Luftherrschaft über Korea?
Keine nordkoreanischen Flugzeuge mehr im Kampfgebiet
Taidschon, 6. Juli. (NWDR.) Wie hier hervorgehoben wird, wurden nordkoreanische Flugzeuge seit Mittwoch nicht mehr gesichtet. Dies wird von Militärsachverständigen so ausgelegt, daß die amerikanische Luftwaffe mit Unterstützung von Flugzeugen der befreundeten Nationen zur Zeit die Luftherrschaft über Korea besitzt.
Ein amerikanischer Sprecher wies darauf hin, daß sehr viel von der Unterstützung der Luftstreitkräfte für die amerikanischen Bodentruppen abhängt. Zur Unterstützung der amerikanischen Luftwaffe in Korea soll jetzt eine Anzahl Mustang-Jäger nach dem Fernen Osten beordert werden.
Nach Berichten aus San Diego in Kalifornien sind am Mittwoch Einheiten der amerikanischen Paziflkflotte in Richtung auf Korea ausgelaufen. Gleichzeitig werden neue umfangreiche Kriegsmaterial lieiferungen nach Korea gemeldet.
Nermeidung von Zwildenfällen
Neuyork, 6. Juli, (dpa) Der diplomatische Korrespondent der „New York Times“ berichtet am Donnerstag aus Washington, die amerikanische Regierung versuche alles, um den Koreakonflikt zu lokalisieren. Die amerikanischen Marine- und Luftstreitkräfte in Korea seien angewiesen worden, unter allen Umständen Verletzungen der sowjetischen und chinesischen Hoheitsgewässer zu vermeiden. Vor allem im Gebiet des sowjetischen Marinestützpunktes Wladiwostock, der dicht an der Grenze Nordkoreas liegt, dürften sich keine Zwischenfälle ereignen.
Er schreibt, die Vereinigten Staaten seien schon zu viel größeren Maßnahmen gezwungen worden als sie eigentlich wünschten. Sie wollten nun auf jeden Fall verhindern. daß sich aus dem Koreakonflikt tatsächlich ein asiatischer Krieg entwickelt.
Die Sozialisten bemühen sich
Die französische Regierungskrise
Paris, 5. Juli. (AP). Die französischen Sozialisten, die die beiden letzten Regierungen stürzten, haben begonnen selbständig zu arbeiten.
Präsident Auriol hatte dem Generalsekretär der Partei Guy Mollet, am Mittwoch die Aufgabe übertragen, die Vorarbeiten für die Bildung einer neuen Regierung in Angriff zu nehmen. Mollet selbst lehnte die Uebernahme des Ministerpräsidentenpostens ab, erklärte jedoch, er werde versuchen, eine Koalition aufzustellen, die eine Mehrheit im Parlament erhalten könnte, es handele sich hauptsächlich um die Klärung der Probleme, in denen monetäre Fragen mit sozialen Fragen Zusammentreffen.
Am Donnerstag sollten die Führer der parlamentarischen Fraktionen mit Ausnahme der Kommunisten und der de Gaulle-Anhänger im Hotel Matignon, dem offiziellen Amtssitz des Ministerpräsidenten, Zusammentreffen. Die Radikalsozialen beschlossen jedoch, an dieser Konferenz’ nicht teilzunehmen.
Tünf Ansschüsse tagen
Die Schuman-Plan-Konferenz
Paris, 5. Juli. (AP) Die Abgeordneten der Schuman-Plan-Konfereniz haben sich in fünf Ausschüsse aufgeteilt. Der amtierende französische Außenminister und Führer der französischen Delegation, Schuman, führte den Vorsitz auf der Sitzung des Institutions-Ausschusses, der sich mit dem Aufbau der neuen Ober-Behörde und den anderen übernationalen Einrichtungen beschäftigt. Dieser Ausschuß setzt sich aus den Delegationsführern zusammen.
Der Produktions- und Preisausschuß und der Ausschuß für den Geltungsbereich der Montan-Union hielten gleichfalls Sitzungen ab.
Der Ausschuß für den Geltungsbereich hat die Aufgabe, die Begriffe Stahl und Kohle für den geplanten Montanvertrag zu definieren. Als eines der vorliegenden Probleme bezeichnete ein Sprecher die Frage, ob Eisenerz oder Manganerze auch erfaßt werden sollen.
Einst und jetzt
Die Personalkosten der Länder
Mainz, 6. Juli, (dpa) Die Personalkosten der Länder der Westdeutschen Bundesrepublik (ohne Berlin) beliefen sich nach einer Mitteilung des Bundes der Steuerzahler von Rheinland-Pfalz im vergangenen Fiskaljahr auf rund 2,6 Milliarden DM, dagegen hätten die Personalkosten aller Länder des ehemaligen Deutschen Reichs im Fiskaljahr 1931/32 nur etwa 1,7 Milliarden Reichsmark betragen. Dabei sei das reale Volkseinkommen 1932 je Kopf der Bevölkerung noch etwas höher gewesen als jetzt.
Mit überwültigender Mehrheit
Das Unterhaus billigt die Korea-Politik der Regierung
London, 5. Juli (AP.) Das Unterhaus hat am Mittwoch mit überwältigender Mehrheit den Beschluß der britischen Regierung, die Vereinigten Staaten in Südkorea zu unterstützen, gebilligt.
Ministerpräsident Attlee hatte zuvor erklärt, die Frage, mit der sich das Unterhaus beschäftigen müsse, sei sehr einfach. Doch hätten alle Entscheidungen schwerwiegende Konsequenzen. „Die einzige Frage ist, ob die Regierung unter den gegenwärtigen Umständen die richtigen Maßnahmen zum Korea-Konflikt getroffen hat.“
Attlee sagte weiter, alle Mitglieder der Vereinten Nationen müßten für den Notfall bereit sein, damit diese Organisation nicht dasselbe Schicksal wie der Völkerbund erleide. ie Herrschaft des Rechts müsse aufrechterhalten werden. „Alle Staaten können in Gefahr kommen, wenn man es dem Angreifer gestattet, in irgendeinem Teil der Welt mit den Früchten seiner Aggression davonzukommen. Ich glaube, niemand kann in irgendeiner Weise daran zweifeln, daß in Korea ein Fall offener Aggression vorhegt.
Die Kriegsgefahr hätte sich zweifellos erhöht, wenn die Westmächte nicht in e Koreakonflikt eingegriffen hätten. „Ich habe keinen Zweifel daran, daß diese Sache (Korea) durchgestanden werden muß, um zu beweisen, daß sich eine Aggression nicht bezahlt macht. Voller Vertrauen ersuch ich das Parlament und das ganze Land um einmütige Zustimmung.“ Die Rede Attlees wurde auf beiden Seiten des uses mir Beifall aufgenommen.
Als Sprecher der Opposition unterstützte Winston Churchill die Haltung der Labourregierung im Koreakonflikt und forderte erneut die Beendigung des kalten Krieges durch Verhandlungen mit Moskau. Diese Verhandlungen müßten geführt werden, wenn der Angriff auf Südkorea zurückgeschlagen worden sei und bevor die Sowjetunion über gleichstarke Atomwaffen verfüge wie Amerika. „Ich bin der Ueberzeugung, daß die amerikanische Ueberlegenheit auf dem Gebiet der Atomwaffen gegenwärtig ein wirksames Abschreckungsmittel gegen einen kommunistischen Ueberfall ist. Die Sicherheit Europas hängt vor allem von dem weitüberlegenen Vorrat an Atombomben ab, der sich in den Vereinigten Staaten befindet. Dort ist das einzige entscheidende Abschreckungsmittel, das gegenwärtig denkbar wäre.“
Im Verlauf der Debatte sprach auch der frühere Außenminister Eden. Er erwähnte dabei eine Unterredung, die er im Dezember 1941 mit Stalin gehabt habe. Damals habe Stalin davor gewarnt, Hitler zu unterschätzen. Er sei ein sehr begabter Mann, habe jedoch einen Fehler gemacht, „er wußte nicht, wann er aufhören sollte“.
Eden erklärte, daß er bei dieser Bemerkung gelächelt habe, worauf Stalin hinzufügte: „Sie lächeln, und ich weiß warum. Sie glauben, wenn wir siegen, werde ich auch nicht wissen, wann ich aufhören soll. Sie irren sich, ich werde es wissen.“
Heute würde er gerne wissen, so fuhr Eden fort, ob nicht die Zeit gekommen sei, wo sich Stalin dieser Worte erinnern und denken müßte, daß es klug wäre, jetzt aufzuhören.
Eine weitere Klarckellung
Eine unerwartete Hilfsstellung leistete uns das „Darmstädter Echo“ am Donnerstag, dem 6. Juli. Es verwendete eine volle Seite darauf, seinen Lesern das Zeitungsbild des „Darmstädter Tagblatt“ einzuprägen. Rundherum brachte es in gleicher Wiedergabe die Photos der verschiedenen Ausgaben der „Allgemeinen Zeitung“.
Es ist nichts Neues, wenn festgestellt wird, daß das „Darmstädter Tagblatt“ mit der „Allgemeinen Zeitung“ in einer redaktionellen Arbeitsgemeinschaft steht. Wir bezeichneten das letzthin, gewiß In Uebereinstimmung mit unseren Lesern, als einen Vorzug. Zudem ist uns jedoch immer die Möglichkeit gegeben, unsere redaktionelle Auffassung zum Ausdruck zu bringen. Das hat sich bereits in den späteren Ausgaben unserer Zeitung gezeigt. Schade, daß die Echoleser nicht auch die inneren lokalen Seiten des „Darmstädter Tagblatts“ gezeigt bekamen! Sie hätten dabei — wie ihnen vom Verlag und Redaktion des Echo angeraten wurde, eingehend prüfen können. Wenn man nämlich schon vergleichen will, dann vergleiche man das „Darmstädter Tagblatt“ mit dem „Echo“, und zwar in allen ihren Seiten. Wir scheuen solch einen Vergleich nicht, denn wir haben keinen Zweifel darüber, wie das Urteil ausfallen wird.
Jedenfalls danken wir dem „Echo“ für die Werbeseite.
Es ist seit neun Jahren das erstemal, daß auf den Maschinen der Druckerei Wittich eine volle „Tagblattseite“, wenn auch in mikroskopischerKleinheit,gedruckt worden ist. Das ist zweifellos ein Fortschritt.
DARMSTÄDTER TAGBLATT
Verlag und Redaktion
Weiterer Vormarsch der Nordkorenner
Amerikanische Verstärkungen im Anrollen
Taidschon, 6. Juli. (APZBBC/dpa.) Nordkoreanische Panzerverbände haben amerikanische Verteidigungsstellungen durchbrochen. Amerikanische Infanterie und Artillerie lieferte dem nachdrängenden Feind verzweifelte Rückzugsgefechte.
Die nordkoreanischen Verbände, deren Angriff auf einer Breite von 180 Kilometern unaufhaltsam nach Süden Raum gewinnt, haben mit den Angriffsspitzen Pyongtak und Songwahn an der Strecke Suwon— Taidschon erreicht und sind in den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Chonan rund 30 Kilometer nördlich Taidschon eingedrungen. Die Nordkoreaner, die damit einen Einbruch von fast 100 Kilometern innerhalb von 24 Stunden erzielt haben, bedrohen mit dieser Bewegung das vorgeschobene amerikanische Hauptquartier in Taidschon und die dort amtierende südkoreanische Regierung. In Taidschon ist die Panik unter den Zivilisten ausgebrochen. Zu Tausenden strömt die Bevölkerung der überfüllten Stadt nach Süden, um sich vor den Nordkoreanern zu verstecken. Die regendurchweichten Straßen und Pfade sind mit primitiven Fahrzeugen überfüllt. Auf den wenigen Zügen, die nach Süden verkehren, drängen sich zahllose Flüchtlinge.
Bedrohliche Lage
Die Amerikaner befinden sich in einer bedrohlichen Lage. Die Infanterie soll sich nach Berichten aus dem Hauptquartier glänzend geschlagen und solange ihre Stellungen gehalten haben, bis sie sich total verschossen hatte. Von den in den amerikanischen Artilleriestellungen herumfahrenden feindlichen Panzern wurden fünf abgeschossen. Die Bedienungen verließen ihre Geschütze erst, als sie keine Munition mehr hatten und nachdem sie die Zieleinrichtungen vernichtet hatten. Die amerikanischen Soldaten wehren sich mit Bazookas-Waffen, die den deutschen „Panzerschreck“ ähneln, mit Verbissenheit gegen die überlegenen Panzerverbände des Feindes. Die Kampfmoral auf beiden Seiten ist hoch. Die Besatzungen der brennenden nordkoreanischen Panzer haben sich nicht ein einziges Mal ergeben. Zum Teil haben sie sich in noch brennenden Uniformen dem eigenen Infanterieangriff wieder angeschlossen. Die Amerikaner wissen, daß sie um Zeit kämpfen müssen und solange zu halten haben, bis die Verstärkungen eintreffen. Trotz der schlechten Witterungslage stiegen alle verfügbaren Flugzeuge einschließlich-die der britischen Flugzeugträger auf und übernahmen die Bekämpfung von feindlichen Punktzielen. Zahlreiche Panzer und fast 100 Lastwagen der Nordkoreaner sollen in Brand geschossen worden sein.
Das amerikanische Hauptquartier gibt bekannt, daß von einer durchgehenden Front nicht gesprochen werden könne. Fast ein Drittel Südkoreas ist in der Hand des Feindes.
Die amerikanischen Verstärkungen für den Kriegsschauplatz benötigten viel Zeit, um einzutreffen. Die technisch begabten Amerikaner haben aber inzwischen eine Maschinerie in Gang gesetzt, die auf Hochtouren läuft. Fast alle verfügbaren Schiffe und Flugzeuge im Fernen Osten sind auf dem Weg nach Südkorea Das Hauptquartier des Generals Mac Arthur will insgesamt drei Divisionen in Südkorea einsetzen.
Geiltiger Wideriand
**♦ Die Zahl der kommunistischen Stimmen ist bei den letzten Wahlen in der Bundesrepublik ständig zurückgegangen. Es wäre jedoch ein Fehler, daraufhin zu glauben, die kommunistische Gefahr sei für uns geringer geworden. Zur kommunistischen Taktik gehört es auch, die Wachsamkeit einzulullen, um so besser im trüben fischen zu können. Nirgendwo hat der Bolschewismus die Macht auf legalem Wege- durch eine Mehrheit erreicht. Immer waren es nur kleine Gruppen fanatisierter, aber wohldisziplinierter und zu allem entschlossener Anhänger Moskaus, die einen Staatsstreich herbeiführten und ganze Völker der Not und Knechtschaft auslieferten.
Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Kaiser, hat in einer Rundfunkrede auf die Gefahr hingewiesen, die durch die unterirdische Tätigkeit kommunistischer Agenten in Westdeutschland hervorgerufen wird. Nicht offen, sondern unter allen möglichen Tarnungen suchen sie der* Bevölkerung kommunistische Ideen nahezubringen. Hijerzu gehören die Listensammlungen für eine Aechtung der Atombombe sowie die Propaganda für den Abzug der Besatzungstruppen aus Deutschland, wodurch der Weg für ein ähnliches Vorgehen wie in Korea freigemacht würde.
Kaiser warnte vor allen Dingen die Bevölkerung vor einer Passivität, die solche Agenten ruhig gewähren lasse, und brandmarkte mit Recht jene Gutgläubigen, die annehmen, vorbauen zu können, indem sie heimlich für die sogenannte „Nationale Front“ und für ähnliche Organisationen spenden. Solche Typen hat es auch vor dem Dritten Reich gegeben. Ihre „Rückversicherung“ hat ihnen jedoch nichts genutzt und wird ihnen beim Kommunismus noch weniger nützen. Wer den Krieg nicht will, verhindert ihn nicht, indem er seinen Namen in eine Liste einträgt, sondern indem er geistigen Widerstand gegen den Kommunismus leistet. Nur wenn wir die Waffen des Geistes und des Charakters Tag für Tag schärfen, betonte Kaiser, wird der Geist der Freiheit über die Unfreiheit, der Geist des Friedens über den Unfrieden siegen.
Wer da leichthin sagt: „Die Sowjets kommen eines Tages ja doch“ — und leider muß man diese unverantwortliche Redewendung von manchen Leuten hören, die man für vernünftiger halten sollte —, ist sich dessen nicht bewußt, was er sagt und welche Folgen sich für ihn selbst ergeben würden. Wer so daherredet, macht den inneren Widerstand seiner Umgebung mürbe. Das ist unverantwortlich. Jeder muß selbst bewußt geistigen Widerstand leisten. Er muß zudem den Widerstand der Bevölkerung in der Sowjetzone stärken helfen, indem er ihr durch Lebensmittelpäckchen und durch die Vermittlung geistiger Kost beweist, daß unser Wille zur Freiheit nicht geringer ist als der ihre.
Der Kampf für den Weltfrieden
zz Der Weltfrieden ist ein unteilbares Ganzes geworden. Die Zeiten sind vorüber, da sich der Bürger gemächlich darüber unterhalten konnte, wenn fern im Osten der Türkei die Völker aufeinander schlugen. Heute fühlt jeder, daß ein Konflikt, der irgendwo auf dem Erdball ausbricht, unmittelbar seine eigene Existenz bedroht. Es gibt daher kaum ein Gespräch, in dem die Korea-Frage nicht erörtert würde. Eine Meldung aus Bonn besagt sogar, Saß geschäftstüchtige Würstchen- und Bonbonverkäufer in den Strandbädern des Rheins einen besonderen Zulauf haben, da sie mit Kofferradios die Nachrichten verbreiten und an Hand von Landkarten strategische Erklärungen der Lage geben. Wie es heißt, erhalten verspätet eintreffende Badegäste gegen eine angemessene Vergütung Zwischenberichte. Diese überraschende Anteilnahme am Weltgeschehen von Menschen, die es sonst energisch ablehnen würden, sich während ihrer Erholung das Gemüt mit Krieg und Kriegsgeschrei belasten zu lassen, dürfte der beste Beweis sein, wie stark das Empfinden dafür ist, daß die Vorgänge in Korea uns ebenso angehen wie die an den Kämpfen beteiligten Völker.
„Neutralität ist sinnlos“
Noch immer hört man die Frage, ob es wirklich notwendig gewesen sei, daß sich die Vereinigten Staaten gemeinsam mit den Vereinten Nationen auf das Wagnis eines Kampfes einließen, der nach den Berichten der letzten Tage unter geradezu abenteuerlichen Voraussetzungen begonnen werden mußte. Der Oberbefehlshaber der Westmächte im zweiten Weltkrieg, General Eisenhower, hat seiner Überzeugung Ausdruck gegeben, Neutralität eines einzelnen Staates in dem gegenwärtigen Konflikt zwischen politischen Systemen sei sinnlos. Neutralität sei ein Hinweis auf das nächste Opfer.
Diese Erkenntnis hat dazu geführt, daß die Vereinten Nationen in seltener Einmütigkeit zur Sicherung für den Weltfrieden die gemeinsame Waffenhilfe für Südkorea beschlossen haben. Der Kampf geht weniger darum, einen Staat zu erhalten, dessen demokratischer Charakter höchst zweifelhaft war, als darum, -die Ausbreitung der Tyrannei in der Welt zu verhindern.
Hitler wurde um so verwegener in seinen Plänen, je ängstlicher die Mächte den Ausbruch eines neuen Weltkrieges zu scheuen schienen. Als er ungehindert seine Divisionen an den Rhein geschickt hatte und in Österreich einmarschiert war, griff er nach dem Sudetenlande. Auch jetzt boten ihm die Mächte kein energisches Halt, sondern suchten zu vermitteln. Chamberlain glaubte, durch das Münchener Abkommen den Weltfrieden gerettet zu haben. In Wirklichkeit hatte er dem Diktator durch seine Schwäche den Anreiz zu weiteren Eroberungsgelüsten gegeben.
Die Dinge nicht laufen lassen
Sich mit dem Vordringen des Bolschewismus in Korea tatenlos abzuflnden, wäre noch verhängnisvoller gewesen als das Münchener Abkommen Weil man glaubte, in ein Faß ohne Boden zu schöpfen, wenn man das korrupte System der Regierung Tschiang Kai-scheks weiter unterstützte, die wenige Jahre vorher noch als eine der siegreichen Mächte des Weltkrieges gefeiert worden war, hatte man in China die Dinge laufen lassen und zugesehen, wie die rote Flut das Riesenreich überschwemmte. Durfte zugelassen werden, daß Korea die nächste Etappe zur Eroberung des asiatischen Kontinentes wurde? Japan wäre in eine gefährliche Lage zwischen den Kiefern des russischen Bären geraten, abgesehen davon, daß die noch freien asiatischen Völker jede Hoffnung verloren hätten, bei einem Kampfe gegen das russische Vordringen wirksam unterstützt zu werden.
Ein Wesenszug der Tyrannei ist aber die Hybris, der frevelhafte.Übermut, der bei Hitler immer stärker hervortrat. Ein tatenloses Zusehen würde auch die Diktatoren des Kremls zu neuen Gewalttätigkeiten anspornen Es gibt noch eine Reihe von Ländern, auf die der russische Bär einen unverkennbaren Appetit hat, der sich beim ungestörten Fressen vergrößern würde. Es sind dies in Ostasien: Hinterindien und in weiterer Sicht Vorderindien, im Nahen Osten Persien, die Türkei und Griechenland, das mühsam genug seinen Fängen entrissen wurde. Es bedeutete eine Selbsttäuschung, wenn man darüber hinwegsehen wollte, daß Rußland weder das titoistische Jugoslawien auf die Dauer gelten lassen will, noch den Eisernen Vorhang als unverrückbar ansieht.
Die Abschreckung
Die Vielzahl der russischen Ziele wird selbst der Kreml nicht auf einmal erreichen wollen. Das könnte als Beruhigung dienen. Auch Hitler ging schrittweise vor und glaubte dadurch die gemeinsame Abwehr der freien Völker gegen seine Pläne vermeiden zu können. Man darf annehmen, es wäre nicht zum Weltkriege gekommen, wenn ihm früher ein entschiedenes Halt entgegengesetzt worden wäre. Die Vereinten Nationen haben schon einen großen Fehler begangen, als sie sich einreden ließen, die Auseinandersetzung zwischen Mao Tse-tung und Tschiang Kai-schek sei eine innerpolitische Angelegenheit der Chinesen. Der Kreml legte es auch diesmal darauf an, der Welt glauben zu machen, der kommunistische Vorstoß über den 38. Breitengrad hinweg sei eine innerpolitische Angelegenheit der Koreaner. Die Herrschaft der Rechte muß aufrechterhalten werden, denn alle Staaten können in Gefahr kommen, wenn man es dem Angreifer gestattet, ijj irgendeinem Teil der Welt die Früchte seines Vorgehens zu ernten. Daher ist der Korea-Konflikt eine gemeinsame Angelegenheit aller freien Nationen.
Zweifellos will Rußland ebensowenig einen Weltkrieg wie die Vereinten Nationen. Wenn es anders wäre, hielte es sich in Korea nicht im Hintergründe und Gromyko hätte eine deutlichere Sprache gesprochen. Man darf daher mit Bestimmtheit annehmen, daß die Russen zwar versuchen werden, heimlich den Nordkoreanem jede Waffenhilfe zu leisten, sich aber die Möglichkeit offen halten wollen, bei einem Mißlingen des bolschewistischen Vordringens die nordkoreanische Regierung fallen zu lassen. Nicht zum ersten Male hat die russische Politik einen Pflock zurückgesteckt, wenn sie sah, es müsse ein allzu großes Risiko eingegangen werden, um ein Ziel zu erreichen . Das war bei dem kommunistischen Vordringen in Griechenland so wie bei der Blockade Berlins und bei dem Versuch, Berlin durch das Aufgebot der Freien Deutschen Jugend zu erobern.
Es gibt noch ein weiteres Abschrekkungsmittel, auf dessen Vorhandensein Churchill im Unterhause hingewiesen hat, und dessen Verwendung bereits amerikanische Abgeordnete verlangt haben: die Atomwaffe. Selbst wenn die Russen über die gleiche Waffe verfügen sollten — was nicht unbedingt sicher ist —, werden sie sich hüten, ihre Verwendung herauszufordern. Sie wissen genau, daß es in einem solchen Falle weder Sieger noch Besiegte, sondern nur einen verheerten Erdball gäbe, auf dem sich das Leben kaum noch verlohnen würde.
Die letzten Nachrichten von der koreanischen Front sind für die Amerikaner nicht günstig. Der Zusammenbruch der südkoreanischen Truppen erfolgte schneller als man erwartet hatte. Der Transport amerikanischer Truppen auf die Halbinsel muß gewaltige Entfernungen überwinden. Zu ihrer Landung stehen kaum geeignete Häfen oder Flugplätze zur Verfügung. Das erste Eingreifen der Amerikaner mußte daher ohne die planmäßigen Sicherungen vorgenommen werden, auf die sie bei ihren Landungen im zweiten Weltkriege den größten Wert gelegt haben. Um die Landung an der unverteidigten nordafrikanischen Küste vorzunehmen, benötigten sie zum Beispiel neun Monate zur Vorbereitung. Ihr Eingreifen in Korea ist also zunächst reichlich improvisiert. Der feste Wille Trumans und der Vereinten Nationen läßt jedoch erwarten, daß sie sich durch die ersten Rückschläge nicht entmutigen lassen, sondern die Abwehr des kommunistischen Angriffs auf jeden Fall zurückweisen wollen, auch wenn es sich um ein langwieriges Unternehmen handelt, dessen Kosten an Blut und Material vorerst nicht abzusehen sind. Die Sicherung des Weltfriedens rechtfertigt jedes Opfer.
Der Führer der Liberalen im englischen Unterhaus meinte, man könne zwar den Weltfrieden kaufen, wenn man den Preis Moskaus zahle. Aber unter Verhältnissen zu leben, wie sie dann eintreten würden, wäre für die ganze freie Welt sinnlos. Die Aktion der Kommunisten in Korea darf daher, wie Winston Churchill betonte, nicht mit einem kommunistischen Sieg enden. Denn in diesem Falle würde uns in nicht allzulanger Zeit ein dritter Weltkrieg aufgezwungen.
„Perteidiguug“
Fi. Die Wellen, die in diesen Tagen der koreanische Konflikt in den Gemütern allzu ängstlicher Zeitgenossen geschlagen hat, sind nunmehr mit heftigen Schaumkronen gegen die sonst so friedlichen Gestade des kleinen dänischen Eilandes Oeresund gebrandet. Da der König weit und die kommunistische Aggression so nahe ist, haben die tapferen Insulaner den löblichen Entschluß gefaßt, eine eigene Armee zu bilden, um damit gegebenenfalls sich sglbst und Weib und Kinder zu schützen. Die Armee, deren Oberbefehlshaber der Dorfpfarrer ist, hat anläßlich ihrer Vereidigung feierlich geschworen, bei jedem Angriff von außerhalb das Inselchen bis zum „letzten Mann“ zu verteidigen. Welch Männermut in einer Zeit, in der selbst größere Geister mitunter- nicht wissen, was zu tun ist. Nur, und das müssen wir hinzufügen, besteht die Befürchtung, daß auch diese vorbildliche Entschlossenheit die Kampfkraft der freiheitliebenden Insulaner nicht wesentlich verstärken wird. Denn, ihre Armee besteht — einschließlich ihres geistlichen Kommandeurs und seines Stabes — aus ganzen zehn Mann. Falls für sie ein Marschlied gesucht wird, haben wir einen Vorschlag: „Zehn kleine Negerlein, die zogen in den Krieg...“ Doch meinen wir das nur sinnbildlich. Wenigstens, was das traurige Ende dieses Liedchens betrifft.
Grotewohl hat unterseichnet
Der Verrat am deutschen Osten
Berlin, 6. Juli, (dpa) Jenseits der Görlitzer Neiße im polnisch verwalteten Teil der Stadt Görlitz unterzeichnete der Sowjetzonen-Ministerpräsident Otto Grotewohl am Donnerstagnachmittag offiziell das Oder-Neiße-Abkommen, in dem die Sowjetzonen-Regierung die Oder-Neiße-Lihie als endgültige deutsch-polnische Grenze anerkennt. Für Polen unterschrieb Ministerpräsident Josef Cyrankiewicz. In einem langen Kommunique, das der Sowjetzonen-Nachrichtendienst ADN dazu verbreitet, wird zu dem unlängst in Warschau von Walter Ulbricht geschlossenen Abkommen gesagt, daß es die „festgelegte und bestehende Grenze zwischen Deutschland und Polen markiere".
Zur Begrüßung der Sowjetzonen-Delegation, der auch Außenminister Georg Dertinger angehörte, war in Ost-Görlitz eine Ehrenkompanie der polnischen Armee angetreten. Eine polnische Militärkapelle spielte die Hymne der Sowjetzone und die polnische Nationalhymne. Der polnischen Delegation gehörten auch der stellvertretende Ministerpräsident Hilary Chelchowski und der polnische * Außenminister Stefan Wierblowski an.
Nach der Unterzeichnung versammelten sich auf dem Marktplatz viele in Ost-Görlitz in den letzten Jahren angesiedelte Polen mit der Delegation aus der Sowjetzone zu einer Kundgebung. Sie wird vom Sowjetzonen-Nachrichtendienst als eine „gemeinsame deutsch-polnische Kundgebung für die Sache des Friedens und der Freundschaft zwischen den beiden Völkern“ bezeichnet. Grotewohl und Cyrankiewicz nannten die Unterzeichnung einen historischen Akt.
In den Abendstunden gab der polnische Ministerpräsident zu Ehren der deutschen Delegation einen Empfang.
Will Kopf, ein Sohn des niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Kopf, ist, wie Rias Berlin meldet, aus der sowjetischen Zone nach West-Berlin geflohen.
Giuliano - Rarriere eines Banditen
Ein aufregender Guerilla-Krieg in den Bergen Siziliens
Rom (IP), Anfang Juli. — „Extrablatt, Extrablatt — Giuliano erschossen!“ Endlich können die italienischen Zeitungen diese lange vorbereitete Schlagzeile aus dem Stehsatz nehmen. Die Bevölkerung reißt den Zeitungsverkäufern die noch druckfeuchte Nachricht buchstäblich aus der Hand. Der Schlußstrich unter ein Kapitel italienischer Nachkriegsgeschichte ist gezogen, das Minister, Polizeipräsidenten und Bürgermeister stürzte, ganz Italien in Aufregung versetzte und derp Ansehen der Polizei schwer geschadet hat. Das Leben des „Königs von Montelepre“ ist erloschen.
Karriere eines Banditen
Ebenso überraschend wie Giulianos Banditenlaufbahn endete, hat sie vor sieben Jahren begonnen. August 1943. Der Hunger lastet schwer auf dem zerklüfteten Bergland der Mittelmeerinsel. Verwüstete Felder, zerstörte Häuser — Nachwehen der gerade beendeten amerikanischen Invasion. Der zwanzigjährige Salvatore Turrido verlor seine Arbeit. Zu Hause warten Mutter, Großmutter und die hundertjährige Urgroßmutter darauf, daß er etwas zu Essen beschafft. Salvatore nimmt sein Fahrrad und tut das, was andere Burschen aus der Nachbarschaft schon lange tun: er schiebt. Da ereilt ihn an einem Morgen in Gestalt von zwei Karabinieri das Verhängnis. Sie halten ihn an und wollen ihm einen Sack Mehl abnehmen. Er soll mitkommen. Doch unterwegs erledigt er die beiden durch Hüftschuß. Das wollte er eigentlich nicht. Aber es war nun einmal geschehen. Steckbrieflich wird er im ganzen Land gesucht. Die Bevölkerung räumt ihm das Recht der Notwehr ein. Die Türen der Häuser bleiben für ihn offen. Sie kennen die Not, diese einfacher) Leute vorj Sizilien Fünfzig Familien besitzen das ganze Land, und für die Landarbeiter oder Pächter bleibt in diesen Tagen nicht einmal das Geringste übrig, um sich am Leben zu erhalten.
Salvatore weiß, daß er für seinen Doppelmord aus Notwehr keine Gnade zu erwarten hat. Er geht in die Berge, sammelt Verbündete und wird unter dem Namen „Giuliano“ zum ungekrönten König eines Gebietes, das seiner Größe nach etwa einem deutschen Landkreis entspricht. Er entführt reiche sizilianische Grundbesitzer und fordert Lösegeld, das meistens nur einen geringen Bruchteil ihres Vermögens ausmacht. Die Gefangenen werden gut behandelt und nach Zahlung der geforderten Summe wieder freigelassen. Wo bleibt das Geld? fragen die Sizilianer. Sie erhalten bald Aufklärung. Als es vor vier Jahren zu einem Gefecht mit Karabinieris kommt, wird ein Polizist erschossen. Die Mutter, eine arme Witwe, findet am nächsten Morgen 50 000 Lire in einem Päckchen vor ihrer Haustür. Giuliano schreibt dazu, er kämpfe nicht gegen Arme und bedaure, daß die Mutter ihren einzigen Sohn opfern mußte. Anderen Armen schenkt er Lebensmittel und Zigaretten.
Husarenstück von Palermo
Erst als seine Mutter und Schwester verhaftet wurden, kommt er aus seinem Versteck hervor. Damals geschah es, daß sein Name zum ersten Male die Spalten der Weltpresse füllte. Eines Mittags steht auf der Piazza Guiseppe Verdi in Palermo ein Mann mit einer Maschinenpistole unter dem rechten Arm. Flammend protestiert er gegen die Verhaftung seiner Mutter. „Nehmt mich fest, wenn ihr könnt“ ruft er den Polizisten zu. Die können aber nicht, denn sie haben Familie und wissen, daß Giuliano auch nicht einen Moment zögern wfürde, den Abzugshahn seiner Maschinenpistole zu drücken. Er steigt ungehindert in ein bereitstehendes Auto. Dieses Husarenstück hat die italienische Polizei nicht nur in Italien selbst lächerlich gemacht. Der „König von Montelepre“ macht jetzt große Politik, gibt ausländischen Journalisten, die sich bis zu seinem Versteck durchgeschlagen habere . Interviews und schreibt Briefe an Truman, in denen er für die Befreiung Siziliens eintritt. Sein Sündenregister weist aber 117 Morde. 40 Raubüberfälle und mehr als 30 Entführungen auf. Das würde ihm eine Mindestfreiheitsstrafe von 1325 Jahren einbringen.
Oberst Lucia brachte ihn zur Strecke
Die Regierung entschließt sich, das Generalinspektoriat der Oeffentlichen Sicherheitspolizei im Bandengebiet zu schließen und den Oberbefehl über die Karabinieritruppen in diesem Raum dem schon pensionsreifen Oberst Ugo Lucia zu übertragen. Er bekämpft den Räuberhauptmann mit seinen eigenen Waffen, dem Guerillakrieg. Die Kampftruppe Giulianos wird nach und nach dezimiert. Immerhin hat es fast ein Jahr gedauert, bis der Oberst die Nuß, die Giuliano der italienischen Regierung seit Jahren zum Knacken gab und die schließlich zu einem nationalen Problem wurde, aufgebrochen hat. Der Bandit mit der Statur eines Ringkämpfers und dem merkwürdig zwiespältigen Wesen, der Reiche ausplünderte und Arme beschenkte, ist tot. Damit ist das letzte Aufflackern mittelalterlicher Räuberromantik in Europa erloschen.
Sozinlversicherung im Ambruch
Eine Erwiderung an Dr. med. Kammer, Darmstadt
Wir entnehmen einer Erwiderung des Verwaltungsdirektors J. Heil, des zweiten Vorsitzenden des Landesverbandes der Ortskrankenkassen in Hessen, folgende Ausführungen.
Die als Diskussionsbeitrag im „Darmstädter Tagblatt“ vom 5. Juli 1950 veröffentlichten Ausführungen von Bundestagsabgeordneten Dr. med. Richard Hammer können nicht unwidersprochen bleiben, da sie das Problem der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung von einem sehr einseitigen Standpunkt aus betrachten. Eine erschöpfende Darstellung der gesamten Frage in diesem Rahmen ist leider nicht möglich, jedoch sollen die folgenden Ausführungen die wesentlichsten Punkte klarstellen.
Selbstverwaltung bedeutet die einer Gemeinschaft vom Gesetz gegebene Befugnis, ihre Angelegenheiten aus eigener Initiative und in eigener Verantwortung zu leiten und zu gestalten. In der Sozialveßjicherung sind die Beteiligten aber doch in erster Linie die Versicherten, ja ich bin der Auffassung, daß es n u r die Versicherten sind, denn die Arbeitgeber werden zwar zur Aufbringung der Mittel mit herangezogen, aber diese Heranziehung der Arbeitgeber zu den Beiträgen stellt doch nur einen Teil des Lohnes der Arbeitnehmer dar. Kein Arbeitgeber zahlt diesen Anteil aus seiner Tasche, sondern diese sozialen Lasten sind Unkosten, wie die anderen Unkosten auch, und der Arbeitnehmer muß diesen Anteil der sozialen Beiträge mit seiner Arbeitskraft ebenso verdienen wie seinen sonstigen Lohn. Aus dieser Sachlage ergibt sich eindeutig die Forderung, daß die Selbstverwaltung ausschließlich in die Hand der Versicherten gehört.
Auch wenn man den Arbeitgebern wie vor 1933 aus Erwägungen, denen man eine gewisse Berechtigung zubilligen kann, eine Mitwirkung in den Selbstverwaltungsorganen zugesteht, so ist eine Hälftelung, d. h. eine gleichmäßige Beteiligung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern völlig abwegig. Es muß auch Herrn Dr. Hammer bekannt sein, daß der Sozialversicherung nicht nur die Pflichtversicherten angehören, sondern in immer steigendem Maße die sogenannten freiwiNigten Versicherten, bei denen ein Arbeitgeber, der zur Mittelaufbringung beiträgt, überhaupt nicht vorhanden' ist. Auch bei den versicherten Rentnern und den Arbeitslosen fehlt der Arbeitgeber. Selbst wenn man also unter Außerachtlassung der oben vorgetragenen Gesichtspunkte den Arbeitgebern eine zahlenmäßig gleiche Beteiligung gewähren will, könnte sich diese Hälftelung doch nur im Verhältnis der Versicherten, bei denen tatsächlich ein Arbeitgeber vorhanden ist, rechtfertigen lassen. Als Beispiel seien hier die Ortskrankenkassen angeführt. Bei den Ortskrankenkassen im Bundesgebiet sind rund 40 Prozent der Versicherten freiwillige Versicherte und Rentner, bei denen also ein Arbeitgeber nicht in Erscheinung tritt. Die gleichmäßige Beteiligung in den Selbstverwaltungsorganen könnte also nur in bezug auf die 60 Prozent Pflichtversicherten Anwendung finden. Rein rechnerisch müßte sich diese Lage in der Zusammensetzung eines Selbstverwa'ltungsorganes folgendermaßen widerspiegeln:
Bei insgesamt zehn Vertretern würden entsprechend den 60 Prozent Pflichtversicherten 60 Prozent der Vertreter für diese Versicherten zu stellen sein, d. h. unter Berücksichtigung der Hälftelung drei Arbeitgeber und drei Arbeitnehmer. Die restlichen vier Vertreter müßten auf die übrigen Versicherten entfallen, so daß also auf die Arbeitgeber bestenfalls ein Drittel der Sitze entfallen könnte. Eine solche Regelung könnte man als den Grundsätzen der Demokratie entsprechend bezeichnen. Wie aber Herr Dr. Hammer die von ihm vertretene Lösung als demokratisch rechtfertigen kann, ist schlechterdings unverständlich. Warum^ So muß man schließlich noch fragen, wird für die Ersatzkassen die ausschließliche Besetzung der Selbstverwaltungsorgane durch die Versicherten gefordert und gewählt, und warum will man dieses Recht den Versicherten der Pflichtkassen streitig machen? Auch darin ist beim besten Willen nichts von einer demokratischen Gesinnung zu erblicken.
Wenn Herr Dr. Hammer ferner behauptet, daß seit 1945 keine grundlegende Änderung erfolgt sei, so muß ihm auch in diesem Punkt nachdrücklich widersprochen werden. Zwar ist eine gesetzliche Änderung des durch das Aufbaugesetz geschaffenen Zustandes noch nicht erfolgt, aber die Ortskrankenkassen haben, ohne die gesetzliche Regelung abzuwarten, aus eigener Initiative nach 1945 sofort damit begonnen, wieder Selbstverwaltungsorgane ins Leben zu rufen und diesen mehr Befugnisse zu geben, als ihnen nach der bestehenden Rechtslage zukamen. Alle grundsätzlichen Fragen wurden mit den Beiräten, die sich aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern zusammensetzen, besprochen, und die Beschlüsse wurden und werden nur in Übereinstimmung mit den Beiräten gefaßt. Der Beweis, daß es den Versicherungsträgern mit der Wiederherstellung der Selbstverwaltung ernst ist, dürfte hiermit erbracht sein.
Außerdem waren es nicht „Parteipfründner“, die 1945 mit der schweren Aufgabe des Wiederaufbaues betraut wurden, sondern es waren in der Mehrzahl die alten Fachleute, die 1933 ausschließlich aus politischen Gründen entlassen worden waren und die man nunmehr wieder holte, damit sie in das hinterlassene Chaos Ordnung brächten. Daß die Sozialversicherung trotz Kriegsfolgelasten und Währungsschnitt nicht zusammengebrochen ist, ist doch nur dem Umstand zu verdanken, daß schon vor 1933 bewährte Fachkräfte die schwere und undankbare Aufgabe eines Neuaufbaues übernommen hatten. Gerade Herr Dr. Hammer als Arzt muß wissen, daß es tatsächlich gelungen ist, den manchmal drohenden Zusammenbruch der Sozialversicherung zu verhüten, und daß dies nicht hätte gelingen können, wenn diese Aufgabe in den Händen von Parteipfründnern gelegen hätte. Daß manche führenden Männer der Sozialversicherung auch in einer Partei leitende Funktionen bekleiden, ist keine Besonderheit der Sozialversicherung, sondern eine Tatsache, die sich auch auf anderen Gebieten ebenso nachweisen läßt. Und schließlich ist der Ministerpräsident von Hessen, Christian Stock, nicht als Parteimann zum Leiter der Landesversicherungsanstalt berufen worden, sondern weil er ein alter und erfahrener Praktiker der Sozialversicherung ist.
Im übrigen bin ich mit Herrn Dr. Hammer der Auffassung, daß die Sozialversicherung nicht für politische Zwecke mißbraucht werden darf. Es gilt für die Arbeitnehmer, ihre Einrichtung zu schützen und darum zu kämpfen, daß ihnen nicht das entscheidende Mitbestimmungsrecht in den Selbstverwaltungsorganen beschnitten wird. Diese Gefahr aber ist mit dem Gesetzentwurf in der jetzigen Form gegeben. Ich hoffe, daß die Versicherten dies erkennen und über ihre berufenen Vertreter eine Änderung herbeiführen.
Kritik am Lastenuausgleich
Die Koalitionsparteien lehnen den Referenten-Entwurf ab
Bonn, 6. Juli, (dpa) Der Vorsitzende des Lastenausgleichsausschusses des Bundestages, Johannes Kunze ( Christlich-Demokratische Union), erklärte im Namen der Regierungsparteien, daß die Koalitionsparteien den Referentenentwurf zum Lastenausgleich ablehnen, soweit er den Unkeler Beschlüssen vom 1. Juni widerspricht. „Die Regierungsparteien bleiben eisern und stur“. Sie würden dem Lastenausgleichsgesetz eine Fassung geben, die es zu einem sozial brauchbaren Instrument mache.
Es sei bedauerlich, daß der Referentenentwurf bereits an die Oeffentlichkeit gekommen sei. Die Unruhe unter der Millionenzahl der Vertriebenen wachse dadurch nur noch. Der Entwurf der Referenten sei noch keineswegs der Regierungsentwurf, sondern nur eine Konzeption des Bundesfinanzministeriums, die jetzt zur Diskussion mit den anderen Ministerien stehe.
Kunze hat Bundeskanzler Dr. Adenauer als Vorsitzender des Lastenausgleichsausschusses in einem Schreiben mitgeteilt, daß der Lastenausgleichsentwurf, soweit er bekannt geworden sei, nicht den zwischen den Regierungsparteien vereinbarten Grundsätzen entspreche. Am kommenden Dienstag werde eine Besprechung mit Bundeskanzler Dr. Adenauer über den Lastenausgleich stattfinden. Der Referentenentwurf widerspricht den Unkeler Beschlüssen beispielsweise in den Bestimmungen über den Kreis der Anspruchsberechtigten. Er zählt dazu Vertriebene, Kriegs- und Währungsgeschädigte. während in Unkel beschlossen worden ist, Währungsschäden nicht in den Lastenausgleich einzubeziehen. In Unkel war außerdem eine tragbare Verzinsung der Abgaben angeregt und für das Lastenausgleichsgesetz ein starker Anreiz zur Sofort- und Naturalabgabe verlangt worden.
Auch der Vorsitzende des Zentralverbandes vertriebener Deutscher und christlichdemokratischer Bundestagsabgeordnete Dr. Linus Kather, griff am Donnerstag in einem Interview die Vertriebenenpolitik der Bundesregierung scharf an. Er kritisierte den Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums zum Lastenausgleichsgesetz und die Verzögerung bei der Gleichstellung der aus anderen als aus tarifrechtlichen Gründen entlassenen Beamten mit den Einheimischen. „Wenn man das Eigentum an den Saargruben deshalb beansprucht, weil sie dem Reich gehören“ sagte er „dann kann man nicht ablehnen, auch die Verbindlichkeiten des Reiches zu erfüllen“.
Kather kritisierte ferner, daß nach einer Verlautbarung des Finanzministeriums die Organisationen der betroffenen Bevölkerungskreise erst dann zum Lastenausgleichsgesetzentwurf gehört werden sollen, wenn dieser vom Kabinett verabschiedet sei.
Einiguaug über Mitbestigumung
Bonn, 6. Juli, (dpa) Vertreter der deutschen Unternehmerverbände und des Deutschen Gewerkschaftsbundes haben nach monatelangen Verhandlungen auf einer abschließenden zweitägigen Sitzung im Kloster Maria-Laach unter dem Vorsitz von Bundesarbeitsminister Storch volle grundsätzliche Uebereinstimmung über das Mitbestimmungsrecht der Arbeiternehmer erzielt. Damit haben die im Januar von den Sozialpartnern aufgenommenen Verhandlungen über dieses Thema einen vorläufigen Abschluß gefunden.
Nach der Vereinbarung werden Unternehmer und Arbeitnehmer auf überbetrieblicher Ebene gleichberechtigt Zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck werden ein paritätisch zusammengesetzter Bundeswirtschaftsrat und paritätisch zusammengesetzte Wirtschaftskammern auf bezirklicher Ebene geschaffen.
In Berieben mit einer bestimmten Größe sollen zwischen Betriebsleitung und Belegschaft paritätisch zusammengesetzte Wirtschaftsausschüsse geschaffen werden. Einzelheiten zu dieser Frage müssen noch beraten werden.
Letzte Telegramme
Nürnberg hat mieder Wasser
Nürnberg, 6. Juli, (dpa) Seit Donnerstagnachmittag 14.30 Uhr strömt aus fast allen Nürnberger Wasserhähnen wieder das von der Bevölkerung fast acht Tage entbehrte kostbare Naß. Das Femleitungssystem, in dem seit Donnerstag vergangener Woche aus noch nicht ganz geklärter Ursache mehrere Schäden auftraten, war nach Auswechslung der letzten Rohrbruchstelle von Mittwochabend an mit größter Vorsicht in seiner Länge von 50 km wieder aufgiefüllt worden. Bis Donnerstag 14.00 Uhr war der normale Druck im Hauptleitungsrohr wiederhergestellt, so daß sich der völlig trockenliegende Nürnberger Waserhochbahälter zusehends anfüllte und das Wasser in das Leitungssystem der Stadt einfließen konnte.
Schweres Gemitter über Berlin
Berlin, 6. Juli (dpa). Mehrere Gewitter mit Böen bis zur Windstärke acht sind über Berlin niedergegangen. Vom Meteorologischen Institut der Freien Universität wurde in Dahlem eine Regenhöhe von neun Litern je Quadratmeter gemessen.
Die Berliner Feuerwehr hat etwa fünfzig Wasserschäden, insbesondere im Norden Berlins und in Spandau, gemeldet. Das Wasser drang in Kellerräume, Lebensmittelgeschäfte und kriegsbeschädigte Wohnungen ein. Bäume, die der Regensturm entwurzelte, behinderten vorübergehend den Verkehr.
Nadı West-Berlin geflüchtet
Der Sohn des Ministerpräsidenten Kopf
Berlin, 6. Juli. (AP)Will Kopf, ein Sohn deg niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Kopf, ist, wie Rias Berlin am Donnerstag meldet, aus der Ostzone nach West-Berlin geflohen.
Kopf hatte sich vor 18 Monaten in die Ostzone begeben und d~rt in verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen gearbeitet. Zuletzt war er Hauptabteilungsleiter der Gebietsvereinigung volkseigener Güter in Cottbus.
Rias berichtet, Kopf habe während seines Aufenthaltes in der Ostzone „die Lage der kommunistisch gelenkten Landwirtschaft erkannt und entsprechend Kritik geübt“, während einer kurzen Abwesenheit von Cottbus sei seine Wohnung durchsucht und sein Dienstzimmer versiegelt worden. Der bevorstehenden Verhaftung habe er sich durch die Flucht nach West-Berlin entzogen.
Die Schranken maren offen
Hamburg, 6. Juli (dpa). Ein aus Lübeck kommender Güterzug hat in der Nähe von Ahrensburg, nördlich Hamburg, einen Volkswagen mit drei deutschen Angestellten der britischen Besatzungsmacht überfahren und ihn etwa fünfhundert Meter weit mitgeschleift. Die drei Insassen wurden getötet.
Die Schranken des bewachten Bahnübergangs waren nicht geschlossen. Die Eisenbahndirektion Hamburg hat den Schrankenwärter sofort ablösen lassen und eine Untersuchung eingeleitet.
Schmuggelwaren beschlagnahmt
Bremen, 6. Juli (dpa). Die Bremer Zollfahndungsstelle hat im letzten halben Jahr Schmuggelwaren im Wert von rund 460 000 Mark beschlagnahmt. In dieser Summe ist der Wert der beschlagnahmten sechzehn Personenwagen, fünf Lastwagen und fünf Krafträder nicht eingerechnet.
Wasserknappheit in Wien
Wien, 6. Juli, (dpa) Die Wasserknappheit in Wien droht katastrophale Ausmaße anzunehmen, wenn die Bevölkerung den Verbrauch nicht drastisch einschränkt. Infolge der Hitzewelle sind die städtischen Wasserbehälter fast leer. Am Mittwoch hat die Hitzewelle mit 37,7 Grad alle Temperaturrekorde seit hundert Jahren übertroffen. In der Nacht zum Donnerstag brachten Gewitter eine leichte Abkühlung.
Wahrscheinlich wird man in Wien und Graz die Milch rationieren müssen, weil die Milchleistung der Kühe infolge der Dürre stark zurückgegangen ist. Aus allen Teilen Oesterreichs werden Wald- und Feldbrände gemeldet.
Und in Basel
Bäsel, 6. Juli, (dpa) Der Wasserverbrauch Basels erreichte am Mittwoch mit 126 000 Kubikmetern einen Rekord, der den Hödisttagesverbrauch im heißen Sommer von 1947 mit 110 000 Litern bei weitem übertraf. Der Wasserdruck in den Leitungen hat sich so weit vermindert, daß die oberen Stockwerke der Häuser kein Wasser mehr erhalten. Die Bevölkerung wurde durch Plakate zur Sparsamkeit ermahnt.
In voller Fahrt entgleist
Zehn Tote und fünfundsiebzig Verletzte
Monica (Illinois), 6. Juli. (dpa). Bei einem ungewöhnlichen Zugunglück in der Nähe von Monica im Staate Illinois wurden am Donnerstag zehn Personen getötet und etwa fünfundsiebzig verletzt. Es wird angenommen, daß sich die Zahl der Toten und Verletzten noch erhöht.
Das Unglück entstand, als sich zwei auf einer mehrgleisigen Eisenbahnstrecke nach Chicago fahrende Schnellzüge fast auf gleicher Höe befanden. Die beiden letzten Wagen des etwas vorausliegenden Zuges sprangen plötzlich aus den Gleisen und gerieten auf das Nebengleis, wo der andere Zug sie in hoher Geschwindigkeit rammte und völlig zerstörte.
Fortgesetzte Tumulte haben in der gemeinsamen Sitzung der beiden Häuser des belgischen Parlaments am Donnerstag, die zur Rückberufung König Leopolds angesetzt worden war, eine Debatte unmöglich gemacht.
Appell an den Bund
Das hessische Kabinett gegen weitere Flüchtlingszuweisungen
HGR. Wiesbaden, 6. Juli. (Eigener Bericht.) Das hessische Kabinett befaßte sich in seiner heutigen Donnerstag-Sitzung mit der Frage des innerdeutschen Flüchtlingsaustausches.
Die Landesregierung wird beim Bundesflüchtlingsminister beantragen, Hessen vorläufig keine Flüchtlinge mehr zuzuweisen, da Nordhessen bereits 21,3 Prozent seiner Gesamtbevölkerung an Flüchtlingen aufgenommen hat und zudem Notstandsgebiet ist. Das Abgabeland Bayern hat demgegenüber einen Durchschnitt von 21 Prozent Heimatvertriebener. Obwohl Südhessen noch bis zu einem gewissen Grade aufnahmefähig ist, vertritt die Regierung den Standpunkt, daß erst innerhalb des Landes Hessen ein Ausgleich geschaffen werden muß, um die seit Jahren in Nordhessen untergebrachten Flüchtlinge, soweit sie keinen Arbeitsplatz gefunden haben, im Süden des Landes anzusiedeln. Die Landräte haben übrigens berichtet, daß die Mehrzahl der aus Schleswig-Holstein kommenden Umsiedler sich darüber beschwert haben, daß sie in Hessen es vielfach schlechter getroffen haben als in ihren Herkunftsländern. Die Regierung wird im übrigen, wie sie erklärt, die „echte Familienunterbringung“ großzügig behandeln.
4,33 Millionen Mark wird auf Antrag des Ministers für Arbeit, Wirtschaft und Landwirtschaft, Wagner, zur Beseitigung der bis 1949 aufgelaufenen Schwarzwildschäden der Finanzminister nach Fertigstellung des Haushaltsplanes zur Verfügung stellen. Der hessische Beauftrage beim Bundesrat wurde angewiesen, gegen alle Maßnahmen auf der Brot-, Fett-, Milch- und Getreidebewirtschaftung zu stimmen, die sich in einer erheblichen Verteuerung der Nahrungsmittel für die Bevölkerung auswirken könnten.
Stok: Hier irrte Adenauer
Ein Briefwechsel über das Wohnungsbauprogramm
HGR. Wiesbaden, 6. Juli. (Eigener Bericht.) Bekanntlich hatte Bundeskanzler Adenauer der hessischen Regierung am 8. Mai dieses Jahres Vorwürfe gemacht, sie habe durch langsame und unzweckmäßige Maßnahmen das Bundesbauprogramm und das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Bundesregierung verzögert. Auf seinen Protest erhielt Ministerpräsident Stock unter dem 22. Juni Antwort. Der Bundeskanzler bestätigte darin seine Kritik, milderte sie aber mit dem Hinweis, er habe sie nicht in seiner Eigenschaft als Bundeskanzler, sondern nur als Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union in der britischen Zone und zudem nur vor einem kleinen Kreis von Parteiangehörigen gemacht. Die Presse habe seine Worte schroffer wiedergegeben als sie gefallen seien. Schließlich hätten seinen Ausführungen unter anderem Presseäußerungen aus Frankfurter Blättern zugrunde gelegen, denen zufolge in Frankfurt noch kein einziger Bau hätte genehmigt werden können als Folge der im letzten Moment durch die hessische Regierung vorgenommenen Aenderungen der Ausführungsbestimmungen. Von der hessischen Regierung seien diese Pressemeldungen nicht widerrufen worden.
Der Ministerpräsident Stock hat demgegenüber unter dem 4. Juli in einem Schreiben an dien Bundeskanzler darauf aufmerksam gemacht, daß die breite Oeffentlichkeit „schwerlich ein Verständnis für eine so feine Unterscheidung aufbringen könne“ wie die zwischen Adenauer als Bundeskanzler und Adenauer als Parteivorsitzender. „Die unberechtigten Vorwürfe, die Sie gegen das Land Hessen erhoben haben, erhielten in den Augen der Oeffentlichkeit gerade um deswillen ein besonderes Gewicht, weil Sie der Bundeskanzler sind, auch wenn Sie in einer Parteiveranstaltung gesprochen haben.“
Im übrigen müsse dem Bundeskanzler ein Gedächtnisfehler unterlaufen sein. Seine Kritik sei am 8. Mai veröffentlicht worden. „Vor diesem Tage sind der hessischen Landesregierung keine Presseäußerungen, insbesondere nicht in Frankfurter Zeitungen, bekanntgeworden, die sich in der Frage des Wohnungsbau- und Arbeitsbeschaffungsprogrammes gegen hessische Dienststellen gewandt hätten. Erst auf Ihre Vorwürfe hin, deren Unrichtigkeit bereits in der nächsten Plenarsitzung des hessischen Landtages vom 10. Mai 1950 von den beiden zuständigen hessischen Ministerien eingehend dargelegt wurde, befaßten sich die Zeitungen mit der Angelegenheit.“ Insbesondere seien die im Schreiben Adenauers erwähnten Ausführungen über den Wohnungsbau in Frankfurt erst Anfang Juni erschienen und hätten deshalb gar keine Grundlage für seine Bemerkungen am 8. Mai abgeben können. Sie seien auch bereits durch den Innenminister wenige Tage später in einer Rede in Eschersheim richtiggestellt worden.
„Durch die Berichte der beiden zuständigen hessischen Minister, die ich in meinem Schreiben an Sie vom 17. Mai 1950 beigeschlossen habe, wurde eindeutig nachgewiesen, daß Hessen in keiner Weise die Durchführung des Wohnungsbau- und Arbeitsbeschaffungsprogramms verzögert, sondern mit allen Mitteln beschleunigt gefördert habe. Demgegenüber ist, wie vorstehend dargelegt, die in Ihrem Schreiben vom 22. Juni 1950 getroffene Feststellung irrelevant.“
Lorik ohne Lmmunität
Ein überraschender Beschluß des Bayerischen Landtags
München, 6. Juli. (dpa). Ueberraschend hob der Bayerische Landtag entgegen dem Antrag des Geschäftsordnungs-Ausschusses die Immunität des Abgeordneten Alfred Loritz auf, um ihn der Strafverfolgung freizugeben. Wenzel Jacksch hatte Strafantrag gegen Loritz gestellt, weil dieser In einer Wehl Versammlung in Kulmbach behauptet hatte, Jacksch sei Mitglied der tschechoslowakischen Exilregierung .gewesen. In seinem Bericht stellt der Justizminister abschließend fest, daß „es sich bei Loritz um eine hysterische, geltungsbedürftige, querulatanische und abnorme Persönlichkeit handelt.“ Loritz leide an Verfolgungsideen und glaube seine Lügen selbst- In Stadelheim habe er bewußt die Rolle des Märtyrers gespielt.
Nächste Landtagsitzung
Wiesbaden, 6. Juli, (dpa) Der Hessische Landtag wurde für Mittwoch kommender Woche zu seiner 82. Plenarsitzung einberufen. Auf der vorläufigen Tagesordnung stehen u. a. Entwürfe für ein Jagd- und ein Fischereigesetz sowie der Gesetzentwurf zur Errichtung der - Liebig-Hochschule in Gießen. Außerdem wird sich der Landtag mit der Verlängerung der Geltungsdauer dies Gesetzes über Unterrichtsgeld- und Lehrmittelfreiheit an Privatschulen bis 31. März 1952 befassen.
Truman optimistisch
„Es wird alles gutgehen“
Washington, 6 Juli, (dpa) Die Teilnehmer an Präsident Trumans Wochenkonferenz bestürmten den Präsidenten am Donnerstag mit Fragen über die engeren und weiteren Zusammenhänge des Korea-Konflikts. Truman war aber nur wenig mitteilsam. Seine Antworten waren im allgemeinen kurz und verneinend. Nur auf die Frage, ob er der militärischen Entwicklung in Korea mit Zuversicht entgegensehe, sagte er: „Natürlich bin ich zuversichtlich, es wird alles gutgehen“. Zur internationalen Lage sagte Truman, er sehe sie in ihrer Gesamtheit optimistisch an.
Im einzelnen dementierte Truman in der amerikanischen Presse erschienene Berichte, nach denen er die Einberufung der Nationalgarde oder von vierzig Reservebataillonen plane. Zu dem Angebot Tschiang Kaischeks, 30000 Mann kampferfahrene nationalchinesische Soldaten nach Korea zu schikken, bemerkte Truman, daß die Entscheidung darüber in die Weltpolitik eingreifen würde. Er ziehe es daher vor, nichts dazu zu sagen.
Deuntfch-polniklcher Handel
Ein Abkommen mit der Bundesrepublik
Frankfurt, 6. Juli. (vwd). Am Donnerstag ist in Frankfurt ein neues Handelsabkommen zwischen Polen und der Bundesrepublik paraphiert worden. Das Volumen beträgt rund 26,3 Millionen Dollar. Eingeführt werden sollen Roggen, Hafer, Gerste, Zucker, Schweinefleisch und Eier, Kohle, Grubenholz und Zinkstaub. Die Baudesrepublik soll landwirtschaftliche Güter, Zuchttiere und Hopfen mit rund 1,5 Millionen Dollar, außerdem sämtliche Gruppen gewerblicher Erzeugnisse mit Ausnahme von Leder und Lederwaren ausführen.
Unentbehrliche Marktorduuug
Die Landwirtschaftsminister beraten
G. S. Bad Kreuznach, 6. Juli. (Eigener Bericht.) Die Landwirtschaftsminister der Bundesrepublik haben unter dem Vorsitz des Bundesernährungsministers Professor Niklas in der Staatsdomäne Niederhausen bei Bad Kreuznach eine Besprechung über die in den Bundesparlamenten vorliegenden Agrargesetze abgehalten.Die Länderminister vertraten einmütig die Auffassung, daß die in den Gesetzen enthaltenen Grundsätze der Marktordnung ein unentbehrliches Mittel für die gegenwärtige und zukünftige deutsche Agrarpolitik darstellen. Insbesondere waren sie der Meinung, daß die in den Gesetzesvorlagen vorgesehenen Maßnahmen zur Regelung der; Einfuhr und zum Schutz der deutschen Landwirtschaft unentbehrlich seien. Nur dadurch könne für die deutsche Landwirtschaft die notwendige Voraussetzung stabiler, die Erzeugungskosten deckender Einnahmen geschaffen werden.
Wegen Begünstigung verurteilt
Die Mörderin der Ehefrau geheiratet
Frankfurt, 6. Juli (dpa). Wegen Begünstigung der Mörderin seiner eigenen Ehefrau verurteilte die 3. Frankfurter Strafkammer am Mittwoch den 49 Jahre alten Schlosser Kurt Zentmaier zu einem Jahr Gefängnis. Seine langjährige Geliebte, Luise Tiemann, hatte Frau Liesbeth Zentmaier am 26. September 1946 mit einem Beil hinterrücks erschlagen. Zentmaier hatte die Mörderin zwei Jahre später geheiratet und mit ihr in der gleichen Wohnung gelebt, in der Luise Tiemann Frau Zentmaier umbrachte. In der Untersuchungshaft hatte sich die Mörderin am 3. März 1950 in ihrer Gefängniszelle erhängt. Nachdem Zentmaier seine zweite Frau des Mordes bezichtigt hatte, gestand Luise Tiemann-Zentmaier unter Hypnose ihre Tat. Sie wiederholte ihr Geständnis vier Tage später. Zentmaier hatte nach der Tat seine Geliebte nicht belastet. Es stehe fest, sagte Landgerichtsrat Boersch in seiner Urteilsbegründung, daß die Tiemann-Zentmaier den Mord allein geplant, vorbereitet und ausgeführt habe.
Auch die Ruhrbehörde
Die Londoner Konferenz zur Revision des Besatzungsstatuts
London, 6. Juli, (dpa) Der französische Vorschlag, die Zukunft der internationalen Ruhrbehörde auf der Londoner Sachverständigenkonferenz zur Revision des Besatzungsstatuts zu diskutieren, ist von den beiden anderen Delegationen angenommen worden. Ein amtlicher Sprecher bestätigte am Donnerstag, daß mit der Ruhrbehörde in Zusammenhang stehende Fragen von den Experten in London besprochen werden.
Frankreich sucht eine erneute Bestätigung der Funktionen der Ruhrbehörde, die auch über die Beschränkungen für die deutsche Stahlproduktion zu wachen hat. Frankreich soll außerdem das Problem der deutschen Kohlenexportpreise anschneiden, denn es wünscht eine Beseitigung des doppelten Preissystems, um deutsche Kohle billiger kaufen zu können. Großbritannien war bisher dagegen, weil es selbst beträchtliche Gewinne durch höhere Exportpreise für Kohle erzielt. Beobachter in London sind sich darüber klar, daß einzelne Probleme der Ruhrbehörde in bestimmte Aspekte der Schumann-Plan-Verhandlungen in Paris einmünden.
Großbritannien hat jedoch erneut seinen Wunsch ausgedrückt, gegenwärtig nichts zu tun, was als irgendein britisches Eingreifen in die Schuman-Plan-Verhandlungen ausgelegt werden oder sich hindernd auf die Pariser Besprechungen auswirken könnte. »
Export höher als Import
Kiel, 6. Juli, (dpa) Bundeswirtschaftsminister Professor Dr. Erhard sagte am Donnerstag auf einer Wahlkundgebung in Kiel, daß der Export der Bundesrepublik seit Mai dieses Jahres den Import übersteigt. Er schätzt den Gesamtexport für 1950 auf annähernd acht Milliarden Mark. Im nächsten Jahr seien zusätzlich Exportlieferungen nach Südamerika im Wert von zwei Milliarden Mark zu erwarten. Wenn die deutsche Wirtschaft vor der ausländischen Konkurrenz besorgt sei, so habe er seinerseits eine panische Angst, des Auslandes vor der deutschen Wirtschaft festgestellt.
Amerikanische kritik
Wiesbaden, 6. Juli, (dpa) Es bestehe der Eindruck, als ob von der Regierung und den die Verfassungsänderung unterstützenden Parteien zu wenig zur Aufklärung der Bevölkerung geschehen sei, erklärte ein Beamter der politischen Abteilung der amerikanischen Landeskommission für Hessen in Wiesbaden vor Pressevertretern. Es sei zu befürchten, da am Tag der Volksabstimmung weite Teile der Bevölkerung, insbesondere in den kleinen Gemeinden, überhaupt nicht über Sinn und Zweck der Volksabstimmung unterrichtet seien.
Nach Ansicht des amerikanischen Beamten kann bei der Volksabstimmung mit einer außerordentlich geringen Beteiligung der Wahlberechtigten gerechnet werden. Es wäre aber bedauerlich, fügte er hinzu, wenn wegen der geringen Aufklärungsarbeit der Regierung und der Regierungsparteien das Verhältnis der Nein- zu den Ja-Stimmen „unnatürlich schlecht“ werde.
Hessiche Kurznachrichten
Die Kommunisten in Frankfurt rufen am Donnerstag in ihrem Parteiorgan die Frankfurter Bevölkerung auf, am Freitagabend auf dem Römerberg in einer dort von der Nationaldemokratischen Partei Hessens angekündigten Versammlung gegen deren Parteiführer Priester zu demonstrieren. Zeigt dem Wahlverbündeten Eulers, heißt es in dem Aufruf, dem Faschisten-Häuptling Priester, daß ihr jeden Versuch, der die Beseitigung der Verfassung zum Ziel hat. entschlossen zerschlagen werdet.
Die Kriminalität in Hessen hat im Mai um 11 Prozent gegenüber dem Vormonat zugenommen. Wie das hessische Landeskriminalpolizeiamt mitteilt, erhöhten sich die bekanntgewordenen Straftaten von 8154 Fällen im Appil auf 9071 Fälle im Mai. Der Schaden, der durch strafbare Handlungen im Mai entstand, wird mit 1,5 Millionen Mark errechnet. 68 Prozent aller Straftaten wurden aufgeklärt und dabei 6560 Straftäter ermittelt. ABS. *
Die hessische Zentrumspartei fordert ihre Anhänger auf, bei der Volksabstimmung zur Verfassungsänderung am neunten Juli mit „Nein“ zu stimmen. Die augenblicklich herrschenden Parteien versuchten, künstliche Schranken gegen bisher im Hessischen Landtag nicht vertretene Parteien aufzurichten.
Marm - aber unbeständig
(Eigener Wetterbericht der „AZ“) An die Stelle der nach Südosten abgedrängten Warmluft ist kühlere Meeresluft getreten. Die Wetteränderungen gehen zur Zeit langsam vor sich. So wird am heutigen Freitag die Störungslinie eines Tiefs über der Nordsee unser Rheinland und Rheinhessen überqueren. Das’ Wetter bleibt vorerst leicht unbeständig. Aussichten: Bei westlichen Winden
wechselnde, zeitweise stärkere Bewölkung, vorübergehend Regen. Teilweise auch Gewitter. Ziemlich warm.
Der Rundfunk am Freitag
RADIO FRANKFURT- 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmiusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag: 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Klaviermusik und Lieder; 17.00 Froh und heiter; 18.30 Rhythmische Klänge; 20.00 Nur das Lachen nicht vergessen; 21.15 ..Die zerstörte Stimme“; 22,15 Unterhaltende Orchestermusik; 23.15 Der Jazzklub
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 16 00 Nachmittagskonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Symphoniekonzert; 22.00 Die Rundfunktanzkapelle; 22.45 ~So klingt’s am Rio Negro“; 23.15 Tanzmusik.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musi'k zur Teestunde; 16.30 Klaviermusik; 17.15 Das Schlager-Intermezzo; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Kammermusik; 20.45 Gewalt der Stille; 21.30 Volksmusik und Chorgesang: 22.30 Das gute Chanson; 23.15 Musik zur Nacht
NWDR: 12.00 Johann Strauß; 13.20 Mittagskonzert; 14.15 Musik aus aller Welt; 15.40 Musikalische Kleinigkeiten; 16.50 Kammermusik; 18.00 Musik zum Feierabend; 18.30 Das Große Hamburger Rundfunkorchester; 20.00 Richard Wagner; 22.15 Kabarett: 0.05 Berlin am Mikrofon.
Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION
Und außerdem wäre möglich, daß inan von einem gewissen Minderwertigkeitskomplex sprechen könnte, den Margaret Rose zu überwinden versuchte, weil sie kleiner war als Lilibet, weil sie weniger beachtet wurde, weil sie auf Grund der Vorrechte, die einer Thronfolgerin nun einmal eingeräumt werden, sich weniger gut im großen Leben des Hofes durchzusetzen verstand.
Aber die Praxis beweist, daß es ganz anders im Herzen Margaret Roses aussah. Elisabeth, also Lilibet, war und ist auch heute noch für sie die allerbeste Freundin, die ihr so nahe steht, daß sie jede freie Minute benutzt, um in Lilibets Gesellschaft zu weilen. Aber man wird sagen, das sei heute so, weil Margaret Rose sich überlegt habe, wie zwecklos es sei, gegen Wände der Tradition anzurennen. Adle, die Margaret Rose aus nächster Nähe beobachteten, wissen, daß der zarte Spott, mit dem sie .mitunter ihre Umgebung behandelt, nichts anderes ist als ein Ausfluß ihres Uebermutes, zu dem sie sich in anderer Weise bekennen kann als ihre Schwester, die Kronprinzessin.
Als sie mit ihren Eltern und Elisabeth, der Kronprinzessin, nach Südafrika reiste, hatte man ihr vorher immer wieder eingeprägt, die Südafrikaner seien Menschen, denen gegenüber man sich ausgezeichnet benehmen müsse. Jeder Fehler, der kleinste Formfehler also, würde beachtet und derartige Fehlschläge könne man sich in Anbetracht der veränderten Zeiten nicht mehr erlauben. Sie war auch von einer musterhaften Bravheit in Südafrika, bis zu dem Augenblick, als eine etwas korpulente Dame, die gewiß tagelang den Hofknicks geübt hatte, .vorder,Königin zwar bis auf den Böden kam, sich aber dann nicht mehr erheben konnte.
Während alle anderen blaß waren vor Entsetzen, während hilfsbereite Herren hinzusprangen, um der wohlbeleibten Dame wieder auf die Beine zu helfen, während sich eine geisterhafte Stille über die ganze Gesellschaft legte, hörte man plötzlich auf der königlichen Tribüne jemand erst kichern und dann laut lachen. Es war natürlich Margaret Rose. Sie konnte dieses Lachen einfach nicht unterdrücken.
Sie hatte überhaupt wohl einen schlechten Tag, denn als einige Minuten später ein pompös aufgedonnerter afrikanischer Negerhäuptling auftauchte und mit etwas heiserer, aber alle Lautsprecher in den Schatten stellenden Stimme seine Königsrede begann, sich im Text verhaspelte und den ganzen Sermon noch einmal von vorne mit dem gleichen Gebrüll herunterorgelte, war es wieder einmal mit der Selbstbeherrschung Margaret Roses vorbei. Sie lachte so herzlich, daß sogar Georg VI., also der König, alle Mühe hatte, ernst zu bleiben und mit der Hand nach rückwärts zu winken, Margaret Rose möchte sich doch benehmen, während ihm selbst die Tränen über die Wangen rannen, eine Folge des unterdrückten Lachens. Margaret Rose lachte auch Tränen — aber hörbar. Abends waren noch zwei große Empfänge vorgesehen. Man verbreitete — auch für den Pressegebrauch — eine kurze Notiz, die besagte, daß Prinzessin Margaret Rose leider an den Abendempfängen nicht teilnehmen könne, da sie unter der Hitze des Nachmittags zu stark gelitten hätte. In Wirklichkeit hatte sich der königliche Papa gezwungen gesehen, seiner Tochter tüivdiesexv Abend - und- die- nächste- Nacht Zimmerarrest zu diktieren. Das mußte er mit Rücksicht auf die gefallene dicke Dame und auch, weil der Negerchef der Ansicht war, es könne sich bis zu seinem Stamm herumsprechen, daß die Prinzessin ihn auslachte. Dabei wollte sie ihn gar nicht auslachen. Sie hatte nur das ganz normale kindliche Gemüt, das auf solche Zwischenfälle, die doch schließlich jedem unerwartet kamen, mit dem frohen, befreienden Lachen antwortet.
Solcher Episoden gab es manche.
Ein Zwischenfall, der nur auf Umwegen bekannt wurde, ereignete sich freilich einige Zeit vor dieser Afrikareise. Margaret Rose durfte dabei sein, als zu einem königlichen Empfang unter anderem auch jener Neville Chamberlain erschien, dessen Name aus anderen Gründen in die Geschichte eingegangen ist. Es war ein sehr schöner und würdevoller Empfang. Die Herren waren alle — selbstverständlich — in Schwarz. Die Damen waren in Hoftoilette. Lilibet und Magy hatte man in schönste Kleidchen gesteckt. Sie hatten sich recht weit nach vorn gearbeitet, um alle Gäste gut sehen zu können. Sie flüsterten einander mit der Grausamkeit von Kindern spitze, um nicht zu sagen, bösartige Bemerkungen über jene alten Lords und die eine oder andere uralte Lady zu, die den beiden Kindern in ihrer Jugendfrische wie Vogelscheuchen vorkommen mußten Aber darüber sagten sie nur unter sich etwas.
Auf einmal stieß Margaret Rose Lilibet an.
„Schau einmal — siehst du, was Onkel Chamberlain da tut?“
Crawfie, die Erzieherin, die sich wohlweislich in der Nähe der beiden Mädchen gehalten hatte, machte ihnen ein Zeichen, sich still zu verhalten. Aber der Hinweis Margaret Roses hatte schon genügt. Lilibet machte ganz große Augen und ließ keinen Bück mehr von Chamberlain, denn Neville Chamberlain kaute, während ein Lord eine Rede hielt, fleißig an seinen Nageln. Er tat also genau das, was Crawfie den beiden Prinzessinnen als das Grauenvollste hingestellt hatte, was überhaupt ein wohlerzQgenerJMensch. tui> können
Und nun führte ausgerechnet Onkel Chamberlain ihnen diese Uebeltat in aller Ruhe vor.
Kaum war die Rede zu Ende, da schlich Margaret Rose zu Crawfie, zupfte sie am Rock und bedeutete Crawfie, daß sie ihr etwas sehr Wichtiges zu sagen habe. Die Gouvernante beugte sich nieder und vernahm nun den für Margaret Rose so bezeichnenden Satz:
„Onkel Chamberlain hat bei Hof Nägel gekaut. Wenn er das darf — warum dürfen wir das nicht?“
Margaret Rose wartete erst gar nicht die Antwort auf diese Frage ab. Sie stand schon wieder neben Lilibet und beobachtete weiter Lord Chamberlain, der jetzt wohl den prüfenden Blick der entsetzten Erzieherin auf sich gerichtet fühlte und nun seinem „lasterhaften Tun“ ein Ziel setzte.
Man mußte mit Margaret Rose immer sehr vorsichtig sein, wenn Gäste kamen. Das galt vor allem für jene Fälle, in denen Margaret Rose nicht an Empfängen teilnehmen durfte. Dafür gab es ja schließlich sehr genaue Vorschriften. Der erste Zwischenfall in einem solchen Zusammenhang ereignete sich, als Margaret Rose gerade vier Jahre alt war. Man wähnte Margaret Rose genau so wie Lilibet längst in tiefem Schlummer. Bei Tisch wurden eben für die Gäste die Speisen aufgetragen, als eine englische Miß aus blauestem Blut plötzlich zusammenzuckte — als ob sie einen Schloßgeist erblickt hätte. Aber sie faßte sich und — ließ doch den Löffel nicht fallen.
Doch eine Sekunde später unterdrückte ein sehr alter Lord einen entsetzten Ausruf. Irgend etwas stimmte in diesem Raum nicht. Jene Miß hatte vorhin ganz deutlich gefühlt, daß eine kalte Hand ihr an den Waden emporfuhr, und dem alten Lord war klar geworden, daß jemand ihm seinen Lackschuh auszog.
Bald hier und bald da zuckte jemand zusammen und mußte doch über Tisch jene Form wahren, die bei einem königlichen Essen Selbstverständlichkeit war, obwohl es allen Betroffenen eindeutig sehr schwer fiel.
Doch als endlich die Geisterhand unter dem Tisch auch den König am Hosenbein zupfte, war der Spuk mit einem Male zu Ende. Man zog unter dem Tisch Margaret Rose hervor, die sich dort vor Beginn des Essens verkrochen hatte, um wenigstens zu hören, was die Onkels und die Tanten einander erzählten. Aber da sie doch nicht recht verstand, was die Großen sagten, hatte sie sich die Langeweile unter dem Tisch anders vertrieben. Sie erinnerte sich noch mit fünfzehn Jahrenn mit viel Wonne an diesen Spuk unter dem Tisch, bei dem sie ungestört berühmteste Füße ältesten englischen Adels nach Belieben unter den Fußsohlen kitzeln konnte.
Doch man erinnerte sich an den Vorfall — jedesmal, wenn der Chef vom Protokoll mit dem König verabredete hatte, daß die Prinzessinnen nicht an dem Essen, das gerade in Aussicht genommen war, teilnehmen sollten. Man ließ auch vorher immer sorgfältig Nachschau halten. Aber manchmal schaffte Margaret Rose es doch. Oder waren es keine Glanzleistungen, wenn Margaret von der Teilnahme am Rennen von Ascot aus reinen Formalgründen, weil sie eben noch zu klein war, ausgeschlossen wurde, und es dann doch verstand, die strenge Absperrung des Palastes zu durchbrechen, den ständigen Begleiter, den Scotland Yard, die Polizei, ihr sonst mitgegeben hätte, zum Narren zu halten, und ohne einen Leibwächter, in ganz falscher Aufmachung, also nicht mit den vorgesehenen Toiletten, aber mit einem strahlenden glücklichen Gesicht, doch in Ascot ~'i erscheinen!
Sie hatte es geschafft. Die Mutter war empört und entsetzt. Der Vater schüttelte den Kopf und lachte doch nach innen hinein. Elisabeth zwinkerte Magy mit dem Auge zu. Und Magy tat so, als ob ihre Anwesenheit in Ascot eine Selbstverständlichkeit wäre.
Aber nach derartigen Zwischenfällen ließ König Georg sich die Erzieherin immer wieder einmal kommen und schlug entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen, schüttelte sein sorgenvolles Haupt und beschwor Marion, in Zukunft doch noch besser auf Margaret Rose zu acht”"
Wirtschaftsblatt
Frachtenausgleichskasse
KH Die Arbeiten für die Einrichtung eines Frachtenausgleichs in der Rheinschifffahrt sind in vollem Gange. Danach werden aus allen Steinkohlen- und Braunkohlen-Brikett-Transporten. die auf dem Rhein und seinen Nebenwasserstraßen nach Empfangshäfen oberhalb Bingen durchgeführt werden, 6 Prozent vom Selbstfahrersatz einbehalten und an eine Treuhandstelle in Mannheim, die unter Aufsicht des Bundesverkehrsministeriums steht, abgeführt. Das bedeutet für die Strecke Ruhrort/Mannheim unter Zugrundelegung des zur Zeit geltenden Selbstfahrersatzes eine Abführung von etwa 30 Dpf. je Tonne an die Treuhandstelle. Bei Verladung ab Kanalstationen erhöht sich die Schiffer-Anteilfracht bzw. der Seibstfahrersatz entsprechend. Die zur Erhebung gelangenden Kleinwasserzuschläge sollen mit unter den Frachtenausgleich fallen. Der Frachtenausgleich wird dazu dienen, der Schiffahrt an die Bundesbahn verlorengegangenes Terrain im Kohlenverkehr zurückzugewinnen. Für den Empfänger der Kohle wird so die Differenz zwischen der Eisenbahnfracht und der Fracht des gebrochenen Verkehrs ausgeglichen. Die notwendige Rechtsgrundlage soll durch Anordnung des Bundesministers für Wirtschaft und des Bundesministeriums für Verkehr geschaffen werden.
In Verhandlungen der deutschen Rheinschiffahrt mit der Bundesbahn über Kohlentransporte nach Süddeutschland war Ende Mai eine Einigung dahin erzielt worden. den Krisenzuschlag im Ausnahmetarif 6 U 1 von 15,7 Prozent, auf 12,1 Prozent zu senken.
Landwirtschaft muß rationalisieren
Kredithilfen und Steuererleichterungen erforderlich
kt. - Die Entwicklung der Obst- und Gemüsepreise. insbesondere auch den jüngsten Zusammenbruch auf dem Gemüsemarkt, hatten wir schon mehrfach behandelt. Die Ursachen für die schweren Verluste, die unsere Bauern treffen, sind mannigfaltiger Art. Dazu zählen ausgeweitete Anbauflächen, die zum Teil noch auf Erwägungen zurückzuführen sind, die für die Zeit vor der Währungsreform, aber nidit für die heutige völlig veränderte Sachlage zutreffen. Weiter wahrscheinlich auch ein System der Ernteerfassung, das zu umständlich ist und zu lange Wege über Sammelstellen, Markthallen, Großhandel, Platzhandel und Einzelhandel vorsieht und dadurch eine schnelle und vor allem billige Belieferung der Verbraucher nicht zuläßt.
Auch die Spannenbildung bei allen Beteiligten, mit Ausnahme des Gemüseanbaues selbst, dürfte noch gewisse Möglichkeiten für Preissenkungen zulassen. Zu diesem Eindruck muß man jedenfalls kommen, wenn man feststellt, daß beispielsweise dem Erzeuger für eiben Kopf Salat 0,03 DM geboten wurde, während zu gleicher Zeit der Verbraucher einen Preis von 0,25 bis 0,30 DM zahlen mußte. Wahrscheinlich ist gerade die Vielzahl der Zwischenstufen, die das Gemüse durchläuft, bis es zum Verbraucher gelangt, mit die Ursache für diese Preisdifferenz. Die Bauern müßten sich deshalb bemühen, schneller, ohne Umwege an die Verbraucher heranzukommen. Hierdurch wäre es sicherlich möglich, manche Verluste und Preiseinbußen zu vermeiden.
Nicht zutreffend scheint es aber zu sein, wenn man die liberalisierte Wirtschaft für die durch Umpflügen von Gemüsefeldern entstandenen Verluste verantwortlich macht. Auch früher mußten immer wieder Gemüsefelder umgeackert werden, weil es an Absatz fehlte. In den vergangenen Jahren war die Gemüseerzeugung übernormal ausgedehnt worden. Ist nicht bei der Umstellung der Ernährung eine entsprechende Verringerung des Gemüseanbaues erforderlich? Ist es vertretbar, deswegen eine Einfuhrsperre zu fordern? Deutschland ist ein Industriestaat, und zwar der am dichtesten bevölkertste Europas. Seine Menschen werden zum weit überwiegenden Teil von der Industrie und nicht von der Landwirtschaft ernährt. Die deutsche Industrie muß aber, um ihre Arbeiter beschäftigen zu können, Export treiben. Exportieren können wir aber nur, wenn wir entsprechende Importe aufnehmen, und zwar solche Waren, die andere Völker im Austausch gegen unsere Industrieprodukte anbieten. Das sind neben Rohstoffen in erster Linie Lebensmittel der verschiedensten Art. Holland, Italien, Griechenland und die Türkei beispielsweise können nur dann deutsche Fertigprodukte aufnehmen, wenn sie dagegen ihre Landesprodukte liefern können. Solche Einfuhren sind also keine überflüssigen Luxusgüter. Sie sind notwendig, weil dafür deutsche Fertigprodukte exportiert werden. Es ist bedauerlich, daß durch die Apfelsineneinfuhr der Absatz deutscher Aepfel leidet. Wollte man die Einfuhr aber nicht mehr zulassen, so hätten zwar die Bauern einen größeren Verdienst, aber die Zahl der Arbeitslosen würde steigen, da die Industrie geringere Exportmöglichkeiten hätte. Das Problem ist also auf diese Weise nicht zu lösen.
Andererseits können wir es uns aber auch nicht leisten, unsere Landwirtschaft zugrunde gehen zu lassen. Im Gegenteil, wir müssen bis zum Ende des Marshallplanes möglichst eine höhere Agrarproduktion erreicht haben als heute. Das läßt sich erreichen, wenn sich die Produktion solchen Erzeugnissen zuwendet, in denen sie konkurrenzfähig ist. Dazu braucht die Landwirtschaft billige Kredite, damit eine Rationalisierung der Betriebe durchgeführt werden kann, und ein Entgegenkommen des Staates bei der Besteuerung. Die nicht zu vermeidenden Einfuhren aber müssen auf den deutschen Ernteanfall zeitlich abgestimmt sein.
Nicht die Drosselung „überflüssiger“ Einfuhren im Rahmen unserer liberalisierten Wirtschaft bedeutet die Lösung. Eine Bereitstellung billiger Kredite zur Betriebsrationalisierung und eine Erleichterung der Steuerlast scheinen geeignetere Mittel zu sein, um Krisenerscheinungen in der Landwirtschaft zu beheben.
Markt- und Börsenberichte
F.A.Z. An der Frankfurter Börse veränderte sich am Donnerstag die lustlose Stimmung der Vortage kaum. Die Geschäftsabschlüsse hielten sich sowohl an den Aktienmärkten als auch am Rentenmarkt in sehr geringen Grenzen. Allerdings mußten nur noch einzelne Papiere stärkere Kursverluste von 3 bis 4 Punkten hinnehmen, während die Mehrzahl der Aktien unverändert notierten.
Besonders starke Kursrückgänge hatten am Aktienmarkt wieder RWE zu verzeichnen. die mit 71.25 (—2.25) schlossen. Auch Rheinische Braunkohle die noch am Dienstag mit 91 Geld gesucht waren, notierten am Donnerstag nur noch mit 86 (—4) Auch Degussa gingen auf 61.25 (—0.75) zurück. Bei den Maschinenwerten fielen Adler auf 36 (—2) und MAN auf 77,75 (—0,25). Stark abgeschwächt lagen auch Brown Boveri mit 90 (—3).
Züricher Noten-Freiverkehr
| 5. 7. | ||||
| Franken | 6. 7. | |||
| Franken | 6. 7. | |||
| in DM | ||||
| New York (Dollar) | 4,32 | 4,32 | 5,44 | |
| London (Pfund) | 10,90 | 10,92 | 13,76 | |
| Paris (100 fr.) | 1,19 | 1,19 | 8,58 | 1,50 |
| Brüssel (100 bfr) | 8,58 | 10,81 | ||
| Amsterdam (100 hfl) | 106,25 | 106,50 | 134,19 | |
| Stockholm (100 skr) | 71, | 71, | 89,46 | |
| Mailand (100 Lire) | 0,68 | 0,68 | 0,86 | |
| Prag (100 csk) | 0,97 | 0,97 | 1,22 | |
| Wien (100 Schill.) | 14,95 | 14,80 | 18,65 | |
| Deutsche Mark (100 DM)... | 78,50 | 79,50 |
Vorläufig keine Eier-Notierungen
F. A. Z. An der Frankfurter Getreide- und Produkten-Börse werden vorläufig die Eier-Notierungen ausgesetzt. Begründet wird dies damit, daß gegenwärtig völlige Unklarheit über die Zollhöhe für Import-Eier besteht.
Frankfurter Produktenbörse
Bz. Auf dem Frankfurter Produktenmarkt beginnt die Nachfrage nach Weizenmehl auf der neuen Preisbasis anzulaufen. Zur Zeit wird für die Type 1050 — je nach Qualität — einschließlich Sack zwischen 46.00 und 46.50 DM je Doppelzentner brutto für netto verlangt. Dabei ist Roggenmehl stärker gesucht als Weizenmehl Der Roggenmehlpreis Type 1150 schwankt zwischen 40.00 und 41.00 DM mit Sack brutto für netto.
Bei Futtergetreide findet Mais zum Preise von 28.00 bis 29.00 DM kein besonderes Interesse. Milokorn stellt sich auf ungefähr 23.00 DM ab Station In neuer Wintergerste liegen die ersten Angebote vor Zu 26.00 bis 26.50 DM bestehen Kaufneigungen Von den neuen Futtermitteln war Raps bei 8- bis lOprozentigem" Feuchtigkeitsgehalt je Doppelzentner zwischen 50.00 und 52.00 DM frei Mühle oder Trocknungsstation erhältlich. Auf dem Kleiemarkt gleichen sich bei 10.15 bis 10.45 DM Angebot und Nachfrage etwa aus.
Noch keine Entscheidung über Fettsteuer
zr. Der Bundestagsausschuß für Ernährung. Landwirtschaft und Forsten hat sich noch einmal ausführlich mit der Frage der Getreidesubventionen. der Brotpreiserhöhung und der Fettsteuer beschäftigt. Die Vertreter der Koalitionsparteien setzten sich wiederum für die Einführung einer Fettsteuer ein. da durch sie allein eine Brotpreiserhöhung verhindert werden könne. Wie uns das Bundesernährungs-' ministerium in diesem Zusammenhang mitteilt. sei für die nächsten drei Monate mit einer Steigerung der Brotpreise schon deshalb nicht zu rechnen, weil die benötigten Mengen zunächst von den Vorratsstellen geliefert werden können.
Alarmruf der Margarine-Industrie
vwd. Die Margarine- und Oelmühlenindustrie hat die Bundesregierung ersucht, sofort flüssige Oele aus der Bundesfettreserve freizugeben, da sonst die Margarineproduktion in etwa 14 Tagen eingestellt werden müßte.
Preissenkung bei Rundfunkröhren
F. A. Z. Wie wir erfahren, soll auf der Düsseldorfer Funkausstellung, die vom 18. bis 27. August stattfindet, bekanntgegeben werden, daß die Röhrenpreise für Rundfunkröhren allgemein um 30 Prozent gesenkt werden sollen.
Landwirtschafts inister tagten
bb. Wie Landwirtschaftsminister Dr. Stübinger mitteilte hat die unter Vorsitz des Bundesernährungsministers Professor Niklas stattgefundene Konferenz der westdeutschen Landwirtschaftsminister zum Ergebnis gehabt, daß die in den Gesetzen enthaltenen Grundsätze der Marktordnung ein „unentbehrliches Mitte!“ für die gegenwärtige und zukünftige Agrarpolitik dars’.ellen. Einmütig sei weiterhin die Auffassung vertreten worden daß die vorgesehenen Maßnahmen zur Regelung der Einfuhren unentbehrlich seien. Nur durch Schutzmaßnahmen könne für die Landwirtschaft die Voraussetzung von stabilen, die Erzeugungskosten deckenden Einnahmen geschaffen werden Die auf diese Weise erzielte Preis-Stabilisierung für landwirtschaftliche Erzeugnisse sei das best^ Mittel, dem deutschen Verbraucher ein seiner Kaufkraft entsprechendes Preisniveau zu garantieren.
Notenumlauf über 8 Milliarden DM
F. A. Z. Zum Halbjahresschluß erhöhte sich der Zahlungsmittelumlauf um 822 Millionen auf 8160 Millionen DM; er lag damit um 224 Millionen über dem Umlauf vom 31. Mai 1950..
Preisgesetz verlängert
zr. Die alliierte Oberkommission hat der Verlängerung des Preisgesetzes bis Ende September zugestimmt. Sie hat lediglich zur Bedingung gemacht, daß die Fixierung von Festpreisen in Zukunft der Zustimmung der Oberkommissare bedürfe. Diese Einschränkung der bisherigen Preisbefugnisse der Bundesregierung ist vor allem für die Verkehrstarife von Bedeutung, ebenso für die Sätze der Kraftfahrzeughaftversicherung, und im Augenblick, solange die Brotpreisfrage ungeklärt ist, auch für Getreide.
Keine RWE-Kredite
hd. Der größte deutsche Elektrizitätskonzern, die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk-A.-G., stellt vorläufig einen Auszug aus dem letzten RM-Geschäftsbericht des Jahres 1947/48 (1. Juli 1947 bis 20; Juni 1948) zur Verfügung, da der vollständige Bericht und die Hauptversammlung erst im Herbst zu erwarten sind. In dem Auszug werden vor allem aufschlußreiche Angaben über die Entwicklung der beiden letzten Jahre gemacht. Die RM-Schlußbilanz wird als ausgeglichen bezeichnet. Das Zahlenwerk, das bereits vom Aufsichtsrat festgestellt worden ist, wurde aber noch nicht veröffentlicht.
Nach Mitteilung des Vorstandes wird für das erste DM-Geschäftsjahr noch keine Dividende gezahlt. Ob dieses für das am 30. Juni 1950 abgeschlossene Geschäftsjahr 1949/50 der Fall sein wird, steht noch nicht fest.
Schiffahrtsberichte (Bergfahrt)
Remagen haben passiert am 6. Juli von 5-00—19.00 Uhr
Abkürzungen. GB = Güterboot, TM = Tankmotorschiff. MS = Motorschiff, TL = Tankleichter, ohne Bezeichnung Schleppboot, MP = Motorpiniche, KM = Küstenmotorschiff.
5.45: Fritz. 1 Kahn: Gusto; 7.15: Schürmann 9, 3 Kähne: Schürmann 80, 76, Felizitas; 7.15: MS Riffelalp; 7.15: Margarete 4, 1 Kahn: Maria Anna; 7.15: MS Westerkade; 7.30: Schreckhorn MS; 7.30: MS Ella Herrmann; 7.45: KM Anita; 8.00: Mathias Stinnes 14, 4 Kähne: Hugo Stinnes 32, Mathias Stinnes 46, Paul. WTAG 169; 845: MS Main 117; 8.45: MS Kreuiswijk; 9.15: F 12, 1 Kahn: F 237; 9.15- TM Tankmotor 2; 9.45: Germania, 1 Kahn: Otto Heinrich; 9.45: TM Esso Frankfurt.
10.00: TM TRG 4; 10.00: Linden 2, 2 Kähne: Linden 8, Fanto 12; 10.00: TM Königsberg; 10.30: TM Isalla 2; 10 45: TM Fraternite 10; 11.00: KM Laurenz; 11.00: Kormoran, 2 Kähne: Karolus. Renatus; 11.15: MS Neska 7; 11.30: TRG9; 12.15: MS Rhenus 110.
13.00: Worms, 3 Kähne: Mannhe'm 226, Rheinfahrt 88, Mannheim 180; 13.3°: Mathias Stinnes 1, 3 Kähne; Mathias Stinnes 70, 151, 150; 14.00: Braunkohle 16. 8 Kähne: Rupprecht, Vitalitium, Freyja, Katharina, Braunkohle 17, Bavaria 27, Adjeu, Louise Greta; 1445: F 28, 2 Kähne: Matthias, F 383; 14.30: MS Rotterdam; 14.30: MS Braunkohle c, 1 Kahn: Kronprinz Rupprecht; 15.45: MS Rhenus 24.
16.00: MS Salf 1; 16.15: MS Main 67; 16.45: MS Ostmark; 17.00: MS Beialp; 17.15: Harpen 2, 3 Kähne: Harpen 24, 48, Confluentia; 17.15: Rewo, 3 Kähne: Widar, Johann, Anna Katharina; 17 30: Justitia 6, 1 Kahn: Amor; 17.30: MS Doris Haller, 1 Kahn: Hoesch 10; 18.15: MS Hansafahrt 3; 18.45: F 51, 1 Kahn: F 158.
Volksbüchereien als Gemeindeaufgabe
VON DR. ENGELHARDT, LEITER DER STAATLICHEN BÜCHERSTELLE DARMSTADT
Wer mit der Entwicklung der neueren Bildungsbestrebungen in Hessen vertraut ist, wird in den „Richtlinien“ den Grundzug wiedererkennen, der nicht nur auf dem Gebiete der allgemeinen öffentlichen Bildungspflege kennzeichnend ist: dem Geschehen der Zeit gegenüber aufgeschlossen zu sein, freimütig an ihm teilzunehmen, um für die jeweiligen freie Entscheidung den Standort zu finden.
Schon vor rund 100 Jahren ist aus diesem Bestreben, an den Kulturgütern teilzunehmen, der Volksbüchereigedanke in Hessen hervorgegangen. Diese Volksbüchereien verdankten ihr Entstehen einem echten, gemeinschaftsverbundenen Bürgersinn; die dazu Berufenen fühlten sich aus innerstem Bedürfnis verpflichtet, ihm menschliche Nähe und in nächstem, persönlichen Umgang jedem die Hilfe zu bieten, die mittels des Buches zur Entfaltung und Entwicklung der Persönlichkeit möglich und nötig schien.
Im Frankfurter Parlament von 1848 waren es vorzüglich hessische Abgeordnete, die Volksbibliotheken und Lesehallen forderten. kurz darauf entstand in Friedberg die erste öffentliche Lesehalle für Erwachsene in Deutschland überhaupt. Von den führenden Persönlichkeiten der späteren Zeit sei erinnert an den Gießener Bibliothekar Professor Fritzsche, der jahrzehntelang aus verwandtem humanistischem Geist die volksbibliothekarische Aufgabe in ihrer Bedeutung erkannte und selber sich ihr widmete. Auch an die verdienstvolle Wirksamkeit der Rhein-Mainischen Volksbildungsvereine sei erinnert. Landauf, landab wurden vorwiegend in den 90er Jahren sogenannte Lesezirkel und Lesevereine gegründet. Selbst in ganz kleinen Dorfgemeinden finden sich noch heute Bücher aus jener Zeit, nach langem Dienst zu ehrwürdigen Veteranen einer damals vorbildlichen Volksbildungsarbeit geworden.
Keinesfalls kann also davon die Rede sein, daß in Hessen das Gebiet der allgemeinen öffentlichen Bildungspflege vernachlässigt worden wäre. In Mittel- und Norddeutschland galt es angesichts der übernatürlich rasch verlaufenen Zusammenballung von Menschen, vor allem in den Städten und Industriegebieten in bildungspolitischer Hinsicht einen gewissen Zusammenhang herzustellen. Hier dagegen war ein Bildungserbe vorhanden, das in Familie und Handwerk. in Brauchtum und Lebenszuschnitt lebendig war und das darum bildend, nämlich das Leben des einzelnen und seine Lebensgemeinschaft prägend, noch lange wirksam war. Hier zunächst also muß angeknüpft werden, wenn die alten Einrichtungen erneuert werden sollen.
Inzwischen ist diese Notwendigkeit aus vielen Gründen einigermaßen dringlich geworden. Es- ist das harte Wort gefallen, daß die Bücherbestände für volksbildnerische Aufgaben schlechthin unbrauchbar seien.
In der Tat haben unsere Volksbüchereien zu Ende des Weltkrieges 1914/18 beinahe vor dem Nichts gestanden. Die Quelle, aus denen sie bis dahin gespeist worden waren, waren im Versiegen und nahe dem Erliegen: der erste große Kapitalschwund hatte die Verarmung weiter Kreise der privaten Helfer verursacht; die großen Volksbildungsorganisationen mußten ihre Hilfstätigkeit mehr und mehr einschränken, und die Benutzer der Bibliotheken schließlich brachten kaum soviel auf, daß dem rapiden Verschleiß durch Ausbessern und Umbinden Einhalt geboten werden konnte.
Nicht allzu viele Gemeinden, auch damals in angespannter Finanzlage, hatten sich entschließen können, die vielfach herrenlos und durchweg mittellos gewordenen Volksbüchereien in ihre Obhut zu nehmen. Jetzt nun ist auch der äußerste Zeitpunkt gekommen, daß unsere hessischen Volksbüchereien nicht anders vor dem drohenden Zusammenbruch erhalten werden können, als daß sie voll und ganz in die Verwaltung der Gemeinden aufgenommen werden. Nur mit Mühe und unter Stagnieren, vielfach sogar schon unter Rückgang der Benutzung trotz großem Lesehunger halten sich noch viele mittellose Büchereien aufrecht. Selbstlos stehen Woche für Woche die ehrenamtlich tätigen Verwalter, meistens Lehrer, in der ihnen lieb gewordenen Ausleihe vor zerstörten und dezimierten Bücherbeständen; in manchen Gebieten sind noch immer bis zu 50 Prozent der Volksbüchereien geschlossen.
Für die wirtschaftliche Sicherung der Volksbücherei durch Aufnahme in die Selbstverwaltung sprechen aber noch viele andere Gründe. Die äußeren materiellen sind in der Präambel der neuen „Richtlinien“ angeführt: die Verarmung des einzelnen, der Verlust an Büchern, der vor allem Flüchtlinge und Ausgebombte sowie Evakuierte betroffen hat. die außerordentliche Beschränkung den Verlust zu ersetzen oder gar Neuerscheinungen zu kaufen.
Aber auch Gründe soziologischer Art, die im wirtschaftlichen Strukturwandel unseres Landes liegen, was das Schicksal vieler hessischer Städte ist. hat in fortschreitendem Maße auch das Land ergriffen. Mehr und mehr entstehen Klein- und Mittelbetriebe industrieller Art. deren Angestellte und Arbeiter mit neuen, andersartigen Bedürfnissen auftreten. Es vollzieht sich ein Prozeß, der in anderen Ländern schon weiter zurückliegt. Indem wir hier klar und nüchtern sehen — mag die Entwicklung auch bedauert werden —, so sind wir doch in der Lage, soweit es mit solchen Größen wie der Bildung überhaupt möglich ist, im gegenwärtigen Stadium Einfluß zu gewinnen. Dazu gehört in allererster Linie, den Menschen, die in den neuen Lebensrhythmus hineinzuwachsen im Begriff sind, die Hilfe zu bieten, die mit den Mitteln der Bibliotheken möglich ist, um ihnen den Weg zu erleichtern und darüber hinaus ihnen zu einer Deutung des Sinnes ihres neuen Leben zu verhelfen. Was für die Stellung des' Arbeiters im Betrieb gilt, ihm als „Mensch“ zu seinem Recht zu verhelfen, gilt ebensosehr für seine Stellung in der Lebensgemeinschaft seines Dorfes und seiner Heimat. So gesehen, kann Volksbildung zu einer staatspolitischen
Blutspender gegen Krankheit und Siechtum
Blut ist das Kostbarste, was wir besitzen, und um so interessanter dürfte wohl sein zu erfahren, wer soviel zu haben glaubt, daß er noch welches abgeben kann. Das herauszufinden, haben wir uns mit der Blutspenderkartei der Inneren Abteilung eines unserer großen Darmstädter Krankenhäuser in Verbindung gesetzt.
Diese wohlgeordnete Kartei umfaßt 60 Karten, auf denen Adressen von Menschen verzeichnet sind, die bei dringenden Fällen sofort zur Transfusion ins Krankenhaus gerufen werden können. Es sind meist jüngere Leute, Studenten der Technischen Hochschule, die gerne den Nebenverdienst, der ihnen das Blutspenden einbringt, zur Finanzierung des Studiums mitnehmen, oder ältere Menschen, die einen erhöhten Blutdruck haben, und denen die Blutabnahme eine Erleichterung bedeutet. Sogar Frauen aller Jahrgänge sind mit 15 bis 20 Prozent daran beteiligt. Sie alle wohnen zum größten Teil in Darmstadt selber, oder aber in Langen und den umliegenden Ortschaften sind sie ansässig. Man muß sie jedoch jederzeit telefonisch erreichen können, während bei Darmstädtern die Schwestern den Auftrag überbringen. Wir alle wissen wohl, daß man nicht jeden Spender nehmen kann, da es vier verschiedene Blutgruppen gibt, A, B, O und AB, wovon A und O die gesuchtesten sind.
Was macht man nun, um Blutspender zu werden? — Zunächst ist eine gründliche Untersuchung des Spenders Vorschrift. Eine Wassermannsche Blutuntersuchung ist notwendig, um die Gefahr der Übertragung einer Lues auszuschließen. Der Haemoglobingehalt des Blutes wird gemessen, eine Röntgendurchleuchtung erfolgt, und wenn man alle Klippen umschifft hat, muß man noch einen Schein unterschreiben, in dem man erklärt, niemals Malaria, Tbc oder in letzter Zeit Gelbsucht gehabt zu haben. Eine etwas umständliche Prozedur, die aber notwendig ist, wenn man sich vor Augen hält, welche Verantwortung der Blutspender übernimmt, sein Blut in den Körper des Patienten übertragen zu lassen. Vielfach hängt noch das nackte Leben des Kranken von der Transfusion ab.
Die Höchstmengen, die bei einer einmaligen Übertragung abgenommen werden, bewegen sich zwischen 500 und 550 ccm, mit anderen Worten, ein halber Liter oder eine ganze Milchflasche voll. Im allgemeinen wird die direkte Transfusion vorgezogen, zu der sich der Spender auf eine fahrbare Liege legt. Dann bekommen Spender und Empfänger eine stopfnadelstarke Transfusionsnadel in die Vene eingestochen, und mit einer Spritze wird in Mengen von je 10 ccm das Blut entnommen und dem Kranken eingespritzt. Zwischendurch müssen die Schläuche mit Kochsalzlösung durchgespült werden, damit das Blut nicht gerinnt und die Transfusion nicht abgebrochen werden muß. Im Vorteil sind bei der Übertragung Menschen mit starken Venen, bei denen der erste Einstich gleich sitzt, sogenannte Rollvenen, und unter Fettschichten lagernde Adern sind der Schrecken aller Ärzte. Ist die Übertragung beendet, dann bekommt der Spender vom Krankenhaus ein kräftiges Frühstück und hat darüberhinaus noch die Freude, an der Kasse einen recht ansehnlichen Betrag in Empfang nehmen zu können, der sich nach der Menge des gespendeten Blutes richtet. Vielleicht dürfen wir ihn hier verraten. Es sind 12,50 D-Mark für die ersten 100 ccm, und jede weiteren angebrochenen 100 ccm werden mit neuen 7,50 D-Mark honoriert, das sind bei 500 ccm 42,50 D-Mark. Ein ganz schöner Nebenverdienst, den die jungen Leute sicherlich gut gebrauchen können.
Natürlich kann man das nicht alle vierzehn Tage machen, obgleich sich da die Blutmenge schnell regeneriert. Alle sechs bis sieben Wochen ist es jedoch möglich, und zu Zeiten, wo die Blutspender knapp sind und viele dringende Fälle Transfusionen benötigen, wird die Pause wohl auch etwas kürzer sein. In der Hauptsache kommen Bluttransfusionen bei akuten Blutverlusten und Knochenmarkinsuffiziensen vor, aber auch andere Erscheinungen bedingen eine Auffrischung des Kreislaufes mit körperfremdem Blut. Der Arbeitsausfall des Spenders wird in einigen Krankenhäusern bezahlt, in anderen nicht, ebenso wie auch die Bezahlung der Blutuntersuchung des Spenders unterschiedlich ist. Alle drei Monate muß die Ausstellung eines neuen WAR (Wassermannsche Reaktion) erfolgen, und das Ergebnis, wie die jeweils gespendeten Blutmengen mit dem Datum der Transfusion, werden in einem Blutspenderausweis eingetragen, den der Spender bei erneuter Anforderung vorlegen muß.
Man sollte nicht so sehr auf das Geschäftliche dabei sehen, als auf die ethische Bedeutung dieses „Berufszweiges“, der in hunderten von dringenden Fällen Kranke vor dem sicheren Tod errettet hat, und der mit eine starke Waffe des Arztes in seinem unermüdlichen Kampf gegen Krankheit und Siechtum ist. HFL
Landestheater Darmstadt erfolgreich
Rückblick auf die Spielzeit 1949/50
Die Spielzeit 1949/50 geht ihrem Ende entgegen. Das Landestheater kann auf die in dieser Zeitspanne geleistete Arbeit befriedigt zurückblicken. Trotz der großen auftretenden Schwierigkeiten, die durch die Gasexplosion in der Orangerie im Januar bedingt waren, war es möglich, allen Mietern das Anrecht auf ihre 24 Abonnenten-Vorstellungen zu erfüllen. Die wirtschaftlichen und technischen Hindernisse wurden durch gemeinsame Arbeit von der Intendanz, dem künstlerischen und technischen Personal überwunden. Wenn heute eine neue moderne Spielstätte entstanden ist, so ist dies mit ein Verdienst der Treue des Theaterpublikums in Darmstadt, aber auch des Einsatzes der Stadt Darmstadt. Nicht zu vergessen ist die Bereitwilligkeit des Kultusministeriums, das gleichfalls Finanzmittel zum Aufbau der Orangerie genehmigte.
Das Schauspiel brachte sechs Neuinszenierungen, sechs Erstaufführungen, drei Studioaufführungen und ein Märchenspiel- Bei den Schauspiel-Neuinszenierungen steht der „Urfaust“ mit 13 Vorstellungen an der Spitze. Lessings „Minna von Barnhelm“ und Shakespeares „Was ihr wollt“ wurden je 12mal aufgeführt. Die Erstaufführung von Lindsays „Der Herr im Haus“ brachte es auf 12 Vorstellungen.
Die Oper kam mit acht Neuinszenierungen heraus: „Aida“ erreichte 17, „Hänsel und Gre+el“ 16 und der „Wildschütz“ 13 Aufführungen.
Bei der Operette war es das „Weiße Rössl“ von Benatzky, das mit 26 Aufführungen an der Spitze steht. Die „Lustige Witwe“, erzielte 22 Vorstellungen, während Raymonds Werk „Maske in Blau" 'l5 und Künnekes „Glückliche Reise“ 14 Wiederholungen erlebte.
Die Tanzgruppe des Landestheaters kam mit einem Tanzabend heraus, der achtmal wiederholt wurde.
Das Orchester des Landestheaters, unter seinem Chefdirigenten Richard Kotz, führte acht Sinfoniekonzerte, vier Sonderkonzerte und einen Beethoven-Zyklus durch.
In der zu Ende gehenden Spielzeit wurden insgesamt 50 auswärtige Gastspiele veranstaltet. Gespielt wurde in Aschaffenburg, Baden-Baden, Bad Nauheim, Heidelberg, Worms sowie in verschiedenen Kreisstädten von Hessen.
Im Vergleich zu anderen Theatern in Hessen zeigt sich, daß trotz Explosionskatastrophe das Landestheater Darmstadt es verstanden hat, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden und finanziell zu allen anderen Bühnen am günstigsten abzuschneiden. Ein Erfolg, der eine allgemeine Anerkennung verdient -ib-
Die Konzertgemeinschaft blinder Künstler veranstaltet am Sonntag im Pauluskirchensaal einen Violin- und Klavierabend. In der Vortragsfolge stehen Werke von Händel, Mozart, Beethoven, Debussy, Gluck, Dvorak und Turina. Solisten: Friedrich Schaudt (Karlsruhe), Violine, und Ludwig Rosenzweig (Kaiserslautern), Klavier.
Darmstadt und Umgebunng
Job der Ungenannten
Hell und heiß brennt die hohe Sommerzeit. In diese Wochen nach Sonnenwende drängt sich vieles zusammen, was in kühleren Tagen als papierener Plan erwuchs und zur Verwirklichung blendend blauen Himmels und leuchtender Sonne bedarf: Gesellschaftsfahrten und Vereinsausflüge, Gaststätteneröffnungen an Wanderzielen, Ausstellungen im Freien, Verbandsfeste und Jubiläen von Städten und Gemeinden — ein Sommerstrauß des öffentlichen Lebens, in allen bunten Farben der Freude glänzend.
Wenn der Festzug mit Musikgetöne dahinzieht, wenn die Lieder der Chöre klingen, groß und klein sich um Buden und Eisstände drängt, Spiele und Aufführungen ihren Lauf nehmen, die Festreden zünden und der Beifall aufbrandet wer denkt an die fiebernde Besorgnis der „Verantwortlichen“, denen jeder kleinste unterlaufende Fehler, von der Menge kaum bemerkt, siedend durchs Gemüt fährt? Wer gedenkt der namenlosen Helfer aus dem Heere der Angestellten, Handwerker, Arbeiter, deren Willigkeit und Geduld keine Grenzen kannte, der „ehrenamtlich“ Schaffenden, die zu aller andersartigen Tätigkeit die Mühen bis tief in die Nächte hinein nicht scheuten, um ein strahlendes Gelingen vorzu-Oereiten?
Und bei all dem Tun: wie manches heftige Wort verletzte, wieviele Tropfen Bitterkeit sanken-ins Blut, wie oft reizte ein Nadelstich an verwundbarer Stelle, senkte sich gedankenloses Übergehen gleich Wolkenschatten auf freudige Bereitschaft? Doch unerschöpflich ist die Langmut der Ungenannten —, Herzen, die unangefochten eigenen Sorgen die Sorge um die Freude vieler entgegensetzen — Nährboden, dem alles gemeinsame Werk sein Gelingen verdankt, unermüdlich wie die geduldigen Kräfte des Erdreichs wirkend, ohne die der Wald nicht wäre, nicht die Früchte des Baumes, noch die Blüten der Flur unter Glanz und Glut des hohen Sommers.
Laßt sie uns loben, diese Ungenannten! (D-s)
Krine Anglt vor Wissenschaft
Morgen beginnt das Sommerfest der Technischen Hochschule mit Vorlesungen und Vorführungen. - Nur 2000 Eintrittskarten verfügbar. - Höhere MalhZtik und Fuß Xt 7er ThTT- Kunstgeschichte und Zoologie fehlen a a’k Kunsthche Bhtze im Hochspannungslabor. — Rechnen, leicht gemacht. Am Abend zum Festkonzert in die Stadthalle.
Aus Schaufenstern und von Litfaßsäulen leuchten seit einiger Zeit die bunten Plakate zum Sommerfest der Technischen Hochschule. Morgen, am Samstagnachmittag um 14 Uhr, wird es mit Vorlesungen und Institutsbesichtigungen in der Technischen Hochschule eingeleitet. Bereits am Mittwoch waren von den verfügbaren 2000 Eintrittskarten fast die Hälfte ausgegeben. Wer im Besitz einer Eintrittskarte ist,
kann damit nicht alle Vorlesungen und alle Institute besuchen, denn die Teilnehmerzahl für die einzelnen Veranstaltungen ist so beschränkt, daß besondere Teilnehmerkarten kostenlos ausgegeben werden müssen. Diese Ausgabe erfolgt ab 11 Uhr am Samstag. Studenten der Hochschule werden die Besucher, die nicht mit dem Wunsch nach einer ganz bestimmten Veranstaltung kommen, in der Auswahl einer Vorlesung und einer Besichtigung beraten.
Über den Veranstaltungen des Samstagnachmittags steht der Wunsch, den Besuchern zu zeigen, daß Forschung und Wissenschaft zum täglichen Leben gehören und auch die schwierigste mathematische Rechenaufgabe ihren praktischen Nutzen hat. Prof. Dr. A. Walther wird zeigen, daß in der Mathematik vom täglichen Leben zur Wissenschaft gar kein weiter Weg ist, daß uns die höhere Mathematik in allen Lebenslagen begegnet, ob sich das um die komplizierten Rechnungen beim Fußball-Toto oder um Schwingungen der Gegenstände um uns handelt.
Über einer anderen Vorlesung von Prof. Dr. Mügge steht das Thema „Vom Wasserhaushalt der Atmosphäre“. Dieser Vortrag wird den Zuhörern einmal „mit einem Blick hinter die Kulissen“ zeigen, wieso, wo und wann sich überhaupt Wolken am Himmel bilden, unter welchen Umständen es regnet, und vor allem wird ein Film mit ausgezeichneten Zeitrafferaufnahmen über die Entstehung eines Gewitters einen tiefen Einblick in die Gesetze der Natur gewähren.
Der Zoologe Prof. Dr. Ank e 1, vielen Darmstädtern durch seine zahlreichen interessanten Veröffentlichungen über die Tier- und Pflanzenwelt unserer Heimat bekannt — er kehrte erst kürzlich von einer Studienreise in Italien zurück — wird über das Geheimnis der Geschlechtsbestimmung mit Lichtbildern erzählen.
Über das Wesen des Lichts, die Bedeutung seiner Gesetze für die Menschheit wird mit Unterstützung interessanter Experimente Prof. Dr. Rau, einer der ältesten Professoren unserer T. H., referieren.
Wer einmal auf einer modernen großen Straßen- oder Eisenbahnbrücke über einen breiten Fluß fuhr, hat sich schon oft gewundert, wie schmal und zierlich, im Vergleich zur Länge, diese modernen Brückenkonstruktionen sind. Nur sorgfältigste Berechnung und Konstruktion ermöglicht eine solche Bauweise. Ein außerordentlicher Fachmann im Stahlbrückenbau, Prof. Dr. Klöppel, wird darüber erzählen und Lichtbilder zeigen.
Auch an einer Technischen Hochschule darf, besonders für die Architekten, die Kunst und ihre Geschichte nicht fehlen. Prof. Dr. Evers, dessen Spezialgebiete in der Kunstgeschichte die Ägyptologie und der große niederländische Maler Rubens ist — Prof. Dr. Evers schrieb die bedeutendste Biographie über Rubens — wird von diesem seinem Lieblingsmaler berichten und in Lichtbildern dessen Kunstwerke zeigen.
Prof. Dr. Gruber, seit etwa 17 Jahren an der T. H. Darmstadt, mit seinen wertvollen Anregungen zum Wiederaufbau Darmstadts über dessen Grenzen weit hinaus bekannt, wird in seiner Vorlesung über die Entwicklung und Geschichte des deutschen Städtebildes Vortrag halten und gleichfalls Lichtbilder dazu bringen.
„Neues Bauen“ ist das Thema, das sich Prof. Dr. Neufert gewählt hat. Dieser Mann, schon mit 26 Jahren Professor geworden, ist ein Schüler des bekannten Baumeisters Walter Gropius vom „Bauhaus“ und hat sich mit seinen, nach modernsten eigenen Ideen ausgeführten Bauten weithin berühmt gemacht.
Zumindest das gleiche Interesse wie diese anregenden Vorlesungen werden die zahlreichen Vorführungen in den verschiedenen wissenschaftlichen Instituten der Hochschule finden. Da werden im Hochspannungslaboratorium buchstäblich künstliche Blitze zucken, im Institut für elektrische Anlagen werden Maschinen und Motore vorgeführt, an einem Modell wird die Stromversorgung einer Stadt mit bunten Lampen demonstriert werden, und im Institut für Fernmeldetechnik werden experimentelle Vorführungen und Versuche zur Elektro-Akustik den Hörern manche interessante Neuigkeit bieten.
Besonderer Erwähnung bedarf hierbei die weit über Darmstadts Grenzen hinaus bekannte Materialprüfungsanstalt, die einen so guten Ruf genießt, daß industrielle Firmen laufend die Überprüfung ihrer Materialien — Stahl oder Baustoffe zumeist — von dort erbitten. Die Prüfgeräte dieses Instituts werden Stahlbrocken zerquetschen, Eisenstangen zerreißen und in allen möglichen Versuchen die Untersuchungsmethoden auf Qualität vorführen.
Im Institut für praktische Mathematik werden den Besucher die überraschenden Fähigkeiten kompliziertester Rechenmaschinen erstaunen. Rechnungen, zu denen ein Mertsch Wochen und Monate braucht, werden hier von der Maschine in kürzester Zeit gelöst. Die Wirkung einer Presse, die mit 500 Tonnen Druck Material zerquetscht, wird in der Versuchsanstalt für Straßen- und Stadtbauwesen zu sehen sein, und die angehenden Architekten sind eifrig dabei, eine Ausstellung von Aquarellen und Entwürfen zusammenzustellen.
Technische Hochschule und Landestheater zeigen am Samstagabend in der Stadthalle ihre enge Verbundenheit in einem Festkonzert, das um 19.30 Uhr beginnt. Ein Kammerorchester des Landestheaters unter Leitung von Prof. Marguerre wird zusammen mit Charlotte Raab und Liselotte Baltz-Weber den Inhalt des Programms festlich gestalten. agt
Matthias Weber
Gestern nachmittag gegen 14 Uhr starb Obermusikmeister Matthias Weber im Alter von 76 Jahren an einem Herzschlag.
Mit ihm ging ein Stück altes Darmstadt, ein Mensch von uns, der mehr war als gerade eben nur der Dirigent irgend einer Kapelle, der mehr war als ein Musiker schlechthin.
Als der geborene Kölner lange vor dem ersten Weltkrieg die Leitung der Regimentskapelle des Artillerie-Regiment 61 in Darmstadt übernahm, verstand er es, einmal mit seinem unerhörten Können als Musiker, zum anderen mit seinem rheinischen Humor, seinem Charme die Darmstädter bei jeder sich bietenden Gelegenheit mitzureißen. Er war nicht nur ein guter Kapellmeister, sondern auch ein ebensoguter Solist auf einer ganzen Reihe Instrumenten, vor allem auf seiner Trompete, die er meisterlich blies.
Gleichgültig, ob er den großen Zapfenstreich, die sonntäglichen Promenadenkonzerte auf der Ludwigshöhe, im Herrngarten oder sonstwo dirigierte, ob er bei Bällen zum Tanz aufspielte — immer wieder kamen die Darmstädter und jubelten ihm zu. Seine Musiker liebten ihn wegen seiner Herzlichkeit, obwohl er in den Proben unerbittlich bei der Arbeit war. Die Frauen schätzten und verehrten ihn, und noch in hohem Alter bezauberte er sie mit seiner Ritterlichkeit.
Ohne „Matthes“ ging es nicht
Schon in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg hatte er es nicht leicht, sich durch eine für ihn fremde Welt zu schlagen. Er paßte sich an, so gut es eben ging, paßte sich auch nach dem zweiten Weltkrieg den wiederum veränderten Verhältnissen an, ohne es aber verstehen zu können, daß man ihm, der sein ganzes Leben nur der Freude und dem Freudebringen gelebt hatte, die, wie er meinte, ehrlich verdiente Pension verweigerte. Auf seine alten Tage übernahm er noch einmal die Leitung der Neu-Isenburger Feuerwehrkapelle, mit der er am nächsten Sonntag an der Stätte, an der er so manchen Triumph feiern konnte, im „Rummelbräu“, zum Tanz spielen wollte.
Es ist nicht mehr dazu gekommen, der Tod nahm ihm den Dirigentenstab aus der Hand und nur in der Erinnerung der alten und ganz alten Darmstädter wird Matthias Weber noch eine Weile weiterleben als ein Stück Vergangenheit der Stadt, in der er seine zweite und letzte Heimat fand. We.
In der Stadt notiert
Lehrschau für rationelle Holzbearbeitung Vom 6. bis 8. Juli findet in Darmstadt auf Veranlassung der Süddeutschen Holz- und Berufsgenossenschaft eine Lehrschau für rationelle Holzbearbeitung und Unfallverhütung statt. Die Ausstellung ist in erster Linie für holzbearbeitende Betriebe (Zimmerer, Schreiner und Sägewerke) gedacht. Der Eintritt ist frei.
Der Kreisausschuß des Landkreises Darm¬ stadt tritt am 7. Juli 1950 zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Vorberatung des Haushaltsetat 1950/51 sowie die Frage des Neubaues des Kreishauses. -ib-
Verkehrsunfall. Nur geringen Sachschaden gab es, als am Mittwoch gegen 22.10 Uhr an der Ecke Pallaswiesen- und Mollerstraße ein Omnibus und ein Personenauto zusammenstießen.
Quetschungen und Prellungen erlitt ein Internierter des Arbeitslagers Darmstadt beim Abladen von T-Trägern im Haardt-Ting. Er .konnte nach kurzer Behandlung im Krankenhaus wieder entlassen werden. DT
Am Freitag, dein 7. Juli, 20 Uhr, findet in der Gaststätte Ripper, Am Ostbahnhof, eine Versammlung der Freien Demokratischen Partei statt, in der Dr. Köhler über seine Eindrücke während einer kürzlich beendeten Amerikareise spricht. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Hammer spricht über die neueste Entwicklung in Bonn und beantwortet Fragen seiner Wähler.
Heute abend spricht in der T. H. im Saal 167 um 20 Uhr Pater Ferdinand Kastner aus Schönstatt über entscheidende Fragen des heutigen Menschen: „Das christliche Menschenbild.“
Ein Autozusammenstoß an der Ausfahrt der Autobahn ließ sich nicht mehr vermeiden, als gestern abend ein Lastkraftwagen bei Darmstadt die Autobahn verließ und dabei einen in der Kurve haltenden Lkw überholen mußte. Er geriet dabei auf die linke Seite der Fahrbahn und stieß auf einen entgegenkommenden Pkw, der. um einem Unfall zu entgehen, nach links einbog. Es entstand Sachschaden.
Vom Baugerüst der Landeszentralbank stürzte gestern der Baiuhandwerker Alois Haunsehüd. Er schlug auf tiefere Gerüstteile auf und zog sich schwere innere Verletzungen zu, so daß er in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden mußtefl
Die Krankentransportabteilung des Roten Kreuzes hatte gestern, im Laufe des Tages insgesamt 35 Krankenfahrten und Fahrten zu Unfallstellen durchzuführen. DT
Der Stadtetat ist ausgeglichen
Aber der Kämmerer sagt: „Nur scheinbar“, denn es geschah durch Vermögensmobilisierung — Der „Wunschzettel“ des außerordentlichen Haushalts — Das Ziel: „Darmstadt eine lebendige Stadt“.
Knapp vier Stunden brauchte die Stadtverordnetensitzung am Donnerstag, um nach der Etatrede des Kämmerers den Haushaltsplan und die Haushaltssatzung durchzusprechen. Der ordentliche Etat ist mit 23 150 000 DM im ordentlichen und mit 27 779 550 DM ausgeglichen, die Steuersätze bleiben unverändert. Die Magistratsparteien stimmten geschlossen den Vorlagen zu, die Kommunisten nur einzelnen Kapiteln, enthielten sich bei einigen und lehnten andere ab.
Die Sitzung wurde an Stelle des erkrankten Vorstehers Wiesenecker, der sich einer gutverlaufenen Blinddairmopenation unterziehen mußte, von seinem Stellvertreter Pfeiffer geleitet. Er übermittelte Grüße von Oberbürgermeister Metzger aus Amerika. Nach kurzer Geschäftsordnungsdebatte hielt Stadtkämmerer Feick seine eingehende Etatrede.
Die Etatrede Dr. Feicks
Der Kämmerer warnte davor, aus der scheinbaren Ausgeglichenheit des Etats zu schließen, als ob die finanziellen Verhältnisse der Stadt in bester Ordnung seien. Dem stehe gegenüber, daß im Vorjahr rund eine Million Mark aus dem ordentlichen in den außerordentlichen Haushalt abgezweigt werden konnten, während es dieses Jahr trotz des um eine Million gestiegenen Volumens nur noch 210 000 Mark sind. Da das Land Hessen der Stadt nur unzureichend unter die Arme greifen könne und die erforderlichen Mittel auch nicht auf dem Kapitalmarkt zu erhalten seien, bleibe nichts anderes übrig, als auch auf den ordentlichen Haushalt zurückzugreifen. In diesem Jahr sei es zwar möglich gewesen, im Zusammenhang mit der Umgründung der Stadtwerke Vermögen zu mobilisieren — es handelt sich einmalig um zwei Millionen Mark —, und so sei wenigstens ein Teilprogramm des Schul- und Wohnungsbaues zu verwirklichen, aber in kommenden Jahren werde es nicht mehr möglich sein, derartige Umsetzungen vorzunehmen. Daraus folgere die Pflicht zur Sparsamkeit, zumal, da wir aus dem Zustand der Primitivität befreit, höhere Betriebskosten für wiedereingerichtete Unternehmungen aufzuwenden hatten. Dafür gäben Schwimmbad und Woog überzeugende Beispiele.
Städtefeindlicher Finanzausgleich
Dr. Feick kritisierte anschließend den Finanzausgleich, der fast ausschließlich den kleineren Gemeinden zugute komme und dessen Mittel bei der heutigen Verteilungsart versickerten. Er wende sich nicht gegen das Land, denn er setze sich für ein Miteinandei’ ein, doch müsse er die Behauptung eines Landrats ablehnen, der von der „Bevorzugung der Städte“ gesprochen habe, die aufhören müsse. Völlig abwegig aber sei die Behauptung, die Städte wollten nur die arbeitsfähigen Menschen haben. Man bedenke die Städte bei der Zuteilung von Mitteln für den Wohnungsbau verstärkt und verpflichte sie dafür, die entsprechende Zahl von Evakuierten aufzunehmen, so würde das Problem schnell gelöst werden. Die Städte nehmen dem Land ohnedies manche Lasten ab, so gäbe es Schulen, die zu neunzig Prozent von Auswärtigen, und Krankenhäuser, die zu zwei Drittel von ihnen belegt seien, wobei jeder Pflegetag 2,50 Mark Zuschuß erfordere. An diesen sozialen und kulturellen Lasten sei auch das Land zu beteiligen. Auch um ihre Funktion für das Land zu erfüllen, nicht aus irgendeinem Stadtimperialismus, werde Darmstadt über das frühere Maß industrialisieren müssen, gelte es doch, für die verlorene Wirtschaftskraft Ersatz zu schaffen.
Bei der Besprechung der einzelnen Etatpositionen (wir werden darauf noch zurückkommen) kam der Kämmerer darauf zu sprechen, daß noch nicht übersehen werden kann, wieweit der für Darmstadt benötigte Härtefonds des Landes wieder in Rechnung gestellt werden kann. Er bat deswegen um die Ermächtigung für die Verwaltung, Einsparungen an den Ansätzen vornehmen zu dürfen. Die Erhöhung der Aufwendungen für die Personalausgaben — 10,5 statt 9,98 Millionen, das heißt 45 Prozent der Gesamteinnahmen — sei einzig und allein auf die Lohn- und Gehaltserhöhungen, nicht auf Verstärkungen zurückzuführen.
Wunsch und Wirklichkeit
Der außerordentliche Haushalt enthalte zwar nichts Ueberflüssiges, ja noch nicht einmal alles Notwendige, doch sei anzunehmen, daß nur ein Bruchteil von diesem „Wunschzettel“ zu realisieren sei. Das Bauprogramm sei in der Annahme begonnen worden, daß Darmstadt zumindestens den vorjährigen Zuschuß von 1,1 Mill. DM erhalte. Nun aber werde bekannt, daß die Stadt allerhöchstens mit der Hälfte rechnen könne. Da stehe noch ein sehr harter Kampf bevor.
Ueber die Baupläne dieses Jahres sagte Dr. Feick:
„In diesem Jahr wird der Wiederaufbau von Schulen und der Wiederaufbau bzw. Neubau von Wohnungen im Vordergrund, stehen. Wir hoffen, den 3. Bauabschnitt der Heimstättenschule, die Schillerschule, den 1. Bauabschnitt der Viktoriaschule, die Turnhalle in der Liebigs-Oberrealschule und die Rundeturmschule für Zwecke der Berufsschule fertigstellen zu können. Ueber 1 Million DM ist für den Bauverein für Arbeiterwohnungen vorgesehen, der damit die notwendigen Eigenmittel erhält, um ein Wohnbauprogramm von 7—B Millionen DM durchführen zu können. An weiteren größeren Bauvorhaben sei noch erwähnt der Anteil, den die Stadt für die Errichtung der Männerhalle des Schwimmbades zu übernehmen hat und ebenso sei daran erinnert, daß auch die Kosten für den Wiederaufbau der Orangerie zu Lasten des Jahres 1950 gehen, der ja im Vorjahr nicht geplant war. Ueber 850 000 DM sind vorgesehen für Wiederherstellungsarbeiten auf städt. Miet- und Pachtgrundstücken. Der Magistrat prüft mit aller Sorgfalt jegliche Möglichkeit, um so bald wie möglich eine größere Anleihe unterbringen zu können. Die Aussichten dazu sind mehr als schlecht.“
Eine besondere Würdigung erfuhr die Tätigkeit der Wiederaufbau-GmbH., die in etwa V 4 Jahren 1000 Arbeitsplätze geschaffen habe. Neben allen Bemühungen um den wirtschaftlichen Aufbau dürften jedoch die kulturellen und geistigen Dinge nicht vergessen werden, damit Darmstadt wieder werde, was es einst gewesen sei: eine lebendige Stadt. (Beifall der Magistratsparteien.)
Die Fraktionen haben das Wort
Für die Aussprache waren jeder Fraktion 15 Minuten zugestanden. Sie wurde von Stadtv. Göbel (SPD) eröffnet. Er ging davon aus, daß die Ausgaben von der Einnahmeseite her festgelegt sind. Bei aller Bejahung der kulturellen Verpflichtungen sei doch nach der Dringlichkeit vorzugehen. Kunstschule und Musikinstitut hatten nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt und ihre Anforderungen seien künftig an anderer Stelle besser anzuwenden. Eine angenehme Ueberraschung habe der Fraktion das Kapitel „Gesundheitswesen, Volks- und Jugendertüchtigung“ bereitet. In der Sportplatzfrage sei zu hoffen, daß die Zusagen der Besatzungsmacht eingehalten werden. Ein Entgegenkommen bei der Platzmiete sei zu wünschen. Die Trümmerverwertung solle überprüft werden, um der Stadt einen Nutzen aus ihr zu verschaffen. Mit Skepsis sei der außerordentliche Etat zu betrachten, da durchaus nicht feststehe, ob die eingesetzten Einnahmen eingingen.
Stadtv. Pennrich (FDP) erkennt die Sorgfalt an, mit der der Etat vom Magistrat aufgestellt sei. Seine Fraktion werde ihm trotz mancher Bedenken auch in seinen kulturellen Anforderungen zustimmen. An den personellen Aufwendungen seien Einsparungen anzustreben, denn trotz des Wegfalls von Aemtem sei die Beamtenzahl im wesentlichen geblieben. Hier sei anzustreben, mit weniger aber höchstqualifizierten Beamten gleiches und mehr zu leisten. Für das Gesundheitsamt sei die Einstellung eines Psychiaters aus sachlichen Gründen zu erstreben. An den etappenweisen Aufbau eines Rathauses Wvlle man schon jetzt denken.
Stadtv. Scholles (CDU) befaßte sich einleitend mit den Aufgaben der Verwaltungsreform. Mit ihr zu beginnen, sei im allgemeinen Interesse, und auch um die Anteilnahme an den kommunalen Aufgaben zu heben, notwendig. Größte Sparsamkeit sei bei der Aenderung der Fluchtlinienpläne anzuwenden, seien doch die Aufwendungen dafür enorm hoch. Es müsse mehr auf die alten Fundamente zurückgegriffen werden. Dei- Aufbauwille sei in jeder Weise zu fördern, auch durch Herabsetzung der Bausperren. Der Redner forderde ein engeres Zusammenarbeiten mit den freien Architekten. Begrüßenswert seien die Schulbaupläne. Zur Erziehung der Jugend gehöre aber auch die soziale Betreuung, für die im nächsten Etat größere Mittel zu wünschen seien. Eine sozialere Lösung der Straßenrciinigungsgebühren solle für die Besitzer zerstörter Grundstücke anigestrebt werden. Eine weitere Ausdehnung der Wenkkunstschule sei erst dann zu rechtfertigen, wenn sie ihre Aufgabe für die Weiterbildung des heimischen Handwerks erfüllt. Ohne den Optimismus des Stadtkämmerers zu teilen, stimme die Fraktion dem Haushaltsplan zu in der Erwartung, daß die Ansätze eingehalten werden.
Stadtv. Keil (KPD) kritisierte die Aufwendungen für den Magistrat, die um 70 000 Mark angestiegen seien. Die Unterhaltsbeiträge für aus politischen Gründen entlassene Beamten stehe im Gegensatz zu den sonstigen Unterstützungen. Die Aufwendungen für das Musikinstitut Kranichstein seien dem Fürsorgeetat zuzuführen. Als der Redner auf die Kriegsgefangenen zu sprechen kam und von einem „faulen politischen Geschäft“ sprach, gab es erregten Widerspruch. Bei den Ostflüchtlingen handle es sich zum größten Teil um „Ganoven“, für die keine Mittel auszugeben seien. Der Etat sei ein „allgemeiner Betrug des Magistrats und der Stadtverordneten an der Bevölkerung“. Die KPD stimme ihm deswegen nicht zu.
Antworten des Magistrats
Bgmstr. Schröder stellt fest, daß der Beamtenkörper der Stadt intensiv zu arbeiten habe. Der hohe Personalbedarf sei in Anbetracht der gesteigerten Aufgaben nicht verwunderlich. In früheren Zeiten, als der Etat dm ganzen höher war, habe der Prozentsatz der Beamten nicht niederer, sondern höher gelegen.
Stadtrat Schrauth teilt mit, daß der Stellenplan zur Zeit überprüft wird. Als Beispiel für die Arbeitsvermehrung führt der Redner das Soforthilfeamt an. Für eine Erweiterung des Gesundheitsamtes trete auch der Magistrat ein, doch erfordere der äußere Aufbau im Augenblick noch zu große Mittel, habe doch selbst ein Röntgenapparat gefehlt, der inzwischen von Oberkommlssar McCloy gestiftet wurde. Die demagogdsd.e Art der kommunistischen Einwände gehe daraus hervor, daß, offenbar wider besseres Wissen der Abg. Keil verschwiegen habe, daß die geringen Ansätze für die Heimikehrerbetreuung darauf zurückzuführen sind, daß die Mittel nun vom Lande direkt gegeben werden.
Kurze Einzelberatung
Für die Einzelberatung lagen ausschließlich Anträge der kommunistischen Fraktion vor. Sie forderte unter anderem Kürzung der sachlichen Ausgaben in einzelnen Positionen zugunsten der Fürsorge und der Jugend, was nach einer Erklärung des Stadtkämmerers abgelehnt wurde, der mitteilte eine entsprechende Anweisung sei bereits vorbereitet. Auch der Antrag, die Zuwendungen an das Kranich steiner Musikinstitut zu streichen, wurde abgelehnt. Beim Poliizeikapitel sprach Stadtverordneter Zie g s (SPD) den Dank an die Beamten aus. Stadtverordneter Dr. Kraft (FDP) wünschte eine Vorlage der Gesamtkosten, die durch die Straßenumlegungen entstehen und Richtlinien für die Entschädigung. Dazu teilte Oberbaudirektor Prof. Grund mit, daß in diesem Jahr 1300 Baugesuche eingegangen seien. Für die Fluchtlinienänderungen habe sich die Verwaltung bereits auf das mindeste beschränkt und bleibe unter den Städten Hanau und Kassel. Ein besonderer Dank gebühre den Beamten der Bauverwaltung mit ihrer großen Arbeitsfülle. Viele Einwände, wie die gegen die Arkaden, seien bereits verschwunden. Ein Blick auf die Elisabethenstraße zeige, wie durch den Straßenausbau der Wert der Grundstücke gestiegen sei. Stadtrat Holtzmann erklärte zum Wohnungsbauprogramm, daß man mit dem im vorigen Jahr Erreichten zufrieden sein dürfe. Auch der kommende Jahreserfolg — gegenwärtig sind rund 1000 Wohnungen im Bau — werde zeigen, daß alles getan wurde, was sich tun ließ.
Die Debatte über den außerordentlichen Haushalt ging im wesentlichen zwischen dem Stadtkämmerer und dem Stadtverordneten Keil. Dieser bezeichnete die Zahlen als „Betrug“, da mit dem Eingang der Mittel nicht gerechnet werden könne. Der Stadtkämmerer wies demgegenüber auf die Verpflichtung der Stadt hin, das in ihren Etat einzusetzen, was für den Wiederaufbau notwendig sei, wenn auch nicht alles erreicht werden könne, denn es sei ein Unterschied zwischen einer Bilanz und einem Voranschlag.
„Frohe Ferien“
Die Beantwortung einer KPD-Anfrage über die verschwundenen Bänke vor dem Parkhotel wurde im Einverständnis mit den Anfragern zurückgestellt. Es war inzwischen dreiviertelsieben Uhr geworden. So verabschiedete man sich mit guten Ferienwünschen. p.D.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Union: „Truxa"; Thalia: „Katharina die Große“; 22.45 Uhr: „Das dämonische Ich“; Belida: „Der stumme Gast“; Palast: „Verlorenes Rennen“; Hansa: „Der Weg nach Sansibar.“
Vortragsreihe „Verkehrsmaschinen“: Tech¬ nische Hochschule, 17.15 Uhr, Hörsaal 246, Vortrag Dr.-Ing. Roosen: „Eisenbahnerfahrungen aus zwei Erdteilen 1948/49.“
Süddeutsche Holz-Berufsgenossenschaft: Concordiasaal, Adelungstraße 33, Ausstellung 9—lß Uhr: Lehrschau für rationelle Holzbearbeitung und Unfallverhütung.“
Technische Hochschule, Raum 163, 20 Uhr, Vortrag; Pater Kastner: „Entscheidende Fragen des heutigen Menschen.“
Wir gratulieren
75. Geburtstag: Herrn Georg Schmidt, Schneidermeister, Ober-Ramstadt, Baustr.
Starkenburg
Pfungstadt wahrte seine Tradition
Kleine Chronik einer fleißigen Stadt
Im Schenkungsbuch des Klosters Lorsch wird Pfungstadt im Jahre 750 zum ersten Male erwähnt. In der Nähe der parallel zur Mojau verlaufenden Römerstraße von Gernsheim nach Dieburg, und nicht weit der Straße Worms-Frankfurt gelegen, waren die Möglichkeiten zu einem blühenden handwerklichen und gewerblichen Leben gegeben.
Im 15. Jahrhundert wird Pfungstadt Mittelpunkt eines Gerichtsbezirks und militärischer Organisationen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts muß die Stadt Amtsort gewesen sein, da das heute noch erhaltene Rathaus-und das Pfarrhaus in der Bornstraße in ihrer Schönheit darauf schließen lassen. 1582 hatte die Stadt schon tausend Einwohner. Man schätzt, daß die Gesamt-Kapazität der damals vorhandenen Mühlen bei 40 000 Maltern lag.
Der Dreißigjährige Krieg traf auch die Stadt aufs schwerste, und zusätzlich trat infolge der Grenzverschiebungen nach dem Krieg Darmstadt mit fünffach vergrößertem Landbesitz an sichtbar zentrale Stelle.
Neues Aufblühen entstand zur Zeit des Merkantilismus; die Industrialisierung begann. Neben der Porzellanmanufaktur Kelsterbach war 1767 die Krapp-Fabrik (Krapp war jene morgenländische Wurzel, die nach verschiedenartigen Bearbeitungen die notwendigen Farbstoffe ergab) das damals größte Unternehmen. Der Darmstädter Textilwarenhändler Johann Andreas Zöppr i t z übernahm später den nicht mehr ganz rentablen Betrieb und errichtete eine Wollmanufaktur mit dreißig Stühlen.
1841 gründete Wilhelm Büchner — der Bruder des Dichters Georg Büchner — mit H. Wilkens die älteste Ultramarin-Fabrik. 1884 beschäftigte das Werk sechzig Arbeiter. 1851 entstand, geleitet von C. W a 1 - ge r, die erste Zündholzfabrik. Es folgte Siepermann bis 1898, und Geiger und Braun bis 1905. 1853 begann Heinrich Hassenzahl zu produzieren, die älteste, heute noch bestehende Zündholzfabrik. 1875 lief unter Christoph Bü 11 ell ebenfalls die Zündholzherstellung an, eine Firma, die nach dem ersten Weltkrieg zu ihrer heutigen Bedeutung aufgestiegen ist.
Die erste Pfungstädter Papierfabrik von Hildebrand Ulrich und Cie. und die Pappendeckel-Fabrikation von Appel und Preß trugen zur erfolgreichen industriellen Entwicklung des Ortes bei.
Auch die wirtschaftliche Depression der ersten Jahre nach den beiden Kriegen haben der Stadt und ihren Bürgern nicht die Tatkraft und Initiative nehmen können. So setzt Pfungstadt, wenn es jetzt und weiterhin ein Ort gewerblichen und industriellen Fleißes ist, nur eine alte bekannte Tradition fort. •(ng.)
Hitzschlag auf dem Motorrad
Zwei junge Männer aus Hofh e i m fuhren am Dienstag mit dem Motorrad von Lampertheim in Richtung Bürstadt. Kurz vor der Ortseinfahrt erlitt der Beifahrer einen Hitzschlag und fiel in voller Fahrt vom Motorrad herunter. Er trug schwere Knochenbrüche am Oberkörper davon und wurde bewußtlos in das Marien-Krankenhaus Lampertheim eingeliefert; der Fahrer kam mit unbedeutenden Verletzungen davon.
Neue Häuser in Hähnlein
Dank der Initiative ihres rührigen Bürgermeisters Gerhard und des Gemeinderats, die in jeder Beziehung die Bautätigkeit fördern, wird es der Gemeinde in absehbarer Zeit gelingen, die Wohnraumnot zu lindern. Im letzten Halbjahr wurden 2 Einfamilienhäuser bezugsfertig, 3 Häuser stehen im Rohbau und können voraussichtlich im -August bezogen werden. Neun Häuser sollen noch vor Beginn des Winters unter Dach kommen.
In der Verbindungsstraße zwischen Rodauer und Waldstraße steht bereits das erste Wohnhaus im Rohbau, mit dem Aushub des zweiten wird jetzt begonnen; vorgesehen sind hier insgesamt 8 Häuser, die den Marktplatz abgrenzen. Auch die Lagerhalle der Spar- und Darlehnskasse Hähnlein ist bereits fertiggestellt und wird demnächst ihrer Bestimmung übergeben werden. Auch dieses Gebäude wird zur Verschönerung des Marktplatzes beitragen.
Die evangelische Kirchengemeinde sammelt zur Zeit für eine neue Kirchenglocke; die Gemeindeverwaltung wird sich mit einem größeren Betrag an der Sammlung beteiligen. Die Leichenhalle wurde erweitert, umgebaut und neu hergerichtet, da sie nicht mehr den Zeitverhältnissen entsprach. Die Einweihung soll im August erfolgen. Das Gemeindehaus in der Gernsheimer Straße erhielt einen neuen Außenanstrich und ist jetzt eines der schönsten Häuser Hähnleins. (hl)
Rimhorn. — Auf der stark abschüssigen Hauptstraße stießen in der unübersichtlichen Kurve bei der Wirtschaft Wolf zwei Motorradfahrer, die beide wegen des schlechten Straßenzustandes auf der Mitte fuhren, zusammen. Dabei entstand an beiden Fahrzeugen Sachschaden. Die Fahrer sowie ein Soziusfahrer trugen Verletzungen davon. (—ch)
Heilen, Gartenbau und Schweinezucht
Dies alles betreibt man im Groß-Gerauer Stadtkrankenhaus
Kein zweites Haus in Groß-Gerau beherbergt wohl in seinen Mauern soviele Schicksale, wie jenes große, von Ziersträuchern, Blumen und prächtigen Bäumen umgebene Haus am Genauer Stadtrand, das einen so geruhsamen und friedlichen Eindruck macht. Babys erblicken hier das Licht der Welt, kranke und leidende Menschen erleben schmerzvolle Stunden und hin und wieder schließt einer für immer seine Augen. Alle Leiden finden hier helfende Hände, tröstende Worte und heilende Mittel.
Zehn Schwestern des Rotes Kreuzes sind ab 6 Uhr morgens damit beschäftigt, leidenden Menschen zu helfen und ihnen ihre Gesundheit wiederzugeben. Der Dienst ist schwer und nicht immer sind es dankbare Menschen, denen sie ihre Hilfe angedeihen lassen. Unter Le.tung der Oberschwester, die vor 20 Jahren schon im Groß-Gerauer Krankenhaus als Schwester „Rosa“ tätig war, sind die Schwestern bis spät abends beschäftigt. Mehr als einmal opfern sie ihre Nachtstunden, um dringend benötigte Hilfe zu bringen.
Als das Krankenhaus am 3. Mai 1890 eröffnet wurde, versahen nur 6 Schwestern der Darmstädter Diakonie den Dienst. Jeden Morgen fuhren einige von ihnen mit Bier- und Milchfuhrwerken auf die Ortschaften des Kreises hinaus, um dort die Kranken zu versorgen. Am 1. O’ '.ober 1926 erwarb die Stadt Groß-Gerau das Krankenhaus für 100 000 Mark. Inzwischen wurde । e Einrichtung gründlich umgestaltet. 73 Betten stehen jetzt für die Kranken bereit; eine moderne Röntgenapparatur sowie ein Operationssaal, in dem monatlich 20—30 Operationen durchgoführt werden, gewährleisten eine ärztliche Versorgung, die den Anfor.l -rmgcn unserer Zeit gewachsen ist.
Ein ausgedehnter Wirtschaftsgarten bringt jährlich eine Ernte im Werte von zirka 3000 Mark. Kürzlich wurden wieder 20 Obstbäume angeschafft, um die Kranken mit frischen Früchten versorgen zu können. Auch soll d^r Ziergarten, der das Krankenhaus umgibt, noch weiter ausgestaltet werden. Mit großer Sorgfalt pflegt man fünf muntere Schweine. Durch diese Zucht wird der gesamte Kochfettbedarf gedeckt.
Unbefange e Besucher wundern sich mit Recht, wieviel Verschiedenartiges die Mauern dieses Hauses bergen. (cg)
Zu früh „gebuddelt“!
Nicht gering war in Groß-Gerau das Erstaunen der Schwestern Reinheimer, als sie vor einigen Tagen bemerkten, daß man in der Gartenstraße auf einem ihrer Grundstücke begonnen hatte, ein Haus zu bauen. Die noch nicht ausgereiften Frühkartoffeln waren ausgemacht, mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen und ein Teil des Baumaterials bereits angefahren worden. Ein Mann, der in Selbsthilfearbeit ausschachtete, erklärte, daß ihm die Baugenossenschaft „R i e d“ das Grundstück als Bauplatz zugewiesen hätte.
Da die beiden Schwestern das Grundstück weder verkauft hatten, noch eine Enteignung vorlag, ließen sie durch ihren Rechtsbeistand das Bauvorhaben wieder rückgängig machen.
Hätte der Pächter, der über seine zu früh ausgemachten Kartoffeln reichlich wütend war, nicht den beiden Schwestern das Bauvorhaben gemeldet, so wären diese gewiß recht erstaunt gewesen, eines Tages auf ihreni Grund und Boden ein fertiges Haus vorzufinden. (cg)
Sonntagsrückfahrkarten zum Pferdemarkt
Die Bundesbahn gibt anläßlich des Beerfeldener Pferde-, Fohlen- und Zuchtvieh markt es am 9. und 10. Juli von allen Bahnhöfen im Umkreis von 50 Kilometer Sonntagsrückfahrkarten aus, die am Sonntag normale Geltungsdauer haben, am Montag dagegen nur für diesen Tag bestimmt sind. (-ch)
Mit dem „Monitor“ gegen die Flammen
Amerikanische „Wasserkanone“ beim hessischen Landesfeuerwehrtag in Dieburg
Für die nächsten drei Tage beherbergt Dieburg mehrere tausend Gäste in seinen Mauern: Nach den bisher eingegangenen ■Meldungen kommen zum Landesfeuerwehrtag vom 8. bis 10. Juli Wehren aus ganz Hessen, aus Rheinhessen, Baden und Bayern. Dieburg wird also im Zeichen der Männer stehen, die jederzeit bereit sind, zu Hilfe zu eilen, wenn Feuersnot sie ruft.
Die bereits seit Monaten laufenden Vorbereitungen zu dem Fest, das zugleich das 80jährige Jubiläum der Dieburger Freiwilligen Feuerwehr einschließt, sind abgeschlossen. Der Fachtagung am Samstagmittag in der „Ludwigshalle“ folgt am Abend um 20 Uhr vom Marktplatz aus durch verschiedene Straßen der Stadt ein Fackelzug — bei dem auch mit der Teilnahme der übrigen Ortsvereine zu rechnen ist — nach dem Festzelt, wo unter Mitwirkung der Dieburger Vereine ein-Festkommers stattfindet.
Der Hauptfesttag bringt nach dem Weckruf um sechs Uhr mit anschließendem Empfang der auswärtigen Wehren und Gäste Festgottesdienste in den Kirchen beider Konfessionen und um 8.30 Uhr die Uebergabe des neuen Feuerwehr-Gerätehauses am Fechenbachschen Schloß. Ganz besonderes Interesse werden bei den Wehrmännern und der Bevölkerung die Schul- und Brandangriffsübungen finden, die um 10 Uhr auf dem Marktplatz vorgeführt werden. Neben Schauübungen der Freiwilligen Feuerwehr Dieburg zeigen amerikanische Feuerwehrbereitschaften Löscharbeiten rnit modernsten Fahrzeugen und Geräten. Dabei führen sie unter anderem die Löschung eines großen Oel- und Benzinbrandes mit einem motorisierten Schaumlöschgerät vor und zeigen einen sogenannten „Molitor“, eine Wasserkanone. Das Gerät wird aus verschiedenen Schlauchleitungen zugleich gespeist, so daß es eine Strahlwurfweite von etwa 80 Metern erreichen kann. Ein aufs modernste ausgestatteter Sanitätswagen, der zur ersten Hilfeleistung für Verunglückte und Ertrunkene eingerichtet ist, zur Besichtigung freigegeben.
An dem Festzug nehmen 14 Musikkapellen und etwa 3000 Feuerwehrleute teil. Seine Aufstellung erfolgt an der evanglischen Kirche. Von dort zieht er durch die Frankfurter Straße bis zum Gasthaus Dries, mit Gegenzug weiter über Altstadt —Zuckerstraße — Steinstraße — Minnefeld — Spitalstraße — Zuckerstraße — Marktplatz (feierliche Totenehrung) Rheingaustraße Schloßgarten.
Im Festzelt werden der Protektor des Festes, Ministerpräsident Christian Stock und Vertreter der Behörden und Verbände Ansprachen halten. Das anschließende Volksfest leitet zum großen Festball am Abend über. Den Besuchern ist inzwischen Gelegenheit zur Besichtigung der Feuerlöschgeräteausstellung am Eingang des Schloßgartens geboten.
Der Montag sieht am Morgen einen Frühschoppen im Festzelt vor. Um 14 Uhr werden die Schulkinder Dieburgs vom Marktplatz aus mit Musik zum Festplatz geführt, wo ihnen allerlei Ueberraschungen bevorstehen: Mastklettern, Kuchen wettessen, Schwebebaum und viele andere Wettbewerbe, deren Gewinner mit zahlreichen Preisen belohnt werden sollen. Am Abend klingt das Fest mit Tanz aus. (RG)
Bensheim. Der Gesangverein „Liederkranz“ wiederholt am kommenden Sonntag die im vergangenen Winter erfolgreich aufgeführte Operette „Die Nachtigall vom Neckarstrand“. Der Reinertrag der Veranstaltung ist für den Wiederaufbau der kath. Stadtkirche bestimmt. Die musikalische Leitung hat Rudolf Hagen, die Spielleitung hat Carl Ott. (HB)
Ehe man Ehefran wird
DT-Besuch in der evangelischen Frauenarbeitsschule Bensheim
Wenn am 15. Juli die Sommerferien für die Mädchen der evangelischen Frauenarbeitsschule in Bensheim beginnen, dann ist gerade ein Vierteljahr seit der Neueröffnung vergangen.
In einem hellen Raum sitzen etwa 25 junge Mädchen im Alter von 15 bis 25 Jahren an großen Tischen oder an Nähmaschinen am Fenster und haben die verschiedensten Näharbeiten vor sich. Der Unterricht wird nur am Vormittag gehalten, so daß die Pflichtstundenzahl von 32 wöchentlichen Schulstunden erfüllt wird.
Die Schülerinnen kommen größtenteils von auswärts, aus dem Ried, dem Odenwald, von Darmstadt, ja sogar von Michelstadt. Nicht alle wollen das Schneiderhandwerk als Beruf erlernen, viele möchten nur soviel schneidern können, wie für den täglichen Gebrauch notwendig ist. Die Schulzeit dauert vorläufig ein Jahr (von Ostern bis Ostern) und wird als erstes Lehrjahr von der Handwerkskammer angerechnet; nach einer Prüfung müssen die Schülerinnen dann noch zwei weitere Jahre bei einer Meisterin lernen, ehe sie die Gesellenprüfung ablegen können. Diese Anrechnung auf die Lehrzeit ist der große Vorzug der Schule und wird bei anderen derartigen Anstalten nicht vorgenommen, denn Frau Leyendecker, die Leiterin, ist nicht nur Fachlehrerin, sondern auch zugleich geprüfte Schneidermeisterin.
Der Unterricht selbst erfolgt nach einem festen Plan: Es wird Flicken, Stopfen, Weißzeugnähen usw. gelehrt. In der ersten Zeit allerdings, so erklärte uns die Leiterin, wird sich auf Weißzeugnähen beschränkt, denn so lernt es sich leichter, und mit dem eigentlichen Schneidern wird erst im Herbst begonnen. Die Mädel arbeiten nicht für Kundschaft, sondern lediglich für eigenen Gebrauch oder für Verwandte und Bekannte. Wenn auch der offizielle Eintritt in die Schule immer nur an Ostern vorgenommen werden kann, so gibt es doch Ausnahmefälle, wo Mädchen, die bei einer Schneidermeisterin mit ihrer Lehrzeit begonnen hatten und, diese aus irgendwelchen Gründen abbrechen mußten, auch während des laufenden Schuljahrs aufgenommen werden.
Wie uns Frau Leyendecker erklärte, wurde die Schule ursprünglich mit der Zusicherung eines Staatszuschusses eröffnet. Diese Gelder sind aber bis zum heutigen Tage ausge¬ " blieben, so daß die Schule sich selbst helfen muß, was nicht leicht ist, da die dringend notwendige Renovierung der Räumlichkeiten Wesentliche Unkosten verursacht hat.
Ehe wir gehen, werfen wir noch einmal einen Blick in den freundlichen Unterrichtsraum, aus dem alles Schulmeisterlich-Trockene verbannt ist und worin eigentlich mehr ein freundschaftlich-familiärer Ton herrscht. Frau Leyendecker ist selbst noch eine junge Frau, versteht daher die Jugend besonders gut und ist ihren Mädels mehr eine ältere Freundin als Lehrerin. (HB)
kohV ^Mittel U- E^ne'mod^r^ erwarten (links) -Er hat gut lachen -bei so einem Blumen-Koni. (mute) Eine moderne Röntgen apparatur ist allen Anforderungen gewachsen (rechts). Fotos: Suchy (3)
Sieht er nicht harmlos aus?
Man könnte es beinahe glauben, denn „R uff ", der halbjährige Wildeber eines Rohrheimer Arztes tut so, als könne er kein Wässerchen trüben. Im Jägersburger Wald gefangen, folgt er heute seinem Herrn auf Schritt und Tritt — und soll ganz zahm geworden sein... wenn nicht doch manchesmal noch seine Wildheit durchbrechen würde, wobei er die Hühner seines Herrn zerfetzt. Eben frißt er seinem kleinen Spielkameraden noch aus der Hand... aber Wildschwein bleibt halt immer noch Wildschwein, wenn es auch noch so klein ist...
Saubere Kumpane auf Erpresserwegen
Schauermärchen brachten neun Monate Gefängnis ein
Als eine dumm eingefädelte und mißglückte Geschichte bezeichnete gestern Landgerichtsdirektor Hahn die Tat des 46 Jahre alten Spenglers Karl Ri. und des 42 Jahre alten Fuhrunternehmers Hans Rü. aus Darmstadt, die von der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt wegen gemeinschaftlichenßetrugsversuchs zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Durch Erzählung von einschüchternden Schauermärchen hatten beide versucht, in den Besitz einer größeren Geldsumme zu gelangen.
Der Angeklagte Ri. stand mit einem Polen in Verbindung, der im Auftrag einer internationalen Suchkommission Ermittlungen über vermißte Polen, Russen und andere Ausländer führte. Diesem trug er Informationen über ein großes Grab russischer Kriegsgefangener bei Klein-Zimmern zu, die in einem Lazarett umgekommen seien, dessen Leiter während des Krieges der Arzt Dr. K. aus Groß-Zimmern war.
Ein von dem Polen eingeleitetes Verfahren bestätigte diese Angaben und ergab, daß bis auf einen Fall keine Todesscheine für die über 400 umgekommenen Russen ausgestellt waren.
Am 13. Dezember 1949 nun radelte Ri. mit seinem Freund, dem Mitangeklagten Rü., zu Dr. K. nach Groß-Zimmern. Man stellte sich als Wenz und Rückert vor und erzählte der erstaunten Familie, der Pole, der Ermittlungen gegen Dr. K. führe, sei vermutlich ein Sowjetagent, der „unvorstellbar belastendes Material“ zusammengetragen habe, das über die Grenze den Russen in Berlin zugespielt werden solle. (In Wirklichkeit verfaßte der polnische Angestellte einen Bericht an die CIC.) Als der Arzt erklärte, er sei bereits entlastet, fuhren die beiden ein noch größeres Geschütz auf und sprachen von einer angeblichen Nacht- und Nebel-Verschleppung Dr. K.s nach Rußland und spaltenlangen Zeitungsartikeln, die den Ruf des Arztes vernichten würden. Sie seien in der Lage, die Akten beiseitezuschaffen und zu helfen. Als die „hilfsbereiten“ Männer jedoch für ihre Leistungen eine „Belohnung“ von 500 DM forderten, wurde die Familie mißtrauisch. Während Dr. K. energisch ablehnte, überreichte seine Frau den beiden 20 DM, um sie zum Wiederkommen zu bewegen. Kurz darauf verständigte man jedoch die Kriminalpolizei, deren Ermittlungen das Lügenspiel der beiden schmählich zusammenbrechen ließen.
Landgerichtsdirektor Hahn betonte in der Urteilsbegründung, die Angeklagten hätten in unverantwortlicher Weise die Lage eines Mitmenschen auszunutzen versucht und eine Hilfsbereitschaft vorgespiegelt, die nicht vorhanden war, was sich aus den Worten eines Angeklagten ergebe, d'er bei seiner Vernehmung durch die Kriminalbeamten erklärt habe: „Und er wird doch gehängt!“ Das Ganze grenze hart an eine Erpressung, weshalb auch eine empfindliche Strafe verhängt worden sei. (wst)
Kostenfreie Schandtat
Freudig lachend verließ gestern der 22- jährige Rußlandheimkehrer Reinhold E. aus Groß-Gerau den Gerichtssaal, nachdem ihn die Erste Strafkammer von der Anklage einer Notzucht freigesprochen hatte. Man beschuldigte ihn, während seides Erholungsaufenthaltes im Heimkehrerlager Brandau nach einem nächtlichen Tanzvergnügen ein 15jähriges Mädchen aus dem Ort vergewaltigt zu haben. Er wurde seinerzeit verhaftet, jedoch nach kurzer Haftdauer wieder entlassen.
Wie da Gericht betonte, habe es das Mädchen an dem nötigen Widerstand fehlen lassen, so daß man nicht von einem Notzuchtsfall sprechen könne. Objektiv wie subjektiv sei der Tatbestand nicht völlig erfüllt. Mildernd berücksichtige die Kammer außerdem die lange Kriegsgefangenschaft des E. und die Tatsache, daß er damals erst vor drei Tagen zurückgekehrt war. (wst.)
Wahldiskussion in Groß-Geran
SVuf Einladung von Bürgermeister Dr. Lüdecke sprach am Mittwochabend in einer Groß-Gerauer Bürgerversammlung Dr. von Hartmann über Verhältnis- und Mehrheitswahlsystem im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung. Der Referent vertrat die Ansicht, daß das Mehrheitswahlsystem den breiteren Schichten der Wähler stärkeren regierungspolitischen Einfluß gebe. Auch schalte das Mehrheitswahlsystem den „Koalitionshandel“ aus, der das Bestehen einer Regierung oft nur von einer kleinen Splitterpartei abhängig mache. Eine geteilte Regierungsverantwortung, wie sie das Verhältniswahlsystem schaffe, gebe außerdem den Regierungsparteien die Möglichkeit, der Verantwortung auszuweichen. Der Referent empfahl deshalb, für eine Herausnahme des Verhältnisgrundsatzes aus der Verfassung zu stimmen.
Ein Vertreter der KPD lehnte die Abänderung der Verfassung ab, während die Sprecher der CDU und FDP die Aenderung des Artikels 75 empfahlen. (cg)
Der SPORT
Deutschlands Schwimmer vor großen Aufgzaben
Am Wochenende LSnderkampf gegen Schweden
Deutschlands Schwimmer stehen in Jen kommenden Monaten zum ersten Male nach dem Zusammenbruch vor großen internationalen Aufgaben. Seit der Deutsche Schwimmverband im September 1949 in der FINA-Sitzung in Mailand in den Internationalen Schwimmverband aufgenommen worden ist Sind z ar schon zahlreiche Clubkämpfe mit ausländischen Vereinen, vor allem mit der Schweiz, Oesterreich’ Schweden und nun auch mit Portugal veranstaltet worden, aber der erste Länder-Schwimmkampf Deutschlands in der Nachkriegszeit wird am 8. und 9. Juli gegen Schweden im Berliner Olympia-Schwimmstadion stattfinden.
Deutschlands letzter Länderkampf-Gegner im Schwimmen war im August 1942 in Genua Italien, das damals Deutschland ganz knapp schlagen konnte. Schon zwei Monate vorher, ebenfalls im Kriegsjahr 1942 war in Darmstadt auch der Länderkampf gegen Ungarn verloren gegangen. Insgesamt hat Deutschland bisher 47 Länderkämpfe im Schwimmen ausgetragen, darunter 18 gegen Ungarn, zwölf gegen Frankreich und gegen Schweden und England je fünf Kämpfe. Schweden war bisher dreimal Länderkampfgegner, und alle drei Länderkämpfe konnte Deutschland gegen die Skandinavier gewinnen, den ersten vor nahezu einem Vierteljahrhundert am 24. Juli 1927 in Stockholm, während bei den beiden anderen Länderkämpfen Schweden in Deutschland zu Gast war, 1929 in Halberstadt und kurz vor Kriegsausbruch am 22. und 23. Juli 1949 in Hannover.
Der Länderkampf gegen Schweden am 8. und 9. Juli im Berliner Olympia-Stadion wird in den olympischen Wettbewerben ausgetragen. Er ist eine aufschlußreiche Kraftprobe für die deutschen Schwimmer, die in diesem ersten Länderkampf der Nachkriegszeit gegen eine Nation antreten, die in den letzten Jahren in Europa sich eine führende Stellung errang.
Der Münchener Herbert Klein, Europa-Rekordmann über 200 Meter Brust, und die Pfälzerin Gertrud Herrbruck, unsere deutsche Kraul- und Rückenmeisterin, ragen durch ihr Können aus der deutschen Ländermannschaft hervor, aber auch unsere Springer und Springerinnen dürften gute Chancen im Kampf gegen die Schweden haben.
Dieser Länderkampf wird für die deutsche Schwimm- Ländermannschaft der beste Prüfstein für die bevorstehenden Europameisterschaften im August in Wien sein. Zwischen den deutschen Schwimm-Mejsterschaften in Göppingen am 12. und 13. August und den Europa-Meisterschaften (20. bis 27. August) werden dje deutschen Wasserballer und Springer am 15. und 16. August noch einen sogenannten kleinen Länderkampf gegen Italien in Bozen austragen. Italien war 1948 in London Olympia-Sieger im Wasserball. Unsere Wasserball-Nationalmannschaft wird von diesen Länderspielen gegen Italien — an jedem der beiden Tage wird ein Spiel ausgetragen — viel für die Europameisterschaften profitieren vo.-
Barth (Mainz) und Herder (Bamberg) beim SV 98
Nach Thalheimer und Becker hat der SV Darmstadt 98 seine Reihen für die kommenden schweren Oberligaspiele durch zwei weitere Spiele verstärken können.
Werner Barth spielte bisher bei Mainz 05 als Verteidiger und Außenläufer und galt dort als der stärkste Spieler seiner Elf- Er trat besonders im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern hervor, indem er Fritz Walter fast vollständig kaltstellte und dadurch wesentlich zu dem knappen 1:2 beitrug. Barth war Repräsentativspieler für Rheinhessen.
Erich Herder ist den Darmstädtern von den Aufstiegspielen her noch in bester Erinnerung. Beim 1. FC Bamberg war der alte Routinier meist auf dem rechten Außenläuferposten zu sehen, fand aber auch schon als Verteidiger Verwendung und spielte während des Krieges als Stürmer beim 1. FC Nürnberg.
Mit diesen Neuerwerbungen sollte die Mannschaft des SV 98 Darmstadt in den am 20. August beginnenden Oberligaspielen eine gute Figur machen. DT
Sport im Rundfunk
Radio Frankfurt. Samstag: 22.10 Uhr: Reportagen vom internationalen Boxkampftag in München: Sonntag: 17 Uhr: Reportagen vom Deutschen Derby in Hamburg. vom Schwimm-Länderkampf Deutschland—Schweden in Berlin. 19.50 und 22.10 Uhr: Sportberichte.
Radio Stuttgart. Sonntag: 19.30 Uhr: Reportage vom Deutschen Derby und Schwimm-Länderkampf und 21.50 Uhr von der Kanu-Regatta in Karlsruhe.
Spvgg Fürth beim Fischerfest in Gernsheim
Der sportliche Höhepunkt des Fischerfestes in der alten Schifferstadt am Rhein vom 5.—7. August wird das Treffen der Fußballmeisterelf der Spvgg Fürth gegen eine Riedauswahlmannschaft sein. Im Gernsheimer Stadion werden sich am 5. August der Süddeutsche Meister und die besten Spieler des Rieds aus den Sportvereinen Biblis, Groß-Rohrheim, Gernsheim, Biebesheim und Stockstadt gegenüberstehen. Ein Fußballkampf, wie ihn das Ried wohl schon seit Jahren nicht gesehen hat. wird viele Tausende von Sportbegeisterten anlocken, und wir stimmen mit dem Festausschuß überein, wenn die Besucherzahl vorsichtig mit 12 000 angenommen wird.
Bad König rüstet zum Kreissportfest
Am kommenden Samstag und Sonntag veranstalten die Turner und Sportler des Kreises Erbach in Bad König ihr Kreisturnfest. Die Turn- und Sportgemeinde e, V. 1863 Bad König hat die Ausrichtung der Veranstaltung übernommen. Die organisatorische Leitung der Wettkämpfe liegt in den Händen des Kreissportwarts Eidenmüller, Kirch-Brombach. Die neu geteerte Schwimmbadstraße bietet beste Möglichkeiten für die Kurz- und Langstreckler. Das Schwimmbad wurde in diesem Jahr, als ältestes Schwimmbad des Odenwaldes, wettkampfmäßig hergerichtet. 5 Startbahnen urfd eine eingezogene 50-Meter-Begrenzung schufen die nötigen Vorbedingungen, mit denen es möglich ist, am Sonntag erstmalig in Bad König Schwimmwettkämpfe in einem größeren Rahmen durchzuführen.
Bereits am Samstag treten in einer Saalveranstaltung im „Kronensaal“ Turner, Radfahrer, Turnerinnen und Boxer auf den Plan.
Am Sonntag beginnen um 8.30 Uhr die Wettkämpfe der Leichtathleten, Rasenspieler und Mehrkämpfer. Gleichzeitig starten im Schwimmbad die Schwimmer des Bezirks Süd der Kreise Erbach-Dieburg zur Ermittlung ihrer Meister. Wasserballmannschaften der Herren- und Jugendklasse runden das Programm ab-
Nach dem Festzug am Nachmittag findet ein Handballspiel zwischen einer Kreisauswahl und der 1. Mannschaft von Kirch-Brombach statt. Im Fußball stehen sich die Faust- und Korbballspiele und die anschließenden Massenfreiübungen versprechen ein abwechslungsreiches Programm. (gl)
Die neuen Juniorenmeister des TEC
Die Clubmeisterschaften der Junioren brachten einige Ueberraschungen. Jayme besiegte in der Vorschlußrunde Müller glatt 6:1, 6:0 und kam in die Endrunde gegen Heinz Wittmann, der Schöpf mit 6:3, 6:4 ausgeschaltet hatte; Wittmann mußte kämpfen, um die Meisterschaft mit 9:11, 6:2, 6:3 an sich zu reißen.
Bei den Mädchen kamen Frl. Kaffenberger und Frl- Vierheller unangefochten in die Endrunde. Hier entspann sich ein harter Kampf. Nach einer 5:2-Führung mußte Frl. Kaffenberger den Ausgleich hinnehmen, gewann aber noch 10:8, 6:1 und holte sich damit zum zweiten Male den Titel.
Im Doppel kamen, wie erwartet, Wittmarin-Müller durch einen 6:4-, 6:4-Sieg über Schöpf-Wittich zur Meisterschaft. Das Endspiel im gemischten Doppel zwischen Frl. Vierheller-Müller und Frl. Kaffenberger-Wittmann steht noch aus.
* Die Tischtennis-Abteilung der SSG Gries¬ heim, die einige neue Spieler ausprobiert, hat sich für Sonntag 10 Uhr in der Neuen Schule die erste Mannschaft des SV Darmstadt 1893 zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet.
Der letzte Europäer ausgeschieden
Wimbledon. (AP.) Die Spiele in Wimbledon wurden am Mittwoch mit der Begegnung Budge Pattv - Victor Seixas (beide USA) auf dem Centre Court fortgesetzt. In einem etwas matten Spiel setzte sich Patty mit 6:3. 5:7. 6:2. 7:5 durch. Seixas schien von dem langen Fünfsatzkampf am Vortag gegen Eric Sturges noch ermüdet. Er konnte es nie verhindern, daß Pattv am Netz erschien und dann tödlich schmetterte. Im dritten Satz durchbrach Pattv dreimal den Aufschlag Seixas.
Patty hat damit die Endrunde erreicht und trifft nun auf Frank Sedgman. der Jaroslaw Drobnv in fünf schweren Sätzen mit 3:6, 3:6. 6:3 7:5. 6:2 ausschalten konnte. Der junge Australier hatte nach dem Verlust der beiden ersten Sätze die größeren Reserven, und Drobnv mußte als letzter Europäer im Herren-Einzel ausscheiden. Im vierten Satz führte Drobnv noch mit 3:2. doch Sedgman gab nicht nach, gewann seinen Aufschlag zu Null und durchbrach Drobnvs Aufschlag, so daß «er diesen wichtigen Satz für sich buchen konnte. Im Schlußsatz war Drobny todmüde und machte einige Doppelfehler.
Bei den Damen qualifizierten sich Louise Brough als Titelverteidigerin, sowie Margaret Osborne-Dupont Doris Hart und Pat Todd (alle USA) für das Semifinale. Doris Hart machte mit Barbara Scotfield (USA) kurzen Prozeß und siegte 6:1, 6:1. während Pat Todd die letzte Engländerin. Betty Hilton-Harrison. mit 6:2. 6:2 leicht ausschalten konnte. Louise Brough war erst nach Satzverlust mit 2:6. 6:3, 6:0 gegen ihre Landsmännin Shirley erfolgreich. Zahlreiche Besucher wandten sich dem Spiel Gussie Mo-, ran - Margaret Dunont zu. doch die Ueberraschung blieb aus. ..Gussie“ mußte eine 4:6-, 4:6-Niederlage hinnehmen.
Weitere Ergebnisse:
Herrendoppel, vierte Runde: Brown -Sidwell (Australien) gegen Cernik (Aegypten)-M. Matous (Exiltschechoslowake) 7:5, 6:2, 6:1. Herrendoppel, Viertelfinale: Bromwich-Quist (Australien) gegen Rose-Worthington (Australien) 6:4, 6:2, 6:4.
Damendoppel, dritte Runde: Nancy Chaffee-Buck (USA) gegen Head-Rosenquest (USA) 11:9, 8:6; Hilton-Harrison Tuckey (England) gegen Andrews-Rodges (England) 6:3, 6:0. Damendoppel, Viertelfinale: Brough Osborne-Dupont (USA) gegen Eyre-Philipps (England) 6:2, 6:2; Mottram (England)-Long (Australien) gegen Todd-Moran (USA) 1:6, 9:7, 6:3.
Gemischtes Doppel, vierte Runde: Paish-Quertier (England) rückten wegen Streichens von Patty-Chaffee (USA) eine Runde weiter. Sedgman (Australien)-Hart (USA) kamen anschließend gegen Paish-Quertier (England) mit 6:4, 6:1 ins Viertelfinale; Morea (Argentinien)-Scofield (USA) gegen McGregor (Australien)-Fry (USA) 10:12, 6:3, 6:2.
Tischtennis um den Aufstieg
Ueberraschend erscheint der Sieg der SKG Ober-Ramstadt über Mörfelden, die bisher ohne Verlustpunkte mit Bensheim II die Tabelle anführten. Damit haben neben der Mannschaft von Bensheim II die besten Aussichten SKG Ober-Ramstadt, Mörfelden und 1875. Bei Neueinteilung der obersten Spielklasse würden von den in Betracht kommenden Mannschaften außer der letzten alle aufsteigen.
Am kommenden Sonntag spielen! Bensheimheim II — Groß-Umstadt; SKK Ober-Ramstadt — Groß-Umstadt; 1875 Darmstadt gegen SG Mörfelden.
Endspiel um den Bezirkspokal
Nachdem die Pokalmannschaft von Groß-Umstadt die gleiche von Pfungstadt glatt mit 5:0 besiegte, trifft sie am Samstag, 18 Uhr in Pfungstadt auf die Mannschaft des SV 98 11. Eine Vorhersage ist schwer zu machen. Beide Mannschaften sind ausgeglichen. Zu einem harten Kampfe wird es zwischen dem Bezirksmeister der B-Klasse Scharkopf/Groß-Umstadt und Hartmann/98 kommen, Der Sieg dieser Begegnung dürfte ausschlaggebend für den Enderfolg sein. Ku
Charles kampffähig
Neuyork. (AP) Ezzard Charles, der von der NBA (National Boxing Association) anerkannte Schwergewichtsweltmeister, wurde nach einer ärztlichen Untersuchung von der Neuyorker Athletikkommission für fähig erklärt, weitere Boxkämpfe auszutragen. Charles hat wegen eines angegriffenen Herzmuskels seit Mai 1950 weder trainiert noch gekämpft und kann letzt das Training sofort wieder aufnehmen.
Zweite Division steht
Alle Einsprüche abgelehnt
Der Süddeutsche Fußballverband hat alle Einsprüche gegen die Bildung der zweiten Division abgelehnt. Demnach setzt sich nach den Untertürkheimer Beschlüssen die zweite Division des Süddeutschen Fußball-Verbandes wie folgt zusammen: Stuttgarter Kickers, Jahn Regensburg, 1. FC Bamberg, Bayern Hof, Wacker München, TSV Straubing, ASV Cham oder Spvgg Weiden, 1. FC Pforzheim. TSG Ulm 46, VfL Konstanz, SV Tübingen. Freiburger FC. Union Böckingen, ASV Durlach, KSV Hessen-Kassel, Viktoria Aschaffenburg, SV Wiesbaden, SG Arheilgen. Diese 18 Vereine beginnen am 3. September mit ihren Spielen um die Meisterschaft.
DFB-Pokal diesmal getrennt
Stuttgart, 6. Juli, (dpa) In der nächsten Saison wird der DFB-Länderpokal erstmalig für Amateure und Vertragsspieler getrennt ausgespielt. Die Vorrunde für beide Klassen beginnt am 17. September, die Zwischenrunde am 12. November und die Vorschlußrunde am 21. November. Die Endspiele sollen am 18. März 1951 sein. Die Sowjetzone wird sich dieses Jahr nicht an den Spielen beteiligen.
Der neue Deutsche Handballmeister TV Hassee-Winterbeck wurde eingeladen, im August — und zwar noch vor der Weltmeisterschaft — fünf Spiele in Schweden auszutragen. Geplant sind Treffen in Stockholm, Göteborg, Christianstad, Karlskrona und Boras.
Meldungen aus den Landkreisen
Die Brustkette riß
In Pfaffenbeerfurth riß im Grumbacher Weg an einem Ackerwagen des Bauern Wilhelm Nicklas die Brustkette des Pferdes, wodurch die Lenkung der zweispännigen Deichsel verlorenging. Der Wagen lief auf und machte das Tier scheu, das über den Marktplatz in die Hauptstraße raste, alles niederreißend, was sich ihm in den Weg stellte, bis das Hinterteil des Wagens abriß. Knecht und Magd, die darauf saßen, waren rechtzeitig abgesprungen. Der 58jährige Invalide Gg. Arras wurde mit seinem Fahrrad umgerissen und schlug mit dem Kopf gegen eine Steintreppe. Er blieb bewußtlos mit einer klaffenden Kopfwunde liegen. Im Luisenkrankenhaus in Lindenfels wurde bei ihm noch eine schwere Gehirnerschütterung festgestellt. (-ch)
Splitternackt am Waldesrand
Eine junge Frau aus der Gemeinde Höllerbach brachte erst jetzt zur Anzeige, daß sie kürzlich auf dem Wege von Höchst etwa 200 Meter hinter der Eisenbahnüberführung von einem Unbekannten unsittlich belästigt wurde. Der Mann kam ihr mit einem Fahrrad entgegen, wendete und fuhr bis zum Wald zurück. Als die Frau den Waldrand erreichte, stand der Mann plötzlich splitternackt vor ihr. Er sprach sie weder an, noch verfolgte er die flüchtende Frau. Nach der Beschreibung ist der Unhold etwa 18 bis 20 Jahre alt, 1,65 bis 1,70 Meter groß, breitschultrig, hat schwarzes, nach hinten gekämmtes Haar und schwarze Augen mit „sturem“ Blick. Bekleidet war er mit einer braunen Bluse, grauer Hose und führte ein schwarzes Herrenfahrrad mit. (—ch)
Odenwaldbahn keine Verkehrswerbung!
In einer Eingabe an die Bundesbahndirektion Darmstadt beanstandete der Bundestagsabgeordnete Heinrich Ritzel als Vorstandsmitglied des Michelstädter Verkehrs- und Verschönerungsvereins den sehr schlechten Zustand aller Wagen der auf der Odenwaldstrecke Darmstadt— Eberbach verkehrenden Personenzüge. Die Bundesbahn leiste damit einen schlechten Beitrag zur Fremdenverkehrswerbung des ganzen Odenwaldes. (-ch)
Besichtigungsfahrt in den Rheingau
Die Kreisgruppe Darmstadt im Landesverband Hessischer Kleinsiedler veranstaltete ein© Besichtuigungsfahrt zur Lehr- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim a. Rh.
Die dortige Lehrschau vermittelte den Teilnehmern der Fahrt eine Übersicht über a^e praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen im Obstbau, der Obstverwertung, Pflanzenkrankheiten, Bodenkunde und Schädlingsbekämpfung.
Ein Rundgeng durch die Siedlung „Freudenberg" bei Wiesbaden und ein gemütliches Beisammensein in de£ Gaststätte „Kalte Mühle“ bildeten den Abschluß der Fahrt.
Darmstadt-Land
Roßdorf. Der Obst- und Gartenbauverein führt am Sonntagnachmittag um 16.30 Uhr eine außerordentliche Generalversammlung im „Gasthaus zurp goldenen Löwen“ durch. — Heute abend veranstaltet die KPD im „Gasthaus zur Sonne“ eine öffentliche Versammlung für die kommende Volksabstimmung. (sl)
Roßdorf. Walter Kollos Operette „D i e Frau ohne Kuß“, eine Studioaufführung der Opernschule Darmstadt, fand am vergangenen Samstag im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ statt. Leider war die Veranstaltung nur schwach besucht. Der Grund dürfte darin zu suchen sein, daß am darauffolgenden Sonntag mehrere Roßdorfer Vereine Ausflüge geplant hatten. Das Spiel fand großen Anklang, was in stürmischen Beifallskundgebungen der Besucher zum Ausdruck kam. (St)
Groß-Gerau
Groß-Gerau. — In der Unionbrauerei fand am Mittwoch nachmittag eine kleine Betriebsfeier statt, in der Arthur Neumann, Georg Viering und Peter Kirchner für ihre 25jährige Betriebszugehörigkeit geehrt wurden. — Kreisschulrat Schwedes hielt am Mittwochnachmittag in einer Sitzung der Baukommission einen kurzen aufklärenden Vortrag, in dem er die Pavillonbauweise von Schulbauten näher erläuterte. Da man in Groß-Gerau die Absicht hat, einen Schulhausneubau in dieser Weise aufzuführen, wird die Baukommission in Kürze eine Besichtigungsreise nach Ludwigshafen, Mannheim-Waldhof und Weinheim unternehmen, wo derartige Schulbauten bereits stehen. Je nach den dort gesammelten Erfahrungen und einer genauen Kostenberechnung will man sich entscheiden, ob man diese Bauweise an wenden oder in der bisherigen Weise weiterbauen soll. (cg;
Ginsheim. Am Dienstagnachmittag ertrank der 42jährige H. All aus Nauheim in der Höhe des Steindammes beim Baden, (an)
Nauheim. Die Gemeindeverwaltung gibt zur Abstimmung über die geplante Müllabfuhr einen Fragebogen heraus, der von der Einwohnerschaft beantwortet werden soll. Da Nauheim als eine der saubersten Gemeinden des Kreisgebietes gilt und das willkürliche Abladen von Müll und Schutt der Verwaltung großen Kummer bereitet, soll mit dieser Umfrage die Planung der Müllabfuhr generell geregelt werden. (an)
Trebur. Ein junges Mädchen, das mit einen Rechen Heu zusammenraffte, erlitt durch ein in der Nähe stehendes Pferd einen außergewöhnlichen Unfall. Der Pferd ging, vermutlich durch einen Insektenstich hervorgerufen, plötzlich durch, wobei das Mädchen unter den Rechen zu liegen kam, dessen Zinken über den Körper hinweggingen. Außer einem Armbruch waren weitere schwere Verletzungen die Folge. — Die Interessengemeinschaft der Heima tver t r i eb eli e n zeigte im Rahmen eines Heimatabends zahlreichen Neu- und Altbürgern Bilder des Sudetenlandes. Sagen, Geschichten und Lieder riefen die Erinnerung an die alte Heimat wieder wach. (an)
Dieburg
Gundenhausen. Der Wege- und Gewässerplan, aus dem die neuen Wege, Gräben und die Gewannteilung bezüglich der Zuteilung neuer Grundstücke in der Gemarkung Groß-Zimmern—Gundenhausen ersichtlich sind, liegt ab sofort in der Zeit von 9 bis 17 Uhr im Sitzungssaal des alten Rathauses zu Groß-Zimmern zur Einsicht für die Beteiligten offen. Spezielle Wünsche werden von der Bürgermeisterei bis zum 17. Juli entgegengenommen. — Anläßlich des 40jährigen Bestehens des Stenografenvereins findet am Sonntag um 20 Uhr im Gasthaus „Germania“ ein frohes Zusammensein mit Tanz statt. (sl)
Zeilhard. Unter Mitwirkung der SKG Roßdorf findet am Samstag, 21 Uhr, im Saal von Gg. Göckel ein Chorkonzert statt. Die Tanzkapelle Kreisel wird anschließend zum Tanz aufspielen.
Georgenhausen. Die Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt verhandelte auf der Bürgermeisterei zwecks Beweisaufnahme in der Ehescheidungsklage eines hiesigen Ehepaares. (er)
Bergstraße
Lampertheim. Am Dienstagnachmittag wurde in der Nähe des „Zwetschgengartens“ im Neurhein die Leiche eines etwa 18jährigen jungen Mannes gefunden. Er dürfte etwa 4—5 Tage im Wasser gelegen haben und ist wahrscheinlich aus dem badischen Gebiet rheinabwärts getrieben worden. Eine Identifizierung konnte bis jetzt noch nicht erfolgen. (He)
Lampertheim. Im Monat Juni verzeichnete das Polizeiamt 8 Verkehrsunfälle mit einem Sachschaden von 1500.— DM. Vier beteiligte Personen mußten in das Krankenhaus eingeliefert werden. — Für die Volksabstimmung wurden Lampertheiim, Neuschloß und Hüttenfeld in 13 Abstimmbezirke eingeteilt. Die Wahllokale sind von B—lß Uhr geöffnet. He)
Lorch. Am Montag wurden die ersten Sandblätter geerntet. Der Tabak scheint bei günstigem Wetter dieses Jahr besonders gut zu geraten; der Erntebeginn liegt über einen halben Monat früher als in anderen Jahren. bb
Lorsch. Das Standesamt beurkundete im Monat Juni 17 Geburten, 7 Eheschließungen und 4 Sterbefälle. — Beim Gewerbeamt wurden in diesem Zeitraum 12 An- und 6 Abmeldungen verzeichnet. Unter den Abmeldungen befinden sich 7 Handels-, 3 Handwerksbetriebe und 2 freie Berufe, während es demgegenüber bei den Abmeldungen 3 Handels-, 2 Handwerksbetriebe und 1 freier Berufe sind. — Der Gesangverein „Germania“ unternahm am Sonntag seine diesjährige Sängerfahrt in die Pfalz. — Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft hielt am Samstag im „Weißen Kreuz“ ihre Monatsmitgliederversammlung ab. Kollege Jakob Fischer referierte über das Sozial- Versicherungsanpassungsgesetz sowie die Angestellten- und Invalidenversicherung. — Am Freitag, dem 7. Juli, wird im Rathaus — Gemeindekasse — von B—l 68—16 Uhr, der monatliche Steuerzahltag des Finanzamtes Bensheim abgehalten. — Die Leonberger Bausparkasse warb in einem Vortrag im Gasthaus „Zum Lamm“ für das Bausparen. In einer Schau waren hierzu verschiedene Vorschläge und Typen für Wohnhäuser ausgestellt. — Am Donnerstag nimmt die Landwirtschaftsschule Heppenheim bei Landwirt Fi 11 au e r eine Gartenbesichtigung vor. (bl.)
Mörlenbach. Dr. Aschenbrenner der beim „Ostdeutschen Tag“ in Heppenheim und später in mehreren Großgemeinden des Odenwaldes mit seinen ausgezeichneten Lichtbildervorträgen „Sudetenland — Menschen und Landschaft“ sowie „Das Sudetenland in Bildern“ großen Anklang fand, wird am Samstag im Gasthaus „Zur Krone“ für die Gemeinden Mörlenbach, Bonsweiher. Weiher und Zotzenbach seine Vorträge wiederholen- (-r).
Waldmichelbach. Nach längerem Bemühen soll nun im Laufe des Monats September in der Gemeinde eine Kolpingsfamilie gegründet werden; die Patenschaft wurde der Kolpingsfamilie Mörlenbach angetragen, -r.
Mörlenbach. — Der seit März dieses Jahres flüchtige ehemalige Flüchtlingsvertrauensmann, Flüchtlingsobmann und Ortsverbandskassierer Ferdinand Meindl-Schmidt aus Eger ist am 4. Juli in Furth im Walde aufgegriffen worden. Er hatte nach Mitnahme einiger tausend DM laufend Betrügereien im oberbayerischen und niederbayerischen Grenzgebiet begangen. M. wird dem Oberstaatsanwalt in Darmstadt vorgeführt werden. — Die beiden Burschen, die im Dezember vorigen Jahres aus der Arrestzelle der Gemeinde eine wegen Diebstahls festgesetzte Frau befreiten, sind vom Amtsgericht in Fürth am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten verurteilt worden. (Km)
Mörlenbach. Der Bund der katholischen Jugend führt in diesem Jahre auf Bundesebene Sportwettkämpfe durch, an denen sich aus Mörlenbach eine 15 Personen starke Gruppe beteiligt. Die Dekanatsausscheidung findet am 23. Juli in Heppenheim statt und wird aus mehreren Pfarrgruppen des Odenwaldes rege Beteiligung erfahren. (-r.)
Hambach. Bischof Dr. S t 0 h r stattete anläßlich der Firmung der Erstkommunikanten der Gemeinde einen Besuch ab. Fast alle Häuser trugen reichen Fahnen- und Grünschmuck, die Kirche war beim Festgottesdienst überfüllt. 106 Erstkommunikanten wurden gefirmt. (-r-)
Langenthal. Die 450 Einwohner zählende Gemeinde dürfte die einzige Ortschaft des Ulfenbachtales, ja des Odenwaldes überhaupt sein, die gegenwärtig keinen einzigen Arbeitslosen aufzuweisen hat. Die letzten sechs Erwerbslosen fanden am 1. Juli bei dem Straßenbauiprojekt Hirschhorn —Hainbrunn Beschäftigung. Demgegenüber weist die Nachbargemeinde Heddesbach unter rund 500 Einwohnern zur Zeit einen Höchststand an Erwerbslosen — insgesamt 72 — auf. Die einzige Einnahmequelle für die Gemeinde bildet gegenwärtig die Heidelbeerernte, da die Waldarbeiten bei Schönau nunmehr ebenfalls eingestellt wurden. (-T)
Nordheim. Wiederaufbau der Kirche. In Kürze wird in der Gemeinde mit dem Wiederaufbau der 1945 zerstörten Simultankirche begonnen. Die Initiative dazu geht von Pfarrer Adam aus, der sich zur Zeit mit Hilfe der Gemeinde um die Beschaffung der Geldmittel bemüht. Auch der Erlös von verschiedenen Theateraufführungen soll zum Wiederaufbau beitragen. Ein in Amerika wohnender Nordheimer will sich bei seiner Synode ebenfalls um finanzielle Unterstützung bemühen. Auch die Verschönerung des Friedhofs macht gute Fortschritte, vor einigen Tagen konnte die neue Leichenhalle eingeweiht werden. — Durch Taucher wurden dieser Tage aus dem Rhein eine große Menge Munition und Minen geborgen, die in den letzten Kriegslagen dort versengt wurden. Das geborgene Kriegsmaterial wurde am jenseitigen Rheinufer gesprengt. — Das Kuckucksfest findet in diesem Jahre am 5. und 6. August statt, mit den Vorbereitungen wurde begonnen. (kb)
Erbach
Vielibrunn. Eine Bauersfrau erstattete bei der Gendarmerie Anzeige gegen ihren in den Hof eingeheirateten Schwiegersohn, der ihren Mann nach einer Auseinandersetzung wegen einer landwirtschaftlichen Angelegenheit blutig geschlagen und gegen ein Scheuertor geworfen haben soll. — Von den vier in Angriff genommenen Neubauten werden zwei Häuser mit Bauzuschuß in dieser Woche im Rohbau fertiggestellt. Die Gemeinde hofft, auch für die anderen Bauten ein stattliches aDrlehen zu erhalten. Das Gelände, auf dem die Siedlung ersteht, will die Gemeinde später an die Besitzer der Häuser verkaufen. Die neue Straße in der Siedlung soll den Namen „Hochstraße“ erhalten. (t-s.)
Vielbrunn. Durch die Einzäunung der Gemeinde mit Stacheldraht konnten in diesem Sommer durch wühlende Wildschweine entstehende Schäden an den Kartoffel- und Rübenfeldern verhindert werden, (t-s)
Pfaffenbeerfurth. — In der etwas abfallenden Pfalzstraße fuhr der lOjähnige Rudolf Delp mit einem Damenfahrrad, auf dessen Gepäckträger er seinen sjährigen Bruder Claus-Dieter sitzen hatte, abwärts. Als er an einem entgegenkommenden Kuhfuhrwerk vorbeifahren wollte, stieß er gegen den Rükken eines Fußgängers und kam zu Fall. Der Fünfjährige fiel vor das rechte Hinterrad des Wagens, das ihm über die Brust ging und ihn erheblich verletzte. (—ch)
Ober-Ostern. Der Gemeinderat beschloß in seiner letzten Sitzung, eine größere — seit längerer Zeit schadhafte — Strecke der Gemeindewasserleitung neu zu legen. Durch den Verlust großer Wassermengen, die das Wassergeld für das Rechnungsjahr 1950 um das Doppelte erhöhten, ist diese Erneuerung unbedingt notwendig geworden. Jeder Benutzer der Leitung soll eine der Wasserentnahme entsprechende Arbeitsleistung an Erdarbeiten ausführen. — Der Obs t - und Gartenbauverein „Grund" beabsichtigt eine dreitägige Lehrfahrt seiner Mitglieder nach dem Bodensee. — Der ev. Frauenverein unternahm mit den Alten und Aeltesten eine Omnibusfahrt nach Amorbach, auf den Engelsberg und nach Miltenberg. (ptoo)
Gott der Allmächtige nahm heute früh 7.15 Uhr meinen lieben Mann, unseren guten Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onkel und Pate, Herrn Philipp Seitz im Alter von 42 Jahren nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, wohlversehen, zu sich in sein himmlisches Reich. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: MARIA SEITZ geb. Keitel FAMILIE FRANZ SEITZ Bensheim, den 4. Juli 1950
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Mutter, Großmutter, Urgroßmutter, Ururgroßmutter, Schwägerin, Tante und Patin, Frau Katharina Elisabethe Sieleri geb. Schwinn sagen wir allen unseren herzlichen Dank. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Neff für die trostreichen Worte am Grabe, allen Spendern von Blumen und Kränzen und all denjenigen, die ihr das letzte Geleit gaben. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharina Hotz Wwe. geb. Siefert nebst allen Angehörigen Gammelsbach, den 5. Juli 1950
Danksagung Für, die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie der überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, Frau Maria Unger geb. Grünig sagen wir herzlichen Dank. Besonders gedankt sei Herrn Pfarrer Strack für die trostreichen Worte bei der Einsegnung und am Grabe, ihren Schulkameradinnen und -kametaden für die Kranzniederlegung sowie allen, die ihr die letzte Ehre erwiesen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: JOH. UNGER 11. Pfungstadt, 4. Juli 1950
Danksagung Für die aufrichtige Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, Herrn Philipp Lampert sowie für die Kranz- und Blumenspenden sagen wir herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Elmshausen, den 4. Juli 1950
Danksagung All denen, die unserer lieben Mutter Johanna Porth < geb. Paul das letzte Geleit gaben und sie mit Blumen bedachten, herzlichen Dank. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Dr. Zimmermann für seine trostreichen Worte am Grabe. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Nikolaus Kropp Familie Hermann Schmitt Wilmshausen, den 5. Juli 1950
Bestattungen am Freitag, dem 7.7.1950 Beerdigungen: Alter Friedhof 10.00 Lutz, Hermann, Herrenacker 13, 76 Jahre 10.30 Cherbourg, Sofie, geb. Wagner, 80 Jahre Arheilger Friedhof 17.00 Anthes, Ernst, Kranichsteiner Straße 28, 76 Jahre Waldfriedhof 15.15 Allmann, Margarete, Sandbergstraße, 70 Jahre Feuerbestattung: Waldfriedhol 10.30 Schlierbach, Elisabeth, Bensheim, 81 Jahre
Kennen Sic die Adwseen. cdiet- ll^e^ Bekannten? Sicherlich „Nein“. Wenn Sie aber ein Familienereignis bekannt geben wol¬ len und Sie übersehen bei der Be¬ nachrichtigung den einen oder an¬ deren, so gibt’s Verstimmungen und Ärger. Von der Zeit und der Arbeit gar nicht zu reden. Halten Sie’s da¬ her so, wie es frühere Generationen gemacht haben, yeten Sie-
OFFENE STELLEN Biiilillllillliliiiiiiiiiiiiiiiiliiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilllllllllillliliiiiiliilillllllf | | I mit Arbeitspraxis ä | werden im ganzen Verbreitungs- | gebiet gesucht | DARMSTÄDTER TAGBLATT | VERTRIEBS-ABTEILUNG iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiin Wer sucket.. der findet! Allerdings, von selbst kommt nichts. Andere müssen ja wissen, wenn Sie ein Zimmer, eine Stelle, eine Nebenbeschäftigung ein Dar¬ lehen, einen Tausch, einen Ehe¬ partner oder sonst etwas suchen. Mit einer „Kleinen Anzeige“ im „Darmstädter Tagblatt“ finden Sie, was Sie suchen. Und jedes Wort kostet nur 10 Pfennig, Fett¬ druck 15 Pennig
HANSA-THEATER Zeigt in Erstaufführung 'DerQVeg nach (Sansibar mit BING CROSBY, 808 HOPE u. a. Ein Film, der uns zwei Globetrotter in Afrika zeigt, die von Stadt zu Stadt als Schaubudenkünstler zie¬ hen,um sich ihr Geld für die Heim¬ reise zu verdienen. Dabei erleben wir die komischsten Situationen, einen wahren Trubel übermütigster Laune, Songs - Musik - Tanz; ein Film, voller Stimmung und Humor, wie wir ihn heute brauchen. Anfgsz.: 14.00, 16.00, 18.15, 20.30 Vorverkauf: täglich ab 11.00 Uhr Markt 4 - Arheilgen • Ludwigstr. 18 Auch im Sommer täglich frische Fische und Räucherwaren Lieferung frei Haus! WEINBRAND-VERSCHNITT V» Liter .... 0,80 DM JAM.-RUM-VERSCHNITT Vi» Liter . , . . 0,90 DM BOONEKAMP-MAGENBITTER */io Liter .... 1,— DM ANSETZ-BRANNTWEIN Liter .... 6,50 DM FERRER Rundeturmstraße 16 Bilder-Einrahmungen tachgemäß und preiswert Kunsthandlung Langheinz Darmstadt, Schulstraße 10
|siTLU-GESUCHEj| Tüchtige Haushälterin sucht Stellung in frauenlos. Haushalt. Angebote u. DT 29 an Darmst. Tagbl., Darmstadt, Rhein¬ straße 23.
LEONHAniD um ©hg. Rheinstraße 22 Darmstadt Telefon 34 09 Torpedo- Schreib- und Buchungsmaschinen Remington-Addier- und Rechenmaschinen Thales-Rechenmaschinen Büromöbel Organisationsmittel
* £cbtpewunttig! S j freute ftreben mit alle nad) Dem £eben, Das £ 5 ©cbaftfan Knapp uns einft predigte, Der u •j KünDtt Da lebte vorn anfatben unD natur* £ 5 gemäßen unD Stinten. ®it mallen ja 2 j cnDlftb mieDet jur Xube gelangen, ju jener & * fcbWen £ebensmtffc, meltbe Körper unD & j Gttk gefnnt) erfmlt. £ 5 -£miretrfnftnTnfr auch Dtn^Raljf affet mfeDtr, £ * Den Kneipp felbfl uns gegeben bat. g« 5 Kathreiner E 3 Der Ktieipp-sKa(staffee | | £
E PALAST bk ^er^art .fieber Jürgen^ ^WI Ein zeitnaher Publikumsfilm, bunt wie ein idoskop — Trabrennbahn, Bar, Kranken¬ in Paris, Gestüt in Wien, Budapest - edle de - schöne Frauen - Kriegsgelangenenlager die Schauplätze dieses überaus spannenden abenteuerlichen österreichischen Films! 15, 16.00. 18.15 n. 20.30 Uhr - Huf 22 40 Eine reichhaltige Auswahl formschöner Modelle in Schlaf- und Wohnzimmer Küchen und Polsfermöbel finden Sie ständig zu denkbar günstigen Preisen im 40 Haus der guten Möbel ^OBEL-MENGER Darmstadt - Bleichsfrafye 17 Weitgehendste Zahlungserleichterung • Ratenzahlungen Lieferung frei Haus • Kundendienst • Beratung
Kaufhaus Baschek am alfen Bahnhof Laufmaschen-Reparaturen innerhalb 2 Tagen
Billige Schallquelle wiede, in Darmstadt der große Schuhverkauf Dieburger Straße 22 ist täglich durchgehend geöffnet Wie immer — auch diesmal wieder enorm starker Andrang: Ein Beweis unserer preiswerten billigen Angebote und Riesenauswahl. Haltestelle der Linie 6 (Stiftstraße) ab Hauptbahnhof ohne Umsteigen Hauptgeschäft: Schuh * Drinnenberg / Fulda Leipziger Straße — Telefon 35 44
Wü; Kiuvi^ idviuk Mi M» r F^chhsndler berät Sie
^»HirircesvcHtJ Leeres Zimmer gesuhlt Berufstätiger Herr sucht nicht allzu¬ kleines Zimmer, Mö¬ bel vorhanden. Off. u. DT 21 an Darm¬ städter Tagblatt. Dezimalwaage bis 1000 kg zu kauf, gesucht. Preisangeb. unter DT 25 an Darmstädt. Tagblatt, Darmstadt, Rhein¬ straße 23. ARhordeon Bandonion Reparaturen Fachwerkstätte Darmstadt Pulverhäuser-Weg 4
Piperdruihe Hanfstaengl* drudie Kunsthandlung LANGHEINZ DARMSTADT Schulstraße 10 Lohnmosterei geöffnet Johannisbeeren, rot u schwarz, Stachel¬ beeren, Sauerkirsch, verarbeiten wir für Sie zu einem halt¬ baren, wohlschmeck. Süßmost Obstannahme täglich außer sonntags Süßmosterei GEORG FRIES Bergstraße Jugenheim an der Seeheimer Straße 14 Telefon 201
Wollen Sie das regelmäßig jeden Morgen ins Haus gebracht haben, dann füllen Sie den anhängenden Bestellschein sofort aus und schicken Sie ihn an die Geschäftsstelle. Auch bei einer Agentur oder Zeitungsträgerin können Sie ihn abgeben.
Geschäftsstelle des „DARMSTÄDTER TAGBLATT“ DARMSTADT RHEINSTRASSE 23 im alten Tagblatt-Haus Ich bestelle hiermit ab 1. Ju 1 i 1950 das sechs¬ mal wöchentlich erscheinende „Darmstädter Tagblatt“ zum Bezugspreis von DM 2,60 pro Monat zuzüglich 40 Pfg. Trägerlohn. Vor- und Nachname: Beruf: Ort: . Straße: