Zmſchenflich 7maligem Erſcheinen monatlich Mk. 2.2
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A
Heſſiſche Neueſte Nachrichten.
Bezugspreis:
Morgenzeitung der Landeshauptſta
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſt
Nummer 355
Samstag, den 28. Dezember 1935 197. Jahrgang=
Marm im Fernen Oſten.
Aunahmezuſtand über Hankau, Nanking und der Chineſenſtadk von Schanghai. — Die Schüſſe auf Tang. — Die
auſiapaniſche Propaganda nimmk käglich ſchärfere Formen an. — Verſchärfung der japaniſchen China=Polikik?
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Ven=
er an he=
Aus dem Inhalt:
Vom Zukunftskrieg, von R. Sch.
Wolken über dem Miltal
Um die Erneuerung des Films
China in größter Erregung.
EP. Schanghai, 27. Dezember.
Gleichzeitig mit der Ausrufung des Ausnahmezuſtandes in
Hüntau, Nanking und der Chineſenſtadt von Schanghai iſt auch
die Polizei der internationalen Niederlaſſung ſowie die
fran=
züüiſhe Konzeſſion in Alarmbereitſchaft verſetzt worden. Hongkiu,
eiü Stadtteil, der internationalen Niederlaſſung, wo ſich das
japmiſche Generalkonſulat und andere japaniſche Behörden
be=
fihan, wird von japaniſchen Seeſoldaten in Stahlhelm und
mit aufgepflanztem Bajonett überwacht.
Der Nordbahnhof, der unmittelbar an der Grenze
der Niederlaſſung auf chineſiſchem Gebiet liegt, iſt von den
ditonſtrierenden Studenten geräumt worden.
Do/ Eiſenbahnverkehr zwiſchen Schanghai und Nanking konnte
weeſer aufgenommen werden, nachdem die auf einigen Stationen
enzüruten Schienen zurückgebracht worden waren. Dieſe Schienen
win auf Anordnung der chineſiſchen Behörden entfernt
woden, um die mit Studenten beſetzten und auch von ihnen
) geihrten Züge am Weiterfahren nach Nanking zu verhindern.
Deeke Züge ſind inzwiſchen ebenfalls von den Studenten
ver=
laſei worden und einige Demonſtranten pilgern durch Schnee
undEis nach Nanking. Die übrigen ſind auf Umwegen wieder
nach Schanghai zurückgekehrt.
Die Erregung iſt aufs Höchſte geſtiegen, und irgend ein
Zwichenfall kann eine Exploſion auslöſen. Unmittelbaren
An=
lauur Ausrufung des Ausnahmezuſtandes gab die Ermordung
das ehemaligen ſtellvertretenden Außenminiſters Tang Yu=jen,
derhllgemein beſchuldigt wurde, mit den Japanern
zuſammen=
zu aveiten. Tang wurde bei einem Beſuch bei dem in der fran=
Siſhen Konzeſſion wohnenden ehemaligen Miniſterpräſidenten
Wag Tſching=wei ermordet. Als ſein Wagen vor dem Haus
Wags vorfuhr, folgte ihm unmittelbar ein zweiter, aus dem
zes) Revolverſchüſſe auf den chineſiſchen Staatsmann abgefeuert
wüpen. Tang war ſofort tot. Die drei Attentäter entkamen.
Höchſte Beſorgnis in Tokio.
EP. Tokio, 27. Dezember.
DDie Zuſpitzung der antijapaniſchen Propaganda in China
und die Ermordung des ehemaligen ſtellvertretenden
Außen=
munſters Tang Yu=jen, der hier großes Anſehen genoß, haben
im plitiſchen Kreiſen höchſte Beſorgnis ausgelöſt. Außenminiſter
Hita hat den japaniſchen Generalkonſul in Nanking, Suma,
nach Tokio berufen, um über die neue Entwicklung zu berichten.
Nach Meldungen aus Schanghai nimmt die antijapaniſche
Pwaganda täglich ſchärfere Formen an, und etwa in Nanking
beichende Pläne oder auch nur Hoffnungen auf ein
Zuſammen=
gehi mit Japan ſind zum mindeſten bis auf weiteres zerſtört
w hen. Die japaniſche Regierung ſteht nunmehr, wie die
Blät=
te)bereinſtimmend betonen, vor der Notwendigkeit einer
Aen=
deiſg ihrer China=Politik, wobei die militäriſchen Kreiſe für
einweitere Verſchärfung und die politiſchen Kreiſe für eine
Mäfigung eintreten dürften. Die gegenwärtige Lage wird
da=
durd noch kritiſcher, daß nach japaniſmer Auffaſſung die
neu=
geöſdete unabhängige Regierung von Hopei und Tſchahar nicht
unahängig genug iſt. Von japaniſcher Seite wird uffen
be=
beuſtet, daß die Führer der nordchineſiſchen Regierung
ledig=
lich Strohmänner Nankings ſeien, und daß die in den
Verhand=
lwnen über die Bildung dieſer Regierung aufgeſtellten ſechs
Piuckte verletzt worden ſeien. Von dieſen ſechs Punkten ſind
diie ſolgenden vier bekannt:
Völlige Trennung Nordchinas von Nanking in allen
wirtſchaftlichen, finanziellen und Perſonenfragen;
. Abbruch aller Beziehungen zwiſchen den nordchineſiſchen
Beamten und der Kuomintang;
Förderung freundſchaftlicher Beziehungen zu Japan;
Einheitsfront mit Japan gegen den Kommunismus.
Vor einer chineſiſch=japaniſchen Konferenz
in Nanking?
DNB. Tokio, 27. Dezember.
Der chineſiſche Geſchäftsträger überreichte am Freitag im
Auſrage der Nankingregierung dem ſtellvertretenden japaniſchen
Auenminiſter Schigemitſu eine Einladung zu einer Konferenz
im Nanking. Auf dieſer Konferenz ſollen nur die
Nanking=
rezirung und die japaniſche Regierung vertreten ſein. Es
ſole alle zwiſchen den beiden Ländern ſchwebenden Fragen
be=
ſwichen und einer friedlichen Löſung zugeführt werden.
Schigemitſu nahm für ſeine Regierung die Einladung an.
Ei vies aber auf die wachſende japanfeindliche Bewegung in
Chüa hin, die das Vertrauen zerſtöre. Da Nanking ſelbſt die
Anngung zu der Konferenz gebe, ſo ſei Japan im Intereſſe des
Fridens im Fernen Oſten zur Mitarbeit bereit. Die japaniſche
Regerung ſetzte aber voraus, daß die konkreten japaniſchen
Vor=
ſchlige von der Konferenz auch tatſächlich berückſichtigt würden.
Shgemitſu nannte dabei beſonders die Zuſammenarbeit beider
L=äper und die nordchineſiſche Frage. Die Unterredung zwiſchen
den chineſiſchen Geſchäftsträger und Schigemitſu dauerte zwei
Siüden.
Mongoliſcher Prokeſt an Mandſchukuo.
EP. Moskau, 27. Dezember.
Die Regierung der Aeußeren Mongolei hat an die
Regie=
run von Mandſchukuo eine ſcharfe Note gerichtet, in der gegen
Dei Grenzzwiſchenfall vom 19. Dezember Proteſt eingelegt
wiy. In dieſer Note wird die Regierung von Mandſchukuo
be=
ſchudigt, mit japaniſcher Unterſtützung bewußt dieſen
Grenz=
zwſchenfall herbeigeführt zu haben. Falls Japan und Mandſchukuo
nicht gemeinſam befriedigende Zuſicherungen abgäben, daß in
Zukunft dieſe Grenzzwiſchenfälle aufhörten, heißt es in der
Note mit unverhüllten Drohungen, dann müſſe mit
ſchwer=
wiegenden Auswirkungen gerechnet werden.
Aruguay brichk die Beziehungen zu Sowiekrußland ab
DNB. London, 27. Dezember.
Einer Reutermeldung aus Montevideo zufolge hat die
Re=
gierung von Uruguay beſchloſſen, die Beziehungen mit
Sowjet=
rußland abzubrechen, weil dieſes Land Uruguay zu einem
Mittel=
punkt der kommuniſtiſchen Werbetätigkeit in Südamerika gemacht
habe. Dem ſowjetruſſiſchen Geſandten ſollen am Freitag die Päſſe
überreicht werden.
In Rio de Janeiro wurden bei polizeilichen Nachforſchungen
in einem Wohnhaus aus Anlaß einer Exploſion umfangreiche
Vorräte von Sprengſtoffen und Bomben gefunden. Ein Mieter
des Hauſes gab nach längerem Verhör zu, daß er die Bomben und
das Sprengmaterial im Auftrag der Kommuniſtiſchen Partei
auf=
bewahre. Es wurde feſtgeſtellt, daß die Kommuniſten in der Stadt
mehrere geheime Werkſtätten unterhielten, in denen Bomben
her=
geſtellt wurden. Es beſtand der Plan, zur gleichen Zeit auf alle
Kaſernen der Hauptſtadt Sprengſtoffanſchläge zu verüben.
Die ausgewieſenen heimalkreuen Eupen=Malmedyer
verlebten ihr Weihnachtsfeſt in Aachen.
Die durch den völlig unbegründeten Spruch des belgiſchen
Ge=
richts aus ihrer Heimat Eupen=Malmedy vertriebenen vier
Deutſchen wurden bekanntlich, um Demonſtrationen an der
Grenze zu vermeiden, über vier verſchiedene Stellen von
Gen=
darmerie nach Deutſchland abgeſchoben. Die Aachener Regierung
betreute die aus der Heimat ausgewieſenen aufrechten Männer,
die in Aachen ihr Weihnachtsfeſt begingen. Unſer Bild zeigt ſie
(von links nach rechts): Peter Dehottay, Joſef
Dehot=
tay, Heinrich Dehottay und Paul Foxius. (Weltbild=M.)
Friedensbedingungen des Regus?
EP. Addis Abeba, 27. Dezember.
Am Vorabend der großen abeſſiniſchen Offenſive an der
rdfront werden von einer halbamtlichen Stelle die
Be=
igungen bekanntgegeben, unter denen der Negus heute Frieden
ließen würde. Dieſe Bedingungen, die eine bemerkenswerte
ſteifung der abeſſiniſchen Haltung zeigen, beſtehen aus vier
nkten:
1. Völlige Räumung der durch die italieniſchen Truppen
beſetzten Gebiete:
2. Anerkennung Abeſſiniens als ſouveräner Staat durch
fämtliche Mächte;
3. Feſtſetzung der Grenze zwiſchen Abeſſinien und den
italieniſchen Kolonien durch einen vom Völkerbund zu
ernennenden internationalen Ausſchuß;
4. Einſtellung ausländiſcher Berater bei der
verwaltungs=
mäßigen, wirtſchaftlichen und finanziellen Neugeſtaltung
Abeſſiniens, wobei dem Negus die letzte Entſcheidung
vor=
behalten bleiben muß. Italieniſche Staatsbürger ſind
da=
bei von vornherein ausgeſchloſſen.
Hinzu kommt noch die Bezahlung von Reparationen durch
alien. Auf dieſe letztere Forderung würde der Negus u. u.
och verzichten.
Im Zuſammenhang mit dieſen vier Punkten wird von
tlicher Seite betont, daß Abeſſinien nur auf dieſer
Grund=
ge zu Verhandlungen bereit ſein würde. Wenn die Italiener
das anderes wollten, dann müßten ſie zuerſt das ganze
ind erobern.
von A. N. von Rübbenet
Schinnerhannes, das Leben eines Gntwurselten,
von C. A. Dogt.
Diefestliche WVeltreise desDichtersDauthenden
„Glück” mit den Fäusten, von Frank Ned.
Franzöſiſche Bilanz.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
La pendule, sonnant minuit,
Troniquement nous engage
A nous rappeler duel usage
Nous fimes dux jour auf senfuit . . .
Baudelaire.
Paris, 26. Dezember.
Es fehlt in Frankreich nicht an gutgeſinnten und aufrichtigen
Männern denen die Jahreswende zu einer Art
Gewiſſens=
prüfung wird, die ſich angſtvoll fragen, ob das vergangene
Jahr ihr Land der Löſung ſeiner großen Probleme, die zum
Teil die Probleme Europas ſind, näher gebracht hat. Hat man
keinen Schritt vorwärts getan, dann hat man eine
Unter=
laſſung begangen, die kaum noch gut zu machen iſt; denn wenn
im Leben des einzelnen Zeit Geld bedeutet, ſo iſt gerade jetzt
im Leben der Nationen die Zeit unendlich wichtiger als Geld.
Ju ihrem Schoße liegt die Zukunft eines jeden Volkes, ihr
ge=
hört das Blut der kommenden Generationen. Europa hat
keine Zeit mehr zu verlieren, wenn es dem rapiden
Abſtieg ſeit dem Kriege Einhalt gebieten will.
Frankreichs augenblickliche Frage iſt das italieniſche Problem.
Nicht ohne Selbſtüberwindung haben franzöſiſche Staatsmänner
den Verſuch gemacht dem italieniſch=franzöſiſchen Antagonismus
ein Ende zu bereiten. Der Verſuch mißlang. Der Krieg in
Abeſſinien iſt der Beweis dafür. Es gab Reibungsflächen und
pſychologiſche Hinderniſſe, die der franzöſiſch=italieniſchen
Ver=
ſtändigung im Wege ſtanden. Sie wurden von geſchickten und
geduldigen Diplomaten überwunden. Aber das prinzipielle
Problem wurde nicht gelöſt. Das landhungrige Italien erhielt
kein Betätigungsfeld für ſeine Energien. Es verſucht jetzt, dieſes
Betätigungsfeld mit Waffen zu erkämpfen. Das iſt ihm noch
nicht gelungen, und der Konflikt mit England und dem
Völker=
bund iſt noch nicht gelöſt.
Das Scheitern des engliſch=franzöſiſchen Friedensplans hat
die Situation gefährlich zugeſpitzt. Herr Eden als neuer Leiter
der engliſchen Außenpolitik wurde faſt überall mit gemiſchten
Gefühlen begrüßt. Man ſieht in ihm den unerbittlichen
Ver=
treter der Völkerbundspolitik, den Anhänger der kollektiven
Sicherheit. Dieſes Prinzip der kollektiven Sicherheit aber iſt auf
dem Kontinent vielleicht nur noch in Moskau volkstümlich. In
ſeinem Geburtsort Paris iſt es ſchon ſehr kompromittiert. Der
friedliche Pariſer wurde am Weihnachtstag mit der Nachricht
überraſcht, daß die Oelvorräte des franzöſiſchen
Flottenſtütz=
punktes in Ajaccio der britiſchen Flotte zur Verfügung geſtellt
wurden. Das verrät ihm, daß kollektive Sicherheit kollektive
Unſicherheit bedeutet.
Man iſt im Begriffe, das internationale Recht im Namen
ethiſcher Prinzipien, vor denen ſich jeder gerne verbeugen
möchte, ſtrikt anwenden zu wollen. Man vergaß
unglücklicher=
weiſe nur, die Frage aufzuwerfen, wie das internationale Recht,
wie die heutige Verteilung der Reichtümer zwiſchen den Völkern,
wie der Status quo, den man für heilig und unabänderlich
erklären möchte, entſtanden ſind. Wenn man das Recht des
Stärkeren von heute verdammt, erklärt man das Recht des
Stärkeren von geſtern für gerecht.
Man fühlt den inneren Widerſpruch, die Notwendigkeit,
koloniale Beſitze zu verteilen. Die Vorſchläge von Croßfield im
„Daily Telegraph”, Italien koloniale Kompenſationen zu
ge=
währen, erregten das größte Aufſehen. Beunruhigend iſt nur,
daß in dieſen Vorſchlägen meiſtens nur von portugieſiſchen
Kolonien die Rede iſt.
Die eigentliche Frage Frankreichs bleibt die
deutſch=franzöſiſche Frage. Auch hier fehlt es nicht
an gutem Willen. Der Entwicklung gemäß ſitzen jetzt in
Frank=
reich nicht links, ſondern rechts und in der Mitte die
Ver=
treter der Verſtändigung mit Deutſchland. Es gibt Ausnahmen
unter dieſer Regel, aber unglücklicherweiſe zieht man im
all=
gemeinen keinen Strich zwiſchen Innen= und Außenpolitik.
Erfreulich iſt dabei nur, daß auch Perſönlichkeiten, die über den
Parteileidenſchaften ſtehen, ſich zu einer Verſtändigung mit
Deutſchland bekennen. Man erhält übrigens in Geſprächen mit
Franzoſen auf die Frage, ob ſie die Verſtändigung mit
Deutſch=
land wünſchen und für möglich halten, ſelten ein „Nein” und
wenn, dann iſt dieſes „Nein” von Angſt und Mißtrauen diktiert.
Man ſpricht von Sadowa und Sedan, von einer tauſendjährigen
Feindſchaft und beruft ſich auf die Geſchichte, die man nicht
kennt. Man vergißt einfach, daß in den letzten tauſend Jahren
(wenn man ſchon dieſe Zeitſpanne nennen will, was
geſchicht=
lich vollkommen unbegründet iſt) Frankreich ſo ungefähr mit
aller Herren Länder Kriege führte und Bündniſſe ſchloß. Aber
das „Ja” der Freunde einer deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung
iſt leider oft nicht wertvoller als das „Nein” ſeiner Gegner.
Es ſchwebt ihnen eine leere Formel vor, als ob die
Ver=
ſtändigung zwiſchen den zwei ſtärkſten Nationen des Kontinents
mit leeren Worten zu löſen wäre. Es läßt ſich kein Vergleich
zwiſchen den deutſch=franzöſiſchen und franzöſiſch=italieniſchen
Fragen ziehen Sie haben nur das eine gemeinſam, daß ſie nicht
durch Rhetorik zu löſen ſind. Eine prinzipielle Löſung iſt
mög=
lich; es wäre auch möglich, einen modus wivendi zu finden,
Seite 2 — Nr. 355
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
der — wenn auch einen langſamen — ſo doch ſicheren
Fort=
ſchritt gewährleiſtete. Es fehlt nicht überall an gutem Willen,
es fehlt aber an Ideen oder an Kühnheit.
Man erwägt hier angſtvoll den Wert des ruſſiſchen
Bünd=
niſſes, die Möglichkeit einer Zuſammenarbeit zwiſchen Paris
und Moskau, von der man nicht weiß, ob ſie theoretiſch
wünſchens=
wert wäre, auch wenn man ſie praktiſch verwirklichen könnte . . .
Weil Frankreich in der Löſung der politiſchen Probleme
keinen entſcheidenden Fortſchritt machte, konnte es ſeine
wirt=
ſchaftlichen und finanziellen Fragen nicht löſen. Wenn politiſch
das einzige Verdienſt des Jahres der Zweifel an falſchen oder
falſch interpretierten Dogmen iſt, ſo kann man auf dem
wirt=
ſchaftlichen und finanziellen Gebiete noch nicht einmal von dieſem
heilſamen Skeptizismus ſprechen. Das Jahr 1936 ſollte endlich
die Entſcheidungen nach langen Zögern und Irrungen bringen.
Man braucht kein Prophet zu ſein um vorauszuſagen, daß dieſe
Entſcheidungen nicht von den Kammerwahlen im Frühjahr, die
den Geiſt der Politiker immer mehr zu hypnotiſieren beginnen,
abhängen. Und das weder im guten noch im ſchlechten Sinne.
Madame phankaſierk.
Zum Kreiſe der politiſchen Mitarbeiter des „Oeuvre” gehört
eine Dame namens Tabouis, die über die beſten Beziehungen zu
beſtimmten politiſchen Kreiſen Frankreichs, namentlich aber auch
zum Quai d’Orſay verfügt. Sie hat dieſe Beziehungen niemals
geleugnet. Sie hat von ihnen aber auch ſtets regen Gebrauch
gemacht, wenn es galt, beſtimmte Ziele zu erreichen.
Am Morgen vor der franzöſiſchen Kammerdebatte war ſie es,
die auf einen gewiſſen Wink hin einiges über eine neuerliche
Zuſammenkunft zwiſchen dem Führer und dem engliſchen
Bot=
ſchafter Phipps zuſammenphantaſierte. Von deutſcher amtlicher
Seite iſt daraufhin ein klares Dementi der Unterredung des
Bot=
ſchafters mit dem Führer erfolgt. Bereits vor Tagen hatten ſich
die Engländer genötigt geſehen, einen angeblichen zweiten
Be=
ſuch des Botſchafters beim Führer zu dementieren. Nachdem aber
Frau Tabouis das alte Märchen aufs neue aufgebügelt und ſich
alles mögliche während der Feiertage aus den Fingern geſogen
hatte, ließ es ſich leider nicht vermeiden, ihre Märchen als das zu
bezeichnen, was ſie ſind, als Phantaſieprodukte.
Aber bei Frau Tabouis hat eben alles ſeinen Zweck. Sie
hat nicht ohne Grund das Blaue vom Himmel
heruntergeſchwin=
delt. Worauf es ihr ankam, das hat ſie ſelbſt in ihrem Artikel
durchblicken laſſen. Sie wollte dem franzöſiſchen Außenminiſter
einen Knüppel zwiſchen die Beine werfen. Denn in dem
Schluß=
ſatz ihrer Betrachtungen ſagt ſie, daß England ſich infolge der
Schwenkungen und Veränderungen, denen die franzöſiſche
Außen=
politik unterworfen ſei, auf keinen Fall dazu beſtimmen laſſen
würde, mit Deutſchland ein gegenſeitiges Abkommen abzuſchließen.
Dieſem Satz hatte ſie die Behauptung vorausgeſchickt, daß der
Führer den Engländern den Abſchluß eines zweiſeitigen
Luft=
abkommens vorgeſchlagen hätte.
Der innerpolitiſche Zweck des ganzen Manövers liegt alſo
auf der Hand. Ueberraſcht ſind wir allerdings nicht, daß man in
Frankreich immer wieder in der Innenpolitik mit Mitteln
arbeitet, die einen außenpolitiſchen Anſtrich beſitzen. Frau
Ta=
bouis hat aber mit dieſem Artikel gerade keine Meiſterleiſtung
vollbracht. Ihr Verſuch, Deutſchland gegen England
auszuſpielen und den Eindruck zu erwecken, als ob man
in Berlin die Unterredung mit Phipps zugegeben habe, die in
London abgeſtritten worden ſei, hat die beabſichtigte
Nebenwir=
kung nicht ausgelöſt. Wie weit die Hauptwirkung eingetreten iſt,
die Zahl der Gegner der Lavalſchen Außenpolitik zu vermehren,
bleibt abzuwarten.
Die „geſchichlliche Wiederholung”.
In der franzöſiſchen Kammer iſt ein Bericht über den
franzöſiſch=ſowjetruſſiſchene Vertrag vom 2. Mai
1935 zur Verteilung gelangt. In dieſem Bericht wird die Kammer
aufgefordert, den Vertrag zu ratifizieren. Vom Berichterſtatter
wird in einem Kommentar der Verſuch gemacht, eine
Ueberein=
ſtimmung des Vertrags, mit den Völkerbundsſatzungen zu
kon=
ſtruieren. Es iſt das gleiche Spiel, das die Regierungen in Paris
und Moskau bis auf den heutigen Tag getrieben haben, um das
offenkundige Militärbündnis zu tarnen. Mit dieſen Verſuchen
haben ſie allerdings bei uns und auch in anderen Staaten herzlich
wenig Glück gehabt. Denn jede Unterſuchung des Vertrages
er=
gibt immer wieder, daß es ſich bei ihm um ein zweiſeitiges
Militärabkommen handelt. Auch der Berichterſtatter kann
in ſeinem Kommentar die Tatſache nicht beſtreiten, daß durch
dieſen Vertrag Frankreich wieder zum
Verbün=
deten Sowjetrußlands geworden iſt, wie es früher
der Verbündete des zariſtiſchen Rußlands war. Er nannte dieſen
Vertrag eine „geſchichtliche Wiederholung”. Mit
die=
ſer Formulierung dürfte wohl der Charakter des franzöſiſch=
ſow=
jetruſſiſchen Vertrages endgültig klargeſtellt worden ſein.
Lavals Perteidigung.
Außenpolikiſche Ausſprache in der franzöſiſchen Kammer. — Regierungserklärung Lavals.
Frankreichs Miniſterpräſidenk verkeidigt den Pariſer Plan.
Entſcheidende Stunden für Laval.
Am Samstag wird, ſofern man den für die
Kammer=
debatte aufgeſtellten Arbeitsplan innehält, das Schickſal
Lavals entſchieden ſein. Entweder muß er
ab=
treten und ſeinem vorausſichtlichen Nachfolger
Herriot, der bereits mit dem Präſidenten der franzöſiſchen
Republik eine längere Ausſprache hatte, den Platzräumen,
oder aber es gelingt ihm, eine wenn auch nur
ſchwache Mehrheit auf ſich zu vereinigen, dann
wird er unzweifelhaft einen neuen Verſuch
machen, um den engliſch=italieniſchen
Gegen=
ſatz zu überbrücken. Das darf man jedenfalls ſeiner
Ver=
teidigungsrede, die er am Freitag nachmittag in der
fran=
zöſiſchen Kammer gehalten hat, entnehmen. Er hat zwar immer
wieder betont, daß er ſich bei ſeinem Vorgehen an die
Grund=
ſätze und den Geiſt des Völkerbundes gehalten habe, daß aber
nach Erledigung der Pariſer Vorſchläge das Werk der
Ver=
mittlung auch weiterhin offen bleibe. Zu dieſem
Werk hat ſich Laval in ſeiner Rede ausdrücklich bekannt. Er hat
feſtgeſtellt, daß die auf ihm ruhende Verantwortung ihm auch
die Pflicht auferlegt habe, alles zu verſuchen, um die Atmoſphäre
zwiſchen England und Italien zu entſpannen. Sein Bekenntnis
zum Willen, den Frieden aufrechtzuerhalten und Frankreich
da=
vor zu bewahren, in einen Krieg verwickelt zu werden, war
unzweifelhaft der ſtärkſte Trumpf ſeiner Verteidigung, auf die
ſein Gegenſpieler, der Sozialiſtenführer Blum, nur mit einer
recht ſchwachen Erwiderung in die Erſcheinung trat.
Lavals außenpolikiſche Erklärung.
EP. Paris, 27. Dezember.
In der franzöſiſchen Kammer begann am Freitag
nachmit=
tag, die große außenpolitiſche Ausſprache, die
über das Schickſal des Kabinetts Laval
ent=
ſcheiden ſoll. Kammerpräſident Bouiſſon teilte zu Beginn
der Sitzung mit, daß die außenpolitiſche Ausſprache bis zum
Samstag andauern und die Abſtimmung vorausſichtlich am
Sams=
tag zwiſchen 17 und 18 Uhr (MEZ.) erfolgen werde.
Darauf ergriff Miniſterpräſident Laval das Wort.
Er verwies auf die Erklärungen, die er vor 10 Tagen
abge=
geben und in denen er die Bedingungen dargelegt habe, unter
denen die franzöſiſche Regierung dem italieniſch=abeſſiniſchen
Streitfall im Einvernehmen mit der engliſchen Regierung ein
Ende zu bereiten verſucht habe. Er habe auch die Grenzen dieſer
Schlichtungsbemühungen dargelegt. Seitdem ſeien aber ernſte
Ereigniſſe eingetreten. Der engliſche Außenminiſter Sir Samuel
Hoare ſei zurückgetreten, und die engliſche Regierung habe die
Pariſer Vorſchläge als tot bezeichnet. Die abeſſiniſche
Regierung habe ſich über die Zugeſtändniſſe aufgeregt, die ſie
habe machen ſollen. Der Völkerbund habe die engliſch=
franzöſi=
ſchen Bemühungen gewürdigt (Gelächter bei der Linken). Eine
gewiſſe Rede des italieniſchen Regierungschefs habe die
Anſtren=
gungen nicht erleichtert und die Lage nicht gebeſſert.
Die Hauptfrage ſei, ob ſeine Politik den Intereſſen
Frank=
reichs entſprochen habe oder nicht. (Stürmiſche Zwiſchenrufe und
anhaltender Lärm auf der Linken.) Es handele ſich darum, zu
wiſſen, ob er gegen die Verpflichtungen, verſtoßen habe, die
Frankreich gegenüber dem Völkerbund eingegangen ſei, und ob
er jetzt oder für die Zukunft die Sicherheit Frankreichs gefährdet
habe. In keinem Augenblick, weder in Genf, noch ſonſtwo, habe
er gegen dieſe Verpflichtungen verſtoßen. Er habe niemals
irgend einer Sanktionsmaßnahme, die vom Völkerbund
beſchloſ=
ſen worden ſei, Hinderniſſe in den Weg gelegt. Frankreich habe
alle Völkerbundsbeſchlüſſe treu durchgeführt.
In Uebereinſtimmung mit dem Artikel 16 des
Völkerbunds=
paktes habe er, Laval, gegenüber England die Verpflichtung zur
Unterſtützung zu Lande, zu Waſſer und in der Luft im Falle
eines Angriffs bei der Anwendung der Sanktionen übernommen.
Er habe das Gefühl, damit eine ſchwere Verantwortung auf
ſich geladen zu haben. Aber ſolche Verantwortungen ſeien die
unvermeidlichen Folgen des Paktes.
Er habe alles getan, um die Atmoſphäre zwiſchen England
und Italien zu entſpannen und um Frankreich nicht in einen
Krieg hineinzuziehen. Je weiter die Sanktionen fortgeſchritten
ſeien, um ſo mehr habe er ſich um eine friedliche Regelung des
Streitfalles bemüht.
Laval verwies in dieſem Zuſammenhang auf die
Erklärur=
gen Hoares im Unterhaus. Er erinnerte daran daß Italien du
Oelſperre als eine Kriegshandlung betrachte. Mit Hoare zuſam
men habe er die beſten Mittel zur Wahrung des Friedens urn
der Intereſſen beider Länder im Rahmen der internationale=
Verpflichtungen geprüft. Hoares ergreifende und mutige Au aach
führungen hätten ſogar die Bewunderung der ſchärfſten Gegn=t obnen
der franzöſiſch=engliſchen Politik gefunden.
. . . Die Pariſer Vorſchläge ſeien tot, aber der Weg der Ve:) ſich
ſöhnung bleibe offen. Es ſeien bereits ſcharfe Maßnaſh Rlien,
men auf finanziellem und wirtſchaftlichem Gebiet gegen Ita” uchen
lien ergriffen worden. Wer könne behaupten, daß dies Lſomman
Maßnahmen unwirkſam bleiben würden?
ſchen habe,
Laval bekannte ſich weiter zur Achtung der Verpflichtunges” länd
des Völkerbunds=Paktes. Aber dieſer Pakt ſei zur Wahrung des ", ſibnſch
Friedens beſtimmt und um den Krieg einzuſchränken, nicht abes ſhmm aus
um ihn zu verallgemeinern.
Der Völkerbund dürfe nicht aus den Augen verlieren, da Wiſchen
verteil
die Sanktionen nicht Selbſtzweck ſeien, ſondern ein Mittel, urn ſim iſt ein
den Frieden wiederherzuſtellen. Ohne Verhandlungen könne ma
dieſes Ziel nicht erreichen. Der Pakt mache es zur Pflicht, diu ſeh.
Tncht zu
Verhandlungen fortzuſetzen.
Laval verwies weiter darauf, daß der Völkerbund nicht dii ſſeiſerle
ganze Welt umfaſſe, und daß Japan und Deutſchland ſich aus des / ohe. 9.
Genfer Inſtitution zurückgezogen hätten, wodurch die Aufgabe: hen Ad
de Garniſt
des Bundes erſchwert würden.
Frankreich bleibe den Grundſätzen des Bundes treu, habe abez ſcheiden.
ſtets den Standpunkt vertreten, daß den Umſtänden angepaßsu ſſe ſollen
Modalitäten zur Anwendung des Paktes noch gefunden werde 00gezogel
müßten. Dazu habe er regionale Beihilfepakte angeſtrebt. Des Mwegs 30
Pakt könne bei ſeiner Anwendung auf Schwierigkeiten ſtoßenn zundrien
ohne daß darum ſein Prinzip widerlegt werde. Man müſſe Europ.,” gondrien
eine Ausdehnung der gegenwärtigen ernſten Kriſe erſparen, ohnu /es ſedere
die Grundſätze des Völkerbundes zu beeinträchtigen und für diu gehmen un
Zukunft die Grundlagen der Sicherheit zu ſchwächen. Er hab; Wenn bi.
iue
keine Verpflichtung Frankreichs vernachläſſigt.
Zum Schluß betonte der Miniſterpräſident die Notwendigg dum
keit der Zuſammenarbeit mit England zur Wahrung des Fries M4 verbun
dens. Dieſe Zuſammenarbeit ſei das Hauptelement der Sicherr Mitteilu
heit Frankreichs. Er habe nicht gegen die franzöſiſch=engliſch/ er Zeitun
Solidarität verſtoßen. Er habe Initiativen ergriffen, die er nich ein
bedauere, wenn ſie dem Streitfall ein Ende bereiten ſollten. E=5 mitions
werde auch weitere Verſuche unternehmen, die vielleicht ebenfall=” Aionen S
ohne Erfolg bleiben würden. Er werde ſich aber darum nicht enty gehren und
mutigen laſſen. Trotzdem werde er begeiſtert für den Friedem uhl, über
weiterarbeiten.
1 Abeſt
dere
Tran=
ures Wiſſ
EP. London, 27. Dezember. Meit auf
Von zuſtändiger Stelle wurde heute beſtätigt, daß die ſüd- jung der
ſlawiſche, die türkiſche und die griechiſche Regie— Jünder g
rung in Beantwortung der an ſie gerichteten engliſchen Note ſich hung eine
bereit erklärt hätten, im Falle eines unprovozierten An— zſiaaten
griffs auf die engliſchen Streitkräfte im Mittelmeer ihre ihnem ſrohlie
aus den Völkerbundsſatzungen erwachſenden Verpflichtungen zu er— ern will
füllen, oder mit anderen Worten, England militäriſche= in Beg
äriſch z
Hilfe zuleiſten.
Italien erwarkek politiſche Akempauſe
EP. Rom, 27. Dezember.
In italieniſchen Regierungskreiſen vertritt man die Auffaſ
ſung, daß bis Mitte Januar an der diplomatiſchen Front
Ruhe=
herrſchen wird, d. h., bis die Vorbereitung der Völkerbundstagung
vom 20. Januar in Gang kommt. Natürlich iſt man ſich klar
dar=
über, daß der Ausfall der franzöſiſchen Kammer=Entſcheidung für
Italien von größter Bedeutung ſein wird, aber doch nur in dem
Sinne, daß Laval oder ſein Nachfolger erſt Mitte Januar ihre
neuen Pläne zur Debatte ſtellen werden.
Die Taktik der Regierungspreſſe iſt auch weiter darauf
ge=
richtet, zu zeigen, daß nicht der Völkerbund, ſondern Egnland die
außenpolitiſche Lage beſtimmt, und daß England nicht nur
Völker=
bundspolitik treibe, ſondern hauptſächlich eigene engliſche Politik,
wenn es die Mittelmeerſtaaten zur Unterſtützung ſeiner Flotte im
Kriegsfall gewinnen will und dabei mit der Türkei über die
Wiederbefeſtigung der Dardanellen verhandelt, eine Frage, über
die in erſter Linie der Völkerbund zu entſcheiden hat.
X
Um die Erneuerung des Films.
Von A. K. von Hübbenet.
Es iſt ſchwer zu entſcheiden, ob der Film mehr den
Publi=
kumsgeſchmack beeinflußt, oder umgekehrt, der
Publikums=
geſchmack den Film. Daß der Künſtler eigentlich der bildende
und führende Teil ſein ſollte, iſt unbeſtreitbar, daß er es —
zumal im Film — vorläufig noch nicht iſt, ebenſo.
Der deutſche Film macht eine Kriſe durch, von der
Banali=
tät zur Volkstümlichkeit. Nachdem die Entwicklung zur
dekaden=
ten Spitzfindigkeit, Witzelei und verlotterten Erotik durch die
politiſche Revolution abgebogen wurde, gab es zunächſt ein
ver=
zweifeltes Rätſelraten: die alten Methoden weiterzuführen,
traute man ſich nicht, wie jedoch das Neue beſchaffen ſein ſollte,
das da plötzlich verlangt wurde, verſtand man trotz eifrigen
Hinhörens nicht. Die Produktion mußte indeſſen
aufrechterhal=
ten bleiben — und ſo produzierte man nichtsſagendes und
pflaumenweiches Zeug.
Die Unſicherheit iſt auch heute noch ſehr groß. Man wärmt
uralte Operetten, Luſtſpiele und Schwänke auf, man verfilmt
platteſte Kolportagen, und iſt — ſoweit dieſe Stoffe nicht ſchon
ohnehin von einer rührenden Naivität und Unzeitgemäßheit
ſind — nur um eines bemüht: aus ihnen alles auszumerzen,
was irgendwo irgendwie anecken könnte. Daß dieſe
Angſt=
produkte und Verlegenheitsreſultate dadurch nicht kurzweiliger
werden, iſt nur allzu verſtändlich.
Hier und da bricht ſich jedoch ſchon eine geſunde
Volkstüm=
lichkeit Bahn, und zwar bezeichnenderweiſe am ſtärkſten und
klarſten in Luſtſpielen, die derb und ſaftig ins Bauernmilien
hineinſteigen. Da entſtehen ſo kräftige und erdgebundene Sachen,
wie der „Krach um Jolauthe” und der vorzügliche „Eheſtreik”.
Allzu oft jedoch bleibt es noch beim mehr oder weniger guten
Willen, und die beabſichtigte Volkstümlichkeit wird verfälſcht
durch gewiſſe Traditionen der Filminduſtrie, die zwar viel mit
ſüßlicher Verlogenheit und mondäner Sucht, aber nichts mit
geſunder Volkstümlichkeit zu tun haben.
Es genügt ja nicht, an den Rhein oder in den
Schwarz=
wald zu fahren, eine aus Berlin mitgebrachte junge Dame mit
onduliertem Lockenkopf und ausraſierten Augenbrauen als
Bauernmädchen in die Landſchaft zu ſtellen und zu kurbeln, um
die Geſchichte dann für „volksverbunden” zu erklären. Ein
Ge=
ſchehen kann nur dann wirkliches Leben erhalten, wenn der
Einklang zwiſchen Menſch und Umgebung hergeſtellt iſt.
Ent=
weder muß man ſpüren, daß der Menſch in ſeiner Umgebung
verwurzelt iſt, oder aber, daß er in ihr fremd iſt, dann muß er
auf ſie entſprechend fremd reagieren. Menſchen vom Lande ſehen
anders aus, benehmen ſich anders, ſprechen anders als Städter,
und ein typiſcher Stadtmenſch iſt auf dem Lande ebenſo hilflos
und fremd, wie ein Dorfbewohner in der Großſtadt.
Die Beachtung der natürlichen Beziehung zwiſchen Menſch
und Umwelt iſt im Film bis in die letzte Kleinigkeit wichtig.
Der Film wird gefühlsmäßig nicht als Theater und Spiel
auf=
gefaßt, ſondern als photographiertes Leben. Ein
Straßenbahn=
ſchaffner, deſſen Anzüge offenbar vom teuerſten Schneider
ſtam=
men, oder ein Bauernmädchen mit lackierten Fingernägeln,
raſierten Augenbrauen und einem zu einer prallen Tomate
ge=
färbten Mund ſind für die Bühne, die den Zuſchauer vom Spiel
klar diſtanziert, keine übermäßige Belaſtung; im Film jedoch,
deſſen bewegte Optik den Zuſchauer gewiſſermaßen in das
Ge=
ſchehen mit einbezieht, wirken ſie falſch und unnatürlich. Der
Zuſchauer iſt für dieſe Geringfügigkeit außerordentlich
empfind=
lich, und dieſe Verfälſchung iſt der eigentliche Grund, weshalb
ſich ſo viele im Kino unterhalten — aber ſo wenige den Film
als Kunſtgattung ernſt nehmen.
Die Tendenz nach operettenhafter Verniedlichung iſt ein
Kennzeichen leichter Unterhaltungsfilme, ſie wirkt ſich aber noch
ſtärker im ernſten Film aus, weil hier die Kunſtfeindlichkeit:
und Banalität dieſes Verfahrens beſonders klar zum Ausdruck
kommt. Auch das iſt natürlich ein Zeichen für mangelnde innere
Sicherheit, die durch ängſtliches Schielen nach dem ſogenannten
„Publikumsgeſchmack” erſetzt wird, einem ungreifbaren Gebilde,
das in ſeinem zahlenmäßigen Kaſſenergebnis vielleicht dem
Kaufmann einige Anhaltspunkie für ſein Geſchäftsgebaren geben
kann, aber kein Erſatz für die innere Sicherheit und den
Ge=
ſtaltungswillen des formenden Künſtlers iſt.
Es klingt ſehr effektvoll, wenn man nur dem Kaufmann des
Films die ganze Schuld an der Oberflächlichkeit und
Schab=
lonenhaftigkeit der durchſchnittlichen Filmproduktion in die
Schuhe ſchiebt. Das iſt jedoch ein ſehr einſeitiges Verfahren.
Man darf nicht vergeſſen, daß der Kaufmann eben Kaufmann
iſt, auch wenn er im Film arbeitet, und daß es nun einmal
ſeine Aufgabe und Pflicht iſt, wirtſchaftlich zu rechnen. Man
wird ihn wohl davon überzeugen können, daß der Film keine
Ware iſt, wie jede andere, ſondern Kulturgut, für das rein
wirtſchaftliche Geſichtspunkte keine Gültigkeit haben, aber man
wird ihn nicht dazu überreden können, Wege zu beſchreiten,
von denen er — ob zu Recht oder nicht, iſt nicht leicht zu
be=
urteilen — geſchäftliche Rückſchläge erwarten zu müſſen glaubt.
Vom Künſtler jedoch muß man eine grundſätzlich andere
Ein=
ſtellung verlangen. Er muß begreifen, daß, wenn ein
Gegen=
gewicht gegen die Ueberbetonung des Geſchäftlichen notwendig
iſt, dieſes Gegengewicht nur beim Künſtler liegen kann. Der
Staat kann negative Möglichkeiten auf dem Verordnungswege
abdroſſeln und einer wirtſchaftlich geſunden Entwicklung den
Weg weiſen und erleichtern. Die ſchöpferiſche Leiſtung muß vom
Künſtler erwartet werden.
Das gleichgültige und nur die Höhe des Honorars
berück=
ſichtigende Hineinſchliddern von einem Film in den andern, iſt
eines Künſtlers unwürdig. Der Wille, nicht ſeine
Honorar=
anſprüche, ſondern ſeine künſtleriſchen Forderungen durchzuſetzen,
das iſt es, was wir vom Künſtler um ſo mehr erwarten müſſei
je berühmter und unabhängiger er iſt. Die Spannweite iſt ,
ungeheuer groß. Vom luſtigen „Pygmalion” zur ernſten „Mazurka”
vom unbeſchwerten „Königswalzer” zur gewaltigen
Schickſals=
deutung des „Alten und jungen Königs”, vom harmloſen „Krach
um Jolanthe” zur erſchütternden „Frieſennot” und ſchließlich
von der Wochenſchau zur künſtleriſch geformten Koloſſalreportage
„Triumph des Willens”, — ein Reichtum an Gehalt und Form
der unerſchöpflich iſt. Aber ſolche Filme ſind einſame
Höhe=
punkte in einem Meer von Banalität.
Nun muß man zugeben, daß die Menſchheit auf jedem
Ge=
biet mehr durchſchnittliche Dinge hervorbringt als Spitzen”
leiſtungen und daß man dieſes Gewohnheitsrecht auch der
Film=
induſtrie zugeſtehen muß. Aber es geht hier doch wohl un
etwas anderes: die Banalität macht ſich im Film deshalb
breit und behauptet ſich ſo hartnäckig, weil der Film aus einel
gewiſſen Verlegenheit und Unſicherheit ſich vor den Gefühls
werten der Gegenwart zu den Gefühlswerten der
Vergangel=
heit flüchtet und die Vorſtellungswelt des kleinen Moritz noch
immer nicht endgültig abſtreifen kann. Dabei iſt es unzweiſee
haft, daß der Wandel des Publikumsgeſchmackes immer ſtärtel
zutage tritt.
Der eigentliche Impuls zur allmählichen Neugeſtaltung des
Films kann jedoch nicht vom Publikum her wirkſam werdelle
ſondern nur vom Künſtler. Die Erneuerung beginnt beim Ie
halt, wobei man jedoch nicht Inhalt und Handlung verwechſe.
ſollte. Mann kann in eine Handlung ganz verſchiedene Juhalle.
hineinlegen, anderes Sehen deutet eine Handlung anders und
führt ſie anders, und nur aus dieſer Richtung kann auch eilſe
formale Erneuerung der Filmkunſt kommen. Man ſollte aule
hören, im Film Dinge ernſt zu nehmen, die wir heute nich.
mehr ernſt nehmen können. Das Aufbauſchen bedeutungsloſe.
Einzelſchickſale läßt gleichgültig, weil wir in anderen Dimele
ſionen zu denken gelernt haben. Erſt durch ſinnvolle Verbindung
mit dem Gemeinſchaftsſchickſal erhält ein Einzelſchickſal ſeiſſe
Allgemeingültigkeit, und dieſes Geheimnis muß der Film nic
nur in ſeinen Spitzenleiſtungen löſen, wenn er den vorgezeiſcl
neten Weg zu einer Kunſt gehen will, die nicht nur Akrobal”
mit Worten und Bildern treibt, ſondern Werte, Kräfte une
Spannungen ihrer Zeit zu deuten und zu geſtalten ſich unlet
nimmt.
Neran
Fralint
Außeren
der ein=
Een, all
Vorz
zugute.
erg
Nien
[ ← ][ ][ → ] Aunblich ſollen ſich in Libyen 100 000
agſalten, ſo daß ſich nach einer
ennuſchen Meldung das britiſche
Sibckommando im Niltal genötigt
gueſeen habe, das an der Küſte des
mitelländiſchen Meeres und hart
ann ſer libyſchen Grenze liegende
Siolum aus allen taktiſchen und
ſtſtzugiſchen Plänen der ägyptiſchen
Aiuuesverkeidigung zu ſtreichen.
Siolum iſt ein weit vorgeſchobener
Bionoſten Aegyptens, der im
Ernſt=
folnicht zu halten iſt. Italieniſche
mnolriſierte Abteilungen können
ilin ohne großen Zeitverluſt
er=
rmigen und die dort ſtehende
bri=
titg Garniſon vom Hinterland
auſtneiden. Die britiſchen
Streit=
kutiſe ſollen bis Merſa Matruh
Ren; zugrickgezogen werden, das etwa
ſtrel hiuvegs zwiſchen Sollum und
Wenndrien liegt. Gleichzeitig ſoll
hüſtee Aenndrien ſo ausgebaut werden,
arz) dußes jederzeit eine große Flotte
und R aufehmen und verſorgen kann.
Penn britiſche Zeitungen
der=
antte Meldungen bringen, dann
Natz iff ſumit natürlich ein beſtimmter
a ½ Buck verbunden. Genau ſo mit
dr 5. dmr Nitteilung einer anderen
Lon=
i demr Zeitung, daß zum erſten
die Mal ein großer Waffen= und
ſollte Auitionstransport, der aus 15
ht eu Mütonen Schuß Munition, 4000
hmstag, 28. Dezember 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 355 — Seite 3
Unverminderte Spannung.
räumf den ägypkiſchen Grenzpoſten Sollum. — Briliſche Befürchlungen vor einem ikalieniſchen
Handſtreich auf Aegypken. — Blukige Kämpfe an der Nordfronk. — Die Abeſſinier erobern
wichtige ſtrakegiſche Punkte an der Karawanenſtraße Aduc-Makalle.
Wolken über dem Nilkal.
ſach engliſchen Quellen haben die Italiener ihre Truppen
in ſibhen wieder verſtärkt. Sie ſollen nahe der ägyptiſchen
Gueze ausgezeichnete und ſchnell bewegliche Diviſionen beſitzen.
Italiener in Waffen
Abefſiniſche Vorſtöße im Tembiengebiek
EP. Addis Abeba, 27. Dezember.
Wie in der abeſſiniſchen Hauptſtadt verlautet, haben größere
abeſſiniſche Streitkräfte nördlich von Makalle an der nach dem
Tembien=Gebiet führenden Karawanenſtraße Adua—Makalle ita=
Bomben über die abeſſiniſche Stadt Deſſie.
m nt Gnehren und 36 Flackgeſchützen
den ie beutat, über Britiſch=Somaliland
nuch Abeſſinien abgegangen ſei.
Tutichlich iſt dies nicht der erſte
gröere Transport. Es wird aber
Dac fameit auf dieſe direkte Unter= deutlich zu erkennen.
die ſtütztng der Abeſſinier durch die
en Erigänder gelenkt. Ganz offenſichtlich verfolgt dieſe
Bericht=
hen M ernatung einen doppelten: Zweck. Zunächſt ſollen die
Mittel=
zierin muertaaten nachdrücklichſt darauf hingewieſen werden, für wie
ihn bidrohlich England die Lage anſieht, und zum
ngen anven will man den Italienern erneut zu verſtehen geben, daß
ſitin win im Begriff iſt, die Abeſſinier noch ganz anders als bisher
mAliriſch zu ſtärken.
Im Hintergrund ſteht natürlich die Sorge vor einem
italſniſchen Handſtreich auf das Zentrum Aegypten. Man
be=
fürchet, daß es die Italiener, wenn es wirklich hart auf hart
ge3) fertigbekommen, auf jede Kampftätigkeit an der
abeſ=
ſimſhen Front zu verzichten und das Gros ihrer Streitkräfte
dis he unzuwerfen, um dann über Caſalla bis nach Berber
vor=
zuyychen, während gleichzeitig aus der ſüdöſtlichen Ecke von
Liüyn ſchnell bewegliche italieniſche Diviſionen an den Nil
vor=
ſtwtza, um über Wadi Halfa den eryträiſchen Diviſionen
ent=
gesieizueilen. Die engliſchen Vorkehrungen laſſen jedenfalls
er=
ue keipun, daß man mit derartigen Möglichkeiten rechnet. Man hat
erfin den letzten Tagen größere Truppenabteilungen nach dem
Stüöpeſten geſchickt und hat vor allem im Herzen Aegyptens
etto in der Gegend von Chartum und längs der Grenze von
Ertea recht beachtliche Streitkräfte konzentriert. Die
militä=
riſſihn Vorbereitungen beweiſen jedenfalls, daß die
engliſch=
itainiſche Spannung im neuen Jahre nur noch an Schärfe ge=
— wüinen wird.
Der Bombenangriff von oben geſehen.
miül uruſres Wiſſens zum erſten Mal. Ein Luftbild, das während des italieniſchen Bombardements auf Deſſie aufgenommen wurde,
pamengliſcher Seite die Aufmerk= „wo ſich das Hauptquartier des Negus befindet. Die verſchiedenen Einſchläge in der Stadt ſind
(Scherl=Bilderdienſt=M.)
lieniſche Stellungen angegriffen. Wie in dieſem Zuſammenhang
weiter betont wird, ſollen dabei die Italiener in die
Flucht geſchlagen worden ſein. Weiter wird von abeſſiniſcher
Seite behauptet, daß den Abeſſiniern bei dieſem
Ge=
fecht elf Maſchinengewehre, große Mengen
Mu=
nition, anderes Kriegsmaterial und Mauleſel
in die Hände gefallen ſeien. Das Ziel des abeſſiniſchen
Angriffs war die Eroberung der ſtrategiſch wichtigen Punkte, die
die von Makalle nach dem Tembien=Gebiet führende Straße
be=
herrſchen. Dieſes Ziel ſoll bei dem abeſſiniſchen Angriff auch
er=
reicht worden ſein. Die angreifenden abeſſiniſchen Streitkräfte
ſtan=
den unter dem Befehl von Unter= Detjasmatſch
Kabede, der Ras Seyum unterſteht. Nach inoffiziellen
Meldungen wurde bei dieſem Gefecht auf beiden Seiten mit
größ=
ter Erbitterung gekämpft. Die Verluſte ſollen ſowohl bei den
Ita=
lienern als auch bei den Abeſſininern in die Hunderte gehen.
Der neue abeſſiniſche Vorſtoß beſtärkt die Vermutung, daß die
große abeſſiniſche Offenſive an der Nordfront
unmittelbar bevorſteht. Nach Meldungen, die aus Deſſie
hier eingetroffen ſind, herrſcht hinter der Front eine rege
Tätig=
keit. In den letzten Tagen haben die Truppenbewegungen und die
Munitions=Transporte großen Umfang angenommen. Das erſte
Ziel der abeſſiniſchen Offenſive an der Nordfront dürfte die
Zurück=
eroberung von Makalle ſein.
Zwiſchen dem 20. und 25. Dezember haben elf italieniſche
Truppentransportſchiffe mit insgeſamt 6015 Offizieren und
Mannſchaften und 923 Arbeitern den Suez=Kanal paſſiert.
* Pom Zukunftskrieg.
Auf zwei Bücher ſoll hier hingewieſen werden, die ſich mit
dem Zukunftskrieg befaſſen, die dieſes Problem von ganz
ver=
ſchiedenen Seiten anfaſſen und gerade dadurch ſich ergänzen,
und die beide ſowohl für den Soldaten, als auch für jeden
denkenden Menſchen von hohem Intereſſe ſind: „Der
Ent=
ſcheidungskrieg” von Visconti=Prascak) und „Die Kriegslehren
des Generals Douhet” von Oberſt P. Vautier”).
Visconti=Prasca beſchäftigt ſich zunächſt mit der Beziehung
zwiſchen Krieg und Politik und zeigt, daß beide Hand in Hand
gehen müſſen und daß die politiſche Leitung von vornherein
der militäriſchen das zu erreichende Ziel vorſchreiben muß,
da=
mit nicht die Kriegführung in einer Art angeſetzt wird, die
man ſpäter umändern muß.
In der Taktik ſodann tritt Visconto=Prasca für die richtige
Bewertung der Infanterie ein. Im Weltkrieg hat immer wieder
die Rieſenverwendung der Artillerie enttäuſcht, trotz koloſſalen
Munitionsaufwands in tagelangem Trommelfeuer fand der
An=
greifer beim Sturm im Trümmerfeld der feindlichen Stellung
doch noch brave Verteidiger, deren Maſchinengewehre häufig
den Angriff zum ſcheitern brachten. Alſo nicht die Artillerie
erobert, die Infanterie beſetzt die feindliche Stellung, ſondern die
Infanterie bringt die Entſcheidung; ſie beſeitigt nicht die Reſte
des Widerſtandes, ſondern ſie bricht den Hauptwiderſtand, und
zwar in der gefährlichſten, der Sturmzone ohne Unterſtützung
durch die Artillerie. Und dabei iſt die Infanterie nicht genügend
für den Angriff ausgerüſtet, denn ihre Hauptwaffe, das
Maſchinengewehr iſt eine ausgeſprochene Defenſivwaffe, während
die Offenſivwaffe das Geſchütz iſt. Nur dieſes iſt imſtande die
feindlichen MG.=Neſter durch ſein Feuer ſchon vor dem Sturm
aufzuſtöbern und zu bekämpfen. Und zwar ſoll die Artillerie
nur Wirkungsſchießen ausführen, denn das Maſſenüberſchütten
eines großen Raumes mit Feuer führt zu einer
Munitions=
verſchwendung, die man ſich im Bewegungskrieg nicht leiſten
kann, und hat moraliſch auf den Feind die umgekehrte als die
gewünſchte Wirkung, wenn dieſer merkt, daß ſo viel Schüſſe
doch nicht alle treffen. Es iſt alſo notwendig, der Infanterie
Geſchütze beizugeben, damit dieſe ſelbſt in vorderſter Linie und
vor allem in der Sturmzone über eine geeignete Angriffswaffe
verfügt.
Der naturgemäße Angriffsverband der Infanterie iſt nach
Visconti=Prasca das Regiment. Dieſes iſt ein Vaterland im
Kleinen, durch Tradition und tägliche Gewohnheit des
Zu=
ſammenarbeitens miteinander verbunden, es kennt ſeinen
Kommandeur, hat Vertrauen zu ihm auf Grund ſeiner allen
be=
kannten dienſtlichen und charakterlichen Eigenſchaften, es übt
gewohnheitsmäßig die Kameradſchaft, die ſich im Kampf in der
Hingabe eines jeden für den anderen bewährt. Deshalb muß
dem Regiment als viertes ein Geſchützbataillon beigegeben
werden, deſſen Kanoniere nicht Angehörige der Artillerie, ſondern
des Infanterieregiments ſind. Nur dann kann die Infanterie
im Angriff die gefährliche Sturmzone überwinden, kann durch
die tiefgegliederte feindliche Stellung durchſtoßen und die
rück=
ſichtsloſe Verfolgung durchführen, ohne die ein Durchbruch
niemals zur Entſcheidung, ſondern nur zu einem Zurückdrängen
des Gegners führt. Visconti=Prasca verlangt ſogar, daß Teile
der Diviſions=Artillerie ihre Aufträge nicht vom
Diviſions=
kommandeur, ſondern von dem Infanterie=Regimentskommandeur
als Führer des „Gefechtskern” erhält, da nur er die
Bedürf=
niſſe an Feuerunterſtützung erkennen und rechtzeitig übermitteln
kann. Dieſe Gefechtskerne werden dadurch zu kleinen Diviſionen.
Daß damit der Diviſionskommandeur einen Teil ſeiner Gewalt
verliert, iſt naturgemäß, iſt doch durch die größere
Dezentrali=
ſation auch ein Teil der Entſchlüſſe, die früher von Regiments=
und Bataillonsführern gefaßt wurden heute Sache von
Zug=
oder gar Gruppenführern geworden.
Den Kampfwagen und Fliegern weiſt Visconti=Prasca
hauptſächlich die Rolle als Unterſtützung der ſtürmenden
In=
fanterie zu. Reichliche Verwendung der Flieger verlangt er
ſodann beſonders in der Verfolgung, ſowohl zur Aufklärung,
als auch zum Nachſchub von Munition und Verpflegung, da
dieſe durch Fahrzeuge — auch motoriſierte — nicht genügend
ſichergeſtellt iſt, und da unter keinen Umſtänden eine Stockung
im Vordringen eintreten darf, denn Stetigkeit des Angriffs iſt
die Hauptſache, und die Verfolgung iſt nicht die Fortſetzung,
ſondern ein Teil der Schlacht.
Bei den Betrachtungen über den Menſchen im Kriege wird
die ungeheuere Verantwortung des einzelnen Kämpfers betont,
der gerade im entſcheidenden Moment auf ſich allein angewieſen
iſt. Die Bereitſchaft zum Sterben allein genügt nicht, der Wille
den Sieg zu erringen und die Fähigkeit hierzu das richtige zu
tun, ſind nötig. Beſonders wichtig iſt die Auswahl der Führer
aller Grade, die an Wiſſen, Können und Charakter immer ihre
Untergebenen überragen müſſen. Kameradſchaft ohne Rückſicht
* ) Erſchienen im Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg.
*) Erſchienen im Verlag von Ernſt Rowohld, Berlin.
Frankfurker Opernhaus.
Neueinſtudierung der „Meiſterſinger von Nürnberg”.
lie ſtädtiſchen Bühnen haben uns zu Weihnachten die
Neu=
eir ſüdierung der Meiſterſinger beſchert. Die Regie führte der
Geikalintendant H. Meißner. Man kennt von dem Rienzi her
die oßen Vorzüge dieſer Regie: klares, betontes Hervorheben
dem ſußeren Höhepunkte eines Werkes, liebevolles
Herausarbei=
temer einzelnen Momente, kluge und lebendige Bewegung der
M=ſin, alles auf eine deutlich ſichtbare Wirkung eingeſtellt.
Di=ſt Vorzüge kommen einer Oper von der Art des Rienzi in
allem zugute. Bei den Meiſterſingern müſſen ſich
Zwieſpältig=
kei ei ergeben. Denn hier treten zu den äußeren Höhepunkten
(Söhlß I. Akt, Prügelſzene, Feſtwieſe) und zu den menſchlich
ohrteweiteres erkennbaren, auch auf der Bühne in den Geſten
erſiihlichen Beziehungen der Perſonen zueinander (Sachs=
Beck=
meeſt, Stolzing=Eva), Vorgänge, die dem groben Rampenlicht,
die ſen Römerberg=Lichtern entzogen ſind, die mit taſtender
Lieb mit ſcheuer Menſchlichkeit angedeutet werden müſſen und
die ſtr viele das Weſentliche, das eigentlich Feine der
Meiſter=
ſin / ſind: ich meine die Liebe des Sachs zu Eva, von deren
Leid und Bezwingung das Vorſpiel zum 3. Akt uns
Wunder=
ſanne zu ſagen weiß. — Der 1. Akt hatte ein prachtvolles Leben,
die= Ypen der Meiſter waren köſtlich herausgearbeitet, die
Lehr=
bülle nahmen an allen Geſchehniſſen den lebhafteſten Anteil,
die Frügelſzene und die Feſtwieſe atmeten dieſelbe
bühnen=
ichen Vitalität, die Liebe Stolzings zu Eva war faſt
über=
de tſch herausgearbeitet, alles hatte weithin ſichtbare Konturen,
die Vorgänge und die Menſchen. Nur das eine fehlte: von dem,
warz m 3. Akt, in der Werkſtatt, in Hans Sachs vorgeht, merkte
man faſt nichts. Das lag nicht nur an der Eigenart des
Sah=Darſtellers; auch Eva hatte nur Augen für den Ritter;
die= Nuſik, und zum Teil auch die Worte, ſprechen dagegen; ſie
berlagen Verſinnbildlichung des Vorſpiels zum 3. Akt.
Si chman von dieſer notwendigen Einſchränkung ab, ſo wäre
feſttſütellen, daß man ſeit langem hier keine in der Regie
der=
art: enheitliche und wirkungsvolle Aufführung der Meiſterſinger
erl’ch hat. — Die wie immer prachtvollen Bühnenbilder L.
Si rts ſind bis auf die Feſtwieſe im allgemeinen dieſelben
gekliben. Die Feſtwieſe hat nun endlich das Bild Nürnbergs
als hintergrund, auch die ſonſtige, farbenfrohe Anordnung paßt
ſich dr ſtrahlenden Muſik dieſer Szene an.
(. M. Zwißler folgt in der Nachzeichnung des muſikaliſchen
Bi ds der Auffaſſung des Regiſſeurs: in ſcharf betontem
REhlmus, in plaſtiſcher Hervorhebung der auch für den
Regiſſeur weſentlichen Momente, in drängendem Tempo läßt er
die Partitur erſtehen: betrüblich, daß auch er die lyriſchen
Stel=
len nicht zum Erklingen bringen konnte. Das Vorſpiel zum
3. Akt, das Duett Sachs=Eva, zerflatterten in der Stimmung und
fanden kein Echo.
J. Stern ſingt den Hans Sachs. Es iſt nach jeder Richtung
anzuerkennen, welche Mühe er ſich mit einer Partie gibt, die
ſeiner Art nicht entſpricht. Er ſingt ſie mit betonteſtem
Aus=
druck, er verſucht auch, ſie uns menſchlich näher zu bringen: die
Hauptſache, die innere menſchliche Wärme und damit der Humor
fehlen und ohne ſie iſt ein Sachs nicht denkbar. R. vom Scheidt,
unſer unvergeßlicher Hans Sachs, der wie z. B. Biſchoff zu
die=
ſer Rolle geſchaffen iſt, hat dieſe innere Wärme und die Wärme
des ſtimmlichen Ausdrucks. — P. Kötter, der famos ausſieht
und ſehr lebendig ſpielt, ſingt den Stolzing; im Klang nicht
gerade ideal, auch in der Tongebung nicht, aber er hält die
ſchwierige Rolle durch. — Der Beckmeſſer H. Heſſe’s iſt eine
Verlegenheitslöſung. Er iſt darſtelleriſch gewandt, charakteriſiert
auch ſehr überlegt, aber die Figur iſt zu trocken, ſo ganz ohne
Humor und bringt nicht entfernt die Perſönlichkeit mit, wie dies
der hervorragende Bayreuther Fuchs tut. — Der David
Th. Hermanns iſt allzuſehr auf das Geſangliche eingeſtellt. Die
Stimme des neuen Buffos iſt allerdings ſchön. Aber darüber
geht das Bubige, Humorvolle dieſer köſtlichen Figur verloren.
— H. Schweebs ſingt ausdrucksvoll den Pogner, R. Gonſza
ebenſo den Kothner.
Mit warmer Stimme und mit viel Charme in der
Darſtel=
lung verkörperte E. Hainmüller die Eva; prachtvoll ſingt Res
Dr. W. Kn.
Fiſcher die Magdalena.
folge der einzelnen Vereine aufzuſtellen hat. Muſikaliſch
min=
derwertiges Liedergut kann nicht mehr auf Genehmigung rechnen.
Man war ſich in dieſer Sitzung allgemein darüber klar, daß die
Einführung der neuen Richtlinien einen Markſtein in der
Ent=
wicklung und Erneuerung des deutſchen Chorgeſangs bedeuten.
Der Deutſche Sängerbund bezweckt damit die erzieheriſche und
künſtleriſche Förderung der Vereine und eine ſyſtematiſche
Stei=
gerung ihrer techniſchen und geſanglichen Leiſtungsfähigkeit.
Die Erneuerung des deutſchen Chorgeſangs.
Die neuen Richklinien des Werkungsſingens.
Mit Beginn des neuen Jahres tritt eine Neuregelung des
Wertungsſingens ein. Der Ausſchuß für das Wertungsſingen im
Deutſchen Sängerbund in Frankfurt a. M. hielt eine Tagung ab.
um ſich mit den neuen Richtlinien zu befaſſen. Danach iſt jeder
Verein verpflichtet, innerhalb von drei Jahren mindeſtens einmal
an einem Wertungsſingen teilzunehmen. Bei den Meldungen
der dazu aufgerufenen Vereine müſſen die Chormeiſter, Stärke
des Vereins, ſowie ein Verzeichnis der in den letzten zwei
Jah=
ren eingeübten Chöre (darunter mindeſtens 2
Volksliedbearbei=
tungen) enthalten ſein. Die ausgewählten 2 Chöre, die wie bisher
jeder Verein bei einem Wertungsſingen zu ſingen hat, werden
ſechs Wochen vorher durch den Kreischormeiſter bekanntgegeben,
der auch auf Grund der eingereichten Verzeichniſſe die Vortrags=
Paul Bourget geſtorben.
Der weltbekannte franzöſiſche Schriftſteller Paul Bourget
iſt in den Morgenſtunden des 25. Dezember nach längerem Leiden
im Alter von 82 Jahren geſtorben. Bo get war der
hervor=
ragendſte Vertreter des Romans, der franzöſiſchen Bourgeoiſie,
die er in zahlreichen Werken verherrlichte. Bourget war
über=
zeugter Monarchiſt und gläubiger Katholik. Seit über 40
Jah=
ren war er Mitglied der Academie Francaiſe; vor kurzem
er=
hielt er das Großkreuz der Ehrenlegion, die höchſte franzöſiſche
Zivil=Auszeichnung.
Das Dezemberheft der „Deutſchen Rundſchau” (Verlag
Biblio=
graphiſches Inſtitut, Leipzig) vereinigt wieder eine Anzahl
Auf=
ſätze in ſich, die in mehr als einem Sinne beachtenswert ſind,
denn worüber ſie auch handeln, es wird aus ihnen eine geiſtig=
Haltung ſichtbar, in der wir den Willen erkennen, über das
All=
tägliche hinaus vorzuſtoßen und die geiſtigen Hintergründe der
Ereigniſſe und Gegebenheiten aufzudecken. Darüber verlieren
jedoch die Beiträge nicht an informatoriſchem Tatſachenwert,
ſon=
dern die Tatſachen werden gleichſam fortgeführt und auf ihre
geiſtigen Hintergründe unterſucht. Von den Beiträgen dieſes
Heftes nennen wir beſonders. Die Prunkrevuen eines
Jahrhun=
derts” von Konrad Matſchoß, „Gibt es eine Weltkriſe?” von Eugen
Dieſel. „Die Ordnung im Sein” von Viktor Engelhardt, „Der
Kampf der Achſen” von Paul Fechter, ſowie die Fortſetzung des
großen Romans von Hans Grimm: „Kaffernland‟. Der Aufſatz
von Eugen Dieſel „Gibt es eine Weltkriſe?” iſt für die oben
an=
gedeutete Haltung beſonders typiſch. Der bekannte Philoſoph
leugnet zwar nicht die Tatſache einer Weltkriſe, ſondern ſtellt
vielmehr die Frage, ob man die Weltkriſe von anderen
Stand=
punkten aus nicht auch anders beurteile und in anderem Maße
empfindet. Er bejaht dieſe Frage, denn Schickſale und
Juter=
eſſen der Völker ſind verſchieden, und der Blickpunkt, unter dem
ſie die Anzeichen der Kriſe betrachten, unterſcheidet ſich deshalb
notwendig voneinander. Dieſe Gedankengänge weiterführend und
die ſich daraus ergebenden Schlüſſe ziehend, kommt Dieſel zu dem
Ergebnis, daß man ſich als wichtigſte Macht aus der Ruhe des
Herzens und der Klarheit des Geiſtes eine unerſchütterliche Kraft
gewinnen müſſe, vor der auch die Kriſe zunichte wird. Denn was
unſer Zeitalter in ſeinem Schoße birgt, wird einmal, vielleicht
bald, ohne Gnade als eine Reihe gewaltiger und gefährlicher
Ereigniſſe über uns hereinbrechen. Ein Ausweichen gibt es dann
nicht.
Seite 4 — Nr. 355
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 28. Dezember 10
auf den Rang, aber trotzdem unbedingter, auf Vertrauen
ge=
gründeter Gehorſam und ſtraffe Diſziplin ſind nötig.
Visconto=Prasca weiſt alſo der Infanterie auch in einem
zukünftigen Kriege die Hauptaufgabe zu und will den Menſchen
trotz aller Technik wieder mehr geſchätzt wiſſen. Das iſt ohne
Zweifel richtig, denn man neigt heute ſehr zur Ueberſchätzung
der Maſchine, und daß der Verfaſſer ſich nicht mit ihr
be=
ſchäftigt, geſchieht nicht, weil er ſie unterſchätzt, ſondern weil es
Lobredner für ſie ja ſchon unzählige gibt.
Der italieniſche General Douhet dagegen, aus deſſen
Schrif=
ten der franzöſiſche Oberſt Vautier die wichtigſten Lehren
zu=
ſammenſtellt, will im Gegenſatz hierzu die abſolute
Ueberlegen=
heit einer Waffengattung, nämlich der Flieger über alle anderen
beweiſen. Douhet behauptet, auf der Erde iſt durch das
Maſchinengewehr die Defenſive heute im Vorteil, durch Kampf
auf der Erde kann alſo der Zweck des Krieges, die feindliche
Nation materiell und moraliſch zu vernichten, nicht erreicht
werden. Die Luftwaffe iſt naturgemäß offenſiv, ſie muß daher
die Entſcheidung bringen. Sie kann durch Angriffe auf das
feindliche Land alle Hilfsmittel für die Kriegführung des
Gegners lahmlegen und die feindliche Bevölkerung ſo
ein=
ſchüchtern, daß trotz vielleicht günſtiger Lage an der Front und
zur See der Feind zuſammenbricht. Irgendwelche Verbote von
Gaskrieg oder Angriff auf feindliche offene Städte aus der
Luft ſind natürlich Unſinn, denn wenn es um Sein oder
Nicht=
ſein geht, kann ſich gar niemand an ſie halten.
Da man nun nicht alles gleich ſtark machen kann, denn das
iſt nach alter Regel Zerſplitterung der Kräfte, und da die
Luft=
waffe das beſte Offenſivmittel iſt, ſo müſſen alſo Landheer und
Flotte ſich auf Defenſive beſchränken, während, wenigſtens
zu=
nächſt, nur die Luftwaffe im großen Stile angreift. Hieraus
ergibt ſich, daß bei der Wehrmachtsorganiſation die Kräfte, deren
Stärke ja durch die perſonellen und materiellen Hilfsmittel einer
Nation in ihrer Geſamtheit geno begrenzt iſt, ſo verteilt
werden müſſen, daß die Luftmacht den Hauptanteil erhält,
während Landheer und Flotte nur ſo viel bekommen, daß ſie
ihren defenſiven Zweck erfüllen können. Man kann eben nicht
alle drei gleich bevorzugen, und ſo hat den Vorzug der, der
ent=
ſcheidend iſt.
Es gibt alſo vier Hauptgebiete der Kampforganiſation: die
offenſive Luftarmee, das defenſive Landheer, die auch defenſive
Marine und den heimatlichen Luftſchutz. Defenſive natürlich nur
ſtrategiſch gemeint, da ſowohl der Luftkampf wie das
See=
gefecht taktiſch ja immer offenſiv geführt werden. Die
Luft=
armee iſt nun ſo zu verwenden, daß ſie in Maſſe in
Feindes=
land eindringt und dort wichtige Bodenobjekte zerſtört.
Da=
durch wird ſie wahrſcheinlich auch die feindliche Luftflotte
herbei=
locken und kann dieſe vernichten. Aufſuchen kann man die
feindlichen Luftſtreitkräfte nicht. Der Luftkampf kommt früher
oder ſpäter von ſelbſt.
Douhet iſt ſo von der entſcheidenden Wirkung des
Luft=
ſieges erfüllt, daß er ſogar dem Heer und der Marine keine
Flieger für ihre eignen Zwecke, „Fliegerhilfswaffe” nennt er
ſie, laſſen will. Dieſe ſchwächen die Luftſtreitkräfte, und wenn
man die Luft erſt einmal beherrſcht, hilft ja die ganze
Luft=
armee den beiden Schweſterwaffen. Auch für den Heimatſchutz
behält Douhet keine Flieger übrig. Nur durch Flaks ſollen die
wichtigſten Punkte geſchützt werden. Die Schutzflieger würden
auch die Luftflotte ſchwächen und ſind außerdem an jedem Ort
einem Maſſenangriff feindlicher Flieger doch unterlegen. Sehr
wichtig iſt daneben der paſſive Luftſchutz, auf den die ganze
Be=
völkerung eingeſtellt ſein muß. Hauptſache iſt aber der Luftſieg;
hat man die feindliche Luftflotte und ihre Hilfsmittel
ver=
nichtet, ſo hören feindliche Angriffe auf das Heimatgebiet von
ſelbſt auf.
Douhet’s Gedanken ſind ſehr beachtenswert und enthalten
viel wichtiges, aber ohne Zweifel geht er doch in manchem zu
weit. Vor allem iſt doch nicht ſicher, daß die rückſichtslos
an=
greifende, ſelbſt überlegene Luftflotte die feindliche Luftwaffe
und auch ihre geſchickt verteilten und getarnten Hilfsmittel auf
der Erde durchaus vernichtet. Und ehe das geſchehen, kann
gerade, da die Luft nicht abgeſperrt werden kann, der Feind
in er Luft doch gegen das Heimatland des Teilſiegers recht übel
ſeinerſeits wirken. Das Wegnehmen der „Fliegerhilfswaffe” iſt
für Armee und Marine aber völlig abwegig, denn dieſe ſind für
beide für Aufklärung und Kampf wichtige und unbedingt nötige
Waffengattungen geworden, die gar nicht entbehrt werden
können. Ihr Fehlen würde ſich gerade ſo rächen, wie bei den
Südſtaaten im amerikaniſchen Bürgerkrieg das Fehlen der
Diviſionskavallerie. Da alle Reiter Heereskavallerie waren und
in „Raids” weit von der Armee in Feindesland operierten, ſo
fehlten dieſer die nötigen Aufklärungsorgane. Und das war der
Hauptgrund für die Niederlage von Gettysburg und damit für
den Verluſt des ganzen Krieges.
Vom Tage.
Der Reichsminiſter des Innern hat aus Anlaß der
Trauer=
feier für die Todesopfer des Eiſenbahnunglücks bei Groß=
Herin=
gen für das Land Thüringen die Halbmaſtbeflaggung der Gebäude
der ſtaatlichen und kommunalen Verwaltungen, Anſtalten und
Betriebe, der ſonſtigen Körperſchaften. Anſtalten und
Stiftun=
gen des öffentlichen Rechts und der Schulen für Samstag, dem
28. Dezember, angeordnet.
Die Uebertragung der Trauerfeierlichkeiten für die Opfer des
Eiſenbahnglücks in Thüringen durch den Reichsſender Leipzig am
Samstag, dem 28. Dezember, 11 Uhr, wird vom Deutſchlandſender
übernommen.
Reichsminiſter Dr. Goebbels ſpricht im Deutſchen Rundfunk
am Dienstag, dem 31. Dezember, von 19—19.10 Uhr, zur
Jahres=
wende.
Die korporative Arbeitsgeſetzgebung und fasciſtiſche
Gewerk=
ſchaftsordnung werden jetzt auch in Libyen eingeführt.
Der Vorſtand des Vollzugsausſchuſſes der ſranzöſiſchen
Radi=
kalen Partei hat eine Tagesordnung angenommen, in der die
Wahl eines neuen Parteipräſidenten auf den 19. Januar 1936
feſtgeſetzt wird.
Der Venezolaniſche Kongreß hat die Präſidentenwahlen, die
durch den Tod des Präſidenten Gomez notwendig geworden ſind,
auf den 31. Dezember feſtgeſetzt. Man nimmt allgemein an, daß
der bisherige ſtellvertretende Präſident Lopez Contreras gewählt
werden wird.
Zu bedenken iſt bei der rein defenſiven Rolle, die Douhet
der Armee zuweiſt, daß er in erſter Linie an Italien denkt,
deſſen einzige Landgrenze, die Alpen, ſich ja hervorragend für
die Defenſive eignet, während ſie einer Offenſive rieſige
Schwie=
rigkeiten entgegenſtellt.
Jedenfalls kann die Lektüre beider Bücher ſehr empfohlen
werden. Wenn man auch durchaus nicht mit allem einverſtanden
zu ſein braucht, ſo regen ſie doch ſicher zum Nachdenken über
die aufgerollten ernſten und für jedes Land lebenswichtigen
K. Sch.
Fragen an.
Offenſivbewegungen an der Ogadenfronk
EP. Dſchibuti, 27. Dezember.
Nach Meldungen von der italieniſchen Front im Ogaden=
Sektor herrſcht mit dem Ende des Ramadan=Feſtes hinter
der Front wieder lebhafte Tätigkeit, die auf
einen baldigen neuen italieniſchen Vorſtoß in
Richtung Harrar ſchließen läßt. Während des
Ramadan waren die zumeiſt mohammedaniſchen
Eingeborenen=
truppen, deren Zuverläſſigkeit anſcheinend nicht ſehr groß iſt,
für eine ſolche Offenſive nicht zu verwenden. Im
Zuſammen=
hang mit den Vorbereitungen für eine neue
Offen=
ſive wird weiter gemeldet, daß an den öſtlich von Gerldgubi
neu erbauten Straßen von den Italiern ſehr große
Oeldepots angelegt worden ſind, was darauf ſchließen
läßt, daß die italieniſche Heeresleitung über hinreichende
Vor=
räte zu verfügen ſcheint.
Vorpoſtengefechte bei Dolo.
EP. Asmara, 27. Dezember.
Nach Meldungen von der Somalifront finden zwiſchen
italie=
niſchen Patrouillen und der Vorhut des Ras Deſta täglich
klei=
nere Gefechte ſtatt. Einer dieſer Zuſammenſtöße, der einen
ern=
ſteren Charakter annahm, ereignete ſich bei Bukurale, etwa 50
Kilometer nördlich von Dolo am Geſtro=Fluß. Hier wurde ein
aus 7. Askaris beſtehender Vorpoſten am 1. Feiertag nachmittag
von etwa 60 Abeſſiniern angegriffen. Die Askaris konnten mit
Hilfe eines Maſchinengewehrs nach dreiſtündigem Kampf die
An=
greifer in die Flucht ſchlagen. Sechs Abeſſinier wurden dabei
getötet.
Der italieniſche Heeresbericht.
DNB. Rom, 27. Dezember.
Das italieniſche Propagandaminiſterium gibt ſoeben den
Heeresbericht Nr. 81 heraus.
General Badoglio telegraphiert: Am ſpäten geſtrigen
Nach=
mittag hat eine unſerer Erkundungsabteilungen im Gebiet des
Takazze Gruppen bewaffneter Abeſſinier in der Nähe des Paſſes
A=Gaga zurückgeſchlagen. Auf der feindlichen Seite ſind die
Ver=
luſte ſehr groß. Auf unſerer Seite ſind ſechs Soldaten italieniſcher
Nationalität und drei Eriträer gefallen. Vier Offiziere, neun
ita=
lieniſche Soldaten und 37 Eriträer ſind verletzt. Die Flieger ſind
auf der ganzen Front in vollſter Tätigkeit.
Teogienslohc.
Samstag: Mit Einverſtändnis des Führers und Reichska
wird ein „Soldatenbund des neuen Heeres”
gründet, in dem alle ſeit dem 1. Januar 1921 aus
Reichsheere oder dem neuen Heere ausgeſchiedenen um
Zukunft noch ausſcheidenden Soldaten und Offiziere, die
ihm freiwillig anſchließen, zuſammengefaßt werden.
Zur Unterſtützung der Angehörigen
Wehr= und Arbeitsdienſtpflichtigen w
neue Ausführungsbeſtimmungen erlaſſen.
Eine neue Durchführungs= und Ergänzungsverordn
zum Geſetz der Ordnung der nationalen Arbeit regelt
gende ſozialpolitiſche Fragen in der deutſchen Zigarren
ſtellung und ſchreibt die Errichtung einer Lohnausgle
kaſſe vor.
Der Große Fasciſtenrat beſchließt Fo
ſetzung des afrikaniſchen Feldzuges.
Die Italiener werfen weitere Truppen nach Libyen.
italieniſch=engliſche Kräfteverhältnis an der libyſch=ägypt
brenze beträgt zurzeit 3:1.
England ſondiert bei den Mittelm
mächten um Flottenhilfe für den Fall eines i
niſchen Angriffs.
Der engliſche Schatzkanzler Neville Chamberlain kün
Rückkehr Englands zur Sanktionspolitik
Die Abeſſinier melden Rückeroberung 1
kalles. Nach den neueſten Meldungen ſollen die Abeff
bis auf 50 Km. an Akſum herangerückt ſein.
Geſpannte Grenzverhältniſſe im Fernen Oſten. Ruſſ
japaniſche Kriegsvorbereitungen.
Sonntag: Volksweihnachtsfeier des WHW. In
Deutſchland werden rund 5 200 000 Kinder mit ihren E
zu 30000 Weihnachtsfeiern zuſammenberufen, in deren
lauf ſie durch Rundfunkanſprache des Reichsminiſters ” der Reiet
Goebbels begrüßt und vom WHW mit Gaben bedacht weiſſnnt wur
Eden wird zum engliſchen Außenminiſſal Adolf
ernannt. In ſeiner Ernennung ſieht man eine BR.
ſchärfung des engliſchen Sanktionskurſe,
Die im Waffenzentrum Deutſchlands gelegenen Be=
Suhler Waffen= und Fahrzeugwerke, bisher „Simſon u.
Suhl i. Th.”, werden mit Genehmigung des Führers im
men einer gemeinnützigen Stiftung fortgeführt.
Montag:
Dienstag: Reiſebewilligungen nach der Schwe
werden vorläufig eingeſtellt.
Eden tritt ſein Amt an. Zuſtimmende Antwor” — Jugen
der Mittelmeermächte auf die engliſche 1f Sonntag,
rage nach Flottenhilfe. Engliſch=franzöſiſſunſtaltung
Militärbeſprechungen in Paris.
Zunehmende Spannung im Mittelm
England und Italien werfen weitere Truppen an die libe
Grenze. Aegypten behält ſeine Reſerviſten unter den Falluyn Freudie
Die Türkei, Afghaniſtan, der Iran und Frak planer, ſſiaes Singſt
Schaffung eines weſtaſiatiſchen Blocks. ſuz Gymnal
Weitere Waffenerfolge der Abeſſinier. Nur noch 6 Aineden einie
vor Akſum? Erbitterte Nahkämpfe bei Abbi Addi. Verſtägnſtag im R.
Einſatz von abeſſiniſcher Kavallerie auf dem rechten Fug0 den 2e
unſt der
der Italiener. Umfangreiche italieniſche Luftoperationen „oden
Mittwoch: Weihnachten.
— Weihn
Donnerstag: Schweres Eiſenbahnunglück bei, Fhodmals wi
furt in Thüringen. Bisher 33 Tote.
Hiazturnhalle
Franzöſiſche Kammer beſchäftigt ſich mit dem Geſetz /50 Buben
die Erhöhung der Militärdienſtzeit in
Fräſinarſchier=
reich für 1935 bis 1940. Kriegsminiſter Fabry kürdſten der
Herabſetzung des wehrpflichtigen Alters /ſungen,
Nuuern gek
zum 20. Lebensjahr an.
Der Negus ſoll ſich in den Gefechtsabſchnitt an
Makallefront begeben haben. Ras Deſta ſoll ſich mit ſein
50 000 Mann ſtarken Armee den italieniſchen Stellunfſ
nördlich und nordöſtlich von Dolo bis auf 40 Km. genäß
haben.
chenſ
Sühne für den Hausfriedensbruch in der iſchecht
flowakiſchen Geſandtſchaft.
Enstag.
B. Dez.
Wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeſchädigung verurt d.
die 19. Große Strafkammer des Berliner Landgerichts heute
30jährigen Erwin Trunczik zu ſechs Mnoaten Gefängnis und ſeMiag,
25jährigen Emil Wilczek ſowie den 21jährigen Joſef Glaba:M.. „Dez.
zu je drei Monaten Gefängnis.
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amstag, 28. Dezember 193.
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadt, 28. Dezember 1935
der Fernſprechkundendienſt erleichkert das Reiſen.
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Mancher Volksgenoſſe der die geſchäfts=
1e Zeit „zwiſchen den Jahren” gern bei auswärtigen
unden und Verwandten verbringen oder zur Ausübung des
ſuterſports benutzen möchte, glaubt aus Rückſicht auf ſeinen
einigen Jahren beſtehenden „Fernſprechkundendienſt” die
ühe der Ueberwachung ſeines Anſchluſſes ab. Der Kundendienſt
Intritt den Teilnehmer bei vorübergehender Abweſenheit von
igerer oder kürzerer Dauer, indem er alle für den Auftraggeber
gehenden Anrufe entgegennimmt, nach Name, Rufnummer und
Kt aufzeichnet und ſie ihm — ganz nach Wunſch — ſofort oder
ſter brieflich, telegraphiſch oder fernmündlich mitteilt. Der ſich
Kundendienſtes bedienende Teilnehmer kann außerdem jedem
Drufer eine kurze Nachricht übermitteln laſſen, wie, wann, wo er
ſuerreichen iſt u. a. m. Wer alſo ſein Büro oder ſein Geſchäft
hübergehend ſchließt und niemand zur Bedienung ſeines
Fern=
hrechers hat, wende ſich an den „Fernſprechkundendienſt” der in
fankfurt (Main) unter der Rufnummer 04, ſonſtwo unter der
Giamtlichen Fernſprechbuch angegebenen Rufnummer zu
errei=
zi iſt. Dieſe Dienſtſtelle gibt gern über alles Wiſſenswerte, ſo
ſh über die Gebühren, weitere Auskunft. Einige Beiſpiele da=
, was der Fernſprechkundendienſt bietet, können auf Seite 11
h amtlichen Fernſprechbuches nachgeleſen werden.
Der Fernſprechkundendienſt erfreut ſich ſtändig wachſender
lliebtheit. Er wird namentlich gern in Anſpruch genommen,
vin man ſicher ſein will, vor Antritt einer Reiſe in den frühen
ſrgenſtunden an den hohen Feſttagen rechtzeitig geweckt zu
uden.
Der Reichsſtatthalter in Heſſen. Perſonalnachrichten.
Er=
unnt wurden: der Gendarmeriehauptwachtmeiſter auf Probe
ul Adolf Limberg in Dieburg zum
Gendarmeriehauptwacht=
miſter im heſſiſchen Landesdienſt; der Bauſekretär Erwin Mahl
nOffenbach a. M. zum Bauinſpektor im heſſiſchen Landesdienſt. —
den Ruheſtand verſetzt wurden: am 8. Oktober 1935 der
Alizeiverwaltungsoberaſſiſtent Joſef Gaßmann in Offenbach
m Wirkung vom 1. Januar 1936 auf ſeinen Antrag; am 14.
De=
mber 1935 der Polizeiverwaltungsſekretär Kurt Bayerthal
iüWorms mit Ablauf des 31. Dezember 1935. — Entlaſſen
urde: am 22. November 1935 der Medizinalrat Dr. Triſtan Metz
nBad Salzhauſen auf ſeinen Antrag aus dem heſſiſchen
Landes=
dnſt.
Jugend=Weihnachtsturnen der Turngemeinde Beſſungen.
M Sonntag, dem 29. Dezember, nachmittags, findet als
Schluß=
wanſtaltung im Jahre 1935 das Weihnachtsturnen der Jugend
ſiet. Schon wochenlang haben ſich Buben und Mädels in all
ittel ihen turneriſchen Arbeiten vorbereitet, ſo daß ſie am
kommen=
de Sonntag ihren Eltern und Angehörigen ſowie allen, die an
an
ſoe Jugenderziehung teilnehmen, ihr Erlerntes vorführen
kön=
m. Freudig ſtrahlen die Augen der Kleinſten, die wieder ein
ral
ſönes Singſpiel vorführen dürfen, denen dann die Aelteren mit
loc
Inz. Gymnaſtik, Geräteturnen und Fechten folgen werden. So
ur
ſwrden einige abwechſlungsreiche Stunden den Sonntag
nach=
mtag im Kreiſe der Jugend verbringen laſſen, und der Erfolg
ſwid den Leitern unſerer Jugend, die ſich uneigennützig in den
Denſt der Sache ſtellen, am Schluß der Veranſtaltung gedankt
ſorden.
— Weihnachtsfeier der Jugendabteilungen der TSG. 1846.
Nchmals wird am Sonntag, dem 29. Dezember, in der
Woogs=
ſpltzturnhalle frohe Weihnachtsſtimmung herrſchen, wenn nahezu
Buben und Mädel im Lichterglanz des Weihnachtsbaumes
mmarſchieren und dann ihr Können auf den verſchiedenſten
Ge=
biten der Leibesübungen zeigen. Eine unermüdliche Folge von
Alten /ungen, Tänzen und Spielen wird in raſchem Wechſel den
Zu=
ſſtuern geboten, Geſang und Darbietungen der Handharmonika=
Igendabteilung werden die Vortragsfolge vervollſtändigen.
„Sbſtredend hat auch Knecht Rupprecht ſein Erſcheinen zugeſagt,
m mit ſüßen Spenden aufzuwarten.
Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters.
GROSSES HAUS.
anstag.
28. Dez.
Enntag.
29. Dez.
Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Volksmiete,
Gruppe 2 (4. Vorſtellung). Die Räuber.
Trauer=
ſpiel von Friedrich Schiller.
Anfang 19.30 Uhr, Ende nach 2245 Uhr.
Haupt=
miete A. 11. Vorſtellung Königskinder. Oper
von Engelbert Humperdinck.
Denstag.
31. Dez.
Anfang 20.00 Uhr. Ende etwa 23.00 Uhr. Außer
Miete. In neuer Einſtudierung und Ausſtattung:
Die Fledermaus. Operette von Johann Strauß.
Weihnachtsmieten, Wahlmieten und Gutſcheine
nicht gültig.
Nttwoch.
1. Januar
Anfang 19.00 Uhr, Ende nach 23.00 Uhr. NS=
Kulturgemeinde 0 7 Vorſtellung. Einmaliges
Gaſtſpiel Maria Reining (Staatsoper München)
als „Eliſabeth”; Tannhäuſer. Oper von Richard
Wagner. Nur Weihnachtsmieten, Wahlmieten und
Gutſcheine Nr. 1 gültig.
KLEINES HAUS.
Anfang 15.00 Uhr, Ende nach 17.30 Uhr. NS=
Kul=
turgemeinde, Jugendring II (geſchloſſ. Vorſtellung)
Anstag.
28. Dez. Dornröschen. Weihnachtsſpiel mit Muſik von Curt
Elwenſpoeck.
Anfang 15.00 Uhr, Ende nach 17.30 Uhr. Außer
Miete. Dornröschen. Weihnachtsſpiel mit Muſik
von Curt Elwenſpoeck.
Inntag,
29. Dez. Anfang 19.30 Uhr, Ende nach 22.15 Uhr. NS=
Kul=
turgemeinde H (6. Vorſtellung), Zuſatzmiete X. Was
ihr wollt. Luſtſpiel von William Shakeſpeare.
Ainstag.
31. Dez.
Anfang 21.00 Uhr. Ende etwa 23.00 Uhr. Außer
Miete. Bunter Silveſter=Abend. Leitung: Max
Buddenhagen.
Attwoch.
1. Januar
Anfang 20.00 Uhr, Ende 22.00 Uhr. Außer Miete.
Der Herr Borjemaaſter. Odenwälder Komödie von
Hans Holzamer. Dargeſtellt durch die Heſſ.
Spiel=
gemeinſchaft.
— Silveſter und Neujahr im Landestheater. Auch für den
hreswechſel hat ,das Heſſiſche Landestheater einen recht
viel=
ſtigen Spielplan aufgeſtellt, der erwarten läßt, daß die beiden
Yuſer an Silveſter und am Neujahrstag ebenſo gut beſucht ſein
urden wie an den Weihnachtsfeiertagen. Für Silveſter iſt im
ſoßen Haus die Premiere von „Fledermaus” in neuer Inſze
hirung (Leitung: Herburger, Heyn, Zickler: „Ausſtattung:
nitzſche) angeſetzt, für die der Vorverkauf bereits überaus leb
mt eingeſetzt hat. Im Kleinen Haus wird ein Bunter Silveſter=
Aend durchgeführt: die Geſamtleitung hat Max Buddenhagen,
oen Bunter Abend vor zwei Jahren einen wahren „
Senſations=
eolg” buchen konnte und der mit ſeinen Soliſten aus dem
Lan=
btheater=Orcheſter den Abend in moderner Weiſe muſikaliſch
ſrahmen wird. Mit den verſchiedenartigſten Vorträgen wir=
E bei dem heurigen Bunten Abend die Damen Ammermann
W Harre und die Herren Boettcher, Linkmann, Marcks, Schmid=
Brikoven ſowie die geſamte Tanzgruppe (unter Leitung von
Ace Zickler) und das Geſangsquintett Koop, Riedberg,
Hunds=
af. Deckart. Wieſt mit. Im Rahmen der Vortragsfolge kommt
ach ein luſtiger Sketch „Das letzte Hotelbett” mit Hildegard
Ahry und Hannes Stelzer zur Aufführung. Die bildneriſche
(ſſtaltung des Abends liegt in den Händen von Elli Büttner.
Mr Bunte Abend beginnt um 21 Uhr und wird, ebenſo wie die
„Aedermaus”=Aufführung, kurz nach 23 Uhr beendet ſein. Beide
Sveſter=Aufführungen finden außer Miete ſtatt; für den Bun=
Abend im Kleinen Haus ſind kleine Preiſe angeſetzt. — Am
Nujahrstag findet im Großen Haus eine Aufführung von
„Jannhäuſer” ſtatt, in der Maria Reining vom Staatstheater
Yünchen als Gaſt die Partie der „Eliſabeth” ſingt. Im Kleinen
Aus ſpielt am Neujahrstag die Heſſiſche Spielgemeinſchaft die
folgreiche neue Odenwälder Komödie „Der Herr Borjemaaſter”
Nr. 355 — Seite 5
Die letzte Woche
ſtand zu ihrem Beginn ganz im Banne des Weihnachtsfeſtes des
WHW. Jedem deutſchen Volksgenoſſen eine Weihnachtsfreude,
war das Gebot des Führers, und überall in Stadt und Land wurde
es befolgt. Das WHW. und die NSV. hatten Unerhörtes geleiſtet
und Millionen im Reich, denen ſonſt die Freude am
Weihnachts=
feſt wohl gefehlt hätte, durften für ſich und ihre Familien teil
haben am ſchöſten Feſt in der deutſchen Familie. In überraſchend
großem Umfange konnte den „Wunſchzetteln” entſprochen werden,
ſo daß durch, die glänzend funktionierenden Organiſationen die
vor=
her geäußerten Wünſche erfüllt werden konnten. Dadurch wurde
vermieden, daß planlos beſchert wurde, daß niemand Dinge bekam,
mit denen er nichts anzufangen wußte, während es ihm am
Nö=
tigſten vielleicht fehlte, das ein anderer im Uebermaß erhielt.
Ne=
ben den genannten Organiſationen gebührt wärmſter Dank den
Spendern und allen Helfern, die die Spenden einſammelten und
für die Verteilung Sorge trugen. Ueberall hatte man beſondere
Feiern veranſtaltet, bei denen die Gaben ausgeteilt wurden. Waren
überall auch die größten zur Verfügung ſtehenden Säle für dieſe
Feiern in Anſpruch genommen worden, ſie waren ſtets überfüllt.
Und überall wurde eine ſchöne und eindringliche Form der „
Be=
ſcherung” gewählt, ſo daß nicht nur die Gaben, ſondern auch die
Art der Uebergabe allen in dankbarer Erinnerung bleiben wird.
Unzählige Herzen ſchlugen in dieſen Tagen heißen Dankes voll für
das nationalſozialiſtiſche deutſche Vaterland. — Wie der
Gauwal=
ter der NSV., Bürgermeiſter Haug. Darmſtadt, bei einer
Weih=
nachtsfeier mitteilte, wurden im Monat. Dezember 1935 rund
50 000 Paar Schuhe im Werte von 475 000 RM. im Gau Heſſen=
Naſſau ausgegeben. Ferner wurden 150 000
Weihnachts=
pakete der größte Teil mit hochwertigem Inhalt, im Wert von
faſt 2 Mill. RM. verabreicht. Daneben erfolgten 1500
Weihnachts=
patenſchaften mit einer Betreuungsleiſtung von rund 150 000 RM.
Dazu kam noch die Ausgabe von 206 000 Pfund friſcher Fiſche vor
den Feiertagen, im Wert von 86 000 RM., und von rd. 408 250
Zent=
nern Kohlen und Briketts, im Wert von 205 000 RM. — Die
Lei=
ſtung der Winterhilfe im Gau Heſſen=Naſſau erreicht alſo im
Mo=
nat Dezember den hohen Betrag von 3 178 700 RM.
In den größeren Betrieben bürgert ſich immer mehr, dank der
K.d.F.=Organiſation, eine eigene Weihnachtsfeier für die
Gefolg=
ſchaften ein, bei denen Betriebsführer und =Angehörige in ſchöner
Kameradſchaft und Volksgemeinſchaft das Feſt der Liebe
gemein=
ſam begehen. Ein ſchöner Brauch iſt es, dieſe Feiern mit der
Ehrung der Arbeitskameraden zu verbinden, die 25 und mehr
Jahre den Betrieben angehören. Unſere Leſer fanden darüber
mehrfach Sonderberichte.
Das Wetter war nicht recht weihnachtlich=winterlich. Es lag
wohl noch Schnee, doch kein Froſt ſorgte dafür, daß Matſch daran
hinderte, die neuen Stiefel oder Schuhe oder Kleider und
An=
züge an den Feiertagen zu tragen. — Am Heiligen Abend war der
Verkehr in den Straßen und Geſchäften bis in die Abendſtunden
ſehr rege. Immer noch mußte ſchnell etwas geholt werden, das
vergeſſen wurde, damit es an den Feiertagen an nichts mangelte.
Und abends umſtanden viele den herrlichen ſtrahlenden Chriſtbaum
auf dem Marktplatz. —
Im Straßenbild machten ſich die Uniformen naturgemäß mehr
als je bemerkbar. Von überall her kamen ja die
Weihnachtsurlau=
ber, und die ſchmucken Reichsheer=Uniformen aller Gattungen
waren ſo zahlreich, daß man vorübergehend vergeſſen konnte, daß
immer noch das Verſailler Schanddiktat Darmſtadt verbietet,
wie=
der Garniſonſtadt zu ſein.
Und unſere Soldaten verſtehen es ausgezeichnet, ſich wieder
be=
liebt zu machen. Aus unſerer beſſiſchen Garniſon Gießen wird
gemeldet: Wie Anfang dieſes Monats die Artillerie=Garniſon in
Gießen vielen hilfsbedürftigen Kindern eine ſchöne Feier am
Niko=
laustage bereitet hatte, ſo veranſtaltete auch die Infanterie
des Regiments 36 in Gießen in der Kaſerne des 2.
Batail=
lons für rund 100 Kinder, die von der NSV. namhaft gemacht
worden waren, eine ſtimmungsvolle und herrliche Weihnachtsfeier.
Die Kinder wurden ſamt ihren Eltern von den Soldaten in
aus=
giebigſter Weiſe bewirtet, ja, es war ſo reichlich vorgeſorgt, daß
ſie ſogar noch eine ganze Menge Kuchen für die Feiertage mit nach
Hauſe nehmen konnten. Ferner wurden den Kindern ſchöne
Ge=
ſchenke überreicht und ihnen auch der freudige Anblick eines
mäch=
tigen Chriſtbaums inmitten des Kaſernenhofes geboten. Das
Offi=
zierskorps, die Unteroffiziere und die Mannſchaften bemühten ſich
in eifrigſter Weiſe um das Wohlergehen ihrer kleinen Gäſte bei
dieſer Weihnachtsfeier. Hochbefriedigt verließen die Kinder mit
ihren Eltern die Kaſerne, in der die Soldaten wieder einmal ihre
innige Verbundenheit mit der Bevölkerung eindrucksvoll bewieſen.
So war es alſo im großen und ganzen ſehr ſchön, dieſes
Weih=
nachtsfeſt. Nur der Bauer dürfte nicht ganz zufrieden geweſen ſein.
Er hängt an ſeinen alten Bauernregeln, von denen er weiß,
daß ſie auf alte vielfach beſtätigte Erfahrungen beruhen. Und wenn
er ſich dann an etwa dieſe erinnert: Sind die Weihnachten grün —
kannſt du zu Oſtern den Pelz anziehn! — Weihnachten feucht und
naß, gibt leeren Speicher und leeres Faß. — Grüne
Weihnachts=
feier — bedeckt mit Schnee die Oſtereier, dann dürfte ſeine Stirn
ſich mit Sorgenfalten beziehen, wenn er die Weihnachten
wetter=
lich ſo erlebte, wie wir in Darmſtadt. Am 3. Feiertag wars das
reine Frühlingswetter. — Weniger betrübt ſind die Vögel und
Tiere des Waldes. Sie finden ſo noch immer Futter außer dem,
was mildtätige Menſchenhand ſtreut. —
Furchtbare Weihnachten aber brachte das ſchwere Eiſenbahn=
Unglück in Thüringen über viele deutſche Familien. Zwar ſteht
noch nicht feſt, ob auch unſere engere Heimat zu denen gehört, die
unter den Opfern einen Angehörigen beklagen, aber ein Unglück
dieſer Art geht die ganze Nation an. Die ganze
Volksgemein=
ſchaft iſt betroffen und das allgemeine Mitgefühl wendet ſich den
Familien zu, die zu Weihnachten einen lieben Anverwandten
er=
warteten, und denen ſtatt deſſen ein furchtbares unbegreifliches
Geſchick die Todesnachricht ins Haus ſandte, unter den
Weihnachts=
baum. Da wird ſehr ſchnell Freud in ſchlimmes Leid verwandelt
und es iſt ſehr ſchwer etwas zum Troſt zu ſagen, Tränen zum
Ver=
ſiegen zu bringen. Gott ſei dank ſind Unfälle von dieſem Ausmaß
bei der deutſchen Reichsbahn ſelten, und ſoweit die Feſtſtellungen
ein Urteil zulaſſen, trifft auch hier keinerlei Verſchulden der
tech=
niſchen oder fahrplan=techniſchen Organiſation. Trotz des immens
geſteigerten, alle Kräfte an Material und Menſch bis faſt die
äußerſte Grenze beanſpruchenden Weihnachtsverkehrs. Es ſcheint
die Schuld eines einzelnen zu ſein. Wer kann wiſſen, ob
über=
haupt von Schuld” geſprochen werden kann. Was auch nutzen
Feſt=
ſtellung und Strafe. Wer wirklich hier Schuld auf ſich lud, bewußt
oder unbewußt, iſt ſchwer genug beſtraft. Das Leben geht weiter. —
Es gab auch eigenartige und ſeltene Weihnachtsfreuden. Ich
hörte von den ſechs älteren Lehrlingen einer großen
Automobil=
fabrik (auch ein faſt Darmſtädter darunter), die ſich
zuſammen=
taten, und in ihrer Freizeit ein entzückendes ſehr exakt gearbeitetes
Automobil en miniatur herſtellten, das ſie dem Führer zu
Weihnachten ſchenken. Der Aermſte von den Sechſen wurde nach
Ber=
lin geſchickt und darf das kleine Auto dem Führer perſönlich
überreichen. Man kann ſich die Freude dieſer ſechs jungen Leute
denken, als der Zurückkehrende jedem ein Bild des Führers mit
ſelbſt geſchriebenen Dank= und Weibnachtsgruß und einem ſehr
netten Geldſchein, von der Berliner Reiſe mitbringt. Das waren
vielleicht Weihnachtsfreuden!
Schöne und ſtolze Weihnachtsfreude durften auch Eltern in
Geiſenheim erleben. Ein Mitarbeiter ſchreibt: Zu
Weihnach=
ten trafen in der Familie des an der hieſigen Verſuchs= und
For=
ſchungsanſtalt für Wein=, Obſt= und Gartenbau ſeit Jahrzehnten
wirkenden Profeſſors Dr. Karl Kroemer drei Söhne ein,
ausgezeichnet mit dem eben friſch erworbenen
Doktor=
grad. Dipl.=Ing. Helmut Kroemer wurde von der Techniſchen
Hochſchule Aachen auf Grund einer Arbeit über „Die Vorprozeſſe
bei Funken= und Koronaentladungen mit Hilfe der Nebelkammer”
zum Doktor=Ingenieur ernannt. Medizinalpraktikant Werner
Kroemer promovierte an der Marburger Univerſität zum Dr. med.,
während cand. med. Gerhard Kroemer an der Univerſität Bonn
die mediziniſche Staatsprüfung und das Doktor=Examen beſtand.
So miſcht das Schickſal des Lebens Becher launiſch und
nach unbegreiflichen Grundſätzen mit ſüßem und bitteren Trank.
Es tut das immer und täglich. Aber Weihnachten wird nun einmal
von uns Deutſchen alles anders, in Leid und in Freude doppelt
ſchwer empfunden. Das war ſo und wird immer ſo bleiben. — Und
nun: Alles, alles Gute zum neuen Jahr. —
Maximilian.
— Orpheum. Heute Samstag bis einſchließlich Silveſter=
Abend die erfolgreiche Weihnachts=Revue in 20 Bildern. Ein
bunter Reigen an Geſang. Tanz, Muſik, Schönheit, Humor und
Artiſtik, vereinigt zu einem in herrlichen Farben prangenden
Strauß. Fürwahr, wer einen ſchönen Abend verleben, wer ſich
ſelbſt eine Freude bereiten will, der beſuche das Nordland=Schiff
im Orpheum und begleite es auf ſeiner „Fahrt ins Blaue”
Mor=
gen Sonntag zwei ungekürzte Vorſtellungen, nachmittags ſind
Kinder in Begleitung Erwachſener frei.
Die Türplakelke für den Januar.
R
Aus der Deutſchen Stenografenſchaft.
Welche Leiſtungen die von der Reichsregierung in
anerken=
nenswerter Weiſe geförderte Deutſche Kurzſchrift zu vollbringen
vermag, zeigte das Ergebnis des Herbſtleiſtungsſchreibens der
Ortsgruppe 1861 Darmſtadt, das anläßlich eines Familienabends
im Konkordiaſaal bekannt gegeben wurde. Nach kurzen
Be=
grüßungsworten des ſtellv. Ortsgruppenführers L. Krapp wurde
durch den Amtswalter für Leiſtungsſchreiben Ldg. Schneider das
hervorragende Ergebnis mitgeteilt. Von den insgeſamt
abge=
gebenen 78 Arbeiten konnten 19 mit hervorragend, 44 mit ſehr
gut und 15 mit gut bewertet werden. Auch bei dem
gleich=
zeitig durchgeführten Schönſchreiben wurden bemerkenswerte
Er=
folge erzielt. So konnten für hervorragende Ergebniſſe eine
größere Anzahl Ehrenpreiſe an ſtrebſame Kurzſchriftler
ausge=
geben werden. Die Höchſtleiſtung erzielten die Mitglieder Hans
Fiſcher und Helmut Kochenburger mit einer
Minutengeſchwindig=
keit von 360 Silben, die beide ſowohl im Richtig= als auch im
Schnellſchreiben hervorragende Arbeiten lieferten. Weitere
be=
merkenswerte Höchſtleiſtungen wurden erzielt von den
Mitglie=
dern Heinrich Grün in 300 Silben und Julie Bernhardt in 240
Silben. Bei dem Leiſtungsſchreiben der Ortsgruppe 1861
wur=
den erſtmalig Diktate in engliſcher Sprache aufgenommen, woran
ſich die Mitglieder Helmut Kochenburger. Hans Fiſcher und
Hein=
rich Grün beteiligten und in der Abteilung 100 Silben
ausge=
zeichnete Arbeiten lieferten. Anſchließend erfolgte die Ausgabe
der Urkunden vom Deutſchen Stenografentag 1935 in Frankfurt
a. M., bei dem die Ortsgruppe ebenfalls beachtliche Erfolge erzielte.
Auch die weiter durch Diplom=Handelslehrer Marweld erfolgte
Bekanntgabe der Ergebniſſe der Handelskammerprüfung
Novem=
ber 1935 und die Ausgabe der Leiſtungsabzeichen an die
Beſtan=
denen war ein Beweis der Aufbauarbeit der Ortsgruppe. Von
27 beſtandenen Teilnehmern gehören 16 der Ortsgruppe 1861 an,
wobei die Meiſterleiſtung von Hans Fiſcher in 320 Silben (10=
Minuten=Diktat) beſondere Anerkennung verdient. Der
Fami=
lienabend wurde von einem bunten Programm umrahmt, bei
dem durch Mitwirkung der 5 Woogsfinken, des Humoriſten Heinz
Gutkäſe und der Tänzerinnen Anny Kraft und Erika Seibert
vom Heſſ. Landestheater ſowie einer guten Unterhaltungs= und
Tanzkapelle jeder auf ſeine Rechnung kam.
— Die Darmſtädter Banken veröffentlichen in der heutigen
Nummer eine Bekanntmachung über ihren Kundendienſt und
Schalterdienſt am 31. Dezember.
Für den Monat Januar 1936 bringt das Winterhilfswerk eine
Türplakette heraus, die das Bildnis Friedrichs des Großen
zeigt, deſſen Geburtstag ſich am 24. Januar jährt.
(Scherl=Bilderdienſt=M.)
Offene Poſtſchalter am Sonntag. Am Sonntag, den 29.
De=
zember, ſind die Briefannahmeſchalter für den Wertzeichenverkauf
und die Auflieferung von Einſchreibbriefen bei den Poſtämtern in
der Rheinſtraße und am Bahnhof wie an Werktagen den ganzen
Tag geöffnet. Das Zweigpoſtamt in der Hermannſtraße und die
Poſtagenturen in der Dieburger=, Schwanen= und Roßdörferſtraße
bleiben an dieſem Tage geſchloſſen.
Im Schloßmuſeum ſind Führungen am Sonntag, Montag,
Dienstag und Neujahrstag um 11 Uhr und 11.30 Uhr vormittags.
Die Eintrittspreiſe zu dieſen Führungen ſind ermäßigt für
Er=
wachſene auf 50 Pfg., und für Schüler, Studenten, Militärperſonen
und Mitglieder vaterländiſcher Verbände auf 30 Pfg.
Dem Ehepaar Georg Buchsbaum V in Groß=
Zim=
mern, Dieburger Straße 39, zum Feſt der Silbernen Hochzeit.
Herrn Georg Haller V in Eberſtadt a. d. B. zu ſeinem
79. Geburtstag. 1897 in den Dienſt der Gemeinde als
Kulturvor=
arbeiter und Holzſetzer eingetreten, war er 1906 bis 1. 8. 14 als
Feldſchütze, alsdann Hilfspolizeidiener bis 1920, anſchließend ging
er wieder als Feldſchütze, bis am 1. 4. 24 nach Erreichung der
Altersgrenze ſeine Penſionierung erfolgte. Das Geburtstagskind iſt
über ein viertel Jahrhundert treuer Leſer des „Darmſt. Tagblatt”.
Herrn Wilhelm Keller. Zugführer i. R.,
Blumenthal=
ſtraße 39, zu ſeinem 74. Geburtstag, den er heute in ſeltener
gei=
ſtiger und körperlicher Friſche feiern kann.
Frau Katharina Oehlenſchläger in Wixhauſen,
Ludwigſtraße, zum 80. Geburtstage.
Herrn, Landwirt Philipp Völger 6. in Arheilgen=
Hundgaſſe 2, zu ſeinem 74. Geburtstage.
Seite 6 — Nr. 355
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 28. Dezember 1935
Aus der NSDAP.
Führertag des Gaues Heſſen=Naſſau.
Am 12. Januar 1936 findet im Schumann=Theater in
Frank=
furt eine Führertagung des Gaues Heſſen=Naſſau ſtatt. Es nehmen
teil: 1. Gauamtsleiter 2. Hauptabteilungsleiter, 3. Kreisleiter,
4. Kreisamtsleiter, 5. Ortsgruppen= und Stützpunktleiter, 6. SA=
Führer vom Sturmführer aufwärts, 7. SS.=Führer vom
Sturm=
führer aufwärts, 8. NSKK.=Führer vom Sturmführer aufwärts,
9. HJ.= und Jungvolk=Führer vom Bann= und Jungbannführer
aufwärts, 10. BdM.=Führerinnen von Untergauführerinnen
auf=
wärts, 11. Kreisfrauenſchaftsleiterinnen, 12. Arbeitsdienſtführer
vom Oberfeldmeiſter aufwärts. Nähere Anweiſungen ergehen durch
die verantwortlichen Führer der Gliederungen.
Gerichtskoftenordnung ab 1. April 1936
(Ausſchneiden und aufheben!)
Tp. Wir verweiſen auf Nr. 333 vom 4. Dezember und geben
hier nur einen kurzen Auszug aus derſelben, da beſondere
An=
fragen im Briefkaſten Beantwortung finden.
Bemeſſungsmaßſtab für die Gebühren iſt der Geſchäftswert
im Hauptgegenſtand. Verbindlichkeiten werden nicht abgezogen.
Bei Grundbeſitz iſt der letzte Einheitswert in der Regel
maßgebend. Im übrigen entſcheidet der gemeine Wert, beim
Kauf der Kaufpreis. Nutzungen auf Lebenszeit werden nach dem
Lebensalter und dem Vielfachen der vorjährigen, zu 4 Prozent
angenommen, Nutzung bewertet. Der Geſchäftswert des dem
un=
ehelichen Kinde gegen den Erzeuger zuſtehenden Unterhalts
be=
mißt ſich bei vertragsmäßiger Regelung nach dem Betrag des
ein=
jährigen Bezugs, der Wert in Angelegenheiten ohne beſtimmten
Geſchaftswert und in nicht vermögensrechtlichen Angelegenheiten
wird nach freiem Ermeſſen, regelmäßig auf 3000 RM., jedoch nicht
unter 200 RM. und nicht über 1 Million RM. angenommen. (§ 24
Abſatz 2.)
Die volle Gebühr beträgt bis zu 50 RM. einſchließlich 2 RM.,
bis zu 100 RM. 3 RM., ſteigt bis zu 300 RM. um je 1 RM. pro
100 RM., von 300—500 RM. 6 RM., ſie ſteigt bei je weiteren 500
RM. auf 8, 10. 12. 14, 16, 18, 20 RM. Bei Wert von 4000—5000
RM. beträgt ſie 22 RM. und ſteigt bei jedem 1000 RM. Wert um
je 2 RM. Bei Wert von über 9000—10 000 RM. beträgt ſie 32
RM. Mindeſtbetrag der Gebühr ſind 2 RM. Bei Beurkundung
einſeitiger Erklärungen wird die volle Gebühr, bei ſolchen von
Verträgen das Doppelte derſelben erhoben. Beurkundung von
Voll=
machten, des Antrags auf Eintragung oder der Löſchung im
Grund=
buch der Auflaſſung bedingt die Hälfte der vollen Gebühr.
Bei Eheverträgen beſtimmt ſich der Wert nach dem
zu=
ſammengerechneten Vermögen beider Gatten. Der Wert einer
all=
gemeinen Vollmacht unterſteht freiem Ermeſſen, wobei Umfang der
Ermächtigung und Vermögen des Vollmachtgebers in Rechnung
ge=
zogen wird. Anmeldungen zum Handelsregiſter werden nach § 24
Abſatz 2 behandelt.
Beglaubigung von Unterſchriften koſtet ¼ der
vol=
len Gebühr, Aufnahme von Wechſel= und Scheckproteſten ½
derſel=
ben. Beglaubigung von Abſchriften koſtet je angefangene Seite
20 Pfg.. Bei Grundbuchſachen koſtet Eintragung des
Eigen=
tümers die volle Gebühr, die ſich bei Verwandten und
Auseinan=
derſetzungen auf die Hälfte ermäßigt. Bei Eintrag von Belaſtungen
iſt volle Gebühr zu entrichten, die Hälfte bei
Gutsüberlaſſungsver=
trägen und Auseinanderſetzungen. Einſicht des Grundbuchs iſt
ge=
bührenfrei.
Regiſterſachen. Im Handelsregiſter bei Einzelkaufleuten
erſter Eintrag der Firma 10—200 RM., ſpätere Einträge 5—100
RM. Löſchung der Geſamteinträge 3—50 RM. Erhöhte Sätze
gel=
ten bei Geſellſchaften, noch höhere bei Aktiengeſellſchaften und
G. m. b. H. Einträge ins Vereinsregiſter bedingen: erſter
Eintrag das Doppelte der vollen Gebühr, ſpätere nur die volle
Ge=
bühr Löſchung des Geſamteintrags ½ derſelben. (§ 24 Abſatz 2.)
Eintragungen ins Güterrechtsregiſter bedingen die
volle Gebuhr, auf Grund von Eheverträgen gilt die
Zuſammen=
rechnung, der Vermögen bzw. 8 24 Abſatz 2.
Bezüglich Vormundſchaften ſei auf Nr. 333 Seite 2
Abſatz 3 verwieſen. Bei Annahme an Kindesſtatt wird
für Vertragsbeſtätigung oder deſſen Wiederaufhebung die volle
Gebühr nach § 24 Abſatz 2 berechnet, im übrigen auf Nr. 333
ver=
wieſen. Volljährigkeitserklärung bedingt volle Gebühr nach § 24
Abſatz 2.
In Nachlaßſachen koſtet Beurkundung des Teſtaments
die volle Gebühr, des Erbvertrags das Doppelte davon. Der Wert
bemißt ſich nach dem reinen Vermögen, über das verfügt wird.
Amtliche Verwahrung letztwilliger Verfügung koſtet bei Annahme
und Rückgabe je ¼ der Vollgebühr, die Eröffnung ½ derſelben.
Bei Erteilung des Erbſcheins einſchließlich des Verfahrens
iſt die volle Gebühr zu zahlen bei Beurkundung eidesſtattlicher
Verſicherung tritt noch deren Hälfte hinzu. Bei beſchränktem
Erbſchein iſt der Wert der inländiſchen Gegenſtände maßgebend.
Geſuche und Anträge ſind, ſoweit nichts anderes beſtimmt iſt,
gebührenfrei.
Zwangsverſteigerung in Immobilien. Geht der
Antrag vom Gläubiger aus, ſo richtet ſich die Gebühr nach dem
Forderungsbetrag, ſonſt nach dem halben Wert des Gegenſtands.
Immer wird ein Vorſchuß in Höhe der doppelten
Verfahrens=
gebühr erhoben.
Koſten der Notare. Gegen ihre Gebührenberechnung
gehen Einwendungen ans Landgericht des Amtsſitzes, das
gebüh=
renfrei entſcheidet. Hiergegen mit einmonatiger Friſt weitere
Beſchwerde, wenn Gegenſtand 50 RM. überſteigt und das
Rechts=
mittel wegen grundſätzlicher Bedeutung der Frage vom Landgericht
zugelaſſen wurde nur auf Geſetzesverletzung zu ſtützen.
In Kraft bleiben vorerſt die landesrechtlichen
Vor=
ſchriften: vor dem Mieteinigungsamt, in Pachtſchutzſachen,
Aufwer=
tungsangelegenheiten, bei Feſtſetzung von Altenteils= und
ähn=
lichen Bezügen, Regelung der Fälligkeit von Forderungen und
Grundſchulden, Hinterlegungsſachen, Fideikommiſſe Lehen,
Stamm=
gütern, ſonſtigen gebundenen Vermögen, Hausgütern und
Haus=
vermögen.
Deutſcher, ſprich deutſch!
Das deutſche techniſche Wort der Woche.
Jemand ſagte einmal: „Dieſer Saal hat eine ſehr ſchlechte
Akuſtik!‟ Darauf rümpfte der andere die Naſe, zog die Luft ein
und erwiderte: „Ich rieche nichts!” Zu ſolchen Mißverſtändniſſen
führt die Fremdwörterei. Wir wollen deshalb künftig ſtatt
„Akuſtik” und „akuſtiſch” Hörſamkeit und hörſam oder
Hörbarkeit und hörbar ſagen und ſchreiben. Auch die
kurzen Wörter, Hall” und „Schall” ſind für „Akuſtik” verwendbar.
Statt des griechiſchen Wortes „Echo” ſagen wir auf deutſch „
Wider=
hall”. „Rückhall”
Durch die deutſchen Wörter tritt in Zuſammenſetzungen eine
weſentliche Vereinfachung ein. Statt „akuſtiſche Verhältniſſe‟
ſagen wir z. B. Hall= oder Schallverhältniſſe” und verfahren
entſprechend bei ähnlichen Ausdrücken. Unſere ſchöne deutſche
Sprache iſt viel anpaſſungs= und ausdrucksfähiger, als dies die
Fremdwortknechte glauben oder zugeben!
Deutſcher Verband Techniſch=Wiſſenſchaftlicher Vereine.
Kunſtverein für Heſſen. Die Geſamtausſtellung der bei uns
ſo geſchätzten heſſiſchen Künſtlerin Vala Lamberger findet, wie es
zu erwarten war, bei den Darmſtädter Kunſtfreunden lebhaften
Beifall. Sie brachte der Kunſthalle guten Beſuch und hat auch
be=
reits eine ganze Reihe von Verkäufen aufzuweiſen. Die Ausſtellung
iſt Samstag, den 28., Sonntag, den 29., und Dienstag, den 31.
De=
zember d. J. von 10.30 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr
Mitt=
woch, den 1. Januar 1936 von 10.30 bis 13 Uhr geöffnet. Es ſteht
zu hoffen, daß der ſtarke Beſuch der Ausſtellung auch weiterhin
anhält. Wer die Ausſtellung beſucht, verſäume auch nicht die
aus=
gezeichneten plaſtiſchen Arbeiten des Bildhauers Schrödter zu
beſichtigen, die im Raum der Dome aufliegen. Es ſind Plaketten
und Medaillen von ſtarker künſtleriſcher Eigenart.
Bereins= und lokale Beranſtallungen.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Weihnachtsfeier des Tbd. Jahn 1875. Auf die
heute abend 8.30 Uhr ſtattfindende Weihnachtsfeier im
Apoſtel=
hof (Alexanderſtraße) weiſen wir nochmals hin. Ein
angeneh=
mes und abwechſlungsreiches Programm ſteht den Beſuchern
be=
vor. Als Abſchluß ſpielt die Kapelle zum Tanz. Eintrittspreiſe
ſind ſehr niedrig.
Die neue Strafvollſtreckungsordnung.
Die Juſtizpreſſeſtelle Darmſtadt teilt mit:
An Stelle der verſchiedenen Beſtimmungen der früheren
Lan=
desjuſtizverwaltungen hat nunmehr der Reichsjuſtizminiſter das
Strafvollſtreckungsweſen einheitlich für das ganze Reich geregelt.
In den allgemeinen Beſtimmungen wird einleitend auf eine
nachdrückliche Vollſtreckung hingewieſen. Es heißt hier, das
In=
tereſſe von Volk und Staat an wirkſamer Bekämpfung des
Ver=
brechens, wie auch das Anſehen der Strafrechtspflege gebieten es,
daß ſchnell auf die Tat das Urteil und auf das Urteil die
Voll=
ſtreckung folgt. Die Vollſtreckung iſt deshalb mit Nachdruck und
möglichſter Beſchleunigung zu betreiben. Gnadengeſuche hemmen
die Vollſtreckung grundſätzlich nicht. Sie darf auch durch die
Be=
arbeitung anderer Geſuche. Eingaben uſw. nicht aufgehalten
werden.
Aus den Beſtimmungen über die Vollſtreckung von
Freiheits=
ſtrafen iſt hervorzuheben, daß eine Freiheitsſtrafe in der Regel
in einer Vollzugsanſtalt des Oberlandesgerichtsbezirks zu
voll=
ſtrecken iſt. In welche Anſtalt des zuſtändigen
Oberlandesgerichts=
bezirks ein zu Strafe Verurteilter einzuweiſen iſt, beſtimmt ſich
nach dem Vollſtreckungsplan, den der Generalſtaatsanwalt
all=
jährlich für ſeinen Bezirk aufzuſtellen hat.
Ein auf freiem Fuß befindlicher Verurteilter wird zum
Straf=
antritt geladen. In der Ladung iſt dem Verurteilten eine Friſt
zu ſetzen, innerhalb deren er ſich in der angegebenen
Vollzugs=
anſtalt einzufinden hat. Die Friſt iſt in der Regel ſo zu bemeſſen,
daß dem Verurteilten ein Zeitraum von etwa einer Woche zur
Ordnung ſeiner Angelegenheiten verbleibt. Sucht der Staat ſo
auf der einen Seite unnötige Härten auszugleichen, muß er den
Strafantritt unter allen Umſtänden erzwingen, falls der Ladung
keine Folge geleiſtet wird. Bleibt der Verurteilte auf eine ihm
zugegangene Ladung zum Strafantritt ohne genügende
Entſchul=
digung aus oder iſt er fluchtverdächtig, ſo iſt ein
Vorführungs=
oder Haftbefehl zu erlaſſen. Zur Beſchleunigung der
Strafvoll=
ſtreckung kann der Vorführungs= oder Haftbefehl bereits bei der
Ladung für den Fall erlaſſen werden, daß der Verurteilte ſich
nicht bis zu dem in der Ladung bezeichneten Tag freiwillig zum
Strafantritt ſtellt. Iſt der Verurteilte flüchtig oder hält er ſich
verborgen, ſo kann zur Herbeiführung der Strafvollſtreckung ein,
Steckbrief erlaſſen werden.
Bei der Vollſtreckung von Geldſtrafen beſteht ebenfalls
Grundſatz, daß die Vollſtreckung der Strafe der Rechtskraft
Urteils auf dem Fuße zu folgen hat. Im Falle der Nichtbeitre
barkeit ſind die feſtgeſetzten Freiheitsſtrafen zu vollziehen.
Vollſtreckungsbehörde hat jedoch, ſoweit es mit dem Intereſſe
einer wirkſamen und nachdrücklichen Verbrechensbekämpfung u
einbar iſt, auf die wirtſchaftlichen Verhältniſſe des Verurtei!
Rückſicht zu nehmen. In vielen Fällen iſt insbeſondere der
urteilte nicht in der Lage, die Geldſtrafe ſofort in voller H
zu zahlen. Die alsbaldige Vollſtreckung der Erſatzfreiheitsſtw
würde dann dazu führen, daß eine Freiheitsſtrafe vollſtreckt wiwe
während der Richter eine ſolche gerade nicht hat verhängen m
len und deshalb auf die Geldſtrafe erkannt hat. Auch muß darg
Bedacht genommen werden, daß es nicht angängig iſt, bei gleig
Strafwürdigkeit dem wirtſchaftlich Schwachen nur deshalb wnde
ihm die Mittel zur Bezahlung der Strafe nicht zur Verfügu
ſtehen, ſchärfer anzugreifen als denienigen, dem ſeine wirtſchaß
liche Lage geſtattet, die Geldſtrafe ohne Schwierigkeiten abzut
gen. Zur Vermeidung ſolcher unerwünſchter Folgen ſollen
Verurteilten Teilzahlungen geſtattet werden, die ſeinen Kräf
entſprechen. Die Teilzahlungen aber ſollen ſo bemeſſen ſein.
dem Verurteilten der Ernſt der Strafe fühlbar bleibt.
Die Strafvollſtreckungsordnung beſchäftigt ſich dann mit
Einziehung und Unbrauchbarmachung ſolcher Gegenſtände,
zur Begehung einer ſtrafbaren Handlung beſtimmt oder gebra=
ſolche hervorgebracht ſind. Neu iſt in dieſer H
oder durch eine
ſicht, daß der Verurteilte zur Leiſtung des Offenbarungseil
äußerung eingezogener Gegenſtände erfolgt in der Regel
Wege der Verſteigerung; ausnahmsweiſe durch freihändigen V
kauf.
Beſondere Beſtimmungen regeln dann noch die Miwwirku
anderer Behörden bei der Veräußerung, die Verwendung
Zwecke der Juſtizverwaltung, die Abgabe als Lehrmittel,
Verwendung einzelner Gegenſtände, beſonders von Jagdwaff
Jagdgerätſchaften, Kriegsgerät, ſonſtige Waffen, parteiamtlich
Uniformen, Uniformteile, Fiſchereigeräte, Rundfunkgeräte, Kre
wagen, Arzneimittel, Falſchgeld, Edelmetalle, Wertpaviere. Mf
geräte, Druckſchriften, Schriften und Bilder, und insbeſondere v
Wein.
Vogelfütkerung im Winker.
Von Dr. K. Haenel (Vogelwarte Garmiſch).
Die Winterfütterung der heimiſchen Standvögel iſt
vorteil=
haft und notwendig. Sie dient dazu, die Vögel in ein beſtimmtes
Vogelſchutzgebiet (Garten oder Wald) zu locken, ihre
Abwande=
rung zu verhindern und ſie zur Brut zu veranlaſſen. Die
Fütte=
rung iſt für Meiſen, Kleiber und Baumläufer die Rettung vor
dem Hungertode, wenn dicker Rauhreif und Glatteis die
nah=
rungbergenden Baumritzen und Zweige überziehen. Die
genann=
ten Vögel können nämlich nicht länger als 14 bis 18 Stunden
ohne Nahrung ſein, die Winternacht dauert aber ſchon rund 14
Stunden.
Man füttere deshalb, aber richtig aus zweckmäßigen Geräten
und treibe keine Spatzenmäſterei! Wetterſicher, ſchmarotzer= und
raubzeugſicher und ſelbſttätig ſeien die Futtergeräte! Dieſe
Vor=
ausſetzungen erfüllen die Futterkäſten, die durch das ſpätzenſichere
Futterholz (Fettfütterung) ergänzt werden können.
Einfach ſeien auch die Futtermittel: man biete Hanf und
un=
geſalzenen Speck, keine Leckerviſſen, durch welche die Vögel nur
ihrer natürlichen Kerbtiernahrung entröhnt und damit für den
wirtſchaftlichen Vogelſchutz wertlos werden. Schon die reichliche
Verwendung von Sonnenblumenkernen kann dieſe unangenehmen
Folgen haben. Brot und geſalzener Speck ſind Gift für die
Meiſen! Mit der Fütterung iſt frühzeitig zu beginnen bereits
im Oktober, damit die Vögel im Notfall die Futterſtellen ſchon
kennen und nicht erſt ſuchen müſſen. Einmal begonnene
Fütterun=
gen darf man ja nicht ausgehen laſſen! In die Brutzeit hinein
fortgeſetzte Fütterung ſichert in reichbeſetzten Vogelſchutzgebieten
die jungen Bruten bei plötzlich einſetzenden langen, kalten
Regen=
zeiten. Für große Vogelſchutzgebiete iſt es beſſer, mehrere einfache
Futterſtellen als eine einzige großartige anzulegen. In die Nähe
der Futterſtellen ſind Niſtgeräte als Schlafſtätten zu hängen.
Man verwende bei der Anpflanzung von Hecken beerentragende
Bäume oder Sträucher: Weißdorn, Vogelbeere, roten und
ſchwar=
zen Hollunder, Schneebeere, Pfaffenhutlein.
Vom Reichsverband der Körperbehinderten (e. V.), Kreits 90
gruppenwaltung Darmſtadt, wird uns geſchrieben: Der
Reick=
bund der Körperbehinderten wirbt um körperbehinderte deutſcher Waffen
Volksgenoſſen. Es iſt im Hinblick auf das Volksganze von all cdern dar
größtem Wert, darauf hinzuwirken, daß ſich eine geſunde, den Tc
ſachen anpaſſende Selbſtverſtändlichkeit im Verhalten und BenA
men gegenüber dem körperbehinderten Volksgenoſſen zeigt. A
ſieht es aber zum größten Teil damit aus? Und was tun 9
Körperbehinderten ſelbſt dazu, hier die öffentliche Meinungsb)
dung mitzugeſtalten?
Treten wir der Sache näher, ſo iſt die oft lächerlich ängſtl
gewahrte Diſtanz des Körperbehinderten vor einer ganzen Kand
Breit
radſchaft anderer Körperbehinderter reiner Egoismus: „Ich w
meine Behinderung vergeſſen, überſehen, gar nicht betonen, dell
halb halte ich mich davon ferne, etwa an einer Zuſammenkurt
teilzunehmen oder gar einem Bund beizutreten, der meinen KC
perſchaden noch unterſtreicht.”
Das etwa iſt die immer wiederkehrende Antwort, wenn me
bei intellektuellen Körperbehinderten für den Beitritt zum RB
wirbt. Falls einem nicht noch etwas Schlimmeres paſſiert, näml ſue
daß man vom Behinderten ſelbſt oder ſeiner Familie als taktlof)gend
Menſch angeſehen wird, weil man auf eine Behinderung hinwei
die doch „kaum zu bemerken” iſt. Eine zweite Antwort, die urlme un
nicht ebenfalls ſelten begegnet, iſt die: „Was habe ich davon, de), das
ich Mitglied des R.B.K. werde? Wie weit können Sie mir Keinmer 27
fen?” Hier möchte man dieſen Frageſteller am liebſten ſtehen laſer Garten
ſen, weil man uns bei allem Verſtändnis für die meiſt ſehr b//70 Ze
engte Lage des Körperbehinderten doch keine große Luſt ankommliton verſck
ein Heer von nur Nutznießungswilligen zu werben. Wir hätteſhücher Pi
Möglichkeiten, ihnen von Arbeitsvermittlung, Steuerermäßigunſ gen
ube=
gen, Intereſſenvertretung bei Behörden, kulturellen Vorteilellieidireiti
über den Verbleib des einzuziehenden Gegenſtandes angeha!
werden kann, falls dieſer nicht bei ihm gefunden wird. Die V
und vielen anderen Erleichterungen zu berichten. Aber wie geſag
Egoiſten wollen wir uns nicht herbeiziehen. Unſer Schickſal ſo)
uns Lebensträger, nicht Lebenshemmnis werden!
Schaufenſte
Schaufenſt
mmert un
Die Anerkennung des Körperbehinderten bei Behörde/amtwe
Parteidienſtſtellen und in der geſamten Oeffentlichkeit, ſeine
We=
tung als Leiſtungsmenſch und die dadurch bedingte beſſere Ein
reihung ins Berufsleben, ſo manche jetzt übliche oder geſetzlich ge
regelte wirtſchaftliche Beſſerſtellung und manche jetzt ſelbſtverſtänd!
liche Einrichtungen, ſind auf Grund von Anregungen und Eir)
gaben des R.B.K., niemals aber auf dem kaum hörbaren Wunſch
eines Einzelnen erſtanden. Beſonders erſtehen ſolche Erleichterur/iſto0
gen nie aus der Initiative ſolcher Einzelgänger, die ja ihre
Schaden überſehen wiſſen möchten. Hier liegt die moraliſche Ver
pflichtung zur Zugehörigkeit zum Reichsbund der Körperbehinder
ten Es iſt eine der Errungenſchaften des R.B.K., daß ſich innen t
halb des Dritten Reiches alle Körperbehinderten als vollwertiget
Volksgenoſſen gleichwertig, gleichrangig, überall mit einreihe /6, od
können.
Richtig iſt, daß in Gliederungen des R.B.K., die erſt neu e—/ Fahrra
ſtanden ſind, noch viel zu arbeiten iſt, um ſo die Belange de 18
R.B. K.=Gefolgſchaft vertreten zu können, wie es als notwendis iſtke Ide
erkannt iſt. — Aber gerade hier liegt es ja in der Hand und im vor
der Möglichkeit deſſen, der durch ein gütiges Geſchick höhere Schl
lung genießen durfte und daher höhere Anſprüche ſtellt, durch ſeiſe”
ge und t
lerun
tel, Kie
enfahrt
85
geſchulten Fähigkeiten etwas Mitgeſtaltendes in die Zuſammeſ= erſtraße
ion
künfte hineinzutragen.
Als Anſteckplakette für die Straßenſammlung des
Winterhilfs=
werks im Januar wird dieſes Reliefbild Friedrichs des Großen
aus Eiſenguß verkauft. (Scherl=Bilderdienſt=M.)
Auf welche Stelle des Briefumſchlages ſollen wir die
Frei=
marken aufkleben? Die Freimarken dürfen ſich nicht an
beliebi=
ger Stelle des Briefumſchlages befinden, wie dies die Verſender
nach vielfachen Wahrnehmungen anzunehmen ſcheinen, ſondern
ſind, wie die Poſtordnung ausdrücklich vorſchreibt, in der
obe=
ren rechten Ecke der Aufſchriftſeite aufzukleben. Dieſe Stelle
iſt dafür am geeignetſten. Denn auf ihr wird der Aufgabeſtempel
abgedruckt der gleichzeitig die Freimarken entwerten ſoll. Befinden
ſich die Marken an anderer Stelle, ſo ſind mehrere
Stempel=
abdrucke erforderlich; wo zur Beſchleunigung des Stempelgeſchäfts
Maſchinen laufen, müſſen ſolche Sendungen beſonders noch mit
der Hand geſtempelt werden. Dadurch wird der Betrieb unnd
erſchwert. Die Poſt bittet daher, die Marken ſtets auf die
vorge=
ſchriebene Stelle des Briefumſchlages — obere rechte Ecke der
Auf=
ſchriftſeite — zu kleben und die Gebühr aus möglichſt wenig
Frei=
marken zuſammenzuſetzen. Das erleichtert der Poſt die Arbeit und
fördert die pünktliche Abſendung der Briefe.
Und nun zum rein augenfälligen Anblick unſerer
Schickſal=
kameradſchaft, ſo, wie wir uns alle miteinander präſentieren! I.
wir ſind manchmal eine ernſt anzuſchauende Gruppe. Aber ma
ſehe und horche doch einmal hinein in unſeren Kreis der Ge
lähmten, Amputierten oder ſonſtwie Behinderten. Sitzen
etwa weinend oder kopfhängeriſch da? Iſt es nicht vielmehr eil”ſt
heiterer, gelöſter, mitunter übermütiger Ton, der da zwiſche
uns herrſcht? Vielleicht kehrt der eine oder der andere nach einen .
ſolchen Kameradſchaftsabend wieder ſtiller in ſeinen
Lebenskreis=
zurück. Aber er war für Stunden entſpannt, er ſah und hörte vol
den Lebenswiderſtänden anderer Volksgenoſſen, ſah auch irgends
ein praktiſches Behelfsmittel eines ähnlich Behinderten. Oder eE
konnte aus eigener Erfahrung einem Kameraden, einer Kamers
din ſagen und zeigen, wie er ſich in dieſem oder jenem Falle be
nimmt. Der oft notgedrungen enge kleine Lebenskreis des einſ
einſamen Körperbehinderten beginnt ſich zu dehnen und beginn
zu wachſen.
Was die Lichtſpieltheaker bringen.
— Das Union=Theater bringt den großen Hans=Albers=Film,
der bisher mit einem ganz ungewöhnlich ſtarken Erfolg gezeigt
wird, „Henker, Frauen und Soldaten”. Ferner Charlotte Suſa,
Jack Trevor, Aribert Wäſcher.
— Die Helia=Lichtſpiele zeigen einen Luſtſpielfilm, der ſich nach
dem geglückten Start auf eine Weltreiſe begeben wird. „Der
Am=
menkönig” mit Käthe Gold, Richard Romanowsky, Hans Knuth,
Marieluiſe Claudius, Fita Benkhoff, Theo Lingen.
— Die Palaſt=Lichtſpiele zeigen ab heute in Erſtaufführung
einen ſpannunggeladenen Kriminalfilm „Königstiger” mit
Char=
lotte Suſa, Ivan Petrovich, Hubert von Meyerinck, Elſe Elſter,
Hans Richter.
— Reſi=Theater zeigt heute letztmalig den Sprühteufel Anny
Ondra in dem tollen Luſtſpiel „Großreinemachen” mit Wolf
Albach=Retty, Fritz Odemar, Hans Richter.
Im R.B.K. wird nicht vom grünen Tiſch aus das Problen
der Körperbehinderten zu löſen verſucht, ſondern aus eigen
Schickſalserfahrung heraus ſuchen alle Mitarbeiter, vom Reicht
walter bis zum Blockkaſſierer, ihr Beſtes für die Kameradſchaft
geben. Darum weg mit der törichten Aengſtlichkeit, du könnt
ſchwermütig werden, wenn du auch andere Körperbehinderte ſiehl
oder du könnteſt gar zu ihnen gerechnet werden durch deine M
gliedſchaft, auf die wir noch beharrlich warten. Bringe den M
auf, dein eigenes Geſchick laut und kräftig zu bejahen und dich m.
ihm durchzuſetzen. Damit rufſt du für dich und andere bisher n0
ungenützte Kräfte wach. In der Gemeinſchaft liegt die Stärke.
Allen dieſen noch fernſtehenden Körperbehinderten ſei zu
Schluſſe noch mitgeteilt, daß die Geſchäftsſtelle der Körpe
behinderten für Darmſtadt und Umgegend in Darmſtadt Ploe
nies=Str. 17, II, iſt und täglich von 1—3 Uhr Sprechſtunden ſtal”
finden.
— Belida. Des großen Erfolges wegen „Epiſode” verlängert.
Paula Weſſely, Karl=Ludwig Diehl und Otto Dreßler.
Guke durchſchnikksleiſtungen auf wirlſchaftseigene.
Fukkergrundlage können in der Tierzucht
grundſählich nur mit Tieren boden=
Samstag, 28. Dezember 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 355 — Seite 7
gwnderer ſiie Serviechel
Eine amkliche Warnung. — Ddie Landbevölkerung zur Mithilfe nötig.
Die Juſtizpreſſeſtelle Darmſtadt teilt mit:
Ei Aufſatz der „Deutſchen Juſtiz” wendet ſich, um dem
Rechts=
yſtutz des Volkes zu dienen, gegen das Wildererunweſen, das
ſbonders in den Nachkriegs= und Inflationsjahren in Deutſchland
Yr überhand nahm und zu zahlreichen tödlichen Zuſammenſtößen
ſſde Forſt= und Jagdſchutzbeamten mit Wilderern führte. In der
zmtlichen Mitteilung heißt es: Bei der Häufigkeit der Jagdfrevel
tüſwie den Gefahren und Schwierigkeiten, die ſich den
Jagdſchutz=
zemten bei der Ermittlung oder Feſtnahme der Täter
entgegen=
zſitelen, iſt im Intereſſe der öffentlichen Sicherheit eine harte und
odrückliche Beſtrafung der Wilderer unbedingt erforderlich. Be=
Yoders ſtreng und unnachſichtig iſt der Kampf gegen den
gewalt=
hägen oder rückfälligen Wilderer zu führen. Dem hat auch die
mionalſozialiſtiſche Geſetzgebung Rechnung getragen.
Verſchärfte Strafbeſtimmungen.
Mit Todesſtrafe, lebenslanger Zuchthaus=
Riafe oder Zuchthausſtrafe bis zu 15 Jahren wird nach dem
Ge=
ſſie vom 13. 10. 33 beſtraft, wer es unternimmt, einen mit
Auf=
t baen der Forſtpolizei betrauten Beamten wegen ſeiner amtlichen
vor dienſtlichen Tätigkeit zu töten, oder wer zu einer ſolchen
Tö=
ſebnßug auffordert, ſich erbietet, ein ſolches Erbieten annimmt, oder
dieſer in ſolche Tötung mit einem anderen verabredet. Ferner ſind die
gelßlrafbeſtimmungen gegen Wilderei durch das Geſetz
hu Aenderung des Strafgeſetzbuches vom 28. 6. 35 erheblich
ver=
ſhirft worden. Gewerbs= und gewohnheitsmäßige Wilderer
wer=
be hiernach in beſonders ſchweren Fällen mit Zuchthaus bis zu
Jahren beſtraft. Wo der Jagdfrevel auf Gewinnſucht beruht,
Iin hohe Strafen notwendig. Selbſt der bloße Beſitz von
Wil=
willerigerät zieht für den einſchlägig Vorbeſtraften Gefängnisſtrafe
dung ſtad ſich.
ttel. P Oft ſind es „harmloſe” Waldbeſucher, die unter der Maske des
dwaklieeren Holz=, Beeren= oder Pilzſammlers der Wilderei
nach=
feben. So haben ſie häufige und aute Gelegenheit, ſich in den
Wld zu begeben und dabei „unauffällig” die von ihnen geſtellten
6chlingen zu kontrollieren. Nicht ſelten wird auch in ganzen
(hinden gewildert, um ſich gegen Ueberraſchungen zu ſichern.
Da unter ſolchen Umſtänden der ſein Revier bewachende Beamte
uftin Lebensgefahr ſchwebt, bedarf keiner weiteren Begründung.
tVile grauſame, Abſcheu erregende Verbrechen ſind dabei ſchon
vo ruchloſen Wilddieben an pflichtgetreuen Forſt= und Jagd=
Cemten verübt worden. Daher iſt ſowohl die Strafbeſtimmung
Ehr den Widerſtand gegen die Forſt= Jagd= und Fiſchereiſchutz=
W: cerchtigten durch das Geſetz vom 28. 6. 35 erweitert, als auch
Ku ds Waffengebrauchsrecht des Forſt= und Jagdſchutzberechtigten
erheblich verſchärft worden.
D Waffengebrauch iſt nicht nur im Falle der Notwehr zuläſſig,
aſſiwern darüber hinaus bereits für den Fall einer Bedrohung
Kit
Re
„un
„ Firt
Der Polizeibericht meldel:
Vorſicht! Kleintierdiebe am Werk! In der Nacht zum 22.
ingüll 1935 wurden aus einer Gartenhütte am Erlenberg 5 Enten
hlen. In der gleichen Nacht wurden aus einer Gartenhütte
m Breitwieſenberg 5 weiße Legehühner und ein
Chinchilla=
tinchen entwendet. In der Zeit vom 20.—21. 12. 1935 brachen
ekannte Täter in einer Gartenhütte an der
Gräfenhäuſer=
ße ein. Wahrſcheinlich dürften es die Täter auf Kleintiere
eſehen haben, was ſie aber dort nicht vorfanden.
Diebſtahl aus einem Auto. Am 22. 12. 1935, zwiſchen 22.45
hi 23.45 Uhr, wurden aus einem Perſonenkraftwagen, der hier
äfner dem Schloß am Kleidergeſchäft Stegmüller aufgeſtellt war,
gtl ilende Gegenſtände entwendet: 1 Paar graue
Wildlederhand=
meöche. 1 Paar graue Hoſenträger, 1 Paar graue
Kamelhaar=
ſaahe, 1 farbige Kittelſchürze, 1 Zahnbürſte, 1 Schachtel
Schuh=
iete und einige Pfund Obſt. Sachdienliche Mitteilungen
erbit=
letdas Landeskriminalpolizeiamt Darmſtadt, Hügelſtraße 31/33,
ur Siymer 27. In der Nacht zum 26. 11. 1935 wurde am Hauſe
ehene mr Gartenwirtſchaft in der Roßdörfer Straße ein Schild. Größe
iſt ſehr5 // 70 Zentimeter, gewaltſam entfernt. Es trug auf blauem
ankoKaton verſchiedene Ausſchankpreiſe von Maltheſerbräu München,
Erſicher Pilſner, Erbacher Gold (dunkel). Sachdienliche
Mittei=
iuunen über den Verbleib des Schildes werden in Zimmer 12 der
Vor/ Polzeidtrektion, Hügelſtraße 31/33, entgegengenommen.
glSchaufenſtereinbruch. In der Nacht zum 5. 12. 1935 wurde
haldns Schaufenſter einer Uhrwarenhandlung in Magdeburg
zer=
trünmert und Damenarmbanduhren mit folgenden Nummern im
„Geſmtwerte von 1439 RM. entwendet: 385, 5818, 5832, 5906,
Mu. 15 445, 15 447. 20 895, 21616 21616/16. 31097, 31 245,
3159, 38 237. 38 566, 44 744, 46 027, 47 035. 49 013, 49 986,
5.156, 53974 54 645,, 55 625, 57 661, 57 673, 57 674 L. 58 081,
(613, 60 266, 60 581, 61891, 62 426, 63 798. 66 554, 67 331,
tverißs 05. 68 319, 77 059, 81 091, 83 529. 97 311, 292 659, 463 845,
n 5-483, 534 110, 601 004, 642 930/90, 643 030, 643 036, 715 041/2,
N7.6534, 51 4 2003, 51 4 2112. 15 721 975, 46/3114 105/7001.
ichtß-6120, 80 850/44. Es handelt ſich um runde, ovale, länglich
ſecig und tonnenförmige moderne Uhren aus Gold, Silber und
Legerungen. Die Marken (Aktus, Lanko, Lako, Wap, Junghans,
Tl, Kienzle, Para Neptun) ſtehen auf dem Zifferblatt.
Soll=
itendie geſtohlenen Uhren zum Kauf angeboten werden, ſo iſt
mut nehend das Landeskriminalpolizeiamt, Darmſtadt, Hügelſtraße
u38, oder die nächſte Polizeiſtelle zu benachrichtigen.
(Fahrraddiebſtähle in Darmſtadt. Am 29. 11. 35 zwiſchen 17
118 Uhr vor dem Hauſe Liebigſtraße 4 ein Damenfahrrad,
Make Ideal, Fabr.=Nr. unbekannt: am 2. 12. 35 gegen 18.30
U vor dem Herz=Jeſu=Hoſpital in der Hermannſtraße ein
Dinenfahrrad, Marke Franklin, Fabr.=Nr. unbekannt; am 30.
15.35 zwiſchen 15 und 17 Uhr aus dem Hofe des Hauſes
Ried=
li=jarſtraße 23 ein Herrenfahrrad, Marke Diamant, Fabr.=Nr.
umhkannt; in der Zeit vom 18. auf 19. 11. 35 aus einem
ver=
ſchloſenen Fahrradraum in der Bismarckſtraße 19 ein
Herren=
fahrad. Marke Walda, Fabr.=Nr. unbekannt; am 7. 12. 35
ge=
gen 16.30 Uhr vor dem Café Hauptpoſt in der Rheinſtraße ein
Hunenfahrrad, Marke Walkenhorſt, Fabr.=Nr. 4036; am 7. 12.
Begen 15.45 Uhr vor dem Hauſe Ludwigsſtraße 5 ein
Herren=
faſad. Marke Prometheus, Fabr.=Nr. 1 848 006; am 7. 12. 35
zmiſhen 15 und 17 Uhr aus dem Hausgang des Hauſes
Ludwigs=
yſtnaße 13 ein Herrenfahrrad, Marke Europa=Komet, Fabr.=Nr.
/25)120; am 14. 12. 35 gegen 22 Uhr an einem Neubau am
Don=
neisergring (zwiſchen Sandberg= und Weinbergſtraße) ein
Her=
reiſhrrad, Marke MWB., Fabr.=Nr. 560 734: am 11. 12. 35
iu zwiſhen 19 und 20 Uhr aus dem Hofe der Kaſerne Holzhofallee
N25 en Herrenfahrrad, Marke Viktoria=Aſtral, Fabr.=Nr. 1 004 423;
am /0. 12. 35 gegen 19 Uhr am Eingang des Hauſes Soderſtraße
04A)ein Herrenfahrrad, Marke Mifa, Fabr.=Nr. unbekannt.
ge=
ſtahlen.
Wo ſteht der Perſonenkraftwagen? Am 11. 12. 1935 wurde
der Perſonenkraftwagen, Marke DKW, polizeiliches Kennzeichen
1.1 — 5781, Fahrgeſtell=Nr. 29 130, Motor=Nr. 342 333,
Vier=
ſitset Reichsklaſſe 1933, dunkelblauer Ueberzug und graublaues
Vccheck, in Nürnberg entwendet. Der Täter iſt mit aller
Wahr=
ſcheſtlichkeit mit dem geſtohlenen Perſonenkraftwagen nach
Darm=
ſtadt gefahren und hat ihn in Darmſtadt oder Umgebung
abge=
ſtell. In Darmſtadt hat der Täter einen weiteren PKW.
ent=
wienlet und iſt mit dieſem nach Aſchaffenburg gefahren, woſelbſt
deeiWagen ſichergeſtellt werden konnte. Perſonen, die
ſachdien=
liche Angaben über den Verbleib des Perſonenkraftwagens mit
denKennzeichen II N — 5781 machen können, werden gebeten.
di eſ an das Landeskriminalpolizeiamt Darmſtadt, Hügelſtraße
31.3 zu richten.
Wohlfahrtsbriefmarken 1935/36. Die Vertriebszeit der
Wolfahrtsbriefmarken mit den Trachten deutſcher Volksſtämme
emdit Ende Februar 1936. Der bisherige Abſatz war wider
Er=
wearen gut und ſind, wie wir hören, die Beſtände bei den
Poſt=
ännten nahezu vergriffen. Ein Zeichen, daß die diesjährigen
Muen ſich beſonderer Beliebtheit erfreuen und
außerordent=
liche Anklang gefunden haben. Geringe Beſtände der
erſchiene=
nenWerte ſind bei allen Ortsgruppen der NSV. und deren
Amtwaltern noch erhältlich. Es kann nur dringend empfohlen
wierden, ſich möglichſt bald einzudecken, da in aller Kürze mit
ei nen vorzeitigen Ausverkauf beſtimmter Werte gerechnet
wer=
deen nuß. Die Marken ſind auch bei der Verkaufsſtelle im
Stadt=
haus Rheinſtraße 16/18, Zimmer 44, zu haben.
mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben, die dem
eigent=
lichen Angriff vorausgeht. Als eine ſolche Bedrohung gilt
es namentlich, wenn die angehaltenen oder flüchtigen Perſonen
der Aufforderung, gefahrdrohende Waffen oder Werkzeuge (Aexte.
Spaten, Knüppel uſw.) niederzulegen, nicht ſofort nachkommen.
Weiterhin ſind die Jagdſchutzbeamten zum Waffengebrauch befugt
zur Ueberwindung vorſätzlichen gewaltſamen Widerſtandes
gegen die in rechtmäßiger Dienſtausübung getroffenen
Maßnah=
men ſowie nach Anruf zur Anhaltung von Perſonen, welche ſich
der Befolgung der Anordnungen, insbeſondere der Feſtnahme auf
friſcher Tat, durch die Flucht zu entziehen verſuchen.
Der Wilderer iſt ein Verbrecher und Tierquäler.
In den allermeiſten Fällen iſt es Arbeitsſcheu oder kraſſe
Gewinnſucht, die den Wilderer treibt. Daher muß ſich jeder
Volksgenoſſe vor Augen halten, daß der Wilddieb nicht der in
zahlreichen Romanen lebensunwahr wiedergegebene, von
ſenti=
mentaler Romantik angehauchte „Wildſchütz” iſt, den nur ſeine
Jagdleidenſchaft treibt, der aber ſonſt ein grundanſtändiger Kerl
iſt, ſondern daß er ein gemeiner Verbrecher iſt wie jeder andere
Dieb oder Räuber, der nur zu häufig den pflichtgetreuen Beamten
kaltblütig zu morden verſucht! Unbarmherzig wird alles
erreich=
bare Wild zuſammengeknallt; ſelbſt das führende Muttertier
fin=
det keine Gnade. Das meiſte wird nur angeſchoſſen und
ver=
ludert. Unzählige Schlingen werden geſtellt, in denen
das Wild ſich langſam zu Tode quält. Seit einer
Reihe von Jahren hat ſich als beſondere Art des Wilderns das
„Autowildern” herausgebildet, gegen das die
Jagdſchutz=
beamten einen ſchweren Kampf führen müſſen. Hierbei wird
nachts das Wild aus den angrenzenden Aeckern und Waldungen
auf die Straße in das Scheinwerferlicht der dort haltenden Autos
getrieben. Sobald ſich das Wild auf der Straße befindet, ſetzen
ſich die Wagen in Bewegung und hetzen mit der größten Roheit
die Tiere zu Tod.
Die Landbevölkerung vor allem muß mitwirken.
um die Wilderei auszurotten und ihr wirkſam entgegentreten zu
können. Es iſt kein Denunzieren, wenn den Behörden von
ge=
meinen Wilddiebereien Mitteilung gemacht wird. Mit aller
Ent=
ſchiedenheit ſei darauf hingewieſen, daß derjenige, welcher der
zu=
ſtändigen Behörde über wahrgenommene Wilderei Nachricht
zu=
kommen läßt, ſeiner Pflicht als Volksgenoſſe nachkommt und
ſelbſtverſtändlich den ſtaatlichen Schutz genießt, auch keine Angſt
vor den Drohungen etwa „intereſſierter‟ Dorfbewohner zu haben
braucht. Bereits in der Schule muß die Jugend in der
richti=
gen Weiſe und eingehend darüber belehrt werden, daß ein
Wil=
derer ein ganz gewöhnlicher Dieb iſt und wie ein ſolcher behandelt
werden muß.
Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. In ſeiner letzten diesjährigen Sitzung behandelte das
Schöffengericht zwei Autounfälle. Der eine trug ſich zu
auf der Chauſſee zwiſchen Roßdorf und Gundernhauſen. Dort
fuhr am 3. November der 36jährige Kurt M. von hier in ſeinem
kleinen DKW. auf der abendlich dunklen Landſtraße, mit ſeiner
Frau und ſeinem Buben von einem kleinen Sonntagsausflug
zurückkehrend. Der Mann fuhr nicht nur ganz rechts, ſondern
ſogar auf dem mit Kies beſtreuten Bankett, ſo daß er eine Frau,
die mit ihrer Freundin zuſammen dort ging, anfuhr und ſchwer
verletzte. Der Angeklagte fuhr indeſſen ruhig weiter. Er
mel=
dete ſich dann zwar auf der Polizei und behauptete — auch heute
noch —, er habe gar nichts gemerkt von dem Unfall. Das
Ge=
richt ſteht jedoch nach eingehender Beweisaufnahme nicht an,
dieſe Behauptung des Angeklagten als unwahr zu erklären. Der
Richter führt aus, daß der Angeklagte, der wegen
Unterſchlagun=
gen bei der Kriegsopferverſorgung ſchon einmal ganz erheblich
vorbeſtraft iſt, auch in dieſem Falle nicht die moraliſchen
Quali=
täten gezeigt habe, die man von jedem Volksgenoſſen verlangen
könne, daß er nämlich wenigſtens ſo ſchnell wie möglich umkehrte,
um zu helfen, was nur irgend in ſeinen Kräften ſtand. Eine
Geldſtrafe ſei daher vollkommen ausgeſchloſſen. Es erkennt auf
eine Gefängnisſtrafe von drei Monaten. Drei
Wochen Unterſuchungshaft — der Angeklagte war wegen
Ver=
dachts der Führerflucht, die ihm jedoch heute nicht nachgewieſen
iſt, gleich nach dem Unfall verhaftet worden — werden
ange=
rechnet.
Es wird dann der Unfall verhandelt, der ſich am 7. Oktober
auf der Autobahn ereignete und bei dem Prinz Ludwig von
Heſſen ſchwer verletzt wurde. Es ergibt ſich, daß das Verſchulden
des Angeklagten doch nicht derart kraß war, wie man anfangs
vermutete. Der Angeklagte ein Kraftfahrer aus Frankfurt der
die Arbeiter auf der Autobahn und Material beförderte, hatte
an dieſem Tage von Darmſtadt einen ganz neuen Anhänger
mit=
genommen, um ihn an einer Tankſtelle abzuliefern, und war im
Vertrauen, daß er noch vor Dunkelwerden ſein Ziel erreichen
könne, ohne Beleuchtung für den Anhänger fortgefahren. Er
hatte außerdem nicht für genügend Brennſtoff geſorgt, ſo daß
mitten auf der Strecke der Motor ſtillſtand. Man beratſchlagte
gerade, was zu machen ſei, man hatte auch ſchon über eine
Be=
leuchtung des Anhängers geſprochen, als das Perſonenauto
heranfuhr. Der Prinz bekundet ſelber als Zeuge, daß er 80—85
Kilometer gefahren ſei, und trotzdem er gerade wegen eines
ent=
gegenkommenden Autos abblenden mußte, die Geſchwindigkeit
auch kaum ermäßigt habe. Das Auto wurde vollkommen
zer=
trümmert, und es ſei ein Wunder, und nur der offenen Bauart
zu verdanken, ſo bekundet der Sachverſtändige, daß der Prinz mit
dem Leben davongekommen ſei. Das Gericht verurteilt den
An=
geklagten infolgedeſſen zu einer Gefängnisſtrafe von
zwei Monaten, die durch die Unterſuchungshaft verbüßt iſt.
Der Haftbefehl wird aufgehoben. Es waren außerdem noch zwei
Mitfahrer angeklagt, die beſchuldigt werden, auf der Polizei
zu=
gunſten des Angeklagten falſche Angaben gemacht zu haben. Man
nahm ſogar an, daß der Angeklagte ſie dazu überredet habe, doch
läßt ſich das heute nicht nachweiſen. Die beiden werden wegen
Begünſtigung zu einer Geldſtrafe von je 50 Mark
ver=
urteilt.
Das Gericht verurteilt dann im Schnellverfahren den
29jährigen W. K. aus Griesheim wegen Widerſtands gegen die
Staatsgewalt zu einer Gefängnisſtrafe von drei
Mo=
naten. Der Angeklagte, der vorbeſtraft iſt, hatte ſich vor acht
Tagen einen Rauſch angetrunken und dann vor dem Hauſe ſeines
ehemaligen Hausherrn randaliert. Ein SS.=Mann und
Hilfs=
poliziſt wurde von einer Frau, die in das Haus hinein wollte,
gebeten. den Betrunkenen zu entfernen, und er ging auch zunächſt
mit. Eine Straße weiter fiel er jedoch plötzlich den SS.=Mann
an, riß ihn zu Boden und entriß ihm ſeinen Dolch. Der
Ange=
klagte behauptet heute, er wiſſe von gar nichts. Das Gericht
läßt ſeine Trunkenheit natürlich in keiner Weiſe als
ſtrafmil=
dernd, eher als ſtrafverſchärfend gelten. Der Angeklagte wird
gleich abgeführt.
Hermann Göring.
Reiſeverkehr mit der Schweiz. Der Leiter der Reichsſtelle
für Deviſenbewirtſchaftung hat ſich durch die einſeitige Erführung
von Reiſekontingenten durch die ſchweizeriſche Regierung veranlaßt
geſehen, die Beſtimmungen des Runderlaſſes Nr. 231/35 D. St.
über den Reiſeverkehr nach der Schweiz durch den Runderlaß Nr.
235/35 D. St. teilweiſe aufzuheben. Der Erwerb und die
Verbrin=
gung von Reiſekreditbriefen und anderen Reiſezahlungsmitteln
nach der Schweiz iſt danach nur noch zuläſſig, wenn es ſich um einen
Sanatoriums=, Studien= oder Erziehungsaufenthalt in der Schweiz
handelt oder durch amtsärtliches Zeugnis nachgewieſen wird, daß
eine Reiſe nach der Schweiz oder ein weiterer Verbleib in der
Schweiz aus geſundheitlichen Gründen notwendig iſt. In allen
die=
ſen Fällen bedarf es der vorherigen Genehmigung der zuſtändigen
Deviſenſtelle.
Aus Heſſen.
Ungülkige Karkoffel-Sachverſtändigenſtempel.
Fwd. Die Hauptvereinigung der Deutſchen Kartoffelwirtſchaft
gibt bekannt, daß die von ihr verausgabten
Sachverſtändi=
genſtempel Nr. 60, 163, 757, 953, 1306, 1616, 1741 und 1804
verloren gegangen ſind und daher keine Gültigkeit mehr haben.
Sofern Gutachten mit einem der vorbezeichneten Stempel
abge=
geben werden ſollten, bitte die HV. der Deutſchen
Kartoffelwirt=
ſchaft, Berlin SW. 68, Wilhelmſtraße 98, um unverzügliche
Mit=
teilung. — Mißbrauch der vorſtehenden Sachverſtändigenſtempel
wird ſtrafrechtlich verfolgt.
Griesheim, 27. Dez. Unfall. Der Weichenſteller
Chri=
ſtian Jager, dem im Kriege ein Bein teilweiſe amputiert wurde,
rutſchte im Hausflur ſeines Wohnhauſes. Hofmannſtraße 39, hier,
aus und ſtürzte ſo unglücklich, daß er mit einer ſchweren
Kniever=
letzung am beſchädigten Bein in das Stadtkrankenhaus in
Darm=
ſtadt verbracht werden mußte. Sein Staatsexamen mit „Sehr gut”
beendete letzte Woche Herr Hans Hühnergarth, Sohn des
Zollbeamten Auguſt Hühnergarth, Beſſunger Straße 13, hier, der
in Bonn Medizin ſtudierte.
Ar. Eberſtadt, 27. Dez. Bühnenſchauturnen des TV.
1876. Einen ſehr darbietungsreichen Abend bot der Verein ſeinen
zahlreichen Gäſten am Abend des 1. Feiertages. Jungturner,
Tur=
ner und Turnerinnen teilten ſich in gleicher Hingabe in der
Dar=
bietungsfolge, die mit einem feſtlichen Geſtalten der Turnerinnen
eröffnet wurde. Freiübungen mit Liedbegleitung und Sprechchor
„Für Volk und Vaterland” bildeten die erweiterte Einleitung mit
anſchließender Begrüßung des Vereinsleiters, der die
Darbie=
tungsfolge des Abends als Beginn und Anſporn des vom V. f. L.
angeſetzten Programms bezeichnete. Es folgten dann
Vorführun=
gen obengenannter Abteilungen in Form von Körperſchule.
Pferdeturnen der Turner, als originelle Abwechſlung durch die
Turnerinnen eine weihnachtliche Einlage. Dein iſt mein
Pfeffer=
kuchenherz” mit beſonderem Beifall. Das Schwingen mit elektriſch
bunt leuchtenden Keulen war ebenfalls eine illuminale
Sonder=
nummer. Am Stützbarren zeigten die Turnerinnen Leiſtungen
be=
ſonderer Anerkennung, demgegenüber die Turner erſter und
zwei=
ter Garnitur am Barren und Reck ihre Fortſchritte leiſtungsfähig
unter Beweis ſtellten. Reigen, Tänze, Stabübungen u. a. m.
ver=
vollſtändigten die Darbietungsfolge angenehm und
abwechſlungs=
reich. Die Auszeichnung in der Wanderabteilung beſchloß den
tur=
neriſchen Teil, dem ſich der gemütliche Teil mit Tanz anſchloß. —
Auch die Turngeſellſchaft lieferte einen ſprechenden Beweis
ihrer Wintertätigkeit bei vollbeſetztem Saal mit ihrem
Bühnen=
ſchauturnen. Alle Abteilungen, von den Kleinſten bis zu den
Ge=
übteſten wetteiferten, um Zeugnis abzulegen von dem, was ſie
unter Leitung ihrer Abteilungsführer gelernt haben. Und das
haben ſie auch. Sämtliche Aktiven präſentierten ſich beim
Auf=
marſch mit Begrüßung und ſchön geſprochenem Prolog, der den
Jahnſchen Gedanken in ſeiner heutigen Ausführung deutete, mit
anſchließendem gemeinſchaftlich geſungenen Lied „Getreu allezeit.
Und nun wechſelten Keulen=, Frei= und Geſellſchaftsübungen,
Tur=
nen am Barren, Reck und Pferd, Ringturnen und Stabübungen.
Dozwiſchen angenehm abwechſelnd Reigen der Schülerinnen.
Wal=
zerreigen und Volkstänze der Turnerinnen. Es waren Ausſchnitte
aus dem vielſeitigen Turnbetrieb, die den Ausfuhrenden wie den
Leitern verdienten Beifall brachten und ſo dem Verein einen
vollen Erfolg.
Fo. Groß=Zimmern, 27. Dez. Infolge des Glatteiſes
kam in der Reinheimer Straße ein Mann zu Fall und wurde in
bewußtloſem Zuſtand in ein nahegelegenes Haus gebracht. Der
Verunfallte iſt Schwerkriegsbeſchädigter.
Cs. Ueberau 27. Dez. Im Gaſthaus „Zur Krone” fand ein
Elternabend ſtatt. Lehrer Egly begrüßte die Eltern mit
dem Hinweis, daß hier Spiele und Sprechchöre ſowie Lieder der
neuen Richtung in der Erziehung abwechſeln. Im beſonderen
be=
tonte Redner, daß heute an erſter Stelle die körperliche Erziehung
und Ertüchtigung vor die geiſtige Ertüchtigung trete. Deshalb
müſſen die Eltern in der Schulgemeinſchaft darauf hingewieſen
werden, daß der tägliche Körperſport vor jedem Schulunterricht
eine der Hauptvorausſetzungen ſein müſſe, einen geſunden Körper
und Geiſt zu formen. Die Anſprache ſchloß mit unſeres Führers
Worten „Du deutſche Jugend werde ſchlank und rank, zäh wie
Leder, ſchnell wie Windhunde und hart wie Kruppſtahl, und du
kannſt damn mit ſtarkem Willen das erfüllen, was dir das
Schick=
ſal der Weltgeſchichte auferlegt und von dir fordert. — Sämtliche
drei Klaſſen der Schule führten das von ihnen Geforderte mit
einer Hingabe aus, daß man feſtſtellen muß, die Kinder haben
ſchon viel in der Erziehung der vom Staate geforderten Pflichten
erfaßt. Selbſt die Kleinſten ſpielten ihre Rollen vortrefflich. Zum
Schluſſe ſprach Lehrer Büchler noch einige Worte mit dem
Hin=
weis, daß der letztvorgetragene Sprechchor „Kampf gegen Hunger
und Kälte” beſonders beherzigt werden ſollte und ein jeder nach
ſeinem Möglichen nicht nur bloß ſpenden, ſondern opfern ſolle.
Fe. Reichelsheim, 23. Dez. Am Samstag, den 21. Dezember,
hatte der Graf zu Erbach=Erbach im hieſigen Bezirk ſeine
dies=
jährige Treibjagd. 54 Haſen und 4 Faſanen wurden zur
Strecke gebracht. Wie alljährlich, ſo war auch dieſes Jahr nach
Schluß des Treibens ein Eſſen im Gaſthaus „Zum goldenen
Engel. Graf Konrad, der perſönlich an der Jagd teilnahm, lud alle
Jäger und Treiber, die ziemlich durchfroren waren, ein, aber die
Treiber, zirka 20 an der Zahl, lehnten ab und baten, den
Ge=
ſtehungspreis der auf ſie entfallenden Getränke dem
Winterhilfs=
werk zu überweiſen, was auch in den nächſten Tagen geſchehen ſoll.
Ci. Erbach, 23. Dez. Werbe= und Schauturnen des
Turnvereins 1860. Das Saalwerbe= und Schauturnen des
Turnvereins 1860 zeigte erneut, wie der im hieſigen Städtchen
für die turneriſche Betätigung aufgewandte Fleiß durch ſchönſte
Erfolge belohnt wird. Schon der Aufmarſch wies alle Altersſtufen
auf: die ſich anſchließenden Uebungen riefen nun groß und klein
auf den Plan und brachten durch Ausführung und Abwechſlung
ein allſeitiges Bild zeitgemäßer turneriſcher Arbeit. Den
Will=
kommengruß entbot mit herzlichen Worten der Vereinsführer Fritz
Horn: eine frohe Ueberraſchung wurde dem Ehrenvorſitzenden
Fritz Württenberger, dem für ſein raſtloſes und
nimmer=
müdes Eintreten für die Verwirklichung der Forderungen Jahns
der Ehrenbrief der Deutſchen Turnerſchaft überreicht werden
konnte. — Vom VDA. Die Bezirksgruppe Erbach des Vereins
für das Deutſchtum im Auslande ließ in den größeren Schulen
als Puppentheater „Die geſtohlene Sammelbüchſe”, ein Bild aus
dem Weichſelkorridor, aufführen und brachte damit neben der
Freude am Spiele der aufmerkſam lauſchenden Jugend auch ein
lebendiges Bild der Verhältniſſe im abgetrennten deutſchen
Oſt=
lande. — Kundgebung für das Winterhilfswerk.
Schuljugend. Jungvolk und Jungmädels ſammelten ſich am
Sams=
tag vormittag zu einer eindrucksvollen Kundgebung für das
Win=
terhilfswerk im neuen Schulhauſe, wobei Märſche des Muſikzuges
unſeres Jungvolks, gemeinſam geſungene Lieder und
Gedichtvor=
träge die Anſprache des Rektors Weber umrahmten. Die
Kund=
gebung ſchloß mit einem freudig aufgenommenen Sieg=Heil auf
das deutſche Vaterland und den Führer und dem gemeinſamen
Geſange unſerer beiden Nationallieder. Am Abend fanden damn
die von den Jugendverbänden veranſtalteten Sonnenwendfeiern
ſtatt — Stadtſchule und Winterhilfswerk. In den
Handarbeitsſtunden der letzten Wochen fertigten die Schülerinnen
unſerer Volks= und Berufsſchule mit vielem Fleiße allerlei warme
Kleidungsſtücke im Dienſte des Winterhilfswerkes an, wozu die
Rohſtoffe aus Mitteln der NS.=Volkswohlfahrt und des ſtädtiſchen
Voranſchlages bereitgeſtellt worden waren. Die angefertigten
Stücke wurden in geſchmackvoller Aufmachung zu einer Ausſtellung
vereinigt und ſo der Oeffentlichkeit geſtern koſtenlos zugänglich
gemacht.
Bm. Schlierbach, 23. Dez. Gefallenenehrung. Was
ſchon lange der Wunſch vieler Gemeindeglieder war, ſoll nun
Wirklichkeit werden. Der Kirchenvorſtand unſeres Kirchſpiels hat
beſchloſſen, in der Kirche zwei Gedächtnistafeln für die im
Welt=
krieg gefallenen Kirchſpielangehörigen anbringen zu laſſen. Die
Koſten belaufen ſich auf rund 300 Mork. Die künſtleriſche
Aus=
führung der beiden Tafeln wird der heſſiſche Kirchenmaler Kienzle,
der auch unſere Kirche im Inneren vor einigen Jahren
wieder=
hergeſtellt hat, übernehmen
Am. Biebesheim. 26. Dez. Zur letzten Ruhe getragen
wurde geſtern der hier im Ruheſtand lebende Lehrer Graf.
Der Verſtorbene, der im 70. Lebensjahre ſtand, wirkte ſeit etwa
1900 in unſerer Gemeinde als Lehrer. Nebenbei verſah er noch
den Organiſtendienſt und leitete bis zu ſeiner Verſetzung in den
Ruheſtand den Kirchengeſangverein. Seine reichen Kenntniſſe im
Obſtbau machte ihn zu einem geſchätzten Mitglied des
Gartenhau=
vereins. Nach dem nationalen Umſchwung übernahm er den
Aus=
bau der NSV. und ſtellte ſich voll und ganz in den Dienſt der
guten Sache. bis ihn ſeine Geſundheit zwang, das Ehrenamt
auf=
zugeben. Eine außerordentlich großes Trauergefolge gab dem
allgemein Geachteten das letzte Geleite.
Seite 8 — Nr. 355
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 28. Dezember 1935
Weihnachtsfeiern auf dem Lande.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 27. Dez. Die Weihnachtsfeiertage
ſtan=
den im Zeichen der Veranſtaltungen der Vereine, namentlich der
beiden Geſangvereine, die beide einen guten Zuſpruch verzeichnen
konnten. Beide Veranſtaltungen hielten ſich im Rahmen der
üb=
lichen Weihnachtsprogramme. Es gelangten Theaterſtücke,
humo=
riſtiſche Vorträge und dergleichen zur Aufführung, die mit
Chor=
vorträgen der Vereine abwechſelten. Gelegenheit zum Tanz war
reichlich vorhanden und es wurde dieſe von jung und alt auch
wahrgenommen. — Der Geſangverein „Eintracht=
Freund=
ſchaft” machte, wie alljährlich, auch in dieſem Jahre den
Kran=
ken der hieſigen Anſtalten wieder ſeine Aufwartung und ſang
unter der Leitung ſeines Dirigenten, Herrn Jäger=Arheilgen,
meh=
rere Chöre, die bei den Kranken lebhaften Anklang fanden.
C. Ober=Ramſtadt, 23. Dez. Weihnachtsfeier. Unter
Mitwirkung des Poſaunenchors, der NS.=Frauenſchaft und des
Ev. Frauenvereins fand im Saalbau „Suppes” die
Weihnachts=
feier der NSDAP. und ihrer Gliederungen, gemeinſam mit den
Betreuten des Winterhilfswerks, ſtatt. Dem Gemeinſchaftsempfang
der Rede des Reichsminiſters für Volksaufklärung und
Propa=
ganda, Pg. Dr. Goebbels, ging eine Anſprache des
Ortsgruppen=
leiters, Pg. Bürgermeiſter Jörgeling, voraus, in welcher er alle
Erſchienenen herzlichſt begrüßte und auf den tiefen Sinn unſerer
heutigen Weihnachtsfeiern einging. Einem Weihnachtspotpourri
des Poſaunenchors folgte ein Lied der NS.=Frauenſchaft „
Mutter=
liebe. Mutterſegen”, unter bewährter Stabführung des Herrn
Lehrers Adelberger zu Gehör gebracht. Ein Gedicht leitete zum
Adventsſpiel „Sorge, Hunger und Gericht” von Mitgliedern des
Ev. Frauenvereins wiedergegeben, über. Es folgte wieder ein
Weihnachtslied des Poſaunenchors und ein weiteres Adventsſpiel:
„Winter, Tanne und Chriſtroſe”, des Ev. Frauenvereins, das in
dem vom Poſaunenchor geſpielten Lied „Stille Nacht” ausklang.
Der Ortsgruppenbeauftragte des WHW., Pg. Breitwieſer, dankte
in einer Anſprache allen, die zum guten Gelingen dieſer
Feier=
ſtunde beigetragen, insbeſondere aber auch der NS.=Frauenſchaft,
die am vorausgegangenen Sonntag einen „Deutſchen Abend”
ver=
anſtaltete und daraus dem Winterhilfswerk einen ſehr namhaften
Betrag zur Verfügung ſtellte.
G. Ober=Ramſtadt, 27. Dez. Weihnachtsfeier des
Kin=
dergottesdienſtes Am 1. Weihnachtsfeiertag fand, wie
alljährlich, die Weihnachtsfeier des Kindergottesdienſtes in der
Kirche ſtatt, die beſonders von der Jugend, aber auch von Aelteren
gut beſucht war. — Am 1. Weihnachtsfeiertag fand im
Schützen=
hof die traditionelle Weihnachtsfeier des Geſangvereins „
Ger=
mania” ſtatt, bei welcher das Weihnachtsſtück „Gefundenes Glück
zur Aufführung kam. — Der Samperſche Männerchor hielt im
gleichen Lobal am 2. Feiertag einen Vereinsball ab und im „
Lö=
wen” veranſtaltete der Geſangverein „Eintracht” 1856 als Auftakt
zu ſeinem 80jährigen Stiftungsfeſt einen Jubiläumsball.
Fo Groß=Zimmern, 27. Dez. Am erſten Weihnachtstag
ver=
anſtalteten die beiden hieſigen Geſangvereine ihre
Weihnachts=
feiern, die überaus gut beſucht waren. Der
Männergeſang=
verein brachte im Saalbau „Zur Linde” die Märchen=Operette
„Das goldene Lachen” und die Sängervereinigung im
„Kaiſerſaal” das Drama „Durch Freud und Leid zur
Weihnachts=
zeit” zur Aufführung.
k. Dieburg, 27. Dez. Vom Weihnachtsfeſt. Auf dem
Marktplatz war von der Stadtverwaltung ein großer Chriſtbaum
mit elektriſcher Beleuchtung aufgeſtellt, wie es in den letzten
Jah=
ren vielerorts üblich geworden iſt. Die kirchlichen Feiern des
hochhl. Weihnachtsfeſtes, die Chriſtmetten in der Kapuzinerkirche
um 12 Uhr nachts ſowie in der kathol. Pfarrkirche um 5 Uhr früh
waren von den Gläubigen ſehr ſtark beſucht, ebenſo der
Haupt=
gottesdienſt, in dem am erſten Feiertag der Kirchenchor den
Gre=
gorianiſchen Choral ſang, der im neuen Mainzer Geſangbuch
Auf=
nahme gefunden hat. — In der evang. Kirche war am Heiligen
Abend eine liturgiſche Weihnachtsfeier, während die beiden
Weih=
nachtstage feſtlicher Gottesdienſt die Gemeinde in der Kirche
ver=
einte. — Die beiden Geſangvereine, Kellerſcher
Männergeſang=
verein und die „Sängerluſt”, veranſtalteten am zweiten
Weih=
nachtsfeiertag ihre traditionellen Konzerte mit anſchließendem
Ball. die ausverkaufte Häuſer aufzuweiſen hatten. Der
Männer=
geſangverein verzeichnete in ſeinem Programm neben vielem
an=
deren ein Luſtſpiel „Die Radimquelle” von Hans Otto Becker,
Amtsgerichtsrat i. R., Dieburg, während die „Sängerluſt” als
Zugnummer Frau Allmanritter=Darmſtadt als Sopranſoliſtin
ver=
zeichnete. — Die Sportvereinigung „Haſſia” hatte die ſpielfreien
Feiertage benutzt, um die Mitglieder und Freunde des Vereins
zu einer Weihnachtsfeier mit Chriſtbaumverloſung im
Vereins=
lokal zu vereinigen. Im übrigen verliefen die Feſttage ohne
Stö=
rung in ruhiger Weiſe.
Cg. Reinheim, 27. Dez. Am Beſcherabend ſpielte der
Poſau=
nenchor an den Straßenkreuzungen und teils in den Straßen
weih=
nachtliche Choräle. Am 1. Feiertag fand der Feſtgottesdienſt um
10 Uhr ſtatt, die Kirche war bis zum letzten Platz beſetzt, Pfr. Dr.
Meiſinger ſprach über Joh. 1, V 4 und rief an Hand dieſer
Textworte ſo recht Bedeutung und chriſtlichen Charakter des
Weih=
nachtsfeſtes ins Gedächtnis. Der Poſaunenchor ſpielte zum
Ein=
gang und zum Schluß des Gottesdienſtes, der ev.
Kirchengeſang=
verein ſana „Ehre ſei Gott in der Höhe‟. Am Nachmittag hatten
die Kinder, die am Kindergottesdienſt teilnehmen,
Weihnachts=
feier. Die Weihnachtsgeſchichte las Pfr. Dr. Meiſinger, dazwiſchen
trug jede Gruppe kleine Gedichte vor und zum Schluß erhielten
die Kinder, ſoweit ſie am Gottesdienſt teilnahmen.
Jugendſchrif=
ten. Außerdem fand am Abend eine liturgiſche Weihnachtsfeier
ſtatt, hier war die Chorſchule und weiter noch Kinder mit kleinen
Gedichten im Wechſelgeſang mit der Gemeinde beteiligt. Die
Pre=
digt des zweiten Tages hatte Pfr. Sehrt von Ueberau über Johs.
Kap. 1. und ſeine Worte, die die Perſon unſeres Heilandes gerade
in Beziehung zu unſeren menſchlichen Schwächen brachte, machten
wohl auf alle tiefſten Eindruck.
Le. Groß=Umſtadt, 27. Dez. Das Städtiſche
Kranken=
haus hielt ſeine Weihnachtsfeier, verbunden mit einer ſchlichten
Abſchiedsfeier für die Krankenſchweſter Marie Ziegler. Herr
Pfarrer Hartmann widmete derſelben am Schluſſe ſeiner
Weih=
nachtsandacht ehrende Worte. Sie kehrt nach 50jähriger
Schwe=
ſterntätigkeit ins Mutterhaus nach Darmſtadt zurück. Herr
Bür=
germeiſter Magſaam, in Begleitung von Herren des
Stadtvor=
ſtandes, brachte den herzlichen Dank der Stadt Groß=Umſtadt für
ihre langjährigen treuen Dienſte unter Ueberreichung eines
Bild=
niſſes des hieſigen Krankenhauſes zum Ausdruck. Das Bild ſtammt
von unſerem einheimiſchen Künſtler Lutz Kraus. Auch Herr Dr.
Gefe fand prächtige Worte für die verſtändnisvolle
Zuſammen=
arbeit mit den Aerzten, beſonders hervorhebend, daß Schweſter
Marie es ſo recht verſtanden habe, auch im Krankenhaus einen
Geiſt der Fröhlichkeit walten zu laſſen.
In der Turnhalle der Oberrealſchule fand die Weihnachtsfeier
des evangeliſchen Frauenvereins für die Beſucher der
Mütterabende ſtatt, zu welcher ſich ungefähr 180 Mütter
eingefun=
den hatten. Unter dem brennenden Weihnachtsbaum ſprach Herr
Pfarrer Hartmann zu den Müttern. Kinder trugen in Gedicht,
Lied und kleinen Aufführungen die Weihnachtsbotſchaft vor,
wor=
auf gemeinſame Weihnachtslieder folgten. Den Schweſtern, als
den Betreuern der ſtillen Mütterabende, überreichte die neue
Vor=
ſitzende der evungeliſchen Frauenhilfe, Frau Pfarrer Briegleb, als
Zeichen des Dankes eine Geldſpende der Mitglieder.
Auch Schweſter Eliſabeth von der Städtiſchen
Kleinkin=
derſchule hatte ihre kleinen Lieblinge in der evangeliſchen
Stadtkirche zu einer Weihnachtsfeier um ſich verſammelt. In
ſei=
ner Anſprache wandte ſich Herr Pfarrer Thaer an die Eltern mit
dem Hinweis, daß die Kinder nicht nur Gegenſtände unſerer
El=
ternliebe, ſondern der ewigen göttlichen Liebe ſind.
Die Weihnachtsfeier der Ortsgruppe der NSDAP.,
die beſtimmungsgemäß im ganzen Reiche am 22. Dezember, abends,
ſtattfand, brachte einen überfüllten Saal zum Weißen Roß. Nach
Anhörung der Rede des Reichsminiſters Dr. Goebbels folgte von
der großen Menge das uralte Weihnachtslied „Stille Nacht,
hei=
lige Nocht”. Ortsgruppenleiter Wiesner brachte den Dank an
den Führer zum Ausdruck, durch welchen wir in froher
Volksver=
bundenheit dieſes ſchone Feſt feiern können. Von Kindern
geſun=
gene Weihnachtslieder und das von dem BDM. aufgeführte
Weih=
nachtsſpiel „Auf dem Weihnachtsmarkt”, das Bild „Apotheoſe für
den Führer und das von ihm entrollte Symbol des dritten
Rei=
ches”, vom Wort des SA.=Mannes gedeutet, die Beſcherung
be=
ſtimmter Kinder, deren Eltern und an die vom Winterhilfswerk
betreuen Volksgenoſſen, an welche 500 Weihnachtspakete zur
Aus=
gabe gelangen konnten, füllten das Programm.
Dg. Hergershauſen, 27. Dez. Im Saale von Gaſtwirt Hägny
veranſtaltete der Geſangverein „Liederkranz”, ein
Weihnachtskonzert, das einen guten Beſuch zu
verzeich=
nen hatte. Der Chor, der unter der ſtraffen Stabführung des
Dirigenten Küchler von Dudenhofen ſteht, brachte die Chöre
„Waldkonzert” von Kern, „Abſchied” von Kirchl, das ſchöne
Lönslied „Roſemarie” von K. Grim ſowie „Waldquelle” von
Bau=
mann zu Gehör. Es folgten die drei flotten Soldatenlieder
Steh ich in finſtrer Mitternacht”. „Huſarenliebe” und das nette
Marſchlied „Wenn die Garde marſchiert”. Den Abſchluß bildeten
Griegs großer Chor „Landerkennung” mit Orcheſterbegleitung
und der bekannte Straußwalzer Weib. Wein und Geſang”,
ebenfalls mit Orcheſterbegleitung. In den Pauſen wartete die
Kapelle Lautz=Babenhauſen mit Muſikvorträgen auf, die auch bei
Begleitung der beiden letzten Chöre ihrer Aufgabe gerecht wurde.
Die gute Wiedergabe der Chöre fand verdienten Beifall. Ein
anſchließendes Tänzchen hielt alt und jung noch einige Zeit
ge=
mütlich zuſammen.
r. Babenhauſen, 27. Dz.
Weihnachtsveranſtaltun=
gen. Es gab eine ganze Reihe, und alle nahmen einen
ſtim=
mungsvollen, feſtlichen Verlauf. Im Parteilokal der NSDAP.
„Zum Adler” wurde den vom Winterhilfswerk betreuten
Volks=
genoſſen beſchert. 150 Kinder erhielten Konfekt und Spielzeug,
173 Weihnachtswunſchpakete wurden ausgeteilt und kurz vor dem
Feſt noch einmal 50 Pakete mit Kleidungsſtücken und
Lebensmit=
teln an kinderreiche Familien. — Die NS. Frauenſchaft
hatte alle über 70 Jahre alten Frauen eingeladen und beſchenkte
ſie mit reichen Gaben. Am erſten Feiertag herrſchte
weihnacht=
liche Freude bei den vielen Kindern des Ev.
Kindergottes=
dienſtes, die mit Gedichtvorträgen und einem Weihnachtsſpiel
ihre Feier verſchönten. — Eine beſonders erhebend verlaufene
Feier, an der die ganze Gemeinde nach dem Gottesdienſt am 2.
Feiertag innigen Anteil nahm. war die kirchliche Feier zu
Ehren von drei Ehepaaren, welche gemeinſam ihre
Gol=
dene Hochzeit feierten. — Die NSG. „Kraft durch
Freude” veranſtaltete am erſten Feiertage einen recht
ſtim=
mungsvoll verlaufenen Alt=Wiener=Abend bei der das Landes=
Symphonieorcheſter unter der bewährten Leitung des
Kapellmei=
ſters Paul Cornelius mit einem ausgezeichneten Programm
auf=
wartete.
Ev. Mümling=Grumbach, 27. Dez. Am Weihnachtsabend
fand in unſerer kleinen Bergkirche eine Feier ſtatt. Under Leitung
des Pfarrers May führten Konfirmanden und ältere Schüler ein
Krippenſpiel auf: „Der Stern von Bethlebem.” Es wurde am
2. Feiertag im Kindergottesdienſt wiederholt. — Am 1. Feiertag
abend hatte die „Sängervereinigung” zu einer Feier im
Shale des Gaſtwirts Hofferberth eingeladen. Der Verein ſang
unter Leitung ſeines Dirigenten Herbert zwei Weihnachtschöre.
Dann folgte ein längeres Weihnachtsſpiel: „Zwei rote Roſen.”
Nach einem weiteren Chor des Vereins fand eine Verloſung ſtatt.
Fe. Reichelsheim, 27. Dez. Der Poſaunenchor trat auf
Weih=
nachten wieder in Tätigkeit. Am heiligen Abend ſpielte er zuerſt
in der Göttmannſchen Heilſtätte ſchöne Weihnachtslieder und dann
auf dem Kirchplatz. Dieſe Lieder galten gleichzeitig dem an
die=
ſem Tage 89 Jahre alt gewordenen Kirchendiener und Glöckner
Röder. In voller Rüſtigkeit verſieht er jetzt ſchon nahezu 60 Jahre
den Kirchendienſt und war als erſter wieder am 1. Feiertag,
mor=
gens um 4 Uhr am Glockenſtuhl, um in einem viertelſtündigen
Geläute mit allen Glocken den Weihnachtsfrieden verkünden zu
helfen. Am 1. Feiertag ſang der Kirchenchor in der bis auf den
letzten Platz gefüllten Kirche zwei Lieder und am 2. Feiertag wan
es der Poſaunenchor, der ebenfalls vor derſelben Zahl Gottes=,
dienſtbeſucher ſeine Melodien ertönen laſſen konnte. Ueberall hörft
man ein Lob, auf den Führer und ſein Werk von denjenigen, dii
überreichlich mit Gaben von der NSV. am 23. Dezember beſcher
wurden. So verliefen hier die Feiertage unter allgemein großen
Jubel. Nur eine Familie wurde am 2. Feiertag in Trauer verſetz=
Der Metzgermeiſter Peter Hartmann verſtarb infolge eines Her.
ſchlages, und viele, die am Abend vorher noch bei ihm in eing=
Wirtſchaft ſaßen, konnten es gar nicht faſſen, daß der allſeits
b=
liebte Geſellſchafter nicht mehr leben ſollte.
m. Beerfelden, 27. Dez. Die kirchlichen Feiern der Weiw,
nachtstage begannen mit einer Chriſtveſper am Dienstcn
abend. Das Geſangliche im erſten Teil der Liturgie beſtritt de
Gemeinde, im zweiten Teil der Kinderchor, der Kirchengeſan.
verein beteiligte ſich am Anfang und Ende je mit einem ſchöns=
Chor. Die Chriſtveſper, wie auch der Gottesdienſt am erſten Wei=) waren auch von den Filialen ſehr gut beſucht, ſo daß w
beiden Tagen unſere große Kirche gut beſetzt war. Am
Weihnacht=
feſt wirkte der Kirchenchor wieder am Gottesdienſt mit,
letztere-
folgte das Abendmahl. Nachmittags um 3.30 Uhr begann d
Weihnachtsfeier bei den Teilnehmenden am Kindergottesdien
auch hier bei den brennenden Weihnachtsbäumen Weihnachtsli
der, geſungen und geſprochen, und am Schluß eine
Weihnachtsgabb=
un die Kinder in Geſtalt von Heftchen. Abends 5 Uhr folgte en
Gottesdienſt mit Beichte und Abendmahl. Der Vormittagsgotte.
dienſt am zweiten Weihnachtstage beſchloß den Kreis der kirchk
lichen Weihnachtsfeiern.
Da
Eine Waldfee=Anlage in Beerfelden.
m. Täglich wächſt die Schneedecke, von den Hängen erſchal-!
das luſtige Treiben der rodelnden Jugend. Spuren von Skifallk
rern teilen das weite Schneegelände in überſichtliche Abſchnitt
überall Winter und Winterluſt! Kann man da von den
Reize=
eines Waldſees ſchwärmen!? Gewiß, und das um ſo mehr, wenu
derſelbe neu erſtanden iſt und er im kommenden Frühjahr un
Sommer zum erſten Male das Landſchaftsbild beleben, und dii
Menſchen erfreuen wird.
Wer vor einigen Jahrzehnten vom Neckar her die Schönheite
des Gammelsbacher Tales genoſſen, die Burg am Talhang gegrüßs=
und nun gegen Beerfelden hin den letzten Anſtieg bald bewältig
hatte, der ſah dort links im Walde ein feſſelndes Stilleben: ei
Männlein mit Peitſche und Hund, auf Wieſen= und unter Tan
nengrün Hunderte ſchneeweißer Gänſe. Hier am
Gänsbucka=
ſchnatterte ſechs Tage in der Woche Gänſevolk, am Sonntag ſucht)
die Jugend dieſen ſtillen Waldwinkel auf, an dem in Steinen ge
faßten Gänsbrunnen wurden allerlei Waſſerkünſte geübt und hie=
und rundum die ſchönſten Spiele geſpielt. Auch die
Erwachſene=
lenkten die Schritte gern hierher und genoſſen beim Weiterwam
dern auf dem ſchattigen Waldweg der rechten Talſeite die ſonm
tägliche Stille. Doch auch den Fremden iſt dieſe idylliſche Ech
nicht unbekannt geblieben, das zeigten die im Sommer hier pau
kenden zahlreichen Autos, deren Inſaſſen im Waldesſchatten un=d
in würziger, ozonreicher Gebirgsluft ſich erholen.
Die hieſige Ortsgruppe des Odenwaldklubs nahm vor einige:
Zeit den Gänsbrunnen und ſeine Umgebung, in pflegliche Hur
verbeſſerte die Anlage und brachte Ruhebänke an, um aber etwa=
Großes zu ſchaffen, dazu fehlten doch die ausgiebigen Mittel. Dieſi
erſtehen nur in einer größerenGemeinſchaft, und dies erfaßt zu habern
ehrt unſere Gemeindevertretung. Sie verband mit dem Zwe.
einer Arbeitsbeſchaffung das ſchöne Ziel, der Jugend eine
Ge=
legenheit in der Ausübung des Schwimmſports zu geben, da
Landſchaftsbild zu verſchönen und allen Naturfreunden und Er
holungsbedürftigen eine Stätte zu ſchaffen, die ſie anzieht,
be=
friedigt.
Unterhalb des Gänsbrunnens iſt der Waldſee angelegt. E
bildet eine Talſperre, die jedoch als ſolche nicht empfunden winn
Eine 35 Meter breite Mauer, talabgeſtützt und getarnt durch
Erdreich, ſchafft einen Waſſerſpiegel von etwa 100 Meter Länga
Beſonders reizvoll wirkt in demſelben ein Springbrunnen, de
mitten in der ruhenden Fläche ſeinen Sprühregen emporwirft Al=
Badegelegenheit wird der See ein Planſchbecken für die Kinde
und einen flachen Strand für Nichtſchwimmer haben, die Tiefw
des Waſſers beträgt im übrigen bis zu 5 Meter. Die Quelle des
Gänsbrunnens iſt friſch gefaßt, ohne daß die ſeitherige Form und
Art verändert wurde, hier werden noch allerlei Anlagen und
Ver=
ſchönerungen geſchaffen werden.
Außer Zweifel iſt dieſe Art, ein Schwimmbad, erſtehen zu
laſſen, einzigartig, originell, ganz im Gegenſatz zu dem üblichen
Ebenſo einzigartig iſt der damit verbundene Gedanke, in unſerenn
Odenwald einen Wald= und Gebirgsſee herzuſtellen, eine
Erſchei=
nung, die in unſerem Gebirge zu den Seltenheiten zählt.
Mit dieſer Anlage hat unſer Städtchen einen neuen Anzie
hungspunkt erlangt: dem Winterſportplatz mit Rodel= und
Ski=
gelegenheit geſellt ſich, im Frühjahr und Sommer der idealn
Aufenthaltsort für Sommerfriſchler und Naturfreunde bei, den
bisher allein das Schwimmbad fehlte — und dieſes iſt jetzt
vor=
handen.
Aen
mitagt
Aus Rheinheſſen.
Ag. Mainz=Biſchofsheim, 27. Dez. So handelt die SA.
Seit mehreren Monaten lag ein SA.=Mann vom Sturm 9/80 ſehm
ſchwer krank im Mainzer Städtiſchen Krankenhauſe.
Oftmals=
weilten ſeine Kameraden bei ihm, und groß war die Freude, als
ihr Kamerad eines Tages endlich außer Lebensgefahr war. Füm
die daheim weilende Familie ergab ſich jedoch die Notwendigkeit
einen Wohnungswechſel vorzunehmen, über den man ſich bezuglick!)
der Koſten große Sorgen machte. Kurz entſchloſſen trat die SA.
auf den Plan und bewerkſtelligte den ganzen Umzug eigenhändig.
ſo daß der Familie keinen Pfennia Unkoſten entſtand. Als der
ge=
neſende SA.=Mann aus dem Krankenhaufe entlaſſen werden konnte.”
führte man ihn, der von allem keine Ahnung hatte, gleich in dies
neue Wohnung. Man konn ſich die Freude des Mannes, der ſich
über den Umzug wohl ſchon heimlich Sorge gemacht hatte, wohl
vorſtellen. Wieder einmal hatte ſich die Kameradſchaft der
SA-
auf das ſchönſte bewährt!
Heute
ider
Evangeliſche Gemeinden.
1. Gottesdienſte.
Samstag, 28. Dezember.
Stiftskirche. Abends 8 Uhr: Wochenſchlußgottesdienſt.
Sonntag nach Weihnachten, 29. Dezember.
Stadtkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Dekan Müller.
Stadtkapelle., Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Heß.
Schloßfirche. (Vereinigung zur Abhaltung lutheriſcher Gottesdienſte.) Vorm. 9,30
Uhr: Beichte und Anmeldung in der Sakriſtei, Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit
Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer Lautenſchläger.
Martinskirche, Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Dr. Berger.
Johanneskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Weinberger.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Vorm. 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent North. Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent
North.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). (Kollekte für die Heidenmiſſion.) Vorm. 10 Uhr:
zuptgottesdienſt. Studienrat Lic. Gengnagel
Trainkaſerne (Andachtſaal, Eſchollbrücker Str. 44). Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarrer Weber.
Pauluskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer A. Müller.
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer i. R. Waldeck. Vorm. 11,15
Uhr: Kindergottesdienſt fällt aus.
Altjahrsabend, 31. Dezember.
(Kollekte für die Gemeindepflege.
Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Gttesdienſt zum Jahresſchluß mit Feier des heiligen
Abendmahls. Pfarrer Kornmann. Abends 8,30 Uhr: Jahresſchlußgottesdienſt. Pfarrer
Kornmann.
Stadtkapelle. Abends 8 Uhr: Jahresſchlußgottesdienſt. Pfarrer Heß.
Schloßkirche. Abends 6 Uhr: Jahresſchlußgottesdienſt mit Feier des heiligen
Abend=
mahls. Pfarrer Wintermann,. Abends 9 Uhr: Jahresſchlußfeier. Dekan Zimmermann.
Nachts 11,30 Uhr: Mitternachtsfeier. Pfarrer Wintermann.
Martinskirche. Abends 6 Uhr: Jahresſchlußgottesdienſt mit Feier des heiligen
Abend=
mahls. Anmeldung von 5,30 Uhr an in der Sakriſtei. Pfarrer Dr. Berger. (Kollekte für
Gemeindearmen= und Krankenpflege.) — Abends 8 Uhr: Jahresſchlußgottesdienſt.
Pfarrer Köhler.
Städt. Altersheim. Nachm. 5Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Widmann
Johanneskirche. Abends 6 Uhr: Silveſtergottesdienſt. Pfarraſſiſtent North. Abends
8 Uhr: Silveſtergottesdienſt. Pfarrer Weinberger. Abends 10,30 Uhr:
Silveſtergottes=
dienſt mit heiligem Abendmahl. Pfarrer Weinberger.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Abends 8 Uhr:
Jahres=
hluß gottesdienſt. Pfarraſſiſtent North.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). (Kollekte für die Armen.) Abends 6 Uhr:
Gottesvienſt. Pfarrer Weber. Abends 8 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Weiß.
Trainkaſerne (Andachtſaal Eſchollbrücker Str. 44). (Kollekte für die Armen.) Abends
8 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Weber
Panluskirche. Abends 6 Uhr: Jahresſchlußgottesdienſt. Pfarrer A. Müller,
Stiftskirche. Abends 8 Uhr: Silveſtergottesdienſt. Pfarrer Lenz.
Neujahrstag, 1. Januar.
(Kollekte für das Winterhilfswerk.)
Stadtkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Lautenſchläger. Nachm.
5 Uhr: Abendgottesdienſt. Dekan Müller.
Stadtkapelle. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer W. Köhler,
Schloßkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Wintermann. Vorm. 11,15
Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Wintermann.
Martinskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier des heiligen Abendmahls.
Anmeldung von 9,30 Uhr an in der Sakriſtei. Pfr. Widmann. Vorm. 11,15 Uhr:
Kinder=
gottesdienſt der Martinsgemeinde Oſt. Pfarrer Köhler.
Johanneskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Köhler. Die
Johannes=
kirche iſt wochentags von 8 bis 5 Uhr zu ſtiller Andacht geöffnet. Eingang Liebigſtraße.
Paul=Gerhardt=Haus / Hemeindehaus der Waldkolonie). Vorm. 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent North.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer
Weiß. Vorm. 11.30 Uhr: Kirchliche Neujahrsbegrüßung im Eemeindehaus.
Trainkaſerne (Andachtſaal, Eſchollbrücker Str. 44). Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarrer Weber. Vorm. 11 Uhr: Kirchliche Neujahrsbegrüßung.
Pauluskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Wolf.
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Schauf.
Amtsyandlungen an Anzvärtigen vom 1. Januar ab: Pfarrer Lautenſchläger,
Hügelſtraße 6, Fernſprcher 2033.
2. Veranſtaltungen.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Montag, 30. Dez., abends
3,30 Uhr: Kirchenchor.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde). Gemeindehaus (Eichwieſenſtr. 8). Sonntag,
29. Dezember, abends 7.30 Uhr: Weihnachtsfeier von Männervereinigung, Kirchenchor
und Poſaunenchor.
Eliſabethenſtift (Erbacher Str. 25), Ev. Sonntagsverein: Sonntag, 29. Dez.,
nachm. 4 Uhr: Vereinsſtunden.
Stadtmiſſion (Mühlſtr. 24). Sonntag, vorm. 9 Uhr: Gebetsſtunde. Vorm. 11 Uhr:
Kindergottesdienſt. Nachm. 3,30 Uhr: Bibelſtunde. Herr Bringmann. — Dienstag
(Silveſter), abends 8.30 Uhr: Fahresſchlußfeier. — Neujahr, nachm. 3,30 Uhr:
Abend=
mahlsfeier, Herr Pfarrer Köhler. — Donnerstag: Die Bibelſtunde fällt aus. — Freitag:
Die Bibelſtunde in Beſſungen fällt aus.
Voranzeige: Vom 6. bis 13. Januar: Allianzgebetswoche.
Jugendbund für E. C. (Mühlſtr. 24). Sonntag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde für junge
Mädchen. — 8,30 Uhr: Jugendbundſtunde für junge Mädchen und
Jungmännerver=
ſammlung. — Montag, abends 7.30 Uhr: F. K. für junge Mädchen. — Dienstag:
Be=
teiligung an der Silveſterfeier der Stadtmiſſion. — Donnerstag, nachm. 5,15 Uhr:
E. C.=Fungſchar für Knaben. — Freitag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde für junge Männer.
Abends 8,30 Uhr: Jugendbundſtunde für junge Männer.
Heimabende für ortsfremde junge Mädchen: Freundinnenheim, Sandſtr. 24. Jeden
Donnerstag, abends 8,15 bis 10 Uhr: Zuſammenkunft. — Jeden zweiten und vierten
Mittwoch im Monat: Nähen und Zuſchneiden.
3. Gemeindeämter.
Ev. Wohlfahrtsdienſt, Hügelſtr. 6, Fernſpr. 2205. Jugendfürſorge, Allgemeine
Fürſorge, Gefangenen= und Wandererfürſorge. Sprechſtunden täglich von 10 bis 12 Uhr.
Rechtsauskunftsſtelle für alle Rechtsfragen, einſchließlich Eheberatung und Mietrecht.
Sprechſtunden täglich von 11—12 Uhr, ausgenommen Mittwoch und Samstag.
Trinkerfürſorgeſtelle, Sprechſtunden von Montag bis Freitag, nachm. 5 bis 6 Uhr.
Evang. Gemeindeamt, Kiesſtr. 17 (jetzt nur im Vorderhauſe, eine Treppe):
Ein=
meſtelle für das Kirchnotgeld täglich 8 bis 12 Uhr. Kirchenſteuerangelegenheiten
werden nur im Landeskirchenamt Mackenſenſtr. 40 (EckeNeckarſtr.), Zimmer 7, bearbeitel.” Varmſtadt:
Diakonenſtation für männliche Krankenpflege: Heidelberger Str. 21, Fernſpr. 2883.*
Diakoniſſenſtationen: Gemeindehaus, Kiesſtr. 17: Martinsſtift, Müllerſtr. 2:
Gemeindehaus, Liebfrauenſtr. 6; Gemeindehaus, Kahlertſtr. 26; Paul=Gerhardt=Haus.”
Damaſchkeplatz 1: Gemeindehaus, Eichwieſenſtr. 8; neben der Pauluskirche, Ohlyſt.*
Privatpflegeſtation des Heſſiſchen Diakonievereins: Freiligrathſtr. 8, Fernſpr. 242-*
fel
o5
i.
Ktiü
Auswärtige Gemeinden.
Laudeskirchliche Bereinigung Nieder=Ramſtadt. Sonntag, 29. Dez., abends 8 Um:
Familienweihnachtsfeier, Silveſter, abends 9,30 Uhr: Silveſterfeier. — Neujahr, nachilte
3 Uhr: Bibelſtunde
Evgl. Kirche Eberſtadt. Altjahrsabend: Abends 8 Uhr: Gottesdienſt, unter Mitw
kung des Kirchenchores. Predigt. Pfr. Weißgerber. Pſ. 90, 10. Lieder: 134, 148, 4-:0, ledig,
Neujahr: Vorm. 9,45 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfr.=Aſſ. Heinrich. Predigt: Röm. 8, 28-* harreshau
Lieder: 46, 333.
Provinzialpflegeanſtalt. Neujahrstag, Nachm. 1,30 Uhr: Gottesdienſt. 46, 333
Sneishau
Evgl. Kirche Ober=Ramſtadt. Sonntag, 29. Dez., vorm. 10 Uhr: Gottesl
— Montag: Poſaunenchor. — Dienstag, 31. Dez. (Silve
): Abends 8 Uhr:
ſchlußgottesdienſt. Kollekte. — 1. Jan. 1936: Vorm. 10 Uhr: Gottesdienſt. Kollelt
das Deutſche Winterhilfswerk.
Evgl. Kirche Traiſa. Sonntag 29. Dez., vorm. 10 Uhr: Go
Kindergottesdienſt. — Dienstag A tjahrzabend), 20 Uhr: Gottesdienſt. —
(Neujahr), 10 Uhr: Gottesdienſt. 11 Uhr: Kindergottesdienſt.
Evgl. Kirche Dieburg. Sonntag, 29. Dez., vorm. 10 Uhr: Gottesdienſt. —
abends 5,15 Uhr: Jahresſchlußfeier. — Neujahr: Vorm. 10 Uhr: Gottesdienſt (Kol
Evgl. Kirche Roßdorf. Sonntag, 29. Dez., vorm. 9 Uhr: Chriſtenlehre. 10 MM——
Hauptgottesdienſt. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt. — Dienstag, abends 8 Uhr: Silbeſſe.
gottesdienſt. — Neujahrstag, vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Kollekte für das Winiel.
hilfswerk. 11.15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Evgl. Kirche Griesheim. Sonntag, 29. Dez., vorm. 10 Uhr: Predigtgottesbiellle
Pfarrer Mangold. Abends 8 Uhr: Kirchenmuſikaliſche Weihnachtsfeier, Kirchenchor ders
eval. Martinsgemeinde und Madrigalvereinigung Darmſtadt. Dr. Friedrich Noad.
Dienstag, 31. Dez., Abends 8 Uhr: Jahresſchlußgottesdienſt. Kirchgang der evgl Fralle.
hilfe. Pfarrer Mangold. — Mittwoch, 1. Jan., Neujahr. Vorm. 10 Uhr: Predigtgotie”.
dienſt. Pfarrer Mangold. Kollekte für das Winterhilfswerk. 11 Uhr: Kindergottesbiehle
Abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Stadtmiſſionar Bringmann.
Friedenskirche. Dienstag, 31. Dez., abends 6,15 Uhr: Jahresſchlußgottesbien!
Pfarrer Mangold.
Sonſtige Gemeinſchaften.
Evgl. Gemeinſchaft, Schulſtr. 9. Sonntag, 29. Dez., vorm. 10 Uhr: Predigtgoll."
dienſt. Prediger Veihelmann. Vorm. 11 Uhr: Sonntagsſchule. Abends 8 Uhr: Goll
dienſt (anſchließend Singen). — Dienstag, abends 8,30 Uhr: Jahresſchlußfeier. Preol
Veihelmann. — Mittwoch, vorm. 10 Uhr: Predigtgottesdienſt. Prediger Veihelmil
Die Ehriſtengemeinſchaft, Heidelberger Str. 14. Samstag, 28. Dez., 9 Uhr: men
ſchenweihehandlung. 20,15 Uhr: Gemeindeabend. — Sonntag, 29. Dez., 10 Uhr
ſchenweihehandlung. — Montag, 30. Dez., 9 Uhr: Menſchenweihehandlung. — 2i
tag, 31. Dez., 9 Uhr: Menſchenweihehandlung. 20,15 Uhr: Silveſterprebigt. — Mie
woch, 1. Jan., 10 Uhr: Menichenweihehandlung. 11 Uhr: Sonntagsfeier für die Küdl.
— Donnerstag, 2. Fan., 9 Uhr: Menſchenweihehandlung. — Freitag, 3. Janzu, 2 10
Menſchenweihehandlung.
Ehriſtlich=wiſſenſchaftliche Vereinignng (Christian Seience Society) in Darmſte."
Miſikverein, Wilhelm=Gläſſingſtr. 24. Gottesdienſte jeden Sonnt. T 10 M
und jeden Mittwoch abends 8.15 Uhr. Thema am Sonntag, 29. 12. 1985: D
Chriſtliche Wiſſenſchaft. Goldener Text: Jeſaja 60 : 1.
Samstag, 28. Dezember 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche „Neueſte Nachrichten
KUM
In dankbarer Freude zeigen wir die
Geburt unseres Stammhalters an.
August Kohl und Frau
Lotte, geb. Bauer.
Darmstadt
Viktorlastraße 28.
Am 1. Weihnachtsfeiertag 1935.
Statt Karten. Die Verlobung ſeiner TochterHelma mit Herrn Rudolf Neidhart
gibt bekannt Meine Verlobung mit Fräulein
Helma Gros zeige ich hierdurch an Adolf Gros
Tandgerichtsdirektor Rudolf Neidhart Darmſtadt, Heinrichſtraße 454, II. Lauterbach (Heſſen) Im Dezember 1935
Nr. 355 — Seike 9
Konzerf=
Pianiſin
Elſe Hochſtätter
Schulſtr. 15, II.
Nehme n.
Schü=
er an. Mäßig.
Honor. Koſtenl.
Notenausleihe.
Balalaika-
Unterricht geſ.
Preisangeb. u.
U 39 Geſchſt.
Ihre Vermählung zeigen an
Assessor Dr. jur.
Otto Gündner und Frau
LUClS, geb. Schubkegel
28. Dezember 1935
Zweibrücken
Gabelsbergerstr. 27
Darmstadt
Rheinstr. 12½
Ihre Vermählung geben bekannt
Emil Schroth
Lotte Schroth, geb. Becker
28. Dezember 1935
Darmstadt
Miederstr. 22
Egelsbach
Westendstr. 15
Stat Karten
Ihre Vermählung geben bekannt
Dr. Ernst Wetz, Chemiker
Lydia Metz, geb. Becht
Frankfurt a. M.
Ralmundstr. 141, pt.
Traisa
Röderweg 89
Trauung am Sonntag, den 29. Dezember 1935,
nach-
mittags 8 Uhr, in der Paulusklrche zu Darmstadt.
Zur EHE
gehören
viele Dinge
be Techel
kautt man
EHE-Ringe
Schillerplatz 3
Büro=Mädch.
m. Schreibmaſch.
Kenntniſſen ſof.
geſucht. Ang. unt.
U 42 Geſchäftsſt.
Servier-
Fräulein
für Café geſ. Ang.
unt. U 43 Geſch.*
Nettes
Servierfräulein
ſofort geſucht.
Woogsſtraße 3.
Servierfräul.
ſofort geſucht
Café Expres:
Woogsplatz 6.
Aelter. Mädchen
oder Frau täglich
bis n. d. Spülen
zum 15 Januar
geſucht. Roßdörf.
Straße 42, I.
Aeltere Frau
oder Mädchen bis
n. d. Sp. geſucht.
Hochſtr. 42, I. (*
Statt Karten.
Meine innigſigeliebte, unvergeßliche, unermüdlich beſorgte Frau
Margarete Keller, geb. Seemann
iſi in ihrem 83. Tebensjahr nach zweitägigem Unwohlſein heute
morgen ſchmerzlos in die Ewigkeit eingegangen.
Im Namen der Familie:
Dr. h. c. Wilhelm Keller
Geheimerat, Senatspräſident i. R.
Darmſtadi, den 27. Dezember 1935.
Einäſcherung in der Stille.
Tüchtiges, ehrl.
Mädchen
tagsüber geſucht
Darmſtr. 27, II. /*
Aelt. Mädch.
oder Frau für
2=Perſ.=Haushalt
tagsüber od. ganz
geſucht. Vorzuſt.
Landwehrſtr. 2,
I. Stck., Samstag
von 12—14 Uhr.
Tüchtig. Mädchen
ſofort geſucht
Pallaswieſen=
ſtraße 19, part. 6
Aeltere Frau
oder Mädchen
v. morg. übers
Spül. zu älter.
Leuten f. 1.
Ja=
nuar geſucht.
Angebote unter
U 16 an die
Ge=
ſchäftsſtelle.
Aeltere
Lauffrau
für täglich
vor=
mittags od. bis
nach dem Spül.
für ſofort geſ.
Ang. unt. U 20
a. d. Geſch. (*sg
Solid., tüchtiges
per ſof. geſ.
Vor=
ſtell. v. 3—6 Uhr.
Guhl,
Rhein=
ſtraße 12, III. (*
Saub., fleißiges
Mädchen
oder Frau
von morgens b.
gegen Abend in
Geſchäftshaush.
geſucht.
Näh. Geſchäftsſt.
Aelieres
Mädchen
od. Frau f.
Ge=
ſchäft u. Haush.
vorm. geſucht.
a. d. Geſch (*sg
wie sie stets gelallen
G
RM. 7000.. gute
Sicher=
heit als
Dar=
lehen geſucht.
Angeb. u. V. P.
169 a. d. Geſch.
Neueinträge in das Handelsregiſter, Abt. A.
Am 11. Dezember 1935: Firma „Hanſa”
Wirt=
ſchafts= und Inkaſſo=Büro Glauben & Zörgiebel,
Darmſtadt. Perſönlich haftende Geſellſchafter:
Matthias Glauben Kaufmann in Darmſtadt,
Wilhelm Zörgiebel, Kaufmann in Darmſtadt.
Offene Handelsgeſellſchaft. Die Geſellſchaft hat am
28. November 1935 begonnen. — Am 17.
Dezem=
ber 1935: Firma: Heſſ. Autobus=Verkehr Hermann
Mendel. Darmſtadt. Inh.: Hermann Mendel,
Ingenieur in Darmſtadt.
Darmſtadt, den 17. Dezember 1935.
Amtsgericht.
Ang. unt. U 23 Einträge in das Handelsregiſter. Abteilung B.
Am 9. Dezember 1935 hinſichtlich der Firma:
Holzwerke, Geſellſchaft mit beſchränkter Haftung,
enlRa. Darmſtadt: Die Geſellſchaft wird gemäß 8 2 des
Reichsgeſetzes vom 9. 10. 1934 (RGBl. S. 914) von
UHREN Amts wegen gelöſcht. — Am 12. Dezember 1935
hinſichtlich der Firma: Möbel=Trier, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung, Darmſtadt: Die Vertre=
UHREN- tungsbefugnis der Liquidatoren iſt beendet. Die
TECHEL/Firma iſt erloſchen.
bei
Schillerplatz 3
Darmſtadt, den 16.
Dezember 1935.
Amtsgericht.
Geſtorbene.
Larmſtadt: Löſer, Barbara, geb. Bainfurth.
Ehefrau des Oberweichenſtellers, 67 Jahre.
Göckel Johanna Chriſtina, geb. Knell,
Wit=
we des Magaziniers, 46 Jahre.
Kolb, Jakob, Förſter i. R., verheiratet, 70 J
Neiter, Marie, geb. Appel, Witwe des
Hof=
ſilberverwalters, 78 Jahre.
Gehrig, Anna, Hausangeſtellte, ledig. 24 J
Winkler, Adam, Hilfsarbeiter, verh., 43 J.
Vaſchenbach: Wembacher, Anna, ohne Beruf.
ledig, 21 Jahre
jarreshauſen: Liſt, Katharina, geb. Liſt. Witwe
des Landwirts, 68 Jahre.
ſppertshauſen: Tüncher, Irmgard. 2 Monate.
De Sifaltaltoll
Feuerwerkskörper
der Schmutzwaſſerableitung ſowie der Kalt= und
Warmwaſſerleitung für die Spülbecken und Waſſer=
G roße Auswah
zapfſtellen in der Großviehſchlachthalle und der
Kuttelei des ſtädtiſchen Schlachthofes ſoll vergeben
NEUROMR werden. Preisangebote mit der Aufſchrift „
Inſtal=
am Schillerplatz lation der Schmutzwaſſerableitung und der Kalt=
und Warmwaſſerleitung im Schlachthof” ſind bis
Samstag, den 4. Januar 1936, vormittags 10 Uhr,
Die Inſtandſetzungsarbeiten für die Heizungs= bei der Direktion der ſtädt. Betriebe, Darmſtadt,
und Lüftungsanlagen im ſtädt. Hallenſchwimmbad Frankfurterſtraße 100, einzureichen.
Angebots=
ſollen öffentlich vergeben werden. Die Verdingungs= formulare ſind auf Zimmer 34 der unterzeichneten
unterlagen liegen während, den üblichen Dienſt= Direktion erhältlich.
Direktion
ſtunden, Zimmer 29 der unterzeichneten Direktion
der ſtädt. Betriebe Darmſtadt.
zur Einſicht offen. Die Angebote ſind bis zum
3. Januar 1936, vormittags 10 Uhr hierher ein=
Holzverſteigerung Nr. 1.
zureichen.
Direktion der ſtädt. Betriebe. Montag, den 30. Dezember d. Js., von
vor=
mittags 9 Uhr ab, werden in der Turnhalle am
Frankfurterſtraße 100.
nach den Kei4!
Wenn die
Wäscheberge
sich fürmen,
wenn Sie vor Arbelt nicht
wissen wohin —
dann wollen Sie auch noch
selber waschen? Tun Sie
das nicht! Wir sind billiger
und waschen schon seit
80 Jahren zur
Zufrieden-
heit unserer Kundschaft.
Rufen Sle Nr. 3949
Lroduäscherei
Hertig
Jahnstraße Nr. 4
650 qm
Garken
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ſtr. ab 1. Jan.
1936 zu verp. o.
bill, zu verkauf
Ang. U 18 Gſch.
Mokorfulm
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Riegerplatz 8,
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halten, zu kauf.
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Zwangsverſteigerung.
Termin: Mittwoch, den 15. Januar 1936. vorm.
9 Uhr, im neuen Gerichtsgebäude in
Darm=
ſtadt Zimmer 118.
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt. Bez. II. Band
XIII. Blatt 869; Ord.=Nr. 1. Flur II. Nr.
5572 o, Grabgarten, Kittlerſtraße, 1307 qm.
Schätzung: 8000.— RM.
Der ſteuerliche Einheitswert zum 1. 1. 31
iſt RM. 11 763.— RM (Bauland).
Eigentümer: Schreiber, Karl, Privatmann in
Darmſtadt, zu ½, und Schreiber, Marie, geb.
Stoll, deſſen Ehefrau, zu ½.
Die Zwangsverſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvollſtreckung.
Darmſtadt — Amtsgericht.
Zwangsverſteigerung.
Termin: Mittwoch, den 15. Januar 1936, vorm.
91u Uhr, im neuen Gerichtsgebäude in
Darm=
ſtadt, Zimmer 118.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt. Blatt 837.
Ord.=Nr. 1. Flur II, Nr. 537, Grasgarten,
Dieburgerſtraße, 40 qm. Schätzung 500.—
Ord.=Nr. 3. Flur II. Nr. 538
Hof=
reite Nr. 72 daſelbſt, 201 qm. Schätz. 37 500.—
38000.—
r ſteuerliche Einheitswert zum 1. 1. 31 iſt
RM. 61 722.
Eigentümer: 1. Karl Schreiber, Privatmann in
Darmſtadt, 2. Marie Schreiber, geb. Stoll,
deſſen Ehefrau, zu je ½
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangs=
vollſtreckung.
Darmſtadt — Amtsgericht.
Woogsplatz hier, aus den ſtädtiſchen Förſtereien
Heiligkreuz (Eichelacker 56, 57 — Kahleberg 54, 55
— Scheftheimerſchlag 52 u. Abt. 48, 49; Los 15—391;
— darunter beſtes Buche= u. Eichewerkholz —
und Dachsberge 21 — Los 409—535) und Beſſunger
Laubwald (Dieterſchlag 2 und Franzoſenberg 13/15
Los 500-602) verſteigert:
Rm Scheiter — 738 Buche, 96 Eiche z. T. rund
und 11 Verſchiedene; Rm Knüppel — 279,5
Buche, 66 Eiche und 13 Verſchiedene.
Darmſtadt, den 23. Dezember 1935.
Städt. Güterverwaltung.
Forſtamt Kranichſtein
Holzverſteigerung Nr. 1
Freitag, den 3. Januar 1936, vorm. 9 Uhr,
wird in Arheilgen (Wirtſchaft „Zum Schwanen”
aus Forſtort II Diebsfang 2, III Krauſe Buche 8
verſteigert:
Scheitholz rm: 286 Buche, 1 Hainbuche, 140 Eiche,
12 Birke (rund), 104 Kiefer (rund), 1 Fichte:
Knüppelholz rm: 91 Buche, 309 Eiche (davon
131 rm 2,5 m lange Pfoſten in Abteilung 8),
19 Birke, 41 Kiefer, 3,8 Lärche (davon 3 rm
2,5 m lange Pfoſten in Abteilung 8), 3 Fichte;
Reiſerholz I. Kl. rm: 65 Buche.
Das Holz iſt vor der Verſteigerung einzuſehen.
Aus=
kunft durch Herrn Förſter Klipſtein, Forſthaus
Bayerseich (Telefon Langen 513) und Hilfeförſter
Neumann, Forſthaus Krauſe Buche (Tel. Langen 514).
Darmſtadt, den 27. Dezember 1935.
Forſtamt Kranichſtein.
Nachtragshaushaltsſatzung der Gemeinde
Darmſtadt für das Rechnungsjahr 1935.
Auf Grund des 8 88, Abſ. 1 DGO v. 30. 1. 1935
(RGBl. I S. 49 wird nach Beratung mit den
Rats=
herren folgende Nachtragshaushaltsſatzung feſtgeſtellt:
A. Stadtkaſſe.
8 1. Der dieſer Satzung als Anlage
bei=
gefügte. Nachtragshaushaltsplan
wird im ordentlichen
Nachtrags=
haushaltsplan i, den Einnahmen auf 157500 RM.
(gegenüber 22110100 RM.
Ein=
nahmen im ordentlichen
Haushalts=
plan) in den Ausgaben auf . . . 151500 „
(gegenüber 22110100 RM.
Aus=
gaben im ordentlichen
Haushalts=
plan) und im außerordentlichen
Nachtragshaushaltsplan in den
Einnahmen auf . .
.. . . 439800 „
(gegenüber 2224500 RM.
Einnah=
men im außerordentlichen
Haus=
haltsplan) in den Ausgaben auf 439800 „
(gegenüber 2224 500 RM. Ausgaben
im außerordentlichen
Haushalts=
plan) feſtgeſetzt.
Der in der Abſchlußſumme des ordentlichen
Haus=
haltsplans von 22110 100 RM. enthaltene
Fehlbe=
trag ermäßigt ſich hiernach auf 1286000 RM.
§2. Die Steuerſätze für das Rechnungsjahr 1935
werden wie folgt geändert: Bürgerſteuer: 600
v. H. für die Zeit vom 1. 1. bis 31. 3. 1936
(gegenüber der Feſtſetzung im Haushaltsplan
mehr 37 500 RM.).
83. Der Darlehensbetrag, der zur Beſtreitung von
Ausgaben im außerordentlichen Haushaltsplan
des Rechnungsjahres 1935 dienen ſoll, wird
gegenüber der bisherigen Feſtſtellung in Höhe
von 600000 RM. auf 1010800 RM. feſtgeſetzt.
Die neu feſtgeſetzten Beträge werden nach dem
Nachtragshaushaltsplan für folgende
Einzel=
ausgaben verwendet:
1. Ueberweiſung an den ordentlichen
Haushalt . . . ."
120000 RM.
2. Erwerbung von reichsfiskaliſchem
Gelände am Philipp=Röth=Weg 25743 „
3. Errichtung von
Behelfswoh=
nungen u. Inſtandſetzung uſw. ſtädt.
Gebäude im Rahmen des
Reichs=
arbeitsbeſchaffungsprogramms
zuſammen . . . ..
... 181957
4. Straßenherſtellungen ete. „
15850
5. Kanalherſtellungen ete. . . .
62600
6. Herſtellung einer Fernſprech= u.
Signalanlage im
Stadtkranken=
haus 1. Rate . .."
2600
7. Ankauf von Grundſtücken für
das Ohlyſtift . . . . . . . .
2050 „
zuſammen 410800 RM.
B. Wohnungsbaukaſſe.
84. Der dieſer „Satzung als Anlage
beigefügte Nachtragshaushaltsplan
wird im außerordentlichen
Nach=
tragshaushaltsplan in den
Ein=
nahmen auf
.. . 122200
gegenüber 767 761 RM. Einnahmen
im außerordentlich. Haushaltsplan
in den Ausgaben auf . .. 122200
(gegenüber 767 761 RM. Ausgaben
im außerordentlichen
Haushalts=
plan) feſtgeſetzt.
C. Beiriebskaſſe.
85. Die im außerordentlichen Haushaltsplan der
Betriebskaſſe unter den Rubriken
13 Poſ. a bis n, 14 Poſ. abis I, 15 Poſ. a bis c
16 „ a „ o. 19 „ a u. b. 22 „ a u. b
23 „ Bcu deingeſtellten Kredite ſind
inner=
halb der einzelnen Rubriken gegenſeitig übertragbar.
Darmſtadt, den 4. Dezember 1935.
Der Oberbürgermeiſter: Wamboldt.
MarGatd Tobgtat
Fußball.
Haſia Dieburg — Landespolizei Darmſtadk.
Am morgigen Sonntag fährt die Landespolizei zum
Ver=
bandsſviel zu Haſſia Dieburg. Wenn auch hier der Tabellenführer
auf den Tabellenletzten trifft, ſo wird niemand behaupten wollen,
daß der Sieger dieſer Begegnung ſchon heute feſtſtünde. Denn der
Tabellenſtand der Haſſia entſpricht durchaus nicht ihrem Können,
ſondern iſt vor allem auf unglückliche Umſtände und
Schwierig=
keiten bei der Mannſchaftsaufſtellung der Haſſiaten ſowie
außer=
ordentliches Pech zurückzuführen. Die Mannſchaft der
Landespoli=
zei wird von vornherein mit einem ſchweren Gegner rechnen und
alles hergeben müſſen, um nicht gerupft zurückzukehren.
Vor dem Hauptſpiel treffen ſich die Reſerven. Abfahrt der
Reſerven 10.45 Uhr Wache 24 (für Anhänger ſind noch einige
Sitz=
plätze frei). Abfahrt der 1. Mannſchaft: 12 Uhr, Wache 24.
SV. 98 Darmſtadt — SB. Münſter.
Am Sonntag empfängt SV. 98 Darmſtadt die bekannte
Fuß=
ball=Elf des Sportvereins Münſter, die als Neuling eine
ausge=
zeichnete Rolle in der Bezirksklaſſe Südheſſen ſpielt. War es doch
gerade dieſe Mannſchaft, die die erſte Ueberraſchung bei Beginn
der Verbandsſviele brachte. Sie ſchlug Egelsbach in Münſter mit
5:0 und gewann ebenſo das Rückſviel in Egelsbach mit 2:0. Dieſe
Leiſtung iſt um ſo höher zu werten, als Egelsbach ſeit Jahren von
keiner Mannſchaft auf eigenem Platze zu ſchlagen war.
Von der Sportvereinself iſt zu erhoffen, daß ſie eine beſſere
Stürmerleiſtung vollbringt, als am zweiten Weihnachtsfeiertag.
um ihre Anhänger zum Schluß des alten Jahres nicht noch zu
ent=
täuſchen. Spielbeginn 2 Uhr. Um 12.15 Uhr ſpielen die
Reſerve=
mannſchaften beider Vereine.
Die Vereinspokal=Spiele
im Kreis Skarkenburg.
Termine der erſten Vorrunde am 5. Januar.
1. Groß=Gerau — Trebur (Schiedsrichter: Frey=Wolfskehlen),
2. Geinsheim — Nauheim (Schadt=Groß=Gerau),
3. Stockſtadt — Wolfskehlen (Keilmann=Bürſtadt),
4. Biebesheim — Crumſtadt (Wilhelm=Leeheim),
5. Gernsheim — TV. Lampertheim (Krämer=Arheilgen).
6. Bobſtadt — Biblis (Schleißmann=Lorſch),
7. Hähnlein — Groß=Rohrheim (Schneider=Egelsbach),
8. Alsbach — Zwingenberg (Melk=Wixhauſen),
9. Eberſtadt — Heppenheim (Leitermann=Sprendlingen),
10. Bensheim — 46 Darmſtadt (Leiß=Lampertheim),
11. Weiterſtadt — Griesheim (Münkler=Roßdorf),
12. Nieder=Ramſtadt — Merck Darmſtadt (Schulz=Ob.=Ramſtadt),
13. Gräfenhauſen — Wixhauſen (Geiß=Mörfelden),
14. SV. Erzhauſen — Arheilgen (Diel=Sprendlingen)
15. Ober=Ramſtadt — Reichsbahn Darmſtadt (Weber=Pfungſtadt),
16. Neuſtadt — Groß=Umſtadt (Reiſert=Oberroden),
17. Beerfelden — König (Friedrich=Michelſtadt),
18. Dreieichenhain — TSV. Erzhauſen (Reitz=Langen),
19. Eppertshauſen — TG. Sprendlingen (Wieland=Nd.=Roden),
20. Ueberau — Groß=Zimmern (Geiſt=Dieburg).
21. Meſſel — Offenthal (Schleinkofer=Oberroden),
22. Jügesheim — Urberach (Döbert=Hauſen),
23. Hainhauſen — Oberroden (Dutine=Hauſen),
24. Zellhauſen — Babenhauſen (Sattig=Dieburg),
25. Dudenhofen — TG. Seligenſtadt,
26. Klein=Welzheim — Mainflingen (Rech=Klein=Krotzenburg),
27. Hainſtadt — Klein=Krotzenburg (Paul=Hauſen).
28. FC.=SVgg. Seligenſtadt — Weiskirchen (Wolff=Hauſen),
29. Obertshauſen — Froſchhauſen (Schönig=Heuſenſtamm),
30. Affolterbach — Aſchbach (Freitag=Bensheim).
Die Spiele finden auf den Plätzen der erſtgenannten
Ver=
eine ſtatt und beginnen um 14 Uhr.
Das Spiel Nr. 25 (Dudenhofen — TG. Seligenſtadt) findet
nicht ſtatt, da die 1. Mannſchaft von Seligenſtadt bis 5. Januar
1936 geſperrt. Das Spiel iſt für Dudenhofen gewonnen.
Die Spiele finden als Pokalſpiele ſtatt. Die
Eintritts=
preiſe werden auf 40 Pfg. und für Erwerbsloſe und Jugend
auf 25 Pfg. einſchließlich Sportgroſchen feſtgeſetzt.
Vergünſtigun=
gen ſind ausgeſchloſſen. Die Mitglieder beider Vereine haben
den vollen Eintrittspreis zu zahlen.
Neue Termine der Kreisklaſſel.
Gruppe 1 (1. Mannſchaften).
12. 1.: Lampertheim — Hofheim (SR Eichhorn=Worms)
Klein=
hauſen — Biebesheim (Ihrig=Stockſtadt), Heppenheim —
Stockſtadt (Lerch=Eberſtadt), Bensheim — Gernsheim
(Lautz=Pfungſtadt), Biblis — Groß=Rohrheim (Fuchs=
Worms).
26. 1.: Hofheim — Biblis (Hartmann=Worms) Lampertheim —
Kleinhauſen (Klinger=Groß=Gerau), Gernsheim —
Stock=
ſtadt (Gernsheimer=Hochheim), Biebesheim —
Heppen=
heim (Jung=Weiterſtadt), Groß=Rohrheim — Bensheim
(Heiſt=Worms).
2. 2.: Biebesheim — Hofheim. Heppenheim — Kleinhauſen,
Biblis — Gernsheim, Lampertheim — Bensheim,
Stock=
ſtadt — Groß=Rohrheim.
9. 2.: Kleinhauſen — Hofheim. Lampertheim — Heppenheim,
Bensheim — Biebesheim. Biblis — Stockſtadt, Groß=
Rohrheim — Gernsheim.
16. 2.: Biebesheim — Biblis, Hofheim — Gernsheim Stockſtadt
— Lampertheim, Heppenheim — Bensheim, Kleinhauſen
— Groß=Rohrheim.
23. 2.: Hofheim — Heppenheim Gernsheim — Biebesheim,
Klein=
hauſen — Biblis, Bensheim — Stockſtadt, Groß=Rohrheim
— Lampertheim.
1. 3.: Stockſtadt — Hofheim Lampertheim — Gernsheim.
Hep=
penheim — Biblis, Bensheim — Kleinhauſen,
Biebes=
heim — Groß=Rohrheim.
8. 3.: Hofheim — Bensheim, Biblis — Lampertheim,
Gerns=
heim — Kleinhauſen, Stockſtadt — Biebesheim, Groß=
Rohrheim — Heppenheim.
Die Spiele finden auf den Plätzen der erſtgenannten Vereine
ſtatt und beginnen im Januar um 14.30 Uhr, im Februar und
März um 15 Uhr.
Die nach Hofheim angeſetzten Spiele finden auf des Gegners
Platz ſtatt, da Hofheim Platzſperre hat.
Die eingeſetzten Schiedsrichter haben mir die Spiele ſofort
Schäfer, Kreisſportwart.
zu beſtätigen.
Gruppe 2 (1. Mannſchaften).
12. 1.: 46 Darmſtadt — Alsbach (Schiedsrichter: Sattig=
Die=
burg), Arheilgen — Griesheim (Oberfeld=Lampertheim)
Wixhauſen — Wolfskehlen (Dracker=Sprendlingen), Merck
— Eberſtadt (Schader=Bürſtadt), 75 Darmſtadt — Groß=
Gerau (Diel=Sprendlingen).
26. 1.: Wixhauſen 46 Darmſtadt (Keilmann=Bürſtadt),
Gries=
heim — Wolfskehlen (Wollenhaupt=Weiſenau), Alshach
—75 Darmſtadt (Ihrig=Stockſtadt), Arheilgen —
Eber=
ſtadt (Enzler=Darmſtadt), Groß=Gerau — Merck (
Brun=
nengräber=Mainz).
2. 2.: Groß=Gerau — 46 Darmſtadt 75 Darmſtadt — Arheilgen.
Wolfskehlen — Alsbach, Eberſtadt — Griesheim, Merck
— Wixhauſen.
9. 2.: Griesheim — 46 Darmſtadt. Eberſtadt — Wixhauſen,
Alsbach. Groß=Gerau. Merck — 75 Darmſtadt,
Arheil=
gen — Wolfskehlen.
16. 2.: Wirhauſen — Alsbach, 46 Darmſtadt — 75 Darmſtadt,
Arheilgen — Groß=Gerau, Wolfskehlen — Eberſtadt,
Griesheim — Merck.
Bis heuke Samskag abend 18 Uhr
können Sie noch Ihre Einſendung auf die allwöchentliche kleine
Sportpreisfrage „Wie ſpielen ſie am Sonntag?” (in der
Frei=
tags=Ausgabe) der Sportredaktion, Darmſtadt, Rheinſtr. 23 I.,
zugehen laſſen.
23. 2.: 46 Darmſtadt — Wolfskehlen, 75 Darmſtadt —
Wixhau=
ſen, Griesheim — Alsbach. Eberſtadt — Groß=Gerau,
Merck — Arheilgen
1. 3.: 46 Darmſtadt — Eberſtadt. Alsbach — Arheilgen, 75
Darmſtadt — Griesheim, Groß=Gerau — Wirhauſen,
Wolfskehlen — Merck.
Die Spiele finden auf den Plätzen der erſtgenannten
Ver=
eine ſtatt und beginnen im Januar um 14.30 Uhr und im
Fe=
bruar und März um 15 Uhr.
Die eingeſetzten Schiedsrichter haben mir die Spiele ſofort
zu beſtätigen.
Schäfer, Kreisſportwart.
SV. Merck Darmſtadt.
Die Fußballſpiele des Sportvereins Merck finden am
kom=
menden Sonntag auf dem Sportplatz des Reichsbahn=TSV. wie
folgt ſtatt: 10 Uhr: 3. Mannſchaft. TSG. 46 Darmſtadt: 12.45
Uhr: 2. Mannſchaft — SV. 98; 14.30 Uhr: 1. Mannſchaft — TV.
Alsbach.
Turnerbund Jahn 1875 (Fußball=Abteilung).
Im weiteren Verlauf der Meiſterſchaftsſpiele begeben ſich die
1875er am Sonntag nach Eberſtadt. Schon im Vorſpiel, das
2:2 endete, wurde heiß und erbittert um die Punkte gekämpft.
Trotz aller Schwierigkeiten werden die 1875er dieſes Spiel in
ſtärkſter Aufſtellung beſtreiten. Ganz ohne Ausſichten iſt das Spiel
für die 1875er nicht, denn Eberſtadt hat zur Zeit
Mannſchafts=
ſorgen. Für die 1875er gilt es gerade jetzt, zu beweiſen, daß alles
wieder beim alten iſt und jeder bereit iſt, die Farben des
Ver=
eins in Würde und Anſtand zu vertreten. — Die 2. Mannſchaft
ſpielt bereits um 12.45 Uhr in Eberſtadt.
Die Aufſtellungen der Mannſchaften werden heute abend auf
der Weihnachtsfeier im Perkeo bekanntgegeben. Es iſt Pflicht,
daß jeder dort erſcheint und ſo mithilft, den Verein und die
Ab=
teilung zu erhalten.
Die Flagge des Reichsbundes für Leibesübungen.
Mit Zuſtimmung des Reichsminiſters des Innern hat der
Reichsſportführer die Einführung einer Reichsbundflagge
geneh=
migt. Dieſe Flagge des Reichsbundes trägt auf rotem Grund einen
ſenkrechten weißen Streifen, in der Mitte befindet ſich in einer
kreisförmigen Erweiterung des weißen Streifens das
Reichsbund=
abzeichen in ſchwarzer Farbe auf weißem Hakenkreuz. Der Kopf
des Adlers iſt ſtets zum Flaggenſtock gewendet, das Hakenkreuz
iſt wie in der Nationalflagge rechtsſeitig. Das Verhältnis der
Höhe zur Breite der Flagge iſt wie 3:5. Die Flagge kann auch in
Wimpelform geführt werden; das Verhältnis der Länge zur Höhe
iſt dann wie 8:5.
Mit der „kurzen Geſchichte” dieſes Olympiaheftes ſteigt
der Leſer gleich zu Anfang mitten hinein in Sinn und
Auf=
gabe des Spiels. Handball wurde erfunden. Und es war
hier wie bei jeder anderen Erfindung: als die Umſtände
ſie notwendig machte, war ſie dal
Wir Laien, die wir uns als Zuſchauer bei einem
Hand=
ballſpiel immer über unſere Unwiſſenheit geärgert haben,
erfahren hier das Notwendige. Warum pfeift nur der
Schiedsrichter hier nicht, und warum pfeift er gerade da?
Und der Vorteil fiel ſo häufig denen zu, die kampfmäßig den
laſcheren Eindruck machten. Warum, warum? — Das
Olympia=Heft Nr. 6 gibt Auskunft.
Wir Zünftigen aber, die wir uns ſchon bewährt haben,
vertiefen uns mit viel Erfolg in Trainingsregeln und
Spiel=
geſetze, die ein weiſer Handballehrer in dieſem Heft aus dem
Schatz ſeiner umfangreichen Erfahrungen aufgeſtellt hat.
Der „Funkbericht eines übungsabends” läßt uns — ſtreng
befolgt — unſere Muskeln fühlen. Was hat aber das ewige
„Vorl Kehrt! Bücken! Hochſtützt! Springt!” mit dem
Hand=
ballſpiel zu tun?. Alle ſolche Fragen finden in Tert und Bild
dieſes Olympiaheftes eine erſchöpfende Antwort.
Mit der abſchließenden Darſtellung des Spielgedankens,
der Technik und Taktik iſt das kleine 32ſeitige Heft ein
voll=
ſtändiger Führer durch das Handballſpiel. Das Olympia=
Heft Nr. 6 ſtellt in ſeiner amtlichen Aufgabe der
olympi=
ſchen Werbung mehr als eine einſeitige Vorbereitung auf
die kommenden Olympiſchen Spiele dar, es baut ſich auf der
breiten Grundlage eines geſunden und jeden angehenden
Volksſportes auf. Das Amt für Sportwerbung hat es in der
Reihe der alle olympiſchen Sportarten behandelnden
Olympiahefte in Gemeinſchaft mit dem Reichsſportführer
herausgebracht. Der Preis für das 32ſeitige Heft mit ſeinen
etwa 40 Bildern beträgt 10 Pf. Es iſt in allen NS.=
Gliede=
rungen, Arbeitsſtätten und Sportvereinen zu haben.
PDom Taurt der Woch
iſt heute — zwiſchen den Jahren — nicht viel zu erzählen.
Da Frau Holle ihren weißen Segen erſt zaghaft ſpendete,
beginnt der Winterſport in ſeinen verſchiedenen Zweigen
erſt allmählich ſeine Herrſchaft anzutreten. Die erſten
Sprung=
konkurrenzen auf den zahlreichen Schanzen haben ſchon vor und
während Weihnachten eingeſetzt, die runde Scheibe iſt auf
zahl=
reichen natürlichen und Kunſteisbahnen heftig in Bewegung. Die
Bobfahrer ſind bereits in den erſten Trainingsfahrten losgebrauſt.
Alles richtet ſich auf die Olympiſchen Winterſpiele in Garmiſch=
Partenkirchen, die zu Anfang Februar die ganze Sportwelt in
ihren Bann ſchlagen werden.
Im Fußball gab es keine Ereigniſſe die von „hiſtoriſcher
Bedeutung” ſein würden, Freundſchaftsſpiele, zählen ja nicht
„ganz voll”. In unſerer Gauliga Südweſt ſteht noch Boruſſia
Neunkirchen mit einem Punkt vor Pirmaſens, doch kann ſich das
morgen ſchon ändern. In unſerer zweiten Klaſſe hat
Landes=
polizei Darmſtadt wieder die Tabellenſpitze errungen und ſcheint
dieſe ſicher zu haben, da der bisherige Inhaber Egelsbach ſchon
6 Minuspunkte mehr auf dem Konto hat.
In unſerem Handball=Gau fällt, morgen die
Entſchei=
dung um die Spitzenführung — und damit wohl auch um die
vorausſichtliche Gaumeiſterſchaft — im Spiel Landespolizei
Darmſtadt gegen den um 1 Punkt beſſer ſtehenden TSV.
Herrus=
heim
Der deutſche Schwergewichts=Boxmeiſter Vincenz
Hower lag bei ſeinem erſten Kampf in Südamerika in Buenos
Aires in der 10. Runde nach Punkten führend im Kampf — als
er vorübergehend in Doppeldeckung gegen Arturo Godfrey gehen
mußte. brach der Ringrichter unter Proteſt den Kampf zugunſten
des Einheimiſchen Godfrey ab.
Der Sport am morgigen Sonntag weiſt im Fuß=
und Handball ein volles Pflichtprogramm in allen Klaſſen auf.
Nicht weniger lebhaft geht es auf Schnee und Eis zu und in den
Sporthallen, Großereigniſſe ſind jedoch nicht zu verzeichnen,
Um die Handball=Tabellenführung
in Südweſt.
Landespolizei Darmſtadt — Tb. Herrnsheim.
In ihren weiteren Verbandsſpielen empfängt die Handball=
Ligamannſchaft der Landespolizei, am kommenden Sonntag auf
eigenem Platze den altbekannten und gefürchteten Turnverein
Herrnsheim, den ſeitherigen Tabellenführer der Handball=
Gau=
liga Südweſt. Die Herrnsheimer hatten es verſtanden, die Tabelle
bis zum 2. Weihnachtsfeiertag anzuführen. In dieſer Führung
wurden ſie von der Landespolizei abgelöſt, die es verſtanden hat,
durch einen überzeugenden Sieg von 9:1 über den Sportv.
Wies=
baden die Führung zu übernehmen.
Der am Sonntag ſtattfindende Kampf zwiſchen beiden
Mann=
ſchaften geht nun darum, die Spitzenſtellung zu ſichern.
Herrns=
heim wird verſuchen, mit aller Kraft die Spitze wieder zu
erklim=
men, andererſeits denkt die Landespolizei nicht daran, den 1.
Ta=
bellenplatz wieder abzugeben. Mithin wird es am Sonntag, 1430
Uhr. auf dem Landespolizei=Sportplatz zu einem ſpannenden
Hand=
ball=Großkampf kommen, der jeden Handballanhänger erfreuen
und zufriedenſtellen wird.
TV. Haßloch — SV. 98 Darmſtadt.
Nach dem ſonntäglichen Lokalkampf gegen die Polizei müſſen
die 98er abermals, nach außerhalb, und zwar geht es diesmal zu
dem derzeitigen Tabellenvierten, dem Turnverein Haßloch. Es iſt
ohne Zweifel ein ſchwerer Gang für die 98er, aber ſie müßten
trotzdem in der Lage ſein, einen knappen Sieg zu erringen, um
endlich aus den unteren Regionen der Tabelle zu verſchwinden.
Die Mannſchaft fährt ver Omnibus: Abfahrt 11.30 Uhr Wdolfe
Hitler=Platz. Für Schlachtenbummler iſt noch Gelegenheit zur
Mitfahrt geboten. Voranmeldung bei Druckerei Ditter, Tel.
4906. — Die Reſerve ſpielt gegen die TSG. 46 um 9.45 Uhr dort,.
TSG. 46 — TV. Nieder=Liebersbach
um 11 Uhr an der Rheinallee.
Im letzten Heimſpiel empfangen die 46er an der Rheinallee
die Turner aus Nieder=Liebersbach zum fälligen Rückſpiel. Im
Vorſpiel in Nieder=Liebersbach konnte 46 ſehr gut abſchneiden,
ſo daß auch das Rückſpiel für Darmſtadt nicht ſo ſchwer werden
kann. Was die Nieder=Liebersbacher ſo ſympathiſch macht, iſt ihre
faire Spielweiſe die ſie, mit einer großen Schnelligkeit gepaart,
zu einem achtbaren Gegner werden läßt Trotzdem die Gäſte
noch Neuling in der Klaſſe ſind, haben ſie ſich zu einer ſtarken
Mannſchaft entwickelt, die in Abſtiegsgefahr ſchwebt und aus
dieſem Grunde auch zu überraſchenden Leiſtungen fähig iſt, ſo daß
ſich die 4ßer=Elf gewappnet zeigen muß. — Um 9.45 Uhr ſpielen:
TSG. 46 Reſerve — SV. 98 Reſerve, ebenfalls an der Rheinalle.
Reichsbahn=Turn= und Sportverein e. V.
Handball=Abteilung.
Die Jugendmannſchaft empfängt am kommenden Sonntag die
gleiche von Tode, Beſſungen zum Pflichtſpiel vormittags 10 Uhr
und wird mit Maus, Hener, Fella, Müller I. Kraft, Schnatz,
Schuchmann, Löffler, Riehl. Maurer, Müller II — Erſatz: Junker
und Göbel — antreten.
Die 1. Mannſchaft folgt einer Einladung des Tv. Goddelau,
wo ſie anläßlich des Winterhilfsſpiels beſonders gefallen hat.
Leider hat die Mannſchaft für Sonntag einige Aenderungen
er=
fahren müſſen, da mehrere Spieler nicht abkömmlich ſind. Sie
wird daher folgendes Ausſehen haben: „Hahndorff, Fey. Beſt,
Schanz, Recke, Göbel I. Rettig. Neumann, Walter 1. Weiler,
Weigele — Erſatz: Bien I. Die Abfahrt erfolgt um 13.15 Uhr ab
Hauptbahnhof. Das Spiel beginnt um 14.30 Uhr.
Feigk.
Ringen.
Athl.=Verein Vorwärts Groß=Zimmern — Eiche Hauau.
Beim Athletenverein Vorwärts 05 Groß=Zimmern herrſcht
zum Jahresende recht reger Betrieb. und zwar ſtehen noch zwei
harte Kämpfe bevor. Am Sonntag empfängt der Verein den
Kraftſportverein Eiche Hanau auf eigener Matte im Linden
Saal, und am 31. Dezember höchſtwahrſcheinlich die
Turn=
gemeinde Dieburg. Da Vorwärts immer noch Favorit
für den zweiten Tabellenplatz iſt. muß ſich die Mannſchaft gehörig
ins Zeug legen, um bei beiden Gegnern die erforderlichen Punkte
herauszuholen. Beſonders Dieburg, welches ſich in letzter Zeit
bis auf den vierten Platz hochgearbeitet hat, darf nicht
unter=
ſchätzt werden. Es ſind deshalb intereſſante Kämpfe zu erwarten,
und dürfte ſich ein Beſuch dieſer Veranſtaltungen für die An
hänger des Kraftſports lohnen.
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Ausſcheidungskegeln in Darmſtadt.
Morgen Sonntag, 14 Uhr beginnt im Kegelſporthaus
Darm=
ſtadt, Saalbauſtraße, der Endlauf des 200=Kugelkampfes. Es ſind
ſpannende Kämpfe zwiſchen den dicht beiſammenliegenden
Teil=
nehmern der Spitzengruppe zu erwarten, da dieſer 5=Lauf für die
Meiſterſchaft von ausſchlaggebender Bedeutung ſein wird.
In Davos wurden die erſten Spiele um den Spengler”
Pokal, der diesmal ohne deutſche Beteiligung vor ſich geht,
aus=
getragen. Der Züricher Schlittſchuh=Club ſchlug die Mannſchaft
der Univerſität Cambridge ſicher mit 4:1, und der HC. Davos
blieb mit 5:0 über Stade Francais Paris erfolgreich.
Im zweiten Spiel um den Ritter von Halt=Eishockey=
Wanderpreis, der in Garmiſch=Partenkirchen ausgeſpielt wird,
blieb die erſte Mannſchaft des SC. Rieſſerſee über die eigenen
Reſerven mit 8:1 überlegen ſiegreich.
A
[ ← ][ ][ → ]ſamstag, 23. Dezember 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 355 — Seite 11
„Glück” mit den Fäuſten.
Das Kanonenfukker
moderner Unkerhalkung.
Amerikas unbekannte Profiboxer.
Von Frank Red.
Ich will nicht von den Millionen reden, die einige bekannte
dßirs verdienen. Dempſey, Tunney und andere, haben das Geld
geſheffelt. Dieſe Geſchichten ſind uralt. Niemand aber kennt die
JJugens, die ſich um dreißig Dollars das Naſenbein eindreſchen.
Geuſind das Kanonenfutter moderner Unterhaltung. „Sei gegrüßt,
0beſdſack, die zu Krüppeln Geweihten grüßen dich!” müßte eigent=
Uic ihre Loſung ſein.
Fünftauſend Boxklubs.
Auſpruch, als er noch Holzflößer war: „N‟ richtiger Amerikaner
veult ſeine Meinungsverſchiedenheit in einer viertel Stunde, wenn
esſch um einen Spaß handelt, mit den Fäuſten, oder in zwei
Se=
kuen, wenn es Ernſt iſt, mit dem Revolver”
Und dieſe Anſicht, daß die Fauſt die würdigſte Waffe ſei, treffen
wi noch heute in den Staaten. Droſchkenchauffeure haben eine
Menungsverſchiedenheit — im Nu ſind die Röcke ausgezogen, und
uunſr dem anfeuernden Geheul einer raſch zuſammenlaufenden
Zu=
ſſhatermenge dreſchen die beiden nach allen Regeln des Marquis
cLueensburry (Engländer, der dem Fauſtkampf ſeine Geſetze gab)
qfinander los. Jeder verſteht, was Deckung zu nehmen, Uppercut
ru9 zu bedeuten hat. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß New
Bok allein über fünftauſend Boxklubs verfügt Es wird nur noch
rw) Frisco übertroffen, das beinahe ſechstauſend Klubs zählt.
Da=
whiſind nicht nur die Klubs zu verſtehen, die Boxen ausſchließlich
wſeiben, ſondern auch die Geſellſchaften armer Burſchen, die als
Hilsarbeiter, Hafenarbeiter, Kohlenſchlepps ihr Brot verdienen,
geneinſam ein Lokel mieten, dort tanzen, eſſen, weil es für vier
ier billiger kommt, als für einen, und einem alten Boxball,
di letzten Sand herausdreſchen.
„Der Tiger von Oakland‟
Jack Crib war Laſtträger in Fisco. Einer von den Burſchen,
doe einen offenen Sack mit Getreide, ohne ein einziges Korn zu
wrhütten, auf die Schultern laden. Solch ein Sack iſt hundert
Kibgramm ſchwer. Crib wurde arbeitslos und mußte um jeden
Ams Geld verdienen. Er löſte ſich eine Profilizenz, pachtete einen
Withausſaal und droſch dort alles, was ſich ihm ſtellte, durch die
Seie. Unter den Maurern und Verladern genoß er bald großen
Ru und er erhielt den Namen „der Tiger von Oakland‟. Crib
wiangte nur 10 Cent Eintrittsgeld. Die Maſſe macht es, war auch
ſ ine Deviſe. Er hieb ſich im Tag höchſtens vier Dollars zuſammen,
un ſeine Frau und ein Kind brauchten wenigſtens nicht zu
hun=
gn. Jeden Abend, wenn er heimkam, wartete ſchon heißes Waſſer
qu ihn, um die Blutflecke aufzudunſten. Einem Reporter, der
ein=
mo eine Rundfrage bei den „unbekannten Boxern” anſtellte,
ant=
woſtete Crib auf die Frage, wie er mit ſeinem Beruf zufrieden
ſei ,Herr, ſchreiben Sie in Ihrer Zeitung, daß ein Mann zu haben
j.h,der Kräfte hat wie ein Pferd. Wenn irgendwer einen Job für
mi hat, ich griffe mit tauſend Freuden zu.” Niemand brauchte
eenn Mann. Pferdekräfte ſteckten genug in den Maſchinen, die
ma durch Frauen und Jugendliche bedienen konnte.
Als Cribs Frau ins Krankenhaus kam, brauchte er eine grö=
Et Menge Geld. Um für einen ſeiner Kämpfe Reklame zu
mahen, forderte er einen andern „Berufsboxer” heraus und ſchlug
ſähmit ihm auf der Straße. Seine Kollegen hielten Wache. Kein
Aoſziſt ließ ſich ſehen. Crib hieb ſeinen Gegner „aus”, kaſſierte
Sunden ein und verteilte hektographierte Zettel, daß der
Re=
winhekampf in einem beſtimmten Lokal ſtattfinde. Der Saal war
git. Die heſte Geſellſchaft Friscos, angelockt durch den
Schau=
keypf, kam und ſah gruſelnd zu, wie ſich zwei blutarme Teufel
ge=
gſeitig zu Hackfleiſch droſchen. Vierhundert Dollars gewann Crib
ardieſem Abend. Einige geſchäftstüchtige Manager wollten ihn
mu für große Kämpfe kapern. Crib war aber ſchlau, richtete mit
dan -Geld eine Speiſehalle für Arbeitsloſe ein und warf die
Ma=
muer hinaus.
Der Wirbelwind.
An der Grenze eines Indianerdorfes traf ich einmal einen
Studenten, der ſich ebenfalls als Schaukämpfer durch Leben ſchlug,
im wahrſten Sinne des Wortes. Er lieferte an einem Abend oft
drei Kämpfe gegen zwei Meter lange Cowboys und Schaffarmer.
Er war ſo ſchlau, auch an Wetten auf ſich ſelbſt teilzunehmen und
konnte bei angeſtrengteſter „Arbeit” den Sommer über ſoviele
Dol=
lars zuſammenklopfen, daß er den Winter über ſtudieren konnte.
Er ſagte zu mir:
„Es iſt ſchändlich, daß ich auftreten muß wie ein dreſſierter
Kampfhahn. Haſt du die Plakate geleſen: „Der Tornado der Prärie
fegt auch Sie durch die Seile!” Oft drängen ſich zwei Dutzend
Männer, um ſich die Naſe einſchlagen zu laſſen. Dieſer
Heraus=
forderung kann kein Weſtler widerſtehen. Ich bin aber auf den
Kampf abgerichtet, kenne alle Tricks, und mir tut es leid, daß ich
die armen Teufel verdreſchen muß. Ich muß aber leben, und
ſtu=
dieren will ich auch. Mein Manager, der die Touren organiſiert,
frißt die Hälfte der Einnahmen. Der Teufel ſoll ihn dafür holen.
Dabei geht es mir aber gut. In New York drängen ſich die jungen
Burſchen darum, um drei Dollars den Abend aufzutreten. Drei
Dollars Kampfbörſe für eine Beſchäftigung, bei der dich ein
ſchlech=
ter Schlag, z. B. in die Niere, zum Krüppel für das Leben macht,
wenn es doch endlich einmal ſoweit wäre, daß jeder arbeiten kann,
dann wäre die Geſchichte bald fertig. So aber hat ein Manager in
Harlem an einem einzigen Abend zwanzia Paare auf einmal
hin=
ausgeſtellt. Zähneſpuken eng gros. Pfui Teufel.”
Dann begann er, ſeine Hände mit einer vökelartigen Lauge
auf Härte zu behandeln.
Zehntauſende im Jahr.
Zehntauſende verſuchen drüben jährlich ihr Glück als
Profi=
boxer. Beſonders Arbeiter aus den Berufen, die große
Körper=
kraft verlangen, Schlächtergeſellen, Bergleute, Heizer oder
Laſt=
träger. Jeder träumt den Traum vom Championgürtel. Nur
we=
nige werden mittelmäßige „Profis”, die bis zu fünfhundert
Dol=
lars pro Abend verdienen können. Die meiſten beginnen ihre
Lauf=
bahn in einem kleinen Ring und laufen wie ein Ziehpferd immer
zwiſchen den Seilen rundum. Kein Körper verträgt auf die Dauer
jeden Abend einen ſchweren Kampf der unter Einſatz aller Kraft
geführt wird. Einem unter zentauſend gelingt es wirklich, unter
die Scheinwerfer der großen Sportpaläſte zu kommen. Auf ihn
ſtar=
ren Hunderttauſende. Junge Burſchen faſſen den Entſchluß, auch
ihr Glück mit den ſtarken Fäuſten zu machen und ſtehen dann einige
Jahre ſpäter an den Straßenecken, die Naſe abgeplattet, die
Augen=
lider geſprungen, die Lippen geſpalten und betteln. Manche haben
noch das Glück, rechtzeitig Arbeit zu bekommen. Die ſind noch am
beſten dran.
Leiſtungsturnen, der Weg zum Gipfelturnen. Von Ch. Strauch,
Heeresſportlehrer an der Heeresſportſchule Wünsdorf. 104
Sei=
ten, 71 Abbildungen, darunter 50 mit dem deutſchen Meiſter
Schwarzman, broſch. 2.50 RM. Wilhelm Limpert, Verlag,
Ber=
lin EW. 68.
Eben ſind die deutſchen Turnermeiſter 1935 in Frankfurt
er=
mittelt worden. Zum 2. Male iſt Frey=Bad Kreuznach Meiſter
geworden. Kunſtturnen — Leiſtungsturnen: Leiſtungsturnen ſchult
in hervorragendem Maße Körper, Nerven und Willen. Jede neu
zu lernende Uebung erfordert immer wieder von neuem Mut und
Entſchlußkraft und hohe Anforderungen an Nerven und
Willens=
kraft des Uebenden. Geſunde Jugend ſtrebt immer nach Leiſtung.
Mit dem Vorwärtswollen und Vorwärtsdrängen iſt es aber nicht
allein getan, Leiſtungsſteigerung iſt nur in erſter Linie auf der
Grundlage eines vielſeitig und gut durchgebildeten Körpers
mög=
lich. So bringt der Verfaſſer im Vorwort zum Ausdruck, daß, um
Leiſtungen zu vollbringen, der Körper zuerſt geſchult und
vorbe=
reitet werden muß. In mehr als 10 Jahren an der
Heeresſport=
ſchule Wünsdorf und in über 300 Lehrgängen im Gau
Branden=
burg war es dem Verfaſſer möglich, überaus wertvolle
Erfab=
rungen in der Methodik des Geräteturnens zu ſammeln. Dabei
kommen ihm die eigenen Wettkampferfahrungen zugute. Der
Ver=
faſſer, mehrmaliger Geräte=Zehnkampfmeiſter des Reichsheeres und
der Reichsmarine, hat viele Jahre in der vorderen Front der beſten
Geräteturner geſtanden und war Teilnehmer der Finnlandriege
der Weſtfalen, ſowie Lettland= und Polen=Riege der D. T. Seine
Reiſen nach der Schweiz, Ungarn und Jugoſlawien gaben ihm
außerdem Veranlaſſung, Einblicke in die Feinheiten des
Geräte=
turnens zu nehmen und ganz beſonders hinter die Geheimniſſe des
AAM TAAALA
Kriminal-Eoman
von Tosef Kohlhofer
Copy. by Prometheus=Verlag Gröbenzellb. Münch.
Die Wohnung Johannes war in ſich abgeſchloſſen und direkt
wiſ der Treppe aus zu betreten, ein Umſtand, den das Mäd=
Eeu ſehr angenehm empfand. Im gleichen Stockwerk war noch
enZimmer, ebenfalls mit eigenem Eingang, bis geſtern frei
grbeſen und hatte nun einen Intereſſenten gefunden.
(Es war um die fünfte Nachmittagsſtunde.
Im Ofen kniſterten die Buchenſcheite, einen rötlichen Schein
in ſas Zimmer werfend, in dem Johanne eifrig beſchäftigt war.
Sit ſaß an einem zierlichen Schreibtiſch, und vor ihr lag eine
Mage alter, vergilbter Briefe, die ſie einer Kaſſette entnommen
hite, um ſie durchzuſehen. Es waren zum Teil Briefe ihrer
Biſtter und auch andere von Verwandten, die ſie gar nicht
krmte und deren Schriftzüge ſie fremd anmuteten. Ihre Suche
gniſ den Briefen Onkel Cheſters, aber bisher hatte ſie nicht eine
Bele gefunden, die von ihm ſtammte.
Nachdem Sergeant Gibbs das Mädchen heimgebracht hatte,
ma Johanne in einen tiefen Schlummer gefallen. Das
Er=
mahen am anderen Morgen führte ſie wieder in die rauhe
Pſklichkeit zurück; wie ein wirrer Traum hafteten die Ereigniſſe
de Abends vorher in ihrem Kopf und ſchufen einen dumpfen
Enck, der nicht weichen wollte. Wenn ſie ſich all die ſchrecklichen
Sinationen vergegenwärtigte, kam ſie ſich hilflos vor und
ſcnach und einſam, und die Ruhe um ſie bedrückte ſie mehr, als
did je der Fall geweſen war. Sie beſchloß, einige Wochen
fort=
zuhiſen, und wußte dabei, daß ſie dieſen Beſchluß nicht
aus=
fühen würde. In ihr war plötzlich etwas aufgetaucht, was ſie
ſähnicht deuten konnte. Zeitweiſe überfiel ſie eine ſchwermütige
Stinmung und verwandelte ſie in eine Träumerin. Nicht daß
ſi Launen gehabt hätte, dazu war Johanne zu ausgeglichen,
aßt trotzdem war ihr oftmals zumute, als würden ſich ihre
Seſihle in ſtetem Wechſel befinden.
Johanne wußte nicht, wie ſchön ſie war.
Ein dunkles Kleid umſchloß die ſchlanke Geſtalt, und jede
Bevegung ihrer Hände war wie ein harmoniſcher Ton in dem
liehnden Bild eines gottbegnadeten Meiſters. Ihr Mädchentum
enſehrte nicht der ſanften Anmut und keuſchen Empfindlichkeit;
ſiekannte die Männer zu wenig, um ſich ein Urteil über ſie
Eillen zu können, und glaubte durch Kühle und Zurückhaltung
Sef Abſtand wahren zu können, der ihr notwendig erſchien.
Sie hatte ſchlimme Stunden hinter ſich, aber noch ſchlimmere
ſüaden ihr bevor. Gerſon hatte unbeſtritten ein Anrecht
dar=
muf ſeine Fragen beantwortet zu wiſſen; ſie befand ſich in einem
ſ chnerzvollen Zwieſpalt und wußte keinen Ausweg als den,
wach der einen Seite zu ſchweigen, um vor den ſenſations=
Bugrigen Blicken zeilenſammelnder Reporter ihren Namen rein
Bu halten.
Ein Klopfen an die Tür riß ſie aus quälenden Gedanken.
Sie rief „Herein!” und vergaß dabei, daß von innen
ab=
geſchloſſen war. Als ſie öffnete, ſtand ein Mädchen vor ihr.
Cs trug ein Straßenkoſtüm; unter dem kleinen Hut quoll
Dutkelblondes Haar hervor. Das ſympathiſche Aeußere wurde
wuich den herausfordernden Blick und den ſinnlichen Mund ſtark
Eeunträchtigt.
„Fräulein Wellington” begann das Mädchen ſofort zu
ſſorchen, „es freut mich, Sie kennenzulernen.” Sie ſchritt
freund=
liä lächelnd über die Schwelle, ſo daß Johanne nichts anderes
übigblieb, als hinter ihr die Tür zu ſchließen. „O, wie nett
und gemütlich haben Sie es hier”, rief ſie bewundernd, „
wirk=
lich, Frau Braun hat mir nicht zuviel erzählt. Ihr Salon iſt
entzückend!"
Sie ging um den Tiſch und beſah ſich ungeniert die Möbel
und Bilder.
„Ich heiße Suſa Prescott und bin ſeit geſtern Ihre
Zimmer=
nachbarin. Frau Braun trat mir ein Zimmer ab, und ich hielt
es für ein Gebot des Anſtandes, mich Ihnen vorzuſtellen.”
„Sehr liebenwürdig von Ihnen” entgegnete Johanne
reſerviert. Im ſtillen hoffte ſie die Beſucherin bald loszuwerden.
„Sie geſtatten, ich bin ſehr müde!“
Unaufgefordert nahm Suſa auf einem Stuhl Platz und
ließ einen Seufzer der Erleichterung hören.
Drei Stunden bin ich jetzt auf den Beinen”, klagte ſie,
„da iſt man froh, ſich ausruhen zu können. Es würde mir leid
tun, wenn ich Sie geſtört hätte”, ſie wies auf den Schreibtiſch,
ich ſehe dort eine Menge Briefe. Sie haben wohl recht viele
Freunde?” fragte ſie neidiſch.
„Es ſind Briefe meiner verſtorbenen Mutter!”
Diesmal klang die Abwehr aus der Stimme Johannes zu
deutlich, um überhört zu werden.
„Oh!” — Suſa floß vor Teilnahme über, „bitte, vergeſſen
Sie, was ich ſprach. Sie dürfen nicht denken, daß ich Sie
krän=
ken wollte; ich ſchwätze gerne, und meine eigene Stimme zu
hören, bereitet mir viel Genuß. Auch ich habe keinen Vater
mehr. Meine Mutter heiratete wieder, und ich bekam einen
Stiefvater beſchert, der nachts betrunken nach Hauſe kam und
morgens aufſtand um wieder weiterzutrinken. Es war ein
ſchreckliches Leben, ſo ſchrecklich, daß ich mit fünfzehn Jahren
von daheim weglief. Eine alltägliche Geſchichte zwar, werden
Sie denken; für mich war es aber ein Roman mit vielen
Leidenskapiteln.”
Das Mädchen ſchwieg und ſtarrte in Erinnerungen
ver=
ſunken auf den Boden.
„Sie leben wohl ſehr für ſich allein?” fragte ſie nach einer
Weile in leichtem Plauderton. „Ich könnte das nicht, mich in
ein Zimmer vergraben und durch die Fenſter ſehen. Jung ſein
heißt froh ſein, und das will ich. Zwei Freunde wenben um
mich, einen kenne ich ſchon längere Zeit, der andere lud mich
geſtern in die Oper ein. Ein ganz netter Kerl, nur ein bißchen
ſtockfiſchig und ſteif ſchulmeiſterlich. Als er ſich verabſchiedete,
ſagte er, er wohne in meiner nächſten Nähe. Denken Sie, wie
ich überraſcht war, als er mich bis vor die Wohnungstür
beglei=
tete und dann im gleichen Stockwerk das Zimmer neben Ihnen
aufſperrte.”
Johanne fühlte ſich bei dieſer Nachricht ſehr unbehaglich.
Noch einen dritten Menſchen als Zimmernachbarn akzeptieren
zu müſſen, erſchien ihr nicht beſonders angenehm.
„Davon wußte ich nichts. Hat Frau Braun das Zimmer
ſchon lange vermietet?” fragte ſie.
„Ich glaube nicht!” entgegnete das Mädchen nachſinnend.
„Wahrſcheinlich iſt er mit mir eingezogen. Aber Sie können
be=
ruhigt ſchlafen, er iſt eine harmloſe Brummfliege. Während der
Oper ſchwärmte er andauernd von ſeinem Bobby und ſeiner
Nelly. Das ſind nämlich Fröſche!“
Dafür hatte Johanne wenig Intereſſe.
Olympiſchen Ringeturnens zu kommen. Dieſes Ringeturnen iſt in
dieſem Buch umfaſſend und lehrreich niedergeſchrieben. Strauch
geht in der Methodik des Geräteturnens neue Wege, indem er den
ſchnelleren Weg zur Leiſtung und zur perſönlichen Höchſtleiſtung
zeigt. Die Schwierigkeit bei der Erlernung neuer Geräteübungen
liegt nicht immer allein an der teils unrichtigen Lehrweiſe,
ſon=
dern hauptſächlich daran, daß der Turner ſich zu wenig mit dem
Bewegungsablauf der zu erlernenden Uebung beſchäftigt. Gerade
die Beſchreibung des Bewegungsablaufes von der einfachſten
Uebung angefangen bis zur ſchwierigſten Gipfelleiſtung am Gerät,
machen das Buch für jeden Lehrer, Turnwart und Vorturner ſo
außerordentlich wertvoll. Mit der Uebungsbeſchreibung zugleich
legt der Verfaſſer ganz beſonderen Wert auf richtige Hilfeſtellung.
Aber auch dem Wettkämpfer ſoll das Buch Berater und Helfer ſein.
Die große Fülle des Uebungsſtoffes an den Hauptgeräten Reck,
Barren, Pferd, Ringe und in der Kürfreiübung, ſowie die
Aufzäh=
lung der weltbeſten Kürübungen an dieſen Geräten bringen für
jeden jungen und erfahrenen Turner neue Anregungen.
Reichsſender Frankfurt
Frankfurt: Samstag, 28. Dezember
6.00: Choral, Morgenſpruch, Gymnaſtik. 6.30: Gleiwitz:
Bunte Morgenmuſik des Funkorcheſters. In der Pauſe
7.00: Zeit, Nachr. 8.00: Waſſerſtand, Zeit, Wetter. 8.15:
Stuttgart; Gymnaſtik. 8.45: Bauernfunk. 9.00: Nur
Frankfurt: Nachr. 9.15: Nur Kaſſel: Muſik am Morgen.
10.00: Nur Freiburg: Nachr. 10.15: Sendepauſe. 11.00:
Nur Frankfurt: Werbekonzert. 11.35: Meldg. 11.45:
So=
zialdienſt.
12.00: Karlsruhe: Buntes Wochenende. Im Reich der
Ope=
rette. Dazw. 13.00: Zeit, Nachr. 14.00: Zeit, Nachr.,
Wetter, 14.10: Vom Deutſchlandſender; Allerlei zwiſchen
zwei und drei. 15.00: Wirtſchaftsbericht. 15.15: HJ.=Funk.
16.00: Köln: Der frohe Samstag=Nachmittag des
Reichsſen=
ders Köln. 18.00: Eine Stadt macht einen Dichter. Joſeph
von Eichendorff am Neckar. 18. 20: Stegreifſendung, 18.30:
Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Wochenſchau. 18.55;
Meldungen.
19.00: Unterhaltungskonzert. 19.55: Ruf der Jugend. 20.00:
Zeit, Nachr. 20.10: Die Waffen der Frauen. Operette
von Paul Lincke nach „Lyſiſtrata”, 22.00: Zeit, Nachr.
22.15: Nachr., Sport, Wetter, 22.30: Dresden: Und
mor=
gen iſt Sonntag! 24.00; Stuttgart: Nachtkonzert. (Aufn.),
Woidtiun dandänmnn
—
Sonnabend, 28. Dezember
Breslau: 20.10: Schleſiſche Regimentsmärſche,
Leipzig: 20.10: Zwiſchen Weihnacht und Silveſter. Ein
großer Tanzabend.
Hamburg: 20.10: Zuguterletzt. Unſer kunterbunter
Wo=
chen=Kehraus. Wir begrüßen alte Bekannte.
Wien: 19.10: Das Spitzentuch der Königin. Operette,
Agram: 20.00: Violin= u. Flötenkonzert.
Prag: 20.00: Männerchorgeſang.
Bervmünſter: 20.30: Volkstümlicher Abend.
Sottens: 21.15: Werke von Joſ. und Johann Strauß.
Stockholm: 22.00: Alte und neue Tänze.
Budapeſt: 22.05: Zigeunerkapelle Magyari.
Warſchau: 22.15: Werke von Weber, Sibelius u. a.
Welkerbericht
des Reichswetterdienſtes, Ausgabeort Frankfurt a. M.
Mittel= und Weſteuropa werden von einer warmen
Südſtrö=
mung überflutet. Bei vielfach ſtark dunſtigem Wetter liegen die
Temperaturen noch allgemein hoch. Die Null=Gradlinie liegt
etwa 2000 Meter hoch. Die ſüdweſtliche Luftzufuhr hält noch
weiter an, ſo daß vielfach das trübe und nicht regneriſche Wetter
weiter fortdauert.
Ausſichten für Samstag: Ueberwiegend bewölkt und dunſtig,
zeit=
weiſe etwas Regen, bei ſüdweſtlichen Winden milder
Ausſichten für Sonntag: Veränderlich, zeitweiſe Aufheiterung,
aber auch gelegentliche Niederſchläge; immer noch mild.
„Mein anderer Verehrer dagegen trägt ſich mit ernſtlichen
Gedanken” plapperte Suſa Prescott weiter. „Er iſt bei der
Polizei, und zwar Kommiſſar, alſo in glänzender Stellung. Hin
und wieder treffen wir uns in einem Café; er hat mich auch
ſchon zu großen Feſten mitgenommen. O, ich liebe Will, und
ich glaube, er iſt mir auch ſehr gut.”
„Wie heißt Ihr Verlobter?” fragte Johanne mit
vibrieren=
der Stimme.
„Will Gerſon! — Aber verlobt ſind wir noch nicht, Fräulein
Wellington. Ich möchte nicht gerne eine Unwahrheit ſagen, ob
wohl unſer Verhältnis ſchon ſo eng geſtaltet iſt, daß die
Ver=
lobung nur noch eine Frage kurzer Zeit ſein wird. Will iſt
der begabteſte, entgegenkommendſte und aufmerkſamſte Menſch
von London”, ſchwärmte ſie. „Er hat nur einen Fehler, er iſt
ſehr abergläubiſch. Manchmal kann er auch ſehr luſtig ſein. Ich
bin ſtolz auf ihn; ſeine erfolgreiche Tätigkeit als Detektiv wird
von den höchſten Stellen anerkannt.”
Johanne fühlte einen pochenden Schmerz an der Schläfe.
„Kennen Sie Herrn Gerſon ſchon lange?” fragte ſie,
wäh=
rend ein leichtes Rot in ihre Wangen ſtieg. Sie ſchämte ſich
dieſer Frage und bereute es, ſie ausgeſprochen zu haben. Wenn
ſich Gerſon an dieſes Mädchen hing, war es ſeine Sache, er
bewies damit höchſtens einen ſchlechten Geſchmack. Und wenn
ſie einen Augenblick daran gedacht hatte, in ihm einen
aufrich=
tigen Freund zu beſitzen — einen ehrlichen Kameraden —, ſo
war das ein Zeichen ihrer Wertſchätzung geweſen und nichts
anderes. Nunmehr mußte ſie den nötigen Abſtand
wiederher=
ſtellen, denn es entſprach keinesfalls ihrem Charakter, zu einem
Herrn in freundſchaftliche Beziehungen zu treten, den zu
be=
anſpruchen ein anderes Mädchen ein Recht hatte,
„Ungefähr ein halbes Jahr” bekundete Suſa bereitwillig.
„Will iſt ſehr von Mädchen umflattert, wenn ich ſo ſagen darf.
Er hat mir ſchon viel erzählt, wie ſie ihm nachlaufen und ihn
anhimmeln. Es hat ſogar Mädchen gegeben, die mich, ſeine
zu=
künftige Frau, zum Geſprächsſtoff machten; er fand es
unweib=
lich und undelikat, denn vorläufig ſoll ja niemand darum wiſſen.
Die Freude über mein Glück hat mich Ihnen gegenüber redſelig
gemacht; ich bitte Sie, Fräulein Wellington, über das Geſagte
zu niemandem zu ſprechen, am allerletzten dürfte mein Will
davon erfahren. Das iſt aber lächerlich, denn Sie kennen ihn ja
nicht!“
Sie ſtreifte Johanne mit einem lauernden Blick.
„Seien Sie unbeſorgt! — Nun muß ich Sie aber bitten,
mich zu verlaſſen; meine Migräne meldet ſich, und es wird mir
gut tun, wenn ich mich etwas hinlege.” Sie näherte ſich der
Tür.
Suſa ſtand mit ſpöttiſchem Lächeln auf, das aber ſofort
einer beſorgten Miene wich, als Johanne zu ihr hinabſah.
(Fortſetzung folgt.)
Hauptſchriftleiter: Rudolf Mauve.
Stellverir, Kauptſchriftleiter: Max Streeſe.
an wortlich für Politik: Rudolf Maupe; für den Schlußdienſt: Andreas
er; für den lokalen Teil: Mar Streeſe; ſür Literatur, Kunſt und Wiſſenſchaft:
Herbert Nette ſür die „Gegenwart‟; Dr. Herberi Nerie: für „Neich und
zland‟: Dr. C. 6. Quetſch: ür den Handel: Dr. C. H. Queiſch: für den Sport:
TBöhmann: Anzeigenleiter: Willy Kuhle, ſämtlich in Darmſtadt. D. A. XI. 35.
E 18000. Pl. 5. Lruck ſind Verlag: Darmſtädter Tagblatt Eliſabeth Wictich,
Zeitungsverlag und =Druckerei; Darmſtadt, Rheinſtr. 23
ür unverlangte Beiträge wird Gewähr der Rückſendung nicht übernommen.
echſtunden der Schriftleitung: „Vormittags 12—1 Uhr, nachmittags 6—7 Uhr
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
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Dangastkenunee Tagllgllggesſolzsiendſielnſtiſtei
Samstag, 28. Oezember
Die Induſtrie=Konjunktur im Jahre 1935.
Der Wiederaufbau der Wehrmacht. — Verbrauch zugunſten der Inveſtikionen ſtärker zurückgekreken.
Induſtrie=Ausfuhr keilweiſe geſtiegen.
Das Inſtitut für Konjunkturforſchung gibt in
ſeinem letzten diesjährigen Wochenbericht eine rückſchauende
Ueberſicht über die Induſtriekonjunktur im Jahre 1935:
Das Jahr 1935 war, ſo heißt es u. a., im ganzen
ge=
ſehen, ein Jahr des wirtſchaftlichen
Aufſchwun=
ges. Produktion, Umſatz und Beſchäftigung in der Wirtſchaft
ſind weiter gewachſen. Das Bild des Aufſchwunges,
deſſen drittes Jahr nun hinter uns liegt, hat ſich in vielen
Punkten gewandelt. Das Ziel, das ſich die ſtaatliche
Konjunkturpolitik ſetzte, als ſie durch kühnen Einſatz des
öffent=
lichen Kredits den Aufſchwung einleitete, iſt weitgehend erreicht
worden; der größte Teil derer, die noch vor drei Jahren ohne
Arbeit und Brot waren, iſt heute wieder beſchäftigt. An die
Stelle der Arbeitsbeſchaffung ſind neue Ziele der
Konjunkturpolitik getreten: es galt vor allem, die
wirtſchaft=
lichen Grundlagen für, den Wiederaufbau der
Wehrmacht zu ſchaffen. Nach wie vor liegt das
Schwer=
gewicht des Aufſchwungs auf der Seite der Inveſtitionen,
und hier wiederum bei den ſtaatlichen Inveſtitionen.
Der Verbrauch iſt, mehr noch wie in den
vergan=
genen Jahren, zugunſten der Inveſtitionen
zu=
rückgetreten. In vielen Induſtriezweigen war das ganze
Jahr 1935 beherrſcht von den Bemühungen, die
Rohſtoffver=
ſorgung für die laufende Produktion zu ſichern. Neuanlagen
zur Erzeugung wichtiger Rohſtoffe in Deutſchland ſind erſtanden.
Auch die Handelspolitik ſtand ganz im Zeichen dieſer
Bemühun=
gen. Stellenweiſe iſt es in der Tat gelungen, die
Induſtrie=
warenausfuhr zu ſteigern.
Die Beſchäfkigung der Induſtrie im November.
Das induſtrielle Arbeitsvolumen hat ſich im November im
ganzen kaum verändert. Die Zahl der geleiſteten
Ar=
beiterſtunden beträgt nach der Induſtrieberichterſtattung des
Sta=
tiſtiſchen Reichsamtes 61,6 Prozent gegen 61,3 Prozent der
Arbei=
terſtundenkapazität im Vormonat. Die Zahlder
beſchäftig=
ten Arbeiter hat ſich dagegen leicht vermindert
näm=
lich von 66,1 Prozent im Oktober auf 63,6 Prozent der
Arbeiter=
platzkapazität im November. Die durchſchnittliche
täg=
liche Arbeitszeit eines Arbeiters iſt um 0.1 Stunde
ge=
ſtiegen und hat mit rd. 7,6 Stunden den Stand des Vorjahrs
wieder erreicht.
Der in den obigen Zahlen zum Ausdruck kommende
Wider=
ſtand gegen die abwärts gerichteten Saiſonkräfte wird beſonders
von den Produktionsgüterinduſtrien, ohne ausgeprägte
Saiſon=
bewegung getragen. Vor allem hat ſich die Beſchäftigung in den
Inveſtitionsgüterinduſtrien ſtärker als im Vormonat belebt.
In den Produktionsgüterinduſtrien mit ausgeprägter
Saiſon=
bewegung war der Rückgang im ganzen ſchwächer als im
Vor=
monat. Die Produktionsgüterinduſtrien ſchließlich, deren
Beſchäf=
tigung in den letzten Monaten des Jahres zu ſteigen pflegt, haben
ſich ſtärker als im Vormonat belebt. — Die
Verbrauchsgüter=
induſtrien ſind durch die Saiſonkräfte nicht mehr ſo ſtark angeregt
worden wie in den beiden letzten Monaten.
Deutſch=belgiſche Vereinbarungen.
Zwiſchen der deutſchen und der belgiſchen Regierung iſt eine
Vereinbarung über die Einfuhr von Düngemitteln der
Nr. 362 4. Abſatz 2 des deutſchen Zolltarifs im Zeitraum vom
1 Januar 1936 bis 31. Dezember 1940 abgeſchloſſen worden. Die
Vereinbarung wird in den nächſten Tagen im Reichsgeſetzblatt
veröffentlicht.
Ferner haben beide Regierungen eine Ergänzung des
zwiſchen Deutſchland und der belgiſch=luxemburgiſchen
Wirtſchafts=
union im Juli abgeſchloſſenen Zahlungsabkommens
da=
hingehend vereinbart, daß für Zahlungen im Warenverkehr
zwi=
ſchen Deutſchland und der belgiſch=luxemburgiſchen
Wirtſchafts=
union nicht nur die Zahlung in Reichsmarknoten, ſondern auch
die Zahlung in deutſchen Scheidemünzen
ausge=
ſchloſſen iſt. Zahlung in deutſchen Scheidemünzen kann
ledig=
lich im Rahmen der für den Kleinen Grenzverkehr durch die
deut=
ſchen Deviſenvorſchriften jeweils zugelaſſenen Erleichterungen
zu=
gelaſſen werden.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Verlängerung der Errichtungs= und Erweiterungsſperre für
Uhrenfabriken. Der Reichswirtſchaftsminiſter hat durch
Anord=
nung vom 23. Dezember 1935 die Gültigkeit ſeiner entſprechenden
erſten Anordnung vom 6. März 1934 in dem bisherigen Umfange
um ein weiteres Jahr verlängert. Die Anordnung iſt im
Deut=
ſchen Reichs= und Preußiſchen Staatsanzeiger veröffentlicht.
Lieferbedingungen für kunſtſeidene Wirk= und Strickſtoffe. Zum
Schutze der Verbraucher und zur Förderung des lauteren
Wett=
bewerbes ſind Lieferbedingungen für kunſtſeidene Wirk= und
Strickſtoffe und daraus hergeſtellte. Fertigwaren (RAL) 382 4
vereinbart worden. Danach ſoll bei kunſtſeidenen Wirk= und
Strickſtoffen, die gefärbt und mattiert werden, das
Ablieferungs=
gewicht das Anlieferungsgewicht nicht überſchreiten. Unter
Be=
rückſichtigung der techniſchen Schwierigkeiten iſt bis auf weiteres
eine Erhöhung des Anlieferungsgewichts bis höchſtens 10 Proz.
noch ſtatthaft. Als Anlieferungsgewicht gilt das Gewicht der
rohen Ware bei der Uebergabe an den Veredler
Schönberger Cabinet AG., Mainz. Dieſe Sektkellerei weiſt
für 1934 nach Abſchreibungen von 24357 (104 672) RM. einen
Reingewinn von RM. 68 266 (12 959) aus, um den ſich der
Ver=
luſtvortrag auf RM. 312 996 vermindert. Der Rohertrag ſtieg
auf 561 083 (398 157) RM. Der Abſatz weiſe auch im laufenden
Jahr durch Wegfall der Schaumweinſteuer eine Erhöhung auf.
Siemens=Obligationen von 1926. Die 6= (früher 6½)proz.
Obligationen von Siemens u. Halske und Siemens=Schuckert aus
dem Jahre 1926 werden an der Berliner Börſe zur Zeit mit rd.
105— 105½ notiert. Von Bankſeite wird darauf hingewieſen, daß
die genannten Obligationen am 1. Auguſt 1936 per 1. 11. 1936
kündbar ſind, und zwar zu einem Rückzahlungskurs von 102 Proßz.
Dieſe Tatſache ſcheint in Kreiſen der Bankenkundſchaft nicht
genü=
gend bekannt zu ſein. Der gegenwärtige Kurs wird unter dieſen
Umſtänden als zu hoch bezeichnet.
Tobis Tonbild=Syndikat AG., Berlin. Im Geſchäftsbericht
wird betont, daß die Entwicklung im Berichtsjahre im Zeichen der
fortſchreitenden Filmgeſundung ſtand. Sie brachte für die Tobis
eine Ausgeſtaltung der dem deutſchen Filmſchaffen, dienenden
Organiſation. Von den von der Tobis Ateliergeſellſchaft m. b. H.
verwalteten Ateliers war die Beſchäftigung in Johannisthal und
im Grunewald im Geſamtergebnis befriedigend. Die drei
Ver=
leihgeſellſchaften zeigen eine erfreuliche Entwicklung. — Für das
abgelaufene Geſchäftsjahr ergibt ſich ein Reingewinn von 243 172
(295 698) RM., aus dem 4 (5) Prozent Dividende zur
Ausſchüt=
tung gelangen.
Produkkenmärkke.
Mainzer Getreidemarkt vom 27. Dezbr. Es notierten (
Groß=
handelspreiſe je 100 Kilo loko Mainz) in RM.: Weizen Wig
21.20 frei Mühle Roggen R18 17.50 frei Mühle. Futterhafer
H14 16.40 ab Station (Erzeugerfeſtpreis). Futtergerſte G11
17.30 ab Station (Erzeugerfeſtpreis) Weizenkleie W 19 11.00
Mühlenpreis. Roggenkleie R 18 10.40 Mühlenpreis. Tendenz:
Infolge der Feiertage konnte ſich zwiſchen den Jahren kein
Ge=
ſchäft entwickeln.
Piehmärkke.
Darmſtädter Viehmarkt vom 27. Dezember. Aufgetrieben
waren 56 Kälber. Die Preiſe ſtellten ſich auf Kl. a) 62—65,
b) 56—60, C) 47—55. d) 35—46 Pfg. Es wurden verkauft in
Kl. a) 8. b) 10, C) 29, d) 8 Stück.
Berliner und Rhein=Main=Börſe.
Das Berliner Börſengeſchäft kam nach der Unterbrechung
durch die Feiertage nur zögernd in Gang, da von der
Banken=
kundſchaft Aufträge nur in kaum nennenswertem Ausmaß
vor=
lagen. Da im Hinblick auf den Jahresultimo vielfach
Liquida=
tionsbedürfnis beſteht, neigten die Kurſe eher zur Schwäche, wenn
auch vereinzelt Kursbeſſerungen zu beobachten waren. Durchweg
unter den Kurſen vom Montag eröffneten Montane. Am
chemi=
ſchen Markt ermäßigten ſich Farben um ½ Prozent. Elektrowerte
wurden meiſt zu letzten Kurſen angeſchrieben. Faſt völlig
umſatz=
los lagen Gummi= und Linoleum=, ſowie Papier= und
Zellſtoff=
aktien. Autoaktien waren geringfügig feſter; dagegen überwogen
am Markt der Maſchinenfabriken, der Bau= und Textilwerte
Ab=
ſchwächungen. Renten lagen ſtill. Im Verlauf war die Tendenz
nicht ganz einheitlich. Leichte Kursbeſſerungen und weitere
Kurs=
ermäßigungen um Prozentbruchteile hielten ſich die Waage.
Das Rhein=Mainiſche Börſengeſchäft blieb auch nach
den Feiertagen außerordentlich klein und dürfte auch „zwiſchen
den Jahren” kaum eine Ausdehnung erfahren, da der
heran=
nahende Jahresſchluß die verfügbaren flüſſigen Mittel
anderwei=
tig in Anſpruch nehmen wird. Die Unternehmungsluſt der
Ku=
liſſe blieb ſehr klein, zumal Aufträge der Kundſchaft nicht
vor=
lagen. Die Grundtendenz war weiterhin freundlich. Am
Aktien=
markt lagen die erſten Kurſe ſehr uneinheitlich. Chemiſche Werte
notierten etwas feſter, JG. Farben 148½ (147½), Scheideanſtalt
215½ (214), aber Rütgerswerke etwa ½ v.H. niedriger.
Montan=
aktien ſetzten faſt durchweg bis 1 v. H. ſchwächer ein. Von
Elektro=
aktien waren Siemens um 1½ ermäßigt, im übrigen konnten ſich
die letzten Kurſe behaupten. Am Rentenmarkt vermochte ſich das
Geſchäft ebenfalls nicht zu beleben; die vor den Feiertagen in
Geltung geweſenen Kurſe blieben meiſt behauptet. In der
zwei=
ten Börſenſtunde hielt die Geſchäftsſtille auf allen Marktgebieten
an. Die Kurſe unterlagen teilweiſe leichten Schwankungen, ohne
daß aber gegen den Anfang ſtärkere Veränderungen eintraten.
Die Abendbörſe, nahm auf allen Marktgebieten einen
überaus ſtillen Verlauf. Bei freundlicher Grundſtimmung wieſen
die Kurſe gegen den Berliner Schluß nur gerinfügige
Verände=
rungen auf.
Der Stand der Reifenverhandlungen.
Die Verhandlungen über den beabſichtigten Zuſammenſchluß
der Fahrradreifenfabriken auf Grund eines freien
Vertrages, der für das Jahr 1936 auf einer gegenüber der
Fahr=
radreifenkonvention 1935 etwas abgeänderten Grundlage erfolgen
ſollte, ſind hisher noch ohne Ergebnis geblieben. Nach
Informa=
tionen des Fwd. iſt der Verkauf der Fahrradreifen
da=
nach ab 1. Jan 1936 frei und vertragslos.
Ueber die Preisfeſtſetzung und Marktordnung
von Kraftfahrzeugreifen, ſind die Verhandlungen
abgeſchloſſen. Dem von dieſen Fabriken dem RWM.
vor=
gelegten Vertragsentwurf wurde entſprochen. Der neuen
Kon=
vention gehören folgende Firmen an: Continental Gummi=Werke
AG., Hannover, Dekg=Pneumatik Gmbb. Berlin. Deutſche
Dun=
lop Gummi=Comp. AG. Hanau a. M. Deutſche Michelin
Pneu=
matik AG. Mainz=Karlsruhe Gummiwerke Fulda AG., Fulda,
Metzeler Gummiwerke AG., München. Harburger
Gummiwaren=
fabrik Phönir AG. Harburg, und Englebert u. Co. GmbH., in
Aachen Der Zwangsbeiſchluß von drei Firmen, nämlich der
Veith=
werke AG., Sandhach bei Höchſt i. Odw., Hutchiſon, Mannheim,
und Gummiwerk Vorwerk u. Sohn, Barmen, wurde bis zum 31.
März 1936 vertagt. Das RWM. hat den beteiligten Firmen
an=
heimgeſtellt, im Wege freier Verhandlungen eine Einigung
her=
beizuführen. Es hat aber gleichzeitig den obengenannten drei
Firmen empfohlen, Abſchlüſſe mit Wirkung über den 31. März
1936 hinaus nicht zu tätigen, da ſie ſonſt Gefahr laufen würden,
daß derartige Abſchlüſſe im Falle eines doch noch erforderlichen
Zwangsbeiſchluſſes für nichtig erklärt werden müßten.
Die Herſtellung von Walzwerkserzeugniſſen im Deutſchen
Reich im November 1935 (25 Arbeitstage) betrug 1 012 135 To.
gegen 1 072 404 To. im Oktober 1935 (27 Arbeitstage)
Arbeits=
täglich wurden im November 1935 durchſchnittlich 40 485 To.
her=
geſtellt gegen 39 719 To. im Oktober 1935.
Der Reichsbank Ausweis.
Im Zeichen des weihnachklichen Geldbedarfs.
Die Weltgewinnung an Roheiſen und Rohſtahl
im zale uF.
Der von der Wirtſchaftsgruppe Eiſen ſchaffende Induſtrie in
„Stahl und Eiſen” veröffentlichten Zuſammenſtellung ihrer
vor=
läufigen Ermittelungen über die Weltgewinnung von Rohſtahl
und Roheiſen in den letzten Jahren iſt zu entnehmen, daß die
Geſamtgewinnung des Erdballs an Rohſtahl von 82,7 Mill.
To im Jahre 1934 auf 98,2 Mill. To. im Jahre 1935 oder um
18.7 Prozent geſtiegen iſt. Nachdem die Weltwirtſchaftskriſe die
Geſamtgewinnung 1932 bis auf 42 Prozent des im Jahre 1929
erreichten Höchſtſtandes der Weltgewinnung hatte ſinken laſſen,
iſt die Geſamterzeugung im Jahre 1935 wieder auf 80,4 Prozeut
der früheren Höchſtgewinnung des Erdballs gekommen.
Ver=
gleichsweiſe iſt die Entwicklung der Roheiſengewinnung
des Erdballs zurückgeblieben: ſie iſt von 62,.9 Mill. To. im Jahre
1934 auf 73,3 Mill. To. in 1935 oder um 16,5 Prozent geſtiegen,
Im Vergleich zu der früheren Höchſtgewinnung von 1929 war die
Geſamterzeugung im Jahre 1932 bis auf 39,7 Mill. To, oder auf
40 Prozent gefallen; ſie iſt im Jahre 1935 wieder auf 74 Proz,
der früheren Höchſtmenge angelangt.
In den zu Europa gehörigen Eiſen= und Stahlländern
einſchließlich Sowjetrußlands iſt im Jahre 1935 mit 56,7 Mill.
To. Rohſtahl= und 46,2 Mill. To. Roheiſenerzeugung gegen 194
eine Zunahme der Erzeugung um 14 Prozent bzw. 12 Proz, zu
beobachten. Unter den europäiſchen Ländern ragt der Anſtieg
der deutſchen und der ſowietruſſiſchen Gewinnung hervor. Die
außereuropäiſchen Länder haben ihre
Rohſtahlgewin=
nung von 32,7 auf 41,3 Mill. To, und ihre Roheiſengewinnung
von 21,5 auf 27,0 Mill. To. erhöht. Hier ſind alſo Steigerungen
von 26—27 Prozent zu verzeichnen. Dieſe Zunahme iſt in erſter
Linie auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika
zurückzufüh=
ren, die ihre Rohſtahlgewinnung von 26,6 auf 34,4 und ihre
Roh=
eiſengewinnung von 16,4 auf 21,8 Millionen To., alſo um 29—33
Prozent erhöht haben.
Unter allen Eiſen= und Stahlländern der Welt führen nach
wie vor die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit
34,4 Mill. To Rohſtahl und 21.,8 Mill. To. Roheiſen. Dann folgt
Deutſchland, das größte Eiſenland Europas, mit 16,4 bw.
12,8 Mill. To. Rohſtahl= und Roheiſenerzeugung.
Berliner Kursbericht
vom 27. Dezember 1935
Deviſenmarkt
vom 27. Dezember 1935
Den Jaeraf
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Nordd. Aohd
A. E. 6.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg. 1
Bergmann=Elektr.
Berl. Maſch.=Bau=
Conti=Gummi. 1
Deutſche Cont. Gasl:
Deutſche Erdöl. .
113875
83.—
83.25
14.50
16.25
34.625
118,25
100.—
98.—
104.75
160.—
1118.25
104.25
Miet ee
J. 6. Farben.
Geſ.f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Soeſch Eiſen und
Köln=Neueſſen
Vereinigt. Glanzſt.
Phil. Holzmann.
Kali Aſchersleben
Klöchnerwerke.
goksw. Chem. Fabr.
Mannesm. öhr
Maſch.=Bau=untn.
Miie
148.125
12425
1os—
83.375
137.—
85.50
121.
80.25
11475
72.75
70.62s
Orenſtein & Koppell
Rütgerswerke.
Salzdetfurth Kalt
Beſtdte. Kaufhof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Akali
Agsb.Nnrb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
BogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
Unfcc
11225
24.50
73.525
415.—
93.
10.355
114,875
69.
128—
125.
140.25
Agypten
Argentinien
Belgien.
Braſilien
Bulgarien
Canada.
Dänemar=
Danzig.
England
Eſtland.
Finnland
Frankreich
Griechenland
Holland.
Ssland
Währung
1 gaypt. 2
1 Pap. Peſol
100 Belga.
Milreis.
100 Leva
eanad. Doll
100 Kronen s
100 Gulden ſ4
S.Stg.
100 eſtl. gr.
100 finn. Mk.
100 Franken
100 Drachm.
100 Gulden 11
100 isl. Kr.
Geld?
12.ses!1
de75
41.,89
1 :13g
3.047
U 2.des
54.77 I5
4s.30
12.265
ergs 8
5.40
18.375 1
2.353
18a 581 1
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Brielt
12. 5os
8/ 0.879
4191
1.1a0
3.053
2.270
53,87
ſe.30
12.,29s
88.07
5.41
16.415
2.355
68.89
55.12
Italien
Japan
Jugoſlawien
Lettland.
Norwegen
Heſterreich
Portugal.
Schweden
Schweiz
Spanien
Tſchechoſlowak.
Türker.
Ungarn
tr guah
Ver. Staaten 1
Wrung
1o0 gire
1 Yen
100 Dinar
100 Lats Is
100 Kronen
1oo Schilling
100 Eseudos
100 Kronen 8
100 Franes
1o0 Peſetas
00 Tſch.=Kr.
türk. 2
100 Penad
1 Goldpeſo
1 Dollar.
Feanil
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0.710
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10 28 1
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2.790
Duriftädter and Karioharbant Burafftabe, Fiiute ber Brescher Bun=
Frankfurter Kursbericht vom 27. Dezember 1935.
Kene
„ Grlllp. 1934
„ . 1935
: 1938
„ 1987
„ 1938
Gruppel. .
41 %Dtſch. Reichs=
Schätze „.b.35
BoDtſch Reichsan!
42.
5½ %Intern.,v. 30
41 Baden, v.23
412Bayern v.27
4½ %beſſen, v. 28
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4½Preuß, b. 29
4½Sachſen v. 27
412%Thüringen 27
49,% Dt. Reichsb.=
Schätze „v.34
4½%Dt. Reichsp.=
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4½% n. :..:.b.33
Dtſch. Anl. Ausl.
4½ Ablöſung
Deutſche
Schutzge=
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½% Heidelbergss
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½ %Mannheims?
4½ %Münchenv. 29
4½ %Wiesbadenss
4½%Heſſ. Landesb
414% Goldobl.
51% Heſſ. Landes.
byp.=Bk. Liguid.
103.5
107.5
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1092),
108
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100.
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Liau=Kom=Obl.!
41.0 Prß. 2d8.
Pfb.=Anſt. G. Pf.
4½% r Goldoblig.
4½,% Landeskom=
Br. Girozentr. f.
Heſſ. Gldobl. R.11
4½% desgl. R. 12
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kreditk. Goldpfb.
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Dt. Komm.
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5½% n Lig.=Pfbr.
414% Goldoblig.
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5½%, Lia.=Pfbr.
Mein. Hyp. B.
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Gred.=Bank..!.
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412% Württ.Hhp.
62Daimler=Benz
720 Dt. Linol.Werke
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97
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83Mitteld, Stahl.
52Neckard G.v. 23
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52Bulg. Tab. v. 02
4½2 Oſt. Schätze
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41% „ 1914
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4 %Liſſabon.
4½Stockholm.
Aßtien.
Aecumulat.=Fabri!
Allg, Kunſtzide unie
A. E. G.
AndregeNorisBahn!!
Aſchaffbg. Brauereil!
Zelſtoff.
Bad. Maſchinenfbr.
Baher. Motorenwi.
Bemberg. J. P.
Berl. Kraft u. Licht.
Brauhaus Nürnbg.!
710½.55
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127
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Werste
Eement Heibeberg
Karlſtadt.
3. G.Chemie Baſel
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Chade A=C). ..
Contin. Gummiw.
Contin=Linoleum
Daimler=Benz.
Dt. Atl. Telegr.
Erdöl.
Gold=u.
Silber=
ſcheibe=Anſtalt.
Linoleum ....
Dortm. Ritterbräu
Dyckerhoffck Widm.
Eichbaum=Werger.
Siektr. Lieferg=Geſ
Licht u. Kraft
Enzinger Union „.
EſchweilerBergwer!
Eßling. Maſchinen.
Export=Malzfabrit.
Faber c Schleicher.
Fahr, Gebrüder.
J.6. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Feltc Guillegume
Franfurter Hof..
Geſtfelektruntern.! 1
Goldſchmidt. Th.
Gritzner=Kahſer...
Grün & Bilſinger.
Hafenmühle Frrft.
Hanauer Hofbräuh.
Hanfwerke Füſſen.
barpener Bergbau/108”,
Henninger, Kempf
HilvertArmaturen.
Hindrichs=Aufferm. /104
Hochtief Eſſen .——/105,5
Hoeſch=Köln=Neuefl.
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Slſe Bergb. Stamm
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Kali=chemie.....
„ Aſchersleben.
Alein, Schanzlin.
Alöchnerwerke.
KnorrC. H. ..!
Konſerven Braun;
Lahmeyer & Co. ..
Laurahütte .....
Lech, Augsburg.
Lindes Gismaſchin,
Lokomf. KraußckCo.
Löwenbr. Münch.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz=Akt.=cr.
Mannesm.=Röhren
Mansfeld. Bergb.
Metallge) Frankf. 1
Miag, Mühlenbau.
Moenus. ....
Motoren Darmſtadt
Neckarwert Eßling.
Sdenw. Hartſtein.
Bark= u. Bürgerbr.)
Rh. Braunkohlen.
Gektr. Stamm
Stahlwerſe.. 1
Rh.=Weſtfäl.=Elektr.
Riebea Montan..
Roeder, Gebr.
Rütgerswerke ....!.
Salzdetfurth Kali.
Salzw. Heilbronn :/2
Schöfferhof=Bind. 7
Schramm, Lackfabr!.
Schuckert, Elektr. 1
Schwartz, Storchen 111
Siemens & Halske 163.25
„ Reinigerwerkel.
Rrß
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Hie Mi
Tellus Bergbau ..1
Thür Liefer.=Geſ.
nnterfranken ...
Ver. Stahlwerke .
Ver Ultramarin. 11
Beſtdte, Kaufhof.
Weſteregeln Kali.
Zellſtoff Waldhof.:11
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Allg. Dt. Creditanſ.
Badiſche Bank. .
Br. f. Brauinduſtr.
Baher, Hyp. u. V.
Berl. Handelsge).
Comm. u. Privatbl.!
Dt. Banku Dise.
Dt. Eff.u. Wechſe!.
Dresdner Ban).
Frankf. Ban1.
„ Hyp.=Bant
Mein. Hhp.=Ban:.
Pfälz. Hyp.=Ban1
Reichsbank=Ant.
Nhein. Hyp.=Bon:./1
Vereinsb. Hamburg
Bürtt. Notenban):/1
1995
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A.=G.f. Verlehrsw
Alg. Lokalb. Kraftw
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Hapag
Lübeck Büchner .
Nordd. Llohzd..
Südd. Eiſenb.=Geſ
Allianz= u. Stutte
Verſicherung.
„ Verein Verf
Frankona Rück u.M.
Mannh. Verſich.
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1100.25
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94
7771,
152
11s
100
1u5
1231,
145
L.
Um die Veröffentlichung des Wochenausweiſes der
Reichs=
bank für die vorletzte Dezemberwoche noch vor dem
Weihnachts=
feſt zu ermöglichen, erfolgte der Abſchluß wiederum bereits am
21. Dezember 1935. Der Ausweis ſteht, wie bereits in der
Vor=
woche, völlig im Zeichen des vorweihnachtlichen Geldbedarfs der
Wirtſchaft. Nachdem bereits in der Vorwoche nur eine
unweſent=
liche Ermäßigung der Kapitalanlage von 0,8 Mill. RM. zu
ver=
zeichnen war, hat die Berichtswoche eine Zunahme der geſamten
Kapitalanlage der Bank um 5. 6Mill. RM. auf 4660,0 Mill. RM.
gebracht. Die Abdeckung der Ultimo=November=Beanſpruchung
beträgt damit noch 44,8 v. H. gegen 56,5 v. H. zur gleichen Zeit des
Vorjahres. Im einzelnen ſind weſentliche Veränderungen nicht
zu verzeichnen. Die Beſtände an Handelswechſeln und =ſchecks
nahmen um 6,7 auf 3933,7 Mill. RM., an Lombardforderungen
um 5,9 auf 53,4 Mill. RM. und an deckungsfähigen
Wertpapie=
ren um 0.7 auf 347,6 Mill. RM. zu, dagegen die Beſtände an
Reichsſchatzwechſeln um 7.7 auf 10,2 Mill. RM. ab. Die Beſtände
an ſonſtigen Wertpapieren ſind mit 315.1 Mill. RM. faſt
unver=
ändert. Von den ſonſtigen Poſitionen haben die „ſonſtigen
Akti=
ven um 97,0 auf 877,1 Mill. RM. zugenommen, was ſich in der
Hauptſache durch die Aufnahme eines Betriebskredits ſeitens des
Reiches erklärt. Auf der Paſſivſeite ſind die fremden Gelder, und
zwar ſowohl die öffentlichen als auch die privaten, um 79,6 auf
800,3 Mill. RM. geſtiegen. Der geſamte Zahlungsmittelumlauf
erhöhte ſich gegenüber der Vorwoche von 6135 auf 6156 Mill. RM.
Im Vormonat betrug er 5788 und zur gleichen Zeit des
Vor=
jahres 5704 Mill. RM. Die Beſtände der Reichsbank an Gold
und deckungsfähigen Deviſen betragen bei einer Abnahme um
47 000 RM. rund 87.7 Mill. RM. Im einzelnen haben die
Gold=
beſtände um 66 000 RM. auf 82,4 Mill. RM. zugenommen, die
Beſtände an deckungsfähigen Deviſen dagegen um 113 000 RM.
auf rund 5,2 Mill. RM. abgenommen.
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[ ← ][ ][ → ]ſamstag, 28. Dezember 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Das Leben eines Entwurzelten
Darterlatete
Schinderhannes reſpektierte die Frau des Kumpanen mit
geſührender Höflichkeit und brachte darüber die Werner
dſe, die immer zügelloſer wurde, zur Raſerei. Sie warf ſich
rnu dem Schnallenpeter, dem luſtigen Geſellen und Verehrer, an
Zei Hals; der aber wollte ihr eine Lehre geben, tat ſehr zurück=
Ilaſtend und fing ſchließlich mit der Frau des eiferſüchtigen Iltis
SJalob eine harmloſe Schäkerei an. Aber der Iltis, der mit
Ar=
szuaugen wachte und vom Weine ſchon berauſcht war, hieb dem
9Schnallenpeter eine herunter und ſchrie ihm zu: „Finger weg, du
Duckſpatz.” Eine Prügelei entſtand, die Werner Elſe hetzte nun
uh noch den Iltis Peter auf, weil ſie ſich von Schnallenpeter be=
Ibeſigt fühlte; bald flogen die Humpen, die Meſſer wurden blank
eugen, die Stuhlbeine wirbelten, und ehe man ſich es verſah, lag
De Schnallenpeter am Boden, erſtochen, ein anderer röchelte ſo
otserbärmlich, daß man nicht viel auf ſein Leben mehr gab. Am
mähſten Tage ſtarb er auch.
Der Schinderhannes ging hinaus. Die Werner Elſe ekelte ihn
mu an. Ami, die ſo ſchön küſſen konnte, war eine andere Natur.
=Phckenlos aber ſchäumte nun wie wild, daß der Hannes nun auch
Mi Ami ihm abſpenſtig gemacht hatte. Die Els Werner, die aus
Eihem Rauſch erwacht war, ſuchte ſich wieder an den Hannes
her=
numachen. Aber der blieb kalt gegen ſie. Plackenlos, der wie
rol in die Ami verſchoſſen war, ſuchte nun auf die Mutter der
eAni einzuwirken, daß ſie ihm die Ami gebe, daß er ſie heirate.
sller die Ami wollte nicht von ihm wiſſen. Plackenlos tobte in der
hütte der Eliſabeth Schäfer, der Mutter der Ami herum, riß den
Ituen die Kleider vom Leibe, drohte mit Mord und Totſchlag,
Seichlug Möbel und Geſchirre und machte ſich dann, als alles
wits nützte, mit den Kleidern der beiden auf und davon
Die Schäfers Elis beſchwerte ſich bei Schinderhannes und zwei
neren Mitgliedern der Bande, dem Seibert und dem roten Fink.
Mn beſchloß, Vergeltungsmaßnahmen gegen Plackenlos zu tref=
Siet Der hatte ſich aus dem Staub gemacht. Aber ſie kamen ihm
au die Spur und erwiſchten ihn am Tage vor Weihnachten auf
Den Baldenauer Hofe. Plackenlos wurde gefeſſelt, geprügelt. Er
Zonte ſich wieder frei machen, ſprang durch das geöffnete Fenſter
Einden Hof, die drei ihm nach. Als Schinderhannes nach ihm
lan=
rie wollte, da ſtürzte auch ſchon Plackenlos mit einem wilden
Elch zu Boden. Ein Meſſer ſtak ihm zwiſchen den Rippen. Sei=
Seſt lachte höhniſch. An dem Tage war Schinderhannes ſtumm
n ſtill. Er hatte den tödlichen Stich nicht geführt, er wußte es,
uhr er war mitſchuldig an einem Totſchlag, Blut klebte mit an
Liefen Händen.
Aber das Leben iſt wild, heute mir, morgen dir. Schinder=
Eanes ſuchte ſich zu beruhigen.
Nun hatte er auch wieder Augen für die Werner Lies, die
Eide Megäre. Blut kittet. Mit großem Pomp richtete er der
Wirner Lies in Hahnenbach eine Wohnung ein. Die Ami hatte
Doh kein richtiges Temperament für einen Räuber, der am ver=
Soenem Menſchenblut nicht ganz unſchuldig iſt.
Der Ortspfarrer hatte Bedenken, Plackenlos zu beſtatten und
Seite die Sache an. Aber die Unterſuchung verlief vorläufig
er=
ſrenislos. Erſt ſechs Jahre ſpäter wurde ſie wieder aufgegriffen,
Ep ſollte dem Hannes mit zum Verhängnis werden.
III.
Verwegene „Bandiken=Kunſtſlücke‟
Hannes wollte nun ſeinen neu gewonnenen Freunden durch
iſige kühne Taten ſeine Ueberlegenheit beweiſen. Auch brauchte
rviel Geld, weil die Werner Elis auf großem Fuße lebte und
Et vollen Händen ausgab.
In der Meiſenheimer Gerberei erhoffte ſich Hannes reicher
Baite, Leder war ein gangbarer Artikel und auch als Diebesgut
E gut zu verkaufen. Eines Nachts hatte Schinderhannes die
Muer der Gewberei katzenartig erklommen und war gar bald
nden Fabrikationsraum eingedrungen. Ein paar Hunde waren
aſh ſtumm gemacht. Dort lag auch ſchon das verkaufsfertige
Ter. Hannes nahm, was er tragen konnte, auf den Rücken und
war bald unbemerkt im nahen Wald verſchwunden. War es nun
ſeſte Faulheit oder ſeine ungeheure Frechheit, kurzum, Hannes
Sud es nicht für nötig, weite Wege zu wandern, um ſeine Diebes=
Teite an den Mann zu bringen, er haute ſich aufs Ohr und ſchlief
Seignügt auf den geſtohlenen Ledervorräten aus. Am nächſten
Sie reinigte er fein ſäuberlich ſeine Kleidung, ſo daß er wie ein
iderer Bauernburſche ausſah, nahm ſein Leder wieder auf den
Sicken und zog ſchnurſtracks nach Meiſenheim hinein, um ſein
ger zu verkaufen. Was ſollte er ſich im Kleinverkauf von Haus
u Haus mühſam abmühen, er ging direkt zum Großhändler, zum
Gebermeiſter ſelbſt, dem er in der Nacht das Leder geſtohlen
Sate.
„Gute Tag, Herr Müller, ich hätt” hier en ſchöne Poſte Leder
suverkaafe, mein Vatter, der Weßer Georg von Kirn, hats enem
Sſtinzer Judd abkaaft, weil der ſich vor dem Schinnerhannes
Hücht” und net fort ſich traut mit dem Leder.”
Nun ja, das konnte öfters vorkommen, daß Angſtverkäufe in
Dieen unruhigen Zeiten getätigt wurden, warum hier nicht auch.
Der Gerber unterſuchte ſehr ſorgfältig das Leder und brummte
eignügt. Das Leder war gut, ſo gut, wie ſeine eigenen
Gerberei=
erteugniſſe. Auch billig war es, man konnte gut und gern 20 bis
20Prozent verdienen. Das war ein raſches Geſchäft.
„Is doch auch net geſtohle”, meinte der Gerber vorſichtig.
Aber der Schinnerhannes machte zuerſt ein entrüſtetes, und
au als der Gerbermeiſter beſchwichtigend einfiel, ein treuherziges
Gecht und meinte nur beſcheiden: „Seh’ ich ſo aus, Herr Müller?
war der Gerber beruhigt. Zahlte das Leder in bar aus, ein
ſhines rundes Sümmchen. Hannes verabſchiedete ſich recht freund=
JIic und dankbar, während der Gerber ſich ins Fäuſtchen lachte,
nch er das Leder ſo billig erſtanden hatte. Höchſt eigenhändig trug
erdas Leder in ſein Lager und ſtellte dort feſt, daß es höchſte Zeit
gebeſen ſei, ſein Lederlager zu erneuern, denn es war bald nichts
mer da.
Als der Hannes ſeinen Streich ſeinen Kumpanen erzählte,
sd es ein Hallo.
In der Folge verlegte ſich der Hannes wieder auf den Pferde=
Dieſtahl. Schwadronenweiſe ſtahl er die Pferde zuſammen, trat
u den Pferdemärkten wie ein großer Pferdehändler auf und
„ediente Unſummen Geld. Aber die Elis brauchte es auch. Sie
wolte in letzter Zeit nun ſogar Moden aus Paris, Mainz war
ih nicht mehr gut genug, Frankfurter Ware ging noch eben.
Für ſo eine feine Dame, wie die Elis, mußte auch der Herr
De Hauſes, der Hannes, reſpektabel auftreten. Hannes wollte in
„Zvil” was vorſtellen. So ging er eines Tages nach Birkenfeld
inunter, um in der dortigen Tuchfabrik einen Anzugſtoff zu
„kafen”. Mit vollendeten Manieren trat er ein und war bald
mi dem Buchhalter in ein geiſtreiches Geſpräch über Stoffe und
Iden vertieft. Hannes ließ durchblicken, daß er in Mainz ausge=
Seihnete Beziehungen zu Einzelhändlern hätte und gerne für die
Tuhfabrik in Birkenfeld tätig ſein wolle. Man zeigte ihm
bereit=
wiligſt das große Warenlager — mit raſchen Blicken hatte
Han=
me den ganzen Lageplan im Kopfe — und als Reſultat ließ
Han=
ne den Buchhalter eine große Partie Tuche zuſammenſtellen, die
eram nächſten Tage mit ſeinem Wagen abholen wolle. Vor Freude
uhr das große Geſchäft trank man noch einige Schnäpſe
mitein=
aner. Der Buchhalter glaubte das ſeinem Chef gegenüber
ver=
anworten zu können, daß er den feinen Herrn von Mainz ſo be=
Von K. A. Vogt
wirte. Spät verabſchiedete man ſich voneinander und der
Buchhal=
ter griff ſich an den Kopf, weil er noch viel zu tun habe, um die
ganzen Fakturen für den Herrn bis zum nächſten Tage zuſammen
zu ſtellen. Als Hannes des nachts mit einer Leiter in das
Stoff=
lager einſtieg, da ſchalt er ſich, weil ſeinetwegen der Buchhalter
noch über den Fakturen arbeitete, und zwar direkt im
Lager=
kontor. Die Türe zum Lager war halb offen.
Aber lautlos, wie eine Katze, ſchlich Hannes durch das Lager,
dort ſtand ſchon der Packen, den ihm der wackere Buchhalter
zu=
rechtgelegt hatte, mit Bärenkraft lud Hannes die ſchwere Laſt auf
die Schultern, machte noch eine feine Verbeugung gegen das
Lagerkontor hin, wo der Buchhalter ſchwitzte, und verſchwand
ebenſo lautlos, wie er gekommen war. Als er am nächſten Tage
nachfragen ließ, ob er die Waren wohl mitnehmen könne, da kam
der Diebſtahl heraus, aber niemand ahnte, daß der feine Käufer
vom Vortage der Schinderhannes geweſen ſein könne. Diesmal
wagte der Hannes jedoch nicht, die Stoffe dem Beſtohlenen ſelbſt
auzubieten und verkaufte ſie um gutes Geld an einen „
Geſchäfts=
freund”, der ihm auch Pferde und ähnliches abzunehmen pflegte.
Auf dem Wege zu ſeiner Elis wurde er kurz darnach von einer
franzöſiſchen Jägerpatrouille angehalten. Man nahm ihn
kurzer=
hemd mit, als er ſich nicht ausweiſen konnte. Fröhlich und
unbe=
kümmert ſchlenderte er neben den Pferden der Jäger her. Seine
Witze ließen die wackeren Soldaten Tränen lachen.
Als die Mittagsſonne heiß brannte, meinte Hannes, man
könne doch im Walde eine kurze Raſt halten und ein kleines
Spielchen riskieren. „Ich bin ohnehin bald daheim und dann
müſ=
ſen wir voneinander ſcheiden, weil der Schulze dann ſchon ſagen
wird, daß ich der Weißer Fridolin von Birkenfeld bin.‟ Die Jäger
warfen ſich verſtohlene Blicke zu. „Na ja er iſt ein harmloſer
Burſch, naiv, vielleicht können wir ihm etwas abgewinnen, na
eben etwas „corriger la fortune” was weiß ſo ein dummer Bauer
vom Spiel der framzöſiſchen Soldaten. Etwas abſeits vom Wege
ſetzte man ſich nieder und fing an zu ſpielen. Das Geld flog nur
ſo, und Hannes war bald im Nachteil, weil die Kerle falſch
ſpiel=
ten. Man bekam Durſt und Hannes meinte, ein Soldat ſolle nach
dem nahen Dorfe reiten und etwas zu trinken holen. „Kannſt ja
ſelber gehen und Schnaps holen.” Aber Hannes ermahnte die
Sol=
daten an ihre Dienſtpflicht, daß ſie ihn nicht eher fortlaſſen
dürf=
ten, bis er ſich vollkommen ausgewieſen und legitimiert habe. Da
lachten die Burſchen und einer holte einen Krug Schnaps, den
Hannes bezahlte. Man ſoff und zechte und dazwiſchen miſchte
Hannes einen Schlaftrunk, den er für alle Fälle immer bei ſich
trug, in das Getränk der Soldaten. Gar bald lagen die im tiefen
Schlaf im Walde. Hannes nahm ihnen ihr Geld weg und ihre
ſon=
ſtigen Wertſachen, koppelte die Pferde zuſammen, und, heidi, riß
er mit ſeiner Beute aus, um die Sachen an den Mann zu bringen.
Die Soldaten aber waren und blieben verſchwunden. Man
regiſtrierte ſie als Deſerteure, vielleicht wurden ſie aber auch von
anderen Wegelagerern getötet, wie es in jenen Zeiten oft
vor=
bam. Hannes jedenfalls glaubte in der Beziehung ein reines
Ge=
wiſſen zu haben.
Nach dieſen glänzenden Proben ſeiner Banditenkunſt wagte
Hannes ſich an eine ganz große Sache. Er wollte Rache nehmen
an der Stadt Kirn, allwo er ſeinerzeit auf öffentlichem Markte
geſtäupt worden war. Dieſe Stadt ſollte ihm ein ganz gewaltiges
„Arſchgeld zahlen” wie er das in der ortsüblichen Art nannte.
Der rote Fink und der Zigeunerhannes waren ſofort bereit, die
freche Expedition mitzumachen. Der reiche Kaufmann Preſtinari
in Kirn ſollte ausgeraubt werden und ſo das Bußgeld für Kirn
bezahlen. Mit einer rieſigen Leiter, die ſie ſtundenweit über das
Gebirge ſchleppten, wollten ſie bei dem Kaufherrn einſteigen. Der
Nachtwache von Kirn machten ſie vor, ſie wollten zum
Spritzen=
haus, um die Feuerleiter auszuwechſeln. Im Garten des Hauſes
ſtellten ſie die Leiter an und waren gerade im Begriffe
aufzu=
ſteigen, als ein Alarm durch das Haus ging. Der Kaufmann hatte
ſich auf ſolche Art von Beſuchen eingerichtet. Fluchend ſtiegen die
Einbrecher wieder ab, ließen die Leiter ſtehen, ſchoſſen ein paar
Kugeln gegen die Fenſter und nahmen dann in ihrer Wut um das
Mißlingen ihres Streiches die Wäſcheſtücke, die hier auf der Bleiche
lagen, mit, um ſich ſo wenigſtens in etwas ſchadlos für die große
Anſtrengung zu halten.
Erſte Verhaflung und Ausbruch.
Inzwiſchen war aus den Kriegswirren doch ſo etwas, wie
eine vorläufige Ordnung entſtanden. Mam hatte eine neue,
ſtraf=
fere Gerichtsorganiſation geſchaffen, und der Herr Amtmann Fölix
aus Oberſtein hatte den Vagabunden und Banditen den Krieg
angeſagt. Gendarmeriepatrouillen durchzogen ſtändig das Land,
unterſtützt durch eine Art Selbſtſchutz und Einwohnerwehr, ſo daß
Diebſtähle im Großen ſehr ſelten wurden. Schinderhannes mußte
ſich mit Diebſtählen mittleren Umfanges ſchlecht und recht durchs
Leben ſchlagen. Vor allem die „Depencen” der Elis zehrten ſehr
an ſeinem Gelde. So konnte es geſchehen, daß ihn eine Patrouille
erwiſchte, als er bei einem ganz gewöhnlichen Schweinediebſrahl
betroffen wurde. Man ſetzte ihn in Herrſtein ins Spritzenhaus,
aber, was iſt ein Spritzenhaus für ein Gefängnis für einen
Schinderhannes. Im Nu hatte er die Decke durchbrochen, was
ſcherten ihn die eiſernen Stäbe an den Fenſtern — und war eben
im Begriffe, mit einem Strohſeile vom Dache herunterzuturnen,
als man den Ausbruch gewahr wurde und ihn wieder arretierte.
Mit Ketten und Eiſenbändern beladen, ſchleppte man ihn nach
Oberſtein, wo ihn der Amtmann Fölix empfing. Hannes leugnete
alles, was man von ihm ſagte, ſelbſt das Schwein habe er nicht
ſtehlen wollen, ſondern nur auf Rotlauf unterſuchen wollen.
Hohnlächelnd nahm der Amtmann die Unſchuldsbeteuerungen des
Hannes hin. „Wenn er die Unſchuldslamentationen noch lange
wiederholt, glaubt er ſie wohl ſelbſt”, ſo meinte der Amtmann.
Man ließ die Mutter des Schinderhannes holen. Als ſie ihr
Bürſchchen gefeſſelt und un dunklem Ort erblickte, da brach all ihr
Leid und Schmerz in ein fürchterliches Lamento über den
unge=
ratenen Bengel aus: „Du biſt mein Sargnagel, du trauriger
Tunetgut, du bringſcht dei Eltere in die unnerſt Höll, du
ver=
ſchimpiereſt dei ganze Sippſchaft, du Sündebock, du Lotterbengel,
du Mißgeburt, du gemeiner Lump; wie kannſt du deine Eltere ſo
e Schand antun?!” Und dann hieb die Frau Bückler auf ihren
Hannes ein, wie ſie es früher zu wenig getan hatte und es ſchien,
als ob der Hannes ganz zerknirſcht wäre. Jedenfalls ſagte er aſles
aus, was er bisher angeſtellt hatte, ſeine Heldentaten mit
beſon=
derem Stolze hervorhebend. „Modder, was kann ich dann dafor,
daß man mich ſo verfiehrt hat. Die Soldate un Kamerade, un der
Krieg un de Franzos, ſie haben mich verfiehrt, was kann dann
in=
nem junge Mann, der wo ſo brave Eltere hat, ſchlechtes
drin=
ſtecke, wanns net vum böſe Beiſviel kummt, der Krieg und die
Zeite un die ſchlechte Geſellſchaft ſin an allem ſchuld. Un dann das
Blut, wo du getrunke haſt vor meiner Geburt. Modder, wie froh
wär ich, wenn ich wieder deheem ſein könnt.‟ Die
Selbſtbezichti=
gungen des Hannes und der Jammer ſeiner Mutter nützten aber
nichts, der Amtmann nahm alle Geſtändniſſe zu Pavier und wegen
ihrer Schwere brachte man den Hannes nach Saarbrücken vor die
Geſchworenen.
Kaum hatte er den Gefängnisraum betreten, da wußte er, daß
er bekannte Geſellſchaft hier hatte. Der Gaunerpfiff belehrte ihn,
daß einer ſeiner Bande über ihm in der Zelle ſaß. Ach ja, der rote
Fink war ſeit einiger Zeit abgängig, der mochte wohl der Genoſſe
Nr. 355 — Seite 13
über ihm ſein. Mit ihren Werkzeugen, die ſie immer in kleinen
Holzbüchſen bei ſich trugen, war bald die Verbindung hergeſtellt
und mit vereinten Kräften hatte man nach wenigen Stunden ein
Loch gegraben und war ausgeriſſen. Der rote Fink hatte ſchon
vor=
gearbeitet gehabt, ſo daß die Sache ſehr raſch ging. Ein Steckbrief
am nächſten Tage machte die aufs äußerſte überraſchte Gegend
dar=
auf aufmerkſam, daß Schinderhannes wieder umgehe. Durch den
Ausbruch in Saarbrücken aber verſchaffte ſich der Hannes einen
ſolchen Mythos, daß mam ihn für einen Zauberer hielt, der dem
Satan ſeine Seele verſchrieben habe und dem man nichts amhaben
konnte. Solches konnte dem Hannes nur recht ſein. Die armen
Behörden aber kamen in den Ruf der Machtloſigkeit und konnten
ſich nicht mehr wehren vor den Foppereien der Einwohnerſchaft.
Hamnes ſuchte frech, wie immer, ſofort die Elis auf und hielt
ſich in der dortigen Gegend von Schneppenbach verborgen. Als er
ſeine Bande in den Schlupfwinkeln aufſuchte, fand er einen guten
Bekannten vor, den er früher öfter um ſich gehabt hatte, den
ſchwarzen Peter oder Peter Petri aus dem Moſeltal. Der hatte
einen Meiler aufgemacht und hauſte hier mit ſeiner zahlreichen
Familie als Köhler. Ein hünenhafter Kerl, ſchwarz wie ein Neger
gebrannt, mit langem Lockenhaar, das er unter dem Kinn
zu=
ſammengebunden hatte, ſo daß er wie ein Urwaldmenſch oder auch
wie ein Orang=Utang ausſah.
„Na, ſieht man den ſchwarzen Peter auch mal wieder? Was
treibt dich her, Lumpatzi?‟
Der Peter aber, der ſchon viel geſoffen hatte, ſagte mit
wil=
dem Blick: „Ich muß den Kerl kaputt mache.” Und er erzählte dem
Schinderhannes, daß er dem Händler Seligmann die Kehle
zu=
drücken wolle, weil der ihn vor Jahren verpetzt und verraten habe,
ſo daß der eiferſüchtige Iltis ſeine erſte Frau, mit der er, der
Peter, geſchäkert habe, kurzerhand erſtochen habe. Die Geſchichte
war unter der Bande bekannt, Schinderhannes war aber zur Zeit,
als ſie paſſierte, noch in der Lehre. Ja, der eiferſüchtige Iltis
Jakob war vom Seligmann gegen ſeine eigene Frau, die ſich mit
dem ſchwarzen Peter eingelaſſen hatte, aufgehetzt worden. Der
Seligmann hatte die beiden erwiſcht und nichts Eiligeres zu tun
gehabt, als dem raſenden Ehemann ſolches anzuzeigen, der darauf
ſeine eigene Frau erſtach. Ernüchtert hatte der Iltis dann
ge=
weint wie ein Kind. Alle Wut des Peter aber hatte ſich auf den
Angeber gehäuft. Die Rache war es alſo, die den ſchwarzen Peter
wieder in die Gegend trieb, nachdem er jahrelang ein ziemlich
einwandfreies Leben über dem Rhein drüben geführt hatte.
Viel=
leicht war es aber auch das Räuberblut, das ihm immer wieder
durchbrach.
Der Mord des „Schwarzen Peker”
Auf dem einſamen Wege zur Tiergartenhütte ritten zwei
Männer, begleitet von vier ſchwerbewaffneten Gendarmen. Sie
kamen von einer Zuſammenkunft der Ortsvorſteher in Raunen,
die ſich mit der Beſeitigung des Diebs= und Räuberunweſens in
der Nahegegend beſchäftigt hatte. Stumm und in ſich gekehrt ritten
die zwei Männer dahin. Geſpannt und eifrig um ſich ſpähend
folg=
ten die Gendarmen.
Die einſame Waldſchenke kam in Sicht. Der Aeltere der zwei
Männer ſchlug vor, eine kurze Raſt zu halten; denn der Auguſttag
war heiß und der Staub auf den ſchlechten Wegen unerträglich.
Man ſtieg ab, band die Pferde in dem Hof an die Tränke und
nahm in dem niederen Wirtslokal Platz. Die Gendarmen ſetzten
ſich an einen Tiſch für ſich, die zwei Ortsvorſteher aßen und
tran=
ken. In dem anſchließenden Nebenzimmer hörte man ein Geräuſch;
als einer der Gendarmen nachſchaute, fand er den Raum leer.
„Hat ja alles keinen Zweck, dieſe Sitzunge gegen das
Räuber=
pack. Mit Sitzunge werden die Spitzbube net alle. Zugreifen müßte
man mit eiſerner Hand, jeden Spitzbub ohne viel Federleſens an
die Wand ſtellen, dann wirds vielleicht beſſer”, ſo meinte gequält
der Alte.
„Nein, das iſt es net, der Franzos müßt aus dem Land ſein,
der Fremde iſt an allem ſchuld. An die fremde Ordnung kann man
unſer Volk net gewöhne. Unſer Volk erkennt die Autorität vun
de Franzmänner im Innere net an, nur äußerlich, weil man muß,
wir Ortsvorſteher werden drum angeſchaut, daß mer dem Franzos
den Eid geleiſtet han, unſer Amt hat keen Widerhall mehr im
Volk. So kommt es, daß die Dieb und Räuber beim Volk mehr
gelte, wie die Obrigkeit. Lieber die kleinen einheimiſchen
Wege=
lagerer als die große framzöſiſche, ſo ſagt ſich der Mann aus dem
Volk. Und wenn doch geraubt und geſtohlen ſein muß, ſo is es
beſſer, wanns die eigene Leut tun, als die Fremde. So iſt die Sach,
der Franzmanm is an allem ſchuld.” Mit einem kräftigen
Fauſt=
ſchlag ließ der Jüngere die Gläſer tanzen, daß ſie umzukippen
drohten.
„Pſt, Pſt, net ſo ſtürmiſch, un Vorſicht, wer weiß, was die
Gendarmen für Leute ſind. Hals un Krage un unſer Poſte kanns
uns koſte, wann herauskommt, daß wir Ortsorſteher net loyal
ſind un de Franzos ins Pfefferland wünſche. Horch, hats da eben
net gelacht?!“— Aber es war alles ruhig.
„Dem Friede iſt net zu traue, der Preuß' hat zwar das linke
Rheinufer abgetrete, un Friede mit de Franzoſe gemacht, aber
das iſt ein Gewaltfriede, den kein Menſch zu halte braucht und
niemand drüben über dem Rhein denkt im Ernſt daran, daß wir
nun vor alle Zeite in unſerm urdeitſche Land Franzoſe bleibe ſolle.
So gehts halt hin un her und die Gauner haben die ſchönſte Dage
und wann man ſei Ruh behalte will, is es am beſte, man macht
mit den Spitzbube ab, und kaaft ſe ſich, damit ſies ner zu ſtark
treibe. Wie wars dann heut auf der Sitzung?! Wo waren dann
die Kollegen von Kirn, von Kirchberg, von Tronecken, von
Ge=
münden und von Winterburg, grad die Orte, wo die Spitzbube
ihr Hauptaufenthalt han, wo waren dann die Herre?! Sie han ſich
alle entſchuldigt, ſie han Angſt vor dene Spitzbube, weil die ſich
ſtärker fühle, als die ganze Franzoſeköpp zuſamme.”
Eifrig erwiderte der Jüngere: „Vielleicht is unter dene
Spitz=
bube de Richtig, der mehr iſt, wie en Gauner un Wegelagerer,
vielleicht is dort eine Führernatur, der die Sach richtig anpackt,
un die Leit ſammelt gegen de Franzmann, daß mer widder deitſch
werden. Wahrhaftig, ich würd mitmache un würd mich net
ſchen=
niere, mich ſo em unterzuordne, wanns gegen de Franzmann geht.”
Da lachte der Alte mächtig auf. „Hör uff, hör uff, du machſt
vielleicht noch de Schinnerhannes zum nationale Held, den Rotzbub
vun zwanzig Jahren, der nix im Kopp hat, wie Weiber und Geld
und Wohllebe, nein, Freund, aus ſo Holz wird nix. Ne, Freund,
von doher kummt die Freiheit net, das ſagt mir mein Alter un
mein Verſtand. Das ſind alles ganz gewöhnliche Tagdieb, die bei
dem ewige Kriegskram im Trüben fiſchen.”
Vor dem Wirtshaus gab es auf einmal ein jäh aufbrechendes
Geräuſch, wie von galoppierenden Pferden. Alles fuhr auf in der
Wirtsſtube, die Gendarmen eilten auf den Hof, die Pferde waren
verſchwunden; dort vorne ſtob eine Staubwolke auf. Der Alte
aber ſagte ingrimmig zum jüngeren Kollegen: „Dort is dein
Frei=
heitsheld, ſo frech kann nur der Schinnerhannes ſein.”
Der Jüngere blieb ſtumm.
Es blieb aber nichts übrig, als zu Fuß den langen Weg
weiterzugehen. Rechts und links auf den Höfen und in den kleinen
Ortſchaften grinſten die Leute, als ſie die ſchimpfenden Vertreter
der Obrigkeit ehrſam zu Fuß dahingehen ſahen.
Des Schinnerhannes Anſehen aber ſtieg.
Ein paar Tage darauf trafen ſich Schinnerhannes und der
ſchwarze Peter wieder in der Waldſchenke zur Tiergartenhütte.
Die ſechs Pferde der Ortsvorſteher und der Gendarmen wuen
gut an den Mann gebracht, die Beutel waren voll. Sie wollten
Sieg feiern. Dem Wirt hatte man nichts anhaben können, er war
gerade beim Holzfällen im Walde geweſen, als die Pferde
geſtoh=
len wurden. Der ſchwarze Peter goß unheimliche Mengen in ſich
hinein. Schinnerhannes blieb mäßig. Einer wenigſtens ſollte den
Kopf klar behalten. Der ſchwarze Peter kom in eine ganz wilde
Stimmung. Zum Unglück zogen gerade ein paar Mackenbacher
Muſikanten ihres Weges. Peter ſchrie, wie ein Berſerker und
kom=
mandierte die angſtſchlotternde Muſici in das Lokal und befahl
ihnen aufzuſpielen. Angſt in den Kehlen blieſen die armen
Mak=
kenbacher gewiſſermaßen um ihr Leben. Der Schnaps, den Peter
in reichem Maße ſtiftete, wollte ihnen gar nicht ſchmecken.
(Fortſetzung folgt nächſten Samstag)
Seite 14 — Nr. 355
Darmſtädter Tagblatt 7 Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 28. Dezember 1935
Oreißigtauſend Weihnachtsfeiern für bedürftige Kinder.
Chronik des Tages.
Ein Angeſtellter bei der Kreisſparkaſſe in Kn
blenz hatte es, wie die Polizei mitteilt, am verr
gangenen Samstag durch äußerſt geſchickte Machenn
ſchaften verſtanden, ſich 35 000 RM. anzueignem
Durch die ſtändig durchgeführten ſcharfen Kong
trollmaßnahmen wurden die Verfehlungen abe
bereits am Montag vormittag feſtgeſtellt. Der
Kriminalpolizei gelang es, bereits nach wenigen
Stunden den Täter zu ermitteln und feſtzunehmenn
In dem Küchenherd eines Einwohners in deng
Kreisort Schönberg entſtand eine Exploſion, die
derart heftig war, daß die auf der Herdplatto
ſtehenden Kochtöpfe zum Entſetzen der Hausfraug
ſamt Inhalt gegen die Decke geſchleudert wurdenn
Vermutlich hatte ſich in den Kohlen irgendeinn
exploſiver Stoff, eine Zündkapſel oder dergleichen:
befunden.
Im Verlauf einer anſcheinend aus nichtigen
Urſache entſtandenen Auseinanderſetzung am erſtem
Feiertag gab der in Gotha, Hoherſand 13,
woh=
nende, Wolfgang Rochner auf ſeine Frau einem
Für mehr als fünf Millionen deutſcher Kinder aus bedürftigen Familien, und für ihre Eltern wurde in Deutſchland der Weihnachtstiſch gedeckt.
Reichsminiſter Dr. Goebbels nahm an der größten Veranſtaltung im Saalbau Friedrichshain in Berlin teil und ſprach von hier aus über den
Rund=
funk zu den Kindern im ganzen Reich. Dieſer Schnappſchuß zeigt Reichsminiſter Dr. Goebbels beim Austeilen von Schokolade während der
Weih=
nachtsbeſcherung.
(Scherl=Bilderdienſt=M.)
Reich und Ausland.
Zum Eiſenbahn-Unglück
bei Groß=Heringen.
Das 30. Opfer von Groß=Heringen feſtgeſtellt.
Erfurt. Wie die Reichsbahndirektion Erfurt
mitteilt, konnte jetzt eines der drei bisher noch
un=
bekannten Opfer des Eiſenbahnunglücks von Groß=
Heringen feſtgeſtellt werden. Es handelt ſich um
eine Frau Roſa Schmalz aus Groß=Welsbach im
Kreiſe Langenſalza, deren Mann ſich ebenfalls
unter den Toten befindet.
Von den bisher ermittelten 32 tödlich
Verun=
glückten (nicht 33, wie es urſprünglich hieß) ſind
damit 30 namentlich feſtgeſtellt. Noch unbekannt
ſind die Leichen zweier Frauen im Alter von 40
bzw. 65 Jahren.
Wie die Reichsbahndirektion weiter mitteilt,
werden nach bei der Kriminalpolizei in Groß=
He=
ringen eingegangenen Mitteilungen noch ſieben
Perſonen von ihren Angehörigen vermißt.
Aufopfernde Tätigkeit der Pioniere.
Erfurt. Ueber die Bergungsarbeiten der vom
Reichsſtatthalter Sauckel und dem Präſidenten der
Reichsbahndirektion Erfurt aus Rieſa an die
Un=
glücksſtelle von Groß=Heringen herbeigerufenen
Pionierabteilung erfahren wir noch folgendes:
Die Pioniere hatten zur Durchführung ihrer
ſchwierigen Bergungsarbeiten in der Saale
Pon=
tons mitgebracht, die ſofort zu Waſſer gelaſſen
wurden.
Entgegen den zuerſt auftauchenden
Vermutun=
gen ſtellte ſich bald heraus, daß kein Wagen des
Perſonenzuges in die Saale geſtürzt war, aber
erhebliche Wagenteile, die auch Menſchen mit in
den Fluß hineinriſſen. Durch den Zuſammenſtoß
hatten ſich die Oberteile der Wagen auf der Brücke
z. T. gelöſt, die Türen waren aufgeſprungen, ſo
daß Menſchen und Oberteile von Wagen in den
Fluß geſchleudert wurden. Binnen kurzem gelang
es der aufopfernden Arbeit der Pioniere, aus der
etwa drei Meter tiefen eiskalten Saale mehrere
Leichen zu bergen. Dieſe Arbeiten wurden mit
allen techniſchen Hilfsmitteln, z. B. auch durch das
Ziehen von Netzen, vorgenommen. Dank des
Ein=
ſatzes der Pioniere iſt es gelungen, daß gerade an
dieſer ſo beſonders ſchwierigen Unglücksſtelle die
Leichen ſehr ſchnell aus den Fluten der Saale
ge=
borgen werden konnten.
So arbeiteten Wehrmacht, Arbeitsdienſt, SA.
und andere Verbände Schulter an Schulter.
Samstag vormittag 11 Uhr in der Horſt=Weſſel=
Schule in Apolda angeſetzt.
Es iſt folgendes Programm für die
Trauer=
feier vorgeſehen: Nach einer vom Kammerquartett
Weimar ausgeführten Trauermuſik ſpricht der
Ge=
neraldirektor der Deutſchen Reichsbahn, Dr.
Dorp=
müller, und legt einen Kranz im Namen der
Deut=
ſchen Reichsbahn nieder. Nach ihm wird
Staats=
ſekretär Königs vom Reichsverkehrsminiſterium
als Vertreter des Reichs= und Preußiſchen
Ver=
kehrsminiſters das Wort nehmen und in ſeinem
Namen und gleichzeitig als Präſident des
Verwal=
ungsrates der Deutſchen Reichsbahn je einen
Kranz niederlegen. Für das Land Thüringen
wird hierauf Miniſterpräſident Marſchler eine
Anſprache halten. Nach einem weiteren Muſikſtück
wird zum Schluß im Auftrage des Führers der
Gau=
leiter und Reichsſtatthalter Sauckel reden und
Kränze niederlegen.
Föhnwekter in den Bergen.
München. Aus den bayeriſchen und Allgäuer
Bergen wird gemeldet, daß der Föhn während der
Weihnachtsfeiertage dem Schnee arg zugeſetzt hat.
Mit der erſten Stunde des erſten
Weihnachtsfeier=
tages ſetzte der Südwind ſo heftig ein, daß ſich in
vielen Talorten am zweiten Feiertag bereits das
verblaßte Grün der Wieſen zeigte und mancher,
der mit den Brettern gekommen war, ſeine
Hoff=
nungen buchſtäblich verrinnen ſah. Ja, es hat
ſo=
gar Leute gegeben, die ſtatt der Skitour nur mit
den Stöcken allein zu einer Bergwanderung
auf=
brachen.
Auch in Innsbruck und Umgebung herrſchte
wäh=
rend der Weihnachtsfeiertage ein ausgeſprochenes
Föhnwetter. Die Temperaturen erreichten 15 Grad
Celſius.
Schuß ab, der die linke Lunge durchdrang und dem
alsbaldigen Tod der Frau herbeiführte. Danachh
tötete Rochner das 34 Jahre alte Kind und nahm
ſich ſelbſt durch Gift das Leben.
Eine furchtbare Bluttat ereignete ſich imm
Armenhaus Waldenburg=Altwaſſer. Die
Armen=
häusler Geisler, Reckziegel und Hamann gerieteny
in der Nacht zum Freitag in Streit. Hamann
er=
ſchlug Reckziegel mit einer ſchweren Eiſenſtange.
Die Schlägerei ſpielte ſich ſo lautlos ab, daß anderes
Armenhausinſaſſen nichts von ihr wahrnahmen.
Am nächſten Tage ſtürzte ſich Hamann auf Geisler.
Auch Geisler ſtarb an den erlittenen Verletzungen.
Hamann wurde auf der Kohlenhalde am Bahu= verhaftet.
Auf der Straße zwiſchen Caſena und dem
Wiu=
terſportplatz Clavieres in den Cottiſchen Alpen an
der franzöſiſchen Grenze ſind im Laufe des
Don=
nerstag nicht weniger als acht Lawinen
nieder=
gegangen, die den Straßenverkehr zwiſchen den
beiden Orten vollſtändig unterbrochen haben. Drei
Einwohner von Clavieres konnten ſich nur mit
Mühe durch die Schneehinderniſſe durcharbeiten,
um Lebensmittel nach Clavieres zu bringen. As
ſie am Nachmittag von einer neuen Lawine
über=
raſcht wurden, gelang es nur zwei von ihnen, ſich
in Sicherheit zu bringen, der dritte wurde
ver=
ſchüttet.
Das Gebiet von dem Rocky Mountains bis zur
Atlantikküſte wurde während der
Weihnachtsfeier=
tage von ſchweren Blizzards heimgeſucht. In
vie=
len Staaten mußte der Flugzeug= und
Kraftwagen=
verkehr völlig eingeſtellt werden. In Chicago
tra=
fen die Eiſenbahnzüge mit ſtundenlangen
Verſpä=
tungen ein. Ueberall ſind große
Schneeverwehun=
gen zu verzeichnen. 30 Menſchen ſind erfroren.
Nach neuerlichen Meldungen hat ſich die Zahl
der Todesopfer der Schneeſtürme in den
Ver=
einigten Staaten auf 96 erhöht. Unter den Toten
befinden ſich drei Offiziere, die in einem
Vetera=
nenlager bei Waterbury ein Feuer angezündet
hatten, um ſich vor der Kälte zu ſchützen. Dadurch
wurden die Baracken in Brand geſetzt. — In
zahl=
reichen Städten ſind Obdachloſe erfroren.
Drei Schreckenstage am Jahresende.
Die Erdbeben=Kataſtrophe von Meſſina im Jahre 1908. — 96 000 Menſchen fanden den Tod.
Beileidstelegramme.
Berlin. Der Reichs= und Preußiſche Miniſter
des Innern, Dr. Frick, hat an den
Reichsſtatthal=
ter Sauckel, Weimar, folgendes Telegramm
ge=
richtet:
„Tief erſchüttert durch das entſetzliche
Eiſen=
bahnunglück bei Groß=Heringen bitte ich Sie, den
Hinterbliebenen mein herzliches Beileid
auszuſpre=
chen und bei der morgigen Trauerfeier als mein
Vertreter einen Kranz niederzulegen.”
Der franzöſiſche Miniſter für öffentliche
Arbei=
ten, Laurent=Eynac, ſandte aus Anlaß des
Eiſen=
bahnunglücks bei Groß=Heringen an den
Reichs=
verkehrsminiſter folgendes Teelgramm:
„Tief bewegt von der Nachricht über das
Un=
glück von Groß=Heringen bitte ich Sie, meine
auf=
richtige Teilnahme im Namen des Miniſteriums
für öffentliche Arbeiten und der franzöſiſchen
Eiſenbahnen entgegenzunehmen.”
Hierauf antwortete der Reichs= und Preußiſche
Verkehrsminiſter, Freiherr von Eltz=Rübenach,
fol=
gendermaßen:
„Für Ihre Teilnahme an dem ſchweren Unglück,
das die Deutſche Reichsbahn und das deutſche Volk
am heiligen Abend betroffen hat, ſage ich Ihnen
meinen aufrichtigen Dank.”
Der Trauerakt für die Opfer des Eiſenbahn=
Unglücks.
Berlin. Der Trauerakt für die Opfer des
Eiſenbahnunglücks von Groß=Heringen iſt auf
Kataſtrophen verblaſſen ſchnell in der
Erin=
nerung der Oeffentlichkeit, auch wenn ſie von ſo
furchtbaren Folgen begleitet waren wie jene, die
das Erdbeben von Meſſina in den drei letzten
Tagen des Jahres 1908 mit ſich brachte.
Sie=
benundzwanzig Jahre ſind ſeitdem vergangen,
und noch immer finden ſich Spuren davon in der
ſizilianiſchen Hauptſtadt oder in ihrer Umgebung.
Schon das Erdbeben vom Jahre 1783 legte
Meſ=
ſina zur Hälfte in Trümmer, und Goethe erzählt
davon in ſeiner „Italieniſchen Reiſe”, die er drei
Jahre ſpäter unternahm in voller Anſchaulichkeit:
„... Dieſer Entſchluß gab gleich beim
Ein=
tritt den fürchterlichſten Begriff einer zerſtörten
Stadt; denn wir ritten eine Viertelſtunde lang
an Trümmern nach Trümmern vorbei, ehe wir
zur Herberge kamen, die in dieſem ganzen Revier
allein wieder aufgebaut, aus den Fenſtern des
oberen Stockes nur eine zackige Ruinenwüſte
über=
ſehen ließ. Außer dem Bezirk dieſes Gehöftes
ſpürte man weder Menſch noch Tier, es war nachts
eine furchtbare Stille. Die Türen ließen ſich
we=
der verſchließen, noch verriegeln, auf menſchliche
Gäſte war man hier ſo wenig eingerichtet, als
in ähnlichen Pferdewohnungen.
Nach dem ungeheuren Unglück, das Meſſina
betraf, blieb nach zwölftauſend umgekommenen
Einwohnern für die übrigen dreißigtauſend keine
Wohnung; die meiſten Gebäude waren
nieder=
geſtürzt, die zerriſſenen Mauern der übrigen
ga=
ben einen unſicheren Aufenthalt; man errichtete
daher eiligſt im Norden von Meſſina, auf einer
großen Wieſe, eine Bretterſtadt, von der ſich am
ſchnellſten derjenige einen Begriff macht, der zu
Meßzeiten den Römerberg zu Frankfurt, den=
Markt zu Leipzig durchwanderte So wohnen
ſie nun ſchon drei Jahre, und dieſe Buden=,
Hüt=
ten=, ja Zeltwirtſchaft hat auf den Charakter der
Einwohner entſchiedenen Einfluß. Das Entſetzen
über jenes ungeheure Ereignis, die Furcht vor
einem ähnlichen treibt ſie, der Freuden des
Augenblicks mit gutmütigem Frohſinn zu
ge=
nießen.”
125 Jahre lang hielt der Boden Meſſinas die
Gewalten zurück, die in ſeinem Innern tobten,
d. h. wenn man die Ueberſchwemmung nicht
rechnet, die im Jahre 1823 einen Teil der Stadt
verwüſtete. Aber dann kam jener ſchreckensvolle
Morgen des 28. Dezember im Jahre 1908. Etwa
um 5½ Uhr waren die Einwohner durch ein
un=
geheures Dröhnen aus dem Schlaf geweckt
wor=
den. Wie bei einem Bombardement folgten
Krachen, Heulen und Detonationen. Dann trat
ein lähmendes Schweigen ein, und die vor
Ent=
ſetzen halb irrſinnigen Bewohner machten ſich in
langen Zügen auf die Flucht. Um die Hölle zu
vervollſtändigen, brach an allen Ecken und Enden
der Stadt Feuer aus. Aus den zerſtörten Gas=
leitungen entwich das Gas und entzündete ſich;
aber noch immer kam die Erde nicht zur Ruhe. An
jenem erſten Unglückstag wurden nicht weniger
als 50 furchtbare Erdſtöße gezählt. Von 167 000
Einwohnern blieben an dieſem erſten Tage 70000
tot auf den Straßen liegen oder wurden von der
Erde verſchlungen und von den einſtürzenden
Mauern der Häuſer erſchlagen. Bis zum Februar
des Jahres 1909 blieb die Erde in
unausge=
ſetzter Bewegung. Die Stöße waren wohl etwas
ſchwächer geworden; aber ſie genügten, die
Ver=
wirrung über einen ganzen Monat hinaus
wach=
zuhalten.
Eine Giftwolke über der Stadt.
Augenzeugen der furchtbaren Kataſtrophe
er=
zählen, wie während der ganzen Zeit des Bebens
unausgeſetzt und wie feſtgehalten am Himmel eine
ſchreckliche, gelbgraue Wolke ſchwebte. Dieſe
Wolke wechſelte mehrmals am Tage ihre
Far=
ben, aber nie ihre Geſtalt. Ihre Größe war kaum
abzuſehen, ihre Ränder verſchwammen in der
Ferne. Die Wolke erſchien einmal giftgrün, dann
ging das Grün in blau, lila und grau über,
ſchließlich wurde es rot, ſo daß die Augen
ſchmerz=
ten, wenn man hineinblickte.
Genau ſo aufgeregt wie der Erdboden ſchien
der Meeresboden. Die Gewalten in der Tiefe
hoben ihn hoch empor; es entſtand eine Flutwelle,
die in Meſſina an vielen Stellen eine Höhe von
vielen Metern erreichte und von ſich aus ihr
Zer=
ſtörungswerk unternahm. An anderen Orten ſoll
dieſe Flutwelle ſich bis zu einer Höhe von zehn
Metern erhoben haben. Der regelmäßig
verkeh=
rende Dampfer nach Reggio wurde erſt
emporge=
hoben, dann durch die Senkung des Waſſers in die
Tiefe geriſſen, dann wieder ſo hoch geſchleudert,
daß ſein Kiel höher ſchien als die noch ſtehenden
Hauswände am Hafen, ſchließlich zerſchellte er an
den Hafenmauern. Das gleiche Schickſal fanden
Hunderte und aber Hunderte, von kleineren
Schif=
fen und Booten. Auch die Ortſchaften, die Meſſina
gegenüber liegen, vor allem Reggio und Palmi,
wurden faſt vollſtändig zerſtört. Mit den
Ein=
wohnern Meſſinas fanden zuſammen 96 000
Men=
ſchen in einer einzigen Stunde ihr Ende. Weit
und breit war die ganze Gegend ein einziges
Trümmerfeld. Die Zerſtörung erſtreckte ſich an
der ſiziliſchen Küſte 60 Kilometer nach Süden
hin=
unter und in Calabrien 40 Kilometer nördlich.
An eigentliche Rettungsmaßnahmen war
wäh=
rend des Bebens ſelbſt nicht zu denken. Schiffe, die
auf See waren und zu Hilfe eilen wollten,
muß=
ten ſchleunigſt umkehren, die immer von neuem
auftretenden Flutwellen hätten ihnen das gleiche
Schickſal bereitet wie den Schiffen, die im Hafen
von Meſſina lagen. Sie mußten ſehen, das offene
Meer zu gewinnen, um nicht auf die Küſte oder
auf die Hafenanlagen geworfen zu werden. Sechs
Moch ſtehen
gen Eiſenbe
bend er
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A6=He
Mten pl
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Nt. kein A.
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Uerten z
Aof
Adet,
Jahre nach der Kataſtrophe war von der einſtigen
Stadt Meſſina noch nichts zu ſehen. Zunächſttrug
man ſich mit dem Gedanken, einen wirklichen Auf” hinen
bau an der alten Stelle nicht wieder vorzunehmen,
Aber das menſchliche Beharrungsvermögen ſiegte
auch hier. Bald darauf war der Aufbau an der ſit M
gleichen Stelle eine beſchloſſene Sache. Eine ganze
Siedlung aus Bretter= und Wellblechhäuſern, zur
vorläufigen Aufnahme der überlebenden Eint
wohner eingerichtet, zog ſich die grünen Hänge
hinan. Weitere zehn Jahre ſpäter erhob ſich ein
neues und ſchöneres Meſſina an der
verhängnis=
vollen Stelle. Der Hafen war wiederhergeſtellt,
belebt von Hunderten von Schiffen. Breite
Straßen und hohe Häuſer; aber bei genauem
Hinſehen auch hier da noch viele Ruinen, Prieſter,
die bei den eintreffenden Fremden um milde G0 heiſchten: „Für die unglücklichen Waiſenkinder
von Meſſina”.
Inzwiſchen iſt der größte Teil der Stadt wie gen
der aufgebaut. Aber ganz ſind die Ruinen und
die Schutthaufen auch heute noch nicht
verſchwun=
den; aber die Wohnungsnot iſt zum größten Teile
gebannt, wenn auch viele noch mit ſehr ärmlichen
Gelaſſen vorlieb nehmen müſſen. Bewundernswert
iſt der Gleichmut der Bevölkerung, die ſich durch
keine Naturkataſtrophe aus der alten Heimat vers MAie
treiben läßt. Man erzählt ſich, daß es in
Sizi=
lien und überhaupt im Süden Italiens Stellen
unter der Erde gibt, die mit Menſchenwerk aller
Art gefüllt ſind, Klüfte haben ſich abwechſelnd
geöffnet und geſchloſſen, Menſchen, Tiere, Häuſer
und Bäume verſchlungen, ohne daß auch nur die
geringſte Spur zurückblieb. Ganze Städte ſind aul
dieſe Weiſe weggewiſcht worden, als hätten ſie nie
beſtanden. Alles deckt ſeit Jahrhunderten die Ede
und wird kaum je wieder zum Vorſchein kommen.
Da iſt z. B. der Ort Scilla (bekannt aus der
Dichtung Homers) unmittelbar an der Straße vo
Meſſina. Scilla liegt in der Nähe der Stelle, wo
Schiller ſeinen Taucher in die Wirbel hinabſteigen
läßt. In jenem Jahr des Unheils 1783, das
Meſ=
ſina zum Verhängnis werden ſollte, hatte ſich der
Fürſt von Scilla mit ſeinen Untertanen auf die
Schiffe geflüchtet, um dem Erdbeben zu entgehen”
aber eine rieſige Flutwelle erhob ſich auch hier und
ſchleuderte die ganze Flotte weit in das Land
hin=
ein. Der Fürſt kam mit weit über tauſend
Men=
ſchen ums Leben, ſein Schloß und die Stadt ſtürde
ten ein.
Wer heute in das Land kommt, glaubt in den
Garten Eden einzutreten. Die Sonne lacht, di5 Z
Orangen blühen, die Pakmen rauſchen. Wie ein
Opal dehnt ſich das Meer. Erſt 27 Jahre ſind ſeit
der letzten Kataſtrophe vergangen. Erſt 27 Jahre
ſeit den Tagen, die nicht nur ein geſegnetes
Jahl=
ſondern eine ganze Periode zum gräßlichen A0=
2. I.
ſchluß brachten.
Samstag, 28. Dezember 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 355 — Seite 15
Der
Rieſenbrand
im Warenhaus
In der weſtengliſchen
Hafen= und
Induſtrie=
ſtadt Cardiff war in der
Spielwarenabteilung
ei=
nes Warenhauſes ein
Großfeuer ausgebrochen,
das mit großer
Schnel=
ligkeit um ſich griff. Im
Verlauf des Brandes
explodierte ein
Muni=
tionslager im
Keller=
geſchoß des
Warenhau=
ſes, wodurch die
Wehr=
leute in größte
Lebens=
gefahr gebracht wurden.
Unſer Bild zeigt das
ausgebrannte
Waren=
haus.
(Scherl=Bilderd.=M.)
Wochenrückschau.
ſoch ſtehen wir unter dem Eindruck der
furcht=
bein Eiſenbahnkataſtrophe, die ſich am
Weih=
ueichtsabend ereignete. Erſchüttert hat das deutſche
W) die Kunde von dem tragiſchen Unglück bei
Gtz=Heringen vernommen. Feſtlich frohgeſtimmte
Vlsgenoſſen, Männer und Frauen und Kinder
iuſen plötzlich und unvermittelt in das
Schatten=
rei des Todes eintreten. Es war ihnen keine
Fü, kein Augenblick der Beſinnung gegeben.
Schher liegt der Schatten dieſer
Eiſenbahnkata=
ſtwoſhe über der nachweihnachtlichen Stimmung
desdeutſchen Volkes. Die Gedanken aller ſind bei
deiAngehörigen der Toten und bei den in den
K akenhäuſern liegenden Verletzten. Ihnen
wün=
ſchwir baldige Geneſung, den Toten kann nur
uFit ſtilles Gedenken gelten.
Er anderes ſchweres Verkehrsunglück ereignete
ſis im Montag. Bei Monſchau ſtieß ein
Perſonen=
ktſwagen mit einem Kraftomnibus zuſammen.
Dah den furchtbaren Anprall wurde der Motor
desPerſonenkraftwagens völlig zerſtört, der
Ben=
zintnk explodierte und der Wagen war im
Augen=
blichin helle Flammen gehüllt. Die vier Inſaſſen
vekannten. Auch im Staate Virginia forderte
am ſelben Tage ein Autounglück mehrere Tote.
Enzlutobus ſtürzte in den Appomattox=Fluß. Die
1710 Inſaſſen ertranken alle.
Peitere ſchwere, Kataſtrophen in aller Welt
fo rten zahlreiche Todesopfer. So ereigneten ſich
Erd voriger Woche im Kanton Uri zwei ſchwere
LEunen=Unfälle, durch die vier Menſchen den Tod
fa dn. Im Hafen von Santos wurden bei einer
Cmobſion auf dem ſchwediſchen 3000=To.=Dampfer
„ Erit Marie” 20 Mann der Beſatzung getötet. In
de beſtengliſchen Hafen= und Induſtrieſtadt
Car=
difberiet ein fünfſtöckiges Warenhaus in Brand
umwurde völlig zerſtört. Wie durch ein Wunder
kanſniemand zu Schaden. Von
Ueberſchwemmun=
gen rößten Ausmaßes wurde am Sonntag und
MEſtag der Südweſten Frankreichs heimgeſucht.
Zmd Dörfer in der Nähe von Toulouſe ſind unter
WSiſer geſetzt, zahlreiche andere Dörfer völlig vom
Verihr abgeſchnitten. Der Sachſchaden beträgt
be=
raümehrere Millionen Franken. Während hier
keny Toten zu beklagen ſind, werden aus der
Ge=
ge lvon Skutari ſo ſchwere Ueberſchwemmungen
gemdet, daß nach den bisher vorliegenden
Mel=
dunen 50 Perſonen ums Leben kamen. In
Lon=
deutnd Südengland herrſchte in den letzten Tagen
ſo dihter Nebel, wie ſeit Jahren nicht mehr. Der
geſuhte Verkehr mußte zeitweiſe ſtillgelegt
wer=
den In London ſelbſt herrſchte beiſpielsweiſe am
AEotag in den Mittagsſtunden völlige Finſternis.
Nach bisherigen Meldungen wurden 10 Perſonen
ge öbet und Dutzende ſchwer verletzt. In Nord= und
Wſſpanien herrſchten am erſten und zweiten
Fe tag orkanartige Stürme und ſtarke
Regen=
fa14 Brückeneinſtürze und Unterſpülungen von
Häuhern haben 14 Todesopfer gefordert.
Neiter dürfte im Rahmen einer
Wochenrück=
ſch al intereſſieren, daß ſich die Familie Lindbergh
nahEngkand eingeſchifft hat, um dort dauernden
Aufeithalt zu nehmen. Ueber die Gründe gehen
die ſerſchiedenſten Gerüchte um, ſo wird behauptet,
daßſch die Familie vor Entführung ihres zweiten
Söhſchens, die ihr mehrfach angedroht wurde,
ſchuiten wolle. Uebrigens haben die Verteidiger
despegen Ermordung des Lindbergh=Kindes zum
Tod verurteilten Hauptmann beim Gnadengericht
desStaates New Jerſey ein Gnadengeſuch
einge=
reich. — In Wien wurde wegen umfangreicher
Fälhungen und Wertpapierſchiebungen der
jü=
diſſh „Schriftſteller” Heinrich Eduard Jacob
ver=
haitſt. Die Verhaftung des angeblichen
Schrift=
ſtellts, dem vorgeworfen wird, höchſt zweifelhafte
Bungeſchäfte betrieben zu haben, ſtellt ſich als ein
Fan allergrößten Ausmaßes da, denn mit dem
Judei Jacob wurde ein Glied einer großen
inter=
nmiinalen Betrügerbande feſtgeſetzt, ſo daß es
mügſch war, eine weitere Anzahl Betrüger und
Fälher hinter Schloß und Riegel zu ſetzen. Die
Banſe arbeitet im weſentlichen mit geſtohlenen
Akkinzertifikaten und gefälſchten Hundert=Dollar=
Notn, die ſich an den Mann brachten. Die 37jähr.
Schueſter des Jacobs iſt das Haupt einer
weitver=
zweiten Bande von Abenteurern.
Als „Weihnachtsengel” auf Neuguinea
Ein ſeltſamer Heiligabend unter Papuanegern.
Sidney. Der Proſpektor Michael Leahy hat
heute eine großen Namen und leitet zwei jener
Goldexpeditionenen, die in Kürze in das Innere
von Neuguinea vorſtoßen. Aber vor ein paar
Jah=
ren war das alles noch ganz anders. Einſam zog
er mit einer Handvoll Papuaneger von der Küſte
den Flußläufen entlang ins unentdeckte Innere.
An einem Weihnachtsabend kam er auf eine
Anhöhe, die von einer Eingeborenenraſſe bewohnt
war, die noch nie einen Weißen geſehen hatte. Die
Eingeborenen warfen ſich auf die Erde und
konn=
ten erſt nach einer Stunde ſtärkſter
Ueberredungs=
kunſt bewogen werden, von der Erde aufzuſtehen.
Sie betrachteten Leaby als „Engel”, jedenfalls als
ein überirdiſches Weſen, das aus den Wolken
ge=
fallen ſei. Die Boys aber, die Leahy bei ſich hatte,
hielten ſie für die Inkarnation einiger Häuptlinge
ihrer eigenen Raſſe, alſo für Wiedergeburten
und ebenfalls höher geartete Weſen.
Leahy berichtet, daß er ſich geradezu als
Weih=
nachtsengel vorgekommen ſei, als er an jenem
Chriſtabend den noch immer außerordentlich
ſcheuen Neuguinealeuten ſeine kleinen Geſchenke
überreichte, die er allerdings eigentlich nicht für
den Weihnachtsabend, ſondern zur Anknüpfung
von „Geſchäftsbeziehungen” mitgenommen hatte.
Das Alarmſignal auf der Kaffeeflaſche.
* In einem Lagerſchuppen am Donaukai in
Preßburg bemerkte ein Arbeiter in einer
Abend=
pauſe eine verdächtige Gruppe von Männern. Da
in der letzten Zeit wiederholt Diebſtähle hier
vor=
gekommen waren, vermutete er, der Diebesbande
auf der Spur zu ſein. Er trank mit einem Zug
ſeine Feldflaſche mit heißem Kaffe aus und
ver=
anſtaltete dann auf der leeren Kaffeeflaſche ein
unheimlich tutendes Alarmkonzert, das die Diebe
ſo erſchreckte, daß ſie wie angewurzelt auf der
Stelle ſtehen blieben. Durch dieſe ſeltſamen Töne
waren aber auch ein paar Polizeibeamte angelockt
worden, und nun konnte die ganze
Einbrecher=
bande kurzerhand verhaftet werden.
Der Giftdiktator von New York.
Beſuch in einem unheimlichen Laboratorium. — Der Mann, der 30 000 Giftleichen
unterſuchte. — Dr. Geitlers intereſſanteſter Fall. — Die Giftmorde nehmen ab.
New York, im Dezember.
In Erweiterung ſeiner bisherigen
Befugniſſe iſt der Texikologe der Stadt
New York, Dr. Alexander O. Gettler,
mit der Ueberwachung des geſamten
Giftverbrauchs beauftragt worden. Man
kann ſein Laboratorium als eines der
intereſſanteſten, der ganzen U. S.A.
be=
zeichnen, da hier die unheimlichſten
Affären der Neuen Welt
zuſammen=
laufen.
Gift oder Autounfall?
Abends um 10 Uhr ſollte das Interview
ſtatt=
finden. Dr. Gettler weilte noch in ſeinem
Labo=
ratorium und bat, 10 Minuten zu warten, denn
er arbeite an einem ihm eben unterbreiteten Fall,
der eiligſte Behandlung erfordere:
„Ich dachte es mir gleich. Da haben ſie einen
Mann in ſeinem brennenden Auto auf einer
ein=
ſamen Straße in der Vorſtadt gefunden. Seltſam,
er war ſchon tot, ehe die Flammen an ihn kamen.
Nun habe ich ſoeben die angeforderten Teile
un=
terſucht: Cyanid — er hat Cyanid genommen, ehe
er ſein Auto ſelbſt in Brand ſetzte.. ..
Eine halbe Stunde ſpäter läutet das
Tele=
phon: Die Nachorfſchungen hätten ergeben, daß
der Tote ſich in finanzieller Bedrängnis befand.
So wollte er ſeiner Familie zwei
Verſicherungs=
ſummen zukommen laſſen, die eine für Todesfall
überhaupt — die andere erhöhte Summe aber für
Unfall! — Die Cyanidflaſche hat man ſpäter im
Gebüſch gefunden. Dr. Gettlers erſte Ueberlegung
war alſo richtig geweſen.
Der Fall Mike Malloy.
Dieſe Affäre iſt bei weitem nicht die
ſenſatio=
nellſte aus Dr. Gettlers Praxis. Das war
viel=
mehr der Fall Mike Malloy. Drei Mann haben
ſeinetwegen den elektriſchen Stuhl beſtiegen:
Ein Kaſchemmenwirt in der 10. Avenue zählte
zu ſeinen täglichen „Gäſten”, den durch ſeine
Trunkſucht bereits geiſtig und körperlich völlig
verkommenen Mike Malloy. Da bei ſeinem
Lebenswandel der Tod eigentlich täglich zu
er=
warten war, witterte der Gaſtwirt ein großes
Geſchäft darin, wenn er das Leben ſeines
Stamm=
kunden Mile Malloy zu ſeinen Gunſten verſicherte.
Aber in dieſem Falle hatte der Wirt die
Rech=
nung — ohne den Gaſt gemacht. Denn Mike dachte
gar nicht daran, zu ſterben, ſondern trank auf
Koſten des Wirtes fröhlich weiter; freie Getränke
bis zum Lebensende war nämlich ſeine Bedingung
für die Lebensverſicherung geweſen. Das wurde
dem Wirt zuviel, er goß ihm reinen Holzſpiritus
ins Glas. Mike trank, grunzte wohlgefällig —
und lebte weiter. Da nahm der Kaſchemmenwirt
mit ſeinen Kumpanen die Zuflucht zu einem
ver=
gifteten Salat. Auch dieſer erreichte bei Mike
nicht das gewünſchte Ziel. Ein improviſierter
„Autounfall” konnte ebenfalls bei Mikes
abſon=
derlicher Konſtitution das koſtbare Leben nicht
en=
digen. Schließlich machte man ihn
ſternhagel=
betrunken, ſetzte ihm zwei Stunden einen Schlauch
mit Leuchtgas an den Mund, und fünf Tage
ſpä=
ter ſtarb Mike an — Lungenentzündung.
Der Gettler erhielt den Fall zur Unterſuchung
und ſtellte einwandfrei die Leuchtgasvergiftung
und das Vorhandenſein der anderen Gifte feſt.
Nachdem Dr. Gettler durch ſeine Unterſuchungen
den Verlauf des Verbrechens unwiderleglich
rekonſtruiert hatte, verfielen die Mörder der
ver=
dienten Sühne.
Lyſol als Mörder.
„Der Gifttod iſt häufig in New York. Ich
habe in den letzten 18 Jahren 30 000 Giftleichen
unterſucht. 2600 von ihnen waren Opfer eines
Verbrechens. Und die meiſten wurden durch die
chemiſche Nachforſchung aufgeklärt.
Es gibt hier auch ſeltſame Zufälle. Da
war=
fen zwei Jungens mit Steinen nach einem
Paſſan=
ten, der ausgerechnet eine Flaſche mit Lyſol in
der Taſche trug. Die Flaſche ging entzwei, das
Lyſol zog in die Haut des Mannes ein; nach einer
halben Stunde war er tot.
Oder — eine Frau wollte ſich ſelbſt ein
Ent=
haarungsmittel herſtellen. Die Doſis Thallium,
die ſie für dieſen Zweck in ihrem laienhaften
Un=
verſtand nahm, war zu groß. Man fand ſie tot
auf. — Auch ein Giftopfer...
Das Todesfieber in der Morphiumſpritze.
Vor einigen Wochen zog man Dr. Gettler zu
Rate, als ſieben Männer an einem myſteriöſen
Fieber ſtarben, das durch Moskitos übertragen
wird und ſonſt nur in Braſilien auftritt. Nach
ſorgfältiger Unterſuchung der ſieben Toten fand
er bei allen am Unterarm Spuren von Einſtichen.
Als er die Kleider durchſuchte, fand er in der
Taſche des einen — eine Morphiumſpritze. Jetzt
löſte er das Rätſel:
Der Beſitzer der Spritze war ein Braſilianer
und fieberkrank. Er hatte aber mit ſeiner Spritze
auch die anderen Perſonen „bedient” und ihnen ſo
gleichzeitig mit dem Morphium das tödliche
Fie=
ber infiziert.
Die Giftmorde nehmen ab!
Der Herr über alle Gifte von New York macht
eine erfreuliche Feſtſtellung: „Die Zahl der
Gift=
morde iſt im Abnehmen begriffen! Ich ſchreibe
das in der Hauptſache der Tatſache zu, daß auf
Grund unſerer chemiſchen Kenntniſſe ſo gut wie
kein Giftmord Ausſicht hat, unentdeckt zu bleiben.
Wir haben ſie faſt alle erwiſcht.” . ..
Dieſe Feſtſtellung dehnt er übrigens auf alle
Kollegen aus, die irgendwo in der Welt im
gleichen Fach wie er arbeiten, wenn es auch —
Gott ſei Dank — nicht überall ſo aufregend ſein
mag, wie — in New York, im Laboratorium des
Dr. Gettler.
Weihnachken 900 Meker unker der Erde
In dem Kalibergwerk Reihershauſen bei
Göttin=
gen wurde eine einzigartige Weihnachtsfeier
ver=
anſtaltet. Im Füllort auf der Hauptförderſtrecke,
900 Meter unter der Erde, ſcharten ſich die
Ar=
beitsmänner am Chriſtbaum zu einer Feier
zu=
ſammen. Das Orcheſter des Göttinger
Staats=
theaters umrahmte die Feierſtunde mit
ſtim=
mungsvollen Darbietungen.
Deutſchlands größte Kunſteisbahn in Hamburg eingeweiht.
Im Hamburger Zoogelände wurde unter bedeutender Beteiligung eine neue Eisbahn eingeweiht, die die größte deutſche Kunſteisbah
Man ſieht hier einen Ueberblick über die feierliche Einweihung.
Schirner=M.)
Nummer 335
Samstag, 28. Dez.
Der Veiter EmilErzählung von Hermann Claudius. SZ 1 Keven en dei Bertfer
Von Max Dauthendey. äften
Zu meinem Vater kam, als er nahe an die Siebzig heran
war, Sonntag um Sonntag der Vetter Emil.
Vetter Emil war der älteſte Sohn der ſchönen Tante Dora,
für die mein Vater, wenn ſie an Geburtstagen zum ſeltenen
Be=
ſuche erſchien, ſtets ein beſonders honettes Weſen hervorzukehren
pflegte.
Vetter Emil hatte gar nichts von der ſchönen Mutter
ge=
erbt. Es war zu glauben, daß ſie gar nicht ſeine rechte Mutter
ſein ſollte. Vetter Emil war lang und ſteif. „Das
Taſchen=
meſſer!” — ſagte mein Vater, wenn der Vetter Emil wieder an
der Tür war.
„Aber gelehrt iſt er!” — ſetzte mein Vater gleich hinzu. Vor
aller Gelehrſamkeit hatte mein Vater einen großen Reſpekt, wohl
deshalb, weil ſie ihm ſelber vollkommen fremd war. Vetter Emil
war Theologe und ſtand im letzten Semeſter. Um jene Zeit ſahen
wir ihn oft bei uns.
Er ſaß dann dem Vater gegenüber am Ecktiſch. Der Vater
lehnte in der Sofaecke und rauchte ſeine liebe lange Pfeife. Den
Hinterkopf ſtützte er dabei gern gegen den roten
Mahagony=
rahmen des Sofas.
Der Vetter hockte halbwegs nur auf einem der windigen
vier Rohrſtühle. Mehr ſtanden nicht in der Stube. Meiſtens hatte
rden mit dem eingeriſſenen Geflecht erwiſcht. Er hockte auf der
runden Stuhlkante und wippte nach ſeiner aufgeregten Art mit
dem Stuhl hin und her. Mein Vater ſagte alle Augenblicke:
„Lieber Emil, der liebe Gott — —” Und dann ſetzte ſich der
liebe Emil feſter, wenn auch nur für kurze Zeit. Denn dieſer
Satz ging urſprünglich ſo weiter: „Der liebe Gott hat uns
Men=
ſchen zum Sitzen den ganzen Allerwerteſten gegeben. Alſo tun
wir danach!"
Der „Liebe Gott” aber war es, um deſſentwillen der Vetter
den alten Onkel aufſuchte. Der Theologe und zukünftige Paſtor
witterte Volkstümlichkeit in ihm und wollte nach Luther: den
Leuten auf’s Maul ſehen.
Er brachte alſo das Geſpräch über das Wetter und die
letz=
ten Hiobspoſten aus der Zeitung möglichſt ſchnell auf den lieben
Gott.
„Warum ſagen wir eigentlich: lieber Gott?” fragte er den
Vater.
Der Vater legte ſich behaglich breit zurück ins Sofa und
blies einen langen Rauch aus ſeiner Pfeife.
„Hm — ich ſage auch: meine liebe Pfeife.”
„Das hat aber doch, meine ich, einen weſentlich anderen
Sinn” — entgegnete der Vetter.
„Lieber Junge” — ſagte der Vater, unterbrach ſich aber
ſo=
fort ſelber und meinte lachend: „Siehſt du, warum ſag’ ich:
lieber Junge!”
„Ja, aber” — fiel ihm der Vetter wieder in’s Wort — „du
ſagſt es zu mir, jedoch in unſerem Falle mußte ich es doch zu
dir ſagen. Und ich ſage es nicht.”
„Ja, ſiehſt du, lieber Junge, das iſt nun wieder dein Fehler,
daß du das nicht ſagſt. Ich habe nicht das Allergeringſte
da=
gegen. Aber ſieh dieſe Roſe hier im Glas. Das Glas iſt
ge=
ſprungen, aber das ſchadet nichts. Iſt dieſe Roſe nicht
wunder=
ſchön? Man ſieht es, man braucht es gar nicht erſt zu ſagen. Es
iſt beinah ärgerlich, wenn man’s erſt geſagt hat, ne Roſe iſt
eben ne Roſe. Und ſo iſt der liebe Gott auch immer der liebe
Gott. Auch wenn’s kein Menſch ſagen würde, wenigſtens, ſoweit
man Deutſch redet. Aber am Ende biſt du dafür noch zu jung,
um es recht zu begreifen.
Der Vater tat neuerlich einen langen Zug aus ſeiner Pfeife
und atmete tief und wies mit der borkigen Rechten auf ſeine
furchige Stirn und dann auf ſeine Bruſt und ſagte: „Das weiß
man nicht da oben, ſondern das fühlt man hier.” Nach ſolchen
Reden war immer eine lange Pauſe. Selbſt der Vetter war ſtill.
Er rieb ſich nur ab und zu die Augen unter der Brille hinweg,
wenn ihm der blaue Rauch vom Varinas Knaſter gerade in’s
Geſicht gezogen war. Ich glaube auch, er repetierte den
gehab=
ten Dialog in ſeinem Theologengehirn.
Ein andermal war der Vater der Frager und meinte: „Wo
war nun eigentlich das Paradies, darin die Eva den Adam
genasführt hat, dieſe ganze verflixte Geſchichte, ohne die wir es
alle viel bequemer gehabt hätten auf dieſer Welt?”
Das war nun die Pauſe bei dem Vetter Emil. Dann legte
er ſehr weit aus und redte von Indien und Meſopotamien und
kam danach auf die Eiszeit und auf die Völkerwanderung und
wollte gerade ſeine aufmarſchierten Prämiſſen zur logiſchen
Concluſio ſammeln — als der Vater ihn lachend unterbrach:
„Papperlapapp! — Mach’s kürzer: wenn’s draußen ſchneit, ſitzt
man lieber in der geheizten Stube, weil man eben nicht gern
friert. Und du willſt alſo ſagen: darum phantaſierte man ſich das
Paradies zurecht. So eine Art Seelenwärmer! Es war alſo gar
nicht und nirgendwo wirklich da?‟
„Aber Onkel, begreife doch — nach den neueſten —
„Papperlapapp!” ſagte der Vater wieder, aber diesmal
lachte er nicht. Er nahm ſogar die Pfeife aus dem Mund.
„Wenn das Paradies keine Wirklichkeit geweſen iſt, dann iſt die
ganze Bibel keine Wirklichkeit” — — Und wieder mit einem
Lächeln: „Aber hörſt du JHN denn nicht rufen: Adam, wo
biſt du? — Du biſt noch zu jung, mein Junge! Ich bin zwar
noch nicht im Paradies geweſen. Aber rufen hören hab’ ich’s.
Darauf kannſt du dich verlaſſen. Es iſt mir kalt über den Rücken
gekrochen, und ich habe mit Zittern geantwortet: Hier
bin ich! —‟
Danach machte der Vater einen gewaltigen Rauch aus ſeiner
Pfeife, daß ſein Geſicht für einige Augenblicke nicht zu erkennen
war, und beide ſchwiegen ſtill. Auf dem Pfeifenkopf waren Adam
und Eva abgebildet, links und recht vom Baum der Erkenntnis
des Guten und Böſen. Und der Apfel hing gerade über ihnen
und Eva hab den Arm danach. Aber daran dachte der Vater
wohl nicht.
Einmal — weiß ich mich zu entſinnen — kamen ſie auf das
Fliegen zu ſprechen. Es gab damals noch keine Flugzeuge, es
ſurrten keine Propeller, ſchnurrten noch keine Autos.
Der kluge Vetter legte den langen Zeigefinger der linken
Hand an die lange Naſe und meinte: es ſei doch möglich und
ſchon Lionardo da Vinei — — — Aber der Vater fuhr ſofort
dazwiſchen: „So meinſt du, wir werden demnächſt mal nach dem
Mond fliegen — wie ein verbeſſerter Münchhauſen — — he?”
„Nun, nach dem Monde nicht gerade”, wich der Vetter aus
und verſuchte aufs neue über ſeinen Lionardo auf die Engel zu
kommen, die ſeinen theologiſchen Abſichten immerhin näher lagen.
Doch der Vater lachte: „Papperlapapp! Die Fiſche ſchwimmen.
Die Vögel fliegen. Und wir und die vierbeinigen Tiere laufen.
So hat es der Herrgott angeordnet und ſo bleibt es. Rede, was
du willſt! Was ſollte es auch groß? Die Erde, die liebe Erde‟
rief er entzückt aus und hundert Wunderfalten ſpielten über ſein
Geſicht, „die liebe Erde! Wir können gar nicht nahe genug an
ſie herankommen. Grab ein Loch, Junge! Pflanz einen Baum
hinein! Begieß ihn fleißig und pfleg’ ihn. Vielleicht kannſt du
ſelber noch unter ſeinem Schatten ſitzen! So dankbar iſt die Erde.
Da hocken wir nun einer über dem andern zwiſchen den
Mauern! Sieh’ nicht aus dem Fenſter, Junge! Ach, die verfluch=
Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages Albert
Langen / Georg Müller, München, veröffentlichen
wir aus dem Bändchen „Die feſtliche Weltreiſe des
Dichters Dauthendey” den folgenden Abſchnitt, der
mit dem bezaubernden Schimmer und Klang ſeiner
Sprache zu den erwählten Zeugniſſen der deutſchen
Dichtung gehört.
Liebes Kind, alles iſt ſeit Ewigkeit da. Nicht bloß wir ſind
deine Eltern, alle Dinge ſind deine Eltern, ſo lange du klein
und unbeholfen biſt. Achte gut auf alle Dinge. Alle haben dir
etwas zu ſagen, alle können dir helfen. Wir, die du deinen
Vater und deine Mutter jetzt nennſt, wir, wenn wir ſcheinbar
von dir fortgehen und du uns eine lange Zeit nicht ſehen
ſoll=
teſt, wir bleiben doch in allen Dingen, die du ſiehſt, um dich.
Wir Menſchen alle und alles Leben können die Geſtalt
ver=
ändern, wenn wir es müde ſind, Menſchen, Tiere oder Pflanzen
geweſen zu ſein. Aber wir gehen niemals fort, niemals ganz
fort von dir, von der Welt. Vielleicht wird deine Mutter eine
Wolke, vielleicht wird dein Vater ein Blitz, vielleicht werden
wir Singvögel, vielleicht werden wir zuſammen eine Blume
in einem Blumentopf an deinem Fenſter. Vielleicht werden wir
ein paar Mondſtrahlen, vielleicht ein paar Sonnenſtrahlen.
Viel=
leicht ſind wir ein Stück Brot, das du ißt, vielleicht ein Schluck
Waſſer, den du trinkſt, vielleicht eine Uhr, die neben dir tickt,
vielleicht ein Haus und ein Garten, in dem du wohnen wirſt.
Denn ſieh, es wird nichts um dich geben, was wir nicht
verden können, und es gibt nichts um dich, was nicht ſo innig,
ſo gut und lieb Freund zu dir ſein kann, wie wir es jetzt zu
dir ſind, während wir am Tiſch und am Bett bei dir ſitzen.
Und du kannſt überall zu uns kommen und nah bei uns
ſein. Denn, ſieh, du biſt ſo gut wie wir in und bei allen Dingen
zu Hauſe und ſollſt dich darum vor keinem Leben fürchten.
Aber es iſt doch eine andere Welt in der Welt, mein Kind.
Alle Dinge, zu denen du mit den Händen und Füßen, mit den
Augen und Ohren, mit deiner Menſchengeſtalt kommen kannſt,
alle dieſe, denen du dich ſo nähern kannſt auf der Erde, ſie und
du ſelbſt leben noch in einer andern Welt, in einer weltfernen
Welt. Und du und wir alle ſchicken unſere Geſtalt auf die Erde,
ſo wie du deine Stimme über den Fluß hinüberſchicken kannſt,
ſo wie du einen Brief in die Ferne ſchicken kannſt, oder ſo wie
dein Schatten vor dir eilen kann oder ſo wie der Schatten einer
Wolke, die oben am Himmel ſteht, unten über die Aecker der
Erde gehen kann.
Oder wie das Licht der Sonne und des Mondes durch das
Zimmer gehen kann, ohne daß die Sonnenkugel oder die
Mond=
kugel ſelbſt durch die Tür in das Zimmer kommen. Oder wie du
eine Blume, die ſtark duftet, im Dunkel riechen kannſt und ſie
alſo bemerken kannſt, ohne ſie zu ſehen, ſo leben wir alle in
zwei Welten zugleich.
Dort in der weltfernen inneren Welt, dort wohnt die Kraft
aller Dinge. Dort wohnt alle unſere Kraft zuſammen. Dort gibt
s dann nicht Vater, nicht Mutter, nicht Kinder. Dort ſind wir
ten Straßen! Wir ſind viel zu weit von der Erde weg. Und
fliegen? — — fliegen? — — Dummes Zeug!
Des Vaters Geſicht ward ſeltſam ſtumm und feierlich. Er
ſchwieg, und die Pfeife entglitt ſeiner Hand. Er dachte wohl
n ſein Grab.
Ich habe den Vater lange angeſehen. Ich wußte damals
noch nicht, daß er einſt Bauer geweſen war mit Haus und Hof
und Kühen und Pferden und Saat und Ernte. Das wußte ich
damals noch nicht.
Schließlich ſpürte der Vater wohl, daß er eine Art Köder an
der theologiſchen Angelſchnur des gelehrten Herrn Vetters ſein
ſollte. Das ging ihm gegen den Strich.
Als Vetter Emil wie gewöhnlich wieder eines
Sonntags=
nachmittags erſchien, ſtellte mein Vater die Frage: wieſo es
an=
ginge, daß die neuen elektriſchen Straßenbahnen (er führe zwar
ſein Lebtag nicht damit!) wieſo es anginge, daß ſie ohne
Pferde=
geſpann vorwärts kämen?
Der Vetter ſah ihn verdutzt an. Er berſuchte, der Frage
lächelnd eine philoſophiſche Wendung zu geben — wir wüßten
ja auch nicht, warum die Erde ſich drehe. Aber mein Vater
wiederholte ſtereotyp: wieſo es möglich ſei, elektriſch zu fahren.
Er verlange es von ihm als dem jungen und gelehrten
Men=
ſchen klipp und klar.
Da ſagte der Vetter gekränkt: das wiſſe er nicht. Das ginge
ihn als Theologen auch gar nichts an.
Da lachte mein Vater hart und laut und ſtieß mit dem
ſchweren Pfeifenkopf mitſamt dem Paradieſe und Adam und
Eva an das Tiſchbein und ſagte: „Mein lieber Junge: „Was
wollen wir beide über Gott reden und über Himmel und Hölle
und was weiß ich — wenn du mir das nicht einmal aus dem
FF herſagen kannſt! Das muß doch ſehr viel einfacher zu
er=
klären ſein als Jenes, das hinter den Wolken und hinter den
Sternen und über unſerem Verſtande iſt. — Geh und lerne es,
und wenn du es mir genau ſagen kannſt, ſo komme wieder!
Adieu.”
Der Herr Vetter iſt nicht wiedergekommen.
Manchmal, wenn mein Vater danach in ſeiner
Sonntag=
nachmittag=Sofaecke ſaß, lachte er ſtill vor ſich hin und murmelte:
„Dieſer Hallunke! Mich ausbeuteln zu wollen! Mich ausbeuteln
zu wollen! — Und den lieben Gott dazu"
Zur deutſchen Vorgeſchichte.
Carl Schuchardt, Deutſche Vor= und Frühgeſchichte in
Bildern. Verlag Oldenbourg 1936. 80 Tafeln. 3,80 Mk.
Der Verſuch, die deutſche Vor= und Frühgeſchichte in ihrem
Geſamtverlauf von den erſten Anfängen bis ins hohe
Mittel=
alter auf nur 80 Bildtafeln zu veranſchaulichen, bedeutet
Be=
ſchränkung auf das Allerweſentlichſte und Verzicht auf alle
Ein=
zelheiten. Eine Aufgabe, der Schuchardts Neigung zum
Auf=
ſpüren der großen Zuſammenhänge im altweltgeſchichtlichen
Ge=
ſchehen beſonders entgegenkommen mußte. Danach wurde unter
den ungeheuren Fundmaſſen mit klugem Bedacht ausgewählt,
dabei gelegentlich auch Unbekanntes abgebildet, zumeiſt in guten
photographiſchen Aufnahmen, zwiſchen denen die wenigen
Strich=
zeichnungen dann doppelt kalt und leblos ſtehen. Stark vertreten
ſind Bilder von Wohnſtätten, Gräbern und Wehrbauten, an
deren wiſſenſchaftlicher Erforſchung Schuchardt beſonders
rühm=
lichen Anteil hat. Das Bilderwerk nimmt ausdrücklich Bezug
auf des Verfaſſers „Vorgeſchichte von Deutſchland”, es iſt gedacht
als eine gewiſſe Ergänzung zu dieſem.
Ein Forſcher vom Range Schuchardts hat Anſpruch darauf
mit ſtrengſtem Maße gemeſſen zu werden, und ſo dürfen
Be=
denken nicht unterdrückt werden, die ſich verſchiedentlich
ein=
ſtellen. Daß gelegentlich außerdeutſche, doch Gebiete gleichen
dann eine Stärke. Dort ſind tauſend Männer wie ein Mann,
tauſend Frauen wie eine Frau, und dort ſind Mann und Frau
ſo eng umarmt, daß ſie eine Kraft ſind, ohne Anfang und
ohne Ende, eine ſtarke Schöpfer= und Liebeskraft. Und dort m
der Weltferne ſind wir in jedem Augenblick, wenn wir uns in
uns verſenken.
Horche immer auf alle Lebensregungen um dich. Denn die
Kräfte aller Leben ſind in dir. Du kannſt alle Leben verſtehen,
wenn du willſt, und alle Leben verſtehen dich.
Denn es iſt nur ein Schein, daß du getrennt, ſcheinbar
ein=
ſam oder verlaſſen umhergehſt. Du biſt nicht bloß der Menſch,
den du im Spiegel ſiehſt. Du biſt zugleich mit deiner inneren
Welt in allem Leben, und alle Erſcheinungen und Geſtalten ſind
in dir.
Bedenke immer: du haſt die größte Macht, und hatteſt ſie
ſeit Tauſenden und Tauſenden von Jahren, das Feſt des Lebens
zu feiern, und wirſt dein Schöpferfeſt weiterfeiern, Tauſende
und Tauſende von Jahren ohne Ende.
Tiere, Pflanzen, Bäume, Steine, Holz, da ſie mit dem
Men=
ſchen Weſen und Glieder desſelben ewigen Lebens ſind, ſo
können ſie und auch die „toten‟ Dinge ihr Leben einander und
den Menſchen mitteilen. So gut wie der Vogel den Menſchen
überzeugen kann, wenn der ſich in des Vogels Leben vertieft, wie
ſchön es dieſer in der Luft hat, ſo können auch die Gegenſtände
im Zimmer zum Menſchen überzeugend reden und können von
ihrer Zufriedenheit, von ihrer Friſche, von ihrem Alter, ihren
Krankheiten und ihren Erinnerungen zu dir, Menſch, reden.
Und dieſe Gedanken und Gefühle, die dir, Menſch, beim
Anblick toter Dinge im Herzen zu reden beginnen, das iſt die
Sprache der ſtummen Dinge. Höre darum deinen Gedanken un.
Gefühlen zu, wenn du vor der Welt und ihren Dingen ſitzt,
Das ganze Leben iſt im Grunde ein mächtiges Feſt, das wir
alle zuſammen ſeit ewigen Tagen begehen. Die verſchiedenen
Geſtalten des Lebens, Menſchen, Tiere, Pflanzen, Steine,
Gegeu=
ſtände, Lichtſtrahlen und Schatten, alle ſind Millionen feſtlicher
Kleider, in denen die Schöpferkraft, die in jedem Leben wohnt,
zur Feſtfeier erſcheint.
Ueber eurem äußeren und eurem inneren Leben, die
wirk=
lich und unwirklich zugleich ſind, iſt wirklich allein eure Schöpfer
kraft. Sie iſt ewig und unendlich wirkend, ſie war ſeit ewiget
Tagen euer Eigentum. Sie erſchafft euch Lebensgeſtalt um
Lebensgeſtalt. Sie erſchuf und vernichtet eure Geſtalt und alle
Geſtalten um euch. Sie macht euch zum Geſchöpf und Schöpfer
Sie kann euch nie genommen werden. Sie iſt euer unendlicher
Beſitz und läßt euch ein unendliches Feſt feiern, ohne Müdigkeit,
ohne Eintönigkeit, ein unendliches Schöpferfeſt.
Und ſeht noch einmal um euch! Alles, was ihr um euch
empfindet, das ſeid ihr ſelbſt. Nicht bloß euer Kleid ſchuft ihr
euch, eure Schöpferkraft durchſtrömt alles und alle Leben, alle
lebenden und toten Dinge um euch. Nie ſeid ihr allein,
nie einſam, nie ſollt ihr ängſtlich ſein.
Ihr ſeid der Beſitz aller, und ihr beſitzt alle
— ihr ſeid Geſchöpf und Schöpfer zugleich.
Kulturkreiſes entſtammende Dinge abgebildet werden, kann nicht
ernſtlich beanſtandet werden, wenn man ſich auch ausgerechnet
für das Titelblatt einer deutſchen Vorgeſchichte lieber eines der
mächtigen deutſchen Groß=Steingräber wünſchen möchte als ein
uusländiſches. Da der Verfaſſer keine germaniſche, ſondern eine
deutſche Vorgeſchichte geben will, müſſen auch die
nicht=
germaniſchen Kulturen auf deutſchem Boden entſprechend
be=
rückſichtigt werden. Während aber die ſlawiſche Kultur mit zwei
Tafeln vertreten iſt, muß ſich die römiſche mit den ziemlich
un=
wichtigen Felskritzeleien vom Brunholdisſtuhl begnügen, obwohl
ſie der deutſchen Kultur doch ganz andere Werte geboten hat
als jene. Die mit der Römerzeit immer ſchärfer und klarer
her=
vortretenden germaniſchen Stammeskulturen ſind nur
oberflac=
lich geſchieden, wobei der reiche Kulturbeſitz der Franken ebenſo
zu kurz kommt wie die Erſcheinungen der Karolingerzeit, obwohl
ſie doch die Grundlage für die Kultur des deutſchen Mittelalters
bilden. Daß der Verfaſſer auch hier gewiſſe eigene Hypotheſen
vertritt, auch wo ſie von der allgemeinen Lehrmeinung abgelehnl
werden (wie den germaniſchen Charakter der „Lauſitzer” Kultur
der Bronzezeit, die Entſtehung der Kelten aus den
Michels=
berger Pfahlbaumenſchen der rheiniſchen Steinzeit, die
Entwia=
lung der ſpätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur aus der
vorher=
gehenden der Hügelgräber u. a. m.) iſt begreiflich. Für die
Pfahlbauten wird leider das längſt als irrig erkannie
Reinerthſche Schaubild gegeben. Für den Aufbau der ſteinzeil
lichen Pfahlbauten wird (mit Recht) die ſicher gleichartige,
zu=
fällig erhaltene Wandkonſtruktion aus dem hallſtattzeitlichen
Ge=
höft von Buchau angezogen, doch ohne Hinweis auf die andele
Zeitſtellung. Hallſtatt= und Latenekultur ſind in den
Tafelüber=
ſchriften nicht hinreichend getrennt.
Trotz der angedeuteten Schatten, bei viel Licht nun einmal
nicht zu vermeiden, gibt das Buch als Ganzes geſehen eit
ſchönes und eindrucksvolles Bild von dem Reichtum und der
Bedeutung der altweltgeſchichtlichen Probleme, deren Löſung del
Vorgeſchichtswiſſenſchaft als hohe nationale Aufgabe geſtellt iſt
Prof. Dr. Fr. Behn, Mainz=
Anton Dörfler: Der tauſendjährige Krug. Roman. Ausgezeichhe.
mit dem Volkspreis für deutſche Dichtung 1935. Eugen
Diederichs Verlag, Jena.
Wie der Töpfermeiſter Konrad Heffner kunſtvoll ſeine Kruge
formt, wie ihm die Formen aus der Hand erwachſen, ſo mas
dieſes Buch entſtanden ſein. Es geht um das Schickſal
eine=
alten Handwerkerfamilie in Mainfranken. Jede Sekunde Gege!”
wart iſt zugleich hundertfache Vergangenheit. Der alte Topſe‟
meiſter, ſein Konflikt mit den Söhnen, ſein Kampf um dee
letzten, der ihm geblieben . man fühlt da die innere Wall
heit, man fühlt die Geiſter aus einer alten Ahnenreihe mi
kämpfen um Vater und Sohn. Es iſt ein heißer Kampf. "
dieſem ſcheinbar behäbigen Milieu, ein Kampf, der um
di=
letzte geht, um Generationen, die verſchwunden ſind und de
erſt kommen werden.
Anton Dörfler verſteht und liebt das Handwerk, wie nur ei"
Künſtler es verſtehen und lieben kann, wie nur einer, der I
die wahren Zuſammenhänge weiß und fühlt, wie die Kühſ
aus dem Handwerk emporwächſt. Sein Werk iſt reif, es Inn
ausgeglichen in ſich, wie die Menſchen und die Natur und aus”
in dem gottbegnadeten Mainfranken. Seine Geſtalten weld.‟,
lebendig, man lebt mit ihnen, ſie ſind wie alte Bekannte, I."
glaubt ihre Züge ſchon in uralten Holzſchnitzereien geſehen.!"
haben. Und lange, wenn man ſchon das nachdenkliche Buc
niedergelegt hat, glaubt man noch inmitten ſeiner urſpruns.
lichen Geſtalten zu leben, umgeben von der mainfränkiſcl"
Landſchaft, in der Autor und Werk ſo ſelbſtverſtändlich erwachl."
ſind, wie die Krüge des alten Konrad Heffner aus dem 2.
en, ober
drum
ſen.
Ndellos
Samstag, 28. Dezember 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 355 — Seite 17
Kleines Ski=AbC.
A. Sp. Ich habe zu Weihnachten eine Reiſe in den Schnee
gſchenkt bekommen und möchte mich nun dafür zweckentſprechend
usſtatten. Ich bin im Skilaufen ein ganz unbeſchriebenes Blarr
ud möchte gern wiſſen, was zu einer
ſportgerech=
tin Ausrüſtung gehört.
Zu dem fabelhaften Weihnachtsgeſchenk können wir Ihnen
ur gratulieren.
Was für die perſönlichen Bedürfniſſe bei der Ausrüſtung für
dn Skiſport am zweckmäßigſten iſt, ſtellt ſich erſt im Laufe der
Uhre mit der Erkenntnis der beſonderen Begabung und mit der
mchſenden Erfahrung heraus. Für den Anfänger iſt es vor allem
enmal wichtig, einige grundſätzliche Fragen zu überlegen, um aus
dr Fülle deſſen, was er in Sportgeſchäften und Modezeitungen
ſiht, das herauszufinden, was für ihn am geeignetſten und vor
alem ſportgerecht und wetterfeſt iſt.
Der Anfänger ſoll bei der Ausrüſtung nicht zu ſparſam ſein.
Yollen Sie Freude am Skiſport haben, und raſche Fortſchritte
machen, ſo muß alles tadellos ſitzen und nicht ſchon bei den erſten
Prſuchen verſagen. Ewig hält zwar beim Skilauf nichts — das
e hier gleich vorausgeſchickt — aber bei keinem anderen Sport
die Güte und Zweckmäßigkeit ſo wichtig, wie bei der weißen
Kunſt.
Bei der Wahl der Skier hat man ſich heute zwiſchen Hikory
ud Eſche zu entſcheiden. Alle anderen Holzarten haben ſich nicht
bwahrt. Das Holz muß hart und elaſtiſch zugleich ſein. Hikory
iſ teurer und ſchwerer als Eſche, weshalb es für Anfänger, die
Geldbeutel und Schulter nicht ſo ſtark belaſten wollen, weniger
i Frage kommt. Beim zweiten Paar kann man dann immer noch
Hkory wählen, wenn man ſich inzwiſchen zu einem guten
Touren=
läufer entwickelt hat. Die Frage der künſtlichen Ski=Kanten ſpielt
für den Anfänger keine Rolle.
Wichtig iſt die Bindungsfrage. Selbſtverſtändlich
be=
mtzt man eine Aufſchraubbindung. Diagonalzug oder Ferſenzug
ſnd wertvolle Hilfen für den Touren= und Abfahrtsläufer. Von
goßer Bedeutung für den Sitz des Stiefels in der Bindung iſt
de Form der Backen. Sie müſſen genügend lang und hoch ſein,
drfen aber nicht am Oberleder reiben.
Beim Skiſtiefel iſt das Beſte gerade gut genug. Vielfach
urd es für einen Vorzug gehalten, wenn das Oberleder aus
enem Stück gearbeitet iſt. Es gibt auch vereinzelt ſchon weibliche
Siſtiefel mit Haken ſtatt Oeſen. Warum ſollen auch die Herren
dr Schöpfung allein den Vorzug genießen, die Stiefel ſchneller
a= und ausziehen zu können? In dieſem Winter ſieht man
be=
ſaders bequeme Modelle aus geſchmeidigem Juchtenleder deren
Shaft vorne etwas niedriger iſt als hinten, was ſich beim Beugen
dr Knie beſonders angenehm bemerkbar macht. Manche ſchwören
af die Gummiſohle — bei uns bereits wieder etwas aus der
Node gekommen — weil ſie die läſtige Stollenbildung verhindert.
Der teuerſte Skiſtiefel kann aber verdorben werden, wenn man ihn
fülſch behandelt. Die Gefahr des Austrocknens und Hartwerdens
i viel weniger groß, als man im allgemeinen glaubt.
Ueber=
iäßiges Schmieren und Oelen verdirbt das beſte Leder. Es wird
ddurch nur ſchwammig und waſſerdurchläſſig. Am zweckmäßigſten
i die Behandlung mit einem guten Schuhwachs. Das Innenfutter
dis Schuhs ſoll aus Leder ſein. Stoff= oder Filzfütterung hat ſich
ncht bewährt.
Das „Wachſen” der Skier iſt eine Wiſſenſchaft für ſich, die
din Anfänger leicht abſchreckt. Im Handel iſt mindeſtens
hunder=
terlei Wachs zu haben. Es ſoll aber außerdem noch Leute geben,
die ſich ihr Spezialwachs ſelber miſchen. Mit einem einzigen
Nachs kommt man nicht aus. Auf das Grundwachs, das in den
Ei eingebügelt oder aufgepinſelt wird — es gibt heute zu dieſem
weck praktiſche kleine Bügeleiſen, die mit Spiritustabletten
ge=
hizt werden und mit denen man auch in die Laufrinnen der Skier
liicht hineinkommt — wird das Steig= und Gleitwachs
aufgetra=
gn. Wer Felle benützt, reicht mit einem Steig= und Gleitwachs.
E braucht außerdem nur ein Stückchen Paraffin für den Fall,
diß die Skier bei der Abfahrt nicht ſchnell genug ſind. Wer ohne
Felle geht, muß für jede Schneeart ein anderes Wachs benutzen
und ſich mit einer ganzen Wachsapotheke ausrüſten.
Bei den Fellen erhebt ſich die Frage, ob man Schnall= oder
Hebefelle wählt. Schnallfelle ſind ſchwerer, aber Klebfelle ſind nur
mit einer gewiſſen Kunſtfertigkeit zu befeſtigen. Auf alle Fälle
wüſſen ſie genügend breit ſein. Seehundfelle ſollen aus möglichſt
lungen Stücken ſein, aber mit kurzem, hartem Haar. Statt der
Feehunde” haben ſich in den letzten Jahren die Plüſchfelle ſehr
hwährt, die heute auch weſentlich billiger ſind.
Unter den Stöcken ſind die Haſelnuß=Stöcke am
preiswerte=
ſtn, aber auch am ſchwerſten. Tonkinſtöcke ſind die leichteſten und
drum auch ſehr beliebt. Stöcke mit Zelluloidüberzug halten
län=
gir, aber auch nicht ewig. Schneeteller aus Metall oder Gummi
hben ſich als unpraktiſch erwieſen.
Die Skikleidung iſt ein Kawitel für ſich. Die Anfängerin
wählt ſie leicht zu bunt und zu warm und ſieht mehr auf die
wodiſche Aufmachung, als auf Zweckmäßigkeit. Wir können Ihnen
ur den Rat geben, fürs erſte nicht zu ſehr vom Alltäglichen
abzu=
michen. Extravaganzen kann man ſich nur erbquben, wenn man
tdellos fährt, ſonſt wirkt der Anzug eher lächerlich als elegant.
Froſtbehandlung.
R. R. Ich habe wieder wie alljährlich Froſt in den Händen.
Vie kann ich wirkſam dagegen angehen?
Wenden Sie allabendlich Handbäder an, um zu verhüten,
diß ſich dieſes Winterleiden verſchlimmert und letzten Endes in
offene Froſtballen übergeht, die nur ſehr ſchwer heilen und ſehr
ſomerzhaft ſind.
Zu dieſen Handbädern füllen Sie in ein Becken ſo heißes
Yaſſer, wie ſie es nur irgend vertragen können, und fügen nun
z einem
Alaunbad auf je 1 Liter Waſſer 1 Eßlöffel Alaunpulver
hi. Weiter iſt auch ein
Arnicabad zu empfehlen, zu dem man je 1 Teil
Arnica=
inktur auf 3 Teile Waſſer rechnet. Zum
Eichenrindenbad nehme man auf je 1 Liter Waſſer
1gehäuften Eßlöffel Eichenrinde, die man darin ½—1 Stunde
longſam kochen läßt, worauf man dieſen Abſud durch ein Sieb
fült.
In dieſe Bäder halten Sie die Hände bis zu den Gelenken
und breiten noch ein Tuch über dieſe und die Schüſſel, damit das
Bid nicht zu ſchnell abkühlt, und laſſen es 30 Minuten
einwir=
kei. Eventuell erwärmen Sie das Bad nochmals. Darauf müſſen
die Hände gründlich mit einem Frottierhandtuch oder kräftigem
Gerſtenkorntuch trocken gerieben und mit Kampferſpiritus oder
Kölniſchem Waſſer eingerieben werden. Empfehlenswert iſt auch
dis Tragen von Wollhandſchuhen während der Nacht.
Vor allen Dingen ſchützen Sie die Hände auch im Freien ſtets
mit warmen Handſchuhen, um nicht die ganze Kur wieder in
Fage zu ſtellen. Erwähnt ſei ferner noch, daß das Tragen von
Oderhandſchuhen bei froſtempfindlichen Händen zu vermeiden iſt,
eſenſo müſſen auch die Trikot= oder wollenen Strickhandſchuhe
hiquemen Sitz haben, da jede Umſpannun= den Blutkreislauf
lmmt und eine Durchblutung der Hände verhindert.
Nakurkakaſtrophen im Verborgenen.
P. Ph. in M. Sie irren ſich die Erde bebt gar nicht ſo ſelten,
ſon=
dern jedes Jahr viele hundert Mal. Unſere Seismograzhen zeichnen
ale dieſe Beben auf und verlegen ſie ungefähr dorthin, wo man
ihren Herd vermutet. Nur ein geringer Bruchteil dieſer Beben
ideſſen ſpielt ſich in bewohnten Gegenden ab, nur von einem
geringen Bruchteil erfahren wir infolgedeſſen. Der Reſt bleibt
dunkel. Nach Jahren erſt bemerkt man irgendwo in einer
menſchen=
leeren Gegend die Spuren elementarer Kataſtrophen. Spen Hedin
hat z. B. bei der Erforſchung des Innern Chinas mehrere ſolcher
Beobachtungen gemacht.
Rieſenmeteore ſind auf die Erde niedergegangen, die man
erſt nach Jahrtauſenden fand, obwohl ſie einſt für die Bewohner
der umliegenden Gebiete Tod und Vernichtung bedeutet haben
müſſen. Wirbelſtürme von furchtbarer Gewalt toben oft über
dem Zentrum Südamerikas, das noch faſt unerforſcht iſt, meiſt
ohne daß wir etwas davon erfahren. Bei dem furchtbaren
in=
diſchen Erdbeben im Sommer vorigen Jahres dauerte es Wochen,
ehe man einigermaßen die Lage überblicken konnte, weil Gebiete
betroffen worden waren, die abſeits der Ziviliſation und damit
der neuzeitlichen Nachrichtenübermittlung liegen.
L. P. in A. Wie lange kann ein normaler Menſch
den Atem anhalten? Der Menſch kann den Atem bis zu
30 Sekunden leicht anhalten, mit Anſtrengung und mit einiger
Uebung auch bis zu einer Minute; beſonders Geübte, z. B.
Tau=
cher, auch noch länger. Die Einatmungsluft und die
Ausatmungs=
luft ſind in ihrer Zuſammenſetzung verſchieden. Die
Einatmungs=
luft enthält 21 Prozent Sauerſtoff, 0,03 Prozent Kohlenſäure:
die Ausatmungsluft enthält 16 Prozent Sauerſtoff, 79 Prozent
Stickſtoff und 4,4 Prozent Kohlenſäure.
Die Volksſchulen in Preußen.
M. B. Am 15. Mai 1935 wurden nach einer im Auftrag des
Reichs= und Preußiſchen Miniſteriums für Wiſſenſchaft, Erziehung
und Volksbildung vom Statiſtiſchen Reichsamt durchgeführten
Erhebung in Preußen insgeſamt 33 032 Volksſchulen (
einſchließ=
lich Waiſenhaus, Hilfs= und Minderheitsſchulen) gezählt, an
denen 4928 704 Schulkinder unterrichtet wurden. Dieſe Zahlen
umfaſſen 32742 öffentliche Volksſchulen mit 4 908 852
Schulkin=
dern und 290 private Volksſchulen mit 19 852 Schulkindern. Die
Zahl der öffentlichen Volksſchulen, die ſich ſeit 1929 bereits
fort=
laufend vermindert hat, hat ſich gegenüber 1934 weiter um 91
Schulen verringert. Von den öffentlichen Volksſchulen waren,
wie „Wirtſchaft und Statiſtik” feſtſtellt, 69,6 Prozent evangeliſch,
26,6 Prozent katholiſch und 3,7 Prozent paritätiſch. Außerdem
gab es 43 iſraelitiſche Volksſchulen. Die evangeliſchen Schulen
hatten ſich um 58 verringert, die katholiſchen um 29 und die
pari=
tätiſchen um 3. Die Zahl der Schulkinder, die auf eine Klaſſe
entfallen, iſt im Durchſchnitt von 43 auf 42,7 zurückgegangen. Die
Zahl der vollbeſchäftigten Lehrperſonen einſchließlich der Hilfs=
und Erſatzlehrer hat ſich gleichfalls vermindert, und zwar um
1374 auf 108 705. Die Zahl der Schulkinder hat ſich um 97 177
auf 4908 852 geſenkt. Dieſer verhältnismäßig ſtarke Rückgang
ſteht im Zuſammenhang mit der Auswirkung der rückgängigen
Geburtenzahlen der Jahrgänge, aus denen die jetzt in den
Schu=
len befindlichen Schulkinder ſtammen.
Die angehende Volksbibliothekarin.
M. Cl. in E. Die Ausbildung für den Beruf der
Bibliothe=
karin an Volksbüchereien dauert im ganzen drei Jahre und
um=
faßt ſowohl theoretiſche als auch praktiſche Schulung. Abitur iſt
Vorausſetzung. Die theoretiſche Schulung dauert drei Semeſter
und geſchieht in den Bibliothekarenſchulen, von denen ſich je eine
in Berlin und Köln und zwei in Leipzig befinden.
Unterrichts=
fächer ſind Geſchichte der Weltliteratur, Wiſſenſchaftskunde,
Fremdſprachen, außerdem Katalogieren, Stenographie,
Schreib=
maſchine. Die praktiſche Ausbildung dauert 1½ Jahre und wird
meiſt nach dem 2. theoretiſchen Semeſter eingeſchoben. Sie
ar=
beiten während dieſer praktiſchen Ausbildung nicht nur in
ver=
ſchiedenen Volksbüchereien, ſondern auch ein halbes Jahr lang an
einer Beratungsſtelle für Volksbüchereien. Die Ausbildung
ſchließt mit einer ſtaatlichen Prüfung.
Neben literariſchem Intereſſe und Urteilsvermögen verlangt
der Beruf Exaktheit und Ordnungsſinn in der praktiſchen Arbeit
und im Umgang mit dem Publikum nicht nur gute
Umgangs=
formen und oft Geduld, ſondern vor allem ſichere
Menſchenkennt=
nis und ein Fingerſpitzengefühl dafür, welche Bücher für die
ein=
zelnen Kunden paſſen.
H. und S. in S. Wege zur Bühne. In die dem
Staat=
lichen Schauſpielhauſe in Berlin angegliederte Schauſpielſchule
werden Schüler und Schülerinnen im Alter von 16 bis zum
vollendeten 20. Lebensjahre aufgenommen. Die Ausbildung iſt
koſtenlos. Der geſetzliche Vertreter muß ſich aber verpflichten,
während des zweijährigen Kurſus für den Unterhalt des
Schü=
lers aufzukommen. Es werden Schüler mit hervorragender
Be=
gabung aufgenommen. Die Aufnahmen erfolgen im Frühjahr
nächſten Jahres. Baldige Meldung iſt zu empfehlen. Vor der
Aufnahme iſt vor der in Berlin errichteten Prüfungsſtelle (
Keith=
ſtraße 11) eine Eignungsprüfung abzulegen. Auch in Leipzig
befindet ſich eine Schauſpielſchule, angegliedert den Städtiſchen
Theatern. Unterricht ebenfalls koſtenlos.
E. 55. Die Frageſtellung dürfte inſofern nicht genau geſtellt
ſein, als nicht erhellt, ob es ſich bei der Wette um
Lotterie=
anlehen oder Klaſſenlotterien handelt. Zur erſteren
Kate=
gorie gehört die Deutſche Sparprämienanleihe von 1919, die
An=
leihe ſollte 5 Milliarden Mark erbringen, ergab aber nur
3334 Mill. Vielleicht erſehen Sie Näheres aus: F. Endemann,
Beitrag zur Geſch. d. L. und zum heutigen Lotterierecht (Neudr.
1899) und aus dem „Handwörterbuch der Staatswiſſenſchaft”
(Bd. 6) unter Art. L. und Lotteriebeſteuerung.
L. M., Eberſtadt. Wie uns mitgeteilt wird, iſt der derzeitige
Preis für Stanniol 30 Pfg. pro Kilo; Ankäufer für Stanniol
ſind Althändlerfirmen.
Frl. S. in D. Miſpel oder Miſtel. Sie verwechſeln
Miſpel und Miſtel. Die erſtere iſt eine in Europa eingeführte
Kulturpflanze, deren Früchte nach mehreren Fröſten teigig und
genießbar werden. Die Miſtel dagegen iſt eine
Schmarotzer=
pflanze, deren Wurzeln tief in das Holz der Bäume eindringen
und dort die notwendige Nahrung finden. In England gilt die
Miſtel als Weihnachtsſymbol.
Fragen, die an uns gerichtet wurden.
N. R. Gibt es heute noch ſogenannte Kadettenſchulen? Wo
iſt die nächſtliegende? Wohin muß man ſich wenden, um in eine
ſolche evtl. aufgenommen zu werden? Welche Bedingungen
müſ=
ſen erfüllt ſein, wenn man eine ſolche beſuchen will? Wie hoch
ſtellen ſich ungefähr die Koſten? Wielange muß man eine ſolche
beſuchen, um die Offiziers=Laufbahn einſchlagen zu können?
Kann man in eine ſolche aufgenommen werden, ohne eine höhere
Schule beſucht zu haben.
T. Pf. Können Sie mir eine Erklärung des Wortes
Boy=
kott geben?
B. L. in D. Ich wüßte gern Näheres über die Dauer der
Ausbildung für den Beruf des Optikers. Iſt für den Beſuch der
Optikerſchulen in Berlin und Jena Oberſekundareife erforderlich?
W. Bd. in B. Seit wann gibt es eigentlich eiſerne Brücken
und wo iſt die erſte eiſerne Brücke gebaut worden?
Kakteenfreundin. Mein Gliederkaktus, der ſonſt Jahr für
Jahr zur Weihnachtszeit ſehr ſchön geblüht hat, hat dieſes Jahr
gar keine Knoſpen angeſetzt. Das zweite Exemplar derſelben
Gattung, das erſt voller Knoſpen war, verliert jetzt die Knoſpen
vor dem Aufblühen. Worauf iſt das zurückzuführen und wer
rät mir, was da zu tun iſt?
Rechtsfragen des Alltags
Nachbar und Nolweg.
H. St. Der Nachbar benützt ſeit Jahren einen Streifen Ihres
Ackers, um mit ſeinen Fuhrwerken auf eine hinter Ihrem
Grund=
ſtück gelegene Wieſe zu gelangen. Ihr Beſitzvorgänger hat
an=
geſichts des freundnachbarlichen Verhältniſſes
keine Einwendungen gegen die Benutzung dieſes Weges erhoben.
Sie wollen dem Nachbar, mit dem Sie einen Grenzſtreit
auszu=
fechten haben, dieſes Recht entziehen.
Hier ſchlägt § 917 BGB. ein: „Fehlt einem Grundſtücke die
zur ordnungsmäßigen Benutzung notwendige Verbindung mit
einem öffentlichen Wege, ſo kann der Eigentümer von den
Nach=
barn verlangen, daß ſie bis zur Hebung des Mangels die
Be=
nutzung ihrer Grundſtücke zur Herſtellung der erforderlichen
Ver=
bindung dulden.”
Es muß alſo dem betreffenden Grundſtück die
notwen=
dige Verbindung mit einem öffentlichen Wege
fehlen. Das Merkmal der Oeffentlichkeit beſtimmt ſich
beim Mangel reichsgeſetzlicher Vorſchriften nach den
Landes=
geſetzen. Der Umſtand, daß das Grundſtück keine richtige
Verbin=
dung mit einem anderen Grundſtück desſelben Eigentümers
hat, iſt allein, nicht maßgebend. Darauf, ob die Verbindung
dauernd oder nur für Zeit (die vorhandene Verbindung
iſt öfters durch Ueberſchwemmungen oder aus anderen Gründen.
unterbrochen) fehlt, kann es nicht ankommen, zumal das Geſetz
allgemein bloß das „Fehlen” verlangt.
Von einer Notlage wird nicht geſprochen werden können,
wenn der Bedürftige bereits ein ausreichendes Recht auf
Be=
ſtellung eines entſprechenden Wegerechts gegen Dritte hat.
Der Anſpruch auf einen Notweg wird auch dann zuzuſprechen
ſein, wenn der Bedürftige ſich zwar ſelbſt einen Zugang zu dem
öffentlichen Wege verſchaffen könnte, jedoch nur durch
außer=
gewöhnliche und unverhältnismäßig koſtſpielige
Anlagen (z. B. Bau einer Brücke).
Der Anſpruch wird ferner dadurch nicht ausgeſchloſſen, daß das
Grundſtück Verbindung mit einem ſchiffbaren Fluſſe hat.
Daß die Notlage eine unverſchuldete iſt, wird nicht
er=
fordert.
Ein bloßer Leinpfad ſchließt den Notweganſpruch an ſich
nicht aus.
Die Notwendigkeit einer ſolchen Verbindung muß ſich aus der
ordnungsmäßigen Benutzung des Grundſtücks (Gebrauch und
Aus=
beutung desſelben) ergeben. Einerlei iſt, ob die Benutzung der
Eigentümer oder ein Pächter ausübt.
Der Begriff „ordnungsmäßig” darf nie zu eng ausgelegt
werden; entſcheidend iſt der allgemeine Gebrauch in der
Aus=
übung der betreffenden Benutzungsart bei Grundſtücken von der
Natur des betreffenden Grundſtücks bei landwirtſchaftlichen
Grundſtücken auch unter Berückſichtigung der Fortſchritte der
land=
wirtſchaftlichen Technik.
Die Verbindung muß ſchließlich auch notwendig ſein.
Große Länge oder Unbequemlichkeit der vorhandenen Verbindung
iſt kein Grund. Ob die vorhandene Verbindung etwas
koſtſpieli=
ger iſt wie eine andere, ſpielt an ſich keine Rolle; anders kann
die Sache liegen, wenn die Benutzung der vorhandenen
Verbin=
dung den Ertrag des Grundſtücks unverhältnismäßig ſchmälert
oder wenn ſie etwa mit beſonderer Gefahr für Menſch und Tiere
verknüpft iſt.
Sie werden deshalb im vorliegenden Falle dem Nachbar den
Notweg entziehen können, da er ja von der Chauſſee aus auf
einem Feldweg ſeine Wieſe erreichen kann.
Jedenfalls iſt, wenn man Streit mit dem Nachbar vermeiden
will, gütlich ein Notwegrecht durch Vertrag zu regeln,
vorzu=
ziehen. Der Nachbar, über deſſen Grundſtück der Notweg führt,
iſt durch eine Geldrente zu entſchädigen.
Maßgebend für die Höhe der Rente ſind die Wertverhältniſſe
zu dem Zeitpunkt, in dem der Wegebedürftige den Weg in
An=
ſpruch nimmt. Auszugehen wäre von dem Nutzwert oder dem
verhältnismäßigen Mindernutzungswert der zum Wege benötigten
Bodenfläche.
Im Streitfall werden Richtung des Notweges, Umfang des
Benutzungsrechts und Höhe der Rente vom Prozeßrichter durch
Urteil feſtgeſetzt.
X 9 3. Die Beantwortung beider Fragen geſchieht am beſten
mündlich nach Rückſprache vormittags 8.15 Uhr werktags bei der
Schriftleitung.
P. G. 21. 1. Die Antwort kann des Raumes wegen
hier nicht gegeben werden. Wir bitten Nr. 3 und 4 der Rhein=
Mainiſchen Hausbeſitzer=Zeitung vom 1. und 15. Februar 1935
nachzuleſen, die Sie ja wohl bei der Landesbibliothek oder bei
der Städtiſchen Leſe= und Bücherhalle einſehen können. 2. Zur
automatiſchen Treppenhausbeleuchtung zahlen ja die Benutzer der
Einrichtung Beiträge, ſei es monatlich, jährlich oder in anderen
Zwiſchenräumen, da wird es wohl auch, da dieſe Beleuchtungsart
allen Benutzern zugute kommt, angebracht ſein, alle auch zu den
Inſtandhaltungskoſten in gleichem Maße heranzuziehen. Es
empfiehlt ſich Regelung in einer Hausordnung. Die dem
neuen Einheitsmietvertrag angeſchloſſene Hausordnung enthält
über die vorwürfigen Fragen nichts Näheres.
Langjähriger Abonnent in K. Grundſätzlich iſt ein vor
Ge=
richt oder Notar formgerecht abgeſchloſſener Erbvertrag
nicht einſeitig widerruflich. Eine Ausnahme liegt
dann vor, wenn ſich der Erblaſſer (hier alſo der Vater) in dem
Vertrage den Rücktritt vom Erbvertrage vorbehalten hat.
Eine weitere Ausnahme bildet, daß der Erblaſſer von einer
ver=
tragsmäßigen Verfügung im Erbvertrage zurücktreten kann, wenn
ſich der Bedachte (hier die Kinder) einer Verfehlung ſchuldig
macht, die den Erblaſſer zur Entziehung des Pflichtteils
berech=
tigt. Dieſe Gründe zur Entziehung des Pflichtteils ſind in den
88 2333—2335 BGB. aufgeführt. Der Rücktritt vom
Erb=
vertrage bedarf in allen Fällen, der gerichtlichen
oder notariellen Beurkundung, er iſt unwiderruflich.
Hiernach dürfte, wenn ſich der Vater den Rücktritt vom
Erbver=
trage nicht vorbehalten hat oder Gründe nicht vorhanden ſind,
die zur Entziehung des Pflichtteils berechtigen, die Frage zu
verneinen ſein.
B. St. Nach dem Wortlaut des Sondergehäudeſteuergeſetzes
(Faſſung vom 13. Dezember 1930), das von Mietern und
ſon=
ſtigen Nutzungsherechtigten ſpricht, iſt die Frage, ob auch
Einſitz=
berechtigte zur Steuer herangezogen werden können, äußerſt
zwei=
felhaft. Eine bezügliche grundſätzliche Entſcheidung des Heſſiſchen
Verwaltungsgerichtshofes iſt uns nicht bekannt. Da nach Art. 11
des Geſetzes die Verwaltung der Steuer dem
Landes=
finanzamt Darmſtadt obliegt, wäre zu empfehlen, dieſe
Frage dem Landesfinanzamt vorzulegen.
Ph. M. Der Onkel iſt der Anſicht, daß die Frage, wo der
Mieter Holz hacken ſoll, ob im Keller oder im Hofe, am beſten
durch eine Hausordnung ſeitens des Vermieters gelöſt
werde. Nach dem ſeither geübten Brauch möchte der Hof für
das Holzhacken der geeignetere Platz ſein.
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