Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 10 ÄeffiWe Jieucfle Tld^ri^fen Mittwoch, 12. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

London im Zwiespalt

England scheut Sanktionen gegen Nordkorea und will in Moskau vermitteln

Drahtbericht unseres Korrespondenten

gr. London, 11. Juli. Die britische Regierung macht erhebliche Anstrengungen, mit Moskau in ein Gespräch über die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung des Konfliktes in Korea zu kommen.

Zwei Nachrichten, die, nur wenig beachtet, dieser Tage durch die englische Presse gegangen sind, werfen ein deutliches Schlaglicht auf die schwierige britische Lage im Fernen Osten. Ein Sprecher des Foreign Office erklärte auf die Frage eines Korrespondenten des kommunistischen „Daily Worker“ in einer Pressekonferenz, daß die britische Regierung im Gegensatz zu Washington keine Protestnote der russischen Regierung erhalten habe und daß darüber hinaus zwischen dem britischen Botschafter in Moskau und dem stellvertretenden russischen Außenminister ein längeres Gespräch über den englischen Vorschlag einer friedlichen Beeinflussung Nordkoreas durch die russische Regierung geführt worden sei. Dazu kommt, daß die englische Regierung ein Ersuchen der Vereinigten Staaten um Einstellung der Oel- und Benzinlieferungen nach China abgelehnt hat.

China und Formosa

England hat bisher die Haltung der Vereinigten Staaten im Korea-Konflikt sowohl innerhalb wie außerhalb der Vereinten Nationen voll unterstützt und sogar britische Streitkräfte dem amerikanischen Oberbefehl unterstellt. Solange es sich hierbei lediglich um unmittelbare Maßnahmen gegen Nordkorea handelt, drohen daraus auch kaum irgendwelche politischen Schwierigkeiten für London zu erwachsen, da hier die Situation durch den Angriff und die Kriegserklärung Nordkoreas für alle Teile völlig geklärt ist. Die Entwicklung der militärischen Situation der letzten zehn Tage hat jedoch auch die politische Lage nicht unwesentlich verändert und zwei Maßnahmen in den Bereich tatsächlicher Möglichkeit gerückt, die bisher mehr als im Rahmen theoretischer Erörterungen regend angesehen worden waren.

Ein anerkannter Staat ,

Kämpfe um Formosa ebenso wie wirtschaftliche Sanktionen gegen Nordkorea würden zwangsläufig eine Macht in den Rahmen der feindseligen Handlungen einbeziehen, die bisher zum mindesten formell außerhalb von ihnen steht; Rotchina. Denn Formosa ist als ein Teil Chinas anerkannt. Wirtschaftliche Sanktionen würden sich, wie das amerikanische Ersuchen bereits erkennen läßt, nicht nur gegen Nordkorea selbst, sondern auch gegen alle dritten Mächte richten, die diesen Staat in irgendeiner Form unterstützen.

Gegenüber China befindet sich Großbritannien aber in einer wesentlich anderen Stellung als die Vereinigten Staaten. London hat die Regierung in Peking offiziell anerkannt. Eine britische Beteiligung an wirtschaftlichen Sanktionen, die sich auf China erstrecken, oder gar an einer militärischen Verteidigung Formosas gegen chinesische Truppen würde sich daher nicht wie bei den Vereinigten Staaten gegen ein „Regime von Usurpatoren“, sondern gegen die anerkannte Regierung eines Staates und gegen diesen Staat selbst richten mit allen Folgen einer solchen Handlung.

In London ist man sich der Schwierigkeiten dieser Situation durchaus bewußt, und die Ablehnung der amerikanischen Forderung auf Einstellung der Oellieferungen ist ein deutliches Zeichen dafür. Wieweit diese selbständige Haltung gehen wird, ist allerdings im Augenblick noch nicht zu erkennen. Diplomatische Kreise Londons weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß insbesondere die am Handel mit dem Osten interessierten englischen Wirtschaftskreise einen starken Druck in dieser Richtung auf die britische Regierung ausüben.

Nicht allzuviel Hoffnung

Die Schwierigkeit der britischen Situation ist jedoch nicht nur in London, sondern offensichtlich auch in Moskau durchaus erkannt worden. Die in London eintreffenden Berichte aus dei russischen Hauptstadt lassen erkennen, daß man dort offensichtlich gesonnen ist, diese Situation zu dem Ver-

such einer Aufspaltung der politischen Front des Westens zu benutzen. Die britische Regierung hat unter dem Druck ihrer Lage in den letzten Tagen erhebliche Anstrengungen gemacht, um mit Moskau in ein Gespräch über die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung des koreanischen Konflikts zu kommen. Diese Bemühungen sind offensichtlich nicht ganz ohne Erfolg geblieben. Man gibt sich aber in London keinen allzu großen Hoffnungen hin.

Paris bestätigt Verhandlungen

Paris, 11. Juli, (dpa) In zuständigen französischen Kreisen ist am Dienstag bestätigt worden, daß die britische Regierung die französische Regierung über die Bemühungen zur Beilegung des koreanischen Konfliktes auf, dem lautenden halte, die unter Einschaltung des britischen Botschafters in Moskau, Kelly, ins Auge gefaßt seien.

Pleven: Die Rivalitäten begraben

Die französische Kammer bestätigt den neuen Ministerpräsidenten

Paris, 11. Juli. (AP/dpa/BBC) Der mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragte bisherige französische Verteidigungsminister Pleven hat sich am Dienstag der Nationalversammlung vorgestellt, die ihn mit 373 gegen 185 Stimmen in seinem neuen Amt als Ministerpräsident bestätigte. Etwa 50 Abgeordnete der Gaullisten und Vertreter einzelner Splittergruppen enthielten sich der Stimme. Die ablehnenden Stimmen kamen also in der Masse aus den Reihen der Kommunisten.

Man glaubt, daß Pleven Aussichten hat, eine arbeitsfähige Regierung zusammenzustellen. Trotzdem verweist man darauf, daß auch Queuille von der Nationalversammlung zuerst bestätigt worden sei, um dann nach der Bildung seines Kabinetts abgelehnt zu werden. Plevens Schwierigkeiten beginnen auch tatsächlich erst m.t der Zusammenstellung seiner Regierung, die er am Donnerstag um 16 Uhr der Nationalversammlung vorstellen wird.

In seiner Ansprache an die Abgeordneten verlangte er, die Franzosen sollten in dieser Zeit der internationalen Krise sich einig hinter eine starke Regierung stellen. Er empfehle eine Erhöhung des französischen Rüstungsetats um 80 Milliarden Franken. Solange die Vereinten Nationen keinen Zustand internationaler Sicherheit herstellen könnten, müßten die Demokratien notwendigerweise die Waffen für die Verteidigung schmieden. Pleven sicherte die gesetzliche Festlegung von Mindestlöhnen bis spätestens zum 1. September zu.

Es ist noch nicht sicher ob sich die Sozialisten an der Regierung beteiligen werden und auch nicht bekannt, wie sich die Volksrepublikaner endgültig dem neuen Ministerpräsidenten gegenüber verhalten werden.


Südkoreanische Truppen haben sich, ermüdet durch die harten Rückzugsgefechte, zu einer kurzen Ruhepause niedergelassen. Foto: dpa
Südkoreanische Truppen haben sich, ermüdet durch die harten Rückzugsgefechte, zu einer kurzen Ruhepause niedergelassen. Foto: dpa

25 dentsche Divisionen

Ein Vorschlag Leon Gavins

Washington, 11. Juli. (AP.) Ein republikanisches Mitglied des Wehrausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses hat erklärt: „Wir müssen das Aeauivalent von mindestens 25 deutschen Divisionen haben, wenn wir Westeuropa verteidigen wollen.“

Leon Gavin, der dies in einer Rede erklärt, die er zum Vortrag vor dem Repräsentantenhaus ausgearbeitet hat, betont, daß die Beteiligung Deutschlands an der Verteidigung Westeuropas unerläßlich sei, weil die westlichen Demokratien gegenwärtig lediglich 25 bis 30 Divisionen aufstellen könnten. „Wenn wir nicht unsere Gegenoffensive an den Küsten der Normandie und an den südlichen Ausläufern der Alpen starten wollen, müssen wir mehr Truppen zur Verfügung haben.“

Gavin sagte, er s.ei überzeugt, daß man einen Plan ersinnen könnte, der es Westeuropa, ohne eine Restaurierung des deutschen Militarismus, ermöglichen würde, die Fähigkeit, die Hilfsquellen und die Entschlossenheit der 45-Millionen-Bevölkerung Westdeutschlands für die Organisation der Verteidigung gegen eine etwaige russische Aggression nutzbar zu machen.

Bereits 16 Milliarden erhalten

Eine Denkschrift über an Rußland gelieferte Reparationen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 11. Juli. Den Beigeordneten und der Presse ist am Dienstag eine umfassende Denkschrift der Sozialdemokratischen Partei über die sowjetische Reparationspolitik sei 1945 übergeben worden. Darin heißt es, die Sowjetunion habe im Laufe von fünf Jahren aus der deutschen Wirtschaft Reparationen im Werte von 16,74 Milliarden Dollar erhalten. Damit sei die von den Sowjets ursprünglich geforderte Reparationssumme von zehn Milliarden Dollar bei weitem überschritten worden. Zusammen mit dem Wert der Arbeitsleistungen der Kriegsgefangenen, dem Wert der besetzten deutschen Ostgebiete und dem Vermögens Verlust der Vertriebenen ergebe sich eine Summe von über sechzig Milliarden Dollar.

Die Denkschrift wurde wegen der sowjetischen Mitteilung ausgearbeitet, daß seit 1945 bis Ende 1950 Reparationen in Höhe von 3,7 Milliarden Dollar zu leisten seien und die noch ausstehende Reparationssumme auf die Hälfte herabgesetzt werden solle. Dazu heißt es in der Denkschrift, zunächst seien in der sogenannten „Trophäen-Aktion“ bis zum Herbst 1946 durch die Wegnahme aller Rohstoffe und Warenvorräte, von Maschinen, Vieh, Möbeln und Kunstgegenständen, Kleidung, Geld und Wertpapieren Werte von über zwei Milliarden Dollar aus der sowjetischen Zone entnommen worden. Hinzu kämen die Demontagen in den drei Phasen der „barbarischen“, der „halborganieierten“ und der „systematischen" Demontage,

zu der auch die Deportation von Technikern und Facharbeitern vor allem von Zeiß, Schott, Leuna und Junkers gehörten.

Durch diese Demontagen sei die Kapazität der Industrie der sowjetischen Zone um über 55 Prozent gesunken. Der Wert der demontierten Wirtschaftsgüter betrage mindestens vier Milliarden Dollar, zu denen noch fast eine halbe Milliarde Dollar durch den Anteil an den Reparationslieferungen aus den Westzonen und eine Viertelmilliarde Dollar für deutsche Schiffe auf Reparationskonto kämen.

Das umfangreichste Kapitel stellen aber die Entnahmen aus der laufenden Produktion dar. Dazu wird erklärt, fast zwei Drittel der industriellen Produktion gingen an die Besatzungsmacht und wurden zu den Stopppreisen von 1944 bezahlt. 126 große Betriebe seien von den Sowjets direkt übernommen worden, wobei zum Beispiel die Meißner Manufaktur nur mit 1,5 Millionen Mark berechnet worden sei, während diese Werke zusammen ia Jahre für 3,2 Milliarden Mark produzierten. Die Versorgung der Besatzungstruppen müsse von der Zone selbst in Form der „Feldpostaufträge“ geliefert werden. Seit 1945 seien für zehn Milliarden Dollar Abgaben aus der laufenden Produktion an die Besatzungsmacht getätigt worden.

Die Arbeitsleistung der Kriegsgefangenen müsse auf 1,5 Milliarden Dollar, der Wert der besetzten Ostgebiete auf 26 Milliarden und der Vermögensverlust der Ausgewiesenen auf 16,2 Milliarden berechnet werden.

Neue Front am Kum

-s. Der turbulente Bewegungskrieg in Korea ist seit zwei Tagen ins Stocken gekommen. Die Nordkoreaner können nicht mehr wie zu Anfang des Ueberfalles große Gebiete im Blitztempo erobern. Sie sind gezwungen, im Augenblick nur tastend vorzurücken, da sie nicht wissen, wie stark die frisch eingetroffenen amerikanischen Kräfte sind. Es hat den Anschein, daß die Amerikaner am Kum-Fluß die Front stabilisieren wollen. Denn alle amerikanischen Operationen zielen auf ein Abfangen der nordkoreanischen Vorstöße an diesem Fluß ab. Mit einer dreiundzwanzigfachen Uebermacht des Gegners rechnet man zur Zeit im amerikanischen Hauptquartier. Die Amerikaner haben deshalb mit der Heranführung ihrer Verstärkungen keine Zeit mehr zu verlieren. Denn bei einem Durchbruch der Nordkoreaner mit starken Kräften würde der südliche Teil Koreas nicht mehr zu halten sein. Die Nordkoreaner haben die Bemühungen der Amerikaner, die Front am Kum zu halten, schnell erkannt. Sie wenden deshalb eine Einsickerungstaktik an und versuchen Teile ihrer Truppen in Zivilkleidern oder in südkoreanischen Uniformen in den Rücken der Amerikaner zu bringen. Den Amerikanern gelang es, starke Kontingente dieser Eindringlinge abzufangen.

Inzwischen gehen die amerikanischen Luftangriffe mit voller Kraft weiter. Die Nordkoreaner spüren, daß die amerikanische Luftwaffe erheblich verstärkt worden ist. Pausenlos fliegen amerikanische Staffeln über die wichtigsten Ziele Nordkoreas. Bomben schwersten Kalibers verursachten gewaltige Zerstörungen. Die Nordkoreaner müssen zugeben, daß die fliegenden Festungen ihnen empfindliche Verluste beibringen. Auf den Einsatz der amerikanischen Luftwaffe ist in erster Linie die Verlangsamung des nordkoreanischen Vormarsches zurückzuführen. Sowjetische und nordkoreanische Flugzeuge sind in den letzten Tagen über dem Kampffeld kaum noch gesehen worden. Die Luftlage ähnelt sehr der Lage, wie wir sie aus den letzten Tagen des Krieges kpnnpn

Der Maun auf der Strake Guropas

Von Erich Dombrowski

An dem Tage, da die kommunistischen Heerscharen in Südkorea einbrachen, machte ich mich im Auto auf, die Atmosphäre in einem kleinen Querschnitt durch Europa aufzufangen. Von Frankfurt ging es über Karlsruhe, Baden-Baden, Freiburg bis zur Schweizer Grenze. Alle, die man unterwegs, anhaltend, fragte, zuckten bloß die Achseln. Was man zu dem koreanischen Konflikt sagen soll? Nichts. Hoffentlich bleibt er lokalisiert. Immerhin kann es nicht der Fall sein. Aus unserer Erfahrung wissen wir, daß die Monate Juni und Juli es in sich haben. Kriegsträchtig Niederträchtig. Aber es ist nun einmal so. Auch jetzt. Was man tun soll? Gar nichts. Man soll seiner Arbeit nachgehen. Die Dinge kommen, wie sie kommen. Einen Einfluß darauf haben wir heute nicht mehr. Wollen ihn auch nicht haben. Wir wollen in Ruhe gelassen sein. Die Besatzungsmächte haben sich für unsere Sicherheit verpflichtet. Wir erwarten, daß sie zu ihrem Wort stehen werden, daß aber zwischen Wort und Tat eine nicht zu lange Pause eintreten wird, in der die Russen uns zunächst einmal niedertrampeln könnten. Was wir von den Moskauern zu erwarten hätten, das haben uns, in immer neuen Variationen, unsere Landsleute aus der Ostzone, die zahllosen Flüchtlinge, Heimkehrer und Kriegsgefangene blutenden Herzens erzählt. Wir haben das alles unmittelbar, Wunden über Wunden, am eigenen Volkskörper gespürt. Das äußert sich, politisch, am unaufhaltsamen Abrutsch der Kommunistischen Partei. Das zeigt sich, wenn auch zahlenmäßig weniger offenkundig, an dem Mißerfolg, den die verschiedenen getarnten Organisationen der kommunistischen Internationale, bald als Nationale Front, bald als harmlose Gesellschaften zum Studium der russischen Wirtschaft, des russischen Theaters und so fort in fast endloser Folge, nach anfänglichen geistigen Ueberrumpelungen Ahnungsloser gehabt haben. Die Grenzen sind heute jedenfalls abgesteckt. Politisch und erkenntniskritisch. Das erzählt einem, in fast immer gleichen Worten, der Mann und die Frau, mit der man in Stadt oder Land ins Gespräch kommt. Nirgends ist Aufgeregtheit zu spüren. Höchstens einiges Unbehagen einer Situation gegenüber, die man nicht überblicken kann. Es ist das etwas unsichere Gefühl vor einem heraufziehenden Gewitter. Das Gefühl eines etwas abgestumpften Gleichmuts gegenüber dem fernhin rollenden Toben der Elemente.

An der Schweizer Grenze. Auch da geht alles seinen Gang, ruhig und gleichmäßig, als ob nichts Bedeutsames in der Welt geschähe. Die Bürokratie arbeitet, auf beiden Seiten der Grenze, höflich, freundlich, aber akkurat für die Akten. Stempel werden aufs Papier gedrückt. Unterschriften werden geleistet. Stichproben im Gepäck werden gemacht. Ohne allzulangen Aufenthalt rollt der Wagen dann auf diese Insel der Neutralität, die seit den Feldzügen Napoleons des Ersten keinen Feind mehr im Lande gesehen hat. Selbst damals, vor hundertfünfzig Jahren, zog der große Korse nur durch, ohne dem Lande Unheil anzurichten. Alles strahlt eine satte Behäbigkeit aus. Jeder hat hier sozusagen sein Häuschen und Gärtchen. Jeder läßt sich Zeit. Jeder ist fleißig. Aber mit Maß. Jeder hat seine Ruhe. Selbst in den Großstädten, in Basel, Zürich, Luzern oder sonstwo, lebt man, man möchte sagen genießerisch, im Rhythmus des „wohltemperierten Klaviers“. Dennoch ist in der Schweiz ein Unterton verspürbär. Eine leichte Unsicherheit. Wohl, weil sich so ziemlich die ganze Welt hier als Kurgast oder Sommerfrischler findet, hört man hier mehr als anderswo, und das

Erdbeben im Fernen Osten wird hier stimmungsmäßig deutlicher vernehmbar als in Deutschland, Wenn man dann mit seinem Wagen an die riesige Gebirgsmauer kommt, die den Norden und Süden Europas scheidet, wenn man den Gotthard oder den Maloja-Paß überquert, stößt man überall auf größere Gruppen von Soldaten und ganze Truppenverbände. Ueberrascht fragt man, was das zu bedeuten habe. An sich nichts besonderes, wird einem geantwortet. Denn das sind die fälligen dreiwöchigen Manöver des Jahres, und als Hauptbefestigung dienen Stacheldrahtverhaue und steinerne Sperren nach dem Muster des ehemaligen deutschen Westwalls, Signalstationen und in die Berge eingesprengte Fortifikationen. Alle Augenblicke stößt man auf Verbotstafeln für Fußgänger und Fahrzeuge. Aber im Grunde genommen wird der Verkehr dadurch nicht behindert, und alles geschieht ruhig und gemächlich. Kein aufdringlicher Drill. Kein Korporalston. Es ist der Ausschnitt eines Volkes in Waffen, das seine traditionelle Neutralität auch jetzt unter allen Umständen wahren will. Die Manöver fallen zufällig mit dem unterirdischen Grollen des Kampfes zwischen Ost und West zusammen. Auch wenn man verstandesmäßig diese Truppenansammlungen nur als das wertet, was sie sind: ein alljährlich wiederkehrendes Spiel, wirken sie doch in dieser Stunde wie ein unheimlicher Spuk. Da die eigentliche Sommersaison in der Schweiz noch nicht begonnen hat, ist der Zustrom der Fremden zur Zeit noch nicht allzu groß. Die Hotels, die Gasthäuser und die Pensionen sind auf einen leichten Moll-Ton gestimmt. Ueberall kann 'man verhältnismäßig leicht Unterkunft finden. Weniger leicht allerdings in den großen Städten, vor allem in Zürich und Basel. Die Amerikaner sind nicht mehr so zahlreich wie in den letzten Jahren. Die Engländer kommen, infolge ihrer Devisen-Beschränkungen, auch nicht gerade massenweise und müssen sich in der Zeit ihres Aufenthaltes und in der Verwendung ihrer Geldmittel Beschränkungen auferlegen. Die Deutschen werden überall begrüßt, wenn sie auch, infolge der bekannten Reise-Erschwernisse, nur in homöopathischen Dosen auftreten. Die Preise sind durchweg etwas höher als in Deutschland. Aber das teuerste Land Europas zu sein, haben sie einer anderen Nation überlassen.

Das ist 11 ali e n. Gleich an der Grenze fängt es an. Und von da wird man dann, sozusagen in ununterbrochener Folge, von einer Menükarte und von einer Hotelrechnung zur andern in mathematischer Progression, mit dem freundlichsten Lächeln der Welt, weitergereicht. Alles ist wieder in Italien, wie ehedem, eitel Sonnenschein und Heiterkeit. Man sieht es an allen Edeen und Enden: Italien hat den Frieden gewonnen und zieht nun die Reparationen von den Friedensverlierern ein, ohne Unterschied von Rasse. Nation und Konfession. Die Amerikaner, Engländer, Franzosen, Schweizer haben die gleichen Preise wie die Deutschen zu bezahlen. Hoch, höher, am höchsten. Wenn man die Gastwirte fragt, wer denn ihre liebsten Gäste seien, so antworten sie, unisono, die Italiener. Die murren und klagen nicht. Sie bezahlen. Sie verdienen auch danach. Wenigstens die Schicht, die sich das Reisen und den Aufenthalt in den Hotels leisten kann. Die vielen anderen Millionen zählen für den Fremdenverkehr nicht. Die Engländer, die Franzosen, die Deutschen, selbst die Amerikaner ziehen die Augenbrauen hoch, wenn ihnen die Rechnung präsentiert wird. Erheben wohl auch Einwendungen. Aber diese Einsprüche bleiben schließlich nur moralischer oder platonischer Art. Der Italiener versteht es nicht nur, in die Fülle seiner überquellenden Natur greifend, die Gerichte, die er seinen Gästen vorsetzt, äußerst schmackhaft zu machen, sondern auch die Rechnungen mit dem unwiderstehlichen Scharm seiner klingenden und singenden Sprache höchst appetitlich zu garnieren. Wenn man nach Mailand, wenn man nach Genua kommt, wenn man selbst die dazwischenliegenden mittleren und kleineren Städte sieht, verspürt man überall einen sprudelnden Lebenswillen. Gebaut wird wie kaum irgendwo sonst. Hochhäuser schnellen, zehn, elf, vierzehn Etagen hoch, aus der Erde, alles blink und blank, Straßen werden gebaut, musterhaft sauber, kurz, überall regt es sich in den kribbelnden Massen — eben wie nach einem gewonnenen Frieden. Wenn man aber dann einen fragt, was denken Sie nun über das, was sich da hinten, am Rande des Stillen Ozeans, abspielt? Lächeln. Uninteressiertheit. Vielleicht sogar Fatalismus. Das Tempo des Lebens läßt ihm keine Zeit, darüber viel nachzudenken. Man lebt nicht, man wird gelebt. Man lebt in das flutende Leben hinein. Und doch: eins war, als unverkennbares Symptom, charakteristisch. Vor Wochen noch war die Deutsche Mark überaus begehrt. Man zahlte für sie einen sehr anständigen Kurs. Natürlich im Zeichen des Heiligen Jahres. Auch ich wollte, aus reiner Neugier, einen Versuch machen, fiel aber glänzend dabei rein. Der Hotelportier drehte und wandte sich, stammelte schließlich: „Ich finde hier keinen Abnehmer. Bitte, geben Sie mir lieber Dollars oder, wenn es sein muß, Schweizer Franken.“ Daraufhin zur Bank, die draußen im großen Schaufenster eine Tafel mit der Inschrift aufgestellt hatte: Hier werden alle Geldsorten umgewechselt. Hier werden Reiseschecks angenommen. Der Kassierer nahm den deutschen Zwanzigmarkschein, besah ihn vorne, besah ihn hinten, verschwand mit ihm im Direktionsbüro und kehrte dann, etwas bedrückt, zurück. Den Schein mir wieder aushändigend, sagte er: „Es tut mir außerordentlich leid. Aber wir haben noch keine Anweisung erhalten. Der Kurs ist zu unsicher. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich glaube auch nicht, daß Sie irgendwo anders deutsches Geld eingewechselt bekommen werden.“ Die Italiener sind bekanntlich die Erfinder des modernen Geldwesens. Insbesondere die Lombarden. Im Geldnehmen waren sie stets gemütlich. Im Geldgeben bröckelte diese Gemütlichkeit meist ab. In diesen Abbröckelungsprozeß war ich, in der Ungewißheit über die Auswirkungen des Kriegsgetümmels im Osten, unversehens hineingeraten. Aber der Himmel Italiens ist so dunkelblau, die Natur so tief grün, die Sonne so blendend weiß und der Mensch so heiter und zuvorkommend, daß man in diesem gottgesegneten Lande alle kleinen Unstimmigkeiten über der harmonischen Schönheit des Ganzen vergißt.

Der Block gegen Bonn

Wr. - Der Vizekanzler Franz Blücher, über die Wahlen in Schleswig-Holstein befragt, soll erklärt haben, daß deren Ergebnisse „ungewöhnlich ernst“ seien. Von anderen Mitgliedern der Bundesregierung liegen zur Stunde noch keine Aeußerungen vor, aber sie werden kaum anders lauten können. Denn es handelt sich tatsächlich um einen ernsten und ernst zu nehmenden Sachverhalt. Daß eine Partei, die vorher nicht vorhanden war, auf den ersten Anhieb über dreihunderttausend Stimmen auf -sich vereinigt, fünfzehn Landtagssitze erobert, zweitstärkste Partei des Landes wird, bei der Regierungsbildung also nicht übergangen werden kann und demzufolge in die Regierung einziehen wird —, das hat es in der Geschichte des deutschen Parteiwesens schon lange nicht mehr und in dieser Form noch nie gegeben.

Die Partei, die das von sich sagen kann, nennt sich „Block der Heimatvertriebenen- und Entrechteten“ (BHE) und ist die erste deutsche Flüchtlingspartei, die zu politischer und parlamentarischer Bedeutung gelangt ist.

Das Vorhandensein dieser Partei und ihr Erfolg sind ein unzweideutiger und unmißverständlicher Protest gegen Bonn, und zwar in gleicher Weise gegen die Bundesregierung wie gegen die Regierungsparteien, deren bisheriges Wirken von den Flüchtlingen und Vertriebenen, soweit sie und die Fürsorge für sie in Betracht kommen, als unzureichend aufgefaßt wird.

Der Wahlerfolg dieser Partei beweist, weithin sichtbar, daß der Groll über Bonn in den Kreisen der Beteiligten stark sein muß. Ob und in welchem Maße er berechtigt ist, kommt für die politische Bewertung des Vorganges erst in zweiter Linie in Betracht, — entscheidend ist, daß er vorhanden ist und daß mit seinem Vorhandensein gerechnet werden muß, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern überall im Bundesgebiet.

Ebenso verhält es sich mit der Frage, ob die materiellen Nöte und Bedrängnisse der Flüchtlinge und Vertriebenen durch die Eroberung eines gewissen Anteils an der politischen Macht wirksam genug geändert und gebessert werden können. Auch diese Frage kommt erst in zweiter Linie.

Im Vordergrund aller politischen Betrachtungen hat die Tatsache zu stehen, daß zunächst die meisten politischen Parteien in der Bundesrepublik mit Strukturänderungen zu rechnen haben: Nach dem Erfolg vom 9. Juli wird der Block von Schleswig-Holstein sich beauftragt und angespornt fühlen, seine Bewegung auf alle übrigen Länder auszudehnen, und es wird ihm, wie auch die alten Parteien dazu stehen mögen, ohne besondere Schwierigkeiten möglich sein. Man mag diese Entwicklung bedauern oder nicht: einstweilen und bis auf weiteres ist nirgendwo am politischen Horizont ein Gegenmittel hiergegen erkennbar, und selbst wenn ein Neunmalgescheiter eine Patentlösung erfände, wäre es nicht ratsam, von ihr Gebrauch zu machen.

Die Atombombe als Warnung

Zeigt Rußland eine gewisse Verhandlungsbereitschaft?

op. Die erste schwerwiegende Warnung ist auf indirektem Wege in diesen Tagen an die Adresse Moskaus und Nordkoreas abgesandt worden. Es ist die Warnung der Atombombe. Sie wurde allerdings noch nicht offen von einer offiziellen Stelle ausgesprochen. Aber die Empfehlung, die das internationale Komitee für das Studium europäischer Fragen in einer Denkschrift niedergelegt hat, spricht kurz und lakonisch eine so deutliche Sprache, daß es kaum noch eines offiziellen Warnungsaktes bedarf. Dort heißt es nämlich, daß nach einer entsprechenden Vorwarnung die Atombombe anzuwenden sei, wenn auf anderem Wege dem nordkoreanischen Angriff kein Ende gesetzt werden könne. Zugleich aber empfiehlt das Komitee, diese schwerste aller Abwehrwaffen gegen jeden anderen Angriff in Anwendung zu bringen, um mutwilligen Friedensstörern zu zeigen, daß die Welt einen dritten Weltkrieg unter allen Umständen verhüten will. Auf dem Papier also ist die erste Atombombe bereits gefallen —, zum Glück nur auf dem Papier und in der Form einer Warnung.

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In Ostasien wird eine solche Warnung sicherlich eine ganz andere Wirkung auslösen als sonst irgendwo auf der We'lt. Denn Ostasien hat die Furchtbarkeit dieser Waffe am Ende des vergangenen Krieges mit allen Folgen und Schrecken kennengelernt. Die Völker dieses Erdstreifens leben heute noch unter dem Eindruck des Erdbebens von Hiroshima und Nagasaki. War es Zufall oder Absicht, daß die Bürgermeister dieser beiden Städte, die zur Zeit in Deutschland weilen, nach Jahren des Schweigens zum ersten Male die wirklichen Zahlen der Zerstörung und des großen Sterbens der Oeffentlichkeit bekanntgaben? Zahlen, die auch den Nordkoreanern und den Russen zu denken geben müssen, Zahlen, die Tag für Tag steigen, da das Sterben in der Nachwirkung der geheimnisvollen Strahlungen des Urans weitergeht, Zahlen, die sich bei den Fortschritten der Atomforschung in möglichen Fällen der Zukunft noch erhöhen werden. Die Warnung ist auf dem Umwege einer Empfehlung bereits ausgesprochen und damit der feste Wille der Amerikaner zum Ausdruck gebracht, in Korea bereits die Brandspuren, die zu einer Großkatastrophe führen könnten, im Keime zu ersticken.

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Unmittelbar nach dem Bekanntwerden dieser schwerwiegenden Empfehlung des internationalen Komitees kommen aus Moskau Nachrichten, die etwas anders klingen als die aggressiven und aufputschenden Worte beim Beginn des Korea-Konfliktes. Nach diesen Nachrichten soll in Moskau eine gewisse Bereitschaft zur Beilegung des Korea-Konfliktes bestehen. Der Kreml warte nur, so heißt es in den Informationen aus Moskau, auf eine günstige Gelegenheit, die feindlichen Parteien an den Verhandlungstisch bringen zu können, ohne daß dabei das russische Prestige Schaden leide. Der Wandel in der russischen Haltung könnte auch auf die Einsicht führender militärischer Persönlichkeiten zurückzuführen sein, die sich sehr wohl darüber im klaren sein müssen, daß auf die Dauer das Unternehmen Korea gegen die Amerikaner nicht durchgehalten werden kann und zu einer Niederlage führen muß, wenn Amerika seine Stoßkraft in Korea verstärkt. Vielleicht sind die russischen Militärs der gleichen Ansicht wie die Bürgermeister von Nagasaki und Hiroshima, die erklären, daß Amerika es nicht nötig habe, viele seiner Soldaten zu opfern, wenn es im Besitz der Atombombe sei.

Moskaus Situation ist angesichts der bereits ergangenen Empfehlung, im Notfälle von der Atombombe Gebrauch zu machen, keineswegs einfach. Denn es kann den Prestigeverlust eines verlorenen Korea-Krieges nicht riskieren. Der Kreml würde ihn in Kauf nehmen, wenn er nicht schwere Rückwirkungen auf seine Ostaisien-Politik auslösen und dem Kommunismus im Osten nicht einen unter Umständen tödlichen Schlag versetzen würde. Dieses Risiko ist für die Russen zweifellos zu groß. Und da sie eigentlich nie viel riskiert haben, sind sie daran interessiert, den Konflikt ohne Einbuße ihres Ansehens beizulegen.

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Wer aber soll den Russen in ihren Bemühungen, zu Verhandlungen zu kommen, behilflich sein? Zweifellos sähen sie es gerne, wenn aus den Reihen der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) ein Mitglied aufstünde und das Friedensgespräch in Gang brächte. Der Angriff Korea war aber so blindwütig und herausfordernd erfolgt, daß kein UNO-Mitglied in der Lage ist, dem Friedensstörer die Hand zu reichen, zumal da der Beschluß des Sicherheitsrates, nach dem die Angreifer über den 38. Breitengrad zurückgedrängt werden sollen, bindende Kraft besitzt. Es hat nun den Anschein, daß Moskau glaubt, in England einen Partner Anden zu können, der zur Vermittlung bereit ist. Englands Haltung im Korea-Konflikt mag den Russen den Weg zum britischen Botschafter in Moskau etwas erleichtert haben. Mit Interesse konnten die Russen feststellen, daß England sein Engagement genau abgegrenzt hat. Es hat zwar seine Fernost-Flotte Mac Arthur zur Verfügung gestellt, ihren Einsatz aber nur auf Operationen bei Korea beschränkt und sich vom Patrouillendienst zwischen Formosa und dem chinesischen Festland zurückgezogen. Ob bei dieser Beschränkung Rücksichten auf Hongkong mitgesprochen haben? Für die Amerikaner mußte es weiterhin überraschen, daß England keine Landtruppen und Flugzeuge einsetzen will, und daß ihrem Wunsch, die Oelverschiffung nach Rotchina einzustellen, englischerseits nicht nachgekommen wird. Da England also noch nicht so voll engagiert ist wie Amerika, glaubt Moskau, von London „gute Dienste“ erbitten zu können.

Was sich im Augenblick hinter den Kulissen der Moskauer Diplomatie abspielt, läßt sich kurz dahin zusammenfassen, daß man, wie im Falle des Angriffes so auch jetzt beim Versuch des Absetzens, Tastversuche des Kremls zu sehen hat. Moskau tastet nicht nur den Krieg, sondern auch den Frieden ab. Dieses Tasten ist keineswegs neu. Es wurde bereits im Jahre 1939 in den Verhandlungen mit Hitler geübt, die in der ersten Runde zu einer Ueberrumpelung der Alliierten und in der zweiten zu einem bösen Erwachen der Russen führten, das sie erst dann mit dem Siege wieder begleichen konnten, nachdem ihr Land zerstört war. Die Geschichte hat der Menschheit zu keiner Zeit besser die Lehre geben können, daß e? sich nicht lohnt, mit dem Feuer zu spielen, als im gegenwärtigen und eben vergangenen weltpolitischen Geschehen.

Brüning steht Gefahren

Eine Rede in der Kölner Universität

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Fö. Köln, 11. Juli. Reichskanzler a. D. Dr. Brüning hat erklärt, er sehe in der politischen Entwicklung Deutschlands zum Doktrinären heute bereits wieder große Gefahren. „Ich sehe keine andere Rettung als die möglichst frühe aktive Beteiligung der Kriegsteilnehmergeneration in der Politik.“ Schon nach dem ersten Weltkriege habe man es nicht verstanden, die Kriegsteilnehmer zu gewinnen, die sich dann nirgendwo anders wohl gefühlt hätten als bei den Nationalsozialisten, wo sie schnell wiederzuflnden geglaubt hätten, was sie nach den ethischen Erlebnissen des Krieges geschätzt hätten. Daß diese Generation auf solche Weise irregeführt worden ‘sei, sei größtenteils die Schuld aller anderen Parteien gewesen.

Wo aber im alten Reichstag Kriegsteilnehmer aufgenommen worden seien, hätten diese vor allem in den Kommissionen ein Vertrauen zueinander gefunden, das über die Erwartungen der verschiedenen Parteien hinausgegangen sei. Wenn die Jugend heute das Ethos habe, den Staat zu bilden, nicht ihn zu beherrschen, um dadurch das Vaterland aus seinem Elend hinauszuführen, und wenn sie sich ausreichend theoretisch schule, um dann legal und in der Politik praktisch zu arbeiten, dann glaube er sagen zu dürfen: „Ich heiße euch hoffen.“

Brüning kritisierte die Verfassungsgesetzgebung, die seit der Revolution von 1789, wo man mit aller Rechtstradition gebrochen habe, üblich geworden sei. Seitdem sei man mit jeder Verfassung gegen alte Irrtümer angegangen, ohne neue Irrtümer zu vermeiden. Von all den gefeierten Verfassungen gebe es noch den Text, aber man könne nicht sagen, daß das politische Handeln noch der Gedankenwelt entspreche, aus der die Verfassungen gemacht worden seien. Von der Weimarer Verfassung habe sich bewährt, was aus der alten Reichsverfassung übernommen worden sei und außerdem der Artikel 48, ohne den Deutschland weder das Jahr 1923 noch den Anfang der dreißiger Jahre als Volk und Staat überlebt hätte. Wenn man allerdings im Ausland immer wieder sage, die Deutschen hätten keine Veranlagung zu einem geordneten Verfassungsleben, so halte er dem gegenüber, daß alle solche Vorwürfe größtenteils auf die schroffe ablehnende Haltung der ausgewanderten Deutschen nach der 48er-Revolution und später zurückzuführen sei.

Die besten Verteidiger der deutschen Rechts- und Verfassungstradition im Auslande seien diejenigen deutschen Juden gewesen, die Hitler in die Verbannung getrieben habe. Die größten Fehler, die man in Deutschland gemacht habe, seien das Unvermögen, die Würde des parlamentarischen Lebens zu wahren und die Unantastbarkeit der Richter zu schützen, beides Handlungen, die in den angelsächsischen Ländern selbstverständlich seien.

Nordkoreaner weiter im Vormarsch

Panzer beherrschen das Schlachtfeld

Taidschon, 11. Juli. (AP/BBCMpa) Bereits in den frühen Morgenstunden des Dienstag haben die Nordkoreaner die amerikanischen Infanteriestützpunkte an der ganzen Front angegriffen und aus ihren Stellungen geworfen. Um 3 Uhr früh begann der Vormarsch der kommunistischen Panzer- und Fahrzeugkolonnen in südlicher Richtung, der bisher nicht aufgehalten werden konnte.

Die amerikanische Führung hat ihre Truppen, die gegen einen zahlenmäßig mehr als zwanzigfach überlegenen Feind kämpfen und von deren wenigen Panzern alle, bis auf zwei abgeschossen sein sollen, auf die Kum-Stellung zurückgenommen. Die amerikanische Verteidigung lehnt sich an das Naturhindernis des Flusses an, der in einem Bogen etwa 12 Kilometer von Taidschon entfernt die provisorische Hauptstadt Südkoreas umzieht. Taidschon ist gleichzeitig der Sitz zahlreicher Versorgungsstäbe und der Endpunkt der Eisenbahnlinie, die aus dem amerikanischen Ausladehafen Pusan nach Miitelkorea führt.

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Das günstige Wetter des Vortages hatte einen Großeinsatz der amerikanischen Luftstreitkräfte ermöglicht, die in zahlreichen Angriffen den feindlichen Truppenmassierungen zwar schwere Schläge versetzten, aber nicht so nachhaltige Wirkung hervorriefen, daß der Feind zum Einstellen seiner Offensive gezwungen werden konnte. Ununterbrochen waren auf der Rollbahn, die nach Schonan führt, nordkoreanische Truppen in die Bereitstellungsräume vorgerollt. Die amerikanischen Flieger konnten zwar die Vernichtung von mehr als 60 Panzern und Hunderten von Fahrzeugen melden, stellten jedoch fest, daß der Feind das vernichtete Gerät kurzerhand in die Reisfelder schob und den Vormarsch nach den Angriffen immer wieder aufnahm.

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Heftige Kämpfe haben sich vor allem in den kleineren befestigten Städten südlich Schonan abgespielt. Die Ortschaften wechselten mehrfach den Besitzer, blieben aber zuletzt immer in der Hand der Nordkoreaner. In Schonan kam es zu einer Panik in den Reihen der amerikanischen Infanteristen. Beim Einbruch der nordkoreanischen Panzer warfen die zum Teil unerfahrenen jungen amerikanischen Soldaten ihre Waffen weg, stürzten sich auf die Jeeps und fuhren nach Süden. Diese Bewegung leitete einen panischen Rückzug ein. Artilleriestellungen wurden, ohne einen Schuß abgegeben zu haben, aufgegeben und die Flucht erst aufgehalten, als ein Stabsoffizier weit außerhalb der Stadt die Flüchtenden auffangen konnte. Unter Verlusten gelang es den Amerikanern, wieder die Stadt zu nehmen, ohne sie jedoch halten zu können.

Die Nordkoreaner sind bei ihrer Taktik geblieben, in Panzerrudeln * die feindliche Stellung zu durchstoßen, die amerikanische Infanterie von ihren Rückzugsbasen abzuschneiden und dann die aufgesessenen nordkoreanischen Fußtruppen in den Kampf zu werfen. Die Nordkoreaner beherrschen außerdem die russische Methode des Einsickerns vorbildlich. Fast immer sind sie, ohne von der amerikanischen Infanterie erkannt zu werden, unauffällig in die Schlüsselstellung eingedrungen, um dann mit heftigen Feuerüberfällen zum Nahangriff überzugehen.

Die Nordkoreaner tragen weiße Uniformen und zeigen einen wilden Angriffsschwung. In vielen Fällen haben sie aber während der Gefechte die Uniformen abgelegt und sich als Reisbauern verkleidet in die amerikanischen Verbände gemischt, die sie dann plötzlich aus nächster Nähe anfallen.

Das nordkoreanische Kommunique kündigte am Dienstag bereits den bevorstehenden Fall der Stadt Taidschon an. Die Nordkoreaner gaben die starken amerikanischen Luftangriffe zu, betonten aber, daß diese in keinem Fall die Gesamtoperation hätten aufhalten können.

Es ist zweifelhaft, ob die Amerikaner Taidschon halten können. Die Straßen, auf denen der Nachschub heranrollt, sind durch die Regenfälle aufgeweicht. Zahlreiche amerikanische Lastwagen und Jeeps sind in den sumpfigen und ausgefahrenen Straßen steckengeblieben. Die Nachrichtenübermittlung ist äußerst schwierig. Die einzige direkte Telefonleitung von Taidschon nach Tokio ist am Tage öfters für Stunden unterbrochen. Die Eisenbahn ist veraltet und nicht besonders leistungsfähig.

Königstiger?

Die Amerikaner glauben, daß der Feind 15 Divisionen im Einsatz hat und nun auch mit 60-Tonnen-Panzern ausgerüstet ist. Nach unbestätigten Meldungen wollen Korrespondenten einen Panzertyp erkannt haben, der dem deutschen Königstiger ähnelt und mit einer 8,8 bestückt sein soll. Die feindliche Aktivität im östlichen Kampfraum ist ebenso stark wie am mittleren Frontabschnitt. Der Feind fährt nachts mit offenen Lichtern in südlicher Richtung auf den Küstenstraßen, die nach dem Hafen Pusan zu führen, und läßt sich auch nicht durch den heftigen Beschuß der alliierten Kriegsschiffe stören.

Die südkoreanische Armee besteht nicht mehr. Einzelne Regimenter und angeschlagene Divisionen beteiligen sich zwar, oft sogar mit starkem Erfolg an den Kämpfen, ohne jedoch entscheidend ins Gewicht zu fallen. Den südkoreanischen Soldaten sitzt der Panzerschreck ständig im Nacken, der ihre Kampfmoral unterhöhlt hat. Nach Korrespondentenberichten fliehen sie vor den feindlichen Panzerrudeln wie einst die Gegner Hannibals vor dessen Elefanten.

Die Amerikaner hoffen, innerhalb der nächsten Tage ihre ersten Feldflughäfen in Südkorea ausgebaut zu haben. Die Nordkoreaner setzen fast keine Flugzeuge mehr ein, haben aber zum erstenmal Düsenjäger russischer Bauart an den Fronten gezeigt.

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Washington, 11. Juli. (AP) General Bradley, der Vorsitzende der vereinigten amerikani^ sehen Generalstäbe, hat dem Wehrausschuß des Senats auf einer zweistündigen Geheimsitzung mitgeteilt, daß sich die Truppen anderer Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen den amerikanischen Streitkräften in Korea anschließen würden (Eingehende Berichte über die Kampfhandlungen finden unsere Leser auf den Seiten 2 und 3.)

In rumänischen Lagern befinden sich nach Angaben eines zurückgekehrten ehemaligen Kriegsgefangenen immer noch mehrere Tausend deutscher Männer unter russischer Kontrolle.

Stimmen der Anderen

Unfug

Das „Journal de Geneve“ schreibt:

„Die Alliierten verhalten sich zu den Sicherheitswünschen der Bundesrepublik noch unentschlossen. Die Alliierten sind der Ansicht, daß die Russen noch nicht ausreichend initiativ geworden seien. Wenn die Russen auch ihre Besatzungszone mit einer Volkspolizeiarmee ausgestattet haben, so ist das für die Alliierten offenbar noch kein Grund, Bonn eine genügend starke bewaffnete Bundespolizei zuzugestehen. Der Bundeskanzler läßt sich aber damit nicht abspeisen und verlangt weiterhin auch mit Nachdruck ein Sicherheitsversprechen der Westmächte.

Man muß dem Bundeskanzler recht geben und den Alliierten unrecht, zumal wenn man hört, daß sie sich einer richtigen Schutzpolizei mit der Behauptung widersetzen, diese könnte zu einem „ Rahmen-Heer“ werden. Man muß zwischen zwei Dingen wählen: Entweder macht man ans der Bundesrepublik einen gleichberechtigten Partner, wobei es widersinnig und paradox wäre, diesem Partner gegenüber eine diskriminierende Politik zu verfolgen, oder man verzichtet auf den Einbau dieser Republik in die westliche Völkerfamilie. Dann allerdings kann man das Besatzungsstatut aufrechterhalten, das alliierte Sicherheitsamt, das Ruhrstatut und den ganzen anderen Unfug, der doch nichts anderes darstellt als eine Versorgungspfründe. Man kann aber nicht den Deutschen versichern, man sei gut Freund mit ihnen und ihnen gleichzeitig den Sonntagsspaziergang verbieten.“

Umlernen

In der „Philadelphia Gazette Democrat“ schreibt Professor Hans von Hentig, Kansas City, früher Universität Bonn:

„Die von Präsident Truman verkündete Entscheidung, die Linie Tokio-Singapore ohne weiteren Rückzug zu halten, dreht das Schwergewicht der amerikanischen Weltpolitik von Europa zum Fernen Osten. Die Folgen werden tief in die Innenpolitik und das Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten einschneiden.

Mit einem Schlag wird das militärische Prograxnm bedingen, daß eine neue Asienpolitik formuliert wird. Sie muß viel elastischer und toleranter sein als die bisherige Haltung. Sie muß versuchen, die Ideale der asiatischen Völker zu verwirklichen, nicht unsere eigenen, vielfach engen Ideen westlicher .Ueberlegenheit'. Wir müssen andere Rassen zu unseren Freunden machen, ohne ihr Eigenleben, das das Ergebnis langer Zeiträume der Anpassung ist, umkrempeln zu wollen. Regierungsreformen und soziale Verhältnisse dürfen nicht der Gegenstand blinden, doktrinären Bildersturmes sein. Es darf nur auf eines ankommen: daß wir die Völker, die Wir .schützen' wollen gewinnen, innerlich .besetzen*, nicht nur mit Tanks und Kanonen okkupieren.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß d'.e letzten fünf Jahre der ungestörten Allmacht über besiegte Völker in Europa und Asien uns nicht für diese schwere Aufgabe vorbereitet haben. Wir vermaßen uns, Völker einer alten Kultur nach unserem Ebenbild .umerziehen“ zu wollen. Wir erfüllten die eigenen Ideale von Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie nur halb. Wir müssen den eigenen schlimmen Fehlschlag zugeben, wenn wir erklären, daß wir heute Japan und Deutschland nicht räumen können, weil wir diese großen Völker innerlich und äußerlich so geschwächt haben, daß sie einer von außen gestützten revolutionären Bewegung zum Opfer fallen würden. Wir haben ’n langen fünf Jahren durch eine unduldsame, unkluge und kurzsichtige Besatzungspolitik uns an dem weltpolitischen Interesse der Vereinigten Staaten versündigt.

Man stelle sich eine leider imaginäre Situation vor: Japan besiegt und unfähig, Eroberungsträumen nachzugehen, aber politisch geschlossen, industriell aktiv, von nationalem Verteidigungswillen beseelt, sozial unerschüttert und unser Freund, wie viel solider und unbedrohter wäre unsere Front im Osten, wo wir jetzt die verlorenen chinesischen Menschenmassen durch unsere Regimenter ersetzen müssen. Das schlimmste Defizit ist immer, wenn Starke andere Starke bewachen und in Ohnmacht halten müssen, anstatt in vereinter Kraft jedem Feinde die Stirne zu bieten. Verschwenderischer kann eine politische Methode nicht sein.“

An Berlin

Zur Reaktion Deutschlands auf den Korea-Konflikt schreibt die „N e u e Z ü rcher Zeitung“:

„Die Bevölkerung der Bowjetzone reagiert mit unmißverständlicher Apathie auf di« angebliche Friedenspolitik des Kreml, der sich bemüht, die Westmächte als Kriegsbrandstifter hinzustellen. Auch die Gefahr die im koreanischen Konflikt für den Weltfrieden erblickt werden kann, schreckt die ostdeutsche Bevölkerung nicht. Die große Mehrheit ist dagegen abgestumpft, und d'c Berliner auf beiden Seiten des Potsdamei Platzes glauben nicht daran. Die schnelle energische Reaktion Washingtons hat au' die ständig von der Aggression bedrohter Berliner einen ermutigenden Eindruck ge macht. Hätten die Amerikaner anders gehandelt, so würde d.e Moral der Berliner zweifellos erschüttert worden sein, da sic von Anfang an in dem koreanischen Konflik. die Parallele zu ihrer eigenen Lage sehen mußten."

Moskau an Trygve Lie

London, 11. Juli. (AP) Der Sender Mos kau hat eine Note der sowjetischen Regie rung verbreitet in der es heißt, der De Schluß des Sicherheitsrates vom 7. Jul alle Streitkräfte der Vereinten Natione in Korea dem amerikanischen Oberbefe? zu unterstellen, sei rechtswidrig und be deute eine direkte Unterstützung der bewaffneten Aggression gegen das korean sehe Volk.

Verbilligte Zinsen

Für die unter Staatsbürgschaft gewährten Bankkredite

HGR. Wiesbaden, 11. Juli. (Eigener Bericht.) Eine allgemeine Zinsverbilligung ist gegenwärtig bei der angespannten Finanzlage Hessens nicht möglich Gleichwohl hat der hessische Finanzminister Dr. Hilpert für das Jahr 1950 einen bestimmten begrenzten Betrag ausgeworfen, der dem Zwecke dient, einem Teil der unter Staatsbürgschaft des Landes Hessen gewährten Bankkredite eine angemessene Zinsver billigung zuteil werden zu lassen. angemessene Zlnsver-

Die Bedingung, unter der dieser Zinsverbilligungszuschuß gewährt wird, ist, daß das durch die Staatsbürgschaft geförderte Unternehmen an sich lebensfähig ist. Betrieben, die hinlänglich gefestigt sind, wird mit Rücksicht auf die im Aufbau begriffenen Unternehmungen der Zuschuß nicht gewährt. Der im Einzelfall mögliche Zinszuschuß beträgt höchstens vier Prozent.

Anträge auf Zinsverbilligung sind nur bei dem Kreditinstitut zu stellen, das den staatsverbürgten Kredit verwaltet. Doch sind alle zum 1. Juli 1950 fällig werdenden Zinsverbindlichkeiten zu erfüllen, ohne Rücksicht auf gestellte oder noch zu stellende Anträge auf Zinsverbilligung. Eine Verrechnung mit einem später gewährten Zinszuschuß wird zu gegebener Zeit erfolgen. Die Zinsverbilligung ist beschränkt auf die für das Kalenderjahr 1950 anfallenden Zinsen. Ob die Aktion später fortgesetzt werden kann, kann zur Zeit nicht zugesagt werden.

Kakner geht nach Amerika

Wiesbaden, 11. Juli. (L.H.) (Eigener Bericht.) Walter Kaßner, der frühere Präsident des Landeswirtschaftsamtes in Hessen, ist als Chef der Wirtschaftsabteilung in das deutsche Generalkonsulat in den USA. berufen worden. Er wird sich Ende Juli nach Neuyork begeben.

Verhandlungen mit Keebohm

Elektrifizierung der Strecke Ruhrgebiet—Gießen—Frankfurt?

Wetzlar, 11. Juli, (dpa) Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Siegen, Albert Junker, hat von den Industrie- und Handelskammern des Siegerlandes und des Lahn-Dill-Gebietes den Auftrag erhalten, mit Bundesverkehrsminister Seebohm über die Elektrifizierungspläne der Bundesbahn zu verhandeln. Er soll die Forderung der Handelskammern auf Elektrifizierung der Nord-Süd-Verbindüng vom Ruhrgebiet über Siegen—Gießen nach Frankfurt vertreten.

In einem Entwurf der „Studiengesellschaft für Elektriflzierungspläne der Bundesbahn* ist vorgeschlagen, nach der Elektrifizierung wichtiger Eisenbahnlinien des Ruhrgebietes eine elektrische Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und dem elektrischen süddeutschen Eisenbahnnetz herzustellen. Als Nord-Süd-Verbindung sind aber in diesem Entwurf die Rheinstrecken Duisburg, Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz, Mainz, Mannheim Bietigheim und Köln, sowie Niederiahnstein, Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg, Bruchsal, vorgesehen.

Demgegenüber wird betont, daß eine Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke Hagen, Siegen, Dillenburg, Wetzlar, Gießen, Frankfurt, Darmstadt, Mannheim, Bietigheim mit einer Abzweigung in Friedberg nach Fürth billiger sei und eher den wirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechen würde. Württemberg, Baden und Bayern würden auch so an das elektrische Netz im Ruhrgebiet angeschlossen. Beim Ausbau dieser Strecke würden 153 Millionen DM gespart. Außerdem würde auf dieser sehr bergigen - Süd-Verbindung die starke Zugkraft und Beschleunigungsfähigkeit elektrischer Zugmaschinen eine bedeutend höhere Wirtschaftlichkeit ergeben als es bei den Rheinstrecken möglich sei. Der gesamte Güterverkehr nach Süden könnte auf der Strecke Hagen, Siegen, Süddeutschland abgewickelt und der internationale Reiseverkehr am Rhein entlastet werden.

Sozialversicherung im Umbruch

Stellungnahme des Deutschen Gewerkschaftsbundes Darmstadt

Die Gewerkschaften als die Vertereter der Arbeitnehmer haben wiederholt ihre Stellungnahme zur Reform der Sozialversicherung zum Ausdruck gebracht und haben auch in der von Herrn Bundestagsabgeordneten Dr. Hammer in seinen Ausführungen im „Darmstädter Tagblatt“ vom 5. Juli 1950 angeschnittenen Frage der Besetzung der Selbstverwaltungsorgane eine klare Haltung eingenommen, die ausschließlich von den Interessen der Versicherten bestimmt ist.

Die Sozialversicherung dient ausschließlich dem Schutz der arbeitenden Bevölkerung. Man kann von einer Selbstverwaltung jedoch nur sprechen, wenn den Betroffenen, in diesem Falle also den Versicherten, in den Organen der Selbstverwaltung, auch der entscheidende Einfluß eingeräumt ward. Es bedarf keineswegs einer vorgesehen paritätischen Beteiligung der Arbeitgeber in den Selbstverwaltungsor" ganen der Sozialversicherung, vielmehr stellt die Begründung des Fürsorgerechts des Arbeitgebers nur einen Deckmantel dar, unter den man sich eines entscheidenden Einflusses auf die Sozialversicherung zu bemächtigen sucht.

Die Behauptung von Herrn Bundestagsabgeordneten Dr. Hammer über angebliche Parteiwirtschaft in der Sozialversicherung, sehen wir als eine bewußte Diffamierung an. Die Männer, die nach dem Zusammenbruch wieder an den Aufbau der Sozialversicherung herangingen, waren keine Parteibuchbeamte, sondern bewährte Fachleute, die zum großen Teil bereits vor 1933 die Stellen innehatten, von den Nationalsozialisten 1933 aus politischen Gründen entlassen wurden und für ihre politische Aufrechterhaltung in Konzentrationslagern büßen mußten. Daß man auf diese Kräfte nach dem Zusammenbruch 1945 nicht verzichten konnte, eben weil sie Fachleute waren, kann auch von Dr. Hammer nicht bestritten werden, und daß man recht daran getan hat, wurde durch die Entwicklung bestätigt, denn wenn die deutsche Sozialversicherung trotz aller Schwierigkeiten wieder den heutigen Leistungsstand erreicht hat, so ist das letzten Endes das Verdienst dieser bewährten Fachkräfte.

Die Gewerkschaften werden trotz aller schönen Worte für die Verwirklichung ihrer berechtigten Forderungen zu der Sozialversicherung und ihrer notwendigen Reform weiter kämpfen.

„Mustk in Deutschland“

Verkehrswerbeparole für 1951

Coburg, 11. Juli. In einer Tagung des Beirats der „Deutschen Zentrale für Fremdenverkehr“ in Coburg, der Vertreter der Bundes- und Länderministerien sowie aller am Fremdenverkehr interessierten Organisationen und Wirtschaftszweige, berichteten Ministerialdirektor Dr. Hans Baumann und Stadtrat i. R. Dr. A. R. Lingnau über Organisation und Tätigkeit und konnten trotz bisher unzureichender Mittel bereits gute Erfolge namentlich bei der Werbung im Ausland feststellen.

Für den Ausbau des innerdeutschen Reiseverkehrs wurden vom Beirat unter anderem verschiedene Forderungen aufgestellt, so die Ausdehnung der Reisesaison durch bessere Verteilung der Ferien über die Sommermonate von Mitte Juni bis Mitte September, Maßnahmen für die Belebung der Vor- und Nachsaison, Förderung des Sozialtourismus, um auch den minderbemittelten Volksschichten Erholungsreisen zu erschwinglichen Preisen zu ermöglichen, sowie die Förderung des Fremdenverkehrs in den Notstandsgebieten.

Allgemeine Zustimmung fand dabei die für das Jahr 1951 ausgegebene Verkehrswerbeparole „Musik in Deutschlan d“. Die Bayreuther Festspiele, das Würzburger Mozartfest, die Münchener Opernwoche, die Sängerfeste in Frankfurt und Mainz werden zusammen mit vielen anderen Musikveranstaltungen eine bevorzugte Rolle dabei spielen.

Die Länderstelle des Dreimächte-Verkehrsamtes hat angeordnet, daß bei Beantragung eines Sonderpassierscheines wegen schwerer Krankheitsfälle im Saar-Reiseverkehr der Sichtvermerk des französischen Hohen Kommissariats nicht mehr erforderlich ist.

Kelley bei Gromyko

Der englische Vermittlungsversuch

(Letzte Meldung) London, 11. Juli. (AP.) Das Foreign Office gab am Dienstagabend bekannt, daß der britische Botschafter in Moskau am Dienstag eine zweite Besprechung mit dem stellvertretenden sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko über die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung des Korea-Konfliktes führte.

Die Bruderschaft lehnte ab

Ein kommunistischer Annäherungsversuch

Frankfurt, 11, Juli. (AP.) Ostdeutsche Vertreter sollen sich auf der Suche nach Offizieren für die Volkspolizei an die Bruderschaft. einer westdeutschen Organisation von Wehrmachtsoffizieren, gewandt haben. Der kommunistische Annäherungsversuch ist von der Bruderschaft entschieden zurückgewiesen worden.

Am Dienstag war aus Bonner Regierungskreisen gemeldet worden, daß der deutsche General und jetzige Organisator der Volkspolizei, Vincent Müller, mit erheblichen finanziellen Mitteln in Westdeutschland eingetroffen sei, um wahrscheinlich Offiziere für die Volkspolizei anzuwerben.

Schumacher bei Adenaner

R. Bonn, 11. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die von Dr. Adenauer gewünschte Aussprache mit Dr. Schumacher vor dem Erholungsaufenthalt des Kanzlers auf dem Bürgenstock in der Schweiz ist nach der Mitteilung eines Regierungssprechers in durchaus freundschaftlichem Geiste geführt worden. Sie drehte steh vor allem um außenpolitische Fragen. Dr. Adenauer unterrichtete Dr. Schumacher über den Stand der Schuman-Plan-Verhandlungen, besprach mit ihm die Wahl und die Zusammensetzung der deutschen Delegation im Europarat und eine Reihe anderer aktueller Fragen, zu denen mit Bestimmtheit auch die Frage der Sicherheit der Bundesrepublik gehörte.

Man nimmt an, daß mit dieser Besprechung, die von weiten parlamentarischen Kreisen gern schon zu einem früheren Zeitpunkt gesehen worden wäre, sich auch die Beteiligung der sozialdemokratischen Opposition an den Schuman-Plan-Verhandlungen regelt. An der ersten Sitzung der beiden Experten-Ausschüsee, in denen auch das Parlament vertreten ist. haben sozialdemokratische Abgeordnete nur als Beobachter teilgenommen.

Die Deutsche Presse-Agentur meldet ergänzend: Die sozialdemokratische Bundestagsfraktion beschloß auf ihrer Sitzung am Dienstag in Bonn, sich an den Ausschußarbeiten zu der im Schuman-Plan vorgesehenen Internationalen Industrie-Union zu beteiligen.

Wie aus Kreisen der Fraktion bekannt wurde, ist in dem Vormittagsgespräch zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer und dem Vorsitzenden Dr. Schumacher vereinbart worden, daß die sozialdemokratische Fraktion eine Liste einreiche, auf der Sie Sachverständige zur Mitarbeit vor allem im Wirtschaftsausschuß und im juristischen Ausschuß des ständigen Bonner Beratungsgremiums für den Schuman-Plan Vorschlägen solle.

Gegen Mischwahl-System

Die Wählergesellschaft an Stock

Frankfurt, M. Juli, (dpa) Der Vorsitzende der Deutschen Wählergesellschaft, Dr, Dolf Stemberger, bat am Dienstag den hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock in einem Schreiben, daß auch nach der hessischen Volksabstimmung die ernsthaften Bedenken der meisten Wähler gegen Mischwahlsysteme berücksichtigt werden. Das Ergebnis der Volksabstimmung dürfte keinesfalls als Zustimmung der Wähler zu einem Mischwahlsystem ausgelegt werden. Aus der Entscheidung vom vergangenen Sonntag könne politisch und rechtlich nur der Schluß gezogen werden, daß die Verfassungsänderung als solche das zustimmende Votum der Wähler gefunden habe. Die Wählerschaft selbst strebe aber nach einem echten und ungemischten Mehrheitswahlrecht.

Hessische Kurznachrichten

Die Preisindexziffern für die Lebenshaltung von Arbeitnehmerfamilien in Hessen lag im Juni um 2,6 Prozent niedriger als im Mai und um 3,6 Prozent unter dem Stand des Vergleichsmonats des Vorjahres. Im Mai waren die Lebenshaltungskosten durch die jahreszeitlich bedingte Verteuerung von Gemüse etwas gestiegen.

Der Leiter der Zentralkommission für die Pferdezucht in der Bundesrepublik und Präsident des deutschen Olympischen Komitees für die Reiterei, Dr. Rau, siedelt noch in dieser Woche von Dillenburg nach Mülheim an der Ruhr über. Dr. Rau war bis zum Frühjahr 1950 Leiter des Dillenburger Gestüts und wurde vor kurzem siebzig Jahre alt. Mit Dr. Rau verlegen auch die von ihm geleiteten pferdesportlichen Organisationen ihren Sitz nach Mülheim.

Der Voranschlag für den neuen Etat sieht auch in diesem Jahre wieder als staatlichen Beitrag für jeden Schüler in den hessischen Berufsschulen einen Betrag von zwanzig D-Mark jährlich vor. In anderen Ländern im Bundesgebiet beträgt der staatliche Zuschuß im allgemeinen nur zwölf D-Mark. Für die Volksschulen sind im Haushaltsjahr 63 Millionen D-Mark veranschlagt. Während für die höheren Schulen unverändert annähernd 17 Millionen D-Mark vorgesehen sind, werden die Mittel von 17,1 Millionen im Jahr 1946 auf 26,3 Millionen im kommenden Haushaltsjahr erhöht. Der Voranschlag des Etats für das Kultusministerium liegt mit 142,5 Millionen um rund 12,5 Millionen D-Mark über dem Etat des Vorjahres. *

Die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands in Kassel hat gegen das kürzlich vom Landesarbeitsgericht Frankfurt gefällte Urteil, in dem die Entlassung von 80 Eisenbahnern aus dem Direktionsbezirk Kassel rechtlich anerkannt wurde, Revision beim Deutschen Obergericht in Köln eingelegt. Das Landesarbeitsgericht hatte wegen der grundsätzlichen Entscheidung die Revision zugelassen. Dem Urteil des Obergerichtes in Köln wird im Hinblick auf sämtliche Eisenbahnerentlassungen im Bundesgebiet größte Bedeutung beigemessen.

Kein höherer Brotpreis

Die Regierung will gegen jede Verteuerung eingreifen

Bonn, 11. Juli. (AP.) In einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Hans Böckler, versicherte Bundeskanzler Konrad Adenauer, es sei nicht die Absicht der Bundesregierung, eine Erhöhung des Brotpreises zuzulassen oder eine Fettsteuer einzuführen.

Der Brief des Kanzlers ist das Antwortschreiben auf einen Brief Böcklers vom 10. Juli, worin dieser vor einer Erhöhung der Margarinepreise warnte.

Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte dazu am Dienstagabend in Bonn, daß keine Veranlassung für die Bäcker bestehe, die Brotpreise zu erhöhen. Notfalls werde die Bundesregierung eingreifen.

Die Bäcker seien noch ausreichend mit Mehl zu alten Preisen versorgt. Auch die zweite und dritte Hand auf dem Getreidesektor habe sich noch vor dem 1. Juli reichlich eingedeckt. Die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Getreidepreis werde jetzt vom Staat bei den Mühlen eingezogen. Bei den Bäckern aber geschehe dies nicht, so daß sie einen Gewinn von etwa sieben bis acht Millionen Mark hätten. Das Bundesernährungsministerium erwarte, daß die Bäcker bestrebt seien, mit dem bisherigen Brotpreis auszukommen. Es sei auf jeden Fall unmöglich, daß der Staat den Bäckern sieben bis acht Millionen Mark schenke und diese dann versuchten, durch erhöhte Brotpreise die sieben bis acht Millionen nochmals hereinzubekommen.

Zweifellos seien in der vergangenen Zeit die Backlohnspannen im Backgewerbe überhöht gewesen. Die Bäcker sollten jetzt durch eine rationelle Ausgestaltung ihrer Betriebe versuchen, mit dem neuen Getreidepreis fertig zu werden.

In Braunschweig teurer

Braunschweig, 11. Juli, (dpa) In Braunschweig wird das Brot seit Dienstag zu einem durchschnittlich um drei Pfennig für das Kilogramm höheren Preis verkauft als bisher. Die Bäcker begründen diese ohne behördliche Genehmigung getroffene Maßnahme damit, daß der Mehlpreig seit dem 1. Juli erhöht worden sei und sie diese Belastung nicht allein tragen könnten.

Von 77 auf 85 Pfennig

Bäcker-Verband schaltet sich ein

Bonn, 11. Juli. (AP.) Auf Empfehlung des Verbandes des deutschen Backhand’ werks verkaufen westdeutsche Bäcker seit Dienstag das Brot zu erhöhten Preisen.

Das Dreipfund-Roggenbrot stieg von 77 auf 85 Pfennig, das Kilo Weizenbrot von 60 auf 70 Pfennig.

Ein Sprecher des Ernährungsministeriums kündigte Ordnungsstrafen für den Verkauf von Brot zu erhöhten Preisen an. Er sagte, die zuständigen Länderfinanzministerien würden sich sofort der Sache annehmen.

Kraft fordert Kommunalwahlen

Die Vertriebenen wollen ihren Wahlsieg ausnutzen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

el. Hamburg, 11. Juli. Der Erste Vorsitzende des Blödes der Heimatvertriebenen und Entrechteten, Waldemar Kraft, hat in Hamburg vor der Presse zu dem großen Wahlerfolg seiner Partei bei der schleswigholsteinischen Landtagswahl erklärt, es sei mit Bewegungen auf Bundesebene, unter anderem wohl auch mit Neuwahlen zu rechnen. Angesichts der Möglichkeit, daß die Landtagswahl für ungültig erklärt werde, befürworte der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten entweder ein geschäftsführendes Uebergangskabinett auf breitester parteipolitischer Grundlage oder die vorläufige Weiterführung der Regierungsgeschäfte durch das bisherige sozialdemokratische Kabinett.

Die ersten Forderungen der Flüchtlingspartei erstreckten sich auf neue Kommunalwahlen, auf eine Neufassung des Flüchtlingsgesetzes, auf Schaffung eines Flüchtlingsressorts in der Landesregierung und auf eine spartanische Vereinfachung der Verwaltung. Die von den einzelnen Ländern getrennt vorgenommenen Schulreformen lehnte Kraft ebenso ab wie die schleswigholsteinische Bodenreform. Dagegen sprach er sich für eine Verbindung des Lastenausgleichs mit einer Neuverteilung des Grund und Bodens aus, von der auch die Großbauern betroffen werden müßten, die zur Abgabe von Land für Flüchtlingsexistenzen in der Lage seien.

Zu den Aussichten, die sich für die Neubildung der Landesregierung ergeben, sagte Kraft, eine Koalition aus Sozialdemokraten und Heimatvertriebenen sei theoretisch möglich, wogegen ein Zusammengehen der Sozialdemokraten mit dem Deutschen Wahlblock ziemlich unmöglich sei. Er könne sich jedoch auch kaum vorstellen, daß seine Partei eine Regierung mit dem Wahlblock bilden könne, da dieser den Bonner Finanzminister Schäffer stütze.. Außerdem sei der Block

der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Südschleswig vom Deutschen Wahlblock als „Vaterlandsverräter“ bezeichnet worden. Die Politik der bürgerlichen Parteien in diesem Landesteil, die auf eine straffe Zusammenfassung der deutschen Stimmen zur Abwehr der dänischen Kandidaten gerichtet gewesen sei, sei eine nationalistische Verkrampfung. Er glaube dagegen an eine natürliche Beilegung der nationalen Gegensätze.

Kraft kündigte an, daß der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten sich auch nach der Eingliederung der Flüchtlinge in das Wirtschaftsleben der Bundesrepublik nicht auflösen werde. Das Echo des Auslandes auf die Bildung und den Erfolg der Flüchtlingspartei sei so groß und positiv gewesen, daß der Block auf seine Homogenität bis zur Revision der Oder-Neiße-Linie nicht verzichten wolle.

Salzheringe als Fleisch

Die Ernährung in der sowjetischen Zone

R. Bonn, 11. Juli. (Eigener Drahtbericht.) In einer Darstellung des Bundesministers für gesamtdeutsche Fragen wird erklärt, die Versorgungslage in der sowjetischen Zone stehe heute auf dem Niveau Westdeutschlands in den Monaten vor der Währungsreform. Auch heute noch sei im Mai in einigen mitteldeutschen Kreisen kein Kilogramm Kartoffeln mehr aufzutreiben gewesen, und die Fleischrationen würden oft noch in Form von Salzheringen ausgegeben. Im Monat erhalte der Normalverbraucher unter anderem 12 000 Gramm Graubrot, 1050 Gramm Nährmittel, 900 Gramm Fleisch, 450 Gramm Fett, das in der Hauptsache aus schlechter Margarine bestehe. Kinder über einem Jahr erhielten nur noch einen viertel Liter Vollmilch, Kinder über fünf Jahre nur noch Magermilch.

Wechselhaftes Wetter

In die einheitliche Westströmung zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch werden einzelne schwache Störungen nach Deutschland geführt. Das dadurch bedingte wechselhafte Wetter steht allerdings weitgehend unter Hochdruckeinfluß, da den Störungen stets länger anhaltende Beruhigungen folgen.

Aussichten bis Donnerstag: Nach vorübergehender Schauerneigung erneut baldige Wetterbesserung und bereits wieder vorwiegend heiter. Erst ab Donnerstag erneute Bewölkungszunahme und anschließend nicht mehr ganz regensicher. Mäßig warm.

Der Rundfunk am Mittwoch

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 14.00 Kleines Solistenkonzert; 15.00 Ein Ständchen für die Hausfrau; 16.15 Promenadenkonzert; 17.15 „Geh’ aus, mein Herz und suche Freud“; 18.20 Mach dir’s bequem; 20.00 Sinfoniekonzert; 22.15 Mit Musik, mit Gesang, mit Humor; 23.00 Nachtkabarett ; 23.15 Willy Berking spielt zum Tanz.

SÜDD. RUNDFUNK, STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.50 Unterhaltungsmusik; 16.50 Konzertstunde; 17.15 Volksweisen im Jahreslauf; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 „Unsterblicher Eulenspiegel“; 20.50 Ludwigsburger Schloßkonzert; 22.00 „Tobias Knopp“; 23.00 Max Reger; 0,05 Jazz im Funk. SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde» 17.15 Solistenkonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Scheinwerfer auf; 21.00 Das Prisma; 22.30 Klaviermusik; 23.15 Tanzmusik zum Tagesausklang; 0.10 Swing-Serenade. NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Mittagskonzert; 14.15 Musik nach Tisch; 15.40 Melodien aus der Oper „Cavalleria rusticana“; 16.50 Die Kammermusik von Johannes Brahms; 18.05 Musik zum Feierabend; 18.30 Spree wellen; 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank; 20.30 Wer hört, gewinnt; 21.00 Berlin bittet zum Tanz;

Feuilleton

Nuntius Pacelli begegnet Luther

EINE EPISODE AUS DEM LEBEN PAPST PIUS XII.

Das Heilige Jahr ruft die Erinnerung an ein eigenartiges Erlebnis aus dem Jahr 1928 wach, in dessen Mittelpunkt Nuntius Pacelli, heute Papst Pius XII.- steht.

Dicht bei Eisenach in Thüringen erhebt sich auf waldigem Fels das Bergschloß Wartburg, in aller Welt berühmt durch die Minnesänger, durch die heilige Landgräfin Elisabeth, die dort 16 Jahre ihres Lebens zubrachte, durch Dr. Martin Luther, der an dieser Stätte die Heilige Schrift in kerniges Deutsch übertrug, berühmt auch durch die deutschen Burschenschaftler, die nach den Freiheitskriegen ihre neuen demokratischen Ideale verkündeten, und durch Moritz von Schwind, der das Leben der großen Landesmutter und Heiligen in romantischen Bildern an die Palastwände zauberte. Zur Wartburg, dem Kleinod unter den deutschen Burgen, pilgerten jährlich Tausende, als das grüne Herz noch nicht im Schatten des „Vorhangs“ trauerte.

Am Mittag eines lichten Herbsttages schrillte in der Vogtei der Burg das Telephon. Die päpstliche Gesandtschaft in Berlin teilte mit, daß Nuntius Pacelli die Wartburg am Nachmittag zu besichtigen wünsche. Eminenz bäte, da die Zeit bemessen sei, um eine kurze, aber gute Führung. Gegen halb 5 Uhr traf der hohe Gast mit seinem Privatsekretär und zwei weiteren Begleitern in geistlichem Gewand auf der Burg ein. Aus Eisenach hatten sich zur Begrüßung Oberbürgermeister Dr. Janson und Pfarrer Spieß von der St. -Elisabeth-Kirche eingefunden. Der redegewandte, schlagfertige und humorvolle Burgwart Nebe, ein ausgezeichneter Kenner Thüringer Geschichte, bewährt bei Tausenden von Gastführungen, übernahm das wissenschaftliche Geleit. Zunächst genossen die Herren in schweigender Versunkenheit den herrlichen Blick auf die in sanfte Hügel eingebettete Stadt, dann begann nach kurzer Begrüßung durch den damaligen Oberburghauptmann Hans Lucas von Cranach, einen Nachfahren des großen Malers, die Besichtigung der Innenräume. Nuntius Pacelli zeigte durch lebhafte Fragen sein großes Interesse an der Bau- und Kulturgeschichte der Burg. Er sprach ein tadelloses Deutsch, fast ohne jeden ausländischen Akzent. Man betrat die Kemenate der heiligen Elisabeth. Voller Andacht und Ergriffenheit betrachtete Pacelli den Raum, geweiht dem Andenken der Fürstin, die als erste weibliche Nachfolgerin des heiligen Franziskus von Assisi den Armen in schwesterlicher Liebe Krone und Leben opferte. Jetzt wurde Pacelli zum Führer und Erklärer. Er offenbarte sich als hervorragender Kenner aller Einzelheiten der Geschichte der Heiligen und gab den Herren irisbesondere Aufschluß über die Attribute Elisabeths in der Malerei: Wein und Brot, der Bettler, drei Kronen, Psalterium und Rosen. Heimlich blickte der Privatsekretär auf seine Uhr und als die Herren dann die Kaiserzimmer betrachteten, wo der Nuntius ein ausgedehntes Gespräch mit dem Oberbürgermeister und Chef der Wartburgstiftung über den romanischen Stil der Architektur, Malerei und Plastik aufnahm, erhob er seine mahnende Stimme und erinnerte daran, daß der Nuntius vor Einbruch der Dunkelheit in Fulda sein müsse, wo ihn der Bischof erwartete.

Ja, freilich — das durfte nicht vergessen werden. Die zunächst für den Rundgang vorgesehene halbe Stunde war schon längst abgelaufen. Der Nuntius lächelte und beschleunigte unwillkürlich seinen Schritt. Was nützt indessen ein guter Vorsatz, wenn es am Weg zur Dirnitz eine prachtvolle Holzplastik der heiligen Elisabeth mit den drei Kronen zu sehen gibt. Das Werk des unbekannten süddeutschen Meisters gab dem hohen Gast Anlaß zu verschiedenen Fragen und verführte den Burgwart, sich über die Thüringer Holzschneidekunst zu verbreiten. Der gewissenhafte Privatsekretär tret innerlich sozusagen von einem Bein auf das andre. Eine volle Stunde war nun schon verflogen. In der Rüstkammer gab er erneut zu bedenken, daß die Zeit dränge. Als man, allgemein zu Eile entschlossen, den waffenstarrenden Saal verließ, glaubte der Sekretär den sicheren Sieg in Händen zu halten. Er konnte nicht ahnen, daß der Himmel seine guten Absichten auf sonderbare Weise zunichte machen sollte.

Einen neuen Aufenthalt gab es vor der schlichten Holzwand des wundervollen Nürnberger Erkers. Ein Märtyrerbild zeigt einen Schmerzensmann, dem die Peiniger durch die über dem Haupt gefalteten Hände einen Nagel in den Schädel geschlagen haben. Nach eingehendem Studium gestand der Nuntius freimütig, daß ihm der Name dieses Märtyrers nicht gegenwärtig sei. Die Gruppe bewegte sich weiter. Taktvoll suchten die einheimischen Herren ihren Gast an der Lutherstube vorbeizuschleusen. Es gab ja auf dem Rückweg noch vielerlei anderes zu zeigen. Plötzlich indessen blieb der Nuntius stehen und meinte:

„Soviel mir bekannt ist, gibt es doch auf dieser Burg ein Lutherzimmer?" Überraschung und leichtes Erschrecken malte sich auf den Gesichtern der Wartburgleute.

„Allerdings, Eminenz — gewiß—" stammelte der Burgwart. „Bitte — das möchte ich sehen!"

Nun standen sie in dem kärglichen Gemach, des dem trotzigen Feuerkopf mit den tiefliegenden Augen zehn Monate lang zur geheimen Herberge gedient hatte. Dem wohlbeschlagenen Burgwart wurde, wie er später gestand, recht bänglich zu Mute, als der Oberbürgermeister an den Nuntius die Bitte richtete, zu gestatten, daß der Burgwart ein Weniges über die Arbeiten Luthers auf der Burg berichte. Pacelli war sofort damit einverstanden. Mit untergeschlegenen Armen und tiefem Ernst in dem feingeschnittenen Gesicht hörte er von der gewaltigen Leistung des Reformators, von seinen seelischen Kämpfen, von der Überwindung -seiner körperlichen Gebrechen, von seinem Briefwechsel mit Cranach, Spalatin und Mykonius, von der visionären Anfechtung durch den Teufel und von dem endlichen Ausritt nach Wittenberg, hoch zu Roß, im roten Wams und mit gegürtetem Schwert. Die Sonne begann über dem Rennsteig zu sinken, doch der entmutigte Privatsekretär ließ die Uhr unbeachtet.

Auch die Reformationszimmer wollte der Nuntius sehen.

„Hier, Eminenz, sehen Sie das stärkste Gemälde unserer Burg!“ erklärte Burgwart Nebe und wies auf das dramatische Gemälde Pauwels: „Luther im Streitgespräch mit dem Kardinal Cajetanus in Augsburg“.

Was für ein Augenblick! < Auf dem Bild Luther in der braunen Mönchskutte, dem Kirchenfürsten in der roten Seide mit großer Geste sein „Nein“ entgegenschleudernd und darunter mit erhobenem Blick als Betrachter der leibhaftige Abgesandte des Papstes, von dem schon damals die Rede ging, daß er einmal den Stuhl Petri besteigen würde.

Der Raum war mit Spannung geladen. Alle Anwesenden fühlten das Einmalige dieser Begegnung, alle bewegte die Frage: Was wird der Nuntius zu diesem Werk sagen?

„Ja —“ begann Pacelli endlich nach langem Schweigen, „Sie haben recht. Es ist wahrhaftig erschütternd. Hier sieht man so recht, wie tief der religiöse Riß ist, der durch Deutschland geht . . “

Im Tal leuchteten bereits die Lichter auf, als der Nuntius das Burgtor verließ. Bei der Rückfahrt bat er, den Wagen halten zu lassen. Der Nuntius stieg aus und schaute lange schweigend zur Burg über den herbstlichen Wäldern empor.

„Eine begnadete deutsche Burg“ sagte er zum Abschied den Wartburgmännern, denen bewußt wer, daß sie nicht nur einen Diplomaten bester Prägung und einen feingebildeten Kopf, sondern eine überragende Persönlichkeit voller bezwingender Liebenswürdigkeit erleben durften, die deutsches Wesen in aller Tiefe erfaßte.

Müller-Zurlinden.


WILLI JAECKEL; BRÜCKE Pergamon
WILLI JAECKEL; BRÜCKE Pergamon

Fritzchen und die Räuber

VON OLAF HINZ

Die Damen des dramatischen Lesekränzchens hatten sich versammelt. Heute wurden Schillers „Räuber“ mit verteilten Rollen gelesen. Die Damen waren sämtlich „reiferen“ Alters, nur Carolinchen, die zarte Blondine, bildete eine Ausnahme. Sie war erst zweiundzwanzig. Dafür bekam sie auch nur Nebenrollen zugeteilt. Heute durfte sie sprachlich und mimisch den Beichtvater Moser darstellen.

Plötzlich kam Fritzchen, Carolinchens kleiner Bruder, hereingestürmt und trompete, zu seiner Schwester gewandt, mit energischer Stimme ins Zimmer; „Ich muß mal raus!“

Erst entstand peinliches Schweigen, dann aber lächelten die Damen und nickten freundlich vor sich hin. Carolinchen aber erhob sich bescheiden und ging mit Fritzchen hinaus.

„So ein goldiges, unschuldiges Kindelchen“, murmelte Frau Huppkuchen sanft.

Es dauerte einige Minuten, da erschien Carolinchen wieder. Aber es währte nicht lange, bis Fritzchen abermals hereinkam und brüllte: „Ich muß mal raus!“ Wieder stand Carolinchen auf, jetzt sehr verlegen, und verließ mit dem Knaben das Zimmer.

„Aergerliche Störung! — Das hätte man doch vorher abmachen können!“ sagte mißbilligend Frau Pietsch-Edelbein, die den alten Moor vollendet gestaltete.

Diesmal dauerte es etwas länger, ehe Carolinchen wieder scheu ins Zimmer trat und sich bescheiden setzte. Eine Viertelstunde ungefähr donnerten die Räuberstimmen grausig durch den Raum. Da kam Fritzchen: „Ich muß mal raus!“

Carolinchen erhob sich. „Liegt etwas vor?“ fragte wohlwollend Frau Hosentreter mit süßer Stimme. Aber Frau Huppkuchen meinte: „Er wird irgendetwas Unpassendes gegessen haben!“ Carolinchen entschuldigte sich und verschwand mit dem Kleinen.

Es dauerte ziemlich lange. Die Damen waren empört. „So lange kann das doch im allerschlimmsten Falle nicht dauern!“ sagte Frau Pietsch-Edelbein. „Ich werde einmal nachschauen“, entschloß sich Frau Huppkuchen und ging hinaus.

Im Nebenzimmer saß Fritzchen vergnügt auf dem Teppich. Er hatte drei bunte Lutschbonbons vor sich liegen. Einen schob er gerade in den Mund.

„Wo ist denn dein Schwesterchen, kleiner Liebling?“ fragte die Huppkuchen erstaunt. „Da!“ sagte kauend der Kleine und deutete mit seinem dicken Finger zur Verandatür.

Frau Huppkuchen ging hin, öffnete die Tür — und prallte mit einem „Huch!“ zurück. Da stand Carolinchen in zärtlicher Umarmung mit Alfons, dem hoffnungsvollen Sprößling von Frau Pietsch-Edelbein.

Deutsche Gesellschaft für Kartographie. In Bielefeld ist die „Deutsche Gesellschaft für Kartographie“ gegründet worden. Sie will die wissenschaftliche und praktische Kartographie, den Landkartendrude und die Hilfstechnikern fördern sowie sich besonders der Ausbildung des Berufsnachwuchses widmen. Zum Präsidenten wurde der Bielefelder Verlagsbuchhändler Velhagen, zum ersten Vizepräsidenten der Berliner Universitäteprofessor Behrmann gewählt. Die Neugründung, die die Arbeit der früheren Deutschen kartographischen Gesellschaft, unter anderen die Herausgabe der kartographischen Jahrbücher, fortsetzen will, setzt sich aus Orts- und Landesvereinen zusammen. Sie grundieren sich um die wichtigsten Städte mit graphischem Gewerbe, vor allem Berlin. Leipzig, Hamburg, Bielefeld, Frankfurt, Stuttgart, Hannover, München und Landshut. Die Gesellschaft, deren Sitz Bielefeld ist, will im November in Wiesbaden ihre erste große Tagung al ’ alten.

Bezüglich

VON HEINZ GROTHE

Wilhelm, von Scholz hat den Begriff geprägt „Anziehungskraft des Bezüglichen“. Will sagen: Nicht nur der Mensch zieht die schicksalsgemäß ihm zugeordneten Dinge an. Sondern auch die Dinge ziehen den Menschen an. Falls sie eine echte Zu-Ordnung zu ihm'haben! So daß beide, wenn sie durch äußere Gewalt getrennt wurden, auf Grund ihrer inneren Bezüglichkeit wieder zueinander kommen müssen. Trotz aller Widerstände. Dutzende der seltsamsten. der wunderlichsten, der wunderbarsten Beispiele hat Wilhelm von Scholz zur Erhärtung dieses Glaubens in seinem Buch „Der Zufall und das Schicksal" gegeben.

Eines Abends kam in einer größeren Gesellschaft die Rede auf das vieldeutige Werk. Wilhelm von Scholz erzählte Geschichte nach Geschichte, die in seinem Schicksalsbudh noch nicht aufigezeichnet waren. Alle bewiesen das gleiche Dies: Wenn wesenhafte Bindungen bestehen, gibt es eine dauerhafte Trennung von Mensch und Ding nicht. Sofern der Mensch zu ungeschickt. zu befangen, zu ungläubig ist. die schicksalswidrig unterbrochene Gemeinschaft wieder herzustellen, erzwingt sie das Ding. Nicht nur ohne sein Wissen. Sondern notfalls gegen seinen Willen.

Nun befand sich jedoch unter den Zuhörern des Dichters ein ungläubiger Thomas. ein weitgereister Kaufmann Der wandte ein: „Geschichten haben für mich keine Beweiskraft.“

„Was verlangen Sie statt ilh^er?“ fragte Wilhelm von Scholz. „Tatsachen.“

„Was ich erzählt habe, waren Tatsachen.“

„Und zwar solche, die ich selbst erlebe; Führen Sie mir eine durch mich erlebbare Bezüglichkeits-Tatsache vor. dann will ich die erzählten Wundergeschichten allesamt glauben. Wenn Ihnen das unmöglich ist, glaube ich keine einzige “

„Stellen Sie mir eine Aufgabe im Sinne meiner Geschichten!“ willigte der Dichter ein.

„Gut pariert!“ sagte der Kaufmann. „Aber es kommt auf den Ausgang der Mensur an. Also: Von Ihren Dingen dürfte keines inniger zu Ihnen in Berührung stehen als der Ehering. Geben Sie mir diesen. und gehen Sie nach draußen! Wir werden den Rina hier im Zimmer verstecken. Sobald es geschehen ist. läutet jemand mit der Tischglocke Wenn Sie zurückgekommen sind wird es Ihre Aufgabe sein, den Ring zu finden. Oder Aufgabe des Ringes Sie zu finden. Vermöge der von Ihnen behaupteten „Anziehungskraft des Bezüglichen“. Aber es wird nicht gepfusdht! Wir reichen uns und Ihnen nicht, wie bei dem bekannten Gesellschaftsspiel, die Hände. Wir führen Sie nicht, ohne es zu wissen und zu wollen durch unwillkürliche Bewegungen zu dem gesuchten Ring hin. Nein. Sie sind auf sich allein angewiesen. Und auf den Ruf des Ringes!“

Wilhelm von Scholz sagte kein Wort. Er zoig seinen Ehering vom Finger. Gab ihn dem Ungläubigen Ging hinaus.

Als er nach dem Glockenzeichen zurückkehrte, blieb der Dichter mit geschlossenen Augen an der Tür stehen. Kein Zweifel. Der Ring rief ihn nicht. Das Hirn des Suchenden begann fieberhaft zu arbeiten: Rief nicht — — Also wurde der Ring von dem Willen eines Menschen an der Auswirkung seiner Bezüglichkeit gehindert — — Durch den Spötter — — Mithin befand sich der Ring bei ihm — — Sicherlich in seiner Hosentasche — — Aber in welcher — — Mußte auch entschieden werden — — Wenn schon Rätsellösung, dann ganz. Wilhelm von Scholz öffnete die Augen. Machte der Kaufmann eine unbewußte Bewegung? Schien es nur so? Jedenfalls sagte der Dichter' „Holen Sie, bitte, den Ring aus Ihrer rechten Hosentasche heraus! Nein! Aus der anderen! Rechts von Ihnen au« gesehen.“

Der Kaufmann tat. wie ihm geheißen. Griff in seine rechte Hosentasche. Oeffnete die geballte Hand. Und auf ihrer Innenfläche lag der zu suchende Ring.

Notizen

Das Wiener Burgtheater gastierte mit Strindbergs „Kronbraut“ bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Das schwedische Volksmärchen, wie Strindberg diese zuweilen seltsam traumhafte Geschichte aus der schwedischen Landschaft Dalaine genannt hat, fand begeisterten Widerhall beim Publikum der vorletzten Premiere. In Bühnenfassung und Regie hatte Berthold Viertel den volkstümlichen Charakter dieses Werks herausgearbeitet und auch die mit Strindbergs eigener Musik ergänzten in Surreale reichenden Momente der Handlung ganz ins Märchenhafte gesteigert. Theo Ottos realistische Bühnenbilder gaben die schwedische Atmosphäre wieder.

Ausstellung ostdeutscher Literatur. Die „Westdeutsche Bibliothek“ in Marburg, die die Sammlung und Katalogisierung des gesamten ostdeutschen Schrifttums für das Bundesgebiet übernommen hat, führt während der ostdeutschen Kultur- und Hochschulwoche vom 23. bis 30. Juli in Marburg eine Ausstellung „Das geistige Erbe des deutschen Ostens“ durch. Aus den Beständen der Bibliothek, der Nachfolgerin der „Preußischen Staatsbibliothek“ werden Briefe, Handschriften und Erstausgaben gezeigt, die ein Bild vom Anteil des deutschen Ostens an der abendländischen Literatur "eben sollen. Unter anderem werden Werke und Briefe von Lessing, Hamann, Kant, Fichte, Herder, Opitz und Göttschied, ferner zeitgenössischen Porträts, Stadtansichten und Landkarten ausgestellt.

Bach in der Aufführungspraxis Mendelssohns

ZWEI KANTATEN UND DAS MAGNIFICAT

Der Musikverein leistete in Verbindung mit Chor und Orchester des Landestheaters mit den beiden Kantaten „Jesu, der du meine Seele“, „Ein“ feste Burg“ und mit dem „Magnificat“ in der Pauluskirche seinen Beitrag zum Bachjahr. Mit großer Genauigkeit waren die schwierigen Chöre einstudiert worden, die in Aussprache und Intonation kaum etwas zu wünschen übrigließen. Einheitliche Singart und geschlossener Klangstil haben sich beim Musikverein in bester Weise entwickelt, die Koloraturfertigkeit hat sehr gute Formen angenommen. Eine Mehrzahl von Männerstimmen wäre noch von Vorteil.

Auch das Landestheater-Orchester konnte im Spiel seine guten Qualitäten einsetzen. Hervorragend bliesen wieder die Oboen und Englischhörner. Seit langem zeichnet sich diese Holzgruppe durch ihren schmiegsamen und reinen Wohlklang aus. Die Trompeten beherrschten ihren Part mit Bravour, etwas schummrig strichen die Kontrabässe. Nicht immer präzis genug kam die Orgel (Friedrich Eidenmüller), deren Registerfarben vor allem für die Rezitative zu blaß waren. Mag sein, daß dies teilweise mit der problematischen Disposition der Paulusorgel und ihrer Aufstellung zusammenhängt. Aber im Rückpositiv sind bessere Stimmen zu finden.

Unter den Solisten überragte im großen Abstand der Tenor Franz Köth. Seine Leistung war eigentlich der einzige erfreuliche Faktor dieses Bach-Abends, denn er sang wirklich Bach. Die Aussprache ist noch ein wenig zu kultivieren. Danach kann er sich mit jedem Evangelisten messen, wenn er das Niveau dieses Abends beibehält. Charlotte Raab (Sopran) erreichte nicht ganz die Klarheit und Stilsicherheit, die zu diesen Arien gehört, aber auch bei ihr ist die Begabung für konzertante Gesänge unverkennbar. Heinrich Blase 1 (Baß) und Petra Böser (Alt) bringen für die Musik von Bach nicht das notwendige Stimmtimbre mit. Ihr Material ist schön, doch zu schwer, ließe sich aber auf Grund ihrer guten Veranlagung leicht auf den Stil jener Epoche abstimmen. Das gleiche gilt auch für Martha Geister, deren lastender, dramatischer Akzent hier am stärksten auffiel.

Ein großer Unstern, der über dieser Aufführung lag, mag unter anderem in dem schwachen Besuch zu sehen sein. Dadurch erhöhte sich die Akustik im Kirchenschiff, und die ungeheuren Dimensionen des Klangapparates und der Klangerzeugung steigerten sich ins Maßlose. Mendelssohn führte einst mit Hunderten von Personen die Matthäuspassion in dieser Art auf. Das war einmal. Seit hundert Jahren besteht eine Bachgesellschaft mit intensiven Forschungsarbeiten. Bachbild und Aufführungspraxis sind heute wohl geklärt. Diese Norm — ich brauche nicht nur auf die Thomaner zu verweisen, die seit Beginn dieses Jahres jeden Sonntag im Rundfunk singen — sollte im Bachjahr für jeden Aufführenden ehrenwertes Vorbild sein. Man hätte sich von vornherein darüber klar sein müssen, daß nur eine kleine Besetzung für diese Werke in Frage kommt. Eine Wiederholung in dieser Art wäre als Probe aufs Exempel zu begrüßen. Bis auf die Fuge „Sicut locutus“ im Magnificat gingen jedoch so alle Chöre in einem Dröhnen und Brausen unter. Dieser Chorsatz stand auch einsam in der Einhaltung des richtigen Tempos da. Alle anderen Chöre waren überhastet, in den Sechzehntelfiguren ständig im Tempo verändert und schwankend pausiert. Die Choräle „Herr, ich glaube“ und „Das Wort, sie sollen lassen stahn“ waren stilistisch nicht erkennbar. Ich erinnere nur an das plötzliche, völlig unmotivierte Piano bei „Gut, Ehr, Kind und Weib“ im Schlußchoral von „Ein' feste Burg“. Man muß wissen, daß die Neuausgaben der Noten in den dynamischen Zeichen undiskutabel sind. Auch das Magnificat war kein Canticum magnum der Maria.

Es ist bereits sehr oft an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht worden, daß durch versehene Tempi und dynamische Uebersteigerungen das stilistische Bild aufgeführter Werke verzeichnet wurde. Auch diesesmal hatte die Arbeitsleistung der Proben bei der öffentlichen Wiedergabe nicht den entsprechenden Erfolg. Das ist um so mehr zu bedauern, als von einem so routinierten Dirigenten wie Richard Kotz erwartet werden müßte, daß er die Originalität eines Bachschen Werkes gegenüber seinem musikalischen Temperament in jeder Beziehung wahrt. G. I.

Filme in Darmstadt

PALAST. „Der Biberpelz“. In großen Zügen hält sich dieser Film an Gerhart Hauptmanns gleichnamige Komödie und bringt damit auch die oft diskutierte Problematik, die zweischneidige Verhe lichung des ehrlichen Diebstahls“, auf die Leinwand Mutter Wolffen ist nun mal, und mag man ihr Verhalten noch so sehr mit der sozialen Not entschuldigen wollen, eine „Kriminelle“ und ihre Kate ein klassisches Diebsnest Sieht man davon ab, so ist der Film — wie ja auch das Lustspiel — eine ergötzliche Angelegenheit. Der unheilige Bürokratius, vertreten durch den Amtsvorsteher von Wehrhahn, wird durch die raffinierte Wolffen in seiner ganzen Hohlheit und dünkelhaften Selbstbeweihräucherung angeprangert und gehörig ausgenutzt. Der „Biberpelz“ ist ein Zeitstück aus der wilhelminischen Aera, mit seiner Tendenz aber wird er wohl immer Gültigkeit besitzen, solange der Amtsschimmel wiehert.

Erich Engel als Regisseur hat die naturalistische Atmosphäre des Bühnenstücks zum Vorteil für den Film beibehalten. Auch das Drehbuch von R. A. Stem m 1 e paßt sich geschickt Hauptmanns Komödie an, kam aber auch nicht zu einem glücklicheren Schluß als das Bühnenstück, so daß das Publikum hier von dem Wort „Ende“ ebenso überrascht wurde, wie dort vom Vorhang.

Werner Hinz als Wehrhahn ist der monokelbewehrte, gut dargestellte, hochnäsige Amtsvorsteher, Vertreter der stumpfsinnigen Amtsschimmelpolitik. Wer allerdings einmal Heinrich George in dieser Rolle sah, wird erkennen, daß man aus dieser Gestalt noch mehr machen kann. Fita Benckhoff gibt die Mutter Wolffen ganz so, wie sich ihr" geistiger Vater diese Gestalt vorstellte: Scheinheilige Ehrlichkeit, im tiefsten Herzen aber ein grundehrlicher Mensch, resolute Frau, aber treusorgende Mutter, alles in einer Person. hn

THALIA

„So beginnt ein Leben“

Die Themenstellung dieses dänischen Filmes ist nicht ungefährlich. Es wirft sich die Frage auf, ob es verantwortet werden kann, die intimsten Dinge des menschlichen Zusammenlebens vor der Oeffentlichkeit zu zeigen und in so eindeutiger Form, wie es hier geschieht, in die Diskussion um Schwangerschaft, Schwangerschaftsunterbrechung, Kinderlosigkeit, uneheliche Mutterschaft und Geburt einzugreifen. Alice O’Frederiks und Lau Lauritzen, die für die Regie verantwortlich zeichnen, haben mit Mut und vor allem Takt heikle Dinge so sagen lassen, daß bei dem Besucher in keinem Augenblick der Eindruck entsteht, daß hier unter dem Vorwand einer ethisch-sozialen Aufgabenstellung mit landläufiger Scheinerotik spekuliert wird.

Ruth Breinholm als junge Frau, Jörgen Reenberg als ihr Mann, Jb Schönberg als Onkel Hans (eine meisterliche Charakterstudie) und Grete T h o r - dal als Mutter eines außerehelichen Kindes machen die einfache, aus dem Alltagsleben genommene Handlung durchaus glaubhaft. Hervorragend der Arzt, der mit wissenschaftlicher Gründlichkeit beachtenswerte Ratschläge erteilt.

HANSA. „Eine Frau wie Du“ Ein nicht neues Thema: eine Frau zwischen zwei Männern. Der Naturbursche dargestellt von Volker von Colla nd e als Ingenieur eines großen Werkes, der die Leiterin der sozialen Beratungsstelle, Brigitte Horney, sterblich liebt und nicht zum Ziele gelangt, alldieweil der aalglatte aber liebensjverte Joachim Gottschalk das Rennen trotz vieler Hürden gewinnt. Als Rechtsanwalt gehört er einer anderen gesellschaftlichen Welt an, die Reisen zum Lido und Cocktailparties absolviert, wie unsereiner sich die Filme ansieht, in denen das vorgeführt wird. Seine Huld gehört dem Fräulein Doktor und Brigitte Horney nimmt das gleich für bare Münze, was einige Enttäuschungen zur Folge hat. Er kauft, von Hubert von Meyerinck mit servilem Lächeln bedient, eine komplette Zeltausrüstung, die dazugehörig Forellen- und Hechtangel, und dann versucht er laut Gebrauchsanweisung das Ganze zu einem Wochenendausflug mit ihr zu vereinigen. Gerade da, als es zum Klappen kommen sollte, gerät er durch widrige Umstände in eine Bar, spannt aus Unsinn seinem Freund die Freundin aus, bringt sie im Wagen nach Haus, so um ein Uhr nachts, und rennt gegen einen Baum, allerdings erst vier Stunden später — und das fiel auf. Der Naturbursche bringt als selbstloser Freund dem Rechtsanwalt ihre Briefe zurück, und er reist nach Venedig und sie in Urlaub. Fast wäre es so ausgegangen, wenn nicht der Arzt Fräulein Doktor ein Kind vorausgesagt, er in Venedig einen überholten Abschiedsbrief gefunden hätte und darauf in ihre Arme geeilt wäre Die Regie war flüssig und der Film verspricht eine angenehme, leichte Unterhaltung.

Darmstadt und Umgebung

Wenn wir die Feuerwehr nicht hätten

Hero - „Wenn wir die Feuerwehr nicht hätten!“ flüstert’s zur Zeit in Eberstadt. Es ist mittlerweile ein geflügeltes Wort geworden, das flink von Mund zu Mund eilt, hier mit verhaltener Scheu, da mit selbstbewußtem Stolz weitergetragen wird. So kam es auch in die „ Tagblatt-Redaktion“. Wir standen stari' vor Staunen, als es uns unsere Austrägerin übermittelte und merkten gar nicht, daß im ersten Impuls auch unsere Lippen ehrfurchtsvoll die Worte formten: „Wenn wir die Feuerwehr nicht hätten . . .“

Die Eberstädter waren am vergangenen Sonntag in großer Not; jedenfalls diejenigen, die es in der Bullenhitze nicht zu Hause hielt oder an die Wahlurne trieb, sondern die ihren schweißtriefenden Körper in den Fluten des Freibades abkühlen wollten. Und das waren nicht wenige, wie wir von autorisierter Stelle erfuhren.

Freibäder sind sehr schön, vorausgesetzt, daß sie gepflegt und nicht unappetitlich sind. Das Eberstadter Freibad bereitete schon seit Tagen Tauchern kein Vergnügen mehr. Seine trübe Oberfläche war mit einem feinen, hellgrünen Netz überzogen. In der Botanik sagt man zu diesem „Ueberzug“, daß es sich um „im Wasser lebende Gewächse handele, deren Körper keine Unterscheidung von Wurzel, Stamm oder Blättern erlaube“, während er unseren Vorfahren als Seegras (Tang), das am Meeresufer ausgeworfen wird, bekannt war. Gleichgültig, wie man diesen Ueberzug charakterisieren mag, wir meinen Algen, die die Fläche des Freibades derart überwucherten, daß ein Baden fast unmöglich war.

Das sahenauch die fürs Freibad verantwortlichen Leute ein. Sie ließen das Wasser ab, reinigten das Becken und öffneten den Zufluß, um das Becken mit frischem Modau-Wasser zu füllen. Dieses Experiment ging daneben, weil die Modau so wenig Wasser führte, daß es mindestens vier Tage gedauert hätte, bis das Becken einigermaßen vollgelaufen wäre. Nun war guter Rat nicht nur teuer, sondern sehr eilig, da vor dem Bad bereits die ersten Gäste lauerten. Das Raten ging hin und her, bis entschlossen Branddirektor Jost mit seinen Feuerwehrmännern eingriff und vor dem. Freibad mit einer Motorpumpe auftauchte. „Mal was anderes“, dachten wohl die Feuerwehrmänner, als sie nun ihren Wasserstrahl nicht in ein loderndes Flammenbündel zu richten brauchten, sondern in ein ausgetrocknetes, trostloses Schwimmbecken. Immerhin hatten es die tapferen Feuerwehrmänner binnen zwei Stunden geschafft. Ob sie sich nachher mit den einströmenden Gästen ins Bad stürzten, konnten wir nicht feststellen. Tatsache ist, daß man ihnen' diese Tat in Eberstadt nicht so schnell vergessen wird.

Hoffen wir, daß man sie auch bei den Gemeindeoberhäuptern nicht vergessen hat, wenn demnächst entschieden werden soll, ob das Becken künftig durch den alten, natürlichen Zufluß gespeist werden soll oder weiterhin durch eine Motorpumpe. Wir können uns vorstellen, daß den braven Feuerwehrmännern diese kleine Abwechslung während der heißen Sommermonate sehr willkommen ist.

„Fräulein, bitte Darmstadt 32515!“

Autotelefonie Versuche beginnen

Am Rande von Darmstadt hat in den früheren Kasernen an der unteren Rheinstraße das Fernmeldetechni'sche Zentralamt der Bundespost seinen Sitz aufgeschlagen. Diese Tatsache trug mit dazu bei, daß die Fernseh GmbH, die früher in Berlin mit dieser Dienststelle der damaligen Reichspost eng zusammenarbeitete, gleichfalls aus dem kleinen oberbayrischen Ort Taufkirchen nach hier verzog. Aus den damaligen Kasernen sind gepflegte Büroräume geworden. In der Abteilung TV d werden zur Zeit die ersten Vorarbeiten für die Versuche der Autobahntelefonie vorbereitet.

In anderen Ländern, in den USA zum Beispiel, wurde die Autotelefonie bereits im Jahre 1945 eingeführt, allerdings, nach Ansicht von Fachleuten, noch mangelhaft entwickelt. Es ging nicht alles so schnell wie es wünschenswert gewesen wäre. Einmal war es die Frage der Frequenzen, die durch die 'Militärregierung bestimmt werden mußte, dann war es der Umbau des Senders auf dem Feldberg, der sich behindernd auswirkte, aber auch die Beschaffung von vielen kleinen Versuchsgeräten mußte durchgeführt werden. Man hatte gehofft, bereits im Juni mit den ersten Versuchen auf der Autobahn zwischen Darmstadt und Karlsruhe beginnen zu können, jedoch ist hier eine kleine zeitliche Verschiebung eingetreten. Die offizielle Bezeichnung ist UKW-SprecHdienst. Die gestellte Aufgabe ist, zwischen Kraftfahrzeugen und ortsfesten Sendern eine Sprechverbindung herzustellen. Es wird dann möglich sein, nach vorsichtigen Schätzungen wird es vielleicht zwei Jahre dauern, vom Auto aus während der Fahrt mit anderen Fernsprechteilnehmern sprechen zu können. Sicher ist theoretisch diese Frage bereits gelöst, aber in der Praxis werden noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sein. Vor allen Dingen wenn die optische Sicht gestört ist, werden verschiedene Versuche sich als notwendig erweisen. Nur durch intensive Erprobung werden all die Hindernisse bewältigt werden können.

Man ist zur Zeit dabei, ortsfeste Stationen zu errichten und stattet in den nächsten Tagen Fahrzeuge mit den erforderlichen Geräten aus. Um den Autofernsprechverkehr durchführen zu können, wird man ungefähr alle 40 bis 60 Kilometer einen Sender errichten müssen. Dies wären im Bundesgebiet ungefähr 60 ortsfeste Stationen. Der Ultra- Kurzwellenfunk stellt die Grundlage der Autobahntelefonie dar. Jedes Kraftfahrzeug wird einen UKW-Sender und Empfänger benötigen, um Gespräche empfangen und durchführen zu können. Man hofft, die Kosten in Zusammenarbeit mit der Industrie stark senken zu können, jedoch wird die Anlage noch sehr teuer sein, wenn man überlegt, daß die Kosten bei einem Polizeifunkwagen zwischen 7- bis 8000 DM liegen.

‘Nach den informatorischen Mitteilungen des Amtes sind drei Arben von UKW-Telefonie geplant. Erstens das sogenannte Ortsnetz, das die Verbindung im engeren Umkreis herstellt und zum Beispiel für Aerzte in Frage käme. Zweitens der Fernsprechverkehr und drittens eine Kombination der beiden ersten Arten. Es wäre jeweils eine verschiedenartige Apparatur notwendig.

Die Regelung, ob der Fahrer des Kraftfahrzeuges direkt das entsprechende Amt wählen soll oder das Amt sich bei der Abnahme des Hörers meldet, steht noch offen. Dagegen ist für jedes Fahrzeug eine fünfstellige Wahlnummer vorgesehen, so daß es direkt gewählt werden kann. Ein weiterer Punkt ist die Wahrung des Postgeheimnisses. Es wird ein sogenanntes „SelekbivrufSystem“ eingeführt, bei dem man durch Hilfe von vier Frequenzen keine fremden Mithörer hat.

Zweifellos eine kleine Umwälzung, die unter dem Motto steht, „Zeit ist Geld“. Wenn in den nächsten Wochen die Versuche an’laufen, wird ein neues Projekt in Angriff genommen, das große Perspektiven hat.

„Gewwe se mer mal e Schipp!“

Auf die Müllabfuhr unserer Stadt wird viel geschimpft. Mit Recht. Oft wird der Müll nur noch einmal in der Woche abgefahren,, so daß die übervollen Tonnen stets mit anklagend hochgedrückten Deckeln dastehen. Neben ihnen verunziert der in allen möglichen und unmöglichen Gefäßen aufbewahrte Abfall die Gegend.

Kann schon die Stadt gegen diese Mißstände wegen des Wagenmangels und .der fehlenden Mittel zur Anschaffung einer ausreichenden Zahl neuer Mülltonnen nichts tun, so schlägt doch wenigstens manchem Müllmann ein Herz unter der Schürze: Wir hatten kürzlich die Weißbinder im Haus-Ais sie gingen, hinterließen sie uns einen kleinen Berg aus von den Zimmerdecken geschlagenem Verputz. Wir mußten damit rechnen, ihn nur stufenweise und im Verlauf von Wochen abtragen zu können.

Aber da schellt es und vor der Tür steht „unser" Müllmann in der Mittagshitze, braungebrannt, verwischten Schweiß auf der Stirn. „Gewwe se mer mal e Schipp sagt er, und rollt schnell eine schon geleerte Tonne herbei. In ein paar Minuten ist der häßliche Haufen in ihrem Bauch verschwunden.

Eine Zigarette, zwei zufriedene Gesichter — und keine Trägheit des Herzens . . . (rw)

Die Barmer Ersatzkasse hält am Donnerstag, dem 20. Juli einen Ausspracheabend für ihre Vertrauensleute im „Braustübchen“ ab. an dem ein Referent der Hauptverwaltung über das demnächst vom Bundestag zu verabschiedende Gesetz über die „Wiederherstellung der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung“ sprechen wird.

Ehemalige Schüler feierten Wiedersehen

Die Schüler der ehemaligen Ballon- und Müller-Schule veranstalteten auf dem „Heilig Kreuz“ eine Wiedersehensfeier. Der große Saal war mit Birkengrün und Blumen festlich geschmückt.

In «einer Begrüßungsansprache konnte Kamerad Hummel neben den zahlreich erschienenen Schulkameraden und deren Angehörigen auch zwei ehemalige Lehrer, die Herren Hilsdorf von der ehemaligen Ballon-Schule und Oberreallehrer i. R. May von der ehemaligen Müller-Schule besonders willkommen heißen. Ihre Anwesenheit sei ein besonderes Zeichen der Verbundenheit zwischen Lehrer und Schüler und es wäre zu wünschen, daß die göttliche Vorsehung weiter über ihnen walten möge. In seiner Ansprache gab Kamerad Hummel einen Ueberblick über die abgelaufenen 65 Jahre. Er erwähnte besonders die Schuljahre, die er als die schönsten ihres Lebens bezeichnete, Herr Hummel gedachte in seiner Ansprache der Kameraden, der der Tod inzwischen abberüfen hat.

In einem reichhaltigen Programm wirkte der Schubert-Chor Darmstadt, die Damen Hilla Weber, Käthe Zörgiebel, Frau Häntschel und die Herren Willi Zörgiebel, Fornoff und Mangold, alle Mitglieder des Schubert-Chores, mit. Frau Christel Hummel erntete mit zwei heiteren Vorträgen rauschenden Beifall. Das Programm war noch umrahmt von einigen Liedern; die gemeinsam gesungen wurden. Kamerad Albert Jakob sprach seinen Dank für die Einladung der Schüler der ehemaligen Müller-Schule aus und schlug vor, in jedem Jahr eine Wiedersehensfeier zu veranstalten.

Lehrer Hilsdorf bedankte sich, auch im Namen seines Kollegen May, für die Einladung, lobte mit treffenden Worten die schöne Feier und hielt einen kurzen Vortrag über die Einführung des Arbeitsunterrichtes in den hessischen Schulen.

Eine Ueberraschung gab es beim Beginn einer Polonäse, als Bienchen-Bimmbernell, die Tochter des Kameraden Höhner, den Frauen einen prächtigen Blumenstrauß überreichte. Dem Kameraden Hummel wurde für das Zustandekommen der Wiedersehensfeier durch Ueberreichung eines Straußes und einer Riesenzigarre besonders gedankt. Hu.

Jungbauern auf Lehrfahrt

Der Verein ehemaliger Schüler der Landwirtschaftsschule Darmstadt hatte seine Mitglieder zu einem Lehrausflug in die Wetterau eingeladen. Die Beteiligung war groß. Insgesamt fünf Omnibusse waren mit über 180 Teilnehmern besetzt, als am Freitag die Fahrt begann. Die Vorarbeiten leistete der Vorsitzende Morschroth, Eschollbrücken, und der Geschäftsführer, Landwirtschaftsrat Dr. Schwind, die auch die Führung übernommen hatten. Freudig begrüßt wurde die Teilnahme des langjährigen Direktors der Schule, des Landwirtschaftsrats Strack, sowie der Lehrerinnen Frl. Breitbach und Frau v. Versehe.

Die Fahrt ging nach Nieder-Wöllstadt, wo wo sich die Teilnehmer in zwei Gruppen teilten, da Hofbesichtigungen in zu großen Gruppen unvorteilhaft sind. Der erste Besuch galt der Landmaschinenfabrik Tröster, Butzbach, in der besonders die Herstellung von Drillmaschinen bis 4 m Drillbreite Beachtung fand. Von hier ging die Fahrt nach Reichelsheim. Der Betrieb Malay war das Ziel. Herr Direktor Strack überreichte hier dem 85jährlgen Altbauern, der vor fast 70 Jahren die Landwirtschaftsschule Darmstadt besuchte, ein Bild der neuerrichteten Anstalt. Dieser Betrieb von 72 Morgen ist gekennzeichnet durch «eine elektrischen Einrichtungen in Hof, Stall und Scheune. Weiter ging die Fahrt nach Assenheim, wo der Betrieb Reiff, der sich besonders auf Schweinezucht spezialisiert, in Augenschein genommen wurde. Das nächste Ziel war Wickstadt, das Hofgut des früheren hessischen Ernährungsministers Lorberg. Dieses gut, das durch seine Saatgutwirtschaft und Viehzucht bekannt ist, fand eine eingehende Besichtigung. Den Abschluß der Hofbegehungen bildeten die Betriebe Schüdt und Walter in Ossenheim.

Dankenswert wurde begrüßt, daß überall die Betriebsinhaber die Führungen übernahmen und bereitwilligst auf alle Fragen Antwort gaben. —ler

Welcher Friseur wurde bestohlen?

Vor wenigen Tagen verhaftete die Kriminalpolizei in Wiesbaden zwei Strauchdiebe, die sich in einer ganzen Reihe von Ortschaften Einbrüche und Diebstähle zuschulden kommen ließen. Bei ihrer Vernehmung gestanden sie, Ende April in einem Ort bei Darmstadt den Schaukasten eines Friseurgeschäftes abgerissen und erbrochen zu haben.

Die Kriminalpolizei sucht nach dem geschädigten Friseur und erbittet Meldungen an die Kriminalpolizeiinspektion in Darmstadt, Holzhofallee 25. DT

In der Stadt notiert

Eine öffentliche Sitzung des Kreiswahl¬ ausschusses findet am heutigen Mittwoch um 10 Uhr im Stadthaus (Lagerhausstraße, Saal 201) statt. Tagesordnung: 1. Verpflichtung der Beisitzer, der stellvertretenden Beisitzer und der Schriftführer; 2. Feststellung der endgültigen Abstimmungsergebnisse auf Grund der Abstimmungsniederschriften. DT

Spezialfacharbeiter bauen einen 65 Meter hohen Schornstein für die neuen Ofenanlagen der Südhessischen Gas und Wasser AG in der Frankfurter Straße. In zwei Schichten entsteht Ring um Ring des schlanken Bauwerks, dessen Fertigstellung in der nächsten Zeit zu erwarten ist. DT

Am 15 Juli veranstaltet die Sport- und Kulturgemeinde Eberstadt — Gesangsabteilung „Harmonie“ — im Schwanensaal ein großes Sommemachtsfest, bei dem die Balettgruppe Niederbeerach, die „ Melodia-Sieben“, ein Chor und namhafte Solisten mitwirken.

Die Wanderabteilung der Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846 unternimmt am Sonntag, dem 16. Juli, eine Nachmittagswanderung nach Seeheim. Abmarsch: 14.00 Uhr vom Böllenfalltor. Marschzeit: 3 Stunden. Gäste willkommen.

„Verbaost“, Kreisverband Darmstadt- Stadt und Land hält seine nächste Mitglieder-Zusammenkunft am Samstag, 15. 7. 1950, um 17 Uhr im Hotel Knauf, Darmstadt, Bleichstraße, ab. Dabei wird über die Delegierten-Konferenz in Bonn Bericht erstattet und Erklärungen zur Überbrückungsbeihilfe u. a. m. gegeben. DT

Der Neubau des Textilhauses Schrumpf in der oberen Rheinstraße wächst empor. Im Erdgeschoß werden die Verkaufsräume untergebracht, während in den oberen Stockwerken Wohnungen erstellt werden.

Das Sanitätshaus Kattier beginnt gleichfalls mit dem Bau des Vorderhauses. Man will bis zum September das Haus bezugsfertig haben. -ib-

Eine ausreichende Kanalisation erhält die Moltkestraße im Anschluß an das im Vorjahr gebaute Stück, zur Entwässerung der vor der Fertigstellung stehenden Bauten der Postsiedlung in der Nähe des Südbahnhofs. Im vergangenen Jahr verunglückten in dieser Straße zwei Tiefbauarbeiter bei den Kanalisationsarbeiten. DT

In der Gervinusstraße:

Blühender Holunder und Trümmer

In Darmstadt scheint die Sonne über Gerechte und Ungerechte mit gleicher Wärme, so scheint es und so scheint sie. Denn als die Stadtverordneten im Jahre 1882 eine neue Straße unweit des Großen Woog Gervinusstraße tauften, war es ihnen kein Dorn im Auge, daß der Vater dieses Straßennamens, der Geschichtsprofessor Georg Gottfried Gervinus, alles andere, nur kein Freund des eisernen Bismarck war, ganz im Gegensatz zum Geheimrat Arthur Osann, dessen Straße wir 'uns letztesmal betrachteten. Sogar ausgesprochen böse war der gute Gervinus diesem Bismarck und den Preußen wegen ihre gewalttätigen Politik und von der Reichsgründung 1871, kurz vor seinem Tode, war er absolut nicht begeistert. Zwar wollte auch er ein einiges Reich, aber nicht so.

Uebrigens ’war Professor Gervinus weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus bekannt als der Vater der modernen Literatur- und Geschichtsbetrachtung, denn er wußte die Geisteswelt mit dem politischen und kulturellen Leben in bisher unbekannten Zusammenhang zu bringen. In seiner Jugend glaubte keiner, daß aus ihm mai ein gescheiter Professor werden würde, und sein Lehrer Storck hatte ihn zusammen mit Kaup (Kaupstraße) und Liebig in der Schule in die Eselsbank gesteckt. „Aus denen wird nie etwas“, sagte er dazu. Da hat er Pech gehabt mit seiner Weissagung, denn in Göttingen gehörte Gervinus zusammen mit den Brüder Grimm zum sogenannten „Siebengestirn“ des Geistes.

Und die Gervinusstraße selbst? Ganze zwei Häuser sind wieder richtig aufgebaut, ein weiteres macht mehr den Eindruck eines gemauerten Behelfsheimes, und in Haus Nr. 45 ist Familie Schäfer dabei, sich mühselig etwas Bewohnbares in Selbsthilfe zu basteln. Das ist alles an Wiederaufbau in der langen Gervinusstraße. Im übrigen: Verwilderte Vorgärten, blühender Holunder und Trümmer, Trümmer, Trümmer. -ae-

Neubürgerversammlung in Griesheim

Der Wille zur Zusammenarbeit mit den Altbürgern und einer echten, gutnachbarlichen Verständigung stand im Vordergrund der Zusammenkunft die von R. Kadegge eröffnet wurde. Der Vertrauensmann der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, Herr Knoll, berichtete über die Vorarbeiten der Flüchtlingsbaugenossenschaft. Aus seinen Ausführungen war zu entnehmen, daß bei allem guten Willen der örtlichen Stellen im Landes- und Bundesmaßstab die Bürokratie die meisten Schwierigkeiten mache. Dabei müsse das Problem des Wohnungsbaus doch schnellstens gelöst werdjen.

Die Frage der Kreditgewährung könne in allernächster Zeit beantwortet werden. Mit dem Abstecken der Bauplätze habe man bereits begonnen und auf manchen Grundstücken werde schon eifrig gearbeitet.

In der Diskussion wurden neben allgemeinen Fragen auch die Gründüng von Landsmannschaften erörtert. Man war in der Versammlung der Meinung, daß solche Organisationen die Neubürger zersplitterten.

Der Widerhall der Arbeit um die Seßhaftmachung der Heimatvertriebenen würde in Presse und Funk sehr oft in einem zu rosigen Licht gezeigt Dabei hätten einige Tageszeitungen keinen Raum für die wirklichen Probleme.

Jugendreferent Bodinger berichtete über die Tätigkeit der Jugendgruppen. Er forderte die Eltern auf, die Jugendarbeit mehr als bisher zu fördern. Sie sei die beste Gewähr dafür, daß die Jugend die alte Heimat nicht vergesse und die neue Heimat liebgewinne.

Sommerfest beim „Liederkranz“

Der Mannergesangverein „Liederkranz“ Darmstadt feierte am Sonntag zum ersten Male nach dem Kriege wieder sein Sommerfest auf dem „Heilig-Kreuz“. Am Nachmittag gab eg für die Kleinen, die mit Süßigkeiten beschenkt wurden, Eierlaufen, Sackhüpfen. Wurstschnappen und Topfschlagen, und am Abend tanzte jung und alt bis in die Nacht hinein.

Der Chor sang während des Festes der Jahreszeit angepaßte Lieder,

Wiederaufbau der Kunstschule

Die Stadt hat dazu geholfen

In der Olbrichstraße 10 steht ein Haus, an dem in letzter Zeit emsig gearbeitet wird. Aus dem Besitz des Großherzogs stammend, wurde es von ihm der Künstlerkolonie überlassen und brannte in der Katastrophennacht restlos aus. Als 1947 die Darmstädter Kunstschule ins Leben gerufen

wurde, mußte sie vorläufig im Hochzeitsturm untergebracht werden, da die notwendigen Geldmittel zum Ausbau des Hauses nicht vorhanden waren. Durch Unterstützung der großherzoglichen Vermögensverwaltung konnte mit verhältnismäßig geringen Aufwendungen der Hochzeitsturm hergerichtet werden, in dem jetzt die Kunstschule etabliert ist. Die beschränkten Verhältnisse machten aber sehr bald eine Ausweitung in neue Räume erforderlich, und mit Hilfe der Stadt wurde nun an den Wiederaufbau der Kunstschule herangegangen.

In dem neuen Gebäude, das voraussichtlich zum 15. August fertiggestellt sein wird, finden die Abteilungen Innenarchitektur, die bisher im Keller des Hauses arbeitete, die Keramik- und die Bildhauerklasse Unterkunft. Wo bisher die Keramikklasse ihren Arbeitsplatz fand, wird jetzt die von dem Würth-Verlag, Darmstadt, angekaufte Handdruckpresse aufgestellt. Leider reichen die Geldmittel nur für einen teilweisen Wiederaufbau, so daß der erste Stock in seinem jetzigen Zustand verbleiben muß. Im Erdgeschoß und dem Zwischengeschoß sollen die keramischen Werkstätten, der Zeichen- und Hörsaal, Labor und Gipserei untergebracht werden. Gleichfalls finden dort die Bildhauer- und Lehrer-Ateliers ihren Platz. Die Räumlichkeiten im Hochzeitsturm werden nach Fertigstellung des Hauses beibehalten, da es das Bestreben der Kunstschule ist, durch Intensivierung der Arbeit auch die Ausbildung des Handwerks und der Industrie mehr in ihren Aufgabenbereich einzubeziehen.

Um dieses Projekt durchführen zu können, sind Abendkurse geplant. Bei Semesterschluß hörten 61 Studierende in sämtlichen Ausbildungklassen, und als endgültiges Ziel ist eine Belegung durch etwa 100 Studenten vorgesehen. Zum Semesterbeginn der Kunstschule am 1. Oktober wird das neue Gebäude, in dem in den nächsten Tagen die Holzbearbeitungsmaschinen für die Innenarchitekturklasse aufgestellt werden, bezugsfertig sein. Damit dürfte die Darmstädter Kunstschule die notwendigen und repräsentativen Räumlichkeiten haben, die erforderlich sind, um eine gründliche Ausbildung der Kunstschaffenden zu gewährleisten, und die den Ruf Darmstadts als eine kunstsinnige Stadt weit über seine Grenzen hinaustragen wird. hfl.


Die Kunstschule Darmstadt (bisher reichlich behelfsmäßig im Hochzeitsturm untergebracht) wird bald wieder über schöne, große und helle Atelierräume verfügen können: Hinter der Mathildenhöhe wird gegenwärtig ein Haus für die Kunstschule aufgebaut, das schon früher als Atelierhaus mit einigen Künstlerwohnungen gedient hat. Foto: Hage
Die Kunstschule Darmstadt (bisher reichlich behelfsmäßig im Hochzeitsturm untergebracht) wird bald wieder über schöne, große und helle Atelierräume verfügen können: Hinter der Mathildenhöhe wird gegenwärtig ein Haus für die Kunstschule aufgebaut, das schon früher als Atelierhaus mit einigen Künstlerwohnungen gedient hat. Foto: Hage

Staatsrat i. R. Block

auf dem Wege der Besserung

Der durch seine langjährige leitende Tätigkeit im höheren Schuldienst Hessens bekannte Staatsrat i. R. Block befindet sich auf dem Wege der Besserung. Staatsrat Block war vor einiger Zeit in Gießen von einem Motorradfahrer überfahren worden. Dabei hatte er einen Schädelbasisbruch und drei Rippenbrüche erlitten. Er beabsichtigt, nach seiner Genesung wieder von Groß-Umstadt, wo er seit seiner Ausbombung wohnt, nach Darmstadt zu ziehen. DT

Rheinfahrt des Vd&k

Mit den Schiffen der Ginsheimer Personenschiffahrt A. SchreDfer — „Deutschland“, „Olympia“ und „Rheintreue“ — werden die Mitglieder und Förderer des Verbandes der Kriegsbeschädigten. Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V. — Ortsgruppe Darmstadt — am Sonntag, dem 23. 7. 50 zu ihrer diesjährigen Rheinfahrt nach St. Goarshausen starten. 800 Teilnehmer haben neben einer eindrucksvollen Fahrt auf dem Rhein, als Gäste der Lorelei-Stadt Gelegenheit. ein echtes rheinisches Sommerfest zu erleben, um in engster kameradschaftlicher Verbundenheit mit der VdK-Ortsgruppe St. Goarshausen einen frohen Ferientag zu begehen. Eine beschränkte Anzahl Teilnehmerkarten steht noch zur Verfügung auf der Geschäftsstelle der VdK-Ortsgruppe Darmstadt. Emilsstraße 28.

Zweiter Lehrgang des DLRG

Nachdem vor einigen Tagen der erste Lehrgang der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft im Rettungsschwimmen mit Erfolg abgeschlossen wurde, lief nun der neue am 11. Juli 18.00 Uhr an. Erfreulich ist, daß dergleichen Kurse, die nicht nur zur körperlichen Ertüchtigung und Freude des Einzelnen geschaffen wurden, sondern einen sehr ernsten Hintergrund haben, völlig kostenlos durchgeführt werden.

Der neue Kurs findet im Woog unter Leitung von Schwimmeister Feldmann statt und wird etwa 12 Abendstunden umfassen. Dr. med. Hein, Heimannstraße, übernahm freundlicherweise die ärztliche Unterrichtung bei Wiederbelebung. Möchten sich recht viele junge Leute diesem Lehrgang anschließen. DT

Eine 12 Meter breite Fahrbahn mit beidseitigen Radfahrwegen und Bürgersteigen entsteht in der Bessunger Straße an der Stelle des früheren Bahnwärterhäuschens. Nach längerer Auseinandersetzung mit der Bundesbahn, der das Gelände immer noch gehört, konnte dieses Verkehrshindernis vor einiger Zeit abgerissen werden. Das Straßenstück, mit dessen Fertigstellung in etwa 14 Tagen zu rechnen ist, wird augenblicklich von 18 Straßenbauarbeitern und Pflasterern in anstrengendster Arbeit ausgeführt. DT

Der monatliche Gebetsgottesdienst für die Kriegsgefangenen, den der Stadtverband der ev. Frauenhilfe durchführt, findet heute 20 Uhr in der Stadtkirche statt. DT

Wohin gehen wir heute?

Landestheater: Orangerie 19.30 Uhr (B/24)- „Othello“; Ende 22 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Maria Walewska“; Thalia: „So beginnt ein Leben“; Belida: „Gabriela“; Palast: „Der Biberpelz“; Hansa: „Eine Frau wie du“.

Amerikahaus 17 Uhr: Eröffnung der Ausstellung: „Fotoform“; 20 Uhr: „Lieder- und Arienabend“. Gesangschule Horn-Stoll.

Stadtverband der ev. Frauenhilfe: „Gebetsgottesdienst für die Kriegsgefangenen“, 20 Uhr. Stadtkirche.

Hausfrauenbund: Heagsaal 15.30 Uhr, Vortrag: Frau Neebe, Darmstadt, und Fävlein Schröder, Frankfurt: „Wir backen und kochen für Kinder und Kranke“.

Wir gratulieren :

70. Geburtstag: Frau Anna Fuchs, Reinheim i. O„ Darmstädter Straße.

Starkenburg

Zentrale des Lergsträker Obstbaus

Zwingenberg — die Pfirsichstadt der Bergstraße

Zwingenberg an der Bergstraße ist eines von jenen seltenen Landstädtchen, die Industrie und Landwirtschaft zu wirtschaftlichem Wohlstand sinnvoll zu verknüpfen wissen. Eingebettet in seine Obstgärten und Weinberge, gekrönt von seiner alten Bergkirche, vermittelt es dem Beschauer ein Stück mittelalterlicher Stadtbaukunst. Das trotzige Schloß, altersbraune Ziegeldächer, winklige Gäßchen mit alten Fachwerkbauten, da ein schönes Tor, dort eine hochstufige Treppe den Berg hinauf, das sind die malerischen Eindrücke, die das Auge in Zwingenberg immer wieder empfängt.

Am Rande aber erheben sich die weit über die Grenzen bekannten Deutschen Milchwerke „Fissan“, die unter der vorzüglichen Leitung ihres Gründers, Herrn Dr. Sauer, bis in den Krieg hinein wesentlich zum. Wohlstand der Stadt beigetragen haben. Nach dem Kriege lag das Werk leider unter amerikanischer Beschlagnahme, wodurch Zwingenberg erhebliche finanzielle Verluste erwuchsen. Heute ist es jedoch dank der Fürsprache von Frau Braatoy, einer in Amerika lebenden Tochter des verstorbenen Dr. Sauer gelungen, die Fissan-Werke frei zu bekommen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die bewährten Fissan-Erzeugnisse wieder auf dem deutschen Markt erscheinen werden.

Die andere Säule, auf der Zwingenbergs Wirtschaft ruht, ist die Großmarkthalle der Bergsträßer Obst- und Gemüsezentrale, die unter der Leitung von Herrn Landwirtschaftsrat Dr. Schmidt alljährlich viele tausend Zentner Obst zum Weiterverkauf versteigert. Dieser Einrichtung geht der Ruf einer ausgezeichneten Organisation voraus, die wesentlich dazu beiträgt, Zwingenberg einen ansehnlichen Platz neben seiner größeren Nachbargemeinde "Bensheim-Auerbach zu sichern. Das diesjährige Obstbaufest, das vom 15. bis 17. Juli in Verbindung mit dem nun schon traditionellen Pfir sichtest gefeiert werden soll, sieht eine groß angelegte Leistungsschau vor, bei der die vorzüglichsten Produkte prämiiert werden. Ueberhaupt trägt das Obstbaufest den Stempel einer ernsten Arbeitstagung, bei der namhafte Experten des Obstbaues zu Wort kommen werden. Vor allem wird das Referat des Leiters der Schweizerischen Zentrale für Obstbau Herrn Dr. Spreng, mit großem Interesse erwartet.

Man sieht: Zwingenberg, das von sich behaupten kann, schon seit 1258 das Stadtrecht zu besitzen, ist keineswegs nur ein verträumtes malerisches Städtchen, in dem man gelegentlich Feste feiert, sondern es ist ein Ort großer wirtschaftlicher Regsamkeit, der in sachlich interessierten Kreisen von sich reden macht. (Kä.)


Das Wahrzeichen von Zwingenberg, die alte Bergkirche, wird während der Festtage des 2. Bergsträßer Obstbautages, vom 15. bis 17. Juli, allabendlich nach Einbruch der Dunkelheit durch Tiefstrahler angestrahlt und weit ins Land hinaus zu sehen sein Unser Bild zeigt den Blick vom Zwingenberger Marktplatz mit der alten Apotheke auf die evangelische Kirche, die gleichsam erhaben über alles menschlich Kleine von ihrer Höhe schaut. Foto: Hölin
Das Wahrzeichen von Zwingenberg, die alte Bergkirche, wird während der Festtage des 2. Bergsträßer Obstbautages, vom 15. bis 17. Juli, allabendlich nach Einbruch der Dunkelheit durch Tiefstrahler angestrahlt und weit ins Land hinaus zu sehen sein Unser Bild zeigt den Blick vom Zwingenberger Marktplatz mit der alten Apotheke auf die evangelische Kirche, die gleichsam erhaben über alles menschlich Kleine von ihrer Höhe schaut. Foto: Hölin

Beim Ueberholen verunglückt

Der 47jährige Motorradfahrer Jakob Kraft aus Hahn, der die Alsbacher Schloßbeleuchtung besuchen wollte, stieß auf der Hinfahrt beim Ueberholen eines Lastwagens in der Nähe von Bickenbach mit einem entgegenkommenden Personenwagen zusammen. K. erlitt einen komplizierten Beinbruch und Hautabschürfungen, seine auf dem Sozius sitzende Ehefrau eine schwere 'Gehirnerschütterung. Beide wurden in das Eberstadter Krankenhaus gebracht. Der Sachschaden an den Fahrzeugen war gering. (ler)

Heppenheimer Adreßbuch

Das Adreßbuch der Kreisstadt Heppenheim liegt nun endgültig vor. Es hat ein günstiges, nicht allzu großes Format, und der deutliche Druck erleichtert die Uebersicht ganz wesentlich. (HB)

Kupplerin gefakt

Frau R. Sch. aus Erfelden verkuppelte mit Vorliebe an weiße und farbige Soldaten ihr© eigene Tochter und „Fräuleins“ der näheren und weiteren Umgebung. Unter der Anklage einfacher und schwerer Kuppelei wurde die „sittsame Dame“ nunmehr in Haft genommen. (DT)


Das Alsbacher Schloßfest am vergangenen Wochenende konnte einen eindeutigen Erfolg des Verkehrs- und Verschönerungsvereins aufweisen Unser Bild zeigt „Die vier Haimonskinder“, Gestalten der Sage, die ebenfalls in dem historischen Festzug vertreten waren Foto: Hauschildt
Das Alsbacher Schloßfest am vergangenen Wochenende konnte einen eindeutigen Erfolg des Verkehrs- und Verschönerungsvereins aufweisen Unser Bild zeigt „Die vier Haimonskinder“, Gestalten der Sage, die ebenfalls in dem historischen Festzug vertreten waren Foto: Hauschildt

Scheunenbhrand in Heppenheim

Am Sonntagnachmittag brach in Heppenheim im Anwesen des Metzgermeisters Grein ein leichter Scheunenbrand aus, der aber dank dem sofortigen Einsatz der Feuerwehr schnell gelöscht werden konnte. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. (HB)

Bad König erhöht Verkehrssicherheit

Gemeinderat Bad König diskutiert Verkehrsprobleme

In der öffentlichen Gemeinderatssitzung wurde das Problem der Verkehrssicherheit innerhalb des Ortsbereiches des Badestädtchens lebhaft diskutiert. Nach ausführlichen Darlegungen der Ver'kehrsbedingungen beschloß man einstimmig, die Geschwindigkeitsgrenze für alie Fahrzeuge innerhalb des OrtstvCrkehrsnetzes auf 25 km/h herabzusetzen. Um die Verkehrssicherheit besonders in der Bahnhofstraße restlos zu gewährleisten, ist ab sofort auf der Ostseite der Bahnhofstraße von Weypreohtstraße bis Bahnhof Parkverbot angeordnet. Grundsätzliches Halteverbot für alle Fahrzeuge wurde für die Westseite der Straße vom Bahnhof bis Weyprechtstraße beschlossen.

Im weiteren Versammlungsverlauf entsprach man dem Bauplatzgesuch des Jakob Horn in der Weyprechtstraße neben dem Neubau Scharberger im Grundstückstausch mit dem Rosengarten ohne Einschränkung Für die weitere Bauplatzverteilung sind die Gesuche von Hans Kuhl und Johann Knöll vorgemerkt. Die Errichtung eines Behelfsheimes oberhalb des Hauses Wehrheim durch den Töpfer Old wurde ebenfalls gutgeheißen.

Die Friedhofsgebührenordnung konnte in ihren Grundgebühren bis auf kleine Abweichungen genehmigt werden. Der Preis für ein Wahlgrab beträgt danach DM 40,—. Einem Antrag auf Ausstattung der Leichenhalle mit Buxpyramiden wurde stattgegeben und der Antrag zur umgehenden Beschaffung erteilt. Unter Punkt „Verschiedenes“ der Tagesordnung bewilligte man dem „Sozialen Hilfswerk“ (Sektion Hessen) 20 DM Unterstützungsbeihilfe. Die Gemeind© beabsichtigt für ihre Zugehörigkeit zum Heimatbund einen Jahresbeitrag von 20 DM zü zahlen.

Der Bürgermeister brachte der Versammlung die Genehmigungspflicht für Jagdpachtverträge zur Kenntnis. Einem Gesuch des Gemeinderatsmitgliedes Dr. Wolf auf Ausscheidung aus dem Gemeindeparlament wurde entsprochen, die Klärung der Nachfolge jedoch bis zur nächsten Sitzung vertagt. Lebhaft diskutierte man einen Vorschlag auf befristete Stilllegung der • Wohnungskommission, demzufolge künftig dem Vermieter die Wahl seines Mieters, nach dem Beispiel von Aschaffenburg und anderen Städten, selbst überlassen werden soll. (bk)

Konzert im Erbacher Schloßhof

Das Orchester des Hessischen Landestheaters Darmstadt veranstaltet am Donnerstag, 13. Juli, 20.15 Uhr, als 9. Abonnementsveranstaltung der Gastspielsaison in Erbach ein festliches Konzert im Hof des Erbacher Schlosses. Als Solisten wirken mit: Ruth Wi 11 k e (Sopran) und Otto Boettcher (Tenor). (-ch)

Prämiierung beim Beerfelder Pferdemarkt

In Ergänzung uhnseres gestrigen Berichts über den Beerfeldener Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarkt veröffentlichen wir heute die ersten Preisträger der Prämierungen:

Warinblut-Pferde

Stuten, vier- bis achtjährig a) Bodenständige Pferde: 1. Georg Siefert (Airlenbach); 2. Adam Hoffarth (Rehbach); 3. Georg Siefert (Etzean). — b) Eingeführte Stuten: 1. Georg Kredel (Elsbach); 2. Georg Siefert (Airlenbach); 3. Heinrich Eckert (Unter-Mossau). Kritik: Bodenst. Stuten: Mateiral gut; Stuten eingeführt: Spitze sehr gut, Rest stark abfallend.

Dreijährige Stuten

a) Bodenständige Pferde: 1. Ludwig Siefert I. (Airlenbach); 2. Alexander Graf zu Eerbach (Eulbach); 3. Heinrich Eckert (Unter-Mossau). — b) Nicht bodenständige Pferde: 1. Georg Kredel (Elsbach); 2. L. Hörr (Hiltersklingen). Kritik: Spitze gut, Rest abfallend.

Zweijährige Stuten

1. Ludwig Sattler (Airlenbach); 2. H. Hotz (Ober-Sensbach); 3. L. Siefert 11. (Airlenbach).. Kritik: Sehr gut — gut.

Einjährige Stuten

1. Georg Siefert (Airlenbach); 2. Peter Straub (Langen-Brombach); 3. Ludwig Sattler (Airlenbach). Kritik: Ziemlich gut.

Absatzfohlen

a) Mutter bodenständig: 1. Georg Siefert (Airlenbach); 2. Georg Weber (Böllstein); 3. Wilhelm Krämer (Unter-Mossau). — b) Mutter eingeführt: 1. Georg Kredel (Elsbach); 2. Georg Siefert (Airlenbach); 3. Peter Meisinger (Schönnen). Kritik: a) Material gut — befriedigend; b) gut.

Familien, Stuten mit mindestens 2 Nachkommen in mittelbarer od. unmittelbarer Geschlechter. folge

1. Adam Hoffarth (Rehbach); 2. Georg Siefert (Airlenbach); 3. Friedr. Adam Ihrig (Beerfelden). Kritik: Sehr gut — gut.

Kaltblut-Pferde

Stuten, vier- bis achtjährig 1. Georg Kaiser (Airlenbach); 2. W. Scior (Unter-Mossau); 3. Ludwig Michel (Hetzbach). Kritik: Befriedigend.

Dreijährige Stuten

1. Joh. Ad. Schäfer (Airlenbach); 2. Jakob Siefert (Hetzbach). Kritik: gut — sehr gut.

Zweijährige Styten

1. Ludwig Siefert (Airlenbach); 2. Peter Ott (Hetzbach); 3. Leonhard Rebscher (Gammelsbach). Kritik: gut.

Absatzfohlen

1. Georg Michel (Airlenbach); 2. Georg Kaiser (Airlenbach); 3. W. Scior ( Unter-Mossau). Kritik: ziemlich gut.

Händlerpferde

Einzelpferde

1. Schuhmacher (Schönbrunn); 2. Reitbauer (Höchst i. Odw.); 3. Just (Wiesbaden).

Gespanne

1. Glaser (Altheim); 2. Reitbauer (Höchst).

Rindvieh — Fleckvieh

Bullen, über drei Jahre alt: 1. Stationsbulle Airlenbach.

Bullen, unter drei Jahren: 1. Gemeinde Airlenbach; 2. Stationsbulle Beerfelden; 3. Stationsbulle Hetzbach.

Leistungskühe

1. Wilhelm Siefert 11. (Airlenbach); 2. Jak. Siefert (Hetzbach); 3. Leonhard Kredel (Etzean).

Kühe, erkennbar tragend oder in Milch, über fünf Jahre: 1. Ludwig Kredel (Airlenbach); 2. Ludwig Siefert I. (Airlenbach); 3. „Ludwig Siefert I. (Airlenbach).

Kalbinnen

1. Joh. Ad. Schäfer 111. (Airlenbach); 2. Ludwig Siefert I. (Airlenbach); 3. Ludwig Kredel (Airlenbach).

Familien. Kühe mit mindestens drei über ein Jahr alten Nachkommen oder mit zwei Nachkommen in unmittelbarer Geschlechterfolge: 1. Joh. Ad. Schäfer 111. (Airlenbach); 2. Ludwig Kredel (Airlenbach); 3. Ludw. Siefert I. (Airlenbach).

Einzelzüchtersammlungen

1. Ludw. Siefert I. (Airlenbach); 2. Ludwig Kredel (Airlenbach); 3. Joh. Ad. Schäfer 111. (Airlenbach).

Sammlungen von Züchtervereinen oder Ortsvereinen; 1. Ortsfachgruppe Airlenbach; 2. Ortsfachgruppe Airlenbach; 3. Ortsfachgruppe Hetzbach.

Rindvieh — Rotvieh

Sammlungen von Züchtervereinen oder Ortsvereinen: 1. Ortsfachgruppe Airlenbach. Kritik: Vorzüglich ausgeglichene Sammlung, gleichmäßige Beckenlage und volle, ausgeprägte Euter.

Einzelzüchtersaminlungen

1. Joh. Ad. Siefert (Airlenbach); 2. Georg Helm (Airlenbach). Kritik: Ganz hervorragend ausgeglichene Sammlungen; Beckenlage und gesamte Euterlage bei Sammlung Siefert etwas besser.

Familien

1. Joh. Ad. Siefert (Airlenbach); 2. Georg Helm (Airlenbach); 3. Georg Helm (Airlenbach). Kritik: Familie Flora (Sammlung Joh. Ad. Siefert) sehr gut ausgeglichen, sehr rumpfige Tiere mit guten Futteranlagen. Die übrigen Sammlungen waren nicht so ausgeglichen.

Kalbinnen, sichtbar trächtig

1. Joh. Ad. Siefert (Airlenbach); 2. Georg Helm (Airlenbach); 3. Ludwig Sattler (Airlenbach). Kritik: Gute, gleiche Sammlung wuchtige Tiere mit Rumpftiere und guter Entwicklung.

Kühe, erkennbar tragend oder in Milch bis fünf Jahre alt: 1. Georg Helm (Airlenbach); 2. Joh. Ad. Siefert (Airlenbach); 3. Georg Helm (Airlenbach). Kritik: Tiere mittl. Euter, nicht ganz ausgeglichen, teilweise Formmängel. Euter nicht immer befriedigend. Klasse fällt gegenüber der vorangehenden ab.

Kühe, erkennbar tragend oder in Milch zehn Jahre und älter: 1. Georg Helm (Airlenbach); 2. Joh. Ad. Siefert (Airlenbach); 3 Georg Kaiser (Airlenbach). Kritik: Sehr gute, typische Tiere mit viel Rumpf und Körpertiefe, sehr gute Euteranlage.

Bullen, unter drei Jahren

1. Stationsbulle Airlenbach.

Leistungskühe, tragend oder in Milch, zehn Jahre und älter: 1. Georg Helm (Airlenbach); 2. Georg Helm (Airlenbach).

Ziegen

Ziegenböcke: 1. Gemeinde Beerfelden. Dreijährige und ältere Ziegen: 1. Georg Lang (Beerfelden); 2. Martin Lang (Beerfelden).

Zweijährige Ziegen: 1. Georg Lang (Beerfelden).

Einjährige Ziegen: 1. Georg Lang (Beerfelden); 2. Georg Lang (Beerfelden).

Familien: 1. Georg Lang (Beerfelden). Sammlungen: 1. Georg Lang (Beerfelden).

Sauen

Sauen, über zwei Jahre alt: 1. Peter Meisinger (Schönnen); 2. Peter Meisinger (Schönnen); 3. Peter Meisinger (Schönnen).

Die „Weiken Mäuse“ müssen wiederkommen

Verdreifachung der Verkehrsunfälle im Kreis Erbach

Im Monat Juni wurden im Kreis Erbach von der Gendarmerie 25 Verkehrsunfälle mit Personen- und Sachschäden registriert. Damit erhöhte sich die Zahl der Straßenverkehrsunfälle während des zweiten Vierteljahres 1950 im Kreisgebiet auf 67. Gegenüber dem ersten Vierteljahr mit insgesamt 22 Unfällen hat sich diese Zahl also mehr als verdreifacht. Wir nahmen diese besorgniserregende Entwicklung zum Anlaß, den Leiter des Gendarmerie-Kreiskommissariats Erbach, Herrn Oberkommissar Fornoff, über die Ursachen und die ins Auge gefaßten Maßnahmen der Polizei zu befragen.

„Die geradezu unglaubliche Gleichgültigkeit und der sträfliche Leichtsinn fast aller Verkehrsteilnehmer, ganz gleich ob Fußgänger, Rad- oder Motorradfahrer, Fuhrwerkslenker oder Kraftwagenfahrer, sind die Hauptursachen des lawinenartigen Anschwellens der Unifallziffern“, antwortete Oberkommissar Fornoff, der gerade wieder fünf Unfallanzeigen als Ergebnis eines einzigen Tages im Juli in der Hand hielt. „Das ist aber überall festzustellen, nicht nur im Odenwald. Im Kreis Erbach mit seinem weitverzweigten Straßennetz ist es schwieriger, mit der geringen Zahl ständig verfügbarer Gendarmeriekräfte den stark anwachsenden Verkehr laufend so zu überwachen, daß jeder Verkehrssünder sofort seiner verdienten Strafe zugeführt werden kann.“

Das Bundesverkehrsministerium hat in zahlreichen Erlässen Richtlinien zur Erhöhung der Verkehrssicherheit gegeben. Leider lehrt die Erfahrung, daß es mit der Schaffung noch so umfassender Vorschriften allein nicht getan ist. Entscheidend ist, daß ihre strikte Einhaltung durch alle Verkehrsteilnehmer ständig überwacht wird.

Bis November 1947 bestand im Kreis Erbach die Verkehrskontrollstelle, die mit nur zwei Mann Tag und Nacht auf allen Kreisstraßen Streifen fuhren. Wegen ihrer weißen Mützen nannte sie der Volksmund die „Weiße Mais“. Sie hatten eine stark erzieherische Wirkung auf alle Verkehrsteilnehmer, denn diese „weißen Mäuse“ tauchten unvermutet überall und jederzeit auf. Die dann gebildeten beweglichen Stationen der GKKs übernahmen auch die Funktionen der Verkehrskontrollstellen. Zwar werden auch jetzt noch laufend Streifen gefahren, aber die Wirkung ist doch nicht mehr dieselbe, denn die Beamten tragen die weißen Mützen nicht mehr.

In einigen Ländern haben sich bereits interessierte Kreise zu freiwilligen Selbsthilfeorganisationen zusammengeschlossen. Diese „Verkehrswacht“ hat bisher in Nordrhein-Westfalen, Württemberg^HoheKzollern und in Hamburg gute Erfolge erzielt. Ob man nicht auch in Hessen gut daran täte, aus den gemachten Erfahrungen die Nutzanwendung für die Zukunft zu ziehen?

Abschließend teilte Oberkommissar Fornoff mit, daß im Monat Juli im Kreis Erbach mit allen verfügbaren Gendarmeriebeamten gegen Verkehrssünder vorgegangen wird. Die Beamten sind angewiesen, mit unnachsichtlicher Schärfe jede Uebertretung anzuzeigen und nur in begründeten Ausnahmefällen Verwarnungen zu erteilen.

Die Entwicklung der Unfallziffer im Kreis Erbach sollte aber schon allein Anlaß genug sein, jedermann zu größter Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu mahnen, denn — wie es auch die Amerikaner auf ihren Warnungstafeln sagen — „Das Leben, das du rettest, kann dein eigenes sein!“ -ch

Tod am ersten Arbeitstag

Gestern nachmittag ereignete sich in Groß-Zimmern ein tödlicher Unfall. Der Sohn eines Landwirts war mit einem Pferdefuhrwerk, auf dem er Sand geladen hatte, unterwegs. Ein am gleichen Tage von dem Bauern eingestellter polnischer landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter ging neben dem Fahrzeug her, kam aus bis jetzt noch nicht geklärter Ursache zu Fall, wobei ihm das Hinterrad des Fuhrwerks so unglücklich über den Kopf ging, daß er kurz nach dem Unfall starb. (RG)

Auntobahn fordert ein Todesopfer

Elin schwerer Verkehrsunfall, bei dem der Beifahrer eines Lastzuges tödlich verunglückte, ereignete sich gestern auf der Autobahn in der Nähe von Lorsch. Ein Lastzug der Firma Ruppel ( Kassel-Bettenhausen) versuchte auf seiner Fahrt in südlicher Richtung einen Lastzug der Firma Marquardt (Stuttgart) zu überholen. Dabei rammte der Motorwagen den vor ihm fahrenden Anhänger, der dabei umkippte. Der Fahrer des nachfolgenden Fahrzeugs, riß die Lenkung nach links herum, fuhr über den Grünstreifen auf die Gegenfahrbahn und kippte dort, seitlich rutschend, um. Der Beifahrer Franz Rößler aus Kassel-Bettenhausen wurde aus dem Führerhaus geschleudert und fiel unter das stürzende Fahrzeug. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Fahrer und ein Mitfahrer wurden nur leicht verletzt. An beiden Lastzügen entstand beträchtlicher Sachschaden. An der Unfallstelle war die Autobahn auf weiter Strecke mit grünen Erbsen bedeckt, die der Anhänger der Firma Marquardt geladen hatte. DT

Meldungen aus den Landkreisen

Darmstadt-Land

Ober-Ramstadt. Die Winterarbeit des Stenografenvereins wurde durch gute Leistungen beim Verbandswettschreiben belohnt. 36 Schreiber beteiligten sich in den Silbengruppen 80 bis 180. Besonders die Arbeiten ab 120 Slilben wurden mit „sehr gut“ und „gut“ bewertet. — Die Monatsversammlung der Ortsgruppe der Heimatvertriebenen erfreute sich eines guten Besuches. Alex. v. Majewski unterstrich in seiner Begrüßungsansprache, daß sich die positive Arbeit deutlich dm Anwachsen der Mitgliederzahl auf über 200 ausdrückt. Nachdem der Vorsitzende verschiedene lokale Fragen behandelt hatte, sprach der Kreisgeschäftsführer Dr. Lama nn eingehend über den Landesverbandstag in Fulda. Während seiner Rede prägte er den Satz, daß die Heimatvertriebenen dem Radikalismus fremd gegenüberständen, de sie ihn selbst verspürten, dennoch sollte ihren berechtigten Forderungen Nachdruck verliehen werden. In einem Kurzreferat schilderte der Jugendreferent Klaus Jäger sein Aufgabengebiet und bat die Eltern, diesem wichtigen Gebiet mehr Interesse als bisher entgegenzubringen.. Abschließend verlas der Vorsitzende eine Resolution an den Bundeskanzler, die die Annektion des Gebietes ostwärts der Oder-Neiße-Linie und des Sudetenlan des behandelt.

Roßdorf. — Rundfunkausstellung. Sonntag und Montag fand im Gasthaus „Darmstädter Hof“ durch die Vertriebsgemeinschaft Heck, Mannheim, eine Rundfunkausstellung statt. Gezeigt wurden nur erstklassige Markenfabrikate wie Philips, Loewe, Imperial, Minerva (österreichische Firma) usw. in allen Preislagen. Fast alle Apparate waren bereits mit einem Ultrakurzwellengerät versehen.

Trotz sehr günstiger Teilzahlungsbedingungen wurden nur wenige Apparate verkauft. (sl)

Pfungstadt. — Ministerpräsident Stock verbrachte nach Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes den Samstagabend im Kreise seiner Schulkameraden, die sich zu einer Wiedersehensfeier der 65jähwgen im „Goldenen Anker“ zusammenfanden. Neben dem Vorsitzenden der Altersvereinigung, Ph. Raab, der zur Begrüßung sprach, ergriff auch der Ministerpräsident das Wort. Zur Verschönerung des Abends hatte er drei Mitglieder des Staatstheaters Wiesbaden mitgebracht, die mit ihren künstlerischen Darbietungen begeisterte Aufnahme fanden. (ler) — Eine Geldbörse mit größerem Inhalt wurde auf der Landstraße zwischen Wolfskehle n und Griesheim von einem hiesigen Einwohner gefunden und kann auf dem Fundbüro abgeholt werden. — Ein Motorrad S«?“ Polizeilichen Kennzeichen AB — 880 94 konnte am 9. Juli, in einem Haferfeld in der Nähe der Autobahn liegend, von der Polizei sichergestellt werden. Teile des Krades waren abmontiert. (ng)

H^.° rSik"h Neuer Wohnraum 9K r™F kU c h 111 nB«■ Im Vorjahr wurden 26 Neubauten von Alt- und Neubürgern Mit dem zweiten Bauabschnitt, der die Errichtung von weiteren 28 Wohnhausern vors^ht, wurde bereits begonnen, befinden sich allein 20 Fluchtlingsfamilien, die sich in ihrer zweiten Heimat ein neues Heim gründen wollen. Sogar 3 Flüchtlingsfamiuen von Leeheim nehmen an diesem Bauprogramm teal Die Bauplätze liegen östlich der Bahnstrecke Frankfurt/M—•Mannheim Ein Besuch auf den Baustellen zeigt daß die Baulustigen mit Lust und Liebe an die Arbeit gehen. — Demnächst soll gleichfalls mit einem Schülhausanbau an der Schule in der Gernshdimer Straße begonnen werden. Alle Bauten werden von der Baugenossenschaft Ried erstellt. — Der Frauenverein unternahm unter Leitung von Pfarrer Koch einen Ausflug, der bei herrlichem Wetter über Bad-Homburg nach Bad-Nauheim führte. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, die Kuranlagen. Badehäuser und Quellen zu besichtigen. Auf dem Heimweg fuhr man über Bad-Vilbel und versäumte nicht in Kledn-Karben Lehrer Roth, der etliche Jahre als Lehrer an der Volksschule in Wolfskehlen tätig war, zu besuchen. — Die Sängervereinigung 1878 hielt am Samstagabend in dem mit Girlanden und Lampions geschmückten Saale des „Darmstädter Hof“ ihr traditionelles Sommernachtfest ab. Bei frohen Klängen der Kapelle Blauroth, verbrachte man einige gemütliche Stunden. (od)

Dieburag

Georgenhausen. — Seit dem Jahre 1948 (letzte Gemeinderatswahl) bestehen in der Gemeinde Wahlstreitigkeiten. Der Vorstand der SPD-Ortsgruppe Georgenhausen verbreitet z. Z. eine Broschüre „Die Gemeindewahl 194 8“. Z. Z. ist noch eine Klage der DWG. Georgenhausen beim Verwaltungsgericht Darmstadt anhängig. (—er)

Überau. — Die Sportvereinigung beschloß auf ihrer letzten Versammlung eine Autobusfahrt, die am 30. Juli stattfindet. Sie führt nach Mainz—Rüdesheim—Bingen —Essenheim und Oppenheim. (eb)

Groß-Bieberau. — öffentliche Gemeinderatssitzung.) Die letzte öffentliche Gemeinderatssitzung, die am Montagabend im Standesamtszimmer der Bürgermeisterei stattfand, behandelte Fragen der Bürgschafts- und Baudarlehen sowie des Grundstückseigentums. (eb)

Bergstrake

Heppenheim. Das Programm der Amerikanischen Lesehalle ist in dieser Woche das gleiche wie in der vergangenen. Am Donnerstagabend um 20 Uhr setzt der Bildhauer Hans Mühlhäuser seinen Lichtbildervortrag vom 6. Juli fort und spricht über das Thema: „Die Malerei im 20. Jahrhundert“. (HB)

Mitlechtern. Am kommenden Sonntag, 16. Juli, hält die hiesige Sport- und Kulturgemeinde ein fröhliches Kinderfest mit Bewegungsübungen und Humorspielen ab. Für die Erwachsenen folgt abends ein Sommernachtsfest. (-r)

Wahlen. Da die Absturzgefahr in dem alten, geschlossenen Steinbruch durch Nichtbeachtung der erlassenen Vorschriften sehr groß ist. sieht sich die Gemeindeverwaltung gezwungen, in Zukunft drastische Maßnahmen zu ergreifen, wenn Eltern und Kinder nicht selbst mithelfen, unnötige Unfälle zu vermeiden. (_r)

Weiher. Um den Passionsspielen in O e 11 igh eim (Schwarzwald) beiwohnen zu können, unternahm der hiesige Kirchenchor „Cäcilia“ gestern eine Omnibusreise in den Schwarzwald. (_rj

Waldmichelbach. Die Jugendgruppen der evangelischen Pfarrei unternahmen» am Samstag zusammen mit Pfarrer Dörsam eine mehrwöchige Schwarzwaldfahrt. Ziel der Reise ist St. Märgen. (-r)

Waldmichelbach. Nachdem Regierungs-Veterinärrat Dr. S ehr a uth in den Ruhestand versetzt wurde, hat das Veterinäramt Dr. Gierke als neuen Leiter erhalten (-r)

Wirtschaftsblatt

Industrie finanziert Forschung

Gesellschaft deutscher Chemiker tagt in Frankfurt

A. Z. Die Gesellschaft «Deutscher Chemiker, die aus der fünfundsiebzig Jahre alten „Deutschen chemischen Gesellschaft“ und dem traditionellen „Verein deutscher Chemiker“ hervorgegangen ist, wird ihre diesjährige Jahreshauptversammlung in Frankfurt/M abhalten. Der Kongreß wird offiziell am Mittwoch, dem 12. Juli, in der Frankfurter Universität eröffnet werden. Den Hauptvortrag wird der Nobelpreisträger Professor Karrer (Zürich) über seine Untersuchungen auf dem Vitamingebiet halten. Professor Karrer gilt als einer der hervorragendsten Kenner seines Fachgebietes. Die große Zahl der gemeldeten Gäste macht eine Gliederung der Vorträge in verschiedene Fachgruppen notwendig. Es werden jeweils am 13.e und 14. Juli vier Parallelsitzungen di®r einzelnen Fachgruppen stattfinden.

Als besonders wichtige Aufgabe betrachtet es die Gesellschaft deutscher Chemiker, •wie auf einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde, den jungen Nachwuchs zu fördern. Professor Otto Bayer (Leverkusen) hat dazu einen besonderen „Fonds zur Förderung der Chemie“ geschaffen, der eigens zur Ausbildung junger Chemiker verwendet wird. Darüber hinaus wurde auf der Pressekonferenz bekanntgegeben, daß die deutsche chemische Industrie weitere größere Beträge zur Förderung des Nachwuchses bereitstellen wird.

An der Jahreshauptversammlung werden 250 ausländische Chemiker teitaehmen, darunter wenden sich über vierzig französische Gelehrte, Engländer, Italiener, Holländer und Schweizer befinden. Offizielle Beziehungen zur Schweiz, zu Oesterreich und zu Großbritannien wurden von der Deutschen Gesellschaft bereits wieder hergestellt. Die Gesellschaft hofft, daß nach dem erfolgreichen Verlauf der jetzigen Frankfurter Tagung auch die Beziehungen zu den übrigen Nationen wieder herstellen zu können.

Der internationale gewerbliche Rechtsschutz und das Patentwesen, so wurde auf der Pressekonferenz betont, liegt den technisch-wissenschaftlichen Vereinigungen aller europäischen Länder besonders am Herzen. Für Westdeutschland insbesondere gelte es, den Chemieexport mehr als bisher wieder zu fördern.

Luxussteuer geändert

zr. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zur Versteuerung besonderen Aufwandes in abgeänderter Form dem Bundesrat zur Stellungnahme zugeleitet. Die Entgeltgrenze für Parfüm wurde von 1,50 D-Mark auf 1.— D-Mark je Kubikzentimeter herabgesetzt. Die Kategorie Motor- und Segeljachten wurde neu eingefügt. Die Wertgrenze für Personenwagen wurde von 9000 auf 12 000 D-Mark heraufgesetzt und der Ausdruck Zitrusfrüchte wurde in Zitronen umgewandelt. Der zweite Abschnitt des Gesetzentwurfes über die Spesensteuer wurde nicht verändert.

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse trat auch am Dienstag keine wesentliche Veränderung der Gesamtstimmung ein. Bei nur geringer Aufnahmebereitschaft war die Kursentwicklung überwiegend noch etwas schwächer als am Vortag. Kleinere Meinungskäufe auf ermäßigter Basis, insbesondere bei verschiedenen, in den Vortagen etwas stärker abgefallenen Werten, führten vereinzelt zu leichten Erholungen.

Frankfurter Großmarkthalle

bz. Aus dem Ausland trafen allein 115 Waggons Gemüse und Obst ein. Bei ruhigern Verkehr war der Absatz schleppend, so daß erhebliche Ueberstände verblieben. Bohnen. Pilze, sowie Tomaten gingen preislich zurück, dagegen stiegen Blumenkohl, Rotkohl 9—lo (10—15). Weißkohl 5. Wirsing 10—12. Erbsen 20—21. grüne deutsche Buschbohnen 14—15 (20). Kopfsalat 100 Stück 10—12. Spinat 25—28, ital. Tomaten 35 (37.5). brutto für netto, deutsche Tomaten 45.38 (70).

Die Preise bei Obst gaben ebenfalls meist etwas nach. Deutsche Sommeräpfel 20—25, Kiste Bananen 12—15. ital. Zitronen 100 Stück 23. holl. Treibhaustrauben die Kiste mit vier Kilo 19i,20. deutsche Pflaumen 20—45. deutsche Birnen 15—18, Zwetschgen 40—50. Pfirsiche 75—78. ital. 55. franz. 62,5, deutsche Frühmirabellen (erstmals am Markt) 50. Kirschen 20.37 (25—40). Aprikosen 45—48. ital. 43. Stachelbeeren 12—18. Himbeeren 50 (55—60). rote Johannisbeeren 15—18 (14—18).

Neubewertung bei Holzmann

Bz Philipp Holzmann AG, Frankfurt a. M. Dieses größte deutsche Bauunternehmen mit bedeutenden internationalen Beziehungen legt der Hauptversammlung (24. Juli) u. a. auch den ersten DM-Abschluß für die Zeit vom 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949 vor. Hiernach erstreckte sich die Tätigkeit auf Industriebauten, Geschäftshäuser, daneben Wasser-, Straßen- und Brückenbauten. Der öffentlich geförderte Wohnungsbau brachte der Holzmann AG größere Aufträge.

Der Rohüberschuß der Firma beträgt 47,015 Millionen DM, wovon Löhne und Sozialabgaben 41,765 Millionen DM, sonstige Sozialleistungen 1,810 Millionen DM, u. a. erforderten. Die Ertragsrechnung schließt mit einem auf neue Rechnung zu übernehmenden Gewinn von 0,111 Millionen DM ab.

In der Bilanz ist das Anlagevermögen bei 3,625 Millionen DM Zugang, 0,070 Millionen Abgang sowie 2,610 Millionen DM Abschreibungen mit 10,560 (am 21. 6, 1948: 9,611) Millionen DM ausgewiesen, Beteiligungen betragen unv. 0,410 Millionen DM. Im Umlaufvermögen von 41,380 Millionen D-Mark sind u. a. enthalten 1,545 Millionen DM Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, 2,760 Millionen DM Wohnhäuser. 3,985 Mill. DM Forderungen, 30,426 Millionen DM nicht abgerechnete Bauarbeiten, 0,704 Millionen D-Mark flüssige Mittel. Auf der Passivseite stehen zu Buch neben dem im Verhältnis 10:3 umgestellten Grundkapital von 7,740 Millionen DM (davon 7,686 Millionen D-M^rk Stamm- bzw. 0,054 Millionen DM Vorzugsaktien), die gesamten Rücklagen mit 1,424 Millionen DM, Rückstellungen für ungewisse Schulden mit 7,116 Millionen D-Mark, und Verbindlichkeiten von 35,545 Millionen DM.

Einkauf erleichtert durch Zahlungs-Kredite

Warenkreditverkehr G. m. b. H. — eine zeitgemäße Einrichtung

Teizahlungsbanken — eine Einrichtung der Kreditwirtschaff, die in der Oeffentlichkeit großem Interesse begegnet — erstehen zur Zeit in allen größeren Städten. Ob wir nun durch Fliegerschaden oder Währungsreform alles verloren — die meisten Menschen sogar durch beides — arm sind wir heute alle. Aber das Leben soll weitergehn. Wo kämen wir hin, wenn es die Möglichkeit der Teilzahlung nicht gäbe? Eine größere Anschaffung wäre uns — gleich welchen Standes und Berufes — nicht möglich. Der Beamte, der Angestellte und der Arbeiter, alle gehören schon jetzt zu dem ständig wachsenden Kundenkreis der Teilzahlungsbanken.

Die W.K.V. - Kredit-Verkehr Wafen-G.m.b.H. Frankfurt M. unterhält auch in Darmstadt eine Geschäftsstelle, die von der Firma Kahlert und Söhne, Älicesfraße 14, wahrgenommen wird.

Einen Warenkredit kann jeder beantragen, der in einem festen Arbeitsverhälfnis steht. Die Höhe des zu bewilligenden Kredites richtet sich nach dem Einkommen und dem Familienstand des Antragstellers.

Eine 25prozentige Anzahlung an die Verkaufsfirma ist nur beim Kauf von langlebigen Gütern wie Mobiliar, Herde, Oefen, Nähmaschinen usw. zu leisten. Güter des täglichen Gebrauchs wie Kleidung, Schuhe u. a. verlangen diese Anzahlung nicht. Im allgemeinen werden die Kredite auf einen Zeitraum von 6 Monaten gewährt. Das richtet sich aber allein nach dem erworbenen Gegenstand. Langlebige Güter erhalten einen weit größeren Rückzahlungszeifraum eingeräumt.

Keine Ängst vor Riesen-Fragebogen. Die nun einmal zur Erlangung eines Teilzahlungskredites unumgänglichen Formulare beschränken sich auf die unbedingt notwendigen Fragen. Personal- und Dienstausweis, Gehalts- oder Lohnabrechnung sind die wesentlichsten Unterlagen.

Die Kreditkosten belaufen sich auf ein Prozent der Kreditsumme pro Monat. Hinzu kommt 1,40 DM für teden genehmigten Kredit bis zu 100 DM oder 2,50 DM für jeden diese Summe übersteigenden Betrag. Wer sich für diese, unserer Zeit und ihren Nöten Rechnung tragende Einrichtung interessiert, kann alle näheren Bedingungen aus den in allen angeschlossenen Geschäften aufliegenden Prospekten der W. K. V. ersehen.

Der SPORT

Dieburg für Sonntag gerüstet

Die praktischen Vorbereitungen zum Dieburger Dreiecks-Rennen aut dem neu hergerichteten Kurs sind in vollem Gange. Nach der Fertigstellung des Start- und Zielhauses wurde bereits mit der Aufstellung der vier großen Tribünen und der Verlegung der Strecken-Lautsprecheranlage begonnen. Die große Absperrung mit dem Maschendraht ist bereits fertiggestellt, so daß der Außenstehende bereits das erste Bild bekommt über den Ablauf des zu erwartenden Zuschauerstromes. Bezüglich der Leitung des Fahrzeugverkehrs hat die Gendarmerie bereits die nötigen Anordnungen getroffen, die folgendes vorsehen:

Verkehrsumleitungen: Die Fahrzeuge aus Richtung Offenbach — Frankfurt — Münster werden in den Straßen des Nord- und Ostteils der Stadt geparkt. Aus Richtung Darmstadt—Roßdorf—Gundernhausen ist Parkgelegenheit auf der Bundesstraße B 26 beiderseits gegeben, doch wird in der Mitte für die Rennfahrzeuge eine Fahrrinne freigehalten. Aus Richtung Odenwald—Groß-»Umstadt sind an der Groß-Umstädter Straße und auf dem angrenzenden Brach- und Wiesengelände die notwendigen Parkflächen vorgesehen. Aus Richtung Aschaffenburg —Babenhausen werden die Fahrzeuge bereits hinter der Nordkurve angehalten und ihnen dort Parkgelegenheit geboten. Die Rennstrecke selbst ist für jeden Fahrzeugverkehr gesperrt. Die Bundesstraße 26 (zwischen Dieburg und Altheim) und die Bundesstraße 45 zwischen Groß-Umstadt und Münster bleiben vom 14. 7. 0 Uhr bis 17. 7. 24 Uhr für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt. Der Straßenverkehr wird entsprechend umgeleitet und an den Renntagen selbst stehen genügend Polizeikräfte zur Einweisung der parkenden Fahrzeuge zur Verfügung. Für die Unterbringung von Fahrrädern sind vier Parkplätze vorgesehen. Es ist dafür Sorge getragen, daß alle Besucherfahrzeuge bis fast an die Rennstrecke heranfahren können. Rennleiter Gustav Petermann und Organisationsleiter Wilh. Kaiser und die Herren seines Mitarbeiterstabes haben die Verlegung der Rennleitung mit Quartieramt und Pressebüro usw. nach Dieburg in die Wege geleitet, so daß ab heute Dieburg bereits im Zeichen des 3. großen Dreieck-Rennens stehen wird. Die Unterbringung von ca. 600 Fahrern mit ihrem Hilfspersonal dürfte bei der seither bewiesenen Gastfreundschaft der Dieburger Einwohner kaum auf Schwierigkeiten stoßen. (RS)

Beim Dieburger Dreieckrennen am 16. Ju'li wird die NSU-Rennmannschaft mit Heiner Fleischmann in der Klasse bis 350 ccm und Hermann Böhm/Kari Fuchs in der Seitenwagenklasse bis 600 ccm an den Start gehen.

Ueberragende Erfolge des Reitervereins Otzberg

Beim Reit- und Fahrturnier in Beerfelden

Materialprüfung für Zuchtstuten:

A. Eingeführte Pferde: 1. Georg Kredel, Elsbach; 2. Georg Kredel, Elsbach, und Konrad Kiehl, Erbach; 4. Heinrich Eckert, Unter-Mossau.

B. Bodenständige Pferde: 1. Georg Siefert, Airlenbach; 2.Heinrich Eckert, Unter-Mossau.

Jugendreiterprüfung: 1. Konrad Kiehl, Erbach; 2. Adam Wilhelm Bär, Langen-Brombach. Reiterprüfung: 1. Adam Pfeiffer, Langen-Bromibach; 2. Ludwig Kredel, Etzean; 3. W. Kaffenberger, Langen-Brombach, und Georg Siefert, Airlenbach.

Dressurprüfung Klasse A, Abt. A: 1. Philipp Ritter, Fränkisch-Crumbach; 2. Adam Bär, Langen-Brombach; 3. Georg Meisinger, Langen-Brombach, 4. Georg Kredel, Elsbach. Abteilung B: 1. Frau Wittich, Jugenheim; 2. G. Vierling, Darmstadt; 3. Georg Kredel, Elsbach; 4. Adam Bär VI, Langen-Brombach.

Jagdspringen Klasse A ((Neulingsklasse): 1. Frau Wittich, Jugenheim; 2. O. Becker, Nieder-Klingen; 3. K. Georg Bundschuh, Lengfeld; 4. Georg Siefert, Airlenbach.

Jagdspringen Klasse A: 1. Georg Vierling, Darmstadt; 2. Frau Wittich, Jugenheim; 3. August Blitz, Lengfeld; 4. Otto Becker, Nieder-Klingen; 5. Georg Kredel, Elsbach.

Eignungsprüfung für Wagenpferde, Einspänner:

a) Neulingsklasse: 1. Georg Kredel, Elsbach; 2. Georg Siefert, Airlenbach, und Konrad Kiehl, Erbach; 4. Georg Kredel, Elsbach.

b) Preisträgerklasse: 1. Otto Lutz, Lengfeld; 2. Georg Weber, Brandau; 3. Heinrich Eckert, Unter-Mossau; 4. Otto Lutz, Lengfeld.

Eignungsprüfung für Wagenpferde, Zweispänner Abteilung A: 1. Georg Kredel, Elsbach; 2. Ludwig Schwöbel, Elsbach; 3. Philipp Heist, Fränkisch-Crumbach; 4. Heinrich Eckert, Unter-Mossau.

Abteilung B: 1. Georg Weber, Brandau, und Otto Lutz, Lengfeld; 3,Heinrich Eckert, Unter-Mossau; 4. Georg Siefert, Airlenbach.

Eignungsprüfung für Wagenpferde, Mehrspänner: 1. Sechsspäner Heinrich Eidenmüiller und Vierspänner Georg Weber, Brandau; 3. Vierspänner Georg Pfeiffer, Fränkisch-Crumbach.

Wettkampf der ländlichen Reit- und Fahrvereine:

Anfängerabteilung: 1. Reitabteilung 11, Beerfelden; 2. Redtabteilung 11, Langen-Brounbäch.

Fortgeschrittene Abteilung: 1. Reitabteilung Lengfeld, 2. Reitabteilung I Langen-Brombach, 3. Reitabteilung Erbach, 4. Reitabteilung I Beerfelden, 5. Reitabteilung Fränkiisch-Crumbach.

Vi umtuaui. Flachrennen:

Abteilung Leichtpferde: 1. Georg Vierling, Damsfadt; 2. Otto Becker, Niieder-Klingen; 3. August Blitz, Lengfeld.

Abteilung Schwere Pferde: 1. W. Hotz, Finkenbach; 2. Jakob Hallstein, Schönen; 3. Konrad Kiehl, Erbach.

Apfelrennen: 1. L. Hörr, Lauerbach; 2. K. Fritsch, Lengfeld.

Berichtigung

Das Jagdspringen Klasse A des Beerfelder Turniers gewann Karl Vierling auf Hexe, und nicht, wie in unserer Montagsausgabe irrtümlich berichtet — Frau Wittich auf Baschkir.

Aktive Turner in Eberstadt

Die Turngesellschaft 07 e. V. Eberstadt hatte für Samstag abend im Vereinslokal „Zur Linde“ zu einer Mitgliederversammlung aufgerufen, in der wichtige Vereinsangelegenheiten besprochen wurden. Um den Turnbetrieb im Winterhalbjahr 1950/51 zu gewährleisten, wurden der Vorstand ermächtigt, das schwebende Wiedergutmachungsverfahren zu beschleunigen.

Die Turngesellschaft beschloß, sich am ,übiläumsfest in Pfungstadt, dem Kreisturnfest in Eschollbrücken und am Kinderturnfest in Ober-Ramstadt zu beteiligen. Eine Faustballmannschaft, zu der sich jeder Eberstädter Einwohner beim Vorstand melden kann, wird aufgestellt. Basketball-Werbespiele werden in den nächsten Tagen auf dem Turnplatz in der Schloßstraße vorgeführt. Die Gründung eines Spielmannszuges wurde erwogen.

A 15. Juli, 20 Uhr. treffen sich alle Segelflugfreunde im Cafe Hauptpost.

USA-Leichtathleten immer noch unerreicht

Große Leistungen beim Sportfest in Helsinki

Helsinki. (AZ.) In der Djurgaarden-Kampfbahn zu Helsinki kam es am Montagabend im Rahmen eines internationalen Sportfestes zu einem Treffen zwischen einer USA-Leichtathletik-Expedition und einheimischen Könnern. In fünf der sechs großen Konkurrenzen kamen die Amerikaner zu Siegen mit Resultaten, die immer wieder vorbildlich bleiben.

Ueber 110-Meter-Hürden stellte Dick Attlesey seinen eigenen Weltrekord mit 13,5 Sekunden ein. Zweiter wurde Vainoe Suvivuo (Finnland) in 15 Sekunden. Ueber 400 Meter siegte der USA-Neger George Rhoden in 46,5 Sek. vor dem Finnen Rolf Back (49,1). Ueber 800 Meter gingen die Amerikaner nicht an den Start. Sieger wurde der Engländer Bannister in 1:53,2 Minuten vor Pelkonen (Finnland) 1;54,2. Auch über 200 Meter fehlten die Amerikaner. Stacey (England) siegte hier in 21,7 Sekunden vor Loennkvist (Finnland) in 22,1.- lieber 3000 Meter siegte der Amerikaner John Twomey in 8:37,2 Min. J. Elo (Finnland) wurde Zweiter in 8:46,4.

Einen weiteren amerikanischen Sieg gab es durch Dick Boyle im Diskuswerfen. Boyle schaffte 51,86 Meter, Zweiter wurde der Finne Nykvist mit 46,61 Meter. Im Stabhochsprung kam der Amerikaner Bob Richards glatt über 4,50 Meter. In den zweiten Platz teilten sich Piironen (Finnland) und R. Schmitt (USA) mit je 4,15 Meter. Ueber die Meile (1609 Meter) hatten die Amerikaner dagegen nichts zu melden. Sieger wurde J. Taipale, der mit 4:09,4 Min. den von Nurmi aufgestellten finnischen Landesrekord um eine Sekunde unterbot. Mit 4:15,0 wurde der Amerikaner Fred Wilt Zweiter.

„Inoffiziell” diesmal für Deutschland

Ein zweiter „kleiner Länderkampf“ endete 76:64 für unsere Schwimmer

Braunschweig. (sid) Vom Berliner Länderkamnf kehrten die schwedischen Schwimmer und Schwimmerinnen am Montas mit dem Fluszeus nach Hamburg zurück. Von hier aus fuhren sie mit dem Omnibus nach dem zwischen Helmstedt und Braunschweig nahe der Zonengrenze gelegenen Königslutter wo sie auf einer mittelschweren snortgerechten 50-Meter-Bahn erneut mit der deutschen Spitzenklasse zusammentrafen. Es gab auf der ganzen Linie schöne Kämnfe und teilweise beachtliche Erfolge der Deutschen. Eine Punktewertung brachte Sogar mit 76:64 Punkten einen deutschen Sieg in der Gesamtwertung Nur im Wasserballspiel mußte die deutsche Nachwuchsmannschaft mit 3:11 (1:6) eine hohe Niederlage hinnehmen. Die deutsche Sieben hatte folgendes Aussehen: Bode (Wasserfr. Hannover): Franke Schepers (beide Rote Erde Hamm). Sturm (HSV Hannover); Deuerlein. Meierkordt (beide Rote Erde Hamm). Gemmel (Wasserfreunde Hannover).

Ergebnisse: Männer: 100 Meter Kraul: 1. Ditzinger (D) und Larsson (S) 1:00.0 in totem Rennen 3. Synnerholm (S) 1:01.8; 100 Meter Brust (Butterfly): 1. Klein (D) 1:10.6. 2. Rask (S) 1:13,7. 3. Liertz (D) 1:14,6; 100 Meter Brust (orthodoxer Stil): 1. Heina (D) 1:17.3 2. Rothmann (S) 1:17,8; 3XIOO Meter Kraul: 1. Deutschland (Lehmann. Köninger. Ditzinger) 3:11.8. 2. Schweden (zweite Mannschaft) 3:19.9: 3XIOO Meter Lagen: 1. Deutschland (Henschke. Klein. Ditzinger) uhd Schweden (Larsson. Rask. Oestrand) 3:29.9 in totem Rennen. — Frauen: 100 Meter Brust: 1. Lörper (D) 1:27.4. 2. Jonsson (S) 1:29,7: 100 Meter Rücken: 1. Herrbruck (D) 1:18,8. 2. Fredin (S) 1:22,5; 4X50 Meter Kraul: 1. Schweden 2:10.2. 2. Deutschland 2:16,2; 3XIOO Meter Lagen: 1. Deutschland (Herrbruck. Claaßen. Schäferkordt) 4:03.4. 2. Schweden 4:12,9.

Leichtathletikmeisterschaft der TH

Am heutigen Mittwoch werden von. 17 bis 21 Uhr im Rahmen eines Abendsportfestes die Leichtathletik-Meisterschaften der TH. Darmstadt auf dem Hochschulstadion durchgeführt. Als Gäste nehmen Studierende des Pädagogischen Instituts Jugenheim teil. Neben den Einzelwettkämpfen in allen leichtathletischen Disziplinen sind Drei- und Fünfkämpfe ausgeschrieben. Besonders gespannt darf man auf den 800- Meter-Lauf sein, bei dem Koop (SV 98) und der Cambridger Student Curney an den Start gehen. Der junge Engländer lief die 800 Meter in diesem Jahr in der beachtlichen Zeit von 1:56,0.

Die studentischen Vereinigungen stehen sich in der 4XIOO-Meter- und Schwedenstaffel gegenüber und tragen im Anschluß an die leichtathletischen Kämpfe die Endsniele der Handball- und Faustballrunde aus die innerhalb der studentischen Ver-Meisterschaften der Studenten werden um bindungen durchgeführt werden.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren treusorgenden Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel August Wörner nach schwerem Leiden am 9. Juli 1950 im Alter von nahezu 63 Jahren in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Prau Philippine Wörner geb. Bender nebst Kindern und Angehörigen Hetzbach im Odenwald> den 11. Juli 1950 Die Beerdigung fand am Dienstag, dem 11. Juli 1950, um 14.00 Uhr vom Trauerhause aus statt.

VERLOBTE Wir haben uns verlobt MARIANNE BECKER WILLI GEISEL staatl. gepr. Musiklehrer Eschollbrücken 9. Juli 1950 Pfungstadt Obergässe 20 Sandstraße 15

. 1 < 1 ■ ■ • _ - ■ ------- — - _ _ ... ■ ■ ■ _ .. - - - - - - —. - ■ Dl6 tlföß/ß jßlßbßs^ßsdtich^ß UttSßtßt Der zweite Teil der Memoiren des Herzogs von Windsor, in dem er mit absoluter Aufrichtigkeit das erschütternde Drama seiner Liebe zu Vally Simpson, der .... eines Memoirenwerkes, von dem man sagen darf, daß es sich hier um 'munmmrjllimrinfr den sensationellsten; Tatsachenbericht unseres Jahrhunderts handelt. beginnt am 12. Juli in der Nr. 24 mit diesem neuen Abscluplt der Memoiren. . —— • /

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