Einzelnummer 15 Pfennige
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ſyrmber 2—Reiſchsmart und 20 Pfennig
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Franffurt a. M. 4301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit + verſebenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quelſenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 246
Sonntag, den 4. Geptember 1932. 195. Jahrgang
27 mm breite Zelle im Kreiſe Darmſtadt 23 Reichspfg.
Finanz=Anzelgen 38 Reſchspfg. Rellamezelle (92 mm
breitl 2 Reſchsmark Anzelgen von auswärte 35 Reſchspfg.
Finanz=Anzeigen 30 Reſchepfg. 92 mm breite
Rellame=
zeſſe 300 Reſchemark. Alle Preiſe in Reiſchemark
(1 Dollar — 4.20 Marſ. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streikt uſw., erſiſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
auffräge und Teiſung von Schadenerſatz. Bei
Konſurs oder gerſchtiſcher Beltrelbung fäll” ſeder
Rabatt weg. Banſlonio Deuſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
er erſte Schritt zur Reichsreform.
ruißiche Reformwerk. — Reichsreform im Rahmen der Verfaſſungsrede des Reichsinnenminiſſers
Freiherr von Gayl. — Papen ſtrebi Beſeitigung des Dualismus zwiſchen Reich
und Preußen an. — Perſonalunion geplank.
Zeichen der Hindenburg=Linie.
ſon unſerer Berliner Schriftleitung.
ureußiſche Verwaltungsreform verdient weit über die
Areußens hinaus Beachtung, weil es ſich nicht nur um
wbau eines Behördenapparates, ſondern tatſächlich um
ſtin Schritt auf dem Wege zur Verwirklichung der von
hie ung Papen geplanten Reichsreform handelt. Wenn
ſſcherbei nicht mit einer direkten Aktion zu tun hat, ſo
ay doch durch die Entlaſtung der Oberpräſidenten klar
Kbruck gebracht, daß ſie nach der Anſicht Papens und des
ſtiſchen Innenminiſters Dr. Bracht berufen ſein ſollen,
hie Reichsaufgaben mitzuverwalten. Aus dieſem Grunde
ſor jeder Kleinarbeit befreit worden, die auf die Schul=
Regierungspräſidenten abgewälzt wurde.
der neuen Abgrenzung des Aufgabenkreiſes der
Ober=
eu kann alſo geſchloſſen werden, daß die Reichsregierung,
tfermpläne im Innenminiſterium noch Gegenſtand von
lprechungen ſind, die Abſicht hat, mit dem Dualismus
mRe ich und Preußen nun endgültig aufzuräumen und eine
Eoi alunion in der Weiſe herzuſtellen, daß die weſentlich=
Ziſſerien im Reich und in Preußen zuſammengelegt
wer=
it die Oberpräſidenten dazu auserſehen ſind, an der
waltung mitzuwirken, dann ſetzt das voraus, daß das
Innenminiſterium im Reichsinnenminiſterium aufgehen
ſſichts dieſer Tatſache muß man ſich erneut die Frage
welchen praktiſchen Wert dann eigentlich die
Verhand=
wiſchen Nationalſozialiſten und Zentrum noch haben.
iAm die Frage auch umgekehrt ſtellen: Will die Regierung
eien und damit den Reichstag im Ernſt vor vollendete
Eellen? Nach dem ganzen Auftreten Papens iſt damit
n, daß das der Fall ſein wird. Denn Papen handelt nicht
ner Machtvollkommenheit, ſondern er
be=
ſich dabei in Uebereinſtimmung mit dem
Bräſidenten von Hindenburg, deſſen vollſtes
hu er wie die Neudecker Konferenz ergeben hat, beſitzt.
ſils iſt in Neudeck auch über die Verwaltungsreform in
Aug ſprochen worden, die der Reichspräſident gebilligt hat.
Mrmit gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, daß er auch den
Bhrnplänen ſeines Kabinetts durchaus nicht ablehnend
Eſſehe. Unter dieſen Umſtänden wird eine evtl. Einigung
ationalſozialiſten und Zentrum praktiſch ohne jeden
thühen. Denn die Reichsregierung hält, wie ſie verſichert,
ar daran feſt, den einmal eingeſchlagenen innerpolitiſchen
nter zu verfolgen. Wann ſie mit ihren
Reichsreform=
rdie Oeffentlichkeit treten wird, läßt ſich natürlich noch
ütſehen. Der Reichsinnenminiſter von Gayl hat aber bei
iſſungsfeier im Reichstag ſchon in großen Zügen ange=
Eie er ſich den inneren Aufbau des Reiches ungefährt
vor=
preußiſche Verwalkungsreform.
achung und Verbilligung der Berwalkung.
Berlin, 3. September.
ich wird mitgeteilt:
der Sitzung des preußiſchen Staatsminiſteriums vom
Auder 1932 iſt eine Verordnung zur Vereinfachung und
urg der Verwaltung beſchloſſen worden, die von
ender Bedeutung für die Organiſation der preußiſchen
ewaltung iſt und auch eine Anzahl von Reformen
eh meindeverwaltung enthält.
Reform ſteckt ſich als Hauptziele:
euordnung des Verhältniſſes zwiſchen Ober= und
daß präſident;
haliederung der Sonderverwaltungen in die allgemeine
rwaltung;
uorganiſation der Kreisinſtanz;
rke Dekonzentrierung der Verwaltung nach unten.
das Verhältnis zwiſchen Oberpräſident
Aierungspräſident war die
leEſichr auf die zukünftige Reichsreform
S. Wenn Preußen erwarten und verlangen muß,
iner Reichsreform der preußiſche Oberpräſident zugleich
mſſar der Reichsregierung wird, und daß dann ihm
iedenen provinziellen Reichsbehörden unterſtellt oder
ſtit werden, ſo muß der Oberpräſident einmal
rderliche Autorität in allen Verwal=
Eelegenheiten der Provinz beſitzen,
anderer=
von unnötiger Detailarbeit befreit
Oberpräfident ſoll wieder die ihm urſprünglich
Stellung als ſtändiger Kommiſſar der
regierung erhalten.
Schwerpunkt der laufenden Verwaltung
m Regierungspräſidenten.
Sonderverwaltungen, die bisher nur in einem ſehr
erhältnis zur allgemeinen Landesverwaltung ſtanden,
n dieſe völlig eingegliedert. Die Angelegenheiten des
Schulweſens werden dem Oberpräſidenten zugewieſen,
1 hebung der kollegialen Verfaſſung des
Der: Provinzialſchulkollegiums.
landeskulturverwaltung wird unter Auflöſung der
ſerrämter in die Inſtanz des Regierungspräſidenten
drt. Die Kreisbehörden bleiben in ihrer bisherigen
Bkeit grundſätzlich erhalten. Der Landrat, als der
Vertrauensmann der Staatsregierung ſoll aber
die Möglichkeit erhalten, den techniſchen Kreisbehörden
gegen=
über die Notwendigkeiten der allgemeinen Verwaltung zu
ver=
treten. In einigen Regierungsbezirken ſollen Kreisſchulämter,
die aus Landrat und Schulrat beſtehen, eingeführt werden. Der
notwendigen Dekonzentrierung iſt in allen in Betracht
kommenden Inſtanzen Rechnung getragen. Im Verhältnis vom
Regierungspräſidenten zu den Kreisbehörden wird insbeſondere
auf zwei wichtigen Gebieten
die Zuſtändigkeit nach unken verlagerk.
So ſoll der Landrat in Zukunft neben der Kommunalaufſicht
über die Landgemeinden auch diejenige über die Städte bis
10 000 Einwohner übernehmen, und auch an Stelle der
Regie=
rung die Schulaufſicht in den ſogenannten äußeren
Angelegen=
heiten der Volksſchulträger (Schulverbände) führen. Dieſer
Dekonzentration in Verwaltungsſachen entſpricht die
Er=
weiterung der Zuſtändigkeit des Kreisausſchuſſes.
Eine radikale Vereinheitlichung aller Rechtsmittelfriſten ſoll
größere Klarheit in dem unüberſichtlich gewordenen
Verwal=
tungsrecht ſchaffen.
Auch das Oberverwaltungsgericht, auf das die Aufgaben
des bisherigen Oberlandeskulturamtes übergehen, wird
ent=
ſprechend der Entwicklung der Reichsjuſtizgeſetzgebung dadurch
entlaſtet, daß es als Berufungsgericht ausſcheidet und nur noch
auf Reviſion oder — in ſeltenen Fällen — in erſter Inſtanz
zu entſcheiden hat.
Auf dem Gebiete des gemeindlichen Rechtes
enthält die Verordnung einzelne Einzelvorſchriften, die der
Vereinfachung und der Verbilligung der Verwaltung zu dienen
beſtimmt ſind: Anſtellung ehrenamtlicher Bürgermeiſter in kleinen
Städten, Erleichterung der kommiſſariſchen Verwaltung der
Aemter in der Rheinprovinz und Weſtfalen durch ſtädtiſche
Bürgermeiſter in Perſonalunion und umgekehrt. Neugeregelt iſt
das Recht der Zwangsvollſtreckung gegen Gemeinden
und Gemeindeverbände.
Insbeſondere ſoll zwecks gleichmäßiger Befriedigung aller
Gläubiger ein beſonderes Verteilungsverfahren eingeleitet
wer=
den können. Demſelben Zweck ſoll die Befugnis der
Beſchluß=
behörde dienen, unter beſtimmten Vorausſetzungen die
Aus=
gaben der Gemeinden zu vermindern und die außerordentliche
Einſtellung von Mehreinnahmen in den Haushaltsplan, ſowie
die Zwangsverwaltung beſtimmter Vermögensobjekte
anzu=
ordnen.
Inkraftkreken der preußiſchen Verordnung
am 1. April 1933.
Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird die preußiſche
Verordnung zur Verbilligung und Vereinfachung der Verwaltung
am 1. April 1933 in Kraft treten, zu einem Teil allerdings ſchon
früher, nämlich am 1. Oktober 1932. Sie iſt erlaſſen worden auf
Grund der Verordnungen des Reichspräſidenten vom 24. Auguſt
und 6. Oktober 1931, die eine Ermächtigung zum Erlaß von
Ver=
ordnungen vorſehen, die eine Verbilligung und Vereinfachung der
Verwaltung zum Zwecke haben.
Der Charakter der
Skeueranrechnungs=
ſcheine.
Der Skandpunkt der Reichstegierung:
geſek nolwendig.
Berlin, 3. September.
Amtlich wird mitgeteilt:
In einem Teil der Preſſe iſt die Behauptung aufgeſtellt, daß
der Reichsverfaſſung nur auf Grund eines Reichsgeſetzes erfolgen daß über 40 Prozent des Hypothekenkapitals ausfiel,
könne. Hierzu iſt zu bemerken, daß die Steuergutſcheine, die bei
der Zahlung gewiſſer fälliger Steuern und bei der
Mehrbeſchäf=
tigung von Arbeitnehmern ausgegeben werden, nicht dazu dienen,
dem Reiche Geldmittel im Wege des Kredites zu beſchaffen. Sie
ſind keine Kreditſchuldverſchreibungen des Reiches, ſondern
Gut=
ſcheine, die bei ſpäteren Steuerzahlungen zur Anrechnung gebracht von 1929. Dieſe Häufung der Zwangsverſteigerungen war die
werden. Die Reichsregierung bedarf daher zu ihrer Ausgabe
kei=
ner Kreditermächtigung. Sie hätte übrigens z. B. auf Grund des
ſogenannten Schuldentilgungsgeſetzes vom 12. Mai 1932 genügend
Kreditermächtigungen zur Verfügung, um auch
Schuldverſchrei=
bungen auszugeben. Da es ſich um keine Kreditbeſchaffung
han=
delt, kommt auch eine Zurverfügungſtellung von
Einlöſungsmit=
teln, die ſpäterhin in den Etat eingeſtellt werden müßten, nicht in
Betracht. Schon aus dieſem Grunde ſind die in der Preſſe
gezoge=
nen Schlußfolgerungen nicht zutreffend. Im Wege der Notver= Fehler gemacht, die Rente, die die Häufer in den Jahren der
ordnung, die Geſetzeskraft hat, können Steuerſenkungen auch für
die Zukunft vorgenommen werden, ohne daß dadurch die
verfaſ=
ſungsmäßigen Rechte des Reichstages berührt werden.
Die Ueberſchuldung des deutſchen
Grundbeſihes.
Von
Prof. Dr. von Tyſzka, Hamburg.
Die ſchwere Lage unſerer deutſchen Wirtſchaft beruht zu
einem weſentlichen Teil auf der großen Schuldenlaſt die der
deutſche Grundbeſitz heute zu tragen hat. Um Klarheit über
die tatſächliche Höhe der Verſchuldung der deutſchen Wirtſchaft
zu gewinnen, hat das Inſtitut für Konjunkturforſchuaig eine
umfaſſende Unterſuchung darüber veranſtaltet und ſoeben
ver=
öffentlicht. Da zeigt ſich nun, daß gegenüber der Vorkriegszeit
die abſolute Höhe der Kreditverſchuldung der deutſchen
Wirt=
ſchaft zwar keineswegs zugenommen hat, ſie iſt im Gegenteil
geringer geworden. Aber — und das iſt das Bedeutſame —
ſind Aenderungen einmal in der Art der Verſchuldung
ein=
getreten, indem anſtelle von Langkrediten weitgehend kurzfriſtige
Kredite getreten ſind, und zum andern iſt die Zinslaſt
enorm geſtiegen. So entfielen 1913 von dem
Geſamt=
betrag der von der Wirtſchaft aufgenommenen Kredite (117,5
Milk=
liarden) rund 84 Prozent auf Langkredite, dagegen waren 1931
von den 93,6 Milliarden Krediten nur 65 Prozent langfriſtige.
Unſere Wirtſchaft iſt alſo gegenwärtig erheblich ſtärker als in
der Vorkriegszeit kurzfriſtig finanziert, und damit iſt
ein ſtarkes Unſicherheitsmoment in das private Wirtſchaftsleben
hineingetragen; es iſt gewiſſermaßen die Kreditbaſis unſerer
Wirtſchaft labiler geworden. Und dies um ſo mehr, als auch
die Langkredite gegenwärtig weniger ſtabil ſind als in der
Vorkriegszeit; denn 1913 entfielen von den langfriſtigen Krediten
faſt zwei Drittel auf Immobiliarkredite (Hypotheken), Ende 1931
dagegen nur gerade die Hälfte.
Das Wachſen der Zinslaſt gegenüber der Vorkriegszeit iſt
beſonders deutlich beim landwirtfchaftlichen Kredit
zu erkennen. Freilich bleibt auch hier die Verſchuldung im
Nominalbetrag hinter der Vorkriegszeit zurück. Denn die
17,5 Milliarden landwirtſchaftlicher Schulden Ende 1913 ſtanden
Ende 1931 nur 11,8 Milliarden gegenüber. Die Zinslaſt aber,
die 1913 rund 750 Millionen betragen hatte, ſtellte ſich — bis
zur Notverordnung vom 8. Dezember 1931 — auf faſt 1000
Mil=
lionen, und iſt erſt durch die genannte Verordnung auf rund
850 Millionen geſenkt. Dazu kommen noch die gegenüber der
Vorkriegszeit weſentlich erhöhten Steuern, die man für
das letzte Jahr ſchätzungsweiſe auf 650 Millionen annehmen
kann. Hierbei zeigen ſich zwiſchen Weſt= und Oſtdeutſchland
weſentliche Unterſchiede. Eine Unterſuchung von faſt 2000
bäuer=
lichen Betrieben konnte nämlich feſtſtellen, daß in
Weſtdeutſch=
land die Steuerlaſt erheblich größer iſt als die Zinslaſt, während
in Oſtdeutſchland umgekehrt die Zinslaſt größer iſt als die
Steuerlaſt. Auf ein Hektar Beſitzfläche kommen nämlich nach
dieſer Erhebung in Weſtdeutſchland an Schuldzinſen 17,20 RM.,
an Steuerleiſtung dagegen 25,70 RM., in Oſtdeutſchland aber
28,40 RM. an Schuldzinſen und 22,40 RM. an Steuern.
Zurück=
zuführen iſt die ſtarke Ueberſchuldung zu einem Teil darauf,
daß man ſich nicht entſchließen konnte rechtzeitig „abzuſchreiben”.
ſondern immer noch neue Kredite aufnahm, obgleich keine Rente
herausgewirtſchaftet werden konnte. Dadurch wurde zwar die
Kriſe eine Zeitlang verſchleiert, der Zuſammenbruch war aber
dann um ſo ſchwerer.
Die Folge der Ueberlaſtung der landwirtſchaftlichen Betriebe
iſt die immer größere Zunahme von
Zwangsver=
ſteigerungen. Allein im Jahre 1931 wurden im Deutſchen
Reich rund 5000 Betriebe mit einer Fläche von rund 153 000
Hektar zwangsverſteigert. Gegenüber 1927 iſt das eine
Ver=
doppelung der Zahl der Betriebe und eine Vervierfachung der
davon betroffenen landwirtſchaftlichen Fläche. Und das
Bedenk=
liche für den Gütermarkt und den Agrarkredit iſt dabei die
Tat=
ſache, daß ſich die Zwangsverſteigerungen nicht über das ganze
Reichsgebiet gleichmäßig verteilen, ſondern ſich in einzelnen
Landesteilen anhäufen und hier wiederum vornehmlich die
mittleren und größeren Güter betreffen. Beſonders traurig ſieht
es in dieſer Hinſicht in den oſtdeutſchen Landesteilen aus. So
ſind z. B. in Oſtpreußen in der Zeit von 1925 bis Ende 1931
43,2 v. T. der Geſamtfläche zwangsverſteigert, in Pommern
33,7 v. T., in der Grenzmark und in Brandenburg je etwa
20 v. T.; dagegen in Hannover nur 3,1 v. T., in der
Rhein=
provinz nur 1,9 v. T., in Bayern 3,2 v. T.; doch in Schleswig=
Holſtein wiederum 10,8 v. T., in Sachſen 9,5 v. T., und in
Niederſchleſien ſogar 17,3 v. T. Verteilt auf die einzelnen
Betriebsgrößen, zeigt ſich mit wachſender Betriebsgröße ein
er=
hebliches Anſteigen der Anteile der Zwangsverſteigerungen. So
ſind allein im letzten Jahr in der Betriebsgrößenklaſſe 50—100
Hektar 4 v. T. der Geſamtfläche in der Betriebsgröße 100—200
Keine Verfaſſungsverlekung. — Kein neues Reichs= Hektar ſogar 10,3 b. T, dagegen in der Größenklaſſe 5—20 Hektar
nur 1,1 v. T. der Geſamtfläche verſteigert worden. Der ſtarke
Preisdruck, den die Zwangsverſteigerungen auslöſten, hatte
dann zur Folge, daß eine Anzahl Gläubiger vollſtändig
aus=
fielen beſonders die nachſtelligen Hypotheken, die vielfach als
hypothekariſch geſicherte Reſtkaufgelder von vorangegangenen
Gutsverkäufen ſtehen gelaſſen waren. Konnten doch im letzten
die Herausgabe von Steuergutſcheinen im Hinblick auf Artikel 87 Jahre im Reichsdurchſchnitt nur knapp 60 Prozent der
Hypo=
thekenbelaſtung durch den Erſteigerungspreis gedeckt werden, ſo
Auch im ſtädtiſchen Grundbeſitz führten die letzten
Jahre zu einem erheblichen Anſteigen der Zwangsverſteigerungen.
So lag in 13 Städten, für die ſich genaue Unterlagen beſchaffen
ließen, die Zahl der Zwangsverſteigerungen im Jahre 1931
um 44 Prozent über der von 1930 und um 82 Prozent über der
Folge einerſeits der hohen Koſten der Neubauwohnungen, deren
Rentabilität nur bei Mieten, die doppelt ſo hoch waren wie die
Altwohnungsmieten geſichert war, andererſeits vor allem der
ſtarken Schrumpfung der Einkommen der Mieter,
die infolgedeſſen mit ihren Mietzahlungen immer mehr in
Ver=
zug gerieten. Kündigungen von Großwohnungen, erleichtert
durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1931, und damit
ſtarke Mietausfälle, waren die weitere Folge. So konnte ein
Teil der Hausbeſitzer die Zinſen für aufgenommene
Hypotheken=
darlehen immer ſchwerer aufbringen. Man hatte auch hier den
Hochkonjunktur 1927—1929 abwarfen, als dauernd anzuſehen.
Bei Beurteilung der Zukunftsausſichten des
Im=
mobiliarkredits iſt in erſter Linie des durch die Notverordnung
Seite 2 — Nr. 246
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Sonntag, 4. Septembe=
vom 8. Dezember 1931 eingerichteten Vollſtreckungsſchutzes zu
gedenken, der im Augenblick die ſchlimmſten Gefahren abwenden
kann. Dieſer iſt aber begrenzt: bei landwirtſchaftlichen
Grund=
ſtücken auf 9, bei ſtädtiſchen auf 6 Monate. Nach ſeinem Ablauf
iſt wohl leider mit einer Häufung der Zwangsvollſtreckungen und
damit einem weiteren ſtarken Rückgange zu rechnen. Dieſen
Schutz aber noch weiter weſentlich zu verlängern, verbietet die
Rückſicht auf die Gläubiger, da dann zu der Kriſe der Schuldner
noch eine Kriſe der Gläubiger treten würde. Die einzige
Ret=
tung wäre der Anſpannung der Aufwendungen für den
Grund=
beſitz an ſeine Einnahmen. Mit einer Steigerung der
Ein=
nahmen iſt aber weder in der Landwirtſchaft noch erſt recht
beim ſtädtiſchen Hausbeſitz zu rechnen. So müßte die Entlaſtung
von der Ausgabenſeite ausgehen. Eine Ermäßigung der
Zinſen wie der Steuern wäre dann der einzige
Aus=
weg: jede Verminderung dieſer Laſten würde das Abſinken der
Grundſtückspreiſe aufhalten. Werden die Gläubiger vor die
Wahl geſtellt, entweder Zinseinbußen zu tragen oder Teile ihres
Kapitals zu verlieren, ſo würden ſie wohl in den meiſten Fällen
einem noch über die Beſtimmungen der vierten Notverordnung
hinausgehenden Zinsnachlaß wohlwollend gegenüberſtehen. Hier
wäre der Hebel: Ermäßigung der Zinsſätze wie nicht minder
auch der Steuern.
Der neue Wirkſchaftsplan verabſchiedek.
Die Reichsregierung will die Wirkſchaft ankurbeln!
Berlin, 3. September.
Wie das Conti=Nachrichtenbüro erfährt, hat das
Reichs=
kabinett in ſeiner heutigen Sitzung das vom Reichskanzler in
Münſter angekündigte Wirtſchaftsprogramm
fertig=
geſtellt. Es beſtehe aus zwei Verordnungen. Die
Hauptverordnung muß vom Reichspräſidenten
unterſchrieben werden; ſie wird dem Reichspräſidenten
noch heute abend zugeleitet werden, ſo daß ſie am Montag abend
programmgemäß der Preſſe für die Dienstagszeitungen
über=
geben werden kann. Die Reiſe eines Miniſters oder eines
anderen hohen Beamten nach Neudeck iſt nicht mehr notwendig,
weil der Plan der Reichsregierung dem Reichspräſidenten
be=
reits bei dem Beſuch des Kanzlers in Neudeck im einzelnen
unterbreitet worden iſt. Dieſe Verordnung enthält die
Ermäch=
tigung zu den angekündigten Maßnahmen, die die Wirtſchaft
wieder vorwärts treiben ſollen.
Das Kernſtück iſt in den Steueranrechnungsſcheinen
zu ſehen.
Es bleibt bei der vorgeſehenen Höhe von 1500 und 1700
Mil=
lionen, im ganzen alſo 2,2 Milliarden RM. Dieſer Teil der
neuen Maßnahmen tritt nach der Verordnung am 1.
Ok=
tober in Kraft; inzwiſchen werden
Durchführungs=
beſtimmungen ausgearbeitet werden, die den Zweck
haben, eine geordnete Löſung des Problems in der
Praxis ſicherzuſtellen und Mißbrauch oder
ſonſtige Schwierigkeiten auszuſchließen, von
denen in der Oeffentlichkeit bereits die Rede
war. Das gilt insbeſondere für die Verteilung der Prämien
bei Mehrbeſchäftigung von Arbeitern. Außer der korrekten
Handhabung bei der Verteilung ſpielt auch die Frage eine
Rolle, wie ein unlauterer Wettbewerb vermieden wird. Schon
aus dieſen Andeutungen ergibt ſich, daß die Durchführung ſehr
ſorgfältig vorbereitet werden muß. Daraus iſt zu erklären, daß
die Inkraftſetzung dieſer Maßnahme erſt zum 1. Oktober
er=
folgt. Die zweite Verordnung enhält
die Neuregelung des Tariſweſens
in dem ebenfalls bereits vom Reichskanzler angekündigten
Sinne, indem ſie durch die Zulaſſung von Abweichungen von
geltenden Tarifen bedrohte Betriebe vor dem Erliegen ſchützen
und damit einem weiteren Anwachſen der Arbeitsloſigkeit
vor=
beugen will. Dabei geht die Reichsregierung davon aus, daß
Willkür und Vorwände zur Umgehung der
Tarife ausgeſchloſſen werden müſſen. Deshalb
iſt als letzte Inſtanz hier der Schlichter eingeſchaltet.
Wenn alſo zwiſchen Unternehmer und Belegſchaft eines Werkes
eine Einigung nicht möglich iſt, ſo liegt bei einer ſtaatlichen
neutralen Stelle, dem Schlichter, die letzte Entſcheidung. Dieſer
Weg bietet nach Anſicht unterrichteter Kreiſe die Gewähr für
eine ſinngemäße und ordentliche Anwendung. Zum anderen
ſollen aber auch künftige Tarife durch eine gewiſſe Veredelung
auf dieſe elaſtiſchere Tarifpolitik abgeſtellt werden. Auch dazu
enthält dieſe Verordnung die Handhabe. Sie wird übrigens
nicht vom Reichspräſidenten unterſchrieben, ſondern es genügt
vielmehr, da die grundſätzlichen Ermächtigungen bereits in der
erſten Verordnung enthalten ſind, die Unterſchrift des
Reichs=
kanzlers und der drei beteiligten Reſſortminiſter, nämlich des
Vom Tage.
Der Vorſtand des Düſſeldorfer Bezirkskomitees der
chriſt=
lichen Gewerkſchaften hat ſich in einer außerordentlichen Sitzung
mit der Lage der Arbeiterſchaft befaßt, und in Telegrammen
an den Reichspräſidenten und den Reichskanzler vor weiteren
Belaſtungen der arbeitenden Bevölkerung gewarnt.
Der Vorſitzende der Deutſchnationalen Volkspartei,
Geheim=
rat Hugenberg, hat ſich in einem längeren Schreiben an dem
Reichskanzler gewandt, worin er unter Hinweis auf die
kataſtro=
phale Notlage der Landwirtſchaft die Einführung des
Kontingen=
tierungsſyſtems in der Handelspolitik fordert. Der Reichskanzler
hat darauf geantwortet, daß er in dieſem Sinne weitere
Maß=
nahmen vorbereite.
Generalleutnant v. Rundſtedt, Kommandeur der 3. Diviſion
und Befehlshaber im Wehrkreis III, wurde mit dem 1. Oktober
zum Oberbefehlshaber der Gruppe I ernannt. Sein Nachfolger iſt
Generalleutnant Freiherr v. Fritſch. Kommandeur der 1.
Kaval=
leriediviſion.
Am 2. und 3. September haben in Berlin Beſprechungen
zwi=
ſchen einee deutſchen und däniſchen Delegation über die Ergebniſſe
der Haager Butterverhandlungen ſtattgefunden. Ein endgültiges
Ergebnis iſt im Verlauf dieſer Beſprechungen noch nicht erzielt
worden.
Der frühere Reichsaußenminiſter Dr. Curtius tritt am 4.
Sep=
tember eine längere Reiſe nach Amerika an. Durch Vermittlung
des Austauſchdienſtes hat Dr. Curtius etwa 30 Vorträge über
außen= und wirtſchaftspolitiſche Fragen übernommen, die er im
weſentlichen an amerikaniſchen Univerſitäten halten wird.
Nach Meldungen der Berliner Preſſe ſollen die
Verhandlun=
gen zwiſchen Zentrum und Nationalſozialiſten ſoweit gediehen ſein
daß man ſich über die Zuſammenlegung der ſieben preußiſchen
Mi=
niſterien zu vier neuen einig ſei. Angeblich ſollen Innen= und
Kul=
tusminiſterium durch die NSDAP. beſetzt werden, während fü; die
Miniſterpräſidentſchaft Dr. Goerdeler oder Bracht in Ausſicht
ge=
nommen und das 4. Miniſterium durch Hirtſiefer beſetzt werden
ſoll.
Die fünf durch Beſchluß des Staatsminiſteriums zu
lebens=
länglichem Zuchthaus begnadigten Verurteilten des erſten
Sonder=
gerichtes in Beuthen ſind in der vergangenen Nacht nach dem
Zuchthaus in Groß=Strehlitz übergeführt worden.
Der vor dem polniſchen Generalkonſulat in Oppeln ſtatio
nierte Polizeipoſten wurde, in der vergangenen Nacht beſchoſſen.
Der Beamte erhielt einen Oberſchenkelſchuß.
Im Brünner „Hochvcrratsprozeß” gegen ſudetendeutſche
Na=
tionalſozialiſten wurden ſämtliche Beweisanträge der Verteidigung
in Bauſch und Bogen abgelehnt, worauf die Verteidiger geſchloſſen
den Saal verließen.
Der italieniſche Miniſterpräſident empfing am Samstag den
deutſchen Botſchafter v. Schubert, mit dem er ſich über die Frage
der deutſchen Wehrforderungen unterhielt.
Muſſolini hat die italieniſche Delegation für die oſteuropäiſche
Wirtſchaftskonferenz in Streſa ernannt. Es gehören ihr an die
Mi=
chelis, der Abgeordnete Bianchini, der Generaldirektor im
Kor=
porationenminiſterium Angelotti und der Generaldirektor des
Landwirtſchaftsminiſteriums, Mariani.
Reichswirtſchafts=, des Reichsernährungs= und des
Reichs=
arbeitsminiſters. Dieſe Verordnung tritt bereits am 15.
Sep=
tember in Kraft. Es iſt anzunehmen, daß im Laufe der
kom=
menden Woche auch hierzu noch Ausführungsbeſtimmungen
er=
laſſen, und daß auch den Schlichtern Anweiſungen über die
Einzelheiten erteilt werden.
Der Sinn der beiden Verordnungen iſt, daß die von der
Reichsregierung angeſtrebte Belebung der Wirtſchaft
von zwei verſchiedenen Seiten her unterſtützt
werden ſoll. Dem Unternehmer wird ein größerer Anreiz
zu ſtärkerer Betätigung gegeben; aber gleichzeitig will die
Reichs=
regierung auch das Tarifweſen als ſolches und als Ganzes durch
ine Anpaſſung an die Notwendigkeiten der Wirtſchaft erhalten.
Um die Oeffentlichkeit in dieſem Sinne
aufzu=
klären, werden die beteiligten Miniſter
An=
fang der neuen Woche neben der Unterrichtung
der Preſſe auch im Rundfunk erläuternde
Vor=
träge halten, und damit den großen Rahmen ausfüllen,
den der Reichskanzler in ſeiner Münſterſchen Rede gegeben hat.
Der deutſche Landgemeindetag
zum Wirkſchaftsprogramm der Reichsregierung.
Der Vorſtand des Deutſchen Landgemeindetages faßte nach
einem Vortrag des Präſidenten Dr. Gereke zum
Wirtſchaftspro=
gramm der Reichsregierung eine Entſchließung, in der es u. a.
heißt: Die 700 Millionen RM. müßten in Form direkter
Auf=
träge verwendet werden, bei denen nachweisbar die Mittel in
erſter Linie für die Beſchäftigung von Arbeitsloſen verwendet
werden. Im übrigen wünſchen die Landgemeinden eine
Erwei=
terung des Regierungsprogramms im Sinne ihres bekannten
Arbeitsbeſchaffungsprogramms.
*
Bealſc Kerotſche Handrärdeil.
Walter Georgi’s deutſchnordiſches Jahrbuch für
Kultur=
austauſch und Volkskunde 1932.
Es darf wieder einmal daran erinnert werden: Es iſt ein
Darmſtädter, der dieſe wertvolle Kulturarbeit in
Gemein=
ſchaft mit einem einſichtsvollen und opferbereiten Verlag*)
leiſtet. Alsbakd nach dem Weltkriege und geſtützt auf Erfahrungen
aus dieſem hat Dr. Walter Georgi ſeine „Kultur=Austauſch”=
Beſtrebungen und damit eine verſöhnende und verbindende Arbeit
begonnen, die in den Jahren ſchon ſehr wertvolle Brücken zu den
kultur= und weſensverwandten nordiſchen Völkern und von dieſen
zu uns ſchlug und aller Vorausſicht nach auch in Zukunft
ſchla=
gen, richtiger erhalten wird
Eine Arbeit, die geleiſtet wird ohne geiſtige oder gar
mate=
rielle Förderung und Unterſtützung von behördlichen Stellen
hüben oder drüben, wenngleich ſie wohl ſtets Anerkennung und
— ſtillen — Dank gefunden haben mag. Eine Arbeit aber, die
alle anerkennen und ſich ihrer freuen, die ſich noch die
Erkennt=
nis gewahrt haben, daß nicht ausſchließlich Box= oder
Lauf=
oder ſonſtige „Meiſterſchaften” völkerverbindend wirken,
Und eine Arbeit, die ihren ebenſo eigenartigen wie in ſeiner
Ueberzeugungskraft wundervollen Niederſchlag fand in dem vor
einigen Jahren erſchienenen Band „Ferienbriefe deutſcher
Kinder”,
Inzwiſchen iſt das deutſch=nordiſche Jahrbuch zugleich Jahrbuch
der nordiſchen Geſellſchaft geworden. Eine Tatſache, die
ſein Geſicht um ein weniges änderte, die ihm aber wohl auch
Lebenskraft lieh, die in der ſchweren wirtſchaftlichen Notzeit auch
einem Kulturwerk unerläßlich iſt.
Den reichilluſtrierten Jahrgang 1932 hat Dr. Georgi
aus=
ſchließlich der Erinnerung an Guſtav Adolf und den Zug
ſeines Heeres durch Deutſchland gewidmet. Mit
Recht begründet er das mit der Ueberzeugung, daß wohl keine
andere führende politiſche Perſönlichkeit des Nordens mit der
Geſchichte Deurſchlands in gleicher enger und ſchickſalhafter Weiſe
verbunden iſt, wie die des großen Schwedenkönigs. — Und in der
Tat! Es iſt aus dieſem Bande ein ganz eigenartiges aber
reiz=
volles Geſchichtswerk geworden. Auch mit der betonten
Einſchrän=
kung, daß es nicht in der Abſicht des Herausgebers lag, auch
nicht liegen konnte, in der Sammlung hiſtoriſcher Geſchehniſſe und
gnekdotiſcher Erzählungen Erſchöpfendes zu geben. Vielleicht
liegt gerade in der weiſen Beſchränkung neben der ausgezeichneten
Sichtung und Bearbeitung des Stoffes der eigenartige Reiz dieſes
Geſchichtswerkes. Die Hoffnung des Herausgebers iſt jedenfalls
in Erfüllung gegangen, aus den geſammelten Mitteilungen, die
die einzelnen Städte, die Guſtav Adolf auf ſeinem denkwürdigen
*) Eugen Diederichs, Jena.
Zwei Birchow=Jubiläen.
Links: Rudolf Virchow, der große Mediziner und
Anthro=
pologe, deſſen 30. Todestag am 5. September begangen wird,
Virchow bereicherte die naturwiſſenſchaftlich eingeſtellte Medizin
durch das Prinzip der Zellforſchung, und ſeine pathologiſch=
anato=
miſchen Arbeiten wieſen neuen Anſchauungen den Weg. Virchow,
der dem Preußiſchen Abgeordnetenhaus und dem Reichstag
an=
gehörte, trat auch politiſch, vor allem als Gründer und Führer
der Fortſchritts=Partei, hervor. — Rechts: Hans Virchow, der
Sohn Rudolf Virchows, feiert am 10. September ſeinen 80.
Ge=
burtstag. Hans Virchow leiſtete wichtige Arbeiten auf dem
Ge=
biete der mikroſkopiſchen Anatomie und wie ſein Vater auf dem
der Anthropologie.
Zuge durch Deutſchland berührte, gaben, ein Bild jener Zeit zu
entwickeln, die für Deutſchland ſchwerſte Kämpfe und Leiden
brachte, und die den Hintergrund für die menſchliche und politiſche
Erſcheinung des Schwedenkönigs bildet.
Der bleibende Wert des Jahrbuchs wird erhöht durch die
Tatſache, daß Georgi ſich fern von Einſeitigkeit der
Geſchichtszeich=
nung hielt, was angeſichts des Charakters ſeines Werkes vielleicht
nicht leicht war. Er vermied es wohlweislich, „in einſeitiger Weiſe
nur die Lichtſeiten jener geſchichtlichen Ereigniſſe feſtzuhalten. Auch
die Schattenſeiten eines damals bereits zehn Jahre das Reich
verwüſtenden Krieges und einer oft den Händen ihrer Führer
ent=
gleitenden Soldateska als Folgeerſcheinung jener ſchweren Zeit,
mußten mitunter in Erſcheinung treten. Nur aus dem
Geſamt=
bilde jener Zeit heraus iſt Guſtav Adolf und ſein Werk zu
ver=
ſtehen.”
Das deutſch=nordiſche Jahrbuch 1932 iſt reich illuſtriert. In
trefflicher Auswahl ſind geſchichtlich bedeutſame Rahmen feſtgehal=
Die deutſche Gleichberechkigung
forverung.
Frankreich warkek auf die Ankwork
aller dem franzöſiſch=engliſchen Berkrauens
beigetreienen Regierungen.
Paris, 3. Sept
Am Samstag vormittag hat unter dem Vorſitz des
ten der Republik, Lebrun, im Elyſée ein Miniſterro
funden.
Darüber iſt ein Communiqué veröffentlicht worder.
es heißt, daß Miniſterpräſident Herriot über die außer
Lage Bericht erſtattet und den Charakter des deutſchen
über die militäriſche Gleichberechtigung ſeinen
Miniſtt=
auseinandergeſetzt habe. Herriot habe, nachdem er an di,
denen vom Reich in dieſer Frage unternommenen Schritt,
habe, die genaue Tragweite der deutſchen Forderungen
und auf die ſchweren Rückwirkungen hingewieſen, welche
wirklichung einer ſolchen Forderung haben würden. Er Hu
die Stellungnahme der anderen Regierungen dargeleg!
ſtätigt ſich, daß Herriot durch die franzöſiſchen Botſchc
Geſandten alle dem franzöſiſch=engliſchen
Vertrauenspakt-
tenen Regierungen um ihre Anſichten über die deutſche 77.
befragt hat. Die franzöſiſche Regierung erwartet die
nahme dieſer Staaten, worauf ſie der deutſchen Regier,
Antwort auf ihren Schritt erteilen wird. — Nach S
Miniſterrats erklärte Herriot den Journaliſten, daß im
rat völlige Einigkeit über die Haltung herrſche, die Fraxn,
deutſchen Forderung gegenüber einzunehmen habe.
Da weder Finanzminiſter Germain Martin noch
miniſter Palmadé dem Miniſterrat beiwohnten, dürfte
der Konvertierung der Staatsrenten offiziell nicht zur So
kommen ſein.
Polen meldet ſich.
Die Agentur Radio meldet aus Warſchau, der polniſcht
miniſter Zaleſki habe am Freitag den franzöſiſchen Geſchs=
Breſſy empfangen und ihm erklärt, Polen werde der vom
land vorgebrachten Forderung nach militäriſcher Gleichben
den ſchärfſten Widerſtand entgegenſetzen. Zaleſki habe 79
//=
innert, daß der polniſch=franzöſiſche Vertrag vom 19. Feb u4zpiſen Un
eine Zuſammenarbeit der beiden Länder in allen die Frä)/m Geda
träge oder den Völkerbundspakt berührenden Problemem mm. übern
Schließlich habe Zaleſki angekündigt, die polniſche Bunr dieſe
werde ihren Standpunkt in einem Memorandum zuſampel/ Tuig
das ſie den europäiſchen Mächten zuſtellen werde.
Engliſche Kabinektsſihung über die deutſche
berechtigungsforderung.
Der engliſche Miniſterpräſident Macdonald iſt nach L/k zu leſtin
zurückgekehrt, nachdem er während ſeines Aufenthaltesiſepf un
moral Gelegenheit zu Unterredungen mit Außenminiſter mudhat a
Simon hatte. Es wird angenommen, daß auch die EcmTiederübe
Gleichberechtigung Deutſchlands zur Sprache gekommen An, ihm da
donald beabſichtigt, wie verlautet, vorausſichtlich zu Br”A,,die
kommenden Woche eine Kabinettsſitzung einzuberufen, i twäudert
deutſche Forderung zur Sprache kommen wird und Si=0Jugnet
Samuel über ſeine Unterredungen mit dem franzöſiſchen. Im ging es!
präſidenten auf der Kanalinſel Jerſey berichten ſoll.
Amerika korrigierk ſeinen Standpuntkk
eider
Der amerikaniſche Botſchafter in Paris drahtete dem hüut in
P=
departement, daß die franzöſiſche Regierung ihm eine Ab=//ſte)
Aufzeichnung über den deutſchen Standpunkt in Sachen Qrcu König u
berechtigung in Rüſtungsfragen übergeben habe, die ew Ein ſteckt.
nach Waſhington ſende werde. Im Staatsdepartemet i Fra
von den Berliner Klarſtellungen des wahren Sachverluſhich ganz
Intereſſe Kenntnis genommen und ſeiner Befriedigum/m
ſondere darüber Ausdruck gegeben, daß die Reichsregier M. nd heute
Aufrüſtung plane, ſondern im Verhandlungswege die Glugwpen.
Ei=
tigung erſtrebe. In dieſem Zuſammenhang wurde dara fshilder 9
wieſen, daß der Botſchafter Gibſon, als er als Vertreter Uen und
im November 1930 in der Vorbereitenden Abrüſtungskad elts ver
für den Artikel 53 der Konvention ſtimmte, der den Sn.9
Mzismu=
der relativen Rüſtungen feſtlegte, deutlich betonte, daß A0 zo meh
ſoweit Amerika in Frage komme, nur auf die Waſhingt:/ Aber der
Londoner Flottenverträge beziehe, daß Amerika jedoch zun iadauch die
ſailler Beſtimmungen in keiner Weiſe Stellung nehme. MManubeſte
ten. Unter den zahlreichen Städten, deren Geſchichte irger
Guſtav Adolfs Zug durch Deutſchland nachhaltig beeindmst
den, und die Beiträge darüber ſandten, ſind naturgemäß z
ſiſche. Mainz und Oppenheim vor allem, die auch mit Ji
nen verſehen ſind. Ein Charakterbild Guſtav Adolfs ril
hiſtoriſche Bedeutung zeichnet in dem Raum von knapp )
ſeiten Johann Kretzſchmar. „Guſtav Adolf II.” beh
kurzen knappen Schilderungen, beſonders ſeines Feldher
Staatsmannstums Erik Hornberg, von Kurt Detlev
dem Schwediſche:, gut überſetzt. Dr. Lübstorff=Leirdu
dert — in klaſſiſcher Kürze erſchöpfend — den Schwedenuß
Deutſchland, und daran ſchließen ſich die Berichte des
Städte aus ihren Erinnerungen. In denen der Stadt
heim von Ernſt Jungkenn heißt es gegen den Schu.
Verkörperer der Staatsidee ſteht Guſtav Adolf von
gänzlich über den drei Bekenntniſſen; er verlangt Frſil
Staatbürgerpflicht und gewährt Religionsfreiheit!
etwas unerhört Neues! — Es zeigt neben dem großen,
und Strategen den großen Staatsmann.
Möge auch dieſem Bande Erfolg ſeiner Kulturmiſſit
mit ſeiner vaterländiſchen Aufbauarbeit beſchieden ſein=
Max8
Kunſt. Wiſſenſchaft und Leben.
Der Nolit Verlag in Belgrad, der
wenigen Verlagen gehört, die ſich in Jugoſlawien
um=
mittlung moderner europäiſcher und beſonders deutſche
bemühen, läßt die Bücher: „Eine Frau allein” von Abl
ley; „Das Mädchen an der Orga Privat” von Ruboll
„Krieg von Ludwig Renn: „Die Mietskaſerne” von Ge
Roth in ſerbiſcher Sprache erſcheinen. Bei den Schwie”
mit denen aus politiſchen und wirtſchaftlichen Gründen /4
lag in Jugoſlawien zu rechnen hat, bedeutet die Veroſſe."
gerade dieſer Bücher eine Tat, für die Deutſchland
ſlawiſchen Verleger zu Dank verpflichtet iſt.
— André Maurois: „Im Kreis der Familie‟, Roman.
3,60 Ganzleinen RM. 4,80. München, R. Piper u. L9=
Ein neuer Roman von André Maurois iſt immer —
riſches Ereignis. Auch in dieſem neuen Werke entfalle.
ter wieder den ganzen Zauber ſeiner Erzählerkunſt. —
Liebesroman, wie ſeine „Wandlungen der Liebe unc.
denſelben großen Erfolg haben wie dieſer. Im=Mittell
reichen Auf und Ab der Handlung, die dreißig Jahre
ſteht Deniſe Herpain. Deniſe leidet als kleines Mädchen
Treuloſigkeit ihrer Mutter gegen den Vater. Aber. ehe
verheiratet, kann ſie ſelbſt die Treue nicht wahrsſ,
Grundthema des Buches. Das ſommerliche Leben in
manniſchen Badeort, der winterliche Jura, der Hie
Riviera geben die landſchaftlichen Hintergründe.
und wirtſchaftlichen Ereigniſſe der letzten Zeit ſpielen."
wegte, figurenreiche Handlung hinein.
4. September 1932
Der Kampf um Maniu.
nſerem ſtändigen Berichterſtatter.
E.T. Bukareſt, Anfang September 1932.
„Zeit, in der in der ganzen Welt die Maſſen in
Be=
ten ſind, in einer Zeit des Zerfalls alles Beſtehen=
Zeit der Gärung und der Irrungen und Wirrungen,
ite rſte zu Oberſt kehrt, könnte man das, was ſich ſoeben
„abgeſpielt hat, mit drei Worten kurz regiſtrierend ab=
Hen nicht auch dieſe Ereigniſſe ein Teil jenes ſchwer
aden großen Ganzen wären, das heute die Welt in
hält.
Rt in drei Worien der „Vorgang”: Vor etwa zehn
die Regierung Jorga zurück, weil ſie in finanzieller
Ende ihrer Proſeſſoren=Weisheit angelangt war: die
waren leer, und da die Gärung unter den ſeit
Mo=
nrehr bezahlten Beamten, Offizieren und Penſionären
ſeren Umfang annahm, ſah ſich der König genötigt, eine
derang zu berufen, der die Aufgabe zugedacht war, wie
„bles Waſſer aus dem Felſen, Geld aus dem Nichts
her=
en.
erbereitenden Arbeiten — Bildung einer
Uebergangs=
zwund Abhaltung von Neuwahlen — übertrug der König
ſn)ürgiſchen Nationalzaraniſten (Kleinbauernpartei)
zood, unter deſſen Regime dieſe Wahlen „frei” und
rliefen und die dieſer Partei die für die
Regierungs=
nerforderliche Mindeſtzahl von 40 Prozent aller
abge=
emmen mit knapper Not und Mühe einbrachten. Jedoch
räuſchung der Krone und der Partei außerordentlich
eeide auf mindeſtens 60 Prozent aller Stimmen gerech=
— das ganze Ausmaß des Pyrrhus=Sieges kann man
Karn ermeſſen, wenn man die Zuſammenſetzung dieſer
gEtimmen kennt. Etwa 8 Prozent kamen von den deut=
Vierheiten, die durch ihr Wahlkartell die derzeitige, vom
funſchte Regierung überhaupt erſt ermöglichten, 15
Pro=
hun den ſogenannten „Fripturiſten” oder „Braten=
Vigegeben, die grundſätzlich für die jeweils an die Macht
Wartei ſtimmen, der Reſt —etwa 15 Prozent —
nſtionalzaraniſtiſche Stammwähler, denen
nartige rumäniſche Wahlprämienſyſtem
kretwa 277 von den rund 400 zur
Vertei=
ſgitngenden Mandaten zuſprach! Im
Par=
run alſo dieſe Nationalzaraniſten die abſolute Mehrheit,
end ſächlich nur etwa 15 Prozent der rumäniſchen Wähler
r ino ſtehen.
terieſen Umſtänden iſt es nur zu begreiflich, daß es der
lzüidem Gedanken, jetzt die Macht und vor allem die
Ver=
rtäu übernehmen zu müſſen, recht unbehaglich zu Mute
zuml dieſe Partei, die bisher im Parlament nur die Rolle
zawimäßig bedeutungsloſen Oppoſition zu ſpielen hatte, in
Hyuhr führerlos war. Denn Maniu, der eigentliche
ehef und Kopf dieſer Partei, hatte ſich vor Jahresfriſt
deny ylitiſchen Leben zurückgezogen, und da er die
ein=
fe tyikliche Autorität in Rumänien iſt, ſetzte
ſeuur kone und Partei Himmel und Hölle in Bewegung, um
ur vleernahme des Miniſterpräſidiums und damit der
Ver=
ortnu zu beſtimmen.
der thmpf um die Seele Manius hat faſt drei Wochen
an=
ſermnd hat als Remis=Partie geendet: es gelang zwar,
zu zuWiederübernahme des Parteivorſitzes zu bewegen, aber
Ver tie ihm das Amt des Miniſterpräſidenten aufzudrängen,
ſen vu ... die Gegenſätze zwiſchen der Krone und Maniu
be=
unnändert weiter, auch wenn ſie von allen zuſtändigen
dn tsbeleugnet werden.
ſortu ging es?
im tyentlichen ſind es drei Forderungen, von deren Erfül=
Man: ſeine Rückkehr ins politiſche Leben abhängig machte,
onnden der König erſt eine, zum Teil, erfüllt hat.
Zunün verlangt Maniu Ausſöhnung des Königs
ſehut in Paris lebenden geſchiedenen
Gat=
weiſtkte Dynaſtie heute nur auf vier Augen beruht: dem
un=
ſiraet: König und dem kleinen Thronfolger, der noch in den
erſäkun ſteckt. Stirbt einer von beiden, ſo iſt die Fortdauer
eöynrt in Frage geſtellt. Denn eine Wiederverheiratung
ols iſticht ganz leicht: der König iſt orthodox, und orthodoxe
zeſſiſy — namentlich mit der für Rumänien erforderlichen
ift 1—ind heute nach dem Ausſcheiden der Romanows recht
i geruden. Eine katholiſche Prinzeſſin kommt ebenfalls nicht
age, teil der Vatikan (Karol iſt geſchieden!) recht erhebliche
ierinitten und Einwände machen dürfte.
Andtrſeits verlangt aber das in einem gewiſſen
monarchi=
em Aſti zismus erzogene Volk nach einer Königin, auf der
niu im ſo mehr beſteht, als Karol überhaupt noch nicht
„önt 15 Aber der König will von einer Ausſöhnung nichts
en Iſc auch diesmal iſt es nicht gelungen, die zwiſchen der
„ne unlMTaniu beſtehende gegenſätzliche Auffaſſung zubeſeitigen.
Vom Schlagerkomponiſten
zum Oberbürgermeiſter.
Aſungewöhnliche Laufbahn von „Jimmy” Walker.
Zu ſeinem Rücktritt.
ESchlknkomponiſt, verkrachter Bankier, Baſeball=Manager,
hechtktwalt, Abgeordneter und Oberbürgermeiſter. — Der
Aſling von New York. — Der Deutſchenfreund.)
winſth” Walker, New Yorks beliebter Oberbürgermeiſter,
ſein hAt niedergelegt, weil das oberſte Gericht ihm
beſchei=
hars 1ß die Verhandlung gegen ihn von Rooſevelt in un=
GM geführt worden iſt. Dieſe Beſcheinigung iſt für den
Iſiker die beſte „Plattform” um im November dieſes
* im neue zu kandidieren, und man ergeht ſich nicht in
heticchn Künſten, wenn man behauptet, daß er wieder zum
FhürBgeiſter gewählt werden wird.
Nimöi Walker hat den eigenartigſten Lebenslauf, den je der
Fhurlgneiſter einer Rieſenſtadt zurückgelegt haben dürfte.
lungſ war er Schalgerkomponiſt und Schlagerdichter. Dann
chals Amateur=Bankier verſucht und wurde ſchließlich
us Rnager, als er ſich als Rechtsanwalt niederließ und
9 Mählich zum Senator des New Yorker Staatsparlaments
büöhr der demokratiſchen Fraktion aufſtieg. Seine glänzen=
FuE Uen als Politiker, ſeine überragende Klugheit und ſeine
VoFühe Rednergabe waren die Urſachen, daß er trotz ſeines
enKvor 7 Jahren durch den New Yorker Gouverneur „Al”
1Mdie New Yorker demokratiſche Parteimaſchine Tam=
MAzum Oberbürgermeiſter der Stadt New York erwählt
itz ſalker zog ein neuer Geiſt in das Stadthaus von New
r iſt der modernſte Verwaltungsbeamte, den die Welt
Uher hält nichts vom Amtsſchimmel und vom Amts=
Aſich nicht durch bürokratiſchen Eifer hervor, ſondern
AAmit der „leichten Hand‟. Die „City Hall” New Yorks
EA Iner Leitung die modernſte Stadtverwaltung der Welt
An der der Oberbürgermeiſter nur ſehr ſelten zu finden
NeEy ſein Vorgänger Hylan von früh bis ſpät arbeitete und
A düſteren Ernſt nur Streitigkeiten und Scherereien
ſhrte Walker mit den Stadtvätern auf witzige und
De Weiſe. Es gab keinen Zank und keine Streitigkeiten,
Ser tat alles mit einem guten Scherz ab und verſicherte
a Mtex, daß alles in Ordnung gehen werde. Selbſtverſtänd=
Jan eine Millionenſtadt wie New York nicht mit
Scher=
pgten, aber Walker verſtand es, ſeine energiſche, kluge
4D Ms Arbeit ohne Lärm und ſchwerem Ernſt durchzufüh=
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Eine weitere Forderung Manius betrifft den Bruder des
Königs, den Prinzen Nikolaus, der ſich mit ſeiner
morganitiſch getrauten Frau im Auslande aufhält und der im
Unfrieden von ſeinem königlichen Bruder geſchieden iſt. Auch
auf deſſen Rückkehr nach Rumänien beſteht Maniu, und er würde
in dieſem Falle vielleicht ſeine erſtgenannte Forderung fallen
laſſen, weil Nikolaus dann gewiſſermaßen als Stellvertreter des
Königs fungieren könnte, falls dieſer einmal erkranken oder
plötzlich ſterben ſollte. Verſuche, Nikolaus zur Rückkehr zu
be=
wegen, ſind ebenfalls unternommen worden, aber auch dieſer
Verſuch iſt geſcheitert ...
Als drittes und beinahe allerwichtigſtes verlangt Maniu
für den Fall einer Regierungsübernahme in reichlich
verklauſu=
lierter Form „Rückkehr zu den Regierungsformen einer
konſtitu=
tionellen Monarchie und freie Hand für ſich ſelbſt in
jeder Hinſicht.”
Was heißt das? Es iſt in Bukareſt offenes Geheimnis,
daß König Karol in mancher Hinſicht nicht Herr ſeiner
Ent=
ſchlüſſe iſt, und daß auf die Führung der Staatsgeſchäfte eine
Kamarilla Einfluß gewonnen hat, gegen die ſich in Rumänien
eine wachſende Empörung und Erbitterung bemerkbar macht.
Es hat wenig Zweck. Namen zu nennen, es iſt aber verſtändlich,
daß ein Mann wie Maniu unter den derzeitigen Umſtänden nur
dann die Verantwortung übernehmen zu können glaubt, wenn
ſeine Befehle und Anordnungen nicht durch unkontrollierbare
Einflüſſe unverantwortlicher, im Dunkeln ſtehender
Perſönlich=
keiten durchkreuzt werden. In dieſer Hinſicht hat Maniu einen
kleinen Teilerfolg errungen, aber es iſt ihm bisher nicht
gelungen, den König zu beſtimmen, die Axt an die Wurzel
des Uebels zu legen.
Infolgedeſſen hat Maniu alle Gegenvorſchläge des Monarchen
ablehnen zu müſſen geglaubt und iſt wieder in das
Halb=
dämmer zurückgetreten, in dem er ſich beobachtend ſchon ſeit
Jahresfriſt aufhält . . . an ſeiner Stelle hat der König den
in=
timſten Freund Manius Herrn Vaida Voiwod, ehemals
Bade=
arzt in Karlsbad, als Miniſterpräſident beſtätigt, dem nun die
undankbare Aufgabe zufällt, die Sanierung Rumäniens in An=
Nr. 246 — Seite 3
griff zu nehmen. Daß Vaida dazu nicht imſtand iſt, läßt ſich
heute bereits vorausſagen, denn mit parlamentariſchen
Mit=
teln iſt dieſe Sanierung nicht mehr durchzuführen. Er wird
vielleicht eine Reihe von unpopulären „Notverordnungen”
(Steuererhöhungen, Beamtenabbau und Reformen anderer Art)
auf dem Papier diktieren, aber von da bis zur Umſetzung in
die Tat, wird es — namentlich in Rumänien — ein ſehr langer
und weiter Weg ſein. Die Lage wird ſich alſo weiter
ver=
ſchärfen, und allmählich wird jene Stunde auch in Rumänien
ſchlagen, wo die Einſicht dämmern wird, daß die Stunde nicht
fruchtloſes Reden, ſondern tatkräftiges Handeln erfordert. Dieſes
Handeln kann jedoch nicht durch Majoritätsbeſchlüſſe und
Koali=
tionen, ſondern nur von einer Einzelperſönlichkeit garantiert,
und gewährleiſtet werden, und es iſt außerordentlich auffallend,
mit welch’ großem Intereſſe gerade in den Kreiſen der
rumä=
niſchen Armee, die am meiſten unter der parlamentariſchen
Miß=
wirtſchaft — ſowohl in ideeller als materieller Hinſicht — zu
leiden hat, die Vorgänge in Deutſchland verfolgt
werden. Daß ein General innerhalb weniger Stunden durch
„einen Leutnant und zwei Mann” ein Syſtem aus den Angeln
heben konnte, das dem derzeitigen rumäniſchen auf ein Haar
geglichen hat, war ein Beiſpiel, das möglicherweiſe auch im
Südoſten ſehr raſch Nachnahmung finden könnte. Es ſei denn,
es gelingt dem neuen Mann, Herrn Vaida Voiwod, ſich vorher
in irgendeiner Form „durchzuſetzen” und „durchzugreifen”
woran wir leider nicht zu glauben vermögen. Denn das Kabinett
Vaida iſt lediglich der letzte Verſuch, noch einmal auf
par=
lamentariſcher Baſis und mit parlamentariſchen Mitteln die
Kriſe zu meiſtern . . . In Wirklichkeit nähert ſich der
Todes=
kampf dieſes Syſtems auch in Rumänien ſeinem Ende, und es.
iſt nicht weiter verwunderlich, wenn unverbrauchte Männer wie
Maniu rechtzeitig das Sterbezimmer verlaſſen, um ſich friſch
zu halten für größere Aufgaben, die ohne Zweifel noch auf ihn
warten.
Das iſt der Sinn der rumäniſchen Kriſe, die
nur deswegen wert iſt, „notiert” zu werden,
weil ſie den Abglanz jener Vorgänge bildet,
die heute die weſtliche Welt erſchüttern . . ."
Berlin im Zeichen des Stahlhelms.
Die Feldgrauen „erobern” die Reichshauptſtadt. — 170 000 Stahlhelmer verkörpern ſichtbar den
Wehr=
gedanken. — Das Stadion anläßlich des Wehrſporkabends des Skahlhelms überfüllk.
Honlſsisnleniag 1934
unker Teilnahme der Reichsregierung
und zahlreicher Ehrengäſte.
* Berlin, 3. September. (Priv.=Tel.)
Seit ungefähr zwei Tagen ſchon ſteht die Reichshauptſtadt im
Zeichen des Feldgrau des Stahlhelms. Aus allen Teilen des
Reiches ſind die Frontſoldaten zu Tauſenden und Zehntauſenden
herbeigeeilt, um an dem Höhepunkt des Reichsfrontſoldatentages
am Sonntag, den 4. September, teilnehmen zu können. Man
rechnet mit einer Teilnahme von ungefähr 170 000 Frontkämpfern,
die ſich am Sonntag, um 10 Uhr, zu dem Aufmarſch auf dem
Tem=
pelhofer Feld ihren Führern ſtellen werden. Den ganzen Samstag
über konnte man ſchon die Vorbereitungen für dieſen Höhepunkt
bemerken. Feldgrau, und immer wieder Feldgrau, war in den
Straßen der Reichshauptſtadt zu ſehen. Große Gruppen, kleine
Abteilungen durchzogen die Stadt, teils um ihre Quartiere
auf=
zuſuchen, teils um ſich in den vorgeſchriebenen Lokalen
einzufin=
den, in denen die Verpflegung der Mannſchaften vorgenommen
wurde. Auf den Bahnhöfen und auf den Zufahrtsſtraßen konnte
man immer wieder beobachten, wie die Feldgrauen Berlin „
er=
oberten”. Nicht weniger als 120 Sonderzüge brachten die
Teil=
nehmer an ihren Beſtimmungsort. Auf den Landſtraßen Ketten
von Laſtkraftwagen, auf denen ungeheure Maſſen ihren Weg zum
Frontſoldatentag nahmen. Die Berliner Bevölkerung nimmt
leb=
haften Anteil an dem Reichsfrontſoldatentag.
Einen Vorgeſchmack für das Paradetreffen auf dem
Tempel=
hofer Feld gab ſchon das Wehrſportfeſt des Stahlhelms im
Deut=
ſchen Stadion, das am Samstag abend programmäßig verlief.
Auch hier beängſtigende Ueberfülle. Alles bis zum letzten Platz
überfüllt. Nach einer kurzen Anſprache von Major Stephani
er=
folgte der Einmarſch der Muſikkorps und Spielmannszüge, langer
Züge von Fahnen, und ſchließlich das ganze große Sportfeſt ſelbſt.
Abſchließend fand dann der Ausmarſch der Fahnen, das
Schlach=
tenfeuerwerk und der große Zapfenſtreich ſtatt. Die Polizei
brauchte nur ſehr wenig Mannſchaften einzuſetzen, da die
Front=
ſoldaten ſelbſt für muſterhafte Diſziplin ſorgten.
Für die große Parade auf dem Tempelhofer Feld hat ſich
eine außerordentliche Zahl von Ehrengäſten angeſagt, u. a. der
Reichskanzler, der Reichsaußenminiſter, der Reichsinnenminiſter,
der Reichsfinanzminiſter, der Reichsernährungsminiſter und der
Reichsjuſtizminiſter. Faſt alle höheren Offiziere der
Reichs=
wehr haben ihr Erſcheinen zugeſagt. Selbſtverſtändlich wird
auch der Reichswehrminiſter von Schleicher zugegen ſein
des=
gleichen Admiral Dr. h. c. Raeder, Generalleutnant von
Rund=
ſtaedt und General von Witzendorff, der Kommandant von
Berlin. Die preußiſche Regierung wird mit einer großen
Ab=
ordnung unter Führung von Dr. Bracht vertreten ſein. Auch
zahlreiche Fürſtlichkeiten nehmen an dem Treffen teil. Unter
den weiteren Ehrengäſten befinden ſich Vertreter faſt aller
Zweige des öffentlichen Lebens, der Diplomatie, der Kunſt,
Wiſſenſchaft und Wirtſchaft. Ein beſonders großes Aufgebot
werden die Vertreter der auswärtigen Mächte ſtellen. Die
Generalität des alten Heeres wird unter Führung des
General=
feldmarſchalls von Mackenſen vollzählig erſcheinen.
Einberufung des Finanzausſchuſſes
des heſſiſchen Landkags.
Der Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtages iſt auf
Mitt=
woch, den 7. September, einberufen worden. Auf der
Tagesord=
nung ſtehen neben zahlreichen Parteianträgen zwei
Regierungs=
vorlagen. Eine verlangt den Ausbau verſchiedener Inſtitute der
Techniſchen Hochſchule, die andere erſucht um ein Darlehen von
7000 RM. zugunſten der hiſtoriſchen Kommiſſion in Heſſen zur
Herausgabe des zweiten Bandes des Lorſcher Urkundenbuches.
ren. Das wußten die Stadtväter, und ſie waren ihm dafür dankbar.
Auf Walker konnten ſie ſich verlaſſen, und wenn er Einreden oder
Tadel mit einem Scherz abtat, dann waren ſie überzeugt, daß dies
nur eine leichte Form für eine ernſte Abſicht war. Daher wird
auch die große Beliebtheit Walkers herkommen, die er nicht nur
in New York, ſondern auch in ganz Amerika genießt. Schon als
Parlamentarier war er durch ſein unfeierliches Weſen und durch
Jimmy Walker.
ſeine Beherrſchung des gewaltigen, wirtſchaftlichen und ſozialen
Gebietes aufgefallen. Schon damals hatte man erkannt, daß dieſer
ewig witzelnde Mann der beſte Kenner des modernen
Wirtſchafts=
lebens einer Rieſenſtadt war und mit größter Eindringlichkeit und
Hingebung ſich allen wichtigen Problemen widmete, die das
Par=
lament einer Millionenſtadt bietet. Der Beiname „der luſtige
Jung: von City Hall” war für ihn ein Ehrenname, denn er
be=
deutete nicht, daß er ein Mann war, der in Jungenart ſeine
Ge=
ſchäfte vernachläſſigte, ſondern ein Verwaltungskünſtler, der die
ſchwierigſten Aufgaben mit ebenſo viel Ernſt und Energie wie
Dünkelloſigkeit durchführte.
Die Verkehrsverhältniſſe in New York und das
Sicherheits=
weſen ſind durch ihn in kurzer Zeit verbeſſert worden. Walker, der
ſich ſelbſt als Einwanderer bezeichnet, iſt ein hervorragender
Deutſchenfreund, der keine Gelegenheit vorübergehen ließ, die
gro=
ßen Verdienſte anzuerkennen, die die Deutſch=Amerikaner für
New York haben. Die Art, wie er ſich gegen die Anſchuldigung
verteidigte, die in jüngſter Zeit von Rooſevelt gegen ihn erhoben
wurde, iſt für ihn charakteriſtiſch. Auch ſeine Amtsniederlegung
zeigt, wie er die Stimmung der New Yorker Bevölkerung richtig
einzuſchätzen weiß.
Dorfkalender 1933.
Der vom Verband der Heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſen=
ſchaften herausgegebene Dorfkalender 1933 iſt ſoeben im 7.
Jahr=
gang erſchienen. Er präſentiert ſich dem großen und ſtändig
ſteigenden Kreis ſeiner Leſer in gewohnter inhaltlicher
Reichhal=
tigkeit und ebenſo gewohnter gediegener Ausſtattung (L C.
Wittich’ſche Hofbuchdruckerei). Verbandsdirektor Berg hat dem
Kalender ein Geleitwort mit auf den Weg zu ſeiner Leſerſchaft
gegeben. Wir glauben, den Kalender nicht beſſer empfehlen zu
können, als durch die Wiedergabe deſſen, was Direktor Berg
ſchreibt:
„Trotz der wirtſchaftlichen und ſeeliſchen Not unſeres Volkes
dürfen wir die Nerven nicht verlieren. „Die Reiche werden
er=
halten nur durch die Kräfte, durch die ſie einſt gegründet wurden.”
Es ſind dies in erſter Linie die Kräfte der ländlichen Bevölkerung
und des Grund und Bodens. Deshalb iſt auch das deutſche
Dorf die Zukunftshoffnung unſeres
notleiden=
den Volkes
„Zurück aufs Land!” erſchallt heute die Mahnung, wie nach
jedem Krieg, dem 30jährigen, dem 7jährigen, nach 1813 und
1870/71. In unſeren Tagen gilt der Ruf der
Siedlungs=
frage. Die Arbeitsloſigkeit kann nicht durch die Stempelrentner
beſeitigt werden, ſondern durch Wiedererweckung und
Wieder=
erkenntnis der ländlichen Verbundenheit. Das Dorf tritt wieder
in Vordergrund aller Fragen. Die Heimatliebe, dieſes Gefühl der
Zugehörigkeit zur Dorfgemeinſchaft, bildete den Grundſtein zur
Genoſſenſchaftsidee, die an ſich ſo alt iſt wie die Menſchheit
über=
haupt. Aus der Liebe zu Haus, Hof, Scholle und zur
Genoſſen=
ſchaft erwächſt die Liebe zu Volk und Vaterland. „Wir ſind
hinein=
geſtellt in ganz beſtimmte, von Gott gegebene Ordnungen und
müſſen einander dienen.”
Der Dorfkalender erſcheint zum 7. Male. Gegenüber ſeinen
Vorgängern wurde der vorliegende Jahrgang abgeſehen von dem
reichlicheren Bilderſchmuck nach Aufmachung und Inhalt nicht
geändert. Der Preis wurde den Zeitverhältniſſen angepaßt.
Wie bisher wurden auch zum vorliegenden Jahrgang faſt nur
heſſiſche Mitarbeiter herangezogen, um den Kalender zu einem
echten Heimatbuche zu machen. Möge es dem Kalender gelingen.
bei ſeiner treuen Leſergemeinde in Stadt und Land dieſes Ziel
zu erreichen, und möge vor allem auch der genoſſenſchaftliche
Ge=
danke, der Gedanke der praktiſchen Nächſtenliebe des
Zuſammen=
ſchluſſes und der Einigkeit in wirtſchaftlichen Fragen weiterhin
Fuß faſſen und ſich zum Wohle unſeres Berufsſtandes auswirken. —
Seite 4 — Nr. 246
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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den. (ini) zeigt Ihnen, was es kan
Alles kriegen Sie mit ihm saumt
Deshalb tun Sie gut, sich(ivilanz!
vertrauen, wo es irgendwie ge‟
Hergestellt in den Persilwerken.
[ ← ][ ][ → ]1. September 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 246 — Seite 5
Alus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 4. September 1932.
deus Beileid der heſſiſchen Regierung
ge des Staatsminiſters d. 9. dr. v. Ewald.
tode des Staatsminiſters a. D. Dr. Carl v. Ewald hat
üisent Dr. Adelung an Frau v. Ewald folgendes
Schrei=
ſtikt:
Sehr verehrte gnädige Frau!
Tode Ihres hochverehrten Gatten übermittle ich Ihnen
hsen im Namen der heſſiſchen Staatsregierung wie auch
Mamen den Ausdruck herzlicher und aufrichtiger
Teil=
m Heſſenlande war der Verſtorbene ein hervorragender
d Staatsmann, der ſich um das Land un=
iſcer war Exzellenz v. Ewald ein Vorbild an
pflicht=
vornehmer Dienſtauffaſſung. Ich ſelbſt habe in langer
er Landtagsarbeir Ihren Gatten in beſonderem Maße
„o achten gelernt. Das Andenken an dieſen vorzüglichen
uurd verehrungswürdigen Menſchen werde ich immer in
ßen halten.
ſter: Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung bin
ziEenſter gez. Adelung.
*Rebhuhn=Saiſon.
Wie der Feinſchmecker die Rebhühner eſſen will. — Sauerkrauf und Sahnenſauce.
zhen Hang, St. Liebfrauen Darmſtadt=Beſſungen †.
Un=
ut der erſte Kaplan von St. Liebfrauen, Johannes
den Folgen einer Halsoperation im hieſigen Herz=
Jeſu=
er ſchieden. Nur 34 Jahre waren ihm geſchenkt. Sein
ſen war Arbeit. Arbeit an ſich — mußte er doch
teil=
mühſamen Weg eines Autodidakten gehen — und
Weinberge des Herrn. Die wenigen Jahre ſeiner
Wirkſamkeit ſetzen ihm jedoch ein Denkmal. Er ſchuf
Pfadfinderſchaft St. Georg, deren Weiterexiſtenz durch
res Führers in Frage geſtellt iſt. Mehr als das muß
er=
uden, daß er ſein organiſatoriſches Talent erſtlinig in
der Armen und Zeitbedrängten ſtellte. Mit ihm iſt
iche Seele ſeines ausgedehnten Wirkungskreiſes ins
zuten. Seinem Wunſch entſprechend, wird Kaplan Hang
ſermatſtadt Mainz zur letzten Ruhe gebettet. R. i. p.
ſſes Alter. Montag, den 5. Sept., feiert Frau Chriſtine
Yönring 53, ihren 85. Geburtstag.
Fherſtube Alfred Bodenheimer. Die Bücherſtube wird am
den 11. September vormittags 11½
er Ausſtellung des kürzlich mit dem Büchnerpreis aus=
Offenbachers Adolf Bode eröffnen. Bode will
ᛋAusſtellung einen Ueberblick über ſein geſamtes
bis=
inſtleriſches Schaffen geben. Von den beiden
Offen=
vaich Martin und Ede Schuch ſind Ausſtellungen
ſon heitung.
hrnſchule der Städt. Akademie. Mit dem 1. September
kſſdie Opernſchule ihre Arbeit nach den großen Ferien
r zug nommen. Die Opernſchule gewährleiſtet die vollſtän=
Auſzlldung für die Oper= und Operette. Neben der
Geſangs=
ſildnn ſind folgende Fächer in den Lehrplan aufgenommen:
jemſtiam und Enſemblegeſang, Dramatiſcher Unterricht.
ir Stimme und Sprech=Erziehung, Gehörbildung,
Ita=
ch.F)ythmiſche Gymnaſtik (Syſtem Bode und Dalcroze) und
ſtent eudierende, die ihre geſangliche Ausbildung außerhalb
ſAkqdnie genießen, können als Hoſpitanten an dem
Unter=
teſiſihmen. Außer in mehreren Vortragsabenden iſt den
ſierknen alljährlich bei der ſzeniſchen Aufführung einer Oper
ſgenzle gegeben, ihr Konnen vor der Oeffentlichkeit zu zeigen.
„Ea Mann hat mit den Winterkurſen (Klavier und
Ge=
ldchn begonnen. Wir verweiſen auf die heutige Anzeige
derhMuſikerziehung.”
Lemſtädter Künſtler auswärts. Lilian von Kuſen=
Sül erin von Prof Beines, hatte kürzlich bei einer Rund=
Lieldeſtunde des Berliner Senders einen ſchönen Erfolg zu
eichine Der „Berliner Lokalanzeiger” meldet: Unter den
ſtent i1 die mit ſchöner Stimme und ungewöhnlichem
Vor=
ßtatn begabte Sopraniſtin Lilian von Kuſenberg beſonders
mebmaf . Die D.A.3. Berlin ſchreibt folgendes: „Ein recht
rucklalles Programm hatte ſich Lilian von Kuſenberg
zu=
menteellt: Geſänge von Muſſorgſky. Gretſchaninoff.
Racma=
tArcheſi und di Capua. Der leicht anſprechende Sopran
ſürtinn gefiel ſehr gut und ſcheint beſonders für das
Mikro=
geleinet.
zöiot iſcher Verein. Samstag, den 10. d. M., veranſtaltet
einen Ausflug nach Heppenheim a. d. B. Die
al Stadt, ſo nahe ſie an Darmſtadt gelegen iſt, iſt doch
hint löekannt, birgt aber reiche geſchichtliche und künſtleriſche
12 Führung hat Herr Stadtbaumeiſter Dipl.=Ing. Winter
nortmn. Abfahrt mit Kraftwagen vom Landesmuſeum 1.30
Amldung bis Freitag, 1 Uhr, im Staatsarchiv unbedingt
veRkül,
Eikoch=Vortrag. Die heutige Zeit veranlaßt die Hausfrau,
in neueſten Kochverfahren vertraut zu machen, denn
Boran erleant Man gange Keotäyner!
Die Rebhuhn=Saiſon hat ihren Anfang genommen. Damit iſt
auch in unſerer heutigen Notzeit für unſere Feinſchmecker geſorgt,
denn dieſe delikaten Vögel ſind verhältnismäßig billig. Die
Haupt=
ſache iſt aber, daß ſie jung, zart und ſaftig ſind. Die Hausfrau
muß alſo beim Einkauf nicht nur vorſichtig ſein, denn hier nützt
Vorſicht nicht viel, ſondern ſie muß wiſſen, woran ſie einen jungen,
zarten Vogel erkennt.
Es gibt da mehrere Merkmale, die zu beachten ſind. Die
Fär=
bung des Gefieders, das braune Bruſtſchild und die roſtrote
Fär=
bung iſt kein entſcheidendes Anzeichen dafür, daß die Vögel alt
oder jung ſind, denn man findet dieſe Merkmale ſowohl bei den
erwachſenen jungen Hühnern, als bei den alten, die ſich durch ihre
Zähigkeit auszeichnen; die ganz jungen Tiere ſind kleiner als die
älteren und haben eine graue Farbe der Köpfe. Bei dieſen kann
man ſicher ſein, daß ſie zart ſind, aber ſie haben den Nachteil, daß
ſie zu klein ſind und nur wenig Fleiſch haben. Man wird alſo etwas
ältere Tiere nehmen müſſen, wenn man ſich nach der
Wirtſchafts=
kaſſe richten will. Die Farbe der Füße oder Ständer iſt
aus=
ſchlaggebend. Sie muß gelblich ſein, und zwar nicht die gelbe
Farbe der Zitrone haben, ſondern apfelſinengelb ſein, denn die
Hühner mit zitronenfarbigen Ständern haben mehr Knochen als
Fleiſch. Auch wenn die Beine hellgrau ſind, kann die Hausfrau
die Hühner noch kaufen. Auch dann werden ſie in der Pfanne
noch weich werden. Die Rebhühner mit dunklegrauen Ständern
dagegen ſind alt. Vor ihnen ſoll ſich die Hausfrau hüten. Aber
wenn ſie von irgendeinem Nimrod, der mit der Familie
be=
freundet iſt, ein paar Rebhühner geſchenkt bekommt, die ſich durch
die dunkelgraue Farbe der Füße auszeichnen, ſo braucht ſie noch
nicht zu verzweifeln, denn auch mit dieſen Hühnern läßt ſich noch
etwas anfangen. Sie müſſen nur zuerſt gekocht werden, bevor
man ſie brät, damit ſie durch den Kochprozeß weich werden. Sie
zeichnen ſich zwar nicht mehr durch die Feinheit der Faſer aus,
aber ſie haben dafür den Vorteil, daß ſie ausgewachſen ſind und
verhältnismäßig viel Fleiſch liefern.
Das zarteſte Wildbret dagegen iſt das junge Rebhuhn. Man
bewahrt die Zartheit des Fleiſches am beſten dadurch daß man
es in Speckſcheiben und Weinblätter wickelt und dann brät. Man
kann es aber auch mit Speck und Kraut dünſten und erhält dann
eine Delikateſſe, die beſonders in Frankreich ſehr beliebt iſt. Von
König Ludwig XVI. erzählt man, daß er Rebhühner nur in
die=
ſer Form gegeſſen hat, die man verdrix aux choux nannte und
wohl noch heute nennt. Zu den Rebhühern gibt man am beſten
Weinkraut. In Deutſchland iſt Rebhuhn mit Sauerkohl oder
Weinkraut am gebräuchlichſten.
Nun ſei noch ein Wort von den Rebhühnern geſagt, die die
Hausfrau unter keinen Umſtänden kaufen darf. Sobald die
Hühner einen weißen Schnabel und blaugraue Beine haben,
ſo=
wie einen hellroten Kreis um die Augen, dann werden ſie auch
durch die geſchickteſte Kochkunſt nicht mehr zu ſchmackhaften
Bra=
ten geſtaltet werden können. Dieſe Rebhühner ſind eine
Enttäu=
ſchung. Bei allen anderen aber wird eine gute Hausfrau und
Köchin mit richtiger Zubereitung dem geſtrengen Eheherrn und
der feinſchmeckenden Familie eine Freude und eine angenehme
Abwechſlung bereiten können. Nur darf ſie natürlich nicht die
köſt=
liche Sahnenſauce vergeſſen, die erſt die Krone des Wohlgeſchmacks
dem Rebhuhn verleiht.
Menſchen mit ſchwachem Magen aber ſollen auf dieſen Genuß
verzichten, denn Sahnenſauce iſt ſchwer verdaulich, und es kann
ſein, daß die Leute mit empfindlicher Verdauung von einem
der=
artigen Rebhuhneſſen mehr Unannehmlichkeit als Freude haben.
Handball=Repräſenkakivſpiel.
Süddeukſchland — Mitkeldeutſchland.
Heute nachmittag 3.30 Uhr kommt auf dem Platz des
Sport=
vereins Darmſtadt 1898, am Böllenfalltor, ein repräſentatives
Handballſpiel zum Austrag. Gegner der Süddeutſchen
Verbands=
elf, in der nicht weniger als 10 Darmſtädter mitwirken, iſt die
Mitteldeutſche Verbandsmannſchaft, die ſich aus Spielern von
Leipzig, Dresden, Magdeburg, Burg und Halle zuſammenſetzt. Die
Gäſtemannſchaft iſt zweifellos äußerſt ſpielſtark, ſo daß es zu einem
hochwertigen Spiel kommen wird. Das Spiel verdient deshalb
größte Beachtung. Allen Anhängern der Sportidee kann der
Be=
ſuch dieſes Spieles empfohlen werden.
Unterſtützt die heſſiſche Winterhilfe
2ie manchen Hausfrauen unbekannt ſind. Um hier
wie=
auf end zu wirken, veranſtaltet das ſtädtiſche Gaswerk am
ſſtent Tenstag in Kranichſtein und am Donnerstag in
Darm=
ein Vortrag, in dem an Hand praktiſcher Erfahrungen
Koc auf einem modernen Gasherd erklärt und erläutert
Aun der neuzeitlichen Warmwaſſerbereitung in Küche und
geſört von ſeiten der Hausfrau beſondere Beachtung. Dem
bers ges Kleinwarmwaſſerbereiters ſtehen jederzeit
un=
einANengen heißes Waſſer zur Verfügung. Fernerhin
2h die Apparate durch geringe Betriebs= und Anſchaf=
iFDo. R Ne Die Beifſchlſichieifdt. Ein beſein=
Fragen wird in den Vorträgen und am Ausſtellungs=
Aabethenſtraße 25½ bereitwilligſt Auskunft erteilt. (S.
zu
— Evangeliſche Männervereinigung der Petrusgemeinde
Darmſtadt=Beſſungen. Aus geſchäftlichen Gründen kann unſere am
6. September fällige Monatsverſammlung nicht an dieſem Tage
ſtattfinden, ſondern muß auf Dienstag, den 13. September,
verſchoben werden. Wir haben zu dieſem Eröffnungsabend für
das Winterhalbjahr einen geſchätzten Redner gewonnen in dem
Herrn Studienrat Dr. Grünewald, der ſprechen wird über „Die
deutſche Geſchichte in chriſtlicher Beleuchtung”. Wir laden unſere
geehrten Mitglieder zu recht zahlreichem Beſuche herzlich ein.
— Daß die Mundharmonika im wahrſten Sinne des Wortes
ein Volksinſtrument iſt und man auf ihr auch echte Volksmuſik
pflegen kann, haben viele ſchon eingeſehen, die die Gelegenheit
ſchon hatten, jenen Klängen im Zuſammenſpiel als Orcheſter zu
lauſchen. Neben ihrer größeren Schweſter, der Ziehharmonika, hat
ſich die Mundharmonika in Gemeinſchaft als Orcheſter beſtens
ein=
geführt und verſtanden, die Herzen aller zu erobern. (Wir
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phenvereinigung Gabelsberger. Neue Lehrgänge in
Einheitskurz=
ſchrift für Anfänger und Fortgeſchrittene beginnen am 6. und
9. September, abends, im Ludwig=Georgs=Gymnaſium,
Karls=
ſtraße 2. (Siehe auch heutige Anzeige.)
— Sonderveranſtaltungen der Köln=Düſſeldorfer ſind heute
wieder im Anzeigenteil veröffentlicht. Bei Benutzung des
Früh=
dampfers 7 Uhr ab Mainz werden Fahrpreisermäßigungen bis
zu 50 Prozent werktags gewährt. Ermäßigte Rückfahrſcheine
werden außerdem vom 5. bis 10. September zu den
Nachmittags=
dampfern 14.30 und 15.30 Uhr nach Rüdesheim ausgegeben, die
ſicher bei Weinkennern Beifall finden. Auch die beliebten
beſon=
ders billigen Fahrten nach Niederheimbach und Bacharach
wer=
den am Dienstag und Donnerstag nächſter Woche wieder
ausge=
führt. Im übrigen iſt der große Sommerfahrplan der Köln=
Düſ=
ſeldorfer noch in Kraft, nur die Expreßfahrt zwiſchen Mainz und
Köln wird am Montag zum letzten Male gefahren. Abendfahrten
mit Muſik finden am Sonntag, den 4., und 11. d. M. ſtatt.
Aus=
kunft und Fahrſcheine durch die Mainzer Vertretung G. L. Kayſer,
Fernſprecher 31 959.
Aus dem Heſſiſchen Sängerbund.
Der 9. ordentliche Bundesſängertag für 1932 findet am 30.
Oktober, vormittags 10 Uhr, in Bad=Nauheim im Bühnenſaal des
Staatlichen Kurhauſes ſtatt. Anträge für den Bundesſängertag
ſind bis 20. September durch die Gaue an die Geſchäftsſtelle
ein=
zureichen.
Der Bundesſängertag befaßt ſich mit dem Bericht des
Bundes=
vorſitzenden über die Bundestätigkeit im abgelaufenen
Geſchäfts=
jahr, dem Arbeitsprogramm für das neue Geſchäftsjahr und den
üblichen geſchäftlichen Angelegenheiten.
Der Bundesvorſtand tritt bereits am Samstag, den 29.
Ok=
tober, im Kurhaus zuſammen, um die Tagesordnung für den
Bun=
desſängertag vorzubereiten. Zur Wahl des Chormeiſters der
Gruppe Starkenburg werden die Chormeiſter dieſer Gruppe am
Samstag, den 24. September, um 15 Uhr, im Bahnhofshotel
Darm=
ſtadt zuſammentreten.
Der Gau Bergſtraße hält ſeinen 6. Gauſängertag am 9.
Ok=
tober in Hähnlein ab. Vor der Tagung findet eine öffentliche
Kundgebung ſtatt, bei der Janoskes „Volksgebet”, „
Heidenrös=
lein”, Dölerts „Tanzlied” und „Deutſchland dir mein Vaterland
zu Gehör gebracht werden. Der Gauvorſtand wird ſich bereits am
10. September im „Deutſchen Haus” in Bensheim mit der
Tages=
ordnung für den Gauſängertag beſchäftigen.
Der Gau Neckartal hält ſeinen Gauſängertag (
Jahreshaupt=
verſammlung) am 2. Oktober in Neckarſteinach im Schwanen ab.
An die Tagung ſchließt ſich ein Belehrungskurſus durch Herrn
Grim an. Die Sänger dieſes Gaues werden um 12.30 Uhr am
Bahnhof mit dem Gaubanner von der Stadtkapelle Neckarſteinach
abgeholt.
Ausflugsfahrten. Die Deutſche Reichspoſt in
Ar=
beitsgemeinſchaft mit dem Verkehrsverein Darmſtadt als
Vertre=
ter des Mitteleuropäiſchen Reiſebüros hat für die kommende
Woche folgende Ausflugsfahrten vorgeſehen: Am Dienstag
6. September, eine Nachmittagsfahrt über Jugenheim.
Balk=
hauſen nach Schloß Lichtenberg. Gelegenheit zum Beſuche des
Naturſchwimmbades. Am Mittwoch, 7. September, auf
vielſeitigen Wunſch eine Wiederholung der Fahrt über
Aſchaffen=
burg nach Rohrbrunn, dem „Wirtshaus im
Speſ=
ſart”. Am Donnerstag, 8. September, nach
Rüdes=
heim zum Beſuch der „Wein=Feſt=Woche” und Auffahrt
zum Nationaldenkmal. Kaffeeraſt im Jägerhaus. Am Sonntag,
11 September, eine herrliche Tagesfahrt über Mainz=Kaſtel,
Wiesbaden. Hohe Wurzel nach Bad Schwalbach, Kurzer
Aufenthalt. Weiter durch das wildromantiſche Wiſpertal.
Von allen Taunustälern iſt das Wiſpertal zweifellos das
groß=
artigſte und von überwältigender Schönheit. Verträumt liegen
einſame Mühlen und kleine Sommerfriſchen, im engen Grund das
Dörfchen Gerolſtein; beiderſeits des Tales Berge des
Kammer=
forſtes mit Ruinen und Burgen. Allzu. raſch erreicht die Fahrt
bei dem altberühmten Weinort Lorch den Rhein. In Lorch
ſehenswert das 5ſtöckige Hilchenhaus, ein alter Giebelbau im
Renaiſſance=Stil. Mitten im Rhein die ſogenannten Toten=Inſeln.
die für ein zu errichtendes Reichsehrenmal im engſten Wettbewerb
ſtanden. Weiter rheinabwärts vorbei an Lorchhauſen. Burgruine
Gutenfels nach Caub. Sehenswert Blücher=Denkmal zur
Erinne=
rung an den Uebergang Blüchers über den Rhein. Neujahrsnacht
1813/14. Bei Caub werden Omnibus und Fahrgäſte nach der
lin=
ken Rheinſeite übergeſetzt. Anſchließend Weiterfahrt rheinaufwärts
nach Bacharach. Mittagstiſch. Sehenswert: Die gotiſche St.
Werner=Kapelle, ſpätromaniſche Peterskirche. Stadtmauer und der
alte Poſthof. Von Bacharach wird die Fahrt über Steeg,
Rhein=
böllen auf kurvenreicher Höhenſtraße mit herrlichem Rückblick auf
Steeg. Bacharach und Rhein. Stromberg (Hunsrück) nach Bad=
Kreuznach fortgeſetzt. Dortſelbſt Gelegenheit zum Beſuche der
großen Herbſtblumenſchau. Von 16 bis 18 Uhr Konzert im
Kur=
garten. Verbilligter Eintritt für die Fahrgäſte. Um 18.15 Uhr
Abfahrt zur Heimreiſe. Sie führt über Gau=Algesheim
Mainz. Groß Gerau nach Darmſtadt. Rückkunft etwa 21
Uhr. Dieſe einzigartige an Naturſchönheiten reiche Fahrt iſt als
etwas ganz beſonderes für die Fahrgäſte zuſammengeſtellt. Sie
wird für jeden Teilnehmer ein unvergeßliches Erlebnis bleiben.
I BIn0
Slefunken 343 hat natürlich keinen
Rückkopplungs-
mehr. Mit drei Ultra-Kreisen trennt er selbsttätig
Dendewellen. Er kostet einschl. Röhren für Wechselstrom
278,—, Für Gleichstrom RM 258,—. Dazu gehört der
anent-dynamische TELEFUNKEN-Lautsprecher D 80.
alten den TElEFUNKEN 343 auch als
Kombinations-
mit eingebautem dynamischem Lautsprecher.
Eingestedt —
und schon getvennt!
Im Telefunken 343 ist jede Station durch den
Selbst-Trenners scharf getrennt von den andern. Sie
brauchen nur auf der Aufo-Skalg einzustellen, was
Sie hören wollen — dann macht der Telefunken 343
alles weitere von selbst. In
jedem Radiogeschäft können Sie
ihn zwanglos sehen und hören.
AALLIOIMNAETA
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Sonntag, 4. Septem:!
Seite 6 — Nr. 246
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Zum Spielbeginn des Hess. Landestheaters 1932/
Die neuen Solo=Kräſte der Oper und des Schauspitts.
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Noch nie hat ein ſo großer Wechſel an ſoliſtiſchen Kräften
ſowohl der Oper wie des Schanſiels ſtattgefunden, wie zu Beginn
dieſer Spielzeit. Acht Fächer der Oper ſind neu beſetzt worden
und mehrere des Schauſpiels. Nur in zwei Fällen — erſte
Altiſtin, zweiter Baß — wurden die Bewerber in Gaſtſpielen
vor=
geſtellt. Bei allen übrigen hat man zum erſten Male, entgegen
ſeitheriger Gewohnheit, davon Abſtand genommen, das Urteil
von Preſſe und Publikum zu befragen. Es bleibt abzuwarten, ob
die übernommene Verantwortung durch den Erfolg gerechtfertigt
wird. Um ſo größer iſt die Spannung, die Eigenſchaften der
An=
kömmlinge kennen zu lernen. Wir ſind in der Lage, dieſes
Inter=
eſſe durch nachfolgende Notizen zu befriedigen und die neuen
Kräfte zum Teil auch im Bilde vorzuſtellen. — Zunächſt
Die Oper:
Inger Karen, die Altiſtin (Nr. 11), die als Amneris
gaſtierte, und durch die Schönheit wie den Umfang ihres
drama=
tiſchen Materials gefiel, iſt in Berlin geboren und erzogen. Nach
kurzer Konzerttätigkeit dort, in Riga und Bayreuth ging ſie zur
Bühne und war in Neuſtrelitz und Koburg angeſtellt. Sie hat die
Ortrud, Kundry. Venus, in der italieniſchen Oper Azurena,
Amneris, Eboli, Ulrica geſungen, auch Carmen und Klytemneſtra.
Ihr erſtes Auftreten hier wird als Marſchallin im
Roſen=
kavalier ſein.
Auch Heinz Schlüter, der Baſſiſt (Nr. 10), iſt uns ſchon
bekannt. Er hat als König im Lohengrin gaſtiert und als Pogner
in den Meiſterſingern. Sein ſchöner, wenn auch nicht ſehr dunkler
Baß und ſein ſympathiſches Auftreten ſprechen für ihn. Er hat
ſeine Ausbildung auf dem Städt Konſervatorium und der
Opern=
ſchule in Duisburg erhalten, 1929/30 war er in M.=Gladbach unter
Legband, 1930/32 in Hagen i. W. angeſtellt. Er hat faſt alle
ſeriöſen Rollen ſeines Faches geſungen, noch nicht Figaro,
Lapo=
rello. Ochs u. a.
Von früher kennen und ſchätzen wir auch Fritzi Jokl (Nr. 1)
als eine kultivierte Koloraturſängerin großen Stils, die nach
ihrer Tätigkeit an unſerem Landestheater nach Frankfurt, dann
nach München kam. Ihre Roſine und Zerbinetta ſind unvergeſſen.
Ihre erſte Rolle wird hier die Sofie im Roſenkavalier ſein.
Charlotte Krauß, die Jugendlich=Dramatiſche (Nr. 7),
und Erna v. Georgi, die „Lyriſche” (Nr. 8), werden die
Rol=
len zu übernehmen haben, die ſeither Anny v. Stoſch, Maria
Kienzl, aber auch z. T. Käte Walter inne hatten. Genaue
Ab=
grenzungen ſind weder möglich, noch nötig, nicht einmal erwünſcht.
Die erſt 24jährige v. Georgi iſt Weſtfalin, ſtaDferte in Leipzig,
Hamburg, Berlin, begann ihre Bühnenlaufbahn erſt vor 2 Jahren
in Duisburg, kam dann nach Dortmund, wo ſie u. a. die Mignon
ſang, die Baronin im Wildſchütz, Agathe, Manon Lescaut, aber
auch die Czardasfürſtin, Gräfin Maritza, ſchöne Galathee.
Char=
lotte Krauß kommt auch von Duisburg=Bochum, wo ſie das
ausgeſprochen jugendlich=dramatiſche Fach hatte, alſo Elſa, Pamina,
Gräfin, Micaela u. a.
Elſa Kment iſt für das Zwiſchenfach verpflichtet, etwa eine
Nachfolgerin von Roſe Landwehr. Sie war zuletzt an der Städt.
Oper in Bremen. Sie wird hier zuerſt als Oktavian in
Roſen=
kavalier auftreten. Das Fach für heldiſche Geſtalten (
Brünn=
hilde, Fidelio, Iſolde) iſt noch nicht beſetzt. Vielleicht denkt man
hierfür nur an Gäſte, wie Elſe Link u. a.
Siegfried Urias, der als Heldenbariton für Lohmann
angeſtellt wurde, kommt ebenfalls vom Stadttheater Duisburg=
Bochum. Der noch junge Sänger muß erſt in ſeine Stellung
hinein=
wachſen. Eugen Onegin wird ſeine erſte Rolle ſein. Für die
ſchwe=
ren Helden (Siegfried, Othello, Rhadames) iſt
Erik Enderlein in Gaſtrollen vorgeſehen, deſſen
her=
vorragenden ſtimmlichen und darſtelleriſchen Eigenſchaften rühmlich
bekannt ſind. Auch an Gaſtſpiele von Albert. Seibert,
vor=
ſüglichen Angedenkens, wird gedacht.
Das Schanſpiel
hat ebenfalls eine Reihe wichtiger Fächer neubeſetzt, und zwar
durchweg mit Kräften, die beſte Leiſtungen gewährleiſten oder
doch nach Gaſtſpielerfolgen und vorliegenden Kritiken erhoffen
laſſen. Wir führen im Bilde vor:
Ernſt Ginsberg, Charakterdarſteller, den Bild Nr. 9
in der Rolle des „feinen Herrn” zeigt. Der Künſtler iſt 1904 in
Berlin geboren und ging nach beſtandenem Abitur ohne
Schau=
ſpielſchule zur Bühne. Mit der Holtorf=Truppe durchzog er in
einer Turnee 1922—24 ganz Deutſchland, ging dann zu den
Kammerſpielen nach München (1924—26. Turnee in die Schweiz).
Dann bis 1928 zum Schauſpielhaus Düſſeldorf, mit dem er auch
in Holland gaſtierte. Seit 1928 gehörte der Künſtler der Berliner
Volksbühne an, gaſtierte in dieſer Zeit faſt an allen Berliner
Theatern und war 1931 mit Eliſabeth Bergner auf Turnee von
Kopenhagen bis Budapeſt. Als weſentlich von ihm geſpielte
Rollen bezeichnet uns Ginsberg u. a.: Mephiſto in „Fauſt” —
Puppenſpiel; Lanzelot in „Lanzelot und Sanderein”; Oreſt in
Iphigenie”; Karl in „Maria Magdalena”; Wurm in „Kabale und
Liebe‟: Canneri in „Frauenverkäufer” (Calderon); Der Soldat
in „Grabmal d. unbekannten Soldaten” (Regie Viedel);
Morti=
mer in „Maria Stuart” (Regie Viedel); Paulus in „Paulus
unter den Juden” (Uraufführung); Octavius Cäſar in „Antonius
und Cleopatra”; Jaques in „Wie es euch gefällt”; Stogumber in
„Heilige Johanna”; Merkur in „Amphitryon” (Girondeaux).
Erwin Faber’s (Nr. 2) künſtleriſche Laufbahn als
Lieb=
haber und in Charakterrollen läßt ebenfalls viel von dem
Künſt=
ler erwarten. Er war bisher in Engagements an den
Mün=
chener Kammerſpielen und Münchener Staatstheater,
Staats=
theater Berlin, Deutſches Theater Reinhardt, Dr. Rob. Klein=
Bühnen. Faber iſt Schüler Albert Heine’s, bei dem er am
Kon=
ſervatorium in Wien ſtudierte. Seine hauptſächlichſten Rollen und
größten Erfolge waren Hamlet, Brutus, Fiesko, Don Carlos,
Mortimer, Angelo (Maß für Maß), Löffelholz (Florian Geyer).
Die erſten drei Brecht=Uraufführungen „Trommeln in der Nacht”,
„Dickicht”, „Eduard II.".
Grete Jacobſen, Salondame und Sentimentale
(Nr. 4), iſt ebenfalls Vertreterin ſtarker künſtleriſcher Eigenart.
Auch ihr Lehrer war Albert Heine. Engagements an der Wiener
Volksbühne, den Münchener Kammerſpielen, dem Deutſchen
Thea=
ter Berlin und den Saltenburg=Bühnen waren beſonders
erfolg=
reich in den Rollen Hedwig in Wildente (Wien), Vaſantaſena,
Viola (Was ihr wollt). Pygmalion (Elizza), Meliſande (Peleas
und Melis). Julia (Romeo und Julia). Marie Baumarchais
(Clavigo), Stumme von Portici (Oper, Berlin) und viele Shaw=
Rollen ſowie ſolche franzöſiſcher Luſtſpiele.
Mine Corinth (Nr. 6) iſt eine Tochter des bekannten
Malers Lovis Corinth. Schülerin von Ilka Grüning, abſolvierte
die Künſtlerin ihr erſtes Engagement am Schauſpielhaus
Han=
nover. Sie wird am Landestheater heitere und ernſte jugendliche
Charakterrollen ſpielen.
Walter Rießland (Bild Nr. 3) vertritt das Fach der
jugendlichen Liebhaber und jugendlichen Charakterrollen) Er
polontierte nach beſtandenem Abitur am Landestheater in
Stutt=
gart, erhielt ſein erſtes Engagement in Mannheim und war
dar=
nach in Freiburg i. Br. An bedeutenden Rollen hat der Künſtler
bisher u. a. geſpielt: Don Carlos, Mortimer, Claudio (Weh dem.
der lügt), Franz (Götz von Berlichingen) Eſſer (Eliſabeth von
England), Marius (Zum goldenen Anker), Fritz Bernt (
Vorun=
terſuchung).
Lilli Palmer (Nr. 5) iſt ein noch unbeſchriebenes Blatt.
Sie ſtudierte 1930—1932 in der Schauſpielſchule Grüning, Berlin,
und tritt ihr erſtes Engagement in Darmſtadt an. Sie wird hier
vorerſt ihr Können als Naive und „Muntere” zu bewei"
genheit haben.
FNe
Wünſchen wir in beiderſeitigem Intereſſe von Hemeſſe
ſich die Eingewöhnung der neuen Künſtlerinnen und Küm
ihre Zuſammenarbeit mit dem Stamm=Enſemble ſchnell —il
und erfreulich entwickeln möge. Die Künſtler wiſſen —
Intendant Hartung hat es erſt vor berufenem Forung ſiBheate
ſprochen —, wie kaum in einer anderen Stadt werder inſenrli
Qualität der Vorſtellungen ſo hohe Anforderungen geſtell1 0u Louſt
Darmſtadt. Unſer Theaterpublikum iſt verwöhnt, dahoe us Bein
tiſch. Um ſo verſtändnisvoller aber ane-/
es ernſtes Künſtlertum, wenn es ſich au hüe
reichendes Material, glückliches Temper Alſch.
ſche Anzei
und echte Begabung ſtützen kann.
mnan noch
Sommer=Ausſtellung Mathildenhöhe.
Nach den jetzt zu Ende gegangenen Sommerferien ſc”
beſonderer Lebhaftigkeit die Beſuche der hieſigen und ausra
Schulen, geführt von ihren Lehrern, wieder ein. Dabe
zwiſchen den Lehrern und den anweſenden Künſtlern für dß
ler höchſt intereſſante Zwiegeſpräche ſtatt, die Maler eröff !
mit der Jugend ſpannende Momente der Erſtehung ihre/ß
leriſchen Arbeiten, die die Schüler unmittelbar in die V.
der Künſtler führt. Aber auch das kunſtſinnige Darn
Publikum, das ſich bekanntlich den Beſuch einer Kunſtaus”
in Darmſtadt immer auf die letzten Tage aufbewahrt, ſpr
Beſuche der Ausſtellung auf der Mathildenhöhe jetzt ſehr re
hafter zu, ſo daß eine Geſamtbeſucherzahl von weit mehr 9
zu verzeichnen iſt. Während der Dauer der Ausſtellung
Mathildenhöhe iſt kein einziger Tag unter 15 Beſuchern
worden, was für das kunſtſinnige Darmſtädter Publi”
beſten Sinne ſpricht. Von den Preſſeäußerungen über d0
jährige Sommerausſtellung auf der Mathildenhöhe wäre.
ſonders zu erwähnen die der bekannten Kunſtzeitſchriſt!4
Kunſt” (Verlag Bruckmann. A=G., München) — unt
derem: „Ringen um Qualitätsanſpruch, das Prinzip 0ss
wiſſen Ausleſe, das ſind die Zeichen dieſer Sommerausſtell!e
Darmſtädter Gruppe, die ſich damit deutlich gegen den
Sammeleifer des durchſchnittlichen provinziellen Ausſtell l.
triebs abgrenzt. Eine Sonderſchau „12 Maler malen einrt
gibt einen zügigen Titel. Das Schwergewicht der
Aus=
liegt außerhalb dieſes intereſſanten Verſuches, an dem inta
wie ſich die wechſelnden Künſtlernaturelle und Talente
gemeinſamen Aufgabe bewähren”.
Lokale Veranſtallungen.
Die blerunter erſchelnenden Noiizen ſind ausſchließlich als Hinweſſe auf Anzeige P7
im keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritl.
—Im Herrengarten=Café heute von 11—1 1h77
konzert, ſowie Nachmittag= und Abend=Konzert.
—Städt. Saalbau. Heute. Sonntag abend:
ſchafts=Abend, Konzert mit Tanz, bei freiem Eintritt,
heutige Anzeige.)
—Schuls Felſenkeller. Heute, Sonntag, den 22
in Schuls Felſenkeller. Dieburger Straße: Großes Streicht=”
ausgeführt vom Stadtorcheſter, unter perſönlicher Leitungs
Kapellmeiſters Willy Schlupp. Beginn um 5 Uhr nachſt
bei freiem Eintritt. (Siehe Anzeige.)
Tageskalender für Sonntag, den 4. September 193e*
Union=Theater: „Es war einmal ein Walzer”. — Helle
ſpiele: „Der tolle Bomberg” — Palaſt=Lichtſpiele: „Godl.
— Konzerte: Herrngartenkaffee. Caſs zur Over, Hotel9”
Poſt. Bockshaut. Verkeo, Waldſchlößchen AnenerKrone=
keller. Schuls Felſenkeller. — Städt Saalbau: Geſel 29
abend, Konzert mit Tanz. — Hotel Hufnagel, Seeheill”
ab 5 Uhr.
1. September 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 246 — Seite 7
Kleinſte Waldpolizei.
im Tiereich tobt der Kampf ums Daſein. Es geht
errang zur Erzeugung der künftigen Generation, in
iche aber um Freſſen oder Gefreſſenwerden. Ueber
ten Nebenbuhler dröhnt der Siegesſchrei des
Rot=
nter den Prankenſchlägen und dem zermalmenden
Ge=
inen bricht ſelbſt der wehrhafte Büffel zuſammen. Aber
vei, den höheren Tieren, — bis zu den niedrigſten For=
„Heweſen findet ſich dieſes unbarmherzige Recht des
„Jedes Geſchöpf hat ſeine Feinde in mehr oder min=
Xahl, je nach dem Grade ſeiner Fruchtbarkeit. Dieſe
iſt eine weiſe Einrichtung, dazu beſtimmt die Natur
wicht zu halten. Wo der Menſch dieſes Gleichgewicht
ſcm noch immer verhängnisvoll geworden. Die beſte
eines Ueberhandnehmens irgendeiner Tierart iſt
den meiſten Fällen Schutz und Förderung ihrer
Ver=
z vielerlei Schädlingen des Waldes aus dem Reiche
wie beiſpielsweiſe Nonne, Forleule,
Kiefernbuſch=
ſpe und wie ſie alle heißen, die oft ungeheuerliche
gurchten, wird man am ſicherſten begegnen können.
die Tierarten ſchützt und zu vermehren trachtet, die
ſer nähren. Dazu gehört nicht allein die Vogelwelt,
„ihe als gefiederte Waldpolizei nie hoch genug bewertet
ſondern auch eine Anzahl von noch kleineren Geg=
Schädlinge, die ſelbſt dem Reiche der Inſekten
ent=
e Laufkäfer ſind hier vertreten vor allem mit dem
andläufer und dem prächtig grüngolden gefärbten
ger. Raubfliegen ſuchen ſich ihre Opfer,
Raupen=
ihre Eier an die Raupen, Schlupfweſpen finden die
zfür ihre Nachkommenſchaft.
Polizeiberichk.
ſichkeitsverbrecher. Am Montag, den 22. Auguſt 1932,
und 19 Uhr, wurde ein am Johannesplatz ſpielendes
ſtädchen von einem Manne in ſeine Wohnung gelockt
züchtige Handlungen an ihm begangen. Das Kind
verletzt, ſo daß es in das Stadtkrankenhaus
aufge=
den mußte. — Perſonen, die in dieſer Sache
Wahrneh=
nacht, vielleicht auch den Mann mit dem Kinde
ge=
werden gebeten, dies alsbald der Kriminalabteilung,
31/33, Zimmer 5. mitzuteilen.
nung. Bei einem Arzt in Darmſtadt erſchien ein
Pa=
ſch. Lang aus Reinheim. Lang ließ ſich behandeln und
ſorphiumeinſpritzung machen. Dem Arzt erklärte er
ei Mitglied der Ortskrankenkaſſe Dieburg. Dieſe
An=
alſch. Lang wird von der Ortskrankenkaſſe Dieburg
bezeichnet.
ſeecher dingfeſt gemacht. Der Steinhauer Max
Rei=
am 11. April 1908 zu Bernhardsberg bei Paſſau,
eines in Allertshofen begangenen Einbruchdiebſtahls
feſtgenommen. Er hatte Tabakwaren größeren
Um=
ſinen erheblichen Bargeldbetrag geſtohlen.
Während=
größten Teil der Tabakwaren noch im Beſitz hatte,
ſur Stunde das geſtohlene Geld noch nicht ſichergeſtellt
Teil des Geldes hat er bereits verausgabt. Er hat
und Wäſche dafür gekauft
nr einen Baum geſteuert. In der Nacht vom 2. zum 3.
932, gegen 5 Uhr, iſt der Führer des Kraftwagens
enzeichen 1S 8587 auf der Fahrt von Nieder=Ramſtadt
mdt in der Nähe des Stadions gegen einen Baum
ge=
eer und ein weiterer Fahrgaſt wurden erheblich ver=
Stadtkrankenhaus Darmſtadt eingeliefert. Das Auto
n Trümmer; es mußte durch die Feuerwache
abge=
ver.
uge Schlägerei in der Altſtadt. In der Nacht vom 2.
mber 1932, gegen 3 Uhr, entſtand vor der Wirtſchaft
chen” eine Schlägerei zwiſchen Gäſten des beſagten
blich verletzt wurde hierbei ein Weißbinder Richard
es Erzhauſen. Krehkamp wurde mit blutenden Wun=
Gtadtkrankenhaus verbracht.
In Erkenntnis der Bedeutung dieſer Schädlingsbekämpfer iſt
man neuerdings dazu übergegangen, Schlupfweſpen zu züchten.
um in bedrohten Gebieten ſchnellſtens eine ſtarke Kampftruppe
anſetzen zu können. Zur Verſendung kommen dabei nicht etwa
die fertigen Inſekten, ſondern auf Karten aufgeklebte
Motten=
eier, in denen die Schlupfweſpen ihre eigenen Eier abgelegt
haben. Nach einem Zuchtverſuch im zoologiſchen Inſtitut der
Forſtakademie Tharandt ſcheint aber bei der Vertilgung der
Rau=
pen die Tätigkeit der Raupenfliegen eine noch größere
Bedeu=
tung zu haben als die der Schlupfweſpen. Bei der Aufzucht von
100 Kieferneulenraupen ſchlüpften neben 36 Faltern 46
Raupen=
fliegen und nur 18 Schlupfweſpen verſchiedener Arten. Nicht zu
vergeſſen unter der Polizeimacht der Kleinen iſt das Heer der
Ameiſen, das durch Vernichtung von Schmetterlingsraupen und
anderen ſchädlichſten Inſekten wertvollſte Arbeit verrichtet. In
Re=
vieren mit zahlreichen Ameiſenkolonien iſt ein Ueberhandnehmen
der Schädlinge kaum zu befürchten
Während die Vermehrung von Schlupfweſpen bzw.
Raupen=
fliegen zum rechtzeitigen Einſatz nur eine Aufgabe beſonders
da=
mit beauftragter Inſtitute ſein kann muß der Schutz der
Ameiſen=
kolonien jedem Beſucher der deutſchen Wälder ans Herz gelegt
werden. Es iſt ein unüberlegtes Beginnen, den Zerſtörungstrieb
an den in emſiger Arbeit geſchichteten Haufen auszulaſſen. Das
Sammeln von Ameiſenpuppen, das den Ameiſenſtaat in Gefahr
bringt, iſt gleichbedeutend mit einer Schädigung des Waldes.
Alle dieſe vorgenannten kleinen Kämpfer und noch eine Reihe
anderer von minderer Bedeutung haben die Beſtimmung, zu dem
Gleichgewicht in der Natur des Waldes beizutragen und ſo die
geſunde Entwicklung eines unſchätzbaren Gutes der Nation zu
fördern.
Ernken für alle.
Aus Heſſen.
Jüa lnion=Theater ſieht man nur noch heute und morgen
ſigerth und Rolf von Goth in Franz Lehars neueſter
n=trette „Es war einmal ein Walzer”.
DſeHelia=Lichtſpiele zeigen nur noch heute und morgen
ſitzinn Tonfilm=Luſtſpiel „Der tolle Bomberg‟ (Der Stolz
ürazſice).
Dieſalaſt=Lichtſpiele bringen nur noch heute und morgen
Uerneeſten Tom=Mix=Film „Goldfieber”, in dem man den
ten „Cwboy=Darſteller Tom Mix in aufregenden
Wildweſt=
euerc ewundern kann.
Reili heater. Bei beſter Tonwiedergabe hört man im
Reſi=
er dichherrlichen Geſang Richard Taubers in „Melodie der
eſmr Tonfilm aus dem Privatleben des großen Tenors.
einiues Beiprogramm.
Stch. Am Montag abend, 8 Uhr, gibt Schachmeiſter
ſiublweine Simultan=Vorſtellung im Klublokal des Darm=
Shhklub, Fürſtenſaal, Grafenſtraße. Gäſte ſind
will=
ſen. UEehe Anzeige.)
* Kiſy man noch im Herbſt auf Urlaub fahren?
Merkwür=
weiſtſ gauben viele Leute immer noch, daß ſich nur der
Hoch=
er zuſinUrlaub eigne. Es iſt jedoch eine altbekannte Tatſache,
Hleiſt das Wetter meiſt beſtändiger und die Temperatur
llichier iſt. Die letzten zwei Jahre haben aufs neue
ge=
aßt ommer und Sonnenſchein nicht unbedingt zuſammen=
Drch außergewöhnlich billige Sonderfahrten ermöglicht
ſchehn weiteren Kreiſen eine Erholungsfahrt auch im
onderzüge nach Oberammergau im Juli und Auguſt
eitw ſehr guten Erfolg, ſo daß eine Wiederholung vom
ſrember, und vorausſichtlich auch am 2. Oktober
wäh=
hrhſtferien, ſtattfindet. Proſpekte und Anmeldung bei
EMNeiſebüros und Fahrkartenausgaben. (Siehe auch An=
Wnlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
Erkran=
grötlſe Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
„4 Jenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonn=
ASeptember, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung be=
Ore td. Hammer, Karlsſtraße 95, Tel. 632; Dr. med.
ar Riedeſelſtraße 37, Tel. 880; Dr. med. Vidal,
Sſtratz25. Tel. 1110.
uahen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
d9A Woche denNachtdienſt vom 4. September bis 10. Sep=
Merckſche Apotheke, Rheinſtr. 9, und die Beſſunger
Attmannsſtraße 1.
Stsukalender, Berichtigung. Am 10. September iſt
Eikommenſteuer ſelbſt fällig, nicht der Zuſchlag
cmen über 8000.— RM., Ledige und Aufſichtsrats=
Dg. Arheilgen, 3. Sept. Obſt=ſund
Gartenbauver=
ein. Bezüglich des gemeinſamen Bezuges von Obſtbäumen durch
die Landwirtſchaftskammer weiſt der hieſige Obſt= und
Gartenbau=
verein darauf hin, daß es zweckdienlich ſei, ſich zwecks
Sortenaus=
wahl mit dem Vorſitzenden des Vereins ins Benehmen zu ſetzen.
Geliefert werden nur Standardſorten in neuzeitlicher Sortierung.
Beſtellungen müſſen bis ſpäteſtens 25. ds. Mts. erfolgen.
Gkeich=
zeitig ſei auf die im Vorjahre errichtete moderne Kelterei=Anlage
des Vereins zum Keltern von Obſt uſw. aufmerkſam gemacht, die
ihren Betrieb eröffnet hat und zu regem Gebrauch empfohlen ſei.
— Grummetgrasverſteigerung. In der Wirtſchaft
„Heiliges Kreuz” in Darmſtadt wird am Montag, den 5.
Septem=
ber, vormittags 8 Uhr, das Grummetgras von den fiskaliſchen
Wieſen durch das Forſtamt Kranichſtein verſteigert. —
Geburts=
tagsfeier der Sechzigjährigen. Die Sechzigjährigen
haben in einer Zuſammenkunft beſchloſſen, eine gemeinſame
Ge=
burtstagsfeier zu veranſtalten, jedoch in Anbetracht der
wirtſchaft=
lichen Verhältniſſe in engerem Rahmen. Es wurde eine
Kom=
miſſion gebildet, die das Programm zu der Feier, die am 24.
Sep=
tember im Gaſthaus „Zum Darmſtädter Hof” ſtattfinden ſoll.
aus=
arbeiten wird. Eine nochmalige Zuſammenkunft findet am
Sams=
tag, den 10. September, ſtatt.
F Eberſtadt 3. Sept. Aerztlicher Sonntagsdienſt.
Den ärztlichen Sonntagsdienſt verſieht am Sonntag, den 4.
Sep=
tember, Dr. med. Gaßner — Beratungsſtunde. Am
Mon=
tag, den 5. September, nachmittags von 3—4 Uhr, findet in der
Gutenbergſchule wieder eine Beratungsſtunde der Mutter= und
Säuglingsfürſorge ſtatt. — Offenlage des
Gemeinde=
voränſchlags. Der Gemeindevoranſchlag für das Rj. 1932
liegt ab Montag, den 5. September, während einer Woche auf
Zimmer 4 der Bürgermeiſterei zu jedermanns Einſicht offen.
Wäh=
rend der Offenlegungsfriſt können Einwendungen über ſeinen
In=
halt ſchriftlich oder mündlich vorgebracht werden.
Cp. Pfungſtadt, 3. Sept. Die diesjährige Kirchweihe findet
am 11. und 12. September ſtatt.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 3. Sept. Aepfeldiebſtähle.
Neuer=
dings werden aus der Umgegend größere Aepfeldiebſtähle
gemel=
det. Die Täter, einige Ober=Ramſtädter junge Burſchen, begeben
ſich des Nachts mit einem Perſonenauto auf die Tour, ſchütteln
die Obſtbäume und verſchwinden mit dem Ertrag, um ihn tags
darauf in der Stadt abzuſetzen. Auf dieſe Weiſe ſind den Dieben
bereits einige Zentner Aepfel in die Hande gefallen. Die Diebe
ſind zwar ermittelt, doch iſt ſchärfſte Beobachtung am Platze. Das
Auto iſt ein kleiner Perſonenwagen, hat rotgelben Anſtrich und trägt
die Kenn=Nr. V8 1793.
s. Traiſa, 2. Sept. Obſt= und Gartenbauverein. Auf
die am Montag, den 5. d. M im Vereinslokal „Heſſiſcher Hof”
(Ph. Walter) ſtattfindende Mitgliederverſammlung wird
auf=
merkſam gemacht und um zahlreiche Beteiligung gebeten.
C. Ober=Ramſtadt, 3. Sept. Reinigung der Straßen.
Nach den Beſtimmungen des Lokalpolizeireglements vom 16. Mai
1893 liegt den Eigentümern von Hofreiten, Gärten und
unbebau=
ten Grundſtücken die Verpflichtung ob, für die Reinhaltung und
Wegſamkeit der Ortsſtraßen, ſoweit dieſelben vor ihrem Beſitze
herziehen, zu ſorgen. Es iſt die Beobachtung gemacht worden, daß
dieſe Beſtimmungen zum Teil überhaupt nicht mehr beachtet, ihnen
teilweiſe aber auch nur unzulänglich Rechnung getragen wird. Die
Ortspolizei= und Gendarmeriebeamten werden deshalb künftig auf
die wöchentlich zweimalige Straßenreinigung durch die dazu
Ver=
pflichteten ein beſonderes Augenmerk richten und Säumige zur
Anzeige bringen.
Bk. Schaafheim, 4. Sept. Im Walde verirrt. Ein
bie=
ſiger Einwohner war dieſer Tage mittags in den Wald gegangen,
um Pilze zu ſammeln. Dabei verirrte er ſich und wurde von der
Dunkelheit überraſcht. Stundenlang irrte er in den ausgedehnten
Waldungen planlos hin und her, ohne aus dem Walde
heraus=
zukommen. Währenddeſſen hatte ſich ſeiner Familie zu Hauſe eine
begreifliche große Aufregung bemächtigt. Als er gegen
Mitter=
nacht noch nicht zur Hauſe war, alarmierte man etliche 20 junge
Männer, die mit Fahrrädern, Blendlaternen und einer
Signal=
trompete bewaffnet den Wald abſuchten. Ihre Bemühungen
waren nach zweiſtündigem Suchen von Erfolg gekrönt. Ungefähr
um 2 Uhr nachts, nachdem man unter fortwährenden Rufen und
Trompetenſignalen den Wald durchſtreifte, hörte man auf einmal
Gegenrufe. Die Männer gingen darauf zu und hatten das Glück,
den verlorenen Schwammerljäger baldigſt geſund und munter zu
finden und ſeinen geängſtigten Angehörigen zuzuführen.
D. Fränkiſch=Crumbach, 4. Sept. Sehr hohes Alter.
Bei guter Geſundheit feiert Frau Dorothea Rauth, geb. Seibert,
am Sonntag, den 4. September, ihren 99. Geburtstag. Noch
täg=
lich ſieht man unſer „Dortelchen” in den Ortsſtraßen, um ihre
ge=
wohnten Beſuche zu machen. Die hierbei geführten
Unterhaltun=
gen beſtätigen ihre volle geiſtige Rüſtigkeit. Unſere Jubilarin
dürfte wohl zu den älteſten Einwohnern Heſſens gehören. Es iſt
ihr feſter Wille, im nächſten Jahre den „Hundertſten” zu begehen.
Immer noch ſpendet das Jahr. Wir brauchen eigentlich nur
die Hände aufzutun. Die Apfelbäume an den Landſtraßen ſind
überreich behängt mit roten und gelben Früchten. Ein herrlicher
Anblick iſt das, ein erfreulicher Reichtum. Es iſt faſt unbegreiflich,
daß nicht längſt jede Chauſſee und Landſtraße in Deutſchland mit
Obſtbäumen bepflanzt wurde, — was für eine Mehrung des
Volks=
vermögens würde es bedeuten, wenn überall an jeder Straße Obſt
geerntet werden könnte! Was in Süddeurſchland möglich iſt, müßte
doch auch in Norddeutſchland durchgeführt werden können. Auch
Edelkaſtanien und Walnußbäume würden ſich für viele Gegenden
vortrefflich eigen. Linden, Eichen, Roßkaſtanien, Ebereſchen und
andere Straßenbäume ſind ſicherlich ein ſchöner Schmuck für das
Landſchaftsbild, aber heute, da jedes Land ſo ſehr darauf bedacht
iſt, ſeinen inneren Reichtum zu mehren, kann unſer Vaterland es
ſich eigentlich nicht mehr leiſten, dieſe große Erntemöglichkeit außer
Acht zu laſſen. Pflanzt Nutzbäume! Dieſe Mahnung müßte an
alle deutſchen Städte und Gemeinden ergehen. Wenn der Ertrag
auch in den erſten Jahren nur gering ſein kann, wird er ſich doch
ſchnell ſteigern und dann manchem Menſchen zu Arbeit, Nahrung
und Einkommen verhelfen.
Wohin wir ſehen, ſinden wir Schätze des Landes, die wir
ernten können. Die Wälder ſind voller Pilze und Beeren, an
Hecken und Zäunen finden wir Brombeeren, die Büſche hängen
voller Holunderberen, und ſelbſt die Heckenroſenſträucher möchten
uns beſchenken: die roten Hagebutten leuchten uns lockend
ent=
gegen. Unbegreiflich, daß man auch nur eine einzige Hagebutte
umkommen läßt! Sie liefern ja doch das ſchönſte Kompott, das
man ſich nur wünſchen kann, und das bekanntlich Goethes
Lieb=
lingsſpeiſe war. Ja ſelbſt die Kerne der Hagebutten kann man
noch brauchen, da ſie getrocknet einen wohlſchmeckenden und
ge=
ſunden Tee liefern.
Die Kenntnis unſerer natürlichen Hilfsquellen iſt etwas
un=
geheuer Wichtiges. Man ſollte dies die Kinder in der Schule mit
zu allererſt lehren. Man ſoll ihnen zeigen, wie die einheimiſchen
Kräuter und Früchte nutzbar zu machen ſind. Löwenzahn und
Brenneſſel ergeben mit ihren jungen Blättern wohlſchmeckende
Ge=
müſegerichte. Sie ſind ſo reichlich vorhanden, daß viele davon
nehmen können! Lindenblüten und Pfefferminze ſoll man ſammeln
und trocknen, um Tees daraus zu gewinnen, die geſünder ſind als
der fremde Tee, für den wir viel Geld bezahlen müſſen, während
wir den andern ganz koſtenlos haben, vorausgeſetzt nur, daß wir
Beſcheid wiſſen! Kümmel und Beifuß finden wir auf unſern
Wie=
ſen zur Genüge, der Reichtum der Pilze ſchenkt uns manches
Gericht.
Es iſt wie ein verwundertes Staunen, daß es dieſes alles heute
noch gibt. Wenn früher in alten Zeiten jeder ſich das Wildbret
ſchießen konnte, nach dem ſein Sinn ſtand, wenn Seen und Flüſſe
jedem, der wollte, von ihrem Reichtum ſpendeten, ſo ſind Jagd und
Fiſcherei gleich allen andern Erwerbszweigen längſt in feſte Hände
übergegangen, und man muß teure Pacht zahlen, wenn man dieſe
Gewerbe — auch nur als Liebhaber — ausüben will. Dennoch
aber iſt es möglich, von den Broſamen, die von dem reichen Tiſche
der Natur übrig bleiben, etwas abzubekommen. Hier haben noch
alle ein gleiches Recht, und niemand iſt ein Stiefkind.
Und es iſt noch etwas anderes bei dieſem ſtillen Ernten; wir
tragen nicht nur die Werte mit heim, die wir in unſere Körbe
ſammeln, ſondern wir haben auch noch einen ſeeliſchen Gewinn,
denn wir lernen alles, was in der Natur vorgeht, ſehen und
beob=
achten. Wir bekommen ſchärfere Augen und werden ganz
allmäh=
lich zu innigen Freunden der Natur. Sind wir aber das, ſo wird
manche ſchwere Stunde uns leichter ertragbar. Und wir haben
von dieſer ſtolzen Kameradſchaft großen inneren Gewinn. Die
Natur verſteht zu ſchenken, ohne den Beſchenkten zu demütigen,
das iſt das Wundervolle daran.
Skraßenraub an einem 11jährigen Mädchen.
Groß=Bieberau, 3. September.
Die 11jährige Tochter des Drehers Georg Böhm in Groß=
Bieberau wurde am Donnerstag nachmittag von ihren Eltern
nach Reinheim geſchickt, um in der Apotheke Arznei zu holen.
Da=
bei wurde das Kind auf der Landſtraße von einem Mann in den
Straßengraben gezerrt. Er riß ihm die Handtaſche aus der Hand
und zog dem Mädchen außerdem die Schuhe und Strümpfe aus.
De: Mann hat das Kind am Schreien verhindert und ihm mit
einem Stock über die Naſe geſchlagen. Unzüchtige Handlungen hat
er an dem Kinde nicht vorgenommen. Die Strümpfe des Kindes
wurden von der Polizei inzwiſchen 500 Meter von dem Tatort
entfernt im Straßengraben gefunden. Der Täter ſelbſt konnte noch
nicht feſtgeſtellt werden.
Cd. Michelſtadt, 3. Sept. Autounfall. Geſtern nachmittag
ereignete ſich in der Erbacher Straße ein Verkehrsunfall, der nöch
verhältnismäßig glücklich abging. Ein fremdes Auto, von einer
Dame geſteuert, kam von Erbach her, als auch J. Schmelz ſeinen
Omnibus in ſeinen Hof fahren wollte. Dadurch war auch die
Straße etwas verengt, und erfaßte das fremde Auto ein in der
Floßrinne, alſo nicht mehr auf der eigentlichen Fahrbahn
ſtehen=
des im Haushalt des Buchhändlers Kraft beſchäftigtes Mädchen,
das noch das Kraftſche Kind auf dem Arme hatte. Es wurde einige
Meter weit geſchleift, bis das Auto zum Stehen kam, und erlitt
das kleine Kind einen Oberarmbruch, während das Mädchen mit
leichteren Verletzungen davon kam.
Ci. Erbach, 4. Sept. Geſellenprüfung. Die
Anmel=
dungen zur Geſellenprüfung des hieſigen Ortsgewerbevereins ſind
bis zum 12. September an Herrn Direktor Weſtphal, den
Vorſitzen=
den des Prüfungsausſchuſſes, einzureichen. Die
Anmeldungsvor=
drucke ſind in der Staatlichen Fachſchule hier zu haben; auch
wer=
den ſie auf ſchriftliches Erſuchen hin den Bewerbern zugeſandt. —
Billige Theaterfahrt. Das Poſtamt Erbach unternimmt
am morgigen Sonntag bei genügender Beteiligung eine
Theater=
fahrt nach Darmſtadt zur Aufführung „Im weißen Rößl‟. Der
Preis für Hin= und Rückfahrt mit Poſtomnibus einſchließlich
Theaterplatz (1. Sperrſitz) beträgt 4.— RM. Die Abfahrt von
hier erfolgt um 17.30 Uhr. Auch zur Michaelis=Meſſe in
Milten=
berg läßt das Poſtamt am gleichen Tage einen Omnibus laufen.
Hierfür iſt die Abfahrt, auf 12.15 Uhr angeſetzt. —
Aerzt=
licher Sonntagsdienſt. Iſt am Sonntag wegen plötzlicher
Erkrankung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt, wenn der Hausarzt
nicht erreichbar iſt, Herr Dr. med. Bergſträßer zu deſſen
Vertre=
tung bereit. — Ausder „Haſſia”. Im Haſſiabezirk Erbach
ſind 31 Vereine mit insgeſamt 1783 ordentlichen und 45
außer=
ordentlichen Mitgliedern zuſammengeſchloſſen. Daneben umfaßt
er noch 42 Schützen und 11 Mitglieder der Jugendabteilung. —
Aus der Landwirtſchaft. Kommenden Mittwoch, den
7. September, vormittags um 7 Uhr beginnend, findet für hier
und Umgegend unter dem Vorſitze des Herrn Veterinärrates Dr.
Schrauth ((Wald=Michelbach) die Körung der Faſeltiere ſtatt. Für
die zur Begutachtung vorzuführenden Tiere ſind die Körſcheine
vorzulegen. Tiere, von denen dieſe Urkunden nicht vorliegen,
werden nicht begutachtet. Es wird außerdem noch auf Koſten des
Eigentümers ein neuer Körtermin anberaumt. Es können auch
Neukörungen vorgenommen werden. Viehbeſitzer die Tiere hierzu
bringen wollen, haben dies umgehend dem Vorſitzenden der
Kör=
kommiſſion mitzuteilen.
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Anna Otto, geb. Weis, Witwe
des Oberregierungsrats Otto,
Luiſe Buchhold, geb. Weis,
Geh. Schulrat Dr. Buchhold,
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Die Beerdigung findet Montag, den 5. September,
11 Uhr vormittags, von der Kapelle des alten
Friedhofs aus ſtatt. (12303
Die Herstellung von Matratzen geschieht
bei mir auf Wunsch im Beisein des
Käufers. Sehr wichtig ist es, daß nur
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Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme bei
dem Heimgang meiner lieben Frau, unſerer guten
Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau Elijabeiye 4dumann
geb. Heß,
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren innigſten Dank.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
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Weiterſtadt, den 3. September 1932. (12304
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Anläßlich des Heimgangs unſerer lieben Mutter
Hau Matne Mria, ges. Mroig
ſind uns viele Beweiſe warmer Anteilnahme
zuge=
gangen. Wir ſprechen hiermit allen, beſonders Herrn
Pfarrer Köhler, unſeren herzlichen Dank dafür aus.
12302)
Im Namen der Hinterbliebenen:
Profeſſor Heinrich Frick.
z. Zt. Darmſtadt, Roßdörferſtraße 51½.
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Facharzt für Lungen-Krankheiten
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Blumenſpenden bei dem Heimgang unſerer lieben
Entſchlafenen
Anna Sang
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ſagen wir Allen innigen Dank.
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Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
jaubenſchießen des Heſſiſchen Jagdklubs
liche Anzahl von Mitgliedern des Heſſ. Jagdklubs
ahren Damen auf dem Hügel unterhalb der
Schloß=
überg ein, wo der Beſitzer des bekannten Hotel=
„Schloß Lichtenberg”, Herr Bürgermeiſter Schellhaas,
einen Wurftaubenſtand errichten ließ, der dem
„u1b alljährlich zur Abhaltung eines Preisſchießens
zſr derpreis vom Schloß Lichtenberg zur Verfügung
ſeal gelegen iſt dieſe Wurftauben=Schießanlage, von
Me entzückt über Berg und Tal, über Wald und Flur
ſeußerſt intereſſant auch das Schießen von dieſem
der an die Schützen ganz neue Aufgaben ſtellt —
avenn die Maſchinen die Tontauben vom hohen
Tiefe des Tales werfen.
uden verhältnismäßig recht gute Reſultate erzielt.
dachtenswerte Leiſtung vollbrachte der langjährige,
chriftführer der Ortsgruppe Offenbach des Heſſ.
berr Andreas Rupp, Offenbach a. M., der mit
yon 20 Tauben Sieger wurde und damit die
An=
uf den Wanderpreis errang.
un derpreis, eine prächtige Kriſtallvaſe mit
Silber=
vamurn zweiten Mal von Herrn Bürgermeiſter
Schell=
ſhenswürdiger Weiſe geſtiftet, nachdem der erſte
wu im Vorjahre endgültig in den Beſitz unſeres
Alt=
z,Fhriſtoph Müller, Sprendlingen, überging.
wo Schießen luden die Räume des Hotels zum
fröh=
oe ein; eine flotte Muſik ſorgte für Unterhaltung.
yis verteilung nahm der geſchäftsführende Vorſitzende
undklubs, Herr Vonderheit, vor, der herzliche
ſeBegrüßung an die zahlreichen Teilnehmer richteie
ᛋfüiges Horrido auf die opferwilligen Spender der
ihrengaben ausbrachte, mit denen der Gabentiſch
eſnſchückt war.
cießleiter, Herr Waffenmeiſter Hübner, dankte
in Lichkenberg i. ddw.
zentien ſo wohlgelungenen Verlauf nahm.
ſegebnis der einzelnen
Schießkonkur=
e nugr wie folgt:
röfrungsſchießen (Klaſſe A) — 10 Tauben: 1. Peter Kraft,
gräfbbruch 8 Treffer, dabei 7 mit dem erſten Schuß.
tiſtryMüller, Sprendlingen, 8, 7: 3. Gg. Schwarz,
Offen=
üi= Otto Hofmann, Mainz, 8 6; 5. Andreas Rupp,
hadkt, 3: 6. Heini Kraft, Gräbenbruch, 5, 1.
röf rungsſchießen (Klafſe B) — 10 Tauben: 1. Direktor
Amſtadt, 8, 4: 2. Aug. Schöberle. Mainz, 7, 7:
Mur, Gernsheim, 6, 6: 4. Dipl.=Ing. Grimmig,
Darm=
iſ Dr. Heußer, 4, 4.
ſchietzu um den Wanderpreis (Klaſſe A) — 20 Tauben:
„dreutRupp, Offenbach a. M 19, 15: 2. Otto Hofmann,
1814; 3. Chriſtoph Müller, Sprendlingen, 16, 14:
int jſhrft, Hof Gräbenbruch, 16, 9: 5. Gg. Schwarz,
Offen=
a. 20.14, 12; 6. Peter Kraft, Hof Gräbenbruch, 14, 10.
Schielz um den Wanderpreis (Klaſſe B) — 20 Tauben:
rektuhn Zonte, Darmſtadt, 13, 9: 2. Th. Bauer, Gernsheim,
: lng. Schöberle, Mainz, 12, 10; 4. Oberreallehrer
Tſrnſtadt, 11, 8; 5. Förſter Fritz Klipſtein,
Darm=
ſartennhießen (Klafſe A) — 10 Tauben: 1. Gg. Schwarz,
bachr M., 9, 8: 2. Heini Kraft, Hof Gräbenbruch, 8, 7;
Meift, Hof Gräbenbruch, 8, 7: 4. Otto Hofmann Mainz,
ſſoreas Rupp, Offenbach a. M., 8, 6: 6. Chriſtoph
Eüyndlingen, 7. 7.
ſvhrtanhießen (Klaſſe B) — 10 Tauben: 1. Förſter Fritz
ſein, Armſtadt, 6, 6: 2. Oberreallehrer Haſter, Darmſtadt,
ſü Heußer, 5, 3: 4. Direktor Bonte, Darmſtadt, 5, 3;
Hauſtt ehöberle, Mainz 4, 4.
ſen eſätuß bildete ein Eintaubenſchießen, bei dem 1. wurde:
ſoph; Tüller, Sprendlingen; 2. Gg. Schwarz, Offenbach;
dreas Kupp, Offenbach.
Aus den Gemeinderaksſihungen.
hiß=Zimmern, 3. Sept. Gemeinderatsſitzung.
daß luffliegen, der letzten Gemeinderatsſitzung war die
Sordſlg nur teilweiſe erledigt und deshalb eine neue
fü geſtern abend angeſetzt. Nachdem der
Bürgermei=
ſeinet Lißbilligung über die letzten unliebſamen
Vorkomm=
die „uyt dem Anſehen der Gemeinde dienen, Ausdruck
ge=
hatt/orachte die KPD. zwei Dringlichkeitsanträge ein. Zu
ufſteilng der Gehälter der Gemeindebamten teilte der
Bür=
eiſtent it, daß ſie nach den miniſteriellen Beſtimmungen durch
Kreissat feſtgeſetzt worden ſind. Dem Rat ſteht eine
Feſt=
deir dehälter nicht zu; er kann nur mit Zuſtimmung des
ermeeitrs Einſpruch erheben. Der durch die letzte
Notver=
ſtürzte Betrag für Kriſenunterſtützung wird durch die
det jetzt. Die Verwaltung gibt hierzu bekannt, daß das
amte ſie allgemeine Genehmigung verſagt und nur
zugeſtan=
ieſonderen Fällen den Satz von 10.— RM. auszuzah=
Dulächter der Fiſcherei ſehen ſich durch den neuerdings
beuthadmehmenden Paddelbootſport auf der Gerſprenz ge=
Itellen der Gemeinde in einem Schreiben die Fiſcherei
fügrg, was der Rat jedoch nicht annimmt. Der
Bürger=
ü beauftragt, mit den Pächtern im Sinne einer
Eini=
auchtnachlaß zu verhandeln. — Der Athleten=Verein
rtKhat um Abgabe eines Geländeſtreifens neben dem
blatt uchgeſucht zwecks Errichtung einer Halle. Eine
Be=
gü ſrch den Rat hat ſtattgefunden. Die Abgabe eines
lAtzes kommt nicht in Frage, da nach der Auffaſſung
tel er vordere Teil des Sportplatzes genüge, um dem
E Vereins Rechnung zu tragen. Es findet jetzt noch=
1 Lſichtigung ſtatt.
Enſuſen, 2. Sept. Aus dem Gemeinderat.
In=
vmer Heegbach. Ein Plan zur Ausführung mit
Koſten=
e6 vom Kulturbauamt liegt in dreierlei Art vor. Der
Aa hat entſchieden: für produktive Erwerbsloſen=
Not=
ba wenn nicht möglich, für Freiwilligen Arbeitsdienſt.
Ang hat durch die beiden Gemeinden Egelsbach und
geſchehen. — Dem Antrag des G. Berbert betr.
Ab=
bneindegelände wird ſtattgegeben (pro Quadratmeter
Antrag betr. Grundſtücksentwäſſerung an der
Bahn=
eilweiſe ausgeführt.
Bd. Alsbach a. d. B., 2. Sept. Obſtverſteigerung. Das
gemeinheitliche Obſt und die Grasnutzung auf der Sandwieſe
wur=
den öffentlich meiſtbietend verſteigert. Die Bäume waren in Loſe
eingeteilt je nach Behang. Beſuch und Intereſſe waren groß, die
Gebotsabgabe beſonders für die reich behangenen Bäume lebhaft.
Die Preiſe für das Obſt ſowie für das Grummetgras ſind in
An=
betracht der Verhältniſſe als gut zu verzeichnen. Die
Verſteige=
rung wurde genehmigt. — Kirchweihe. Am kommenden
Sonntag findet unſere Kirchweihe ſtatt. Dieſelbe weiſt als eine
der letzten im Jahre immer einen guten Beſuch auf. — Als
Hilfsfeldſchütze wurde hier von der Gemeinde Phil. Mahr
auf die Dauer von vorläufig zwei Monaten eingeſtellt. — Die
Wohlfahrtserwerbsloſen waren ſeit drei Wochen im Steinbruch
mit Steinklopfen beſchäftigt. Dieſe Woche geht dieſe Arbeit auch
wieder zu Ende und fallen dann wieder ca. 30 Mann der
Wohl=
fahrt zu Laſt.
Ck. Stockſtadt, 2. Sept. Hohes Alter Der älteſte
männ=
liche Einwohner, Lokomotivführer i. R. Chriſt. Engel, feiert am
Sonntag ſeinen 86 Geburtstag. Ferner konnte Wagnermeiſter
Nik. Fuchs dieſer Tage ſeinen 80. Geburtstag feiern. Wir
gratu=
lieren den beiden Greiſen und wünſchen ihnen baldige Beſſerung
ihrer Geſundheit. — Felddiebſtähle. Gegenwärtig häufen
ſich die Felddiebſtähle von Tag zu Tag mehr. Nicht allein
Kar=
toffeln entwendet man von den Feldern, ſondern unreifes Obſt
wird ſchon von den Bäumen abgemacht. Trotz verſtärktem
Feld=
ſchutz wagen ſich die Diebe ſogar in das Anweſen der Beſitzer.
Ca. Lorſch, 4. Sept. Lorſcher Kerb. Unſere Gemeinde
begeht am Sonntag und Montag ihr Kirchweihfeſt. Auf dem von
ehrwürdigen alten Häuſern umgebenen geräumigen Marktplatze
baut ſich eine bunte Welt von Buden uſw. auf.
Aa. Langen, 3. Sept. Die Kirchweihe findet am Sonntag
und Montag ſtatt.
Cm. Wallerſtädten, 2. Sept. Grasverſteigerung. Die
Verſteigerung des Grummetgraſes fand jetzt ſtatt. Obwohl der
Stand des Graſes infolge der langen Regenperiode eine gute
Ernte verſpricht, wurden ſo niedrige Preiſe erzielt wie kaum in
früheren Jahren. — Ihren 81. Geburtstag konnte Frau H. Ewald
Witwe in körperlicher und geiſtiger Friſche begehen.
Gewinnauszug
5. Klaſſe 39. Preußiſch-Süddeutſche Staats=Lotterſe.
Ohne Gewähr
Nachdruck verboten
Auf ſede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
22. Ziehungstag
2. September 1932
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
4 Gewinne zu 10000 M. 70559 286629
2 Gewinne m 5000 M. 231112
14 Gewinne zu 3000 M., 70836 133130 176696 240731 248286 250388
255766
46 Gewinne zu 2000 M. 10939 12060 13684 22906 27218 42360
185600 202512 203222 235936 243988 249316 263421 276019 281574
300060 302998 307169 324132 345301 368526 368736 379077
104 Gewinne zu 1000 M. 7031 13786 19038 19980 46462 47711
49203 56869 63014 71878 75631 76460 77236 79875 89910 163786
131510 134506 135654 139639 147157 165869 169002 173832 176577
186552 193170 196270 205872 239484 245688 249528 568728 263223
282027 285217 294246 301482 301646 308733 310056 324062 330369
336290 336866 342766 943394 348609 353062 389061 393782 3983460
214 Gewinne m 600 M. 1366 4599 6912 10034 11240 12988 19960
20017 23869 26005 31013 33096 39621 41813 46346 54126 60679
68283 75023 76788 78770 81842 85834 88447 95067 98028 99476
109862 117296 121631 122988 126268 128465 131007 131394 134104
135595 143604 149373 148458 151661 154897 167668 161242 165234
178734 180328 194062 197379 202814 213473 214296 216414 218279
225939 228664 240712 242092 242311 244400 246074 250848 252672
254 106 258880 266896 266810 276262 277408 277618 279766 289692
291628 097212 297369 306372 310150 313678 316254 319866 320961
328221 328814 330637 334959 337197 343659 344903 346665 347429
348496 348518 353104 366587 359837 366322 368472 369451 376004
376802 380527 383807 386156 388640 396092 397683 398665
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400. M.
gezogen
2 Gewinne zu 25000 M. 192984
2 Gewinne zu 10000 M. 259253
4 Gewinne zu 5000 M. 42637 317261
12 Gewinne zu 3000 M. 6543 61818 221907 246569 257141 304427
54 Gewinne zu 2000 M. 1279 26164 27510 33810 60698 63243 64730
86330 91056 94126 95836 99414 107220 137219 167133 179322
179603 215167 228399 254104 267524 299275 311727 336416 374020
384558 395456
74 Gewinne zu 1000 M. 31248 44538 45248 47965 66704 74317
82453 82528 124327 128111 139172 144821 185143 188069 192695
194594 212659 215259 231886 235324 236398 239917 258904 296628
301318 304363 305104 308916 311663 317318 334572 337912 342218
367077 376734 379487 381636
138 Gewinne zu 600 M. 2035 13819 14897 16195 19521 24976 28346
45844 55260 60948 73643 74643 86279 86946. 101002 102784 105310
116454 119664 121850 131080 137952 141145 160192 161060 168426
169687 170257 173301 187331 191432 194241 195326 200417 201061
213664 521339 221840 234002 239862 243277 255312 257603 262708
264314 267682 268761 275217 284891 284921 292561 294175 313661
314677 327795 333088 337733 340656 341056 342703 346760 351302
359645 360363 36 1542 3619065 377560 391118 398860
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100
Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 75000, 2 zu je
50000, 8 zu je 25000, 32 zu je 10000, 130 zu je 5000, 234
zu je 3000, 652 zu je 2000, 1366 zu je 1000, 2324 zu je 500,
7012 zu je 400 M.
Wekkerberichk.
Das umfangreiche Islandtief wandert weiter nach
Skandi=
navien. Dabei bleibt aber an ſeiner Südſeite die Weſtluftzufuhr
erhalten, ſo daß ſich unſer Wetter weiterhin wechſelhaft geſtaltet.
Da an der Rückſeite der Störung von Island her kühlere
Luft=
maſſen ſüdwärts fließen, werden die Temperaturen im
allgemei=
nen etwas zurückgehen. Neben wechſelhafter Bewölkung, wobei ſich
der Himmel auch zeitweiſe aufheitert, treten ab und zu noch
Regenſchauer auf.
Ausſichten für Sonntag, den 4. September 1932: Wechſelnd
bewölkt mit vorübergehender Aufheiterung, etwas kühler und
einzelne Regenſchauer.
Ausſichten für Montag, den 5. September 1932: Noch kein
beſtändiges Wetter.
Nr. 246 — Seite 9
Die heutige Nummer hat 20 Geiten.
Geſchäftliches.
Ein verhängnisvoller Irrtum iſt es, wenn der
Landwirt glaubt, durch Einſchränkung der Düngung ſeine Lage
erträglicher geſtalten zu können. Die unmittelbare Folge einer
ſolchen verfehlten Sparſamkeit wären empfindliche
Ertragsrück=
gänge bei ſteigenden Erzeugungskoſten. Billig erzeugen kann
man nur durch reichlichen Einſatz billiger Produktionsmittel von
hohem Wirkungswert, wie ſie die Kaliſalze darſtellen. Darüber
hinaus heißt es die Sicherheit der Erträge gefährden und das
Riſiko vermehren, wenn nicht bereits im Herbſt durch reichliche
Kaligaben (1—2 Zentner 40er Kalidüngeſalz oder auf leichtem
Boden 3—6 Zentner Kainit je Morgen) für eine richtige und
gute Ernährung der Winterung und des Grünlandes geſorgt
wird.
Die Dr. Georg Seibt A.=G. wählte den Roland, das
alte deutſche Symbol, als Zeichen ihrer Qualitätserzeugniſſe. Wo
immer man dieſes neue Wertzeichen jetzt trifft, kann man ſicher
ſein, Rundfunkempfänger zu finden, die zu den beſten gehören, die
in Deutſchland gebaut werden können.
Wieder eine Bottina=Spitzenleiſtung!
Nie waren gute Schuhe ſo billig. Dieſes erſehen Sie aus der
heutigen Bottina=Beilage, die der Land=Auflage beigefügt iſt.
Nutzen Sie den Vorteil, den die Bottina Ihnen bietet. Sie können
auch ohne Kaufzwang die Schuhe bei der Bottina. Darmſtadt,
Eliſabethenſtraße 34, beſichtigen.
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Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibende Werktags=Vortragsfolge. 6: Wetter, Gymnaſtik. o
6.30: Gymnaſtik. o 7: Zeit, Wetter, Nachrichten. — anſchl.:
Konzert. O 8: Zeit, Wetter, Waſſerſtand. O 11.45: Zeit, Programm.
Wirtſchaftsmeldungen, Wetter. O 12: Konzert. 2 13.15: Zeit,
Nach=
richten, Wetter. 13.30: Konzert. o 14: Zeit, Nachrichten. o
14.10: Werbekonzert. (Sa. 14.40). O 15: Zeit. Gießener
Wetter=
bericht (Do. 14.55, Sa. 15.20). O 15.10: Zeit,
Wirtſchafts=
meldungen (Do. 16.00 Sa. 15.25). O 16.50, 18.15: Zeit,
Wirt=
ſchaftsmeldungen. O 19.15: Zeit, Programm, Wetter,
Wirtſchafts=
meldungen.
Sonntag 4. September
6.15: Bremer Hafenkonzert. Das gr. Geläute vom Bremer Dom.
8.10: Zeit, Wetter, Nachrichten, Programm.
8.20: Stunde des Chorgeſangs. Ausf.: Chorverein Hersfeld.
9.30: Hörbericht vom Feſtgottesdienſt des Deutſchen Katholikentages
m Eſſen.
11.00: Wird noch bekanntgegeben.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Warum betrübſt du dich, mein Herz.
12.00: Miltenberg: Mittagskonzert. Märſche aus fünf
Jahrhunder=
ten. Ausf.: Muſikkorps 1 des 21. Inf.=Regts.
13.00: Köln: Mittagskonzert.
14.00: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.10: Rechtsanwalt Meiſel: Prozeßausſichten und Prozeßunkoſten.
— Dr. Stuch: Betriebswirtſchaftliche Tagesfragen für die
Höhen=
gebiete.
15.00: Stunde der Jugend: Jochen erſinnt mit der Mutter ein
Märchen. Hörſpiel.
16.00: Konzert des Funkorcheſters.
18.00: Intendant Klitſch: Das Kaſſeler Theater und ſeine
Bedeu=
tung für Stadt und Landſchaft.
18.25: Dreißig bunte Minuten.
18.55: Paul Laven: Abſchied vom Lederſtrumpf.
19.20: Zeit. Wetter für die Landwirtſchaft.
Anſchl. Sportnachrichten mit einem Hörbericht von der Meiſterſchaft
von Deutſchland m Kleinkaliberſchießen (mit Schallplatten).
19.30: Wiener Kammermuſik=Trio mit Gitarre.
20.10: Eins, zwei. drei. Ein Spiel von Franz Molnar.
21.10: Unterhaltungskonzert des Philharm. Orcheſters Stuttgart.
22.20: Zeit. Nachrichten. Wetter, Sport.
22.45: Fortſetzung des Unterhaltungskonzertes.
23.30: Nachtmuſik. Kapelle der Stuttgarter Philharmoniker.
Königswuſterhaufen.
Deutſche Welle: Gleichbleibende Werktags=Vortragsfolge: 5.45:
Wetter für die Landwirtſchaft. o 6: Gymnaſtik. 6.15: Wetter
für die Landwirtſchaft. — anſchl.: Frühkonzert. o 10: Neueſte
Nachrichten. o 12: Wetter für den Landwirt. — anſchl.: Konzert.
— Wiederholung des Wetterberichts. O 12.55: Nauener Zeit. o
13.35: Nachrichten. O 14: Konzert. O 15.30: Wetter, Börſe. o
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
8.20: Prof. Dr. Opitz: Neue Geſichtspunkte der Bodenpflege.
9.30: Eſſen: Feſtgottesdienſt des Deutſchen Katholikentages 1932.
15.05: Menſchen im Beruf. Der Bademeiſter. Geſpräch mit Arthur
Deutſche Welle: Sonntag, 4. September
6.00: Funkgymnaſtik.
6.20: Bremer Hafenkonzert.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
Anſchl. Wochenrückblick auf die Marktlage.
11.00: Wettervorherſage.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Warum betrübſt du dich, mein Herz.
12.00: Oppeln: Grenzlandruf. Kundgebung der ſchleſiſchen
Männer=
chöre, Turnergilden und der Jungmannſchaft im DHV.
13.00: Leipzig: Mittagskonzert des Sinfonie=Orcheſters.
1400: Dr. Elſa Matz (M.d. R.): Die Kinderlüge.
14.30: Margrit Naval: Was iſt Geheimwiſſenſchaft?
14.55: Arthur Silbergleit lieſt eigene Verſe.
Schulz
15.30: Königsberg: Jugendbühne: Hans Luftikus — oder — Der
Anſager im Himmel. Kinderpoſſe von F. E. May. Muſik von C.
Beilſchmidt.
16.20: K. Figdor: Indianerſchickſal in Oſtaſien.
16.50: Rom: Radweltmeiſterſchaften in Rom. Finale der
Berufs=
flieger.
17.15: Populäres Orcheſterkonzert. Berliner Sinfonie=Orcheſter.
18.20: Deutſches Lied des 18. Jahrhunderts. Mitw.: Agnes Schulz=
Lichterfeld. Am Cembalo: Charlotte Kaufmann.
18.55: Alfred Semerau lieſt aus eigenen Arbeiten.
19.20: Sportnachrichten.
19.30: Reichsfrontſoldatenappell. Vom 13. Reichsfrontſoldatentag.
20.00: Breslau: Gerhart=HauptmannEhrenabend der Stadt Breslau.
21.00: Tages= und Sportnachrichten.
21.10: Stuttgart: Unterhaltungskonzert.
22.15: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
22.45: Stuttgart: Fortſetzung des Unterhaltungskonzertes. Ausf.;
Philharmoniſches Orcheſter Stuttgart.
23.30: Tanzmuſik der Kapelle Felix Lehmann.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Veranwwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
(i. V. Dr. C. H. Quetſch); für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt:
Andreas Bauer; für „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herberi
Nette; für den Inſeratenteil und geſchäftliſche Mittellungen: Willy Kuhle;
Druck und Verlag: C. C. Wittich — ſämtlich in Darmſſadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung n icht übernommen.
APie 9. Große Funkausstellung ist vorüber.
Sie zeigte: Empfänger, wie wir sie uns beute:
wünschen, brauchen nicht mehr konstruiert
zu werden- sie sind bereits da! SEIBT baut
sie! Gesteigerte Trennschärfe, Reichweite
und Gesamtverstärkung sind Kennzeichen
der Seibt-Empfänger der Roland-Reihe.
Seibt bringt modernste Empfänger, deren
Vorzüge bald allen geläufig sein werden.
Vom Roland 3P, dem „Kleinen Wunder‟, bis
zum Superhet Roland 5, dem „König der
Empfänger”, in jeder Klasse
Spitzenleistun-
gen! Es gibt auch einen Roland für Sie!
Dr. Gcors Seibt 4G Verlin-Schöneberg
F breiben Sie und
vir sooden Ihven
SAIBA-ROHAND-RAIHE 1933
n Emp.f.ang d-u rich bies-sere Emp,f.änger.!
Mittwoch, den 7. Sepiember, vormittags 8.30 Uhy
die Nußernte Straße Pfungſtadt — Eſchollbrücken und
Eſchollbrücken gegen Darmſtadt, beginnend bei Pfungſtadt.
An demſelben Tage, nachmittags 2 Uhr, Straße Stockſtadt —
Bruchmühle, beginnend bei Stockſtadt.
Donnerstag, den 8. September, vormittags 7 Uhr,
Straße Darmſtadt —Roßdorf, beginnend bei km 6,00,
an=
ſchließend Straße Roßdorf— Ober=Ramſtadt.
An demſelben Tage, vormitt. 8 Uhr, Straße Goddelau —
Stockſtadt, beginnend bei Goddelau, daran anſchließend
Stockſtadt — Biebesheim — Gernsheim.
An demſelben Tage, nachmittags 1 Uhr, Straße Ober=
Ramſtadt — Tannenbaum — Zeilhard, beginnend am
Aus=
gang von Ober=Ramſtadt.
An demſelben Tage, nachmittags 1 Uhr, Straße
Gerns=
heim — Klein=Rohrheim — Kreisgrenze, beginnend bei
Gernsheim.
An demſelben Tage, nachmittags 3 Uhr, Straße Goddelau —
Philipps=Hoſpital und Philipps=Hoſpital — Stockſtadt
beginnend bei Goddelau.
Am Freitag, den 9. September, vormittags 7 Uhr,
Straße Gundernhauſen — Roßdorf, bei Gundernhauſen
beginnend.
An demſelben Tage, vormittags 8 Uhr, Straße
Pfung=
ſtadt — Hahn — Gernsheim, beginnend bei Pfungſtadt.
An demſelben Tage, vormittags 10 Uhr, Straße
Roß=
dorf — Spachbrücken — Reinheim, beginnend bei Roßdorf.
Hamstag, den 10. September, vormittags 8 Uhr,
Straße Alsbach — Hähnlein — Gernsheim, beginnend am
israel, Friedhof.
Montag, den 12. September, vormittags 7 Uhr,
Straße Nieder=Ramſtadt — Ober=Ramſtadt, beginnend bei
Nieder=Ramſtadt, daran anſchließend Straße Ober=
Ram=
ſtadt — Hahn — Kreisgrenze, beginnend am Rondell.
An demſelben Tage, nachmittags 2 Uhr, Straße Ober=
Ramſtadt — Nieder=Modau — Ober=Modau — Ernſthofen,
beginnend an der Schloßmühle, daran anſchließend Straße
Nieder=Modau — Neutſch — Frankenhauſen, beginnend bei
Nieder=Modau.
Dienstag, den 13. September, vormittags 8 Uhr
Straße Hahn — Eſchollbrücken, daran anſchließend Eſcholl
brücken — Crumſtadt, alsdann Straße Crumſtadt —
Bie=
besheim, beginnend bei Hahn.
An demſelben Tage, vormittags 10 Uhr, oberhalb
Brens=
bach beginnend bis Ober=Gerſprenz
An demſelben Tage, nachmittags 3 Uhr, Straße
Gries=
heim — Pfungſtadt — Bickenbach, beginnend bei Griesheim.
Mittwoch, den 14. September, vormittags 8 Uhr,
Straße Jugenheim— Seeheimer Tanne, daran anſchließend
Bickenbach-Jugenheim-Balkhauſen—Kuralpe—Schmal=
Beerbach — Ober=Beerbach, beginnend bei Jugenheim.
Donnerstag, den 15. September, vormittags 8 Uhr
Straße Kurhaus Trautheim— Nieder=Ramſtadt —
Waſchen=
bach, daran anſchließend Nieder=Ramſtadt — Papier
mühle, beginnend bei Kurhaus Trautheim.
An demſelben Tage, vormittags 9 Uhr, Straße
Darm=
ſtadt — Kranichſtein, beginnend bei km 2,8 Ziegelhütte.
An demſelben Tage, nachmittags 2 Uhr, Straße Kühler
Grund — Nieder=Beerbach — Kreisgrenze, beginnend an
Kühlen Grund.
(12328
Darmſtadt, den 3. September 1932.
Provinzialdirektion Starkenburg
Tiefbau.
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Rheinſtr. 28, Tel 4205
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ſollen die nachſtehend aufgeführten Ge
genſtände für die Zeit vom 1. Okt. 1932
bis 31. März 1933 vergeben werden:
Kolonialwaren, Margarine (Rama),
Kochſalz, Kaffee=Erſatz (Enrilo), Rog
genmehl, Weizenmehl (Spezial 0),
Milch, Handkäſe, Salatöl, Eſſig,
Kern=
ſeife, Schmierſeife, Seifenpulver, Soda,
Putzlumpen, Leder, Rauchtabak,
Zigar=
ren, Strickwolle.
Die in dem Angebot anzuerkennenden
Lieferungsbedingungen liegen am 6.
September 1932 auf dem
Verwaltungs=
büro offen, woſelbſt auch die ungefähren
Mengen zu erfahren ſind. Angebote u
Muſter ſind bis zum Eröffnungstermin
dem 15. September 1932, vorm. 8 Uhr,
einzureichen.
Ein Verſand der Bedingungen nach
auswärts erfolgt nicht. Von jeder
Gat=
tung darf nur ein Muſter angeboten
werden. Muſter ſind von den
Angebo=
ten getrennt zu halten.
(12254
Eberſtadt, den 4. September 1932.
Direktion der Provinzial=Pflegeanſtalt.
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4. September 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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milddiebe im Taunus
Schlingen, Netzen und Fallen.
Quarſitwerk bei Köppern ſind vor
ſett Arbeiter, darunter der Sohn eines
ſs, der wegen der Erlegung eines
ehes zu drei Monaten Gefängnis
wurde, wegen Unreglmäßigkeiten zur
gekommen. Die Gemeinde hatte in
rrrag mit dem Werk ausdrücklich
aus=
ſaaß Wilderer ſofort aus dem Betrieb
prerden. Die Gemaßregelten haben
der Schule geplaudert, mit dem
Er=
ie Staatsanwaltſchaft gegen zwei
ſier, einen Maurer und einen
ein=
beſtraften verabſchiedeten Beamten,
rwoben hat.
Etundenlangen Verhandlung vor dem
cht kamen ſeltſame Dinge zur Sprache.
die Hälfte deſſen wahr iſt, was die
eugen vorgebracht haben, haben die
den Leute in dem ſchönen Taunusrevier
andalen gehauſt. Ganze Nächte ſoll in
joen gefiſcht worden ſein. Der Hund
Angeklagten habe gebratene
Grün=
micht mehr gefreſſen, ſondern
grund=
r Forellen. Hirſche wurden
abgeſchoſ=
il mit Schlingen, Netzen und Fallen
Einer der Angeklagten verteidigte
waß er für Katzen Fallen ausgeſtellt
Reh ſoll gegen 20 Flaſchen Bier
ein=
uorden ſein. Zur Kirchweih gab es
bi einen Braten, der in den
Stein=
lwlt wurde. Weil an Fronleichnam
ßie geſchoſſen worden war, ſetzten die
ir die Ergreifung der Wildfrevler
zyrung von 100 RM. aus. Ohne
Er=
älterer Arbeiter erzählte, daß es
d der Inflation ſo ſchlimm geworden
s lebensgefährlich war, nachts durch
zu gehen. Er ſelbſt ſei in einer Nacht
ſihaale von Bewaffneten angehalten
2re Verhandlung mußte abgebrochen
ſell neue Zeugen geladen werden ſollen.
Kindesentführung?
tfurt a. M. Nach Mitteilung der
1 Polizei will ein 13jähriger Schüler
fart a. M. von Autoinſaſſen am
Don=
ualtſam nach Friedberg entführt wor=
Per Junge gibt an, daß er in
Frank=
oim Inſaſſen eines Kraftwagens nach
ſinnnten Straße gefragt worden ſei; bei
betenheit habe er die Aufforderung
er=
ten Wagen zu ſteigen und bis zu der
Straße mitzufahren. Als der
Wagen=
fütraicht gehalten habe, verſuchte er durch
Wie Paſſanten aufmerkſam zu machen.
ſönhnhof in Friedberg habe man ihn
Auf der ganzen Strecke habe er um
tefn; die Inſaſſen des Wagens hätten
i des Wagens geſchloſſen und ihm
iden Mund zugehalten.
Zeppelin” auf dem Rückfluge
nach Friedrichshafen.
am buco. Das Luftſchiff „Graf
Zep=
teſtern früh, 10.45 Uhr M.E.3., zu
ckahrt nach Friedrichshafen geſtartet.
Vor 25 Jahren
Eh der Komponiſt Grieg.
Zwei Toke bei dem Abſturz des ſchwediſchen Poſtkflugzeugs.
Die Trümmer der Maſchine zwiſchen den Heuſchobern.
Das ſchwediſche Nachtpoſtflugzeug Amſterdam—Malmö verunglückte eine Stunde nach dem Start in
der Nähe der holländiſch=deutſchen Grenze. Der Führer und der Mechaniker wurden getötet.
50 wirbt England ſeine Soldaken.
Ein Korporal erzählt jungen Arbeitsloſen, die für einen Eintritt in die Armee in Frage kommen,
luſtige Schwänke aus dem Soldatenleben.
England iſt nach Beendigung des Krieges zum Syſtem des Söldnerheeres zurückgekehrt. Um aber
die Zehntauſende zu gewinnen, die alljährlich in die große Heim= und Kolonialarmee eingeſtellt
werden müſſen, iſt ſtändig ein großer Werbefeldzug organiſiert, durch den den jungen Leuten und
vor allem den Arbeitsloſen die Annehmlichkeiten des Soldatenlebens und die Ausſichten auf eine
geſicherte Verſorgung geſchildert werden.
Nenkonſtrukkion
eines ſchwanzloſen Flugzeugs.
250 Kilometer Geſchwindigkeit.
Kaſſel. Der bekannte Kunſtflieger und
deutſche Meiſter Gerhard Fieſeler in Kaſſel
führte vorgeſtern abend über Kaſſel einen
wohl=
gelungenen Flug mit einem ſchwanzloſen
Flug=
zeug aus, das nach eigenen Entwürfen der
Fie=
ſeler=Flugzeugwerke in Ihringshauſen gebaut
worden iſt. Die Maſchine ſelbſt ſieht in der Luft
wie ein zuſammengedrängtes Dreieck aus und
entfaltete während ihres Fluges eine große
Wen=
digkeit und Schnelligkeit. Fieſeler iſt mit der
Konſtruktion vollkommen zufrieden und erklärte
ſie fliegeriſch für 100 Prozent ſicher. B ſonders
bewundernswert iſt die verhältnismäßig hohe
Geſchwindigkeit von 250 Kilom., die Fieſeler
be=
reits beim erſten Flug erreichte, ebenſo die Höhe
von 1000 Meter, wobei noch beſonders
hervorzu=
heben iſt, daß die Maſchine bei voller Belaſtung
glänzend ſteigt. Die Maſchine wird von den
Fieſeler Flugzeugwerken als ſchnelle und ſichere
Reiſemaſchine für private Fliegerei
herausge=
bracht werden.
Eröffnung der Gerhark=Haupkmann=
Ausſtellung.
Breslau. Als Auftakt der Breslauer
Ger=
hart=Hauptmann=Ehrungen fand am Samstag
in Anweſenheit des Dichters die Eröffnung der
im Muſeum für Kunſtgewerbe und Altertümer
untergebrachten Gerhart=Hauptmann=Ausſtellung
ſtatt. Nach einem einleitenden Streichquartett
der Schleſiſchen Philharmonie nahm
Oberbürger=
meiſter Dr. Wagner das Wort, um darauf
hin=
zuweiſen, daß trotz der Not der Zeit die Stadt
Breslau es ſich nicht nehmen laſſen wollte, den
großen Dichter und Ehrenbürger anläßlich ſeines
70. Geburtstags zu ehren. Die Ausſtellung ſoll
das Werden des Dichters in der Heimat ſichtbar
darſtellen. Mit einem Dank an alle, die dieſes
Werk fördern halfen, erklärte der
Oberbürger=
meiſter die Ausſtellung für eröffnet. Nach einer
kurzen Anſprache und Dankesworten Gerhart
Hauptmanns erfolgte eine Führung durch die
Ausſtellung.
Der älkeſte Rheinländer geſtorben.
Bad Godesberg. Am Freitag iſt im St.
Marcus=Stift in Godesberg Altmaurermeiſter
Johann Krämer, der älteſte Einwohner des
Rheinlandes, im Alter von 102½ Jahren
geſtor=
ben. Noch vor wenigen Wochen konnte man den
alten Herren in voller Rüſtigkeit durch die
Straßen Godesbergs gehen ſehen. An ſeinem
102. Geburtstag, am 16. Februar d. J., ſprach
er noch vor dem Mikrophon des Weſtdeutſchen
Rundfunks. Herr Krämer behauptete, daß er
dem Schoppen Rotwein, dem Männergeſang und
dem nie verſagenden Humor ſein hohes Alter
verdanke.
Eine köſtliche Anekdote, die von dem
ſchlag=
fertigen Humor des alten Herrn zeugt, ſpinnt
ſich um die Feier ſeines 100. Geburtstages. Als
Landrat von Hobe aus Bonn ihm mit
herz=
lichen Glückwünſchen im Auftrag der
Staats=
regierung eine künſtleriſch wertvolle Kaffeetaſſe
überreichte und dabei bemerkte, das
Geburts=
tagskind dürfe wegen ſeines hohen Alters in
Zukunft nur koffeinfreien Kaffee aus der Taſſe
trinken, erwiderte der Jubilar: „Mer kann ävver
och Rude darus drinke”, und ließ ſich prompt in
die Taſſe einen kräftigen Schluck Rotwein gießen.
Krämer ſtand in Godesberg in hohem
An=
ſehen, und man kann ſagen, daß gewiſſermaßen
jeder „Dorfkonflikt” von ihm beigelegt wurde.
Bis in ſeine letzten Tage erfreute er ſich einer
ſtaunenswerten Rüſtigkeit. Von ſeinem 100.
Ge=
burtstag an ließ ihm die Gemeinde Godesberg
eine monatliche Rente von 100 RM. zukommen.
Auf dem Wege zum Stahlhelmtag
tödlich verunglückt.
Glogau. Auf dem Wege zum
Stahlhelm=
tag in Berlin verunglückte in der vorvergangenen
Nacht der 26 Jahre alte Georg Siegfried Baron
v. Tſchammer auf Quaritz, ein Enkel des
ver=
ſtorbenen ehemaligen Statthalters von Elſaß=
Lothringen. Der Verunglückte fuhr mit ſeinem
Motorrad auf ein vor ihm fahrendes Fuhrwerk
auf. Hierbei erlitt er einen tödlichen
Schädel=
bruch.
Die Sängerin Irene Abendroth †.
Wien. Die vormalige Hofopern= und
könig=
lich ſächſiſche Kammerſängerin Frau Irene
Abend=
roth iſt vorgeſtern mittag, kurz nach Vollendung
ihres 60. Geburtstags, in ihrer Villa in
Weid=
ling bei Wien geſtorben.
Zur Exploſion bei Bukareſt.
Nur drei Verletzte.
Bukareſt. Bei der Exploſion im
Befeſti=
gungsgürtel von Bukareſt ſind etwa 70
Wag=
gons Munition in die Luft geflogen. Eine
ge=
ſtern an Ort und Stelle erſchienene Kommiſſion
des Innenminiſteriums ſtellte feſt, daß entgegen
anderslautenden Gerüchten außer drei verletzten
Soldaten keine Opfer zu beklagen ſeien. Auch
der Materialſchaden ſei geringer, da die in die
Luft geflogene Munition bereits ſeit längerer
Zeit zur Vernichtung beſtimmt geweſen ſei, die
nur zu einem geeigneten Zeitpunkt aufgeſchoben
wurde. Als Urſache der Exploſion wird
Selbſt=
entzündung angenommen. Die Gewalt war ſo
groß, daß eine Anzahl von Dörfern in der
Um=
gebung ſchweren Schaden erlitten. Mauern und
ganze Häuſer ſtürzten ein. Fenſterſcheiben
wur=
den eingedrückt. In der Kirche des Dorfes
Ru=
deſti fielen ſämtliche Heiligenbilder vom Altar
und wurden zertrümmert. Ein anderer Altar
iſt vollſtändig eingeſtürzt.
Untergang des Hamburger Schoners
„Clare Eliſe”.
4 Mann ertrunken, 4 gerettet.
Malmö. Der in Helſingborg beheimatete
Dampfer „Wanja” teilte geſtern vormittag
durch Funkſpruch der Reederei mit, daß er vier
Mann der Beſatzung des in Hamburg
behei=
mateten Schoners „Clare Eliſe”, der in der Nähe
des Feuerſchiffs „Svenſka Björn” geſunken iſt,
gerettet hat. Die Geretteten ſind der zweite
Steurmann Künzel und die Jungmatroſen
Wey=
rauck, Höckel und Radau. Von Bord des
Damp=
fers ſah man, wie der Schoner langſam ſank,
aber bevor der Dampfer die Unfallſtelle
er=
reichen konnte, waren der Kapitän, der erſte
Steuermann und noch zwei Mann der Beſatzung
des deutſchen Schoners ertrunken.
v. Gronau auf den Kurilen.
Tokio. Der deutſche Fliegr v. Gronau iſt
mit ſeinen Begleitern auf ſeinem Flug Alaska
—Japan am Freitag wohlbehalten auf der Inſel
Paranuſchi, im Norden der Kurilen=Kette,
ein=
getroffen.
Die fliegende Familie.
Ottawa. Das Familienflugzeug des
ameri=
kaniſchen Schokoladefabrikanten Hutchinſon
ſtar=
tete am Freitag von Hopedale in Labrador zu
ſeiner nächſten Etappe Godthaat auf Grönland.
Hutchinſon läuft Gefahr, daß ſein Flugzeug in
Grönland beſchlagnahmt wird, da er von den
grönländiſchen Behörden nicht die Erlaubnis
erhalten hat, grönländiſches Gebiet zu
über=
fliegen.
Nr. 246 — Seite 11
(IDr. 662
Edvard Grieg,
morwegiſche Komponiſt, deſſen 25.
am 4. September begangen wird.
Vergl. geſtrige Nummer.)
ch
Bayer. S
Seite 12 — Nr. 246
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
* Aus dem Kurioſitäten=Kabinett der Bäume.
Es gibt in Afrika Affenbrotbäume denen Forſcher ein
5—6000jähriges Alter zuſchreiben. Dieſe Bäume exiſtierten alſo
ſchon zu einer Zeit, als Hammur abi Babylon gründete und
Cheops ſeine Pyramiden baute. Auch die mexikaniſchen Cedern
und die Mammutbäume Kaliforniens erreichen ein Alter von
3000 Jahren.
Ein ehrwürdiger Baum=Veteran iſt der Drachenbaum auf
Teneriffa, der auf drei Jahrtauſende geſchätzt wird. Um dieſe
Zeit regierte Ramſes II. in Aegypten. Als heiliger Baum des
Chriſtentums wird von alters her der Marienbaum in Materye —
unweit Kairo — verehrt. Eine fromme Legende berichtet, daß
unter der Laubkrone dieſer Sykomore Maria und Joſeph auf der
Flucht nach Aegypten Raſt machten. Als die Häſcher des Herodes
nahten, verſteckte ſich Maria mit ihrem Kinde in einem Spalt
des Baumes, und Gott ſandte eine Spinne, die den Spalt ſofort
mit einem undurchſichtigen Netz überzog.
Auch der Buddhismus hat einen heiligen Baum, den Bo=Baum.
Er ſteht in Anuradhapura und wurde 245 vor Chriſtus
ge=
pflanzt.
Ein geradezu jugendliches Alter hat im Vergleich zu den
obigen älteſten Bäumen die in einem japaniſchen Heiligtum in
Karaſaki ſtehende, von Kaiſer Jonei 629 gepflanzte, alſo nur
1300 Jahre zählende Fichte, die eine große Rolle in der japaniſchen
Lyrik ſpielt. Sie iſt 24 Meter hoch hat einen Umfang von
12 Meter. Ihre Aeſte erſtrecken ſich auf 100 Meter hin.
380 Säulen aus Holz ſtützen die Aeſte. Die abfallenden Nadeln
werden als Andenken geſammelt.
Bei Nieren-, Blasen- und.
Frauenleiden,
Harnsäure, Eiweiß, Zucker
1961: 19400 Badegäste
(I. 6469
Südt Tagbbu
Sonntag, 4. Septer.
Auch in Deutſchland gibt es Baumoriginale, den
Ehrwürdigkeit des Alters gemeinſam iſt. So u. a. d.
Merwigslinde in Nordhauſen, die bereits vor Gr=
Stadt blühte und die tauſendjährige Eiche im E
Oldenburg.
Der düſterſte aller Bäume, die unter
unſere=
wachſen, iſt der Eibenbaum So ſelten wir heute
Waldungen ſehen, ſo ſicher iſt ihr früheres maſſenhafn
men in Deutſchland verbürgt. Zahlreiche Namen
Zeugen: Eibach. Eibstal, Eibenſchütz, Eibſee. Bei de
war die Eihe der Baum der Unterwelt, aus deſſen
Fackeln der Furien geſchnitzt wurden, und der Aberglu
nannte ihn den „Todesbaum”. Ihren geſchichtlichen
dankt die Eibe ganz natürlichen Eigenſchaften.
elaſtiſches und faſt unvergängliches Holz lieferte dar
zur älteſten aller Schußwaffen, dem Schießbogen. Sei
iſt die Eibe nur noch eine Seltenheit in deutſchen Nar/
Auf dem Stumpf” eines uralten, gefällten
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4. Beptember 1932
Ana.6
Der Hut des Ciefſeetauchers.
lntte, in die Luft= und Celephonleitung
ein=
hid feſt angeſchraubt und vielfach geſichert,
bt Dünenſand. Afrikas, die
Berg=
ſtens oder der blaue Grund des
Kap=
ſwi die ſchönſten Diamanten. Im
Ge=
u den Sanden braſilianiſcher Flüſſe
nffangreiche Diamant=Lagerſtätten
Mehr als 6000 Caucher arbeiten
än im kalten und reißenden Strom
geflüſſe. Uralte Tauchergeräte mit
Caucherprüflinge erhalten kurz vor ihrem Waſſerbeſuch die letzten Inſtruktionen.
werden regelmäßig Verſuche in der Oſtſee bis
zu 40 Meter Ciefe gemacht.
Die Verſuchs= und Lehrtätigkeit auf ſolchen
Stationen erſtreckt ſich zunächſt auf das
Aus=
probieren der Cauchgeräte und des
Cauch=
anzugs, in dem ſich der Caucher bewegen muß.
Das Cragen der faſt einhundert Kilogramm
ſchweren Nüſtung, wie ſie bei Tiefſeetauchern
Anwendung findet, außerhalb des Waſſers, die
Fortbewegung dieſer Maſſe beim Gehen unter
Waſſer, das Gewöhnen an die Atmung durch
Suführung von Luftkabeln oder mittels
Sauer=
ſtoffapparaten, das Atmen und Sichbewegen
unter raſch wechſelndem Waſſerdruck, und
neben allen dieſen veränderten Tedingungen
fordert das angeſtrengte Arbeiten im Waſſer
eine geradezu athletiſche Muskulatur,
Die Erfüllung dieſer Vorausſetzungen macht
unter Anwendung hoher geiſtiger und
morali=
ſcher Kräfte den wertvollen Caucher aus, der
zu jeder Hilfe bereit iſt.
Mägen und gar Fahrradpumpen
müſ=
ſetten, um dem Diamantenfieber zu
nglücksfälle ſind deshalb nicht aus=
Sie entſtehen auch durch Nivalität
hurkenſucher untereinander . . .
Stahlmantel eines Ciefſeetauchers.
Intereſſant an dieſem Bilde ſind die „
Künſt=
lichen Hände” des Cauchers, die wie krebsartige
Hangen anmuten. Mit ihnen kann er auf dem
Meeresboden Hinderniſſe beſeitigen oder ſich
durch ein Wrack arbeiten.
Arbeit im Verſuchskank.
merden zuerſt meiſtens in einen Verſuchstank geſetzt, damit ſie ſich hier an den ver=
Druck und die andersartige Atmung gewöhnen. Immer nur zwei zu zwei kommen die
Soller Ausrüſtung in dieſen Cank. Die übrigen ſehen durch dicke Glasfenſter ihren
Kollegen zu, wie auf unſerem Bilde erſichtlich.
Inſel. Wie von Menſchenhand geformm
der bizarre Schmuck dieſer Näume, die
ängſtigender Folge die ganze Inſel duru
Sledermäuſe ſcheinen hier die einzigen
ner; ſie flattern wild durcheinanderr
ſcheucht von unſeren Laternen. Es ſo=
Salanganen, Seeſchwalben, in den Gra
begehrten Neſter bauen, doch ziehen /
die dem Strand nahe ſind, vor.
Im Auto eilten wir anſchließend nog
Nordweſtecke der Inſel, der gewaltigg
vorgelagert ſind. Ein herrlicher, abem
licher Badeplatz! In den
ſchäumenda=
zwiſchen den Selſen war erſt vor ku
Beamter beinah’ ums Leben gekommin
Hefangenen, die ihn retteten, wurde
begnadigt.
Im Hauſe unſeres lieben Führers 1.
uns nach dem anſtrengenden Beſuch ei
den zwei Mörderbediente auftrugen.
richten ihre Arbeit zur vollen Sufriede=
Noeſa Kembangan / eine oſtindiſche Sträflingsinſel.
Von H. G. Lehmann.
An Javas Oſtküſte liegt eine Inſel, an die ſich
viele alte Sagen knüpfen. Eine davon berichtet,
daß auf ihr ein Netter für Java
angeſchwom=
men kam, der ſie dicht vor einer breiten
Sluß=
mündung an der Küſte feſtnagelte. — Daher
wohl auch der Name Noeſa Kembangan, heißt
„Schwimmende Inſel”.
Noeſa Kembangan iſt etwa 30 Kilometer
lang und ſteigt an manchen Stellen ſteil bis zu
200 Metern an. Phantaſtiſche Grotten
durch=
ziehen ſie in ihrer geſamten Länge, die wohl
geeignet ſind Aberglauben und Sagenbildung
zu fordern. Ein großer Ceil der Inſel iſt
Natur=
ſchutzgebiet, reich an botaniſchen und
zoologi=
ſchen Schätzen, ein Eldorado vor allem aber für
Botaniker. Deutſche Botaniker fanden hier
1906 in drei Cagen 50 Nieſenblumen in den
verſchiedenſten Stadien des Wachstums. Dieſe
Schmarotzerblüte, die Vaffleſiapatma, ſitzt auf
den Wurzeln von Kletterpflanzen und erreicht
einen Durchmeſſer von 60 bis 100 Sentimeter.
Wir hatten leider keine Seit, nach dieſem
Naturwunder Umſchau zu halten, immerhin
ſchätzten wir uns glücklich, zu den Auserwählten
zu gehören, die das paradieſiſche Eiland einmal
betreten durften. Die Genehmigung hierzu hatte
ein hoher Beamter erwirkt, in deſſen
Geſell=
ſchaft wir uns zufällig befanden.
An einem Spätnachmittag kamen wir über
die Kinderſee, wie die Holländer die von Noeſa
Kembangan nach dem Meer abgeriegelte
Fluß=
mündung nennen, nach Cijlatjap. Eine
Negie=
rungsbarkaſſe holte uns am nächſten Morgen
nach der Inſel herüber, wo uns der
liebens=
würdige Chef des Gefangenenreiches empfing.
Auf einem ſteilen Weg führte er uns quer durch
einen herrlichen Urwaldzipfel. Affen begrüßten
uns, um dann ſofort im Dickicht zu
verſchwin=
den. Der gepflegte Weg zog wie eine ſchmale
Gaſſe durch üppigſtes Wachstum, das nur mit
Mühe zurückgehalten werden kann. Violette
Bougainvillien leuchteten auf, prächtige Sarne
drängten ſich an den Pfad, der unter
giganti=
ſchen, von Lianen umſponnenen Bäumen zur
Höhe leitete. An lichteren Stellen ſtreckten
Piſangs (Bananen) ihre friſchen, noch nicht
vom Wind zerzauſten Blätter über das
Pflan=
zenwirrwarr. An einer Wegkehre flog ein
Nashornvogel auf.
Unſer freundlicher Führer entwickelte auf
dieſem Anmarſch ein Bild von dem Leben auf
der Inſel. 2500 Sträflinge aus dem ganzen
Inſelbeſitz der Holländer ſind hier vereint. Ein
großer Ceil der Gefangenen ſind Kommuniſten,
die ihm im Anfang viel zu ſchaffen machten, ſich
aber dann doch gut in das kleine Staatsweſen
einfügten. Die Gefängniſſe liegen verſtreut in
den Gummipflanzungen, die von den Gefangenen
angelegt und gepflegt werden. Wir erreichten
ſie bald und fanden eine unvergleichliche
Völ=
kerſchau. Dajaker vom Stamm der Kopfjäger
auf Borneo, Bougineſen von Süd=Celebes,
Sumatraner uſw. wurden uns vorgeführt
dar=
unter zum Ceil ganz famoſe Köpfe. Unſer Führer
ſprach eine ganze Neihe der vielen Dutzend
Sprachidiome, die man hier hören kann, und
hatte ſich im Laufe einiger Seit eine große
Kenntnis der verſchiedenen Anſchauungen und
Gebräuche erworben, zum Vorteil für die
Ge=
fangenen. Gerade in letzter Seit wurde öfters
die Humanität der Holländer in ihren Kolonien
von eigenen Landsleuten kritiſiert. Mit Güte
und einigem Verſtändnis für die Eigenart der
einzelnen Völkchen läßt ſich manches erreichen,
Das war auch der Standpunkt unſeres Beglei=
ters, der uns noch viele Einzelheiten berichten
ſollte. Die Gefängniſſe waren luftig und von
peinlichſter Sauberkeit. Wir trafen Gefangene
bei den verſchiedenſten Arbeiten, unter anderem
beim Flechten von Strohhüten für die
Kolonial=
armee, an. Die Gefangenen empfinden ſicher
ſtärker noch als wir Europäer das
Getrennt=
ſein von Frau und Kind bei ihrem ſo ausgepräg=
Schreckliches Abenteuer auf der Grillenjagd.
Von J. V. Schmidt.
Als die Grille, die ſich ohne meine Erlaubnis
in mein Simmer eingeſchlichen hatte, am vierten
Cage ihr Dauerkonzert, deſſen Sinn zu erraten,
ich mich vergeblich bemüht hatte, immer noch
nicht eingeſtellt hatte, verfiel ich zunächſt in
Schwermut. Dann bekam ich einen
Cobſuchts=
anfall, bei dem meine Schreibtiſchgarnitur in
Scherben ging; danach einen Lachkrampf, der
wiederum einer vollſtändigen Apathie wich, in
der mir das Leben langſam wertlos zu werden
begann. Sur Erklärung meines Zuſtandes darf
ich Sie vielleicht fragen, ob Sie das Sirpen einer
Grille kennen? Es iſt, ſo lieblich und ſo
ſum=
päthiſch es etwa in der Literatur wirkt, wo es
bei den bedeutendſten Dichtern und
Schriftſtel=
lern zu finden iſt, ſo erträglich es ſelbſt in der
ſommerlichen Landſchaft wirkt, wo man die
Möglichkeit hat, ſich durch die Flucht zu
ent=
ziehen, — eingeſperrt mit dieſer Muſik in ein
Arbeits=, Wohn= und Schlafzimmer, iſt es das
Fürchterlichſte, was es auf der Welt gibt und
macht die böſeſten Inſtinkte im Menſchen wach.
Ich bin, obgleich ich keine Kakteen halte, ein
ausgeſprochener Cierfreund, und darf zum
Be=
weiſe dafür anführen, daß, als ſich das Sirpen
zum erſten Male in meinem Simmer bemerkbar
machte, ich faſt gerührt war über die
Sutrau=
lichkeit, die ſich darin offenbarte. Ich fand die
Stimme zwar nicht ſonderlich ſympathiſch, aber
ich war bereit, ſie für eine kurze Dauer
hinzu=
nehmen, für die kurze Stunde etwa, die das
Cierchen braucht, um ſeinen Irrtum einzuſehen
ten Geſelligkeitsbedürfnis. Einzelhaft iſt für ſie
das Schlimmſte; ſie wird nur in ſeltenſten Fällen
verhängt. — Verſchieden iſt der Geſichtsſchnitt
und das Braun der einzelnen Inſelvölker, die
wir faſt lückenlos vertreten vorfanden.
Der weitaus größte Ceil der Gefangenen war
außerhalb der Gefängniſſe tätig. Sie
arbeite=
ten in den Gummipflanzungen, die auch den
Nichtfachmann begeiſtern können.
Unter den ſchattenſpendenden grauſtämmigen
Bäumen bildeten Gründüngungspflanzen einen
ſmaragdgrünen Ceppich, von dem die
Gefan=
genen in ihrer braunen Cracht maleriſch
ab=
ſtachen. Wo wir ihnen begegneten, gingen ſie
ſogleich in Hockſtellung und legten die Hände
auf den Kopf.
Längere Gefangenſchaft, z. B. bei Mord
15 und 20 Jahre, führt auch hier zu
Gefühls=
wandlungen, die die Urſache zu gelegentlichen
Morden ſind. Aber es gibt geringere Motive.
So fand man eines Cages die Leiche eines
längſt vermißten Gefangenen, deren Befund
das Fehlen von Knochenteilen aus Schulterblatt
und Hüftknochen ergab. Es ſtellte ſich heraus,
daß man dieſe Ceile zu Glückswürfeln
ver=
arbeitet hatte, die man „anrufen” kann. Wer
den Namen des Coten kennt, vermag ihn zur
Dienſtbarkeit zu zwingen.
Aber worum geht das Spiel dieſer
armſeli=
gen Menſchen, war unſere erſte Frage, und ſo
erfuhren wir von unſerem Cicerone, daß man
meiſtens um kleine, ſelbſtgefertigte Dinge
wür=
felt, die heimlich während der Arbeiten
außer=
halb der Camps gemacht werden. Sie ſind ſo
gut wie bares Geld. Wir bekamen eine ganze
Sammlung dieſer Erzeugniſſe zu ſehen und
durf=
ten uns auch ein „Souvenir” ausſuchen. Am
beſten gefielen uns Halbedelſteine, die auf der
Inſel vorkommen, die die Gefangenen mit
pri=
mitivſtem Werkzeug geſchliffen, auch wohl in
einen Ning gefügt hatten, der aus einer kleinen
Silbermünze gehauen worden war.
Fluchtverſuche kamen früher häufiger vor,
heute ſind ſie ſelten und wenig ausſichtsreich.
Die Regierung hat 10 Gulden für
Wiederein=
bringung ausgeſetzt; außerdem wiſſen die
Ge=
fangenen genau, daß, die braunen Brüder auf
Java Dieben und Märdern keinen herzlichen
Empfang bereiten, auch kennen ſie längſt die
Gefahren der Mangrovenſümpfe mit den
lauernden Krokodilen. Heimliche Jörderung
finden eher Kommuniſten, an die ſich das
grö=
ßere Intereſſe der Außenwelt knüpft. So hat
man ſich vor ein paar Jahren, beim letzten
Verſuch, die holländiſche Herrſchaft
abzuſchüt=
teln, auf kommuniſtiſcher Seite gedacht, die
Gefangenen von Noeſa Kembangan zuerſt zu
befreien, um mit ihrer Hilfe Mitteljava zu
er=
obern.
Nach einer Beſichtigung der Gefängniſſe und
einem kurzen Gang durch die Pflanzungen
ſtie=
gen wir in die feuch tkalte Höhlenunterwelt der
Dame des Hauſes, die uns auch die ocd
des einen erzählte. Er gehörte zum
der Kopfjäger auf Borneo und hatte,
anlaſſung ſeiner Herzensſchönen einen
getötet. Der Miſſionar hatte mit einer
finſternis gedroht und war dadurch in
eines großen Sauberers gekommen.
Glauben, der Beſitz des Kopfes dieſee
gen weißen Mannes bringe ſeiner Vo
mit der Schönen Glück, hatte der Da;
Mord ausgeführt.
Nachdem wir uns erfriſcht hatten,
uns unſer Gaſtgeber zum Landungsſteg
das Motorboot wieder aufnahm undd
zurückführte. Am Steuer ſaß der
general aus dem Djambi=Aufſtand (1
Sumatra), der nach Verbüßung ſeinarK
Haft freiwillig auf ſeinem Poſten alett
zur ſchwimmenden Inſel verblieben iſt., F
Der Ciſch.
Bon Jo Hanns Nösler.
Chomas Cazette lebte das beſcheida
eines Holzwurms. Er bohrte kleine
neue Möbel, bis ſie bald zuſammenfiüg
verkaufte ſie dann für teures Geld o
Chomas Cazette hat einen kleinen
einer kleinen Gaſſe, und da er die
ſeiner Schaufenſter nie putzte, galt ernn
Seit als ein ernſtzunehmender Här
antike Stücke. Seine Werkſtatt
befar=
einem kleinen Hinterzimmer des Ei)
Eines Cages trat ein Herr in den Loie
„Ich heiße Solebemann”, ſagte er,
einen Ciſch, an dem Napoleon geſeſſenntuf al”
kennen ja ſicher derartige Ciſche als
tätenhändler. Sie haben die auffallendt
ſchaft einer beſonders breiten Ciſchplar ”hemmſt
ſen Sie Beſcheid?”
M Mu
„Selbſtverſtändlich.”
„Können Sie mir einen derartigen E im 8o
ſchaffen?”
„Ich weiß einen ganz prächtigen uru hſre
artigen Ciſch aus dem Beſitz Napoleen-Aiut abg
wortete Cazette, „er befindet ſich heu Uhn tar
Villa eines meiner beſten Kunden. 11 „Run
verkauft er ihn.”
„Ich bin gern bereit, bis ſechstauſen iteer 9
dafür zu bezahlen."
Ha,
„Ich werde es verſuchen und mich badn Män
Der Fremde ging. Kaum hatte er d.0 ſumd
verlaſſen, machte ſich Cazette Jofort 1criſen,
Arbeit. Er kaufte einige Bretter undd Beharti
aus einem aufgelaſſenen Bau zu Demo.”hn
preiſen, erweiterte künſtlich die Viſſe. 4 %ah
die vom Negen verwitterte Oberſchich /Aſat
die von dünnen Nägeln zurückgelaſſener M A.
aus, goß Nußöl darüber, beizte, leim=FFäu
merte, rieb, polierte, lackierte, kratzte Hühr
wieder herunter und ſchnitzte an dem C4Mſ
um, bis ein Ciſch in der kleinen Werkſte!ll,
bei dem auch Napoleon ſich nicht A0ie
hätte, an ihm nicht geſeſſen zu ſein. LEm
und das Lokal wieder zu räumen. Und um dieſe
kurze Stunde, wie ich rechnete, etwas
abzukür=
zen, vertrieb ich mir die Seit damit,
auszu=
rechnen, wie oft das Sirpen in der Minute
er=
ſcholl. Die Sahl ſchwankte zwiſchen 100 und
120. Ich ſtellte, da ich einmal beim Rechnen
war, im Anſchluß daran noch einige andere
Statiſtiken auf, zählte die Sliegen an der Wand,
berechnete den Nauminhalt meines Simmers,
wobei ich den neuen Sollſtock meiner Wirtin
beſchädigte, und beim Herumkriechen um das
Vertiko eine koſtbare Vaſe aus dem Jahre
1915 zerbrach, machte ſchnell einen Ueberſchlag
über meine Ausgaben im laufenden Monat,
wo=
bei ich den Sollſtock und die Vaſe in Rechnung
ſtellte, rechnete kurz meine Steuerrückſtände
nach. — Ich muß ſagen, daß ich nach Ablauf
dieſer Stunde ſchon in einer außerordentlich
ſchlechten Verfaſſung war und mich auf den
Augenblick freute, wo das Konzert aufhörte
und ich mich einer angenehmeren Beſchäftigung
hingeben konnte.
Ich rechnete dabei ſtark auf die Einſicht der
Grille; aber glauben Sie mir, ſo geduldig und
tierfreundlich ich mich erwieſen hatte, das
Sir=
pen hörte nicht auf. Mit 120 Schlägen in der
Minute bearbeitete es mein Crommelfell, das
an ſich ſchon ſehr empfindlich iſt, laut ärztlicher
Nechnung vom 15. 4. Ich dachte, was ſollſt du
tun; ſo bösartig kann das Cierchen doch nicht
ſein, daß es dich kalten Blutes zum Selbſtmord
treibt, es iſt hier hereingeraten, es hat gedacht,
die Wohnung iſt nicht vermietet — wenn man
den Staub auf dem Schreibtiſch und dem
Ver=
tiko ſieht, könnte man es ja faſt glauben — du
mußt dich ihm bemerkbar machen, und es ſieht
ſeinen Irrtum ein und wird vom Podium
ab=
treten. Ich lieh mir alſo eine Leiter bei dem
Anſtreichermeiſter, der im ſelben Hauſe wohnt.
Die Leiter war etwas groß, und als ich ſie in
die Cür bugſierte, ſtieß ich — es war wirklich
nur ein Unglücksfall — das Flurfenſter ein.
Dann erklomm ich, immerzu das Sirpen im Ohr,
den Gipfel des Vertikos, nachdem ich die 50
Nippesſachen, die dort Aufſtellung genommen
hatten und die Ausſicht bewunderten, ſorgfältig
in mein Bett gelegt hatte; ich erklomm alſo den
Gipfel des Vertikos, legte, oben angekommen,
mein Ohr an die Wand. — Ja, was ſoll ich
ſagen, mir ſchien es mit einem Male, daß die
Cöne aus der andern Ecke des Simmers kamen.
Ich ſtellte die Nippesſachen alſo wieder an ihren
Platz, d. h. nicht alle, drei verunglückten mir bei
dem Aufſtieg, ſtürzten an der ſteilen Seitenwand
ab und zerſchellten in der Ciefe — Ehre ihrem
Andenken —, dann ſchleppte ich die Leiter in
die andere Ecke des Simmers, nachdem ich
vor=
her die Vorhänge behutſam vom Fenſter
ent=
fernt hatte. Ich kletterte alſo die Leiter hinauf
— und, was ſoll ich ſagen, mir ſchien mit einem
Male, als ob das Sirpen aus dem Sußboden
dränge. Und wirklich, es war nicht daran zu
zweifeln, die Nippesſachen waren umſonſt
ge=
ſtorben, das Flurfenſter könnte noch ganz ſein,
das Cierchen ſaß im Sußboden. Ich ſchleppte
die Leiter wieder hinunter, dann rollte ich den
Ceppich auf, rückte den Schreibtiſch ab, kroch
auf allen Vieren durch das Simmer, legte das
Ohr an die Wand; ich entdeckte den
das Cierchen ſaß und muſizierte — 28
glücklichſte Minute meines Lebens;
zierte hinter der — Lamperie, nennt
Wirtin — hinter der „Lamperie” aſan
und blieb ſelbſt unſichtbar, was ich allzund
den fand. Aber irgendwie mußte ich mit
bemerkbar machen, und ſo gab ich Rlon
Ich kenne etwas vom Morſealphabel
telegraphierte alſo: „Hier iſt — ſto)
im Augenblick der Buchſtabe nicht e
iſt ein Unglücklicher — Sie kennen viel!ik
Polizeivorſchriften nicht, ſie ſind ſehr ſin
es iſt ſchon längſt 11 Uhr — ein Ungl!
alſo, der Sie dringend bittet, Ihr Koſ.
die Nachtſtunden zu unterbrechen, damf ien
dringende Arbeit erledigen kann undl"
noch ein paar Stunden ruhen. Am liehtke.
mir allerdings, ſo ſehr ich Gaſtfrel”
ſchätze, wenn Sie vielleicht Ihren 2
wechſelten. Ich würde Ihnen als ein 91?
gis die zweite Etage empfehlen. Ein S.. Der Mann hat ein außerordeni..
ſtimmtes Klavier, und es kommt ihm al
falſchen Con mehr oder weniger ſicher!
mehr an . . ."
Sie werden an dieſer morſetelegr?‟
Anſprache ſchon bemerkt haben, daß. *
war. Ja, ich befand mich in einer zeſtne
reizten Stimmung. Sch hatte beim 2e.
des Schreibtiſches einen Niß in de0
gemacht, außerdem war mir die brei!.
garette entfallen, und ich konnte ſie M.
finden, bis plötzlich meine Krawatte iAl. 4
Flammen aufging. Aber dann —2"
plötzlich das Sirpen ausſetzte, da war *
in der Patina ſeiner hundertdreißig
it lag die riſſige Platte über ihm
e die Perſönlichkeit jenes Mannes
or Menſchenaltern hier geſeſſen. Es
ter ganzen Welt keinen Ciſch, der
her hätte ſein können, und jeder
an=
u dieſer Seit ſchien zu ihm wie eine
achahmung.
Senachrichtigte den Bankier, der ſo=
(F.
ſoen ihn?”
Cazette führte den Beſucher
ge=
durch die enge Cür in den hinteren
er Ciſch ſtand groß und prächtig.
de ihn mit Mühe vor einer Stunde
u=üud ſofort in dieſen Naum bringen
michigte Cazette, „wie gefällt er Ihnen?”
15gaann nickte befriedigt.
a/ Wagen wartet. Wollen Sie mir den
zhusbringen ?"
Sehyern.”
Chaunz Tazette faßte den Ciſch, um ihn
hin=
szucz aen. Aber es blieb ein vergebliches
Bemühen. Der Ciſch ging nicht durch die
ſchmale Cür. Er war zu breit, und Cazette
konnte ihn drehen und wenden, wie er wollte,
es war unmöglich.
Der Fremde ſchüttelte den Kopf:
„Seltſam! Wir haben Sie ihn denn heute
früh hereinbekommen?"
„Ich — ja — aber”, ſtotterte Cazette, „—
ein Orrtum.”
Solebemann lächelte boshaft:
Dieſen Irrtum müßten Sie mit Gefängnis
bezahlen, wenn ich Sie anzeige. Aber ich habe
gar nicht die Abſicht. Ich bin mit Ihrer Arbeit
ſehr zufrieden. Sie werden ab heute immer für
mich, arbeiten. Nur mit dem Unterſchied, daß
ich jetzt die Preiſe feſtſetze und Ihnen nur Ihren
normalen Arbeitslohn bezahle. Sollten Sie
jedoch jemand finden, der Ihnen ebenfalls in
einer kleinen Werkſtatt mit einer ſo engen Cür
beſonders breite antike Möbelſtücke anbietet,
ſo bin ich gern bereit, Sie an dieſem Geſchäft
zu beteiligen.”
vorausſchickt, ehe er vorſpricht. Jeder hat
ſeine eigene Methode.”
„Aber die anderen, die Maſſe — —
„Sie gehen von Cür zu Cür, treppauf,
trepp=
ab, tagaus, tagein. Sie müſſen ſchwer „
arbei=
ten”, bis ſie einen Caler „verdient” haben. Der
Stimme, die ſogar das Federvieh vertreibt. Ihm
werfen die lieben Hörer raſch einige Münzen
zu, damit er ebenſo raſch aufhört. — Aber es
kümmert den Handwerksburſchen ja nicht,
war=
um man ihn beſchenkt. Hauptſache iſt, daß der
Kumpel etwas bekommt.
ge Aiat als „Kunde” in der Herberge ...
ms Här.
„Wicl ommſt du denn hierher? Hauſierſt du?
der 1a du eine andere Cour?” fragt mich
Bhitige, der auf der langen Bank
hin=
ſeimnn Kornkaffee ſitzt und dicke Wolken
ſei un Pfeife pafft.
Die luitrauiſche Frage belehrt mich deutlich,
„5 mnin abgetragene Kleidung nicht genügt,
minzu tarnen, um einen Cag lang
unbe=
hnter Kunde” unter Kunden, Lippelbruder
ſter „elbrüdern zu ſein. Dazu bedarf es
ſch andrer Künſte und Fertigkeiten. Alle die
undennn, bettelnden oder Kleinkram
ver=
ufenan Männer der Landſtraße, die ſich hier
der ßemdenſtube einer weſtdeutſchen
Her=
rge tieen, ſpüren mit wächen Sinnen, ob ſie
hem tißſich artigen oder einem Fremden
gegen=
derſteihn. Darum halte ich es für das beſte,
ſt der Vahrheit herauszurücken. Und meine
ffenhluſt hat ein freundlicheres Echo als das
jgüätt Aushorchen. Bereitwillig erzählt
ir dent Jucklige, ein ſchleſiſcher Schneider, der
fürff ahren auf der Walze iſt, ſeine Erleb=
Mt knappen, witzigen Worten
kenn=
ſchnene auch die anderen Cypen, die da in
uter gEſellſchaft zuſammenſitzen. Er ſpricht
darf ſy laut, aber keiner beachtet es, denn
der Lärm hitziger Wortgefechte und das
wuch=
tige Auftrumpfen einiger Skatſpieler überdeckt
alle ſachlichen Geſpräche.
Die unruhigen Menſchen, die uns umgeben,
tragen vielfältige Mienen und vielfältige
Klei=
der. Viele ſind hoffnungslos abgeriſſen, ſcharfe
Furchen um den Mund und Nunen um die
Augen ſprechen von Serquälung und dumpfer
Verbitterung. Andere verſuchen, einen Reſt
bürgerlicher Formen zu erhalten. Sie pflegen
ſogar die Bügelfalte, ſie tragen Kragen und
Kravatte und achten peinlich auf ihre
Calmi=
eleganz. Sie lachen, reißen Witze, begrüßen ſich
mit Hallo „Servus” und Schulterklopfen.
„Es iſt ja nur Galgenhumor!” ſagt der
Buck=
lige eifrig und deutet aufs Herz. Wie es da
drinnen bei ihnen ausſieht, weißt du nicht. Du
wunderſt dich über ihre Kleidung. Aber ſie
ge=
hört zu ihrem Geſchäft”. Sie gehen auf die
„feine Cour”. Sie beſuchen nur die beſſeren
„Patienten‟."
„Patienten?” frage ich begriffsſtutzig.
Der Schneider grinſt amüſiert. Du biſt aber
harmlos! Kannſt du dir nicht vorſtellen, was
für Patienten gemeint ſind?"
Nun freilich — aber reicht das denn aus?”
„O — es gibt da Meiſter ihres Faches! Der
da drüben am Fenſter ſteht, der große Blonde
mit der Narbe, arbeitet mit Bittbriefen, die er
Handwerksburſche iſt nicht nur ſelbſt aus ſeinem
Berufe geworfen, er ſpürt nun auch die Not
derer, bei denen er anklopft. An vielen Orten
gibt es überhaupt kein bares Sehrgeld mehr.
Da erhält er nur die Scheine der
Wohlfahrts=
vereinigungen, für die er Brot und Wurſt und
Nachtquartier, aber keinen Cabak und keinen
Alkohol erhalten kann. Aber wir brauchen doch
auch „Bewegungsgeld”. Wir wollen doch auch
einmal eine kurze Strecke mit der Bahn fahren.
Wir wollen rauchen —‟
„Und jene dort?” Ich deute auf eine Gruppe,
bei der ein Dutzend geleerter Bierflaſchen ſteht.
„Das ſind die Alten, die Unverbeſſerlichen,
die keinen Ausweg und keinen Croſt mehr ſehen.
Bis ſie 50 Pfennig beiſammen haben, müſſen
ſie ſich eine ganze Stunde lang von Hunden
an=
bellen und von Leuten, deren Geduld durch
häu=
fige Bettlerbeſuche erſchöpft iſt, mit ſchroffen
Worten abweiſen laſſen. Aber am Abend
ver=
langen ſie nach dem Alkohol. Sie ſind nicht
mehr zu retten; ſie ſagen ſich: Keiner nimmt uns
mehr auf, keiner gibt uns wieder Arbeit.
Dar=
um trinken ſie. Es iſt natürlich auch viel Pack
darunter, das ſchon in Beſſerungsanſtalten und
Suchthäuſern war. Aber ſie ſind in der
Minder=
heit. Diebe und Mörder ſind meiſt ſeßhaft. Die
„Kunden”, die Heimatloſen, die fechten gelernt
haben und keine „Klinkenfurcht’ mehr kennen,
be=
gehen viel weniger Verbrechen, als der
Unein=
geweihte glaubt. Sieh einmal dorthin, zu den
friſchen Jungens in der rechten Ecke.”
„Ja, was tun ſie hier?”
„Sie ſind Arbeitsloſe aus Köln oder
Düſſel=
dorf. Sie ſchallern!” Ich ſchaue wieder dumm
drein, und der Bucklige erläutert lächelnd:
„Schallern — das heißt: ſie ſingen auf der
Straße. Von der „Donna Clara”, von der
Nacht in Monte Carlo” und ſo weiter. Drei
Mann ſingen, der vierte ſammelt das Almoſen
ein. Sie ſingen friſch und gut. Manch anderer
freilich, der auf dieſelbe Cour geht, hat eine
Nacheinander lerne ich nun durch die
ſach-
kundige Erläuterung des Schneiders
verſchie=
dene Cypen kennen: den Metzger in der weißen
Berufsjoppe, der nur die Herren Meiſter, die
Maſchores und Katzoffs” mit ſeinem Beſuche
beehrt. Den jungen Organiſten, der durch einen
kleinen Fehltritt aus der Bahn geriet und nun
Cag für Cag viele Schnitzpoſtkarten und
Feder=
zeichnungen verfertigt und verkauft. Manchmal,
bei Schützenfeſten und an Kirmestagen, findet
der Mann, der einſt Beethoven, Schumann
und Brahms ſpielte, Gelegenheit, durch
Canz=
muſik „einige Groſchen” zu verdienen.
Insge=
heim nährt er immer noch die Hoffnung, wieder
„entdeckt” und in die bürgerliche Geſellſchaft
zurückgenommen zu werden.
Da iſt auch ein ehemaliger Maſchinenmeiſter,
der einſt an der Notationsmaſchine eines großen
Seitungsbetriebs ſtand. Als er abgebaut wurde,
verfiel er dem Schnaps — und nun iſt er hier.
Da iſt aber auch ein Hüne mit aufgeſchwemmten
Backen und unruhigem Blick. Als ich ihn
muſtere, zwinkert der Schneider vielſagend mit
den Augen und malt mit dem Finger ein
Para=
graphenzeichen und die ominöſe Sahl 51 auf den
Ciſch: „Kriegsbeſchädigt! Verſchüttung! Den
muß man in Nuhe laſſen. Wer mit ihm
anbän=
delt, zieht immer den Kürzeren.”
Es fällt mir auf, daß alle Kunden
außer=
ordentlich nervös ſind. Die bitteren Bittgänge
hinterlaſſen ihre Spuren. Arzte haben errechnet,
daß die Sterblichkeit unter den Bettlern höher
iſt als unter den ſeßhaften Schichten. Was die
Sonne und die friſche Luft an Kräften zuführen,
wird durch die tägliche Aufregung und die
un=
regelmäßige Koſt überboten.
Der Schneider ſagt zwar lakoniſch: „Mit der
Nahrung iſt es nicht ſo ſchlimm. Wer auf der
Landſtraße verhungert, iſt zu faul zum Eſſen.
Krankenhäuſer, Klöſter und begüterte Familien
geben ja täglich zahlloſe Mahlzeiten ab, und
auch im ärmſten Viertel kann der
Handwerks=
burſche ein Butterbrot bekommen. Aber die
Mahlzeiten ſind ungeregelt. Hier gibt es ganz
ſchwere Koſt, dort ganz leichtes Eſſen. Unter
ſolchem Wechſel leidet auch ein robuſter Körper.”
Und dann die tägliche Aufregung mit der
Polente. In dieſer Heit der
Maſſenerwerbs=
loſigkeit iſt die Polizei zwar nicht mehr ſo
ſtreng wie in den Kriegsjahren, als ſie Bettelei
mit Necht als Arbeitsſcheu bezeichnen konnte.
Der Schneider erklärte mir, daß es in
Süd=
deutſchland heute „heißer” ſei als im
induſtriel=
len Weſten und im Norden. In den
weſtdeut=
ſchen Großſtädten, wo ſich die Not
zuſammen=
ballt, drückt die Polente oft ein Auge zu, wenn
junge Burſchen ſchallern oder ein Geiger ſein
ſchmachtendes Lied auf der Straße ſpielt. Doch
faſt immer iſt ihr Leben ein aufreibender
Pa=
trouillengang zwiſchen Polente und Penne.
diſtollkz die Vaſe, das Flurfenſter, die Nippes=
Ncen, Aür Riß im Ceppich, alles war vergeſſen,
foſt er NHausbrand hatte in dieſem Augenblick
eihen /Srrecken mehr für mich. Ich ſtand auf,
ammt ir die Spinngewebe aus den Haaren,
uitelltk den Staub von meinen Kleidern, ich
40 gratulierte mir und dem
Morſe=
hab htzich war bereit, ein neuer Menſch zu
edens ſich ſetzte mich an den Schreibtiſch und
9anns leine Gedanken zu ſammeln..
ex) mit einem Male, wer beſchreibt mein
Nei begann das Zirpen von neuem.
SSRlal im Einhundertvierzigertakt, for=
Me=RW aus der gegenüberliegenden Simmer=
Aſprang auf, ich. — Nein, es gibt
Arte, um meinen Suſtand auszudrücken.
g auf. — Das iſt Bosheit”, ſchrie
me ſaß glühte aus meinen Augen. Das
penel lung mir längſt nicht mehr im Ohr, es
Eab. man mit Heugabeln auf meinen
WueAüden Nervenſträngen ſpielte. Ich
Worer 1s finſterſte Geſicht, das ich in meinem
Den Aacht hatte. Ich ſetzte mich und brütete
ſache.
De 27e Idee, die ich hatte, war, das Cier=
Achiräuchern. Ich lieh mir zu dieſem Sweck
D Mkeuim Hauswirt ſeine Meerſchaumpfeife,
Nei A ein Viertelpfund Cabak ab und ſetzte
Pieein Brand. Dann drehte er lich um und
SLuyen Pfeifenkopf. So kroch ich an den
Dmxh un” vorbei und blies den Nauch des
WDgkus Lie Ritzen. Nach oiner halben Stunde
DEiabak zu Ende, die Meerſchaumpfeife
NrD A, meine Sunge verbrannt, das Sim=
InTher: Nebel gehüllt, in dem kein Lebe=
Den A Mr exiſtieren konnte, kein Gegenſtand
mehr zu unterſcheiden war, und in dem nur das
Sirpen der Grille ungebrochen ertönte.
Meine zweite Idee war, das famoſe Cierchen
in kochendem Waſſer zu ertränken. Ich ſetzte
einen Waſchkeſſel voll Waſſer auf den
Gas=
herd, wartete mit Ungeduld, daß es brodelte,
dann ging ich hin und goß ſiedendes Waſſer in
die Nitzen; flüſſiger Ceer wäre mir noch lieber
geweſen. Nach einer Viertelſtunde ſchwamm
das Simmer, der Ceppich war aufgeweicht, die
Farbe des Bodens hatte ſich aufgelöſt, meine
Füße waren verbrannt, meine Wirtin raufte
ſich die Haare, der Mann mit dem verſtimmten
Klavier klopfte von unten mit dem Beſenſtiel
gegen die Decke und drohte mir mit Mord
und nur die Grille behielt als einzige ihre Nuhe
und zirpte weiter.
Meine dritte Idee war die genialſte. Ich
bediente mich der modernen Cechnik. Ich holte
den Staubſauger meiner Wirtin in mein
Sim=
mer, ſetzte das Mundſtück an und begann, die
Nitzen auszuſaugen. Nach einer Viertelſtunde
hatten ſich die Nitzen um fünf Sentimeter
er=
weitert, der Staubſauger huſtete und hatte ſich
ſchon verſchluckt, weil eine von den Gardinen,
die noch von vorher auf dem Boden lagen, ins
Saugrohr geraten war; dann ſchlug plötzlich die
Sicherung durch, es wurde ſtockdunkel und ich
tieß mir beim Aufrichten den Kopf am
geöff=
neten Fenſterflügel ein. — Ich hörte nur noch
ein dumpfes Brauſen in meinem Kopf und ganz
im Hintergrunde höhniſch und ungebrochen das
Hirpen der Grille. In dieſer Nacht jagte ich
obdachlos und ruhelos umher.
Am zweiten Cage verſuchte ich, die Frage
philofophiſch zu löſen. Ich überhörte das Sir=
pen. Ich ſetzte mich einfach über die Catſache
hinweg und dachte, der Klügere gibt nach.
Die=
ſer Verſuch koſtete mich fünf Liter Bier, eine
halbe Flaſche Kognak und 24 Schlaftabletten.
Am dritten Cag beſann ich mich auf Caktik.
Es war mir inzwiſchen längſt klar geworden,
daß das Untier es auf mich abgeſehen hatte.
Darum tat ich ſo, als ob ich nicht zu Hauſe
wäre. Ich ging zur Cür, klatſchte ſie zu und
ſagte. Auf Wiederſehen”. Dann ſchlich ich leiſe,
leiſe an meinen Schreibtiſch und wartete der
Dinge, die da kommen ſollten. Das Naubtier
brüllte weiter. Dann dachte ich — ſeit 72
Stun=
den trompetete ununterbrochen dieſes Untier in
meinem Simmer — ich dachte, es hat etwas
gegen dich. Ich ging im Nu alle meine Sünden
durch, dann fiel mir ein, daß ich meine Miete
noch nicht gezahlt hatte. Ich ging ſofort hin
und bezahlte die Hälfte. Das war um 8 Uhr.
Um 10 Uhr hatte ich einen außerordentlich
hef=
tigen Auftritt mit meiner Wirtin, weil ſie das
Geld nicht mehr herausrücken wollte. Am
vier=
ten Cage erlitt ich dann den Suſammenbruch
von dem ich am Anfang ſchon berichtete.
Sum Glück habe ich einen Mann in meiner
Bekanntſchaft, der einfach alles kann. Von
einer Motorradreparatur bis zur Neſtaurierung
eines alten Gemäldes gibt es nichts, was dieſer
Mann nicht könnte. Ich bat ihn um Hilfe. Er
kam, ich erklärte ihm meine Situation; er
be=
trachtete mich mit jenem Wohlwollen und jener
Sicherheit, wie ſie nur Leute beſitzen, für die es
abſolut keine Schwierigkeiten im Leben gibt.
Dann bat er um die Auslieferung eines Meißels,
eines Hammers, einer Zange, einer Säge und
eines Stemmeiſens. Ich fühlte mich ſo ruhig
und geborgen in ſeiner Nähe, ich beſorgte die
Sachen in der Nachbarſchaft. Er klopfte mir
auf die Schulter, ſchickte mich fort und bat mich,
nach einer Stunde wiederzukommen.
Als ich nach einer Stunde wieder erſchien,
war er ſchon wieder gegangen und hatte einen
Settel hinterlaſſen. Der Feind iſt erſchlagen”
hatte er geſchrieben. Ich las den Settel mit
jener Befriedigung, die man verſpürt, wenn
man etwas ſo Fürchterliches überſtanden hat,
wie es mir beſchieden war. Ich hatte dann erſt
Seit, mich ein wenig im Simmer umzuſehen. Er
hatte die „Lamperien” abgeriſſen, den Sußboden
an einigen Stellen aufgeriſſen, die Decke
auf=
gemeißelt — es ſah allerdings ein wenig wüſt
aus. Ein wenig nach einem Crümmerhaufen ſah
das Ganze aus. Aber was machte das, es war
ſtill. Oh, herrſchte eine Nuhe in meinem
Sim=
mer. Ich kletterte über die abgeriſſenen „
Lam=
perien” und die Löcher im Sußboden an meinen
Schreibtiſch, ſchaufelte den Schutt von der
Platte und begann nach vier Cagen wieder zu
arbeiten.
Sehn Minuten etwa hatte ich gearbeitet, zehn
Minuten — mit einem Male, ich traute meinen
Ohren nicht, mit einem Male — ich ſtieß einen
fürchterlichen Schrei aus und rannte zur Cür
hinaus. Statt aus einer Ecke zirpte es jetzt aus
zweien.
Seit dieſer Stunde bin ich nicht mehr zu Hauſe
geweſen. Ich ſitze in den Cafés und leſe die
Wetterberichte in hundert Seitungen. Denn
man hat mir geſagt, daß der Drache
verſchwin=
det, ſobald die Wetterlage ſich ändert. Ich ſitze
da und addiere, und wenn ich nur ein entferntes
Geräuſch eines Sirpens höre, könnte ich heulen.
Sunndags=Noochmiddags=Bedrachdunge.
No un ſchließlich kann mer jo net immer
mit=
em Kobb zwiſche de Hend doſitze un iwwer die
hoche un die niedriche Bolledick, iwwer Audarktie,
Reichsreform, Rechierungsbildung, Akurwelung,
Steiera rechnungsſchei, un wie die kniffliche
Sache all haaße, noochſimmbeliern, ſunſt wärd
mer ſchließlich ſällwert zum Simmbel un reif
for Goddlau. Sundern mer muß ſich zum
Aus=
gleich als emol mit harmloſere
Agelegen=
heite beſchäfdiche, un muß den Ernſt des Läwens
mit kindlichem Gemied genieße; däß hilft aam
iwwer manch drieb Stund ewäck.
No, uno daß oft e diefer Sinn im kinniche
Spiel ſtickt, däß is e ald Subb. — Un däß is
mer ſo recht widder zum Bewußtſein kumme,
wann ich in letzter Zeit unſer Jugend beowachte
dhu, un ſäh, mit welchem Ernſt un Eifer ſe —
Ziggaräddebilcher ſammle un dauſche.
Ganze Gruppe un Vereincher hawwe ſich ſchun
gebild, die aane dauſche Saldadebilder, die
an=
nern Drachebilder, die annern Wappebilder;
korzum, s is aa Dauſcherei.
No, mir hawwe’s jo in unſere Jugend net
annerſter gemacht. So hawwe domals die Kinner
vun de beſſere Leit mit Vorlieb Liewichsbilder
gedauſcht, mir Altſtädter hawwe uns dohärngäje
mit dene Bilder begniecht, die wo um de Zichorie
gewiggelt warn.
Freilich noch liewer hawwe mer zu meiner
Zeit, wo mer noch net ſo aſpruchsvoll gewäſe
is, wie heit, Dauſchjes, odder „Fuggelches” mit
realere Sachwärte gedho. Dodebei hott mer zwar
net viel gewinne kenne, ſundern es is meiſtens
viel wenicher debei erauskumme, als mer ſich in
ſeine Härzensafald eigebild un ausgerächent
hott. Doher aach der Nome „Fuggele”. — Ja
un do is es ſogar vorkumme, daß aam grad die,
die wo mer ſällwer ganz haamlich un ehrlich
e bische hott beſchummle wolle, daß aam die
un=
gerechterweis ganz gaſchdich iwwer’s Ohr
ge=
haage hawwe, un daß mer, wann mer mit dem
Dauſche färdich war, un ſich dehaam den Schade
bedracht hott, der wo bei dem Dauſch
eraus=
kumme is, oft grad vor Wut hett greine kenne
iwwer die Unehrlichkeit, un Schlächdichkeid, un
Gemeinheit vun dene, die wo mer hott afiehrn
wolle, un die wo aam hinnenooch ſällwer
age=
fiehrt hawwe.
Ich waaß noch aus meine Kinnerzeit wie
heit, wo ich aach emol wunners geglaabt hab,
was ich for=en gude Dauſch gemacht hett, wie ich
dehaam glickſtrahlend meine Mudder däß Sach
gezeicht hab, wo ich ei gedauſcht hatt: en Dobbſch,
zwaa bengaliſche Streichhölzer, fimf Biggel, en
„Achadene” un en „Olgelehkte” debei, un e
Stickche Menſchehaut — (uff Ehr un Seelichkeid:
Menſchehaut; die is domals in de Meß
ver=
kaaft worrn; ans „Zöbbritze=Eck” hatt ſe aaner
mit Klammern an=ere Kordel henke, un fromme
Bildcher warn druff. in Sillwer= un Golddruck,
un wann mer ſe uff de Hand geleecht hott, un
hott druffgehaucht, hott ſe ſich zuſamme
gekrin=
gelt, dodro hott mer geſähe, daß es ächt
Menſchehaut war —
No un wie mei Mudder ſich dann mei
Reich=
dimmer domals bedracht hott, hott ſe mich,
an=
ſtatts daß ſe iwwer mei kaufmenniſch
Dauſch=
ſchennie begeiſtert gewäſe weer, bloß mit=eme
un=
heilverkindende Geſicht gefrogt: „Un was hoſt
du degäje verfuggelt? „.
„Ach,” ſagt ich ſo leichthie, „bloß mei ald
Bobb, die wo ich vun de Gohd zu Weihnachte
krickt hab, un wo innwenich voller Sägmehl war,
un wo aach kaa richdiche Hoor hatt, ſundern bloß
druffgemolte” — — —, un hab gedenkt, jetzt
kreecht ich for den gude Dauſch e Belowichung.
Jawohl, vun wäje Belowichung! — Mei
Mudder hott mich rumgedreht, un hott mer des
Hinnerquardier verſohlt, mit=ere Grindlichkeid,
wäje däre ſe in de ganze Verwandt= un
Bekannt=
ſchaft riehmlichſt bekannt war. Sie war nemlich
noch vum gude alde Schlag, mei Mudder, un hott
nix hallwer gedho ...."
Un ich hab mich dann, vun wäje dem „
bren=
nende‟ Eidruck, den wo die midderliche
Behann=
lung uff mich gemacht hott, e zeitlang uff=en
naſſe Butzlumbe geſetzt; un wie ich mer dodebei
mei eigehannelte Reichdimmer ageguckt hab, do
ſin ſe mer, im Verhältnis zu meine Bobb, doch
ſällwer recht armſeelich vorkumme.
No un do bin ich widder hie, zu meine
Freun=
din un wollt den Dauſch widder rickgengich
mache, awwer die hott mich ausgelacht un hott
geſagt: „Gedauſcht, gedauſcht, bleibt
ge=
dauſcht!” — un däß is e unverbrichliches
Kinner=
wort gewäſe, beinoh ſo feſt wie die zehe Gebode,
un faſt ſo heilich wie zuff Ehr un Seelichkeid”
un do hott’s nix degäje gäwwe. Bloß hab ich
dreimol in meine Freundin ihrn Appel beiße
därfe; awwer mei Bobb hab ich nemehr krickt,
dann: „Gedauſcht, gedauſcht — bleibt
ge=
dauſcht!” un do beißt kaa Maus en Fadem ab.
No un de Owend, beim ins=Bett=geh, do hott
mei Mudder noch emol ſo adeidungsweis falle
loſſe, daß beim Dauſche un Fuggele nie nis
Ge=
ſcheides debei eraus kimmt, un daß ich mer’s e
Wannung ſei loſſe ſollt, for’s ganze Läwe, un
hoffentlich vun aamol genuch hett for immer.
No, ich hab mer’se Wannung ſei loſſe, un hab
Zeit meines Läwens kaa Dauſchies mehr gedhu,
un nir mer vun meine Sach verfuggelt, ſo oft
michs aach ſchun gejuckt hott. Bis uff de heidiche
Dag hab ich nemmehr gedauſcht, un ich glaab, ich
dhus aach net mehr, dann wie geſagt, skimmt
nix debei eraus. Un die Freundin vun
do=
mols, die guck ich heit noch drum a, ſo oft ich
ſe ſäh ...."
Iwwrichens, die Buwe ſin, was des Dauſche
bedrifft, noch viel eifricher, wie mir Mädcher.
Schun weil ſe mehr Daſche hawwe, un däßhalb
mehr bei ſich erumdrage kenne. Was geht net
alles in ſo=en Buwehoſeſack enei! — Ich hab
nei=
lich emol zugeguckt, wie ſo e klaaner Dobbcher,
e Krotze vun=e Johrer acht, ſein Hoſeſack
aus=
geleert hott, de Bellachinie hett net mehr aus
ſeim Zillinder erauszauwern kenne. Do is zum
Vorſchei kumme: e Kneilche Dreibſchnur, e paar
Meder Radiodroht, e Schliſſelbix, e Stick
vun=
eme Fahrradſchlauch, en franzöſiſche Suh, a dod
Schneck, en rote Feierſtaa, en Stebbel Blau= un
Rotſtift an aam Stick, un nadierlich e ganz
Baddie Zigarräddebilder. — Mit ſo=eme
Waren=
lager, do kann mer nadierlich ganz unglaabliche
Geſchäfte mache. Awwer net alle Buwe hawwe
ſo en reichaſſortierte Hoſeſack voll Dauſchobjäckte,
un de meiſte gehts genau, wie de Mädcher, ſie
falle halt aach enei bei dem Dauſchgeſchäft.
Wann awwer aus de Buwe Menner wärrn,
dann wolle ſe net mehr an die Dauſchhennel, an
die „Fuggelerei” aus ihrer Kinnerzeit erinnert
wärrn, un ſie ſage als, mir Weibsleit weern die,
wos Dauſche, odder wenichſtens es Umdauſche
net loſſe kennte. No, däß hott ſei Richdichkeid,
un do will ich nir degäje ſage. Wann ſich awwer
die Mannsleit domit dick dhu wolle, un wolle
ſage, ſie weern net ſo, dann is däß de pure
Schwindel.
Nemlich die ſogenannte Herrn der Schöbfung
dhun genau noch ſo gärn Dauſchjes mache, wie
als klaane Kinner; un wann ſe in mildere Fäll
valleicht aach bloß Briefmacke dauſche, ſo wärd
doch die Sach in dem Momend brenzlich, wann
ſe in Amt un Wirde kumme, un ſich
baddei=
meßich mit de hoche Bolledick beſchäfdiche, un
in ihrm un annern Leits Indräſſe Dauſchjes
un Fuggelches ſpiele, bloß haaße ſe ſe’s in dem
Fall — Koallitzionsverhannlunge...
Awwer du liewer Schiewer, aach bäf.
Hennel” kimmt ſcheints ſo wenich
wo=
ſcheides eraus, wie beim Dauſche un 75.
De aanziche Unnerſchied is bloß der, doy
bei dere „Koallitzionsfuggelerei” e bischn
ger brauch, bis daß mer eiſieht, dat
iwwer’s Ohr gehaage worrn is. Un ob doß
en Vordaal is, däß kann ich freilich ml
Awwer daß bei dene
Baddeidauſchhenne=
un nooch des ganze Vaderland ſo Umf
„verfuggelt” wärd, däß ſcheint mir mat
ſicher.
Un däßhalb hott nooch meiner A‟
Hindenborc) ganz recht, wann er —
Awwer ich wollt jo heit gornet vumd
dick redde, ſundern ich wollt bloß emol
noja, mer wärds halt ſchun verſt
Bienche Bimmberm
Poſtſchkribbdumm: Mer hott desVien ſober
ſtädter vorgeworfe, daß ſe die „Goetheellietiſchen
Ausſtellung” net genuch, frequendiert hi.
daß valleicht de greeßte Daal iwwerka
net drinn gewäſe weer, ſundern daß die 2chveit die
lung in de Haubtſach vun Fremde Fen in
Nens mu
„Fſy Seg 9
worrn weer.
No ich glaab, den Vorworf kann M=ßurprein 9
„Eiheimiſche” mache, aanerlag, ob’s nu Anzugen
ſtädter, Minchner, Frankforter, Berliner//12ie Man
ſunſt welche „Eiheimiſche” ſin. Was muflindet um
haam hott, wärd wenich geſchätzt, dann my
— „es is net weit her”, ſeegt de Volksm u
Wann mer de Darmſtädter drauß in den
Wäld ärchendwo drifft, dann is er gerut
nadur= un kunſtliewende, nei= un wißbogfl 9h 8
wie äwe alle „Fremde”, un leßt ſich nir „0 M1
wann wo was zu ſähe is. — Dann war=
„vergniechenshallwer” in de Fremd is,
mer was heern un ſähe, während wann
r=
haam in ſeine nodverordente klaane u.4
ſteht, do vergeht aam meiſtens heichtiu ſeten 4
ſähe ..
Däß is nu emol ſo, un de Darmſtädte- m Minzer
do unner de annern „Eiheimiſche” kaa Ausnhe Mitel
un däß war aach ſchun frieher ſo, ſurtin Kmpf
ſich de Herr Kriegsrat Merck ſeiner Zeit ealoien wiel
wer die Indräſſeloſichkeit vun de Darmſtätzauen ionnt
beklage brauche. Un dem Herr Geheimder W Bdenöe
4ien.
Goethe is es unner ſeine Mitbärier vu
Rid die De
mar net viel annerſter gange; als Miniſti ſmenabei
merm zwar die Gunn a gedha, awwer als./6/
ter” hawwe die Weimarianer kag ſo grrzu
dräſſe an em gehatt ..
Küchenzettel vom 5. bis 11. September.
Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.
Montag: Lauchſuppe, gefüllte Gurken*)
Kar=
toffeln.
Dienstag: Tomatenſuppe, Kartoffelpuffer
mit Obſt oder Salat.
Mittwoch: Rote Rübenſuppe, Rouladen mit
Wirſing und Kartoffeln.
Donnerstag: Grünkernſuppe,
Pilzmakka=
ronis).
Freitag: Sagoſuppe, gedämpften Fiſch mit
Kartoffeln und Salat.
Samstag: Gemüſeſuppe, arme Ritter mit
Zwetſchenkompott.
Sonntag: Helgoländer Suppe C. gefüllte
Kalbsbruſt, Blumenkohl, ger. Kartoffeln,
Pfirſichtorte.
*) Gefüllte Gurken. Die abgeſchälten,
mit einem Kaffeelöffel ausgehöhlten Gurken
wer=
den mit einer Fleiſchſoße gefüllt. Die ſo
gefüll=
ten Gurken werden dann mit Butter, etwas
Fleiſchbrühe, Eſſig, Tomaten, Peterſilie, Tymian,
Lorbeerblatt, Salz, 1 Glas Weißwein oder
Apfel=
wein langſam weichgeſchmort, wobei man ſie
ein=
mal umwendet. Inzwiſchen kocht man etwas
braune Mehlſchwitze mit Fleiſchbrühe langſam
ſämig, gießt ſie zu den weichgeſchmorten Gurken,
richtet ſie mit etwas Peterſilie an.
E) Pilzmakkaroni. Man ſchichtet in
eine Schüſſel oder auf eine Platte lagenweiſe
weichgekochte, gut abgetropfte Makkaroni und
ge=
dünſtete Pilze und ſchließt mit einer Schicht
Mak=
karoni, über die geriebener Käſe und braune
Butter gegoſſen wird.
Tomaten und Steinpilze mit
Rührei, Dreiviertel Pfund rotfrüchtige,
kern=
lloſe Tomaten, in Scheiben geſchnitten, werden
in heißer Pfanne mit würfliggeſchnittener
Zwie=
bel und reichlich Butter, Margarine oder Oel
ge=
dämpft. Mit Salz und Pfeffer überſtäubt und
mit Kartoffelmehl ſämig angemacht, gebe man
ſie in eine flache, heißgeſtellte Schüſſel. Nun
be=
reite man von 6 Eiern und ½ Taſſe Sahne und
Salz nach Geſchmack verquirlt, ein lockeres
Rühr=
ei, das mit 14 Pfund feingewiegtem rohen oder
gekochten Schinken untermiſcht, kranzartig um die
Tomaten garniert wird. Als Kranz gebe man in
Butter gedämpfte Steinpilze und beſtreue das
Gericht mit feingewiegter Peterſilie. Man reiche
Bratkartoffeln dazu.
Sauer gewordene Fleiſchbrühe
wieder genießbar zu machen. Wenn an
beſonders heißen Tagen die Fleiſchbrühe ſauer
geworden iſt, ein Umſtand, der namentlich dann
eintritt, wenn ſie mit Suppengrün aufbewahrt
wurde, ſo erhitze man ſie nochmals und verrühre
daran 1 Meſſerſpitze doppelkohlenſaures Natron.
Nach dem Aufbrauſen iſt dann die Fleiſchbrühe
wieder vollkommen geſchmacksrein und kann
wie=
der zur Suppe bereitet werden.
zaag
Nummer 483.
Aufgabe 680.
Tol1auelu uß gun uezuvag u
CTijdſchrift Nederl. Schaakbond, 1923.)
a b 4 g
Jugend von heute".
beceeeehkkl ö prrr
ſt u u.
Obige 20 Buchſtaben ſchreibe man auf die
20 Punkte, ſo daß 5 Wörter von folgender
Be=
deutung erſcheinen: 1—2 fremdländiſches
Geld=
ſtück, 2—3 Raubtier, 3—4 Nahrungsmittel, 4—5
Lurch, 5—1 Teil mancher Gebäude. Die
Mittel=
buchſtaben ſagen, was alle Tage geſchoſſen wird.
Beſuchskarten=Rätſel.
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Ke7 Td8, 12 Lb3, 16 542, h6; Ke6 La2,
g8 8bl, d3 Bb6, 45, e4, eb, e7, g5, h8, h4.
Aufgabe 681.
G. H. Goethart in Haag.
(Handelsblad, 1916.)
Beiß: Kh3 Da7 Tk7 Lb3, h4 St2 Be2, d5, g3, h2 (0).
Schwarz: Keß Tel, e8 Bb4, d6, e7, 15 (7).
Matt in zwei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 678 u. 679.
678. F. Sinchovici. 1. S:h4 (2) ſcheitert an D:h 31 Löſung:
1. 813—sßi broht 21 Drkä4k. 1. . . . Br6 2. Lzeß4t,
1.:.. Bt5 2. Tg44: 1.:. . De6 2, 8:e64.3 verſchiedene
Mattwendungen mit Angriff des gefeſſelten ſchwarzen k=Bauern
auf die mattſetzende Figur.— 1. . Nig5 2. 7t14t: 1. ...De7
(bS) 2. SieGckF: 1... Dih3 2, 8:h3ci 1. D84 2. Tig4c.
679. C. S. Kipping. 1. Bd5—d 6i, erzwingt D45 vder
Ta5, worauf Weiß mit den verſteckten Bahnungen 2. 7h8 oder
2. 7a1 fortſetzt.
Welchen Beruf, der ſehr ſchwer und
verant=
wortungsvoll iſt, hat Herr
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 35.
Aus Goethe’s Leben.
1. Weimar; 2. Eliſabeth: 3. Vulpius; 4.
Schil=
ler: 5. Leipzig; 6 Auguſt; 7. Frankfurt; 8. Die
Horen: 9. Breitkopf; 10. Johann Kaſpar: 11.
Wetzlar; 12. Italien; 13. Hufſchmied; 14. Frau
von Stein.
„Mephiſtopheles”.
Im Sommer.
Badereiſe. (Ergibt ſich durch Verſetzung
der Buchſtaben von „die Baſe” und „er”.)
Gebäude.
Rotunde, Schule, Theater, Fabrik. Palaſt,
Kirche, Kaſerne, Rathaus, Hotel, Gefängnis.
„Der Bahnhof.”
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. H. Nette, Darmſtadt. Fernſpr. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. er
„Und welches Tier iſt der beſte Freu)
Menſchen und macht ihm am meiſten Fuss
„Die Micky=Maus, Herr Lehrer!”
Seltſam. „Ich weiß nicht, es war eim
der Rede Ihrer Frau, das ſeltſam kigin
„Ach, ich weiß ſchon, was Sie meine!
Pauſe!”
Beruhigend. „Wiſſen Sie denn, daß M.1
die ganze Nacht bellt?” „O ja, aber Sie2
chen ſich nicht darüber zu beunruhigen, en
dafür am Tage.”
Der Naturaliſt. „Als ich kürzlich 2
ſpielte.” ſagte der Tragöde voller Stoll,
ſtarb ich ſo natürlich, daß ein Mann im
kum ohnmächtig wurde.” „Großartig!” ſa9
Freund. „Das war gewiß eine zarte
„Nein.” erklärte der Schauſpieler, „es w0:
Verſicherungsagent.”
Er kriegt ihn ſchon! „Wohin des Wegs
gehen ja ſo gemütlich!” „Ja. ein Mann h6.
mein Auto geſtohlen und iſt damit die
hier heruntergefahren.” „Und da wollsi.
mit dieſem Schneckeptempo einholen?
gewiß, er hat kein Werkzeug für die P04
mit!”
Schlimmes Zeichen. „Nun, kannſt 9”1.
etwas Franzöſiſch, kleine Hilde?”
weiß ſchon genau, daß, wenn meine Eltern
zöſiſch ſprechen, ich Medizin bekommen ſoll &
Bedenkliches Reſultat. „Wenn ich alle:N
Altertümer verkaufen würde, was mein
wohl, was ich da erzielen würde?” ſack=
Kunſtfälſcher. — Wenigſtens fünf Jahl
widerte der Sachverſtändige.
4. September 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 246 — Seite 17
port, Spiel und Jucnen
Handball.
tea tuerchntag 2.30 Uhr. Sid gegen Miktel.
r). nochmals auf das heute nachmittag auf dem Platz
halltor ſtattfindende Repräſentativſpiel hingewieſen, das
dosmannſchaften von Süd= und Mitteldeutſchland
aus=
de Mannſchaften treten unter Leitung von Brauer
züt äußerſt ſpielſtarker Aufſtellung an, und zwar mit:
Fiſcher
(Dresden)
Mordhorſt
Knobbe
(Magdeburg)
(Halle)
Vaßault
Rockmann
Hudaſch
Leipzig)
(Magdeburg)
(Halle)
Berthold
Oßwald
Klingler
Böttcher
(Leipzig)
(Leipzig)
(Burg)
(Burg)
Feick
Ploch
Werner
Pabſtdorf
gſiadt)
(ſämtl. Darmſtadt 98)
(Schwanheim)
Dittmar
Delp
Stahl
(Darmſtadt 98) (Pol. Darmſtadt)
Pfeiffer
Walter
(Polizei Darmſtadt)
Kipfer
(Pol. Darmſtadt)
Sddeutſchen haben in den letzten Repräſentativtreffen
ſtoenig Erfolg gekämpft. Es gilt alſo, den guten Ruf
üthdtſchen Handballſportes wieder herzuſtellen und ein
dareg ſeſultat zu erzielen. Gegen einen derart ſpielſtarken
r„iw ihn die Mitteldeutſchen darſtellen, wird ein ſiegreiches
ſneipe — darüber muß ſich die Süddeutſche Elf im klaren
u dann gelingen, wenn jeder einzelne Spieler ſein
gi uneigennützig ſpielt und ſich voll und ganz einſetzt.
ur ſchon längere Zeit kein Handballſpiel großen
For=
ſin haben, erwarten einen mitreißenden Kampf, der
ſt intlichen Geiſt ausgetragen wird.
Rot=Weiß — Polizei Worms.
Heuneveilt die Ligamannſchaft von Rot=Weiß bei dem
Poli=
fvorrnein in Worms, um das fällige Verbandsſpiel
auszu=
jArms muß gerade in dieſem Jahre ſehr ſpielſtark ſein,
„ſdeut ſhe Sieg gegen Wormatia ſowie die knappe Niederlage
n Soverein 98 ſind der Beweis dafür. Rot=Weiß wird
tatrengen müſſen, wenn es ein ehrenvolles Reſultat
er=
wall Die Mannſchaft trifft ſich 7.30 Uhr am Hauptbahnhof.
pikzlindet um 10.30 Uhr ſtatt.
Poſt 1. — Weiterſtadt 1.
geſtrigen Bericht, Poſt 1. — Weiterſtadt 1. 0:13 iſt
uce, daß es Poſt 1/2 kombiniert heißen muß, da bei Poſt
Won der 1. Mannſchaft mitſpielten.
Schul=Wektkämpfe
Rücymnaſium Darmſtadt — Oberrealſchule Mainz.
Die ja letzten Donnerstag auf dm Sportvereinsplatz zum
ſrag zgommenen Schulwettkämpfe zeigten recht anſprechende
ungegn In den Kurzſtreckenſtaffeln behielten die körperlich
„Ngema Mainzer die Oberhand, während die 48400 für die
mſtärte Mittelſtreckler eine ſichere Sache, allerdings erſt
hamn Kampf und deshalb mit ſehr guter Zeit wurden.
Kutſtoßen wiederum, bei dem je die 4 beſten Stöße
ge=
niet muten, konnte Mainz mit einer Durchſchnittsleiſtung von
Mſte gegenüber der der Darmſtädter von 11.60 Meter, für
entſtheen. Das die Kämpfe abſchließende Handballſpiel
ſchlietzily die Darmſtädter Realgymnaſiaſten infolge ihrer beſ=
Zuſſamenarbeit und ihres größeren Schußvermögens als
ſenta Eeger. Reſultate: 10X100 Meter: 1. Mainz 2:02.2 Min.
ſarmntat 2:05 Min. — 12½½ Runde: 1. Mainz 2,27 Min.,
ſarmctut 2:33 Min. — 4X100 Meter: 1. Mainz 47,6 Sek.,
ſrmrlatz, 8 Meter zurück. — 4X400 Meter: 1 Darmſtadt.
Mi9 2. Mainz 3:58 Min — Kugelſtoßen: 1. Darmſtadt
Müte 2. Mainz 12,34 Meter, 3. Mainz 12.28 Meter.
Nballe 24 (4:2) für Darmſtadt.
Hockey.
WVerein 1898 — SC. Rot=Weiß Frankfurt 1:2.
Die =Annſchaft des Sp.Vereins hatte es diesmal mit einem
kerennögner zu tun, der vor allen Dingen ſehr viel ſeine
Kör=
ſtaft fgletzte. Auf der anderen Seite zeigten die 98er ein
entlich nproduktiveres Spiel gegenüber dem Vorſonntag; es
ſte mihz klappen vom Tormann bis zu den Stürmern. Der
bpe Eimt Frankfurts entſpricht dem Spielverlauf.
Sporkkalender.
Handball.
15.30 Uhr: Handball=Repräſentativſpiel Süddeutſchland—
Mittel=
deutſchland (Sportv.=Platz).
Fußball.
11.00 Uhr: Eintracht Darmſtadt — Poſt Darmſtadt (Eintracht=
Platz, hinter der Feſthalle).
11.00 Uhr: Polizei Darmſtadt — F.=V. 22 Eppertshauſen
(Polizei=Sport=Platz).
11.00 Uhr: F.=C. Union — Germania Pfungſtadt (Union=Pl.).
ab 8 Uhr: Reichsbahn=Bezirksmeiſterſchaften (Sp.=Pl. am
Dorn=
heimer Weg).
Kraftſport.
9.00 Uhr: Polizei — Vorwärts Groß=Zimmern (Pol.=Sp.=Pl.).
Werbewoche der Turngemeinde Beſſungen
vom 5. bis 10. Sepkember.
Alle Intereſſenten der guten Turnſache werden nochmals auf
die von den Beſſunger Turnern in der Woche vom 5. bis 10.
Sep=
tember veranſtalteten Werbeturnen hingewieſen. Als Abſchluß
iſt das auf Samstag, den 11. d. M.. feſtgeſetzte Leiſtungsturnen
anzuſehen. Dieſer Abend bildet den Höhepunkt der ganzen Woche,
denn während die Woche über in ureigenſtem Sinn „Oeffentliche
Turn= und Spielſtunden” abgehalten werden, iſt der
Samstag=
abend einem Wett=, bzw. Leiſtungsturnen vorbehalten. Die
Beſten des Vereins werden ſich in edlem Wettſtreit bemühen,
wiederum unter ſich jeweils den Beſten für jedes Gerät zu
er=
mitteln.
Auf das Sonntag, den 11. Sept., ſtattfindende
Vereinsſport=
feſt werden wir nochmals zurückkommen. Es ſei weiter nochmals
auf die in der Woche ab 17 Uhr, auf dem Turn= und Sportplatz
an der Heidelberger Straße, zum Austrag kommenden Vorſpiele
zur Ermittlung der Vereinsmeiſterſchaften in Tennis hingewieſen.
Alle Veranſtaltungen finden bei freiem Eintritt ſtatt.
Fußball.
Sportverein 1898 — Germania Eberſtadt.
Das Verbandsſpiel der 98er gegen Germania Eberſtadt in
Eberſtadt iſt wegen des Handball=Länderſpieles von der Behörde
abgeſetzt worden.
1. F.=C. Union.
Es wird nochmals auf das heute vormittag 11 Uhr, auf der
Rennbahn an der Heidelberger Straße ſtattfindende Verbands=
ſpiel gegen Germania 03. Pungſtadt verwieſen. Waren
es doch von jeher äußerſt feſſelnde Kämpfe die ſich beide Gegner
lie=
ferten und wird man dem Antreten der Germanen in Beſſungen
viel Beachtung ſchenken. Der Ausgang iſt vollkommen offen und
wird die Mannſchaft gewinnen, die in beſter Verfaſſung iſt.
Kreisliga Südheſſen.
Der vierte Spielſonntag bringt bereits ſehr wichtige Spiele,
die auf die Gruppierung der Tabellenſpitze ſehr einſchneidend wer=
den können. Die Paarungen lauten:
Starkbg. Heppenheim — FV. Biblis
Olympia Lampertheim — Spp. Weinsheim
Conc. Gernsheim — 07 Bensheim
F.V. Hofheim— Norm. Pfiffligheim
Spp. Hochheim — Spv. Horchheim
Vikt Neuhauſen — V.f.L. Lampertheim
In Heppenheim treffen ſich die zurzeit ſpielſtärkſten
Mann=
ſchaften des Kreiſes Biblis wird erſtmals in allerſtärkſter
Auf=
ſtellung antreten, aber auch Heppenheim wird in Anbetracht der
Wichtigkeit des Spiel mit ſeiner beſten Mannſchaft aufwarten.
Der Ausgang dieſer Begegnung iſt vollkommen offen. Nach ſeiner
erſten Niederlage wird der Neuling Weinsheim wohl ſicherlich
den zweiten Punkteverluſt in Lampertheim hinnehmen müſſen.
Gernsheim hat Gelegenheit zu den erſten zwei Punkten zu
kom=
men, und dieſelbe Chance hat der F.V. Hofheim gegen
Pfifflig=
heim. Das Lokaltreffen in Hochheim hat einen ebenſo ungewiſſen
Ausgang, wie die Begegnung in Neuhauſen, wo für die
Lampert=
heimer viel auf dem Spiel ſteht.
In der Gruppe 3 Ried treffen ſich:
Zwingenberg — Klein=Hauſen
Stockſtadt — Hüttenfeld
Fehlheim — Groß=Rohrheim
Olympia Biebesheim — Tv. Biebesheim
Mit Ausnahme der Begegnung in Fehlheim werden wohl alle
Treffen mit einem Sieg der Platzbeſitzer enden.
Lemis.
Vereinsmeiſterſchaften der Tennisabtlg. T. G.D. 1846.
Nachdem am Freitag abermals eine unfreiwillige Pauſe ein=
gelegt werden mußte. legannen die Wettkämpfe geſtern ſchon am
Frühnachmittag und brochten in einigen Konkurrenzen bereits eine
Klärung. In der 4=Klaſſe der Herren ſiegten Opp. über
Hz. Schildt mit 6:2, 6:2, Ruxpert über Bert mit 6:0, 9:7 (letzterer
Sieg eine große Ueberraſchung), und Kabel über Sandmann mit
6:1, 6:0. Das Vorſchlußrundenſpiel in der unteren Hälfte gewann
Fr. Schildt gegen Kabel mit 6:4, 8:6. Im Gemiſcht=Doppel
der 4=Klaſſe gewannen Graetz=Opp gegen Arheilger — Hz.
Schildt mit 6:0 6:2 und Ruppert=Ruppert gegen Horn=Rieckhof
mit 6:0, 6:4. In der B=Klaſſe der Herren holte ſich von
Weſterholt gegen Wamſer einen 6:1 6:3=Sieg, und ebenſo war
Rieckhof gegen v. Töszeghy mit 6:1, 6:1 ſiegreich. — Die Damen
derb=Klaſſe ſetzten ihre Spiele mit der Begegnung Ritz=Fritz
und Dietz—Arheilger fort. Aus dieſen Kämpfen gingen Frl. Fritz
und Frl. Dietz als Siegerinnen hervor. Die Herren=Doppel
der B=Klaſſe wurden ſtark gefördert. Hier ſtehen ſich
nun=
mehr v. Töszeghy/Rieckhof — Kling/Beck in der oberen Hälfte und
Wamſer/v. Weſterholt — Opp/Müller in der unteren Hälfte in
der Vorſchlußrunde gegenüber. In der Jugendklaſſe holte
ſich Frl. Schäfer gegen Frl. Rieckhof die Meiſterſchaft mit dem
Er=
gebnis 6:3, 6:2.
Bei günſtigem Wetter werden die Schlußkämpfe in ſämtlichen
Konkurrenzen heute ausgetragen werden können.
Es beginnen jetzt die großen Herbſtturniere im Süden. Das
Turnier in Venedig wird auch von einer ſtarken deutſchen
Ex=
pedition beſtritten, an deren Spitze Gottfried v. Cramm und
erſt=
malig auch wieder Cilly Außem ſtehen. — Kleinere Turniere gibt
es in Braunſchweig und Erfurt. Landesmeiſterſchaften werden in
USA. (Herren=Einzel), Ungarn und der Tſchechoſlowakei
ausge=
tragen.
Der Welt beſte Tennis=Profeſſionals, u. a.
Tilden=USA., Kozeluh=Tſchechoſlowakei und Nüßlein=Deutſchland,
werden ſich an den Weltmeiſterſchaften der Tennislehrer vom 20.
bis 25. September in Berlin beteiligen.
Schießſpork.
Mannſchaftskämpfe der Odenwälder=Schützen=Vereinigung
am 11. September in Babenhauſen.
Es iſt ein ſchöner Brauch, wenn ſich alljährlich zum
gemein=
ſchaftlichen Kampfe die Vereine innerhalb der OS.V. treffen um
ihr Können unter Beweis zu ſtellen. Die Schützengeſellſchaft
Babenhauſen hat auf dem letzten Schützentag in Groß=Umſtadt in
freundlicher Weiſe das diesjährige Mannſchaftsſchießen
übernom=
men. Dasſelbe kommt am Sonntag, den 11. September in
Baben=
hauſen zum Austrag. Von 8—9 Uhr findet Probeſchießen ſtatt.
Neu iſt in dieſem Jahre, daß bei den Klein=Kaliberwettkämpfen
nicht mehr ſämtliche Schuß ſtehend freihand geſchoſſen werden,
ſondern je 5 Schuß liegend, kniend und ſtehend. In Darmſtadt
wurde vergangenes Jahr Michelſtadt mit 2096 Ringen
Gau=
meiſter. Es wäre zu hoffen, daß alle Vereine, trotz Schwere der
Zeit, ihre Mannſchaften ſchicken würden, um ſo dieſe ſchöne
Ge=
pflogenheit innerhalb der OS.V. lebendig zu halten; wenn dies
der Fall iſt, wird mit ſchönen Kämpfen zu rechnen ſein. Im
An=
ſchluß an die Mannſchaftskämpfe findet von ſeiten der
Baben=
häuſer Schützengeſellſchaft ein Preisſchießen für Groß= und Klein=
Kaliber ſtatt bei dem die Einſätze der heutigen wirtſchaftlichen
Lage angepaßt und äußerſt niedrig gehalten ſind. Beſondere
Ein=
ladungen ſind nicht ergangen, und wollen die verehrl.
Schützen=
brüder dieſe Mitteilung als Einladung anſehen.
Schwimmen.
Die Deutſche Waſſerball=Meiſterſchaft wird mit
einem weiteren Zwiſchenrundenſpiel gefördert. In Hamburg
findet ein Schwimmfeſt ſtatt, bei dem auch unſere Olympigkämpfer
Frl. Jordan, Küppers Sietas, und die Waſſerballer an den Start
gehen. — Unſer Kunſtſpringer Eſſer beteiligt ſich an einem
Schwimmfeſt in Southampton.
Rugby.
Auch in Süddeutſchland macht ſich jetzt die neue Rugbyſaiſon
allmählich bemerkbar. Für Sonntag iſt ein Freundſchaftsſpiel
zwiſchen den beiden alten führenden Mannſchaften RG.
Heidel=
berg und SC. 80 Frankfurt angeſetzt worden.
Radſport.
Mit dem Endlauf zur Meiſterſchaft der Berufsflieger finden
am Sonntag in Rom die Rad=Weltmeiſterſchaften
1932 ihren Abſchluß. Im Rahmenprogramm gibt es noch
Wett=
bewerbe für Unplacierte aus den Konkurrenzen für Amateur= und
Berufsflieger — Im Reich ſind Bahnrennen, in Hannover,
Krefeld. Halle, Erfurt Bocholt und Bonn vorgeſehen. — Auch
einige Straßenrennen ſtehen wieder auf dem Programm.
Pferdeſport.
Die Internationale Rennwoche in Baden=Baden erreicht
mit dem Eroßen Preis ihren Höhepunkt und Abſchluß. Weitere
Galopprennen, finden in Hoppegarten, Leipzig, Dortmund und
Chantilly ſtatt.
Die Olympiſchen Spiele 1936 in Berlin ſollen
nach einer Aeußerung des Generalſekretärs Dr. Diem genau nach
dem Muſter von Los Angeles aufgezogen werden, da es nach dem
Urteil des deutſchen Sportführers nichts Beſſeres gebe.
Waidmannsheiß!
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Tarrarlagbsſafkiengte
Sonntag, den 4.,
Die Lage am Geld= und Oeviſenmarkt.
Geringe Schwankungen. — Hoffnungen auf Diskoniſenkung der Reichsbank.
einer erſtſtelligen Hypothek zu zahlenden (ſchon geſenkten) Zinſen
eine weſentlich geringere Belaſtung als in Vorkriegszeit darſtellen.
Im Zeichen des Ulkimo.
Um ſo weniger wäre es zu verantworten, die in Fällen, einer
In der ſoeben zu Ende gegangenen Woche war Tagesgeld in
Auswirkung des Ultimos zunächſt befeſtigt und erreichte ſeinen
Höchſtſtand am Donnerstag mit 5½ Prozent, um dann am Freitag
auf 5½ und am Samstag auf 5 Prozent nachzugeben. Hier, wie
auch auf dem Privatdiskontmarkte haben anſcheinend gewiſſe
Hoff=
nungen auf eine baldige Diskontſenkung der Reichsbank zur
Zu=
rückhaltung bei der Diskontierungstätigkeit veranlaßt. Das
Ge=
ſchäft auf dem Privatdiskontmarkte war ſo — bei einem Satze von
4½ Prozent in der Mitte — ſehr ruhig. Reichsſchatzwechſel per
15. 11. 1932 und eine neue Serie Reichsſchatzanweiſungen per 16.
1. 1933 waren in den letzten Tagen der Woche gefragt.
Waren=
wechſel lagen — vor allem mangels Angebot — unverändert ruhig.
Der Markt für Termingeld der ja ſchon ſeit Monaten ſtagniert,
zeigte auch diesmal keine Belebung.
Am Deviſenmarkte zeigten ſich nur geringe Veränderungen.
Der Dollar lag feſt, was mit dem Zurückfließen, amerikaniſcher
Kapitalfluchtgelder erklärt wurde. Das Pfund erlitt Mitte der
Woche eine geringe Einbuße, die gegen Ende ausgeglichen wurde.
Einer empfindlichen Abſchwächung unterlag die Dänenkrone nach
Aufhebung der Deviſenablieferungspflicht in Dänemark. Ihr
Kurs näherte ſich dem der übrigen Norddeviſen und lag erſt gegen
Wochenende eine Kleinigkeit feſter. Der franzöſiſche Franken
ver=
lor nach anfänglicher Befeſtigung im Laufe der Woche wieder
etwas. Schweizer Franken und holländiſcher Gulden waren unter
geringen Schwankungen wenig verändert. Die Reichsmark war
im Auslande gut behauptet bis feſt.
Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.
Die geſtrige Berliner Wochenſchlußbörſe ſtand im Zeichen
wei=
terer Publikumskäufe. Der Ordereingang bei den Banken war
weſentlich größer als an den Vortagen und beſonders für einen
Samstag ſehr umfangreich. Er ſetzte ſich aus zahlreichen kleinen
Kaufaufträgen der Depoſitenkaſſenkundſchaft und des Auslandes
zuſammen. Da dieſe Käufe in der Regel in bar getätigt werden,
rechnet man in Bankkreiſen mit dem Rückfluß eines großen Teiles
der gehamſterten Gelder über den Weg der Börſe in die
Wirt=
ſchaft, die abgeſehen von allem anderen, auch hierdurch eine
Be=
lebung erfahren könnte. Aber auch international werden weiter
gewaltige Anſtrengungen zu einer Ankurbelung gemacht. Die
erſten Auswirkungen der Rohſtoffhauſſe zeigen ſich bereits auch in
Deutſchland in Preiserhöhungen der Textil= und
Kunſtſeiden=
induſtrien. Da außerdem der Stickſtoffmarkt eine Belebung im
Auguſt erfahren hat und die Hoffnung auf eine Diskontſenkung
innerhalb der nächſten 14 Tage immer größer wird, da ferner
innerpolitiſch Ruhe herrſcht, auch die bereits vorgeſtern erwähnten
Gerüchte von einer Vertagung des Reichstages ſich erhalten, hatte
auch die Spekulation genügend Grund, Neuengagements
einzu=
gehen. Die Märkte lagen daher ziemlich einheitlich feſt.
Spezial=
papiere wie Kunſtſeideaktien. Dortmunder Union, Waſſerwerke
Gelſenkirchen, Autowerte, Deutſche Telephon und Kabel
Lah=
meyer, HEW., Siemens und Weſteregeln waren bis zu 3 Prozent
gebeſſert, die Montanpapiere ebenfalls bei lebhafterem Geſchäft
bis zu 2 Prozent. Größeres Intereſſe war aber auch für
Gas=
aktien feſtzuſtellen, die gleichfalls bis zu 2 Prozent gewannen.
Bremer Wollkämmerei erſchienen mit Plus=Plus=Zeichen. Auch
für Chemiſche Heyden konnte zunächſt keine andere Notierung
zu=
ſtandekommen. Mindeſtens ebenſo groß wie für Aktienwerte war
aber auch das Intereſſe für feſtverzinslichen Markt.
Reichsſchuld=
buchforderungen zogen bis zu 1½ Prozent an, deutſche Anleihen
lagen hauſſierend, die Neubeſitzanleihe anfangs plus=plus ſpäter
40 Pfg. höher. Induſtrieobligationen gewannen 1 bis 2 Prozent,
auch Reichsbahnvorzugsaktien ſetzten ihre Aufwärtsbewegung um
½ Prozent fort. Landſchaften und Hypothekenpfandbriefe lagen
bis 2 Prozent. Stadtanleihen bis 4 Prozent feſter. Im Verlaufe
nahm die Umſatztätigkeit eher noch an Lebhaftigkeit zu.
Spezial=
werte unter Führung von Kail= und Kunſtſeideaktien gewannen
werte unter Führung von Kali= und Kunſtſeideaktien gewannen
zent über Anfang.
Am Wochenſchluß zeigte die Frankfurter Börſe weiter eine
ausgeſprochen feſte Haltung. Der Börſenverkehr war ſehr lebhaft,
zumal zahlreiche Publikumsorders am Aktien= ſowohl wie am
Rentenmarkt vorlagen, wodurch der Hauſſe=Vorſtoß der Kuliſſe
kräftig unterſtützt wurde. An allen Märkten ergaben ſich
beträcht=
liche mehrprozentige Kursbefeſtigungen. Die feſten
Auslandsbör=
ſen regten beſonders an. Auch die politiſche Situation wird wieder
zuverſichtlicher angeſehen. Im Vordergrund der Börſenbewegung
ſtand der Rentenmarkt, der ziemliche Befeſtigung zu verzeichnen
hatte. So gewannen ſpäte Schuldbücher über 1 Prozent, Altbeſitz
8 Neubeſitz 7 Prozent, auch Schutzgebiete ¼ Prozent höher. Für
Pfandbriefe und Städteanleihen war gleichfalls kräftige
Nach=
frage vorhanden, ſo daß auch hier die Kurze anzogen. Am
Aktien=
markte ſtanden erneut Montanwerte im Vordergrund; ſo
gewan=
nen Buderus und Phönix je 1½, Gelſenkirchen 1½, Mannesmann
1. Stahlverein ¼, Rheinſtahl ½ Prozent. Beſonders befeſtigt
waren Kunſtſeidewerte, die bei größerem Intereſſe auf Grund der
frage vorhanden, ſo daß auch hier die Kurſe anzogen. Am
Aktien=
im Verlaufe 4½, Bemberg bis zu 5 Prozent. Auch Chemieaktien
befeſtigt. Farben 1½, Erdöl und Rütgers 1½ Prozent
freund=
licher. Am Zellſtoffmarkt gewannen Waldhof ½, Aſchaffenburger
1½ Prozent. Verkehrswerte aus den bekannten Gründen
eben=
falls gefragt. Hapag ½, Nordlloyd ½, Verkehrsweſen 15
Reichs=
bahnvorzüge ½ Prozent höher. Bankaktien behauptet. Von
Ein=
zelwerten gewannen Zement Heidelberg 1, Conti Gummi ½,
Holz=
mann und Metallgeſellſchaft je ½ Prozent. Am Markt für
Auto=
aktien waren Daimler nach der vorgeſtrigen Steigerung erneut
1 Prozent feſter, auch Adler=Kleyer wieder ſtramm geſucht und 2
Prozent höher, dagegen waren Südd. Zucker nach den letzttägigen
Kursbefeſtigungen ſtark gedrückt und bei 122 (minus 5) Prozent
angeboten. Im Verlaufe blieb die Börſe ausgeſprochen feſt.
Hapag und Nordlloyd gewannen nochmals 1 Prozent. Schuckert
½ Prozent höher. Von Rentenwerten Altbeſitz und Neubeſitz
ſowie Schutzgebiete und ſpäte Schuldbücher zu weiter erhöhten
Kurſen gefragt. Das Geſchäft bleibt anhaltend lebhaft.
Tages=
geld etwas leichter bei 5 Prozent.
Frankfurker Hypokhekenbank.
In der Halbjahresſitzung des Aufſichtsrates der Frankfurter
Hypothekenbank wurde über den Verlauf des 1. Halbjahres 1932
berichtet. Der Darlehensbeſtand hat ſich in dieſem Zeitraum durch
Rückzahlungen um weitere 13,2 Millionen, der Umlauf an
Pfand=
briefen und Schuldverſchreibungen um rund 11 Millionen
ver=
mindert. Von Zinſen aus Hypotheken und Kommunaldarlehen,
die in der Zeit vom 1. Dezember 1931 bis 14. Juni 1932 fällig
ge=
worden ſind, waren nach dem Stande vom 31. Auguſt 1932 noch
5,76 Prozent rückſtändig. Verſteigerungen wurden im erſten
Halb=
jahr 1932: 68 (im 1. Halbjahr 1931: 56) durchgeführt; das Ver= 6% Baden=Baden,
hältnis der dabei beteiligten Hypotheken zum Meiſtgebot belief
ſich auf 58,4 Prozent. Grundſtücke hatte die Bank nicht zu
über=
nehmen.
Die Frage der Zinsſenkung, die in letzter Zeit wiederum
ver=
ſchiedentlich gefordert wird, wurde erörtert. Aufſichtsrat und 6% „ 28
Vorſtand ſprachen ſich übereinſtimmend mit aller Entſchiedenheit
gegen jede Zinsſenkung im Wege eines geſetzlichen Eingriffs in
die beſtehenden Verträge aus. Eine zwangsweiſe generelle oder
individuelle Zinsſenkung für erſte Hypotheken und Pfandbriefe iſt
auch nicht mit dem Hinweis auf die Verhältniſſe in der
Land=
wirtſchaft zu rechtfertigen. Die Tragbarkeit der Zinsbelaſtung
aus einer erſten Hypothek iſt nicht allein aus der Höhe des
nomi=
nellen Zinsſatzes, ſondern auch nach der Höhe der Kapitallaſt zu 4:30, „Kom.=Obl.
beurteilen. Die privaten Hypothekenbanken haben aber bei der
Höhe ihrer erſtſtelligen Beleihungen auch in der Landwirtſchaft
den veränderten Ertragsverhältniſſen und der Höhe der Zinſen
von vornherein Rechnung getragen; ſo daß im allgemeinen die aus
übermäßigen Geſamtverſchuldung landwirtſchaftlicher Schuldner
entſtehenden Folgen auf die Pfandbriefbeſitzer abzuwälzen.
Da=
gegen iſt immer wieder auf die Notwendigkeit hinzuweiſen, den
Grundbeſitz dadurch zu entlaſten, daß die übermäßigen Realſteuern,
die bisher unabhängig von dem Ertrage des Grundſtücks erhoben
werden, geſenkt und mit dem wirklichen Grundſtückserträgnis in
Einklang gebracht werden.
Saglen= und Ernkeſtand im Deutſchen Reich
Anfang Sepkember.
Durch das vorwiegend trockene und heiße Auguſtwetter iſt die
Getreideernte allgemein gefördert worden. Faſt überall iſt das
Getreide bis auf geringe Reſte unter Dach und Fach gebracht. Nur
in Oſtpreußen, wo in der erſten Monatshälfte ſtarke
Unwetter=
ſchäden auftraten ſowie in klimatiſch ungünſtigen Lagen iſt noch
ein größerer Teil der Halmfrüchte auf offenem Felde. Einen
ge=
naueren Ueberblick über den Geſamtausfall der neuen
Getreide=
ernte zu Anfang September werden die in den nächſten Tagen zur
Veröffentlichung gelangenden Ergebniſſe der neuen Vorſchätzung
bringen. Für das Wachstum der Hackfrüchte war das trockene
Wet=
ter im allgemeinen weniger günſtig. Die Futterpflanzen, Wieſen
und Weiden haben ebenfalls durch die Trockenheit im Auguſt
ver=
ſchiedentlich gelitten. Mit dem zweiten Schnitt iſt inzwiſchen faſt
überall begonnen worden. Im allgemeinen wird ein nach Menge
und Güte befriedigendes Ergebnis erwartet.
Die belgiſche Kohlen=Induſtrie für weitere
Beſchränkung der deutſchen Kohleneinfuhr.
Die Vereinigungen der belgiſchen Kohlenbergwerke
proteſtie=
ren in einem Schreiben an den Miniſterpräſidenten gegen das
Vorprojekt, das vor einigen Tagen zwiſchen den deutſchen und den
belgiſchen Unterhändlern über die deutſche Kohleneinfuhr nach
Belgien abgeſchloſſen wurde. Sie halten die darin vorgeſchlagene
Kürzung der deutſchen Kohleneinfuhr von 55 auf 45 Prozent für
ungenügend und wenden ſich ſehr ſcharf gegen die deutſchen
Kom=
penſationsforderungen, durch die andere belgiſche Induſtrien in
ſchwere Gefahr kommen könnten. Die Vereinigung ſpricht von
einer „ſchwachen Haltung”, die die belgiſche Regierung im
Ver=
laufe der Verhandlungen Deutſchland gegenüber eingenommen
habe.
Wirſchaftliche Rundſchau.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 31. Auguſt. Die
vom Statiſtiſchen Reichsamt für den 31. Auguſt berechnete
Groß=
handelsinderziffer iſt mit 95,2 gegenüber der Vorwoche um 0.4 v. H.
geſtiegen. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten:
Agrar=
ſtoffe 89,7 (plus 0,3 v. H.), Kolonialwaren 83,5 ((plus 0,4 v. H.),
induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren 88,5 (plus 0,8 v. H.) und
induſtrielle Fertigwaren 115,4 (minus G,1 v. H.)
Internationale Konferenz über den Eiſenbahnfrachtverkehr.
In Bern tagt eine internationale Konferenz für die teilweiſe
Re=
viſion des internationalen Uebereinkommens über den
Eiſenbahn=
frachtverkehr. Die intereſſierten 24 Staaten, u. a. Deutſchland und
Oeſterreich, haben Bevollmächtigte entſandt, die darüber beraten,
ob die Verlängerung mit der Maßnahme erfolgen kann, daß die
Staaten mit Rückſicht auf die Währungsſchwankungen für die
Dauer von vier Jahren gewiſſe Abweichungen vorzunehmen
be=
rechtigt ſind.
Piehmärkke.
j. Weinheimer Schweinemarkt vom 3. September. Zugeführt
waren 329 Tiere; verkauft wurden 292 Stück, und zwar
Milch=
ſchweine das Stück zu 7—10 RM., Läufer das Stück zu 13 bis
20 RM. Marktverlauf gut.
Die Kalkinduſtrie in den Monaken Juli und 2u
Die Lage der Kalkinduſtrie hat ſich nach dem neueſter,
bericht in den Monaten Juli und Auguſt 1932 gegenüber
monaten nicht verändert, während gegenüber dem Vorni
weiterer Rückgang des Geſchäfts feſtzuſtellen iſt. Beſon=
Abſatz an das Baugewerbe läßt ſehr zu wünſchen übrig.
rufe der Landwirtſchaft haben in der zweiten Hälfte dess
Auguſt vereinzelt eingeſetzt, entſprechen jedoch nicht dem
tungen. Bei den übrigen Verbrauchsgruppen ſind Aeng
nicht eingetreten. Auch die Ausfuhr iſt unter dem Druck
in den Nachbarländern ſtark geſunken. Sehr ſtörend machg
Einfuhrbewilligungsſyſtem der Tſchechoſlowakei bemerkban.
Produkkenmärkke.
Mainzer Produktenbericht. Großhandelspreiſe per
loco Mainz am Freitag, den 2. September 1932: Weizen
21,50. Roggen 16,50—17, Hafer 14—15, Braugerſte 17—114
duſtriegerſte 16 50—17, Futtergerſte 15,75—16,25, Malzam
bis 11, Südd. Weizenmehl Spezial 0 34.60, Roggenmehl
25—26, feine Weizenkleie 8,75, grobe Weizenkleie 9,50.
kleie 8,50—9,50, Weizenfuttermehl 10,50 Biertreber 11.
Erdnußkuchen 13—13,25, Kokoskuchen 11,50—16 Palmnn
bis 9,25, Rapskuchen 9—9,25, Soyaſchrot 11—11,25 Trockg‟
9,25—9,50 loſes Kleeheu 5,50, geb. Kleeheu 6, loſes A.
4, geb. Wieſenheu 4,20, Maſchinenſtroh 4,40, Drahtpreßſti
Tendenz zurückhaltend.
i In der Weinheimer Obſtgroßmarkthalle wurden
Preiſe bezahlt: Pfirſiche, erſte Sorte 21—28 Pfg., desgl.
13—18 Pfg., Zwetſchen 6—10, Reineklauden 6—14, Mirag”
bis 22. Birnen, erſte Sorte 12—19, desgl. 2. Sorte 7—11.
4—11, Tomaten 2—3, Bohnen 7—11, Brombeeren 23 Pfg.. 9 0id
gut, Nachfrage rege.
Hrinig,
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Die Tendenz maſſ zuſchon
rend der ganzen Woche feſt, und bei flottem Abſatz s=
Preiſe gegenüber der Vorwoche von 0,5—1,5 Pfg. an. 9:/ Ha Mit ſi
ren waren ungenügend. Es notierten in Pfg. per Stücr/2ehde,
age
Frankfurt a. M.: bulgariſche 7,50—7,75, rumäniſche 77
polniſche 7—7,25, memelländiſche und litauiſche 7,25—7Um in ſtü
ländiſche 8—9,75, däniſche 8—9,75, flandriſche 8,75—9. IInnnſea
7,75—8, deutſche Friſcheier 9—10,50, in= und ausländiſcho/?
Lutz, B.
und Schmutzeier 6—6,50 Pfg.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Im Zuſamk’d weiß
mit der feſten Tendenz im Auslande ſetzte ſich auch hier
tere Erhöhung der Preiſe durch. Das Angebot war ziem.
ſo daß die Läger infolge der weſentlich beſſeren Nachfrage
geräumt wurden. Sowohl deutſche wie auch holländiſchd
U
zog um 5 Mark an. Die Verkaufspreiſe des Großhande
(in 1=Zentner=Tonnen); holländiſche Butter 130—132,
Butter erſte Qualitäten 127—130 RM.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
M
uen 21
Die Umſätze in den Waren= und Kaufhäuſern der
Mlak
Karſtadt A.=G. betrugen im zweiten Quartal 1932 (d. HM/ Dumm
Mai bis 31. Juli) 52 049 377 RM. Im erſten Quartal 1ℳ/ keitzöl
Richt
ten ſich die Umſätze auf 49 256 341 RM.
träutel
In dem Prozeß der Adlerwerke vorm. Heinrich Klenu
ma, ert
Frankfurt a. M., gegen Dominique erſtattete Prof. Kalvc/
die Sälte
kömmlich
Gutachten, in dem feſtgeſtellt wird, daß die Sanierung dee
Lats M
werke im Jahre 1928 eine Notwendigkeit geweſen ſei.
Bilanzen von 1925—28 ſeien zwar Verluſte verſchleiert, au=W” shute
D al.41
Gewinne verſteckt worden.
Der Vertrauensrat der europäiſchen Sulfitzellſtoff=— wFchI
hat am 30. und 31. Auguſt 1932 eine ſeiner regelmäßige / / BMei0E
renzen in Stockholm abgehalten, wobei die Marktlage me Horll pf
Preisverhältniſſe in Sulfitzellſtoff eingehend diskutiert y AnchenS.W
Man einigte ſich über Maßnahmen für die Stabiliſiernt
Marktes, insbeſondere wurden Beſchlüſſe gefaßt über das- M 4nzug
Preisniveau in Sulfitzellſtoff.
Aauliüt und
Der geſtrige Erdölſtreiktag in der polniſchen Erdölſ iefent gut
nahm einen ruhigen Verlauf. Stillgelegt ſind etwa 100 B4 Mnatsr
gruben und Raffinierien. Der Streik umfaßt 11 000 Arhl 6 eſch mit
Im Streik der Hüttenarbeiter hat die Lage ſich verſchnwelton
Angeſtellten der Hüttenverwaltung ſind dem Streik bei
Außerdem haben ſich weitere Hütten angeſchloſſen.
Die Bank von England erwarb geſtern Gold im Wie
1 709 000 Pfund Sterling. Verkauft wurden 25 000 Pfuu=l
ling Gold nach dem Kontinent, und zwar zu 118/9 ſh pro AE
Der Londoner Goldpreis beträgt am 3. September Aaan w.
eine Unze Feingold 118/7 s — 86,7437 RM., für ein Grammeich
nel=
gold demnach 45,7505 d — 2,78887 RM.
Aimgepr.
funkf.
Berliner Kursbericht
vom 3. September 1932
Deutſche Bank und Disconto=Geſellſchaft
Deviſenmar
vom 3. Septemben
W
Mee
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Banl
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Me
75.—
61.75
17.50
27.—
17.75
43.—
60.375
60.—
23.—
28.625
104.—
93.25
Meu
Elektr. Lieſerung
F. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Beſtf.elektr. Untern.,
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen u.
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöchnerwerke
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel
78.8075
73.625
98.—
42.125
75.25
75.—
37.625
56.—
114.—
36.875
55.25
36.25
42.75
37.—
Meee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nnrb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Berte
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
Neff
41.—
185.—
50.125
21.—
119.50
40.—
19.875
54.50
11.25
25.—
—
24.625
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo.
Kopenhagen
Stockholm.
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
Bährung
1o0 finn. Mk
100 Schilling
100 Tich. Ke=
100 Pengö
100 Leva
100 Gulben
100 Kronen
100 gronen
100 Kronen
1 2.Stg.
1 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belag
100 Lire
100 Franes
Ge.0
6.274
51.23 5
12.465
3.057
169.58
73.23
75.32
74.52
14.51
0.sie
4.209
6.34
2i.60
15.49511
Brieſt
6.286
72.05
12.485
3.063
169.92
73.37
75.48
75.08
14.65
0.53al
4.217
58.46
21.64
16.535
Buriftädter und Karichalonnt Sarmktadt, 3mane der Frelcher 2n
Frankfurter Kursbericht vom 3. September 1932.
SS Dtſch Reichsanlt
„ v.27
6%
5½%Intern.,
6% Baden.. .....
6% Bahern......
6% Heſſen.......
6% Preuß. Staat
62 Sachſen..
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. 4 .
Ab=
löſungsanl. . .
Ttſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ...
—
6% Berlin. . . . b. 24
69 Darmſtadt ..
68 Dresden . .b. 26
6% Frankfurt a. M.
Schätze. v. 29
6% Mainz......."
62 Mannheim b. 27
6% München. v. 29
6%Wiesbadenv. 28
6% Heſſ. Landesbr.
6% „ Goldoblig.
5½% Heſſ. Landes=
Hhp.=Bk.=Liquid.
6% Preuß. Landes=
Pfb.=Anſt. G. Pf.
6% „ Goldo lig.
65
65
64.5
65
s1
542I,
E.4
4.575
49
52.5
50.25
83.5
59.5
69
55
59s
55
A Lu4
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
16½ Kaſſeler Land. Goldpfbr..
6% Naſſ. Landesbk.
5½% -Liqu. Obl.
—
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
*AuslSer.
„„ Ser. III
Dt. Komm. Samm.=
Abl. Neubeſitz).
—
% Berl. Hyp.Bk.
5½ %„ Liau.=Pfbr.
6% Frkf. Hyp.=Bk..
5½% „ Lig. Pfbr.
62
Goldoblig.
„ Pfbr.=Bk.
2 „ Lig. Pfbr.
7 Mein. Hhp.=Bk.
2%0 Lig. Pfbr..
62 Pfälz. Hhp.=Bk.
5½% „ Lig. Pfbr.
16% Rhein. Hhp. Bk.
5½%0 „ Lig. Pfbr..
18 „ Goldoblig.
se Südd. Bod.
Cred.=Bank ....
15½% — Lig. Pfbr.
6% Württ. Hyp.=B.
6% Daimler=Benz
630 Dt. Linol. Werke
62 Mainkrw. v. 26
2 Mitteld. Stahl.
%Ver, Stahlwerke
3
51.5
g5
6.25
73
79.25
59.5
72.5
80.75
71.25
72
86
73.25
80
62
73.5
61
G2l/.
Mi
J.0. Farben Bonds
5% Bosn. 2. E.B.
L.Inbeſt.
55
5% Bulg. Tab. b. 62
41/,% Oſt. Schätze
42 Oſt. Goldrentel
5% vereinh. Rumänl
4½%
42
4% Türk. Abdmin.
4% „ 1. Bagdad
42 „ Zollanl.
½% Ungarn 1913
4½½ „ 1914
420
„ Goldr.
4% „ 1910
Ahtſen
Alg. Kunſtziideunie
A. E. G. .........
AndregeNoris Zahn
Aſchaffbg. Brauereil
Zellſtoff
Bemberg, F. P....
Bergm. El.=Werke
BrownBoverickCie.
Buderus Eiſen....
Eement Heidelberg
Karlſtadt
J. G.Chemie, Bafell:
Chem.Werke Albert!
Chabe .........!
Contin. Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz....!
Dt. Atl. Telegr. ..
.Erdöl ......
97.5
12
14.25
11
6.9
2-
5.95
3iſ,
Bl.
55.5
43.3
60
31
38.5
55.5
Aa
123.5
—
173.5
104
24
93.5
79
MMie ee
ſcheide=Anſtalt
„ Linolwerk.Berl.
Eiſenhandel...
Ohckerhoffu. Widm
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk..
Eßling. Maſchinen.
Faber & Schleicher
7.6. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Fetter)l
Felt. & Guillegume
Frankfurter Hof.
Gelſenk. Bergwerkl
Geſ. f.elektr. Untern!
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle, Frkft.
Hammerſen (Osn.)
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer. .
Hochtief Eſſen ....
Holzmann, Phil.
3lſe Bergb. Slamm
„ „ Genüſſel
Junghans ......"
Kali Chemie. . . . . .
Aſchersleben .!
Klein, Schanzlin
Klöcknerwerke ...
Knorr C. H..
139
50.5
21
24
46
7a1/
87.5
185.5
21
—
97.75
32
54
28
42.75
74
32
19
43
75.75
60
z
11.75
69.75
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1. September 1932
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 246 — Seite 19
Ada Sie verhelratet sind-.
Roman von Alfred Carl.
„9itz, Nerven behalten, langſam aufholen!
iren ſie vor ihm ſchon auf Leben und Tod. Er läßt ſich
ſwel näher an den Führenden heranbringen . . . vorne
urwieder kürzer geworden . , das vorletzte Hindernis
ſmrnt Lutz „Sonnenkönig” nach außen und ſetzt zum
Vor=
am letzten Hindernis hat er ſich ſchon vom Rudel
frei=
ur noch drei Längen vor ihm leuchtet die rote Jacke..."
urrde iſt erreicht — der entſcheidende Augenblick iſt
ge=
os!” ſchreit er laut, gibt dem Fuchs den Kopf frei und
er flachen Bahn den enormen Speed „Sonnenkönigs”
ſotnigen Sprüngen hat er Hausmann erreicht, legt ſich
urll vorbei.
mAxamemnon” zieht noch einmal an — Herrgott ja, ein
uec da nicht neben ihm!
undert Meter nur noch . . . Lutz greift zur Peitſche .
vm auch . . . Himmel und Hölle, er wird ihn nicht los,
inzleter macht er mehr gut .. .
Wahnſinnigen brüllen ſie auf den Tribünen . .. da
Richterturm . . . Lutz Geſicht brennt wie Feuer, die
un zu erlahmen . . . der andere noch immer auf gleicher
ne letzte, verzweifelte Anſtrengung, die ihm die Tränen
ſun treibt — da, um einen Strich bleibt die rote Jacke
n eine Linie nur, und im gleichen Augenblick iſt Lutz
ib uas Ziel hinaus.
ſprält „Sonnenkönig”, ſo raſch es geht, und wendet ſich
beweante Spannung um. Hat er’s, oder hat er’s nicht — ganz
ſſſtagen hat ihn niemand, das mindeſte muß totes Ren=
Aberwendet auch Hausmann, verbiſſenen Zorn im Geſicht.
oumkönig’, wir haben’s!” ſchreit Lutz auf — und jetzt
mſiſeuch ſchon winkend und rufend ihm entgegen ...
Lancſa, mit ſtrahlendem Geſicht, lenkt er ſein Pferd durch
ſobens)Menge, die den Sieger umdrängt.
Vor z) Waage gleitet er aus dem Sattel — Budig, der zu=
„m ihn ſtützen, ſo ausgepumpt iſt er ..."
ſa üunen ſie auch ſchon gelaufen, die drei —
„Brißy Lutz, Bravo!” ſchreit Dorrit. Beate fliegt ihm an
alsvd weiß nicht, ob ſie lachen oder weinen ſoll".
(Nachdruck verboten.)
Die Menge, die den Platz vor der Waage füllt, weicht etwas
zur Seite — Konſul Vollmar=Ihlenfeldt tritt heran.
„Bitte, Herr Ott.‟ Er weiſt auf das Klubhaus.
Lutz bittet ihn in einen Garderoberaum, der gerade leer iſt.
Die andern drei ſchließen ſich natürlich an.
Das Geſicht des Konſuls iſt ernſt — doch bevor er zu Wort
kommt, ruft Dorrit hell:
„Erzählen, Lutz — gleich erzählen!“
„Herr Konſul . . ." will Lutz ſtammelnd beginnen . . .
„Dann laß mich!‟ Dorrit ſchiebt ſich vor und berichtet in
flie=
gender Haſt.
„Na, Papa — iſt er nicht ein fabelhafter Kerl?” ſchließt ſie
triumphierend. „Sag danke und gib ihm die Hand!”
Ihlenfeldt iſt bezwungen — aber diesmal hat es doch nicht
die kleine Dorrit geſchafft, wenn ſie ſich auch zur Sprecherin
auf=
ſchwang.
„Ich habe Ihnen heute wohl ein paarmal Unrecht getan, Herr
Ott. Vorhin noch — es war alſo nicht nur Ehrgeiz von Ihnen!
Ich wollte Ihnen nicht einmal dieſen Sieg zutrauen — was Sie
hier durchgekämpft haben, iſt ja viel mehr!“
Er ſtreckte ihm die Hand entgegen. Freudeſtrahlend ſchlägt
Lutz Ott ein.
„Sie ſind unſer beſter Reiter jetzt, lieber Ott. Hausmann hat
ſein Möglichſtes getan. Uebrigens hätte „Agamemnons” Sieg auch
nichts mehr genützt”
„Wieſo?” fragt Lutz erſtaunt.
„Sie werden Herrn Rallnik vergebens auf der Bahn ſuchen.
Was ich vorhin unter der Hand gehört habe, wird morgen in allen
Zeitungen ſtehen. Rallnik iſt zuſammengebrochen und ſoll im
Flugzeug geflüchtet ſein. Ein Rieſenſkandal ſteht da bevor — die
ſcharlachrote Jacke hat auf der Rennbahn ausgeſpielt!“
Alle horchen überraſcht und erſchrocken auf — und alle gehen,
von der Siegesfreude ausgefüllt, ſchnell wieder darüber hinweg.
Einen Haſardeur hat das Schickſal ereilt, bevor er den
Gewalt=
ſtreich, der ihn vielleicht retten ſollte, hätte durchführen können —
aber keiner von denen, die hier, mit ſich ſelbſt voll beſchäftigt,
zu=
ſammenſtehen, ahnt, daß er hinter den Kuliſſen ſeine Hand im
Spiele hatte.
Die kleine Dorrit Ihlenfeldt hat Lutz ſchon zweimal
ange=
ſtoßen.
„Jetzt wag ich’s!” flüſterte ſie ihm zu.
„Papa . . . hör mal . . . ich möchte dir etwas ſagen . . ." Sie
bricht ab und heftet ihre Augen hilfeſuchend auf Herder.
Ueber das faltige Geſicht des Konſuls fliegt ein Lächeln —
und der Doktor lacht herzlich auf.
„Nicht mehr nötig, Dorrit — das habe ich heute ſchon ſelbſt
übernommen.”
Wie, Clemens . . .? Was haſt du . . .?"
„So lieb es von dir iſt, daß du die Kaſtanien für uns aus dem
Feuer holen wollteſt — ich habe es doch vorgezogen, perſönlich zu
deinem Vater zu gehen!“
„Und daß er es getan hat, Dorrit, beweiſt mir nicht zuletzt,
daß deine Wahl richtig war!“
Uebermütig ſchreit Dorrit auf: „Papa! Clemens! Hurra —
jetzt fahren wir nach Pergamon!“
„Donnerwetter . . . Verzeihung!” ruft Lutz dazwiſchen. „Der
Erdmann wird ſich ſchon aus dem Staub gemacht haben! Was
machen wir mit dem Kerl?”
Ihlenfeldt zuckt gleichmäßig die Achſeln.
„Er hat ja kein Unheil anrichten können. Von den Bahnen
verweiſen und im übrigen laufen laſſen .. .
In dieſem Augenblick ſchiebt ſich ein Boy herein und übergibt
dem Konſul einen Brief.
Ihlenfeldt öffnet ihn, überfliegt ihn — ſtutzt und reicht Lutz
den Wiſch ungläubig lächelnd hin ..
Der Inhalt lautet:
„Der Mann, der eben „Sonnenkönig” geritten hat, iſt ein
Hoch=
ſtapler, der ſich zu Unrecht für verheiratet ausgibt.”
„Einen Augenblick, Herr Konſul. Beate gib mal her.” Lutz
zerreißt den Brief ſorgfältig in kleine Fetzen. Dann reicht er
Ihlen=
feld den Trauſchein, den Beate aus ihrer Taſche genommen hat.
„Bitte ſehr!"
Der Konſul ſieht den engliſchen Text — wird aufmerkſam,
prüft das Dokument genau, entdeckt das Datum, winkt erſt Lutz,
dann Beate heran — beide werden brennend rot — tippt mit dem
Finger auf die Stelle, die verrät, ſeit wie kurzer Zeit der Schein
erſt in Wirklichkeit verwandelt iſt.
Gleich drei auf einmal reden jetzt durcheinander. „Wir
wol=
ten ſchon lange . . .” ſtotterr Lutz. „Wir haben . . ." ſtammelte Beate.
„Das ſchadet doch nichts, Papa!” ſetzt ſich Dorrits helle Stimme
durch.
Der alte Herr ſieht lächelnd von einem zum andern — wartet
eine Weile — läßt ſeine Augen von neuem über die vier
geſpann=
ten Geſichter gleiten
Endlich ſagt er langſam: „Doch, Dorrit — es iſt ſehr ſchade.
Sonſt könnten wir jetzt Doppelhochzeit feiern . . ."
Ende.
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