Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Veriag; uarmstaaier lagoiatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 39 25, Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 4 Tkuefie Mittwoch, 5. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Probenummer

In Korea: Krieg ohne Gnade

Mac Arthur fordert humane Kampfmethoden und Gefangenen-Behandlung

Tokio, 4, Juli. (AP.) General Mac Arthur gab am Dienstag bekannt, daß er jeden, der auf nordkoreanischer Seite kämpft und bei der Behandlung von Kriegsgefangenen gegen die Grundsätze der Menschlichkeit verstößt oder solche Verstöße verursacht, erlaubt oder anordnet, persönlich dafür verantwortlich machen will.

Sämtliche nordkoreanischen Kriegsgefangenen im amerikanischen Befehlsbereich würden nach den Grundsätzen der Menschlichkeit behand<lt werden, wie sie von zivilisi ten Nationen anerkannt werden. „Ich erwarte,“ sagte Mac Arthur, „daß Amerikaner oder Angehörige anderer Nationen, die im Koreakonflikt auf amerikanischer Seite stehen und in nordkoreanische Hände fallen, in gleicher Weise behandelt werden“.

Ein in Korea weilender Kriegsberichterstatter der französischen Nachrichtenagentur Agence France Presse hat in einem Bericht über die Kampfesweise der Koreaner einen eindrucksvollen Hintergrund gegeben für den Appell Mac Arthurs, den Bürgerkrieg in Korea nach den Grundsätzen der Menschlichkeit zu führen. „Der Krieg in Korea, den manche einfach als Polizeiaktion bezeichnen wollten, ist zu einem Bruderkampf geworden, der auf beiden Seiten durch eine Unmenschlichkeit und einen Fanatismus gekennzeichnet wird, die an legendäre orientalische Grausamkeiten erinnern.“

Auf südkoreanischer Seite würden rote Spione festgenommen und ohne Urteil hingerichtet. An der Front seien anscheinend überhaupt keine Gefangenen gemacht worden. Amerikanische Abwehroffiziere beklagen sich darüber, daß sie nicht imstande seien, einmal rechtzeitig einen nordkoreanischen Gefangenen zum Verhör vorgeführt zu bekommen. Umgekehrt seien in den von der nordkoreanischen Armee befreiten Ortschaften Racheakte an der Tagesordnung. Volksgerichtshöfe hätten alle Hände voll zu tun, um Freunde und Angehörige von Anhängern der südkoreanischen Regierung abzuurteilen, die von Nachbarn denunziert worden seien.

Man wisse noch nicht, ob die amerikanischen Flieger, die hinter den nordkoreanischen Linien niedergehen mußten, lebend in die Hände der Nordkoreaner gefallen seien. Infolgedessen gebe es auch keinen Beweis dafür, ob auch sie mißhandelt würden. griff auf das Bundesgebiet bedeute automatisch einen Angriff auf die Westmächte.

Keine unmittelbare Gefahr

McCloy zur Lage

Trankfurt, 4. Juli, (dpa) In einem Interview mit einem Vertreter der Deutschen Presse-Agentur hat Oberkommissar Mc-Cloy erklärt, er glaube nicht, daß die Sowjetunion unmittelbar einen Krieg wolle. „Die Sowjets wissen trotz ihrer gegenteiligen Propaganda genau, daß die Vereinig¬ ten Staaten an keinem Krieg interessiert sind und die Sowjetunion auch nicht angreifen werden. Auf der anderen Seite sind sie sich aber durchaus darüber im klaren, daß wir schwer zurückschlagen, wenn wir angegriffen werden. Warum sollte die Sowjetunion dies dann tun?“

Die Bundesrepublik brauche gegenwärtig keine formelle Sicherheitsgarantie, da die Sicherheit Deutschlands nicht nur vom deutschen, sondern auch vom alliierten Standpunkt aus betrachtet werde. Ein An-

Von Schäffer zurückgewiesen

Vorwürfe der Vertriebenen

Bonn, 4; Juli. (dpa). Bundesfinanzminister Schäffer hat sich gegen den Vorwurf des Verbandes der vertriebenen Beamten und Angestellten aus den Ostgebieten verwahrt, daß die Arbeiten an dem Gesetzentwurf zum Artikel 131 des Grundgesetzes verschleppt würden. Schäffer erklärte, der Entwurf des Bundesfinanzministeriums sei bereits im Januar vorgelegt worden. Danach sei die Federführung auf das Bundesministerium des Innern übergegangen. Der Gesetzentwurf befinde sich jetzt im Stadium der Kabinettsberatungen. Auf den anderen Vorwurf des Verbandes, daß die Absicht zur Zahlung einer Ueberbrückungshilfe amtlich nie bekanntgemacht worden sei, antwortete der Bundesfinanzminister mit dem Hinweis auf eine detaillierte amtliche Bekanntmachung der-drei beteiligten Ministerien vom 26. April. Er wies ferner darauf hin, daß die Bundesregierung durch einen Beschluß des Bundestags vom 31. März ermächtigt worden sei, 35 Millionen für Ueberbrückungshilfe zur Verfügung zu stellen. Bereits am 5. April seien entsprechende Richtlinien vom Bundesfinanzministerium an die Länder ergangen.

Queuille bereits wieder gestürzt

Die Sozialisten stimmten gegen die neue Regierung

Paris, 4. Juli. (AP.) Das zwei Tage alte Kabinett des französischen Ministerpräsidenten Henri Queuille hat am Dienstag in der Nationalversammlung eine Niederlage erlitten. Nach inoffiziellen Schätzungen stimmten mehr als 300 Abgeordnete gegen die Regierung, während sich nur einige 250 für Queuilles Kabinett aussprachen.

Queuille bereitete sich unmittelbar nach der Abstimmung darauf vor, Staatspräsident Vincent Auriol sein Rücktrittsgesuch zu überreichen. Die Niederlage des Kabinetts wurde von den Sozialisten herbeigeführt, die ihr Gewicht auf Drängen des früheren Innenministers Jules Moch gegen Queuille zur Geltung brachten. Die Kommunisten und die Anhänger General de Gaulles stimmten ebenfalls gegen die Regierung. J _ ... ,

Queuille wurde nur von den Radikal-Sozialen, einem Teil der Volksrepublikanischen Bewegung und einigen Unabhängigen unterstützt.

Sahrecken um einen Kugelblitz

Mehrere Häuser in Lille beschädigt

Paris, 4. Juli. (dpa). Ein großer Kugelblitz versetzte am Montagabend die Bevölkerung des Liller Vorortes Fives in Angst und Schrecken. Heulend wie eine Granate ging er in einer Straße nieder und explodierte. Mehrere Häuser wurden beschädigt. Personen kamen nicht zu Schaden.

Ganz Frankreich litt am Montag unter außergewöhnlicher Hitze. In Grenoble wurden 37, in Paris 33 Grad im Schatten gemessen. In vielen Teilen des Landes kam es zu schweren Gewittern mit wolkenbruchartigen Regenfällen. Bahn- und Straßenverbindungen wurden vorübergehend unterbrochen. Vier Personen kamen ums Leben. Auch in Holland forderten schwere Gewitter insgesamt vier Todesopfer.

Unter keinen Umständen

Der Gewerkschaftsbund zum Brotpreis

Düsseldorf, 4. Juli, (dpa) Der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat den Bundestag und den Bundesrat in einer Entschließung aufgefordeft, alles zu tun, daß die Lebenshaltung der deutschen Bevölkerung unter keinen Umständen verschlechtert werde. Preiserhöhungen durch eine Fettsteuer oder den Fortfall der Getreidesubventionen müßten, zwangsläufig schwere soziale Konflikte nach sich ziehen. Der Gewerkschaftsbund erwarte, daß nach dem Fortfall des Importausgleichs und bei der Liberalisierung des Außenhandels die Ernährungskosten fühlbar sinken würden. Der Reallohn sei hinter der höheren Produktion der Wirtschaft zurückgeblieben. Die Arbeitnehmerschaft habe einen Anspruch. darauf, daß die Nahrungsmittelimporte, die in erster Linie auf Grund ihrer Leistungen in der Exportwirtschaft hereinkämen, nicht durch Zölle, Ausgleichsabgaben oder Abschöpfungen verteuert würden. ■• t j j

Suwon gefallen

Neue Offensive der Nord-Koreaner

Taidschon, 4. Juli. (AP./BBCjdpa) Die Nordkoreaner haben am Dienstagvormittag mit einer neuen Offensive nach Süden begonnen. Der wichtige Flugplatz Suwon ist von den feindlichen Panzern besetzt worden-Starke gepanzerte Kampftruppen der Nordkoreaner stoßen unaufhaltsam nach Süden vor.

Die amerikanische Luftwaffe hatte bereits am Montag eine fieberhafte Tätigkeit der nordkoreanischen Verbände im Raume um Söul gemeldet. In aller Eile waren Panzer, Lastwagen und Truppen über den Han gebracht worden, so daß mit einem massierten Stoß feindlicher Kräfte gerechnet wurde. Nach heftigem Artillerievorbereitungsfeuer . griffen auf einer Frontbreite von fast 160 Kilometern die feindlichen Kolonnen an, die in der Masse nach Süden vorstießen. Abgezweigte Einheiten nahmen Stadt und Flugplatz Suwon.

Mit Suwon verlieren die Amerikaner den wichtigsten Flughafen auf Südkorea. Wenn auch die technischen Anlagen auf diesem Platz äußerst: ungünstig waren, so konnten : doch auf den Landebahnen schwere Bomber aufsetzen. Die Amerikaner hatten mit Großraumbaggern und Planiermaschinen die trockengelegten Reisfelder festgestampft und, die Start- und Landebahnen trotz des ständigen Beschüsses und der, teilweisen Zerstörung immer in Ordnung halten können. Suwon selbst, eine typische kore- ' anische Stadt mit Lehmhütten und Festüngswällen, verfügte qur über eine gepflasterte Straße, über die fast der gesamte Nachschub auf den ' Flugplatz' rollte. Mit dem' Verlust der Stadt waren die Amerikaner auch gezwungen, ihr Vorgeschobenes Hauptquartier zurückzuverlegen.

Der Plan Nordkoreas ist, die noch; bestehenden Teile der südkoreanischen Armee zu vernichten und die Sicherungskräfte' der amerikanischen Vorausabteilungen zu durchstoßen, ■ die den Auftrag haben, den Versammlungsraum der für den südkoreanischen Kriegsschauplatz bestimmten amerikanischen Divisionzusichern.

Wie aus dem Hauptquartier des Generals Mac Arthur bekannt geworden ist, soll, die Infanterie vorerst nur defensive Aufgaben erfüllen, während den Luft- und Seestreitkräften der pausenlose Angriff auf den Feind befohlen ist.

General Mac Arthur hat Marine-Infanterieverbände angefordert, die bereits auf dem Luft-'und Seeweg vom amerikanischen Kontinent nach dem Fernen Osten transportiert werden. Dem alliierten Oberkommando in Japan ist außerdem zugesagt worden, daß Verstärkungen an Luftstreitkräften eintreffen. ’

Operative amerikanische Luftstreitkräfte haben am Dienstag wiederum zahlreiche Angriffe gegen feindliche Luftbasen geflogen. Die Stadt Pjöngjang wurde dreimal angegriffen. Jagdbomber und zweimotorige Kampfverbände griffen Truppenansammlungen, Lastwagenkolonnen und Eisenbahnbewegungen im Raum von Söul mit Erfolg an. Die feindliche Luftwaffe entfaltete gleichfalls eine lebhafte Tätigkeit.

In den Vereinigten Staaten werden alle zur Verfügung stehenden Schiffe in aller Eile für den Fern-Ost-Kriegsschauplatz einsatzbereit gemacht. Ein AdmiraL zur besonderen Verwendung hat den Auftrag, die Maßnahmen zu beschleunigen- Es wurde bekanntgegeben, daß alle Flugzeuge unbekannter Nationalität beschossen würden, die sich der Panamakanalzone näherten. In den Vereinigten Staaten selbst nimmt die Bevölkerung mit großem Interesse an den Vorgängen auf dem Kriegsschauplatz teil, ohne jedoch irgendwie aufgeregt zu sein, zumal die Regierung versichert hat. daß an eine Mobilmachung nicht gedacht werde.

Der Hungerkünstler „Heros“, der erst kürzlich in Frankfurt, 53 Tage hungernd in einem Glaskasten zugebracht hatte, wurde in Krefeld wegen,Betruges von der Kriminalpolizei verhaftet.


Amerikanische Truppen gehen, nachdem sie die Landungsboote verlassen haben, an Land
Amerikanische Truppen gehen, nachdem sie die Landungsboote verlassen haben, an Land

Vermittlungsversuch

*** Indien hat den dankenswerten Versuch gemacht, im Korea-Konflikt zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten zu vermitteln. Sein Angebot ist von den Botschaftern Indiens den Regierungen in Washington und Moskau übermittelt worden. Jedenfalls-wäre niemand anders berufener, einen Vermittlungsversuch zu unternehmen, als eine asiatische Macht, die auch ihren Einfluß auf die Nord- und Südkoreaner geltend machen kann. Welche Vorschläge das indische Angebot enthält, ist noch nicht bekannt. Aus Aeußerungen von Gewährsleuten in London wird jedoch bekannt, Indien sehe Korea als ein einheitliches Land an und wünsche seine po’i.ische und wirtschaftliche Wiedervereinigung.

Hier beginnen aber bereits die Schwierigkeiten. Bei den Kämpfen in Korea hat es sich von Anfang an nicht um eine „innerpolitische Angelegenheit“ gehandelt, wie es die Russen jetzt darstellen wollen. (Siehe auch unsere Glosse „Gromykos Erklärung zu Korea“ auf Seife 2.) Der Vorstoß der Nordkoreaner wurde auf Veranlassung des Kremls unternommen, der ganz Asien seiner Macht unterwerfen will. Das Eingreifen der Vereinten Nationen unter Führung der Vereinigten Staaten verfolgt nicht den Zweck, ^ie Teilung Koreas aufrechfzuerhalfen, sondern das weitere Vordringen der roten Flut in Asien abzusfoppen.

Wie man der Erklärung Gromykos entnehmen kann, beabsichtigen die Russen im Korea-Konflikt, sich vorerst weiterhin im Hintergründe zu halfen. Wenn der indische Vermittlungsversuch jedoch irgendeine Aussicht auf Erfolg haben soll, so müßte er zunächst erreichen, daß die Kampfhandlungen eingestellt werden. Darum hat sich der Sicherheitsrat vergeblich bemüht. Weiterhin müßte es Indien gelingen, Rußland und die Vereinigten Staaten an den Konferenztisch zu bringen, wo sie über die von Indien angesfrebfe Wiedervereinigung Koreas beraten sollen. Immer noch angenommen, es käme zu solchen Beratungen, werden die Russen dann jemals zustimmen, daß die Wiedervereinigung Koreas auf Grund von freien Wahlen unter einem demokratischen Regime vorgenommen wird? Man braucht sich nur daran zu erinnern, wie nachdrücklich die Sowjetzone den Vorschlag freier Wahlen in Gesamtdeutschland abgelehnt hat, die eine Wiedervereinigung der Gebiete diesseits und jenseits des Eisernen Vorhanges zum Ziele hat. Dieses Beispiel zeigt, daß man auf den indischen Vermifflungsvorschlag, so dankenswert er auch sein mag, keine übertriebenen Hoffnunngen setzen darf.

Beamter und Politik

bi Von einem Landtagsabgeordneten wird uns geschrieben:

Das Thema Beamter und Politik gehört zweifellos zu denjenigen, die die Öffentlichkeit stark interessieren und über die die Meinungen zweifellos auch quer durch die politischen Parteien auseinandergehen.

Die Alliierten haben zwar ihr Veto gegen das vom Bundestag verabschiedete Beamtengesetz zurückgezogen. Jedoch hat die Bundesregierung den Alliierten Zugeständnisse gemacht, und zwar in grundsätzlichen Punkten. Hierzu gehört auch der Wunsch der Alliierten, daß die Scheidung von politischer Betätigung und Staatsdienst gezogen wird. Kein Beamter soll mehr vor der breiten Öffentlichkeit als aktiver Förderer einer Partei erscheinen und somit auch nicht mehr in Parteiversammlungen sprechen dürfen. Nicht erst ein zum Abgeordneten gewählter Beamter, sondern schon der als Kandidat aufgestellte Beamte hat aus dem Staatsdienst auszuscheiden.

Das Problem hat allerdings eine doppelte Sicht. Man kann einmal daran denken, daß ein Beamter überhaupt nicht mehr in ein Parlament gewählt werden kann, daß also beispielsweise ein städtischer Beamter weder in ein Stadtparlament noch in einen Kreistag noch in den Landtag oder den Bundestag gewählt werden darf. Man kann aber auch daran denken, daß ein städtischer Beamter nicht in den Stadtrat, daß ein Beamter beim Landrat nicht in den Kreistag, ein Beamter des Landes nicht in den Landtag und ein Beamter des Bundes nicht in den Bundestag gewählt werden kann. Was die sonstige politische Betätigung, also außerhalb der parlamentarischen Betätigung, angeht, so sprechen die Wünsche der Alliierten eine klare Sprache.

Was ist dazu nun zu sagen?

Allgemein. Es ist zunächst festzustellen, daß das Gesetz nur den Beamten betrifft. Die übrigen städtischen, Kreis-, Landesoder Bundesbediensteten sind durch die Vorschrift nicht betroffen. Der städtische Beamte beispielsweise ist also von der politischen Betätigung ausgeschlossen, die städtischen Angestellten und Arbeiter dagegen sind nicht ausgeschlossen. Das Recht der politischen Betätigung bzw. das Recht, in ein Parlament gewählt werden zu können, ist im Grundgesetz und in der Verfassung niedergelegt. Grundgesetz und Verfassung sagen ganz klar, daß vor dem Gesetz alle gleich sind, daß jeder, der das 21. Lebensjahr vollendet hat, wählendarf (aktives Wahlrecht) und jeder, der das 25. Lebensjahr vollendet hat, gewählt werden kann (passives Wahlrecht). Ausschließungsgründe sind ausschließlich dann gegeben, wenn zum Beispiel durch ein Straf- oder sonstiges Urteil das Wahlrecht oder die Wählbarkeit ausgeschlossen ist. Wenn man den Beamten also von den Wahlrechten ausschließen -will, dann nimmt man ihm ein ihm verfassungsmäßig zugestandenes Recht. Man müßte also zunächst die Verfassung ändern. Dazu müßte der Landtag ein Gesetz mit verfassungsändernder Mehrheit beschließen. Täte er dies, dann würde er den Beamtenberufsstand als einzigen Stand zu einem Stand zweiten Grades stempeln.

Vom Gesichtspunkt des Beamten selbst betrachtet. Zunächst eine Frage: Weshalb sind „so viele“ Beamte Politiker? Haben sie sich selbst dazu gemacht? Gewiß nicht! Man körnte im Jahre 1945 gleich nach dem Umsturz eben nur auf wenige zurückgreifen. Der eine konnte sich nicht politisch betätigen, der andere durfte es nicht, und der dritte — und das waren die meisten — hatte nicht den Mut, sich im Jahre 1945 in das deutsche Schiff lein hineinzusetzen und das Ruder anzupacken. Daher griff man soviel auf die Beamten zurück, und daher mußten diese in vielen Fällen mehr als ein Amt annehmen. Taten sie es im Bewußtsein, Dank zu ernten?

Worin besteht nun die politische Tätigkeit des Beamten? Er hat zunächst eine außerordentlich ausgedehnte Korrespondenz aus den Wählerkreisen. Die Wähler wenden sich nicht nur in Fragen an ihn, die seiner amtlichen Tätigkeit entsprechen, es treten an ihn Fragen aus allen Gebieten heran, aus den Gebieten der Personal-, Kultur-, Wirtschafts- und Finanzpolitik. Unter zehn Briefen befinden sich vielleicht zwei bis drei, die dem gleichen Sachgebiet entstammen. Für jeden Brief muß er tätig werden, in den wenigsten Fällen ist es mit der Beantwortung des Briefes getan. Er muß Rückfrage halten, mit anderen Stellen oder Behörden in Verbindung treten, Besprechungen führen und in den meisten Fällen sich mit dem Briefschreiber auch noch persönlich unterhalten. Eine Anzahl der bei ihm eingehenden Briefe wird er zwiefellos ohne weiteres in seinen eigenen amtlichen Geschäftsgang geben können, weil die Anfrage oder das Gesuch mit seiner amtlichen Tätigkeit, zusammenfällt. Zur Erledigung der übrigen Wünsche aber muß er seine Freizeit nehmen, denn im Gegensatz zum freiberuflichen Politiker kann er dies ja nicht während seiner amtlichen Tätigkeit tun. Nimmt er aber während seiner Dienstzeit an einer politischen Sitzung teil, dann bleibt in dieser Zeit seine amtliche Arbeit liegen, und er hat diese in der Zeit zu erledigen, die ihm sonst „Freizeit“ wäre. Die Versammlungen, in denen er aufklären muß, die Teilnahme an Sitzungen seiner Partei fallen alle auf Abende, Samstagnachmittage oder Sonntage, so daß er zu allen diesen „Terminen“ „besetzt“ ist.

Es ergibt sich also von dem Zeitpunkt ab, in dem der Beamte nicht mehr Politiker ist, die Folge, daß er die hunderte Briefe nicht mehr erhalten wird, nicht mehr zu bearbeiten und zu beantworten haben wird, und daß er die Abende, Samstage und Sonntage frei sein wird —, seine Familie wird das am meisten begrüßen. Viele Frauen von „politischen Beamten“ haben daher von dem Bundesgesetz mit Begeisterung Kenntnis genommen. Die Scheidung von politischer Tätigkeit und Staatsdienst bringt also dem Beamten ausschließlich Erleichterung und eine erhebliche Ausgabenersparnis.

Aus der Sicht des Wählers. Es ist eine feststehende Tatsache, daß der Wähler sich in seinen Sorgen und Wünschen, in die Behörden bezogen sind, sich meist an den „Beamtenabgeordneten“ wendet. Das ist auch ganz klar und verständlich. Der „Beamtenabgeordnete“ wird auch dauernd erleben, daß er zahlreiche Zuschriften von Wählern außerhalb seines eigenen Wahlbezirks erhält. Der Beamte des Landes ist eben jeden Tag am Sitze der Regierung, der freiberufliche Abgeordnete jeden Monat nur wenige Tage. Es wird daher auch kein freiberuflicher Abgeordneter es einem Wähler aus seinem Kreise übelnehmen, wenn er sich an einen anderen „Beamten-Abgeordneten“ wendet. Gemeinden, Kreise, Bürgermeister, Landräte, Kirchen, Krankenhäuser, Schulen, Körperschaften u. a. m. wenden sich erfahrungsgemäß an den Beamten-Abgeordneten, und das ist auch begreiflich: er kennt alle Behörden, hat zu allen Dienststellen persönliche Beziehungen, kann ohne Schwierigkeiten Termine vereinbaren, kann lange, sonst unvermeidbare Wartezeiten verhüten usw. Er kennt vor allen Dingen aber die Zuständigkeiten und verhütet, daß der Gesuchsteller nach Wochen erfährt, sein Gesuch sei „zuständigkeitshalbe^' da oder dort hingeleitet. Diese für ihn selbstverständlichen Möglichkeiten kann der freiberufliche Abgeordnete gar nicht in dem Maße haben, sondern muß sie sich erst selbst beschaffen — durch wen? In den meisten Fällen zweifellos durch seinen beamteten Kollegen!

Und vielleicht das wichtigste: Der beamtete Abgeordnete sieht eher in die Behörden- und Ministerialarbeit und kann daher eher kritisieren. Wie viele Kritiken im Landtag wären nicht möglich gewesen, wären sie im Interesse der Wähler nicht aus den Reihen der beamteten Abgeordneten gekommen! Und dies gilt zweifellos auch vom städtischen oder Beamten beim Landrat, der im Stadt- oder Kreisparlament sitzt.

Und am Schlüsse dieser kurzen Betrachtungen die objektive Frage: Wer hat den Vorteil oder den Nachteil aus der Tatsache, daß Staatsdienst und politische Tätigkeit voneinander geschieden werden sollen?

„Großzügig“

zz. Der größte Teil der deutschen Ostseebäder liegt heute in der Sowjetzone. Man hat in einer illustrierten Zeitung Bilder aus diesen Bädern gesehen, die nicht gerade zu einem Besuch verlocken. Die Hotels und Fremdenheime sind verstaatlicht, das heißt, man kann in ihnen zwar eine größere Lebensmittelzuteilung erhalten, als sie den Bewohnern der Sowjetzone auf ihre Karten zusteht. Man muß aber die hohen Preise bezahlen, die in den staatlichen HO-Läden verlangt werden.

Anscheinend können sich daher nur wenige Bewohner der Sowjetzone einen Besuch in den Ostseebädern leisten. Man möchte also, daß auch Deutsche aus den Westzonen und aus West-Berlin ihren Urlaub dort verleben. Eine Verordnung der Sowjetzonenregierung hat das jetzt ausdrücklich „gestattet“. Sie begleitet ihre Erlaubnis mit dem großzügigen Angebot, die Erholungssuchenden aus dem Westen könnten den Umtausch „der dort geltenden Währung“ vornehmen. Das wäre in Ordnung, wenn man das nach dem augenblicklichen Kursstand tun wollte, nach dem eine D-Mark 6,8 Ostmark wert ist. Die Sowjetzonenregierung geht aber auf Dummenfang aus und bietet den Umtausch im Verhältnis 1:1 an. Das heißt, der Besucher aus dem Westen soll für eine D-Mark nicht 6,8, sondern nur eine Ostmark erhalten. Das großzügige Angebot der Sowjetzonenregierung scheint uns als zu plump, als daß Bewohner der Westzonen, auch wenn sie eine noch so große Sehnsucht nach den Badeorten der Ostsee haben, darauf hereinfsßen könnten.

Die Privat-Renten

Die „Süddeutsche Zeitung“, München, nimmt zu der Frage der abgewerteten Privatrenten Stellung:

Unlängst verstarb, 85jährig, der angesehene Münchener Journalist Hermann Roth. Man widmete ihm freundlich gehaltene Nachrufe, aber eines blieb unerwähnt, daß der Hochbetagte zuletzt von einer Pension von monatlich, sage und schreibe, 17 D-Mark zu „leben“ hatte. Vor der Währungsreform waren es 480 Reichsmark, aber da ein Sonderfonds, aus dem die Pension teilweise finanziert wurde, zusammenbrach und der Rest von 170 Reichsmark 10:1 umgestellt wurde, bekam Roth 3,5 ’/o seiner Vorwährungsbezüge. So zu lesen in dem „Offenen Brief“, den die Alt-Pensionäre der Versicherungsanstalt der Deutschen Presse kürzlich an Bundespräsident Heuss richtete.

Seit der Währungsreform geht ein scharfer Kampf um die I:l-Umstellung privater Rentenversicherungen und wir haben hier wiederholt gegen die unerhörte Härte protestiert, die mit der 10:1- Umwandlung verbunden ist. Klar aber, daß besagte Härte des Staates dort wohl das tollste Stück ist, wo der Staat selbst einst ganze Berufskreise — neben den Journalisten z. B. Ärzte, Schauspieler und Handwerker — gezwungen hatte, jahrzehntelang hohe Beiträge an Versicherungsgesellschaften zum Zweck einer angeblichen Altersversorgung zu entrichten. Das sind die mit vermeidbarer Staatswillkür getroffenen Schichten, die der Weltuntergang von 1945 mit aller Brutalität ereilte, während er für andere gleichsam nicht stattfand.

In jenem „Offenen Brief“ heißt es auch, ein Vertreter des Bundesjustizministers habe am 16. Februar 1950 in zwei Ausschüssen des Bundestags verkündet, daß „in der Renten- und Pensions-Umstellungsfrage in Zukunft keine für die Regierung ungünstigen Gerichtsurteile mehr zu erwarten“ seien. „Einflußnahme auf die Rechtsprechung“, so schreiben die Alt-Pensionäre, und tatsächlich habe drei Wochen später der Kölner Oberste Gerichtshof im Gegensatz zu einer letztinstanziellen Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt die 10:l-Umstellung privater Rentenansprüche ausgesprochen. Wurde hier wirklich, aus fiskalischen Beweggründen, der Rechtsprechung ein Wink gegeben, so bitten wir unsern ehrlich geschätzten Justizminister, der, wenn von „außen“ die „richterliche Unabhängigkeit“ auch nur leise angetastet wird, so eifervoll auf derrr Posten ist, gleich eifervoll auf den Plan zu treten. Heuss aber, dessen sind wir sicher, wird bestimmt tun, was getan werden kann.

Der Bundespräsident hat sich zu einem vierwöchigen Erholungsurlaub nach Süddeutschland begeben.

Die Bundesrepublik ist in den Internationalen Bäderverband aufgenommen worden.

Die britische Regierung will im Unterhaus eine Abstimmung über die Korea-Frage h^rbeiführen.

Hinter den Kulissen von Prag

Militärabkommen mit Ostdeutschland? / Gemeinsamer Kampf gegen Partisanen

Die Reise Walter Ulbrichts nach Prag hat doch die in politischen Kreisen erwartete Sensation gebracht. Das offizielle Kommunique über die in Prag abgeschlossenen Verträge verschweigt die Geheimverhandlungen über militärische Fragen. Aus einem in die Hände der Westalliierten nach Wien gelangten Bericht wird jedoch ersichtlich, daß militärische Fragen ein Hauptgegenstand der Prager Verhandlungen waren.

SP. Zürich, 3. Juli. Es muß heute nicht einfach sein, in offiziellem Auftrag von Dresden nach Prag zu reisen. Der stellvertretende ostdeutsche Ministerpräsident Walter Ulbricht glaubte wenigstens, sich auf dieser Reise sichern zu müssen wie auf einer Fahrt durch Kriegsgebiet. Von Pirna bis Prag, durch wahre Heerlager bei Königstein und Leitmeritz hindurch, ging die Reise unter dem Schutz eines ungewöhnlichen polizeilichen und militärischen Aufgebots. Tagelang vor Beginn der Reise waren für die Route strenge Sicherheitsmaßnahmen angeordnet worden. Mußte Ulbricht sich vor dieser Reise fürchten? Hatten die ostdeutsche und die tschechoslowakische Regierung Gründe, Ulbricht so ganz besonders zu schützen? Sie hatten Gründe, und zwar sehr gute Gründe.

Unruhige Grenzgebiete

Seit Wochen ist es an der Grenze zwischen Lausitz und Tschechoslowakei sehr unruhig. Anschläge auf Parteihäuser der Sozialistischen Einheitspartei, bei denen starke Trupps von Zivilisten die Büros in Brand setzten und die Parteiakten vernichteten, häuften sich. Die alarmierte Volkspolizei wurde von Kommandos, die diese Aktion sicherten, mit Handgranaten empfangen. Zum Teil waren diese Waffen tschechischer Herkunft. Es wurde festgestellt, daß allen in letzter Zeit vorgenommenen Aktionen ein zentral gesteuerter Plan zugrunde lag, und daß diese bisher schwersten Anschläge auf das Wirken einer straff organisierten Widerstandsbewegung zurückzuführen sind, die sehr eng mit tschechischen Widerständlern zusammenarbeitet.

Bisher konnte man das Auftreten von Gegnern des Prager Regimes in Freischärlerverbänden verheimlichen. Die letzten Ereignisse aber zwangen sowohl die Prager Regierung wie auch die ostdeutsche, die Freischärlertätigkeit einzugestehen. Man vermutet, daß sich unter den Widerständlern nicht wenige antikommunistische russische Offiziere befinden, die sowohl aus der russisch besetzten Zone Österreichs, wie aus der deutschen Ostzone kommen und sich mit den Freischärlern tschechischer und deutscher Herkunft in den Grenzgebirgen versteckt halten. Ganz offen spricht man in den Grenzgebieten diesseits und jenseits der Grenze bereits vom Beginn eines neuen Partisanenkrieges.

Kampf gegen innere Feinde

Gegen diese Gefahren wollte und mußte Ulbricht sich auf seiner Reise nach Prag schützen. Gegen sie muß aber auch die tschechische Regierung auf der Hut sein, die seit Monaten den innerstaatlichen Widerstand immer stärker zu spüren bekommt. Die Bekämpfung der zur Zeit noch in den Anfängen stehenden Partisanenbewegung war deshalb auch ein Hauptgegenstand der ostdeutschen-tschechoslowakischen Verhandlungen. Neben dem offiziell bekanntgegebenen Kulturabkommen, dem wissenschaftlichen und technischen Abkommen, das den Austausch von Gelehrten und Technikern beider Länder vorsieht, und dem Abkommen über einen tschechoslowakischen Kredit an Ostdeutschland zum Ankauf tschechischer Waren, wurde auch ein Geheimabkommen zur Bekämpfung von Staatsfeinden geschlossen. Nach diesem Abkommen sollen unverzüglich gemeinsame tschechoslowakisch-ostdeutsche Polizeiaktionen durchgeführt werden. Es ist vorgesehen, daß ein ähnliches Abkommen mit Polen geschlossen wird, da gute Gründe zu der Annahme bestehen, daß die Widerstandsbewegung in Polen bereits in Fühlung mit den Widerständlern in diesen Gebieten steht.

Ein Sicherheitsvertrag

Dieses Abkommen ist nach dem Bericht über die Prager Geheimkonferenz ein Sonderabkommen innerhalb eines militärischen Sicherheitsvertrages, der während des Prager Aufenthaltes von Ulbricht in seinen Grundzügen festgelegt wurde und demnächst in einem Militärabkommen zwischen Ostdeutschland, Tschechoslowakei Ungarn und Polen unterzeichnet werden soll. Der Sicherhedtsvertrag sieht eine gegenseitige Hilfeleistung im Kriegsfälle und bei Unruhen vor. Die vop der Tschechoslowakei zur Verfügung . gestellten Kredite sollen zum großen Teil zum Ankauf tschechischer Waffen für die Volkspolizei verwendet werden. Weiter wurde ein Operationsstab gebildet, der seinen Sitz in der Nähe von Kolin hat. Diesem Operationsstab sollen auch russische, ungarische und polnische Offiziere zugeteilt werden.

Das Bekanntwerden dieser Geheimverträge hat in Prag eine ungeheure Erregung hervorgerufen. Es ist zu erwarten, daß innerhalb des Staatsapparates eine Säuberungswelle einsetzen wird, da man vermutet, daß der Einfluß der Widerständler und Staatsfeinde bis in die' höchsten Amtsstellen reicht.

Kubinettsitzung in Bonn

Dr. Adenauer berichtet über die politische Lage

Bonn, 4. Juli, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer, der nach längerer Zeit wieder an einer Kabinettsitzung teilnahm, informierte am Dienstag die Regierungsmitglieder über die politische Lage. Dr. Adenauer ging in seinem Bericht auch auf die allgemeine politische Lage ein. wie sie sich aus der Entwicklung in Korea ergeben habe. Im Hinblick auf die durch die Verhältnisse in Korea geschaffene Entwicklung werde in Bonn eine ruhige Auffassung der Lage vertreten. Bei der deutschen Stellungnahme zur Londoner Konferenz über das Besatzungsstatut bedürfe die Frage der Prozedur noch einer Klärung. Es sei besser, den Gang der Entwicklung abzuwarten, „als mit einem Bukett von Forderungen zu kommen“.

Die Schumanplan-Verhandlungen werden als günstig beurteilt. Ueber die Kriegsfolgelasten habe es im Kabinett eine lange Diskussion gegeben. Die Bundesregierung vertrete die Auffassung, daß es unmöglich sei, bei der Lösung dieses Problems eine Gruppe gesondert zu betrachten. Eine Lösung sei nur unter Berücksichtigung aller Betroffenen .möglich. Die Regelung für den Personenkreis nach Artikel 131 des Grundgesetzes (heimatvertriebene Beamte und Berufssoldaten) werde zwar im Vorwege erledigt werden, aber doch auch im Hinblick auf eine Gesamtregelung.

Bundeskanzler Dr. Adenauer habe bei der Erörterung über den Brotpreis und die Fettsteuer nochmals unterstrichen, daß eine Erhöhung des Brotpreises vermieden werden müsse. Im Kabinett herrsche die Auffassung vor, daß eine Brotpreiserhöhung durch eine Verschiebung der Gewinnspanne verhindert werden könne.

Engler wil Einsprucdy erheben

Frankfurt, 4. Juli, (dpa) Der frühere hessische Ministerialrat Herbert Engler will gegen das von Kultusminister Dr. Stein erlassene Verbot zur Führung seiner Doktorgrade Einspruch erheben. Der Rechtsanwalt Englers, Dr. Reiners, teilte am Dienstag mit. Engler wolle vor dem Verwaltungsgericht in Kürze nachweisen, daß er seine Doktorgrade rechtmäßig erworben habe.

Schon 1933 und 1937 habe diese Angelegenheit die Frankfurter Gerichte beschäftigt. Die Verfahren hätten mit einem Freispruch Englers geendet. Aus einer vorliegenden eidesstattlichen Versicherung des damaligen Verteidigers, des Rechtsanwalts Grämlich, ergebe sich, daß dieser damals die Doktordiplome Englers dem Gericht vorgelegt habe. Außerdem sei die eidesstattliche Erklärung eines anderen Zeugen vorhanden, der diese Urkunden ebenfalls gesehen habe. Engler ist kürzlich auf Beschluß des hessischen Kabinetts entlassen worden, weil er falsche Angaben über seinen beruflichen und politischen Werdegang gemacht habe.

Gromykos Grklärung zu Koren

zz. Der stellvertretende sowjetische Außenminister Gromyko hat eine Erklärung zum Korea-Konflikt abgegeben. Auf die erste Ankündigung hin kamen sofort Gerüchte in Umlauf, die Sowjetunion habe den Westmächten ein Ultimatum gestellt, was zahlreiche Anrufe bei unserer Redaktion veranlaßte.

Die sowjetische Erklärung ist zwar in Ihrer Form sehr scharf, sie beschuldigt die Vereinigten Staaten als „Friedensfeind“ und „Angreifer“, stellt jedoch keineswegs ein Ultimatum dar. Sie zieht nur die Folgerung, die Vereinten Nationen würden ihre Verpflichtungen zur Aufrechterhaltung des Friedens nur dann abgeben, wenn der Sicherheitsrat die absolute Beendigung der amerikanischen militärischen Intervention und die sofortige Räumung'Koreas durch die amerikanischen Streitkräfte fordere.

In außerordentlich geschickter Dialektik sucht die Erklärung Gromykos darzutun, daß es sich bei den Kämpfen in Korea lediglich um eine „innere Angelegenheit“ des koreanischen Volkes handle, das seine Einheit wieder erlangen wolle. Jede Einmischung eines anderen Staates bedeute einen Eingriff, der unzulässig sei. Das koreanische Volk sei die Mißwirtschaft leid, die von der südkoreanischen Regierung betrieben worden sei. Der Angriff der nordkoreanischen Truppen sei zudem nur die Gegenwirkung auf südkoreanische Angriffe, zu denen die Amerikaner ermutigt hätten. In diesem Zusammenhang behauptet Gromyko, der südkoreanische Minister-- präsident habe am 19. Juni in Anwesenheit des Beraters des amerikanischen Außenministers, Foster Dulles, vor der Nationalversammlung erklärt, „wenn wir die Demokratie im kalten Krieg nicht schützen können, werden wir im heißen Krieg gewinnen“.

Es ist Sache der Amerikaner, festzustellen, inwieweit diese sowjetische Behauptung zutrifft. Was uns in Deutschland angeht, liegt klar auf der Hand. Wir dürfen an der Erkenntnis nicht vorübergehen, daß die russischen Methoden überall die gleichen sind. Von der Sowjetzone her betreiben sie seit langer Zeit dasselbe Spiel wie in Korea. Sie versuchen, unter den Parolen „Abzug der Besatzungstruppen“ und „Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands“ auch die Unterwerfung der Bundesrepublik unter ein bolschewistisches Regime vorzubereiten. Nach den Vorgängen in Korea sind die Aussichten der kommunistischen Drahtzieher noch geringer geworden, als sie es vorher waren. Dennoch muß man von den Besatzungsmächten erwarten, daß sie die bei uns stationierten Truppen nicht mehr als eine Sicherungsmaßnahme gegen das Wiederaufleben eines deutschen Militarismus ansehen, sondern als eine Sicherung der wehrlosen Bundesrepublik gegen später vielleicht einmal mögliche fremde Uebergriffe — auch dann, wenn solche Uebergriffe als die „Regelung innerer Angelegenheiten“ hingestellt werden sollten.

Sind Entschädigungsansprüche erblich?

Wichtige Fragen für Fliegergeschädigte

HZ Mainz, 3. Juli. (Eigener Bericht.) Auf einer Tagung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Fliegergeschädigten und Ausgebombten in Mainz wurde am Sonntag von über 200 Delegierten zum Lastenausgleich eine Resolution gefaßt, deren Bedeutung weit über den lokalen Charakter hinausgehen dürfte. Wir geben diese Resolution im Interesse sämtlicher Fliegergeschädigten nachstehend wieder:

1. Die Fliegergeschädigten verlangen, daß bei den Bonner Verhandlungen ihr Interesse mehr Berücksichtigung findet, da ihre Forderungen gerecht, sozial, vernünftig und realisierbar sind.

2. Der Zentralverband der Fliegergeschädigten muß mehr als seither zu den Beratungen in Bonn hinzugezogen werden.

3. Das Hauptamt für Soforthilfe muß auch als oberste Behörde für den künftigen Lastenausgleich seine volle Selbständigkeit und Unabhängigkeit behalten-

4. Die unverzügliche Einsetzung des Spruchsenats beim Hauptamt für Soforthilfe ist ein dringendes Gebot.

5. Dringend erforderlich ist die sofortige Inangriffnahme der Feststellung aller Kriegssachschäden, die detailliert nach den vorliegenden Anmeldungen zu erfolgen hat.

6. Reparations-, Montage-, Restitutions- und ähnliche Schäden haben mit dem Lastenausigleich nichts zu tun.

7. Die Geschädigten verlangen einen Rechtsanspruch und Klarheit über ihre Ansprüche, individuelle Entscheidung, unbedingte Berücksichtigung gerade auch der Kleinschäden und eine degressive Entschädigung der größeren und größten Schäden und da, wo rechtlich möglich, Vererbbarkeit der Ansprüche; eine Rentenabfindung nur für ältere und arbeitsunfähige Geschädigte, die Umwandlung von Kapitalansprüchen in Renten muß ermöglicht werden. Eingliederung der Geschädigten in die Wirtschaft ist erste Voraussetzung.

8. Gruppenausgleich (Post, Bahn usw.) wird abgelehnt.

9. Neben der Heranziehung des Vermögens der Nichtgeschädigten muß auch der Bund den Geschädigten gegenüber eine Verpflichtung übernehmen. Das werbende Vermögen der öffentlichen Hand und der Körperschaften des öffentlichen Rechts ist für die Lastenausgleichsabgabe heranzu. ziehen, ebenso das Vermögen juristischer Personen.

10. Die Belastung soll eine Substanzbelastung sein, eine Heranziehung der Großeinkommen bei Vermögenslosigkeit soll geprüft werden- Es bleibt zu überlegen, ob eine Vermögensfreigrenze zugelassen werden soll.

11. Bei der Feststellung des Vermögenszuwachses soll möglichst auf den 1. Januar 1935 zurüokgegriffen und als Endtermin insbesondere deshalb der 31. Dezember 1949 angesetzt werden, um die nach der Währungsreform eingetretenen Verluste der Wirtschaft zu berücksichtigen.

12. Unter Währungsschaden versteht der Landesverband nur die echten, auf normalem Wege entstandenen Sparguthaben; Rüstungsgewinne, Kriegs-, Hortungs- und Nutznießergewinne jeder Art sind restlos in den Lastenausglpich einzubeziehen.

13. Zur Beschleunigung der Verabschiedung des Lastenausgleichsgesetzes beabsichtigt der Landesverband eine sofortige Großaktion im ganzen Lande gerade auch deswegen, weil bedenkliche Bestrebungen festzustellen sind und weil nicht alle Anstrengungen gemacht zu werden scheinen, um eine gerechte und soziale Verteilung der Kriegslasten zu gewährleisten.

14. Sollte das Lastenausgleichgesetz gemäß der Zusage der Bundesregierung in diesem Jahr nicht verabschiedet werden können, dann fordern die Geschädigten Vorausleistungen etwa durch Verausgabung von Schuldverschreibungen.

Nicht am Rhein zu retten

Reuter zum Europaproblem

Flensburg, 4. Juli, (dpa) Der Berliner Oberbürgermeister Professor Ernst Reuter warnte am Montag vor der Vorstellung, daß Europa an den Ufern des Rheins gerettet werden kann. Das sei eine gefährliche Illussion. Jeder Deutsche, betonte Reuter in einer sozialdemokratischen Wahlversammlung in Flensburg, ist überzeugt, daß nur ein Zusammenwachsen Frankreichs und Deutschlands den Frieden sichern kann. Aber Europa geht nicht nur bis zur Elbe und nicht einmal nur bis zur - Neiße-Linie. Zu Europa gehören auch alle Länder, die durch sowjetische Annexionen ihre Freiheit verloren haben.

Letzte Telegramme

Neun Yerletzte

Remagen, 4. Juli (dpa) Auf dem Bahnhof Remagen ist eine Lokomotive auf den Nahschnellzug Köln-Ahrweiler aufgefahren. Neun Fahrgäste, die bei dem Zusammenstoß zum Teil schwere Prellungen und Schnittwunden erlitten, mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Verkehr auf der Durchgangsstrecke wurde nicht behindert.

Ingendlicher Bundenführer

Trier, 4. Juli (dpa). Das Trierer Schwurgericht fällte am Dienstag gegen eine dreiköpfige jugendliche Verbrecherbande, die Ende des vergangenen und zu Beginn dieses Jahres durch verwegene Raubüberfälle in Trier großes Aufsehen erregt hatte, das Urteil. Der Hauptangeklagte 20jährige Günther Freiberger aus Trier, der am 28. Februar nach mehreren heftigen Feuergefechten mit Polizeibeamten schwer verwundet in einem Ausflugslokal bei Trier festgenommen werden konnte, wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Entgegen dem Antrag des Staatsanwaltes, der auf 12 J.ahre Zuchthaus plädiert hatte, wurde von einer Sicherheitsverwahrung abgesehen.

Zwei große Brände

Berlin, 4. Juli (AP). Bei einem großen Brand in der Hauptwerkstatt Omnibus der Berliner Verkehrs-Gesellschaft in Treptow haben drei Arbeiter schwere Brandwunden erlitten; drei weitere Personen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die Karosseriebauhalle und zwei Omnibusse wurden schwer beschädigt. Die Ursache des Brandes ist bisher nicht bekannt.

Auf dem Gelände der Firma Fürstenberg in Berlin-Oberschöneweide sind mehrere Lagerschuppen, eine Klempnerwerkstatt und mehrere Fahrzeuge durch Feuer beschädigt worden. Auch in diesem Fall ist bisher nicht geklärt, welche Ursache der Brand hatte.

Von Volkepolizet erschossen

B-erlln, 4. Juli. (dpa). Bei dem Versuch, sich der Vollstreckung einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe durch Flucht zu entziehen, wurden nach einer Mitteilung der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit die Mitglieder der Freien Deutschen Jugend Hans Dieter Wolf, Erich Hennecke und Walter Schuhmann in Halle von Volkspolizisten niedergeschossen. Wie ein Vierter, der sich durch Sprung auf eine fahrende Straßenbahn retten konnte, nach seiner Flucht der Kampfgruppe berichtete, sind er Und seine Kameraden wegen angeblicher Agenten- und Spionagetätigkeit verurteilt worden. Sie hätten sich nicht verteidigen können.

Der Dauerpianist

München, 4. Juli (dpa). Um eine Stunde hat der Weltmeister im Dauerklavierspielen, Heinz Arntz, in München seinen bisherigen Rekord von 125 Stunden Überboten. Arntz war am Klavier verpflegt und rasiert worden und hatte sich täglich eine Stunde Ruhe gegönnt. Am meisten hatte ihm während seines Rekordversuches die große Hitze zu schaffen gemacht.

Unmetter über Oberammergn

Oberammergan, 4. Juli. (AP.) In den Nachmittagsstunden des Montag wurde der Passionsspielort Oberammergau von einem schweren Unwetter heimgesucht, das die auf offener Bühne abgehaltene Festspielaufführung zeitweise unmöglich machte.

Nach Mitteilung des Bürgermeisteramtes richtete der mit Hagelschlag verbundene Wolkenbruch erheblichen Flurschaden an und unterbrach vorübergehend die Telefonverbindung mit München.

Blitz in der Schnapsflasche

Stockholm, 4. Juli, (dpa) Während eines Gewitters soll man keinen Schnaps trinken. Das erfuhr ein schwedischer Bauer, der dieser Tage während eines kräftigen Unwetters in der Stube saß und zur Seelenstärkung einen kräftigen Schluck nehmen wollte. Gerade in diesem« Augenblick zerschlug ihm der Blitz die Flasche am Munde in tausend kleine Stücke. Der Mann fiel zunächst betäubt zu Boden, erholte sich aber nach einer Weile von dem ausgestandenen Schrecken.

Der Krakataun ist tätig

’ Jakarta, 4. Juli (AP). In vier aufeinanderfolgenden Eruptionen hat der Krakatau-Vulkan Gesteins- und Erdmassen 800 Meter hoch in die Luft geschleudert.

Durch eine Flutwelle, die dem Ausbruch des Vulkans im Jahre 1883 folgte, waren damals 36 000 Indonesier ums Leben gekommen, und der größte Teil der Vulkan-Insel war in den Meeresfluten verschwunden. Durch zahlreiche kleinere Eruptionen ist in den letzten zwanzig Jahren jedoch eine neue Vulkan-Insel entstanden.

Julias Bett

V Rom, im Juli. (Eigener Bericht.) Romeo und Julia, das unsterbliche Liebespaar, ist in Italien wieder in aller Munde. Eine Osteria in der Nähe von Vicenza war bisher stolz darauf, das Bett der Julia zu besitzen und den Fremden zu zeigen. Es stand in der Mitte eines Zimmers, — eines jener mittelalterlichen Betten, die man bei den Antiquaren, da sie nicht gerade echt sind, in Serien findet. Eine Gruppe von Studenten hat es nun aus der Osteria geraubt und in ihre Heimatstadt Verona entführt. Die Polizei hat dort bisher vergeblich nach ihm gesucht. Nun fürchtet man in Verona die Rache derer von Vicenza. Ein Korrespondent verbreitete sogar, daß sich der Bürgermeister von Verona durch eine elektrische Anlage mit dem Grab der Julia, das eine Sehenswürdigkeit der Stadt ist, habe verbinden lassen, um jeden Entführungsversuch auf der Stelle zu erkennen. Die Nachricht war indes übertrieben. Denn es dürfte schwer fallen, das Steingrab fortzutragen. Irgendetwas aber werden die Leute von Vicenza unternehmen müssen, um Vendetta zu üben und ihre angeschlagene Ehre wiederherzustellen. Was es sein mag, darauf wird mit Spannung gewartet.

Der Wahlgesetz-Entumrf

Von der hessischen Regierung vorgelegt

Wi^baden^ 4 Juli. (LH.) Das Innenministerium hat im Einvernehmen mit dem Kabinett am Dienstag in Wiesbaden den 45 Paragraphen umfassenden Entwurf für ein neues hessisches Wahlgesetz der Presse übergeben.

Der Entwurf sieht vor. daß der Landtag anstelle von bisher neunzig Abgeordneten nur noch aus achtzig zusammengesetzt werden soll. Diese sollen zu sechzig Prozent durch direkte Wahl in achtundvierzig Wahlkreises und zu vierzig Prozent aus sogenannten Landesergänzungsvorschlägen nach dem D'Hondt-Höchstzahlverfahren ermittelt werden. Die Kreiswahlvorschläge für die direkt zu wählenden Kandidaten sollen von einem Prozent der Wahlberechtigten, mindestens aber von fünfhundert Wählern des Wahlkreises eigenhändig unterschrieben fysein. Kandidaten von Parteien, die bereits im Landtag vertreten sind, sollen nur die Unterschrift von drei. Mitgliedern der Parteilar^desleitung benötigen.

Landesergänzungsvorschläge sollen nur die Parteien und Gruppen einreichen können, die in allen Wahlkreisen des Landes Kandidaten aufgestellt haben. Die Verbindung von Wahlvorschlägen mehrerer Parteien oder Gruppen soll nicht gestattet sein. Parteien und Gruppen, die weniger als fünf Prozent aller im Lande abgegebenen Stimmen erhalten, sollen bei der Zuteilung von Mandaten aus den Landesergänzungsvorschlägen nicht berücksichtigt werden.

Der jetzt veröffentlichte Entwurf hatte nach Mitteilung parlamentarischer Kreise bereits vor längerer Zeit das Einverständnis der führenden sozialdemokratischen und christlich-demokratischen Politiker des Landes gefunden. Die beabsichtigte Einreichung des Gesetzentwurfs als gemeinsame Vorlage der beiden Landtagsfraktionen im Parlament wurde jedoch unterlassen, weil am Montag dieser Woche von der Sozialdemokratie zwei wesentliche Veränderungswünsche angemeldet wurden. Sie fordert nunmehr, daß für die Einbringung von Kreiswahlvorschlägen 100 bis höchstens 250 Unterschriften genügen sollen. Außerdem wünscht sie, daß auch die überschießenden Stimmen der Siegerkandidaten in den einzelnen Wahlkreisen auf der Landesliste zum Zuge kommen, während der jetzt veröffentlichte Regierungsentwurf vorsieht, daß für die Verteilung der Sitze aus den Landesergänzungsvorschlägen nur die in den Wahlkreisen „für die erfolgreichen Bewerber“ jeder Partei oder Wählergruppe abgegebenen Stimmen zusammengezählt werden sollen.

Deutsche Wählergemeinschaft

„Ja“ zur Verfassungs-Aenderung

Frankfurt, 4. Juli (dpa) Die Deutsche Wählergesellschaft hat in einem Aufruf die hessische Bevölkerung aufgefordert, bei der Volksabstimmung über die Verfassungsänderung am 9. Juli mit „Ja" zu stimmen. Wer sich der Stimme enthalte, verzichte auf echte Demokratie. Wer gegen die Verfassungsänderung stimme, fördere die dunklen Geschäfte radikaler und reaktionärer Splitterparteien.

Mit weit mehr als 10 000 Unterschriften hessischer Wahlberechtigter hätte die Deutsche Wählergesellschaft Regierung und Landtag zu diesem ersten Schritt demokratischer Erneuerung veranlaßt. Jetzt komme es darauf an, den Zweiflern und Unentschlossenen durch das Abstimmungsergebnis zu beweisen, daß das hessische Volk die Verhältnls- und Listenwahl ablehne.

Um die Lerumittelfreiheit in Hessen

Die staatlichen Mittel reichen nicht aus

H. G. R. Wiesbaden, 4. Juli. (Eigener Bericht.) Der Haushaltsausschuß des hessischen Landtages berät zur Zeit Fragen der Schülermeßzahl und die Beiträge der Regierung für Berufsschulen.

Ein schwieriges, gegenwärtig stark bekämpftes Feld ist die Lernmittelfreiheit. Man scheint sich seinerzeit im hessischen Landtag übernommen zu haben, als man die allgemeine Lernmittelfreiheit verfassungsmäßig verankerte. Der gute Wille allein tut es nicht, Geld ist die Seele Vieler Dinge. Es fehlen praktisch die Mittel, sie restlos durchzuführen; denn man beziffert die Kosten für eine totale Lernmittelfreiheit in Hessen auf etwa 20 bis 21 Millionen Mark. Die zwei Millionen, die man seither zur Verfügung hatte, sind demgegenüber nur ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Und auch die Tatsache, daß man wenigstens die Lernmittel für die Hochschulen nicht auch noch übernommen hat, ist nur ein schlechter Trost. Zwar kann sich der Kultusminister auf Paragraph 2, Absatz 2 seiner Durchführungsverordnung zur Lernmittelfreiheit vom 12. Juli 1949 berufen. Es heißt darin: „Die Lernmittelfreiheit schließt nicht aus, daß die Lernmittel von den Schülern oder von denjenigen, die für sie unterhaltspflichtig sind oder für ihre Person zu sorgen haben, auf ihre eigenen Kosten erworben werden.“ Der Kultusminister hat durch Erlaß vom 5. April 1950 die Eltern erneut auf diese Ausweichmöglichkeiten hinweisen lassen.

Aber gerade das bestätigt doch die Tatsache, daß hier die Verfassung fast außer Kurs gesetzt erscheint, und daß der Kultusminister die Verantwortung zu tragen hat für eine Maßnahme, die der Finanzminister nicht durchführet! kann. ■

Hessische Kurznachrichten

Nach einer Mitteilung des Hessischen Statistischen Landesamtes wurden nach den vorläufigen Ergebnissen in Hessen bis zum 1. April 1950 706 905 Rundfunkgenehmigungen und 1630 Zusatz-Genehmigungen erteilt, gegenüber 515 703 bis zum 1. 4. 1939. Die Zunahme gegenüber 1939 beträgt 37 Prozent. Auf je 1000 Einwohner entfallen in Hessen 163 Rundfunkgenehmigungen (148 im Jahre 1939). Die Zahl der Rundfunkanlagen ist am größten in den Kreisen Wiesbaden (249 Genehmigungen pro 1000 Einwohner). Hanau-Stadt (E 36 Offenbach-Stadt (234), Darmstadt-Stadt (230), Groß-Gerau (229), Frankfurt/M. (227). Alsfeld (220), Obertaunus (216), Gießen-Stadt (213), Kassel-Stadt (202).

In Kreisen der hessischen christlichen Demokraten ist men darüber erstaunt, daß die Sozialdemokratische Partei auf ihrer Tagung in. Marbach sachliche Aenderungen des Walhlgesetzentwurfes forderte, nachdem bei den Partei- und Fraktionsvorständen der Sozialdemokraten und christlichen Demokraten bereits Einigkeit über den Referenten-Entwurf zum Wahlgesetz bestanden habe. Man nimmt an, daß die neuen Forderungen der Sozialdemokratie auf parteitaktische Gründe zurückzuführen sind, und meint, daß man damit eine Zersplitterung der Bürgerlichen Parteien erstrebe.

* * * Der Spruchausschuß Berlin-Spandau hat es abgelehnt, eine Entscheidung der Spruchkammer Fulda vom November 1948 anzuerkennen. Die Fuldaer Kammer hatte damals den ehemaligen Berliner NS-Gaujuristenführer Dr. Wolfgang Zarnack als Mitläufer eingestuft. Im Wiederaufnahmeverfahren ergaben sich so schwere Belastungen Zarnacks, daß der Spruchausschuß sich vorbehielt, die Akten an die Staatsanwaltschaft zur Einleitung eines Verfahrens wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit weiterzuleiten.

Eine Erklärung Marin Sevenichs

Hannover, 4. Juli. (dpa). Frau Maria Sevenich erklärt zu dem von der Bundesregierung angejcündigten Strafantrag, daß sie sich in der vom Bundeskabinett kritisierten Rede auf das OEEC-Memorandum der Bundesregierung vom 15. Dezember vergangenen Jahres bezogen habe. Der entscheidende Satz dieses Memorandums laute wörtlich: „Soll das innere Gleichgewicht und die Stabilität der westdeutschen Wirtschaft nicht gefährdet werden, so ist eine Erwerbslosigkeit in dem oben skizierten Sinn nicht vermeidbar.“ Die Worte „in dem oben skizzierten Sinn“ bezögen sich auf die vorangegangene Angabe von 1,7 Millionen Erwerbslosen. Die Absicht der Bundesregierung, sie wegen dieses Zitats strafrechtlich zu verfolgen, komme ihrem Wunsche nach weitgehender Aufklärung des deutschen Volkes über die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung nur entgegen. Sie habe im Niedersächsischen Landtag die Aufhebung ihrer Immunität beantragt.

Sozialuersicherung im Umbruch

Im folgenden nimmt Dr. med. Richard Hammer, Darmstadt, Mitglied des Bundestages, zur , Frage der Selbstverwaltung der Sozialversicherung Stellung. Wir veröffentlichen diese Ausführungen als Diskussionsbeitrag, ohne selbst dazu Stellung zu nehmen.

In wenigen Tagen wird eines der für die politische Entwicklung Deutschlands bedeutsamsten Gesetze den sozialpolitischen Ausschuß des Bundestages durchlaufen haben. Das Gesetz über die Wiederherstellung der Ehrenämter und die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung ist durch die Beschlußfassung des Ausschusses zur zweiten und dritten Lesung durch den Bundestag reif geworden. Damit wird eine bereits vom Wirtschaftsrat begonnene, aber nicht mehr durchgeführte Arbeit einem guten Ende zugeführt werden: die Entpolitisierung der deutschen Sozialversicherung.

Daß vom Tage der sogenannten Machtübernahme durch die Nationalsozialisten an bis zum schrecklichen Ende des zweiten Weltkrieges die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung aufgehört hatte, und daß an Stelle der von gewählten Vertretern der Versicherten und ihrer Arbeitgeber kontrollierten Geschäftsführer allenfalls mit Beiräten umgebene Kommissare — in der Regel Parteibuchbesitzer — die Geschicke der Versicherten und die Verwendung der aufgebrachten Mittel bestritten, ist der Bevölkerung bekannt. Daß von 1945 an bis zum heutigen Tage darin keine grundlegende oder wesentliche Änderung eingetreten ist, ist ihr leider weitgehend unbekannt geblieben. Die Verhältnisse der Nachkriegszeit, die Tendenzen der Denazifizierungsgesetze, die Duldung dieser Vorgänge durch die Besatzungsmacht brachten es mit sich, daß das Jahr 1945 nicht eine Wiederherstellung der zerstörten Selbstverwaltung und ein Erwachen des genossenschaftlichen Lebens mit sich brachte, sondern eigentlich nur einen Austausch der Parteibücher. Ehe Christian Stock Ministerpräsident des Landes Hessen wurde, war er Präsident der Landes-Versicherungsanstalt des Landes^ Hessen geworden.

Dem Entwurf der Bundesregierung hat die sozialdemokratische Opposition einen Gegenentwurf (Drucksache Nr. 248) entgegengestellt, der die alten Machtverhältnisse außer anderen Bestimmungen durch die Zusammensetzung der Organe zu retten versucht.

Der Regierungsentwurf sieht mit Ausnahme der Gewerkschaftsversicherung eine Zusammensetzung der Organe so vor, daß sie je zur Hälfte aus Vertretern der Versicherten und aus Vertretern ihrer Arbeitgeber bestehen. Zur Rechtfertigung dieser Maßnahme greift man weniger auf den Tatbestand der zu gleichen Teilen aufgebrachten Beiträge zurück als auf die Notwendigkeit, den Arbeitgeber in der'Verpflichtung für das Schicksal seiner Arbeitnehmer im Alter, Not und Krankheit zu halten. Der Entwurf der sozialdemokratischen Opposition verlangt die Zusammensetzung der Organe zu zwei Dritteln aus Vertretern der Arbeitnehmer und zu einem Drittel aus denen der Arbietgeber. Damit würden die Machtverhältnisse der letzten Jahre im wesentlichen bestehen blieben, da in der Regel mit von der Einheitsgewerkschaft eingereichten Wahlvorschlägen zu rechnen ist.

Da mit einem Einspruch des Bundesrates zu rechnen ist, wird das Gesetz zur Verabschiedung im Bundestag einer qualifizierten Mehrheit, bedürfen. Es wird sie unschwer erhalten, da die Mitglieder der Bonner Koalition von zweierlei unbedingt überzeugt sind: Sozialversicherung und soziale Hilfe überhaupt ist eine Aufgabe, die mit Parteipolitik nichts zu tun haben darf, insbesondere Kranken- und Altershilfe durch Sach- und Rentenleistungen kann nur durch einen personellen Aufbau der Versicherungsträger aus qualifizierten Fachbeamten und nicht aus Parteipfründnern gewährleistet werden. Die Anlage von Deckungskapitalien und Rücklagen muß ohne Rücksicht auf politisch gefärbte Wirtschaftstheorien einzig und allein unter dem Gesichtspunkt des Ertrages und der Sicherung erfolgen. Demokratie ist nicht unter allen Gese'llschafts- und Wirtschaftsformen durchzuführen. Sie ist dort sicher ohne Bestand, wo die Beherrschung eines großen Apparates mit unmäßiger Kapital- und Personalmacht einer einzigen Partei im Staate Hausmachtpositionen einräumt, die zur Vorherrschaft führen. Die sogenannte Hälftelung in der Sozialversicherung wird das verhindern. Da keine der in den Organen vertretenen Parteien die Möglichkeit zur Majorisierung der andern hat, wird das Wohl der Versicherten im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften der Inhalt ihrer gemeinsamen Arbeit werden.

Sprechstunde bei Dr. von Brentano

Kriegs- und Fliegergeschädigte bringen ihm Wünsche vor

Heppenheim, 4. Juli. In der letzten Sprechstunde des Fraktionsvorsitzenden der Christlich-Demokratischen Union und Abgeordneten des Kreises Bergstraße im Bundestag, Dr. von Brentano, sprachen über 35 Einzelpersonen und Vertreter von Verbänden vor. Unter anderen der Kreisvorstand des Verbandes der „Kriegsopfer, der 1. Kreisvorsitzende Seeger und der 2. Kreisvorsitzende Geiß mit zwei weiteren Mitgliedern des Kreisvorstandes. Der Vorstand übergab eine Aufstellung der Wünsche über die Gestaltung des neuen Versorgungsgesetzes. Besonders eingehend erkundigte sich Dr. von Brentano nach der Ansicht des Verbandes über die Gewährung von Renten für geringere Körperschäden, da nach seiner Ansicht alle Härten vermieden werden müßten. Unter dem Hinweis auf die gespannte finanzielle Lage des Bundes vertrat Dr. von Brentano die Ansicht, daß unter Umständen eine Senkung der Besatzungskosten zugunsten der Schwerkriegsbeschädigten erreicht werden müsse. Die Besprechung zeigte, daß die Ansichten des Fraktionsvorsitzenden mit den Wünschen des Verbandes weitgehend übereinstimmten. Beide Partner waren über die. Aussprache vollkommen befriedigt.

Außerdem sprach der Kreisvorsitzende des Fliegergeschädigtenverbandes, Herr Bote, vor. Er regte eine Intervention des Fraktionsvorsitzenden Dr. von Brentano, der selbst; Fliegergeschädigter ist, an, damit eine stärkere Berücksichtigung dieser Geschädigtengruppe erreicht würde. Neben dem Lastenausgleich, dessen Verabschiedung Dr. von Brentano für den Herbst dieses Jahres zusagte, wurden Fragen der Soforthilfe besprochen.

Mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden wurden unter anderem der Gesetzentwurf der Fraktion über das Mitbestimmungsrecht besprochen.

Der letzte Hinweis über die Unterstützung des Abgeordneten des Kreises Bergstraße im Bundestag, Dr. von Brentano, durch den Bundestagsabgeordneten Dr. Götz ist vielfach mißverstanden worden. Der Abgeordnete Dr. Götz wird lediglich die Sprechstunden in den einzelnen Gemeinden des Kreises übernehmen. Dr. von Brentano steht nach wie vor zu Sprechstunden auf seinem Sekretariat in Heppenheim an bestimmten Tagen zur Verfügung. Anmeldung ist jedoch unbedingt erforderlich.

Für verstärkte Länderpolizei

R. Bonn, 4. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Zur Frage der Bundespolizei wurde aus Kreisen der französischen Oberkommission erklärt, man glaube nicht, daß die zu einer Bundespolizei notwendige Veränderung des Grundgesetzes und die Einstimmigkeit der Oberkommission erreicht werden würde. Frankreich könne schon aus Rücksicht auf die öffentliche Meinung einer Bundespolizei nicht zustimmen. Dagegen werde man auf französischer Seite keine Bedenken gegen eine Verstärkung der Polizei in den Ländern haben, wobei dann die Polizei eines Landes auch außerhalb des Landesgebietes verwandt und dem Kanzler zur Verfügung gestellt werden könnte.

Die in Deutschland stationierten Ameri¬ kaner haben am Dienstag den Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gefeiert.

Der Rundfunk am Mittmoch

Radio Frankfurt: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik tim Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 14.00 Kleines Solistenkonzert; 15.20 Ein Ständchen für die Hausfrau; 18.20 Mach dir's bequem; 20.00 „Rigoletto“, 22.15 Naturgeschichte des Schlagers; 23.15 Moderne Schlager.

Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.15 Konzertstunde; 17.15 Kleines Orchesterkonzert; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 „Der arme Heinrich“; 20.45 Orchesterkonzert; 22.00 Tanzmusik; 23.00 Konradin Kreutzer; 0.05 Jazz im Funk.

Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde; 17.15 Solistenkonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Scheinwerfer auf; 21.00 Das Prisma; 22.30 Orgelmusik; 23.15 Schlager der Woche; 0.10 Tanz und Sweetmusik aus Amerika.

NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Beliebte Operettenmelodien; 15.40 Amerikanische Volkslieder; 16.15 Film aus aller Welt; 17.10 Lieder von Gustav Mahler; 18.05 Musik zum Feierabend; 18.30 Melodische Rhythmen; 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattensbhrank; 21.00 Johann Sebastian Bach; 22.45 Das große Hamburger Rundfunk-Orchester; 23.00 Kurt Wege spielt; 0.05 Berlin am Mikrofon.

Grebietsweise wolkig

Zwischen Hochdruckgebieten über dem Mittelmeer und Skandinavien bettet sich eine Störungszone ein. die das sehr warme Süddeutschland (30 bis 35 Grad) von dem ziemlich kühlen Norddeutschland scheidet. Die Grenzzone verlagert sich nur langsam und etwas abgeschwächt in südlicher Richtung.

Aussichten: Anfangs noch überwiegend heiter, gebietsweise wolkig, vereinzelt Gewitter. Von Nordwesten her langsam beginnende Abkühlung.

Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION

Einen Augenblick später war Margaret Rose dabei, Miss Crawford die ganzen Gespenstergeschichten und die Sagen von Piraten und Ungeheuern zu erzählen, die sie irgendwo erzählt bekommen hatte und die sich ihr unverrückbar in das Gehirn eingruben. Sie blätterte in ihrem Bilderbuch zurück. Sie überschlug die Seiten, auf denen brave Märchenfiguren abgebildet waren und Prinzessinnen mit Krönchen und schönen weißen Kleidern. Aber sie blieb begeistert bei den Bildern, die ihrer lebhaften Phantasie entsprachen. Es durfte einfach nichts langweilig sein. Was sie nicht schon alles wußte!

Vielleicht hing es damit zusammen, daß Margaret Rose in einer stürmischen Augustnacht des Jahres 1930 auf jenem Glamis-Castle zur Welt kam, wo nach der Legende König Duncan von Macbeth ermordet wurde. Das dunkle Gemäuer von Glamis-Castle hatte vielleicht die Seele des kleinen Mädchens ebenso verzaubert wie die Dudelsackpfeifen, mit denen man am nächsten Tag ihre Geburt begrüßte, die Heiterkeit, die Fröhlichkeit in ihr Herz senkten.

So wie diese erste Begegnung mit Margaret Rose war auch der ganze weitere Verlauf dieses Zusammenseins mit dieser Prinzessin, die so ganz anders war, als Miss Crawford es sich wohl vorgestellt hatte. Es war nicht ganz leicht, mit Margaret Rose in eine vernünftige Schulstunde hineinzukommen, denn sie hatte immer irgendeine Geschichte ausgedacht, zu der sie eine Erklärung haben wollte. Sie .besann sich auf einen merkwürdigen Vorfall aus der Vergangenheit des englischen Königshauses, wozu sie eine Erklärung wünschte. Und immer wieder tauchten gefährliche Seeräuber und Piraten, Ungeheuer und Drachen in den phantastischen Geschichten dieses Mädchens auf. Und wenn gar nicht anderes zu finden war, um den Beginn der Schulstunden hinauszuzögern, dann erzählte Margaret Rose von ihren Träumen.

„Hören Sie, Crawfle, ich habe wieder etwas ganz Wundervolles geträumt. Ich konnte fliegen. Ich flog ganz wundervoll. Ich schwebte über Glamis-Castle und über Windsor-Castle hinweg. Tief unter mir waren meine Mutter und Oma Mary. Es war wunderschön, wie ich ihnen aus der Höhe zuwinken konnte. Aber ich flog gar nicht allein. Ich hatte ein Auto und einen Chauffeur bei mir. Und wissen Sie, Crawfle, wer der Chauffeur war? Mein Onkel Eduard; Eduard, von dem wir hier nicht sprechen 5011en...“

Und mit ihren lustigen, etwas spitzbübischen Augen beobachtete sie Miss Crawford, genannt Crawfle, und überlegte wohl, wie sich Crawfle aus der Situation ziehen werde.

Konnte man einem so kleinen Mädchen schon einen Traum erklären? Crawfle zog es vor, den Mund zu halten und doch lieber über Geographie und Geschichte mit dem Mädchen zu sprechen und das zu vergessen, was dieser Traum verriet: nämlich die erste Rebellion des Prinzenkindes gegen die Autorität und die engen Fesseln, die Margaret Rose wohl schon von Seiten der Großmutter, der würdigen Queen Mary, und der eigenen Mutter, die nun auf einmal so würdig und nach außen hin so ernst geworden war, fühlte. Doch nach und nach gelang es Miss

Crawford, in das übersprudelnde Temperament Margaret Roses jene Alltagsdisziplin hineinzubringen, die nötig ist, wenn man kleinen Mädchen Geschichte, Geographie, Literatur und wenigstens drei europäische Sprachen beibringen soll. Und außerdem stand auf dem Lehrplan auch noch Musik. Das behagte Margaret Rose am meisten. Sie war — wie Lady Strathmore bestätigen konnte — mit einem unwahrscheinlich guten musikalischen Gehör zur Welt gekommen. Das zeigte sich auch, als sie schon als Vierjährige daran ging, die Menschen ihrer Umgebung nachzuahmen. Ihre Talente auf diesem Gebiet gingen so weit, daß ein sehr würdiger Lord, der Margaret Rose einmal unbemerkt beim Spiel beobachtete, nachher seinem Freund zuflüsterte:

„Diese Margaret Rose wäre bestimmt Schauspielerin geworden, wenn sie als gewöhnliche sterbliche Engländerin' zur Welt gekommen wäre...“

Aber das war sie ja nicht. Sie war Prinzessin. Und als Onkel Eduard VIII. zum Herzog von Windsor wurde, nachdem er der Krone und dem Thron entsagt hatte, war Margaret Rose gaijz plötzlich nach vorn auf die Bühne dbr Geschichte gerückt. Und alle Scheinwerfer der englischen öffentlichen Meinung richteten sich — auch auf sie. Freilich stand Elisabeth, ihre Schwester, ihre über alles geliebte Lilibet, vor ihr. Aber damals, als Lilibet noch nicht verheiratet war, als der kleine Charlie noch nicht geboren war, rechnete man teils amüsiert, teils sorgenvoll an fünf Fingern einer Hand aus, daß dieser kleine Rebell — Margaret Rose — gegen die Tradition eines Tages auf den englischen Thron kommen könnte, wenn Ihrer Schwester Elisabeth als Kronprinzessin ein Unheil zustieße.

Alle, die davon wußten, daß sie in den Bilderbüchern die Ungeheuer und in den Geschichten die Piraten und die Seeräuber großen Stils bevorzugte, atmeten auf, als immer klarer wurde, daß Margaret Rose doch wohl nicht als Ersatz-Thronfolgerin in Frage käme. Im englischen Oberhaus hat jemand eine Unterhaltung zwischen uralten Vertretern des englischen Adels mitangehört, die einander zuflüsterten:

„Ein Glück, daß Margaret Rose nicht Königin werden kann!“

„Es wäre nicht auszudenken. Sie kommt in jedem Charakterzug auf ihren Onkel Eduard!“

Nein, sie würde nicht Königin werden; aber das entband sie nicht von der Notwendigkeit, sich zu einer stilgerechten Prinzessin erziehen zu lassen. Das war eigentlich schon Opfer genug.

Mancher wird glauben, daß es doch in einer so angenehmen Umgebung, wie vermutlich ein königlicher Haushalt ist, gar nicht so schwer sein könnte, das bißchen Disziplin zu halten, um das man nun einmal im Leben und vor allem in einem königlichen Palast nicht herumkommt. Doch man muß, wenn alles gutgehen soll, schon mit einer farblosen Seele auf die Welt kommen. Und das war weder bei Elisabeth noch bei Margaret Rose der Fall gewesen. Denn wenn Mummy, wie die Kinder ihre Mutter, die Königin, nach wie vor nannten, jetzt auf einmal würdig und ernst war, dann war sie doch früher ganz anders gewesen. Und Margaret Rose besann sich noch darauf. Und Lady Strathmore, die Großmutter, hatte wohl alles vergessen — von damals, als sie selbst einmal jung gewesen war.

Doch Margaret Rose fühlte das Temperament der Ahnen — von mütterlicher und von väterlicher Seite, ob nun eine Generation übersprungen wurde oder nicht, in ihren Adern. Und wenn Lilibet, die Schwester, nicht gerade auf Kronprinzessin zurechtgemacht wurde, dann gelang es Margaret Rose sogar, das gleiche Temperament in Elisabeth zu wecken.

„Was ich mit diesen Kindern nicht alles erlebt habe: Ich hatte mich eines Mittags zu Beginn der französischen Stunde etwas verspätet. Als ich über den Flur kam, hörte ich einen furchtbaren Lärm. Und als ich das Klassenzimmer betrat, in dem wir unsere Schulstunden abhielten, da saß Elisabeth erhitzt, mit hochrotem Kopf und ernstem Gesicht, auf der Bank. .Und auf der anderen Bank saß

auch Margaret Rose. Aber Elisabeth hatte ein Tintenfaß oben auf dem Kopf — ein volles Tintenfaß, das . offenbar Margaret Rose über den Kopf der Kronprinzessin Lilibet umgestülpt und damit ausgeleert hatte. Und die Tinte rann in großen, dickflüssigen Tropfen durch das Haar, über den Hals, in das Kleid hinein, und Lilibet saß da — mit dem Tintenfaß auf dem Kopf und rührte sich nicht und schaute nur in Erwartung dessen, was ich wohl sagen könnte, zu mir herüber,.(Fortsetzung folgt.)


Margaret Rose besucht eine Sonntagsschule
Margaret Rose besucht eine Sonntagsschule

Feuilleton

Das Schloß der Ghaznawiden

Orient, Wunder und Märchen, irgendwie gehören sie euch heute noch für tms zusammen, ein Erbe vermutlich der unvergänglichen „Geschichten der tausend und einen Nacht." Die Wirklichkeit allerdings sieht anders aus. „Wunder und Märchen" erleben im Orient nur noch die Archäologen.

Als kürzlich der neu ernannte Direktor der „Delegation Archeologique Fran?aise en Afghanistan" von der Zitadelle der afghanischen Stadt Qala i Bust seinen Feldsteche? nach Norden richtete, ereignete sich ein solches „Wunder." Die Ruinen, die sein Glas einfing, waren nicht ganz unbekannt, aber sie galten als ziemlich neu, deswegen hatte,sie niemand näher untersucht. Dem geschulten Blick Daniel Schlumbergers war, als er das riesige Ruinenfeld sah, sofort klar, daß in diesem Gebiet, das seit Jahrhunderten verödet ist, unmöglich Bauten von solchen Ausmaßen in jüngerer Zeit errichtet sein konnten. Sie mußten aus einer Zeit stammen, in der das heute vom Wüstensand begrabene Land durch künstliche Bewässerung fruchtbar gemacht war, d. h. sie mußten mittelalterlich sein.

Eine nähere Untersuchung zeigte, daß es sich um drei Paläste handelte, die von kleineren Anlagen, Villen und Landhäusern und ummauerten Parks umgeben waren. Von Bust an zogen sich die Ruinen am Ufer des Hilmend bis zu ihnen hinaus. Wo heute ein armseliger Flecken am Rande der Wüste sein Dasein fristet, lag also einst eine große Stadt inmitten blühender Gärten, eine Stadt, deren Vororte sich kilometerweit erstreckten bis zu einem Palastbezirk, wie er in dieser Großartigkeit bisher nur aus der Kalifenresidenz Samarra im Zweistromland bekannt war.

Der größte der drei Paläste, der im Süden auf dem Steilufer des Flusses liegt, mißt nicht weniger als 500 zu 270 m. Er ist von einer mit Rundtürmen besetzten Mauer Umschlossen. Durch eine gewölbte Halle von kreuzförmigem Grundriß kommt man in einen rechteckigen Hof von beinahe 200 in Tiefe. An seiner gegenüberliegenden Seite öffnet sich eine ähnliche Bogenhalle, die in einen quadratischen Thronsaal führt. Hinter diesem liegt eine weitere Halle, von der aus man einen großartigen Blick auf den Fluß und die Hamum-Niederung hat. Die Wohnräume, der Harem, die jeweils um einen eigenen kleineren Innenhof angeordnet sind, liegen in den vier Ecken der Umfassungsmauer. Obwohl der Palast aus ungebrannten Ziegeln gebaut ist, ist sein Erhaltungszustand überraschend gut. Sogar Reste der einstigen Wandverkleidung aus geschnittenem Stuck und Malereien konnten geborgen werden. Ihr Stil weist in das 11. Jahrhundert n. Ohr.

Damit ist die Frage, wer der Bauherr war, beantwortet. Bust war neben Ghazni eine der beiden Residenzen Sultan Mahmuds, der um die Wende des ersten Jahrtausends n. Chr. große Teile Persiens und Indiens eroberte. Hier kam die ungeheure Beute zusammen, die er von 17 Feldzügen mitbrachte, hier fanden die Feste statt, bei denen Firdusi, der größte Dichter Persiens, die Gesänge seines Schahname vortrug, und hier veranstaltete der zweite Herrscher des Ghaznawidenhauses Masud die großen Treibjagden, von denen die persischen Geschichtsschreiber berichten- Sogar der alte Name hat sich erhalten, denn das „Laschkargah" (Stadt der Soldaten) der Quellen ist in „Laschkari-Bazar", dem heutigen Namen der Ruinen, unschwer zu erkennen.

Kaum 50 Jahre dauerte die Glanzzeit des Ghaznawiden-Reiches. Die Paläste von Laschkargah mögen noch bis in das 12. Jahrhundert bewohnt gewesen sein, spätestens seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts sind sie verlassen, verlassen und vergessen, bis säe die Wünschelrute eines Archäologen entdeckte . . . die großartigste Residenzanlage, die wir aus dem mittelalterlichen Persien besitzen.

Kurt Erdmann-


Foto nach Illustrated London News
Foto nach Illustrated London News

Notizen

Die Vereinigung „Freunde der Universität Mainz“ veranstaltet in Bad Dürkheim am 8. Juli 1950 ihr erstes Treffen. 15 Uhr Abfahrt mit Omnibus ab Kurhaus Bad Dürkheim nach der Limburg und dort Führung auf der Limburg durch Prof. Dr. Friedr. Gerke. Johs.-Gutenberg-Universität Mainz. 17 Uhr spricht Prof. Dr. Heinrich Kliewe, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, über „Die gesundheitliche Bedeutung des Weines“. 17.30 Uhr referiert Obermedizinalrat Dr. Federschmitt in Bad-Dürkheim über „Die Quellen in Bad-Dürkheim“. Ab 18 Uhr geselliges Beisammensein im Kurhaus.

Cäcilienchor Beuel singt Pauliner Orgel¬ mcsse. Der 70 Männer starke Cäcilienchor aus Beuel, singt am 16. Juli in der Pfarrkirche in Rüdesheim während des Hochamtes die Pauliner Messe von Schröder. Der Komponist wirkt als Lehrer für Chorgesang an der Musikhochschule in Köln. hr.

Direktor Hans Parthier zum Ehrendoktor ernannt. Die Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der Technischen Hochschule' Darmstadt verlieh Direktor Hans Parthier. Vorstandsmitglied der Allianz-Lebensversicherungs-AG in Stuttgart, ehrenhalber die Doktorwürde. Die Urkunde hierüber wurde in einer feierlichen Sitzung in den Räumen der Allianz in Stuttgart am 3. Juli durch Professor Dr. Alwin Walther, Darmstadt, übergeben Direktor Dr. h. c. Parthier. der im §5. Lebensjahr steht, ist seit Jahren wissenschaftlicher Berater und Sachverständiger der führenden Behörden und Ministerien. Durch im Inland und Ausland viel beachtete mathematische Abhandlungen und Vorträge über theoretische und aktuelle mathematische Fragen des Versicherungs- und Bausparwesens, die bahnbrechende Erkenntnisse brachten, ist Dr. h c. Parthier in Fachkreisen hervorgetreten und weit über Deutschlands Grenzen bekannt. Die Deutsche Gesellschaft für Versicherungsmathematik wählte ihn vor kurzem zu ihrem Vorsitzenden als Nachfolger des vor einigen Monaten verschiedenen Professors Dr. Paul Riebeseil.

Das Schweizer Gutenbergmuseum, das in den Räumen des Berner Historischen Museums untergebracht ist. beging am Sonntag sein 50jähriges Bestehen. In einer Gedenkrede wies der Leiter ds Museums. Dr. phil. h. c. Karl Luethi. darauf hin, daß nach der Erfindung der Buchdruckerkunst vor fünfhundert Jahren noch Jahrzehnte vergangen seien, ehe man der revolutionären Erfindung des Buchdrucks in Bem Eingang gewährt habe

Karl Schuricht siebzig Jahre alt. Der jetzt in Montreux (Schweiz) ansässige Dirigent, Generalmusikdirektor Karl Schuricht, vollendete am 3. Juli das siebzigste Lebensjahr. Karl Schuricht wurde in Danzig geboren. Er studierte an der Hochschule für Musik in Berlin, wo er u. a. Schüler von Engelbert Humperdinck war. und wirkte dann als Kapellmeister in Zwickau. Dortmund, Kreuznach. Goslar und Frankfurt/M. Von 1912 bis 1933 war er Stadtmusikdirektor bzw. Generalmusikdirektor in Wiesbaden. 1933 wurde er Leiter des Philharmonischen Chors in Berlin und seit 1935 wirkte er als Gastdirigent im In- und Ausland.

Das Befinden der Schauspielerin Käthe Haak, die am Freitag einen Autounfall erlitten hatte, ist gut. teilte das Berliner Sankt-Hildegarda-Krankenhaus mit. Die Künstlerin werde in drei Wochen von ihren Platzwunden und der Gehirnerschütterung wieder hergestellt sein. ’

Ein dokumentarischer Spielfilm über den Rhein, der die Verbundenheit der am Rhein liegenden Länder symbolisieren soll, wird unter der Regie von Herbert B. Fredersdorf von der Una-Filmgesellschaft Berlin hergestellt. Außenaufnahmen sind bereits in Basel, Straßburg, Mannheim, Mainz, Rüdesheim, Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg sowie in Rotterdam gemacht worden.

Professor Schulz van Treeck, der ärztliche Leiter der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik der Charite im Berliner Sowietsektor, hat seinen Posten an der Charite niedergelegt und sein Lehramt an der Ost-Berliner Linden-Universität zur Verfügung gestellt. Professor van Treeck hatte gekündigt, nachdem vier Angestellte der Charite entlassen worden waren, weil sie in den Westsektoren wohnen. Van Treeck hatte seine Weiterarbeit an der Charitö von der Zurückziehung der ausgesprochenen Kündigungen abhängig gemacht. Die entlassenen West-Berliner Angestellten sind, wie Professor van Treeck erklärte, fünfzehn bis dreißig Jahre in der Charite tätig gewesen.

Das geheimnisvolle Heilmittel

VON LUCIA FELS

Während allenthalben der große Streit tobt seit Jahrhunderten zwischen den akademisch gebildeten Medizinern und den mehr oder weniger mit Mystik, Hypnose und Suggestion arbeitenden „Wunderdoktoren“ — und das trotz Fortschritt und Aufklärung —, während manchmal die Zeitungen noch von Prozessen berichten, die einem „Guerisseur“ (zu deutsch „Heiler“) oder einem „Sorcier“ gemacht werden, wobei die Ärztegesellschaft oder betrogene Kranke als Kläger, geheilte Patienten als Entlastungszeugen auftreten, wirken in der Stille und in abgelegenen Gegenden, wo der Doktor weit ist, die alten Kräuterweiblein manchmal wahre Hexenwunder.

Folgende kleine Geschichte passierte neulich in der Provence — aber sie könnte auch anderswo geschehen, wo man sich aufgeklärter glaubt und über derlei erhaben. Sie zeigt vor allem die Elemente dieser mysteriösen Heilungen deutlich auf.

Die Mioun aus Maurize heißt unsere Wunderhexe. Sie ist eine alte Bäuerin, die schon Kinder und Kindeskinder hat, eine große Familie, die alle auf ihrem Hofe wohnen und tapfer mithelfen, ihren Wohlstand zu vergrößern. Die Mioun besitzt „das Geheimnis“, das heißt, sie weiß in mancherlei dringenden oder hoffnungslos scheinenden Fällen — in weniger schweren auch versteht sich —, welcher Kräuter und Pflänzlein es bedarf, wo gepflückt und wo gesammelt, bei welchem Wetter, in welcher Jahreszeit und zu welcher Tagesstunde, und wie man sie zusammenbrauen muß und zu welchem Trank, unter Aufsagen welcher machtvollen Worte, um von Fall zu Fall den Leidenden

zu erleichtern, den franken zu heilen, ob das nun ein Hexenschuß ist, ein Gichtanfall oder ein rasendes Zahnweh. Dieses „Geheimnis“ hatte sie schon von ihrer Mutter geerbt und die wieder von der ihren; seit Generationen war es ein Familiengeheimnis und es wurde gehütet wie ein Familienschatz, denn es war ja auch einer, der schon manchen hübschen Batzen eingebracht. Geheilte Kranke sind manchmal dankbar, und die Mioun war berühmt auf zwanzig Meilen im Umkreis. Von allen Seiten kam man zu ihr. Dann braute sie unter Murmeln der Zauberformel ihren Trank, der „Toupin" genannt auf provencalisch, und es geschah auch, daß er wirksam war, selbst aus der Ferne, so daß der Kranke nicht erst zu kommen brauchte.

Bei dem Hofe, wo die Mioun wohnte, befand sich ein Wäldchen. Da waren Bäume gefällt worden im vergangenen Jahr, und jetzt war alles, was Beine und Arme hatte auf dem Hof, auch die Mioun, dabei, aus den Zweigen und Aesten Bündel zu machen und sie auf einen Wagen zu laden. Alle beeilten sich bei diesem Werk, denn es ging dem Abend zu, der Himmel war wolkenbedeckt und schwarz, es drohte ein Unwetter, und sie hätten die Fuhre noch gern vor dem Abend und trocken heimgebracht. Da kam ein halbwüchsiger Junge angerannt und rief nach der Mioun. Sein Atem flog, so rasch war er gelaufen, und seine Wangen waren rot von der Luft. „Mioun“, keuchte er, „meine Mutter, die Leontine von Palllieres hat so furchtbare Schmerzen wie neulich. Sie hat sich wohl wieder erkältet. Sie kann es nicht mehr aushalten und schickt mich zu Euch. Sie bittet, doch so rasch wie möglich ,das Geheimnis' für sie zu machen.“

„Ja, Junge“, sagte die Mioun, „ich weiß schon, wo’s fehlt. Geh wieder heim und sag deiner Mutter, sie soll nur ruhig sein. Sobald wir hier mit unserm Holz fertig sind, gehe ich und braue den ,Toupin'."

Der Kleine ließ es sich nicht zweimal sagen, machte kehrt und lief wieder heimwärts, denn sein Weg war ziemlich weit, und das Unwetter drohte. Und die Mioun und mit ihr die andern vom Hofe arbeiteten weiter an ihren Bündeln, und der Wagen fuhr die kostbare Last, die Wärme versprach für die kalten Tage, in den Hof. Das Unwetter verzog sich bald, und am nächsten Tag konnten sie Weiterarbeiten und von neuem Reisig bündeln und aufladen.

Gegen Mittag sah man wieder den Jungen der Leontine ankommen. Diesmal rannte er nicht, denn er war schwer beladen. Seine Augen leuchteten vor Freude. Er setzte den mächtigen Korb vor die Mioun hin.

„Hier“, sagte er, „das schickt Euch die Mutter. Sie ist. ja so froh, daß es wieder geht. Denn sowie Ihr das Nötige getan hattet, war der Schmerz verschwunden wie von Zaüberhand. Und sie sagt Euch vielen Dank dazu!“

„Nichts zu danken“, antwortet die Mioun und klopft dem Jungen auf die frischen Wangen. „Sag der Mutter, daß ich immer für sie da bin, wenn sie mich braucht.“

Sie hebt den schweren Korb hoch, lobt den Jungen, seiner Kraft wegen, denn er hat ihn ja den ganzen langen, gebirgigen Weg schleppen müssen. Dann nimmt sie den Jungen mit ins Haus, gibt ihm zu trinken und schickt ihn wieder heim.

Die Mioun packt Wurst und Schinken aus, Käse, Wein, Olivenöl und Mandeln, und am Mittag, als die ganze hungrige Familie heimkommt von der Arbeit, gibt es ein Festmahl, und alle loben die Freigiebigkeit der auf so wunderbare Weise geheilten Leontine und die Güte ihrer Produkte. '

„Ja“, sagt da die Mioun sinnend, „und das Tollste bei der Sache ist, daß ich doch gestern abend ganz vergessen hatte, den „Toupin“ zu kochen ...“

Krenn in Wiesbaden

ER SINGT AM 14. UND 17. DEN OCHS VON LERCHENAU ,

Fritz Krenn: zwei einsilbige Worte, aber, wenn man sie ausspricht, klingt es, rauscht es in gepflegten Tönen, drängen sich Gestalten aus der Welt der Oper heran, unzählige. Und immer steckt in den Kostümen ein gewaltiger Sänger vor dem Herrn, schon in seinem äußeren Lebensbilde nicht zu übersehen. Wäre man ein Intendant, so würde man mit ihm jetzt auf lange Sicht eine Reihe von Gastspielverträgen abschließen, denn solche Ochs’, Kothners, Escamillos, Holländer laufen nur selten auf dem Erdball herum. Nun sitzt man ihm gegenüber in aufgekrempelten Hemdsärmeln, bei sprudelnden Schweißtropfen und beiderseitig sprudelndem Cognak-Soda. In dem länglichen Gesicht sitzen die braunen, lebhaften Augen eng beieinander, dazwischen das gebogene Näs-^ chen. Man kann es nicht anders nennen, denn es gibt der C .walt des Gesichtes das scharfe, kleine Ausrufungszetichen. Da droht etwas und setzt sich manchmal in einer kleinen Stirnfalte fort, deutet an, daß da noch mehr vorhanden ist als die Fähigkeit zu' einem Ochs von Lerchenau. Ein genießerischer Mund und ein nicht zu verachtendes Kinn, in dem allerlei Zorngickel sitzen. Das Genießerische hat das alte Oesterreich geprägt. Es hängen beim Ochs nicht viel Sauerkohlfäden um die im Nachgeschmack eines Eisbeins schmatzenden Lippen, sondern es schwebt da eher ein Duftschwaden von einem saftigen, jungen Backhändel, gemischt mit dem Geruch eines guten Tropfens von den Weinhügeln Wiens. So ist sein Ochs immer noch ein Baron und kein verfressener, versoffener, balzender Vizespieß in Rokoko-Uniform. In wie vielen Ländern hat er schon die Lerchenauer Visitenkarte abgegeben; aber dieser freundlich-glühende Gentleman von beruhigendem Körperumfang gesteht, auch wenn er in der nächsten Woche in Wiesbaden den Ochs zum dreihundertsten Mal singen werde, er arbeite immer wieder an der Figur und der Musik, die sie umreißt. Aus neuer Stimmung auf der Bühne kämen neue Nuancen, die festgehalten werden. Er gesteht, wie wichtig es ihm ist (obwohl ihm jede Note bekannt ist und Richard Strauss ihn selber „seinen Lerchenauer Glücksfall“ genannt hat), daß aufdem Pult ein Kapellmeister steht, von dem etwas ausgeht, zu dem man gern hinsieht, mit dem man auf Gedeih und Verderb zusammenarbeitet, Bundesgenosse am liebsten in Kunst und Leben. Er strahlt übrigens, wenn er „Wiesbaden“! sagt, mit österreichischem Avec. Gespannt hat er die Rückkehr seiner Wiener von den Internationalen Festspielen erwartet, nachdem er ihnen vorher von der Stadt vorgeschwärmt und er berichtet, während er sich einige dicke Schweißtropfen aus seinen blitzenden Aeuglein wischt, daß die Damen und Herren der Wiener Staatsoper erklärt hätten: das wäre in künstlerischer und menschlicher Hinsicht ihre schönste Gastspielreise gewesen. „Ja, Wiesbaden“! sagt er noch einmal und es schwingt etwas in seiner Stimme, daß man um die Zeit von 1924 bis 1927 selbst möchte in der Stadt gewesen sein, als er an der Oper sang. Man hat ihn dann ja in Berlin gehabt und mit Wien geteilt von 1927 bis in die letzten Kriegsjahre. Gemeinsame Erinnerungen zaubern längst verklungene Aufführungen noch einmal herbei, berühmte Kapellmeister heben den Taktstock. Wie bunte Luftballons steigen Namen von Städten auf: Rio, Kairo, Rom, Paris, Amsterdam, Oslo, Barcelona. Ueberall polterte, tänzelte, liebelte der galante Schurke Ochs über die Bretter und seine Frechheit wurde gemildert durch die Kultur eines Sängers, der zugleich ein bedeutender Schauspieler ist, Beides in eins verschmolzen formt erst den wahren Artisten der Oper und man hatte bei dem zufälligen Zusammentreffen einen solchen Vollblutkünstler vor sich, der ein frisches, nobles Mannsbild dazu ist, das Spaß am Leben und am Wirken hat. M. G.

• Arthur Millers „Der Handlungsreisende“ ist zum Bestseller auf den westdeutschen Bühnen geworden.

Das Musenstädtchen Amorbach feierte Bach

Seit Jahren ist das Barock-Städtchen Amorbach das Ziel vieler Kunstfreunde. Durch winklige Gäßchen und über kleine Plätze, die noch von zahlreichen alten Gebäuden umrahmt sind, gelangt man zur herrlichen Abteikirche. Sie birgt eine der schönsten erhaltenen Orgeln aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Schon der Prospekt ist ein wahres Wunderwerk barocker Schnitzereien und Architektonik. Der silbrige Klang der alten Register, die nach süddeutsch-italienischen Prinzipien in chorischen Gruppen „männliche“ und „weibliche“ Orgelfarben nebeneinander bestehen lassen und Regal- und Zungenstimmen in feinster Abtönung in sich aufnehmen und nicht wie im Norden im abrupten Kontrast gegenüberstellen, übt auf Fachmann und Laien einen unwiderstehlichen Reiz aus. Hinzu kommt noch die seltene Einheit von Raum und Klang, die hier in idealster Weise anzutreffen ist und jeder musikalischen Aufführung die glücklichsten Voraussetzungen schafft. Seit Jahren wird nun diese Kunststätte von dem Kantor und Organisten der ehemaligen Abteikirche, Berthold Bührer, mit neuem musikalischen Leben ausgefüllt. Die jetzige Bach-Feier krönte nur eine lange Folge von historischen Konzerten-Kantor Bührer hat durch sein Können und seine Persönlichkeit in Amorbach eine Gemeinde um sich gesammelt, die ihm und der Musik in Treue verbunden ist und Träger des dortigen Musiklebens wurde. Vom 15jährigen Schulmädchen bis zum 70 jährigen Veteranen nehmen alle Altersklassen am Chor der Kantorei und dem Amorbacher Motettenchor aktiv Anteil. Welche Liebe hier für die Musik durch den Leiter den Sängern anerzogen wurde, hört man aus den präzisen und bis auf die letzte Note durchgefeilten Aufführungen heraus. Schlichtheit und Stilreinheit sind die besonderen Merkmale der Wiedergabe, mag es sich dabei um Bachs Motette „Lobe den Herrn“, um Kantatensätze oder Choräle handeln. Für die Solopartien (Kantate „Gelobet sei der Herr“) standen in Friedel Herbei (Sopran) und Trudel Mohr (Alt) zwei gute Solistinnen zur Verfügung, denen sich für den instrumentalen TeilyDr. E. Mohr (Flöte) und Adolf Egersdörfer (Violine) ebenbürtig anschlossen. Als Meister der Orgel wies sich Kantor Bührer mit Bachs Präludium und Fuge in D, der Fantasie in G und der Partita „O Gott, du frommer Gott“ aus. Seine künstlerische Fähigkeit wußte er durch feinsinnige Registriertechnik zu unterbauen. Alle Möglichkeiten der großen Orgel wurden von der Einzelstimme bis zum mächtigen Tuttiklang ausgeschöpft. Die Zuhörer, die von nah und fern gekommen waren und den Kirchenraum bis zur letzten Empore ausfüllten, erlebten eine erhebende Feierstunde im Gedenken an Johann Sebastian Bach.

Diese liturgisch-musikalische Stunde konnte in keiner Weise durch die unsachgemäße „Vorführung“ der Orgel durch einen eigens dafür angestellten Herrn getrübt werden. Die technische Unfertigkeit, gepaart mit einem verständnislosen Spiel, das aus dem ehrwürdigen Instrument Wurlitz-Orgel-Melodien zwischen Hildach und schlechtester Salonmusik zu entlocken suchte, trug mehr zu einer Profanierung bei, als daß dem „geführten“ Orgelfreund auch nur irgendwie der Charakter der Orgel und ihrer Stimmen dargelegt wurde. Es bleibt unverständlich, warum diese lukrativen „Führungen" nicht dem Fachmann anvertraut werden, der allein nur diesem Meisterwerk vergangener Zeiten der liebevolle Mentor sein kann. G. I.

Wir empfehlen zu besuchen

In der Vortragsreihe „Berühmte Kunst¬ stätten“ spricht morgen abend um 19.30 Uhr in der Aula der Technischen Hochschule der bekannte Kunsthistoriker Dr- Niels von Holst über „Italiens Kunststätten 1950“. Der Vortragende schildert an Hand von Lichtbildern, die nach neuesten Photographien aus dem Frühjahr 1950 hergestellt wurden, den gegenwärtigen Zustand der wichtigsten Baudenkmäler und Museen des klassischen Landes.

Ein Festkonzert zum Beginn ihres Sommerfestes veranstaltet die Technische Hochschule am kommenden Samstag um 19.30 Uhr in der Stadthalle mit Werken von Haydn (Es-dur-Symphonie, Sopran-Arie) und Mozart (Konzert-Arie, A- dur-Klavierkonzert). Es spielt das Kammerorchester des Landestheaters. Solisten: Charlotte Raab und Liselotte Baltz-Weber von der Landesmusiksdiule.

„Blut über Japan", ein Film über die Missionsarbeit im Femen Osten, wird morgen (um 18 Uhr für Kinder, um 20 Uhr für Erwachsene) in der St-Fidelis-Kirche in der Feldbergstraße 29 laufen. Der Film führt ein in das tiefe Leid, aber auch das große Glück der ^Glaubensboten und der neugewonnenen’Christen im sturmgepeitschten Osten, wo nach wechselvollen Ereignissen heute ein immerhin blühendes katholisches Leben ist und nächste Verwandte des kaiserlichen Hauses sich dem christlichen Glauben zuwenden. Der Ertrag der beiden Veranstaltungen fließt den hartbedrängten Missionen zu.

Einen Bach-Abend veranstaltet das Landestheater in Verbindung mit dem Musikverein am kommenden Montag um 20 Uhr in der Pauluskirche. Auf dem Programm stehen die. Kantate Nr. 78 („Jesu, du meine Seele“), die Kantate Nr. 80 („Ein feste Burg ist unser Gott“), Magnificat D-dur. Es wirken mit Chor und Orchester des Landestheaters, der Chor des Musikvereins und als Solisten Martha Geister, Charlotte Raab, Petra Böser, Heinrich Blasel, Franz Köth. Leitbng: Richard Kotz.

Einen heiteren Operettenabend veranstaltet das Thalia-Theater am kommenden Samstag un& 22-30 Uhr in Verbindung mit ersten Kräften des Landestheaters. Es wirken mit: Ruth Wilke, Charlotte Raab, Nikolo Jussa, Horst Michael Neutze, Rosemarie Engel, Herbert Wien; am Flügel: Viktor Reith; Ansage: Horst Michael Neutze und Herbert Wien.

Eine Werkkunst-Möbelschau findet ab 15. Juli 1950 in Darmstadt, Holzhofallee, statt. Die Handwerker sind zur Zeit dabei, an den neu erstellten Bauten die letzten Verschönerungsarbeiten durchzuführen, um einen termingemäßen Beginn der Ausstellung sicherzustellen. _jb_

Promenadenkonzerte im Herrngarten werden ab Sonntag, dem 9. Juli, vormittags 11—12 Uhr, wieder regelmäßig jeden Sonntag und jeden Mittwoch nachmittag von 17 bis 18 Uhr stattflnden. Etwa 30 Berufsmusiker des großen Blas-Ensembles des Darmstädter Orchesters unter Leitung von Kapellmeister Hinze werden diese Konzerte im Pavillon des ehemaligen Herrngarten-Cafes ausführen. p>T

Radio Tel-Aviv und Darmstadt

Radio Tel-Aviv hat vor kurzem in einer halbstündigen Sendung die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt eingehend besprochen. Der Sprecher nannte diese, vom Kranichsteiner Musikinstitut vorbereitete und durchgeführte Veranstaltung „Das bessere Deutschland“, das auf neuen Wegen in die Zukunft schreitet. DT

Internationales Musikfest 1951

Das große Internationale Musikfest des Jahres 1951 ist auf Beschluß der jetzt in Brüssel tagenden Generalversammlung der „Internationalen Gesellschaft für Neue Musik“ der Stadt Frankfurt und dem Hessischen Rundfunk zur Durchführung übertragen worden. Die „Internationalen Ferienkurse für Neue Musik“ in Darmstadt werden mit diesem Musikfest im nächsten Jahre verbunden sein. Vorträge und teilweise auch Konzerte sollen den Teilnehmern der Ferienkurse in Darmstadt selbst zugänglich gemacht werden. Der Termin ist für die Zeit von (Mitte Juni bis zur ersten Juliwoche festgelegt. DT

Vom Film

BELIDA: „Erfüllte Träume". — Erfüllt sind sie in erster Linie von Musik, und das ist das beste an ihrfen. Die Handlung, die um die Jahrhundertwende spielt und dem Aufstieg einer Bostoner Bürgerstochter vom Tingeltangelstar zur Primadonna schildert, fließt zwischen schmissigen Szenen auf einer Vorstadtbühne und dem märchenhaften Glanz der großen Oper von Neuyork ein bißchen sehr dünn dahin. Kathryn Grayson hat nichts anderes zu tun, als sich mit viel Charme zum Erfolg durchzusingen. Die Rolle ihrer Schwester June Allyson neigt zwischen Komik und Emst so sehr zur Einfältigkeit, daß man Jachen muß, wo man nicht möchte. Ihr Partner Peter Lawford kann denn auch nicht anders. Echt ist die Komik Jimmy Durantes — echt amerikanisch und herzerfrischend. Ueber Lauritz Melchior, den berühmtesten Heldentenor der Welt läßt sich nichts sagen, man muß ihn hören und kann das mit ungeteilter Freude tun in diesem Metro-Goldwyn-Mayer-Film, dessen Regie Henry Koster führte. kä

Spitzenfilme in Recklinghausen. Die Vorführung internationaler Spitzenfilme während der RuhrfestspielP wurde durch eine Feierstunde eingeleitet, in der das Lebenswerk des 1938 verstorbenen Dichter« und Bildhauers Ernst Barlach gewürdigt worden ist. Den Abschluß der Feierstunde bil¬ dete eine Vorführung des Kulturfilms ..Bar¬ lach“ von Alfred Erhard,

Kein 5, Rad am Wagen!

Heimkehrerverband im Kreis Erbach gegründet

Am Sonntagvormittag wurde im .Altdeutschen Hof“ in M i c h e 1 s t a d t ein Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen für den Kreis Erbach gegründet. Als Behördenvertreter wohnten Kreisamtmann Sattler und Inspektor Walther vom Landratsamt Erbach, Bürgermeister Woher, Michelstadt, sowie der Leiter der AOK Erbach, Koch, der Gründungsversammlung bei.

Der 1. Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Karl Seip, Offenbach, erläuterte in längeren Ausführungen Ziel und Zweck des Zentralverbandes der Heimkehrer e. V. der als überparteilicher und überkonfessioneller Mittler zwischen Heimkehrern und Vermißtenangehörigen einerseits und Behörden andererseits stehen und helfen will. Hauptziel des Verbandes wird die Beseitigung der Arbeitslosigkeit unter den Spätheimkehrern, Aufhebung der Rückzahlungsfrist von Fürsorgeunterstützungen für Heimkehrer und Angehörige von Kriegsgefangenen, Erlaß von Durchführungsverordnungen zum Heimkehrergesetz usw. sein.

In der Aussprache sicherte Kreisamtmann Sattler volle Unterstützung bei Behebung von Heimkehrer- und Kriegsgefangenennotständen zu. Der Leiter der AOK Erbach, Koch, stellte die Frage, ob diese Verbandneugründung unerläßlich sei, da doch KB-Organisationen und Gewerkschaften bereits die Interessen der Heimkehrer vertreten. In den Kreisvorstand wurden gewählt: 1. Vorsitzender Georg Heim, Erbach; Stellvertreter Ludwig Walther, Stockheim, Ph. Bauerreiß, Michelstadt, und als Kassierer Fritz Egner, Erbach. Fünf Beisitzer und weitere Mitarbeiter aus den verschiedensten Orten des Kreises ergänzen den Vorstand, der sofort seine Arbeit aufnehmen soll. (-ch)

„Zur Duldung genötigt...“

... so bezeichnet das „Amtsdeutsch“ einen Vorfall der einem Straßenaufseher durch das Verhalten eines Kraftfahrers aus Eberstadit widerfuhr, der mit seinem Lkw auf der wegen Reparaturarbeiten gesperrten Straße Reinheim-Hahn unterwegs war. Der Straßenaufseher wollte das Fahrzeug zum Halten bringen, jedoch der Fahrer steuerte geradewegs auf ihn zu, so daß der Mann, um nicht überfahren zu werden, zur Seite springen und den Lastwagen passieren lassen mußte. An der Straßendecke entstand dadurch erheblicher Sachschaden, für den der Kraftfahrer nun seinen Geldbeutel zücken muß. (RG)

Leiche bisher vergeblich gesucht

An der Hohenaue in der Nähe von Trebur ertrank am Montagnachmittag der 45jährige Schlosser Fritz Alt aus Nauheim bei Groß-Gerau. Die Suche nach der Leiche blieb bisher ergebnislos. (cg)

Den Arı zerfetzt

Aus Büttelborn kommend führ am Montagnachmittag der siebzigjährige Christian Jakobi mit seinem Fahrrad auf die in Richtung Darmstadt führende Bundesstraße. Hierbei wurde er von einem Lkw erfaßt und eine kurze Strecke mitgeschleift. Mit einer schweren Arm- und Schlagaderverletzung mußte der Verunglückte in das Groß-Gerauer Stadtkrankenhaus gebracht und von dort weiter nach Darmstadt transportiert werden. (cg)

Sängertreffen im Weschnitztal

Der Gesangverein „Einheit“ hatte am Sonntag durch seinen Vorsitzenden, Sebastian Fraas, ein Sängertreffen auf dem Festplatz „Döhringer Wiese“ einberufen. Die Veranstaltung, die in engerem Rahmen innerhalb des Sängerbezirks Weschnitztal durchgeführt wurde, nahm trotz anfänglich drohender Gewitter- und Regenneigung einen harmonischen Verlauf. Chorvorträge der Sänger Mörlenbachs unter Dirigent Adam Schütz und Darbietungen der Brudervereine, von denen der Gesangverein Reisen unter Anton Pietschmann besonders hervortrat, bildeten den Höhepunkt des Treffens der Sänger aus dem mittleren Weschnitital.

Kirdenneubaun in Mörlenbach

Nach den Plänen von Professor Gruber, Darmstadt, ersteht in Mörlenbach auf dem Denkmalsplatz der Kirchen-Neubau der evangelischen Gemeinde. Nach zwanzigjähriger Wartezeit konnte in diesem Frühjahr an die Verwirklichung des Planes herangegangen werden. Materialbeiträge seitens der Gemeindeverwaltung haben das Vorhaben erheblich erleichtert. Der Bauplatz wurde von einem Gemeindemitglied gegen einen geringen Rentensatz zur Verfügung gestellt; der Besitzer, Michael Zopf, überläßt sein heutiges Wohnhaus für die spätere Errichtung eines Pfarrgebäudes. An den Spenden für den Neubau beteiligte sich auch der katholische Teil der Einwohnerschaft mit erheblichen Beträgen. (Km)

Generalversammlung” der Tabakbauer

Der Ta b akbauve re i n Lampertheim hielt im „Darmstädter Hof“ seine Generalversammlung ab. Vorsitzender A. H. Steffan gab den Geschäftsbericht, nach dem in Lampertheim 328 Morgen Tabak angebaut werden. Im letzten Jahre wurden 3458 Zentner Tabak mit einem Gelderlös von 379 815 DM geerntet. Der Reingewinn betrug 166 D(M. Das Vermögen von 24 621 DM enthält die beiden Tabakschuppen im Werte von 22 500 DM. Der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt. An Tabakpflanzen benötigte Lampertheim dieses Jahr über 5 Millionen. Es wurde zu 90 Prozent die neue Burley-Sorte gepflanzt, die sich auf dem leichten Sandboden gut eignet. Landwirtschaftsrat Dr. Schmidt, Darmstadt, empfahl den Bauern auf Qualität das größte Augenmerk zu nehmen, da nur mit Qualitätsware ein lohnender Preis erzielt werde.

Meldungen aus den Landkreisen

Darmstadt-Land

Erzhausen. Mit der Durchführung der Feldbereinigung und Ausführung der Hauptflutgräben soll nach der Heuernte sofort begonnen werden. Für die Durchführung letzterer Arbeiten, für die vom Staat für jeden Erwerbslosen 5,— DM Tagegeld a& Zuschuß gewährt werden, sollen vom Hektar 15,— DM in drei Raten erhoben werden. Man hofft die Arbeiten bis 1952 zu Ende bringen zu können.

Jugenheim. Die Spar- und Darlehnskasse Jugenheim lädt ihre Mitglieder zu einer Generalversammlung auf Donnerstag, dem 6. Juli, abends 20.30 Uhr, in das Gasthaus „Tannenberg“ ein. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Vorstands- und Aufsichtsratswahl, Geschäftsbericht, Neufestsetzung der Aktiv- und Passivkreditgrenze und ein Vor trag des Generalsekretärs Dr. Maus vom Ländlichen Genossenschaftsverband Frankfurt über „Genossenschaftliche Tagesfragen“. (W)

Roßdorf. — Es ist beabsichtigt, den früheren Ortsgewerbeverein neu zu gründen. Zu diesem Zwecke findet am Donnerstag, dem 6. Juli 1950, um 20.30 Uhr im Saale des Gasthauses „Darmstädter Hof“ eine Gründungsversammlung statt. Referent ist Herr Gisbert, Präsident der Handwerkskammer Darmstadt, der über „Ziele und Zweck des Ortsgewerbevereins“ spricht. (sl)

Pfungstadt. Die Gemeinde-Schutzpolizei ist nunmehr nur noch über die Rufnummer 280 zu erreichen. — Am kommenden Sonntag führt der Volkschor eine Fahrt an den Neckar durch. Da die Fahrt auf den Wahlsonntag fällt, werden die Teilnehmer gebeten, sich auf der Bürgermeisterei Wahlscheine zu besorgen, um in Beerfelden ihrer Wahlpflicht genügen zu können. Bei der Abholung ist die Vorlage der Kennkarte erforderlich. — Wegen Trunkenheit und Randalierens mußte am Sonntag in den frühen Morgenstunden ein Einwohner in polizeiliche Verwahrung genommen werden, wo er seinen Rausch in der Rathauszelle ausschlafen konnte, (ug)

Groß-Geran

Gernsheim a. Rh. Im Rahmen seiner letzten Besprechung beschloß dier Festausschuß für das diesjährige Rheinische Fischerfest vom 5. bis 7. August ein Seifenkistenrennen von der zerstörten Brücke herunter zu starten. Unter Beachtung der für Seifenkistenrennen) vorgeschriebenen Bedingungen können sich Kleinst-Rennfahrer aus dem gesamten Kreisgebiet beteiligen.

Dicburg

Reinheim. — Als besonders rauflustig zeigte sich auf dem hiesigen Festgelände ein Dieburger Besucher, der wahrscheinlich etliche Schoppen über den Durst getrunken hatte. Er schlug unversehens derart auf einen Gast aus Georgenhausen ein, daß dieser erhebliche Verletzungen davohtrug. (RG)

Nieder-Klingen. — Schubfächer abschließen und den Schlüssel stecken lassen ist keine Sicherung gegen Diebstahl. Das erfuhr ein hiesiger Landwirt, der in seinem Vertiko im Schlafzimmer einen größeren Geldbetrag verwahrte, den Schlüssel zu dem Geldfach aber nicht entfernte. Unbekannte Täter haben ihn nun über seinen „Fehler“ aufgeklärt und das Geld entwendet. (RG)

Groß-Zimmern. — Vom Lagerplatz eines hiesigen Althändlers wurden von noch unbekannten Tätern zahlreiche Tafeln Wellblech gestohlen. (RG)

Lengfeld. — Des Bösen zuviel tat ein Einwohner aus Semd, der an einem Kirschbaum mehr als 30 Aeste abriß, um „billig einzukaufen“. (RG)

Ueberau. - In Ueberau fand am Sonntagvormittag die Einweihung eines Gedenksteines für Fritz Wörtge statt, der jahrzehntelang in der Arbeiterbewegung stand und größten Verfolgungen während des Dritten Reiches ausgesetzt war. Die Enthüllung wurde mit einer Friedenskundgebung verbunden, auf der Otto Weißpfennig, Frankfurt, sprach. Er gedachte in seinen Ausführungen noch einmal der Arbeit, des durch einen Autounfall im vergangenen Jahr so tragisch ums Leben Gekommenen und seines ständigen Einsatzes für Frieden. Freiheit und Völkerverständigung. (ib)

Berastraße

Schönberger Wasserversorgung verbessert Mit der Fassung der im Frühjahr freigelegten Quelle am „Schneckenberg“ und deren Verbindung mit dem 250 Meter entfernten oberhalb des Friedhofs gelogenen Hochbehälters wird eine erhebliche Verbesserung in der Wasserversorgung des Stadtteils Bensheim-Schönberg eintreten. Ein Wasserverbrauch von 80 Litern pro Haushalt am Tag läßt sich dadurch in Zukunft ermöglichen. (HB)

Bensheim. Die Stadtverwaltung beabsichtigt in Kürze für die Müllabfuhr ein modernes, staubfreies Müllauto einzusetzen, damit verbunden sollen neue, geschlossene Mülleimer an die einzelnen Haushalte geliefert werden. Von den 6,50 DM Unkosten pro Eimer übernimmt die Stadt 3 Mark, so daß pro Haushalt noch 3.50 DM zu zahlen sind. Diese Verbesserung wird sich auch in hygienischer Beziehung besonders während der heißen Sommermonate vorteilhaft auswirken. — Die Volksbücherei konnte in letzter Zeit durch Spenden erheblich vergrößert werden. - Von Frau Hanna Geck-Bauer. Auerbach wurde eine große Anzahl Bücher gestiftet; weitere Spenden vzerden irti Rathaus. Zimmer 14, täglich entgegengenommen. Auf Wunsch werden die Bücher auch abgeholt. (HB)

Birkenau. - Die katholische Pfarrgemeinde holte am Freitag ihre beiden neuen Glocken feierlich ein. Ein großer Teil der Bevölkerung, die Pfarrer beider Konfessionen sowie Kirchenchöre und Jugend- und Frauengruppen gaben dem Geläute das Geleit bis zur Kirche, wo die Glocken nun der Weihe harren. (-r)

Hirschhorn. Am Donnerstag findet auf dem Rathaus ein Sprechtag des Finanzamtes Michelstadt statt. — Am Freitag, dem 7. Juli, hält die Kreishandwerkerschaft von 14 bis 15 Uhr im „Naturalisten" einen Sprechtag ab. Es ist beabsichtigt, derartige Sprechtage etwa alle vier Wochen einzurichten. (WL) Scharbach. Die Verträge über die Rodung von 65 000 qm Gelände in der Hardt sind soweit fertiggestellt., daß damit endlich ein erster Schritt zur Vergebung an die Pachtinteressenten gemacht werden kann. Der Pachtpreis für das Gesamtgelände wurde, da erst in vier Jahren mit einem vollen Ertrag gerechnet werden kann, auf vorerst 312 DM jährlich festgelegt. (-r)

Hammelbach. Zur Schaffung weiterer Voraussetzungen erhöhten Fremdenverkehrs bemüht sich die Gemeindeverwaltung zusammen mit dem Odenwaldklub gegenwärtig um Wiederherstellung und Verbesserung bekannter und schöner Aussichts- und Ruhegelegenheiten. (-r)

Unter-Flockenbach. Auf Anregung von Bürgermeister Flösser wurde eine Freiwillige Feuerwehr gegründet; es wäre allerdings wünschenswert, daß sich die Beteiligung vor allem der jüngeren Jahrgänge, reger erweist als bei der Gründungsversammlung, in der Kurt Schmitt zum Kommandanten und 'Georg Krause zum Stellvertreter bestimmt wurden. Eine moderne Motorspritze. die nur einer (gründlichen Uefeerholung bedarf, ist bereits vorhanden. <-r)

Erbach

Erbach. Ein Erste-Hilfe-Lehrgang, zu dem das Jugend-Rot-Kreuz Erbach 20 Vertreter der hündischen Jugend der Kreisstadt eingeladen hatte, wurde mit der erfolgreicfhen Abschlußprüfung _ sämtlicher Teilnehmer beendet Der Vorsitzende des DRK Erbaoh, Dr. med, Rath, hatte den Jugendlichen die Kenntnisse und Handgriffe der Ersten Hilfe bei Unglücksfällen auf Wanderfahrt, bei Spiel und Sport vermittelt. _ (-ch)

Hetzbach. — Die Gemeinde Hetzbach-Etzean baut zur Zeit im Rahmen des Notstands-Arbeits-Programms einen Brandweiher in der Gemarkung Etzean. Gleichzeitig wurde die Bereinigung des Mümlinglaufs innerhalb der Gemarkung in Angriff genommen. Bei dieser Gelegenheit sollen an den gefährdeten Hochwasserstellen Schuzgräben angelegt werden. (tehad) Steinbuich. - Nachdem sich der Verdacht der ansteckenden Blutarmut im Pferdebestand des Bauern Wilhelm Heim nicht bestätigt hat, hob der Kreistierarzt die angeordneiten Schutzmaßnahmen wieder auf. (-ch)

Mörlenbach. Leonhard Jöst, Obermeister der Bäckerinnung, Begründer des Spar- und Darlehnskassenvereins. langjähriges Mitglied des Gemeinderates, Vorstand der katholischen Kirchengemeinde und Förderer vieler sozialer und caritativer Verbände wurde am 2. Juli unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen. (Km)

Reichelsheim. Heute abend spricht itn Rahmen des Sommerprogramms des Diskussionskreises Reichelsheim, E. M, Fromm. Studienrätin an der Martin-Luther-Schule in Rimbach, im Gemeindesaal über „Mahatma Gandhi".

Zu unserem gestrigen Bericht „Lehrer sein heißt eine Berufung haben“ teilt uns das Stadtschulamt Darmstadt mit, daß in Darmstadt kein neuer Schulrat ernannt wurde. Dr. Ploetz ist seit 1. Juni 1950 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des zu diesem Zeitpunkt in den Ruhestand versetzten Schulrates Heldmann im Landkreis Darmstadt beauftragt.

Der SPORT

Meisterprogramm beim RSC Darmstadt

Knake/Koch und Fischlein/Müller begeistern die Massen

Auf der herrlichen Bahn des RSC Darmstadt war am Montagabend wiederum ein auserlesenes Programm zu sehen, wie es in diesem Jhre in Darmstadt noch nicht gezeigt wurde. Die Europameister Fisdilein und Müller, Frankfurt, und Knake/Koch, Hannover, hatten ihre Anziehungskraft nicht verfehlt. So sahen mehr als 1500 Zuschauer Leistungen, von denen jeder einzelne tief beindruckt war.

Zu Beginn der Veranstaltungen stellten sich in einem Freundschaftsspiel der ,RSC Darmstadt der der RC Langen gegenüber. Unter der ausgezeichneten Leitung des Schiedsrichters Wespahl, Frankfurt, sah man ein flottes und technisch einwandfreies Spiel das die Darmstädter verdient gewannen. Nachdem die Gastgeber bereits in. den ersten Spielminuten eine klare 4:0- Führung erzielen konnten, kam im 2. Drittel Langen mehr auf, und erst gegen Ende war Darmstadt wieder tonangebend. Langen hatte seine besten Leute in Torwart Spengler und in dem Verbinder Muller. Be Darmstadt war Trautmann, der diesmal Stürmer spielte, der überragende Mann.

Endergebnis 8:4 für RSC Darmstadt.

Im Kunstlaufprogramm, das das interesse des Abends fand, zeigte Sigrid Knake. Hannover, in einer Kür, was in i r steckt. Leichtfüßig kam sie über die Bahn Aus den Reihen des RSC war Ursula. Jahn Dierken in einem Paarlauf zu s • Es folgte Irma Fischlein mit ihrer Meisterkür, die sie beschwingt und beifallumrauschend lief. Ihr Partner, Europameister Lothar Müller, zeigte anschließend einen spanischen Tanz. Sicher stand er seine schwierigen Sprünge. Dann folgten Knake/ Koch mit ihrer Meisterkür. Beide, die ausgesprochene Paarläufer sind, begeisterten die zahlreichen Zuschauer und mußten öfter Beigaben geben. Wiederum kam aus den Reihen des RSC ein hoffnungsvolles Paar mit Ulla Mahr und Günther Jakob zu Tage. In dem bekannten Rumba „Cubana“ war Irma Fischlein und Lothar Müller kostümiert zu sehen. Die gezeigten Sprünge und die verschiedenen Schwierigkeitsgrade meisterten sie fehlerlos. Am Schluß der Veranstaltung waren es nochmals Knake/ Koch, die sich in die Herzen der Zuschauer hineinliefen. Beide, die in ihren Aufenthaltstagen in Darmstadt sich dem Nachwuchs des RSC widmeten, ernteten grölen Beifall mit ihrem Samba, den sie wiederholt laufen lassen mußten, und einem Rumba.


Schweizer Turner kamen mit Fahnen und Waldhörnern nach Groß-Gerau. Foto: Suchy
Schweizer Turner kamen mit Fahnen und Waldhörnern nach Groß-Gerau. Foto: Suchy

Um den Bergstraßen-Pokal

Der von dem Weinheimer Industriellen Richard Freudenberg gestiftete Wander-Preis „Bergstraßen-Pokal“ genannt, um den sich jetzt die Mannschaften des hessischen und badischen Odenwaldes in Weinheim in einem Handball-Blitzturnier bewarben, wurde von der Birkenauer Mannschaft des TSV deutlich gewonnen. Im Entscheidungsspiel gegen den Zweiten des badischen Handballpokals. SG Leutershausen, konnten die Hessen einen 5:1-Sieg verbuchen, nachdem zuvor der Bezirksklassenerste TG Laudenbach mit 7:0 (20 Minuten Spielzeit!) und der Verbandsligist SG Leutershausen überraschend mit 3:2 geschlagen worden war. Auch die spätere knappe 0:l-Niederlage der Birkenauer gegen TV Seckenheim konnte dank des eindeutig besseren T°rv^rhal „tnisses an dem Sieg der Elf in der Verband - klasse keinen Zweifel lassen.

In der Kreisklasse lag die Entscheidung zwischen VfR Mannheim und der Ib-Mt ny TSG 1862 Weinheim. Obwohl Dr. Reinhard, der bekannte Internationale des VfR. , Feldes verwiesen wurde, gelang es der mit 2:2 ein Unentschieden und dank des besseren Torverhältnisses den Gruppensieg zu erringen. In der Bezirksklasse wurd TG Laudenbach mit zwei Punkten Vorsprung Klassensieger. Die Siegerehrung nahm nach Schluß der Wettspiele M. dB. Richard Freudenberg selbst vor. (ni)

Bezirkstagung im Tischtennis

Der Bezirk Darmstadt hielt am Wochenende seine diesjährige Bezirkstagung a. Nachdem Bezirksfachwart Edthofer/SKG Da.-Eberstadt den Landesfachwart Peter Bunn und die Landesfachwartin Lissy rey sowie die Vereinsvertreter des Bezirkes begrüßte, folgte sein Jahresbericht, dem sich die einzelneh Kreisfachwarte anschlossen. Nachdem der alte Bezirksvorstand entlastet war, wurden in den Bezirksvorstand neu gewählt: Bezirkswart: Edthofer/SKG Da.- Eberstadt, stellvertr. Bezirkswart: Ritzert, Auerbach, Bezirksjugendwart: Gehron, Da.- Eberstadt, Bezirkspressewart: Hardt'93 Darmstadt, Spruchausschuß: Müller /Egelsbach, Heller/Wixhausen, Fey/98 Darmstadt. In einer lebhaft geführten Diskussion kamen die Vereinsvertreter dazu, üire Stellungen, die sie zu verschiedenen Punkten einnehmen, darzutun. Die Fortführung der Aufstiegsspiele zur Bezirksklasse Darmstadt wurde angeordnet, obwohl sie auf Grund der Neueinteilung der hessischen Landesliga illusorisch sind. In der neuen Verbandsrunde werden die Vereine von Rheinhessen wie Ingelheim, Mainz, Worms und Bingen in der hessischen Verbandsrunde mitspielen. Ku.

Sportfest der Studentenschaft

Während des Sommerfestes der TH Darmstadt finden am Sonntag, dem 9. Juli, folgende sportlichen Veranstaltungen im Hochschulstadion statt:

14.30—15.50: Fußballspiel gegen die Staatsbauschule. In der Halbzeit Boxkämpfe. IC cn in 1.1. tr ~ ~ „ .. « — : 1 Ua-'

15.50—17.10: Hockeyspie 1 gegen Heidelberger HC. In der Halbzeit R eckturnen.

17.10—17.30: Fußballspiel Professoren gegen ASTA.

17.30—18.40: Handballspiel gegen ASV Zürich (Schweizer Hochschulmeister 1950). In der Halbzeit Fakultätsstaffeln (3xlooo m).

Der „Renn“draht ist da

Seit vier Tagen etwa künden große bunte Plakate von dem bevorstehenden motorsportlichen Ereignis in Dieburg, dem 3. Dreiecksrennen. Und schon sind die ersten Männer angekommen, die sich mit der Herrichtung der Rennstrecke befassen wollen. Ihre Arbeit betrifft allerdings weniger die Fahrbahn als vielmehr die in diesem Jahre erstmals vorgesehene Absperrung des Kurses mit einem meterhohen Maschendrahtzaun, um dip „Schwarzseher“ abzuhalten. Sie haben natürlich auch die zahllosen Drahtrollen mitgebracht, die sie in 50 Metern Abstand um die Strecke ziehen wollen. Aber sie haben noch nicht anfangen können, weil es da erst noch einigen Widerstand dieses oder jenes Grundstückseigentümers zu überwinden gilt. Es sind eben nun einmal nicht alle Angrenzer so begeisterte Motorsportler, wie man das so gerne hätte. Für sie spielen manch andere Momente noch mit, wenn sie ihre Genehmigung zum Betreten ihres Ackers und seine Einbeziehung in das Zuschauergelände geben sollen. Erfahrungsgemäß wird bei derlei Veranstaltungen viel mehr aus Unvernunft als aus Notwendigkeit viel Flur- und Feldschaden angerichtet, und es ist durchaus verständlich, wenn der Bauer oder Kleingärtner, den solches trifft, zuvor die bewußte Daumenbewegung macht.

Auch die Gendarmerie steht bereits in den Vorbereitungen fürs Rennen. Aus den Kreiskommissariaten Dieburg, Darmstadt, Erbach, Groß-Gerau und Offenbach, von der Darmstädter Stadtpolizei und der Einsatzbereitschaft des Regierungspräsidenten werden nahezu 200 Beamte herangezogen, denen neben der Absperrung an der Rennstrecke selbst auch die Regelung der An- und Abfahrt der Kraftfahrzeuge usw. obliegen wird.

Sport in Kürze

Am 8. und 9. Juli findet ein großes Basketballturnier in Roßdorf statt. D'ie Teilnehmer sind: Universität Mainz. TSG 1846 Mannheim. Sportverein Prag-Stuttgart und SKG Roßdorf.

Die 1. Handballmannschaft des SV Darmstadt 98 spielte anläßlich der 650-Jahrfeier der Stadt Lich gegen den dortigen Turnerverein und gewann mit Dr. Barth im Sturm mit 22:9 Toren.

Die Ringer des KSV 1910 Darmstadt besiegten die Staffel des KSV Bensheim mit 5:3.

Rio im Banne der Endspiele

Rio de Janeiro, (dpa) Immer noch stehen die Fußball-Weltmeisterschaftsspiele trotz einer Pause bis zum 9. Juli im Blickpunkt von Rio. Viele Geschäfte bringen Mannschaftsaufnahmen der brasilianischen Elf, sowie der spanischen und amerikanischen Spieler, die das Kunststück fertig brachten, die englische Mannschaft aus dem Wettbewerb zu werfen. Die brasilianischen Spieler haben sich der für sie günstigen Lage, neuer Weltmeister zu werden, anscheinend Sofort angepaßt. Wie verlautet sollen ihnen für jedes weitere Spiel (es sind noch drei Treffen auszutragen) je zweihundert Pfund Sterling (etwa 2350 DM) ausgezahlt werden. Falls sie den Rimetpokal und damit den neuen Weltmeistertitel gewinnen, erhält jeder Spieler nochmals fünfhundert Pfund Sterling. Außerdem haben sich zahlreiche große und kleine Kaufhäuser Rios bereit erklärt, Geld- und Sachspenden zur Verfügung zu stellen.

Italiens Fußballverantwortliche haben sich sehr für die beiden schwedischen Halbstürmer interessiert, die gegen Italien und Paraguy großes Können zeigten. Skogolund und Palmer sollen nun vom FC Turin verlockende Angebote unterbreitet werden. Die Jugoslawen und die Schweizer treten am Freitag mit dem Flugzeug die Heimreise an.

Inzwischen sind die weiteren Spielansetzungen bekanntgeworden. Zur Ermittlung des Weltmeisters tritt nun jeder gegen je*- den an. Am 9. Juli spiolen: Brasilien—■ Schweden in Rio und Spanien—Uruguay in Sao Paolo, am 13. Juli: Brasilien—Spanien in Rio und Schweden—Uruguay in Sao Paolo, am 16. Juli: Brasilien-Uruguay in Rio und Schweden—Spanien in Sao Paolo. Besonders reizvoll sollte das Spiel Brasilien gegen Spanien sein, bei dem temperamentvoller Fußball erwartet wird, so wie der Kampf zwischen Schweden und. Spanien.

Wimbledon im Regen

London. Ein Dauerregen auf London gestattete am Montag erst gegen 18.30 Uhr den Beginn der beiden Herreneinzel Sedgman (Australien)—Larsen (USA) und Talbert (USA)—Patty (USA). Die Turnierleitung ließ nach einer Stunde wegen schlechten Lichts und erneut einsetzenden Regens die Kämpfe abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt war Sedgman gegen den 22jährigen Medizinstudenten Larsen mit 8:10, 2:2 im Rückstand. Patty verlor gegen Talbert den ersten Satz mit 3:6, führte dann aber mit 6:4, 5:2 bei eigenem Aufschlag.

Gegen Abend standen vor dem Haupteingang des All England Lawn Tennisclub Wimbledon 250 Leute, die Karten für die Dienstagsspiele auf dem Center Court als Ersatz für die ausgefallenen Montagsspiele haben wollten. Ueber dreißig Polizisten hinderten die sich geprellt fühlenden Zuschauer am gewaltsamen Eindringen in die Räume des exklusivsten englischen Sportklubs. Der Veranstalter gab später Gutscheine für Center-Court-Plätze aus, die zum Kauf einer Karte ohne Schlangestehen berechtigen.

Turnkreis Darmstadt in Kassel

Die 35 Seiten umfassende Siegerliste von dem 1. Landesturnfest der Hessenturner weist eine beachtliche Zahl von Siegern in den einzelnen Wettkämpfen auf. Wenn auch nicht alle die Spitze erklimmen konnten, so ist doch festzustellen, daß in dem einen oder anderen Mehrkampf auch der Turnkreis Darmstadt mit an bester Stelle rangiert.

Deutscher 12-Kampf: 20. Germann, Arheilgen, 186,1; 25. Winkler, SSG Langen, 178,5-

Deutscher 10-Kampf: 21. Fiedler, TSG Darmstadt, 173,6; 23. Winkler, SS’G Langen, 171,8; 29. Banyay, Arheilgen, 165,6- 31. Steppner, SKG Ober-Ramstadt, 164,7; 35. Anthes, Arheilgen, 161,1; 36. Germann, Arheilgen, 160,7.

12-Kampf Kl. A: 20. Feuerbach, Griesheim, 190,7; 38. Gerhardt, Griesheim, 179,7; 40. Hundsdorf, Wixhausen, 179.

10-Kampf Kl. A: 35. Gärtner, Arheilgen, 158,1; 47. Anthes, Arheilgen, 147,4.

9-Kampf Tui. Kl. A: 7. Wiedner, TSG Darmstadt, 150,4.

5-Kampf — Gymnastik: 15. Groß. TSG Darmstadt, 83,9; 27. Vollhardt, TGB Darmstadt, 77,4; 30. Anthes, Egelsbach. 76,6.

7-Kampf Tui. Jgd. A 32/33: 2. Volkert, SSG Langen, 127,6; 31. Breitwieser, TSG Darmstadt, 110,4; 54. Bitter, Wixhausen, 104,3; 56. Regel, Roßdorf, 104; 67. Schammer, Weiterstadt, 100,2; 68. Schöneberger, Weiterstadt, 99,9.

12-Kampf Turner Kl. B: 35. Seeger. TSG Darmstadt, 196,9; 56. Ritter. Griesheim, 191; 68. Laufer, SKG Ober-Ramstadt, 188,2; 71. Klink, TSG Darmstadt, 187,3.

6-Kampf Turnerjgd. B 34/36: 14. Behrens, SSG Langen, 102; 23. Bößler, TSG Darmstadt, 100,5; 24. Riehle. TSG Darmstadt, 100; 34. Kuraschke, Roßdorf, 97,5; 37. Greim, Wixhausen, 97; 39. Justus, SSG Langen, 96,5; 46. Bonnet, Wixhausen, 95.

9-Kampf Tui. Jgd, 32—36: 19. Bohn, TG 75 Darmstadt, 151,2; 50. -Bier, TG 75 Darmstadt, 136,3; 61. Keil, TG 75 Darmstadt, 120,8.

6-Kampf Kl. B 91/00: 13. Bosch, Wixhausen, 100.

9-Kampf KL A 01/10: 18. Rümmler, TSG Darmstadt, 155,5; 33. Schieferdecker, TSG Darmstadt, 145,3.

9-Kampf Tui. Kl. B: 41. Knöß, Egelsbach, 144,4; 52. Dorsch, TSG Darmstadt, 140,5.

3-Kampf Kl, A Turner: 17, Buschberger, Roßdorf, 55,5.

3-Kampf Tui. Jgd. A 32—33: 11. Wolf, Roßdorf, 44; 12. Löb, Weiterstadt, 42,5; 14. Engel, Weiterstadt, 41,5 und Scheibner, Weiterstadt; 17. Schupp, Weiterstadt, 40.

” Al. »JUiapp, VVCllClöldUl, *±U. 7-Kampf Tu. Jgd. 32—36: 11. Seib, Roßdorf, 117; 16. Feiger. Roßdorf, 114.

3-Kampf kl. 91/00: 15. Treupel, Roßdorf, 52,5.

5-Kampf Turnerinnen — Gerät: 1. Piehl, TSG Darmstadt, 89,8; 17. Röder, TSG Darmstadt, 81.

3-Kampf Tui. Jgd. 34—36: 14. Pfeifer, Weiterstadt, 62,5; 26. Nau, Egelsbach, 54,5.

7-Kampf Tui. 20 u. fr.: 5. Kratsch, TSG Darmstadt, 121,5.

9-Kampf Turner Jgd. 34—36: 3. Michel, Roßdorf, 167,8; 52. Haselbeck, Roßdorf, 1,35,3; 57. Schäfer, SSG Langen, 122,6.

7-Kampf Tui. Jgd. 34—36: .20. Wolf, Arheilgen, 128,2; 28. Wannemacher, Egelsbach, 126,7; 46. Celemt, SSG Langen, 121,7;

73. Melk, Arheilgen, 117,4; 98. Lahm, Arheilgen, 114-

3-Kampf Turner 01—10: 35. Pfeiffer, Weiterstadt, 43.

10-Kampf KI. B: 82, Jourdan, Wixhausen. 134,7.

Wirtschaftsblatt

Läßt sich der Milchverbrauch erhöhen?

Rund 600 Millionen Liter Milch für Hessens Molkereien

Er. Der Vorsitzende des Hessischen Milchrates hatte die zuständigen Abteilungen der Ministerien und Behörden sowie u. a. die Landwirtschaftskammer, den Bauernverband und die Milchwirtschaft zu einer Besprechung eingeladen.

Heuer vom Landesernährungsamt, Mitglied der Preisbildungsstelle, wies darauf hin, daß die rund 130 Molkereien in Hessen die im Jahre anfallenden 500 bis 600 Millionen Liter Milch aufnehmen. In Nordhessen handele es sich mehr um Werkmilchmolkereien (Herstellung von Butter und Käse), während in Südhessen die angelieferte Milch vorzugsweise als Trinkmilch behandelt an die Verbraucher abgegeben wird. Im ganzen würde von den rund 600 Millionen Liter Vollmilch nur ein Drittel als Trinkmilch ausgenommen. Die Milch muß aber über die Molkerei gehen. Der Bauer verfügt nicht über die Einrichtungen zur hygienischen Herrichtung der Milch (entkeimen, entlüften, pasteurisieren, tiefkühlen).

In Hessen werden 0,16 Liter Milch je Kopf und Tag — etwa 60 Liter im Jahr — verbraucht. Früher wurden rund 50 Prozent mehr benötigt. Die Verbraucher müßten den Mi'lchverzehr verlernt haben. Dabei sei die Milch das billigste Nahrungsmittel, das für Kinder und Erwachsene die erforderlichen Nährstoffe in der richtigen Zusammensetzung enthalte. Der Wert der Milcherzeugung in Hessen beträgt bei 600 Millionen Liter etwa 150 Millionen DM. Bekommt der landwirtschaftliche Erzeuger 1 Pfennig je Liter weniger für seine Milch, so bedeutet das für die Landwirte Hessens einen Ausfall von 6 Millionen DM. Durch den Rückgang des Käse-, Quark- und Butterpreises und durch weitere gesetzliche Maßnahmen seien die Erzeugererlöse bereits erheblich zurückgegangen. Hierdurch allein entstünde in Hessen ein Ausfall in der Kaufkraft der Landwirtschaft in Höhe •von 30 Millionen DM. Dazu kämen bei Rückgang der Milchviehhaltung die Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten. Es sei notwendig, daß durch gegenseitige Verständigung zwischen Verbraucher und Erzeuger der Milchabsatz zu beiderseitigem Nutzen wieder auf die Vorkriegshöhe gebracht werde.

Die Vertreterin des Deutschen Hausfrauenbundes, Frau Fini Pfannes, wies darauf hin, daß in den USA der Milchverbrauch 1 Liter je Kopf betrage. Wenn wir zu diesem Verbrauch gelangen würden, so sei die beste Art der Ernährung unseres Volkes gesichert und es gäbe keine Milchfrage mehr. Sie empfahl Trinkmilch in verschiedener Form in den Schulen zu verabreichen und den Milchverbrauch in den Industriebetrieben, in Gaststätten und Haushalt (Milchgerichte), Kantinen und durch Errichtung von Milchhäuschen zu fördern.

Die Bundesanleihe

F.A.Z. In Regierungskreisen und bei den Banken wird es als sicher angesehen, daß die künftige erste Bundesanleihe der Bundesrepublik Deutschland mit einem Zinsfuß von 5 Prozent ausgestattet werden wird, obwohl weder der Zentralbankrat noch di'e Bundesregierung selbst bisher offiziell dazu Stellung genommen hat. In Frankfurt ist lediglich zu erfahren, daß auf der letzten Zentralbankrats - Sitzung keine Einigung über die Erhöhung des Zinsfußes von 5 auf etwa 7 bis 8 Prozent erzielt werden konnte.

Tabakanbau im Ried

EMB Der hessische Tabakbau, der sich fast ganz im Ried befindet, nimmt wieder eine aufsteigende Entwicklung. Im Ried wächst ein feiner Zigarettentabak. Hatte der hessische Tabakbau im Jahre 1939 mit 484 Hektar Anbaufläche und einer Ernte von 19 483 Zentnern seinen höchsten Stand erreicht, so war er als Folge des Krieges im Jahre 1945 auf 148 Hektar und 4064 Zentner Ertrag gefallen. Letztes Jahr hatte man schon wieder kräftig aufgeholt und bei 255 Hektar Fläche eine gute Ernte mit 8000 Zentnern erzielt.

In Zusammenarbeit mit dem Tabakforschungsinstitut Forchheim bemühen sich die hessischen Tabakpflanzer, ihren Tabak weiter zu veredeln. Die diesjährige Aufzucht der Tabaksetzlinge unter Frühbeetglas verlief günstig und die Pflanzen sind inzwischen aufs Feld gebracht worden. Wie sich der hessische Tabak weiter entwickelt, hängt von der Witterung ab. Ein zu trockener wie auch ein zu kühler Sommer würde dem Tabak schaden, feuchtwarme Witterung jedoch das Wachstum fördern.

Die hessischen Tabakpflanzer gehen wieder mehr auf den Tabakbau über, denn die einmalig günstige Zeit der Sonderkulturen mit Gemüse, die in den ersten Nachkriegsjahren mehr Geld als der Tabakbau einbrachten und manches Tabakfeld verdrängten, ist vorüber. Fachkreise sagen dem deutschen Tabakbau besonders für die Zeit nach dem Marshallplan eine gute Zukunft voraus.

sp. Die Warsteiner Eisenwerke AG, War¬ stein/Sauerland, stellten ihr Grundkapital von 4,05 Millionen RM im Verhältnis 10:8 auf 3,24 Millionen DM um

Märkte und Börsen

F. A. Z. An der Frankfurter Börse herrschte am Dienstag an allen Märkten eine lustlose Gesamtstimmung. Noch mehr als an den letzten Tagen hielten Publikum und Kulisse mit Kauforders zurück. Allerdings lagen andererseits auch wiederum nur geringe Verkaufsaufträge vor. so daß es im allgemeinen nicht zu. allzu großen Kursrückgängen kam. •

Devisenhandel

Frankfurt. (Eigenbericht.) Im Frankfurter nicht offiziellen Devisenhandel wurden am 4. 7. 50 für den US-Dollar 5.35—5.75 DM gezahlt. für das engl. Pfund 12.50—13,50 DM, für den Schweizer Franken 1.17—1,27 DM, für den holl. Gulden 1.17 1.27 DM,

Berliner DM-Wechselkurs

F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 4. 7. 1950 für eine DM West 6 Ostmark gezahlt und für 6,20 Ostmark eine DM West geboten.

Mannheimer Produktenbörse

pbz — Die Unsicherheit an den süddeutschen Produktenmärkten bezüglich der künftigen Entwicklung der Getreidepreise hat zu erheblichen Rückwirkungen auch auf dem Futtermittelmarkt geführt. Bei steigender Preistendenz für alle Mühlenprodukte notierte Futtermehl bis 14 DM, Nachmehl bis 18,50 DM. Auch Kleie zieht an. Beim Bekanntwerden neuer Getreidepreise für Freigaben aus der Bundesreserve verbreiterte sich das Angebot, ohne daß der Umsatz zunahm. Mais fehlt völlig. Trockenschnitzel werden zu 17,50 DM ab Braunschweig flott abgerufen. Mischfutter wird zügig abgesetzt. Körnerfutter erzielte bis 33 DM ab süddeutschen Stationen. — Bei Futtergetreide ist Inlandshafer aufgebraucht. Für Futterzwecke wird französischer Hafer zu 26,50 DM je dz ab mederrheinischem Lieferplatz angeboten. Auf Basis 65 Dollar je Tonne wurde französischer Weißhafer mit Sack frei Kehl und nordafrikanischer Hafer per Juli zu 56 Dollar cif deutsche Nordseehäfen offeriert. Haferlieferungen aus der Ostzone sind gut beachtet bei 26,50 DM ab Hamburg.

Frankfurter Großmarkthalle

Bz. Neben reichlichen inländischen Zufuhren waren 35 Waggons aus dem Ausland zum Verkauf gestellt. Es verblieben große Ueberstände an Karotten, Weiß- und Rotkohl sowie an Tomaten. Deutscher Blumenkohl 100 Stück 10—40 (25—50), deutsche Salatgurken 50 Kilo 25 (30), Rotkohl 10—12 (20—22). Weißkohl 6, Wirsing 8, Erbsen 15 —2O, grüne Buschbohnen 25—40. deutsche Zwiebeln 10, deutsche Tomaten 70 (75). In Kirschen, Johannisbeeren und Aprikosen konnte bei langsamem Zurückgehen der Preise der Markt nicht restlos geräumt werdten. * Deutsche Sommeräpfei 20—30, Bananen, die Kiste mit 12,5 Kilo 14—16, italienische Zitronen 22 die 100 Stück. Holl. Trauben 170—173 (200—225), deutsche Pflaumen 55—70, deutsche Birnen 28—30, Pfirsiche 50 (60—75), Erdbeeren 65—120 (90—• 120), Süßkirschen 25—38, Sauerkirschen 18, deutsche Aprikosen 55—70, Stachelbeeren 15 bis 25 013—32), Himbeeren 40—55, Rote Johannisbeeren 18—20.

Bäcker kaufen nicht

pbz — Nachdem die oberrheinischen Mühlen die Mehlpreise um durchschnittlich 2 DM je Doppelzentner erhöht haben, stehen die Großhandelspreise für Type 1600 um 6,65 DM, für Type 1050 um 7,25 DM und für Type 812 um 7,60 DM höher als bisher. Die Bäckereien und Verarbeitungsbetriebe, die bisher verhältnismäßig gut versorgt waren, haben zu diesen Preisen keine Einkäufe vorgenommen. k

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange meines lieben Mannes, unseres treubesorgten Vaters, Sohnes, Bruders, Großvaters, Schwiegervaters, Schwagers und Onkels, Herrn Heinrich Ulrich Postkraftfahrer sagen wir allen, die uns bei dem schweren Leid« zur Seite standen, unseren herzlichen Dank. Insbesondere 'danken wir Herrn Pfarrer Neff für die trostreichen Worte am Hause und am Grabe, für die Kranzniederlegungen seiner Arbeitskollegen, Gewerkschaftsmitgliedern und Mitkonfirmanden, allen Spendern von Kränzen und Blumen und allen denjenigen, die ihm das letzte Geleit gaben. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Anna Ulrich und Kinder Beerfelden, den 3. Juli 1950

Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Vater, Schwiegervater, Groß- und Urgroßvater, Schwager und Onkel, Herr Heinrich Strößinger 11. Schutzmann 1. R. nach einem arbeitsreichen Leben im Alter von 77 Jahren von seinem schweren Leiden erlöst wurde. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Jean Bohn, Seeheim Familie Wilhelm Strößinger, Auerbach Familie Karl Ritsert, Auerbach Familie Karl Esinger, Stuttgart Bensheim - Auerbach, den 1. Juli 1950 Die Beerdigung fand; am Dienstag, 4. Juli 1950, statt.

Am 1. Juli 1950 entschlief im Kreis-Krankerihaus Jugenheim mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr Friedrich Nikolaus Roth im Alter von 70 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Amalie Roth und Kinder Gernsheim, den 1. Juli 1950 Die Beerdigung fand am Montag, dem 3. Juli, statt.

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Geschäfts Übernahme Allen meinen Kunden und GeidiäFtslreunden zur gefälligen Kenntnis, daß ich das / rideuraedchä-fl- / ^FERDINAND KICK Sandbergstr. üb übernommen höbe. Idi bitte häfl., das bisher Herrn Kick entgegengebrachte Vertrauen auch mir in der Zukunft entgegen bringen zu wollen 'Prinzip: Zufriedenstellung der Kunden bei soliden Preisen KURT RÖSENER Kleine Anzeigen

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[Bestattungen am Mittwoch, dem 5. 7.1950 Beerdigungen: . Alter Friedhof: 10.30 Krüger, Otto, früher wohnhaft Schloßgartenplatz 12, 67 Jahre Waldfriedhof: 15.15 Roth, Karl, Invalide, Emiistraße 44, 56 Jahre

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