Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 7 seffifd)e Xeueffe Samstag, 8. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Preis 15 Pfennig *

Amerikn beruft ein

Washington bringt seine Streitkräfte auf die für Korea notwendige Stärke

Washington, 7. Juli. (AP.) Die amerikanische Regierung hat am Freitag die Anwendung des Einberufungsgesetzes angeordnet, um die Streitkräfte der Vereinigten Staaten auf den für den koreanischen Krieg erforderlichen Stand zu bringen.

Das Verteidigungsministerium erklärte, die bisher bestehende Begrenzung der Stärke der Streitkräfte sei aufgehoben worden. Die militärischen Einberufungen würden außerdem verwendet werden, um die Mannschaftsstärke der verschiedenen Waffengattungen zu erhöhen.

In dem kurzen Kommunique des Verteidigungsministeriums heißt es, dieser Schritt sei auf Empfehlung der Chefs des gemeinsamen Stabes der Streitkräfte, des Heeres-, Marine- und Luftfahrtministers und mit Billigung des Präsidenten gefaßt worden.

Meldungen von Freiwilligen sollen ebenfalls neben den normalen Einberufungen angenommen werden.

Das Kommunique enthält keine Zahlen. Nach den letzten Zahlen umfaßten die Streitkräfte der Vereinigten Staaten 1370 000 Mann, das Heer davon 593 000, die Marine und Marineinfanterie 427 000 und die Luftwaffe 350 000 Mann.

Das Heer wird voraussichtlich als erste Waffengattung auf Grund dieser Anordnung verstärkt werden. Es besteht gegenwärtig aus elf Divisionen, von denen vier im Fernen Osten stehen.

Während die Streitkräfte 2 005 882 Mann umfassen dürfen, haben sie augenblicklich nur einen Mannschaftsbestand von 1 370 000.

Moskau „warnt“

London, 7.' Juli. (AP.) Die Sowjetunion hat die Vereinigten Staaten und Großbritannien davon unterrichtet, daß die sowjetische Regierung beide Länder für alle Folgen und jede Schädigung der sowjetischen Interessen verantwortlich machen wird, die sich aus der Blockade Koreas ergeben könnten.

Wie von diplomatischer Seite mitgeteilt wurde, ist diese Warnung dem britischen Botschafter in Moskau, Sir David Kelly, am Donnerstag anläßlich eines Besuches bei dem stellvertretenden sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko mündlich übermittelt worden. Wenige Stunden nach dem Besuch Kellys bei Gromyko überreichte die sowjetische Regierung der amerikanischen Botschaft eine Note, in der die amerikanische Blockade Koreas als ein „neuer Akt der Aggression“ bezeichnet wurde.

Die Note der sowjetischen Regierung war die Antwort auf eine Note der Vereinigten Staaten vom Dienstag, worin die Sowjetunion unterrichtet wurde, daß die amerikanische Regierung in Uebereinstimmung mit der Korea-Resolution des Sicherheitsrates eine Blockade der koreanisdien Küste verhängt habe.

Für die Waferftoffbombe

Truman fordert weitere Dollars

Washington, 7. Juli. (AP.) Präsident Truman forderte den Kongreß am Freitag auf, 260 000 000 Dollar für die Beschleunigung der Entwicklung von Atombomben und der Experimente mit der Wasserstoffbombe zu bewilligen.

Truman bezeichnete es als grundsätzliches Ziel, die Atomenergie für friedliche Zwecke zu verwenden. Er fügte jedoch hinzu, solangj dieo Ziel nicht erreicht sei, müsse die Atomenergie zur Verstärkung der amerikanischen Verteidigung herangezogen werden.

MacArthar Oberbefehlshaber

Lake Success, 7. Juli. (AP.) Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Freitag eine britisch-französische Resolution angenommen, die den Weg für die Ernennung General Mac Arthurs zum Obersten Befehlshaber der Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea freimacht.

Amerikanische Panzer

In Südkorea eingetroffen

Tokio, 7. Juli. (AP) Ein Sprecher des amerikanischen Hauptquartiers in Tokio hat Freitag bekanntgegeben, daß amerikanische Panzer in Südkorea eingetroffen seien. Die amerikanischen Truppen würden jetzt Panzerunterstützung erhalten.

An die fünfte Bolonue

„Prawda“ fordert Sabotage

Moskau, 7. Juli, (dpa) „Der kalte Krieg — diese gräßliche Erfindung Präsident Trumans — wird heiß.“ Mit diesem Satz leitet die sowjetamtliche „Prawda“ am Freitag einen Kommentar zur Lage ein.

Die Rechnung der „Kriegshetzer" werde aber nicht aufgehen, fährt das Blatt fort. Die Bürger aller Länder, die den Stockholmer Friedensappell unterzeichnet haben, hätten sich damit praktisch zu folgender Haltung verpflichtet: „Ich will Eisenbahnzüge anhalten, die Entladung von Waffenschiffen verweigern, die Kraftstoffversorgung der Flugzeuge unterbinden, dem Söldner die Waffen nehmen, meinem Sohn und Gatten die Teilnahme am Kriege untersagen und dafür sorgen, daß den Behörden weder Lebensmittel noch Fernsprechverbindungen noch Transportraum zur Verfügung stehen — alles, um einen neuen Krieg zu verhindern.“

Karlshorsk plant eine Polksmurine

Vorbereitende Maßnahmen in der Ostzone

er. Berlin, 7. Juli (Eigener Drahtbericht). Von einer zuverlässigen Seite erfährt der Berliner Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über die sowjetischen Maßnahmen vor der Aufstellung einer Volksmarine der sowjetischen Zone die folgenden "nzelheiten:

' ‘ der Einrichtung einer Hauptverwal¬ _ig für Seepolizei beim Innenministerium wird die Bemannung von Schnellbooten, Minensuchbooten, Räumbooten und neuerdings auch von ehemaligen sowjetischen Torpedobooten durch Zwangsrekrutierungen mit angeblich einjähriger Dienstzeit vorgeschlagen. Die Grundlage für diese Rekrutierungen ist die seit 1946 in der sowjetisch besetzten Zone vorgenommene Registrierung ehemaliger Marineangehöriger. Der Befehl über die zahlreichen klei en Einheiten ist einem üheren deutschen A vir 1 übertragen werden.

Die Schiffsbautätigkeit hat in Zusammenhang mit diesen Maßnahmen eine wesentliche Belebung erfahren. In Rostock sind etwa 420 Fahrzeuge im Bau, Danzig, Königsberg und Stet’’n bauen gegenwärtig U-Boote. In Stettin sind darüber hinaus eine große Anzahl früherer deutscher Passagierschi. zu Truppontrs-, -rtern umgebaut worden.

Erwähnenswert ist dazu noch die besondere Akt tat, die äugen’ ’.icklich die s vjetische Luftwaffe im besetzten Gebiet entfaltet. In Me Jenburg bestehen rund dreißig Flughäfen, ( stark besetzt sind. Als Beispiel wird Peenemünde angeführt, wo sechshundert . Satzungen von zweihundert J gdmaschinen mit Hilfe von dreitausend Mann Bodenpersonal üben.

Jetzt auch Brandblättchen

Eine neue russische Propaganda

Berlin, 7. Juli. (dpa). Kurz nachdem das Sowjetzonen-Amt für Information am Freitag behauptet hatte, in der Sowjetzone seien neue Abwürfe von Kartoffelkäfern aus amerikanischen Flugzeugen festgestellt worden, spricht es in einer neuen Mitteilung von „Schädigungsversuchen mit Brandblättchen“.

Am Mittwochabend habe der Gemeindediener des Ortes Griffstädt ( Sachsen-Anhalt) bei einer Feldscheune pfenniggroße Blättchen von Löschpapierstärke entdeckt, aus denen Funken sprühten. Vorher habe er ein Auto mit einem Kastenaufbau gesehen, an dem drei Männer mit einem Kanister und einem Schlauch hantiert hätten. Als der Gemeindediener sich den Männern genähert habe, seien diese mit großer Geschwindigkeit in Richtung der thüringischen Landesgrenze weggefahren.

Befristete Margarine-Stener

Ueberraschender Beschluß der Bundesregierung

R. Bonn, 7. Juli. In den schwebenden wichtigen agrar- und sozialpolitischen Entscheidungen ist in der Kabinettssitzung am Freitag eine überraschende Wendung eingetreten. Die Regierung hat beschlossen, aus dem Milch- und Fettgesetz den Paragraphen zurückzuziehen, der die Aufhebung der Fettsteuer enthält, und dem Parlament die Erhebung einer Ausgleichsabgabe auf Margarine für drei Monate vorzuschlagen.

Die Gründe dieser Schwenkung der Regierung in der Frage der Fettsteuer, gegen deren Erhebung sie sich bisher entschieden ausgesprochen hatte, liegen in der nochmaligen Erklärung des Finanzministers, kein Geld für die weitere Subventionierung der Getreide- und Düngemitteleinfuhren zu haben, und in den Beschlüssen der Agrarausscfcüsse sowohl des Bundestags als auch des Bundesrats, eine Fettsteuer zu erheben. Der Agrarausschiuß des Bundesrats zog diesen Antrag erst unmittelbar vor der Sitzung de.s Bundesrats am Freitag zurück, nachdem er über den Kabinettsbeschluß, den Paragraphen, der den Fortfall der Fettsteuer bestimmte, informiert worden war.

Angesichts dieser Haltung der parlamentarischen Mehrheit hat die Regierung ihren ursprünglichen Gedanken anscheinend aufgegeben, eine vielleicht eintretende geringere Erhöhung des Brotpreises beim Wegfall der Subventionen durch eine größere Verbilligung der Margarine infolge des Wegfalles der Feftsteuer auszugleichen. Sie hat sich dem Standpunkt der Parlamentsmehrheit angeschlossen, durch die Fettsteuer Mittel zur Subventionierung zu erhalten, um damit den Brotpreis stabil zu halten, aber auch den Fettpreis auf der bisherigen Höhe zu belassen Zu diesem Punkt ist von den Sachverständigen erklärt worden, daß die Fettsteuer den Margarinepreis nicht erhöhen werde.

Dennoch wird in politischen Kreisen als peinlicher Eindruck verzeichnet, daß unmittelbar nach eindeutigen Erklärungen der Regierung gegen die Fettsteuer dieser Beschluß gefaßt worden sei. Es kommt hinzu, daß die Ablehnung der Fettsteuer ein gewichtiges Argument der Regierung in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften war, die sich jetzt zweifellos verschärfen werden. Auf der anderen Seite haben die Bauernverbände mit größtem Nachdruck die Fettsteuer gefordert, und es zeigt sich, daß die Regierung in ihren agrarpolitischen Beschlüssen zwischen einer Bauern- und einer Gewerkschaftsfront steht.

Das geht auch daraus hervor, daß ein Regierungssprecher vor der Presse erklärte, es müsse ein allzu starkes Absinken der Margarinepreise verhindert werden, da dadurch die Relation zwischen dem Butter- und Margarinepreis verändert würde. Diese Erklärung deutet auf das bei den Bauernverbänden vorgebrachte Motiv für die Erhebung der Fettsteuer hin, daß eine Verbilligung der Margarine den Butterabsatz beeinträchtigen werde. Andererseits hatte der Finanzminister vor kurzem eine solche Verbilligung der Butter des kleinen Mannes als Ziel der Regierungspolitik erkärt, so daß sich hier eine unverkennbare Wandlung der Ansichten der Regierung zeigt. Dagegen hat der Bundesrat nun dem Milchgesetz, der Anordnung über die Festsetzung der Getreidepreise für die nächsten drei Monate und der Ermächtigung der Regierung, Höchstpreise für Brot festziusetzen, zugestimmt nicht ohne jedoch diese Ermächtigung auf den 30 September zu beschränken. Ohne diese Befristung wäre die Ermächtigung, wie mehrere Länder betonen, nicht gegeben worden

In London dauert der wegen Lohnforderungen ausgebrochene Streik der Lastwagenfahrer und Lagerhausarbeiter an.


Link»; AuieriKaniscne Transportflugzeuge werfen Waffen und Munition an. Kecnts: Sanitätssoldaten bergen einen Verwundeten
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Formosa

*** Am vergangenen Samstag haben wir uns an dieser Stelle unter der Ueberschrift „Moskaus Umweg“ mit einer Aeußerung des rotchinesischen Außenministers Tschou En-lai befaßt, die, merkwürdig genug, in der Presse kaum beachtet worden ist. Tschou En-lai hatte betont, die Entsendung der siebenten amerikanischen Flotte an die Küste Formosas bedeute einen Angriff auf chinesisches Hoheitsgebiet. Wir schlossen daraus, Rußland, das im Korea-Konflikt bewußt im Hintergründe bleiben will, wolle sich die Möglichkeit offenhalten, Rotchina an seiner Stelle in die Kämpfe eingreifen zu lassen.

Damit der Konflikt auf Korea lokalisiert bleibe, sind die amerikanischen Marine- und Luftstreitkräfte angewiesen worden, unter allen Umständen Verletzungen der chinesischen Hoheitsgewässer zu vermeiden. Diese Vorsichtsmaßnahme scheint jedoch nicht den gewünschten Erfolg zu haben. Tschou En-lai hat in einem Telegramm an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, dargelegt, die Insel Formosa, auf der sich die Reste der natiorialchinesischen Armee befinden, sei ein untrennbarer Teil des chinesischen Territoriums. Das sei auch in dem Abkommen von Kairo und Potsdam anerkannt worden. Der Schutz, den die amerikanische Flotte der Insel gewähren wolle, bedeute einen Eingriff in die inneren Angelegenheiten Chinas. Das chinesische Volk sei trotz aller militärischen Schritte des amerikanischen Staates fest entschlossen, Formosa zu „befreien“.

Diese Erklärung des chinesischen Außenministers wird in den Kreisen der Vereinten Nationen als offene Drohung angesehen, Rotchina wolle in den Koreakonflikt eingreifen. Es dürfte sicher sein, daß Tschou En-lai sein Telegramm nach enger Fühlungnahme mit dem Kreml abgesandt hat. Bedeutet es mehr als eine Drohung, die Amerika davor zurückschrecken lassen soll, weit mehr militärische Kräfte durch den Koreakonflikt binden zu lassen, als ursprünglich beabsichtigt war? Moskau scheut auch vor Bluffs nicht zurück. Sollte allerdings Rotchina auf Geheiß des Kremls seine Drohung wahr machen, so kann es die Nordkoreaner mit erheblichen Kräften unterstützen und außerdem durch einen Invasionsversuch auf Formosa die Amerikaner zwingen, auch Tschiang Kai-schek aktive Hilfe zu gewähren.

Kurz vor Redaktionsschluß läuft die Nachricht ein, daß die Sowjetunion die Seeblockade Koreas durch die Amerikaner und Engländer als „neuen Akt der Agression“ bezeichnet und beide Länder für alle Folgen und jede Schädigung sowjetischer Interessen verantwortlich machen will, die sich aus ihr ergeben könnten. Auch dies bedeutet eine neue Erschwerung für die Operationen der Vereinten Nationen und kann den Keim zu neuen Konflikten in sich tragen. Es wird großer Geschicklichkeit der Vereinten Nationen bedürfen, um dennoch die Kämpfe auf Korea zu beschränken.

Die Armee der Namenlosen

Immer noch kämpfen 120 000 Deutsche

Die strittige Frage der Anwerbungen junger Deutscher für fremde Militärdienste hat kürzlich zu einer Anfrage bei der Bundesregierung über den Umfang und die Einzelheiten deutscher Dienstleistungen im Ausland geführt. Exakte Unterlagen liegen bei den Bundesbehörden nicht vor. Doch die beim Internationalen Roten Kreuz in Genf niedergelegten Angaben und Feststellungen aus dem Nahen Osten lassen den ungefähren Umfang deutscher Dienstleistungen für fremde Armeen erkennen. Nach ihnen stehen heute etwa 120 000 Deutsche in fremden Militärdiensten.

Die Bundesbehörden sind gegenüber den Dienstleistungen von Deutschen in fremden Armeen und gegen die Anwerbungen machtlos. Ja, sie können die offene Anwerbung auf deutschem Boden nicht einmal verhindern. Denn auf Grund des im Januar 1946 erlassenen Kontrollratsgesetzes Nr. 11 sind die im Paragraphen 141 a des Strafgesetzes enthaltenen Bestimmungen gegen die Anwerbung für fremde Militärdienste außer Kraft gesetzt. Alle Bemühungen der Bundesbehörden um die Aufhebung dieses Kontrollratsgesetzes sind bisher gescheitert. Die französische Oberkommission hat das Bestehen von Werbebüros energisch dementiert. Die werbenden Mächte, zu denen neuerdings auch südamerikanische Staaten kommen, können zudem darauf hinweisen, daß die Anwerbungen auf durchaus freiwilliger Grundlage erfolgen, und daß sehr viele junge Menschen, vor allem solche, die heute noch ziel- und haltlos in Deutschland umherirren, den Soldatenrock — wenn auch mit anderen Abzeichen — erneut anlegen. Auffallend groß ist dabei der Zustrom von Jugendlichen aus der Ostzone, die sich oft in ganzen Trupps den Werbebüros zur Verfügung stellen.

Seit Kriegsende

So sehr man sich heute in Deutschland um diese Menschen bemüht, so wenig spricht man seltsamerweise von jenen, die den Soldatenrock am Ende des Krieges nicht erst ausgezogen haben, sondern aus der Gefangenschaft heraus gleich in fremdländische Dienste traten. Sehr schnell konnten sie ihre Uniformen wechseln, um unerkannt als Deutsche, aber um so höher geschätzt als Söldner, in wahren Geisterzügen das Kriegshandwerk fortzusetzen. So war es an vielen Stellen in Aegypten und in den Internierungslagern Afrikas, Italiens und des Balkans. Zu Tausendeh wechselten in diesen Lagern junge Deutsche, nicht selten mit Unteroffizieren und Offizieren, die Kommandosprache.

Ein großes, bisher mit Stillschweigen übergangenes deutsches Söldnerrevier befindet sich im Nahen Osten. Aegypten und die arabischen Länder, vor allem Syrien, Irak und Iran, haben nach dem Zusammenbruch des Jahres 1945 die alte Achtung vor den deutschen Soldaten nicht verloren. So erinnerte man sich bei den dauernden Unruhen im Orient und den Kämpfen um Palästina gerne der Tausende von deutschen Kriegsgefangenen in den Lagern am Nil. Jedesmal, wenn irgendwelche Unruhen ausgebrochen waren, vor allem aber, als der Palästinakrieg vor der Tür stand, verschwanden die Insassen zu Tausenden aus den Lagern. Bei diesen Vorgängen drückten die Kontrollbehörden zunächst ein Auge, dann beide Augen zu, zuerst beim Lager 30 am Nil, das in der Hauptsache deutsche Berufsoffiziere, Flieger, Spezialisten und Instrukteure beherbergte. Wer den Soldatenberuf nicht aufgeben und nicht in die Heimat zurückwollte, konnte nach kurzer Probezeit gegen guten Sold das ihm in vielen Jahren vertraut gewordene Handwerk weiterführen. Heute sind 6000 Mann in Aegypten, 4000 Mann in Syrien, 4000 in Iran und 2000 im Irak stationiert.

Ein gewisser Hazim Bey

Diese deutschen Legionäre sind im ganzen vorderen Orient in verschiedenster Form in Erscheinung getreten. Sehr oft findet man das deutsche Element bei Palastwachen und Sicherheitstruppen arabischer Fürsten. Bei den vielen Kleinkriegen, bei Putschen und Hausmachtstreitigkeiten, aber auch zu Grenzsicherungen gegen den unter russischem Einfluß stehenden Nahen Osten fanden die Deutschen bisher bevorzugt Verwendung. Wie sehr man im Orient den Nachschub von Deutschen fördert und darauf bedacht ist, die deutschen Kader immer wieder aufzufüllen, geht daraus^ hervor, daß ein gewisser Hazim Bey, mit' wirklichem Namen Oberstleutnant Müller, in Kairo ein eigenes Büro unterhält, das mit der Neuanwerbung von Deutschen beauftragt ist. Die Werbung dieses Büros geschieht in erster Linie über Italien. Eine tiefe Tragik liegt in den Kämpfen der Jahre 1947 und 1948 an der griechischen Bürgerkriegsfront. Angehörige der nordischen SS, die aus den Heeresgruppen des Admiral Saalwächter und General Brandt in russische Hände gefallen waren, wurden zur Unterstützung der kommunistischen Bürgerkriegskämpfer an die Front von Konitza entsandt. Hier kämpften sie nur wenige Tage, um dann in geschlossenen Formationen zu den Nationalgriechen überzulaufen. Etwa 4000 blieben als Landsknechte bei den Roten. Zur Zeit stehen sie in den Bergen von Albanien. In Valona besitzen sie ein eigenes Hauptquartier. Vermutlich werden sie von den Russen in Bereitschaft gegen Tito gehalten.

In der Fremdenlegion

Die Verhältnisse in der französischen Fremdenlegion sind am klarsten zu überblicken, da Frankreich auf Anfragen Auskunft erteilt, so daß ein spurloses Verschwinden in der französischen Fremdenlegion heute nicht mehr möglich ist. In der französischen Fremdenlegion soll das deutsche Element heute bei etwa 30 Prozent liegen, obwohl nach den französischen Gesetzen nicht mehr als 25 Prozent des Bestandes der gleichen Nationalität angehören sollte. In Afrika tragen, nach Genfer Berichten, rund 12 000 Deutsche die weiße Kopfbedeckung der Legionäre. Sehr starke deutsche Kontingente befinden sich auch in Indochina. Auch die Insel Madagaskar hat deutsche Söldner aufgenommen.

Die Zahl von etwa 120 000 — wobei die in russische Dienste getretenen Deutschen nicht eingerechnet sind — dürfte als sicher feststehen, wenn man alle Kontingente zusammenzählt. Wahrscheinlich stehen aber noch mehr Deutsche unter fremden Fahnen. Endgültige Zahlen lassen sich nicht mit Sicherheit angeben, da es, wie man in Genf erklärt, unmöglich ist, alle Winkel der Welt nach Deutschen zu durchforschen, zumal da neuerdings bekannt wird, daß auch südamerikanische Staaten ehemalige deutsche Soldaten in ihre Dienste nehmen. Otto Peters

Die Mitbestimmnng

Kps. In der Abgeschiedenheit von Maria Laach ist nach langwierigen Verhandlungen die erste Phase im Kampf um das Mitbestimmungsrecht zum Abschluß gebracht worden. Die in der kurzen Verlautbarung des Bundeswirtschaftsministeriums erwähnte „grundsätzliche Einigung über die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Arbeitnehmern und Arbeitgebern“ beschränkt sich allerdings nur auf die ü b e rbetrieblichen Fragen. Sie sollen in einer Bundeswirtschaftskammer auf Bundesebene und in den Bezirkswirtschaftskammern auf bezirklicher Grundlage mit paritätischer Besetzung beider Sozialpartner, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, von höherer Warte entschieden werden.

Ueber die heißumstrittenen Fragen der e i n z e 1 betrieblichen Zusammenarbeit zwischen Betriebsleitung und Belegschaft müsse, so stellt die Verlautbarung des Bundeswirtschaftsministers fest, weiter verhandelt werden. Hier konnte nur eine Einigung über die Errichtung von paritätisch besetzten Wirtschaftsausschüssen für Betriebe „bestimmter Größe“ erzielt werden, und zwar zunächst nur für die personelle und soziale Mitbestimmung der Arbeitnehmer. Ueber das Problem der wirtschaftlichen Mitbestimmung bestehen, wie verlautet, noch erhebliche Differenzen zwischen den Arbeitgeberverbänden und dem Deutschen Gewerkschaftsbund als den beiden Verhandlungspartnern. Das vom Deutschen Gewerkschaftsbund geforderte Mitberatungsrecht und dessen weitere Forderung, bei Betrieben mit über hundert Arbeitnehmern für grundsätzliche Fragen dem Wirtschaftsausschuß des Unternehmens ein Einspruchsrecht einzuräumen, ist von den Unternehmern als zu weitgehend abgelehnt worden. Die Arbeitgeber-Verbände haben sich lediglich bereiterklärt, vierteljährlich den Betriebsrat zu unterrichten und bei grundsätzlichen Fragen den Betriebsrat beratend, aber nicht mitbestimmend, heranzuziehen.

Es stehen daher noch wichtige Entscheidungen offen. Die sachliche, beiderseits von Verantwortungsbewußtsein getragene Verhandlungsführung läßt jedoch erhoffen, daß auch dieses Problem einer Lösung zugeführt wird, die den widerstreitenden Belangen beider Seiten gerecht werden kann. Der Arbeitsfrieden wird nicht dadurch gesichert, daß jeder Verhandlungspartner seine Forderung hundertprozentig durchzusetzen, sucht. Wirtschaftliche Notwendigkeiten haben sich stets stärker erwiesen als politische Zweckmäßigkeiten.

Nach fünf Jahren

Ein Prozeß gegen deutsche Offiziere

Paris, 7. Juli, (dpa) Vor dem Kriegsgericht in Bordeaux hat der Prozeß gegen den Verteidiger des Festungsbezirks Royan, Konteradmiral Michahelles, und sechs Mitangeklagte begonnen. Ihnen werden Kriegsverbrechen vorgeworfen. Bei der Verteidigung von Royan sollen sie Häuserzerstörungen, Schiffsversenkungen, Beschlagnahmen und Plünderungen veranlaßt oder geduldet haben.

Die Mitangeklagten sind der Marineintendant Thiele, Fregattenkapitän Lanz, der Oberleutnant Kahrs und die Unteroffiziere Kohler und Katschmarek. Gegen den Oberleutnant Schade wird in Abwesenheit verhandelt. Die Angeklagten werden von dem Dekan der Rechtsfakultät in Marburg. Professor Dr Schwinge, sowie dem Rechtsanwalt Wolff aus Oldenburg und dem Rechtsanwalt Kranzbühler aus Düsseldorf verteidigt. Konteradmiral Michahelles hat seine Verteidigung französischen Anwälten übertrageji.

Michahelles erklärte am ersten Verhandlungstage, er habe die Zerstörung von zweihundert Privathäusern befohlen, um der Artillerie freie Schußbahn zu verschaffen. Die Versenkung des französischen Ozeandampfers „de Grasse“ und eines weiteren großen Schiffes habe er auf Befehl seiner Vorgesetzten angeordnet.

Die konservative französische Zeitung „Figaro“ schreibt zu dem Prozeß: „Es gibt schwer eine Erklärung dafür, warum es fünf Jahre gedauert hat, bis der Prozeß endlich abgehalten wird.“ Nach Ansicht des Blattes „le Monde“ lassen die militärischen Gutachten französischer Sachverständiger über die Notwendigkeit der durchgeführten Zerstörungen erkennen, daß die von Michahelles angeordneten Sprengungen vom militärischen Gesichtspunkt aus notwendig gewesen seien.

Der Bruder der Primzessin von Réthy verhaftet

Brüssel, 7. Juli. (dpa). Walter Baels, ein Bruder der Gattin Leopolds, König der Belgier, der Prinzessin von Rethy, ist verhaftet worden, als er die französisch-belgische Grenze überschritt. Er war 1946 von einem belgischen Gericht wegen Fahnenflucht in Abwesenheit zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Während des Krieges war er einem Einberufungsbefehl der belgischen Behörden in Lissabon, sieh den im Auslande kämpfenden belgischen Formationen anzuschließen, nicht nachgekommen. Seitdem lebte er in Paris und Südfrankreich. Er wollte jetzt nach Belgien, um bei der Beisetzung seiner Mutter zugegen zu sein, die am Donnerstag in Ostende gestorben ist.

43 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben den Generalsekretär Trygve Lie davon unterrichtet daß sie sich aktiv an der Aktion in Korea beteiligen würden oder daß sie die Entschließung des Sicherheitsrats befürworteten.

Unanfhaltsam meiter nach Süden

Die nordkoreanischen Panzerverbände bedrohen die amerikanischen Basen

Taidschon, 7. Juli. (AP./BBC./dpa) Die nordkoreanischen Panzerspitzen, die Schonan 30 Kilometer nördlich Taidschon erreicht haben, sind im Angriff auf Taidschon begriffen. Ein zweiter gefährlicher Stoß der Nordkoreaner richtet sich auf Pusan, dem einzigen großen Ausladungshafen der Amerikaner. Die feindlichen Truppen befinden sich nur noch etwa 100 Kilometer nördlich dieser wichtigen Versorgungsbasis der Amerikaner. ,

Das vorgeschobene Hauptquartier des Generals Mac Arthur gibt bekannt, daß mindestens fünf nordkoreanische Divisonen von starken Panzerkräften unterstützt in Stärke von insgesamt 100 000 Mann im weiteren Vormarsch nach Süden seien. Im rückwärtigen Gebiet der feindlichen Angriffsfront sind von der amerikanischen Luftaufklärung starke Truppenverschiebungen und Bewegungen motorisierter Verbände gemeldet worden, die südliche Richtung haben Es kann also damit gerechnet werden, daß der Feind Verstärkungen heranwirft, um die amerikanischen Verteidigungsstellungen zu überrennen.

Die Amerikaner haben eine starke Verteidigungsstellung in Anlehnung an den Kum-Fluß ausgebaut und haben die Si^ierungslini.en in östlicher Richtung bis 'ans. Meer vorgeschoben. Es wird jedoch vom amerikanischen Hauptquartier für möglich gehalten, daß die versammelten amerikanischen Kräfte nicht in der Lage sein könnten, einem starken feindlichen Vorstoß von Panzern, die von schwerer Artillerie unterstützt werden, standzuhalten. Der General Mac Arthur glaubt, daß fünfzehn Divisionen des Feindes in den Kampf eintreten können. Einem Korrespondenten erklärte er: „Wenn Sie mir helfen wollen, dann beten Sie mit mir, daß das Wetter besser wird.“ Die schlechten Witterungsverhältnisse in Korea haben mit ihren Monsun und den tropischen Regengüssen bisher den Einsatz der amerikanischen Luftwaffe erheblich eingeschränkt. Trotzdem haben die amerikanischen Flieger bisher tausend Einsätze gegen den Feind unternommen. Außer Kampfmaschinen vom Typ B 29 und schnellen einmotorigen Jägern haben die Amerikaner auch die berühmten zweimotorigen Mustangs in den Kampf geworfen, die dem Feind bei ihren ersten Einsätzen erhebliche Verluste zugefügt haben. Die Nordkoreaner verfügen jedoch über eine starke F.ak uiid über sehr gut ausgerüstete Jagdverbände, denen sie in den lezten Tagen auch Bomberverbände beigegeben haben.

Das amerikanische Hauptquartier weist jedoch darauf hin, daß sich die systematischen Angriffe der Luftstreitkräfte auf die feindlichen Flugbasen, Versorgungszentren und politischen Mittelpunkte des Landes auf die Dauer auswirken müßten. Der nordkoreanische Sender Pjöngjang hat gemeldet, daß bei den ersten Kämpfen gegen die Amerikaner die nordkoreanischen Panzerverbände, die von Infanterie begleitet waren, den Amerikanern starke Verluste zugefügt hätten. Es seien fünfzig Gefangene gemacht worden und mindestens fünfhundert Amerikaner entweder tot aufgefunden worden oder schwer verletzt in die Hände der Nordkoreaner gefallen. Das amerikanische Hauptquartier hingegen meldet, daß bei den Kämpfen um die vorgeschobene Verteidigungslinie Suwon lediglich zwei Kompanien eingesetzt gewesen seien, denen eine Batterie Artillerie zugeteilt gewesen sei. Diese Truppe, die von 40 koreanischen Panzern und feindlicher Infanterie angegriffen worden sei, habe sich nach dem Durchbruch ihrer Stellungen fast geschlossen auf die nächste amerikanische Verteidigungslinie zurückgekämpft. Ihre Verluste betrügen nicht mehr als 10 Prozent.

Die Russen zahlen ihre Schulden

Washington, 7. Juli. (BBC) Das amerikanische Außenministerium hat bekanntgegeben, die Sowjetunion habe an die Vereinigten Staaten einen Betrag von etwa fünf Millionen Dollar gezahlt, eine Summe, die den vereinbarten Jahreszinsen für Lieferungen entspreche, die Rußland im Rahmen des Leih- und Pachtvertrages unmittelbar nach dem Kriege von Amerika erhalten habe. Im Jahre 1945 hatte sich Rußland bereit erklärt, insgesamt 220 Millionen Dollar für diese Lieferungen zu zahlen. Die Zahlungen sollen bis 1976 vollständig erfolgt sein.

‚Kein Einfluß auf die Bundesrepublik

Erklärungen des amerikanischen Oherkommissars vor der Presse

Frankfurt a. M., 7. Juli, (dpa) Der amerikanische Oberkommissar McCloy sieht keine Anzeichen dafür, daß der Korea-Konflikt .irgendwelche Folgen für die Lage der Bundesrepublik haben wird. Wie wenig Auswirkungen der Krieg in Korea auf die Lage der Bundesrepublik und die hier stationierten Amerikaner habe, sagte er am Freitag vor deutschen und alliierten Pressevertretern in Frankfurt, möge man daraus ersehen, daß gerade heute seine 84jährige Mutter aus Amerika zu Besuch gekommen sei.

Die wichtigste Lehre aus dem Korea-Konflikt sei die Bedeutung des Faktors Zeit.; Der Welt sei nun klar gezeigt worden, welche Rolle Amerika zu spielen habe. Man könne es sich in der freien Welt nicht mehr leisten, auf dem Wege zu einer fortschrittlichen Entwicklung zu „bummeln“. Die deutsche Bevölkerung, sagte McCloy, möge sich angesichts des Korea-Konfliktes daran erinnern, welche große und wichtige Rolle sie in der Welt spielt. Sie möge voj allem die Tatsache nicht vergessen, daß alliierte Truppen in der Bundesrepublik stehen. Die Deutschen müßten jetzt erkennen, welche Bedeutung einem ausgeglichenen neuen deutschen Staatsleben als konstruktivem Faktor in Welt zukommt.

Auf die Frage, ob die Amerikaner mit einer neuen Blockade Berlins durch die Sowjetunion oder die Organe der Sowjetzonenrepublik rechneten, antworte McCloy: „Es gibt keine ausreichenden Anzeichen, aus denen sich ein solcher Schluß ziehen läßt.“

Die Volkspolizei nannte McCloy eine Gefahr. Der Protest der Westmächte gegen die Remilitarisierung in der Sowjetzone sei bisher nicht beantwortet worden.

Auf die Frage, ob die Besatzungstruppen in der Bundesrepublik ausreichten, erwiderte McCloy, dies müßten seine militärischen Sachverständigen beantworten. Er persönlich glaube, daß noch nicht genügend Divisionen in Westeuropa seien. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß es keinen offiziellen amerikanischen Standpunkt gebe, nach dem Westeuropa am Rhein und nicht an der Elbe verteidigt werden sollte. Im übrigen erwarte er keinen sowjetischen Angriff auf die Bundesrepublik.

Ueberbrückungshilfe für Yerdrängte

Ein größerer Personenkreis und höhere Bezüge vorgesehen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 7. Juli. Nach zwei langen Sitzungen haben die zuständigen Ausschüsse des Bundestags neue Richtlinien für die Ueberbrückungshilfe für die verdrängten Angehörigen des öffentlichen Dienstes beschlossen, die vom Finanzminister dem Kabinett zur Annahme empfohlen werden. Es hat sich ergeben, daß diese Hilfe nach den seitherigen Richtlinien nur zu kleinen Teilen von den Ländern, ausbezahlt worden ist.

Diese Hilfe werden erhalten die Angehörigen des öffentlichen Dienstes, die am 8. Mai 1945 bei einer Reichsstelle, die weggefallen ist, oder bei Dienststellen des Reiches, der Länder und der Gemeinden außerhalb des heutigen Bundesgebietes beschäftigt waren oder aus anderen als beamten- und tarifrechtlichen Gründen aus ihrer Dienststelle ausgeschieden sind, ferner Wartestands- und Ruhestandsbeamte oder Versorgungsempfänger, für die am 8. Mai keine Kasse mehr für die Auszahlung bestand.

Weiter werden diese Hilfe erhalten Berufsseldaten und Wehrmachtsbeamte, die vor dem 8. Mai 1935 berufsmäßig in die Wehrmacht eingetreten sind, wobei zwei Beförderungen seit 1935 anerkannt werden. Auch ehemalige Beamte, die dann in den Reichsarbeitsdienst übergetreten sind, fallen in diese Gruppe, wobei aber ihre Dienstjahre im Reichsarbeitsdienst nicht gerechnet werden. \

Endlich sind noch empfangsberechtigt die versorgungsberechtigten Hinterbliebenen dieser Gruppen und die unterhaltsberechtigten Angehörigen der Vermißten oder noch in fremdem Gewahrsam Zurückbehaltenen. Auch die Angestellten von Nichtgebietskörperschaften, wie der Handeis-Industriekammern, fallen unter diese Bestimmungen, nicht dagegen die, denen durch rechtskräftigen Spruchkammerbescheid ihre Versorgungsansprüche aberkannt worden sind.

Voraussetzung ist bei den Beamten eine zehnjährige ruhegehaltsberechtigte Dienstzeit oder Dienstunfähigkeit, ebenso bei Berufsoffizieren, bei Berufsunteroffizieren eine achtzehnjährige Dienstzeit bis 8. Mai 1945, während die vorgeschlagene Altersgrenze von 45 Jahren gefallen ist.

Die Ueberbrückungshilfe beträgt siebzig Mark monatlich, bei Verheirateten 'hundert Mark mit zwanzig Mark Zuschlag für jedes Kind, und kann bis zu einer Höhe von 180 Mark erweitert werden. Mit anderen öffentlichen Bezügen kann eine Summe bis zu zweihundert Mark voll ausbezahlt werden, der darüber hinavisgehende Betrag zur Hälfte bis zu einem absoluten Maximum von dreihundert Mark. Bei Wehrmachtsangehörigen tritt eine Staffelung von 100 bis 275 Mark ein.

Den Ländern werden durch d‘e Presse bekanntgeben, an welche Stellen die Anträge zu richten sind. Zunächst werden die bisherigen Empfänger nach den alten Richtlinien betreut werden, währenddessen eine Ueberprüfung ihrer Anträge nach den neuen Bestimmungen vorgenommen wird. Die neu in Frage kommenden Personen werden nach den neuen Richtlinien betreut werden. Es wurde betont, daß diese Regelung keine Vorentscheidung für die endgültige Gestalt des Gesetzes über die Verdrängtenhilfe darstellt.

Amerika: Gin langer krieg

Starke Sabotage-Tätigkeit von Partisanen in Südkorea

In den Vereinigten Staaten ist man der Auffassung, daß der Krieg lange, schwierig und kostspielig werde. Verschiedene Regierungsstellen sollen sogar eine Teilmobilisierung der amerikanischen Wirtschaft in Betracht ziehen. Alle offiziellen Stellen einschließlich der militärischen sind jedoch in ihren Prognosen vorsichtir, u "1 ’ irückhaltend. Die Oeffent-i lichkeit ist ’ soweit orientiert, daß sie weiß, daß gewaltige amerikanische Reserven mobilisiert worden sind und mit allen technischen Möglichkeiten die Entfernungen, die den Kriegsschauplatz vom amerikanischen Kontinent trennen, überwunden werden.

Als vordringliche Aufgabe des Oberkommandos in Washington sieht man an, daß alle Truppen und das notwendige Material, das für den Kriegsschauplatz auf Südkorea notwendig sein wird, zur Verfügung gestellt wird. Man ist sich darüber im Klaren, daß die Russen eine Lage geschaffen haben, in der die Vereinigten Staaten, der kommunistischen Expansion eine Grenze ziehend, sich im Kampfe mit einem Satelliten der Sowjetunion befinden, ohne dabei auf die Streitkräfte der Sowjets direkt zu treffen. Die militärischen Aktionen der Nordkoreaner werden von Sabotageakten der von ihnen geleiteten Partisanen in Südkorea unterstützt. In der Nähe des Ausladehafens Pusan haben straff organisierte Verbände der „Fünften Kolonne“ wichtige Uebergänge und Brücken in die Luft gesprengt, um. dadurch den amerikanischen Nachschub zeitlich aufzuhalten. Außerdem "sollen viele Tausende geschulter nordkoreanischer Soldaten in Zivil in die feindliche Front eingesickert sein, um dort Unruhen zu stiften. Es wird angenommen, d^iß zahlreiche Hinrichtungen, die von der südkoreanischen Regierung befohlen worden sind, im Zusammenhang mit dieser Agententätigkeit der Nordkoreaner stehen.

Am Rande der Kriegsberichte, die von den Korrespondenten der großen Zeitungen fast ununterbrochen in alle amerikanischen und europäischen Hauptstädte gesandt werden, finden sich kleine Meldungen über Feststellungen, die abseits des Kriegsgeschehens gemacht werden. So meldet der Korrespondent der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press, daß die koreanischen Bauern zu dem ständigen Dröhnen der amerikanischen Bomber lächelnd die Bemerkung machen: „Myong Kok" was auf deutsch „Süße Musik“ bedeutet. Der seit zwei Tagen vermißte Korrespondent der United Press, Kalicher, von dem angenommen worden war, er sei in nordkoreanische Gefangenschaft geraten, ist am Freitag wieder im amerikanischen Hauptquartier eingetroffen.



Rußland unterniumt nichte

Moskau, 7. Juli. (BBC.) Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass hat am Freitag gemeldet, die Regierung der Sowjetunion werde im Zusammenhang mit dem von der britischen Regierung ausgesprochenen Wunsch, sie möge ihren Einfluß zur Beilegung der Feindseligkeiten in Korea geltend machen, nichts unternehmen.

Es geht um das Erdöl

Washington, 7. Juli. (BBC) Das amerikanische Außenministerium hat alle amerikanischen Erdölfirmen gebeten, sämtliche Erdöllieferungen nach Nordkorea und China, sowie nach der britischen Kolonie Hongkong und der portugiesischen Kolonie Makao einzustellen. Die Vereinigten Staaten haben ferner Großbritannien und Holland gebeten, alle Erdöllieferungen nach Nordkorea und China einzustellen.

Kelly bei Gromyko

Der englische Vermittlmigswunsch

Moskau, 7. Juli, (dpa) Der britische Botschafter in Moskau, Sir David Kelly, hat den stellvertretenden sowjetischen Außenminister Gromyko am Donnerstagnachmittag auf dessen Ersuchen aufgesucht. Die kurze Unterhaltung hat sich mit der britischen Aufforderung an Rußland, im Koreakonflikt zu vermitteln, beschäftigt.

Bundesvertretungen in Berlin

Berlin, 7. Juli. (AP.) Zwei weitere Bundesministerien haben ihre Vertretungen im Berliner Bundeshaus eingerichtet. Für das ERP-Ministerium ist Bankrat Graf, für das Innenministerium Ministerialrat von Fritsch bestimmt worden. Damit erhöht sich die Zahl der in Berlin vertretenen Bundesministerien auf neun.

Stimmen der Anderen

Die Penstonen

In der „B eamten w a r t e dem offiziellen Organ des Deutschen Beamtenbundes in Niedersachsen, lesen wir:

„Wie immer in Notzeiten, wenn das Gespenst der Arbeitslosigkeit umgeht und für weite Volkskreise die Sicherungen des Lebens durch die Inflation geschwunden sind, steht auch jetzt wieder die Frage der Beamtenpensionen im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Der Beamte, sonst ein armer Hungerle der, erscheint nun plötzlich als Angehöriger eines bevorrechtigten Standes, weil er während seiner Dienstleistung zwar nicht viel, nach seinem Ausscheiden aber wenigstens etwas besitzt. Auf der einen Seite laufen die Arbeitergewerkschaften gegen dieses angebliche soziale Privileg Sturm, um die Beamten durch Einbeziehung in die Sozialversicherung der Lage ihrer eigenen Mitglieder anzupassen, auf der anderen stehen einflußreiche Wirtschaftskreise, die d'e Beamtenpensionen als bedenkliche Belastung des Steuersäckels betrachten.

Beide haben unrecht. Die Arbeiterschaft sollte endlich einsehen, daß die Pensionsregelung ein integrierender Bestandteil des Berufsbeamtentums ist, nicht für die Beamtenschaft als bevorrechtigte Klasse, sondern im wohlverstandenen Interesse des Staates geschaffen, der dadurch seine 'n jahrelanger Schulung herangebildeten Bediensteten sich auf Lebenszeit sichern will. Von der Wirtschaft aber sollte man die Einsicht erwarten, daß die den Beamten gezahlten Pensionen wieder in ihre Kanäle fließen und daß die Beamtenbezüge insgesamt einen Stab’litätsfaktor darstellen, der im Interesse des Lohn- und Preisgefüges nicht unterschätzt werden darf.

Die gegenwärtige Diskussion über die Durchführung des Artikels 131 hat die Erörterungen über die Beamtenpensionen neu belebt. Bekanntlich entfällt ein großer Teil der Beträge, die angesichts der selbstverständlichen Anerkennung der Rechte der Vertriebenen aufgewendet werden müssen, auf Pensionen für D enstunfähige und Hin¬ . terbliebene. Diese Summen sind zwar bei weitem nicht so hoch, wie ursprünglich von Regierungsseite angegeben wurde; gleichwohl sind sie hoch genug, das soll nicht bestritten werden Trotzdem kann d’e Beamtenschaft von ihrer Forderung nicht abgehen, die Bezüge der einheimischen und der vertriebenen Beamten gleichmäßig zu behandeln; nicht nur im Hinblick auf die Not geschieht dies, der die unter Artikel 131 fallenden Kollegen nun schon se’t fünf Jahren ausgesetzt sind, sondern auch aus der klaren Erkenntnis, daß es sich bei der Lösung dieses Problems um einen einheitlichen Rechtskomplex handelt und daß wir die Axt an die Wurzeln des Berufsbeamtentums überhaupt legen würden, wenn wir auch nur einen Bruchteil seiner Angehörigen einem minderen Recht unterwerfen Feßen.“

Tschiang Kai-schek

Der „Sozialdemokratische Pressedienst“ schreibt:

„Die militärischen Maßnahmen Amerikas im pazifischen Raum, die sich auf diese beiden UNO-Beschlüsse stützen, erfassen auch die Insel Formosa, zu deren Schutz eine amerikanische Flotteaeinheit aufgebotei^ wurde. D:e Einbeziehung Formosas hat aucn einen politischen Aspekt. Tschiang Kai-schek ist von Washington aufgefordert worden, seine eigenen Angriffe auf das chinesische Festland einzustellen. Militärisch hat sich die Lage Formosas also verbessert, — während sich gle’chzeitig politisch-diplomatisch die Lage Tschiang Kai-scheks entscheidend verschlechtert hat. Lange wird es auch kaum noch von Washington diplomatisch anerkannt bleiben; man spricht davon, daß die amerikanische Regierung vorschlagen will, d'e Insel Formosa unter die internationale Treuhandschaft der UNO zu stellen, womit Tschiang Kai-schek endgültig kaltgestellt wäre. An die Stelle Tschiang Kai-scheks, der für die westliche Welt seit langem weit mehr eine Belastung ist als eine Hilfe, tritt der direkte Einfluß der USA, oder gegebenenfalls die Neutralisierung Formosas durch die UNO. Die Assistenz, die heute schon die amerikanische Flotte vor Formosa durch die britische Fern-Ost-Flotte genießt, deutet eine solche Kollektivaktion an.“

Beweglickeit

Walter Lippmann schreibt in der „New York Herald Tribune“:

„Mir scheint, die amerikanische Politik sollte sich zum obersten Grundsatz machen, Beweglichkeit und Freiheit für unsere eigenen militärischen Kräfte wiederzugewmnen wenigstens solange nicht sowjetische Truppen in d.ese Grenzlandkämpfe eingegriffen haben. Wir sollten nie vergessen, daß unsere Stärke zur See und in der Luft liegt, daß es gefährlich für uns ist, unsere magere Infanterie an fernen Brückenköpfen einzusetzen. Damit sind bedeutende Bestandteile unserer Stärke an Kriegsschauplätzen gebunden, die wir uns nicht ausgesuch, haben und auf denen es nie zu einer wirklichen Entsche.dung kommen kann.“

Zehn-Pfennig-Scheine

Zum 30. September aufgerufen

F.A.Z. Frankfurt, 7. Juli. Die Bank deutscher Länder hat alle Kleingeldscheine zu zehn Pfennig zum 30 September 1950 aufgerufen. Sie verlieren mit dem Ablauf dieses Tages ihre Gültigkeit. Bis zum 31 Dezember 1950 werden die - Pfennig-Scheine jedoch noch von den Landeszentralbanken und von der Berliner Zentralbank umgetauscht.

Rundesminister Jakob Kaiser hat sich auf einer Wahlversammlung ,n Flensburg für einen freiwilligen Arbeitsdienst ausgesprochen.

Stock zur Volksabstimmnng

Ein letzter Aufruf zum 9. Juli

HGR. Wiesbaden, 7. Juli. (Eigener Bericht.) In der Bose-Aula in Wiesbaden hielt am Freitagabend Ministerpräsident Stock eine Rede zur Volksabstimmung. Es sei das große Vorrecht der Demokratie, politische Fragen frei zu diskutieren und echte Volksabstimmungen zu halten. Abstimmungen in Diktaturstaaten seien nur Befehle.

Die Abstimmung am Sonntag gehe um die Frage, ob für künftige Wahlen in Hessen ein gebundenes oder bewegliches Wahlverfahren möglich sei. Da es noch 'keineswegs feststehe, welches Wahlsystem für uns wirklich das beste sei, so hätten Regierung und Landtag es für richtig gehalten, das Wahlsystem nicht mehr in der Verfassung festzulegen. .Es solle vielmehr dem jeweiligen Landtag die Möglichkeit gegeben werden, auf dem Wege der einfachen Gesetzgebung entsprechende Aenderungen vorzunehmen.

Gewisse technische Einzelheiten im künftigen Wahlgesetz seien noch nicht ganz geklärt. In den grundsätzlichen, für die Bevölkerung wichtigen Fragen, sei jedoch keine Aenderung mehr zu erwarten.

Gegen die Einwendungen der Rechtsparteien gegen die Einschränkungen des Artikels 75 führte der Ministerpräsident aus, man müsse zwischen einer wirklichen politischen Partei und einer bloßen Interessenvertretung unterscheiden. Da viele Wähler in Deutschland, wie aus den Erfahrungen der Weimarer Zeit deutlich zu erkennen sei, diese Unterscheidungen nicht von sich aus prüfen, müsse das Wahlgesetz durch entsprechende Bestimmungen für eine Sicherung vor Splitterparteien sorgen.

Die Nationaldemokratische Partei zum Beispiel habe sich immer für das Persönlichkeitswahlrecht ausgesprochen. Da sie jedoch gegen die Verfassungsänderung stimmen wolle, beweise sie, daß ihr in Wirklichkeit an der Beibehaltung des Verhältniswahlrechtes gelegen sei. Sie betrachte also die Wahlrechtsfrage gar nicht als grundsätzliche politische Entscheidung, sondern rein vom Gesichtspunkt des taktischen Parteiinteresses. Sie tue also genau das, was sie den Regierungsparteien vorwerfe.

Das Wahlrecht, schloß Ministerpräsident Stock, sei in der Demokratie eines der wichtigsten Rechte des Staatsbürgers. Zugleich sei es auch seine größte Pflicht. Er rufe alle hessischen Bürger auf, dieser Pflicht zu genügen und sich am 9. Juli für Ja zu entscheiden.

Selbsthilfe gegen Wiidschweine

Wiesbaden, 8. Juli. Die Freie Demokratische Fraktion im Hessischen Landtag hat dem Schwälmer Bauernverband auf eine Anfrage mitgeteilt, daß der Hessische Landtag die Selbsthilfe der Bauern bei der Bekämpfung der Wildschweinplage billigt. Der Bauernverband hatte in .einem Schreiben an die Fraktion der Freien Demokratischen Partei mitgeteilt, daß Bauern, die Wildschweine zur Strecke gebracht hätten, von dem Forstbeamten deswegen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden seien.

Die Freie Demokratische Partei erklärt, daß sie im "Landtag dafür eingetreten sei, diese Bauern nicht zu bestrafen, und daß dieser Vorschlag die einstimmige Billigung des Hauses fand.

ERP-Ausstellung vorbereitet

Wiesbaden, 7. Juli, (dpa) Das Hessische Wirtschaftsministerium bereitet zurzeit eine ERP-Ausstellung vor, die am 27. Juli im Rahmen der Schau „Die Welt der Frau“ in Darmstadt zum ersten Male herauskommen und dann in allen größeren Orten Hessens gezeigt werden soll. Sinn der Ausstellung ist es, die deutsche Bevölkerung über den Ursprung, die Ziele und die Erfolge des Marshallplanes zu unterrichten.

Der Minister für Arbeit. Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, wird die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernehmen.

Flugzeug abgestürzt

ms. Wiesbaden, 7. Juli. (Eigener Bericht.) In den Mittagsstunden des Freitag stürzte ein Flugzeug vom Typ F 47 Thunderbolt bei einem Uebungsflug ungefähr vier Meilen südöstlich von München ab. Das Flugzeug, welches zum Flugplatz Neubiberg gehörte, wurde völlig zerstört, der Pilot getötet. Der Grund des Unfalles ist noch nicht geklärt.

Liquidierung der JEIA

Von den Vereinigten Staaten vorgeschlagen

Washington, 7. Juli (vwd) Die Vereinigten Staaten haben der britischen Botschaft in Washington am Freitag in einer Note vorgeschlagen, daß beide Regierungen ihre Oberkommissare für Deutschland anweisen, sobald wie möglich mit dem französischen Oberkommissar Vereinbarungen abzuschließen, um die JEIA zu liquidieren, ihre Aktiva der Bundesregierung zu übertragen und der Bundesregierung die Verpflichtung aufzuerlegen, alle noch verbleibenden Forderungen gegen die JEIA, die nach dem von der Oberkommission festgelegten Verfahren genehmigt sind, zu begleichen.

Verfassungswidrige Mitbestimmung?

Die Klage der Freien Demokraten vor dem hessischen Staatsgerichtshof

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Ro. Wiesbaden, 7. Juli. Der hessische Staatsgerichtshof ist am Freitag in Wiesbaden unter dem Vorsitz von Landgerichtspräsident Dr. Lehr (Limburg) zusammengetreten, um über den Verfassungsstreit zu verhandeln, der durch den Antrag der Landtagsfraktion der Freien Demokratischen Partei, die Inkraftsetzung des wirtschaftlichen Mitbestimmungsrechtes als verfassungswidrig und rechtsungültig zu erklären, aufgeworfen worden ist.

Zu Beginn der Verhandlung begründete Rechtsanwalt Dr. Dix den Antrag auf Aufhebung der wirtschaftlichen Mitbestimmung auch mit der Verletzung der Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes, die das Eigentum gewährleisten, des Artikels 45 des Grundgesetzes, der die einheitliche Gestaltung des deutschen Aktienrechtes fordert, und unter Bezugnahme auf die kürzliche Ansprache des Papstes auch auf die Verletzung naturrechtlicher Normen, wonach allein der Unternehmer eines Betriebes in wirtschaftlichen Dingen zu entscheiden habe.

Anschließend wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Staatssekretär Sauerborn vom Bundesarbeitsministerium wurde zu der Frage gehört, ob nach der Ansicht des Bundesarbeitsministers eine Loyalitätsverletzung des Bundes durch die Inkraftsetzung der wirtschaftlichen Mitbestimmung in Hessen vorliege. Der Zeuge erklärte, Minister Storch habe durch ein Schreiben an Ministerpräsident Stock versucht, darauf hinzuwirken, daß auf die Inkraftsetzung der wirtschaftlichen Mitbestimmung vorläufig verzichtet und die bundesgesetzliche Regelung abgewartet werde, um die Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern, die seinerzeit bereits eingeleitet gewesen seien, nicht zu stören. Der Bundeskanzler habe ja bereits in seiner ersten Regierungserklärung die Vordringlichkeit der Regelung des Erlasses eines Bundesbetriebsrätegesetzes betont. In Maria Laach sei gestern eine sehr weitgehende Einigung erzielt worden, auch über die innerbetriebliche wirtschaftliche Mitbestimmung.

Der Landtagsabgeordnete Bürgermeister Kurt Mosdorf (Sozialdemokratische Partei) sagte als Zeuge aus, das Kontrollratsgesetz Nr. 22 habe nach der damaligen Auffassung der wirtschaftlichen Mitbestimmung nicht entgegengestanden. Dabei seien verschiedene Uebersetzungsmöglichkeiten des Artikels 5 des Kontrollratsgesetzes berücksichtigt worden.

Bei der Vernehmung von Dr. Sander, dem Lektor für englische Sprachen an der Universität Frankfurt, ergab sich, daß die deutschen Uebersetzungen sowohl der maßgeblichen Briefe von General Clay als auch des Artikels 5 des Kontrollratsgesetzes, auf Grund deren die hessische Regierung die wirtschaftliche Mitbestimmung in das Gesetz aufgenommen hatte, in wichtigen Punkten nicht einwandfrei sind. Die Vorbehalte, die in diesen Texten über das Ausmaß der Mitbestimmung gemacht worden sind, sind nicht korrekt übersetzt und bei der Gesetzgebung nicht berücksichtigt worden.

Der Rundfunk am Samstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Magazin des Schulfunks; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 14.15 Eins für dich und eins für mich; 15.10 Unterhaltende Klaviermusik; 15.30 Volkstümliches Wissen; 16.00 Der bunte Samstag-Nachmittag; 18.10 Musik zu Dritt; 18.30 Zum Bach-Jahr 1950; 20.00 Offenbacher Volkskonzert: 21.30 Von der Zither bis zum Dudelsack; 22.20 Unter südlichem Himmel; 23.00 Tanzmusik zur Nacht.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART. 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik: 15.00 Unsere Volksmusik; 16 00 Nachmittagskonzert; 17.00 Zum Fünf-Uhr-Tee; 18.35 Kleines Konzert; 20.00 Wiener Spezialitäten; 20.45 Das Planschbecken; 22.00 Schöne Stimmen; 22.30 Das Kammertanzorchester; 23.00 Aus dem „Titania-Palast“ Berlin; 23.50 Tanzmusik aus aller Welt.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.15 Opernmelodien; 16.00 Unser Samstag-Nachmittag; 17.15 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Wir erfüllen Hörerwünsche; 22.30 Der SWF bittet zum Tanz; 0.10 „Blau ist der Himmel“.

NWDR.: 12.00 Frohes Wochenend; 13.20 Klittagskonzert; 15.00 Schwarz auf Weiß; 15.30 Chormusik; 16.00 Der frohe Samstag-Nachmittag; 18.30 Volkslieder, die uns Hörer einsandten; 19.30 Sportvorschau; 20.00 „Glück unterwegs“; 21.15 Tanzmusik; 22.15 Sinfoniekonzert; 22.50 Tanz am Wochenende; 0.05 Berlin am Mikrophon; 1.00 Jazz.

... und am Sonntag

RADIO FRANKFURT: 6.00 Morgenständchen; 7.20 Frühkonzert; 8.30 Evangelische Morgenfeier; 10.00 Kammermusik-Matinee; 11.15 Volkstümliches Konzert; 13.00 Virtuose Musik; 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung; 14.30 „Hans im Glück“; 15.15 Die Stunde des Chorgesangs; 16.00 Tanztee; 17.00 Gute Unterhaltung, liebe Hörer; 20.00 Operettenrevue; 21.25 Isaac Albeniz: Iberia-Suite; 22.30 Einmal so und einmal so.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART- 12.00 Musik am Mittag; 13.30 Verwehte Klänge; 14 00 Stunde des Chorgesangs; 15.00 Herausgefischt und aufgetischt; 17.00 „Robinson und das Ringelspiel“; 17.45 Monique Haas spielt; 18.05 Laßt Blumen sprechen; 20.05 Aus Konzert und Oper; 22.00 Virtuose Unterhaltungsmusik; 22.20 Im Rhythmus der Freude; 24.00 Schwedenpunsch.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Volksmusik und Chorgesang; 13.30 Musik nach Tisch; 14.15 Frohe Melodien; 15.30 Jedem das Seine; 17.00 Das SWF-Unterhaltungsorchester; 19.15 Die Sportreportage; 19.20 Kleine Abendmusik; 20.00 Konzert des Orchestre National Paris; 22.15 Sport und Musik; 23.00 Nachtgespräch; 23.30 „Im Rhythmus der Freude“.

NWDR.: 12.00 Sang und Klang: 15 00 Was Ihr wollt; 17.00 Die Sportreportage; 17.30 Unterhaltungskonzert; 18 00 Meisterwerke der Musik; 20.00 Wer hört, gewinnt; 20.45 Aus bekannten Singspielen; 22.30 Tanzmusik; 23.00 Melodie zur Mitternacht; 005 Berlin am Mikrofon.

Hilfe für Referendare

AZ. Wiesbaden, 7. Juli. (Eigener Bericht.) Der amerikanische Oberkommissar für Deutschland hat einen namhaften Geldbetrag zur Gewährung von Prämien für Studien- und Forschungsarbeiten bedürftiger Gerichtsreferendare zur Verfügung gestellt. Die Zuwendungen sollen begabten jungen Juristen, die zu besonderen Hoffnungen berechtigen, eine Ermutigung in ihrem Berufsstreben geben. Mit dieser Geldspende setzt der Oberkommissar seine Förderung des unter wirtschaftlicher Notlage leidenden deutschen Juristennachwuchses fort.

Iugendmwohnheim vorbereitet

Wiesbaden, 7. Juli, (dpa) Unter den heimatvertriebenen Jugendlichen besteht, wie aus dem letzten Wochenbericht des Hessischen Landesamtes für Flüchtlinge hervorgeht, wenig Neigung, zum Antritt einer Lehrstelle in Frankfurt eines der dort bestehenden Jugendwohnheime zu beziehen. Die Heime wurden geschaffen, um Jugendliche aus entlegenen Randbezirken, die bisher wegen der ungünstigen Verkehrslage keine Berufsausbildung erhalten konnten, in Frankfurt in Lehrstellen bringen zu können. Der Leiter des Hessischen Landesamtes für Flüchtlinge fordert die heimatvertriebenen Jugendlichen auf, von den gebotenen Möglichkeiten mehr als bisher Gebrauch zu machen.

Hessische Kurznachrichten

Der Landrat des Kreises Ziegenhain, Friedrich Klar, und der Färbereibesitzer Otto Skibowski aus Treysa, schlossen am Donnerstag vor der Berufungskammer des Marburger Landgerichts einen Vergleich. Beide nehmen die vor der Bundestagswahl ausgesprochenen gegenseitigen Vorwürfe zurück.

Das Sprengkommando Fulda hat im Juni in elf nordhessischen Kreisen insgesamt HO Tonnen Munition geborgen, die teils vernichtet, teils für die Hochofenverwertung vorbereitet wurden. U. a. wurden eine halbe Million Infanteriepatronen und etwa 100 Bomben schweren und schwersten Kalibers unschädlich gemacht.

Zinnkann weist Yorwürfe zurück

Aufklärung über den Volksentscheid war Sache der Parteien

Wiesbaden, 7. Juli. „Ich halte das hessische Volk politisch für so reif, daß mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten ihrer staatsbürgerlichen Pflicht genügen und am kommenden Sonntag an der Volksabstimmung über die Verfassungsänderung in Hessen teilnehmen werden“, erklärte der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann am Freitag in Wiesbaden.

Der Minister wies im Namen der hessischen Regierung den am Vortage von einem amerikanischen Beamten der amerikanischen Landeskommission erhobenen Vorwurf zurück, es sei von der hessischen Regierung und den die Volksabstimmung unterstützenden Parteien nicht genug zur Aufklärung der Bevölkerung über den Sinn der Volksabstimmung unternommen worden. Nach Ansicht Zinnkanns war es nicht Sache der Regierung, Propaganda für den Volksentscheid zu machen, sondern der Parteien, die sich für die Verfassungsänderung ausgesprochen haben. Trotzdem habe sowohl der Ministerpräsident als auch er selbst wiederholt die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Verfassungsänderung aufgeklärt.

Zinnkann erklärte abschließend, die Volksabstimmung werde ohne Zweifel zugunsten der „im Interesse einer lebendigen Demokratie notwendigen Abänderung des Wahlsystems“ ausgehen. Die verantwortungsbewußten Kreise der Bevölkerung würden den Parolen der „destruktiven radikalen Flügelparteien — Nationaldemokratische Partei und Kommunistische Partei“ — nicht Folge leisten. Jede „Ja“-Stimme zur Verfassungsänderung sei auch ein „Ja“ zu Deutschland und Europa.

Rückzahlung von Dinar

Wiesbaden, 8. Juli. Wie das hessische Innenministerium mitteilt, können sich ehemalige Kriegsgefangene, die in Jugoslawien nach der deutschen Kapitulation beschäftigt waren und Dinarbeträge bei der Jugoslawischen Nationalbank, Filiale Jesenice, deponiert hatten, diese Beträge im Wege des deutsch-jugoslawischen Zahlungsabkommens überweisen lassen.

Entsprechende Anträge seien an die Narodna Banka, Centrala Zasrbiju und Beograd unter Beifügung der seinerzeit ausgehändigten Originalquittung zu richten. Es empfehle sich, von den Unterlagen Photokopien oder Abschriften zurückzubehalten. Die Uebersendung von Photokopien oder Abschriften sei zwecklos, da die Jugoslawische Nationalbank nur auf Grund der Originale Zahlungen vornimmt.

Hessen muß nach einer Entscheidung der Oberkommission auch Ausländer als Revisoren und Steuerberater zulassen.

Es bleibt heiter

Eigener Wetterbericht

Ueber dem Ostatlantik liegt ein n®ues kräftiges Tief. Bevor es Einfluß auf unser Wetter gewinnt tritt iedoch in einem Zwischenhoch vorübergehend Wetterberuhigung und Aufheiterung ein.

Aussichten: Von Samstag bis Sonntag heiter bis leicht wolkig, wieder wärmer. Frühestens ab Sonntagnachmittag von West auf kommende Gewitterneigiung.

Wirtschaftsblatt

Weiter anziehend

An den internationalen Rohstoffmärkten setzte sich in der vergangenen Woche kn allgemeinen die in den Vorwochen begonnene Aufwärtsbewegung fort.

An der Chikagoer Getreide börse zogen die Notierungen weiter ziemlich scharf an.

An der Neuyorker Kaffee börse waren die Gewinne sehr erheblich.

An der Neuyorker Kakao börse hielten sich die Gewinne in mäßigen Grenzen.

Auf der Woll Versteigerung in London, die am 6. Juli begonnen hat und sich über drei Wochen erstreckt, entwickelte sich ein sehr lebhafter Wettbewerb für Kammwollen. während Streichwollen weniger gefragt waren.

Die Neuyorker Baumwollbörse beendete die Berichtszeit nach heftigen Schwankungen auf höherem Stande.

Die Kautschuk preise aller Märkte zogen scharf an. *

F. A. Z. Die Frankfurter Börse schloß auch zum Wochenende in unverändert schwacher Haltung. Dabei war nicht nur die schwierige politische Lage maßgebend, sondern es muß auch berücksichtigt werden, daß im Juli allgemein die Kaufs- und Verkaufsorder infolge der Urlaubszeit immer etwas schwach bleiben. Auffällig war jedoch, daß besonders Montanaktien weitere Punkte verloren, während einige Mascbinen¬ •werte ihre Vortagskurse durchaus behaupten konnten.

Frankfurter Großmarkthalle

bz. Das reichliche Angebot, darunter 50 Waggons Auslandsware, in allen Gemüsesorten, .'and guten Absatz. Deutscher Blumenkohl 5—25 (10—40) für 100 Stück, deutsche Karotten 10—15, Rotkraut 10—15, Weißkraut s—B, Wirsing B—lo,8—10, Erbsen 16 (15—20), Buschbohnen (grün) 20, ital. Tomaten 37,5 brutto £ür netto, deutsche 70, holl. 65.

Trotz rückläufiger Preise konnte das Obstangebot nicht verkauft werden. Deutsche Sommeräpfel 20—25, alger. Orangen, neue Ernte, 150—176 Stück in der Kiste, 45 Mark, deutsche Pflaumen 50 (55—70), deutsche Zwetschen 50, deutsche Pfirsich 50—70 (50), franz. 50 Kilo 66 Mark (65—75), ital. 67,5, Erdbeeren 100—120, Süßkirschen 25—40, Sauerkirschen 18, deutsche Aprikosen 45—60 (55—70), Stachelbeeren 25, Heidelbeeren 35 ’sis 38, Himbeeren 55—60, rote Johannisbeeren 14—18 (18—20).

Staubteilchen werden gewogen

Eröffnung der Ausstellung für Chemisches Apparate wesen in Frankfurt

Bz Weit großer als die letzte Friedensschau von 1937 in Frankfurt wird die ACHEMA IX, die neunte Ausstellungstagung für chemisches Apparatewesen. In der Zeit vom 9. bis 16. Juli 1950 treffen sich auf dein Frankfurter Messegelände annähernd fünfhundert Aussteller. Rund 5000 Teilnehmer wollen die Hauptversammlung der DECHEMA, der Deutschen Gesellschaft für Chemisches Apparatewesen, besuchen, um aus nahezu sechzig Vorträgen führender Chemiewissenschafter des In- und Auslandes, ihr Wissen zu vertiefen. Ungefähr 22 Prozent der Anmeldungen stammen aus dem Auslande.

Wie groß der Umfang der Ausstellung selbst sein wird, erhellt die Tatsache, daß fünf große Messehallen diese bisher größte Veranstaltung beherbergen. Aeußerlich charakterisiert sich diese Schau durch einen nüchternen und sachlichen Aufbau. Es fehlen die Reklameanpreisungen, die Prunkpavillons, es fehlen die Werbestände mit Neonlichtern und Leuchtfarben. Die ganze Veranstaltung ist getragen von einer höchsten Sachlichkeit, wobei man nicht weiß, ob alle deutschen Chemie-Apparatebauer ihre letzten Geheimnisse preisgeben. Noch ist ja der Patentschutz für Deutschland nicht überall uneingeschränkt hergestellt.

Zu umfangreich ist das Gezeigte, als daß man auch nur einigermaßen eine Uebersicht geben könnte. Da gibt es einen Apparat, mit dessen Hilfe man durch Eisen und Stahl gleichsam hindurchsehen kann. Man setzt ihn an die Außenwand eines Kessels oder Rohres, und wir werden sofort über den Inhalt belehrt. Dieser Apparat sagt genau, ob die Behälter leer oder gefüllt sind und wie hoch sie gefüllt sind. Nur eine leichte Berührung an der Außenwand genügt, um uns alle Einzelheiten des Inhaltes ganz genau aufzeichnen zu lassen. Die Elektrizität ist in der chemischen Forschung ein ungewöhnlicher Helfer geworden. Sie sorgt heute sogar im Laboratorium dafür, daß Versuche bis in alle Einzelheiten mit genauen gleichmäßigen Wärmegraden durchgeführt werden können. Noch vor wenigen Jahrzehnten benötigte man Tage, um eine Analyse beispielsweise des Wassergehaltes eines Stoffes herbeizuführen. Mit Hilfe modernster Apparate auf der ACHEMA kann man unter Umständen schon in zwei Minuten zu einem genauen Resultat kommen. Nicht selten ersetzt heute ein solcher Apparat einen Chemiker. Der angelernte Hilfsarbeiter kann hier vollkommen an seiner Stelle eingesetzt werden.

Ungewöhnlich interessant sind die neuzeitlichen Waagen, die nach einem Druck auf den Knopf innerhalb von zwei Sekunden nicht nur das Abwiegen selbst durchführen, sondern ebenso das Gewicht registrieren und aufdrucken, wodurch gleichzeitig eine zuverlässige Gewichtsbuchhaltung möglich geworden ist. Wir haben heute Abfüll- und Dosierwaagen. Sie arbeiten mit einer Genauigkeit von einem millionstel Gramm. Hierbei ist die Gewichtsbestimmung von Staubgehalten möglich geworden. Das beste Auge und die geschickteste Hand reichen also nicht mehr aus. Das Wunderwerk dieser chemischen Waagen hat den Menschen weit übertroffen. Durch das technische Meß- und Kontrollgerät prüft man heute laufend alle Vorgänge. Die elektrischen Meßgeräte haben durch die Anwendung der Fotozelle fast trägheitslose Meßeinrichtungen gebracht. In einer anderen Halle zeigen die Aussteller nahezu lückenlos alle chemischen und physikalischen Methoden der Laboratoriumstechnik. In der großen Halle VIII erhalten wir unter anderem einen Ueberblick über die umwälzenden Fortschritte in der Herstellung und Verarbeitung nichtmetallischer und metallischer Werkstoffe.

Auf Grund der Erfahrungen in den 25 Jahren ihres Bestehens veranstaltet also die DECHEMA erstmals nach dem Kriege wieder eine ganz umfangreiche ACHEMA. Es ist erstaunlich, wie gerade die chemische Industrie sich wieder zu erfolgversprechender Forschung aufgerafft hat.

Weinhandel protestiert gegen Luxussteuer

vwd. Der Bund der deutschen Weinhanlelsvereinigungen hat beim Bundesrat gegen las geplante Luxus- und Spesensteuergesetz protestiert. Der Bund weist darauf hin, daß die Durchführung der beiden Gesetze in der vorliegenden Fassung den Absatz von Wein und Spirituosen im Bundesgebiet erheblich einschränken würde. Außerdem sei mit einer weiteren schweren Schädigung des Gaststättengewerbes zu rechnen.

Die Grenze, von der ab Spirituosen zur Aufwandsteuer herangezogen würden, müsse wesentlich erhöht werden und ein Unterschied zwischen dem Ausschank in Gaststätten und dem Verkauf im Einzelhandel gemacht werden. Als Steuergrenze für den Verkauf in Gaststätten schlägt der Bund einen Verkaufspreis von 15 DM je Liter vor.

Kartoffelkäferbekämpfung

AZ. Das starke Auftreten des Kartoffelkäfers in diesem Jahre hat dazu geführt, daß die Larven bereits überall dort großen Schaden angerichtet haben, wo keine rechtzeitigen Bekämpfungsmaßnahmen durch Stäuben oder Spritzen durchgeführt wurden. Die Larven sind außerordentlich gefräßig, so daß eine sofortige Bekämpfung (z. B. mit Hortex-Stäubemittel und Hortex-Spritzmittel) zu empfehlen ist.

Bauernvertreter verläßt Rom

vwd Aus Protest gegen die im neuen Handelsvertrag mit Italien geplanten Einfuhren von Obst und Gemüse nach Deutschland hat der Vertreter des Deutschen Bauernverbandes bei den laufenden deutschitalienischen Handelsvertragsbesnrechungen in Rom seine Mitarbeit eingestellt. Der Deutsche Bauernverband hält ein Gesamtkontingent für italienisches Gemüse und Obst in Höhe von elf Millionen Dollar in einem neuen Handelsvertrag für angemessen. Die Bundesregierung habe sich jedoch mit Einfuhren in Höhe von drei Millionen Dollar im Rahmen eines Uebergangsabkommens und von zwölf Millionen Dollar in einem Hauotabkommen einverstanden erklärt.

Süddeutsche Häuteauktion

Gs. Auf der am 11. und 12. Juli in Stuttgart stattfindenden Häuteauktion werden rund 105 900 Kalbfelle, Schaffelle, Großviehhäute und Roßhäute zum Ausgebot kommen

Vierte Bremer Wollauktion

Kc Die auf der 4. Bremer Wollauktion angebotenen 3232 Ballen - domestic-Wollen wurden bei einem sehr guten Verkauf vollständig aüfgenommen. Infolge der Entwicklung auf den Weltmärkten lagen die Preise über denen der vorhergehenden Auktion.

Für Freiheit der Bheinschiffahrt

ld Mit den nachteiligen Wirkungen der Währungsabwertungen der Rheinuferstaaten auf die schweizerische Rheinschifffahrt befaßte sich die eidgenössische Rheinverkehrskommission auf einer Sitzung in Basel. Die Kommission stellte fest, daß die von einzelnen Rheinuferstaaten getroffenen protektionistischen Maßnahmen im Widerspruch zu den Grundsätzen der freien Rheinschiffahrt stehen. Die Kommission beschloß, an den Bundesrat das Ersuchen zu richten, alle Anstrengungen zur Wiederherstellung der Schiffahrtsfreiheit zu unternehmen, wie sie in der Mannheimer Akte festgelegt ist.

Pfälzische Steine für Bayern

Id Nach Mitteilung des Ausschusses „Bayern und Pfalz“ hat das bayerische Innenministerium in der Pfalz eine öffentliche Ausschreibung zur Herstellung von 500 Tonnen Pflastersteine für das Straßen- und Flußbauamt Aschaffenburg veranstaltet.

Vorsichtige Nachkriegsbilanzen

Hd. Die Hoesch-AG Dortmund legte als vierter westdeutscher Montankonzern nach den Vereinigten Stahlwerken. Klöckner und Mannesmann ihren Geschäftsbericht von 1942/43 bis 1946/47 (30. 6j vor.

Unmittelbar nach Kriegsende, zum Teil schon während des Krieges, hatten die Wiederaufbauarbeiten begonnen und die Gesellschaft konnte bis zum 30. Juni 1947 etwa 37 Millionen RM für außerordentliche Instandsetzungen aktivieren. Hinzu kommen im Geschäftsjahr 1947/48, für das der Abschlußbericht wegen der noch immer fehlenden Klarheit über den endgültigen Preisausgleich für Kohle noch nicht fertiggestellt werden konnte, weitere 14,5 Millionen RM. Im ganzen sind also bis zur Währungsreform rund 52 Millionen RM von insgesamt 107 Millionen Kriegsschäden aus eigenen Mitteln aufgebracht worden.

In der Bilanz zum 30. 6. 47 stehen die Anlagen mit 241,3 Millionen RM zu Buch, darunter 73,8 Millionen Beteiligungen. Das Umlaufvermögen wird mit 216,4 Millionen ausgewiesen, darunter Forderungen mit 175,1 Millionen, die durch Rücklagen und Rückstellungen gedeckt sind. Das Grundkapital ist mit 135 Millionen unverändert.

Ueber den derzeitigen Stand des Unternehmens war von der Geschäftsleitung zu erfahren, daß der Auftragseingang im Stahlsektor in den letzten Wochen lebhafter geworden ist. Die Stahlproduktion des Hüttenwerks, das nach seiner Entflechtung als selbständiger Betrieb geführt wird, beläuft sich augenblicklich auf rund 80 000 Tonnen monatlich

Auf der ACHEMA vertreten

DT. In der IX. ACHEMA, die in der Zeit vom 9. bis 16. Juli 1950 in Frankfurt a. M. stattfindet, sind 5 Firmen aus Starkenburg vertreten.

Röhm & Haas GmbH, Darmstadt, stellt in der Gruppe „Nichtmetallische und metallische Werkstoffe“ aus, die Maschinenfabrik Carl Schenk GmbH und die Maschinenbauanstalt Veneluth & Ellenberger, beide Darmstadt, zeigen in der Gruppe „Apparate und Maschinen“ ihre Erzeugnisse, während Pharmaglas GmbH, Darmstadt, und Ing. G. Nold, Griesheim bei Darmstadt, in der Gruppe „Laboratoriumsapparate“ ausstellen.

Dr. Esser (Röhm & Haas), Dr.-Ing. C. Jolas Darmstadt, und Dr. G. B. von Hartmann (Brown, Boveri & Cie, Groß-Umstadt), werden im Rahmen der Vortragsveranstaltungen der ACHEMA IX sprechen.

Schiffahrtsberichte (Bergfahrt)

Remagen haben passiert am 7. Juli von 4.00—19.00 Uhr

Abkürzungen: GB = Güterboot, TM = Tankmotorschiff. MS = Motorschiff, TL = Tankleichter, ohne Bezeichnung Schleppboot, MP = Motorpiniche, KM = Küstenmotorschiff.

4.30: MS Via mala; 6.00: MS Expreß 3; 5.30: MS Damco 65; 6.45: F 47, 1 Kahn: F 155; 7.15: MS Poseidon; 7.30: Simson und Hansa, 3 Kähne: Rolandsbogen, Heimat, Arno; 7.30: MS Montlouis; 8.00: MP Sistskelina; 8.15: MS Schwelgern; 8.15: Wilhelm Spiegeler, 3 Kähne: Stromfahrt 4, Anscar, Leo Maria; 8.30: MS Weser 6; 8.45: MS Bern; 9.00: MS Die Hoffnung; 9.00: MS Alex Horn; 9.00: TM Cormoran.

10.30: MS Heilbronn; 10.30: MS Muscadet; 10.30: MS Luise; 11.00: Damco 19, 3 Kähne: Damco 121, 69, 71; 11.45: Franziska Everth, 2 Kähne: Lahntreue, Esso 40; 12.00: Raabkarcher 14, 7 Kähne: Schürmann 14, Constantin 2, Alt-Heidelberg, Elisabeth, St. Margareta, Käte, Olex 42; 12.00 MS Geschwisterliebe; 12.15: MS Industrie 76; 12.30: Mousket, 2 Kähne: Johannisburg, van Driel 67; 12.45: Hans Gertges 1, 2 Kähne: Lydia, Elga.

13.30: KM Möwe; 13.30: KM Emsstrom; 14.00: Karl Peders, 2 Kähne: SBCBL 119, 66; 14.15: MS Chateau Yquem; 14.30: TM Friedrich Wöhler; 14.30: TM Ascona; 14.30: Nagold; 15.00: MS Rheinunion 4; 15.15: MS Wengernalp; 15.30: Bruche, 1 Kahn: Navta 10; 15.45: MS Rhenus 38.

16.00: Contor, 6 Kähne: Stromfahrt 3, Regolus, van Driel 35, F 144, Beilone, van Driel 57; 16.15: MS Marktbreit mit MS Bavaria 16; 16.15: MS Vicosprano; 16.30: MS Rex reni; 16.45: Adelheid, 1 Kahn: Prudentia; 18.00: Poseidon, 2 Kähne: Esso 31, WTAG 17; 18.00: Johanna; . 18.15: Braunkohle 4, 6 Kähne: F 310, Viducia, Leidel 3, Anna Gertruda, Reitz 9, Leidel 5; 18.30: MS Heezenberg; 18.30: Rudolf Hohmann, 4 Kähne: Anna Gertrude, Elisabeth, Matthias Stinnes 88, Westschiffahrt 30.

Wasserstände

Frühpegel vom 7. Juli

Rhein: Konstanz 3,84; Straßburg 2,76; Maxau 4,28: Mannheim; 2,80 Mainz 2,59; Bingen 1,74; Kaub 1,87; Koblenz 1,89; Andernach 2,17; Köln 1,58; Ruhrort —42.

Main: Viereth 0,36; Schweinfurt 0,39; Würzburg 0,57; Steinbach 1,48; Frankfurt 2,39.

Neckar: Plochingen 1,07.

Bleibt der Zinssatz?

F. C. Die Diskussionen um die Erhöhung des Zinssatzes für langfristige Kapitalien wollen nicht abreißen. Auch die Erörterungen gehen weiter, ob man den Diskontsatz senken soll oder nicht. Die Ereignisse in Korea haben die Diskussionen nicht unbeeinflußt gelassen. Preissteigerungen auf den Weltrohstoffmärkten pflegen angesichts unserer umfangreichen Nahrungsmittel- und Rohstoffeinfuhr auf die Dauer direkt oder indirekt die Dispositionen unserer Geschäftswelt zu berühren.

Bisher tätigen Amerikaner und Briten umfangreiche Vorratskäufe aus strategischen und politischen Gründen. Bei einer Zuspitzung der Lage ist es möglich, daß auch die deutsche Wirtschaft zu Vorratskäufen unter dem Gesichtspunkt schreitet, sich noch rechtzeitig zu günstigeren Preisen einzudecken. Der Bundeswirtschaftsminister ist jedoch allen Preissteigerungen abhold. Anzeichen von Preiserhöhungen, die sich über den Bezug ausländischer Rohstoffe bemerkbar machen könnten, dürften beim Bundeswirtschaftsminister auf Widerstand stoßen. Bereits heute erwägt man, ob man in einem solchen Falle nicht die Mindestreservesätze der Kreditinstitute heraufsetzen und den Diskont erhöhen soll.

Die Frage einer Diskontermäßigung ist also im Augenblick, da man die Entwicklung der Lage in Korea noch nicht endgültig übersehen kann, in den Hintergrund getreten. Damit dürften auch die Pläne des Bundeswirtschaftsministers auf eine Zinserhöhung für langfristige Kapitalien mindestens vorläufig auf Eis. gelegt werden. Der Bundesfinanzminister ist nach wie vor Gegner einer solchen Zinserhöhung. Er hat im Kabinett für seine Argumente Verständnis gefunden. Auch innerhalb des Zentralbankrates haben sich prominente Persönlichkeiten seiner These nicht verschlossen, wonach vorläufig eine Erhöhung des Kapitalzinses nicht in Frage kommen kann. Die Meinungen von Geheimrat Vocke von der Bank deutscher Länder und von Direktor Abs von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die sich beide für eine Erhöhung des Kapitalzinses eingesetzt haben, stoßen auf die entgegengesetzten Ansichten des Präsidenten des Zentralbankrates Bernard.

Der Gedanke, den Pfandbriefsatz auf etwa sieben Prozent und den Satz für Industrieobligationen auf etwa 7,5 Proyent oder auf 8 Prozent heraufzusetzen und dadurch das Sparen in Pfandbriefen und Obligationen anzuregen, dürfte im Direktorium der Bank deutscher Länder größtenteils auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Man dürfte sich allerdings auch dort der Auffassung nicht verschließen, daß eine Erhöhung des Kapitalzinsfußes nicht genügt. Es dürfte vielmehr im Interesse der Effektensparer liegen, daß sich die Bank deutscher Länder für eine Offenmarktpolitik einsetzt, also eine systematische Pflege des Kurses für Effekten in Angriff nimmt. Das setzt naturgemäß eine Kreditausweitung voraus. Ob sie im Augenblick angesichts anderer dringender Probleme durchgeführt werden kann, steht noch dahin.

Keinerlei Kartelle mehr ?

Von Fritz Peter Claus

Die Monopolbildung soll energisch bekämpft werden. Das ist der Wille des Bundeswirtschaftsministers. Er begegnet sich mit Forderungen aus Kreisen der Wirtschaft und der volkswirtschaftlichen Theorie. Aber auch das Verlangen der Besatzungsmächte nach einem Monopolgesetz steht als nicht zu übersehende Antriebskraft hinter diesen Bestrebungen.

Die Fassung einer neuen Kartellverordnung begegnet dennoch vielen Schwierigkeiten. Im Laufe des letzten Jahres entstand eine Serie von Entwürfen. Je nach dem Standpunkt der Verfasser haben sie ein striktes Verbot der Kartelle gefordert oder weitgehende Ausnahmen von einem solchen grundsätzlichen Verbot vorgesehen.

Die Kartellierung ist bekanntlich in den vergangenen Jahrzehnten charakteristisch für die deutsche Wirtschaft geworden. Hinter den Mauern von Kartellen und Preisabreden glaubten sich weiteste Kreise des deutschen Unternehmertumes vor den Wirbelstürmen eines zerstörenden Wettbewerbes schützen zu müssen. In diesen Schutzdämmen sahen die Unternehmer, eine Möglichkeit, Schleuderpreisen entgegenzutreten, die durch Uebersetzung eines Wirtschaftszweiges ausgelöst wurden. In den Kunstbauten der Kartelle erblickten sie aber auch eine Abwehrwaffe gegen die Marktstrategie jener Unternehmungen, die mit Schleuderpreisen die Konkurrenz niederkämpfen, um auf den zusammengebrochenen Wettbewerbern eine gefährliche Monopolstellung aufzubauen. Auch an solchen Erfahrungen dürften die Verfasser der verschiedenen Gesetzentwürfe nicht achtlos vorübergegangen sein. Gerade daraus erklären sich die Schwierigkeiten. die sich einem Kartellgesetz in den Weg stellen, das einer wirklich freien Wettbewerbswirtschaft die Wege ebnen und offenhalten will.

Kartelle gegen Marktstrategie

Auch der neueste Entwurf kann, so sollte man annehmen, solche Entwicklungsmöglichkeiten nicht außer acht lassen. Der Bearbeiter des jüngsten Entwurfes, Senatspräsident Dr. Köppel, dürfte nach den Weisungen des Bundeswirtschaftsministers dennoch zu einem grundsätzlichen Verbot der Kartelle kommen. Bundeswirtschaftsminister Erhard ist der Auffassung, daß Kartelle die Marktlage verschleiern. Der Mechanismus der auf freier Preisbildung aufgebauten Wettbewerbswirtschaft kann, das ist eine wiederholt ausgesprochene Meinung, nicht funktionieren, wenn Kartelle und Marktabreden die Lenkung der Wirtschaft bestimmen. Müssen wir also Kartelle und Marktabreden völlig verbieten?

In den Diskussionen der letzten Monate sind diese Fragen immer wieder aufgeworfen worden. Die grundsätzlichen Gegner der Kartelle treten für ein rücksichtsloses Verbot ein. Selbst die Export- und Rationalisierungskartelle sowie Marktabreden auf dem landwirtschaftlichen Sektor erscheinen zur Zeit unter dem Ansturm der konsequenten Kartellgegner bedroht. Die Anhänger des Kartellgedankens greifen um so nachdrücklicher auf die in den Vereinigten Staaten gemachten Erfahrungen zurück. In den Vereinigten Staaten, das läßt sich nicht übersehen, haben die Gesetze zur Unterdrückung von Kartellen die bekannten „Sherman Acts“, die Konzentration der Unternehmungen mächtig angeregt. Dieses Gesetz sollte die Kartelle unterdrücken. Tatsächlich hat diese Maßnahme aber die Zusammenballung nachhaltig gefördert. Sollten wir nicht aus diesen Erfahrungen lernen? Müssen wir deshalb nicht im Kampf gegen die Kartelle vorsichtig zu Werk gehen, um nicht unsere Wirtschaft der Gefahr der Vertrustung auszusetzen?

Relative Ueberkapazitäten

Deutschland muß auf dem Gebiet der Kartellfrage zu einer Regelung kommen, die moderner als die amerikanische ist. Der Kartellgedanke zieht zweifellos seine Kräfte aus dem Erscheinungsbild der Ueberkapazitäten, die zu Preisverfall und Absatzkrisen führen können. Sind heute in Deutschland Ueberkapazitäten in Ausmaßen vorhanden, die eine Kartellbildung rechtfertigen? Es gibt, das ist nicht zu leugnen, zur Zeit unausgenutzte technische Anlagen. Ihre Wurzeln sind zum großen Teil in der gegebenen Wirtschaftslage zu suchen. Sie sind also lediglich konjunkturell bedingt. Solche Ueberkapazitäten gilt es zu erhalten, um nach Ueberwindung der Stagnation eine Bedarfsdeckung auf breiter Front zu ermöglichen. Daneben drängen sich aber auch Ueberkapazitäten zum Beispiel in der Mühlenindustrie in die Augen der' Beobachter, die auch bei bester Konjunktur nicht zu beseitigen sind. Der hier entstandene Krankheitsherd kann nur durch operative Eingriffe entfernt werden. Kartelle können die chronische Entartung nicht aus der Welt schaffen. Sie können solche strukturell bedingte Verzerrungen im Wirtschaftsaufbau lediglich verschleiern. Immer wieder tragen sie vor allem dazu bei, weniger die Preise, wohl aber die Kosten hochzuhalten.

Soll man aber nicht jenen Unternehmungen und Wirtschaftskreisen den Krückstock der Kartelle reichen, die diese Stütze brauchen, um die Kapazitäten für Zeiten einer normalen Konjunktur zu erhalten? Soll man nicht vor allem das Kartell als Abwehrwaffe gegen Schleuderpreise benutzen, die machthungrigen Unternehmern den Weg zum Monopol ebnen wollen? Vollständige Konkurrenz ist auch nicht in allen Bereichen der Wirtschaft gegeben. Ein vollständiges Kartellverbot ist deshalb kein Allheilmittel. Man folge deshalb den nicht zuletzt von Professor Miksch vertretenen Gedankengängen und mache die Kartellbildung durch ein verschärftes Wettbewerbsgesetz uninteressant. Das setzt allerdings schwierige und umfassende Arbeiten voraus. Eine Revision des Gesellschaftsrechtes ist notwendig. Ebenso erforderlich ist eine Handhabung der Handelspolitik, der Steuerpolitik und der Geldordnung, die der Konzentration entgegenwirkt. Niemals darf dazu das Kartellverbot starr gehandhabt werden. In dieser Hinsicht gibt der jüngste Entwurf zu manchen Befürchtungen Anlaß.

Circea-Kurse

5. lull 1950 Übermittelt durch Industrie- u. Handelsbank In Mainz Fernsprecher: Sammelnummer 4348 Telegrammadresse: Merkurbank, und

Im Freiverkehr für Zuteilungsrechte aus der Bereinigiwg von girosammelverwahrten Aktien, die im Währungsgebiet verbucht sind. Rhein - Main ■ Bank, Frankfurt a. M., fr. Dresdner Bank Fernsprecher: Ort 30221, Fern 30231 Fernschreib. 041186, 041187, 041322 Telegrammadresse: Rheinmainbank

G % B
% Accutnulat.-Fabr.
. 48 52 Adlerwk. Kleyer
. 25 28
. 17 20 Aschaff. Zellst
. 46 50 BMW
. 16 19 Julius Berger
. 28 32 Berl. Kraft u. Licht
• 15 18 Berl. Masch. Schwartzk. ..
. 24 26 Boswau & Knauer ........
.1 18 22 G % B
%
Brauerei Cluss . 38 42
Brown Boveri 80
Buderus Charl. Wasser . 45 48
Chem. Albert . 40 44
Conti Gummi . 77 81
Daimler Benz . 30 33
Demag . 61 65
Dessauer Gas 16 17
Degussa ............T.y.... 50 54
G % B
% Dt. Waffen
.. 15 18 Didierwerke
.. 50 52 Dinglerwerke
.. 93 Dyckerhoff Zement
.. 85 88 Dynamit Nobel
.. 24 26 Eichbaum Werger
.. 38 42 El. Licht u. Kraft
.. 23 26 Ensinger Union
.. 38 42 Gebr. Fahr .-
.. 36 39 Geiling Sekt
.. 58 Gritzner-Kayser
.. 76 80 Grün & Bilfinger
.. 35 38 Gutehoffnunghütte
.. 51 Haid & Neu
.. 90 Hamburger El.-Wk
.. 40 42 Heidelbg. Zement
.. 69 72 Hindrichs Auffermann ...
.. 33 35 Hoesch
34 37 Holzmann
21 24 Katz & Klumpp ,
.. 52
G B
% %
Klein, Schanzlin u. B 62
Klöcknerwerke 42 45
Konserven Braun 38
Krauss-Maffei • 55
Kromschröder 80 -
Kupferberg ■
' ahmeyer 63 67
Lanz 27 30
Lindes Eis 64 68
Ludw. Akt.-Brauerei 34 38
Ludw. Walzmühle t 62
Mainzer Akt.-Bierbrauerei ’ 40 44
Mannesm.-Röhren Stamm .. 36 40
Mannesm.-Röhren Vorzüge . .
Metallgesellsch 47 51
Mez AG 60
NSU Parkbrau. Pirmasens 23 26
Pfalz. Mühlen 65
Rhein. Braunkohip ........ 78 82
G /o B
%
Rhein. El.-Wk 75
Rheinmetall 13 14
Rheinstahl 34 37
Rhein.-Westf. El.-Wk 62 64
Rhenser Mineralbrunnen ... 22
Rütgerswerke 30 33
Salzdetfurth 56
Sarotti
Scheidemandel 26 29
Schering 20 22
Schöfferhof 36
Schriftgieß. Stempel 90
Schubert & Salzer 23 25
Schultheiß Stamm 13 I_s
Schwartz-Störchen 48 52
Seilind-Wolff 60 64
Siemens Glas Siemens & Halske Stamm.. 33 36
Siemens & Halske Vorzüge. 32 35
Sinner 45
G B
% %
Steingut Colditz 18 20
Stollwerck 53 56
Süddt. Zucker 69 72
Thüringer Gas ........ .. 30 33
VDM
Ver. Dt. Ölfabriken 48 52
Ver. Stahlwerke .. 32 34
Waggonfabr. Rastatt .... 32 35
Westdt. Kaufhof ... 60 63
Westfalia-Dinnendahl .... 88 92
Wintershall
Württ. Metallw.-Fabr. ... .. 45 49
Zellstoff Waldhof .. . .. 27 30
Commerzbank .... .. 13
Deutsche Bank .. .. 13 15
Dresdner Bank ... .. 11 13
AG. f. Verkehrswesen ... 25 28
Allg. Lokalbahn ... Hamburger Hochbahn . 32 34
Süddt. Eisenbahnges . 50 53

Darmstadt und Amgebung

Weidenröschen und Königskerzen

D—s. Draußen grüßt jetzt von kahlgeschlagenen Hängen das rot-violette Blütenmeer der Weidenröschen, von niedrigem Gestrüpp, Gräsern und allerlei Krautwerk grün durchschäumt. Inmitten heben sich hie und da wie schmale Leuchttürme die sonnengelben Blütenstengel der Königskerzen heraus, goldene Flammen, dem hohen Sommer zu Ehren entfacht.

Auch der Frühling kennt das feierlichfreudige Farbzusammenspiel von Violett und Gelb, wenn er auf jung begrünten Wiesen Schlüsselblumen und Knabenkraut die gleiche Blütezeit schenkt; aber es ist zarter, verhaltener. Jetzt ist es ein Prangen und Überschwang, ein Prahlen und Anpreisen vor eifrigen Bienen, schwerfälligen Hummeln, lichttrunkenen Faltern und all dem leichtgeflügelten Mücken- und Käfervolk, das sich dort herumtreibt, um sein Geschäft und ahnungslos das der Schöpfung zu besorgen. Es kümmert sie nicht, daß die Wissenschaft die Weidenröschen als giftig bezeichnet, nicht, daß ihr die Königskerze ein Unkraut heißt. Und wer, ein Mensch, einmal sommerlange Ewigkeiten auf stacheldrahtumwehrtem, hartgetretenem, rissig gedörrtem Platze verbringen mußte, weiß, was ein violetter Schimmer von Weidenröschen in der Unerreichbarkeit jenseits des Drahtes wert ist, was eine Königskerze bedeutet, die sich schön geschwungen in lichter Unangefochtenheit aufreckt gerade bei dem Pfosten, der die Aufschrift trägt: „Wer weitergeht,' wird erschossen.“

Nein, sie blühen nicht nur auf üppigen Halden, die Weidenröschen und Königskerzen. Aus kärgstem Staube ziehen sie noch die Nahrung zu Leben und hochgemutem Blütengeleucht, und die Stätten der Zerstörung sind ihnen bevorzugter Wurzelgrund. Straßenlang ist beidseitig der Rand gesäumt von den zerfallenden Resten unserer Häuser. Wer rief die Weidenröschen und Königskerzen, wer brachte sie her, daß sie ihr Geblätter freundlich über zerbröckelnde Ziegel und Mörtel breiten, daß sie ihre hohen Stengel wiegen im leeren Raum der Zimmer, wo einst Schreibtisch und Bett, Bücherregal und Küchenherd standen?

Die kleinen Sämlinge der Birken und Espen im deckenlosen Geviert der Grundmauern sind in fünf Jahren zu ansehnlichen Stämmchen gediehen, und, jährlich sich mehrend, nicken Weidenröschen und Königskerzen von den Schutthaufen und starrenden Mauerabsätzen. Sie überblühen das Grauen, das darin nistet, und wissen nicht einmal von dem Trost, den ihr Anblick ins Herz glänzt. Sie laden Falter ein und machen es den Vögeln heimisch, die sich der Stadt wieder ein wenig zugewendet haben, seit es vergessene Straßen gibt, durch die nur selten ein Auto von suchend ausspähendem Fahrer gesteuert wird.

Oh, daß die Herren von Amt und Verwaltung nicht nur schelten möchten, daß wertvolles Material ungenutzt verkommt —, daß die Eigentümer der Grundstücke nicht nur zornig blicken möchten auf das farbig blühende Leben, das sich dort breitet, daß sie alle, die verloren haben und noch besitzen, die auf Ordnung sehen und bauen wollen, einen Dank spüren, ehe sie Heimat des Unkrauts wieder zu menschlichen Heimen verwandeln, und ein freundliches Lächeln haben für Weidenröschen und Königskerzen, die einstweilen ihre friedlichen Blütenflammen in Rotviolett und Sonnengelb über verbrannter Öde leuchten lassen!

Hans Parthier wurde von der Technischen Hochschule gechrt-

Auf Antrag der Fakultät für Mathematik und Physik haben Rektor und Senat der Technischen Hochschule Darmstadt einstimmig die Würde eines Doktors der Naturwissenschaften ehrenhalber (Dr. rer. nat. h. c.) an Herrn Direktor Hans Part hier, Vorstandsmitglied der Allianz-Lebensversicherungs-AG. in Stuttgart verliehen.

Wie die Urkunde sagt, hat er sich aus eigner Kraft einen hohen Platz im deutschen Versicherungswesen errungen und die Versicherungsmathematik durch hervorragende wissenschaftliche Leistungen bereichert. Der neue Ehrendoktor steht jetzt im 65. Lebensjahre. Er trat sogleich nach dem Abitur in die Versicherungspraxis ein und stieg schon mit 25 Jahren zum Chefmathematiker auf. Seine wissenschaftlichen Leistungen in 23 wertvollen Abhandlungen liegen namentlich auf dem Gebiete der Pensions- und Invaliditätsversicherung, aber auch der Bausparkassen und der Lebensversicherung. Weithin bekannt geworden ist sein Name bei der Währungsreform durch den Parthier-Plan, welcher die Lebensversicherung in anerkannt günstiger Weise in den neuen Stand überleitete. Dr. Parthier wurde vor kurzem mit großem Beifall zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Versicherungsmathematik gewählt und ist wissenschaftlicher Berater und Sachverständiger der Behörden und Ministerien.

Seine Ehrung durch die Technische Hochschule Darmstadt bildet ein schönes Beispiel dafür, daß hohe Leistungen willkommen sind und Anerkennung finden, mögen sie nun auf dem üblichen Wege des akademischen Studiums oder wie in diesem Falle in anderer Weise vollbracht werden. DT

Wirtschaftesoberschüler in Hamburg

Eine Klasse der Wirtschaftsoberschule weilte in der letzten Woche in Hamburg, um dort die Einrichtungen des Groß- und Einzelhandels zu studieren. An der Fahrt nahmen 20 Schüler und Schülerinnen unter Führung ihres Klassenleiters teil.

Wenn auch die Bedeutung Hamburgs noch lange nicht an diejenige der Vorkriegszeit heranreicht, so konnte doch, insbesondere dank der vorbildlichen Vorbereitung der Studienreise durch die Hamburger Wirtschaftsoberschule, der Zweck der Studienfahrt voll erreicht werden. Auch die .Hamburger Kaufmannschaft und Industrie hatten sich anerkennenswerterweise dafür zur Verfügung gestellt und durch Vorträge und Besichtigungen den Darmstädter Schülern einen weiten Einblick in die wirtschaftliche Bedeutung Hamburgs verschafft.

Die Fachgruppe der hamburgischen Außenhandelsvertreter hatte die Besichtigung von Exportmusterlagern ermöglicht, die Hamburger Lagerhausgesellschaft hatte ihre Exportlagerhäuser zugänglich gemacht, das Lagergeschäft selbst und die Waren-Arbitrage konnten in den Anlagen einer bedeutenden Lagerfirma kennen gelernt werden, das Weltwirtschaftsarchiv konnte besichtigt werden, die Hamburger Fischerei GmbH, machte die Teilnahme an einer Fischversteigerung möglich, und in einem eingehenden Vortrag berichtete der Direktor des Hamburgischen Fischmarktes über die deutsche Hochseefischerei.

Ferner konnten die Darmstädter Teilnehmer Einblick in die Geschäfte der Hamburger Börse gewinnen und durch den Besuch des Museums für Völkerkunde und des Museums für Hamburgische Geschichte die enge Verpflechtung der Hansestadt mit der großen Welt studieren. Die große Zigarettenfabrik Reemtsma und die Gummi- und Asbestwerke Tretorn gestatteten einen Einblick in ihre Produktion.

Daneben aber blieben auch die sehenswerten Einrichtungen allgemeinen Charakters nicht unberücksichtigt. Das Planetarium wurde besucht, eine Eisenbahnausstellung wurde besichtigt, das Hamburger Rathaus und der Stellinger Tierpark waren Ziele.

Mit einer Dampferfahrt nach Cuxhaven und einem Bad in der Nordsee fand die wohlgelungene Studienreise ihren Abschluß. DT

Iu Gerichtsfüälen gehört und aufgeschrieben

Abtreibung

Die zweite Strafkammer befaßte sich mit vier Personen, die sich der Abtreibung sowie der Anstiftung und Beihilfe schuldig gemacht hatten. Die 25jährige Angeklagte Irmgard H. aus Darmstadt, deren Mann seit 1944 vermißt ist und die mit ihren zwei Kindern in engen Verhältnissen bei den Eltern lebt, hatte nach langer Zeit des Alleinseins Männerbekanntschaften angeknüpft, die nicht ohne Folgen blieben. Ein 1946 geborenes uneheliches Kind, dessen Vater verschwand, kam zu Adoptiveltern. Zwei Jahre später wurde die Frau wiederum schwanger. Auf Grund wirtschaftlicher und familiärer Verhältnisse suchte sie den Mitangeklagten, den 53jährigen Franz V., auf, der gegen Zahlung von 100 DM eine erfolgreiche Abtreibung vornahm. Als sie ein Jahr später wiederum ein Kind von einem sonst redlichen Ehemann, dem ebenfalls angeklagten Nikolaus K., der eine leidende Frau hat, erwartete, befand sie sich in einer erneuten Zwangslage und ließ sich, nachdem die Abtreibungsbemühungen dieses Mannes gescheitert waren, von V. für 100 DM „helfen“. Da die Mutter der Angeklagten ihrer Tochter dabei zur Seite stand, mußte sie wegen Beihilfe ebenfalls vor Gericht, das weitgehende Milde walten ließ. Zwar, so wurde betont, bedeute,,die soziale Indikation keine Rechtfertigung, doch verschließe sich die Kammer nicht den besonderen Umständen dieses Falles, der zum Teil menschlich zu verstehen sei, rechtlich allerdings geahndet werden müsse. Schärfere Worte fand der Vbrsitzende für die Handlungsweise des Mechanikers V., der ohne Sachkenntnis gefährliche Manipulationen vornahm, die eine Gefährdung der Volksgesundheit bedeuteten und in diesem Fall wie ein Wunder einmal gut verlaufen seien.

Die 25jährige Irmgard H. erhielt vier Monate Gefängnis, der 53jährige Mechaniker Franz V. ein Jahr Gefängnis, der Ladeschaffner Nikolaus K. und die Mütter der Angeklagten, Ruth Sch., je eine Geldstrafe.

Vorbestrafter Radioschwindler

Wegen vollendeten Betrugs und Urkundenfälschung verhängte die Dritte Strafkammer gegen den 31jährigen, mehrfach vorbestraften Hilfsarbeiter Hans W. aus Darmstadt ein Jahr und drei Monate Gefängnis. Anfang 1950, zu einer Zeit, als W. arbeitslos war, überlegte er, wie er zu Geld kommen könne. Bei Radiohändlern erwarb er sich gegen eine geringe Anzahlung mehrere Rundfunkgeräte, die er sofort weiterverkaufte. Während er dabei mehrere Hundert DM einnahm, unterließ er es, den Radiohändlern die fälligen Raten zu bezahlen. Ein Teil der Betrugsgelder vertrank er. Die Rundfunkgeschäftsleute erhielten ihre Geräte wieder, die übel Geschädigten jedoch, die dem Angeklagten die Apparate abgekauft hatten, gingen leer aus.

Oeffentliches Aergernis

Weil er durch unzüchtige Handlungen ein öffentliches Aergernis erregt hatte, wurde ein älterer Friseur aus Darmstadt-Eberstadt ‘ vom Schnellgericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Zeugen dieses Vorfalls waren zwei junge Mädchen. Der Angeklagte gab seine Verfehlung zu, beabsichtigt jedoch gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Zitternd vor dem Richter

Heulend und zitternd stand vor dem Schnellrichter ein 24jähriges Mädchen, das zwei Jahre in russischer Gefangenschaft in Ostpreußen zubringen mußte und zweimal seine Eltern in Norddeutschland verlassen hat, um eine abenteuerliche Fahrt ins Blaue zu unternehmen, die schließlich ein unglückliches Ende nahm und in der Haftanstalt endete.

In Frankfurt gelandet, lernte sie drei junge Männer kennen. Gemeinsam machte man eine Runde durch verschiedene Lokale und trank auch ein paar Gläschen Wein. Schließlich bestieg man das Auto des einen Kavaliers und fuhr Richtung Darmstadt. Das Mädchen behauptet, von zweien bei einer Rastminute vergewaltigt worden zu sein und erstattete bei der Polizei Anzeige. Die jungen Männer erklärten das Gegenteil und als die 24jährige vor dem Amtsrichter ihre erste Aussage widerrief, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen falscher Anschuldigung. Gestern wiederholte nun das Mädchen seine polizeiliche Aussage, worauf das Schnellgericht die Verhandlung vorläufig aussetzte, um das Ermittlungsverfahren auszudehnen. Da die 24jährige versprach, sofort zu ihrer Schwester zu fahren und nicht mehr umherzustreichen, hob der Schnellrichter den Haftbefehl auf. wst.

Iubel, Trubel im Hochschulstadion

Nachdem heute Nachmittag das Sommerfest der Technischen Hochschule mit Besichtigungen. öffentlichen Vorlesungen und einem Abendkonzert in der Stadthalle seinen Anfang nehmen wird, steigt morgen in dem von den Amerikanern für diesen Tag freigegebenen Hochschulstadion das droße

Sport- und Volksfest

Ab 14 Uhr werden, wenn das Wetter keinen Streich snielt. überfüllte Straßenbahnen. Kraftwagen und Fußgänger dem Stadion am Böllenfalltor zustreben. Sie werden alle auf ihre Kosten kommen, denn für alle Ansprüche, die man an ein solches Sport- und Volksfest stellen kann, ist bestens gesorgt. Die Sportbegeisterten werden durch hochwertigen Sport zu ihrem Recht kommen: die Unterhaltungssuchenden finden im Studentenkabarett, in der Tanzdiele .und bei sonstigen Belustigungen das Gewünschte, und den Ewig-Hungrigen und -Durstigen kann versichert werden, daß die Verhandlungen über Wurst-, Eis- und Getränkelieferungen zu einem für den Magen aussichtsreichen Abschluß kamen.

Vor allem das Hockeyspiel gegen den Heidelberger HC — Darmstadt. TH ist Westdeutscher Hocke'vmeister — und das Handballspiel gegen ASV Zürich, den Schweizer Hochschulmeister 1950. werden Freunde hochwertigen Sports begeistern. Daneben steigen zwei Fußballspiele. Boxkämpfe, 3xlooo-m-Staffeln und Schauturnen.

Um 15.00 Uhr beginnt das studentische Kabarett mit seinen Vorführungen. Um 19 Uhr werden Sport und Spiel im Hochschul-Stadion zu Ende sein. DT.

In der Stadt notiert

Wilhelm Wenz eröffnet heute die Gaststätte . „Chausseehaus“, Bessungen. Damit geht eine der ältesten Gaststätten Darmstadts wieder in Famiilienbesitz über. Bis 1941 waren Herr Wenz und seine Frau über 30 Jahre Pächter der „Ludwigshöhe“. Dadurch wurden sie den Darmstädtern bekannt. DT

Eine lange Werbekolonne von Studenten führ gestern nachmittag auf Lastkraftwagen und Fahrrädern durch die Straßen der Stadt, um für das Sommerfest der Technischen Hochschule Reklame zu machen. DT

Die Jahresmitgliederversammlung des Roten Kreuzes Hessen, Bezirksverband Darmstadt, wird heute durch einen Vortrag des 1. Vorsitzenden, Ober-Regierungsrat Härting, abgeschlossen. Thema: „Der Mensch im Mittelpunkt der RK-Arbait.“ Die Veranstaltung findet um 15 Uhr im Büchersaal, Bessunger Straße 125, statt. DT

In der Jahreshauptversammlung des Arheilger Gesangvereins „Frohsinn“ wurde beschlossen, die Mitgliederversammlungen halbjährlich stattfinden zu lassen. Aus diesem Grunde findet am Samstag, dem 8. Juli, im Vereinshaus eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. htl

Die Sprechstunden der Abteilung Berufsberatung des Arbeitsamtes Darmstadt fallen im Hauptamt und in Neben- und Hilfsstellen in der Woche vom 10. bis 15. Juli 1950 aus.

Die Abendsprechstunde für Arbeitsuchende stellt das' Arbeitsamt Darmstadt mit Wirkung vom 15. Juli ein. ' -oh-

Die Turngesellschaft e. V. Eberstadt veranstaltet am Samstag, dem 8. Juli, eine Mitgliederversammlung im Vereinslokal Eidenmüller.

Einen Autounfall auf der Griesheimer Straße an der Einmündung der Fernverkehrsstraße nach Mainz erlitten zwei Personenwagen gestern nachmittag um 16.00 Uhr. Aus der Richtung Mainz herkommend, geriet der eine Pkw ins Schleudern und rammte das zweite Fährzeug. DT

Erheblicher Sachschaden entstand am Donnerstag an der Ausfahrt Mainzer Landstraße und Darmstädter Straße durch einen Zusammenstoß zweiter Personenkraftwagen. Die Insassen kamen mit leichten Prellungen davon. DT

Die Fleischbeschau in Arheilgen wird ab 1. Juli 1950 in monatlichem Wechsel von den Fleischbeschautierärzten Dr. Hüg und Dr. Remy durchgeführt. Die Fleischbeschau in Kranichstein wird weiterhin von dem Fleischbeschautierarzt Dr. Hoffmann wahrgenommen.

Gesellenbriefe für die Prüflinge aus dem Stadt- und Landkreis Darmstadt werden in einer Feierstunde am Sonntag, dem 16. Juli 1950, um 9.30 Uhr, in den Union-Lichtspielen überreicht. Ungefähr 600 Gesellen sollen Urkunden erhalten. -ib-

In der Darmstädter Straße in Arheilgen wird nun auch die Westseite des Gehweges von der Straßenbahnhaltestelle Fuchsstraße an zur Stadt hin ausgebessert.

Eine Kundgebung auf dem Friedrich-Ebert-Platz zurr Volksentscheid am Sonntag fand auf Veranlassung der KPD statt. Es sprachen Landtagsabgeordneter Carlebach und Stadtverordneter A v e m a r i e. DT

Die Ingd im roten Rack

Jagdschloß Wolfsgarten heute ein Altersheim — das Jagdhorn schallt nicht mehr durch die Wälder

Wo einst ein kleines Jagdhaus aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts inj „Arheilger Forst“ unweit des wohlhabenden Dorfes Egelsbach stand, „Pavillon du Champignon“ genannt, ein einfacher einstöckiger Bau, ließ der prunkliebende und verschwenderische Landgraf Ernst Ludwig (1678—1739) in den Jahren 1721—1724 ein weitläufiges und äußerst geschmackvolles Jagdschloß erbauen, das alsbald der Mittelpurikt glänzender Jagdfeste wurde.

Der Landgraf hatte durch Dekret vom 1. 7. 1707 die „Etablierung“ der unter Ludwig XIV. von Frankreich nach Deutschland gekommenen Parforcejagd angeordnet und für deren Abhaltung u. a. auch das Jagdschloß Wolfsgarten bestimmt. Die dafür aufgewendeten Kosten waren außerordentlich hoch. Sie belasteten die Staatskasse enorm. Schon im ersten Jahre wurden über 10 000 Gulden aufgewandt und in den folgenden Jahren betrugen die Kosten 12 000 bis 13 000 Gulden. 18 besonders geeignete Pferde mußten zur Verfügung stehen, und ein ganzer Stab von Bediensteten wurde dafür unterhalten. Wenn auch diese Sportart — denn mit der Jagd hatte das Hetzen eines Hirsches durch die Meute und die nachfolgenden Reiter wenig zu tun — bei dem waidgerechten, von 1739 bis 1768 regierenden Ludwig VIII. an Bedeutung verlor, so erfolgte doch die Abschaffung erst um das Jahr 1780 durch Landgraf Ludwig IX., der für die Jagd nichts übrig hatte. Kurz darauf wurde die französische Art der Parforcejagd an allen deutschen Fürstenhöfen abgeschafft; die Jagdart blieb lediglich in den sogenannten Schleppjagden, bei denen Hunde auf eine durch ein totes Stüde Wild künstlich gelegte Schleppe gehetzt wurden, erhalten und allgemein als „die Jagd im roten Rock“ bezeichnet. Diese Jagden fanden vornehmlich am Hubertustag (3. 11.) statt und stellten große Anforderungen an das reiterliche Können der Teilnehmer.

Mit der Abschaffung der Parforcejagd verlor auch Wolfsgarten seine Bedeutung; das Schloß blieb unbewohnt und kam immer mehr in Verfall. Jegliche Aufsicht fehlte. Es kam so weit, daß die Hirten der Umgegend förmlich Besitz davon ergriffen. Der Kamin des Hauptbaues diente ihnen als Feuerstätte zur Bereitung ihrer Mahlzeiten. Die landgräfliche Verwaltung hatte bereits den Abbruch der Gebäude erwogen, da rettete der damalige Erbgroßherzog Ludwig, der spätere Großherzog Ludwig 111. das schöne Schloß vor diesem traurigen Schicksal. Er setzte sich mit Erfolg für die Wiederherstellung ein, die im Laufe mehrerer Jahre unternommen und unter Großherzog Ludwig IV. um das Jahr 1880 vollendet wurde.

Wer heute das so schön gelegene und sich äußerst geschmackvoll präsentierende Schloß besucht, wird das Bestreben, es zu erhalten, vollkommen verstehen.

Die Gesamtanlage bildet ein fast gleichseitiges Viereck, dessen Aufbauten um die in der Mitte befindlichen gärtnerischen Anlagen gruppiert sind. Zwei Hauptbauten befinden sich an den beiden kürzeren Seiten des Vierecks, das westlich gelegene eigentliche Schloß und das gegenüberliegende Turmgebäude. Baumeister war der französische Architekt J. R de la Fosse, der auch andere Bauten für die Landgrafen ausgeführt hat. Das weit ausladende Hauptgeschoß liegt zwischen dem voll aufgebauten Souterrain und dem Mansardenstockwerk mit einer Reihe in Bogenform gegabeltet Lichtöffnungen, worauf das Dach in flachem Neigungswinkel das Ganze abschließt. Die ( innere Ausgestaltung der Räume ist vornehm und wirkt durch die Vermeidung übermäßigen Prunkes besonders eindrucksvoll. Der Hauptschmuck der Räume besteht aus 'prachtvollen Gemälden einst berühmter Künstler.

Lebensgroße Bildnisse hoher Fürstlichkeiten schmücken in reichen Rokokorahmen die Wände. Künstler wie Johann Christian Fiedler (1697—1768), der weitbekannte Hofmaler Johann Konrad Seekatz (1719—1769), der seinerzeit in hohem Ansehen stehende Johann Heinrich Tischbein, gest. 1789 in Kassel, sind an erster Stelle zu nennen. Den künstlerisch wertvollen Schmuck des großen Saales und eines anstoßenden Salons bilden sechs Superporten des Hofmalers Seekatz, der übrigens auch im Jagdschloß Kranichstein mit zahlreichen Gemälden, speziell aus dem Jagdleben des Landgrafen Ludwig VIII., vertreten ist. Bei den Superporten handelt es sich um die Darstellung von Schäfer-Idyllen, die mit Szenen aus dem Landleben der Fürstlichkeiten abwechseln. Die heiteren Schilderungen gehören durch ihre Lebendigkeit der Auffassung und einer geistreichen Touche in meisterhafter Behandlung aller Teile zu den besten Arbeiten des sinnigen Künstlers, der wohl weit produktiver gewesen wäre, wenn es während seines Lebens nicht an einer schwungvollen, sein großes Können fördernden Zeit gefehlt hätte.

Die vorhandenen Porträts stellen in der Hauptsache fürstliche Personen dar. Die landschaftlichen Szenen und die Darstellungen aus dem Jagdleben jener Zeit sind durchweg der näheren Umgebung des Schlosses entnommen. Letztere stammen zum größten Teil von Künstlern wie Hirschberger, Hagelgans und Kehrer.

Aeußerlich wirkungsvoller als der eigentliche Schloßbau, aber im Innern weniger reich ausgestattet, ist das auf dem östlichen Flügel stehende Turmgebäude, Auf einem wuchtigen Mittelbau erhebt sich der Turm, dessen kuppelartige Bedachung aus geschweiften Giebeln sich entwickelt und mit einer kräftigen, gestuften Laternö über die Dächer der ganzen Baugruppe emporragt. Für den Jagdfreund bietet die hochwertige Sammlung von Rehgehörnen besonderes Interesse. Nicht nur die große Zahl erregt den Neid der Jagdliebhaber, sondern mehr noch fesseln zu eingehendem sachverständigem Betrachten die prachtvollen wuchtigen darunter befindlichen Kabinettstücke, wie sie selten zu finden sind. Die stärksten Trophäen stammen aus den oberhessischen Revieren Romrod, Jägertal, Zwiefalten usw. Besonders großen Anteil an der interessanten Sammlung haben Großherzog Ludwig IV., der Vater des letzten hessischen Großherzogs Ernst Ludwig, und der letztere. Ludwig IV. war ein leidenschaftlicher Jäger, sehr an den Landgrafen Ludwig VIII., den größten Fürstenjäger seiner Zeit erinnernd, während Großherzog Ernst Ludwig ein meisterhafter Kugelschütze war, der selten sein Ziel verfehlte, die Jagd mehr als Sport liebte.

Ein besonderes Wahrzeichen der gesamten Schloßanlage ist eine mächtige, fast zweihundertjährige Eiche, die mit weitausladender Krone unweit des Turmbaues weithin sichtbar ist.

Heute wird ein Teil des schönen Schlosses als Altersheim verwendet.

H. Kalbhenn.



Wohin gehen mir heute?

Landestheater: Orangerie, 20 Uhr: „Der Schatz“; „Der zerbrochene Krug". (B/24), Ende 22.45.

Lichtspieltheater: Union: „Maria Walewska“; Thalia: „Katharina die Große“; Belida: „Der stumme Gast“, 22.30 Uhr: „Kora Terry“; Palast: „Verlorenes Rennen“; Hansa: „Der Weg nach Sansibar“.

Thalia: 22.30 Uhr, Heiterer Operettenabend mit Solisten des Landestheaters.

Sommerfest der Technischen Hochschule: TH, Vorlesungen und Institutsbesichtigungen von 14.30 bis 19 Uhr. — Stadthalle: 19.30 Uhr, Festkonzert.

Pauluskirche: 20 Uhr, Musikalische Vesper. Süddeutsche Holz - Berufsgenossenschaft: Concordiasaal, Adelungstraße 33, Ausstellung von 9 bis 18 Uhr: Lehrschau für rationelle Holzbearbeitung und Unfallverhütung.

Jahresmitgliederversammlung des Roten Kreuzes Hessen: Bezirksverband Darmstadt, 15 Uhr, Büchnersaal, Bessunger Straße 125, Vortrag 1. Vorsitzender Oberreg.-Rat Härting: „Der Mensch im Mittelpunkt der Rotkreuz-Arbeit“.

... und morgen?

Landestheater: Orangerie, 19.30 Uhr: „Othello“, (D/24), Ende 22 Uhr; Stadthalle, 19.30 Uhr: „Meine Frau Jacqueline“, (E/23), Ende 22 Uhr.

Lichtspieltheater: Wie Samstag, außer Thalia: 11 und 14 Uhr: „Das dämonische Ich“, und Belida, 14 Uhr: „Kora Terry“.

Pauluskirchensaal: 20 Uhr, Violin- und Klavierabend blinder Künstler.

Sommerfest der Technischen Hochschule: Hochschulstadion, Sportfest und sonstige Veranstaltungen der Studenten. Beginn 14.30 Uhr, Ende 19 Uhr.

Bereitschnaftadienste auı Sonntag

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst: (v. Sa.. 8. 7.. 13 Uhr. bis Sa.. 15. 7.. 8 Uhr.)

Darmstadt; Apotheke am Justizpalast. Bismarckstr. 17: Bessunger-Apotheke, Hermannstr, 4: Gutenberg-Apotheke. Kittlerstr. 34.

Darmstadt-Eberstadt: Apotheke Dst.-Eberstadt. Oberstr. 10.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (v. 10 bis 12 Uhr.)

9. 7.: Zahnarzt Walter Krost. Darmstadt, Osannstra“e 28.

Sonntagsdienst der Dentisten: (v. 10 bis 12 Uhr.)

9. 7.: Dentist Otto Müller. Darmstadt, Alexandraweg 49.

Wir gratulieren

70. Geburtstag: Frau Anna Völsing geb. Be¬ schedsnick, Darmstadt, Bessunger Str. 65 (9. Juli).

Auslandsaufenthalte junger Kaufleute und Ingenieure werden nach einer Mitteilung des britischen Arbeitsministeriums unter der Voraussetzung genehmigt, daß ein Angebot eines britischen Arbeitgebers vorliegt. Junge Ingenieure, die im Austausch in französischen Werken arbeiten wollen, können ebenfalls nähere Auskünfte bei der Industrie- und Handelskammer Darmstadt erhalten.

Starkenburg

Wohin mit den Flüchtlingen?

Bürgermeisterversammlung des Kreises Dieburg — Scharfer Protest gegen Neueinweisung von Flüchtlingsfamilien

Auf der gestrigen Dienstversammlung der Bürgermeister des Kreises Dieburg im Landratsamt gab die jetzt erfolgte Einweisung einer mehrköpfigen Flüchtlingsfamilie in die Gemeinde Groß-Zimmern Anlaß zu einer einmütigen und scharfen Stellungnahme der Bürgermeister des Kreises gegen die beabsichtigte Zuweisung zahlreicher neuer Flüchtlingsfamilien in den Kreis.

Bürgermeister Reinhard teilte mit, daß die Zuweisung eines Schwerkriegsbeschädigten Flüchtlings mit seiner vierköpfigen Familie zu einer Maßnahme veranlaßt habe, die für die Gemeinde auf die Dauer untragbar sei: Er mußte die Flüchtlinge, für die auch nicht der bescheidenste Wohnraum in einem Privathaus freigemacht werden konnte, im Schulsaal unterbringen, so daß dort seit gestern der Schulunterricht ausfallen muß. Erschwert werde dieser Fall noch dadurch, daß die Ehefrau in den nächsten Tagen niederkomme. Außerdem sei es erforderlich gewesen, wenigstens drei Feldbetten aufstellen zu lassen, um den Neuankömmlingen eine Schlafstätte zu schaffen.

Dieses Vorkommnis führte zu einer allgemeinen Erörterung der Frage der Neuzuweisungen von Flüchtlingen in den Kreis Dieburg, die insbesondere, da in nächster Zeit noch weitere Flüchtlingsfamilien aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern (das prozentual schwächer belegt sei als Hessen) im Kreisgebiet untergebracht werden sollen. Ergänzend hierzu führte Kreisflüchtlingskommissar Blank aus, daß der Zustrom von Flüchtlingen aus der Tschechoslowakei und dem polnisch besetzten Gebiet — und auch von illegalen Grenzgängern — anhalte.

Landrat Ritzert, dessen Amtsführung schon von jeher unter dem Leitwort gegenseitigen Aus- und Angleichens und der menschenmöglichen Lösung aller aufkommenden schweren Probleme steht, erkannte in diesem Zusammenhang den außerordentlichen Ernst gerade des Problems der Neuzuweisung von Flüchtlingen an, die wahrscheinlich in ihrem seitherigen Unterkunftsland unter großen Versprechungen zur freiwilligen Umsiedlung veranlaßt worden seien und zum Teil nicht nur mit Hab und Gut und Hausrat, sondern vielfach auch mit Groß- und Kleinvieh ankämen. Die ganze Angelegenheit mache den Eindruck, als sei sie von den verantwortlichen höchsten Stellen Hals über Kopf gelöst worden, obwohl die Planung dazu schon seit Monaten vorliege. Der Landkreistag und die hessischen Ministerien hätten bereits gegen diese Art der Flüchtlingsbehandlung Protest eingelegt und angesichts der geschaffenne Tatsachen sei es durchaus verständlich, wenn die Bürgermeister des Kreises auch von sich aus geschlossen gegen ein solches Verhalten oberer Behörden Stellung nähmen. Es wurde beschlossen, eine dementsprechende Resolution an die Regierung abzusenden.

Regierungsrat Spamer hielt anschließend zwei Referate über die Befugnisse der Bürgermeister hinsichtlich ihrer Eigenschaft als Ortspolizeibehörden beziehungsweise als Träger der kommunalen Verwaltung. Kreisrechnungsrevisor Braun sprach über die Bindung der Bürgermeister an den Haushaltsplan. Hinsichtlich der von den Gemeinden geleisteten Bürgschaften und gewährten Darlehen für den sozialen Wohnungsbau bemerkte der Landrat hierzu, daß angesichts der brennenden Wohnungsnot eine gewisse Großzügigkeit durchaus angebracht sei, doch müßten die gegebenen Gelder in jedem Falle genügend wertschaffend verwendet werden.

Zu dem Thema „Bürgermeister und Foren“ führte Landrat Ritzert einleitend aus, daß er jede nutzvolle Mitarbeit der Bevölkerung an der Lösung der gemeindlichen Aufgaben voll und ganz begrüße, jedoch dürften weder Bürgerversammlung noch Forum sich Rechte anmaßen, die ihnen das Gesetz nicht zubillige. Die Zukunft werde erweisen, ob die neu hereingebrachten Ideen, zu dem erstrebten Ziele führten. Zu diesem Fragenkomplex sprachen die Vertreter der amerikanischen Zivilverwaltung — Resident Officer Mr. Cond u ras war ebenfalls anwesend — Buchmeier und Pfleger. Sie betonten, daß das Forum nicht zu einer Massenversammlung werden dürfe, sondern vielmehr stets als ein ernst zu nehmender Verfechter der öffentlichen Meinung beachtet werden müsse.

Im Laufe der Versammlung machte Dr. Kaiser vom Pflanzenschutzamt Starkenburg bei der Landwirtschaftskammer Hessen-Nassau wertvolle Ausführungen über die Bekämpfung des Kartoffelkäfers, des Engerlings und der Maikäfer. Mehrere Bürgermeister gaben dazu wertvolle Erläuterungen aus ihrer Praxis in den Gemeinden. Ueber die Wirksamkeit der im Handel erhältlichen Bekämpfungsmittel waren die Auffassungen allerdings verschieden. (RG)

Mit Sachschaden davongekommen

Am Freitagnachmittag geriet gegen 16 Uhr ein aus Richtung Darmstadt kommender Lastwagen zwischen Büttelborn und Groß-Gerau ins Schleudern. Noch bevor der Fahrer seinen Wagen wieder in der Gewalt hatte, schlug der Anhänger gegen den Motorwagen eines entgegenkommenden Lastzuges, der sich vergeblich bemüht hatte, auszuweichen. Das Führerhaus dieses Wagens wurde stark zertrümmert, die Tür ab- und die Seitenwand weggerissen. Der Fahrer wurde auf die Straße geschleudert, bMeb jedoch unverletzt. <?cg.)

Leiche identifiziert

Von der Kriminalpolizei konnte am Donnerstag die bei Ginsheim .am Rhein gelandete Leiche identifiziert werden. Es handelt sich um den am 2. Juli ertrunkenen 33 Jahre alter Jakob Betschenka aus Guntersblum. (DT)

Den rechten Arm abgerissen

In der Nähe von Gräfenhausen ereignete sich am Donnerstag gegen abend auf der Autobahn ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem Fabrikant Plum aus Bonn, der mit seinem Fahrer in Richtung Frankfurt fuhr, schwerste Körperverletzungen davontrug. In der etwas überhöhten Kurve bei Gräfenhausen geriet der Wagen, der trotz der regennassen Straße mit höchster Geschwindigkeit gesteuert wurde, plötzlich ins Schleudern, drehte sich und stürzte, sich überschlagend, die Böschung hinunter. Während dem Fahrer nichts passierte, wurde dem Fabrikanten der rechte Arm abgerissen; seine Stirn zeigte eine klaffende Wunde. Er wurde in das Elisabethenstift Darmstadt eingeliefert, wo man neben einem Schädelbruch auch eine schwere Gehirnerschütterung feststellte und den rechten Arm amputieren mußte. (DT.)

Mit dem Pkw. gegen die Mauer

In Groß-Gerau verlor am Donnerstag abend gegen 20 Uhr ein Fahrer die Herrschaft über seinen Pkw und rannte gegen eine Mauer. Es entstand Sachschaden. Die Insassen erlitten nur geringfügige Verletzungen. (cg.)

Ministerpräsident Stock wird heute abend um 18 Uhr in Pfungstadt im Rahmen einer Feierstunde im Sitzungssaal des Rathauses den Ehrenbürgerbrief der Stadt überreicht erhalten. (DT.)

Guten Appetit!


An diesen heißen Sommertagen gehören die Heidelbeeren zu den Lieblingsmahlzeiten der Kinder. Die Mutti darf aber nicht vergessen, ihrem Liebling ein Schlapperlätzchen umzuhängen, sonst gibt es außer dem blauen Mündchen und Näschen noch ein fleckiges Kleidchen. Tert und Bild: Stirtz.
An diesen heißen Sommertagen gehören die Heidelbeeren zu den Lieblingsmahlzeiten der Kinder. Die Mutti darf aber nicht vergessen, ihrem Liebling ein Schlapperlätzchen umzuhängen, sonst gibt es außer dem blauen Mündchen und Näschen noch ein fleckiges Kleidchen. Tert und Bild: Stirtz.

Kleiner Hof mit großer Leistung

Der „Hans-Bauer“ überlegt sich seine Arbeit

Mehr als 75 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe des Odenwaldes liegen unter der 5-ha-Grenze. Ihre Besitzer haben sich bei den vielfach steilen Hanglagen und schlechten Wegen schon zu quälen, daß sie gerade noch den Lebensunterhalt für ihre Familie aus der kargen Scholle herauswirtschaften. Als Beispiel dafür daß aber auch ein verhälnismäßig kleiner Hof im Odenwald durch rationelle Arbeitsweise und aufgeschlossene Einstellung des Bauern zu allen Neuerungen und Erfahrungen der modernen Agrar-Technik und -Wissenschaft seine Erträge um ein Mehrfaches steigern kann, darf der Hof des „Hans-Bauern“ Jakob Siefert in Hetzbach genannt werden.

Zwar gehört der Hof schon zu den Mittelbetrieben von 10 bis 20 ha Größe, von denen es im Kreis Erbach 365 gibt, und zweifellos ist er nicht der einzige, der seinen Hof gut im Schuß hat. Gerade die Sieferts sind fast alle gute Bauern. Nicht erst seit heute und gestern.

Jakob Siefert hat in seiner Wohnstube eine kleine Tafel hängen mit einem Ueberblick üfer die Geschichte des Siefertsbauern. Danach haben Meister Syfried und sein Schwiegervater Heinrich Isenmenger aus Wimpfen im Jahre 1410 das „Steinen Haus“ und 1424 die Ringmauer des Schlosses Zwingenberg a. N. für die Ritter von Hirschhorn erbaut. Hans Sifert von Goslar war um 1660 kurfürstlich-pfälzischer Schloßkommandant in Zwingenberg. Am 14. Juli 1650 wurde sein Sohn Ludwig Heinrich Sifert geboren, der später als Hofbauer auf dem Hohberg saß. Seine Nachkommen sind heute Bauern in Obersensbach, Airlenbach, Gammelsbach, Mossau. Reichelsheim, Dielbach, Vielbrunn, Beerfelden, Finkenbach und Hetzbach.

Während seiner dreijährigen Kriegsgefangenschaft der ersten Weltkatastrophe hatte sich Bauer Siefert in den Kopf gesetzt, sich nicht so plagen zu müssen, wie es sein Vater tat. Schon damals waren, wie auch heute noch, die „derre Müchpennig“ die Haupteinnahme des Odenwaldbauern. Er machte also draußen Augen und Ohren auf und nützte seine Zeit. Wieder zu Hause, begann er seinen Hof von Grund auf umzustellen. Das ging nicht von heute auf morgen. Aber die Hauptsache war, er hatte sich einen Plan ausgedacht, den er Schritt für Schritt, aber konsequent, verwirklichte. Im Hof und Stall wurde alles so verändert, daß kein Handgriff umsonst gemacht zu werden braucht. Bei der Scheuer wurde das Gelände ausgenutzt zu einer Hocheinfalhrt, die praktisches Arbeiten von oben nach unten ermöglicht, und auch das Futtersilo wird bequem von der Scheuneneinfahrt aus gefüllt.

1937 stellte er sich auf intensive Schweine-Herdbuchzucht um. Helle, luftige Ställe und ein großer Freiauslauf garantieren ihm gesunde Tiere. Eine mächtige Muttersau mit einem Wurf von 14 quicklebendigen Ferkeln, denen man schon an der Hautfarbe die Gesundheit ansieht, liefert wohlig grunzend den überzeugenden Beweis.

Seine Großviehzucht hat Bauer Siefert durch moderne Weidewirtschaft und -düngung wesentlich gefördert, in dem auch der Düngungsplan und die Ertragsleistungen nach Milchmenge und Fettgehalt usw. notiert werden. Mustergültig sind die Weidekoppeln angelegt und eingezäunt. An jeder Koppel hängt ein Blechschild mit den Düngungsvermerken, denn auf dem Siefertshof werden laufend Düngungsversuche durchgeführt. Man sieht schon am kräftigen Wuchs und der satten Farbe des Wiesenfutters, wo die Grenze seiner Wiesen verläuft. Sein Großvieh ist in Weidegruppen eingeteilt. Ueber das eiweißreiche Futter werden zuerst die melkenden Kühe getrieben, das Jungvieh weidet als zweite Gruppe nach, und was dann noch stehen bleibt, wird ausgemäht, damit keine nährstoffarmen Ueberstände bleiben. Dabei werden die Fladen gleichmäßig verteilt, damit sich später keine Geilstellen bilden.

Das Weidetagebuch weist den Erfolg dieser planmäßigen Arbeit nach. Der Fettgehalt steigt systematisch; im Molkereieinzussgebiet steht Siefert m:1 dem höchsten Fettgehalt an die Spitze.

Bauer Siefert hat Glück, daß er zwei Buben hat. die seine fortschrittliche Arbeit mit Interesse unterstützen. Sie sind beide mit Ueberzeugung und Liebe Bauern, obwohl der eine erst 18, der andere 25 Jahre alt ist. Sonst hat der Bauer nur noch seine Frau, deren Gehilfin und den Lehrling als Helfer. Daß sich diese sechs Menschen giut verstehen, ist eine wesentliche Ursache des Erfolges.

Selbstverständlich stöhnt auch Bauer Siefert unter der ungesunden Steuerlast, die heute auf der Landwirtschaft ruht. Aber er sagt sich, daß eben um so rationeller gewirtschaftet werden muß. Der Wald darf nicht für Zahlungen oder Anschaffungen anigegriffen werden — er ist die Sparkasse des Bauern.

„Ich bin durchaus dafür, daß der Bauer am Ererbten der Väter hält, soweit es Haus, Hof und Feld angeht“, sagte der „Hans-Bauer“ beim Abschied, aber die Arbeitsweise muß sich der Zelt anpassen!“ Und damit hat er vollkommen recht. (-ch)


Das Vieh der Sieferts steht kräftig und gesund auf den fetten Weiden. Beim Beerfelder Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarkt holen sich die Siefertschen Tiere regelmäßig ihre Preise. DT-Fotos (2): Tehad
Das Vieh der Sieferts steht kräftig und gesund auf den fetten Weiden. Beim Beerfelder Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarkt holen sich die Siefertschen Tiere regelmäßig ihre Preise. DT-Fotos (2): Tehad

Bauer Siefert ist absolut kein „Salonbauer“, er faßt selbst mit an, ja er ist überall der erste und der letzte. Seine Buben eifern ihm darin nach.
Bauer Siefert ist absolut kein „Salonbauer“, er faßt selbst mit an, ja er ist überall der erste und der letzte. Seine Buben eifern ihm darin nach.

Roßdorfs Gewerbeverein - eine schwere Geburt

Präsident Gisbert sprach vor Handwerkern und Gewerbetreibenden

Handwerker und Gewerbetreibende Roßdorfs hatten sich am Donnerstagabend zusammengefunden, um die Neugründung des früheren Gewerbevereins zu besprechen. In seiner Eröffnungsansprache wies Bürgermeister Roßmann auf die einstige Bedeutung des alten Gewerbevereins und der Gewerbeschule hin.

In seinem folgenden Referat gab der Präsident der Handwerkskammer Darmstadt, Gisbert, einen Rückblick auf die vergangene Tätigkeit an den Gewerbeschulen und betonte, daß der Gewerbeverein kein Ersatz für die Organisation des Handwerks sein, sondern die Verbindung zur Gemeinde festigen soll, wobei gesellschaftliche und familiäre Aufgaben ebenfalls zu lösen seien.

Die Ausschreibung von Arbeiten solle im Interesse des gesamten Handwerks erfolgen. Ein organisierter Zusammenschluß sei daher unumgänglich, um alle die Aufgaben lösen zu können, die nicht mehr örtlichen Charakter haben, sondern auf bezirklicher oder Bundesebene liegen. Infolge der Gewerbefreiheit sei ein sprunghaftes Anwachsen der Gewerbebetriebe festzustellen. Dieser Zunahme könne nur durch den großen Beschäftigungsnachweis wirksam entgegengetreten werden.

Wie Präsident Gisbert weiter erklärte, wurden in den letzten 5 Jahren 4500 Meisterbriefe vergeben. Für dieses Jahr liegen bereits 550 neue Anmeldungen vor, ein Zeichen, daß der größte Teil der Handwerker der Auffassung ist, daß das berufliche Können unter Beweis gestellt werden muß, um die dementsprechende Anerkennung finden zu können.

Die folgenden Ausführungen Präsident Gisberts galten der Ausbildung des Nachwuchses, der Fortbildung der Meister vornehmlich in Kalkulation und Buchführung —, der Altersversorgung und dem Mitbestimmungsrecht in den Betrieben. Bezüglich der Schwarzarbeit, die schon fast zur Volksseuche geworden sei, erklärte der Redner, daß die Regierung in Kürze Maßnahmen zur Bekämpfung durchführen werde. Hinsichtlich der politischen Betätigung sei eine Parteiarbeit zu begrüßen, da hier die Möglichkeit bestände, die Interessen des Handwerks zu vertreten. Die Zahl der Abgeordneten aus dem Handwerk im Bundesparlament sei zu niedrig, um wirksame Erfolge verzeichnen zu können.

Eine anschließende Diskussion führte zu heftigen Debatten, in denen Präsident Gisbert von einem ehemaligen Vorstandsmitglied des Roßdorfer Gewerbevereins scharf angegriffen wurde. Ein vorläufiger Ausschuß soll sich eingehend mit der Frage der Neugründung des Vereins befassen. (sl)

Roßdorf zeitweise ohne Wasser

In seiner Mittwoch-Sitzung beriet der Roßdorfer Gemeinderat neben der Genehmigung der Nachtragshaushaltssatzung die Neuformulierung der Friedhofsordnung und die Wasserversorgung der Gemeinde. Es wurde festgestellt, daß verschiedene Ortsteile trotz Neuanlage eines Brunnens zeitweise ohne Wasser sind. Zur Abstellung dieser Mängel beauftragte man die Wasserkommission mit einer eingehenden Untersuchung. Ein Antrag der Naturfreunde, das Gelände neben der Kieskaute zum Bebauen zur Verfügung zu stellen, wurde einstimmig gebilligt.

In der Nachtragshaushaltssatzung wurden Zuschläge für mehrfachen Hundebesitz zur normalen Hundesteuer gefordert. Desgleichen wurde vorgeschlagen, einen Teil des Ueberschusseg der Gemeindekasse aus dem Rechnungsjahr 1949 zum Ausbau des Traisaer Weges, zur Errichtung eines Gemeindesiedlungshauses und zur Renovierung und Einrichtung des Rathauses zu verwenden. Beide Vorschläge wurden angenommen. . * i •• . . •

Die Anträge zweier Bauherrn auf Ankauf eines Grundstückes am Bessunger Forstaus und auf Bebauung eines Geländestückes außerhalb des Ortsbauplanes wurden teils der Baukommission überwiesen, teils unter Aufnahme des Gewanns „Auf dem Heilmannsrain“ mit den Parzellen 66 bis 82 in die Bauleitpläne eingetragen. Zwecks Neufestsetzung der Grundstückseinheitswerte wird in Kürze eine Kommission des Kulturamts Darmstadt eine Bodenschätzung in der Gemarkung vornehmen. (Sl)

Schilderträger im Faustkampf

Während der langen Vorbereitungen und auch beim Ablauf eines so großen Festes, wie es die Feuerwehrtage von heute bis Montag für Dieburg sind, geschieht allerhand am Rande, unbemerkt von denen, die sich beispielsweise an dem großen Festzug der 5000 erfreuen.

Da läuft beispielsweise jeder Feuerwehrgruppe ein Dieburger Bub voraus, mit einem Schildchen am Stab. Drauf steht der Name des Gastvereins. Um dieses Schildchen gibt es eine wahre Schlacht, denn Feuerwehrleute lassen sich nicht lumpen und geben ihrem kleinen Schildermann ein Trinkgeld. Deshalb reißen sich die „Stoaweger“, die von der Ullaborn, aus „de Kerschgaß“ um solche Aufträge.

Sie werden heute mittag um 14 Uhr das Tor im Hause Markt 5 zu Hunderten stürmen. Weil’s dort die Schilder gibt für den Festzug. Wer eines erobert, zieht „stolz wie ein Spanier“ damit ab, schmückt’s mit Tannengrün und bunten Bändern, auf daß es das schönste sei im ganzen Zug. Das ist der Dieburger Buben Festtagsstolz. (RG)

Brand auf dem Tennenboden

Die Dieburger Freiwillige Feuerwehr wurde gestern nachmittag 17 Uhr durch die Brandsirene alarmiert. In einer Scheune in der Spitalstraße war ein auf dem Tennenboden liegender Strohvorrat auf bis jetzt noch ungeklärte Weise in Brand geraten. Dadurch waren sowohl die Scheune als auch das übrige Anwesen stark gefährdet. Die Hausbewohner nahmen die ersten Löscharbeiten vor und beim Eintreffen der Feuerwehr mußten nur noch die letzten Sicherungsmaßnahmen getroffen werden. (RG.)

Ans dem Fenster gefallen

— und unverletzt davongekommen

Glück im Unglück hatte am Donnerstag der dreijährige Junge des Goddelauer Landwirtes Walter Glock, der am offenen Fenster der im ersten Stock gelegenen elterlichen Wohnung spielte, dabei das Uebergewicht verlor und in den mit Steinen gepflasterten Hof fiel. Den Eltern sowie zufällig anwesenden Nachbarsleuten fiel beim Anblick des schrecklichen Geschehens wahrhaftig das „Herz in die Hosentasche", doch man atmete erleichtert auf, als man zu dem kleinen Unglückswurm trat und feststellen konnte, daß ihm nichts zugestoßen war. Das Beispiel sollte Eltern lehren, ihre Kinder vom offenen Fenster zurückzuhalten. (br.)

Tombola zum Wiesenmarkt

Vorstandswahlen des Gewerbe Vereins Erbach

Der am 23. März wieder ins Leben gerufene Gewerbeverein Erbach hatte seine Mitglieder für Donnerstag abend zur ersten Hauptversammlung eingeladen. Die zur Eintragung des Vereins notwendigen Statuten wurden beraten und genehmigt, sowie der endgültige Vorstand gewählt. Einstimmig erhielt Kaufmann Johann Ste 11 e r wieder den Vorsitz. Stellvertreter wurde Heinrich Fornoff, Schriftführer Georg Eichenhof e r und Bruno Kraft, Kassierer Hch. Brand jr. und Gg. Reinhard. Ing. Hans Fischer übernahm die Organisation und damit das Erbe des unvergeßlichen Mitgründers des ersten Erbacher Gewerbevereins, Eberhard Volk.

Als Beiräte für die einzelnen Sparten wurden gewählt: Leonhard Abbe, Michael Wörner, Otto Rossegg und Herr Peschwitz, Franz Gebhard und Max Walberer, Hch. Stock jr„ Schlossermeister Stellvlag und Architekt Hoffarth, Karl Wind. Ph. Jucht jr., Frau Dorothea Schuch und Sattlermeister Gg. Jak. Hübner. Die Benennung eines Beirats für die Elfenbeinschnitzer wurde zurückgestellt, bis eine entsprechende Anzahl Betriebe dem Gewerbeverein angehören. Für das übrige Kunsthandwerk wurde Hermann Dön i g gewählt. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 1 Mark monatlich festgesetzt. Die Eintragung des Vereins soll sofort erfolgen.

Zur Verkaufs- und Werbeschau anläßlich des Erbacher Wiesenmarkts soll eine Tombola veranstaltet werden, deren Reineinnahmen restlos für Gewinne ausgeschüttet werden. Die Frage des Verkaufs von Kostproben innerhalb der Ausstellung wurde zum Abschluß lebhaft diskutiert, zum Schluß aber doch bejaht. (-ch)

Eine ansehnliche Leistung

Die Heidelbeerernte, die schon 3 Wochen im Gang ist, geht ihrem Ende entgegen. Die Hoffnungen der Sammler in den von Waldgebieten umgebenen Odenwalddörfern wurden in diesem Jahr nicht enttäuscht, im Gegenteil: Die Ernte war so ergiebig, daß manche Heidelbeerstandplätze ungepflückt liegen bleiben müssen. Viele Familien, die mit Kind und Kegel in den Wald zogen, konnten sich durch die mühsame Pflückarbeit ein ansehnliches Taschengeld verdienen. -

Von der Gemeinde Vielbrunn, deren Einwohner oft den Anmarschweg von l'/a bis 2 Stunden zu den besten Pflückstellen über die bayrische Grenze in den Leininger Wald zurücklegten, wurden täglich zirka 40 Zentner Heidelbeeren an den Ankaufstellen abgeliefert. Das wären pro Kopf der Bevölkerung — Vielbrunn hat 1200 Einwohner — über drei Pfund. t-s

Zugverstärkung nach Dieburg

Für Sonntag werden anläßlich des Landesfeuerwehrtages alle Dieburg berührenden Personenzüge der Bundesbahn erheblich verstärkt. Das Fassungsvermögen der einzelnen Züge wird zum Teil um 400 bis 500 Sitzplätze erhöht. ÖR^ )

Hessische Kirchenordnung von 1574

Buchdruckereibesitzer Georg Krapp, Babenhausen, der der Dekanatssynode Groß-Umstadt als Synodale angehört, hat dem Bachgau-Museum in Schaafheim eine wertvolle Kirchenurkunde zum Geschenk gemacht. Es handelt sich dabei um die hessische Kirchenordnung von 1574 in einem Nachdruck aus dem Jahre 1662. (epd)

Waldmichelbach. Zum „Überwälder Heimatfest“ vom 29. bis 31. Juli findet sonntags nach Einbruch der Dunkelheit ein Großfeuerwerk mit bengalischer Beleuchtung vor dem Hintergrund des „Büchelberges“ statt.

Menschen, die im Leben scheiterten

Die Kasse stimmte nicht — 210 DM für eine Umwegkarte Das „Totoglück“ von Finkenbach

Mit gerade 16 Jahren übernahm im September 1948 Katharina Sch. die Poststelle in Weiher. Ein halbes Jahr später ergaben sich Kassenfehlbeträge. Um diese unangenehmen Löcher nun zuzustopfen, leitete das Mädchen eingezahlte Geldbeträge nicht rechtzeitig an die Empfänger weiter, hielt die Zahlkarten zurück und füllte sie später neu aus. Zum Schluß ergab sich ein Ge-Samtdefizit von rund 600 DM.

Das Gericht berücksichtigte die Tatsache, daß man unverständlicherweise ein so junges Mädchen mit einer derartigen Aufgabe betreute, daß sie außerdem selten kontrolliert würde, wenig Ratschläge erhielt und daß sich das Geld in einer unverschlossenen Schublade und in einem offenen Raum befand. Vermutlich sind die fehlenden Beträge von irgendeiner« Person herausgenommen worden.

Die Strafkammer Darmstadt erkannte auf sieben Monate Gefängnis wegen fortgesetzer Amtsunterschlagung in Tateinheit mit Urkundenvernichtung. (Wsf.) *

Zwei bisher unbescholtene Männer von 41 und 50 Jahren standen als Angeklagte am Freitag vor dem Bezirksschöffengericht Michelstadt, der eine wegen Fahrgeldhinterziehung, versuchten Betrugs und Urkundenfälschung, der andere — ein im Dienst ergrauter Bahnbeamter — wegen Beihilfe dazu. Der Fall entbehrt nicht einer gewissen Tragik:

Der 41jährige Kaufmann auf Michelstadt war in Mannheim beschäftigt, fuhr täglich mit dem ersten Zug weg und kam mit dem letzten zurück; zum Schlafen blieben ihm durchschnittlich nur 4 Stunden. Samstags wurde es im Geschäft noch später, so daß er den letzten Zug über Eberbach nicht mehr erreichte und über Darmstadt zurückfahren mußte. Dazu löste er zu seiner Arbeiter-Wochenkarte für die um 27 Kilometer weitere Strecke jeweils eine Umwegkarte für 1,70 DM. Am 7. Januar löste er im Zug nach Darmstadt wieder eine „Zusatzkarte“, worauf ihm der Schaffner irrtümlich eine Eilzugszuschlagkarte ausfertigte.

Zwischen Reinheim und Höchst wurde bei der Kontrolle das Fehlen der Umwegkarte moniert. Der Mann beging den Fehler, dem Schaffner vorzuschwindeln, er habe die Karte an der Sperre in Darmstadt abgenommen erhalten. Es erfolgten Meldung, präzise Feststellung des Kontrolldienstes, daß an diesem T?g überhaupt keine Umwegkarte nach Michelstadt gelöst wurde, und schließlich Zahlungsaufforderung über 13,70 DM. Dem ausgebomten Kaufmann mit kleinem Gehalt Heil das Herz in die Schuhe. Er klagte sein Leid einigen Zugschaffnern, die seine Verhältnisse kannten. Einer hatte Mitleid und änderte das Datum einer verfallenen Umwegkarte, die der Kaufmann dann zu seiner „Rechtfertigung“ nach Darmstadt schickte. Das Betriebsamt erkannte sofort die Fälschung und übergab den Fall der Staatsanwaltschaft.

So wurde aus einer zunächst geringfügigen Sache ein schweres kriminelles Delikt für zwei sonst ehrenwerte Menschen. Dem Bahnbeamten hatte sein falsch verstandenes Mitleid noch nicht einmal eine Zigarette eingebracht.

Unter weitgehender Zubilligung mildernder Umstände erhielt der Kaufmann wegen Fahrgeldhinterziehung 30 DM Strafe und wegen versuchten Betrugs und Urkundenfälschung an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von 2 Monaten 180 DM Geldstrafe. Der Bahnschaffner erhielt wegen Beihilfe zu Betrug und Urkundenfälschung an Stelle einer Gefängnisstrafe von 1 Monat 150 DM Geldstrafe. (-ch)

In recht bescheidenen Verhältnissen lebend probierte ein ~44jähriger“, der sich mit geringem Erfolg in mehreren Berufen versucht hatte, sein Glück in Totowetten — mit noch weniger Erfolg. Daher kam er wohl auf den Gedanken, dem Glück durch einen kleinen Trick nachzuhelfen. Er nutzte dabei die sehr lockeren Betriebspraktiken der Posthilfsstelle Finkenbach aus, die er gut kannte, wobei er schon in Hinterbach, wo der Dienstbetrieb der Posthilfsstelle audb kaum noch die sonst üblichen strikten Anordnungen der Post ahnen ließ, Erfahrungen gesammelt hatte.

Wenn in Finkenbach der Postomnibus den Sack mit abgehender Post geholt hat, fährt er zur Raubach weiter, hält aber auf der Rückfahrt nochmals in Finkenbach an. Wer in der Zwischenzeit noch einen Brief bringt, erhält vom Posthalter oder seinem Sohn den Tagesstempel daraufgedrückt und übergibt ihn dann selbst dem Postauto. Darauf baute der Totofreund seinen Plan auf. Seinen nicht verschlossenen Umschlag mit einem teilweise ausgefüllten Tipzettel ließ er am 25. Oktober 1949 abstempeln, gab ihn aber nicht ab. sondern wartete auf die sonntäglichen Fußballergebnisse. Sodann füllte er zwei weitere Tipreihen aus, die eine mit 10, die andere mit 9 richtigen Ergebnissen. Nun klebte er den Umschlag zu um 19.30 Uhr in der amerikanischen Leseer vorher den Ortsnamen blau durchstrichen hatte.

Er redete dem Posthalter ein, den Brief soeben zurückerhalten zu haben. Man solle ihm das auf der Rückseite bescheinigen. Ohne zu überlegen, knallte der Postmann den Tagesstempel drauf und „das Schicksal nahm seinen Lauf“ ....

Der Totofreund telegraphierte — wohlgemerkt, von Hirschhorn aus — an die Totogesellschaft im Rheinland und schickte sofort per Einschreiben das so echt ausschauende „corpus delicti“ ein. Allerdings hatte er die Rechnung ohne dje in solchen Dingen erfahrene Totogesellschaft und die findigen Postkontroll-Beamten gemacht. Der Schwindel platzte und brachte ihm gestern an Stelle von 3200 DM vor dem Bezirksschöffengericht 4 Monate Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft ein.

Ein sehr mildes Urteil, wenn man bedenkt, daß unter seinen 6 Vorstrafen bereits ein sehr einschlägiger Betrug mit einer Zahlkarte war. den er vor 17 Jahren in der Posthilfsstelle Hinterbach gedreht hatte! (-ch)

Prächtige Zuchteber

Fast 50 Zuchteber waren auf der erneuten Absatzveranstaltung aufgetrieben, die die Schweinezüchtervereinigung Starkenburg in Darmstadt abhielt. Das Zuchtmaterial war außerordentlich gut, was kein Wunder nimmt, nachdem bei den letzten Leistungsprüfungen der Darmstädter Bezirk in der Schweinezucht an der Spitze von ganz Hessen-Nassau steht.

Allerdings war die Nachfrage diesmal nicht allzu stark, so daß ein Ueberstand blieb. Unter 300 DM wurde kein Eber abgesetzt; die meisten Eber ein Gebot von 350 DM Der Spitzeneber, diesmal aus der Zucht von Richard Seeger aus Habitzheim stammend, ging für 550 DM an die Neubauerngemeinde Hessenau (Kreis Groß-Gerau) über. Ein Beweis für die Güte des Zuchtmaterials ist auch die Tatsache, daß 15 Tiere in die 2. Wertklasse und 24 in die 3. Klasse eingereiht werden konnten. Als Käufer traten nur Starkenburger Züchtergemeinden auf.

Im Laufe des Jahres werden (im September und November) noch zwei Auktionen abgehalten. NF (oa.)

Kreidach. Die Dorfschmiede Gölz kann in diesen Tagen auf ihr 130 jähriges Bestehen im Besitz der gleichen Familie zurückblicken. — Das für Bauzwecke nunmehr freigegebene Gelände am Vöckelsbacher Viadukt wird in den nächsten Tagen von Baum- und Strauchwerk freigemacht, so daß nun mit den Vorbereitungsarbeiten für die ersten vier der geplanten Wohnhäuser begonnen werden kann. (-r)

Nordheim (Ried). — Der älteste Einwohner der Gemeinde, der 86jährige Valentin F r ö - d e r t, stürzte in seinem Hofe so unglücklich, daß er an den inneren Verletzungen starb.

Meldnungen aus den Landkreisen

Darmstndt-Land

Ober-Ramstadt. Der Jahrgang 1900 feiert am Sonntag im „Schützenhof“ gemeinsam das 50jährige Wiegenfest. Vormittags sind Kirchgang und Totenehrung vorgesehen. (-D-)

Ober-Modau. Gestern tagte der Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung im Kochschulsaal. Hauptpunkt der Sitzung war der Etat für das Jahr 1950. Es wurden Verhandlungen über eine Vergrößerung des Schulhofes geführt, der den Verhältnissen — es sind jetzt 75 Schulkinder zu betreuen — nicht mehr entspricht. Die Arbeiten zur Wasserbeschaffung sind so weit gediehen, daß heute mit Fassung der Quellen begonnen wird. (wa)

Erzhausen. Die Gemeinde steigerte auf der Darmstädter Eberauktion einen Eber für 360 DM (Zuchtwertklasse 2) aus der Dammschen Zucht in Günterfürst. (ca)

Dieburg

Dieburg. — Kaplan Theodor Schäfer, der seit 1941 in Gießen stand, wurde durch bischöfliches Dekret nach Dieburg versetzt. (ca)

Dieburg. — Noch aus der Reichsmarkzeit stammende Zigaretten verkaufte eine hiesige Lebensmittelhändlerin bis in unsere Tage, ohne die „Glimmstengel“ nachzuversteuern. Bei einer vofgenommenen Revision ihres Betriebs wurde dieser Verstoß gegen die Bestimmungen festgestellt. Damit ist neben dem zehnfachen Betrag der hinterzogenen Tabaksteuer auch noch eine Strafe des ordentlichen Gerichts fällig. (RG)

Babenhausen. — Der SV Babenhausen, Abteilung Handball, fährt am Sonntag mit dem Omnibus über Miltenberg, Wertheim, Uettingen nach Marktheidenfeld, Rohrbrunn, Mespelbrunn, Aschaffenburg und zurück. Auch Nichtmitglieder können sich daran beteiligen. (NB)

Schaafheim. — Der Athletenverein 1910 begeht am 8./9. Juli sein 40jähriges Gründungsfest, das am Samstagabend mit einem Kommers beginnt. Für den Sonntag sind sportliche Kämpfe,ein Festzug und abends Tanz am Festplatz Im Eichwald vorgesehen. (NB)

Reinheim. — Heute abend findet um 20.00 Uhr im Gasthaus „Zum Schwanen“ ein Klubabend des OWK. statt, bei dem die nächste Wanderung, die am 16. Juli nach Schaafheim führt, besprochen wird. Auch die Wiedererrichtung der Klubhütte auf der „Ernst-Ludwigs-Höhe“ steht auf der Tagesordnung. — In einer Kundgebung der KPD. spricht heute um 20.30 Uhr im Reinheimer Volkshaus der Bundestagsabgeordnete Oskar Müller über das Thema „Wir sagen nein zum Krieg!“ (eb)

Überau. — Auf der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung, die am kommenden Mittwoch stattfindet, steht der Haushaltsplan der Gemeinde zur Debatte. (eb)

Spachbrücken. Der Arbedtengesangverein „Einigkeit“ beteiligte sich an einem Wertungssingen des Kellerschen Männergesangvereins Dieburg. Die Darbietungen erhielten die Noten „sehr gut“ und „gut“. (-er)

Zeilhard. Der Ortsverein Zeilhard wird sich bei einem Preisflug der Reisevereinigung Odenwald am Sonntag, dem 9. Julii, mit mehreren Tauben beteiligen. Start in Freilassing bei Salzburg. (-er)

Fränkisch-Crumbach. — Die Verbindungsstraße zwischen Fränkisch-Crumbach und der Station Fränkisch-Crubach — Nieder - Kainsbach ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Mit ihrer Instandsetzung wird einem dringenden Wunsch der Verkehrsteilnehmer Rechnung getragen. Der Kraftverkehr wird über die Zufahrtsstraße bei Gersprenz geleitet. (eb)

Erbach

Erbach. Die englisch.en Sprachkurse für Anfänger werden am Montag um 19.30 Uher in der amerikanischen Lesehalle, die sich jetzt im Haus ..Zvlow“. hinter dem Landratsamt befindet, fortgesetzt, (-ch)

Bergstraße

Bensheim. Das städtische Schwimmbad weist nochmals darauf hin, daß die Brause- und Wannenbäder samstags von 7—20 Uhr durchgehend und sonntags von 7—12 Uhr benutzt werden können. (HB)

Zwingenberg. Die amtliche Eichung wird am 13./14. Juli in Zwingenberg im Adlersaal vorgenommen. Alle für die Eichung in Frage kommenden Gegenstände (Waagen, Litermaße usw.) müssen in sauberem Zustande vorgeführt werden. Alle eichpflichtigen Gegenstände, die zur a-ngegebenen Zeit nicht im Eichlokal angeliefert wurden, werden in einer Fehlliste eingetragen und bei einer Gewichtsrevision durch die Polizei erfaßt. — Die Mütterberatungsstunde findet am Donnerstag, 13. Juli, in der Zeit von 15 bis 16 Uhr auf der Bürgermeisterei statt. (HB)

Jugenheim. In Jugenheim fand eine Pädagogische Arbeitswoche landwirtschaftlicher Berufsschullehrerinnen statt. An der Tagung nahmen 60 Lehrerinnen aus ganz Hessen teil. Zum Abschluß besichtigten die Lehrerinnen die Bauernsiedlung Rosengarten vor den Toren von Worms.

Jugenheim. Forstrat a. D. Albert Bechtel wurde zum Beigeordneten des Luftkurortes Jugenheim gewählt. (oa.)

Ober-Schönmattenwag, Der Motorradfahrer Paul Helfrich aus Unter-Sc hönm a t t e n w a g rammte mit seiner schweren Maschine am Donnerstagabend ein entgegenkommendes leichteres Motorrad, das nach Zeugenaussagen weit links in die scharfe Kurve am Ortsausgang fuhr. Er selbst erlitt eine Gehirnerschütterung und Kopfverletzungen,- während der Lenker der anderen Maschine einen Schlüsselbeinbruch und einige Rippen brach, die mit fahrende Frau aber mit dem Schrecken davonkam. (-)

Neue Filme in Darmstadt

UNION. — „Maria Walewska.“ Dieser Metro-Goldwyn-Mayer-Film führt in die Zeit Napoleons und behandelt die Liebe des Korsen zu der polnischen Gräfin Maria Walewska. Pracht und Elend dieser Zeit sind in großartigen Bildern aufgefangen. Bonapartes Aufstieg zur Macht, sein unerhörter Siegeszug durch Europa, sein rücksichtsloses Vorgehen in der Verfolgung seines großen Zieles, den Vereinigten Staaten von Europa unter seiner Herrschaft, machen diesen Menschen zum Idol seiner Freunde, zum Teufel für seine Feinde, lassen ihn aber in jedem Fall auf seiner schwindelnden Höhe einsam. In dieser Verlassenheit tritt ihm mit Maria Walewska die Frau entgegen, die in dem Kaiser Napoleon den Befreier ihrer polnischen Heimat verehrt. Ihre Liebe aber gehört dem Menschen Napoleon, nicht dem Kaiser und nicht seinen Triumphen’. Sie ist es, die in dem steilen Aufstieg Bonapartes die Gefahr des Sturzes in schwindelnde Tiefen vorausahnt und trotzdem zu ihm hält, auch als Napoleon die habsburgische Prinzessin Marie Luise zur Gattin nimmt, auch als sein Stern versinkt.

Greta Garbo legt in die Titelrolle die ganze Größe ihres Schauspielertums. Das Zeitlose der liebenden Frau wird an ihr beglüend und erschütternd zugleich offenbar. Großartig angelegt ist die Gestalt Napoleons durch Charles Boyer. Die Zwiespältigkeit dieses Menschen, Abenteurer oder Genie, das von den eigenen Plänen Getriebensein einerseits und die Sehnsucht nach einem Ruhepunkt, einem Zuhause des Herzens andererseits, kommen ergreifend zum Ausdruck. Photographiert wurde mit Einfühlungsvermögen in die Handlung, besonders gut gelangen die Großaufnahmen. Regie: Clarence Brown. hn

THALIA. — „Katharina die Große.“ Ein Alexander-Korda-Film der London Film Productions. Wie jedes Mal, wenn wir der Bergner begegnen, müssen wir uns auch in diesem Film fragen: Wie ist es möglich, daß es einer einzigen Frau gelingt, das gesamte dramatische Geschehen einer Handlung in ihrem Gesicht und in ihren Gebärden so aufzufangen, daß man nur sie zu sehen braucht, um alles zu verstehen. Sie versammelt in sich eine leibhaftige Wirklichkeit, wer in ihren Bannkreis gerät, gerät in ihren Spiegel. Ein ausgezeichnetes Drehbuch mit glaubhaften Dialogen gibt ihr die Möglichkeit, ihre Rolle voll auszuschöpfen, die, angelegt auf den psychologischen Widerstreit zwischen kind-fraulicher Sehnsucht nach Liebe und staatspolitischer Klugheit, den Aufstieg der kleinen Prinzessin von Anhalt-Zerbst zur Katharina der Großen von Rußland behandelt Flora Robson als Zarin Elisabeth und Douglas Fairbanks jr. als Großfürst Peter sind ihre ebenbürtigen Partner. Glänzend auch hier die feine psychologische Nuancierung — bei jener zwischen der grausamen Geilheit einer Königin und der Großzügigkeit einer Hure, bei diesem in der Tendenz wachsenden Wahnsinns. Der gespannten menschlichen Situation ist das prunkvolle Hofzeremoniell, das Glanz und Düsternis, Macht und Unmacht, Sicherheit und Gefahr in eindringlichen Bildern vermittelt, ein dankbarer Rahmen. Die Regie dieses ausgezeichneten Films liegt bei Paul C z i n n e r. kä

BOLIDA „Der stumme Gast.“ Dieser Kriminalfilm enthält alle Attribute eines guten, durchschnittlichen deutschen Streifens. Das Milieu, eine ostpreußische Kleinstadt in der alten Kaiserzeit; die Spannung, eine Leiche wird vergraben, aufgefunden und der angebliche Täter wegen Mordes vors Bezirksgericht gebracht; die Komik, ein geschmuggeltes Fellbündel wird zuvor unter reger Beteiligung des Ortes als angeblich Ermordeter ausgegraben. Und nicht zuletzt die Typen: Da ist zunächst Gisela Uhlen als die Frau des Gastwirtes Ratschek, mit seelenvollem Augenaufschlag und stellenweise überraschend echten Empfindungen. Rene De 11 ge n als Gastwirt; der Naturbursche, leicht verschlagen und von bestrickender Männlichkeit, der Mann, der sich als Mörder ausgibt, um seine Frau zu retten, die es am Ende auch nicht war. Ein Kabinettstückchen liefert Rudolf Fernau, ein Musterexemplar eines Casanovas auf dem schwankenden Grund seines moralischversumpften Gewissens, ganz in das Fahrwasser eines echten, lebenswahren Casanoven abgeglitten. Schließlich erweist sich der Kriminalfilm als Unfall, der blondhaarige Gendarm ä la Wilhelm 11. blickt zufrieden auf seine weibliche Neuerwerbung und erscheint nun nicht mehr so martialisch. Die Familie Ratschek ist erneut in ehevollem Frieden vereint, und der böse Mann hat also ein wohlverdientes Ende gefunden, das man nach der ersten Rolle voraussagen konnte, wenn nicht der stumme Gast mit den Enthüllungen über seine Beobachtungen bis zur letzten Sekunde gewartet hätte. Harald Braun hat zügige Regie geführt und aus dem Sujet einen Film gemacht, der gutes Lokalkolorit zeigt, wenn auch an einigen Stellen etwas zu dick aufgetragen scheint.

PALAST „Verlorenes Rennen.“ Ein Omnium-Film der Berna-Donau-Produktion von dem uralten Frauenschicksal, sich zwischen zwei Männern entscheiden zu sollen, deren jeder auf eigene Weise ihr Herz gewonnen hat, hier modern gefaßt und mit weitem Hintergrund: Traberrennen in Paris, Budapest, Rom. Das Leben der eleganten, die nationalen Grenzen übergreifenden, europäischen Welt von vor 1939, Kriegsausbruch, Gestüt bei Wien, Gefangenenlager, Kriegsende, Bandenüberfall und schließlich das gütliche Ende für alle Beteiligten, denn auch Miller, der das „Rennen“ bei der schönen Konstanze verlor, zieht aus Gefangenschaft heim, nicht ohne das glücklich vereinte Paar, seinen Freund Robert und Konstanze, zum nächsten Traberrennen in London eingeladen zu haben. So erschüttert das Herzensschicksal der drei Menschen nicht allzu sehr, denn schließlich wählt die in allen Situationen neu und elegant gekleidete, wohlfrisierte Konstanze mit dem Gestütsbesitzer Robert eine sichere Heimat. Der Raum dieses Filmstoffes für Liebe, Lächeln und Tränen, Ueberraschungen, Kameradschaft und heroische Haltung wird von den Hauptdarstellern Elfe Gerhart, Curd Jürgens und O. W. Fischer gut und überlegen ausgespielt. Die zielstrebig geführte Regie von Max Neuf e 1 d gönnt kein Verweilen bei den bitteren Erlebnissen jüngster Vergangenheit, die nur filmisch genutzt werden, um dem alten Thema gegenwartsnahe Spannung zu geben. D-s

HANSA. — „Der Weg nach Sansibar.“ Wir kennen Bing Crosby und Bob Hope schon von ähnlichen Filmen her. Zuerst war es der „Weg nach Marokko“, dann befanden sie sich auf dem „Weg nach Rio“. Jetzt hat sie das Drehbuch nach Afrika verschlagen. Aus der Klamottenkiste wurde eine Unzahl komischster und verrücktester Einfälle hervorgeholt. Blühender Unsinn kann, wenn er bewußt als Blödsinn gebracht wird, durchaus den Beigeschmack des Fadenscheinigen verlieren und zum befreienden Lachen führen. Bing und Bob wollen gar nicht ernst genommen werden. Sie machen sich über sich selbst lustig und nehmen damit jeder Kritik den Wind aus den Segeln: Seht her, was ihr bemängeln wollt, das machen wir ja selbst lächerlich!

Es ist ein Film für Leute ohne Vorurteil, zu betrachten durch die rosarote Brille der guten Laune. ( >

Amerikanischer Volksliederabend

Der erfolgreichste Weg zur kulturellen Begegnung der Völker untereinander und zum gegenseitigen Sichkennenlernen dürfte über das Volkslied führen. Gerade in der Anonymität dieser Gesänge, die selten einen Dichter oder einen Komponisten haben, prägt sich am entscheidendsten, aber auf die einfachste Art und Weise das Wesen einer Nation aus. Da sie aus dem großen Herzen eines Volkes kommen, finden sie auch leicht den Zugang zum Herzen jedes anderen Menschen. Ihre größte Wirkung dürften die Volkslieder zwar in einem gemeinsamen fröhlichen Kreise erzielen, aber selbst wenn sie konzertmäßig dargebracht werden, kann sich kaum jemand e'nes gewinnenden Eindrucks entziehen. J. Matthesiite war mit einem kleinen Chor der Odenwaldscbule in das Amerikahaus gekommen und brachte eine schöne Auslese amerikanischer Volkslieder mit, in denen auch einige Negro Spirituals nicht fehlten. Die Klarheit, Reinheit und Schlichtheit der mehrstimmig gesetzten Gesänge, die oft an unsere Volkslieder des 17. Jahrhunderts erinnerten, jedoch stets melodische und harmonische Umbiegungen im Stile der leichten Musik der Gegenwart verrieten, war in der Wiedergabe vollendet schön. Die wenigen jungen Sänger und Sängerinnen vollbrachten hier ein anerkennenswertes Werk. Dunn Smith, ein Mitschüler, gab den Liedern eine eingehende Erläuterung. 1

Drinnerum un drumerum

Gestern hett ich e Baa breche kenne! Ich hab an nix Beeses gedenggt un geh um die rund Eck erum uff die Frankforter Schdroß, do seh ich vun weitem zwaa goldische Bobbe schdeh, so vun e Jahrer 18. Wer henggd do net emol e Aaag dro? Un wie ich der grad bei en war ’un mit eme juchendliche Brust eraus an en vabei wollt, do rutsch ich aus un hett sicher uff meum Nennmichnet geläje, wann ich mich net noch rasch an der aane hett festhalde kenne. Deß war for mich nadierlich Gligg im Ungligg, awwer dodebei hab ich gesehe, daß die zwaa Gens e jed e Dutt voll Kersche in de Hand hatt un daß ich wäje dene Kerschekern, die wo se runderum hiegeschbuggt hatte, beinah vor den geläje hett’. Wann die aa net so hilfreich standgehalde hett, do weer ich gaschdisch worn, so awwer hab ich bloß heeflich uff de Boddem gedeit un hab gehofft, daß se deß vaschdanne hette. Wie ich so 10 Meter weiter war, do habich mich noch emol erumgedreht un do hab ich geseje, wie se sich deß zu Herze genumme hatte, sie hawwe noch schee beinanner geschdanne un hawwe als weiter geschbuggd. Die scheune dehaam kaan Butzlumbe un kaan Kehrbesem in die Hand zu nemme zu brauche, sunst dhete se wisse, daß mer seun Dregg net iwwerall hiemache derf. Awwer vun dere Sord gibts noch mehr, bedrachde se nor emol die Schdroß, was do all erumleihe dhut. '

Gottlob könnt ich meun Aerjer rasch vergesse, wie ich in de Herrngadde kumme bin, der is werklich Widder so langsam in de Reih. Wann se bloß deß Kaffee net so umbaue, daß es hinnenooch besser in die Dieborjer Schdroß, als wie in de Herrngadde basse dhut. Ewe muß mer bei uns immer de Adem a’halde, es dhet mit Gewalt ebbes beseidicht wern, neß wo unbedingd erhalde bleiwe mißt. Beim Herrngadde kann mer .scheunts ausnahmsweis bis jetzt noch saache, wir sind noch einmal davongekommen. Deß kann mer beim Madhildeblatz noch net wisse. Wann se den awwer vapusche, do soll se de Deiwel lotweis hole. Do geheern doch kaa Lastwäje hie. Do hette jo die arme Beamde gar kaa ruhig Stund mehr, wann die Reschierung Widder im aide Haus is, un aach die Richter kennte nerfees wern, daß es bei dem dauernde Radau bassiern kennt, daß se aan, der wo geschiede seu will, wäje Iwwerdredung der Verkehrsordnung vaknasse dhete. Muß dann iwwerhaubt alles, was gligglich vaschont gebliwwe is, nachdrächlieh vun uns kabud gemacht wern? Wann de Paggblatz abselut in de Mitt vun de Schdadt seu muß, do gibts doch kaan bessere Blatz als wie am Schloßgrawe. De Stegmiller geht beschdimmt net mehr aus seune Scheier eraus, die werden deier genuch kumme seu. Hinnerm Schloß is Blatz genuch un deß weer aach die richdisch Gäjend, wo die Wääk nooch em Odewald sowieso dorch die Altschdadt, die wo net mehr uffgebaut werd, fiehrt.

Die viele Vorschlääk, die wo dodriwwer gemacht worn sin, die stamme all, grad wie meuner, aus ere Zeit, wo wäje dere Hitz deß Hern net ganz fungzjoniert hot. Wo mer emol die Lastwäje hiestellt, deß muß noch reiflich un kiehl iw werleggt wem. Ich saach nix mehr dezu, wann se die Finger vum Madhildeblatz losse.

Wann aaner bei dere Hitz uff seu Kinoreglame schreibt, en Mann ohne Krawatt wer bloß en halwe Mann, do muß ich emol lache. Wanns aach schee aussieht, awwer so zugegnebbt wie friher sin mer jo gottlob net mehr. Ich mußt letzt emol mit uff e groß Summerfest, weil en weitlaaftische Verwandte vun meune Lißbedd Vorschdand vun dem Verein is. Do hab ich mer emol die Leit de Reih rum so richdisch bedrachd. Die Weiblichkeit im lange Owendklaad un die Menner in Hemd un Hose. Un es is aach gängel Es gibt aach Menner, die wo ohne Waddierung werklich kaa Menner sin, dodefor misse se halt schwitze. Awwer ich muß saache, wann unseraans emol e bißje leichter agezooche is, do sieht mer doch glei, was an em dro is. Die Mädcher, die warn jo friehör aach bis an die Ohrn eugewiggeld. Awwer deß is lengst vergesse, un heit gehn se halsfrei, manchmal bis unner die Aerm. Es geniecht jo dach, wann so e leicht Summerklaadche wie e Kichescherz bloß mit eme Bennel um de Hals gehenggd werd. Mir gefellts!

Ich selbst muß jo meune Fraa zulieb immer e Halsbind umbinne, awwer do neilich bei dem Fest, do hab ich nooch em dritte Halwe meu Krawadd haamlich uffgeknoddelt un in meum Sack vaschwinne losse, un ich bin net uffgefalle. Wann meun Kraache net an meum Hemd fest a’geneht weer, hett ich den aach noch ausgezooche. Braichde mir Menner iwwcrhaubd so e Kummet um de Hals? Wann mer verheirat is, do hot mer doch genuch am Hals hengge. Wann mir Menner halsfrei geh dhete, do weer doch garnix zu sehe, wo mer sich driwwer uff rege kennt. Odder is mer grad dodewäje noch net druffkumme? Braggdisch weers.

Ich glaab, mir misse erst emol en Verein zur Beseitigung der Kummetmode grinde, ehnder gehts bei uns net.

Ich winsch eich all en kiehle Sunndaach, damit daß ders eich emol iw werleje kennt. Uff die Bräsendendeposte bin ich net schaff. Eier Anton Berzel.

Eine Bachwoche veranstaltet Eberbach in der Zeit vom 9. bis 16. Juli, bei der u. a. audb die schwedische Pianistin Irene Mannheimer mitwirkt.

Todesanzeige Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meinen lieben Mann, unseren lieben Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, Herrn Johann Heinrich Weickel im Alter von 65 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: KATHARINA WEICKEL geb. Samstag Bensheim, den 5. Juli 1950

Bestattungen am Samstag, dem 8. Juli 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof: 10.15 Bub, Elise, Eckardtstraße 30, 69 Jahre 10.15 Braunwarth, Andreas, Sandbergstraße 38, 68 Jahre 11.15 Krug, Therese, geb. Müller, Frankfurt am Main, 71 Jahre 11.30 Schulz, Thea, geb. Koppke Beerdigungen: Arheilger Friedhof: 11.00 Jablonowski, Julie, Sandstraße 5, 91 Jahre Alter Friedhof: 11.30 Weber, Mathias, 76 Jahre

—rwwrwniwynwiwnrTTnw"^^i—"^—id Das Geheimnis der OVA-Virginia liegt in der Schaffung zweier völlig getrennter -Mischungen, die bis in die kleinsten Feinheiten selbständig harmonisiert werden, bevor die Gesamtkomposition erfolgt. Viele Kenner werden sich noch an die doppelte Fermentation erinnern, durch die wir (erstmalig mit der »R 6 eine bedeutsame Steigerung der Mischungskunst beweisen konnten. Die methodische Doppelmischung ist ein weiterer Fortschritt der American-Blend-Cigarette. Dadurch wird bei aller Fülle des Aromas eine so extreme Milde erreicht, wie sie vordem in der ganzen Welt nur bei sehrteuren Cigaretten möglich war. Das ist der Lohn für viele Jahre gewissenhafter Forschungsarbeit.

। i Geburten, VrCVIVI Verlobungen, Vermählungen oder auch Todesfälle einem größeren Kreis von Menschen rasch und bequem bekanntgeben wollen, so machen Sie es, wie's auch die früheren Generationen gemacht haben geben Sie Familiennachrichten im „Darmstädter Tagblatt" auf! Auf unserer Geschäftsstelle, Rheinstraße 23, im alten Taqblatt-Haus, werden Sie gern beraten

Ruth, Bender M./Sgt. John E. Oliver geben ihre Verlobung bekannt Bensheim a. d. B. Turlock/Kalifornien Heidelberger Straße 48 (USA)

KIRCHLICHE NACHRICHTEN Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, 8. Juli 1950 Wochenschlußandachten: Martinsgemeinde: 20.00 im Martinsstift; Johannesgemeinde: 20.00; Pauluskirche: 20.00 Musik. Vesper: Elisabethenstift: 20.00. Sonntag, 9. Juli 1950 Bessunger Kirche: 9.00 Hgd. m. Feier d. Hlg. Abdm., Pfr. Weiß, 12.00 Tgd. Stadtkirche: 10.00 Hgd. 11.15 Kgd., Pfr. Rathgeber. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgottesd., Pfr. Widmann, 10.00 Hgd., Pfr. Stühlinger. 11.15 Kdg. Martinsstift, Pfr. Widmann, 11.15 Kgd. Geme;ndehs., Pfr. Stühlinger. Altersheim: 10.00 Gd. Pfr. Widmann. Matthäuskirche: 9.30 Hgd Pfr. Stenger. Johannesgemeinde: 9.30 Hgd.. Pfr. Jaeschke, 11.00 Kdg. i. d. Seeheimer Kirche; Mi.. 12. 7. 1950, 20.00 Agd„ Pfr. Jaeschke. Pauluskirche: 9.30 Hgd., Pfr. Wintermann, 11.00 Kgd. Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd., Pfr. Ring. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Hlg. Abdm., 11.00 Kgd. Stadtinisslon: 9. 7.—16. 7. Fortsetzung der Zeltmisslon a. d. Meßplatz. Je 15.30 Bibelstd. außer Samstag, je 20.00 Vortrag u jed. Mittwoch u. Samstag 14.00 Kinderstd. i. Zelt. Da.-Eberstadt: 7.30 Evgl. M., 9.45 Hgd., 11.15 Kgd. Der Gebetsgottesdienst für die Kriegsgefangenen, den der Stadt¬ verband der Frauenhilfe einmal monatlich hält, findet am kommenden Mittwoch, 12. Juli, um 14.00 Uhr in der Stadt¬ kirche statt. Katholische Gottesdienste Sonntag, 9. Juli 1950 Liebfrauenkirche: 7.00 Singmesse mit Pred., 8.15 Hochamt mit Pred., 10.00 Kindergottesdient mit Ansprache, 18.30 Andacht. St. Elisabeth: 6.30 heilige Messe, 7.45 Singmesse mit Pred., 9.00 Kindergottesd., 10 15 Hochamt mit Pred., 20.00 Andacht. St. Fidelis: 6.00 Frühmesse mit Komm. b. d. Schwestern (Feld¬ bergstraße 32), 7.30 Singmesse mit Pred. u. Komm. 8.45 Kin¬ dermesse mit Pred. u. Komm., 10.00 Hochamt mit Pred. u. Komm., 19.30 Andacht m. Segen; Werfctagsgottesdienst: 7.00. Eberstadt: 7.00 Gemeinschaftsmesse der Männer mit Monats¬ komm. u. Ansprache, 9.30 Hochamt mit P/ed. 19.30 Abend¬ andacht mit Segen. Arhellgen: 7.00 Gemeinschaftsmesse d. Jugend, 8.30 Kinder¬ gottesdienst mit Gemeinschaftskomm, der Schulkinder, 9.45 Hochamt. 20.00 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Darmstadt, Taunusstraße 40: Gottesdienst: Sonntag 14.30; Mittwoch 18.30 (Zeugnis-Ver¬ sammlung).

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Aufruf! des Kreisverbandes Bergstraße der Christlich-Demokratischen Union (CDU) Hessens zur Volksabstimmung am 9. Juli 1950. Wähler und Wählerinnen! Im November dieses Jahres wird der Hessische Landtag neu gewählt. Das Landtagswahlgesetz galt nur für die jetzt zu Ende gehende Wahlperiode. Deshalb muß ein neues Wahlgesetz ge¬ schaffen werden. Unsere Verfassung schreibt das Verhältniswahlrecht vor. Nach diesen Grundsätzen ist der erste Landtag gewählt worden. Das Verhältniswahlrecht birgt — wie die Erfahrungen in allen Kulturstaaten der Erde gezeigt haben — aber die Gefahr in sich, daß eine Vielzahl von Splitterparteien und Interessengruppen ins Parlament einziehen und Regierung wie Parlamentsarbeit nur aktionsunfähig machen. Das Volk sieht diese Gefahren und hat in der Wahl zum Bundestag wie auch in den nachfolgenden Wahlen den Splitterparteien eine klare Absage erteilt. Dem möchte der Hessische Landtag im neuen Wahlgesetz Rechnung tragen. Hierzu ist vorher eine Verfassungsänderung notwendig. Der Landtag hat deshalb mit den Stimmen der CDU, SPD und FDP ein solches Gesetz beschlossen. Es bedarf noch der Bestätigung durch eine Volksabstimmung. Wähler und Wählerinnen! Stimmt mit „Ja“ für dieses ver¬ fassungsändernde Gesetz! Helft dadurch mit. die Einführung eines Wahlrechts zu ermöglichen, das eine ruhige und stete Fortentwicklung der Demokratie in unserem Lande gewährleistet, das Euch instandsetzt, Abgeordnete zu wählen, die Ihr persön¬ lich kennt, und die Euch verantwortlich bleiben. Damit fördert Ihr die Bildung von großen politischen Gemein¬ schaften, denen das Gesamtwohl am Herzen liegt und verhindert das Hochkommen selbstsüchtiger Interessengruppen. Das Wahlrecht ist eine entscheidende Grundlage der politischen Entwicklung. Seid Euch Eurer Verantwortung bewußt! Stimmt am 9. Juli mit — „Ja“ —I Chrisllkh-Demokrafisdie Union Hessen Kreisverhand Bergstraße

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Kım - dıe Lederstadt

Reibst nach längerer Abwesenheit wird einem das mittelalterliche Städtchen an der Nahe wieder so schnell vertraut, als sei man gar nicht fort gewesen. Das Auge glaubt zwar Neues zu erfassen, doch dann umfängt den Besucher die unwiderstehliche Romantik, die mittelalterlichen Marktplätzen mit ihren spitzgiebeligen Häuserfassaden eigen ist. Ja, der Marktplatz, er repräsentiert ein Stück des alten Kirn, und die ineinandergeschachtelten Häuschen, deren obere Stockwerke über das untere hinausgebaut sind, vermögen vollends ins Mittelalter zu versetzen, wenn alljährlich am Heimatfest die Burschen und Mädchen in historischen Trachten im Festzug dort vorüberziehen. Ein friedliches, farbenfrohes Bild, das eigentlich gar nicht mehr die wildbewegte Geschichte ahnen läßt, die Kirn in den Raubritterkriegen und in der Zeit der Kleinstaaterei durchmachen mußte. 841 wird Kirn urkundlich zum ersten Male genannt. Zur Stadt wurde Kim im Jahre 1335 erklärt. Von 1794 bis 1815 stand es unter französischer Herrschaft, dann unter preußischer und wurde 1857 aufs neue zur Stadt erklärt. Der Hahnenbach an der Ostseite des Marktplatzes plätschert seine alte Weise. Drüben am anderen Ufer steht die alte Klosterschule, deren Hauptflügel einst die Realschule aufnahm. Ein winziges Gäßchen nur trennt die Schule von der aus dem 15. Jahrhundert stammenden evangelischen Kirche, eine romanische Basilika mit gotischem Chor. An dem kunstvoll beschlagenen Kirchenportal hängt immer noch der schwere schmiedeeiserne Ring, mit dem die neu aufgenommenen Sextaner von den älteren Schülern nach alter Tradition „gekrönt" wurden. Wir steigen zu der alten Ruine Kyrburg hinauf, dem Wahrzeichen Kirns. 966 wurde die Kyrburg als Vorort des Nahegaues errichtet. Ein herrliches Panorama genießt man dort. Der Blick greift hinüber zu den bizarren Felsgraten der Oberhausener Felsen, auch die „Kirner Dolomiten“ genannt, im Hahnenbachtal die Ruine Steinkallenfels. die der Räuberhauptmann Schinderhannes einst als Standquartier benutzte, dahinter das weiße, vielfenstrige Schloß Wartenstein, dort der Habichtskopf, drüben, jenseits der Nahe, der Anssichtsturm des Gauskopfes, auf der anderen Seite an schroffem Felsabhang, die Kirche von Johannisberg, welche die kostbaren Grabdenkmäler der Wild- und Rheingrafen birgt, und unter uns, rings um den steilen Bergkegel gruppiert, die schmucken Dächer des Städtchens. Trotz der mannigfachen Steinbrüche mjt ihren Hartsteinwerken an der Peripherie und den zahlreichen Lederfabriken blieb das Stadtbild in seinen mittelalterlichen Zügen stets gewahrt. Vorwärtsstrebende Unternehmer dehnten die Feinlederindustrie im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr aus und verhalfen Kirn zu Wohlstand und Ansehen. Die meisten Kirner verdanken der Leder-Industrie Arbeit und Brot-Auch aus den Orten der Umgebung kommt täglich eine Vielzahl von Männern und Frauen in die Kirner Lederwerke. Ein herber Duft des wertvollen Leders strömt aus den Betrieben. Mit seiner weltbekannten Portefeuille-Verarbeitung genießt Kirn den Ruf als das „Offenbach der Nahe“. Die Sonne brennt unerbittlich. Hinunter geht’s in das schattige Trübenbachtal. Verschlungene Wege locken zu verträumtem Dahinschlendern. Ein Bad in kühlen Fluten könnte auch nicht schaden. An der Kyrau, einem ideal geschaffenen Sportgelände, liegt inmitten herrlicher Liegewiesen das Jahnbad... Die Glocken läuten den Mittag an. Das Bad wirkt Wunder. Aber der Magen will auch zu seinem Recht kommen. Am Hahnenbach weiß ich ein gemütliches Restaurant. R.B. Die Bilder zeigen links oben die evangelische Kirche, darunter eine Häusergruppe in der Nähe des Marktplatzes; das Bild rechts oben vermittelt einen Blick auf Kirn, darunter eine Häuserpartie an der Nahe, rechts unten das Brauerei-Gebäude











Menschen fliegen aus eigener Kraft

MODERNE IKARUS-VERSUCHE / AUF DIE SCHWERKRAFT KOMMT ES AN

jeder von uns kann fliegen — aus eigener Kraft; leider aber nur im Traum. Kaum einem von uns ist dieses wundervolle Erlebnis entgangen, durch welches unser Unterbewußtsein uns dazu verhilft, wenigstens im Schlaf alle Erdenschwere zu verlieren. In der Traumanalyse sagt man allerdings, daß Menschen, die auch im späteren Lebensalter noch vom Fliegen träumen, entweder ihre Herztätigkeit, die Blutzirkulation überwachen sollten, oder aber an einem Kummer und an Hindernissen im Leben kranken, über die sie mit einem seelischen Ruck hinwegzukommen versuchen — in einer geschickten Täuschung des Seelenlebens. Derartige Träume sind wohl schon vor Jahrtausenden dem Menschen Anregung gewesen, den Versuch zu unternehmen, es den Vögeln gleichzutun, die aus eigener Kraft zu fliegen verstehen. Aber bleiben wir bei den Tatsachen. Fast gleichzeitig mit den Experimenten, die die moderne Menschheit unternahm, um die Schwerkraft durch die Anwendung des Propellers teilweise zu überwinden, setzten nach verschiedenen uralten Vorversuchen Experimente ein, deren Zweck sein sollte, aus eigener Kraft heraus sich in die Lüfte erheben zu können- Nicht umsonst zeichnen phantasiebegabte Zukunftsschriftsteller den Menschen kommender Zeitalter mit einem Motor auf dem Rücken, mit dessen Hilfe sie sich als Einzelgänger durch die Wolken bewegen können. Aber mit einem Motdr wohlverstanden nicht aus eigener Kraft. Vor einigen Jahren machte in der ganzen Welt ein gewisser Clem Son von sich reden. Clem Son konstruierte eine Flügelverbindung, die so geschaltet war, daß er in die Lage versetzt wurde, von einem Flugzeug abzuspringen und sich mehrere Minuten schwebend in der Luft zu halten. Immer höher stieg die Maschine, die ihn von Triumph zu Triumph führte. Schon nannte man Clem Son den fliegenden Menschen. Da brach er sich - gleichzeitig mit einem Bruch seiner künstlichen Schwingen das Genick. Seit Clem Son wagte es kaum ein anderer mehr, über vierzig oder fünfzig Meter Höhe hinauszugelangen und von dort aus einen Schwebesprung zu versuchen. Seit einigen Tagen hört man aus Frankreich von den Experimenten eines gewissen J. Valentin, der imstande war, gleichfalls einige Minuten in der Luft zu bleiben, seinen Flug nach seinem Willen zu dirigieren und an einem von ihm vorgesehenen Platz zu landen. J. Valentin arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie Clem Son. Aber während die Flügelkonstruktion und die Schwingenverbindung bei Clem Son fast einen halben Zentner wogen, wiegt die Konstruktion, die J. Valentin benötigt, kaum fünf Pfund. Der aufmerksame Leser wird längst gemerkt haben, daß die ganze Sache einen Haken hat. Es handelt sich ja gar nicht um einen Flug mit Menschenkraft. Wenn jemand schon hoch in den Wolken ist und dann abspringt und seinen Fall mit Flügeln verzögert, dann stellt dieses Experiment nichts anderes dar als einen verzögerten Fall. Es handelt sich um einen Gleitflug mit beweglichen Flügeln. Zum Fliegen aber gehört mehr: nämlich der Start, der Flug, die Landung, ein neuer Start und so fort. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, dann haben wir es eben nicht mit Fliegen, sondern mit einem verzögerten Fallen und mit einem Gleitflug zu tun. Vor einigen Monaten vernahm man, daß unter Einsatz eines einfachen Tretwerkes, wie jedes Fahrrad es darbietet, Flugversuche unternommen worden seien, und Flugsprünge bis sechzig Meter Weite erreicht wurden freilich bei günstigem Wind. Auch das ist nicht die alte Ikarus-Idee in der modernen Verwirklichung. Solange wir am Boden haften und uns nicht mit der Kraft unserer Arme vom Erdboden lösen können, bleibt den Erfindern eine wundervolle, große Aufgabe gestellt und = ungelöst vor Augen.

Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION

4. Fortsetzung

IwTarion wußte, daß es Georg VI. nur darauf ankam, Skandale zu vermeiden. Und zum Schluß stellte sie dann die übliche Frage: „Haben Majestät sonst noch irgendwelche Wünsche?“ Sie wußte auch schon ganz genau, was dann kam. Georg VI. dachte einen Augenblick nach und sagte dann: „Bringen Sie meinen Kindern doch wenigstens eine anständige Handschrift bei. Es ist einfach furchtbar. Die Mädchen haben eine Pfote, die kein Mensch lesen kann.“ Diese Klage kannte die Erzieherin schon. Und was hatte sie nicht alles getan, um die Handschrift der Mädchen zu bessern. Lilibet war ja so brav und so fleißig und fügte sich. Aber mit Margaret Rose war es buchstäblich eine Qual. Wenn sie ihr auftrug, zur Uebung der Handschrift einen netten Brief zu schreiben — etwa als Antwort auf eine erfundene Einladung, die höflichst abgelehnt werden müsse — dann benutzte Margaret Rose diese Gelegenheit, um ein Dokument vom Stapel zu lassen, das schwierig zu lesen war und von spitzen Bemerkungen strotzte, die bald gegen diese Lady oder 'ene Hofdame gerichtet waren. Ein solcher Brief fand unter nicht ganz geklärten Umständen seinen Weg nach draußen. Und wieder war die Aufnahme sehr geteilt: bei den konservativen und sehr formell zum Leben und zu den Dingen dieses Daseins eingestellten alten Engländern gab es einen nur mühsam unterdrückten Schrei des Entsetzens. Aber die anderen, die selbst mit beiden Füßen im Leben standen, und denen deshalb Margaret Rose so sympathisch war, schmunzelten, als sie diesen Brief lasen, den Margaret Rose ausgerechnet an „Lady Godiva“ richtete. Lady Godiva kennt man auch in Deutschland. Freiligrath hat ein Gedicht von Tennyson übersetzt, dem die Geschichte der Lady Godiva zugrunde liegt. Diese Lady Godiva hatte den Grafen von Chester, einen gewissen Leofric, zum Gatten. Dieser Leofric scheint ein böser Steuerschinder gewesen zu sein. Jedenfalls versuchte Lady Godiva, wie die Legende berichtet, einige Steuernachlässe zugunsten der Untertanen zu erwirken. Der Graf von Chester überlegte sich die Sache und sagte zu — vorausgesetzt, daß Lady Godiva unbekleidet auf einem Pferd durch Coventry reite, dessen Kloster Lady Godiva gegründet hatte. Die Gräfin nahm an. Aber den Einwohnern wurde bedeutet, alle Türen und Fenster zu schließen. Die Gräfin hüllte sich in ihr langes, blondes schönes Haar und ritt durch die Stadt. Nur ein junger Bursche, ein gewisser Tom, der über den Zaun guckte, erblindete ... Diese Geschichte mußte erst erzählt werden, um zu begreifen, weshalb die alten Lords so entsetzt waren, als Margaret Rose einen Brief an Lady Godiva schickte — als Empfängerin- eines Ablehnungsschreibens für eine Einladung, die Margaret Rose empfangen hatte. Liebe Lady Godiva! Ihre Einladung hat mir eine unbeschreibliche Freude bereitet. Ich könnte mir denken, daß wir uns ausgezeichnet

verstünden und mancherlei Spaß bekämen. Ich hatte auch schon vorgesehen, einen der besten Tänzer, die ich in England kenne, mitzubringen. Ich hätte Ihnen diesen Tänzer gern überlassen. Uebrigens — erinnern Sie sich, Lady Godiva, war es nicht am vergangenen Montag wundervoll? Lady Adcock hatte einen Hut auf, über den sogar die Pferde lachten, als sie damit über den Hof schritt. Ich bin neugierig, welches Hütchen sie sich für den nächsten Empfang ausdenkt. Ueberhaupt — ist es eigentlich nicht furchtbar, daß wir immer mit Königs ausgehen müssen? Wir haben hier in London eine so wundervolle Untergrundbahn. Ich könnte mir denken, daß eine Fahrt mit der Untergrundbahn oder mit einem dieser Omnibusse, die auf dem Dach Abteile erster Klasse haben, einen Mordsspaß darstellen müßte. Aber — wir müssen ja immer mit dem Auto fahren Wir müssen ja immer genau das tun, was die Hofdamen für richtig halten. Lady Godiva, wenn Sie wüßten, wie langweilig das Leben bei Hofe ist! In der Hoffnung, daß sich dieses Dasein recht bald ändert — mit ergebensten Grüßen Ihre Margaret Rose. Dieser Traum, einmal mit der Untergrundbahn zu fahren, lebte tatsächlich in Margaret Rose, seit sie von einem Fenster aus eine U-Bahn-Station erspäht hatte und zu den Zeiten des Hochverkehrs Tausende von Menschen in der Erde verschwinden und aus der Erde wieder emporklettern sah. Sie hatte sich hinter Lilibet gesteckt und diese solange bearbeitet, bis beide sich darüber klar waren, daß es einfach nicht mehr anders gehe, daß sie nicht mehr länger mitmachten — in diesem ganzen formellen Hofbetrieb, wenn sie nicht einmal mit der U-Bahn fahren dürften. Crawfie verstand die Neugierde der jungen Mädchen und verabredete endlich mit den Leuten von Scotland Yard, daß Lilibet und Magy inkognito, also ganz inoffiziell, dann und wann mit der U-Bahn und auf dem Verdeck eines Omnibusses durch London fahren sollten. Es ging auch fünf Stationen weit gut. Lilibet und Magy sahen nicht viel anders aus als andere gut bürgerliche Mädchen englischer

Familien auch. Und Crawfie, die Erzieherin, war sowieso in ihrer ruhigen, zurückhaltenden Art nicht weiter auffällig. Magy hatte einen gewaltigen Spaß und brüllte nach der fünften Station zu Lilibet hinüber: „Meinst du, Papa wäre auch schon einmal mit der U-Bahn gefahren?“ In der vollgepackten U-Bahn horchten die Arbeiter und die Mädchen, die aus dem Geschäft nach Hause fuhren, auf Jemand gab das Stichwort weiter. An der nächsten Station beeilte Crawfie sich, mit ihren Schützlingen die U-Bahn zu verlassen, um jene Kundgebungen — der Sympathie — zu vereiteln, denen man doch gerade entgehen wollte, indem man inkognito mit der U-Bahn reiste. Wir haben eine Menge Geschichten erzählen müssen, die schon ein paar Jahre im Leben Margaret Roses zurückliegen. Aber sie sind symbolisch für die geistige Einstellung dieser Prinzessin, die so ganz anders ist, als man sich ein Mitglied des englischen Königshauses gewöhnlich vorstellt. Und wir mußten auch von diesen Dingen sprechen, weil man nur so verstehen wird, weshalb im Herzen Margaret Roses zur Zeit ein kleiner Wirrwarr herrscht, der dadurch entstand, daß Hunderte von Sympathien um dieses zierliche kleine Geschöpf kreisen. (Fortsetzung folgt.)


„Engelflügel“, so wird das Kleid genannt, das* hier Margaret Rose auf der Royal Norfolk Show trägt
„Engelflügel“, so wird das Kleid genannt, das* hier Margaret Rose auf der Royal Norfolk Show trägt

Feuilleton

Die verzauberte Feder

ZUM ZEHNTEN TODESTAG DES MALERS PAUL KLEE

Im Dezember 1879 wurde Paul Klee bei Bern in der Schweiz geboren. Nichts in der Konstellation der wirkenden Kräfte deutet auf den künftigen Revolutionär der moblernen Kunst hin. Die friedfertige Atmosphäre gesicherter Bürgerlichkeit ließe alles andere vermuten, wenn nicht steil neben idyllischen Tälern die grotesken Zacken der Gipfel wie eine Reißfeder die Wolken schlitzten. Auch in den Eltern diese Zwiegesichtigkeit: der Vater ein biederer Mann, Gesanglehrer am Seminar, die Mutter durch Blutslinien mit dem Algier verbunden, mit den Vorahnungen der Wüste, wo jede Wegspur scharfe Linien in die entleerten Flächen eingräbt. Zunächst aber nichts von dem. Gymnasialzeit und Jugendstreiche beschäftigen die Phantasie, und alle Neigung wendet sich der Musik zu, der er später bis in die Zeichnung hinein treu bleibt. Man prophezeiht ihm Karriere als Geigenvirtuose, aber diese Hoffnungen zerschlagen sich, je mehr er das Löchrige des bürgerlichen Kunstbetriebs durchschaut. Es fängt an mit viel belachten Karikaturen der Lehrer, mit eigenwillig bekritzelten Zeichenheften, und es endet mit Schulflucht. Er will Maler werden. Zum Glück hat der Vater Verständnis und schickt ihn zur Münchener Kunstschule, wo der übliche Malstil grassiert. Hier, im Jahre 1902, empfindet er zum ersten Male das Mißlungene aller bisherigen Versuche. „Es gilt jetzt nicht, frühreife Sachen zu malen, sondern Mensch zu sein oder doch zu werden. Das Leben meistern ist eine Grundbedingung für produktive Aeußerungen“, notiert er in strenger Selbstkritik. Er stürzt sich mit verbissenem Eifer auf die verschiedenen Techniken der Feder — erst das Handwerk, dann die Kunst, erst das Können, dann die Phantasie. Die Radiernadel beherrscht er bald mit subtilster Feinheit, fast morbid sind seine ersten allegorischen Versuche: ein nicht zu überbietender Pointillismus in Schwarz. Die Themen offenbaren das Anliegen seines ironisch-romantischen Talents. Da heißt .es: „Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich“ — und man sieht zwei machtlüsteme Kreaturen sich katzbuckelnd gegenseitig verneigen. Nach und nach kommt auch die Farbe zu ihrem Recht, ein wenig zaghaft noch und ganz im Spätstil der Jahrhundertwende: letzter Hauch der Farbluftmischung. Das Jahr 1908, das für verwandte Geister wie Kafka, Trakl, Rilke, Braque und Picasso entscheidend wurde, das überhaupt den Schlüssel abgibt für den geheimnisvollen Einbruch in den „ Innenraum“, führt auch Klee zum kühnen Vorstoß. Aber erst die Anregungen der Pariser Reise, die Begegnung mit den Avantgardisten des Kubismus, und schließlich das Suchen Gleichgesinnter im „Blauen Reiter“ läßt ihn die eigentliche Richtung erkennen. „Nun galt es, in der Natur Studienobjekte zu finden, um durch vernünftige lebendige Anregung die im Innern schlummernden Werte zu fördern . ..“ — dieser schon früher geschriebene Satz gilt jetzt erst in seiner vollen Bedeutung. Wie durch Zufall gelingt ihm kurz vor Kriegsbeginn die Reise nach Kairuan, ins Land seiner verborgenen Heimat. Von Macke und Moilliet begleitet und ermutigt, findet er hier den neuen »Stil. Die sich überstürzenden Ereignisse forcieren den Prozeß, und als er 1916 in das Mühlwerk des Kommiß gerät, bricht die Traumwelt phantastisch auf. Nun erfindet er jene skurrilen, scheinbar kindlichen Strichzeichnungen, die ihn bald ebenso berühmt machen wie seine Freunde Marc und Kandinsky. Es entsteht „die Sage vom Infantilismus“ seiner Kunst, und hinzugesellt sich der massive Angriff der Oberlehrer und Psychiater, die ihn als gemeingefährlich und schizophren brandmarken. Nach dem Krieg geht er nach Weimar und Dessau, wo er am staatlichen Bauhaus als Lehrer verpflichtet wird. Die Anfeindungen erschütterten schon damals, vor der Proklamation der „entarteten Kunst“, seine Stellung. Nach kurzem Zwischenspiel an der Düsseldorfer Akademie kehrt er 1933 in die Schweiz zurück und widmet sich ganz den formalen Studien, vor allem dem Problem des Gleichgewichts in der Fläche. Am 29. Juni 1940 ist Paul Klee nach langer, schleichender Krankheit in Orselina gestorben.

Sein Nachlaß besteht aus einer Fülle von Zeichnungen und farblich prächtigen Bildern, unter denen die italienischen Landschaften durch ihre faszinierende Leuchtkraft hervorragen. Heute, nach genügendem Abstand, erkennt die Kritik, daß er unter den zahllosen Machern, Sensationsmalern und Halbkönnern, die jede Stilepoche mit sich schleppt, einer der wenigen gewesen ist, die den Begriff der Kunst im echten Sinne erweitert haben. Werke wie „Die Lagunenstadt“, „Tanz des trauernden Kindes“ oder „Die Zwitschermaschine“ werden von bleibendem Wert sein. Auch für ihn, wie für alle Großen, gilt das Paradoxon, daß er radikal das Neue wollte und um so sicherer im Hafen jener Tradition landete, die fortzeugend Kultur schafft. Hermann Hesse, ein Bruder im Geiste, hat in seiner „Morgenlandfahrt“ das gültigste Wort über den Freund geprägt: „So blau wie Schnee — so Paul wie Klee“ Darin ist alles Wunderbare, alle Logik des Zufalls, aller Zauber des Entrückten lapidar ausgedrückt. Und selbst ein so vorsichtiger Kunstkritiker wie Wilhelm Hausenstein muß vor diesem Malergeist gestehn: „Die Intensität und Schärfe der Form überwindet zuletzt jegliche Zerrüttung, und am Ende bleibt nichts als der sichere Eindruck einer in ihrer Weise vollendeten Musik.“ Aber es bleibt noch mehr, nicht nur Rhythmus, akkordische Funktion und Tonlinie. Wie im Märchen verdichtet sich mit zunehmender Reife die Welt der Formen zur geformten Welt. Wir entdecken wieder konkrete, wenn auch seltsam agglutinierte Gegenständlichkeit, wie in Tausendundeinernacht wird 4as Befremdliche nah und alles Vertraute fremd. Vom Experimentatoi- entwickelt er sich zum Vollender der romantischen Idee, zum Erben des hellsichtigen Novalis, dem gleichermaßen die Welt ein „Ideogramm“ bildender Kräfte war. Vor dieser Welt, die jeder unerkannt im Innern behütet, fallen die letzten Schranken des Alltags. Hier mit aller Offenheit des Staunenden still zu schauen, mit der Bereitschaft, auf das Wunder des Eingangs zu warten, das müßte eigentlich die Haltung einer sich geistig gebärdenden Kultur sein. Wer in der Kunst nur Gesetze sucht, sollte besser Rechnungen prüfen. Das Wunder entzieht sich unserem Zugriff, weil wir selbst es sind. 1 Günter Pfeiffer


Paul Klee: Selbstbildnis
Paul Klee: Selbstbildnis

Petz verliert das Spiel

Von WILL SCHELLER

Die Sonne steht hoch am Himmel so hoch, daß ihre Strahlen fast senkrecht niederstürzen Die Schatten der Dinge haben sich ganz klein gemacht, und der Herr des Gartens, im buntfarbenen Liege-? Stuhl ausgestreckt, Kopf und Gesicht durch ein kleines Verdeck schützend, hat das Buch fallen lassen in dem er lesen wollte; die Hände über dem leicht sich wölbenden Leib gefaltet, die Augen geschlossen, überläßt er sich der Wärme der Luft, die ihn umflutet — so dicht wie Wasser, kommt ihm vor — und einem schwebenden Gefühl, wie es bei manchen Menschen der Seekrankheit vorauszugehen pflegt. Die Gewißheit trotz dieser Empfindung nicht seekrank zu werden bewegt sich in dem abgeblendeten Bewußtsein des Ruhenden, der von den Geräuschen der Häuser und Straßen ringsum nur mehr d impfe, unerkennbare Laute wahrnimmt wie ein freundlicher Traumkobold Langsam aber dringt aus der durch die dichte Wärme vom Ich gleichsam abgesonderten Welt eine Botschaft Ins Innere des Mannes im Liegestuhl Die hartnäckige Wiederholung eines bestimmte^) Lautes wirkt nicht schläfernd sondern weckend auf das Bewußtsein; das mag noch so viel Lust verspüren, ins eigene Dunkel zu versinken. dorthin wo es am tiefsten ist — die Wiederkehr des immer gleichen Tons zwingt t es, sich selbst zurückzufinden und aufzumerken Es bleibt ihm nicht ersprart, den gern verlorenen Glauben an eine greifbare Wirklichkeit wieder aufzunehmen und fstzustellen. daß sie es ist, die sich m dem eintönig werbenden Laut aus Vogelkehlen ihm förmlich aufdrängt. Dieser kurze, keineswegs freundlich hervorgestoßene Laut, eine Aeußerung der Ungehaltenheit, ja eines nicht zu bezweifelnden Böseseins, der ununterbrochen bald hier bald dort hörbai ist, natürlich, er kommt von den Amseln, d.e hier im Garten hausen und zeugt erfahrungsgemäß untrüglich von der Anwesenheit einer Katze. Sobald sich eine Katze blicken läßt, geht es wie ein Lauffeuer durch die grüne Welt der Büsche und Bäume; die Amseln haben das vierfüßige Wesen erspäht. noch ehe es selbst, blinzelnden Auges recht sich umgesehen hat, und der

Kriegszustand ist eingetreten, bevor der geschwänzte und ungeladene Gast seinerseits in der Lage gewesen ist. von dem Vorhandensein fliegender Ge chöpfe Kenntnis zu nehmen. Das ist immer so, die Amseln unterhalten einen ausgezeichneten Spä'-erdienst und der Mann im Liegestuhl reckt den Kopf und verrenkt sich den Hals, um zu sehen, wer den Zorn der Amseln hervorgerufen hat Sieh da: mitten auf dem Weg, in den warmen Kies gestreckt, liegt Petz, der bunte Kater der alten Danen im Erdgeschoß, die er mit seiner Geschmeidigkeit immer wieder überlistet und denen er entwischt, wann cs ihm gefällt Es hat ibm also wieder einmal beliebt, den Garten aufzusuchen, die Kühle des Zimmers und die Gepflegtheit der Möbel mit der Wärme des Gartens und seiner Wildheit zu vertauschen. Als er das menschliche Gesicnt wahrnimmmt, das unter d?m farbigen Verdeck hervorschaut, gibt er einen behaglichen quarrenden Ton des Erkennens von sich, bewegt den Schweif und räkelt sich genießend im Sand „Petz“, sagt der Herr des Gartens, „Petz, komm her“, und klopft sich auf die Knie, um dem Kater begreiflich zu machen, daß er sich da niederlassen möge. „Aeäh — ääh“ erwidert Petz, wälzt sich ein bißchen und zieht sich in schlangenhaften Windungen ein paar Schritte näher ohne jedoch die Grenzen einer respektvollen Entfernung zu überschreiten. „Aeäh - ääh“. das besagt auf deutsch; ich kenne die Menschen. Ihr betastet uns und streichelt uns, solange es euch, aber nicht, wie lange es uns gefällt, und überdies — was versteht ihr schon von unseren Freuden (von den Lgiden ganz zu schweigen) Er legt sich längelang hin. streckt die Beine, so weit es irgend gehen will gähnt vernehmlich — sein Raubtiergebiß schimmert in der Sonne — schließt die Augen und sagt keinen Ton mehr

Der Mensch im Liegestuhl, gibt es auL ihn eines Besseren zu belehren; er würde es ja doch nicht glauben Die Amseln aber sind inzwischen zum Angriff übergegangen Sie sitzen teilweise auf dem Apfelbaum der seine Aeste gerade über das Stück des Weges beugt, auf dem Petz, der Kater, seinen Mittagsschlaf zu halten gedenkt, teilweise auf dem mit Blumenrabatten verzierten Rasen rechts und links des Weges und haben den eintönigen Warnungsruf abgesteiit. Aufgeplustert sitzen sie und schimpfen, was das Zeug hält. Laut und deutlich lassen sie vernehmen, daß ihnen die Anwesenheit des Katers, mag er nun I’etz oder sonst wie heißsn, durchaus wider den Strich geht, daß sie sich diese räumliche Gerne nschaft nachdrücklich verbitten, und daß es ihr entschiedener Wunsch ist, bewahre daß sie ganz unzweideutig auf der Entfernung des Eindringlings bestehen. Er hebe sich von hinnen, lautet ihr Schimpfkanon. ’ und zwar sobald als möglich Was geschieht? Zunächst nichts. Die Amseln schimpfen, und der Kater schläft; er tut wenigstens, als höre er nichts. Die Amseln aber denken nicht daran, auch nur einen Punkt ihrer Forderung aufzugeben; es gibt da überhaupt nur einen Punkt, und er heißt: der Kater muß hinaus. Der Mensch denkt, macht das nur unter euch aus, ich mische mich da nicht hinein. Aber er ist neugierig und sieht Zaungast gewissermaßen, zu, wie die Amseln langsam näherrücken, auf den Aesten und im Rasen, und immer lauter schimpfen Der Kater muß es hören' Aber er hört es keineswegs. Er bringt durch seine vollkommen gleichgültige Haltung zum Ausdruck, daß er mitnichten irgendetwas wahrnimmt . . Es ist übrigens furchtbar heiß im Sand, und das stört im Schlafen. Vielleicht liegt sichs im Schatten eines Zierstrauchs angenehmer. Es wäre jedenfalls ein Versuch zu wagen Petz steht auf und trottelt, schlaftrunken, wie es scheint, in den schmalen Schatten. Mit einem Auge blinzelt er gelangweilt, bar emes jeglichen Interesses, nach oben, in das Gezweig über ihm, dann schließt er es wieder und seufzt durch die Nase. Ach nein, es ist doch nichts Rechtes hier draußen So heiß, überall, selbst im Schatten! Drinnen in der kühlen Stube auf dem weichen Sofa mit den Schonern, die sich so hübsch herunterziehen lassen, ist es eigentlich doch schöner, und grün, du lieber H’mmel, ist es da auch, auf allen Fensterbrettern und auf den Blumenständern — deswegen tut e$ wahrhaftig nicht not, in den Garten zu gehen. Nein, das tut es gewiß nicht. Er richtet sich auf und stiert mit hängendem Kopf vor sich hin — geistesabwesend. Allmählich kommt er auf alle Beine zu stehen, macht einen Buckel und schüttelt das bunte Fell. Dann zieht er ab, Schritt für Schritt, den Kiesweg entlang-Einmal bleibt er stehen, um einer Biene kurze Aufmerksamkeit zuzuwenden Ein anderes Mal setzt er sich hin, kratzt sich hinterm Ohr und bewegt mißbilligend den Kopf. Zuletzt verschwindet er durch einen Spalt der Garderobentür — und wird nicht mehr gesehen. Triumphierend schreien die Amseln hinter ihm drein Er beachtet sie nicht. Er hat nichts gehört Er ist ganz einfach zu der Erkenntnis gekommen, daß es für ihn diesmal keinen Sinn hat, sich im Garten aufzuhalten. Es gibt andere Paradiese — mindestens für Katzen — besser gesagt, um nicht gleich zu verallgemeinern, für ihn, Herrn Petz, Wohlgeboren . , Die Sonne steht hoch am Himmel Der Herr des Gartens, im buntfarbenen Liegestuhl ausgestreckt, Kopf und Gesicht durch ein kleines Verdeck schützend, vermerkt mit Befriedigung, daß die Amseln stil! geworden sind. Eine raschelt im nahen Gebüsch; unter gesenkten Augenlidern hervor kann er eben noch sehen, wie sie, einen fetten, sich krümmenden Wurm im scharfen Schnabel, behend vorüberhüpft, um ihn auf dem Weg, dort, wo vor kurzem noch der Kater saß, Petz, der Entwichene, zu zerkleinern, unerbittlich . . Im abgeblendeten Bewußtsein des Ruhenden zergeht dieses Bild, und es zerrinnt in Farbenflecke, Farbenkretse Farbenspirale. Der Kriegszustand im Garten ist vorüber Der Traum kann beginnen

Notizen

Auf dem Schriftstcllerkongreß der Sowjet¬ zone in Berlin forderte der sächsische Schriftsteller Otto Göttsche „Ideologische Klarheit im Sinne des Marxismus-Leninismus“ als Voraussetzung für künstlerische Tätigkeit. Die SED müsse den Künstlern die Aufgabe stellen, die ihnen zukomme. Diese „neue Lage“ sed für viele Künstler „leider noch nicht selbstverständlich“ und man höre noch häufig den Einwand: „Das ist ja wie bei den Nazis.“ Anna Seghers, die die mangelnde Teilnahme der Öffentlichkeit an dem Kongreß beklagte, forderte, daß der Schriftsteller „Die Aufbauarbeit der Sowjetzone so grandios wie möglich“ schildern solle. Für sein Schaffen sei der Künstler allein seinem Gewissen verantwortlich, zu dem „für uns selbstverständlich die Partei und der Sozialismus gehören“. An der „führenden Literatur der Welt, der Sowjetliteratur“ sich ein Beispiel zu nehmen, war die Forderung des bulgarischen Schriftstellers Todoroff. Der westdeutsche kommunistische Schriftsteller Werner Ilberg, der Propagandareisen von Schriftstellern aus der Sowjetzone in die Bundesrepublik verlangte, meinte ohne Beifall, man müsse auch die Parolen kritisch sehen, in denen „die uns heilige Sowjetunion“ erwähnt werde. Die „Weinfibel“, ein Wegweiser für Weintrinker, Weinwirte und alle, die den deutschen Wein lieben, wird nach einer Mitteilung der deutschen Weinwerbung in einer den gegenwärtigen Verhältnissen entsorechenden Neuauflage erscheinen. Die Weinfibel soll in Poesie und Prosa alles Wissenswerte über den deutschen Wein vermitteln und die Liebe zum Wein wecken und als Werbemittel der Gewinnung neuer Kunden dienen.

Der Musikverein im Bachjahr

Selten ist ein Jahr vergangen, in dem nicht der Darmstädter Musikverein eins der großen Bach-Werke in sein Programm aufgenommen hatte. In Erinnerung an den 200. Todestag (28. Juli 1750) wird am 10. Juli in der Paulus-Kirche eine besondere Bach-Gedenkstunde abgehalten, in der die Kantaten „Jesu, der Du meine Seele“ und „Ein feste Burg“ sowie das „Magnifioat“ aufgeführt werden sollen. Musikverein und Landestheater-Chor wirken wieder zusammen. Die Solisten sind Martha Geister, Charlotte Raab, Petra Böser, Franz Köth und Heinrich Blasel. Herr Eidenmüller hat die Orgelbegleitung, das Landestheater-Orchester den instrumentalen Teil übernommen. Die Gesamtleitung untersteht Richard Kotz. Diesen Werken, die bis auf die Kantate „Ein feste Burg“ (1917!) in Darmstadt noch nicht zur Aufführung gebracht worden sind, seien einige erläuternde Worte gewidmet. Es ist im allgemeinen für den Hörer unwesentlich zu wissen, in welcher Lebensspanne Bach diese Kompositionen geschrieben hat, denn er ist zeitlebens der treue Lutheraner gewesen, dem die Bibel das Fundament seines Schaffens lieferte. Der innere Ausgleich von Geist und Gehalt ist in seiner Kunst von den gleichen religiösen Grundgedanken beherrscht wie in der Kunst des Gregorianischen Chorals oder Palestrinas. Die Allgemeingültigkeit höchster liturgischer Verbundenheit bestimmt sein Werk, die bei Kompositionen wie der h-moll-Messe oder dem Magnificat keineswegs über die Konfessionszugehörigkeit hinausgeht, sondern darin an die alte lutherische Tradition anknüpft, der Messe und Graduale noch als Wesensgrundlage der Liturgie galten. Bachs große, instrumentierte Vokalwerke sind insgesamt der musikalischen Gattung der Kantate zuzurechnen, auch wenn sie oft diesen Namen nicht tragen. Aus dem Chor heraus treten die Solostimmen abwechselnd als Vertreter des biblischen Gedankens, den sie nicht typisch, aber wohl universal und zeitlos hervorheben. Das kann in der mannigfaltigsten Art geschehen. So gibt es religiöse Pastoralen, oratorienhaft dramatische Szenen, malerisch biblische Episoden, lyrisch-epische Gedichte oder katechetische Bekenntnishymnen. Musikalisch paradiert der ganze Reichtum an barocken Kunstformen und -typen in diesen Kantaten. Ein Beispiel bietet dafür „Jesu, der Du meine Seele", wo textlich ein Kirchenlied von Joh. Rist zugrundeliegt, von dem aber nur 1. und 12. Strophe im Original, die anderen in Umdichtung übernommen sind. Beim Baß-Andante „Dies, mein Herz“ erscheint die eigentliche Melodie fast rein, sonst geht Bach in der Musik eigene Wege. Im Eröffnungschor sei auf die Form der Chaconne hingewiesen. Das Sopran-Alt-Duett gilt als eins der berühmtesten Solostücke. Die gewaltige Kantate „Ein feste Burg“ hat eine wechselvolle Geschichte. Der größte Teil der Musik entstammt einer anderen Komposition ( „Alles, was von Gott getan“) Bachs, die Instrumentation (Pauken und Trompeten) hat wahrscheinlich Friedemann Bach zugesetzt. Der bekannte Text erschließt dem Hörer leicht die machtvolle musikalische Fassung, die von der vollendeten Kontrapunktik des ersten Chores über die symbolgetränkten Rezitative, Arien und Duette zum kreftdurchsetzten Schlußchoral des Lutherliedes führt. Das „Magnificat“ Ist der liturgische Vespergesang, der an hohen Festen in Leipzig zu Bachs Zeiten noch gebräuchlich war. Die Form der Kantate mit Chören, Arien, Ensemble-Sätzen und instrumentalen Zwischenspielen beherrscht die musikalische Anlage. Fast orchestral sind die Singstimmen im Chor und in den Solopartien behandelt, deren Fünfstimmigkeit (2 Soprane) in knappen Sätzen der jubelnden Zweckbestimmung des Textes entgegenkommt. Die thematische Melodienbindung und die motivische Durcharbeitung ist in den einzelnen Teilen &o klar ausgedrückt, Fugen und polyphone Stellen so eindeutig in kleinsten Umrissen gezeichnet, daß einem die großen technischen Aufführungsschwierigkeiten kaum bewußt werden und man unschwer selbst den verschlungenen kontrapunktischen Pfaden folgen kann. G. I.

Orgelkonzert in Amorbach

Die Fürstlich Leiningische Verwaltung, die seit Jahren die Kulturträgerin in Amorbach ist, wird am Sonntag, dem 16. Juli, um 16 Uhr an der berühmten Barockorgel in der evangelischen Kirche (der ehemaligen Abteikirche) eine festliche Musik veranstalten, die viele Kunstbegeisterte aus Frankfurt, Heidelberg, Darmstadt und Würzburg wieder in das liebliche Amorbach führen wird. Kirchenmusikdirektor Dr. Rudolf Walter, Bad Kissingen, der uns als Meister der Orgel in guter Erinnerung ist, wird wieder die Führung in dem Konzert übernehmen. Als Solisten wirken bei der festlichen Musik, bei der Werke von Buxtehude, Händel, Vivaldi, Sweelinck und Bach zum Vortrag kommen, Frau Dorothee Beierlein, Amorbach, und der bekannte Konzertsänger Bassist Ludwig Nachtmann, Bad Kissingen, mit. Einen besonderen Anreiz zum Besuch Amorbachs am Sonntag, dem 16. Juli, bietet die von der Buchhandlung Hermann Emich, Amorbach, im Grünen Saal des Schloßgebäudes veranstaltete Kunstausstellung von Werken des Kunstmalers Professor Oskar Martin, Amorbach. Die Ausstellung wird um 11 Uhr mit einem Festakt durch den Direktor der Städtischen Kunstschule in Würzburg, Mertens, eröffnet und dauert bis zum 30. Juli.

Das klassische Land

Dr. Niels von Holst sprach über Italien

Der bekannte Kunsthistoriker und Kunstkritiker Dr. Niels von Holst, der im Frühjahr 1950 seine zehnte Reise nach Italien unternahm, plauderte in der gut besuchten Aula der Technischen Hochschule über „Italiens Kunststätten 1950“. Die bedeutendsten italienischen Baudenkmäler und Museen, von denen manche dem Krieg zum Opfer fielen, wurden in zahlreichen neuen Lichtbildern gezeigt, die zum Teil Versuche darstellten, ein Meisterwerk nicht durch „genauen Bericht“, sondern durch Beleuchtungseffekte zur Geltung zu bringen. Während in Schweden bereits die Ruinen einzelner älterer Bauernhäuser unter Denkmalsschutz gestellt werden, werden in Mailand, dem „italienischen Chikago“, alte Barockpaläste von den Banken erworben und niedergerissen, um an ihrer Stelle moderne Bauten zu errichten. Dennoch besitzt der Italiener ein inniges Verhältnis zu der Geschichte seines Landes, und die Wirkung, die von dem historischen Boden Italiens ausgeht, ist so stark, daß selbst uninteressierte Reisende plötzlich nach der historischen Situation, die hinter den einzelnen Bauten steht, zu fragen beginnen. Niels von Holst schilderte Italien als ein Land, dessen Gegenwart noch das silberne und das goldene Zeitalter durchwirken. Seine Ausführungen, die nur eine allgemeine Uebersicht geben konnten, informierten besonders über den gegenwärtigen Zustand großer Kunstwerke in Rom, Florenz, Mailand und Venedig, ohne jedoch die Atmosphäre des ganzen Landes außer acht zu lassen, die durch geschickt gezogene Verbindungen zu unserem Wesen immer wieder faßbar gemacht werden konnte. Der von Professor Dr. Evers eingeleitete Vortrag fand den Beifall der Angehörigen und Freunde der Technischen Hochschule, der Werkkunstschule, des Neuen Hessischen Kunstvereins und der Volkshochschule, die zu dem Abend eingeladen hatten. M.

Hemingway und Eliot

Im Amerikaus Darmstadt sprach am Dienstagabend der Kulturreferent des ASTA der Universität Heidelberg. Reinhard Lochner, in englischer Sprache über die beiden Amerikaner Ernest Hemingway und T. S. Eliot. Beide Schriftsteller — grundverschieden in ihrer Art und in ihrem Schaffen — haben die gleiche Entwicklung durehgemacht, beide kamen, wenn auch auf verschiedenen Wegen, zu dem gleichen Ergebnis in ihren Werken: Es gelte für den Dichter, mitzuarbeiten an einer „Besserung“ der Welt, die allein vom Geistigen her erfolgen könne. Reinhard Lochner, der ein kultiviertes Englisch spricht, hatte seinen Vortrag geschickt und fesselnd aufgebaut und verstand es ausgezeichnet, in der anschließenden Diskussion das Für und Wider seiner Ausführungen gegeneinander abzuwägen. Er ist einer aus der jüngsten Generation der deutschen Schriftsteller, deren Weltoffenhe.t ganz im Sinne der beiden Amerikaner liegt, über die an diesem Abend gesprochen und diskutiert, wurde. B. Die Uraufführung einer Sonate für Klavier und Violine von Bernd Alois Zimmermann wird vom Südwestfunk am kommenden Donnerstag um 23.35 Uhr gesendet. Unter den jüngeren deutschen Komponisten nimmt Zimmermann eine nicht unbedeutende Stelle ein. Bei den Internationalen Fer'.entagen für Neue Musik n Darmstadt wurden bereits Werke von ihm aufgeführt.

Der Sport

Erster Länderkampf und Derby

Die Höhepunkte im Sportprogramm am Wochenende

B. G. — In den Bestrebungen um die internationale Verständigung im Sport führen die Schwimmer mit Längen. An diese Feststellung haben' wir schon einmal die Scherzfrage geknüpft, ob die Ursache wohl darin zu suchen sei, daß die Schwimmer ihren Sport im kühlen Wasser ausüben ... Die Schwimmer sind jedenfalls fortschrittliche Leute mit einer Führung, die klug in der Wirklichkeit wurzelt und sich doch von den Realitäten nicht umwerfen läßt. Am Wochenende stehen die deutschen Schwimmer in ihrem ersten Nachkriegs-Länderkampf. Schweden ist ihr Gegner. Die Schweden sind eine starke Schwimmernation, sie lagen ehedem,— und wohl auch jetzt wieder — in Europa immer auf einem der ersten Plätze. Den meisten Mitgliedern der deutschen Mannschaft mangelt es an der internationalen Erfahrung, sie werden es im Berliner Olympiastadion schwer haben. Gerade bei diesem Länderkampf aber wiegt die Tatsache, daß sich zum ersten Male den Deutschen wiedereine Nationalmannschaft stellt, weit schwerer als das Ergebnis, mag es lauten, wie es will Neben dem Schwimmertreffen steht an der Spitze des Sportprogramms am Wochenende das „Deutsche Derby“ in Hamburg. Die große Zuchtprüfung der Dreijährigen ist auch in diesem Jahre wieder der glanzvolle und packende Höhepunkt der Galopprennsaison. Um die 60 000-DM-Preise kämpfen die besten Dreijährigen der deutschen Ställe, wobei ein ausgesprochener Favorit nicht genannt werden kann. Deutsche Meisterschaften rufen auch noch auf einigen anderen Gebieten. In Köln verteidigt der kluge Techniker Schn< der (Celle) seinen Titel im Weltergewicl. der Berufsboxer gegen den Herausfordere' Teichmann. Die bfesten deutschen Amateur mannschaften der Radrennfahrer treffei sich auf der Frankfurter Stadionbahn zu: Deutschen Meisterschaft im Vierer-Mann schaftsfahren, und schließlich sorgen die Studenten noch dafür daß es — trotz Sommerpause — auch in den Rasenspielen noch Leben und Meisterschaftskämpfe gibt. Das Endspiel zur Deutschen Hochschulmeisterschaft im Fußball wird in Göttingen zwischen den Universitätsmannschaften von Köln und Berlin ausgetragen, während die Schlußrunde im Hockey in Berlin die Universität Köln und die Technische Hochschule Darmstadt zusammenführt. Vor den Zonen-Meisterschaften der Leichtathletik liegt noch einmal ein Wochenende der kleineren Veranstaltungen. Lediglich die Landesmeisterschaften der Jugend und der Junioren können einige Beachtung fordern Im Turnen- stehen einige Landesturnfeste an so die von Württemberg und Niedersachsen. Die Ruderer blicken gleich auf drei stark besetzte Regatten. West-, süd- und norddeutsche Spitzenklasse trifft sich sowohl in Essen als auch in Bad Ems und Hamburg. Die Kanuten haben in Karlsruhe eine internationale Regatta vorbereitet. Der Motorsport tritt auch an diesem Sonntag etwas kürzer, immerhin beanspruchen aber doch das Eggberg-Rennen bei Säckingen und das Burgring-Rennen von Monschau Interesse.


Die Jugendmannschaft de^ VCD nach ihrem Sieg in der Herrenmeisterschaft im 3er Mannschaftsfahren. Von links nach rechts: Helmut Steinbrecher, Hanno Seifert, Paul Nester, Walter Funk, Jürgen Strauber.
Die Jugendmannschaft de^ VCD nach ihrem Sieg in der Herrenmeisterschaft im 3er Mannschaftsfahren. Von links nach rechts: Helmut Steinbrecher, Hanno Seifert, Paul Nester, Walter Funk, Jürgen Strauber.

Zugkräftiger Nürburgring

Alle Auslands-„Ställe“ vertreten

Mainz. (AZ.) Das Interesse für den „Großen Preis von Deutschland“ am 20. August auf dem Nürburgring ist im Lager der ausländischen Motorsportler überraschend stark. Alle Rennställe und Fahrer sind in größtem Ausmaß am Start auf dem Nürburgring interessiert. Der Stall „Ferari“ will mit sechs seiner Spitzenfahrer kommen; Villoresi, Ascari, Raymond Sommer, Wallone, Bracco und Serafini. Aus der Schweiz sind die vier „Veritas“-Fahrer Hirt, Glauser, Aebli und Maroy sowie für „Cisitalia“ Claude Bernheim und der Spanier Francesco Godia gemeldet. Der englische Driver-Club hat eine Mannschaft mit Joe Heath. Anderson und Strinling Moss angekündigt und an der Spitze eines franzözischen Teams soll der allbekannte Louis Chiron stehen. Mit dem argentinischen Spitzenfahrer Juan Manuel Fangio laufen noch die Verhandlungen, während Hans Stuck auf AFM bereits feststeht.

Nürburgring Landeseigentum?

Mainz. (AZ.) Der Ministerrat von Rheinland-Pfalz beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen der Nürburgring gegebenenfalls in Landeseigentum übergehen könne. Die Rechtslage ist so, daß die. Anteile der früheren „Nürburgring GmbH.“ zu 51 Prozent auf das Reich, zu 48 Prozent auf das ehemalige Land Preußen und zu einem Prozent auf die frühere Rheinprovinz auf-

geteilt waren. Nach dem Grundgesetz fällt das ehemalige Reichseigentum dem Bund und das Lände reigentum dem jetzigen Lande zu. Darüber hinaus besteht aber noch die Verordnung 217 der Besatzungsmacht, die über das ehemalige Reichs- und Ländervermögen in der bisherigen französischen Zone befindet. Für das Land Rheinland-Pfalz erhebt sich die Frage, ob es zweckmäßig ist, auf Grund dieser wahrscheinlich zeitlich begrenzt gültigen Verordnung noch die Besitzrechte über den Nürburgring zu übernehmen oder sich auf die Bestimmungen des Grundgesetzes zu stützen.

freute sich darüber und ließ der Winkerin ein Bild mit Autogramm überreichen. Vier Tage später veröffentlichte er in der ..Rhein-Neckar-Zeitung“ eine Anzeige, in der das Mädchen mit der Lederhose aus München gebeten wurde, ihre Anschrift mitzuteilen. Edith Winter aus Heidelberg-Kirchheim war darüber hocherfreut, und alsbald bahnte sich eine enge Freundschaft an, die nun mit der Hochzeit besiegelt wird.

Wohin gehen wir am Wochenende

Samstag: 18 Woogswiese: Letzte Entscheidungen der Leichtathletik-Bezirksmeisterschaften. — 20.45 Uhr Arheilgen: Ringen SG Arheilgen—Nieder-Ramstadt. Sonntag: 9 Uhr Arheilger Mühlchen: Clubmeisterschaften der SG Arheilgen. — 10 Uhr Neue Schule Griesheim: Tischtennis Griesheim—SV Darmstadt 98. — 14.30 Hochschulstadion: Sportfest der TH Darmstadt.

Das Mädchen in der Lederhose

Der „gußeiserne“ Georg heiratet

Frankfurt. (dpa) Deutschlands Rennfahrer-As Georg Meier (München) wird am Wochenende in Meßkirch (Schwarzwald) mit Fräulein Edith Winter aus Heidelberg-Kirchheim in den Ehehafen einfahren. Recht amüsant ist die Geschichte, wie der „Gußeiserne“ seine Braut kennenlernte. Beim Training zum Hockenheimrennen im vorigen Jahr fiel ihm an der Rennstrecke ein Mädel auf, das mit echt bayerischen Lederhosen bekleidet war und ihm in jeder Runde begeistert zu winkte. Georg Meier

Wiihelm Herz wieder zu Hause

Nach der günstig verlaufenen zweiten Operation des deutschen Meisters 1948 der 350-ccm-Klasse. Wilhelm Herz, die vor drei Wochen durch Professor Weil in der orthopädischen Klinik Heidelberg-Schlierbach vorgenommen wurde, konnte Herz zum Wochenende wieder nach Lampertheim zu seiner Familie zurückkehren. Allerdings befinden sich noch das rechte Bein und der Unterarm im Gipsverband. In diesen Tagen erfolgt eine weitere Behandlung in Heidelberg

Sport der Heinnt

|teuer in ©ricöljeim In dem historischen Festzug, der anläßlich der Hundertjahrfeier in Griesheim stattfand, sah man zwei Fußballmannschaften in einem für die Gemeinde neuen Dreß, denen zahlreiche „Zivilisten“ folgten. Die Mitglieder des am 30. Juni 1950 gegründeten „Sport-Clubs Griesheim zeigten sich zum erstenmal der Oeffentlichkeit. Ehemalige Mitglieder des TuS Griesheim, die in ihrem alten Verein das Handballspiel zu sehr in den Vordergrund gestellt empfanden, haben sich mit bisher dem Sport Fernstehenden zusammengeschlossen. Sie wollen einen Verein, der die alte Fußballtradition des Ortes wieder zu neuem Leben erweckt. Die bis jetzt über hundert Mitglieder wollen sich ganz besonders der Heranbildung eines guten Fußballnachwuchses widmen. Am Mittwoch kommender Woche wird der Vorstand gewählt, nachdem bisher ein vorbereitender Ausschuß die Geschäfte geführt hat. Aus diesem Grunde ist eine Mitgliederversammlung einberufen worden. Der Verein kann sofort seine Spieltätigkeit aufnehmen. Es stehen zur Verfügung: 1. Mannschaft, 2. Mannschaft, Sondermannschaft und Jugendmannschaft. In drei Wochen soll außerdem auch eine Schülermannschaft stehen. Von Geschäften und Privatpersonen sind viele Spenden für den Verein eingegangen. Bei der Hundertjahrfeier hat man sich vor allen Dingen über das geschlossene und disziplinierte Auftreten des „Sport-Club“ gefreut. Der Verein hat zusammen mit TuS Griesheim beantragt, beide Plätze der Gemeinde auf dem Sportfeld benutzen zu dürfen. -Ba.-

Radsport

Am kommenden Sonntag, dem 9. Juli, startet die Jugend-Mannschaft des VCD um die „Deutsche Meisterschaft“ im 4 er-Mannschaftsfahren in Frankfurt a. M. auf der Strecke: Mainkur (Start und Ziel)— Fechenheim—Langenselbold und zurück (50 Kilometer). Die Meldeliste umfaßt 21 Jugendmannschaften aus der Bundesrepublik und Berlin, von diesen werden die Mannschaften* aus Schweinfurt (Deutscher Meister 1949), Herpersdorf, Berlin, Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt als die stärksten bezeichnet. Schwimmfest in Oberramstadf Erstmals nach dem Kriege ist man über das Wochenende bestrebt, im Bereich des Turnkreises Darmstadt im Schwimmbad Oberramstadt e:n Kreisschw'mmfest zu starten. Die Meisterschaftskämpfe sollen nach bisherigen Nennungen von etwa 50 aktiven und ebensoviel jugendlichen Schwimmern ausgetragen werden. Um 9.00 Uhr wird am Sonntag der Startschuß fallen. Die Offenbacher Kickers und der VfR Mannheim haben für den 6. August in Erbach im Odenwald ein Fußball-Freundschaftsspiel abgeschlossen.

Treffen der dentfcen Segelflieger in Darmstadt

Im großen Hörsaal des Zintl-Institutes der TH. bekundeten gestern nach einem Lichtbildervortrag von Ernst Jachbmann zirka 400 Freunde des Segelflugsportes, unter ihnen der bekannte Stratosphärenflieger Glöckner, in einer lebhaften Diskussion ihre Hoffnung auf eine baldige Aufhebung des Segelflugverbotes. Anwesen waren Vertreter von Interessengruppen für den Segelflug von zirka 30 Städten Westdeutschlands u. a. aus Worms, Mainz, Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg, Schwetzingen, Heppenheim, München, Göttingen, Köln, Gersfeld (Rhön) und Bonn. Zu der Veranstaltung waren viele Briefe, die den Wunsch nach Aufhebung des Segelflugverbotes zum Ausdruck brachten, eingegangen. Auch Bürgermeister Schröder wünschte Emst Jachtmann in einem Schreiben, daß dem schönen Segelflugsport, von dem man das deutsche Volk so wenig zurückhalten dürfte wie von kulturellen Veranstaltungen, gerade hier von Darmstadt, dem Sitz einer weltberühmten Technischen Hochschule, aus wieder Geltung verschafft würde. In der Versammlung wurde darauf hingewiesen. daß in Amerika, in dem nur 500 Personen für den Segelflug eingetragen seien, zu wenig über den deutschen Segelflug bekannt sei. In einer einstimmig angenommenen Resolution legten die Segelflieger die friedlichen Ziele für die Ausübung des zukünftigen deutschen Segelfluges nieder und beauftragten Ernst Jachtmann, sie persönlich der Hochkommiission, dem Hessischen Landtag und der Bundesregierung zu überbringen. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: 1. Der deutsche Segelflug wird auf rein sportlicher Basis durchgeführt, ohne irgendwelche militärisch gearteten Tendenzen. 2. Die persönliche Initiative darf in keiner Wbise durch eine umfangreiche Dachorganisation gehemmt werden. 3. Die deutschen Segelflieger wollen keine Bindung an irgendeine politische Parteiorganisation oder Richtung. 4. Die deutschen Segelflieger wünschen von ganzem Herzen, mit den Segelfliegerkameraden anderer Nationen Verbindung in fairer Sportkamomdschaft, um damit ihren Beitrag zum Frieden und zur Verständigung der Völker zu leisten. f-s

Protest des SV 98 abgelehnt

Michel 2½ Monate gesperrt

-ks- Bekanntlich hatte der SV 98 Darmstadt gegen die Wertung des Spieles in Pforzheim Protest eingelegt. Die Spruchkammer-Oberliga des Süddeutschen Fußballverbandes fällte nun folgendes Urteil: Der Protest des SV 98 Darmstadt stützt sich hinsichtlich der Anfechtung der Spielwertung ausschließlich auf Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters, die nicht der Nachprüfung durch eine Rechtsinstanz unterliegen. Der Protest muß daher als unbegründet abgewiesen werden. Glück hatten die Lilienträger, daß die ausgleichende Gerechtigkeit die Pforzheimer in Böckingen unterliegen ließ, denn sonst wären die Darmstädter durch die krassen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters und die Ablehnung des Protestes durch die Spruchkammer vielleicht um den verdienten Aufstieg gekommen. Der Spielführer der Darmstädter, Michel, wurde wegen Tätlichkeit gegen einen Platzordner und Beleidigungen des Schiedsrichters 2V2 Monate disqualifiziert. Der Schiedsrichter hatte in seinem Spielbericht geschrieben, daß der Spieler Michel ihn mit „verschiedenen Ausdrücken“ beleidigt und anschließend einen Platzordner, der den Schiedsrichter unterstützen wollte, tätlich angegriffen hat. Auch bei der persönlichen Vernehmung und der Gegenüberstellung des Schiedsrichters mit dem Spieler Michel blieb der Schiedsrichter bei seiner Aussage. So fällte die Spruchkammer das Urteil, das den sympathischen Darmstädter Spieler für 2Va Monate vom Spielfeld verbannte. Als „strafmildernd“ sah die Spruchkammer an, daß Helmut Michel in seiner über 20jährigen Sporttätigkeit sich niemals einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hatte, und daß er sich nach Spielende in einer begreiflichen Erregung befunden habe. Zwei sind also bestraft worden. Einmal der SV 98 Darmstadt, dessen Protest, der mittlerweile überholt war, abgewiesen wurde, und der Darmstädter Spieler Michel. Lediglich der Hauptschuldige an der ganzen Verhandlung, der Schiedsrichter, ging rehabilitiert aus der ganzen Angelegenheit hervor.

Wimbledon im Zeichen der Frauen

Wimbledon. Am Donnerstag begannen die Spiele in Wimbledon mit dem Semifinale des Dameneinzels, In der Begegnung Doris Hart und der Titelverteidigerin Louise Brough (beide USA) hatte Doris Hart einen guten Start; sie führte schon mit 3:0, als eine kurze Spielunterbrechung bei der Ankunft der Königin-Mutter Mary sie aus dem Tritt brachte. Dreimal verlor sie ihren Aufschlag und damit den ersten Satz Im zweiten zog Louise mit 3:0 davon und mußte Doris dann auf 3:2 herankommen lassen. Sie konnte wieder den Aufschlag von Doris durchbrechen und sich auch den zweiten Satz und den Sieg mit 6:4, 6:3 holen. Die Begegnung Margaret Osborne-Dupont gegen Pat Todd (beide USA) mußte beim Stand ein Satz beide und 5:5 im Schlußsatz wegen Regens zehn Minuten unterbrochen werden. Danach ging Osborne-Dupont zur Offensive über und holte sich den dritten Satz. Mit 8:3, 4:6, 8:6 tritt sie ins Finale ein. Pat Todd vergab eine große Chance, als sie im ersten Satz mit 6:5 führte und bei eigenem Aufschlag nur noch einen Punkt zum Satzgewinn benötigt hätte. Zweimal iedoch wurde Pat von Margaret passiert, und dieser wichtige Satz ging an die spätere Siegerin. Im Schlußsatz konnte Margaret im wichtigen 13. Spiel Pat den Aufschlag abnehm,en und dann die Entscheidung zu ihren ‘Gunsten erzwingen.

Einen endlos scheinenden Kampf lieferten sich Patty-Trabert (USA) und Sedgman-McGregor (Australien) im Viertelfinale des Herrendoppels. Beim Stand 6;4 und 13:12 im zweiten Satz für die Amerikaner mußte das Spiel wegen Regens unterbrochen werden. Nach Wiederbeginn konnten die Amerikaner auch ^en zweiten Satz mit 31:29 für sich entscheidem Den dritten Satz gaben sie mit 7:9 ab. gewannen aber den vierten mit 6:2. Der zweite Satz war der längste, den Wimbledon bisher gesehen hat. Er dauerte zweieinhalb Stunden.' Weitere Ergebnisse; Herrendoppel, Viertelfinale: Drobny /Sturgess—Brichant/Washer 6:2. 6:2, 6:4. Damendoppel, Viertelfinale: Fry/ Hart—Anderson/Curry 6:1, 6:4. Buck /Chaffee—Tuckey/Hilton-Harrison 6:3, 6:3. Gemischtes Doppel, Viertelfinale: Brown/Todd—Bromwich/Harrison 6:3, 6:4, Worthington/Long—Qfuist/Mqran 8:6, 6:1, Sturgess/Brough—Morea/Scofield 6:3, 13:11.

Patty geurann das Einzel

Wimbledon (AP). Der Amerikaner Patty holte sich am Freitag in Wimbledon den Titel im Herreneinzel gegen den Australier Sedgman verhältnismäßig glatt in vier Sätzen mit 6:1, 8:10, 6:1, 6:3.

Stand der Mannschaftskämpfe im Tennis

Nicht weniger als 37 Tennisvereine haben sich in diesem Jahr zum Teil mit 5 Mannschaften an den für Herren, Damen und Junioren ausgeschriebenen Hessischen Mannschaftsmeisterschaften beteiligt. Die Soiele. die in einzelnen Gruppen nach dem Punktsystem ieder gegen ieden ausgetragen werden, sind bei einem Stand angelangt. der bereits einen guten Ueberblick über das Stärkeverhältnis gestattet. In der Herren-A-Klasse hat sich in der Gruppe A überraschen der Marburger Tennisclub 1912 an die Spitze gesetzt. Die Entscheidung fiel wohl schon in dem ersten Spiel dieser Runde, in dem Marburg seinen Rivalen Kassel mit 5:4 bezwang. Die weiteren Ergebnisse Marburgs mit 5:4 gegen SC Forsthausstraße und mit 5:4 gegen Luftbad Eschersheim beweisen, wie hart in dieser Gruppe der Sieg umkämpft war. Der Endstand der Tabelle sieht folgendermaßen aus: gew. Punkte 1. Marburger Tennisclub 1912 5 30:15 2. KSV Hessen Kassel 4 31:14 3. SC Forsthausstraße Ffm. 3 27:18 4. TC Grün-Weiß Fulda 2 22:23 5. Luftbad Eschersheim 1 23:22 6. TEV Kronberg 0 2:43 In der Gruppe B der A-Klasse steht der Gruppensieger noch nicht fest, da in dem entscheidenden Spiel zwischen dem entscheidenden Spiel zwischen dem TE'C Darmstadt und dem VfL Bad Nauheim erst eine 4:2-Führung Darmstadts erreicht wurde und die Doppelspiele noch ausgetragen werden müssen. Ein Eingreifen Wiesbadens in die Entscheidung wurde von Nauheim mit 5:4 und von Darmstadt sogar mit 7:2 verhindert. Somit ergibt sich folgender Stand: gew. Punkte 1. TEC Darmstadt 3 23:10 2. VfL Bad Nauheim 3 21:12 3. Wiesbadener THC 2 18:15 4. SG Höchst 1 10:26 5. TC Bad Homburg 0 12:21 In den Gruppen C und D. in denen die Damen ihre Spiele austragen, haben sich der Marburger Tennisclub und der Wiesbadener Tennis- und Hockeyclub mit starkem Vorsprung an die Spitze geschoben. Marburg konnte sämtliche Spiele mit 5:0 gewinnen und Wiesbaden, nicht immer in stärkster Aufstellung antretend, hat nur gegen Darmstadt und Offenbach ie einen Punkt abgegeben. Die Punkte in den beiden Gruppen: gew. Punkte 1. Marburger TC 1912 4 20:0 2. KSV Hessen Kassel 3 11:8 3. SC Forsthausstraße Ffm. 2 7:12 4. Blau-Weiß Wiesbaden 1 0:14 5. Luftbad Eschersheim 0 5:15 gew. Punkte 1. Wiesbadener THC 4 18:2 2. SC Frankfurt 1880 3 11:9 3. TEC Darmstadt 2 10:10 4. Offenbacher TC 1 6:14 5. TC Bad Homburg 0 5:15 Neben diesen Spielen der A-Klasse sind inzwischen in 8 Gruppen der B-Klasse die Gruooensieger ermittelt worden, die pun in einer Zwischenrunde um den Aufstieg zur A-Klasse kämpfen. Der TEC Darmstadt hat sich mit seiner 11. Mannschaft durch Siege über TSC 1846 Darmstadt. BSC 1899 Offenbach. TEC Bürstadt und TC 1906 Langen die 'Teilnahme an der Zwischenrunde gesichert und trifft bereits am Sonntag auf eigenem Platz auf die II Mannschaft des Wiesbadener THC. Als weitere Mannschaften stehen noch im Wettbewerb der SC Frankfurt 1880 und der Offenbacher TC in der südlichen Gruppe, der TC 1931 Kassel. Wiesbadener THC 111. TC Bad Wildungen und TC Marburg II in der nördlichen Gruppe. Die Endspiele um die Meisterschaft der A-Klasse bei den Herren und Damen sowie das Entscheidungsspiel um den Aufstieg der besten B-Mannschaft finden am 13. August statt. hexi

Goldrichtig auf Goldrad

Der Radfahrerverein 1899 Dieburg hat gleich anderen im Jahre 1946 wieder ganz von vorne aufbauen müssen. Zunächst beteiligten sich einige Jugendfahrer an den Wettbewerben auf Bahn und Straße. Nun ist' der sehnlichste Wunsch der RVler auch in Erfüllung gegangen: Dieser Tage kamen sechs funkelnickelnagelneue Saalmaschinen an, die die Jungens mit strahlenden Gesichtern in Empfang nahmen, denn die Feuerprobe stand bevor. Nur ein Tag blieb zur Verfügung, um einen Sechser-Kunstreigen einzuüben, mit dem die neuen Maschinen beim Festkommers der Männersänger eingeweiht wurden. Kein Sachkenner wird dabei Figuren hohen Schwierigkeitsgrades verlangen, aber die Exaktheit und das flotte Tempo, mit dem die sechs jungen Kunstradfahrer ihre Darbietungen herunterkurbelten, löste nicht nur begeisterten Beifall aus — sie zeigten auch, daß der RV 99 wieder auf dem Wege ist, in ganz kurzer Zeit zu den Radfahrervereinen unseres Bezirks zu zählen, die bei den Ausscheidungen und Meisterschaften an der Spitze stehen. Im Laufe der vergangenen Woche hat nun der Leiter der Saalsportabteilung, Architekt Josef Blank, sich noch sechs Mädels dazugeholt und auch mit ihnen einen Reigen eingeübt. So werden also die Dieburger Radsportler nicht nur den großen Festzug mit- geschmückten Rädern eröffnen, sondern auch beim Kommers der Feuerwehr mit zwei Sechser-Kunstreigen aufwarten. Bei der gleichen Gelegenheit führt der Athletik-Sportverein Dieburg mit einer kompletten Riege Uebungen mit dem Rundgewicht vor, eine Sportart, die er seit kurzem in sein Jahresprogramm aufgenommen hat. Die Ringermannschaft des ASV, aus deren Reihen die Hantelriege gebildet wurde, wird auch im kommenden Jahr wieder in der Oberliga starten. Sie benutzt die Pause bis zu den neuen Verbandskämpfen, um sich in Begegnungen mit befreundeten starken Vereinen „auf dem Laufenden“ zu halten. (sch-)

Zum Zeitvertreib am Sonntag

Verschmelzungsrätsel Mais + Reims = Königin des Altertums, Probe + Rand = Stadt in Westfalen; Gold + Buren = norddeutsche Stadt; Senta + Main = Insel bei Australien; Trost + Iren = Gepäckstück; Sedan + Mode = Gestalt aus Othello; Arm + Dotter = westeuropäische Hafenstadt; Idee + Chor = tropische Blume; Turin + Samoa = Heilstätte; Kanzel + Sau = bekannte Wasserstraße; Sahne + Bein = Verkehrsmittel; Mai + Loden = Erfrischungsgetränk. Je zwei Wörter sind so miteinander zu verschmelzen, daß neue Wörter angegebener Bedeutung entstehen, deren Anfangsbuchstaben einen Vogel nennen, der andere Vögel täuschend nachahmt.

Aus den Silben; a — a — a — an — ar — be — ben — ben — bi —bor — cast — cham — chi — chi —cog — da —dach — deg — den — den — der — dern —dorf — e — e —eis —en —en — er —feld —gas — gen gen — ger — he —hi — ßo i — is — ko - la - la — lan —land — leie _ lech - lett - ma - me -meer — na — ne —ne — ne — ne — ne —new — ni — nu - nul —ost — pag — re — ris — ro — san — sches — schwa — se sei —shi — si ein Wort aus Shakespeares „Macbeth“ ergeben. 1 Stadt in Spanien, 2. Randmeer Ostasiens, 3. Landschaft in Schwaben. 4. Stadt in Arabien, 5. Landschaft am Nil, 6. südfranzösische Landschaft, 7. Insel vor Neapel, 8. Hafenstadt in Nordspanien, 9. Stadt in Däne, mark, 10- asiatische Halbinsel, 11. Nebenfluß der Elbe, 12. Staat der USA, 13. Nebenfluß des Rheins, 14. Geburtsort Luthers, 15. Landschaft in Australien, 16. asiatisches Hochland, 17. nordfranzösische Landschaft, 18. Stadt in Japan. 19. Stadt in Persien, 20. Stadt an derWonau, 2h amerikanisches Gebirge, 22. Fluß in Frankreich, 23. altes deutsches Herzogtum 24. Stadt in Bayern, 25. Stadt in Nordengland, 26. Gebirgsgruppe der Alpen, 27. europäischer Staat. Auflösungen vom Samstag, 1. Juli Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Samara, 5. Besen, 9. Ibykus, 10. Rumba, 11. Poe, 12. Aer, 13. Sabine, 14. Torte, 16. Alanen, 18. Brahma, 22. Reede, 25. Gerber, 26. Sir, 28. Sog, 29. Saale, 30. Elster, 31. Essen, 32. Retina. — Senkrecht: 1. Siesta. 2. Abfall, 3. Aktion, 4. Aspern, 5. Brest, 6. SMA, 7. Ebert, 8. Narbe, 15. Reh, 17. Ale, 18. Bagger, 19. Arrest, 20. Mäzen, 21. Aurora. 22. Russe, 23. Elias, 24. Eisen, 27. Ras. Zwei Namen, Sebastian, Ast. Sabine.


Rösselsprung Geographisches Silbenrätsel
Rösselsprung Geographisches Silbenrätsel

Schach

für das DT bearbeitet von E. Bogoljubow Das wichtigste Schachereignis im Auslande war das Budapester Kandidatenturnier (11. 4.—18. 5.), aus dem wir eine der schärfsten Partien bringen. Sizilianisch. Weiß-Keres Schwarz-Kotow 1 e2— e 4, c7—cs, 2. Sgl—f3, d7—d6, 3. d2—ds c5Xd4, 4. Sf3Xd4, Sgß—f6, 5. Sbl—c3. a7—a6 (diese Partie ist noch ein weiterer Beweis dafür, daß die Paulsen Variante für Schwarz keine sichere Verteidigung darstellt!) 6. Lfl—e2, Ddß -c7, 7. Lei—gs!, Sbß—d7. B.o—o, e7—e6, 9. Le2—hs (droht SXe6! Die ganze nun folgende Kombination hat uns Meister Keres bereits 1942 in Salzburg gezeigt. Er mußte also bis zur jetzigen glücklichen Anwendung 8 Jahre Geduld haben!) —stein — täb — tan —ton — yil sind 27 Wörter zu bilden, deren erste und vierte Buchstaben, von oben nach unten gelesen. Dc7—c4?, (sieht natürlich aus, ist aber eine böse Täuschung! Nötig war Sf6Xhs mit der Folge 10. DXh5, Ses und einer einigermaßen tragbarer Stellung!) Siehe Diagramm.

10. Sd4Xe6ü, Dc4Xe6, 11. Sc3—ds!, (das ist der Zweck der Uebung!) Keß—dß, (erlaubt bereits den vereinfachenden Tausch! Aber auch SXd5, 12. e4Xd5, Dfs, 13. Tfl—el+, Ses, 14. f2—f4, h7—h6, 15. g2—g4. Dh7, 16. Lh4, g7—gs, 17. f4Xe5, g5Xh4, 18. Dd4!, Kd7, 19. Tel—fl!, d6Xe5, 20. Db6! konnte die schwarze Katastrophe nicht verhindern!) 12. Lhs—g4, De6—es, 13. f2—f4. DesXe4, 14. Lg4Xd7, LcßXd7,ls. SdsXf6,g7*f6. 16. Lgs Xf6+, Kdß-c7,17. Lf6XhB,Ld7XC6, 18. Ddl-d2, Lfß—h6, 19. Tal—el, De4—g6, 20. Tel—e7+, Kc7—dß, 21. Tfl—el. a6—as, 22. Lhß—d4, Taß—a6, 23. Dd2—f2, Lh6—fß. 24. Ld4—b6+, Kdß—cß, 25. Te7—eß + , Lc6Xeß. 26. TelXeß+, Kcß—d7, 27. TeBXfB. Schwarz gab hier auf! Für diese peinliche Niederlage nahm Meister Kotow im weiteren Verlauf des Turniers eine gebührende Rache. Die betreffende Partie bringen wir am nächsten Samstag.



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Gaststätte CHAUSSEEHAUS Bessungen Allen meinen Bekannten und Geschäftsfreunden Wiedereröffnung zur 9e,’ll'9en Kenntnis, dafj Ich ab Samstag, dem 8. Juli 1950, ab nachm. 18 Uhr, meine elterliche Gaststätte Chausseehaus - Heidelberger Strß9 wieder eröffne. WILHELM WENZ UND FRAU

iiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini Darmstädter Männergesangverein „Liederkranz’ 1881 Morgen, Sonntag, den 9. Juli 1950 großes auf dem,,Heiiigkieuz" (Dieburger Straße) Nachmittags ab 15,30 Uhr KINDERBELUSTIGUNGEN Abends ab 20 Uhr Tanz mit der beliebten Kapelle Bänisch Das Fest findet bei jeder Witterung statt uiiiuiiiiuiiiiiiii im, „iiiiiiiHini

Wollen Sie das f, blatt regelmäßig jeden Morgen ins Haus gebracht haben, dann füllen Sie den anhängenden Bestellschein sofort aus und schicken Sie ihn an die Geschäftsstelle. Auch bei einer Agentur oder Zeitungsträgerin können Sie ihn abgeben.

Geschäftsstelle des „DARMSTÄDTER TAGBLATT“ DARMSTADT RHEINSTRASSE 23 im alten Tagblatt-Haus Ich bestelle hiermit ab l.Juli 1950 das sechs¬ mal wöchentlich erscheinende „Darmstädter Tagblatt“ zum Bezugspreis von DM 2,60 pro Monat zuzüglich 40 Pfg. Trägerlohn. Vor- und Nachname: „„ Beruf: Ort: Straße: