Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 8 ÄefftWe Jleueffe Jla^ri^fen Montag, 10. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Preis 15 Pfennig *

Hessen für Verfassungsänderung

Durch die Volksabstimmung wird ein gemischtes Wahlsystem ermöglicht

Wiesbaden, 9. Juli. (Eigener Bericht.) Bei einer Wahlbeteiligung von nur 33,8 Prozent entschied sich am Sonntag die hessische Bevölkerung mit 739 947 Jastimmen gegenüber 203 804 Neinstimmen für eine Aenderung der Artikel 75, Absatz 1 und 3 und 137, Absatz 6 der hessischen Verfassung. Ungültig waren 63 554 Stimmen.

Die höchste Wahlbeteiligung weist Kassel-Land auf mit 63,3 Prozent, die niedrigste Frankenberg mit 16,1 Prozent. Das Verhältnis zu den Neinstimmen ist in Limburg am günstigsten. Hier entfielen auf achtzehn Jastimmen eine Neinstimme.

H. G. R. Die erste Verfassungsänderung in Hessen ist vollzogen. Die Volksabstimmung brachte erwartungsgemäß das „Ja“ der Wähler. Nicht das des Volkes. Das Ergebnis ist keineswegs eindrucksvoll bei den 2,96 Millionen Wahlberechtigten. Das höchste demokratische Recht des Volkes, selbst in die Verfassung einzugreifen, wurde bei der ersten Gelegenheit nicht verstanden und nicht ausgenutzt.

Mit dem Ergebnis ist folgendes erreicht: In Hessen ist künftig jede Wahlart möglich. Die seither geübte reine Verhältniswahl ist nicht mehr durch die Verfassung vorgeschrieben (Artikel 75,1).

Die in der Verfassung geforderte Zahl von mindestens fünf Prozent der abgegebenen Wählerstimmen, wenn eine Wählergruppe im Landtag vertreten sein soll, bleibt bestehen. Zusätzlich ist in die Verfassung die Klausel auf genommen „neben anderen Erfordernissen“. Damit hat praktisch jedes künftige Wahlgesetz das Recht, noch erschwerende Bedingungen aufzustellen, wenn eine neue Wählergruppe zur Landtagswahl Kandidaten aufstellen will (Artikel 75,3).

Die Grundsätze des Landtagswahlrechtes gelten nicht für die Gemeinde und Gemeinde-Verbands wählen (Artikel 137,6)..

Der Wahlkampf und der Wahlausgang beweisen, daß viele nicht wußten, worum es ging: nämlich im letzten, die radikalen kleinen Parteien von links und rechts zu behindern, auf dem Wege über die Listenwahl zum Zuge zu kommen. Es gelang den Regierungsparteien nicht, dafür zu interessieren. Das lag aber auch an der Eigenart der Abstimmung. Denn man mußte für etwas Einleuchtendes abstimmen, mit dem ein Fragwürdiges gekoppelt war. Man hatte auf drei Fragen mit einem einzigen Wort zu antworten. Das an sich einleuchtende „Ja“ für die Beseitigung des Verhältniswahlrechtes bedeutete zugleich auch das „Ja“ für die bedenklichere und weittragende Klausel „unter anderen Erfordernissen“. Diese waren aber noch gar nicht endgültig festgelegt. Man gab mit dem „Ja“ dem Landtag also eine Art Blanko - Vollmacht. Vielleicht lag hier dep tiefste Grund, weshalb die Regierungsparteien keine schlagkräftige Parole gefunden haben. Die im Wahlkampf weitaus rührigeren Rechtsparteien und radikale Linke hatten die zugkräftigen Worte „Verfassungsbruch“ und „Ermächtigungsgesetz“ vor ihre Wahlpropaganda gespannt. Was dagegen an Aufrufen, Plakaten, Erklärungen von den Regierungsparteien zu lesen war, entbehrte der Zündkraft. Sie verließen sich zu sehr nur auf das Vertrauen ihrer Anhänger und sparten deshalb das Geld für die Propaganda bei den Herbstwahlen.

Die Rücksicht auf die kommenden Wahlen verursachte übrigens eine auffallende Tatsache, die hinderlich für ein klares „Ja“ war. Nach der ursprünglichen Einigkeit zeigte sich plötzlich in den letzten Tagen vor der Abstimmung eine nur mühsam verdeckte Meinungsverschiedenheit zwischen den Regierungsparteien, den Christlichen Demokraten also und den Sozialdemokraten. Ministerpräsident Stock nannte es in seiner Wahlrede in Wiesbaden „einige technische Schwierigkeiten“. In Wirklichkeit erreichten die Sozialdemokraten die ursprünglich festgelegten „anderen Erfordernisse“, setzten die Zahl der für die Aufstellung von Kandidaten einer neuen Par-

tei geforderten Unterschriften herab und wollte so die Kandidatur kleinerer Parteien erreichen. Das geschah nicht nur aus wahltaktischen Gründen. Wer verstehen will, merkt die Absicht, bei den kommenden Wahlen die bürgerlichen Parteien, die Christlichen Demokraten und die Freien Demokraten also, von rechts her zu schwächen und die Möglichkeit einer Koalition noch offener zu halten, als es der Fraktionsführer der Christlichen Demokraten, Finanzminister Dr. Hilpert, von jeher betrieben hat. Die treibende Kraft dieser Schwenkung der Sozialdemokratie war ihr linker Flügel unter Führung von Willy Knothe.

Auch die Christlichen Demokraten berücksichtigten in ihrer Haltung bereits künftige Koalitionsmöglichkeiten. Sie haben bis zur Stunde noch nicht nachgegeben in ihrer Forderung, daß die überschüssigen Stimmen des in direkter Wahl gewählten Siegerkandidaten nicht auf die Landeslisten abgeführt werden dürften. Wohl deshalb, weil allein die Sozialdemokraten die Aussicht haben, die meisten Kandidaten in direkter Wahl durchzubringen.

Das „Ja“ für die Volksabstimmung war ein Gefecht, ein rühmliches fürwahr, aber es hat Bedeutung. Es öffnet den Weg zum großen Kampf — gegen die Absplitterung nach links und rechts. Darum wird es gehen bei dem künftigen Wahlkampf.


Infolge verschiedener Maßnahmen der Sowjets in Ost-Berlin bereitet unter anderem die Wasserversorgung West-Berlins große Schwierigkeiten. In einzelnen Stadtteilen mußten infolge der unzureichenden Leistung der West-Berliner Wasserpumpwerke Wasserabgabestellen eingerichtet werden. Oberkommissar McCloy (rechtes Bild) besichtigt das Kraftwerk West, das für die Stromerzeugung des West-Berliner Bedarfs ebenfalls nicht ausreicht.
Infolge verschiedener Maßnahmen der Sowjets in Ost-Berlin bereitet unter anderem die Wasserversorgung West-Berlins große Schwierigkeiten. In einzelnen Stadtteilen mußten infolge der unzureichenden Leistung der West-Berliner Wasserpumpwerke Wasserabgabestellen eingerichtet werden. Oberkommissar McCloy (rechtes Bild) besichtigt das Kraftwerk West, das für die Stromerzeugung des West-Berliner Bedarfs ebenfalls nicht ausreicht.

Das Unrecht an Ostpreusken

Kaiser und Reuter vor Heimatvertriebenen

Berlin, 9. Juli, (dpa) Auf einer Kundgebung zum Gedenken der dreißigsten Wiederkehr des Abstimmungstages in Ost- und Westpreußen haben Bundesminister Kaiser und Oberbürgermeister Reuter am Sonntag vor 12 000 heimatvertriebenen Ostpreußen in der Festhalie am Berliner Funkturm die Rückkehr der vertriebenen Ostpreußen in ihre Heimat auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts gefordet.

Bundesminister Kaiser appellierte an die Welt, den Heimatvertriebenen bei der Verteidigung ihres Selbstbestimmungsrechts zu helfen. Solange die Atlantikcharta gelte, könne die Sowjetunion nicht den Nordteil Ostpreußens an sich reißen und sei Polen nicht befugt, auch nur einen einzigen Quadratmeter von Ostpreußen, Pommern, Brandenburg oder Schlesien seinem Gebiet einzuverleiben. Es müsse erwartet werden, daß das Schicksal der Ostgebiete in einem Friedensvertrag unter voller Achtung des Selbstbestimmungsrechts entschieden werde. Kaiser wies auf den überwältigenden Abstimmungserfolg im deutschen Osten im Jahre 1920 hin, als sich 98 Prozent der Einwohner Ostpreußens zu Deutschland bekannten. Er versicherte: „Es werden für uns und unsere Kinder wieder einmal Wege an die Ufer unserer masurischen Seen führen". Oberbürgermeister Reuter verurteilte noch einmal die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze durch die Regierung der sowjetischen Zone. Eine Verständigung mit einem freien Polen sei jedoch ebenso notwendig wie die Verständigung mit Frankreich. Die freie polnische Bevölkerung sehe in dem sowjetischen Marschall, der in Polen befehle, ebenso einen Quisling, wie die deutsche Bevölkerung in Pieck und Grotewohl. Das Europa, das geschaffen werden solle, gehe vom Atlantik bis Warschau einschließlich der Balkanländer. In Europa werde es nur einen Frieden geben, wenn der Osten da¬ 'bei sei.

Neutralität: Gefährliche Illusion

Vorbereitung für einen vernichtenden Gegenschlag gefordert

London, 9. Juli, (dpa) Den Einsatz der Atombombe im Korea-Konflikt • und die Vorbereitung eines vernichtenden Vergeltungsschlages für den Fall einer sowjetischen Aggression gegen ein Atlantikpakt" mitglied hat das Internationale Komitee für das Studium von Europafragen in einer Denkschrift an die westeuropäischen Regierungen empfohlen. Dem Komitee, das nichtamtlichen Charakter trägt, gehören unter anderem der ehemalige französische Ministerpräsident Paul Reynaud, der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei, Maurice Schuman, und der frühere diplomatische Berater der britischen Regierung, Lord Vansittart, an.

In der Denkschrift wird der Gedanke einer westeuropäischen Neutralität als „gefährliche Illusion“ abgelehnt. Westeuropa werden den sowjetischen Streitkräften niemals zahlenmäßig gewachsen sein und müsse sich auch auf einen Ueberraschungsangriff mit Atomwaffen gefaßt machen, heißt es in der Denkschrift. Dieser Gefahr könne man nur begegnen, wenn für den Fall eines unprovozierten sowjetischen Angriffs auf einen Atlantikpakt-Staat ein sofortiger und unbedingt wirksamer Gegenschlag vorbereitet wird. „Es muß zu einer absoluten Gewißheit werden“, fordert das Komitee, „daß einige Stunden später Moskau, Leningrad, Kiew oder Odessa, der Dnjepr-Damm und die Fabriken von Magnitogrdsk nicht mehr vorhanden sind und daß Tausende von Quadratkilometern Getreidefelder zwischen der Ukraine und Sibirien in Flammen stehen.“ Das Komitee lehnt ein Verbot von Atom- und bakteriologischen Waffen ab, da nur diese modernsten Vernichtungsmittel einen Angreifer vor einem Aggressionsakt zurückhalten könnten. Auch im Korea-Konflikt sei der Einsatz von Atombomben — nach einer Vorwarnung — ein Mittel, „um einen langen und kostspieligen Krieg zu beenden“.

Zur Zeit, heißt es in der Denkschrift weiter, sei Westeuropa zum Widerstand gegen einen sowjetischen Angriff außerstande. Aus Geldmangel hätten die Westunionsmächte nur fünfzehn der geplanten Divisionen aufstellen können. Auch 36 Divisionen könnten den Vormarsch von 250 sowjetischen Divisionen nicht längere Zeit aufhalten. Daher müsse zur Unterstützung des westeuropäischen Heeres eine Flotte von vier- bis fünftausend mit Atombomben ausgerüsteten schweren Bombenflugzeugen in Bereitschaft gehalten werden.

„Strategischer Selbstmord“

London, 9. Juli. (HR ) Der englische Militärkritiker General Fuller wendet sich in einem Brief an eine Londoner Sonntagszeitung gegen den Vorschlag im Korea-Konflikt Atombomben zu verwenden, den auch Lord Vansittart gemacht hatte. Fuller schreibt, die Verwendung der Atombombe in Korea sei nicht nur moralisch und politisch falsch, sie würde geradezu einen strategischen Selbstmord bedeuten. Es sei ungefähr das gleiche, als wenn man mit Kanonen auf Spatzen schießen wolle. Das Geheimnis des Sieges liege nicht in der Zerstörung feindlicher Städte, sondern in der Erhöhung der Mobilität der Truppe.

1200 Spione hingerichtet

Taidschon, 9. Juli, (dpa) Seit Ausbruch des Koreakonfliktes sind nach Angaben des südkoreanischen Polizeichefs rund zwölfhundert nordkoreanische Spione hingerichtet worden. Dreihundert dieser Spione wurden in einer Stadt nördlich von Taidschon hingerichtet und neunhundert in Suwön, bevor die Stadt in die Hände der Nordkoreaner fiel. Dies teilte der frühere südkoreanische Polizeichef in Söul, Kim Tai Sun mit. dem jetzt das Oberkommando über alle Polizeikräfte auf südkoreanischem Gebiet übertragen wurde.

„Hoffnungsvoll“

Kps. Angesichts der festen Entschlossenheit, den Korea-Konflikt auf seinen Herd zu beschränken und sich gegen weitere Angriffe zu sichern, stellt die Entscheidung des Präsidenten Truman, die amerikanischen Streitkräfte durch weitere Einberufungen zu verstärken, die logische Folgerung aus der Erkenntnis der Lage dar. In diesem Sinne dient sie eher der Lokalisierung des Konflikts als seiner Ausweitung. Der Verlauf des Krieges an dem 38. Breitengrad hat gezeigt, daß ein umfassenderer Einsatz nach den kurzfristig anberaumten Gegenmaßnahmen notwendig ist, um die kommunistischen Angreifer zurückzuschlagen. Außerdem bleibt die Frage nach wie vor in der Schwebe, ob der Angriff auf Südkorea nur als ein Ablenkungsmanöver der kommunistischen Mächte anzusehen ist, mit dem Ziel, an anderer Stelle zu gegebener Zeit loszuschlagen, nachdem die verfügbaren amerikanischen Streitkräfte in Korea gebunden sind. Gerade diese Erwägung dürfte den Entschluß Trumans beeinflußt haben.

Die Sowjetunion wird das amerikanische Vorgehen propagandistisch als einen weiteren „Akt der Aggression“ auszuschlachten buchen, wie sie bereits die Blockade über die Halbinsel als solchen bezeichnet hat. Dennoch glaubt man in Washington auch heute noch, daß es die Sowjets um so weniger darauf ankommen lassen werden, einen neuen Weltbrand zu entfesseln, je eindrucksvoller ihnen zum Bewußtsein gebracht wird, wie groß das Risiko für sie selbst werden könnte. Mit Spannung verfolgen die Völker des Fernen Ostens die Operationen in Korea. In Washington ist man sich im Klaren darüber, daß diese Völker bei wachsendem Mißtrauen in die amerikanische Stärke und Schlagkraft aus eigenem Bedürfnis beginnen würden, die amerikanische gegen die kommunistische Freundschaft abzuwägen. Denn gerade in diesen Gebieten sind starke kommunistische Strömungen vorhanden und die politischen Verhältnisse durchaus labil.

Der Krieg in Korea hat bisher den Angreifern alle Vorteile des Ueberraschungsschlages gebracht. Ein Drittel des südkoreanischen Gebietes ist von den Kommunisten besetzt. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Amerikaner ihre Verbände schlagkräftig organisiert und vor allem bis sie den Nachschub von weit her in Gang gebracht haben, um zu wirksamen Gegenschlägen ausholen zu können. Dann wird man erst das Kräfteverhältnis richtig beurteilen können. Nach den letzten Meldungen entwickelt sich im Raum von Schonan eine Schlacht, die aber kaum eine einschneidende Bedeutung für die Entscheidung über Korea haben dürfte. Truman betonte auf der letzten Pressekonferenz, die Atmosphäre im Weißen Hause sei ernst, aber hoffnungsvoll.

Wähler gegen das Wählen

Wr. Unlustig, sommermüde, in der überwiegenden Mehrheit abweisend und ohne einige Klarheit über die staatspolitische Bedeutung des Tages sahen sich am gestrigen Sonntag die Bürger des Landes Hessen vor die ebenso ungewohnte wie ungewöhnliche und sichtlich unbehagliche Aufgabe gestellt, ihre Landesverfassung in einem wichtigen Bestandteil zu ändern. Die Wähler sahen sich zwar auf dem Höhepunkt ihrer staatsbürgerlichen Ehrenrechte: sie hatten öffentlich zu dokumentieren, daß sie, weit über dem Landesparlament stehend, die eigentlichen Träger und Inhaber der höchsten Landes-Souveränität sind. Aber es hatte sehr den Anschein, als mochten sie gestern nicht gern daran erinnert sein.

Man nennt das „Reife für die Demokratie“.

Die Aufgabe

Der hessische Landtag hatte am 10. Mai ein höchst zeitnotwendiges und schlechthin unerläßliches Gesetz zur teilweisen Abänderung des bisherigen Verhältniswahl- und Listensystems angenommen. Aber damit hatte er an der Landesverfassung gerüttelt, in der dieses Wahlsystem seinerzeit, 1946, wider alles Anraten „verankert“ worden war. Nirgendwo aber in der Bundesrepublik ist ein Landesparlament von sich allein aus imstande, etwas an den Bestimmungen der Landesverfassung zu ändern. Das kann nur mit Zustimmung der wahlberechtigten Volksmehrheit geschehen. Zur Erteilung dieser Zustimmung war das hessische Volk gestern aufgerufen.

Es ging noch um einiges mehr als um diese bloße Formalität. Es ging hierbei um „Interessen“, von denen die Benachteiligten, wenn es nachher lange zu spät ist, jeweils erklären, daß sie „heilig“ seien. Die freundliche Heiterkeit des gestrigen Sommer-Sonntags scheint der Gloriole dieser Heiligkeit Abbruch getan zu haben.

Wir wissen, es ist nicht so; aber es hatte verzweifelt den Anschein, als sei es so. Geschichtlich gesehen war es das erstemal, daß ein Land der Bundesrepublik zu einer verfassungsändernden Abstimmung über das Wahlrecht aufgerufen war. Wie alle süddeutschen Länder der amerikanischen Zone hatte (1946) auch Hessen sich — wie gesagt: wider alles Anraten — nicht davon abhalten lassen, das Wahlsystem in der Landesverfassung vorzuschreiben, ohne dabei zu bedenken, daß die Zeit möglicherweise fortschreiten könne, daß sie möglicherweise über die vermeintliche Vortrefflichkeit dieses Systems der verfassungsmäßig vorgeschrieben Verhältnis- und Listenwahl anderweitige Erkenntnisse zutage fördern könne und daß man dann den schwerfällig zu handhabenden, umständlichen und kostspieligen Apparat einer Verfassungsänderung in Bewegung zu setzen habe.

Es ist heute müßig, darüber nachzugrübeln, weshalb damals alle Vernun^tsgründe nicht verfingen, — oder weshalb sie erst in diesem Nachwinter zu verfangen begannen, obwohl sie genau von den gleichen Männern vorgetragen wurden wie damals. Es ist wahrscheinlich, daß weder die Wiesbadener Regierung noch die verantwortlichen Führer der Regierungsparteien einer Einwirkung von dritter Seite bedurft haben, um die rechtzeitige Aenderung des Wahlsystems in die Wege zu leiten: die Vorgänge an vielen Orten in Hessen, namentlich die Treibereien der beiden extremen Parteien von rechts und links, waren ein völlig ausreichender und alarmierender Anschauungsunterricht. Immerhin kann sich die „Deutsche Wählergemeinschaft“ darauf berufen, daß sie im Laufe des Nachwinters über zehntausend Unterschriften gesammelt hat, die sich für die Ersetzung der Verhältnis- und Listenwahl durch das Mehrheitswahl-System aussprachen, daß sie dieses Ergebnis in Wiesbaden vorgelegt hat, und daß ihr damaliges Paket durch sachliche Beweisführung über die bedenklichen Folgen einer Fortdauer des seitherigen Systems wirksam unterstützt worden ist.

Aber so umfassend auch diese Beweisführung war: Mit den Folgen von Temperatur-Einflüssen auf das Verständnis der Wähler, zumal in einer staatspolitisch so bedeutsamen Frage wie dieser, hat man wohl an keiner Stelle gerechnet: weder in Wiesbaden bei der Regierung und den Fraktionen, noch in Frankfurt bei der „Deutschen Wählergemeinschaft“.

Wahl ohne Werbung

Daß diese Volksabstimmung staatspolitisch höchst wichtig und bedeutsam war, ist wohl nur einem Bruchteil der Wähler wirklich und tatsächlich zu Bewußtsein gekommen. Es hat sich so drastisch wie möglich gezeigt, in welchem Maße der Wähler — seit und infolge der Nazizeit — damit rechnet, mit Getrommel, Getöse und dem ganzen Lärmapparat der Propaganda umworben, in Erregung gebracht und aufgeputscht zu werden.

Aber wer hat ihn diesesmal umtost? Wer hat mit Leidenschaft, Ekstase und Humbug um ihn gekämpft? Niemand. Landesregierung und Regierungsparteien haben sich auf das „staatspolitische Verständnis“ der Wähler verlassen; sie haben beide deren „Willen zum Staate“ als einen festen Faktor in ihre Rechnung eingestellt, — warum? Um ihres Kassenbestandes willen. Dessen Saldo galt ihnen mehr als der Ausfall der Volksabstimmung. Die Landesregierung erklärte mit einer Gemütsruhe und Gelassenheit ohnegleichen, die Propaganda gehe sie nichts an, — sie sei eine Sache der Parteien. Und die Parteien ihrerseits dachten so heftig und ausschließlich an die Kosten, die ihnen die Landtags-Neuwahlen im Herbst verursachen werden, daß sie sich einer geradezu mönchischen Enthaltsamkeit befleißigten.

So kam es, daß eine eigentliche Agitation für die Volksabstimmung praktisch fast nur von den Nein-Sagern betrieben wurde: von den Nationaldemokraten also, die nach einem strikten und ausschließlichen Mehrheitswahlrecht verlangten und denen deshalb die Verkoppelung zwischen Verhältnis- und Mehrheitswahl zuwider war, und den extremen Parteien rechts und links, denen es auf weiter nichts als auf das eine Ziel ankam: Gegen die Landesverfassung überhaupt Sturm zu laufen

Infolgedessen sieht sich der staats- und aufbauwillige Bürger des Landes Hessen am Abend dieser Volksabstimmung vor der politisch höchst fragwürdigen und bedenklichen Tatsache, daß jene demokratische Gesinnung, die für die Anwendung einer souveränen Volksabstimmung erforderlich ist, aus einer ganzen Serie von zufälligen und äußerlichen Gründen in Hessen diesesmal nicht vorhanden war. Oder, richtiger gesagt: daß sie zwar durchaus vorhanden war,- aber aus besonderen Gründen nicht zur Wirksamkeit gekommen ist. Praktisch kommt das allerdings leider auf dasselbe heraus.

Fiasko ohne Beispiel

Einen Mißerfolg wie diesen hat es in der Geschichte der Politik nicht gegeben, weder in der Zeit der Weimarer Republik noch sonst.

Es gibt eine Menge von Gesichtspunkten, die man zur Klärung dieses Vorgang^ anführen könnte, aber politisch gesehen sind sie allesamt bloße Ausreden, keine Begründungen. „Die Parteien machen ja doch, was sie wollen“, erklären die einen und sagen damit eine glatte Unwahrheit, die ihnen nicht zur Ehre gereicht. Man habe „nicht gewußt, um was es sich handelt“, erklären die anderen und kommen damit der Wahrheit etwas näher, wenn auch nicht nahe. Wer wirklich staatsbewußt und ein demokratisch gesinnter Bürger war, hat wissen können und müssen, um was es ging. Die Fragestellung war allzu abstrakt, gewiß, sie hat eine zu geringe Zugkraft besessen, sie hat die Wähler nicht zu alarmieren vermocht, — richtig das alles, aber in keiner Weise eine Entschuldigung, viel weniger eine Rechtfertigung. „Die Aufklärung hat gefehlt“, — wenn die hessischen Wähler sich den Schlaf aus den Augen gerieben haben und imstande sein werden, die Berechtigung dieser Anschuldigung nachzuprüfen, dann werden sie sich nicht rühmenswert vorkommen.

Unbestreitbar: Fehler, unverzeihliche und unverbesserliche, sind auch von oben her gemacht worden: von der Spitze der Demokratie her, von der Landesregierung und den Regierungsparteien. Aber daß ein Volk, aufgerufen zu einer Entscheidung von solcher Zukunftsbedeutung wie dieser, so versagt hat, das haben in erster Linie die Wähler selber zu verantworten, die die genießerischen Mußestunden eines sommerlich heißen Sonntags höher stellten als den Anruf an ihre höchsten staatsbürgerlichen Pflichten.

Kein Zweifel: Die Wähler im Hessenland sind in Wirklichkeit nicht so gleichgültig und pflichtvergessen, wie es aus diesem Wahlergebnis gefolgert werden könnte, und wenn ihnen Gelegenheit geboten wäre, diese Scharte wieder auszuwetzen, würden sie aufstehen wie ein Mann.

Aber diese Gelegenheit ist — einstweilen — vertan.

Wille zur Verständigung

F. A. Z. Bonn, 9. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Wie verlautet, wird sich der Vorstand der Untemehmerverbände Mitte der nächsten Woche mit den Ergebnissen der Verhandlungen über das Mitbestimmungsrecht in Maria Laach beschäftigen. In Kreisen der Unternehmerverbände wird hervorgehoben, daß ein so schw!eriges Problem wie die gesetzliche Regelung des Mitbestimmungsrechtes nicht von heute auf morgen gelöst werden könne. Es sei ganz selbstverständlich, daß wichtige Einzelfragen jeweils in den hierfür zuständigen Organen der beiden Verhandlungspartner besprochen werden müßten. Entscheidend sei, daß sich bei den bisherigen Besprechungen auf beiden Seiten der Will© gefestigt habe, eine gemeinsame Lösung zu finden, die den sozialen Frieden und eine echte Gemeinschaftsarbeit zwischen den Organisationen der Sozialpartner sichere. Der Gesetzentwurf der Christlich-Demokratischen Union zum Mitbestimmungsrecht werde sowohl von den Gewerkschaften als auch von den Unternehmerverbänden abgelehnt.

Abstimmung in Breisach

WS. Breisach, 9. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Als erste europäische Gemeinde hat die Grenzstadt Breisach am Rhein am Sonntag über die Frage abgestimmt, ob sie für die Vereinigung der europäischen Staaten zu einem Bundesstaat ist. Die Probeabstimmung, die von der Deutschen Europa-Union angeregt und veranstaltet worden war, rief 1500 Wahlberechtigte zu den Urnen. Breisach war gewählt worden.

Bei einer Wahlbeteiligung von 87,6 Prozent haben die Breisacher Bürger mit 1 316 Stimmen oder 95,9 Prozent für einen Zusammenschluß der europäischen Staaten zu einem Bundesstaat gestimmt. Nur 56 Stimmen oder 4,1 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen sprachen sich gegen die Vereinigten Staaten von Europa aus. Insgesamt waren 1 584 Wahlberechtigte gemeldet, von denen 1 388 zur Urne gingen. Bei der Zählung der Stimmen hatten einige Kommunisten, die die Probeabstimmung als einen „Wahlrummel“ bezeichneten; gebeten, als Beobachter die Richtigkeit der Abstimmung feststellen zu können.

Mieter protestieren

St. Stuttgart, 9. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Beirat der westdeutschen Mieterverbände hat in Stuttgart in einer Entschließung dagegen protestiert, daß in der Wohnungspolitik der Bundesregierung unsoziale Tendenzen sichtbar würden. .

Brennend abgestürzt

Ein Flugzeugunglück bei Casablanca

Casablanca, 9. Juli. (AP.) In der Nähe der Stadt Casablanca an der Westküste Afrikas ist am Sonntag ein französisches Verkehrsflugzeug mit dreißig Personen an Bord abgestürzt. Bei dem Unglück kamen 23 Passagiere ums Leben, sieben erlitten schwere Verletzungen. Die Maschine hatte kurz nach ihrem Start zu brennen begonnen.

Ein Unterwasser-Jeep

Toledo (Ohio), 9. Juli. (AP.) Die Willys-Overland-Automobil-Firma gab am Sonnabend bekannt, daß die amerikanische Heeres-Feldzeugmeisterei einen Auftrag über 8350 neuartige Jeeps erteilt hätte. Die neuen Wagen sind so konstruiert, daß sie notfalls Flüsse unter Wasser durchqueren können.

Die Transatlantik-Flüge des amerikanischen Militär-Luft-Transportdienstes sind wegen anderer Aufgaben erheblich eingeschränkt worden.

Was will Rußland in Südkorea?

Von einem militärischen Ostasien-Sachverständigen

Als nordkoreanische Truppen in der Nacht zum 25. Juni überraschend die südkoreanische Grenze überschritten, bestand wohl bei niemandem ein Zweifel darüber, daß die Sowjet-Union billigend oder befehlend hinter diesem Vorstoß stand.

Was aber bezweckte die Sowjet-Union? Kam es ihr einzig und allein darauf an, Korea vom kommunistischen Norden her zu einen und so einen weiteren Schritt zu tun auf dem Wege der Einbeziehung der letzten noch nicht kommunistischen Staaten Ostasiens in den Sowjet-Block? Dies war wohl kaum der Hauptzweck. Wäre dem so gewesen, so hätte sich die Sowjetunion mehr Zeit lassen können. Sie wäre wohl ihren gewohnten Weg gegangen, den Weg über eine kommunistische Revolution, für die in Südkorea der Boden ja bereits weitgehend vorbereitet worden war. Im Verlauf der revolutionären Unruhen hätte die Sowjet-Union dann leicht veranlassen können, daß nordkoreanische Truppen nach Südkorea gerufen wurden, nachdem dieses seinen Willen zur Vereinigung mit dem kommunistischen Nordkorea gebührend proklamiert hätte. An Beispielen dieser Art ist die jüngste Geschichte ja nicht arm.

Oder kam es der Sowjet-Union darauf an, durch den zeitlich in die operativ-ungünstige Regenzeit verlegten nordkoreanischen Vorstoß nach Süden eine vorübergehende Ablenkung der amerikanischen Aufmerksamkeit zu bewirken, fort von anderen Brennpunkten wie zum Beispiel von Formosa oder von Persien oder von Jugoslawien oder von Westdeutschland? Hoffte die Sowjet-Union, daß die Vereinigten Staaten in den Kampf um das abgelegene Korea eingreifen und dort nennenswerte Teile ihrer Streitkräfte so festlegen würden, daß dadurch, selbstverständlich erst mehrere Monate später, eine rasche amerikanische Schwerpunktbildung an anderer Stelle erschwert würde? Von der Hand zu weisen ist dieser Gedanke nicht. Hat doch der erzwungenerweise überhastete, improvisierte Kräfteeinsatz der Amerikaner zugleich erschwerende Auswirkungen auf ihre etwaige spätere Mobilmachung: Dadurch, daß hochwertige aktive Verbände schnell herausgerissen und abbefördert werden müssen, fallen diese Truppen für spätere Stammgestellung für mobil zu machende Neuaufstellungen aus, ein Umstand, den die Sowjet-Union nur wünschen kann.

Aber noch ein anderer Gedanke bietet sich an: Der Generalstabschef der amerikanischen Wehrmacht, General Bradley, und Mr. Foster Dulles waren im Juni in Japan. Die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Sonderfriedens der westlichen Alliierten mit Japan zeichnete sich ab, deutlicher denn je. Kam es unter diesen Umständen der Sowjet-Union etwa darauf an, das von den Vereinigten Staaten durch einen Ozean getrennte, der Ostküste Asiens aber dicht vorgelagerte, entwaffnete Japan rasch und eindringlich abzuschrecken, sich einseitig an die westliche Welt zu binden? Wollte die Sowjet-Union Japan handgreiflich klarmachen, daß es sich in einer sehr exponierten Lage befinde, nachdem schon fast ganz Eurasien in den Sowjet-Block einbezogen worden ist, und während auch die Restgebiete vor der entsprechenden Eingliederung stehen? Man kann einwerfen, daß die Sowjetunion, falls dieser Gedanke zuträfe, wohl das erste Eingreifen amerikanischer Bomber in Süd- oder gar in Nordkorea als Anlaß benutzt hätte, auch ihrerseits zuzupacken und, unter Ausnutzung ihrer wesentlich günstigeren operativen Lage, die nordkoreanischen Verbände stärker zu unterstützen als dies für die Vereinigten Staaten den südkoreanischen gegenüber möglich ist. Dieses Gegenargument ist jedoch nicht voll stichhaltig: Wir stehen erst am Anfang der Ereignisse. So lange die sommerliche Regenzeit in Korea dauert, sind große Operationen dort schwierig. Vielleicht will die Sowjet-Union diese jahreszeitlich bedingte „faule Zeit“ ausnutzen, um die ihr erforderlich erscheinenden Kräfte in aller Planmäßigkeit bereitzustellen und dann mit einem um so vernichtenderen Schlage über die amerikanischen Kräfte in Südkorea herzufallen, die aus zwingenden politischen Gründen soeben alle Schwierigkeiten eines improvisierten, tropfenweisen Einsatzes auf sich nehmen mußten. Vielleicht will die Sowjet-Union diese „faule Zeit“ zugleich ausnutzen, um an Hand des amerikanischen Eingreifens in Südkorea die Bevölkerung Gesamtostasiens, möglichst einschließlich Japans, mit ihrer Parole „Asien den Asiaten“ gegen die Vereinigten Staaten seelisch zu mobilisieren.

Noch ist es schwer, ja unmöglich, hier klarzusehen. Eines aber ist sicher: Von dem Ausgang des Kampfes in dem kleinen und an sich so unbedeutenden Südkorea hängt nicht nur das Schicksal dieses für die Vereinigten Staaten operativ wenig bedeutenden Halbinselzipfels ab. Der Ausgang des Südkorea - Kampfes dürfte zugleich entscheidend werden für die Haltung und zum Teil sogar für das Schicksal der großen, Ostasien vorgelagerten Insel”

Weiterhin erbitterte Kämpfe

Die Amerikaner werden auf ihre Hauptverteidigungs-Stellung zurückgedrängt

Taidschon, 9. Juli. (AP./BBC./dpa) Nordkoreanische Panzerverbände haben sich im Raum Schonan erbitterte Kämpfe mit amerikanischen Infanteristen geliefert. Es wird damit gerechnet, daß es bald zu einer entscheidenden Schlacht kommen werde.

Schonan, das seit Sonntag in den Händen der Nordkoreaner ist, ist ein wichtiger Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt 40 Kilometer nördlich Taidschon. Die Amerikaner sind hier nach erbitterten Straßenkämpfen unter dem Druck der feindlichen Ueberlegenheit zurückgedrängt worden. Der Feind, der Schonan frontal angriff und gleichzeitig die Stadt umging, hat die Masse der Amerikaner auf die Kumstellung zurückgeworfen. Panzer des Feindes sind in Schonui 20 Kilometer südlich Schonan eingedrungen.

Der außerordentlich schnelle Vormarsch der nordkoreanischen motorisierten Truppen hat die Panzerspitzen zum Teil von ihren Versorgungseinrichtungen getrennt, so daß an der gesamten Front eine Verzögerung des Vormarsches festgestellt werden konnte. Die auf Befehl der Amerikaner von den Südkoreanern gesprengten Brücken machen das Heranholen der feindlichen Nachschubkolonnen schwierig.

Das amerikanische Hauptquartier ist der Auffassung, daß einerseits die Gesamtversorgungslage die Nordkoreaner zwingt, nur an .einer bestimmten Frontstelle, nämlich bei Schonan, weiter vorzugehen, andererseits Schonan die beste Ausgangsstellung ist, um die amerikanische Verteidigungsstellung am Kum-Fluß entweder zu durchstoßen, oder in einer großangelegten Umfassungsbewegung zu umgehen, mit der Absicht, dabei Taidschon zu nehmen und das Gros der Amerikaner von dem Versorgungshafen Pusan abzuschneiden. Die Amerikaner befürchten, daß die Nordkoreaner außerdem eine zweite größere Bewegung im Osten der Halbinsel einleiten mit dem Ziel, längs der Küstenstraße auf Pusan zuzustoßen, um den Hafen in ihre Hand zu bekommen. In Pusan schlägt das Herz der amerikanischen Versorgung. Tag und Nacht werden eintreffende Schiffe entladen. Das Material rollt auf der Eisenbahn nach Taidschon. Artillerie und Panzer werden im motorisierten Marsch in den Bereitstellungsraum Taidschon geführt. Wenn auch die Amerikaner von Stunde zu Stunde stärker werden, macht die amerikanische Führung jedoch darauf aufmerksam, daß längst nicht genügend Truppen und Material versammelt sind, um eine grundlegende Aenderung der Lage hprbeizuführen.

Die amerikanische Luftwaffe hat auch in den letzten 24 Stunden überall erfolgreich in die Erdkämpfe eingegriffen. Es konnte nicht verhindert werden, daß eine stärkere amerikanische Einheit, die in den Kämpfen zwischen Schonan und Schonui eingesetzt war, vom Feind abgeschnitten wurde und noch nicht befreit werden konnte. Diese Kampfgruppe soll nach dem Sender Pjöngjang vernichtet worden sein. Der nordkoreanische Rundfunk gab bekannt, an dreihundert amerikanische Soldaten seien gefallen und 60 in Gefangenschaft geraten.

Im Raume von Schonui sollen zwei südkoreanische Bataillone den angreifenden Nordkoreanern erhebliche Verluste zugefügt haben und zwei feindliche Bataillone aufgerieben haben. Es seien Gefangene gemacht worden, Panzer und Jeeps der Nordkoreaner sollen zerstört worden sein. Das südkoreanische Hauptquartier hat die Offiziere und Truppen für Auszeichnungen und Geldprämien vorgeschlagen.

Der frühere südkoreanische Oberbefehlshaber, der zu den Nordkoreanern übergegangen ist, hat über den Sender Söul die südkoreanischen Truppen aufgerufen, mit den Nordkoreanern gemeinsam gegen die Amerikaner zu kämpfen. Er will eine Volksarmee aufgestellt haben, die bereits über 1000 Mann zählt und sich nur aus Deserteuren der südkoreanischen Truppen zusammensetzt.

Die Amerikaner und die Nordkoreaner haben auf dem Kriegsschauplatz eine Umgliederung ihrer Luftstreitkräfte vorgenommen. Die amerikanischen Düsenjäger sollen alle aus dem Kampf herausgezogen werden, da sie zu schnell sind.

Die Nordkoreaner werden zur Ueberraschung der Amerikaner taktisch sehr geschickt geführt. Man wundert sich, daß dieselben Menschen auch auf nordkoreanischer Seite sich in den technischen Truppen so glänzend bewähren, während sie in der südkoreanischen Armee kaum fähig sind, ein Fahrzeug zu steuern. Die militärische Führung ist wendig und paßt sich sehr geschickt den sich ständig verändernden Bedingungen in der Kampfmethode an.

Jekt versucht es Pleven

Paris, 9. Juli. (AP/BBC/dpa) Der französische Staatspräsident hat den bisherigen französischen Verteidigungsminister Pleven mit der Bildung einer Regierung beauftragt. Pleven, der den Auftrag angenommen hat. hatte bereits am Sams-tag zahlreiche Besprechungen mit führenden Politikern. Die von ihm zusammengestellte Regierung soll am Dienstag der Nationalversammlung vorgestellt werden.

Zwei Todesurteile

Gegen deutsche Offiziere in Bordeaux

Bordeaux, 9. Juli. (dpa). Ein Kriegsgericht in Bordeaux hat zwei Todesurteile gegen ehemalige deutsche Offiziere verhängt, die angeklagt waren, im Festungsbezirk ’ von Royan Kriegsverbrechen begangen zu haben. Vier Angeklagte wurden freigesprochen, drei weitere erhielten je zehn Jahre Gefängnis.

Hedler Mitläufer

el. Kiel, 9. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Bundestagsabgeordnete Wolfg. Hedler, Führer der rechtsradikalen Deutschen Reichspartei, ist durch den Entnaziflzierungshauptausschuß in Kiel In einer Be_ rufungsverhandlung in die Gruppe IV der Mitläufer eingestuft worden.

Rowohlt dementiert

Kein Besuch bei Pieck

Hamburg, 9. Juli. (dpa) Der Hamburger Verleger Ernst Rowohlt bezeichnet alle Berichte, daß er den Staatspräsidenten Pieck besucht habe, als absolute Lüge Er habe weder eine Einladung erhalten noch die Möglichkeit gehabt, Pieck aufzusuchen Dagegen habe er seine Unterschrift unter ein Formular gegeben, das dem Inhalt nach gefordert habe, die Atombombe nicht als Waffe der Aggression und zur Massenvernichtung von Menschen einzusetzen. Damit habe er weder ein politisches Bekenntnis abgelegt noch sich für eine Partei entschieden, sondern nur als Mensch gehandelt, dem der Krieg verhaßt sei. Es sei erstaunich, daß man ihm aus einem moralischen Bekenntnis den Vorwurf machen wolle er habe damit die Freiheit verraten. Er halte es nach wie vor für seine Pflicht die Verbindung zwischen Ost und West'nicht abreißen zu lassen.

Der Papst hat in Anwesenheit von 40 008 Gläubigen am Sonntag in der Peterskirche die Heiligsprechung der im 17. Jahrhundert ?ne±> na Anna de Paredes> Q^tto (Ecuador) vollzogen.

Die Wissenschaft als Machtfaktor

Professor Hahn bei der Eröffnung der ACHEMA in Frankfurt

Drahtbericht unseres Korrespondenten

F.A.Z. Frankfurt, 9. Juli. Die Fahnen von 26 Nationen wehten vor dem Frankfurter Messegelände, als am Sonntagvormittag der größte wissenschaftliche Kongreß Europas nach Kriegsende, die Ausstellung für chemisches Apparatewesen, die ACHEMA IX, feierlich eröffnet wurde. Ueber 2500 Ehrengäste aus aller Welt, darunter Vertreter der Besatzungsmächte, hatten sich zu der Eröffnungssitzung eingefunden, in deren Mittelpunkt eine Rede von Nobelpreisträger Professor Dr. Otto Hahn stand, dem derzeitigen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen.

Hahn erklärte, die Wissenschaft sei heute ein politischer Machtfaktor geworden. Um so mehr sollte man die Forschung vor politischen Entscheidungen fragen. Der im Vorjahr gegründete deutsche Forschungsrat werde die Aufgabe haben, nicht nur Anregungen für Forschungsarbeiten zu geben, sondern auch Vorschläge der Regierungsstellen entgegenzunehmen und zu begutachten. Die gleichzeitig wieder ins Leben gerufene „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ und der „Stifterverband für die deutsche Wissenschaft" würden durch Bewilligung finanzieller Mittel der deutschen Wissenschaft helfend zur Seite stehen. „Trotzdem sehen wir in einem erschreckenden Maße die Armut Deutschlands an hervorragenden Wissenschaftlern.“

Professor Hahn appellierte an den Staat und an die Unternehmen alles zu tun, um der Wissenschaft zu helfen. „Wie könnte die Welt in fünfzig Jahren aussehen, wenn sie die Früchte der Forschung nur zum Aufbau und nicht zur Zerstörung verwenden würde. Vielleicht wird der menschliche Geist es erreichen, daß einem jeden Erdenbürger das ihm zustehende Recht auf Leben ohne äußere Not und Sorge geboten werden kann.“

Der hessische Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Wagner, ging ebenfalls auf die Vernachlässigung der Forschung in Deutschland ein. Er erklärte, daß es eine selbstverständliche Pflicht des’

Staates sei, im Interesse der deutschen Zukunft Forschung und Entwicklung zu fördern. Diese Pflicht beschränke sich allerdings nicht auf den Staat allein. Jeder Unternehmer solle mindestens einen Satz von drei Prozent seines Umsatzes für die Forschung abführen.

Der Vorsitzende der DECHEMA, Dipl.-Ing. Joseph Free (Düsseldorf), sagte, schon jetzt hätten die über tausend ausländischen Besucher aus 26 Ländern bewiesen, daß die diesjährige ACHEMA berufen erscheine, einen bemerkenswerten Beitrag zur Einigung Europas zu leisten. „Ich halte es aber in diesem Zusammenhang für unsere Pflicht, zum Ausdruck zu bringen, daß wir uns auf das stärkste mit den Männern der Industrie verbunden fühlen, die auf Grund der wirtschaftlichen Nürnberger Prozesse noch in den Gefängnissen sitzen, mit Männern, die nur glaubten, ihrem Vaterland Treue schuldig zu sein und die man nicht mit Kriegsverbrechern auf eine Stufe stellen darf. Möge ihnen ihr Schicksal dadurch erleichtert werden, daß sie wissen, daß sie von ihrem Volk nicht vergesse.. sind. Die Nürnberger Prozesse dürften eines Tages der Welt deutlich beweisen, daß von einer Kollektivschuld des deutschen Volkes nicht gesprochen werden kann.“ Diese Ausführungen wurden von der Versammlung mit minutenlangem Beifall aufgenommen.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Kolb gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß aus der ACHEMA 1950 im nächsten Jahr eine EUCHEMA werden möge, die die chemische Apparacebauindustrie Europas endgültig vereine. Ferner sprachen der Vizepräsident der französischen Societe de chimie industrielle im Namen aller ausländischen Abordnungen Dipl.-Ing. Direktor Murray, Mitglied des Hauptvorstandes des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten, Dr. Imhausen, Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft chemische Industrie, Direktor Bluhm, Vorsitzender des Vereins Deutscher Ingenieure, sowie das geschäftsführende Vorstandsmitglied der DECHEMA, Dr. Herbert Bretschneider.

Stimmen der Anderen

„Hilf dir selbst...“

K. v. S. sagt in der „We 11 woch e“, daß sich am Tage des Ueberfalls auf Korea die amerikanischen Stellen im wesentlichen damit begnügt hätten, die Lage als „ernst“ darzustellen:

„Zur Illustr erung dieses .Ernstes1 berichtete Reuter aus Tokio, die amerikanische Luftwaffe im Femen Osten habe Befehl erhalten, am Montag mit der Evakuierung der amerikanischen Staatsangehörigen aus Söul zu beginnen. Die Lufttransporte würden von Jagdflugzeugen begleitet sein.

Kein Wunder, daß die Nordkoreaner und die hinter “hnen stehenden Russen den so oft betonten ,Ernst1 selber keineswegs besonders ernst nahmen. Es war genau wie vor dem zweiten Weltkrieg, wo auch die Oesterreicher, die Albanier und dann die Tschechen von den Alliierten allerhand Versprechungen und Ermutigungen erhielten, wo man sich aber in London, Paris und später in Washington doch erst zu e‘nem aktiven Eingreifen entschloß, als die Angegriffenen selber — in diesem Falle waren es die Polen — sich bereit fanden, unter schwersten Umständen einen Kampf aufzunehmen, der ihnen zwar bisher kein Heil gebracht hat, der aber doch den Beginn eines Krieges bedeutete, der zuletzt mit der Vern'chtung der angreifenden Diktaturen endete.

Es scheint einer tiefen Regel des menschlichen Verhaltens in der Privatsphäre wie auch in der Politik zu entsprechen, daß man wirklich nur denen zu helfen bereit ist, die zuerst einmal an sich selber glauben und darum auch entschlossen rind, sich mit allen Mitteln für die eigene Sache einzusetzen. Das war bisher bei den Griechen der Fall, und es war auch der Fall bei den mutigen Berliner Zivilisten und zuletzt noch bei Tito und Jugoslawien.

Ich schrieb vor zwei Monaten an dieser Stelle in e'nerfi Artikel über Amerikas Recht und Schwäche: ,In Washington können sie alles, aber man hat oft den Eindruck, daß sie mit ihrem Können, das heißt mit ihrer Macht, nicht recht wissen, was sie tun sollen.“

Um die amerikanisch© Macht zu aktivieren, braucht es eben mehr als nur die theoretische amerikanische Allmacht, es braucht, um sie in die Tat umzusetzen, gewissermaßen als Katalysatoren, auch noch den Willen der Angegriffenen, die zunächst selber die Kraft und den Glauben aufbringen müssen, die nötig sind, um einen Widerstand aktiv werden zu lassen.

Die Lehre, die sich aus diesen Feststellungen für andere Völker und Reg'erungen sowohl in Asien wie auch in Europa aufzwingt, ist zum Teil wohl entmutigend, sie ist aber zum Teil auch wieder ermutigend, denn sie bringt ein© neue Bestätigung des stolzen und schönen Spruchs .Hilf dir selbs“ dann hilft d!r Gott“.“

Ginwirken

Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt:

„Womit man aber heute bestimmt rechnen muß, ist die Tatsache, daß sie (die Urheber der nordkoreanischen Aggression) das Unternehmen mit einem Aufwand von Truppen und Material inszeniert haben, der die Vereinigten Staaten in ein aller Voraussicht nach überaus langwieriges Engagement verwickelt. Unter dem Druck dieser Situation muß Amerika sein noch unausgeschöpftes Potential zu aktivieren beginnen, wenn es sich nicht im Lauf der Intervention in Korea von Reserven vollständig entblößen und handlungsunfähig evtl, weiteren Aggressionsakten gegenüberstehen will, welche die Häupter des russisch-kommunistischen Imperialismus jederzeit und nach Wahl an einem oder mehreren Punkten zugleich befehlen können.

Die Hypothese, daß dies die Absicht Moskaus sei, hat trotz der vorläufigen Lokalisierung des koreanischen Konflikts am Ende der zweiten Kriegswoche von ihrem Gewicht noch nichts eingebüßt. Allerdings hat der Glaube daran, daß der Gefahrenherd begrenzt oder doch zum mindesten in seiner Ausdehnungsmöglichkeit auf den Fernen Osten beschränkt sei, da und dort schon Wurzeln geschlagen, beispielsweise in England. Unter dem Hinweis auf die Ueberlegenheit Amerikas in bezug auf die Atomwaffe stellte Churchill das Engagement der Westmächte in Korea als ein Risiko sekundären Charakters dar, welches d‘e relative Sicherheit Europas nicht entscheidend zu beeinträchtigen vermöge. In wirklich überzeugender Weise kann jedoch die Tatsache der durch den fernöstlichen Konflikt unberührten Präsenz der Vereinigten Staaten auf dem europäischen Kontinent den Völkern nur dadurch klar gemacht werden, daß neue amerikanische Streitkräfte in die bisherigen Bereitschaftsstellungen der auf dem koreanischen Kriegsschauplatz gebundenen Truppen einrücken. Diesen Zweck werden die Teilmobilmachungsmaßnahmen erfüllen, welche die Vereinigten Staaten im klaren Bewußtsein ihrer weltpolitischen Verantwortung getroffen haben."

Wer hat angegriffen?

Der „Daily Hera Id“ (Labour): „Wenige Stunden nach Ausbruch der Feindseligkeiten hatten die nordkoreanischen Panzer die Grenze auf dem Vormarsch nach Söul bereits weit überschritten. Jeder Soldat weiß, daß dies nicht das Ergebnis eines Ueberraschungsangriffs auf defensive nordkoreanische Streitkräfte gewesen sein kann.“

Die Amtsenthebung gefordert

Beschuldigungen gegen einen Richter

St. Stuttgart, 9. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Ostertag hat beim württemberg-badischen Justizministerium den Antrag gestellt, den Amtsgerichtsrat Kettnaker aus seinem Amte zu entfernen. Der Antrag wird damit begründet, daß Kettnaker als Richter in einem Zivilverfahren erklärt habe, für ihn sei es völlig gleichgültig, ob jemand einmal Gauoder ein dreimal erfolglos vergaster Rabbiner gewesen sei.

Botschaft aus Amerika

Eine Rundfunkansprache Oberbürgermeister Metzgers

Zur Vorbereitung des Deutschen Tages, der am Sonntag in Cleveland (Ohio) abgehalten wurde, sprach Oberbürgermeister Metzger in deutscher Sprache über den amerikanischen Rundfunk. Im folgenden geben wir die Ansprache des Oberbürgermeisters auszugsweise wieder.

„Liebe Freunde!

Es ist für mich eine große Freude und Ehre, als deutscher Oberbürgermeister und Gast dieses schönen Landes zu ihnen sprechen zu können. Eine Gruppe von deutschen Kommunalbeamten, zu der ich gehöre, ist von dem State Departement eingeladen, die Kommunalverhältnisse in den Vereinigten Staaten zu studieren und Land und Leute kennenzu lernen. Ich kann bezeugen, daß wir überall mit großer Herzlichkeit aufgenommen worden sind. Dafür möchte ich auch bei dieser Gelegenheit von ganzem Herzen Dank sagen.

Vor einer Woche haben wir an einer Tagung des „American relief for Germany“ in Milwaukee teilgenommen. Wir waren innerlich bewegt davon, zu sehen, wie groß der Wille zur Hilfsbereitschaft war und ist und welche Opfer von vielen gebracht worden sind. Ohne die Hilfe Anierikas und unserer amerikanischen Freunde wären in den ersten Jahren nach Beendigung der Kampfhandlungen viele Menschen in Deutschland verhungert. Ich weiß, wie groß der Anteil der Amerikaner deutscher Abstammung an dem Hilfswerk für Deutschland war. Allen, deren Menschlichkeit d;e Schranken, die in der furchtbaren nationalsozialistischen Zeit entstanden sind, überwunden hat und für die die Liebe mehr bedeutete als der Haß, wird das deutsche Volk immer Dank wissen.

Ich bin Oberbürgermeister einer deutschen Mittelstadt, der Stadt Darmstadt. Darmstadt liegt im Rhein-Maingebiet, zwischen Frankfurt und Heidelberg und gehört zu dem Lande Hessen. Es hatte vor dem Krieg etwa 115 000 Einwohner. Es hat — wie viele deutsche Städte — unter dem Krieg Bschwer gelitten. Drei Viertel seiner Wohnungen waren zerstört; die Innenstadt war ein einziges Trümmerfeld. Als ich am 28. März 1945 Oberbürgermeister von Darmstadt wurde, waren schätzungsweise zwischen 30 000 und 40 000 Menschen in der Stadt. Unter vielen Mühen begann der Wiederaufbau. Heute sind wieder 95 000 Menschen in Darmstadt, bis zum Ende des Jahres werden es 100 000 sein.

Wir können mit Dankbarkeit sagen, daß in Westdeutschland die Lebensmittelknappheit überwunden ist. Aber der Wiederaufbau ist ungeheuer schwer, weil weithin die Substanz zerstört und das Land verarmt ist. Mit unserer Hände Werk müssen und wollen wir unsere Städte wieder errichten.

Wir haben im Westen Deutschlands nicht nur für uns, sondern auch für die Millionen Flüchtlinge, die aus dem Osten zu uns geströmt sind, zu sorgen. Darmstadt hat, obwohl es wegerf seiner schweren Zerstörung nicht verpflichtet ist, Flüchtlinge aufzunehmen, volksdeutsche Flüchtlinge aus Ungarn und der Bukowina die Möglichkeit gegeben, drei Siedlungen zu errichten.

Auch auf kulturellem Gebiet versuchen wir, wieder lebendige Beziehungen von Volk zu Volk anzuknüpfen und zu stärken. Seit 1946 veranstalten wir in Darmstadt regelmäßig jedes Jahr internationale Kurse für neue Musik. In diesem Jahr werden sie vom 12. bis 27. August sein. Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, daß hervorragende Amerikaner als Lehrer mitwirken werden, wie Edgar Varese in Neuyork und Professor Dr. Theodor W. Adorno in Los Angeles und daß ferner amerikanische Musikstudenten als Schüler daran teilnehmen werden.

Wie stark die Verbindungen zwischen Menschen verschiedener Völker, die sich vorher nicht gekannt haben, werden können, will ich Ihnen zum Schluß noch an folgendem Beispiel zeigen. Auf der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam im Jahre 1948, an der ich als ein Vertreter der Deutschen Evangelischen Kirche teilgenommen habe, habe ich den Washingtoner Pfarrer Dr. Hollister kennen gelernt. Seine Gemeinde hat für eine Kirchengemeinde in Darmstadt die Patenschaft übernommen. Seit dieser Zeit ist ein lebhafter und freundschaftlicher Schriftwechsel zwischen über hundert amerikanischen und über hundert deutschen Familien entstanden. Vor zwei Wochen habe ich in dieser Gemeinde in Washington gesprochen und herzliche Grüß? und ein bescheidenes Geschenk der Darmstädter Gemeinde überbracht. Pfarrer Hollister betont mit Zustimmung seiner Gemeinde, daß hier ein Stück Völkerverständigung aus dem Geist christlicher Nächstenliebe geleistet werde.

Von unserer schönen Stadt Darmstadt habe ich einen Film mit nach Amerika gebracht. Er zeigt in 20 Minuten die Stadt vor und nach der Zerstörung und den Beginn des Wiederaufbaues. Gruppen, Vereinen usw., die den Film sehen wollen, stelle ich gerne das Band leihweise als Zeichen unserer Dankbarkeit zur Verfügung.“

(Siehe auch Seite 4 dieser Ausgabe.)

Widersprechende Gutachten

Das hessische Mitbestimmungsrecht vor dem Staatsgerichtshof

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Ro. Wiesbaden, 9. Juli. Der Hessische Staatsgerichtshof, der zur Entscheidung über die Frage der Verfassungswidrigkeit des wirtschaftlichen Mitbestimmungsrechtes in Hessen zusammengetreten war, hat die Verhandlungen abgeschlossen und die Urteilsverkündung auf den 4. August festgesetzt.

Die Gutachten der beiden Staatsrechtler widersprachen sich in den entscheidenden Punkten. Professor Nipperdey (Köln) bezweifeltedie Zuständigkeit des Hessischen Staatsgerichtshofes, da nur ein Bundesverfassungsgericht darüber entscheiden könne, ob die Kompetenzen des Bundes durch das hessische Gesetz verletzt worden seien. Auch in allen anderen Streitfragen schloß er sich der Auffassung der hessischen Regierung an.

Professor Jellineck (Heidelberg) bejahte dagegen die Zuständigkeit der Länderstaatsgerichtshöfe in derartigen Fragen. Es liege offensichtlich eine Loyalitätsverletzung gegenüber dem Bunde vor, der seit der ersten Regierungserklärung des Bundeskanzlers zur Frage des Mitbestimmungsrechtes die notwendigen Schritte unternommen habe, ein derartiges Gesetz vorzubereiten. Die Treuepflicht der Länder dem Bunde gegenüber habe eine Zurückhaltung des Landes Hessen erforderlich gemacht, und der Artikel 151 der hessischen Verfassung sehe ausdrücklich vor, daß im Interesse der Rechtseinheit Reichsrecht vor Länderrecht gehe. Es sei selbstverständlich, daß diese Bestimmung auch auf Bundesrecht anzuwenden sei, solange das Reich noch nicht wieder existiere. Die rechtlichen Folgerungen aus einer Loyalitätsverletzung zu ziehen, sei Sache des Staatsgerichtshofes.

Rechtsanwalt Dr. Rudolf Dix betonte als Rechtsbeistand der Fraktion der Freien Demokratischen Partei in seinem Plädoyer, daß die Vorarbeiten für das Bundesgesetz im Zeitpunkt der Inkraftsetzung der suspendierten Paragraphen des hessischen Betriebsrätegesetzes so weit gediehen gewesen seien, daß sie eine Sperrwirkung gegen-

über Ländergesetzen gehabt hatten. Oberkommissar McCloy habe damals die Suspendierung nur aufgehoben, weil er sein gegebenes Wort habe halten wollen. Dies sei lediglich ein Verwaltungsakt gewesen, der die Inhaltsprüfung des Gesetzes nicht ausschließe. Es widerspreche dem Wesen eines Bundesstaates, wenn kurz vor dem Erlaß eines Bundesgesetzes noch partikularistische Eigenwünsche durchgesetzt würden, um auf bestimmte Wählerkreise Eindruck zu machen.

Der Landesanwalt schloß sich in seinem Plädoyer im wesentlichen dem Gutachten von Professor Nipperdey an, bestritt die Zuständigkeit des Gerichts und das Vorliegen einer Loyalitätsverletzung.

Staatssekretär Bach erklärte im Namen des Ministerpräsidenten Stock, die offensichtliche Verschleppung des Bundesgesetzes habe dem Lande Hessen das Recht zur Inkraftsetzung des wirtschaftlichen Mitbestimmungsrechtes gegeben. Sieben andere Länder des Bundes hätten inzwischen ebenfalls entsprechende Gesetze erlassen, die zum Teil weitgehender seien als das hessische Gesetz. Er erkannte die Loyalitätspflicht dem Bunde gegenüber an, betonte aber auch die Verpflichtung der hessischen Regierung dem Volk und den Parteien gegenüber, den Artikel 37 der hessischen Verfassung, der ein wirtschaftliches Mitbestimmungsrecht vorsehe, zu erfüllen.

Dr. Hau führte als Bevollmächtigter der Fraktion der Freien Demokraten aus, daß Artikel 151 dei' hessischen Verfassung zwingende Norm und Artikel 37 nur ein Programmpunkt sei. Es stehe die grundsätzliche Frage zur Entscheidung, ob partikularistische Sonderinteressen zum Schaden der Rechtseinheit des Bundes auf einem so bedeutsamen wirtschaftspolitischen Gebiet gefördert werden sollen oder nicht.

Ueber 50 000 Belgier, unter Führung des früheren Ministerpräsidenten Spaak, haben in Brüssel gegen die Rückkehr König Leopolds demonstriert.

Amerika wird beschuldigt

Pjoengjang, 9. Juli (dpa) Der ehemalige Innenminister der südkoreanischen Regierung Kim I Sek soll nach Meldungen aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjoengjang am Sonntag eine Rede über den Sender Söul gehalten haben, in der er den südkoreanischen Staatspräsidenten Syngman Rhee beschuldigt, Nordkorea auf Befehl der Vereinigten Staaten angegriffen zu haben. Südkorea hätte bereits, im Juli vergangenen Jahres angegriffen, wenn es damals nicht durch die energischen Aktionen kommunistischer Guerilla-Gruppen daran gehindert worden wäre.

„Ich habe selbst an den Vorbereitungen für die jetzige Offensive, die ursprünglich am 15. Juli beginnen sollte, teilgenommen“, erklärte Kim I Sek. Syngman Rhee habe jedoch den Angriff bereits für den 25. Juni befohlen, da er mit der militärischen Unterstützung der Vereinigten Staaten rechnete. „Die ganze Verantwortung für den gegenwärtigen Krieg trägt die Klique Syngman Rhees und seiner Herren, die amerikanischen Imperialisten“, behauptete angeblich der ehemalige Innenminister Südkoreas.

Niemöller optimistisch

Boston, 8. Juli. (AP.) Kirchenpräsident Martin Niemöller, der am Sonntag in Boston eintraf, erklärte, die Westdeutschen hätten keine großen Befürchtungen, daß sich der Konflikt in Korea zum dritten Weltkrieg entwickeln könnte.

Niemöller befindet sich auf dem Wege zu einer Tagung des Exekutiv-Ausschusses des Weltkirchenrates in Toronto.

Landgemeinde Ueberan gegen Verfassungsänderung

Dieburg, 9. Juli (dpa). Die bisher einzige hessische Gemeinde, in der die „Nein“- Stimmen die „Ja“-Stimmen bei der Volksabstimmung über die hessische .Verfassungsänderung überwiegen, ist Ueberau, Landkreis Dieburg. Hier wurde vor einigen Tagen dem vor Jahresfrist verunglückten kommunistischen Funktionär Fritz Woertge ein Denkmal gesetzt. Von den 1 054 Stimmberechtigten gaben 793 ihre Stimme ab. Mit „Ja“ stimmten 290, mit „Nein“ 462, ungültig waren 41 Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 76 Prozent.

Fast gleich sind die „Ja“- und „ Nein"-Stimmen in der Gemeinde Großzimmern, Landkreis Dieburg. Von 4 210 Stimmberechtigten gaben 2 405 ihre Stimme. I 074 bejahten die Verfassungsänderung, 1 050 verneinten sie. Ungültig waren 281 Stimmen.

Pfungstadt ehrt Stock

Pfungstadt, 9. Juli, (dpa.) Ministerpräsident Christian Stock stattete am Samstag seiner Heimatstadt Pfungstadt einen Besuch ab. Die Gemeindevertretung nahm diesen Besuch zum Anlaß. Stock den Ehrenbürgerbrief zu überreichen. In der Urkunde heißt es, daß die Stadt Pfungstadt damit eines Mannes gedenke, der seine Schul- und Jugendjahre dort verbracht hat. „Hier begann die Laufbahn eines Politikers und Staatsmannes. der sich um die Wohlfahrt seiner Mitbürger außerordentlich verdient gemacht hat und dessen Hauptaufgaben darin bestanden. der Verwirklichung sozialer Ideen zu dienen.“

Ersaßleute möglich

Wiesbaden, 9. Juli, (dpa) Der Hauptausschuß des Hessischen Landtages hat sich in einer Sitzung am Samstag in Wiesbaden mit einem Einspruch der kommunistischen Landtagsfraktion befaßt, der sich dagegen richtete, daß ihre Partei in den Landtagsausschüssen, in denen sie durch ihre zur Zeit ausgeschlossenen Abgeordneten Emil Carlebach und Ludwig Keil vertreten war, keinen Sitz und keine Stimme mehr hat. Der Hauptausschuß beschloß, daß die Kommunistische Partei, falls sie die ausgeschlossenen Abgeordneten formell aus den Landtagsausschüssen zurückzieht, Ersatzleute in diese Ausschüsse entsenden kann.

Zu der Frage, ob ausgeschlossene Abgeordnete neben dem Verlust ihrer Aufwandsentschädigungen auch keine Sitzungsgelder für die Teilnahme an eigenen Fraktionssitzungen erhalten sollen, beschloß der Hauptausschuß, vor einer endgültigen Entscheidung erst ein Gutachten des Justizministeriums anzufordern.

Jugend geht auf Fahrt

Kassel, 9. Juli, (dpa) Hessische Jugendliche werden in diesem Sommer insgesamt eineinhalb Millionen Tage in Zeltlagern und auf Fahrten zubringen, die von den hessischen Jugendverbänden organisiert werden.

Nach einer Mitteilung des Hessischen Landesjugendausschusses werden allein 320 Zeltlager errichtet, in denen die Jungen und Mädchen insgesamt 760 000 „Verpflegungstage“ zubringen können. Der Anteil von Großfahrten wird auf 180 000 Verpflegungs-Tagessätze und der Anteil von kleineren Fahrten auf 450 000 Tagessätze veranschlagt. Der Staat will insgesamt 280 000 D-Mark zuschießen.

Die Ergebnisse der Wahlkreise

Darmstadt Stadt. Stimmberechtigt: 66 936, Ja: 16 017, Nein: 2 704, Ungültig: 8874.

Darmstadt Landkreis. Stimmberechtigte:

56 193, Ja: 19 465, Nein: 5 686, Ungültig: 3 039. Darmstadt Land: Stimmberechtigt: 56 193, Ja: 16 017, Nein: 2 704, Ungültig: 874.

Groß-Gerau. Stimmberechtigt: 82 295, Ja: 25 928, Nein: 9 973, Ungültig: 4 045.

Kreis Groß-Gerau. Stimmberechtigt: 82 295. Ja: 25 928, Nein; 9973.

Dieburg: Stimmberechtigt: 58 852, Ja: 18 443, Nein: 5 405, Ungültig: 2 384.

Kreis Dieburg. Stimmberechtigt: 58 852, Ja: 18 443, Nein: 5 405, Ungültig: 2 384.

Kreis Erbach. Stimmberechtigt: 46 173, Ja: 10 763, Nein: 2 185, Ungültig: 878.

Bergstraße (Heppenheim). Stimmberechtigt: 111 425, Ja: 26 788, Nein: 6 969, Ungültig: 3 034.

Frankfurt Stadt: Stimmberechtigt: 411 849, Ja: 70 335, Nein: 12 368, Ungültig: 2 286.

Wiesbaden: Stimmberechtigt: 162 529, Ja: 23 811, Nein: 8 668, Ungültig: 898.

Rheingaukreis. Stimmberechtigt: 38110, Ja: 10 422, Nein: 2 027, Ungültig: 725.

Main-Taunus-Kreis (Höchst): Stimmberechtigt: 69 192, Ja: 16 767, Nein: 3 454, Ungültig: 1 882.

Untertaunuskreis. Stimmberechtigt: 36 513, Ja: 5 858, Nein: 2 571. Ungültig: 418.

Limburg: Stimmberechtigt: 55 478, Ja: 18 581, Nein: 1931, Ungültig: 1194.

Hersfeld: Stimmberechtigt: 48 086, Ja:

15 205, Nein: 1 706, Ungültig: 903. Kassel Stadt: Stimmberechtigt: 121 232, Ja: 26 023, Nein: 8 381, Ungültig: 1 763.

Eschwege: Stimmberechtigt: 49 355, Ja: 15 210, Nein: 5 866, Ungültig: 1 507.

Hünfeld: Stimmberechtigt: 24 224, Ja: 8 008, Nein: 1201, Ungültig: 460.

Gelnhausen: Stimmberechtigt: 53 537, Ja: 12 923, Nein: 7 207, Ungültig: 1 886.

Friedberg: Stimmberechtigt: 91 978. Ja: 30 811, Nein: 5 805, Ungültig: 2 977.

Fulda Stadt: Stimmberechtigt: 28 037, Ja: 10 980, Nein: 2 317, Ungültig: 834.

Hanau Kreis. Stimmberechtigt: 54 751, Ja: 18 277, Nein: 8 069, Ungültig: 3 194. tig: 725.

Marburg Stadt. Stimmberechtigt: 26 083, Ja: 8 053, Nein: 882, Ungültig: 205.

Offenbach Kreis. Stimmberechtigt: 90 531. Ja: 34 965, Nein: 7 892, Ungültig: 4 541.

Büdingen Kreis. Stimmberechtigt: 58 779, Ja: 12 517, Nein: 2 731, Ungültig: 832.

Gießen Stadt. Stimmberechtigt: 32 138, Ja: 7 265, Nein: 1 296, Ungültig: 351.

Ziegenhain Landkreis. Stimmberechtigt: 39 643, Ja: 11 967, Nein: 5 225, Ungültig: 781.

Weitere Ergebnisse morgen

Hessische Kurznachrichten

Die Kasseler Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes protestierte auf einer Versammlung gegen den Freispruch des ehemaligen Vorsitzenden des Kasseler Sondergerichts Fritz Hassencamp und des Beisitzers Edmund Keßler. Die beiden Richter waren kürzlich von der Anklage der Rechtsbeugung und des Totschlags freigesprochen worden. Sie hatten im April 1943 den jüdischen Ingenieur Werner Holländer zum Tode verurteilt, weil er in vier Fällen mit deutschen Frauen verkehrt hatte.

Rund dreihundert West- und Ostpreußen protestierten am Samstag in Frankfurt gegen die Abtretung ihrer Heimat und forderten eine Abstimmung über die ostdeutschen Gebiete. Die West- und Ostpreußen hatten sich zur 30. Wiederkehr des deutschen Abstimmungssieges über Polen zu einer Feierstunde in der Aula der Frankfurter Universität zusammengefunden.

Die zweite Strafkammer des Landgerichts Kassel verurteilte am Wochenende in Eschwege den 57jährigen Arbeiter Heinrich Wilhelm aus Netra wegen Unzucht an Kindern zu einem Jahr neun Monaten Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von drei Jahren. Wilhelm hat sich in den Jahren 1946 bis 1948 an drei Mädchen im Alter von neun bis zehn Jahren vergangen.

Infolge der wechselhaften, aber warmen Witterung hat sich das Gemüse in Hessen weiterhin gut entwickelt. Die amtlichen Gemüseberichterstatter des Hessischen Statistischen Landesamtes beurteilen den Stand mit „mittel bis gut“. Die diesjährige Spargelernte wurde in Hessen auf 17 000 dz geschätzt. Sie übertrifft die Vorjahrsernte um 4000 dz. Mit 26,2 dz je Hektar wurde der bisher höchste Durchschnittsertrag der Nachkriegsjahre erzielt.

Die „Kirche der Brüder“, eine amerikanische Glaubensgemeinschaft, veranstaltet vom 10. Juli bis Ende August in Kassel ein internationales Arbeitslager. Es werden Freiwillige aus den Vereinigten Staaten, England, Dänemark, Italien und Oesterreich an dem Lager teilnehmen. Auch aus Aegypten werden Freiwillige erwartet. In Zusammenarbeit mit der „Bau-Union für Heimatvertriebene“ sollen zunächst sechs Wohnhäuser für Flüchtlinge errichtet werden.

Von vier Bränden, die innerhalb eines Monats im Hanauer Ausländerlager nach Räumung von Wohnblocks ausbrachen. sind nach den Ermittlungen der Kriminalpolizei drei einwandfrei auf vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen. Der Hanauer Bürgermeister. Dr. Krause, teilte mit. daß bisher in dem Lager 16 Brände entstanden seien, von denen allein die letzten fünf einen Schaden von 300 000 DM verursacht hätten. Die an das Lager angrenzenden Industriebetriebe hätten die hessische Regierung und den Landeskommisar Dr. Newman telegrafisch gebeten, ihre Anlagen von den Brandstiftungen gewissenloser Elemente unter den heimatlosen Ausländern zu bewahren. Der letzte Brand war am Dienstagabend in einem kurz zuvor geräumten Wohnblock ausgebrochen, der der Stadt Hanau zur Unterbringung deutscher Familien zur Verfügung gestellt worden war.

Schiffahrtsbericht (Kergfahrt)

Remagen haben passiert

am 9. Juli von 5.00—19.00 Uhr Abkürzungen. GB = Güterboot. TM = Tankmotorschiff. MS = Motorschiff. TL = Tankleichter, ohne Bezeichnung Schleppboot, MP = Motorpiniche. KM = Küstenmotorschiff

5.30: Geneviere Halle. 1 Kahn: unleserlich. 5.45: MS Bacius. 5.45: MS Gambria. 6.45: MS Winterswick. 6.45: MS Rhenus 49. 6.45: MS Salfwijk. 7.15: TM Lizel. 7.30: F 33. 6 Kähne: E 314, Comtoire 26, Ursula, F 127, Chateaubriand, F 134. 8.00: Consiance. 3 Kähne: Mainperle, Karl Ludwig, Emmarg. 8.00: MS Rhenus 94. 8.30: Marxburg. 3.45: Falke 1. 1 Kahn: Richard. 9.00: TM TRG 11. 9.30: MS Nobrano. 9.30: MS Klarus.

10.00: Peter u. Overstolz. 3 Kähne: Ludwig Helmut, Josefine, Johanna. 11.00: MS Hoffnung. 11.00: Odin. 4 Kähne: SDC-BL 278, Hermann, Stromfahrt, König Ludwig 3. 11.30: MS Expreß 45. 12.00: TM Centrust 1. 12.00: TM Capriconia u. Union 2. 12.15: MS Grimberg. 12.15: MS Main 108. 12.15: MS Marta. 12.45: MS Hecropile. 13.00: Regina. 1 Kahn: Herta. 13.15: MS Niedersachsen 4. 13.30: MS Hansa 3. 13.30: MS Chavignol. 13.45: MS Helma.

14.00: MS Navidari. 1 Kahn: Liberti. 14.15: MS CSR 516. 14.30: MS Mathias Stinnes 5. 1 Kahn: Karl Robert. 14.45: Katharina. 2 Kähne: Westschiffahrt 2, Margareta. 16.00: MS Wodan. 16.15: MS Rhenania 1. 16.45: Hedwig. 2 Kähne: Friede, Demerag 35. 16.45: Thedinhausen. 16.45: Braunkohle 15. 6 Kähne: Markoni, Braunkohle 43, Industrie A, Rosalia, Hedwig, Willibald. 16.45: Luise Karl. 2 Kähne: Gebrüder Meier 4, Gebrüder Meier 53. 17.30: MS Dontet Cornet.

Gertliche Gewitter

Eigener Wetterbericht der „AZ“

Ein Hochdruckgebiet, das am Sonntag ganz Mitteleuropa heiteres Wetter bescherte, wandert langsam ostwärts ab. Im Laufe der ersten Wochenhälfte’ wird von Westen her die über Frankreich einsetzende örtliche Gewittertätigkeit auch auf unser Gebiet übergreifen. Aussichten: Anfangs heiter, trocken und recht warm. Ab Montag von Westen her aufkommende Quellbewölkung und örtliche Gewitterbildung.

Der Rundfunk am Montag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher: 6.40 Morgenständchen: 7.15 Frühkonzert: 8.15 Morgenmusik: 11.15 Schulfunk 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Tanzrhythmen —sinfonisch; 17.00 Unterhaltungskonzert; 18.30 Zum Feierabend; 20.00 Gut aufgelegt: 21.15 Aus der Welt der Oper: 22.15 Brüderlein fein: 23.00 Tanzmelodien zur Nacht.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag: 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik: 16.00 Nachmittagskonzert: 18.00 Zeitfunk und Unterhaltungsmusik: 20.00 Fröhlich fängt die Woche an; 21.15 Rendezvous bei Paul Lincke: 22.00 Musica Viva: 23.15 Liederstunde. SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert: 13.15 Musik nach Tisch: 15.30 Musik am Nachmittag: 17.20 Solistenkonzert: 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik: 20.00 Musik für Dich: 21.00 Aus der Welt der Oper: 22.30 Cembalomusik: 23.15 „Tausend bunte Noten“.

NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagsnause: 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Filmmusik: 14.30 Unterhaltungsmusik; 16.50 Kammermusik: 18.00 Unterhaltungsmusik- 20.b0 Sinfoniekonzert: 22.15 Im Dienst von Scotland Yard; 22.45 Tanz- und Unterhaltungsmusik 23.15 Zärtliche Weisen: 0.05 Berlin am Mikrofon.

Darmstadt und Umgebung

Uebermütige Streiche?

Agt. Auf Darmstadts Marktplatz steht ein Brunnen. Dessen Kriegsnarben sind zwar noch nicht alle geglättet, aber immerhin einigermaßen verdeckt durch Kästen korallenrot blühender Geranien, die rundherum auf seinem Rand stehen.

Neulich, nachts, stürzten ein paar Burschen die Blumenkästen vom Brunnenrand herunter und warfen die Blumenstöcke auf dem Pflaster umher. Das war ein guter Witz, nicht wahr?

Ein paar „rührige Gewerbetreibende“ rückten vor einiger Zeit den Niebergallbrunnen zurecht. Zuletzt setzten sie dem Ernst Elias Niebergall einige Blumentöpfe auf den Brunnenrand und in das gesäuberte Becken einen dicken Nelkenbusch.

Am nächsten Morgen lagen die Blumentöpfe in einen Brunnenschacht geschmettert, zerbrochen. Die Nelken waren abgerissen, und die Blumenerde lag im Brunnenbecken zerstreut. Die das getan, hatten doch einen herrlichen Humor, meinen Sie nicht auch?

Vor ein paar Jahren lag der Herrngarten da wie ein verwilderter Gemüsegarten neben einer Schutthalde. Im Herrngartenteich rosteten Stacheldraht und Autoteile. Die Stadt steckte einige Tausender hinein und machte wieder einen Park daraus: Mit Blumen, Rasen, Bänken und Pfaden.

Alle paar Tage finden frühe Passanten abgerissene Blumen verstreut, zerfetzte Büsche, beschmierte Bänke, zertrampelte Beete, und um Gaslampen liegen die Scherben der Lampenscheiben. Jene, die das taten, werden sicherlich ihr fröhliches Vergnügen daran gehabt haben, nicht wahr?

Neben Trümmern in der Hochstraße haben sich Leute wieder einen Garten angelegt, den Zaun repariert, Bäume und Sträucher eingepflanzt und Blumen gesät.

Als jetzt die ersten Johannisbeeren reif wurden, stiegen ein paar lustige Burschen über den Zaun, brachen die Hochstämmchen mit den Beeren in der Mitte ab und trugen die Kronen der Sträucher im Triumph davon. Das war ein lustiger Streich, meinen Sie nicht auch?

Um es klar heraus zu sagen: Das sind keine Streiche und da ist kein Humor. Das ist eher zum Erschrecken, unverwässerte Roheit.

Beim Barras schimpften immer di e übers Essen, die zu Hause „mit der Pellkartoffel nach dem Heringsschwanz warfen“. Während des Krieges zerstörten und plünderten di e Soldaten aller Nationen, die zu Hause nie den Inbegriff kultivierten Wohnens kennengelernt hatten und ein Nachthemd nicht von einem Taghemd unterscheiden konnten. Und wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß diejenigen in unserer Stadt nächstens jene „Streiche“ machen, die noch nie eine Blume im eigenen Garten, nie eine Geranie auf dem Fensterbrett stehen hatten.

Wir wüßten ein Erziehungsmittel für jene: Statt Geldstrafe zwei, drei Wochen Arbeit in der Stadtgärtnerei. Von morgens früh bis abends spät: Blumen pflanzen, Blumen gießen, Blumen pflegen, zwei, drei Wochen lang. Sie bekämen ein Auge für Pflanzen in dieser Zeit, fänden Freude an ihren Farben und Stolz bei ihrem Gedeihen. Und wenn sie später trotzdem noch Blumen in Gärten und Anlagen abreißen werden, sie würden sie wenigstens als Strauß mit nach Hause nehmen. Aber Blumen zertrampeln, zerschlagen, abreißen und zerstören? — Unsere Streiche waren früher von anderer Art!

In der Stadt notiert

Mit Pauken und Trompeten fand gestern zum ersten Mal nach dem Krieg im Musikpavillon des Hermgarten-Caf6s ein Promenadenko-nzert des „Darmstädter Orchesters“ statt. Diese Promenadenkonzerte sollen jetzt wieder regelmäßig am Sonntagvormittag um 11 Uhr durchgeführt werden. Vor dem „Parkhotel“ wird das gleiche Orchester jeden Mittwoch von 17 bis 18 Uhr ein Platzkonzert geben. DT.

Das Nachbarschaftsheim im - Emils-Garten ist vom 10. Juli bis 6. August bis auf die Weiterführung des Kinderhortes geschlossen. Der Nähstundenbetrieb beginnt erst wieder am 4. 9. 1950. DT.

Jesuitenpater Hirschmann behandelt am Dienstagabend, 20 hr, in der Aula der TH in seinem Thema: „Die Kirche und die Entwicklung im Sozialismus“, das Mitbestimmungsrecht . t-s.

Der Hausfrauenbund lädt ein zu dem am Mittwoch, dem 12. 7. stattfindenden Vortrag: „Wir backen und kochen für Kinder und Kranke“. Der Vortrag, der für das schwierige Aufgabengebiet aller Hausfrauen, die richtige Kost für Kranke und Kleinkinder zu bereiten, wichtige Hinweise und viele Anregungen geben wird, findet im Heag-Saal, Luisenstraße, statt. Saalöffnung um 15 Uhr. DT.

Zur zweiten Internationalen Theaterwoche der Studiobühnen deutscher Hochschulen nach Erlangen fährt in diesem Monat die Schauspielstudiobühne der Technischen Hochschule Darmstadt. Dort bringt sie „The shipper next to God“ zur Aufführung. Für die Darmstädter Bevölkerung ist eine Aufführung am 19. und 20. Juli um 20 Uhr im Amerikahaus vorgesehen. t-s.

Interessant und gut organisiert

Technische Hochschule hatte 2500 Besucher

Zum ersten Male nach dem Kriege hatte die Technische Hochschule die Bevölkerung zum Besuch ihrer Institute und Vorlesungen cingeladen. Dieser Auftakt des Sommerfestes der TH war — das kann man ihr wirklich bestätigen — sowohl in der Wahl des Gebotenen wie in organisatorischer Beziehung ein voller Erfolg. Ueber 2500 Menschen strömten am Samstag, ab 14 Uhr, durch das Hauptportal und schlossen sich den verschiedenen wissenschaftlichen Führungen und Vorlesungen an.

Professoren und Studenten hatten sich alle Mühe gegeben, um ihren Gästen einen interessanten Einblick in ihre Arbeit zu geben.

Die eindruckvollste Demonstration für alle Besucher, die offenen Auges durch die Gänge, Institute und Hörsäle der T. H. gingen, war jedoch von der Hochschule selbst wohl kaum beabsichtigt. Fünf Jahre nach dem Kriege saß man in einer rauchgeschwärzten Aula, in den weißgekalkten, aber unverputzten Wänden des Zintl-Instituts, in Hörsälen, denen entweder der richtige Fußboden oder eine richtige Decke fehlte. Viele Gänge und Räume glänzten zwar im billigen neuen Anstrich, aber ein Blick aus dem Fenster zeigte rundherum die zerstörten Gebäude wertvoller Institute, an denen kaum mit den Aufräumungsarbeiten begonnen wurde. Die Besucher ließen sich zu den Laboratorien auf halsbrecherischen Treppen in primitive Kellerräume führen und stiegen in der Materialprüfungsanstalt über Haufen verbogenen Eisenschrottes der ehemaligen Dachkonstruktionen.

Wissenschaft in Not! Wenn sich uns diese Erkenntnis bei dem vorgestrigen Besuch der T. H. wieder aufdrängte, dann möchten wir trotzdem nicht die Meinung, wir seien ein abgewirtschaftetes, mittelloses Volk, als Entschuldigung für diese Primitivität gelten lassen. Es fehlt unseres Erachtens an verantwortlicher Stelle die Einsicht, daß Forschung und Wissenschaft sich

auf weite Sicht selbst finanzieren, während die Verwaltung staatlicher Gebilde immer von der geschaffenen Substanz ernährt werden muß. Trotzdem stehen der wissenschaftlichen Forschung, dem Wiederaufbau wissenschaftlicher Institute nicht im entferntesten die Mittel zur Verfügung, wie sie die aufgeblasene Bürokratie unserer Tage verschlingt.

Als Beispiel seien hier die in der Versuchsanstalt für Straßen- und Stadtbauwesen am Samstag gezeigten Versuche angeführt. Der Quadratmeter Straßenpflasterung kostet etwa 22,— DM, der Quadratmeter Straßenbeton etwa 16,— DM. Dagegen beläuft sich der in jener Versuchsanstalt unter Prof. Reinhold in den letzten Jahren entwickelte „Bodenbeton“ pro Quadratmeter nur auf etwa 6,— DM. Eine ungeheure Kostenersparnis für den Straßenbau, wenn die Versuche zum konstruktionsreifen Abschluß für alle Bodenarten gekommen sind! Solche Versuche kosten Geld, ehe man pro Quadratmeter Straße 14,— DM sparen kann. Das einzusehen ist aber, wie wir den Eindruck haben, nur recht wenigen verantwortlichen Menschen gegeben.

Forschung heißt Leben. Beispiele ähnlicher Art ließen sich in beliebiger Zahl gerade von unserer Darmstädter T. H. fortsetzen, denn viele Namen der an unserer Hochschule tätigen Professoren haben in der Fachwelt einen überragenden Klang. Sie arbeiten heute alle ausnahmslos primitiv wie nie zuvor, mit behelfsmäßigen Mitteln unter schwierigsten Bedingungen. Gerade nach dem Krieg reifte in unseren Wirtschaftskreisen die Erkenntnis, daß allein überragende Qualität und konstruktiver Vorsprung auf dem Weltmarkt unsere Industrie sich behaupten ließe. Diesen Vorsprung zu erreichen bedarf es außerordentlicher wissenschaftlicher Forschungsarbeit. An unseren Hochschulen ist der geeignete Platz dazu, denn die dekartellisierte und finanzschwache deutsche Industrie ist heute nicht mehr in der Lage, Versuchslaboratorien zu unterhalten, wie das z. B. die I. G. vor dem Kriege konnte. Hochschulforschung ist für unsere wirtschaftliche Zukunft von ausschlaggebender Bedeutung. Forschung belebt die Industrie. Eine lebendige Industrie vermindert die Arbeitslosigkeit. Forschung und Wissenschaft schaffen auf indirektem Wege Brot für viele. Daß diese Erkenntnis überall durchgedrungen ist, konnte uns der immer noch behelfsmäßige Zustand der Hochschule nicht nachweisen.

Die Professoren selbst redeten nicht davon. Es hätte auch keinen Zweck gehabt, denn keiner der eingeladenen offiziellen Regierungsvertreter hatte die Zeit gefunden, an diesem Nachmittag die Hochschule zu besuchen. Statt dessen versuchten die Professoren, den vielen Gästen ihre Spezialgebiete anschaulich zu machen. Sie taten das mit einer erfreulichen und wohltuenden Volkstümlichkeit, die die Art des wirklich begeisterten Wissenschaftlers verriet, eigene Erkenntnisse der interessierten Umwelt verständlich zu machen. Angefangen vom Licht, „das ein Ragout sei, von dem man aber, im Gegensatz zu dem der Köchin, wisse, was drin ist“, bis zum Schlußbild in der Vorlesung „Neues B -en“, einer alten Steinbrücke aus Südfrankreich von edelster und dabei einfachster Form, als Vorbild für neue Bauweise ag<

Statistik des Leichtsinns

Aus dem Bericht des Polizeipräsidiums und der Wach- und Schließgesellschaft Darmstadt

In 141 festgestellten Fällen ließen unsere Mitbürger im Juni ihre Haus- und Hoftore offen stehen, 35 mal mußten Beamte der Wach- und Schließgesellschaft offene Fenster schließen. 26 Werkstätten, Lager, Läden und Büros waren nicht geschlossen und in 19 Fällen hatten allzu eilige Darmstädter ihr Licht brennen lassen.

Dieser Leichtsinn mag die Langfinger, die an den 422 Straffällen des Monats Juni beteiligt waren zur Ausübung ihres lichtscheuen Gewerbes gereizt haben.

Daß die Darmstädter Polizei von Stadtverordnetem Ziegs in der letzten Stadtverordnetensitzung nicht ohne Grund gelobt wurde, geht aus ihrem Tätigkeitsbericht hervor. Von 246 bekannten und ermittelten Tätern mußten 45 hinter Schloß und Riegel gesetzt werden. Unter den großen und kleinen Gaunern befanden sich 139 Männer, 60 Frauen. 34 männliche und 12 weibliche Jugendliche und 1 Ausländer.

Das sichergestellte Diebesgut hatte einen Wert von 5051 DM. Bei 97 Aktionen gegen das Dirnenunwesen wurden 51 Personen, meist „leichte“ Mädchen, aufgegriffen. Vier Darmstädter wurden mit dem Leben nicht mehr fertig und begingen wegen Geistesgestörtheit oder Krankheit Selbstmord. Das Ueberfall-Kommando raste 102 mal durch die Stadt und mußte bei 96 Verkehrsunfällen, 2 Diebstählen, 10 Bränden und in 21 sonstigen Fällen eingreifen. Bei 77 Verkehrsunfällen wurden 48 Personen verletzt. Der hierbei verursachte Sachschaden betrug 22 095 DM.

Es wurden 317 Uebertretungsanzeigen und Jugendberichte, 125 Fund- und 98 Verlustanzeigen erstattet. 62 Verlierer konnten ihr Eigentum bei der Polizei wieder abholen. Die Polizei verwarnte 28 kleine Sünder und stellte 196 Führerscheine, 583 Personalausweise. 3 Heimkehrerausweise und 358 Flüchtlingszeugnisse aus. 87 Anträge auf Auslandsreisen mußten bearbeitet und rund

2700 Auskünfte aus dem polizeilichen Melderegister erteilt werden.

In den Hotels und Gaststätten der Stadt übernachteten im Monat Juni 2735 Personen. DT

Mitgliederversammlung der Naturfreunde Eberstadt

Eberstadt. Am Donnerstag, dem 6. Juli, hielten die Naturfreunde im Riedbergheim ihre Halbjahresversammlung ab, in der die einzelnen Ausschüsse über die Arbeit der letzten sechs Monate berichteten. Die Hauskommission teilte mit, daß im 1. Halbjahr 1250 Wanderfreunde übernachtet hatten. Das Heim gehe seiner Vollendung entgegen. Die Wasserleitungen sind bereits gelegt und in der nächsten Woche sollen die Waschbecken montiert werden.

Der Sonderausschuß gab bekannt, daß neun Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung veranstaltet wurden. Zufriedenstellend ist auch die Arbeit in den Jugendgruppen. Sie beteiligten sich bei der Frühlingsfeier, der Johannisfeier der Buchdrucker und an drei Bezirkstreffen. Die Kindergruppen befinden sich noch im Aufbau. Sie unternehmen am Sonntag eine fünftägige Wanderung nach dem Rimdidim. Am 9. Juli fand eine Badewmderung der Naturfreunde nach dem Altrhein statt und am 23. Juli ist eine Tageswanderung nach Weinhe'm vorgesehen. Die Jugendgruppe soll an dem Lager der Naturfreunde in Oberreifenberg im Taunus teilnehmen.

Der Mensch im Mittelpunkt der Rotkreuz-Arbeit

Anschließend an d'e diesjährige am Samstagmorgen im Büchnersaal stattgefundene Bezirksversammlung des Roten Kreuzes Darmstadt, an der außer den Sachbearbeitern des Bezirksverbandes etwa 40 Vertreter der Kreisvereine teilnahmen sprach Oberregierungsrat Härting über das Thema: „Der Mensch im Mittelpunkt der Rotkreuzarbeit“.

Nach einem Appell an die Länder, die noch deutsche Kriegsgefangene zurückbehal-

ten, gedachte er des Schweizers Henry Dumant, der das völkerverbindende Rote Kreuz ins Leben gerufen hat.

Das geistige Ringen unserer Zeit in ihrer abgründigen Not, in der die Erkenntnis um sich greife, daß der Mensch sich selbst verloren habe und in einem Chaos untergehen könne, ginge heute um ein neues Menschenbild. Das Rote Kreuz, in dem sich Menschen aller Völker, aller Rassen, politischen Richtungen und Religionen mit dem guten Willen, dem Nächsten zu dienen und seine Not zu lindern, zusammenschlossen, habe in unserer Zeit einen Beitrag zum Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung zu leisten, in der wieder Ehrfurcht, Humanität und die ewigen Tugenden gepflegt werden und in der der nach Persönlichkeit strebende Mensch im Mittelpunkt stehen müßte.

Wenn auch die Mitarbeiter des Roten Kreuzes manchmal ob der ihnen erfolglos erscheinenden Arbeit verzagen wollten, so müßten sie doch ausharren und die Menschen von der Wirkung der Nächstenliebe überzeugen.

Die Gedanken der Nächsten liebe und des Dienens müßten vor allem der Jugend einoepflanzt werden, damit ein Geschlecht heranwüchse, das die Not des Krieges verhindern könnte.

Vor 85 Jahren seien die ersten nationalen Rotkreuzverbände gegründet worden. Heute sei das Rote Kreuz bitterarm, hätte weder finanzielle Mittel noch eine politische Macht hinter sich und nur das Vertrauen auf die Notwendigkeit seiner Hilfe. An die vielen, auf die das Rote Kreuz in den letzten Jahren hätte verzichten müssen, erginge daher heute der Ruf, wieder mitzuhelfen im Dienste der tätigen Nächstenliebe. t-s.

Griesheimer Notizen

Griesheim. Die Neuburger Griesheims versammelten sich am 8. 7. im Schulgebäude, um Fragen ihrer Baugenossenschaft durchzusprechen. Ein ausführlicher Bericht darüber folgt.

Musik erklingt am „Birkenhof“

Siedlerfest in der „Kirschtanne“ bei Eberstadt

We. Die Siedler der Kirchtanne, einer Gemeinschaftssiedlung bei Eberstadt, feierten ihre Kirchweih, die offiziell noch keine Kirchweih sein konnte, weil den Menschen, die mitten im Walde bei Eberstadt ihre Häuser bauten, zur wirklichen „Kirchweih“ noch die Kirche fehlt.

Das hinderte sie aber nicht daran, ein richtiges, rauschendes, Sommerfest mit einem Festzelt, einer Araber-Bar, einem Kaffee-Zelt, vielen bunten Buden und selbstverständlich auch einer Reitschule zu feiern, an der besonders die kleinsten „Kirchtanner“ ihre helle Freude hatten.

Seit Jahren sind dort vor den Toren der Stadt Menschen am Werk, sich wieder eine neue Lebensbasis zu schaffen. In Gemeinschaftsarbeit haben sie ihre Häuser gebaut, Gärten angelegt und aus einer Wildnis neuen Lebensraum gewonnen, der ihnen ihr Leben wieder lebenswert macht. Noch ist nicht alles so, wie sie es sich wünschen.

Neben der Kirche fehlt vor allem noch eine Schule und es ist ihr größter Kummer, daß ihr Nachwuchs einen zu weiten Anmarschweg in die Schule hat.

Ortsvorsteher Dächert aus Eberstadt weiß das und er hat sich entschlossen, noch in diesem Jahr mit dem Bau einer Schule zu beginnen, die genau wie die Wohnhäuser zum großen Teil in Gemeinschaftsarbeit erbaut werden soll.

An diese Dinge dachten die Menschen, die gestern bis tief in die Nacht hinein ihr Siedlerfest feierten, das heute mit viel Fröhlichkeit und Tanz seine Fortsetzung finden wird.

Es wurden keine großen Reden gehalten und es waren auch keine hochoffiziellen Gäste da. die die Grüße irgendwelcher Aemter überbrachten. Die Männer und Frauen, die in Eberstadt ein großes Werk vollbracht haben, feierten ganz allein mit Ortsvorsteher Dächert, der wie kein Zweiter immer wieder für sie da war, ihr Fest, das eine Verschnaufpause in der großen Arbeit war, die noch zu leisten ist, eine Etappe auf dem Weg zum Ziel, das zu erreichen sie sich vorgenommen haben.

Professor Noack 60 Jahre

Heute begeht Prof. Dr. Friedrich Noack seinen 60. Geburtstag. Der Jubilar, der einer alten Darmstädter Maler- und Architektenfamilie entstammt, war schon frühzeitig Schüler von Arnold Mendelssohn geworden. Nach musikwissenschaftlichem Studium in München und Berlin bei Kretzschmar und Max Schneider promovierte er 1914 zum Dr. phil.. betrieb nebenbei seine Ausbildung als Konzertsänger, die durch eine schwere Verwundung im 1. Weltkrieg unterbfochen wurde, und legte nach erneutem Studiengang an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Charlottenburg 1920 seine pädagogische Musikprüfung ab. Im gleichen Jahr habilitierte er sich an der T. H. in Darmstadt.

Seiner vielseitigen Ausbildung gemäß vollzog sich später auch seine berufliche Tätigkeit. Musikwissenschaft, Musikerziehung und Musikpraxis liefen nebeneinander her. wobei zu bestimmten Zeiten die eine oder andere Seite mehr in den Vordergrund rückte. Der Musikwissenschaftler schuf sich seinen Namen mit der Neuherausgabe der Werke von Ohr. Graupner in den Denkmälern der deutschen Tonkunst. in der Edition von Opern und Oratorien Lullys. Carissimis und anderer älterer Musik, mit der Wiederentdeckung von Carl Wolfgang Briegel und mit zahlreichen Aufsätzen und Kongreßberichten. Der Musikerzieher war schon frühzeitig als Lehrer an Berliner Konservatorien, später als Dozent an der T. H. und der Akademie der Tonkunst in Darmstadt, am Hoch'schen Konservatorium und der Pädagogischen Akademie in Frankfurt, an der Musikhochschule in Mannheim tätig. Gleichzeitig erfolgt seine Ernennung zum Mitglied des hessischen Prüfungsausschusses für Musikiehrer. Zahlreiche eigene Kompositionen entstehen, in denen die Chorliteratur einen bevorzugten Platz einnimmt. Denn der Musikausübende wird musikalischer Leiter des Akademischen Chores, der Madrigalvereinigung. des Arbeiterchores und später des Mozartvereins, wird von der deutschen Sängerschaft zu fachlichen Funktionen herangezogen und zeichnet als Schriftleiter für einige Chorzeitschriften.

Während der Hitlerzeit wird Prof. Noack in seinem Wirkungskreis immer mehr kaltgestellt. Nach dem Zusammenbruch baut er die jetzige Landesmusikschule auf und wird deren Direktor. Die Lehrtätigkeit als Dozent an der T. H. und an der Hochschule für Musik in Frankfurt treten hinzu, der Chorleiter findet neue Aufgaben und der hessische Staat setzt ihn wieder zum Musikberater für Starkenburg ein.

Ein arbeitsames Leben zeichnet sich ab, das im Dienste der edlen Musica stand, seiner Heimat ergeben war und heute noch unermüdlich schaffend weiterwirkt. Den Jubilar begleiten an diesem Tage die herzlichsten Wünsche, vor allem der Dank seiner zahlreichen Schüler. Mögen ihm noch viele segensreiche Jähre in seinem Beruf beschieden sein und er noch lange seiner Familie in voller Gesundheit erhalten bleiben!



Der Weg zum Sender Cleveland

Wie Oberbürgermeister Metzger zu seiner Rede kam — Das Hilfswerk schreibt zurück

Aus Chicago, wo er sich gegenwärtig aufhält, ließ uns Oberbürgermeister Metzger eine Rundfunkansprache übermitteln, die er in Cleveland (Ohio) für die dortige Steubengesellschaft zur Vorbereitung eines „Deutschen Tages“ gehalten hat. Ein Darmstädter hat ihm dabei den Weg zum Sendehaus geebnet: Kaufmann Emil Löb.

Emil Lob gehört zu jenen unserer Mitbürger, denen durch Freundeshilfe die Emigration ermöglicht wurde. Er hat sich schweren Herzens mit seiner Familie Von der alten Heimat getrennt — im April 1939, Ein halbes Jahr vorher war er mit einer bedrohlichen Lungenentzündung aus dem Konzentrationslager Buchenwald entlassen worden. Viele Darmstädter haben ihn noch in Erinnerung. In seinen jungen Jahren hat er sich mit Feuereifer und nie erlahmender Energie für die nationalsozialen Gedanken Friedrich Naumanns eingesetzt. Die Demokratische Partei hatte in ihm einen eifrigen Förderer. Weniger bekannt — denn er wollte nicht, daß darüber gesprochen wurde — ist seine große Opferbereitschaft für die Werke der freien Wohltätigkeit. Trotz aller bitteren Erfahrungen hat er seine Anhänglichkeit an Darmstadt und an seine alten Freunde bewahrt und auch diesmal wieder bewiesen.

Noch einen anderen Darmstädter traf der Oberbürgermeister: Hugo Decker, den Sohn eines jetzt im Altersheim lebenden städtischen Beamten. Er wird in wenigen Wochen mit anderen Mitgliedern der Steubengesellschaft nach Frankfurt fliegen und sich längere Zeit in Darmstadt aufhalten.

In seiner Rundfunkansprache erwähnte der Oberbürgermeister auch das Darmstädter Siedlungswerk für die ihrer Heimat beraubten Deutschen, auch Buchenland und Ungarn. Als gestern unsere Neubürger mit Gemeindemitgliedern aus dem evangelischen Dekanat Darmstadt ihr Sommerfest begingen, gedachten sie in besonderer Herzachkeit Ludwig Metzgers. Sie sandten ihm einen Gruß, der die Unterschriften des Dekanatsobmanns Lehrer Stoll, des ungarneutschen Vertreters Steinsch und des Buchenlanders Liebenwein trägt. Es folgen noch manche Namen, so auch der von Bürger-Schröder. In dem Brief heißt es: dav°n’ daß Sie in einer Deutschen Stunde über den Sender Cleveland m einer Ansprache auch von den drei Fluchtlingssiedlungen gesprochen haben. Dem Dank, den Sie dabei für die Hilfe sag V°n drÜben Zuteil geworden ist, schließen wir uns von Herzen an. Auch dieses Jahr haben wir unseren Basar mit einer reichen Spende ausstatten können. Wir bitten Sie, wo immer Sie Gelegenheit dazu haben, unseren in Christo durch die Oekumene verbundenen Glaubensgenossen und allen, die in der Gesinnung echter Humanität sich darum mühen, die Schrecknisse des Krieges zu überwinden und für eine

friedliche Welt zu wirken, zu versichern, daß wir uns mit ihnen auf das engste verbunden wissen."

Das zweite Sommerfest des Evangelischen Hilfswerks war trotz der vielen anderen Veranstaltungen sehr gut besucht. Der Pfungstädter Posaunenchor, die Eberstädter und buchenländer Tanzgruppen und Kasperle erfreuten mit schönen Darbietungen. Auch diesesmal waren wieder ausländische Gäste erschienen, aus Amerika und aus Schweden. Professor Nowotny von der „Cralog“, Wiesbaden, erzählte, wie die Spenden drüben zusammengekommen sind, nicht als Gaben aus dem Ueberfluß, sondern aus vielen Scherflein von Menschen, die sich aus christlicher Liebesgesinnung Opfer auferlegen. Ueber Schlesien und die Not im Osten berichtete der Breslauer Pfarrer Berg und rief auf, daß auch wir bereit sein sollten zu Opfern, wie sie über das Hilfswerk nun zu den Menschen „jenseits des Eisernen Vorhangs" geschickt werden, die nie das Gefühl haben dürften, von uns verlassen zu sein. p^

Das Durchgangsarzt-Verfahren

Eine Reihe von Berufsgenossenschaften haben mit den Krankenkassen das sogenannte Durchgangsarzt-Verfahren vereinbart. Es ist zweckmäßig, wenn sich jeder Betriebsangehörige darüber vergewissert, welcher Berufsgenossenschaft der Betrieb angehört, ob diese Berufsgenossenschaft dem Durchgangsarzt-Verfahren angeschlossen ist und welcher Facharzt oder welches Krankenhaus für ihn bei einem Unfall in Frage kommt.

Das Durchgangsarzt-Verfahren hat den Zweck, alle Unfallverletzte — auch bei anscheinend geringfügigen Verletzungen möglichst vor Inanspruchnahme des Kassenarztes dem von der Berufsgenossenschaft bezeichneten Konsultationsfacharzt zuzuführen. Der Durgangsfacharzt beurteilt, ob die Fürsorge, die die Krankenkassen dem Patienten zuteil werden läßt, ausreicht oder ob besondere Heilmaßnahmen angezeigt sind- -oh-

Wohin gehen wir hente?

Landestheater: Orangerie, 19.30 Uhr: „Alle meine Söhne“. G.eschl.Vorst. Ende 22.15 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Maria Walewska“; Thalia: „Katharina die Große“; Belida: „Gabriela“; Palast: „Verlorenes Rennen ; Hansa: „Der Weg nach Sansibar“, Pauluskirche: 20 Uhr Bachabend.

Starkenburg

L. Hessischer Landes-Feuerwehrtag in Dieburg

Uebergabe des neuen Gerätehauses der Dieburger Feuerwehr / Vorführu ngen moderner Brandbekämpfungsmittel und -Geräte / Hessens Feuerwehren im Festzug

Mit der Tagung des hessischen Landesfeuerwehrverbandes am Samstagmittag in der Dieburger „Ludwigshalle“ wurde der „amtliche Teil“ des Dieburger Feuerwehrfestes 1950 erledigt. In angenehm empfundener Kürze und Sachlichkeit und ohne langatmige rein verbandsinterne Ausführungen wickelte sich die Tagesordnung ab. Der Beziirksvorsitzende, Feuerwehrinspektor Pf aff, Wixhausen, begrüßte mit besonderer Freude Regierungspräsident Arno ul, Darmstadt, den Referenten der Abteilung Feuerschutz im hessischen Innenministerium, Lehmann, Regierungsrat Spamer, de>* Bürgermeister der gastgebenden Stadt, Ludwig Steinmetz, Präsident Uebel von der Brandversicherungsanstalt Hessen - Darmstadt, Rechnungsrat S c h.n e i d m ü 1 - ler von der Brandversicherungskammer, die Bezirksinspektoren Diefenbach, Wiesbaden, Gutberlett, Kassel, und Branddirektor Jost, Darmstadt. Dazu etwa 300 Delegierte fast aller Wehren des Bezirks.

Bürgermeister Steinmetz unterstrich die Selbstlosigkeit des Feuerwehrmannes, der jedem Bürger in Not und Gefahr zu Hilfe eile. Regierungsrat Spamer versicherte die Wehren seiner bisher gezeigten weitgehenden Unterstützung auch für die Zukunft. Oberbrandmeister Thomas, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Dieburg, dankte für die Wahl der Stadt als Tagungs- und Festort und gab der Hoffnung Ausdrude, daß das Fest ein weiterer Markstein für die Erreichung der hohen Ziele der Freiwilligen Feuerwehren werde.

Bezirksfeuerinspektor Pfaff wies in seinem Jahresbericht unter anderen darauf hin, daß sich erfreulicherweise der Nachwuchs bei der Feuerwehr mehr und mehr einstelle, so daß er heute bereits nahezu 30 Prozent der Aktiven ausmache. Während des abgelaufenen Geschäftsjahres seien über 2700 Feuerwehrleute mit dem Ehrenzeichen des Verbandes ausgezeichnet worden, darunter 217 für 50jährige und 601 für 40jährige aktive Dienstzeit. Einstimmig wurde dann beschlossen, den nächsten Verbandstag im Jahre 1953 in Oberhessen abzuhalten. Der Ort soll auf einer der inzwischen stattflndenden Hauptversammlung festgelegt werden, um Bewerbern Gelegenheit zum Einreichen ihrer Anträge zu geben. Ueber das Aufkommen der Feuerschutzsteuer 1950 referierte Präsident Uebel, der unter anderem mitteilte, daß die Eingänge aus dieser Abgabe bei weitem nicht Schritt hielten mit den Preisen für die unbedingt anzuschaffenden Geräte und Ausrüstungen, die nach den Anforderungen der Wehren einen Betrag von sieben Millionen DM erforderten. An Zuschüssen zur Förderung des Feuerlöschwesens seien In den Jahren 1949 und 1950 je 350 000 DM ausgeworfen worden.

Ueber die Anschaffung von 20 landeseigenen Löschfahrzeugen, deren Anschaffungsbetrag dbs Mißverhältnis zwischen dem Bedarf der einzelnen Gemeinden und den ausgeworfenen Beträgen kaum fühlbar ändere, entspann sich eine lebhafte Aussprache, bei der Rechnungsrat Schneidmü 11 e r der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Normalisierung der Zuschüsse nicht mehr lange auf sich warten lasse. Aus den Reihen der Delegierten wurde damit im Zusammenhang der Vorschlag gemacht, von jedem Hauseigentümer, der nicht Mitglied der Feuerwehr sei, einen Jahresbeitrag von 2 DM zu erheben. Damit könnte den Feuerwehren manche Anschaffungsmöglichkeit gemacht werden.

Fackelzug und Festkommers

Zur Einleitung des Festabends im Schloßgarten veranstaltete die Dieburger Wehr unter Teilnahme mehrerer örtlicher Vereine einen Fackelzug, nach dessen Ankunft im großen Zelt der Festakt begann. Hauptbrandmeister Heinrich Thomas, der 1. Kommandant des Jubelvereins, begrüßte zahlreiche Ehrengäste, Vertreter der Regierung, des Kreises, der Stadt, benachbarter Bezirke und Länder. Er beteuerte, daß bei den unzähligen Brand- und Katastropheneinsätzen, die die Dieburger Wehr während ihres 80jährigen Bestehens durchgeführt habe, viele hundertmal bewiesen Wurde, wie tief die Nächstenliebe bei ihr Wurzel geschlagen habe. Diese hohe Einstellung habe sie auch 1945 nicht zum Opfer des Zusammenbruchs werden lassen. Bürgermeister Steinmetz dankte der Dieburger Wehr für ihre bisher geleistete Arbeit. Die Festtage sollten den Gedanken der Hilfsbereitschaft und der Gemeinschaft erneuern und fördern. Regierungsrat Spamer überbrachte die Grüße des Landrats. Der Besuch aus Rheinhessen, Baden und Bayern zeige, daß es bei der Feuerwehr keine politischen Grenzen gebe. Nach der vielen Arbeit freiwilliger Selbstlosigkeitstehe es der Feuerwehr zu, auch einmal ein frohes Fest zu feiern. Die unendlichen Zerstörungen des Krieges hätten den Feuer- und Brandschutz zu einem besonders wichtigen Faktor gemacht. Die Oeffentlichkeit aber müsse stets dessen eingedenk sein, was sie der Feuerwehr schulde. Der Redner überreichte an Ehrenbrandmeister Simon Gruber und die Oberfeuerwehrmänner Peter Heinrich Christ, Adam Gorges und Heinrich Caspar L o h r u m Ehrenurkunden für 25jährige Tätigkeit; Bezirksfeuerwehrinspektor Pfaff heftete ihnen die Ehrennadeln des Verbandes an.

Dann aber traten die Gratulanten auf: die Frauen der Stadt Dieburg, ein Vertreter Rheinhessens, der Kreis Groß-Gerau, der Gesangverein „Sängerlust“, der Kelle’r'sche Mannergesangverein, der Radfahrerverein 1899, der Sport-Club „Hassia“, die Freie Sängervereinigung, der Athletik-Sportverein, der Turnverein und der Reit- und Fahrverein. Sie brachten ihre Geburtstagsgeschenke in Form von Urkunden, Plaketten, Fahnenschleifen oder Geldgaben und mit Vorführungen oder Chorvorträgen dar.

Einweihung des neuen Gerätehauses

Mit Festgottesdiensten begann der Sonntag. Um 9 Uhr wurde das neuerrichtete Feuerwehrgerätehaus im Hof des Fechenbachschen Schlosses seiner Bestimmung übergeben. Bürgermeister Steinmetz bezeichnete es in einer kurzen Ansprache als einen Hort, um den Wert und die Schlagkraft der Wehr zu erhöhen. Hauptbrandmeister Thomas übernahm das Haus in die Obhut der Feuerwehr mit dem Versprechen, sich in der Zukunft gleichermaßen für den Schutz der Bevölkerung einzusetzen.

Ueber zwei Stunden lang rollten dann auf dem Marktplatz mehrere Schul- und Brandangriffsübungen ab, denen neben der Einwohnerschaft die seit den frühen Morgenstunden auf Fahrzeugen und mit der Eisenbahn aus allen Richtungen eingetroffenen Wehrleute als Zuschauer beiwohnten. Den Vorführungen am Steigerturm folgte die Bekämpfung leichtentzündbarer Gase und Flüssigkeiten, bei der eine Herstellerfinna die Wirksamkeit ihrer Handlöschgeräte zeigte. Benzin-, Benzdn-Oelgemisch, Teer und Holz wurden unter Anwendung der verschiedensten Methoden gelöscht. Nach der Vorführung eines Brandangriffs der Dieburger Freiwilligen Feuerwehr zeigten amerikanische Feuer-Brigade-Einheiten auf mannigfache Art, wie Klein- und Großbrände mit Lösch-Schaum, Wassernebel und der Wasserkanone rasch und erfolgreich zu bekämpfen sind. Der aus drei großen Schlauchleitungen gespeiste „Molitor“ mit einer Wurfweite von über 80 Metern zeigte dabei besonders eindrucksvoll, auf welch technischem Hochstand heute das Feuerlöschwesen bereits angekommen ist.

4000 durchzogen die Stadt

Nicht nur für die Bewohner Dieburgs, sondern auch für Hunderte und Tausende von Gästen aus den benachbarten Gemeinden wurde der Festzug am Nachmittag zu einem eindrucksvollen Mittler der Bedeutung und Schlagfertigkeit der Freiwilligen Feuerwehren. Der Reit- und Fahrverein zu Pferd und Mitglieder des Radfahrervereins auf geschmückten Saal- und Tourenmaschinen eröffneten den Zug, der sich mehr als eineinhalb Stunden lang durch die Straßen der Stadt bewegte. Auf der Terrasse des „Mainzer Hofes“ hatten der Protektor des Feuerwehrfestes, Ministerpräsident Stock, und als Ehrengäste Oberregierungsrat Schäfer von der Regierung Rheinland-Pfalz, Regierungspräsident A r n o u 1 und weitere Behördenvertreter Platz genommen. Während einer Gedenkpause für die Toten und Gefallenen der hessischen Wehren intonierte eine Musikkapelle das Lied vom guten Kameraden.

Der Festakt im Schloßgarten

Nach Beendigung des Festzuges fand in dem großen Zelt im Schloßgarten ein Festakt statt, zu dem Bürgermeister Steinmetz die Gäste und Wehrleute begrüßte. Landrat Ritzert sprach von der besonderen Bedeutung des Leitwerts der Wehren, die in gläubigem Gottvertrauen an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes arbeiten, das aber auch in dem Wort „dem Nächsten zur Wehr“ ein starkes menschliches und soziales Empfinden zum Ausdruck bringe.

Starker Beifall empfing den hessischen Ministerpräsidenten als er zu seiner Festrede das Wort ergriff. Wo soviel Kameradschaft im Interesse für die Allgemeinheit sich zeige, wo solch Fest Symbol für die Gemeinschaftsarbeit der Freiwilligen Feuerwehren sei, dürfe die Regierung nicht fehlen. Er habe mit persönlichem Interesse verfolgt, was der Landesfeuerwehrverband in den letzten Jahren geleistet habe, denn die von ihm aus den Trümmern wieder geschaffene Organisation sei ein Sinnbild der Pflicht, in allem Fällen dem Menschen zu helfen. Das 80jährige Jubiläum der Dieburger Wehr beweise, daß schon vor vielen Jahrzehnten hier das Solidaritätsgefühl Wurzel geschlagen habe, wenn es gelte, der Not an Hab und Gut Herr zu werden. Die Tätigkeit der Feuerwehr zeige, daß nicht nur im Feuersfall, sondern gegenüber jeglicher Gefahr, da die Elemente menschliches Eigentum zu zerstören drohten, im gemeinsamen Einsatz von Kraft und Mut dem Nächsten Hilfe gebracht werde. Wenn es gelinge, keinen am Wegrand liegen zu lassen, sondern jeden einzelnen zur höchsten Kultur emporzuheben, dann könne man wahrhaft von einer nationalen Nation sprechen. Das bedeute aber nicht, siegreiche Schlachten zu schlagen, die nur wenige mit Stolz auf ihre Leistung erfüllten, sondern es bedeute in allen Lebenslagen eins zu sein und dadurch dem Vaterlande einen großen positiven Beitrag zu leisten.

Gleißender Sonnenschein und Tausende von Menschen auf dem Festplatz gaben dem anschließenden Volksfest ein frohes Gepräge. Am Abend aber wurde getanzt — bis in die Nacht.

Und heute nach alter Tradition: Frühschoppen im Festzelt, nachmittags Festzug des kleinen Volks — die Volksschule hat zu diesem Zweck unterrichtsfrei — mit Kletter- und Schwebebalken, mit Kuchenwettessen (Heidelbeeren! Käsekuchen!), mit Eierlaufen und Sackhüpfen und viele, viele leckere Preise ... 20 Uhr: Großer Schlußball mit Illumination. (RG)




Unsere Bilder zeigen in der oberen Reihe: Das neue Gerätehaus „der Dieburger Feuerwehr (rechts). — Bürgermeister Steinmetzbeiseiner Ansprache zur Uebergabe (Mitte).— Ausschnitt aus der Steigleiterübung der Dieburger Feuerwehr (links). In der unteren Reihe: Der „Molitor“, die vielbeachtete „Wasser-Kanone“ der amerikanischen Löscheinheit (links). — Unter den Ehrengästen, die auf dem. Marktplatz dem Vorbeimarsch des Festzuges beiwohnten, befanden sich Ministerpräsident Stock (Mitte), Regierungspräsident Arno ul (rechts) und Landrat Ritz er t (links). ‘— Mit ihren alten Fahnen zogen die hessischen Feuerwehren im Festzug durch die Stadt (rechts). Di-Fotos (6): Schröder
Unsere Bilder zeigen in der oberen Reihe: Das neue Gerätehaus „der Dieburger Feuerwehr (rechts). — Bürgermeister Steinmetzbeiseiner Ansprache zur Uebergabe (Mitte).— Ausschnitt aus der Steigleiterübung der Dieburger Feuerwehr (links). In der unteren Reihe: Der „Molitor“, die vielbeachtete „Wasser-Kanone“ der amerikanischen Löscheinheit (links). — Unter den Ehrengästen, die auf dem. Marktplatz dem Vorbeimarsch des Festzuges beiwohnten, befanden sich Ministerpräsident Stock (Mitte), Regierungspräsident Arno ul (rechts) und Landrat Ritz er t (links). ‘— Mit ihren alten Fahnen zogen die hessischen Feuerwehren im Festzug durch die Stadt (rechts). Di-Fotos (6): Schröder

Christian Stock - Ehrenbürger von Pfungstadt

Feierliche Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefs im Rathaus

Schon lange vor der Ankunft des Ministerpräsidenten hatten sich die Einwohner Pfungstadts vor dem Rathaus eingefunden, um den Empfang durch die Gemeindeverwaltung mitzuerleben. Für die Aelteren, die die Jugendzeit mit Christian Stock verbrachten, sollte dieser Abend mehr als . ein festlicher Akt bedeuten. Aus. ihrer Mitte ist er hervorgegangen, in Pfungstadt empfing er die ersten Eindrücke, nachdem die Eltern, 1891 von Darmstadt nach Pfungstadt verzogen. d«n Sohn das Zigarrenmacherhandwerk erlernen ließen. Als er im Jähre 1910, 23jährig,, in hauptberuflicher Funktion innerhalb des

Tabakarbeiterverbandes tätig sein sollte, brachte er neben der Erfahrung gewerkschaftlicher und sozialpolitischer Arbeit alle die Eindrücke mit, die die erfolgreiche konstante Linie in seinem späteren Leben möglich machten.

Ein Blumenstrauß war der erste Gruß Pfungstadts für den eintreffenden Ministerpräsidenten. Die Vorsitzenden der Parteien, Verbände, Organisationen und die Gemeinderäte nahmen als Ehrengäste im Festsaal Platz, wo das Musikquartett Apfel die feierliche Stunde eröffnete. Nach einer Darbietung des Kinderchores begrüßte Bürgermeister Jäger den Ministerpräsidenten sowie Staatssekretär Bach, Landrat Wink und weitere Vertreter des öffentlichen Lebens. Der Bürgermeister betonte, stolz zu sein den hohen Gast als Oberhaupt der Stadt empfangen und ihm das Ehrenbürgerrecht verleiben zu kennen.

Nach der Ueberreichung des Briefes würdigte Landrat Wink die Verdienste Christian Stocks, der anschließend das Wort ergriff.

Der Ministerpräsident sprach von seiner Entwicklung, von dem sehr frühen Wunsch, die Verbesserung des Lebensstandardes derjenigen zu erreichen, mit denen er aufwuchs. Nicht mit Tollkühnheit, aber mit Mut sei geformte Gerechtigkeit, sozialer Aufschwung erreicht worden Mit ihm sei auf diesem Wege ein Kamerad, wie der ehemalige Minister Raabe, keinen Schritt zu rückgegangen, und die früheren Abgeordneten Büchner und Ullrich, zwar aus verschiedenen politischen Lagern kommend, seien ebenfalls aus der Stadt lebhaften politischen Lebens hervorgegangen.

„Ich werde immer an Pfungstadt denken und es im Rahmen der anderen Kinder, die ich zu betreuen habe, berücksichtigen. Sie haben mir heute eine große Freude gemacht, für die ich Ihnen recht herzlich danke“, beendete der Ministerpräsident seine Rede unter großem Beifall.

Der Leiter des GewerksChaftsbundes überbrachte die Wünsche der Gewerkschaft und das Quartett Apfel beschloß eine festliche Stunde, die bei allen Teilnehmern den Eindruck geglückter Ausgestaltung und persönlicher Bereicherung hinterließ, j (ng)


Ministerpräsident Stock, bei seiner Ansprache. Im Vordergrund die Mappe mit dem Ehrenbürgerbrief von Pfungstadt Foto: Hage
Ministerpräsident Stock, bei seiner Ansprache. Im Vordergrund die Mappe mit dem Ehrenbürgerbrief von Pfungstadt Foto: Hage

Er hat gut meckern!


Eberhard heißt er zwar nicht, aber einen Bart hat er, der Baldo, der sich sehen lassen kann. Er holte schon in Frankfurt bei der Landesziegenschau den ersten Preis für seine Heimatgemeinde Hähnlein und gab selbstverständlich auch bei der Bezirksziegenschau allen Ziegenböcken das Nachsehen. Foto: pdr.
Eberhard heißt er zwar nicht, aber einen Bart hat er, der Baldo, der sich sehen lassen kann. Er holte schon in Frankfurt bei der Landesziegenschau den ersten Preis für seine Heimatgemeinde Hähnlein und gab selbstverständlich auch bei der Bezirksziegenschau allen Ziegenböcken das Nachsehen. Foto: pdr.

Ginsheimer Gemeinschaftstag

Ginsheim, eine Gemeinde von knapp 4000 Einwohnern, hat ein reges kulturelles Leben. Die acht ortsansässigen Vereine sind zu einer Sport- und Kulturgemeinde zusammengeschlossen, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Ginsheimer Turnhalle auszubauen. Vor Jahren fand sie als Gefangenenlager Verwendung, die Dachkonstruktion war zerstört und es wurden einige Tausend Mark in den Wiederaufbau hineingesteckt, ohne daß diese jedoch gelangt hätten.

Die Sport- und Kulturgemeinde hatte gestern auch zu einem Gemeinschaftstag aufgerufen, um in einer Werbeveranstaltung die Bausteine zu 0,50, 1,— und 2,— DM abzusetzen. Mit dem Geld soll über den Ausbau hinaus die Turnhalle eine Bühne erhalten.

Am Vormittag zogen die einzelnen Vereine durch den Ort, die Buben und Mädchen im Turntrikot, unter der Musikbegleitung zweier Kapellen. Gleichzeitig wurden in den durchzogenen Straßen die Bausteine im Hausverkauf abgesetzt. Anschließend fand ein Stafettenlauf um den Wanderpokal statt, an dem vier Mannschaften teilnahmen. Von der Turnhalle beginnend wurde mit der Stafette die Mainzer Straße und die Siedlung durchlaufen, mit einem Boot über den Rhein gesetzt, anschließend von Schwimmern zurückgebracht, von Radfahrern übernommen und zuletzt wieder von Läufern durchs Ziel getragen. Sieger wurde der Verein für Ballspiele, den 2. Preis erhielt die Turngemeinde und 3. war der Radsportverein. Als einzigstes Mädchen nahm an dem Lauf die jüngste Hessische Meisterin der- Jugendklasse B, Käthi Rauch aus Ginsheim, teil, die erst am vorletzten Sonntag in Wiesbaden ihren Lorbeer empfing.

Am Nachmittag veranstalteten die Kulturvereine und der Schulchor auf den Altrheinanlagen ein gemeinsames Konzert mit Chören und Volksmusik. Abends wurde in der Turnhalle die Siegerehrung vorgenommen und als Abschluß vereinigten sich alle Teilnehmer zum Tanz. Ginshe’m beabsichtigt diesen Gemeinschaftstag aller ortsansässigen Vereine zu einer alljährlich wiederkehrenden Einrichtung zu machen. (hfi)

In drei Monaten:

Drei Tote und 35 Verletzte

An den Unfällen, die im zweiten Kalendervierteljahr -1950 von den neun Stationen der Gemeindeschutzpolizei des Kreises Groß-Gerau gemeldet wurden, waren 133 Verkehrsteilnehmer beteiligt. Hierbei wurden drei Personen getötet und 35 verletzt. (Cg)

Alsbacher Schlok im Schein der Lampen

Brillantfeuerwerk und Schloßbeleuchtung

Der Erfolg des Schloßfesteg beweist, daß der Verkehrs- und Verschönerungsverein Alsbach richtig gerechnet hatte. Schon am Samstagabend war das sonst so friedlich zwischen seinen Feldern liegende Städtchen im Schmuck unzähliger Wimpel und bunten Windlichtern kaum wieder zu erkennen. Es schien, als wolle sich die ganze Bergstraße zwischen Seeheim und Bensheim ein Stelldichein geben, um das Ereignis der Schloßbeleuchtung mitzuerleben. Eine sternenklare Sommernacht begünstigte den Erfolg der Unternehmung. Weithin leuchtete die romantische Silhouette des Schlosses im bengalischen Licht. Ein glänzendes Feuerwerk krachte über dem Schloßberg. Immer neue Garben leuchtender Kugeln schossen in den Himmel.

Der Festplatz und das Festzelt, das vom Kronenwirt bestellt wurde, waren bis auf den letzten Platz gefüllt, als Dr. Högy im Namen des Verkehrs- und Verschönerungsi Vereins die Gäste begrüßte. Nach einer gesanglichen Darbietung des Arbeiter - Gesangvereins unter Leitung von Elektromeister Eichler — dem übrigens auch die technische Leitung der Schloßbeleuchtung oblag — sprach Bürgermeister Engel als Oberhaupt der Stadt. Landrat Wink, der kurz darauf eintraf, konnte leider der vorgerückten Stunde wegen nicht mehr zu Wort kommen. Der Rest der Nacht gehörte dem geselligen Vergnügen in allen Wirtshäusern, Gaststätten und Tanzsälen Alsbachs.

Am Sonntagnachmittag war es trotz der unmäßigen Hitze noch bewegter als am Vorabend. Groß und klein wollten den Festzug sehen, der alle Erwartungen übertraf. In malerischen Kostümen zog ein Stück Alsbacher Geschichte vorbei, in den historischen Gestalten, die im Laufe der Jahrhunderte das Schloß gebaut, beherrscht, zerstört und wiederaufgebaut haben. Fanfarenbläser und Reiter begleiteten Ritter und Hohe Herren. Weiß gekleidete Kinder1 und Mädchen mit Blumenkränzen waren in ihrem Gefolge. Die Blumenkönigin grüßte hoheitsvoll von bekränztem Wagen. Egerländer Trachtengruppen, die die später im Festzelt Lieder ihrer Heimat sangen und Volkstänze darboten, vertraten die Neubürger Alsbachs.

Die „Bensemer“ Nachbarn hatten ihre Abordnung in malerischen Biedermaier-Kostümen entsandt und ernteten einen dankbaren Beifall für ihre Jüngsten, die ein niedliches Menuett zum besten gaben. Eine Wandergruppe der Naturfreunde, Fahnenschwinger und die Alsbacher Zünfte beschlossen den Zug, der sich aus dem Festplatz zwischen Schiffschaukeln und Buden auflöste.

Als besonderer Gast wurde der Heimatdichter Josef Stoll, der Gründer des Bensheimer Winzerfestes, begrüßt und als der allbekannte „Stolleseppel“ von Dr- Högy mit einem dreifachen Hoch gefeiert.

Und dann gab es abermals Musik und Tanz und dazu viel, viel Bier, das an diesem schönen Sonntag in Alsbach gewiß nicht ausgegangen ist. (kä)

Fast jeder Ginwohner ein Züchter

Großer Jubiläums-Zuchtviehmarkt in Hähnlein

Von allen Seiten strömten am Wochenende mit Transportautos, Pferdefuhrwerken und Omnibussen Ziegenzüchter nach der kleinen Gemeinde Hähnlein an der Bergstraße. Seit Jahr und Tag ist sie das Züchterdorf zwischen Ried und Bergstraße, und jeder Ortseingesessene hält seit Generationen Ziegen.

Die Ziege ist in Hähnlein tatsächlich die „Kuh des kleinen Mannes“, selbst des Arbeiters, der den Tag über auswärts in einer Fabrik oder an einer Baustelle arbeitet. Die Frau füttert, melkt und züchtet zu Hause Ziegen. Dazu kommt, daß die rein bäuerliche Bevölkerung Hähnleins schon immer auch in der Fleckvieh- und Schweinezucht große Erfolge aufzuweisen hat.

Fünf Jahrzehnte besteht in diesem Jahr der Hähnleiner Zuchtverein. In dieser Zeit hat sich die Hähnleiner Zucht nicht nur in Starkenburg, sondern auch im Bereich der ganzen Landwirtschaftskammer Hessen. Nassau einen großen Ruf erworben. Prachtexemplare der Hähnleiner Ziegenzucht sind heute auch in der badischen und Pfälzer Zucht zu finden.

Für die gesamte Gemeinde bedeutete daher die 50-Jahrfeier des Zuchtvereins in Verbindung mit dem traditionellen „Gaasemarkt“ ein festliches Ereignis, das die Züchter um so mehr interessierte, da außer der örtlichen Ziegenschau eine Bezirksziegenschau stattfand, auf der die besten Zuchttiere Starkenburgs aufgetrieben waren. Die Sachverständigen, vom Direktor der Landwirtschaftskammer Hessen - Nassau, Weingarth, angefangen bis zu Landestierzuchtdirektor Dr. Schneider, beide Frankfurt, sprachen sich äußerst anerkennend über die Leistungen der Hähnleiner Zucht aus. So konnte es auch nicht ausbleiben, daß die Hähnleiner Ziegenzüchter bei der Bewertung des Zuchtmaterials an erster Stelle standen. Sie holten sich die meisten Ehrenpreise und Preise. Wenn auch nicht alle Züchter namentlich genannt werden können, so verdient es Christian Werner 2., der die meisten Preise errang und mit seiner Rindersammlung das Schaustück der ganzen Ausstellung vorstellen konnte. Er erhielt nicht nur einen Lnrenpreis der Landwirtschaftskammer, sondern auch die silberne Medaille des Züchterverbandes.

Nach der Prämiierung ging es in geschlossenem Zug, mit der Festmusik voran, zu einer Züchterversammlung, in der die Ergebnisse der Schau von Tierzuchtdirektor Seeger, dem Leiter des Tierzuchtamtes Darmstadt, besprochen wurden. Der Züchterverein selbst nahm zahlreiche Ehrungen vor. Er ehrte seine sechs noch am Leben befindlichen Gründer: Philipp Nickel 5., Jakob Schäfer, Peter Schneider, Heinrich Weg 2., Jakob Werner und Christian Werner, und die langjährigen Mitglieder Johann Götz 5., Christian Nickel, Joh. Jakob Nickel und Christian May. Außerdem wurden elf Züchterfrauen (deren Männer bereits verstorben sind) geehrt, weil ihnen als Frauen ja die Tierpflege anvertraut war.

Aus der Fülle der Preise seien die Ergebnisse der örtlichen Ziegenzucht-Vereinssammlungen (die aus einem Bock und fünf Ziegen bestehen mußten) besonders hervorgehoben: 1. Preise Hähnlein, Groß-Rohrheim, Lorsch, Pfungstadt, Langen und Dietesheim; 2. Preise Brensbach, Froschhausen, Groß-Bieberau, Hahn, Zwingenberg, Klein-Krotzenburg und Mühlheim a. M.

Bockfamilien: Ehrenpreis: Georg Ruths, Groß-Rohrheim; 1. Preise: Franz Pleick, Peter Kindinger 2., J. Rechel, sämtlich in Hähnlein.

Die große Fleckviehsammlung der Ortsfachgruppe Hähnlein konnte einen Ehrenpreis der Landwirtschaftskammer erringen. Eine weitere Sammlung bekam einen 2. Preis.

Zu den Ehrengästen in Hähnlein zählten u. a. Regierungsdirektor A h 1 und Landrat Wink. Mit dem Markt war eine Kleintierschau verbunden. (oa)

2000 Veith-„Kinder, auf „Entdeckunngsfahrt“

Größter Odenwälder Industriebetrieb auf Betriebsausflug in Erbach

„Warum denn in die Ferne schweifen ... 1“ sagte Direktor Brön in g von der Veith-Gummiwerke AG., Sandbach, dem größten Industriebetrieb des Kreises Erbach, als die Frage des Betriebsausflugs erörtert wurde. So entschloß sich die „Veith-Familie“ mit ihren rund 2000 „Kindern“ zu einer fröhlichen Entdeckungsreise in den heimischen schönen Odenwald. Erbach wurde als Rahmen des diesjährigen Familienfestes ausersehen, und die Kreisstadt hat ihren „Gummimännern und -Frauen“ gezeigt, wie sehr sie sich über diesen Entschluß freute. Festlich waren Straßen und Plätze sowie alle öffentlichen und viele private Gebäude mit Fahnen, Girlanden, Birkengrün und Willkommensgrüßen geschmückt, als am Sonntag vormittags gegen 11 Uhr die beiden Sonderzüge mit den Veith-Gästen auf dem Bahnhof eintrafen.

Durch ein dichtes Menschenspalier ging es dann durch Erbach, voran mehrere Gruppen Motorradfahrer, Hoch-, Kunst- und „gewöhnliche“ Radfahrer, fünf große Veith-Lastwagen, die Werkskapelle und die Feuerwehrkapelle Michelstadt. Tausende kleiner Veith-Fähnchen, viele Transparente und unzählige funkelnagelneue Fahrraddecken bildeten buntfarbigen Schmuck und Betriebswerbung zugleich.

Auf dem Wiesenmarktplatz sammelte sich die ganze Familie vor der Festhallenterrasse, von wo aus Direktor B r ö n i n g, Bürgermeister Volk, Landrat Neff, Betriebsratsvorsitzender Ph. Luft sowie Gewerkschaftssekretär Küpper, Darmstadt, in herzlichen Worten die enge Verbundenheit zwischen Werksleitung und Arbeiterschaft, vom Direktor bis zum letzten Lehrling, hervorhoben. In der Festhalle, den großen Bierhallen und einem Festzelt nahmen dann alle Betriebsangehörigen zum gemeinsamen Mittagessen Platz.

Bei Tanz, Kunstradvorführungen und improvisierten Radrennen gab es viel Freude. Auch eine Tombola, bei der Fahrräder und viele andere schöne und wertvolle Sachen zu gewinnen waren, wurde eifrig in Anspruch genommen. Eine Riesenkiste trug die geheimnisvolle Aufschrift „Großer Veith-Preis“. Die ausgezeichnete Werkskapelle gab am Nachmittag auf dem Schloßplatz ein Standkonzert. Nach fröhlichen Stunden trat die Veith-Familie erst am Abend die Heimreise an, tief beeindruckt von dem schönen Sonntag in Erbach — im heimischen Odenwald. (—ch)

3000 auf der Beerfelder „Strieth“

Glanzvolle Eröffnung des Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarktes

Strahlender Sonnenschein über Beerfelden, flatternde Fahnen über den Straßen und über den Dächern, Tausende aus der Oberzent und dem ganzen Odenwald schon am Sonntag des diesjährigen Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarktes. Das war noch nie da!

In erster Linie ist das auf die vom Reit- und Fahrverein „Oberzent" zum ersten Male seit dem Krieg wieder durchgeführte Pferdeleistungsprüfung zurückzuführen, die mit 13 verschiedenen Wettbewerbern seit 8 Uhr vormittags auf den Wiesen der „Strieth“ stattfand. Ueber 240 Nennungen waren eingegangen von fast allen ländlichen Reit- und Fahrvereinen der Oberzent und Starkenburg sowie zahlreichen Privatbesitzern. Rund 3000 schaulustige Pferdefreunde säumten die Reitbahn. Graf Alexander zu Erbach (Erbach), Bürgermeister Ludwig Siefert (Abirlenbach) als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, und Hans Rettich (Eulbach), als Vertreter der Kommission für Pferdeleistungsprüfungen in Hessen, waren neben zahlreichen anderen Pferdefachleuten anwesend.

Material und Leistungen in den Eignungs- und Dressurprüfungen sowie den Jagdspringen und Flachrennen waren überdurchschnittlich. Die Ergebnislisten folgen in der morgigen Ausgabe.

Frau Wittich konnte mit ihrem Bjährigen braunen Wallach „Baschkir“ mehrere Erfolge erzielen. Im Jagdspringen Klasse A belegte sie mit hervorragender Zeit den 1. Platz.

Lustig und amüsant war das abschließende Apfelrennen, wobei jeder Reiter im Kurs absitzen und aus einem Wassereimer mit dem Munde einen darin schwimmenden Apfel herausfischen und dann weiterreiten mußte.

In den Straßen Beerfeldens war am Sonntag bereits Hochbetrieb, der sonst nur am Montag üblich ist. Die Zahl der Besucher Beerfeldens wird auf 6000 geschätzt, -ch-

Mit dem Motorrad ins Auto

Am Samstagabend ereignete sich auf der Straße zwischen Seeheim und M a 1 ch e n ein schwerer Kraftfahrzeugunfall, als ein Motorradfahrer versuchte, einen Pkw zu überholen. Er hatte einen entgegenkommenden Personenwagen nicht beachtet und fuhr in voller Fahrt dagegen. Der Fahrer des Motorrades und eine auf dem Sozius mitfahrende Frau wurden schwer verletzt in das Eberstädter Krankenhaus gebracht. (DT)

Die Brandsirene ertönte

Noch während der Arbeitstagung der Feuerwehrdelegierten in Dieburg heulte am Samstag kurz vor 17 Uhr die Feuersirene auf. In einem Hause der Schlossergasse war ein Dielenbrand ausgebrochen, der jedoch von den Bewohnern in Selbsthilfe gelöscht werden konnte. (RG)

Mit dem Kopftuch.

erhängte sich aus noch nicht geklärten Gründen die 31 Jahre alte Frau Margarethe Schantz, geb. Fleck, in Nieder-Kinzig, im Futtergang des Stalles an einer Transmission. Die Leiche der Frau wurde zur Obduktion in das Erbacher Kreiskrankenhaus übergeführt. (-ch)

Heppenheim erhält Heimatmuseum

Heimat- und Verkehrsverein übernimmt den Aufbau

Im Mittelpunkt der Vorstandssitzung des Helmät- und Verkehrsvereins Heppenheim am vergangenen Freitagabend stand vor allem die Gründung eines Heimatmuseums. Dr. Winter, der mit der Leitung des besonders hierfür gebildeten Ausschusses beauftragt wurde, hofft, daß die Stadt bald ihre endgültige Genehmigung erteilen wird, so daß bald mit dem Aufbau eines Archivs in zwei Räumen des Kelterhauses begonnen werden kann. Es wird allerdings Jahre dauern, bis das Heimatmuseum n Verbindung mit einem Volkskundemuseum endgültig zusammengestellt ist.

Weiterhin wurde beschlossen, das Tätigkeitsfeld des Verkehrsvereins zu vergrößern und vor allem noch eine Reihe von Heppenheimer Persönlichkeiten für diese Arbeit zu interessieren. Durch Aufstellen von Bänken, Verschönerung d r Anlagen, Ausbesserung der Wege, Verkehrswerbung usw. Will der Verein Heppenheim zu einem Anziehungspunkt für Fremde von nah und fern machen.

Eine Preisrichterjury soll demnächst die Arbeiten des Photowettbewerbs, unter denen sich eine ganze Anzahl guter Aufnahmen sowohl von Berufsphotographen als auch von Amateuren befinden, auswerten und die besten Arbeiten mit Preisen auszeichnen. Bezüglich eines Antrags der CDU zwecks Renovierung des Fahrwegs auf die Starkenburg wurde der Vorschlag gemacht, künftig jeweils über das Wochenende nach Einbruch der Dunkelheit die Starkenburg und den Dom durch Scheinwerfer anzustrahlen.

Der diesjährige Bauerntag wurde für die 'Zeit vom 30. September bis 2. Oktober festgesetzt. Ueber das genaue Festprogramm fielen noch keine endgültigen Entscheidungen, doch liegen von verschiedenen Seiten, insbesondere von Bürgermeister Holzammer, Pläne vor, die den diesjährigen Bauerntag zu einem ganz besonderen Bergsträßer Fest mit besonderen Ueberraschungen machen wollen. Der Verkehrsverein hofft, daß sich diese Pläne weitgehendst verwirklichen lassen. (HB)

Ein Volkspark für Grok-Geran

Geländerundgang des Gemeinderates / Planung von Freilichtaufführungen

Bürgermeister Dr. Lüdecke, Oberregierungsrat Kura nd t vom Kulturamt Darmstadt, sowie Otto Lehmann, der Leiter der städtischen Bauabteilung Groß-Gerau, und der größte Teil der Gemeindevertreter trafen sich am Samstagnachmittag an der städtischen Obstplantage, um einen Geländerundgang zu unternehmen.

Man beabsichtigt, die Obstplantäge eventuell zu verpachten, da die Einnahmen im Verhältnis zu den notwendigen Ausgaben nicht sehr vorteilhaft erscheinen; man erwartet in diesem Jahr aus der zirka drei Morgen umfassenden Plantage ungefähr 3 500 DM an Einnahmen. Anschließend .begab man sich zu der Fasanerie bei Groß-Gerau-Dornberg. Hier unterbreitete Dr. Lüdecke Oberregierungsrat Kurandt den Vorschlag, die dem Fiskus gehörende Fasanerie der Stadt zu überlassen; diese will im Tausch dafür einen Teil des Stadtwaldes abtreten.

Die Stadt hat die Absicht, in der Fasanerie einen Volkspark anzulegcn; Bäume und weite Wiesenf'ächen lassen dieses von einer Mauer umgebene Gelände hierfür außerordentlich geeignet erscheinen. Die Anlage eines Sportplatzes und geeigneter Spazier¬ ’-ege, sowie die Einrichtung einer Gastwirtschaft sollen dazu beitragen, die Beliebtheit dieses Volksparkes zu steigern. Die Fasanerie steht auf historischem Boden. Funde aus römischer und fränkischer Zeit wurden hier bereits gemacht, so daß insbesondere der Verkehrsverein an der Erhaltung dieses Geländes großes Interesse hat.

Oberregierungsrat Kurandt versprach, daß man die Vorschläge des Bürgermeisters berücksichtigen wolle, denn der Tauschvorschlag Fasanerie gegen ein Stück Stadtwald erscheine durchaus annehmbar. Bürgermeister Dr. Lüdecke beabsichtigt in Kürze einen offiziellen Antrag für den Eintausch der Fasanerie zu stellen.

Die Umgebung des ehemaligen Dornberger Schlosses erachtete man als sehr geeignet für Freilicht-Aufführungen; der Intendant des Darmstädter Theaters hatte kürzlich nach einem für Freilicht-Aufführungen geeigneten Platz bei der Groß-Gerauer Stadtverwaltung angefragt. Die Besichtigung des an manchen Stellen völlig zugewucherten Landgrabens ergab, daß hier eine baldige Bachreinigung notwendig ist. Die Stelle, an der die Dornberger Bevölkerung eine Brücke über den Landgraben wünscht, wurde ebenfalls in Augenschein genommen. In Groß- Gerau-Dornberg hielt man eine Instandsetzung des Rathauses und der Viehwaage für besonders wichtige Aufgaben in der nächsten Zeit.

In einer anschließenden Aussprache in Dornberg faßte Bürgermeister Dr. Lüdecke die Ergebnisse des Geländerundganges zusammen. Bürgermeister Hermann, Berkach, wies im Laufe der Debatte darauf hin, daß die Berkacher Jugend einen eigenen Sportplatz brauche. Es erscheine ihm deshalb äußerst wünschenswert, wenn die Groß-Gerauer und die Berkacher Jugend in der Fasanerie einen gemeinsamen Sportplatz erhielten. Seitens des Forstamtes wurde anschließend noch der Tausch Fasanerie gegen Stadtwald befürwortet, (cg)

Grokbetrüger von der Polizei gesucht

Gerissener Motorradmarder — Fluchtrichtung Ostzone?

Seit Samstag wird ein gewisser Herbert Büren von Gendarmerie, Polizei und Grenzpolizei gesucht, weil er nach mehrfachen Betrügereien flüchtig gegangen ist und vermutlich in die Ostzone zu entkommen versucht.

Büren war 1938 durch die Kinderlandverschickung in Semd untergebracht. Ende Juni dieses Jahres machte er bei seinen früheren Quartiergebern einen Besuch und lernte dabei einen Einwohner kennen, der ihm beiläufig erzählte, er wolle ein - neues Motorrad kaufen. Büren gab sich ihm gegenüber als Vertreter einer Autoreparaturwerkstätte und Motorradvertretung in Niepstein in Rheinhessen aus. Er erbot sich, den Neukauf zu vermitteln und das alte Motorrad mit 500 DM in Anrechnung zu stellen. Wenige Tage später kündigte Büren seinem Kunden bereits das Eintreffen der neuen Maschine in seinem Wohnort Dexheim an; seine Firma benötige sie jedoch noch einige Tage zu Ausstellungszwecken.

Am 4. Juli ließ sich Büren für die Zulassung des Motorrades, die in Mainz vorgenommen werden solle, die nötigen Gebühren in bar geben, lieh sich dazu das alte Motorrad, damit er für einen Semder Gastwirt in Bischofsheim ein neues Fahrrad bestellen könne. Bei dieser Gelegenheit wolle er auch die Ueberführung des neuen Motorrads von Nierstein nach Semd veranlassen. Büren fuhr mit dem geliehenen Motorrad los — und ist bis heute nicht wieder zurückgekommen. Weder altes noch neues Motorrad noch das Fahrrad sind bis jetzt bei den Käufern eingetroffen, die nun Anzeige erstatteten.

Die Firma H. in Nierstein kannte zwar Herbert Büren, hatte ihn aber vor etwa drei Wochen bereits wegen anderer Betrügereien entlassen. Außerdem hat Büren auch seinen seitherigen Wohnsitz aufgegeben.

Büren wird wie folgt beschrieben; etwa 22 Jahre alt, schlank, ca. 1,70 m groß, schmales, ovales Gesicht, blonde Haare, braunkariertes Sportjackett mit Gürtel, dunkelblaue Hose mit Längsstreifen, rotbraune Kreppschuhe, ältere graue Motorradschutzhose, rotbrauner Pullover, ohne Kopfbedeckung. Das Motorrad trägt die polizeiliche Kennzeichnung AH 78 —1272, Marke „Ardie N 125“, 123 ccm, Fahrgestellnummer 182 452, Motor-Nummer 182 452 Baujahr 1948, Farbe hellgrau, Fußschaltung, frühere Handschaltung abmontiert.

Kind und Mutter umgerannt ...

Im Rehbacher Weg in Zell fuhr ein jugendlicher Radfahrer den dreijährigen Willi Hartmann um, der im Schatten einer Scheune bei seinem Kinderwagen stand. Der Radfahrer verlor dadurch die Herrschaft über sein Rad und rannte die etwa 10 m weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite arbeitende Mutter des Kindes ebenfalls um. Alle Beteiligten des Unfalles wurden verletzt. (-ch)

An einem Querbalken ...

in seiner Werkstatt machte der 49jährige Maurer Philipp Berres aus Vielbru n n seinem Leben ein Ende. Berres soll seit einiger Zeit mit den Nerven sehr gelitten und reichlich Alkohol genossen haben.. (—ch)

Festkonzert der Technischen Hochschule

'Für das repräsentative Konzert während des Hochschul-Sommerfestes war ein Kammerorchester des Landestheaters engagiert worden, an dem noch einige wenige Mitglieder des Collegium tnusicum der T. H. beteiligt waren. Für Prof. Marguerre, den musikalischen Mentor des Ganzen, war damit die Grundlage gesichert, seine geliebten Klassiker Haydn und Mozart zu musizieren. Um auch konzertante Werke zu Ehren zu bringen, hatte man Charlotte Raab für Sopran-Arien und Matthäus Reisch und Lieselotte Baltz-Weber als Klaviersolisten gewonnen. Das Programm konnte sich hören lassen. Haydns Londoner Es-dur-Symphonie (Nr. 99) und die Gabriel-Arie „Nun beut die Flur“ im ersten Teil und Mozarts selten aufgeführte Konzertarie für Sopran, Klavier und Orchester „Ch'io ml scordi“ (K. V. 505) sowie das A-dur-Klavierkonzert (K. V. 488) als Abschluß sind erlesene musikalische Schätze.

Professor Marguerre beherrscht die Noten in allen Einzelheiten, er benötigt keine Partitur. Was ihm als Dirigent an Routine fehlte, glich das Orchester durch stabile Ruhe aus. So kam eine wirkungsvolle Leistung zustande, die in der Symphonie von Haydn den Höhepunkt des Abends erreichte. Die langsamen Sätze sind natürlich die schwierigsten Partien bei den beiden Wiener Meistern. Ganz ohne kleine Havarien ging es nicht ab. Sie fielen aber gegenüber dem musikalischen Geist, der über dem Ganzen stand, nicht merklich ins Gewicht. Mit der „abgrundtiefen Traurigkeit“ des f’-moll-Adägio in Mozarts Klavierkon¬ • ' onn m-n sich «edoch nicht einverstanden erklären. G.bt es überhaupt bei Mozart etwas, was wir als „traurig“ bezeichnen? Idi glaube nicht. Nicht einmal im Requiem Besser würden wir hier von besinnlich, nachdenklich oder tief ernst sprechen. Dann erhalten diese ‘/«-Takte auch eine stärkere und positivere innere Bindüng und. lösen sich nicht in restloser Schwermütigkeit auf. Sie zerfielen übrigens auch der Pianistin Lieselotte Baltz-Weber, die sich mit der Wiedergabe des Konzertes ansonsten einen beachtlichen Erfolg erspielte. Technik, Verantwortungsgefühl, Formempfinden und Stilsicherheit sind gut entwickelt. Es fehlte nur an Wagemut und persönlicher Ausdruckskraft; dann würde auch der Anschlag und Rhythmus mehr Farbenreichtum erhalten. Gewiß Kleinigkeiten, aber sie geben dem Vortrag erst letzte Abrundung. Matthäus Reisch besitzt diese Fähigkeit im hohen Maße; vielleicht deswegen, weil ein äußerst sensibler Geist Tongebung und Gestaltung bestimmt. Es war reinster Mozart, der im solistischen Klavierteil der Konzertarie zu hören war. Man hätte von ihm nach seinen Kammermusikabenden am Herdweg kaum weniger erwartet, hier übertraf er sich jedoch selbst. Charlotte Raab hat eine schöne Stimme. Man braucht das nicht noch einmal zu bestätigen. Aber warum klangen Haydns und Mozarts Arien so unbeteiligt und kühl? Gerade im Konzert muß das Herz ergänzen, was in Mimik und Gestik nicht ausgedrückt werden darf.

Die vielen Angehörigen und Freunde der T.H. nahmen in der Stadthalle mit größter Freude Mozarts und Haydns Musik entgegen. Sie hätten genau so viel Vergnügen daran gehabt, wenn das Collegium muslcum der T.H. gespielt hätte und so der Hochschulcharakter gewahrt worden wäre. Aber es ist ja so überaus verständlich, einmal auf diese Weise an schwierigere Werke der beiden großen Klassiker herankommen zu können, die im allgemeinen im Konzertsaal gegenüber Romantik und Fin-- siöcle-Musik so arg vernachlässigt werden. G.I.

Operetten-Abend im Thalia-Theater

Ais „private" Abschiedsvorstellung der diesjährigen Spielzeit veranstalteten fünf Künstler des Landestheaters am Samstag im Thalia einen heiteren Operettenabend. Zwei Stunden lang wickelte sich in schneller und unterhaltsamer Folge ein Programm ab, für das Herbert Wien und Horst Michael Neu t z e die Ansage übernommen hatten. Herbert Wien gewann mit seinen tiefschürfenden Philosophistereien, den nicht unangebrachten Spitzen über die „Großstadt hinter dem Berge“, sprechend im Vollbewußtsein seiner Verantwortung als Kultur- und daher Frackträger, das verständnisvolle Schmunzeln des Publikums. Horst Michael Neutze, sprühend von Lebenslust, überlaufend vor — manchmal auch bebarteten — Einfällen, gab seine endgültige Abschiedsvorstellung: Er geht mit Ende der Spielzeit nach Kiel. Es ist unverständlich, daß man eine derartige Begabung, ein solch vielseitiges Talent nicht unter allen Umständen für Darmstadt zu halten bemüht war.

Nikolo Jussa kam, zauberte Grübchen auf sein Gesicht und sang vom schönen Wien und schönen Frauen. Selbstverständlich brachte er zum Schluß, wie üblich bei solchen Gelegenheiten, zwei italienische Volkslieder. Gemeinsam mit Charlotte Raab kam Nikolo zu der gegenseitigen Feststellung: „Niemand liebt Dich so wie ich!“ Charlotte Raabs Stimme ist bezaubernd, aber man hatte irgendwie das Gefühl, sie distanziere sich von dem, was sie singt, als referierte sie singend über die Liebe. Rosemarie Engel tanzte eine Tarantella und später einen Rumba, recht hübsch, nicht neu. Zwischendurch plauderte Herbert Wien von den Sorgen der Welt im allgemeinen und seinen eigenen im besonderen. Horst M. Neutzes Kummer lag mehr bei der leidigen Wohnungsfrage. Köstlich die Schilderung seiner „Weltreise“. Beide zusammen spielten in dem prunkvollen Ausstattungsstück (zwei Stühle — sonst nix auf der Bühne) „Fußball“. Horst, der Sportsäugling, von „Abseits", „Foul“ und „Hand“ keine blasse Ahnung, Herbert, der ausgewachsene Fußballfanatiker ä la „Appel-Schorsch“, ein Sketch, der die Zuschauer an den Rand des Lachkrampf brachte. Ruth Wilke, temperamentvoll, spritzig, appellierte in punkto Liebe an ihre „innere Stimme“, besang zusammen mit Horst M. Neutze die Problematik des Totoglücks und brachte reizend das Auftrittslied der Mi aus dem „Land des Lächelns“. Bevor der Vorhang fiel, gab Horst M. Neutze noch einmal sein humoristisches Glanzstück aus dem „Weißen Rößl“, den Sigismund.

Es war ein Abend, wie wir ihn uns öfters wünschen: Die Künstler unseres Theaters waren anders als auf ihrer „eigenen“ Bühne, freier, ungebundener, vielleicht mehr improvisierend, aber gerade deshalb originell. Der herzliche Beifall da« zahlreich erschienenen Publikums gatt allen Beteiligten gleichermaßen. hn

Darmstädter Kunstsommer 1950

Die bereits in einer Vorschau angekündigte Reihe bedeutsamer Veranstaltungen und Auseinandersetzungen über die Kunst xder Gegenwart wird in dieser Woche ihren Auftakt durch Eröffnung dreier Ausstellungen am Mittwoch, dem 12. 7. 1950, um 17 Uhr im Amerika-Haus nehmen.

„Fo to-For m“: Kollektivschau hervorragender westdeutscher Photographen der Gegenwart: Keetmann, Lauterwasser, Reisewitz, Schneiders. Dr. Steinert. Windstoßer.

„Das graphische Werk von G u - stav Wolf“: Die wichtigsten Zyklen des aus Baden stammenden. 1947 in Amerika verstorbenen Künstlers, die in Deutschland fast noch unbekannt sind.

Gesamtausstellung Prof. Hoff. mann-Lederer — aus dem Schaffen des aus Ostdeutschland stammenden, jetzt in Darmstadt lebenden Künstlers.

Einführungen geben Dr. Richard Benz, Heidelberg, und Dr. Adolf Schmoll, genannt Eisenwerth, Darmstadt.

Musikalische Vesper

Am Samstag veranstaltete die Paulusgemeinde in der Pauluskirche ihre zwanzigste musikalische Vesper. Der Organist Friedrich Eidenmüller spielte selten gehörte Choräle von J. S. Bach: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, nach dir“,. „Liebes Herz, bedenke doch deines Jesus große Güte“, aus der Pfingstkantate Nr. 74 den Choral „Komm, mein Herze steht dir offen“ und die Choralvariationen über „Ach, was soll ich Sünder machen“. Obgleich die neue Orgel bisher nur 24 Register aufweist, die in der Folge auf über 60 erweitert werden sollen, hat das Instrument einen vollen und runden Klang, besonders in den achtfüßigen Unterstimmen. Der Organist versteht durch geschickte Registerkoppelung Wirkungen zu erzielen, die für die allgemeine liturgische Musik ausreichend sind. Die Zungenstimmen klingen rein, in den Flöten etwas dünn, was aber in der Gesangsbegleitung eher von Vorteil ist. Es wäre erfreulich, wenn das Instrument in größerem Umfang der kirchlichen und weltlichen Orgelmusik zugänglich gemacht würde. Nach Vervollständigung des Klangregisters dürfte die Orgel der Pauluskirche als eine wertvolle Bereicherung des Darmstädter Musiklebens angesehen werden, wenn sich auch heute noch gewisse Beschränkungen, wie besonders in den Bachschen Choralvariationen bemerkbar waren, durch hilfsweise Registerschaltungen zeigen.

Ann-Els Eidenmüller brachte einen reinen, hellklingenden Sopran rflit, nicht eben von großer Tragkraft, aber mit einer natürlichen Innerlichkeit der Empfindung, der durch stellenweise fehlerhafte Atemtechnik und Tremolieren an der möglich erreichbaren Wirkung verlor. Eine Veranstaltung im Rahmen der gemeindlichen Gottesdienste, die vierzehntägig durchgeführt werden und allen Freunden der Orgelmusik empfohlen seien. hfl

Der Sport

Mit nur drei Punkten Vorsprung

Schweden gewann den Schwimmer-Länderkampf mit 97:94 Punkten

Li. Berlin. (Eigener Bericht.) „Wir haben uns auf den Länderkampf mit Deutschland sehr gefreut, und der herzliche Empfang ist uns ein Beweis dafür, wie sehr der Sport die Völker verbindet“, erklärte der zweite Vorsitzende des Schwedischen Schwimmverbandes, Karsvig, anläßlich des Empfanges der Schwedensdiwimmer durch den Berliner Magistrat im Schöneberger Rathaus. Ganz in diesem Geiste wurden auch die später im Olympia-Stadion durchgeführten Kämpfe ausgetragen. Mit 97:94 Punkten gewann die schwedische Mannschaft den Länderkampf. Erst ini letzten Wettbewerb fiel die Entscheidung zugunsten der Gäste.

Erster Tag für Schweden

Aber Deutschlands Wasserballer siegten 6:3

Etwa sechstausend Besucher hatten sich auf der Olympischen Kampfbahn eingefunden, als die schwedische Nationalhymne erklang. Bürgermeister Dr. Friedensburg wechselte mit dem schwedischen Mannschaftsführer Karsvig noch einmal herzliche Begrüßungsworte, Freundschaftswimpel wurden ausgetauscht und nach Vor. führungen der Berliner Schwimmerschule begann der erste deutsch-schwedische Länderkampf nach dem Kriege.

Gertrude Herrbruck Dritte

Das 100-m-Kraulschwimmen der Frauen brachte den deutschen Schwimmsportfreunden eine Enttäuschung, denn die beiden ersten Plätze fielen an Schweden (Fredin 1:11,0 Min., Lundkvist 1:11,3 Min.). Die Pirmasenserin Gertrud Herrbruck belegte mit 1:13,4 Min. vor der Olympiadritten Gisela Jacob-Arendt (Bonn) in 1:14,3 Min. den dritten Platz. Stand 8:3 für Schweden.

Hentschke zu nervös

Auch die 100-m-Rücken der Männer holten sich die Gäste. Larsson übernahm sofort die Führung und siegte klar vor dem Deutschen Meister Hans Schuster (Berlin) in Deutschen Meister Hans Schuster (Berlin) in 1:11,1 Min. Immerhin konnte Schuster den Schweden Persson knapp hinter sich lassen. Schuster brauchte 1:12,0 Min., Persson 1:12,5 Min. Der siebzehnjährige talentierte Westdeutsche Hentschke mußte sich in 1:14,8 Min. mit dem vierten Platz begnügen. Stand: 15:7 für Schweden.

Schwedinnen überraschten

Etwas unerwartet dominierten die Schweden auch im 200-m-Brustschwimmen der Frauen. Die Deutsche Meisterin Ursula Happe-Krey (Dortmund) vermochte sich nicht durchzusetzen. Die Schwedin Jonsson schlug in 3:08,4 Min. vor Ria Lörper (Kempten) in 3:10,1, Ursula Happe-Krey in 3:14,6 und der Schwedin Soederlund in 3:15,7 Min. an. Stand: 21:12 für Schweden.

Auch „Hase“ Lehmann geschlagen

Mit besonderer Spannung erwartete man das 400-m-Freistilschwimmen der Männer. Zunächst gab es einen erbitterten Zweikampf zwischen dem deutschen Meister Lehmann (Braunschweig) und dem Schweden Oestrand. Immer mehr zeigte sich jedoch, daß der Schwede in der Wendetechnik und im Spurtvermögen klare Vorteile hatte, die ihm auf der letzten Bahn einen klaren Vorsprung sicherten. Oestrand siegte in 4:51,5 Min. vor Lehmann (4:55,8), Abrahamsson (5:10,1) und Köninger (5:14,5 Min.) Stand 28:16 für Schweden.

Erste deutsche Erfolge

Den ersten deutschen Sieg gab es im Turmspringen der Frauen. Paula Tatareck

(Erkenschwick) belegte mit 82:82 Punkten den ersten Platz vor Suse von Hartungen (Göttingen) mit 81,22 Punkten. Mit weitem Abstand folgten die beiden Schwedinnen Schierwagen (66,88) und Walimann (48,16 Punkte). Stand: 31:24 für Schweden.

Beim Kunstspringen der Männer vom Dreimeterbrett erging es den schwedischen Vertretern nicht viel besser; sie konnten mit den deutschen Springern nicht konkurrieren. Hans Aderholt (Gronau) erreichte 198,10 Punkte. Den zweiten Platz belegte Werner Sobeck (Berlin) mit 190,93 Punkten. Johansson holte für Schweden 169 P„ sein Landsmann Lundquist 161,13 Punkte. Stand: 34:32 für Schweden.

Deutscher Wasserballsieg

Zu einem beachtlichen Erfolg kam die deutsche Sieben im Wasserball-Länderkampf. Mächtig angefeuert gingen die Deutschen durch zwei schöne Torwürfe von Panke 2:0 in Führung, aber die gut kombinierenden Schweden glichen durch Johannsson bis zur Pause aus. Ein feiner Alleingang von Zander führte nach dem Wechsel zum 3:2, und Panke erhöhte auf 4:2. Spannberg holte zwar zunächst für die Schweden noch einen Treffer auf, aber Zander und Panke sicherten mit zwei weiteren Toren einen wertvollen 6:3-Erfolg, an dem auch der deutsche Torhüter Deychmann erheblichen Anteil hatte. Durch diesen Sieg übernahm Deutschland in der Gesamtwertung mit 42:39 Punkten erstmals die Führung.

Wieder dominierte Schweden

Im 400m-Kraulschwimmen der Frauen büßten die Deutschen den knappen Punktvorsprung wieder ein, denn die famosen Schwedinnen Thidholm und Lundkvist verwiesen Gertrude Herrbruck sicher auf den dritten Platz. Thidholm (5:47,7 Min.), Lundkvist (5:48,0), Herrbruck (5:59,6) und Rechlin (6:09,6 Min.), in dieser Reihenfolge schlugen die Schwimmerinnen an. Stand: 47:45 für Schweden.

Hartumkämpfe 4X200-m-Kraulstaffel

Einen weiteren Höhepunkt gab es in der abschließenden 4X200-m-Kraulstaffel. Auf der ersten Strecke lag der Schwede Svnnerholm in 2:23,5 Min. nur knapp vor Köninger. Ditzinger (Braunschweig) erkämpfte sich nun einen klaren Vorsprung, aber Schlüricke ließ sich von dem Schweden Oestrand wieder abfangen und überspurten, so daß auf der letzten 200- m-Strecke der Schwede Larsson zu weit vorne lag, um von Lehmann noch eingeholt werden zu können. Larsson schlug mit 8/io Sek. Vorsprung an. Die Zeit der Schweden belief sich auf 9:21,8 Min,

Damit lag Schweden nach der Gesamtwertung des ersten Tages mit 58,51 Punkten vorne.

Knapp auch am zweiten Kampftag

Berlin. (AP.) Vor gut besetzten Tribünen begann der zweite Teil des vierten Länderkamofes Deutschland-Schweden im Schwimmen am Sonntag auf der Olympischen Kampfbahn in Berlin mit dem 10 0- m-Kraulschwimmen der Männer. Die Prüfung entwickelte sich zu dem erwarteten erbitterten Kampf. In dem alle vier Teilnehmer noch nach der Wende auf gleicher Höhe lagen. Der spurtstärkere Schwede Gunnar Larsson konnte den deutschen Meister Werner Ditzinger Braunschweig, schließlich knapp um Handschlag auf den zweiten . Platz verweisen. Die Zeiten: 1. Larsson 1:00,1. 2. Ditzinger 1:00,3. Hitzinger (Deutschland) 1:00.8, 4. Svnnerholm (Schweden) 1:1.2 Minuten. (Schweden sechs Punkte. Deutschland fünf Punkte.)

Im Damen- Rückenschwimmen über 100 Meter holte die deutsche Meisterin Gertrud Herbruck (Pirmasens) unter dem Jubel der 7 000 Zuschauer in 1:16.9 den erwarteten sicheren Sieg gegen die Schwedin Fredin heraus, die 1:21 Min. benötigte. Liesel Werner (Bayreuth) wurde in 1:23 Min. dritte. (Deutschland sieben Punkte. Schweden vier Punkte.)

Das Punktkonto für Deutschland erhöhte sich, als der Münchener Rekordschwimmer und Meister Herbert Klein das 200-Meter- Brustschwimmen als sicherer Sieger in 2:42,3 Minuten nach Hause schwamm. Der Schwede Rask setzte ihm jedoch härteren Widerstand als erwartet entgegen und besetzte in 2:44,0 Minuten den zweiten Platz vor dem schwedischen Altmeister Rothman 2:49,5 Minuten, und dem früheren deutschen Weltrekordschwimmer Artur Heina (Gladbeck) mit 2:50,7 Minuten.

Bis dahin stand der Länderkampf Schweden — Deutschland 73:69 für Schweden.

Die letzten Ergebnisse

Turmspringen, Herren: 1. Haase (Deutschland) 171,62; 2. Sobek (Deutschland) 157,45; 3. Oehmann (Schweden) 132,12; 4. Liljeberg (Schweden) 106,14.

1500 m Kraul, Männer: 1. Oestrand (Schweden) 19:56,3 Min.; 2. Lehmann (Deutchland) 19:59,8 Min.; 3. Abrahamsson (Schweden) 20:20 Min.; 4. Meier-Koch (Deutschland).

Kunstspringen, Frauen: 1. Tatarek (Deutschland) 136,47 ; 2. Wahlberg (Schweden) 133,58; 3. Hoffmann (Deutschland); 4. Geländer (Schweden).

4xloo-m-Kraus-Staffel, Frauen: 1. Schweden 4:41; 2. Deutschland 4:51.

Viermal Amerika, einmal Australien

Aber kein überragender Könner in Wimbledon

Wimbledon. (AZ) Alle Experten waren sich nach Abschluß der All- England-Tennismeisterschaften in Wimbledon darüber einig, daß es in diesem Jahr keinen Spieler mit überragendem Können gab. Dafür verliefen die Spiele sehr ausgeglichen. Schon um acht Uhr am Samstag (die Spiele begannen erst um 14 Uhr!) stand eine Menschenschlange von einem Kilometer vor den Eingangstoren, und schon Stunden vor Beginn der Endkämpfe war der „Centre Court“ gefüllt. In der Ehrenloge sah man die Königinmutter Mary, die Herzogin von Kent, Premierminister Attlee und Gemahlin, sowie den deutschen Generalkonsul Dr. Schlange-Schöningen mit Frau.

Die Ergebnisse der Endspiele bestätigten die Ansicht der Sachverständigen, daß das europäische Tennis noch einige Zeit brauchen Wird, um wieder einen Lacoste, Cochet, Borotra, Perry und Wie sie alle hießen, hervorzubringen. Viermal siegten die Amerikaner, einmal die Australier

Zum dritten Male: Louise Brough

Zum dritten Male hintereinander holte sich die Amerikanerin Louise Brough mit einem 6:1, 3:6, 6:1 über ihre Rivalin Margaret Osborne-Dupont den Titel im Damen-Einzel. Die Siegerin dominierte klar, lediglich im zweiten Satz schien sie sich ein wenig zu schonen. Königin-Mutter Mary, ganz in Weiß gekleidet, überreichte der strahlenden Louise Brough die Siegestrophäe.

Schwaches Finale im Herren-Doppel

Das Endspiel im Herren-Doppel zwischen den australischen Paaren Bromwich/Quist und Sidwell/Brown verlief sehr langweilig. Den Ausschlag gab die landjährige Erfahrung von Bromwich/Quist, die ihre er üblich jüngeren Gegner mit 7:5, 3:6, 6:3, 3.6, 6:2 schlagen konnten.

Noch zweimal Louise Die Meisterin im Damen-Einzel. Louise Brough kam im Verein mit ihrer Freundin Margaret Osborne-Dupont im Damen-Doppel gegen Doris Hart/Shirley Fry zu einem 6:4, 5:7, 6:1-Erfolg. Bis zum Beginn des „ Mixed-Doppel“ hatte Louise Brough nur eine halbe Stunde pausieren dürfen. Die Doppelsiegerin und der Südafrikaner Sturgess holten sich auch noch das Gemischte Doppel mit einem 11:9, 1:6, 6:4-Sieg über die amerikanischaustralische Kombination Pat Todd/Geoff Brown.

Mit diesem Erfolg wiederholte Louise Brough ihren Erfolg von 1948, als sie auch alle drei Konkurrenzen gewinnen konnte, an denen sie beteiligt war. Die Amerikanerin wurde nach dem Spiel stürmisch gefeiert. Sie stand allein am Samstagnachmittag 250 Minuten auf dem Platz.

Zweistundenmatch im Herren-Einzel

Wir wir in einem Teil unserer Auflage bereits berichteten, holte sich der als Nummer 5 gesetzte Amerikaner Budge Patty den Titel eines Wimbledon-Meisters im Herren-Einzel durch einen 6:1, 8:10, 6:2, 6:3-Sieg über den als Nummer 1 gesetzten australischen Meister Frank Sedgman. Sedgman spielte nicht in der guten Form, wie man es erwartet hatte, er machte einen ermüdeten Eindruck. Das Zweistunden-Match war so spannend, daß die sonst so kühlen Londoner Zuschauer temperamentvoll mltgingen und vom Schiedsrichter um Ruhe gebeten werden mußten.

Die aus Wimbledon zurückkehrenden österreichischen Tennisspieler Huber und Redl spielten in München mit wechselndem Erfolg Es gab folgede Ergebnisse; Redl—Menzel 9:7 6:4; De Vos—Huber 7:9, 6:0, 6:2; Redl/Hiuber—Dr. Maier/Kunig 10:8, 6:2.

Die Stadt ehrte die Meistermannschaft des SV 98

Am Samstagabend fand durch den Magistrat der Stadt im Büchnersaal ein Empfang zur Ehrung der ersten Fußballmannschaft des SV Darmstadt 98 statt. Die Elf, die sich den Meistertitel der hess. Landesliga und den Aufstieg zur süddeutschen Oberliga erkämpft hat, verbrachte zusammen mit den Vertretern der Stadt und der Fraktionen einige gesellige Stunden, wobei die Verbundenheit der sportfreudigen Stadtväter mit den erfolgreichen Sportlern erneut zum Ausdruck kam. Aus den Ansprachen von Stadtrat Reiber und Bürgermeister Schröder sprachen Freude und Stolz über den Erfolg. Die echte Kameradschaft, der unbeugsame Kampfeswille und besonders die Fairneß seien es gewesen, die der Elf auch außerhalb der Grenzen die Anerkennung jedes Sportlers eingebracht hätten, und dazu beigetragen haben, daß Darmstadt sich in Deutschland wieder einen Namen als Sportstadt gemacht habe. Der erste Vorsitzende des Vereins, Dr. Grünewald, dankte für die Einladung und die herzlichen Worte der Anerkennung. Spielführer Michel sprach im Namen der Mannschaft und überreichte Stadtrat Reiber und Bürgermeister Schröder je ein großes Bild der siegreichen Mannschaft. Jeder Spieler erhielt als Ehrengabe der Stadt das Buch: „Darmstadt einst und jetzt“. Der Tenor Otto Boettcher vom Landestheater, von Herrn Reith am Flügel begleitet, sorgte durch Liedervorträge und eine launige Conference für Unterhaltung, und im Laufe des Abends bewiesen auch einige Spieler aus den Reihen der Mannschaft, daß sie nicht nur als Künstler des runden Balles anzusprechen sind. Die Stadtväter, die immer großen Anteil an den Erfolgen der 98er nahmen, und die Elf bei den Aufstiegsspielen sogar nach auswärts begleiteten, empfingen und ehrten in dieser Art zum ersten Male nach dem Kriege eine Sportlermannschaft. Die 98er können gewiß sein, daß sie auch in Zukunft mit der Unterstützung von Seiten der Stadt rechnen können Jeder Darmstädter wird mit ganzem Herzen den Kampf der 98er in der Oberliga verfolgen und hat den Wunsch, daß die Elf auch weiterhin durch ihr vorbildliches Auftreten mit zum Ruhme unserer Stadt beiträgt.

Das Sport- und Volksfest der TH

Ein besseres Wetter hätte Petrus der Technischen Hochschule zu ihrem Sommerfest gar nicht bieten können. Strahlender Sonnenschein lag den ganzen Nachmittag über auf dem mit frohem Leben gefüllten Hochschulstadion. Schon kurz nach 14 Uhr begannen die ersten Gäste auf den Sitzen der Tribüne Platz zu nehmen. Insgesamt mögen etwa 5000 Menschen den sportlichen Veranstaltungen und sonstigen Unterhaltungen beigewohnt haben.

Den Auftakt gab ein Fußballspiel der Staatsbauschule Darmstadt gegen eine Mannschaft der T. H. Mit 1:0 Toren (Halbzeit 0:0) trug die Staatsbauschule den Sieg davon. In der Halbzeit zeigte eine Gruppe Fechter Uebungen und Kämpfe im Florettfechten. Es wurde damit die Absicht bekanntgegeben, im Winter wieder mit dem offiziellen Fechtunterricht an der T. H. zu beginnen.

Nach Beendigung dieses Fußballspieles sprach Rektor Prof. Mehmel zu den erschienenen Gästen: Nachdem am Samstag den Interessierten ein Einblick in die Tätigkeit und das Leben der T. H. gewährt worden sei, solle dieser Sonntagnachmittag nun dem Sport und der Unterhaltung dienen. Ind’esem Zusammenhang wies der Rektor noch einmal auf die Bedeutung des Hochschulstadions für den Sportbetrieb der Technischen Hochschule hin und knüpfte daran die Hoffnung, daß die Rückgabe des Stadions in nicht allzu ferner Zeit geschehen möge. Er dankte zum Schluß den Organisatoren des Sommerfestes, Prof. Schmieden, dem Studierenden Jung und Sportlehrer Andresen.

Als bunte Einlage rollte dann ein neuerfundenes Verkehrsmittel auf das Sportfeld mit seinem „Erfinder“, Prof. Ueberklug. „Ferngesteuerte“ Rollscheiben — getarnte Rhönräder — rollten über den Rasen.

Zum anschließenden Hockeyspiel war die angekündigte Heidelberger Mannschaft nicht eingetroffen. Stattdessen spielte gegen die Hockeymannschaft der T. H. der TEC Darmstadt und gewann das Spiel mit 1:0 Toren. In der Halbzeit führten einige Sportler der T. H. sehr gekonnte Uebungen am Reck vor.

In der Zwischenzeit war für die weniger am Sport Interessierten das bunte Kabarett eröffnet worden, das im wesentlichen von einem versierten Zauberkünstler bestritten wurde. Er erfand das Rezept gegen den Reismangel in Korea, verwickelte und entschlang Stahlringe und führte Kartenkunststücke vor.

Einen Höhepunkt der Ereignisse stellte ein Fußballspiel einer Professorenmannschaft gegen Studenten des ASTA (Allgemeiner Studenten-Ausschuß) dar. Mit allerhand Hokupokus und einer mit Elan gesprochenen Spielreportage über die Lautsprecheranlage waren alle Zuschauer mit Vergnügen ständig auf dem Laufenden. In den zweimal 10 Minuten strengten sich die Professoren gewaltig an und errangen den Sieg mit 1:0. Boxkämpfe fanden anschließend in einem provisorischen Ring über dem Marathon-Tor statt.

Den Glanzpunkt sportlicher Ereignisse bildete das Handballspiel der TH. -Handballmannschaft gegen den ASV Zürich, der vor kurzer Zeit Schweizer Hochschulmeister wurde. In einem technisch sehr sauberen Spiel zeigten beide Mannschaften einen ausgezeichneten Team-Geist, spielten ohne Schußegoismus den Ball in schnellen Kombinationen vors gegnerische Tor und schossen, was das Zeug hielt. Dem schweizerischen Hochschulmeister konnten allerdings die Darmstädter keinen Widerpart bieten, vor allem war dessen Torhüter Wagner ein schwer überwindbares Hindernis, wogegen der Darmstädter Tormann zeitweilig vollkommen den Mut verlor. Das Spiel endete mit 24:12 Toren für Zürich.

In der Halbzeit zeigten einige Studenten in einer 3XIOOO-m-Staffel verschiedener Fakultäten beachtliche Leistungen. Vor allem fiel dabei der Student Gurney mit haushälterischem Stil auf.

Gegen 20 Uhr begann sich Kampfbahn und Stadion zu leeren. In kleineren Gruppen feierten abschließend! verschiedene Fakultäten das Ende ihres Sommerfestes in der Technischen Hochschule. agt

Werbeborabend in Roßdorf

Am Samstag führte die Boxstaffel des ABC Darmstadt-Eberstadt gemeinsam mit einer Boxabteilung der SKG Roßdorf einen Werbeabend durch.

Nach einem Ausschnitt aus dem Trainingsbetrieb einer Boxabteülung begannen die Jüngsten mit sehr schnellen und fairen Kämpfen, die jeweils über drei Runden gingen. Bei den Jugendkämpfen zeichnete sich besonders Gruber, Roßdorf, durch seiin überlegtes blitzschnelles Handeln und sein technisches Können aus.

Hessenmeister Heckhaus lieferte gegen Miaurer, Groß-Umstadt, den spannendsten und schnellsten Kampf und erntete viel Beifall. Ebenso mitreißend war die Begegnung zwischen Hessenmeister Knieß,Eberstadt und Schwarz, Griesheim. Beim letzten Kampf zwischen Formella (D) und Schulz (R) lag der Darmstädter in allen Runden im Angriff, aber Schulz fing den unsauber boxenden Gegner immer wieder geschickt ab.

Ringrichter Steinbrecher hatte bei allen Kämpfen keine große Mühe. Die gut besuchte Veranstaltung war ein voller Erfolg. [sll

Auf die heute 20.30 Uhr im Tennishaus atattfindende wichtige Sitzung des technischen Ausschusses der Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846, in Verbindung mit dem Veranstaltungsausschuß , wird nochmals hingewiesen und um vollzähliges Erscheinen gebeten.

Zweiteilung der Fukball-Landesliga abgelehnt

Gesamtvorstand wiedergewählt

Das zweifellos bemerkenswerteste Ergebnis der am Samstag in Eltville stattgefundenen diesjährigen Tagung des Hessischen Fußballverbandes war die gegen 19 Uhr abends, also nach über zehnstündiger Tagungsdauer beschlossene Durchführung der Landesligaspiele in einer Gruppe entgegen dem von Verbandsspielwart Knieriem vorgeschlagenen Modus einer Zweiteilung der Klasse. Obwohl sich die überwiegende Mehrheit der anwesenden Vereinsvertreter und Fußballfunktionäre — insgesamt 759 — aus finanziellen Erwägungen für die Teilung der Klasse ausgesprochen hatte, errangen die 479 Neinsager den Sieg, da satzungsgemäß für diesen Beschluß eine Zweidrittelmehrheit erforderlich war.

Der 1. Vorsitzende des Hessischen Fußballverbandes. Willi Linnenberg, eröffnete die Tagung, der unter anderen der 1. Vorsitzende des Landesportbundes Hessen Heinz Lindner, beiwohnte. Die Stadthalle von Eltville konnte die Menge der Delegierten kaum fassen. Besonders stark waren auch diesmal wieder die nordhessischen und naturgemäß die Vereine der Bezirke Frankfurt. Darmstadt und Wiesbaden vertreten. Heinz Lindner grüßte nach dem Bürgermeister die Anwesenden und stellte besonders heraus, daß ein Unterschied zwischen Turnen und Sport heute nicht mehr bestehe, sondern beide die gleiche Erziehungsaufgabe zu erfüllen hätten. Nach dem Bericht der Kassenprüfer, die die Entlastung empfahlen, wurde zunächst lebhaft um die Entwicklung des seitherigen Spielsvstems debattiert, wobei vor allem herausgestellt wurde, daß die Pokalspiele wie sie in der letzten Runde durch geführt wurden. eine unangebrachte Unterbrechung der Verbandsrunde bedeuteten und nach deren Ende durchgeführt werden sollten. Delegierter Hamburger (Hanau 93) hob vor allem die Notwendigkeit sparsamster Haushaltsführung bei der Verbandsgeschäftsführung hervor und regte eine weitere Stärkung des Sozialfonds zu Gunsten der Aktiven an.

Willi Linnenberg nahm- dann die Ehrung verdienter Sportpioniere durch Verleihung silberner bzw. bronzener Ehrennadeln oder des Ehrenbriefe vor. Anschließend ging er auf die Kritik der Vereinsdelegierten ein und wies unter anderem darauf hin daß der Hessische Fußballverband heute 6500 Vereine umfasse gegenüber 2500 bei seiner seinerzeitigen Auflösung Dadurch werde

naturgemäß auch die Arbeit des Verbandes wesentlich ausgeweitet. Delegierter Weigand. (Nieder-Roden) bestätigte dem Vorsitzenden. daß die kleinen Vereine insgesamt durchaus mit der Tätigkeit der Verbandsführung zufrieden gewesen seien, bemängelte iedoch die Verteilung der aus dem Fußballtoto anfallenden Mittel: Der Bezirk Darmstadt beispielsweise habe mit seinen 102 Mannschaften bei zwei Ausschüttungen 6500 DM erhalten, während dem Bezirk Fulda, dem nur 77 Vereine angehörten. insgesamt 10 200 DM zugewiesen worden seien obwohl nachgewiesenermaßen in den Bezirken Darmstadt und Wiesbaden die Zerstörung an Sportplatzanlagen wesentlich . größer gewesen seien als dort. Auch die Tatsache, daß wenigen Vereinen der oberen Klasse weitaus größere Beträge zugewiesen worden seien als den sowohl nach Zahl wie nach Beitragshöhe dominierenden kleineren Stadt- und Landvereinen (von 2310 aktiven Mannschaften gehörten, wie der Redner aus dem Jahresbericht zitierte. 2176 der A- und B-Klasse an!) wurde bemängelt.

Der stellvertretende Verbandsschiedsrichterobmann Guttmann wandte sich dann an den Verbandsvorsitzenden mit der Bitte, die Mittel für Schiedsrichter-Ausbildungsarbeit etwas zu erhöhen; forderte allerdings gleichzeitig die Vereine auf. geeignete gute Kräfte zu solchen Lehrgängen zu melden damit die noch immer bestehende Unnarteiischen-Kalamität endlich beseitigt werden könne.

Zur Frage „Spieler-Versicherung“ gab Willi Linnenberg später bekannt, daß der Hessische Fußballverband insgesamt 40 Prozent der fälligen Prämien entrichte: während er 85 Prozent aller anfallenden Schäden stelle: Unzufriedenheit mit den geringen Leistungen sei deshalb nicht am Platze und nur bei Heraufsetzung der Prämien zu beseitigen. Hierbei wurde unter anderem festgestellt. daß die Vereine auch für Nichtmitglieder, denen auf dem Sportplatz bei Veranstaltungen Schaden zugefügt werde haftpflichtversichert seien

Die Anregung, wieder das früher übliche Recht der Stimmenübertragung mehrerer Vereine auf einen Delegierten einzuführen, um so die leistungsschwächeren Vereine besser zur Geltung kommen zu lassen, wurde abgelehnt, da nicht Reden, sondern Arbeit der Zweck aller Tagungen sei. Viel Redner-Staub wirbelte ein Antrag auf. künftig allen hauptamtlichen Toto-Angestellten bzw. Inhabern von Toto-Stellen die ehrenamtliche Arbeit im HFV zu untersagen. Die Delegierten schlossen sich der Stellungnahme des erweiterten Verbandsvorstandes an und lehnten den Antrag nahezu einstimmig ab. da Beruf und Spcrtidealismus einander nicht auszuschließen brauchen.

Bedeutungsvoll dürfte sich für die künftige Snielersituation — vor allem der Landvereine — der angenommene Antrag ausr wirken durch die KreisijugendWarte die Genehmigung für Jugendspieler in Seniorenmannschaften — beschränkt auf drei Spiele — erteilen zu lassen. Nach kurzer Mittagspause wurde die Tagung dann fortgesetzt. In geheimer Abstimmung sprachen sich die Anwesenden zur Beibehaltung des derzeitigen Jugendspielmodus aus. so daß A-Ju<gendmannschaften weiterhin den Landesmeister ermitteln, während B- bzw. C-Jugendeinheiten nvlr bis zur. Bezirksbzw. Kreisebene den Besten ermitteln.

Rollhockey

RC Langen—RSC Darmstadt 2:4

In dem für beide Mannschaften bedeutenden Spiel um die hessische Rollhockey-Meisterschaft standen sich am Sonntag auf der Bahn in Langen die Mannschaften des RC Langen und des RSC Darmstadt zum fälligen Verbandsrückkampf gegenübe?-. Nachdem Darmstadt das Vorspiel auf eigener Bahn 1:3 verloren hatte, gab man den Gastgebern die größten Aussichten. Der RSC Darmstadt hatte mit der Mannschaftsumstellung großes Glück. Trautmann als Stürmer war der überragende Mann auf der Bahn. Er war es, der in der ersten Spielzeit 3 Tore für Darmstadt erzielen konnte. Nach Wiederanpfiff konnte Kraft für den RSC das 4. Tor erzielen. Nun drängte Langen. Metzger und Anthes konnten lediglich das Spielergebnis auf 4:2 verkürzen. ohne den Sieg der Darmstädter in Frage zu stellen.

Bemerkenswert ist die ausgezeichnete Leitung des Soleis durch Schiedsrichter Hühn. TSG 46 Darmstadt. -eri-

Tischtennis

FSKG Griesheim—SV Darmstadt 98 1:8 Zu einem Freundschaftsspiel hatte am Sonntag der Bezirksklassenvertreter Griesheim die Mannschaft des SV 98 eingeladen. Beide Mannschaften zeigten in stärkster Aufstellung schöne und flotte Spiele. Wenn auch die 98er erwartungsgemäß siegreich blieben, so mußte Kappes (98) sich gewaltig anstrengen, um im fünften Satz gegen Hub siegreich zu bleiben. Ueberraschend kommt die Niederlage von Zeglys (98) durch Müller (Griesheim). Ku.

SV Darmstadt 11. Pokalmeister

Die Pokalmannschaften des TSV 1878 Groß-Umstadt und SV 98, 2. Mannschaft, bestritten am Samstagabend in Pfungstadt das Endspiel um den Bezirkspokal. Nach schönen und ausgeglichenen Kämpfen konnten die Lisienträger knapp das Spiel zu ihren Gunsten entscheiden. Damit haben sie sich die Teilnahmeberechtigung für die Landespokalmeisterschaften erworben. Ku.

TECI gewinnt erstes Zwischenrundenspiel

Nachdem die 2. Mannschaft des TEC in ihrer Gruppe den Sieg errungen hatte, stand sie gestern im ersten Zwischenrundenspiel gegen den Wiesbadener THC, gegen den sie in harten Kämpfen einen knappen 5:4-Sieg buchen konnte.

In den Einzelspielen waren für die Darmstädter erfolgreich; Schüler. Hilsdorf> Haendschke und Polster gegen die Wiesbadener Rosenow, v. Gerlach. Schebesta II und Brendel, während Fürst und Steffan sich von Crones und Schebesta I geschlagen bekennen mußten. Trotz des 4:2 -Vorsprungs hatten die TECer in den Doppelspielen zu kämpfen, um den 5. Punkt zum Sieg durch Schüler/Fürst gegen v. Gerlach/ Crones zu erringen. Steffan/Polster und Haendschke/Hilsdorf unterlagen ihren Gegnern Schebesta l/Schebesta II und Rosenow/Brendel.

Ringen

SG Arheilgen—TV Nieder-Ramstadt 3:5

-ks- Auch im Rückkampf konnten die Arheilger die Gäste nicht bezwingen. Bei gutem Besuch wurde teilweise ausgezeichneter Sport geboten. Den Einleitungskampf gewann Bandes (N) gegen Keller (A). Im Fliegengewicht war Wendel (N) Freudenberger (A) an Routine überlegen und holte sich den Sieg. Ein ausgeglichener Kampf war die Bantam-Begegnung. Punktsieger blieb Schneider (N) über Bauer (A). Im Federgewicht war Keller (N) besser und bezwang Deußer (A). Kucha (A) mußte im Leichtgewicht Pfannenschmidt (N) den Sieg überlassen. Der Weltergewichtskampf brachte Arnold (A) und Burkhard (N) gegeneinander. Nach ausgeglichenem Kampfverlauf gelang Arnold durch einen Ueberstürzer der Sieg. Im Mittelgewicht wurde Fiedler (A) kampfloser Sieger, da Nieder-Ramstadt in dieser Klasse nicht angetreten war. Halbschwergewicht: Werkmann (A)— Ludwig (N); Sieger Ludwig. Nur wenige Sekunden dauerte der Kampf in der Schwergewichtsklasse. Der alte routinierte Spatz (A) legte Krautwurst (N) nach kurzem Griffwechsel auf die Schultern.

Uni Frankfurt Ueberraschungssieger in Roßdort

In den Begegnungen des Samstags errang die Uni Frankfurt einen hohen 56:30-Sieg gegen Mainz. Das 2. Spiel, in dem sich der SV Prag-Stuttgart gegen SKG Roßdorf mit 40:33 behaupten konnte, war für viele überraschend.

Am Sonntagmorgen drehten die Verlierer vom Vortag den Spieß um und besiegten ihre Gegner. Zunächst war die Uni Mainz gegen Prag-Stuttgart mit 35:28 erfolgreich und anschließend fertigten die Roßdörfer die Uni Frankfurt mit 48:34 Körben ab.

So konnten erst die Spiele des Sonntagnachmittags die Entscheidung bringen. Die Uni Frankfurt sorgte mit ihrem klaren 36:19-Sieg gegen Prag-Stuttgart für eine weitere Ueberraschung und kam, da Roßdorf die Mainzer nur knapp mit 46:45 niederhalten konnte, zum verdienten Turnier-Sieg.

1. Uni Frankfurt, 3 Spiele, 126:97 Körbe, 4:2 Punkte, 2. SKG Roßdorf, 3 Spiele, 127:119 Körbe, 4:2 Punkte, 3. Prag-Stuttgart, 3 Spiele, 87:104 Körbe, 2:4 Punkte, 4. Uni Mainz, 3 Spiele, 110:130 Körbe, 2:4 Punkte, rm

Hessische Leichtathletik-lugend in Gieken

Am Samstag und Sonntag wickelte der Hess. Leichtathletikverband seine Jugendmeisterschaften ab. Leider waren die Platzverhältnisse nicht gerade ideal, dafür entschädigte aber der Wettergott. Die durchschnittliche Entwicklung der Jugend in techn. Hinsicht bedarf jedoch noch einer großen Arbeit. Wenn auch die Läufe nicht gerade vollendet waren, so stellte man doch einen guten Nachwuchs fest. Aus den Ergebnissen sind jeweils die hess. Jugendmeister und die Besten aus dem Bezirk Darmstadt zu ersehen:

Ergebnisse:

Weibliche Jugend: Hochsprung: B: 1. Zündel, Hessen Hersfeld 1,35 m, 4. Hildebrandt, SV Darmstadt 98 1,35 m, 5. Eisele, SV Darmstadt 98 1,35 m. — Schlagballweitwurf: A: 1. Huech, Hessen Hersfeld 66 m. — Kugelstoßen: A: 1. Nolzen, Hessen Hersfeld 10,96 m, 4. Thomas, 46 Darmstadt 8,76 m. — Weitsprung: B: 1. Mähler, Kasseler SV 4,77 m, 3. Fey, SV 98 Darmstadt 4,62 m, 5. Sauer, SV 98 Darmstadt 4,37 m. — Diskus: B: 1. Zündel, Hessen Hersfeld 31,61 m, 3. Steinbach, 46 Darmstadt 26,96 m. — Hochsprung: A: 1. Schanze, TV Eschwege 1,50 m, 4. Thomas, 46 Darmstadt 1,30 m. — 5-Kampf: A: 1. Seddig, Wetzlar 2733 Punkte. — Schlagballweitwurf: B: 1. Herd, 1919 Münster 65 m. — Speerwerfen: B: 1. Herd, 1919 Münster 31,09 m. — Kugelstoßen: B: 1. Bried, Wiesbaden-Biebrich 9,82 m, 2. Herd, 1919 Münster 8,90 m. — Diskus: A: 1. Nolzen, Hessen Hersfeld 36,12 m, 3. Thomas, 46 Darmstadt 27,56 m. — Weitsprung: A: 1. Egert, Eintracht Wiesbaden 4,94 m. 80 m Hürden: B: 1. Elfental, Wetzlar 14,9 Sek., 3. Hildebrandt, SV 98 Darmstadt 15,7 Sek., 3. Speer, SV 98 Darmstadt 15,7 Sek. — 100 m: A: 1. Egert, Eintracht Wiesbaden 13,4 Sek., 3. Weiß, SV 98 Darmstadt 13,8 Sek. — 100 m: B: 1. Wilski, Schüchtern 14,0 Sek. 4XIOO m: B: 1. SV Darmstadt 1898 55,8 Sek., 4XIOO m: A: 1. SG Höchst 53,4 Sek. — Speerwerfen: A: 1. Schlichting, Schüchtern 31,77 m. — 80 m Hürden: A: 1. Möhl, Hessen-Hersfeld 13,9 Sek.

Männliche Jugend: 200 m: A: 1. Polowczyk, Eintr. Eschwege 24,1 Sek. — 3000 m: A: 1. Geist, Münster 9,52,0 Min., 2. Schulz, Rüsselsheim 9,55,2 Min. — 3XIOOO m: A: 1. SG Anheiligen 8:40,4 Min. — Schlagballweitwurf: B: 1. Thielecce, Hessen Hersfeld 84,90 m. — Hammerwerfen: B: 1. Dühlce, Eintr. Eschwege 21,84 m. — Hammerwerfen: A: 1. Wehner, FSV Fulda 36,69 m, Jahresbestleistung. — 5-Kampf: A: 1. Zeiß, KSV Kassel 3020 Punkte. — 1000 m: B: 1. Tann, KSV Kassel 2:50,6. — Speerwerfen: B: 1. Arnold, Eintr. Eschwege 46,15 m. — Hochsprung: B: 1. Mihm, TSV Oberkaufungen 1,59 m. — Kugelstoßen: B: 1. Schlag, Korbach 12,55 m. — Weitsprung: A: 1. Claus, Jesberg 6,02 m. — Hochsprung: A: 1. Zeiß, Hessen Kassel 1,71 m. — Speerwerfen: A: 1. Zeiß, Hessen Kassel 50,43 m. — Weitsprung: B: 1. Richter, Neu-Isenburg 5,81 m, 4. Meergans, 1919 Münster 5,42 m. — Diskuswerfen: A: 1. Zeiß, Hessen Kassel 40,28 m. — 1000 m: A: 1. Retisnne, Hessen Kassel 2:39,8 Min., 2. Wilhelm, SG Arheilgen 2:42,2 Min. — 1000 m: B: 1. Brückmann, Heuchelheim 2:51,0 Min. — 4XIOO m: A: 1. Hadamar 48,4 Sek., 4XIOO m: B: 1. KSV Hessen Kassel 48,9 Sek. — 400 m: A: 1. Markgraf, Eintr. Frankfurt 54,4 Sek. — Stabhochsprung: B: 1. Mayer, Brandoberndorf 2,50 m. — 110 m Hürden: A: 1. Müller, KSV Hessen Kassel 16,4 Sek. — 80 m Hürden: B: 1. Mühl, Hessen Hersfeld 13,4 Sek. — Kugelstoßen: A: 1. Schönknecht, Eintr. Frankfurt 12,19 m. — 100 m: B: 1. Meergans, 1919 Münster 12,1 Sek. — 100 m: B: 1. Weber, Eschhofen 11,8 Sek. — Olymp. Staffel: 1. KSV Hessen Kassel 3.55,8 Min. — Stabhochsprung: A: 1. Krämer, Hessen Kassel 2,90 m. Jost

Leichtathletik

In Arheilgen:

-ks- Am Mühlchen war am Sonntag Hochbetrieb. Alt und jung maß sich in leichtathletischen Wettkämpfen. Vor allem die Jugend war sehr zahlreich erschienen. Bei den Aktiven war der Fußballspieler Walter Lieber der erfolgreichste. Bei den Alten Herren war es Wilh. Ruf. der bei allen drei Konkurrenzen sich in die Siegerliste einzeichnete. Die Jugend wartete ebenfalls mit recht ansprechenden Leistungen auf.

Ergebnisse:

Aktive: 100 m: 1. Benz. Karl 12,1 Sek., 2. Lieber, Walter 12.8 Sek. Weitsprung: 1. Lieber. Walter 4.99 m. 2. Benz, Karl 4,92 m. Kugel: 1. Lieber. Walter 10,69 m, 2. Simon 8.92 m.

A. H.: 100 m: 1. Rühl. Phil. 13,4 Sek., 2. Ruf. Wilh. 13,5 Sek. Weitsprung: 1. Anthes. Phil. 4,70 m, 2. Phötig, A. 3,95 m. Kugel: 1. Ruf. Wilh. 8,65 m. 2. Rühl, Phil. Junioren: 100 m: Zöller. H. 12,1 Sek. 200 m: 1. Zöller. Hermann 25.6 Sek. Speer: 1. Zöller. Hermann 33.80 m. — « a z u 1 IAA »M. 1 Q + oirfOV

Jugend A. (männl): 100 m: 1. Steiger, Rolf 12,8 Sek. Weitsprung: 1. Dingeldein, Hch. 5,13 m. Speer: 1. Andres. Helmut 32,93 m. Hochsprung: 1. Dingeldein. Hch. 1,54 m. Kugelstoß: 1. Bauer. Günter 10.87 m. 1000 m: 1. Werner, Wolfg. 3:19,6 Min.

Jugend B (männl.): 100 m: 1. Schneider, Albert 13 Sek. Weitsprung: 1. Lindenlaub, Willi 4,35 m. Kugelstoß: 1. Schneider, Albert 10,30 m. 1000 m: Schmitt. Peter 3:25 Min.

Jugend B (weibl.): 100 m: 1. Wolff, Annemarie 14 Sek. Weitsprung: 1. Eisler, Hildegard 4,17 m. Ballweit: 1. Busch. Karin 37,70 m.

Schüler I: 100 m: 1. Korndürfer, Wolfgang 14,2 Sek. Weitsprung: 1. Hochstädter, Heinz 4.11 m. Ballweit: 1. Bormet. Robert 66.80 m.

Schüler II: 75 m: 1. Schad Erwin 11,6 Sek. Weitsprung: 1. Völger, H. W. 3,52 m. Ballweit 1. Lichtei. Horst 59 m.

Schülerinnen I: 75 m: 1. Lindenlaub, Christa 11 Sek. Weitsprung: 1. Lindenlaub. Christa 3,64 m. Ballweit: 1. Braun, H. 50.20 m.

Die 4XIOO-m-Staffel gewannen die 1. Fußballspieler mit 63.1 Sek.

Auf der Woogswiese:

Die vor 14 Tagen wegen Wolkenbruch abgebrochenen restlichen Entscheidungskämpfe um clie Leichtathletik-Bezirksmeisterschaften des Bezirks Darmstadt wurden am Samstagnachmittag bei um so schönerem Wetter rfachgeholt. Dem Kampfgericht, das diesmal vertretungsweise unter der Leitung von Karl Ackermann stand, stellten sich nochmals 33 Teilnehmer, die in 14 Disziplinen die Bezirksmeister ei mittelten:

Ergebnisse:

Männer 100 m: 1. Müller, Walter, SV 98 Darmstadt, 11,6 Sek.; 2. Weller, KSG Erbach,

Jungmannen 100 m: 1. Trumpfheller, KSG Erbach, 12,0 Sek.; 2. Utsch, SV 98 Darmstadt, 12 2 Sek.; 3. Henge, SV 98 Darmstadt, 12,2 Sek.;

Männer 400 m: 1. Fröhlich, SV 98 Darmstadt, 58,6 Sek.; 2. Schmitt, KSG Erbach, 60,2 Sek. w Ann »m • 1 TDv»QQ

Jungmannen 400 m: 1. Perchner, SV 98 Darmstadt, 54,3 Sek.; 2. Huck, SSG Langen, 56,3 Sek.; 3. Schott, KSG Erbach, 56,7 Sek.;

Männer Dreisprung: 1. Reinhardt, SV 98 Darmstadt, 12,78 m; 2. Pfeffer, SV 98 Darmstadt, 12,50 m; 3. Utsch, SV 98 Darmstadt,

Männer 3000 m: 1. Deuser, SV 98 Darmstadt, 9.29,2 Min.; 2. Reitzenstein, KSG Erbach, 9,33,8 Min.; 3. Hill. SV 98 Darmstadt, 10.02 8

Männer 200 m: 1. Müller, SV 98 Darmstadt, 23,8 Sek.; 2. Weller, KSG Erbach, 24,4 Sek.! 3. Wolf, TG 46 Darmstadt, 24,7 Sek.;

Speerwerfen Männer: 1. Hoppe, SV 98 Darmstadt, 45,00 m; 2. Wolf, TG 46 Darmstadt, 44,40 m: 3. Winter, TV 46 Groß-Gerau, 44,13 m;

Jungmannen 200 m: 1. Truimpfheller, KSG Erbach, 24,8 Sek.; 2. Utsch, SV 98 Darmstadt, 24*0 Sek.; 3. Bechthold, KSG Erbach, 25,0 Sek.;

Männer 4 x 100 m: 1. SV 98 Darmstadt, 45,7 Sek.; 2. TV 46 Groß-Gerau, 46,6 Sek.; 3. KSG Erbach, 46,7 Sekunden.

Jungmannen 4 x 100 m: 1. SV 98 Darmstadt, 49,0 Sekunden.

Jungmannen 3 x 1000 m: 1. KSG Erbach, 9.05,0 Minuten.

Männer 3 x 1000 m: 1. SV 98 Darmstadt, 8.20,0 Min.; 2. TV 46 Groß-Gerau, 8.21,6 Min.

Männer Diskuswerfen: 1. Piepke, SV 98 Darmstadt, 34,32 ’m; 2. Adelberger, SV 98 Darmstadt, 33,90 m;

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