Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 2 ÄeffiWe Tienefte Jiadjrt^fen Montag, 3. Juli 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich Zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn Preis 15 Pfennig *

Seegefecht an koreas Ostküste

Fünf nordkoreanische Motortorpedoboote versenkt — Landschlacht um Suwon

Tokio, 2. Juli. (dpa/AP./BBC.) Auf der Höhe von Samtschok an der ostkoreanischen Küste haben britische und amerikanische Flotteneinheiten fünf von sechs nordkoreanischen Motortorpedobooten versenkt, mit denen es zu einem Gefecht gekommen war.

Amerikanische Infanterie hat in die Kämpfe auf Südkorea eingegriffen. Die Vorausabteilung einer amerikanischen Infanteriedivision wurde im Laufe des Samstag im Lufttransport zwischen Taidschon und Suwon gelandet.

Die Amerikaner sind sofort in nördlicher Richtung zum Aufbau einer Auffangsstellung für die flüchtenden südkoreanischen Truppen eingesetzt worden. Sie haben den Auftrag die strategisch wichtigen Brücken zu halten. Den ersten amerikanischen Truppen sind Panzerabwehrwaffen und leichte Artillerie nachgeflogen worden. Auf dem Flugplatz von Taidschon werden ununterbrochen Bagger und Spezialtraktoren ausgeladen, die für den Aufbau von Feldstellungen notwendig sind.

In den japanischen Häfen sind am Freitag, Samstag und Sonntag Infanterie, Panzer und Artillerie verladen worden. Die Masse der Truppenverbände befindet sich auf hoher See. Erste Teile sind bereits ausgeladen worden. Spezialfahrzeuge der amerikanischen Marine und Truppentransporter haben über die Straße von Korea Pusan an der Südostküste erreicht. Die Infanterieeinheiten sind auf dem Bahnweg durch das Partisanengebiet nach Taidschon, der vorläufigen Hauptstadt, in Marsch gesetzt worden und sind von dem amerikanischen Oberkommando bereits nördlich der Stadt in Sicherungsstellungen eingesetzt.

Japanische Freiwillige?

Die amerikanische Luftwaffe hat trotz der schlechten Witterungsverhältnisse — Regenböen und Stürme behinderten den Einsatz — ununterbrochen Einsätze geflogen. Die Operationen der Flotte wurden erstmalig auch von australischen Luftstreitkräften gesichert.

Man plant u. a. auch Japaner, vor allem solche, die Erfahrungen auf dem koreanisdien Kriegsschauplatz haben und die die Wasserwege kennen, aufzufordern, sich an den Kampfhandlungen zu beteiligen. Die japanische Regierung hat sich bereit erklärt, ihre Genehmigung zu erteilen. Zwei Divisionen des Marschalls Tschiang Kai-schek haben Formosa auf amerikanischen Schiffen in Richtung Korea verlassen.

Die amerikanische Führung plant im Raume Taidschon bis spätestens Mittwoch eine Division zusammenzuziehen, um wirksame Gegenmaßnahmen gegen den weiter nach Süden vordringenden Feind einleiten zu können.

Nordkoreaner tasteh die Front ab

Suwon mit dem wichtigen Flugplatz — der einzige südkoreanische Flughafen, der für Flugzeuge aller Größen anzufliegen ist — ging vorübergehend verloren. Stadt und Flughafen konnten nach heftigen Kämpfen den nordkoreanischen Kräften wieder entrissen werden, liegen aber nach wie vor unter heftigem Artilleriefeuer. Die Nordkoreaner tasten die gesamte Front ab, um an den weichen Stellen sofort durchzubrechen. Eine Kampfgruppe hat Suwon westlich umgangen und drückt nach Süden. Eine weitere Gruppe, die die Verbindung mit ihren nachfolgenden Truppen verloren haben soll, war östlich von Suwon nach Taidschon im Vorgehen gemeldet worden. Die beiden feindlichen Kampfgruppen stehen unter der Kontrolle der amerikanischen Luftwaffe, die die Panzerspitzen unter ständigem Beschuß hält. Im ganzen Raume von Suwon ist die Schlacht mit äußerster Heftigkeit entbrannt. Die Kampfmoral der südkoreanischen Truppen ist sehr schlecht. Die Südkoreaner haben nach nordkoreanischen Meldungen mehr als 9000 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Tausende gerieten in Gefangenschaft. Die Verbände verloren die Masse ihres schweren Materials.

Die Nordkoreaner haben über den Han insgesamt drei Holzbrücken geschlagen. In Söul haben sie die Verwaltungsstellen übernommen und die Elektrizitätswerke und Fabriken wieder in Gang gebracht. Die Straßenbahnen fahren normal. Die Regenfälle haben die Beweglichkeit der Panzertruppen etwas eingeschränkt, Möglicherweise haben die nordkoreanischen Truppen den Befehl, nicht besonders heftig nach Süden vorzustoßen, bevor nicht neue Truppen herangeführt worden sind. Zurp ersten Mal sind über der Front Jäger mit dem roten Stern der russischen Luftstreitkräfte gesehen worden. In Nordkorea ist die allgemeine Wehrpflicht eingeführt worden. An der Grenze zwischen Nordkorea und Mandschurei sollen etwa 200 000 Mann zusammengezogen worden sein, die bisher in der inneren Mongolei stationiert waren. Die Truppen sind nach Meldungen motorisiert und modern ausgerüstet.

Es ist nach wie vor schwierig von dem Kriegsschauplatz einwandfreie Unterlagen über den Kampfverlauf und die militärische Lage zu erhalten.

Der heißeste Tag des Jahres

Höchsttemperaturen im südwestlichen Raum

Baden-Baden, 1. Juli, (dpa) Der Freitag war im südwestdeutschen Raum, vor allem in der Bodensee-Gegend, der heißeste Tag dieses Jahres, die Temperaturen, die mit 35 Grad eine Höhe erreichten, die am Bodensee seit 1866 nicht mehr festgestellt wurde, sanken auch in der Nacht nicht wesentlich. In Konstanz wurden noch um Mitternacht 20 Grad gemessen, die Wassertemperatur des Bodensees erreichte 24 Grad, im Friedrichshafener Strand sogar 26 Grad.

Tübingen erreichte mit 34,5 Grad zwar die Ködrsttemperatur des Vorjahres, die am 8. 8. 1949 gemessen worden war, blieb aber immer noch hinter den 38 Grad zurück, unter denen die Universitätsstadt am 28. 7. 1921 gelitten hatte.

In Koblenz kam sogar das Thermometer „nur" auf 32,8 Grad, in Mainz auf 32,5 Grad, Während des schweren Gewitters, das im Rhein-Mosel-Gebiet und in Teilen der Pfalz niederging, fiel die Temperatur jedoch innerhalb einer Stunde um zehn Grad.

Die Windhose, die am Freitagnachmittag vor allem in Bingen große Verwüstungen anrichtete, erreichte den Dampfer „Cäcilie" der Köln-Düsseldorfer-Dampf Schiffahrtsgesellschaft während der Fahrt auf dem Rhein in der Nähe von Andernach. Zum Glück erkannte die Mannschaft rechtzeitig die drohende Gefahr und ließ das Oberdeck räumen. Die Windhose zerfetzte das Sonnendach auf dem Hinterdeck des Schiffes, schleuderte Tische und Stühle über Bord, verbog das Eisengestänge und zerstörte zahlreiche Scheiben und Holzverkleidungen.

Die Kammer befiütigt Queuille

Schuman wieder Außenminister / Paul Reynaud im Kabinett

Paris, 2. Juli. (AP./dpa.) Die französische Nationalversammlung hat den mit der Bildung einer Regierung beauftragten bisherigen Innenminister Queuille mit 363 gegen 208 Stimmen bestätigt. Queuille ist von den Sozialisten, fast allen Radikalsozialisten und fast allen Volksrepublikanern (MRP) sowie einigen unabhängigen Abgeordneten unterstützt worden.

In seiner Regierungserklärung hat der neue Ministerpräsident über den Koreakonflikt und den Schuman-Plan gesprochen. Er bat die Parteien um die Einstellung des Streites und forderte sie zur nationalen Einheit auf. Auf dem Gebiet der Innenpolitik erklärte er sich bereit, in der Frage der Beamtengehälter und der Versorgung der ehemaligen Soldaten nachzugeben. Gleichzeitig setzte er sich aber auch für den Ausgleich des Haushaltes ein. Er deutete vor dem Haus die Notwendigkeit einer Aenderung des bisherigen Wahlsystems an und wies auf die Reformbedürftigkeit der französischen Verfassung hin.

Im Laufe des Samstag und Sonntag hat der Ministerpräsident zahlreiche Besprechungen mit führenden Politikern geführt. Die Veröffentlichung der Kabinettsliste kann deshalb in kürzester Zeit erwartet werden. Die Hoffnung des Ministerpräsidenten. ein Kabinett auf breitester Basis zusammenstellen zu können, hat sich nicht erfüllt. Sozialisten haben es nach wie vor abgelehnt, sich an der Regierung zu beteiligen, obgleich sie für die Investitur Queuilles eingetreten waren. Sie haben zwar die Absicht, vorläufig die Regierung zu unterstützen, wollen an dem politischen Geschehen aber unmittelbar nicht aktiv teilnehmen.


Auf dem Flugplatz von Suwon wurde in dem Augenblick, als General Mac Arthur zu seinem Frontbesuch landete, ein amerikanisches Transportflugzeug von einem nordkoreanisdien Jäger in Brand geschossen
Auf dem Flugplatz von Suwon wurde in dem Augenblick, als General Mac Arthur zu seinem Frontbesuch landete, ein amerikanisches Transportflugzeug von einem nordkoreanisdien Jäger in Brand geschossen

Noack warnt

„Eine völlige Verkennung der Lage“

Bonn, 1. Juli (AP). Professor Noack hat in Bonn auf einer Versammlung erklärt: „Die nächsten zwei bis drei Wochen können für Deutschland von schicksalhafter Bedeutung werden. Nach der Lösung des Konfliktes in Korea dürfte die Gefahr für Deutschland am allergrößten werden.“

Dabei sei es gleich, wer von den beiden Parteien in Korea als Sieger aus dem Konflikt hervorgehe.

Wenn geglaubt werde, der Russe würde weich, wenn man ihm mit der Faust drohe, dann sei dao eine völlige Verkennung der Lage. Die Folge könne unter Umständen eine Katastrophe für Deutschland bedeuten. Deshalb sei es grundsätzlich falsch, wenn man in Korea aus Prestigegründen den starken Mann spielen wolle.

Professor Noack empfahl im Falle eines Konfliktes in Europa, unter allen Umständen den Kriegsdienst zu verweigern und absolute Neutralität zu wahren.

Togliatti: Kein Weltkrieg

Rom, 2. Juli, (dpa) Der italienische Kommunistenführer Togliatti hat am Sonntag in Rom erklärt, die Kämpfe in Korea würden voraussichtlich nicht zu einem dritten Weltkrieg führen, da die Sowjetunion und ihre Alliierten die stärkste Macht der Welt seien. Die russischen Führer würden nicht den Kopf verlieren. Ihre fortgesetzten Bemühungen, die Zusammenarbeit aller Völker zu erreichen, sei eine Garantie für den Frieden.

West-Berlin hat eigenen Strom

Berlin, 2. Juli (dpa). Die West-Berliner beziehen jetzt ihren Strom aus eigenen Kraftwerken. Die Stromlieferungen aus der sowjetischen Zone hatten am Samstag früh aufgehört. In den Westsektoren ist weder eine Unterbrechung noch eine Verknappung des Stroms zu verzeichnen.

Von den rund zwei Millionen Kilowattstunden, die West-Berlin im Tagesdurchschnitt braucht, liefert das Großkraftwerk West mehr als die Hälfte. Außerdem läuft das Kraftwerk Charlottenburg (britischer Sektor). In den Morgenstunden des Samstags wurde ferner das Kraftwerk Moabit (britischer Sektor) mit zunächst geringer Last in Betrieb genommen. Die Kraftwerke Spandau und Wilmersdorf (britischer Sektor) sind anfahrbereit. Sie brauchen zur Zeit jedoch noch nicht zu liefern, da die Kapazität der anderen Werke völlig ausreicht.

Gereke mili aktiv bleiben

Hannover, 2. Juli, (dpa) Der zurückgetretene niedersächsische Landwirtschaftsminister Dr. Gereke will trotz seines Ausschlusses aus der Christlich-Demokratischen Union sein Landtagsmandat beibehalten. Vor Pressevertretern in Hannover sagte er, er wolle sich auf keinen Fall aus dem politischen Leben zurückziehen, sondern weiter politisch aktiv für den gesamtdeutschen Gedanken tätig sein. Er werde nicht um irgendwelcher Sinekuren willen den Mund halten.

Ausmeitung ?

*** Hebers Wochenende sind verschiedene Nachrichten eingelaufen, die alarmierend wirken könnten. Nicht allein, daß die südkoreanischen Truppen eine heftige Niederlage erlitten zu haben scheinen. Das nordkoreanische Hauptquartier meldet, es seien in drei Tagen neuntausend südkoreanische Soldaten getötet und verwundet und mehr als dreitausend gefangengenommen worden. Nordkorea hat die totale Mobilmachung aller Koreaner zwischen achtzehn und sechsunddreißig Jahren bekanntgegeben. Rot-China soll an der Grenze zwischen der Mandschurei und Korea zweihunderttausend Soldaten zusammengezogen haben. Nach amerikanischen Frontberichten haben zudem Flugzeuge mit sowjetischen Hoheitsabzeichen einen südkoreanischen Flugplatz angegriffen.

Damit nicht genug. Der Gouverneur von Alaska fordert auf Grund eines Schreibens des amerikanischen strategischen Sicherheitsamtes hin die Bürgermeister aller Städte auf, ein Programm zur zivilen Verteidigung zu organisieren. Der amerikanische Heeresminister Frank Pace hat darüber hinaus in einer Rede erklärt, die Vereinigten Staaten müßten ihre Streitkräfte für den Krieg mit allen Mitteln vorbereiten, falls Rußland einen Großangriff auf die ganze Welt plane.

Das alles mag beunruhigend klingen, ist jedoch nicht allzu tragisch zu nehmen. Für die westliche Welt gilt heute der Satz: Bereitsein ist alles. Es wäre unverantwortlich, wenn irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen gegen unerwartete Ereignisse außer acht blieben. Noch weiß man nämlich nicht sicher, was der Kreml mit dem Korea-Konflikt tatsächlich beabsichtigt hat. Ob er einen Modellfall ausproben oder mit einem Ablenkungsmanöver Angriffsabsichten auf Indochina, Formosa oder andere Teile der Welt tarnen wollte.

Maßgebende amerikanische Politiker und Militärs rechnen jetzt zwar mit einem blutigen und vielleicht langen Feldzug in Korea, betonen jedoch, sie hätten das „beruhigende Gefühl“, daß die Vereinigten Staaten vorläufig nicht in einen Weltkrieg verwickelt würden und daß sobald nicht mit einer dramatischen Maßnahme der Sowjetunion zu rechnen sei. Sie begründen das mit dem unerwartet einmütigen Zusammenstehen der westlichen Welt, der allem Anschein nach in Moskau einen starken Eindruck gemacht hat. Die Rechnung des Kremls, die westlichen Demokratien würden sich nur langsam zu halben Maßnahmen entschließen, war falsch. Er wird daraufhin schwerlich ein größeres Risiko eingehen. Der Krieg in Korea wird daher vermutlich lokalisiert bleiben, wie seinerzeit der Krieg in Spanien.

Köln - ein neuer Anfang

Wr- - Die Hauptversammlungen des Deutschen Städtetages, des kommunalen Spitzenverbandes der kreisfreien und der Großstädte, haben im bisherigen Verlauf ihrer Geschichte immer ein ziemlich stereotypes Gepräge gehabt: Sie waren eine Versammlung von Oberbürgermeistern und Verwaltungs-Juristen; auf den Ehrenplätzen saßen Vertreter der staatlichen Behörden, im wesentlichen die Herren von der Staatsaufsicht über die kommunale Selbstverwaltung.

Vor dem ersten Weltkrieg bestand für den noch so staatswilligen Bürger keine große Veranlassung, sich mit einiger Hingabe in die Verhandlungs-Gegenstände eines Städtetages zu vertiefen; denn diese befaßten sich in beinahe kultischer Form, auf alle Fälle in streng akademischer Weise und in der Fachsprache der Verwaltungs-Hierarchie ausschließlich mit Fragen, von denen keine einzige dem Gemeindebürger auf den Nägeln brannte.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde es anders: Schon in Weimar, späterhin aber höchst nachdrücklich in Berlin mußten die Reichsregierung wie die Staatsregierungen erkennen und begreifen, daß in diesen „Städtetagen“ ein äußerst beachtenswerter „politischer Faktor“ zu erkennen war: So zentralistisch in der Zeit der Weimarer Republik alles aussah —, man lernte „ganz oben“ die Städte, genauer: die Stadtverwaltungen und die Kräfte, die in ihnen wirksam waren, achten. Man erkannte, daß es nicht länger möglich war, von Berlin aus Gesetze zu erlassen, die an den Lebenserfordernissen und Lebenserkenntnisen der Städte willkürlich vorbeigingen. Die Willensäußerungen der Städte erhielten Gewicht — ganz in der Weise, wie es die Sache der Demokratie erforderte. Allerdings, was erreicht worden war, das ging in den Jahren der deutschen Katastrophe wieder verloren. Die Städte waren von 1933 bis 1945 bloße Vollzugsorgane eines wirren und hemmungslosen Machtwillens.

Wandel seit 1945

Seit 1945 haben sich die Grundlagen zwischen Städten und dem Staat wesentlich und entscheidend verschoben. Daß wir heute noch leben und wieder aufbauen können, verdanken wir nicht irgendwelchen Organen des Staates, sondern den Kommunen! den Städten und Gemeinden, den großen wie den kleinen, den „Verwaltungen“ und den Männern, die sich dafür hergaben, sich von den Besatzungsmächten ausfindig machen zu lassen und an die Spitze von Gemeinwesen zu treten, den Bürgermeistern und Oberbürgermeistern, Landräten, Stadt- und Kreisdirektoren oder wie wir sie seither alle zu heißen haben. Bonn, Adenauer, selbst Heuss — das alles kam erst lange nachher: Nachdem die Stadt- und Gemeindeverwaltungen, wacker und tüchtig, dafür gesorgt hatten, daß das Leben weitergehen konnte.

Ganz haben die hohen Herren im Bundestag, in der Bundesregierung wie im Bundesrat die tatsächliche Sachlage auch heute noch nicht begriffen (Das, was im Grundgesetz nicht enthalten ist, spricht dafür.) Aber immer: es hat sich ein Wandel vollzogen. Die Städte, ihre Verwaltungen und die Männer, die an deren Spitze stehen, sind heute ein wesentlich anderer Faktor.

Das war schon 1948 zu erkennen, als der Deutsche Städtetag, erstmals nach dem Zusammenbruch, in der Frankfurter Paulskirche zusammentrat. Es war im vorigen Jahr zu erkennen, nach den Tagungen in Nürnberg und Lübeck. Diesmal trat der „Deutsche Städtetag“ aus Anlaß der 1900-Jahr-Feier der Stadt Köln, in der grausam zerstörten rheinischen Metropole, zusammen. Wer heute, nach dem Ablauf dieser Tagung, besinnlich betrachtend zurückschaut, der mag sich fragen: „Wie? Haben sich die Schwergewichte so verschoben? Wird das, was für die Deutschen zu tun ist, von Bonn aus dirigiert oder von der anderen Endstelle der Rheinuferbahn aus? Von Köln aus?“

Anders gesagt: Jeder alte und wirkliche Demokrat in Deutschland hätte wünschen müssen, daß das, was der „Deutsche Städtetag“ in diesen drei Tagen der letzten Woche getan hat, von der höchsten Stelle der Deutschen Bundesrepublik aus unternommen und getan worden wäre.

Um die Jugend

Denn es ist in Köln um die Jugend gegangen. Um diese Jugend, die ein Bestandteil aller Deutschen ist, aller deutschen Eltern, die nie in ihrem Leben etwas anderes gewollt und ersehnt haben, als das Glück und die gedeihliche Zukunft eben dieser Jugend. Denn um es ganz laut zu sagen: Diese Jugend an ihr Herz heranzunehmen, ihr zu zeigen, daß man mit ihr fühlt, daß man um ihre Sorgen, Nöte und Bedrängnisse weiß — das wäre Sache von „Bonn“ gewesen, ganz allgemein gesagt, „Bonn“ hat dafür keine Zeit gehabt; „Köln“ hat sie gehabt. Die Städte, das heißt: die Männer an deren Spitze, haben sich mit einer Hingabe, die der Geschichte unseres Wiederaufbaues angehört, mit der Jugend „befaßt“.

Die Jugend sprach mit

Infolgedessen bot der diesmalige „Deutsche Städtetag“ ein ungewohntes und merkwürdiges Bild: Glanzvoll und imponierend die Räume im Sartory¬ „Etablissement“. Ausgezeichnet, in jeder Hinsicht, die Umsicht und Sorgfalt der organisatorischen Vorbereitung. Aber in dem hallenartigen Saal, der an einen Kirchenraum aus der Merowinger-Zeit gemahnen konnte, saßen neben den 150 stimmberechtigten Vertretern der deutschen Großstädte auf Ehrenplätzen erstmals in der Geschichte weitere 150 selbstgewählte Delegierte der deutschen Jugendverbände, Vertreter ihrer Gesamtorganisation, die „Bundes-Jugendring“ heißt, der deutschen Studentenschaften.

Summa summarum: Wenn man drei Tage lang dieser Jugend in die Gesichter sah: Das waren alles junge Menschen, die wollten, daß ihre Eltern einmal über sie stolz und glücklich sollten sein können. Das waren junge Menschen, die sagen wollten und gezeigt haben, daß sie wissen, in welcher Zeit sie leben.

Diese Jungen, wie gesagt hundertfünfzig selbstgewählte und von ihrer Organisation als Delegierte nach Köln geschickte Vertreter, saßen auf ihren Ehrenplätzen, rundum auf der Estrade, nicht nur als andächtige Zuhörer. Immer wieder — und das war von der Geschäftsstelle des „Städtetages“ ausgezeichnet organisiert —, folgten auf Referate von Prominenten aus der Kommunalverwaltung auch die Sprecher der Jugend. Sagten die Herren des besten Alters, was die Städte alles tun: auf ihre Referate folgten ebenso wohl ausgewogene und meist vortrefflich disziplinierte Referate von Jugendlichen, in denen gesagt wurde, was die Städte außerdem noch tun könnten, was sie tun müssen, und es wurden nicht nur demütig Gesichtspunkte angemeldet, sondern es wurde auch in streng und straff formulierten Sätzen den Herren am Tisch des Präsidiums eine Menge von Dingen platt vor den Kopf gesagt — Dinge, von denen die Jungen sich wunderten, daß man, statt oben am Tisch betroffen zu sein, fröhlich zustimmend Beifall klatschte —, oben, am Präsidiumstisch, und überall an den Plätzen der Vertreter mit den roten und gelben Karten der Stimmberechtigten.

Im großen Saal des Sartory-Hauses in Köln gab es Freitag und Samstag mancherlei Beifall. Er folgte, als gewohnte Respekts- und Dankesbezeugung, jedem einzelnen von den Herren, die ein fleißig und mit aller „Akribie“ zustande gebrachtes Referat erstattet hatten. Aber das Wesen dieser Kölner Tage ist: Es gab unzählige Kaskaden der begeisterten Zustimmung. Die jungen Delegierten auf ihren erhöhten Sitzplätzen durften frohgemut erleben, daß die Männer der Verwaltung gar nicht so sind, wie sie sie bisher zumeist aufgefaßt hatten. Sie durften erleben, daß in den kommunalen Verwaltungen ja ganz und gar nicht der muffige und reaktionäre Geist so herrscht, über den sie in ihren Versammlungen immer mit so viel Schneid und herrischer Aufsässigkeit hergefallen waren. Manche von diesen Männern im Vordergrund der kommunalen Verwaltung der Bundesrepublik — was sie da äußerten, vor den Mikrophonen und vor allem: Was unmöglich um der Wirkung auf die Jugend willen etwa hatte „vorbedacht und ausgeklügelt“ sein können —, das zündete in den jungen Herzen der Menschen.

Was in Köln vor das Angesicht der Bürger in der westdeutschen Bundesrepublik getreten ist, das war, wir müssen das sagen, nur die eigentlich „organisierte“ deutsche Jugend, also die Jugend aus den Verbänden. Die andere Jugend, die weit zahlreicher ist, hat in Köln nicht zugegen und vertreten sein können. Das ist ein Teil des deutschen Leides. Aber hätten die Nichtorganisierten da sein können: Sie hätten sich aus vollem und ganzem Herzen über die Organisierten gefreut. Und sie hätten ihnen ebenso freudig und dankbar die Hände gedrückt, wie es die würdigen, alten, oder älteren Herren gegenüber den Jugend-Delegierten getan haben. Denn sie waren mit ihnen eins in dem Bekenntnis: „Ihr und wir — alles für unser Volk!“

Das Beste, was je ein „Deutscher Städtetag“ getan hat, hat dieser getan: Indem er die Jugend mit dem Alter zusammenbrachte. Denkwürdig, wie sie voneinander schieden: Nicht mit bloßen Händedrücken. Sie haben sich gegenseitig überzeugen dürfen, daß sie, weiß Gott wie sehr, alle eines Herzens und eines Sinnes sind.

Artikel 13

Fi. In einem Schreiben an die Landsmannschaft der Schlesier hat kürzlich der Direktor der Vertriebenen-Abteilung beim amerikanischen Oberkommissariat, Swope, zur Ausweisung der Deutschen aus den Gebieten jenseits der Oder-Neiße Stellung genommen. In dem Schreiben wird erklärt, die Vereinigten Staaten hätten das Potsdamer Abkommen nur unterzeichnet, damit „die unvermeidliche Austreibung der Deutschen, die in Osteuropa verblieben waren, in ordentlicher und humaner Weise“ vollzogen wird. Außerdem habe man das besetzte Deutschland denjenigen öffnen wollen, bei denen Gefahr bestand, daß sie nach Sowjetrußland verschleppt und anschließend vernichtet werden könnten. Die Delegation der Vereinigten Staaten habe daher den Artikel dreizehn des Potsdamer Abkommens (Ausweisung der Deutschen jenseits der Oder-Neiße-Linie und aus der Tschechoslowakei) nicht unterstützt.

Soweit uns erinnerlich, ist dies das erstemal, daß von offizieller amerikanischer Seite das Potsdamer Abkommen anders als nur gerecht dargestellt wird. Wer es versteht, zwischen den Zeilen zu lesen, hat dabei irgendwie das unangenehme Gefühl, als ob hier etwas entschuldigt werden sollte, was von bestimmten Stellen nachträglich als falsch und ungerecht erkannt worden ist. Aber was für eine Entschuldigung wäre das! Es erscheint reichlich paradox, heute, fünf Jahre nach Beendigung des Krieges, zu erklären, man habe lediglich Deutsche vor der Verschleppung durch die Sowjets bewahren wollen. Vor eben jenen Sowjets, müssen wir uns erinnern, mit denen man damals noch als „Alliierte" am Verhandlungs¬ , saß und denen man ohne solche Ueoerlegung Zehntausende von deutschen Kriegsgefangenen und Stabshelferinnen auslieferte. War seinerzeit wirklich keine andere Losung möglich, besonders, wenn es bei den Verhandlungen um Menschen und um Grundsätze der Humanität gegangen sein sollte?

In Wahrheit war es gerade der Artikel dreizehn, der ungezählte Flüchtlinge in die Vernichtung trieb. Wenn auch auf andere Weise als jene, die die amerikanische Delegation hinter ihren Verhandlungstischen zu vermeiden suchte. Rund fünf Millionen Vertriebene, schätzt man in amtlichen Kreisen, sind bei der Ausweisung ums Leben gekommen, erfroren, verhungert, erschlagen oder vermißt! Das sind Zahlen, die sich mit jedem Gebot der Humanität ebenso wenig in Einklang bringen lassen wie die amerikanische Erklärung von 1950 und ihre Haltung in Potsdam im Jahre 1945. Es ist bitter, aber es muß gesagt werden: In jenen Tagen von Potsdam ist Amerika und darüber hinaus der gesamten westlichen Welt noch einmal die Pilatusfrage gestellt worden. Aber im Siegesrausch hat man sie nicht verstanden.

Vertreter der Bundesrepublik werden an den internationalen Handels- und Zolltarifbesprechungen teilnehmen, die im September in Torquai geführt werden.

Mitverantwortung der Ingend

Abschluß der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Köln

Wr. Köln, 2. Juli. (Eigener Bericht.) Auch im zweiten Teil seiner Hauptversammlung befaßte sich der Deutsche Städtetag ausschließlich mit dem Thema: .„Wie ist alles das, was die Städte für die Jugend tun, noch besser zu machen?“

In der Reihe der Kurzreferate forderte der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Kolb „soziale Startgerechtigkeit" für die Jugend und verstand darunter die Herstellung gleichmäßiger Bedingungen für die Begabten aus allen Schichten. Oberbürgermeister Pfi tz e r , Ulm, sprach sich gegen falsche Sparsamkeit im Schulhausneubau aus. Direktorin Splettstößer, Wuppertal, schilderte die Berufsschule als Bildungsstätte und trat für die Einführung eines einheitlichen Berufsschultages in einer Tagesheimschule ein. Oberbürgermeister Seeling, Duisburg, forderte stärkere Förderung der Volkshochschule, der Volksbüchereien, Museen, Theater und deren Eingliederung in die Jugendarbeit. Der Präsident des Bayerischen Jugendrings, Dr. Faltermaier, München, forderte in Behandlung seines Themas „Plant und baut für die Jug«nd“, daß die von den Städten zu errichtenden Baulichkeiten das Gesicht des heutigen Denkens, nicht der Vergangenheit zu tragen hätten. Walter Dirks, Frankfurt, sprach über das Problem der deutschen Jugend vor dem europäischen Hintergrund. Er empfahl — unter wahrhaft kaskadenhafter Zustimmung — einen wechselseitigen Austausch der deutschen Jugend mit den Nachbarländern, namentlich der Arbeiterjugend, (in ähnlicher Weise, wie ihn der Oberbürgermeister von Mainz für den Nachwuchs im Verwaltungsdienst gefordert hat, eine Anregung übrigens, die während der Tagung mehrfach aufgegriffen und jeweils mit Nachdruck empfohlen wurde).

Am Abschluß tage sprach Senator Paulmann, Bremen, über die Erziehung zum Bürger in der Schule, Volkshochschuldirektor Dr. Schrörs, Bonn, über die Heranbildung der Schulentwachsenen zu wirklichen Mitbürgern. Josef Rommeiskirchen, Altenburg, ein Sprecher der Jugend, über die Wünsche der Jugend an die Verwaltung.

Es wurden Entschließungen angenommen, die den Willen der beiderseitigen Parlamente zum Ausdruck brachten. Wir sind aus Gründen des Raummangels nicht imstande, sie wörtlich wiederzugeben. Es ist, wie wir die Sache sehen, auch nicht nötig. Beide Teile, die Jugend wie die Männer in der Verwaltung, haben mit erhobenen Händen diesen Entschließungen zugestimmt.

Nach dieser Tagung der Verwaltungs-Vertreter in Köln wird die Jugend, zunächst in den Verbänden, ihr seitheriges Verhältnis zu den Stadt- und Gemeindeverwaltungen als begradigt ansehen.

Beide Teile wissen nun, was sie voneinander zu halten haben. Und wir schätzen uns glücklich, sagen zu dürfen, daß beide Teile von nun an zueinander streben. Die „Jugend“ hat ein Bild bekommen von der Verwaltung, das sie vielfach zu begeisterten Kundgebungen hingerissen hat. Die Jugend hat aus den Referaten ersehen, daß die Verwaltungen gar nicht so sind, wie sie es manchmal oder fast in der Regel darstellte. Und gleicherweise war es auf der Gegenseite der Fall: Die Männer der Verwaltung, die ganz hohen wie die mittleren und die kleineren, haben sich, als man auseinanderging, gesagt, „Ist die Jugend so, dann: Mit ihr durch Dick und Dünn! Dieser Jugend kann man nicht treuergeben genug sein!“

Minderheiten für Helgoland

Die Bombardierung soll aufhören

Leeuwarden, 2. Juli. (AP) Der in der holländischen Stadt Leeuwarden tagende Kongreß der Minderheiten in Westeuropa hat gefordert, daß Großbritannien die Bombardierung der Insel Helgoland einstelle. Die Bewohner der Insel sollten in ihre Heimatorte zurückkehren und Schadenersatz für die bisher verursachten Bombenschäden erhalten.

Die kammer bestätigt Queuille

Schuman wieder Außenminister / Paul Reynaud im Kabinett

Paris, 2. Juli. (AP./dpa.) Die französische Nationalversammlung hat den mit der Bildung einer Regierung beauftragten bisherigen Innenminister Queuille mit 363 gegen 208 Stimmen bestätigt. Queuille ist von den Sozialisten, fast allen Radikalsozialisten und fast allen Volksrepublikanern (MRP) sowie einigen unabhängigen Abgeordneten unterstützt worden.

In seiner Regierungserklärung hat der neue Ministerpräsident über den Koreakonflikt und den Schuman-Plan gesprochen. Er bat die Parteien um die Einstellung des Streites und förderte sie zur nationalen Einheit auf. Auf dem Gebiet der Innenpolitik erklärte er sich bereit, in der Frage der Beamtengehälter' und der Versorgung der ehemaligen Soldaten nachzugeben. Gleichzeitig setzte er sich aber auch für den Ausgleich des Haushaltes ein. Er deutete vor dem Haus die Notwendigkeit einer Aenderung des bisherigen Wahlsystems an und wies auf die Reformbedürftigkeit der französischen Verfassung hin

Die Hoffnung des Ministerpräsidenten, ein Kabinett auf breitester Basis zusammenstellen zu können, hat sich nicht erfüllt. Die Sozialisten haben es nach wie vor abgelehnt, sich an der Regierung zu beteiligen, obgleich sie für die Investitur Queuilles eingetreten waren. Sie haben zwar die Absicht, vorläufig die Regierung zu unterstützen, wollen an dem politischen Geschehen aber unmittelbar nicht aktiv teilnehmen.

Ministerpräsident Queuille hat am Sonntag sein Kabinett gebildet. Außenminister ist wieder Robert Schuman. Paul Reynaud wurde mit der Wahrnehmung aller Angelegenheiten des Fernen Ostens betraut. Die Ernennung Paul Reynauds kommt für die französische Oeffentlichkeit völlig überraschend. Er ist als entschiedener Gegner der Kommunisten bekannt und befürwortet eine enge Zusammenarbeit mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

Ein weiterer neuer Mann ist Paul Giacobbi, der Staatsminister für den Zivildienst wird. Giacobbi steht der Sammlungsbewegung de Gaulles freundlich gegenüber. Bidault übernimmt in dem neuen Kabinett den Posten eines stellvertretenden Ministerpräsidenten.

Ministerpräsident Henri Queuille wird gleichzeitig das Innenministerium, dem auch die Polizei untersteht, übernehmen, das er auch in dem zurückgetretenen Kabinett Bidault innehatte. Maurice Petsche bleibt Finanzminister, Rene Mayer Justizminister und Pleven Verteidigungsminister.

Eine Lotterie - ganz nen

Drei Millionen Loskäufer von Dresden wurden um ihren Gewinn betrogen

Wr. - Es ist vom Oberbürgermeister der Stadt Dresden zu reden. Walter Weidauer heißt er und ist vor einiger Zeit, wenn auch nicht völlig vorteilhaft, bekannt ge-> worden durch den Besuch, den er bei dem jungen, tatfreudigen und politisch äußerst klaren Oberbürgermeister Dr. Klett in Stuttgart gemacht hat. (Was Weidauer, der Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei ist, nachher in Dresden über seine Fühlungnahme mit westzonalen Verwaltungsmännern geäußert hat, war nicht geeignet, ihn sympathisch zu finden.)

Dresden ist die wohl am schauerlichsten zerbombte Stadt der Welt, von Hieroshima vielleicht abgesehen. Mag Oberhaupt von Dresden sein, wer will: ein Mann der Sozialistischen Einheitspartei oder wer sonst — all sein Denken, Tun und Trachten hat dem Wiederaufbau zu gelten. Praktisch läuft das natürlich auf den einen Punkt hinaus: Wie die Gelder dafür zu gewinnen sind.

Oberbürgermeister Walter Weidauer in Dresden ist diesbezüglich auf einen nicht völlig neuartigen, aber für die Finanzierung der öffentlichen Bautätigkeit bisher nicht gebräuchlich gewesenen Weg verfallen: Er hat eine Lotterie ausgeschrieben. Grundlage: Drei Millionen Lose; Hauptgewinn: Ein Eigenheim; Gewinne für alle, die „ferner liefen“, je nachdem: Eine Drei-Zimmer-Einrichtung einschließlich Staubsauger und Frigidaire, ein Schlafsofa, eine Waschmaschine und derlei zwar relativ geringere, aber immerhin äußerst begehrenswerte Gegenstände.

Die Gegenstände wurden allseitig begehrt. Das Eigenheim fand viele Interessenten. Viele Hunderttausende wären auch mit einem von den geringeren Gewinnen zufrieden gewesen. Drei Millionen Lose wurden abgesetzt; drei Millionen Loskäufer wurden betrogen, durch den Oberbürgermeister Walter Weidauer.

Als der liebe Gott und die Justizbehörden in Dresden sich den Schaden besahen, waren zwar drei Millionen Lose verkauft — Gewinne jedoch konnten nicht verteilt werden. Für den Hauptgewinn, das Eigenheim, lag überhaupt keine Bewilligung vor, auch kein Auftrag —; diesbezüglich war im Etat nichts vorgesehen. Die geringeren Gewinne jedoch, du lieber Gott: Sie waren schon vor Beginn des Losverkaufs irgendwo anders hingekommen: in den Besitz all der wahrscheinlich verarmten und ausgebombten kleinen Leute, die das „Personal des Lotterie-Hauptamtes“ ausmachten.

Wir wissen: Es hätte keinen Sinn, wenn wir den Oberhäuptern aller der zerbombten Städte in der westdeutschen Bundesrepublik für die Finanzierung ihres Wiederaufbaus das Muster von Dresden empfehlen würden. Unsere Oberbürgermeister und Stadtdirektoren wissen, daß die Staatsanwälte gegen ein solches Verfahren sind und daß man im gegebenen Falle äußerst schnell hinter Schloß und Riegel kommen kann.

Im Dresden der Sozialistischen Einheitspartei hat der Staatsanwalt mit linientreuer Gemütsruhe und Gelassenheit zugesehen, wie das Aktenstück über den Millionenbetrug des Oberbürgermeisters in einer Schublade verschwand.

koren als Aggres sionsprobe

Foster Dulles und Strachey über ihre Eindrücke

Washington, 2. Juli, (dpa) Der gerade von seinem Besuch in Korea und Japan zurückgekehrte außenpolitische Berater Achesons, John Foster Dulles, hat in einer Rundfunkansprache erklärt: „Die Kommunisten griffen Südkorea an, weil sie die verheißungsvollen demokratischen Erfahrungen in Südkorea nicht länger ertragen konnten, die zu den besten Hoffnungen berechtigten. Wenn die Kommunisten aber hoffen, daß sie durch ihre Aktion in Korea unsere Pläne stören können, so glaube ich, daß sie sich täuschen werden. Wenn die Vereinten Nationen nicht eingeschritten wären, hätte diese Aggressionsmethode weiter um sich gegriffen. Wenn ein Land nach dem anderen von den Kommunisten überrannt worden wäre, hätte dadurch die Stellung der Sowjetunion gestärkt und die Vereinigen Staaten und alle freien Länder in größte Gefahr gebracht werden können.“

Foster Dulles sagte ferner, die kommunistischen Nordkoreaner hätten einen plötzlichen Angriff mit russischen Panzern, russischen Flugzeugen und russischen Geschützen unternommen. Dulles bezeichnete den kommunistischen Einfall in Südkorea als einen Versuch, herauszufinden, ob ein bewaffneter Angriff angesichts der gegenwärtigen Weltlage hinreichenden Erfolg verspreche. Wenn die freien Völker so handelten, daß dieses Experiment sich nicht mehr wiederhole, würden sie einen großen Fortschritt auf dem Wege zu einem dauernden Frieden erzielen.

Der britische Kriegsminister Strachey, der vor kurzem von einem Besuch im Fernen Osten zurückgekehrt ist, erklärte: „Meiner Ansicht nach werden die Kämpfe in Korea nicht zum Ausbruch eines Weltkrieges führen. Im Gegenteil, der Beweis, daß die westliche Welt nicht müßig zusieht, während die Kommunisten kleine Staaten angreifen, wird viel dazu beitragen, den Ausbruch eines dritten Weltkrieges zu verhindern.“ 36 Staaten, also weit mehr als die Hälfte der Mitglieder der Vereinten Nationen, haben jetzt erklärt, daß sie den Aufruf des Weltsicherbeitsrates unterstützen, in dem Hilfeleistung an Südkorea zur Abwehr der kommunistischen Invasion gefordert wird. Der bisher letzte Staat, der Hilfe angeboten hat, ist Siam, das Reislieferungen an Südkorea in Aussicht stellte.

Togliatti: Kein Weltkrieg

Rom, 2. Juli, (dpa) Der italienische Kommunistenführer Togliatti hat am Sonntag in Rom erklärt, die Kämpfe in Korea würden voraussichtlich nicht zu einem dritten Weltkrieg führen, da die Sowjetunion und ihre Alliierten die stärkste Macht der Welt seien. Die russischen Führer würden nicht den Kopf verlieren. Ihre fortgesetzten Bemühungen, die Zusammenarbeit aller Völker zu erreichen, sei eine Garantie für den Frieden.

Die Flüchtlinge aus der Somjetzone

Die Verbände wollen zusammenarbeiten

Frankfurt, 2. Juli: (dpa) Die Gründungsversammlung des „Bundesverbandes der Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands“ wurde am Sonntag mit einem Festakt in der Aula der Frankfurter Universität abgeschlossen. Nach Ansprachen des 2. Vorsitzenden des neugebildeten Verbandes. Max Richard Bauer, und des Generalsekretärs Carl Doenni, rief der 1. Vorsitzende des „Deutschen Bundes“, Johannes Giesberts, die Tagungsteilnehmer auf, alle persönlichen Prestige-Fragen zurückzustellen. um zu einer gemeinsamen Aktion der beiden Dachorganisationen zu gelangen.

Der Leiter des Hilfswerks „Gedenket der Brüder in Not“. Caritas-Direktor Dr. Diederich, forderte die Verbände auf, sich der Verantwortung bewußt zu sein, die sie auch gegenüber der unterdrückten Bevölkerung der Sowjetzone übernommen hätten. Uneinigkeit unter den Flüchtlingen fördere nur die Ziele des Bolschewismus.

Die Versammlung richtete dann die Bitte an die Bundesregierung, asylberechtigte Flüchtlinge mit den Heimatvertriebenen und den heimatlosen Ausländern gleichzustellen. Die alliierte Oberkommission solle ersucht werden, für ein Flüchtlingskommissariat bei der UNO und gesamtdeutsche Wahlen unter UNO-Kontrolle einzutreten. Die Versammlungsteilnehmer forderten außerdem die Rückkehr aller Kriegsgefangenen und Deportierten aus der Sowjetunion und die Rückgabe der deutschen Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie.

Stark übertricben

Berlin, 2. Juli (AP.) Amerikanische Abwehroffiziere in Berlin bezeichneten die in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Berichte, nach denen sowjetische Truppen und 25 000 Angehörige der kommunistischen „Volkspolizei“ der Ostzone ausgedehnte gemeinsame Manöver in der Umgebung Berlins abhielten, als „stark übertriebene Gerüchte ohne jede Grundlage“.

Jene Gerüchte hätten besagt, bei den Manövern handele es sich um eine russische Gegenaktion gegen die amerikanische Intervention in Korea. Eine der Uebungen bestehe in der Eroberung des von den Engländern kontrollierten Flughafens Gatow, und bei den westlichen Behörden in Berlin herrsche Besorgnis darüber.

Demgegenüber erklärten Offiziere des amerikanischen Abwehrdienstes, es sei ihnen bekannt, daß russische Besatzungstruppen in der Ostzone Manöver abhalten, wie dies die amerikanischen Truppen im Sommer ebenfalls täten. Gründliche Ermittlungen hätten jedoch keinen Beweis dafür erbracht daß die Russen die ostdeutsche „Volkspolizei“ beijhren Manövern einsetzten- Die Berichte über gemeinsame russisch-deutsche Manöver in der Umgebung Berlins wurden von einem zuständigen Offizier rundheraus zurückgewiesen. „Ich bin sicher“, sagte er, „daß sie nicht wahr sind, sie sind bestenfalls stark übertreibende Gerüchte, die durch unsere Ermittlungen nicht erhärtet werden konnten.“

Letzte Telegramme

Iugendliche Einbrecher

Marburg, 2. Juli. (AP.) Eine jugendliche Einbrecherbande, deren Anführer zwölf und deren ältestes Mitglied gerade 14 Jahre alt war, wurde nach Mitteilung der Marburger Polizei dingfest gemacht. Die Bande, der auch ein zehnjähriges Mädchen angehörte, spezialisierte sich neben Taschendiebstählen auf das lautlose Entfernen hinderlicher Fensterscheiben. Insgesamt werden der Bande, deren Mitglieder in eine Fürsorgeanstalt eingewiesen wurden, mindestens drei Einbrüche und zwölf Diebstähle zur Last gelegt.

Wassermangel in Nürnberg

Tankwagen zur Versorgung eingesetzt

Nürnberg, 2. Juli. (NWDR) Der größte Teil der Nürnberger Bevölkerung ist durch einen Schaden an der Hauptwasserleitung Nürnbergs von der Wasserversorgung völlig abgeschnitten. Nachdem die Reparaturarbeiten an einer Rohrbruchstelle zehn Kilometer vor der Stadt beendet worden waren, ereigneten sich am Sonntagvormittag weitere Rohrbrüche. Zur Versorgung von Krankenhäusern und lebensnotwendigen Betrieben wurden Wassertankwagen der Feuerwehr, der amerikanischen Besatzungsmacht und motorisierte Tankwagen der umliegenden Städte eingesetzt.

Schmuggel und Beirug

Essen, 2. Juli, (dpa) Die 25jährige Studentin Ingeborg Weber aus Essen hatte versucht, ihr Volkswirtschaftsstudium durch Schmuggelgeschäfte zu finanzieren. Das Essener Schöffengericht verurteilte sie jetzt wegen gewerbsmäßiger Zoll- und Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Monaten Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe sowie zu einem Wertersatz von 12 906 Mark. Der Staat ist durch die Schmuggelmanöver der Studentin um 48 000 Mark geschädigt worden. Mit Hilfe eines Belgiers hatte sie Kaffee, Tabak und amerikanische Zigaretten aus Belgien unverzollt und unversteuert in den Handel gebracht. Zur allgemeinen Ueberraschung verkündete der Gerichtsvorsitzende am Schluß der Sitzung einen neuen Haftbefehl gegen Ingeborg Weber. Sie soll eine große Anzahl Betrugsmanöver in Essen und anderen Städten begangen haben. Der Haftbefehl wurde vom Staatsanwalt sofort vollstreckt

Zwölf sind noch vermißt

Der Untergang der „Ormen Friske“

Hamburg, 2. Juli. (AP.) Ein Polizeistreifenboot fand an der Küste der Insel Sylt die Leiche eines weiteren Besatzungsmitgliedes des schwedischen Wikingerschiffs „Ormen Friske“, das in der letzten Woche in den deutschen Küstengewässem der Nordsee bei einem schweren Sturm untergegangen war. Von der lököpfigen Besatzung sind bisher drei Mann tot geborgen worden. Von den übrigen fehlt noch jede Spur. Auch eine zweitägige Suche um Helgoland blieb erfolglos.

Zu heiß

Turin, 2. Juli, (dpa) Arbeiter einer Karosseriefabrik in Turin streikten am Sonnabend mit der Begründung, bei einer Temperatur von 35 Grad Celsius sei es zum Arbeiten zu heiß.

Der „goldene Tempel“

Kioto, 2. Juli. (dpa). Eines der berühmtesten Baudenkmäler Japans, der „goldene Tempel“ (Kinkakuji) in der alten Kaiserstadt Kioto ist völlig niedergebrannt. Die Polizei vermutet Brandstiftung durch einen Priesternovizen.

Ins Meer gestürzt

Accomac, Virginia, 2. Juli. (AP.) Der 32 jährige Amerikaner James Trotter stürzte hier vor den Augen von 20 anderen Passagieren aus dem Flugzeug ins Meer. Die Maschine befand sich in der Nähe der Küste von Virginia. Der Steward des Flugzeuges sagte später, er habe Trotter neben der Tür stehen sehen, und bevor er ihn habe warnen können, sei die Tür aufgeflogen und Trotter verschwunden gewesen. Dies ist in diesem Jahr bereits der fünfte Unglücksfall dieser Art.

Niele kinder auf der „Atlantis“

Port Said, 2. Juli. (dpa). Der Klapperstorch hat auf dem 15 000 Tonnen Passagierdampfer „Atlantis“, der holländische Kinder und werdende Mütter aus Indonesien in die Heimat zurückbefördert, soviel zu tun wie noch nie auf einer Seereise. Neunzehn Mädchen und einundzwanzig Jungen haben bis jetzt unterwegs das Licht der Welt erblickt. 211 werdende Mütter sind an Bord der „Atlantis“, so daß noch mit manchem freudigen Ereignis bis zum Eintreffen in Rotterdam gerechnet wird. Fünf Aerzte und zwanzig Schwestern betreuen den Bevölkerungszuwachs.

Ali khans neuer Reunstall

New Market, England, 2. Juli. (AP.) Prinz Ali Khan hat ein bei New Market gelegenes Gestüt mit 30 Zuchtstuten, 224 Jährlingen und 15 Fohlen gekauft. Der Kaufpreis für das 60 Hektar umfassende Gestüt wurde nicht mitgeteilt. Bekannt ist nur, daß der bisherige Eigentümer, Rennstallbesitzer Wilfred Harvey, vergangenes Jahr ein Angebot über 100 000 Pfund (280 000 Dollar) abgeschlagen hat. Dei\ jetzige Verkauf des Gestüts, das einstmals Lord Roseberry gehörte, ist das größte Geschäft dieser Art in ‘England seit dem Kriege. Unter den Stuten befindet sich „Real“, die Siegerin des französischen „1000 Guineas“-Rennens.

Acr^iedenc Flürfitlingsorganis^ticnen haben sich m Frankfurt zu einem Bundesverband der Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone zusammengeschlossen.

Vorwiegend Sicherheit

Hessische Vorschläge zur Aenderung des Besatzungsstatuts

Wiesbaden, 2. Juli, (dpa) Der hessische Ministerpräsident Christian Stock vertritt die Ansicht, daß eine Revision des Besatzungsstatuts darauf abzielen muß, die volle Regierungsgewalt in möglichst großem Umfange an die deutschen Stellen zurückzugeben.

In einem Schreiben an Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer meint Stock, die Aufgabe der Alliierten müsse vorwiegend auf den Zweck der militärischen Sicherheit beschränkt werden, im übrigen aber den Charakter einer Besatzung verlieren. Die im Besatzungsstatut enthaltenen Vorbehalte, vor allem auf wirtschaftlichem und verfassungsrechtlichem Gebiet entsprächen nicht mehr der fortschreitenden Eigenstaatlichkeit der Bundesrepublik. Stock empfiehlt, administrative Gerichtshöfe zu schaffen. vor denen Beschlagnahmungen für die Besatzungsmacht und alle exekutiven Besatzungshandlungen angefochten werden können.

Schulfragen

Wiesbaden, 1. Juli. Kultusminister E. Montz kündigte in Bad Nauheim für Ostern an. er wolle eine mittlere Schule schaffen, die 10 Klassen umfasse und für den mittleren und gehobenen Verwaltungsdienst und für die kaufmännischen und industriellen Berufe vorbereiten solle.

Die Gesellschaft für Bürgerrechte in Frankfurt bittet den hessischen Landtag, unverzüglich die Mittel für die den Schülern im neuen Schuljahr zustehenden Lernmittel, auf die sie seit Ostern warten mußten, zur Verfügung zu stellen. Die Gesellschaft weist gleichzeitig darauf hin, daß die in diesem Jahr für Lernmittel vorgesehenen zwei Millionen DM viel zu gering seien. Schon die im Vorjahr ausgegebenen 3,9 Millionen seien nicht ausreichend gewesen. Es müsse ein Betrag bewilligt werden, der eine Verwirklichung der Lernmittelfreiheit bedeute, statt sie praktisch außer Kraft zu setzen.

Dr. Stein zum Fall Engler

Engler darf den Doktortitel nicht mehr führen

H. G. R. Wiesbaden, 2. Juli. (Eigener Be¬ richt.) Die Mitglieder des Hessischen Kabinettes faßten in einer Mitteilung vom 28. Juni zusammen, was sie vom beamtenrechtlichen Standpunkt gegen Herbert Engler festgestellt hatten. Aus hessischen Regierungskreisen verlautete damals, es sei um deswillen geschehen, weil die Presse ausführlicher die Erklärungen Englers als die der Regierung gebracht habe.

Zum letzten, bisher noch nicht amtlich geklärten Punkt, den Doktortiteln Englers, erklärt der Minister für Erziehung und Volksbildung, Dr. Stein, vom 1. Juli 1950 ab untersage er Engler, den Titel eines Doktors und eines Ehrendoktors zu führen. Dabei wird gleichzeitig die Herbert Engler am 18. September 1946 erteilte Genehmigung zur Führung dieser Grade für rechtlich unwirksam erklärt. Die Maßnahme begründet der Minister wie folgt:

Die Staatsuniversität (Universite Libre, Freie Universität) in Brüssel hat erklärt, daß Herr Herbert Engler ihr unbekannt ist und keinerlei Diplom von ihr erhalten habe. Herr H. Engler erklärt sich außerstande, das ihm von dieser Universität angeblich erteilte Doktordiplom vorlegen zu können, weil es vernichtet sei. Die eidesstattlichen Versicherungen über das frühere Vorhandensein dieses Diploms, die Herr Engler mit seinem Gesuch vom 20. 8. 1946 vorgelegt hat, reichen zur Widerlegung der Erklärung der Staatsuniversität Brüssel nicht aus.

Das Institut (früher Universite) Philotechnique in Brüssel ist ein Privatinstitut. Es darf sich nach belgischem Gesetz seit 1933 nicht mehr „Universitö“ nennen und nennt sich auch nicht mehr so. Die von Engler in seinem Gesuch vom 20. August 1946 gebrauchte Bezeichnung „Staatliche Universität, Universite Philotechnique“ ist falsch und irreführend. Die von dem Institut verliehenen Titel sind wie in Belgien so auch in Deutschland nicht anerkannt und ohne Wert. Das Institut selbst hat sich in seinem Schreiben vom 23. 2. 1949 ausdrücklich der Stellungnahme zur Gültigkeit des Herrn H. Engler verliehenen Titels in Deutschland enthalten.

Die hessische Landesregierung hatte zuvor mitgeteilt, die Grundlage für die Ernennung Englers zum Ministerialrat hätten seine Fragebogen und seine beiden letzten Lebensläufe gebildet. Darin gebe Engler folgendes an:

„Er habe das juristische Assessorenexamen in Berlin mit „Gut" bestanden, er sei Syndikus des Verbandes der im Zeitungsgewerbe beschäftigten Arbeiter und Angestellten und des Reichsverbandes Deutscher Zeitungshändler gewesen, er sei Delegierter zum oder Mitarbeiter im Internationalen Arbeitsamt in Genf gewesen, er sei Schleswig-Holsteiner Provinziallandtagsabgeordneter gewesen. Bei seiner Vernehmung am 26. April 1950 berichtigte er sich dahin, er sei Kreistagsabgeordneter von Glückstadt in Holstein gewesen.

Wie sich bei den Ermittlungen in dem Dienststrafverfahren gegen ihn aus den Aussagen, teilweise sogar auch aus Urkunden einwandfrei ergeben habe, träfen diese Behauptungen nicht zu. Wegen dieser falschen Angaben habe nach den gesetzlichen Bestimmungen seine Ernennung zum Ministerialrat für nichtig erklärt werden müssen.“

3wei Tote durch Unwetter

Gießen, 2. Juli, (dpa) Ein schweres Ge¬ witter mit Wirbelsturm, das sich am Freitagabend über Gießen und Umgebung entlud, hat zwei Todesopfer gefordert. Eine Flüchtlingsfrau aus Großenbuseck wurde, als sie vor dem Gewittersturm in einem Wald Schutz suchte, von einer stürzenden Buche so schwer getroffen, daß sie wenig später ihren Verletzungen erlag. Ein Maschinenschlosser aus Reinhardshain wurde auf dem Nachhauseweg von der Arbeit vom Blitz erschlagen.

Hessische kurznchrichten

Eine direkte Telefonverbindung mit Ägypten und ein Telegraphendienst nach Iran wurde in Frankfurt von der Sendestation der Deutschen Post auf dem Flugplatz Eschborn eröffnet. Ministerialdirigent Carl Hertz teilte dabei mit, daß seit dem Beginn des Jahres die Zahl der Fernsprechhauptanschlüsse im Bundesgebiet von 1,1 auf 1,21 Millionen gestiegen sei. Der ungeheuer starke Bedarf an Telefonanschlüssen sei nicht nur eine deutsche Nachkriegserscheinung, in Großbritannien warteten 500 000 Antragsteller auf einen Anschluß, in den Vereinigten Staaten stünden über 1,5 Millionen auf der Warteliste.

Die Arbeitsgemeinschaft für Freiheit, Recht und Menschenwürde trat am Samstag in Bad Homburg unter dem Vorsitz von Dr. Eugen Kogon zu ihrer zweiten Arbeitstagung zusammen. Hauptberatungsgegenstand sind die Gefahren, die in der Bundesrepublik der Freiheit, dem Recht und der Menschenwürde drohen. Außerdem werden der Stand der Wiedergutmachung und organisatorische Fragen erörtert. Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich zusammen aus dem Bund der Verfolgten des Naziregimes, dem Landesrat für Freiheit und Recht in Bayern und dem Verband für Freiheit und Menschenwürde in Hessen.

Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Wittmer-Eigenbrodt, wandte sich erneut an die Parteien des Landtags, sich noch vor dem Volksentscheid über den Inhalt des künftigen Wahlgesetzes zu äußern. Vor allem sollten den Parteien nicht die Möglichkeit genommen werden, sich auf einen Kandidaten zu einigen.

Das Bundesarbeitsministerium hat soeben festgestellt, daß 32,9 Prozent aller Arbeitslosen in Westdeutschland Vertriebene sind. Dieser Durchschnitt aller Länder zeigt jedoch, daß einige Länder sogar noch weit höhere Vertriebenen-Arbeitslosen haben. Schleswig-Holstein zum Beispiel mußte im April 57,3 Prozent, Niedersachen 41 Prozent, Württemberg-Baden 36 Prozent, Bayern 40 Prozent und Hessen 27,2 Prozent an Vertriebenen aller Arbeitslosen registrieren. Den niedrigsten Anteil kann Nordrhein-Westfalen mit 12,0 Prozent melden.

Flüchtlingsnot eine Frage Europas

Dr. von Brentano und Zinnkann sprachen in Heppenheim

Wiesbaden, 2. Juli. (Eigener Bericht.) Der Vorsitzende der christlich-demokratischen Fraktion im Bundestag, Dr. Heinrich von Brentano, erklärte am Sonntag in Heppenheim, daß noch im Herbst dieses Jahres der Lastenausgleich als wesentliche Hilfe für die Heimatvertriebenen zu erwarten sei.» Brentano, der vor 15 000 Heimatvertriebenen sprach, wandte sich in scharfen Worten gegen das Verbrechen der Sowjetzonenregierung, die „gegenwärtig schmutzigen Schacher mit der Heimat deutscher Menschen“ treibe und nannte diejenigen, die den Oder-Neiße-Vertrag abgeschlossen haben, „genau so schlecht wie den Vertrag selbst“. Der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann betonte, daß die Probleme der Heimatvertriebenen nur von Alt- und Neubürgern gemeinsam gelöst werden könnten und teilte mit, daß neben dem bereits angelaufenen Wohnungsbauprogramm in Hessen 2600 weitere Wohnungen für Heimatvertriebene — besonders an Brennpunkten der Industrie — geschaffen würden. Darüber hinaus sei insbesondere der Siedlungsgedanke zu verwirklichen, damit den heimatvertriebenen Bauern noch in diesem Jahr die vorgesehenen 7000 Hektar hessischer Boden überlassen werden könnten. Unter dem Beifall der Versammelten appellierte Zinnkann an die Besatzungsmächte, ihre helfende Hand bei der Lösung des Flüchtlingsproblems nicht zu versagen, denn das Problem der Heimatvertriebenen sei nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches Problem schlechthin.

Keine „Soldnatenspielerei“

Forderungen ehemaliger Berufssoldaten

Wiesbaden, 2. Juli. (Eigener Bericht.) Vor 500 ehemaligen Berufssoldaten erklärte am Samstag in Kassel der zum ersten Vorsitzenden der Notgemeinschaft der ehemaligen Wehrmachtsangehörigen und ihrer Hinterbliebenen in Kurhessen-Waldeck gewählte General a. D. Paul Herrmann (Kassel), daß sich die Gemeinschaft als schärfster Gegner aller militaristischen Tendenzen betrachte. „Wir sind ' eine Militaristen, sondern wir haben nur als Staatsdiener unsere Pflicht getan“, sagte Herrmann, und betonte, daß jede „Kriegervereinsmeierei" und alle Bestrebungen einer neu aufgelegten „Soldatenspielerei“ den Zielen der Gemeinschaft zuwiderlaufe. Ihre einzige Aufgabe sehe sie in der Bekämpfung der den ehemaligen WehrmachJsangehörigen zustehenden Versorgungsrechte. Herrmann erklärte, daß die ehemaligen Soldaten alles andere lieber täten als „anderen die Kastanien“ aus dem Feuer zu holen.

Flaggenangrdnung in kraft

Bonn, 2. Juli (dpa) Die Flaggen der Bundesrepublik sind jetzt endgültig bestimmt worden. Die Bundesflagge besteht aus drei gleichbreiten Querstreifen in den Farben Schwarz, Rot, Gold. Die Dienstflagge der Bundesbehörden zeigt auf schwarz-rot-goldenem Grund den Bundesschild, den Bundesadler auf goldenem Feld. Die Bundespostflagge trägt in dem mittleren. etwas breiteren roten Streifen ein goldfarbenes Posthorn. Die Standarte des Bundespräsidenten zeigt auf einem goldfarbenen rotgeränderten Quadrat den schwarzen Bundesadler mit roten Klauen, rotem Schnabel und roter Zunge.

Eine Kartoffelküfer-Note

Moskau an Washington

Moskau, 2. Juli. (AP) Vorsätzlich und verbrecherisch nennt eine am 30. Juni der amerikanischen Botschaft in Moskau überreichte sowjetische Note den angeblichen Abwurf von Kartoffelkäfern durch amerikaniische Flugzeuge über ostdeutschem

Gebiet. In der Note wird der angebliche Abwurf den „amerikanischen Besatzungsbehörden in Deutschland“ zur Last gelegt und gefordert, daß die „Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden“. Ferner wird gefordert, daß „die Regierung der Vereinigten Staaten geeignete Maßnahmen ergreift, die die Gewähr dafür bieten, daß eine Wiederholung ähnlicher Dinge in Zukunft ausgeschlossen ist“. Die Sowjetregierung spricht die Erwartung aus, „von der Regierung der Vereinigten Staaten eine Mitteilung über die von ihr ergriffenen Maßnahmen“ zu erhalten.

Zunehmende Gemitterneigung

Das Hochdruckgebiet verlagert seinen Kern nach der Nordsee. Unser Gebiet gerät dadurch erneut in den Einflußbereich der über den Alpen und Südfrankreich liegenden Gewitterzone. Ein Ende dieser Wetterlage ist vorläufig nicht abzusehen.

Aussichten bis Dienstagabend: Heiter oder leicht bewölkt, allmählich wieder zunehmende Gewitterneigung, besonders an den Nachmittagen, Tagestemperaturen wieder bis 30 Grad, dabei schwül.

Wirtschaftsblatt

Nicht ausgelastet

vwd. „Die Kapazität der Bauindustrie wird durch den Wohnungsbau allein nicht voll ausgelastet“. erklärte der Präsident des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie, Regierungsbaumeister a. D, Linsenhoff, auf einer Tagung dieser Spitzenorganisation der Landesverbände der deutschen Bauindustrie in Baden-Baden. Vor allem der bisher vernachlässigte Ingenieurbau sowie der allgemeine Tiefbau müßten gefördert werden, zumal die Aufträge auf Geschäfts- und Industriebauten nunmehr merklich zurückgingen. Im Wohnungsbau könnten nur bis zu 400 000 Bauarbeiter beschäftigt werden, während etwa 1.3 Millionen zur Verfügung stünden. Die ungenügende Ausstattung der Bauetats für den Ingenieur- und Tiefbau, so erklärte Linsenhoff. sei mit eine der wesentlichsten Ursachen für die große Arbeitslosigkeit unter den Bauarbeitern. Es sei ferner notwendig, die Etats so rechtzeitig zu verabschieden, daß spätestens zu Beginn des offenen Wetters die erforderlichen Beträge zur Verfügung stehen und mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.

Zwei Vordrucke

Bz. Der Hessische Finanzminister teilt mit: Die Finanzämter werden voraussichtlich Anfang des Monats Juli 1950 den Steuerpflichtigen die Vordrucke für die Veranlagung zweites Halbjahr 1948 und Kalenderjahr 1949 zustellen. Auf Antrag werden den Steuerpflichtigen jeweils zwei Vordrucke der einzureichenden Steuererklärungen übersandt. Der Antrag ist spätestens am 5. 7. 1950 bei dem für die Veranlagung zuständigen Finanzamt einzureichen.

Wiederaufbau-Bank macht Bilanz

F.A.Z. Die Kreditenstalt für Wiederaufbau hat ihren Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1949 vorgelegt. Der Rechenschaftsbericht enthält neben dem eigentlichen Geschäftsbericht über die Tätigkeit der Wiederaufbaubank einen Überblick über die Kreditsituation im Bundesgebiet.

Die Bilanz enthält in den Passiven das Grundkapital mit der in Paragraph?, Abs-2, des Gesetzes vorgesehenen Aufteilung der Kapitalanteile (0,5 Millionen Anteil der Bundesrepublik, 0,5 Millionen Anteile der Länder),in den Aktiven die Forderungen auf Einzahlung der Kapitalanteile. Sämtliche Kapitalanteile waren big Juni 1949 eingezahlt.

Die Gewinn-und Verlustrechnung schließt mit einem Reingewinn in Höhe von 1 270 999,21 DM, welcher gemäß § 10 des Gesetzes über die Kreditanstalt für Wiederaufbau in voller Höhe der gesetzlichen Rücklage zuzuführen ist.

Bilanz zum 31. Dezember 1949 (in Millionen DM)

Das Disagio aus der Begebung der 5 %prozentigen Wiederaufbauanleihe wird rm Laufe des Jahres 1950 durch Weitergabe der Anleiheerlöse an Kreditnehmer zum Ausgleich kommen. Die Kosten der Begebung der beiden in 1949 aufgelegten Anleihen der Kreditanstalt für Wiederaufbau wurden alg „Außerordentliche Aufwendungen“ über die Gewinn- und Verlustrechnung ausgeglichen.

Aktiva 2,82
Barreserve Bankguthaben 0,01
Eigene Wertpapiere 0,05
Schuldner Disagio aus S’/aproz. Wiederauf- 555,63 1,46 bauanleihe
Passiva 128.51
Gläubiger Eigene Emissionen 334,92
Kapital 1,00
Rücklage aus Zuweisung der E C-A.
Rücklage gemäß § 10 des Ge- 94,00 setzes vom 5. 11. 1948 über die Kreditanstalt für Wiederaufbau
1,27
Rückstellungen 0,25
Bilanzsumme 559,98

Mehr Perlon-Fasern

WID Im Werk Dormagen ist eine beträchtliche Kapazität für Perlon-Fasern vorhanden, was, sich in Kürze bemerkbar machen wird. Diese Erklärung gab der Leiter des Verkaufs chemischer Fasern der Farbenfabriken Bayer, bekannt. Auf dem Gebiet des Reyon wurde die modernste Produktionstechnik, nämlich das Continue-Verfahren aufgenommen. Bald werde die Continue-Cupresa-Seide auch für die Seidenweberei besonders bedeutsam sein. Die Cupresa-Seide wurde früher unter der Marke Bemberg verkauft. Nunmehr nennt Dormagen seine Kupferseide Cupresa.

Bz. Emulsionsgesellschaft mbH, Chemisch¬ pharmazeutische Betriebe, Wiesbaden. In der Gesellschafterversammlung wurde beschlossen das Stammkapital von 20 000 DM auf 40 000 DM zu erhöhen. Zum weiteren Geschäftsführer ist Dr. Heinrich Kotthoff, Frankfurt a. M., bestellt worden.

w Kammgarnspinnerei zu Leipzig. Zweigniederlassung in Wiesbaden. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb der Kammgarnspinnerei einschließlich der damit verbundenen und verwandten Geschäftszweige. Stammkapital 6 Millionen RM. Vorstand Frau Anneliese Wolf. Wiesbaden, Dr, Rudolf Maron und Rechtsanwalt Dr. Gerhard Hempel in Wiesbaden. Die genannten Personen sind zu ständigen Vertretern der Zweigniederlassung im Währungsgebiet bestellt.

Bz. Steingutfabrik Colditz AG, Limburg a. d. Lahn. Die in Frankfurt abgehaitene Hauptversammlung genehmigte einstimmig sämtliche Punkte der Tagesordnung. Das Grundkapital wird im Verhältnis 10:4 auf 1,36 Mit honen DM umgestellt. Der Aufsichtsrat besteht aus Bankdirektor i. R. Carl Jagemann, Kassel (Vors.), Emil Stockburger, Dir. der Rhein-Main-Bank, Wiesbaden und Wirtschaftsprüfer Dr. Werner Weise in Coburg. Alleiniges Vorstandsmitglied ist C. Max Richter in Limburg a. d. Lahn.

Rückschläge

An der Pariser Effektenbörse war die erste Reaktion auf die Nachrichten aus Korea Kursrückgänge, die sich jedoch in verhältnismäßig engen Grenzen hielten. Aber schon der nächste Tag brachte im Gegensatz zu der Entwicklung in Wallstreet und in London eine recht freundliche Stimmung mit ansehnlichen Preisgewinnen, die sich bis zum Wochenende halten konnte. Allerdings war das Geschäft verhältnismäßig gering und die freundliche Haltung beschränkte sich überwiegend auf die französischen Werte.

Auch in London stand das Börsengeschehen ganz unter dem Eindruck der politischen Ereignisse. Alle Gruppen mußten sich erhebliche Abstriche gefallen lassen, wobei jedoch deutlich festzustellen war, daß gewisse Werte, die von der Spekulation besonders hoch getrieben worden waren, jetzt den stärksten Stoß aushalten mußten. In erster Linie galt dies für japanische Emissionen, und an zweiter Stelle für die deutschen Dawes-, Young- und Kali-Anleihen.

Die New Yorker Wallstreet hatte von allen Weltbörsen die stärksten Verluste zu verzeichnen. Ununterbrochene Verkaufswellen mußte sie am Montag, am Dienstag und dann noch einmal, nach einer kurzen Erholung, am Donnerstag über sich ergehen lassen.

Obligationäre gegen hessischen Staat

hd. Unter Berufung auf Gesetz 19 der amerikanischen Militärregierung hat der hessische Staat das Gelände der Junkers-Werke in Kassel in Besitz genommen und an die AEG verkauft. Die Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz haben sich zur Wahrung der Interessen ihrer Mitglieder, die Obligationen der im Jahre 1942 von den Junkers-Werken begebenen 100 -Millionen-Anleihe besitzen, an den hessischen Staat mit der Forderung gewandt, daß die Obligationäre aus dieser Transaktion befriedigt werden. Der hessische Staat hat dies abgelehnt. Die Schutzvereinigungen teilen mit, daß sie diesen Fall nicht auf sich beruhen lassen werden und mit allen Mitteln für die Rechte der Obligationäre eintreten wollen.

Guter Rebstand

vwd. Der Rebstand ist im Mittelrheingebiet gut. an Saar und Ruwer sehr gut und an der Mosel vorzüglich, wird aus Koblenz berichtet. Der Stand der Reben an der Ahr wird teils als gut, teils als weniger gut bezeichnet. Von der Ahr wird ein starkes Auftreten der Kräuselmilbe gemeldet. !m Saar-Ruwer-Gebiet sind die Reben von der Heuwurmmotte befallen.

Die Sondertarife für Düngemittel

vwd. Zu den zwischen alliierten und deutschen Stellen geführten Verhandlungen über die von der Bundesbahn beantragte Aufhebung der Düngemitteltarife verlautet aus Bonn, das Bundeswirtschaftsministerium sei der Ansicht, daß der Tarif zunächst beibehalten werden muß, weil zu befürchten sei. daß der Fortfall der Sondertarife die Düngemittelsubventionen — sofern diese überhaupt bestehen bleiben — um rund 30 Millionen DM v""t"”cr-i wü"dc Auf alliierter Seite scheint , man gegenüber dem Wunsch der Bundesbahn positiv eingestellt zu sein.

Chemische Industrie tagte

Ausfuhr durch Liberalisierung um 60 Prozent erhöht

sr. Berlin. (Eigenbericht.) Die Arbeitsgemeinschaft der Chemischen Industrie, Frankfurt am Main, hielt ihre „achte wirtschaftspolitische Tagung“ am 30. Juni in Berlin unter starker Beteiligung ihrer Mitglieder und Vertreter der Behörden des Bundes, Berlins und befreundeter Wirtschaftsorganisationen ab. Die Liberalisierung des Außenhandels bringt die Chemische Industrie, wie der Leiter der Arbeitsgemeinschaft. W. A. Menne, feststellte, wieder in ihre alte Position als exportorientierte Industrie zurück. Allerdings müßte man sich vor einer Ueberstürzung der Liberalisierung hüten und das Prinzip der Gegenseitigkeit anerkennen. Die Spezialisierung und Rationalisierung in USA, England, Frankreich und der Schweiz dränge den chemischen Export Deutschlands zur Orientierung nach Südamerika und dem Osten. Die Pflege des Osthandels sei jedoch eingeschränkt, nicht zuletzt durch entsprechende Maßnahmen der Besatzungsbehörden. Eine wirtschaftliche Verständigung mit dem Osten sei notwendig; der Osten habe früher deutsche Chemie-Erzeugnisse im Werte von rund 47 Millionen Dollar, 1949 von nur 14 Millionen Dollar bezogen, wobei die Tschechoslowakei und Ungarn etwa die Zahlen von 1938 erreichten, während der Handel mit Polen, Bulgarien, Finnland und Jugoslawien unbedeutend sei, weil die gebotenen Agrarprodukte, noch dazu zu überhöhten Preisen, nicht abgenommen werden könnten. Vor dem Krieg gingen 19 Prozent der deutschen Chemieausfuhr nach dem Osten, jetzt nur 14 Prozent. Der Anteil müsse aber auf 25 Prozent gesteigert werden. Der Westen werde jedoch keineswegs vernachlässigt. Befriedigend seien die

Beziehungen zu Belgien, während andere Länder sich in der Liberalisierung zurückhielten. Immerhin habe sich der Chemie-Export seit dem Einsetzen der Liberalisierung um 50 bis 60 Prozent erhöht. Die Kritik McCloys am geplanten Zolltarif sei zu bedauern. In Deutschland sei eine Belastung der Einfuhr chemischer Erzeugnisse mit nur 15 Prozent vorgesehen, gegen 40 bis 70 Prozent in USA, 40 bis 50 Prozent in England und 20 bis 40 Prozent in Frankreich. Der Export hänge in hohem Maße von der Rationalisierung und diese von der Kapitalbildung ab, die das heutige Steuersystem aber nicht zulasse. Das Mitbestimmungsrecht bei der Einstellung und Entlassung würde von der Chemischen Industrie abgelehnt, man solle mehr von Mitberatung statt Mitbestimmung sprechen. Eine 50prozentige Beteiligung der Arbeitnehmer am Aufsichtsrat sei nicht diskutabel, und es komme höchstens eine 30 prozentige• Beteiligung in Frage. Die Bereitwilligkeit, einen Wirtschaftsausschuß zu bilden, sei bei kleinen Betrieben sehr gering. Mit einer paritätischen Besetzung des Bundeswirtschaftsrates sei die Chemische Industrie einverstanden, nicht aber mit Landeswirtschaftsräten oder Fachbeiräten zur Beratung von Bundes- und Länderministerien; dies bedeute nur eine Verstärkung der Bürokratie. Es müsse alles darangesetzt werden, um die West-Berliner Industrie an dem Aufschwung im Bundesgebiet teilnehmen zu lassen, erklärte Menne weiter. Er sei erschüttert, heute zu erfahren, daß die Produktion in Berlin erst 32 bis 35 Prozent vom Jahre 1936 betrage.

Gegen sozialisierten IG-Konzern

lid. Zu der kürzlich veröffentlichten Denkschrift der DAG in Hamburg über die Neuordnung der IG-Farben-Aktien gibt der Vorsitzende der Schutzvereinigung für Wertnaoierebesitz Staatssekretär a. D. Schmid in Düsseldorf, eine Gegenerklärung ab. Die Stellungnahme der Angestelltengewerkschaft zum IG-Problem sei eigentumsfeindlich und wirklichkeitsfremd. Alle Anstrengungen sollten doch auf die Durchsetzung einer vernünftigen Aufteilung in lebens- und konkurrenzfähige Einheiten gerichtet werden und nicht auf die Utopie einer Erhaltung der alten Konzernstruktur unter sozialistischer Flagge. Ein Chemie, treuhänderrat sei absolut überflüssig.. Die rechtliche und menschliche Lage der IG-Aktionäre in Westdeutschland sei klar, „sie sind und bleiben die Aktionäre zunächst des Ganzen und später der Teile.“

Tagesförderung etwas niedriger

vwd. Die westdeutsche Steinkohlenförderung betrug im Juni bei 26 Arbeitstagen 8,98 Millionen Tonnen gegenüber 8.67 Millionen Tonnen bei 24 Arbeitstagen im Mai. Die arbeitstägliche Förderung sank von 361 000 Tonnen im Mai auf 345 500 Tonnen. Der Rückgang ist neben stärkerer Urlaubsinanspruchnahme darauf zurückzuführen, daß der Fronleichnamstag als voller Arbeitstag gezählt wird.

Der italienische Zolltarif

vwd. Der neue italienische Zolltarif, der am 1. Juli in Kraft gesetzt werden sollte, ist im letzten Augenblick von dem zuständigen Parlamentsausschuß verschoben worden. Man glaubt, daß mit dem Inkrafttreten vor dem 15. Juli jetzt nicht mehr zu rechnen ist

Frankfurter Buchmesse

Bz. Wie im vorigen Jahre, wird in der Zeit vom 20. bis 26. September 1950 in der Frankfurter Paulskirche und in den beiden Römerhallen die Frankfurter Buchmesse abgehalten, zu der sich bereits jetzt schon 330 deutsche Verlage angemeldet haben. Da auch im Auslande großes Interesse an der Frankfurter Buchmesse besteht, will nach einem Beschluß des Magistrates die Stadtverwaltung versuchen, im Stadel weitere Unterbringungsmöglichkeiten für die Buchmesse zu schaffen, um alle noch vorliegenden Anmeldungen aus dem In- und Auslande berücksichtigen zu können.

Darmsftadt und Umgebung

Narren tanzen aus der Reihe

Sommernachtsfest der Narrhalla

Im Jagdschloß Kranichstein hatten sich am Samstagabend einige hundert Narrhallesen eingefunden, denen die Zeit von Aschermittwoch bis zum 11. 11 zu lange geworden war.

Unter zahlreichen Lampions und bunten Papierstreifen nahm man bei zunehmender Dämmerung im Freien Platz. Peter H a,n - auer — dieses Mal ohne Narrenkappe — begrüßte sein Volk und verkündete einen vergnügten Abend, während Herbert Görner allen Anwesenden eine „Gute Nacht" wünschte. Ein buntes Programm rollte ab, für das sich alle Künstler „ehrenamtlich“ zur Verfügung gestellt hatten. Zwischendurch tanzte man eifrig, besuchte gute Bekannte an den Nachbartischen, bestellte eine Runde an einer der beiden Bars — kurz, es war eine einzige große Familie, die sich auch nicht von ein paar Regentropfen vertreiben ließ, die trotz Herbert Görners Sondermeldung (Wetterbericht: Bei uns bleibts heiter!) zu fallen wagten.

Rosemarie Engel brachte zwei neue Tänze zu alten Melodien, wirbelte über die Behelfsbühne und brachte gleich den nötigen Schwung in die Gesellschaft. .Jetzt wird’s zünftig“, dachten die Sechs frohen Sänger, schmierten noch einmal ihre Stimmen mit Niersteiner Domtal und schmetterten dann ihr Lied durch den Abend, daß das Froschkonzert im nahen Schloßteich neiderfüllt verstummte. Ilse Göttmann verkündete unter anderem, „draußen im Sievering blühe schon der Flieder“. Zauberkünstler Ralf Mir e 11 i ließ trotz grellen Scheinwerferlichtes mit Leichtigkeit die unmöglichsten Dinge verschwinden und erscheinen, engagierte sich (auch ehrenamtlich) Frau Barth und Hartmuth Pfeil als „Medien“, hatte aber verständlicherweise Schwierigkeiten, einen Partner aus, dem Publikum zu bekommen, als er „Banknoten höheren Wertes“ verschwinden lassen wollte. Heiner M e t z g e r behauptete im baritonalen Brustton der Üeberzeugung, „zu jeder Liebe gehöre ein Gläschen Wein“ und zwinkerte auffällig unauffällig nach den Tischen im Hintergrund, wo diese seine These ihre Bestätigung fand. Mickedormels gereimter Blinddarm, seine grausige Moritat von „Peters“ ' Pilzwanderungen urid seine 1012. Uraufführung der „Platt“ wurden mit großem Beifall auf genommen.

Um die Geisterstunde bewegte sich ein endloser Zug schwankender — Lampions durch den Messeler Park. Rund um den Kranichsteiner Teich ging die Polonaise, voran die Musikkapelle, dahinter, immer hübsch paarweise mit Gesang und Hallo das närrische Volk. Einmal tauchte aus dem Dunkel ein riesiger Storch (Schuhgröße 43) auf und schritt gravitätisch am Zug entlang. Irgendwo schallte feierlich der Gesang der Sechs frohen Sänger, und andächtig lauschte alles, während Mond und Lampions sich romantisch im Wasser des Teiches spiegelten. „Immer an der Wand lang“ und „Durch Feld und Buchenhallen“ führte die Kapelle den ‘Zug wieder zum Schloß zurück.

„Wie deucht mir alles so bekannt“, mag mancher gedacht haben, als plötzlich Peter Hanauers und Herbert Görners Begrüßungsreden noch einmal durch den Lautsprecher kamen. Radio Michel, Nieder-Ramstadt, hatte den ganzen Abend auf Band aufgenommen.

Für zwei Uhr war der erste Omnibus bestellt — aber kaum einer konnte sich zum Abschiednehmen entschließen. Als es schor, im Osten hell wurde, saß man immer noch beisammen, tanzte, bestieg die Barhocker oder machte einen kleinen, intimen Bummel durch den langsam erwachenden Park. Es war wirklich so geworden, wie Peter Hanauer anfangs prophezeit hatte: Eine Sommernacht, die alle Sorgen vergessen ließ, die loslöste vom Alltag und alle aufschloß zur Freude am Dasein. hn

„Wiecn, Wien, uur dır alleir ...“

Eine Modenschau in Darmstadt

Etwas Vollendetes im Zusammenklang von Gestalt, Kleidung und Bewegung zu sehen, ist eine seltene Beglückung. Die Wiener „haute couture“ von der Firma Illa Heinrich, Wien, Kärntner Straße, bereitete sie am Sonntagnachmittag und -abend den Darmstädtern im Concordiasaal mit einer Wiener Modenschau, die zum ersten Male seit dem Kriege Deutschland bereist.

Die drei Mannequins, die Schönheitskönigin von Österreich. Gerti Decombe. Heliane Synek und Ulla Denk, wußten die Modelle mit jener unnachahmlichen Grazie und natürlicher Anmut zu tragen, die den Wiener Moden die eigene Note gibt. Der dezente Charakter, den alle Modelle wahrten, tat wohl inmitten der heute oft ins Marktschreierische geratenden Buntheit der Stoffe. Durchweg bringt die Wiener Mode die Zweifarbenzusammenstellung in neuen Harmonien. Schwarz herrschte vor, jeweils von zarterem Tone gemildert oder ergänzend kontrastiert mit stärkerer Farbgebung; überraschend in der Wirkung die Zusammenstellung von Schwarz und Braun. Aus jedem der etwa 30 Modelle wehte die Atmosphäre diskreter Eleganz, die im Zusammenstimmen von schöner Sportlichkeit und anmutiger Würde, überspielt von beschwingtem Frohsinn, liegt. Reiche Plissee- und Smockarbeit, Faltenwurf und klassische Linienführung, der jeweiligen Stoffarbeit entsprechend, gaben vielfältige Anregungen.. Bevorzugt erscheint der lose hängende Mantel, die Jacke im Kimonoschnitt. Neu in Idee und Ausführung, erfreuten die Abendkleider in Dreiviertellänge, trägerlos, aus amerikanischem Bauernleinen, mit großen, bunten Motiven verarbeitet, die in ihrer leuchtenden Farbenharmonie an südöstliche Trachten erinnern.

Den freudigsten Beifall fanden die Modelle „Blaue Stunde“, „Wiener Walzer“, „Die Fledermaus“ und das „Flügelmodell“, wobei „Wiener Walzer“, getragen von Gerti Decombe, wirklich den Inbegriff von Duft und Frische, Lebensfrohsinn und Jugendlichkeit darstellten, den Europa ewig mit dem Wortklang „Wiener Walzer“ verbindet.

Daß Darmstädter Firmen durchaus mit solch hoher Kleiderkunst zu harmonieren vermögen, zeigten die zu jedem Modell stimmenden Handtaschen der Firma Hufnagel, die den Eindruck der Modelle vervollkommnenden Hüte der Firma Helene Gußmann und die Frisuren, die Friseurmeister Lorenz rasch und meisterlich gelegt hatte.

Ernst Track vom Wiener Rundfunk plauderte gemütlich heiter und wußte viel Wissenswertes über die Wiener Mode zu sagen, vor allem dies': die Wiener Modelle sind tragbar und haben im Preise eine Null weniger als die Pariser. Willi Schmidt am Flügel begleitete gewandt, dem jeweiligen Eindruck des Modells entsprechend. Viele Wiener Melodien klangen an, die bei der abendlichen Veranstaltung, die außerdem kabarettistisch durchwirkt wurde, den schmelzenden Übergang zum Tanze schufen. Di—,

Darmstaädter Frauen im Amerikahaus

„Berlin zwischen Ost und West.“ war der Titel eines Films, der vor dem Arbeitskreis Darmstädter Frauen am Freitagabend im Amerikahaus lief. Er zeigte den harten Lebenskampf der Berliner Bevölkerung, ihre Abwehr gegen die Not. ihren zähen Einsatz beim Wiederaufbau und ihr Ringen um die Freiheit.

Anschließend, sprach Frau Walk über das Thema „Was bedeutet Berlin für uns?“ Sie schilderte persönliche Erlebnisse von ihrem Aufenthalt in Berlin und Gespräche mit Menschen aller BevölkeruhgSschichten.

Amerikaner in Darmstadt

Zur Unterstützung des Sozialwissenschaftlichen Institutes, das zur Zeit eine Untersuchung der Stadt auf verschiedenen Gebieten durchführt, kamen Prof. Henry J. Meyer und Prof. H. Asheley, Neuyork, nach Darmstadt. Beide Herren, bekannte Spezialisten auf diesem Gebiet, haben in ähnlichen Untersuchungen in den Vereinigten Staaten bereits praktische Erfahrungen gesammelt, die dem Institut in seiner Arbeit zugute kommen sollen. Um eine Beschleunigung in der Fertigstellung der Arbeiten zu erzielen, wurden eine Anzahl von Studenten angestellt, die mit der Auswertung der Umfragen beschäftigt sind. -4b-

Von Dycks übler Schwindlertrun

Betrügerische „Wohlfahrtsreise“ endet im Gefängnis

Hinter gepflegtem Aussehen, wohlgesetzten Worten und klangvollen Namen versteikken sich leider nur allzuoft geschmeidige Hochstapler und Betrüger, die es glänzend verstehen, mit diesen Eigenschaften ihre Opfer zu verwirren und zu beschwindeln. In den meisten Fällen kommt ihnen noch die Leichtgläubigkeit der Menschen entgegen, die immer wieder auf den alten Trick hereinfallen, wie die Verhandlungen in den Gerichtssälen beweisen.

Seriös und gediegen wirkte z. B. Wilhelm van Dyck, der am Freitag dem Darmstädter Schnellgericht gegenüberstand. Der 33jährige Kraftfahrer hatte seine Fähigkeit, vornehmlich bei älteren Frauen Eindruck zu schinden und Vertrauen zu gewinnen, in übler Weise ausgenutzt. Als der bereits Vorbestrafte im November 1949 zum Gesundheitsamt Darmstadt bestellt wurde, sah er im Wartezimmer den Rock des Amtsarztes hängen. Ein kurzer Griff und die Brieftasche war verschwunden. Er war zwar enttäuscht, als er kein Geld, sondern nur ein abgestempeltes Scheckbuch fand, doch kam D. sofort auf eine fixe Betruggidee. Er verschaffte sich die Anschriften einiger älterer Damen und suchte die Rentnerinnen im Altersheim auf. „Ich komme im Auftrag des evangelischen Hilfswerks“, schwindelte er dort und tischte den leichtgläubigen Frauen das Märchen auf, der betreffende Amtsarzt sei in den Besitz einer großen Erbschaft gekommen und habe dem Hilfswerk eine Stiftung für die alten Leute übergeben, die er nun in Form von Schecks überreichen solle. Allerdings müsse er —■ und das war sein Betrugsprofit — für die Ausstellung der Schecks Gebühren von 3 und 6 DM erheben. Etliche Male gelang dem Angeklagten dieser Trick. Während dieser „Wohlfahrtsreise“ entwendete er nebenbei eine Geldbörse und eine Menge Rauchwaren. Wegen Rückfallbetrugs, Rückfalldiebstahls und Urkundenfälschung erkannte das Schnellgericht auf eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis. wst.

Im Streit erstochen

In der Nacht vom Freitag auf Samstag erstach der 74jährige Rentner Wilhelm Pfeiffer im Streit seinen Sohn, den Angestellten Willi Pfeiffer. Wie die Feststellungen ergaben, hatte der Sohn seinen über ihm wohnenden Vater zur Ruhe aufgefordert, als gegen Mitternacht bei diesem noch Bekannte zu Gast waren. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der alte Mann seinem Sohn einen Messerstich in den Rücken versetzte. Ein in der Nähe wohnender Arzt konnte, bevor er ihm Erste Hilfe erteilen konnnte, nur noch den Tod feststellen. Der Rentner Pfeiffer wurde sofort dem Amtsgericht zugeführt.

DT

Wegen sinnloser Trunkenheit mußte gestern nachmittag von der Polizei ein Darmstädter Geschäftsmann in Gewahrsam genommen werden. Er hatte sich damit beschäftigt, sein eigenes Mobiliar zu zerschlagen. Ihm wurde anschließend Gelegenheit gegeben, in einer Zelle seinen Rausch auszuschlafen. DT

In der Siadt notiert

Unfall in der Roßdörfer Straße. — Verletzt aufgefunden und in das Krankenhaus eingeliefert wurde am Samstag früh gegen 5.25 Uhr in der Roßdörfer Straße in Höhe des Kilometersteins 5,4 der Fahrer eines Personenautos. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Vermutlich ist der Pkw ins Schleudern geraten und in einen Straßengraben gefahren, wst.

Tödlicher Verkehrsunfall. — Ein folgenschwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Samstag gegen 23 Uhr an der Ecke Heinrich- und Heidelberger Straße. Dort wurde der 57jähnige Karl Poth aus Darmstadt von einem Kraftwagen überfahren. Mit schweren Verletzungen mußte er in das Krankenhaus eingeliefert werden, wo er kurz darauf starb,

wst.

Eine schwerverletzte Frau gab es bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn in der Nähe von Gensheim in der Nacht vom Freitag zum Samstag. Beim Ueberholen schnitt ein Lastkraftwagen den in gleicher Richtung fahrenden Personenwagen und drängte ihn von der Fahrbahn. Dabei überschlug sich das Fahrzeug mehrmals und wurde stark beschädigt. Die verletzte Frau wurde von einem vorbeikommenden Kraftwagen nach Frankfurt transportiert. Dt.

Radfahrer verursachten Motorradsturz. Gestern morgen gegen 10 Uhr versuchte in der Nähe der Gabelung zwischen Gräfenhäuser und Weiterstädter Straße .ein Motorradfahrer, zwei aus einer Toreinfahrt herauskommenden Radfahrern auszuweichen. Auf einem sandigen Straßenstück kam er mit seiner Maschine ins Schleudern und stürzte schwer, so daß er sich beträchtliche Kopfwunden zuzog und in das Krankenhaus gebracht werden mußte. DT

Wirtschaftliche Notlage veranlaßte einen älteren Eberstädter Einwohner in der Nacht vom Freitag zum Samstag seinem Leben durch Erhängen ein Ende zu machen, t-s

Der Kulturbund unternimmt wie bisher Gruppen- und geschlossene Betriebsfahrten. Entsprechende Fahrtvorschläge stehen zur Verfügung. Es wird um rechtzeitige Anmeldung gebeten. Die Ferienbetreuung des DGB führt Reisen nach Oberbayern, Allgäu, Bodensee, Schwarzwald, Rhein, Mosel, Nord- und Ostsee und' den gewerkschaftseigenen Heimen durch. Ferner finden Wanderfahrten in Verbindung mit den „Naturfreunden“ statt. Zur 1000-Jahr-Feier von Kamp-Bornhofen am Rhein werden Fahrten durchgeführt. -ib-

Die Werbeaktion der Büchergilde Guten¬ berg läuft bis zum 31. Juli weiter. Beitrittserklärungen für geworbene Mitglieder müssen bis spätestens 15. August eingereicht werden. Für Gewinnung neuer Mitglieder sind wertvolle Buchpreise ausgesetzt worden. -ib¬

Neue Likörskube in der Ludwigstraße

Mit einem hohen hellen Raum. Theke und Wandvorsprünge in beige-weißem Marmor gehalten. Rundbogen über Fenster und Tür. gab der Architekt. Herr Behrens (er entwarf früher die Mamne-Stuben), dem Lokal jenes Kolorit, das das Trinken nur noch als Ergänzung auffassen läßt. Mehr als durch das gute Bas-Relief in Holz, in mattem Braun zu der maurischen Kühle des Raumes kontrastierend, will man auch nicht von dem beabsichtigten Trinken abgelenkt werden. „Milk-shake“ ist übrigens ein Mixgetränk besonderer Art. Es wurde von Nürnberg besorgt und stellt genau die Mischung her. die man haben möchte. Wenn die Besucher beim Hinausgehen genau so strahlen, wie jenes Instrument an der Theke blinkt, dann ist der Anfang des Geschäftes so erfolgreich, daß aus dem gegenüberliegenden Verkaufsraum — der Eingang ist separat — des öfteren Flaschen-Nachschub herangeholt werden muß. ng.

Neuer Schwabenstreich

Dies ist die Geschichte des Schwaben, der seinem Kater das Sprechen beibringen wollte und —; Sie werden es nicht glauben — es ihm auch tatsächlich beibrachte.

Auf dem Sofa hockt der Kater, davor stand der brave Schwabe und sprach also zu dem Tier: „Ho no. mei gutsch Katerle, nu red doch a Wörtle!“ Verständnislos blickte das Tier den Schwaben an. Dieser machte einen neuen Versuch: „Nu red schon, mein gutsch Tierle. a kleins Wörtle nur!“ Desinteressiert leckte sich der Mäusefänger den Bart und in diesem Augenblick packte unseren Schwaben die Wut. die echte schwäbische Wut: „Ha no, saudvmms Viech!“ schrie er. „wanns net rede willscht. nacha kanntsch mi!“ Da öffnete der Kater sein Maul und sprach laut und vernehmlich: „Mi au!“ b.

..Es ist statistisch bewiesen, daß nur jede zehnte Ebe glücklich ist." — „So? Ich bin leider erst bei der dritten." tft

Obst- und Gartenanusstellung im Grirsheim

Griesheimer Schulkinder sangen mit frischen Stimmen ein frohes Lied zur Eröffnung der Obst- und Gartenbauausstellung, die anläßlich der 100-Jahrfeier des Frankfurter Marktvereins und der 60-Jahrfeier des Obst- und Gartenbauvereins stattfand. Pünktlich um 10.00 Uhr eröffnete Ministerialrat Dr. Keil im Auftrage des verunglückten Ministers Wagner die Schau.

Dr. Keil überbrachte die Grüße des Ministers. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der beiden Vereine und einer Würdigung der vorbildlichen Arbeit der Griesheimer Bevölkerung im Dienste der Volksernährung schloß er mit den besten Wünschen für die Zukunft.

Regierungsdirektor Ah 1 ermahnte als Vertreter des Regierungspräsidiums die anwesenden Griesheimer Erzeuger, mit der Zeit zu gehen. Je früher das Gemüse auf den Markt komme, desto besser sei es nicht nur für den Erzeuger, sondern auch für den Verbraucher, der nach den hinter uns liegenden schweren Zeiten große Bedürfnisse nach frischer und vitaminreicher Kost habe. Es werde in nächster Zeit die Möglichkeit geben, aus dem Gegenwertsfond des Marshallplanes Mittel zu Investitionszwecken freizubekommen, mit denen man dann an den Bau neuzeitlicher Gewächshäuser herangehen könne.

Landrat Wink bat die Jugend Griesheims, ihren Eltern und Großeltern zu folgen, die durch eisernen Fleiß und zähe Arbeit aus dem kargen Boden Obst und Gemüse gezogen haben, das nicht nur für die nähere Umgebung ein Begriff sei.

Stadtrat Lucius, der Dezernent für Obst- und Gartenbau der Stadt Darmstadt, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste im Namen des Oberbürgermeisters. Lucius wies auf die Bedeutung der Griesheimer Erzeugnisse für die Darmstädter Verbraucherschaft hin und wünschte beiden Vereinen und der Gemeinde Griesheim für die Zukunft alles Gute.

4 Im Auftrage der Landwirtschaftskammer in Frankfurt/Main sprach als letzter Redner Gartenbauinspektor Völker. Er lobte die bisher geleistete Arbeit.

Anschließend gab der Griesheimer Bürgermeister, Herr Müller, den Weg in die Ausstellungsräume frei.

Die Ausstellung

In allen Ausstellungsräumen wurden Spitzenleistungen der Griesheimer Erzeuger zur Schau gestellt. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung der Entwicklung von Sortierung und Verpackung in der Turnhalle. (Siehe auch Bilder.) Eine große Anzahl von Garten- und Obstbaubetrieben hatte die ausgestellten Erzeugnisse kostenlos zur Verfügung gestellt. Griesheimer und auswärtige Firmen zeigten Garten- und Obstbaugeräte sowie Pflanzenschutz- und Düngemittel.

Auch an die Hausfrauen, die neben ihrer häuslichen Tätigkeit häufig noch schwere Feld- oder, Gartenarbeit verrichten müssen, ist gedacht worden: Neuzeitliche Wasch- und Küchenhilfsgeräte wurden vorgeführt und begutachtet. Auf den Gängen standen Blumen, die von den Schulkindern aufgezogen und betreut worden waren. Die schönsten Pflanzen wurden prämiiert. Für zehn Pfennig konnte man Lose kaufen, die beinahe alle prächtige Blumen gewannen.

Schon bald nach Eröffnung der Ausstellung war auch in dem großen Festzelt, das in dem Hof der Schule errichtet war reger Betrieb.

Wir hatten während unseres Rundganges Gelegenheit, die erschienenen Ehrengäste nach ihrem Eindruck zu befragen: Min.-Rat Dr. Keil war mit dem Gezeigten sehr zufrieden und würdigte die Leistungen mit anerkennenden Worten. Reg.-Dir. Ahl wies ganz besonders auf den prächtigen Blumenkohl hin, von dem er als Fachmann begeistert war. Landrat Wink, der seine besondere Verbundenheit mit Griesheim betonte, bezeichnete die Ausstellung als vorbildlich und bedauerte, daß man das Gezeigte nicht noch weiteren Kreisen zugänglich machen konnte. Ministerpräsident Stock äußerte seine volle Anerkennung und sprach von seiner besonderen Verbundenheit mit der Gemeinde Griesheim Er erwähnte auch, daß er mit dem Bürgermeister die leidige Grenzfrage durchgesprochen habe, deren Beilegung er sich für die nächste Zeit erhoffe.

Nadi der Eröffnung des Festkommerses

ergriff Bürgermeister Mü 11 e r das Wort. In seinen Ausführungen betonte er die Notwendigkeit einer Planung des Anbaues, die eine Übersättigung des Marktes verhindern solle. Mit Stolz wies der Bürgermeister darauf hin, daß die Gemeinde Griesheim als wohlhabend bezeichnet werden könne. Der Fleiß und die Regsamkeit der Einwohnerschaft sei noch immer belohnt worden.

Anschließend fand eine Ehrung verschiedener Mitglieder und Ehrenmitglieder der beiden festgebenden Vereine statt: Es wurden geehrt durch den Landesverband: Friedrich Hoppstock, und Georg Lautenschläger. Min.-Rat Dr. K e i 1 überreichte die Ehrenurkunden.

Landrat Wink, als Vorsitzender des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbäuvereine, ehrte die Mitglieder: Karl Lange, Philipp Diefenbach, Ludwig Seib, Heinrich Heid, Franz Ehrhard, Paul. .Mu r - mann und Valentin Schamber.

Im Auftrage des Frankfurter Marktvereins überreichte Bürgermeister Müller folgenden Mitgliedern Ehrenurkunden: Jakob Schaffner, Heinrich Höhl 1., Magd. Nothnagel, Gretchen Justus, Valentin Funk, Bettchen Posei n e r , Elisabeth Funk, Elisabeth Müller, Elisabeth Schaffner.

Der Festkommers wurde von Darbietungen der Kapelle Kahl und Gesängen der Griesheimer Gesangvereine umrahmt. Ein hessischer Bauerntanz, ausgeführt von den Festdamen beider Vereine, wurde mit herzlichem Beifall belohnt.

Der Sonntag begann mit einem allgemeinen Kirchgang.

Um zehn Uhr war zu zwei Referaten in das Festzelt geladen worden. Es wurde über neuzeitlichen Obst- und Gemüsebau gesprochen. Zahlreiche Teilnehmer folgten interessiert den ausführlichen Darlegungen.

jdcii icgmigcii. Der Festzug begann pünktlich um 14 Uhr und führte durch die Straßen des Ortes zum Festplatz, wo der Vorsitzende der beiden Vereine, Herr Müller, die Festrede hielt. 28 Vereine beteiligten sich an dem Zug. Zahlreiche sinnvoll geschmückte Wagen zeigten den Unterschied zwischen „Einst und jetzt“. Herr Müller dankte in seiner Festrede allen, die zum Gelingen des Festes durch ihre Hilfe beigetragen haben. Besonders dankte er Georg Lautensch 1 ä g e r jun. Er wünschte allen Gästen noch frohe Stunden bei dem Volksfest, das um 17 Uhr


Unsere Bilder zeigen: Oben: Ministerialrat Dr. Keil bei seiner Eröffnungsansprache. Unten: Einst und heute. Photos: Murmann (4)
Unsere Bilder zeigen: Oben: Ministerialrat Dr. Keil bei seiner Eröffnungsansprache. Unten: Einst und heute. Photos: Murmann (4)

Wohin gehen wir heute?

Landestheater: Orangerie 19.00 Uhr (Darmstädter Volksbühne): „Alle meine Söhne“, Ende 22.15 Uhr. — Stadthalle: 19.00 Uhr (Geschl. Gesellschaft): „Don Giovanni“, Ende 22.00 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Eine Nacht im Separee“; Thalia: „Nacht über Indien“, 22.45 Uhr: Das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1950; Belida: „Die Wildnis ruft“; Palast: „Der Schrecken von Marks’s Priory“; Hansa: „Das Mädchen vom Moorhof.“

Wir aratulieren

90. Geburtstag: Frau Auguste Best geb. Lochmann, Hirschhorn (Neckar}, Bonifatiuskrankenhaus.

90. Geburtstag: Frau Auguste Best, Hirschhorn.

82. Geburtstag: Herr Konrad Bauer, Oberramstadt. Schießbergstraße 18.

80. Geburtstag: Frau Charlotte Nickel, Pfungstadt. Sandbergstraße 95.

Letzte Meldung

Ein schwerer Autobahnunfall ereignete sich gestern zwei Kilometer nördlich der badischen Landesgrenze. Zur Umleitung des Verkehrs mußten zwei Kommandos der Autobahnpolizei eingesetzt werden. Die Mannheimer Feuerwehr wurde zur Hilfeleistung herangeholt. Einzelheiten in unserer morgigen Ausgabe. DT

650 Jahre Stadt Reinheim

Historischer Festzug übertenf alle Erwartungen

Der ganze vordere Odenwald war auf den Beinen / Tausende in Reinheim

Die Veranstaltungen der 650-Jahrfeier Reinheims neigen sich ihrem Ende zu. Der Samstagabend brachte auf dem Festgelände einen Festkommers, an dem der SV 45 durch turnerische Vorführungen und die Volkstanzgruppe des Reinheimer Odenwaldklubs maßgeblich beteiligt waren. Lieder des Arbeitergesangvereins „Einigkeit“ bewiesen, daß auch der Gesang wieder in Reinheim vortrefflich gepflegt wird.

Unbedingter Höhepunkt der Tage war der gestrige Sonntag. „Das hat Reinheim noch nicht erlebt!“ rief Bürgermeister Marx bei seiner Ansprache auf dem Festplatz aus. Und wirklich — einen derartigen Festzug hat nicht nur Reinheim, sondern auch die gesamte Bevölkerung des vorderen Odenwaldes noch nicht gesehen. Eine unübersehbare Menschenmenge säumte die Straßen, durch die der Zug seinen Verlauf nahm. 34 Festwagen, die in liebevoller Kleinarbeit von Reinheimer Vereinen, den Innungen, dem Handel und der Industrie gestaltet wurden, durch zahlreiche Fußgruppen aufgelockert, bewegten sich durch die festlich geschmückten Straßen.

Den vorausziehenden Herolden in ihren historischen Trachten folgte der Wagen mit dem Gemeinderat, der sich ebenfalls in alten Kostümen der Bevölkerung zeigte. Ihm folgte der Wagen der Landgräfin von Hessen. Den längst geschleiften „Dicken Turm“ der Festung zeigte der Wagen des Jost Müntzenberger. Vom alten Reinhesm zeugte der Brunnen „Am Biet“, der, schon lange von seinem Platz in der Kirchstraße verschwunden, im Festzug Auferstehung feierte und munter plätscherte. Auch die Firma „Emylis“ fehlte nicht und zeigte einen sehr geschmackvoll gestalteten Wagen. Sehr originell war die Idee der Reinheimer Großhandelsfirmen Becht, Mengler, Strücker und Wagner mit ihrem „Großhandel um 1300“. Auch das „Odenwälder Lieschen“ durfte selbstverständlich nicht fehlen und paßte seine Geschwindigkeit dem Festzug an.

Von der Handwerkerschaft, die mit Schmiede-, Wagner-, Metzger-, Schreiner-, Friseur- und Bäckerinnung vertreten war, gefiel durch die originelle Backstube der Wagen der Bäcker am besten. Einen sehr schönen Blumenwagen brachte die Gärtnerei Kopp. „Die Landwirtschaft — einst und jetzt“ war das Thema, das sich die Reinheimer Landwirte für ihren Festwagen gestellt hatten. Auch das ausgestorbene Knopfmachergewerbe war nicht vergessen worden. Ansprechend und wirkungsvoll der Wagen der Kleingärtner, der, wie auch jener der Kleintierzüchter, einen Ausschnitt aus dem Arbeitsgebiet der Vereine zeigte. „Das deutsche Lied“ symbolisierte der Arbeitergesangverein „Einigkeit“ mit seinem Wagen. Daß die Weinbergsbesitzer ihren „Windlücker“ recht eifrig probten und lobten, war eigentlich selbstverständlich.

Besondere Aufmerksamkeit und allgemeinen Beifall fand der Wagen des Odenwaldklubs, der die „Ourewäller Spinnstubb“ stilecht und historisch zeigte, in der auch die alten Odenwälder Trachten zp ihrem Recht kamen. Ein besonderes Lob verdien«! Wagen und Gruppe der Heimatvertriebenen, die bewiesen, wie sehr Volkstum, Sage und alte Bräuche bei den Flüchtlingen verwurzelt sind. Hier sah man Rübezahl mit den Zwergen zu Füßen der Schneekoppe, die mit der Baude aufgebaut war, in der Fußgruppe konnte man die prächtigen Egerländer Trachten bewundern. Die Baugenossenschaft war gleichfalls mit einem ansprechenden Wagen vertreten; bei der Freiwilligen Feuerwehr stellte sich zum ersten Male die Blaskapelle der Öffentlichkeit vor. Angehörige des Reitervereins erschienen hoch zu Roß; den Beschluß des Zuges bildete die Gruppe des Sportvereins 1945.

Drei Kapellen, die Kolbacher, die Feuerwehr und die Kapelle Egerland sorgten für die musikalische Auflockerung des Ganzen. Der Verantwortliche für den Ablauf und die Zusammenstellung des Festzuges, Herr Hörr, löste die ihm übertragene Aufgabe meisterlich.

Auf dem Festplatz erwartete bereits eine große Menschenmenge den Zug. Bürgermeister Marx verlas dort die mit altertümlichen Floskeln versehene Botschaft der Gemeindeverwaltung und sprach den vielen uneigennützigen Mitwirkenden, die der Festwoche zu dem überragenden Erfolg verhelfen hatten, seinen besonderen Dank aus.

Beschluß dieses Festtages bildete am Abend ein prächtiges Brillant-Feuerwerk und das Volksfest mit Tanz auf dem Festplatz und in den Sälen der Stadt.

Ein Kinderfestzug und anschließendes Kinderfest auf dem Festgelände wird am heutigen Tage den Abschluß der zehntägigen Festwoche Reinheims bilden. Mit ihren gesamten Veranstaltungen hat die Stadt bewiesen, daß sie mit Fug und Recht auf ihre Geschichte stolz sein kann, auf jene Geschichte, die von der heutigen Generation fortgeführt wird und die ihr das Recht auf ihren Ehrennamen gibt: „Das Tor zum Gersprenztal“. (eb)

Blitzlaunen

Dreimal hintereinander schlug der Blitz bei dem am Freitag niedergegangenen Gewitter in Dieburg ein. Im ersten Fall fuhr er in einen Kleintierstall am Fuchsberg, wo eine Hausbewohnerin gerade beim Melken einer ihrer beiden Ziegen war. Während die Frau durch den Einschlag bewußtlos und für längere Zeit bettlägerig wurde, wurde eines der beiden Tiere getötet. Wenige Häuser weiter richtete ejn zweiter Blitz beim Einschlagen in die Lichtleitung lediglich Sachschaden an, und kurz darauf fiel in einem dritten Haus durch kalten Schlag der elektrische Strom aus. (RG)

„Odenmaldklub hat eine große und überragende Funktion"

63. Hauptversammlung in Bensheim / Zahl der Ortsgruppen und Mitglieder steigt weiter an

Am Samstag, dem 1. Juli 1959, begann in dem mit rot-weißen Fahnen festlich geschmückten Bensheim die 63. Hauptversammlung des Gesamt-Odenwald-Klubs mit einer internen Tagung des Hauptaussehusses im Bahnhofshotel.

Unter der Leitung des 2. Vorsitzenden, Bürgermeister Schwarz, Mosbach, der dem in Amerika befindlichen 1. Vorsitzenden, Oberbürgermeister Metzger, und den schwer erkrankten geschäftsführenden Vorsitzenden, Studienrat Dr. Götz, vertrat, wurden neben rein geschäftlichen Angelegenheiten das Programm des gestrigen Sonntags besprochen; darüber hinaus beriet der Hauptausschuß über die Instandsetzung, den Wiederaufbau und den Neubau von Aussichtstürmen und Raststätten im Odenwald. Besonderes Interesse fand das Modell für einen festen Turm, der auf dem Lärmfeuer errichtet werden soll. Auch der während des Krieges gesprengte Aussichtsturm auf dem Melibokus wird wieder aufgebaut werden. Die Instandsetzung des Aussichtsturms auf dem Katzenbuckel wurde in Erwägung gezogen.

Am Sonntag waren mehr als 3000 Mitglieder des Odenwaldklubs aus rund 85 Ortsgruppen nach Bensheim gekommen. In dem Festzelt auf dem mitten in der Stadt liegenden Festplatz, das am Samstag einen musikalischen Abend, an dem u. a. der MGV Liederkranz, ein Haniharmonikaspielring und die Biedermeiergruppe Bensheim mitwirkten, versammelten sich am Sonntagvormittag die Delegierten der einzelnen Ortsgruppen zur 63. Hauptversammlung.

Bürgermeister Schwarz gedachte nach der Begrüßung der Gäste, unter denen sich Regierungspräsident Ar n o u 1 befand, der Toten des Odenwaldklubs. Besonders ehrende Worte fand er für Ober-Veterinärrat Lenz, Miltenberg, und das ebenfalls verstorbene Ehrenmitglied Professor Dr. Meisinger, Rappenau.

Bürgermeister Schwarz wies in seiner Begrüßungsansprache auf die Schwierigkeiten der Situation hin, in der die 63. Hauptversammlung abgewickelt werden müsse. Gerade das Fehlen des geschäftsführenden Vorsitzenden Dr. Götz hätte das größte Bedauern, nicht nur des Hauptausschusses, hervorgerufen; Dr. Götz sei wohl die markanteste Persönlichkeit, die der Klub in den letzten Jahren hervorgebracht habe. Unter dem Beifall der Delegierten schlug er vor, Herrn Dr. Götz ein Gruß-Telegramm zu schicken und ihn zum Ehrenmitglied des Gesamtklubs zu ernennen. Mit besonders herzlichem Beifall wurde der Ehrenvorsitzende des Odenwald-Klubs, Ministerpräsident a. D. Professor Dr. Werner, begrüßt.

Regierungspräsident Arn ou 1 überbrachte die Grüße der hessischen Regierung. Er sprach von der Schönheit der deutschen Landschaft und umriß klar die Ziele, die sich der Odenwaldklub, der eine große und überragende Funktion habe, setzen müsse.

Nachdem Bürgermeister Schwarz Herrn Regierungspräsidenten Arnoul für seine Grüße gedankt hatte, sprach Landrat Neff, Erbach, für seinen Kreis und das gesamte Mümlingtal. Landesforstmeister Heidenreich wies auf das gute Verhältnis zwischen den Forstleuten aller Grade und den Wanderfreunden des Odenwaldklubs hin.

Stadtrat Schrauth überbrachte die Grüße der Stadt Darmstadt, und Verwaltungsdirektor Hein, der in Vertretung des Oberbürgermeisters Völker, Worms, sprach, wies darauf hin, daß Worms wie wohl keine andere linksrheinische Stadt mit dem Odenwaldklub verbunden sei-

Nachdem Bürgermeister Treffer t, Bensheim, die Gäste im Namen der Stadt willkommen geheißen hatte, erstattete Bürgermeister Schwarz den Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr. Er verwies bezüglich der Einzelheiten auf die letzte Ausgabe der „Dorflinde“ und stellte fest, daß sich die darin enthaltenen Angaben über Mitglieder und Ortsgruppen schon wieder wesentlich geändert hätten. So sei die Zahl der Ortsgruppen auf über hundert angestiegen und die Mitgliederzahl habe 9000 überschritten. Das Ziel müsse jetzt sein, den alten Mitgliederstand von 15 000 zu erreichen. Der neue Schatzmeister, Herr Meier-Stechbarth, konnte mitteilen, daß der Klub keine finanziellen Sorgen mehr habe, und schlug vor, an Stelle des große Kosten verursachenden vereidigten Buchprüfers zwei Rechnungsprüfer aus den Reihen der Mitglieder treten zu lassen. Rektor Salomon beantragte die Entlastung der Kassenleitung, die sowohl Herrn Meier-Stechbarth als auch dessen Vorgänger Rühl erteilt wurde.

Die Delegierten billigten eine Reihe Satzungsänderungen. Oberpostrat Haag tritt an die Stelle des verstorbenen Hauptaussphubmitgliedes Lenz. Zu Rechnungsprüfern wurden Sparkassendirektor a. D. Georg G 1 en z und Landesbankdirektor Seip bestimmt.

Bei der Debatte um den Tagungsort für die 64. Hauptversammlung kam es zu einem Zwischenfall. Nachdem sich die Delegierten für Sinsheim entschieden hatten, versuchte der Vertreter der Ortsgruppe Dudenhofen, die sich ebenfalls um die nächste Hauptversammlung bemüht hatte, noch einmal das Wort zu ergreifen. Bürgermeister Schwarz gab ihm keine Gelegenheit zum Sprechen. Daraufhin erklärte Dudenhofen seinen Austritt aus dem Gesamtklub und verließ unter Pfui-Rufen der übrigen Delegierten das Festzelt. Bürgermeister Schwarz ging sofort wieder zur Tagesordnung über und begann mit der Ehrung verdienter Mitglieder. Neben Dr- Götz stimmte die Versammlung der Ernennung von Landesforstmeister a. D. Dr. Hesse und Rechtsanwalt Dr. Reindl zu Ehrenmitgliedern des Gesamtklubs zu. Das goldene Ehrenzeichen für treue Mitarbeit erhielten Bürgermeister Schwarz, Mosbach, Ob.-Studienrat Hinrjphs, Offenbach, Ob.- Studienrat Koch, Heppenheim, Kfm. Alstede, Heidelberg und Kfm. Müller, Darmstadt. An 28 treue Mitglieder konnte das silberne Ehrenzeichen verliehen werden. 36 Wanderfreunde erhielten die goldene Ehrennadel für mehr als 50jährige Mitgliedschaft. Die Werbenadel in Gold wurde an 27 Mitglieder, in Silber an 28 Mitglieder verliehen.

In seiner Schlußansprache drückte Bürgermeister Schwarz die Hoffnung aus, daß die 63. Hauptversammlung genau so ein Markstein in der Geschichte des Odenwaldklubs werden möge, wie die vorjährige Veranstaltung in Mosbach.

Am Nachmittag bewegte sich ein bunter Festzug, an dem sich alle Wanderfreunde beteiligten, durch die Straßen Bensheims zum Festplatz, auf dem eine große Kundgebung des Hauptausschusses stattfand. Ein Ball im Festzelt, bei dem zwischen die Tänze bunte Darbietungen eingestreut waren, beschloß zwei festliche Tage im Zeichen der Eichenblätter des Odenwaldklubs- (DT)


Das Reinheimer Festspiel zur 650- Jahr-Feier der Stadt, das von Dr. Meisinger geschrieben wurde, hatte einen außerordentlichen Erfolg: Drei Veranstaltungen waren restlos überfüllt. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, soll das Spiel, das einen geschichtlichen Hintergrund aus dem 16. Jahrhundert hat, in weiteren Gemeinden des Odenwaldes aufgeführt werden. Unser Bild zeigt eine Szene aus dem 1. "Akt, der Sitzung des Reinheimer Gemeinderates. DT-Photo: Schröder
Das Reinheimer Festspiel zur 650- Jahr-Feier der Stadt, das von Dr. Meisinger geschrieben wurde, hatte einen außerordentlichen Erfolg: Drei Veranstaltungen waren restlos überfüllt. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, soll das Spiel, das einen geschichtlichen Hintergrund aus dem 16. Jahrhundert hat, in weiteren Gemeinden des Odenwaldes aufgeführt werden. Unser Bild zeigt eine Szene aus dem 1. "Akt, der Sitzung des Reinheimer Gemeinderates. DT-Photo: Schröder

Yerdie „Othello“ in Neninszenierung

Erfolgreicher Premierenausklang im Landestheater

Am Schluß der Darmstädter Opernsaiscjn gab es noch eine kleine Ueberraschung auf dem Gefilde stimmlicher „Neuentdeckungen“. Die sommerliche Hitze, die für eine Oper wie „Othello“ und nach einer angespannten Spielzeit die schlechtesten yoraussetzungen für den Sänger in sich birgt, hat das Ensemble an einigen Höchstleistungen nicht hindern können.

Wenn „Hamlet“ die Krönung des Startum männlicher Schauspieler ist, dann ist es für Sänger der „Othello“. Zu berühmte Vorbilder, auf Schallplatten und Tonband bei selbstregulierbarer Lautstärke stets greiflich hörbar, beeinträchtigen vielleicht die Abwägung der allgemeinen Theateraufführungen. Charlotte Raab aber kann sich mit der Rolle der Desdemona überall hören und sehen lassen. Sie hat ein gutes Ohr für Tonreinheit und ein natürliches Gefühl für den dramatischen Ausdruck. Daß ihr die lyrische Kantilene besonders liegt, bewies sie im letzten Akt. Sie war ebenso tief rührend in ihren ariosen Liebesgesängen wie in ihrem Herzeleid, kostümlich zwar ein wenig zu sehr auf „Gretchen“ aufgemacht, aber ausgeglichen und unsentimental in ihrer Haltung.

Zwischen ihr und Willibald V o h 1 a gab es stimmlich keinen Wertunterschied. Er war die sängerische Ueberraschung als Jago. Sein Organ besitzt nicht allein Wohllaut sondern auch Kraft und Stärke. Im Auftreten ist er unaffektiert, wenn auch seine persönliche dramatische Darstellung nicht überzeugend genug wirkt. Trinklied-Duo, teufliches Credo und Taschentuch-Terzett waren schauspielerisch zu wenig abgestuft und gingen teilweise mehr Jns Spielerische als ins Charakteristische über. Aber das sind Regiezüge, die sich korrigieren lassen. Vielleicht fühlte er sich auch in dem härenen Gewand eines abgefallenen Franziskaners, das gestutzt und ohne Kreuz den seelischen Habitus des Jago kennzeichnen sollte, nicht ganz wohl.

Dafür erscheint Othello im Priesterornat mit der Halskrause Heinrichs VIII.. Im letzten Akt nimmt das Gewand rote Henkersfarbe an. Nicolo Jussas Vorzüge als Othello bleiben im Gesang die hohen Töne. Sie machen vergessen, daß die Mittellage stets etwas belegt ist. Sein Mißtrauen und seine Eifersucht sind von Beginn an zu heftig ausgeprägt. Man weiß sofort, daß Othello daran scheitern muß. Trotzdem bleiben die Ausbrüche nur wütend, ohne in ein „Brio“ zu fallen. Bei diesen Stimmen seiner Mitsänger wird Franz Köth als Cassio ein wenig in den lyrischen Hintergrund gedrängt. Das Trinklied und die Bianca-Erzählung klingen mehr sehön als voluminös und farbig. Wuchtig führt sich Heiner Horn als Gesandter ein. Jakob Gerhardt (Rodrigo), Rolf Mey b o m (Montano), Karl Wiest (Herold) und Ilse W i nh o 1 d (Emilia) teilten sich mit mehr oder weniger Erfolg in die übrigen Rollen. Ein besonderes Lob sei den Chören ausgesprochen, die von Wolfgang Perschmann präzis und klanglich ausgeglichen einstudiert waren. Richard Klotz hielt das Ganze musikalisch unter seinem Zepter zusammen, übte in den Tempi Zurückhaltung und traf starke dynamische - Weiß-Schatierungen. Die intimen Liebesszenen und die bewegten Chor- und dramatischen Partien waren porträthaft ausg^irbeitet, Ein prachtvolles, kontrastierendes Melodiengemälde bot der letzte Akt, aufpeitschend waren die Sturm-Chöre zu Beginn. Das Orchester, aus dem besonders die Holzbläser hervortraten, zeigte sieh in bester Verfassung.

Heinrich Altmann hatte die Verantwortung für die Regie und das Bühnenbild, das durch die Akte hindurch unverändert blieb, mit einer Burgmauer als Hintergrund und einer nach rechts zur Rampe auslaufenden Treppe. Der gotische Strebebogen mit der ägyptischen Sphinx im rechten Vordergrund störte ein wenig den Stil. Für den ersten und zweiten Akt konnte der Schauplatz erhalten bleiben, in den beiden anderen Akten wurde die Veränderug des Ortes durch einen Stuhl und stilisierte Schildbilder bzw. durch Vorhänge und die wenigen Requisiten für eine Schlafkemenate angedeutet. Ob diese aus einer Grundidee und. Grundvorstellung heraus entwickelte Einheitsbühne die Lösung für eine Verdi-Oper ist, dürfte vor allem bei „Othello" anzuzweifeln sein. Das Drama ist hier ein mystisches Duett zwischen dem Menschen und seinem Geschick und die Frage ist, ob die Begegnung sich jedesmal direkt vom Standplatz aus vollzieht oder ob dazu ein Anlauf über Treppen und Gänge notwendig ist. Musikalisch kann man nur der ersten Meinung zustimmen, weil Verdi ganz selten orchestral vorbereitet, im allgemeinen gleich in medias res geht. Der Sänger steht da, singt und handelt. Das musikalische Symbol nimmt bei Verdi sofort Bedeutung an, schwingt sich jedoch in aj-ioser Kantilene aus. Baut man aber eine Mauer, so fängt sich im „Othello“ bei den Sturmszenen jegliche Melodie darin auf, die Chöre werden zu unnatürlicher Bewegung angetrieben, die Ensemble-Sätze werden steif, die Duette usw. prallen an der Wand ab, weil sie dem Sänger zu wenig greifbares und illusionistisches Requisit zum Anreiz gibt. Die geiche Mauer als Hintergrund für Liebesglück, Hinterlist, Traumerzählung usw. zu nehmen, die im übrigen viel stärker mit Scheinwerfern nuanciert und ausgeleuchtet werden müßte, geht gegen die blühende Musik Verdis. Ob der Regisseur und spezifische Bühnenbildner heute allein auf den sogenannten kleinen „Notbühnen“ ein Resultat erzielen wird, dürfte nach allen bisherigen Versuchen kaum zu erwarten sein. Wirkliche Lösungen können nur durch die Zusammenarbeit von Architekt, Bildhauer, Maler und Bühnenfachmann erreicht werden, wie es ja auch in den letzten Jahren in Oper und Ballett oftmals geschah. Auf alle Fälle ist der Weg, den Heinrich Altmann ging, ein respektabler Versuch. Eine Lösung ist er nicht. Aber gerade solche Vorstöße ins Neuland verdienen größte Anerkennung, falls sie nicht zur Manier werden.

Das Publikum im ausverkauften Haus war sich nicht ganz sicher in der Zustimmung, fand sich aber schließlich doch in sehr herzlichen Beifall für ihre Darsteller, Orchester, Dirigent und Regisseur zusammen und erlebte einen recht erfolgreichen Premierenausklang dieser Spielzeit. G. I.

Im Blickfeld

Einen Volksliederabend veranstaltete das Alte Realgymnasium in der Stadthalle, zu dem außer den Schülern und Lehrern auch die Eltern zahlreich erschienen waren. Neben dem Schülerchor und dem Schülerorchester (Dirigent: Musiklehrer Paetsch) wirkte Otto Heppenheimer (Tenor) mit, der Volkslieder in der Bearbeitung von Brahms sang.

Bei einer Bachfeier der Ursulinenschule wirkten als Solisten J. Nolte (Klavier) und W. Tschinc (Violine) mit. Nach drei Präludien von Friedemann Bach und drei Inventionen folgten Variationen über „Wer nur den lieben Gott läßt walten" und „In Dulci Jubilo“. Ein Präludium in Cis-Dur, eine Sarabande für Klavier und Violine und zwei Sätze aus dem Italienischen Konzert beschlossen die Veranstaltung.

Ein Violinkonzert mit Alice Schönfe 1 d veranstaltet die Darmstädter Musikzentrale morgen um 20 Uhr in der Stadthalle. Auf dem Programm stehen Werke von Beebhoven, Schubert und Pfitzner.

In einer Orgelfeierstunde spielt am Mittwochabend um 20 Uhr in der Stadtkirche Dr. Ludwig Borngässer Werke von Johann Sebastian Bach.

In der Vortragsreihe „Geschichte der Technik“ spricht am Dienstag, dem 4. Juli, um 18.00 Uhr, im Saal 167 der Technischen Hochschule Rudolf Thiel (Bühl/Baden) über das Thema „Wie das erste Buch gedruckt wurde“. Der Vortrag findet mit Lichtbildern statt.

Die letzte Vorstellung der Kulturbund« Theatermiete findet in der Orangerie („Alle meine Söhne") statt. Der Kulturbund macht darauf aufmerksam, daß bereits jetzt Anmeldungen für die Theaterspielzeit 1950/ 1951 zu einem ermäßigten Preis von 1;35 DM je Vorstellung auf der Geschäftsstelle, Bismarckstr. 76, entgegengenommen werden.

Groß-Geraus Haushaltplan knapp angenommen

PD und KPD stimmten dagegen — Wesentliche Abstriche im Personaletat

Zu Beginn der Groß-Gerauer Gemeindecatssitzung am Freitagabend gab Bürgermeister Dr. Lüdecke einen Bericht über Jas abgelaufene Geschäftsjahr; er erwähnt« hierbei, daß unter den 9 289 Einwohnern 1025 Heimatvertriebene, 165 Evakuierte und 39 Ausländer in Groß-Gerau gemeldet seien. Sodann erläuterte der Bürgermeister einzelne Punkte des Haushaltsplanes. Hinsichtich der Polizei könne man keine größeren Einsparungen vornehmen, da die Stadt auch die Außenbezirke Dornberg und Siedlung polizeilich zu überwachen habe. Jm Jahre 1945 seien in der Verwaltung teilweise Einstellungen erfolgt, um Fürsorgekosten zu sparen; die Ausgaben für des Personal wären jedoch auf annähernd 45 Prozent der Gesamteinnahmen angewachsen. Für das kommende Geschäftsjahr sind deshalb 55 Stellen (bisher 146) weniger vorgesehen. Ein Teil der entlassenen Gemeindearbeiter sei, wie der Bürgermeister erklärte, inzwischen anderweitig untergebracht worden.

Aus dem wiedeeingeführten Ferkelmarkt sei eine Einnahme von 4000 DM zu erwarten. Durch Obst- und Gresverkäufe gingen voraussichtlich 10 700 DM ein, dagegen müsse mit einem Rückgang der Vergnügungssteuer gerechnet werden; durch ausgebombte Grundstücke kämen zirka 15 000 DM an Grundsteuer in Wegfall. Das Realgymnasium erfordere einen so großen Zuschuß (30 000 DM), da es klassenmäßig zur Vollanstalt erweitert werde. Des Gesamtvermögen der Stadt beträgt zur Zeit 3 900 000 DM (JWald, Wohngebäude usw.)- Der ordentliche Haushaltsplan schließt mit 1 350 700 DM ab, der außerordentliche mit 737 000 DM.

Gemeinderat O. Faulstroh (CDU) beanstandete, daß wichtigste Ausgaben in dem außerordentlichen statt in dem ordentlichen Haushaltsplan vorgesehen seien. So betrachte er die Instandsetzung von Straßen als vordringlich, da Groß-Gerau in weitem Umkreis durch seine schlechten Straßen bekannt sei. Es wäre berechtigt, daß statt der bisherigen 45 Prozent nur noch 35 Prozent von den Gesamteinnahmen für Personal ausgegeben würden. Gemeinderat Dönges von der SPD-Fraktion warnte vor einer übermäßigen Verkleinerung des Verwaltungsapparates. Was das Krankenhaus anbelange, so erforderten soziale Einrichtungen nun einmal Zuschüsse und Kürzungen derselben würden sich voraussichtlich in der Verpflegung nachteilig auswirken. Die SPD-Fraktion lehne den Haushaltsplan ab. Der Sprecher der KPD-Fraktion erklärte, daß seine Fraktion den Stellenplan sowie den gesamten Haushaltsplan ebenfalls ablehne. Die Zuteilung für den Stadtjugendring (2000 DM) erscheine niedrig, was allerdings bei der knappen Finanzlage verständlich sei.

Abschließend wies Dr. Lüdecke darauf hin, daß auch seiner Ueberzeugung nach durch die knappe Finanzlage in dem Plan viele Notlösungen notwendig wurden. Mit 10 Stimmen der CDU gegen 8 Stimmen (SPD 6, KPD 2) wurde nach der Debatte der Haushaltsplan angenommen. Die Steuersätze erhielten mit 16 Stimmen der CDU und SPD gegen die Stimmen der KPD ihre Billigung. (eg.)

70 Iahre Feuerwehr Traisa

Als Traisa rund 400 Einwohner zählte fanden sich aus den Reihen des damaligen Turnverein herzhafte Männer zusammen und gründeten die „Freiwillige Feuerwehr“. Am 1. und 2. Juli feierte diese nun ihr 70 jähriges Bestehen. Ganz Traisa war an diesen beiden Tagen auf den Beinen. Schon im Laufe des Samstagnachmittags gab es kein Haus mehr, das nicht durch Fähnchen. Girlanden oder Lampions geschmückt war. Bei einbrechender Dunkelheit bewegte sich ein Fackelzug durch den Ort nach dem Festplatz. Dort stand im Mittelpunkt der abendlichen Feier die Weihe der neuen Fahne durch Bürgermeister Rindfrey und die Ehrung dreier Jubilare, von denen zwei auf eine 25jährige aktive Tätigkeit und Herr Friedrich I. sogar auf ein 50jähriges Jubiläum zurückblicken können. Altjubilar Friedrich — der zum Ehrenkommandant der Traisaer Wehr ernannt worden ist — wurde eine Ehrennadel und eine Urkunde für treue Dienste durch das Ministerium des Innern überreicht. Nach dem offiziellen Teil war für Unterhaltung der Gäste durch Gesänge, Tänze und sportliche Darbietungen aller Art Sorge getragen.

Gestern morgen begann der zweite Festtag mit einem Weckruf der Bläserkapelle und Vorführungen aus dem Brandeinsata, die sehr zur Zufriedenheit des Kreisfeuerwehrinspektors Pfaff verliefen. Besondere Anerkennung fand die flotte Zusammenarbeit der Wehren und des Roten Kreuzes von Traisa und Nieder-Ramstadt. An dem Festzug, den am Nachmittag 3 Kapellen begleiteten, nahmen außer den einheimischen Verbänden und Vereinen noch weitere 20 Wehren der umliegenden Gemeinden teil. Festlich geschmückt führte man die alte Handspritze, die erst in den letzten Jahren durch eine moderne Motorspritze ersetzt wurde, im Zuge mit. Der Festplatz, Schulhof der Volksschule Traisa, glich einem Rummelplatz, auf dem Bierzelt, Schießbude, Würstchenverkäufer, Karussell und Schiffschaukel nicht fehlen durften.

Leider gingen di« Reden und auch die stimmlich einwandfreien Darbietungen des Männerchores der KSG Traisa im Stimmengewirr der nach Bier lechzenden Festgäste, der blumenschießenden Jugend und der kundenwerbenden Grammophonplatten der Karussells völlig unter. Das Fest schloß am Abend mit einem Jubiläumsbali im Gasthaus zur „Krone". (DT)

Gütterbacers Sommerfest

Was Güttersbach in seinem sonst so stillen Tal am letzten Wochenende auf die Beine stellte, verdient neidlose Anerkennung. Am Samstagabend begann das Sommerfest mit einem „Odenwälder Heimatabend“ im Saal Helm unter Mitwirkung der KSG, der Volksschule und der Männergesangvereine Güttersbach und Hüttenthai. 'Das Lustspiel der Theatergruppe „Der Meisterschwimmer“ bildete die rechte Einstimmung zu dem am Sonntag im „Dr. -Haller-Bad“ veranstalteten Wettschwimmen der Vereine von Güttersbach, Erbach, Michelstadt, Bad-König. Höchst, Sandbach und Reinheim. Selbst das kleine Gewitter gegen 15 Uhr konnte dem regen Sportbetrieb keinen Abbruch tun. Wir ''ringen die 1. Sieger in der morgigen Ausgabe. (tchad)

Jugend-Rot-Kreuz-Treffen in Erbach

Heber 300 Jungen und Mädchen aus südhessischen JRK-Gemeinschaften weilten über das Wochenende in Erbach, einmal, um sich kennen zu lernen, zum anderen, um sich durch Einblicke in die Gruppenaiheit gegenseitig anzuregen. In der Erbacher Festhalle gaben am Samstagabend die einzelnen Gruppen Beispiele ihrer Arbeit. wobei das Schülerorchester der JLK-Gemeinschaft Gräfenhausen mit seinen außerordentlichen musikalischen Leistungen besonders aufflel. Selbst kleine Landgemeinden wie Ober-Hainbrunn verdienten mit ihren Leistungen ehrlichen Beifall. Am Sonntagvormittag war zunächst Gottesdienst für beide Konfessionen, dann fanden im Erlenbacher Steinbruch Sportwettspiele statt. Das Freilichtspiel „Abu Hassan“ der Erbacher Gruppe beschloß das Treffen. (tchad)

Beerfeldens neue Glocken hnd da

Am Samstagabend wurden die neuen Glocken in feierlichem Zug vom Bahnhof eingeholt. Der Rothenburger Posaunenchor, die drei evangelischen und der katholische Geistliche sowie zahlreiche Gemeindemitglieder geleiteten die beiden Wagen mit den Glocken zum Marktplatz, wo sie über Sonntag zur Besichtigung vor der Kirche aufgestellt wurden. Am Mittwoch ist erstes Probeläuten. Die Glockenweihe nimmt Probat Rau am 23. Juli vor. (-tehad-)

„I bin a Baner grad wie ihr!“

Bundesminister Nicklas sprach auf der Bauernkundgebung in Reinheim

„Schaut’s — i bin a Bauer grad wie Ihr, i komm’ vom Wendelstein, dort hab’ i en Hof —grad wie Ihr“, so sprach Bundesernährungsminister Nicklas zu den 1500 Landwirten, die am Samstagmittag im Rahmen der 650-Jahr-Feier der Stadt Reinheim zu einer Kundgebung zusammengekommen waren. Kreisverbandsvorsitzender Weidmann, Hof Güttersbach, hatte zuvor den Minister, Ministerialdirektor Friedrich, Darmstadt, Oberlandwirtschaftsrat Dr. W e - be r, Frankfurt, Professor Dr. Saurer, Landrat Ritzert, Vertreter der Kreisbauernverbände von Bergstraße, Erbach, Groß-Gerau, Hanau, Offenbach, Direktoren der Landwirtschafts- und Berufsschulen, den Vertreter der amerikanischen Zivilverwaltung und eine Reihe anderer Gäste begrüßt.

Landrat Ritzert nannte die Versammlung einen der Höhepunkte des Stadtjubiläums und die deutsche Landwirtschaft einen der tragenden Pfeiler deutschen Lebens überhaupt; Bürgermeister Marx wies auf die Bedeutung der landwirtschaftlichen Erzeugung für die deutsche Volkswirtschaft und auf die Notwendigkeit der Erfüllung berechtigter Forderungen hin, damit die Arbeit des Landwirts nicht umsonst sei.

„Wie auf dem Öktoberfest in München bin i mir vorkommen“, sagte der Minister eingangs seiner Rede weiter; die Reinheimer Tage böten den Bauern willkommene Gelegenheit, auch einmal Haus und Hof, Acker und Feld, Pflug und Vieh hinter sich zu lassen, um einmal fröhlich und festfreudig gestimmt zu sein. Die deutsche Landwirtschaft müsse den Anschluß an den Weltmarkt finden, sie dürfe aber nicht den Zickzackkurs des Weltmarktpreises mitmachen. Sie bedürfe eines festen Fundaments, das ihr das dem Bundestag jetzt vorgelegte Gesetz bringen solle, das die Grundlinien für die Zukunft der deutschen Landwirtschaft festiege. Hinsichtlich des Getreidepreises habe die Bundesregierung einmütig beschlossen, vom 1. Juli ab den Entgelt für inländischen Weizen von 26 auf 32 DM und für Rogen von 24 auf 28 DM je Doppelzentner zu erhöhen. Bald werde die Zeit kommen, wo uns die Vereinigten Staaten nicht mehr von jedem Laib Brot oder Brötchen die Hälfte lieferten.

„In meiner linken Herzkammer bin ich Landwirtschaftsminister — als dieser und als Bauer geht mein Streben stets nach einer vollen Würdigung der Aufgaben und Leistungen und Forderungen des Landwirts. In meiner rechten Herzkammer aber bin ich Ernährungsminister. Da denke ich gleichermaßen an die Menschen, die freitags mit 36, 38 oder 40 Mark in der Tasche nach Hause kommen und sieben lange Tage mit ihrer Familie davon leben müssen. Das sind die Millionen deutscher Arbeiter, auf die ich unter anderen bei der Gestaltung des Brotpreises Rücksicht nehmen muß. Die meisten Sorgen aber macht mir die Milch, die die Bäuerin alltäglich in dünnem weißem Strahl im Stalle holt, die aber zu einem mächtigen Goldstrom wird, weil sie die finanzielle Existenzgrundlage für den Bauern ist. Es gibt Tausende von bäuerlichen Betrieben, von denen kein Zentner Weizen auf den Markt kommt, es gibt aber keinen Bauernhof, der nicht Milch abllefert. Und so ist die Gestaltung des Milchpreises das A und O des landwirtschaftlichen Lebens Die Möglichkeit anderweitiger Deckung des Eiweißbedarfs, die durch die Aufhebung der Zwangswirtschaft auf dem Lebensmittelsektor sich ergeben hat, ist der Regulator, dessen Tourenzahl der Verbraucher bestimmt.“

„Gelegentlich einer Unterredung mit dem früheren amerikanischen Militärgouverneur für die Bundesrepublik, General Clay, habe ich gefragt: ,Warum schauen uns eigentlich die Amerikaner so genau auf die Finger, warum beobachten sie so haarscharf, was wir tun, und was wir nicht tun?* .Weil hinter jedem der fünfzig Millionen Deutschen*, so antwortete mir McClay, ,ein amerikanischer Steuerzahler steht, und der will wissen, was mit seinem Gelde geschieht*.“ Die Landwirtschaft müsse mit der Industrie mehr in Schritt und Tritt kommen. Für sie gebe es allerdings keine Maßnahmen von heute auf morgen, denn alle ihre Produkte verlangten, durdh das Klima bedingt, eine „lange Lieferfrist“. (Holland und Belgien seien Niedersachsen zum Beispiel pro Jahr um fast drei Wochen voraus.) Was auf dem Gebiet der Handelspolitik vor dem 15. November 1949 geschehen sei, falle nicht in die Verantwortung der Bundesregierung, denn als die Vielt wieder angefangen habe, voll zu erzeugen, habe Westdeutschland nicht im Zimmer gesessen. Jetzt aber habe sich das geändert, und der Bundestag habe kürzlich eine Anregung aufgenommen, die die Grundlinien auch unserer Handelspolitik festlege.

Durch ständige Buchkontrollen habe er einen laufenden Ueberblick über 2500 landwirtschaftliche Betriebe zwischen Schleswig-Holstein und dem Bodensee. Es habe sich dabei ergeben, daß die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf einer Mindesthöhe gehalten werden müßten, denn sonst werde die Substanz angegriffen und die Landwirtschaft auf die Dauer nicht mehr lebensfähig sein.

„Wir Bauern“, so schloß der Minister, „werden unsere Pflicht tun — komme, was kommen wolle, aber wir hoffen, daß der Herrgott das sehe und belohne!“ (RG)


Bundesernährungsministei- Nicklas bei seiner Ansprache. DT-Photo; Schröder
Bundesernährungsministei- Nicklas bei seiner Ansprache. DT-Photo; Schröder

Kriegsgefangenenprobleme

Eine menschliche Angelegenheit

Bedeutsame Heimkehrerversammlung in Dieburg

Die Treuhänderschaft Dieburg der Heimkehrer hatte zu einer Versammlung im „Traubensaal“ eingeladen, wo der 1. Treuhänder der Bezirksstelle Darmstadt, Freitag, und Dr. Kaul, Bensheim, in erschöpfenden Ausführungen zwei Themen behandelten, die für alle Heimkehrer von grundlegender Bedeutung sind.

Nach Begrüßung durch den örtlichen Treuhänder Eckhardt führte zunächst der Darmstädter Sprecher aus, daß der treuhänderische Zusammenschluß der Heimkehrer als eine Interessenvertretung arbeiten wolle, die auf rein ideeller Basis fuße, fern jeder Geschäftemacherei. Sie umfasse alle Heimkehrer einerlei, aus welchem Verwahrland sie gekommen und zu welcher Zeit sie wieder in die Heimat zurückgekehrt seien. Für sie gebe es den Begriff des Spätheimkehrers, wie er u. a. im Aufbauhilfegesetz festgelegt sei, nicht. Allein das Gewissen müsse Ansporn sein, denen zu helfen, die noch nicht wieder daheim seien, und auch, denen, die noch Angehörige in Gefangenschaft haben. Der Zusammenschluß solle aber auch den Forderungen der Heimkehrer Gehör und Erfüllung verschaffen, denn Verständnis allein genüge nicht ein Minimum des Lebens müsse dem Heimkehrer garantiert werden. „Wir müssen und wollen das heilige Versprechen einlösen, das wir einst gegeben haben: uns einander so lange zu helfen, bis alle wieder daheim sind, und darüber hinaus all den Frauen und Eltern, die noch auf einen Angehörigen warten, ihnen zuverlässig Kunde geben vom Schicksal ihrer Lieben“, so schloß der Bezirkstreuhänder.

Dr. Kaul verbreitete sich dann über die Möglichkeiten der Existenzgründung, die die sog. Aufbauhilfe gebe. Die Zentralstelle der Heimkehrer in Deutschland wolle alle Heimkehrer erfassen. Die Arbeit der Heimkehrer-Treuhänder gelte jedem einzelnen, der einmal in Feindesland gewesen sei. Das Kriegsgefangenenproblem sei keine politische, sondern eine menschliche Angelegenheit. Das stärkste Bindeglied sei das Erleben hinterm Draht, das beste Mittel der Zusammenarbeit die Zeitschrift „Der Heimkehrer-Treuhänder“, die sowohl Mitteilungen von Heimkehrern zur Benachrichtigung von Angehörigen veröffentliche als auch Suchmeldungen. Dankbar erkenne der Heimkehrer die Arbeit anderer Verbände und Organisationen an, aber mit der karteimäßigen Erfassung der Vermißten oder Gefallenen allein könne man das Ziel restloser Aufklärung des Schicksals aller, die noch nicht wieder zurückgekommen seien, nicht erreichen.

Der örtliche Treuhänder Eckhardt gab zum Schluß noch bekannt, daß sich seit dem Gründungstag in Dieburg 63 Heimkehrer der Bezirksstelle Darmstadt angeschlossen haben. (RG)

Unverletzt unter Trümmern

Von ungeheurem Glück konnten zwei Angestellte der Firma Gartenbau-Schönberger in Auerbach sprechen, die am Samstagmorgen gegen 10 Uhr in einem Dreiradlieferwagen auf der Hauptstraße fuhren. Ein schwerer Lastzug mit zwei Anhängern der Wiesenmühle Eberstadt überholte das kleine Fahrzeug -so scharf, daß der vorderste Anhänger die Hinterachse des Dreiradwagens erfaßte und ihn gegen einen Baum drückte. Der Wagen prallte zurück, drehte und überschlug sich, so daß er schließlich auf dem Rücken lag. Die zwei Insassen krochen unverletzt aus dem stark beschädigten Fahrzeug. (-ae-)

Verontiortunasloser Vater

Er wollte sich „absetzen“

Vor dem Bezirksschöffengericht Michelstadt unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Loe s c h stand ein junger Mann aus Steinbach in den ersten zwanziger Jahren, sehr unfertig, ein halbes Kind fast und es fiel schwer, ihm zu glauben, daß er verheiratet und Vater zweier Kinder ist. Er war noch nicht Zwanzig, als er seiner Braut aus Langen-Brombach das Ja-Wort gab. Ueber Ernst die-es Schrittes und die damit verbu-4''r,e Verantwortung war er sich nicht klar. Wenn auch das Eheglück nur von sehr kurzer Dauer war, kamen doch zwei Kinder zur Welt. Kurz vor der Geburt des zweiten wollte der fürsorgliche „Vater" seine Frau verlassen und sich mit einer Freundin in die Ostzone „absateon“. Beim Gronrüknrganr wu-d" nr aber zurückgeschickt, da einiges nicht stimmte. Trotzdem er in der Zwischenzeit ordentlich bezahlte Arbeit fand, dachte er nicht daran, für seine Frau und die Kinder zu sorgen.

Der Aburteilung legte das Gericht ein selten angewandtes Gesetz zum Schutze der Familie zugrunde, den Paragraph 170 Absatz B und C. dessen Entwurf zwar aus dem Jahre 1927 stammt, das aber erst 1943 in Kraft trat. Danach erhielt der pflichtvergessene jugendliche Vater drei Monate Gefängnis unter Anrechnung der verbüßten Untersuchungshaft, wobei bestimmend für die Milde des Urteils seine große Unreife war. (-ch)

50 Iuhre Sängerlust kocherbach

Der Gesangverein ..Sängerlust** Kocherbach feierte am Samstag und Sonntag sein 50iähriges Bestehen mit einem Sängerfest, zu dem 18 auswärtige Vereine erschienen waren. Der Festkommers am Samstag in Festzelt und Freibühne sah bereits die Brudervereine Hartenrod. Gadern und Affolterbach zugegen, während am Sonntag noch Ober- und Unter-Schönmattenwag. Rothenberg. Aschbach. Wahlen. Scharbach. Kröckelbach. Kreidach. Lindenfels. Ober*- Mumbach „Sängerbund“ und SKG Waldmichelbach. ..Liederkranz“ Fürth. Hammelbach und Gras-Ellenbach hinzukamen. Achtzehn der Gründungsmitglieder sind bereits verstorben: den noch lebenden konnte Vereinsnräsident Georg Wiemer die Ehrenurkunde überreichen: es waren Peter Roth. Adam Schmitt Peter Schmitt II Peter Alter und Johann Schmitt. Der Jubelverein unter seinem nun 40 Jahre tätigen Dirigenten Konrad Krämer — er erhielt ebenfalls eine Ehrenurkunde — hatte mit diesem Fest das Wohlwollen aller seiner Besucher, die ein Mehrfaches der Einwohnerzahl ausmr'’hten. gewonnen. Din Kapelle Stem-Ehret (Siedelsbrunn) spielte sams>tags und sonntags zur allgemeinen Unterhaltung wie auch zur Ausgestaltung der Feierstunden.

Einhufer und Zweihufer standen im führring

Pferde- und Fleckvieh vor den Richtern in Reinheim

Die umfassende Folge der 650-Jahrfeier der Stadt Reinheim sah unter anderem auch eine Kreispferdeschau und eine Bezirksfleckviehschau vor. Für den ersten Wettbewerb waren Graf Alexander zu Erbach-Erbach, Landstallmeister Dr. Friehlingshaus, Reinheim, Dr. Uppenpan, Frankfurt, und die Züchter Georg Weber, Brandau, Georg Sturm, Goddelau, und Heinrich Veith, Reichelsheim (Wetterau), gewonnen. Wenn auch die Beschickung — hauptsächlich aus Reinhe'm und Umgebung — räumlich begrenzt war, so war das vorgeführte Pferdematerial im Durchschnitt als sehr gut bis gut zu bezeichnen.

In der Abteilung Kaltblut wurden die zweijährigen Stuten wie folgt prämiiert: I. Preis R. Knell, Ueberau, H. Heil, Habitzheim; 11. Preis: H. Gauger, Reinheim. Dreijährige Stuten: I. Preis und Abteilungssieger: Heinrich Michel, Habitzheim; 11. Preis: W. Schuchmann, Ueberau. Stuten mit Fohlen: I. Preis: H. Heil, Habitzheim, K. von Willig, Reinheim; 11. Preis: Philipp Daum, Groß-Bfeberau. In der Abteilung schweres Warmblut gab es folgende Prädikate: Zweijährige Stuten: I. Preis und Abteilungssieger: G. F. Bernius, Reinheim; 11. Preis: G. Kapp, Habitzhaim, O. Lutz, Lengfeld. Dreijährige Stuten: I. Preis: W. Schuchmann, Reinheim, O. Knell, Ueberau; 11. Preis: Ph. Daab, Groß-Bieberau. Stuten mit Fohlen: I, Preis: H. Heil, Habitzheim, Georg Haas, Habitzheim. W. Schönberger, Groß-Bieberau; Stuten mit mehreren Nachkommen: I. Preis: H. Heil, Habitzheim; 11. Preis: W. Schönberger, Groß-Bieberau; 111. Preis: K. Michel, Reinheim.

Das Richterkollegium für die Fleckviehschau setzte, sich aus Oberlandwirtschaftsrat Dr. Rother, Oberursel, Bürgermeister Siefert, Airlenbach, Inspektor Klassert und Assessor Grunbach vom Tierzuchtamt Darmstadt, sowie den Züchtern Hebermehl, Crumstadt, und Schaber, Biebesheim, zusammen. Tierzuchtdirektor Seeger, Darmstadt, wies vor der Preisverteilung daraufhin, daß die drei Hauptpunkte bei der Viehzucht: Langlebigkeit, Leistung und Fruchtbarkeit'' im großen und ganzen befriedigend zutage getreten seien. Allerdings müsse der Odenwaldbauer noch größeren Wert auf gute Euterbildung und damit Erhöhung der Milchleistung legen. Es gab folgende Wertungen:

Klasse Bullen: I. Preis: Gemeinde Reinheim, Bullenstation Reinheim, K. W. Michel, Reinheim, G. K. Michel, Reinheim. 11. Preis: Gemeinde Ueberau, Gemeinde Spachbrükken, Gemeinde Groß-Bieberau, G. Michel 11., Reinheim.

Deistungskühe 10 Jahre und älter: I. Preis: K. W. Michel, Reinheim, G. K. Michel, Reinheim. 11. Preis: Georg Michel 11., Reinheim. Kühe 5 bis 10 Jahre: I. Preis: W. Schuchmann, Reinheim, F. W. Schuchmann, Ueberau, F. W. Schuchmann, Ueberau, G. K. Michel, Reinheim, K. Bernius, Reinheim, K. W. Michel, Reinheim, (I.a), G. Michel 11., Reinheim; 11. Preis: Georg Röder, Groß-Bieberau, Ai L. Göckel, Spachbrücken, F. Stuckert, Ueberau, W. Dehn, Reinheim, F. W. Schuchmann, Ueberau, G. F. Bernius, Reinheim, G. A. Bernius, Ueberau, F. W. Schuchmann, Ueberau, W. Reichert, Spachbrücken, F. D. Becker, Reinheim, und acht dritte Preise. Kühe bis 5 Jahre: I. Preis: G. W. Best, Reinheim, G. Ph. Bernius, Uebenau, G. F. Bernius, Reinheim; 11. Preis: G. Böhm 11., Grofl-Biiebenau, K. W. Michel, Reinheim, W. Schuchmann, Reinheim, F. Röder, Spachbrücken, H. Dieter, Schachbrükken, G. K. Michel, Reinheim, W. Schuchmann, Reinheim, und 16 dritte Preise.

Rinder: I. Preis: Ph. Merz, Groß-Bieberau, F. K. Ramge, Spachbrücken, W. Mayer VII., Spachbrücken, Ph. Merz 11., Groß-Bieberau, G. K. Michel, Reinheim; 11. Preis: H. Schwöbel Wwe., Reinheim, L. Appel, Reinheim, K. W. Michel, Reinheim, W. Reichert, Reinheim, G. F. Bernius, Reinheim, und neun dritte Preise.

Kuhfamiilien: I. Preis: K. W. Michel, Reinheim, G. K. Michel, Reinheim. G. F. Bernius, Reinheim; 11. Preis: F. D. Becker, Reinheim.

Einzelzüchtersammlungen: I. Preis: K. W. Michel, Reinheim, G. K. Miichel, Reinheim: 11. Preis: F. W. Schuchmann, Ueberau, und ein dritter Preis. Große Sammlungen (ein Bulle und zehn weibliche Tiere): I. Preis: Ortsfachgruppe Reinheim (alles überragend); 11. Preis: Ortsfachgruppe Ueberau, Ortsfachgruppe Spachbrücken, und zwei dritte Preise. (RG)

HEGEMAG-Rictfest im Odenwald

Mit einer schlichten Feier wurde am Samstagnachmittag der Richtkranz auf das Sechsfamilienhaus im „Drachenfeld“ in Erbach gesetzt, das als erster Bau der „HEGEMAG“, Darmstadt, im Kreis Erbach errichtet wurde. Inzwischen wurde ein zweites Bauvorhaben in Michelstadt begonnen. Der Bau enthält vier Dreizimmerwohnungen mit Bad, Küche und Speisekammer von insgesamt 60 qm Wohnfläche, und zwei Zweizimmerwohnungen mit 43 qm. Der Mietpreis beträgt 89 Pfennig je qm. Die Wohnungen sind für Staatsbedienstete in Erbach bestimmt, die bisher ihren Wohnsitz außerhalb haben und Trennungsgeld beziehen. Geschäftsführer Ludwig Finster von der HEGEMAG dankte der Stadt für die kostenlose Bereitstellung des Baugeländes und die tatkräftige Unterstützung des Bauvorhabens. Regierungsrat Zörgiebel vom Landratsamt hob hervor, daß die HEGEMAG mit ihren Bauten dem notleidenden Kreis Erbach eine Hilfe zuteil werden lasse, für die er Regierungsrat Stork als dem Vorsitzenden der HEGE¬MAG, und Regierungsrat Ranft vom Finanzministerium herzlich danke. Bürgermeister Volk bot der HEGEMAG kostenloses Baugelände für weitere zwei Häuser an.

Dieburg feierte mit den Sängern

75jähriges Jubiläum des Kellerschen Mannergesangvereins

Wohl kaum in den vergangenen fünf Jahren, ausgenommen die hohen kirchlichen Feiertage, stand Dieburg so im Banne eines örtlichen Ereignisses wie in den vergangenen Tagen anläßlich des 75jährigen Jubiläums des Kellerschen Männergesangvereins. Ließen schon die im Laufe dieses Frühjahrs abgewickelten Jubiläumsveranstaltungen einen Schluß zu auf die Bedeutung, die den Männersängern auch als Kulturfaktor der Stadt zukommt, so wurde dieser Eindruck bereits am Samstagabend zu stärkster Wirkung gebracht.

Die Akademische Feier im Festzelt bildete den Auftakt. Die Festmusik, von der Kapelle Hofmann der Bedeutung der Veranstaltung entsprechend sinnvoll gewählt und klangschön vorgetragen, und die Beiträge aller Dieburger Vereine zur Ausgestaltung des Abends ließen die Stunden zu einer Würdigung all dessen werden, was der Kellersche Männergesangverein für die Kreisstadt und ihre Bevölkerung bedeutet. Präsident Jakob Kern begrüßte zunächst viele Ehrengäste, an ihrer Spitze den Protektor des Jubiläums, den Präsidenten des Fernmeldetechnischen Zentralamtes und Chef-Ingenieur der Bundespost, Dipl.-Ing. Karl Herz, mit ihm den Staatssekretär für das Bundespostwesen, Dr. Hans Steinmetz, Landrat Ritzert, Büngermeister Ludwig Steinmetz und den Kreisvorsitzenden des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes, Sparkassendirektor Fleckenstein. Jakob Keller fand im Laufe seiner Ansprache tiefempfundene Worte des Gedenkens für die Vereinsmitglieder, die nicht mehr unter den Lebenden weilen, und für den Mann, dessen Name der Verein heute trägt, Lehrer Ludwig Keller, der die Dieburger Männersänger durch manche Höhen und Tiefen des Vereinslebens geführt hat und ihrem Namen weit im Lande besten Klang gab. Protektor Karl Herz gab in seiner Festrede all dem Raum, was der Verein in den 75 Jahren seines Bestehens erlebt hat. Er würdigte die künstlerischen Leistungen nicht nur im Rahmen des deutschen Sangeswesens, sondern auch im Leben der Stadt. Seine Anerkennung galt aber auch Chorleiter Adam Simmermacher jun., dessen Verdienste an den gesanglichen Leistungen des Chors er besonders unterstrich.

Landrat R i tz e r t hob den Männergesang als einen der edlen Züge des deutschen Volkes hervor, der seine Kraft schöpfe aus Heimat und Gottesfurcht. Für Bürgermeister Steinmetz ist der Gesang in seiner gepflegten Form der unentbehrliche Quell der Lebensfreude. Kreisvorsitzender Fleckenstein sprach von den ethischen Werten des deutschen Liedes und Chorgesanges. Zahlreiche Gratulationen setzten den Abend fort, an dessen unterhaltender Ausgestaltung sich mit starkem Erfolg zwei Geräteriegen des Turnvereins und der RV 1899 beteiligten.

Bei strahlendem Sonnenschein setzte sich am Sonntagnachmittag der Festzug in Bewegung. Er wurde vom RV 99, der mit festlich geschmückten Rädern gekommen war, eröffnet. Eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr folgte. Die Gesang- und Sportvereine der Stadt, die Kolpingsfamilie, der Gesellenverein und schließlich der aktive Chor des Kellerschen MGV schlossen sich an. Nadi der Ankunft des Zugs auf dem Festplatz entwickelte sich dort bis in die späten Abendstunden bei Gesangvorträgen, Unterhaltung und Tanz viele frohe Stunden.

Heute mittag hat die Jugend das Wort: Kinderbelustigungen aller Art, Buden- und Karussellbetrieb und am Abend ist Abtrunk.

Die Ergebnisse des Kreiswertungssingens

Am Sonntagvormittag wickelte sich unter der Kritik von Musikdirektor Zoll, Frankfurt, im Saale der „Dudwigshalle“ das Wertungssingen sehr flott ab. In abschließenden Worten zeigte der Kritiker alle die Punkte auf, die bei Beurteilungen einer Werkwiedergabe zu beachten sind. Direktor Zoll kam zu folgenden Prädikaten: „Sängerlust“ Dieburg (Leitung Holzapfel / 90 Sänger) sehr gut/hervorragend; MGV 1945 Münster (Kücherl/90) sehr gut/hervorragend: Arbeiter-GV „Einigkeit“ Spachbrücken (Geiß/65), Freie Sängervereinigung Dieburg (Manus/70. gemischter Chor), Arbeiter-GV Groß-Zimmern (Pulmann f. Adam Simmermacher sen./80), Kellerscher MGV Dieburg (Adam Simmermacher jun./130), alle gut/sehr gut; GV Gundemhausen (Kreisel/38) befriedigend. (RG)

Ministerpräsident Stock

in Ober-Ramstadt

Anläßlich des Besuches in der Gemeinde Oberramstadt sprach der Ministerpräsident in einer gut besuchten Versammlung der SPD. Nach kurzen Begrüßungsworten des Bürgermeisters Frankenberger, ergriff er, von lang anhaltendem Beifall begrüßt, das Wort. Er sprach zur Schulfrage, zur wirtschaftlichen und politischen Lage und stellte das Flüchtlingsproblem als eine Frage dar, die nurvon den Alliierten befriedigend gelöst werden könne. Die Geschehnisse in Korea könnten sich schon morgen bei uns ereignen. Unsere gesamte Kultur stünde auf dem Spiele. Der Ministerpräsident erntete für seine sachlichen Erörterungen viel Beifall. (D)

Neckarsteinach im Zeichen des Gesangs

Gesangverein „Sängerbund“ feierte 90jähriges Jubiläum

Die Straßenzeilen des idyllischen Städtchens Neckarsteinach standen ebenso wie seine Einwohner an diesem Wochenende im Zeichen des Gesanges: Der Gesangverein „Sängerbund“ feierte sein 90. Stiftungsfest. Inmitten grüner Wiesen war am Flußstrand der Festplatz mit dem überdimensionalen Zelt aufgebaut. Schaukeln und Schießbuden, Karussells und Jahrmarktstände gaben zusammen mit Wimpeln. Fahnen. Girlanden und festlich gekleideten Menschen dem Tale weithin das Gepräge, und die zahlreichen Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung fühlten sich — das darf unumwunden festgestellt werden — gut empfangen und aufgehoben.

Den Auftakt bildete die samstägliche Totenehrung auf dem Friedhof. Dreißig Kinder und dreißig weißgekleidete Jungfrauen, der Bläserchor Bammenthal und der Jubelverein mit Präsident Dittmer an (.der Spitze traten den zu ernster Rückschau mahnenden Gang an. um nach einigen Gedenkworten am Ehrenmal einen Kranz niederzulegen. Der Abend stand im Zeichen des Festkommers am kühlgewordenen Nekkarstrand. Elisabeth Jeck Lotte Götz und Anne Heilmann sprachen den Prolog, ehe der Vereinspräsident die Ansprache hielt und anschließend die Vereinschronik verlas. Einige Liedvorträge des Jubelvereins und der bereits anwesenden Nachbarn, des Volkschors Neckarsteinach des Singvereins Schönau. Darsberg u. a. vervollständigten das abendliche Programm, das in einem gemütlichen Beisammensein ausklang.

Der Sonntag fand seinen Hauptpunkt in dem allgemeinen Preisisngen. zu dem wertvolle Pokale gestiftet waren. Der Bezirksvorsitzende des Deutschen Sängerbundes, Döne c k e (Darmstadt), Bürgermeister Schmitt (Neckarsteinach) und weitere Ehrengäste waren zugegen, als sich die Sänger dem Richterkollegium im Festzelt stellten. Die bis in den späten Vormittag ankommenden Gastvereine — insgesamt hatten sich sieben Vereine zum Preissingen, fünf Vereine zur Kritik und weitere acht Vereine zum allgemeinen Chorsingen angemeldet — wurden freundlich emnfangen und konnten sich kurz nach Mittag an dem Festzug durch Neckarsteinach beteiligen; er wurde zu einem bemerkenswerten Bekenntnis zum Liede und seinen tragenden Ideen.

Den Höhepunkt des Sonntags allerdings hatten leider mehrere der aus Mannheim, Heidelberg. Weinheim dem hessischen und badischen Odenwald usw gekommenen Vereine nicht mehr erleben können, da sie bereits vorher abgereist waren. Die vier das Städtchen krönende Burgen erstrahlten bei Einbruch der Dunkelheit in herrlichem bengalischem Licht: prachtvoll das Farbenspiel und die im Feuerwerk erstrahlenden Silhouetten vor dem Hintergrund der schwarzen Waldberge. (_r)

Kinderfelt in Bensheim

Mit dem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ begannen am Samstagnachmittag die Kleinen u„d Kleinsten des Bensheimer evangelischen Kindergartens ihr Sommerfest. Die Leiterin, Tante Henny ■Kunz, und ihre Helferinnen hatten alles mit Liebe vorbereitet, so daß es für Kinder und Eltern ein richtiger Festnachmittag wurde. Nach einigen herzlichen Begrüßungsworten von Pfarrer Dr. Jakob zeigten die Kleinen in ihren hübschen bunten Kostümen allerlei frohe Spiele und ernteten viel Beifall. In der Pause gab es dann Kaffee, Kuchen und Limonad , an verschiedenen Ständen konnten die Kinder mancherlei schöne Dinge gewinnen. Im zweiten Teil des Programms führte die Jungschar Volkstänze auf. (HB)

Brünngdesfest in Brensbach

Am Nachmittag des Sonntags zogen die Schulkinder der Gemeinden Brensbach und Höllerbach mit ihren Lehrern und der Brensbacher Kapelle zum Eberhardsbrünnchen. Der Bürgermeister eröffnete das traditionelle Kinderfest mit einer Ansprache und wies auf den Sinn der Veranstaltung hin. Die Kinder, alle mit blauen Kornblumenkränzen in den Haaren, hatten nach der Ankunft des Festzuges in dem reizvollen Tal ihren ..Weck“ bekommen und legten nun in feierlicher Form einen neuen Kranz auf das Eberhardsbrünnchen. Der Brunnen selbst wurde um 1840 zu Ehren des Grafen von Erbach erbaut, der bei seinem Ritt von Darmstadt nach Erbach immer in dem kleinen Tal rastete.

Nach dem Lied ..Herzlich willkommen“ und ..Im weiten Deutschen Reich“ gaben die Kinder mit vielfältigen Darbietungen einen schönen Nachmittag. Erst tanzten die unteren Klassen der Schule verschiedene Reigen. dann folgte ein Staffellauf mit Hindernissen. und im Laufe des späteren Nachmittags wurde „Der Roßdieb von Fünsing“, ein Schwank von Hans Sachs von der Oberklasse aufgeführt. Die Kinder und Erwachsenen dankten den kleinen Darstellern hierfür und für die mit viel Verständnis und Humor gezeigte Leistung von „Hans im Gluck“ die die Volksschule Höllerbach zeigte. Sportliche Geschicklichkeitsübungen am Kletterseil und der Wippstange bildeten den Abschluß des gelungenen und beliebten Festes der Kinder am Eberhardsbrünnchen. ng.

Arbeit auf „Yorteil“

Wer hätte das von August Schäfer gedacht! Jahrelang versah er schlecht und recht seinen Dienst als Stromableser der HEAG in Erbach, kassierte mal viel mal wenig, je nachdem, wieviel Kilowatt un Laufe eines Monats durch den Zähler gingen. Wann ihm der unglückselige Gedanke kam, „auf Vorteil“ zu arbeiten weiß außer ihm im Augenblick niemand.

Einem Erbacher Betriebsinhaber fiel eini ges an der letzten Stromrechnung auf zuerst die Höhe des Verbrauchs, obwohl’ der Betrieb 14 Tage lang in Ferien war, dann einige Unstimmigkeiten in der Multiplika tion und Addition. Er verlangte von dem Stromabnehmer eine Erklärung; die Unter redung war kurz und peinlich. Unter gel stammelten Entschuldigungen legte August chafer das runde Sümmchen von 800 DM auf den Tisch, als Ausgleich für „irrtümlich fi^iT berechneten Stromverbrauch". Das fiel dem Betriebsinhaber natürlich wieder- • ‘f6 Rücksprache mit der HEAG 1 °STn Entlassung des Stromablesers. Jetzt untersucht die Gendarmerie den ganzen Fall und der Gerichtsaktuar bereitet schon einen Aktendeckel vor in Sachen August Schäfer, Erbach, betreffend Betrug und Unterschlagung“.

Kein Mensch hätte ihm eine solche zugetraut. wo er doch sein gutes hatte nin einer gesicherten Position 11 a LLC. . .. (-ch)

Iubiläum

50 Jahre Geflügelzucht-Und Brieftaubenverein Ober-Ram&tadt

vollen Stakt^f3™ Samstag glanz- cinh a • m U eln€m Fackelzug an dem dem Weckruf^mn Nach te™ 1500 b7wL Sonntagvormittag starte-VereinSungen u°n fremd®n Reise¬ -9 Uhr gd£§ f S^utze^^ fand um üter Kreiszüchtertagung statt □enlUm’,^ ausführlich berichten Ä Friedhof r ^rde am ^renmal Nachmittags ? Kra^lZ medergelegt. 20 Fedwas» ?lch ei?.. Fesfzu£ mit über allen hiesigen ’v/16'611 Gästevereinen und in Bewegung I ™°n nach dem Fes’plafz der Frühschom!? wird wie üblich finden Ki^r^n Mittags Abend JH ^ ^ U^tigungen statt und am

Der Sport

Stordy kam sechsmal über 57 Meter

Hessens Leichtathletik-Meisterschaften in Wetzlar

Wetzlar. (SID.) Hessens Leichtathleten erzielten bereits am ersten Tag ihrer Titelkämpfe in Wetzlar trotz schwerer Bahn einige gute Leistungen. In großartiger Form befand sich der Hammerwerfer Storch, dessen sechs Würfe sämtlich über 57 m lagen, zwei davon sogar über 58 m. Mit 58,68 m holte er sich nicht nur die Meisterschaft, sondern stellte auch eine neue deutsche Nachkriegsbestleistung auf. Ueber 200 m blieb Ulzheimer nur um Handbreite hinter Wittekindt, die beide in 22,9 einkamen. Sehr gut lief auch die Frankfurterin Glöckner über 200 m in genau 26 Sekunden.

Unter den Sprungwettbewerben konnte nur der Hochsprung befriedigen, in dem zwei Springer 1,85 Meter erreichten. Die Meisterschaft fiel an Theilmann (Eintracht Frankfurt), der zuvor schon die 110 Meter Hürden in 15,8 Sekunden gewonnen hatte.

Die Ergebnisse des Samstag:

Männer: 200 m: 1. Wittekindt 22,9, 2. Ulzheimer 22,9 (Handbr.), 3. Pfeifer (alle Eintracht Frankfurt) 23,00. — 10 000 m: 1. Siegmann (Fritzlar) 34:55,6. — 10- km-Bahngehen: 1. Schwertel (VfR 07 Limburg) 52:21,0. — Weitsprung: 1. Göbel (Korbach 09) 6,81 m, 2. Kohl (FSV Frankfurt) 6,66 m, 3. Wünsche (Eintr. Frankfurt) 6,55 m. — Kugelstoßen: 1. Dr. Luh (VfL Gießen) 14*40 m. — Hammerwerfen: 1. Storch (Fulda) 58,68 m, 2. Blask (Eintr. Frankfurt) 51,48 m, 3. Desch (Marburg) 42,22 m.

Frauen: 200 m: 1. Glöckner (Eintr. Frankfurt) 26,0, 2 Leichter (TV Wetzlar) 26,5, 3. Thoma (FSV Frankfurt) 27,1. — 80 m Hürden: 1. Schmelzer-Kirchhoff (Kassel) 12,5, 2. Buchmeier (Eintr. Frankfurt) 12,7. — Hochsprung: 1. Lange (Kassel) 1,45 m. — Speerwerfen: 1. Leer (Eintr. Frankfurt) 36,63 m.

Die Ergebnisse des Sonntags: Männer: 100 m: 1. Wittekind (Eintracht Frankfurt) 10,9 Sek. 2. Becker (Eintracht Frankfurt) 11,0 Sek. 400 m: 1. Ulzheimer (Eintracht Frankfurt) 49,6 Sek. 2. Göbel (Korbach) 50,2 Sek. 800 m: 1. Sauer (Eintracht Frankfurt) 1:57,7 Min. 2. Jakobi (VfL Bad Nauheim) 1:59,2 Min. 1500 m: 1. Richter (Fritzlar) 4:06,6 Min. 2. Petzet (Eintracht Frankfurt) 4:06,8 Min. 5000 m: 1. Metz (Eintracht Frankfurt) 15:36 Min. 2. Gimpel (Hessen Hersfeld) 15:50 Min. 3000 m Hindernislauf: 1. Farnung (Friedberg) 10:13,2 Min. 2. Wagner (VfL. Bad Nauheim) 10:13,4 Min. 4xloo¬ --Staffel: 1. Eintracht Frankfurt. 1. Mannschaft 42,8 Sek. 2. Eintracht Frankfurt, 2. Mannschaft 44,3 Sek. 4x400-m-Staffel: 1. Eintracht Frankfurt 3:27,4 Min. 2. VfL. Bad Nauheim 3:29,3 Min. 110-m-Hürdenlauf: 1. Theilmann (Eintracht Frankfurt) 15,8 Sek. 2. Thomas (TSG 46 Darmstadt) 15,9 Sek. 400 m Hürden: 1. Wenzel (Frankfurt 1880) 60,8 Sek. 2. Ludwig (Eintracht Eschwege) 60,9 Sek. Hochsprung: 1. Theilmann (Eintracht Frankfurt) 1,85 m. 2. Naumann (1880 Frankfurt) 1,85 m. Dreisprung: 1. Vogt (SC Fulda) 13,21 m. 2. Schmidt (Fulda) 13,19 m. Stabhochsprung: 1. Tröger (1861 Eschwege) 3,35 m. 2. Gleim (Eintracht Frankfurt) 3,25 Meter. Diskuswerfen: 1. Noack (Eintracht Frankfurt) 43,20 m. 2. Blask (Eintracht Frankfurt) 40,06 m. Speerwerfen: 1. Gäbe¬ lein (Eintracht Frankfurt) 52,24 m. 2. Bohrmann (Eintracht Frankfurt) 51,71 m.

Frauen: 100 m: 1. Glöckner (Eintracht Frankfurt) 12,6 Sek.; 2. Leister (TV Wetzlar) 12,8. Sek. 4xloo-m-Staffel: 1. Eintracht Frankfurt 51,6 Sek.; 2. TV Wetzlar 52,8 Sek. Weitsprung: 1, Schmelzer-Kirchhoff (Hessen-Kassel) 5,34 m; 2. Andres (Vfß Friedberg) 5,19 m. Kugelstoßen: 1. Lehr (Eintracht Frankfurt) 11,29 m; 2. Behrend (SSV Frankfurt) 11,06 m. Speerwerfen: 1. Lehr (Eintr. Frankfurt) 36,63 m; 2. Köster (Eintracht Frankfurt) 35,90 m. Diskuswer¬ fen: 1. Kloß-Hagemann (Herm. Kassel) 35,18 m; 2. Peters (Eintracht Frankfurt 34,45 m.

Die Teilnehmer des Bezirks Darmstadt an den Landesmeisterschaften waren nicht gerade vom Glück verfolgt. Der Samstag brachte bereits den Endkampf der Frauen über 200 m, bei dem Meinhard, TSG 46 Darmstadt, den Bezirk Darmstadt vertrat. Sie belegte in ihrem ersten Lauf in einem sehr schweren Rennen den 4. Platz. Ein weiterer Vertreter des Bezirks Darmstadt war Thomas, TSG 46 Darmstadt, über 110 m Hürden.- Er lief die sehr gute Zeit von 15,9 Sek. und erkämpfte sich mit seinem 2. Platz die Teilnahme für die Deutschen Meisterschaften. Bei den 1500-m-Läufern fand man Wannemacher und Deusser, SV 98 Darmstadt, jedoch konnten sich beide nicht unter die ersten sechs placieren. Wolf, TSG 46 Darmstadt, erkämpfte sich im Vorlauf die Teilnahme an der Entscheidung und belegte hier den 6 Platz. Im 800-m-Feld von 11 Läufern fand man Koop, SV 98 Darmstadt, der nach einem schnellen Rennen ohne Vorlauf den 6. Platz belegte. Bei dem 2 Stunden dauernden Kampf der Stabhochspringer ersprang sich Ackermann, SV 98 Darmstadt den 4. Platz mit 3.15 m

Großer Erfolg des Landesturnfeltes

Englert und Martha Heuser die Hauptsieger

Begünstigt von schönem Sommerwetter nahm das erste Landesturnfest in Kassel einen Verlauf, wie ihn der kühnste Optimist nicht geahnt hat.

Der Samstag war ganz von den Wettkämpfen ausgefüllt, die auch noch den Sonntag vormittag in Anspruch nahmen. Dabei konnten die Vorjahresmeister sämtlich ihre Titel erfolgreich verteidigen. Willibald Englert (Jügesheim) wurde Zehn- und Zwölfkampfsieger, Martha Heuser-Thiem (TG Bornheim) Landesmeisterin im Neunkampf, Willi Wagner (Neu-Isenburg) Doppelmeister im volkstümlichen Sechs- und Dreikampf und Hanni Schranz-Hoppner (Neu-Isenburg) Meisterin im Vierkampf. Im Zehnkampf beteiligten sich auch einige Schweizer Turner des Bürger-Turnvereins Bern. Olympiasieger Luzy kam dabei in den ersten Rang, und auch der zweite Platz wurde von dem Schweizer Reist belegt. Dann erst folgte Englert an dritter Stelle, aber sein Abstand war so gering, daß er den Schweizern leistungsmäßig unbedingt gleichzustellen ist. Auch Dr. Wehner und Eiser sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Guten Anklang fand auch die Austragung der Deutschen Turnvereinsmeisterschaft. Auch hier gelang es dem Titelverteidiger KSV Hessen-Kassel, erfolgreich zu sein. Mit 160 Punkten Vorsprung siegten die Kasselaner ganz überlegen vor der Frankfurter Eintracht. In der Klasse B dieses Wettbewerbs holte sich der Turnverein Neu-Isenburg den vierten Sieg des Turnfestes. Die gleichzeitig mit dem Turnfest ausgetragenen Faustballmeisterschaften sahen in der Meisterklasse den Turnverein Pfungstadt zum vierten Male hintereinander als Sieger. In der ersten und zweiten Altersklasse siegte Lichtluftbad Frankfurt, in der dritten Altersklasse Weiß-Blau Frankfurt, bei der Jugend Turnverein Pfungstadt und bei denn Frauen Turnverein 1860 Frankfurt.

Der Festnachmittag wurde zürn Abschluß dieses wohlgelungenen Festes. Besonders nachhaltigen Eindruck hinterließen die Schweizer Turner mit ihrem Sektionsturnen, und rauschender Beifall belohnte die einzigartige Vorführung der Gäste. Dr. Kolb als Vorsitzender des DAT richtete zum Abschluß noch anerkennende Worte an seine hessischen Turner, und mit der Siegerehrung klang dieses erste Landesturnfest in erhebender Weise aus.

Die Hauptergebnisse: Deutscher Zwölfkampf: 1. Willibald Englert (TSG Jügesheim) 226,5 Punkte; 2. Horst Claus (TSG Klein-Krotzenburg) 223 Punkte: 3. Toni Wehner (Eintracht Frankfurt) 215 Punkte. Deutscher Zehnkampf: 1. Luzy (Bern) 191 Punkte; 2. Reist (Bern) 189,6; 3. und Hessenmeister Willibald Englert (TSG Jügesheim) 189 P. Deutscher Sechskampf: 1. Willi Wagner (TV Neu-Isenburg) 601 Punkte; 2. Günther Schwarz (TSV Bad Schwalbach) 546,5; 3. Heinz Otto (TG Schwanheim) 544,5. Deutscher Dreikampf: 1. Willi Wagner (TV Neu-Isenburg) 307 Punkte; 2. Günther Schwarz (TSV Bad Schwalbach) 266,5; 3. Heinz Otto (TG Schwanheim) 260,5.

Deutscher Neunkampf der Turnerinnen: 1. Martha Heuser-Thiem (TG Bornheim) 178 Punkte; 2. Anni Heuser (TG Schwanheim) 168,5; 3. Erika Blum (TG Eltville) 162,8. Deutscher Vierkampf: 1. Hanni Schranz-Hoppner (TV Neu-Isenburg) 432 Punkte; 2. Edith Ruppert (TSV Friedrichsdorf) 391; 3. Jutta Becker (Helmershausen) 325.

CH Süddruticher Hochschulmeister im Hockey

-dr- Durch einen 3:0-Erfolg über die Uni München und die Heidelberger 4:1 -Nicderlage gegen München wurde die TH Süddeutscher Hochschulmeister und steht damit wieder im Endspiel zur Verteidigung ihres

Titels.

Flott begannen die Gäste aus München am Samstag gegen die TH Darmstadt. Bereits in den ersten Minuten war die Verteidigung des Titelverteidigers schwerem Druck ausgesetzt, ließ sich aber nicht überrumpeln. In der achten Minute machte sich Darmstadt frei, Eiffert jagte Stengel mit einer Steilvorlage in den Gästeschußkreis und dieser schoß hart und flach ein. Die Münchener reagierten auf das Ueberraschungstor mit noch konzentrierteren Angriffen, die aber die Darmstädter Verteidigung gut auf dem Posten sahen. Eine gefährlich von links hereinkommende Flanke machte Umbach unschädlich und Stock konnte mit ausgezeichneter Leistung zweimal nur noch zur Ecke klären, da setzten die Darmstädter die Münchener Verteidigung schon wieder unter Druck. Die rot-weißen Gastgeber hingen leider zu viel an ihrem Nur-Rechts-Spiel, während die Münchener durch Flankenwechsel dem Spiel laufend ein anderes Gesicht gaben. Bei einem Kempf 'm G'irtestrafraüm roch cs bedenklich nach Strafbully, aber der Schiedsrichter entschied auf kurze Ecke. Im Anschluß daran bricht Herbstnieth durch, scheitert an dem herausgelaufenen Torwart, kann aber kurz vor der Halbzeit eine Flanke von rechts zum 2:0 verwandeln.

Nach der Pause zischen gleich einige Schüsse am Heiligtum der Gäste vorbei, ohne daß sich am Resultat etwas ändert. München drängt nun stark nach einem mehr als verdienten Anschlußtreffer. Eiffert hilft im Kreis mit aus, die gesamte Hintermannschaft zeichnet sich nacheinander aus, hat aber Glück, als in der 47. Minute ein Schuß knapp am Tor vorbeigeht und wenige Minuten später war das leere Tor nur Zentimeter zu tief, sonst wäre der Anschluß gelungen. Aber dann raffte sich noch einmal die TH auf. Argus war auf der linken Seite durchgebrochen, seine knapp vor dem Münchner Tor vorbeiziehende Flanke konnte keiner der vier mit vorn stehenden Darmstädter Stürmer verwerten- Fünf Minuten vor Schluß erhöhte Eiffert mit einem schwachen Schuß, den der getäuschte Gästetorwart verfehlte, auf 3:0.

Am Sonntag standen sich die Universitäten München und Heidelberg gegenüber. Wie erwartet, konnte München die Uni Heidelberg sicher mit 4:1 schlagen. Schade, daß die Heidelberger fehlende Technik mit Fouls auszugleichen versuchten, der Abschluß wäre sonst schöner gewesen. — Dr. Schmidt, der repräsentativ schon für Bayern spielte, war auch bei der Uni München der Spielmacher. Durch diesen Sieg kamen die Münchener an die zweite Stelle der Tabelle, die folgenden Endstand hat:

Jugendmeisterschaft: 1, Fritz Exner (TG Bornheim) 171,8 Punkte. Jugend-Tumerinnenmeisterschaft: 1. Doris Bethe (TSV Sachsenhausen) 188,6 Punkte. Deutsche Turnvereins - Meisterschaft: Klasse I: 1, KSV Hessen-Kassel 874,6; 2. TFG Eintracht Frankfurt 714,5; 3. Fuldaer Turnerschaft 706,1. Klasse II: 1. Turnverein Neu-Isenburg 431,5; 2. KSV Hessen-Kassel 421,1; 3. TuSPO Oberzwehren 366,1. W.

TH Darmstadt 2 1 1 0 5:2
3:1 Uni München 2 1 0 1 4:4
2:2 Uni Heidelberg 2 0 1 1 3:6
1:3

Yeriragsspielertum endgültig eingeführt

Am Freitagabend hielt der SV 98 im gut besuchten Concordia-Saal eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab.

In der Hauptversammlung im April hatten die Mitglieder für die Dauer der Aufstiegsspiele zur Süddeutschen Oberliga der Einführung des Vertragsspielerstatuts zugestimmt. Aufgabe der am Freitagabend stattgefundenen Versammlung war nun, zu der endgültigen Einführung des Vertragsspielertums im SV 98 Stellung zu nehmen. Es bestand bis auf geringe Bedenken, die geltend gemacht wurden, darüber Einigkeit, daß dieser Angelegenheit zugestimmt werde. Die Abstimmung ergab dann auch bis auf zwei Stimmenenthaltungen volle Einmütigkeit. Der zweite sehr wichtige Punkt ergab eine längere Diskussion über die Platzfrage. Durch die von der amerikanischen Militärregierung zugesagte Freigabe der Sportfelder des SV 98 ergibt sich nunmehr die Notwendigkeit, auf dem schnellsten Wege an die Neugestaltung und den Ausbau dieser Sportstätte heranzugehen. Viele Vorschläge wurden gemacht, alle mit dem dringenden Wunsch, so bald wie möglich mit dem Bau anzufangen und geeignete Leute zu finden, die sich mit. der Planung usw beschäftigten. Die Zusage der Hilfe der Stadtverwaltung wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Mit der Bildung eines Planungsausschusses wurde der Sportkamerad August Engel beauftragt.

Unter dem Punkt ..Verschiedenes“ wurden dann vielerlei Wünsche und Anregungen durchgesprochen. Es seien nur kurz die wichtigsten erwähnt. Geplant ist. wie in anderen Städten eine Dauerkarte einzuführen. Sie soll den ständigen Besuchern der Spiele des SV 98 Gewähr dafür geben, daß sie einen bestimmten Platz für die Dauer der Verbandsrunde erhalten. Näheres über die ganze Sache und der eventuelle Verkauf dieser Karten wird durch die Geschäftsstelle erledigt.

Zu Beginn der Versammlung wurde dem 2. Vorsitzenden des SV 98. Herrn Polizeipräsident Georg Reib o 1 d . für seine Verdienste im SV 98 und dem Sport mit der goldenen Ehrennadel des SV 98 ausgezeichnet. Das Schlußwort durch den 1. Vorsitzenden. Herrn Dr. Grünewald, klang aus mit dem Gelöbnis, weiterhin im Sportverein 98 dem sportlichen Gedanken zu dienen und sich immer als anständige Sportler zu zeigen und alles zu tun. den Namen Sportverein 98 und die Stadt Darmstadt anständig zu vertreten und das Ansehen zu stärken. „p

„Hanfa-Yreis“ an „Gemweihter“

Hamburg. (A. Z.) Im Mittelpunkt der Hamburger Derby-Woche stand am ersten Renntag der „Hansa-Preis" (10 000 DM). Sieben Pferde starteten, darunter zwei Dreijährige. Vom Start weg übernahm „Liebesorkan“ die Führung, die es vorübergehend auf sechs Längen ausdehnen konnte. Aber auf den letzten zweihundert Metern der 2200-m-Strecke schob sich „Geweihter“ mit Zehmisch im Sattel immer näher an „Liebesorkan" heran und siegte in großartigem Stil in 2:19,9 Min. vor „Liebesorkan" und „Bürgermeister".

Fuldaer Borer auf der Reunbahn. ohne Sieg

Bei der zweiten diesjährigen Freiluftveranstaltung des ABC Darmstadt-Eberstadt bewiesen die Einheimischen am Samstagabend auf der Rennbahn erneut, daß sie als einer der stärksten Staffeln ganz Hessens zu gelten haben. Sie ließen die Männer des BC Fulda auch nicht zu einem einzigen Siege kommen, nur Büttner und Kohl erlaubten ihren Gegnern Butzig und Glinke ein Unentschieden. Den Gästen muß man jedoch bestätigen, daß sie sich sehr tapfer wehrten. Keiner ihrer Leute ging k. 0., und die Punktsiege von H. Knieß und Schulz waren denkbar knapp. Sie gingen also durchaus nicht so sang- und klanglos unter, wie das nackte 14:2-Endergebnis auszusagen scheint.

Beim ersten Kampf der Senioren konnte Bischoff dem sich gut deckenden und vom Vorkampf her gewarnten Dorschel (F) zunächst nicht beikommen. In der 2. und 3. Runde dagegen landete er oft und sicher schwerste Brocken im Gesicht des Gegners und brachte ihn insgesamt siebenmal auf die Bretter, aber der zähe Fuldaer kam immer auf die Beine und überließ Bischoff nur einen haushohen Punktsieg. Büttner (D) konnte sich nicht für seine in Fulda erlittene Punktniederlage revanchieren und erzielte in einem sehr lebhaften Gefecht gegen Butzig (F) nur ein Unentschieden.

Mit Glinke (F) und Kohl (D) traten zwei harte Schläger in den Ring, die sich gegenseitig nichts schenkten. Der Fuldaer war nach dreivierteijährigem Aussetzen erstmals wieder zwischen den Seilen und machte eine ausgezeichnete Figur, so daß auch Kohl nur zu einem Unentschieden kam.

Dem Fuldaer Kramm nutzte der Vorteil der größeren Reichweite nicht viel, da es Nicolai (D) immer wieder verstand, ihn im Nahkampf zu zermürben. Bereits in der zweiten Runde war Bischoff einem k. 0.- Sieg nahe und hatte den Fuldaer in der letzten Runde dreimal am Boden. Sein Punktsieg war nie gefährdet.

Auch H. Knieß, der sehr nachgelassen hat, konnte gegen Bolz (F) nur im Nahkampf die Punkte sammeln, die ihm zu einem knappen Punktsieg langten.

Ströher (D) hat sich technisch weiter verbessert und wurde besonders durch seine schnell und unverhofft geschlagenen Schwinger und Geraden über den tapfer mithaltenden Bittner (F) Punktsieger.

Formella (D) hatte es mit dem ihn an Größe und Reichweite überlegenen Jerwin (F) zu tun, den er erst in der letzten Runde klar beherrschte und sicher nach Punkten schlug.

Der Sieg von Schulz (D) im Halbschwergewicht gegen Quell (F) war sehr knapp und nur deshalb möglich, weil Schulz (F) während des Kampfes eine Verwarnung des ohne Tadel seines Amtes waltenden Ringrichters Nüßgen (Frankfurt) hatte einstecken müssen.

Den Seniorenkämpfen gingen drei Jugend. begegnungen voraus, aus denen die Eberstädter mit 5:1 siegreich hervorgingen- Hierbei erzielte Heckhaus (D) gegen Sauer (F) den einzigen k.0.-Sieg des Abends. In einer Pause der Seniorenkämpfe wurde Heckhaus vom Abteilungsleiter als neuer Hessenmeister im Ring vorgestellt und durch Ueberreichung einer von den Vereinsmitgliedern gestifteten Ehrengabe ausgezeichnet. Zu den Kämpfen um die Deutsche Meisterschaft begleiten ihn die besten Wünsche aller Darmstädter Boxfreunde.

Weder die sich um den Ring verbreitenden Bratwurstdüfte, noch das vorübergehende Versagen der Lautsprecheranlage und die schlechte Beleuchtung während der ersten Begegnungen — die Fehler wurden später behoben — konnten die zahlreich versammelten Zuschauer von dem Geschehen im Ring abhalten. Es gab von 20 bis 23.15 Uhr schöne und spannende Kämpfe zu sehen, der Wettergott hatte ein Einsehen und die ABC-Boxer stellten sich in bester Form vor. Sie haben eine treue Anhängerschar, und wenn sie am 15. Juli gegen die Staffel von Konstanz an gleicher Stelle in die Seile klettern, werden sie wieder „ihr“ Publikum um den Ring versammelt vorfinden.

Nach 150 Minuten Deutscher Meister

Ernst Buchholz bezwang Engelbert Koch

M.-Gladbach. (dpa) Die von vornherein als die stärksten Herren und Damen be'. den nationalen deutschen Tennismeisterschaften in M.-Gladbach angesehenen „Gesetzten“ Buchholz, Koch, Frau von Tarnay und Frau Pohmann erspielten sich am Sonnabend das Finale. Buchholz setzte sich über Gerstel, der die Ueberraschung des Turniers bildete, mit 6:4 6:3 hinweg.’ Der Titelverdeidiger Koch traf Dr. Günther in einer Verfassung an. die der Wiesbadener wohl seit langem nicht mehr erreichte. Trotzdem triumphierte das Können Kochs mit 6:3, 6:4.

Die Frankfurterin Fr. Schmitthanner unterlag im Kampf um den Eintritt ins Finale dem großen Schlagrepertoire von Frau von Tarnay mit 4:6, 1:6. Frau Pohmann setzte allen glatten Ergebnissen mit ihrem 6:0. 6:0- Vorschlußrundensieg über die dritte der deutschen Rangliste Frau Müller-Hein, die Krone auf.

Im Herrendoppel erreichten Buchholz/Hermann über Saß/Goepfert mit 6:1, 6:3 sicher die Endrunde. Beide erreichten nicht ihre normale Form. Auch Dr. Günther/Koch taten sich nicht sonderlich schwer mit ihrem 6:4-, 6:2-Sieg über Henkel /Denker.

Buchholz schlng den Meister

M.-Gladbach (AZ.) Ein rassiges Finale erlebten etwa tausend Besucher im Herren-Einzel der „Nationalen Deutschen Tennismeisterschaften“ zwischen dem Titelverteidiger Engelbert Koch und Ernst Buchholz (beide Köln). Zweieinhalb Stunden dauerte das verbissene Match. Im ersten Satz siegte Buchholz 6:3, mit dem gleichen Ergebnis holte sich Koch den zweiten Satz, der dritte Satz fiel mit 7:5 an Buchholz und als Koch den vierten Satz mit 7:5 an sich brachte, hatte die Spannung ihren Höhepunkt erreicht. Der blonde Koch spielte sehr ruhig, wärend Buchholz mehr riskierte/ aber etwas nervös wirkte und mitunter leichte Bälle verschlug. Den fünften und entscheidenden Satz gewann schließlich Buchholz mit 6:3, — ein Schmetterball besiegelte die Niederlage des Titelverteidigers Koch, der als erster seinem Gegner zur Meisterschaft gratulierte.

TEC aud im letzen Medenspiel siegreich

THC Wiesbaden unterliegt 2:7 bei den Herren und 0:4 bei den Damen

Auf der Anlage des TEC Darmstadt am Böllenfalltor wurde gestern bei recht gutejn Besuch schöner Sport geboten. Als letzter Gegner in den Kämpfen um die Hessische Mannschafts-Tennismeisterschaft — die kleinen Medenspiele — stellte sich der THC Wiesbaden mit seiner 1. Mannschaft vor.

Teilweise gab es spannende Kämpfe, jedoch zeigte sich im allgemeinen eine lichte Ueberlegenheit der Darmstädter Mannschaft. Im ersten Einzel stellte Kleinlogel seine augenblicklich sehr gute Form unter Beweis und schlug nach pausenlosen Netzangriffen und schnellem Grundlinienspiel den Wiesbadener Herbert Schmidt 6:0, 1:0, zgz. Leider mußte Schmidt den Kampf frühzeitig aufgeben, da er von Magenkrämpfen befallen wurde. Sigwart, Darmstadt. und Bäumer, Wiesbaden, kämpften lang und verbissen im 1. Satz, in dem Bäumer schließlich 7:5 siegreich blieb. Im 2. Satz hatte Dr. Sigwart keine Reserven mehr und unterlag dem das Tempo forcierenden Bäumer glatt 1:6.

Pfundtner, Darmstadt, traf in v. Reppert, Wiesbaden, auf einen ausgesprochenen Angriffsspieler. der durch seine harten Schläge und häufigen Netzangriffe die Punkte zu machen versuchte. Pfundtner ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und gewann sein Spiel sicher 6:1, 7:5.

Wittich, Darmstadt, hatte mit Baumbach, Wiesbaden, wenig Mühe und siegte glatt 6:0, 6:3.

Im fünften Einzel traf Hahn, Darmstadt, auf v. Hesse, Wiesbaden. Hahn kam nur schwer ins Spiel, verschenkte den 1. Satz mit 0:6, fand aber dann doch seine Form und gewann die beiden nächsten Sätze 6:4, 7:5.

Im letzten Einzel endlich siegte der Darmstädter Haselbach durch seine größere Ausdauer gegen den Wiesbadener Dr. Sellien 2:6. 6:2, 6:1.

Damit hatte Darmstadt bereits in den Einzelspielen die Entscheidung erzwungen und eine 5:1-Führung herausgeholt, die durch die Doppelspiele nicht mehr ausgeglichen werden konnte.

Also konnte man in den Doppelspielen frei von Verantwortung drauflos spielen. Kleinlogel—Sigwart hatten in Schmidt—v. Hesse nicht viel zu schlagen und gewannen glatt 6:2 6:3,, während Wittich—Pfundtner in v. Reppert—Bäumer auf gleichwertige Gegner stießen und außerordentlich hart kämpfen mußten, bis sie mit 2:6, 6:1, 7:5 Satz und Sieg erringen konnten. Im letzten Doppel kamen die Wiesbadener Dr. Sellien —Baumbach zu ihrem zweiten Sieg mit 3:6, 6:4, 3:6 gegen Hahn—Hasselbach.

Damit hat der TEC Darmstadt die Medenrunde in der Gruppe II siegreich bestanden. Nachträglich sind nur noch die Doppelspiele gegen den TC Nauheim auszutragen, die jedoch am Gruppensieg des TEC Darmstadt kaum mehr etwas ändern dürften.

Am Vormittag fand ein Freundschaftsspiel der Damen gegen die 2. Damenmannschaft von THC Wiesbaden statt. Hierbei gab es einen schönen Darmstädter Erfolg.

Frau Schubert, Darmstadt, zeigte sich Frau Schubert, Wiesbaden, mit 7:5, 6:3 überlegen, Frau Wettlaufer schlug Frau Ax, Wiesbaden, 8:6, 6:4 und Frau Kleanlogel siegte über Frau de Jong, Wiesbaden, 6:4, 6:4. Das vierte Einzel gewann Frau Geiß nach drei schweren Sätzen gegen Frau Trones mit 6:3, 3:6. 8:6.

Klubmeisterschaften der TEC-Junioren

Am Montag beginnen am Böllenfalltor die Junioren - Klubmeisterschaften des TEC Darmstadt. Bei den Jungen sind Wittmann und Müller, bei den Mädchen Fräulein Vierheller und Fräulein Kaffenberger Favoriten. Im Doppel wird Wittmann—Müller der erste Platz wohl ebensowenig zu nehmen sein, wie Fräulein Kaffenberger und Wittmann im Mixed.

Der Zweite bezwang den Ersten

Hassee-Winterbeck Deutscher Handballmeister

Kiel (AZ.) In der norddeutschen Handballhochbure Kiel holte sich am Sonntae der mehrfache norddeutsche und deutsche Ex-Handballmeister TV Hassee-Winterbeck mit einem 11:9-(4:4-)Sieg über die Hamburger Polizisten den Titel. Damit revanchierte sich der norddeutsche Zweite gleichzeitie an seinem Bezwinger in der norddeutschen Meisterschaft. Dreißigtausend Besucher hatten ihre Freude an dem fairen und sehr schneien Kampf. Zur allgemeinen Ueberraschung mieden beide Mannschaften das sehr verneinte ..Betonsvstem“. sie spielten offensiv und die beiden Läuferreihen erblickten ihre Aufgabe nicht nur in der Zerstörung.

Schon in der ersten Halbzeit ging es turbulent her. aber die Entscheidung fiel erst nach dem Wechsel. Fünfzehn Minuten vor Schluß führten die Kieler mit 9:6. Singer im Tor der Polizisten wirkte mitunter etwas unsicher und das erleichterte Hassee-Winterbeck das Toreschießen. Es muß allerdings gesagt werden, daß die Zuschauer mit überwiegender Mehrheit auf Seiten der Einheimischen standen, deren Torwürfe soontanen Beifall auslösten. Die Polizisten vermochten zwar immer wieder ein Tor aufzuholen, aber die snritzigen und blitzschnell kombinierenden Stürmer von Hassee-Winterbeck sorgten immer wieder für einen Zweitorevorsnrung. Als es zwei Minuten vor dem Schlußpfiff 11:9 für Hassee-Winterbeck hieß, spielten die Kieler taktisch klug aus der Defensive und damit war das Spiel zu ihren Gunsten entschieden.

,<ui>rs?na^ gelang TV Hassee Winterbeck 1948 durch einen 10:8-Sieg über SV Waldhof em Endspielerfolg. Die Polizei Hamburg war bisher zweimal Titelhalter (1941 ^®«en Hindenburg Minden 9:7. 1943 gegen MTSV Schweinfurt 12:6).

Im Kampf um den dritten Platz in der Deutschen Handballmeisterschaft 1950 sicherte sich der Vorjahresmeister RSV Mülheim gegen den süddeutschen Meister Frischauf Göppingen mit 20:10 (9:6) den Sieg. Mülheim war in allen Mannschaftsteilen sehr stark und zeigte keine Schwächen. Bei Göppingen mußte Kempa in der 28. Minute verletzt ausscheiden. Dadurch fiel die Mannschaft stark auseinander. bemerkenswert ist, daß die Mülheimer fast alle Tore aus freier Wurfposition schossen.

Brasilien Gruppensieger

Rio de Janeiro. (AZ.) Annähernd 150 000 Zuschauer erlebten im Stadion in Rio den vorentscheidenden Kampf zwischen Brasilien und Jugoslawien, zu dem die Jugoslawen eigenartigerweise mit nur zehn Mann antraten. Erst in der 9. Minute kam der Halbrechte Melitsch aufs Spielfeld Die Brasilianer nützten ihre zahlenmäßige Ueberlegenheit aus und schossen bereits in der 4. Minute durch ihren Mittelstürmer Menezes den ersten Treffer. Nach dem Wechsel erhöhte der brasilianische Halblinke Soares auf 2:0, während Jugoslawien trotz guter Gelegenheiten torlos ausging. Die Brasilianer wurden stürmisch gefeiert. Trotz des erlassenen Verbotes wurden wieder zahlreiche Feuerwerkskörper bei den Erfolgen der Einheimischen abgebrannt.

Spaniens Vertretung siegte am Sonntag vor 70 000 Zuschauern in Rio de Janeiro gegen England mit 1:0, Halbzeit 0:0. Spanien hat sich damit für die Teilnahme an der Endrunde qualifiziert. England erhielt den Anstoß und eröffnete sofort lebhaft. Nach 14 Minuten schoß der englische Flügelstürmer Tom Finney ein. Das Tor wurde jedoch wegen Abseitsstellung nicht gegeben. Beide Mannschaften zeigten erstklassige Zusammenarbeit. Erst drei Minuten nach dem Wiederanstoß konnte der spanische Spieler Telmo Zarra das erste und einzige Tor für seine Mannschaft erzielen.

Fußball-Ausklang

Die letzten Spiele der alten Saison

e. X?" den Fußball-Freundschaftsspielen am Schlußtag der Saison 1949/50 liegen folgende Ergebnisse vor: Holstein/Kiel — Vfß Kiel 2:2; Altona 93 — Concordia Hamburg 4:3: Viktoria Harburg — FC St. Pauli 0:3; Werder Bremen — Borussia Dortmund 1:2; Eintracht Braunschweig — MTV Braunschweig 2:0; FC 04 Singen — SV Waldhof Mannheim 1:3; VfR Frankenthal - Offenbacher Kickers 0:6; FK 03 Pirmasens — Vfß Neunkirchen 1:0; Spandauer SV - Union 06 Ber-Jln 0'1’ Herta'BSC ~ Alemannia 90 2:1; E FC Köln — Preußen Dellbrück 4:0; SV Hemelingen — Sleipner Norrköping 1:7; Spvg Fürth — Wacker Wien 2:2.

Letztes Fußballspiel

vor der Sommerpause TSV Pfungstadt—SG Arheilgen 1:5 (0:2)

Vor zahlreichen Zuschauern trat am Freitagabend die 1. Mannschaft der SG Arheilgen zu einem Freundschaftsspiel an. Die Gaste übernahmen sofort die Führung des Geschehens, was bei der dürftigen Besetzung er Pfungstädter kein Wunder war. Die Hauptstützen der einheimischen Elf: Eindorf, Engel, Busch und Steinmetz fehlten und waren mangelhaft ersetzt. Pfungstadt war daher von Anfang an unsicher, zaghaft und unentschlossen, meisterte die Situationen nicht schnell genug, der Sturm prallte immer wieder an der gegnerischen Verteidigung ab und in den hinteren Reihen war das Fehlen von Eindorf besonders stark zu spüren. Nach einem Eigentor der Pfungstädter gelang den Gasten in der ersten Halbzeit ein weiterer Treffer. Nach der Pause erzielten die schnellen und wendigen Arheilger in glanzvollen und eleganten Kombinationen drei weitere Tore, denen Pfundstadt nur einen verwandelten Elfmeter gegenüberstellen konnte. Trotz verstärkten Einsatzes blieb es bei dem einzigen Treffer. Pfungstadts Torhüter Schneider verhinderte durch glänzende Paraden eine noch größere Niederlage. md.

Mit über zwei Stunden Vorsorung gewann der Pariser Josef Zami das Langstreckengehen Paris—Straßburg. Zami bewältigte die 516 km lange Strecke unter Einschluß von 80 Minuten Rastnause in 77:55,37 Stunden.

Karlsruher Dreiecksrennen ohne „kanonen“

Von Woedtke (Honnef) auf „Norton“ Tagesschnellster

A. B. Karlsruhe. (Eigener Bericht.) Die Besetzung des vierten Karlsruher Dreiecksrennens, das am ersten Juli-Sonntag auf dem 3,4 Kilometer langen Autobahnabschnitt vor den Toren der badischen Landeshauptstadt abrollte, hatte keinen richtigen Publikumserfolg, denn nur etwa dreißigtausend Zuschauer säumten die Rennstrecke. Möglich, daß es daran lag, daß die BMW- und NSU-Fabrikfahrer fehlten und auch die DKW-Kompressorfahrer H. P. Müller, Winkler, Mansfeld und Wünsche nicht zur Stelle waren. Trotz dieser teilweise schwachen Besetzung gab es bei der außerordentlich flott und ohne den geringsten Unfall abgewickelten Veranstaltung hervorragende, ]a dramatische Kämpfe um Sieg und Platz.

Der Ueberraschungssieger des Tages war der Rheinländer von Woedtke (Honnef) auf Norton, der als Sieger der 500- ccm-Klasse mit 114,8 km/std. die schnellste Zeit des Tages fuhr und dabei Siegfried Fuß (Baden-Baden) auf Triumpf ganz knapp auf den zweiten Platz verwies, während Nitschky (Karlsruhe) auf seiner betagten NSU bis zur 16. Runde klar in Führung lag, dann aber wegen Kupplungsschaden ausscheiden mußte.

Im Rennen der 350- ccm-Maschine n kam der Karlsruher Bohrer auf Velo» cette mit einem neuen Klassenrekorddurchschnitt von 111,4 km/std. zum Sieg, nachdem der in Führung gelegene Frankfurter Schön auf Horex gegen Schluß mit Vergaserstörung zu kämpfen hatte und ‘sich schließlich mit dem zweiten Platz begnügen mußte. Der Karlsruher Roland Schnell, sonst Abonnementsieger dieser Klasse, mußte schon in der siebenten Runde, an dritter Stelle liegend, mit Kupplungsdefekt aufgeben.

Auch in der 250-ccm-Klasse konnte sich der sonst oft siegreiche Karlsruher Gablenz auf seiner Parilla nicht durchsetzen. Er war schlecht vom Start gekommen, hatte sich jedoch in der fünften Runde an die Spitze vorgearbeitet. In der neunten Runde aber setzte ein Motorschaden seiner Fahrt ein vorzeitiges Ende. Nun übernahm der Stuttgarter Daiker auf DKW-Kompressor mit seinem Landsmann Kohfink die Führung, wobei sich beide wiederholt um Radlänge abwechselten. Schließlich kam Kohfink mit einem Gesamtdurchschnitt von 104,8 km/std. und nur einer Sekunde Vorsprung vor Daiker als Sieger ins Ziel. Erst drei Runden dahinter landete als bester Saugmotorenfahrer der Freiburger Kläger auf NSU.

Das Rennen der 125- ccm-Maschin e n war das einzige, das auf nasser Straße gefahren werden mußte, weil ein leichter Gewitterregen niederging. Hier konnte der Vorjahrsrekord von 91,7 km/std. von dem siegreichen Frankfurter Dietrich auf Puch mit 90,6 km/std. nicht ganz erreicht werden, obwohl bis zum Einsetzen des Regens das Tempo auf 92,9 km/std. stand.

Diesen Rennen der Lizenzfahrer waren am Vormittag die Konkurrenzen des Nachwuchses vorangegangen, wobei es auf trockener Straße mehrere neue Klassenrekorde gab. Schnellste Zeit dieser Nachwuchsfahrer erzielte der Sieger der 500- ccm-Klasse Groß (Bad Windsheim) auf BMW mit 110,-3 km/std.

Koblet gewinut audy die Schweizer „Tour“

Pfannenmüller Nr. 17, Müller auf dem 21. Platz

Zürich. (AZ.) Nach seinem Sieg in der Italien-Rundfahrt gewann der Schweizer Radrennfahrer Hugo Kohlet nun auch die „Tour de Suisse“ mit etwa sieben Minuten Vorsprung vor dem Luxemburger Goldschmidt. Von den deutschen Teilnehmern konnte sich der Nürnberger Pfannenmüller auf den 17. Platz placieren, während Müller 21. wurde. Pfannenmüller hätte noch besser abgeschnitten, er bekam aber am Freitag eine Strafzeit von zehn Minuten zudiktiert, die ihn vom 14. auf den 17. Platz zurückwarf. Der Nürnberger hatte ohne Erlaubnis seine Maschine gewechselt.

Die achte und letzte Etappe führte über 240 km von St. Moritz nach Zürich und wurde von dem Schweizer Zbinden in 6:54:50 Std. vor seinem Landsmann Stettler gewonnen. In der Gesamtwertung belegten Ronconi (Italien), Kirchen (Luxemburg), Kübler (Schweiz), Pasquini (Italien) nach Koblet und Goldschmidt die weiteren Platze.

L. Hörmann siegte in Wien

Wien. (AZ.) Der Münchener Radrennfahrer Ludwig Hörmann holte sich in Wien das „Semmering-Derby“, ein 420-km-Rennen hinter Motoren, in 9:08:07 Std. vor dem Oesterreicher Rudi Valenta und vier weiteren Oesterreichern. Von den zwölf gestarteten Fahrern schieden sechs durch Unfälle und Pannen aus.

Schorn und Kittsteiner

Köln. (AZ.) Bei den Internationalen Kölner Steherrennen triumphierten Jean Schorn (Köln) und Karl Kittsteiner ( Nürnberg), während Exweltmeister Lamboley (Frankreich) nicht in die Entscheidung einzugreifen vermochte. Im „Großen Preis von Köln“ über 50 km siegte Schorn in 46:07 Min. vor Kittsteiner (120 m zurück), während Kittsteiner im „Großen Preis von Mühlheim“ den Spieß umdrehte und die 25 km in 22:43 Min. zurüeklegte und Schorn 25 m hinter sich ließ. Der Holländer de Best wurde Dritter, Lamboley Vierter. Im Flieger-Omnium siegte Werner Potzernheim (Hamburg) mit 16 Punkten vor dem deutschen Meister Willy Trost (Köln), 15 Punkte.

Dritte Hessenmeisterschaft für den VCD

Im Dreier-Mannschaftsfahren der Jugend über 50 km, das am Sonntag früh in Frankfurt unter Teilnahme von sieben Mannschaften gefahren wurde, siegte die Mannschaft des VC Darmstadt miit 1 Minute und 20 Sek. Vorsprung vor Sturmvogel Wiesbaden und Germania Frankfurt. Die Darmstädter Mannschaft bestand aus folgenden Fahrern; Paul Nester, Hanno Seifert, Jürgen Sträuber, Helmut Steinbrecher und Walter Funk.

Beim Nachtrennen in Mannheim belegten die Darmstädter gute Plätze:

Fliegerrennen: 1. Schäfer, Frankfurt; 2. Intra, Frankfurt; 3. Frieder Weber, VC Darmstadt; 4. Ernst Beutel, VC Darmstadt.

Mannschaftsrennen über 50 Runden: 1. Petri-Intra (Wiesbaden-Frankfurt); 2. Westerhold-Kaufmann (Köln-Mannheim); 3. Erleh-Thielemann (Köln-Köln); 4. Weber-Scherer (Darmstadt-Fraflkfurt).

Beim Punktefahren der Amateure über 30 Runden, das am Sonntag im Frankfurter Stadion ausgetragen wurde, konnte Weber, VC Darmstadt, gegen starke Frankfurter Konkurrenz nur den 6. Platz belegen.

DRC-Erfolge in Mörfelden Gmd

Die junge Rennmannschaft des vor 4 Monaten wiedererstandenen Darmstädter Radsport-Clubs 1919 arbeitet sich immer weiter nach vorn. Die bei dem Jubiläumsstraßenrennen in Mörfelden über 50 Kilometer belegten Plätze lassen eine wesentliche Formverbesserung aller Fahrer erkennen.

Unter stärkster Beteiligung belegte in der B-Jugendklasse im Endspurt H. Speckhardt den 2. Platz.

In der A-Jugendiklasse — bei einer Beteiligung von 70 Fahrern — wurde K. Kanold, trotz Kettenschadens, 4., und H. Heil 6.

In der Juniorenklasse, die diesmal nicht unterteilt war, wurde H. Lücker im Endspurt 8. und der seine Form immer mehr verbessernde H. Baumann belegte den 11. Platz. ,

. . . und bei den Kunstfahrern der VCD

Beim Einer Kunstfahren für Damen belegte Anneliese Roth (VCD) den ersten Platz, im Einer Kunstfahren für weibliche Jugend Edith Mehring (VCD) den ersten vor der Vertreterin des RV Zeilsheim. Das Einer Kunstfahren für männliche Jugend gewann Walter Horn (RV Zeilsheim) vor Günter Groß (VCD).

—Tischtennis Gnad TG 75 Darmstadt I.—TV Bensheim 11. 7:2

Im Kampf um den Aufstieg zur Bezirksklasse konnten die 75er nach zwei unglücklich verlorenen Spielen am Sonntag gegen Bensheim gewinnen. Zu bemerken ist, daß die Gäste nicht komplett antreten konnten, kof.

Der T G 75 Darmstadt gibt bekannt, daß am Mittwoch, dem 5. Juli, 20 Uhr Sportplatz, eine Sitzung sämtlicher Abteilungsleiter und Mitart>eiter betr, Jubiläumsveranstaltungen stattfindet! kof.

In der siebenten Runde

Berlin. Im Hauptkampf der Boxveranstaltung in der nicht voll besetzten Berliner Waldbühne schlug der Amerikaner Lloyd Marshall am Sonntag Dietrich Hucks (Halbschwergewicht) nach einem mitreißenden Ringgefecht in der siebenten Runde k. o. Marshall war stets überlegen und schlug Hucks mehrfach zu Boden. Die Ecke von Hucks warf nach mehreren Niederschlägen in der siebenten Runde das Handtuch.

Im Weltereewichtskampf zwischen dem Amerikaner Jackson (66,3 kg) und dem Essener Starosch (67,9 kg) kam der Deutsche zu einem etwas schmeichelhaften Punktsiee. Jachson mußte bereits in der ersten Runde weeen unsauberer Kampfefeweise verwarnt werden. Der Kampf ging über acht Rupden. Im dritten deutsch-amerikanischen Kampf siegte erwartungsgemäß Ken Stribbling hoch nach Punkten über den Krefelder Heinz Sachs, der sich tapfer wehrte, aber am Ende der sechsten und letzten Runde nahe am k.o. war.

Neuer Zehnkampfweltzekord

Tular Kalifornien). Der bereits während der Londoner Olympiade hervorgetretene und mit der Goldmedaille ausgezeichnete Zehnkämpfer Bob Mathias (USA) verbesserte am Samstag den Zehnkampfweltrekord seines Landsmannes Glen Morris (aufgestellt während der Berliner Olympiade) von bisher 7900 auf die fantastisch anmutende neue Punktzahl von 8042. Mathias’ bisherige Leistung betrug 7139 Punkte. Er ist noch nicht 20 Jahre alt.

Einen Langstreckler von Weltklasse stellen die USA in Fred Wilt, dem amerikanischen Meister über 5000 Meter. Vor 13 000 Zuschauern lief Wilt in Helsinki mit 14:26,8 Minuten einen neuen USA-Rekord über 5000 Meter und besiegte dabei die finnische Hoffnung Koskela (14:28,2 Min.).

Beachtliche Leistungen werden aus der ungarischen Leichtathletik gemeldet. Czany lief 100 Meter in 10,7 Sekunden, Kovacs übersprang mit dem Stab 4,04 Meter, Ferenc Klics warf den Diskus 49,06 Meter weit.

Norwegens Leichtathleten gewannen im Osloer Bislet-Stadion vor 12 000 Zuschauern ihren ersten diesjährigen Länderkampf gegen Dänemark mit 124:90 P.

Die deutsche Hochschulmeisterin im Tennis. Sigrid Schmitthenner (Frankfurt), wurde — ähnlich wie Helmut Gulcz — von ihrem Ve rein gesperrt, weil sie ihre Mannschaft im Medenkamnf im Stich ließ. Bei den nationalen Meisterschaften in M. -Gladbach trat Fräulein Schmitthenner am Donnerstag allerdings an.

Nach langem, schwerem Leiden ist heute früh 3 Uhr meine liebe Frau, unsere treubesorgte Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Margarete Blum geb. Lenz im Alter von 32 Jahren in der Klinik zu Heidelberg verstorben. In tiefer Trauer: Heinrich Blum und Kinder Luise Lenz Wwe. Familie Wilhelm Lenz Familie Leonhard Johe Beerfeld'en, Ebersberg und Darmstadt, den 29. Juni 1950 Bestattungen am Montag, dem 3.7. 1950 Beerdigungen: Waldfriedhof 14.15 Numerich, Elisabeth, Wwe., Steubenplatz 6, 80 Jahre 14.45 Dörner, Anna, Wwe., Alicestraße 26'/2, 54 Jahre Feuerbestattung: 14.45 Happel, Marie, Wwe., Da-Eberstadt, Darmstädter Straße 26, 80 Jahre

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Amtliche Bekanntmachungen Die Stadtverwaltung Pfungstadt ist ab sofort nur noch unter der Rufnummer 186 zu erreichen. Die Gemeinde-Schutzpolizei (Polizeiwache) hat die Ruf-Nr. 280. Pfungstadt, 29. Juni 1950 Der Bürgermeister der Stadt Pfungstadt Bekanntmachung Betreffend: Stromversorgung — Netzumstellung Auf Grund des Gemeinderatsbeschlusses vom 1. November 1948 über die Netzumstellung wird im Laufe des nächsten Jahres in folgenden Straßenzügen die Umstellung von Gleichstrom auf Drehstrom vorgenommen: 1. Bergstraße (westl. Seite) von Nr. 13 bis 91 (östl. Seite) von Nr. 70 bis 100 2. Büchnerweg (westl. Seite) von Nr. 13 bis 15 3. EschollbrUcker Straße (östl. Seite) von Nr. 9 bis 19 4. Feldchesgasse 5. Feldbergstraße (östL Seite) von Nr. 11 bis 17, (westliche Seite) von Nr. 12 bis 16 6. Frankensteiner Straße 7. Hahner Straße (nördl. Seite) von Nr. 23 bis 37 8. Happelgasse 9. Hillebergstraße (westl. Seite) von Nr. 18 bis 46 10. Hillegasse 11. Kaplaneigasse (nördl. Seite) von Nr. 16 bis 58 12. Lindenstraße (nördl. Seite) von Nr. 2 bis 58 13. Melibokusstraße (westl. Seite) von Nr. 45 bis 59 (östl. Seite) von Nr. 46 bis 58 14. Niedergasse (nördl. Seite) von Nr. 40 bis 48 15. Rügnerstraße (nördl. Seite) von Nr. 54 bis 66 16. Sackgasse 17. Sandstraße (südl. Seite) von Nr. 75 bis 121 18. Seeheimer Straße (östl. Seite) von Nr. 2 bis 56 19. Seilerstraße (östl. Seite) von Nr. 7 bis 15 20. Taunusstraße 21. Wiesenstraße 22. Zieglerstraße (östl. Seite) von Nr. 25 bis 51 (westl. Seite) von Nr. 46 bis 52 Aus formellen Gründen wird hiermit den Abnehmern in den oben bezeichneten Straßenzügen der bestehende Stromlieferungs¬ vertrag zum 30. Juni 1951 gekündigt und die unmittelbar an¬ schließende- Drehstrombelieferung zugesidiert. Die Umstellungsarbeiten in den Anlagen der Abnehmer dürfen nur durch konzessionierte fnstallateure vorgenommen werden. Nach der Rechtslage sind die Abnehmer verpflichtet, die ent¬ stehenden Kosten bei der Umstellung ihrer Anlagen zu tragen. Bei Beginn der Umstellung gehen die vorhandenen Zählerleitungen (Verbindungsleitumgen von der Hausanschlußsicherung bis zur Zählertafel) und die Zählertafel — die bisher Eigentum des Elektrizitätswerkes sind — in den Besitz der Abnehmer über, ohne daß hierfür eine Entschädigung zu zahlen ist. In den Anlagen, bei denen aus Gründen der Betriebssicherheit die vorhandene Zählertafel ausgewechselt werden muß, stellt das Elektrizitätswerk die Tafel kostenlos zur Verfügung. Nähere Auskunft gibt das Elektrizitätswerk und die konzessio¬ nierten Installateure. Pfungstadt, den 29. Juni 1950 Stadtwerke Pfungstadt Elektrizität!- u. Wasserwerk

öffentliche Arbeitsausschreibung der Gem.-Wohnungsbaugenossenschaft eGmbH für 17 Häuser am Seehelmer Weg 1. Weißbinderarbeiten Wirbittendie 2. Schreinerarbeiten Manuskripte 3. Glaserarbeiten 4. Schlosser- und Anschlagerarbeiten i 5. Kunststein- und Terrazzoarbeiten SlajZWjf'L 6. Sanitäre Installation 7. Elektrische Installation 8. Spenglerarbeiten zu schreiben Angebote werden abgegeben ab Freitag, den 30. 4. 1950 auf dem Büro, Baracke, Seeheimer Straße. n;6 Sefzer Angebotsöffnung am 5. 7. 1950, nachmittags 18 Uhr daselbst. Der Vorstand

Uurloren SSMSÄ Unstet diese ÄMteiac in dec lohnung abzugeben. ° „Tündycube" Private Kleinanzeigen in der Fundgrube werden wortweise berechnet. Jedes Wort kostet nur 10 Pfennig, das fette Ueber¬ schriftswort 15 Pfennig. Obige Anzeige berechnet sich also 1 fettes Ueberschrifts wort 0,15 10 gewöhnliche Worte älO 1,— 1,15 Geben Sie Fundgrube-Anzeigen aber nicht nur auf, wenn Sie etwas verloren haben, sondern auch, wenn Sie etwas verkaufen’ tauschen oder vermieten wollen, wenn Sie heiraten möchten und einen Ehepartner suchen, wenn Sie gebrauchte Gegenstände kaufen möchten, auf der Suche nach Geld, Zimmer, Wohnung usw. sind.

Wollen Sie das regelmäßig jeden Morgen ins Haus gebracht haben, dann füllen Sie den anhängenden Bestellschein sofort aus und schicken Sie ihn an die Geschäftsstelle. Auch bei einer Agentur oder Zeitungsträgerin können Sie ihn abgeben.

Geschäftsstelle des „DARMSTÄDTER TAGBLATT“ DARMSTADT RHEINSTRASSE 23 im alten Tagblatt-Haus Ich bestelle hiermit a b 1. J u 1 i 1 9 5 0 das sechs¬ mal wöchentlich erscheinende „Darmstädter Tagblatt“ zum Bezugspreis von DM 2,60 pro Monat zuzüglich 40 Pfg. Trägerlohn. Vor- und Nadiname: Beruf: Ort: Straße: ,

Als Verlobte grüßen Gertrud Brehm Karl Benthin Beerfelden im Odenwald 2. Juli 1950

Orangerie Mo., 3. 7., 19.30 (Darmst. Volksbühne) Alle meine Söhne Stadthalle Mo., 3. 7., 19.00 (geschl. Vorstellung), Don Giovanni H ANSA-TH E ATER Letzter Tag! Das Mädchen vom Moorhof Eine hervorragende Verfilmung des bekannten und gleichnamigen Romans von Selma Lagerlöf Anfgsz.: 14.00, 16.00, 18.15, 20.30 Vorverkauf: täglich ab 11.00 Uhr. Für den Sommer! Trachtenhosen, Lumperjacks, Karo- und Velourbeutel Derby- und Einkaufstaschen in reicher Auswahl und günstigen Preisen RHEINSTRAS S E 2 3 25 1925 1950 Biete an: Villen in besten Lagen, auch bei Da. und Bergstr., beziehbar nach Vereinbarung, bei günstiger Anzahlung. Wohn- und Geschäftshäuser. . gut rentierend, ab 3000,— DM Anzahlung Aufbaufähige Ruinen von Eln- und Mehrfamilienhäusern in allen Stadtlagen gegen Monatsrentenzahlungen. Sonstige Objekte auf Anfrage IGg. Bert Immobilien-Hypothcken-Büro Hch.-Fuhr-Str. SS, Tel. SS 17