Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI Verlag. Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23 Telefon 39 25’ Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 11 Jieuefte Ttatöridpfen Donnerstag, 13. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Vor einer neunen Schlacht

Taidschon unmittelbar bedroht — Dem Höhepunkt der militärischen Krise entgegen

Taidschon, 12. Juli. (AP/BBC/dpa) Das amerikanische Versorgungszentrum Taidschon ist durch den stürmischen Vormarsch der nordkoreanischen Panzertruppen unmittelbar bedroht. Im Osten stoßen an der Küstenstraße feindliche Verbände weiter nach Süden mit dem Ziel Pusan, den amerikanischen Ausladehafen, zu erreichen.

Mit weit überlegenen Kräften sind die nordkoreanischen Truppen auch am Mittwoch mit der gleichen Verbissenheit wie bisher zum Kampf angetreten und haben die Amerikaner aus ihren Stellungen nördlich des Kum geworfen. Die amerikanische Führung hat die Rücknahme der Front auf die südlich des Flusses gelegene Verteidigungslinien befohlen.

Blutigiter Sıhladttag

Der Feind griff wieder wie am Vortage an zahlreichen Stellen der Front bereits in den frühen Morgenstunden an. Augenzeugen berichten, daß plötzlich riesige nordkoreanische Panzer es soll sich um 60- Tonnen-Panzer gehandelt haben die amerikanischen Stellungen - überrollten. Nach dem Durchbruch wendeten sie und eröffneten in dem Augenblick ein heftiges Feuer auf die amerikanische Infanterie, als die nordkoreanischen Regimenter gegen die Amerikaner antraten. Es wiederholte sich an vielen Abschnitten das gleiche Bild wie am Vortage, dem bisher wohl blutigsten Schlachttag. Die Amerikaner verschossen sich bis zur letzten Patrone und mußten sich dann mehr oder minder geordnet durch die schlammigen Reisfelder oder auf engen Sumpffaden, die unter dem direkten Beschuß der feindlichen Maschinengewehre und der Schnellfeuerkanonen lagen, in die nächsten Linien zurückkämpfen.

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Dem Feind gelangen Einbrüche bis zur Tiefe von sechzehn Kilometer. Ueberall sollen sich noch abgeschnittene amerikanische Truppenteile wie Inseln in der feindlichen Flut halten. Bei den Kämpfen um die Städte schildert der Korrespondent der United Press, daß die amerikanische Infanterie vor allem unter den nordkoreanischen Scharfschützen zu leiden habe. Das Einsickern des Feindes in die eigenen Linien sei für die zum Teil unerfahrenen amerikanischen Infanteristen eine äußerst starke Belastung.

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Das amerikanische Hauptquartier hat davon gesprochen, daß die Verluste schwer seien. Offizielle amerikanische Zahlen über die Toten sind nicht bekanntgegeben worden. Der nordkoreanische Rundfunksender Pjöngjang hat jedoch gemeldet, die Amerikaner hätten in den letzten 24 Stunden siebenhundert Tote verloren. Außerdem sei zahlreiches Material erbeutet worden. Die Korrespondenten der amerikanischen Zeitungen melden, daß beispielsweise von einer Kompanie, die mit 148 Mann ausgerückt sei, sich nur dreißig Soldaten hätten zurückschlagen können. Achtzig Prozent der verwundeten Kameraden hätten die Männer in die Hände des Feindes fallen lassen müssen.

Amerikanische Sachverständige erklären, es sei bedauerlich, daß die in Südkorea kämpfende Infanterie dem hervorragenden Panzer vom Typ T 34 des Feindes nichts Ebenbürtiges entgegensetzen könne. Vorerst stünden nur amerikanische Panzer vom Typ „General Grant“ zur Verfügung, die längst nicht die Armierung und Geländegängigkeit der Panzer russischer Fertigung aufwiesen. Die modernen Panzer vom Typ „Patton“ und „Pershing“ seien erst im Antransport.

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Die roten Truppen haben überall vor ihrem Angriff starke Artillerieeinheiten zusammengezogen und die kampfmüden erschütterten Amerikaner teilweise bereits durch das hef-

tige Bombardement aus ortsfesten Anlagen herausgeschossen, bevor es zum Infanterieangriff kommen konnte.

Amerikanische Führungsstellen haben Befehl gegeben, alle Vorbereitungen für die Räumung Taidschons zu treffen. Bisher galt die Verteidigungslinie am Kum als die letzte Stellung, von der es kein weiteres Zurück mehr geben sollte. Mit der Einnahme Taidschons müßte die ganze westliche amerikanische Verteidigungslinie zusammenbrechen. Amerikanische Transportmaschinen landeten bei gutem Wetter auf dem vorgeschobenen Flughafen von Taidschon und luden Verstärkungen an Truppen sowie dringend benötigtes Material aus.

Für das Hauptquartier des Generals Mac Arthur ist jedoch der zweite neuralgische Punkt an der südkoreanischen Front der Ausladehafen Pusan. Die heftig nach Süden drängenden Nordkoreaner haben an der Küstenstraße gewaltige Fortschritte gemacht und sollen den Raum Pusan bereits erreicht haben Die Amerikaner haben an dem einzigen Ausladehafen bereits zahlreiche Streitkräfte zusammengezogen, um die Stadt auf jeden Fall zu halten.



Volkspolizisten für Korea?

Berlin, 12. Juli, (dpa) Angehörige von Volkspolizisten, die Spezialeinheiten in Potsdam-Eiche angehören, haben von diesen Volkspolizisten seit zehn Tagen keine Nachricht mehr erhalten. Auf mehrmalige Anfragen bei den Leitern der Dienststellen wurde den Familienangehörigen der Volkspolizisten eine ähnliche Antwort erteilt, wie sie die Wehrmacht seinerzeit bei Aufstellung der „Legion Condor“ für Spanien gegeben hat: „Es geht Ihrem Sohn (Bruder und so weiter) gesundheitlich gut, er befindet sich in einem besonderen Einsatz. Sie werden demnächst über unsere Dienststelle Post von ihm erhalten.“ Da die betreffenden Volkspolizisten militärtechnisches Fachpersonal sind, wie Funker, Kartographen, Panzerspezialisten und Artilieriefachleute, wird vermutet, daß sie in Korea eingesetzt werden sollen.

London für eine Bundespolizei

Gegengewicht gegen die Volkspolizei / Die Sicherheitsgarantie

Drahtbericht unseres Korrespondenten

gr. London« 12. Juli. Politische Kreise Londons rechnen damit, daß die Genehmigung für den Aufbau einer westdeutschen Bundespolizei bereits' in allernächster Zeit, in jedem Falle noch vor der Revision des Besatzungsstatuts erteilt werden wird. Während man bisher in London geneigt war. diese Maßnahmen eventuell vorläufig noch zurückzustellen, unter Umständen sogar bis zum Inkrafttreten der Revision des Besatzungsstatuts. hat sich die Ansicht darüber zum mindesten in englischen und französischen Kreisen innerhalb der letzten Tage grundsätzlich gewandelt. Einer der Gründe dafür liegt wahrscheinlich in der Erklärung des russischen Außenministeriums vom 4. Juli, die nach hiesiger Ansicht nicht nur die nordkoreanische Invasion ausdrücklich billigt und rechtfertigt, sondern ebenso auch auf eine entsprechende Aktion ostdeutscher kommunistischer Kräfte anwendbar wäre. Ferner weist man in diesem Zusammenhang auf das ständige Anwachsen der Volkspolizei hin. die nach letzten Berichten bereits eine Stärke von fast 100 000 Mann haben solle, was infolge des Fehlens eines westdeutschen Gegengewichts eine schiefe Lage schaffe.

In der Frage einer militärischen Garantie Westdeutschlands dagegen nimmt man in London nach wie vor eine sehr zurückhaltende Stellung ein. Während Frankreich auch in dieser Frage neuerdings der deutschen Forderung wohlwollend gegenübersteht. erklärte ein Sprecher des Foreign Office dieser Tage, zunächst einmal liege gar kein offizielles Ersuchen um eine solche Garantie vor; der letzte Brief Dr. Adenauers habe diese Frage zwar angeschnitten, aber keine ausdrückliche Forderung aufgestellt. Außerdem sei eine solche Garantie zum mindesten so lange überflüssig, als sich Truppen der Westmächte in Westdeutschland befänden und jeder Angriff sich daher auch gegen diese richten würde.

In politischen Kreisen Londons wird die Anschauung vertreten, daß diese Zurückhaltung einmal auf rein formalistische Gründe zurückzuführen sei, da man sich in der schwierigen Frage der deutschen Grenzen nicht festlegen wolle, ihre Hauptursache sei aber in militärischen Erwägungen zu suchen. Eine formelle Garantie würde die Truppen der Westmächte verpflichten, die jetzige Grenze der Westzonen zu verteidigen. die von den meisten hiesigen Fachleuten als unhaltbar angesehen wird, während mangels einer solchen Garantie die Zurücknahme der Verteidigung etwa auf die Rheinlinie ohne weiteres möglich sei.

Konfslikt mit dem Backgewerbe

Die Regierung gegen die Erhöhung des Brotpreises

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 12. Juli. Die eigenmächtige Erhöhung des Brotpreises durch das Backhandwerk hat die Regierung allem Anschein nach etwas überrascht Um so entschlossener scheint sie aber zu sein, dieser Preiserhöhung mit der gesetzlichen Handhabe des Höchstpreises entgegenzutreten, sobald der Bundestag ihr diese Waffe in die Hand gibt, und dabei auch den Konflikt mit dem Backgewerbe nicht zu scheuen. Die Auseinandersetzung mit dem Backgewerbe um den Brotpreis betrifft Grundfragen der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Bei der Streitfrage allerdings, ob die Vorräte an altem, noch zum billigeren Preis eingekauften Mehl für einen Monat ausreichen, wie das Ernährungsministerium behauptet, oder ob sie nur für die zehn Tage seit dem 1. Juli bis zur Erhöhung des Brotpreises ausgereicht haben, wie das Backgewerbe erklärt, geht es um Schätzungen. Aber während sich die Vertretung der Bäcker auf die behördlich anerkannten und festgelegten Verarbeitungsspannen beruft, will die Regierung die Gültigkeit dieser Spannen jetzt nicht mehr anerkennen, nachdem sie für das Brot das Prinzip der freien Wirtschaft und des freien Wettbewerbs verkündet hat.

Ein gewisses Schwanken der Regierung in diesen Fragen war aber in der letzten Zeit unverkennbar geworden. Am Anfang ihrer Betrachtungen scheint doch der Gedanke gestanden zu haben, eine Verteuerung des Brotes wegen des Endes der Subventionen durch eine Verbilligung des Fettes mit dem Verzicht auf die Fettsteuer auszugleichen. Dann wurde versichert, daß keine fühlbare Erhöhung des Brotpreises eintreten werde, und jetzt wird erklärt, daß „nicht fühlbar“ praktisch überhaupt keine Erhöhung bedeuten werde.

Die gleiche Unklarheit hat sich auch in der Behandlung der Fettsteuer gezeigt. Es klingt nicht überzeugend, daß die Erhebung der Ausgleichsabgabe auf Margarine dem Versprechen nicht widerspreche, keine Fettsteuer zu erheben. Es ist von einem Regierungssprecher selbst erklärt worden, daß es sich dabei um zwei Namen für dieselbe Sache handle. Er hat allerdings auch auf den tatsächlichen Unterschied hingewiesen, daß diese Abgabe nur die Hälfte der alten Fettsteuer betrage. Damit aber bleibt doch das Faktum, daß die halbe Fettsteuer zumindest für ein Vierteljahr erhoben wird, und dieses Kompromiß der halben Steuer wird, wie zu erwarten war, sowohl von den Bauernverbänden, die gern die ganze Steuer gesehen hätten, als auch von den Gewerkschaften kritisiert, die sich auf das Versprechen eines Verzichts auf diese Steuer berufen.

Geheimsitzung des Bundesrates

Es geht um den Brotpreis und die Fettsteuer

R. Bonn, 12. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Wegen der verworrenen Lage auf dem Gebiet der Ernährung hat der Bundesrat beschlossen, für Freitag eine nichtöffentliche Sitzung zum Thema Brotpreis und Fettsteuer einzuberufen. Zu dieser Sitzung sind der Vizekanzler, der Wirtschaftsminister, der Finanzminister, der Ernährungsminister und der Innenminister geladen worden.

Brot mit Untergewicht

Bremen, 12. Juli, (dpa) In Bremen haben die Bäcker den Brotpreis indirekt durch eine zehnprozentige Gewichtsverminderung erhöht. Die Bremer Mühlen und Bäckereien erklärten übereinstimmend, daß sie im Gegensatz zu der Auffassung des Bundesernährungsministeriums keine zum alten Preise eingekauften Mehlvorräte mehr besäßen, infolgedessen müsse sich der um sechzig Mark je Tonne erhöhte Abgabepreis für ausländischen Weizen und der um vierzig Mark erhöhte Preis für Roggen auf den Verbraucher aus wirken.

Mehrere hannoversche Bäckereien haben am Mittwoch die Brotpreise um durchschnittlich vier Pfennig je Kilogramm erhöht.

630 Umsiedler aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie sind am Mittwoch in das Bundesgebiet aufgenommen worden.

Partisanen im Rücken

-s. An der von den Amerikanern und Südkoreanern neu errichteten Kum-Front ist es bereits zu heftigen Gefechten gekommen. Die Uebermacht der Nordkoreaner ist so groß, daß die amerikanischen Truppen sich auf das Südufer des Flusses zurückziehen mußten. Damit ist die provisorische Hauptstadt Taidschon, die auch das amerikanische Hauptquartier aufgenommen hat, in die unmittelbare Gefahrenzone gerückt. Die Räumung Taidschons wird bereits vorbereitet.

Wenn die Kum - Linie nicht gehalten wird, gibt es für die in Südkorea kämpfenden Streitkräfte keine andere Möglichkeit mehr, als die Bildung eines genügend großen Brückenkopfes im Süden des Landes, von dem aus die Operationen nach dem Eintreffen weiterer amerikanischer Verstärkungen unter dem Schutz von Kriegsschiffen und Feuerglocken der Luftwaffe fortgeführt werden können.

Sehr zu schaffen macht den Amerikanern die immer stärker werdende kommunistische Untergrundbewegung in Südkorea. Es wurde festgestellt, daß die bei Kriegsbeginn übergelaufenen südkoreanischen Kommunisten gut ausgerüstet hinter den amerikanischen Linien als geschlossene Einheiten auftauchen. Dieser Untergrundbewegung können die Amerikaner sehr schwer Herr werden, da viele Südkoreaner sich in den letzten Tagen den Freischärlern angeschlossen haben, so daß die Amerikaner gezwungen sein werden, schon bald gegen eine zweite Front hinter ihren Linien kämpfen zu müssen. Die Säuberungsaktionen im Inneren des Landes fesseln nach amerikanischen Berichten wertvolle Kräfte, die man bei der gegenwärtigen schwierigen Lage dringend an der Kum-Front einsetzen müßte. Besondere Gefahren drohen den Amerikanern durch die Einkesselungsbewegungen, die neuerdings vom Norden und Süden her versucht werden.

Das Rote Kreuz als Vermittler?

op. Zu keiner Zeit nach 1945 bewegte sich die internationale Diplomatie so auf Hochtouren wie in diesen Tagen, in denen alle Staaten der Welt — ohne irgendeine Ausnahme — in ein von zuckenden Strömen geladenes Spannungsfeld hineingeraten sind. Noch vertrauen die Völker auf die Sicherungen, die von den Großmächten eingebaut wurden, und die noch in der Lage sind, gefährliche Kurzschlüsse zu verhindern. Denn zum Glück ist es auch im Korea-Konflikt noch nicht zu einem Kurzschluß gekommen, da einige Sicherungen noch intakt blieben, wenn auch ihre zum Spannungsfeld hinführenden feinen Drähte bereits zu glühen begannen. Sicherheitsrat und Organisation der Vereinten Nationen wachen mit fiebernder Vorsicht darüber, daß aus dem Glühen kein Brand entsteht. Ihrem Geschick und ihrer Umsicht ist es zu verdanken, daß die Möglichkeit, den Konflikt zu lokalisieren, offen bleibt. Geheimkonferenzen in Moskau und am Sitz der Organisation der Vereinten Nationen lassen darauf schließen, daß im Augenblick nichts unversucht bleiben soll, den Fall Korea auf dem Verhandlungsweg aus der Welt zu schaffen. Wer aber soll der nachgebende Teil sein? Da weder Rußland noch Amerika es sich leisten kann, mit einem Prestige-Verlust dieses fernöstliche Unternehmen aufzugeben, sucht man verzweifelt nach Ansatzpunkten, die zum Verhandlungstisch führen können.

Ganz überraschend wird nun aus der Flut der Teleg amme und Noten, die täglich zum Kapitel Korea gewechselt werden, von allen Mächten ein Telegramm herausgehoben und mit besonderer Betonung unterstrichen, das vom Generalsekretär der Organisation der Vereinten Nationen, Trygv“ Lie, heute an die Regierungen von Nord- und Südkorea abgesandt wurde. Mit diesem Telegramm bietet der Generalsekretär den streitenden Parteien die Dienste des internationalen Roten Kreuzes an, das in Fragen der Kriegführung nach den Gesetzen der Menschlichkeit sich zur Verfügung stellen will. Man darf sich bei diesem Vorgang daran erinnern, daß über das internationale Rote Kreuz in Genf auch im letzten Krieg einige sehr wichtige V.rhandlu.xgen geführt wurden, und daß in der Schlußphase des Krieges Abgesandte des Roten Kreuzes als Vermittler zwischen deutschen und alliierten politischen und militärischen Persönlichkeiten auftraten. Der Abschluß des Waffenstillstandes in Italien war ausschließlich das Werk des internationalen Roten Kreuzes. Sollte nun auch im Falle Korea Genf wieder der Menschheit einen unschätzbaren Dienst leisten?

In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß man von russischer Seite durchblicken läßt, der Sowjet-Außenminister Gromyko habe in seinen Noten an Trygve Lie jedesmal eine Bezugnahme auf den Befehl des Sicherheitsrates, das Feuer einzustellen, peinlichst vermieden und nur gegen die Einmischung der Organisation der Vereinten Nationen protestiert. Man schließt daraus, daß Moskau sich damit eine Tür für Verhandlungen offen müssen will. Es scheint fast so, besoiidecs seit der letzten Unterredung Gromykos mit dem britischen Botschafter Kelley in Moskau, der eine mehrstündige Konferenz zwischen den maßgebenden englischen, französischen, australischen, kanadischen und amerikanischen Diplomaten in Moskau folgte.

Eine solche Konferenz wäre völlig zwecklos gewesen, wenn nicht greifbare Verhandlungspunkte vorgelegen hätten. Man dürfte bei der Ueberlegung nicht fehlgehen, daß gewisse sowjetische Forderungen für den Fall, daß Moskau den Nordkoreanern die Kampfeinstellung empfehlen würde, Gegenstand der Verhandlungen zwischen den diplomatischen Vertretern der Westmächte waren. In Amerika deutet man an, daß Moskau als Gegenleistung die Forderung stellen könnte, einen Vertreter der Volksrepublik China an Stelle des nationalchinesischen Delegierten für die Organisation der Vereinten Nationen anzuerkennen. Das würde gleichzeitig die Anerkennung Rot-Chinas und ein Aufgeben der nationalchinesischen Bastion auf Formosa bedeuten. Der Kreml hätte damit auf friedlichem Wege erneut einen seiner Expansionspläne verwirklicht und sein Reich weiter in Ostasien ausgedehnt, ohne daß es seine Streitkräfte für eine offene militärische Aktion einzusetzen brauchte.

Die Erklärung des Vorsitzenden des Militärausschusses des amerikanischen Senates nach einer mehrstündigen Geheimsitzung, an der auch General Eisenhower teilnahm, spricht ganz offen aus, daß der Feldzug in Korea außerordentliche Schwierigkeiten mit sich bringe und daß man nicht sofort mit größeren amerikanischen Operationen rechnen könne, da die Amerikaner außer Korea noch weitere fünf oder sechs Gefahrenpunkte sorgfältig im Auge behalten müßten.

Einen besonders gefährlichen Gefahrenherd glaubt man seit einigen Tagen in Südost-Europa sehen zu müssen, nachdem von Seiten des amerikanischen Geheimdienstes festgestellt worden ist, daß ostzonale Polizeitruppen in Richtung auf den Balkan in Bewegung gesetzt wurden. Bei den mobilisierten Volkspolizisten handelt es sich in erster Linie um ausgesprochen militärtechnisches Fachpersonal, um Panzerspezialisten, Artilleriefachleute und Funker. Es darf daher nicht überraschen, daß jetzt auch Italien in seinen Küstengebieten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hat.


Die amerikanischen Luftstreitkräfte verfügen noeh nicht über Flughäfen in Südkorea. Die Einsätze der Bomber und Jagdverbände müssen von Flugbasen auf Japan und den südlich gelegenen Inselgruppen unternommen werden. Maschinen der zahlreichen Flugzeugträger greifen von ihren schwimmenden Stützpunkten gleichfalls bei jeder Wetterlage in die Kämpfe ein.
Die amerikanischen Luftstreitkräfte verfügen noeh nicht über Flughäfen in Südkorea. Die Einsätze der Bomber und Jagdverbände müssen von Flugbasen auf Japan und den südlich gelegenen Inselgruppen unternommen werden. Maschinen der zahlreichen Flugzeugträger greifen von ihren schwimmenden Stützpunkten gleichfalls bei jeder Wetterlage in die Kämpfe ein.

Vermittlungsversuche

Kps. Ein Wink des Kremls würde genügen, um die Waffen in Korea zum Schweigen zu bringen. Ohne Rückhalt von Moskau hätten die Nordkoreaner niemals eine Gewaltlösung versucht. Die Rücksprache des britischen Botschafters in Moskau vor einigen Tagen wurde bereits als ein Tastversuch gedeutet, das Gelände für eine direkte Fühlungnahme zwischen beiden Seiten zu sondieren. Inzwischen haben durch neue Besprechungen die britischen Vermittlungsversuche festere Gestalt angenommen. Zunächst wird zwar von beiden Seiten noch strengstes Stillschweigen über Inhalt und Verlauf dieser Gespräche gewahrt

Daß gerade London die Initiative zu einem Vermittlungsversuch ergriffen hat, ist kennzeichnend für die zwiespältige Lage, in die England durch den Korea-Konflikt geraten ist, das um so mehr, wenn er nicht nur auf den Raum der Halbinsel beschränkt bleiben sollte. England hat «■Rotchina anerkannt. Die britischen Oel- und sonstigen Lieferungen haben keine Unterbrechung erfahren. Jedoch bei weiterer Ausdehnung des Konflikts auf China würde England vor die Frage gestellt werden, die gegen Nordkorea angewandten Sanktionen auch auf Rotchina ausdehnen zu müssen. Dieser Gefahr sucht England durch seine Vermittlung zu entgehen.

Nach weiteren Informationen des diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph“, Guy Eden, soll Ministerpräsident Attlee persönlich die heikle Aufgabe der Vermittlung übernommen haben. Allerdings sollen nach Absprache mit den amerikanischen, französischen und anderen Regierungen konkrete Vorschläge über die Vereinten Nationen gelenkt werden, um diese nicht zu „unterminieren“. Die Nordkoreaner sollen sich auf den 38. Breitengrad zurückziehen.

Wenn es gelänge, die Russen überhaupt in ein Gespräch zu bringen, so könnte das wesentlich zur Entspannung der geladenen Atmosphäre beitragen. Ob aber die Vereinten Nationen als das geeignete Forum zu betrachten sind, um die Sowjetunion zu einer Aenderung ihrer Haltung zu veranlassen, ist zunächst wenig wahrscheinlich. Bisher hat Moskau den Sicherheitsrat wegen der Nichtzulassung Rotchinas gemieden und alle Beschlüsse von Lake Success nicht anerkannt. Ein neuer Versuch auf diesem Wege müsse erweisen, ob Rußland bereit ist, im Rahmen der Vereinten Nationen an der Lösung der Streitfragen teilzunehmen. Wenn es jedoch wie bisher an seinen Forderungen, ohne irgendwelches Entgegenkommen zu zeigen, festhalten sollte, so besteht auch für den britischen Vermittlungsversuch wenig Hoffnung auf Erfolg.

Nach der von Gromyko aufgestellten These ist der bewaffnete Angriff im Interesse nationaler Einigung gerechtfertigt. Das bedeutet also, daß die Fragen „nationaler Einigung“, wie sie von Rußland im kommunistischen Sinne verstanden werden, auch in anderen Gebieten nach dem Muster von Korea „gelöst“ werden könnten. Das ist aber ein Grundsatz, dessen Gefährlichkeit nicht ernst genug genommen werden kann, nicht zuletzt in Deutschland selbst. Wenn sich die Sowjetunion auf solche Gedankengänge festlegen würde, dann wären alle Gespräche zwecklos.

Mit den Sozialdemokraten

Bonn, 12. Juli, (dpa) Die sozialdemokratische Bundestagsfraktion hat auf ihrer Sitzung im Dienstag in Bonn beschlossen, sich an den Ausschußarbeiten zu der im Schuman-Plan vorgesehenen Internationalen Industrie-Union zu beteiligen.

Wie aus Kreisen der Fraktion bekannt wurde, ist in dem Vormittagsgespräch zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer und dem Vorsitzenden Dr. Schumacher vereinbart worden, daß die sozialdemokratische Fraktion eine Liste einreiche, auf der sie Sachverständige zur Mitarbeit vor allem im Wirtschaftsausschuß und im juristischen Ausschuß des ständigen Bonner Beratungsgremiums für den Schuman-Plan vorschlagen solle.

Adenauer in Urlaub

R. Bonn, 12. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Bundeskanzler wird am Donnerstagvormittag zu seinem Erholungsaufenthalt in der Schweiz in das Hotel „Bürgenstock1* am Vierwaldstätter See abreisen. Von einem Erholungsurlaub kann kaum gesprochen werden, da Dr. Adenauer von Ministerialrat Rust, dem Wirtschafts- und Finanzreferenten des Bundeskanzleramtes und zwei Sekretärinnen begleitet wird.

London und Moskan verhandeln weiter

Gemäßigter Optimismus in der britischen Hauptstadt

Drahtbericht unseres Korrespondenten

d. London, 12. Juli. Im Mittelpunkt des Interesses der westlichen Politiker und wohl auch der Verantwortlichen des Kreml stehen die Gespräche, die der britische Bot-; schafter in Moskau Sir David Kelley mit dem stellvertretenden russischen Außenminister Gromyko begonnen hat. Die Tatsache, daß der britische Diplomat am Dienstagabend wiederum ins russische Außenministerium gebeten worden war und der Umstand, daß London aufgefordert wurde, konkrete Vorschläge über eine Beilegung des Korea-Konflikts, so wie sie sich der Westen vorstellt, zu machen, ist von verschiedenen Seiten mit gedämpftem Optimismus aufgenommen worden.

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Man argumentiert, daß die besondere Bedeutung auch der russischen Antwortnote auf die erste britische Note darin zu sehen sei. daß die Sowjets ausdrücklich erklärt hätten, in der ersten Fassung hätten die Engländer, keinerlei echte Vorschläge gemacht und somit könne von sowjetischer Seite auch nichts beantwortet werden. Der Kreml ist also bereit, mit London weiter zu verhandeln. Der britische Außenminister, der mit dem amerikanischen Außenminister Acheson in steter und enger Fühlungnahme steht, bereitet deshalb eine entsprechende Note vor.

Bei der Abfassung ist man sich im klaren, daß die bisherigen russischen Formulierungen keineswegs als ein Olivenzweig angesehen werden können, aber das was Moskau London mitgeteilt hat, unterscheidet sich in Inhalt und Art doch erhebl'ch von den scharfen Formulierungen, die an Washington gerichtet waren. Die Russen haben den Amerikanern eindeutig zu verstehen gegeben, daß die Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht werden müßten, für alle Schäden, die die Russen am koreanischen Konflikt erleiden könnten.

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In London ist man der Auffassung, daß man unter diesem Gesichtspunkt die Luftangriffe auf Nordkorea betrachten müsse. Man glaubt außerdem, daß eine Verschärfung der Lage automatisch dann eintreten müsse, wenn die Amerikaner möglicherweise, durch die militärische Lage zu einer Invasion gezwungen, amphibische 38. Breitengrades vornehmen würden. Theoretisch bestehe zwar für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten kein Grund, die Kampfhandlungen nicht auch jenseits des 38. Breitengrades fortzusetzen oder durch eine Invasion zu beginnen. Politisch müßten solche Maßnahmen aber zu einer erheblichen Verschlechterung der Lage beitragen, zumal die russische Note eben gerade mit der Warnung, keine sowjetischen Interessen zu verletzen, das Vorgehen über den 38. Breitengrad gemeint haben könne.

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Die weltpolitische Lage, so meint man in London, werde außerdem noch dadurch erschwert, daß Präsident Truman nach wie vor zögere, militärische Unterstützungen im größeren Stile anzuordnen, bevor nicht feststeht, ob der Angriff in Korea nicht eine Finte des Kremls sei. Die größte Ungewißheit aber bestehe nach Churchill in der Welt dadurch, daß vorläufig noch nicht zu übersehen sei, ob sich nicht in Südkorea ein zweites Dünkirchen vorbereite, dem dann die große Invasion folgen müßte. Noch sei das Prestige weder der Vereinigten Staaten noch das Ansehen Rußlands durch die Kampfhandlungen Mitleidenschaft gezogen worden. Erst wenn eine der beiden großen Gruppen eine entscheidende politische Niederlage erlitten habe, die sich aus dem militärischen Mißerfolg ergebe, glaubt man in Whitehall an eine dramatische Zuspitzung der weltpolitischen Lage.

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Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press berichtet ergänzend:

Zu den Besprechungen sagten westliche Diplomaten in London, die britische Auffassung von einer annehmbaren Beendigung des Korea-Konfliktes bewege sich etwa auf folgender Linie:

Die nordkoreanischen Truppen müßten sich wieder hinter den 38. Breitengrad zurückziehen. Im Anschluß daran sollten die nordkoreanische und die südkoreanische Regierung Besprechungen über die Wiedervereinigung des Landes, möglicherweise unter Beteiligung sowjetischer und amerikanischer Vertreter, aufnehmen. Ferner sollten die Vereinigten Staaten ihre Marinestreitkräfte aus dem Raum von Formosa zurückziehen. Die Sowjetunion sollte wieder in die Organisation der Vereinten Nationen zurückkehren, nachdem die Vereinigten Staaten die kommunistische Regierung in China anerkannt und damit der Regierung in Peking die Möglichkeit Ergeben hätten, die Sitze der Nationalchinesen bei den Vereinten Nationen einzunehmen.

Ob diese Vorschläge für die Sowjetunion oder die Vereinigten Staaten annehmbar sind, ist eine offene Frage.

Aemterpatronage in Bonn?

Eine sozialdemokratische Anfrage im Bundestag

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 12. Juli. Die Zusammensetzung der Beamtenschaft des Bundes ist von Anfang an von der parlamentarischen Opposition mit Argwohn betrachtet worden. Dieses Mißtrauen der Sozialdemokraten hat sich jetzt zu einer Anfrage an die Regierung verdichtet, die am Mittwoch im Bundestag verhandelt worden ist. In ihr wird nach einer eventuellen Auswirkung von konfessionellen Tendenzen, von Aemterpatronage durch Altherrenschaften und nach der Beschäftigung von Leuten, die an hervorragender Stelle für die nationalsozialistische Gewaltherrschaft tätig waren, in hohen Bundesämtern gefragt.

Arndt fragt

Die Sozialdemokratische Partei hatte in dem Abgeordneten Arndt einen ihrer besten Redner vorgeschickt, um diese Anfrage zu begründen. Er legte als Beweisdokument einen Formularbogen für Bewerbungen vor, auf dem die nach dem Grundgesetz verbotene Frage nach der Konfession des Bewerbers gestellt wird. Er stellte die Anfrage, ob die Beamtenschaft im Bundeskanzleramt nach dem Schlüssel 1:1 von Katholiken und Protestanten gebildet werde und er erklärte, daß an einigen Stellen der Bundesverwaltung ehemalige Nationalsozialisten eine Art Machtergreifung in der Personalpolitik vorgenommen hätten.

Es war bemerkenswert, daß Dr. Arndt dabei eindeutig erklärte, der x-beliebige Parteigenosse solle endlich durchaus gleichberechtigt sein und man dürfe keineswegs einfach nach der ehemaligen Parteizugehörigkeit urteilen. Dr. Arndt stellte sich Vor die öffentlich angegriffenen Referenten Sonnenhohl und Kutscher, die im Marshallhilfe- und im Wirtschaftsministerium tätig sind. Er betonte jedoch, daß Leute, die an hervorragender Stelle für den Nationalsozialismus gewirkt hätten, nicht auf hohe Bundesposten gehörten. Wie verwickelt jedoch im Einzelfall sofort dieser Grundsatz wird, den auch der Innenminister für die Regierung bejahte, zeigte sich bei den lebhaften Erörterungen über den Personalchef im Bundeskanzleramt Dr. Globke,

Globke im Mittelpunkt

Während der sozialdemokratische Sprecher Globke als den Kommentator der Nürnberger Rassengesetze und Mitreferenten für Judenfragen im Reichsinnenministerium als völlig untragbar für die Demokratie bezeichnete, konnte Minister Heinemann darauf verweisen, daß Robert Kempner sich in einem Brief für Globke ausgesprochen habe. Der Abgeordnete Seelos bezeugte, daß er mit Globke zusammen einem kleinen Kreis in Berlin angehört habe, aus dem verschiedene Mitglieder zu Zuchthaus verurteilt worden seien, und Globke einen unermüdlichen Kampf gegen das Regime geführt habe

Hinter dieser grundsätzlichen Debatte traten die anderen Probleme der Anfrage in den Hintergrund. Die Regierung begnügte sich mit der kurzen Antwort, daß die Frage nach der Konfessionszugehörigkeit auf dem Formular den Vermerk „Beantwortung freigestellt“ trage, was allerdings bei dem Hörer die weitere Frage aufwerfen muß, warum denn überhaupt diese Rubrik auf dem Frageformular besteht.

Auch zur Frage nach einer Aemterpatronage durch Altherrenverbände gab die Regierung nur die lakonische Antwort, daß ihr darüber nichts bekannt sei. Von Seiten der stärksten Regierungspartei allerdings wurde mit einem gewissen Augurenlächeln erklärt, daß es überall Beziehungen gebe, und bei sozialdemokratischen Länderregierungen das Parteibuch wertvoller als die Mitgliedschaft bei einem ehemaligen Korps sei, so daß man doch sagen solle: „Wir sind allzumal Sünder und ermangeln des Ruhms“.

Ob mit diesem Bibelwort allerdings das letzte Wort zu diesen Fragen gesprochen werden kann, wird bezweifelt werden können.

Erbauer des Bundeshauses entlassen

Der Haushaltsausschuß kritisiert das Finanzministerium

Drahtbericht unseres Korrespondenten

zr. Bonn. Der Haushaltsausschuß des Bundestags hat am Mittwoch scharfe Kritik an der Finanzgebahrung des Finanzministeriums geübt. Er wandte sich vor allem gegen die Methode, Haushaltspositionen für unvorhergesehene Ausgaben in Höhe von 7,5 Millionen Mark für Neubauten und zum Ankauf von Bauplätzen zu verwenden. Die Neubauten seien nur teilweise fertiggestellt worden, damit weitere < Mitte] bewilligt würden.

Kritisiert wurde auch der Stil der Bundesbauten und die übertriebenen Forderungen nach Repräsentation. Der christlich-demokratische Abgeordnete Dr. Würmeling wandte sich scharf gegen den beabsichtigten Neubau eines Auswärtigen Amtes sowie eines Verkehrs- und Postministeriums. Er wandte sich auch gegen die Vorstellung, als ob die Bundespost aus eigenen Mitteln bauen könne. Postmittel seien Bundesmittel in Sonderverwaltung. Der Abgeordnete Noell von der Nahmer (Freie Demokratische Partei) erklärte, die bisherigen Methoden stellten schwere Verstöße gegen das Haushaltsrecht dar. Es könnten keinerlei Beträge mehr für Neubauten bewilligt werden. Noell von der Nahmer verlangte die Verfolgung der für die Verstöße Verantwortlichen.

Ferner wurde erklärt, daß die bisherigen Aufwendungen für die Bundesbauten die Kosten für jeden Arbeitsplatz der Verwaltungsangehörigen der Bundesministerien auf etwa dreizehntausend Mark hätten anwachsen lassen.

Eine weitere Debatte entspann sich um die Bewilligung einer halben Million Mark für den geplanten Neubau des Bundestags, sowie die Bewilligung von 290 000 Mark für die Ausbesserung von Schäden am Bundeshaus. Der Haushaltsausschuß forderte die sofortige Amtsenthebung von Professor Schwippert, der das Bundeshaus gebaut hat. Bundestagspräsident Dr. Köhler sicherte dem Haushaltsausschuß zu, daß Schwippert sofort aus den Diensten der Bundesbauverwaltung ausscheide und auch im Bundestag kein Büro mehr benutzen dürfe.

Ein Sieg der Sozialisten in Paris

Starke Position im Kabinett Pleven

Drahtbericht unseres Korrespondenten

P. M. Paris, 12. Juli. Das Kabinett Pleven ist nicht nur in der Nationalversammlung mit einer schon seit langem ungewohnten Mehrheit aufgenommen worden (es stimmten nur die Kommunisten dagegen, während die Gaullisten sich enthielten), auch in der OÖffentlichkeit bringt man ihm Vertrauen entgegen. Pleven hat noch keinen sehr großen, aber einen sehr guten Namen, an den sich die Begriffe von politischem Verantwortungsgefühl und großer Befähigung knüpfen. Einen sprechenden Beweis dafür sieht man in der geschickt dosierten Auswahl seiner Minister, mit der es ihm gelingt, trotz der Teilnahme der Sozialisten, die Koalition nach rechts zu verbreitern und fast auf eine nationale Grundlage zu stellen. Dadurch ist einigermaßen für politische Dauerhaftigkeit gesorgt. Die Posten der sozialen, der Wirtschafts- und der Finanzpolitik bleiben den gleichen Männern vorbehalten wie im ersten Kabinett Bidault, an dem die Sozialisten teilnahmen. Selbstverständlich bleibt Schuman im Außenamt,

da der neue Ministerpräsident, um alle Zweifel im In- und Ausland zu zerstreuen, seine absolute Solidarität mit dem Schuman-Plan unterstreichen will. Die Beendigung der dreiwöchigen Krise stellte für die Sozialisten unbestreitbar einen taktischen Sieg dar. Sie haben ihre beiden Hauptziele erreicht, indem sie den ansteigenden Rechtskurs bremsen konnten und nun mit fünf Ministern und zwei Unterstaatssekretären wieder an der Macht teilnehmen. Es überrascht nicht, daß der sozialistische Generalsekretär Guy Mollet, der geschickte Wegbereiter dieses Sieges, dem es vor allem gelang, den Wiedereintritt seiner Partei in die Regierung nicht als den Wunsch ehrgeiziger Parteikollegen, sondern als eine nationale Notwendigkeit erscheinen zu lassen, nun selber einen Sitz in dieser Regierung einnimmt. Es ist das erstemal. Als Vizepräsident der Regierung hat er sich ein neues Amt, das eines Ministers für Fragen des Europa-Rates, geben lassen. Wenn es sich nicht nur um ein nominelles Ministerressort handeln soll, kann dieses Amt in Anbetracht des Eifers, den die Sozialisten für den Straßburger Europa-Organismus bekunden, eine bedeutsame Stellung darstellen. Aehnlich ist es mit der Orientierung der Partei durch die Betrauung des Sozialisten Jules Moch mit dem Posten eines Verteidigungsministers. Dieser erhält heute, anders als unter dem sozialistischen Kriegsminister Ramadier vor zwei Jahren, weittragende Bedeutung allein schon dadurch, daß Pleven die zunächst notwendige Erhöhung des Militärbudgets mit 80 Milliarden Franken beziffert. Von den sozialistischen Ministern ist noch P. O. Lapie als Unterrichtsminister hervorzuheben. Er gilt als eine der noch nicht ausgenutzten großen intellektuellen Hoffnungen der Partei. Ein Sozialist als Unterrichtsminister in einem Augenblick, in dem die Frage der Bekenntnisschulen in den Vordergrund geschoben wird, kann gleichfalls als Stellungnahme aufgefaßt werden.

Die größte Konzession, welche die Sozialisten an die Radikalsozialisten machen mußten, ist das Innenministerium, das Queuille behalten hat. Damit können die Radikalsozialisten die nun unausweichlich werdenden Wahlvorbereitungen selber betreuen.

In parlamentarischen Kreisen ist man überzeugt, daß die Nationalversammlung am Donnerstagabend das gesamte Kabinett Pleven mit bequemer Mehrheit gutheißen wird, trotz der schwierigen Verhandlungen, die bei der Vergebung der Ministerposten vor sich gingen, oder vielleicht gerade deshalb, weil durch die Vorarbeiten Mollets der Boden für die allgemeine politische Linie der Regierung bereitet wurde. Alle Parteien spüren, daß sie mit ihrem Interessenspiel hinter die Weltereignisse zurückzutreten haben.

Sozialabkommen mit Frankreich

Paris, 12. Juli (AP.) In Paris sind vier deutsch-französische Sozialabkommen von den Delegationen Frankreichs und der Bundesrepublik paraphiert worden. Die Vereinbarungen betreffen im einzelnen ein Abkommen über soziale Sicherheit für Fremdarbeiter, über gegenseitige Gastarbeitnehmer in beiden Ländern, ferner über die Regelung der Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnisse für Grenzgänger sowie über die Anwerbung deutscher Arbeitskräfte für Frankreich.

Stimmen der Anderen

Muk Mr. Johnson umlernen?

Die Züricher „Tat“ schreibt: „Als Präsident Truman am Donnerstag seiner Zuversicht Ausdruck gab, ,man‘ werde die Nordkoreaner sicherlich aus Südkorea vertreiben können, sprach er damit seinem Freund Johnson, den er vor etwas mehr als Jahresfrist zum Verteidigungssekretär gemachthatte, ausdem Herzen. Johnson, der seinen Amtsantritt damit akzentuierte, daß er den Bau eines Riesenflugzeugtträgers abstoppte und dafür mehr Langstreckenbomber bestellte, hat seither zu verschiedenen Malen selbstsicher erklärt: ,Mit den Russen werden wir jederzeit fertig!1 Nun sieht es aber fast so aus. als ob die Amerikaner nicht einmal mit den Nordkoreanern ohne weiteres fertig würden.

Die Feinde Johnsons — er hat sie sich vor allem in der Flotte und neuerdings auch in der Armee geschaffen — sind um Argumente nicht verlegen. Sie können ihm vor allem ein Versagen des militärischen Nachrichtendienstes vorwerfen; denn hätte er nicht rechtzeitig von den nordkoreanischen Angriffsvorbereitungen erfahren sollen? Hätte er nicht über Feuerkraft und Panzerung der russisch-nordkoreanischen Tanks Bescheid wissen und daraus schließen sollen, daß die Südkoreaner ihnen gar nicht und die Amerikaner mit ihren .Bezookas' nur ungenügend gewachsen sein würden! Wenn solche Vorteile wohl zum Teil auch an die Adresse der amerikanischen Politiker gerichtet werden müssen, so gibt es andere, die rein militärischer Natur sind: Johnson, der Luftwaffenbegeisterte, scheint tatsächlich zu großzügig gedacht und dabei die unangenehmen Kleinigkeiten vergessen zu haben. Bis jetzt —dieser Kommentar bezieht sich wohlgemerkt auf die erste Phase der amerikanischen Intervention in Korea — hat sich die Konzeption des .airborne warfare“, das heißt der Kriegführung im Zeichen der Luftangriffe und -transporte, in Korea kaum bewährt. Der Mangel an ausgebauten Flugplätzen auf dieser hügeligen Halbinsel sowie die ungünstige Witterung erschweren die dauernde taktische Unterstützung der Bodentruppen durch die Luftwaffe und auch die Schaffung einer Nachschubluftbrücke. Das kupierte Gelände verunmöglicht den vielgerühmten Abwurf ganzer Kampfeinheiten samt schwerem Material, und de prächtigen modernen Düsenjäger erweisen sich als zu schnell. Statt dessen erleichtern die von Johnson verschmähten Flugzeugträger die Durchführung von Luftangriffen gegen die rückwärtigen Verbindungen des Feindes, und die .altmodische1 Flotte macht sich bei der Küstenblockade nützlich.

Die ausgetüftelte Organisation der amerikanischen Verbände und die Spezialisierung der einzelnen Soldaten haben sich in den ersten Zusammenstößen .orthodoxer1 amerikanischer Einheiten mit den kampferprobten nordkoreanischen Einheiten offensichtlich nur hindernd ausgewirkt. Kennzeichnend ist das Erstaunen amerikanischer Beobachter darüber, daß Nordkoreaner aus lahmgeschossenen Tanks einfach .ausstiegeri und sogleich mit den .gewöhnlichen1 Infanteristen weiterkämpften.

Ohne Zweifel werden sich die Amerikaner bald zurechtfinden, ihren Mann stellen und auch ihre Waffen zu voller Wirkung bringen. Mußte aber die Anfangsphase der Ungewißheit und der Verluste so lange dauern? Wäre es nicht ratsam, wenn Mr. Johnson im eigenen Interesse, und den Völkern in andern Gebieten am Rande des .eisernen Vorhangs1 zuliebe, etwas weniger an den .Druckknopfkrieg1 und etwas mehr an den altmodischen, dreckigen Krieg der Infanteristen dächte? Schon ist es so weit, daß die Amerikaner ein Drittel von Südkorea .befreien* müssen, und wenn ihnen das auch schließlich gelingt, so wird doch der Eindruck, daß sie dazu nur mit beträchtlichem Zeit- und Kraftaufwand imstande waren, bestehen bleiben.1-

Die Sprache

„Die Zeit“, Hamburg, schreibt: „Mit einem Aufsatz von 10 000 Worten griff Marschall Stalin kürzlich in' höchsteigener Person in der Prawda in einen seit längerem bestehenden heftigen Streit sowjetischer Philologen ein. Es geht dabei um die Frage, ob die Sprache eine Funktion der Gesellschaftsform sei oder nicht. Stalin krönte seine philologische Abhandlung mit dem Satz, daß sich eine Sprache automatisch den veränderten Verhältnissen anzupassen pflege.

Soweit die "Theorie. Und nun ein Blick in die Praxis. In der 1935-Ausgabe des im Moskauer Ogiz-Verlag erschienenen .Lexikon für den modernen Gebrauch der russischen Sprache' wird das Wort Denunziation wie folgt ausgelegt: .Eine Waffe in Händen der Bürgerlich-Reaktionären gegen die revolutionäre Bewegung; Beschaffung von Nachrichten füp die zaristische oder für andere reaktionäre Regierungen zuungunsten geheimer revolutionärer Tätigkeit.' In der 1949-Ausgabe des gleichen Werkes im gleichen Verlage heißt es dann: .Denunziation — Wenn man einem Vertreter der rechtmäßigen Behörden über die illegale Tätigkeit anderer Mitteilung macht.“ Das Wort .Kosmopolit“ fand 1935 folgende Auslegung: .Eine Person, die behauptet, keiner bestimmten Nationalität zuzugehören, sondern die ganze Welt als ihr Vaterland betrachtet.“ Aber die Haltung des Kosmopoliten wird 1949 so gedeutet: .Eine antipatriotische bürgerliche Auffassung, die heuchlerisch behauptet, die ganze Welt sei ein Vaterland, und die den Wert des natonalen Kulturerbes ablehnt und sich weigert, ihr eigenes Vaterland zu verteidigen.' — Dies also ist’s, was Stalin die automatische Veränderung' der Sprache nennt. Dr. Goebbels nannte es Sprachregelung."

Deutscher Luftverkehr

Die Frage wird geprüft

t Frankfurt, 12. Juli. Wie verlautet prüft ein alliierter Ausschuß zur Zeit die rage einer teilweisen Aufhebung des VerverkehT”61 deUtSchen Teünahme am Luft-

Die Lehrer-Fortbildung

Schulfragen vor dem hessischen Landtag

t Hafß’ H,esba^”',l2’ J“l*- (Eigener Bericht.) In der 82. Plenarsitzung des hessischen interessierte besonders die Antwort des Kultusministers a*' P- i ft T der ,Fre,en Demokraten und der Sozialdemokraten, die das Pädagogische Institut in Weilburg betreffen.

In. weiten Kreisen war diesen Anfragen zufolge befürchtet worden, daß der Minister das Weilburger Institut, das eine traditionelle Nachfolge der einstigen Sünultan-Lehrerakademie in Frankfurt darstellt, nach Fulda verlegen werde. Dagegen waren finanzielle und weltanschauliche Gründe geltend gemacht worden. Der Minister erklärte, in dieser Frage sei er über das Stadium unverbindlicher Erwägungen noch nicht hinausgekommen. Es sei weder mit dem Finanzminister, noch mit den verschiedenen Ländern, noch mit irgendwelchen anderen Stellen verhandelt worden.

An dem simultanen Charakter der Lehrerausbildung werde nicht gerüttelt, da er durch die Artikel 56, 2 und 57 der hessischen Verfassung gefordert sei. Etwas anderes sei die Lehrerfortbildung. Hier scheitere vorerst das Bestreben, die Fortbildung der im Amt befindlichen Lehrer weiter zu pflegen und für eine solche Weiterbildung etwa die Rheinwaldschule in Kassel zu erwählen, an den 12 000 Mark, die dieser Aufwand erfordere. Bemerkenswert in der Aussprache war der Standpunkt der Freien Demokraten, die ein drittes Pädagogisches Institut in Hessen forderten, und die Einstellung der Kommunisten, die einen Unterschied zwischen simultan und christlich-simultan feststellen wollten..

Eine erfreuliche Einstimmigkeit erzielte die erste Lesung des Gesetz-Entwurfes zur Errichtung der Justus-Liebig-Hochschule in Hessen. Sie soll nach der Begründung des Entwurfes durch den Kultusminister keine eigene Universität sein, da die Mittel des Landes keine drei Universitäten erlaubten. Aber sie soll als medizinisch-naturwissenschaftliche Spezialschule die beiden bestehenden Universitäten ergänzen. Sie wird nach den Plänen die vollständigste Hochschule dieser Art darstellen. Der Gesetzentwurf wurde dem Kulturpolitischen Ausschuß zugeteilt.

In erster bis dritter Lesung wurde ein Gesetz zur Verlängerung des Gesetzes über die Unterrichtsgeld- und Lernmittelfreiheit bis zum 31. März 1952 verabschiedet. Der Abgeordnete der Freien Demokraten, Salzer, bemerkte dazu, daß die Lernmittelfreiheit in Hessen immer noch nur auf dem Papier stehe. Die hessischen Gesetze dieser Art sollten besser „Gesetze zur Lernmittellosigkeit“ genannt werden. Kultusminister Dr. Stein erwiderte prompt, daß die Lernmittelfreiheit im Einvernehmen mit der Partei des Redners „nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel“ eingeführt worden sei.

Einig war der Landtag in der Annahme des Gesetzes über die Gewährung von Pflegegeldern an Zivilblinde. Es wurde in dritter Lesung angenommen. Damit sind Zivilblinde versorgungsrechtlich den Kriegsblinden gleichgestellt. Das Zivilblindengeld wird auf Antrag Blinden gewährt, die sich nicht in geschlossener Anstaltspflege befinden.

Die Regierung wurde einstimmig ermächtigt, ein Darlehen bis zu zwei Millionen Mark für die Herrichtung des Staatsbades Nauheim aufzunehmen.

Auf dem Gebiete der Pacht und Fischerei bestehen in Hessen entsprechend seiner gegenwärtigen politischen Gestalt rheinhessische, kurhessische, hessische und preußische Rechtsvorschriften. Sie zu regeln, ist Gegenstand der beiden großen Gesetzesentwürfe, die Minister Wagner begründete. Sie wurden mit den entsprechenden kritischen Zusätzen, die der Abgeordnete Schlitt vorbrachte, dem Ausschuß für Ernährung und Landwirtschaft überwiesen.

Gegen die Stimmen der Kommunisten und bei Stimmenthaltung der Freien Demokraten verlängerte, der Landtag die Amtsdauer der zur Zeit tätigen Betriebsräte um ein Jahr bis zum Herbst des nächsten Jahres, weil bis zum Ablauf dieser Frist mit einer bundesgesetzlichen Regelung des Betriebsräterechtes gerechnet werden könne.

Nochmals die Sozialversicherung

Eine abschließende Stellungnahme von Dr. med. Richard Hammer

Den Darlegungen von Bundestagsabgeordneten Dr. med. Richard Hammer

über die „Sozialversicherung im Umbruch“ (D.T. vom 5. Juli) war am 7. Juli eine Erwiderung von. Direktor Heil gefolgt, zu der der folgende Beitrag abschließend Stellung nimmt. Er darf zugleich als eine Antwort auf die Zuschrift des Deutschen Gewerkschaftsbundes Darmstadt vom 12. Juli betrachtet werden, dessen Argumente im wesentlichen mit denen der Krankenkassenbehörde übereinstimmen. Wir bemerken dazu jedoch, daß Dr. Hammer seinen zweiten Aufsatz geschrieben hat, ohne daß ihm die Zuschrift des Gewerkschaftsbundes bekannt war.

Es ist verwunderlich, daß es Direktor Heil, einem alterfahrenen Krankenkassengeschäftsführer, so schwer wird, meinem Standpunkt gerecht zu werden. Sicherung gegen zwei Fährnisse unseres vielgeplagten Daseins: gegen Krankheit und gegen die erzwungene Arbeitsunfähigkeit unseres Alters ist unser aller selbstverständliche Forderung. Daß die dazu bestimmten Einrichtungen vor politischem Mißbrauch zu schützen sind, ist auch seine eigene Meinung. Wie könnte Herr Heil bei der Betrachtung seines eigenen Lebensschicksals eine andere Meinung haben. Er selbst ist 1934 aus politischen Gründen in den „Runden Turm“ geworfen worden und erst Jahre danach unter Zustimmung der NSDAP wegen seiner zweifellos großen Befähigung zum Geschäftsführer einer Heilbronner Betriebskrankenkasse bestellt worden. 1945 flog sein nationalsozialistischer Statthalter in Darmstadt und Herr Heil wurde wieder in sein Amt eingesetzt. Er weiß also, was Politisierung der Sozialversicherung bedeutet: Für die Geschäftsführer bedeutet sie die Drohung mit dem „Runden Turm“ oder in demokratischen Zeiten mit der Entlassung; während ihrer Amtsführung zwingt sie die Herren in eigener Verteidigung zur Parteipolitik. Für die Kranken und Alten bedeutet sie Geschäftsführer mit halber Arbeitskraft.

Nun zu Herm Heils Beweisführung. Die Begründung aus dem Anspruch des Versicherten, die Verfügungsgewalt über seine eigenen eingezahlten Beiträge zu haben, ist falsch. Die Renten der Invalidenversicherung werden nur zum Teil aus Beiträgen der Versicherten aufgebracht. Zu einem erheblichen Teil bestehen sie aus Zuschüssen des Bundes, sind also Mittel aller Steuerzahler. In den Leistungen der Berufsgenossenschaften steckt kein Pfennig Lohn. Ihre Versicherten sind die Unternehmer, die zwangsweise gegen die Folgen der gesetzlichen Haftpflicht versichert sind. Freilich gilt das nicht für die Krankenkassen, aber hier ist ein anderer Tatbestand beachtlich. Die Rentenleistungen der Invalidenversicherung und der Angestelltenversicherung sind durch Bundesgesetz geregelt. Die Vorstände können daran nichts ändern. Die Höhe der Beitragsleistung in den Krankenkassen bestimmen aber deren Organe. Beitragserhöhungen bedeuten Lohnerhöhungen und Lohnerhöhung bedeutet Erhöhung der Preise. Die Nichtversicherten, vom Postschaffner über den Kleinbauern bis zum Regierungsrat, haben also zusammen mit der Ehefrau des Versicherten am Zahl- oder Gehaltstag die Zeche zu begleichen.

Darauf, daß der für uns so notwendige Export erhöhte Unkosten hat und in seiner Wettbewerbsfähigkeit geschädigt wird, ist ebenfalls zu achten. Interessen, Rechte und Verantwortungen sind also hier so verteilt, daß aus Billigkeitsgründen die paritätische Zusammensetzung der Organe die gerechteste und brauchbarste Lösung für alle darstellt.

Aber nun wieder zur Politik. Herr Heil bagatellisiert, wenn er behauptet, daß „manche“ führenden Männer auch in einer Partei leitende Funktionen bekleiden. Der ehemalige Arbeitsminister Amdtgen erklärte mir vor wenigen Tagen, daß nur sieben der Geschäftsführer von über 50 bestehenden Ortskrankenkassen keine Sozialdemokraten seien. Wenn darunter auch zahlreiche tüchtige Leute zu finden sind, so haben sie doch nicht allein die Folge des Zusammenbruchs beseitigt. Die deutsche Produktion, die sich von 1948 bis heute verdreifacht hat und auf deren Erträgnissen die Beitragseinnahmen der Versicherungsträger beruhen, haben jedenfalls die sozialdemokratischen Geschäftsführer nicht angekurbelt und, in aller Bescheidenheit, Herr Heil: „Haben in der Krankenversicherung die geduldigen, gleich dem Industriearbeiter mit Papiergeld bezahlten Aerzte nicht auch den Aufbau ermöglicht?“

Ueber der deutschen Sozialpolitik stand von Anfang an ein Unstern. Bismarck schuf sie und begründete in der „Kaiserlichen Botschaft“ ihre Errichtung mit der Notwendigkeit, den Aufstieg der Sozialdemokratie zu verhindern. Die Sozialdemokratie bekämpfte deshalb diese Sozialversicherung, bis ihr eigener Aufstieg und die unvorhergesehene Auswirkung der Drittelungsbestimmung ihr gestattete, sie mit Hilfe ihrer Gewerkschaften zu beherrschen. Der machtlüsterne Nationalsozialismus kassierte sie sofort. 1945 kam wieder die Ablösung.

Gaben in reicher Fülle austeilen zu können, bereitet eine unerhörte Macht. Bismarck, Hitler und die Sozialdemokratie sind dieser Versuchung erlegen. Wer über die Schalter der Deutschen Sozialversicherung verfügt, der steht im Glorienschein des gerechten Verteilers irdischer Gaben und des Schützers der Armen und Bedrückten. Er kommt in die Versuchung, sich dafür ehren und danken zu lassen. Wer „wider alle Fährlichkeit beschirmt“ (Dr. Marün Luthers kleiner Katechismus), der kommt in die Versuchung der Despoten des alten Orients, die sich als Götter verehren ließen; er kommt in die Versuchung, die Folgerung des ersten Glaubensartikels auf sich zu beziehen: „daß alles wir ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig sind.“

Heute, im Zeitalter der Demokratie, hieße das: „statt des Gebetes und des Opfers will ich deinen Stimmzettel.“ In Deutschland kann das nicht mehr geduldet werden. Es führt zur Einparteienherrschaft. Deshalb muß die ganze Sozialversicherung an „Haupt und Gliedern“ umgebaut werden, damit sie bei besserer Leistung für die Kranken und die Alten als Machtmittel für Parteien völlig unbrauchbar wird. Das Gesetz zur Wiederherstellung der Ehrenämter und so weiter ist nur ein Anfang dazu. Ich habe mit Herrn Direktor Heil schon so manches sorgenvolle Gespräch geführt. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, zu einem späteren Zeitpunkt mit ihm einig zu werden.

Neun Prager Klöster sollen in staatliche Wohlfahrts- und Gesundheitsinstitute umgewandelt werden.

Die Hilfsangebote

Acheson vor der Presse

Washington, 12. Juli. (AP./dpa) Der amerikanische Außenminister Acheson hat am Mittwoch auf seiner Pressekonferenz in Washington gesagt, die Verhandlungen über die Unterstützung, die andere Völker Südkorea leisten könnten, gingen weiter.

Das State Department führe Beratungen mit den Vereinten Nationen und dem amerikanischen Verteidigungsministerium über Hilfevorschläge. Offensichtlich würden Angebote weiterer Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zur Verfügungsteilung von Truppen eine Hilfe sein. Die Nationen, die bereits eine Unterstützung der Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea angeboten hätten, seien Großbritannien, Neuseeland, Australien. Kanada, China und die Niederlande. Wie er erfahre, erwögen auch andere Länder militärische Hilfeangebote. Weitere Unterstützung, hauptsächlich wirtschaftlicher Art, sei von Thailand, Norwegen, Dänemark, Chile, den Philippinen und Nikaragua angeboten worden. Jede neue sowjetische Aggression nach der in Korea würde eine äußerst ernste Lage heraufbeschwören. Ihm seien keine genaueren Informationen über Gerüchte vorgelegt worden, daß sich entlang der jugoslawischen Grenze Truppenbewegungen vollzögen.

Acheson kritisierte weiterhin den Stockholmer kommunistischen Friedensappell, der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten zur Unterschriftensammlung in Umlauf gesetzt ist. Wenn dieser Appell den Einsatz der Atombombe verurteile, so sei dies eine Frage zweitrangiger Bedeutung, denn jeder Angriff als solcher sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Atomantrieb für Schiffe

London, 12. Juli, (dpa) Die britische Regierung hat bei einer Privatfirma Konstruktionspläne und Kostenvoranschläge für das Modell eines Atomantriebs für Handels- und Kriegsschiffe bestellt. Wie am Mittwoch in London bekannt wurde, wird die Regierung nach Prüfung dieses Materials entscheiden, ob sieh eine Entwicklung des Atomantriebs für Schiffe lohnt.

Der britische Flottenadmiral Lord Fraser hatte vor einiger Zeit mitgeteilt, daß Großbritannien an der Entwicklung von Unterseebooten arbeitet, die mit Atomkraft betrieben werden.

Hessischer Kolpingstag

Kassel, 12. Juli, (dpa) Der Landessekretär der Kolpingsfamilie in Hessen, Josef Bagus, eröffnete am Mittwoch in der Kasseler Jugendherberge mit einem Treffen der Wandergesellen den vierten hessischen Kolpingstag. Aus allen Teilen Deutschlands kam eine größere Zahl von Wandergesellen teils zu Fuß, teils per Fahrrad in Kassel an. Neben einer geschlossenen Gruppe von 25 Berlinern beteiligten sich Wandergesellen und Mitglieder der Koipingsfamilien aus Frankreich, Oesterreich, Belgien und der Schweiz an dem Treffen. Das Gesellenwandern soll mit dem vierten hessischen Kolpingstag erstmalig nach dem Kriege wieder offiziell aufgenommen werdet).

Gegen die Erzberger-Mörder

Ein Prozeß in Offenburg

Darmstadt, 12. Juli. (AP) Vor dem Offenburger Schwurgericht (Baden) beginnt am kommenden Montag der Prozeß gegen den des Mordes an dem ehemaligen Reichsfinanzminister Erzberger Angeklagten Ernst Schulz, teilte der Rechtsanwalt von Schulz, Wilhelm Jöckel, am Mittwoch mit.

Schulz wird beschuldigt, zusammen mit seinem Freund Tillessen im Jahre 1921 Matthias Erzberger auf einem Spaziergang bei Bad Griesbach im Schwarzwald ermordet zu halben. Schulz und Tillessen flohen dann ins Ausland und kehrten erst während der Nazizeit nach Deutschland zurück.

Tillessen wurde im Jahre 1947 wegen der Ermordung Erzbergers zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Schulz lebte bis vor kurzem im Darmstädter Internierungs- und Arbeitslager. Gegenwärtig befindet er sich in Untersuchungshaft in Offenburg.

Die Friedhofsschändungen

Ein Schreiben Stocks an Newman

HGR. Wiesbaden, 12. Juli. (Eigener Bericht.) Ministerpräsident Christian Stock teilte in einem Antwortschreiben dem Landeskommissar für Hessen Dr. James R. Newman mit, daß die hessische Regierung einen Plan zur Rehabilitierung jüdischer Friedhöfe vorlegen wollte. D:e Schändung solcher Friedhöfe habe im letzten und vorletzten Jahr nachgelassen. Schulkinder seien die Hauptübeltäter gewesen. An den hessischen Schulen werde eine erzieherische Aufklärung durchgeführt, die die Schulkinder zur Toleranz und zur Ehrfurcht und zur Achtung vor allen Gräbern erziehen solle.

„Ich vertraue darauf“, schreibt Stock, „daß es der Regierung in enger Zusammenarbeit mit den Schulen, der Presse und Rundfunk, den politischen Parteien, den Gewerkschaften und den Kirchen gelingen wird, die Entweihung von jüdischen Friedhöfen wirksam zu verhindern und dagegen verstoßende Personen wirksam zu bestrafen.“

Beulenpest bei Kaninchen

Heidelberg, 12. Juli, (dpa) In der Gegend von Bad Mergentheim ist unter den Kaninchen eine Seuche ausgebrochen, die auch für den Menschen außerordentlich gefährlich werden kann. Es handelt sich um die der Beulenpest ähnliche Krankheit Tularaemie. Drei Personen sind bereits erkrankt. Die Bevölkerung ist darauf hingewiesen worden, daß schon die Berührung von kranken oder toten Kaninchen gefährlich ist.

Hedlers Freispruch aufgehoben

Ein Entscheid des Landesgerichtes Schleswig-Holstein

Schleswig, 12. Juli. (AP.) Das schleswigholsteinische Landesgericht hat am Mittwoch den Freispruch gegen den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Hedler aufgehoben und eine Wiederaufnahme des Verfahrens verfügt.

Dr. Mannzen hatte am Mittwoch in der Revisionsverhandlung gegen den Bundestagsabgeordneten Hedler vor dem schleswig-holsteinischen Oberlandeegericht in Schleswig beantragt, den von der Vierten Strafkammer des Landgerichts Kiel am 15. Februar in Neumünster verkündeten Freispruch für Hedler aufzuheben und das Verfahren zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Flensburg zu verweisen.

Die Anklage hatte Hedler unter anderem Beleidigung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Schmähung von Widerstandskämpfern sowie Aufreizung zum Klassenkampf vorgeworfen und sich auf eine Rede Hedlers während einer Versammlung der Deutschen Partei in Einfeld bei Neumünster bezogen.

Generalstaatsanwalt Dr. Mannzen erklärte, beim Landgericht Kiel hätten grobe Verstöße gegen die Lebenserfahrung und Mängel in der logischen Denkfolge bei der Tatsachenfeststellung selbst vorgelegen. Die Pflicht zur vollständigen Wahrheitsforschung sei nicht erfüllt und der festgestellte Sachverhalt nicht richtig gewürdigt worden. Den Antrag auf Ueberweisung des Falles Hedler an das Landgericht Flensburg begründete Dr. Mannzen mit den vielseitigen Angriffen aus der Oeffentlichkeit nicht nur gegen das Urteil, sondern auch gegen das Gericht nach dem Bekanntwerden des Freispruchs.

Zusammenschluk

der Rechts- und Flüchtlingsparteien?

Kassel, 12. Juli, (dpa) Die Ergebnissse der Wählen in Schleswig-Holstein und der Volksabstimmung in Hessen haben zu einem engen Kontakt zwischen dem Block der Heimatvertriebenen, der Deutschen Heimatfront, der Nationaldemokrati'schen Partei, der Wirtschaftlichen Aufbauivereinigung, der Vaterländischen Union und der Tatgemeinschaft Freier Deutscher geführt.

Die Vorsitzenden der Parteien wollen In Kürze Besprechungen führen mit dem Ziel, in den Ländern Hessen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Württemberg-Baden und Bayern einen Zusammenschluß herheizuführen.

Sinnlose Angstkäufe

Wirtschaftsminister Lais zur Marktlage

Freiburg, 12. Juli. (dpa). Der badische Wirtschaftsminister Dr. Lais hat sich am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Einzelhandelsverbandes Südbaden gegen das Verhalten eigennütziger und selbstsüchtiger Menschen gewandt, die aus Mangel an Disziplin und moralischen Qualitäten wegen des leisen Säuselns eines widrigen politischen Windes die Lebensmittelgeschäfte auskauften. Das Grinsen der Herren in Moskau zu diesem Benehmen werde man sich vorstellen können. Gegenüber dieser Angstpsychose und Undiszipliniertheit müsse gesagt werden, daß gar nichts passieren werde. Kein Mensch denke im entferntesten daran, das Kartensystem für Lebensmittel wieder einzuführen. Auf allen Gebieten seien genügend Lebensmittel vorhanden, so daß die leergekauften Läger bald wieder auf gefüllt und alle Konsumen" ten befriedigt werden könnten. Darüber hinaus könne jedermann davon überzeugt sein, daß die Währung unter allen Umständen stabil gehalten werde. Die Oeffentlichkeit könne ferner sicher sein, daß man allen Spekulanten und Hyänen des Marktes, die versuchten, Waren zurückzuhalten, um die Preise hochzutreiben, auf die Finger klopfen werde.

Hohe Freiheitsstrafen

für Kindesmißhandlung

Fulda, 11. Juli (dpa) Wegen fortgesetzter schwerer Kindesmißhandlung in drei Fällen, davon in einem Fall mit tödlichem Ausgang, verurteilte das Fuldaer Schwurgericht nach zweitägiger Verhandlung am Dienstag, den 26jährigen Heinz Alarich Liehmann zu fünf Jahren, Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust und die 29jährige Hanni Wittrock, geborene Lührs, zu drei Jahren Gefängnis. Die Verurteilten, die in wilder Ehe in Schenklengsfeld, Kreis Hersfeld, gelebt hatten, wurden für schuldig befunden, gemeinschaftlich die beiden Kinder der Wittrock fortgesetzt schwer mißhandelt zu haben und ihr jüngstes gemeinsames Kind Gertrude derartig vernachlässigt zu haben, daß es im Hersfelder Kreiskran^enhaus verstarb.

Stimmen der Leser Ohne Verantwortung der Redaktion

Niemöller

Die Ausführungen von Dr. Conrad (wiedergegeben in Nr. 3) zeigen in erschreckender Weise, wie wir Menschen heute aneinander vorbeireden. Wenn Kirchenpräsident Niemöller gesagt hat, daß es „eine infame Irrlehre sei, daß die Kirche zugrunde gehen werde, wenn sie eines Tages in einer bolschewistischen Welt aufwache“ (ich kann nicht nachprüfen, ob das Zitat so richtig ist; es ist bekannt, wie sehr Niemöller die Worte oft im Munde verdreht werden) —, dann ist doch für jeden Christen einsichtig, daß Niemöller mit dem Wort „Kirche“ augenscheinlich jene innere Kirche, „die Gemeinde der Heiligen“ und nicht die Organisationsform „Kirche“ meint. Diese mag freilich zerschlagen und bedrängt werden; Niemöller ist schließlich nicht so dumm, daß er nicht wüßte, was in Bulgarien, Ungarn oder auch in der Ostzone vorgeht. Aber da polemisiert ein Politiker — das ist er sicher in erster Linie und nicht Christ — lustig drauflos und rennt offene Türen ein, verwirrt aber durch seine Aeußerungen all die Menschen (die große Masse), die nicht wissen, worum es letzten Endes beim Kampf der Kirche geht.

Geradezu naiv muten jene Sätze des Redners an, er wisse nicht, wieviel Kirchenaustritte diese „verhängnisvollen“ Aeußerungen Niemöllers zur Folge gehabt hätten. Ist „Kirche“ ein Verein, in den man ein- oder austritt, wenn der Vorsitzende etwas Wohlgefälliges oder Aergerliches sagt? Gott Lob und Dank, wenn wirklich Leute deswegen ausgetreten wären! Gerade diese wollen wir ja in unserer Mitte nicht haben. Echte Christen sind solche gewiß nicht.

Die ganze Rede — soweit man sie im Auszug in der Zeitung zur Kenntnis nimmt — erinnert geradezu peinlich an Aeußerungen und Reden damals „führender“ Persönlichkeiten, die bei der Gründung des — von Dr. Conrad sogar zitierten — Pfarrernotbundes Abrechnungen über die Höhe der Pfarrergehälter veröffentlichten, um darzutun, daß die Pfarrer in keiner „Not“ seien. Genau so redet Herr Dr. Conrad an der Sache vorbei.

Kirchenpräsident Niemöller war einer der ganz wenigen, der mit eiserner Konsequenz in jenen Jahren seinen Weg gegangen ist und dafür unermeßlich gelitten hat. Damals ist er verkannt worden, verhöhnt und beschimpft. Niemöller geht heute ebenso aufrecht seinen Weg. Und ausgerechnet ihm, der wegen seines Schuldbekenntnisses im Jahre 1945 aufs äußerste angegriffen wurde, wirft der Redner vor, er solle an seine Brust schlagen und. sich anklagen. Gott schenke uns mehr solcher aufrechten Männer, die uns sagen, was not tut — auch wenn wir es nicht gerne hören! Dietrich Goethe, Lübeck

Es bleibt unbeständig

Mitteleuropa steht zur Zeit unter Herrschaft atlantischer Luftmassen. Mit der bis in große Höhen reichenden Westdrift wandert heute Donnerstag rasch ein Hoch nach Osten, dem ebenso schnell ein Tief nachfolgt. Der Wechsel zwischen trüb-wolkigem Wetter mit Regenfällen und ein- bis zweitägigen Aufheiterungen bleibt fortbestehen.

Aussichten: Winde vorübergehend auf Süd drehend. Auf heiternd und rasche Erwärmung. Im Rhein- und Moseltal bis über 25 Grad. Besserung nicht von Bestand. Teilweise Gewitter.

Der Rundfunk am Donnerstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Hausfrauenkonzert; 17.00 Unterhaltungskonzert; 18.00 Hörerlieblinge; 18.30 Barnabas von Geczy; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Unterhaltungsmusik von heute; 21.45 Passiert — glossiert; 22.15 Werke von Mozart; 23.10 Tanzmusik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.10 Hausmusik; 18.00 Zeitfunk und Unterhaltungsmusik; 20.00 Frohes Raten — Gute Taten; 22.00 Cösar Franck; 23.15 Paul Hindemith.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 1'6.15 Nachmittagskonzert; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 Der Schallplattenfreund; 22.30 Internationale Musikfestwochen Ascona; 23.35 Für Kenner und Liebhaber.

NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik’ am Mittag; 1415 Musik nach Tisch; 15.00 Unterhaltungsmusik; 15.40 Das Hamburger Radio-Tango-Orchester; 16.50 Englische Lieder; 18.00 Zwischen sechs und sieben; 20.00 Lasset alle Hoffnung zurück;

Filme, die wir morgen sehen

Petra Peters -Star über Nacht

■ „Mädchen hinter Gittern“ ist bereits der dritte Nachkriegsfilm, in dem Petra Peters die Hauptrolle spielt. Als das jMädchen Christine“ stand die junge Schauspielerin zum erstenmal vor der Kamera, und zwar stellte der Regisseur Rabenalt sie gleich in der Hauptrolle heraus. Nach „Anonyme Briefe“ begegnete sie uns in „Man spielt nicht mit der Liebe“ auf der Leinwand. Gewiß eine sensationelle Nachkriegskarriere. Über Nacht hat der deutsche Film einen neuen Star gewonnen.

Wirklich über Nacht? Gewiß, die blutjunge Künstlerin steht erst seit zwei Jahren im Schpinwerferlicht, aber diesem steilen Aufstieg sind viele Jahre des Lernens und Probierens vorangegangen, bei Petra Peters vielleicht mehr Lernjahre als bei anderen Schauspielerinnen, denn sie ist ein Artistenkind. Ihr Vater war ein international berühmter Fluigtrapezartist, der sich mit einem Seil um den Hals aus 30 Meter Höhe herabfallen ließ. Es war der „Todessprung“, aber eines Tages wurde aus dem Spiel blutiger Ernst. Der Salto mortale wurde wirklich ein Todessprung. Das war 1942 in St. Louis.

Artistenkinder fangen früh an. So mußte auch Petra Peters früh alle akrobatischen Grundübungen lernen und den Körper geschmeidig halten. Die Grazie ihrer Gestalt dürfte nicht zuletzt auf diese frühen artistischen Uebungen zurückzuführen sein. Vielleicht ist es aber auch eine angeborene Musikalität, die den Fluß ihrer Bewegungen beschwingt. Stärker als der Zirkus mit seinen Sensationen lockte sie aber das Theater, lockte der Zauber der Sprache, der Reiz der mimischen Verwandlung, die Gestaltung des Gefühls aus'drucks. Mit 15 Jahren begann sie in Hannover Schauspielunterricht zu nehmen, und an den Städtischen Bühnen Hannover war es auch, wo sie zum erstenmal die Bretter betrat. Bald folgte ein Engagement nach Mühlhausen im Elsaß, wo Publikum und Presse-auf sie aufmerksam wurden. Sogar der Film wollte nun das schöne Gesicht und d e schlanke Gestalt der Nachwuchsschauspielerin für sich gewinnen. 1944 wurde sie nach Berlin gerufen. Mit dem Zusammenbruch aber mußten Film und Theater eingeschränkt werden, Petras Laufbahn, kaum begonnen, schien hoffnungslos beendet. Zuerst war es wieder das Theater, das ihr zum Sprungbrett wurde. Viktor de Kowa gab Petra Peters in seiner kleinen Tribüne in „So oder so“ und in „Heut’ abend um 6“ eine Chance. Dann lockte das Kabarett, wo sie mehr als nur Stächwortbringenin sein konnte. Sie sang Lieder zur Laute im kleinen intimen Stimmungskabarett bei Bender, wirkte unter Gründgens im Ulenspiegel-Ensemble mit und kurz darauf bei der „Dachluke“. Später tauchte sie bei den “Brettl-Vagabunden“ auf. Dort sah sie Rabenalt und gab ihr nach gelungenen Probeaufnahmen die Titelrolle im „Mädchen Christine“. Das war der neue Anfang, ein künstlerischer Erfolg, der sie mit en die Spitze einer neuen Schauspielergeneration stellte.

„Wie würden Sie den Unterschied zwischen Männern und Frauen kennzeichnen?“, fragte ein etwas indiskreter Reporter Betty Grable.

„Lieber Freund“, antwortete der Filmstar, „gäbe es nur drei Männer auf der Welt, so würden Sie alle ihre Zeit damit vertrödeln, daß sie nach drei Frauen Ausschau hielten. Gäbe es aber nur drei Frauen auf der Welt, so würden sich jeweils zwei über die dritte unterhalten.“


MÄDCHEN HINTER GITTERN heißt der Schorscht-Film, der nicht nur von der Selbstkontrolle als „künstlerisch wertvoll“ empfohlen wurde, sondern bereits auch einem internationalen Gremium in Venedig standhielt. Hinter Gittern leben die Mädchen einer Fürsorgeanstalt, unter ihnen Ursula Schumann, die unter dem Verdacht der Mitwisserschaft an einem Einbruch eingeliefert wurde. Sie weiß um die Zusammenhänge dieses Verbrechens, aber sie sagt ihrer Mutter zuliebe nicht aus und nimmt alles auf sich — auch, als sie der geliebte Mann deshalb verläßt. In der Hauptrolle: Petra Peters. (Im Thalia.)
MÄDCHEN HINTER GITTERN heißt der Schorscht-Film, der nicht nur von der Selbstkontrolle als „künstlerisch wertvoll“ empfohlen wurde, sondern bereits auch einem internationalen Gremium in Venedig standhielt. Hinter Gittern leben die Mädchen einer Fürsorgeanstalt, unter ihnen Ursula Schumann, die unter dem Verdacht der Mitwisserschaft an einem Einbruch eingeliefert wurde. Sie weiß um die Zusammenhänge dieses Verbrechens, aber sie sagt ihrer Mutter zuliebe nicht aus und nimmt alles auf sich — auch, als sie der geliebte Mann deshalb verläßt. In der Hauptrolle: Petra Peters. (Im Thalia.)

NUR EINE NACHT . der Vergnügungstaumel der Großstadt zwei Menschen zusammen. Er — ein Mann, der einst als Kapitän eines großen Schiffes Menschen und Länder aller Endtelle sah und heute als Heizer eines riesigen Bürohauses sein Leben fristet. Sie — eine Frau, die gläubig und vertrauend sechs Jahre lang auf ihren Mann gewartet hat und erfährt, daß er schon seit Jahren mit einer anderen lebt. Nur eine Nacht führt sie das Schicksal zusammen. Nicht einmal die Namen wissen sie voneinander, aber einer spürt des anderen Not, und daraus erwächst das große Verstehen. In den Hauptrcllent M. Hoppe und H. Böhnker. (Im Hansa.)
NUR EINE NACHT . der Vergnügungstaumel der Großstadt zwei Menschen zusammen. Er — ein Mann, der einst als Kapitän eines großen Schiffes Menschen und Länder aller Endtelle sah und heute als Heizer eines riesigen Bürohauses sein Leben fristet. Sie — eine Frau, die gläubig und vertrauend sechs Jahre lang auf ihren Mann gewartet hat und erfährt, daß er schon seit Jahren mit einer anderen lebt. Nur eine Nacht führt sie das Schicksal zusammen. Nicht einmal die Namen wissen sie voneinander, aber einer spürt des anderen Not, und daraus erwächst das große Verstehen. In den Hauptrcllent M. Hoppe und H. Böhnker. (Im Hansa.)

Die Leute haben Sorgen!

Kleid aus Pferdehaar. Kamelhaarmäntel sind in der Mode nichts Neues. Neu dagegen ist das hypermondäne Kleid aus Pferdehaar, das Marlene Dietrich in ihrem neuen Kriminalfilm „Die rote Laterne“ trägt. Das Kleid wurde von dem Pariser Modeschöpfer Christian Dior nach Marlenes eigenen Angaben entworfen und besteht aus Rüschen von Pferdehaar, die auf einer gestärkten Unterlage befestigt sind. Es wiegt „nur“ 20 Pfund.

Millionenerbin geht zum Film. Die Warner Bros, gibt den Vertragsabschluß mit Patricia Wymore bekannt, die für eine bedeutende Rolle des Revuefilms „Tea for two“ verpflichtet wurde. Miß Wymore stammt aus eines? KoHonistenfamilie aus Kansas, wo ihr Vater eine Farm besitzt. Hier wurde vor kurzem eine ergiebige Oelquelle entdeckt, die Patricias Vater über Nacht zu einem Millionär gemacht hat.

Frank Sinatra — ohne Stimme. Frank Sinatra, der bekannte Sänger und Filmstar, hat während eines Auftretens im Newyorker Copacabana-Club plötzlich seine Stimme verloren. Er litt schon seit einiger Zeit an einer Stimmbandentzündung. Jetzt haben ihm die Aerzte sogar das Sprechen verboten.

Emer schnarchte echt. David Tomlinson, der in dem Film „Schlafwagen nach Triest“ einen gelangweilten Engländer zu spielen hatte, mußte laut Drehbuch einen ganzen Morgen schnarchend in seinem Schlafwagenabteil zubringen. Er lehnte es strikt ab, einen Geräuschmacher als Double zu bestellen, weil er, wie er sagte, im Schnarchen große Erfahrung besaß. Der fertige Film ließ hören, daß er recht hatte.

1 Einstellung — 10 Anzüge. Während der Aufnahmen zu einem Kriminalfilm mußte eine entscheidende Szene unter schwierigen Verhältnissen gedreht werden. Das Drehbuch verlangte, daß John Bentley und Dinah Sheridan bis zum Hals in einem überfluteten Keller im Wasser stehen. Zehnmal mußte aus verschiedenen Gründen die Aufnahme wiederholt werden, bis sie zur Zufriedenheit des Regisseurs ausfiel'. Zehnmal mußten die beiden Schauspieler im Laufe eines Vormittags ihre Kleidung wechseln.

Die lachende Leinwand

Bei der Premiere jedes Stückes, in dem Michel Simon mitwirkt, bei der Uraufführung jedes Films, in dem er eine Rolle hat, nimmt er die „Kritikaster“ aufs Korn. So entdeckte er bei der Uraufführung von „La Beaute du Diable“ in der Großen Oper in Paris auch einen Kritiker, der wegen seiner heldenhaften Zurückhaltung bekannt ist; seine Besprechungen erscheinen nämlich immer erst, wenn genügend andere Berichte im Druck vorliegen. Michel Simon setzte sein mokantestes Lächeln auf und meinte zu dem neben ihm sitzenden Regisseur des Films. Rene Clair: „Was der wohl darum gäbe, wenn er heute schon wüßte, wie ihm übermorgen der Film gefallen haben wird!“

Während der Aufnahmen zu einem Film, in dem er den Brautvater eines eben zum Altar schreitenden Paares spielt, meinte Albert Florath zu dem ein wenig steifen Bräutigam: „Mensch, nun stellen Sie sich doch nicht so dämlich an! Lächeln Sie doch wenigstens ein bißchen, das ist doch keine richtige Hochzeit.“

Leo Slezak frühstückte in einem vornehmen Luxushotel an der Riviera. Das Essen war gut, die Rechnung freilich fand Slezak mehr als gesalzen. Er ließ den Hotelbesitzer kommen, und es entspann sich folgendes Gespräch:

„Sind Sie der Herr des Hauses?“

.Womit kann ich dienen?"

„Sind Sie wirklich der Herr des Hauses?“

„Aber gewiß doch. Sie können es mir glauben!"

„Dann — umarmen Sie mich!"

Der korrekte Herr schnappte nach Luft, Slezak Sprach nie leise — und die Gäste

waren schon ohnehin genügend aufmerksam geworden. Leo legte sein Gesicht in Kummerfalten, markierte eine tränenerstickte Stimme und sagte:

„Umarmen Sie mich ... es ist . . . das letzte Mal . . wir werden .. , uns ~ , nie . . . Wiedersehen!“ Sprachs, zahlte und ging.


AUS DER GUTEN, ALTEN ZEIT, ins Mittelalter zurück blendet die Handlung dieses Films, in dem Pat und Patachon als Knappen eines verliebten und kampffreudigen Ritters Gefahren und Situationen von zwerchfellerschütternder Komik zu bestehen häben. Selbstverständlich bringen sie wie immer alles zum guten Ende, aber ehe es so weit ist, müssen sie einen langen, beschwerlichen Weg gehen. ,Aus der guten, alten Zeit“ ist der letzte Film, der mit diesem weltbekannten Komikerpaar gedreht wurde. (Im Palast.)
AUS DER GUTEN, ALTEN ZEIT, ins Mittelalter zurück blendet die Handlung dieses Films, in dem Pat und Patachon als Knappen eines verliebten und kampffreudigen Ritters Gefahren und Situationen von zwerchfellerschütternder Komik zu bestehen häben. Selbstverständlich bringen sie wie immer alles zum guten Ende, aber ehe es so weit ist, müssen sie einen langen, beschwerlichen Weg gehen. ,Aus der guten, alten Zeit“ ist der letzte Film, der mit diesem weltbekannten Komikerpaar gedreht wurde. (Im Palast.)

„Sie sehen e nen Cartharius-Film“

Filmenthusiasten wird es interessieren, daß in Darmstadt nicht nur Filme gezeigt, sondern auch gedreht werden. Wir hatten Gelegenheit, Otto Cartharius jun. bei der Arbeit an einem neuen Lehr- und Werbefilm zuzusehen.

Seit dreißig Jahren filmt er und ist in fast allen Fällen Drehbuchautor, Regisseur und Kameramann in einer Person. Bisher hat er etwa 180 000 Meter Filmstreifen gedreht. Leider verbrannte in der Unglücksnacht im September 1944 fast das ganze Material, so daß wertvolle Filme heute nicht mehr dem Publikum vorgeführt werden können. In der ersten Zeit seiner Tätigkeit zeigte Otto Cartharius mehrere Filme über Darmstadt im Union. Für fast alle Industriezweige hat er im Laufe der Zeit Werbefilme gedreht. Nach der Wiederaufnahme seiner Filmarbeit im vergangenen Jahr war einer der ersten Streifen für die Firma Stegmüller bestimmt. Sicher haben viele unserer Leser diesen Cartharius-Film gesehen, der übrigens auch sein erster Tonfilm war.

Außer Werbefilmen hat Otto Cartharius auch einen Lehrfilm für die Polizei hergestellt. Ein von der katholischen Kirche Darmstadt in Auftrag gegebenes Werk „Roma Aeterna“ schloß sich an. Seit 1938 lag das Schwergewicht seiner Filmarbeit mehr auf, Sportreportagen. Jeder Urlaub und jede Ferienreise wurden dazu benutzt, um die Bergwelt im Film feszuhalten. Diese Arbeiten wurden den daran interessierten Vereinigungen vorgelegt. Medizinische Filme, die in erster Linie chirurgische Probleme behandelten, erforderten viel Sachkenntnis und Geduld.

Vom Drehbuch über die Kameraarbeit mit ihren Hunderten von Einstellungen für wenige Filmmeter bis zum Schnitt eines Filmes vergehen Monate. Wenn man sich überlegt, wieviel Arbeit und Material in einem fertigen Werk stecken, dann wundert man sich nicht, daß die geplanten Cartharius-Filme bis zu ihrer Fertigstellung mindestens ein Jahr brauchen. Die Dreharbeiten für einen augenblicklich in Arbeit befindlichen Film werden in vierzehn Tagen beendet sein.

Ein Einwohner Darmstadts hat sich mit seinem Filmschaffen einen Namen gemacht, der auch den Namen unserer Stadt weit über Hessen hinausträgt. BA


MIT PINSEL UND DEGEN schlägt sich Bob Hope als Monsieur Beaucaire, Barbier seiner Majestät des Königs von Frankreich, Ludwig XIV., durch Irrungen, Wirrungen und Verwicklungen bei Hofe durch, treibt seine Spässe mit perückentragenden Hofschranzen und reafrocktragenden Damen. Eine komische Situation löst die andere ab — und immer mitten drin Bob Hope „mit Pinsel und Degen“. Ein Lustspielfilm der Paramount. (Im Belida.)
MIT PINSEL UND DEGEN schlägt sich Bob Hope als Monsieur Beaucaire, Barbier seiner Majestät des Königs von Frankreich, Ludwig XIV., durch Irrungen, Wirrungen und Verwicklungen bei Hofe durch, treibt seine Spässe mit perückentragenden Hofschranzen und reafrocktragenden Damen. Eine komische Situation löst die andere ab — und immer mitten drin Bob Hope „mit Pinsel und Degen“. Ein Lustspielfilm der Paramount. (Im Belida.)

Pakt mit dem Teufel

4000 Titelvorschläge für einen Film

Ueber 4000 Titelvorschläge waren das Ergebnis des von der Prisma durchgeführten Preisausschreibens nach dem deutschen Titel gekrönten und endgültigen Titel „Pakt mit dem Teufel“ fährt die Berlinerin Ursula Mentz 8 Tage an die Seine. — Der Film kommt Ende August in die Lichtspieltheater, des Rene-Clair-Films „La Beaute du Diable“. Die von allen Bevölkerungsschichten, Berufsgruppen und Altersklassen vorgeschlagenen Titel bewegten sich zwischen der „Schönheit des Teufels“ und „Goebbels vor 400 Jahren“. Der älteste Anwärter auf die Reise nach Paris war 85 Jahre, die Jüngste eben 13 geworden. Für den preis-

Ein Film in Lindau. Mit Mathias Wiemann, Brigitte Horney Fita Benkhoff und Viktor de Kowa beginnt die Hamburger Junge Filmunion Anfang August Aufnahmen zu einem neuen Spielfilm in Lindau, der Motive de? Karnevals in Nizza schildert.


AN KLINGENDEN UFERN, In ™ n ^löss6rn und ^omen Kärntens spielt dieser österreichische Film, rärt Ihr raff« r h* * en u3SCha K°djalskl, Mania, in einen tiefen Herzenskonflikt ged?s E^ejmniSV°lle Weise, und lange Zeit richtet sich der Verdacht Prächtige Naturaufnnhm en Maler Stefan Kelter, der so verhängnisvoll in ihr Leben trat. In den Haunf-rollen- Un IChe Musik geben diesem Film ein besonderes Gepräge. In den Hauptrollenu Mananne Schönauer, Hans Unterkircher, Curd Jürgens, Karl Skraup. (Im Union.)
AN KLINGENDEN UFERN, In ™ n ^löss6rn und ^omen Kärntens spielt dieser österreichische Film, rärt Ihr raff« r h* * en u3SCha K°djalskl, Mania, in einen tiefen Herzenskonflikt ged?s E^ejmniSV°lle Weise, und lange Zeit richtet sich der Verdacht Prächtige Naturaufnnhm en Maler Stefan Kelter, der so verhängnisvoll in ihr Leben trat. In den Haunf-rollen- Un IChe Musik geben diesem Film ein besonderes Gepräge. In den Hauptrollenu Mananne Schönauer, Hans Unterkircher, Curd Jürgens, Karl Skraup. (Im Union.)

Darmstadt und Umgebung

Gentlemen -Polizisten

D-s- Der Sommer liebt dieses Jahr Überraschungen. Von windlos stehender Glut zu kalt durchschauerndem Gewehe von ferionblauem Himmel zu alltagsgräuem Wolkengeschiebe beschert er reichlichen Wechsel. Die wärmere Kleidung muß also neben der leichten griffbereit am Haken bleiben, und so hält es auch unsere Polizei. Einmal sehen wir sie im gewohnten Tuchrock, zum anderen, an den heißen Tagen, aber in neuer, kleidsamer „gentleman -Uniform, blaues Hemd mit schwarzem Binder und langer, dunkler Hose Diese sommerliche Erleichterung tut der Würde der Obrigkeit keinen Abbruch. Das Metallschild auf der linken Brusttasche Tuchabzeichen auf dem linken Arm und die Mütze nach altvertrautem deutschen Schnitt kennzeichnen „das Auge des Gesetzes“, das so aufmerksam wie je, doch teilnehmender und freundlicher als manche lange Zeit zuvor über Ordnung und Wohlergehen der lieben Bürger und derer, die es später werden sollen, wacht.

In veralteten Bilderbüchern gibt es noch die Figur des schnaufenden, säbelschleppenden, drohenden Polizisten, — ein Kinderschreck. Heute können und sollten alle Eltern von früh an den Kindern einprägen: „Wißt ihr euch unterwegs keinen Rat in einer Sache, wendet euch nur an die Polizei, niemals an fremde Menschen.“ Die Polizei hilft den Kleineren und Größeren bei allen Nöten. Sucht eins eine Straße, hat ein anderes sich verlaufen, verlor ein drittes die Mutter im Gedränge —, wohberaten von diesem Ordnungsdienst in unserem Leben, wohlbehütet an der Hand des Beamten, findet ein jedes noch zuletzt, was es verwirrt suchte.

Glaubt dem strahlenden Gesicht eines Polizisten, der ein Kind der Mutter zurückbringt: es sind die schönsten Augenblicke in seinem vielfältigen und mühevollen Dienst: zu helfen und nicht zu ahnden, zusammenzuführen und nicht

trennen zu müssen; denn diese Beamten der Ordnung im öffentlichen Leben sind> Menschen, die sich der Menschen annehmen.

In dieser Vergegenwärtigung schwindet die kalte Anonymität der staatlichen Maschinerie, und einander gegenüber stehen sich Menschen, die um der Menschen willen staatliche, gesetzliche Ordnung schufen und erhalten wollen zur Wohlfahrt eines jeden, zum Schutze und Gedeihen des kostbarsten Gutes: unserer Jugend.


Ein Gentleman-Polizist photographiert von Hage
Ein Gentleman-Polizist photographiert von Hage

Siebzig Jahre „Constantia“

Der Verein katholischer Kaufleute und Beamter kann heute auf eine 70jährige Tradition zurückblicken. Er hat sich die Aufgabe (gestellt, dem Kaufmanns- und Beamtenstande richtungweisend vorzustehen und Kaufleute und Beamte heranzubilden, die für die christliche Lehre in Familie’ Gesellschaft, Wirtschaft und Staat eintreten.

In einer außerordentlichen gut besuchten Mitgliederversammlung des KKV „Constantia“ im Hotel Knauf berichtete am Dienstagabend der Generalpräses des Verbandes. Pater Grünewald S. J. (Essen), über das Treffen der Kaufmannsjugend des KKV auf der Burg Billstein im Sauerland, das unter dem Motto „Besinnung und Aufbruch“ stand. Das dort vom Verband beschlossene Jugendbundgesetz zeige dem katholischen Kaufmann, wie er, getragen von christlichem Verantwortungsbewußtsein, bedingungsloser Sauberkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit im Berufsleben seinen Weg gehen müsse. Am Schluß betonte der Generalpräses, daß sich der Beamten- und Kaufmannsstand, die Säulen des Mittelstandes, jeder Zeit seiner berufsständigen Sendung und Berufsehre bewußt sein müßte. Der Vereinsvorsitzende gab bekannt, daß in Zukunft bei der Zusammenkunft am ersten Donnerstag eines jeden Monats Berufsfragen behandelt werden. Am vierten Donnerstag im Monat wird ein geistlicher Vortrag gehalten, t-s

„Heinerfest“ erst 1951

Ursprünglich sollte das große Heimatfest der Darmstädter unter dem durch ein Preisausschreiben gefundenen Namen „Darmstädter Heinerfest“ vom 2. bis 4. September 1950 stattflnden. Dieser Termin würde aber mit der Bessunger Kirchweih und einigen anderen größeren Veranstaltungen der näheren und weiteren Umgebung zusammenfallen. Eine Vorverlegung hätte sich daher nicht umgehen lassen. In diesem Falle wäre aber die Zeit für die zu treffenden umfangreichen Vorbereitungn zu kurz und es nicht möglich, ein unserer Stadt würdiges Fest zu gestalten.

Die maßgebenden Stellen sind deshalb auf einen Vorschlag des Festausschusses eingegangen und haben beschlossen, das „Darmstädter Heinerfest“ zum ersten Male in der Zeit vom 30. Juni bis 2. Juli 1951 zu veranstalten. Für die Folge wird es dann am ersten Wochenende des Monats Juli eines jeden Jahres gefeiert. Der Festausschuß. dem Männer, die in der Organisation derartiger Feste erfahren sind, angehören, bleibt in seiner derzeitigen Zusammensetzung bestehen.

Nette Leckerbissen

„Wir backen und kochen für Kinder und Kranke“ war das Thema einer Nachmittagsveranstaltung, die der Hausfrauenbund gestern im Speisesaal der HEAG durchführte. Nach der Begrüßung durch Frau Machwirth sprach Fräulein Schröter, hauswirtschaftliche Beraterin bei den Maizena-Werken, über die Zubereitung nahrhafter, leichtverdaulicher Kost für Kinder und Kranke. Von Kaltschalen, Quarkspeisen, Puddings und Flammeris sowie leichtem Gebäck, das sich vorzüglich mit Maizena und Dextropur bereiten läßt, wurde mancherlei Wissenswertes für die Hausfrauen erzählt. Die leckeren Kostproben zeigten in der Art, wie sie angerichtet waren, daß auch das Auge mitessen muß, will der Körper zu seinem Rechte kommen. Schöne Abbildungen der bunt ausgestatteten Rezepthefte, die jede der Frauen mit nach Hause nehmen konnte, erschienen in schmackhafter Wirklichkeit, und die Ausführungen boten auch viele Hinweise für Speisebereitung in den heißen Tagen, wenn der Körper leichte, erfrischende Kost verlangt.

Frau Nebe, Darmstadt, sprach über die vielseitige Verwendung der elektrischen Geräte, und das praktische Beispiel des Elektroherdes, der die Kostproben sauber und flink buk und kochte, redete sein stilles. aewichtiaes Wort mit. . .

Zum Ausklang dieser hausfraulich lehrreichen Stunden gab es noch eine kleine Verlosung. Ul'

Zum vierten Male wurde in der Nacht zum Mittwoch im Verkaufspavillon von „Zigarren-Becher“ neben dem Hallenschwimmbad eingebrochen. Diebe brachen mit Brecheisen die mit zwei Schlossern gesicherte Eingangstüre auf und Tabakwaren im Werte von etwa 500 MarK.

Jeder möchte mal „Schorsch Meier“ sein

Impressionen aus der Leihanstalt für Motorräder und Motorroller

Vom Jugendlichen bis zum seriösen Geschäftsmann, vom ausgewachsenen Backfisch bis zur fleißigen Hausfrau ist heute alles motorisiert. Es gibt aber auch eine Menge Menschen, die sich kein Motorrad kaufen können, die aber trotzdem übers Wochenende in Erholung fahren wollen, die eilige Geschäftsreisen unternehmen müssen, und die dazu ein Motorrad brauchen. Für diese Gruppe der Motorsportenthusiasten vermietet die Firma Ax t in der Dieburger Straße Motorräder.

Seit Anfang Mai stehen tagsüber fünf Motorräder und zwei Motorroller vor der Tankstelle — rein theoretisch —, denn meistens -sind sie vermietet und unterwegs. Da gibt es eine NSU-Fox, zwei 200 er Zündäpp, eine Tornax, eine schwere DKW und, für Liebhaber der italienischen Erfindung, einen Lambretta- und einen Vesparoller.

In der Hauptsache sind es von Schorsch Meier und anderen Rennkanonen träumende Jugendliche, die die Fahrzeuge mieten und einmal den Rausch der Geschwindigkeit erleben wollen. Vorsichtshalber sind die Maschinen gedrosselt, um den Rennambitionen langhaariger Jünglinge Einhalt zu gebieten. Selbstverständlich kommen auch ältere Leute als Mieter in Betracht, Geschäftsmänner, die schnell einen Kunden aufsuchen müssen und andere. Aber in der Hauptsache sind es die jüngeren Jahrgänge, die mit oder ohne Braut „Kilometer reißen“ wollen. Da bestellt ein junger Mann zum Sonntag ganztägig einen Motorroller für die Leihgebühr von 18 Mark, einschließlich Benzin für 100 Kilometer, um mit seiner Frau nach Dieburg zum Dreiecksrennen zu fahren. Selbst Arbeitslose mieten sich stundenweise eine Maschine, um einmal eine kleine Abwechslung zu haben.

Nach Vorlage des Führerscheins und der Kennkarte muß der Entleiher einen Mietvertrag unterschreiben. Er zahlt seine Stundengebühren und braust ab. Soweit ist das in Ordnung. Aber nun gehören Verkehrsunfälle nicht eben zu den Seltenheiten, um so mehr, als man mit fremden Maschinen ja eher Pech hatte als mit der eigenen. So mietete sich vor einiger Zeit ein Mann mit Führerschein den Lambrettaroller, fuhr davon und machte nun sein eigenes Geschäft damit. Er gab den Roller an zwei Jünglinge weiter, die darauf ihren Fahrunterricht nahmen, sehr zum Nachteil des Rollers, der gegen einen Baum oder gegen eine Mauer rollte.

Aber die Jugend ist findig. Sie warfen die demolierte Maschine auf das Ziegeleigelände in der Kastanienallee, versenkten die Fahrpapiere tief in eine Mülltonne und

begaben sich nach Hause, womit iur sie der Fall erledigt schien. Durch Zufall kam der Vermieter dahinter, holte nachts den Motorkadaver ab und fischte die Zulassung aus dem Dreck. Moral: Es ist nicht jeder sicher, der einen Führerschein hat. Andere Ungezogenheiten sind, das Motorrad abends nach Ablauf der Leihzeit nicht rechtzeitig, oder überhaupt nicht zurückzubringen. Bis zum nächsten Tag sind dem Verleiher graue Haare gewachsen, weil er nicht weiß, ob es gestohlen wurde oder durch einen Unfall in die Brüche ging. Es ist ein aufregender Beruf, das Motorradvermieten, aber es liegt eine gewiße Genugtuung darin, zu sehen, wie die jungen Männer mit todernster und gesammelter Miene den Sattel besteigen, kräftig Gas geben und zufrieden davonfahren, um eine Stunde oder ein paar Tage das Glück der Geschwindigkeit und das mühelose Dahingleiten über glatte Straßen und holprige Feldwege zu genießen. HFL



Mit Gunst und Verlaub

Richtfest in der Meierei

Oberbaurat von der Leyen vom Staatsbauamt Darmstadt forderte vor einigen Tagen Herrn Veith jun. von der Firma Veith in Beerfelden auf, beim Richtfest der Scheune, dem Kornspeicher und dem Pferdestall, die in einem Trakt untergebracht sind, zu sprechen. Vom hoben First, der durch den Richtbaum gekrönt war, sprach der junge Zimmermann seinen Spruch:

„Ich werfe dieses Glas, Gott gebe, daß es richtig springe und Glück und Segen diesem Bauwerk bringe."

Klirrend zersprang das Glas vor der 4000 cbm umfassenden Scheune, die teilweise in einer Holizkonstrüktion — ausgeführt von der Firma Veitih in Beerfelden — teilweise in Mauerwerk, das die Baufirma Mannel in Darmstadt erstellte, gebaut wurde.

Bevor das traditionelle Richtessen begann, ergriff Oberbaurat von der Leyen noch einmal das Wort. Er sagte, daß man sehr oft dem Stadtbauamt den Vorwurf mache, daß die von ihm geplanten Bauten nie fertig würden. Schuld an dieser Verzögerung sei aber nicht der gute Wille, sondern fehlende Geldmittel. Im übrigen habe sein Kollege Hoffmann von 1919 bis 1934 an der Instandsetzung des Darmstädter Schlosses gearbeitet, und das in einer Zeit, die wesentlich besser gewesen sei, als heute. Von einer langen Baudauer könne man bei diesem Bauwerk nicht sprechen. Der Kornspeicher sei zwar schon vor eindreiviertel Jahren begonnen worden. Mit der Scheune habe man aber erst Mitte Mai angefangen und nach einer Bauzeit von knapp zwei Monaten könne man heute schon das Richtfest feiern. Dies sei in erster Linie der Bauleiterin, Frl. Dipl.-Ing. Weiß, und den Bauführern Hartmann und Malcomes zu verdanken. Einen großen Anteil an dem raschen Fortgang der Arbeiten hätten aber auch die Arbeiter der beteiligten Firmen, Mannel, Darmstadt, und Veith, Beerfelden, gehabt. Er wünschte allen Teilnehmern des Richtfestes noch einmal viel Vergnügen, ibegrüßte nachträglich den Pächter der Meierei, Herrn Vierling, und dankte ihm für die großzügige Einladung.

Das neue Gebäude, das an Stelle der schon 1943 zerstörten Ställe und einer großen Scheune tritt, wird neben einem nach den modernsten Gesichtspunkten eingerichtetem Kornspeicher einen Pferdestall enthalten, dessen Futtertröge direkt von einem Hafersilo gespeist werden und der eine automatische Tränkanlage erhalten soll. -We-

Das billigste Angebot ist noch nicht das Beste

Darmstadts Handwerker für das Mittelpreis-Verfahren

Am 11. Juli 1950 fanden sich bei der Handwerkskammer Darmstadt die Innungsvorstände des Bau- und Ausbauhandwerks mit den Handwerkern, die Stadtverordnete sind, und den Vertretern der Fraktionen der Stadtverordnetcn-Versammlung zu einer Besprechung wirtschaftlicher Vorgänge zusammen. Wir veröffentlichen hier eine von den anwesenden Handwerksmeistern einstimmig gebilligte Niederschrift der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Darmstadt.

„Die Unmöglichkeit, den Beschäftigtenstand zu halten, und der Zwang, ausge¬ 1-rnte Lehrlinge, statt sie als Gesellen zu übernehmen, entlassen zu müssen, weiter die Schwierigkeiten, die der Aufnahme von Lehrlingen entgegenstehen, resultieren aus der Notlage der einzelnen Betriebe. Wenn man dem Privatmann auch nachsieht, daß er auf jede Weise versucht, seine Aufträge zu einem möglichst billigen Preis vergeben zu können und dabei keine Ueberlegungen über die Auswirkungen dieser Versuche anstellt, so muß man auf der anderen Seite von der Verwaltung in Stadt und Staat fordern, daß sie volkswirtschaftlich richtig handelt. Die Vergabe der Aufträge bei der öffentlichen Hand erfolgt auf dem Submissionswege. Leider sind die Richtlinien, die zumal für die Vergabe von Bauleistungen in der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) zusammengefaßt und sachlich einwandfrei gehalten sind, in der letzten Zeit kaum mehr beachtet worden. Es ist nicht nur verständlich, sondern auch absolut notwendig und zu fordern, daß die Arbeiten von den Verwaltungen auf dem sparsamsten Wege vergeben werden. Von Sparsamkeit sehr verschieden ist jedoch, wenn bei Ausschreibungen jeweils das billigste Angebot kritiklos angenommen und sogar versucht wird, die Preise der Angebote ohne sachliche Berechtigung immer mehr zu drükken. Die Insolvenzen und Konkurse der letzten Zeit zeigen ebenso wie die Steuerrückstände und die Nichtabführung der Sozialbeiträge, daß eine Reihe von Betrieben ohne wirtschaftliche oder sachliche Ueberlegung nur versucht, Aufträge zu erhalten, um das Gefühl zu haben, noch

einige Zeit am Leben bleiben zu können. Es gibt bei jeder Arbeit eine vernünftige untere Grenze, deren Unterschreiten nicht nur dem übernehmenden Betrieb Verluste bringt, sondern auch für die vergebende Stelle schlechte Arbeit, Zeitverlust und finanzielle Einbußen bedeutet.

Es muß nicht nur bei Staat und Stadt, sondern auch bei den Architekten wieder dahin kommen, daß der gesunde Rahmen der Vorschriften der VOB eingehalten wird. Bei der Stadt wäre in Verbindung mit dem Bauausschuß die Einrichtung eines Verdingungsausschusses zweckmäßig, der in der Lage ist, Auftrag und Angebot fachlich zu beurteilen und auf diesem Wege die beste Leistung zu dem billigen, d. n. gerechten Preis zu erreichen. Bei einer Gemeinde oder Stadt ist es u. a. auch ein Gebot der Selbsterhaltung, daß für die von ihr zu vergebenden Arbeiten das ortsansässige Gewerbe, berücksichtigt wird- Ein Gemeinwesen lebt aus den Steuern, die seine Bürger ihm zahlen können. Jeder Auftrag, der an eine auswärtige Firma geht, obschon er ebensogut von einem ortsansässigen Betrieb erledigt werden könnte, vermindert das Einkommen der Stadt oder Gemeinde. Wir haben bei unseren Nachbarstädten hierfür gute Beispiele, weil bei ihnen festgelegt wurde, daß auswärtige Firmen nur beschäftigt werden, wenn einheimische den Auftrag nicht mehr übernehmen können oder wenn für die Arbeit am Ort kein geeigneter Betrieb vorhanden ist.

In Hessen ist das Verhältnis der arbeitenden Personen zu denen, die durch diese Arbeit erhalten werden müssen, besonders ungünstig. Die Methoden der ungerechtfertigten Preisdrückerei sind der beste Weg, die Lasten noch mehr anwachsen und untragbar werden zu lassen. Es bedeutet auch neben der wirtschaftlichen Unsinnigkeit dieses Verfahrens die Ausnutzung wirtschaftlicher Not und letzten Endes Selbstmord, wenn die öffentliche Hand sowohl wie der Privatmann bei sich auf Verdienst und Einkommen sehen, auf der anderen Seite aber den Kontrahenten das Fell über die Ohren ziehen wollen.

Die wirtschaftliche Lage ist so ernst, daß jeder einzelne mit großem Verantwortungsgefühl nach jeder Seite handeln muß. Verdienen muß von der Verwaltung wie von jedem einzelnen Bürger sehr klein geschrieben werden; dies darf jedoch nicht dazu führen, zu vergessen, daß der Staat und der einzelne nur von wirklichem Verdienst leben können. Dabei soll die doppelte Bedeutung des Wortes Verdienst Zusammentreffen.

Die zur Besprechung dieser ernsten Verhältnisse versammelten Innungsmeister haben einstimmig beschlossen, der Oeffentlichkeit und den Verwaltungen von Stadt und Staat gerade in dieser kritischen Zeit die vorstehend skizzierten Ueberlegungen eindringlich vorzutragen.“


Dorf in der Stadt... . . . muß man schon sagen, denn diese so gar nicht städtisch anmutende Straße (Die Bessunger Niederstraße) mit ihren alten Häusern liegt fast im Herzen unserer Stadt. (Photo: Hage)
Dorf in der Stadt... . . . muß man schon sagen, denn diese so gar nicht städtisch anmutende Straße (Die Bessunger Niederstraße) mit ihren alten Häusern liegt fast im Herzen unserer Stadt. (Photo: Hage)

„Ich war kein Antisemit“

Dengler bestreitet jede Schuld

Punkt 9 Uhr eröffnete gestern morgen Landgerichtsdirektor Hahn die dritte diesjährige Sitzungsperiode des Schwurgerichts Darmstadt und rief als ersten Termin die Hauptverhandlung gegen den 46jährigen ehemaligen Gestepobeamten und Kriminalsekretär Georg Albert Dengler aus Stuttgart auf. Währen^ die Geschworenen den Eid leisteten, füllte sich der Zuhörerraum bis auf den letzten Platz. Als Rechtsbeistand des Angeklagten nahm der bekannte Strafverteidiger, Rechtsanwalt Jöckel, Lampertheim Platz.

Die Anklage erhob Staatsanwalt Keller, der mit erstaunlicher Mühe und präziser Genauigkeit das umfangreiche Material zusammengetragen und die 20seitige Anklageschrift verfaßt hat. Der wegen einer Rauschtat vorbestrafte Dengler wird beschuldigt, als Sachbearbeiter des Kirchen- und Judendezernats der Gestapodienststelle Darmstadt im Jahre 1943 bei der Durchführung der Maßnahmen des Reichssicherheitshauptamtes zur Beseitigung jüdischer Partner in Mischehen mitgewirkt und in mindestens zehn Fällen Menschen vorsätzlich und widerechtlich ihrer Freiheit beraubt zu haben, wobei diese Handlungen in mindestens echt Fällen den Tod der Betroffenen nach sich zogen. Gleichzeitig soll Dengler als Beamter vorsätzlich zum Nachteil von Personen, deren Unschuld ihm bekannt war, die Eröffnung oder Fortsetzung von Untersuchungen beschlossen und beantragt haben. \

Vor Gericht steht ein bleicher, hagerer Mann mit grauer) Haaren, markantem Gesichtsprofil und tiefliegenden, unruhig flackernden Augen, an dem 40 Monate Haft nicht spurlos vorübergegangen sind. Seine anfänglich selbstsichere, raffinierte und aalglatte Verteidigungsweise wich angesichts der schweren Belastungen einer zunehmenden Unruhe, besonders dann, wenn sich Dengler in einen der vielen Widersprüche verwickelte.

Dengler wurde 1939 als langjähriger Polizeibeamter zur Gestapo Stuttgart überstellt und im Herbst 1940 noch Darmstadt beordert, wo er später die Abteilung IVb I leitete und Kirchen- sowie Judenangelegenheiten bearbeitete. Im Januar 1943 soll er dann offiziell der Nachfolger des „Judenyogts" Bruno Böhm geworden sein, was er jedoch abstreitet. Beim Einmarsch der Amerikaner zog sich Dengler bis nach Augsburg zurück, besorgte sich Zivilkleidung und hielt sich so lange in Stuttgart als Hilfsarbeiter auf, bis er verhaftet wurde und durch zahlreiche Kriegsverbrechercamps, Internierungslager und Gefängnisse wanderte. Die Spruchkammer Ludwigsburg verurteilte ihn später als Hauptschuldigen zu dreieinhalb Jahren Arbeitslager, die noch nicht rechtskräftig sind. Seit 22. Februar sitzt der Angeklagte in Darmstadt in Untersuchungshaft,

Der Vorsitzende hielt Dengler die einzelnen ihm zur Last gelegten Fälle vor, in denen zum Teil hochangesehene jüdische Bürger unserer Stadt unter irgendeinem Vorwand verhaftet und in KZ’s verschleppt wurden, wo sie umkamen.

Immer wieder versuchte Dengler seine Verantwortlichkeit zu bagatellisieren, die Schuld auf den inzwischen hingerichteten Kriminalrat Helmbroich abzuschieben oder zu erklären, er habe nur manchmal aus „kollegialen“ Gründen anderen „Kameraden“ ausgeholfen. Der Staatsanwalt hielt es für bezeichnend, daß der Angeklagte erst dann das Lügen aufgebe, wenn irgendwelche Zeugen auftreten. „Ich war kein Antisemit, sondern ein alter Polizeibeamter, für den ein Befehl Befehl war und der bis heute aber noch niemand mißhandelt hat“, rief Dengler. Als den wohl schwersten Vorwurf bezeichnete der Vorsitzende den Brief des Angeklagten, in dem dieser behauptete, man habe alle höheren Beamten bewußt hingerichtet, um den Rest zu treffen und ihm die Zeugen zu nehmen.

Auf die Frage, was er wohl über die Deportierungen und die nachfolgenden Todesmeldungen gedacht habe, antwortete Dengler: „Nichts, ich habe das angegebene für normal und wahr gehalten.“ Auf die weitere Frage eines Beisitzers, was er über die Konzentrationslager gewußt habe, wich Dengler zunächst aus und erwiderte dann, in Kollegenkreisen habe man sich nicht darüber unterhalten, er habe sie als die sonst üblichen Arbeitslager angesehen, sei nie in einem KZ außer nach 1945 (!) gewesen und glaube im übrigen nicht, daß so viele umgekommen seien. Der Nachmittag brachte eine Reihe von Dengler schwer belastenden Zeugenaussagen. Ein Zeuge, Justizrat Dr. Winter aus Mainz erklärte, man habe über Dengler allgemein in jüdischejy Kreisen als dem „Henker von Darmstadt“ gesprochen.

Gegen Abend stellte der Verteidiger Denglers den Antrag, einen medizinischen Sachverständigen hinzuziehen, da sich bei seinem Mandanten durch ein sogenanntes autogenes Ti X 5 ng eine Bewußtseinsänderung bemerkbar mache, sodaß dieser selbst an die Richtigkeit seiner Aussagen glaube. Man könne ihm aus diesem Gruhde keine bewußte Lügentaktik unterstellen. Das Gericht behielt sich eine Entscheidung vor, nachdem der Staatsanwalt diesem Antrag widersprochen hatte.

Der Prozeß wird am Freitag mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt und voraussichtlich zu Ende geführt. wst.

Der Staatsanwalt erweiterte in den Abendstunden die Anklage noch um einen weiteren Punkt der Freiheitsberaubung im Amt. Es handelt sich um den ehemaligen jüdischen Minister Heinrich Fulda, der von Dengler 1943 verhaftet und später abtransportiert wurde. Fulda kam im KZ um. Die Anklageerweiterung erfolgte nach einer Aussage der Witwe des ehemaligen Ministers. Nachdem das Gericht den Antrag der Verteidigung, einen medizinischen Sachverständigen hinzuzuziehen, abgelehnt hatte, vertagte es sich auf den kommenden Freitag- wst.

Sanitäter mukten suchen

Es dauerte zehn Minuten, bis die Helfer des „Roten Kreuzes“ am Dienstagnachmittag in der Holzhofallee den durch einen Unfall besinnungslos gewordenen Zimmermann Heinrich Weingärtner aus Pfungstadt gefunden hatten.

Seine Arbeitskameraden versäumten, an der Straße einen Einweiser aufzuste’llen, der den Krankenwagen an die Unfallstelle hätte heranführen können. In diesem Zusammenhang weist das „Rote Kreuz“ darauf hin, daß es oft durch ungenaue Ortsangaben irregeführt wird und sich dadurch folgenschwere Verzögerungen ergeben. DT

Berufsschuldirektor Kinsberger spricht am Dienstag, 18. Juli, in der.TH über das Thema: „Der Religionsunterricht in den Berufsschulen.“ (■_„

Wohin gehen wir heute?

Landestheater: Orangerie. 19.30 Uhr (C/24): „Alle meine Söhne“, .Ende 22.15 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Maria Wa¬ lewska“; Thalia: „So beginnt ein Leben“; Belida: „Gabriela“; Palast: „Der Biberpelz“; Hansa: „Eine Frau wie Du“.

Christengemeinschaft, Herdweg 31: 19.30 Uhr 2. Vortragsabend: Matthäus Reisch (mit praktischen Beispielen): „Von alten und neuen Wegen der Musik“.

Amerikahaus: 20 Uhr, Vortrag Ralph Oppenhejm, Kopenhagen: „Die Kurzgeschichte“.

Wir gratulieren

25jähriges Jubiläum. Herr Werkmeister Georg Müller VIII., Oberramstadt, Wilhelm-Leuschner-Straße 27, in Firma Stadian Riehl, Schlosserei und Eisenbau, Darmstadt.

Starkenburg

Vom Katheder in die Praxis

Die Sommerarbeit der Landwirtschaftschule Michelstadt

Viele Menschen sind der Meinung, Landwirtschaftsschulen und bäuerliche Fachschulen träten in dem Augenblick ein« Art Sommerschlaf an, wenn für den Landwirt der lange Arbeitstag beiginnt. Das mag vielleicht für eine Zeit gegolten haben, in der diese Institute rein vom Pädagogischen her bestimmt waren und ihr Lehrplan von der praktischen bäuerlichen Arbeit aus betrachtet recht wirklichkeitsfremd aussah. Aber der Landwirtschaftdehrer von heute ist aus anderem Holze geschnitzt. Er ist nicht mehr ausschließlich Theoretiker, der gelangweilten Landwirtschaftsschülern vom Katheder herab langatmige, dozierende Vorträge hält, nein, heute ist er in erster Linie Praiktiker und vielseitig versierter Berater auch, oder gerade für den alten Bauern. Desihalb wird an den Landwirtschaftsschulen von heute sommersüber nicht geschlafen; auch für sie ist entsprechend dem Arbeitsrhythmus des Bauernhofes Sommerzeit hohe Zeit praktischen Wirkens.

In Versuchsanlagen, die nicht in der Stille eines Schulgärtleins ein beschauliches Dasein führen, sondern überall draußen in den Teilen des Dienstbeizirkes einer Schule angelegt sind, wo die schwierigsten und daher instruktivsten natürlichen Vorbedingungen bestehen, zeigt die Landwirtschaftsschule Feld an Feld mit den Bauern am praktischen Versuch in überzeugender Weise den Weg zur richtigen Sortenauswahl, der zweckmäßigsten Bodendüngung und der vorteilhaften Fruchtfolge. In allen Orten, <wo aufgeschlossene, fortschrittliche Bauern diese nutzbringende Tätigkeit der Landwirtschaftsschule im Dienste der Allgemeinheit richtig erkannt haben, wurden deren Höfe zu Beratungs- und Richtbetrieben umgestaltet, nicht etwa durch kostspielige Neuanlagen, sondern in erster Linie durch sinnvolle Rationalisierung des Vorhandenen.

Um einer breiteren Oeffentlichkeit eine ungefähre Vorstellung von dem außerordentlichen Umfang und den praktischen Erfolgen dieser Sommerarbeit zu vermitteln, hatte die Landwirts dhaftsschule und Wirtschaftsberatungsstelle Michelstadt der Landwirtsdnaftskammer für Hessen-Nassau am Dienstag zu einer Presserundfahrt durch ihren Dienstbezirk eingeladen, wobei der Direktor des Instituts, Landwirtschaftsrat Dr. Barth, Kreislandwirt Pril i p p , Landwirtschaftsrat Ripper sowie eine Reihe weiterer Fachberater als berufene Experten den Vertretern der Fach- und Tagespresse die Mannigfaltigkeit und Bedeutung dieser praktischen Sommerarbeit des landwirtschaftlichen Beratungsdienstes vor Augen führten.

Welche Wandlung ein Hof in der verhältnismäßig kurzen Zeit von zwei Jahren durchmachen kann, wunde bei einem Rundgang durch den Beratungsbetrieb des Bauern Jakob Old in Würzberg überzeugend klar. Bauer Old besitzt nicht nur eine vorbildliche „Württemberger Dunglege“, mit der er beim Stallmistwettbewerb des vergangenen Jahres den 1. Preis errang, er führt neuerdings auch mit gutem Erfolg Saatkartoffelanbau durch, der in der klimatisch günstigen Höhenlage Würzbergs ein gesundes und widerstandsfähiges Pflanzgut ergibt, das sich besonders im Odenwald gut bewährt.

In Rehbach wurde auf dem Grund von Bauer Adam Hoffarth ein Weizensorten-Großversuch besichtigt, der nun schon im zweiten Jahr durchgeführt wird und zehn verschiedene Weizensorten unter den gleichen Bedingungen zeigt. Ein ähnlicher Großversuch für sieben Sorten Hafer wird in Würzburg durchgeführt. Es sind sehr anschauliche Anlagen, die dem Fachmann auf den ersten Blick zeigen, welche Sorten sich im Odenwald am besten bewähren.

Eine moderne Dungberegnungsanlage für Weiden-, Garten- und Feldbewässerung mit Gülle oder Wasser führte Peter Bär in Ober-Mossau im Betrieb vor. Die Anlage hat sich in der Praxis bereits hervorragend bewährt. Der Kartoffelherkunftsversuch bei Bauer Karl Meisinger, Kirch-Brombach, sowie der Kartoffel-Landessortenversuch bei Simon Bär in Dusenbach geben interessante Aufschlüsse über die Sorten mit dem höchsten Gesundheitswert, d. h. die bei höchster Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten die besten Erträge garantieren.

Ein Phosphorsäure-Steigerungsversuch bei Bürgermeister Peter Bert in Ni e - de r-: Kin zig läßt an mehreren Parzellen mit Weizen der Sorte „Carsten V“ klar die Auswirkungen sachgemäßer Düngung erkennen. Die erste Parzelle ohne Düngung ist überwuchert von Unkraut.

Auch dem Laien mußte bei dieser Rundfahrt klar werden, daß hier in aller Stille von der Landwirtschaftsschule eine für jeden deutschen Menschen lebenswichtige Arbeit geleistet wird.

Seeheim plant ein Volkshaus

In der letzten Sitzung des Gemeinderates war die Bauangelegenheit Wolter Gegenstand einer längeren Beratung. Der Antragsteller beabsichtigt, auf seinem 82 Quadratmeter großen Gelände in der Schulstraße ein Friseurgeschäft zu bauen. Das Gelände fällt jedoch in das Interessengebiet der Gemeinde, die dort ein Volkshaus mit Tum- und Gemeindesaal, Feuerwehrhalle u. a. errichten will. Bürgermeister Speckhardt wies darauf hin, daß der Bau des Volkshauses, der im öffentlichen Interesse liege, bereits seit drei Jahren geplant sei. Gegen eine Stimme beschloß der Gemeinderat, an dem Projekt festzuhalten und das vorliegende Baugesuch abzulehnen. Um die Gemeinde vor Schaden zu bewahren, wurde — wiederum gegen eine Stimme — beschlossen, für die in Frage kommenden Grundstücke Enteignungsantrag zu stellen.

Die Vergebung der Arbeiten für die Prbbebohrung eines Brunnens wurde bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt. — Die Weißbinderarbeiten an zwei Schulsälen sind einem ortsansässigen Handwerker übertragen worden. (hl)

Sommernachtsfest auf dem Felsberg

Am vergangenen Sonntag war das Gästehaus auf dem Felsberg, da« alltäglich so viele Wanderlustige erquickt, Schauplatz eines Sommernachtsfestes. Viele Gäste aus den umliegenden Ortschaften nahmen daran teil. Das günstige Wetter unterstützte die romantische Unternehmung auf das Beste. (kä)

50 Jahre „Concordia“ Krumbach

Eine neue Vereinsfahne wurde geweiht

Fahnen und Wimpel aller Farben, viele Willkomm-Schilder und reicher Grünschmuck zierten am letzten Wochenende das rund 1000 Einwohner umfassende Odenwalddorf Krumbach, als der Gesangverein „Concordia“ in der SKG sein 50. Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe, beging. Auf dem neuen Sportplatz hatte man ein großes Festzelt und eine umfangreiche Freibühne errichtet, um angesichts des erwarteten — und eingetroffenen — schönen Sommerwetters genügend großen Auslauf und Platz für die zahlreichen Gäste zu haben. Lehrer Schwarz als einer der alten Dirigenten, Dr. Lizalek als Vertreter des Kreis-Resident-Officer, Bürgermeister Schmitt (Rimbach), Bürgermeister Eidenmüller u. a. m. waren Ehrengäste des Jubelvereins. Samstags abends wurden Franz Schmitt (als ältester), Georg Katzenmeyer, Joachim Schmitt, Johannes Lannert 11., Johann Strohmenger, Johannes Lannert IV., Georg Bitsch, Berthold Unger und Johannes Schütz mit Ehrenurkunden und der goldenen Sängernadel ausgezeichnet. Sie wurden auch sonntags morgens mit Kutschen nach Fürth in die katholische Kirche gefahren, wo Pfarrer Burkart den Weihegottesdienst hielt. Aus den vor 50 Jahren nur wenigen Sängern hat sich inzwischen ein stattlicher Männerchor (45 Personen) und ein kenntnis- und könnenreicher gemischter Chor mit 30 Personen entwickelt, die ihre Fähigkeiten samstags abends und im Verlaufe des Sonntags beweisen konnten. Zu den Kommersgästen („Sängerkranz“ und „Sängerlust“ Fürth und „Harmonie“ Brombach), die bereits am ersten Abend im „Lamm“ sangen, gesellten sich im Laufe des Sonntages noch die Gesangvereine aus Hüttenthai, Hiltersklingen, Hammelbach, Buchklingen, Kaltenbach, Lörzenbach, Ober-Ostern, Seidenbach, Bonsweiher, Lautenweschnitz, Erlenbach, Ellenbach, Fahrenbach, Brombach, Winterkasten, Lindenfels, Linnenbach, Kocherbach, Klein-Gumpen und Mittershausen-Scheuerberg, so einen mächtigen Volksumtrieb bildend, der am schönsten beim Festzug, am wirkungsvollsten aber bei den Massenchören zur Wirkung kam. Vereinspräsident Blessing aber und mit ihm Sepp Keil werden zusammen mit den übrigen für das Fest Verantwortlichen ebenso zufrieden sein wie Dirigent Krämer (Fürth) und alle anderen über das ausnahmslos gute Gelingen des Stiftungsfestes, aber auch darüber, daß der Verein nach fünfjähriger Pause die gelegentlich des Einmarsches alliierter Truppen abhandengekommene Fahne nun endlich durch eine neue ersetzen konnte. (-r.)

Starker Zustrom nach Indenfels

Audi am vergangenen Wochenende erfreute sich Lindenfels wieder eines außerordentlich starken Zustroms an Ausflüglern. Nahezu endlos schien die Kette der Personenkraftwagen, die sich Samstag und Sonntag von Bensheim und Fürth nach hier zog und bei der man beinahe alle deutschen Landeskennzeichen, aber auch viele ausländische Nummernschilder feststellen konnte. Mindestens dreißig Kraftomnibusse, darunter Fahrzeuge aus der Pfalz, aus Bayern und dem britischen Besatzungsgebiet.

Ausstellnng zur 750-Jahrfeier

Nieder-Ramstadt bereitet sich auf seine Festtage vor

Während die verschiedenen Festausschüsse bemüht sind, die vom 30. Juli bis 7. August stattfindende 750-Jahrfeier Nieder-Ramstadts zu einem Volks- und Heimatfest werden zu lassen, wird von rührigen Mitarbeitern in aller Stille eine große Ausstellung vorbereitet.

Handwerker aus dem Gewerbeverein sind unermüdlich dabei, Möbelstücke und Gegenstände aus frühester Zeit sowie alte Meister- und Gesellenstücke zusammenzutragen. Hinzukommen alte Bilder und Stiche sowie Fotos aus der Gegenwart, die den Besucher von der schönen Umgebung der Gemeinde überraschen werden. Alle heimischen Industriezweige sind vertreten; auch Handel und Handwerk zeigen ihre Neuheiten. Ein besonderer Anziehungspunkt für Liebhaber wird die fast einmalige Schmetterlingssammlung sein, die von Stadtamtmann i. R. Scheffer, Trautheim, zur Verfügung gestellt wurde. Einen großen Beitrag zur kulturellen Schau leisten auch die Kirchen und Nieder-Ramstädter Heime der Inneren Mission.

In einem neu hergerichteten Raum, der durch seine gewölbeartige Decke an alte Ritterburgen erinnert, ist die Lehrerschaft eifrig an der Arbeit. Unter den fleißigen Händen der Lehrer Büdenbender, Falter und We g t entstehen hier in Sandkästen die verschiedenen Entwicklungsstufen Nieder-Ramstadts. An einem dieser Kästen wurden die bekannten „10 Hügel“ durch Leuchtbimchen kenntlich gemacht, so daß sich der Beschauer durch Druck auf einen Knopf mit der Lage des ihn interessierenden Hügels leicht vertraut machen kann. Die Wände zieren Wandbilder aus licher Hinsicht von seiner Gründung bis dem Mittelalter und dem Dreißigjährigen Krieg, die von Lehrer Schreier in künstlerischer Weise geschaffen wurde.

Die Ausstellung, die Nieder-Ramstadts Entwicklung in kultureller und wirtschaftheute zeigt, wird am 30. Juli, vormittags, im Schulhaus eröffnet und ist bis zum 6. August geöffnet.

Landwirtschaftliche Lehrausflüge

Der Verein ehemaliger Landwirtschaftsschüler Reichelsheim unternimmt mit seinen Mitgliedern im Juli folgende Lehrausflüge: Freitag, den 14. Juli, zum Rosengarten bei Worms, Limburgerhof. Nachmittags Weiterfahrt nach Bad Dürkheim (Besichtigung der Weinkellerei). Sonntag, den 23. Juli (nur für Herren) Betriebsbesichtigung bei Heinrich Böhm (Kohlbacher Hof). Anschließend Besichtigung des Herkunftsprüfungsversuchs mit Pflanzkartoffeln am „Kühlen Grund“. Besichtigung der Tierzucht des Landwirts Philipp Pfeifer (Hof Bierbach) sowie der Gülleanlage des Landwirts Trautmann in Unter-Ostern. Sortenversuche In Gumpen. — Anmeldungen nehmen in den einzelnen Ortschaften die Vertrauensmänner des Vereins entgegen.

Landwirtschaftsrat Dr. Werner von der Wirtschaftsberatungsstelle Reichelsheim führt im Juli folgende Flurrundgänge durch: Dienstag, den 11. Juli, vormittags 8.30 Uhr in Fürt'h. Treffpunkt an der Bürgermeisterei, und am Donnerstag, dem 13. Juli, in Knoden-Schannenbach. Treffpunkt beim Ortslandwirt. (tm)

VS-Sommerhochschule in Lindenfels

Seit etwa zwei Wochen ist Lindenfels Stätte der Wissensvermittlung für zahlreiche nordamerikanische Gäste und Ausgangspunkt zum Kennenlernen von Land und Leuten Deutschlands geworden:

Unter Leitung von Karola Geiger, Ph. D., Universität C h i k a g o , und Virgil A. Warren, Ph. D., Georgetown College, hat sich eine Sommerhochschule etabliert, die seit dem 26. Juni Vorlesungen, Aussprachen, Uebungen und Unterhaltung pflegt. Rund 120—130 Teilnehmer, teils Gäste aus Nordamerika, zum größeren Teil allerdings Angehörige der in Europa stationierten US-Armee-Einheiten und weitere Gäste, nehmen an den Lehrgängen teil und lassen sich in deutscher Sprache, deutscher Literatur, Kunstgeschichte u. a. unterrichten. Auch Einführungen in die englische Sprache, Turnen, Schwimmen, Volkstanz, musikalische Uebungen und Darbietungen mit den einheimischen Vereinigungen stehen auf den Arbeitsplänen. Als auflockerndes Moment sind Ausflüge nach Frankfurt, Lorsch, Heidelberg, Worms, Wiesbaden und in den Rheingau, ferner eine Rheinfahrt von Mainz über Koblenz und Bonn nach Köln geplant. Auch eine mehrtägige Exkursion nach Oberammergau zu den Festspielen und anschließend nach Salzburg stehen auf dem Programm. Höhepunkt und Abschluß der Sommerhochschule bildet das Burg- und Trachtenfest in Lindenfels am 5. August, wo man zusammen mit den einheimischen Vereinigungen einen echten Heimatabend erleben und gestalten will. (-r)

Kreisfenerwehrtag in Rimbach

Unter der Schirmherrschaft von Landrat Dengler findet vom 22.—24. Juli der zweite Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Bergstraße nach dem Kriege statt. Veranstalter ist, nachdem vor zwei Jahren Bensheim Gastgeber war, nunmehr Rimbach. Von 40 freiwilligen Feuerwehren sind bisher Anmeldungen eingegangen, so daß man, die Gäste aus den Kreisen Erbach und Dieburg hinzugerechnet, mit etwa 2500—3000 Feuerwehrmännern rechnet, die an diesen Tagen das kleine Städtchen im Weschnitztal besuchen werden. Kreisfeuerwehrinspektor Fässer (Bensheim), Hauptbrandmeister Allert (Rimbach) und Bürgermeister Schmitt (Rimbach) haben ein Programm zusammengestellt, das sowohl dem Dienst wie dem Vergnügen Rechnung trägt.

Eine Kreisverbandssitzung im Gasthaus „Krone" am Samstag stellt den offiziellen Auftakt dar, der sich mit der am Sonntagvormittag beabsichtigten Schulübung und dem anschließenden Brandangriff auf dem Marktplatz fortsetzt. Hierbei sollen auch die neuesten Erzeugnisse der einschlägigen Firmen, wie Magirus und Wintrich, zur Verwendung und Schau kommen. Nach dem Feuerwehr-Festzug ist eine Kundgebung auf dem Platz neben der alten Turnhalle vorgesehen, der sich allgemeines Volksvergnügen mit Tanz auf der großen, von der Firma Freudenberg (Weinheim) zur Verfügung gestellten Freitanzbühne anschließt. Samstags bereits soll ein Riesenfeuerwerk abgebrannt werden. Als wesentlichste Aufgabe der dreitägigen Veranstaltung darf die Aufklärung der Bevölkerung über die Bedeutung der freiwilligen Feuerwehr bezeichnet werden. (_r)

Festliche Stunden in Amorbach

Nicht nur für Amorbach und den Odenwald, sondern weit darüber hinaus wird eine Kunstausstellung mit Werken von Prof. Oskar Martin, Amorbach, ein besonderes künstlerisches Ereignis sein. Direktor Mertens von der Kunstschule Würzburg wird sie am Sonntag, 16. Juli, um 11 Uhr im „Grünen Saal“ des Fürstl. Leiningischen Schloßgebäudes eröffnen.

Am gleichen Tage findet um 16 Uhr in der ehemaligen Abteikirche zu Amorbach eines der bekannten Orgelkonzerte des Jahres statt. An der berühmten Schleiffschen Barockorgel spielt der Kirchenmusikdirektor und Konzertorganist der Regensburger Domspatzen, Dr. Rudolf Walter. Als Solisten wirken weiter mit Dorothee Beierlein (Violine) und Ludwig Nachtmann (Baß).

Der Rodgan jetzt ausreichend wasserversorgt

Neue Pumpwerke errichtet — Hochbehälter erweitert

Das war in den Sommermonaten 1948 schon kein Wassermangel mehr. Das war regelrechte Wasernot, die der Nordteil des Kreises Dieburg zu überstehen hatte. Man konnte ihr selbst durch Absperrungen über einen Großteil der Tage nicht völlig Herr werden, so daß zum Beispiel Groß-Zimmern und Gundernhausen lange Zeit überhaupt kein Wasser hatten.

Diese Katastrophe gab Anlaß, sich beschleunigt um die Verbesserung der Wasserversorgung jener elf Gemeinden zu bemühen, die am Gruppenwasserwerk Dieburg angeschlossen sind, und denen aus dem Hauptpumpwerk Hergershausen das unentbehrliche Naß zugeleitet wird. Der Planung und Durchführung jener Arbeiten, die der Ausbau der Leistungsfähigkeit und des Leitungsnetzes dienten, nahm sich Kreisamtmann Sachs mit tatkräftiger Energie an. Oft war er damals in den Abend- und Nachtstunden unterwegs, um sich an Ort und Stelle über den Notstand persönlich und genauestens zu informieren, und erkannte die Notwendigkeit schnellster Hilfe, wenn derlei für die Zukunft vermieden und die Wasserversorgung ein für allemal gesichert werden solle.

Das Gruppenwasserwerk Hergenhausen wurde Ende der zwanziger Jahre gebaut; es versorgte seinerzeit die Gemeinden Dieburg, Gundernhausen, Groß-Zimmern. Klein-Zimmern, Altheim, Hergershausen, Münster, Eppertshausen, Ober-Roden, Nieder-Roden und Urberach. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre ergaben sich dann mancherlei Mißstände, die in erster Linie auf die Senkung des Grundwasserspiegels. zum anderen aber auch auf die inzwischen erhöhte Wasserentnahme zurückzuführen waren; Hergershausen wurde auf die Dauer unzulänglich. Hinzu kommt noch, daß an der Anlage^ selbst keinerlei Reparaturen ausgeführt wurden, und die 150 Meter Entfernung der Pumpen vom Grundwasserbrunnen, der etwa 25 Meter tief war, die Förderleistung immer mehr minderte. Nun wurden die Pumpen an die Brunnen herangerückt, die Saughöhe dadurch herabgesetzt und eine Ausweichmöglichkeit geschaffen, so daß die Tagesleistung des Werkes von 2400 auf 5400 Kubikmeter gesteigert werden konnte. Daneben wunde die Enteisenungs- und Entsäuerungsanlage entsprechend ausgebaut.

Wertvolle Zusatzförderung leistet die vor kurzem fertiggestellte Pumpstation zwischen Groß - u. Klein- Zimmern die aus zwei Brunnen gespeist wird und auf eine mittlere Tagesförderung von 60 Kubikmetern abgestellt ist. Sie ist zur Zeit täglich nur während einiger Stunden in Betrieb, kann aber durch das zum Hauptwerk eingebaute Fernmeldesystem im Bedarfsfälle stärker herangezogen werden.

Die gleiche Aufgabe hat eine weitere Pumpstation am Rollwald zwischen Ob e r- und Nieder-Roden — deren Wasser wie in Hergershausen enteisent werden muß — mit einer Tagesförderung von 100 Kubikmetern. Sie steht kurz vor ihrer Inbetriebnahme. Das Fassungsvermögen des Hochbehälters bei Urberach wurde von 600 auf 1400 Kubikmeter erweitert. In Kürze wird der Leitungsring im Rodgau durch die Verlegung einer Leitung von Eppertshausen nach Münster geschlossen, so daß dann auch eine zweckmäßige Verteilung des Wassers gegeben ist

„Mit der Fertigstellung dieses letzten Stückes“, so versicherte uns Kreisamtmann Sachs, „ist die Wasserversorgung im Gebiet des Gruppenwasserwerkes Dieburg unter allen Umständen sichergestellt. Es braucht uns selbst vor längerer Trockenheit nicht bange zu sein, vorausgesetzt natürlich, daß im gegebenen Fall der Verbraucher Maß hält“. (RG)


Der Bohrturm zur Erschließung des Grundwassers für die Pumpstation Klein-Zimmern
Der Bohrturm zur Erschließung des Grundwassers für die Pumpstation Klein-Zimmern

Der zur natürlichen Filtration des Grund Wassers unerläßliche Kies wird in den Brunnenschacht eingefüllt. Er umschließt das Saugrohr. Der im Bildvordergrund sichtbare Eisenmantel wird nach Beendigung der Füllung nach oben abgezogen Fotos (2): Archiv
Der zur natürlichen Filtration des Grund Wassers unerläßliche Kies wird in den Brunnenschacht eingefüllt. Er umschließt das Saugrohr. Der im Bildvordergrund sichtbare Eisenmantel wird nach Beendigung der Füllung nach oben abgezogen Fotos (2): Archiv

Fahrt an den Bodensee

Kreisobstverband Erbach- besichtigt Obstbaubetriebe

Der Kreisobstbauverband Erbach hat für September eine Fahrt nach dem Schwarzwald und Bodensee geplant Der Teilnehmerpreis beträgt 46,80 DM und schließt die Bahnfahrt mit Tanzwagen und Musikunterhaltung, Dampferfahrt, Unterkunft, volle Verpflegung, Trinkgeldabgaben, Kurtaxen, Ausflüge und Besichtigungen und Reiseledtung ein. Anmeldungen sind zu richten an den Veranstalter: Kreisobstbauverband Erbach, Geschäftsstelle Michelstadt. Vom Veranstalter ist folgendes Programm aufgestellt:

2. September: Abfahrt des Sonderzuges ab Reinheim mit Aufenthalt in Höchst, Mümling-Crumbach, Bad König, Zell- Kirch-Brombach, Michelstadt, Erbach, Hetzbach, Schöllenbach, Kailbach. Weiterfahrt über Heidelberg, Karlsruhe, Offenburg, mit der Schwarzwaldbahn von Freiburg nach Radolfzell. Mittagessen in Radolfzell. Nachmittags mehrstündiger Aufenthalt zum Besuch der Obst-Verkaufs-Genossenschaft und Besichtigungsfahrt nach Bodmann zu den Obstbaubetrieben von Graf Bodmann und Weber. Abends Weiterfahrt von Radolfzell nach Konstanz, Aufsuchen der Quartiere, Abendessen und geselliges Beisammensein.

3 September: Frühstück in den Quartieren. Abfahrt mit dem Sonderdampfer nach Meersbürg und Besichtigung der Insel Mainau, "Mittagessen in Meisburg. Nachmittags Besichtigung des Obstbaubetriebes Siegel in Riedetsweiler und spätnachmittags mit Autobussen von Meersburg nach Oberuhldingen, am Bodensee entlang von Oberuhldingen bis Landau mit Sonderzug und Aufsuchen der Quartiere, Abendessen und geselliges Beisammensein.

4. September: Mit Autobussen zur Besichtigung des Obstbaugutes Schlachters, nach Rückkehr Mittagessen in Lindau und gegen 14 Uhr Rückfahrt Sonderzug von Lindau über Ulm, Stuttgart, Neckartal in die Heimatorte- (ptoo.)

Biebesheimer Haushaltsplan angenommen

Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Sudheimer trat am 6. Juli der Gemeinderat zu einer Sitzung zusammen und verabschiedete einstimmig den Haushaltsplan 1950, der mit 236 722,14 DM in Ausgaben und Einnahmen abschließt. — Auf Antrag des Bürgermeisters entschlossen sich die Gemeinderäte, die Stelle des Bürgermeisters sowie des Beigeordneten und Kassenverwalters als ehrenamtlich anzusehen. — Im weiteren verlauf der Sitzung wurde der Waldwirtschaftsplan in der von Bürgermeister Sudheimer vorgetragenen Form angenommen. Zur Frage der Rechtsverhältnisse zwischen Kirchgemeinde und bürgerlicher Gemeinde ergriff Pfarrer Hübsch, Biebesheim, das Wort und forderte weitere Geldmittel aus dem Gemeindefonds. Die Jahresausgaben ?? Kircligemeinde beliefen sich seither auf jährlich zirka 7500 DM, davon 1500 DM aus Gemeindemitteln. Der Gemeinderat forderte vom Kirchenvbrstand schriftliche Vorschläge und vertagte die Angelegenheit, (br)

Tagungen zur 750-Iahrfeier

Aus Anlaß der 750-Jahr-Feier in Nieder-Ramstadt finden in der Festwoche eine ganze Reihe von Tagungen und Versammlungen statt. Die Industrie- und Handelskammer Darmstadt, die Handwerkskammern Darmstadt und Umgebung haben bisher zugesagt. Hinzu kommen dann noch die

Meldnngen aus den Landkreisen

Darmstadt-Land Obst- und Gartenbauverein Rokdorf

Der Obst- und Gartenbauverein führte am Sonntag im „Gasthaus zum goldenen Löwen eine außerordentliche Generalversammlung durch. Der erste Punkt der Tagesordnung war die einstimmige Bestät; gung der vorläufigen Wahl des Schullehrers Rapp zum 1. Vorsitzenden Im Ver lauf der Tagung plante man eine Omnibusfahrt nach Lichtenberg und Neunkirchen. Dabei soll die Edelobstanlage von Prof. Schmieden unter Führung des Obstinspektors Oberhauser besichtig*- werden.

Im allgemeinen Teil der Versammlung wurde festgesteUt, daß die diesjährigen Trauben sehr für die Traubenkrankheit „Peronospora“ anfällig sind. Diese Krankheit wird durch den hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft begünstigt. Vorbeugendes Spritzen ist wichtiger als erst bei Befall. Weiterhin wurde erwähnt, daß dlie Kirschenmaden sehr zahlreich aufgetreten sind. Im Winter sollen Vorträge über Schädlinge und deren Bekämpfung durchgeführt werden. Anläßlich des 50jährigen Bestehens soll im Herbst eine Obst- und Gemüseschau durchgeführt werden. (s'l)

Pfungstadt. — Bauersfrauen der Ge - meinde unternahmen am Dienstag eine Besichtigungsfahrt in die Pfalz. Das Ziel war der Limburger Hof bei Oppau, der den badischen Anilinwerken gehört und als Versuchs- und Musterbetrieb gilt. Die Fahrt führte über Speyer, Schwetzingen und Heidelberg, um gleichzeitig die Sehenswürdigkeiten dieser Städte zu erleben. Die Vonbereitungsarbeiten zum großen j ub i - 1 ä u m s f e s t, das die jetzt im TSV zusammengeschlossenen früheren Turn- und Sportvereine am 22. und 23. Juli feiern werden, sind in vollem Gange. Die einzelnen Ausschüsse sind gebildet und das Programm ist im großen tsnd ganzen festgelegt. Der Ehrenprotektor des Festes, Ministerpräsident Stock, hat seine Teilnahme für den Festkommers am Samstagabend zugesagt. Augenblicklich ist man dabei, im freiwilligen Einsatz die Platzanlage neu herzurichten und eine Stehtribüne aufzuwerfen. (ler)

Dieburg

Groß-Bieberau. An der Kreuzung der abschüssigen Ober-Ramstädter Weinbergstraße konnte ein Pkw-Fahrer einem Zusammenstoß mit einem Lkw nur durch starken Ausschlag seines Lenkrades entgehen. Es gab dabei allerdings „Kleinholz“, denn er rannte gegen ein großes Hoftor, das in Trümmer ging. (RG)

Groß-Umstadt. Der 24 Jahre alte W. S. von hier wurde zur Anzeige gebracht, weil er sich an einem sechsjährigen Mädchen vergangen hat. (RG)

Brensbach. Auf der Straße nach den Vierstöck wurde ein Radfahrer von einem ihn überholenden Lastkraftwagen angefahren und zu Boden geschleudert. Er erlitt dabei Prellungen, die einen Bluterguß zur Folge hatten. Der Radfahrer war einige Zelt nach dem Unfall noch so benommen, daß er sich weder auf den Vorfall selbst, noch darauf besinnen konnte, wo sein Fahrrad geblieben ist. (RG)

Babenhausen. Zu einer öffentlichen Gemeinderatssitzung, bei der u. a. der Waldwirtschaftsplan 195 0/5 1 besprochen werden soll, hat der Bürgermeister eingeladen. — Die Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner führt am Samstag um 20,30 Uhr in der „Neuen Welt“ eine Versammlung durch. — Eine außerordentliche Mitgliederversammlung hält der Reit- und Fahrverein „Vorderer Odenwald“ am Montag um 20 Uhr im Gasthof „Zum Odenwald“ ab. Wie wir erfuhren, hat Landrat Ritz er t, Dieburg, die Schirmherrschaft über das am 9./10 September stattfindende „Reit-, Spring- und Fahrturnier“ übernommen. (Nb.)

Bergstrake

Weiher. In einer sehr schlecht besuchten politischen Versammlung sprach Arbeitsminister a. D. M. d. B. Arnd ge n über aktuelle Tagesfragen. Er ging vor allem auf das betriebliche Mitbestimmungsrecht und die derzeit bestehenden Probleme des Lastenausgleichs ein und betonte, daß Regierung und Parlament bestrebt seien, berechtigten Forderungen zu entsprechen. Angesichts der wenigen Anwesenden entwickelte sich keine Diskussion. — Aus Krei-S?P ^es Sportvereins wird mit Unterstützung fortschrittlich denkender Einwohner die Erweiterung des unzureichenden Spielplatzes des Turnvereins und die Anlegung eines Schwimmbades im Talwaldgelande betrieben. (_r\

Wahlen. Nachdem bereits vor einigen ine durch die Überschwemmung des Uitenbaches der Verkehr in der Gemeinde Wahlen einige Zeit nur mit Wasserfahrzeugen möglich war, will man nun, um solcne Gefahren und auch die stets wiederkehrende Hochflut — die bis an die Straßenzeilen heranreicht — zu verhindern, in Gemeinschaftsarbeit eine Bachregulierung vornehmen. Wenn der Gemeinderat mit der von Bürgermeister Sachs ausgearbeiteten Arbeitsplanung einverstanden ist, kann sofort mit den Erdbewegungen begonnen werden. — Das bei Kriegsende durch Tieffliegerangriffe zerstörte Forsthaus, das seither dem Verfall preisgegeben war, soll auf Anregung der Gemeindeverwaltung in Ordnung gebracht oder abgerissen werden, um das Trümmerfeld, das auf jeden Erholungssuchenden abschreckend wirken muß, endlich zu beseitigen. Seitens des Forstamtes sind bisher noch keine endgültigen Beschlusse gefaßt worden. (-r)

Erbach

Ober-Ostern. Die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins fahren am kommenden Sonntag zum Pfirsichfest nach Zwingenberg. Anschließend soll eine Besichtigung des Obstgutes Thalhof bei Balkhausen vorgenommen werden. — Im Rahmen der Rheinfahrten der Schulen des Kreises Erbach nahmen am 7. Juli die Schulen Unter-Ostern, Erzbach und Rohrbach an einer Fahrt teil. Transportleiter war Lehrer Hartmann. Musikkapellen begleiteten den Transport. Während der Fahrt wurde laufend durch Lautsprecherübertragung auf landschaftliche Schönheiten und wirtschaftliche oder kulturelle Besonderheiten hingewiesen- —; Die Straßenbauverwaltung hat nunmehr in Unter-Ostern an einer der schlechtesten Stellen der Landstraße mit Ausbesserungsarbeiten begonnen. Es soll die ganze Straße von der Reichelsheimer Straße über Unter-Ostern und Erzbach bis nach der Wegscheide asphaltiert werden. — Infolge des sehr günstigen Wetters konnte die Heuernte verhältnismäßig früh und schnell abgewickelt werden. Die Qualität des Heues ist durchweg zufriedenstellend, die Menge hingegen läßt trotz guter Düngung viel zu wünschen übrig, da das Bodenfutter fehlte. Dies ist wohl eine Nachwirkung der vergangenen trockenen Jahre. Die Getreidefelder zeigen einen guten Stand, leider fehlt es infolge der heftigen Platzregen nicht an Lagerfrucht. Die Kartoffelbestände stehen gut, die Pflegearbeiten sind abgeschlossen. Das Auftreten des Kartoffelkäfers kann man trotz umfangreicher Bekämpfung nur als Katastrophe bezeichnen, es wäre zu wünschen, daß im kommenden Jahr weitere Maßnahmen von maßgeblicher Stelle getroffen würden. ptoo

Tödlicher Verkehrsunfall in Babenhausen

Auf der Bundesstraße 26 ereignete sich gestern gegen 13.30 Uhr in Babenhause n an der Einmündung in die große Bahnunterführung ein Verkehrsunfall, bei dem der elfjährige Hans Felsenheimer aus Babenhausen tödlich verunglückte. Der Junge kam mit seinem Fahrrad aus dem Schwimmbad, fuhr durch die Friedrich-Ebert-Straße und bog nach rechts in die Hindenburgstraße ein, um in Richtung Stadt weiterzufahren. Als er in die Bundesstraße einfuhr, kam ein Lastzug aus Richtung Darmstadt, der nach Aschaffenburg weiterfahren wollte, an die Kreuzung. Wahrscheinlich geriet Felsenheimer infolge Unachtsamkeit gegen das rechte Vorderrad des Anhängers, kam zu Fall, und das rechte Hinterrad des Anhängers ging über ihn hinweg. Durch die schweren inneren Verletzungen trat der Tod auf der Stelle ein.

Dies ist der zweite Todesfall, der in unmittelbarer Nähe in kurzer Zeit dort passierte. (Nb)

Der SPORT

Zweiundzwanzig Etappen und vier Ruhetage

Ab Donnerstag rollt die 37. „Tour de France"

Paris. (AZ.) Am Donnerstag. 13. Juli, fällt in Paris der Startschuß zur „Tour de France“ dieser größten und bedeutendsten Rad-Rundfahrt der Saison, die zum 37. Male ausgetragen wird. 116 Fahrer aus sechs Nationen werden in der Seine-Metropole auf die 4832 Kilometer lange Strecke gehen, die bei vier Ruhetagen in 22 Etappen zu bewältigen ist In 14 Mannschaften, die auch um eine Mannschaftswertung fahren, starten die Teilnehmer. Frankreich ist siebenmal (Frankreich A. Paris. Ile de France. Süd-Ost. Mitte-Südwest. West und Nordafrika) vertreten. Belgien und Italien steilen ie zwei Mannschaften, die Schweiz. Holland und Luxemburg ie eine. Wohl nur die Hälfte dieser „Giganten der Landstraße“ aber wird am 7. August noch im Rennen sein, wenn zur letzten Etappe von Diion nach Paris gestartet wird. Hitze, Regen. Kälte. Staub. Hunger. Durst. Müdigkeit. Stürze und Pannen reduzieren das Feld von Tag zu Tag. Nur die härtesten und besten Fahrer haben eine Chance, die ..Tour der Leiden“ durchzustehen. Ihnen winken Preise in Höhe von insgesamt 14 Millionen Francs und günstige Startangebote aus allen Teilen Europas

Berg-Etappen nicht mehr entscheidend?

Eine grundlegende Reorganisation gibt in diesem Jahre der ..Tour“ ein neues Gesicht. In den vergangenen Jahren schonten die großen Favoriten ihre Kräfte auf den ersten Etappen. Erst auf den Steilstrecken der Pyrenäen und der Alpen holten die Berg-Soezialisten zum entscheidenden Angriff aus. Hier kamen Italiens Asse Fausto Conoi und Gino Bartali zu ihren großen Siegen Auf der neu vermessenen Strecke wurden die Berg-Etappen wesentlich verkürzt. Dadurch sind an einem Tag nur noch zwei Bergriesen zu bewältigen, während bisher jeweils drei Gipfel zu erklettern waren. Hindernisse wie der Mont Cenis, der Izeran. der Große und der Kleine St. Bernhard werden nicht mehr berührt. Diese Tatsache gibt natürlich den Flachland-Fahrern eine Chance: denn die Berg-Soeztalisten werden gezwungen, bereits frühzeitig voll aufzudrehen. Als weitere Maßnahme zur Verhinderung von ..Bummelfahrten“ während der ersten Tage wurden die Tages-Prämien erhöht. So erhält der Träger des „gelben Trikots“ für die Führung im Gesamt-Klassement bei jeder Etappe 100 000 Francs, während für den Tagessieger 50 000 Francs ausgesetzt sind.

Konkurrenz für Gino Bartali

Durch diese einschneidenden Neuerungen ist die Frage nach dem Sieger offener denn ie. Nur eine Ausnahme-Erscheinung wie Fausto Coppi wäre stark genug, um als ausgesnrochener Favorit angesorochen zu werden. Italiens Campionlssimo aber wurde nach seinem schweren Sturz im ..Giro“ erst vor einigen Tagen aus dem Hospital entlassen und kann daher nicht starten. In seiner Abwesenheit wird Gino Bartali der Sieger von 1938 und 1948. versuchen, mit dem dritten Erfolg den Rekord des Belgiers Philippe Thys (1913. 1914. 1920) einzustellen. Ob ihm das gelingt, erscheint mehr als fraglich, zwar der Schweizer Koblet geht in Paris nicht an den Start, aber für Bartali gibt es unter den 116 Teilnehmern genug Rivalen.

Die fünf ersten Etappen

wurden wie folgt gelegt: 13. Juli: Paris —Metz (307 km); 14. Juli: Metz—Lüttich (241 km); 15. Juli: Lüttich—Lille (232 km); 16. Juli: Lille—Rouen (231 km); 17. Juli: Rouen—Dinard (316 km). Der 18. Juli ist ein Ruhetag.

Dritter Kampf für Schweden

Die Schwimmer in Hannover

Hannover. (A. Z.) Schwedens Schwimmer-Ländermannschaft trat nach ihrem Montagskampf in Königslutter am Dienstag noch einmal gegen eine niedersächsische Schwimmerauswahl an. Kampfort war Hannover. Trotz strömendem Regen waren 809 Zuschauer erschienen, die spannende Kämpfe erlebten. Von den ausgetragenen acht Kämpfen gewannen die Schweden acht, außergem noch fünf zweite Plätze. Nachstehend die Sieger:

Herren: 106-Meter-Kraul: 1. Ditzinger (D), 1:01,0 Minuten; 400-Meter-Kraul: 1. Lehmann (D), 5:18,9 Minuten; 100- Meter-Rücken: 1. Larsson (Schweden), 1:11,5 Min.; 200- Meter-Brust: 1. Rask (Schweden), 2:49,5 Min ; Damen: 200-Meter-Brust: 1. Johnsson (Schweden) 3:13,1 Min., 100-Meter-Rücken: 1. Fredin (Schwedin) 1:22,6 Min.; 100- Meter-Kraul: 1. Aalgren (Schweden) 1:09,3 Min. Im abschließenden Wasserballspiel kamen die Schweden zu einem klaren 8:2 (4:2) -Erfolg.

Tennisverband stimmte zu

Lausanne. (AP.) Der Internationale Tennisverband nahm am Mitwoch in Lausanne die Bewerbungen Deutschlands und Japans um Wiederaufnahme in den Verband mit 110 gegen 12 Stimmen bei 32 Enthaltungen an. Dieser Beschluß bedeutet, daß diese beiden Länder im kommenden Jahr wieder an den Spielen um den Davispokal teilnehmen können. Fünf Gegenstimmen kamen aus Ungarn, sieben aus Polen, während die Stimmenthaltungen von Holland, Neuseeland, den Philippinen, Australien und Jugoslawien ausgingen.

60 Jahre TAV Eppertshausen

Im Jahre 1890 waren es in der kleinen Gemeinde Eppertshausen eine Handvoll Männer, die den Turnverein Eppertshausen ins Leben riefen. Später wurde diesem die Athletikriege angegliedert. Die Festfolge zur 60-Jahr-Feier findet bereits am Samstag, dem 15. Juli, ihren Anfang. Den Auftakt bildet am Abend! die akademische Feier im Saale Jakob Eder. Der darauf folgende Sonntag steht ganz im Zeichen der leichtathletischen Klubkämpfe. Dazu gehen die TG Nieder-Roden, TG Ober-Roden, TV Münster, BSC Urberach und der Gastgeber an den Start. Sportwerbetage leiten das Fest bis zum 29. Juli über. Handballturniere der Schüler, Jugend und Alten Herren füllen den Samstagnachmittag aus. Der 30. Juli beginnt mit dem Weckruf um 5 Uhr früh. Sämtliche Mitglieder und Anhänger treffen sich um 6.30 Uhr zum Festgottesdienst. Auf dem Sportplatz an der Messeler Straße beginnen um 9 Uhr die Turnwettkämpfe. Die austragenden Vereine sind: Tschft. Ober-Roden, TV Münster, TAV Eppertshausen. Den Höhepunkt in sportlicher Hinsicht bildet am Nachmittag das Handballturnier. Gespielt wird 2XIO Minuten. Folgende Vereine haben hierzu gemeldet: TG Ober-Roden, SG Nieder-Roden, Tschft. Ober-Roden, BSC Urberach, SG Groß-Bieberau, TG Dietzenbach, TV Groß-Zimmern, TV Münster und die eigene Mannschaft. Den festlichen Abschluß bildet ein großer Jubiläumsball. (gi)

Nur als „Zaungast“ dabei

Weltmeisterschaften der Turner in Basel

Der Internationale Turnverband ermittelt vom 13. bis 16. Juli in Basel seine Weltmeister. Mehr als die Hälfte der 30 dem ITB angehörenden Nationen bieten ihre besten Kräfte auf. Das Programm ist insofern erweitert worden, als neben dem Einzelwettbewerb im Fünfzehnkampf auch an den einzelnen Geräten und in der Freiübung sowie im Mannschaftskampf (und hier auch wieder in den einzelnen Uebungen) Weltmeistertitel vergeben werden. Dazu kommen noch die Turnerinnen, die neben dem Achtkampf auch in den vier Einzelwettbewerben Meistertitel erringen können, ferner noch zwei Mannschaftswettbewerbe. So sind rund 130 Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen zur Auszeichnung der erstplacierten Turner und Turnerinnen notwendig. Deutschlands Turner werden nur als Zuschauer in Basel sein, da der DAT noch nicht Mitglied des ITB ist.

Bei den Turnern setzt sich der Fünfkampf aus Pflicht- und Kürübung am Rede, Barren, an den Ringen, am Pferd, dem Pferdsprung und im Bodenturnen zusammen, zu denen noch drei leichtathletische Uebungen (100 Meter, Hoch- und Stabhochsprung) kommen. Drei Nationen, die da ein ernstes Wort mitsprechen könnten, sind allerdings nicht mit von der Partie: die Sowjetunion, die Tschechoslowakei (Sieger bei den letzten Weltmeisterschaften 1938 in Prag) und Deutschland, das bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin sich in die vorderste Front schob. So wird es auf einen großen Zweikampf Schweiz—Finnland hinauslaufen, in den als Außenseiter auch die Ungarn eingreifen können.

Die Eidgenossen hoffen, nicht nur im Mannschaftswettbewerb zu triumphieren, sondern sie rechnen sich auch für Sepp Stalder Chancen für den Fünfzehnkampf aus. In der Schweizer Riege stehen neben routinierten Leuten wie Stalder, Walter Lehmann, Adatte auch die jüngeren Talente Günthard, Gebendinger oder Eugster. Bei den Finnen erhielt neben den erfolgreichen Olympiakämpfern von 1948 Huhtanen und Aaltonen nicht umsonst der bejahrte Savoleinen den Vorzug gegen die Nachwuchskräfte.

Eschollbrücken rüstet für das Kreisturnfest

Die kürzliche Besprechung des Kreisvorstandes mit dem festgebenden Verein, dem Turn- und Sportverein Eschollbrücken, hat gezeigt, daß die diesjährigen Kreisturnwettkämpfe in besten Händen liegen.

Eine neue Platzanlage mit einer 400- m-Rundbahn, herrlich am Walde gelegen, bietet neben einem weiteren Übungsfeld die besten Voraussetzungen, daß alle turnerischen Wettkämpfe reibungslos abgewickelt, werden können. Bereits am Samstag wird das gesamte Altersturnen durchgeführt, am Abend steigt in dem 1200 Personen fassenden Festzelt ein Kommers. Der Sonntag bringt das Turnen der Turner und Turnerinnen und am Nachmittag wird sich zunächst ein Festzug unter Beteiligung der Nachbarvereine durch den Ort bewegen. Die allgemeinen Vorführungen aller Teilnehmer, wie Freiübungen, Keulenübungen und das Turnen der Sieger beschließt neben anderen Darbietungen den Festnachmittag. Auf den Meldeschluß wird nochmals besonders hingewiesen und gebeten, umgehend die Meldungen abzugeben.

Deutsche - Mannschafts-Meisterschaften am Böllenfalltor

Am kommenden Samstag, 16 Uhr, treffen sich die männliche und weibliche Jugend, sowie die Schüler und Schülerinnen der Eintracht Wiesbaden und des SV Darmstadt 98 zum ersten Durchgang der deutschen Jugend-Mannschafts-Meisterschaft auf den Sportplätzen am Böllenfalltor. Beide Vereine treten in stärkster Besetzung an und besitzen in ihren Reihen Athletinnen und Athleten, die einen guten Namen in der deutschen Leichtathletik haben und mit zur deutschen Spitzenklasse zählen. Die Darmstädter Bevölkerung hat an diesem Nachmittage Gelegenheit, sich von dem meisterlichen Können der 98er Mädchen und Schülerinnen zu überzeugen. Der Rückkampf findet an einem der nächsten Sonntage in Wiesbaden statt.

An die Einwohner Eberstadts!

Das zweite Frankenstein-Fußballjugendturnier nahm, von bestem Wetter begünstigt, einen in allen Teilen wohlgelungenen Verlauf. Alle Teilnehmer schieden in dem Bewußtsein, in Eberstadt einige angenehme Stunden verbracht zu haben. Es ist uns deshalb ein Herzensbedürfnis, all denen Dank zu sagen, die es uns ermöglichten, dieses Turnier zu einem sportlichen Ereignis werden zu lassen, daß es für alle Jugendliche frohe Stunden der Erinnerung waren. •

Liebe Eberstädter, ihr habt den unserem Städtchen bekannten Ruf der Gastfreundschaft und Verbundenheit zum Sport alle Ehre gemacht. Wir freuen uns ehrlich und danken herzlichst.

Das Frankenstein - Jugendfußballturnier soll für Eberstadt ein Begriff werden. In alle Gaue Deutschlands soll der Name Eberstadt getragen werden, soll zeugen von der sportlichen Begeisterung seiner Einwohner. Eberstadt muß eine Pflegestätte der Jugendfußballer werden. Wir werden im nächsten Jahr wieder zu euch kommen und um eure Unterstützung bitten und geben uns heute schon der angenehmen Hoffnung hin, daß sie uns nicht enttäuschen werden. SKG Eberstadt e.V.

Darmstädter Kunstsommer 1950

DREI AUSSTELLUNGEN ALS AUFTAKT

„fotoform"

Als eigentlicher Auftakt des Darmstädter Kunstsommers 1950 wurde gestern nachmittag neben zwei Kollektivausstellungen — Gustav Wolf, Hoffmann-Lederer — eine Kollektivschau westdeutscher Fotografen in der Ausstellung „fotoform“ durch Dr. Schmoll-Eisenwerth eröffnet.

Diese Schau zeitgenössischer Fotografien, die von einer Arbeitsgemeinschaft der Fotografen Keetman, Lauterwasser, Reisewitz, Schneiders, Steinert und Windstosser sie nennen sich Gruppe „fotoform“ — bestritten wird, stellt einen wesentlichen Akzent der Darmstädter Kunstausstellungen dieses Sommers dar. Wie man mit dem gleichen Stift eine banale Rechnung schreiben oder eine Zeichnung von höchstem Reiz zu Papier bringen kann, so ermöglicht die Fo olinse neben einem nichtssagenden Paßbil ein „Menschenbild unserer Zeit“, wie es Dr. Steinert in der ganz vorzüglichen „Jungen Malerin“ bringt. . Das Objektiv, die Fotolinse, wird bei diesen Meistern des Schwarz-Weiß-Bildes zum Subjektiv, wenn wir so sagen dur Es kommt auf das „Sehen“ an, das Auge hinter der Kamera beherrschen mu . Das erhebt die Fotografie zur Kunst mit eigenen Gesetzen. . .

Experimente über ihre Grenzen beunruhigen: „Glocken über der Menge , „Fahles Porträt“ — überhaupt die drucke scheinen uns zu intellektuell konstruiert, sie vergewaltigen die ^inse, 1 (diesmal) Objektivität. Auch mit Drahtflgur“ und „Scherbentanz sine rimente gezeigt, die die moderne geistig fundierte. Aber seit dem Beginn zwanziger Jahre ist die Fotogra ie ernste künstlerische Fotografie -r der dermalere! entflohen. Sie sollte si vom modernen Bild wieder einfangen - sen. Anders wäre es, wenn in jenen der Lichtstrahl mehr zum Tragen käme.

uer n »ui - - Doch das nur nebenbei! Die 6 Meiste können „sehen“! Dinge, die uns tagtäglich begegnen, über die wir flüchtig hinwegblikken, „sehen“ diese Leute und fixieren sie fototechnisch, damit wir sehen lernen. Würden wir die Postkartenschönheit eines Sonnenunterganges am Meeresstrand bewundern, dann schaut Tdni Schneiders auf den Boden vor seinen Füßen und sieht die „Wellen im Sand“, eine einzige Muschel auf kleinen Sandwellen: Das ist klassische Foto-Grafie! Hochwertig der „Schienenschwung“, die „Kubische Kurve“ (Dr. Steinert), „Schwingende Grauflächen“ (Siegfried Lauterwasser), „Zug vereister Pfähle“ (Peter Keetman). Das ist der Sieg des Schlichten in meisterlicher Ausgewogenheit des Raumes zwischen den Passepartouträndern.

Unter den „Menschenbildern“ haben nur wenige direkte Beziehung zum herkömmlichen Foto-Porträt. (Auch diese, soweit auftretend, zeigen meisterliche technische Routine.) Dafür aber Leistungen, unter denen neu und überaus reizvoll vor allem „Mutter und Sohn" (Steinert) hervorsticht. Zwei Gesichter in Ueberblendung, wobei sich das rechte Auge des Kindes mit dem linken der Mutter deckt. Als technische Schlußbemerkung: Diese Meister scheinen das Wort „Filmkorn" aus ihrem Wörterbuch gestrichen zu haben, agt

Ausstellung Gustav Wolf

Die Gedächtnisausstellung für Gustav Wolf (geboren 1887 an Oestringen bei Bruchsal, gestorben 1947 in East-Northfield) wurde vor einem zahlreichen Publikum von Dr. Richard BenZ] Heidelberg, eröffnet, der mit dem Künstler seit seinem ersten Zusammentreffen im Jahre 1917 mit ihm eng befreundet war. Gustav Wolf, ein Schüler Hans Thomas, blieb mit seinen tiefsinnigen Arbeiten nahezu unbekannt, obwohl zahlreiche Werke, die er z. T. gemeinsam mit Dr. Benz herausgab, in so angesehenen Verlagen wie etwa Eugen Diederichs erschienen (z. B. Confessio, Holzschnitte mit eigenem Text).

Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten lassen Gustav Wolf, dessen handwerkliche Vollendung besticht, als einen visionär ein neues Weltbild erschauenden Denker und Künstler erkennen. Dr. Benz begreift das 1918 entstandene Werk „Die Blätter vom lebendigen Sein“ als den stärksten Versuch, „das ganz aus Eigenem gewonnene Weltbild bekenntnishaft herauszustellen“, in dem Philosophie, Dichtung und Religion wie in den Ursprüngen noch ungeteilt sind. Die ausgestellten Werke beeindrucken tief durch ihre gleichsam unirdische Gegensatzlosigkeit. M.

Ausstellung Hoffmann-Lederer

Professor Hoffmann-Lederer, der nach fünfjähriger Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie in Weimar aus politischen Gründen nach Westdeutschland übersiedelte, zeigt eine große Anzahl gegenständlicher und abstrakter Arbeiten seit 1945. Sämtliche Werke aus früheren Jahren hat der Künstler, der 1899 in Jena geboren wurde, durch den Krieg verloren. Professor Hoffmann-Lederer war am Bauhaus Weimar von 1919 bis 1924 Schüler von Klee, Muche, Schlemmer und Itten. Auf Empfehlung von Schlemmer wurde er 1926 als künstlerischer Mitarbeiter an das Hochbauamt Magdeburg und später nach Berlin berufen.

Die Ausstellung gibt eine Übersicht über den Weg des Künstlers von der gegenständlichen zur abstrakten Malerei. Hoffmann-Lederer, der selbst zu seinen Arbeiten sprach, sucht eine Synthese zwischen gegenständlicher und abstrakter Darstellungsart. Hierbei erreicht er besonders in seinen Landschaften Zusammenfassungen von edler Reinheit. Den stärksten Ausdruck seines Wesens sieht er in den Arbeiten, die frei vom Gegenstand sind, also reiner Ausdruck geistiger, künstlerischer und „seinshafter" Erlebnisse. Oft werden auch lediglich „Zustände“ dargestellt, z. B. erdig, luftig, wässerig und fließend, hingehauchte zarte Wesenhaftigkeit.

Dem aufgeschlossenen Betrachter kommen die Arbeiten Hoffmann-Lederers auf einer hohen Stufe geistigen Erlebens entgegen.

Probleme der Ostvertriebenen

ZWEI VORTRÄGE VON DR. EUGEN LEMBERG

Die Ackermann-Gemeinde, Arbeitskreis der Sudetendeutschen hatte am Dienstag zu zwei Vorträgen von Dr. Eugen Lemberg in der Technischen Hochschule eingeladen: „Um Leitbild und Führungsschicht der Ostvertriebenen“ und „Die Entstehung eines neuen Volkes aus Binnendeutschen und Heimatvertriebenen“.

Herr Dr. Lemberg ist am Pädagogischen Institut in Kassel tätig und beschäftigt sich als Wissenschaftler mit der Erforschung des großen soziologischen Strukturwandels, der sich durch das Einströmen der Ostdeutschen in den Dörfern vollzieht.

Bei der Veranstaltung am Spätnachmittag des Dienstags stellte Herr Dr. Lemberg einige seiner Grundgedanken in einem kleineren Studentenkreise zur Diskussion. Viele der angerührten Fragen konnten wegen der Kürze der Zeit nicht befriedigend durchgesprochen werden. Einmütig aber herrschte in der Auffassung, daß die Ostvertriebenen ihr Schicksal nicht nur rückwärts gewandt beklagen wollen, sondern es als Aufgabe fassen, die sie in den Dienst des europäischen Gedankens mit ganz besonderem Nachdruck stellt.

Bei seinem abendlichen Vortrag ging Dr. Lemberg von der Feststellung aus, daß es sich bei der Flüchtlingsfrage nicht nur um eine Frage der Vertriebenen handelt, sondern um einen Umbau der ganzen Gesellschaft, um die Geburt eines neuen Volkes, um die Neuentstehung der europäischen Gesellschaft. Dieser Prozeß kann von den Binnendeutschen durch Nichtbeachtung oder Almosen und Fürsorgemaßnahmen — sind es nicht zum Teil auch Opfer? — ebensowenig aufgehalten werden, wie im vorigen Jahrhundert der Aufstieg des Proletariats durch das Bürgertum verhindert werden konnte. Wenn auch der Geist dieser neuen Gesellschaft jetzt noch nicht erkennbar ist, so wird sie doch wohl einen festen Grundsatz haben, nämlich den, daß niemand mehr auf Grund seiner Rasse, seiner Nationalität oder seines Volkstums verfolgt werden darf. So konnte auch in früherer Zeit der Einfluß der wegen ihres Glaubens Vertriebenen auf die Gesellschaft eine allgemeine Einstellung der Verfolgung Andersgläubiger erwirken.

Der Vortrag war durchflochten von allen jenen Problemen, die sich für die Ostdeutschen durch ihre Vertreibung ergaben. Neu war der Anspruch, den. Dr. Lemberg, der Verfasser der Schrift „Ausweisung als Schicksal und Aufgabe“, aus den schweren Erfahrungen der Ausgewiesenen zog: Die Vertriebenen sollen die Führungsschicht bilden zum Aufbau eines neuen Europas. M.

In Fortsetzung des sommerlichen Ausstel¬ lungsprogrammes in Darmstadt, werden am kommenden Freitag, 17 Uhr in der Holzhofallee 25-27 eröffnet:

Die Ausstellung „Neue Wohnkultur“, eine Schau wirtschaftlicher, preiswerter Wohnmöbel; die Ausstellung anläßlich des Ströher-Preises für Kunst der Gegenwart.

Die Schriftstellerin Clara Viebig vollendet am 17. Juli in körperlicher und geistiger Fris. - in ihrer Wohn-ng in Berlin-Zehlendorf das neunzigste Lebensjahr. Die greise Autorin, deren zahlreiche Romane, darunter „Das Kreuz im Venn", „Das schlafende Heer“, „Das gliche Brot“, „Die Wacht am Rhein" und „Kinder der Eifel“ einst sehr verbreitet waren, arbeitet zur Zeit an ihren Memoiren. Sie wurde in Trier geboren und war mit dem MitinhaL- des Egon-Fleischer-Verlages, Cohn, verheiratet. Der Georg-Fischer-Verlag in Wittlich bei Trier bringt zum Geburtstag der Dichterin el Neuauflage des großen Heimatromans „Das Kreuz im Venn“ heraus.

Der Nachlaß des „berühmten" holländi¬ schen Vermeer-Fälschers van Meegeren kommt Anfang September unter den Hammer. Mit dem Erlös sollen vor allem die Steuerschulden beglichen werden, die der Ende 1947 verstorbene Maler hinterlassen hat.

Wirtschaftsblatt

Wie weit abschirmen?

bs. Eine freie und soziale Marktwirtschaft versprachen die heutigen Regierungsparteien im Wahlkampf. In der gewerblichen Wirtschaft wurde dieses Versprechen auch durchgeführt. Die Landwirtschaft nimmt eine immer sichtbarer werdende Sonderstellung ein. Sie braucht heute noch eine solche Sonderstellung. Würde man sie von heute auf morgen in die rauhe Luft des freien Wettbewerbes stoßen, so wäre das ihre Vernichtung. Das dürfen wir aber nicht zulassen. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger und unentbehrlicher Zweig unserer Gesamtwirtschaft.

Aber es bleibt doch die Frage: wieweit darf die Sonderstellung der Landwirtschaft gehen? Soll die Entfaltungsmöglichkeit .der Industrie in der Binnen- und in der Weltwirtschaft zugunsten der heimischen Landwirtschaft gehemmt werden? Wir dürfen nicht vergessen, daß für die Lebenshaltung der gesamten westdeutschen Bevölkerung die Industrie und die übrigen Gewerbezweige ausschlaggebend sind.

Die Forderungen der Landwirtschaft sind recht weit gespannt. Nicht immer sind sie auf die gesamtwirtschaftlichen Erfordernisse Westdeutschlands und seine Eingliederung in die Weltwirtschaft abgestimmt. Deutlich war dies bei verschiedenen wichtigen Handelsvertragsverhandlungen zu bemerken. Seit einigen Tagen wird nun eine Fettausgleichsabgabe verlangt. Die Bundesregierung hat ihre Zustimmung gegeben. Diese Ausgleichsabgabe soll das Pfund Margarine mit DM 0,25 belasten. Der Gedankengang der Vertreter der Landwirtschaft ist folgender: Mit Hilfe der Subventionen, die aus dieser Ausgleichsabgabe und weiteren Mitteln der Bundesregierung aufgebracht werden sollen, kann der Inlandspreis für Brotgetreide erhalten werden, die Fettausgleichsabgabe wird jedoch die gegenwärtigen Margarine-Höchstpreise nicht beeinflussen. Demgegenüber ist aber doch eines festzuhalten. Bei einer Ausgleichsabgabe können die Margarinepreise nicht gesenkt werden. Eine derartige Senkung ist aber erst kürzlich von der Bundesregierung angekündigt worden.

Eine Abschirmung der westdeutschen Landwirtschaft gegen die ausländische Konkurrenz in dem Umfange, wie sie früher der gesamtdeutschen Landwirt-

schäft gewährt wurde, wird auf die Dauer kaum mehr möglich sein. Der Landwirtschaft droht hier eine Zwickmühle. Es bleibt also weiter die Forderung, die auch Vertreter der Landwirtschaft erheben, daß durch Leistungssteigerung, Standardisierung und Rationalisierung wertvolle und veredelte Erzeugnisse geschaffen und die Erträgnisse erhöht werden.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse wurde am Mittwoch bei etwas beruhigter Gesamtstimmung das verhältnismäßig kleine Angebot glatt aufgenommen. Die Marktenge begünstigte leichte Erholungen, insbesonders am Montanmarkt, wo es zu Kursverbesserungen bis zu zwei Punkten kam.

Züricher Noten-Freiverkehr

11. 7. 12. 7. 12. 7.
Franken Franken in DM 5 50
London (Pfund) 10,82 10,92 13,87
Paris (100 fr.) .. 1,20 1,21 1,54
Brüssel (100 bfr) 8,58 8,58 10,90
Amsterdam (100 hfl) 106,25 106,25 134,94
Stockholm (100 skr) 72,— 71,— 90,17
Mailand (100 Lire) 0,68 0,68 0,86
Prag (100 csk) I,— I,— 1,27
Wien (100 Schill.) 14.90 15,05 19,11
Deutsche Mark (100 DM)... 79,— 79,—

Keine Aufwertung der Renten

zr. Die Bundestagsausschüsse für Geld und Kredit sowie Sozialpolitik hatten den Bundesjustizminister ersucht, an dem Entwurf des Gesetzes zur Aufwertung der Renten- und Pensionsversicherungen einige Abänderungen zu formulieren. Der Bundesjustizminister hat nun mitgeteilt, daß er sich auf Grund eines Beschlusses des Bundeskabinetts vom 7 Juli nicht in der Lage sehe, diesem Wunsche zu entsprechen. Man könne die Regierung nicht zwingen, an einem Gesetz mitzuarbeiten, das sie nicht billige.

Keine höhere Zinsbelastung

zr. Bundesfinanzminister Dr Schäffer hat eine Vorlage ausgearbeitet, in der die Erhöhung des Kanitalmarktzinses erneut abgelehnt wird In der Begründune wird vor allem auf die katastronhale Lage des Pfandbriefmarktes hingewiesen. Es wird außerdem die Fraee aufgeworfen, welche Folgen die Zinserhöhung für den Wohnungsbau haben müßte Die öffentliche Finanzierung und damit das Wohnungsbauvolumen würden zurückgehen. Eine Verteuerung der Hvnotheken von gegenwärtig etwa 6 auf 8 Prozent, bedeute eine Mehrbelastung, die nur durch Mieterhöhungen oder einen öffentlichen Ausgleich der zusätzlichen Zinsbelastung aufgefangen werden könne. Dazu aber wären dann im kommenden Jahr 250 bis 300 Millionen DM öffentlicher Mittel mehr notwendig.

Eine deutsche Reisemark?

FAZ. Die zuständigen Stellen prüfen gegenwärtig einen Vorschlag des deutschen Fremdenverkehrsgewerbes, wonach eine sogenannte Reisemark geschaffen werden soll. Man glaubt, daß mit der Einführung einer Reisemark der Fremdenverkehrsstrpm nach Westdeutschland wesentlich gesteigert werden könnte. Der Sonderkurs für die Reisemark müsse sich annähernd an den des freien Dollarkurses anschließen, der gegenwärtig etwa 5,80 DM gegenüber dem offiziellen Kurs von 4,20 DM beträgt

Autoproduktion gestiegen

F. A. Z. Nach dem neuesten Produktionsbericht des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie in Frankfurt wurden im Bundesgebiet im Juni 1950 26 611 Kraftfahrzeuge und Straßenzugmaschinen produziert. Damit ist die Produktion gegenüber dem Vormonat um weitere 14 Prozent gestiegen. An der Steigerung waren mit Ausnahme von Omnibussen und Straßenzugmaschinen alle Kraftfahrzeugarten beteiligt.

Todesanzeige Gott der Allmächtige hat am 9. Juli 1950, 21.30 Uhr, meinen lieben Gatten, unseren treusorgenden Vater, Schwiegervater, Opa, Schwager, Onkel und Pate, Herrn Philipp Jakob Meyer von seinem schweren Leiden im Alter von 73 Jahren erlöst. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Dora Meyer geb. Clemens Karl Nies und Familie Helmut Freitag und Frau und alle Angehörigen Pfungstadt, den 11. Juli 1950. Die Beerdigung fand am Mittwoch, 12. Juli 1950, 14.30 Uhr, vom Portale des Friedhofs aus statt.

(Todesanzeige Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante, Frau Margarethe Becker geb. Lang nach kurzer, schwerer Krankheit im 75. Lebensjahr zu sich in die Ewigkeit abzurufen. In tiefer Trauer: Familie Philipp Becker Kätchen Becker Fritz Becker Familie Friedrich Scherer Wallerstädten, Petersau, den 9. Juli 1950. Die Beerdigung fand am Dienstag, dem 11. Juli 1950, 14.00 Uhr, statt.

Für die überaus zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen, Herrn Wilhelm Fischer Werkmeister sagen wie allen unseren herzlichsten Dank. Besonders danken wir H. H. Pfarrer Mohr für die trostreichen Worte am Grabe, dem kath. Kirchenvorstand, der Geschäftsleitung und Belegschaft der Firma Papiermüller, der Sport- und Kulturgemeinde, der Gewerkschaft Druck und Papier, der Turn- und Sportgemeinde sowie die Viktoria-Versicherung für die Kranzniederlegungen und allen denen, die unserem lieben Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen haben. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelmine Fischer Wwe. geb.Weygand Adolf Raab und Frau Josefa geb. Fischer Darmstadt-Eberstadt (Weingartenstr. 32), den 9. Juli 1950.

Bestattungen am Donnerstag, dem 15. Juli 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof: 14.45 Minna Gaubatz, Nieder-Ramstadt, 90 J. Alter Friedhof: 15.00 Emma Göbel. Baderweg 4. 60 J.

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Polizeiliche Anordnung Betr.: Die Verkehrsregelung anläßlich des 3. Dieburger Dreiecks¬ rennens in der Zeit vom 14. 7. 1950 bis 18. 7. 1950 Auf Grund des § 4 Abs. 1 der Verordnung über das Verhalten im Straßenverkehr (StVO.) vom 13. 11. 1937 wird mit Zustim¬ mung des Herrn Regierungspräsidenten in Darmstadt-aus Ver¬ kehrs- und sicherheitspolizeilichen Gründen anläßlich des 3. Die¬ burger Dreiecksrennens folgendes angeordnet: 1. Die nachgenannten Straßen werden aus Anlaß des vom Motor¬ sport-Club Darmstadt veranstalteten „3. Dieburger Dreiecksrennen“ von Freitag, den 14. 7. 1950, 00.00 Uhr, bis Montag, den 17. 7. 1950, 24.00 Uhr für den Durchgangsverkehr aller Art in und bei Dieburg gesperrt! Bundesstraße 26, Darmstadt—Aschaffenburg Bundesstraße 45, Hanau—Eberbach (Neckar) Landstraße 1. Ordnung 3094, Darmstadt—Dieburg Landstraße 2. Ordnung 125, Semd—Bundesstraße 45. Die Umleitung erfolgt: Für die B 26: Ab Dieburg auf der L. 2. O. 126 über Klein-Zimmern, L. 1. O. 3115 Semd—Richen und L. 2. 0. 109 nach Altheim und um¬ gekehrt. — Mehrlänge: 8 km. Für die B 45: Ab Münster auf der L. 1. 0. 181 über Altheim, L. 2. 0. 109 über Richen, L. 1. 0. 3115 bis B 45 und umgekehrt. Mehrlänge: 1 km. Für die L. 1. 0. 3094: über die B 26. Für die L. 2. 0. 125: über die L. 1. 0. 3115 ab Semd. 2. Für die Umleitung des Verkehrs sind die aufgestellten Ver¬ kehrszeichen und -tafeln sowie die Anordnung der Verkehrsposten allein maßgebend. 3. Für die ordnungsgemäße Abwicklung des Zuschauerverkehrs auf den zur Rennstrecke führenden Straßen, und auf der Renn¬ strecke selbst wird für die Tage des Rennens am 15. und 16. Juli 1950 folgendes angeordnet: a) Die Rennstrecke wird von Zuschauerfahrzeugen vor dem Rennen nicht befahren. Alle Fahrzeuge werden auf den An¬ fahrtsstraßen an den Kontrollstellen durchgesdileust und zu den Parkplätzen verwiesen. b) Die Fahrzeuge dürfen nur auf den besonders vorgesehenen Parkplätzen abgestellt werden. Als Parkplätze sind öffentliche Straßen und Plätze vorgesehen: P I—B1—B 26 (Umgehungsstraße südwestlich der Rennstrecke) P 2—B 45 (südöstlich der Rennstrecke) P 3—B 26 (östlich der Rennstrecke) P 4—Straßen und Plätze innerhalb der Stadt Dieburg. Die Einweisung der Fahrzeuge erfolgt durch Gendarmerie- Beamte. Die Parkplätze können auch während des Rennens erreicht, aber nur bedingt verlassen werden. c) Die Zuschauer können zur Erreichung der Rennstrecke alle Zu¬ gangswege benutzen. Während des Rennens ist das Betreten, insbesondere das Überqueren der Rennstrecke und der Auf¬ enthalt an Gefahrenstellen verboten. 4. Ausnahmen für die unter 3 getroffenen Anordnungen gelten für Beauftragte der Polizei und die mit Armbinden versehenen Funktionäre einschließlich deren Dienstfahrzeuge, soweit sie mit einem besonderen, von dem Veranstalter des Rennens heraus¬ gegebenen, auf der Windschutzscheibe anzubringenden Zeichen versehen sind. 5. Allen zur Regelung des Verkehrs und zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit gegebenen Anordnungen seitens der Polizei ist unbedingt Folge zu leisten. 6. Zuwiderhandlungen gegen diese polizeiliche Anordnung werden gemäß § 49 der StVO, mit Geldstrafe bis 150,— DM oder mit Haft bestraft. Dieburg, den 11. Juli 1950. - Der Landrat des Landkreises Dieburg: Ritzert öffentliche Ausschreibung der Maurerarbeiten für eine Kfz.-Prüfungshalle im Eichamts¬ gebäude, Holzhofallee 3, zu Darmstadt. Angebote, solange Vor¬ rat, ab sofort beim Staatsbauamt Darmstadt, Alicenstraße 25. Einreichungstermin: 18. Juli 1950, vormittags 9 Uhr. bei glei¬ chem Amt. Staatsbauamt Darmstadt. Versteigerung Ich werde versteigern: Am 13. Juli, 10 Uhr, Pfandkammer Amtsgericht Darmstadt: 2 Aktenrollschränke, 1 Schreibtisch, 1 Aktenständer, 1 Reiseschreibmaschine, 1 Wohnzimmerschrank. Hiltermann, Gerichtsvollzieher Cb) Darmstadt.

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