; Hans Thiemann, Berlin; Hann Trier, Bornheim bei Bonn; Heinz Trökes, Berlin; Fritz Winter, Diessen (Ammersee); Otto Greis, Bad-Soden (Taunus).
Die Jury setzte sich aus folgenden Herren zusammen: Professor Willi Baumeister, Stuttgart; Dr. Ottomar Domnick, Stuttgart; Dr. Franz Roh, München; Dr. Schmoll gen. Eisenwerth, Darmstadt; Karl Ströher, Darmstadt; Dr. Erich Wiese, Darmstadt. Dip Bekanntgabe aller sechs Preisträger und die Eröffnung der Ausstellung mit den zu diesem Wettbewerb eingesandten Werken erfolgt heute, Freitag, um 17 Uhr in der Holzhofallee 27—31.
Musizierstunde junger Sänger
Im Auditorium des Amerikahauses erlebte man eine aufgelockerte Musizierstunde der Gesangschule von Frau Horn-Stoll. Leicht und frei stellten sich die jungen Sänger und Sängerinnen auf das Podium, und ohne Hemmung wurden im Ensemble und Solo Werke von Haydn, Mozart, Schubert, Brahms, Verdi und Puccini wiedergegeben. Beteiligt waren die Damen Leier und Kerp (Sopran), Rensch (Koloratursopran), Enderle (Alt) und die Herren Coburger und Rasch (Tenor), Dietrich und Pfeiffer (Baß).
Soweit man beim erstmaligen Hören dieser Schüler einer Beurteilung näher treten kann, dürfte hier die Weckung der natürlichen musikalischen Anlagen als besonderes Merkmal auffallen. Die Stimme wird kaum durch irgendwelche Methoden im Zaum gehalten, sondern darf sich frei ausschwingen. Dabei wird von der Pädagogin versucht, eine Resonanz von der Kehlpartie zur Stirn anzuerziehen, die für Koloraturstimmen beste Vorteile bietet. Frl-Rensch war ein Beispiel für den Erfolg dieser Methode. Bei den anderen Stimmlagen aber wird die Gefahr der Kehligkeit, einer verschwimmenden Aussprache (a und U wird zu o!), und. einer Unterbetonung der Konsonanten doch recht offenbar. Darunter leidet dann auch die Entwicklung von Höhe und Tiefe. Man müßte also jetzt auf die Ausmerzung dieser Mängel größten Wert legen. Alle Schüler verfügen im übrigen über sehr gutes Stimmenmaterial. Frau Horn-Stoll begleitete ihre Schützlinge vortrefflich seihst am Klavier. Auffällig, daß das Auditorium fast restlos besetzt war. Der reiche Beifall sollte die Sänger zu weiterem intensiven Studium anspornen. G. I.
Mark Twains Huckleberry Finn
Im Amerika-Haus sprach der junge amerikanische Literat Theodore Clegg-Hoffmann über eines der populärsten Bücher der Weltliteratur ~Huckleberry Finn“ von Mark Twain (Pseudonym für Samuel Langhorne Clemens). Dieses von alt und jung viel gelesene und bewunderte Buch, das vielfach als der beste amerikanische Roman, von Ernest Hemingway sogar als der amerikanische Roman schlechthin bezeichnet wird, ist ein bahnbrechendes Werk, dessen Einfluß auf die Entwicklung der amerikanischen Literatur bis in die jüngste Zeit hineinreicht. Der Wert des Buches und damit der entscheidende Einfluß auf den modernen amerikanischen Roman liegt nicht in der abenteuerlichen Schilderung von Erinnerungen des Autors an seine am Mississippi verbrachte Jugend, sondern in der wirklichkeitsnahen Beschreibung amerikanischen Lebens, amerikanischer Tradition, amerikanischer Zeitprobleme vor dem Bür" gerkrieg und des beginnenden darauf folgenden Zeitalters des Materialismus. Besonders bemerkenswert ist die erstmalige Anwendung einer naturalistischen Sprache in der amerikanischen Literatur, die Wiedergabe verschiedener, die einzelnen Typen charakterisierender Dialekte, was im Zeitalter der gepflegten Sprache des Puritanertums eine Vermessenheit sondergleichen bedeutete.
Das christliche Menschenbild
In der Technischen Hochschule sprach am Freitag Pater Ferdinand Kastner aus Schönstatt auf Einladung der katholischen Studentengemeinde über das Thema: „Das christliche Menschenbild“.
Während die Wissenschaften auf allen Gebieten Fortschritte erzielten und dazu beitrügen, Gottes Schöpfung der ersten fünf Tage aufzuhellen, lebten wir heute in einer reaktionären Epoche des Vagabundierens, mit einer gestörten Ordnung, Rückschlägen in Barbarei, ohne Empfinden für die Gerechtigkeit, mit Feigheit und lähmender Angst vor fanatischen Aktivisten. Das größte Problem des heutigen Menschen läge nicht in der Wissenschaft oder Wirtschaft, sondern in der Wiedergewinnung der klaren Sicht für die Aufgabe des am 6. Tage nach Gottes Ebenbild geschaffenen Menschen. Der Mensch müsse wieder zur Erkenntnis gelangen, daß ihm Glück und Seligkeit nicht geschenkt würden, sondern daß er sie sich erringen müsse mit seiner Freiheit. Jede Versuchung des Widersachers, die mit einem Körnchen Frechheit, Wahrheit und Uebertreibung an den Menschen herangetragen würde, bezwecke, den zur Freundschaft und Verbundenheit mit Gott über die sichtbare Welt gestellten, zur Heranbildung nach oben und zur Glückseligkeit bestimmten Menschen zum Scheitern zu bringen. Darin liege die ganze Menschheitsgeschichte begründet.
Den Menschen rette allein die Rückbesinnung auf Gottes ursprünglichen Schöpfungsgedanken. im Ringen um seine Persönlichkeit Gott ähnlich zu werden. t-s
Darmstädter Kunstsommer 1950
Am kommenden Samstag beginnt in der Stadthalle Um 19.30 Uhr das ~Darmstädter Gespräch“, über dessen Veriauf wir bereits eingehend berichteten. Am Samstagabend sprechen Professor Itten, Zür’ch, ..Ueber die Möglichkeiten der modernen Kunst“ und Professor Sedlmayer, Wien, „Ueber die Gefahren der modernen Kunst“. Beides sind Lichtbildervorträge.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen des „Darmstädter Gesprächs“ ist frei.
Wirtschaftsblatt
Termin für Steuererklärung
H. P. Die hessischen Finanzämter haben mit der Versendung der Steuererklärungen zur Einkommensteuer, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer für die Veranlagungszeiträume 21. Juni bis 31. Dezember 1948 und Kalenderjahr 1949 begonnen. Die ausgefüllten Erklärungen sind bis spätestens am 15. August bei dem Finanzamt einzureichen. Eine Ausnahme gilt für Gewinne aus vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahren, die erst nach dem 31. Mai 1950 geendet haben. In diesen Fällen sind die Erklärungen spätestens am 10. des dritten Monats nach Ablauf des Wirtschaftsjahres einzureichen.
Devisenguthaben gestiegen
F.A.Z. In der ersten Juliwoche ist der Zahlungsmittelumlairf um 111 Millionen auf 8 049. Millionen DM zurückgegangen; er lag damit um 282 Millionen über dem Umlauf vom 7. Juni 1950. Im Verkehr mit öffentlichen Körperschaften erhöhten sich die Kassenvorschüsse um weitere 180 Millionen auf 934 Millionen DM. Außerdem ging die Anlage öffentlicher Stellen in Ausgleichsforderungen um 81 Millionen zurück.
Markt- und Börsenberichte
F.A.Z. An der Frankfurter Börse bestand am Donnerstag der allgemeine Eindruck, daß der erste Schock, der auf die koreanischen Ereignisse gefolgt war und zu recht beachtlichen Abschwächungen an allen Märkten in den letzten vierzehn Tagen führte, nunmehr vorerst wohl als überwunden gelten kann. Allenthalben zeigten sich am Donnerstag leichte Verbesserungen, während der Montanmarkt sogar ausgesprochen freundlich reagierte.
Devisenhandel
Frankfurt. (Eigenbericht.) Im Frankfurtei; nichtoffiziellen Devisenhandel wurden am 13. 7. 50 für den US-Dollar 5,40—5,80 DM gezahlt, für das engl. Pfund 12,50—13,50 DM, für den Schweizer Franken 1,17—1,27 DM, für den holl. Gulden 1,17—1,27 DM. für die dänische Krone 0,52—0,56 DM, für die schwedische Krone 0,75—0,80 DM.
Frankfurter Produkten-Großmarkt
Bz. Gegenwärtig belaufen sich, wie wir erfahren, die Bundesreservebestände an Weizen auf rund 295 000 Tonnen Weizen, an Roggen auf ungefähr 400 000 Tonnen. Des weiteren wurde bekannt, daß 50 000 Tonnen Weizen für die nächste Freigabe vorgesehen sind. Daneben wird ein neues Einfuhrglobalkontingent aus USA von 250 000 Tonnen erwartet. Aus Frankreich treffen demnächst 100 000 Tonnen Weizen ein.
Milokorn wird mit 25 DM ab hessischer Station offeriert. Der Kleiemarkt leidet unter der Unsicherheit der Getreidepreise. Der Preis für Rapsschrot hat ebenfalls angezogen. Die Oelmühlen verlangen 17,50 bis 18 DM ohne Sack, Biertreber sowie Malzkeime begegnen bei kaum wesentlich veränderten Preisen nur geringem Angebot. Raps mit 10 Prozent Wassergehalt stellt sich auf 55 DM frei Trocknungsstation oder Oelmühle.
Internationale Warenpreise
| Chicago (Mittelkurse, Cents | ||||||
| 11. 7. | 12. 7. | per bushel) Weizen per Juli | ||||
| Mais, per Juli | Hafer, per Juli | |||||
| 223,31 | 154,88 | 80,88 | 223,25 | 155,63 | 79,25 | Schweine, schwere (höchster |
| Preis per Ib.) | ||||||
| Schmalz, loco | ||||||
| 23,75 | 11.50 N | 23,75 | 12,— | New York (Cents per 1b.)... | ||
| Zucker Nr. 4 per Sept | ||||||
| 4,50 | 4,50 | Kaffee „D“ per Juli | ||||
| 52,75 N | 53,— N | Kakao, Accra, loco | ||||
| 34,50 N | 34,50 N | Kakao, Bahia, loco | ||||
| 32,50 N | 32,50 N | Häute, per Sept | ||||
| 23,72G/23,858 | 24.20G/258 | Baumwolle, loco | ||||
| 38,10 | 38,— | Baumwollsaatöl per Juli.... | ||||
| 17.15 G | 17,10 G | Kammzüge loco | ||||
| 214,50 N | 214,—N | Kautschuk, loco | ||||
| 34,50 N | 35,75 N | Kupfer, Weltexport, fas. ... | ||||
| 22,50 | 22,50 | Blei, gewöhnlich | ||||
| 11,— | 11,50 | Zink, East St. Louis | ||||
| 15,— | 15,— | Zinn, straits ....’. | ||||
| 84,75 | 87,— | London, Zinn, Settlement | (Pfund per ton) | Kautschuk, loco | (pence per Ib.) | |
| 640,50 | ||||||
| 29.-G/29.5 B | 662,— | 29,50 | Alexandria, Baumwolle, fully | good (tallaris per cantar) | Ashmouni | |
| 81,65 | 79,30 | Karnak | ||||
| 99,40 | 97,20 | Zagora | ||||
| 80.90 | 78,55 | Giza | ||||
| 84,15 | 81,80 |
Arzneimittelgesetze hemmen
Liberalisierung ein Gewinn für die Pharmazeutische Industrie?
w Die pharmazeutische Industrie begrüßt alle Schritte, die zu einer Auflockerung der bestehenden innereuropäischen Handelshemmnisse beitragen. Nachdem deutscherseits zahlreiche Maßnahmen zur Verwirklichung dieser Absicht getroffen worden sind, ist es nicht uninteressant festzustellen, welche Folgen sich für die pharmazeutische Industrie ergeben haben.
Man vergleiche die einschlägigen Zahlen bis zum 20. April 1950 mit den vor der Liberalisierung bestehenden Einfuhrmöglichkeiten. Man kann dann feststellen, daß durch die Aenderung der Handelspolitik eine merkbare Besserung der Versorgungslage eingetreten ist.
Handelt es sich bei den eben erwähnten Erzeugnissen vorwiegend oder ausschließlich um auf der Freiliste stehende pharmazeutische Rohstoffe, die nicht oder jedenfalls nicht ausreichend im Inland erzeugt werden, so besteht bei Importen von pharmazeutischen Zwischenprodukten und Fertigerzeugnissen eine wesentlich andere Situation. Gleiche oder gleichartige deutsche Produktionsinteressen können hier berührt werden. Eine ins einzelne gehende Untersuchung dieser Posten vermag einen interessanten Einblick in die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Arzneimittelhersteller zu vermitteln.
Den ersten Platz als Lieferland der zur Diskussion stehenden Produkte nimmt die Schweiz ein. Sie besitzt insofern eine Sonderstellung, als von alters her auf pharmazeutischem Gebiet zwischen der Schweiz und Deutschland enge Beziehungen bestehen. Ihre Fabrikation basiert auf den Importen von Zwischenprodukten und Bulkware.
Im Gegensatz zu der Vorkriegszeit hat Frankreich jetzt eine gewisse Bedeutung als Lieferant pharmazeutischer * Produkte erlangt. Nach der Schweiz hat es den zweiten Platz eingenommen. Dies ist auf seine Bedeutung als Herstellungsland für Antibiotika zurückzuführen. Daneben spielt die Einfuhr von Glykosiden (Strophantin) und einiger Spezialprodukte eine besondere Rolle.
Bei der Einfuhr aus Holland dominiert der Bezug von Cholesterin, dessen Eingruppierung als unzuibereitete Arzneiware bei seiner Verwendung als Rohstoff für die Hormonsynthese jedoch als eine Fehlentscheidung angesehen werden muß. Von Bedeutung ist ferner die Einfuhr von Theobromin, Vitaminpräparaten (D 3) und des Harlemer Gels. Aus Dänemark kommen, wie schon in der Vergangenheit, Insulin und neuerdings auch Antibiotika. Auch Arzneistoffe auf Basis tierischer Substanzen sind an dieser Einfuhr beteiligt. Oesterreich liefert Schieferölprodukte und pharmazeutische Spezialitäten, die schon seit Jahren, in Deutschland einen Markt haben. Aus Norwegen wurden Vitaminkonzentrate bezogen.
Sicherlich haben die Importe dazu beigetragen, Lücken in der westdeutschen Arzneimittelversorgung zu schließen.
Welche Auswirkungen hat die Liberalisierung nun auf die Ausfuhr? Ohne Zweifel hat sich die Arzneimittelausfuhr im letzten Halbjahr recht erfreulich entwickelt, und zwar in folgender Kurve: Ausfuhr 1948 11 120 000 DM, 1949 27 317 000 DM, 1950 (1. Quartal) 17 596 030 DM. Eine Zunahme der Exportzahlen ist unverkennbar. Vergleicht man jedoch die Ergebnisse des vierten Quartals 1949 mit dem ersten Quartal 1950, so ist keineswegs eine aus dem Rahmen der allgemeinen Steigerung herausfallende Entwicklung festzustellen. Sicherlich ist der Zeitraum noch zu kurz, um allein aus Zahlen einen allgemeinverbindlichen Schluß ziehen zu können. Es liegen aber zahlreiche andere Anzeichen vor, daß die Voraussetzungen für gleiche Startbedingungen der Vertragspartner nicht gegeben sind. Diese Behauptung wird klar, wenn man bedenkt, daß gerade bei der Arzneimitteleinfuhr neben der Frage der Einfuhrkontingentierung eine Reihe anderer Faktoren eine maßgebende Rolle spielen. Als solche sei erwähnt die für die Spezialitätenausfuhr entscheidende Behandlung der deutschen Warenzeichen, die Zollbelastung und die vielfach sehr rigorosen Vorschriften der ausländischen Arzneimittelgesetzgebung..
Differenzierte Schiffsfrachten
Die Bestrebungen der Binnenschiffahrt auf eine kräftige Erhöhung der Massengutfrachten zum Schutz ihres eigenen Frachtenstandes haben nicht das gewünschte Ergebnis gehabt, größere Mengen an Transportgut zurückzugewinnen. Zu diesem Ziel bleiben der Binnenschiffahrt nunmehr zwei Wege offen, nämlich entweder allgemein die Wasserfrachten beträchtlich zu senken oder für das gleiche Transportgut und die gleiche Wasserstrecke differenzierte Frachten festzusetzen, je nachdem, ob es sich um Lokomengen oder um Umschlagsgut in gestaffelten Entfernungen handelt.
Vom Standpunkt der Verladerschaft könnte diese Differenzierung annehmbar erscheinen, soweit sie die Frachten für den einzelnen nicht verteuert, sondern nur unterschiedlich ermäßigt. Die Verlader könnten sich deshalb mit solchen differenzierten Frachten einverstanden erklären, wenn es ein anderes Mittel nicht geben sollte, die Binnenschiffahrt lebensfähig zu erhalten. Eine solche Reform verlangt jedoch eine Reihe von Voraussetzungen, die für die übrige Wirtschaft 'Nachteile mit sich bringen. Verschiedentlich wird als solche Voraussetzung die ZwangskarteUierung der Binnenschiffahrt gefordert. Dabei wird kein Zweifel darüber gelassen, daß hierdurch der Wettbewerbsanreiz zum Anbieten billiger Frachten zum großen Teil entfällt. Man hält es für angebracht, daß der den Verladern zu gewährende Frachtanreiz gegenüber dem Bahnweg 15 bis 20 v. H. nicht übersteigen soll. Allerdings hebt zum Beispiel die „Zeitschrift für Verkehrswissenschaft“ hervor, daß „beim Massengutverkehr Sondertarife der Binnenschifffahrt zu Gunsten von Großgaserei, Elektrizitätswerken, Hochöfen und Stahlwerken, die sich am Stromufer angesiedelt haben, kaum zu umgehen seien“;
Eine gewisse Differenzierung der Binnenschiffsfrachten ist im freien Wettbewerb der Rheinschiffahrt von jeher üblich gewesen, und zwar durch Jahresabschlüsse zwischen Reedereien und Verfrachtern. Teilweise wurden hierbei Übernahmesätze einschließlich des Zu- oder Ablauf-Transportes festgesetzt. Dabei geschah der Umschlag häufig durch die reedereieigenen Umschlagsanlagen in den Binnenhäfen. Auch bei der Verfrachtung bestimmter Güter vom Oberrhein talwärts wurden Wasserfrachten vereinbart, die der Differenz zwischen den Kosten des durchgehenden Bahnweges und den Zulaufkosten plus Frachtanreiz entsprachen. Für die Kohlenverladung für Rechnung des Kohlenkontors nach Süddeutschland bestanden jedoch feste Sätze, die für die einzelnen Häfen gleichhoch waren. Zweifelhaft und besonders eingehend zu erwägen ist die Frage, ob der Gesichtspunkt der „volkswirtschaftlichen Kosten“ der verschiedenen Transportwege beachtet werden soll oder nicht.
Getreidegesetz nach Abänderungen gebilligt
zr. Der Ernährungsausschuß des Bundestages hat am Donnerstag das viel debattierte Getreidegesetz gebilligt. Es wurde eine Reihe Abänderungsvorschläge eingebracht, die insbesondere den Interessen der Mühlenindustrie und der Getreideverbände entgegenkommen. Das vom Bundeskabinett gebilligte Getreidegesetz war durch die Agrarausschüsse der gesetzgebenden Körperschaften und die landwirtschaftlichen Fachorganisationen starker Kritik ausgesetzt gewesen. Durch die jüngsten Aenderungen fällt die Ablieferungspflicht bei Getreide fort. Die ursprüngliche Forderung, wonach der Bundesernährungsminister die Getreideablieferung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes verschieben kann, wurde fallen gelassen. Während die Zuständigkeit für die Festsetzung von Preisen und Spannen bisher beim Bundesernährungsminister liegen sollte, überträgt die neueste Fassung diese Zuständigkeit der „Bundesregierung oder dem Bundesernährungsminister im Einvernehmen mit dem Bundeswirtschaftsminister“. Nach den bisherigen Fassungen konnte der Bundesernährungsminister Beschlüsse des Verwaltungsrates aufheben. Die Vollmacht liegt jetzt bei der Bundesregierung. In der neuesten Fassung wird ferner auf preisregelnde Bestimmungen für den Nährmittelsektor verzichtet.
ERP-Mittel für die Landwirtschaft
zr. Bundesfinanzminister Dr. Schäffer teilte dem Haushaltsausschuß des Bundestages mit. daß sich die amerikanischen Dienststellen bereit erklärt haben, aus Gegenwertmitteln 75 Millionen DM für die Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Als erster Teilbetrag seien zunächst 20 Millionen D-Mark von der ECA-Mission sofort freigegeben worden. Diese Mittel werden vor allem für die 'Flurbereinigung, landwirtschaftliche Schulen, Forschung und Versuchszwecke verwendet. Der Rest von 55 Mil- —,„ cnfrirt nach Durchführung der im l.ihmen der ersten Zuteilung vorgesehenen Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden.
Versicherung ohne Tarifbindung
zr. Der Verkehrsausschuß des Bundestages hat beschlossen, die Haftpflichtversicherung für Kraftfahrzeuge in der bisher üblichen Form zu belassen. Dagegen sollen die Kasko- und Unfallversicherung aus der Preis- und Tarifbindung herausgenommen werden. Der bis Ende September verlängerte Einheitstarif soll noch einmal beraten und ab 1. Oktober eine endgültige Neuregelung auf dem Gebiet der Kraftfahrzeugversicherung herbeigeführt werden.
Bundesbahn hat Waggon-Mangel
vwd. Die Entwicklung des Fahrzeugbestandes der Bundesbahn, insbesondere des Personenwagenparkes, hat mit der Verbesserung der Reisezugverbindungen im diesjährigen Sommerfahrplan nicht Schritt gehalten, erklärte der Präsident der Deutschen Bundesbahn. Dr. Ing. e. h. Walter Helberg, in Braunschweig. Die benötigten Reisezugwagen könnten nur unter größten Schwierigkeiten bereitgestellt werden, wobei die Polsterwagen einen besonderen Engpaß bildeten.
Ladenschluß am Samstag
zr. Sämtliche Geschäfte im Bundesgebiet sollen nach einem Gesetz, das dem Bundestag zur Annahme empfohlen wird, künftig an Samstagen um 16.00 Uhr schließen. Dieser Beschluß wurde vom Koordinierungs-Gremium der Bundestagsausschüsse für Wirtschaftspolitik und Arbeit, das seit Wochen die Regelung über die Offenhaltung der Einzelhandelsgeschäfte beraten hatte, einstimmig gefaßt. Den Beratungen des Ausschusses waren langwierige Verhandlungen der Arbeitgeber und der Gewerkschaften sowie der Konsumentenvertreter vorangegangen. Die Regelung ist eine Kompromißlösung.
Boykott der Diamantenindustrie
vwd Die deutsche Diamantenindustrie soll wegen ihrer angeblichen Politik des Preisdumpings boykottiert werden Ihr wird vorgeworfen, sich durch niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten unfaire Vorteile gegenüber der ausländischen Konkurrenz verschafft zu haben. Dieser Beschluß wurde am Mittwoch von Vertretern der Diamantenindustrien in Holland, Belgien, Großbritannien, Israel, der Südafrikanischen Union und den USA in Amsterdam gefaßt. Der Boykott wird sich vor allem dahingehend auswirken, daß die Mitglieder der „International Diamond Manufactures Association“ der Bundesrepubl:k weder Rohdiamanten zur Bearbeitung liefern noch im Bundesgebiet geschliffene Diamanten kaufen.
Kundgebung des Bauernverbandes
Dg. Das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes hält es für dringend erforderlich, in einer großen öffentlichen Kundgebung zu der gegenwärtigen agrarpolitischen Lage Stellung zu nehmen und die Haltung des Deutschen Bauernverbandes gegenüber Bundesregierung und politischen Parteien festzulegen. Die Kundgebung findet am Samstag 15. Juli ’n Köln statt. ’
Hessischer Bergbau im Juni
Juni 1950 hat die Braunkohlenforderung 211 000 Tonnen erreicht. Sie liegt damit ungefähr 12 000 Tonnen höher als im Vormonat, der die gleiche Zahl an Arbeitstagen aufzuweisen hatte. Im Eisenerzbergbau kann man mit einer Förderung an hüttenfähigem Eisenerz von rund 66 000 (63 000 im Vormonat) Tonnen rechnen Der Kalibergbau wird voraussichtlich eine För¬ 'de™ng 310 000 T°™en Kalirohsalz (rund 11000 Tonnen mehr als im Mai) erbringen. Davon sind rund 40 v. H. des Absatzes für den Export bestimmt.
Bz M. Wosk GmbH, Darmstadt. Mit einem Stammkapital von 50 000 DM betreibt die Firma die Herstellung und den Vertrieb von Maschinen, insbesondere Baumaschinen, daneben von Baugerüsten Werkzeugen sowie Eisen. Zeichnungsberechtigte Geschäftsführer sind die Kaufleute Menachem Wosk, Darmstadt und Fritz Koss. Eschollbrücken
Armaturenfabrik in Ludwigshafen a. Rh. Die Gesellschafterversammlung beschloß Dipl.-Ing. Hans Cromme in Neustadt a. H. zum Geschäftsführer zu berufen.
Die Ursache liegt tiefer
bs. Die von der Marshallplanverwaitung vorgeschlagene und in Paris ausgearbeitete Satzung einer europäischen Zahlungsunion wurde von allen beteiligten Ländern angenommen. Viele Hoffnungen knüpfen sich an diese Union. Sie soll zwischen allen Partnerländern eine möglichst freie Konvertierbarkeit der Währungen ermöglichen und den — im Außenhandel hemmenden — bilateralen Handel beseitigen. Um dies zu ermöglichen, sollen alle Zahlungen über die Zahlungsunion gehen. Wird man diese gewiß schönen Pläne auch verwirklichen können?
Der Grund für die Schaffung dieser europäischen Zahlungsunion ist das mangelnde Gleichgewicht der Zahlungsbilanzen der verschiedenen Teilnehmer-Länder. Selbst alle Versuche über Devisenzuteilungen und mit Devisenzwangswirtschaft konnten dieses Defizit nicht beseitigen. Jetzt will man eine „Als- ob-Konvertierbarkeit“ der Währungen schaffen. Man hofft damit aus dem Dilemma her-' auszukommen. Können wir aber mit einer solchen halben Befreiung zum Ziele kommen, können damit alle Hoffnungen erfüllt werden? Die Ursache des Ungleichgewichts der Zahlungsbilanzen liegt nicht in einem mangelnden europäischen Handel. Sie liegt tiefer. Es sind meist innere nationale Ursachen, die auch kein multilateraler Handel aus der Welt schaffen kann.
Man kann wohl durch die Zahlungsunion jetzt innerhalb der einzelnen europäischen Länder die Zahlungsbilanzen ausgleichen. Tritt aber nicht dann eine Verschuldung der Zahlungsunion gegenüber den überseeischen Importländern ein? Man hat dies in Paris auch erkannt. Man sagt aber dagegen, daß die europäische Zahlungsunion nur eine Uebergangslösung sein soll, sie soll ein Erziehungsmittel für die beteiligten Länder sein. Wer sein Defizit nicht beseitigen kann, muß diese Unterbilanz zur „Strafe“ in Gold ausgleichen. Hoffentlich wirkt diese „Strafe“. Eine Wirkung wird sie sicherlich haben. Wie bisher wird zum Beispiel England bei wachsender Verschuldung gegenüber einem Lande einfach die Importe sperren und diesem Land dazu auch noch die Devisenzuteilungen für Touristen und Geschäftsreisende erheblich kürzen. Die Schweiz hat in den letzten Jahren auf diesem Gebiete ihre Erfahrungen sammeln können. Und nicht nur England wird einen solchen Weg wählen. Wo bleibt da aber der erhoffte freie Handel? Es ist also eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Zahlungsunion, daß die verschiedenen Wirtschaften frei sind und daß alle von den gleichen Voraussetzungen in der Steuer- und Sozialpolitik und im Geld- und Kreditwesen ausgehen können. Es dürfte aber eine durch nichts begründete Hoffnung sein, daß die Labour Party um des europäischen Gedankens willen von ihrem sozialistischen Kuns abweicht.
Sind also die Aussichten für ein Gelingen der Zahlungsunion wirklich gut? Ein freier Handel kann nicht gewährleistet werden, ein Gesamtdefizit gegenüber den außereuropäischen Ländern wird eintreten, wo findet man die Voraussetzungen, die eine große Hoffnung begründen können? Belgien und Italien haben einen viel einfacheren Weg gewählt und hatten damit Erfolg. Diese Länder haben praktisch eine freie Konvertierbarkeit ihrer Währung zu allen Ländern. Warum fürchtet man sich vor einer solchen Maßnahme? Ist ein solcher Weg für die armen Länder tatsächlich nicht gangbar? Portugal, eines der ärmsten Länder Europas, hat keine Devisenzwangswirtschaft, dafür aber eine harte Währung. Schweden, das reichste Land in Europa dagegen, hat keine freie Konvertierbarkeit der Währung, aber eine weiche Währung. Bieten sich also nicht doch für alle Länder auf diesem Wege gleiche Startmöglichkeiten?
Wege zum Weltmarkt
Von Fritz Peter ClausDie deutsche Ausfuhr steigt. Auch unter ungünstigen Verhältnissen öffnen sich deutsche Halb- und Fertigfabrikate wieder die Wege zum Weltmarkt. Die lederschaffende Industrie in Rheinland-Pfalz liefert dafür sprechende Beispiele.
Sie hatte einst als internationaler Lieferant eine bedeutende Rolle gespielt. Krieg und Nachkriegszeit hatten aber die Gerbereien in Worms und an der Nahe von den internationalen Märkten fast völlig verdrängt. Die in den letzten Wochen und Monaten festzustellende Nachfrage des Auslands nach Boxcalf- und Chevreauleder ist um so beachtenswerter. In den Direktionsbüros der ledererzeugenden Betriebe in Worms, Kinn und Bad Kreuznach kann man heute ein ständig wachsendes Auslandsgeschäft vor allem in Schuhoberleder verzeichnen. Die Preise für Leder sind im Ausland vielfach niedriger als in der Bundesrepublik. Zölle tun ein übriges, um das deutsche Leder auf dem Auslandsmarkt zu verteuern. Dennoch sind deutsche Boxcalf- und Chevreauleder zur Zeit international gefragt. Bestellungen laufen auch wieder von den Vereinigten Staaten ein, obwohl der Lederpreis dort im allgemeinen etwas unter dem deutschen Preis liegt. Wie ist das möglich?
Wieder ein Qualitätsbegriff
Deutsches Leder ist wieder ein Qualitätsbegriff. Vorübergehend hatten die Ledererzeuger in Rheinland-Pfalz unter den Zuteilungen in minderwertigen Rohstoffen gelitten, die ihnen die Einkaufspolitik des Officomex aufgenötigt hatte. Mit der fortschreitenden Entfesseung der Einfuhren von Rohstoffen und der Ausfuhren von Fertigwaren von der Bevormundung des Officomex und der JEIA ist auch die lederschaffende Industrie in Rheinland-Pfalz wieder in der Lage, erstklassige Ware zu liefern. Dabei darf man die Schwierigkeiten nicht übersehen, die sich immer noch dem deutschen Absatz in die Wege stellen. Italien zum Beispiel tritt dem deutschen Leder mit Zöllen bis zu 25 Prozent des Verkaufspreises für Chevreauleder entgegen. Es bleibt zu hoffen, daß die Güte der deutschen Erzeugnisse diese Zollschranken überspringen hilft und daß im übrigen die fortschreitende Liberalisierung der deutschen Lederindustrie wieder erlaubt, in großem Ausmaß Devisen zu verdienen.
Die lederschaffende Industrie hat sich in den letzten Jahren in der ganzen Welt weiter ausgedehnt und auch ihre Verfahren verbessert. Trotzdem haben die Lieferungen nicht zuletzt im amerikanischen Chevreauleder im Hinblick auf Qualität und Liefertermine nicht nur in Deutschland Enttäuschungen hervorgerufen. Auch in Indien und Südamerika gibt es heute eine ganze Anzahl von Chevreaulederfabriken. Chevreauledergerbereien sind weiterhin geplant in Nordafrika und in Java, also vor allem hi jenen Ländern, wo das entsprechende Rohmaterial, die geeignete Ziegenhaut, und die besonderen Gerbemittel anfallen.
Fehlende Betriebsmittel
sie Auslandsnachfrage nach deutschem Chevreauleder ist um so beachtlicher. Man darf daraus aber nicht folgern, daß ^us Gerbereien des Landes Rheinland-Pfalz die Sorgen verscheucht sind. Canz im Gegenteil. Die lederschaffenden Unternehmungen des Landes leiden heute noch an den Auswirkungen der lange andauernden Kontingentierung und Preisfestsetzung. lm Gegensatz zu den Beheben der Doppelzone konnten die Unternehmungen in Rheinland-Pfalz bekanntlich die einzigartige Konjunktur nach der Währungsreform nicht ausnutzen. Sie hatten keine bedeutenden Reserven an Rohmaterialien und Fertigwaren über den Währungsstichtag gebracht. Sie mußten vor allem auch nach der Währungsreform noch lange Zeit die minderwertigen Rohstoffe verdauen, die ihnen das Officomex aus Uebersee zugewiesen hatte.
Den Vorsprung, den sich die Ledererzeuger der Doppelzone, gestützt auf eine frühzeitige Freigabe der Bewirtschaftung, erstritten hatten, bekamen die lederschaffenden Unternehmungen von Rheinland-Pfalz auch in der folgenden Zeit zu spüren. Heute fehlt ihnen infolgedessen immer noch das Betriebskapital. Die Boxcalferzeuger klagen besonders nachhaltig über diesen Mangel an flüssigen Mitteln. Sie empfinden ihn um so mehr, als Rinder-, Kuh- und Kalbshäute außerordentlich teuer im Einkauf sind, während gleichzeitig die Schuhfabriken äußerst vorsichtig dispor nieren und den Lederpreis möglichst niedrig zu halten versuchen.
In der Zange
Trotz des Anziehens der deutschen und der ausländischen Häutepreise unter dem Einfluß der Ereignisse in Korea haben bisher, so wurde uns dieser Tage in Worms und Kim versichert, die Schuhfabriken die vorsichtige Kalkulation beim Ledereinkauf nicht aufgegeben. Die Erzeuger von Boxcalf sehen sich deshalb in einer Zange, gebildet aus den hohen Einkaufspreisen für Rohmaterial und den relativ niedrigen Verkaufspreisen für Boxcalfleder.
Die Erzeuger von Chevreauleder empfinden den durch die Währungsreform verursachten Mangel an Kapital ebenfalls sehr stark. Sie sind gezwungen, in einem Zeitraum von einem Vierteljahr die meist aus dem Ausland kommenden Häute aufzunehmen, auf diesem Einkauf aber die Erzeugung eines ganzen Jahres aufzubauen. Auch sie benötigen deshalb viel Betriebskapital. Vor allem aber müssen sie ebenfalls das Risiko des Rohstoffeinkaufs im Ausland auf sich nehmen, der mit vielen Unsicherheitsfaktoren im Hinblick auf die kommenden Modefarben, Schuhformen und Schuhausstattung belastet ist. Die Chevreauerzeuger sind aber dennoch augenblicklich günstiger daran, als die Boxcalfhersteller. Die Tendenz zum eleganten Schuh und die Abkehr von der Kreppsohle begünstigt sichtbar die Chevreauhersteller. Auch die Ausgabe des Hartgeldes wird von den Chevreaufabriken voll Hoffnung begrüßt. Die dadurch voraussichtlich ausgeloste starke Nachfrage nach Geldbörsen durfte ebenfalls dem Ziegen- oder Schaf • leder zugute kommen.
Wohnungsbau nimmt zu
Die Wohnungsbautätigkeit in Deutschland teilt sich in den Wiederaufbau und den teils privaten, teils durch öffentliche Gelder geforderten Neubau. Wie aus tlTin ew-St un P 6"?1 des Statistischen Amtes in Wiesbaden hervorgeht, ist der Neubau gegenüber dem Wiederaufbau in den anteilmäßig gestiegen. Im ^mrteljahr 1950 waren fast die Hälfte aller fertiggemeldeten Wohnungen Neubauwohnungen gegenüber beispielsweise nur einem Drittel im zweiten Vierte’iahr 1949 Wohnungen mit zwei Z mm?m und Kü^- ?eVOrfygt eebauß der Anteil dei Wohnungen mit vier und mehr Räumen ist i er gestiegen, während Wohnungen mit ynHiX1«6”1 Oder zwei Raumen anteilmäßig Die größte Zahl von Wohngebäuden fallt immer noch auf solche mit nur einer oder zwei Wohnungen.
Darmstadt und Umgebung
Bnugerüste
_ ”e- - Sie stehen in der ganzen Stadt, groß und klein, und umschließen das, wag einmal ein Haus mit Wohnungen, ein Bürogebäude, eine Schule oder ein Geschäftshaus wenden soll. Lang und kahl stechen sie wie große Nadeln in den Himmel, Bohlen tragend, auf denen die Werkleute mit Steinen, Zement und Eisenkonstruktionen laufen. Wir vermißten diese Zeichen eines neuen Lebens in den Ruinen der Stadt lange Jähre. Nur hie und da schrien die Männer mit den weiten Manchesterhosen „Hau-Ruck“ und „Holz her“. Das ist jetzt anders geworden. Lastwagen mit heulenden Motoren brachten die ihrer Äste entkleideten Waldriesen in die Stadt und an die Baugruben, wo sie jetzt stehen und statt dem Gesang der Vögel, dem Geschrei der Häher und dem Rauschen des Waldes umgeben sie all die Geräusche, die eine Baustelle so sehT zum Mittelpunkt tätigen Lebens machen — kreischende Krane, ratternde und klappernde Betonmischer, Gehämmer, Klopfen und das quietschende Geräusch der Aufzüge.
Bauegrüste — sie Stehen an den großen Plätzen, umbrandet vom Verkehr der Stadt, sie stehen in den Geschäftsstraßen und unter ihren Deckbrettern drängen und hasten Menschen, die einmal in den neuen Geschäften kaufen werden; sie stehen aber auch in Stadtteilen, denen der Krieg das Leben nahm und sie stehen am Rande der Stadt, — wartend, daß sie Genossen bebekommen, die wie sie ein Haus mit Wohnungen, ein Bürogebäude, eine Schule oder ein Geschäftshaus bauen helfen.
Straßenreinigungsgebühren für Ruinen
Der Haus- und Grundbesitzerverein Darmstadt e.V. protestiert
Den Besitzern von Ruinengrundstücken gingen Zahlungsaufforderungen für Straßenreinigungsgebühren zu. Der Haus- und Grundbesitzerverein Darmstadt protestiert in einem Schreiben, das wir nachstehend auszugsweise im Wortlaut veröffentlichen, gegen diese Maßnahme.
Die Stadt Darmstadt hat ohne irgendwelche vorherige Ankündigung Tausende der geschädigten Darmstädter Ruinenbesitzer in Besorgnis und Unruhe versetzt durch die Aufforderung zur Zahlung von Straßenreinigungsgebühren für ihre Ruinengrundstücke. —
Uns.sind die Finanznöte der Stadt nicht unbekannt, und wir sind auch als Organisation, die rund drei Viertel der Darmstädter Haus- und Ruinenbesitzer umfaßt, der Verantwortung gegenüber dem Wohlergehen der Stadt bewußt. Aber selbst bei Würdigung aller Umstände hätten wir gewünscht, daß die Stadtverwaltung aus moralischen und psychologischen Gründen von dieser Aktion abgesehen hätte. Eine Stadtverwaltung sollte sich ernstlich überlegen, ob es sich mit ihrem Ansehen vereinbaren läßt, die unglücklichen Opfer des Krieges, die dadurch und durch die nachfolgende Währungsreform all ihrer Existenzmittel beraubt wurden, zu einer Einnahmequelle für die Stadt auszuersehen*.
Diese Ruinenbesitzer bildeten durch ihre Steuern und Abgaben jahrzehntelang das finanzielle Rückgrat der Stadt Darmstadt, und es kann der Stadtverwaltung keinesfalls zum Ruhm gereichen, wenn sie durch die Anforderung von Abgaben ihnen ihre Notlage noch erschwert. — Die Stadt reinigt wohl Straßen, in denen diese Trümmergrundstücke liegen. Sie mag auch mit ihrer Forderung formal im Recht sein, obwohl wir dies bezweifeln. Trotzdem halten wir die Maßnahme verfehlt und bedauerlich, denn außergewöhnliche Umstände fordern auch eine außerordentliche Behandlung. Die Oeffentlichkeit wird für dieses Vorgehen kaum Verständnis aufbringen. Die Stadt hat nicht nur Recht, sie hat auch Pflichten. Zu einer solchen Verpflichtung, mag sie auch nur moralischer Natur sein, gehört es, u. E., den Opfern des Krieges Verständnis für ihre Lage entgegenzubringen. —
Wir haben die sittliche Verpflichtung, für die geschädigten Ruinen besitzereinzutreten und werden dies mit allem Nachdruck tun. Es möge in diesem Zusammenhang noch auf eines aufmerksam gemacht werden: So lange das Haus stand und bewohnt war, konnten die Gebühren auf die einzelnen Bewohner umgelegt werden. Dies kann heute nicht mehr geschehen, weil ohne die Schuld des Eigentümers im Hause niemand mehr wohnen kann. Er wird also dadurch bestraft, das er heute die in voller Höhe angeforderten Gebühren alleine tragen muß.
Wir möchten bezweifeln, ob sich eine Stadtverordnetenversammlung bereitgefunden hätte, eine solche Ortssatzung unter den heutigen Verhältnissen zu genehmigen. Bezeichnenderweise steht die Stadt Darmstadt mit diesen Forderungen nach unseren Ermittlungen alleine da. Keine der benachbarten Städte hat sich bis jetzt bereit gefunden, dieses Beispiel nachzuahmen. Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, der Stadtverwaltung unsere Bedenken gegen ihre Aktion rückhaltlos zum Ausdruck zu bringen. Ehe wir zu weiteren Maßnahmen schreiten, zu denen wir gedrängt werden, möchten wir die Stadtverwaltung bitten, uns baldmöglichst Gelegenheit zu einer Aussprache zu geben. Bis zu einer endgültigen Klarstellung bitten wir dringend, von etwaigen Beitreibungsmaßnahmen Abstand zu nehmen und dies zur Beruhigung der Betroffenen auch öffentlich bekanntzugeben.
Noch einmal:
„Darmstädter Heinerfest“
Auf unsere gestrige Mitteilung hin teilt der Verkehrs- und Verschönerungsverein Darmstadt und Umgebung e. V. ergänzend mit, daß in der gemeinsamen Sitzung des Festausschusses für das geplante „Darmstädter Heinerfest“ mit dem Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Darmstadt und Umgebung e. V. alle Verantwortlichen nach gründlichster Prüfung einstimmig zu folgender Erkenntnis gekommen sind:
Bekanntlich finden in diesem Jahre sowohl in Darmstadt als auch in der näheren Umgebung eine ganze Reihe von Festlichkeiten statt, so daß praktisch bis in den Herbst hinein sämtliche Sonntage bzw. Wochenende bereits mit Veranstaltungen belegt sind. Zu erwähnen seien hier nur das „Bensheimer Winzerfest“, das sich eines regen Zuspruchs auch der Darmstädter Bevölkerung erfreut, die „Bessunger Kirchweihe“ sowie die „Darmstädter Herbstmesse“. Selbstverständlich wurden alle Möglichkeiten erwogen, das erstmalig für dieses Jahr geplante und schon in Vorbereitung befindliche „Heinerfest“ durchzuführen, denn man ist sich klar darüber, daß ein großer Teil der Bevölkerung vielleicht wenig Verständnis für eine Verlegung auf das nächste Jahr haben wird. Doch jedem Darmstädter wird es unter Berücksichtigung der gegebenen Sachlage eihleuchten, daß das Gremium zu dieser Entschließung gekommen ist und der Verkehrs- und Verschönerungsverein Darmstadt und Umgebung e. V., bittet um Verständnis für diese getroffene Entscheidung.
Das „Heinerfest“ wird, wie beschlossen, nunmehr alljährlich, und zwar erstmals 1951, jeweils auf den 1. Sonntag des Monats Juli festgesetzt. Das Fest erstreckt sich , slbstverständlich nicht nur auf den Sonntag, sondern — wie geplant — über das ganze Wochenende.
Zur Förderung des Fremdenverkehrs er¬ schien, wie wir bereits meldeten, neuerdings erstmals ein „Kursbuch für Bergstraße, Odenwald und Ried“ im Verlag des Verkehrs- und Wirtschaftsarchivs G. m. b. H., Darmstadt, Holzhofallee 36. Mit einem umfassenden Ortsregister mit Verweisungen auf die Seiten und verschiedenen Verkehrslinien ausgerüstet, sind in diesem Kursbuch ie Fahrpläne aller in den erwähnten Gebieten verkehrenden Eisenbahn-, Omnibus- und Kleinbahnlinien zusammengestellt. Für jede Gaststätte und für alle Betriebe, die au die Verkehrsverbindungen in unserer näheren Heimat angewiesen sind, ist dieser Fahrplan ein unentbehrliches Hilfsmitte für den Berufs- wie für den Ausflugs- und Fremdenverkehr. Das Erscheinen des Fahrplanes hilft einem oft ausgesprochenen, dringenden öffentlichen Bedürfnis ab.
In der Stadt notiert
Die Gemeinnützige Baugesellschaft kies hessischen Handwerks baut am Ende der Klappacherstraße insgesamt 48 neue Wohnungen. Zwei Baufirmen errichten augenblicklich den Rohbau der 2 Baublocks, die drei, vier und fünf Stockwerke hoch werden sollen. Mit der Fertigstellung ist bis zum Winter zu rechnen. DT
Das 1. Polizeirevier bewacht 464 Ge¬ schäfte und Gewerbebetriebe in seinem Bezirk in der Innenstadt. Die gesamte Besetzung des Reviers mit 18 Beamten, die sich in drei Schichten ablösen, muß außerdem noch sämtliche Gefangenentransporte innerhalb der Stadt, Geldtransporte der Bankinstitute, Aushilfe bei Verkehrsunfällen, Verkehrs- und Straßenstreifen durchführen.
Einen Brand verhinderten Mittwoch nachmittag gegen 14 Uhr drei geistesgegenwärtige Arbeiter der Blaupunktwerke. Sie gingen mit Handfeuerlöschern einer in der Lackiererei verschütteten hochentzündlichen Flüssigkeit zu Leibe, bevor diese in Brand geraten konnte. Die Betriebsleitung belohnte die Umsicht der Arbeiter mit einer Geldspende. D.T.
Die Löwen vor dem Landesmuseum „be¬ wachen“ in diesen Tagen die Lastwagen der Firma Fritz Mannel, Darmstadt, die den letzten Schutt aus der großen Eingangshalle des Museums weg,'bringen. Nach Beendigung dieser Arbeit soll der Haupteingang wieder zum Besuch des Landesmuseums in Benutzung gekommen werden. DT
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Lastkraftwagen und einem Straßenbahnwagen der Linie 7 am Mittwochnachmittag gegen 16.15 Uhr an der Kreuzung der Heidelberger- und Landskronstraße entstand geringer Sachschaden. Beide Fahrzeuge konnten ihre Fahrt fortsetzen. wst.
Hochbetrieb im „Mühlchen“
Umgeben von reifen Getreidefeldern, mit dem Blick auf die Silhouette der Stadt Darmstadt, liegt abseits von Arheilgen das „Mühlchen“ zwischen alten Bäumen und dichtem Gesträuch. Hier ist das El Dorado der Arheilger Wasser Liebhaber, der Mittelpunkt sommerlicher Erholungswünsche.
Bereits am 17. Mai wurde das Bad offiziell geöffnet, was aber nicht sagt, daß vorher niemand heimlich durch die Zäune gestiegen wäre. Bis heute haben rund 20 000 Schwimmer und Nichtschwimmer das „Arheilger Mühlchen“ besucht, und es ist zu erwarten, daß bei Anhalten der augenblicklichen Witterung dieses Jahr mit einem Rekordbesuch zu rechnen sein wird. Die Verwaltung des Freibades hat aber auch alles getan, um den Besuchern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Der See wurde an einer flachen Stelle abgeteilt und als Kinderbad eingerichtet, die Treppen sind erneuert worden, und zur Zeit wird eine Freilichtbühne für das am 5. August stattfindende Sommernachtsfest der Sportgemeinschaft Arheilgen errichtet, auf der Rollschuh- und Fahrradkunstläufe vorgeführt werden. Selbstverständlich ist sie auch für Tanzveranstaltungen geeignet.
Da das Wasser ständig durch den Rutsenbach erneuert wird, der See eine größte Tiefe von 3,50 Meter hat, ist das Wasser meistens sauber, und wenn die versprochenen 20 000 Mark von der Stadt nächstes Jahr wirklich zur Verfügung stehen, um den See zu entschlammen und die Böschung zu erneuern, dann dürfte das „Arheilger Mühlchen“ nicht nur zum Ziel der Arheilger Badelustigen werden. hfl.
Des Blindgeborenen Lebensphilosophie
„Meine Tage“ werden in einem Darmstädter Verlag herausgegeben
Im Schatten des Heidelberger Schlosses ein prächtiger, ausländischer Wagen mit der Eintragungsnummer auf gelbem Grunde und den großen, silberschimmernden Buchstaben CD (Corps Diplomatique). Also ein Diplomat!
„Ja; um 14 Uhr in Strasbourg abgefahren und vor 16 Uhr schon den Neckar erreicht sowie Heidelberg einen Besuch abgestattet! So spricht der noch rüstige, am Kaiser-WiLhelm-dnstitut zu Dahlem 1927 tätige, dann in Paris habilitierte, nachmalige Dozent an der Ecole Polytechnique von Alexandria, beziehungsweise Professor für Physik an der Universität Kairo, Professor Dr. Naha, heute Gesandter und Beirat bei der königlich ägyptischen Botschaft in Paris. „Aegypten dürfte heute geistig führend und beherrschend im Mittelmeerraum sein; bis hinüber zu Spanien, mitinbegriffen. Zwei frische Universitäten sind ins Leben gerufen worden. Mt doppeltem Eifer geht es allerorts zu Werke; insbesondere auf dem Gebiete der positiven, wissenschaftlichen Grundlagenforschung.“
„Woher, wenn man fragen darf, diese hervorragenden Kenntnisse der deutschen Sprache? Das Französische beherrschen Sie wie ein geborener Franzose und Ihr Englisch ist rein und klassisch.“
„Ohne deutsche Sprache gibt es keine Physiker in der ganzen Welt.“ Sie haben recht; schon der damals berühmte, jugendliche Nachfolger Curies in Montpellier sagte mir: Ohne Nachschlagewerke wie die „Annalen der Physik“, der „Physikalischen Jahresberichte“ usw. kommt man schwerlich aus und durch.
„Und dann dürfen Sie die persönlichen Kontakte nicht außer acht lassen. Uebrigens war ich vor ganz kurzem, in Begleitung des ägyptischen Unterrichtsministers in Rom; eine herrliche Stadt voll ewiger, beglückender Antike. Paris ist es erst seit dem XIX. Jahrhundert. Aber dort am Tiber: tatsächlich bezaubernde Bilder vergangener Größe und Pracht, wahre Wunderwerke entschwundener, heroischer Zeiten. Demnächst will ich mit dem hochverdienten Philosophen und Forscher (wohl der größte lebende auf dem Gebiete der arabischen Sprache) über Madrid — wohin uns eine ganz besondere Liebe immer wieder hinzieht — Paris, Frankfurt, Darmstadt wiederkommen. Sein Lebenswerk: ,Meine Tage1, in dem der mit drei Jahren vollends erblindete Gelehrte sein inneres, beschauliches Dasein schildet, soll in einem Darmstädter Verlag erscheinen, die deutsche Uebersetzung, selbstverständlich.“
„Eine ganz besondere Ehre für Darmstadt, Exzellenz.“
„Der Pariser Larousse-Verlag hat soeben eine umfassende, illustrierte Geschichte der Anfänge der ägyptischen Künste bis zur Gegenwart herausgegeben. Darmstadt, Frankfurt und auch Wiesbaden, auch Heidelberg sollen etwas ähnliches erleben. Denn die ägyptische Kunst beginnt nicht etwa bei den Griechen, die sie übernahmen. Sie hat eine eigene, hehre Wiege und Entwicklung. Dies soll der deutschen Jugend, den Studenten und Kunstinteressenten im Verlaufe von Lichtbildervorträgen in wenigen Monaten mit hervorragendem, dokumentarischem, authentischstem Material vor Augen geführt werden.“
„Gewiß, eine Initiative, die von vielen begeistert begrüßt werden wird. Und werden wir auch Proben dieses Lebenswerkes zu lesen bekommen?“
„Aber gewiß; mehrere hundert Exemplare werden gleich hier bleiben. Da wo ein Werk verlegt wird, muß es auch bekannt sein!“
Kaum waren diese Worte verklungen, als auch schon der Prachtwagen davonraste und in Richtung der Rheinbene, der Pfalz, der Saar und der Grenze zu verschwand.
Dr. Paul Peterlein
Landesplanung in Darmstadt
Am Donnerstag, dem 20. Juli 1950, vormittags 10 Uhr findet im Büchner-Saal, Bessunger Straße 125, eine Aussprache zwischen der Abteilung Landesplanung des hessischen Ministerpräsidenten und Vertretern der Be-' hörden und des kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens der Stadt Darmstadt statt. Dabei soll festgestellt werden, welche besonderen Notstände in Darmstadt vorherrschen und wie d'esen durch zweckentsprechende Maßnahmen begegnet werden kann.
Nene Wohnungen am Donnersbergweg
Seit Wochen wird am Donnersbergweg eifrig geschafft. Nun ist es soweit, daß die letzten Handgriffe an den drei großen Wohnblocks getan werden, und wenn nichts dazwischenkommt, sind am kommenden Samstag 48 Wohnungen bezugsfertig. Der Bauverein für Arbeiterwohnungen hat zwei Einzel- und einen Doppelwohnblock errichtet mit jeweils 12 bzw. 24 Kleinwohnungen. Auf den Etagen der dreistöckigen Gebäude sind immer drei Wohnungen zu drei, zwei und einem Zimmer aufgeteilt, mit Ausnahme des Doppelhauses, in dem es nur Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen gibt. Die kleinen Wohnungen sind ausgesprochene Junggesellenklausen oder für junge Ehepaare gedacht. An dem Aufbau haben sich verschiedene Firmen finanziell beteiligt, so unter anderem die Firma Schenk, die Fernseh GmbH., Bahnbedarf Rodberg und weitere. Ein Wohnblock wird nur von Betriebsangehörigen der Firma E. Merck bezogen. Wenn am Samstag die Mieter einziehen werden, ist ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Wohnraumentlastung getan. hfl. Photo: Hage
Im Gerichtssaal gesehen und erlauscht
Ist Diebstahl krankhaft? — Aufregendes Faschingnachspiel mit happy end
Mit einer lockeren ^Diebin hatte sich am Mittwoch Darmstadts Schnellrichter, Amtsgerichtsrat Holzschuh, zu befassen. Die 26 Jahre alte Lydia K. besitzt bereits ein dickes Vorstrafenregister. Wegen Diebereien und gewerbsmäßiger Unzucht machte die aus Saarbrücken stammende und umherstreifende, junge Dame schon Bekanntschaft mit Frauenarbeitshaus, Gefängnis und Zuchthaus. Dies alles hielt sie nicht zurück, erneut auf dem Diebstahlssektor straffällig zu werden. Nachdem sie mit einem Amerikaner im Februar in einem Darmstädter Hotel übernachtet hatte, ließ sie am Morgen nach Verlassen des Hauses Bettwäschestücke aus ihrem Gastzimmer mitgehen. Als sie im Juni bei einem älteren Mann in einer Gartenhütte als Haushälterin zu arbeiten begann, nahm sie nicht nur nächtliche schwarze Boyfriends mit in diese Behausung, sondern stahl dem alten Mann eines Tages auch dessen Armbanduhr und Herrenhose und verschwand spurlos. Der Schnellrichter war der Auffassung, daß diese Diebstahlsdelikte auf eine krankhafte Veranlagung der Angeklagten zurückzuführen seien und berücksichtigte mildernd deren Geständnis sowie den geringen Wert des gestohlenen Gutes. Wegen Rückfalldiebstahls bestrafte er die 26jährige mit einem Jahr Gefängnis und machte sie darauf aufmerksam, daß sie bei einer erneuten Straffälligkeit in Sicherheitsverwahrung genommen würde.
In Griesheim scheint die Fastnacht noch nicht zu Ende zu sein. Jedenfalls beschäftigte sich das hiesige Amtsgericht am Mittwoch mit einem ebenso aufregenden wie amüsanten Nachspiel des dortigen Faschingstrubels. In einem Zivilprozeß stritten sich zwei Parteien wie Kampfhähne um die Frage, ob sich eine Frau öffentlich oder nicht öffentlich ihres Büstenhalters entledigt habe.
Die Tatsache, daß während einer Feier einer ehemaligen Griesheimer Schulklasse eine Frau in vorgerückter Stunde in die Küche ging, dort ihren BH. ablegte und diesen im Lokal versteigerte, veranlaßte den 24jährigen Protokoller einer Herren- und Damensitzung zu einem ironischen Büttenzitat. Der Ehemann war darüber sehr ungehalten und forderte in einem Vergleich vor dem Bürgermeister die öffentliche Zurücknahme der Behauptung des 24jährigen, seine Frau habe sich „öffentlich brustfrei“ gemacht. Dies tat der Witzbold auch im „Griesheimer Anzeiger“, allerdings mit einem angehängten Zitat Schopenhauers über den Sinn des Humors. Der wiederum erboste Ehemann erhob daraufhin Privatklage.
Mit viel Gelächter leitete der Amtsrichter die „Friedensverhandlungen“ zwischen den beiden Kampfhähnen, die von ihren Rechtsanwälten assistiert wurden. Es kam schließlich zu einem Vergleich: Der beklagte, 24- jährige junge Mann nahm se Bnieeaum jährige junge Mann nahm seine Behauptung bzw. seinen Vers mit Bedauern zurück und wurde zu den Verfahrenskosten verurteilt. Der Amtsrichter sprach die Hoffnung aus, daß das Kriegsbeil der beiden Parteien in diesem Fall damit nun endgültig begraben sei- wst.
Drei Wochen Zeltmission
Mit zwei Vorträgen am kommenden Sonntag, dem 16. 7., um 15.30 und 20.00 Uhr, findet die dreiwöchige Volksmission im Zelt ihren Abschluß. Leider fiel infolge ernster Erkrankung der dritte Redner, Obermedizinalrat a. D. Dr. W. Vetzb erger, Siegen, aus. So mußte neben Jugendpfarrer Koch aus Mannheim, der in der ersten Woche sprach, die Hauptarbeit von dem Evangelist Didsc hu n, Geisweid, getan werden. Mit hingebungsfreudigem Einsatz hat dieser sich der großen Leistung unterzogen, zumal neben starker seelsorgerischer Beanspruchung fast alle Bibelstunden in den drei Wochen auch von ihm gehalten werden mußten.
Was ist nun im Rückblick auf diese besondere Missionsveranstaltunig zu sagen? Zunächst ist festzustellen, daß der Besuch durchgehend gut war. Bis auf zwei Abende war das Zelt immer fast voll besetzt und sogar überfüllt. Das reicht zwar nicht an den Massenandrang in anderen Städten heran. Aber es erfüllt doch alle Kreise, die die Arbeit vorbereiteten und trugen mit großer Freude und Genugtuung, daß drei Wochen lang täglich über 1000 Menschen unserer Stadt sich mit den letzten Fragen des Lebens und des menschlichen Seins beschäftigen. Besonders erfreulich war die Wahrnehmung, daß fast mehr Jugend und junge Eheleute das Zelt füllten, als die ältere Generation. Dankbar zu vermerken ist auch der freudige Einsatz der Gesangs- und Posaunen chöre.
Von Darmstadt geht das Zelt nach Ludwigshafen und dann nach Hamburg.
Hygiene-Ausstellung
geht auf Wanderschaft
Auf Anregung des Regierungspräsidiums Darmstadt soll im Lichthof des früheren Gewerbemuseums eine Hygiene-Ausstellung geschaffen werden, die voraussichtlich im September oder Oktober 1950 eröffnet wird. Die Ausstellung wird mit Hilfe des Gesundheitsmuseums Köln, das eine Nachfolgeeinrichtung des Deutschen Hygienemuseums in Dresden ist, aufgebaut und steht unter dem Protektorat des Ministerpräsidenten Stock. Mit der Ausstellung soll ein Gesundheitserziehungszentrum verbunden werden, welches dem ganzen Regierungsbezirk Darmstadt dienen soll. Es wird in ollen Städten und größeren Gemeinden Filme und Lichtbildervorträge über die verschiedensten Gebiete der Medizin veranstalten und den Behörden Anregungen und Informationen geben.
Nebenbei soll die Darmstädter Ausstellung als Wanderausstellung in den Regierungsbezirk hinausgehen. Die Mitwirkung der Schulen und der Ärzteschaft ist sichergestellt. Die Ausstellung verfolgt das Ziel, den Menschen die Wichtigkeit der tätigen Hygiene und Reinlichkeit zu demonstrieren und die Volksseuchen zu bekämpfen. Außerdem soll sie Aufklärung über die im Starkenburger Bezirk seit längerem verbreitete Spulwurmerkrankung geben, die nach dem Zusammenbruch zu einer lebens- und gesundheitsbedrohenden Erscheinung geworden ist. -oh-
Rheinfahrt der Danziger
Die Ortsstelle Darmstadt des Bundes der Danziger e.V. unternahm am letzten Sonntag eine Rheinfahrt nach Aßmannshausern Für Unterhaltung in der Bahn und auf dem Schiff sorgte die zum Teil aus Danzigern bestehende Kapelle Fischer.
In Aßmannshausen wurde nach dem gemeinsamen Mittagessen und einem Bummel durch das Rheinstädtchen getanzt. Mit zwei Stunden Verspätung, aber froh über den schönen Tag, kam man wieder nach Darmstadt.
Der Mittelrheinische Architekten- und In¬ genieurverein Darmstadt veranstaltet am heutigen Vormittag um 10.00 Uhr im Union-Lichtsp:eltheater eine Matinee, in der Dr.-Ing. habil. W. Ernst, Düsseldorf, über Massiv-Decken, Schal- und Wärme-Isolierung sprechen wird. In der gleichen Veranstaltung werden die Filme: „Baustahlgewebe, seine Herstellung und Verwendung“ und „Dyckerhoff-Weiß, der Baustoff der tausend Möglichkeiten“ vorgeführt.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie: 19.30 Uhr: „Othello“ (F/24) Ende 22.00 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „An klingenden Ufern“; Thalia: „Mädchen hinter Gittern“, 22.30 Uhr: „So beginnt ein Leben“; Belida: „Mit Pinsel und Degen“; Palast: „Aus der guten, alten (Zeit“. 22.30 Uhr: „Miranda“; Hansa: „Nur eine Nacht“.
Amerikahaus: 20 Uhr Vortrag mit Lichtbildern und musikalischen Beispielen am Flügel, Dr. Gaston Dejmek: „Der französische Impressionismus in Malerei, Dichtung und Musik“. — Ausstellung: „Fotoform“.
Mittelrheinischer Architekten- und Inge¬ nieurverein: Union-Theater: 10 Uhr Vortrag Dr.-Ing. habil. W. Ernst. Düsseldorf: „Baustahlgewebe, seine Herstellung und Verwendung“ und Filmvorführung: „Dyckerhoff-Weiß, der Baustoff der tausend Möglichkeiten.“
Wir gratulieren
83. Geburtstag: Frau Adolphine Kirchenbaue?. Michelstadt i.0., Frankfurter Str. 39.
75. Geburtstag: Frau Anna Marg. Lehn, Güttersbach, Städtel.
Starkenburg
Die „Großmutterstube des Odenwaldes“
Gründungsfeier des Verkehrsvereins Michelstadt
Vereinsgründungen vollziehen sich im allgemeinen in nüchterner Sachlichkeit. Ganz anders die des Verkehrsvereins Michelstadt, der am Mittwochabend in „Schmerkers Garten“ im Rahmen einer würdigen Feier aus der Taufe gehoben wurde. Bürgermeister Wöb e r wies in seinen Grußworten darauf hin. daß gerade der festliche Rahmen als Maßstab für die Bedeutung zu werten sei, die die Stadtverwaltung der Gründung des 'Verkehrsvereins beimesse. Der unermüdliche Initiator so mancher segensreichen Einrichtung in Michelstadt, Ehrenbürger und Altbürgermeister Heinrich Ritzel, Mdß, umriß die vielseitige Arbeit des Verkehrsvereins, wobei er auch schonungslos Kritik an manchen Zuständen und schlechten Gewohnheiten übte, die im Interesse der Hebung des Fremdenverkehrs und der Erhaltung und Festigung des guten Rufes Michelstadts als dem reizvollen „Großmutterstübchen des Odenwaldes“ — wie es Stadtarchivar Philipp Buxb au m nannte — so bald wie möglich abgestellt werden müssen.
Stadtarchivar B u x b a u m gab in seiner Rede einen kurzen Ueberblick über die fast zweitausendjährige Geschichte der Stadt und kündigte an, daß in aller Kürze eine kleine Stadtgeschichte im Buchhandel erscheine, an der er fünfzehn Jahre lang gearbeitet habe. Er machte den beifällig aufgenommenen Vorschlag, dieses Büchlein in großer Auflage durch die Stadt an alle maßgeblichen Besucher Michelstadts, aber auch an jedes Brautpaar verteilen zu lassen, denn jeder Einwohner, gleichgültig ob Alt- oder Neubürger, ja jedes Schulkind müsse in der Geschichte seiner Heimatstadt so gut Bescheid'Wissen, daß es als gut unterrichteter „Fremdenführer“ dem Besucher alles Wissenswerte vermitteln könne. Er habe auch ein Faltblatt entworfen und außerdem die gang durch die engere Heimat. Die Kapelle Ausbildung einer größeren Anzahl Verkehrsvereinsmitglieder zu Fremdenführern übernommen.
Mit einer großen Zahl hervorragender Farblichtbilder aus dem Lande zwischen Main, Rhein und Neckar war Lehrer Lukow den sehr zahlreichen Gästen der Feier ein feinsinniger Führer auf einem Spazier-Fritz Arzt, die Gesangvereine „ Liederkranz“ und „Sängervereinigung“ mit gemischtem und Frauenchor, sowie der Schülerchor der Stadtschule Michelstadt umrahmten mit stimmungsvollen Heimatweisen die umfangreiche Feier.
Beim eigentlichen Gründungsakt stellte Oberregierungsrat Ritzel die Mitglieder des Vorstandes und der einzelnen Ausschüsse vor, wie sie in einer vorbereitenden Sitzung am 3. 6. 50 vorgeschlagen wurden. Danach gehören dem Vorstand an: H. Ritzel, Ph. Buxbaum, Fr. Schöll, P. Ley hausen, Dr. Süß, Willi Heist und als Rechner H. Zimmermann; dem Organisationsausschuß: Dr. Pieroth, P. Lenz, J. D i f 1 o, J. Ihrig, J. Sattler sowie ein Vertreter der Stadtverwaltung: dem Ausschuß für Städtebild und Werbung: W. Seip, H, Hoffmann, H. Ritzel, Ph, Klotz, Adelhelm, W. Seeger und Baumeister Meyer; dem Quartierausschuß K. Rodemich, P. Zechmeister, H, Müller, E. Schlö ri t, A. Muth, N. Röth, W. Seip und ein Vertreter der Stadtverwaltung. Einstimmig billigte die Gründungsversammlung diese Vorschläge. Mit dem Appell zur eifrigen Mitgliederwerbung schloß Heinrich Ritzel die Gründungsfeier des Verkehrsvereins, der das gesamte Leben der Stadt kraftvoll beseelen soll. (-ch)
Graf Franz I. war der Begründer der zahlreichen Sammlungen des Schlosses Erbach. Sein Standbild steht zur Erinnerung auf dem Erbacher Marktplatz, von dem unser Bild einen Ausschnitt zeigt. Foto: Kenner
Anerkannte Gemeinnützigkeit
Wie aus einem erst vor wenigen Tagen eingetroffenen Schreiben des hessischen Innenministers hervorgeht, wird die Groß-Gerauer Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft eGmbH mit Wirkung vom 26. April 1950 als gemeinnütziges Wohnungsunternehmen unter der Voraussetzung anerkannt. daß auch weiterhin die gesetzlichen Forderungen hierzu erfüllt werden. Hieraus ergeben sich Vorteile bei der Zahlung von Gebühren und Steuern.
Die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft, deren Tätigkeit sich auf die Gemarkung Groß-Gerau beschränkt, zählt zur Zeit etwa 100 Mitglieder. In Kürze wird die Genossenschaft ein Bauprogramm anlaufen lassen, in dem sechs Häuser mit je zwei Vollwohnungen erstellt werden sollen. (cg)
Pavillonschulbau wird beraten
Die Groß-Gerauer Bau- und Finanzkommission wird voraussichtlich noch in dieser Woche zusammenkommen, um die Ergebnisse der Besichtigung von Pavillon-Schulbauten in Mannheim-Waldhof, Ludwigshafen und Weinheim (worüber wir bereits in der Dienstag-Ausgabe berichteten) zu diskutieren. Man wird sich in dieser Sitzung darüber klar werden, ob es empfehlenswert ist, in Kürze in der Karl-Liebknecht-Straße mit dem Bau der Pavillon-Schule zu beginnen. Es ist damit zu rechnen, daß man den ursprünglich geplanten Ausbau der Schwenk-Schule oder Schillerschule fallen lassen wird.
Der Bau der Pavillon-Schule würde zirka 300 000 DM kosten, die je zu einem Drittel von Stadt, Kreis und Land getragen werden müßten. (cg)
In vierzig Minuten
270 Ferkel verkauft
Bei dem Groß-Gerauer Ferkelmarkt wurden am Mittwoch in zirka vierzig Minuten 270 Ferkel verkauft. Da hiermit der Markt geräumt war, konnten viele Kauflustige ihre Wünsche nicht befriedigen. Bei den 270 aufgetriebenen Ferkeln handelte es sich um ausgesprochen gute Ware. 4 Wochen alte Ferkel kosteten 25 bis 30 DM, mit 5 Wochen kosteten sie 35 bis 40 DM. Die Preise von sechs Wochen alten Ferkeln lagen zwischen 40 bis 45 DM, 7wöchige Ferkel 50 bis 55 DM. Der nächste Ferkelmarkt findet am 26. Juli statt. (cg)
Ein gefährliches Papierchen
Es gibt ein geflügeltes, Wort: „Schreibe hin und schreibe her, aber schreibe nur nicht quer!“ Dieser gute Rat richtet sich an den „kleinen Mann“, der sich mitunter überreden läßt, beim Kauf eines sehnlichst begehrten Stückes einen Wechsel zu unterschreiben. In vielen Fällen kommt er in tödliche Verlegenheit, wenn am Fälligkeitstag mit unerbittlicher Pünktlichkeit dies Papier präsentiert wird, und er es nicht einlösen kann. Das gibt dann manche schwere Stunde.
So erging es jetzt, wenn auch mit umgekehrtem Vorzeichen, einem Geschäftsmann aus Urbach. Bei ihm hatte ein Vertreter aus einem südpfälzischen Ort Ware eingekauft und dafür einen Blanko-Wechsel gegeben. Da er nun „platzte“, weint der Kaufmann seiner Ware nach und muß obendrein noch für die Wechselkosten aufkommen. Ein wahrhaft gefährliches Papierchen, so ein Wechsel! RG. ,
Christentum und Gewerkschaft
Pater Reichel vor Odenwaldarbeitern in Unter-Schönmattenwag
Der durch seine grundlegenden Arbeiten über Gewerkschaftsfragen bekanntgewordene Pater Dr. phil. et theol. Reichel (Mainz) sprach in einer gut besuchten Versammlung in Unter-Schönmettenwa g vor Industrie-Arbeitern über die Stellung des Christentums gegenüber den Gewerkschaften. Er ging von der Ansprache des Papstes zum Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer in Deutschland, Frankreich und Italien aus, die leider, no;h bevor sie in einer einwandfreien Übersetzung vorgelegen habe, von bestimmten Kreisen in ihrem Sinne verborgen worden sei. Grundtenor des Papstes sei die Sicherung des Arbeiters vor Massenerwerbslosigkeit gewesen, nicht aber die Sicherung des Kapitals vor Arbeitnehmer-Ansprüchen zur Mitbestimmung.
Christliche Kulturpolitik lasse sich, wie Pater Reichel besonders hervorhob, nun einmal nicht von christlicher Sozialpolitik trennen, denn der Mensch als Ebenbild Gottes sei ein Ganzes, nicht aber nur Kulturträger oder nur Sozialist. Der Redner gab zu, daß die Kirche zeitweilig den Kontakt zur Arbeiterschaft verloren habe. Festzustellen, wessen Schuld dies sei, führe in unwegsame Gebiete philosophischer Betrachtungen. Die Tatsache aber, daß keineswegs, wie gerne behauptet werde, Gegensätze zwischen Religion und Gewerkschaften bestünden, bilde als Dominante das entscheidende Element, von dem jegliche Entschlüsse auszugehen hätten.' Wenn jedweder Einzelmensch mit christlichem Beispiel vorangehe, sei die Kirche nie Verbotsträger, sondern nur ein Werk Gottes zum Besten der Menschen. Die gewerkschaftlichen Zusammenschlüsse trügen dieselben inneren Aufgaben in sich, wie viele ausgesprochen kirchlichen Organisationen, so daß sie durchaus keinen Gegensatz zum Christentum darstellten. Aus solcher Schau gesehen, sei Karl Marx weit eher gewerkschaftsfeindlich gewesen, da er dem Menschen die Seele absprach und ihn als Material betrachtet wissen wollte.
Die anschließende Diskussion erfreute sich einer regen Beteiligung. Am Ende der Aussprache stand die Überzeugung, daß die Arbeiterschaft im Sinne christlichen Gedankenguts aktiv werden müsse. (r)
Er wollte ein Fahrrad kanfen
und erhielt 1 Jahr Gefängnis
Der 29jährige mehrfach einschlägig vorbestrafte H., z. Z. ohne festen Wohnsitz, hielt sich im September 1949 nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt Dieburg einige Tage in Habitzheim auf. Dort erklärte er einer Frau gegenüber, die ein Fahrrad benötigte, er werde ihr eines beschaffen. Die Zeugin gab ihm 20,— DM zum Ankauf, worauf der Angeklagte verschwand. H. hatte sich nun kürzlich wegen Rückfallbetrugs vor dem Strafrichter des Amtsgerichts Reinheim zu verantworten. Zu seiner Verteidigung führte er an, dem Sohn der Zeugin, den er vor deren Haus antraf und der auch bei der Unterredung über den Kauf des Fahrrades zugegen war, das Rad ausgehändigt und erklärt zu haben, daß er bei seiner Mutter nochmals vorsprechen werde. Nach Gegenüberstellung mit dem Sohn, erklärte der Angeklagte, das Fahrrad einem anderen Jungen gegeben zu haben.
Da H. schon andere Personen in letzter Zeit auf gleiche Weise geschädigt hatte und nicht geständig war, erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, unter Anrechnung der bereits erlittenen Untersuchungshaft, und zwei Jahre Ehrverlust. le.
Mordversuch vor dem Schwurgericht
Vor dem Darmstädter Schwurgericht beginnt am kommenden Montag der Prozeß gegen den wegen Mordversuchs an seiner Ehefrau angeklagten, 36jährigen Arbeiter Philipp Stapp aus Sandbach im Odenwald.
In einer schweren Bluttat gipfelte Mitte März dieses Jahres die Ehetragödie der Familie Stapp in Sandbach. Nach stundenlangem Streit war seinerzeit Stapp mit einem Messer auf seine Frau losgegangen und hatte diese durch Schnittwunden am Hals und Messerstiche in Hals und Rücken schwer und lebensgefährlich verletzt. Als der Mann damals sah, was er angerichtet hatte, unternahm er einen Selbstmordversuch, indem er sich die Handgelenke aufschnitt und eine Pulsader öffnete. Nachbarn wurden jedoch rechtzeitig auf die furchtbare Tat aufmerksam und verständigten einen Arzt. Im Krankenhaus konnten beide gerettet werden.
Ermittlungen ergaben noch weitere Mordversuche Stapps an seiner Ehefrau. So hatte er im Jahre 1942 fein gemahlenes Mäusegift in das Mittagsmahl seiner Frau geschüttet, die damals allerdings den bitteren Beigeschmack bemerkte und das Essen fortschüttete.
Stapp legte bei der Kriminalpolizei ein volles Geständnis ab. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht wird das Tatmotiv eindeutig klären. Es soll angeblich in der ehelichen Untreue der Ehefrau Stapp und der damit verbundenen Eifersucht ihres Mannes zu suchen sein. (wst.)
Gernsheimer „Derby“
Seifenkistl-Rennen der Jugend
In Gernsheim ist für den 6. August ein großes Seifenkistlrennen geplant. Die Nachricht hierüber blieb selbstverständlich auf die einheimische Jugend nicht ohne Wirkung und man ging sofort daran, die „Rennstrecke“ mit einer Abordnung zu besichtigen. die einige Mängel an der Bahn feststellte, um deren Behebung die Stadtverwaltung „hochoffiziell“ gebeten wurde.
Wie man sieht, nehmen die Jungen die Angelegenheit — ihre Angelegenheit — sehr ernst. Die Freizeit ist nun dafür da, Räder, Achsen, Steuersäulen und Kabelspulen zu „organisieren“. Die ersten Probefahrten fanden Inzwischen statt, zu denen' sogar die GYA Groß-Gerau mit Sgt. Gönn und vier Seifenkistln nach Gernsheim kam. Selbst Kreis-Resident-Offlcer Mr. M u 1 v ehill war anwesend und erwähnte, daß er der festen Ansicht sei, daß die „ Seifenkistl-Rennen“ sich in Deutschland bei der Jugend immer größerer Beliebtheit erfreuen werden. In USA seien bei dem großen American Soap Box Derby in Aktron im August vorigen Jarhes rund 75 000 begeisterte Zuschauer anwesend gewesen (-uc)
Im Dienste des Turnens
Turnerschaft Ob-Roden ehrte Jubilare
Anläßlich des 55jährigen Stiftungsfestes der Turnerschaft Ober-Roden wurden durch den 1. Vorsitzenden Andreas Kern verdiente Gründer und Jubilare geehrt. Die Ehrenurkunden der Gründer konnten an Ehrenvorsitzenden Johann Kric ks e r 1., August Hornung, Johann Merg et, Johann Leopold Hörner und Gerhard Berc ke r übereicht werden. Georg Wilzbach, Nikolaus Kricks er. Georg Wunderlich, Karl Frei, MatthäusWilzbach, Philipp Mieth, Philipp Weber, Julius Mer ge t und Karl Wunderlich konnten auf ihre 50jährige Vereinszugehörigkeit zurückblicken. Besondere Ehrenurkunden wurden dem Ehrenvorsitzenden Johann K r i c k s e r für 55 Jahre ununterbrochene Arbeit als Vorsitzender und Ehrenvorsitzender, Andreas Kern für 25jährige Tätigkeit als 1. Vorsitzender und Andreas Köhl für 25 Jahre technische Leitung der einzelnen Abteilungen ausgehändigt. Im Verlaufe seiner Festrede würdigte Andreas Kern die Verdienste dieser „Altveteranen“ der Tumerschaft. (gi)
Seeheims Haushaltsplan
Der ordentliche Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 283 619,77 DM ab. Die Steuerhebesätze sind bei der Grundsteuer für land- und forstwirtschaftliche Betriebe 216 v.H., für Grundstücke 120 v.H., Gewerbesteuer vom Ertrag und Kapital 330 v.H. und Zweigstellensteuer 440 v.H. Die Fürsorge- und Jugendhilfe beanspruchen an Ausgaben 22 415,00 DM, dem 5 285,50 DM an Einnahmen gegenüberstehen. Für Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen sind 28 428,69 DM vorgesehen. Das Schulwesen schließt in Einnahmen mit 3 317,60 DM und in Ausgaben mit 14 861,12 DM ab. Den Einnahmen aus Finanz- und Steuerverwaltung von 200 890,00 DM stehen an Ausgaben 78 219,00 DM gegenüber. (hl)
Obstbautag und Pfirsichfest in Zwingenberg
Am Wochenende wird in Zwingenberg der Obstbautag in Verbindung mit dem traditionellen Pfirsichfest gefeiert, das der Verkehrs- und Verschönerungsverein auch in anderen Jahren schon veranstaltet hat. Am Samstag eröffnet der Vorsitzende des Vorstandes der Obst- und Gemüsezentrale, Herr Karl Schmitt, um 10 Uhr eine Ausstellung in der Markthalle, bei der sowohl Obst und Obstsortimente als auch Maschinen und Geräte für Obst- und Landwirtschaft gezeigt werden. Um 20 Uhr beginnt ein Begrüßungsabend im Festzelt. Es sprechen Bürgermeister Kern und der Aufsichtsratvorsitzende der Obst- und Gemüsezentrale, Landwirtschaftsrat Dr.W. S chmi d t, dem die Leitung der gesamten Veranstaltung obliegt.
Die Sonntagsfeierlichkeiten werden früh um 6 Uhr durch einen Weckruf eingeleitet. Um 9.30 Uhr beginnt in der Markthalle die eigentliche Obstbautagung mit einem Referat, das Direktor Spreng, Leiter der schweizerischen Zentrale für Obstbau, halten wird. Das Thema behandelt „Die Schweiz als Obstland“. Direktor Spreng, der als der vorzüglichste Obstbauexperte Europas gilt und in Fachkreisen vor allem als der Vater des „Oechberg-Baumschnittes“ bekannt ist, wird seine Ausführungen mit einer großen Zahl farbiger Lichtbilder ergänzen. Als Vertreter des Landwirtschaftsministers wird Ministerialdirektor Dr. Keil bei der Tagung erwartet; auch die Landräte des Regierungsbezirkes Darmstadt haben ihr Kommen zugesagt.
Um 14.30 Uhr beginnt der Festzug, der sich aus 35 Gruppen zusammensetzt. Einzelheiten hierüber sind noch nicht bekannt. Eine Ueberraschung, die den Pfirsichfestbesuchern des vergangenen Jahres noch in angenehmer Erinnerung sein wird, soll den diesjährigen Gästen wieder „saftigen Pfirsichgewinn“ bringen. Wer sich nicht mehr erinnern kann, darf um so gespannter sein. (Vielleicht fällt die Ueberraschung vom Himmel. Man kann nie wissen!)
Der Montag gehört wieder der ernsten Arbeit. Zwei Vorträge, die von Verbandsdirektor Dr. Rohr, Frankfurt, und dem Geschäftsführer des Verbandes für Obst<großkaufleute, Herrn Dr. N i e e z gehalten werden, behandeln das aktuelle Thema „Absatz und Preisgestaltung in der heutigen Zeit“. Auf einer Fachtagung der Bergsträßer Obstbauern spricht der Pfirsichspezialist Kreisgartenbauamtmann Philippi, Bad Dürkheim, über den Frühobstbau. Um 16 Uhr findet für eine begrenzte Anzahl von Gästen in der Markthalle die vergnügliche Tagung einer Weinprobe statt, bei der Bergsträßer Weine des Jahrgangs 1949 probiert werden.
An beiden Tagen ist große Obstversteigerung, an der sich die Interessenten ebenso beteiligen sollen wie an Frohsinn, Spiel und Tanz, die für die Dauer des Festes reichlich vorgesehen sind. (kä)
Sängerfest in Momart
Die auf den höchsten Erhebungen des Odenwaldes gelegene Gemeinde mit ihrem herrlichen Rundblick über das Mümlingtal, bis hinüber zu den Höhenzügen des Gersprenztales rüstet zum festlichen Empfang von über 1 000 Sängerinnen und Sängern aus Anlaß des 40ijährigen Stiftungsfestes der Gesangsabteilung (früher .Diederkranz“) der Kultur- und Sportgemeinde am kommenden Sonntag. Kreisvorsitzender Gi e g aus Höchst und zahlreiche Vereine des Kreisgebietes haben ihr Erscheinen zugesagt.
Die im Jahre 1900 gegründete Gesangsabteilung unter ihrem derzeitigen Dirigenten Lehrer Zink, Bad König, genießt einen guten Ruf unter der Sangesgemeinschaft des Kreises. Mit der Ehrung der gefallenen und verstorbenen Vereinsmitglieder am Kriegerdenkmal beginnt am Sonntag das Fest. Im anschließenden Begrüßungskommers der Gastvereine wird der Bürgermeister und 1. Vorsitzende der Kultur- und Sportgemeinde, Reichert sprechen. Nach dem Festzug durch die Ortsstraßen zum Festgelände, nimmt Kreisvorsizender Gi e g die Ehrung der Mitgründer Ph. Jed)l ich, Gg. Lust und dem heute in Gräfenhausen ansässigen Lehrer und Rektor Stark vor. Außerdem werden für 25jährige Mitgliedschaft 11 weitere aktive und 10 inaktive Sangesbrüder geehrt. Das Nachmittagsprogramm ist mit Liedervorträgen von 13 Gastvereinen ausgestaltet. Ein Festkonzert mit Ball bildet den Abschluß des Jubelfestes. (gl.)
Lindenfest in Reichelsheim
Auch in diesem Jahr feierten die Reichelsheimer, besonders der Ortsteil „Westend“, ihr traditionelles Lindenfest. Heimatforscher Wilhelm Bardonner gab einen geschichtlichen Rückblick über die Entstehung der prächtig gewachsenen und unter Naturschutz stehenden Dorflinde. Die Einwohner der Heidelbergerstraße bauten vor 76 Jahren am Eingang zum sogenannten „Alten Weg“ in Selbsthilfe einen Brunnen und setzten ein Lindenbäumchen, das Brunnen und Pumpe Schatten spenden sollte. Alljährlich versammelt sich zur Zeit der Lindenblüte alt und jung unter der mächtigen Krone, um bei Gesang und Tanz einige frohe Stunden zu verleben. (tm)
Meldnngen aus den Landkreisen
Darmstadt-Land
Roßdorf. Dem Ortsjugendausschuß ist es gelungen. Frau Dr. Stahl vom Pädagogischen Institut Jugenheim für einen Vortrag über Jugendfragen zu gewinnen. Dabei kommt ein Kurzfilm zur Vorführung. Die Veranstaltung ist für Samstag, den 22. Juli, im „Gasthaus Germania“ geplant. — Die N a t u r f re ün d e planen für den 23. Juli eine Besichtigung des Frankfurter Zoos. Die Abfahrt erfolgt um 9 Uhr vom ..Darmstädter Hof“. Die Fahrtkosten, einschließlich dem Eintrittspreis für den Zoo betragen 4 DM. Interessenten können sich am Kiosk Breitwieser oder beim Photodienst Helmut Laube anmelden. (sl)
Ober-Ramstadt. Zu drei Monaten Gefängnis verurteilte das Schnellgericht Darmstadt den 21jährigen Holzarbeiter Friedrich L., weil er einem Arbeitskameraden das Fahrrad entwendet und dieses für 20 DM verkauft hat. Der Richter wandte eine mildere Bestrafung an, da der junge Bursche geistig nicht völlig zurechnungsfähig ist.
Anläßlich der silbernen Hochzeit des Gastwirts Peter Roth brachte die Sängervereinigung 1871 dem Jubelpaar ein Ständchen. — Die Gemeindevertreter sind für heute Abend um 20.30 Uhr zu einer öffentlichen Gemeinderatssitzung eingeladen. (D)
Dieburg
Ueberau. Kreisvorsitzender Ludwig Coy, Dieburg, spricht am Freitag, dem 21. Juli, in der Gastwirtschaft „Krone“ zu den Mitgliedern der Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner über das kommende Bundesversorgungsgesetz und die augenblickliche Lage. (ptb)
Kleestadt. Aus einem bewohnten Schlafzimmer wurden in der Nacht vom 10./11. Juli Kleidungsstücke im Werte von etwa 50,— DM entwendet. Da das Fenster zu ebener Erde lag und nur angelehnt war, hatte der Dieb leichte Arbeit. (nb)
Heubach. Der noch jugendliche L. A., der nach den inzwischen angestellten Ermittlungen bereits im Frühjahr an einem 9 Jahre alten Mädchen unsittliche Handlungen begangen hatte, hat sich jetzt eines schweren Sittlichkeitsverbrechens an einer 10jährigen Schülerin schuldig gemacht. — Einem hier wohnenden Kraftfahrer wurden aus einem verschlossenen Behälter seines Schlafzimmers 700,— DM gestohlen. (RG)
Urberach. Ein gewisser Günter P. aus Frankfurt, der sich als Versicherungsvertreter ausgab, hatte in einem Gasthaus ein Zimmer gemietet, den Wirt wegen der Bezahlung aber immer wieder vertröstet. Nach etwa 10 Tagen ist P. unter Hinterlassung der Zechschuld verschwunden. Die Nachforschungen haben ergeben, daß er in gleicher Weise kürzlich einen Gastwirt im Odenwald hereingelegt hat. (RG)
Grbach
Erbach. — Als zweite Erbacher Apotheke wurde durch den Apotheker Dr. Herbert Ehrlich die ebenfalls zu allen Krankenkassen zugelassene „Bären-Apotheke“ er-
oimet. (-eh) Neustadt. — Der Gemeinderat verabschiedete den Haushaltsplan für 1950/51 der im ordentlichen Teil mit 79 612 DM 'und im außerordentlichen mit 14 400 DM abschließt (-ch)
Mumlmg-Grumbach. - Auf der Straße nach Höchst wurden zwei erheblich angetrunkene Fahrer einer Zugmaschine mit Anhänger, die durch waghalsige Schlangenlinien die übrigen Straßenpassanten gefährdeten von der Gendarmerie gestellt. Der Fahrer hatte keinen, der andere keinen für diese Klasse zuständigen Führerschein. Das Fahrzeug wurde sichengestellt. (-ch)
Unter-Ostern. — Das Theater des Odenwaldes, Erlenbach, bringt am kommenden Samstag, um 20.30 Uhr im Saale „Zum Schützenhof“ das Lustspiel in drei Akten von Ludtvig Sippel „Ein Blitz aus heiterem Himmel“ zur Aufführung. (ptoo.)
Reichelsheim. — Kommenden Samstag veranstaltet der Verkehrs- und Verschönerungsverein im Garten „Zum Schwanen“ ein Sommernachtsfest. Die Bevölkerung ist hierzu herzlichst eingeladen. — Der Erwerbslosenausschuß vereinbarte mit dem Besitzer der Döwenlichtspiele“ eine Ermäßigung der Eintrittspreise auf 40 und 50 Pfg. für alle Erwerbslosen mit Ausweis. (fm)
Bergstrasße
Alsbach, Der Gemeinderat setzte die Vergnügungssteuer neu fest. Die Vergebung der Straßendurchbohrung bei der Wirtschaft Dentler, Hähnleiner und Alte Bergstraße, erhielt Maurermeister Schäfer (Hähnlein). Von einer Vergebung der Arbeiten für die neu zu erstellende Friedhofsmauer wurde vorerst Abstand genommen. Das Objekt wird in der nächsten Sitzung nochmals behandelt. (hl)
Winterkasten. Auf der abfallenden Straße von Winterkasten nach Lindenfels geriet ein Kraftfahrer mit Sozius infolge aufgeworfener Erde ins Schleudern und raste in voller Fahrt die Böschung unterhalb der Sandgrube hinab. Wie durch ein Wunder kamen die beiden Fahrer nur mit leichten Hautabschürfungen und Prellungen davon. (VO)
Oberflockenbach. Der Gesangverein „Sängerbund 1889 ‘ konnte beim Preissingen in Ho hensa chsen gegen bemerkenswert starke Konkurrenz den ersten Ehrenpreis — einen prächtigen Pokal —, den ersten Geldpreis und den ersten Dirigentenpreis in der Sonderklasse erringen. Die Leitung des Chors hat Lehrer Nikolaus Fath der damit sein bemerkenswertes Können erneut bewiesen hat. / r)
Waldmichelbach. Die Theaterabteilung der Sport- und Kulturgemeinde tritt nach längerer Pause am Samstag. 15. Juli, im Gastrf‘eu,er. mit einer Aufführung an die Oeffenthchkeit. Das Programm ist den sommerlichen Temperaturen angepaßt ~ A ^r.sPricht einen Abend schwereloser Heiterkeit: „Acht um ein Kind“, von Schwartz und Lengbach. (-r)
Groß-Gerau. In der Frankfurter Straße wurden in den letzten Tagen lange Gräben gezogen. Es handelt sich hierbei um eine Kabelverlegung, die vom Ueberlandwerk durchgefuhrt wird. — Die Eheleute Auguste und Adam Arnold feierten am Mittwoch das Fest der goldenen Hochzeit. — Bürgermeister Dr. Lü d e c k e beging am Montag seinen 54. Geburtstag. (Cg>
Jj°rseh- Zwei mit Erbsen und Maschinen beladene Fernlastzüge stießen auf der Autobahn im Jagersburger Wald derart heftig zusammen, daß der eine Fahrer sofort tot war und der andere schwerverletzt ins Krankenhaus transportiert werden mußte. TT . Sachschäden ist groß, die Ursache des Unglucksfalles bisher noch ungeklärt.
?traße Lorsch-Heppenheim geriet p? ?kw‘ Schleudern und rutschte die ^Ung hlnab- Es entstand nur Materialscnaaen. z„i\ (el)
Am. Mittwoch erzeugten einige nfvo-^L Unter slch eine Panikartige Angstpsychose vor einer kommenden Hungers¬ °•> ..?.ie eilten in die Lebensmittelgeschäfte und kauften Oei. Fette und großen Mengen. Schon am Nachmittag war bei den Händlern kein Vorrat an diesen Artikeln mähr. (bb)
Der SPORT
Generalprobe zum Dieburger Dreiecksrennen
Ab 8 Uhr trainieren die Meister des Motorrads / Die letzten Vorbereitungen
Diesmal möchten wir dem Wort, daß große Ereignisse ihre Schatten vorauswerien, nicht unbedingte Berechtigung zuerkennen. Denn was sich um die Wochenmitte in Dieburg und besonders an der Rennstrecke selbst getan hat, sind viel eher Lichtblicke. Lichtblicke auf die drei vor uns liegenden Tage, in denen es in und bei und um Dieburg überhaupt nur noch brummt und braust und donnert und pluppert und wimmelt und krabbelt.
Inzwischen sind auch die „Drahtzieher“ mit ihrer Arbeit zu Ende gekommen, und an den beiden Renntagen wird mancher Zaungast von einst betrübt feststellen, daß sein Schlupfloch diesmal verdrahtet ist. „Genüge einer Pflicht als Sportler“, heißt es in den zehn Geboten für das Publikum, die im offiziellen Rennprogramm abgedruckt sind, „dann trägst Du zum Gelingen der Veranstaltung bei.“ Des Zuschauers Beitrag ist hier im wahrsten Sinn des Wortes sein Obulus. Noch stehen nicht alle Tribünen noch sind die 700 Strohballen nicht überall ausgelegt, aber alte Praktiker sind bei der Arbeit, sie lassen sich nicht aus dem Konzept bringen, und zur gegebenen Stunde ist unter Garantie alles fix und fertig. Die Streckenlautsprecher sind placiert, die Männer vom Telefon haben ihre Gummikabel verlegt und gestern Morgen schon war der erste Fernsprechapparat am Start- und Zielhaus angebracht.
Siegfried Wünsche war bereits am Mittwochmittag zur Stelle. Er hat sich mit seinen Helfern ein ruhiges Quartier ausgesucht und genießt bis zum Pflichttraining noch zwei Tage in beschaulicher Ruhe, ehe er auf seiner 350 er DKW mit Heiner Fleischmann, Friedel Schön, H. P. Müller, Roland Schnell und Hans Richnow um den Sieg kämpfen wird. Bei der Durchsicht der Starterliste fand er unter „Fahrzeugmarke“ bei den 500 er Solomaschinen den Namen Vincent HRD unter Rudi Knees. „Oooh, wenn Rudi das richtige Modell hat, wird er ernsthaft mitreden“, bemerkte er fachmännisch dazu.
Helfer, die man meist vergißt
Für die Besucher solch’ großer Veranstaltungen mit zehntausenden von Menschen gilt es als selbstverständlich, daß die Hüter der Ordnung und die Helfer des Roten Kreuzes dabei sind. Vergessen wir aber nicht, daß gerade sie an diesen Tagen über ihren Dienstplan hinaus zur Verfügung stehen müssen. Bei dem Gedränge von rmmer noch nd JU?gängern und bei der dTs vielfachen Unvernunft wird Gendarm^^^^ die Beamten der Arbeitstag P°lizei zu einem schweren mit welcher Sie einmal ernsthaft, wieder h Geduld sie immer und immer nunt mahn Interessierte“ zur Orddie S<?Ä D’t Und Sle werden finden, daß schränkten v niCht mit dem uneingedTnken ‘ • VerBnugen an einen solchen Tag S"1 W1o unsereiner. Denken Sie aber imd wnu Be^sWosigkeit der Helferinnen t . elfer des Roten Kreuzes, die wochen-Lm stehen und bei solcher Gelegenheit ihre Freizeit opfern!
Auf der Renn-Intendantur
Wir nannten den letzten Tag vorm Trainingsbeginn eine Generalprobe. Bleiben wir bei diesem Vergleich, und wir finden manche Parallele zum Theaterleben: Intendant ist Rennleiter Gustav Petermann, ihm stehen m Wilhelm Kayser als Organisationsleiter, Franz Hansalek als Finanzgewaltigem, Gottlieb Lorz als Verantwortlichem für die Quartiere, Fritz Rottmann für Streckensicherung, Günter Molter für die prompte Versorgung der Presse, Regisseure zur Seite, die schon seit Tagen zwischen Darmstadt und Dieburg hin- und herpendeln, damit alles seinen geordneten Weg gehe und ihre Kleinarbeit in einem glatten Ablauf des Rennens lohnende Krönung finde.
Scharfe Kämpfe hinter den Kulissen
Auf dem Bürgermeisteramt in Dieburg ist die Rennleitung eingezogen. Treffpunkt aller Wünsche, Forderungen, Bitten, Anfragen, Nachfragen ist das Zimmer Nr. 3, ist Geschäftsführer Schelle vom MC Darmstadt. Wer dort alles was wissen will, ist nicht aufzuzählen. Hunderte, ja Tausende von telefonischen und mündlichen Anfragen und Telegrammen häufen sich mit dem Heranrücken des Rennens. Es gibt da wahrlich keine ruhige Minute mehr, und doch ist viel wichtige Schreibarbeit „nebenher“ zu erledigen. Wir haben uns zum Beispiel eine „Fahrerkarte“ geben lassen, also das wichtigste Papier, das die Teilnehmer am Rennen überhaupt bekommen. Es verzeichnet: Name, Vorname, Wohnort, Entfernung zwischen Wohn- und Veranstaltungsort in . . . km Luftlinie, Startnummer, Lizenz- oder Ausweisnummer, Fahrzeug-Art, -Klasse und Zylinder-Inhalt, Anmeldung, Quartier, Arm-
binde, Siegerehrung, Zusatzversicherung, ■Vorabnahme, Hauptabnahme, Training (erfüllt oder nicht erfüllt) und schließlich die Trainingszeiten. Das alles wird in eine ganz einfache hellblaue Karte eingetragen.
Im Rathaussaal war inzwischen das Quartieramt eingezogen. Kurt Lorz glich Nachfrage und Angebot unter weitestgehender Berücksichtigung persönlicher Wünsche einander an, denn vielfach wollen die Fahrer der beiden Vorjahre auch heuer wieder zu ihren alten Quartierleuten, ein Zeichen, daß es ihnen in Dieburg wohl gefallen hat. Und im Karree großer Tische stehen acht oder zehn Dieburger Buben, vor ihnen aufgerollt die langen Schlangen der Eintrittskarten ... sie sind stundenlang und eifrig am Abstempeln, am Versteuern.
Unter „Zeiteinteilung“ für das Rennen steht auf Programmseite 9 das Wort Fahrplan und darunter: Freitag, den 14. Juli, 8,00 bis 9,30 Uhr Ausweisfahrer Solo, 9,40—11,00 Uhr Ausweisfahrer Beiwagen und so geht das weiter bis 18 Uhr; der Nachmittag ist den Lizenzfahrern fürs Training Vorbehalten. Wenn unsere Leser also ihr „Darmstädter Tagblatt“ heute morgen in Händen haben, dann laufen am Dieburger Dreieck über den Asphalt — fein säuberlich gefegt von einer motorisierten Kehrkolonne der Stadt Darmstadt — nicht nur die Motoren der Rennmaschinen, sondern auch schon die Zeiger der Stoppuhren: Das dritte Dieburger Dreiecksrennen ist inoffiziell bereits gestartet. (RG)
Fast 100 000 DM Defizit
bei Walcott — ten Hoff
Dem Mannheimer Stadtrat wurde am Dienstag das endgültige finanzielle Ergebnis der Berufsboxkampfveranstaltung Walcott gegen ten Hoff übermittelt. Dabei stellte sich heraus, daß auf Grund der bisher vorliegenden Abrechnungen ein Defizit Von 92 000 DM entstanden ist, das die Stadt Mannheim zu tragen hat. Bekanntlich haben die durch die Verschiebung des Kampftermins vom 7. auf den 28. Mai notwendig gewordenen erhöhten Ausgaben ein Zuschuß - Darlehen erforderlich gemacht. Der Mannheimer Boxring als Veranstalter war an die Stadt damals herangetreten, da bis dato nicht einmal die Kampfbörsen der Aktiven vorhanden waren. Die Stadtverwaltung übernahm daraufhin sämtliche Forderungen des Mannheimer Boxrings und stellte ihm einen Kredit in Höhe von 130 000 DM zur Verfügung. Nach Abzug der Außenstände ergab sich nun, daß nur 38 000 DM an Eingängen verblieben, die gegen den Kassenkredit aufgerechnet wurden. Obwohl eg bei der Aussprache im Stadtrat streckenweise sehr hoch herging und Oberbürgermeister Dr- Heimerich feststellen mußte, daß weder er noch der Stadtrat bei der Bereitstellung des Kredits befragt worden sind, einigte man sich nach der Erklärung des Oberbürgermeisters, der solcherart festgestellte Formfehler sei „eine Panne“ gewesen, und akzeptierte den Fehlbetrag. Ob damit die Angelegenheit aus der Welt geschafft sein wird,® steht allerdings noch nicht fest, da mit weiteren Forderungen Dritter gerechnet werden muß. (ni)
Boxabend in der Liebigschule
ABC—BC Mainz-Bischofsheim
Am Samstag, dem 15. Juli, wartet der ABC Darmstadt-Eberstadt mit einer weiteren Freiluftveranstaltung auf. diesmal im Schulhof der Liebigschule. Gegner ist die schlagstarke Staffel aus Mainz-Bischofsheim, gegen die die ABCer eine Vorkampfniederlage wettzumachen haben. Das wird ihnen jedoch nicht leicht gemacht werden, denn die Gäste bringen als Empfehlung Siege über BC Rüsselsheim. FSV Frankfurt und BC Marburg mit. Die Paarungen: Bantamgewicht Merz (B)—Bischoff (D) und Budwick (B)—Weigel (D). Fliegengewicht Steiner (B)—Büttner (D) und Scheerer (B)— Kohl (D). Leichtgewicht Balz (B)—Nicolay (D). Weltergewicht Willner (B)—Sttöher (D) und Sidlovski (B)—Dieter (D). Mittelgewicht Jost (B)—H. Knieß (D) und Weigand (B)— Formella (D). Halbschwergewicht Diehl (B) — Schulz (D). Die Jugendkämpfe bestreiten Günther (B)—Maier (D) und Luthardt (B) —Heckhaus (D).
Beide Staffeln treffen dann Sonntagnachmittag am Oberwaldhaus vor Besatzungsangehörigen nochmals aufeinander.
Der Sportverein Hering weiht nach der Sommerpause seinen neuen Sportplatz ein. Als Termin wurde der 20. August genannt.
1. Etappe: Goldschmidt (Luxemburg)
Metz. (AP.) Die erste Etappe der „Tour de France“ wurde am Donnerstagmorgen in Paris auf dem Place du Palais Royal gestartet. Sämtliche 116 Fahrer traten die lange, über insgesamt 4832 Kilometer führende Fahrt an. Die erste Eta--e Paris — Metz, die über 307 Kilometer ging, wurde von dem Luxemburger Goldschmidt gewonnen. Der Sieger benötigte für die Strecke 9:23,8 Stunden. Als Zweiter folgte Raoul Remy (Frankreich Südost), Dritter: Roger Lambrecht (Belgien), Vierter: Attilio Redolfi (Frankreich Nordost), Fünfter: Robert Chapatte (Paris). Achter wurde Ferdinand Kübler (Schweiz).
Brasilien und Uruguay
Rio de Janeiro, 13. Juli. (AP.) Die Begegnung zwischen Uruguay und Schweden in der Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft in Sao Paulo endete mit einem 3:2-Sieg der Siidamerikaner. Der Halbzeitstand lautete 1:2. Das Spiel zwischen Brasilien und Spanien in Rio de Janeiro wurde von Brasilien mit 6:1, Halbzeit 3:0, gewonnen.
Zur Vorbereitung zum Kreis-Turn- und Sportfest wird am Sonntag, dem 16. Juli um 9 Uhr in Münster, eine Kreisübungsstunde für Turner auf dem Platz des dortigen TV durchgeführt. (Si)
Die Fußballabteilung der TG 08 Ober-Roden verpflichtete den bekannten Bürgeler Stürmer als Trainer und aktiven Mitspieler.
Kreismeister Wildhirt und der Kriegsblinde Bernhard Groh, beide KSV Urberach, errangen auf dem Jubiläumssportfest in Ober-Roden in ausgezeichneten Leistungen die höchste Punktzahl. Beide Turner wurden stürmisch gefeiert. (gi)
Stuttgarter Gäste am Böllenfalltor
Eine der stärksten Tennismannschaften Württembergs wird am Wochenende mit den Darmstädter Spielern die Schläger kreuzen: Der Tennisclub Weißenhof Stuttgart, mit dem den TEC Darmstadt eine langjährige Freundschaft verbindet, entsendet seine 1. Mannschaft nach Darmstadt. An ihrer Spitze steht der letztjährige württembergische Meister Wolczik, dessen kraftvolles Tennis schon manchen erstklassigen Gegner zur Strecke brachte. An die zweite Stelle hat sich jetzt Walter vorgearbeitet und rangiert somit vor Bieber und Barth, die beide noch beachtliche Klasse repräsentieren. Die weiteren Plätze sind mit Mack, Maier, Nusch und Bangerter besetzt..
Bei den Damen fehlen zwar die Stuttgarter „Asse“ Frl. Zehden und Frau Koschel, doch ist die Mannschaft mit Frl. Ruck, Frau Kamann, Frau v. Reitzenstein, Frl. Heffter, Frau Nusch und Frau Bangerter immer noch ausreichend stark genug, um den Darmstädter Damen, die ohne Frau Schubert antreten, als schwer zu schlagender Gegner entgegen zu treten.
Da die Spiele schon am Samstagnaehmittag beginnen und sich über den ganzen Sonntag erstrecken, kommen diesmal auch außer den Herrendoppels die Gemischten Doppelspiele zu ihrem Recht. Obwohl es diesmal nicht um Punkte und Meisterschaftsplätze geht, ist mit spannenden Kämpfen zu rechnen, hex
TEC hat aufgebaut
Heute abend um 19 Uhr wird auf der Anlage des TEC der neue Clubraum durch, den 1. Vorsitzenden. Herm Röhm, eingeweiht.
Nicht lebend kehrst Du heim — kannst ■ nie mehr schauen, K die Heimat, die Du einst so sehr geliebt, H doch Gottes Güte wollen wir vertrauen, er ist der Herr, der nimmt und gibt. So schlaf’ nun wohl, in Vaters Armen, R und Heimaterde deckt Dich zu, ein Mutterherz bringt voll Erbarmen die schönsten Blüten Dir zur Ruh! Die Beisetzung meines geliebten Sohnes, Bruders, Schwagers ■ und Neffen, Herrn Georg Lohr geb. am 10. 2. 1920 gefallen am 3. 2. 1945 fand am Donnerstag, dem 13. Juli 1950, 14.00 Uhr, vom Trauer- B hause aus statt. Frau Sibylla Lohr Wwe. Georg Berwald und Frau B Gretel geb. Lohr § Dornheim, den 12. Juli 1950
Plötzlich und unerwartet verschied am Montagabend mein I lieber Mann, unser treubesorgter Vater, Großvater, Schwiegervater und Onkel, Herr Philipp Behre Schuhmachermeister im Alter von 82 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Elis. Marg. Behre geb. Görlich Familie Philipp Behre Familie Ludwig Behre Familie Philipp Barthel Familie Karl Lipp
Danksagung Für die überaus zahlreichen Beweise der Liebe und Anteilnahme bei dem uns so plötzlich und schwer betroffenen Verluste unseres lieben, guten und unvergeßlichen Entschlafenen Gustav Heil sprechen wir auf diesem Wege allen unseren tiefgefühlten Dank aus. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Scholl für seine trostreichen Worte bei der Einsegnung und am Grabe, für die Kranzniederlegungen seiner Schulkameraden und -kameradinnen, seiner Arbeitskollegen, Gewerkschaftsmitgliedern, dem Verband der Körperbeschädigten und dem Gesangverein „Sängerlust“ für den erhebenden Grabgesang. Ebenso danken wir allen, die ihm durch Kranz- und Blumenspenden ’ gedachten und ihn auf seinem letzten Wege beg eiteten. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Anna Heil und Sohn Familie Philipp Heil Pfungstadt, den 12. Juli 1950
Danksagung B Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus reichen Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben a Entschlafenen, Frau Auguste Scheerer geb. Rohrbach | sagen wir allen herzlichen Dank. Wir danken Herrn Pfarrer Krüger für die tröstenden Worte am Grabe sowie der Evangel. Frauenhilfe für die Kranz-B spende. Die trauernden Hinterbliebenen Traisa, den 13. Juli 1950
Am 12. Juli 1950 verschied nach schwerem Leiden meine liebe Tochter, Schwester, Fräulein Sophie Brommer In tiefer Trauer: Katharina Brommer geb. Itzel Franz Brommer und Verwandte Heubach i. 0., Groß-Bieberau und Darmstadt, 12.7.1950 Beerdigung: Freitag, 14. Juli 1950, 15 Uhr, Friedhof Nieder-Ram¬ städter Straße.
Bestattungen am Freitag, 14.7.1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 15.00 Sophie Brommer, Heu¬ bach i. 0.. 51 J. Waldfriedhof: 14.15: Emil Szielinski
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