Heftige Luftkämpfe über Koren
Amerikanische Fliegerverbände in ständigem Einsatz / Die Front läge weiterhin undurchsichtig
Taidschon, 3. Juli. (BBC./AP./dpa) Die widersprechenden Berichte von dem südkoreanischen Kriegsschauplatz lassen eine klare Beurteilung der Lage nicht zu. Das amerikanische Hauptquartier glaubt festgestellt zu haben, daß die Truppen der Nordkoreaner ihre Bewegungen nach Süden verlangsamt, wenn nicht sogar vorübergehend ganz eingestellt haben.
Nach den nordkoreanischen Kriegsberichten sollen einzelne Kampfgruppen jedoch weiter nach Süden vorgestoßen sein und Städte und Ortschaften, die 50 Kilometer südlich von Suwon liegen, bereits erreicht haben. Die nordkoreanischen Verbände waren im Laufe des Sonntags in einer Frontbreite von 90 Kilometer in fünf unabhängig voneinander operierenden Kampfgruppen, von denen zwei mit Panzerkampfwagen ausgerüstet waren, nach Süden vorgestoßen. Sie hatten Suwon, das sie noch nicht genommen hatten, umgangen und waren in heftige Kämpfe verwickelt worden. Amerikanische Jagdbomber griffen die nordkoreanischen Einheiten ständig an und konnten den Abschuß zahlreicher Lastwagen melden, die mit Betriebsstoff beladen waren.
Die Nordkoreaner gruppieren um
Die amerikanischen Aufklärungsflugzeuge gewannen im Laufe des Montags den Eindruck, daß die Nordkoreaner dabei sind, ihre Verbände umzugruppieren und Verstärkungen heranzuführen. In frontnahem Raum waren die Bewegungen am Tag fast völlig erstarrt, während im Gebiet hinter dem Han-Fluß auf Eisenbahnen und Lastwagen Truppen und Material nach Süden rollten. Die Eisenbahnbrücke südlich Söul ist unzerstört in die Hände des Feindes gefallen, so daß der Bahnverkehr bis an den Han herangeführt werden kann. Der Uebergang über den Fluß scheint den Nordkoreanern jedoch Schwierigkeiten zu machen, da sie bisher nur verhältnismäßig wenig Panzer über die drei Behelfsbrücken schaffen konnten.
Die amerikanischen Verbände sammeln sich im Raume Taidschon- In Anlehnung an die natürlichen Hindernisse sind Spezialeinheiten, mit Schaufelpanzern und Traktoren ausgerüstet, dabei, Feldstellungen auszuheben, in denen die südkoreanischen Truppen aufgenommen werden können und die gleichzeitig die Ausgangsstellung für den Gegenangriff werden sollen. Mit wirksamen amerikanischen Gegenangriffen kann jedoch nicht vor dem Ablauf von zehn Tagen gerechnet werden. Der früheste Zeitpunkt größere Kampfhandlungen zu unternehmen, wäre für die amerikanischen Truppen das kommende Wochenende.
Riesige Brände
Die Luftflotten der Amerikaner und Nordkoreaner sind im ständigen Einsatz und liefern sich zum Teil erbitterte Kämpfe. Operative amerikanische Luftstreitkräfte flogen zahlreiche Angriffe gegen Städte und Dörfer nördlich des 38. Breitengrades und bombardierten vor allem die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang. Riesige Brände stan-
den noch viele Stunden nach den Angriffen über den bombardierten Ansiedlungen. Die Nordkoreaner konnten zwei amerikanische Bomber abschießen und zwei zur Landung zwingen. Insgesamt verloren die Amerikaner bis zum Sonntag abend zwölf Maschinen. Nordkoreanische Jäger griffen amerikanische Infanterie im Tiefflug an. Die Truppe hatte bei dem Beschuß mit Raketen und Leuchtspurmunition Verluste. Die Nordkoreanischen Kommissare haben in den von ihnen besetzten Städten überall die Verwaltung übernommen. In der Hauptstadt Söul sind große „Säuberungen“ vorgenommen worden. Rund sechstausend „Kollaborateure“ sollen hingerichtet worden sein- Die nordkoreanischen Kommissare interessieren sich vor allem für die ehemaligen Hausangestellten, das Verwaltungspersonal und die Bekannten der Amerikaner. Besonders eifrig werden die Freundinnen der amerikanischen Soldaten der Militärmission gesucht und in vielen Fällen hingerichtet. Die Korrespondenten der amerikanischen Zeitungen melden jedoch, daß auch die südkoreanische Regierung rücksichtslos gegen Kommunisten in ihren Gebieten vorgeht. Allein in Suwon sind 100 Kommunisten auf dem Bahnhofsvorplatz erschossen worden. Beide Seiten greifen bei den Bestrafungen zu den grausamsten Mitteln.
Frankreichs Yorschläge aebilligt
Wiederaufnahme der Besprechungen um den Schuman-Plan
Paris, 3. Juli. (AP) Die - Plan-Besprechungen wurden am Montag von den Delegierten aus Westdeutschland, Frankreich, Holland, Belgien, Luxemburg und Italien wieder aufgenommen, nachdem diese in der Zwischenzeit mit ihren Regierungen Rücksprache gehalten hatten.
Die Sitzung bot den beteiligten Regierungen die erste Gelegenheit, sich zu dem französischen Gedanken der Bildung einer gemeinsamen Oberbehörde für die Verwaltung der westeuropäischen Schwerindustrie zu äußern. Wie Konferenzteilnehmer erklärten, wurde der französische Vorschlag von den Delegierten vorbehaltlich einiger Einzelheiten im allgemeinen gebilligt.
In einem kurzen Kommunique wurde nach der Sitzung mitgeteilt, daß die Delegierten über die Ergebnisse der Besprechungen mit ihren Regierungen berichteten. Die Delegierten beschlossen außerdem, eine Reihe von Sonderausschüssen zu bilden, die sich mit den Einzelheiten des Schuman-Plans befassen sollen. Sie werden am Dienstag um 16 Uhr wieder zusammentreten, um über die Zahl dieser Ausschüsse und deren Vollmachten Beschluß zu fassen.
Der Schuman-Plan sieht die Einsetzung einer Oberbehörde durch die Regierungen der Teilnehmerstaaten vor. Diese Oberbehörde soll die Aufgabe erhalten, die Kohlen- und Stahlindustrie dieser Länder zu koordinieren und zu erweitern, die Handelsbeschränkungen für diese Industriezweige zu beseitigen und den Lebensstandard in den Teilnehmerländern zu erhöhen.
Sie soll einem über-nationalen Parlament verantwortlich sein, in das die Länder¬ -“arlamente ihre Vertreter delegieren.
Die Geireidepreise
Der Bauernverband an Dr. Adenauer
Bonn, 3. Juli, (dpa) Das Präsidium des deutschen Bauernverbandes hat Bundeskanzler Dr. Adenauer gebeten, „in Anbetracht der auf dem Getreidemarkt entstandenen ernsten Lage“ Vertreter des Bauernverbandes zu Verhandlungen über die Getreidepreise zu empfangen. Der Bauernverband wandte sich gleichzeitig in Telegrammen an den Bundesernährungsminister, die Ministerpräsidenten und Landesernährungsminister sowie an die Vorsitzenden der Bundesfraktionen gegen die den Gewerkschaften gegebene Zusicherung des Bundeskanzlers, daß die Bundesregierung gegen Einfuhrausgleichsabgaben sowie gegen eine ungerechtfertigte Brotpreiserhöhung sei und eine Fettsteuer ablehne.
Bamben ohne entfdheidende Wirckung
Einsatz von weiteren 100 000 Amerikanern wird für notwendig gehalten
Tokio, 3. Juli. (AP.) Nach Berichten aus Pusang hat es sich nicht bestätigt, daß nationalchinesische Truppen für den Einsatz in Korea vorgesehen sind und bereits auf dem Transport nach Korea seien. Die amerikanische Regierung hat der Regierung des Marschalls Tschiang Kai-schek ihren tiefempfundenen Dank für die Haltung ausgesprochen, ist jedoch bestrebt, keine Chinesen auf dem Festland einzusetzen, um zu verhindern, daß Truppen des Generals Mao Tse-tung gleichfalls zum Einsatz auf der anderen Seite kämen. Man hat Tschiang Kai-schek gebeten, mit General Mac Arthur persönlich Verbindung aufzunehmen und die Frage eines Eingreifens zu klären.
Militärische und politische Stellen in den Vereinigten Staaten rechnen mit einem längeren Krieg. Es wird geschätzt, daß mindestens 100 000 Mann notwendig seien, um die Nordkoreaner wieder bis zum 38. Breitengrad zurückzudrängen. Vereinzelt wird von führenden Politikern bereits angefragt, warum der amerikanische Geheimdienst nicht in der Lage gewesen sei, die nordkoreanischen Kriegsvorbereitungen rechtzeitig festzustellen und dem Oberkommando im Fernen Osten damit die Möglichkeit gegeben hätte, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Es wird darauf hingewiesen, daß die nordkoreanische Presse bereits Wochen vor dem Beginn des Krieges erklärt habe, Nordkorea bereite sich darauf vor, die Einheit ganz Koreas zu verwirklichen. Es sei auch immer wieder das Datum des 5. Jahrestages der Befreiung von den Japanern genannt worden, der in diesen Tagen gefeiert werden soll. Mit einem gewissen Unbehagen wird von den verantwortlichen Kreisen der Vereinigten Staaten registriert, daß das Eingreifen amerikanischer Flugzeuge allein die Lage nicht habe wenden können. Der Gegner habe sich davon anscheinend gar nicht beeindrucken lassen- Der Einsatz der amerikanischen Erdtruppen käme zwar nicht zu spät, aber zu einem Zeitpunkt, an dem die südkoreanische Armee bereits schwer angeschlagen sei.
Amerikanische Truppen, kurz nachdem sie in Schlauchbooten über den Han-Fluß gesetzt sind, auf dem Marsch nach dem Flugplatz Kimpo
Eine Klarstellung
Seit dem 1. Juli erscheint wieder das „Darmstädter Tagblatt“. Den freudigen Widerhall aus Stadt und Land haben Verlag und Redaktion dankbar zur Kenntnis genommen.
Bedauerlicherweise ist jedoch von einer anderen Darmstädter Zeitung eine Verlautbarung erfolgt, die der Klarstellung bedarf. Offenbar wollte man mit dieser Pressenotiz den Eindruck erwecken, als handle es sich bei dem „Darmstädter Tagblatt“ um ein Kopfblatt, das eine Privatangelegenheit der Redaktion der „Allgemeinen Zeitung“ und „einiger Darmstädter Redakteure“ sei.
Richtig ist, daß das „Darmstädter Tagblatt“ nicht in Darmstadt gedruckt werden kann, da die Druckerei L. C. Wittich ihren Betrieb in der Bleichstraße seinerzeit auf Anordnung der Besatzungsmacht verpachten mußte und alle Bemühungen, aus diesem Zwangsvertrag gütlich herauszukommen, vergeblich blieben.
Richtig ist, daß das „Darmstädter Tagblatt“ die über 200 jährige Verlagsarbeit des L. C. Wittich-Verlags in Darmstadt fortsetzt.
Richtig ist, daß die Redaktion des „Darmstädter Tagblatts“ aus verstand- liehen Gründen örtlich getrennt arbeitet. Sie bildet jedoch in all ihren Teilen einen geschlossenen, selbständigen Redaktionskörper.
Richtig ist, daß zur Fortführung der alten und bewährten Qualitätsleistung der Verlag L. C. Wittich mit einem seit über 100 Jahre bestehenden Mainzer Verlag zusammenarbeitet.
Unsere Leser und wir sehen darin keinen Nachteil, sondern einen unschätzbaren Vorzug. Die „Allgemeine Zeitung“ hat sich durch ihre klare Linie, die sie ohne Kompromisse und ohne durch Konjunktur bedingten Zickzackkurs seit ihrem Erscheinen innehält, Geltung und Ansehen verschafft und zählt nach dem Urteil des In- und Auslandes zu den besten deutschen Zeitungen.
Was man dem „Darmstädter Tagblatt“ zum Vorwurf machen will, ist also ein ausgesprochener Vorzug.
Unsere Leser dürfen versichert sein, daß Verlag und Redaktion mit aller Kraft daran arbeiten werden, ein hochwertiges „Darmstädter Tagblatt“ zu schaffen.
Verlag und Redaktion des „Darmstädter Tagblatts" L. C. Wittich
Die schwarzen Pfeile auf der Karte bedeuten die nordkoreanischen Landeköpfe an der Küste und die bisher nach Süden vordringenden Verbände im Kampfgebiet Söul-Suwon. Der weiße Pfeilzeigtden Punkt der amerikanischen Landung bei Pusan an und den Transport der amerikanischen Infanterie nach Norden, die in der Nähe von Taidschon d. Versammlungsraum dernachfolgenden amerikanischen Verbände sichern
Das Dreizchnte
*** Man darf wohl sagen, das neue französische Kabinett unter der Führung Henri Queuilles, das sich heute der Nationalversammlung vorstellt, sei unter dem Druck der internationalen Lage zustandegekommen. Die Parteien sahen ein, das Land könne in diesem Augenblick nicht ohne Führung bleiben.. Es ist das dreizehnte französische Kabinett seit Kriegsende. Man pflegt die Zahl Dreizehn nicht gerade als günstiges Vorzeichen anzusehn. Tatsächlich wird bereits befürchtet, daß die Sozialisten, die Queuille ihr Vertrauen ausgesprochen haben, sehr bald Schwierigkeiten machen könnten. Gerade die Geschichte der französischen Nachkriegsregierungen hat aber bewiesen, daß sich vielfach die Kabinette am längsten hielten, die auf sehr schwachen Beinen standen. Irgendwie muß regiert werden. Das sieht man auch in Frankreich ein, zumal im jetzigen Augenblick, da die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft der Vereinten Nationen rasche und eindeutige Entschlüsse verlangt.
Das Kabinett Queuille, das etwas weiter rechts steht als das vorhergehende Kabinett Bidault, scheint gewillt, sich entschieden an die Seite der Mächte stellen zu wollen, die sich zusammengetan haben, um dem bolschewistischen Vordringen Einhalt zu gebieten. Das beweist die überraschende Ernennung des früheren Ministerpräsidenten Paul Reynaud zum Fern-Ost-Minister. Reynaud ist bekannt als Gegner der Kommunisten, sowie als Befürworter der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Seine Ernennung wird als Zeichen für die feste Entschlossenheit der französischen Regierung angesehen, die Beschlüsse der Vereinten Nationen im Koreakonflikt zu unterstützen. Da Reynaud ferner für die französischen Beziehungen zu den drei Staaten in Indochina verantwortlich ist (was bisher drei Ministerien oblag), nimmt man an, er werde auch die Leitung der militärischen Operationen gegen die kommunistischen Aufständigen in diesen Gebieten erhalten. Man weiß, daß diese Operationen den französischen Militärhaushalt sehr stark belasten und daß sich als Folge erhebliche Widerstände gegen die Weiterführung der verlustreichen Dschungelkämpfe zeigen. Im Rahmen der neuen Entwicklung in Ostasien haben jedoch diese Kämpfe eine gesteigerte Bedeutung erhalten. Durch sie muß verhindert werden, daß der Bolschewismus in Indochina einen neuen Ansatzpunkt für sein weiteres Vordringen findet. Paul Reynaud bietet die Gewähr dafür, daß das dreizehnte französische Nachkriegskabinett dieser Bedrohung mit allen Mitteln entgegenwirkt.
„Hreiliges Land“
Der Minderheitenkongreß für Rückkehr der Helgoländer auf ihre Insel
zz. Grenzen in Europa sind fast immer aus politischen oder strategischen Erwägungen gezogen werden. Nur in ganz seltenen Fällen wurde dabei darauf Rücksicht genommen, ob eine stammesverwandte Bevölkerung beisammenblieb oder auseinandergerissen wurde. Dadurch gab es immer ein Minderheitenproblem. Den Politikern machte es aber erst Kopfschmerzen, seit das National- und Stammesbewußtsein bei den Völkern zu wachsen begann. Ungeachtet der vierzehn Punkte Wilsons wurden nach dem ersten Weltkriege Bevölkerungsgruppen rücksichtslos von ihrem Mutterlande getrennt. Man denke nur an Ostoberschlesien. Auch nach Deutschlands zweitem Zusammenbruch haben selbst die Westmächte sich nicht an die Atlantik-Charta gehalten und durch „Grenzregulierungen“ Gebietsteile mit deutscher Bevölkerung den Nachbarländern Holland, Belgien und Luxemburg zugeschlagen.
Der Minderheit en- Schu t z
Nach dem ersten Weltkrieg wurde immerhin ein internationaler Minderheitenschutz vereinbart, der die fremden Volkslums-Bestandteile in einem Staate vor Unterdrückung bewahren sollte. Nicht alle Staaten haben sich daran gehalten. Aber das Bewußtsein, international anerkannt zu sein, hat die Minderheiten zusammengeführt, damit sie ihre gemeinsamen Interessen vertreten könnten. Sie haben neuerdings eine Tagung in Holland abgehalten und dabei die Anerkennung der nationalen Minderheiten durch den Europarat in Straßburg gefordert. Gerade die Minderheiten haben das größte Interesse an einer europäischen Einheit, denn nur durch eine solche können sie hoffen, daß ihre Interessen gewahrt werden.
Wie groß die Zahl der Menschen heute ist, die als Minderheiten in einem Staate leben, läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Zu ihnen rechnen sich die Deutschen in Nord-Schleswig und die Dänen in Süd-Schleswig, die Friesen in den Niederlanden. die Bretonen in Frankreich, die Flamen und Wallonen in Belgien, die Schotten und Walliser in Großbritannien. Hinzu kommen noch eine schwedische Minderheit in Finnland, die Südtiroler in Italien. Selbst die Sizilianer wollen als Minderheit gewertet werden und waren auf dem Kongreß mit vertreten.
Die Frage Helgoland
Für uns dürfte es am bemerkenswertesten sein, daß der Rat europäischer Minderheiten in Leeuwarden eine Entschließung der holländisch-friesischen Delegation gebilligt hat, in der die britische Regierung aufgefordert wird, die Insel Helgoland künftig nicht mehr zu bombardieren, da die Bombardierungen eine Verletzung des europäischen Rechtes darstellten.
Die friesische Delegation machte dabei geltend, die Helgoländer seien weder Dänen, noch Deutsche, noch Engländer, sondern Friesen. Helgoland sei das Mark der friesischen Länder. Es sei für das friesische Volk ein „heiliges Land“. Der Beschluß dei’ britischen Regierung, die Insel aus angeblich militärischen Gründen zu zerstören, werde von allen Friesen als empörend empfunden.
Die von ihnen vorgelegte und gebilligte Entschließung fordert also, daß die Helgoländer auf ihre Insel zurückkehren können und eine Entschädigung für die Verluste erhalten, die sie seit der Kapitulation Deutschlands erlitten haben. Nach ihrer Rückkehr sollen die Helgoländer durch eine Volksabstimmung darüber entscheiden, ob sie einem Staate angehören oder ob sie ein selbständiger Teil des Vereinten Europa sein wollen.
Mittel zum Zweck?
Dieser Vorschlag der Entschließung wirkt zunächst verblüffend. Zweifellos sind die Helgoländer zu ihrem größten Teil stammesmäßig Friesen. Friesen mögen zwar in Holland eine Minderheit bilden, die Friesen in Deutschland waren jedoch keine Minderheit, sondern ein vollwertiges Glied der deutschen Stammesgemeinschaft . Die Helgoländer jetzt als eine Minderheit ansehen zu wollen, scheint uns reichlich willkürlich. Wenn diese Aussonderung aus der deutschen Stammesgemeinschaft aber ein Mittel zum Zweck sein soll, ihnen die Rückkehr auf ihre Insel zu ermöglichen, die andernfalls völlig vernichtet werde, so wird man diesen Weg kaum mißbilligen können.
Da Deutschland seine eigenen Interessen noch nicht genügend selbst vertreten kann, muß man — ebenso wie bei der Lösung des Vertriebenenproblems — dankbar dafür sein, wenn eine internationale Organisation sich zu unserem Fürsprecher macht. Ob aber England darauf verzichten wird, die „Heilige Insel der Friesen“ weiterhin zu zerstören, muß abgewartet werden. In der Weltöffentlichkeit und hoffentlich auch in England wird es jedoch nicht ohne Eindruck bleiben, daß die Entschließung des Minderheitenkongresses die Zerstörung der Insel als „ernste Form des Völkermordes“ bezeichnet.
„Gründungsfieber“
m Der Krieg ist zwar nicht der Vater aller, aber doch vieler Dinge . . . Der (noch kalte) deutsche Länderkrieg zwischen Rheinland-Pfalz und Bayern hat die Staatszeitung für Rheinland-Pfalz gezeugt, das erste Exemplar des neuen Types der aus der Pressegeschichte rühmlich, auch unrühmlich, bekannten Staatsanzeiger. Dem Vernehmen nach folgt Bayern demnächst mit seiner Pressekanöne und da in der Nummer 8 von Rheinland-Pfalz, dem Geburtslande, ein Universitätsprofessor und doppelter Doktor einen Aufsatz mit der erschütternden Feststellung beginnt: „Die schlimmsten Feinde von Rheinland-Pfalz sind ohne Frage in Groß-Hessen zu suchen“, so werden sich diese Feinde ja wohl auch finden lassen und in Wiesbaden wird das große Rüsten losgehen, d. h. man wird auch dort keinen anderen Weg wissen, als eine Staatszeitung zu gründen.
Gründungsfieber ist immer mit Appetit verbunden. Nordrhein-Westfalen hungert nach Teilen von Rheinland-Pfalz, was man allerdings auch anders ausdrücken kann: Teile von Rheinland-Pfalz wollen zu Nordrhein-Westfalen. So oder so: nach Bayern, Hessen wird dieses Land als „Feind“ vom Staatszeitungsgründungsfieber sich erfassen lassen müssen. Wird so schon zur Genüge der epidemische Charakter dieser fiebrigen Krankheit offensichtlich, so läßt sich mit ziemlicher Sicherheit voraussagen, daß sie nicht eher Halt machen wird, als bis der letzte „Feind“ im deutschen Länderkörper von ihr erfaßt ist. Es drängt sich da der Vergleich mit einer Kettenreaktion auf, denn jedes Land hat seine Anrainer, die sich von einer Neuordnung etwas versprechen oder etwas von ihr befürchten. So muß eich notgedrungen der rheinland-pfälzische Anstoß fortpflanzen und zu einem System Von staatsverteidigenden Staatszeitungen führen, did an Zeiten in der deutschen Geschichte erinnern, die gemeinhin selbst bei wechselnden Geschichtsauffassungen von der besten deutschen Geschichtsschreibung doch nur als „dunkel“ bezeichnet wurden und werden.
Wo bei einem Unternehmen Staatsregierungen als Gründer, die Verteidigung von Miniaturvaterländern als Gründungszweck und ein gut Teil des Steueraufkommens der daran völlig uninteressierten Bürger als Gründungskapital auftreten, da wird der Aufwand groß und der Ertrag klein sein müssen. Man kann einer Zeitung ein Gesicht geben, das zwischen schön und häßlich schwanken mag, man kann ihr aber dadurch kein Niveau geben, daß man höhere Landesbeamte der verschiedenen Ressorts antreten läßt, Themen verteilt und dadurch oft ehrenwerte Männer in gefährliche Nähe von auch aus der Geschichte bekannten, höchst untertänigen „Skribenten“ bringt. Es war doch auffallend, daß bisher viele dieser Herren es für unter ihrer Würde hielten, auch für ihr Amt fürchteten, wenn sie für die „ordinäre" Tagespresse aus ihrem Geschäftsbereich berichten sollten. Sie ziehen es nur vor, statt über die großen Zeitungen zum Volke, über die Staatszeitungen zu den Landesdienststellen zu sprechen — auch ein Ehrgeiz!
Auf zwei Ausgaben der heimischen Staatszeitung wird man gespannt sein können: auf die eine, in der die Minister der Koalition selbst sich ihrer brüderlichen Liebe, dokumentiert in der einhelligen Zustimmung zur Gründung der Staatszeitung, weiterhin versichern und auf die andere, in der eine Blütenlese der bisherigen Verleumdungsbriefe der Koalitionspartner veröffentlicht wird — denn auch darin haben Staatszeitungen ein Monopol.
Wir wollen zum Schluß das Problem der Staatszeitungen aber nicht nur negativ sehen: die eine Kanone der Staatszeitung kommt unser Land immer noch billiger zu stehen, als wenn es seinen Nachbarn, die nach seinen saftigen Lendenstücken lechzen, den Krieg erklärte, den ganz heißen, den dreimal verfluchten deutschen Bruderkrieg.
Nur ein Yersehen
Der ägyptisch-israelische Zwischenfall
Tel Aviv, 3. Juli. (dpa). Ein Sprecher der israelischen Armee hat in Tel Aviv die ägyptische Darstellung von einem Grenzzwischenfall in der Nähe von Gaza bestritten. Eine israelische Patrouille habe versehentlich die Demarkationslinie überschritten und sei von den Aegyptern beschossen ■worden. Als die Patrouille gemerkt habe, daß sie auf der falschen Seite der Demarkationslinie gewesen sei, habe sie sich sofort auf israelisches Gebiet zurückgezogen.
Der ägyptische Kriegsminister bestätigte, daß der Zwischenfall nicht ernster Natur gewesen sei. Er behauptete jedoch, daß ein Araber dabei den Tod gefunden habe.
Die Deutsche Gartenschau in Stuttgart
Ein Blick aus der Vogelperspektive / Von Max Geisenheyner
Für einen Flugzeugblick ist man nicht hoch genug in der Luft, man schwebt auf zwei nebeneinandergefügten Gartenstühlen, mit einem Sicherungsstängchen davor, einmal in 10 Meter Höhe, dann wieder 15 Meter hoch, sanft durch die Luft. An einem Drahtseil, wohl eine Viertelstunde, geradeaus, dann um die Ecke und wieder zurück. Fliegt über das gesamte Gelände der Ausstellung auf dem Killesberg. Ein Gelände? Es ist ein Naturschutzpark mit Felspartien, Schluchten, Teichen, Waldungen und Blumenbeeten. Sie liegen, von oben gesehen, gleich gewaltigen, vielfarbigen Kissen in der Landschaft. Hoch über Stuttgart emporgehoben d!e große Ausstellung, Nachbarin der Weißenburg-Siedlung. Wer nicht zu „fliegen“ beabsichtigt, kann von den Terrassenhöhen den Pfeil des Blickes in das immer wieder überraschende Panorama hinuntergleiten lassen. Zu dem Häusermeer, das eingebettet ist in einen Talkessel mit grüngepolsterten Wänden, in welche die roten Dächer alter und wiedererstandener Bauten eingefügt sind. In der Talsohle ziehen die Straßen — man sah es bei der Fahrt zum Berg hinauf — in so neuem Glanze dahin, daß man sich wunderte, wenn noch ein Trümmerhaufen entdeckt wurde. Die deutsche Gartenschau ist eine Triumphstätte schwäbischer Ueberwindung von Kriegsfolgen. .Eine sehr anmutige Stätte dazu. Der übliche Wirrwarr großer Ausstellungen fehlt. Es ist gar nicht professoral, was da der Herr Professor Mattern von der Kasseler Staatlichen Werkakademie in seinem Gesamtentwurf gestaltet hat. Alles hat Leichtigkeit und folgt der Schönheit der Landschaft und dem Blumensinn der Ausstellung. Schon am Haupteingang ist eine ordnende und schmückende Künstlerhand zu spüren. Gestänge wie aus Märklins Baukästen tragen Holzverkleidungen aus feinen und langen Stäben, die Wänden und Türmen grazile Formen geben; dazu die Buntheit von tausend Fähnchen, die zu schmalen Baldachinen ausgebreiteten, gestreiften Leinentücher.
180 Bombenlöcher
1939 hatte der Krieg die Ausstellung mit grober Faust geschlossen, und als die Zeit der Luftangriffe kam, wurde das Gelände mit seinen Bauten zu einer Trümmerstätte. 180 Bombenlöcher pflügten nutzlos das Erdreich. Zwei Jahre dauerte es, bis einigermaßen wieder Ordnung geschaffen war. Die Natur selber half mit. Der Waldbestand hatte sich gehalten und nun ließ die alle Zeit geduldige Erde geschehen, was gärtnerische Hände in sie versenkten. Da, wo einst eine Halle stand, wurde den Trümmern ein weißes Taubenhaus angeheftet. Beim Anblick des flatternden Federvolkes meint man, das Gebäude sei nur zu dem ;Zweck mit einer Bombe beworfen worden, damit man später so ein zierliches, hölzernes Schmuckwerk mit seinen Nestlöchem schicklich anbringen könne und Anmut wieder einmal die rohe Gewalt übertrumpfe. Jede Schwere ist auch in der Architektur der Bauten vermieden. Die neue große Ausstellungshalle, nahe am Eingang, ist ein Wunderwerk In ihrer Schweißtechnik aus Stahl, Naturstein und Glas. Fast sieht es aus, als wären gewaltige Fensterscheiben didit nebeneinander hingesetzt und darüber wäre ein Dach gebreitet worden. Dieser Halle gilt der erste Besuch, nachdem man über Akazien und Eichbäume, über üppige, breite Wogen von Hekkenrosen, Überseen und Teichen dahingeglitten ist und nun wieder auf der ebenen Erde steht. In dem Glashause schwebt eine Duftwolke empor, aus einer Schau von hunderttausend Schnittblumen: Nelken, Hortensien, Rosen, Gladiolen. Tropische Schlingpflanzen ringeln sich, auf Polsterkissen von Moos blühen Kakteen. Ein Feigenbaum erhebt sich. Schließlich führt der Rundgang zu einer Reihe von Gemüse-Stilleben, über welche die alten holländischen Maler gejauchzt hätten. Keine gefüllten Schüsseln, nein meterhohe Pyramiden, kunstvoll besteckt mit Salaten, Blumenkohl, Treibbohnen, Karotten, Gurken, Tomaten. Das leuchtet in so frischen, appetitlichen Farben, ist so anreizend auf gebaut, gestuft und gegipfelt, daß man zum Vegetarier werden könnte, wenn sich nicht zugleich fleischerne Gedanken herandrängten und die passenden, duftigen Braten dazuzauberten. Erdbeeren, Kirschen, Stachelbeeren, lassen leckere Nachtischfreuden ahnen. Eine solche Augenweide, so unschuld'ig-pflanzenhafter Art, kann allerdings keine auch noch so trefflich eingerichtete Groß-Metzgerei spenden, wenn sie auch den Gaumen mannigfaltig zu streicheln vermag.
Von Juni bis Oktober
Die deutsche Gartenbauausstellung hat eine beneidenswerte Dauer, vom Juni bis in den Oktober hinein; denn in jedem der Monate gibt es Blumen und Früchte in Fülle. Im Juli wird die große Halle allerdings den Aquarien und Terrarien gehören nebst einer Sonderschau der Blumenbinderei. Nicht nur ans Schauen, an das Nur-Schöne ist gedacht. Das Nützliche wird mit dem Angenehmen verbunden. In der Industrieschau gärtnerische und landwirtschaftliche Geräte; in der Freilandschau, an deren Grenzbezirken die Gewächshäuser stehen, haben die begehrten Gruppenpflanzen ihre Felder: die Begonien, Verbenen und die prächtige Canna, Margeriten breiten weiße Schleier über grüne Flächen. In den Schutz der Bäume kuscheln sich die Fuchsien ein. Besondere Zeugin schwäbischer Beharrlichkeit und Zähigkeit ist die große Parkwiese. Hier wurden, wie man vernimmt, 500 000 cbm Erde bewegt, Schutt und Müll weggeschafft und das gesamte Terrain umgestaltet. Es wurde entwässert, bewässert, beleuchtet. 150 000 qm Wege und Platzflächen in einer Gesamtlänge von 15 km sind angelegt worden. 800 bis zu 20 Zentner schwere Bäume wurden ins Gelände gebracht, 20 000 Sträucher gepflanzt, 50 000 Rosen, 12 000 Blumenzwiebeln, 300 000 Stauden, 500 000 Frühjahrs- und 300 000 Sommerblumen. Der Garten- und Naturfreund kann nun, spazierengehend, fast ein halbes Jahr hindurch überprüfen, was geschafft wurde, sich an den bunten, lockenden Ergebnissen freuen und daran lernen, wenn er will. Nicht möglich, in einem Aufsatz auch nur annähernd aufzuzählen, was es zu sehen gibt. Da sind noch ein Liliengarten, ein Sondergehege der den Schatten liebenden Pflanzen, ein Quartier des wintergrünen Laubgehölzes, eine Dahlienschau, Seerosen, ein Bachlauf mit Wasserpflanzen, eine Obstwiese mit Bäumen, die den Krieg überstanden.
Siedlerstellc
Durch das Gelände rattert pfeifend die reizende, offene Kleinbahn mit Kindern und Erwachsenen. Ein Freibad, schwäbische Weinstuben laden ein und die württembergisch-badische Milchwirtschaft wartet mit allerlei gesunden Getränken auf. Ein Gartenamt gibt Anweisungen. Man kann studieren, wie man sein eigenes Haus oder Häuschen am besten in eine Landschaft stellt. Die Siedlerstelle, eine sozial außerordentlich wichtige Einrichtung, lehrt Industriearbeiter, Handwerker und Angestellte wie sie am besten ein Gelände praktisch und zugleich schön ausnutzen. Wer nun nach den vielen Gängen und Fahrten im Gelände, nach all den bewundernden Ach's und Oh's wissen will, wie schön er einmal am Ende seines Daseins, nachdem er den Garten seines Lebens durchmessen hat, ausruhen könnte, dem zeigt das ein von einem Gartenarchitekten angelegter Friedhof. Diese Stätte schließt sich mit ihrer reinen Heiterkeit und liebevollen Gepflegtheit wie selbstverständlich an das bunte Leben der Gartenschau an, die ja im Blühen und Welken auch ein Abbild des menschlichen Daseins ist.
Das müßte schon ein finsterer Tropf sein, der bei einem Gang durch diesen Naturschutzpark, angelegt von Menschenhand, nicht vergnügt und seelenruhig wird, dankbar, daß er, unverdient, noch auf dieser Erde wandelt.
Nordkorea erhebt,„Protest“
Gegen die bewaffnete Intervention der Amerikaner
Lake Success, 3. Juli. (AP) Die kommunistische Regierung Nordkoreas protestierte am Montag bei den Vereinten Nationen gegen die „bewaffnete Intervention der Amerikaner in Korea“ und gegen die „bar* barischen Bombenangriffe auf koreanische Städte und Dörfer“.
Die von den Vereinten Nationen veröffentlichte Note des Außenministers der nordkoreanischen Regierung, Pak Hennen, ist vom 2- Juli datiert und in russischer Sprache abgefaßt.
Der nordkoreanische Außenminister erklärte, amerikanische Flieger „bombardierten in brutaler Weise die friedliche Bevölkerung Nordkoreas und flögen über Pjöngjang und anderen Städten Nordkoreas sowie Südkoreas Angriffe gegen Einheiten der Volksarmee mit dem Zweck, deren siegreichen Vormarsch in südlicher Richtung zu behindern."
Die nordkoreanischen Streitkräfte, so heißt es weiter in der Note, hätten in der letzten Woche „den Feind aus einem großen Gebiet der südlichen Hälfte der Republik vertrieben und die nationale Hauptstadt Söul befreit. Im übrigen enthielt das Schreiben Angriffe gegen die Politik der Vereinigten Staaten.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, führte am Montag mehrere Besprechungen mit Beamten, über deren Inhalt jedoch nichts bekannt ist. Es heißt, daß Lie sich zur Zeit ausschließlich mit der Koreafrage befaßt und in den letzten Tagen nicht an seinem - Punkte-Programm zur Wiederherstellung des Friedens zwischen Ost und West innerhalb der Vereinten Nationen gearbeitet hat. Als 39. UN-Mitglied hat jetzt auch Abessinien den Beschluß des Sicherheitsrates, militärische Maßnahmen gegen Nordkorea zu ergreifen, gebilligt, wie die Vereinten Nationen bekanntgeben.
Das australische Parlament unterbricht seine Ferien, um am Donnerstag die Lage in Korea zu erörtern.
Reich oder Bund?
zz Es soll nicht verkannt werden, daß eine gewisse Zeitspanne notwendig ist, um einen Beschluß in die Tat umzusetzen. Sofern es sich aber nur um einen Federstrich handeln kann, darf man sich doch wundern, wenn eine solche Zeitspanne übermäßig lang gerät. Immerhin sind schon einige Monate vergangen, seit die Reichsbahn in eine Bundesbahn verwandelt wurde. Die Geschäfte dieser Bundesbahn werden aber heute noch von Oberreichsbahnräten, Reichsbahnräten, Reichsbahnoberinspektoren, Reichsbahninspektoren usw. verwaltet. Wir wissen nicht, ob die Reichsbahn auch in den unteren Dienstgraden noch existiert.
Warum sind die Vorstände der Bundesbahn eigentlich noch Reichsbahnbeamte? Gibt es juristische Schwierigkeiten, die eine Umbenennung verzögern? Es wäre immerhin ^.icht uninteressant zu erfahren, warum der Federstrich noch nicht gemacht worden ist, der die Dienstbezeichnung der Beamten mit der ihrer Behörde in Einklang bringt. In solchen Fällen pflegt man den schönen Vers zu zitieren: „Erkläret mir, Graf Örindur, diesen Zwiespalt der Natur“.
Sensationshascherei
zz. Mainz, 3. Juli. Zugegeben, die Weltlage ist gespannt. Um so erforderlicher, daß die Tageszeitungen ihr ruhiges und sachliches Urteil bewahren und jede Sensationshascherei ablehnen. Für verantwortliche Tageszeitungen ist das eine Selbstverständlichkeit. Wie aber von Sensationsblättern unverantwortlich Schlagzeilen verwendet werden, um den Straßenverkauf zu heben, beweist die Frankfurter „Abendpost“. Sie brachte am Montagabend die Hauptüberschrift „Molotow leitet Koreakrieg“. Eine Tatsachenmeldung, die dies positiv mitteilen könnte, wäre selbstverständlich wichtig und würde mancherlei Rückschlüsse nahelegen. Die Meldung, mit der die „Abendpost“ eine Sensation und einen entsprechenden Verkaufserfolg erreichen will, lautet jedoch:
Washington, (up) Der amerikanische Rundfunkkommentator Drew Pearson behauptete gestern, daß der stellvertretende sowjetische Ministerpräsident Molotow im Auftrag der sowjetischen Regierung den Feldzug Nordkoreas gegen Südkorea leite.
Im Dritten Reich pflegten die Journalisten das Abkürzungszeichen des Deutschen Nachrichtenbüros (DNB) mit „Durch nichts bewiesen“ zu übersetzen. Die verantwortungsbewußte Presse muß sich dagegen verwahren, daß die durch nichts bewiesene Behauptung eines amerikanischen Rundfunkkommentators dazu benützt wird, eine sensationelle Ueberschrift zu machen, die in unverantwortlicher Weise die Bevölkerung beunruhigen muß.
Die Frage einer Bundespolizei
McCloy: Die Oberkommission zur Erörterung bereit
Frankfurt, 3. Juli. (AP.) Oberkommissar McCloy hat sich zum ersten Jahrestag seiner Dienstübernahme in einem Interview mit einem Vertreter der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press zu deutschen Gegenwartsfragen geäußert. Der Oberkommissar erklärte, um eine Vereinigung Westdeutschlands mit den Ostgebieten zu erreichen, solle weiterhin auf der Grundlage freier Wahlen eine Annäherung versucht werden. Es sei der einzige Weg, ein einiges Deutschland ohne fremde Herrschaft zu schaffen-Das Bestehen einer beträchtlichen Anzahl von extremen Rechtsparteien stelle nach seiner Ansicht keine große Bedrohung der Bundesregierung oder der Länderregierungen dar. Diese extremen Gruppen fänden nur eine sehr geringe Unterstützung bei der Bevölkerung.
Der Ruf der ostdeutschen Regierung im Westen sei bereits nach dem sogenannten Abkommen über die illegale Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und die unrichtige sowjetische Erklärung, daß alle deutschen Kriegsgefangener) aus der Sowjetunion zurückgeführt worden seien, schlecht genug gewesen. Es sei im vergangenen Jahr in steigendem Maße klar geworden, daß die Ostzonen-Regierung nichts anderes als eine Marionettenregierung des Sowjetregimes sei. Seit dem Angriff auf Südkorea sei es für alle Welt deutlich geworden, welche Gefahr eine solche Regierung darstelle.
Die Leistungen und Fortschritte der Bundesrepublik seien beträchtlich, vor allem, wenn man bedenke, welchen Problemen sie bei ihrer Gründung gegenübergestanden habe, und wenn man auch die kurze Zeit in Betracht ziehe, die ihr zur Lösung dieser Probleme zur Verfügung gestanden hätte. Er sei für die Lockerung aller Kontrollen mit Ausnahme derjenigen, die dazu dienten, Deutschland vor einem Rückschritt zu bewahren.
Ferner erklärte McCloy, die Bundesregierung könne die Kommunistische Partei verbieten, wenn die Kommunisten nach ihrer Ansicht die Bundesgesetze und das Grundgesetz verletzt hätten. Persönlich Sbi er der Ansicht, daß der Gegensatz zwischen dem Verbot politischer Parteien in der sowjetischen Zone und der Aktivität zahlreicher Parteien in der Bundesrepublik einschließlich der Kommunisten mehr wert sei, als irgendein Vorteil, der sich aus einer Unterdrückung ergeben könnte. Die Kommunistische Partei scheine nicht größer zu werden, wenn sie nach den Gesetzen behandelt würde.
Zur Frage zentraler Polizeistreitkräfte sagte McCloy, die Oberkommission habe ihre Bereitschaft erklärt, die Vorschläge der Bundesregierung zur Errichtung einer Bundespolizei zu erörtern. Sachverständige der Oberkommission seien beauftragt worden, diese Pläne anzuhören. Bis zum Abschluß dieser Diskussionen werde keine Entscheidung getroffen werden. Die Beratungen über diese Frage würden ausschließlich vom polizeilichen Standpunkt aus geführt, militärische Gesichtspunkte würden dabei nicht behandelt. Die amerikanische Ansicht zu dieser Frage könne erst dann dargelegt werden, wenn die Wünsche der Deutschen Bundesrepublik im einzelnen bekannt seien und im Zusammenhang mit der gesamten Frage der Polizei in Westdeutschland geprüft würden.
Die Haltung der Bundesregierung und der deutschen Bürger bei der Bekämpfung nationalistischer und antisemitischer Gruppen könne viel dazu beitragen, den Verdacht zu zerstreuen, daß solche Anschauungen weit verbreitet seien. Eine solche Haltung werde eine segensreichere Wirkung haben als alle Verbote der Besatzungsbehörden-
Schwedens Stellungnahme
Stockholm, 3. Juli. (AP) Schweden gab am Montag bekannt, daß es die Entschließung des Sicherheitsrates über eine Hilfe der Vereinten Nationen für Südkorea unterstütze.
Letzte Telegramme
Der Juni war zu warm
Hamburg, 3. Juli. (dpa) Der Juni diese* Jahres ist im ganzen Bundesgebiet im allgemeinen wärmer gewesen als in den letzten Jahrzehnten. Aus allen Ländern der Bundesrepublik und aus Berlin wer-1 den Temperturen gemeldet, die etwa zwei bis drei Grad höher liegen als die üblichen Juni-Temperaturen. München meldete sogar vier Grad über dem Durchschnitt. Im Norden war der letzte Monat — abgesehen vom Emsland und der ostfriesischen Küste — außerdem zu trocken, besonders am Niederrhein, in Teilen Westfalens und in Schleswig-Holstein.
In geistiger Yerwirrung
Aachen, 3. Juli, (dpa) Die Strafkammer des Aachener Landgerichts ordnete an, daß die 42jährige Hoteliersfrau Nora Horchern auf Monschau in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen wird. Die Frau hatte am 18. April in Monschau ihre vier Kinder im Alter zwischen drei Monaten und elf Jahren mit einer Schrotflinte erschossen. Das medizinische Gutachten sprach davon, daß die Frau infolge des Verhaltens ihres Ehemannes die Tat in einem affektiven Schock ohne Gefühlsresonanz begangen habe. Sie sei der seelischen Belastung durch eine Ehe zu dritt nicht gewachsen gewesen.
Vor Gericht sagte die kleine schmächtige Frau aus, daß ihr Mann, Rolf Horchern, mit dem sie seit 1938 verheiratet ist, mit einer 27jährigen Putzmacherin ein Verhältnis gehabt habe. Auf Vorschlag des Mannes hätten sie versucht, eine Ehe zu dritt zu führen.
Rolf Horchern legte vor Gericht eine beträchtliche Gleichgültigkeit an den Tag. Für den Hinweis des Vorsitzenden auf die moralische Schuld an der Bluttat hatte Horchern nur ein Achselzucken. Er gab an, daß alles auf Veranlassung seiner Frau geschehen sei, die seine Freundin zu ihnen ins Haus genommen und unterstützt habe. Auch die Freundin Horchems erklärte, sie habe nur auf Drängen der Angeklagten ihr Verhältnis mit Horchern aufrechterhalten.
Findiges Hauptpostamt
Gelsenkirchen, 3. Juli, (dipa) „An die junge Dame aus Gelsenkirchen, die am letzten Sonntag mit einem Tempo-Wagen an Koblenz war“, lautete die Anschrift eines Briefes, der am Wochenende im Gelsenkirchener Hauptpostamt eintraf. Die Postbeamten, die den Ehrgeiz haben, jeden Brief zuzustellen, überlegten nicht lange und riefen 'bei der nächsten Tempo-Vertretung an. Mit deren Hilfe konnten die findigen Beamten auch den besonders schwierigen Fall lösen und der leicht errötenden jungen Dame die Ergebenheitsadresse ihres optimistischen Verehrers zu Füßen legen.
Cin Großfeuner
Bayreuth, 3. Juli, (dpa) Ein großer Brand hat die Gummifabrik „Getefo Novogi“ in Wirsberg im bayrischen Landkreis Kulmbach vollständig eingeäschert. Die Feuerwehren konnten die Fabrik, in der große Altgummivorräte lagerten, nicht mehr retten. Der Schaden wird auf rund 700 000 Mark geschätzt.
Acht Leichtverlietzte
Münster, 3. Juli, (dpa) Im Bahnhof Ochtrup bei Münster in Westfalen sind drei Wagen eines Sonderzuges, der Mitglieder eines Eisenbahnervereins nach Tecklenburg zum Besuch der Freilichtspiele bringen sollte, entgleist. Einer dieser Wagen stürzte sogar auf die Seite. Dabei wurden acht Personen leicht verletzt. Der Sonderzug setzte seine Fahrt mit erheblicher Verspätung fort. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.
Heimatlicher Karnevnl
Köln, 3. Juli, (dpa) Mehrere Karnevalsgesellschaften haben in Köln beschlossen, einen Verband der rheinisch-bergischen Karnevalsgesellschaften zu gründen, der den heimatlichen Charakter der Veranstaltungen fördern und geschäftsmäßige Auswüchse beseitigen soll.
Verhängnisvoller Gewinn
Olten (Schweiz), 3. Juli, (dpa) Ein junges Ehepaar, das einen Freiflug gewonnen hatte, ist mit einer Sportmaschine über Olten abgestürzt. Das Ehepaar und der Flugzeugführer waren sofort tot.
Cisenbahnunglück in Fraukreich
Paris, 3. Juli, (dpa) Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich in der Nähe der ostfranzösrschen Stadt Lons le Saulnier ereignet. Bei einem Eisenbahnübergang erfaßte der vorbei rasende Schnellzug Paris-Aix les Bains einen mit Ausflüglern besetzten Omnibus. Eine Mitteilung der französischen Eisenbahnen besagt, daß 23 Insassen des Autobusses getötet und zwei schwer verletzt wurden. Aus bisher unbekannten Gründen seien die Schranken des Bahnübergangs nicht geschlossen gewesen. ,
Ein Vulkanausbruch?
Jakarta, 4. Juli. (AP.) Vulkanologen befurchten einen großen Ausbruch des Tangkuban Prahu in Westjava. Der Vulkan ist in Tätigkeit getreten, nachdem sich die Temperatur in dem Innern des Kraters in den letzten Tagen auf das Dreifache erhöht hatte.
Goldene Eier
■ Melb°ur“e’ 3- Juü. (AP.) In einem hiesigen Geflügelgeschäft sind beim Ausnehmen einer Henne fünfzig goldhaltige Quarzsandkörner, jedes wie eine halbe Erbse groß, gefunden worden. Jetzt zerbricht man sich den Kopf darüber, aus welcher Gegend die Henne geliefert wurde.
Um das Wahlgesetz
Landesausschuß der Sozialdemokraten für neuen Entwurf
HGR. Wiesbaden, 3. Juli. (Eigener Bericht.) Der erweiterte Landesausschuß der Sozialdemokratischen Partei Hessen hatte am Montag im Kurhaus Marbach bei Marburg eine außerordentliche Tagung.
Neben den Vorsitzenden Knothe und Zinn sah man Ministerpräsident Stock, die Minister Zinnkann und Wagner, die Mitglieder der Landtagsfraktion und die Parteisekretäre.
Der Landesausschuß empfahl die alsbaldige Veröffentlichung des Referentenentwurfes für das neue Wahlgesetz. Er sprach sich dagegen aus. daß für die Einreichung eines Wahlvorschlags in den Wahlkreisen ein Prozent der Wahlberechtigten oder mindestens fünfhundert wahlberechtigte Unterschriften leisten müßten. Stattdessen sollen hundert bis höchstens 250 Unterschriften genügen, um auch den Minderheiten die Möglichkeit zu geben, sich selbständig an den Wahlen zu beteiligen.
Der Landesausschuß empfahl ferner, daß alle überschüssigen Stimmen, auch die der siegreichen Kandidaten, angerechnet würden. Eine Erhöhung der Brotpreise und die Subventionierung der Getreidepreise durch Einführung einer Fettsteuer lehnte er ab.
Monopolverwaltung verurteilt
HGR. Wiesbaden, 3. Juli. (Eigener Bericht). Ein früherer Betriebsingenieur der Reichsmonopolverwaltung, Dienststelle Neu-Isenburg, war nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft nicht wieder eingestellt worden- Er klagte nun gegen die Hessische Monopolverwaltung auf Gehaltsnachzahlung.
Das Landesarbeitsgericht in Frankfurt hat die Hessische Monopolverwaltung zur Gehaltsnachzahlung verurteilt. Das bedeutet eine Aenderung der seitherigen Rechtsprechung, denn bis jetzt waren alle derartigen Forderungen ausgeschiedener Angehöriger öffentlicher Dienste nach Artikel 131 des Grundgesetzes als unzulässig abgelehnt worden.
In diesem Falle bezog sich das Landesarbeitsgericht zum ersten Male auf das Gesetz Nr. 19 der Militärregierung. Danach haben die Erwerber von früheren Reichsvermögen alle Haftungen und alle Belastungen zu übernehmen, die auf diesen Vermögen ruhen. Das Gericht entschied, das Vermögen der Reichsmonopolverwaltung sei treuhänderisch auf das Land Hessen übergegangen. So könne der Kläger schon jetzt seine Ansprüche gegen das Land erfolgreich geltend machen. ,
Neue Landtagsabgeordnete
Wiesbaden, 3. Juli, (dpa) Frau Dr. Charlotte Schiffler, Frankfurt, wird nach einer Mitteilung des hessischen Landeswahlleiters als Nachfolgerin des christlich-demokratischen Abgeordneten Peter Horn in den hessischen Landtag eintreten. Horn hatte sein Landtagsmandat niedergelegt, als er die Nachfolge von Dr. Schlange-Schöningen im Bundestag antrat. Mit Frau Schiffler erhöht sich die Zahl der weiblichen Abgeordneten im hessischen Landtag auf acht.
Hessische Kurznachrichteu
23 Missionare der Pallottiner-Missionsgesellschaft verlassen in diesen Tagen Limburg, um in Südafrika, Nord- und Südamerika, Kanada und Australien ihre Missionsarbeit aufzunehmen.
. * Sieben augenblicklich in Deutschland weilende Fachberater aus dem amerikanischen Erziehungswesen und fünf Fachleute der amerikanischen Landwirtschaft und Ernährung statteten vor kurzem Wiesbaden einen Besuch ab. In einer Pressekonferenz erklärten die amerikanischen Spezialisten, daß ihr Aufenthalt in der Bundesrepublik äußerst fruchtbar gewesen sei. Der Kontakt mit Bevölkerung und Behörden sei erfreulich gut gewesen.
* Mit dem Bau einer neuen Erdölraffinerie bei Holthausen im Emsland ist nach Klärung aller wirtschaftlichen und technischen Fragen jetzt begonnen worden. Die neue Anlage, die im Jahre 1952 fertiggestellt sein soll, wird 600 000 t Emslandöl nach dem modernsten Verfahren verarbeiten. Die in der Raffinerie gewonnenen Produkte sollen in erster Linie zur Deckung des innerdeutschen Bedarfs dienen.
Die Arbeitslosigkeit in Nordhessen ist im Juni nach Mitteilung des Arbeitsamtes Kassel spürbar zurückgegangen. Die Zahl der arbeitslosen männlichen Personen ging um 2117 zurück und sank damit um 10,6 Prozent. Da im gleichen Zeitraum bei den weiblichen Personen eine Zunahme der Arbeitslosen um 121 Personen oder 1,9 Prozent festgestellt wurde, bleibt eine Abnahme von 7,5 Prozent zu verzeichnen. Die günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes ist in erster Linie auf die Belebung der Bautätigkeit zurückzuführen. Im Juli rechnet man bereits mit der Vollbeschäftigung des Baugewerbes. Die Textilindustrie hat seit Monaten erstmalig eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen.
Universitätsprofessor Dr. Brinckmann, Köln, überreichte Kultusminister Dr. Erwin Stein das Dokumentarwerk „ II Castello di Valentino“. Der Folioband stellt eine Gemeinschaftsarbeit deutscher und italienischer Gelehrter dar. Von den insgesamt 999 gedruckten Exemplaren des Buches kamen nur zwei nach Deutschland, eines an den Bundespräsidenten Dr. Heuss, das zweite an den hessischen Kultusminister.
In einer Versammlung der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft ün Wiesbaden sprach der Vertreter des Hauptvorstandes dieser Gewerkschaft bei der Bundesregierung, Franz Mittel. Er stellte fest: Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft wünsche, daß das Mitbestimmungsrecht nicht von Betriebsfremden ausgeübt werde, sondern nur durch Betriebsangehörige. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß besonders die Angestelltenschaft in der Lage sei, Vertreter in die Betriebsräte, Betriebsausschüsse oder in den Aufsichtsrat zu entsenden, welche die ihnen gestellten Aufgaben meistern könnten. * * *
Der seiner Zeit wegen Scheckbetrugs festgenommene 32jährige frühere Chefredakteur des „Neuen Kurses“, Cornel Th. Sanders, wurde jetzt durch ein Personenfeststellungsverfahren der Kriminalpolizei als der 27jährige Hans Hermann Kröger aus Bad Kreuznach identifiziert. Seine Fingerabdrücke lagen unter seinem richtigen Namen bei der Hamburger Kriminalpolizei. Er ist erneut festgenommen worden und der Richter erließ Haftbefehl. Unter dem Namen Sanders war er in Frankfurt eine Ehe eingegangen.
Das hessische Finanzministerium hat 300 000 DM für den weiteren Ausbau der Landeslungenheilstätte „Am Knülle“ in der Schwalm zur Verfügung gestellt. Da die geplante Erweiterung 464 000 DM kostet, soll ein weiterer Betrag beantragt werden.
Der Landesvorstand Hessen der Verfolgten des Naziregimes bezeichnet den in der fünften Durchführungsverordnung zum Entschädigungsgesetz festgesetzten Mindestsatz von 125 DM monatlich für Hinterbliebene von politisch, religiös und rassisch Verfolgten als ungenügend. Die Vereinigung habe in Verhandlungen mit dem Innenminister eine Mindestrente von 150 DM verlangt. Der hessische Staat habe mit dieser Regelung bewiesen, daß er seiner Pflicht, die Opfer des Faschismus zu versorgen, nicht nachkommen wolle.
Der britische Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick lat dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Böckler seinen, ersten offiziellen Besuch abgestattet.
Adenauer gegen Fettstener
und Brotpreiserhöhung
Bonn, 2. Juli, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat dem Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes versichert, daß die Bundesregierung in ihrer Sitzung am 5. Juni die Wiedereinführung einer Fettsteuer abgelehnt und diesen Standpunkt beibehalten hat. Die Bundesregierung sei gleichzeitig davon überzeugt, daß das Brot nicht teurer wird.
Unstimmigkeiten
Zwischen Vertriebenenverbänden
Frankfurt, 3. Juli, (dpa) Zwischen den „Vereinigten Landsmannschaften in Hessen“ und dem „Landesverband der Heimatvertriebenen in Hessen“ besteht eine Rivalität. Dr. Herbert Fuchs als Sprecher der Vereinigten Landsmannschaften wandte sich in Frankfurt vor Pressevertretern gegen den „Monopolanspruch" des Vertriebenenverbandes. Die Ziele der Landesverbände, die sich im „Zentralverband Vertriebener Deutscher“ zusammenfanden, seien ursprünglich darin gesehen worden, die sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Vertriebenen zu vertreten. Die Landsmannschaften wiederum hätten die Pflege des Heimatgedankens und der kulturellen Tradition auf ihre Fahnen geschrieben. Diese harmonische Aufgabenteilung sei durch die Haltung des Hessischen Landesverbandes durchbrochen worden, der seit kurzem auch die besondere Tätigkeit der Landsmannschaften für sich beanspruchen wolle. Daraufhin würden die Landsmannschaften in Zukunft auch die wirtschaftliche und soziale Betreuung ihrer Mitglieder in die Hand nehmen. Zahlreiche Versuche, mit dem Hessischen Landesverband zu Einvernehmen und Zusammenarbeit zu gelangen, seien an der selbstherrlichen Haltung des ersten Verbandsvorsitzenden, Josef Walter, gescheitert.
Die Landes-Baudarlehen
Wiesbaden, 3. Juli. Bei den Landes-Baudarlehen machte die Beschaffung erststelliger Hypotheken seither große Schwierigkeiten. Wie Minister Zinnkann auf dem Hessischen Landkreistag in Bad Nauheim mitteilte, haben nach Verhandlungen Kreditinstitute dem Finanzminister Dr. Hilpert 20 Millionen für Hypothekenibeschaffung zur Verfügung gestellt.
Konferenz in Königstein
am 15. und 16. Juli
AZ. Wiesbaden, 30. Juni. Nachdem bereits im September 1949 eine Konferenz sich mit dem Problem der „Politischen Wissenschaften an den deutschen Universitäten und Hochschulen“ befaßt hatte, wird! am 15. und 16. Juli 1950 auf Einladung des hessischen Kultusministers in Königstein im Taunus eine zweite Tagung stattfinden, die die Erörterung der so entscheidend wichtigen Frage der politischen Erziehung und Bildung unserer akademischen Jugend weiterführen soll.
An der Königsteiner Konferenz werden voraussichtlich Mitglieder der Länderregierungen der Bundesrepublik Deutschland und des Magistrats von Groß-Berlin, Vertreter der Besatzungsmächte, Gelehrte des Auslandes und des Inlandes, vor allem aber die Vertreter der westdeutschen Universitäten und Hochschulen, die es ja in erster Linie angeht, teilnehmen.
Die größte Stahlbogenbrücke
Duisburg, 3. Juli (dpa). Die neue Straßenbrücke über den Rhein zwischen Duisburg u~ d Rheinhausen ist am Montag feierlich dem Verkehr übergeben worden. Mit ihrem großen Mittelbogen, der die über 250 Meter breite Hauptstromführung überspannt, ist sie die größte stählerne Bogenbrücke in Europa. Sie ist die wichtigste Verkehrs Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und d"m Gebiet links des Niederrheins sowie den Beneluxländern. Die frühere Rheinhausener Brücke war im März 1945 von deutschen Soldaten gesprengt worden. Die Brücke hat eine Gesamtlänge von 450 Metern und wurde innerhalb von zwei Jahren mit einem Kostenaufwand von 8,3 Millionen Mark gebaut.
„Eine Krise in der Kirche“
Dr. Engel gegen Niemöller
Berlin, 3. Juli. Nach einem Bericht des „Kuriers“ hat der stellvertretende Vorsitzende der Freien Demokraten Berlins, Stadtrat Dr. Conrad, in einer Versammlung den Kirchenpräsidenten Niemöller scharf angegriffen.
Er ging auf die Aeußerung Niemöllers ein, es sei eine infame Irrlehre, daß die Kirche zugrunde gehen werde, wenn sie eines Tages in einer bolschewistischen Welt aufwache. „Man fragt sich mit Recht, hat denn dieser Mann niemals etwas gehört von der Einkerkerung ungezählter Geistlicher in dem kommunistisch beherrschten Bulgarien? Von dem satanischen Folterungsprozeß gegen den Primas von Ungarn Kardinal Mindszenty? Von dem verzweifelten Existenzkampf von Geistlichen aller Grade in der kommunistisch tyrannisierten Tschechoslowakei?"
Er wisse nicht, wieviele Kirchenaustritte diese verhängnisvollen Äußerungen Niemöllers bereits zur Folge gehabt haben und wie sich der kirchliche Formalismus mit diesen Ungeheuerlichkeiten auseinandersetzen werde. Es interessiere lediglich der Fall Niemöller in seiner typischen Bedeutung. Niemand werde die Verdienste in Abrede stellen können, die sich Pastor Niemöller als einer der Führer des Pfarrernotbundes in den Jahren nach 1933 erworben habe, jedoch dürfe nicht vergessen werden, daß auch Niemöller auf die Parole geschworen habe: „Hitler muß an die Macht“.
Conrad machte Niemöller mitverantwortlich dafür, daß ein für den 25. Januar 1934 geplanter Sturz des damaligen Reichsbischofs denen in den Rücken gefallen ist, die mit verzweifelter Kraftanstrengung das deutsche Volk davor gewarnt haben, jenem Abenteurer das Steuerruder des Staates in die Hand zu drücken, der sollte, statt andere anzuklagen, sich an die eigene Brust schlagen und bekennen: Es ist meine Schuld, meine ureigenste Schuld.“
Niemöller sei eigentlich immer derselbe gewesen, damals, als er Hitlers Machtanstieg befürwortete, und heute, wenn er die zerstörende Kraft des Kommunismus zu bagatellisieren versuche. Ein solcher Typ eines kirchlichen Vertreters müsse nunmehr von allen, die es mit Christentum ernst und mit der evangelischen Kirche gut meinen, in die Schranken gefordert werden. Es geht schließlich um die Tatsache, daß die evangelische Kirche, wie sie durch den Typ eines Niemöller „und all der vielen Halb- und Viertelniemöller vertreten werde, sich in einer schweren inneren Krise befindet“.
Man drücke sich heute mit bequemen dogmatischen Phrasen an der Kenntnis vorbei, daß man eine Beulenpest nicht mit warmen Umschlägen heilen könne, und daß es gegenüber dem kommunistischen Totalitätswahnsinn nur einen Angriff mit der ganzen Leidenschaftlichkeit einer religiösen Kompromißlosigkeit geben könne.
Fehlende Unterlagen
Frankfurt, 3. Juli. Flüchtlingen im Sinns des Hessischen Flüchtlingsrentengesetzes von 1947, die früher in ihrer Heimat in der Rentenversicherung (Invaliden- oder Angestelltenversicherung) versichert waren, aber ihre Versicherungsunterlagen nicht mehr im Besitz haben, wird empfohlen, auf die Beschaffung von Ersatzunterlagen bedacht zu sein. Dies geschieht nach den Bestimmungen des Flüchtlingsrentengesetzes in Hessen durch die Ausfüllung eines Feststellungsbogens, der auf dem Bürgermeisteramt des Wohnortes zu erhalten ist und von dort an die Landesversicherungsanstalt weitergeleitet wird. Viele Flüchtlinge haben die Ausfüllung des Feststellungsbogens bisher unterlassen, was sich für sie beim Eintritt des Versicherungsfalles ungünstig auswirken kann.
Unterhaus über koren
Attlee eröffnet die Debatte
London, 3. Juli. (dpa). Premierminister Attlee wird am Mittwoch ifii britischen Unterhaus eine Debatte über den Koreakonflikt eröffnen. Es wird angenommen, daß einige Labourabgeordnete die Rechtsgültigkeit des Sicherheitsratsbeschlusses über eine Unterstützung Südkoreas anfechten werden. Die Haltung der britischen Regierung im Koreakonflikt dürfte jedoch eine überwältigende Mehrheit im Unterhaus finden.
Premierminister Attlee hat das britische Kabinett für Dienstag zu einer weiteren Sitzung über den Koreakonflikt einberufen. Am Montag gab Attlee im Unterhaus eine Erklärung über die Haltung der Commonwealthstaaten zum Koreakonflikt ab.
Radio „Freies Enropa“
Neuyork, 3. Juli, (dpa) Unter dem Namen „Radio Freies Europa“ wird vorf Dienstag an ein neuer Rundfunksender unter privater amerikanischer Leitung von Westeuropa aus sein Programm nach den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang ausstrahlen. Wie das „Nationalkomitee für ein freies Europa“ mitteilte, wird das Programm für die Sendungen in Neuyork aufgenommen und auf dem Luftwege nach Europa gebracht. Nach Versuchssendungen in den ersten zehn Tagen wird der volle Sendebetrieb am 14. Juli, dem Jahrestag des Beginns der französischen Revolution, aufgenommen werden.
Leichter Temperaturrückgang
Ein Tief über der Biscava zieht in Richtung Nordost und wird am Dienstag Norddeutschland überqueren. An seiner Rückseite gelangen vorübergehend etwas kühlere Luftmassen zu uns. Der Luftmassenwechsel wird von Gewittern begleitet sein.
Aussichten, bis Mittwoch: Vorwiegend starke Bewölkung. Nur vorübergehend heiter. Zeitweilig auflebende Gewittertätigkeit. Besonders am Dienstag und danach leichter Temneraturrückgang.
Der Rundfunk am Dienstag
Radio Frankfurt: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Das Collegium musicum der Staatlichen Hochschule für Musik Frankfurt; 17.15 Slawische Weisen; 18.00 Frauen im Funk; 18.30 Leichte Kost; 20.00 Ein Tanzpotpourri; 21.05 Kleinstadtidylle; 21.30 Ping-Pong; 22.15 Das Abendstudio.
Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.15 Kleines Konzert; 18.15 Klänge der Heimat; 20.00 „Ein Maskenball“; 22.30 Die Rundfunktanzkapelle; 2300 „So ein Zufall“
Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Sinfonie-Konzert; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Operettenkonzert; 20.45 „Kamel im Nadelöhr; 22.30 Musik der Welt; 23.25 Jazz 1950.
NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Unterhaltungsmusik aus Frankreich; 15.00 Unterhaltungsmusik; 16.50 Kammermusik; 17.10 Englische Orgelmusik; 18.00 Wenn es Abend wird; 20.00 Wie es Euch gefällt; 22.15 X-Strahlen; 23.00 Von neuer Musik; 0.05 Berlin am Mikrofon.
Margaret Rose REBELLIN GEGEN DIE TRADITION
Als vor drei Jahrzehnten der Goldstuck, der viele europäische Throne nur noch mühsam zusammenhielt, zerbröckelt war, ragten lediglich ein paar mittelgroße Königshäuser als Restbestände aus dem Trümmerfeld in einen gewitterschwangeren europäischen Himmel empor. Unberührt schien allein das britische Herrscherhaus zu sein, das, traditionell verankert, durch viele wohldurchdachte Prellböcke geschützt, die Stürme Überstand. Doch ein Vorgang zeigte sich auch hier — wie bei den anderen Königshäusern, die sich retten konnten: die traditionelle Fügsamkeit derer, die zur Familie gehörten, versagte. Rebellen und Rebellinnen gegen die Tradition standen auf. Könige und Prinzen, Fürstinnen und Prinzessinnen waren auf einmal Menschen wie die anderen. Die Rebellen zeigten es vor aller Welt, schrien es hinaus, bekannten sich zu ihrer Liebe, zu ihren Neigungen und zu gut bürgerlichen, um nicht zu sagen demokratisch-republikanischen Gedankengängen.
Kein Königshaus blieb damals von Ausbrechern verschont, die auf den Palast verzichteten — zugunsten einer Dreizimmerwohnung. In Skandinavien suchte ein Prinz nach dem anderen aus dem engen Gefängnis der traditionellen Verpflichtungen zu entkommen. Sie handeln heute mit Teppichen und Butter, interessieren sich für Pferde und für Autos — a’s Geschäftsleute. Sie gehören zum Alltag, nachdem sie der Geschichte en' ngten. Japanische Prinzessinnen sind dazu übergegangen, Eisenbahner zu heiraten. Die Töchter eines weißen Sultans entschlossen sicn, Eintänzer und Ringkämpfer zu ehelichen. Der Prinz von Wales bekannte sich, als er Eduard VIII. geworden war, zu seiner Liebe, die den sehr bürgerlichen Namen Sally Simpson führte.
Es scheint, daß er nicht der einzige mit Rebellenblut in der königlichen Familie ist, die in London an der Spitze des britischen Empire steht. Das Rebellenblut scheint in der Familie zu kreisen. Wir wollen von einer Rebellin berichten, die es freilich verstand, mit ihrer Auflehnung gegen althergebrachte Tradition die Herzen der Engländer und die Sympathie einer ganzen Welt zu erobern. Es handelt sich um Margaret Rose, das große kleine Sorgenkind der königlichen Familie, die Prinzessin, die es auf sich nimmt, die entrüsteten Blicke derer, die sie nicht verstehen, zu ertragen und das gezischelte
„Shocking!" zu überhören, das man ihr nachruft. niohtf
Sie will ja nur Mensch sein — nichts anderes — einfach Margaret Rose...
I.
„Ungeheuer bevorzugt!“
Blicke in eine Kinderseele — Melodien aus der „Lustigen Witwe“ — Ringkämpfe mit Lilibet
„Was summt denn Magy da?“
"Hat man je so etwas_ gehört: einen Walzer aus der Lustigen Witwe'!“ schrak Ladv Strathmore zusammen und ließ das niedliche, elf Monate alte Enkelkind Margaret Rose fast auf den Boden fallen.
„Findest du nicht auch, daß die Kleine — wie soll ich es sagen — etwas frühreif ist, Schwester?"
Lady Strathmore zog die Augenbrauen hoch, dachte an ihre wohlerzogene Tochter Elisabeth und an die Ahnenreihe ihres Hauses und setzte mit einem etwas unruhigen Blick auf Margaret Rose hinzu:
„Von uns hat sie es bestimmt nicht!"
„Nun, es kann sich noch auswachsen!"
„Das wollen wir für Margaret Rose hoffen i"
Ja ja — man hatte seine Sorgen mit den Enkelkindern. Freilich war Lilibet, wie man die kleine Elisabeth nannte, auch ein lebhaftes Kind. Und auch Lili— bets Mutter, die jetzige Königin von ^igland, war lustig und amüsant gewesen. Aber sie hatten bestimmt n'-ht daran gedacht, im Alter von elf Monaten eine Melodie aus der „Lustigen Witwe“ zu summen. Woher sie es wohl nur hatte...
Wenn Lady Strathmore die Ahnengalerie der änderen Seite vor ihrem inneren Auge Revue passieren ließ, dann ergab sich freilich ein interessantes Wechselspiel der Seelen.
Die Ururgroßmutter — die berühmte Königin Viktoria, war eine kleine nüchterne Frau gewesen, die vierzig Jahre lang nichts anderes trug als schwarze Kleider. Und es gab nicht viele, die behaupten konnten, sie hätten Queen Viktoria jemals lachen sehen. Und ihr Prinzgemahl, Prinz Albert, war von der gleichen ernsten Art.
Aber dann kam Eduard VII., der kleinen Margaret Rose Urgroßvater. Dieser König lachte gern. Sein lautes, schallendes Gelächter war in Europa bekannt. Er wußte immer, wo man sich in Europa am besten amüsieren konnte, und wo die am wenigsten langweiligen königlichen und prinzlichen Vettern und Basen wohnten. Und auch seine Gattin, Alexandra, war heiter und beschwingt. Man konnte sich gar nicht vorstellen, daß diese beiden fröhlichen Menschen die Eltern Georg V. waren, der als König so würdig, so still, so ernst und so wenig heiter durchs Leben ging. Hatte man jemals ihn wirklich laut lachen hören? Bewundert man nicht noch heute an der Königin-Mutter — an der alten Queen Mary, die unverrückbare Haltung, die sich allerhöchstens zu einem Lächeln herbeiläßt, das gerade bis zu den Mundwinkeln reicht und kaum bis zu den Augen hinaufsteigt? Und das waren doch Margaret Roses Großeltern gewesen.
Es kam wieder eine Lücke in der Kette. Eduard VIII., der nur ganz wenige Monate König war, weil er der Stimme seines Herzens und dem Ruf seiner Liebe felgte, lachte gern und freut sich auch heute rcch d?- Lehme — an der Seite und in der Gesellschaft heiterer Menschen, die ihn in seiner Fröhlichkeit dem ernsten Bruder, König Georg VI., vorziehen.
Lady Strathmore nickte zum Schluß ihrer Ueberlegungen. Es war wohl so, daß die Fröhlichkeit ein über das andere Mal — unter Ueberspringung einer Generation — in diesem königlichen Hause zutage trat. Aber was damals Fröhlichkeit war, das konnte heute — Rebellion sein. Oder sah sie zu schwarz?
Längst krähte Margaret Rose eine andere Melodie, die das kleine wache Hirn irgendwo gehört und fest aufgenommen hatte.
Margaret Rose war wirklich eine ungewöhnliche Prinzessin, wenn man als Maßstab die Vergangenheit und die Entwicklung anderer Prinzenkinder des englischen Königshauses anlegte. Das war auch der Eindruck, den Marion Crawford von ihr gewann, als Miss Crawford zur Erzieherin für Prinzessin Elisabeth und Prinzessin Margaret Rose bestellt wurde. Sie erinnerte sich auch in diesen Tagen noch genau an die erste Begegnung mit diesem kleinen .Teufel Margaret Rose. Miss Crawford war an einem Abend in Glamis-Castle eingetroffen. Margaret Rose war schon zu Bett gebracht worden. Blond und niedlich saß das Mädchen im Bettchen und betrachtete aufmerksam ein großes Bilderbuch;
„Das ist Miss Crawford! Sie wird jetzt immer um euch sein!“ sagte die Hofdame, die Miss Crawford zuerst in Elisabeths und dann in Margaret Roses Schlafzimmer geführt hatte. Lilibet hatte nur höflich mit dem Kopf genickt und ein freundliches Lächeln aufgesetzt. Aber Margaret Rose blickte mit hellen Augen auf:
_ „Guten Abend! Was haben Sie denn eigentlich für Haare? Die sieht man ja gar nicht!“
Miss Crawford nahm den Hut ab und
■ -o, dunkelblond? Na, dann kommen Sie gleich einmal her — ich muß Ihnen etwas Schönes zeigen. Hier in diesem Bilderbuch gibt es die prachtvollsten Drachen und Gespenster.
Margaret Rose
Feuilleton
Das Gewitter
VON INGEBORG FRANKKonrad lehnte rnüde gegen den Holzpfosten der schmalen Brücke und sog heftig an seiner kalten Pfeife. Die Wolken seines Gemütshorizontes ballten sich zu einem nachhaltigen Gewitter. Zwei steile Falten auf seiner Stirn sprachen Bände. Was mußte Berta auch schon wieder putzen, wo er doch eine Freischicht hatte und just mit ihr spazieren gehen wollte. Putzen — puh, die ganze Hinterlist der gräßlichen Tatsache lag bereits in dieser ersten Silbe begraben. Konrad spuckte verächtlich auf den silberglitzernden Sonnenstrahl, der so keck über das Wasser schaukelte.
„Schönes Wetter heute, was?“ —
Konrad schielte empört seitwärts. Wer wagte es, ihm seine gräßliche Stimmung zu zerstören und bediente sich der plumpesten Mittel langweiliger Konversation.
„Ja, zu schön, wirklich, zu schön heute“, äffte die Stimme unter heftigem Verlangen der Mitteilungsbereitschaft aufs neue, wobei sie allerdings auf eine Antwort nicht unbedingt Wert zu legen schien; denn sie sättigte sich auf ihre Weise, tauchte unter im Selbstgespräch und warf hin und wieder von der Macht des zu Bewältigenden einige BroSken an die Oberfläche.
Konrad schob seine Kappe in den Nakken. In der Tat, die Sonne brannte, aber es lag eine Falschheit in dieser Glut, ein Betrug, der seine Rechtfertigung suchte. Konrad dachte an seine Berta und spuckte erneut ins Wasser. Vielleicht puu-tzte sie gerade ihre Fenster. Sonst hatte er ihr dabei stets die Leiter gehalten — sollte er...? Nein, er hatte sich heute den Spaziergang in den Kopf gesetzt, und zwar mit Berta.
„Warum sagen Sie .nein“, wo ich es doch wissen muß“, ließ sich erneut die Stimme vernehmen. „Ich sage Ihnen: heute kommt es, noch heute.“ Konrad tat unbeteiligt, wenngleich ihn die Nähe jeglichen Wesens augenblicklich ungemein peinigte. Er heftete seinen Blick angestrengt auf die Plänkelei des Wassers, wie es sich erst dehnte, dann kräuselte und schließlich aufbäumte, bevor es den Weg freigab für einen schnaufenden Kohlenschlepper. Mit bloßen, bronzefarbenen Oberkörpern hantierten die Männer auf den Fahrzeugen, holten sie gemächlich den Schornstein ein. während sich halbwüchsige Buben zwischen den Tauen tummelten. Eine Frau schälte Kartoffeln, ein Mädchen hing Wäsche über eine Leine und kicherte. „Ja, die haben's gut“, knirschte Konrad; denn ihm fiel Berta ein und er erinnerte sich sehnsüchtig ihrer sonstigen Eintracht.
Aber die Stimme neben sich, die Stimme hatte Konrad vergessen. Doch sie verübelte es ihm nicht. Im Gegenteil, sie war höflich, außerordentlich nachsichtig und so zuvorkommend. daß sie sich geflissentlich in Erinnerung brachte. „Wir kriegen bald eine neue Brücke“, begann sie geheimnisvoll, „eine Brücke aus Stahl“, fügte sie noch fachmännisch hinzu. Und dann gluckste sie abermals in sich hinein, bis sie ihre Worte in der Ferne wiederkäuerte, „... aus Stahl“.
Konrad vergaß auf einen Moment seinen Groll, er übersah sogar die dicke Wolke, die sich breitspurig vor die Sonne schob. ,Eine neue Brücke?1 durchfuhr es ihn; aber die Stimme, angefüllt von der Vielfalt der Gedanken, sprang bereits über, „außerdem kriegen wir ein Gewitter, da drüben, sehen Sie? Alles heute, hi-hi, alles heute“, endete sie kurzatmig.
Konrad hatte sich aufgerichtet, seine kurze Pfeife zitterte leicht zwischen den Zähnen. „Was sagen Sie, eine neue Brücke — und aus Stahl?“ Ungläubig streifte er die ausgewaschenen Holzbohlen und scheuchte sich eine Mücke vom Nasenbein. Bums, nun war er also auf den Leim gegangen, hatte sich fangen lassen, war plump eingegangen auf fremdes Geschwätz Und dabei wollte er sich der Feindseligkeit widmen heute, wollte wortlos böse sein auf alles und auf
jeden. Nun, es half nichts. Es war schließlich auch nur ein Mensch, zusammengesetzt aus Haß und Liebe, samt einem Tüpfelchen Neugier obenauf. Jeder hat irgendwie seine verwundbare Stelle. Und der Gedanke an eine neue Brücke, dazu aus Stahl, wog entschieden einen Teil seiner Konsequenz, seines Aergers, auf. Darauf mußte man sich eine neue Pfeife stopfen. Mochte Berta gewissenhaft ihre Töpfe scheuern, Konrad fand halbwegs sein Gleichgewicht zurück unter dem dampfenden Türkischkraut. Er schob seinem Brückennachbarn den Beutel über die Holzbrüstung zu.
Zwei Möwen kreisten unablässig zwischen Ufer und Brücke, ein leises Surren begleitete ihre eintönige Melodie. Der laue Wind schichtete winzige, silbergraue Wolkenbündel und schob eine dunstige Masse über den Himmel. „Sehen Sie, wie das Gewitter kommt, sehen Sie?“ Triumphierend geiferte das Stimmchen. das aus einem zahnlosen Mund stolperte und von heftigem Kopfnikken seines Zubehörs begleitet wurde. Konrad maß sein Nebenan und starrte: Ein Greis, ein gräßliches, altes Männlein, mit Stock, schlotternden Knien und weißem Bart. Ehrfurchterregend und abstoßend zugleich. Der Alte grinste, gluckste und schlug mit der knöchernen Hand seinen eigenen Beifall gegen die Holzbohlen. Es mußte schrecklich sein, so zittrig alt zu werden. Konrad schüttelte sich bei der bloßen Vorstellung. Dennoch, es hatte nicht den Anschein, als fühle sich das Wesen neben ihm bemitleidenswert. Seine Züge, so abscheulich sie gezeichnet waren, strahlten Zufriedenheit, seine Augen sprühten ein Feuer, das Konrad neidisch zu durchdringen suchte.
„Ja, ja. die Jugend, die Menschen, sie alle gehen ihren Weg, sehen Sie“, folgerte der Alte unmotiviert. Natürlich sah Konrad nichts. Albern überhaupt, diese schwingende Wiederholung des krächzenden „Sehen Sie“. Welche Kraftverschwendung. Was suchte der Mann eigentlich hier?
„Es ist spät. Hören Sie. wie der Donner grollt? Ich muß wohl gehen, wo es doch heute kommt“. Das Männlein wischte sich mit dem verschlissenen Rockärmel den Schweiß von der Stirn. Ein Tropfen zitterte, ihm an der Nase. Müde stamfte ein Pferdegespann vorüber, weißer Schaum stand den den Tieren am Maul. „Wenn er nur gehen wollte“, dachte Konrad, doch hielt ihn die Neugier um die neue Stahlbrücke gefangen. Er überwand sich: „Wer kommt heute?“
„Das Kleine, das Kind“. Des Alten ausgedörrte Stimme bebte vor letzter Mitteilsamkeit. „Mein Urenkelchen wird geboren, sehen Sie“, fügte er bedeutungsvoll hinzu und wurde verlegen vor Freude. Ein Blitz durchzuckte den dunklen Horizont. Konrad sah nichts, außer dem zitternden Tropfen an des Mannes Nase. „Das Kind?“ Er war enttäuscht. Ach so. ein Kind. Nun ja, das mußte schließlich auch sein. Zu dumm, jetzt gab es wirklich ein Gewijter. „Vielleicht ist es schon da?“, und der Alte zog die Uhr. „Natürlich ist es da, ich spüre den ersten Tropfen.“ Konrad machte kein Hehl aus seinem Unwillen. Was ging ihn überhaupt das Geschwätz an. Das Männlein lächelte nachsichtig: „Entschuldigung, ich meinte das Kind, sehen Sie“. Der Nasentropfen hatte ausgezittert, mit einem „Klick“ pitschte er ins Wasser. Konrad sah es wirklich und es erleichterte ihn. Eine Glocke läutete. „Nun muß ich eilen“, eiferte der Alte und lehnte über seinen Stock. „Uebrigens", wandte er sich abschiednehmend gegen Konrad, „übrigens, es tut wohl, so ein Gewitter, sehen Sie“, und humpelte zufrieden von dannen.
Konrad schielte ihm nach. Was er nur meinte! Doch was scherte es ihn. Er dachte an Berta und kam überein, daß aus dem Spaziergang ohnehin nichts geworden wäre. Nun. er könnte Berta von der neuen Brücke berichten, vielleicht hatte sie ihren Putzeimer inzwischen fortgeschafft.
KLEINSTADT-IDYLL Zeichnung: Guido Keltenich
„Hanne Wandrill"
HIMSTEDT-URAUFFÜHRUNG IN MAINZ
Zeit: Ausgang des zweiten Weltkrieges, Ort: Frankreich. Thema: ein deutscher Leutnant, Ritterkreuzträger, sucht eine entfernte Verwandte, die ihm zugleich seelenverwandt . ist. Sie ist Französin. Er findet sie als Partisanin. Ihr Mann hat sie dazu gezwungen. Was daraus entsteht, ist der Inhalt des Stückes. Seine Atmosphäre ist von der Aufregung der Truppe in den letzten Tagen vor Kriegsende durchsetzt. Die Männer der Widerstandsbewegung stehen schußbereit. Als Opfer fällt in der letzten Szene der junge Leutnant, getroffen von der MP. des Ehemanns, dem er die Frau entfremdete. Ein Schuß vordem kündet an, daß auch die Frau „erledigt“ wurde.
Zur Technik des Aufbaues ist zu sagen, daß der Zuhörer nicht deutlich genug über die vor Beginn des Stückes liegende seelische Verbindung des Deutschen mit der Französin unterrichtet wird. Er wird vor ein Problem gestellt, dessen Umrisse kaum erkennbar sind. Ein Vorspiel hätte über die verwandtschaftlichen und die geistigen Wunsch-Bande zwischen beiden aufklären müssen. So kam es, daß das Kriegsgelärme sich vordrängte und das Schicksal der Hauptpersonen sich nur zäh aus dem Stofflichen herauszuschälen begann. In fast gespenstigen Umrissen kehrten Figuren aes zweiten Weltkrieges wieder: der vornehme, harte Oberst, dem Pflicht das eiserne Gesetz ist, nach dem er lebt und stirbt, der träumerische, junge Offizier, der durch sein Soldatentum eine neue Welt mitschaffen will, der Feldwebel, dem, leider unsichtbar, die Tressen der Gemeinheit auf den Schultern sitzen, nebst einigen anderen unsichtbaren Auszeichnungen der Dummheit, der Servilität und der Roheit. In ihm ist ein Teufel Person geworden, wie er in allen Armeen zu finden ist, ein eiskalter, kleiner Teufel, der sich als Soldat getarnt hat. (Karl Fürstenberg gab ihm die freche Schnauze, das rekrutenfresserische Organ, das sadistische Vergnügen an der Macht.) Kantig, sehr explosiv der junge Führer der französischen Widerstandsbewegung. Da spritzt Haß, abgrundtiefer Haß aus ■Wort und Blick, erschreckend, erregend, echt. (Bravo, Fritz Fleck!) Wer in jungen Jahren Gestalten wie den deutschen „Spieß“, den jungen Franzosen, den alten Oberst auf die Bühne zu stellen vermag, hat damit schon seine Fähigkeit zum Dramatiker bewiesen. Er muß nun noch lernen, zu bauen.
Der Oberst: Eberhard Müller-Elmau. Er hat das Gesicht dazu und die Stimme. In ihr ging ein Gewitter nach dem andere
los. Im Einschlag hagelten bereits die Worte wie taubeneiergroße Körner auf Spieler und Zuschauer herab. Verwunderlich klang es, als der alte Infanterieknochen plötzlich Schalmeientöne der Zukunft blies und die Möglichkeit neuer Formen der Freiheit für die junge Generation anzuerkennen schien, trotz seines massiv angedeuteten Vaterkomplexes. Es sollte sicherlich auch in dieser Figur ein Schuldgefühl aufdämmern, von dem das Schauspiel allgemein durchzogen ist, ohne daß das klar und deutlich dem Zuhörer zum Bewußtsein kommt. Es stecken überhaupt viel nur angedeutete Möglichkeiten in den Menschen der fünf Bilder. Es ist eher ein Reichtum vorhanden als eine Armut, was immer ein Zeichen von Berufung zum Werk ist. Darum ist es nicht so wichtig, daß gleich das ganze Gemälde gelingt. Eine stille, schöne Szene birgt das Stück: die sakrale Unterhaltung eines französischen Abbes, der gleichfalls der Widerstandsbewegung zugehört, mit dem deutschen Leutnant. Das ist dichterisch. Willy Ummingers Kunst, das leise Wort zu handhaben, wurde hier zu einem Sieg für Dichter und Schauspieler.
Den jungen deutschen Leutnant spielt Peter Fitz. Eine schwierige Rolle und eine sympathische, junge Art, sie zu nehmen. Daß auch kleine Rollen ungeteilte Aufmerksamkeit beanspruchen können, bewies Rudolf Weimar als Unteroffizier. Die Frauen führen ein mehr schattenhaftes Leben in dem Schauspiel, wenn man von der Hauptfigur absieht. Zu einem lebensvollen Dasein war auch durch Eva Schererz die Schwester des Widerstandskämpfers, Anna, nicht zu erwecken. In der kurzen Rolle als Mutter, die nur im ersten Bilde zu sehen ist, kam Hilde Westermann kaum zur Entfaltung. Vielleicht wäre ein härterer Typ vorzuziehen gewesen, um das Mütterliche wenigstens äußerlich bildhaft stärker anzudeuten; Titelrolle: Hanna Mohs. Die Sphäre einer Partisanin, die das Zeichen zum Schießen auf deutsche Soldaten gegeben hat, war nicht um sie. Auch in den Worten des Autors nicht. Auch hier hätte ein härterer Typ der Figur vielleicht andere Umrisse gegeben, um das Fehlen der Aktivität (was auf Konto des Autors geht) auszugleichen. Das Gefühlssichere und Stolze, das der Mohs in so hohem Grade zu eigen ist, kam aufs schönste zur Geltung.
Das Publikum erkannte es dankbar an, daß, ebenso wie am Sonntag zuvor in der „Medea“, das kleine, tapfere Theater von Mainz am Ende der Gutenbergwoche wiederum die dramatische Arbeit eines jungen Autors zur Diskussion stellte. Dr. Schramm hat beide Aufführungen mit klugen Worten eingeleitet, klug, weil er kein Urteil vorwegnahm, sondern die dringliche Aufgabe des Theaters betonte, Dramatikern von heute das Wort auf den Brettern zu geben. Sie befinden sich wahrhaftig in keiner allzu glücklichen Lage, denn vom großen, politischen Welttheater her weht ein Sturmwind, in dem die Auseinandersetzungen mit einer vergangenen Zeit wie Spreu zu zerstäuben drohen. Nur das durch und durch gestaltete tragische Schicksal eines Menschen wird sich in Zukunft noch zu halten vermögen, in Figuren, die, welches Gewand sie auch tragen mögen, über das Maß des Aktuellen hinausragen, ins Symbolische hinein. Bei aller Realistik, die ein Dramatiker ihnen zu geben vermag.
Dem scheidenden Intendanten, Dr. Hermann Dollinger, den man als Künstler und Menschen nur ungern nach Nürnberg ziehen läßt, dem Dichter Himstedt und den Schauspielern wurden Ovationen dargebracht. Das graue Bühnenbild, die Enge des Mißtrauens in der Zusammenrückung der Wände betonend: Ferdinand Wenzel. Max Geisenheyner
In der Hamburger Kunsthalle ist eine Ausstellung von etwa hundert Gemälden, Zeichnungen und Holzschnitten des flämischen Malers und Graphikers Frans Masereel eröffnet worden, der auf der diesjährigen Biennale in Venedig den ersten Preis für Graphik erhalten hat.
Zur Krise des Theaterspielplans
Der Dramaturg des Landestheaters Darmstadt, Herr Epple, hat es vor einiger Zeit in einem Presseartikel bedauert, daß die Jugend so schwer für das Theater zu gewinnen sei. Die Ursache ist vielleicht in der Denkungsart unserer Theater selber und in ihren Spielplänen zu suchen. Ich denke hierbei an das deutsche Theater im allgemeinen und nicht im besonderen an unser Landestheater, dessen Bestrebungen und Leistungen ich durchaus anerkenne und das durch einige mustergültige Aufführungen bewiesen hat, daß es wenigstens ahnt, worauf es ankommt. Es ist für ein einzelnes Theater wohl auch schwer, gegen den „allgemeinen Strom zu schwimmen“ Und doch muß der Versuch gemacht werden, soll das Theater nicht erliegen.
Die Theaterleiter gehen schon seit Jahrzehnten von dem Gedanken aus, ihre eigentliche Aufgabe bestehe in der Aufführung sogenannter „Problemstücke“; weil diese aber der Kasse nichts einbringen, müsse man außerdem, dem Publikum zuliebe, „Reißer“ darbieten.
Das Problem- und Tendenzstück, das schon Lessing und der junge Schiller gepflegt hatten, feierte mit dem aufkommenden Naturalismus und Materialismus seine höchsten Triumphe, und hatte in der Zeit vor der Jahrhundertwende zweifellos eine gewisse Berechtigung, weil es Pionieraufgaben zu erfüllen hatte. Das Drama konnte mit drastischen Mitteln auf wichtige Fragen hinweisen, mit denen sich die Politik und die konservative Wissenschaft nicht zu befassen geneigt waren Die Wissenschft hat es jedoch seitdem längst geiernt, sich ausführlich mit allen psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu beschäftigen. Politische Streitfragen werden von den politischen Parteien erörtert und ausgetragen. Wissenschaft und Parteien können aber diese Arbeit unendlich viel gründlicher und besser besorgen als die dramatische Kunst: ein Drama vermag die Psychoanalyse nur oberflächlich, ein Lehrbuch kann sie vollkommen behandeln. Das Drama ist daher auf diesem Gebiete nicht mehr „wettbewerbsfähig“: es entspricht auch kaum seinem eigentlichen Wesen, da eine derartige Tagesproblematik durch den logisch reflektierenden Verstand gedöst werden muß. Das Gefühl allein richtet hier nur Unheil an. Das Drama hingegen soll die Gefühlsseite des Menschen packen und aufrütteln.
Auch der Reißer hat sich überlebt,. insbesondere die SchmaJlzoperette und die „veristische Oper“. Das ewige läppische Operettenklischee von dem Liebesspiel zwischen dem nichtstuenden Prinzen und einem glamour-Girl ist langweilig geworden. Der Höhepunkt ist die schmelzende Arie, die der Held am Ende des zweiten Aktes zu singen hat, wenn dieses Verhältnis durch irgendeine an den Haaren herbeigezogene „Katastrophe“ sich aufzulösen droht. Eine zutreffende Definition des Kitsches lautet: Kitsch ist das künstliche Hervorrufen von Empfindungen und Gefühlen durch überlegte äußere Mittel. Da der Komponist einer solchen Operette selbstverständlich gar nicht mit solchen Helden fühlen, sondern vielmehr deren Empfindungsäußerungen « nur verstandesmäßig „konstruieren“ kann, sind solche Schmachtereien geradezu Orgien des Kitsches. Und das erträgt eben das'heutige Publikum doch nicht mehr.
Der große Erfolg des „Verismus“ ist nur der gesuchten Brutalität der Handlung zu verdanken. Sie spricht gewisse rohe und sadistische Triebe der Menschen an. Aber auch hierbei ist das Theater nicht mehr konkurrenzfähig, da sich derartiges viel besser bei der Betrachtung eines Boxkampfes als in der „Tosca“ befriedigen läßt. Film, Kriminalroman, Nachtkabaretts und Magazine stellen die Möglichkeiten des Theaters an pompöser Aufmachung, Nervenanspannung und sexuellen Reizmitteln weit in den Schatten. Wodurch denn hoffentlich wenigstens die Bühne von diesen zweifelhaften „Kunstgattungen“ befreit wird.
Das Theater wird eine Zukunft haben, wenn es das bietet, worin es von keinem Wettbewerb übertroffen werden kann. Aus der Notlage, in die uns die einseitige Herrschaft eines krassen Materialismus gebracht hat, aus der furchtbaren Zerspaltenheit unserer Kultur, die zum Kampfe auf Leben und Tod aller gegen alle geführt hat, wird die große Sehnsucht nach der Hingabe an verpflichtende ewige Werte religiöser, ethischer und sittlicher Art entstehen. Ewig heißen solche Werte, wenn sie in der Natur des Menschen an sich begründet sind. Denn nicht nur das Triebhafte, sondern auch die Sehnsucht nach solchen Werten waren immer des Menschen „Natur“. Es gilt daher zunächst, das über alle zeitbedingte Problematik hinweg beharrende Allgemeinmenschliche, das „Reinmenschliche“, wie es Wagner genannt hat, zu finden, und das vermag nur die dramatische Kunst. Denn hierzu bedarf es der zusammenfassenden Schau, die hinter allem Trennenden das Gemeinsame erblickt. Aufgabe der Wissenschaft ist es hingegen, die Unterschiede festzustellen. Sie trennt, während die Kunst verbindet.
Shakespeare ist das große Vorbild. Aber auch ganze Zeitalter hatten noch instinktiv das Gefühl für dae wahren Aufgaben der Kunst. Auf die Dauer kann das Theater nur leben, wenn es das Fingerspitzengefühl dafür hat, was die Zukunft bringen wird, und erneut als Pionier vorgehen will. Es werden dann auch die Künstler der Gegenwart nicht mangeln, die in diesem Sinne neue Werke schaffen werden.
Dr. Dr. Ernst G. Geyi
Musikabend des Hochschulorchesters
Das Collegium Musicum Instrumentale der Techn. Hochschule unter Prof. Marguere hatte in seinem letzten Konzert das Programm zwischen barocker und klassischer Musik aufgeteilt. Zu Beginn wurde ein Oboen-Konzert von Benedetto Marcello durch Fr. Fortmann in wunderbarer Ton- und Stilreinheit geblasen. Ein kleines Kammermusik-Ensemble stellte den Tutti-Klang, Prof. Marguerre leitete vom einmanualigen, leider nicht sehr tragfähigen Cembalo nach alter Manier die Wiedergabe Die gleiche Besetzung wurde auch in Bachs Solokantate für Sopran „Jauchzet Gott“ beibehalten. Das Werk erfuhr allerdings insofern eine wesentliche Bearbeitung, als statt der hohen C-Trompete die Oboe’ benutzt wurde. Der Klangcharakter wird dadurch ein anderer. Helga Fortmann bemühte sich um den Gesangspart, der zu den schwierigsten in der Sopranliteratur zahlt und deswegen nur selten selbst von den großen Koloratursängerinnen erwählt wird. Als ausgezeichnetem Flötisten begegnete man wiederum dem Hochschüler Th. Woernle im D-dur-Flötenkonzert von Mo zart. Der junge Student kann sich wahrlich als Solist hören lassen. Hier wie in der Militär-Symphonie von Haydn waren einige Bläser des Landestheater-Orchesters zur Unterstützung gebeten worden. Im Zusammenspiel und in seiner klanglichen Verfassung konnte eine erhebliche Vorwärtsentwicklung des angewachsenen Orchesters festgestellt werden. Die reine Musizierfreudigkeit der Ausführenden und die impulsive Art des Dirigenten überbrückten leicht alle Klippen, so daß man trotz mancher zu starken programmatischer Elemente bei Haydn noch den schönsten Eindruck von diesen Werken erhielt.
Der Fleiß der Probenarbeit wurde durch den Erfolg gelohnt, der im enthusiastischen Beifall der Zuhörer und der Wiederholung der letzten Sätze von Mozart und Haydn seine Krönung fand. G.I.
Bernt von Heiseier in Bensheim
Im Hause des Evangelischen Bundes in Bensheim las Bernt von Heiseler aus eigenen Werken. Gedichte und Prosa dieses Dichters, dessen Schaffen aus einer gläubigen Religiosität kommt, lassen einen feinsinnigen und hochgeistigen Menschen erkennen, vor allem aber den Christen, der seine Mitmenschen wieder zu ihrem eigenen Selbst zurückführen will und ermahnt, daß des Lebens höchster Sinn nicht in einem oberflächlichen Dahinoegetieren liegt, sondern im Erkennen und Verstehen der Gottheit. Die klangvolle Sprache seiner Dichtungen und der eindrucksvolle Vortrag nahm die Zuhörer gefangen und vermittelte einen tiefen Eindruck in die Seele dieses Dichters, der als ein Rufer durch unsere Zeit geht. HB
Wieder deutsche Werke auf der Kunst- Biennale in Venedig. Unter den Tausenden von Bildern und anderen Kunstwerken aus 22 Nationen, die auf der 50. Welt-Kunstausstellung in Venedig gezeigt werden, sind seit acht Jahren zum erstenmal wieder deutsche Werke ausgestellt 51 Bilder von August Macke. Franz Marc, Alfred Kubin Gabriela Muenter Paul Klee Wassily Kandinsky und Alexe von Jawlensky repräsen¬ “eren den Kreis der „blauen Reiter“ der ■tau on München gegründet wurde. Unter aen etwa neunzig weiteren deutschen Wer¬ , ” neben Plastiken von Emst Bar¬ m B'™ er ~er zeitSenössischen deutschen Maler Max Beckmann, Emil Nolde, Karl Hofer und Karl Schmitt-Rottluff.
Darmstadt und Umgebung
Der Taucher vom Woog
HGR - Zwei Merkmale zeichnen ihn aus — diesen lebensfrohen Mann in den besten Jahren: seinen ursprünglichen Mutterwitz und seine Verbundenheit mit dem nassen Element. Wir, die wir den Woog nicht nur von der Umzäunung aus erleben, sondern beherzt in ihm herumplätschern, kennen diesen Mann alle. Wir schätzen und achten ihn; wir freuen uns an seinem jugendlichen Elan und an seinem naturverwurzelten Humor. In der Tat: Bademeister Feldmann gehört zum großen Woog wie die Weiden und Buchen, die seine Ufer begrenzen.
„Feldmann — vielfacher Lebensretter und Taucher“, möchten wir sagen und ihm heimlich unter der großep Trauerweide ein Denkmal setzen. Manches „Ding“ hat er gedreht, von dem die Darmstädter an ihren Stammtischen oder beim Kaffeekränzchen gerne schmunzelnd erzählen. Erst neulich wieder hat er sich eins geleistet, das nicht unerwähnt bleiben soll.
Kürzlich, als das Wasserballspiel im Woog ausgetragen wurde, verlor ein gutsituierter junger Mann beim Baden einen kostbaren Ring. Alle Versuche, diesen Ring wieder herauszufischen, schlugen fehl. Der junge Mann, der die Hoffnung schon aufgegeben hatte, wandte sich auf Anraten einiger Freunde an den Bademeister. Dieser ließ sich die Stelle, an der der Ring versunken war, genau beschreiben, schlug dann dem Verzweifelten freundschaftlich auf die Schulter und meinte aufmunternd, daß er den Ring bestimmt finden werde. Noch am gleichen Abend tauchte Feldmann, am darauffolgenden Morgen wieder und am Abend ebenfalls — acht Tage lang, morgens und abends, unermüdlich, zäh und zuversichtlich. Am letzten Samstag wurde seine Mühe belohnt: Zwischen grünschimmernden Steinen, alten Blechbüchsen, ausgetretenen Schuhen und Badehoseresten holte er den Ring herauf, zusammen mit einem guterhaltenen Gebiß.
Der unentwegte Bademeister bat uns, im „Tagblatt“ den Besitzer dieses Gebisses anzusprechen und ihn zu bitten, sich zu melden. Schüchtern, so meinte Herr Feldmann, brauche der, der das Gebiß verloren habe, nicht zu sein; im Gegenteil, er möge sich rasch darum bemühen, damit vor der nächsten Badesaison keine Verdauungsschwierigkeiten bei ihm eintreten würden.
Lobe den Herren
70 Jahre Kirchenchors Arheilgen
Am letzten Samstag fand in dem festlich geschmückten Gemeindehaus in Arheilgen die eindrucksvolle Jubiläumsfeier des Kirchenchores statt, der seit 70 Jahren im Dienste des Kirchengesanges steht.
Zahlreiche Vertreter von Kirche und Behörden wohnten dem Festakt bei und wurden durch den 1. Vorsitzenden, Herrn Trase r, begrüßt. Besonders herzliche Worte fand Herr Traser für die ebenfalls anwesende, einzige noch lebende Gründerin des Chores, Frau A Bmuß, und das älteste Mitglied, Herrn Heldmann. In wenigen Sätzen zeichnete er die 70jährige Geschichte des Vereins auf und ehrte neun Sänger für 25- bis 44jährige Mitgliedschaft. Professor Borngässer überreichte den Jubilaren Gedenkblätter des Amtes für Kirchenmusik.
Die musikalischen Darbietungen, die von dem Posaunenchor und dem Kirchenchor bestritten wurden, beeindruckten durch ihre Klarheit. Der wundervolle achtstimmige Satz von Felix Mendelssohn-Bartholdy über den hundertsten Psalm, mit dem der Festakt durch den Posaunenchor eröffnet wurde, schuf die Atmosphäre geistiger und geistlicher Bereitschaft, die später vom Jubiläumschor in der Choralkantate mit Bläsern „Lobe den Herrn“ von H. W a 1 c h a so eindringlich übernommen wurde. Hier wie in den folgenden musikalischen Einlagen empfand man wohltuend die Schlichtheit des Vortrags und das große Maß von Sicherheit, die die langjährige Tradition des Chors durchaus glaubhaft machten.
Abschließende Worte sprach Ober-Kirchenrat Grein.
Nach einem Festgottesdienst am Sonntagmorgen traf sich die Festgemeinde am Nachmittag noch einmal im Gemeindehaus zu einer Nachfeier, während der auch Chöre aus anderen Orten des Dekanats sangen. \ Kä
Zwei Monate für „Faustrecht“
Wohnungsnot und drückende Enge überbelegter Wohnräume führen nur allzuoft zu Streitigkeiten zwischen den einzelnen Mieterparteien. Wenn man jedoch als zwangseingewiesener Untermieter seinem Vermieter zwei Kinnhaken versetzt und ihn derart roh mißhandelt, daß ihn der Arzt für einige Tage arbeitsunfähig schreibt, dann darf man sich nicht wundern, wenn man vom Gericht wegen Körperverletzung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wird. Dies wollte allerdings der 35jährige Transportarbeiter Ludwig B aus Darmstadt nicht einsehen, als die Erste Strafkammer gestern über seine eingelegte Berufung entschied. In derbem Heinerton versuchte der Angeklagte nachzuweisen, warum ihm der „Kragen einmal geplatzt“ sei. Er sprach von fortwährenden Schikanen durch die Ehefrau des Wohnungsherrn und erklärte, er habe diesem eine „Kostprobe“ erteilen wollen, damit er seine Frau zur Einstellung der Belästigungen veranlasse. Dieses „Faustrecht“ des Angeklagten bezeichnete der Vorsitzende als eine „recht merkwürdige pädagogische Maßnahme“. Im Gerichtssaal benahm sich B. nach den Worten des Nebenklägers „wie ein wilder Löwe in seinem Zwinger“. Der Angeklagte verstieg sich in ungehörige und beleidigende Redewendungen, die ihm im ersten Prozeß eine Ordnungsstrafe eingetragen hatten. Die Strafkammer rügte mehrmals sein Verhalten, verwarf seine Berufung und bestätigte das Urteil erster Instanz.
Schwerer Lastzug stürzt Autobahnböschung hinab
Wie wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, ereignete sich auf der Autobahn in der Nähe von Viernheim ein schwerer Verkehrsunfall, der glücklicherweise keinen Personenschaden verursachte.
Ein mit Stahl und Zellwolle schwer beladener Lastzug mit zwei Anhängern, der sich auf der Fahrt in südlicher Richtung befand, wurde, wie der Fahrer angab, zu gleicher Zeit von einem Lastzug und einem amerikanischen Personenwagen überholt. Die beiden Fahrzeuge drängten den Lastzug von der Fahrbahn ab, so daß er auf dem weichen Seitenrand der Straßenaufschüttung mit den Rädern einsackte. Der dadurch verursachte starke Zug nach rechts rieß die Lenkung herum, worauf der gesamte Lastzug sich überschlagend die etwa zehn Meter hohe Böschung hinunterstürzte und dabei schwer beschädigt wurde.
Aus den Trümmern kletterten unverletzt der Besitzer des Fahrzeugs, seine Frau und der Fahrer. Der Sturz hatte die Ladepritschen von den Fahrgestellen gerissen und die Ladung in der Umgebung verstreut. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich durch die hohe Böschung sehr schwierig, so daß die Mannheimer Feuerwehr und eine Abschleppfirma herangezogen werden mußten. Die Autobahn wurde bis gestern morgen auf der einen Fahrbahn von Polizei abgesperrt, um das Heraufziehen der Fahrzeugteile zu ermöglichen. Die gesamte Ladung mußte auf anderen Lastwagen abtransportiert werden. DT
Pkw überschlug sich
Die Gattin des früheren hessischen Ernährungsministers Dietz wurde bei einem Autounfall auf der Autobahn in der Nähe des Dorfes Allmendfeld verletzt. Auf der rechten Seite der Fahrbahn in Richtung Darmstadt hatte ein Lkw-Anhänger wegen Reifenschadens geparkt. Diesen Anhänger wollte um 20.30 Uhr ein Lastkraftwagen überholen. Zu gleicher Zeit versuchte ein Pkw, in dem Frau Dietz saß, den Lastkraftwagen zu überholen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Pkw auf den mittleren Grünstreifen gedrängt, geriet ins Schleudern, prallte auf die Fahrbahn zurück und überschlug sich. Alle Insassen (vier) des Pkw wurden verletzt. DT
Ein ehrlicher Finder
Ein zehnjähriges Mädchen sprach gestern nachmittag ängstlich auf dem I. Polizeirevier vor. Es hatte auf dem Weg von der Landwehr- zur Liebfrauenstraße eine Geldbörse mit 76 Mark verloren. Der Vater des Kindes ist arbeitslos, nur die Mutter berufstätig, und vier Geschwister sitzen mit dem Mädchen um den Eßtisch. Das Kind sollte mit dem Geld die Miete bezahlen. Die Polizisten des I. Polizeireviers glaubten zwar nicht an den Weihnachtsmann, riefen aber trotzdem sofort das zuständige 111. Polizeirevier an. Sie erhielten zu ihrer größten Ueberraschung die Antwort, daß die vermißte Geldbörse bereits abgeliefert worden sei. Der ehrliche Finder, Maurer Franz Göbel aus Worfelden, hatte sie sofort von der Fundstelle zur Polizei gebracht. Sein ehrliches Verhalten ist um so bemerkenswerter, als er selbst am letzten Samstag in der oberen Rheinstraße seine Brieftasche mit Kennkarte und 40 Mark verlor, die ihm bis jetzt noch nicht zurückgebracht wurde. DT
Moderne Glashütte in Darmstadt
In Darmstadt hat vor wenigen Tagen die „Darmstädter-Glasmanufaktur G. m. b. H.“, Mittinger & Co, ihre Fabrikation aufgenommen. Es handelt sich um die modernste Glashütte in Deutschland, die sich auf die Fabrikation von buntem Kirchenglas spezialisiert hat.
Der erste Ofen wurde angeblasen. Alle Vorbereitungen zur Erstellung eines zweiten Ofens sind getroffen. Der Bau soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Es werden durch die neue Firma für 80 Personen Arbeitsplätze geschaffen.
Verschiedene Ausländer sind bereits eingetroffen, um sich über die Produktion zu informieren. Man rechnet damit, daß sich ein gutes Exportgeschäft anbahnen wird. -ib¬
Ein Zeuanis niederländischer Kunksfertigkeit
Das alte Glockenspiel auf dem Schloß
Von Dr. Otto Pohl † 1943Als der hessische Landgraf Ludwig VI., der von 1661 bis 1678 in Darmstadt regierte, eine Reise durch die Niederlande machte’ wurden ihm die hier in fast jeder Stadt vorhandenen Glockenspiele so vertraut und lieb, daß er beschloß, sich auf dem neuen Darmstädter Schloßbau, der mitten in der Stadt errichtet wurde, auch ein solches tönendes Spielwerk einrichten zu lassen, damit es, wie er selbst bestimmte, „geistliche Lieder spielend als eine leblose Kreatur das Lob des Allmächtigen verkünden solle“.
Als Sachverständiger wurde der Glockenspieler Verbeek aus Amsterdam von dem Landgrafen im Jahre 1669 nach Darmstadt beordert. Auf dessen Vorschlag hin wurden der Uhrmacher Peter von Call in Nimwegen mit der Herstellung des Uhrwerks und der Glockengießer Franz Hemony in Amsterdam mit der Lieferung der Glocken betraut. Er hatte auch die kupferne Spieltonne anzufertigen und machte sich verdienstlich, innerhalb von vier Monaten „ein Glockenspiel von 28 Glocken von derselben Größe wie die zu Amsterdam auf dem Reguliersturm sind, und von so schönem correcten Ton, Resonance, Accord und Geläut, wie irgendwo in diesem Land zu finden, worauf unpartheyische Musicanten, die sich darauf verstehen, urtheilen mögen“ zu liefern. Im Jahre 1670 wurden die Spieltonne und die 28 Glocken nach Darmstadt gebracht. Die Glocken wogen zusammen 6153 Pfund — die größte 1200, die kleinste 18 Pfund — und kosteten samt dem „Beyer Stool“ einer klavierartigen Einrichtung, um das Werk auch mit den Händen spielen zu können, 6516 Gulden und 5 Stüber. Der Tonumfang der Glocken betrug zweieinhalb Oktaven. Nachdem sie aufgehängt waren, traf im Jahre 1671 auch das Uhrwerk des Peter von Call in Darmstadt ein, das zugleich die Spieltrommel in Bewegung setzte. Mit ihm zugleich kam der Glockenspieler Calvin Verbeek aus Amsterdam, der nun das ganze Werk einrichtete. Er blieb 20 Wochen lang am Darmstädter Hof und bildete in dieser Zeit einen Hofmusiker des Landgrafen zum Glockenspieler aus. Nachdem das ganze Werk eingerichtet war — es kostete 11 218 Gulden und 14 Albus — wurde an einem Oktober-Sonntag nach dem Gottesdienst. das Glokkenspiel feierlich eingeweiht. Es spielte von da nach dem Willen seines Stifters beim halben und ganzen Stundenschlag einfach gesetzte Choräle. Zugleich erließ der Landgraf eine Verordnung, daß sich alle öffentlichen Uhren der Stadt nach dem neuen Werk zu richten hätten. Der für die neue Uhr bestellte Diener hatte diese täglich nach der am Glockenturm angebrachten Sonnenuhr zu richten.
Das Darmstädter Glockenspiel ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verbessert worden, konnte seit etwa hundert Jahren auch Achtel- und Sechzehntelnoten spielen. Der gleiche Darmstädter Glockendirektor hatte die Klaviatur des Werkes so umgebaut, daß man es leicht mit den Fingern spielen konnte, während man früher mit den Fäusten auf die Tasten des „Beyer-Stools“ schlagen mußte, um den Glocken einen Ton abzugewinnen. Von 1693 bis 1697 schwieg das Darmstädter Glockenspiel. Der hessische Landgraf hatte es während des französischen Raubkrieges, als das Heidelberger Schloß und Worms niedergebrannt wurden, nach Frankfurt bringen lassen, um das kostbare Werk im Falle eines französischen Einbruchs bis nach Darmstadt, vor Plünderung zu bewahren. In Frankfurt wurde das Uhrwerk im Garten des „Darmstädter Hofes“ vergraben und die Glocken im Zeughaus versteckt. Noch einmal, im Jahre 1938, hatte das Darmstädter Glockenspiel für mehrere Monate „tacect“, aber diesmal nicht aus kriegerischem Grund. In schwieriger Arbeit wurden die Glocken abmontiert und herabgelassen, um gereinigt, nachgeschliffen und neu gestimmt zu werden. In den übrigen nahezu drei Jahrhunderten jedoch haben die bronzenen Zeugen niederländischer Kunstfertigkeit Tag und Nacht ihr feierliches Lied über den Dächern der hessischen Landeshauptstadt erklingen lassen. Der Darmstädter vermißt etwas im Ablauf seines Tages, wenn nicht alle halbe Stunde der Spie'J dosenklang eines Chorals oder einer Volksweise seine Arbeit, seinen Mittagtisch, seinen Feierabend grüßt. Oder gar wenn er nachts wach liegt und der Trost des Glokkenliedes überdeutlich durch die Stille in Ohr und Herz dringt! Die Klänge seines Glockenspieles sind jedem Darmstädter ebenso ein nicht zu missender Klang der Heimat, wie dem Amsterdamer das regelmäßige Glockenlied auf dem Palais.
Dag war bis zu jener Septembernacht des Jahres 1944, als das Glockenspiel zu seinem letzten Klang die Stimme erhob. Die Flammen schlugen bereits in dem Turm hoch, der Schieferhelm begann herabzustürzen, der erste Ton eines neuen Liedes war bereits erklungen, als das Werk stehen blieb, um sich nie mehr zu regen. Heute, 6 Jahre nach jener Nacht, bemühen sich Darmstädter Bürger um die Schaffung eines neuen Glockenspieles, um der Stadt ein wesentliches Charakteristikum ihrer Vergangenheit wieder zu geben. DT
Das Darmstädter Glockenspiel wie wir es kannten Foto: Kenner
In der Stadt notiert
Zum Kinderfest im Riedbergheim bei Eberstadt waren am Sonntag etwa 150 Kinder aus Stadt- und Landkreis Darmstadt gekommen. Der demokratische Frauenbund hatte anläßlich des „Internationalen Kindertages“ dazu eingeladen. Die Kinder wurden mit Kaffee und Kuchen bewirtet und mit Sackhüpfen, Eierlaufen, Wurstschnappen und Kasperltheater unterhalten. t—s
Die Martinsgemeinde veranstaltete am vergangenen Sonntag ein Kindersommerfest im Kindergarten in der Liebfrauenstraße. Die Schwestern verstanden es, mit Unterstützung einiger Helferinnen den Kleinen einen frohen Tag zu schenken. ib
Die alten hessischen Familien Diefen¬ bach und Dieffenbach hielten am Sonntag ihren diesjährigen Familientag in Darmstadt ab. Den 50 erschienenen Mitgliedern dieses weitverbreiteten Familienverbandes gingen Grüße von Familienangehörigen aus Schweden, Nord- und Südamerika zu. Die Tagung fand unter dem Vorsitz von Oberbaurat W. Diefenbach, Darmstadt, statt. Der 90jährige Forstmeister a. D. Gustav Dieffenbach. Auerbach-Bensheim, war das älteste, erschienene Familienmitglied. DT
Aus seinem Fenster stürzte sich in der Nacht vom Sonntag auf Montag ein Darmstädter Einwohner. Der Kopfsprung schien ihn so ernüchtert zu haben, daß er stillschweigend die Treppe hinaufstieg und sich wieder in sein Bett legte. Erst nach einiger Zeit bemerkten Familienangehörige den Unfall und veranlaßten die Überführung in ein Krankenhaus, wo man einen Schädelbruch feststellte.
Von einer Mauer des Neuen Palais stürzte gestern morgen um 10 Uhr der in der Scheppallee 80 wohnende Valentin Trumpfheller. Der Unfall ereignete sich bei unerlaubtem Schrottsammeln im Neuen Palais. Der Verunglückte mußte in ein Krankenhaus verbracht werden. DT
Wiederaufbauvereinigung, DHF und Nationaldemokratische Partei veranstalten heute abend auf dem Friedensplatz anläßlich der Volksabstimmung am 9. Juli 1950 eine Kundgebung.
Mit dem Haushaltsplan für 1950 haben sich die Stadtverordneten von Darmstadt in ihrer letzten Sitzung vor den Ferien am 6. Juli 1950 um 15.00 Uhr im Büchersaal zu befassen.
Wer war denn das - der Osann?
Neulich besuchte mich mein Freund Gustav Irgendwoher von auswärts. Und als ich ihn an der Bahn abholte, meinte er: „So, also in der Osannstraße wohnst Du?“ Gustav hat Mathematik studiert und nimmt alles sehr genau. Entsetzlich genau, denn er examinierte mich gleich weiter: „Wer war denn das, der Osann? Nie was von ihm gehört. Muß wohl eine Lokalberühmtheit sein? Du bist doch ein alter Darmstädter, da mußt Du das doch wissen!“ Ich stand da mit meinem Talent und wußte nicht, wieso die Osannstraße gerade Osannstraße heißt. „Du scheinst mir ja Deine Vaterstadt schön zu kennen, blitzte mich Gustav an.
Er fragte den nächsten Mann vor dem Hauptbahnhof, ob er von Darmstadt wäre. „Ja“, sagte der und schon 36 Jahre wohne er hier. Na, da müsse er doch etwas von einer Osannstraße wissen, prüfte mein Freund den Lokalpatriotismus.
„Von der Osannstraße?"
Ja natürlich, da brauche er nur in die Linie 2 einzusteigen und dem Schaffner sagen, daß er am Herdweg aussteigen wolle. Dann ein paar Schritte in den Herdweg und da sei er an der Osannstraße. Die ginge mitten durchs Tintenviertel, „Durchs Tintenviertel?“ da wohnten früher vor allem die Leute, die mit Tinte und Feder umgingen“, wußte ich wieder zu glänzen, „daher der Name!“ „Ach so, und wer war der Osann?“ Da war mein Mitbürger genau so blamiert und wußte es auch nicht. Und bei mir dachte ich, es wird höchste Zeit, daß Du Dich auf Deine alten Tage noch in Heimatgeschichte bildest, und gestern schrieb ich Gustav in einem Brief von jenem Geheimen Justizrat Dr. Arthur Osann, nach dem die Straße benannt ist. Sein Name gehört zu Recht ins Tintenviertel, denn Papier, Tinte und Feder waren seine Handwerkszeuge. In Gießen wurde er 1829 geboren, war zuerst Hofgerichtsadvokat und schließlich Rechtsanwalt in Darmstadt. Er stürzte sich heftig in die Politik und mit 50 Jahren kam er in den Landtag.
25 lange Jahre war er Landtagsabgeordneter. 1890 kam er außerdem noch in den Reichstag und war ein glühender Verehrer Bismarcks. Er war auch daran schuld, daß die Darmstädter ein Bismarckdenkmal auf den Ludwigsplatz bekamen und als sich die Darmstädter voriges Jahr wegen des Bismarckdenkmals mit Tinte bespritzten, da wird sich der gute Mann im Grabe rumgedreht haben, in das er nach einem tüchtigen Politikerleben im Jahre 1909 sank. • _ _n _ . n am
Seit 1874 war er zu allem Ueberfluß an politischer Tätigkeit auch noch Stadtverordneter und seine heiße BiscnarckVerehrung gab die Anregung zur Erteilung des Ehrenbürgerrechts Darmstadts an Bismarck im Jahre 1890. Das war Arthur Osann.
Fritz Knippelius.
Tanz auf dem Kirchplatz
Die katholische Gemeinde Eberstadt fand sich am Sonntagnachmiittag zu einem Pfarrfamilienfest auf dem Kirchplatz zusammen, dessen Reinertrag für die Instandsetzung der schwer beschädigten Kirche bestimmt ist.
Nach Kaffee und Kuchen wurde eine Verlosung mit vielen und schönen Gewinnen durchgeführt. Zur gleichen Zeit tummelten sich dlie Kleinen bei Reigenspielen, Topfschlagen und . ncherlei anderen lustigen Sachen. Der „Kasper“ trieb seinen heiteren Unfug und die vielen kleinen Buben und Mädchen freuten sich an ihren Preisen, die ebenso wie die Gewinne der Verlosung von Mitgliedern der Gemeinde und Eberstädter Geschäftsleuten gestiftet waren.
Gegen Abend wurde von Laienspielern „Der Dorftratsch“ aufgeführt, der die Zuschauer zu begeisterten Lach- und Beifallstürmen hinriß.
In dem festlich beleuchteten Garten tanzten am Abend jung und alt nach den Klängen einer aus Mitgliedern der Pfarrei zusammengesetzten Tanzkapelle. t-s
„Wer hat die Sau gestohlen?“
Nachgeholtes Johannnisfest der evangelischen Jugendgemeinde Eberstadt
Unter großer Beteiligung holte die evangelische Jugendgemeinde Eberstadt ihr, wegen des schlechten Wetters am 25. Juni 1950 ausgefallenes, Johannisfest nach. Volkstänze, neu einstudierte Lieder und Gedichte und zwei Duette des Flötenkreises leiteten zu dem im Bärenreiter-Verlag erschienenen komischen Stück „Wer hat die Sau gestohlen?“ über.
Nachdem die „Schmierenbühne“ mit ihrem Karren auf dem Kirchberg angefahren und mit viel „Hau-Ruck“ und Geschrei die Kulissen aufgebaut hatte, rollte unter dem jubelnden Gelächter der Zuschauer das tolle Spiel ab.
Rund um den Kirchberg gab es eine Menge Buden, die Kinder konnten sich nette Gewinne angeln, und die Eltern das von einem Jungentrupp aufgeb?'’te Zelt und eine Nudelsuppe besichtigen. (Warum sie nicht gleich gegessen wurde, konnten wir nicht erfahren.)
Am Montag fuhren die das Fest ausnichtenden Jungen und Mädel mit Pfarrer Weißgärber auf Lastwagen und Rädern zum Hoherodskopf, um in einem dort aufzubauenden
Kursbuch für Bergstraße—Odenwald—Ried
Das Verkehrs- und Wirtschaftsarchiv GmbH, hat in Zusammenarbeit mit den Verkehrsverbänden und -vereinen des Gebietes Odenwald-Bergstraße-Ried ein Kursbuch herausgegeben, das neben den Fahrplänen der Bundesbahn mit den Anschlüssen an die Fernlinien auch die aller Autobuslinien und Kleinbahnen enthält
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie 19.30 UJir: ..Othello“ (A/24). Ende 22 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „Truxa“. Thalia: „Katharina die Große“. Belida: „Erfüllte Träume“. Palast: „Golowin geht durch die Stadt“ Hansa: Blutsbrüder“.
Amerikahaus: 19.30 Uhr. Vortrag in engl. Sprache: „Hemingway and T. S. Eliot: the Change in their Works“.
Darmstädter Musikzentrale: 20 Uhr Stadthalle Violinabend Alice Schönfeld.
Hess. Landesmusikschule: Concordiasaal. 19.30 Uhr. Lustspiel: „Die Frau ohne Kuß“. Studio-Aufführung einer Gruppe der Opernschule.
Wir gratulieren
82. Geburtstag: Herrn Peter Keller IV. Ober-Ramstadt. Schulstraße 25.
Obst und Gemüse für das Altersheim
Auch gestern stand Griesheim noch im Zeichen der Jubiläumsfeier des Marktvereins
Schon in den Vormittagsstunden des Montag zeigte es sich, daß die - Jahr-Feier des Marktvereins mehr als eine Eintagsfliege war. Im Festzelt und in der Ausstellung stauten sich die Besucher, die zum großen Teil aus ganz Starkenburg kamen.
Das AussteE irgskoperativ beschloß, alle ausgestellten Erzeugnisse der Obst- und Gemüseanbauer als Spende der Gemeinde Griesheim dem Altersheim in Darmstadt-Eberstadt zu übergeben.
Um 20 Uhr and im Festzelt die Preisverteilui _ an die Aussteller der prämiierten Erzeugnisse statt.
Ausgezeichnet wurden:
Gruppe 1
H. Fischer, DM 50; W. Rühl Wwe, DM 50; Gg. Höhle 11., DM 50; H. Höhl X., 1 Stamm Hühner; A. En^ 1 VIII., 10 Obsthochstämme; Lautenheimer, 1 Handwagen.
Gruppe 2a
Heinrich Ph. Höhl 1., DM 50.
Gruppe 3
Lautenschläger, DM 50; Gg. Löffler, 1 Gasherd; Gg. Drente’, DM 50.
Gruppe Obst
G. Lautenschläger, 20 Verpackungssteigen
Gruppe Blumenbinderei
Frau Gläser, 1 Eßkorb.
Gruppe Konserven
H. Funk 11., 1 Eßkorb.
Koperatlv-Aussteller
Erzeugergenoss ischaft I, DM 50 mit Diplom; Frankfurter Marktverein 11, vom Landesverband DM mit Diplom; Vereinigte Gärtnergruppe (Blumen), vom Landesverband DM 50.
In der Gruppe I erhielt der Offenbacher Marktverein vom Kreisverband einen Preis von 30 DM.
Wie am Sonntag wurde auch gestern bis tief in die Nacht hinein getanzt. Der Verlauf des Festes, das nicht nur eine Angelegenheit des Marktvereins, sondern der ganzen Gemeinde Griesheim war, hat gezeigt, daß die „Griesheimer“ auch heute noch verstehen, ihre Feste zu feiern. ba
Friseurmeister Philipp Lortz, Darmstadt suchte vergeblich in unserer gestrigen Ausgabe in dem Bericht „Wien, Wien, nur du allein . . .“ nach seinem Namen. Stattdessen fand er den eines Friseurmeisters Lorentz. Wir berichtigen hiermit den Fehler unseres Redaktionsteufels und stellen fest, daß es Meister Lortz war, der bei der Modeschau die Frisuren rasch und meisterlich legte.
Starkenburg
Lehrer Fein heißt eine Berufung haben
Hessische Schulräte tagten in Reinheim
Anläßlich der 650-Jahrfeier der Stadt Reinheim war es gelungen, die planmäßige Arbeitstagung der hessischen Schulräte nach Reinheim zu verlegen, wo in den Morgenstunden des Montags die Erzieher eintrafen.
Seitens der Gemeindeverwaltung begrüßte Bürgermeister Marx die Teilnehmer als Gäste der Stadt und wünschte der Tagung einen guten Erfolg. Reinheim betrachte seine reiche Geschichte als eine Verpflichtung gegenüber der Gegenwart, was bisher in allen Veranstaltungen der Festwoche zum Ausdruck gekommen sei.
Ministerialdirektor Friedrich eröffnete die Tagung und bezeichnete es als einen glücklichen Umstand, daß gerade am Tag des Festes der Jugend diese Konferenz stattfinden könne. Er sprach den dringenden Wunsch aus, daß die Erzieher Gelegenheit nehmen möchten, diesem Fest beizuwohnen.
Unter den Tagungsteilnehmern begrüßte Gewerbeschulrat Stein den Schulrat des Kreises Dieburg Schmidt, in dessen Wirkungsbereich die Tagung stattfand, sowie den neuen Schulrat von Darmstadt, Dr. B 1 oet z , der an die Stelle des in den Ruhestand getretenen ebenfalls anwesenden Schulrates Dr. Heldmann trat.
In seinem Referat betonte Landrat R i t z e r t nicht nur seine Stellung als Landrat, sondern auch seine Eigenschaft als Schirmherr der Reinheimer Festwoche, Er veranlaßte auch die Ausgabe der Festschrift an die Tagungsteilnehmer. Diese sei geeignet, einen tiefen Einblick in Geschichte und Gegenwart des Odenwaldstädtchens zu geben.
Zur Frage der Schulreform erklärte der Landrat, daß er anläßlich der hessischen Landkreistagung in Bad Nauheim Gelegenheit gehabt habe, ein Referat von Kultusminister Stein zu hören, wobei dieser seine Ansicht zur geplanten Schulreform geäußert habe. Insbesondere der Lehrerschaft käme eine Aufgabe zu, die noch größere Ansprüche an sie stellen werde. Lehrer sein sei nicht einfach ein Beruf im üblichen Sinne, Lehrer sein bedeute vielmehr eine Berufung zur Erziehung der Jugend.
Die Tagung wurde umrahmt von Darbietungen der Volksschule und dem Schülerchor unter Leitung von Lehrer Ramges. Die verschiedenen Tagungsthemen wurden im besten Einvernehmen bearbeitet. Nach der Mittagspause besuchten die Schulräte den Festplatz und waren von den hervorragenden Leistungen, die das Reinheimer Gewerbe mit seiner Ausstellung zeigte, stark beeindruckt. Auch an dem Jugendfest nahmen sie lebhaften Anteil. Die Schuljugend erntete mit dem Festzug, der durch zahlreiche Wagen des vorgestrigen historischen Zuges bereichert war, großen Beifall.
(eb)
Glockenweihe in Waldmichelbach
Nachdem vor einer Woche das neue Geläut der evangelischen Kirche Waldmichelbach feierlich eingeholt und kurz darauf unter reger Anteilnahme der Bevölkerung auf den Turm gebracht worden, war, erscholl am Sonntag zum ersten Male der Klang der neuen Glocken über die Berge des Ueberwaldes. In Anwesenheit des Propstes von Starkenburg, Pfarrer Rau (Frankfurt-Niederrad), Pfarrer Hörnle (Rimbach), sowie weiterer Pfarrer der Odenwaldgemeinden und einer beachtlichen Festgemeinde aus Waldmichelbach und den Filialdörfern konnte Pfarrer D ö rsa m die drei Glocken, d'e auf „Glaube, Friede und Gebet“ abgestimmt sind, in die Obhut der Kirche übernehmen. Auf den Tag genau sind acht Jahre vergangen, daß die evangelische Gemeinde ohne Geläute war.
Propst Rau unterstrich in seiner Festpredigt, daß diese Glocken nur Helfer und Diener des Menschen sein könnten, die ihn zu Gott rufen und mahnen. Sie sollten mithelfen. den Frieden zu wahren; wenn jetzt, wenige Jahre nach dem Ende des furchtbaren Krieges wieder irgendwo in der Welt die Fackel der Vernichtung angezündet werde, so liege die Aufgabe der Kirche darin, den Frieden zu erhalten und auszubreiten. Pfarrer D6r s am rief dann die einzelnen Glocken und gab das Zeichen zum ersten gemeinsamen Geläut; die Gemeinde stimmte mit dem Choral „Nun dan-
ket alle Gott“ in ihren dröhnenden Klang ein.
Im Auftrage des Dekanats Heppenheim brachte Pfarrer Hör n 1 e Gruß- und Wunschworte zum Ausdruck. Als der vor 50 Jahren in Waldmichelbach stationierte „älteste alte Pfarrer“ wie er sich selbst nannte, sprach dann der 83jährige Pfarrer Berck (Roßdorf) zu der Gemeinde und hoffte, daß nicht erneut frevelnde Hände die Glocken vom Turm holen mögen. Der frühere Pfarrer der Gemeinde Lorenz, der vor einem Jahr zur Gründung des Glockenausschusses aufgerufen hatte, drückte seine Freude darüber aus, daß mit der Rückkehr der Glocken auch Pfarrei-Dörsam aus russischer Kriegsgefangenschaft wiedergekehrt sei. Kirchenvorsteher Jakob Hoffmann sprach über das Schicksal der Glocken und geißelte vor allem die Entweihung schon vor ihrer Niederholung. Er dankte allen Beteiligten und Spendern für die bewiesene Opferbereitschaft. Der evangelische Kirchenchor und der evangelische Posaunenchor, unter Leitung von Georg Ehret und Dr. Gottwald, umrahmten den Festgottesdienst, der in einem gemeinsamen Geläut der Glocken beider Kirchen ausklang, (-r)
Neuer Obermeister der Wagner
Am Samstagnachmittag trafen sich in Groß-Gerau die Wagner und Stellmacher des Kreises zu einer Innungsversammlung, bei der auch Landesinnungsmeister Staiger, Kreishandwerksmeister Gruber und Geschäftsführer Schwerer von der Kreishandwerkerschaft anwesend waren. *
Der Geschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Wagen- und Karosseriebauer wies in seinem Referat darauf hin, daß die Ausbildung der Wagner intensiviert werden müsse; zu diesem Zweck würden auch in Kürze im Kreis Groß-Gerau Fortbildungskurse veranstaltet werden. Insbesondere müsse das Stellmacherhandwerk mit der technischen Entwicklung Schritt halten und sich in stärkerem Maße von der Holzverarbeitung auf die Eisenverarbeitung umstellen. Auf diese Weise ließe sich die gegenwärtige Krise überwinden.
Da der frühere Obermeister verstorben ist, wurde Wagnermeister Bes t, Büttelborn, einstimmig zum neuen Obermeister gewählt. (cg)
Einbrecher hatten Hunger
In der Groß-Gerauer Bahnhofsgaststätte wurde in der Nacht zum Sonntag eingebochen. Soweit bis jetzt festgestellt werden konnte wurden hierbei lediglich Lebensrnittel entwendet. (cg)
Bullauer Heimutfest
Bullau hatte am Sonntag seinen großen Tag. Aus Erbach, Schönnen, Lauerbach, Würzberg, Hetzbach und anderen Orten waren Gäste zu Hunderten auf die Builauer Höhe gepilgert, um das Heimatfest anläßlich der 65. Wiederkehr des Tages der Uebergabe der ehemaligen gräflichen Försterei an die Schulverwaltung mitzuerleben. Lehrer Ohlan d hatte den historischen Vorgang zu einem kleinen Heimatstück verarbeitet, das von seinen Schulkindern aufgeführt wurde. Der Schulhof war zum Festplatz geworden, auf dem sich groß und klein tummelte. Ein Festzug mit vier lustig geschmückten Wagen fuhr am Nachmittag durch den Ort. Bis spät in den Abend hinein wurde getanzt. Mit stolzer Zufriedenheit stellten die Einheimischen fest: „Bulle hot j^tzt aach sein Wiesemaik!“ (-ch)
Motorsportler feierten Iubiläum
Der Motorsportklub e. V. Riedring Lorsch beging am Samstagabend den ersten Jahrestag seiner Gründung. Heinz von Manger gab als erster Vorsitzender des Klubs einen Rückblick über das abgelaufene von Erfolg gekrönte Jahr und kündigte unter dem Beifall des ganzen Saales für den 20. August das nächste Rennen auf dem Riedring an. Der Abend brachte auch die Gewinnverteilung des Radiohauses Bauert in Bensheim, das am 4. Juni beim Rennen einen Tototip organisiert hatte. Insgesamt vier Apparate fielen an Karl Wachtel, Lorsch, Willi Angel berge r, Bensheim, Hans Bohrer, Lorsch, und Friedrich Muth, Gimbsheim. (bb.)
Erfolgreiche Brieftaubenzucht
Die Reisevereinigung Odenwald, Sitz Michelstadt, veranstaltete einen Wettflug von Passau aus. Die Flugstrecke betrug ca. 350 km. Die Siegertaube, die Georg Göckel, Zeilhard, aussetzte, erreichte eine Fluggeschwindigkeit von 1059,2 m pro Minute. Mit 4 vorherbestellten Tauben bei einer Gesamtfluggeschwindigkeit von 4144,6 m pro Minute holte sich damit der Züchter Georg Göckel vom Ortsverein Zeilhard die Medaille. Den zweiten Platz belegte Gg. Kränkel, Lengfeld, mit seinen Tauben (Gesamtfluggeschwindigkeit von 4049,5 m pro M'nifle. Nachfolgende Vereine errangen Preise: Mi Eielstädt 5. Erbach 1, König 1, Neustadt 3$ Steinbach 1. Groß-Bieberau 12, Lengfeld 9, Zeilhard 5 und Spachbrücken 4.
(er)
Uebcrmütige Flegel vollbrachten in der Nacht zum Montag in der Erbacher Ncckarctraße ~m ,Hotel Odenwald“ und in gegenüberliegenden Häusern eine „Ortsbildverschönerung“ auf ihre Weise, indem sie Blumenkasten umstülpten und alle übrigen Fensterblumen abrissen. (-ch)
Dreister Betrugsfall im Odenwald
Sägewerksbesitzer un rund 4000 DM betrogen
Der Gendarmerie ist es in Verbindung mit der hessischen und badischen Kriminalpolizei gelungen, einen sensationellen Betrugsfall im Odenwald aufzudecken und die beiden Täter zu verhaften.
Am 17. Mai war bei dem Sägewerksbesitzer Adam H uy in Unter-Schönmattenwag bei Wald-Michelbach im Odenwald ein Mann erschienen, der sich als Richard „Schulz“ aus Ludwigshafen ausgab, und hatte über den Ankauf eines Postens Holz verhandelt. Am nächsten Tag sprach der gleiche Mann in Begleitung eines angeblichen Karl „M üll er“ aus Frankfurt wieder vor. Er erklärte dem Sägewerksbesitzer, daß ihm das Holz zu teuer sei. er habe jedoch einen Kollegen mitgebracht, der den Posten kaufen wolle. Da man sich einig wurde, fuhr am 19. Mai gegen 11 Uhr ein Lastzug der Bundesbahn vor. der die Holzladung aufnahm. Der angebliche „Müller“ stellte einen Ueberweisungsschein von rund 4000 DM an die Südwestbank Mannheim aus. Als der Sägewerksbesitzer diesen an einem der folgenden Tage bei der Zweigstelle der Südwestbank in Wald-Michelbach einlösen wollte, wurde ihm mitgeteilt, „daß ein Herr Müller kein Konto besitze“. Die eingeleiteten Ermittlungen ergaben, daß die angebliche Firma in Frankfurt nicht existiert und die Firma Schulz. Ludwigshafen, in keiner Weise wegen eines Holzeinkaufs mit Huy verhandelt hat. Der Sägewerksbesitzer war zwei üblen Betrügern in die Hände gefallen, die sich einen Lastzug der Bundesbahn gemietet hatten, um ihre Betrügsbeute abzutransportieren.
Inzwischen konnten die beiden Gauner ermittelt werden. Ein gewisser Kurt Fast wurde ins Amtsgerichtsgefängnis Ludwigshafen, ein gewisser Günter Bernhardt in die Haftanstalt Münsingen eingeliefert. Nur der Rest des Holzbestandes konnte sichergestellt werden. Der größte Teil war von den beiden bereits veräußert worden. Mit der Durchführung des Verfahrens wurde die Staatsanwaltschaft Frankenthal beauftragt. (wst)
Dir „lieben“ Gäste
'Während die Gemeindeverwaltung Erfelden einerseits den durch ihre unmittelbare Lage am Rhein begünstigten Fremdenverkehr begrüßt und darin für den Ort eine ausgezeichnete Verdienstmöglichkeit erblickt, sieht sie andererseits mit Sorge auf den dadurch immer erheblicher werdenden Flurschaden. Hauptanziehungspunkt der vielen Fremden ist das „Neujahrsloch“ am Altrhein, das besonders fruchtbare Wiesen und Aecker hat. Man zieht in Erwägung, dieses Gebiet durch Drahtzäune zu sichern. In diesem Falle müßte man jedoch andererseits mit einer starken Verminderung des Fremden Zustromes rechnen. (br)
Nann, was ist denn das?
So werden auch Sie sich, lieber Leser, im ersten Augenblick fragen, wenn Sie dieses Bild betrachten. Uns ging es jedenfalls nicht anders, bis wir — nun ja, bis wir halt die erklärenden Worte unseres Bildberichters gelesen hatten ... Bei unserer heutigen Aufnahme, die wir in Ihren Blickfang gestellt haben, handelt es sich ... um einen sogenannten „hängenden Winkelabort" aus Bensheim, also die Toilette vergangener Zeiten, wie sie früher in den Städten allgemein üblich war. Diese stillen Oertchen hatten allerdings weder Rohre noch Gruben. Die „Exkremente fielen „von oben“ zrvischen die Häuser und wurden von Zeit zu Zeit abgefahren. War es da verwunderlich, daß Seuchen und ansteckende Krankheiten so viele Opfer forderten? 1868 wurde angeordnet, daß die Reinigung der Winkel vierteljährlich, und zwar in der Zeit zwischen 11 Uhr abends und 6 Uhr morgens zu erfolgen habe; die letzten Winkelaborte wurd.en in Bensheim im Jahre 1903 teils beseitigt, teils an die Kanalisation angeschlossen. Foto: Schermer.
Ostdentscher Nolkstag in Heppenheim
Strikte Ablehnung der IHusionspolitik einzelner Splittergruppen
Zu dem großen Flüchtlingstreffen in Heppenheim am Samstag und Sonntag, das ursprünglich nur als Kreisvereinstag geplant war, hatten sich ca. 10 000—12 000 Heimatvertriebene aus Ostdeutschland und dem Sudetenland eingefunden.
Den Auftakt gab am Freitagnachmittag ein Lichtbildervortrag von Dr. Aschenbrenner für die Schulkinder in der Stadthalle: „Das Sudetenland in Bildern“ und abends für die Erwachsenen: „Sudetenland, Mensch und Landschaft“. Am Samstagnachmittag fand eine Tagung der Sudetendeutschen Landsmannschaften im Verband der Heimatvertriebenen in der Stadthalle statt, bei der Prof. Dr. Weizsäcker (Prag-Heidelberg) über das Thema: „Rechtshistorische Folgerungen aus dei- Ausweisung der Sudetendeutschen“ sprach. Gleichzeitig hielten die ostdeutschen Landsmannschaften (Schlesier, Pommern, Ostpreußen) im Winzerkeller eine Tagung ab. Beim Festabend in der Stadthalle ergriff Kultusminister Dr. Stein das Wort.
Am Sonntagmorgen tagten die Ortsverbandsvorsitzenden im „Hessischen Hof“. Das Referat hielt Landesvorsitzender Walther. Um 10 Uhr fand zugleich eine Tagung der Heimatvertriebenen Frauen im Saalbau Kärchner mit einem Referat der Landesfrauenreferentin Frau Stromsky, eine Tagung für Jugend- und Kulturarbeit im Winzerkeller mit einem Referat von Dr. Dr. Lehmann und eine Großkundgebung des heimatvertriebenen Landvolkes mit Referat von Gustav Hacker statt. Hacker ist als ehemaliger Abgeordneter des Prager Parlaments besonders für das sudetendeutsche Landvolk eine Begriff geworden. Obwohl erst kürzlich aus fünfjähriger Haft in der Tschechoslowakei entlassen, habe er, so betonte der Redner, keine Haßgefühle gegfen das tschechische Volk und lehne eine Kollektivschuld ab. Bei der Großkundgebung um 14.30 Uhr auf dem Heppenheimer Marktplatz ergriffen der Landesvorsitzende Jos. Walther, Minister Zinn kann und Dr. Heinrich von Brentano das Wort und setzten sich für einen gerechten Lastenausgleich ein.
Bei der folgenden Pressekonferenz stellte der Kreisverbandsvorsitzende Seiboth nochmals die wichtigsten Punkte heraus: Die Heimätvertriebenen bekennen sich zur Einheit und’ lehnen jede Zersplitterung ab. Sie erstreben ein freundschaftliches Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung und lehnen jede Illusionspolitik einzelner Splittergruppen ab. Ferner erstreben die Heimatvertriebenen ein gut nachbarliches Verhältnis zu den osteuropäischen Völkern, sprechen sich aber gegen eine Kollektivschuld dieser Völker aus und fordern eine gerechte und strenge Bestrafung der Schuldigen. Der Verband sei zwar überparteilich, doch könne und solle keinem Mitglied verboten werden, sich politisch noch eigenem Gutdünken zu betätigen.
Bei dem Volksfest auf dem „Graben" zeigte u. a. die Adalbert-Stifter-Gruppe Volkstänze. (H. B.)
Landesfeurrwechrtag in Dieburg
5000 auswärtige Feuerwehrleute werden erwartet Ausstellung neuester amerikanischer Löschfahrzeuge
Zum ersten Male seit Kriegsende treffen sich die Freiwilligen Feuerwehren Hessens zu ihrem Landesfeuerwehrtag vom 8- bis 10. Juli in Dieburg. Der hessische Ministerpräsident Christian Stock hat das Protektorat dej- Veranstaltung übernommen, die mit einer Ausstellung modernster Löschfahrzeuge und -Geräte verbunden ist. Mehr als tausend Wehren zwischen Eder und Neckar sind zur Teilnahme eingeladen; sie werden mit den Gästen aus Rheinhessen und den benachbarten bayerischen Gebieten Zusammentreffen.
Am Samstag, dem 8. Juli, findet eine Arbeitstagung statt. Sonntagmorgen wird das neuerbaute Gerätehaus der Dieburger Freiwilligen Feuerwehr hinter dem Fechenbachschen Schloß seiner Bestimmung übergeben. Im Anschluß daran sollen zwei große Feuerwehrübungen auf dem Marktplatz die Schlagfertigkeit der Wehr beweisen- Eine sicherlich auch für den Sachkenner erfreuliche und dankenswerte Bereicherung erfährt dieser „Vormittag der Praxis“ durch die Anwesenheit dreier Löschzüge der amerikanischen „Fire-Brigade“* die die Bekämpfung eines Oelgroßbrandes vorführen.
Ein großer Festzug wird sich am Nachmittag durch zahlreiche Straßen der Stadt bewegen. Er endet auf der Festwiese im Schloßgarten, wo sich um ein riesiges Festzelt mit 2000 Sitzplätzen Sehau- und Fahrgeschäfte aller Art gruppieren, so daß dieser Tag zu einem wahren Volksfest werden dürfte. Die in den letzten Tagen eingegangenen Zuschriften oder Zusagen zum Besuch des Festes zeigen, welche Bedeutung dem kommenden Dieburger Wochenende von zahlreichen Behörden zugemessen wird. So ist u. a. auch mit der Anwesenheit des hessischen Innenministers Zinnk a n n , eines Vertreters des amerikanischen Oberkommissiars McCloy, und des Landeskommissars für Hessen, Dr. Newman zu rechnen. Der Leiter der amerikanischen Feuerwehr-Brigade, William G. Ritter, dem auch die zu einer . Großbrand- und Löschübung kommenden drei US-Feuerlöscheinheiten unterstehen, wird die Ausstellung mit den neuesten amerikanischen Löchfahrzeugen bechicken. Mit der Vertretung der Regierung von Rheinland- Pfalz wurde der Dezernent für Brandangelegenheiten, Obebauraf Schäfer, Koblenz, beauftragt. Noch immer gehen die Meldungen auswärtiger Wehren zur Teilnahme, die teils schon am Samstag eintreffen. Mehrere hundert Quartiere müssen für sie bereitgestellt werden. Nach den bisher möglichen Schätzungen darf mit dem Besuch von rund 5000 auswärtigen Feuerwehrleuten gerechnet werden, die an dem Festzug mit vierzehn Spielmannszügen und Musikkapellen beteiligt sind; sie kommen aus Hessen, Rheinhessen, Bayern und Baden.
Reitschmied Thomas, der Feu-erläufer
Wie stark gerade die Einwohnerschaft Dieburgs mit der Freiwilligen Feuerwehr verbunden ist, .weisen alte Akten und Urkunden aus, in denen Handwerkernamen vorkommen, die uns heute noch begegnen. Bereits im Jahre 1478 hatte Dieburg zwei geschworene „Feuerbeseher.“ In den Stadtgerichtsprotokollen sifid die Namen der „Uebertreter“ für alle Zeit festgelegt, von denen einer aus dem Steinweg verurteilt wurde, weil er einen Feuerbrand in der Hand gehabt, um Tobak anzustecken, „Wann ein Feuer in unserer Stadt aufgehen sollte“, so heißt es in der später erlassenen Feuerordnung, „sollen Feuerläufer solches auf den Gassen allerorten ausrufen, damit ein jeder bald zum Feuer laufen möge.“ Einer dieser Feuerläufer war der Reitschmied Thomas, ein Vorfahre des heutigen Hauptbrandmeisters und 1. Kommandanten der Dieburger Feuerwehr. Jeder Bürger hatte seine festumrissene Aufgabe, es gab neun „Wassertreiber zu den Spritzen“, acht Bauersleute hatten zur Schwellung des Wassers Mist herbeizufahren. Der Bader wurde zum städtischen Wundarzt und mit ihm mußten die fünf Juden und ihr Gesinde zur Stelle sein. Die älteste erhaltene Dieburger Feuerordnung stammt aus dem Jahre 1528, ihr folgen weitere aus 1579, 1706 und 1739- Als nach Auflösung des Mainzer Kurstaates die Stadt Dieburg im Jahre 1803 an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt fiel, trat die „Hochfürstlich - Hessen - Darmstädtische Feuerordnung von 1767“ in Kraft.
Die alten Feuerordnungen werden in dem Festbuch in einem Aufsatz von Lehrer Valentin Karst ausführlich behandelt; Studienrat Dr. Diel schrieb über das Fechenbachsche Schloß, in dessen Park das neue Feuerwehrgerätehaus steht, und die Geschichte des Schloßgartens, in dem ®ich der Festplatz befindet. Diese historischen Abhandlungen finden nach der neuzeitlichen Seite hin eine wertvolle Ergänzung vor allem durch die Beiträge von dem Präsidenten der Brandversicherungsanstalt Hessen, K. P. J. Ueb el, über „Gebäude und ihre Beziehungen zum Feuerlöschwesen“ und Regierungsrat Schneidmüller über „Normung der Tragkraftspritzen." (RG.)
Zweimal überschlagen
— und dann in die Wiesen
Am Sonntagnachmittag kam in der Kurve bei der Färberei Glenz in Lauerbach ein von Güntherfürst kommender Personenwagen aus Erbach von der Fahrbahn ab. streifte einen Randstein und stürzte sich zweimal überschlagend, in die Mümling-Wiesen. Der Fahrer, Johann Egner, kam mit leichten Schnittwunden davon.
In der Erbacher Hauptstraße stieß vor dem Kaufhaus Stetter am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr ein Motorradfahrer mit einem Radfahrer aus Gebhardshütte zusammen, der sich bei dem Sturz Verletzungen am Knie zuzog. (-ch)
Der Ueberuald rüstet zum Heimatfest
Drei frohe Festtage für die Bevölkerung-
Als das vorjährige „Ueberwälder Heimatfest“ im September seinen Anfang nahm, fiel den Verantwortlichen recht hörbar ein dicker Stein vom Herken. Knapp eine Viertelstunde zuvor hatte sich der tagelange Regen anders besonnen, und was nun folgte, war eitler Sonnenschein, der mit dazu beitrug, die Veranstaltung zu einem bemerkenswerten Erfolg werden zu lassen. Um dem „Risiko“ des vergangenen Jahres vorzubeugen, kam man in Waldmichelbach überein, den Termin in diesem Jahre vorzuverlegen, so daß nun erstmals mitten in der Ernte, vom 24.—31. Juli, der Ueberwald im Zeichen seines Heimatfestes steht.
Die äußere Form ist die altgewohnte geblieben: Samstags nachmittags die Eröffnung in Anwesenheit des Landrats und der Vertreter von Regierungspräsidium und Landesregierung; später Heimatabend im Festzelt, sonntags vormittags Platzkonzert, nachmittags Festzug, dem sich eine Kundgebung der Heimatvertriebenen mit den Altbürgern anschließt. Bundestagsabgeordneter Dr. Ott (Eisingen) wird Gegenwartsfragen behandeln. Hierauf folgt eine motorsportliche Palette, die Geschicklichkeitsfahren, Slalom, Zeitfahren und als Abschluß eine Fuchsjagd auf weist- Aufgelockert wird der Nachmittag durch eine 4X400-Meter-Hindernisstaffel und eine lOXioo-Meter-Pendelstaffel, zu denen alle sporttreibenden Vereine des Ueberwaldes eingeladen und zur weiteren Ausgestaltung aufgefordert sind.
Der Abend dient einem zwanglosen Sängerwettstreit der vier einheimischen Chöre mit den Vereinen des Ueberwaldes sowie Tanz und Lustbarkeit. Der Montag steht auch diesmal überwiegend im Zeichen der Landwirtschaft: Vormittags macht die Tierschau mit Prämiierung der besten Auftriebe den Beginn, während nachmittags Reiterspiele, Bauernkundgebungen und Kinderfest zur Ausgestaltung beitragen. Ein zwangloser, durch Musik und Gesang verschönter Abschluß an diesem dritten Tage wird wieder den aus Nah und Fern erwarteten Freunden und Einwohnern des südlichen. Odenwaldes den Abschied schwer machen.
Vier Tage hindurch bleibt die Gewerbeschau in den Räumen der Adam-Karillon-Schule sowie auf dem Freigelände geöffnet. Da die Geschäftswelt rege Anteilnahme beweist, wird die Schau wieder ein überzeugender Beweis für die Leistungskraft von Industrie, Handel und Handwerk dieses rund 30 000 Menschen zählenden Gebietes sein. Der Verkehrsverein, die Sport- und Kulturgemeinde Waldmichelbach mit ihren Sparten Gesang, Theater, Turnen und Fußball, die Gesangvereine „Sängerbund“ und „Union“, der Gesangverein Aschbach sowie weitere Chöre und die Feuerwehrkapelle Eberbach werden dafür sorgen, daß alle Einwohner, und vor allem Besucher, auf ihre Kosten kommen. (-r)
Das ist „Billo vom Hause Brückmann" (Besitzer Heinrich Neff, Biblis), der anläßlich der Hunde-Sonderschau zur Feier des 25jährigen Jubiläums des Vereins für deutsche, Schäferhunde in Bürstadt Sieger in der Jugendklasse der Rüden wurde.
Mit „vorzüglich" wurden in der offenen Leistungsklasse „Rolf vom Osnabrücker Land" (H. Dettmer, Lüstringen), „Siggo vom Comeliushof" (Joh. Schmeling, Hofheim) und „Alf vom Römer“ (Fritz Kärcher, Lampertheim) sowie die Hündinnen „Carmen vom Rheinschlapen" (E. Kreidel, Mannheim) und „Cita v. d. Wildbahn“ (O. Oberfeld, Bürstadt) bewertet.
Fest der Lieder in Bad König
Die Feier des 30jährigen Bestehens des Gesangvereins „Liedertafel“ gestaltete das Wochenende zu einem einzigen fröhlichen Volksfest für das reizvolle Odenwaldbad. Die Hauptstraßen waren bunt geschmückt mit endlosen Girlanden, die Haupteingangsstraßen hatten riesige Ehrenpforten erhalten. Auf dem Festplatz an der Schwimmbadstraße nahm das Fest am Samstag mit der Begrüßungsfeier durch den Vorsitzenden des Jubiläumsvereins. Adam Weter, seinen Anfang. Am Sonntagvormittag trafen die Gastvereine mit rund 1200 Sängerinnen und Sängern in Bad König ein. Die Gesangvereine von Dietzenbach und Worms wirkten beim Kurkonzert mit. Den Höhepunkt bildete am Nachmittag der groß« Festzug mit zahlreichen Wagen,.wobei der Brunnenwagen der Kurverwaltung besonders auffiel, und rund 30 Abordnungen der Gastvereine mit Fahnen. Bei der Prämiierung der Gruppen erhielten den 1. Preis die Sängervereinigung fiGermania-Frohsinn", Dietzenbach, den 2. Preis die Gesangsabteilung der KSG Zelj und den 3. Preis der Gesangverein Kimbach. Lehrer Zink hielt die Festansprache über den ethischen Wert des Gesangs für den schaffenden Menschen. Regierungsrat Zörgiebel vcm Landratsamt Erbach hob besonders die kulturellen Leistungen Bad Königs hervor, das als Pflegestätte des Männergesangs im Kreis eine Vorrangstellung einnehme. Bürgermeister Pröhl bestätigte dem Jubiiäumsverein, daß er seinen Wahlspruch ..Jugendfrisch, harmonisch, re’n, sollen Lied und Leben sein“ getreu wirke. Alle Gastvereine gaben anschließend Proben ihres Könnens. Gestern fand das Fest, der Kinder unter Teilnahme aller Ortsvereine statt. Am Nachmittag erfreuten Festzug und Kinderspiele auf dem Festplatz, abends Tanz und Feuerwerk. (-tehad-)
Auch die Freiwillige Feuerwehr war mit einem originellen Wagen im Festzug vertreten. Foto: Kenner.
Gerusheimer Yaushalteplan angenommen
In seiner letzten Sitzung nahm der Gernsheimer Stadtrat den Vorschlag des Haushaltsplanes 1950, der mit 750 000 DM in Ausgaben und Einnahmen abschließt, einstimmig an. Allein für den sozialen Wohnungsbau wurden im Rahmen dieses Planes 92 000 DM bereitgestellt. Entgegen den Stimmen der SPD-Fraktion • wurde beschlossen, die Zahl der Angehörigen der Schutzpolizei um einen Mann zu reduzieren. Im Zuge weiterer Verwaltungsvereinfachungen sollen vier städtische Angestellte entlassen werden. Breiten Raum in der Debatte nahm das Problem des Straßenbaues und der Kanalisation innerhalb des Stadtgebietes ein, wobei Einmütigkeit dahingehend herrschte, daß alle freiwerdenden Gelder diesem Zwecke zugeführt werden müssen. Mit dem Verkauf einiger Häuser aus dem Stadtbesitz sollendie ersten Mittel hierfür beschafft werden. Ferner wird sich die Verwaltung um einen Kredit des hessischen Finanzministeriums bemühen, der Kanalisations- und Wasserleitungsbauten zugeführt werden soll. Ais Fraktionsvorsitzender der CDU führte Rektor Schmittt darüber Klage, daß die Stadtverwaltung Ratsmitglieder zu Besichtigungen einlade und dann zum gegebenen Termin durch keinen Beauftragten vertreten sei. Schmitt forderte korrektes Verhalten seitens der Stadtverwaltung, (br)
Fünfzehn Anhänger des Rad- und Motor¬ sports trafen sich am Freitagabend in Groß-Gerau und beschlossen, am 14. Juli im „Hotel Adler“ einen Radfahru n d Motorsportverein zu giainden.
Mird Lorsche Marktplatz verlegt?
Den wohl wichtigsten Punkt der Tagesordnung der öffentlichen Gemeinderatssitzung in Lorsch am vergangenen Freitag, bildete ein Antrag von Gemeinderat Diehl zur Verlegung des Lorscher Marktplatzes. Darin wurde festgestellt, daß der Platz sich den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen zeige, was sich auch bei dem diesjährigen Johannismarkt bestätigt habe. Bürgermeister Werner schlug das Gelände an der Klosterstraße, das vor allem verkfehrstechnisch günstig liege, als zukünftigen Marktplatz vor Die Gemeindevertretung hatte gegen eine Verlegung im Hinblick auf die Gründe keine Bedenken und beauftragte Finanekommission und Bauausschuß zur Vornahme einer Besichtigung und entsprechender Berichterstattung.
Die HEAG beantragte die Zurverfügungstellung von Gelände zwecks Errichtung einer 6 KV Transformatorenstation. Von der Gemeinde aus wird ein Teil eines Platzes an der Friedensstraße für diesen Zweck abgegeben. Einem Beitritt der Gemeinde zum „Schutzverband Deutscher Wald“, der in einem Schreiben von Landrat Dengler empfohlen wurde, konnte nicht stattgegeben werden, da die Gemeinde keinen allzugroßen Waldbesita hat. Als weiterer Punkt stand die Neuwahl des Wiesenvorstandes auf der Tagesordnung. Als Mitglied desselben wurden die Herren Johann Jakob Dewald (Beigeordneter), Valentin Schmitt UL, Johann Wachtel JI. und Kaspar Keimling IM. bestimmt. (br.) •
Kreis Erbach kucht Jugendpfleger
Landrat Neff hat für den Landkreis Erbach die Besetzung der Stelle eines Kreisjugendpflegers ausgeschrieben. Die Bewerber müssen über ein gutes Allgemeinwissen verfügen, mit den Verhältnissen des Kreises vertraut sein und reiche Erfanrung auf dem Gebiet der Jugendpflege und Jugenderziehung nachweisen können. Bewerbungen mit selbstgeschriebenem Lebenslauf. einer Abschrift des Spruchkammerentscheides und sonstiger Unterlagen sind bis 10. Juli an den Landrat des Kreises Erbach zu richten. (-ch)
Beratungsstellen für seelisch Bedrängte
Im Landkreis Erbach werden Beratungsstellen für Menschen in seelischer Not eingerichtet, die sowohl Nerven- und Gemütskranken, als auch allen Menschen zur Verfügung stehen, die sich in Konfliktsituationen befinden, wie zum Beispiel Ehekonflikte. Neurosen, strittige Kb-Sachen. schwer erziehbare Kinder usw. Die Sprechstunden werden nur von anerkannten Fachärzten der Heil- und Pflegeanstalt Heppenheim abgehalten. Die Beratung ist kostenlos. dagegen erfolgt in den Sprechstunden keine Behandlung. Die Beratungsstunden für die Bevölkerung des Kreises finden in Erbach ieden zweiten Dienstag im Monat von 14.30 bis 16 Uhr im Kreisgesundheitsamt. in Hirschhorn jeden zweiten Dienstag im Monat vormittags 10 Uhr im Rathaus statt. Der Landrat empfiehlt der interessierten Einwohnerschaft des Kreises, von dieser wichtigen Neueinrichtung regen Gebrauch zu machen. (-ch)
DT.-Reporter berichten
Darmstadt-Land
Pfungstadt. 40 Jahre stand am gestrigen Montas Pfarrer Ludwig Strack im Pfarrdienst. In Obbornhofen (Oberhessen) am 4. 8. 1885 geb., in Birkenau ordiniert, führte ihn sein Amt über Frischborn. Gustavsburg und Wallernhausen vor 25 Jahren nach Pfunsstadt. In Gustavsburg wurde während seinei' Amtstätigkeit unter Mithilfe der Gustav-Adolf-Stiftung die neue Kirche erbaut. Mit großer Freude hat Pfarrer Strack für den Hess. Landesverband der ev. weibl. Jugend gewirkt, zu dessen Mitbegründern er 1916 gehörte. In diese Zeit fällt der Erwerb der Orbishöhe in Zwingenberg. einer ehemaligen Gartenschule. Was damals als Wagemut empfunden wurde, fand seine glänzende Rechtfertigung, denn die Orbishöhe ist zu einem nicht zu entbehrenden Sammlungsort der Jugendverbände Hessens geworden. (DT)
Dieburg
Dieburg. - An der Kreuzung der Ring- mit der Kettelerstraße rannte ein Radfahrer einem aus Klein-Zimmern kommenden Motorradfahrer in die Maschine, so daß beide zu Fall kamen. Der Radler zog sich dabei erhebliche Kopfverletzungen zu; seine Maschine wurde schwer beschädigt. (RG)
Erbach
Erbach. - Der auf Grund des § 11 des Gesetzes über Volksabstimmungen für den Stimmkreis Erbach zu bildende Kreiswahlausschuß setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender: Landrat Karl Neff, Stellvertreter Ragierungsrat Zörgiebel, Beisitzer: Inspektor Jakob Stock, Erbach, Kaufmann Georg Grasmück, Michelstadt, Geschäftsführer Eduard Faß - ha ue r , Erbach, Mechaniker Adam Rodemioh, Erbach, Kaufmann Heinrich Kumpf, Erbach, und Kaufmann Walter Jakobs, Erbach (-ch)
Siedelsbrunn. Um das weitere Ansteigen der Arbeitslosigkeit abzubremsen und zugleich mehreren Familienvätern für einige Zeit Arbeit und Verdienst zu geben, will die Gemeinde ein Jugendheim mit 50 bis 60 Betten errichten. Auch die Straße von Siedelsbrunn nach der Kreidacher Höhe, die sich in einem katastrophalen Zustand befindet und von Kurgästen mit Fahrzeugen tunlichst gemieden wird, soll im Rahmen des Notstandsprogramms ausgebessert werden. (-r)
Unter-Flockenbach. Obwohl die Frage über eine finanzielle Beteiligung der Hausbesitzer bzw. der Einwohner an der auf den Ort entfallenden Durchgangsstraßenreparatur noch nicht geklärt werden konnte, wurde jetzt mit den Erneuerungsarbeiten an der -Landstraße 1. Ordnung begonnen. Die Gesamtkosten werden auf etwa 300 000 bis 320 000 DM veranschlagt, wovon auf die Gemeinde etwa 10 000 DM entfallen würden, also rund 10 DM pro Person. (-r)
Waldmichelbach. Am Freitag, 7. Juli, findet erstmals ein Sprechtag der Kreishandwerkerschaft statt, der bei entsprechendem Zuspruch zu einer monatlich wiederkehrenden Dauereinrichtung werden soll. (-r) Ober-Absteinach. Unter reger Beteiligung der Bevölkerung sowie auswärtiger Besucher fand am Sonntag in den „Buchen das traditionelle Waldfest des Mannergesangvereins statt. Chöre aus Siedelsbrunn, Kreidach, Löhrbach u. a. hatten sich ebenfalls eingefunden. rr)
Bergstraße
Heppenheim. Programm der A m e - rikanischen Lesehalle. In der Amerikanischen Lesehalle sind in dieser Woche folgende Kurse vorgesehen: Englisch für Kinder: Samstag; Lesestunden für Kinder unter 14 Jahren: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag; Malstunden für Kinder unter der Leitung des Malers und Graphikers Roland: Mittwoch und Donnerstag. Am Dienstagnachmittag findet eine Filmvorführung für Jugendliche, abends für Erwachsene statt. Am Donnerstagabend um 20 Uhr spricht der Bensheimer Bildhauer' Hans Mühlhäuser über das Thema: „Malerei und Bildhauerei des 20. Jahrhunderts“. (HB)
Seeheim. Die Stadt Langen, die am 15. Juli ihr Heimatfest beginnt, hat ihren ..Aeltesten“ eine besondere Freude zugedacht. Rund 100 Pkw werden den großen Korso bilden, der über 300 bejahrte Langener Einwohner über die alte und neue Bergstraße nach Seeheim führt, wo ihnen bei Hufnagel einige schöne Stunden bereitet werden sollen. (DT)
Die Fissanwerke Zwingenberg, die seither von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt waren, wurden am 1. Juli wieder freigegeben. (HB)
Groß-Geran
Groß-Gerau. - Der „Verein der Schlesier“ traf sich, wie jeden 1. Samstag im Monat, im Gasthaus Schmoll. Man beriet organisatorische Fragen für eine Dampferfahrt, die am 30. Juli stattfinden soll. (cg)
Groß-Gerau. 24 Teilnehmer an einem Kurs in „Erster Hilfe“ legten Ende vergangener Woche ihre Abschlußprüfung ab. Der größte Teil von ihnen wurde Mitglieder des Roten Kreuzes. Auch Bürgermeister Dr. Lüdecke war bei der Prüfung zugegen. Von nun an sollen alle vier Wochen Zusammenkünfte stattfinden, in denen durch fachliche Vorträge die Kenntisse der Mitglieder erweitert werden. (eg)
Lorsch. Auch ein Schwimmbad. Zum Zwecke der Wiesenbewässerung wurde im Süden von der Gemarkung die Weschnitz teilweise gestaut, wobei einige hundert Badelustige am Sonntag sich diese Gelegenheit nicht entgehen ließen, das köstliche Naß zu genießen. — Wie verlautet, sollen demnächst aufschlußbringende Ausgrabungen beim ehemaligen Kloster beginnen. (el)
Gernsheim Rh. Unter einer großen Zahl von Bewerbern hatte der Gernsheimer Landwirt Dieter Lyding das Glück, von der Herrnhuter Brüdergemeinde für eine einjährige Studienreise nach den USA ausersehen zu werden. Lyding wird in Kürze nach Uebersee abreisen. — Auf Vorschlag der Groß-Gerauer Landwirtschaftsschule wurde der 19jährige Bauernsohn Adolf Seipel aus E r fe 1 d e n von einer amerikanischen Kommission zu einem einjährigen Studienaufenthalt nach Amerika eingeladen.
Der SPORT
Landesliga soll in zwei Gruppen spielen
Am vergangenen Wochenende traten der Verbandsspielausschuß und die Spielsystem-Kommission des Hessischen Fußballverbandes in Gießen zusammen, um über die zukünftige Gestaltung der Landesliga einen Plan auszuarbeiten, dessen Ergebnis am 8. Juli dem ordentlichen Verbandstag in Eltville zur Beschlußfassung unterbreitet wird.
Da der SV Darmstadt 98 in der kommenden Saison in der Oberliga spielt, und Viktoria Aschaffenburg, SV Wiesbaden, KSV Hessen-Kassel und wahrscheinlich die SG Arheilgen der zweiten Division beitreten, also die zugkräftigsten Mannschaften au« der Landesliga ausscheiden, werden die restlichen Vereine den finanziellen Belastungen einer Gruppe nicht gewachsen sein.
Es wurde daher vorgeschlagen, die Landesliga in zwei Gruppen aufzuteilen, in eine Gruppe Nord mit 14 Vereinen und in eine Gruppe Süd. die aus 16 Vereinen gebildet wird, von den folgende 13 feststehen: Die bisherigen Landesligisten Germania Bieber. Rot-Weiß Frankfurt, 1. FC Rödelheim. Vfb Friedibeng. Union Niederrad und Eintracht Wetzlar, die Gruppensieger der zweigeteilten Bezirksklasse Darmstadt Olympia Lampertheim und Hassia Dieburg, der Meister der Bezirksklasse Wiesbaden Opel Rüsselsheim, der Zweite der Bezirksklasse Biebrich 02 und die Gruppensieger dter dreigeteilten Bezärksklasse Frankfurt Griesheim 02. Homburg 05 und Hanau 93.
Der 14. Verein soll aus den Tabellenzweiten der Bezirksklassengruppen des Bezirks Frankfurt (Klein-Karben. Heusenstamm und Niederrodenbach) im k. 0. -System ermitelt werden, der 15. Verein im Entscheidungsspiel zwischen dem Zweiten der vorgenannten Dreiergruppe und Gießen 1900. und der 16. Verein durch ein Entscheidungsspiel zwischen dem Tabellendritten der Bezirksklasse Wiesbaden (Spvg. Hochheim) und dem Sieger ous dem Entscheidungsspiel der Tabellenzweiten der Bezirksklaese Darmstadt Ober-Roden und Lorsch.
Falls SS Arheilgen nicht in der zweiten Division spielt, tritt diese Mannschaft als 15. Verein in die Gruppe Süd. Der 16. Verein wird in diesem Fall durch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden oben als 15. und 16. vorgesehenen Mannschaften ermittelt.
Im Jahre 1951 sollen in der Gruppe Süd 4 Vereine ab- und 4 Vereine aufsteigen, von denen der Bezirk Frankfurt zwei, Darmstadt und Wiesbaden je einen Verein stellen.
Diei Bezirktsfußballausschüsse unterbreiten dem Verbandsspielausschuß bis zum 31. Juli entsprechende Vorschläge
Die Pokalspiele sollen wieder nach dem früheren Modus durchgeführt werden so daß die Teilnahme für A- und B-Klasse freiwillig, für Vereine der Bezirksklasse und Landesliga .Pflicht ist. Die Pokalspiele sollen im Anschluß an die Meisterschaftsspiele durchgeführt werden.
Schweizer Turner in Groß-Gerau
93 Mitglieder des Turnvereins Bern trafen am Montagnachmittag kurz nach 4 Uhr in Groß-Gerau ein. Die Schweizer Gäste wurden am Bahnhof von dem Vorstand des Groß-Gerauer Turnvereins 1846 empfangen und in Omnibussen zum Rathaus gebracht. Dort erwarteten sie zahlreiche Kinder des Groß-Gerauer Turnvereins und überreichten den Gästen Blumensträuße. In dem historischen Saal des Rathauses gab sodann Bürgermeister Dr. Lüdecke seiner Freude Ausdruck, die schweizerischen Gäste begrüßen zu dürfen. „Ich weiß“, so sagte der Bürgermeister, „daß das Verständnis für die deutsche Seele nirgends so tief sei, wie gerade in der Schweiz“. Präsident Hubacher vom Berner Turnverein dankte in herzlichen Worten für den Empfang. Zum Andenken überreichte Bürgermeister Dr. Lüdecke sodann ein Bild des Groß-Gerauer Rathauses mit einer Widmung.
Am Abend gaben die Schweizer in der Groß-Gerauer Turnhalle Proben ihres turnerischen Könnens ab. Die Schweizer Gäste kamen von Kassel und fahren am Dienstag wieder nach Bern zurück. CG.
SKG Eberstadt aus dem hessischen Schachverband ausgetreten
-ks- Im vorigen Jahr hatte sich die Eberstädter Meistermannschaft unter dem Namen „Darmstadt 75“ selbständig gemacht. Die nicht ab.gewanderten Mitglieder waren jetzt wegen der großen finanziellen Schwierigkeiten gezwungen, ihren Austritt aus dem hess. Schachverband zu erklären. Der dadurch freigewordene Platz in der Bezirksklasse wird von dem vorjährigen Kreismeister Bürstadt eingenommen werden."
Die Union Bessu ng e n gewann im letzten Fußball-Freundschaftsspiel vor der Sommerpause gegen den A-i Klassenverein Grafenhausen mit 5:2 (1:1) Toren.
Favoritensterben in Rio
Auch Weltmeister Italien ausgeschieden
Schi. Die „Letzten Vier“ von Rio stehen fest: Brasilien, Spanien, Schweden und Uruguay qualifizierten sich für die Endspiele um die Fußballweltmeisterschaft, — die großen Favoriten England und Italien schieden aus! In der Gruppe I rangiert Brasilien nach Abschluß der Vorrunden mit. 5:1 Punkten vor Jugoslawien (4:2), der Schweiz (3:3) und Mexiko (0:6) Punkten. In der Gruppe II holte sich Spanien mit 6:0 Punkten den ersten Platz, England. Chile und die USA kamen auf je 2:4. Punkte. In der Gruppe 111 dominierten die Schweden mit 3:1 Punkten vor Italien (2:2) und Paraguay (1:3) Punkten. Die Gruppe IV war durch die Absage Frankreichs nur mit zwei Länderteams besetzt; im einzigen Spiel siegte Uruguay gegen Bolivien überlegen 8:0.
Die große Enttäuschung war ohne Zweifel das Versagen der englischen Nationalelf, die nach der überraschenden 0: l-Niederlage gegen die Elf der USA nun auch ■gegen Spanien mit dem gleichen Ergebnis verlor. Siebzigtausend Menschen erlebten in Rio ein prächtiges Spiel. Man sah, daß sich die Engländer viel vorgenommen hatten. Sie kämpften von Beginn an und nach vierzehn Minuten schoß der englische Linksaußen Tom Finney ein schönes Tor. das aber wegen „Abseits“ annulliert wurde. Die Spanier hatten eine großartige Hintermannschaft, an der sich der englische Sturm immer wieder festlief. Das „goldene Tor“ fiel drei Minuten nach der Pause durch den überragenden spanischen Mittelstürmer Telmo Zarra.
Der alte Weltmeister Italien verabschiedete sich mit einem 2:0- (1:0-) Erfolg über die gute Elf von Paraguay. In Sao Paulo trat Italien mit umgestellter Mannschaft an. Sieben Spieler des Teams, das gegen Schweden 2:3 unterlegen war, mußten von der Tribüne aus zusehen, wie ihre „Ersatzleute" einen verdienten Sieg erkämpften. Carapellese und Bandolfini erzielten
Die „Eidgenossen" aus der Schweiz bäh'»? sich brav gehalten, und in ihrer Heimat ist man mit dem Erreichten durchaus zufrieden. Im letzten Spiel siegte die Schweiz in Porto Alegre gegen Mexiko 2:1 (2:0). In Belo Horizonte hatte Uruguay keine Mühe, Bolivien mit 8:0 (4:0) zu distanzieren. In Recife beendete Chile die Weltmeisterschef tsspiele mit einem glatten 5:2- (2:0-) Erfolg über die USA-’
Segelflieger warten auf Starterlaubnis
Wie sich die Segelflieger den Segelflug der Zukunft vorstellen, darüber diskutieren am nächsten Donnerstagabend namhafte Segelflieger aus allen drei Zonen im großen Hörsaal des Zintlinstitutes anschließend an einen um 8 Uhr stattfindenden Vortrag von Ernst Jachtmann.
Der Vorsitzende des neu gegründeten badisch-pfälzischen Luftfahrtvereins, Dipl.- Ing. Rudolf Lochner (Ludwigshafen), der vor dem Krieg die holländische Kunstflugmeisterschaft gewann und zur Zeit Sportbeauftragter der Stadt Ludwigshafen a. Rh. ist, schickte Ernst Jachtmann folgende Stellungnahme zur angesagten Diskussion in der Technischen Hochschule zu:
„Viele junge und auch ältere Menschen in Deutschland hängen an der Segelfliegerei, die ich auch als alter Motor- und Segelflieger als die schönste und erhebenste Art der Fliegerei bezeichne. Die Verbundenheit mit der Natur tritt wohl beim Segelfliegen am fühlbarsten in Erscheinung. Aus dieser Empfindung heraus wünsche ich mir wieder, wie viele andere Segelflieger, eine völlig freie, von Zwang ungesteuerte und unbehelligte Segelflie¬ gerei. Ich denke dabei auch an einen Segelflugsport im olympischen Geiste!
Ehemals haben wir im Kreise von Segelfliegern andere’- Nationen oft unserem schönen Segelflugsport zum Erfahrungsaustausch und im Wettkampf gehuldigt. Solch offene und freie Betätigungsmöglichkeit wünsche ich wieder für unsere Segelfliegerei.
Weiterstädter Reit- und Fahrturnier
Rund 3000 Zuschauei' erlebten am Sonntag das traditionelle Weiterstädter Reit- und Fahrturnier, das bei prächtigem Wetter einen sehr guten Verlauf nahm. Der Samstag brachte bereits die Wettbewerbe derjenigen Pferde, die vorwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt sind, während sich am Sonntag die ländlichen Reit- und Fahrvereine um die ersten Plätze stritten. In teressante Kämpfe brachten die einzelnen Entscheidungen am Nachmittag, so daß die Zuschauer voll und ganz auf ihre Kosten kamen.
Ein Fackelzug am Samstagabend leitete den Festabend im ..Saal zur schönen Aussicht“ ein Unter den Ehrengästen sah man u. a. Polizeipräsident Reibold, Darmstadt, und Landrat Wink, ferner den Vorsitzenden des Hessischen Verbandes der Reit- und Fahrvereine. Freiherrn Roeder von Diersburg.
Ergebnisse: Materialprüfung für Zuchtstuten: (leichte Pferde) 1. „Liesel" (Besitzer und Reiter Schmidt, Weiterstadt) und „Weserelfe“ (Besitzer und Reiter G Weber, Brandau); 2. „Flocke“ (Besitzer Poppe Grafenhausen, Reiter Trein) und „Edda“ (Bes. u. Reiter W. Reulig, Wolfskehlen).
Jugendreiterprüfung: 1. „Roland“ (Bes. u. Reiter W. Schaffner, Goddelau); 2. „Harras“ (Bes. Heinrich Höhl, Reiter Heinz Höhl)
Reiterprüfung: 1. „Nora“ (Bes. K Krug, Hochheim, Reiter H. Krug); 2. „Pretoria“ (Bes. u. Reiter Hirschmann, Hochheim) und „Roland“ (Bes. u. Reiter Ph. Sensfelder, Büttelborn).
Dressurprüfung, Klasse A, Abtlg. A: 1. „Pretoria“ (Bes. u. Reiter J. Hirschmann, Hochheim) und „Roland“ (Bes. u. Reiter W. Schaffner, Goddelau).
Dressurprüfung, Klasse A, Abtlg. B: 1. „Goldjung“ (Bes. E. Hochstedter, Bad Homburg, Reiter R. Hochstedter); 2. „Tulpe“ (Bes. L. Jockel, Wolfskehlen, Reiter H. Jockel).
Dressurprüfung, Klasse A, Abtlg. C: 1. „Hexe“ (Bes. G. Vierling, Darmstadt, Reiter Karl Vierling); 2. „Roswitha“ (Bes. u. Reiter W. Schaffner, Goddelau).
Flachrennen. 1800 m: 1. „Friedel“ (Bes. Karl Dehmer, Eberstadt. Reiter E. Weißenborn); 2. „Fliege“ (Bes. G. Friedmann, Büttelborn, Reiter Ph. Kraus).
Flachrennen, 1000 m. leichte Pferde; 1. „Hans“ (Bes. H. Meinhardt, Weiterstadt, Reiter L. Meinhardt); 2. „Dieter“ (Bes. H. Habicht, Goddelau, Reiter H. Krug).
Flachrennen, 1000 m, schwere Pferde: 1. „Fliege“ (Bes. G. Friedmann, Groß-Gerau, Reiter Ph. Kraus); 2. „Egon“ (Bes. Pfeiffer).
Trabrennen, 1. Abtlg.: 1. „Draufgänger“ (Bes. G. Reinheimer, Groß-Bieberau, Reiter Pfeiffer); 2. „Hans“ (Bes. Gg. Schneider, Goddelau, Reiter W. Becker).
•Trabrennen. 2. Abteilung: 1. ..Rink“ (Bes. A. Stumpf. Griesheim. Reiter W. Stumpf); 2. „Ida“ (Bes. G. Hamm. Weiterstadt. Reiter Wünz).
Eignungsprüfung für Wagen und Pferde. Vierspänner: 1. Gg. Klinger. Weiterstadt; 2. P. Friedrich. Goddelau. Jagdspringen. Klasse A. Abt. A: 1. „Ika“ (Bes. und Reiter K. Schmidt. Weiterstadt); 2. „Almanach“ (Bes. und Reiter H. Feldmann. Griesheim).
Jagdspringen. Klasse A. Abt. B: 1. „Prinz“ (Bes. G. Stumnf. Roßdorf. Reiter Stumpf jun.); 2. ..Hexe“ (Bes. und Reiter C. Vierling. Darmstadt).
Jagdspringen. Klasse L: 1. „Almanach“ (Bes. und Reiter H. Feldmann. Griesheim); 2. „Mickv“ (Bes. und Reiter K. Ulrich. Darmstadt).
Paarspringen: 1. „Max“ (Bes. L. Schupp, Wolfskehlen. Reiter Wilhelm Griguhn) und „Flotte“ (Bes, W. Hamann. Wolfskehlen); 2. „Wespe“ (Bes. K. Rauth. Herchenrode) und „Draufgänger“ (Bes. G. Reinheimer, Groß-Bieberau).
Wettkamnf der ländlichen Reit- und Fahrvereine: 1. Hochheim. 2. Goddelau 3. Griesheim. 4. Wolfskehlen 1. 5. Weiterstadt und Modautal.
Anfänger: 1. Griesheim 2. 2. Wolfskehlen 2 und Wallerstädten. 3. Weiterstadt 2, Groß-Gerau. Wolfskehlen Schüler.
Schwimmfest in Güttersbach
Das Werbeschwimmfest in Güttersbach in einem 25-Meter-Becken erbrachte bei einer überaus zahlreichen Teilnahme von über 150 Wettkämpfern der Vereine Reinheim, Höchst, Sandbach, Bad König, Michelstadt, Erbach und Güttersbach in 22 Wettbewerben nachstehende Ergebnisse:
50 m Brust, Knaben, Gruppe A: 1. Horst Kaspar vom VfL Michelstadt in 0,50,05 Min. 2. Weinz Giebenheim, VfL Michelstadt, und 3. Rudolph Denker, Bad König.
50 m Brust, Knaben, Gruppe B: 1. Werner Thierolf, TSV Höchst, in 47,07 Sek.
3X50-m-Lagenstaffel, Herren, Klasse 3 undl 4: 1. SC Reinheim 1,54,9 vor VfL Michelstadt und SC Sandbach.
100 m Brust, männliche Jugend. Gruppe A: 1. Rudolf Billerbeck, SC Reinheim, 1,33,5. 100 m Brust, weibliche Jugend. Gruppe A: 1. Sophie Natzmer, VfL Michelstadt, in 1.44,5. 100 m Brust, weibliche Jugend, Gruppe B: 1. Emma Schmidt, KSG Güttersbach, in 2,01,5. 100 m Kraul, männliche Jugend, Gruppe A: 1. Fritz Kurz, VfL Michelstadt, in 1,28,4. Gruppe B: 1. Philipp Germann, SC Reinheim, in 1,23,1.
50 m Brust, Mädchen, Gruppe A: 1. Bärbel Weber, TSG Bad König, in 51,0 Sekunden. Gruppe B: 1. Luise Vieider, TSV Höchst, in 49,2 Sekunden.
100 m Kraul für Herren, Klasse 3 und 4 1. Fritz Schleif, SC Reinheim, 1,19,6.
4X50-m-Bruststaffel, Knaben, Gruppe A und B: 1. TSV Höchst in 3,20,02.
100 m Brust, Damen Klasse 3 und 4: 1. Edith Thierolf, TSV Höchst, in 2,03,06.
4X50-m-Bruststaffel, Mädchen, Gruppe A und B: 1. TSV Höchst.
100 m Brust für Herren, Klasse 3 und 4: 1. Georg Blumenschein, TSG Bad König, in 1,34.
4 X 50 - m - Bruststaffel, männliche Jugend, Gruppe A und B: 1. TSV Höchst 3,03,08.
50 m Kraul, Knaben, Gruppe A und B: 1. Jürgen Uhl, SC Reinheim, in 46,5.
Im Wasserballspiel der Herren siegte eine Mannschaft von SC Reinheim gegen eine Kreisauswahl überlegen mit 7:1. Die Jugendmannschaften von Reinheim und Michelstadt trennten sich 1:1. (gl.)
Wirtschaftsblatt
Selbstkontrolle?
w Neuartige Methoden zur Bekämpfung von Wettbewerbsverstößen werden in Kreisen des Textil-Einzelhandels erörtert. Man denkt dabei an eine Selbstkontrolle der beteiligten Wirtschaftskreise, ähnlich wie dies in den Vereinigten Staaten bereits geschieht. Dort besteht auf freiwilliger Basis eine Vereinigung mit dem programmatischen Namen „Wahrheit in der Werbung“. Diese Vereinigung überprüft im Auftrag ihrer Mitglieder die Reklame in Schaufenstern, Anzeigen, Plakaten und anderen Werbemitteln auf Lauterkeit und Wahrheit. Bei Verstößen gegen die Grundsätze des Wettbewerbsrechts veröffentlicht sie an gleicher Stelle eine Gegenreklame, in der diese Verstöße des unlauteren Konkurrenten angeprangert werden.
Für den Anfang erfordern solche Maßnahmen einen erheblichen Kostenaufwand. Die Erfahrungen in Amerika haben aber gelehrt, daß diese, auf freiem Entschluß der Wirtschaft begründete Institution schon bald eine so starke Autorität besitzt, daß allein die Tatsache ihres Bestehens auf Außenseiter und unlautere Konkurrenten abschreckend wirkt. Da die Verfolgung von Wettbewerbsverstößen auf dem Klagewege stets zeitraubend und hinsichtlich der Beweisführung oft von zweifelhaftem Erfolg ist, hat der in Amerika beschrittene Weg manches für sich.
Man will daher die amerikanische Methode genauer studieren, um sich darüber schlüssig zu werden, ob ein ähnliches System der Wettbewerbsüberwachung auch in Deutschland angestrebt werden soll.
Bisher 5,6 Millionen Tonnen Stahl
hd Die Juni-Produktion an Rohstahl betrug nach vorläufigen Schätzungen rund 950 000 Tonnen gegenüber 938 000 Tonnen im Mai. Damit hat die Rohstahlproduktion des ersten Halbiahres 1950 5.6 Millionen Tonnen erreicht: dies ist fast die Hälfte der Westdeutschland erlaubten Produktionsmenge von 11,1 Millionen Tonnen im Jahre. Im zweiten Halbiahr 1949 wurden 3.9 Millionen Tonnen Stahl hergestellt. Der bisherige Produktions-Höchststand war im Monat März mit 1.015 Millionen Tonnen. Die Produktion von Roheisen betrug im ersten Halbiahr 1950 4.2 Millionen Tonnen gegenüber 2.5 Millionen Tonnen im zweiten Halbiahr 1949. Die Herstellung von Walzwerkfertigerzeugnissen stieg von 2.7 Millionen Tonnen auf 3.6 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum.
Steigende Gewerbeanmeldung
A. Z. Im Mai 1950 betrug in Hessen die Zahl der gewerblichen Anmeldungen (ohne Wandergewerbe) 2942 (im Vormonat 2840), die der Abmeldungen 1430 (1503). Damit sind die Anmeldungen gegenüber dem Vormonat um 142 =5,0 vH, der Reinzugang von 1337 auf 1512 = 13,1 vH gestiegen. An der Aufwärtsbewegung der Anmeldungen gegenüber dem Vormonat sind alle Gewerbearten außer Handwerk beteiligt.
1.4 Milliarden ausgeliehen
vwd. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau widmet in ihrem Jahresbericht 1949 der Frage der Mittelbeschaffung und der Ausleihung einen großen Raum. Der Kreditbedarf der von der ECA genehmigten industriellen Projekte einschließlich des 'bereits aus Garioa-Mitteln finanzierten Sofortprogramms beläuft sich dem Bericht zufolfge auf 725.7 Millionen DM. von denen als erste Rate 296.7 Millionen DM geneh-
migt und zum Teil finanziert, sind.
Für die Landwirtschaft der ehemaligen Doppelzone hat die Kreditanstalt ebenfalls im Rahmen des Sofortprogramms 48 Millionen DM vergeben. Für den Wohnungsbau stellte sie aus Garioa-Mitteln 81,5 Millionen DM zur Verfügung. Für Handwerk und Kleingewerbe wurden im Oktober 1949 15 Millionen DM aus deutschen Mitteln bereitgestellt.
Die Anstrengungen um die Beschaffung von Mitteln außerhalb der Gegenwertfonds waren nicht von großem Erfolg begleitet. Auch die im September 1949 aufgelegten Emissionen haben die Erwartungen nicht erfüllt.
Der Umfang der in Bearbeitung befindlichen Programme erhöhte sich auf rund 2,1 Milliarden, der der Kreditzusagen auf 1,96 Milliarden und der der Ausleihungen auf 1.4 Milliarden DM. Außerdem hat die Anstalt die finanzielle Durchführung eines wesentlichen Teiles des ersten Arbeitsbeschaffungsprogramms in Angriff genommen.
Ueber die Auswirkungen der der Wirtschaft zugeteilten Investitionsmitte] herrschen nach Ansicht der Kreditanstalt vielfach falsche Vorstellungen. Sehr oft werde der von den Krediten erwartete unmittelbare Effekt auf den Arbeitsmarkt nicht erzielt. da die Darlehen vielfach zur Ablösung von Vorfinanzierungen verwendet werden.
A. Z. Die Oeffentliche Bausparkasse für Hessen, Darmstadt, hat seit der Währungsreform auf dem Wege der Zuteilung und der Zwischenkreditierung insgesamt rund 6,3 Millionen DM dem Wohnungsbau zur Verfügung gestellt.
Bz. Franz? Weyrich GmbH, Camberg (Nas¬ sau). Die Gesellschafterversammlung beschloß Kapitalumstellung auf 32 400 DM.
Steigende Insolvenzen
ad Die Zahl der im Bundesgebiet im Juni eröffneten Konkurs- und Konkurs-Anschlußverfahren hat sich nach den Veröffentlichungen im Bundesanzeiger auf 306 (232) erhöht, Vergleichsverfahren wurden 127 (139) eröffnet und 213 (191) beantragt. Gegenüber einem Monatsdurchschnitt von 352 Konkurs- und Vergleichsverfahren im Jahre 1949 beträgt der Monatsdurchschnitt im 1. Halbjahr 1950 rund 500. Der Anteil des Einzelhandels an den Juni-Insolvenzen ist mit etwa 25 Prozent am größten, vor allem in den Sparten Haushalts-und Eisenwaren, Kolonialwaren und Textilien. Rückläufig waren die Insolvenzen bei den Fabrikationsunternehmen und beim Handwerk.
Markt- und Börsenberichte
F.A.Z, An der Frankfurter Börse wurden zum Wochenbeginn die politischen Ereignisse in Korea wiederum stark diskutiert. wobei betont wurde, daß der deutsche Kapitalmarkt, der nur wenig mit dem Ausland gegenwärtig verflochten ist, kaum in übermäßigem Ausmaß von den Ereignissen betroffen werden wird, sofern sich die Situation nicht für Gesamteuropa weiter verschlechtern sollte. Die Montagbörse, die zugleich die erste Geschäftsbörse im neuen Monat war, bedürfte der Limiterneuerung der Kundschaft, die aber noch verhältnismäßig spärlich eingingen, so daß das Geschäft schon allein aus diesem Grund recht gering blieb. Die Abgabeneigung war indessen bei den meisten Papieren ebenfalls unerheblich, so daß sich weitere Kursrückgänge in engeren Grenzen hielten.
Devisenhandel
Frankfurt. (Eigenbericht.) Im Frankfurter nicht offiziellen Devisenhandel wurden am 3. 7. 50 für den US-Dollar 5,35—5,75 DM gezahlt, für das engl. Pfund 12,50—13,50 DM, für den Schweizer Franken 1,17—1,27 DM, für den holl. Gulden 1,17—1,27 DM, für die dänische Krone 0,52—0,56 DM, für die schwedische Krone 0,74—0,84 DM.
Berliner DM-Wechselkurs
F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 3. 7. 50 für eine DM-West 6,— Ostmark gezahlt und für 6,20 Ostmark eine DM-West geboten.
Frankfurter Schlachtviehmarkt
bz. Am Hauptschlachttag standen zum Verkauf 848 (967) Stück Großvieh, 786 (651) Kälber, 2914 (3360) Schweine sowie 205 (370) Schafe. Im einzelnen wurden erzielt: Großvieh Ochsen A 78—83 (80—86), B 68—76 (70—78), C 60—67 (60—68). Bullen A 80—84 (82—86), B 70—79 (75—80), Kühe A 70—76 (75—80), B 58—65 (60—72), C 48—56 (50—56), D 35—45 (38—48), Färsen A 86—90 (unv.), B 80—85 (unv.), C .68—75 (70—78), Kälber B 100—110 (unv.), C 82—95 (85—98), D 65—80
Diskussionen um den Kapitalmarkt
W. F. Zahlreiche Erörterungen um eine Gesundung des Kapitalmarktes stellen den Gedanken einer Offenmarktpolitik des Zentralbanksystems in den Vordergrund. Eine erste praktische Maßnahme in dieser Richtung dürfte die von der Bank deutscher Länder befürwortete Umschuldungsaktion guter, aber eingefrorener Debitorien sein; dabei darf allerdings nicht übersehen werden, daß ein wirklich funktionierender Wertpapiermarkt noch nicht vorhanden ist. Zwar wächst die Bildung von Geldkapital. Die Umsätze an den Wertpapierbörsen sind aber im Vergleich zur Vorkriegszeit sehr gering. Im Durchschnitt der Jahre 1924/28 wurden etwa 47 Prozent der Nettoinvestitionen durch den Wertpapierabsatz finanziert, im dritten Vierteljahr 1949 nur 3,9 Prozent und im ersten Quartal dieses Jahres 2,8 Prozent.
Im Gegensatz dazu hat sich die Kapitalbildung in Form von Spardepositen und Zwecksparen besser entwickelt. Bei allen monatlich berichtenden Geldinstituten sind die Spareinlagen von Ende Dezember 1949 bis Ende April 1950 um 459 Millionen DM (einschließlich Zinsgutschriften und geringfügiger Umstellungsbeträge) gewachsen. Das Sparaufkommen der Bausparkassen hat sich im ersten Quartal d. J. gegenüber dem Vergleichszeitraum 1949 mehr als verfünffacht; es stieg von 15,4 auf 81,1 Millionen D-Mark. Ebenfalls günstig hat sich das Versicherungssparen entwickelt. Beispielsweise wurden im Bundesgebiet in der Zeit von Juni 1948 bis Ende 1949 rund 3,6 Millionen Lebensversicherungsverträge mit einer Versicherungssumme von insgesamt 3,9 Milliarden DM abgeschlossen. Die Kapitalbildung aus Prämienüberschüssen der Lebens- und Sachversicherung wird für das erste Quartal dieses Jahres auf 140 Millionen DM geschätzt.
Der Beitrag der Selbstfinanzierung, also der innerbetrieblichen Kapitalbildung, ist im Vergleich zu den ersten Monaten nach der Währungsumstellung beträchtlich zurückgegangen. Dies wird durch den Anteil der Mittel- und langfristigen Fremdfinanzierung (einschließlich öffentlicher Haushaltsmittel) an der gesamten Mittelaufbringung für Investitionszwecke deutlich, der von 32,4 Prozent im ersten Jahre nach der Währungsreform auf 63,9 im ersten Vierteljahr 1950 gestiegen ist. Das Ansteigen des Prozentsatzes der Fremdfinanzierung im ersten Quartal dieses Jahres ist allerdings auf den verstärkten Fluß von counterpart funds zurückzuführen.
Betrachtet man von diesen Größen ausgehend die deutsche Kapitalmarktsituation, dann läßt insbesondere der Effektenmarkt und das Emissionsgeschäft noch manches zu wünschen übrig. Auffallend konstant blieb der Absatz von Pfandbriefen und Kommunalobligationen seit Ende 1948. Die Wertpapierunterbringung insgesamt ging dagegen seit Mitte des vergangenen Jahres ständig zurück. Dies ist vor allem auf die geringe Abnahme von Industrieobligationen und Aktien seit Mitte 1949 und auf den völligen Ausfall der Anleihen der öffentlichen Hand in den letzten beiden abgeschlossenen Quartalen zurückzuführen. In festverzinslichen Werten sind die offiziellen Umsätze stellenweise so gering, daß eine echte Kursbildung noch nicht möglich ist. Auf dem Markt der festverzinslichen Papiere herrscht bisher keine wirkliche Umsatzbewegung. Neuemissionen haben im allgemeinen enttäuscht.
Im Zusammenhang damit steht die Frage des Zinssatzes, der nach Meinung weiter Bankkreise heraufgesetzt werden sollte. Hiergegen wenden sich vor allem die Sparkassen und Hypothekenbanken. Erstere weisen darauf hin, daß vorerst noch das den Sparguthaben gegenüberstehende Deckungskapital zu etwa 80 Prozent aus Ausgleichsforderungen besteht, die dann ebenfalls höher zu verzinsen wären. Die Realkreditinstitute wenden ein, daß eine Zinserhöhung für Hypothekenpfandbriefe eine Verteuerung des Wohnungsbaues mit sich bringen würde. Solche Argumente haben dazu geführt, daß man in der Bundesrepublik noch immer an dem fünfprozentigen Pfandbrieftyp mit einem Begebungskurs von etwa 98 Prozent festhält, während beispielsweise in den kapitalstarken Vereinigten Staaten der sechs- bis siebenprozentige Pfandbrief vorherrscht. Die Wahl eines höheren Zinsfußes wirft zweifellos eine Reihe schwieriger Fragen auf, in erster Linie für neue Pfandbrief-Emissionen. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß die Pfandbriefe bei einer Auflockerung des Rentenmarktes den Anschluß an einen unserer wirklichen Kapitalmarktlage entsprechenden Zinssatz finden werden. Erst wenn sich ein sechs- bis siebenprozentiges Rentenpapier durchgesetzt hat, sollte nach Ansicht der Bank deutscher Länder mit einer großzügigeren Offenmarktpolitik begonnen werden.
Je mehr die Gegenwertmittel, die Selbstfinanzierung, die Fianzierung aus öffentlichen Haushaltsmitteln als Finanzierungsquellen zurücktreten, desto notwendiger wird es, einen funktionsfähigen Kapitalmarkt zu schaffen.
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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Amtliche Bekanntmachungen des Landratsamtes Bergstraße Betr.: Antrag des Willi Beierle, Bürstadt, Thälmannstraße 53, aut Erteilung der Erlaubnis gemäß § 16 der GO zur Errichtung eines Schlachthauses mit Wurstküche. Willi Beierle in Bürstadt beabsichtigt auf dem Grundstück in Bürstadt, Thälmannstraße 53, Flur XXI Nr. 349 ein Schlachthaus mit Wurstküche zu errichten. Der Plan des Unternehmens liegt 14 Tage lang vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf dem Büro der Bürgermeisterei Bürstadt zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind, gehörige begründet, innerhalb der vorbestimmten Frist bei Meldung des Ausschlusses bei dem Bür¬ germeister schriftlich oder mündlich vorzubringen. Heppenheim, den 21. Juni 1950 Betr.: Änderung des Verfahrens zur Abrechnung der Fleisch¬ beschaugebühren, hier: Bekanntmachung über die Ein¬ ziehung der Fleischbeschau- und Trichinenschaugebühren. 1. Durch das Gesetz über die Hessische Fleischbeschaukosten¬ ordnung (FKO) vom 12. Mai 1950 (GVBI. S. 95) werden mit Wirkung vom 1. Juli 1950 wesentliche Änderungen bei der Ein¬ ziehung der Fleischbeschau- und Trichinenschaugebühren in Kraft treten. Das Gesetz bringt für die Gebührenpflichtigen insbesondere folgende Änderungen gegenüber der seitherigen Regelung: a) Die Fleischbeschauer und Trichinenschauer erheben künftig Gebühren von den Gebührenpflichtigen selbst und rechnen sie unmittelbar mit der Staatskasse in Heppenheim ab. Dabei stel¬ len die Fleischbeschauer und Trichinenschauer an Stelle der seither bei der zuständigen Gemeindekasse einzulösenden Fleischbeschauscheinen Gebührennachweise aus. Eine Mitwir¬ kung der Gemeindekasse entfällt. Die Kassenverwalter des Kreises haben Anweisung, vom 1. Juli 1950 ab keine Fleisch¬ beschau- und Trichinenscheine mehr auszugeben. b) Die Gebührensätze haben sich ebenfalls geändert (siehe Gebüh¬ renordnung — Anlage zum Gesetz —). 2. Bei dieser Gelegenheit wird darauf hingewiesen, daß künf¬ tig bei Not- und Krankschlachtungen in jedem Fall der zuständige Fleischbeschauer zuzuziehen ist. 3. Die Städte und Gemeinden mit öffentlichen Schlachthäusern und Schlachthauszwang regeln die Kosten der Schlachttier- und Fleischbeschau im Rahmen ihres Haushaltsrechts selbst.
Betr.: Naturschutz aut Bahngebiet. Der Regierungspräsident in Darmstadt — Abt. IH/7 — teilt mir folgendes mit: Die Bundesbahndirektion Frankfurt führt mit Recht Klage dar¬ über, daß seitens der Bevölkerung, insbesondere seitens der Industrieunternehmen gegen die Bepflanzung der Bahnanlagen Einwendungen und Proteste erhoben werden, ja sogar in Einzel¬ fällen lebende Hecken vernichtet werden. Der Erhalt der Hecken wie auch die sonstige Bepflanzung der Bahnanlagen ist eine Not¬ wendigkeit. Sie ist insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Naturschutzes zu überprüfen und hierbei zu veranlassen, daß das Landschaftsbild in würdiger Weise erhalten wird. Soweit noch nicht geschehen, wird die Bundesbahn neue Naturanlagen her¬ stellen, sobald ihr die nötigen Mittel zur Verfügung stehen. Um den Erhalt der bestehenden Anlagen bitte ich in besonderem Maße bemüht zu sein. Wo erforderlich, ist durch einstweilige Anordnung Vorsorge zu treffen. Heppenheim, den 27. Juni 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße
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Unlereiner wird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNERDie Welt, in die uns Hans Woerner führt, ist unsere Welt. Ist der Alltag mit seinen tausend Überraschungen,mit seinen kleinen Freuden und Schmerzen. Gerade in einer Zeit, die im Augenblick erfüllt ist von Unruhe, Ängsten und drohenden Gefahren, folgen wir Woerner gern in jene Bereiche, die hell und heiter sind und in denen Menschen leben wie Du und ich.
Vor uns tun sich die Tore auf, in denen der „Normalbürger" Georg J. Steen zu Hause ist. Seines Zeichens Prokurist. Ohne besondere Merkmale, ohne himmelfliegende Pläne. Bis dann plötzlich - - ja, bis auf einmal die Szenerie wechselt, bis der bescheidene Prokurist dem engen Rahmen seines bisher so beschaulichen Daseins entrückt und die Ereignisse nur so auf ihn hereinprasseln! „Unsereiner wird immer kleiner" - doch Georg Steen rauscht hinein in die ihm bisher unbekannte „große Welt".
Zehntausend Kronen stehen auf dem Spiel! Zehntausend Kronen sind zu gewinnen. Was erträgt man für diese Summe nicht alles, was nimmt man für diesen Batzen Geld nicht alles in Kauf. Steen wird der Mittelpunkt eines mächtigen Reklamerummels:
HANS WOERNER, der Verfasser unseres neuen Romans, schrieb in den letzten Jahren die Romane „Wir fanden Menschen“ — „König zu Jykän“ — „Flucht zu Daniela“ — „Du spielst ums Leben, Gabriele“ — „Seltsame Frau — Barbara.“ ♦
Sein Großvater war Schäfer, einer der letzten, die mit ihren Herden noch weit umherzogen, nach Frankreich hinein und bis nach Lettland hinauf. Er wanderte jährlich mit dem letzten Schnee davon und kam mit dem ersten heim. Und dann erzählte er. Durch ihn, den Großvater, glaubt Woerner, ein Fabulierer geworden zu sein, nachdem er Bergmann, Reporter und Soldat, Maschinist, Zeitungschef und überall ein bißchen war. Über seine Erzählerei sagt er selbst: „Zum Glück haben mich die Jahre gelehrt, wozu das Erzählen auf der Welt ist. Es bedeutet den Versuch, unser eigenes Leben abzuwandeln, um es uns zu deuten, unsere eigene Welt zu erfassen, indem wir andere Welten durchforschen. Den wirklichen Grund des gespannten Zuhörens schafft uns der Trieb, uns selbst zu begreifen, indem wir in fremde Bilder eintreten und dort neuen Bestätigungen unseres eigenen Lebens begegnen.“
Ehrungen durch den Staatspräsidenten, Empfänge in teuren Hotels, Filmreportagen, Werbeaktionen für Taschentücher, Sockenhalter, Mandelseife, Lippenstifte usw. Heute muß Herr Steen in der Badewanne sitzen und Kunstschwämme preisen. Morgen macht er dasselbe mit Naturschwämmen. Heute muß sein Sohn Knut Steen Rasiermesser lieben, morgen Rasierapparate - und so geht das Tag für Tag. Ein Leben voller Lügen beginnt - und alles für 10000 Kronen... ... bis bei Steen Junior der Kragen platzt. Daran ist ein klein wenig die braunhaarige Verkäuferin Jo Tompson schuld. Und als zum guten Schluß das Familienleben wieder „normal" wird, da gibt es zwei glückliche Pärchen...
Mehr wollen wir nicht mehr verraten. Lesen Sie selbst und lassen auch Sie sich bezaubern und beglücken von jenem fröhlichen und spannenden Geschehen, von den vielen heiteren Situationen, kurzum von alledem, was Hans Woerner aus dem Geschehen unserer Tage frisch und lebendig herausgegriffen hat und uns nun voll Charme und Munterkeit serviert. Es ist ein Roman, der mit dem Herzen geschrieben wurde und der auch uns das Herz erwärmt. Und das haben wir schließlich alle nötig - meinen Sie nicht auch?
Dieser neue Roman beginnt in den nächsten Tagen.
KARTEI KARTE Name. Jo 7 ompson Beruf: Verkäuferin Charakter. Schlägt Kapriolen in Sport und Liebe Leidenschaften. Liesl zumeilen Gedichte Besonderheiten; Braunes Haar, blaue Jlugen
KARTEIKARTE Name; Teddy Beer Beruf: Drogist Charakter: Zählt sorgsam die Küsse • Leidenschaften. Liebt mit Hemmungen Besonderheiten. Unselbständig
KARTEIKARTE Name: Knut Steen Berufsziel: Einfahrer Charakter: Frisch, fröhlich frei (nidjt fromm) Besonderheiten: Ärgert seinen Vater
KARTEIKARTE Name: Georg J. Steen Beru /: Prokurist Charakter: Trinkt unterkühltes Bier Leidenschaften. Begräbt alte Hoffnungen Besonderheiten: Basiert sich 4 mal in der Woche
flarmltötterSmjblott (rkipiinM 1738 * X Im Einvernehmen mit dem angesehenen Verlag der »Allgemeine Zeitung« ist es der Druckerei L . C . WITTICH gelungen, das glitrmßäbtcr ^ngblatt seit 1. Juli wieder erscheinen zu lassen. Die verlegerische Tradition des Hauses L. C. Wittich und der Ruf der »Allgemeine Zeitung« bürgen für gewissen¬ hafte und erschöpfende Unterrichtung über alle Vorgänge auf dem Gebiet der Politik, der Wirtschaft und des kul¬ turellen Lebens. Journalisten von Rang unter Leitung des. Chefredakteurs Erich Dombrowski geben dem »Darmstädter Tagblatt« das Gepräge der beliebten, meinungsbildenden Tageszeitung Deshalb: DEINE ZEITUNG !
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