Vertriebene setzen sich durch
Flüchtlingsparteien erhielten über 23 Prozent aller Stimmen in Schleswig-Holstein
Drahtbericht unseres Korrespondenten
el. Kiel, 10. Juli. Die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein am Sonntag haben bei einer Wahlbeteiligung von 78,2 Prozent als wesentlichstes Merkmal einen großen Erfolg des Blödes der Heimatvertriebenen und Entrechteten, der Flüchtlingspartei, gebracht, der sich mit einem Schlag den zweiten Platz hinter der Sozialdemokratischen Partei erobern konnte.
An dritter Stelle liegt die Christlich-Demokratische Union, gefolgt von der Deutschen Partei, der Freien Demokratischen Partei, der Südschleswigschen Wählervereini-
gung, der Deutschen Reichspartei, der Kommunistischen Partei und der Sozialistischen Reichspartei. Das amtliche Endergebnis lautet wie folgt:
An Sitzen haben erhalten (In Klammern die Mandate im alten Landtag):
Sozialdemokratische Partei 10 (43) Christlich-Demokratische Union 16 (21) Freie Demokratische Partei 8 (0) Deutsche Partei 7 (0) Kommunistische Partei 0 (0) Südschleswigsche Wählervereinigung 4 (6) Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten 15 (0) Sozialistische Reichspartei 0 (0) Deutsche Reichspartei 0 (0)
Wie das amtliche Endergebnis zeigt, haben alle großen Parteien im Vergleich mit der Bundestagswahl erheblich an Stimmen eingebüßt. Es handelt sich dabei vorwiegend um Flüchtlinge und Ausgewiesene, die zur Flüchtlingspartei übergewechselt sind, weil sie ihre Interessen dort in besseren Händen glauben. Den geringsten Stimmenverlust hat neben der Freien Demokratischen Partei (0,3 Proz.) die Sozialdemokratische Partei (2,1 Proz.) aufzuweisen, während die Christlich - Demokratische Union (11 Proz.) und die Deutsche Partei (2,5 Proz.) der Stimmen von 1949 verloren haben.
Zersplitterung
Der Deutsche Wahlblock mußte auf die Landesergänzungsliste verzichten, da die in ihm zusammengeschlossenen Parteien als solche nicht in allen 46 Wahlkreisen kandidiert haben. Die durch das Auftreten der beiden Reichsparteien herbeigeführte Stimmenzersplitterung hat sich für den Wahlblock insofern verhängnisvoll ausgewirkt, als ihm in einer Reihe von Kreisen nur wenige hundert Stimmen am Erfolg fehlten. Der angesichts der großen sozialen Not in Schleswig-Holstein befürchtete Anstieg des Rechtsradikalismus ist nicht eingetreten. Weder die Deutsche Reichspartei Hedlers noch die Sozialistische Reichspartei Remers werden im Landtag vertreten sein. Die Kommunisten haben erwartungsgemäß weitere 0,9 Prozent ihrer Anhänger verloren.
Die Südschleswigsche Wählervereinigung hat in Flensburg wiederum zwei Kandidaten in der direkten Wahl durchgebracht, während die beiden übrigen von der Reserveliste stammen. Im großen und ganzen jedoch hat sich die Bevölkerung von Südschleswig erneut für die deutschen Parteien entschieden, so daß der verschiedentlich von dänischer Seite geforderten Volksabstimmung über verwaltungsmäßige oder sogar staatsrechtliche Trennung dieses Landesteiles vom übrigen Schleswig-Holstein mit großer Ruhe entgegengesehen werden kann. In den in Frage kommenden 146 Wahlkreisen stehen 342 312 deutsche Stimmen 71 316 oro-dänischen gegenüber.
Zum Wahlausgang äußerten sich verschiedene Politiker dem Korrespondenten der „Allgemeinen Zeitung" gegenüber.
„Erfolg der Sozialdemokraten“
Ministerpräsident Diekmann sagte: „Der Deutsche Wahlblock ist nicht so zum Zuge gekommen, wie man allgemein erwartet hatte. Der Erfolg der Sozialdemokratischen Partei entspricht unseren Erwartungen. Da der Block der Heimatvertriebenen und die Sozialdemokraten zusammen einen starken Bund mit gleichen sozialen Zielen, Arbeitsbeschaffung, Wohnungsbau und Lastenausgleich, bilden, ist es durchaus möglich, daß diese beiden Gruppen fortan die Landespolitik bestimmen werden. Im übrigen ist es erfreulich, daß die Radikalen trotz der ungeheuren Not nichts erreicht haben."
Für 4en Deutschen Wahlblock erklärte Dr. Matthiae; „Das Wahlergebnis unseres Blockes ist mit 31 Mandaten eindrucksvoll. Der Schaden, der mit der Zersplitterung durch die Reichsparteien angerichtet wurde, ist jedoch beträchtlich. Sechs Wahlkreise
sind dem Wahlblock auf diese Weise verlorengegangen. Trotz des ihr günstigen Wahlgesetzes hat die Sozialdemokratische Partei eine außergewöhnliche Einbuße an Mandaten erlitten.“
Anfechtung der Wahl?
Waldemar Kraft, der Vorsitzende des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten, führte unter anderem aus: „Ich glaube sagen zu können, daß wir uns nach diesem bedeutenden Votum der Wählerschaft auf das gesamte Bundesgebiet ausdehnen können. Über die Möglichkeiten der Regierungsbildung kann erst am Mittwoch nach einer Tagung unseres Landesvorstandes Genaueres gesagt werden.“
Dr. Gille, ebenfalls erfolgreicher Spitzenkandidat der Flüchtlingspartei, fügte hinzu, daß der Block der Heimatvertriebenen eine Anfechtung der Wahl erwäge, da er durch das Wahlgesetz an der Entfaltung seiner Kräfte gehindert worden sei. Eine Koalition mit dem Wahlblock werde erst dann spruchreif, wenn der Bundesfinanzminister Schäffer durch die Bonner Regierungskoelition nicht mehr gestützt werde.
| Wahlberechtigte | |||
| . 1 715 458 | Bundestagswahl | ||
| Abgegebene Stimmen | |||
| . 1 341 754 | (78,2’/») | vom 14. | 8. 1949 |
| Ungültige Stimmen | |||
| . 31 099 | (2,3%) | Sozialdemokratische Partei | |
| . 360 256 | (27.5’/») | 413 257 | (29,6%) |
| Christlich-Demokratische Union | |||
| . 258 781 | (19,7°/o) | 428 956 | (30,7°/o) |
| Freie Demokratische Partei | |||
| 92 456 | (7,1%) | 103 492 | (7,4%) |
| Deutsche Partei | |||
| . 125 336 | (9,6%) | 169 240 | (12,1%) |
| Kommunistische Partei | |||
| 28 249 | (2,2%) | 43 746 | (3,1’/o) |
| Südschleswigsche Wählervereinigung . | |||
| 71 845 | (5,5’/o) | 75 386 | (5,4°/o) |
| Block der Heimatvertriebenen | |||
| und Entrechteten | |||
| . 306 856 | (23,4’/») | — | |
| Sozialistische Reichspartei | |||
| . 21 041 | (1,6%) | — | |
| Deutsche Reichspartei | |||
| 37 161 | (2,8’/») | — | |
| Unabhängige | |||
| 8 674 | (0,7%) | 105 800 | (7,6%) |
Erdbeben in Columbien
Bisher 270 Todesopfer
Bogota, 10. Juli (AP). Fünf Erdbeben» die über das Wochenende Nord, und Mittelkolumbien heimsuchten, haben in sieben Städten 270 Todesopfer und 1700 Verletzte oder Obdachlose gefordert, wie aus nichtamtlichen Berichten am Montag hervorgeht. Die Zeitung „Elsiglo“ schätzt den entstandenen Sachschaden auf 6 Millionen Pesos (etwa 3 Millionen Dollar).
Die 20 000 Einwohner zählende Stadt Arboleda und die Stadt Cucutilla, die 14 000 Einwohner hat, wurden nach den Berichten vollständig zerstört. Nach den Beben setzte der elektrische Strom aus, so daß unter den Einwohnern eine Panik entstand. Die Regierung entsandte Truppen, Polizeikräfte, Aerzte, Lebensmittel, Medikamente und Zelte in die betroffenen Städte.
Mit gefesselten Händen erschossen
Nordkoreaner ermorden amerikanische Soldaten
Vorgeschobenes Hauptquartier in Korea, 10. Juli. (AP.) Bei den wechselvollen Kämpfen im Raume von Schonan sind bei einem Gegenangriff und bei der Wiedergewinnung verlorengegangener Stellungen die Leichen von sieben amerikanischen Soldaten gefunden worden, denen die Hände auf den Rücken zusammengebunden waren und die aus nächster Entfernung niedergeschossen sein müssen.
Die Meldung stammt von dem amerikani. sehen Leutnant D. C. Gates, der die Leichen am Montag als erster aufgefunden hat. Vier der ermordeten Soldaten gehörten zu seiner Einheit, denen er am Sonntag den Auftrag gegeben hatte, Munition in die vorderen Linien zu bringen. Leutnant Gates hatte seine Leute verlassen, um sich zur Meldung auf den nächstliegenden Gefechtsstand zu begeben.
In der Zwischenzeit waren die Nordkoreaner in das Stellungssystem mit Panzern eingebrochen und hatten die amerikanischen Soldaten dabei gefangengenommen. Bei der Rückkehr der amerikanischen Infanterie wurden die Soldaten erschossen vorgefunden. (Einzelheiten über den Kampfverlauf in Korea finden unsere Leser auf Seite 2.)
McCarthy ohne Beweise
Die Anschuldigungen gegen das Außenamt
Washington, 10. Juli (AP). Ein Mitglied des amerikanischen Kongreß-Ausschusses, der die Beschuldigungen Senator McCarthys gegen das amerikanische Außenministerium untersucht, hat bekanntgegeben, McCarthy habe nicht eine einzige seiner Beschuldigungen beweisen können. McCarthy hatte erklärt, daß im amerikanischen Außenministerium Kommunisten oder mit Kommunisten sympathisierende Personen beschäftigt würden.
Auch der Balkan bedroht?
Berichte über Truppenbewegungen entlang der jugoslawischen Grenze
Hamburg, 10. Juli Gdpa). Berichte über rumänische, ungarische und bulgarische Truppenkonzentrationen an der jugoslawischen Grenze häufen sich seit Ausbruch des Korea - Konfliktes. Die Meldungen stammen überwiegend aus der griechischen, italienischen und schwedischen Presse, wurden aber auch durch einen Bericht der jugoslawischen Armee unterstrichen.
Das Organ der jugoslawischen Armee „Narodna Armija" verwies in einer vom Belgrader Rundfunk verbreiteten Darstellung auf den Aufmarsch von aus der Sowjet - Union stammenden Panzern und Panzerfahrzeugen in Rumänien, Bulgarien und Ungarn entlang der jugoslawischen Grenze.
Die konservative schwedische Zeitung „Svenska Dagbladet" berichtete am Sonntag aus ungarischer Quelle, daß Bulgarien, Rumänien und Ungarn an der jugoslawischen Grenze Truppen zusammenziehen. Staatsangehörige dieser drei Länder dürften die Grenzgebiete nur noch mit Sondergenehmigung betreten. Diese Gebiete würden teilweise von der Zivilbevölkerung geräumt und mit Truppen belegt. In den letzten Tagen seien Flugplätze in Rumänien sowie West- und Südungarn mit einer beträchtlichen Zahl von Militärflugzeugen belegt worden. „Diese Maschinen kamen aus dem Osten und trugen keine Erkennungszeichen", schreibt das Blatt- Sowjetische Militärsachverständige, darunter mehrere Generale und Obersten, seien def bulgarischen und der rumänischen Armee zugeteilt worden.
Die römischen Zeitungen brachten am Sonntag die Sorge führender politischer Kreise Italiens über die „undurchsichtige Entwicklung auf dem Balkan“ zum Ausdruck. „I Tempo“ brachte Meldungen aus Wien über sowjetische Truppenkonzentrationen auf dem Balkan. Das Blatt berichtete, in Rumänien würden von den So-
wjets sechs Divisionen, darunter Panzereinheiten, zusammengezogen. An der ungarischen Grenze würden die 211. und 214. Garde-Panzerdivision massiert. Im Raum Beja-Szegedin marschierten die vierte Infanteriedivision und die 90. Panzerdivision auf. Fast sämtliche Straßen, die zur jugoslawischen Grenze führen, würden für die Benutzung durch Panzer hergerichtet.
Paris macht sich Korgen
P. M. Paris, 10. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Im Quai d’Orsay ist man sehr besorgt, über die Meldungen, die von Truppenzusammenziehungen an den Grenzen von Jugoslawien sprechen. In diesem Zusammenhang werden Berichte von der Verhaftung von zweitausend Priestern in Ungarn als eine Bestätigung dafür angenommen, daß sich auf dem Balkan etwas vorbereitet. Die Priester werden als die einzigen Elemente angesehen, die mit Erfolg gegen einen Krieg sprechen könnten.
Vor der Entscheidung?
— s Die Nachrichten vom koreanischen Kriegsschauplatz lauten etwas günstiger. Zum ersten Male wird in den Berichten über die Bewegungen der nordkoreanischen Truppen das Wort „Vormarsch“ fallen gelassen. Man spricht in den letzten Meldungen nur noch von einem Druck. Dieser D.uck ist allerdings noch so erheblich, daß die Nordkoreaner immer noch Gelagdege. inne cerzeichnen können. Offenbar ist es bei den Nordkoreanem in den letzten Tagen zu einer gewissen Erschöpfung gekommen. Denn sonst wäre der Stillstand ihrer Operationen bei den geringen Gegenkräften auf südkoreanischer Seite nicht zu verstehen. Wahrscheinlich hat die amerikanische Luftwaffe den Nachschub der Koreaner doch empfindlich gestört und den ursprünglichen Angriffselan gedämpft. Man darf jedoch aus dem langsameren Verlauf der nordkoreanischen Operationen keine falschen Schlüsse ziehen. Die große Entscheidung steht noch bevor.
Rund 20 000 Mann ist die Armee stark, die im Augenblick gegen die Front der Südkoreaner bei Chungju aufmarschiert. Noch wissen wir nicht, welche Kräfte dieser mit Panzern und Infanteriewaffen gut ausgerüsteten Streitmacht entgegengestellt werden. Die Südkoreaner allein werden ihre Front gegen diese Truppenmacht nicht halten können. Amerikanische Truppen sind noch im Anmarsch. Wir wissen nicht, ob die Panzer und Infanteriebataillo te sich noch auf See befinden, oder ob sie bereits ausgeschifft sind und sich zu einer bevorstehenden großen Schlacht zu formieren beginnen. Jedenfalls hat das Gros der amerikanischen Truppen noch nicht eingegriffen. Infolgedessen ist die Lage im Augenblick noch völlig ungeklärt. Die Entscheidungen dürften aber in wenigen Tagen fallen, wenn nicht Ueberraschungen politischer Art zu einem plötzlichen Wandel der Gesamtsituation führen.
In politischen Kreisen von Paris und London läßt man nämlich durchblicken, daß Moskau möglicherweise zu einem Gespräch über die Beilegung des Korea-Konfliktes bereit sei. Man warnt allerdings davor, russische Tastversuche als bare Münze zu nehmen, und mahnt zur höchsten Vorsicht, da eine bisher gern geübte Taktik der Russen darin bestehe, auf der einen Seife Kompromisse auszuhandeln, um auf der anderen Angriffe vorzubereiten. Solange Flugzeuge mit russischen Hoheitszeichen und Panzer russischer Herkunft die Nordkoreaner unterstützen, ist allerdings größte Vorsicht geboten, zumal da die Nachrichten aus dem Balkan und Nahen Osten erkennen lassen, daß Rußland in diesen Gebieten nach den gleichen Methoden vorzugehen beabsichtigt wie in Korea.
Die groke Zangen-Bewegung
op. Sollte der Angriff auf Südkorea nun doch nur ein Ablenkungsmanöver gewesen sein, eine Aktion, um amerikanische, englische oder sonstige Kräfte der Westmächte zu binden? Sollte es den Hintermännern des koreanischen Feldzuges nicht doch um mehr gehen als um die Eroberung von Reis- und Hirseflächen? Man müßte sich sehr in Stalin und in der russischen Politik getäuscht haben, wenn man annehmen wollte, es läge dem Kreml bei seinem Vorgehen gegen Südkorea allein daran, sowjetische Ideologien über einige Breitengrade weiter wirksam werden zu lassen.
„Es muß mehr hinter Korea stecken“, so erklärten beim Ausbruch des Konfliktes jene Kenner der russischen Mentalität, die in Washington und London warnten, sich auf diesem ostasiatischen Landzipfel so festzubeißen, daß es zu einem übergebührlichen Engagement wertvollster Streitkräfte kommen würde, die vielleicht sehr schnell an wichtigeren Punkten gebraucht werden. Und in der Tat sieht es so aus, als ob man in Amerika diesen Mahnungen Gehör geschenkt hätte. Denn einige Bataillone und Panzer, ein paar Flugzeugstaffeln bedeuten im Grunde nichts für Amerika Sie genügen aber, um den Angreifern zu zeigen, daß Amerika gewillt und bereit ist, gegen einen Angriff auf die westliche Interessensphäre Stellung zu beziehen. Ob in Korea oder sonstwo — das bleibt Entwicklungen überlassen, die jede Stunde den Fall Koreas zu einem Fall niedrigster Ordnung werden lassen können. Eine solche Entwicklung zeichnet sich bereits mit bedrohlicher Schärfe und Besorgnis erregenden Spannungen ab.
Russischer Aufmarsch
Alarmnachrichten vom Balkan und aus dem Nahen Osten übertönen fast schon die lärmenden Berichte aus Korea. Zwarwerden noch keine Kriegskommuniques ausgegeben. Die Meldungen aus Belgrad und London, aus Italien und Washington über Truppen-Aufmärsche an der jugoslawisch-bulgarischen und jugoslawischrumänischen Grenze, die Feststellungen, daß ganze Panzerverbände aus der Sowjetunion in die Grenzgebiete verlegt wurden, und daß die Flugplätze der Ostblock-Staaten die russischen Maschinen kaum noch unterbringen können — diese alarmierenden Berichte wiegen fast schwerer als die Kriegsnachrichten aus Korea. Nicht weil der Balkan und der Nahe Osten uns näher liegen und unser persönliches Leben stärker berühren. In diesen Vorgängen zeigen sich Rußlands Absichten viel klarer als in der koreanischen Aktion. Es geht den Russen bei einem möglichen Angriff auf Jugoslawien in erster Linie um die Durchbrechung der mit diesem Lande gegen Osten vorgeschobenen Barriere des Westens. Es geht um die Schaffung eines Sprungbrettes zum Mittelmeer und um die Errichtung einer Basis, von der aus die sogenannte „Festung Europas“ von Süden her sturmreif gemacht werden kann. Es geht den Russen also zunächst einmal darum, Ausgangsbasen für die von ihnen immer wieder angekündigte Generalauseinandersetzung mit dem Westen zu schaffen. Insofern ähnelt ein Fall Jugoslawien etwa dem Fall Korea. Denn auch Jugoslawien ■ist dem Kreml als Land und Beuteobjekt keinen Krieg wert, ebensowenig wie Griechenland, gegen das sich vor zwei Jahren die Beherrschungspläne des Kreml richteten. < Wie bedrohlich die Situation auf dem Balkan geworden ist, wie ernst es den Russen mit ihren Absichten zu sein scheint, geht aus zwei aggressiv diplomatischen Vorstößen des Kreml hervor. In einer scharfen Note an die Westmächte fordern die Russen die Zurückziehung der Truppen aus Triest und in einer zweiten Note an die persische Regierung die Erfüllung eines sowjetisch-iranischen Vertrages aus dem Jahre 1921, nach dem die Anwesenheit amerikanischer Militärs in Persien eine Vertragsverletzung bedeute. Die Note an die persische Regierung ist in einem so verletzenden, brüsken Ton gehalten, daß er unter normalen politischen Verhältnissen zu einem Abbruch der Beziehungen geführt hätte. In Persien hat Rußland sich aber nicht auf die Absendung einer Note beschränkt, sondern hat fast gleichzeitig mit dem Ausbruch des Korea-Konfliktes mit einer Unterminierung des Landes begonnen, indem es die kommunistischen Kräfte aktivierte und mit erheblichen Mitteln eine gefährliche Propaganda gegen die Regierung und die Amerikaner in die Wege leitete.
Neben dem Brennpunkt Korea sind also über Nacht zwei neue entstanden: Jugoslawien und Persien. Ueber beide Staaten zeichnen sich eine Zangenbewegung gegen den Nahen Osten und Angriffsbewegungen gegen Westeuropa und Afrika ab. Diese Bewegungen umgehen ein Land, von dem man seit Kriegsende nur sehr wenig spricht. Es lebt und verhält sich im turbulenten Geschehen unserer Zeit wie eine Sphynx. Es ist fast so, als ob dieser Staat die Schleier, die er seinen Frauen weggenommen hat, über sein Land gelegt hätte — die Türkei. Ob es stimmt, daß sie die geheime und geheimnisvolle Festung der Westmächte ist? Sicher ist jedenfalls, daß dir Westmächte die Türkei ausgerüstet haben wie keinen anderen asiatischen Staat, daß Teile der Armee ständig mobilisiert sind und daß dieses Land immun gegen jede sowjetischen Einflüsse geblieben ist. Mit der Türkei müssen die Russen als einem unerbittlichen Gegner rechnen. Die Westmächte aber haben sie in ihre Mittelmeer-Kombinationen als einzige Festung, auf die sie sich verlassen können, einbezogen.
Ein Ablenkungsmanöver?
Vielleicht kommt es an den neu entstandenen Brennpunkten über den Umweg des diplomatischen Krieges nun auch zu einem Schießkrieg zwischen sogenannten ideologischen Kämpfern. Möglicherweise aber sind auch Jugoslawien und Persien nur Ablenkungsmanöver, mit denen der Kreml ausprobieren will, wieweit der amerikanische Abwehrwille geht. Stalin riskiert bei diesen Aktionen kaum etwas. Denn er kann sie, wenn sie mißlingen, zu jeder Zeit abblasen und, wie bisher in Korea, können sie Konflikte im Hintergrund bleiben.
Nachdem zum Fall Korea nun Jugoslawien und Persien hinzugekommen sind, und Triest erneut von den Russen in die politische Front gestellt wird, nachdem schließlich noch Albanien die Grenzgeplänkel gegen Jugoslawien und Griechenland neu aufgenommen hat, läßt sich eine große Linie abstecken, die der Kreml zunächst einmal zum Westen hin zu ziehen gewillt ist. Diese Linie geht von Stettin nach Triest. Und auf ihr liegt Berlin. Soll etwa Korea und der Balkan in Wirklichkeit Berlin heißen?
Das Kommuniqué
ein. Täglich geben das Hauptquartier des Generals Mac Arthur und das Hauptquartier des nordkoreanischen Oberbefehlshabers Kim 11-sung mehrere Kommuniques heraus. Die Formujierungen sind voneinander völlig verschieden, und das Kampfgeschehen wird von beiden Seiten anders dargestellt. Dennoch sind beide Berichte nicht erfunden und sagen die Wahrheit, da bei der Abfassung Meister am Werk sind.
Es ist eine Kunst, einen Heeresbericht zusammenzustellen. Vieles muß in wenigen Worten gesagt, mehr noch verschwiegen werden. In Zeiten des Erfolges kann der Bericht glasklar und erschöpfend genau sein; bei Mißerfolgen muß das Kommunique verschwommen und unübersichtlich sein. Ohne die Leistungen des Feindes zu bagatellisieren, wird man wahrheitsgetreu melden, den Erfolg des Feindes aber durch einen Wust anderer Meldungen erdrücken, bei denen zusammenfassend eine Serie eigener Siege wiederholt wird. Mit Einzelheiten über Schwierigkeiten des Geländes oder des Wetters kann man ablenken. Hin und wieder wird es notwendig sein, einen Schock bei der eigenen oder der Bevölkerung des Feindes bewußt herbeizuführen. Vorsichtig lassen sich anbahnende größere eigene Niederlagen bereits andeuten.
Der Siegende wird fast immer richtig und schnell die erreichten Ziele angeben, es sei denn, er will die feindliche Führung, deren Nachrichtenmittel in Unordnung geraten sind, im dunklen tappen lassen. Der Flüchtende wird so lang wie möglich in den Berichten Namen von Städten und Flüssen erscheinen lassen, die längst aufgegeben sind. So spricht das amerikanische Kommunique immer noch von Kämpfen südlich von Suwon oder sogar Söul, während der nordkoreanische Rundfunk seit langem aus dem Raum Taidschon berichtet, und im letzten Weltkriege meldete das deutsche Oberkommando wochenlang Kämpfe westlich Rostow mit Angabe der Kilometerzahl ,während die russische Führung bereits von Kämpfen im Dnjeprraum sprach. Diese Art der Darstellung ist verständlich. Der Geschlagene will ungern die Niederlage zugeben und hofft manchmal auf die Oberflächlichkeit des Lesers. Bei Rückzügen machen neue Namen die Kommuniques außerdem alarmierender.
Die Farbe, der Ton und der Akzent des Kommuniques können sich ständig ähdern, nur eins darf nicht geschehen: Es darf nicht bewußt gelogen werden. Jeder wird Verständnis haben, wenn aus psychologischen Gründen manches nicht gesagt wird. Es wird sogar notwendig sein, Operationen, die nicht vorzeitig bekannt werden sollen, in einem Frontabschnitt nicht zu erwähnen und als Ablenkungsmanöver den Schwerpunkt der Berichterstattung vollständig zu verlagern. Der neutrale Beobachter sollte deshalb beide Seiten hören. In den meisten Fällen wird er Ungenauigkeiten feststellen, im Grunde aber selten Verschiedenes lesen, denn auf beiden Seiten sitzen Meister der Formulierungen und Kenner der Massenpsychologie, die zwar nicht nur für das Kriegsarchiv arbeiten, aber auch nicht ihren Ruf verspielen wollen.
Kein Schlukstrich
zz Der» Ministerpräsident der Sowjetzonen-Republik, Otto Grotewohl, hat in der Stadt Görlitz, die heute den polnischen Namen Zgerzeice führen muß, im Beisein des polnischen Ministerpräsidenten den Verzicht auf die deutschen Ostgebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie unterzeichnet. Grotewohl erklärte dabei, die Unterzeichnung bedeute einen historischen Akt, der einen endgültigen Schlußstrich unter die Vergangenheit ziehe und eine Epoche der Freundschaft zwischen Polen und Deutschland einleite.
Das Abkommen, das in kürzester Frist ratifiziert werden soll, ist schon vor seiner Unterzeichnung von den maßgeblichen Politikern der Bundesrepublik als ein Verrat an Deutschland bezeichnet worden, als eine Eigenmächtigkeit der Sowjetzonen-Regierung, die sich auf keinerlei rechtliche Grundlage stützen kann. Nicht allein Bundesregierung, Bundesrat und Bundestag haben sich in der Bundestagssitzung vom 13. Juli in einer gemeinsamen Erklärung in feierlicher Form gegen den willkürlichen Verzicht auf deutsches Gebiet verwahrt. Nicht nur die Vertriebenen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße haben gegen den beabsichtigten Verrat schärfsten Protest erhoben. Auch die Alliierten haben, unter anderem durch eine Erklärung des amerikanischen Oberkommissars McCloy, darauf verwiesen, daß die deutsch-polnische Grenze nach dem Wortlaut des Potsdamer Abkommens erst in einem endgültigen Friedensvertrag mit Deutschland geregelt werden kann.
Die Unterschrift, die Grotewohl unter das Dokument setzen mußte — damit sich Polen durch eine Gebietserweiterung im Westen für die Gebiete entschädigt glauben soll, die ihm Rußland im Osten weggenommen hat —, kann niemals einen Schlußstrich unter die Vergangenheit bedeuten. Die Oder-Neiße-Linie kann auch niemals, wie das von der Sowjetzonen-Regierung seit langem propagiert wird, eine „Friedenslinie“ sein. Sie ist und bleibt eine Linie des Unfriedens, solange an den Vertriebenen das Unrecht nicht wieder gutgemacht worden ist, das ihnen von den Staaten des Ostblocks, unter Berufung auf das mit aller Rücksichtslosigkeit ausgedeutete Potsdamer Abkommen, angetan wurde. Die Weltöffentlichkeit hat heute eingesehen, daß die Vertriebenen einen Anspruch auf Wiedergutmachung besitzen Nicht sie allein, das gesamte deutsche Volk rechnet damit, daß dieser Anspruch im endgültigen Friedensvertrag nicht unberücksichtigt bleibt.
Harte Schläge aus der Luft
Wechselvolle und erbitterte Kämpfe auf Korea
Taidschon, 10. Juli (AP/BBC/dpa). In mehr als 1500 Einsätzen hat die amerikanische Luftwaffe die nordkoreanischen Panzerverbände und die Versorgungseinrichtungen des Feindes empfindlich getroffen- Unter dem Eindruck dieser äußerst schweren Schläge aus der Luft sind die nordkoreanischen Panzerverbände im Laufe des Montags nur wenig weiter nach Süden vorgedrungen.
General Stratemeyer, der Oberbefehlshaber der amerikanischen Luftstreitkräfte auf dem koreanischen Kriegsschauplatz, hatte den Befehl gegeben, ohne Rücksicht auf die Wetterbedingungen mit allen einsatzbereiten Maschinen ununterbrochen Einsätze gegen den heftig drängenden Feind zu fliegen, um der Erdtruppe Entlastung zu bringen und Zeit zu gewinnen. Die amerikanische Luftwaffe konnte nach vierzehntägiger Kampferfahrung in Zusammenarbeit mit der Erdtruppe erstmalig einen großen Erfolg erzielen, da es ihr gelang, ihre Kräfte zeitlich so zusammenzufassen, daß sie ihre nachhaltigen Schläge auf die feindliche Erdmacht in dem Augenblick ansetzen konnte, wenn diese stark massiert gegen die amerikanischen Verbände zum Angriff antrat.
Die zwei Divisionen des Feindes die beiderseits der Straße Schonan nach Süden auf die amerikanische Verteidigungsstellung vorgehen, wurden besonders schwer und nachhaltig getroffen. Mehr als dreißig Panzer und fast hundert Lastwagen sollen vernichtet worden sein. Die Verbände vom Typ B 29 haben inzwischen sämtliche Brücken über den Han zerstört. Riesige Brände in allen frontnahen Städten zeugen von der Wirkung der amerikanischen Großemsätze. Die feindliche Angriffsfront ist zwar auf einer Breite von fast 180 Kilometern immer noch nach Süden in Bewegung, gibt jedoch zum erstenmal ein ernsthaftes Anzeichen, das darauf hindeutet, daß die feindlichen Truppen angeschlagen sind.
Die nordkoreanische Führung hat dennoch nicht ihren Plan aufgegeben, die Amerikaner, die in Taidschon kämpfen, von ihrer Versorgungsbasis Pusan abzuschneiden. Das Kommunique, das vom Oberkommando der Nordkoreaner über den Sender Pjöngjang herausgegeben worden ist, meldet, trotz der feindlichen Luftangriffe seien die Truppen der nordkoreanischen Armee an allen Frontabschnitten weiterhin im Vormarsch. Bei der Einnahme der Städte Schonan und Chinon seien sechzig amerikanische Offiziere und Mannschaften gefangengenommen worden, zahlreiches Material sei erbeutet worden.
Die Kämpfe, vor allem im Raum Schonan, die sich, die Amerikaner und die Nordkoreaner liefern, sind wechselvoll und erbittert. Ein amerikanisches Bataillon, das am Sonntag eingeschlossen worden war, konnte sich auf die eigenen Stellungen am Kumfluß zurückziehen. Inzwischen sollen die Nordkoreaner ein weiteres amerikanisches Bataillon eingeschlossen haben, das in heftige Kämpfe verwickelt ist. Die Amerikaner haben am Sonntag zum erstenmal eigene Panzer eingesetzt, die der Infanterie merkliche Entlastung gebracht haben. Die amerikanische schwere Artillerie unterstützt aus den Verteidigungsstellungen am Kum die Infanterie mit sichtbarem Erfolg. Die Amerikaner sind jetzt dabei, auch Flughäfen in Südkorea einzurichten, womit die Flugzeit über dem Feindgebiet, vor allem der Jagdwaffe, erheblich verlängert wird.
Führende amerikanische Militärs sind der Auffassung, daß es gelungen sei, genügend amerikanische Truppen in Südkorea zu landen, um den kommunistischen Vormarsch zu stoppen. Entscheidende Wendungen könnten jedoch vorerst noch nicht erwartet werden.
Die Nordkoreaner haben für die Stadt Söul Verdunkelung befohlen, weil amerikanische Verbände auch bei Nacht den wichtigen Bahnhof von Söul angegriffen haben. Die nordkoreanische Luftwaffe ist auch am Sonntag und Montag kaum zum Einsatz gelangt. Amerikanische Flieger
melden Feindberührung mit einem schnelleren und modernen Typ der in der Sowjetunion gefertigten Yakjäger vom Typ 9. Die Nordkoreaner haben an den entscheidenden Punkten, an denen sie zum Angriff vorgehen, zahlreiche Flaktruppen konzentriert, die die amerikanischen angreifenden Verbände stets unter heftiges Feuer nehmen.
Im Verhältnis zu den bisherigen Einsätzen, die durch das schlechte Wetter und die großen Entfernungen bedingt waren, sind die in den beiden letzten Tagen geflogenen Einsätze der Amerikaner als außerordentlich bedeutend anzusehen. Um sich eine Vorstellung zu machen, muß man ausrechnen, daß bei einer Frontbreite von 180 Kilometer 170 Einsätze, wie sie beispielsweise in der vergangenen Woche einmal geflogen worden sind, theoretisch bedeuten, daß auf ein Kilometer Front am Tage einmal ein Angriff unternommen worden ist. Die Verzehnfachung der Einsätze und ihrer Zusammenfassung an den operativ wichtigen Punkten, wie sie am Sonntag und Montag vorgenommen worden ist, bedeutet hingegen eine nachhaltige Störung des feindlichen Vormarsches.
Nach unbestätigten Meldungen sollen die Nordkoreaner versucht haben, in <jer Assanbucht südwestlich von Schonan zu landen. Diese Operation bedeutet einen Flankenangriff auf die Kumstellung und könnte sich entscheidend auswirken. Es besteht im allgemeinen der Eindruck, daß die nordkoreanische Führung die Entscheidung durch Flanken und Durchbruchsbewegungen herbeiführen will, bevor die Amerikaner voll einsatzbereit sind. Die Krise in der amerikanischen Führung ist zwar noch nicht überwunden, durch die Ereignisse der letzten Tage jedoch wesentlich abgeflaut.
Aus San Diego (Kalifornien) wird gemeldet, daß zahlreiche Transportschiffe auf dem Marsch in den Pazifik sind. Die erste amerikanische Marine-Infanteriedivision, eine Elitetruppe der amerikanischen Streitkräfte, ist für den - Ost-Kriegsschauplatz bestimmt. Der Oberbefehlshaber der Marinelandungsstreitkräfte befindet sich bereits in Tokio. Die zweite Marine-Infanteriedivision hat das berühmte Inselhüpfen des letzten Weltkrieges mitgemacht. Die Bataillone dieser Division gelten als Spezialisten für den pazifischen Raum und werden voraussichtlich zu Landungen im Rücken der feindlichen Front eingesetzt werden, mit dem Ziel, die nordkoreanischen Versorgungslinien zu durchschneiden.
Aus Söul wird gemeldet, daß die französischen und britischen Diplomaten, die nach dem Fall der Stadt in die Hände der Nordkoreaner gefallen waren, in der britischen Botschaft interniert seien.
Grokangriff erwartet
Tokio, 10. Juli, (dpa) Ein neuer Großangriff der nordkoreanischen Streitkräfte in Richtung auf die Kum-Linie wird vom Hauptquartier General Mac Arthurs erwartet. In einem am Montag veröffentlichten Kommunique des Hauptquartiers heißt es, der Druck der kommunistischen Verbände habe zwar in der Nacht zum Montag im Abschnitt Schonan—Schotschiwa vorübergehend nachgelassen. Es seien jedoch nordkoreanische Verstärkungen im Anmarsch. Kommunistische Aufklärungsabteilungen seien sehr rege.
Indien fühlt sich nicht verpflichtet
Es will sich aus dem Konflikt heraushalten
Washington, 10. Juli. (AP.) Die Schwester des indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru, die als indische Botschafterin in den Vereinigten Staaten tätig ist, hat erklärt, Indien werde den Beschluß des Präsidenten Truman, Formosa und andere Gebiete Südostasiens gegen j ede kommunistische Aggression zu verteidigen, nicht unterstützen. Eine derartige Unterstützung gehöre nicht zu den Verpflichtungen Indiens.
Die indische Botschafterin fügte jedoch hinzu, daß Indien die amerikanische Unterstützung in Korea gutheiße, weil sie die einzige Möglichkeit sei, die Ausbreitung dieses Konfliktes zu einem dritten Weltkrieg zu verhindern. Die Sowjetunion müsse sich mehr als bisher an den Arbeiten der Vereinten Nationen beteiligen. Um dies zu ermöglichen, forderte sie die Anerkennung des kommunistischen China im Interesse der Stärkung der Vereinten Nationen.
Beschleunigter Friedensvertrag für Japan
Washington, 10. Juli, (dpa.) In Washington ist offiziell bekanntgegeben worden, die amerikanische Regierung arbeite weiter an ihren Plänen zum Abschluß eines Friedensvertrages mit Japan. Diese Vorbereitungen für eine möglichst frühe Friedensregelung im Femen Osten sollten durch die Ereignisse in Korea nicht verzögert, sondern eher beschleunigt werden.
Ein Menschenraub?
Berlin, 10. Juli. (AP.) Die 27jährige Irene Spannenberg aus Berlin-Charlottenburg, wurde nach den Ermittlungen der West-Berliner Polizei am Sonntag wahrscheinlich das Opfer eines Menschenraubes. Nach den Aussagen des Untermieters der Frau Spannenberg wurde diese in den Mittagsstunden des Sonntags von einem unbekannten Mann unter dem Vorwand abgeholt ihre Mutter sei nach einem Unfall in das Oskar-Ziethen-Krankenhau^, Berlin-Lichtenberg (sowjetischer Sektor), eingeliefert worden und bitte dringend um ihren Besuch
Zur gleichen Zeit Parkte in der Nähe der Wohnung ein Personenkraftwagen mit rotey „GB“ (Probefahrnummer, in dem sich zwei Ausländer in Zivil befanden. Beim Erscheinen eines West-Berliner Polizisten entfernte sich der Wagen mit größter Schnelligkeit.
Eine telefonische Nachfrage im Oskar-Ziethen-Krankenhaus ergab, daß die Mutter der Frau Spannenberg dort nicht eingeliefert wurde und der Krankenhausleitung volhg unbekannt sei. Der Verdacht des Menschenraubes liegt um so näher als der Ehemann der Frau Spannenberg ’ vor drei Wochen von einer Fahrt in die Ostzone nicht zuruckgekehrt ist.
Das Flüchtlingslager Bergen-Belsen, das während des Krieges ein berüchtigtes Konzentrationslager war, ist am Montag aufgelöst worden.
Protestmarsch nach Lonn?
Beschwerden der Kriegsopfer und Sozialrentner
bb. Koblenz, 10. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Wie das Präsidium des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands nach einer Tagung auf dem Rittersturz bei Koblenz mitteilte, seien alle Vorbereitungen getroffen, um „Schweigemärsche“ nach Bonn zu organisieren, wenn die Forderungen der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen auf Erhöhung der Renten nicht erfüllt würden. Das Präsidium werde allerdings zu diesem „erlaubten demokratischen Mittel“ nur dann greifen, wenn ein anderer Weg nicht zum Ziele führe.
Die jetzt rund 2,6 Milliarden DM betragenden Leistungen müßten auf 3,5 Milliarden erhöht werden. Ein Kompromißvorschlag könne nicht bei drei, sondern bestenfalls zwischen drei und 3,5 Milliarden liegen. Der Verband weist energisch alle Pläne zurück, die den Abbau oder ein Ruhen von Leistungen für große Gruppen von Versorgungsberechtigten zum Ziele haben. Die Vollrenten für erwerbsunfähige Kriegsbeschädigte müßten von monatlich 100 auf 180 Mark erhöht werden. Diese Forderung habe auch die ungeteilte Billigung des Beirats für Versorgungsrecht beim Bundesarbeitsministerium gefunden, der sich aus Vertretern der Organisationen, der Länder und -aus sozialerfahrenen Persönlichkeiten zusammensetze.
Die Zahl der von der Versorgung Betroffenen wird mit rund vier Millionen, das heißt etwa zehn Prozent der Bevölkerung Westdeutschlands angegeben. Davon seien 475 OQO zu dreißig Prozent kriegsbeschädigt, 187 000 zu vierzig Prozent, 374 000 zu fünfzig Prozent, 75 000 zu sechzig Prozent, 216 000 zu siebzig Prozent, 48 000 zu achtzig Prozent, siebentausend zu neunzig Prozent und 58 000 zu hundert Prozent beschädigt. Es gebe rund 987 000 Witwen, 1 356 000 vaterlose und 30 000 elternlose Waisen, hunderttausend Rentner von Elternteilen und 29 000 Rentner von Elternpaaren. Hinzukommen 780 000 unerledigte Anträge und ein monatlicher Zuwachs von achtzigtausend Anträgen, von denen nach den bisherigen Erfahrungen etwa zwei Drittel zur Genehmigung kämen.
Wenn es zu Schweigemärschen komme, würden rund 250 000 Personen, für die etwa 130 Sonderzüge eingesetzt würden, nach Bonn kommen.
Nur die „schleppende“ Tätigkeit der „personell teilweise sehr schlecht“ besetzten Verwaltung habe es verursacht, daß über den vorgesehenen Termin des 1. April hinaus das Versorgungsgesetz bestenfalls zum ’ 1. Oktober 1950 zu erwarten sei.
Exweiterter Ost-West-Handel?
Amerikaner befürworten ein neues Abkommen mit der sowjetischen Zone
Frankfurt, 9. Juli, (dpa) Die für den Ost-West-Handel zuständigen Beamten des amerikanischen Oberkommissariats befürworten ein neues Interzonen-Handelsabkommen zwischen dem Bund und der Deutschen Demokratischen Republik. Sie sind der Auffassung, daß das am 30. Juni abgelaufene Abkommen nicht nur verlängert, sondern in eingehend überarbeiteter Form erneuert werden solle.
Als grundsätzliche Bedingung für ein neues Abkommen'wird unter anderem die Zusicherung der Deutschen Demokratischen Republik genannt, in Zukunft von Wasser- und Stromsperren sowie von Binnenschifffahrts- und Warenblockaden in Berlin abzusehen. Auch soll sichergestellt werden, daß es bei den Interzonen-Wirtschaftsbeziehungen nicht wieder zu einem größeren einseitigen Defizit kommt. Ein Defizit der Lieferungen aus der sowjetischen Zone hatte vor einigen Monaten zu dem Stahlembargo geführt, das jedoch jetzt, nachdem die Salden wieder ausgeglichen und sogar zu Gunsten der sowjetischen Zone aufgelaufen sind, aufgehoben werden soll.
Auf amerikanischer Seite glaubt man, daß ein neues Interzonen-Handelsabkommen, wie es vor allem von der Schwerindustrie des Ruhrgebietes gefordert wird, notwendig ist.
Es wird erklärt, man habe erwartet, daß Interzonen-Handelsbesprechungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetzone noch vor dem Ablauf des alten Abkommens aufgenommen würden, da dies bei einer positiven Entscheidung die jetzt erforderlichen Uebergangsregelungen wahrscheinlich unnötig gemacht hätte. Die amerikanischen Sachverständigen hoffen, daß ein neues Abkommen einen rein wirtschaftlichen Charakter und keine Aehnlichkeit mit einem politischen Vertrag haben werde. Als Hauptproblem wird die Frage genannt, ob ein neues Abkommen Warenlisten oder einen freien Austausch von Gütern vorsehen solle.
Schumacher bei Adenauer
Bonn, 10. Juli (dpa). Am Dienstagvormittag werden sich Bundeskanzler Dr. Adenauer und Dr. Schumacher zu Besprechungen treffen. An der Unterredung wird auch der außenpolitische Berater der sozialdemokratischen Fraktion, Dr. Gerhard Lütkens, teilnehmen. Wie verlautet, hat Dr. Adenauer zu dieser Besprechung eingeladen, um allgemeine politische Fragen zu erörtern.
Bundeskanzler Dr. Adenauer wird voraussichtlich am 13. Juli seinen seit langem vorgesehenen Genesungsurlaub in der Schweiz antreten. Als Aufenthaltsort ist der Bürgenstock am Vierwaldstätter See vorgesehen.
Stimmen der Anderen
Ganz veraltet
Der „M anchester Guardian“ schreibt:
„Kanonen, Panzer und Flugzeuge, die für die amerikanischen Streitkräfte nicht gut genug sind, sind auch für die Verbündeten der Vereinigten Staaten unnütz. Die südkoreanische Armee verfügte weder über Artillerie noch über Panzer. Sie verwendete die 10,5-cm-Feldhaubitze, die in Amerika schon seit einiger Zeit als veraltet angesehen wird. Die Vereinigten Staaten belieferten sie auch mit dem 5,7- cm-Pakgeschütz, das sich bereits während des zweiten Weltkrieges als vollkommen unwirksam erwiesen hat und seit langem abgeschafft worden ist. Man kann sich zwar auf den Standpunkt stellen, daß es sowieso hoffnungslos war, die südkoreanischen Polizei-Einheiten in eine moderne Armee umzuwandeln — aber warum hat man ihnen dann überhaupt Kanonen geliefert? Manchmal ist es erforderlich, unsere Feinde oder die möglichen Feinde zu täuschen. Wir dürfen aber niemals unsere Freunde täuschen — auch nicht aus den besten Absichten.“
Ein zweites Spanien?
Karl Silex schreibt in den „Deutschen Kommentaren“:
„Der gut unterrichtete Washingtoner Korrespondent der ,New York Times1 machte auf die Möglichkeit aufmerksam, Korea könne eine militärische Falle sein, die den Amerikanern, 7000 Meilen von der Heimat entfernt, gestellt würde, um die Macht der USA von mehr kritischen Gebieten abzulenken. Aber vielleicht handelt es sich bei Korea noch um eine ganz andere Falle. Es muß für den Kreml wertvoll sein, einmal festzustellen, was die vielbesungenen neuen Waffen des Westens nun eigentlich tatsächlich schon leisten. Dann wäre Korea in einem weiteren Sinne ein zweites Spanien. Auch dort wurden die Waffen ausprobiert und die Erfahrungen für einen großen Krieg gesammelt.“
Die Lage ist ernst
Der Rückzug der amerikanischen Truppen auf Korea kommt in allen Darstellungen der britischen Montagspresse zum Ausdruck. Der „Daily Telegraph“ faßt die Stimmung der britischen Presse zusammen:
„Die Lage an der koreanischen Front ist äußerst ernst. Hoffnungen der letzten Woche, daß man die Front stabilisieren und eine Gegenoffensive einleiten könnte, haben sich, wie sich jetzt zeigt, als unbegründet erwiesen.“
Die „Times“ geht ausführlich auf die strategischen Zusammenhänge ein, die einen amerikanischen Erfolg bisher vereitelt haben. Dabei taucht zum ersten Male die Befürchtung auf — wenn auch nicht in aller Deutlichkeit ausgesprochen —, daß die Nordkoreaner unter Umständen ganz zum Zuge kommen könnten, ehe die Amerikaner kampferprobte Truppen in genügender Anzahl an Ort und Stelle haben. Sämtliche Blätter berichten von den Vorbereitungen zur Entsendung der 2. amerikanischen Infanteriedivision und anderer Kampfeinheiten nach Korea. Hoffnungsvolle Voraussagen fehlen.
Eine internationale Armee
Die „New York Times“ schreibt; „Die Charta (der Vereinten Nationen) ermächtigt den Sicherheitsrat, an einige oder an alle Mitglieder der Vereinten Nationen heranzutreten und sie um die Unterstützung zu bitten, die sie zur Ausführung ihrer Beschlüsse brauchen, auch um bewaffnete Truppen, oder um Unterstützung mit Material. Selbst der kleinste dieser Staaten könnte wenigstens eine symbolische Armee stellen und so zur Bildung eines Heeres beitragen, das viele Staaten, Rassen und Glaubensbekenntnisse umfassen würde und das auch ein größeres Kontingent asiatischer Truppen einschließen würde, dessen Gegenwart allein schon jede Beschuldigung eines ,weißen Imperialismus1 widerlegen würde. Diese Armee wäre im wahrsten Sinne des Wortes imstande, für die Idee .Asien den Asiaten1 und gegen die Herrschaftsansprüche eines neuen Eroberers zu fechten.
Schädlich und widerrechtlich
Die Moskauer Zeitung „P raw da“ verurteilt die Aktionen unter der Flagge der Vereinten Nationen in Korea als schändlich und widerrechtlich.
„Am 27. Juni war Lake Success Schauplatz einer schändlichen Farce, die entsprechend den vorher im State Department gefaßten Plänen ausgespielt wurde. An jenem Tage wurde eine Resolution angenommen, die deutlich zeigte, zu welchen Zwekken die amerikanische Regierung die Organisation der Vereinten Nationen benutzt. Unter der Flagge der Vereinten Nationen wird eine Koalition von Imperialisten und Raubtieren für die blutige Unterdrückung des koreanischen Volkes gebildet."
Sorbisches Volkstreffen
Pieck verspricht Gleichberechtigung
er. Berlin, 10. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die russisch lizenzierte Presse Berlins berichtet, das Blau der sorbischen Jugend und der Freien Deutschen Jugend, bunte Volkstrachten, Transparente und rote Fahnen hätten dem Platz der Roten Armee in Bautzen zum sorbischen Volkstreffen das Gepräge gegeben. Pieck, der von Fanfarenklängen begrüßt worden sei, habe .in seiner Rede unterstrichen, seine Regierung werde keine Beeinträchtigung der Gleichberechtigung der Sorben mit den Deutschen dulden. Er erwarte „brüderliche Toleranz, Aufrichtigkeit und gegenseitiges Vertrauen".
Genng zur Anfklärung getan
Stock zur Volksabstimmung in Hessen
H. G. R. Wiesbaden, 10. Juli. (Eigener Bericht.) Es sei nicht leicht, in einer sachlichen Frage die Wählermassen zu einer klaren Entscheidung zu bringen, erklärte Ministerpräsident Christian Stock zum Ergebnis der Volksabstimmung in Hessen.
Selbst in der demokratischen Schweiz, die seit langem die direkte Volksbefragung vornehme, schwanke die Beteiligung, je nachdem das befragte Thema interessiere. Die in Hessen zur Abstimmung vorgelegten Fragen seien offensichtlich zu abstrakt gewesen, um den Wählerwillen zu mobilisieren. Die Hessische Regierung brauche sich keine Vorwürfe zu machen, sie habe so viel zur Aufklärung getan, daß jeder Wähler hätte wissen können, worum es ging. Doch sei es den oppositionellen Gruppen, den Kommunisten also, den Nationaldemokraten und den übrigen rechtsstehenden Parteien, gelungen, ihre Anhänger geschlossener an die Urne zu bringen, als den geistigen Vätern der Volksabstimmung. Gleichwohl dürfe man nach seiner Meinung aus dem Ergebnis nicht den Schluß ziehen, daß die Radikalen in Hessen viel Widerhall fänden.
Die Wahlen in Schleswig-Holstein hätten gezeigt, daß die Flüchtlinge in vorausgegangenen Wahlen in starkem Maße für die Sozialdemokratische Partei gestimmt hätten. Jetzt, da sie eine eigene Partei gebildet hätten, sei von ihnen die Sozialdemokratische Partei verlassen worden. Trotz dieses Abgangs und obwohl Schleswig-Holstein ein überwiegend landwirtschaftliches Gebiet sei, habe die Sozialdemokratische Partei die meisten Stimmen auf sich vereinigen und sich als stärkste Partei behaupten können. Keine Partei habe aber eine Mehrheit erhalten, selbst der «Wahlblock der Bonner Koalition nicht. So müsse in Schleswig-Holstein eine Verständigung versucht werden, da die Entscheidung der Wähler eine Koalition nötig gemacht habe.
Vertrauensbeweis für Regierung
Newman zur Volksabstimmung
Wiesbaden, 10. Juli. Ein Sprecher der amerikanischen Oberkommission erklärte in Frankfurt, daß die schwache Wahlbeteiligung an der hessischen Volksabstimmung keine Ueberraschung darstelle. In allen demokratischen Ländern und besonders auch in den Vereinigten Staaten, hätten Volksabstimmungen über Verfassungsprobleme immer nur Beteiligungsquoten von dreißig bis vierzig Prozent aufzuweisen.
Der amerikanische Landeskommissar für Hessen, James R. Newman, erklärte zu dem Abstimmungsergebnis, daß die große Mehrheit für die Verfassungsänderung als ein Vertrauensbeweis für die hessische Regierung anzusehen sei.
Wähler - Wahlen - Warnungen
Wr. - Am Sonntag hatten in zwei Ländern der Bundesrepublik, in Hessen und in Schleswig - Holstein, die Wähler ihre Stimme abzugeben. In beiden Fällen waren sie aufgerufen, um sich zu wichtigen' Entscheidungen über ihre politischen Geschicke zu äußern. In Hessen sollten sie durch Volksabstimmung einem verfassungsändernden Gesetz des Landesparlaments die erforderliche Gesetzeskraft verleihen; in Schleswig-Holstein war der Landtag neu zu wählen.
In beiden Fällen gab es, staatspolitisch gesehen, eine Ueberraschung: In Hessen eine unerwünschte und unrühmliche, in Schleswig-Holstein eine imponierende. In Hessen gingen von drei Millionen Wahlberechtigten nur einige neunhunderttausend zur Wahl (ein knappes Drittel), in Schleswig-Holstein waren es mehr als drei Viertel. Dabei hatte die Volksabstimmung in Hessen den feierlichen Charakter eines Staatsaktes; in Schleswig-Holstein ging es lediglich um die Neuverteilung der Sitze im Landtag. Aber in Hessen ging es scheinbar um eine bloße Formalität: um die Frage, ob das Volk ein verfassungsänderndes Gesetz billige; in Schleswig-Holstein ging es unverhohlen um die politische Macht im Lande.
Vor diese Frage hätten sich — praktisch — auch die Wähler in Hessen gestellt gesehen, — falls sie wach und aufmerksam genug gewesen wären. Denn das Gesetz, zu dem sie ihre Zustimmung geben sollten, besagte nichts mehr noch weniger, als daß an die Stelle des bisherigen Verhältnis- und Listen-Wahlsystems für drei Fünftel aller Landtagssitze das System der Mehrheitswahl treten sollte.
Es ist mit Betrübnis festzustellen, daß zum mindesten zwei Drittel der hessischen Wähler diesen Sachverhalt nicht begriffen haben. Denn die Volksabstimmung am Sonntag war im Grunde ein Appell an die politische Intelligenz der hessischen Wähler und an ihr demokratisches Bewußtsein, — und der Appell ist wirkungslos verhallt.
Von den drei Millionen hessischer Wähler ist ohne Zweifel die weit überwiegende Mehrheit gegen das anonyme System der Verhältnis- und Listenwahl. Sie wollen den Mann, den sie in den Landtag wählen, vor sich sehen, wollen ihn hören und ihn einschätzen können, damit sie beurteilen können, ob sie zu ihm und seiner Redlichkeit Vertrauen haben.
Daß sie so denken, haben sie unzählige Male bekundet, in Versammlungen und an Biertischen. Es kann ihnen auch niemand nachsagen, daß sie die mancherlei Mängel des bisherigen Wahlsystems nicht erkannt oder begriffen hätten. Aber alle Welt kann ihnen heute nachsagen, daß sie, als es darum ging, dieses System durch ein besseres zu ersetzen, vor sich hin gedämmert haben und daß sie dem historischen Augenblick nicht gewachsen gewesen sind.
Sie haben viele Ausflüchte zur Verfügung, aber keine (oder nur ganz geringe) Gründe. Die meisten der Versager würden erklären müssen: „Ich war zu dumm“ — oder: „zu verschlafen“ — „zu faul.“ „Es war zu heiß.“ „Im Schwimmbad war es schöner.“
Immerhin: Gründe sind da; nur: sie sind nicht rühmlich. Triftigster Grund: Man ist, von den zwölf Jahren her, dermaßen an Getrommel und Getöse gewöhnt, daß man auf eine rein an den politischen Verstand appellierende Einflußnahme nicht mehr reagiert. Oder: Wo waren die Lautsprecherwagen? Wo die Musikkapellen und Trommler? „Warum hat man uns nicht aufgerüttelt? Nicht aufgeputscht?“
Also sagt man: Die Regierung ist schuld. Das ist billig, aber nicht wahr. Die Regierung, finanzarm, hat für diesen Sonntag 130 000 DM ausgegeben, für Wahlzettel und Briefumschläge, für Inserate und dergleichen, — sie meinte, das sei genug, die (Regierungs-)Parteien müßten alles Erforderliche tun.
Aber die Parteien dachten ähnlich, sie dachten an die Neuwahlen im Herbst, und es ergab sich jene Sachlage, die Heinrich Heine in seinem Gedicht über „Krapulinsky und Waschlapsky“ darstellt: „Und weil keiner wollte leiden, daß der andere für ihn zahle, zahlte keiner von den beiden.“
Deshalb, letztiglich, ging die Volksabstimmung in Hessen dermaßen unrühmlich daneben. Jedermann soll sich schwer hüten, aus diesem Anlaß etwas über die angebliche Blindheit der Hessen zu sagen. Sie war in diesem Falle nicht „naturbedingt“, sondern durch verzweifelte Umstände veranlaßt. Das ist ein Unterschied.
In Schleswig - Holstein hat bisher die Sozialdemokratie regiert, ziemlich unumschränkt, wenn auch nicht völlig unangefochten. Es hat in diesen Jahren einige Pannen gegeben, die ihr widerfuhren und für deren Behandlung wir des vielfach abgenutzten Mantels der christlichen Nächstenliebe nicht entraten können. Um dennoch (um „allen Gewalten zum Trotz sich zu erhalten“), hat sie in diesem Frühjahr ein Wahlgesetz durchgebracht, das, ähnlich wie es für Hessen gedacht ist, die Verhältnis- und Listenwahl mit dem Mehrheits-System verkoppelt. Aber sie hat, um sich an der Macht zu erhalten, noch einiges mehr getan: sie hat ein Wahlgesetz geschaffen, durch das ihre Vorherrschaft gesichert werden sollte.
Aber siehe: Gerade das haben ihr die Wähler am Sonntag übelgenommen. Die Sozialdemokratie hat von ihren bisherigen 43 Sitzen (durch ihr eigenes Wahlgesetz) nur ganze 18 retten können. Ihr steht ein „Deutscher Block" gegenüber, der ganze 31 Mandate errungen hat, — davon 17 die Christlichen Demokraten, 8 die Freien Demokraten und 6 die Deutsche Partei.
Die „BHE“, der „Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten“, — ein Bund, auf den man wird achten müssen —, ist heute in Schleswig-Holstein berechtigt zu triumphieren.
Die Alteingesessenen in unseren westlichen Landesteilen können und mögen Parteiprogramme aufstellen, welche sie wollen. Sie können parteipolitische Berechnungen anstellen, soviel es ihnen beliebt. Die Wahlen von diesem Sonntag, 9. Juli, sind eine laute und deutliche Warnung an alle Parteien, die Berechnungen anstellen. Denn diese Wahlen besagen, daß alle und jedwede, noch so sorgsam ausgeklügelten Berechnungen der Parteibüros am entscheidenden Wahltag über den Haufen geworfen werden könnten, — einfach dadurch, daß sich die Heimatvertriebenen, die Entrechteten, die Verfolgten, Verdrängten, Vertriebenen sich — durch die Abgabe ihrer Stimmen — als ein gleichberechtigter Bestandteil unseres Volkes erweisen könnten.
„Videant consules .Man sehe sich vor. Diese unsere Mitbürger haben Lebenswillen. Sie melden ihn an.
Der 9. Juli war eine äußerst einprägsame Lehre für die Parteigewaltigen und ihre Büros.
Für die Mehrheitsawahl
Wiesbaden, 10. Juli. Der Vorstand der Deutschen Wählergesellschaft in Frankfurt erklärte, daß sich die Wählergesellschaft nach der Verfassungsänderung in Hessen mit verstärkter Energie für die Einführung der reinen Personen- und Mehrheitswahl einsetzen werde. Das Verhalten sämtlicher Parteien vor und bei der Abstimmung hätte bewiesen, wie wenig sich Parteien und Politiker, die ihre Existenz der Verhältniswahl verdankten, der Bevölkerung gegenüber verpflichtet fühlten.
Der mangelhaft unterrichtete Wähler sei ein deutliches Zeichen dafür, daß das für Hessen vorgesehene Mischwahlverfahren, ein sogenanntes Kompromiß nach dem Bonner Muster, nichts anderes sei, als ein sorgfältig getarntes Verhältniswahlsystem. Die Deutsche Wählergesellschaft verlange, daß künftig sämtliche Abgeordnete in Hessen durch Personenwahl mit Mehrheitsentscheid gewählt werden. Nur so könne der Wähler am politischen Leben interessiert und beteiligt werden.
Der Manager ging durch
Marika Rökk hatte Pech
Gelsenkirchen, 10. Juli, (dpa) Ein Marika-Rökk-Gastspiel in Gelsenkirchen mußte am Sonntagabend plötzlich abgesagt werden, weil der Veranstalter, Konzertagent Fred Ray, mit der Kasse verschwunden war. Aber nicht nur die Besucher dieses Wiederholungsabends waren geprellt, auch Marika Rökk und ihr Ensemble waren geschädigt. Sie hatten keine Gagen erhalten und Ray war dem Pächter des Hans-Sachs-Hauses außerdem die Saalmiete schuldig geblieben. Konzertagent Ray, der inzwischen in Essen festgenommen wurde, hatte auch die Einnahmen des ersten Gastspielabends und des Vorverkaufs für den zweiten Abend in Höhe von mehreren Tausend Mark mitgenommen. Bei seiner Festnahme besaß er nichts mehr von dem Geld.
Deutschland scheut die Konkurrenz nicht
Blücher über die Ausdehnung des europäischen Handels
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 10. Juli. Vizekanzler Blücher hat nach seiner Rückkehr von der OEEC-Tagung in Paris vor der Presse hervorgehoben, daß auch der Stikker-Plan sich zu einer gemeinsamen Anstrengung gegen die strukturelle Arbeitslosigkeit in den Marshall-Plan-Ländern ausweiten solle. Wenn nicht umwälzende Ereignisse einträten, würden bald gemeinsame Bemühungen im Rahmen der OEEC zur Beseitigung dieser Arbeitslosigkeit anlaufen, was für die Lösung des Vertriebenenproblems von größter Bedeutung werden könne. Blücher wies auch darauf hin, daß jetzt die Vereinigten Staaten und Kanada als assoziierte Mitglieder der europäischen Marshall- Plan-Organisation angehörten und unterstrich, daß bei der Bildung der europäischen Zahlungsunion keinerlei Schwierigkeiten von Seiten Englands gekommen seien und seiner Ansicht nach der ganze Sterling-Raum in diesen Rahmen einbezogen werden müsse.
Es sei Deutschland nicht leicht gefallen seine Zustimmung zur Zahlungsunion zu geben, da es wegen der ersten Folgen der Liberalisierung mit einer Verschuldung von 85 Millionen Dollar an Holland und 25 Millionen an Frankreich in die Union hineingehe. Dieser Umstand brauche angesichts der Entwicklung des Außenhandels
keine Sorge zu bereiten, da sich die Schulden in zwei Monaten schon um vierzig Millionen Dollar vermindert hätten. Die Bundesrepublik werde aber Ziehungsrechte gegenüber diesen beiden Ländern geltend machen und trete mit Nachdruck für die echte Gegenseitigkeit bei der Liberalisierung ein.
Der Vizekanzler und Experte des ERP-Ministeriums hob dann als Hauptfolge des europäischen Zahlungsabkommens das Ende der Starrheit zweiseitiger Handelsbeziehungen hervor. Es wird jetzt gleich sein, ob in Frankreich oder in Portugal oder in Holland gekauft wird, so daß im Rahmen der achtzehn Teilnehmerländer die Ware da gekauft werden kann, wo sie am besten und am billigsten ist. Die Sprecher unterstrichen die Hebung des freien Wettbewerbs, der dadurch eintrete, und erklärten, daß Deutschland die Konkurrenz nicht scheue. Man komme mit dem Wegfall der Ziehungsrechte auch von der Methode der Voraussetzungen ab, die manchmal irrig geworden seien.
An Stelle der Ziehungsrechte tritt jetzt für jedes Land eine Quote von fünfzehn Prozent seines Ein- und Ausfuhrvolumens im Jahre 1949. Sie beträgt für Deutschland 320 Millionen Dollar.
Schwere Konflikte
Böckler zur Fettsteuer
Düsseldorf, 10. Juli. (AP.) Der erste Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. h. c. Böckler, hat sich am Montag in einem Brief an Bundeskanzler Adenauer gegen die beabsichtigte Einführung der Margarine-Ausgleichsabgabe gewandt. In dem Brief heißt es, die Einführung einer Margarine-Aüsgleichsabgabe bedeute eine Umgehung der von Adenauer den Gewerkschaften gegebenen Zusage, keine Fettsteuer einzuführen. „Jedwede Verteuerung der Lebenshaltung und jede Maßnahme gegen preissenkende Tendenzen wird! schwere innerpolitische Konflikte auslösen, ganz abgesehen von einer Kette von Lohnkämpfen als einer unabweislichen Folgewirkung.“
Margarine wird nicht teurer
Bonn, 10. Juli, (dpa) Ein Sprecher des Bundeserniährungsministeriums wies am Montag Aeuße rangen verantwortlicher Persönlichkeiten aus der Oelmühlen- und Margarineindustrie zurück, nach denen, die geplante Ausgleichsabgabe für Margarine zu Preissteigerungen bjs zu 0,25 DM je Kilo führen könnte. Auch wenn der Ausgleich für 1 Kilo Margarine 25 Pfg. betragen würde, wäre eine Preissteigerung durch nichts gerechtfertigt, da diese 25 Pfennig an Stelle der bisher zu zahlenden Importausgleichsabgabe treten werden, die seit dem 30. Juni weggefallen ist.
Die vertriebenen Leamten
AZ. Wiesbaden, 10. Juli. In der Mitgliederversammlung des Verbandes der Beamten und Angestellten aus den Ostgebieten, Sudetenland, Westgebieten und der Ostzone, Kreisverband Wiesbaden, Stadt und Land, Rheingau und Untertaunus (Verbaost) erstattete der Delegierte Rumler Bericht über den Verlauf der Delegiertentagung in Bonn, an der rund 500 Delegierte aus dem ganzen Bundesgebiet teilnahmen. Die Referate der Sprecher des Verbandes und die der Bundestagsabgeordneten brachten den Zielen des Verbandes volles Verständnis entgegen.
Der Kreisverband Wiesbaden mit den Gruppen Rheingau und Untertaunus veranstaltet in diesem Monat noch eine Großkundgebung.
Im allgemeinen freundlich
Eigener Wetterbericht der „AZ“
Die Witterung über dem westlichen Europa wird zur Zeit von dem Tief bei Island bestimmt. Dabei gelangen anhaltend milde Meeres-Luftmassen in die Rheinlande, in die einzelne kleinere Störungen eingelagert sind, so daß die wechselhafte, im ganzen aber freundliche Witterung bestehen bleibt.
Aussichten bis Mittwoch: Nur vorübergehend klar. Im übrigen wechselnde Bewölkung und Neigung zu einzelnen, teilweise gewittrigen Schauern. Unverändert warm.
Der Rundfunk am Dienstag
Radio Frankhirt: 5.30 Musik für Frühaufsteher: 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag: 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Orchesterkonzert; 17.15 Kaffeegesellschaft; 18.30 Leichte Kost: 20.00 Ein Tanzpotpourri; 21.05 Volkstümliche Unterhaltung; 22.15 Das Abendstudio.
Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag: 16.00 Nachmittagskonzert: 17.15 Cellomusik moderner Komponisten; 20.00 „Schön ist die Welt“; 22.00 ..Indizien“: 22.30 Unterhaltung und Tanz.
Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Sinfonie-Konzert; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 17.15 Musik zur Unterhaltung: 18.30 Musik zum Feierabend: 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Operettenkonzert; 20.45 „Nicht zuhören, meine Damen“: 22.30 Musik der Welt: 23.25 Jazz 1950.
NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause: 13.20 Musik am Mittag: 14.15 Unterhaltungsmusik aus Spanien: 14.30 Barnabas von Geczv spielt: 15.00 Im Rasthaus zum alten Cowboy: 15 40 Musikalisches Allerlei aus der Schweiz; 16.50 Darius Milhaud; 17.20 Alte Kammermusik: 18.00 Musik zum Feierabend: 20.00 Perpetuum mobile: 22.45 Nachtprogramm: 0.05 Berlin am Mikrofon.
Der Fall des Seminaristen H.
VON PETER FREHZu Beginn des Jahres 1919 erschien in den Zeitungen eine Notiz: „Schülerstreik im Lehrerseminar zu K.“ Sie war nur kurz und in einer Zeit, da Streiks aller Art an der Tagesordnung waren, schon nach wenigen Tagen wieder vergessen. Das Lehrerseminar zu K. beherbergte schon Jahrzehnte vor dem ersten Weltkrieg als Kgl. Erziehungsanstalt die .Seminaristen in einem kleinen Landstädtchen als sogenannte Interne. Das hat oftmals zu Schwierigkeiten geführt, erst recht, wenn man bedenkt, daß gerade in den Lehrerseminaren viel ausgeprägte jugendliche Chrakteure zusammenkamen. Jedes Internat hat unter anderem seine Hausordnung, wobei es Sache der Ordnungswahrenden ist, das rechte Mittelmaß zwischen Disziplin und Vernunft zu finden. Dies war jedoch dem letzten Direktor in K. leider versagt, vielmehr hielt er starr an längst Ueberhoitem fest, wie es in K. seit Jahrzehnten gehandhabt und auch dem Jahrgang 1901 auferlegt wurde, der im Herbst 1918 das Seminar bezog. Die Jungen dieses Jahrgangs, die immerhin die vier Kriegsjahre erlebt hatten, standen dieser Hausordnung einigermaßen fassungslos und nicht ohne inneren Widerstand gegenüber; aber sie nahmen manches hin. weil sie dachten: Nun, das wird sich schon geben . . .
Die Lage in K. änderte sich, als Ende 1918 die Soldaten aus dem Feld ins Seminar zurückkehrten und der Direktor auch jetzt noch die grotesken Prinzipien einer an sich schon überholten Hausordnung durchzusetzen versudite. Zunächst erging es den Kriegsteilnehmern ähnlich wie den unlängst angekommenen Zöglingen des Jahrganges 1901: sie vermochten solch vorsint-
flutliche Allüren nicht zu begreifen. Dann aber lächelten sie und erklärten: „Der Alte ist ja verrückt! Wir werden uns hier doch nicht wie die Klippschüler behandeln lassen.“
Die Seminarlehrer, mit den ihnen vom Direktor aufgebürdeten subalternen Pflichten einer kindischen Beaufsichtigung kaum weniger unzufrieden als die Seminaristen mit der absonderlichen Gebotstafel, ließen fünf gerade sein; sie übersahen die „Fehltritte“. und es hätte sich — trotz Hausordnung — wahrscheinlich ein erträglicher modus vivendi von selbst eingespielt, wäre nicht der Direktor nach einiger Zeit dazu übergegangen, die Kontrolle seiner Hausregeln persönlich zu übernehmen. Tag und Nacht, dann mit einer Blendlaterne vor dem Bauch, sah man ihn auf der Jagd nach Verstößen. Als Erfolg seiner Unternehmung erließ er alsbald Verschärfungen der Hausordnung; sie blieben wirkungslos, da sie einfach ignoriert wurden, auch waren sie so absurd, daß selbst die Zöglinge des Jahrganges 1901, die sich zuvor wenigstens äußerlich in den Rahmen der direktorialen Dekrete einzufügen versucht hatten, spontan dem Beispiel der älteren Kameraderi’ folgten. Der Direktor witterte Anarchie und glaubte, zu einem entscheidenden Gegenschlag ausholen zu müssen, indem er die schimpfliche Entlassung einiger „Rädelsführer“ verfügte.
Damit hatte der Zustand unversehens einen ernsten Charakter angenommen. Abends kamen die Seminaristen zusammen, um die neue Lage zu erörtern. Die Kriegsteilnehmer schlugen vor, so lange dem Unterricht fernzubleiben, bis der Direktor seine Maßregelung zurücknähme. Selbstverständlich erklärten sie sich mit den zunächst betroffenen Seminaristen solidarisch; eher wolllten sie alle von der Anstalt fliegen, als sie im Stich zu lassen. Den Jüngeren wurde es etwas bänglich zumute, als sie diesen Vorschlag vernahmen; sie waren noch nicht gewohnt, selbständig so weittragende Entschlüse zu fassen. So baten sie, den Fall unter sich besprechen zu dürfen. Audi in dieser internen Besprechung gingen die Meinungen hin und her, bis schließlich der Seminarist Robert H. die Schwankenden zu überreden vermochte, sich dennoch der Aktion anzuschließen..
Als schließlich am anderen Morgen um 8 Uhr die Glocke zur ersten Lehrstunde schellte, begaben sich die Zöglinge aus dem Hause zu einem Spaziergang in die winterlich kalte, im tiefen Schnee liegende Umgebung des Städtchens. Der Direktor, der mit einer splchen Reaktion des Seminars richt gerechnet hatte, ließ diesen und auch den folgenden Tag verstreichen, ohne ihr irgendwie zu begegnen, am dritten fuhr er zum Provinzialschulkollegium und gab tags darauf am Schwarzen Brett bekannt, daß sich nachmittags alles im Großen Lehrsaal einzufinden habe. Inzwischen hatten auch die Seminaristen untereinander beraten, was weiter geschehen solle; denn es war ihnen klar, daß die Gewaltkur, die sie begonnen hatten, bald zu einem Resultat führen müsse, sollte sie nicht über den spontanen Akt der Notwehr hinaus, zur Rebellion ausarten. Das war aber keineswegs ihre Absicht.
Kurz vor 6 Uhr waren alle im Großen Lehrsaal versammelt, einige Minuten später betrat, an der Spitze des Lehrerkollegiums, der Direktor den Saal. Die Stimmung war eisig. Des Direktors Blick streifte die Versammelten, als erwarte er eine Rechtfertigung oder Erklärung. Und sie kam. Es erhob sich ein Seminarist, der, während der Direktor wie teilnahmslos zuhörte, die Wünsche der Seminaristen verlas. Die Explosion erfolgte, als er mit zwar gedämpfter, doch in der lautlosen Stille nicht zu überhörender Stille den letzten der sieben Punkte verlas: Das Lehrerkollegium unter einem anderen Leiter.
Mit einem jähen Rude fuhr der Direktor in die Höhe, sein Gesicht lief puterrot an und an den Schläfen schwollen die Adern zu dicken Strängen. Aber es folgte nach einer schwülen Pause nur ein kurz herausgestoßenes „Dann habe ich Ihnen ja nichts mehr zu sagen“-1. Darauf verließ er ohne ein weiteres Wort den Raum. Er setzte diese Feststellung ebensowenig in die Tat um wie etwa in der Angelegenheit der mit der Relegation der bedrohten Seminaristen erfolgte, vielmehr blieb er Leiter der Anstalt, bis sie wenige Jahre später ihre Pforten schloß. Ueber die Sensatiori des Schülerstreiks war man zur Tagesordnung übergegangen; die Seminaristen erschienen wieder zum Unterricht, die Hausordnung blieb formal in Kraft, wurde aber weniger genau gehandhabt — kurzum, man hätte von einem Ausgang wie beim Hornberger Schießen sprechen können, doch wäre nichts irriger als diese Meinung.
Den ehemaligen Schülern, darunter mitlerweile ergrauten Lehrern aus der ganzen Provinz, die zum letzten Treffen anläßlich der Schließung des Seminars nach K. kamen, fiel auf, daß der Direktor nur noch ein Schatten des Mannes war, den sie gekannt und wohl auch gefürchtet hatten. Und sie erfuhren, daß ihn der Punkt sieben jenes ereignisreichen Februartages anno 1919 nicht nur in seiner Selbstherrlichkeit getroffen, sondern ihm darüber hinaus auch zu verstehen gegeben hatte, daß das, was er ein Menschenalter hindurch für Pädagogik gehalten hatte, davon himmelweit entfernt gewesen war. Vielleicht hat er es nicht in der Klarheit erkannt, wie es hier ausgesprochen wird, denn er war ein Mann des verhärteten Herzens; sicher aber ist, daß er sich in den letzten Jahren seines Wirkens immer mehr von den Amtsgeschäften zurückzog — ein Mensch, dem das höchste Ziel aller Erziehung versagt blieb: die Liebe seiner Schüler.
Dennoch ist tragischer als sein Schicksal das des Seminaristen H. gewesen. Robert H., der damals am stärksten und überzeugendsten dafür plädiert hatte, daß die Zöglinge seines Jahrganges sich dem Vorgehen der Kriegsteilnehmer anschlössen, hatte sich bei den späteren Erörterungen trotz allem Verständnis für ihre Erregung leidenschaftlich gegen den Punkt sieben gesträubt. Aus demselben unbeugsamen Rechtssinn heraus, mit dem er das kleinliche und verletzende Vorgehen des Direktors verurteilte, mißbilligte er nun auch diesen Anspruch, der ja in der Tat nicht nur über das hinausging, was zu fordern war. sondern auch Unrecht gegen Unrecht setzte. So wurde er das einzige unmittelbare Opfer des Schülerstreiks. Denn da er diesem Punkt dem Beispiel der Kameraden nicht folgen konnte, aber auch die Solidarität nicht sprengen wollte, reichte er noch vor der Konferenz im Großen Lehrsaal schriftlich seine Abmeldung ein und reiste ab, nach S. Die Eltern, unfähig und nicht gewillt, sich die Gedankengänge ihres Jungen zu eigen zu machen, betrachteten ihn als verlorenen Sohn; der Vater, in begreiflichem, wenn auch gefährlichem Zorn, zwang ihn in die elterliche Backstube, aus der der Verbannte nach einigen Wochen entwich. Er hat sich vergebens in den verschiedensten, meist subalternen Steilungen versucht, bis ihn seine Freunde im Strudel der Inflationsjahre aus den Augen verloren.
Feuilleton
Florine und der Bettler
VON I. D. UNGERERFlorine traf den alten Bettler weinend am Rande des Straßengrabens, der die breite Allee zwischen Forte dei Marmi und Viareggio abschließt.
Obgleich er regelmäßig ein Essen in ihrem Hause erhielt, hatte sie nie viel mit ihm gesprochen, denn sie glaubte, das sei ihm so lieber, und es kam auch ihrer eigenen Scheu und Schüchternheit denjenigen gegenüber entgegen, denen sie ein klein wenig Liebes tun durfte Sie hatte ihm nur einmal angeboten, öfters zu kommen, Aber der alte Mann hatte gesagt: „Nein, Signora, das wäre nicht recht von mir, die Signora hat selber wenig und in der Saison, wenn die Herrschaften alle da sind, dann habe ich genug Häuser, wo man mir etwas gibt; nur später, später im Jahr, wenn die Villen wieder leer sind, und die Signora es erlaubt, dann will ich sie bitten, ein wenig Öfter kommen zu dürfen.“
Er sagte es nicht genau so, sondern er stammelte es unbeholfen. Aber Florine verstand ihn. Und sie gab ihm von dem Tage ab ein Glas Wein zum Essen, und ließ ein weißes Tuch aufdecken. Das Mädchen sperrte sich zwar dagegen, die Seife sei so teuer, und es sei unnötig, und die Hände des Alten zitterten so, daß er oft etwas verschüttete. Aber Florine bestand darauf. Sie wußte, es sei für ihn mehr, als die Mahlzeit selbst wenn er sie von einem weißgedeckten Tisch erhielt. Der Einfachste und Aermste im Land hielt noch an dieser schönen alten Sitte fest. Und sie deckte nun einfach selbst für den Alten, denn sie hatte gehört, wie er einmal zu der unwilligen Magd leise sagte: „Wie schön“, und dabei mit seinen gichtkrummen Fingern über das Tischtuch strich; und schüchtern murmelte er noch: „Wie bei meiner Mutter . . “
Diesen armen, alten Mann fand nun Florine an jenem Tag, als er weinend am Rande des Straßengrabens zusammengesunken kauerte. In jenem Teil, der die Allee von den Gärten der Villen trennt. Und sie trug ihn, was ihm geschehen sei. Der Koch der Villa, — er zeigte mit dem Daumen rückwärts nach einem herrlichen Haus in einem parkähnlichen Garten, — habe ihm gesagt, er dürfte nicht in die Küche hereinkommen und er war doch gerade an dem Tage so müde von dem weiten Weg . . . und Florine sah auf die armen, alten Füße, so verbraucht und krank, in schrecklichen, vertragenen Schuhen — und sie erschrak ob ihrer Gleichgültigkeit daß sie dies heute zum erstenmal bemerkte, Es war seltsam, daß er solche Schuhe trug. Es war Sitte an der ganzen Marmorküste, von Viareggio bis La Spezia, und noch weiter im Land, daß alle mit Holzsandalen, den Zoccoli, gingen. Der Mann merkte, daß die Dame auf seine Füße starrte: „Ich kann keine Sandalen tragen, der eine, Fuß ist halb erfroren. und auf den anderen ist mir einmal etwas Schweres gefallen. Und wenn die Leute diese Füße sehen dann ekelt es sie; sie sehen schrecklich aus für die, die sie nicht gewohnt sind, wie ich . . Da schämte sich Florine noch mehr. „Ja“, sagte sie schließlich, „also weil er Sie nicht in der Küche sitzen ließ, darum weinen Sie?“
„Ach nein, nicht nur darum, Signora, . . . es ist nur ... er hat mir wohl mißtraut ■ . . ich . . ich habe noch nie etwas gestohlen und . . und , meine Hände wasche ich mir immer, ehe ich zum Essen gehe. Und er gab mir ein sehr hartes Stück Brot, und als ich es nicht wollte, weil ich es nicht kauen kann, da sagte er zu mir: „Sie haben überhaupt nichts zu verlangen, verstehen Sie! Seien Sie froh, daß sie das bekommen“ . . . Oh, er sagte noch viel mehr — ich hatte doch gar nichts verlangt — und . . und . . .“, er begann von neuem zu weinen in seiner hilflosen Kränkung. Florine wär empört über den satten, feisten Koch und seine Roheit und Herzlosigkeit; aber sie sagte nichts dergleichen sondern sie versuchte den Alten freundlich zu trösten: Der Koch habe gewiß nicht daran gedacht, ihm zu mißtrauen; wahrscheinlich habe er gerade an dem Tag Aerger gehabt, oder eine Sauce sei ihm angebrannt da werden solche Leute leicht unwirsch und denken sich nicht viel dabei; und lauter solche Dinge suchte sie zusammen, die ihr gerade einfielen. Der Bettler hörte allmählich auf zu schluchzen. Schließlich sah er die Frau lange und aufmerksam an. Ganz still. Endlich sagte er, wie nach vieler und sehr mühse’iger Ueb=rlegung: „Sie sind gut. Signora, aber der“, und er zeigte wieder mit der zitternden Hand . über die Schulter rückwärts, „der ist schlecht, ganz gewiß, und hat noch nie gehungert, und war noch nie allein, ganz einsam . . .“
Florine wollte den Alten zum Essen mitnehmen. Aber er nahm es nicht an Es war nicht „sein“ Tag. Seine Würde war an diesem schon zu bitter mit Füßen getreten worden, als daß sein Stolz es zugelassen hätte, ein Extraalmosen gerade von dieser Frau anzunehmen. der er so dankbar war, weil er fühlte, daß er für sie ein Mensch war. nicht nur ein Bettler .. es war so schwer, das alles so genau zu denken . . aber er fühlte es schon richtig, o ja — Wie hätte er ihr anders danken können und seinen Dank beweisen, ais daß er auch nobel zu ihr war. So, wie er es verstand. Er war sicher, sie würde das schon begreifen, auch, wenn er es nicht sagen konnte. Ganz gewiß nicht so. wie er es empfand. Er sah ihr einmal aufmerksam in die Augen Ja. ja, sie hatte schon alles richtig erfühlt Er lächelte ganz leise. Ein wenig schüchtern und ein wenig stolz.
So trennten sie. sich für heute, und für diesesmal, und Florine gab ihm die Hand, die er zaghaft und sehr glücklich annahm. Florine dachte sich nichts dabei. Es war ihr ganz natürlich. Aber er er war es nicht gewohnt. Für ihn war es etwas sehr Schönes. Man gab ihm zuweilen etwas. Aber nicht die Hand.
Um diese Zeit war die Allee leer, und Florina war froh, daß sie unbemerkt nach Hause gehen konnte. Ihr Herz war übervoll mit so viel durcheinanderwogenden Empfindungen. Sie wollte niemand begegnen. Sie brauchte Stille und Alleinsein. Welch eine Welt! Und warum kränkten die Menschen einander so sinnlos? Gedankenlos. Lieblos.
Am Tage darauf begab sie sich auf den Weg zu der ihr persönlich unbekannten Dame, der Herrin der schönen Villa und des ob seiner Kochkunst berühmten Küchenchefs. Es war eine sehr große Dame. Und sie galt als außerordentlich hochmütig. Florine wußte, daß diese Eigenschaft den scheinbar Glücklichen und den Reichen oft zu Unrecht angehängt wird. Aber immerhin, es war Florine peinlich. Das Ganze. Und sie wußte auch daß sie, sobald sie hochmütig und abweisend behandelt wurde, selber noch hocnmütiger und abweisender wurde, sogar anmaßend Und dann würde ihr ganzer Gang vergebens sein. Und eigentlich wollte sie schon wieder umkehren. Es war ja Unsinn, was erhoffte sie sich eigentlich? Die Dame würde sie wahrscheinlich gar nicht verstehen. Sie am Ende für aufdringlich halten. Es als Vorwand betrachten und glauben, sie wolle sich so in die Gesellschaft dieses gastlichen, aber sehr exklusiven und eleganten Hauses drängen . . . da dachte sie an die Tränen des verlassenen, in seiner Menschenwürde so tief gekränkten Alten, und an die armen, kranken • Füße in den schrecklichen Schuhen, die der Regen so oft aufgeweicht hatte, und die beim Trocknen dann immer härter und krumpeliger geworden waren Wie mochten sie den müden, verbrauchten Füßen weh tun, und sie drücken .. ja .. und dann ging sie zu der Frau von nebenan.
Die Dame empfing sie sofort. Uno mit der größten Liebenswürdigkeit Was die Menschen doch immer zu reden haben, dachte Florine. Welch dummes und häßliches Zeug sie von dieser Frau und ihrem gar nicht vorhandenen Hochmut daherredeten. Da quoll ihr das Herz über Und sie sprach. Ganz einfach. So, wie sie es erlebt hatte. Die Dame hörte ihr ganz still zu. Ab und zu sah sie Florine an. Etwas erstaunt schien dieser Blick. Als Florine geendet hatte, erhob sich die Dame und sagte: „Einen Augenblick, bitte.“ Sie kam wieder mit einem Paket: „Seien Sie so freundlich, geben Sie das Ihrem Freund. Wann kommt er denn wieder zu Ihnen?“ Florine sagte es der Dame. Und diese begann dann von anderem zu reden. Florine erhob sich bald und verabschiedete sich. Sie wußte plötzlich nicht recht, wozu sie dies unternommen hatte Es war eigentlich recht sinnlos. Was hatte sie sich denn erwartet? Zuerst war es ihr so notwendig und richtig erschienen. Nun war auf einmal alles so leer in ihr. Wie ausgelöscht. Und sie ärgerte sich über sich selbst. Immerhin, in dem Paket waren ein Paar gute, weiche Schuhe. Es war eine große Gabe. Florine kam sich selbe, töricht vor in ihren zwiespältigen Gedanken . . .
Die Abendsonne sank rot und golden am fernen Horizont ins Meer, das in großen Wellen langsam und stetig heranrauschte. Wie seit Jahrtausenden. Erhaben und unbeteiligt. Und da stand sie nun, der kleine, kleine Mensch in seinem winzigen Heute. Nein, dachte Florine, so tst es nicht richtig. Denn die Trauer und die Tränen eines Herzens, dem Unrecht geschehen, wiegen schwerer in der Ewigkeit, als alle Wasser des Meeres. Und es ist wichtig, es ist ungeheuer wichtig, daß diese Tränen getrocknet werden, und diese Trauer getröstet. Und sie sah das Meer auffordernd und wie zum Kampf an Die letzten Goldfunken verblaßten, das Rot verlosch in stumpfem Dunkelblau. Und die Wellen des Meeres rauschten, groß und gelassen, und ungeheuer fern. Sie haben nichts zu schaffen mit den kleinen, törichten Menschen.
Am Tage, an dem der Alte zum Essen kam, mußte Florine gerade um diese Zeit etwas sehr Dringliches und Unaufschiebbares außerhalb des Hauses erledigen. Es betrübte sie. Ja, es bereitete ihr schweren Kummer, wenn sie an die Enttäuschung des Alten dachte, und daß er sich am Ende beschämt fühlen könnte, daß er vor ihr geweint hatte, nun, da sie sich scheinbar nicht um ihn kümmerte. Aber sie konnte es nicht ändern. Sie deckte den Tisch für ihren Gast und legte das Paket neben sein Gedeck und schärfte dem Mädchen besonders streng ein, daß das Essen ja heiß sei und sie den Wein nicht vergesse. Sie wußte es leider allzu genau, daß das Mädchen es sonst sehr gerne vergessen hätte.
Als Florine zurückkam, erzählte ihr die Magd mit vor Staunen und Nichtverstehenkönnen weit aufgerissenen Augen, die Dame aus der feinen Villa nebenan sei dagewesen; sie sei direkt durch den Garten in die Küche gekommen und habe sie hänausgeschickt, und sie habe nur gerade noch gesehen, wie die Dame sich zu dem Bettler an den Tisch in der Küche gesetzt habe, und sie hätten dann lange miteinander gesprochen. Nein, so etwas!
Florine wäre am liebsten hinübergelaufen und hätte dieser Frau dtwas Schönes gebracht. Aber sie wußte, daß sie diesem Gefühl ihres Herzens nicht nachgeben durfte. Sie ging hinaus auf die Terrasse und blickte triumphierend auf das Meer — — das Herz eines guten Menschen war doch größer, als die unermeßlichste Unermeßlichkeit. Aber, wie der Zwiespalt Florines, so rührte auch ihr Glück nicht an die Weite des Meeres, das seinen eigenen, geheimnisvollen Gesetzen folgt, die so ' fern von den Mens hen sind wie de Himmel und die Sterne,
Das nächstemal brachte der Alte Florine Blumen mit. „Die Dame hat mich eingeladen", sagte er und strahlte. „Wissen Sie, da, wo der Koch ist. Ich soll nicht mehr durch die Küche und bei dem Koch ■Vorbeigehen. Ich soll durch den Garten, von vorne, wo die feinen Herrschaften gehen, kommen. Ich war schon einmal dort seither. Die Kinder der Dame — — oh, so schöne Kinder, . . haben mich an einen Tisch geführt in einer Stube, fast so schön wie hier, und haben mir so viel Gutes gegeben. Alles ganz weich. Und sie haben mich eingeladen. Für jeden Donnerstag und Samstag. Sie seien so viele Personen, da hätten Sie genug, auch für mich. Ein paar von mir geschnitzte Spielzeuge darf ich den Kindern aber doch geben. Die Dame hat es mir erlaubt.“ Seit Jahren hatte der Alte wohl noch nicht so viel auf einmal gesprochen. Aber er war so stolz und glücklich, daß das überströmte und ihn beredt machte. Seine alten Augen schienen ganz hell, hell und jung. Seine Ehre und Würde waren ihm zurückgegeben. Es war ein wunderbarer Tag für den Alten.
Aber es war auch ein wunderbarer Tag für Florine. Sie betrachtete begeistert und gerührt die schon vom waiten Weg ein wenig welken Blumen, und stellte sie in ihre köstlichste Vase aus hauchdünnem, chinesischem Porzellan. Sie hatte niemals schönere und wertvollere Blumen erhalten in ihrem Leben, obgleich viele wohl oft sehr teuer gewesen waren, und niemals ein Geschenk, das sie so tief geehrt und beglückt und beschämt hatte.
Beschämt, weil dieses Glück daher kam, daß eines Bettlers zertretene, gestohlene Würde, die Würde eines Menschen, ihm wieder zurückgegeben und aufgerichtet worden war — — daß so etwas geschehen konnte auf der Welt, das dieses notwendig machte, — daß es tausendfach, immerfort geschah: Wehrlose sinnlos kränken — — daß so etwas Beschämendes sein konnte, daß man den glückseligen Dank einer armen Seele erhielt, die bewahrt wurde vor unnötiger Schmach und Demütigung.
Florine berührte leise die Blumen, die begannen, im Wasser ihre Köpfchen aufzurichten. Sie dachte an die Vielen, die das Leid der Erde nur an ihrem mißvergnügten Egoismus erfahren, und glauben, sehr mildtätig zu sein, wenn sie einem Verarmten, Einsamen und Heimatlosen nur seelische und keine körperlichen Fußtritte versetzen, und sie ihn gerechterweise fühlen ließen, daß er einzig von ihrer Gnade abhänge, und sie ihn ja auch ganz verderben könnten, oder am Wege liegen lassen. . . Immer noch streichelte Florine gedankenverloren die Gabe des Bettlers. Das Geschenk eines Herzens an sie. Und Florines selig Glück darüber verschwamm ganz leise, und beinahe unbegreiflich in eine ferne, uferlose und unfaßbare Trauer, gegen die sie sich vergeblich zu wehren suchte
Die Studienfahrten deutscher Akademiker werden im Herbst dieses Jahres nach Frankreich führen. Die erste Fahrt geht als Bahn- und Autobusreise vom 11. bis 24. September in die Provence (Lyon — Valence — Orange — Avignon — Nimes — Arles — Marseille — Nizza — Grenoble), die zweite als Bahnreise vpm 7. bis 15.- Oktober über Straßburg nach Paris und Chartres. Auskünfte, Programme und Anmeldungen beim Leiter der Fahrten: Prof. Kutscher, München 33, Postfach 5.
FRANS MASEREEL: GANG IN DEN SOMMER Mit einem Messer hat der Künstler in ein Stück Birkenholz die Stimmung eines hellen, festlichen Sommertages eingegraben. Die Geborgenheit einer unter strahlendem Himmel vor der friedlich glatten See lächelnden Stadt ist so eindrücklich einfach, so vollkommen ausgedrückt, daß der Duktus des Künstlers, das Merkmal seines Stils oder der Stil seiner Zeit fast verschwindet und zeitlos Gültiges hervortritt. Frans Masereel verbindet stets mit dem herkömmlichen Ausdrucksmittel seiner Holzschnitte eine hell gegenwärtige Zukunftsfreudigkeit. Ein konservatives, frommes Element der Ueberlieferung ragt in unsere Zeit der Technik hinein.
Wallfahrt nach Concord
DER AMERIKANISCHE DICHTER HENRY DAVID THOREAU
Die amerikanische Lesehalle in Heppenheim lud zu einem Vortrag von Archivar Ernst Viel ein, der über das Thema: „Wallfahrt nach Concord — Der amerikanische Dichter Henry David Thoreau“ — sprach. Jedes Volk, so begann der Vortragende, hat eine Stätte, zu der seine Jugend hinpilgert, um den Großen, der dort ein Teil seines Lebens verbracht und gewirkt hat, zu ehren. Wie die Deutschen nach Weimar, so wandert die amerikanische Jugend heute nach Concord, einem kleinen Landstädtchen im Staate Massachusetts, wo der Dichter Henry David Thoreau gelebt hat (1817—1862) und auch begraben liegt.
Thoreaus Vorfahren stammen von einer der Kanalinseln an der normannischen Küste, sein Vater ließ sich in Concord nieder, das heute eine Art Nationalheiligtum geworden ist, sind mit ihm doch viele berühmte Namen verknüpft: Emerson, Hawthorne, die Alcotts, Marg. Fuller und andere mehr haben gleichfalls dort gelebt und mit Ausnahme von M. Fuller ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Das Zusammentreffen mit Emerson und die Bekanntschaft mit den Werken von J. J. Rousseau, Goethe und den alten indischen Weisheitslehren ließen ihn zu einer Lebensauffassung kommen, die der strengen puritanischen der damaligen Zeit vollkommen entgegenstand. Er schloß sich der pantheistischen Auffassung der Transcendentalisten an, die damals etwa dem Idealismus in Deutschland entsprach. Führer dieser Gruppe war Emerson und sein Kreis, mit dem er sich bald freundschaftlich verband.
Er versuchte, den Gedanken des „plainliving“, des einfachen Lebens, in die Wirklichkeit umzusetzen. Schon bei der Berufswahl standen ihm diese neuen Ideen hindernd im Wege, und von allen in Frage kommenden Berufen blieb nur noch der des Lehrers übrig und auch diesen übte er nur ganz kurze Zeit aus, da er und seine vorgesetzte Schulbehörde über Erziehungsfragen grundverschiedener Auffassung waren. Von seinem Freude Emerson erhielt er am Waidensee ein Stück Land und wollte nun den Beweis liefern, daß man ein von allen Errungenschaften der Zivilisation unabhängiges Leben führen könne. Die Ausstattung seiner von selbstgefällten Bäumen errichteten Hütte war auf das Notwendigste beschränkt. Seinen Lebensunterhalt bestritt er von dem, was der selbstbebaute Garten lieferte. Von hier aus durchstreifte er die nähere Umgebung des Waidensees und stellte seine Naturbetrachtungen an, wie sie in seinen Werken: „Walden“ und den „Tagebüchern“ niedergelegt sind. .Doch er schloß sich deshalb keineswegs von der Außenwelt ab. Die zahlreichen Besuche von Freunden und neugierigen Fremden legen ein beredtes Zeugnis davon ab. In diesen Jahren formt sich seine Auffassung von Gott, Welt, Natur und Mensch. Er findet zu einer eigenen (pantheistischen) Lebensanschauung, die den Menschen mitten in die Natur stellt als ein Teil von ihr.
Auch mit den staatlichen Einrichtungen und den politischen Fragen setzte er sich auseinander. In seinem „Civil Disobedience“ nimmt er Stellung zur Sklavenfrage. Er geißelte den Krieg gegen Mexiko. Wegen rückständiger Steuern kam er schließlich mit den Behörden in Konflikt und man sperrte ihn ein. Aber auch das konnte ihn nicht erschüttern. Seine Gedanken hatten schon festen Boden gewonnen und verbreiteten sich schnell. Als sich schon sehr frühzeitig Anzeichen der Familienkrankheit, von der seine ganzen Angehörigen dahingerafft wurden, bemerkbar machten, ging er ganz in seiner Gedankenwelt auf und widmete sich nur noch seinen Arbeiten und Studien. In seiner Todesstunde erwartete die Umwelt, er werde seine pantheistischen Ideen widerrufen und sein. Verhältnis zu der christlichen Lehre einer Revision unterziehen. Er tat es nicht und blieb bis zum letzten Atemzuge sich selber treu. Seine Werke und die Grabrede seines Freundes ♦ haben ihn für die Nachwelt unsterblich gemacht. _ey
„Schiff ohne Hafen“
Das Schauspielstudio der TH Darmstadt dem^?n ama ^ttwoch- dem Donnerstag, 20 ^lhr Montag, dem 31. Juli jeweils um Uhr im Auditorium des Amerikahauses das dramatische Spiel „Schiff ohne Hafen“ von aem Holländer Jan de Hartog zur Auffuhiung. Hartog schrieb das Stück kurz vor em zweiten Weltkrieg. Es wurde zum erfolgreichsten holländischen Drama der Gegenwart.
Das Schauspielstudio wird mit diesem Stuck am 21. Juli zur 11. Internationalen Theaterwoche der Studiobühnen deutscher Hochschulen nach Erlangen fahren und dort unter 16 Studiobühnen des In- und Auslandes die Technische Hochschule Darmstadt vertreten.
Der Besuch der Aufführungen ist kostenlos, jedoch nur gegen Platzkarten die ab sofort beim Asta der TH und im Amerikahaus ausgegeben werden.
Im Gedenken an Otto Pohl
Am 11. dieses Monats wäre er 56 Jahre alt geworden. Wir mußten ihn vor sechs Jahren verlieren. Unsere Hoffnung, Dr. Otto Pohl beim Neuaufbau unseres Tagblattes wieder unter uns zu haben, hat sich nicht erfüllt. Es war auch seine Hoffnung, als wir ihn im Sommer des letzten Kriegsjahres noch einmal in der Heimat sahen. Vor dem Sparkassengebäud'e trafen wir zusammen: Prälat Dr. Diehl, unser „Wochenotsch“ und der, der ihm dieses Freundesgedenkwort widmet. „Wie lange werden sie noch machen?“ war die geflüsterte Frage. „Wann werden wir wieder unsere Zeitung schreiben können?“ wurde die Frage fortgesetzt.
Dabei gehörte der Kriegsfreiwillige des ersten Weltkrieges, der lange Jahre im fernsten Sibirien in Gefangenschaft gehalten war, nicht zu jenen, die es sich heute als Ehre anrechnen, immer die Niederlage gewünscht zu haben. Er tat seine Pflicht — aber den Krieg, den hat er noch weniger gewünscht. Als wir eines Mittags vom Umbruch der Staatszeitung kamen, schlug er einem Schulbuben auf die Finger, weil er im Scherz auf seinen Spielgefähren angelegt hatte: „Man zielt nicht auf Menschen!“ Das war so ein Stück drastischer Pädagogik des Wormser Lehrersohnes.
In seinem Schreiben war Otto Pohl freilich alles andere als ein trockener Alleweltbelehrer. Zwar kam es ihm immer auf Sachlichkeit und Sauberkeit einer Meldung an, denn er war ein Journalist der alten Schule. Aber hinter dieser Sachlichkeit stand! eine Ueberzeugung. Politisch war es für ihn, der von Friedrich Naumann herkam, die Sache einer deutschen, sozialen Demokratie. Dabei klammerte er sich nicht an ein Parteiprogramm, obwohl er kein „Parteiloser“ sein mochte. Das Gefühl für Freundschaft, das er so ausgeprägt besaß, leitete ihn auch in seiner journalistischen Arbeit. Wer Menschen angriff, die er für wertvoll hielt, dem setzte er mit seiner frischen Feder arg zu. So hielt er zu Ulrich, zu Henrich und zu dem besonders verehrten Dr. h. c. Adelung. So setzte er sich 1933 und später mit allen nur möglichen Mitteln für die gefährdeten jüdischen Bekannten ein.
Die Tagblattleser haben Otto Pohl weniger von dieser seiner politischen Seite kennengelernt. Zu ihnen sprach er, als ihn der Verlag L. C. Wittich nach dem Tode von Max Streese zur Leitung des Lokalteils des Tagblatts berief. In der Politik mußte er resignieren. Seine Ideale hatte er in sich begraben, wie an jenem Tage, als man die Farben Schwarz-Rot-Gold und die Ebert-Büste vor den Suchkommandos in Sicherheit brachte. Nun war ihm noch als Arbeitsfeld die hessische Landschaft und Althessens einstige Hauptstadt geblieben. Hier war er, der als Wandervogel die Heimat erlebt hatte, ganz in seinem Bereich. Den Wald liebte er vor allem. Wie konnte er froh und ausgelassen sein! Wie pflegte er in seinem gastlichen Hause die Musik. Wie wußte er aber auch in seiner natürlichen Offenheit und Schlagfertigkeit den rechten unbefangenen Ton zu treffen, wenn er, ganz gleich mit wem, ohne Menschenfurcht und Devotion sprach.
Als Otto Pohl in Amsterdam starb, war keine Gelegenheit, seiner öffentlich zu gedenken. Wir empfinden es als Pflicht der Treue und Dankbarkeit, das Versäumte nachzuholen. Wir lassen ihn in unserem heutigen lokalen Teil mit einer liebevoll geschriebenen Arbeit über das Darmstädter Glockenspiel noch einmal zu Worte kommen. Recht viel von seiner Berufsauffassung und seiner Liebe zu seinem und unserem Beruf aber wollen wir in unsere neue Aufgabe mit hineinnehmen. paul Drömert
Gustaf Grundgens führte mit dem Düsseldorfer Ensemble das Schauspiel „Der Prozeß“ von Andre Gide und Jean Louis Barrault nach dem Roman von Franz Kafka bei den Ruhrfestsp-.elen ip Recklinghausen auf. Grundgens führte mit Ulrich Erfurth zusammen Regie und spielte auch die Hauptrolle des Josef Im Mittelpunkt des Werkes steht ein Mensch, der von einer dunklen Gewalt erfaßt ist und sich vergeblich gegen eine unerklärliche Verwicklung in seinem Prozeß wehrt Gründgen:, verdeutlichte die komplizierte Materie so. daß das Publikum trotz der verwickelten Problematik willig mitging und bereits in der Pause lebhaft applaudierte.
Darmstadt und Umgebung
Des Feuers Macht
Hero. Von den vier Elementen — Wasser, Feuer, Luft und Erde (sofern man diese Empedoklesische Unterscheidung der Elemente gelten lassen will und nicht unser modernes Periodensystem) — haben die Menschen im Lauf der Geschichte drei als ihr Eigentum erklärt: die einen sagen, sie hätten die Luft erobert, die anderen proklamieren die Herrschaft übers Wasser, und die dritten schließlich behaupten gar kühn, ihnen gehöre die Erde . . .
Sie versuchen sich das gegenseitig auf diplomatischen Wegen oder durch Kriege zu beweisen, wenn es friedlich nicht mehr geht. Aber noch kein Volk war so höllisch, die Herrschaft über das Feuer zu fordern. Nicht der Tod ist umsonst, wie man meint, sondern einzig und allein das Feuer. Denn: Streichhölzer und Feuerzeuge kann man zwar kaufen, das Feuer selbst jedoch nicht. Was nämlich nützt ein feuchtes Streichholz, was ein Feuerzeug ohne Stein? — Hat man deshalb das Feuer? Nein. Hier also versagt die Kunst der Menschen, und sie werden immer und immer wieder erkennen, daß dem Feuer eine Macht innewohnt, die sich durch nichts «ersetzen und verdrängen läßt . . .
Nur Prometheus mußte das Feuer teuer bezahlen. Als er es den Göttern geraubt hatte, haben sie ihn an einen Felsen geschmiedet, und ein Adler fraß ihm die Leber aus. Aber die dankbaren Menschen, denen er das Feuer geschenkt hat, erhoben ihn zum Halbgott.
Und heute? — Entwickelt nicht der größte Grobian ein umständliches Zeremoniell, wenn er Feuer haben will? Fühlt sich das ärgste Rauhbein nicht geehrt, wenn es so untertänig angesprochen wird? Und reichen sich die Partner das Hölzchen nicht feierlichst hin und her, selbst wenn sie sich sonst nicht riechen können?
Mächtiges Feuer! — Du zwingst die Menschen zu einer rührenden Bescheidenheit, zu einer nie geahnten Hilfsbereitschaft. Warum nur du allein?
Richtbaum auf der St. Cudwigskirche
Die Beendigung des ersten Bauabschnittes der schwer beschädigten - Ludwigs-Kirche veranlaßte uns, einen Ueberblick über die Geschichte dieses der Darmstädter Bevölkerung so vertrauten Gotteshauses zu geben.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein Gotteshaus für die katholische Bevölkerung Darmstadts notwendig. 1822 konnte auf dem Wilhelminenplatz die Grundsteinlegung zu dem 1820 von Großherzog Ludwig I. von Hessen-Darmstadt genehmigten Neubau stattfinden. Oberbaudirektor Georg Moller hatte den Plan nach dem Panthenon entworfen.
Der geistige Hintergrund jener Zeit, die „Aufklärung“, war ausschlaggebend für den in die klassische griechische und römische Antike zurückgreifenden Baustil. Auch in anderen Städten waren zu jener Zeit Nachahmungen des monumentalen Rund- und Kuppelbaues des Panthenon entstanden. Die St. Hedwigskirche in Berlin und die Paulskirche in Frankfurt a. M. sind dafür Beispiele.
Die mächtige Kuppel der St. Ludwigskirche, eine Bohlenkonstruktion aus Holz, ruhte nicht, wie beim Panthenon, auf den Außenwänden, sondern auf einem Kranz von 28 korinthischen Säulen. Ihre Außenseite war mit Schiefern bedeckt, während die Innenseite glatt verputzt war. Schon damals spielte die Geldfrage eine große Rolle, denn Moller mußte für den Bau der Kirche mit 60 000 bis 70 000 Gulden auskommen.
Die Kirche wurde am 25. März 1827 eingeweiht. Als die Mitglieder des Hoftheaters die Messe sangen, machten sich zum ersten Male die akustischen Mißverhältnisse, verursacht durch die glatte Flächenbehandlung der Kuppel, bemerkbar. Die Kirche konnte erst im Laufe von Jahrzehnten und nur mit finanzieller Beihilfe des Großherzogs Ludwig, der Großherzogin Mathilde und des Prinzen Friedrich von Hessen eingerichtet werden. Der Verputz der Kuppel wurde in den Jahren 1910/11 unter dem bekannten Ehrendomkapitular Dr. Elz erneuert.
Die größten Verluste erlitt die Kirche 1944 durch die Zerstörung des Hochaltars aus schwerem Marmor, des wertvollen Altarkreuzes, das einem Nachahmer Michelangelos, Giovanni da Bologna (gest. 1608), zugeschrieben wird, der Bilder der Seitenaltäre, der Glocken und der Uhr. Während das Grabmal des Prinzen Friedrich von Hessen und der aus belgischem Kalkstein hergestellte Kreuzgang ziemlich unversehrt blieben, hat das Grabmal der Großherzogin Mathilde, bei deren Ueberführung 1865 der Mainzer Bischof Ketteier predigte, sehr gelitten.
Durch die Hilfe auswärtiger Geldgeber konnte die Firma Angermeier im Februar mit den Ueberdachungsarbeiten über dem Rundgang beginnen, nachdem schon vor der Währungsreform zwei Säulen nach der
Enttrümmerung der Ruine überdacht worden waren. Die aus Backsteinen zusammengesetzten Säulen wurden in den letzten Wochen mit Zement verputzt und statt der
zerstörten korinthischen Kapitelle aus Gips mit Zementplatten verziert. Der ganze Rundgang erhielt ein Zementgebälk.
Der erste Bauabschnitt ermöglicht der Gemeinde, bei schönem Wetter in der Ruine Gottesdienste abzuhalten, ohne daß die Baupolizei einschreiten muß. Die beiden nächsten Bauabschnitte, das Aufsetzen der Kuppel und das Vorsetzen eines Portikus nach den Plänen Mollers, der der Kirche erst den charakteristischen Zug geben wird, können wegen der fehlenden Mittel erst zu einem späteren Zeitpunkt begonnen werden. t-s.
Mit einem Messerstich in der Brust wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag der 32jährige Dachdecker Ludwig Stie ri n g in das Krankenhaus eingeliefert. Er hatte, wie Augenzeugen berichteten, in betrunkenem Zustand in der Rheinstraße mit zwei amerikanischen Soldaten Streit angefangen, die ihn mit dem Messer verletzten. Daraufhin flüchteten die beiden farbigen Amerikaner und entkamen in einer ET-Taxe, die sie am Luisenplatz bestiegen. DT
Kappelnest ausgehoben
Die geheimnisvolle Falltür
Dritte Strafkammer bestätigt l6monatige Gefängnisstrafe
Kuppeleiprozesse sind heutzutage an der Tagesordnung. Laufend unternimmt die Polizei Razzien und stöbert sogenannte „Kuppelnester“ auf. Die Richter verhängen harte Strafen gegen jene, die das Verlangen der Besatzungssoldaten, mit ihren deutschen ,^Frolleins“ einmal ganz-, alleine hinter vier Wänden zu sein, zu einem üblen Gewerbe und krimineller Geschäftemacherei ausnutzen. Im Hintergrund spielt zumeist auch eine soziale Notlage eine gewisse Rolle.
Die dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Hahn verurteilte gestern in einer Berufungsverhand'lung den mehrfach vorbestraften, 44jährigen Bäcker Johann Sp. aus Darmstadt wegen Kuppeleivergehens zu einer rechtskräftigen Gefängnisstrafe von einem Jahr und vier Monaten Gefängnis. Der mitangeklagten Ehefrau kamen die Bestimmungen des Straffreiheitsgesetzes vom 31. Dezember 1949 zugute.
Kaum war der Angeklagte im Herbst 1948 von einer Gefängnishaft zurückgekehrt, als er begann, seine Wohnung zu einem Absteigequartier für amerikanische Besatzungssoldaten und deren deutsche Freundinnen auszugestalten. Das Ganze entwickelte sich mit der Zeit zu einem regelrechten Betrieb. Zuweilen stellten die Eheleute sogar ein Ehebett zur Verfügung und ließen in einem Zimmer mehrere Pärchen gleichzeitig übernachten. Als Mietpreis ließ man sich für eine Nacht pro Pärchen zehn DM geben. Zutreiber wiesen in bestimmten Lokalen besonders auf diese Uebernachtungsgelegenheit hin und nicht selten nahm der Angeklagte selbst in der Wirtschaft eine „Kundin“ in Empfang. Sogar der 12jährige Bub der Angeklagten wurde in diese Geschäfte eingeschaltet. Bei Taxifahrern und in Lokalen war das Quartier Sp. bald gut bekannt und rangierte in der „Bewertungsskala an bevorzugter Stelle, da es gegen Polizeirazzien besonders gesichert war. Im Fußboden des einen Zimmers befand sich nämlich eine Falltür, durch die man unmittelbar in einen dunklen Kellerraum springen konnte. Waren die Pärchen dort verschwunden, schloß man die Falltür, rollte einen Teppich darüber, stellte ein Bett darauf und wies die Kinder an, darin zu schlafen. War die Razziagefahr vorbei, ging die Falltür wieder auf und die Pärchen stiegen über eine Leiter wieder herauf. Diese Verschleierungstaktik währte so lange gut, bis eines Tages die Polizei doch zwei Mädchen in „eindeutiger Toilette" bei ihren Freunden antraf.
Der durch das Anfahren von Kraftwagen und das nächtliche Randalieren verursachte ruhestörende Lärm hatte ein Ende.
Der Angeklagte Sp. gab gestern seine Verfehlungen zu, wollte allerdings angeblich nichts von der Falltürspezialität wissen. wst
Mittwoch Dengler-Prozek
Wie von uns bereits angekündigt, beginnt morgen, Mittwoch, im großen Schwurgerichtssaal im Gerichtsgebäude am Mathildenplatz die Hauptverhandlung gegen den ehemaligen Kriminalsekretär und Sachbearbeiter des Juden- und Kirchendezernats der früheren Gestapodienststelle Darmstadt, den 46jährigen Georg Albert Dengler aus Stuttgart.
Der Angeklagte wird sich vor dem Schwurgericht wegen schwerer Freiheitsberaubung im Amt in Tateinheit mit Verfolgung Unschuldiger zu verantworten haben. Diese Freiheitsberaubung führte in mindestens acht Fällen den Tod der Betroffenen herbei. Man rechnet während des mehrtägigen Prozesses mit einem starken Publikumsandrang. wst-
Karl von Heider
Knapp vierzehn Tage nach dem Ausbruch eines inneren Leidens verstarb Karl von Heider, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der kaufmännischen Abteilung der Firma Merci? in Darmstadt.
Wenn dieser geniale Mann, der bei seinem Tode im 62. Lebensjahr stand, auch nur zwei Jahre in der Firma Merck tätig war, so bedeuteten diese zwei Jahre für die Weltfirma doch einen außerordentlich wichtigen Abschnitt in ihrem Wiederaufbau, bei dem Karl von Heider maßgeblich das Finanzschiff durch alle Fährnisse der Nachkriegszeit steuerte. Seine mit außerordentlicher Sachkenntnis, gerader Offenheit und schwäbischer Zähigkeit geführten Verhandlungen führten vielfach zu ungewöhnlichen Erfolgen und fruchtbarer Zusammenarbeit innerhalb des Betriebes.
Aus einer alten schwäbischen Offiziersfamilie stammend, begann die Ausbildung des jungen von Heider mit dem Ziel der aktiven Offizierslaufbahn im Kaiserreich. Das Ende des ersten Weltkrieges zwang ihn zur Umschulung in den kaufmännischen Beruf. Seine Gaben und Fähigkeiten ließen ihn im Laufe der Jahre bis zum Direktor der Chemikalienabteilung im - Farben-Konzern emporsteigen. Das Ende des zweiten Weltkrieges brachte ihm den bitteren Zwang, bei der Zerstörung seines eigenen Wirkungsbereiches durch die Dekartellisierung mitarbeiten zu müssen. Im Jahre 1948 kam er zu Merck. In kurzer Zeit hatte er sich die Wertschätzung aller Mitarbeiter gewonnen, die vor allem den Verlust des Menschen Karl von Heider tief betrauern.
Seine Familie, in die der zweite Weltkrieg große Lücken riß, lebt in Frankfurt am Main. DT
Sonderabteile für Hunde
Ein Wunsch der kynologischen Organisationen
Am Freitagabend fand im „Darmstädter Hof“ in Eberstadt eine Vorstandssitzung der Interessengemeinschaft kynologischer Organisationen des Stadt- und Landkreises Darmstadt statt, an der fast alle Vorsitzende der Rasse- und Abrichtevereine des Kreisgebietes teilnahmen. Der 1. Vorsitzende Grünig (Pfungstadt) gab einen Ueberb’.ick über die bisher geleistete Arbeit. Als Hauptpunkt stand die Hundeausstellung auf der Tagesordnung, die in diesem Jahr nicht stattfinden konnte, da kein Terminschutz gewährt wurde. Herr Grünig gab bekannt, daß erst Pfingsten 1951 als Termin für die im Darmstädter Schlachthof stattfindende Hundeausstellung geschützt würde.
Vorstandsmitglied Colmar wies auf die für den 13. August festgelegte Leistungsvorführung im Schulhof der Liebig-Oberrealschule, Lagerhausstraße, hin, auf der von 30 Hunden der Gebrauchshunderassen Unterordnungs-, Gehorsams- und Schutzdienstübungen (z. Abwehr eines Ueberfalles auf Auto und Fahrrad) gezeigt werden, t-s
Um das Elternrecht
Schulraumnot, Lernmittelfreiheit, Schulreform
Elternbeiratssitzung in der Bessunger Knabenschule
Drei brennende Probleme werfen sich auf, sobald man an Schulfragen herangeht: Schulraumnot, Lernmittelfreiheit und Schulreform! Diese Punkte waren kürzlich Gegenstand einer Aussprache des Elternbeirates der Bessunger Knabenschule mit dem Schulleiter. 1000 Schüler sind in 8 Klassenzimmern von 18 Lehrern täglich zu betreuen. Zwar hofft das Schulamt sehr, diesen Zustand durch sachliche Verhandlungen zu beheben, der Schulleiter aber teilte der Elternversammlung mit, daß wohl noch l*/s Jahre vergehen werden, bis die Feuerwehr die von ihr benutzten Räume freimachen kann. Wir tippen darauf, daß weder sachliche Verhandlungen noch papierne Resolutionen etwas daran ändern, falls sich nicht einmal die Stadtverordneten der Frage annehmen, warum gerade für diese Schule nach so langer Zeit nicht etwas Durchgreifendes geschieht und repetieren nochmals: 1000 Schüler — 8 Klassenzimmer!
Könnte man nicht zum Beispiel durch Aufstellung von 2 Baracken die Feuerwehr in kürzester Frist zur Freigabe des Gebäudes veranlassen oder wenigstens der Schule durch Gestellung von Ersatzkräften helfen, anstatt über die zur Mitarbeit aufgeforderten Eltern beißenden Spott auszuschütten und alles beim alten zu belassen?
Die Lernmittelfreiheit
Es hat sich inzwischen auch bei den Eltern herumgesprochen, daß der Staat in Finanznot ist und vorerst die Beschlüsse seines Parlaments nicht durchführen kann. Schnell wird die ganze Geschichte ins politische Fahrwasser gezogen und daran herumkritisiert, daß die Abgeordneten Dinge beschließen, die nicht durchführbar sind. Ich aber meine — und mögen mir deshalb Tausende von Konjunkturisten böse sein — es ist gut, daß unsere Verfassung die Lernmittelfreiheit verbrieft hat, so steht sie wenigstens im Gesetz und kann nach Bedarf und Vermögen jederzeit realisiert werden. Ob Schulgeldfreiheit und Lernmittelfreiheit heute noch in das Grundgesetz aufgenommen würden, steht nämlich sehr in Frage! Deshalb sei man nicht böswillig und zerrede Gutgemeintes, sondern tue in Anerkennung der doch jetzt restlos durchgeführten Schulgeldfreiheit das seinige und schaffe — soweit man kann — wenigstens die Bücher auf eigene Kosten an, bis unsere Finanzen auch diese Dinge tragen können.
Die Schulreform
Um die Schulreform ist es nach anfänglich erbitterten Kämpfen jetzt merklich ruhiger geworden, bis — ja bis die Reform eines Tages dem Landtag zur Beschlußfassung vorgelegt wird. Dann allerdings wird sich erneut der Sturm im Wasserglas erheben, aber das Schifflein, das da gegen den starken Strom schwimmen will, treibt zunächst noch ohne Steuermann umher und dieser wird gewichtige Gründe und eine gesicherte Existenz mitbringen müssen, um nicht Havarie zu erleiden. Vielleicht einigen sich die feindlichen Brüder inzwischen und dann kann man den Eltern einmal klipp und klar aufzeigen, ob die Vorteile nicht doch die Nachteile überwiegen. Die es angeht, mögen sich durch die Worte des Herrn Professor Bergsträßer beruhigen lassen, daß man die Reform keinesfalls „auf dem Verordnungswege seligen Angedenkens“ einführen kann, sondern nur durch „Gesetz“, und darüber bestimmen die Abgeordneten. W. Z.
Brot wird teurer
Bäcker sind nicht schuld daran
Über 150 Bäcker hatten sich gestern Nachmittag auf Einladung ihrer Innung im Concordia-Saal versammelt, um über den Brotpreis zu sprechen. Landesinnungsmeister Rausch führte aus, das seit 20 Jahren zum erstenmal wieder der Brotpreis frei sei und nun jeder Bäckermeister selbständig kalkulieren müsse. Auch die Innung habe durch die Dekartellisierungsbestimmungen nicht mehr die Möglichkeit, preisberatend den einzelnen Meistern zur Seite zu stehen. Die Regierung habe den Brotpreis freigegeben, um eventuell damit eine Senkung des Brotpreises zu erreichen. Das sei aber aussichtslos bei den kürzlichen Erhöhungen der Mehlpreise und dem seit 20 Jahren gleichen Backlohn, der immer gleich blieb, während sich Löhne und Unkosten ständig steigerten. Dieser Backlohn sei kaum ohne Gefahr für die Existenz zu unterbieten.
Den anwesenden Pressevertretern gegenüber betonte Obermeister Bormuth anschließend, daß der in den nächsten Tagen zu erwartende höhere Brotpreis — schätzungsweise von 49 Pfennig auf 53 oder 54 Pfennig, je nach Kalkulation der einzelnen Bäckermeister — nicht die Schuld der Bäcker sei. Der knappe Backlohn, der den nur Brot backenden Betrieben kaum die Existenz gewähre, solle nicht erhöht werden. Lediglich die erhöhten Mehlpreise seien Ursache der voraussichtlichen Brotpreissteigerung. DT.
In der Stadt notiert
Die Reparaturarbeiten an dem 90 Meter hohen Schornstein der Firma Merck stehen kurz vor dem Abschluß. Der im Jahre 1919 von der Firma Franz Hof in Frankfurt am Main erbaute Kamin wird durch die Firma Link, Frankfurt am Main, instandgesetzt. DT
Die Notgemeinschaft Heimatvertriebener Ost- und Westpreußen hält am 6. August in Darmstadt auf dem „Heiligen Kreuz“ ein größeres Kreistreffen mit Familienzusammenkunft ab. Die Darmstädter Mitglieder der Notgemeinschaft sind bereits mit den Vorbereitungen und ersten Einladungen für das Kreistreffen beschäftigt. -ch-
Badeanstalt für Autos
Vor dreißig Jahren gehörte der Besitz eines Autos zu den kostbarsten Dingen, die man überhaupt erwerben konnte. Es galt als Zeichen eines unerhörten Wohlstandes und als Beweis für den Mut des Fahrers, wenn er mit dreißig „Sachen“ in die Kurve ging. Mit der unglaublichen Schnelligkeit der technischen Entwicklung hat sich das Bild grundlegend geändert. 1
Wo früher das Knattern eines viktorianischen Benzinesels bei jung und alt Aufsehen erregte, sieht heute kaum noch jemand hin, wenn nicht, gerade ein Traum von Chrom und Lack lautlos vorübergleitet. Heute ist das Auto Allgemeingut des Menschen geworden, es läßt sich aus unserem Leben nicht mehr fortdenken. Der Arzt braucht es ebenso dringend wie der Geschäftsmann, Jugendliche fahren es wie Frauen und alte Männer. Es gab vor nicht allzulanger Zeit einige Jahre, in denen man einen neuen Wagen um den Preis erhielt, den man jetzt für den Kauf eines mittelschweren Motorrades aufwenden muß. Die wirtschaftlichen Grundlagen haben sich zwar gewandelt', aber die Beliebtheit des Autos ist eher gestiegen, und wer nicht das notwendige Bargeld mitbringt, der kann seinen Autowunsch auf „Stottern“ erfüllt sehen. Wer aber schon einen Kraftwagen besessen hat, der weiß, daß es mit der Anschaffung alleine nicht getan ist. Wie man ein Pferd striegeln muß, einen Foxterrier trimmt, so muß auch das Auto sorgsam gepflegt werden, wenn man sich allezeit auf seine Betriebssicherheit verlassen will. Und bei der modernen Wagenpflege setzt eigentlich der echte Dienst am Kunden durch den Kraftfahrzeugverkäufer ein.
Jede Tankstelle besitzt heute einen hydraulichen Wagenheber, auf den das Fahrzeug hinaufgäf'ahren und einige Meter in die Höhe gehoben wird. Dann werden Fahrgestell und Getriebe mit Preßluft abgespritzt und das Oel erneuert, und zum Schluß zeugen große Oellachen und Wasserpfützen vor der emsigen Arbeit. Die Arnerikaner haben als Land der meisten Autos schon lange automatische Wagenpflegeanlagen, die die Arbeit rationieren, Zeit sparen und darüberhinaus wirtschaftlicher sind. Eine derartige, von den Shell-Werken entwickelte Anlage befindet sich bei der Darmstädter Volkswagenvertretung Dönges & Wiest in der • Heinrichsstraße. In einem hellgekachelten Raum ist Platz für zwei Wagen, die über einen Schacht fahren, in dem die Automechaniker den Oelwechsel und das Abschmieren vornehmen. Auf Schienen gleiten Oelkästen unter den Motor, in die das gebrauchte Oel abgelassen wird. Dann schiebt man sie in den Boden zurück und eine Druckluftanlage pumpt das alte Oel in große Kessel und von dort gleich auf die Tankwagen. An der Hinterwand des Raumes befinden sich Oeluhren, auf denen der Zeiger die notwendige Literzahl eingestellt wird, beim Volkswagen z. B. auf zweieinhalb und beim Opel auf drei Liter. Ein Drude auf einen Knopf schaltet die Preßluftanlage ein, der Schlauch wird aus einem Pult herausgezogen, die Mündung in die Oeleinlaßöffnung gehalten und in Sekundenschnelle wird so der Oelwedisel vorgenommen, ohne daß auch nur ein einziger Tropfen auf den Boden kommt. Der Schlauch gleitet durch Zuggewichte zurück und nur der Griff sieht noch aus dem Pult heraus.
Auch das Abschmieren des Wagens erfolgt durch Druckluftpistolen, ohne die bisher üblichen Kraftanstrengungen durch mechanische Betätigung der Fettpresse. Die ganze Prozedur des Abschmierens und des Oelwechsels dauert knapp fünfzehn Minuten, und während der Fahrer in gemütlichen Sesseln seinen Kaffee trinkt, wird in einem anderen gekachelten Raum sein Wagen gewaschen und poliert, wobei er durch große Glasfenster zusehen kann. Täglich werden in dieser modernen Wagenpflegeanlage etwa 30 bis 40 Wagen ab?efertigt. und wenn selbst Amerikaner die Feststellung getroffen haben, daß sie etwas derartiges selbst in den Staaten noch nicht zu Gesicht bekommen haben, so können wir in Darmstadt wohl mit Recht stolz darauf sein.
Wer seinen Wagen pflegt und hin und wieder die rund zehn Mark aufwendet.- die die Wagenpflege kostet, dem wird es das Auto mit doppelter Betriebsdauer danken. HFL
Neuer Vorstand beim Eberstädter Kaninchenzuchtverein
In .der letzten Mitgliederversammlung des Kaninchenzuchtvereins im Gasthaus „Zum Bismarck“ wurde Herr Heilmann zum Ersten Vorsitzenden, Herr Schmitt zum 11. Vorsitzenden, und Zuchtwerbewart, Herr Wiemer sen. zum Kassier, und Tätowiermeister, Herr Jans zum Schriftführer, und Herr Wiemer zum Zuchtbuchführer gewählt. Nach der Verlesung des Berichtes über die Landesversammlung in Vilbel wurde über die Punkte- und Prädikatbewertung diskutiert und sich für die Beibehaltung der Prädikatbewertung entschieden. Der Verein besprach die Vorbereitungen zu einer demnächst in Eberstadt stattfindenden Stallschau mit Bewertung von Jungtieren. Zur Auswahl der Tiere für die in Ober-Ramstadt veranstaltete Kaninchen-Kreisschau wurde eine Tischbewertung für zweckmäßig gehalten. Der Verein gründete zur Finanzierung von gemeinsamen Ausflügen eine Wanderkasse.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie: 20 Uhr (A/24) „Der Schatz“. „Der zerbrochene Krug“. Ende 22.30 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „Maria Walewska“; Thalia: „So beginnt ein Leben“; Belida: „Gabriela“; Palast: „Der Biberpelz“; Hansa: „Eine Frau wie Du“.
Amerikahaus: 19.30 Uhr Vortrag in englischer Sprache, Theodore Glegg Hoffmann „Huckleberry Finn and Contemporary American Literature“
Ackermann-Gemeinde: Techn. Hochschule, 18 Uhr, Hörsaal 163 Vortrag Dr. Eugen Lemberg „Um Leitbild und Führungsschicht der Ostvertriebenen“. — 20 Uhr. Hörsaal 163, Vortrag Dr. Eugen Lemberg „Die Entstehung eines neuen Volkes aus Binnendeutschen und Heimatvertriebenen“.
„Constanzia“ Verein für kath. Kaufleute und Beamte. Hotel Knauf. 20 Uhr. Generalpräses Hermann Grünewald SJ. Thema: Verbandsfragen.
Wir gratulieren
Silberne Hochzeit. Herr Jakob Roth, Pflasterermeister, und Frau Katharina geb. Fischer. Traisa. Ludwigstraße 114.
Starkenburg
Revue der Odenwälder Herdbuch-Viehzucht
Der Höhepunkt des Beerfeldener Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarktes
Gerade zur Zeit des Auftriebs für die Zuchtviehprämiierung des Beerfeldener Pferdemarktes ging ein heftiges Unwetter über den südlichen Odenwald nieder. Da wurden die Gesichter der Tierzüchter der Oberzent lang und länger, denn es sah fast so aus, als sollte nach dem glanzvoll verlaufenen Marktsonntag nun der eigentliche „Gailsmarkt“ ins Wasser fallen. Aber nur mit einer guten Stunde Verspätung konnten die Preisrichter unter Leitung von Tierzuchtdirektor Dr. Seeger, Tierzuchtamt Darmstadt, für Fleck- und Rotvieh, sowie von Graf Alexander zu Erbach-Erbach, für Kalt- und Warmblutpferde, die Arbeit aufnehmen. Um es gleich vorweg zu nehmen, es fiel ihnen in diesem Jahr schwer, gerechte Urteile zu, fällen, denn selbst die ältesten „ Gailsmarkf-Besucher können sich nicht erinnern, je einen so großen und qualitativ großartigen Auftrieb sowohl bei Pferden wie bei Großvieh erlebt zu haben. Ueber 100 Pferde und Fohlen wurden den Richtern vorgestellt. Die Klassen der 2- und 3jährigen Warmblut-Stuten sowie die der Stuten mit in diesem Jahr gefallenen Fohlen waren überraschend gut und stark besetzt.
Bei dem Fleckvieh standen rund 120, beim Rotvieh 36 größtenteils hervorragende Stücke zur Prämiierung. Selbstverständlich dominierten wieder die altbewährten Sammlungen der Airlenbacher und Beerfeldener Fleck- und Rotviehzüchter. Besonders erfreulich, daß auch in diesem Jahr die Orte Hetzbach, Etzean und Sensbach gut und erfolgreich vertreten waren.
Marktausschuß und Preisrichter zogen mit Musik am frühen Nachmittag in den „Adler“, wo Bürgermeister Ackermann die Ehrengäste willkommen hieß, an der Spitze Reg.-Präsident A r n o u 1, Darmstadt, Landrat Neff, die Mitglieder des Erbacher Kreisausschusses sowie die Preisrichter und Mitglieder der Tierzuchtorganisationen
Während Reg.-Präsident Arnouil als Vertreter der hessischen Staatsregierung darauf hinwies, daß der Bauer als einer der Grundpfeiler des Staates berechtigten Anspruch darauf habe, vom Staat respektiert und geschätzt zu werden, hatte zu gleicher Zeit der Kreisbauernverband unter Vorsitz von Bürgermeister Ludwig Siefert, Airlenbach, in Anwesenheit des Kreislandwirts Pril i p p, Roßbach, und anderen führenden Vertretern . der Landwirtschaft des Odenwaldeg eine Protestkundgebung veranstaltet, bei der der ehemalige Präsident der Landwirtschaftskammer Wiesbaden, Bauer Karl Hepp, Adamstal, in scharfer Form Stellung gegen die Agrarpolitik des Bundes-Ernährungsministers Niklas sowie die unerträglichen Steuerlasten des Landvolkes nahm. In einer einstimmig gefaßten Entschließung forderten die Bauern des Odenwaldes die Sicherheit von Preisen für ihre landwirtschaftlichen Produkte. die wenigstens die Selbstkosten decken, andernfalls sich das Bauerntum außerstande erkläre, weiterhin Steuern zu zahlen.
Die Züchterversammlung mit Preisverteilung und Kritik schloß sich an. Unterdessen herrschte in den Marktstraßen bereits wieder Hochbetrieb. Das Angebot an landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten war wesentlich reichhaltiger als im Vorjahr; da die Preise durchschnittlich um 25 Proz nt niedriger lagen, konnten gute Umsätze selbst bei Bulldoggs und Dreschsätzen erzielt werden.
Strakenraub bei Hapertshausen
Straßenraub bei Harpertshausen
Eine Einwohnerin aus Langstadt, die im Auftrag eines Metzgermeisters unterwegs war, um die Kundschaft mit dem bestellten Sonntagsbraten zu versorgen, wurde am Anfang des Waldes1 der Straße nach Harpertshausen von einem Radfahrer aufgehalten und begleitet, der ihr nach einer kurzen Strecke die Einkaufstasche mit der Ware und die Geldbörse mit einem höheren Barbetrag entriß. Der Straßenräuber konnte unerkannt entkommen. (RG)
Rokdörfer Schulkinder im Odenwald
Die Schulkinder des vierten Schuljahres machten unter Führung von Frl. Euler in der vergangenen Woche eine dreitägige Wanderung durch den Odenwald. Zweck der Wanderung waren das Kennenlernen der näheren Heimat und das Erleben der Gemeinschaft.
Am ersten Tag fuhren die Kinder nach Höchst und marschierten von dort auf den Breuberg. Die Burgbesichtigung war besonders für die Buben ein großes Erlebnis. Am Nachmittag wurden Heidelbeeren für das Abendessen ■gesucht. Der zweite Tag führte nach Michelstadt zum Schloß Fürstenau und nach Erbach. Nach einer Schloßbesichtigung und einem Besuch des Schwimmbades wurde dje Wanderung der Mümling entlang zurück auf die Burg Breuberg fortgesetzt. Wanderziel des dritten Tages war der Otzberg. Von Spachbrücken aus brachte ein Omnibus die Kinder dann wieder nach Hause. (sl)
Werbesingen in Zeilhard
Zur Neugründung eines Gesangvereins in Zeilh ar d führte der Männerchor der SKG Roßdorf unter Leitung von Kapellmeister Kullmann am vergangenen Samstag ein Werbesingen durch, wobei Lieder heiteren und ernsten Charakters zum Vortrag kamen. Der Vorsitzende des neuen Gesangvereins wies in seinen einleitenden Worten auf den Zweck und die kulturelle Bedeutung des Männerchors hin. Im Anschluß an die Gesangsvorträge dankte der Bürgermeister den Beteiligten für ihre Bemühungen und dem damit verbundenen Erfolg der Veranstaltung. Bei Tanz und fröhlichem Beisammensein, das bis in die frühen Morgenstunden dauerte, klang der Abend aus. (sl)
Bergsträker Sänger contra Professor Stürmer
Heftige Debatten um das Wertungssingen in Biblis
Bei der Kreissitzung des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes im „Deutschen Haus“ in Bensheim entstand eine rege Aussprache über die Geschehnisse beim letzten Wertungssingen in Biblis. Bezirksvorsitzender Denecke berichtete, daß schon beim vorjährigen Wertungssingen in Lorsch gewisse Differenzen bestanden hätten. Die Ereignisse in Biblis hätten aber alles bisherige übertroffen. Der Redner betonte ausdrücklich, daß er die beiden Wertungsrichter, Prof. Stürmer und Herrn Schl au d nicht engagiert hätte, ebenso hätte er als Laie es sich unmöglich erlauben können, gewisse Aeußerungen von Prof. Stürmer öffentlich zu rügen.
In der Diskussion wurden heftige Vorwürfe gegen die Art und Weise der Kritik von Prof. Stürmer in Biblis erhoben. Es wunde festgestellt, daß eine solche Art von Kritik nur die Arbeit der Vereine erschwere und den Sängern Lust und Liebe am Chorgesang nähme. Vor allem wurde gefordert, daß künftig die beiden Wertungsrichter mindestens 250 bis 300 Kilometer entfernt wohnen müßten, um so jeden Verdacht einer Zusammenarbeit zwischen einzelnen Dirigenten und den Wertungsrichtern zu vermeiden. Auch soll in Zukunft ein Pflichtchor gesungen werden. Die Umwertung der Prädikate in Punkte durch Kreis-Chormeister Kissel wurde schärfstens verurteilt. Zum Schluß der X)etv>ttn ork'^rto Rezirksvorsitzender Denecke, daß man dem Vorstand nicht den Vorwurf machen könne, nicht alles getan zu haben, tun zwei wirkliche Fachleute als Wertungsrichter zu bekommen. Es müsse allerdings in Zukunft vermieden werden, daß zeitgenössische Komponisten und fanatische Vorkämpfer für neue Musik als Wertungsrichter aufträten. Anschließend stimmte die Verhandlung noch über einige Anträge ab. Der Vorschlag, einen Pflichtchor bei den Wertungssingen vorzutragen, wurde angenommen; der Punkt Chorwahl wurde an den noch zu bildenden Kreismusikausschuß verwiesen. Dieser soll nur aus Dirigenten bestehen und bei einer in Kürze einzuberuifenden Dirigententagung gewählt werden. Nach dem Rücktritt des seitherigen 1. Vorsitzenden soll der 2. Vorsitzende Wilhelm Strößinger die Geschäfte vorläufig weiterführen. (HB)
Schulsportfest in Reinheim
Am vergangenen Samstag führte die Reinheimer Volksschule ihr erstes diesjähriges Sportfest auf dem Reinheimer Sportplatzgelände durch. Ab 7 Uhr früh bestritten die Kinder unter Leitung der Lehrkräfte leichtathletische Wettkämpfe in den Disziplinen Ballweitwurf, Weitsprung und 60-m-Lauf. Die von allen Klassen gezeigten Leistungen bewiesen die gute Breitenarbeit gerade der Volksschulen auf diesem Gebiet. Den Sportvereinen wird damit wertvolle Vorarbeit geleistet.
Mit dieser sportlichen Veranstaltung wird die alte Tradition der Schulsportfeste auch in Reinheim weitergepflegt. Ein zweites Sportfest soll im Herbst folgen. (eb)
Heidelbeermänler bis an die Ohren
Ausklang des Dieburger Feuerwehrfestes
„Guck emol, was der e Schlappmaul holt funn sei'm Haalebeerkuche .. .das war der Ausdruck der Begeisterung und des Amüsements, mit dem die Alten am Montagmittag In Dieburg den Wettbewerb der Schulbuben begleiteten.
Auf dem Kinderfest der Feuerwehr gabs ein Wettessen: Inmitten großer Heidelbeerkuchen winkte ein blanker Fünfziger als Trophäe für den, der sich am schnellsten durchfraß Ganz klar, daß die Konkurrenten den Mund möglichst weit aufrissen und nur so in den Kuchen hineinhauten. Dabei gab's beerenrote Schnurrbärte, buchstäblich bis ans Ohr. Schwieriger war schon das Mastklettern, die Preise für den Sieger allerdings auch verlockender. Da schwankten am Mastkranz ein regelrechter Fußball, ein großer Spielball, eine lange Wurst und Schokolade. Gar oft kam einer gerade eben so hoch, daß er mit der Fingerspitze den begehrten Preis berühren konnte. Aber das reichte nicht — herunterg'eholt mußte er werden. Und wie müde macht doch solch Klettern selbst für die Barfüßler, die so besonders „trainiert“ hatten für dieses Treiben. In der großen Allee gab's eine neue L^eberraschung; Sackhüpfen und Eierlaufen waren hier die Parole. Nicht nur die Jugend, auch die vielen Alten, die mit Musik zu.m Nachmittag des kleinen Volkes gekommen waren, hatten ihre helle und unbändige Freude an dem lustigen Trubel.
Der offizielle Frühschoppen hatte sich derweil völlig „inoffiziell“ verlängert, die Uhr zeigte schon die 16. Tagesstunde, — und noch saßen viele Unentwegte hinter ihrem Humpen Auftrieb und Holdrio gab's noch einmal beim Schlußball am Abend. Alles drehte sich noch einmal... und „die Musi spuij dazue!“ (RG)
Landesbaundarlehen-Perteilung im Kreis Bergstrake
Die Ueberlegungen des Kreisausschusses / Es ist alles noch schwieriger als es aussieht
Der Kreisausschuß des Kreises Bergstraße beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 4. Juli u. a. mit der Verteilung der 1. Rate der Landesdarlehen von 1,4 Mill. DM. Hierzu stellt uns das Mitglied des Kreisausschusses, Rappald, nachstehenden Bericht zur Verfügung.
Da verschiedentlich öffentliche Proteste (Heppenheim und Viernheim) gegen die Art der Verteilung erhoben worden sind, sei folgendes im Allgemeininteresse klargestellt:
Die Bundesregierung hat dem Land Hessen 50 Mill. DM als Landesdarlehen für den Wohnungsbau bereitgestellt. Davon wurden als 1. Rate 23 Mill. DM vom Land Hessen freigegeben, wovon wiederum 1,4 Mill. DM auf den Kreis Bergstraße entfielen. Durch die Bereitstellung der Landesdarlehen mußte zuvor und auch gleichzeitig die Frage geklärt werden, aus welchen Mitteln die vorhergehende erste Hypothek bereitgestellt werden konnte, wenn nicht von vornherein die ganze Finanzierung in Frage gestellt sein sollte. Im Rahmen der 1. Rate von 23 Mill. DM war dies möglich, für die 2. Rate von 27 Mill. DM steht diese in Aussicht. Schätzungsweise entfallen davon 1,6 Mill. DM auf den Kreis Bergstraße. Für die Bereitstellung von Landesdarlehen hat die Landesregierung Richtlinien erlassen, die vom Kreisausschuß dahin ergänzt wurden, daß
1. der Durchschnittsbetrag an Landesdarlehen 3000,- DM je Wohnung betragen sollte;
2. die Verteilung der 1,4 Mill. DM auf die 105 Gemeinden des Kreises möglichst gleichmäßig stattzufinden habe (es kommen je 1000 Einwohner ca. 8000,- DM), wobei begonnenen Bauten der Vorzug vor Neubauten zu geben ist;
3. durch die Verteilung, die 80 Familien (davon 22 Neubürger), die sich in menschenunwürdigen Unterkünften befinden, anderweitig untergebracht werden.
Von den 1,4 Mill. DM entfielen auf zweckgebundene Mittel:
560 000,- DM für Neubürger, 195 000,— DM für Kriegssachgeschädigte, 23 000,— DM für politisch usw. Verfolgte und 622 000,— DM auf allgemeine Darlehen.
Bis zum festgesetzten Meldetermin — 30. 6. 1950 — sind ca. 1100 Anträge in Höhe Von ca. 3,2 Mill. DM eingegangen; ein erfreuliches Zeichen der regen Tätigkeit auf dem Baumarkt und des Willens, der Wohnungsnot abzuhelfen. Es sind auch viele Anträge darunter, bei denen Eigenkapital nicht nachgewiesen werden kann. Grundsätzlich muß daran festgehalten werden, daß mindestens 20 Prozent der Baukosten als Eigenkapital nachgewiesen werden muß. Dazu gehört auch die kostenlose Selbsthilfe. Anträge, die diesen Mindestforderungen nicht entsprechen, sind von vornherein zwecklos. Das trifft auch für die zweckgebundenen Mittel zu.
Mit der Durchführung dieser schwierigen Aufgabe der Verteilung beauftragte der Kreisausschuß vorbehaltlich seiner endgültigen Zustimmung den 1948 gebildeten Bauausschuß. der gleichzeitig bevollmächtigt wurde, die Leiter des Staatlichen Hochbauamtes und der beiden Sparkassen sowie Vertreter der Organisationen der zweckgebundenen Mittel hinzuzuziehen. Unter Ueberwindung mancherlei Schwierigkeiten ist dem Bauausschuß diese Aufgabe in acht Sitzungen gelungen. Daß nicht alle Wünsche der Antragsteller in Erfüllung gehen konnten, ist selbstverständlich, denn wenn 1,4 Mill. DM dabei zweckgebunden auf 3,2 Mill. DM verteilt werden sollen, muß mancher enttäuscht werden, der glaubt, daß gerade sein Projekt das dringendste ist.
Der Bauausschuß wird in Kürze auch die jetzt bei der Verteilung der 1. Rate nicht berücksichtigten Anträge in Arbeit nehmen, damit, wenn die 2. Rate zur Verfügung gestellt wird, die jetzt eingetretene Verzögerung ausgeschaltet werden kann. Wenn die Verwendung eigener und fremder Mittel möglich ist, sollten diese zur Vermeidung von Verzögerungen in der beabsichtigten Bauausführung verwendet werden, vor allem dann, wenn den Antragstellern in Kürze der vorläufige Bescheid zugeht, daß sie für die 2. Rate vorgemerkt sind. Die beiden Sparkassen des Kreises haben je 300 000,— DM als erststellige Hypotheken an Baulustige zur Verfügung gestellt und damit wesentlich zur Finanzierung beigetragen.
Unzufrieden mit der Verteilung der Mittel waren die Städte Heppenheim und Viernheim. Heppenheim beabsichtigt einen Wohnblock mit 36 Wohnungen zu errichten und beanspruchte dafür 80 000,— DM Landesdarlehen. Dagegen lagen Anträge von einzelnen Bauherren für begonnene Wohnungsbauten mit einem Fertigstellungsgrad bis 75 Prozent vor, die hätten liegenbleiben müssen, wollte man dem Anträge der Stadt ohne weiteres stattgeben. Die örtliche Gemeinnützige Baugenossenschaft Odenwald beanspruchte außerdem ihrerseits 120 000,— DM für ein durchzuführendes Bauprogramm. Der der Stadt Heppenheim aus den 1,4 Mill. DM zustehende Anteil betrug ca. 108 000,- DM. Gefordert wurden also ca. 260 000,— DM. Stadt und Baugenossenschaft hielten ihre Projekte für vordringlich. Der Kreisausschuß entschied einstimmig auf Vorschlag eines Mitgliedes der Stadt Heppenheim am 17. 6., zunächst die Mittel für die Fertigstellung der begonnenen Bauten bereitzustellen, dem Antrag der Stadt gegenüber der Baugenossenschaft Odenwald den Vorzug zu geben, selbst aber die Entscheidung bis zur Beendigung der Anmeldefrist — 30. 6. 1950 — auszusetzen, damit auch diejenigen* 56 Gemeinden des Kreises berücksichtigt werden konnten, die noch keine Mittel zugeteilt erhalten hatten. Der Bauausschuß sollte dann neue Vorschläge unterbreiten, auf welche Weise der Baublock finanziert werden könne.
Die sogenannte Genossenschaft beschwerte sich sofort unmittelbar bei dem Minister des Innern, daß ihr Bauvorhaben zurückgestellt sei. Der Innenminister bestand auf Berücksichtigung, und der Kreisausschuß blieb einstimmig bei seinem bisherigen Beschluß. Im Stadtverordnetenkollegium wurde der Entschluß des Kreisausschusses als ..Triumpf der Bürokratie“ glossiert. Das „Darmstädter Echo“ berichtete hierüber, lehnte jedoch eine Richtigstellung der Tatsachen seltsamerweise ab.
Der Bauausschuß hat am 4. Juli beschlossen, dem Kreisausschuß vorzuschlagen, der Stadt Heppenheim die fehlende Summe seines Kontingents von 36 000,— DM aus den zweckgebundenen Mitteln der Neubürger zur Verfügung zu stellen. Dafür muß die Stadt für je 3000,— DM eine Neubürgerfamilie aus den menschenunwürdigen Wohnungen anderweitig unterbringen. Dasselbe trifft auch für alle übrigen Gemeinden zu, denen über ihren Anteil hinaus Landesdarlehen bewilligt wurden. Das Kreiswohnungsamt hat in Verbindung mit der Organisation der Neubürger und dem Aufbauamt die Wohnungen für die Neubürger sicherzustellen.
Der Stadtrat von Viernheim ist unzufrieden, weil an dem ihm zustehenden Anteil ca. 179 000,— DM fehlen. Er wirft dem Kreisausschuß zu Unrecht unzulässige Zusammensetzung des Bauausschusses vor. Die Zusammensetzung des Ausschüsse entpricht den Vorchriften des § 42 der Kreisordnung. Viernheim wurde bei der ersten Verteilung von Landesdarlehen 1949 dadurch besonders bevorzugt, daß es ca. 35 rPozent der gesamten, dem Kreis Bergstraße zur Verfügung gestellten Landesdarlehen erhielt. Dagegen gab es verständigerweise Proteste vieler anderer Gemeinden. Viernheim wird bei der Verteilung der 2. Rate vorweg zum Zuge kommen, wenn der für besondere Fälle zurückbehaltene etwa gleichhohe Betrag nicht in Anspruch genommen wird.
Zur allgemeinen Kenntnis wird noch darauf hingewiesen, daß von dem zentralen Landesbewilligungsausschuß Landesbaudarlehn für Einfamilienhäuser nicht gewährt werden, wenn es sich nicht um sogenannte Siedlerstellen handelt; es muß also mindestens ein Stall für Kleinvieh mit errichtet werden. ? ’
Mozartchor kommt nach Bensheim
Der Goethe-Gesellschaft ist es gelungen, den Dresdner Mozart-Chor für ein Konzert am Sonntag, dem 16. Juli, in der Turnhalle des Bensheimer Gymnasiums zu gewinnen. Der Mozart-Chor ist einer der besten Chöre Deutschlands und fand sowohl im In- wie auch im Ausland stets größte Anerkennung. In jüngster Vergangenheit hat der Chor durch seine geschlossene Flucht in die Westzone erneut von sich reden gemacht. Das Programm sieht neben Werken alter Meister Volksweisen und Chorsätze der Romantiker vor. Für die Besucher aus Auerbach und der nördlichen Bergstraße steht nach Schluß der Veranstaltung zur Rückfahrt ein Sonderomnibus bis Jugenheim zur Verfügung. (HB)
Pflug und Wasserrose im Hibliser Wappen
Symbole eines alten Siegels im neuen Schild
Bereits im Jahre 1656 führte die Gemeinde Alt-Biblis ein Wappen in ihrem Siegel, das einen Holzpflug über einer Wasserrose zeigte. Auf einem Dokument aus dem 17. Jahrhundert, das im Gemeindearchiv aufbewahrt wird, ist dieses Siegel noch heute erhalten. Wie auch heute noch in wesentlich geringerem Maß, so war die Gemarkung Biblis von jeher sehr sumpfig, zahlreiche Entwässerungsgräben und verschiedene Gemarkungsnamen wie Speckwiesendeich, Wormserdeich, Wasserlachdeich und andere weisen darauf noch heute hin.
In den Jahren 1789 bis 1888 wurde die Bevölkerung von Biblis mehrfach von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Diese Jahre gelten als die sogenannten Schreckensjahre von Biblis. Auch die umliegenden Gemeinden Bobstadt, Nordheim, Hofheim, Wattenheim und sogar Bürstadt hatten damals sehr unter Hochwasser zu leiden. Erst als der Rheindamm, der bereits zu Napoleons Zeiten begonnen wurde, in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf seine derzeitige Höhe gebracht wurde, ließen die Überschwemmungen nach. Auch die Weschnitzdämme, die bereits um 1825 in ihrer jetzigen Höhe entstanden, verhinderten weitere Katastrophen.
Sinnvoller als in dem beschriebenen Wappen konnte daher die Arbeit der alten Bibliser nicht zum Ausdruck gebracht werden. Mit primitiven Mitteln haben sie sumpfiges, überflutetes Ödland kultiviert und ihm die Ernte abgerungen. Die Wasserrose versinnbildlicht den Sumpf, während der Pflug über ihr die Rodung des Ödlandes symbolisiert.
Die junge Generation von Biblis hat sich nun wieder der Leistungen ihrer Vorväter erinnert und den Beschluß gefaßt, das alte Wappen mit der Wasserrose und dem Pflug in neuer Gestaltung auf den Fahnen der Gemeinde und im Amtsslegel zu führen. In einer der letzten Sitzungen des Gemeinderates wurde folgender Beschluß protokolliert; „In dankbarer Würdigung der Kulturarbeit unserer Vorfahren und in Anlehnung an ein im Jahre 1656 von der Gemeinde geführtes Siegel stimmt die Gemeindevertretung dem vom Regierungspräsidenten in Darmstadt vorgelegten neuen Entwurf des Wappens zu und bestimmt, nach Verleihung dieses im Dienstsiegel der Gemeinde zu führen. Möge allen späteren Generationen das Wappenbild ein Ansporn sein zu Fleiß und Arbeitsliebe zum Wohle der Gemeinde und des Volkes.“ (MW)
Betrunkener am Steuer
Der Kaufmann , Balthasar Haus aus Frankfurt/Main befuhr in der Dunkelheit die wegen Reparaturarbeiten immer noch für den Fahrzeugverkehr gesperrte Bundesstraße 45 zwischen Münster und Eppertshausen. H. rannte dabei gegen einen mit einer Matraze und einem Fahrrad beladenen Handwagen, wobei er eine den Wagen drückende Frau verletzte. Ohne jegliche Beleuchtung fuhr H. weiter und überrannte die eingangs Eppertshausen angebrachte Straßenbarriere. Die Ermittlungen der Gendarmerie ergaben, daß H. bei der Fahrt unter Alkoholeinfluß stand. (RG)
Kie hatte keinen Führerschein
Am Sonntagabend ereignete sich um 18.30 Uhr auf der Autobahn in der Nähe von Walldorf ein Verkehrsunfall, dem die aus Rumänien gebürtige Rosina Bretz, zuletzt in Frankfurt a. M. wohnend, zum Opfer fiel. Sie war mit ihrem Bräutigam mit einer Beiwagenmaschine auf der Rückfahrt nach Frankfurt. Obwohl sie keinerlei Führerschein hatte, fuhr sie die Maschine, während ihr Bräutigam jm Beiwagen saß. Als sie auf ihrer Fahrbahn die Fahrseite wechselte, verlor sie die Gewalt über die Maschine und rannte auf der Gegenfahrbahn gegen einen aus Frankfurt kommenden Omnibus. Ihre Verletzungen waren so schwer, daß sie kurz darauf im Hospital des Rhein-Main-Flughafens starb. DT
Selbstmord in der Kiesgrube
Eine 30jährige verheiratete Frau aus Bürstadt — Mutter von zwei Kindern — sprang am Sonntag ins „Große Loch“, eine Kiesbaggergrube zwischen Bürstadt und Lache, und ertrank. Der Grund für den Selbstmord ist voraussichtlich in seelischer Depression zu suchen. bb.
Fehlende Verantwortung gegenüber dem Nächsten
Sozialtagung des Kettelerwerks, des Evangelischen Männerwerks und der Gewerkschaften in Wald-Michelbach
Katholisches Kettlerwerk, evangelisches Männerwerk und die Gewerkschaft hatten am Samstag die Arbeiterschaft des Ueberwaldes zu einer sozialen Tagung nach Waldmichelbach geladen. In Anwesenheit von Pfarrer Dörsam und Dr. Mainzer (HHW), der vor allem um präzise und leichtverständliche Behandlung der Tagesthemen unter Verzicht auf allgemeinpolitische Propaganda bat, sprach Ingenieur Gran tz. Der Redner war der Meinung, daß das 20. Jahrhundert von einem bedeutenden Philosophen einmal „das Jahrhundert des Arbeiters“ genannt, eigentlich jetzt erst beginne, da nun die Situation reif sei zur tonangebenden Herrschaft des Arbeiterstandes.
Vor 200 Jahren habe es Lehrlinge und Gesellen gegeben, die alle gleichermaßen Aussicht hatten, es t>ei Fleiß und Tüchtigkeit zum Meister zu bringen. Der Arbeiter aber wisse seit nahezu 100 Jahren, daß er es nie zum selbständigen Unternehmer bringen könne, da die sozialen Voraussetzungen eine völlige Umschichtung der Verhältnisse gebracht hätten: Der Mensch sei vom Subjekt zum Objekt, zur Materie geworden, jegliche Verantwortung Gott und damit auch dem Nächsten gegenüber fehle. Sein Recht habe sich der Arbeiterstand inzwischen erkämpft, wenn auch die Kirchenleitungen zunächst in den Arbeiterbewegungen nach Marxschem Muster „Revolutionsheere“ gesehen hätten. K o 1 p i n g aber und Naumann, die das Problem des Arbeiters von christlicher Warte aus gesehen hätten, wären Bahnbrecher der Erkenntnis auch auf christlicher Seite geworden. Wenn heute im Zeitalter der Atomwissenschaft die Ahnung dämmere, daß es ein letzes, größtes Geheimnis gäbe, das alle rationelle Wissenschaft nicht zu entschleiern vermöge, so sei das nichts anderes als die Wiedereinsetzung Gottes.
Auch Betriebsratsvorsitzender Vogel forderte die Gleichberechtigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die vor Gott gleich seien und es demnach auch unter den Menschen sein müßten. Jetzt, beim Neubau unseres gesellschaftlichen Hauses nach einem verlorenen Kriege, dürfe die Chance eines Staatsneubaues nicht ungenutzt bleiben. Die sich anschließende Diskussion kam nur schwer in Gang, da, wie ein Betriebsratsvorsitzender erklärend bemerkte, die Gefahr bestünde, daß einem Arbeitnehmer möglicherweise ein offenes Wort von seiner Betriebsleitung verübelt werden könnte.
Sonntags morgens nahmen die Pfarrer beider Konfessionen während des Gottesdienstes Gelegenheit, das Problem ihrerseits zu beleuchten. Am Nachmittag sprach, ebenfalls im Saal der „Hessischen Hölzerwerke“, Gewerkschaftssekretär Keuninger, der dasselbe Grundproblem als erstes zu lösen aufforderte, da sich dann die anderen Fragen bewältigen ließen. Der Männerchor der Sport- und Kulturgemeinde Waldmichelbach unter Leitung von Felix Moschner umrahmte die Veranstaltung durch einige gutgelungene Chore. (_r)
Der Bahnhof ist die Visitenkarte
Als Griesheim am vergangenen Wochenende im Festschmuck prangte, gab es nur einen dunklen Punkt in dem bunten Bild — den Bahnhof. Er sieht aus, als ob er nicht in diese wiederaufbaufreudige Gemarkung gehöre. Nur notdürftig wurden die Gebäude wiederhergestellt, die Fensterscheiben sind teilweise noch mit Holz ausgebessert, und das an einem Bahnhof, der im Wirtschaftsleben Hessens keine unbedeutende Rolle spielt.
Es sind einige Jahre her, daß die letzten Bomben fielen. Griesheimer Bürger die bestimmt weniger Mittel zur Verfügung haben als die Bundesbahn, haben in dieser Zeit eine Aufbauarbeit geleistet, die Ministerpräsident Stock vor einigen Tagen als vorbildlich bezeichnete.
Sollte es nicht auch der Bundesbahn möglich sein, ihren Teil dazu beizutragen, daß auswärtige Besucher und Gäste am Bahnhof einen Eindruck empfangen, der zwar bei einem Rundgang durch den Ort bestimmt revidiert wird, zunächst aber einmal nicht gut ist? Der Bahnhof ist eine Visitenkarte. In Griesheim trifft das nicht zu, denn dort ist er wirklich der einzige unerfreuliche Anblick. - Ba -
Der SPORT
Kreissportfest in Bad König
Bai außerordentlich starker Beteiligung der Bevölkerung wurde am Samstag und Sonntag in dem mit Birken- und Tannengrün, Lampions und Girlanden reich geschmückten Bad König das diesjährige Kreissportfest des Kreises Erbach ausgetragen. Schon am Samstagabend hatten sich die Teilnehmer, deren Zahl sich seit dem letzten Sportfest fast um das Doppelte erhöht hatte, im Saale „zur Krone“ eingeiunden, um einen Querschnitt aus der in den einzelnen Sparten geleisteten Jahres-1 arbeit zu geben. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der TSG Bad König, Dönges, Bürgermeister Bröhl, Landrat Neff und dem Kreisvorsitzenden Mehrn wurde ein Programm abgewickelt, das hinter der alten Odenwälder Sporttradition nicht mehr zurückzustehen braucht. Besonders wußten die Turnerinnen des VfL Michelstadt mit einem Walzertanz und den Barrenübungen, die Akrobaten des TV Beerfelden und die Gebrüder Uhrig von der KSG Erbach mit ausgezeichneten Leistungen im Zweier-Ku ndötradfähren zu gefallen.
Am Sonntagvormittag wurden dann die leichtathletischen Wettkämpfe, bei denen zum Teil hervorragende Leistungen erzielt wurden, durchgeführt. Gleichzeitig liefen die Wettkämpfe der Schwimmer, die hierbei ihre Meister des Bezirks Dieburg-Erbach ermittelten. Der Nachmittag brachte nach einem Festzug durch die Straßen der Stadt Bad König, an dem sich rund 500 Teilnehmer aus den einzelnen Vereinen beteiligten, Massenfreiübungen der Turnerinnen und Turner, Darbietungen der Radfahrer der KSG Erbach, Barren- und Reckturnen der Kreisauswahlriege, Faust-, Hand- und Korbballspiele sowie die 4XIOO-m-Pendelstaffel. Nach einem Fußballauswahlspiel fand die Veranstaltung, die als die beste ihrer Art nach Kriegsende im Kreis Erbach angesehen werden kann, mit der Siegerehrung ihren Abschluß.
Ergebnisse:
Leichtathletik: Männer: Rasenspieler: Hofmann, TSV Brensbach. Männer: Altersstufe, Gr. 2: Berger, TV Beerfelden, Männer: Altersstufe, Gr. 3: Weber, TV Steinbuch. Männer: Leichtathleten: Trumpfheller, KSG Erbach. Männl. Jugend A: Schmaus, Mümling-Crumbach. Männl. Jugend B: Dietrich, KSG Erbach. Weibl. Jugend A: Villhard, Kirchbrombach. Weibl. Jugend B: Brand, KSG Erbach.
Geräteturnen: Männer: Geräte-6-Kampf, Unterstufe: Krämer, TV Beerfelden. Männer: Geräte-9-Kampf, Mittelstufe: Vogel, KSV Reichsheim. Männer: Geräte-12-Kampf, Oberstufe: Haas, TV Beerfelden. Männer: 10-Kampf, Altersstufe: Iffland, TV Hetzbach. Männer: 5-Kampf, Versehrtenstufe: Schneider, VfL Michelstadt. Männer: 12- Kampf, Mittelstufe: Iffland, TV Hetzbach. Männer: 9-Kampf, Unterstufe: Struve, VfL Michelstadt — Frauen: 5-Kampf, Oberstufe: Löffler, VfL Michelstadt. Frauen: 8-Kampf, Oberstufe: Fischer, VfL Michelstadt. Frauen: 7-Kampf. Mittelstufe: Glässel, VfL Michelstadt. Frauen: 7-Kampf,Unterstufe: Scheuermann, TV Beerfelden. ' (ppi)
Schwimmen: Knaben: 50 m Brust, Gruppe A: Denker, Bd König, 50,8 Sek; Gruppe B: Suthe, Höchst, 46,7 Sek. 50 m Crawl: Gruppe A: Neumeier, Bd. König. 48,9 Sek.; Gruppe B: Harro Dieter, FC Reinheim, 43,0 Sek. 50 m Rücken: Gruppe A: Börtz, Michelstadt, 1,05,3 Min.; Gruppe B: Staudt, Michelstadt, 55,0 Sek. — Mädchen- 50 m Brust: Gruppe A: Weber, Bd. König. 50,8 Sek.; Gruppe B: Borsdorf, Reinheim, 49,1 Sek. 50 m Rücken: Gruppe B: Vieider, Höchst, 55,9 Sek. — Männl. Jugend: 100 m Brust: Gruppe A: Billerbeck, Reinheim, 1:36 Min.; Gruppe B: Germann, Reinheim, 1:36 Min. 100 m Crawl: Gruppe A: Kurz, Michelstadt, 1:36,5 Min.; Gruppe B: Germann, Reinheim, 1:22,4 Min. 100 m Rücken: Gruppe A: Koch, Reinheim, 1;52,0 Min ; Gruppe B: Wutz, Michelstadt. 1:46,3 Min. — Weibliche Jugend: 100 m Brust: Gruppe A: v. Natzner, Michelstadt, 1:47,1 Min.; Gruppe B: Saul, Reinheim. 1.57,2 Min. 100 m Crawl: Gruppe A: Pflimpfl, Reinheim, 1:42,1 Min. — Damen: 100 m Brust: Bär, Höchst i. 0., 1:59,5 Min. — Herren: 100 m Brust: Blumenschein, Bad König 1:33,8 Min. 100 m Crawl: Jost, Reinheim, 1:21,1 Min. — Staffeln: Männl. Jugend: 4XIOO m Brust: Michelstadt, 6:51,3 Min 3X50 m Lagenstaffeln für Herren: SC Reinheim, 1:59,1 Min. — Wasserball: Schüler Reinheim—Schüler Michelstadt 4:0; Jugend Michelstadt—Jugend Höchst-Reinheim komb 5:2.
Im Hauptspiel schlug die Wasserball-Sieben des SC Reinheim in der Aufstellung Ficher. Wiemann, Hausotte Pflimpfl, Schleif, Jost und Germann eine Kreisauswahl des Preises Dieburg-Erbach überlegen mit 8:0 Toren. (—ff—j
Schwimmfest in Ober-Ramstadt
Das erste Kreisschwimmfest des Turn krelses Darmstadt wurde am Samstag und Sonntag in Ober-Ramstadt abgewickelt. Außer den beiden Dai-mstädter Vereinen, TSG 46 und TG 75 Darmstadt, waren noch sehr gut Pfungstadt und die SKG Ober-Ramstadt vertreten. Leistungsmäßig gesehen kann man sagen, daß verschiedene Rennen nicht sehr gut wegkamen doch die gute Besetzung der einzelnen Kämpfe hat gezeigt, daß das Schwimmen, wie es sich der Turnverband vorgenommen hat. auch langsam bei den Landvereinen wieder auf lebt.
Ergebnisse:
50 m Rücken. 35/40 Jahre; 1. Treusch, TG 75 Darmstadt. 43 Sek. — 50 m Kraul, 35/40 Jahre, 1. Treusch. TG 75 Darmstadt, 34,5. — 50 m Kraul, Schüler Jahrg. 36/37: 1 Ilgen. TSG Darmstadt 43.5. — 100 m Kraul. Kl. 4, Turner: 1. Schaffder. TSV Pfungstadt 1:28,8. — 100 m Brust. Kl. 4, Turner; 1. Schaffner. SKG Ober-Ramstadt, 1:47. — 100 m Kraul. Tui.. Kl. 4: 1. Lautner, TG 75. Darmstadt 1:39,7. — 3X 50 m Lagen, 35—50 Jahre. Turner: 1. TG 75 Darmstadt. 1:59,8. — 3X50 m Lagen. Kl. 4: 1. TSV -Pfungstadt. 2:15,4. — 4X50 m Brust, 35—50 Jahre: 1. TG 75 Darmstadt. 3:48,9. — 4X50 m Brust Schülerinnen: 1. TSG 46 Darmstadt. 3:24. — 4X50 m Brust, Schüler 36/37: 1. SKG Ober-Ramstadt. 3:33,1. — 3X50 m Lagen. Jugend: 1. TSG 46 Darmstadt. 2:02,9. — 50 m Brust Schüler 36/37: 1. Spahn. TSG 46 Darmstadt. 48 Sek. — 100 m Rücken. Kl. 4: 1 Georg. TG 75 Darmstadt, 1:40 — 50 m Brust, 35—40 Jahre:: 1. Peter TG 75 Darmstadt. 45,2. — 50 m Brust. 40—50 Jahre: 1. Vierheller, TG 75 Darmstadt, 48 Sek. — 100 m Rücken, Jugend: 1. Oldendorf. TG 75 Darmstadt, 1:34. — 100 m Rücken. Turnerinnen Kl. 4: 1. Lautner. TG 75 Darmstadt. 1:48. — 50 m Brust. Schüler: 1. Franken. SKG Ober-Ramstadt. 55 Sek. — 50 m Brust. Schülerinnen 38 und jünger: 1. Walter. TSG 46 Darmstadt. 52,8. — 50 m Kraul. Schülerinnen 36/37: 1. Bock. TSG 46 Darmstadt, 38,4. — 50 m Brust. Schüler: 1. Buchert, TSG 46 Darmstadt 46,8. — Strecken¬ -1.. Schüttler. TG 75 Darmstadt 25.5>
Brunner in Gießen umjubelt
Im Rahmen des 66jährigen Jubiläums der Gießener Radfahrervereinigung wurde am Sbnntag in Gießen ein internationales Steherrennen hinter kleinen Motoren veranstaltet. Die Rennen liefen in einem Straßenkurs inmitten der Stadt Gießen „Rund um das Polizeipräsidium“. Bei herrlichem Rennwetter umsäumten Tauasende von sportbegeisterten Zuschauern die Rennstrecke.
Willi Brunner gewann ganz überlegen das Eröffnungsrennen über 15 km ver dem Schweizer Heimann, Böttgen, Frankfurt, Hilpert, Frankenthal und’ Siehl. Offenbach.
Auch das zweite Rennen, der „Große Jubiläumspreis“ über 2'5 km wurde eine sichere Beute des sich in ganz großer Form befindlichen Darmstädters. Bei diesem Rennen wurde eine Stundendurchschnittsgeschwindigkeit von 48 km erreicht, und Willi Brunner fuhr die schnellsten Runden des Tages. Unter größtem Jubel der etwa 7 000 die Rundstrecke umsäumenden Zuschauer fuhr er seine 2. Ehrenrunde. Er gewann das Rennen vor Heimann, Hilpert, Noss und dem fast überrundeten Böttgen. 'Groß war die Begeisterung, als Willi Brunner sich auch im dritten Rennen, dem „Rödiger Gedächtnisrennen“ über 30 km, genau wie im vorhergehenden Rennen aus letzter Position gestartet, bald mit einem großen Vorsprung wieder an die Spitze des Feldes setzte und sie bis 9 Runden vor Schluß des Rennens behauptete. Da kam sein Schrittmacher, der Darmstädter Egon Laßhof, in einer Kurve ins Rutschen, beide stürzten, es ging zum Glück alles gut ab und wenige Sekunden später saß er wieder auf der Maschine und hatte nach 2 Runden unter dem Jubel der Massen schon wieder die Spitze des Feldes erobert. Da ereilte ihn nochmals das Rennfahrerpech. Infolge Reifenschadens auf der Schrittmachermaschine kamen Brunner und rein Schrittmacher wiederum zu Fall. Der Reifenschaden konnte vor Schluß des Rennens nicht mehr behoben werden und so mußte Brunner, der auch beim zweiten Sturz glimpflich davonkam. das Rennen aufgeben.
Hilpert, der während dieses Rennens ständig hinter Willi Brunner auf dem zweiten Platz lag, hätte gewonnen, wenn sein Schrittmacher nicht infolge eines Defektes einige Verlustrunden aufzuholen gehabt hätte. So mußte er sich mit dem letten Platz begnügen. Das Rennen wurde von Siehl, vor Noss. Heimann und Hilpert gewonnen.
Radrennbahn-Eröffnung in Bürstadt
Die Radfahrervereinigung 03 Bürstadt beging am vergangenen Sonntag mit der Eröffnung ihrer neuen Radrennbahn einen denkwürdigen Tag in ihrer Vereinsgeschichte. Das bekundeten auch die Redner während des Festaktes unmittelbar vor der Eröffnung. Die neue Bahn, welche in monatelanger Feierabendarbeit von den Vereinsmitgliedern geschaffen wurde, ist die erste im Ried und im gesamten Kreis Bergstraße. Auf dem Programm des Tages standen zwei Rennen (Fliegerhauptfahren über 1009 Meter = 3 Runden und das Mannschaftsfahren über 50 km = 150 Runden). Nach fünf Vorläufen wurde gegen scharfe Konkurrenz der Landauer Fahrer Schadt Sieger und gewann damit den von der Gemeinde gestifteten „Großen Preis von Bürstadt“. Auch im Mannschaftsfahren gab es spannende Kämpfe. Hier waren es Meng, Worms, und Maue, Schopp/Pfalz, die sich die Lorbeeren errangen.
Der Gesamteindruck der neuen Anlage war ein guter, wenn auch die heiße Sommersonne dem Asphaltband die nötige Stabilität genommen hatte, was den Fahrern besonders in der Ostkurve schwer zu schaffen machte. Nach der zeitbedingten Härtung des jetzigen ersten Belages will der Verein jedoch den gesamten, 333 Meter langen Kurs nochmals mit einer Betonschicht überziehen und wird damit eine Radsportstätte schaffen, die in weiter Umgebung ihresgleichen sucht. bb.
Ringen
1910 Darmstadt—SG Hemsbach 6:1
Zum fälligen Rückkampf stellte sich am Samstagabend in der gut besetzten Goetheschule die Ringermannschaft der SG Hemsbach vor, eine Mannschaft der badischen Bezirksklasse, die dort den 3. Platz e.'.nnimmt. Der Vorkampf wurde bekanntlich von den Gästen mit 5:3 gewonnen. Diesmal drehten die 1910 er den Spieß um und konnten klar siegen. Die Darmstädter besitzen bis auf das Halbschwergewicht eine gleichmäßig gut besetzte Mannschaft, die in der nächsten Verbandsrunde ein beachtlicher Gegner sein wird. Mit dem mehrfachen deutschen Meister im Freistilringen, Henze, ASV 86 Frankfurt, gab es durchweg spannende und schöne Kämpfe, die unter Leitung des Kampfrichters Veith/1910 Darmstadt einwandfrei geleitet wurden. Der Kampf im Halbschwergewicht wurde nicht gewertet, so daß das Ergebnis „nur“ 6:1 hieß. Vorderhand glaubt man auf Grund des hohen Ergebnisses an einen überlegenen Sieg der Darmstädter, der jedoch schwer errungen werden mußte. Die Gäste hatten eine gute und starke Mannschaft zur Stelle und ihre Niederlagen fielen größtenteils knapp aus.
Im Fliegengewicht war Marx/1910 seinem Gegner, dem 3 deutschen Jugendmeister, klar überlegen. Er setzte laufend Griffe an und kam schließlich in der 8. Min. durch Fallgriff zum Schultersieg. Im Bamtamgewicht gab es den schönsten Kampf des Abends. Hier standen sich in dem deutschen Jugendmeister K. Ditter und Minkwitz-Hemsbach zwei ausgeglichene Kämpfer gegenüber. Nachdem Ditter bereits in der 1. Min. in die Brücke mußte und sein Gegner ihn 3 Minuten halten konnte, schaffte er es doch, sich zu befreien. Unter tosendem Beifall konnte er schließlich den Kampf siegreich beenden. Im Federgewicht wurde durch den Gästeringer eine unnötige Härte in den Kampf geführt. Ditter wurde hier berechtigt wegen unsportlichen Verhaltens seines Gegners zum Sieger erklärt. Im Leichtgewicht ging es über die volle Distanz. Winkler/1910 wurde überlegener Punktsieger. Den einzigen Sieg der Gäste gab es im Weltergewicht. Nach ausgeglichenem Kampf wurde hier Ströbel/Hemsbach zum Sieger erklärt, nachdem er eine Wertung mehr erzielen konnte. Im Mittelgewicht machte Truber/1910 mit seinem Gegner kurzen Prozeß. Er siegte durch Armfallgriff in der 3. Min. entscheidend. Im Halbschwergewicht stand der Sieger wohl bereits vorher bei den meisten Zuschauern fest. Henze besiegte seinen Gegner durch Überroller. Im Schwergewicht wurde Veith zum Punktsieger erklärt. Gäbe es beim Ringen ein Unentschieden, so hätte dieser Kampf diese Note verdient gehabt. Beide Ringer konnten keine Wertung erzielen, nur durch den etwas größeren Angriff des Darmstädters wurde dieser als Sieger erklärt. Abschließend zeigte Meister Henze einen Schaukampf im Freistilringen. ERi
Brasilien überrannte Schweden
Spanien erzwang ein 2:2
Rio de Janeiro, (sid.) Die IV. Fußball-Weltmeisterschaft wurde am Sonntag .mit den beiden ersten Spielen der Endrunde fortgesetzt. In Rio de Janeiro, wo Brasilien nach glücklichem Los alle drei Kämpfe bestreiten kann, gewann der Favorit über Schweden unerwartet glatt mit 7:1 (3:0), während der England-Bezwinger Spanien in Sao Paulo gegen Uruguay ein 2:2 erzwang, nachdem er bei der Pause sogar 2:1 geführt hatte.
Spanien steht nun am kommenden Donnerstag, 13. Juli, im Stadion von Rio de Janeiro beim Kampf gegen Brasilien vor spiner schwersten Aufgabe, während gleichzeitig in Sao Paulo Uruguay einen klaren Sieg gegen Schweden erringen dürfte.
Kurz — aber interessant
Den Großen Preis von Bari gewann der Italiener Dr. Nino Farina (Alfa Romeo), der 320 km in 2:34:29,6 Std. zurücklegte und damit einen neuen Streckenrekord (124,675 km/Std.) erzielte. Zweiter wurde der Argentinier Juan Manuel Fangio in 2:35:10 Std, vor dem Engländer Moss (HWM), der zwei Runden zurücklag.
Theo und Erich Wied belegten im Zwölfkampf der Meisterklasse beim Württembergischen Landesturnfest in Aalen mit 115,40 bzw. 114,0 P. die beiden ersten Plätze. Sieger des Zehnkampfes wurde in der gleichen Klasse der Feuerbacher J. Voigtmann mit 95,75 P. — Olympiasieger Alfred Schwarzmann (Goslar) holte sich beim Landesturnfest von Niedersachsen in Bremen den Zwölfkampf-Sieg mit 117,0 P. vor seinem Klubkameraden Kretschmer (114,88).
Die mit Spannung erwartete Auseinandersetzung im Senior-Eint. bei der großen Hamburger Ruderregatta fiel aus, da Wilke und Deutschmeister Lange nicht am Start erschienen und so der Lübecker RC durch Stiegmann zu einem kampflosen Sieg kam.
Der Sportreporter des Südwestfunks. Rolf Wernicke, hat das Angebot von Radio Saarbrücken angenommen die Reportagen von der diesjährigen .Tour de France" zu übernehmen. ' Wernicke wird Anfang der Woche nach Frankreich abreisen.
Blauer Dienstag in Alsbach
Die Girlanden siind vom Winde zerzaust und das Birkengrün an der Straße ist dürr geworden. Das Bier ist ausgetrunken und alle Leute sind müde und zufrieden. „Es war ein schönes Fest“, sagt der Verkehrs- und Verschönerunigsverein, der das Schloßfest mit viel Liebe und Mühe aufgezogen hatte, sagen die Wirte in ihren unaufgeräumten Gaststuben, in denen noch der Rauch vieler Zigaretten schwebt. Und die Gäste? — Ja, die nahmen eine wirklich schöne Erinnerung an Alsbachs Gastfreundschaft mit nach Hause! (kä)
„Die Nachtigall vom Neckarstrand
Bensheimer „Liederkranz“ spielte für Wiederaufbau der Stadtkirche
Am Sonntag wiederholte der Bensheimer Gesangverein „Liederkranz“ die im Winter bereits mehrere Male erfolgreich aufgefühlte Volksoperette „Die Nachtigall vom Neckarstrand“ zu Gunsten des Wiederaufbaus der kath, Stadtkirche. Auch dieses Mal war die Aufführung sehr gut besucht, und wieder gab es viel Beifall auf offener Szene. Rudolf Hagen dirigierte das gefällige Werk schmissig und temperamentvoll. Carl Ott sorgte für lockeres, natürliches Spiel, und die einzelnen Darsteller ließen — sowohl stimmlich als auch schauspielerisch — vergessen, daß sie eigentlich Laien sind.
Wie wir erfuhren, sind weitere Operetteneinstudierungen geplant, so daß man im kommenden Winter noch öfter Gelegenheit haben wird, derartige Aufführungen zu erleben. HB.
Schutkzhütte auf der „Windlück“
Klubabend des Reinheimer OWK
Ein wesentlicher Punkt der Tagesordnung des letzten Klubabends des OWK Reinheim war die Wiedererrichtung der Klubanlage auf der „Ernst-Ludwigs-Höhe“ an der „Windlück“. Den anliegenden Grundstücksbesitzern als Schutzhütte, den Wanderern als idealer Aussichtspunkt bekannt, erfreute sich die schön hergerichtete Anlage stets größter Beliebtheit. Um so bedauerlicher war ihr Verschwinden in den Nachkriegsjahren. Die Reinheimer Ortsgruppe kriegsjahren. Die Reinheimer Ortsgruppe, der das Gelände gehört, will nun die Wiedererrichtung vornehmen.
Klubmitglied Architekt Stühlinger, der sich schon vor längerer Zeit bereit erklärt hatte, einen Bauplan zu entwerfen, legte diesen bei der Versammlung vor. Die Form der Schutzhütte hängt noch von der Baumaterialbeschaffung ab; die Bedachung wurde von Dachdeckermeister Held gestiftet, der sich auch zur Uebernahme der notwendigen Bauarbeiten in Zusammenhang mit der Jugendgruppe bereit erklärt hat. Man hofft auch das Bauholz durch Spenden zu erhalten und will mit den Bauarbeiten so schnell wie möglich beginnen, um der den Unbilden der Witterung besonders ausgesetzten „Ernst-Ludwigs-Höhe“ im Herbst endlich wieder ein schützendes Dach zu geben. Als ,Julius-Scriba-Hütte“ soll der Aussichtstempel das Andenken an den verstorbenen Gründer der Reinheimer Ortsgruppe des Odenwaldklubs wachhalten. (eb)
Diebstähle am Wochenende
Einbrecher, die in zwei aufeinanderfolgenden Nächten in ein Verkaufshäuschen an der Straße zwischen Bensheim und Heppenheim einbrachen entwendeten dort nur einige Flaschen Bier.
In Auerbach brachen Diebe in ein von Amerikanern bewohntes Haus ein und nahmen eine größere Menge Wäsche mit.
Zwei junge Männer, die in Krefeld einen größeren Gelddiebstahl auf dem Gewissen hatten und von dort geflüchtet waren, konnten am 8. Juli in Bensheim festgenommen werden. Das Geld hatten sie allerdings restlos durchgebracht. (HB)
Im Laggerloch ertrunken
Der Bjährige Sohn der Familie Neumann, Eschollbrücken, fand am Sonntagnachmittag im Altrhein bei Erfelden den Tod. Während der Vater zum Kühkopf schwamm und die Mutter zu einem Eisstand ging, geriet das Kind wahrscheinlich in die Untiefe eines Baggerloches. Die Leiche konnte bis zum Abend noch nicht geborgen werden. (ler)
Vierjähriger lief ins Auto
Am Samstagmorgen lief ein vierjähriger Junge in der Nähe des Sportplatzes Heusenstamm in einen fahrenden Lastzug. Wie Augenzeugen berichten, spielte das Kind am Straßenrand und versuchte im letzten Augenblick vor dem Fahrzeug über die Straße zu laufen. Der schwere Lastzug rollte über den Jungen hinweg und verletzte ihn tödlich. DT
Gefährliche „Fortuna“
Wie die Kriminalpolizei Bensheim mitteilt, existiert die Toto-Gemeinschaft „Fortuna“ nicht mehr. Vor den im Bundesgebiet für diese Gesellschaft arbeitenden Werbern wird gewarnt, da sie Beiträge und Werbegelder widerrechtlich kassieren und bisher eine größere Anzahl von Personen geschädigt haben. (HB)
Serenadenkonzert in Pfungstadt
Am kommenden Sonntag veranstaltet der Musikverein Pfungstadt um 20.30 auf dem Carlo-Mierendorff-Platz ein Serenadenkonzert. bei dem außer dem Orchester, unter Leitung von Kapellmeister Apfel, Opernsängerin Frl. Rentsch, Darmstadt, und der Kinderchor unter Leitung von Lehrer Schreyer mitwirken. Während die Darbietungen des ersten Teiles des Konzerts der klassischen Musik Vorbehalten sind, werden im zweiten Teil Musikstücke der leichteren Muse zum Vortrag gelangen,*
Durch Blitzschlag wurde in der Gemarkung Lampertheim ein Schuppen in Brand gesetzt, der trotz sofortigen Eingreifens der Lampertheimer Feuerwehr nicht gerettet werden konnte, da er zu einem großen Teil mit Stroh gefüllt war. Nur einige Ackergeräte konnten geborgen werden. bb.
Pavillon-Schulbau für Grok-Gerau?
Kreisschulrat Schwedes und Bürgermeister Dr. Lüdecke besichtigten am Freitagnachmittag mit der Groß-Gerauer Baukommission Pavillon-Schulbauten in Mannheim-Waldhof, Ludwigshafen und Weinheim. Ursache dieser Besichtigungsfahrt war die Notwendigkeint, in Groß-Gerau neuen Schulraum zu erstellen.
Kreisschulrat Schwedes und Baurat Giesen vom Staatsbauamt hatten empfohlen, den Schulhausneubau im Pavillonstil zu errichten. Da man bei dieser Besichtigung im allgemeinen von der Pavillonbauweise einen günstigen Eindruck bekam, wird diese wahrscSieinlich in Groß-Gerau bevorzugt werden. Die endgültige Entscheidung hängt von einer Kostenberechnung und der Entscheidung des Gemeinderates ab. (cg)
Bürstadt braucht Gasanschluk
in der letzten Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend wurde die Bürstädter Gemeindeverwaltung beauftragt, die Verhandlungen mit dem Elektrizitätswerk Rheinhessen bezüglich einer Gasversorgung der Gemeinde weiterzuführen. Bürstadt hat früher mit dem EWR einen langfristigen Vertrag abgeschlossen, der noch nicht abgelaufen ist und dem EWR die alleinigen Energielieferungen sichert. Der Zuschlag für dye Zimmerarbeiten an der neuen Friedhofshalle wunde Joh. Wolk erteilt. Ueber die Verteilung der Bauplätze in der Bubenlache sind sich die Interessenten nach einem neuen, bereits genehmigten Plan, einig geworden. Eine längere Diskussion entspann sich über den von der Raiffeisenkasse beantragten Kauf der seinerzeit von der Firma Fenkel bebauten Grundstücke. Dem Antrag wurde schließlich mit elf, bei sieben Enthaltungen, zugestimmt. Mit der Forstbehörde sind Verhandlungen im Gange, ob die Rezeßholzrechte Wieder in natura oder weiterhin mit Geld abgefunden werden sollen. Diese Frage soll zusammen mit den Gemeinden Lorsch und Einhausen beim zuständigen. Forstamt geklärt werden. Die neue Gebührenordnung für die Kanalbenutzung vfurde genehmigt und der Bau eines weiteren neuen Wohnhauses in der Steinlachstraße im Werte von 25 000 bis 30 000 DM beschlossen. (bb.)
Neue Glocken in Alsbach
Von -den früheren drei Glocken Alsbachs wurden zwei im letzten Krieg eingeschmolzen. Nachdem nun die Gemeinde die Mittel für die fehlenden Glocken bereitgestellt hatte, wurden diese der Glockengießerei Rincke r, Sinn/Oberhessen, in Auftrag gegeben. Am Mittwoch vergangener Woche konnten sie feierlich eingeholt werden. Mit der alten Glocke ist das Geläute auf g, a, c abgestimmt. Die Glocken, die bereits montiert sind, werden am Sonntag, 16. Juli, im Hauptgottesdienst geweiht. (hl.)
Hahn. Das 3. Schuljahr der Volksschule besuchte am Samstag den Zoologischen Garten in Frankfurt. ler.
Meldungen aus den Landkreisen
Darmstadt-Land
Roßdorf. Am Wochenende führte die Tochter der bekannten Kosmetikerin Rosel Heim, Baden-Baden, im Salon Schuchmann kostenlose Beratungen und Behandlungen durch. Ihre jahi^lange Erfahrung und ihr durch die Praxis erworbenes Wissen machen sie zu einer vollendeten Lehrmeisterin erfolgreicher Haut- und Schönheitspflege. sl.
Pfungstadt. Silbernes ‘A r b e it s - jubiläum. — Am Samstag feierte Maschinenschlosser Wilh. Stark in Firma Hess. Celluloidwarenfabrik Diek & Böttcher, Hahnrnühle, sein silbernes Arbeitsjubiläum. Der Jubilar ist bei seiner Firma und seinen Arbeitskollegen sehr beliebt und Vorsitzender des Betriebsrates. — Fahrr a d i eb - stahl. Kaum hatte eine Junge die Schriftleitung des „Pfungstädter Anzeigers“ betreten, als auch schon das neue Fahrrad, das er vor dem Gebäude abgestellt hatte, verschwunden war. Er wurde sicherlich beobachtet und der Dieb dürfte wohl zu jenen „Mardern“ gehören, die seit geraumer Zeit derartigen Passionen nachgehen. — Der Volkschor unternahm am Sonntag einen Ausflug mit Omnibussen durch das Mümlingtal zur Wolfsschlucht in das Neckartal mit etwa 200 Teilnehmern. ler.
Pfungstadt. Das Standesamt gab für den Monat Juni sieben Eheschließungen, vierzehn Geburten, und neun Sterbefälle bekannt. — Samstag gab ein Arbeiter ein Fahrrad auf dem Fundbüro ab, das er auf einem Feld zwischen Hahn und Pfungstadt gefunden hat. Der Eigentümer konnte noch nicht ermittelt werden. (ng)
Nieder-Ramstadt. Die Sängervereinigung veranstaltet zu Beginn der 750 -Jahrfeierwoche am 29. Juli im Kinosaal einen großen Konzertabend. Es wirken mit: Opernsängerin Lotte Leist-Veite, Sopran; Opernsänger Heinrich Blasel, Bariton; am Flügel Herbert Görner; der Männerchor der Sängervereinigung und der Knabenchor Nieder-Ramstadt unter Leitung von Studienrat Born. Die Plaketten zur 750- Jahrfeier sind eingetroffen. Sie sind in den Farben Blau-Gold gehalten, doppelseitig geprägt und gelten an den Festtagen als Dauerkarte auf dem Festplatz. (Hr)
Bergstrake
Bensheim. Die Ortsgruppe Bensheim des Bundes der Fliegergeschädigten hält am kommenden Sonntag eine Versammlung in der Gaststätte „Zur Eisenbahn“ (Berblinger) ab. Beginn um 20 Uhr. — Wegen Erledigung dringender Dienstgeschäfte bleibt das Wohnungsamt vom 10. bis 2ß. Juli für den Publikumsverkehr geschlossen. (HB)
Bensheim. Am Samstagnachmittag fand eine Versammlung der Ortsgruppe des Bundes der Fliegergeschädigten im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ statt. Die Beratungsstunden sind künftig jeden Mittwoch und Samstag von 9 bis 17 Uhr durchgehend im Gasthaus „Zur Eisenbahn“. — Die Baugenossenschaft hat ihre Mitglieder zu der ersten Generalversammlung am Donnerstag eingeladen. — Die noch rückständ'gm Auszahlungen der H a u s r a t s h i 1 f e sind in Kürze zu erwarten. Alle Veränderungen der Verdienstverhältnisse müssen dem Soforthilfeamt mitgeteilt werden. Auszahlungen auf Existenzbeihilfe sind noch nicht erfolgt, ein Entwurf zur Handhabung des Lastenausgleichs soll in etwa 6 bis 8 Wochen der Regierung vorgelegt werden. (HB)
Grek -Gerau
Groß-Gerau. Von der Paßstelle des Landratsamtes wurden im Juni 49 Reisepässe ausgegeben. — Im Kreisgebiet ist die Wintergerste eingebracht. Es wurden teilweise 20—2'2 Zentner je Morgen geerntet. Die Roggenernte wird in den nächsten Tagen beginnen, während die Frühkartoffeln zumeist schon geerntet sind. Das zur Zeit anfallende Obst ist sehr billig. Die M'lchanlieferung bei der Groß-Gerauer Molkerei betrug im Mai noch 35 000 kg pro Tag, im Juni ist sie auf 31 000 bis 32 000 kg gesunken. Da der Trinkmilchverbrauch stark gestiegen ist, kauft die Groß-Gerauer Molkerei jede Woche einmal 15 000 kg .Milch von einer kurhessischen Molkerei, (cg.)
Bürstadt. Am Eingang der katholischen Kirche führte am Samstag- und Sonntagabend die Spielschar der katholischen Jugend auf einer Freilichtbühne das „U e b e r - lin ge r Münsterspiel“ auf. Die guten Leistungen der Laienspieler fanden den verdienten Beifall der vielhundertköpfgen Zuschauermenge. Für kommenden Sonntag ist eine weitere Aufführung vorgesehen.
Dieburg
Reinheim. Wanderung des Odenwald k 1 u b s. Die nächste Wanderung der Ortsgruppe des OWK führt am Sonntag in den Bachgabu mit dem Endziel Schaafheim. Dort wird der Gründer und Leiter des Bachgaumuseums. Herr Nowotny, die Wanderer mit den Sammlungen des Heimatmuseums vertraut machen. Abfahrt ist morgens um 7.33 Uhr nach Groß-Umstadt, die Rückfahrt wird von Klein-Umstadt aus angetreten. (eb)
Langstadt. Aus dem Haus eines Einwohners der Bahnhofstraße wurde in einem unbewachten Augenblick von einem Besucher ein größerer Geldbetrag gestohlen, der in einem Schrankschubfach aufbewahrt war. Der Dieb, der später ermittelt wurde, hatte das Geld in Groß-Umstadt zum Teil ausgegeben, so daß dem Geschädigten nur noch ein Restbetrag wieder ausgehändigt werden konnte. (RG)
Dorndiel. Am Mittwoch fuhren die Klassen der Volksschule nach Frankfurt und besuchten den Zoo, den Palmengarten und das 'Senckenbergsche Naturhistorische Museum. (or.)
Erhach
Erbach. Im „Alexanderbad“ wurde einem Erbacher Jungen sein dort unverschlossen abgestelltes, schwarzes „Opel“ -Herrenfahrrad gestohlen. (-ch)
Hetzbach. Unbekannte Diebe stahlen aus einem Holzschuppen gegenüber dem Bahnhof ein dem Büroangestellten Schäfer gehörendes Fahrrad. Das Vorhängeschloß des Schuppens war gewaltsam erbrochen worden . (-ch)
Reichelsheim. Durch das Straßenbauamt Bensheim wurde die Bahnhofstraße instandgesetzt. — Das Standesamt verzeichnete im Juni 2 Eheschließungen. 2 Geburten und 1 Sterbefall. (hn)
Wirtschaftsblatt
Zuviel Landmaschinentypen
K. J. Bei der Wiederaufnahme der Konstruktions- und Fabrikationsaufgaben der deutschen Landmaschinenindustrie nach dem Kriege, die etwa um das Jahr 1947 einsetzte, war überall das Bestreben vorherrschend, durch Verkleinerung vorhandener Systeme — oft auf dem Beispiel Amerikas aufbauend — den Anforderungen der deutschen Bauernwirtschaften soweit wie möglich gerecht zu werden. Die Konstrukteure gingen an sich von der richtigen Erkenntnis aus, daß die Landmaschinentechnik, voran der Ackerschlepper, besonders im Klein- und Mittelbetrieb Eingang finden müsse. Mit diesem Bestreben gab man der noch nicht mechanisierten Kleinlandwirtschaft die so dringend notwendige Maschine, andererseits eröffnete man dadurch der Industrie einen neuen Absatzmarkt. Diese ganzen Bemühungen nach neuen und verbesserten Konstruktionen vollzogen sich zunächst ziemlich planlos. Die bekanntesten Werke hielten sich im Hintergrund, sie traten weder mit Neuerungen noch mit Verbesserungen in das Blickfeld der Oeffentlichkeit. Eine Zeitlang hatte es mit dem Verkauf von Landmaschinen keine Not. Die Nachfrage war größer als das Angebot. Der große Nachholbedarf der Landwirtschaft hielt das Kaufinteresse wach. An die Stelle der Geldflüssigkeit, wie sie sich noch in der ersten Hälfte 1949 zeigte, trat aber in der Folgezeit eine zunehmende Verknappung der liquiden Mittel, die sich auf den Landmaschinenabsatz naturgemäß hemmend auswirken mußte.
Inzwischen haben sich die Verhältnisse zwischen Angebot und Nachfrage weitgehend normalisiert. Nach wie vor besteht in der Landwirtschaft ein starker Bedarf an Schleppern und anderen Maschinen. Aber ihre Aufnahmefähigkeit hat sich durch die starke Schrumpfung des Betriebskapitals erheblich vermindert. Auf der anderen Seite hat sich die Leistungskapazität der Landmaschinenindustrie sehr stark erhöht, so daß heute eine Fülle der verschiedenartigsten Landmaschinen auf den Markt gebracht wird. Aus diesem ungleichen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ergibt sich ein gewisses Ueberangebot, aus dem sich eine scharfe Konkurrenz entwickelt hat.
Von der Landwirtschaft wird diese Konkurrenz begrüßt. Denn sie führt automatisch zu einer Senkung der Preise, die notwendig war, um das Verhältnis zwischen dem Preisniveau für Agrarprodukte und landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln zu normalisieren. Die Preise für Ackerschlepper sind gegenwärtig nicht einheitlich. Es zeigen sich vielmehr ganz beachtliche Differenzen, die von der Leistungskapazität der einzelnen Firmen nicht zu trennen sind. Uneinheitlichkeit in der Preisgestaltung kann aber nur vorübergehender Natur sein. Der Bauer wird sich als Käufer stets demjenigen Fabrikanten oder Händler zuwenden, der — bei guter Qualität — billiger offeriert.
Für die deutsche Landwirtschaft, die zu 80 Prozent aus klein- und mittelbäuerlichen Betrieben besteht, kommt es darauf an, einen Ackerschlepper kaufen zu können, dessen Verwendungszweck und Preis ihren verkleinerten Anforderungen und ihrer Kapitalkraft entspricht. Solche Zugmaschinen stehen heute in den 12-, 15- und 18-PS-Schleppern zur Verfügung. Auf der DLG-Schau in Frankfurt am Main wurden 15- und 18- PS-Schlepper von bekannten Firmen auf den Markt gebracht und zu Durchschnittspreisen von 4500 DM vorgeführt. Sie fanden den Anklang der Bauern und dürften in größerer Zahl Eingang in die Klein- und Mittelbetriebe nehmen. Diese Erzeugnisse sind zwar noch nicht letzte Lösungen. Aber durch ihre Fabrikation wurde der Weg zur Motorisierung der bäuerlichen Kleinbetriebe eingeleitet.
Die — wenigstens zu Anfang der Produktionsaufnahme — eingetretene Planlosigkeit des deutschen Schlepperbaues hat zu einer so starken Typisierung geführt, daß heute ein Wirrwarr auf dem Schleppermarkt besteht. Gegenwärtig sind rund 80 Schleppertypen auf dem Markt. Das Streben nach Neuschöpfungen und Verbesserungen hat auf dem Landmaschinenmarkt einen Zustand hervorgerufen, der auf die Dauer zu erheblichen Unzuträglichkeiten führen muß. 80 Schleppertypen erfordern 80 verschiedene Ersatzteiltypen. Wo ist aber die Landmaschinen-Reparaturwerkstatt auf dem abgelegenen Dorf, die es sich leisten kann, eine solche Vielzahl von Ersatzteilen auf Lager zu halten, so daß Reparaturen schnellstens ausgeführt werden können? Wenn aber die Ersatzteile erst von der Fabrik bezogen werden müssen, so verteuert und verlängert sich die Reparatur. Es muß zweifellos in der Landwirtschaft eine Reihe Schleppertypen geben. Aber ihre Höchstzahl dürfte 20 nicht übersteigen. Es ist anzunehmen, daß sich diese Forderung durch die große Konkurrenz auf dem Landmachinenmarkt von selbst verwirklichen wird. Nur die bekannten und leistungsfähigen Unternehmen werden sich weiter durchsetzen.
Quoten der Zahlungsunion
vwd. Ueber die Quoten der OEEC-Länder zum europäischen Zahlungsabkommen (EPÜ) werden folgende Angaben gemacht. Die Werte verstehen sich in Millionen EPU-Verrechnungseinheiten (die EPU-Verrechnungseinheit entspricht dem Werte eines US-Dollars): Oesterreich 70. Belgien-Luxemburg 360, Dänemark 195, Frankreich 520, Bundesrepublik Deutschland 320, Griechenland 45, Island 15, Sterling-Gebiet 1060, Italien 205, Niederlande 350, Norwegen 200, Portugal 70,
150 Millionen Dollar der Marshallhilfe zugunsten von Großbritannien im neuen Fiskaljahr, 55 Millionen Dollar zugunsten von Belgien und die gesamte Marshallhilfe zugunsten von Schweden werden unter der Bedingung erteilt, daß diese Länder Kredite in gleicher Höhe in ihren eigenen Währungen der EPU zur Verfügung stellen.
kraftstoffbewirtschaftung ab 1. August vorgeschlagen wird. Es ist beabsichtigt, den Vetrrieb vorläufig noch in Händen des Zentralbüros für Mineralöl zu belassen, das den privilegierten Dieselölverbrauchern (Schifffahrt, Landwirtschaft usw.) die bisherigen Nachlässe weitergewähren soll. Bezüglich des Vergaserkraftstoffs wurde sowohl von Seiten der Mineralölwirtschaft als auch im Bundeswirtschaftsministerium die Absicht geäußert, die Bewirtschaftung mit Ablauf des Monats September zu beenden. Im Hinblick auf die vom Bundeswirtschaftsministerium in Aussicht gestellten erhöhten Zufuhren kann man hoffen, daß die als Voraussetzung für die Benzinfreigabe unerläßlichen größeren Treibstoffvorräte bis Ende September angesammelt sind.
Bewirtschaftung von Treibstoff
ast Die Bundesregierung hat auf Veranlassung des Bundeswirtschaftsministeriums einen Antrag an die Ober-Kommissare gerichtet, in dem die Aufhebung der Dieselad. Die Portland-Zement- und Kalkwerke „Anna“ AG. Neubeckum, stellt ihr Grundkapital 1:1 auf 650 000 DM um und erhöht aus dem Umstellungsgewinn ihre ges. Rücklage auf 469 890 (65 000) DM (RM).
Markt- und Börsenberichte
F.A.Z. An der Frankfurter Börse war am Montag im Zusammenhang mit der Unsicherheit der politischen Entwicklung die Kursentwicklung überwiegend leicht rückläufig. Bei einem kaum erhöhten Angebot war die Aufnahmebereitschaft gegenüber der Woche noch geringer, so daß die Werte erst auf ermäßigter Basis aufgenommen wurden.
Devisenhandel
Frankfurt. (Eigenbericht.) Im Frankfurter nicht offiziellen Devisenhandel wurden am 10. Juli 1950 für den US-Dollar 5.35—5,75 DM gezahlt, für das englische Pfund 12,50 bis 13,50 DM, für den Schweizer Franken 1,17—1,27 DM, für den holl. Gulden 1,17—1,27 DM, für die dänische Krone 0,52—0,56 DM, für die schwedische Krone 0,75—0,80 DM.
Berliner DM-Wechselkurs
F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 10. Juli 1950 für eine DM-West 5,90 Ostmark gezahlt und für 6,10 Ostmark eine DM-West geboten.
Frankfurter Schlachtviehmarkt
Bz. Am gestrigen Hauptschlachttag waren am Frankfurter Großviehmarkt aufgetrieben: 901 (in der vorangegangenen Woche 848) Stück Großvieh, 752 (786) Kälber, 3216 (2914) Schweine, daneben 347 (205) Schafe. Verkauf war schleppend. Je Zentner Lebendgewicht wurden folgende Preise erzielt: Schweine A 116 bis 120 (104 bas 106), B 1 und 2 116 bis 120 (104 bis 107), C 117 bis 120 (104 bis 1Q8), D 116 bis 120 (103 bis 107), G 1 100 bis 108 (85 bis 96). Schafe gute Qualität 46 bis 52 (45 bis 50), mittlere Qualität 40 bis 45 (35 bis 42), geringere Qualität bis 35 (wie am 3. 7.).
Großvieh: Ochsen A 76 bis 80 (3. 7. 78 bis 83), B 68 bis 75 (68 bis 76), C 58 bis 67 (60 bis 67), Bullen A 78 bis 82 (80 bis 84), B 70 bis 77 (70 bis 79), Kühe A 65 bis 70 (70 bis 76), B 55 bis 64 (58 bis 65), C 45 bis 54 (48 bis 56), D 35 bis 44 (35 bis 45), Färsen A 84 bis 88 (86 bis 90), B 78 bis 83 (80 bis 85) C 65 bis 74 (68 bis 75), Kälber B 100 bis 115. C 80 bis 95 (82 bis 95), D 65 bis 78 (65 bis 80).
DANKSAGUNG! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim. Heimgang meiner lieben Entschlafenen, Frau Sophie Kaul geb. Wenner sage ich allen auf diesem Wege innigsten Dank. Besonderen Dank ihren Schulkameradinnen und -Kameraden für die Niederlegung eines Kranzes, sowie allen anderen, die ihr Grab mit Kränzen und Blumen schmückten. Der trauernde Hinterbliebene: Bernhard Kaul Nauheim, den 8. Juli 1950.
DANKSAGUNG! Für die uns erwiesene Anteilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen Jakob Friedrich sagen wir allen unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Leeheim, den 6. Juli 1950.
Für die aufrichtige Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, Bruders, Schwagers I und Onkels Jakob Weyrauch Schmiedemeister B sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Familie Heinrich Sack Erhard Albrecht j Worfelden, Darmstadt, den 5. Juli 1950.
Bestattungen am Dienstag, den 11. Juli 1950 Beerdigungen: Waldfriedhot: 9.45 Volz, Georg 10.15 Greß, Friedrich, Pankratiusstraße 48, 72 J. 11.15 Baumann, Karoline, Rhönring 58, 83 J. 14.15 Bayer, Heinrich, Taunusring 47, 83 J. Beerdigungen: Alter Frledhot: 14.30 Ohler, Elisabeth, Alicenstraße 2, 60 J. 15.00 Schmeel, Johanna, Darmstadt-Eberstadt, 76 J. 15.00 Weißmantel, Caroline, Tannenstraße 13, 84 J.
Am 8. Juli 1950 verschied nach schwerer Krankheit das Mitglied unserer Geschäfts - leitung und Leiter der kaufmännischen Abteilungen, Herr Karl v. Heider Er war ein Mann von lauterer Gesinnung, gerade im Denken und Handeln, voll umfassender Kenntnisse und reicher Erfahrung, mit klarem Blick für das Notwendige und festem, zähem Willen. An der Entwicklung des Unternehmens hat er seit seinem Eintritt bei uns im Herbst 1948 entscheidend mitgewirkt. In nie ermüdender Hingabe an seine Arbeit war er jedem ein Vorbild. Seine wertvollen menschlichen Eigenschaften erwarben ihm die Verehrung aller Mitarbeiter. Die Familie und das Werk werden stets in aufrichtiger Dankbarkeit ihres unvergeßlichen Herrn v. Heider gedenken. E. MERCK Darmstadt, den 10. Juli 1950
Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen, Fräulein Kätchen Krauß sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden, die Kranzniederlegung der Schulkameraden und -Kameradinnen, für die trostreichen Worte des Herm Pfarrer Dörger am Grabe und die liebevolle Pflege der Krankenschwester sagen auf diesem Wege ihren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: David Heinrich Krauß Bensheim-Auerbach, den 8. Juli 1950.
Für die herzliche Teilnahme sowie für die Blumenspenden bei dem Heimgang unserer lieben Mutter, Frau Elisabeth Haub geb. Arras sprechen wir unseren Dank aus. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Dörger für die trostreichen Worte und den Krankenschwestern für die liebevolle Pflege. Die trauernden Hinterbliebenen Bensheim-Auerbach, im Juli 1950.
Als Vermählte grüßen Adam Vollrath Maria Vollrath geb. Gottmann Bensheim, den 8. Juli 1950 Hasengasse 14
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