Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 1 seffiföe Tieuefle 7ta<frisfen Samstag, 1. Juli 1950 tedaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, »aimstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: ,60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Preis 15 Pfennig *

Hilfe durch Bodenstreitkräfte

Auf Befehl des Präsidenten Truman wird die Unterstützung Südkoreas ausgedehnt

Washington, 30. Juni. (AP./BBC./dpa) Präsident Truman hat den Einsatz amerikanischer Landstreitkräfte bei der Schlacht um Korea angeordnet.

Der Text der Bekanntmachung des Weißen Hauses lautet:

„Auf einer Zusammenkunft mit den führenden Persönlichkeiten des Kongresses am Freitagmorgen im Weißen Haus hat der Präsident zusammen mit dem Verteidigungsminister. dem Außenminister und den Mitgliedern des gemeinsamen Stabes der amerikanischen Streitkräfte die letzten Entwicklungen der Lage in Korea einer Prüfung unterzogen.

Die Führer des Kongresses erhielten einen vollen Ueberblick über die verstärkte militärische Tätigkeit.

Zu dem Ersuchen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die Republik Korea bei der Zurückschlagung der nordkoreanischen Invasoren und zur Wiederherstellung des Friedens in Korea zu unterstützen, gab der Präsident bekannt, daß er die amerikanische Luftwaffe ermächtigt habe, Einsätze gegen bestimmte militärische Ziele in Nordkorea, wo sie militärisch notwendig seien, zu unternehmen. Er hat ferner eine Seeblockade der gesamten koreanischen Küste angeordnet. General Mac Arthur ist ermächtigt worden, gewisse Bodeneinheiten einzusetzen.“

Vier Divisionen in Fernost

Es war nicht sofort in Washington bekannt. welcher Art diese „gewissen Bodeneinheiten" sein sollten. Aus Meldungen aus Korea geht hervor, daß die Südkoreaner insbesondere Artillerie und Panzerabwehrwaffen benötigten.

Dem General Mac Arthur unterstehen Im Fernost-Kommando 123 500 Mann, darunter vier Infanterie-Divisionen.

Im Anschluß an die Bekanntmachung im Weißen Hause teilte ein Sprecher der amerikanischen Armee mit, daß alle amerikanischen Armee-Einheiten im Fernen Osten in Alarmzustand versetzt worden seien.

Kurze Zeit nach der Erklärung des Prä¬ . k. : m gab der amerikanische Verteidigungsminister Johnson bekannt, amerikanische Landstreitkräfte seien bereits auf dem Wege nach Korea. Die Verbände sollen mit Tran-portmaschinen direkt nach Suwon geflogen werden, um zu Gegenaktionen sofort zum Einsatz gelangen zu können.

Der Durchbruch

Das vorgeschobene Hauptquartier des Generals Mac Arthur hat bestätigt, daß es einer nordkoreanischen gepanzerten Kampftruppe in Stärke von 40 bis 50 Panzern gelungen ist, den Han im Flußbogen südlich von Söul zu überschreiten. Die schwache südkoreanische Verteidigungsfront ist aufgerissen und den sich stetig nach Süden vorwärtsschiebenden feindlichen Panzertruppen ist damit der Durchbruch gelungen. Die Panzerspitze der Nordkoreaner hat in den Mittagsstunden bereits 25 Kilometer zurückgelegt und bedroht das vorgeschobene Hauptquartier der Amerikaner.

Die Fronten am gesamten Kriegsschauplatz sind fließend. Teilkräfte der Südkoreaner sollen Sicherungstruppen, die den Angriff der nordkoreanischen Kampfgruppe, die über den Han übergesetzt ist, nach Westen abschirmen sollen, auf die Stadtränder von Söul zurückgedrängt haben. Stärkere nordkoreanische Verbände sollen dagegen das Hafengebiet und die südlich des Hafens von Söul gelegenen Gelände vollständig von den Südkoreanern gesäubert haben. Das Bild vom Kampfgeschehen bildet an allen Stellen den typischen Anblick eines Bewegungskrieges, bei dem die eigenen und feindlichen Truppen oft mit verkehrter Front kämpfen und ohne direkte Verbindung mit ihren vorgesetzten Dienststellen den Kampf auf eigene Faust führen müssen.

Die Nordkoreaner führen mit Erfolg weiter ihre Landungsoperationen mit dem Ziel, an zahlreichen Stellen der Westküste und an vereinzelten Punkten der Ostküste Landeköpfe zu bilden. Sie stoßen fast nirgends auf richtigen Widerstand und gelangen fast immer in kurzer Zeit soweit in das Innere des Landes, daß sie sich außerhalb des Wirkungsbereiches der amerikanischen Kriegsschiffe befinden.

Truman: Kein Krieg

Nur eine Polizeiaktion

Washington, 30. Juni, (dpa) Präsident Truman hat das Eingreifen der Vereinigten Staaten in Südkorea eine Polizeiaktion der Vereinten Nationen zur Unterdrückung von Banditen bezeichnet, die in die Republik Südkorea eingefallen seien. Die Vereinigten Staaten befänden sich keineswegs Im Kriege.

Truman lehnte es ab, zu einer Frage Stellung zu nehmen, ob die Vereinigten Staaten auch Bodenstreitkräfte zur Unterstützung der Republik nach Korea bringen wollten, oder ob die Atombombe eingesetzt werden sollte.

Peking: Formosa ein Teil Chinas

London, 30. Juni. (AP) Der Außenminister der Volksrepublik China, Tschou En-lai, erklärte die chinesischen Kommunisten würden bis zum Ende kämpfen, um Formosa trotz der amerikanischen Intervention zu erobern: „Ich erkläre, daß ungeachtet jeder Aktion der amerikanischen Imperialisten die Tatsache unverändert bestehen bleibt, daß Formosa ein Teil Chinas ist.“ Dies sei nicht nur eine historische Tatsache, sondern sie sei auch in den Beschlüssen von Kairo und Potsdam und durch die Entwicklung seit der Kapitulation Japans bestätigt worden.

Moskau lehnt ab

Gromyko antwortet der amerikanischen Regierung

London, 30. Juni. (AP.) Die Sowjetunion hat die amerikanische Forderung, ihren Einfluß zur Beendigung des Koreakonfliktes einzusetzen, abgelehnt. In ihrer Antwort auf die amerikanische Forderung hat die sowjetische Regierung erklärt, Südkorea trage die Verantwortung für den Ausbruch der Feindseligkeiten, die Sowjetunion halte sich an den Grundsatz der Unzulässigkeit einer Einmischung ausländischer Mächte in die internen Angelegenheiten Koreas. Die sowjetische Antwort ist in einer Erklärung enthalten, die von dem stellvertretenden sowjetischen Außenminister A. Gromyko dem amerikanischen Botschafter in Moskau, Alan Kirk, übermittelt und von der sowjetischen Nachrichtenagentur „TASS“ über Radio Moskau verbreitet worden ist. In der Erklärung heißt es: „Im Zusammenhang mit der Note der Regierung der Vereinigten Staaten, die Sie am 27. Juni übergeben haben, hat mir die Sowjetregierung Anweisung gegeben, folgendes zu erklären:

Nach zuverlässigen Informationen der Sowjetregierung wurden die Ereignisse, die gegenwärtig in Korea vor sich gehen, durch den Überfall der südkoreanischen Regierung auf die Grenzgebiete Nordkoreas provoziert. Daher liegt die Verantwortung für diese Ereignisse bei der südkoreanischen Regierung und bei denen, die hinter ihr stehen.

Bekanntlich hat die Sowjetregierung ihre Truppen früher als die amerikanische Regierung aus Korea zurückgezogen und damit ihren traditionellen Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten bestätigt. Die Sowjetregierung hält auch jetzt an dem Grundsatz der Unzulässigkeit der Einmischung ausländischer’ Mächte in die inneren Angelegenheiten Koreas fest. Es ist nicht wahr, daß die Sowjetregierung sich geweigert hat, an den Sitzungen des Sicherheitsrates teilzunehmen.“

So sehr die Sowjetregierung dies wünsche, sei ihr eine Teilnahme unmöglich, da durch die Haltung der amerikanischen Regierung das ständige Mitglied im Sicherheitsrat, China, nicht zu den Sitzungen des Rates zugelassen wurde. Dadurch sei es für den Sicherheitsrat unmöglich geworden, rechtskräftige Entscheidungen zu treffen.

Wieder „Darmstädter Tagblatt“

Am 30. Juni 1941 wurde das „Darmstädter Tagblatt“, das als eine der ältesten deutschen Zeitungen über zweihundert Jahre lang von der südhessischen Bevölkerung gelesen wurde, gezwungen, sein Erscheinen einzustellen. Heute, neun Jahre später, am 1. Juli 1950, liegt zum ersten Male wieder das „Darmstädter Tagblatt“ vor Ihnen. Gemeinsam mit einem der angesehensten deutschen Verlage geht von nun an der L. C. Wittich-Verlag daran, fußend auf alter, bewährter Tradition, eine Darmstädter Tageszeitung zu schaffen, die nach Haltung und Aufmachung den hohen Ansprüchen unserer Bevölkerung in Stadt und Land gerecht werden soll. Verlag und Redaktion entbieten allen Lesern und Freunden, die uns in der schweren Vergangenheit immer wieder zu neuer Arbeit und neuen Anstrengungen ermutigten, ihre Grüße und werden alles tun, um das „Darmstädter Tagblatt“ so zu gestalten, daß es ihnen wieder, wie früher, zum unentbehrlichen Freund und Berater wird 4 DARMSTÄDTER TAGBLATT Verlag und Redaktion

Bomben auf Nordkorea

Amerikanische Flugzeuge überflogen den 38. Breitengrad

Tokio, ‘3O Juni (AP.) Durch eine Verbesserung der Wetterlage begünstigt, haben amerikanischen Luftctreitkräfte zahlreiche erfolgreiche Angriffe gegen taktisch und operativ wichtige Ziele des Feindes geflogen. Auf Befehl des Generals Mac Arthur haben Bomberverbände vom Typ der viermotorigen 829 die Hauptstadt von Nordkorea mit Hunderten von Bomben belegt. Außerdem wurden Einsätze gegen die Flugplätze der nordkoreanischen Jagdwaffe geflogen. Damit haben die Amerikaner zum ersten Male den 38. Breitengrad überflogen. Operativ sind die Maßnahmen notwendig gewesen, um vor allem die feindliche Luftwaffe direkt in ihr Absprungbasen zu treffen. Die nordkorean' ehe Abwehr hat sich jedoch als wirksam erwiesen. Bei einem Anflug von Bomberverbänden sollen allein vier schwere viermotorige Bomber abgeschossen worden sein. Flak der Nordkoreaner brachte einen Düsenjäger zum Absturz. Beide Seiten verfügen über ausgezeichnet ausgebildete Flugzeuj"'hrer, die, soweit es sich um Koreaner handelt, zum großen Teil auf japanisd . Seite den letzten Krieg mitgemacht haben.

Die amerikanischen Abwehrmaßnahmen werden überlegt und systematisch getroffen. Sämtliche Stützpunkte im Fernen Osten sind in Alarmzustand. Da- Marin ?ministerium hat ein neues Hilfsgeschwader in Marsch gesetzt, das sih aus zwei Flugzeugträgern und mehreren Zerstörern zusammensetzt. Das Angebot der australischen Luftstreitkräfte, sich am Einsatz zu beteiligen, ist angenommen worden. Marschall Tschiang Kai-schek hat sich erboten, mindestens drei nationalchinesische Divisionen und eine unbekannte Zahl von Flugzeugen zur Verfügung zu stellen. Neuseeländische Luft- und Marinestreitkräfte wollen sich ebenfalls dem Befehl Mac Arthurs unterstellen.

Auf Befehl des Oberkommandierenden werden mit einer Luftbrücke schwere Waffen und Munition von Japan nach Südkorea transportiert. Aus Kreisen der amerikanischen Luftwaffe wird bekannt, daß zur Verfügung des fernöstlichen Kriegsschauplatzes weiterhin bereit gestellt werden können: 700 Jäger, 200 Bomber vom Typ B 29 und vom Typ B 50 so -ie 90 Superfestungen vom Typ B 36.

Zahlreiche Amerikaner, die sich in Südkorea aus geschäftlichen Gründen aufhalten, haben sich erboten, in den Reihen der Südkoreaner zu kämpfen. Im Auftrag des Generals Mac Arthur führt auf dem Kriegsschauplatz sein Stellvertreter, der General Church. Der vorgeschobene Gefechtsstand, auf dem inzwischen rund 200 amerikanische Offiziere arbeiten, ist nach wie vor in Suwon. Der Oberbefehlshaber der südkoreanischen Armee, der General Choi duk, hat den Oberbefehl niedergelegt. Er wird vorerst durch den General Chang ersetzt.

Die amerikanische Führung ist bestrebt, seit ihrem Eingreifen die Führung selbst in die Hand zu bekommen und die Operationen zusammenzufassen. Zahlreiche höhere und mittlere Führer der südkoreanischen Armee sollen durch amerikanische Offiziere ersetzt werden. Vorerst üben diese Truppenführer nur beratende Funktion aus. Die Nachrichtenverbindungen im Kampfgebiet sind schlecht. Die technische Ausrüstung noch unbefriedigend und der Nachschub an Verpflegung nicht ausreichend.

Das vorgeschobene Hauptquartier in Suwon und der Flugplatz, der einzige Platz in Südkorea, auf dem schwere Maschinen landen können, sind unmittelbar bedroht.

Vertraunen für Duviensart

Brüssel, 30. Juni- (dpa) Die belgische Abgeordnetenkammer hat der christlich-sozialen Regierung Duvieusart am Freitag mit 108 gegen 100 Stimmen bei einer Enthaltung das Vertrauen ausgesprochen.

Moskaus Umweg

*** Der Kreml haf sidi bisher insoweit aus dem koreanischen Streitfall herausgehalten, als er über geheime Waffenlieferungen an Nordkorea nicht hinausgegangen ist. Selbstverständlich verurteilt er den Beschluß des Sicherheitsrates und das Eingreifen Amerikas, Englands, Australiens und Hollands als unberechtigt und als eine Aktion des amerikanischen Imperialismus. Seine offizielle Zurückhaltung ermutigt aber zu der Annahme, daß Moskau die Ausw-. ung des heißen Krieges in Korea vermeiden will. Es hütet sich daher auch eine offene Waffenhilfe für Nordkorea anzukündigen. Dafür macht es einen Umweg, es schiebt seinen chinesischen Vasallen vor. Der Führer der chinesischen Kommunisten Mao Tse-tung haf vor dem Regierungsraf der chinesischen Volksrepublik in Peking erklärt, die amerikanische Aggression in Korea werde den entschlossenen Widerstand der Völker Asiens wachrufen, die ihre Angelegenheiten selbst regeln wollten. Sein Außenminister Tschou-En-lai ist einen Schrift weite-gegangen und haf betont, die Entsendung der siebten amerikanischen Flotte an die Küste Formosas bedeute einen bewaffneten Angriff auf chinesisches Hoheitsgebiet. Das will nichts anderes be- sagen, als, daß Rofchina die Möglich* keif wahmehmen will, an Stelle und im Auftrag Rußlands durch offizielle Waffenlieferungen in den koreanischen Konflikt einzugreifen.

Rußland bleibt hinter den Kulissen. Für die Vereinigten Staaten hat Präsident Truman mit besonderem Nadidruck erklärt, Amerika befinde sich keineswegs im Kriege. Inzwischen nehmen die harten Kämpfe auf der asiatischen Halbinsel ihren Fortgang. Die Waffenhilfe, die den südkoreanischen Truppen in den letzten Tagen gewährt worden ist, hat die Lage noch nicht entscheidend verändert, aber immerhin die Aussichten für Südkorea verbessert. Wenn es gelingt, die zum Teil schon geschlagenen Verbände südlich des Han-Flusses nicht nur durch einen Luftschirm zu unterstützen und durch die Seeblockade gegen in ihrem Rücken eingesetzte nordkoreanische Truppen und Partisanen zu sichern, sondern darüber hinaus die sich zum Widerstand sammelnden Armeen mit „gewissen amerikanischen Bodenstreitkräften“, das heißt, mit Artillerie- und Panzerabwehrwaffen zu versehen, — dann dürfe es vielleicht gelingen, den boschewistischen Vorstoß zuruckzuweisen. Die Westmädite sind der Zuversicht, daß damit der Krieg endgültig auf die Halbinsel Korea lokalisiert bleibe.

Am 38, Breitengrad

zz. Als die Neue Welt entdeckt wurde und zwischen den Spaniern und Portugiesen Streitigkeiten über den Besitz von Welten entstanden, die noch unbekannt waren, zog ein päpstlicher Schiedsspruch einen Strich über den Globus, um so die Besitzverhältnisse endgültig zu klären. Dieser Strich, der ohne Rücksicht auf geographische und ethnographische Verhältnisse gezogen war, wurde nicht lange beachtet. Die selbstsüchtigen Interessen der seefahrenden Nationen setzten sich übe r diesen Schiedsspruch hinweg.

X c Zeit ^t im Laufe dei Jahrhunderte vielfach versucht worden, Streitigkeiten ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Verhältnisse mit Lineal und Bleistift auf der Landkarte zu schlichten. Wir Deutschen haben in besonders schmerzlicher Erinnerung den polnischen Korridor, der nach dem ersten Weltkriege einen breiten Streifen aus Ost- und Westpreußen herausschnitt, damit Polen ein Zugang zur Ostsee ermöglicht werde. Daß dadurch der Rest der Provinz Ostpreußen sozusagen zu einer entlegenen Insel wurde, störte die Weltverteiler in Versailles nicht.

Nach dem zwei t e n We 11 kri e g

Einsichtige amerikanische Politiker geben heute unumwunden zu, bei der Weltverteilung in Jalta und Potsdam seien die maßgebenden Staatsmänner nicht klüger gewesen als in Versailles. Besonders der amerikanische Präsident Roosevelt habe von seinem Vorgänger Woodrow Wilson wenig gelernt und habe den Russen allzuviel Konzessionen gemacht, „um sie bei guter Stimmung zu halten“. Jedenfalls hatte Roosevelt noch nicht erkannt, daß es für den Bolschewismus keine Stimmungspolitik gibt, sondern nur eine wechselnde Taktik. Das Ziel bleibt für ihn aber immer das gleiche: Mit allen Mitteln die Unterwerfung der Welt unter die bolschewistische Ideologie und Diktatur zu erreichen. Der Fehler, der sich heute am peinlichsten bemerkbar macht, war die Aufteilung der unterworfenen Länder Deutschland und Oesterreich in getrennte Besatzungsgebiete, die eine ganz verschiedene Entwicklung nahmen, je nachdem sie im Namen der westlichen oder der östlichen Demokratie verwaltet wurden. Japan hatte das Glück, nur dem Amerikaner unterstellt zu werden. In dem früher selbständigen Korea glaubte man jedoch, den Russen entgegenkommen zu müssen, weil sie kurz vor der Kapitulation noch den Krieg an Japan erklärt hatten. Also wurde die bis dahin von Japan verwaltete Halbinsel Korea in eine russische und in eine amerikanische Besatzungszone aufgeteilt. Die Aufteilung machte man sich sehr leicht. Man wählte als Grenzlinie den 38. Breitengrad. Was nördlich davon lag, war die Sowjetzone, was südlich davon lag, wurde von den Amerikanern verwaltet.

Zwei Welten

Die gedachte Linie eines Breitengrades wurde zur Grenzscheide zwischen zwei Welten. Die> Russen gehen in dem ihnen unterstellten Gebiete planmäßig mit den bekannten Methoden vor. Es wurde eine sogenannte Volksdemokratie errichtet, das heißt, jeder, der anderer Meinung war die Abgesandten des Kremls, wurde rücksichtslos ausgeschaltet. Das Leben wurde vollkommen sowjetisiert und auch hier hieß es: wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Alle im Sinne der Russen „zweifelhaften Elemente“ verschwanden von der Bildfläche. Die Amerikaner ihrerseits versuchten südlich des 38. Breitengrades die Bevölkerung zur westlichen Auffassung von Demokratie umzuerziehen. Sie versuchten das mit viel Idealismus zu erreichen, aber mit nicht allzuviel Kenntnis von den Besonderheiten der Denk- und Lebensart der Koreaner. Vor allen Dingen fehlte ihnen die Zielbewußtheit der Russen. So erklärte sich, daß die russische Agitation unter dem Schlagwort „Asien den Asiaten“ in Südkorea nicht ganz erfolglos blieb, zumal da außerdem der notleidende Teil der Bevölkerung sich vom Kommunismus eine Verbesserung seiner Lage erwartet. Dennoch kann man sagen, daß sich Südkorea, im Ganzen gesehen, als zugehörig zur westlichen Welt fühlte.

Der russische Schachzug

Den Russen war es ein Dorn im Auge, einen Teil von Korea in amerikanischer Verwaltung zu sehen. Sie machten daher jenen Schachzug, den sie auch in Deutschland gern anwenden möchten, um in ähnlicher Weise vorgehen zu können, wie sie jetzt in Korea vorgegangen sind. Sie schlugen den Amerikanern den Abzug der Besatzungstruppen vor, da die Koreaner reif seien, sich selbst zu verwalten. Sie machten geltend, innere Unruhen seien in keinem Teil des Landes zu befürchten, denn in Nordkorea gäbe es eine „Volkspolizei“ und die Amerikaner hätten auch in ihrem Verwaltungsgebiet eine einheimische Polizei zugelassen, die in der Lage sei, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Um ein „gutes Beispiel“ zu sehen, zogen die Russen tatsächlich ihre Besatzung zurück. Sie erreichten damit, daß auch die Amerikaner das Gleiche taten, um nicht in den Verdacht zu geraten, sie wollten sich in dem Lande verstecken.

Damit war die Voraussetzung für den Krieg in Korea gegeben, der die Gefahr in sich birgt, daß er zur großen Auseinandersetzung zwischen Ost und West werde. Die Volkspolizei in Nordkorea wurde mit russischer Hilfe sehr schnell zu einer schlagfertigen Armee ausgebaut. Auch Südkorea erhielt daraufhin die Erlaubnis, eine Armee aufzustellen. Sie blieb jedoch weit hinter der Stärke der von Nordkorea zurück. Das hängt zum Teil damit zusammen, daß sich die eigentliche Industrie im nördlichen Teil des Landes befindet. Kenner der Lage befürchteten schon längst, es werde auf der Halbinsel zu einem ideologischen Bruderkriege kommen. Wann dies sein werde» hänge nur vom Willen des Kremls ab. Der Kreml hat den Zeitpunkt für gekomthen erachtet, denn er wollte eine Machtprobe m Kleinen, die für sein weiteres Vorgehen entscheidend sein sollte.

Der Modellfall

Wir haben nicht ohne Bedacht darauf hingewiesen, daß die Verhältnisse in Deutschland und Oesterreich in etwa ähnlich gelagert sind wie in Korea. Korea sollte der Modellfall se^in. Durch ihn sollte sich ergeben, was die Westmächte ihrer Friedensliebe willen in Kauf nehmen würden. Vorgeblich handelt es sich ja lediglich um eine Auseinandersetzung zwischen Koreanern, an der die Russen nicht beteiligt sind. Im Kreml hoffte man, unter dieser Tarnung einen weiteren Teil des asiatischen Kontinentes zu unterwerfen. Die Westmächte, unter Führung Amerikas, haben jedoch erkannt, daß es in Korea um eine weitere Teilverwirklichung der weltweiten Absichten des Bolschewismus geht. Sie haben ihrerseits insoweit die bolschewistische Tarnung berücksichtigt, als sie bisher noch in keiner amtlichen Verlautbarung den Russen als den eigentlichen Angreifer bezeichnet haben. Sie haben jedoch die Folgerung aus dem Vorstoß der nordkoreanischen Armee gezogen und Waffenhilfe für die Südkoreaner beschlossen, die bereits in den ersten Tagen in harte Bedrängnis geraten sind. Die Frage ist nun, ob der Russe nachträglich hervortritt und sagt: Hier geht es um meine eigene Angelegenheit. Man kann ruhig sagen, daß davon der Frieden der Welt abhängig ist. Bis jetzt hat das Experiment des Modellfalles den russischen Erwartungen nicht .entsprochen. Sie sind auf entscheidenden 'Widerstand gestoßen. Das scheint die russische Politik jedoch nicht zu schätzen. Dafür ist zweimal der Modellfall Berlin ein Beweis. Die Russen gaben, wenn auch widerwillig, nach, als die Luftbrücke die Aushungerung der blockierten Stadt Berlin verhinderte. Sie gaben dem Aufmarsch der „Freien Demokratischen Jugend“, die Berlin erobern sollte, einen harmlosen Anstrich, als sie merkten, daß die Westmächte nicht gute Miene zum bösen Spiele machen würden. Das berechtigt zu der Hoffnung, daß sich der heiß gewordene Krieg in Korea auf die Halbinsel begrenzen läßt.

Brotpreis und Koalition

sei Die Drohung eines Proteststreiks in Nordrhein-Westfalen weaen der befürchteten Brotoreiserhöhuna wird in Bonner Regieruneskreisen angesichts der immer noch nicht entschiedenen Koalitionsfrage nach den Neuwahlen als ein gefährlicher Druck der Gewerkschaften für die große Koalition angesehen. Insofern sei. so betont man in Bonn, dieser Streik durchaus politisch, da er in 'Wirklichkeit gar nicht um die Frage des Brotpreises gehe, sondern um die Erzwingung der großen Koalition bei der Reaierungsneubildung in Nordrhein-Westfalen. Die zahlreichen Besprechungen des Ministerpräsidenten Arnold mit dem Führer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dr. Böckler geben dieser Person starke Anhaltspunkte und man befürchtet, daß andererseits eine kleine Koalition zu einer Kette der Streiks führen könnte. Die Entwicklung. die Regierungsbildung mit gewerkschaftlichem Drude zu bewerkstelligen oder zu beeinflussen, muß als verhängnisvoll angesehen werden.

Die Debatte um den Brotpreis ist noch nicht entschieden. Durch einen Verzicht auf die Fettsteuer sollte ursprünglich die Margarine verbilligt werden, um dadurch gegebenenfalls eine leichte Verteuerung des Brotnreises in Kauf nehmen zu können, nachdem die Lebensmittelsubventionen vom 1. Juli an wegfallen. Allerdings hat die Mehrheit des Ernährungsausschusses im Bundestage sich für eine Wiedereinführung der Fettsteuer ausgesprochen. Damit würde der vorgesehene Ausgleich bezüglich des Brotnreises wieder illusorisch werden. Die Wirkungen nach Wegfall der Lebensmittelsubventionen auf den Brotpreis werden von der Regierung iedoch nicht für erheblich gehalten. Einem unberechtigten Ansteigen des Brotnreises soll durch Festsetzung von Höchstpreisen entgegengewirkt werden.

Die Waffe der Furcht

Kps. „Wir müssen der kommunistischen Waffe der Furcht enfgegenfreten“, betonte Präsident Truman in seiner letzten Ansprache auf der Jahresversammlung der amerikanischen Zeifungsgilde und begründete damit das Eingreifen der Vereinigten Staaten in die Kämpfe in Korea. Nur durch unbeirrbare Abwehr der bolschewistischen Drohung kann dem Vordringen des Kommunismus Einhalt geboten werden. Der Widerhall, der die unverzügliche Ausführung der Beschlüsse im Sicherheitsrat in der freien Welf begleitete, hat die Maßnahmen des amerikanischen Präsidenten gerechtfertigt.

Bewußt versucht der Bolschewismus die „ehrliche Unzufriedenheit“ der Völker in rückständigen Gebieten auszunufzen. Bewußt schürf er soziale Spannungen, wo immer sie auffrefen, und hält die Opfer ständig unter dem Druck der Furcht vor einem inneren Umsturz. Mangelnde soziale Reformen und politische und wirtschaftliche Krisen sind stets der Boden gewesen, auf dem der Weizen agitatorischer Verhetzung blühte. Erst nach der „Befreiung“ folgt dann das grausame Erwachen und die späte Erkenntnis, daß man den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben und die verheißene Freiheit mit einer Tyrannei vertauscht hafte.

Diese Erkenntnisse sind dank den anschaulichen Beispielen bolschewistischer Methoden in der jüngsten Vergangenheit gewachsen, zugleich aber auch das Bewußtsein, daß nur eine gemeinsame breite Front den weltweiten bolschewistischen Gelüsten Einhalt Gebieten kann. In diesem Sinne ist der Fall Korea auch die stärkste Hoffnung der unter der. kommunistischen Drohung leidenden Völker. Denn in Korea steht nicht nur das Schicksal dieser Halbinsel auf dem Spiel, die mit ihrer „Elbe-Linie des Fernen Ostens" ein Kind der Beschlüsse von Jalta ist, sondern auch das Vertrauen der freien Völker in die Kraft der westlichen Welf.

Neur Fahrpreise?

Von der Bundesbahn erwogen

Neuß, 30. Juni, (dpa) Von der Bundesbahn werden gegenwärtig neue Tarife für den Personenverkehr erwogen. Der erste Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer N-uß, Dr. Schmitz, teilte auf einer Vorstandssitzung des Verkehrsvereines mit, daß erwogen werde, die Eilzuschläge fallen zu lassen, die D-Zug-Zuschläge zu ermäßigen und Staffeltarife für den norr. alen Personenverkehr einzuführen. Diese Staffeltarife sollten so beschaffen sein, daß je nach der Länge der Fahrt das Kilometergeld staffelweise herabgesetzt wird. Außerdem solle eine Vergünstigung leim Lösen einer Hin- und Rückfahrkarte gewährt und das Kilometerheft wieder eingeführt werden.

Die Hauptverwaltung der Bundesbahn in Offenbach bestätigte die Ausführungen von Dr. Schmitz mit Ausnahme der Angaben über die sogenannten Staffeltarife.

Wandernde Inseln

Eindrücke von einer Presse-Bäderfahrt an die Nordsee / Von Reinhold Zenz

Die Eisenbahndirektion Münster veranstaltete in der vergangenen Woche in Verbindung mit dem Landesverkehrsverband Ostfriesland sowie den beteiligten Reedereien und Kurverwaltungen eine Pressebäderfahrt nach den ostfriesischen Inseln, WangeroOg, Spiekeroog, Langeoog und Borkum. Unser Redaktionsmitglied, das an dieser Fahrt teilnahm, gibt nachstehend seine Eindrücke wieder.

Die deutsche Küste ist sehr schmal geworden. Für den Bäderbesuch aus der Bundesrepublik fällt der größte Teil der Ostsee aus. Die mecklenburgischen und die pommerschen Bäder östlich von Travemünde befinden sich in polnischer Hand, während die Russen außer dpr Insel Rügen die Bäder des landschaftlich überaus reizvollen Saarlandes und der kurischen Nehrung zu einem Festungsbereich ausgebaut haben. Wer an der See Erholung sucht, ist auf die Badeorte in Schleswig-Holstein und in erster Linie auf die ostfriesischen Inseln angewiesen.

Die Inseln Wangerooge, Spiekeroog, Langeroog, Baltrum, Norderrfby, Juist und Borkum sind als Wellenbrecher der Nordseeküste vorgelagert. Wären sie nicht vorhanden, so müßten gewaltige Deichbäuten ausgeführt werden, damit der „Blanke Hans“, die Sturmflut nicht afljährlich in das Marschland einbräche und fruchtbare Erde wegspülte. An Stelle der Küste nehmen die Inseln den Anprall der Wogen auf, der ihre Gestalt im Laufe der Jahrhunderte vielfach veränderte. Sie sind zerteilt, weggespült und an anderer Stelle wieder neu aufgebaut worden. Wind und Strömung tun ein übriges. S e räumen den Sand im Westen ab und setzen ihn im Osten wieder an. Infolgedessen wandern a’le Inseln mit Ausnahme von Borkum, das durch starke Strömungen der Ems-Mündung featgehalten wird, langsam nach Osten. Kaum ein Ort auf den indeln steht noch dort, wo er vor Jahrhunderten stand. Auch die Dörfer mußten die Wanderung von West nach Ost mitmachen.

Diese Verschiebung ist besonders unangenehm, wenn in einem Badeort der Strand wegschwimmt und an einer weit entfernten Stelle wieder auffauchf. So war es zum Beispiel der Insel Borkum ergangen. Es bedurfte großer Geldaufwendungen, um durch Unterwasserbuhnen die Strömung abzudrängen, um Sand und Strand wieder dahin zu bekommen, wo man ihn brauchte. Man kann durchaus verstehen, wenn die Inselbewohner geltend machen, es müßten ihnen größere Staatsmittel zur Verfügung gestellt werden, um die Inseln zu festigen, da ja nicht sie allein den Vorteil davon haben, sondern das gesamte Küstengebiet, das an das Wattenmeer zwischen Inseln und Festland heranreicht.

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Vielfach begegnet man noch der Meinung, Seebäder seien ein Luxus, den sich nur der Wohlhabende zu Stifter Erholung gestatten könne. Diese Auffassung ist durchaus falsch. Jeder kann an der See im Rahmen der Mittel leben, die ihm zur Verfügung stehen. Die ärztliche Wissenschaft hat aber erkannt, daß der Aufenthalt an der See nicht allein der Erholung dient. Der ständige Wind, der von dem einen oder andern Kurgast als störend empfunden werden mag, ist für die Gesundung ebenso fördernd, wie bedecktes Wetter. Nicht nur diejenigen haben also etwas von ihrem Inselbesuch, die sich in den Wellen der Brandung austoben oder von der Sonne rösten lassen. Der Wind führt über die Nordsee eine fast vollkommen staubfreie Luft heran, die außerdem mit organischem Jod gesättigt ist, und Spuren-Elemenfe in sich trägt, deren besondere Heilwirkung man jetzt erst erkennt.

Die klimatischen Bedingungen üben an dem menschlichen Körper eine Reiztherapie aus, die sich zunächst in einer Äppetitvergrößerung bis zu 96 Prozent bemerkbar macht. Der gesamte Organismus wird dabei gezwungen, sich innerlich umzusfellen. Das kommt sowohl den Gesunden zugute wie insbesondere Menschen, die an Katarrhen oder Heuschnupfen leiden. Ebenfalls Erwachsenen und besonders Kindern, bei denen der Verdacht besteht, sie seien von der Tuberkulose beschaffet. Gerade bei ihnen hat sich die abhärfende Reiztherapie des Seeklimas als besonders erfolgreich erwiesen. Ihrer unbestrittenen Heilwirkung wegen dürfen die Inselbäder neuerdings auch die Bezeichnung Meeres-Heilbäder führen. Auf allen befinden sich Kinderheime, Und große Betriebe richten (namentlich dann, wenn ihre Werksangehörigen schädlichen Stoffen ausgesetzt sind), Erholungsheime auf den Inseln ein, die nicht nur in den Sommermonaten, sondern das ganze Jahr über beschickt werden. Es hat sich nämlich erwiesen, daß die heilkräftige Wirkung des Nordseeklimas -im Winter genau so stark ist, wie im Sommer.

. Mehr noch, man ist in allen Inselbadeorten dazu übergegangen, gereinigtes Meerwasser zu Trinkkuren zu verwenden, die ebenfalls eine Umstimmung des Körpers herbeiführen. Man hat festgestellt, daß im Serum des menschlichen Organismus Meerwasser enthalten sei und bringt die Umstimmung des Mineralstoffwechsels mit dieser Eigenschaft des Serums1 in engeren Zusammenhang.

Die Kurgalkt-Cide 2

Alles Leben auf den Inseln ist von ihren Gezeiten des Meeres, von Ebbe und Flut abhängig. Wenn Tide, das heißt Flut ist, fahren übers Watt hinüber und herüber die Bäderdampfer, die sonst im Schlick stecken blieben. Nur Borkum und Wangerooge sind mit ihrer Dampferverbindung nicht von der Tide abhängig, weil sie die Strömungen von Flußmündungen benutzen können. Wenn Tide ist, geht man ins Wasser zum Baden. Bei Ebbe ist es verboten, da der Sog den Schwimmer hiiausziehen würde. Auch der Gäsfebesuch hat seine Tide und das ist der Kummer der Inseln.

Die meisten Kurgäste melden sich für die Zeit vom 1. Juli bis 15. Äpgusf an. Im Juni und im meist besonders schönen September, der sogenannten Vor- und Nachsaison, in der alle Preise wesentlich gesenkt werden, sind die Betten vielfach nur zu zehn Prozent belegt. Man hat eine Durchschrifisbelegung in den Sommermonaten errechnet und dabei ermittelt, daß der Beftenraum der Inseln nur an 64 Tagen voll belegt ist.

Würde es gelingen, den Zustrom der Gäste für eine etwas längere Zeit zu gewinnen, so würden sich die wirtschaftlichen Sorgen der Bäder wesentlich vermindern. Auf keiner der Inseln gibt es eine Industrie oder eine sonstige Erwerbsmöglichkeit, nicht einmal Fischfang, da die dazu erforderlichen Häfen fehlen. Alles, was für den Kurgast hergerichtef worden ist, — und im Laufe der Zeit sind ganz erhebliche Summen investiert worden — muß also in der unwahrscheinlich kurzen Zeit von zwei Monaten nutzbar werden.

Die Nordseebäder haben daher den gleichen Wunsch, der auch aus vielen Inlandsbädem und Kurorten lauf wird, daß die Ferien im ganzen Reich einheitlich geregelt werden. Das beißt, daß sie sich nicht mehr wie bisher überschneiden, sondern gerade die Erholungssuchenden mit Kindern auf einen größeren Zeitraum verteilen

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Die deutsche Meeresküste ist zwar wesentlich schmäler geworden, aber dafür sind die Berliner und die Sachsen nicht mehr in der Lage, die osffriesischen Inseln zu besuchen. Der Hauptstrom der Gäste kommt heute aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und bring ( starke Zuflüsse aus Rheinland-Pfalz. Selbst noch aus der Gegend von Kaiserslautern und Ludwigshafen fährt man ebenso gern zur Nordsee wie zum Bodensee. Das zeigt sich besonders wieder in diesem Jahr, da die Bahn- und Schilfsverbildungen we'entlieh verbessert und die Fahrprei e durch Urlaubskarfen ermäßigt worden sind.

Der Hinweis darauf, daß die Bäder der ostfriesischen Indeln bisher nur in wenigen Sommerwochen ihre eigentliche Saison haben, könnte vermuten lassen, die Preise seien dementsprechend übersetzt. Es gibt Hotelbetriebe der Sonderklasse, die nicht von jedem Badegast aufgesucht werden können. Selbst sie sind nicht teurer als ähnliche Betriebe in Garmisch-Partenkirchen oder Berchtesgaden. Die weitaus größte Zahl der Betriebe hat eine mittlere Preislage, so daß jedermann seine Unterkunft rach seinem Geldbeutel aussuchen kann. Für Fami ien, die sparsam wirtschaften v.o’l n, gibt es auf allen Inseln, aus der Gepflogenheit früherer Zeiten her, noch Unterkünfte mit Küche oder Küchenbenutzung, eine Einrichtung, die man in Inlands-Rurorten nur sehr seifen finden wird.,

Der Wunsch der Insel-Bäder, daß ihr riesiges Nordsee-Sanatorium und Meeres-Inha!a*o-ium in diesem Jahr noch besser besucht werde, als im vergangenen, scheint sich nach den bisherigen Anzeichen erfüllen zu wollen. Noch in keiner Zeit war es ja auch so notwendig, daß wir unsere Gesundheit erhalten oder unsere Kräfte wie derhersfeilen. Die Möglichkeit, die den Deutschen auf den wandernden Inseln dafür geboten wird, sollte nicht ungenutzt bleiben, zumal in den Jahreszeiten, die man bisher als weniger günstig für einen Nordseebesuch hielt.

In der Wetterwarte auf Borkum befindet sich eine Glaskugel, durch die die Sonne veranlaßt wird, Löcher in ei.ea Papierstreifen zu brennen uni damit zu registrieren, wie lange sie am wolkenlosen Himmel stand. Das Ergebnis ist, daß auf den Inseln im Tagesdurchschnitt die Sonne im April sechs Stunden, im Mai 7,6, im Juni 7,3, im Juli 7 und im August 6,3 Stunden scheint. Selbst die Sonnenanbefer kommen also mehr auf ihre Rechnung, wenn sie in der Vorsaison hinfahren, als während der Hochsommermonate.

60000 Verschleppte gleichgestellt

Die Vorrechte der heimatlosen Ausländer aufgehoben

Bonn, 30. Juni. (AP.) Rund 60 000 verschleppte Personen werden am Sonnabend unter die Obhut der deutschen Behörden gestellt werden. Die Bundesregierung erklärte hierÄ: „Die Bundesregierung ist davon überzeugt, daß das deutsche Volk, dessen Glieder zu Millionen selbst die eigene Heimat verloren haben, Verständnis für die Nöte und Schwierigkeiten der heimatlosen Ausländer empfinden wird“. Sie sei ferner der Ansicht, daß die Deutschen alles in ihren Kräften stehende tun werden, um diesen Flüchtlingen das Leben nach Möglichkeit zu erleichtern.

Die Bundesregierung drückt gleichzeitig ihre Ueberzeugung aus, daß das gesamte Flüchtlingsproblem einer internationalen Regelung bedarf.

Den heimatlosen Ausländern sollen die gleichen Rechte wie Deutschen zugestanden werden. Das bedeute, daß ihre bisherigen Vorrechte nicht mehr anerkannt werden, sagte ein Regierungssprecher. Sie sollen vor

allem vor Ausweisung geschützt werden. Das in Vorbereitung befindliche Gesetz verbietet ausdrücklich die Abschiebung in ein Land, in dem Leben oder Freiheit des Ausländers bedroht ist.

Die Regierung stellt besonders fest, daß in diese'neue Regelung nicht die politischen Flüchtlinge einbezogen sind, die z. B. aus der Tschechoslowakei im Bundesgebiet Asyl gesucht haben. Der Regierungssprecher erwähnte in diesem Zusammenhang besonders den Namen des tschechischen Politikers Lausmann. Die politischen Flüchtlinge stehen weiter unter der Obhut der Ober-Kommission.

Zweihundert Militärschüler aus sieben europäischen Ländern sollen im Juli und August auf amerikanischen Militärschulen im amerikanischen Besatzungsgebiet an amerikanischen Waffen ausgebildet werden.

Städte sehen die Jugendnot

Hauptversammlung des Deutschen Städtetages

Von unserem nach Köln entsandten Redaktionsmitglied

F. W. Köln, 30. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters von West-Berlin, Professor Reuter, wurde in Anwesenheit von mehreren hundert führenden Persönlichkeiten der öffentlichen Verwaltung in den elf Ländern der Bundesrepublik die dritte Hauptversammlung des Deutschen Städtetages eröffnet. Unter den Gästen befanden äich unter anderem auch einige dreißig Vertreter kommunaler Behörden und Verbände aus Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden, aus Schweden, Oesterreich und den Vereinigten Staaten.

Die Tagung bot im Vergleich zu früheren Zeiten ein neuartiges Bild insofern, als 150 selbstgewählte Delegierte des Bundesjugendrings und der Studentenschaften teilnahmen. Es geschah im Hinblick auf das zentrale Thema der Tagung, das den vielgestaltigen Sorgen des deutschen Volkes Um seine Jugend gewidmet war. Um diese Kernfrage mit aller gebotenen Gründlichkeit behandeln und von allen Seiten beleuchten zu können, wurden fünf Referate erstattet, die sich in gedrängter Fassung mit den positiven Leistungen der Städte und mit der Verbesserung dieser Leistungen befaßten.

Jugendamt neuer Prägung

Der Hauptgeschäftsführer der Städtetages, Dr. Peter van Aubeh sprach über die geistige, seelische und materielle Lage der heutigen Jugend. Stadtrat Dr. Rudolf Prestel (Frankfurt) forderte ein „Jugendamt neuer Prägung“, dessen Aufgaben nur durch planvolles Zusammenwirken aller Kräfte zu sichern seien. Stadtverordnete Frau Elisabeth Zillken (Dortmund) verlangte die aktive Mitarbeit der gesamten Bürgerschaft am Wirken für die Jugend und die lebendige Zusammenarbeit aller in der Erziehungsarbeit stehenden Kreise, insbesondere auch die gemeinsame Arbeit von Jugendamt und freiwilligen Organisationen. Medizinaldirektor Dr. E. Schröder (Göttingen) sprach über die Jugendgesundheit und deren Förderung durch die Stadtverwaltung. Die Gesundheitspflege sei aufrechtzuerhalten und auf die Berufsschuljugend auszudehnen. Regierungsdirektor Dr. Hermine Albers (Hamburg) wies nach, daß eine vorbeugende und heilende Gefährdetenfürsorge nie so teuer zu stehen komme wie die später notwendig werdende Versorgung endgültig Abgesunkener in Heimen und Strafanstalten. Stadtrat Dr. Karl Theodor Marx (Nürnberg) sprach über die Hilfe der Städte in der Bgrufsnot der Jugend.

Ebenso straff organisiert und diszipliniert war die Diskussion. Frau Bürgermeister Schröder (Berlin) gab eine zusammenfassende Übersicht über die Diskussion und erläuterte ihre Ergebnisse, indem sie eine Entschließung begründete. Es heißt darin, daß „die Lage der deutschen Familie und der deutschen Jugend das kommunale Jugendamt vor neue und erschwerte Aufgaben stelle. Es müsse deshalb ein Jugendamt neuer Prägung geschaffen werden. Vor allem müßten die im Reichsjugendwohlfahrtsgesetz als freiwillig bezeichneten Aufgaben des Jugendamtes, wie es weithin bereits geschehe, mit oder ohne gesetzliche Vorschriften überall als Pflichtaufgaben behandelt werden.“

Im zweiten Teil der Verhandlungen des ersten Tages wurden die kulturellen Aufgaben der Städte behandelt. Als Ergebnis der Referate und der Diskussion erklärte der Städtetag: „Unter dem Eindruck der Berichte und Aussprachen auf der dritten Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Köln, bei der sich die deutschen Städte mit Vertretern der Jugend begegnet sind, bekräftigen wir unsere Bereitschaft die Arbeit für die Jugend, an der Jugend und mit der Jugend noch stärker als bisher als eine zentrale Aufgabe der Städte zu behandeln. Die gesamte städtische Jugend, sie lebe in den Städten oder unter dem Zwang der Verhältnisse noch auf dem Lande, hat einen Anspruch auf gesundheitliche,’ erzieherische, wirtschaftliche und berufliche Fürsorge durch die Städte. Die Stadt kann und will der Jugend Heimat sein.“

Letzte Telegramme

Homer Cook verurteilt

„Es hätte schlimmer ausgehen können“

München, 30. Juni. (AP.) Ein Gericht dei amerikanischen Oberkommission in München verurteilte am Freitag den 27jährigen „Ausbrecher-Künstler“ Homer COok zu viereinhalb Jahren Gefängnis.

Das Gericht fand Cook in allen zwanzig Punkten der Anklage, darunter Ausbruch aus der Haft, illegale Einwanderung nach Deutschland und illegaler Waffenbesitz, für schuldig. Cooks deutsche Freundin, Fräulein Anna Sporrer, deretwegen Homer nach Deutschland zurückkam, brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus.

Der ehemalige Amateurboxer aus Oklahoma, der durch seine drei Ausbrüche Groß-Suchaktionen deutscher und amerikanischer Polizei ausgelöst hatte, hatte in eigener Sache erklärt, er sei nur geflohen, um der Brutalität der ihn bewachenden Militärpolizisten zu entgehen- Der hünenhafte Amerikaner erklärte, er habe sich gefürchtet, daß die Militärpolizei „mich aufhängt oder erschießt“. Cook gab zu, daß er bei seiner Ankunft in Deutschland im März dieses Jahres eine Pistole und einen Gummiknüppel bei sich gehabt habe — aber nur zu seinem eigenen Schutz.

„Ich bin hierher gekommen, um Anna zu heiraten“, sagte er, „und ich werde sie heiraten, kein Ozean oder sonstige Ungelegenheiten werden mich daran hindern.“

Anna sagte: „Ich werde auf Homer warten, es spielt keine Rolle, wie lange das dauern wird.“

Homer schien durch das Urteil nicht allzusehr mitgenommen zu sein. Er schüttelte die Hände der ihn umringenden Journalisten und sagte lächelnd: „Es hätte schlimmer ausgehen können“.

Im Überfüllten Zuschauerraum herrschte bei der Urteilsverkündung gegen Cook starke Erregung. Alle Frauen, die die Mehrzahl der Besucher ausmachten, schluchzten. Anni Sporrer, die Braut des Verurteilten, weinte laut. Sie hatte ihrem Verlobten während der Beratungspause sechs rote Rosen geschenkt.

Quenilles Programm

Paris, 30. Juni, (dpa) Der radikalsozialistische Politiker und bisherige Innenminister Henri Queulille stellte sich am Freitag der Nationalversammlung vor, um die parlamentarische Bestätigung für den ihm erteilten Auftrag zur Bildung einer heuen französischen Regierung zu erhalten, im Vordergrund seiner Regierungserklärung. die er vor der Nationalversammlung abgab. standen die Veurteilung des kommunistischen Vorgehens in Korea und ein Bekenntnis zum Schumanplan.

Queuille rief zur Beendigung des Parteienstreites in Frankreich und zur nationalen Einheit auf. Dies werde der Initiative Außenminister Schumans Auftrieb geben, die darauf abziele, harmonische Verhältnisse in Europa zu schaffen.

Luftwaffenerfolge in Korea

Tokio, 30. Juni. (AIP.) Die amerikanische Luftiwafe im Fernen Osten gab am Freitagabend (Samstag-Ortszeit) die Vernichtung von 15 nordkoreanischen Panzern im Laufe des Freitags in Korea bekannt.

(Amerikanische Flugzeuge vom Typ B-29 bombardierten Ziele entlang des Flusses Han in der Nähe von Söul, wo kommunistische Panzereinheiten durchgebrochen sind, Lästkähne, Truppenkonzentrationen, Konvois und Straßenkreuzungen wurden schwer getroffen.

Nach unvollständigen Berichten wurden 30 Lastwagen, zwei Lokomotiven und eine unbestimmte Zahl von Eisenbahnwaggons beschädigt.

In einem Kommunique erklärte die Luftwaffe, amerikanische Maschinen hätten am Freitag 161 Einsätze geflogen, einschließlich eines dritten Angriffs der Superfestungen. Bei den Einsätzen wurden zwei feindliche Flugzeuge zerstört.

Die Nordkoreaner waren am Donnerstag von amerikanischen Superfestungen zeitweise zum Verlassen des Flugplatzes Kimpo gezwungen worden.

Die nordkoreanische Luftwaffe versicherte Inzwischen, wie Radio Peking meldete, nordkoreanische Flugzeuge hätten drei amerikanische Maschinen abgeschossen und vier weitere am Boden zerstört.

Enthüllungen um die Luftbxücke

Long Lake, Neuyork, 30. Juni. (AP.) Cornelius Vanderbilt Whitney, früherer Unterstaatssekretär für die amerikanische Luftwaffe, gab in einer Ansprache vor zur Entlassung kommenden Schülern in Long Lake bekannt, wie die USA Gerüchte benutzt hätten, um die sowjetischen Versuche zur Behinderung der Berliner Luftbrücke zu vereiteln.

Whitney sagte, kurz nach Beginn der Luftbrücke im Juni 1948 habe der damalige amerikanische Militärgouverneur in Deutschland, General Lucius D. Clay, berichtet, daß die Luftbrückenoperationen nur dann weitergehen könnten, wenn er zwei Gruppen von Flugzeugen zur Verfügung habe, die mit Atombomben beladen seien.

Dieses Ersuchen sei dann auf einer Zusammenkunft des Nationalen Sicherheitsrates von Präsident Truman erörtert worden, wobei er (Whitney) die Entsendung der beiden Gruppen befürwortet habe. Am nächsten Tage seien die beiden Gruppen gestartet, aber ohne Atombomben, wie Whitney erklärte. In der Zwischenzeit seien Gerüchte, die für russische Ohren bestimmt waren, in Umlauf gesetzt worden, daß die Flugzeuge Atombomben an Bord hätten. Whitney sagte, die russische Opposition gegenüber der Luftbrücke sei nach Eintreffen der beiden Gruppen in Deutschland merklich abgeflaut.

Die Goldpreise in Paris sind unter dem Eindruck der Ereignisse in Korea und der Gefahr internationaler Komplikationen ebenso wie an zahlreichen anderen Auslandsbörsen am Mittwoch sprunghaft in die Höhe geschnellt.

Das Besahungsstatut

Stock macht Vorschläge für eine Revision

Wiesbaden, 30. Juni. (Eigener Bericht.) „Die Aufgabe der Alliierten muß vorwiegend auf den Zweck der militärischen Sicherung beschränkt werden, im übrigen aber den Charakter einer Besatzung verlieren“, heißt es in einem Schreiben, in dem der hessische Ministerpräsident Christian Stock dem Bundeskanzler Dr. Adenauer Vorschläge für eine Revision des Besatzungsstatuts unterbreitet hat.

Ziel der Revision des Besatzungsstatuts müsse eine möglichst umfassende Rückgabe der vollen Regierungsgewalt an die deutschen Stellen sein.

Stock führt aus. daß die im Besatzungsstatut enthaltenen Vorbehalte, vor allem hinsichtlich der Wirtschaftsgesetzgebung und des Verfassungsschutzes sehr oft nicht mehr der vorgeschriebenen Eigenstaatlichkeit der Bundesrepublik entsprächen. Dekartellisierung und Entflechtung seien keine Fragen der Entmilitarisierung und bildeten auch keine entscheidenden Faktoren für die Sicherheit der Alliierten. Sie müßten vielmehr als Probleme der deutschen Wirtschaftsverfassung der deutschen Gesetzgebung überlassen werden.

Administrative Gerichtshöfe

Stock empfiehlt die Errichtung administrativer Gerichtshöfe, vor denen die Beschlagnahmungen für Zwecke der Besatzungsmacht und alle exekutiven Besatzungsakte angefochten werden könnten. Dabei sei es durchaus vertretbar, Kommissionen zu bilden, die aus Deutschen und Angehörigen der Besatzungsmacht bestehen. Stock schlägt ferner vor, die Vorlagepflicht für gesetzgeberische Maßnahmen auf Gesetze zu beschränken und Verordnungen von ihr aaszunehmen. Auch für Gesetze soll die Vorlagepflicht nur soweit aufrechterhalten werden, als sie Vorbehaltsgebiete beträfen und die Besatzungsmacht die Vorlage ausdrücklich verlangt.

Der Ministerpräsident bezeichnet es als erstrebenswert, die noch notwendigen Generalvorbehalte möglichst scharf abzugrenzen. Welche schwerwiegenden Beeinträchtigungen beispielsweise auf dem Gebiet der Forschung. Industrie und Jagdhoheit infolge mangelnder Abgrenzung der Sonderbefugnisse entstanden seien, bedürfe keiner Erörterung.

Die Verschleppten

Zur Behebung der sozialen Not der Heimatvertriebenen regt der hessische Ministerpräsident an der Bundeskanzler möge bei seinen Bemühungen um eine Revision des Besatzungsstatuts darauf hinweisen, daß das Verschlepptenproblem durch deutsche Stellen allein nicht gelöst werden könne. Die ausschließliche Betrauung deutscher Stellen mit dieser Frage könne zu einer politischen Belastungsprobe werden.

Deutsche kümpfen im Dschungel

Ein Fremdenlegionär berichtet aus Indochina

Bad Hersfeld, 30. Juni, (dpa) Der 26jährige Maschinenschlosser Hans Walter Both aus Bad Hersfeld kehrte als erster französischer Fremdenlegionär aus Hessen am 27. Juni nach fünfjähriger Teilnahme am Kampf in Indochina in seine Heimatstadt zurück.

Botti war im Mai 1945 als Kriegsgefangener in Frankreich für die Fremdenlegion angeworben worden. Aus dem Kriegsgefangenenlager bei Nancy hätten sich von insgesamt 420 ehemaligen deutschen Wehrmachtsangehörigen 300 bereit erklärt in die Fremdenlegion einzutreten.

lieber die Kämpfe in Indochina berichtete Both, daß etwa siebzig bis achtzig Prozent aller Truppen der französischen Legion ehemalige deutsche Soldaten seien, unter ihnen besonders viele Angehörige der ehemaligen Waffen-SS und der Fallschirmjägertruppe. Die Verluste der Fremdenlegionäre seien sehr hoch, da der Kampf mit den Aufständischen und den als friedliche Reisbauern getarnten Partisanen oft gegen zehnfache Uebermacht geführt werden müßte.

Auf Seiten der Aufständischen bilde ein ehemaliger deutscher Hauptmann der Fallscharmtruppe aus Niedersachsen namens Wilhelm Berger im Verein mit zahlreichen ehemaligen japanischen Offizieren und Soldaten die „Volksarmee“ an modernsten Waffen aller Art aus. Die geistige Führung der Aufständischen liege in den Händen von Eingeborenen, die an europäischen Universitäten studiert hätten und über Moskau nach Indochina zurückkehrten. Die politische Schulung dieser Männer und Frauen werde von Rot-China und von der Sowjetunion aus bestimmt.

Hessen-Kommisston anfaelöst

Gießen, 30. Juni. Der zweite Transport mit 335 Flüchtlingen aus Schleswig - Holstein trifft nach Mitteilung des Zonenlagers Gießen am kommenden Mittwoch in Gießen ein. Von den Umsiedlern, die zuletzt im Kreis Bad Oldesloe untergebracht waren, werden 229 in den Regierungsbezirk Wiesbaden und 106 in den Regierungsbezirk Darmstadt weitergeleitet. Der Regierungsbezirk Kassel erhält keine Flüchtlinge.

Der dritte Transport aus Eutin wird am 19. Juli und der vierte Transport aus Itzehoe am 2. August in Gießen erwartet.

Die sogenannte Hessen - Kommission im Zonenlager Gießen, die alle Flüchtlinge überprüft, die vor dem 1. Dezember 1949 nach Hessen gekommen waren, hat auf einen Beschluß des Beauftragten für das Flüchtlingswesen in Hessen, Dr. Peter Paul Nahm, ihre Arbeit mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die Arbeiten werden von der Bundeskommission im Zonenlager Gießen übernommen.

Kredite für Spätheimkehrer

Wiesbaden, 30. Juni. Ehemalige Kriegsgefangene, die nach dem 1. Januar 1948 entlassen wurden, können jetzt Staatsbürgschaften für Bankkredite zur Gründung und zum Wiederaufbau einer wirtschaftlichen Existenz erhalten. Die Bürgschaften werden nach den für Flüchtlinge und ehemalige Verfolgte festgelegten Grundsätzen erteilt.

Wegen Kindesmord verurteilt

Kassel, 30. Juni (dpa). Das Kasseler Schwurgericht verurteilte am Donnerstag die 41jährige Elli Backofen aus Sachsenhausen (Kreis Waldeck) wegen vorsätzlicher Tötung ihres einjährigen Adoptivsohnes zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Der Staatsanwalt hatte lebenslängliches Zuchthaus beantragt.

In der Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende fest, daß der Junge, als er von der Angeklagten in Pflege genommen wurde, gesund war. Später, als der Junge krank wurde, habe die Angeklagte ihn immer mehr vernachlässigt. Schließlich habe sie das Kind in der Absicht, es zu töten, mehrere Male auf den Boden geworfen. Nach den Mißhandlungen habe sie, um Unfall vorzutäuschen, immer ärztliche Hilfe hinzugezogen. Nach der letzten schweren Mißhandlung »ei das Kind in der Marburger Klinik seinen Verletzungen erlegen.

Der Rundfunk am Samstag

Radio Frankfurt: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert: 8.10 Morgenmusik; 11.15 Das Magazin des Schulfunks; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 14.15 Eins für dich und eins für mich; 15.10 Musik an zwei Klavieren; 15.30 Volkstümliches Wissen: 16.00 Charivari; 18.15 Rhythmische Klänge; 20.00 Auf geht's Buam; 21.00 Tausend Worte Hessisch; 21.45 Im Dreivierteltakt; 22.20 Edith Piaf; 23 00 Tanz zum Wochenende.

Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag: 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 15.00 Unsere Volksmusik; 16.00 Nachmittagskonzert; 16.45 Filmprisma; 17.00 Frohe.« Raten — Gute Taten; 18.35 Kleines Konzert am Samstag-Abend; 20.00 Schweizer Volksmusik; 22.00 Schöne Stimmen; 22.30 Rundfunktanzkapelle; 23.00 Tanzmusik; 23.50 Italienische Nacht.

Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 14.30 Frohes Wochenend; 16.00 Unser Samstag-Nachmitag; 17 15 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Zu Gast in Westfalen; 22.30 Der SWF bittet zum Tanz; 0.10 Tanzmusik.

NWDR.: 12.00 Frohes Wochenend; 13.20 Mittagskonzert; 14.00 Wochenend und Sonnenschein; 15.30 Chormusik; 16.00 Bunter Nachmittag; 18.30 Es geht wohl zu der Sommerzeit: 20.00 Wie's früher war. wies heut? ist; 20.45 So sehen sie aus; 22.15 Sinfoniekonzert; 22.55 Melodie und Rhythmus; 0.05 Berlin am Mikrofon; 1.00 Tanzmusik aus aller Welt.

Der Rundfunk am Sonntag

Radio Frankfurt: 6.00 Morgenständchen: 7.20 Frühkonzert; 8.30 Katholische Morgenfeier; 10.05 Zum B^ch-Jahr 1950; 11.15 Unterhaltungsmatinee; 13.00 Musik nach Tisch; 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung; 14.30 Kinderfunk: 15.15 „Meister ihres Faches“; 16.00 Tanztee; 17.00 Gute Unterhaltung, liebe Hörer; 20.00 Was wird hier gespielt?; 21.00 Schnitzel aus Byzanz; 21.30 Schubert: Sinfonie Nr. 5; 22.30 Tanzmusik. •

Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Willy Mattes dirigiert; 14.00 Stunde des Chorgesangs; 14.30 Kinderfunk; 15.00 Ein vergnügter Nachmittag; 18.00 Das Stuttgarter Kammerorchester; 20.05 Uusik für jedermann; 22.00 Carl Schuricht dirigiert; 23.00 Tanzmusik; 24.00 Das Unterhaltungsorchester.

Südwestfunk: 12.20 Johann Sebastian Bach zum 200. Todestag: 13.30 Volksmusik und Chorgesang; 14.15 Frohe Melodien; 15.30 Jedem das Seine; 16.30 Stimme der Heimat; 17.00 Das SWF- Unterhaltungs-Orchester; 19.15 Die Sportreportage: 19.20 Kleine Abendmusik; 20.00 Sinfonie-Konzert des SWF-Orchesters; 21.30 Tanzmusik; 22.15 Sport und Musik am Sonntagabend; 23.00 Nachtgespräch; 23.30 Fröhlicher Ausklang.

NWDR.: 12.00 Sang und Klang: 13.00 Volkstümliches Konzert; 15.00 Leicht literarisch; 15.30 Was ihr wollt; 17.00 Die Sportreportage; 17.30 Bekannt und beliebt; 18.00 Meisterwerke der Musik; 19.30 Sportmeldungen; 20.00 Funkfahrt ins Blaue; 22.20 Tanzmusik; 23.00 Melodie zur Mitternacht: 0.05 Berlin am Mikrofon.

... und am Montag

Radio Frankfurt: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.40 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11 15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 14.15 Schulfunk; 16.00 Musik von Carl Maria von Weber: 17 00 Unterhaltungskonzert; 18.30 Zum Feierabend; 20.00 Gut aufgelegt; 21.15 Ständchen und Serenaden aus zwei Jahrhunderten; 22.15 Werke von Brahms und Paul Graener; 23.00 Zärtliche Musik.

Südd. Rundfunk Stuttgart: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Konzertstunde; 18.00 Zeitfunk und Unterhaltungsmusik; 20.00 Fröhlich fängt die Woche an; 21.15 Musik aus London; 22.00 Musik unserer Zeit; 23.15 Liederstunde.

Südwestfunk: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musik am Nachmittag; 17.20 Solistenkonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 „Don Carlos“; 23.30 Nachtgespräch.

NWDK.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.15 Filmmusik; 16.50 Kammermusik; 18.00 Unterhaltungsmusik; 20.00 Sinfoniekonzert; 22.15 Sam Smalls Abenteuer; 22.45 Tanzmusik; 23.30 Musik zur späten Stunde; 0.05 Berlin am Mikrofon.

Auf zwei Inhre verlängert

Die Amtsdauer der hessischen Betriebsräte

Wiesbaden, 30. Juni. (Eigener Bericht.) Der Sozialpolitische Ausschuß des hessischen Landtags hat in Abänderung eines sozialdemokratischen Antrags beschlossen, dem Landtag zu empfehlen, die Amtsdauer der amtierenden Betriebsräte um ein Jahr auf zwei Jahre zu verlängern. Es wird damit gerechnet, daß innerhalb dieser Frist eine Regelung auf Bundesbasis erfolgt.

Außerdem wurde ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, nach dem die Landesregierung baldmöglichst einen Gesetzentwurf über die Gewährung und Entschädigung von Freizeit für Betriebsratsmitglieder zum Besuch von gewerkschaftlichen Betriebsräte-Ausbildungslehrgängen vor legen soll, gebilligt.

Jahresversammlung

der hessischen Arbeitgeberverbände

Bad Homburg, 30. Juni, (dpa) In Bad Homburg ist die ordentliche Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Arbeitgeberverbände e. V. abgehalten worden, die von 22 Verbänden getragen wird, also fast alle Arbeitgeberverbände der Industrie und des Handels in Hessen umfaßt.

Nach der Satzung des Geschäftsberichts für 1949, der Entlastung von Vorstand und Geschäftsführung, sowie der Genehmigung des neuen Haushaltsplans wurde der diesjährige Vorstand auf zwei Jahre einstimmig wiedergewählt. Er setzt sich zusammen aus den Herren: Direktor Dr. Gaertner (Frankfurt), Direktor Dr. Riffel (Wiesbaden), Direktor Bechtel (Hanau), Dr. Jörg (Wiesbaden) und Direktor Pape (Frankfurt).

Newman für Sparanleihen

MS Wiesbaden, 30. Juni (Eigener Bericht). Der amerikanische Landeskommissar für Hessen, Dr. James Newman, appellierte am Freitag an seinen Arbeitsstab, durch den Kauf von amerikanischen Sparanleihen die Vereinigten Staeten zu unterstützen und dadurch zum Frieden beizutragen.

Windhose im „Binger Loch“

Verheerungen auf Schiffen — Bäume entwurzelt

r. Bingen, 30. Juni. (Eigener Bericht.) In den frühen Nachmittagsstunden des Freitags brauste während eines kurzen, heftigen Gewitters eine starke Windhose durch das „Binger Loch“ und fegte das Rheintal entlang. Der fahrplanmäßige Personendampfer der Köln-Düsseldorfer, „Elberfeld“, der gerade von der Anlegebrücke an der Binger Reede abgelegt hatte, kam in den Orkan. Hierbei wurde ihm das Dach am Oberdeck vollkommen abgerissen. Ebenso gingen Scheiben in Trümmer, wobei eine Anzahl Kinder, die sich an Bord befanden, verletzt wurden. Das Motorschiff „Deutsches Eck“ von der gleichen Schiffahrtsgesellschaft, das sich während derselben Zeit auf der Bergfahrt vor Bingen befand, wurde gegen die Kaimauer geworfen, wobei es ebenfalls erhebliche Schäden gab.

Weitere auf der Reede liegende Schiffe wurden abgedeckt. Ruderhäuser und Dächer der Aufbauten wirbelten durch die Luft und trieben später im Strom. Zahlreiche Bäume in den Binger Rheinanlagen, darunter eine mächtige Ulme, wurden ein Meter über der Erd« abgeknickt und stürzten um. Ebenso wurde auf dem Fruchtmarkt eine große Platane umgerissen und fiel auf einen auf dem Parkplatz abgestellten Volkswagen, der von der Last des Baumes vollkommen eingedrückt wurde.

Nach dem nur wenige Minuten dauernden Unwetter waren die Anlagen stark verwüstet und die Bäume, besonders längs der Bahnstrecke, zahlreicher dicker Aeste beraubt. Der entstandene Schaden ist erheblich.

Gewittersturm über Gießen

Gießen, 30. Juni (AP). Ein wirbelsturmartiges Gewitter mit Hagel suchte am Freitagnachmittag eine halbe Stunde lang die Stadt Gießen und Umgebung heim.

Der Hagel richtete beträchtlichen Schaden auf den Feldern und in Gärten an. In der Innenstadt wurden mehrere Häuser abgedeckt, eine Ruine und mehrere Schornsteine, darunter ein 30 Meter hoher Fabrik- Schornstein, stürzten ein. Personen kamen nicht zu Schaden.

Die Fernsprechleitung zwischen Gießen und Marburg wurde durch das Gewitter unterbrochen. Auch die Straßenbahn mußte in Gießen zeitweise den Betrieb einstellen, da sich herabstürzende Bäume quer über die Schienen legten.

In dem Dorf Großenbrück bei Gießen wurden allein 30 Dächer abgedeckt.

Ohne Wasser waren die 350 000 Einwohner von Nürnberg, weil am Donnerstag ein Hauptwasserrohr gebrochen ist.

Hochsommerhitze bleibt

Das Tief zieht nördlich der Nordsee nach Nordnorwegen ab. Die Kaltluft auf der Rückseite fließt flach ein und steht dabei noch unter Hochdruckeinfluß, so daß es trotz der augenblicklichen enormen Hitze kaum zu Gewittern kommen kann. Ein nachfolgendes Hoch stellt bald die freundliche Witterung wieder her.

Ausichten bis Sonntag: Zwar etwas Temperaturrückgang, aber immer noch recht warm, nur zeitweise leichte Bewölkung, kaum nennenswerte Gewitterneigung.

Wirtschaftsblatt

Treibstoff-Freigabe?

zr. Das Bundeswirtschaftsministerium hat in diesen Tagen mit den zuständigen alliierten Stellen und der Deutschen Mineralölgesellschaft in Hamburg Verhandlungen über die Freigabe der Treibstoffbewirtschaftung geführt. Von alliierten Stellen wurde erklärt, daß gegen die Aufhebung der Treibstoffbewirtschaftung keine Einwendungen mehr bestehen, sofern eine Bevorratung für wenigstens vier bis sechs Monate sichergestellt ist. Die deutschen Stellen sind der Auffassung, daß eine derartige Bevorratung bereits im Laufe des Monats August für die Vergaserkraftstoffe im November oder Dezember erreicht sein wird. 4

Ladenschlußzeiten

zr. In einer Besprechung zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft mit den Vertretern der Arbeitgeberverbände und den Organisationen der Wirtschaft wurde von den Gewerkschaften angeregt, die Verordnung über den Ladenschluß vom 21. Dezember 1939 außer Kraft zu setzen und die Arbeitszeitordnung vom 30. April 1938 abzuändern. Mit Ausnahme der Apotheken sollen künftig alle offenen Verkaufsstellen grundsätzlich in der Zeit von 18.00 bis 7.00 Uhr geschlossen halten. Die Ortspolizeibehörden sollen aber ermächtigt sein, nach Anhören der Beteiligten und des Gewerbeaufsichtsamtes an einem von ihnen zu bestimmenden Werktag ein Offenhalten der Läden bis 19.00 Uhr zu gestatten.

Frankfurter Großmarkthalle

Bz. Das große Angebot an Gemüse, darunter 50 Waggons ausländischer Ware, fand bei teilweise lebhaftem Verkehr gute Absatzmöglichkeit. Erhebliche Ueberstände trotz nachgebender Preise ergaben sich nur in Blumenkohl und Weißkohl. Deutscher Blumenkohl 25—50 (15—40), Kohlrabi s—B, Rotkraut 20—22 (26—28), Weißkraut 6 (7), Wirsing 10—12, Erbsen 14—17, Buschbohnen 28—40 Kopfsalat 100 Stück 5—12, Spinat 28—30ital. Tomaten 40—43, deutsche 75.

Am Obstmarkt waren Kirschen, Heidelbeeren sowie Bananen wieder so reichlich angefallen, daß bei gleichen Preisen bedeutende Mengen unverkauft blieben. Australische Tafeläpfel 18—18,50 (22 kg), Bananen 14—16 (12,50) Zitronen die Kiste von 240—300 Stück 36—42, afrik. neue Orangen 35—45 in Kisten von 150 bis 176 Stück, holl. Trauben kamen erstmals mit 200—225 für den Zentner auf den Markt. Deutsche Pfirsiche 60—75, Erdeeren 90—120 (75 bis 130) Kirschen 20—30 (16—35), Stachelbeeren 13—32, Heidelbeeren 35—38. Himbeeren 50 big 55, rote Johannisbeeren 15—20, schwarze 30.

Ingelheimer Marktbericht

AZ. In der Markthalle Ingelheim wurden am 30. Juni folgende Preise notiert: Süßkirschen 10—35, Sauerkirschen B—l 2,8—12, Johannisbeeren 10—13. Stachelbeeren 11—30, Himbeeren 30, Pfirsische 35—80.

Preisabbau für Penicillin

Normalisierter Absatz in Pharmazeutika

HG Die pharmazeutische Industrie in Westdeutschland hat seit einigen Monaten eine gewisse Normalisierung ihrer Produktion und ihres Absatzes zu verzeichnen. Nach dem Kriege konnten wichtige Präparate infolge Rohstoffmangels zunächst gar nicht oder nur in beschränktem Umfange erzeugt werden. Die Währungsreform brachte sodann in verhältnismäßig großen Mengen Arzneimittel aus früheren Wehrmachtssanitätsdepots und aus anderen Hortungslägern zum Vorschein, so daß die laufende Produktion stark unter Absatzschwierigkeiten litt. Erst seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres nahm die Nachfrage auf dem inländischen Markt aus der laufenden Erzeugung stetig zu. Inzwischen haben sich Produktion und Absatz auf der Basis der vorhandenen Kaufkraft der Bevölkerung normalisiert.

Insgesamt beschäftigen sich rund 600 Unternehmen in Westdeutschland mit der Herstellung von pharmazeutischen Produkten. Die Rohstoffversorgung bietet der pharmazeutischen Industrie keine Schwierigkeiten mehr. Der größte Teil des Rohstoffbedarfs kann wieder aus der inländischen Produktion gedeckt werden. In der Hauptsache müssen nur Jod, Bor, Kampfer, Tragant und andere pflanzliche Drogen importiert werden. Die Herstellung von Insulin, mit dem die Zuckerkranken in den ersten Nachkriegsjahren nur in unzureichendem Maße versorgt werden konnten, wurde ausgedehnt.

Die Penicillin-Erzeugung hat sich in Westdeutschland in jeder Hinsicht recht günstig entwickelt. Zum Teil konnten das Herstellungsverfahren und die Qualität des Erzeugnisses verbessert werden, so daß nach Ansicht mancher Aerzte jetzt das deutsche Penicillin wirksamer ist als das amerikanische. Bei der Bedeutung, die das Penicillin für die wirkungsvolle Bekämpfung vieler schwerer Erkrankungen gewonnen hat, ist vor allem auch die Verbilligung der Produktion von Wichtigkeit. Der Preis für 100 000 Einheiten reines Penicillin aus westdeutscher Erzeugung beträgt zur Zeit 1,80 DM, während diese Menge Ende des vergangenen Jahres noch über 5 DM kostete. Eine wertvolle Ergänzung des Penicillin stellen nach wie vor die vor dem Kriege von dem deutschen Forscher Do - ma g k entwickelten Sulfonamide-Medikamente dar, von denen in den letzten Jahren neue Kombinationen herausgebracht worden sind.

Die Preise für Pharmazeutika haben im Vergleich zur Vorkriegszeit keine nennenswerte Erhöhung erfahren. Der Heilmittelindex stieg nur geringfügig auf 106 (1939=100) an. Eine Ausnahme machen Heilmittel, für deren Herstellung Alkohol benötigt wird. Infolge einer starken Steuererhöhung hat sich der Preis für ein Liter unvergällten Branntwein auf 11 DM erhöht gegenüber 4 RM vor dem Kriege. Eine erfreuliche Belebung hat in den letzten Monaten der Export der pharmazeutischen Industrie zu verzeichnen. Deutschland war vor dem Kriege der größte Produzent und Exporteur der Welt für Pharmazeutika. Heute nehmen die Vereinigten Staaten diesen Platz ein. Im vergangenen Jahr wurden etwas über 1000 Tonnen pharmazeutische Erzeugnisse im Werte von aber 26 Millionen DM exportiert gegenüber 7200 Tonnen im Werte von 111 Millionen RM im Jahre 1936. In den ersten vier Monaten 1950 war die Ausfuhr mengenmäßig bereits größer als im ganzen Jahr 1949. Wertmäßig stieg die Ausfuhr auf 23 Millionen DM.

Güterfernverkehr kontrolliert sich selbst

w Der Gesetzentwurf des Bundesverkehrsministeriums zum Güterfernverkehr, der voraussichtlich Anfang Juli dem Kabinett zur Beschlußfassung vorliegen wird, sieht u. a. auch eine Güterfernverkehrsaufsicht vor, die als Selbstverwaltungskörperschaft des Gewerbes gedacht ist und in der u. a. auch die Spedition und die Verladerschaft vertreten sein werden. Der Aufsichtsstelle soll die Ueberwachung eines geordneten Güterfernverkehrs auf der Straße entsprechend den Vorschriften des Gesetzes und der Tarifordnungen des Güterfernverkehrs obliegen. Das Gesetz arbeitet im übrigen die Unterscheidung von echtem und unechtem Werkverkehr schärfer heraus. Der echte Werkverkehr, also der Kraftverkehr ausschließlich für die Eigenbedürfnisse des Werkes, dem das Kraftfahrzeug gehört, unterliegt nach dem Gesetz auch der Güterfernverkehrsaufsicht, ohne an die sonstigen Vorschriften der Konzessionierung usw. gebunden zu sein. Der unechte Werkverkehr, worunter man den Verkehr auch für andere Firmen als die Eigentümerfirma des Kraftwagens versteht, ist im allgemeinen verboten. Soweit es sich um den gemeinsamen Werkverkehr von Konzernfirmen handelt, ist dieser Verkehr an die Bedingung geknüpft, daß solche Firmen über 75 Prozent kapitalmäßig miteinander verbunden sein müssen.

Reaktion der Märkte auf den Korea-Konflikt

Der Einfluß der Korea-Krise auf die Preisgestaltung an den internationalen Rohstoffmärkten in der Woche zum 29. Juni war verhältnismäßig gering.

Die Chikagoer Getreidebörse beschloß die Woche auf höherem Preisstand.

Die Notierungen für Kaffee zogen in Neuyork weiter an. Die Tendenz war indessen keineswegs einheitlich.

Die Neuvorker Kakaobörse verkehrte überwiegend in stetiger bis fester Haltung bei steigenden Notierungen.

Auf den letzten Wollversteigerungen in Australien war das Geschäft nicht sehr rege: gegenüber dem Stande von Mitte Mai sind die Preise für gute bis beste Merino-Vliese bis zu fünf Prozent, für durchschnittliche und minderwertige Kammware zwischen fünf und zehn Prozent und für Merino-Wollen vorzeitiger Schur zwischen 10 und 15 Prozent niedriger.

Die Notierungen an der Neuyorker Baumwollbörse waren leicht rückläufig.

Der koniunkturempfindliche NE-Metallmarkt hat nicht stark auf den Korea-Konflikt reagiert. Die Nachfrage nach Kunfer und Zink war unverändert stark.

F.A.Z. An der Frankfurter Börse hielt sich am Freitag die Geschäftstätigkeit nur in sehr engen Grenzen. Bei nur geringer Aufnahmebereitschaft entwickelten sich die Kurse uneinheitlich, Abweichungen nach beiden Seiten gingen dabei meist nicht über einen Punkt hinaus. Im Verlauf der Börse überwogen leichte Abschwächungen.

Am Montanmarkt befestigten sich Rhein. Braunkohlenbrikett auf 91,5 (+ 2,5) und Rhein. Stahlwerke auf 48,5 (+ 0,5).

Zinserhöhung wird beraten

k. Ueber die zweitägige turnusmäßige Sitzung des Zentralbankrats, an der zeitweilig die Bundesminister Erhard und Schäffer teilgenommen haben, ist ein offizielles Kommunique nicht veröffentlicht worden. Bekanntlich hart auf dieser Sitzung eine Erhöhung des Kapitalmarktzinses zur Diskussion gestanden. Der Zentralbankrat hat sich weiter mit zahlreichen technischen Fragen beschäftigt. Wie aus unterrichteten Kreisen am Freitag verlautet, ist es auf der Sitzung zu einer Annäherung der Standpunkte in der Frage der Erhöhung des Kapitalmarktzinses gekommen, aber wegen der weitreichenden Auswirkungen für die westdeutsche Wirtschaft werde der Zentralbankrat sich vorläufig einer öffentlichen Stellungnahme enthalten, um dem Kabinett Gelegenheit zu geben, die zur Diskussion stehenden Fragen nochmals zu erörtern.

Verordnung über Getreidepreise

zr. Die Bundesregierung hat eine Anordnung für neue Getreidepreise verabschiedet, die dem Bundesrat in seiner Sitzung am 30. Juni zur Beratung vorlag. Diese Anordnung regelt die Getreidepreise für die ersten drei Monate des Wirtschaftsjahres. Die Anordnung über die Festsetzung von Gereidepreisen für die Monate Juli, August und September 1950 hat für Roggen elf Getreidegebiete und für Weizen vierzehn Getreidegebiete festgesetzt. Innerhalb dieser Gebiete differiert der Roggenpreis im Juli von 266 DM bis 278 DM je Tonne, im August von 268,50 bis 280,50 DM und im Septemfber von 271 bis 283 DM je Tonne. Der Preisunterschied je Preisgebiet beträgt eine DM. Bei Weizen beträgt der Preis im Juli 303 bis 320 DM je Tonne, im August 305,50 bis 322,50 DM und im September 308 bis zu 325 DM. Auch hier beträgt der Preisunterschied je Preisgebiet eine, DM. Für Auslandsweizen wird ein Qualitätszuschlag von drei DM und außerdem ein Zuschlag von 10 DM für Import- und Großhandelsspanne erhoben. Auch die am 30. Juni 1950 vorhandenen Vorräte an Roggen, Weizen oder ausländischen Futtergetreide wird zum Ausgleich des Unterschiedes zwischen den für Juni 1950 und den für Juli 1950 geltenden Preisen eine Ausgleichsabgabe bei Roggen von 1,60 DM je dz, bei Weizen von 3,60 DM je dz

Die alten Reichsbahn-Anleihen

F. A. Z. Wie die Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz mitteilt, haben die Verhandlungen wegen der Anerkennung der Reichsbahn-Anleihen bisher kein positives Ergebnis gezeigt.. Die Klageschrift ist bereits fertiggestellt.

Mehr Griechentabak?

w Die Frage der Einfuhr griechischer' Tabake in die Bundesrepublik steht im Mittelpunkt von Besprechungen, die gegenwärtig in Bonn stattfinden. Deutschland, früher eines der Hauptabnehmerländer der griechischen Erzeugnisse, hat inzwischen eine weitgehende Umstellung auf die amerikanischen Tabake vorgenommen. Bei der großen Nachfrage nach Virginia-Tabaken in der Bundesrepublik wird es nicht ganz leicht sein, den Wünschen Griechenlands Im früheren Umfang zu entsprechen.

Deutscher Wein an der Saar

Sch. Vor dem ersten Weltkrieg war der Anteil ausländischer Weine am Gesamtweinkonsum der Saar nur sehr gering. Auch nach der Eingliederung des Saargebietes in den französischen Wirtschaftsraum von 1919 bis 1935 konnten sich die Mosel-, Saar-, Ruwer- und Pfalzweine, trotz des Zolles gegen die französischen Weine behaupten. Es wurde jetzt wieder ein Kompensationsgeschäft im Umfang von 120 000 Dollar abgeschlossen. Demzufolge werden Mosel-, Saar-, Ruwer- und Pfalzweine nach der Saar und als Gegenlieferung Champagner nach Westdeutschland eingeführt.

Einheitliche Post

Bz. Die Deutsche Bundespost übernahm In einer Feierstunde im Inselhotel in Konstanz endgültig die bisher selbständigen Oberpostdirektionen der französischen Besatzungszone in ihre Verwaltung. Danach besteht jetzt in der deutschen Bundesrepublik eine einzige, nach einheitlichen Regeln geleitete Post.

Schiffahrtsberichte (Bergfahrt)

Remagen haben passiert am 30. Juni von 5 bis 19 Uhr

Abkürzungen: GB = Güterboot, TM “Tankmotorschiff. MS ■= Motorschiff. TL — Tankleichter, ohne Bezeichnung Schleppboot. MP = Motorpiniche, KM = Küstenmotorschiff.

5.45: TM Friedrich Wöhler; 6.00: MS Expreß 24; 6.15 Braunkohle 13; 6.30: MS Vouvray; 7.30: MS Waal; 8.30: TM Furka; 8.45; MS Ernst Schweckendieck: 9.00: TM Eider; 9.15: MS Nellij 2; 9.15: Juliana; 9.30: MS Expreß 23; 9.45: TM Thea; 10.30: TM Expreß 5; 10.30: TM Castilla; 10.30: MS Spajaardsdiep; 10.30: MS Rhenus 48.

11.30: MS August Karcher; 11.30: MS Eirsigtal; 11.30: Sacrapuer, 1 Kahn Rheinfahrt 121; 11.45: Rheims, 4 Kähne Calypso, van Driel 51, Amii, Josephine; 12.30: MS Sanara 118; 12.30: MS Franken; 13.00: MS Braunkohle B; 13.30: MS Emmental: 14.30: Njord, 2 Kähne Leonardo, Donatello; 14.30: Hedwig 1 Kahn Richard.

15.00: Frauenlob 11, 3 Kähne Grünwinkel 1, Mosella, Oelpeter; 15.30: MS Rheinunion 5; 15.30: MS Chinon; 15.30: Frauenlob 10, 1 Kahn Esso 19; 15.45: F 34, 6 Kähne F 183, 340, 363, 362, Junon, F 253; 16.30: Mathias Stinnes 3, 5 Kähne Mathias Stinnes 8, Westschiffahrt 5, Patria, Adelheid Franziska, Mathias Stinnes 87; 16.30: MP Frohburg¬ -16.30: MS F 909; 18.00 TM Lizel; 18.15: Teuna 4, 3 Kähne Revoir, Verdo, Arma; 18.30: MS Lerge mit MS Bruno.

Waserstände: Frühpegel vom 30. Juni

Rhein: Konstanz 3,94, Straßburg 2,84, Maxau 4,40, Mannheim 3,00, Mainz 2,76 Bingen 1,90, Kaub 2,06, Koblenz 2,10, Andernach 2,46, Köln 1,87, Ruhrort — 11.

Main: Viereth 0,39, Schweinfurth 040 Würzburg 0,60, Steinbach 1,51, Frankfurt 2,30’

Neckar: Plochingen 1,04.

Stimmung zuversichtlicher

F. C. Börsen sind Seismographen politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen. Den Ueberfall auf Süd-Korea haben unter solchen Umständen die internationalen Börsen mit starken Kursausschlägen begleitet. Börsianer und Publikum rechneten in London und in Paris, in Amsterdam und Neuyork zunächst mit einer internationalen Ausweitung des Konfliktes. Eine Flut von Verkaufsaufträgen des breiten Publikums auf Effekten war die Folge. Sie blieben nicht auf Neuyork beschränkt. Alle westeuropäischen Börsen registrierten zunächst mehr oder minder starke Kursrückgänge. Sie fingen sich jedoch bald in einer zum größten Teil zuversichtlichen Beurteilung der Lage.

Das aktive Eingreifen der amerikanischen Armee ließ an den Effektenbörsen in Neuyork, Paris und London wieder eine ausgeglichene Stimmung zum Durchbruch kommen. Die Atmosphäre der Kriegsfurcht ist unter den Auswirkungen dieser ruhigen internationalen Beurteilung auch von den deutschen Effektenbörsen geschwunden.

Auch die jüngsten Nachrichten von den Effektenbörsen in Stockholm und Amsterdam drängen zu der Auffassung, daß das Schreckgespenst eines neuen Weltkrieges aus den Vorstellungen der Menschen wieder langsam zurücktritt. Diese Tendenz läßt sich auch aus den Kursverbesserungen der Frankfurter Börse vom Freitag entnehmen.

Korea als Land spielt für die Preisnotierungen an den großen internationalen Rohstoffbörsen nur eine bescheidene Rolle. Trotzdem hat der Ueberfall der Nordkoreaner auch die internationalen Rohstoffbörsen in Aufregung versetzt. Das Kriegsgespenst trieb vor allem an allen asiatischen Märkten die Gold- und Silberpreise in die Höhe. Nicht zuletzt hat die Furcht vor dem Aufleben von Unruhen in Malaia auf die Rohstoffpreise eingewirkt. Die Gummi- und Zinn-Notizen sind unter der Vorstellung, daß terroristische Gruppen die Gummi- und Zinnverschiffungen aus Südasien behindern könnten, fühlbar in die Höhe gegangen. Trotz dieser Erscheinung hofft man an den internationalen Warenbörsen auf einen langsamen Abbau des überhöhten Preisspiegels. Nur eine längere Ausdehnung der kommunistischen Offensive in Süd-Korea könnte solche Hoffnungen zu Schanden machen.

Drückender Geldmangel

Von Ernst Samhaber

Im Mai hat die industrielle Erzeugung in Westdeutschland mit 105 Prozent des Standes von 1936 den höchsten Stand seit Kriegsende erreicht. Der stellvertretende amerikanische Oberkommissar Buttenwieser schätzt sogar die deutsche Erzeugung auf 130 Prozent des Jahres 1936. Es wird nicht immer anerkannt, welche schwerwiegenden Probleme diese Entwicklung aufwirft. Jeder einzelne, der Unternehmer, der Kaufmann und nicht zuletzt der Arbeitnehmer werden aber von den dabei sich ergebenden Fragen berührt.

Der Anstieg der Erzeugung ist in einer Zeit erzielt worden, die unter dem schärfsten Gelddruck stand. Wir wissen, wieviele Pläne, für die sich wagelustige Unternehmer fanden, daran gescheitert sind, daß es unmöglich war, Kredite aufzutreiben. Dabei waren vielfach genügend Sicherheiten gegeben, die Erträge standen über jedem Zweifel. Es wäre sogar möglich gewesen, die überhöhten Zinsen zu zahlen, die heute gefordert werden. Es war jedoch nicht genügend Geld vorhanden.

Die Banken segelten an der äußersten Grenze ihrer Geldflüssigkeit. Sie konnten es nicht wagen, sich noch stärker festzulegen. Die Gewinne des letzten Jahres sind fast durchwegs bereits in langfristige Anlagen hineingesteckt und nicht mehr verfügbar. Ersparnisse sind zwar gemacht worden, sie reichen aber bei weitem nicht aus, um den vielen Anforderungen gerecht zu werden. Vor allem wurden die Gegenwerte für die Lieferungen des Marshallplans noch immer nicht in Bewegung gesetzt, selbst wenn die amtlichen Freigaben schon erfolgten. Wer Geld brauchte, versuchte es sich von seinen Lieferfirmen zu erpressen, etwa indem die Zahlungsfristen immer weiter und weiter hinausgeschoben wurden. Aber das hieß doch nur, daß der .Geldmangel verlagert wurde. Wenn der Einzelhandel nicht den Großhandel pünktlich bezahlt, dann kann dieser seine Verpflichtungen bei der Industrie nur verzögert erfüllen. Dann kommt diese wieder in die Verlegenheit, ihre Zahlungsfristen bei den Rohstofflieferern und dem Großhandel hinauszuziehen.

Nach der Auffassung der Wirtschaft hatte die Geldknappheit im April ihren Höhepunkt erreicht. Die Statistiken über die Flüssigkeit der Banken scheinen diesen Eindruck zu bestätigen. Die Erzeugung ist kräftig angestiegen. Wenn wir nach den Berichten über die weitere Abnahme der Arbeitslosigkeit im Juni gehen wollen, dürfte die gewerbliche Erzeugung in diesem Monat weiter angewachsen sein. Wie konnte diese Ausweitung der westdeutschen Wirtschaft finanziert werden?

Es zeigt sich, daß der Geldmangel, unter dem wir leiden, weniger einen Mangel an Geld darstellt als eine Blockierung des Warenaustausches. Wir litten in den ersten Monaten dieses Jahres an der Ueberfülle gewisser Vorräte, an der Unmöglichkeit, sie rasch genug in Geld umzuwandeln, so daß an zu vielen Stellen Stockungen auftraten. Die Landwirtschaft klagte über die Liberalisierung des Außenhandels, die viele deutsche Erzeugnisse unverkäuflich gemacht habe. Die Könservenindustrie wies auf die 30 Millionen Dosen hin, die sich nicht bewegen wollten und damit -die Kreditfähigkeit untergruben. Die Industrie erklärte, daß sie in Rohstoffen ausreichend eingedeckt sei und nicht neue Verpflichtungen für eine erhöhte Bevorratung übernehmen könne. Der Großhandel hielt mit seinen Bestellungen zurück, solange der Einzelhandel mit größter Vorsicht disponierte. Und schließlich wartete der Verbraucher, daß die Waren noch billiger würden.

Es gingen Gerüchte, daß große Peisermäßigungen bevorstünden. Sie sind auch vielfach erfolgt, etwa in der Kraftwagenindustrie. Die Zurückhaltung hat jedoch dazu geführt, daß die Vorräte insgesamt derart gedrückt wurden, daß mit dem Frühjahr der Umschwung eintrat Die Textilindustrie klagt, daß es etwa zur Zeit nicht genügend Angebot an Sommerkleidern gäbe. Die Läger seien geräumt. Selbst für den bevorstehenden Ausverkauf müßten noch rasch Waren herangeschafft werden, was vielfach auf Schwierigkeiten stoße. Die Stimmung schlug um. Heute können wir in manchen Industrien von einer ausgesprochenen Kaufwelle sprechen, die sowohl vom Einzelhandel ausgeht wie von den Unternehmern, die den umgeschlagenen Wind spüren und sich auf ihn einstellen.

Sobald in den Warenkreislauf Bewegung hineingekommen ist, läßt der Druck der Geldknappheit nach. Die großen Arbeitsbeschaffungsprogramme der Bundesregierung sind erst im Anlaufen die °eld%, tmd noch nicht zugeteilt, um neue Wohnungen zu bauen, und erst recht nicht ausgegeben, und schon spüren sr weil ™ ist, daß mit diesem Programm größere Bestellungen aller Art und eine Vermin-Arbelts'“<Sl«H »atachX hch sind, kommen die Warenläger in 2urückgehaltenen ais Wir VX ö

dieYeF HoHn “ fes^ellen> daß dort, wo alte r^?ff g mcht noch die Etwa wmUd?S Wülters ^herrscht, die^oßen Zuk™ft nicht haben die Ä VerfüS^g und die L f bisher einseitig ausbeutete 7ou d, J Bunde zufließen, wie läßfYler Damit hJn/ Bauwille nach, der solange vor-J n ^R^r' ^°fort hören di« Klafi^ld ß das ^^äft „aus Geldmangel“ SIOCK6.

Die Bank deutscher Länder hat feststellen können, daß der Aufschwung der en einen Konjunkturum-L darstelle, also nicht durch das Frühjahr allein bedingt sei, sondern durch ^^verstärktes Vertrauen, das sich in ernohter Unternehmungslust äußert. Es beßteM berechtige Hoffnung, daß dieser Aufschwung eine Erweiterung der Erzeugung herbeiführen wird, ohne daß diean KaPital und an flüssigem Gelde vorzeitig abgedrosselt wird.

Circa-Kurse

28. Juni 1950

Übermittel) euren Industrie- u. Handelsbank In Malm Fernsprecher: Sammelnummer 4348 Telegrammadresse: Merkurbank, und

Im Freiverkehr tOr Zuteilungsrechte aus der Bereinigung von girosammelverwahrten Aktien, die Im Währungsgebiet verbucht sind.

Rhein-Main Bank Frankfurt a. tr. Dresdner Bank Fernsprecher: Ort 30221. Fern 50231 Fernschreib. 04118«. 041187, 041322 Telegrammadresse: Rheinmainbank

G R
% %
Accumulat.-Fabf. . 54 57
Adlerwk. Kleyer .......... . 26 30
Gehr Adt . 34 37
aeo 17 20
Ascha ft Zells L........... • 47 51
BMW • 17 20
Julius Berger . 30 33
Berl. Kratt n Hebt 16 18
Berl Masch. Schwartzk. .. . 26 28
Rnswau & Knauer . 20 23
G % B
%
Brauerei Cluss ... 3B 42
Brown Boveri .... BO 84
Buderus 53 56
Charl. Wasser •••< ..... 44 47
Chern Albert .•••< 4l 43
Conti Gummi .•••< »••••••••• 78 82
Daimler Benz ••••< 32 35
Demag ..... 66 70
Dessauer Gas ... l6 17
Degussa 5O 54
G
% B
% Dt. Waffen .................
16 18 Didierwerke . ..••'.-.v.-..-...
50 54 Dinglerwerke
95 Dyckerhoß Zement
83 87 Dynamit Nohel ............
22 25 Eichbaum Werger
38 42 El [ lehr o Kraft
23 25
41 43 Geiling Sekt
56 Gritzner-Kayser
77 80 Grün & Bilflnger
35 39 GutehoflnungshOtte
52 54 Haid & Nen .....
90 Hamburger El.-Wh
41 44 Heidelbg Zement
71 75 Hindrichs Auftermann
33 36 Hoesch
37 39 Holzmann Katz & Klumpp ...........i
52
G R
% %
Klein, Sdianzlln n. B. ..v?.? 60
Klöckner werke .• • .wsv••• •• 45 48
Konserven Braun 38
Kratiss*MaHei > «•«« <*»»»• 55
Kromschrttder ..-..v.-.-wf.« 82
Kunferherg .• ...w.-y.. f ahmpvpf ............ 64 68
Lanz ..-.w.i.w5... 29 31
Lindes Eis . 66 70
Lndw Akt-Brauerei 34 38
Lndw. Waizmflble 66
Mainzer Akt.-Blerbrauerel . 40 44
Mannesm -RBhren Stamm ... 38 42
Mannesm.-RBhren Vorzüge..
Metallgesellscb 50 54
Mez AG 62 6S
NSU 94
Parknrau Pirmasens .••••• 26
Pfälz. Mühten ; 65
Rhein Braunkohle 80 84
G B
% O/ /o
Rhein. EL-Wh. ...W.T..T. 75 13
36 64
Rheinmetall .........v,.-... 79
Rheinstahl 15
Rhein.-Westf. El.-Wk. 39
Rhenser Mineralhrunnen ... 67
ROtgerswerke
Salzdetfurth y... 34
Sarottl 55 59
Scheldemandel ........... 57
Schering .. 26 29
SchöHerhof 22 25
Schriftgleß. Stempel 38 42
Schubert & Salzer 85
Schultheiß Stamm ......... 22 25
Schwartz-Störchen 13 15
Sefllnd-Wolß 46
60 50
Siemens Glas .. .. 64
Siemens & Halske Stamm .. 34 37
Siemens & Halske Vorzßge . 34 36
Sinner 44
Steingut Colditz Stollwerck G
%
... 18 B
% 20
58 75 33
Süddt. Zucker T
Thüringer Gas VOM .. 30
Ver Dt Olfabrlken ...... Ver. Stahlwerke Waggonfabr Rastatt .... Westdt. Kaufhof •• 32 35
Westtalla Dinnendahl .... Wintershalt •• 88
Württ Metall».-Fahr. ...
Zellston Waldhof ’• 41 •• 45 44 49
Commerzbank ... •• 27 30 16
Deutsche Bank
Dresdner Bank ... •• 13 16
AG f Verkehrswesen ....
Allg. Lokalbahn 27 14
30 29
37
Hamburger Hochbahn .... .. 34
Suddt Eisenhahnges. .... .. 50 53

Ans Darmiadt

Die Straßenbahn hier und ... andersmo

Der Darmstädter ist seiner Natur nach kritisch, und so steht die Straßenbahn, die er täglich benutzt oder zum mindesten fahren sieht, oft im Mittelpunkt seiner Kritik. Wenn wir einmal ganz ehrlich sein wollen, dann müssen wir aber zugeben, daß sich die Heag sehr viel Mühe gibt, um populär zu sein. Sie versucht, alle Fahrgastwünsche von vornherein zu erraten und zu erfüllen. Wenn wir einen Vergleich mit anderen, größeren und kleineren Städten ziehen, dann können wir feststellen, daß die Darmstädter Straßenbahn in allen Punkten gut abschneddet.

Beginnen wir mit dem Wagenmaterial. In Darmstadt gibt es keine undurchsichtigen oder mit Holzplatten geschlossenen Fenster mehr. Die Wagen haben alle den schönen elfenbe'infarbigen Anstrich, der mit dem roten Strich einen guten Eindruck macht. Wagen mit dem gräulich-grünen Tarnanstrich aus der Kriegszeit sind keine mehr im Verkehr. Die neuen Motorwagen und Anhänger sind geräumig und luftig, und es ist -ganz merkwürdig, daß derselbe Wagentyp uns anderswo nicht so elegant verkommt. Wir sind in der letzten Zeit in X, in Y und in Z gefahren, dort wirkten dieselben Wagen mit ihren grauen, blauen, schwarzen oder noch andersfarbigem Anstrich gar nicht so freundlich und nett wie -bei uns — Verzeahung! — wie bei der Heag.

Und die Anschlüsse? Früher ein Schmerzenskind! Man mußte ein prämiierter Schnellläufer sein und z. B. am Schloß zungehängend von der „6“ zur „2“ rasen, um dann doch — je nach Temperament — wehmütig oder wütend hinter der zum Böllenfalltor eilenden „2“ herzusehen. Heute klappt es fast immer, und wenn am Lufisenplatz das Warten auch einmal ein paar Minuten dauert und der Fahrgast aus Frankfurt schimpft, na, wir haben in Darmstadt Zelt, zumal wir wissen, daß ein Anschluß am anderen hängt und auch in unserer Stadt ein Straßenbahntfahrplan ein kleines, ausgetifteltes Wunderwerk ist.

Nun zum Personal. Auch hier hört man fast keine Klagen mehr, denn grobe Fahrgäste -gibt es bei uns nicht, und der grobe Ton, den man vor geraumer Zeit noch als unangenehm empfand, ist mit den dazu gehörenden Gesichtem verschwunden. Unsere Wünsche -auf Warte- und anderen dringenden Bedürfnissen dienenden „Häuschen“ werden in steigendem Maße erfüllt, und wp noch eine Unterstellmöglichkeit fehlt, da stellt sich zum Ersatz e'ine der beliebten „Arkaden“ ein.

Die Heag fährt schon und noch zu einer Zeit, in der sich selbst in größeren Städten keine Straßenbahn blicken läßt. Die Anregung, die ganze Nacht hindurch zwei Wagen auf den Hauptlnnien fahren zu lassen, wird aber wohl Anregung bleiben.

Bliiebe noch zu sagen, daß die Heag nicht auf den erreichten Lorbeeren ausruhen will, sondern sich mit allerlei Ausbauplänen trägt, die teilweise schon in absehbarer Zeit verwirk-Mcht werden sollen. H.W.W.

Internationales Arbeitslager in Darmstadt

♦ Vom 29. Juli bis zum 19. August findet in der TH Darmstadt ein Internationales Arbeitslager statt, an dem zehn Engländer, zehn Amerikaner, zehn Holländer und 15 Deutsche von der TH und den Universitäten Frankfurt und Marburg teilnehmen. Das Internationale Arbeitslager, dessen Organisation in den Händen der Darmstädter Studentenschaft und des ISS (International Students Service) in Leiden (Holland) liegt, ist eine Gemeinschaftsangeleaenheit zum Wiederaufbau der TH. Die Studenten arbeiten acht Stunden 'gegen Bezahlung an verschiedenen Baustellen der TH. Ihre Unterbringung erfolgt in einem Studentenheim. In ihrer Freizeit an den Abenden hören sie Vorträge und Konzerte, diskutieren und unternehmen an den Sonntagen Ausflüge. Geplant ist eine Fahrt auf dem Rhein und nach Heidelberg. Es wurden namhafte Geldbeträge gespendet, die die Durchführung des Lagers überhaupt erst ermöglichten. In der Woche nach Abschluß des Lagers sollen die ausländischen Gäste in Familien untergebracht werden. Wer einen Studenten als Gast beherbergen möchte, melde sich bei der Asta der TH Darmstadt. Telefon 3851 Nebenstelle 17.

Reisefrendiges Darmstadt

Nirgendwo in Darmstadt merkt man mehr, daß die Urlaubszeit angebrochen ist und große Ferien vor der Tür stehen, als im DER-Reisebüro in der Rheinstraße.

Dort herrscht Hochbetrieb, der von morgens 8 Uhr bis zum Abend anhält. Die meisten Darmstädter möchten in den Allgäu, nach Oberbayern und an den Bodensee fahren. Weniger stark ist die Nachfrage nach dem Schwarzwald und den Nordseebädern.

Von dem zuvorkommenden Personal werden aber nicht nur Reisen in die Ferne, sondern auch in die engere Heimat vermittelt. Aus Westfalen liegen vor allem Anfragen über den Odenwald vor. aber auch Darmstädter und Reiselustige aus der näheren Umgebung interessieren sich für ihn.

Die Reisebeteiligung ist bedeutend höher als im letzten Jahr. Gesellschaftsreisen sind wegen ihrer günstigen Preise Trumpf. Ganz neu sind jene Fahrten, bei denen nur der Fahrpreis ermäßigt ist. während der Teilnehmer alle weiteren Kosten an Ort und Stelle trägt.

Erstaunlicher weise wird von der sogenannten Sozialtouristik, die der Erfolg eines Abkommens zwischen der Arbeitsgemeinschaft Gesellschaftsreisen und dem Gewerkschaftsbund ist. nicht sehr viel Gebrauch gemacht.

Auslandsreisen unterliegen immer noch vielen Beschränkungen. Sie werden durch die nur in geringem Umfang bereitgestellten Devisen stark behindert. Studienreisen nach Italien sind in beschränktem Maße mlöglich. und auch eine kleine Anzahl von Plätzen für Erholungsreisen nach dort stehen zur Verfügung. Der Hauptandrang im Reisebüro wird für die großen Ferien erwartet. Anmeldungen für die Hauptreisezeit liegen aus Darmstadt in großem Umfange vor. Unsere Heiner werden sich in allen Fremdenvekkehrszentren treffen. Ob sie sich darüber freuen werden, vermögen wir nicht zu beurteilen. Ba

GOTTESDIENSTORDNUNG

Evangelische Gottesdienste

Samstag, 1. Juli 1950

Wochenschlußandachten: Bessunger Kirche: 17.00 Uhr. Johannesgemeinde: 20.00 Uhr. Pauluskirche: 20.00 Uhr. Elisabethenstift: 20.00 Uhr, Beichtgd.

Sonntag, 2. Juli 1950

Bessunger Kirche: 9.30 Hgd., 12.00 Tgd., Jugendpfarrer Koch. Stadtkirche: 10.00 Hgd. 11.30 Kgd., Pfr. Preß. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd. Pfr. Stenger, 10.00 Hgd. mit hl. Abendmahl, Pfr. Widmann. 11.15 Kgd. Martinsstift Pfr. Widmann, 11.15 Kgd., Gemeindehaus. Matthäuskirche: 9.30 Hgd. Pfr. Stenger. Johannesgemeinde: 9.30 Hgd. mit hl. Abdm. Pfr. Jaeschke. Mittwoch, 5. Juli 1950: 20.00 Agd. Pfr. Jaeschke. Paulskirche: 9.30 Hgd. Pfr. Britz. 11.00 Kgd. Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. mit hl. Abdm., 11.00 Kgd. Stadtmission: Fortsetzung der Zeltmission a. d. Meßplatz. Jeden Nachmittag 15.30 Bibelstunde (außer Samstag). Jeden Abend 20.00 Uhr Vortrag. Jeden Mittwoch und Samstag 14.00 Kinderstunde. Da.-Eberstadti 7.30 Ev. M., 9.45 Hgd., 11.15 Kgd.

Katholische Gottesdienste

Sonntag, 2. Juli 1950

St. Luwig: 8.00 Singmesse mit Predigt, 9.30 Hochamt mit Predigt, 11.00 Stu-d. -Gottesdienst mit Predigt, 20.00 Abendandacht; Wilhelminenplatz 9: 8.30 Kindergottesdienst mit Predigt und Gem. hl. Kommunion. Liebfrauenkirche: 7.00 Singmesse mit Predigt, 8.15 Hochamt mit Predigt, 10.00 Kinde rgottesdien st mit Ansprache, 18.30 Andacht. St. Elisabeth: 6.30 Frühmesse. 7.45 Singmesse mit Predigt, 9.00 Kindergottesdienst, 10.15 Hochamt mit Predigt, 20.00 Andacht mit Segen. St. Fidelis: 6.00 Frühmesse mit Kommunion bei den Schwestern (Feldbergstraße 32), 7.30 Singmesse mit Predigt und Kommunion, 8.45 Kindermesse mit Predigt und Kommunion, 10.00 Hochamt mit Predigt und Kommunion, 19.30 Andacht. Da.-Eberstadt: 6.50 Morgengebet der Jugend, 7.00 Gemeinschaftsmesse der Jugend mit Ansprache, 9.30 Hochamt mit Predigt, 14.00 Andacht mit Segen. Ab 15.00 Pfarrfamilienfest zugunsten der Kirche und der Glocken.

Christengemeinschaft Herdweg 31

So. 10.00, Di. 7.00, Mi. und Sa. 8.00 Menschen weihehandlung.

Erste Kirche Christi, Wissenschafter

(First Church of Christ, Scientist), Darmstadt, Taunusstraße 40: Gottesdienst: Sonntag, 14.30; Mittwoch 18.30 ( Zeugnis-Versammlung).

Stolze Jungengestchter in der Kyritzschule

Anläßlich einer kleinen Feierstunde in der Kvritzschule wurden 40 Jungen der Oberklassen Urkunden des Lebensrettungsscheines ausgehändigt.

, Rektor Buss sagte in seiner Ansprache, daß in jedem Jahre viele Menschen in Wassernot geraten und stellte die Notwendigkeit des Rettungsschwimmens heraus. Er sprach Herrn Wilkin, dem Schwimmlehrer der Schule, für seine Leistungen seinen Dank aus. ferner den anwesenden

Gästen des DLRG. Bezirksleiter Franz und den Prüfscheininhabern Herrn Dr. Müller und Bademeister Feldmann.

Bezirksleiter Franz betonte, daß dies eine einmalige Leistung in der Geschichte der DLRG sei. Mit viel Mühe und Liebe sei die Kunst des Rettungsschwimmens gelehrt worden. Er betonte, daß es wenig Schulen gäbe, deren Schüler einen derartigen Stand im Schwimmen hätten, wie in der Kyritzschule. Dies sei überhaupt erst die Grundlage des Rettungsschwimmens. Von 57 Schülern seien 44 Schüler zugelassen worden, von denen über 40 die Prüfung bestanden. Er empfahl den Jungen, ihre erworbenen Kenntnisse zu vervollkommnen und als Vorbilder in Bädern aufzutreten.

Voller Freude und Stolz leuchteten die Gesichter der neuen Lebensrettungsschwimmer auf. als ihnen die Urkunden überreicht wurden, die ihnen die Berechtigung zum Tragen der Abzeichen des DLRG geben, ib

Aufbau in Gemeinschaft

Der Stadtteil Eberstadt, der schon durch sein beispielhaftes Bauschaffen bei der Beseitigung von Bombenschäden ausgezeichnet war, dehnte zu dieser Zeit das Selbsthilfeproigramm auch auf diesen Ortsteil aus. Diese besteht in einer absoluten Verpflichtung der Gewerkschaftsangehörigen der bauverwandten Betriebe, die jeden 4. Sonntag 5 Stunden mindestens unentgeltlich arbeiten. Außerdem stellt jeder männliche Einwohner des Stadtteiles Eberstadt seine Arbeitskraft an 2 Sonntagen im Jahr ohne Entschädigung zur Verfügung.

Auf diesem Wege entstanden seit 1946 im Bauabschnitt I 40 Einfamilienhäuser, im Bauabschnitt II 2 Wohnblocks, die bereits bezogen sind und zwei weitere, die spätestens im Dezember 1950 fertiggestellt sein werden. Der Bauabschnitt 111 umfaßt die Errichtung weiterer 40 Einfamilienhäuser.

Bis jetzt sind 204 Fimilien in der „Wohnhaussiedlung an der Kirchtanne“ untergebracht. Weitere 36 Familien werden in absehbarer Zeit folgen. Die Bewohnerschaft setzt sich aus eingesessenen Eberstädtern, ausgebombten Darmstädtern und Flüchtlingen zusammen.

Leitungen für Gas, Wasser und elektrische Anlagen sind bereits gelegt,, die Kanalisierung ist in der vorgeschlagenen Form bewilligt worden und Verbesserungen an den Straßen werden im Zuge der allgemeinen Eberstädter Straßenbauten erfolgen.

Die Verwaltung des Stadtteiles Eberstadt ist für die Siedlung verantwortlich. Die Zusammenarbeit ist ohne Konflikte.

In der Kirchtanne befinden sich einige Geschäfte, die möglichst bald noch ergänzt werden sollen: 1 Milch-, 1 Kolonialwaren-, 1 Rauchwarengeschäft, sowie eine Gastwirtschaft. Das reicht aber noch nicht ganz aus für die Bewohner, deren Zahl 1 300 beträgt. Mit dem vorgesehenen Bau einer Schule soll möglichst noch in diesem Jahr begonnen werden.

Verschiedene Unternehmen der hessischen Wirtschaft bauten ebenfalls auf dem Siedlungsgelände und trugen einen wesentlichen Teil wen Gelingen bei. ♦

Vom Sonntag, dem 9. Juli bis Montag, dem 10. Juli findet ein Sommerfest der Siedler statt, zu dem der Eintritt für jedermann frei ist. Tanzzelt, Karussells. Likör- und Kaffeestuben, sowie eine gut geführte Gastwirtschaft werden für das leibliche Wohl der Gäste sorgen. Das Fest steht im Zeichen des Siedlungsgedankens. den man durch ein frohes Beisammensein vertiefen und fördern will. Der Reinertrag wird der Siedlung zufließen.

Im Dienste des deutschen Wanderns

Heute beginnt in Bensheim die zweitägige 63. Hauptversammlung des Odenwaldklubs. In 99 Ortsgruppen vereinigt er insgesamt 8 704 Wanderfreunde. Der 1882 gegründete Klub steht unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Metzger, Darmstadt. In den Jahren seines Bestehens hat sich der Odenwaldklub außerordentliche Verdienste um die Erschließung des -Odenwaldes für Wanderer und Erholungsuchende erworben. Dies geschah vor allem durch die außerordentlich geschickte Bezeichnung von Wanderwegen, deren Gesamtlänge 4 200 Kilometer beträgt. Die Markierungen begannen nach der Gründung des Stammklubs im Jahre 1882. Anregung dazu gab Oberamtsrichter Seibert aus Höchst i. 0., der auch das komplizierte System entwickelte. Bald machte auch in anderen Wandergebieten diese Art der Wegebezeichnung mit bunten Strichen und geometrischen Figuren Schule und dankbare Wanderer errichteten auf der Neunkirchener Höhe Oberamtsrichter Seibert einen Gedenkstein.

Die Jahre des Krieges und die Nachkriegszeit wirkten sich selbstverständlich auf die Arbeit stark aus. Erst ab 1947 konnte das Wegebezeichnungsnetz des Klubs völlig neu überholt werden.

An landschaftlich besonders schönen Stellen hatte der Odenwaldklub eine Reihe von Aussichtstürmen, Rasthütten und Bänken errichtet, die In den vergangenen Jahren stark beschädigt wurden. Die Instandsetzung dieser Anlagen wurde in den beiden letzten Jahren durch Spenden der Mitglieder möglich. Viele Gemeinden des Odenwaldes halfen dabei mit Holzlieferungen aus ihren Wäldern.

Im vergangenen Jahre konnte eine neue Auflage der Wegebezeichnungskarte des Odenwaldklubs erscheinen. Diese vorzügliche Wanderkarte, ein Liederbuch des Klubs, ein Gaststätten- und Sommerfrischenverzeichnis stellen neben der Zeitschrift „Unter der Dorflinde“ das von allen Wanderfreunden dankbar begrüßte Schrifttum des Odenwaldklubs dar-

Die volks- und heimatkundliche Arbeit sowie der Naturschutz beginnen in diesem Sommer wieder ihre alte Bedeutung zu gewinnen. Schon seit der Gründung betrachtet der Odenwaldklub es als eine seiner wesentlichen Aufgaben, mit allen Verkehrsverbänden und befreundeten Organisationen der Nachbargebiete zusammenzuarbeiten. Agt.

Stadion wird von Amerikanern vorerst weiter benutzt

Diskussion vor dem Forum zur Sportplatzfrage

agt - Dem Ruf des Forums zur Diskussion der Sportplatzfrage waren nahezu tausend Darmstädter gefolgt, die am Donnerstagabend die Stadthalle überfüllten. Alle in Sportfragen maßgebenden Stellen hatten ihre offiziellen Vertreter entsandt.

Von der Besatzungsmacht waren der stellvertretende Stadtkommandant, Colonel Smith, der Residentofficer von Darmstadt, Mr. Goetcheus, ferner Major Albrecht und Captain Walden anwesend. Stadtrat Reiber sprach als Vertreter des Magistrats der Stadt Darmstadt. Abgeordneter Willmann als Vorsitzender des Sportausschusses der Stadtverordnetenversammlung. Von der Technischen Hochschule war mit einigen Professoren Rektor Prof. Mehmel erschienen, und für den Sportverein 98 sprach sein 1. Vorsitzender Dr. Grünewald.

Der Diskussionsleiter, Studienrat Haas, wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, daß das Forum im verflossenen Jahr wesentlich zur Rettung des Darmstädter Theaters beitragen konnte. Eine -gleiche Forderung sei petzt an das Forum auf sportlichem Gebiet herangetragen worden, um den -Erfolg des SV 98, durch Aufstieg in die Oberliga, nicht an der Frage der beschlagnahmten Sportplätze scheitern zu lassen.

Als erster Referent sprach Dr. Grünewald über den Sportaufbau des SV 98 nach dem Kriege. Trotz aller Schwierigkeiten sei der Sportverein in seinen verschiedenen Sportarten Fußball, Handball, Leichtathletik, Schwerathletik und Tischtennis zu großer Aktivität aufgeblüht. Allein 190 aktive Sportler spielten in den verschiedenen Mannschaften -Fußball, 140 Spieler seien in den Handballmannschaften. Nun begännen am 20. August die Oberligakämpfe, aber noch könne der Verein keine Verträge abschließen, da die Ungewißheit der Sportplatzfrage das nicht zulasse. Bei jedem der seitherigen Spiele habe bis zum letzten Augenblick eine große Unsicherheit bestanden und -außerdem habe der Special Service der Amerikaner 5 Prozent der Bruttoeinnahmen verlangt.

Im Namen der Technischen Hochschule und ihrer 2700 Studenten sprach Reiktor Prof. Mehmel für die Rückgabe des Hochschulstadions. Aus der Geschichte des Spor-

tes beginnend, zeigte er. daß sich in wehrdienstlfreien Ländern — z. B. England — der Sport wesentlich besser entwickelt habe. Dem entmilitarisierten Deutschland müsse daher jede sportliche Möglichkeit gegeben werden und Darmstadt brauche sein Stadion wieder. Es sei von den Studenten selbst erbaut worden, gelte als die schönste studentische Sportanlage ganz Deutschlands und habe 1930 die Studentenolympiade mit Teilnehmern aus 33 Nationen gesehen. Prof. Mehmel machte später den Vorschlag, daß das. Sportfeld des SV 93 ganz zurückgegeben werde und sich die Besatzungsmacht mit der T. H. in der Benutzung des Hochschulstadions teile.

Abgeordneter Willmann warnte davor, ein neues Stadion für die sporttreibenden Verbände bauen zu wollen. Das sei eine Verschwendung von Steuergeldern. Dagegen könne die Besatzungsmacht jetzt etwas mehr als die bisherigen unverbindlichen Zusagen geben, denn richtiger Sport- sei wichtiger als Seifenkistenrennen.

Obzwar er nicht aussehe wie ein aktiver Sportler, so meinte Stadtrat Reiber, so wolle er doch als offizieller Vertreter des Magistrates einen ernsten Appell an die Besatzungsmacht zur Rückgabe der Sportplätze richten.

Bevor Vertreter der Besatzungsmacht zur Stellungnahme aufgefordert wurden, entstand eine lebhafte Diskussion, die sich bis in Einzelheiten über die Verteilung des Hochschulstadions verlor. Daraufhin machte ein Forumsbesucher den Vorschlag, die wirklich maßgebenden Herren zu einer kurzen Unterredung aufzufordern, deren Ergebnisse abschließendl bekanntgegeben werden sollten. Bei dieser Besprechung, die auf einigen schnell hinausgetragenen Stühlen im fast dunklen Hof der Stadthalle stattfand, wurde erstmalig die Stellungnahme von Colonel Smith bekannt, der bedauerte, daß er die geäußerten Wünsche nicht erfüllen könne Die in Darmstadt stationierten 3000 US-Soldaten dürften ihrer Sportmöglichke'iten nicht beraubt werden. Mit einer gleichzeitigen oder durch „Fahrplan“ vereinbarten Benützung durch Deutsche und Amerikaner konnte er sich nicht einverstanden erklären, so daß das zu Ende der Allgemeinheit verkündete Ergebnis sinngemäß lautete:

1. Voraussichtlich könne die Besatzungsmacht im September dein Sportplatz des SV 98 zurückgeben.

_ 2. Die Oberligaspiele und sonstige sportliche Veranstaltungen im Hochschulstadion würden 3 Wochen vor dem Termin festgelegt.

3. Die Besatzungsmacht wolle westlich der Leibgardenkaseme für ihre Zwecke ein eigenes Stadion erbauen. Dazu solle die Stadt baldigst geeignetes Gelände und die Möglichkeit zum Antransport der notwendigen Muttereide zur Verfügung stellen.

4. Die Technische Hochschule als der Leidtragende dieser Lösung, könne erst nach Fertigstellung eines besonderen Stadions in die vollen Rechte eines Eigentümers des Hochschulstadions eingesetzt werden.

5. Der ‘SV 98 dürfte sofort mit dem zweckmäßigen Ausbau seines Platees beginnen.

Das Gaunerspiel des Herru Danes

Dreieinhalb Jahre Gefängnis und 10 000 DM Geldstrafe

Nach einer Prozeßdauer von zwei Wochen verhängte gestern die Erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor For c h gegen den 36jährigen Ingenieur, Kaufmann und ehemaligen Kinderwagenfabrikanten der in Konkurs geratenen Peda-Werke, Peter Danes aus Birkenau (Odenwald) drei Jahre und sechs Monate Gefängnis und 10 000 DM Geldstrafe. Der wegen Bigamie vorbestrafte „Großbetrüger von Format“, wie der Staatsanwalt den Angeklagten bezeichnete, wurde des betrügerischen Bankrotts in Tateinheit mit einfachem Bankrott und Steuerhinterziehung, der Gläubigerbegünstigung in Tateinheit mit Unterschlagung, des Betrugs in 19 Fällen, der Unterschlagung in zwei Fällen, der Urkundenfälschung und des Ausweispapiermißbrauchs für schuldig gefunden. Die Untersuchungshaft wird Danes nur zu einem Teil angerechnet. Damit fand einer der größten Prozesse des Darmstädter Landgerichts sein Ende.

Nach einem dreistündigen Plädoyer beantragte Staatsanwalt Werner sieben Jahre Gefängnis und 16 000 DM Geldstrafe. Mit einem ungeheueren Zeitaufwand und großer Mühe versuchte das Gericht hinter das Gaunerspiel der rätselhaften und abartigen Persönlichkeit des Angeklagten zu kommen, der es, gewandt und hochbegabt wie er ist, verstand, Geschäftsleute in skrupelloser und rücksichtsloser Weise hineinzulegen. Der Schaden, den er den einzelnen zufügte, beläuft sich auf nahezu 100 000 DM. Der Angeklagte zeigte typische Manieren eines Hochstaplers und war ein exzentrischer Mann, der stets an die Wirksamkeit seiner Persönlichkeit glaubte und nicht unwesentlich von seiner zweiten Frau, deren Verfahren in den nächsten Tagen verhandelt wird, beeinflußt wurde. Wie der Staatsanwalt ausführte, versuchte der Angeklagte durch immer neue Beweisanträge, die sich später als Bluff herausstellten, den Prozeß hinauszuziehen. Für die zunächst kühnen Pläne bei dem Aufbau der Peda-Werke sei die Grundlage faul gewesen. Danes sei aus einem Schwarzhändlermilieu gekommen. ..Es ist eine Fügung des Schicksals, daß sich derartige Schiebertypen und Eintagsfliegen nicht erhalten können, weil ihnen der notwendige moralische Halt fehlt“, erklärte Landgerichtsdirektor Forch. Auch über das Gericht habe der Angeklagte ein Lügengewebe ausgebreitet, wobei seine rätselhafte Persönlichkeit, die zum § 51 Absatz 2 hin tendiere, eine wesentliche Rolle habe. Die Strafkammer schloß sich der Auffassung des Staatsanwaltes zum größten Teile an, berücksichtigte jedoch die charakterliche Abart und die schwere Drüsenkankheit als Milderungszustand. Sie erkannte nur deshalb auf eine weit geringere Gefängnisstrafe als die vom Staatsanwalt beantragte.

Lobend erwähnt sei am Schluß die enorme Ausdauer und Arbeitskraft der Ersten Strafkammer, die nach ununterbrochener Verhandlungsdauer während der sommerlichen Hitze nicht nur den schwierigen Fall Eydner, sondern nun auch den Fall Danes mit erstaunlichem Einfühlungsvermögen strafrechtlich geahndet hat (wst.)

Weitere Verkehrsunfälle

Am Donnerstag fuhr in der Frankfurter Straße in Höhe des Hauses Nr. 12 ein Personenauto einen Fußgänger an, der dabei leicht verletzt wurde.

Am gleichen Tage stießen an der Straßenkreuzung Heidelberger und Landskronstraße zwei Personenwagen zusammen. Hierbei entstand Sachschaden. Personen wurden nicht verletzt. Verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert wurde gestern gegen 7.05 Uhr ein Motorradfahrer, der an der Ecke Roßdörfer und Beckstraße mit einem Pkw zusammengestoßen war. wst

Freistellen für Berliner Kinder gesucht

* In den Westzonen der Stadt Berlin befinden sich Tausende von Kindern, die in unterernährtem und schlechtem gesundheitlichem Zustand sind. Für diese soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich während der Sommermonate im Bundesgebiet zu erholen. Hierfür werden Freistellen in Familien gesucht, die bereit sind, ein Kind auf die Dauer von sechs Wochen unentgeltlich bei sich aufzunehmen. Meldungen nimmt das städtische Sozialamt, Abteilung Jugendamt, Alexanderstraße 35, in der Zeit von 8 bis 12 Uhr auf Zimmer 7 entgegen.

Enropäische Bewegung und Menschenrechte

Eine Veranstaltung der Darmstädter Juristischen Gesellschaft in der Technischen Hochschule

Nach einleitenden Worten des Landgerichtspräsidenten Dr. Schroeder, der der siebenjährigen fruchtbaren Tätigkeit der Juristischen Gesellschaft unter ihrem Präsidenten, Oberlandesgerichtsrat Meyer, gedachte, gab Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Geiler einen ausführlichen Bericht über den Stand der europäischen Bewegung. Die Aüfgaben der Bewegung lassen sich, so führte er aus, in zwei Begriffe zusammenfassen:

1. Integration, politische, geistige und vor allem auch psychologische Durchdringung der europäischen Staaten und Völker mit dem Ziel eines europäischen Bundes, und

2. die Organisation desselben.

Der europäische Zusammenschluß vollziehe sich dabei auf verschiedenen Ebenen: Der europäischen Bewegung mit ihrem Zentralbüro in Genf und dem belgischen Sozialisten Spaak als Präsidenten und der parlamentarischen Union des Grafen Coudenhove-Kalerghi. Gegenüber diesen Organisationen sei die Organisation des Marshallplanes. OECC genannte, keine wahrhaft europäische Einrichtung, da sie auch nicht auf Grund eines einheitlichen Planes gesamteuropäische Interessen vertrete, sondern ihre Tätigkeit in lauter Einzelpläne mit eigennützigen staatlichen Interessen zu verwirklichen suche. Zwei Richtungen hätten sich, so berichtete der Vortragende, inzwischen unter den Anhängern eines organisierten Europas entwickelt:

Die Föderalisten, denen ein europäischer Staatenbund und Bundesstaat als Ziel vorschwebten; die Funktionalisten, die unter Aufrechterhaltung der überlieferten Souveränität der Einzelstaaten eine Koordinierung wichtiger einzelner staatlicher Aufgaben durch einzelne „Unionen“ herbeiführen wollten.

Auch das Statut des Europarates bilde keinen wesentlichen Ansatz zu einer Föderation; lediglich die Vorschrift seines Statuts über die Satzungsänderungen, die mit Zweidrittel-Mehrheit beschlossen werden können, stelle einen Einbruch in das herkömmliche Souveränitätsprinzip dar.

Besonders bedeutsam sei der Entwurf einer Förderation durch die „Union des Federalistes Europeens“-

Ein wichtiges Element innerhalb der europäischen Bewegung stellten auch die Menschenrechte dar, die heute ein metaphysisches Vakuum ausfüllen müßten. Leider stelle die Deklaration der UN-Generalversammlung vom 10. 12. 1948 nur ein Moralkodex dar, da sie nicht Inhalt eines völkerrechtlichen Vertrages der UN-Mitglieder wurde.

Prof. Geiler setzte sich trotz dieser Erklärung auf der Weltebene für eine Satzung der Menschenrechte innerhalb der europäischen Bewegung ein. Allerdings müßten sie durch die sozialen Rechte erweitert werden. Ihre Krönung fände die Entwicklung, wenn diese Menschenrechte mit greifbarem, juristischem Inhalt erfüllt würden, so daß Verstöße gegen sie strafrechtlich geahndet werden und zum Schadenersatz verpflichten könnten. Sie bedürften eines besonderen Schutzes durch einen europäischen Gerichtshof.

Die Menschenrechte bildeten heute die ethische Quelle der Demokratie, die eine an den Menschenrechten orientierte Politik sei. Sie seien das sittliche Fundament, auf dem die westliche Welt jedem Totalitarismus entgegentreten müßte.

Ein Ausblick auf die Zukunftsentwicklung und die Möglichkeit eines Zusammenfindens der beiden Weltblöcke durch eine balance of power, bei der Europa als Einheit eine wesentliche Rolle spielen müßte, schloß den Gang über das weite Feld europäischer Bestrebungen. B-t.

Wohin gehen mir heute?

Landestheater: Orangerie 19.30 Uhr : „Othello“ (Ö/23) Ende 22 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Nacht im S6- paree"; Thalllia : „Nacht über Indien", 22.45 Uhr: Das Endspiel über die Deutsche Fußballmeisterschaft 1950; Belida : „Die Wildnis ruft“; Palast: „Der Schrecken von Mark’s Priory"; Hansa: „Das Mädchen vom Moorhof“, 14.00 und 22.45 Uhr: „Der geheimnisvolle Bandit“.

Arheilger evangl. Kirchenchor: Festabend um 20.30 Uhr im Gemeindehaus.

Karneval-Gesellschaft „Narrhalla“: Sommerfest um 20.30 Uhr im Jagdschloß Kranichstein.

... und morgen?

Landestheater : Orangerie 19.00 Uhr

„Maske in Blau" (Außer Miete, Ende 21.45 Uhr. — Mathiidenhöhe: 21.00 Uhr Freilichtaufführung: „Robinson soll nicht sterben",

Lichtspieltheater: Wie Samstag, außer Thalia: 11.00 und 14.00 Uhr: Das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1950.

Gesangverein „Einigkeit“, Bessungen : Sommerwaldfest auf dem Herrgottsberg; Abmarsch vom Vereinslokal Restaurant Liebig, Ludwigshöhstraße l'^, um 8 Uhr morgens.

Concordiasaal; 16 und 20 Uhr: Kleines Wiener Kabarett, Wiener Humor und Wiener Modenschau. ([Nach einer Abendveranstaltung: Tanz.)

Wir gratulieren

25 jähriges Dienstjubiläum : Hebamme Krauß, Groß-Gerau (1. 7.).

75. Geburtstag: Herm Konrad Görisch, Kirchendiener, Altersh. Wolfsgarten (2.7.).

70. Geburtstag: Frau Katharina Hohbach, Darmstadt, Gabelsberger Straße 24 (1. 7.).

Bereitschaftsdienste am Sonntag

Apotheken - Sonntags- und Nachtdienst:

(v. Sa. 1. 7. 13.00 Uihr Ibis Sa. 8. 7. 8.00 Uhr.)

Darmstadt: Hirsch-Apotheke, Nieder-Ramstädter Straße 21; Adler-Apotheke, Mathildenplatz 20.

Darmstadt-Arheilgen : Arheilger-Apotheke, Dieburger Str. 26.

Darmstadt-Eberstadt: Schwanen-Apotheke, Darmstädter Str. 26.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst: ()von 10 bis 12 Uhr) 2. 7.: Dr. Wandel, Darmstadt, Richard-Wagner-Weg 35.

Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12 Uhr) 2. 7.; Dentist Helmut Luh, Darmstadt, Steubenplatz 12.

Eine Likörstube eröffnet heute Frau Bleyl in der Ludwigstraße, ein für Darmstadt in dieser Form erstmaliges Lokal, ng

Beim Umschlagen eines Förderbandes in der Siedlung Kirchtanne, Stadtteil Eberstadt, wurde der 66 Jahre alte Georg Och senr euth er verletzt. Nach kurzer Krankenhausbehandlung wurde er wieder entlassen. ba

Aus der Provinz

„Odenwald-Lieschen“ - ein Danaergeschenk

Zwei Kleinbahnen im Odenwald sind unentgeltlich zu haben / Die Bundesbahn lehnt dankend ab

Bei einer Besprechung des Amtes für Landesplanung in Erbach mit maßgeblichen Kreisen des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens des Odenwaldes machte der als Vertreter des Regierungspräsidenten in Darmstadt anwesende Ministerialdirektor Ahl eine außerordentlich interessante Mitteilung über das Schicksal der beiden Kleinbahnen im Odenwald, das „Lies'chen“ zwischen Reinheim und Reichelsheim und das „Bimmelbähnchen“, das Beerfelden mit der Bundesbahnstation Hetzbach an der Hauptstrecke Darmstadt Eberbach verbindet.

Die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft (SEG), die früher in ganz Deutschland eine Reihe von Klein-, Neben- und Straßenbahnen betrieb, die zum Teil recht gewinnbringende Unternehmen waren, verlor mit einigen sehr rentablen Linien in der jetzigen Ostzone eine wesentliche Ausgleichsmöglichkeit zu denjenigen süddeutschen Bahnen, die ständige Zuschußbetriebe darstellen. Dazu gehören neun Klein- und Nebenbahnen in den Ländern Rheinland-Pfalz, Baden und Hessen. Hier sind es besonders die beiden Kleinbahnlinien im Kreis Erbach, die der SEG-Verwaltung in Darmstadt erhebliches Kopfzerbrechen bereiten.

Vor kurzem hatte die SEG ihre neun Kleinbahnen in den genannten drei Ländern der Deutschen Bundesbahn zur unentgeltlichen Uebemahme angeboten. Die Bundesbahn aber lehnte dankend ab. Nun wandte sich die Gesellschaft an die drei Länderregierungen, die Bahnen entschädigungslos zu übernehmen, jedoch mit der Bedingung, daß sämtliche Bahnen und dazu anteilmäßig auch die Gehalts- und Pensionslasten übernommen werden.

Die Bahneinrichtungen wären also kostenlos zu haben; alle Betriebslasten einschließlich der Gehälter und Pensionen müßten von den Ländern aufgebracht werden. Für Hessen würden diese Aufwendungen nach einer Mitteilung der Gesellschaft jährlich 150 000 D-Mark ausmachen. Da aber keine anderen Ausgleichsmöglichkeiten bestehen, sind diese Gelder durch die laufenden Einnahmen nicht aufzubringen, denn — die SEG lehnt ja die Weiterführung des Betriebs dieser beiden Bahnen wegen mangelnder Rentabilität ab!

Zunächst laufen noch Konzessionen, die auf die Dauer von 50 Jahren abgeschlossen wurden. Für die Gersprenztalstrecke von Reinheim nach Reichelsheim war diese bereits im Jahre 1936 abgelaufen, wurde aber unbefristet verlängert. Durch ein allgemeines Eisenbahngesetz des Bundes soll nun demnächst das bestehende „Verlängerungsgesetz“ außer Kraft gesetzt und die dadurch erwirkten Verlängerungen bereits abgelaufener Konzessionen zum Ende des Jahres 1950 ungültig werden. Die Konzessionen für die Hetzbach-Beerfeldener-Eisenbahn läuft erst am 1. Juni 1954 ab. Der Zeitpunkt steht also bereits fest, an dem die Frage nach dem künftigen Schicksal der SEG-Bahnen im Odenwald entschieden sein muß.

Die Gesellschaft hat dem Lande Hessen vorgeschlagen, eventuell alle Interessenten, also das Land, die beteiligten Landkreise und Gemeinden, gegebenenfalls auch die am Bahnbetrieb interessierte Industrie und Wirtschaft zu „Gewährleistungsverbänden“ zusammenzufassen, die die für den Weiterbetrieb der Bahnen erforderlichen Zuschüsse mit Rückwirkung ab 1. April 1950 auf zubrin - gen hätten. Bei der Finanzlage des Landes und der Kreise einerseits und den unrentablen Kleinbahnen andererseits ist dies allerdings eine sehr heikle Frage.

Der Landkreis Erbach lehnt jedenfalls die beträchtliche Kostenübemahme ab, da seine ohnehin schon knappen Finanzen für brennendere soziale Aufgaben benötigt werden. Andererseits will man aber zumindest die Bahn von Reinheim nach Reichelsheim erhalten wissen. In diesem Zusammenhang werden die schon nahezu 50 Jahre alten Pläne wieder in Erinnerung gebracht, die eine Verlängerung der Gersprenztalbahn bis nach Fürth i. O. vorsehen, wo sie den Anschluß an die Bundesbahnstrecke der Stichbahn Weinheim—Fürth bekäme. Damit wäre eine neue Nord-Süd-Verbindung durch den Odenwald von Offenbach aus über Reinheim-Fürth bis Weinheim hergestellt, die zweifellos eine gleichleibende, rentierende Frequenz erhalten würde. Es käme nur darauf an, die jetzt noch fehlenden 9,5 Kilometer zwischen Reichelsheim und Fürth auszu« bauen. Der Betrieb müßte selbstverständlich ganz durch die Bundesbahn übernommen werden.

Schwieriger liegen die Dinge bei der Hetzbach-Beerfeldener-Kleinibahn. Sie ist nicht nur veraltet, sondern auch sowohl im Güterwie im Personenverkehr völlig unrentabel. Der Personenverkehr als Zubringerdienst zur Bundesbahnstation Hetzbach würde zweifellos billiger, schneller und bequemer durch Kraftomnibusse bewerkstelligt. Die Kleinbahnstrecke ließe sich eventuell als gemeinsames Industrieanschlußgleis für die anliegenden Betriebe in und bei Beerfelden verwenden.

Derjenige aber, der die Reichelsheimer Bahn mit ihrer bisher ungenutzten Möglichkeit der Verlängerung nach Fürth übernimmt, muß nach dem Willen der SEG die Beerfelder „Bimmelbahn“ als Zugabe mit in Kauf nehmen. Außer der Deutschen Bundesbahn wird letzten Endes doch niemand anders dazu in der Lage sein, denn nur sie hat die erforderlichen Ausgleichsmöglichkeiten. (tehad)

Stadtjugendring Groß-Gerau contra GYA

Sergeant Conn, der Leiter des GYA-Heimes in Groß-Gerau, hatte von den einzelnen Gruppen des Stadtjugendringes verlangt, daß deren Mitglieder eine Heimkarte zum Preise von 0,20 DM je Monat erwerben. die zum Besuch des Heimes berechtigen sollte.

Der Stadtjugendring sprach sich grundsätzlich gegen diese Forderung aus. weil er auf dem Standpunkt steht, daß die Benutzung eines Jugendheimes, selbst wenn es unter amerikanischer Aufsicht steht, ohne Kosten für die Jugendlichen möglich sein müsse.

In einer von dem Vorsitzenden des Heimausschusses. Herrn Wernersbach, eröffneten Sitzung erklärte nun Sergeant Conn, daß er auf die Heimkarte bestehen müsse, zumal sein Vorgesetzter. Leutnant Bartlett, einen dahingehenden Befehl erlassen habe, über den es keine Diskussion gebe. Nach einem Zwischenruf von Gerhard Krantz schloß Herr Wernersbach die Versammlung. Der Stadtjugendring setzte seine Beratungen unter seinem Vorsitzenden Sturmowski fort, der feststellte, daß mit den bedauerlichen Vorfällen die Zusammenarbeit zwischen Stadtjugendring und GYA praktisch aufgehört habe.

Kreisjugendpfleger Malfeld wieß auf die Erziehungsrichtlinien von HICOG hin, die ganz klar auf eine Zusammenarbeit der gesamten Jugend hinzielten. Dem stünde aber sehr oft das Verhalten der militärischen Stellen entgegen und scheinbar wäre sich der „Komiß“, gleich ob er deutscher oder amerikanischer Herkunft sei, ähnlich. Herr Malfeld stellte dem Stadtjugendring, der seine Zusammenkünfte in Zukunft wieder im Rathaussaal abhalten wird, für die Gruppenabende das Zeltlager des Kreises zur Verfügung.

Wegen des Verhaltens von Sergeant Conn will sich der Groß-Gerauer Stadtjugendring bei amerikanischen Dienststellen in Wiesbaden schriftlich und mündlich beschweren.

In einer späteren Unterhaltung unseres Mitarbeiters mit Sergeant Conn erklärte dieser, daß es ihm nicht um die leidigen zwanzig Pfennig ginge. Die Jugendlichen sollten vielmehr durch das Lösen der Heimkarte für die Erhaltung und Ausgestaltung des Heimes mitvnrantwortlich gemacht werden. Cg

Hirschhorner Freibadpläne zurückgestellt

In einer Bürgerversammlung wurde, da sich für den zurückgetretenen Wohnungsausschuß keine Interessenten gemeldet hatten. ein neuer Ausschuß gebildet. Ihm gehören vier Männer und drei Frauen verschiedener Organisationen an. Darüber hinaus wurden Probleme der Wohnraumbeschaffung durchgesprochen, hinter denen alle anderen Projekte — wie z. B. der Antrag des Verkehrsvereins auf Errichtung eines Freibades — notgedrungen zunächst zurücktreten müssen. Vorgesehen ist lediglich die Einrichtung eines Wannen-"-und Brausebades in der Volksschule. (WL)

China im 20, Jahrhundert

Am Mittwoch hielt Generalkonsul a. D. Balser im Bergsträßer Jugendklub einen Vortrag über das Thema: „China im 20. Jahrhundert“. Um die heutige politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Chinas besser verstehen zu können, muß man allerdings einen Rückblick auf die Vergangenheit tun. Der Vortragende gab deshalb einen kurzen Ueberblick über die Jahrtausende alte Geschichte des Landes und betonte, daß das chinesische Leben von alters her in dem System von Staat und Sippe fest verwurzelt gewesen ■ sei. Erst nach dem Sturz des Kaiserreiches habe anderes System (Kuomintang) seine Stehe einzunehmen versucht, doch sei der Chinese im Grunde der alten Form treu geblieben. So gesehen sei auch das Scheitern Tschiang Kai-scheks in neuerer Zeit leichter verständlich. Zum Schluß ging der Redner auf die gegenwärtige Lage in Korea ein. Im Anschluß an seinen Vortrag zeigte Generalkonsul Balser, der noch bis vor einigen Jahren im Fernen Osten gelebt hat, Lichtbilder. (HB)

Die Brensbacher feiern Brünnchesfest

Von alters her wird das „Brünnchesfest“ von den Schulkindern der Gemeinden Brensbach, Wallbach, Höllerbach, Affhöllerbach und Nieder-Kainsbach mit ihren Eltern und Lehrern am Eberhardsbrünnchen gefeiert. Der Zeitpunkt des Festes, der seit Jahrzehnten immer um die Sonnenwende lag, hat vor zirka 80 Jahren durch den nach Amerika ausgewanderten Brensbacher Karl Maser eine Aenderung dahingehend erfahren, daß er eine größere Geldspende mit dem Wunsch verband, das Fest stets an dem Sonntag zu feiern, der dem amerikanischen Feiertag am 4. Juli am nächsten liegt. Seit in der Inflation die Geldmittel der Stiftung entwertet wurden, hat die Gemeinde die Ausgaben hierzu übernommen.

In diesem Jahre sollten die Schulkinder das Brünnchesfest wie früher gemeinsam feiern. Da jedoch räumliche Schwierigkeiten entstanden wären, beteiligen sich nur die Kinder der Gemeinden Brensbach und Höllerbach. Eine Musikkapelle geleitet sie am Sonntagnachmittag um 13.30 Uhr vom Schulhof zum Eberhardsbrünnchen. „Der Roßdieb von Fünsing“ ein Schwank von Hans Sachs, aufgeführt von der Oberklasse der Brensbacher Volksschule, zwei Reigen, getanzt von den Mädchen der Oberklasse, Volkslieder und Spiele sowie ein Theaterstück der Volksschule Höllerbach tragen dazu bei, dem Kinderfest sein traditionelles, festliches Gesicht zu geben. DT

Konzertabend im Schloß Fürstenau

Seit mehreren Generationen gehörten die öffentlichen Kammerkonzerte im pittoresken Schloß der Grafen zu Erbach-Fürstenau bei Michelstadt i. O. zu den stimmungsvollsten Kulturveranstaltungen des Odenwaldes, die aber durch Krieg und Nachkriegszeit eine zwangsläufige Unterbrechung erfuhren. Nachdem in den letzten Wochen die Erdgeschoßräume restauriert worden sind, sollen nun die Schloßkonzerte im großen Saal wieder aufgenommen werden- Für den ersten Konzertabend am Samstag, 8. Juli, wurde das Eberbacher Kammerorchester unter Leitung von Emst Ulrich von Ka - mek e, Heidelberg, verpflichtet. Auf dem Programm stehen das Brandenburgische Konzert Nr. 5 in D-dur, das Klavierkonzert in d-moll, die Französische Suite in Gdur und das Konzert für zwei Klavier in Cdur, wobei die junge Stockholmer Pianistin Irene Mannheimer den Odenwälder Musikfreunden beweisen wird, daß sie den guten Ruf, der ihr vorausgeht, verdient.

(tehad)

Reinheimer Festspiel ein voller Erfolg

„Ich dhun's nit, ich bin vun Reinem!

Da war selbst der Volkshaussaal zu klein / Begeisterte Ovationen für Dr. Meisinger

Das Reinheimer Stadtjubiläum erlebte am Donnerstagabend mit der Erstaufführung seines Festspiels: „Ich dhun’s nit, ich bin vun Reinem!“ einen seiner beachtlichsten Höhepunkte. Schon eine halbe Stunde zuvor war der große Saal des Volkshauses nahezu bis zum letzten Platz gefüllt, so daß viele Besucher sich auf die Wiederholung am gestrigen Tage vertrösten mußten. Die Spielgemeinschaft, und das muß vorweg gesagt werden, hatte sich bis zur letzten Minute vor dem ersten Vorhang eine Mühe gegeben, die im Hinblick auf die bisherigen kulturellen Veranstaltungen der Stadt als besonders beachtlich bezeichnet werden muß. Unter der sicheren und erfahrenen Hand des Regisseurs Herbert Wien vom Landestheater Darmstadt fanden sich die Darsteller zu einer Gemeinschaftsarbeit zusammen, die bewies, was man aus einem Laienspiel machen kann, um eine künstlerische Leistung zu bieten.

Nach dem Prolog des Junkers Mosbach von Lindenfels — der einen Einblick in das altehrwürdige Kirchenbuch Reinheims gab, in dem der aus dem Jahre 1752 stammende Eintrag des viel zitierten „Ich dhun’s nit.. zu lesen steht — traten alle die Reinheimer historischen Gestalten des 16. Jahrhunderts wieder ins Leben: Schultheiß Martin Harding (Heinz Zander), Junker Mosbach (Hch. Stumpf), die Ratsverwandten, Stadtschreiber Doell (Günther Arras), der Amtmann (Hermann Molter) — und nicht zuletzt Jost Müntzenberger (Georg Berg). Sie alle waren wieder da und mit ihnen spielte sich das Geschehen vergangener Tage in seiner historischen Grundlage noch einmal auf den Brettern der Bühne ab. Jäger, Bürger, Bauern und Treiber vervollständigen das bunte Bild und gaben dem Ganzen eine lebendige, farbenfrohe Kulisse, vor der das eigentliche Geschehen flott abrollte. Herzerfrischend der derb-urwüchsige Gesang der zur Jagd ziehenden Treiber der umliegenden Gemeinden Reinheims, erquickend ihre frisehe und lebendige Zwiesprache im „Streit“, wer die „schennste Mädcher“ hat.

In dem Schlußbild fanden vor allem die exakt einstudierten Tänze von Frl. Paul einen starken Beifall, der aber auch ebenso den Leistungen der Darsteller wie überhaupt dem Librettisten des Stückes, Pfarrer i. R. Dr. Theodor Meisinger, galt. Mehrere Vorhänge bewiesen den Erfolg, an dem Spielleiter Ludwig Koch erheblichen Anteil hat.

Im Anschluß an das Spiel zeigte die Volkstanz- und Laienspielgruppe der Reinheimer Ortsgruppe des OWK eine ~O ure wälle r Spinnstub b“, deren von Lehrer Wilhelm Krapp verfaßter Text ganz die Art dieses alten Brauchtums wiedergab. Unter der Leitung von Frau Saul bot die Gruppe ebenfalls eine anerkennenwerte Leistung. (eb)

Historischer Festzug in Reinheim

Am Sonntag, dem Hauptfesttag des 650. Jubiläums der Stadt Reinheim, wird sich ab 14 Uhr vom Schwimmbad aus ein Festzug durch die Straßen der Stadt bewegen. Berittene Herolde führen den Zug der 34 Festwagen, die alle historischen Charakter tragen, an. Neben den Festwagen, die durch alle Reinheimer Vereine, die Innungen und Handwerksbetriebe, den Handel und die Industrie gestaltet werden, haben zahlreiche Fußgruppen für den Festtag zugesagt. Der Zug verspricht ein besonderes Ereignis für die gesamte Umgebung zu werden. Die Bundesbahn gibt zum Festzug Sonntagskarten von allen Bahnhöfen der weiteren und näheren Umgebung aus. (eb)

Odenwälder Wertungssingen verlegt

Das ursprünglich für den 6. August angesetzte Wertungssingen des Sängerkreises Weschnitztal-Ueberwald wurde in einer jetzt in Mörlenbach stattgefundenen Kreisvorstandssitzung auf den 10. Sept, nach Siedelsbrunn verlegt. Maßgebendhierfürwar die bis in den August hinein anhaltende Fülle von Vereinsiubiläen. die es den zum Wertungssingen gemeldeten Gruppen unmöglich machten. . sich eingehend vorzubereiten. Der derzeitige Kreisvorsitzende, Bürgermeister Schmitt (Rimbach), wurde wiedergewählt und anschließend auch zum Kreis-Chcrmeister bestimmt. Angeregt durch einige, bei anderen Wertungssingen aufgetretene Zwischenfälle wurde beschlossen, die Namen der Kritiker künftig nicht mehr vorher bekanntzugeben. Von verschiedenen Seiten wurde darauf verwiesen, daß man künftig von einer Punktwertung zugunsten einer allgemeinen Berücksichtigung sowohl älterer wie moderner Chorsätze und der Vortragsart Abstand nehmen möge, um hierdurch den Charakter eines Preiswettsingens zu vermeiden. (-r)

Schulkosteuprobleme vor dem Stadtrat

MdL Gondolf beantragte drei Millionen — Hilfe beim Landtag

Bei allen Versammlungen und Sitzungen ist die unvermeidliche „Tagesordnung“ Wegweiser für den Gang der Verhandlungen. Sie hat eine ganz bestimmte Form und bringt als letzten Punkt gewöhnlich „Verschiedenes“. Ihm wird gemeinhin nicht allzu große Bedeutung zugemessen. Auf der Donnerstag-Sitzung des Dieburger Stadtrates aber war es diesmal ganz anders: KPD-Landtagsabgeordneter Stadtrat Gondolf teilte nämlich mit, daß er beim Landtag einen Antrag eingebracht habe, bei der Beratung des neuen Staatshaushaltes einen Betrag von 3 000 000 D-Mark als staatliche Zuwendungen an die Schulsitzgemeinden vorzusehen.

Die Aufwendungen dieser Gemeinden— zu denen u. a. auch Dieburg und Groß-Umstadt gehören — für die Erhaltung der höheren Schulen verlangen alljährlich Beträge zwischen 80 000 und 100 000 D-Mark, die jedoch aus kommunalen Mitteln nicht aufzubringen sind, ohne diese Gemeinden finanziell zu sehr zu schwächen. Bürgermeister Steinmetz gab dazu ergänzend bekannt, daß das heikle aber äußerst dringliche Problem der Schulkostenfrage Gegenstand von Besprechungen auf dem in Bad Nauheim gestern stattgefundenen Landkreistag sein sollte. Es wurde angeregt, eine Delegation von Bürgermeistern der in Frage kommenden Gemeinden mit einer Vorsprache bei den einzelnen Fraktionen des Landtags zu beauftragen, damit die Verhältnisse noch einmal klangelegt werden könnten.

Die voraufgegangenen Punkte der Sitzung wurden wegen des innerhalb der Fraktion bereits festgelegten Standpunktes ohne weitergehende Aussprache erledigt. Einleitend hatte Bürgermeister Steinmetz bekanntgegeben, daß ein Antrag auf Errichtung eines Löschteiches im Osttedll der Stadt wegen der inzwischen ausreichend gewordenen Versorgung durch das Gruppenwasserwerk,, die auch im Brandfi alle den Löschwasserbedarf voll decke, überholt sei. Das Gesuch des Kellerschen Männer-Gesangvereins auf Ueberlassung des Schloßgartens für seine vom 1.—3. Juli dauernde Jubiläumsfeier führte zu dem Beschluß, bis auf weiteres für die Benutzung des Geländes zu Festlichkeiten von dem jeweiligen Veranstalter 15 Prozent der Einnahmen aus dem erhobenen Eintritt zu erheben. Die Gesuche von fünf Heimatvertriebenen auf Abtretung von städtischem Baugelände an der Grenzstraße wurden unter den Bedingungen, wie sie die Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft des Kreises Dieburg vorsieht, genehmigt. (R.G.)

Biblis erhält ein Wappen

In der letzten Sitzung des Bibliser Gemeinderates am Donnerstagabend wurde der Wappenentwurf des Staatsarchivs Darmstadt einstimmig gebilligt. Die Zeichnung enthält die aus dem Mittelalter stammenden Insignien Pflug und Seerose Bis zur Fertigstellung des geplanten Kapellenbaues wurde der evangelischen Kirchengemeinde der Einsegnungsraum in der Friedhofshalle für den Gottesdienst zur Verfügung gestellt. Die Finanzkommission soll über die Art der Erhebung einer neu einzuführenden Kanalgebühr und über die Beschäftigung eines zweiten Wiegemeisters beraten. (BB)

Liederabend der Aufbauschule Traisa

Monatelang hatten die Schüler der Aufbauschule Traisa mit Hacke und Spaten gearbeitet, um den in der Nähe liegenden Steinbruch in eine schöne Naturbühne zu verwandeln. Dies schon allein ist eine Leistung, die nicht übersehen werden sollte zumal keinerlei Zuwendungen der Gemeinde dabei notwendig waren. Dann kam der Abend heran, an dem die neu erstandene Naturbühne ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Vor einem großen Zuhörerkreis boten die Schüler ein Programm in dessen Vordergrund gesangliche Darbietungen standen, vorgetragen unter Leitung von Musiklehrer Lorenz. Ein Streichorchester unter Heinrich Tilling, Traisa, und das Schülerorchester sorgten durch Duette, Terzette und das Streichquartett in B-dur von Mozart für die notwendige Auflockerung. Großen Anklang fand der „Krämerkob“ von Hans Sachs. In der Abenddämmerung erhellten Fackeln und ein loderndes Feuer die Bühne Das gemeinsame Lied „Ade nun zur guten Nacht“ beschloß den Abend, der dankbar von den anwesenden Gästen auf genommen wurde

(-ze)

Erbach. Beim unbewachten Spiel mit einem Beil hackte ein dreijähriger Junge einem Gleichaltrigen zwei Finger der linken Hand fast völlig ab.

Ministerpräsident Stock in Ober-Ramstadt

Sorgen und Nöte der Gemeinde im Gedankenaustausch

Gestern nachmittag traf Ministerprasiaent Stock zu einem Besuch in Ober-Ramstadt ein. Vor dem Rathaus, von dem die Bundesflagge und die hessischen Farben grüßten, hatten sich die Schulklassen und die Vertreter der Gemeinde, an ihrer Spitze Bürgermeister Frankenberger zur Begrüßung eingefunden. Zwei Schulkinder überreichten dem Ministerpräsidenten mit herzlichen Worten des Willkommens einen Blumenstrauß. Bei dem Empfang im Rathaussaal begrüßte der Bürgermeister neben Vertretern des Handwerks, der Industrie und der Behörden den persönlichen Referenten des Ministerpräsidenten, Ober-Regierungsrat Dornheim, Staatssekretär Bach, den Pressereferenten der Staatskanzlei Schmidt, Resident Officer Mr. Goetscheus sowie den Landrat des Landkreises Darmstadt, Wink. Der Besuch soll dem Ministerpräsidenten einen Ueberblick über den Leistungsstand des Handwerks und der Industrie Ober-Ramstadts vermitteln. Die Gemeinde sei bestrebt, mitzuhelfen an dem Wiederaufbau und wolle eine starke Stütze des Staates sein in der demokratischen Weiterentwicklung.

Landrat Wink begrüßte aufs herzlichste den Besuch des Ministerpräsidenten in einem Ort, dessen „bienenfleißige“ Bevölkerung er aus eigener Anschauung kenne und loben müsse. Andererseits aber bedrücke die Gemeinde die Sorge um die Zukunft ihrer Industrie, besonders der MIAG, deren Produktionsmöglichkeiten infolge der Beschlagnahme eines großen Teils des Betriebs durch die amerikanischen Besatzungstruppen nicht nur behindert, sondern ernstlich gefährdet seien. Ein Abwandern dieses Industriezweigs bedeute in jeder Beziehung einen schweren Verlust. Der Landrat betonte, daß alle Bevölkerungskreise bestrebt seien, mitzuarbeiten für eine bessere Zukunft, wenn man ihnen die Voraussetzungen dafür zu schaffen bereit sei.

Ministerpräsident Stock dankte für den herzlichen Empfang und wies darauf hin, daß er gekommen sei, um sich an Ort und Stelle von der handwerklichen und industriellen Entwicklung Ober-Ramstadts zu überzeugen, um aber andererseits auch persönlich die Sorgen und Nöte zu hören, deren es wahrscheinlich genug in der Gemeinde gäbe. Allerdings müsse man sich auch darüber klar werden, daß im großen gesehen, überall die gleichen Schwierigkeiten bestünden, daß es aber trotzdem darauf ankomme, aus dem Dilemma der Nachkriegszeit herauszukommen. Wenn nach 1952 die Zuschüsse des Marshallplans aufhörten, müsse Deutschland an Industrie-Erzeugnissen so viel exportieren, um den Import an Lebensmitteln decken zu können. Im übrigen wolle man, wenn nur irgend möglich, aus eigener Kraft die Not der Zeit überwinden-

Die Feier im Rathaus wurde von einem Streichquartett und dem Chor der Volksschule umrahmt. Nachdem sich der Ministerpräsident als erster in das neue Ehrenbuch der Gemeinde .eingeschrieben hatte, besichtigte er im Vorraum eine Ausstellung, in der 16 Firmen ihre Erzeugnisse zeigten; eine Betriebsbesichtigung bei der Möbelfabrik Schröbel schloß sich an. Am Eingang zum Tire Rebuild Shop wurde der Ministerpräsident von Oberst Proctor (Eucom) Heidelberg) und dem kommandierenden Offizier des Armeebetriebs, Capt. Crouch, empfangen. In einem Rundgang erläuterte der deutsche Leiter, Kaiser, die Einrichtungen des Tire Rebuild Shops.

Den Abschluß der Betriebsbesichtigungen bildete ein Besuch bei der MIAG, wo Herr R ö t h e r auf die augenblicklich für dieses Unternehmen herrschenden Schwierigkeiten hinwies und den Ministerpräsidenten bat, im Interesse des Betriebes und damit der gesamten Gemeinde bei den amerikanischen Behörden vorstellig zu werden, um eine Besserung des derzeitigen Zustandes herbeizuführen.

Am Abend sprach der Miniserpräsident in einer Versammlung der SPD, Ortsverein Ober-Ramstadt. (hn)

Audy in Bensheim geht es ständig aufwärts

Beachtliche Verbesserungen im Stadtbild

In der letzten Stadtratssitzung machte Bürgermeister Treffert einige Angaben über die Erfolge des Aufbaus in der Stadt, die zunächst im Eifer der Beratung über den Jahreshaushalt nicht hinreichend beachtet wurden, die aber einer genaueren Betrachtung durchaus wert sind.

Seit in Bensheim mehr Eil- und Schnellzüge halten als in mancher größeren Stadt, seit die Omnibusverbindungen nach allen Richtungen hin verstärkt und verdichtet wurden, ist ein wesentlicher Aufschwung im wirtschaftlichen Leben festzustellen. Die Zahl der Hotelbetten wurde erheblich vermehrt, wenn sie auch immer noch nicht als ausreichend bezeichnet werden kann. Mehr und mehr wird Bensheim als Tagungsort für Verbände und Vereine benützt.

Mehrere Privathäuser und wichtige öffentliche Bauten wurden in diesem Jahre schon von der Besatzungsmacht freigegeben, darunter allein sechs von DPs besetzte Schulen, das Direktorhaus des Gymnasiums, die ehemalige Taubstummenanstalt, das Gelände und Gebäude der Aufbauschule, das Hotel Weigold in Auerbach, der „Bensheimer Hof“ und das „Deutsche Haus“.

Der Stadtverwaltung ist es gelungen, die Einweisung von 600 Tschechen in das Auerbacher Lager zu verhindern, die stattdessen nach Babenhausen kamen. Das Gas- und Elektrizitätswerk ist dabei, einige neue Trafostationen zu bauen, um damit dje Stromversorgung zu verbessern. Die Straßenbeleuchtung wurde erheblich verbessert und die Ferngasleitung fertiggestellt. Den Kurpark, in dessen Gesamtbild sich das Cafe hübsch einfügt, haben fleißige Hände in einen besseren Zustand versetzt, ebenso das Fürstenlager, das Kirchberghäuschen, die Wege am Kirchberg und verschiedene Aussichtstürme. Zahlreiche Bänke hat man aufgestellt und Wegschilder angebracht. Auch das Kino ist modernisiert und neu hergerichtet worden. Der Klostemeubau oder vielmehr sein Wiederaufbau macht erfreuliche Fortschritte; der Unterricht in der Klosterschule hat bereits wieder begonnen. Der Aufbau der katholischen Stadtkirche ist so weit fortgeschritten, daß zum 13. August die feierliche Einweihung geplant ist.

Aber auch die Wohnbautätigkeit ist ziemlich rege: Von der Siedlungsbaugenossenschaft sind bereits 22 Wohnungen in der verlängerten Pestalozzistraße fertiggestellt. Weitere Wohnblocks, deren Finanzierung gesichert ist, sind im Bau. Im Juli werden in der Mozartstraße vier Wohnungen fertig. Weitere sechs Wohnungen in der verlängerten Wilhelmstraße sind bereits in Angriff genommen, während der Bau von 12 Wohnungen vorbereitet ist. Insgesamt hat die Siedlungsgenossenschaft 59 Wohnungen teils fertiggestellt, teils sind sie im Bau oder ihre Finanzierung ist so weit, daß mit dem Bau begonnen werden kann.

Auch seitens der Stadt werden demnächst einige größere Bauprojekte in Angriff genommen. Der Ausbau und die Ausbesserung mehrerer Straßen ist in vollem Gange. Alles in allem kann man sehen, daß in Bensheim vieles für den Wiederaufbau getan wird. (mb)

Fornoff stellt sich der Gendarmerie

Der nach Aufdeckung einer schweren Unterschlagung aus der Zeit vor der Währungsreform geflüchtete Bankangestellte Fr. H. Fornoff aus Stockheim ist am Donnerstag von Kassel kommend wieder nach Michelstadt zurückgekehrt, wo er sich freiwillig der Gendarmerie stellte. Die Untersuchungen hinsichtlich seiner Verfehlungen sind noch im Gange.

Konfessionelle Arbeitertagung

Am 8. und 9. Juli findet in Waldmichelbach eine gemeinsame Arbeitertagung des evangelischen Männerwerkes und des katholischen Kettlerwerkes statt. Als Referenten wurden Ingenieur Hermann Crantz, Betriebsratsvorsitzender Karl Vogel und Ernst Leuninger vom Deutschen Gewerkschaftsbund gewonnen, die u. a. über die Themen „Der «christliche Arbeiter in der Gewerkschaft“, „Das Mitbestimmungsrecht — Sinn, Inhalt und Aufgabe“ sprechen werden. Die Tagung beginnt samstags mit musikalischen Darbietungen im Gemeinschaftssaal der Hessischen Hölzerwerke. (-r)

kurz und bündig

Reg-Präs. Arnoul besichtigte die neu er¬ stellten Wohnblocks der Lampertheimer Baufirma Nagel, die zur Errichtung weiteren Wohnraums die Gewährung eines staatlichen Baudarlehens erstrebt. Im Anschluß führte Bürgermeister Günderoth den Regierungspräsidenten durch das Moorbad, das am Montag in Betrieb genommen wird'

(BB) Der Motorsportklub e. V. Riedring-Lorsch feiert heute abend sein einjähriges Bestehen in der Turnhalle. Die Vereinsleitung will den Abend benutzen, allen an den Leistungen des jungen Klubs Beteiligten zu danken. (BRI

Unter dem Motto: „Kennt Ihr Euren Heimatort Ober-Ramstadt?“ hat eine Ober-Ramstädter Foto-Firma zu einem Preisausschreiben aufgefordert, bei dem mehrere Kleinbild-Kameras zu gewinnen sind.

Ein Seifenkistrennen wird derzeit in Gr°ß-Gerau geplant: „Rennstrecke“ soll die August-Bebel-Straße sein (cg)

In Ober-Sensbach verpflichtete Landrat Neff Erbach, den früheren Beigeordneten Beter Johann zum Bürgermeister, nachdem der Amtsvorgänger infolge eines schweren Unfalls seine Dienststellung zur Verfügung gestellt hatte. (tehad)

Audi die Gemeinde Hebstahl, Krs. Erbach erhielt m Heinrich Beizei einen neuen Bürgermeister. Der Vorgänger, Georg Gartner, war unerwartet einer Krankheit «rleSen. (tehad)

Da die Feuerwehr - Uebungsstunden in Weiher, Krs. Bergstr., sich in letzter Zeit einer zunehmenden Interesselosigkeit erireuten, hat die Ortspolizeibehörde jetzt 14 Feuerwehrleute mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung bedacht. Diese trägt den daß im Wiederholungsfälle mit erhebliqn empfindlicheren Strafen gerechnet werden muß. (_r)

DT.-Reporter berichten

Darmstadt-Land

Roßdorf. Die Opernschule Darmstadt verunstaltet heute abend, um 21.00 Uhr, im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ eine Studio-Aufführung der Operette „Die Frau ohne Kuß“, von Walter Kollo. (sl)

Pfungstadt. Die Auszahlung der Kriegsfolgenhilfe, der Unterhaltshilfe und Wohlfahrtsfürsorge erfolgt am Dienstag, dem 4. Juli. — Die Polizeiverwaltung läßt bitten, die deponierten Fundsachen, insbesondere eine größere Anzahl von Schlüsseln, deren Besitzer sich bis jetzt noch nicht gemeldet haben, abzuholen. — Im Rahmen einer Zusammenkunft der Mitarbeiter und Angestellten der Bürgermeisterei wurde der ausscheidende Mitarbeiter der Gemeinde, des Bauaufsehers Heinrich Größmann, und des ehemaligen Leiters der Holzstelle Hechler, ehrend gedacht. — In der Bornstraße wird die Firma Anton Bauer ein neues Geschäft für Installation und Elektrotechnik eröffnen, — Durch Inkrafttreten der neuen hess. Fleischbeschau-Kostenordnung vom 12. Juni, werden bei Schlachtungen die Gebühren nicht wie seither von der Gemeindekasse, sondern von dem zuständigen Fleischbeschauer, bzw. Tierarzt, erhoben. Die neue Gebühren-Ordnung hängt an der Anschlagtafel am Rathaus zur allgemeinen Kenntnisnahme, aus. (ng)

Erzhausen. In der Zeit vom 1. bis 3. Juli feiert die SPD, Ortsverein Erzhausen, ihr 50jähriges Bestehen, verbunden mit einem Kreisfest und Flüchtlingstreffen, wobei der Hessische Ministerpräsident Christian Stock und Ministerialrat Jak sc h die Festansprachen halten werden. — Anläßlich seines 75jährigen Bestehens veranstaltete der Gesangverein „Sängerlust“ im Gasthaus „Zur Ludwigshalle“ einen Abschlußball. Eine fröhliche Stimmung und das familäre Beisammensein gaben dem Abend eine beschwingte und heitere Note. — Die Ortsgruppe des Verbandes der Heimatvertriebenen wählte auf ihrer letzten Mitgliederversammlung einen aktionsfähigen Vorstand. (H. W.)

Dieburg

Münster. — Auf Anregung der Dieburger US-Dienststelle findet heute abend im „Badischen Hof“ eine Bürgerversammlung statt. Bürgermeister Ries wird über die Belange der Gemeinde sprechen. (Zi)

Babenhausen. In Würzburg wurde jetzt der betrügerische Kunde, der sich, wie wir bereits berichteten, von einem hiesigen Geschäftsmann Anzüge und Wäschestücke zur Auswahl geben Heß und damit verschwand, von der Polizei festgenommen. Es handelt sich um den Ukrainer Nagorny, der sich schon mehrere derartige Delikte hatte zuschulden kommen lass. (RG)

Erbach

Bad König. Auf der Straße nach Kimbach in der Nähe der Grohmühle wurde der Motorradfahrer Erich Stehling aus Darmstadt von einem entgegenkommenden Personenwagen aus Mümling-Grumbach von der Fahrbahn weggedrängt und in den rechten Straßengraben geschleudert. Mit Fußverletizungen und Prellungen mußte er in d.e Klinik Prof. Zanders gebracht werden.

Bad König. — In der Bahnhofstraße wurde der Weißbindermeister Karl Körner, der mit seinem Fahrrad auf der rechten Straßenseite fuhr, von einem überholenden Personenwagen aus der britischen Zone angefahren und zu Boden geworfen. Er erlitt Schürfwunden und Unterschenkelverletzungen. (-di)

Rimhorn. — Auf der Straße nach Höchst lief ein neunjähriges Mädchen aus einer Gruppe von Heidelbeersuchern unvermittelt über die Straße und wurde von einem vorüberkommenden Radfahrer umgerissen; das Kind blieb mit Platzwunden am Kopf besinnungslos liegen. Der Radfahrer kam mit dem Schrecken davon. (-ch)

Lützel-Wiebelsbach. Auf der Straße nach Höchst stießen zwei Kleinkrafträder zusammen. weil der aus Höchst kommende Fahrer auf der linken Seite gefahren war. Es entstand Sachschaden, der Elektriker Orth erlitt außerdem Prellungen und Schnittwunden.

Beerfelden. In der Hirschhörner Straße stieß ein Lastwagen rückwärts aus einer Einfahrt. Ein aus Richtung Finikenbach kommender Personenwagen versuchte h nter dem Lkw. vorbeizufahren, wurde gerammt und an der rechten Seite eingebeult.

Michelstadt. — Die Briefpostbeförderung mit dem Abendschnellzug um 20.39 Uhr nach Frankfurt ist ab sofort auch an Sonn- und Feiertagen möglich.

Schönnen. — Als die Hausangestellte Rosel Liewald an der Kraftposthaltestelle hinter dem haltenden Omnibus die Hauptstraße überqueren wollte, wurde sie von einem entgegenkommenden Kraftwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Außer Knie- und Kinnverletzungcn trug sie eine Gehirnerschütterung davon. (tehad)

Kirch-Brombach. — Die Versammlung der Mitglieder der Dreschgenossenschaft beschloß den Ankauf einer neuen größeren Dreschmaschine, da die im letz en Jahr erworbene Maschine den Anforderungen nicht genügt. — In seiner letzten Sitzung beriet der Gemeinderat den Voranschlag für das Rj. 1950/51, der mit 34 000 DM in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen ist. — Die Fassung der neuen Quelle in Langen-Brombach ist beendet und auch das Rohrnetz verlegt. Leider machen die Arbeiten an der Pumps' ation nur geringe Fortschritte, so daß vor Herbst nicht mit ihrer Fertigstellung zu rechnen ist. Nur den starken Regenfällen ist es zu danken, daß nicht bereits wieder Wassermangel herrscht.

Ober-Abtsteinach. Am kommenden Sonntag feiert die Gemeinde mit ihren Freunden aus der Nachbarschaft wieder das gewohnte jährliche Waldfest. Der Männergesangverem Ober-Abtsteinach sowie einige Chöre der Nachbarortschaften werden das mit Volksbelustigungen ausgestattete Fest verschönern helfen. (-r) Unterflockenbach. In den nächsten Tagen beginnt der seit laneem notwendig gewordene. nunmehr genehmigte Straßenbau in der Gemeinde. Die Frage der Unkosten verteilung auf die Einwohnerschaft — es handelt sich um etwa 10 DM pro Kopf oder rund 120 DM pro Hausbesitzer. — konnte allerdings noch nicht geklärt werden. (-r)

Zotzenbach. Der im Rahmen eines Notstandsprogrammes durchgeführte Bau der Wasserleitung, der seit mehreren Monaten 10 bis 12 arbeitslose Gemeindebürger beschäftigte. geht seinem Ende entgegen. Zwei Brunnen mit insgesamt sechs cbm Leistung werden den zu erwartenden Bedarf der Gemeinde ausreichend decken, (-r)

VValdmichelbach. Das infolge der langen Ruhepause reparaturbedürftig gewordene Hallenschwimmbad soll bis zum Ende des Sommers instandgesetzt werden, so daß es ebenso wie die bereits letzt benutzungsfähigen Wannen- und Brausebäder wieder der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. (-r)

Güttersbach. Im altbekannten Gasthaus „Goldener Löwe“ (Besitzer Johann Heinrich Helm) wurde ein Caf£ mit Dachterrasse eröffnet. Der gute Besuch bei der Eröffnung bewies, daß es dem Besitzer gelungen ist, aus dem herrlich gelegenen Güttersbach ein beliebtes Ausflugsziel zu machen. Vom Dachgarten aus hat man einen reizvollen Ueberblick über das - Haller-Schwimmbad und die Odenwaldberge.

Hirschhorn. Der aus einer Haftanstalt ausgebrochene Untersuchungsgefangene H. Kadl er. dem schwere Körperverletzung im Rückfall vorgeworfen wird, konnte durch die Gendarmerie ermittelt und festgenemmen werden. (-r)

Gadernheim. Die „Heag“ hat einen geschmackvollen Wandfahrplan für ihre Odenwaldstrecken herausgegeben, der von der Bevölkerung mit viel Beifall aufgenommen wurde. Sie entsprach damit einem schon lange von vielen Seiten ausgesprochenen Wunsch.

Fränkisch-Crumbach. — Am Sonntag finde* im Gasthaus „Zum Adler“, um 13.30 Uhr, eine Vorstandssitzung des Sängerkreises Gersprenz statt. Wie die Geschäftsstelle in Reichelsheim mitteilt, stehen folgende Punk e auf der Tagesordnung: 1. Bericht über die Bezirksjahreskonferenz des DAS in Darmstadt, 2. Kreisliedertag in Ober-Klingen, 3. Verschiedenes. (T)

Reichelsheim. — Die Mitglieder des Odenwaldklubs wandern am Sonntag, dem 2. Juli, zur Jahreshauptversammlung des O. W. K. nach Bensheim. Abmarsch unter Führung von Wanderfreund Hch. Hofmann, um 16 Uhr am „Engel“. — Am kommenden Sonntag veranstaltet der Männergesangverein „Eintracht“ im „Schwanen“ um 20.30 Uhr sein diesjähriges Garten-Chorkonzert. (T)

Bergstraße

Bensheim — Bürgermeister Treffert verpflchte e im< Auftrage des Landrates des Kreises Bergstraße folgende Bensheimer Einwohner zum Wiesenvorstand: Georg Jost, Valentin Hillenbrand, Heinrich Mohr, Valentin Rettig, Christian Mennel, Heinrich Nungesser, Adam Trautmann, Christian Weiß 111, Bernhard Hörr, (mb)

Bickenbach. Nach altem Brauch feiert die Gemeinde am 2. und 3. Juli ihre Kirchweih, die zu einem großen Volksfest gestaltet werden soll. Hierbei werden der Kerweumzug, der Kerwebaum und die Kerwebersch und -meedscher im Mittelpunkt stehen. — Für dringliche Reparaturen und Verbreiterung der Weidebrücke sind im Haushalt der Gemeinde zirka 3000 Mark vorgesehen. Auf dem Schulhof soll eine Parkverbotstafel aufgestellt werden, ferner ist ein Geländer vorgesehen, das den Schulhof an der Ecke Schul- und Darmstädter Straße abgrenzt. (hl)

Grooß-Geraan

Groß-Gerau. An Stelle des FDP - Kreistagsabgeordneten Manfred Böhme, Kelsterbach, der sein Mandat als Kreistagsmitglied niederlegte; tritt Walter Fronhoff, Walldorf, als ordentliches Mitglied in den Kreistag ein. (cg)

Groß-Gerau. In einer Sitzung des Verkehrsvereins wurde unter anderem der Stadtverwaltung die Errichtung öffentlicher Bedürfnisanstalten vorgeschlagen. Die Mitgliederwerbung des Vereins soll in Kürze intensiviert werden. — Im Adlersaal wurden am Mittwochabend In einer Wiener Modeschau 60 Modelle gezeigt. Lederwaren. Pelze und Juwelen wurden von Groß-Gerauer Geschäften zur Verfügung gestellt. Die Veranstaltung war mit kabarettistischen Einlagen avsgestaltet. (cg)

Groß-Gerau. Für den 2. Juli. 7 Uhr, ist eine Uebung der Freiwilligen Feuerwehr angesetzt. (cg)

Königstädten. Anläßlich der Wiederkehr des Tages, an dem vor sechs Jahren durch einen Bombenangriff 20 Tote zu beklagen waren und 919 Häuser völlig zerstört oder teilbeschädigt wurden, findet sich die Gemeinde am 13. August zu einer Gedenkstunde zusammen, deren Programm von Pfarrer Ramge und dem Verband der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner ausgearbeitet wird. (Sg)

Lampertheim. Das Werk Lampertheim der BBC hatte in dieser Woche anläßlich des 50jährigen Firmenjubiläums zahlreiche Gäste aus der Umgebung zu einer Besichtigung seines Betriebes eingeiaden. — Die Mädchen der Volksschule haben eigene Handarbeiten aller Altersstufen im „Schwanen“ ausgestellt. Die eingenommenen Ge’dspenden finden zur Verbesserung des Handarbeitsunterrichtes Verwendung. (BB)

Verwaltungssehüler wurden geprüft Unter Vorsitz von Stadtrat Schrauth (Darmstadt) wurde zu Beginn dieser Woche die Prüfung des letzten Kursus der Seminarabteilung Bensheim des hessischen Verwaltungsschulverbandes abgehalten. Als einziger bestand ein Teilnehmer aus Bensheim mit der Note 1. Mit der Note 2 absolvierten 13 Teilnehmer, mit Note 2Vz weitere 7 und mit Note 3 insgesamt fünf. Im Anschluß an die Prüfung verteilte Stadtrat Schrauth die Zeugnisse und wünschte den iuncen Dienstanfängern Glück.

Im kampf gegen den nassen Tod

Im vergangenen Jahre waren es nicht weniger als 60 Menschenleben, die Rhein und Main im hessischen Gebiet, zum Opfer forderten. Allein bei Gernsheim, der Stadt mit dem langgestreckten, einladenden Badestrand, ertranken sechs Menschen, und auch in diesem Jahr verzeichnete die Gernsheimer Wasserschutzpolizei das erste Opfer beim Baden in ihrem Strombereich. 24 Menschen sind während der letzten Monate bereits wieder in den beiden Strömen ertrunken.

Die Stromkilometermarke 460 bei Gernsheim, ein wichtiger Richtungsstein für die Schiffahrt, wurde schon zwölf Menschen, jungen und alten, zum Verhängnis. Dort erweist sich der Rhein besonders tückisch und lebenbedrohend. Deshalb ließen Stadtverwaltung und Wasserschutzpolizei an dem gefahrvollen Stromabschnitt in diesen Tagen eine weithin sichtbare Warnungstafel errichten mit der Aufschrift: ~Achtung — Lebensgefahr“. darunter ein grinsender Totenkopf. Doch gibt diese Tafel allein den bei Gernsheim Badenden keine Sicherheit. D:e von auswärts Kommenden kennen die Tücken des fließenden Wassers nicht, die nicht einmal allen Gernsheimern bekannt sind. Notwendig wäre, daß ein geschulter Bademeister in der Badesaison den Betrieb im Wasser beobachtet und Hilfe br’ngen kann, wo ein Mensch den Kampf mit dien Fluten nicht zu bestehen scheint.

Bachfeier der Goethe- und Aufbauschule Bensheim

Am Donnerstag veranstalteten die Realgymnasiale Aufbauschule und die Goetheschule Bensheim eine Bach-Feier im großen Saal des Deutschen Hauses. Die Gedenkrede hielt der bekannte Bachforscher. Prof. Dr. Carl Anton. Der Redner betonte, daß im Bachjahre kein Persönlichkeitskult getrieben werden dürfe, Bach müsse aus sich selbst heraus verstanden werden. Die glücklichsten Jahre seines Lebens habe der Meister in Cöthen verbrächt, wo er in Herzog Leopold einen verständnisvollen Freund gefunden und viele seiner Instrumentalwerke vollendet habe Bachs gesamtes Schaffen sei eine Auseinandersetzung mit dem Worte Gottes gewesen. In seinen weiteren Ausführungen beleuchtete Prof. Dr. Anton die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben des Meisters und berichtete kurz über das Schicksal von Bachs Witwe und dessen Nachkommen. Den musikalischen Teil der Feier bestritten neben de,m Schülerchor und Instrumentalkreds unter Leitung von Musiklehrer Fritz Früh namhafte Bensheimer und auswärtige Solisten. Der Schülerchor zeichnete sich durch rhythmisch und tonlich sauberes Singen, sehr deutliche Aussprache und einen lebendigen aber doch dem Stile Bachs getreuen Vortrag aus. Der Instrumentalkreis, eine wesentlich problematischere Aufgabe dürfte noch an Ausgeglichenheit, Beweglichkeit und Tonreinheit gewinnen. Lotte Bopp (Alt) sang drei Lieder von Bach mit viel Wärme und Verständnis; ihre Stimme dürfte sich besonders für Kirchenmusik eignen. Elfriede Früh (Geige) zeigte als Solistin hohes technisches Können und eine gute Einführung in Badische Musik. Margot Gutbrod (Cello) faßte die Suite in G-dur ein wenig zu weich und lyrisch an. spielte aber sonst ekak* und sauber. Karlheinz Klein begleitete am Cembalo.

Heute verschied nach langem Leiden unsere liebe Mutter, | Schwester und Schwägerin, Frau Anna Dörner geb. Rügner im Alter von 54 Jahren. Für die trauernden Hinterbliebenen: KARL DÖRNER Darmstadt (Alicenstraße 26'/»), den 30. Juni 1950. Die Beerdigung findet am Montag, dem 3. Juli 1950, um 14.45 Uhr vom Waldfriedhof aus statt.

Todes-Anzeige Heute vormittag, 9 Uhr, ist mein lieber, herzensguter Gatte, unser treusorgender Vater und Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr Philipp Feldmann XVII. Schlosser nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 70 Jahren von uns gegangen. Die trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Feldmann geb. Feldmann Christian Müller und Familie Griesheim, den 29. Juni 1950 Friedrich-Ebert-Straße 79 Die Einäscherung findet am Samstag, dem 1. Juli 1950, 11.45 Uhr, auf dem Waldfriedhof statt. Die 1893 Konfirmierten treffen sich auf dem Waldfriedhof.

Todes-Anzeige Gott der Allmächtige hat heute meinen lieben Gatten, unseren treusorgenden Vater, Schwiegervater. Opa, Bruder, Schwager, Onkel und Cousin, Herrn Jacob Zimbrich von seinem schweren Leiden im Alter von 70 Jahren erlöst. Die tief trauernden Hinterbliebenen: Frau Else Zimbrich geb. Grund Lotte Zimbrich Wilhelm Zimbrich und Familie Pfungstadt (Seeheimer Straße 32), 28. Juni 1950

Bestattungen am Samstag, dem 1.7. 1950 Beerdigungen: . Waldfnedhof 9.15 Kind Anna Stein, Darmstädter Straße 44, 2 Tage. Feuerbestattungen: »• ■>■ »»«*»««.■ 79. 70 Jahre. Beerdigungen: Da.-Eberstadt 10.00 Fischer, Wilhelm, Buchdruckerei-Werkmeister, Weingartenstraße 32. 58 Jahre.

Mittelalter und Ölbohrtürme

I Jie Politiker nennen das Gebiet „Naher Osten“, um einen Sammelbegriff für diesen vielgestaltigen Teil unseres Erdballes zu besitzen. Hier prallen Europa, Asien und Afrika aufeinander, doch nicht nur dies, auch Mittelalfer und 20. Jahrhundert! Ruinen künden von einer- großen ■'Vergangenheit: An d Hängen des kurdischen Berglandes Ninive, in der Ebene Mesopotamiens Babylon, im Niltal Memphis und Theben, sie waren einmal Mittelpunkt der Welt des Altertums. Hier schlugen Assyrer, Babylonier, Ägypter, Hettiter, Perser und Römer ihre Schlachten, Cm- obere Euphrat bildete für Jal..hunderte die Grenze zwischen Europa und Asi n. Erst die Woge des Islam spülte über si< hinweg, doch bis 1453 hielt das Bollwerk des Abendlandes, Byzanz, das man seit Konstantin dem Großen Konstantinopel nannte, stand.

Die Märchenwelt des Orients, deren Mittelpunkte Bagdad und Kairo erst von den Arabern gegründet wurden, zog immer wieder die Europa- m Durch die Märchen aus Tausendundeiner Nacht W’ de s’ in unsere Zeit überliefert. Noch heute geht ”on den großen Herrschergestaltm des Islams wie Harunal-Raschid, Mahmud und Saladin ein starker Glanz aus. Die moderne Zeit überrannte den Nahen Osten. Neb-* dürftigen Beduinenhütton enstehen Oelbohrtürme, silberne Rohrleitungen durchschneiden die Huste, über die Palmenhaine d^r Oasen, brummen Flugzeuge hinweg.

Auf dem «matolischen Hochland sitzen die Türken. Sie haben nach dem ersten Weltkrieg, den Regierungssitz aus der intrigenreichen Atmosphäre Istanbuls (Konstantinopel) in die frische Luft Anatoliens nach Ankara verlegt. Der wetterfeste Bauer aus diesem Bergland verkörpert den jungen türkischen Staat, der sich von allen mittelalterlichen Ueberlieferungen und Gebräuchen freigemacht hat. Doch immer noch bildet die unter Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert erbaute Kirche Hagia Sophia eins der Wahrzeichen der Türkei. Im Süden des Nah-i Ostens haben sich die arabischen Nationalstaaten Libanon, Syrien, Irak, Jordanie- , Saudi-Arabien und Aegypten wie eine eiserne Klammer um den jüdischen Staat Israel gelegt. Zwischen dem See Genezareth und dem Toten Meer ent;' eht ein neues modernes Gemeinwe .«, das für viele Juden er ganzen Welt €‘—j neue Heiir"*'“tt wurde.

* Unsere Bilder zeigen: Oben links: Der Bosporus, Tor zum Schwarzen Meer; darunter: Die Kuppel der im 6. Jahrhundert erbauten Hagia-Sophia-Kirche in Istambul; unten links: Tel Aviv, moderne Hauptstadt des Staates Israel; oben rechts: Lydda, eine Stadt mit großem Flughafen: darunter: Blick in die Hagia Sophia; unten rechts: Bei den Beduinen lebt noch das Mittelalter.













Himmelschan für Juli

Zu Anfang Juli erhebt sich im Südosten eine halbe Stunde vor Mitternacht «in sehr heller Stern aus den Dünsten des Horizonts, der dann im Laufe der Nacht seinen stillen Bogen im Süden beschreibt. Es ist der Riese under den Planeten. Jupiter. der die 317 fache Endmasse besitzt und sich in nur 9 Stunden 50 Minuten einmal um seine Achse dreht, infolgedessen als deutliche Elipse erscheint. Während er im Laufe de« Monats seinen Aufgang um zwei Stunden verfrüht, wandert er im Sternbild Wassermann langsam nach Südwesten und nähert sich dabei der Erde, so daß er im Rohr seinen großen Durchmesser von 44 auf 48 Sekunden vergrößert und deutlich seine vielgestaltige gestreifte Oberfläche zeigt. Er rotiert nicht als fester Körper, sondern wie die Sonne mit nach den Polen zu abnehmender Geschwindigkeit und läßt die einzelnen Gebilde sich gegeneinander verschieben. Im Spiel seiner vier hellen Monde finden am 20. elf verschiedene Finsternisse, Bedeckungen und Schattendurchgänge statt.

Planet Merkur bleibt unsichtbar. Am Abendhimmel verfrüht Saturn seinen Untergang im Löwen von 23*A auf 21% Uhr, während er langsam ostwärts wandert und seine Helligkeit auf die der Spika abnimmt. Auch der Durchmesser vermindert sich durch die zunehmende Entfernung von 17 auf 16 Sekunden, und der Ring wird immer schmaler. Mars in der Jungfrau bewegt sich auf deren hellsten Stern Spika zu und geht jeweils % Stunden nach Saturn unter. Die Helligkeit sinkt auf die des Aldebaran im Stier ab bleibt aber noch größer als die des Saturn. Da der Durchmesser auf 6 Sekunden abnimmt, sind kaum noch Einzelheiten der Oberfläche wahrzunehmen. Venus geht den ganzen Monat hindurch gegen Uhr auf. Sie wandert durch den Stier hindurch in raschem Laufe in die Zwillinge hinein, Während ihre Gestalt sich immer mehr in eine volle Scheibe verwandelt, sinkt der Durchmesser durch wachsende Entfernung auf 12 Sekunden ab.

Unser ZentraJges’tim Sonne wandert auf seiner Bahn durch Zwillinge und Krebs jetzt wieder langsam abwärts, läßt die Zeit der hellen Nächte für unsere Breite am 12 zu Ende gehen und wieder volle Dunkelheit eintreten. Die Oberfläche zeigt, wenn auch wieder abnehmend, noch immer mehrer^ Fleckengruppen, die gegen das Monatsende am stärksten sein dürften. Der Mond tritt als noch fast volle Phase in den Juli ein. Er läuft am 4. früh in geringem südlichem Abstand an Jupiter vorbei. Am 7. gelangt er in« letzte Viertelam 12. läuft er an Venus nördlich vorbei. Der 13. bringt den Höchststand und der 15. den Neumond. Am 18. am Abendhimmel steht er bei Rugulus. 19. bei Saturn in geringem Abstand und 21. bei. Mars während er am 22. ins erste Viertel tritt. Er läuft dann tiefer am 25. bei Antares im Skorpion vorbei und hat am 26. den Niedrigststand. Schließlich wird er am 29. voll und läuft wieder nahe an Jupiter am 31. vorbei.

Der Fixsternhimmel zeigt am Monatsbeginn um 22. zum Ende schon um 20 Uhr den hellen rötlichen Arktur im Bootes hoch nach Süden zu schon etwas an den Westhimmel gerückt, während die runde Kronne mit der weißen Gemma daneben grade nach Süden zu steht. Tief darunter glänzt der rote Antares im Skorpion, dessen Name schon zu einem Vergleich mit dem roten Mars gleich Ares herausfordert, der dann in gleicher Höh? sich im Westen findet. Der Löwe mit Saturn und Regulus ist zu der Zeit schon im Untergang nach Nordwesten zu. Im Norden über dem Horizont funkeln die Kapella im Fuhrmann und die Kassiopeia, während der Schwan mit Deneb und der Adler mit Atair. ferner Wega in der Leier hoch oben am Osthimmel in die Höhe rücken.

Die Milchstraße erstreckt sich vom Süden herkommend in zwei Zweigen durch Schütze Schlangenträger. Adler und den schwächeren Herkules nach Leier und Schwan hoch am Osthimmel Hier vereinigen sich die Zweige, und zusammen senken sie sich, durch Kassiopeia und Andromeda nach dem Fuhrmann verlaufend, nach dem Nordhorizont.

Der Jule zeigt eine etwas größere Stemschnuppenhäufigkeit. DiP rasch am Himmel dahinsausenden Körperchen kommen zum Monatsbeginn aus dem Skorpion im Süden und heißen deshalb Skorpiiden. Um die Monatsmitte erscheinen die Aquariden aus dem Aquarius gleich Wassermann im Osten und da.« Ende bringt schon di® ersten Periseiden, die durch besondere Helligkeit auffällig werden. Dr. K.

DT-Sport

„Völkerverbindender“ Sport in Darmstadt

Sportplafzfraga vor dem Forum

Das war mit dem letzten Forum am Donnerstag in der Stadthalle eine seltsame Sache: Da hatte man vielversprechende Vorbesprechungen geführt, die augenblicklichen Besitzer der „Streitobjekte" unter die Volksmassen eingeladen, und etliche hundert junge Sportler lechzten danach, die Freigabe der bisher beschlagnahmten Darmstädter Sportplätze als Beute heimzutragen. Man begann bereits das Bärenfell zu verteilen, als nach kurzer Atempause ruchbar wurde, daß die augenblicklichen Besitzer dieses schöne Fellchen keineswegs zu verschenken gedachten.

Es blieb praktisch alles beim alten: Die beschlagnahmten Darmstädter Sportplätze bleiben beschlagnahmt, Sportverein und Technische Hochschule müssen schön „bittebitte“ machen, wenn sie auf ihren eigenen Plätzen spielen wollen, müssen weiterhin 5 % der Eintrittseinnahmen an die Besatzungsmacht abliefern und vielleicht — vielleicht! — wird dem SV 98 im September sein eigenes Sportfeld wieder freigegeben. Die Hochschule aber muß bis zur Eröffnung ihres eigenen Sportbetriebes noch so lange warten, bis die Amerikaner in dei- Nähe der Leibgardekaserne ein eigenes Sportfeld mit Schwimmbad erbaut haben. Bis zu diesem Zeitpunkt werden weiterhin im Hochschulstadion an Sonntagen vier oder fünf US-Soldaten die sportliche Betätigungsnotwendigkeit von 3000 in Darmstadt stationierten „Amis" dokumentieren.

Die vielgepriesene Demokratie unterlag wieder einmal der Sturheit des Barras, denn wir hatten den Eindruck, daß die Exponenten der Besatzungsmacht in Darmstadt durchaus guten Willens waren, aber wegen des undemokratischen Geistes ihrer eigenen Volksgenossen nicht über ihren Schatten springen konnten.

Die Phrase vom völkerverbindenden Sport, bekam einen Fußtritt, von Demokratie war keine Spur, noch weniger von menschlicher Vernunft und die Amerikaner verpaßten die überaus günstige Gelegenheit, einen außerordentlichen Prestigeerfolg in Form eines dankbaren, beifallklatschenden Hauses zu kassieren. Nur die Raffinesse des Diskussionsleiters vermochte durch schnelle Beendigung der Versammlung zu verhindern, daß die Amerikaner unter Pfeifen und Johlen das Haus verließen. Daß es nicht dazu kam, war entschieden ein Plus für den Diskussionsleiter.

Wie man hörte, hatte sich einer der Amerikaner- auf eine ausführliche Rede vorbereitet. Schade, daß sie nicht an den Start gelangte, man wäre vielleiclit etwas klüger nach Hause gegangen.

Das einzige Positivum scheint uns in der Tatsache zu liegen, daß die Besatzungsmacht daran denkt, ein eigenes Stadion in der Nähe der Leibgarde-Kaserne zu bauen. Auch nach Abzug der Besatzung wäre in dieser Gegend der sich ständig vergrößernden Heimstättensiedlung ein Sportfeld mit Bad für die Anwohner absolut kein Luxus. Denn wenige Jugendliche kommen aus dieser Gegend zum Baden in den Woog, einfach, weil der Weg dahin zu weit und — auf die Dauer — mit der Straßenbahn zu teuer ist.

agt.

Noch einmal geht es um Tennispunkte

Im letzten Spiel seiner Gruppe hat der TEC am Sonntag gegen den Wiesbadener Tennis- und Hockeyclub anzutreten, der bisher nur von Nauheim gesell lagen werden konnte und sich dabei mit einer sehr knappen 4:5-Niederlage recht gut empfohlen hat. Die Darmstädter werden also gut daran tun, dieses Spiel sehr ernst zu nehmen.

Zwar verfügt Wiesbaden nicht über so hervorragende Spitzenkönner wie Nauheim, doch ist die Mannschaft in sich ziemlich ausgeglichen, so daß es in keinem der sechs Einzelspiele einen ausgesprochenen Favoriten gibt, wenn man auch der Papierform nach dem TEC eine leichte Ueberlegenheit zuerkennen mag. An erster Stelle für Wiesbaden spielt Herbert Schmidt, dessen Sicherheitsspiel schon manchen zur Verzweiflung brachte und der nur durch energisches Angriffsspiel bezwungen werden kann. Hier müßte Kleinlogel der richtige Mann sein. Bäumer, früher auf der deutschen Rangliste, steht seinem Verein heute nur noch selten zur Verfügung. Sein linkshändig geführter Treibschlag ist gefährlich genug, es wird von der Tagesform abhängen, ob er oder Sigwart den Punkt gewinnt, v. Reppert an dritter Stelle ist ein sehr vielseitiger Spieler, verbindet technisches Können mit taktischem Geschick, erreicht jedoch selten eine so beständige Form, wie sie sein Gegner Pfundtner aufweist. Es folgen Baumbach, v. Hesse und Sellien, deren Spielstärke kaum unterschiedlich ist. Da gerade aus den letzten drei Einzelspielen Wiesbaden seine Punkte gegen Nauheim sammeln konnte, werden Wittich, Hahn und Haselbach auf der Hut sein müssen.

In den Doppelspielen ist dagegen die Darmstädter Ueberlegenheit unbestreitbar, da der TEC mit Kleinlogel/Sigwart und Pfundtner/Wittich zwei gut eingespielte Paare besitzt. Rechnet man den Vorteil des eigenen Platzes hinzu, so darf man die Darmstädter Chancen günstig beurteilen.

Die gleichzeitig ausgetragenen Damenspiele, zu denen Wiesbaden mit Frau Brendel, Frau Schubert-Graetz, Frau de Jong und Frau Ax diesmal nicht seine stärkste Vertretung entsendet, werden als Freundschaftsspiele gewertet. Sie beginnen bereits um 10 Uhr am Böllenfalltor, während die Herren erst um 15 Uhr die Schläger kreuzen. hex *

Tennis-Hochschulmeisterschaften der TH

Am Freitag, dem 30. Juni, fanden die Endrunden um die Tennis-Hochschulmeisterschaft der TH statt. Von den 29 Teilnehmern im Herreneinzel kämpften Haselbach und Hilsdorf um den ersten Platz, nachdem sie Lübben und Haendschke in der Vorschlußrunde ausschalteten. Haselbach siegte 6:1, 6:2 und erlangte damit wiederum den Meistertitel. Auf dem Wege in die Endrunde hatte Hilsdorf weitaus die schärfsten Konkurrenten. Unter den letzten acht konnte er sich nach hartem Dreisatzkampf gegen Gockell durchsetzen. In der Vorschlußrunde besiegte er nach wechselseitigem Spiel Haendschke in drei Sätzen.

Im Herrendoppel setzten sich erwartungsgemäß Hilsdorf/Haendschke durch und gewannen ohne Satzverlust die Meisterschaft. Das wäre ihnen sicher nicht so leicht geglückt, wenn Haselbach und Lübben an den Doppelspielen teilgenommen hätten. So siegten sie in der Endrunde über Giesbrecht/ Winter mit 6:2, 6:0. Allgemein ist zu sagen, daß die Beteiligung an dem Turnier gegenüber dem Vorjahr um das Doppelte gestiegen ist, was wiederum ein Zeichen für die rege Teilnahme am Tennisspiel ist. H. H.

Nur noch zwei Europäer

Amerika untl Australien triumphierten

Wimbledon. (AP.) Im Herreneinzel sind in Wimbledon nunmehr die letzten Sechzehn ermittelt, während im Donnel und im gemischten Donoel rückständige Sniele aus der ersten und zweiten Runde nachgeholt wurden. Kilometerlange Schlangen drängten sich um die Mittagszeit vor den Eingängen um noch einen Stehplatz zu erhalten. Bei fast tropischer Hitze gab es teilweise ausgezeichnete Leistungen.

Im Herreneinzel sind mit Molinari (Frankreich) und van Swol (Holland) unter den letzten Sechzehn nur noch zwei Europäer übris geblieben, wenn man Drobny (Aegvnten) als Nordafrikaner rechnet, wobei bis auf zwei Ausnahmen die „Gesetzten“ ihre gesteckten Ziele erreichten.

Torsten Johannsson (Schweden Bernard Destremeau (Frankreich) Phitippe Washer (Belgien). J. P. Linck (Niederlande). Alfred Huber (Oesterreich) undS. Lie (Norwegen) unterlagen ihren Gegnern. Somit verbleiben im Viertelfinale sechs Amerikaner, sechs Australier, ein Südafrikaner ein Niederländer ein Franzose und der für Aegvpten spielende Exil-Tschechoslowake Drobnv.

Ueberraschend kam der Sieg des 38 iährigen Adrian Quist (Australien) gegen den als Nr. 14 gesetzten Amerikaner Dorfman, der mit 6:4. 6:2. 6:2 aufstecken mußte. Sidwell hatte mit dem 20iährigen Australier Landsmann seine Not. ihn 9:7. 6:4, 4:6. 7:4 zu schlagen. Amerikas As Talbert erreichte gegen Johansson ungefährdet die vierte Runde, sein großer Gegenspieler Frank Sedgman ließ nach seiner 24stündigen Pause den Belgier Washer mit 6:2. 6:2. 6:3 stehen. Es gibt viel Experten die in dem 21iährigen Australier zwar noch nicht in diesem Jahr, aber bestimmt In ein oder zwei Jahren den kommenden Weltmeister

Tennis-Elite in M.-Gladbach

Mit Ausnahme des in England weilenden deutschen Spitzenspielers Gottfried v. Cramm und des Wuppertaler Gulcz versammelt sich Deutschlands Tenniselite am Wochenende in M.-Gladbach zu den nationalen deutschen Meisterschaften Titelverteidiger ist Engelbert Koch (Köln) und sein särkster Rivale Ernst Buchholz. Entscheidenden Einfluß auf den Gang der Titelkämpfe könnten auch Göpfert. Gerstel und Göttsche (Berlin) gewinnen. Abzuwarten bleibt, wie sich die indiesem Jahr gut nach vorn gekommenen Nachwuchsleute Mauritz, Stuhldreier (Düsseldorf) und Schomburgk (Freiburg) gegen die routiniertere alte Klasse behaupten werden •

Bei den Damen, unter denen lediglich Frau Tidow-Tegtmeier (Emshorn) fehlt, liegt die Entscheidung wohl zwischen Frau Inge Pohmann (Rheydt) und Frau Alice von Tarnay Weißenburg). Allerdings gilt es zunächst die starke Konkurrenz der Hamburgerin Frau Dietz-Hamel Frau von Falkenhayn (Berlin) und Frau von Gerlach (Wiesbaden) zu überwinden.

Rein norddeutsche Angelegenheit

Deutsche Handballmeisterschaft in Kiel

Am Sonntag steigt in Kiel das Endspiel um die Deutsche Handballmeisterschaft. Gegner -sind zwei norddeutsche Mannschaften: Polizei Hamburg und TSV Hessee/ Winterbeck (Kiel). Die Hamburger Polizisten gelten als Favoriten dieses vielten deutschen Handball-Endspieles der Nachkriegszeit. Ihr Weg ins Finale mit 14:9 über Dietzenbach und 7:5 über den Titelverteidiger RSV Mülheim ist ebenso imponierend wie die beständige Form in den letzten Monaten. Der große Rivale in der Nordoberliga, TV Hassee-Winterbeck Kiel, hat nach einer Formschwankung aber gegen Frischauf Göppingen bewiesen, daß er wieder da ist. Nachdem die Kieler den Vorteil haben, vor eigenen Zuschauern zu spielen, wird es für die Polizei nicht einfach sein, die Kieler „Zebras“ zu zähmen.

Bei den Hamburgern ist Mittelläufer Vick Dreh- und Angelpunkt. Mit seinen Läufern und Verteidigern und Torwart Singer bildet er ein überragendes Bollwerk. Wie weit sich dagegen der gefährliche Kieler Innensturm durchzusetzen vermag, bleibt abzuwarten. Für Hamburg spricht auch die enorme Wurfkraft des Zwei-Meter-Mannes Maychrzak.

Im Kampf um den dritten Platz spielen in Göppingen FA Göppingen und der vorjährige Meister RSV Mülheim.

Jetzt Kohlet vor Goldschmidt

„Tour de Suisse" in Bellinzona

Bellinzona. (Id) Koblet (Schweiz), der Sieger der diesjährigen „Giro d’ltalia“, gewann die sechste Etappe der „Tour de Suisse“ von Luzern nach Bellinzona, 200 Kilometer. Koblet fuhr seinen Rivalen geradezu auf und davon und verdrängte den Luxemburger Goldschmidt vom ersten Platz der- Gesamtwertung. Von den deutschen Teilnehmern belegte Pfannenmüller einen achtbaren 15. Platz. Holthöfer, Müller und Schwarzenberg befanden sich im Gros des Feldes.

Im Gesamtklassement führen: 1. Koblet (Schweiz), 2. Goldschmidt (Luxemburg), 3. Ronconi (Italien), 4. Kirchen (Luxemburg), 5. Pasquini (Italien), 15. Pfannmüller (Deutschland), 29. Müller (Deutschland).

Kurz — aber interessant

Erich Nowotny, der bekannte Mittelläufer der Offenbacher Kickers, wurde von 08 Oberstein als Trainer verpflichtet. Damit erhält Oberstein eine ähnliche Spielerpersönlichkeit wie sie Eintracht Kreuznach mit Adam Schmidt gewonnen hat.

Die Zahl der Tischtennisvereine im Gebiet des Verbandes Rheinland ist von 105 auf 160 angewachsen. Die Zahl der aktiven Spieler im Verbandsgebiet beträgt rund 5000. *

Der englische Schwimmverband hat beschlossen. sich nicht an den im sowjetischen Sektor Wiens stattfindenden Europameisterschaften im Schwimmen zu beteiligen

Noch nicht mit vollen Rechten in der Fifa

Dr. Bauwens: Vorher Länderspiele möglich

Die deutsche Sportöffentlichkeit wird durch die widersprechendsten Meldungen über den Verlauf des 27. FIFA-Kongresses in Aufruhr versetzt. Die Freude über eine zunächst gemeldete Wiederaufnahme Deutschlands in den Fußball-Weltverband erhielt einen gewaltigen Dämpfer, als unmittelbar danach alles dementiert und behauptet wurde, daß das Problem bis zum 28. FIFA-Kongreß in Helsinki 1952 zurückgestellt worden sei. Was ist nun von den Fußballgewaltigen der Welt wirklich besprochen worden? Die „ISK“ ist auf Grund zuverlässiger Informationen aus Brasilien in der Lage, etwas Licht in das Dunkel zu bringen.

Israel und Jugoslawien dagegen

Der Kongreß fand in dem Villen-Vorort Petropolis im Luxushotel Quitandhina statt. Der Antrag auf eine Wiederaufnahme Deutschlands und Japans wurde von dem Zentral-Präsidenten des Schweizer Verbandes, E. Thommen, eingebracht, als man sich grundsätzlich mit der Aufnahme von Nicaragua, Irak und des Saarlandes einverstanden erklärt hatte. Der Schweizer setzte sich mit Nachdruck für den Antrag ein und wurde dabei vom Delegierten Uruguays stärkstens assistiert.

Die Vertreter von Israel und Jugoslawien sprachen sich jedoch ebenso energisch gegen eine deutsche und japanische Wiederaufnahme aus.

Ein Kompromißvorschlag

Angesichts der Opposition dieser beiden Länder und der reservierten Haltung anderer Nationen wurde ein Kompromißvorschlag zur Debatte gestellt, wonach Deutschland (und Japan) zwar de facto wieder aufgenommen, die Sanktionierung dieses Beschlusses de jure aber noch verschoben werden solle. Es wurde erklärt, daß sich das Exekutiv-Komitee der FIFA nochmals mit dem Deutschland-Problem beschäftigen müsse. Es wurden ihm alle Vollmachten übertragen, dann eine endgültige Wiederaufnahme „mit vollen Rechten“ durchzuführen. Bis dahin kann Deutschland zwar noch keine Vertreter in die FIFA entsenden, es wird jedoch wieder offiziell zum Länderspielverkehr zugelassen. Der gesamte Kompromißvorschlag wurde, soweit er Deutschland betraf, mit 19 gegen zwei Stimmen (bei 13 Enthaltungen) angenommen. Für die interimistische Aufnahme Japans fanden sich sogar 20 befürwortende Stimmen.

Daß sich die überwiegende Mehrheit des Kongresses für eine deutsche Wiederaufnahme einsetzte, ging auch daraus hervor, daß der eifrigste Befürworter Ernst Thommen, Schweiz, zusammen mit dem Spanier Gallera und dem Finnen von Frenckell (der sich ebenfalls für Deutschland einsetzte) ins Exekutiv-Komitee berufen wurde.

Trotzdem Länderspiele vorgesehen

Der Vorsitzende des Deutschen Fußballverbandes, Dr. Pecco Bauwens, äußerte zu den verschiedenartigen Meldungen über die Beschlüsse der FIFA in Rio de Janeiro hinsichtlich der Aufnahme Deutschlands, daß er die Bestätigung des Exekutivkomitees erst im Herbst erwarte. Bauwens drückte die zuversichtliche Hoffnung aus, daß schon vorher eine Sonderregelung für Länderspiele durch die FIFA erfolgen werde. In diesem Falle werde die kommende deutsche Nationalmannschaft das erste Länderspiel am 16. September in Stuttgart gegen die Schweiz und das zweite am 29. Oktober im Berliner Olympiastadion gegen Schweden bestreiten.

Brasilianische Ueberraschung

Amerika schlug England 1:0

Belo Horizonte, (dpa.) Die größte Ueberraschung der Fußballweltmeisterschaft wird aua Belo Horizonte gemeldet: die Mannschaft der Vereinigten Staaten, die im ersten Spiel gegen Spanien mit 1:3 unterlag, schlug das englische Team mit 1:0 (1:0) Toren. In Rio bezwang Spanien die Chilenen mit 2:0 (2:0). Schweden und Paraguay trennten sich in Curitaba nach schnellem und technisch hochstehendem Spiel 2:2 (2:1) unentschieden.

Leichtathletik-Großmacht USA

Wieder hervorragende Leistungen bei den USA-Meisterschaften

•Die Vormachtstellung der USA-Leichtathleten ist keine einmalige Angelegenheit, sie ist einfach da. Jedes Jahr erleben wir das. Immer wieder tauchen neue Kämpfer auf, deren Leistungen würdig an die alten anknüpfen, oft sogar noch bessere erwarten, lassen. Audi 1950 macht da keine Ausnahme.

Im College Park Maryland trugen die USA-Leichtathleten ihre Meisterschaften bei 38 Grad Celsius aus. Ungeachtet der großen Hitze zeigten die Titelkämpfe wieder einmal, daß die amerikanischer. Leichtathleten über ein fast unerschöpfliches Reservoir talentierter Nachwuchskräfte verfügen. Immer wieder tauchen neue Namen auf. Vor allem die amerikanischen Universitäten sind eine wahre Fundgrube für Amerikas Leichtathleten.

Die neuen Meister: 100 m: Arthur Oragg (Morgan) 10,4 Sek.; 200 m: Robert. Tyler (Morgan) 21,1 Sek.; 400 m: George Rhoden (Morgan) 46,5 Sek.; 800 m: Mel Whitfield (Frand Street Boys) 1:51,8 Min.; 1500 m: John Twoney (Illinois) 3:51,3 Min.; 5000 m: Fred Wilt (Neuyork AC.) 15:19,4 Min.; 10 000 m: Horace Ashenfelter (Pennsylvania) 3:44,3 Min.; HO m Hürden: Dick Attlesey (Los Angeles) 13,6 Sek.; 200 m Hürden: Bill Fleming (Notre Dame) 23,6 Sek.; 400 m Hürden: Charles Moore (Neuyork AC.) 53,6 Sek.; 3000 m Hindernis: Warren Druetzler (Michigan) 9:33,6 Min.; Weitsprung: Jim Holland (Northwestern) 7,85 m: Hochsprun.g: Heintzman (Bradley), Albritton Severns (Kansas) und Zeto (Los Angeles) je 1,96 m; Stabhochsprung: Bob Richards (Illinois) 4,47 m; Kugelstoßen: Jim Fuchs (Neuyork) 17,37 m; Diskuswerfen: Fortune Goräien (San Franzisko) 52,79 Meter; Speerwerfen Stephen Seymour (Los Angeles) 66,77 m; Hammerwerfen: Sam Felten (Neuyork) 57,09 m. Man wird sich diese Namen merken müssen.

Grüße aus USA

Oberbürgermeister an SV 98

Lieber Herr Dr. Grünewald!

Meine Buhen haben mir mit großer Begeisterung berichtet, daß der Darmstädter Sportverein 98 in die Oberliga aufgerückt ist. Sie haben mir genau den Verlauf der spannenden Kämpfe geschildert. Das ist für Ihren Verein und für Darmstadt ein großartiger Erfolg. Ein.e solche Nachricht nach Amerika zu bekommen war für mich wirklich eine Freude. Ich möchte dem Sportverein 93 und seinen tüchtigen Spielern meinen herzlichsten Glückwunsch übermitteln. Auch für die Zukunft wünsche ich Alles Gute.

Mcine Reise war bis jetzt sehr interessant. Ich hoffe daß ich mancherlei für unser geliebtes Darmstadt profitieren kann.

Herzliche Grüße Ihr Ludwig Metzger

Die ersten großen Kraftproben

Leichtathleten um Landesmeisterschaften

Das erste Juli-Wochenende bringt für die deutschen Leichtathleten die Meisterschaften der einzelnen Landesverbände, im Westen die Titelkämpfe der Bezirke. E:ne Ausnahme macht lediglich Niedersachsen, das seine Meisterschaften auf den 22./2S. Juli verlege mußte. Besondere Blickpunkte werden h erbei Wuppertal (Niederrhein), München (Bayern) Wetzlar (Hessen), Bremen und Stuttgart (Württemberg) bilden, denn hier startet die Mehrzahl der deutschen Meister Für das Stuttgarter Neckarstadion aber bedeuten die Württembergischen Meisterschaften die letzte große organisatorische Kraftprobe im Hinblick auf die „Deutschen" am 5 /6 August.

TH Darmstadt knapp erfolgreich

Am Mittwochabend besiegte in einem Basketball-Freundschaftsspiel die Vertretung der TH Darmstadt die Mannschaft der Uni Mainz nur knapp mit 39:37 Körben. Die drückende Hitze in der Sporthalle stellte an die Spieler hohe Anforderungen, doch wurde schnell und flüssig gespielt. Die Mainzer hatten ihre Reihen durch den türkischen Spieler Kahnamny wesentlich verstärkt, der in den ersten Spielminuten den Darmstädtern gefährlich wurde. Aber nachdem er durch den Mannschaftsführer der TH Darmstadt H. Müller konsequent abgedeckt wurde, konnte der Vorsprung der Mainzer wieder ausgeglichen werden. Das Spiel leiteten die beiden Schiedsrichter vom BC Darmstadt Leißler und Mehring. Die Mannschaft der TH Darmstadt: Müller 6 Punkte, Diefenbach 14, Bernadzik 13, Michel 4, Wagner 2, Mols, Kargei. FD

Vom Heimatsport

Neues aus dem Sportkreis Bergstraße

Der Sportverein Aschbach veranstaltet aus Anlaß seines 25jährigen Bestehens am 5. und 6. August ein Sport- und Fußballturnier, zu dem bereits Zusagen führender Bezirks- und Kreisklassevereine sowie nahezu aller umliegenden B-Klasse-Vertreter vorliegen.

Walter Kleiner, auffälligste Spielererscheinung des derzeitigen Odenwald-Tabellenführers SV Weiher, ist aus beruflichen Gründen nach Bobenheim bei Worms verzogen und wird im kommenden Spieljahr die dortige Kreisklasseelf verstärken.

A. Sommer, Mittelläufer des FV 09 Weinheim, hat kürzlich das Training der Fußballmannschaften der Sport- und Kulturgemeinde Waldmichelbach übernommen.

H. Maisack, der zusammen mit Otto und den Gebrüdern Kilian zu den markantesten Spielern der SKG Rot-Weiß Wahlen zählte, wird im kommenden Spieljahr seinem Verein nicht mehr zur Verfügung stehen, da er nach Reisen verzog.

Ob der SV Weiher, Meisterschaftsanwärter in der B-Klasse Odenwald, die Möglichkeit eines Aufstieges in die A-Klasse wahrnimmt, steht noch nicht fest. Aus finanziellen Erwägungen möchte man lieber in der seitherigen Umgebung mit ihren geringen Reisekosten verbleiben. (ni)

Am 13. August feiert die Sportgemeinschaft Hirschhorn ihr vierzigjähriges Vereinsjubiläum mit einem Fußballturnier. Die jetzt geschlossenen Teilnehmerlisten weisen eine stattliche Anzahl bekannter Vereine auf. (ni) *

Die Radsportabteilung des KSV Mörfelden feiert vom 1. bis 3. Juli ihr 50jähriges Bestehen mit einem großen Radsportfest, an dem nicht weniger als 34 Vereine teilnehmen werden. Höhepunkte des umfangreichen Programms sind das 50-km-Straßenrennen und ein Radballturnier. bei dem sich neben Frankfurter und Rüsselsheimer Mannschaften auch Gunst-Mohr vom VC Darmstadt beteiligen werden.

Amateur-Boxer

auf der Rennbahn

Die Boxstaffel des ABC Darmstadt-Eberstadt hat für seine zweite diesjährige Freiluftveranstaltung am heutigen Samstagabend auf der Rennbahn die Staffel des BC Fulda zum Rückkampf eingeladen. Da die Fuldaer nicht in allen Klassen das nötige Gewicht bringen können, verstärkt sich die Mannschaft durch einige Boxer von Alsfeld, so daß der Gegner eine recht kampfstarke Staffel zwischen die Seile bringt, die versuchen wird, die 9:5-Niederlage von Fulda wettzumachen.

Für den ABC Darmstadt-Eberstadt boxen Weigel, Büttner, Kohl, Nikolay, Ströher, Formella, Dieter, Schulz und Heinz. Fulda-Alsfeld komb. tritt mit Dorschel,' Kling, Kramm, Fach, Kosakowski, Hein, Bolz, Jerwin, Bittner und Quell an. Beginn der'Veranstaltung 20 Uhr. *

In einem Freundschaftstreffen stehen sich am Samstagabend um 20 Uhr in der Goetheschule die Mannschaften des Kraftsportvereins 1910 Darmstadt und des Kraftsportvereins Bensheim gegenüber.

Eine Chance für die Kleinen

100 Starter beim Karlsruher Dreieckrennen

Ausgesprochene „Geradeaus-Rennen“ bieten den Zuschauern zwar nicht die packenden Kurvenbilder, aber für den Nachwuchs

bedeuten sie eine wichtige Stufe auf dem Weg in die Meisterklasse. Wenn das vierte Karlsruher Dreieckrennen am kommenden Sonntag auf dem 3,4 km langen Dreieckskurs der Autobahn 100 Nennungen von Lizenz- und Ausweisfahrern erhielt, so spricht dies für die Beliebtheit der Strecke. Die fabrikunterstützten Kompressorfahrer fehlen, um denen eine Chance zu geben, die sonst immer im Schatten der Großen stehen und sich ebenso erbitterte Kämpfe liefern. Unter den Lizenzfahrern sind die DKW-Fahrer H. P. Müller, Siegfried Wünsche, Walfried Winkler und Daiker die Trümpfe, die vor allem den Lokalmatadoren Nitschky, Schnell und Gablenz den Sieg so schwer wie möglich machen.

Wohin gehen wir am Wochenende?

Samstag: 18 Uhr Hochschulstadion, Hockey, TH Darmstadt gegen Uni München; 20 Uhr Rennbahn, Boxen, ABC Darmstadt gegen BC Fulda/Alsfeld.

Sonntag: 10 Uhr Hochschulstadion, Hockey, Uni München gegen Uni Heidelberg; 10 Uhr Böllenfalltor, Tennis, Damen TEC gegen THC Wiesbaden; 15 Uhr Böllenfalltor, Tennis, Herren TEC gegen THC Wiesbaden.

Kreuzworträtsel

Waagerecht: 1. Stadt an der Wolga, 5. Hausgerät, 9. Balladengestalt bei Schiller, 10. Tanz, 11. amerikanischer Dichter, 12. griechisch: Luft, 13. weiblicher Vorname. 14. Gebäck, 16. asiatisches Reitervolk der Völkerwanderung, 18. indische Gottheit. 22. Ankerplatz, 25. Handwerksberuf, 26. englische Anrede, 28. Wasserwirbel, 29. Nebenfluß der Elbe, 30. Vogel, 31- Stadt in Nordwestdeutschland. 32. Teil des Auges. — Senkrecht: 1. Mittagsruhe, 2, Abtrünnigkeit, 3. Tätigkeit, 4. Schlachtenort bei Wien, 5. französischer Hafen, 6. Abkürzung einer Militärverwaltung, 7. ehern, deutscher Politiker, 8. Wundmal, 15. Rotwild, 17. englisches Getränk, 18. Maschine zur Flußreinigung, 19. Haft. 20 Kunstfreund. 21- Göttin der Morgenröte, 22. Europäer. 23. Prophet, 24. Metall, 27. abessinischer Titel.



Feuilleton

Tausend Rubel

VON PETER SEILER

Kann ein Falschmünzer ein ehrlicher Mann sein? Es scheint paradox und ist doch nicht ausgeschlossen. Wenigstens habe ich einen Falschmünzer kennen gelernt, der trotzdem der ehrlichste Mann von der Welt war. Dieser Falschmünzer hieß Iwan Ulitsch Übukun und ist heute vielleicht gestorben und begraben, oder er bekleidet einen hohen Staatsposten, der einen gewissenhaften, charakterfesten Mann erfordert.

Damals wohnte er in einem windschiefen Häuschen am Ufer der Selenga, zwei Werft vor der Stadt Werchni Udinsk. Ich trieb mich zu jener Zeit, aus dem Gefangenenlager von Irkutsk entwischt, in Werchni Udinsk herum mit der Absicht, bei Gelegenheit über die mongolische Grenze zu verduften. Meine deutsche Soldatenuniform hatte ich zwar mit einem grauen Sportanzug vertauscht, aber ich sah trotzdem so wenig einem Sibiriaken ähnlich, daß die Gendarmen und Gorodowois mich mißtrauisch anschielten. Bei einem dänischen Meiereibesitzer hatte ich gastfreundliche Unterkunft gefunden, doch als eines Tages der Isprawnik säbelschleppend bei meinem Gastgeber erschien .und ihn in. ein längeres Verhör nahm über den Fremden, gab mir Herr Asmussen den guten Rat, aus Werchni Udinsk zu verschwinden. Zu diesem Zwecke gab er mir die Adresse Iwans und ein paar Zeilen an diesen Ehrenmann, von dem er mir offen erklärte, er betreibe seit Jahren Falschmünzerei, Auf meinen Einwand, daß eine Falschmünzerwerkstatt wohl kaum ein Ort sei. an dem ich mich vor der Polizei verbergen könne, lächelte mein Gastgeber nachsichtig: „Sie kennen Rußland nicht, lieber Freund."

So kam ich zu Iwan Ulitsch, und der erste Eindruck, den ich von ihm erhielt, war durchaus nicht schlecht. Ein etwa fünfzigjähriger Mann mit einem für Sibirien ungewöhnlich intelligenten Gesicht und überaus gutmütigen Kinderaugen. Ich war gefast auf eine Verbrecherphysionomie, auf verbarrikadierte Fenster, Falltüren und was die Phantasie alles mit einer Falschmünzerwerkstatt verbindet. Nichts von alledem. Iwan Ulitschs Häuschen hatte nur zwei Zimmer. Das eine diente als Schlaf- und Wohnzimmer, das andere als Küche und Falschmünzerei. Und wenn auch das Häuschen etwas außerhalb der Stadt lag, es versteckte sich durchaus nicht in den Wäldern, sondern lag offen an der Straße, die von Werchni Udinsk nach Selenginsk führt.

Iwan Ulitsch nahm den Empfehlungsbrief — er konnte sogar lesen — und lud mich gleich auf das herzlichste ein, mit seinem geringen Haus vorlieb zu nehmen. Der Samowar summte auf dem Tisch, aus der Ecke grüßte das unentbehrliche Bild der Mutter von Kasan, die Ofenbank, der ärmliche Hausrat unterschied sich in nichts von der Einrichtung tausend anderer sibirischer Bauernstuben. Aber auf dem Tisch lag ein Papier, das meine Augen magnetisch anzog: ein funkelneuer, tadelloser, okergelber Tausendrubelschein.

Iwan Ulitsch zeigte ihn mir mit dem Stolz des Künstlers. Saubere Arbeit- Kaum zu unterscheiden von einem echten Schein, für primitive sibirische Augen ganz gewiß nicht. Die ganze Nacht hatte ich diesen Tausendrubelschein vor den Augen. Ein Vermögen war das! Was konnte man alles damit erreichen! Man könnte an der Grenze eine Karawane mieten, man könnte ein Dutzend Grenzkosaken mit dem kontrollierenden Polizeikommissar kaufen. Man könnte mit einem Tausendrubelschein war die Flucht nach China gesichert, verlor das lebensgefährliche Abenteuer der Grenzüberschreitung jeden Schrecken und wurde zur harmlosesten Sache der Welt. Daß der Schein falsch war, machte mir wenig Skrupel. Die moralischen Begriffe waren schon ein wenig durcheinandergerüttelt und im Krieg wie in der Liebe gelten alle Mittel. Wenn Iwan U'.itsch jahrelang unentdeckt, diese Scheine ausgeben konnte, so würde bei mir der Besitz eines solchen Scheines keinen Verdacht erregen. Einem ausländischen „Bärin“ traut der russische Grenzsoldat ohne weiteres zu, daß er tausend Rubel besitzt.

Am nächsten Morgen war ich fest entschlossen, Iwan zu bitten, mir<einen solchen Schein gegen ein kleines Entgelt in echter Währung zu überlassen. Aber wider Erwarten stieß ich mit meinem Vorschlag bei dem Falschmünzer auf ein lächelndes Kopfschütteln. „Nein, Herr“, beteuerte Iwan, „so einen Schein kann ich dir nicht geben. Was willst du auch damit. Er ist doch falsch. Du kannst doch nicht einen falschen Schein als echt ausgeben. Das wäre ja Betrug."

Ich war starr. Dieser notorische, berufsmäßige Falschmünzer sprach von Betrug. Dabei sah er mich mit seinen guten Augen so treuherzig an! Wenn nicht der gefälschte Schein auf dem Tisch gelegen hätte, ich hätte diesen Mann für den ehrlichsten Menschen gehalten. In der Tat: diesem Iwan Ulitsch fehlte jedes Bewußtsein dafür, daß er mit der Nachahmung der Banknoten ein Verbrechen beging. Das wurde mir ganz klar, als er mir mit freudigem Stolz seine Platten und Handwerkszeug zeigte, über die teueren Herstellungskosten klagte und mir vorrechnete, daß ihn selbst jeder Schein an Material sieben Rubel kostete.

Sieben Rubel für einen Tausendrubelschein! Kleine Unkosten, großer Nutzen! Der Mann mußte ja steinreich sein, wenn er dies Geschäft schon jahrelang betrieb. Merkwürdig, daß er in dieser ärmlichen Wohnung hauste. Auch seine Lebensführung, seine Kleidung deuteten nicht auf Reichtum hin. Also wahrscheinlich ein Geizhalz, der sein Geld vergrub. Aber Geizhälse dieser Art pflegen einem Fremden nicht ihr Einkommen zu verraten. Ich machte eine Bemerkung über seinen Verdienst. Iwan Ulitsch sah mich entsetzt an: Reich? Aber, was denkst du denn t^n mir, Bärin! Ich bin doch kein Betrüger! Ich betrüge doch nicht meine Landsleute, indem ich diese falschen Scheinehen als echte ausgebe! Die heilige Mutter von Kasan schütze mich! Jeden dieser Scheine verkaufe ich für zehn Rubel!“

„Und mir willst du keinen verkaufen? Ich gebe dir sogar zwanzig Rubel dafür.“ Iwan lächelte wieder sein gutes Lächeln. „Nein, Bärin, die darf ich so was nicht verkaufen, du hast kein Recht dazu."

Worauf wollte der Mann nur hinaus? Wahrscheinlich den Preis in die Höhe treiben. Ich beschloß, ihm nachher fünfzig Rubel zu bieten. Er wartete wohl nur darauf. Vorläufig sprachen wir nicht weiter davon. Iwan Ulitsch führte mich durch die Küche und zeigte mir die ganze Einrichtung seiner Falschmünzerei. Sie lag offen da. Jeder Besucher konnte sie sehen, wenn er eine Ahnung davon hatte, wozu diese Instrumente und Werkzeuge gebraucht wurden. Verrückt. Der Mann mußte doch gewärtig sein, jeden Tag ausgehoben zu werden.

„Hast du denn gar keine Angst, Iwan, daß man dich eines Tages verhaftet und ins Gefängnis sperrt?" Iwan Ulitsch sah mich groß an. Seine Augen drückten ein namenloses Nichtverstehen aus. „Wie denn verhaften, Herr? Ich betrüge niemanden mit meinen Scheinehen! Ich tue nichts Unrechtes. Ich verkaufe die Scheine doch nur an die Polizei!“

Sommer

Wie eine liebe Mutterhand tust du dich auf und segnest mild den schönen Wald und rings das Land, — der Erde sonnenfrohes Bild.

Dein wunderbares Walten schwebt durch alle Dinge wie Gesang. Aus tiefem Schattental erhebt sich jedes Herz zu neuem Klang.

Du reichst dem Leben und der Zeit die Kraft der Freude und das Licht. Das Lächeln holder Seligkeit macht zauberschön dein Angesicht. Franz Cingia

Notizen

Autc-unfall Käte Haacks. (AP.) Die bekannte Berliner Schauspielerin Käte Haack wurde in der Nacht zum Freitag bei einem Autounfall schwer verletzt. Der Wagen, in dem die Künstlerin saß, fuhr in der Masurenallee in Charlottenburg gegen einen Leitungsmast der Straßenbahn. Frau Haack erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und Platzwunden am Kopf, sie wurde in das Hildegard-Krankenhaus eingeliefert.

Stijn Streuwels, der 79 Jahre alte flämische Dichter, der zurückgezogen in der Nähe von Kortryk lebt, reist — nach Mitteilung des Engelhornverlags in Stuttgart — in diesen Tagen zum ersten Male seit Kriegsende durch das Bundesgebiet. Er schrieb u. a. die Romane ..Der Flachsacker“ und „Liebesspiel in Flandern“.

Werner Krauß Ehrenbuchdrucker von Recklinghausen. Werner Krauß, der Hauptdarsteller des „König Lear" der Ruhrfestspiele, ist von den Jüngern der Schwarzen Kunst in Recklinghausen zum „Buchdrucker h. c.“ ernannt worden. Die Ernennung fand bei der „Gautschfeier“ an Gutenbergs Geburtstag statt. Der große Schauspieler der in Recklinghausen seinen 66. Geburtstag feierte, erhielt, vorn Recklinghäuser Oberbürgermeister einen Strauß weißer Lilien,

Generalmusikdirektor Karl Eimendorff, Kassel, ist eingeladen worden, während der Anfang August in Vichy stattfindenden Festwoche „Tristan und Isolde“ und ein Wagner-Strauss-Konzert zu dirigieren. Icn Rahmen des Konzerts werden die vier letzten Lieder von Richard Strauss im Jahre 1948 nach Texten von Hesse und Eichendorff komponiert — zum erstenmal in Frankreich zu Gehör gebracht werden.

Die Schauspielerin Hilde Koerber sagte am Sonntag bei der Tagung „Kirche und Film“ in Haus Schwalbach bei Wiesbaden, daß sie einen Film über die Not der straffälligen und strafentlassenen Jugend plane. Die Künstlerin führt in Berlin Verhandlungen über die Vorfinanzierung.

Film und Jugend. Unter dem Vorsitz des Ehrenpräsidenten der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, Curt Oertel, findet am 30. Juni und 1- Juli in Wiesbaden-Biebrich eine Zusammenkunft von Vertretern der freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft mit Vertretern aus den verschiedenen Gebieten der praktischen Jugendarbeit statt. Während der Aussprache über eine Reihe aktueller Fragen soll insbesondere das Problem der Zulassung von Filmen für Jugendliche unter sechzehn Jahren und die damit zusammenhängende Frage der Neufestsetzung der Altersgrenze erörtert werden.

Wenn man träumt...

HEINRICH WOLFGANG SEIDEL

Wenn man träumt, findet man die Wahrheit. Wir erkennen uns nur im Traum. Die andern wissen oft besser, was wir sind, als wir selber; wenn uns aber ein Tratimgesicht das eigene Wesen enthüllt, dann weichen wir ihm aus und glauben, daß alles nur ein Nachtgespinst sei und wir den Schein unseres wachenden Lebens um jeden Preis aufrechterhalten müßten. Wir sind alle Menschen, die in Urzeiten in <üe Tiefe gestoßen wurden; dort oben, in der sengenden Lüge, im Qualm der verworrenen Wege wandelt ein anderer, uns ähnlich und behauptend, er sei der ermordete Bruder. Unser Schrei ist ihm immer im Ohr, aber er hat die wunderbare Gabe, sich taub zu stellen. Und die einzige Furcht seines Lebens ist unser Emportauchen, denn es bedeutet seine Todesstunde — oder die Stunde seiner Geburt: alle Furcht ist Furcht vor dem Geborenwerden.


„SCHÖNE, FRIEDLICHE STADT“ so lautet die Unterschrift zu dem Bilde, das ein zwölfjähriger französischer Junge gemalt hat. In seinen lebhaften Farben, seinem phantasievollen Figurenreicjitum ist eines der schönsten Bilder der Wanderausstellung „Kind und Kunst“, der das Feuilleton „Verschwörung der Kinder“ gewidmet ist.
„SCHÖNE, FRIEDLICHE STADT“ so lautet die Unterschrift zu dem Bilde, das ein zwölfjähriger französischer Junge gemalt hat. In seinen lebhaften Farben, seinem phantasievollen Figurenreicjitum ist eines der schönsten Bilder der Wanderausstellung „Kind und Kunst“, der das Feuilleton „Verschwörung der Kinder“ gewidmet ist.

Verschwörung der Kinder

In dieser Zeit, da die Fratze des Kriegsgespenstes das Leben wieder zu überschatten beginnt, kommt die Erinnerung an eine Ausstellung von Kinderbildern mit drängender Gewalt in die Gedanken, Es ist eine Ausstellung, die heute noch durch europäische Länder wandert. In dieser Ausstellung, sie war vor einiger Zeit in Hamburg zu sehen, traf ich einen Maler in einem alten, zerschlissenen schwarzen Rock, bleich von Sorgen, mit Bartstoppeln und einem nach innen gekehrten Bück, als sehe er in eine trostlose Leere. Ein Mann war es, der nicht nur moderne, gute Bilder malte, sondern sich mit aller Leidenschaft eines anteilnehmenden Menschen um die geistigen und ungeistigen Dinge seiner Zeit kümmerte. Als er sich in dem einen der Säle umguckte, reckte sich seine Gestalt, seine Augen wurden klar und lebhaft. Er kam auf mich zugelaufen, und obwohl wir einander lange Jahre nicht gesehen, war es. als wären wir erst gestern auseinandergegangen. Er sagte, indem er mich unterfaßte: „Ist es Ihnen nicht auch, wenn sie diesp Bilder betrachten, als kämen die Kinder aus fünf Erdteilen auf uns zugelaufen? Was sind wir für Esel, für Narren, für grausame Narren, wir Erwachsenen aller Nationen, daß wir die Kinder nicht in die Arme nehmen, sie schützen und Freundschaft mit ihnen schließen. Sehen Sie nur, wie sie uns aus diesen Malereien anschauen, aus Neuseeland, Mexiko, Ceylon, Holland, Dänemark Island, der Schweiz. Frankreich, Südafrika, den USA, Deutschland. Ist es nicht schon ein Wunder, daß die Bilder überhaupt zu uns gekommen sind? Und zu wem? Einem Deutschen! Ich kenne den Mann. Er setzte sich eines Tages hin, ein Mannheimer ist es gewesen, und schrieb Briefe nach allen fünf Erdteilen, er wolle Bilder von Kindern ausstellen. Und siehe da: es gab keinen lästigen Verkehr mit Konsulaten, keine Formalitäten, keine Reisebehinderungen, keine Devisensorgen, keine Rückfragen, Die Kinder von den Bergen, den Tälern, den Inseln, den Küsten, den großen Städten der ganzen Welt legten ihren Lehrern Malereien vor, die sie am liebsten hatten, und die Lehrer packten sie ein, So kamen sie durch die Luft, auf Schiffen, in Eisenbahnen.

Und wissen Sie, was das Ganze ist, das fast unbeachtet durch die Ausstellungsräume Europas wandert? Eine Verschwörung der Kinder der ganzen Welt gegen die Erwachsenen! Gegen sie, die immer noch Kriegsbrände entfachen und dulden, obwohl sie wissen, daß wiederum Kinder in diesen Bränden erstickeh, zwischen zusammenkrachenden Balken verstümmelt werden, in leergebrannten Landschaften verhungern und verdursten.“

Der Maler knöpfte vor Erregung seinen weiten, langen, schwarzen Rock auf und ziu, als er nun gestikulierend mit mir durch die Säle ging. Der Erdkreis zog an uns vorüber, dargestellt von Kindern. In den Blättern war auf eine geheimnisvolle Art der Duft der Landschaft, war etwas von der Besonderheit ihrer Bewohner. In uns aber war ein Erschrockensein vor dieser blumenbunten Fülle, vor diesen reizenden und wehmütigen Einfällen, diesem sicheren naiven Können, vor dieser Weltanschauung in reinstem malerischem Sinne, dieser friedlichen, Frieden ersehnenden Weltanschauung!

Wir setzten uns in eine Ecke, und der Maler sagte nach einigem Zögern: „Da kann man nur still nach Hause gehen in sein Kämmerlein, sein Herz in die Hand nehmen und noch einmal an fangen, Immer wieder neu anfangen, die Augen dieser Kinder auf sich gerichtet, versuchen, bewußt zu gestalten, getrieben von der gleichen unbewußten Kraft der Kinder, die eine Kraft des Friedens ist.“

An der Tür zum Ausgang hin hing die Bleistiftzeichnung eines zwölfjährigen Jungen aus Siam: Ein Elefant stand schräg auf der Erdkugel, auf seinem mit Teppichen belegten Rücken trug er ein phantastisch geschmücktes hoheitsvolles Götterbild. Darunter stand in Kinderhandschrift: „G e - rechtigkelt über der ganzen Welt!"

Ist es verwunderlich, daß in diesen Tagen die Erinnerung an die Ausstellung, an diese Verschwörung der Kinder, von neuem wach wird?

Geisenheyner

Purrmann-Ausstellung in Speyer. Eine Ausstellung von Werken des in Speyer geborenen. jetzt in der Schweiz lebenden Malers Hans Purrmann wurde im Historischen Museum der Pfalz in Snever eröffnet.

Darmstädter kunstsommer 1950

» Ihrer Tradition als Kunstzentrum unseres Heimatgebietes zwischen Rhein, Main und Neckar eingedenk wird die Stadt Darmstadt in diesem Jahre eine Reihe großer kultureller Veranstaltungen durchführen, die unter dem Titel „Darmstädter Kunstsommer 1950“ zusämmengefaßt sind. Zwei große Ereignisse im Juli werden diese Veranstaltungen einleiten und ihnen ein besonderes Gepräge geben.

Am 15. Juli wird auf der Mathildenhöhe die Ausstellung „Das Menschenbild in unserer Zeit“ eröffnet, zu deren Beschickung 80 bis 100 Künstler aus ganz Deutschland eingeladen wurden. Etwa 180 Werke der Malerei, Graphik und Plastik wurden nach sorgfältiger Prüfung durch eine Jury zugelassen. Diese, von der Neuen Darmstädter Sezession angeregte und vorbereitete Ausstellung wird vom 15. Juli bis zum 3. September geöffnet sein.

In Verbindung mit der Sezessionsausstellung steht eine Reihe von Vorträgen, Diskussionen und Referaten, die als „Das Darmstädter Gespräch 1950“ große Beachtung finden werden. Diese vom Neuen Hessischen Kunstverein, der Neuen Darmstädter Sezession, der Werkkunstschule, dem Verein der Förderer der Werkgemeinschaft Künstlerkolonie, der Technischen Hochschule und der Stadt Darmstadt veranstaltete Vortragsfolge wird am 15. Juli in der Stadthalle durch Prof. Evers eröffnet. Durch zwei konträr gehaltene Referate (Dr. Uten, Zürich. Ueber die Möglichkeiten der modernen Kunst" und Prof. Sedlmayer: „Ueber die Gefahren der modernen Kunst ) soll gleich zu Beginn die Grundlage für eine fruchtbare Diskussion geschaffen werden.

Der 16. Juli wird mehrere Vorträge bringen, die zu dem Thema der Ausstellung, „Das Menschenbild in unserer Zeit , Stellung nehmen: Prof.'Köber le, Tübingen, wird als Theologe, Prof. Weber, Heidelberg, als Soziologe, Dr. Mitscherlich, Heidelberg, als Mediziner und Prof. Gadamer, Frankfurt, vom Standpunkt des Philosophen das Thema behandeln. Ueber die Frage „Wie steht die gegenstandslose Kunst zum Menschenbild wird Prof. Baumeister, Stuttgart, sprechen. Am 17. Juli ist vormittags eine Diskussion aller anwesenden Künstler vorgesehen, während der Nachmittag einem Schlußgespräch der Teilnehmer vorbehalten ist. Sämtliche durch das „Darmstädter Gespräch 1950“ aufgeworfenen Fragen über die deutsche Kunst werden von Prof. Jedlicka, Zürich, durch ein abschließendes Referat über „die Situation der außerdeutschen Kunst“ vom europäischen Standpunkt aus. gezeigt werden.

Neben diesen beiden, weit über Darmstadt hinaus bedeutungsvollen Veranstaltungen werden in nächster Zeit folgende Ausstellungen gezeigt:

„Neuzeitliche Wohnmöbe 1“, veranstaltet vom Sozialwerk Darmstadt, vom 1. bis 30. Juli in der Holzhofallee.

„Ströher-Preis für Kunst der Gegenwar t“, eine Ausstellung der zum Wettbewerb eingesandten Gemälde, veranstaltet von Darmstädter Kunstfreunden, vom 14. bis 31. Juli in der Holzhofallee.

„Zeitgenössische Hessische Malerei“, veranstaltet vom Verein der Freunde zeitgenössischer Kunst (Frankfurt), ab 14. Juli im Landesmuseum.

„F o t o f o r m“, eine Kollektivschau fortschrittlicher westdeutscher Photographen, ab 18. Juli im Amerikahaus.

„Photomontagen“ von Juro Kubicek bei D’Hooge, Mathildenplatz, bis zum 31. Juli.

„K ollektivschau dreierKünst¬ -1 e r“ (Gustav Wolf, Karl Kunz, Hoffmann-Lederer), veranstaltet vom Neuen Hessischen Kunstverein, vom 18. bis 30. Juli in der Mornewegschule.

„Die Welt der Fra u“, eine Ausstellung und Verkaufsmesse, wird in Verbindung mit der ERP-Ausstellung vom 29. Juli bis 6. August auf der Woogswiese veranstaltet werden.

Zum 200. Todestag von Johann Sebastian Bach findet am 28. Juli in der Pauluskirche eine Gedenkfeier statt, die von der Stadt Darmstadt und der evangelischen Gesamtgemeinde durchgeführt wird. Die Gedenkrede hält Prof. Blume, Kiel.

Während der Sommermonate wird die Darmstädter Musikzentrale wieder ihre beliebten Serenadenkonzerte im Ehrenhof der Mathildenhöhe geben.

Neue Filme

UNION. — „Eine Nacht im Separee,“ Alles was recht ist: Ein entzückendes, charmantes Filmchen! In der Szenerie der Jahre um 1910 wird hier mit allen möglichen und unmöglichen Situationen die gesellschaftliche Prüderie jener Zeit festgenagelt. Man kommt aus dem vergnüglichen Schmunzeln nicht heraus. Dazu verhilft die äußerst flüssige Handlung, die Regie von Hans Deppe und eine außerordentlich gute Besetzung der einzelnen Rollen. Kurt Seifert, Olga Tschechowa, Sonja Ziemann. Paul Hörbiger, Ernst Waldow und viele andere bekannte Fllmgesichter geben sich in diesem wirklich netten Film ein Stelldichein. Die Handlung hier in zwei Sätzen zu schildern, ist nicht gut möglidh. denn dazu ist sie zu wirbelig und verwackelt. Wer sich dafür interessiert, sollte sie sich selbst anseihen. Sie ist amüsant genug, um den grauesten Alltag aufz ihellen. agt.

HANSA: „Das Mädchen vom Moorhof“, ein Film nach der gleichnamigen Erzählung von Selma Lagerlöf. Es ist nicht leicht, die Epik einer weltberühmten Erzählung in eine dramatische Filmhandlung zusammenzuraffen. und es sbräche sogar gegen die Einmaligkeit einer Dichtung, wenn sie sich vollständig auf die Leinwand kopieren ließe. Der schwedische Film in der Regie von Gustaf Edgren tut sein Möglichstes, das Gewicht der Worte in visuelle Eindrücke zu verwandeln und es gelingt wahrhaftig ein Streifen beglückend schöner Bilder. Die weitläufige Handlung ist so hineingespielt, daß jeweils nur die Kulminationspunkte der Erzählung erhellt und dramatisch gestaltet werden. Wie Meilensteine an einer schönen Straße stehen die einzelnen Szenen isoliert nebeneinander, um in ihrer Aufeinanderfolge doch schließlich die Bewegung eines fortschreitenden Schicksals einzufangen. In den Hauptrollen sehen wir Margareta Fahlen und Alf Kiellin. beide überzeugend in ihrer Darstellung einfacher tapferer Menschen, die allen Widerständen und Schwierigkeiten zum Trotz auf der Bahn des Guten ihren Weg machen, (kä)

PALAST. Der Schrecken von Mark's Priory. Dieser englische Kriminalfilm ist nach Edgar Wallace gemacht. Rezept: Man nehme ein alteß englisches Schloß, eine dito alte Familie, dazu viele indische Shawls und einen dicken, gemütlichen Kriminalinspektor. Ueber das Ganze gieße man ein bißchen Gruseln und ein wenig Humor, verkörpert durch einen englischen Kriminalpolizisten italienischer Abstammung mit langer, langer Nase und noch ein wenig Selbstverspottung (ob ernst gemeint oder Zufall, ist nicht ganz klar) und der Kriminalreißer ist fertig. Die Ankündigungen sagen „Nur für starke Nerven“, nun, so stark brauchen die Nerven des Zuschauers auch nicht zu sein! Spannung hat der Film auch, der Täter wird in der letzten Minute erst entdeckt. Herz, was willst du noch mehr! H. W. W.

BELIDA. „Die Wildnis ruft." Mit dem Putützer-Preis ausgezeichneter Bestseller „The Yearling“ von M. K. Rawlings entstand aus dem Manuskript von Paul Osborn unter der ausgezeichneten Regle von Clarence Brown ein Metro-- Mayer-Film von großartiger Schönheit: „Die Wildnis ruft“. Zu Ehren der ersten Siedler im Südosten der Vereinigten Staaten wird hier die Uebermacht der Natur gezeigt, gegen die die Baxters auf ihrer einsamen „Insel" im Urwald ihr Leben verteidigen. Gregory Peck als Penny Baxter findet ein weites Feld, sich auszuspielen. Schwieriger ist die Rolle der Jane Wyman als Ma Baxter, deren Herz das Schicksal und der Daseinskampf so verhärtet haben, daß kaum noch Freude über ihren jungen Sohn aufkommen kann. Claude Jarman spielt Leben, Kindheit und Entwicklung des Jody echt und zu Herzen gehend, wenn auch bei manchen Szenen eine fast zu starke Beherrschung der Rolle den Eindruck wirklichen Kindseins mindert. Die farbigen Bilder von der endlosen, üppigen, in Schönheit urd Katastrophe gleich übermächtigen Natur, die herrlichen Aufnahmen von den Tieren der Wildnis halten in atemloser Aufmerksamkeit. Derber Humor, Schlägerei und hie und da eine Uebersteigertheit ins Sentimentale sind Eigenheiten des amerikanischen Films, deren auch dieser nicht entbehrt. D-s.

Chriftian Morgenftern

Der Mensch, der Dichter, der Christ

Ueber dieses Thema sprach am Donnerstagabend im Saal der Christengemeinschaft Reinhard Wagner. Er brachte Leben und Schaffen dieses bedeutenden deutschen Lyrikers vom innerlichen Geschehen und den Begegnungen mit Nietzsche. Lagarde, Henrik Ibsen her zur Darstellung und erwies daran den ewigen Gegensatz des geistigen, schöpferischen Elements zur „soliden“ Welt des Philisters. Die in die Darlegungen eingewobenen Gedichtvorträge erhellten das Ausgeführte jeweils im Entscheidenden und zeigten die Fülle der Bilder und den Gestaltenreichtum der Sprache Morgensterns. Zu Beginn und Ausgang des Vortrags sang Frau Lu Keil-Schleucher je 2 Lieder von Morgenstern, komponiert von Matthäus Reisch, der am Flügel begleitete. Mit Recht zeigte sich der kleine Besucherkreis dankbar für das Erlebnis diese Abends. (D-s)

Yerdis „Othello“ in Neninfzenierung

* Unter der musikalischen Leitung von Richard Kotz und der regielichen und bühnenbildnerischen Ausgestaltung von Heinrich Altmann erlebte Verdis „Othello“ im Orangerie-Haus eine beachtliche Neuinszenierung. Auffallend waren besonders die schönen Stimmen von Charlotte Raab (Desdemona) und Willibald Vohla (Jago). Gewisse schauspielerische Unebenheiten fielen dabei weniger ins Gewicht. Das Orchester, die Chöre trugen zum Gesamtgelingen aufs Beste bei. Die Inszenierung, die von einem einheitlichen Bilde ausging, legte die Problematik der heutigen Notbühnen dar, wies aber eine Möglichkeit in noch zu entdeckendes Neuland auf. Der Beifall des ausverkauften Hauses war sehr herzlich. (Wir werden in einem eingehenden Bericht am Montag die Aufführung besprechen.)

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Aufruf! des Krclcverbandes Bergstraße der Chilstllch-Demekratischen Unki (CDU) Hessens zur Volksabstimmung am 9. Juli 1950. Wähler und Wählerinnen! Im November dieses Jahres wird der Hessische Landtag neu gewählt. Das Landtagswahlgesetz galt nur für die jetzt zu Ende gehende Wahlperiode. Deshalb muß ein neues Wahlgesetz ge¬ schaffen werden. Unsere Verfassung schreibt das Verhältniswahlrecht vor. Nach diesen Grundsätzen ist der erste Landtag gewählt worden. Das Verhältniswahlrecht birgt — wie die Erfahrungen in allen Kulturstaaten der Erde gezeigt haben — aber die Gefahr in sich, daß eine Vielzahl von Splitterparteien und Interessengruppen ins Parlament einziehen und Regierung wie Parlamentsarbeit nur aktionsunfähig machen. Das Volk sieht diese Gefahren und hat in der Wahl zum Bundestag wie auch in den nachfolgenden Wahlen den Splitterparteien eine klare Absage erteilt. Dem möchte der Hessische Landtag im neuen Wahlgesetz Rechnung tragen. Hierzu ist vorher eine Verfassungsänderung notwendig. Der Landtag hat deshalb mit den Stimmen der CDU, SPD und FDP ein solches Gesetz beschlossen. Es bedarf noch der Bestätigung durch eine Volksabstimmung. Wähler und Wählerinnen! Stimmt mit „Ja“ für dieses ver¬ fassungsänderndä Gesetz! Helft dadurch mit, die Einführung eines Wahlrechts zu ermöglichen, das eine ruhige und stete Fortentwicklung der Demokratie in unserem Lande gewährleistet, das Euch instandsetzt, Abgeordnete zu wählen, die Ihr persön¬ lich kennt, und die Euch verantwortlich bleiben. Damit fördert Ihr die Bildung von großen politischen Gemein¬ schaften, denen das Gesamtwohl am Herzen liegt und verhindert das Hochkommen selbstsüchtiger Interessengruppen. Das Wahlrecht ist eine entscheidende Grundlage der politischen Entwicklung. Seid Euch Eurer Verantwortung bewußtl Stimmt am 9. Juli mit — „Ja“ —I fhrisflkh-Dpmokraiisdie Union Hessen Kreisverband Bergstraße AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN OFFICE OF THE POST ENGINEER CONSTRUCTION OPERATIONS BRANCH FRANKFURT MILITARY POST APO 757 US ARMY Öffentliche Ausschreibung über Bauarbeiten zur Errichtung von Verkaufsstellen und Lager¬ räumen in folgenden Orten: 1. Hanau-Wolfgang: Umbau und Erweiterung mit ca. 3,700 cbm umbauten Raum (FR-193.02). 2. Darmstadt: Umbau mit ca. 5,000 cbm umbauten Raum, ein¬ schließlich Heizungsinstallation (FR-193.03). 3. Friedberg: Umbau mit ca. 3,000 cbm umbauten Raum, ein¬ schließlich Heizungsinstallation (FR-193.04). Die Arbeiten werden zum schlüsselfertigen Ausbau Jewells nur an einen Generalunternehmer vergeben. Ausgabe der Angebote: Montag, den 3. 7. 50, 14.00—16.00 Uhr. Baustellenbesichtigung: Donnerstag, den 6. 7. 50, 10.00 Uhr. Eröffnung der Angebote: Donnerstag, den 13. 7. 50. 11.00 Uhr. Verspätet eingereichte Angebote werden zurilckgewiesen. (Die gleiche Ausschreibung vom 16. 6. 50 wat annulliert worden.) Post Engineer, Frankfurt Military Poet Construction Operation« Branch Hansa-Allee 25, Zimmer 213. Tel. 20 7352. Versteigerung Am Montag, dem 3. Juli 1950, um 15 Uhr werden in Darm¬ stadt, Lagerhausstr. 1 (Stadthaus), Zimmer 106, versteigert: 1 neues Reform-Küchenbüfett, 1 neuer Wohnzimmerschrank. Stadthauptkasse Darmstadt — Vollstreckungsstelle — Fluchtlinicnplan der Rheinstraße von Luisen-Platz bis Echo-Gebäude Der in der Stadtvetordneten-Versammlung vom 15. Juni 1950 beschlossene Fluchtlinienplan über Rheinstraße von Luisenplatz bis Echo-Gebäude liegt bei der Stadtbauverwaltung — Abt. Stadt¬ planung —, Bessunger Str. 125, Zimmer 205, vom 27. Juni bis 13. Juli 1950 zur Einsicht offen. Einwendungen gegen diesen FluchtHnfenplan sind innerhalb der genannten Frist schriftlich bei der Stadtbauverwaltung zu erheben. Stadt Darmstadt (Stadtbauverwaltung).

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