Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darms ta dt Rheinstraße 23, Telefon 3925^ Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 5 Äeueffe Donnerstag, 6. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Prebeaumxner

Radar, Funk und Ochsenkarren

Schwierige Kriegsführung für die Amerikaner in Korea

.USA-Feldhauptquartier in Korea, 5. Juli, (dpa) Die amerikanischen Operationen in Korea können sich auf die letzten Errungenschaften der Kriegstechnik — Funk, Radar oder viermotorige Flugzeuge stützen, aber auf dem koreanischen Boden geht es im Ochsenkarren weiter.

Nachschub und Waffen werden von Japan in modernen Transportflugzeugen im Verlauf weniger Stunden nach Korea transportiert. Das alles wird aber am Bestimmungsort auf Holzgasautos, schwerfällige Ochsengespanne und sogar Handwagen verladen. Die Koreaner tun alles was sie können, aber mit ihren Verkehrsmitteln hapert es gewaltig.

Auf einem Flugplatz, den die Amerikaner als Kopfstation verwenden, arbeiten Hunderte koreanischer Zivilisten Tag und Nacht, um die Rollbahn instand zu halten. Der Flugplatz verdient kaum diesen Namen. Die Japaner haben ihn vor Jahren für leichte Flugzeuge gebaut. Die schwerbeladenen viermotorigen USA-Flugzeuge reißen aber jedesmal wieder mit ihrem Fahrgestell tiefe Löcher in die Bahn, die bis zur nächsten Landung wieder aufgefüllt werden müssen.

Die Koreaner haben weder Straßenwalzen noch andere Ausrüstungen für Erdarbeiten. Sie wissen aber, wie man mit den Fäusten zupackt. Sie füllen Hunderte von Körben mit Sand und Geröll, packen die Körbe auf ihre Schultern und schwärmen hinter dem landenden Flugzeug auf die Bollbahn, um die Löcher wieder einzuebnen.

Die vorsintflutlichen Straßenverkehrsmittel der Koreaner werden in solcher Zahl eingesetzt, daß die Transportmaschinen in fünf Minuten zweieinhalb Tonnen abladen können. Es dauert dann allerdings mit den Ochsengespannen, die zwanzig Kilometer vom Flugplatz bis zum nächsten Bahnhof zurückzulegen haben, länger, als die C 54, C 46 und C 47 von Japan her brauchen. Bunte Karawanen aller denkbaren koreanischen Verkehrsmittel winden sich die Straßen mit ihren vielen Kurven und Steigungen zum und vom Flugplatz entlang. Es ist ein ermüdender Transport, aber die Amerikaner bemühen sich nach Kräften, ihr Temperament zu zügeln. Sie wissen, daß die Koreaner alles hergeben, was sie haben.

Die koreanischen Eisenbahnen sind wohl besser, aber nicht viel besser. Züge fahren mit stundenlangen Verspätungen. Die südkoreanische Armee macht aus allem Truppentransportzüge, was überhaupt auf Gleisen zu rollen in der Lage ist.

(Ueber den Fortgang der militärischen Operationen in Korea berichten wir auf Seite 2.)

Yerstärkter Kleinkrieg

Pjöngjang, 5. Juli (dpa). Der Rundfunksender der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang meldete am Mittwoch, in Südkorea werde ein verstärkter Kleinkrieg geführt. Verbände der Aufständischen hätten die amerikanischen Stellungen etwa vierzig Kilometer südlich von Suwon am Dienstag angegriffen und diese Angriffe am Mittwochvormittag fortgesetzt. Auch im äußersten Süden Koreas soll sich die Tätigkeit der Aufständischen verstärken und insbesondere gegen wichtige Eisenbahnknotenpunkte gerichtet sein.

Aufstand in Südostkorea?

Eine Meldung Moskaus •

Moskau, 5. Juli (dpa). Der Sender Moskau brachte am Mittwoch einen aus Schanghai stammenden Bericht, daß es in Südostkorea und zwar in der Provinz Taiku zu einer Volkserhebung gekommen sei. Im Rücken der südkoreanischen Truppen habe die Tätigkeit der Aufständischen erheblich zugenommen.

Streiks in England

Metzger, Grubenarbeiter und Eisenbahner

London, 5. Juli, (dpa) Die Streikbewegung in Großbritannien, von der die Lebensmittelverteilung, der Eisenbahnfrachtverkehr und die Kohlenproduktion betroffen werden, hat bedrohliche Formen angenommen. Nur durch den Einsatz von etwa zweitausend Soldaten auf dem Londoner Fleischmarkt gelang es, die Bewohner der Hauptstadt mit Fleisch zu versorgen. Weitere zweihundert Schlachthausarbeiter im Norden Londons haben sich dem Streik ihrer Kollegen angeschlossen.

Der Streik der Bergarbeiter in Schottland, die Sonderzulagen für die niedrigsten Lohngruppen fordern, hat sich ebenfalls auf weitere Gruben ausgedehnt. Ueber zehntausend Bergarbeiter hatten die Arbeit niedergelegt. Auf dem Paddington-Bahnhof, der Ausgangsstation für alle Zugverb'ndungen von London nach dem Westen, haben sich achthundert Lokomotivführer und Heizer zum Streik entschlossen.

Besoranisse der Landmirtschaft

. Bonn, 5. Juli. (HR.) In Kreisen der deutschen Landwirtschaft und des Bundesernährungsministeriums sieht man den kommenden internationalen Zollverhandlungen in England mit Sorge entgegen Der Grund hierfür besteht darin, daß die Oberkommission bei einer Reihe von wichtigen Positionen im deutschen Zolltarifentwurf Einspruch erhoben hat und eine weitgehende Senkung der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Sätze fordert. Die Oberkommission soll eine Zustimmung zum deutschen Zolltarife:, twurf von der Erfüllung ihrer Forderungen abhängig gemacht haben.

Regierung und Opposition einig

Attlee eröffnet die Unterhausdebatte über den Koreakonflikt

London, 5. Juli, (dpa) Ministerpräsident Attlee hat am Mittwochnachmittag im britischen Unterhaus die Debatte über den Korea-Konflikt eröffnet. Die Bänke des Unterhauses waren dicht besetzt, als Attlee zu reden begann. Er sagte, die Frage, mit der sich das Unterhaus beschäftigen müsse, sei sehr einfach. Doch hätten alle Entscheidungen schwerwiegende Konsequenzen. „Die einzige Frage ist, ob die Regierung unter den gegenwärtigen Umständen die richtigem Maßnahmen zum Korea-Konflikt getro - fen hat.“ i i _ T-» i Hz,« rrlinhcn Stirn“

Politische Beobachter verglichen die amu mung im Unterhaus mit der Atmosphäre, wie sie während der Kriegskoalition bestanden habe. Zum ersten Male seit dem Kriege bestehe zwischen Regierung und Opposition wieder völlige Einmütigkeit.

„Neutralität in sinnlos“

Eisenhower zum Korea-Konflikt

Valley Forge (Pennsylvanien), 5. Juli, (dpa) General Eisenhower hat gesagt, die Unterstützung Südkoreas durch die Vereinigten Staaten sei notwendig gewesen Die Vereinigten Staaten müßten alles einsetzen, um den Krieg in Korea zu gewinnen. „Di Alternative wäre ein neues München mit all den verhängnisvollen Konsequenzen. Das amerikanische Eingreifen ist die einzige Möglichkeit, zu Frieden und Freundschaft in der ganzen Welt zu gelangen. Neutralität eines einzelnen Staates in dem gegenwärtigen Konflikt zwischen politischen Systemen ist sinnlos, wenn nicht unmöglich. Neutralität ist ein Hinweis auf das nächste Opfer.“

Mollet sondiert

Um die Regierungsbildung in Paris

Paris, 5. Juli. (AP.) Der französische Staatspräsident Auriol hat den Generalsekretär der Sozialistischen Partei, Guy Mollet, mit der „Klärung der Lage“ beauftragt. Mollet hat den Auftrag angenommen und wird mit den Führern der anderen Parteien Besprechungen mit dem Ziele führen, zu einer Verständigung über einen neuen Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten zu gelangen.

Die Regierung Queuille, das zwölfte Kabinett der Vierten französischen Republik, stürzte in der vergangenen Nacht nach noch nicht zweitägiger Lebensdauer. Die Sozialisten hatten bei der entscheidenden Abstimmung gegen die Regierung gestimmt. Mollet erklärte, er habe den Auftrag unter der Bedingung angenommen, daß er nicht selbst mit der Regierungsbildung beauftragt wird.

Siziliens Banden-Häuptling ersçhossen

Ein Kapitel moderner Räuberromantik fand seinen Abschluß

Castel Vetrano (Sizilien), 5. Juni, (dpa) Der sizilianische Bandenführer Salvatore Giuliano, der seit Kriegsende von einem riesigen Polizeiaufgebot gesucht wurde, ist am Mittwoch bei einem Feuerwechsel mit der Polizei erschossen worden. Giuliano, dessen zunächst etwa hundertköpfige Bande im Laufe der Jahre immer mehr zusammengeschmolzen war, soll allein 105 Polizisten auf dem Gewissen haben. Seine Bande raubte Banken aus, entführte wohlhabende Sizilianer, die später gegen Lösegeld wieder freigelassen wurden, und lieferte zahlreiche Gefechte mit der Polizei.

Giuliano und mehrere Mitglieder seiner Bande waren beim ersten Morgengrauen überrascht worden, als sie ein Gehöft in den Vororten von Castel Vetrano ausplündern wollten. Die Polizei zog einen Sperrgürtel. Als die Bande versuchen wollte, auszubrechen, sanken Giuliano und mehrere seiner Komplicen, von Maschinenpistolengarben getroffen, tot zu Boden.

Der Tod von über hundert Polizisten wird Giuliano zur Last gelegt. Auf sein Schuld-Konto geht auch der blutige Zwischenfall des Maifeiertages 1947 bei Palermo, bei dem acht Personen, darunter zwei Frauen, durch Maschinenpistolen den Tod fanden. Von 33 Verwundeten starben später noch vier. Gegenwärtig läuft in Viterbo in diesem Zusammenhang noch der Prozeß gegen 27 Bandenmitglieder.

Seit dem systematischen Feldzug gegen die Giuliano-Bande mit Hilfe eines Sonderkommandos von über 2000 Karabinieri sind über ein Dutzend Bandenmitglieder gefangengenommen oder getötet worden. Mehr als 100 Anhänger der Bande, die sich geringere Vergehen haben zuschulden kommen lassen, wurden verhaftet. Als Giulianos Mutte“ im Juli 1948 wegen Beihilfe festgenommen wurde, drohte der Sohn, das Gefängnis zu stürmen. Er gelobte, er werde aus Italien verschwinden, sobald seine Mutter aus der Haft entlassen sei. Auf Grund der Amnestie zum Heiligen Jahr kam sie frei. Giuliano aber hielt sein Versprechen nicht. Kurz darauf übermittelte die italienische Polizei ihm durch seine Mutter die letzte Aufforderung zur Uebergabe. Als der Stichtag des Osterfestes verstrichen war, hatte Giuliano seine letzte Chance verspielt.

Giulianos Bande war für ihre Großzügigkeit gegenüber den Armen bekannt. Von den Lösegeldern, die entführte reiche Großgrundbesitzer zur Wiedererlangung ihrer Freiheit zahlen mußten, floß jedesmal ein Teil den Bedürftigen zu. Die armen Bevölkerungsschichten standen daher auf seiner Seite und deckten ihn vor der Polizei.

In den verarmten sizilianischen Gebieten ist Giuliano seit langem zur legendären Gestalt geworden. Seit langem auch haben italienische Kreise auf die soziale und wirtschaftliche Lage der Insel als Wurzel allen Uebels hingewiesen.

Auch de Gasperi erklärte seinerzeit, nach Vernichtung der Banditen müßten die letzten Endes verantwortlichen Faktoren ermittelt und die Uebelstände beseitigt werden.

Der Bildtelegramm-Dienst zwischen dem Bundesgebiet und den Westsektoren Groß-Berlins wurde am 1. Juli aufgenommen.


In Bonn ist das deutsch-indische Handelsabkommen von Wirtschaftsminister Prof. Erhard (links) als Vertreter der Westdeutschen Bundesrepublik und dem indischen Gesandten unterzeichnet worden Foto: dpa
In Bonn ist das deutsch-indische Handelsabkommen von Wirtschaftsminister Prof. Erhard (links) als Vertreter der Westdeutschen Bundesrepublik und dem indischen Gesandten unterzeichnet worden Foto: dpa

Zuversicht

*** Winston Churchill ist unstreitig einer der besten Politiker der westlichen Welt. Man hat es besonders schätzen gelernt, daß er die Dinge rücksichtslos beim Namen nennt. Er beschönigt sie nicht. So hat er im letzten Kriege den Engländern immer wieder gesagt, sie müßten durch ein Meer von Blut und Tränen hindurchgehen, bevor an einen Sieg zu denken sei. Gerade durch solche Offenheit hat er sich ein unbegrenztes Vertrauen erworben, das seinen Erkenntnissen der politischen Lage heute auch außerhalb Großbritanniens entgegengebracht wird.

Wenn nun Churchill erklärt, die internationale Lage, die durch den Korea-Konflikt entstanden sei, habe seiner Ansicht nach die Gefahr eines dritten Weltkrieges nicht vergrößert, so darf man gewiß sein, daß er diese Aeußerung nicht getan hat, um zu beruhigen, sondern weil es seine ehrliche Ueberzeugung ist. Allerdings hält es Churchill für notwendig, daß die Vereinten Nationen den Kämpf in Korea gewinnen und daß die freien Nationen ihre Pflicht erfüllen, damit die Friedenssicherung ermöglicht wird. Nichts würde, so meint er, den Tag eines dritten Weltkrieges sicherer herbeiführen, als wenn die Vereinten Nationen sich angesichts eines kommunistischen Probefalles untätig treiben ließen, während große Mengen der verheerenden Atombomben angehäuft würden. Wenn die Vereinten Nationen jedoch furchtlos den Dingen ins Auge sähen, werde eine neue Katastrophe vermieden und möglicherweise sogar eine Verständigung mit Sowjetrußland erreicht werden.

Aehnlich beruhigend sind Erklärungen, die der amerikanische Oberkommissar McCloy neuerdings abgegeben hat. Wie er ausdrücklich betont, benötigt die Bundesrepublik keine formelle Sicherheitsgarantie, da ein Angriff auf das Bundesgebiet automatisch einen Angriff auf die Westmächte bedeute, das heißt, die Sicherheit Westdeutschlands sei grundsätzlich dasselbe wie die Sicherheit der Westmächte. Die Zuversicht McCloys geht sogar so weit, daß er auch jetzt noch an die Möglichkeit glaubt, Deutschland könne durch gesamtdeutsche Wahlen auf demokratischer, freiheitlicher Grundlage wiedervereinigt werden. Er begründet das damit, der Vorschlag der Westmächte, solche Wahlen vorzunehmen, sei von den sowjetischen Besatzungsbehörden bisher noch nicht offiziell beantwortet worden. So vertrauensvoll wir die Sicherheitsgarantie des Oberkommissars entgegennehmen wollen, die Aeußerungen der Sowjetzonenregierung auf den Wahlvorschlag hin lassen nach unserer Meinung kaum erwarten, daß sich ihre russischen Drahtzieher entgegenkommender zeigen sollten.

Der Riß zwischen Ost und West

Kps. Keine Auseinandersetzung hat eine so reich an Spannungen geladene Atmosphäre hinterlassen wie der zweite Weltkrieg. Die Gefahr einer neuen Explosion beherrscht und beeinflußt die innen- und außenpolitischen Maßnahmen namentlich der Staaten, die befürchten müssen, von einer Entladung in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Und welche Völker könnten sich als nicht betroffen fühlen 9 Dreißig bis vierzig Prozent der Sfaatsausgaben verwenden die Großmächte für militärische Zwecke, um sich vor einer befürchteten Aggression zu schützen und zumindest einen Rüstungsvorsprung vor dem Gegner zu erreichen. Anstatt die furchtbaren Wunden des letzen Krieges zu heilen und den Aufbau einer friedlichen Welt zu fördern, werden die kaum erkalteten Waffen durch noch furchtbarere ersetzt. Das alles wider den gesunden Menschenverstand und die Ueberlegung, daß ein neuer Weltbrand niemals die Probleme der Völker zu lösen vermöchte, sondern nur neues unvorstellbares Unheil über die geängstigte Menschheit heraufbeschwören würde.

Verhängnisvoller Trugschluß

Das Verbindende, das einst die Großmächte zur gemeinsamen Front gegen die deutschen Diktatoren zusammenführte, ist nach deren Zusammenbruch von einem viel stärkeren Gegensatz der Sieger abgelöst worden. Eine bisher überbrückbare Spannung zwischen Ost und West ist das verhängnisvolle Erbe des zweiten Weltkrieges geworden. Die Ansicht Roosevelts, es könne eine Grundlage friedlichen Nebeneinanderlebens beider Systeme gefunden werden, hat sich als ein verhängnisvoller Trugschluß erwiesen, an dessen Folgen die Menschheit heute schwer zu tragen hat.

Der „Frieden“ seit 1945 hat die ideologischen Gegensätze immer stärker offenbar werden lassen. Alle Versuche der westlichen Alliierten, mit dem einstigen Verbündeten im Osten nach dem Kriege in ein fruchtbares Gespräch zu kommen, sind bisher kläglich gescheitert. Selbst die Organisation der Vereinten Nationen, die den Ausgleich der gegenseitigen Interessen durch friedliche Verhandlungen herbeiführen sollte, hat bisher ihre Aufgabe nicht erfüllen können. Die Welt scheint hoffnungslos in zwei Teile gespalten, über denen das Damoklesschwert eines neuen totalen, alles zerstörenden Krieges schwebt. Werden sich diese beiden Teile auseinandersetzen oder die Spaltung in zwei Machtbereiche anerkennen? Diese Frage beherrscht die weltpolitische Diskussion.

Ihre Beantwortung ist deshalb so schwierig, weil die Machtkämpfe heute andere Ziele verfolgen als in der Vergangenheit. In früheren Zeiten sicherte das annähernde Gleichgewicht der Kräfte zwar nicht einen ständigen Frieden, aber es schloß die Möglichkeit nicht aus, immer wieder Frieden zu schließen. Heute scheint hingegen die Ausgeglichenheit der Kräfte angesichts der bolschewistischen Weltherrschaftsansprüche ein Hindernis für die Wiederherstellung des Friedenszustandes zu sein.

Noten als Monologe

Darum konnten die Mächte in Ost und West bisher keinen Frieden schließen. Sie haben nichts mehr gemeinsam, was sie geistig verbinden könnte, nicht einmal die Logik und die Vernunft. Wenn man die von dem Osten ständig wiederholten Parolen und Argumente mit den von westlicher Seite ins Feld geführten Gegenargumenten vergleicht, so muß man erschüttert feststellen, daß beide Seiten aneinander vorbeireden. Die Noten und Proteste finden daher keinen Widerhall auf der Gegenseite. Sie bleiben Monologe und schlagen keine Brücke zu einer Verständigung. Die lenistisch-bolschewistische Dialektik, die alle Lebensbereiche der östlichen Menschen zu erfassen sucht, hat die einstige Gemeinsamkeit des Weltbildes, der Humanitas, zerstört, und damit ein gemeinsames Gespräch unmöglich gemacht. Denn gerade die Gemeinsamkeit der Begriffe von Menschlichkeit und Frieden hat früher schließlich immer wieder zu einem Ausgleich der gegenseitigen Interessen geführt und einen Friedenszustand, zumindest formal, begründen können.

Wie feindliche Brüder?

Dadurch ist die politische Lage zwischen den einstigen Alliierten eher mit dem Zu» stand des „Nicht-Kriegführens“ zu ver* gleichen. In starkem Mißtrauen stehen sid sich ständig mit dem Finger am Abzug gegenüber. Die bitterste Tragik dieses Zustandes, an dem wir Deutschen kein« Schuld haben, ist der Riß, der zwischen Ost und West quer durch unser Land geht. Ungewollt werden wir von dieser gewaltigen Auseinandersetzung direkt betroffen. Und dabei ist es Deutschlands historisch# Aufgabe gewesen, heute fast unser fluch» artiges Schicksal, Osten und Westen mit« einander zu verbinden und gestaltend auszugleichen. Wir sind in die Lage des ewig gefährdeten Grenzerdaseins gekommen. Sie wird noch erschwert, da dies* Auseinandersetzung zwischen Ost und West auch die deutschen Menschen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhänge* wie feindliche Brüder zu trennen droht

Außenseiter-Beamte

Zu einer Kritik von General Gross

Köln, 5. Juli, (dpa) Die Pressestelle der Gewerkschaft Deutscher Beamtenbund in Köln wendet sich gegen eine Kritik des amerikanischen Landeskommissars für Württemberg-Baden, General Gross, an einem Teil der deutschen Beamtenschaft. General Gross hatte zu der Stuttgarter Entnaziflzierungsaffäre erklärt, es gebe unter den Beamten Leute, die beredte Schriften zum Lobe der Demokratie veröffentlichen, gleichzeitig aber Bestechungsgelder annähmen, um Leute zu befreien, die ihr möglichstes getan hätten, um die Demokratie zu zerstören.

Dazu bemerkt der Beamtenbund, daß gerade die von Gross gemeinten Personen nicht Berufsbeamte, sondern Außenseiter seien- Gerade die Amerikaner hätten seit 1945 immer wieder gefordert, daß diese Außenseiter verwendet würden. Damit habe General Gross sich selbst bewiesen, daß diese amerikanische Tendenz nicht im Sinne eines sauberen und unbestechlichen Beamtentums sei, wie der Beamtenbund es wünsche. Die deutsche Beamtenschaft wehre sich gegen die von General Gross verallgemeinerten Beschuldigungen ebenso entschieden, wie sie von den durch Außenseiter im öffentlichen Dienst veranlaßten Skandalaffären abrücke.

Die Stadt Watenstedt-Salzgitter ist offi¬ ziell als Notstandsgebiet anerkannt worden.

Gemeinsame Fahne

Fi. Gegenwärtig überprüft man in Washington die Möglichkeit, die einzelnen militärischen Unterstützungs- Aktionen in Südkorea durch einen gemeinsamen Oberbefehl zu koordinieren. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, da bei der Verschiedenheit der militärischen Kontingente, die bisher von Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zur Unterstützung Südkoreas zur Verfügung gestellt waren, die Gefahr einer Zersplitterung in der Führung bestand. Es ist mit Sicherheit damit zu rechnen, daß der Oberbefehl dem General Mac Arthur übertragen wird.

Gleichzeitig mit den Beratungen über diese Frage sind Verhandlungen mit dem Sicherheitsrat begonnen worden, die darauf abzielen, den so zusammengefaßt kämpfenden Truppen neben ihrer Nationalflagge die Führung der Fahne der Vereinten Nationen zu gestatten. Damit wäre dann auch äußerlich dokumentiert, daß hier eine Abwehrfront geschaffen wird, die nicht auf der willkürlichen Intervention eines bestimmten Staates, sondern auf dem gemeinsamen Entschluß aller friedliebenden Völker beruht, der kommunistischen Aggression ein für allemal ein Ende zu setzen.

Gemessen an der Schnelligkeit, mit der der Sicherheitsrat beim Ausbruch des Korea-Konfliktes auf dem Platze war, erfolgt eine solche Ueberlegung reichlich spät. Es ist nicht zu verleugnen, daß sich bisher die amerikanischen, englischen, australischen und anderen Unterstützungs-Einheiten gegenüber den disziplinierten und straff geführten nordkoreanischen Verbänden im Nachteil befanden. Dazu kommt die ideologische Schulung der Kommunisten, die die ganze Art der Kampfführung mehr und mehr in ein fanatisches Gemetzel zu verwandeln droht. Aber im Sicherheitsrat stolperte man immer wieder über juristische und verfassungsrechtliche Hindernisse. Die Charta der Vereinten Nationen, in der die Bildung einer internationalen Polizeitruppe zum Schutz vor solchen Zwischenfällen vorgesehen war, blieb eine papierne Angelegenheit. Der kalte Krieg hat schon nach den ersten Federstrichen zu einem derartigen Abkommen jeden Gedanken an seine Verwirklichung ad absurdum geführt. Wenn jetzt, wie aus dem Boden gestampft, überraschend eine solche internationale Truppe geschaffen wurde, so ist es paradoxerweise mehr den Kommunisten zu verdanken als den Strategen der Vereinten Nationen.

So gesehen gleicht die Korea-Aktion irgendwie dem eiligen Zusammenraffen der Bürgerwehr eines vom Feind bedrohten Landes, weil es seinerzeit das Staatsoberhaupt gutgläubig versäumt hat, die Sicherheit seines Volkes durch eine Armee zu garantieren. An den Truppen, die nunmehr unter dem Zeichen der hellblauen Fahne mit dem weißen Globus und den Olivenzweigen für den Frieden ins Feld ziehen sollen, liegt es, zu beweisen, daß der Geist einer solchen Bürgerwehr stärker sein kann als ideologischer Fanatismus.

Wieder ein Kameradenschinder

Paderborn, 5. Juli, (dpa) In Paderborn ist der 26jährige Arbeiter Johann Schlicht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er kriegsgefangene Kameraden in der Sowjetunion aus rein egoistischen Gründen mißhandelt hat. Er war Zugführer in dein Lager Simanoskoje. Dieser Posten sicherte ihm doppelte Verpflegung und größere Bewegungsfreiheit als den Mitgefangenen. Um diese Vergünstigungen zu halten, versuchte er aus den ihm unterstellten Kriegsgefangenen, die bei einer täglich dreizehnstündigen Arbeitszeit ausnahmslos unterernährt waren, ein möglichst hohes Arbeitspensum herauszuholen. Er hat dabei Gefangene, die vor Erschöpfung zusammenbrachen, brutal zur Arbeit angetrieben und geschlagen.

Der amerikanische Bischof O’Hara und zwei weitere Mitglieder der apostolischen Nuntiatur in Bukarest sind unter der Beschuld’gung der Spionage aus Rumänien ausgewiesen worden.

Stimmen der Leser Ohne Verantwortung der Redaktion

Die Lernmittelfreiheit

Gewiß gibt es gesetzliche Bestimmungen, für deren Durchführung eine Karenzzeit erforderlich ist. In einer Demokratie aber müssen die Wähler klar erkennen, daß die Regierungsmaßnahmen auf die Erfüllung von gesetzlichen Versprechungen gradlinig hinsteuern, sonst geht aller politischer Kredit verloren. Nicht so verfährt man in Hessen mit der Lernmittelfreiheit. Hier steuert man vom Ziele weg. Die im letzten Jahre dafür eingestellten 3,7 Millionen DM betrugen nur etwa 18 Prozent des Gesamtbedarfs von 21 Millionen. Nun hätte man unbedingt erwarten müssen, daß dieser Betrag zum mindesten eine Steigerung auf das Doppelte, also etwa 7,4 Millionen DM mit 36 Prozent des Gesamtbedarfs erführe. Statt dessen sind nur etwa 9 Prozent mit 1,8 Mill. DM vorgesehen. Das ist ein unhaltbarer Zustand, der sich zu einem Skandal auszuwachsen droht.

Die Beschwerden aus Eltern- und Lehrerschaft häufen sich, die Lernmittel bleiben in den Geschäften sitzen, und die Schulen können nicht arbeiten. Überall kann man das vernichtende Urteil hören, daß Verfassung und Gesetz ja gar nicht mehr ernst zu nehmen seien. Schwerer Schaden droht dem Ansehen der Demokratie, wenn des Landes Väter nicht Abhilfe schaffen und im Plenum den Herrn Finanzminister zwingen, seine „Sparmaßnahmen“ auf andere Weise zu betätigen, die das politische Ansehen nicht so schwer erschüttert Jedenfalls müssen nach Schluß der Sommerferien Bücher und Lernmittel bereit sein, damit auch in den Schulen erfolgreich gearbeitet werden kann. Zu diesem Zweck aber wären mindestens 7 Millionen DM in den Etat einzusetzen, die sich durch die Einsparung von 20 Prozent doch auf 5,6 Millionen DM vermindern.

Karl Schäfer

Schriftleiter der Hessischen Lehrerzeitung

Der nordkorennische Yormarsch acht meiter

Ein Stoß zwischen die amerikanische Infanterie- und Artilleriestellung

Taidschon, 5. Juli. (AP/BBC/dpa.) Eine nordkoreanische Panzergruppe ist südlich von Suwon auf amerikanische Truppen gestoßen. Der Feind umging die amerikanische Infanterie und schob sich zwischen die Infanteristen und die amerikanischen Artilleriestellungen.

Ueber das Schicksal des abgeschnittenen amerikanischen Verbandes wurde bekannt, daß die kommunistischen Truppen die amerikanischen und südkoreanischen Einheiten in das hügelige Gelände nördlich von Osan zurückgetrieben hätten. Osan liegt 18 Kilometer südöstlich von Suwon.

Die nordkoreanische Kampfgruppe, die von amerikanischer Artillerie unter Feuer genommen worden war, verlor zwei Panzer. Das amerikanische Hauptquartier ist der Auffassung, daß die feindlichen Truppen, die den Keil zwischen die amerikanischen Linien geschoben hatten, identisch mit der Einheit seien, die mit Amphibienfahrzeugen in der Yongin-Bucht landeten und sich im Vormarsch auf den wichtigen Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt Chongju befinden, um weiter auf Taidschon vorzustoßen, das der Mittelpunkt des amerikanischen Versammlungs- und Bereitstellungsraumes ist.

60 000 Nordkoreaner

Die Nordkoreaner sind bei ihrer neuen Großoffensive mit mindesten 60 000 Mann angetreten. Die Panzerkeile stoßen unaufhaltsam nach Süden vor und müssen bald mit dem Gros der amerikanischen Truppen in Berührung kommen. Das große Ziel der feindlichen Führung ist die Einkesselung der Reste der südkoreanischen Armee. Die gesamte etwa 180 Kilometer breite bewegliche Front ist in zahlreiche Einzelaktionen zerfallen. Die Hauptrichtung aller Kolonnen ist Süden, wobei jedoch an vielen Stellen schwächere Gruppen zur Einkreisung der, wie Inseln in der roten Flut schwimmenden südkoreanischen Einheiten abgezweigt werden. Es kann als sicher angenommen werden, daß die regulären nordkoreanischen Verbände die Absicht haben, mit den im Raume Taiku revoltierenden südkoreanischen Partisanen Verbindung aufzunehmen, um das Gros der Amerikaner von dem wichtigen Versorgungshafen Pusan abzuschneiden und gleichzeitig Taidschon in ihre Hand zu bekommen.

Grst die Yersorgungsbasen

Amerikanische Luftstreitkräfte, die von Flugzeugträgern und den Absprungbasen in Japan trotz dem anhaltenden schlechten Wetter ununterbrochen am Feind sind, haben wiederum Pjöngjang, die Hauptstadt der Nordkoreaner sowie alle Verkehrsverbindungen in frontnahem Raum mit Erfolg bombardiert. Das amerikanische Hauptquartier gibt der Weltöffentlichkeit, die mit Skepsis dem Kampfgeschehen in Südkorea folgt, zu bedenken, daß lediglich die Luftstreitkräfte und diese noch im begrenzten Maß in Korea eingesetzt seien. Es entspreche der amerikanischen Kriegführung, mit den Erdtruppen solange keine entscheidenden Maßnahmen anlaufen zu lassen, bis die Versorgungslinien gesichert und die Versorgungsbasen so eingerichtet seien, daß alles, was für die Truppe zum Erfolg nötig sei, auch vorhanden wäre.

Die 1. amerikanische Marinedivision, eine Eliteeinheit der amerikanischen Streitkräfte, wird in 16 Tagen in Japan eingetroffen sein. Die Truppen sind von Kalifornien im Seetransport in Marsch gesetzt. Superfestungen und Bomber vom Typ B 29 sind vom amerikanischen Kontinent abgeflogen, um in Südkorea eingesetzt zu werden. Das amerikanische Verteidigungsministerium betont, daß die Kommandeure und Befehlshaber, die in Fern-Ost für den Einsatz bestimmt sind, alles erfolgreiche truppenerfahrene Offiziere des zweiten Weltkrieges seien. Auch bei den Soldaten handele es sich zum großen Teil um fronterfahrene Truppen.

Die alliierten Marinestreitkräfte sind weiterhin im Kampf gegen die nordkoreanischen Seestreitkräfte aktiv und konnten weitere Versenkungen melden. Etwa 2500 japanische Seeleute, die als Besatzungen und Piloten auf etwa 30 Versorgungsschiffen der Amerikaner fahren, weil sie die schwierigen Witterungs- und Wasserbedingungen in der Koreastraße kennen, sollen eine Risikozulage von 100 Prozent ihres Soldes erhalten.

Kaiser fordert geistigen Widerstand

Korea als Warnung vor dem Kommunismus

Bonn, 5. Juli. (AP.) Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Kaiser, hat in einer Rundfunkrede die am Mittwochabend vom Rias, Berlin, gebracht wurde, erklärt: „Wir wollen keinen Krieg, aber wer den Krieg nicht will, muß im geistigen Widerstand gegen den Kommunismus um so stärker sein. Nur letzte Entschlossenheit kann uns vor der roten Diktatur sichern."

Die Ereignisse in Korea seien eine Mahnung an alle Länder, die in unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem Kommunismus ständen. Aeußerste Wachsamkeit gegenüber der kommunistischen Aktivität in Westdeutschland sei notwendig. Den kommunistischen Agenten müsse mit aller Schärfe entgegengetreten werden.

Die Ereignisse in Korea hätten gezeigt, was das eigentliche Ziel der sowjetischen Besatzungspolitik in Deutschland sei, nämlich die Vergewaltigung der Bundesrepublik. „Wir können nur hoffen, daß sich die Volkspolizei darüber klar ist, was man eines Tages von ihr verlangen möchte: auf fremden Befehl soll sie gegen die eigenen Landsleute vorgehen“.

Kaiser kritisierte die Passivität der westdeutschen Bevölkerung gegenüber dem Kommunismus. „Es soll Bewohner der Bundesrepublik geben, die meinen, die Sowjets kommen ja eines Tages doch." Diese Leute spendeten heimlich Beiträge für die sogenannte Nationale Front und ähnliche Organisationen, Es sei ein naiver Irrglaube und sträfliche Schwäche, wenn diese Defaitisten glaubten, sich und ihren Besitz dadurch vor einem kommunistischen Zugriff retten zu können.

Kaiser ging auf die schlechte Lebensmittelversorgung in der sowjetischen Zone ein. „Wir alle hier in der Bundesrepublik sollten an Verwandte und Freunde in der Sowjetzone möglichst oft Päckchen mit Fett und anderen eiweißhaltigen Nährstoffen schicken“. Zur Linderung der geistigen Not in Ostdeutschland sollten geeignete Bücher in die sowjetische Zone gesandt werden, „damit unsere Landsleute dort immer wieder einen Hauch des wachen Geistes unseres Volkes spüren“.

Kaiser sprach sich für einen Interzonenhandel aus. Dieser müsse aber unter genauer Kontrolle stehen. „Auch das Stahl-Embargo könnte fallen, wenn die sowjetische Zone beredt ist zu zahlen oder gleichwertige Waren zu liefern. Es sei unbefriedigend, wenn westdeutsche Stahlfirmen nicht liefern dürften und zusehen müßten, wie ausländische Firmen das Geschäft gegen Dollarzahlung übernähmen.

Die Grundsätze zum Lastenausgleich

Ein Ausschuß-Mitglied über den Gesetzentwurf

bb. Koblenz, 5. Juli. (Eigener Bericht.) Der Bundestagsabgeordnete der Freien Demokratischen Partei von Rheinland-Pfalz, Dr. Karl Atzenroth, zugleich Mitglied des Lastenausgleich-Ausschusses im Bundestag, erklärte vor der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Hadelskammern in Koblenz, eine Verwirklichung der Forderungen der Vertriebenen auf gleiche Verteilung aller Vermögenswerte würde eine Vermögensverschiebung von rund 109 Milliarden DM notwendig machen Wahrscheinlich werde in Anlehnung an einen Plan von Bundesfinanzminister Schäffer eine 50 vom Hundert umfassende echte Vermögensabgabe mit einer Laufzeit von 25 Jahren (zwei vom Hundert jährlich) erfolgen. Diese Abgabe sei von der Einkommensteuer nicht abzugsfähig. Gegebenenfalls sollen die Vermögenssteuer, die Obligationsgewinne der Industrie und vielleicht auch die Währungsgewinne bei den Schulden dem Lastenausgleich zugeführt werden.

Mit Entschiedenheit werde der Standpunkt vertreten, daß auch die öffentliche Hand (zum Feispiel mit dem Erwerbsvermögen) zur Abgabe herangezogen wird, nicht zuletzt aus dem Grund, weil sich der Anspruch der Flüchtlinge in erster Linie an den Staat selbst richte. Es stehe fest, daß die vorgesehenen Abgaben den einzelnen Betrieben teilweise eine außerordentliche Belastung bringen würden.

Differenzen bei den Empfängern

Während sich die einzelnen Gremien im Bund in der Frage der Aufbringung „ziemlich einig“ geworden seien, gebe es demgegenüber viel größere Differenzen auf der Seite der Empfangenden. Der größte Streit sei, ob „kollektiv“ oder „individuell und total“ entschädigt werden solle. Die Flüchtlingsvertreter seien für die letztere Regelung und verträten die Auffassung, daß eine genaue Schadensfeststellung möglich sei, eine Arbeit, die etwa 100 Millionen DM an Kosten verursachen würde, gegenüber einer Gesamtschadenhöhe von 75 Milliarden DM. Neben den Flüchtlingen und Vertriebenen (wobei Ostzonenflüchtlinge nicht zum Kreis der Entschädigungsberechtigten gehören, sollen die Bombengeschädigten, nicht aber die Währungsgeschädigten, einbezogen werden. Die Geldforderungen der Vertriebenen würden dagegen voraussichtlich im Verhältnis 100 zu 6,5 berücksichtigt.

Die Grenze der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft an den Lastenausgleich aufzubringenden Geldern liege bei 1,3 bis 1,5 Milliarden DM jährlich. Die Gelder sollen möglichst nicht in den Konsum, sondern in die Wirtschaft fließen. Ein Punktsystem werde über die Reihenfolge der Auszahlungen an die Empfangsberechtigten entscheiden. Die Auszahlung der letzten Quoten würde tatsächlich erst nach 25 Jahren erfolgen können. Eine Vorfinanzierung werde überlegt, wobei eine Vorfinanzierung in Form von Zertifikaten, die auch bei einem Verbot „todsicher“ mit Unterpreis gehandelt würden, nicht in Frage kommen bestenfalls begrenzt auf .in bis zwei Jahre. Als ideale Form des Lastenausgleichs, die weitgehend angestrebt werde, sei der Realausgleich anzusehen, der unter einzelnen Partnern mit dem Placet der Behörden vorgenommen werde.

Das Lastenausgleichsgesetz werde voraussichtlich im Herbst verabschiedet. Von der Lösung dieser hochpolitischen Frage“ werde es abhängen, welchen Weg Deutschland in den nächsten Jahren innerpolitisch gehe.

Forderungen der Spätheimkehrer

Ein offener Brief an den Ministerpräsidenten

Darmstadt, 5. Juli. Der Ministerpräsident Stock hatte in einem Aufruf vom 26. Mai Industrie und freie Wirtschaft aufgefordert, Arbeitsplätze für die Spätheimkehrer zu schaffen. In einem offenen Brief stellt die „Treuhänderschaft der Heimkehrer Darmstadt e. V.“ mit Befriedigung fest, daß sich der Ministerpräsident von Hessen so stark für die Belange der Spätheimkehrer eingesetzt habe. Sie ist der Hoffnung, daß der Aufruf Stocks nicht ungehört verhallen möge.

Eg berühre die Heimkehrer aber sehr befremdend, so betont die Treuhänderschaft in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten, daß für viele Spätheimkehrer, die ehemals Arbeitnehmer bei Behörden waren, keinerlei Verwendung mehr auf deren alten Arbeitsplätzen zu finden sei. Nach sechj Jahren und mehr Gefangenschaft finde auf die Spätheimkehrer die sogenannte Heimkehreramnestie Anwendung. Nach sechs Jahren und mehr Wiedergutmachungsarbeiten hatten die Spätheimkehrer nicht nur gesühnt, sondern darüber hinaus selbst ein Anrecht auf Wiedergutmachungsanspruch und das könne nur durch Zuteilung eines Arbeitsplatzes geschehen.

Jeder Industriebetrieb, ja selbst jeder kleine Handwerksbetrieb macht es sich zur Ehrenpflicht, seine ehemaligen Arbeitnehmer sofort nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wieder einzustellen. Nur der Staat, der selbst mit leuchtendem Beispiel, sozial und menschlich, vorangehen sollte, steht abseits und fordert statt dessen die freie Wirtschaft zu Hilfe auf.

Die Spätheimkehrer hoffen jedoch mit Hilfe des Ministerpräsidenten zu ihrem Recht zu kommen, nach dessen Aufruf mehr denn ja. Bisher gäbe es noch keine Gesetze, die prozentuale Einstellungen von Heimkehrer vorsehen. Wohl gäbe es ein Gesetz, wonach fünfzig Prozent von Flüchtlingen bevorzugt in Staatsstellen untergebracht werden müßten. Die Treuhänderschaft der Heimkehrer fordert daher in dem offenen Brief, daß man auch für die Heimkehrer ein solches Gesetz schaffe.

„Wir machen allen denen“, so schließt der offene Brief, „die uns noch als störende Elemente betrachten oder dafür halten, den guten Vorschlag, selbst einmal sechs Jahre und- mehr unter den Bedingungen, wie wir es taten und an derselben Stelle zu arbeiten, dann fühlt ihr mit uns, dann versteht ihr uns und gebt uns gerne unser Recht.“

Aunszmanderer brauchen Bürgen

Bonn, 5. Juli (dpa). Als Aufnahmeländer für deutsche Auswanderungswillige haben, wie am Dienstag in Bonn bekannt wurde, Argentinien, Australien, Kolumbien, Ecuador, Kanada, Paraguay, Venezuela und mit Einschränkungen auch Brasilien in Aussicht gestellt, die Auswanderer mit ihren Familien aufzunehmen. Wenn damit auch eines der Hindernisse für eine Auswanderung größeren Stils beseitigt worden ist, so bleibt doch die Bedingung bestehen, daß im allgemeinen ein Bürge für jeden Auswanderer im Aufnahmeland vorhanden oder ein Arbeitsvertrag abgeschlossen sein muß. Bis auf Volksdeutsche, die nach den USA auswandern, muß im allgemeinen entweder der Auswanderer oder der Bürge die Reisekosten in Devisen bezahlen. Besonders dieser Umstand steht immer noch einer Massenauswanderung entgegen.

Die Zahl der deutschen Auswanderungswilligen wird auf eine Million geschätzt. Nach dem neuen amerikanischen Einwanderungsgesetz vom 17. Juni 1950 werden die Vereinigten Staaten rund 55 000 Volksdeutsche aus Deutschland und Oesterreich aufnehmen und auch die Transportkosten in Höhe von 2,5 Millionen Dollar übernehmen.

Ecuadbr hat die Bundesregierung eingeladen, durch eine Kommission die für die Auswanderer zu erwartenden Lebens- und wirtschaftlichen Verhältnisse vorzuprüfen. Ihr wird eingeräumt, Empfehlungen für die Entwicklung von Möglichkeiten auf diesen Gebieten zu erteilen.

Wie in Bonn weiter bekannt wurde, wird das ständige Sekretariat für das Auswanderungswesen in Bremen mit den Aufgaben eines Bundesauswanderungsamtes betraut werden. Es soll seine Arbeit unter diesem Namen aufnehmen, sobald der Etat für diese Aufgaben festgelegt worden und entschieden ist, welchem Bundesministerium es unterstellt werden soll.

Churchill fordert Verhandlungen mit Rußland

London, 5. Juli. (dpa). Die Ueberraschung der Korea-Debatte im britischen Unterhaus am Mittwoch war die Forderung des Oppositionsführers Churchill, der Westen solle mit der Sowjetunion über die Beendigung des kalten Krieges verhandeln. Diese Verhandlungen müßten geführt werden, wenn der Angriff auf Südkorea zurückgeschlagen worden sei und bevor die Sowjetunion über gleich starke Atomwaffen verfüge wie die Vereinigten Staaten. (Ueber die Sitzung des Unterhauses berichten wir ausführlich auf Seite 3.)

Koren vor Europa

Washington, 5. Juli. (AP.) Vertreter des amerikanischen Außenministeriums haben erklärt, daß möglicherweise für Europa vorgesehene Waffen an die in Korea eingesetzten Truppen geliefert würden. Wenn dies der Fall sei, würden die Lieferungen für Europa jedoch sehr schnell ergänzt werden. Es sei nicht beabsichtigt, die Lieferungen für Europa in irgendeiner Weise zu kürzen.

Zum Tode verurteilt

Herford. 5. Juli. (AP.) Das britische Obergericht hat am Mittwoch den 24jährigen deutschen Ostflüchtling Peter Wählen wegen Mordes an Sir John Sheehy zum Tode verurteilt. Sheehy war der Finanzberater der britischen Besatzungsbehörden, der am 11. Mai 1949 in Vlotho bei einem Einbruch getötet werden war.

Alles Westgeld muß in de- sowjetischen Zone sofort abgeliefert werden.

Letzte Telegramme

Zuchthaus für einen Grpresser

Angeblich politisch verfolgt

Amberg, 5. Juli, (dpa) Die Große Strafkammer des Landgerichts Amberg hat den 54 Jahre alten Tischler Reinhard Müller aus St. Georgen im Schwarzwald wegen Erpressungsversuchen und fortgesetzten Betruges zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Müller, der bereits vierzehnmal wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Diebstahl und anderer Delikte vorbestraft ist, war 1944 in Stuttgart aus der Sicherheitsverwahrung ausgebrochen und nach Cham im Bayerischen Wald gekommen. Dort meldete er sich als Wilhelm Lehmann. Als angeblicher politisch Verfolgter wurde er nach 1945 in Cham Oeffentlicher Kläger bei der Spruchkammer und Stadtrat.

Nach seiner Entlassung bei der Spruchkammer bot er in Zeitungsinseraten todsichere Tototips gegen Voreinsendung von 50 Pfennig an. Ueber tausend Totofreunde fielen seinem Schwindel zum Opfer. Nun schrieb er an die Zigarettenfabrik Brinkmann in Bremen, er werde ihre Erzeugnisse öffentlich als gesundheitsschädlich anprangern, wenn bis zu einem angegebenen Termin nicht 15 000 Mark bei einer in der Nähe Chams gelegenen Waldkapelle hinterlegt würden. Als sich die Firma an die Kriminalpolizei wandte, floh Müller /Lehmann in die sowjetische Zone nach Plauen, von wo aus er seine Erpressungsversuche wiederholte, bis er von der dortigen Stadtpolizei festgenommen und nach längeren Verhandlungen an das Landgericht Amberg ausgeliefert wurde.

Die Geschäfte Moskaus

Austritt aus der Verfolgten-Vereinigung

Büdingen, 5. Juli. (AP.) Wilhelm Beez, der in. diesem Jahre zum vierten Male zum Vorsitzenden des hessischen Kreises Büdingen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes gewählt worden war, hat sein Amt niedergelegt und ist aus der Vereinigung ausgetreten.

Als Grund seines Austrittes gab er an, es sei nicht mehr zu bestreiten, daß die Vereinigung endgültig zu eine „Satellitenorganisation der Kommunistischen Partei“ geworden sei. „Wenn die zentrale Leitung der Vereinigung die rechtswidrige Abtretung der Gebiete der Oder-Neiße-Linie mit Beifall begrüßt und die Ereignisse in Korea stürmisch feiert“, dann könne er nicht mehr mitmachen.

Die Mitglieder der Vereinigung müßten durch den „Friedensrummel“ dieser Organisation „ohne ihren Willen die Geschäfte Moskaus besorgen“.

Wieder geöffnet

Oberstdorf, 5. Juli (dpa). Das seit dem Kriege geschlossene Schwefelbad Kiefernbach bei Oberstdorf ist wieder eröffnet worden. Die Kiefernbacher Schwefelquelle hat sich vor allem bei Rheuma, Gicht, Ischias und Nervenentzündungen sowie bei Frauenkrankheiten aller Art bewährt.

Nürnkerg schließt die Schulen

Nürnberg, 5. Juli (dpa). Wegen der durch Schäden an der Fernwasserleitung verursachten anhaltenden Wassernot in Nürnberg hat das Städtische Schulamt auf Anraten des Gesundheitsamtes die Schließung sämtlicher Nürnberger Schulen angeordnet. Nach Ansicht des Gesundheitsamtes könnten die durch den Wassermangel äußerst mangelhaften Toilettenverhältnisse in den Schulen sonst zu Infektionskrankheiten führen.

Die Reparaturarbeiten an der jetzt fünften Schadensstelle der Nürnberger Fernwasserleitung werden auch nachts in vollem Umfange fortgesetzt. Die Direktion der Städtischen Wasserwerke hofft, im Laufe des Tages mit dem Auffüllen der Fernleitung beginnen zu können. Sollte sich dann kein neuer Schaden mehr einstellen, so wäre die normale Wasserversorgung Nürnbergs am Donnerstag wieder hergestellt.

Brand im Hafen

Straßburg, 5. Juli (dpa). Sachschaden von einer halben Milliarde französischer Francs (rund sechs Millionen D-Mark) hat nach einer Meldung der Baseler „Nationalzeitung“ ein großes Feuer in den Holzlagern dreier Firmen am Industriehafenbecken in Straßburg angerichtet. Die Brandfläche umfaßte 42 Hektar. Durch den starken Wind, der mehrmals umschlug, kam das gesamte Gebiet zwischen Industrie- und Handelshafen in Gefahr. Die vor Anker liegenden Schiffe und Kähne mußten abgeschleppt werden, um der Gefährdung zu entgehen. Tausend Mann Truppen, die Straßburger Feuerwehr, drei Hafenlöschboote und Feuerwehrkommandos der Nachbarorte bekämpften den Brandherd.

Tod durd Blikichlay

Lissabon, 5. Juli (AP). Während heftiger Stürme in Portugal sind drei Personen duich Blitzschlag getötet und zwölf andere verletzt worden.

Gouveia kamen ein Mann und sein sechsjähriger Sohn ums Leben, während seine Frau und sechs Verwandte verletzt wurden, als der Blitz das Haus in Brand setzte. In Carrazeda fand ein Mann durch Blitzschlag den Tod. Fünf andere erlitten gleichzeitig Verletzungen. Im ganzen Lande gingen wolkenbruchartige Regenfälle nieder, die überall die Häuser unter Wasser setzten. Bei Cha/el entgleiste infolge eines Erdrutsches ein Eisenbahnzug.

Tödliche Unfälle

Chicago, 5. Juli (AP). Mindestens siebenhundertneununddreißig Personen haben wahrend des viertägigen, mit dem amerikanischen Unabhängigkeitstag am vierten Juli abschließenden Wochenendes in den Vereinigten Staaten durch Unfall den Tod gefunden.

Ohne Suhburntionen rentabel

Finanzminister Dr. Hilpert zum Agrarproblem

Wiesbaden, 5. Juli. Der Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundesrates, der hessische Finanzminister Dr. Werner Hilpert, erklärte Pressevertretern, daß Lösüngsmoghehkeden bestunden, um die Rentabilität der Landwirtschaft auch nach dem Wegfallen der Subventionen für Lebensmittel zu gewährleisten, ohne daß eine weitere Verteuerung der Lebenshaltungskosten eintrete.

Es ist zu bedauern, daß trotz seines wiederholten Drängens im Finanzausschuß des Zweizonenwirtschafts- und des Bundesrates keine rechtzeitige Lösung der gesamten agrarpolitischen Frage gefunden worden sei. Der Minister lehnte es jedoch ab, vor der Sondersitzung des Bundesrates am kommen, den Freitag, in der die Frage der Brot-, Milch- und Butterpreise besprochen werden soll, Einzelheiten über die seiner Ansicht nach vorhandenen „Lösungsmöglichkeiten“ bekanntzugeben.

Hilpert erklärte außerdem, die gesetzgeberischen Vorarbeiten zur Lösung dieses Problems seien verspätet vorgelegt worden. Das hessische Kabinett sei noch am Vorabend der Beratung im Bundesrat nicht im Besitz der Vorschläge der Bundesregierung gewesen. Auch diesem Grunde habe Hessen auch für eine „kurzfristige Absetzung“ der Milch- und Fettgesetze im Bundesrat gestimmt. Hilpert fügte hinzu, daraus dürfe aber nicht geschlossen werden, daß er gegen die berechtigten Wünsche der Landwirtschaft Stellung nehme.

Termine am Stantegerichtehof

HGR- Wiesbaden, 5. Juli. (Eigener Bericht.) Die Klage der Freien Demokratischen Landtagsfraktion gegen die hessische Staatsregierung wegen des wirtschaftlichen Mitbestimmungsrechtes wird am 7. Juli, vormittags 11 Uhr, verhandelt.

Acht Tage später, am 14. Juli, kommt die Klage zum Austrag, die Karl Heinz Priester gegen die hessische Regierung angestrengt hat, weil sie eine Kundgebung der Nationaldemokratischen Partei zum Sonnenwendfest am Nationaldenkmal auf dem Niederwald verboten hatte. Die Landesleitung der National-Demokratischen Partei kündigte am Mittwoch die Einreichung einer Klage gegen die hessische Landesregierung an, wenn das im Referentenentwurf vorliegende hessische Wahlgesetz im Landtag angenommen wird und Rechtskraft erhalten sollte. In der Begründung heißt es, daß die Fassung des § 20 eindeutig nachweise, daß die „Lizenzparteien sich mit dem neuen Wahlgesetz Vorteile zu verschaffen -suchten, zu deren Erreichung sie bereit sind, die Verfassung zu verletzen“.

Rationnsikerungs-Kurgtorium

Wiesbaden, 5. Juli, (dpa) Die Bezirksgruppe Hessen des Rationalisierungs-Kuratoriums der deutschen Wirtschaft (RKW) wurde in Frankfurt gegründet. Verbände und Selbstverwaltungsorgane der gewerblichen Wirtschaft, Behörden und Gewerkschaften wollen mit dieser Neugründung in gemeinsamer Arbeit dem Rationalisierungsstreben im hessischen Wirtschaftsraum besonderes Gewicht geben.

Der hessischen Bezirksgruppe gehören als Vorstandsmitglieder unter anderen Ministerialdirektor Dr. Magnus vom Ministerium für Arbeit, Landwirtschaft und Forsten, der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Dr. Beyer, und Hermann Kutschbach von der hessischen Bezirksleitung des Deutschen Gewerkschaftsbundes an.

Grst 10 Prozent nerteilt

Unvollständige Unterlagen bei Antrag auf Flüchtlingskredite

Wiesbaden, 5. Juli. Innerhalb des Schwerpunktprogrammes für das Nordhessische Notstandsgebiet sind nach einem Bericht des Hessischen Wirtschaftsminästeriums von den verfügbaren Bundesmitteln in Höhe von 1,66 Millionen Mark für Flüchtlingskleinkredite bisher erst 167 800 D-Mark an 31 Flüchtlinge verteilt worden.

Die Bearbeitung der Anträge wurde zum größten Teil dadurch erschwert, daß die Unterlagen nicht vollständig eingereicht würden, so daß Rückfragen erforderlich seien. Außerdem benötigten die Antragsteller meistens Betriebsmittel, während die Kredite in erster Linie für Investitionszwecke verwandt werden sollen.-

Ueber 16 Millionen D-Mark

Für Siedlungs- und Bodenreform

Wiesbaden, 5. Juli, (dpa) In Ausführung eines Landtagsbeschlusses vom 30. März dieses Jahres hat Ministerpräsident Stock dem Parlament jetzt mitgeteilt, daß zur Intensivierung der Siedlungs- und Bodenreformmaßnahmen in Hessen in den Staatshaushaltsvoranschlag ein Gesamtbetrag von über 16 Millionen DM eingesetzt worden sei. Unter anderem seien 1,5 Millionen als zehnprozentiger Anteil für den Landankauf im Rahmen des Entschädigungsgesetzes, 1,9 Millionen als Darlehen zum Ankauf von Land und sieben Millionen DM für Bau- und Einrichtungszwecke vorgesehen.

Außerdem enthalte der Voranschlag 3,5 Millionen DM als Darlehen des Landes für die Seßhaftmachung von Heimatvertriebenen durch die Uebernahme von etwa 350 auslaufenden Betrieben.

Wie Stock bekannt gibt, hat die Staatliche Domänenverwaltung insgesamt 475 Hektar für landwirtschaftliche Siedlungszwecke zur Verfügung gestellt. Domänenstreubesitz werde darüber hinaus überall dort zur Verfügung gestellt, wo er für Siedlungszwecke benötigt werde.

335 Flücdtlinge eingetroffen

Für Wiesbaden und Darmstadt

Wiesbaden, 5. Juli, (dpa) Am Mittwoch traf in Gießen der zweite Transport mit 335 Flüchtlingen aus Schleswig-Holstein ein, die innerhalb der Umsiedlungsaktion nach Hessen kommen.

Von den Umsiedlern werden 229 in dem Regierungsbezirk Wiesbaden und 106 in dem Regierungsbezirk Darmstadt unte-rgebracht.

Um die Renten-Merfcherung

A. Z. Wiesbaden, 5. Juli. In Uebereinstimmung i-’t der Stellungnahme des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger hat die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft die zuständigen Bundesminister und Minister der Länder sowie die Fraktionen der politischen Partei^ . des Bundestages dringend darum „ / -ten, die Invaliden-, Angestellten- und Knappschaftsversicherung beschleunigt „Wieder auf eine feste und dauerhafte Grundlage zu stellen“.

Die Glektrifizierung

der Ruhr—Sieg—Dill-Strecke gefordert

Wiesbaden, 5. Juli, (dpa) Die Präsidenten der Industrie- und Handelskammern Dillenburg, Gießen, Siegen und Wetzlar fordern, daß bei der geplanten Elektrifizierung der Bundesbahn der Ruhr-Sieg-Dill-Strecke vor den beiden Rheinstrecken im ersten Bauabschnitt der Vorzug gegeben werde. Für eine solche Lösung sprächen verkehrstechnische und wirtschaftliche Gründe, da die Ruhr — Sieg — Dill - Strecke die kürzeste direkte Verbindung vom Ruhrgebiet nach Süddeutschland sei. Mit dem Bundesverkehrsministerium und anderen zuständigen Stellen sollen in dieser Frage sofort Verhandlungen aufgenommen werden.

Generaliantsanmualt Quabbe

AZ Wiesbaden, 5. Juli. Am 1. Juli 1950 verschied in Frankfurt am Main Generalstaatsanwalt a. D. Dr. Georg Quabbe nach langer Krankheit im Alter von 63 Jahren. Der Verstorbene, der auf eine erfolgreiche 30jährige Tätigkeit als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht Breslau zurückblicken konnte, stellte nach dem Zusammenbruch seine hervorragenden juristischen Fähigkeiten der hessischen Justiz zur Verfügung, indem er das verantwortungsvolle Amt des Generalstaatsanwalts bei dem Neuaufbau des Oberlandesgerichts Frankfurt übernahm. In den ersten schwierigen Jahren der Nachkriegszeit arbeitete er aufopfernd an der Neuschöpfung der Strafrechtspflege, bis eine schwere Erkrankung seinem Wirken vorzeitig ein Ende setzte. Seine Versetzung in den Ruhestand am 1. September des vergangenen Jahres vermochte leider keine Wendung mehr in seinen Gesundheitszustand zu bringen. Die hessische Justiz verliert in ihm einen hervorragenden und hochgeachteten Mitarbeiter.’

Amerikuanische Besuche

Wiesbaden, 5. Juli, (dpa) Eine Mission der amerikanischen Unitarian-Church, die aus zehn Medizinern, zumeist Hochsdiulprofessoren, besteht, weilt gegenwärtig zu einem vierwöchigen Aufenthalt in Marburg, um Vorträge über die neuesten Ergebnisse der amerikanischen Medizin zu halten.

Die Mission, die auch andere Universitäten in Deutschland besuchen wird, will Geschichte und Struktur der deutschen Hochschulen studieren. Die Unitarian-Church ist die größte protestantische Glaubensgemeinschaft in den Vereinigten Staaten.

Für einen Streik

Kassel, 5. Juli, (dpa) Neunundsechzig Prozent der zweihundert Betriebsangehörigen der Kurhessischen Milchwerke Kassel stimmten bei einer Urabstimmung für einen Streik, falls ihre Lohnforderungen nicht befriedigt würden. Sie fordern außerdem, daß die Gewerkschaft bei den Lohnverhandlungen alle Mittel anwenden solle, um ihre Forderungen durchzudrücken. Die Kurhessischen Milchwerke verarbeiten täglich etwa fünfzigtausend Liter Milch. Bei einem Streik würde die Milchversorgung Kassels gefährdet werden.

Hessische kurznachrichten

Nach den Feststellungen des Hessischen Statistischen Landesamtes hatten die Stadtkreise, die Gemeindeverbände (Landkreisverwaltungen und Bezirksverbände) und ein Teil der kreisangehörigen Gemeinden im letzten Vierteljahr Januar—März 1950 rd. 5 Millionen DM oder 10 Prozent weniger Personalausgaben als im Vorvierteljahr. Von dieser Einsparung entfallen allein 3,2 Millionen DM auf die 9 hessischen Stadtkreise.

Die Frauenverbände des Kreises Fritzlar-Homberg fordern in einer an den Bundestagsausschuß für Kredit und Geld gerichteten Entschließung eine Aufwertung der Privatversicherungen.

Durch Neu- und Wiederaufbau wurden im Juni in Kassel 133 Wohnungen erstellt. 16 Hausruinen mußten im gleichen Zeitraum wegen Einsturzgefahr niedergelegt werden. *

Die Allgemeine Ortskrankenkasse Hünfeld will in Zukunft monatlich zehn Kindern einen kostenlosen vierwöchigen Erholungsaufenthalt an der See oder im Gebirge gewähren. *

Der gesamte Verkehr auf der Fulda soll vom 5. Juli bis Monatsende auf der Strecke Hann.-Münden—Kassel wegen dringender Reparaturen an der Fuldaschleuse bei Bonaforth gesperrt werden. * * *

Zum Bäderreferenten beim Hessischen Finanzministerium wurde der Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereing von Arolsen, der frühere Reichsbankrat Dr. Georg Ochs, berufen.

Ein Warschauer Gericht hat sechs Todesurteile gegen Polen ausgesprochen, die einer Untergrundbewegung zum Sturz der kommunistischen Regierung angehört haben sollen.

Orkan über Koblenz

Schwerste Schäden in Stadt und Mittelrheingebiet

bb. Koblenz, 5. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Ein in der Nacht zum Mittwoch in Koblenz niedergehendes Unwetter wird als das schwerste bezeichnet, das seit Menschengedenken erlebt worden ist.

Die stundenlang niederprasselnden Gewitterregen wurden durch einen orkanartigen Sturm verstärkt, der Bäume bis zu einem Durchmesser von einem Meter umknickte. Glücklicherweise sind keine Personen zu Schaden gekommen. Sowohl in der Stadt wie in den Vororten war der Verkehr durch Trümmerschutt, entwurzelter Bäume und zerrissene Straßenbahnleitungen stundenweise lahmgelegt. Die Lichtversorgung und der Telefondienst konnten erst in den Mittagsstunden völlig sichergestellt werden.

Die Aufbauten der „schwimmenden Operetteninsel“ in der Rheinlache sind ebenfalls zerstört worden. Teile der sonstigen wetterfesten Dekoration zu der Strauß-Operette „Eine Nacht in Venedig“ schwammen im Wasser. Bis zu den bereits ausverkauften Vorstellungen am Samstag und Sonntag wird, so versichert die Theaterleitung, alles wiederhergestellt sein.

Auf dem acht Meter hohen Turm der Wetterwarte auf dem Koblenzer Hochhaus schlug der Blitz ein. Die Leiter zum Beobachtungsstand der Wetterwarte wurde vom Sturmwind weggerissen und über die Dächer gefegt. Kurz nach 3.00 Uhr entlud sich ein zweites Gewitter, das ebenfalls über eine Stunde dauerte. Beide Gewitter waren von starkem Hagelschlag begleitet, wodurch der kurz vor der Reife stehende Hafer im Mittelrheingebiet fast vernichtet wurde. Die Niederschlagsmenge betrug nach Mitteilung der Koblenzer Wetterwarte vierzig Liter pro Quadratmeter. Die Höchsttemperatur am Dienstag erreichte 33 Grad im Schatten.

Die Koblenzer Feuerwehr fuhr in der Sturmnacht über zwanzig Einsätze.

Unwetter auch in Lauterbach

Frankfurt/Main, 5. Juli. (AP.) Aus dem Landkreis Lauterbach in Hessen wird gemeldet. daß bei einem schweren Gewitter zwei Gehöfte durch Blitzschlag niederbrannten. Der Gesamtschaden wird hier auf etwa 100 000 DM geschätzt. Am Dienstag hatte in der gleichen Gegend ein schwerer Gewittersturm Bäume entwurzelt und die Ackerkrume fortgeschwemmt.

Brandstifkung in Hanau?

Hanau, 5. Juli, (dpa) Zum viertenmal in vier Wochen brach am Dienstagabend in einem kurz zuvor von heimatlosen Ausländern geräumten Wohnblock der ehemaligen Hutier-Faseme in Hanau am Main ein Großfeuer aus. Deutsche und amerika -ehe Feuei -ehren konnten nach mehrstündiger Löscharbeit wenigstens die unteren Stockwerke des Gebäudes vor den Flammen retten. Wie bei den übrigen Bränden war auch der jetzt eingeäscherte Wohnblock erst vor einigen Tagen v< heimatlosen Ausländern geräumt und der Stadt Hanau zur Unterbringung deutscher Familien zur Verfügung gestellt worden. Feuerwehr und Kriminalpoliz i vermuten Brandstiftung.

Altsparer sollen waraten

Bonn, 5. Juli, (dpa) Der Bundestagsausschuß für Geld- und Kreditwesen hat am Dienstag beschlossen, die ihm vorliegenden Anträge über die Aufwertung von Altsparerguthaben zunächst nicht weiter zu bearbeiten. Dem Ausschuß lag eine Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums vor, in der erklärt wurde, daß die Altsparerguthaben im endgültigen Lastenausgleichsgesetz berücksichtigt werden sollten.

Gegen die Demoniagen

Washington, 5. Juli. (HRi) Wie aus einem jetzt in- Washington veröffentlichten Sitzungsprotokoll des Billigungs-Ausschusses des amerikanischen Senats hervorgeht, hat sich der amerikanische Oberkommissar McCloy bei seinem letzten Besuch in den Vereinigten Staaten mit allem Nachdruck für eine Einstellung der Demontagen in Westdeutschland eingesetzt. Er befürwortete besonders die Erhaltung der Werke in Watenstedt-Salzgitter. Er erklärte vor dem Ausschuß, daß er seit Beginn seiner Tätigkeit in Deutschland sein Aeußerstes getan habe, um die gesamte Demontagepolitik abzuschwächen. Die Demontage in Watenstedt-Salzgitter habe er nicht verhindern können.

Empfang bei MeCloy

Bad Homburg, 5. Juli, (dpa) Vierhundert Amerikaner und dreihundert Deutsche nahmen an einem Empfang teil, den Oberkommissar McCloy am amerikanischen Unabhängigkeitstag. am Dienstag, in Bad Homburg gab. Die Bundesregierung war durch Flüchtlingsminister Dr. Lukaschek, die hessische Regierung durch Ministerpräsident Stock und Innenminister Zinnkann vertreten.

Der Rundfunk am Donnerstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher: 6.45 Morgenständchen: 7.10 Frühkonzert; 8.15 Morgentnusik; 9.00 Uhr Unterhaltungsmusik: 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag: 13.00 Musikalisches Allerlei: 16.00 Hausfrauenkonzert; 17.00 Fröhliches Spiel: 18.00 Hörerlieblinge: 18.30 Will Glahe; 20.00 Der Wunschzettel: 21.10 Endlich einmal früh ins Bett: 21.45 Passiert — glossiert; 22.15 Werke für Violine und Klavier: 23.00 Mißhelligkeiten der Zeit; 23.15 Tanzmusik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag: 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert: 18.00 Zeitfunk und Unterhaltungsmusik: 20.00 Die Leute von nebenan; 22.00 Ludwig van Beethoven: 23.15 Igor Strawinsky.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert: 13.15 „Hallo München^; 16 15 Nachmittagskonzert: 17.15 Unterhaltungsmusik des SWF-Orchesters: 18.30 Musik zum Feierabend: 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik: 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 Unterhaltungsmusik von heute: 22.30 Die großen Meister: 23.30 Für Kenner und Liebhaber.

NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Mittagskonzert; 14.15 Unterhaltungsmusik: 15.40 Das Hamburger - Tango-Orchester: 16.50 Robert Schumanns Klavierwerke: 18.00 Zwischen sechs und sieben: 20.00 1900 Jahre Köln: 22.15 Tanzmusik: 22.45 Weltschlager von Schallplatten: 0.05 Berlin am Mikrofon.

Erträglichere Temperaturen

Ein über Frankreich liegendes Gewittertief wird bei seiner Ostverlagerung auch bei uns die Gewittertätigkeit nochmals kurz aufleben lassen. An ihrer Rückseite werden jedoch frischere atlantische Luftmassen nach West- und Südwestdeutschland einströmen und uns erträglichere Temperaturen bringen.

Aussichten : Anfänglich noch schwül und nochmals auflebende örtliche Gewitterbildung. Danach wechselnd bewölkt, nur vereinzelt Schauer. Wieder langsamer Temperaturrückgang.

Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION

Aber wenn das nur alles gewesen wäre! Ich kam manches Mal dazu, wenn die beiden Mädchen, uneins über irgendeine Frage, einen regelrechten Ringkampf austrugen. Die Ringkämpferkünste der doch viel kleineren Margaret Rose waren nicht zu verachten. Jedenfalls griff sie so energisch zu, daß die in ihren Schlüssen und vielleicht auch in ihrer allzu großen Rücksichtnahme viel langsamere Elisabeth meist klein beigeben mußte.

Jedenfalls ging Margaret Rose so entschieden vor, daß sie meist Siegerin blieb. Und wenn sie es nicht war, dann bediente sie sich aller Waffen, die man Frauen beim Ringen um die Vorherrschaft nachsagt — was einige Male dazu führte, daß ich sehr deutliche Bißspuren von prinzlichen Zähnen in prinzlichen Armen und Beinen feststellen mußte!“

So lautete ein späterer Bericht jener Miss Crawford, die in die Seele jener Kinder einen tieferen Einblick gewann als irgendein anderer Mensch.

Die Rebellin in Margaret Rose aber wurde immer lebendiger. Es genügte ihr bald nicht mehr, sich in Glamis-Castle oder in Windsor-Castle oder irgendwo in London im Buckingham-Palast hinter den Vorhängen zu verstecken und dort mit einem dumpfen Buh-Geschrei als Gespenst die’’ älteren Damen des Hofes in Angst und Schrecken zu versetzen. Sie lehnte sich auch gegen die Anordnungen auf, die man ihr nahelegte, damit sie wenigstens vor der Welt die Rolle der braven Prinzessin bis zu Ende spiele. Bei einem großen Empfang, an dem sie als Achtjährige teilnehmen durfte, tunkte sie ihr Stück Kuchen in die Teetasse. Miss Crawford war entsetzt. Die Hofdamen fielen fast in Ohnmacht. Mummy machte ein sehr ernstes Gesicht, runzelte die Stirn und hatte — wie Margaret Rose diesen Zustand kennzeichnete — Kulleraugen, die bedrohlich wirken sollten. Margaret Rose wartete all diese Folgeerscheinungen ihres Tuns ab und wandte sich dann an eine der würdigsten Hofdamen mit der Frage:

„Mummy hat nicht gern, wenn ich den Kuchen in den Tee tunke. Sie sagte, ein feines Mädchen tue so etwas nicht. Stimmt das eigentlich? Bin ich nun kein feines Mädchen mehr?“

In den Augen derjenigen, die immer noch den Schatten des Onkels Eduard über Margaret Rose vermuteten, war Margaret Rose schon lange kein feines Mädchen mehr. Doch mit Rücksicht auf die Herkunft und die gegenwärtige Rolle, die Margaret Rose zu spielen hatte, sprach man selbstverständlich nicht darüber. Aber die anderen, denen diese Episoden doch zu Ohren kamen, den Leuten in den Webereien in Manchester, den Hafenarbeitern und den Fischfrauen vom Londoner Markt, machten diese Aeußerungen einer revolutionären Seele mitten im Buckingham-Palast viel Spaß. Während die konservativen Anglikaner die Nase rümpften und die Stirn runzelten und aus dem Benehmen eines kleinen Mädchens bedenkliche Rückschlüsse auf die Zukunft ziehen zu können glaubten, zwinkerten die Menschen aus der großen Masse einander mit dem Auge zu und nickten:

„Die Kleine ist richtig. Sie läßt sich nichts gefallen!“

Aber für den kleinen Rebellen war es nicht ganz einfach, sich immer durchzusetzen. Denn auch Kleine Prinzessinnen können zu Zimmerarrest verurteilt werden. Freilich bedarf es dazu höchster königlicher Zustimmung. Aber die mußte man geben, wenn man nicht riskieren wollte, daß Margaret Rose, die so schlechte Anlagen im Sinne der königlichen Disziplin zeigte, eines Tages ganz und gar über die Strange schlüge — etwa so wie einst Eduard VIII. Wenn sie auch nicht Königin würde! Wer im Scheinwerferlicht steht, darf keine falsche Bewegung machen.

Das verlangte man schon von Margaret Rose, als sie, eben acht Jahre alt, schwimmen gelernt und mit einem jungenhaften Mut sich die Auszeichnungen verdiente, die sie brauchte, um als Pfadfinderin in einen, hohen Rang hineinzugleiten. Denn bei den Pfadfindern war sie einfach nur Margaret Rose. Da mußte sie ihren Weg suchen. Und da setzte sie sich auch wirklich durch.

Aber als sie erst einmal „kleiner Offizier“ geworden war sann ihr abenteuerliches prinzliches Gehirn gleich darüber nach, was man anstellen könnte, damit es in dieser Rolle als Pfadfinderin von Rang nicht gar so langweilig sei... Ihr fiel bald etwas ein!

11.

Als Chamberlain Nägel kaute ...

Wer sitzt denn unter dem Tisch? — Eine Prinzessin einmal ganz anders — Schwierige Schulstunden

Langsam glitt der Kahn über den dunkelgrünen Spiegel des Sees von Windsor-Castle. Die würdige, schon etwas bejahrte Pfadfinderin, die sich auf Windsor-Castle eingefunden- hatte^um Margaret Rose nun auch die silberne Spange für den Pfadfl.nderschlips zu bringen, betrachtete unauffällig Margaret Rose, die kräftig mit den Rudern ausholte. Wie stark dieses Kleine, so schmächtig aussehende Geschöpf war! Wirklich, ein wenig klein für ihr Alter, in den Schultern etwas schmal. Aber das war ja mit zwölf Jahren noch nicht so schlimm. Doch kräftig war das Mädchen trotz allem. Die alte Pfadfinderin lauschte interessiert der Geschichte, die Margaret Rose ihr zu erzählen wußte. Weiß der Himmel, wo sie die entsprechenden Quellen ausfindig gemacht hatte! Und war diese Geschichte nicht ein wenig gewagt für eine Prinzessin von zwölf Jahren?

Sie erzählte von König Karl 1.. der bekanntlich einer der englischen Könige war, die von einem Gegenspieler zum Tode verurteilt wurden. Damals fand slchTuemand, der das Todesurteil an dem König vollziehen wollte. Aber zuletzt kam ein Mann und bot sich an, den Todesstreich zu führen. Und dieser Mann trug eine Maske, die er aber einen Augenblick vor der Hinrichtung aufih'ob, während er dem König zuflüsterte: „Erinnert Ihr Euch, König?“

Und ob König Karl I. sich erinnerte! Das war der Mann, dessen Braut er hatte entführen lassen, dessen Braut ihm Spielzeug sein sollte. Und diese Hinrichtung war die Rache des Mannes, dem ein König die Geliebte raubte.

Eben setzte Margaret Rose hinzu, daß sie gehört habe, der Henker sei dann später nach Schweden oder Deutschland aus gewandert.

Die bejahrte Pfadfinderin horchte zwar zu, wich aber dem prüfenden Blick Margaret Roses aus. Sie schaute zur Seite. Sie schaute so zur Seite, daß sie erst wieder aufmerksam wurde, als ein quirlendes, glucksendes Geräusch an ihr Ohr drang.

Da sah sie, weshalb Margaret Rose ihre Aufmerksamkeit mit dieser blutigen Geschichte so geschickt abgelenkt hatt,e: Margaret hatte nämlich aus dem Boot den Stopfen herausgerissen,.um zu sehen, wie sidh die Pfadfinderin benehmen würda< wenn nun das Wasser in das Boot eindringe. Sie hatte freilich den Kahn zum Ufer hin dirigiert, so daß das Wasser nicht allzu tief war. Aber sie sagte später, es sei für sie sehr aufschlußreich gewesen zu beobachten, wie die empörte ältere Pfadfinderin, die ihnen immer Entschlossenheit und Mut fürs ganze Leben gepredigt habe, mit hoch emporgerafften Kleidern durch das mehr als knietiefe Wasser zum Ufer watete, um sich dann von Windsor-Castle zu empfehlen, ohne noch einmal nach Margaret Rose gefragt zu haben.

Wenn sich Seelenforscher zu einem späteren Zeitpunkt einmal mit diesen Problemen und dem Verhalten Margaret

Röses befassen werden, dann dürften sie wohl eine gelehrte Theorie aufstellen, wonach Margaret Rose diese Angriffslust, diese Freude am Experiment mit Menschen entwickelte, weil sie selbst als Prinzessin nur zur zweiten Garnitur gehörte, während Lilibet doch gleich nach der Königin kam. (Fortsetzung folgt-)


Margaret Kose (links) in Begleitung einer Hofdame beim Verlassen der Untergruhdbnhr.
Margaret Kose (links) in Begleitung einer Hofdame beim Verlassen der Untergruhdbnhr.

Feuilleton

Filme, die wir morgen sehen

Die lachende Leinwand

Der 2,18 Meter große und über drei Zentner schwere Ringerriese Kurt Zehe und die reizende. 1,58 Meter kleine Lucie Englisch spielen in dem Berolina-Farbfilm „Scharzwaldmädel“ ein Liebespaar. „Arme Lucie“, sagte ihr Filmvater, Fritz Kampers, „wenn der einmal bei der Umarmung stolpert, bist du eine Briefmarke!“

Sziöke Szakall. der demnächst als „Ein Mann der Tat“ das deutsche Publikum zum Lachen bringen will, erhielt neulich den Brief einer achtjährigen Verehrerin: „Warum kannst Du nicht mein Papa sein? Mein eigener Papi ist dünn und langweilig, nicht so schön dick und komisch wie DU!“

Georg Alexander fuhr von Wien zu Dreharbeiten nach Berlin. Im Schlafwagenabteil meinte der Herr, mit dem er den Raum teilte: „Hoffentlich schnarchen Sie nicht.“ „Da können Sie ganz beruhigt sein. Ich bin erkältet und werde wohl vor lauter Husten die ganze Nacht kein Auge zumachen können.“

Lizzi Waldmüller kaufte sich ein Paar Schuhe. Sie wählte nicht lange. Dann behielt sie die neuen Schuhe gleich an und verließ den Laden. Wenige Minuten später betrat sie erneut das Geschäft:

„Hören Sie. Ihre Schuhe quietschen! Das beleidigt meine Ohren!“ Der Schuhhändler wies darauf hin, daß neue Schuhe gewöhnlich quietschen.

„Meinetwegen“, sagte die Waldmüller, „dann geben Sie mir aber wenigstens ein Paar, das auf den gleichen Ton quietscht!“


MARIA WALEWSKA ist als die Frau in die Geschichte eingegangen, die in unerschütterlicher Liebe zu Napoleon I. hielt. In den für den Korsen ruhmreichen Tagen vor dem großen Rußlandfeldzug lebt sie glücklich an seiner Seite. In den Tagen des Niedergangs, als alle ihn verlassen, bleibt Maria Walewska imh treu, die einzige Frau, die der Herrscher über Europa wirklich liebte und über der er sogar sein Reich vergessen konnte. Maria Walewska; Greta Garbo; Napoleon: Charles Boyer. Im Union. Photo: MGM.
MARIA WALEWSKA ist als die Frau in die Geschichte eingegangen, die in unerschütterlicher Liebe zu Napoleon I. hielt. In den für den Korsen ruhmreichen Tagen vor dem großen Rußlandfeldzug lebt sie glücklich an seiner Seite. In den Tagen des Niedergangs, als alle ihn verlassen, bleibt Maria Walewska imh treu, die einzige Frau, die der Herrscher über Europa wirklich liebte und über der er sogar sein Reich vergessen konnte. Maria Walewska; Greta Garbo; Napoleon: Charles Boyer. Im Union. Photo: MGM.

Notizen vom Film

Ingrid Bergmann erhielt für ihre Darstellung der „Jungfrau von Orleans“ den französischen „Oskar“ als beste ausländische Filmschauspielerin des Jahres. Orson Welles und Carol Reed, der Hauptdarsteller und Regisseur des Film „Der dritte Mann“, erhielten gleichfalls diese höchste Auszeichnung, die der französische Film zu vergeben hat.

1225 Titel für das von der Prisma-Film durchgeführte Preisausschreiben nach dem besten deutschen Titel des Rene-Clair-Films „La Beautö du Diable“ gingen bisher ein. Das Ergebnis wird am 20. Juli in der „Film- und Moderevue“ veröffentlicht.

Sarah Churchill, die Tochter des ehemaligen britischen Ministerpräsidenten, spielt in dem Metro-Goldwyn-Mayer-Film „Königliche Hochzeit. Ihr Partner ist Fred Astaire.

Laurence Olivier, der nach seiner berühmt gewordenen Hamlet-Inszenierung vom englischen König in den Adelsstand erhoben wurde, spielt in dem RKOhFilm „Stürmische Höhen“ die Rolle eines Zigeunerfindlings.

Ein Preisausschreiben veranstaltet die ROK zum Erscheinen des Großfilms „Johanna von Orleans“, der ab September in Deutschland laufen wird. Ausgezeichnet wird der Theaterbesitzer, der die beste Reklameidee für diesen Film hat. Zur Verteilung kommen Prämien im Werte von 10 000. 5000 und fünf weiteren Preisen zu je 1000 Mark.

„Nachtwache", Harald Brauns religiöser Film der Film-Aufbau Göttingen hat in sechs Monaten Laufzeit im Bundesgebiet und in West-Berlin rund 5,6 Millionen Besucher gehabt. Damit hat. wie von Filmseite offiziell mitgeteilt wird, dieser Film die bisher höchste Besucherzahl der deutschen Nachkriegsfilme erzielt, obwohl erst fünfzig Prozent der deutschen Lichtspieltheater ihn vorführten.

Freigabe des „Münchhausen“-Fiims. Der Vorsitzende des Verbandes der westfälischen Filmtheaterbesitzer, Mack, gab bekannt.daßdieFreigabe desbis-vor kurzem verbotenen Hans-Albers-Films „Münchhausen“ in der Bundesrepublik eine Folge des „kalten Krieges“ gewesen sei. Die Vorführung von „Münchhausen“ war 1945 auf Veranlassung der sowjetischen Besatzungsmacht für ganz Deutschland verboten worden, weil in der Person der Kaiserin Katharina die russische Geschichte verunglimpft würde.


VERLORENE JAHRE heilet der Berna-Donau-Film, der drei Menschenschicksale der jüngst vergangenen Zeit aufgreift und sie zu einem packenden und dramatischen Filmgeschehen verdichtet. Die Zeichnerin Konstanze lernt vor dem Kriege den englischen Trabrennfahrer Miller kennen und verliebt sich in ihn. Während des Krieges trifft sie ihn als Gefangenen in Oesterreich wieder, und die alte Liebe erwacht erneut. Im Chaos der letzten Kriegstage bewährt sich ihr hohes Menschentum. In den Hauptrollen mit Elfe Gerhart und O. W. Fischer. Im Palast. Photo: Donau-Film
VERLORENE JAHRE heilet der Berna-Donau-Film, der drei Menschenschicksale der jüngst vergangenen Zeit aufgreift und sie zu einem packenden und dramatischen Filmgeschehen verdichtet. Die Zeichnerin Konstanze lernt vor dem Kriege den englischen Trabrennfahrer Miller kennen und verliebt sich in ihn. Während des Krieges trifft sie ihn als Gefangenen in Oesterreich wieder, und die alte Liebe erwacht erneut. Im Chaos der letzten Kriegstage bewährt sich ihr hohes Menschentum. In den Hauptrollen mit Elfe Gerhart und O. W. Fischer. Im Palast. Photo: Donau-Film

„Die Frau ohne Kuß”

ERFOLGREICHE STUDIO-AUFFÜHRUNG DER LANDESMUSIKSOHULE

Es ist nicht einfach, in den heißen Sommertagen ein Programm auf die Bühne zu bringen, das den Zuschauer die paar und dreißig Grad im Saal vergessen läßt. Wenn das einer Gruppe der Opernschule der Hessischen Landesmusikschule mit dem musikalischen Lustspiel „Die Frau ohne Kuß“ am vergangenen Dienstag im Concordiasaal gelang, so liegt das einmal an der glücklichen Wahl des Stückes, zum anderen an der Leistung der Darsteller. Sechs junge Menschen, deren Ziel das Theater ist, gaben ein Debüt, das in schauspielerischer und gesanglicher Hinsicht sowie als Ensemble-Leistung ein kleiner Befähigungsnachweis für ihren zukünftigen Beruf sein kann.

Unter der Leitung und musikalischen Bearbeitung von Ernst Krauskopf entwickelte sich durch drei Akte hindurch eine Komödie, deren amüsante Handlung und schmissige Melodien zu einer reinen Freude für das Publikum wurden. Oskar Cornelius Hom ist als Frauenarzt Dr. Hartwig seiner Rolle als eingefleischter und zu bekehrender Junggeselle jederzeit gerecht. Die „Frau ohne Kuß“, Lilo Wasserzieher, bringt mit Charme und Liebenswürdigkeit die ewige Eva zur Geltung, und man ist schon bei ihrem ersten Auftreten davon überzeugt, daß sie ihren Doktor eines besseren belehren wird. Um sie herum schwirrt das Dreigestirn der hoffnungslos Verliebten: Kunstmaler Fritz Sperling, den Kurt Bausch fein zu geben weiß, der Fabrikant Georg Langenbach, verkörpert durch Helmut Schmitt, und Seine Hoheit Prinz Hussein von ,;Pörsien“, von Otto Heppenheimer ausgezeichnet dargestellt und konsequent durchgeführt in seinem radebrechenden und Lachsalven hervorrufenden Deutsch Anni (Hannelore Ludwig), der dienstbare Geist, fügte sich harmonisch in die . Gesamtleistung aller ein.

Gespielt wurde mit Freude und Begeisterung auf einer Bühne, deren geschickte Ausstattung vom Einrichtungshaus Otto Uhland zur Verfügung gestellt war.

Es gab Beifall auf offener Szene, Blumen für die Hauptdarstellerin, Dakapos, zehnmal mußten sich die jungen Künstler einem begeisterten Publikum zeigen. Wie sagte doch Prinz Hussein vor seinem Abgang in Universaldeutsch: „Behalten Sie mich warm!“ — was, auf den Abend angewendet, bestimmt bei allen Anwesenden der Fall sein dürfte. hn

Die Violinistin Alice Schönfeld

Im Verlaufe der Saison waren in Darmstadt eine ganze Reihe neuer Sterne am Konzerthimmel aufgetaucht, die teilweise einen ermutigenden Ausblick auf das sich erneuernde deutsche Musikleben versprachen. Die Stuttgarter Violinistin Alice Schönfeld sollte wohl diesen Reigen beschließen. Leider fand sie im Verhältnis zu der Qualität ihres Spiels nur eine erschreckend kleine Zuhörerschaft in der Stadthalle vor. Die Hundstage mögen die Schuld daran tragen. Der Vortrag der jungen Künstlerin ist nicht so wuchtig und so ausgezirkelt schön, wie man es vielleicht von einer Klingler-Schülerin erwartet hätte, aber alles ist organisch, sinnvoll geordnet, gerade zum Licht gewachsen, was sje musiziert. Beethovens D-dur-Sonate, op 12, Schuberts Fantasie in C, op 159, und Pfitzners e-moll-Sonate, op 27, sind stilecht inspiriert gewesen. Die langsamen Sätze, besonders bei Schubert, erhalten weiche Formen und Farben. Nicht immer ist der Ton gleichmäßig, die melodische Phrase wird vom bogenführenden Arm manchmal noch dynamischen Veränderungen unterworfen. Doch unbeschwert laufen die technischen Griffe. Ein wechselvolles Klangkolorit zeigt mehr intime als virtuose Charakterzüge. Und das ist als besonders anerkennenswerte Eigenart der Geigerin hervorzuheben. In Hellmut Hidegheti hatte sie einen ausgezeichneten Begleiter am Flügel gewonnen, der mit beispielhafter Anpassungsfähigkeit auf den Violinpart einging und, wo es verlangt wird, zu eigener solistischer Leistung vorstieß. Man hätte den beiden Künstlern einen größeren Erfolg im Besuch gewünscht als sie sich ihn eindeutig bei den wenigen Zuhörern erspielt haben. g. i.

Konzerte im Schloß Fürstenau

Die Musikfreunde des Erbacher Landes werden es gewiß mit Freude begrüßen, daß die alte Tradition musikalischer Veranstaltungen in Schloß Fürstenau wieder auflebt, dessen stille Verträumtheit den einzigartigen Rahmen für Konzerte aller Art bietet. Am 8. Juli 1950, 20 Uhr, veranstaltet das Erbacher Kammerorchester unter Leitung von Ernst-Ullrich von Kameke ein Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach. Man wird das Brandenburgische Konzert Nr. 5 D-dur, das Klavierkonzert d-moll, die Französische Suite G-dur und das Konzert für zwei Klaviere C-dur hören. Als Solisten wirken mit: Irene Mannheimer (Stockholm), Klavier; Ernst Hoffmann (Eberbach), Violine; Werner Löhrich (Heidelberg), Flöte. DT

Die Bergner

Die Menschen, die nach dem ersten Weltkriege geboren sind, kennen Elisabeth Bergner nur noch aus den Schilderungen der älteren Generation. Sie haben Bilder gesehen und von Rollen und Filmen gehört, aber sie haben es nie selbst gespürt, was diese Künstlerin uns bedeutete, sie haben sich nie vor einem eisernen Vorhang die Hände wundgeklatscht und auf die Klinke der kleinen eisernen Tür gestarrt, sie haben niemals vor den Photo-Schaukästen der Kinos sich an dem schmalen Bergner-Kopf sattzusehen versucht. Schön, die Realisten mögen Recht haben, es gibt wichtigere Dinge, die sie versäumt haben. Aber so ein Theaterabend oder ein Film mit der Bergner, das war schon etwas. Davon haben manche Menschen sehr lange gezehrt.

Sie kam aus Wien. Uefoer Zürich und München. Aber sie wurde in Berlin. Sie hat dieser Stadt gegeben, und diese ihr. Beide haben Dankeschön zu sagen.

Die Bergner auf der Bühne, das war Shakespeare und Strindberg, Shaw und Nestroy. Sie erschöpfte die Tragödie, sie brachte die Komödie zum Glitzern, sie adelte die Posse. Ihre „Heilige Johanna“ wurde nie erreichtes Vorbild. In „Was Ihr wollt“ und „Wie es Euch gefällt“ sprach sie Verse, deren süßer Wohllaut uns bis ’in unser Heim begleitete. In „Einen Jux will er sich machen“ — zu Silvester war's — entfesselte sie einen Wirbel, der das neue Jahr rosarot sehen' ließ. Und selbst da, wo die Kritik einmal Einschränkungen machte — Kerr nannte ihre Porzia ein Portiönchen — blieb der zwingende Eindruck von einer großen Künstlerin.

Neben den Bühnen-Triumphen wuchsen ihre Filme. Den Anfang bildete der „Evangelimann“. Dann kam — 1924 war es — „Nju“, die Tragödie einer Frau zwischen einem Manne wie Jannings und einem Liebhaber wie Conrad Veidt. 1926 erschien der berühmte „Geiger von Florenz“ mit Veidt und Walter Rilla, jenes bezaubernde Spiel vom Erwachen eines jungen Mädchens. Nach „Liebe“, „Dona Juana“ und „Fräulein Else“ (mit Bassermann und Steinrück) kamen 1931' ihre ersten Tonfilme „Der träumende Mund“ und „Ariane“. Jetzt erst konnte sich die Schauspielerin Elisabeth Bergner dem Film ganz offenbaren, jetzt, da ihr auch das Wort zur Verfügung stand. Im Zusammenspiel mit Rudolf Forster erschloß sie der damals noch jungen Tonfilmkunst neue Möglichkeiten.

Ich sprach einmal, es war vor mehr als zwanzig Jahren, mit Dr. Paul Czinner, dem Gatten der Bergner, und dem Regisseur ihrer Filme. Er gestand, und ich glaube, er war ehrlich, daß selbst ihm das Wunder ihrer Wirkung bisweilen unerklärlich sei. „Sehen Sie die lange, kahle, häßliche Hausfront? Die Bergner ist da gestern entlanggegangen, den Rücken zur Kamera. Sie hatte eine Frau darzustellen, die fertig ist mit den Menschen und dem Leben. Sie hat nicht einmal die Arme bewegt, sie ist nur gegangen. Und wir alle im Atelier haben den Atem angehalten.“ —

Elisabeth Bergner spielt in dem morgen im „Thalia“ anlaufenden Alexander-Korda-Film „Katharina die Große“ die Titelrolle.


DER WEG NACH SANSIBAR ist für Bing Grosby und Bob Hope mit den gleichen Abenteuern und „Gefahren“ gepflastert, wie vorher der „Weg nach Marokko" und der „Weg nach Rio“. Wer die beiden Globetrotter in diesen' beiden Filmen sah, wird jetzt noch in der Erinnerung der komischen Situationen und Verwicklungen schmunzeln, in die Bing und Bob hineinschlitterten und sich jedesmal mit viel Raffinesse wieder herauslavierten. Diesmal ist es nicht anders. Im Hansa.
DER WEG NACH SANSIBAR ist für Bing Grosby und Bob Hope mit den gleichen Abenteuern und „Gefahren“ gepflastert, wie vorher der „Weg nach Marokko" und der „Weg nach Rio“. Wer die beiden Globetrotter in diesen' beiden Filmen sah, wird jetzt noch in der Erinnerung der komischen Situationen und Verwicklungen schmunzeln, in die Bing und Bob hineinschlitterten und sich jedesmal mit viel Raffinesse wieder herauslavierten. Diesmal ist es nicht anders. Im Hansa.

v iTA DIE GROSSE, von Hause aus eine deutsche Prinzessin, wird von der Zaiün Katharina mit dem Großfürsten Peter verheiratet und lebt neben ihrem Ehegatten, von lesem ungeliebt, in einer Entfremdung, die durch Peter nur verstärkt wird. Als Elisabeth S‘rbt’ kann Katharina die Regierungsgeschäfte übernehmen und ordnet die Verschickung 'Z65 L? , n an’ der auf dem Weg zu seinem Verbannungsort ermordet wird. Die Titelrolle dieses Filmes spielt Elisabeth Bergner. Im Thalia.
v iTA DIE GROSSE, von Hause aus eine deutsche Prinzessin, wird von der Zaiün Katharina mit dem Großfürsten Peter verheiratet und lebt neben ihrem Ehegatten, von lesem ungeliebt, in einer Entfremdung, die durch Peter nur verstärkt wird. Als Elisabeth S‘rbt’ kann Katharina die Regierungsgeschäfte übernehmen und ordnet die Verschickung 'Z65 L? , n an’ der auf dem Weg zu seinem Verbannungsort ermordet wird. Die Titelrolle dieses Filmes spielt Elisabeth Bergner. Im Thalia.

Darmstadt und Amgebung

Dr. Hans kempe

Durch einen erschütternden Unglücksfall ist Dr. Hans Kempe, Studienrat am Realgymnasium zu Langen, im schaffensfreudigen Alter von 46 Jahren jäh aus dem Leben gerissen worden. Mit seinen Primanern, seiner Gattin und seiner Tochter hatte er eine Gebirgswanderung in den Allgäuer Alpen unternommen. Bei einem einsamen Spaziergang ist er am Sonntag abgestürzt. Die Klasse kehrte ohne ihn heim. Am Dienstag wurde die Leiche des Verunglückten von der Bergwacht aufgefunden. Ein Schädelbruch hatte den sofortigen Tod eines Mannes zur Folge gehabt, der sich auf vielen Gebieten verdient gemacht hat.

Dr. Hans Kempe ist in Darmstadt geboren und ein Klassenfreund unseres Oberbürgermeisters gewesen, mit dem er sich auch in den Münchener Studienjahren wieder getroffen hat. Ein Darmstädter ist er geblieben, auch als sein Wirkungskreis in Langen war. Ein musisch veranlagter Mensch, mit großer Freude am schönen Schrifttum, an Musik und Malerei, empfand er die innere Verpflichtung, das, was .ihn bewegte, allen Aufnahmewilligen zugänglich zu machen. Der Volkshochschule und der Kunst und Kulturgemeinde Langen widmete er uneigennützig jede Stunde seiner freien Zeit. Er machte um nur einiges herauszugreifen die Langener mit dem hessischen Büchnerpreisträger Fritz Usinger bekannt, zeigte ihnen eine vielbeachtete Ausstellung unbekannter Werke Alfred Kubins, richtete Hausmusikabende ein und war der Chronist und kulturelle Berater der Gemeinde. Der Dreichgau hatte in ihm einen seiner bes\en Kenner und Historiker.

Bei aller wissenschaftlichen Gediegenheit seiner Arbeiten war Dr. Hans Kempe doch alles andere als ein trockener Spezialist. Immer wieder drängte es ihn zu einer Betätigung, die zugleich in die Breite wirkte. Vor manchem seiner Berufskollegen hatte er voraus, daß er als Akademiker ins Volk ging. Selber ein frohsinniger Mensch, wußte er selbst den karnevalistischen Veranstaltungen seiner Stadt eine vertiefte, an altes Brauchtum anknüpfende Note zu geben. In stillem, zähem, wenn auch nicht immer voll gewürdigtem Bemühen suchte er an jedem Platze Wertvolles zu erhalten und fruchtbar zu machen.

In den letzten Monaten eröffnete sich dem immer Tätigen ein neues und schönes Arbeitsgebiet. Er übernahm die Schriftleitung der wiedererstandenen Heimatzeitschrift des Hessischen Heimatbundes „Volk und Scholle“. Auch den neuen Hessenkalender des Heimatbundes hat er zusammengestellt. Viele Pläne trug er noch in sich, und es bestand die Absicht, ihm in seiner Heimatstadt Darmstadt ein größeres Tätigkeitsfeld zu geben. Der Tod hat diese Hoffnungen zunichte gemacht. Mit den hessischen Heimatforschern und dem Heimatbund, mit seiner Schule und seiner Familie betrauert auch des-' Verlag L. C. Wittich den Verlust eines geschätzten Mitarbeiters und wertvollen Menschen. P. D.

Sommerfest des Yilfemerks

Wie im Vorjahre veranstaltet das Hilfswerk der ev. Kirchen des Dekanats Darmstadt auch diesmal ein Sommerfest. Es beginnt am Samstag um 13 Uhr mit einem Basar. Von 13 Uhr ab werden auf dem Gelände des Hilfswerk, Rheinstr. 124, dem ehemaligen Fraueninterniertenlager Kleider, Mäntel, Schuhe für Frauen, Mädchen und Kinder ausgegeben. Sie entstammen einer amerikanischen Spende und werden für eine Gegenspende verabfolgt. Am Sonntag ist nach einer Arbeitsbesprechung das Sommerfest, bei dem der Posaunenchor Pfungstadt und Volkstanzgruppen mitwirken werden. Für Kinder sind Belustigungen aller Art vorgesehen. Außerdem gibt es an beiden Tagen Kaffee und Kuchen und Erfrischungen. Das Fest wird gemeinsam von den buchenländischen und ungarndeutschen Siedlern und den Gliedern der ev. Gemeinde Darmstadts und seiner Umgebung begangen werden. DT

Rückblick in Griesheim

Nachdem im Laufe des Mittwoch auch das Festzelt abgeschlagen, wurde, zeigt Griesheim wieder sein alltägliches arbeitssames Gesicht.

Nur die Kinder können es noch nicht fassen, daß alles schon vorbei sein soll. Einen Trost haben sie aber: Auf dem Festplatz steht noch ein Karussell, das eifrig benutzt wird.

Alle Aussteller sind mit dem Ergebnis der Leistungsschau zufrieden. Es wurde zwar nicht allzu viel gekauft, dafür aber neue Geschäftsverbindungen angeknüpft und alte Beziehungen vertieft. Die Griesheimer sind sich darüber einig, daß ihr Fest nicht nur schön, sondern auch erfolgreich war. Ba.

Der Gselsritt vom Rimdidim

Der 'Wanderklub „Falke 1916“ Darmstadt wanderte mit Frauen durch den Odenwald. Nach einer kurzen Autobusfahrt bis Ernsthofen führte die Wanderung über sorgfältig ausgesuchte Wege nach dem Hottenbacher Hof, wo auf einer Wiese mit Hochgebirgscharakter erste Rast gehalten wurde.

Ueber Billings ging es dann zum Rimdidim, dem Naturfreundehaus das nach langer Zeit vor kurzem wieder seinem eigentlichen Zweck als Wandererheim zugeführt wurde. Ein durchgebrannter Esel ließ sich mehr oder weniger gutwillig zur Freude der Zuschauer von ein paar Unentwegten reiten. Nach der Mittagsrast in Steinau wurde bis Lichtenberg, dem Endziel der Wanderung, gelaufen. Dort sprach der erste Vorsitzende den Führern Schwab und Wittmann den Dank aller Wanderfreunde aus und nach einem Bad in dem schön gelegenen Schwimmbad wurde die Heimfahrt mit der Bahn, dem Autobus oder der Rückmarsch nach Ober-Ramstadt angetreten.

Hauptangeklagter: Ein Mörder

Anklage gegen Genuit- Trierweiler

Eine der gefährlichsten Einbrecherbanden vor dem Landgericht Darmstadt

Am Montag, dem 17. Juli, wird vor der zweiten Strafkammer des Landerichts Darmstadt der große Strafprozeß gegen eine der gefährlichsten Einbrecherbanden der Nachkriegszeit beginnen. Wegen u. a. schweren Rückfalldiebstahls in zahllosen Fällen, Widerstandes, gefährlicher Körperverletzung und Hehlerei sind insgesamt neun Personen angeklagt, darunter die berüchtigten Gewohnheitsverbrecher Karlheinz Genuit, Andreas Trierweiler alias Harry Bolz alias Harry Holzmann alias Piffke, Robert Kollath, Philipp Schwendner, Ernst Zeltwanger und Werner Schmidt.

In verschiedenen Gruppen verübte diese Bande von 1946 bis zum Sommer 1949 vornehmlich in Oberhessen, Nassau, Frankfur und im Ried eine Unmenge nächthcher Einbruchsdiebstähle. Man konnte bisher zirka einhundert ermitteln. Hauptsächlich hatten es die Täter auf ländliche Lebensmittelgeschäfte abgesehen. Während dieser Diebeszüge trug der Hauptangeklagte Genuit stets eine Pistole in der Hostentasche. Mit ihr erschoß er auch Aniano Januar 1948 in Bonbaden bei Wetzlar den Schuhmachermeister Medenbach, als dieser ihn und Trierweiler eines Nachts überrascht hatte. Dieser Mordfall ist jedoch Gegenstand eines Verfahrens der Staatsanwaltschaft Limburg. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, kommt der ebenfalls des Mordes verdächtigte Trierweiler nr»Fall Medenbach nicht mehr als Täter in Frage.

Genuit ist ein ungemein roher Typ- Waffen-SS, Fahnenflucht, KZ-Haft, Partisanentätigkeit in Holland, Volkspolizei und Internierungslager - Wachmann sind einige Stationen in seinem bewegten Leben, in dem er sich schon unter den verschiedensten Namen ausgegeben hatte.

Aufgeflogen war die Bande durch die Verhaftung Zeltwangerg und Kollaths, die im vergangenen Jahr bei Alsbach a. d. B. den Gendarmeriebeamten Kraft überfallen und mit dessen eigenen Karabiner niedergeschlagen hatten. Gleich einer Kettenreaktion klärten sich daraufhin nacheinander die einzelnen Verbrechen.

Harry Genuit wurde durch einen geschickten Kripo-Trick im Westerwald verhaftet, wo er sich unter falschem Namen versteckt gehalten hatte. Einige Zeit später ging auch der steckbrieflich gesuchte Trierweiler alias Bolz nach einer aufregenden Kesseljagd durch das südliche Bundesgebiet, an der sich au chßundfunk und Presse aktiv beteiligten, bei Bad Kreuznach in das Netz der Polizei. Ein wachsamer Gendarmeriebeamter hatte ihn auf dem Bahnhof Sobernheim gestellt, als T. gerade mit seiner Ehefrau einen Zug besteigen wollte. Dem energischen Zupacken und der systematischen Ermittlungsarbeit der damaligen Landeskrimanalpolizeistelle Hessen-Süd und jetzigen Kriminalinspektion Darmstadt ist es zu verdanken, daß dieser aufsehenerregende Kriminelfall in Zusammenarbeit mit anderen Polizeistellen aufgeklärt werden konnte. Besondere Verdienste erwarben sich hierbei Kriminalrat i. R. Weidmann und Kriminalsekretär Scholl. Der Prozeß wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Keppel. Man rechnet während der Verhandlung mit eipem starken Publikumsandrang.

Griesheimer Notizen

Am Samstag, dem 8. Juli 1950, findet um 20.30 Uhr in dem Gebäude der alten Schule eine Neubürgerversammlung statt, in der der neue Vorstand bestätigt und vorgestellt werden soll.

Der TuS Griesheim ruft alle Einwohner auf, die Sport-Zündholz-Aktion durch den Kauf von Zündholzbriefchen zu unterstützen. Die Briefchen tragen die Aufschrift. „Helft alle dem TuS bei seiner Arbeit für die Griesheimer Jugend!"

Die Konfirmanden des Jahrganges 1904 machen am Sonntag, dem 9. Juli 1950, einen Ausflug. Der Wahlpflicht soll in Michelstadt genügt werden. Die Teilnehmer wurden aufgefordert, sich Wahlscheine zu besorgen.

Die Konfirmanden des Jahrganges 1929 versammeln sich am Samstag, dem 8. Juli 1950 um 21 Uhr im „Bürgerhof“. Ba

Einen Tritt gegen das Schienbein

erhielt gestern nachmittag der Fuhrmann Philipp Zulauf von seinem Pferd, als er es im Stall abschirren wollte. Er mußte zur ärztlichen Behandlung in das Stadtkrankenhaus gebracht werden. DT

Ein Verkehrsunfall

ereignete sich gestern nachmittag kurz nach 16 Uhr an der Ecke Rhein- und Neckarstraße. Ein Motorradfahrer, der in Richtung Hauptbahnhof in der Rheinstraße fuhr, war der Ansicht, daß die Fahrtrichtung gesperrt sei und hielt sein Fahrzeug an. Ein nachfolgender Personenwagen rechnete nicht tnit dem Anhalten des Motorradfahrers und rammte ihn. Er stürzte und zog sich leichte Verletzungen zu. DT.

Professaren und Studenten der T.H. zeigen ihre Arbeit

Sommerfest der Technischen Hochschule am nächsten Samstag und Sonntag

Ein Polizist ohne Licht mußte absteigen. — Der Studiosus wurde zum Werkstudenten. — Studenten und Professoren in kurzen Hosen. — Sommerfest beginnt am Samstag mit Vorlesungen und Besichtigungen. — Keine Angst vor Wissenschaft! — Beizeiten Karten besorgen! — Und Sonntag ins Hochschulstadion.

Vor kurzem erzählte uns ein Polizeibeamter, daß Studenten der Darmstädter Technischen Hochschule eines Nachts einen Polizisten angehalten hätten, der laut polizeilicher Dienstvorschrift mit unbeleuchtetem Fahrrad eine nächtliche Kontrollfahrt gemacht habe. Sie gestatteten dem Polizisten keineswegs, seine unbeleuchtete Fahrt fortzusetzen, und es ließ sich nachträglich schwer feststellen, ob die Studenten den Polizisten, oder der Polizist die Studenten auf dem Revier ablieferte.

Diese kleine Episode zeigte, daß der übermütige Geist der Studenten noch genau so besteht, wie vor hundert Jahren, und es wahrscheinlich in einigen Jahrzehnten zu den vom Goldflor der Vergangenheit umkränzten Erlebnissen der „alten Herren“ gehört, in Darmstadt einen radfahrenden unbeleuchteten Polizisten zum Polizeirevier geschleppt zu haben — auch wenn sie dann die Zeche zahlen mußten. Denn zu allen Zeiten hat es sich nicht gewandelt daß Studenten für ihre Streiche bestraft wurden.

Trotz dieses nächtlichen Zwischenfalles, der sich genau so vor hundert Jahren ereignet haben könnte — abgesehen davon, daß zu jener Zeit Polizisten nicht Rad zu fahren pflegten, sondern säbelrasselnd zu Fuß gingen — haben sich die allgemeinen Symptome des studentischen Lebens in den letzten vier Jahrzehnten grundlegend geändert: Aus dem feudalen Studiosus oder standesbewußten, aber armen Sohn beamteter Eltern der Jahre um 1910. wurde nach dem ersten Weltkrieg der Werkstudent auf der einen und der blasierte Sohn neureicher Eltern auf der anderen Seite. Nach dem zweiten Weltkrieg gibt es nur noch ganz wenige Studenten, die finanziell auf Rosen gebettet, ohne allzu große Sorgen ihr Studium betreiben können. Eine Großzahl von Studenten ist verheiratet, durch den Krieg weit über das Normalalter hinaus und schlägt sich schwer, zäh und strebsam durch ein anstrengendes Studium. Das war einmal vor langer Zeit, daß man sich das erste Semester um die Ohren schlug und sich auch in den weiteren Semestern mehr um Studendenverbindung, Mädchen und allerlei Unterhaltung kümmerte als um die Bücher und trotzdem etwas wurde. Heute reicht der Acht-Stunden-Tag für den fleißigen Studenten einer Technischen Hochschule nicht mehr aus. denn besonders nach dem Kriege hat sich die „akademische Freiheit“ in vielen Stücken stark in einen schulmäßigen Betrieb mit Hausaufgaben, Noten usw verwandelt.

Auch die Beziehungen zwischen Bevölkerung und Studenten haben sich in diesen letzten Jahren grundlegend geändert. Der „Studierte“ war früher Angehöriger eines gehobenen Standes mit gewissen Standesvorurteilen dem Volke gegenüber, vom Durchschnittsbürger mit Hochachtung oder mit Klassenhaß bedacht, schon in seinem Aeußeren durch Kleidung und bunte Mütze als Student erkennbar. Heute sind Studenten höchstens an ihrer Büchermappe auf der Straße zu erkennen. Heute ist es so, daß sogar Professoren, die man sich vor Jahrzehnten auch an heißesten Tagen nicht anders als im schwarzen Lüsterrock vorstellen konnte, in kurzer Hose ihre Vorlesungen halten.

Trotzdem Professoren und Studenten so unscheinbar in ihrem Aeußeren wurden, we'.ß man in der Oeffentlichkeit doch verhältnismäßig wenig von ihrer Arbeit und ihrem täglichen Leben in der Hochschule. Es war deshalb ein ausgezeichneter Gedanke. daß Professorenschaft und Studenten bei ihrem Sommerfest, das am nächsten Samstag, dem 8. Juli, beginnt der Oeffentlichkeit einen interessanten Einblick in den Instituts- und Vorlesungsbetrieb der Technischen Hochschule gibt. Während der Sonntag einem Sport- und Volksfest gewidmet ist, ist der Samstag vor allem allgemeinverständlichen Vorlesungen und Vorführungen in den verschiedenen Instituten bestimmt. Für 20 Pfennige werden insgesamt 2000 Eintrittskarten ausgegeben, die zum Besuch je einer Vorlesung und einer Besichtigung berechtigen. Da bereits jetzt schon eine große Anzahl Eintrittskarten bestellt sind, ist rechtzeitiger, Kauf an den durch Plakaten kenntlich gemachten Stellen oder durch Studenten zu empfehlen. Natürlich können nicht alle 2000 Besucher in die gleiche Vorlesung und zur gleichen Besichtigung. Deshalb werden ab Samstag Morgen um 11 Uhr in der Technischen Hochschule bei Vorzeigen der Eintrittskarten die Teilnehmerkarten für die gewünschte Vorlesung und Besichtigung ausgegeben. Interessenten bestimmter Sachgebiete ist daher gleichfalls zu empfehlen, sich rechtzeitig die gewünschten Teilnehmerkarten in der Hochschule zu besorgen.

Die Besichtigungen selbst beginnen um 14.30 Uhr und dauern insgesamt bis 19 Uhr. Vorlesungen, zumeist mit Lichtbildern oder Modellvorführungen, finden von 15—18 Uhr statt. Alle diese Vorführungen und Vorlesungen sind so allgemeinverständlich und interessant gehalten, daß sie auch dem Laien verständlich sind. Alle Vorlesungen, die jeweils 15 Minuten nach der vollen Stunde beginnen, dauern 45 Minuten; die Besichtigungen der Institute eine halbe Stunde.

Am Sonntag, dem 9. Juli, wird, wenn das schöne Wetter anhält, voraussichtlich eine Unzahl von Menschen zum Hochschulstadion kommen, um das Sport- und Volksfest der TH mitzuerleben. Besonders im Handbail- und Hockeyspiel — in dem die Studentenmannschaft Westdeutscher Meister ist — wird hochwertiger Sport gezeigt werden. Daneben ist ein Fußballmatch zwischen Professoren und den Studenten des Allgemeinen Studenten-Ausschusses mit allerlei lustigen Einlagen mehr der Unterhaltung der Zuschauer gewidmet. Zugleich mit den Sportwettkämpfen wird am Sonntagnachmittag den Nichtsportlern das Volksfest im Stadion allerhand Unterhaltung bieten. DT-

Zu früh, meine Dame!

. . . Zwar ist die Telefonzelle in der Frankfurter Straße schon wieder frisch gestrichen, aber der Telefonapparat wird erst in der nächsten Zeit montiert werden können. Wie wir auf eine telefonische Anfrage beim Fernsprechamt — von einem anderen Telefonapparat aus! — erfahren konnten, sollten ursprünglich zwanzig weitere öffentliche Fernsprechzellen in der Stadt wieder in Betrieb genommen werden. Aber Geld und Apparate reichen vorläufig nur für neun Zellen. Es steht noch nicht fest, ob schon Münzapparate für 10-Pfennig-Stücke beschafft werden können, oder ob noch die alten Fernsprechwertmarken verwendet werden müssen.

Es werden folgende neun Fernsprechzellen in Betrieb genommen werden: Ecke Frankfurter und Emilstraße, Riegerplatz, Ostbahnhof, Schillerplatz, Heidenreichstraße, Neben 11. Polizeirevier, Neben Bessunger Turnhalle, Steubenplatz, Meßplatz. DT

DT-Foto: Schröder



Das „unheimliche“ Griesheimer Haus

Einst ein Fürstensitz — dann eine Geisterburg

Der Jagd in der damals noch außerordentlich wildreichen Tanne diente das von Ludwig VIII. an Stelle eines unter Landgraf Ernst Ludwig im Jahre 1713 errichteten, eingestürzten Jagdpavillons erbaute Griesheimer Haus, an das sich in späterer Zeit zahlreiche Spukgeschichten anknüpften. Die geschickte Anlage ermöglichte ungehindertes Schießen nach sieben Seiten. Das Haus, dessen einstiger Standort heute noch erkennbar ist, lag im Schnittpunkt der Eichwäldchen-, Stadt-, Forst-, Eberstädter Haus-, Braunshardter Haus-, Wixhäuser Haus- und Pfundstädter Haus - Schneise, war zweistöckig und hatte große, der Aufbewahrung des Wildes dienende Kellerräume. Zur gleichen Zeit ließ Ludwig Wasserbehälter für das Wild anlegen, darunter auch das Bassin, in welches Wasser aus dem Bessunger Wald geleitet wurde.

Schon unter Ernst Lud^g galt das Haus als unheimlich, mehr noch unter Ludwig VIII. Unter beiden Fürsten diente der im Amt vorzügliche Ober-Jägermeister Geheimrat von Mingerod, der bei der Bevölkerung sehr verhaßt war. Er war ein äußerst harter Mann, der selbst gegen die Armen, die sich eines leichten Holzfrevels schuldig machten, mit unerbittlicher Strenge vorging. So war es kein Wunder, daß ihm ein unseliges Ende gewünscht wurde, und daß nach seinem Tode sich im Volke der Glaube festsetzte, der hartherzige Jägermeister müsse „umgehen“. Ebenso natürlich war es, daß sich die Meinung verbreitete, der Geist des im Grabe keine Ruhe findenden Mannes sei in das Griesheimer Haus gebannt.

Da wurde beobachtet, daß sich plötzlich um die Geisterstunde bei klarstem Wetter ein Wind in der Tanne erhob, sich nach dem Jagdhaus hin bewegte und dort unter orkanartigem Anschwellen große Bäume abbrach, Ziegel von dem Dach riß und das ganze Haus ins Wanken brachte. Oftmals sah man alle Fenster erleuchtet, obwohl dit Türen geschlossen waren undj niemand Zugang in die Räume finden konnte.

Es war kein Wunder, daß sich kein Mensch mehr nach Einbruch der Dämmerung in die Nähe des Spukhauses traute. Wen aber der Dienst an oder in das Haus führte, kam stets schreckerfüllt zurück, da sich der böse Geist in irgend einer Form bemerkbar gemacht hatte. Am meisten wußte davon der Vater der beiden Hofbildhauer Eckhard! zu erzählen, denn er hatte die Aufsicht über das unheimliche Haus und mußte für die Reinhaltung sorgen. Ohne Begleitung seiner Söhne betrat er schließlich das Haus überhaupt nicht mehr. Um die Bevölkerung zu beruhigen, wurde das Haus in den 1770 er Jahren abgerissen, doch erhielten sich die Spukgeschichten der verschiedensten Art noch viele Jahre.

Es mag heute noch alte Leute geben, die das Griesheimer Haus in der Dunkelheit meiden. H. Kalbhenn



Wohin achen mir heute?

Landestheater: Orangerie: 19.30 Uhr: „Othello“ (C/23). Ende 22.00 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Truxa“; Thalia: „Lumpaci-Vagabundus“; Belida: „Erfüllte Träume“; Palast: „Golowin gebt durch die Stadt“; Hansa: „Blutsbrüder.“

Vortragsreihe „Berühmte Kunststätten“: Techn. Hochschule, 19.30 Uhr, Raum 167: Lichtbildervortrag Dr. Niels von Holst: „Italiens Kunststätten 1950.“

Christengemeinschaft, Herdweg 31: 1930 Uhr: Vortrag mit praktischen Beispielen, Matthäus Reisch: „Von alten und neuen Wegen der Musik.“

Zintl-Institut: 20.00 Uhr: Vortrag und Diskussion, Ernst Jachtmann: „Segelflug in aller Welt.“

Amerikahaus: 20.00 Uhr; „Amerikanischer Volkslieder-Abend“; Aquarell-Ausstellung Hans Jaenisch.

Süddeutsche Holz-Berufsgenossenschaft: Concordia-Saal, Adelungstraße 33, Ausstellung von 9—lB Uhr: Lehrschau für rationelle Lvizbearbeitung und Unfallverhütung“. Eintritt frei.

„Constantia“ — Verein für kath. Kaufleute und Beamte: 20.15 Uhr: Vortrag Herr Pater Ansgar in der Hotel-Gaststätte Knauf.

Wir gratulieren

76. Geburtstag: Herrn Jakob Ganss, Darmstadt, Landwehrstraße 45.

76. Geburtstag: Frau Anna Maria Andres, Gernsheim a. Rh., Georgenstraße 11.

In der Stadt notiert

Im „Kampf“ gegen die Sommerhitze stehen n Darmstadt und seinen Vororten insgesamt 104 Eisverkaufsstellen in Konditoreien, Cafes, Erfrischungskiosken und auf irgendwelchen Fahrzeugen montiert. DT

Herr Valentin Trumpfheller, Scheppallee 80, benachrichtigt uns, daß sich sein gestriger Unfall am Neuen Palais bei erlaubtem — nicht unerlaubtem! — Schrottausbau ereignete. Herr Trumpfheller arbeitet im Auftrag einer Firma, die die dortigen Schrotteile aufgekauft hatte. Er besitzt einen ordnungsgemäßen Wandergewerbeschein als Althändler. DT

Das Richtfest der Adlerapotheke Ecke Adelung- und Wilhelminenstraße feierten die Bauhandwerker der Firma Wilhelm Ganss. Die Bauarbeiten waren am 2. Mai begonnen worden; der Rohbau stand in 46 Tagen. Dr. Alfred Tenner wird die früher gegenüber dem Alice-Denkmal liegende Adler-Apotheke einrichten. DT

Die Bauarbeiten am alten Gerichtsgebäude gehen trotz geringer Bauzuschüsse des Staates vorwärts. In vierzehn Tagen wird voraussichtlich Richtfest gefeiert und in vier bis fünf Wochen können die ersten Büros bezogen werden. Der restliche Ausbau des Gebäudes ist aus finanziellen Gründen erst im nächsten Jahr möglich. DT

Neue Beitragstabellen der AOK, die infolge des Einkommensteuer-Aenderungsgesetzes, notwendig wurden, werden den Arbeitgebern mit A-Konten durch die Post zugestellt. Arbeitgeber mit B-Konten werden gebeten, die Tabellen bei der Hauptverwaltung der AOK, bzw. bei Melde- und Zahlstellen abzuholen.

Der Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden hat der Handelskammer Darmstadt ein Buchgeschenk für die Prüflinge der Kaufmannsgehilfenprüfung zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um das 112 seitige „Kaufmanns Brevier“ von Dr. R. Sellien. Interessenten können es sich bei der Handelskammer abholen.

Die Evangelische Jugendgruppe der Johannisgemeinde Darmstadt befindet sich zur Zeit für 14 Tage im Zeltlager des Landkreises Darmstadt „Breitenloh“ bei Nieder-Beerbach. —ib—

Starkenburg

Nieder - Kuamitadt, das „hessische Bethel“

50 Jahre Dienst an Elenden und Kranken Aus der Geschichte der „Anstalten“

Nieder-Ramstadt, das zur Monatswende seine 750-Jahrfeier begehen kann, gedenkt bald darauf, am 13. August, der 50. Wiederkehr des Gründungstages der Anstalten der Inneren Mission. Unter spendefreudiger Anteilnahme ganz Hessens wurde 1900 das erste Gebäude eines Liebeswerkes erstellt, das es sich zur Aufgabe gesetzt hatte, ein „hessisches Bethel“ zu werden.

Mit der Aufnahme von 35 epileptischen Kindern wurde begonnen. Ein Menschenalter später versorgte die Anstalt bereits 439 Kranke an über 100 000 Pflegetagen. Dazu kamen die Kinder des Krüppelheims und des Lehrlingsheimes.

War es in den friedlichen Jahren vor dem ersten und bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges nur eine stille, über das ganze Land verstreute Gemeinde, die in ungezählten Pfennigopfern ihre Verbundenheit mit dem Liebeswerk bekundeten, so ist die Anstalt seit Kriegsausbruch und bis in das letzte Jahr hinein als Ausweichstelle der Darmstädter Städtischen Krankenanstalten überall und in allen Konfessionen bekanntgeworden.

Der Hitlerstaat, der wie allen seiner Weltanschauung nicht genehmen caritativen Werken nicht wohl wollte, hat mit sehr massiven Drohungen ihre „Gleichschaltung“ versucht. Dem der Anstalt seit 23 Jahren vorstehenden Direktor Pfarrer Schneider wurde nach siebenwöchiger Gestapohaft verboten, das Heim je wieder zu betreten. Die Behörden ließen mit einem Schlag alle aus öffentlichen Mitteln unterhaltenen Kranken aus der Anstalt verlegen, um ihr die wirtschaftlichen Grundlagen zu nehmen. Da stellte sie sich auf die Aufgaben eines Altersheims ein. So wurde sie zu einer Zufluchtsstätte für Hunderte, die Heim und Habe durch die Zerstörungen des Krieges verloren hatten. Diese Aufgabe wird auch heute noch für wichtig genommen, soweit dafür Platz geschaffen werden konnte. Die große Sorge gilt jedoch denen, die ihrer Gebrechen und ihrer Hilfsbedürftigkeit wegen sonst keine Unterkunft und Pflege finden.

Nachdem im Oktober 1949 die Innere Abteilung des Darmstädter Krankenhauses Nieder-Ramstadt verlassen hatte, war dessen Gebäude freigeworden. Doch schon sind unter den etwa 400 Insassen des Heimes an hundert Fallsüchtige und andere bedauernswerte Menschen, die sich nicht in worden. Bei der Weiträumigkeit der Ander Welt zurechtfinden, aufgenommen stalten können die verschiedenen Gruppen nebeneinander leben, ohne daß sie sich gegenseitig stören.

In allerjüngster Zeit kam ein neuer Arbeitszweig hinzu, der den Ehrennamen „hessisches Bethel“ im besonderen Maße rechtfertigt. Vorläufig noch in einem Holzbau untergebracht, liegen 14 Kinder in ihren Bettchen. Das eine ist blind, taub und stumm zugleich, das andere durch Krankheit dauernd hilflos. Und so Bett um Bett ein anderes Leid — alles rechte Elendskinder. Einige haben gesunde Geschwister, alle aber eine Mutter, die nun trotz allem glücklich ist, daß ihre Sorge von liebenden Herzen mitgetragen wird. Und selbst wenn draußen niemand wäre, der sich um sie kümmert: die Diakonisse, die sich in rührender Geduld um sie müht, die die Unbeholfenen füttert und selbst aus stumpfen Augen noch einen Strahl der Zufriedenheit lodet, sie weiß von der Aufgabe, die sich das „hessisdie Bethel“ gestellt hat und nun ein halbes Jahrhundert erfüllt. Opferbereite Liebe kümmert sich um alle der Hilfe Bedürftigen, um die Alten, wie um die Jungen. Am Jubiläumstag, dem 13. August, wird die Hauptansprache davon handeln. (pd)


Nach den Festtagen des Reinheimer Stadtjubiläums rüstet nun auch die Gemeinde Nieder-Ramstadt zu ihrer 750-Jahr-Feier, die in der Zeit vom 29. Juli bis 7. August stattfindet. Unser Bild zeigt einen idyllischen Winkel in Nieder-Ramstadt; im Hintergrund die ev. Kirche. Foto: Emrich
Nach den Festtagen des Reinheimer Stadtjubiläums rüstet nun auch die Gemeinde Nieder-Ramstadt zu ihrer 750-Jahr-Feier, die in der Zeit vom 29. Juli bis 7. August stattfindet. Unser Bild zeigt einen idyllischen Winkel in Nieder-Ramstadt; im Hintergrund die ev. Kirche. Foto: Emrich

Yorbereitungen zur 750-Jahr-Feier

Nieder-Ramstädter Gewerbeverein tagte

In der Vorstandssitzung des Ortsgewerbevereins Nieder-Remstadt wurde neben gewerblichen Aufgaben auch die Beteiligung an der 750-Jahr-Feier eingehend besprochen. Der Verein nimmt geschlossen am Fackelzug teil; einzelne Berufsgruppen werden beim Festzug und ebenso bei der Ausstellung vertreten sein. Besonders erwähnt wurde, daß die 750-Jahr-Feier zwar zeitmäßig mit den sonst üblichen Kirchweihtagen zusammenfällt, die Kirchweihe aber dafür in diesem Jahre später gefeiert würde.

Der Ausschußleiter für die Ausstellung, W. Schuchmann, berichtet von der bisher geleisteten Vorarbeit. Die Gärtner haben die Ausschmückung übernommen und werden als besonderen Anziehungspunkt für die Festtage den Schulhof vor dem Eingang mit Blumenrabatten anlegen.

Über die Beteiligung der örtlichen Handwerker an den Neubauten der Baugenossenschaft Wildnis, Trautheim, war wenig zu hören. Trotz Zusagen wurden die einheimischen Unternehmen noch wenig berücksichtigt. Der Gewerbeverein will nach wie vor sich für eine bessere Einschaltung des Nieder-Ramstädter Handwerks einsetzen.

Zum Schluß wurde mitgeteilt, daß nach dem Fest die Mitglieder des Gewerbevereins Gelegenheit haben, im Rahmen eines gemütlichen Beisammenseins die Tonbandaufnahme zu hören, die von Radio-Michel beim heiteren Frühlingsabend gemacht wurde. (FLr)

Dichurg „schlägt“ eine Brücke

... über die Gersprenz natürlich, nur über die Gersprenz, dicht beim Feuerwehrhaus, von der Parkpromenade des Fechenbachschen Schlosses zu den Fluren jenseits des Wassers. Denn „schlagen“ kommt billiger als bauen, wozu man allerhand statische Berechnungen, Steine und ausgekochte Brückenfachleute braucht. Ein Brückchen zu schlagen läßt sich einfacher an, und schon liegt der Entwurf einer schmucken Holzkonstruktion vor, die, aufregendem Motorverkehr undienlich und abhold, gemächliche Spaziergänger in friedlicher Landschaft eng andere Ufer trägt und in dieser Schlichtheit auch die drei einzigen Bedingungen erfüllt, die sorgende Stadtväter bei solchem Unternehmen stellen: billig — ausreichend — dauerhaft. (d-s.)

Neur Molkerei in Fürth

Das neue Gebäude der Fürther Molkereigenossenschaft, das sich seit vorigem Herbst im Bau befindet, kann nach Meinung der Verantwortlichen — Bürgermeister Berg und Sekretär Förster — voraussichtlich in einem knappen Vierteljahr in Betrieb genommen werden. Die alten Räume mit den nur eine geringe Kapazität zulassenden Maschinen, die den seit mehr als 10 Jahren gestiegenen Anforderungen nicht mehr genügten, sollen entweder verkauft oder verpachtet werden. Ob die bestehende Kesselanlage zurückbleibt oder als Ersatzaggregat im neuen Gebäude eingebaut wird, steht noch nicht fest. Eine baldige Entscheidung hierüber dürfte jedoch von Nutzen sein, da das Kesselhaus schon fertig und auch die Heizungsanlage an etwa 14T.agen betriebsklar ist. Die Kraftstation soll mit ihren Maschinen im Laufe des Monats eintreffen. Mit dem neuen Gebäude erhält Fürth durch seinen am Ortsausgang nach der Gumpener Höhe in den Himmel nagenden 28 Meter hohen Molkereischornstein ein weiteres, in dieser Landschaft sogar seltenes Wahrzeichen. (-T)

Mit einigen Schoppen zuniel ...

... im Magen fuhren am Dienstagabend zwei Männer aus Goddelau auf einem Motorrad. Am Pumpwerk Kammerhof bei Geinsheim kamen sie zu Fall und wurden dadurch wieder nüchtern. Der eine Fahrgenosse, ein Beinamputierter, mußte mit erheblichen Verletzungen in ein Krankenhaus transportiert werden. (-ae-)

„Sisyphus“ entschlammt den Altrhein

Nach mehrmonatiger Abwesenheit ist der Flußbagger „Sisyphus“ wieder auf dem Altrhein eingetroffen, um seine bei Beginn des Winters unterbrochene Arbeit — die Entschlammung des Altrheins bei Ginsheim — fortzusetzen. Bisher wurden ab Mündung bereits etwa SCO m bis zur Höhe der Fähre entschlammt, wobei auch eine Menge versenkter Munition und Fliegersprengbomben geborgen wurden. (Au)

Das „Dreieck“ diskutiert wieder

Die freie Vereinigung Dieburger Kunstfreunde und Künstler, „Das Dreieck“, wird nun nach Veranstaltungen musikalischer, literarischer und unterhaltender Art seine zwanglosen Diskussionsabende wieder aufnehmen. Sie finden regelmäßig monatlich einmal statt, erstmals am Samstag, dem 3. Juli, 20.15 Uhr, im „Weißen Roß" über Fragen der bildenden Kunst. An gleicher Stelle ist für den 13. Juli ein Novellenabend mit spannenden Proben deutscher französischer und amerikanischer Autoren geplant. (RG)

Alsbach feiert Sıhloßfelt

Nach langer Pause feiert der Verkehrs- und Verschönerungsverein in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung am 8., 9. und 10. Juli das historische Schloßfest’ Der Festausschuß hat alle Vorbereitungen getroffen, damit die Besucher von nah und fern auf ihre Kosten kommen. Den Auftakt zum Fest bildet am Samstagabend um 20 Uhr ein Platzkonzert auf dem Marktplatz. Eine Stunde später sind auf dem Festplatz gesangliche und musikalische Darbietungen und Tanz geplant. Um 22 Uhr beginnt die Schloßbeleuchtung mit einem großen Feuerwerk. Ein Trachtenfestzug, an dem 22 Gruppen teilnehmen, zieht am Sonntagnachmittag von 14 bis 16 Uhr durch die Straßen von Alsbach zum Festplatz, wo Darbietungen der örtlichen Vereine, Volks- und Trachtentänze, Tanz- und Unterhaltungsmusik sowie Kinderbelustigungen aller Art geboten werden. Ab 22 Uhr wird das Alsbacher Schloß wieder beleuchtet sein. Das Programm am Montag sieht vor: Früh, 10 Uhr, großer Frühschoppen, nachmittags 16 Uhr Kinderbelustigungen auf dem Festplatz und abends 22 Uhr als Schlußakkord nochmals Schloßbeleuchtung. In allen Gaststätten, auf dem Festplatz und im Schloßhof des Alsbacher Schlosses ist während der Festtage Tanz- und Unterhaltungsmusik. (hl.)

Sittlichkeitsverbrecher festgenommen

Beamte der Kriminalinspektion Darmstadt nahmen gestern in Heubach im Odenwald einen 16jährigen Schmiedelehrling fest und führten ihn dem Amtsrichter in Umstadt vor, der Haftbefehl erließ. Der Bursche, der geistig sehr beschränkt ist, hatte sich in den letzten Tagen an einem neunjährigen Kind vergriffen und es mißbraucht. Der behandelnde Arzt stellte schwere Schädigungen an dem Kind fest.

Kraftwagenunfall Heinrich Ritzels

Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel wurde in Bad Godesberg das Opfer eines Verkehrsunfalls, indem sein Kraftwagen von einem anderen Fahrzeug gerammt wurde. Die Verletzunge Ritzels sind leichter Natur. . (y)

Mit 30000 Inhren an die Berastenße

Altbürgerfahrt der Stadt Langen nach Seeheim — Auftakt zum traditionellen Heimatfest

Zur Eröffnung des 5. Langener Heimatfestes, das auch in diesem Jahre wieder traditionsgemäß zu einem großen Ereignis werden soll und 10 Tage früher wie üblich vom 17. bis 19. Juli stattfinden wird, hatte sich die Stadt Dangen mit ihrem Verkehrs- und Verschönerungsverein eine besondere Freude für ihre Altbürger ausgedacht. Mit 100 Personenwagen und drei Omnibussen — auch ein Sanitätswagen wurde nicht vergessen — fuhr man am gestrigen Tage blumengeschmückt und freudig gestimmt die 355 ältesten Altbürger Langens an die Bergstraße, wo ihnen im Hotel Schellhaas in Seeheim ein gemütlicher Nachmittag bereitet wurde. Langener, Darmstädter und Seeheimer Polizei sorgten in vorbildlicher Weise für die reibungslose Fahrt der langen Kolonne beim Durchfahren der Straßen.

Wie aber freuten sich die alten Omas und Opas, deren jüngste 75 Jahre und älteste 91 Jahre alt waren! Ihre Gesichter strahlten, alle Beschwerden waren wie im Flug vergessen und mit Behagen ließen sie sich den guten Kaffee und die Torten schmecken, die man ihnen auftischte. Lutz Geiß mit seiner kleinen Besetzung sorgte für die musikalische Umrahmung und mancher Walzer ließ sich besser hören, als daß die Beine ihn noch einmal mitdrehen konnten. Zwischendurch lockerten Rezitationen in hessischer Mundart in derbfrohem Humor den gemütlichen Nachmittag auf. Unter den Gästen sah man Regierungspräsident Amond, Landrat Wink und Bürgermeister Speckhardt, die neben Bürgermeister Umbach, Langen, und Alfred Oed er, dem rührigen Vorsitzenden des Verkehrsvereins Langen der die gestellte Aufgabe vorzüglich löste im Verlaufe des Nachmittags zu den Alten sprachen.

Ueber Zwingenberg fuhr man dann am Abend die neue Bergstraße zurück, restlos zufrieden und überzeugt, einen herrlichen Tag und einen würdigen Auftakt zum bevorstehenden Langener Heimatfest erlebt zu haben. -öde-


Unter den schattigen Bäumen ließen sich die „Alten“ Kaffe und Kuchen munden.
Unter den schattigen Bäumen ließen sich die „Alten“ Kaffe und Kuchen munden.

Bergsträßer Iugendklub im Iuli

Der Bergsträßer Jugendklub hat für den Monat Juli folgende Veranstaltungen vorgesehen: 5. Juli: Literarischer Abend, geleitet von Ella Klein (BJC); Lesung von Lessings Emilia Galetti mit verteilten Rollen; 12. Juli: Vortrag von Dieter B remey er (BJC): Emilia Galetti in der heutigen Zeit; 19. Juli in Bensheim im Gasthaus „Zur Stadt Bensheim“: Geselliger Abend mit Fragen und Antworten (anschließend Tanz); 26. Juli: Vortrag von Patentanwalt Dipl.-Ing. Walter Reinke (Auerbach); Der gewerbliche Rechtsschutz, insbesondere das Patentwesen in Deutschland. Alle Veranstaltungen finden, mit Ausnahme der am 19. Juli, in Heppenheim im Hotel „Schloßberg“ statt. (HB).


Das Aussteigen ist mit 83 nicht mehr so ganz einfach, aber mit dem Stock in der Hand fühlt man sich ganz sicher. Der 85jahnge Opa halt unterdessen die Tasche (links). — Ein „Junger“ unter den Alt en, blumehgeschmückt wie alle Fahrzeuge der großen Kolonne (Mitte). Auch die?? beiden haben die Siebzig schon überseh ritten und warten, teils skeptisch, teils freudig erregt, auf die Dinge, die da kommen (rechts). DT-Fotos (4): Schröder
Das Aussteigen ist mit 83 nicht mehr so ganz einfach, aber mit dem Stock in der Hand fühlt man sich ganz sicher. Der 85jahnge Opa halt unterdessen die Tasche (links). — Ein „Junger“ unter den Alt en, blumehgeschmückt wie alle Fahrzeuge der großen Kolonne (Mitte). Auch die?? beiden haben die Siebzig schon überseh ritten und warten, teils skeptisch, teils freudig erregt, auf die Dinge, die da kommen (rechts). DT-Fotos (4): Schröder

Raubach will selbständig bleiben

Kreisvertreter erkennen die Gründe an — Der Kreistag hat zu entscheiden

In der äußersten Südwestecke des Kreises Erbach liegt in einer entzückenden Landschaft, deren romantischer Reiz sich mit dem der schönsten Schwarzwaldgegenden messen kann, die Gemeinde Raubach mit ihren 98 Einwohnern in 16 Gehöften. Gleich hinter den letzten Häusern beginnt der Kreis Bergstraße.

Das Dörfchen wird ganz von dem rund 700 ha großen „Falkengesäßer Forst" umschlossen, der den Grafen zu Erbach-Fürstenau gehört. Ihnen verdankt die ehemalige Holzfällersiedlung ihr Entstehen, und noch heute findet ein großer Teil der Einwohner — zumindest im Winter — im Forst Verdienst und Brot.

Die Finanzlage der kleinen Gemeinde, die mit dem 5 km entfernten Finkenbach einen gemeinsamen Bürgermeister hat, ist sehr kritisch. Nur mit Mühe und alljährlichen Zuschüssen auis Landes- und Kreismitteln können die Haushaltsdefizite annähernd ausgeglichen werden. Dem kleinen Steueraufkommen von 1660 DM stehen durchschnittlich Ausgaben von 4500 DM und mehr gegenüber. Die Kreisverwaltung Erbach hatte deshalb den Vorschlag gemacht, Raubach mit Finkenbach zu e i n e r Gemeinde zusammenzulegen und unter Einbeziehung der bisher selbständigen Waldgem'arkung „Falkengesäßer Forst“ ein Gemeinwesen zu schaffen, das sich selbst tragen kann.

In der ersten Bürger Versammlung Raubachs, die am Dienstagabend in Anwesenheit von Regierungsrat Zörgi e b e 1, Kreisamtmann Sattler und Inspektor Joh. Walther vom Landratsamt, Bürgermeister Budwig Siefert 1., Airlenbach, als Vertreter des Kreisausschusses sowie Ernst Walther von der amerikanischen Ziviilverwaltunig durchgeführt wurde, kamen alle diese Probleme zur Aussprache, die manchmal sehr lebhafte Formen annahm.

Eines muß den Raubachern anerkannt werden: sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Damit haben sie auch schon manches Wertvolle zuwegegeforacht. So ist beispielsweise zur Zeit eine private Wasserleitung im Bau, an der sich 10 von den 16 Gehöften des Dorfes beteiligen. Die übrigen haben fast alle schon eigene Brunnen.

Mit entschiedener Einmütigkeit kämpften die Raubacher um ihre Selbständigkeit. Besonders ihren geschickten Wortführern, dem jungen Gemeiinderechner Werner Bei s e 1 und dem Beigeordneten Wilhelm Gruber, ist es ®u danken, daß sich die Vertreter des Kreises nach mehrstündiger Diskussion überzeugen ließen, daß Raubach nicht nur selbständig bleiben will, sondern sogar seinen eigenen Bürgermeister fordert! Zur Sicherung der Gemedndefinanzen soll die gesamte Waldgemarkung „Falkengesäßer Forst“ Raubach zugeteilt werden, mit deren Steueraufkommen von etwa 4300 DM jährlich der Gemeindeetat ausbalanziert werden könne.

Gewuß hat die Absicht der Kreisverwaltung, durch Zusammenlegung kleiner, nächt lebensfähiger Dörfchen finanz-und leistungsstarke Gemeinwesen zu schafften, vieles für sich. Bei Orten wie Ober- und Unterfinkenbach, Ober- und Unterhiltersklingen oder Kailbach diesseits und jenseits, die schon geschlossene Dörfer bilden, ist dies ohne weiteres einleuchtend; bei Raubach aber, das eine gute Wegstunde von Finkenbach entfernt liegt, wäre die Zusammenlegung schon schwieriger, selbst wenn die Kreisverwaltung den Fortbestand der eigenen Schule garantiert.

Dieser Sachlage und der geschlossen Einmütigkeit der Raubacher konnten sich die Kreisvertreter nicht verschließen. Sie werden dem Kreistag die Wünsche Raubachs auf Beibehaltung seiner Selbständigkeit und Einbeziehung des „Falkengesäßer Forstes“ befürwortend unterbreiten. Dieser ward dann das letzte Wort zu sprechen haben. (-ch)

Hähuleiner Ziegenschn

Die Züchtergemeinde Hähnlein ist mit den Vorbereitungen zum diesjährigen Markt vollauf beschäftigt. Der „Hähner Gaasemarkt“ war einst in der ganzen Umgebung bekannt und mit einem richtigen Marktleben verbunden. Wenn auch der Markt nicht mehr seine frühere Bedeutung erreichen wird, so wird die diesjährige Tierzuch tschau anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Ziegenzuchtvereins weit über den üblichen Rahmen der letzten Jahre hinausgehen. Das Tierzuchtamt Darmstadt veranstaltet am Samstag eine Bezirks-Ziegenschau, bei der die besten Ziegen aus Starkenburg aufgetrieben werden sollen. Man rechnet mit einem Auftrieb von 200 Ziegen und Böcken. Dazu kommt eine Fleckviehschau, die mit 60 Bullen und Rindern (nur aus Hähnlein) beschickt werden dürfte. Mit der Ausstellung ist eine Prämiierung der Tiere verbunden. Hähnlein selbst wird den Markt zu einem kleinen Volksfest gestalten. (r)

Fahrt ins Zeltlager

Die Arbeiterwohlfahrt des Kreises Dieburg verschickt am Freitag über 30 Kinder aus den Ortsgruppen Dieburg, Nieder-Roden, Babenhausen und Reinheim nach dem Zeltlager Grünberg in Oberhessen. Die Kinder aus dem Kreisgebiet werden von drei Reisebegleitern von Dieburg aus mit der Bundesbahn nach Frankfurt gebracht, wo weitere Kinder aus der Frankfurter Gegend zusteigen werden, um mit einem Sonderwagen nach Grünberg zu fahren. (nb)

Pkw, vannte in Lastwagen

Jn der Darmstädter Straße in Groß-Gerau, nahe dem Kino Zimmermann, rannte am Mittwochmorgen gegen 10 Uhr ein Personenwagen, der in Richtung Darmstadt fuhr, von hinten in einen Lastwagen. Der Kühler und ein Kotflügel des Pkw wurden eingedrückt, die Windschutzscheibe zertrümmert. Eine Insassin des Pkw mußte sich mit einer großen Schnittwunde über den Augen in ärztliche Behandlung begeben. _cg

So ein Ochse!

In Stockstadt riß sich am Montag ein Ochse los und raste durch die Gegend. Als ihn einige beherzte Männer in eine enge Gasse getrieben hatten, versuchte das Tier über einen dort stehenden Kinderwagen zu springen. Dabei trat der Ochse mit einem Bein in den Wagen. Wie durch ein Wunder blieb das darin schlafende Kind unverletzt. Wenig später konnte das Tier nach aufregender Jagd eingefangen werden. wst.

Eine Tür ging auf ...

In einem von einer Frau gesteuerten Personenwagen aus Heilbronn öffnete sich am Mittwochvormittag beim Durchfahren der Hauptstraße in Erbach die rechte Hintertüre. Dadurch wurde ein 72jähriger Mann, der einen Leiterwagen zog, erfaßt und ein Stück mitgeschleift. Glücklicherweise trug er nur leichtere Verletzungen am Knie davon. (-eh)

Lkw machte sich selbständig

Auf der Autobahn hatte der Fahrer eines Lastzuges beim Abstellen seiner Fahrzeuge in einem Rastweg versäumt, diese genügend zu sichern. Die Fahrzeuge setzten sich plötzlich rückwärts in Bewegung und drückten nach sechs Meter Fahrt Kühler und Motorhaube eines parkenden Wagens ein- (-ae-)

Der SPORT

Heiner Fleischmann für Dieburg verpflichtet

Die ersten Aufbauarbeiten an der Dreiecksstrecke

Zehn Tage bis zur Austragung einer torsportlichen Großveranstaltung zu der^^Z Dieburger Dreiecksrennen bereits geworden ist, sind keine allzu lange Zeitspanne mehr Die mannigfachen Vorbereitungen treten nun aus dem Stadium der Theorie siAtbar in die Praxis. Rennleiter Petermann und Organisationsleiter Kaiser wäre™ alt dtp maßgeblichen Vertreter des Veranstalters des Motorsport-Clubs Darmstadt gestern morgen längere Zeit in Dieburg, wo sie mit Bürgermeister Steinmetz und StadtbTumeister Herz „die ersten Pfähle eingeschlagen haben“. Pfähle nämlich, die Maschendraht tragen: Er soll in einer Gesamtlänge VOn =nnL^llometer und in einem Abstand von 50 Metern vom Kurs die „stillen Teilhaber abschirmen. Insgesamt sind dazu 200 Rollen Draht von je 25 Meter Länge auf einem großen Lastzug angefahren worden und die Monteure der Baufirma haben den Hammer bereits viele Male geschwungen, um der ganzen Geschichte den nötigen Halt zu geben. Darüber hinaus wird das Fahrerlager selbst noch einmal besonders umzogen, so daß Fremdlingen und Unbeteiligten der Zutritt unmöglich ist. Sechs oder acht große Tore und Durchlässe gewähren den Zugang zur Rennstrecke. Noch während die Einzelheiten über die genaue Führung des Drahtzauns besprochen und die Strecke abgegangen wurde, rollte ein LKW im Umstädter Forst an, der die Einzelteile des Start- und Zielhauses brachte. An dessen Aufbau wird seit gestern mittag ebenfalls eifrig gearbeitet. Ihm folgten die Tribünen. Für die Lautsprecheranlage und das Streckentelefon werden in der kommenden Woche die Strippen gezogen, und so ist von der Zuschauerseite her ein reibungsloser Ablauf der beiden großen Tage gesichert.

Die Frage der vielen Motorsportfreunde, wer nun eigentlich in den einzelnen Klassen an den Start geht, hat Rennleiter Petermann recht verheißungsvoll beantworten können. Vor allen Dingen steht die Teilnahme des NSU-Rennstalles fest, das heißt die Teilnahme von Heiner Fleischmann ist gesichert. Mit ihm zusammen kommt das Seitenwagen-Paar Böhm/Fuchs. Es ist nicht zu kühn, wenn man behauptet, daß die deutsche Motorrad-Elite am Start sein wird. Wir nennen nur die Namen des Europameisters Ewald Kluge, H. P. Müller, Kurt Mansfeld, Wünsche, Rudi Knees, Deike, Lottes, Kohfink, Gablenz, Thorn-Brigger, Roland Schnell, Nitschuy, Hoske, Haselbeck, Eversborger bei den Solisten. Wir finden unter den Nennungen für die Seitenwagenklassen der beiden Kategorien das deutsche Meisterpaar Sepp Müller /Ruhrschneck, ferner Seppenhauser/Lenzhof, Schäfer/Höller, MohriFritz und Roth/Huf. Dabei gibt es manchen Doppelstart der Spitzenleute und damit ist ein Rennen wirklich erster Güte garantiert. Die Zahl der Nennungen, die über 300 beträgt, mußte angesichts der neueingeführten großen Distanz mit 30 Runden zu je 3,3 Kilometer in den Hauptklassen zwar beschnitten werden, doch ist dabei sorgfältig Bedacht genommen darauf, daß auch die Saugmotorenfahrer und der Nachwuchs sowohl in der Lizenz- als auch in der Ausweisfahrerklasse zu seinem Recht kommt und das Rennen tatsächlich einen weitgespannten Durchschnitt bringen wird durch Deutschlands Rennfahrer im Motorsport. Wenn auch noch nicht mit Fahrern im Sattel, so doch mit äußerst leistungsfähigen Maschinen ist das Ausland bereits vertreten, denn wir finden AJS, Velocette, Norton, Moto-Guzzi, Moto-Barelli und ein bis jetzt in Deutschland noch nicht gefahrenes Fabrikat, die Vincenz HRD,

MCD-Sektion Dieburg gegründet

Ueber Erwarten und deshalb erfreulich stark besucht war die Zusammenkunft der Dieburger Motorsportinteressenten, die sich am Dienstagabend auf Anregung von Bürgermeister Steinmetz zur Gründung der Sektion Dieburg des Motorsportclubs Darmstadt zusammengefunden hatten. „Wir wollen den Motorsport in Dieburg vor allem hinsichtlich unseres Dreiecksrennens“, so sagte der Bürgermeister einleitend, „durch die Gründung der Sektion auf eine breitere Basis stellen“. Das ergänzende Referat Gustav Petermanns über Aufbau und Ziele der Sektion und schließlich seine Erläuterungen zum kommenden Dreiecksrennen (die wir eingangs wiedergegeben haben) fanden einstimmigen Anklang und ohne viel Umstände wurde ein geschäftsführender Vorstand gewählt, der vom nächsten Jahr ab im Hauptvorstand des MCD Darmstadt vertreten sein wird. Sektionsleiter wurde Dipl.- Ing. und Fahrlehrer Fritz Völker, Schriftführer August Fröhner, Kassierer Heinrich Spieß.

Wem gehören die Platanen?

„Ja, was denn?“ wird der Ortskundige fragen, „Platanen“, die gibt’s doch auf der ganzen Dreiecksstraße nicht“. Das ist richtig. Es gibt ihrer aber einige zwischen Fuchsberg und Bahnhof. Sie stehen, das läßt sich nicht widerlegen, auf bundesbahneigenem Gelände, nämlich in der Straße Am Bahnhof. An einer dieser Platanen wurde ein Plakat vom Dreiecksrennen angeheftet. Es kam die Bundesbahn und ließ es entfernen- Weil zur Anbringung von Plakaten an den Platanen erst, so hört man, die Genehmigung der Bundesbahn eingeholt werden müsse. Sie wurde zwar in Aussicht gestellt, aber gegen Entrichtung einer Gebühr von 36 DM (in Worten: Sechsunddreißig Deutsche Mark!). Vielleicht dürfen wir der hochwohllöblichen Bundesbahn (lies: Eisenbahndirektion FrankfurVMain) heute bereits leise andeuten, daß am Renntag Tausende und Abertausende von Fahrgästen mehr als an normalen Sonntagen mit ihren Zügen nach Dieburg kommen, daß sie also bei dem Dreiecksrennen ein recht gutes Geschäft machen wird. Könnte man da nicht so großzügig sein und die Rennplakate auf dem bundesbahneigenen Gelände an den „ungeklärten Platanen“ ruhig kleben lassen, zumal doch wohl 36 D_ Mark für ein Plakat eine ganze Menge Geld ist? sch.-

Niederrhein und Württemberg am stärksten

Nach den Landesmeisterschaften der Leichtathleten

Am vergangenen Wochenende wurden (mit Ausnahme von Niedersachsen, das erst später folgt) in ganz Westdeutschland die Leichtathletikmeisterschaften der Landesverbände durchgeführt. Im allgemeinen war eine Leistungssteigerung überall zu erkennen, aber wirklich überragende Resultate wurden nicht erzielt. Hier macht höchstens der Fuldaer Storch mit seiner Hammerwurfserie, die ihn sechsmal über 57 Meter und einmal gar auf 58,68 Meter brachte, eine Ausnahme. Es muß aber gesagt werden, daß unseren Spitzenkönnern auch nicht das Letzte abverlangt wurde. Erstaunlich im negativen Sinne ist es dagegen, daß ein großer Teil der Landesmeister die zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften erforderlichen Mindestleistungen nicht erreichte.

Bei den Berliner Meisterschaften, die vor nur dreitausend Zuschauern im Olympiastadion abgewickelt wurden, gab es stark verbesserte Leistungen in den Läufen. In hervorragender Form ist der nach Krefeld übergesiedelte Geister, der in Wuppertal die 100 Meter in 10.7 Sekunden (Liekes wurde in diesem Lauf nur Dritter) und die 400 Meter in 48.7 Sekunden gewann. Seine 100- Meter-Zeit erreichte Lege in Hamburg, und über 400 Meter wartete Huppertz (Koblenz) in Trier mit der gleichen Leistung auf. Der viermal-vierhundert-Meter-Meister Hamburger SV lief (nicht in stärkster Besetzung) mit 3:22,6 Minuten eine Jahresbestleistung, war aber nicht wenig erstaunt, daß der SC Rehberge im Olympiastadion auf die gleiche Zeit kam. Schade (Barmen) bestätigte in Wuppertal mit einer 5 000-Meter-Zeit von 14:32.4 Minuten seine hervorragende Form. Der starke Wind vereitelte eine noch bessere Leistung.

Bei den Frauen gab es für Lena Stumpf in Bremen fünf Meisterschaften. Ihr Hochsprung von 1,56 Meter wurde sonst nicht erreicht. Mit Hendrichs (Köln 43) stellte sich eine schnelle 100-Meter-Läuferin vor. Ihre 12.3 Sekunden stehen an der Spitze. Die relativ beste Leistung sind die 5,91 Meter, die Fräulein Hofknecht (Bayreuth) in München im Weitsprung schaffte.

Bei einem Leistungsvergleich schneiden die Verbände Niederrhein und Württemberg am besten ab. Dichtauf folgt Bayern. In den einzelnen Uebungen wurden folgende beste Leistungen erzielt:

Männer: 100 m: 10.7 Sekunden Lege (St. Georg Hamburg und Geister (Krefeld 10). 200 m: 21.7 Sekunden Zandt (Stuttgarter Kickers). 400 m: 48.7 Sekunden Geister (Krefeld 10) und Huppertz (RW Koblenz). 800 m: 1:55.1 Minuten Laufer (Schwenningen). 1500 m: 3:54.4 Minuten Anderko (Feuerbach). 5000 m: 14:32.4 Minuten Schade (Barmen). 10000 m: 32:46.2 Minuten Kuderski (Werdohl). 110-m-Hürden: 15.3 Sekunden Troßbach (Berliner SC). 400-m-Hürden: 56.1 Sekunden Scharr (Feuerbach) und Kohlhoff (RW Koblenz). 3000 m Hindernis: 9:35.0 Minuten Dompert (Stuttgarter Kickers). 4 mal 100- m-Staffel: 42.0 Sekunden München 60. 4 mal 490- m-Staffel: 3:2.6 Minuten Hamburger SV und SC Rehberge. 3 mal 1000-m-Staffel: 7:35.8 Minuten Rotweiß Oberhausen. Weitsprung: 7,40 Meter Luther (München 60). Hochsprung: 1,85 Meter Theilmann (Eintracht Frankfurt) und Naumann (Frankfurt 80). Dreisprung: 14.02 Meter Wanneck (München 60). Stabhochsprung: 3,80 Meter Landschulze ( Preußen-Prefeld). Kugelstoßen: 14.49 Meter Bongen (Tuspi Viersen). Diskus: 45,06 Meter Marktanner (Stuttgarter Kickers). Speer: 61,86 Meter Hauer (DSD Düsseldorf). Hammer: 58,68 Meter Storch (Fulda).

Frauen: 100 m: 12.2 Sekunden Preker (Hörde). 200 m: 20.0 Sekunden Glöckner (Eintracht Frankfurt). 80-m-Hürden: 11.9 Sekunden Seonbuchner (1. FC Nürnberg). 4 mal 100- m: 49.8 Sekunden 1. FC Nürnberg. Weitsprung: 5,91 Meter Hofknecht (Bayreuth). Hochsprung: 1,56 Meter Stumpf (Werder Bremen). Kugel: 12.46 Meter Kreß (Pinneberg). Diskus: 41,12 Meter Sonneck-Uthke (Köln). Speer: 44,96 Meter Müller (RW Koblenz).

Jugendringer ermitteln ihre Meister

160 Jugendliche und Schüler des Kreises Darmstadt im Hessischen Schweratheltikverband ermittelten am Sonntag in Groß-Zimmern auf dem „Weyker“ im Ringen und Gewichtheben ihren diesjährigen Kreismeister. Bei den Kämpfen, die zum Teil sehr hart waren und auf technisch guter Stufe standen, zeigten Jugendliche und Schüler des Athletiksportvereins „Vorwärts“ Groß-Zimmern einen anerkennenswerten Ehrgeiz. Sie schnitten mit drei Kreismeistern und vier 2. Siegern hervorragend ab. Unter der Leitung von Kreisjugendwart Braun (Groß-Zimmern) und Kreissportwart Kaffenberger ( Niede-Ramstadt) wuden nachstehende Sieger ermittelt: Ringen Schüler: Gewicht bis 50 Pfund: 1. und Kreismeister Erwin Sauerwein, „Vorwärts“ Groß-Zimmern, 2. Rudolf Roland, Schaafheim, 3- Karl-Heinz Schäfer, Rimbach. Gewicht bis zu 55 Pfund: 1. und Kreismeister: Hermann Sann, Ober-Ramstadt, 2. Josef Braun, Groß-Zimmern, 3. Günter Hink, Ober-Ramstadt. Gewicht bis 60 Pfund: 1. und Kreismeister: Günter Haus, Münster, 2. Karl-Heinz Hallstein, Rimbach, 3. Otto Seitz, Rimbach. Gewicht bis 70 Pfund: 1- und Kreismeister: Günther Poth, Roßdorf, 2. Otto Böhm, Roßdorf, 3. Kerl-Heinz Seifermann, 1910 Darmstadt. Gewicht bis 80 Pfund: 1. und Kreismeister: Georg Frankenberger, Ober-Ramstadt, 2. Klaus Krüger, Roßdorf, 3. ,Karl Dieter Schaafheim. Gewicht bis zu 90 Pfund: 1 und Kreismeister: Ernst Heckhaus, 1910 Darmstadt, 2. Günther Obmann, Groß-Zimmern, 3- Otto Wenzel, Ober-Ramstadt. Gewicht bis zu 100 Pfund: 1. und Kreismeister: Günther Volz, Darmstadt 98, 2. Ernst Pullmann, Groß-Zimmern, 3. Richard Höfling, Schaafheim. Schüler-Schwergewicht: 1. und Kreismeister: Winfried Bieber, Schaafheim. 2. Ludwig Krautwurst, Nieder-Ramstadt, 3. Ludwig Geron, 1910 Darmstadt. Jugend bis 80 Pfund: 1. und Kreismeister: Gert Löbig, Münster, 2. Hans Schuchmann, 98 Darmstadt. Gewicht bis zu 100 Pfund: 1. und Kreismeister: Ernst Schröder, Bensheim, 2. Fritz Gerig, Ober-Ramstadt, 3. Willi Trautmann, Rimbach. Gewicht bis 110 Pfund: 1. und Kreismeister: Karl Ditter, 1910 Darmstadt, 2. Axel Fleddrich, Groß-Zimmern, 3. Karl Moter, Roßdorf. Gewicht bis zu 120 Pfund: 1. und Kreismeister: Fritz Schimuneck, Rimbach, 2. Josef Mohr. Bensheim, 3. Herm. Schneider, Nieder-Ramstadt. — Gewicht bis zu 130 Pfund: 1. und Kreismeister Willi Winkel, 1910 Darmstadt, 2. Willi Hechler, Rimbach. 3. Ernst Hauser, Arheilgen. — Gewicht bis zu 140 Pfund: 1- und Kreismeister: Bernhard Göbel, Groß-Zimmern, 2. Willi Dollheimer 11., Münster, 3. Werner Gruber, Aheilgen. — Jugend-Schwergewicht über 140 Pfund: 1. und Kreismeister: Georg Haag, Groß-Zimmern, 2. Willi Kohlbacher, Wersau, 3. Friedrich Vogel, Bensheim.

Gewichtheben der Jugend bis 100 Pfund: 1. und Kreismeister: Karl Danz, 1910 Darmstadt; bis 110 Pfund: 1. und Kreismeister: Karl Ditter, 1910 Darmstadt; bis 120 Pfund: 1. und Kreismeister: Hans Trippel, Schaaf-Heim; bis 130 Pfund: 1. und Kreismeister: Franz Cecil 1., Michelstadt; bis 140 Pfund: 1. und Kreismeister; Willi Dollheimer, Münster. (RG.)

Jugendbrücke England—Berlin

Berlin. (AP.) Aus den Spielen der Tottenham Hotspurs in Berlin hat sich ein Jugendaustausch England—Berlin entwickelt. Unter der Bezeichnung „Jugendbrücke England— Berlin“ wurde ein Kuratorium gebildet, das aus zwei Vertretern des Verbarfdes Berliner Ballspielvereine und je einem Vertreter des Hauptamtes für Leibesübungen, des Landesjugendrings und der britischen Sport-Dienststellen besteht. Diesem Kuratorim wurden nahmhafte Mittel zur Verfügung gestellt, um die Basis für einen regelmäßigen Jugendspielverkehr zwischen englischen Mannschafen und denen des Berliner Verbandes zu schaffen.

Gegen die Pokal-„Seuche“

Deutscher Hockey-Bund als Vorbild

Der Deutsche Hockey-Bund macht seine Vereine erneut darauf aufmerksam, daß das Spielen um Pokale nicht erwünscht ist und deshalb Pokal-Wettbewerbe künftig nicht mehr ausgetragen werden sollen. Im deutschen Hockeysport wird nur um eine Trophäe gespielt, um den Silberschild. Den Vereinen wird vorgeschlagen, an Stelle von Pokalen Erinnerungsnadeln für die einzelnen Spieler siegreicher Turniermannschaften zu geben. Das Los aller Pokale sei es ohnehin, in irgendeiner Rumpelkammer zu verstauben. „Weinen wir diesen Prachtschinken also keine Träne nach", kommentiert die Wochenzeitung des deutschen Hockeysports das Verschwinden der Pokale.

Kurz aber interessant

Die SG Arheilgen hat das Vertragsspielertum eingeführt und wird in der nächsten Saison in der 11. Division spielen.

Der Sportclub Olympia Lorsch verpflichtete seinen Nationalspieler Gärtner zum Trainer aller Mannschaften. Wöchentlich findet ein Training für das Bundessportabzeichen auf dem Waldsportplatz statt, an dem jeder Interessent teilnehmen kann.

Die Roßdorfer Basketballer verloren bei ihrem Gastspiel in Heidelberg gegen den dortigen BC mit 42:56 und gegen den TV 1846 mit 38:42 Körben. Erfolgreicher waren die Frauen des Vereins, die gegen die Spielerinnen des BC Heidelberg mit 21:19 und gegen die Frauen des TV 1846 mit 22:14 Körben gewannen.

Die Pfirsichkönigin regiert!

Obstbautag und Pfirsichfest in Zwingenberg

Fachvorträge und Lehrschau für die Obstanbauer der Bergstraße

Zwingenberg ist gegenwärtig eifrig bestrebt, den 2. Bergsträßer Obstbautag in Verbindung mit dem Pfirsichfest, vom 15. bis 17. Juli vorzubereiten. Während für den Obstbautag in der Hauptsache Vorträge, Diskussionen und Ausstellungen zur Information der Obsterzeuger vorgesehen sind, beginnt mit dem Pfirsichfest am Sonntagnachmittag das Eigentliche Volksfest.

Das Festprogramm wird am Samstagvormittag um 10 Uhr mit einer Ausstellung auf der Tuchbleiche eingeleitet, in der Geräte für den Obstbau, Schädlingsbekämpfungsmittel usw. zu sehen sind. Auch eine „Lehrschau“, in der fachgemäße Obstsortierung an Hand einer Gegenüberstellung von Obst verschiedener Qualität vorgeführt wird, ist gleichfalls vorgesehen. Bei dem großen Begrüßungsabend um 20 Uhr wird der Zwingenberger Gesang, und Turnverein mitwirken.

Mit einem Weckruf beginnt der festliche Sonntag. Um 9-30 Uhr findet in der Obstgroßmarkthalle die Obstbautagung statt. Durch persönliche Initiative ist es Landwirtschaftsrat Dr. Schmitt gelungen, Direktor Spreng, eine Kapazität im europäischen Obstbau, und Leiter der Schweizerischen Zentrale für Obstbau, als Hauptreferenten zu gewinnen. Da der Redner bei seinem Vortrag farbige Lichtbilder zeigen wird, sollte sich kein Obsterzeuger diese einmalige Gelegenheit einer fachmännischen Unterrichtung entgehen lassen.

Nachmittags übernimmt der Verkehrs-und Verschönerungsverein mit dem Pfirsichfest die weitere Festgestaltung. Der große Festzug wird neben den Wagen der Ortsbauern (Sommer, Herbst und Winter darstellend) erstmalig auf einer Gruppe von vier Wagen Ausschnitte aus Goethes „Hermann und Dorothea“ zeigen. Die Pfirsichkönigin fährt auf einem vierspännigen Wagen im Festzug mit. Auch die Nachbargemeinden werden sich beteiligen. Am Abend wird dann in sämtlichen Sälen getanzt und alle Gaststätten suchen sich an diesem Tage mit Pfirsichspezialitäten zu überbieten.

Bei der Tagung am Montag steht der Frühobstbau im Mittelpunkt. Das Hauptreferat soll Oberobstbauinspektor Philippi, Neustadt (Hardt), halten. Nach einem Zwiegespräch zwischen dem Verbandsdirektor der ländlichen Genossenschaften und dem Geschäftsführer des Verbandes der Obstgroßhändler wird über Obstbaufragen diskutiert. Die Weinprobe, bei der etwa 15 Nummern Bergsträßer Weine mit fachlichen Erläuterungen von Landwirtschaftsdirektor Wattendorf vorgeführt werden, beginnt um 16 Uhr in der Gaststätte „Zur Bergstraße“.

Am 12. Juli starten rund 1000 Werbeballons in Zwingenberg. Jeder Finder hat die Chance, ein Körbchen Obst oder eine Freikarte zu erhalten. Während der drei Festtage wird mit Einbruch der Dunkelheit Zwingenbergs Wahrzeichen, das alte Bergkirchlein, durch Tiefstrahler angestrahlt und weit ins Land bis zum Rhein zu sehen sein- (HB.)

Zunahme der Diebstähle im Kreis Gr.-Gerau

Die Gendarmeriestationen des Kreises Groß-Gerau legten im Juni 141 Straf anstähle angezeigt wurden, erhöhte sich izeigen vor. Während im Mai nur ie Zahl im Juni auf 39. Die übrigen Anzeigen umfassen 23 Verkehrsunfälle und 70 Uebertretungen der Straßenverkehrsordnung, (eg)

Gründung des Landesverbands Deutscher Steuerbeamter

Am 15. Juli 1950 wird in Längen der Landesverband Hessen im Bund D , Steuerbeamten gegründet. Am darau folgenden Sonntag treffen sich die « maligen Schüler der Hessischen F lehranstalt. die in Langen ihren Sitz na um Fachvorträge über Beamtensteuerfragen zu hören.

Versetzungen im Schuldienst

Amtlicher Mitteilung zufolge wunden versetzt: Die Lehrerin Therese von Egelsbach an die Volksschule beligenstadt; Lehrer Ernst Gori von L 1” " fels an die Volksschule Darmstadt; L®nre Johann Helbig von der Volksschu e Zwingenberg an die Volksschule

fels; Lehrer Christian Egner von der Volksschule zu Laudenau an die Volksschule Lamperthefan-Hüttenfeld; Lehrer Ludwig Bernhard von Rodau an die Volksschule Fränkisch-Crumibach und Lehrerin Elisabeth Bräuer von der Volksschule Viernheim an die Volksschule Wersau, Kreis Dieburg. (V)

Erbacher Kreistag erst am Freitag

Die ursprünglich für heute anberaumte Sitzung des Kreistages in Erbach mußte auf Freitag, 9 Uhr, verschoben werden, da sich wegen der zu beratenden Auflösung selbständiger Gemarkungen im Kreis Erbach eine nochmalige Vorbesprechung des Kreisausschusses als notwendig erwies.

Wie uns der CDU-Kreisverband Bergstraße mitteilt, wird am kommenden Samstag der Bundestagsabgeordnete und Arbeitsminister a. D. Arndgen in Weiher im Gasthaus Lorenz Knapp über das Mitbestimmungsrecht und den Volksentscheid am 9. Juli sprechen. Minister a. D. Arndgen wird nochmals die positive Stellungnahme der CDU zu dieser Frage begründen.

Teuere Betrichsfeier

Vor dem Strafrichter des Amtsgerichts Reinheim hatte sich der 46jährige Schlossermeister L. aus Darmstadt-Ar hei Igen wegen Nötigung und Sachbeschädigung zu verantworten. Bei einer Betriebsfeier in Nieder-Modau hatte er versucht, den Gendarmen von einer Anzeige mit der Drohung abhalten zu können, er wolle sich bei Landrat Wink über ihn erkundigen. Das Gericht erkannte wegen Nötigung auf 40 DM, wegen Sachbeschädigung auf 10 DM Geldstrafe. — Bei dem gleichen Anlaß hatte der 24jährige Z. aus Zeilhard den Gendarmen beleidigt. Hierfür wurde er mit 20 DM Geldstrafe belegt. (le)

Arheilger „Eintradt“- Lubiläum

Der Mannergesangverein „Eintracht“ in Darmstadt-Arheilgen feiert vom 15. bis 17. Juli 1950 sein 80jähriges Vereins-Jubiläum.

In sämtlichen Räumen des Gasthauses „Zum Goldenen Löwen“ und in den Festzelten wird ein Programm geboten werden, das an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig läßt.

Die Feierlichkeiten beginnen am Samstag um 20.30 Uhr mit einem Umzug durch die Ortsstraßen zum Festplatz, wo auf einer zu diesem Fest hergerichteten Naturbühne ein umfangreiches Programm mit Chören, sportlichen Darbietungen und Musik abgewickelt wird.

Der Sonntag wird mit einem Weckruf um 7 Uhr eingeleitet. Um 13 Uhr wird der Festzug aufgestellt, der sich ab 14 Uhr durch alle Ortsstraßen zum Festplatz bewegen wird. Dort finden wieder Vorführungen alter Art statt. Um 20 Uhr beginnt der große Festball.

Mit einem Frühschoppen um 10 Uhr im Festzelt beginnt der Montag. Um 15 Uhr findet nochmals ein Umzug durch den Ort statt, dem sich ein Kinderfest mit vielen Ueberraschungen anschließen wird. Der Abend bringt den Ausklang mit einer großen Festmusik und verschiedenen Schaunummern.

Herr Johann Lutz, der Vorsitzende des Gesangvereins „Eintracht", Chorleiter Willi Heuser, Frankfurt a. M., und die Herren des Festausschusses wetteifern bei den Vorbereitungen mit sämtlichen Mitgliedern. Sie wollen das Fest zu einem großen Ereignis für Darmstadt-Arheilgen werden lassen Ba.

25 Jahre Odenwald-Drogerie

Die Odenwald-Drogerie Bad-König konnte am 1. Juli 1950 auf ein 25jähriges Geschäftsjubiläum zurückblicken. Die Firma wurde von dem im Jahre 1946 verstorbenen Herrn Busch gegründet und wird heute von der Witwe mit einem Geschäftsführer weitergeführt. (ib)

Meldungen aus den Landkreisen

Darmstiadt-Land

Pfungstadt. — Am Samstag, dem 18. Juli, trifft Ministerpräsident Stock zur Ueberiiahme des Ehrenbürgerbriefes in Pfungstadt ein. (ng)

Groß-Gerau

Groß-Gerau. Die Schweizer Turner verließen am Dienstagmorgen wieder die Kreisstadt. Zahlreiche Einwohner sowie Bürgermeister Dr. Lüdecke und der 1. Vors. dös TV 1846 waren beim Abschied zugegen. — Während der heißen Jahreszeit wird die Mütterberatungsstunde jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 16 bis 17 Uhr im alten Rathaus abgehalten. — Am Samstag beabsichtigt der Gemeinderat einen Geländerundgang. Da es noch nicht feststeht, ob die städtische Plantage an der Mainzer Straße unter der Regie der Stadtverwaltung bleiben oder verpachtet werden soll, wird auch sie bei dieser Gelegenheit besichtigt werden, (cg)

Lampertheim. In der Generalversammlung des DRK gab Bürgermeister Günderoth als Vorsitzender der aktiven Bereitschaft einen Tätigkeitsbericht. Bei der Vorstandswahl wurden gewählt: Bürgermeister Günderoth (1. Vors.), Fr. Griesheimer (2. Vors.), H. Pfeifer (Rechner), Bischoff (Schriftf.), Fr. Klotz (m. Akt.), Frau Ocker (w. Aktive), Biedermann (Zeugwart). Zur Geräteaufbewahrung stellt die Gemeinde an der kath. Kirche einen Raum zur Verfügung, der von den Aktiven hergerichtet wird. (he)

Ginsheim. Anstelle des erkrankten I .Beigeordneten O. Wanner leitet der ehrenamtliche Beigeordnete A. Guthmann die Dienstgeschäfte der Ortsverwaltung. (An.)

Lorsch. - Durch ein Schlagloch auf der Landstraße Lorsch—Einhausen kam ein Motorradfahrer aus Gernsheim zum Sturz und verletzte sich erheblich. Bei dem Motorrad brach die Vorderradgabel; die Lichtanlage wurde stark beschädigt. (el)

Bergstraße

Bensheim. Die Auszahlungen der Unterstützungen für den Monat Juli erfolgen für Bensheim-Mitte, Schönberg*und Zell am Donnerstag, dem 13. Juli, im Rathaus Bensheim vormittags von 8 bis 12 Uhr; für den Stadtteil Auerbach nachmittags von 14 bis 16.30 Uhr im ehemaligen Rathaus in Auerbach. Ein Termin für Nachzügler ist noch nicht festgesetzt. Die Stadtkasse bleibt am Donnerstag, dem 13. Juli, für den übrigen Publikumsverkehr geschlossen. (HB)

Heppenheim. Am kommenden Donnerstag hält der Bildhauer Hans Mühlhäuser einen Lichtbildervortrag in der Amerikanischen Lesehalle über das Thema: „Bildhauerei im 20. Jahrhundert“. Der Vortrag beginnt um 20 Uhr. (HB)

Alsbach. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten konnte die Besitzerin des Gasthauses „Zur Sonne“, Frau Weber, den Tanzsaal wieder neu erstellen. Frau Weber beabsichtigt, in dem neuen Saal wöchentlich ein bis zwei Kinovorstellungen zu geben. (hl)

Bickenbach. Die Gemeinde hat die Hundesteuer erhöht. Sie beträgt in Zukunft für den ersten Hund 16,— DM, für den zweiten 22,— DM und für den dritten Hund 24,— DM. — Die alle zwei Jahre gesetzlich vorgeschriebene Nacheichung der im Verkehr befindlichen Meßgeräte, Meßwerkzeuge für Flüssigkeiten, Hohlmaße, Gewichte und transportable Handelswaagen werden am 10. und 11. Juli im Gasthaus „Zum Hirsch“ ab 8 Uhr früh durchgeführt. — Am Sonntag und Montag feierte die Gemeinde ihre Kirchweihe. „Die Bickenbacher Kerb is do" sangen die „Kerweborsch“ am Sonntagnachmittag bei ihrem Kerweumzug. Vor dem Rathaus hielt ein Kerweborsch die „Kerweredd“, in der Dorfbegebenheiten des Jahres glossiert wurden. (hl)

Jugenheim. Forstrat a. D. Albert Bechtel wurde in der letzten Gemeinderatssitzung zum 1. Beigeordneten gewählt. — Die Spar- und Darlehenskasse hält am 6. Juli im Gasthaus „Tannenberg“ eine Generalversammlung ab. Generalsekretär Dr. Maus vom Ländlichen Genossenschaftsverband Frankfurt wird über „Genossenschaftliche Fragen“ sprechen. (hl)

Malchen. Dem Gastwirt Jakob Weicker, Gasthaus „Zur Linde“, wurde die Poststelle Malchen übertragen. (hl)

Exbach

Erbach. Das Standesamt beurkundete im Juni 7 Geburten, 3 Eheschließungen und 4 Sterbefälle. — Am 26. Juli feiern die Eheleute Sattlermeister Georg Jakob Hübner und Frau Elise Karoline geb. Angele, Erbach, Jahnstraße, das Fest der goldenen Hochzeit. (-ch)

Erbach. Zum Festzug der Veith-Gurnmiwerke durch Erbach wird die Hauptstraße am Sonntag in der Zeit von 11 bis voraussichtlich 12 Uhr und abends von 21 bis 22 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt durch die Martin-Luther-Straße. (-ch)

Krumbach. Am Wochenende feiert die Gesangsabteilung „Concordia“ der Sport- und Kulturgemeinde ihr goldenes Stiftungsfest, das mit der Weihe der neuen Fahne verbunden ist. 22 Brudervereine haben ihr Erscheinen zugesagt. (_r)

Kreidach. Mit der Chern. Fabrik für schnelltrocknende Oele, H. Schubert KG, hat sich in der ausgesprochenen Landwirtschafts- und Obstbaugemeinde die erste Industrieansiedlung niedergelassen. In Kürze sollen weitere 1000 qm zur Erweiterung belegt werden. Dadurch dürfte es möglich sein, Arbeitslosen einen Erwerb zu bieten, (-r)

Mittershausen-Scheuerberg. Der Männergesangverein begeht am 22. und 23. Juli sein 25jähriges Stiftungsfest mit einem Sängertreffen. Die gesamte Einwohnerschaft ist bereits mit den Vorbereitungen für die Festtage beschäftigt. (-r)

Raubach. Am Mittwoch traf, von Beerfelden kommend, die neue Glocke der Ge* meinde ein. Sie wird auf dem Schulhaus aufgehängt. (-ch)

Groß-Gumpen. Am 9. und 10. Juli feiern die Gemeinden Groß-, Klein- und Ober-Klein-Gumpen ihr diesiähriees Kirchweih; fest. In den Sälen „Zum deutschen Kaiser“ und „Zur Linde“ spielen ab 16 Uhr die Kapellen „Melodia“ und A. Bert s c h zum Kerwe-Tanz“

Wirtschaftsblatt

Umschuldung notwendig

Wi. Ein beträchtlicher Teil der nach der Währungsreform gegebenen kurzfristigen Kredite ist für Investitionszwecke verwandt worden. Wohl haben diese Kredite ihre Wirkung beim Wiederaufbau des westdeutschen Wirtschaftslebens nicht verfehlt, aber es zeigt sich heute als bedenkliche Folge, daß die festgefrorenen Kredite die Liquidität auch der Kundschaft in hohem Maße beeinträchtigen. Daß dieses Problem zu einer Lösung drängt, ergibt sich daraus, daß die Bank deutscher Länder sich eingehend mit der Frage einer teilweisen Umschuldung der bet den Banken eingefrorenen Kredite beschäftigt, um diese für ihr eigentliches Aufgabengebiet wieder flüssig zu machen. Man spricht dabei von 500 Millionen DM, einer Summe, die allerdings in Anbetracht des bis zu 3 Milliarden DM geschätzten Betrages an eingefrorenen Krediten nicht allzu bedeutend ist. Trotzdem muß die Absicht der BdL begrüßt werden, weil ein Anfang zur Beseitigung der augenblicklich herrschenden Illiquidität der Geschäftsbanken gemacht wird.

Bei der Umschuldung der eingefrorenen Kredite wird nicht wahllos verfahren werden können. Deshalb wird auch eine globale Aktion kaum in Betracht kommen. Man sollte sich jedoch nicht daran stoßen, wenn den Banken zunächst runde Summen genannt werden, innerhalb deren sie die eingefrorenen Kredite an die einzusetzende Umschuldungsstelle abgeben können. Eine spätere Prüfung der einzelnen Kreditfälle würde allerdings vorbehalten bleiben müssen, zumal die Umschuldungsaktion für gute Kredite gelten soll, nicht aber für sanierungsbedürftige.

Nach Auffassung der interessierten Bankkreise wäre die Industriekreditbank geeignet, um als Zentralinstitut für eine Umschuldungsaktion zu wirken. Sie könnte von den Geschäftsbanken die eingefrorenen Kredite übernehmen und in diesem Umfang eigene Obligationen ins Portefeuille der Bank deutscher Länder geben, um sich so die Mittel für die Liquidisierung der Bankinstitute zu verschaffen. Eine Entscheidung über die Aktion und über ihre Träger ist noch nicht bekannt, doch ist die Zweckmäßigkeit eines solchen Weges zu bejahen und verdient wirtschaftspolitisch besondere Beachtung.

Guter Weinabsatz

Id Die 48er Weinbestände in Rheinland-Pfalz sind nach Mitteilungen aus Fachkreisen fast völlig, die 49er Bestände zum größten Teil geräumt. Besonders gefragt sind Qualitätsweine.

130000 Arbcitslose weniger

dna Die Zahl der Arbeitslosen im Bundesgebiet ist im Juni um 130 252 auf 1 538 066 zurückgegangen. Das ist nach Mitteilung des Bundesarbeitsministeriums die bisher stärkste monatliche Abnahme der Arbeitslosigkeit. ‘

Unter den Ländern der Bundesrepublik meldete Bayern den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit. In Hessen ging die Arbeitslosigkeit um 12 219, in Rheinland-Pfalz um 3 596 zurück.

Keine Verteuerung durch Zölle

zr. Das Bundesernährungsministerium wendet sich gegen Presseveröffentlichungen, wonach in Verhandlungen mit der Zollabteilung der Oberkommission Fleisch und Vieh und andere Nahrungsmittel durch Zölle verteuert werden sollen. Es sei lediglich beabsichtigt, am 10. Juli eine neue Zolliste herauszugeben, durch die der gesetzlose Zustand beendet wird, der auf dem Gebiet des Zolles seit dem 1 Januar 1950 bestehe, nachdem die Zollbegünstigungsliste und das Importausgleichgesetz außer Kraft getreten seien. ?

Trockenfisch in Körnerform

pbz. Zur Beimischung für das Geflügelfutter, Legemehl und auch Körnerfutter wurde in einer Bremerhavener Fischmehlfabrik erstmalig Trockenfisch in Körnerform hergestellt, der vom Geflügel gern aufgenommen wird.

Märkte und Börsen

F.A.Z. An der Frankfurter Effektenbörse zeigten sich auch am Mittwoch keinerlei Anzeichen einer Geschäftsbelebung oder einer Befestigung des Kursniveaus an den einzelnen Märkten. Der neuerliche Regierungssturz in Frankreich wurde an der Börse zurückhaltend aufgenommen. obwohl man hofft daß die Schumannlan-Beratungen trotzdem zügig fortgeführt werden können

NE-Metallmarkt fest

H. Die deutschen Metallmärkte stehen unter dem Einfluß der festen Haltung an den internationalen Märkten. Die letzte Preiserhöhung für Elektrolyt-Kupferkathoden am 6. Juni auf 219 DM je 100 kg hat naturgemäß auch eine Preiserhöhung für Kupferlegierungen und kupferhaltige Abfälle gebracht.

Zink lag mit 139 DM je 100 kg verhältnismäßig fest.

Die deutschen Kursnotizen für Rein - zi n n paßten sich den schwankenden Notierungen an den internationalen Märkten eng an und standen am 1. Juli auf 745 DM je 100 kg.

Anziehende.Kartoffelpreise

Bz. Im Gegensatz zu dem reichlichen Angebot an Frühkartoffeln in der vergangenen Woche in Frankfurt, die den Erzeugerpreis bis auf 6.50 Mark und darunter drückte, ist am letzten Wochenende eine gewisse Verknappung festzustellen. Der heutige Großhandelspreis bewegte sich zwischen 7,20 bis 7,80 Mark ohne Sack ab Erzeugerstation.

tp Henkel & Cie., Düsseldorf. Durch Be¬ schluß der Hauptversammlung ist das Grundkapital auf 4 Mill. DM endgültig neu festgesetzt worden. Sodann ist das Grundkapital von 4 um 44 auf 48 Millionen DM durch Ausgabe von 44 000 Stück neuer Inhaberaktion von je 1000 DM erhöht worden;

Bz Darmstädter Hotelgesellschaft mbH, Darmstadt. Gegenstand ist der Wiederaufbau des Hotels Traube mit dazu gehörigem Restaurationsbetrieb. Das Stammkapital ist 25 000 DM. Geschäftsführer sind Stadtrat Dr. Ernst Holtzmann, Stadtamtmann Georg Langohr und Rechtsrat Alfred Schäfer, sämtlich in Darmstadt.

D. T. Die öffentlich-rechtlichen Bauspar¬ kassen haben in 5 Monaten des Jahres 1950 Finanzierungszusagen im Gesamtbetrag von 150 Millionen DM an Bausparer erteilt. Damit wurde die Vorausschätzung für die Mitwirkung dieser Institute am Wohnungsbau 1950 erheblich überschritten. Diese hohe Leistung hat den Neuzugang an Bausparverträgen außerordentlich günstig beeinflußt. Die öffentlichen Bausparkassen rechnen mit einer Erhöhung ihrer Vertragsbestände um mindestens 600 Millionen DM allein im Jahre 1950.

Todesanzeige Dem Herm über Leben und Tod hat es gefallen, meine innigsgeliebte, treubesorgte Gattin, unsere gute Mutter, meine liebe Schwiegermutter, unsere unvergeßliche Schwester, Schwägerin und! Tante, Frau Juliane Gandenberger geb. Voos gestern früh 6.30 Uhr nach längerem, schwerem Leiden und gut überstandener Magenoperation im Alter von nahezu 61 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Gandenberger 111. und Söhne Pfungstadt, Hochstätten, Wiesbaden, 4. Juli 1950 Hillebergstraße 39

Nachruf! Gestern verschied nach schwerem Leiden unsere liebe Schulkameradin, Frau Juliane Gandenberger geb. Voos In ihr verlieren wir eine treue Freundin, deren Andenken wir stets in Ehren halten werden. Von Trauer erfüllt, rufen wir ihr von Herzen nach: Ruhe in Frieden! Ihre Schulkameradinnen und -kameraden (1903 Konfirmierte) Pfungstadt, 4. Juli 1950

Todesanzeige Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, daß meine liebe Frau, unsere treue Mutter, Schwiegermutter, Groß- und Urgroßmutter, Schwägerin und Tante, Frau Auguste Scheerer geb. Rohrbach am 5. Juli nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 76 Jahren sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Scheerer Traisa, Wilhelmshaven, den 5. Juli 1950. Beerdigung: 7. Juli 1950, 15 Uhr, vom Trauerhaus, Ludwigwigstraße 60, ab.

Heute entschlief nach langem, qualvollem, mit großer Geduld getragenem Leiden, wohlversehen mit den hl. Sterbesakramenten, drei Tage nach dem Tode seiner Ehefrau, mein lieber Sohn, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, Herr Fritz Schwabenhaus im Alter von 56 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Eva Schwabenhaus Wwe. und Kinder Bensheim, den 3. Juli 1950 Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, dem 6. Juli 1950, vormittags 11.45 Uhr, vom Friedhof aus. Seelenamt am Freitag, 8 Uhr, in der Hospitalkirche.

Nach einem arbeitsreichen Leben verschied plötzlich und unerwartet am 2. Juli 1950 mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Großvater und Urgroßvater, Herr Joh. Hch. Lerch im 76. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Elise Lerch geb. Appel Friedrich Lerch und Familie (Schlitz/Oberh.) Phil. West und Frau Elise geb. Lerch (Egelsbach) Groß-Gerau, den 3. Juli 1950

Bestattungen am Donnerstag, dem 6. 7.1950 Beerdigungen: Alter Friedhof 11.00 Reichert, Marie, Mollerstraße 34, 48 Jahre Bessunger Friedhof 11.30 Bauer, Otto, 82 Jahre Waldtriedhof 10.15 Koch, Christine, 57 Jahre 15.15 Wiederschein, Marie, Kaupstraße 2, 80 Jahre Feuerbestattung: 11.15 Hofmann, Dr. Klaus, Annastraße 20, 65 Jahre

Statt Karten! Für die anläßlich unserer Verlobung dargebrachten Glückwünsche und Geschenke danken wir recht herzlich ELLA WALLENDA WILLI VOGEL Groß-Gerau, im Juli 1950 — ■ ' — , | j j Geburten, IrCMH Verlobungen, Vermählungen oder auch Todesfälle einem größeren Kreis von Menschen rasch und bequem bekanntgeben wollen, so machen Sie es, wie's auch die früheren Generationen gemacht haben geben Sie Familiennachrichten im „Darmstädter Tagblatt“ auf! Auf unserer Geschäftsstelle, Rheinstraße 23, im alten Tagblatt-Haus, werden Sie gern beraten

OFFENE STELLEN

fllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll^ | ZSezteAec-TPedtec | | mit Arbeitspraxis 1 f werden im ganzen Verbreitungs- | gebiet gesucht 1 i | DARMSTÄDTER TAGBLATT | VERTRIEBS-ABTEILUNG illllllillllillilllllllllllllllllillllllllililllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Poststelle in der Ungarn-Siedlung „St. Stephan“ In der Ungarn-Siedlung „St. Stephan" ist ab 1. Juli 1950 eine Poststelle eingerichtet worden mit der eine öffentliche Fern¬ sprechstelle verbunden ist. Die Poststelle führt die amtliche Bezeichnung „(16) St.-Stephan-Siedlung über Darmstadt 2“ und wird dem hiesigen Postamt unterstellt. Sie hat die Eigenschaft einer Postanstalt im Sinne des § 1 des Gesetzes über das Post¬ wesen des Deutschen Reichs und einer Telegraphenanstalt im Sinne der Telegraphenordnung mit der Befugnis zur Annahme und Ausgabe von Postsendungen aller Art und von Telegrammen sowie zur Vermittlung von Ferngesprächen. Sie nimmt ferner Bestellungen auf die durch die Post zu beziehenden Zeitungen an und zahlt für ihren Zustellbereich die Renten aus. Die Gebühren des Ortsverkehrs gelten nur für den Zustellbereich der Poststelle, d. h. innerhalb des Stadtkreises Darmstadt und nach den der Poststelle zugeteilten Orten. Für alle Briefsen¬ dungen über den Zustellbereich der Poststelle hinaus und um¬ gekehrt von außerhalb nach dem Zustellbereich der Poststelle gelten die Ferngebühren.

DIE FUNDGRUBE

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