Darmstädter Tagblatt 1932


27. Juli 1932

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Gnzelnmmmer 10 Mfemnige

etlich Zmaligem Erſcheinen vom 1. Juſl
z141 2 Reſchemark und 20 Pfennig
wür= abgeholt 2. Reichsmart, durch die
gentzeirt.10 Reichsmart frel Haus. Poſfbezugspreis
füue Beſtellgeld monatſch 2,60 Reſchömart.
Eisütkeſt für Aufnahme von Anzeigen an
ia Tagen wird nicht übernommen. Nicht=
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Nummern infolge höherer Gewalt
ei Bezieher nicht zur Kürzung des
ms Beſſellungen und Abbeſtellungen durch
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſtattet.
Nummer 207
Mittwoch, den 27. Juli 1932.
195. Jahrgang

Anzeigenpreis:
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zelle
200 Reſchsmark. Alle Preiſe in Reſchsmark
1 Dollar 420 Mardl. Im Falle böherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streil uſw., erliſcht
ſede Verpflſchtung auf Erfüllung der Anzelgen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchticher Beltreihung fäſlt ſeder
Rabatt weg. Banſlonio Deutſche Dani und Darm=
ſtädier
und Nationalbank.

iafbebung desAusnahmezuſtandes
je vollziehende Gewalt in Berlin und Brandenburg wieder auf die Zivilbehörden überkragen.
Die Einſchränkung der Vereins=, Verſammlungs= und Preſſefreiheil bleibt.

Die Verordnung

Haud die Aufhebung des Ausnahmezuſkandes.
Berlin, 26. Juli.
Die Verordnung des Reichspräſidenten über die Aufhebung
Amzahmezuſtandes wurde am Dienstag mittag veröffentlicht.
e eyſtlt nur zwei Paragraphen: I. Daß die Verordnung des
gelſichsteſidenten vom 20. Juli über die Verhängung des mili=
de
eiſchſtnAusnahmezuſtandes über Berlin und die Mark Branden=
eg
auiehoben wird; II. daß die erlaſſenen Verbote von perio=
chenp
Ruckſchriften in Kraft bleiben. Die Verordnung trat mit
er iGkündung, alſo heute mittag, in Kraft. Sie hat folgen=
Wiorlaut:
mi MGrund des Artikels 48 der Reichsverfaſſung ver=
mn
die Mit
m DZeſerordnung, betreffend die Wiederherſtellung der öffent=
2ahen öierheit und Ordnung in Groß=Berlin und in der Provinz
a landtnurg vom 20. Juli 1932 wird mit Wirkung vom 26. Juli
32, Ahhr mittags, aufgehoben.
Dſteuf Grund dieſer Verordnung durch den Inhaber der voll=

henieuGewalt ausgeſprochenen Verbote periodiſcher Druckſchrif=

u8 wondn hierdurch nicht berührt.
Die ſerordnung iſt vom Reichspräſidenten v. Hindenburg un=
aiſchrinehn
und gegengezeichnet vom Reichskanzler v. Papen,
geichstmetminiſter Freiherrn v. Gayl und Reichswehrminiſter
Schkeler.
9mit iſt die auf den Wehrkreiskommandeur Generalleut=
2Eint wiu Rundſtedt übertragene vollziehende Gewalt wieder in die
Einde// Zivilbehörden gelegt worden. Die Umſtellung vom
lagezrtgszuſtand auf die normalen Verhältniſſe vollzog ſich
ne Ludie Oeffentlichkeit irgendetwas davon merkte. Lediglich
der /Alhelmſtraße, vor der Reichskanzlei, fuhren einige Reichs=
ehraut
vor, die mit einigem Heeresgerät beladen wurden. In
* Relikanzlei waren während des Belagerungszuſtandes einige
t mige ſtrnterie untergebracht worden, die auch die Poſten für
eeut ; Gähäde des Staatsminiſteriums ſtellten und ebenſo die
Wannſehcten, die für die verſchiedenen Verhaftungen erforderlich
Eiren.) Im übrigen iſt die Reichswehr während des Belage=
ngszeitndes nicht in die Erſcheinung getreten, denn die wenigen
ſſtenrinden innerhalb der Gebäude. Als Bilanz des 20. Juli,
zt ſiſheſtſtellen, daß die getroffenen Maßnahmen vielfach recht
ſüchntetd gewirkt haben. Reichsbanner und SA.=Truppen der
utiortabzraliſten hielten Diſziplin, während, die Kommuniſten
nächſt venfalls von Gewalttaten Abſtand, nahmen, abgeſehen
vüm kllseren politiſchen Zuſammenſtößen und Ueberfällen, die
ch in ukunft kaum vermeidlich ſein werden, weil die Polizei
ſicht ü hull ſein kann.
ine Mordnung des kommiſſariſchen Innenminiſters
Berlin, 26. Juli.
Dczpreußiſche Miniſter des Innern hat an alle Landes=
Aizeizkörden folgenden Erlaß gerichtet:
Zh einſchränkenden Beſtimmungen auf dem Gebiete der
erein’s Verſammlungs= und Preſſefreiheit ſind erlaſſen worden,
n die Afrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
genhirleiſten und dem vielfach zutage getretenen Mißbrauch
glitiſigk Rechte nachdrücklichſt entgegenzutreten. Sie dürfen aber
Ane ind dazu bieten, die geſetzmäßige Betätigung der
Faatslliger zu verhindern oder einzuſchränken, insbeſondere die
Hahlfllzieit zu beeinträchtigen. Sie ſind unparteiiſch und gerecht
Rumien. Dazu gehört auch, daß jede kleinliche oder ſchikanöſe
landlig unterbleibt. Beſtehen im Einzelfall Zweifel darüber,
De sorausſetzungen für die Anordnung einer Beſchränkung
Bebelund, ſo iſt von der Maßnahme abzuſehen, gegebenenfalls
iſchailug des Regierungspräſidenten einzuholen.

Mäer Wahrung der Geſchäfte beauftragt

gez. Dr. Bracht.

Verbot der K. P. 2. nach den Wahlen?
* Berlin, 26. Juli. (Priv.=Tel.)
Skfommuniſten rüſten insgeheim ſtärker denn je. Alle
Weobogangen der Polizei haben ergeben, daß im Lager der
Dwmſchtiſchen Partei eine äußerſt beachtliche Regſamkeit
erria9 2ie polizeiliche Beſetzung des Karl=Liebknecht=Hauſes
N Beil hat gezeigt, daß hier von der Parteizentrale der Kom=
Wunitk hum noch etwas zu ſpüren iſt. Der Zentralapparat
r A% iſt an einem unbekannten Ort untergebracht und ſo
r 9/ Eut, daß man ihn bis jetzt noch nicht hat finden können.
S I deutet darauf hin, daß der kommuniſtiſche
ariſapparat ſchon in die Illegalität hin=
DeVZhechſelt iſt, weil die Kommuniſten fürch=
D5 man nach den Wahlen die Partei mit
le hren Organiſationen verbietet. Die Be=
Dſche hat weiter ergeben, daß die illegal herausgegebene
Rote) Aumfahne, von der einige Zeit hindurch nichts zu ve=
Verkenkgi, wieder unter der Hand vertrieben wird. In einem
F lels Exemplare findet ſich ein Hinweis auf die verſchie=
Entliglbiſchen Kommuniſten und dem Reichsbanner hergeſtell=
n
IINen Arbeitsgemeinſchaften und die in dieſen lokal
Nanuſſter: Arbeitsgemeinſchaften aufgezogene Beobachtung der
Nün Gegner, den gemeinſamen Schutz= und Wachdienſt.
(er Richnend iſt übrigens, daß auch die ſogenannte Schieß=
rte
7N Berliner Kommuniſten ſich eines erheblichen Zuſpruchs
rreuta luis dieſem und anderen Beobachtungen geht hervor,
5 dich ommuniſtiſche Gefahr heute größer iſt als je und daß
K Du Ahus verfehlt wäre, die Dinge treiben zu laſſen. Wir
W4DeAuch nicht, daß die Reichsregierung, bezw. der Preußen=

kommiſſar die Abſicht hat, die Kommuniſten ungeſtört zu laſſen.
Zunächſt ſollen jedoch erſt einmal die Wahlen vorübergehen.
Dann wird man überlegen, welche Mittel man anwenden muß,
um den Bolſchewismus mit Ausſicht auf Erfolg gänzlich nieder=
zuringen
.
Hausſuchungen bei Breslauer Kommuniſten.
Breslau, 26. Juli.
Auf Grund von Mitteilungen, daß bei Führern der KPD.
Waffen, Munition und verbotene Druckſchriften verborgen gehal=
ten
würden, nahmen etwa 50 Kriminal= und Schutzpolizeibeamte
in den Mittagsſtunden des Dienstag Hausſuchungen bei einer
Anzahl von Funktionären der Kommuniſtiſchen Partei vor.
Durchſucht wurden Wohnungen, Keller und Schrebergärten, be=
ſonders
im öſtlichen Stadtteil. Es wurden beſchlagnahmt: Ein
Karabiner mit 102 Schuß Infanteriemunition, eine Piſtole mit
10 Schuß Munition, ein ſchwerer Artillerieſäbel und mehrere
verbotene Broſchüren und Schriftſtücke der KPD,
In Eſchwege hatte die Landjägerei erfahren, daß bei dem
Kommuniſtenführer Zimmermann, einem Maurer aus Abterode,
ſich Waffen befinden. Eine Hausſuchung in der vergangenen
Nacht förderte eine große Anzahl von Munition und Waffen zu=
tage
. Insgeſamt wurden 750 ſcharfe Patronen, eine Anzahl Re=
volver
und drei Gewehre mit Zubehör gefunden. Zimmermann
wurde verhaftet und in das Amtsgericht Eſchwege eingeliefert.
Neue Chronik der Zuſammenſköße.
Ein Toter, drei Schwerverlehle in Friedrichskoog.
Wie aus Friedrichskoog berichtet wird, hatte die SPD. für
Montagabend eine öffentliche Wahlverſammlung einberufen, die
jedoch, wie von der Polizei mitgeteilt wird, kurz nach ihrem Be=
ginn
von nationalſozialiſtiſcher Seite geſprengt und ſodann im
Einvernehmen mit der Verſammlungsleitung aufgelöſt wurde.
Eine Stunde ſpäter kam es im Hafen zu einem Zuſammenſtoß zwi=
ſchen
Nationalſozialiſten und Reichsbannerleuten. Hierbei wurde
der 17jährige Fiſchergehilfe Hermann Jager getötet und drei wei=
tere
Fiſchergehilfen ſchwer verletzt. Der Tote und die Verletzten
gehörten keiner Partei an.
Einige Angehörige der NSDAP., die in der Beiſenſtraße in
Katernberg bei Eſſen Zettel verteilten, wurden heute mittag von
Kommuniſten angegriffen und beſchoſſen. Der National=
ſozialiſt
Schroeder erhielt einen lebensgefähr=
lichen
Bruſtſchuß, der Nationalſozialiſt Willi. Hoffmann
wurde leichter verletzt.
Nach einer Mitteilung der Kölner Polizei entſtand am
Dienstag früh gegen 1 Uhr auf dem Neumarkt in Köln zwiſchen
uniformierten SA.=Leuten und politiſchen Andersdenkenden nach
kurzem Wortwechſel eine Schlägerei, bei der laut Polizeibericht
ein Nationalſozialiſt auf ſeine Gegner ſchoß. Ein angeblich par=
teiloſer
Arbeiter wurde durch einen Nackenſchuß ſchwer
verletzt und ſtarb kurze Zeit nach ſeiner Einlieferung ins
Krankenhaus. Drei Nationalſozialiſten wurden feſtgenommen.
Man fand bei ihnen eine mit vier ſcharfen Patronen geladene
Piſtole, einen Gummiknüppel und ein Piſtolenmagazin mit zwei
Schuß.
In Düfſeldorf kam es in den Abendſtunden des Montags,
wie die Polizeipreſſeſtelle mitteilt, an verſchiedenen Stellen der
Stadt zu Zuſammenſtößen politiſcher Gegner rechts= und links=
radikaler
Gruppen. Bei einem Zuſammenſtoß. fiel ein Schuß
Polizeibeamte verhafteten mehrere Beteiligten und ſtellten einen
Nationalſozialiſten, der mit einer Schußwaffe angetroffen wurde
und verdächtig iſt, geſchoſſen zu haben, feſt. Bei einer Schlägerei
zwiſchen Nationalſozialiſten und Angehörigen der Eiſernen Front
wurden drei Nationalſozialiſten und ein Angehöriger der Eiſernen
Front durch Meſſerſtiche leicht verletzt.
In Koblenz kam es zwiſchen uniformierten Nationalſozialiſten
und Andersgeſinnten zu ſchweren Schlägereien. Dabei wurde ein
Parteiloſer durch drei Schüſſe in den Kopf verletzt. Das
Ueberfallkommando ſäuberte die betreffenden Straßenzüge. Beim
Abrücken ſtieß das Kommando auf einen anrückenden Trupp uni=
formierter
Nationalſozialiſten. Die Polizei nahm mehrere Natio=
nalſozialiſten
feſt, bei denen man zwei ſcharf geladene Trommel=
revolver
, eine Piſtole, zwei Totſchläger und eine Stichwaffe ge=
funden
hatte.
Polizeimajor Encke iſt nach Aufhebung des Ausnahmezuſtandes
auf freien Fuß geſetzt worden. Auch die anderen während dieſer
Zeit in Schutzhaft genommenen Perſonen werden enthaftet, ſoweit
die Bearbeitung ihrer Angelegenheit nicht ſchon an die ordent=
lichen
Gerichte übergegangen iſt.
Gegen den Reichsbannerführer Breuer iſt wegen verſuchten
Hochverrats ein Ermittelungsverfahren eingeleitet worden.
Der der KPD. angehörende brandenburgiſche Provinzialland=
tagsabgeordnete
und Stadtverordnete von Neudamm Paul Hennig
wurde mit drei anderen Kommuniſten von der Küſtriner Polizei
dabei überraſcht, als er Flugblätter verteilte, die zum General=
ſtreik
aufforderten. Alle vier wurden feſtgenommen.

* Und wieder die B.J.3.
Von
Arthur Zmarzly=Vofrei, Breslau.
Die Bank für Internationale Zahlungen in Baſel, die ihre
Exiſtenz dem Young=Plan verdankt und deshalb auch als Repara=
tionsbank
bezeichnet wird, hat den Young=Plan überdauert und im
vorläufigen Lauſanner Abkommen wiederum wichtige Aufgaben
und Rechte zugewieſen erhalten. Die Einſchaltung der Repara=
tionsbank
iſt für Deutſchland von nicht geringer Bedeutung. Die
B. J.3. hat auf der ganzen Linie verſagt und oft eine Politik
getrieben, die unſere ſchwere Lage noch ſchwieriger geſtaltete. Zu=
dem
bedeutet die Einigung in Lauſanne keinen politiſchen
Wendepunkt und verwäſſert in der gleichen Weiſe eine große
Idee, wie im Vorjahre Frankreich die Wirkung des Hoover=
Moratoriums. Der Fluch der Halbheit wird nicht dadurch ab=
geſchwächt
, daß man in Lauſanne über 90 v. H. der politiſchen
Schulden Deutſchlands geſtrichen hat. Dieſe Berechnungsart er=
gibt
ein falſches Bild. Es hat doch kein Menſch auf der Welt
angenommen, daß Deutſchland die Hypothek des Young=Planes
in Höhe von 35,5 Milliarden Reichsmark jemals einlöſen wird.
Man muß die drei Milliarden, die Deutſchland noch zahlen ſoll,
zu den noch verbliebenen politiſchen Verpflichtungen und den
kommerziellen Schulden hinzurechnen. Erſt dann gelangt man zu
der richtigen Bewertung der drei Milliarden. Sie bilden eine
Belaſtung, die auch dann, wenn ſie nicht aufgelegt werden könn=
ten
, unſere Wirtſchaft und Kapitalpolitik dauernd unter ſchwerem
Druck halten.
Die Laſt der drei Milliarden wird nicht erleichtert, ſondern
erſchwert durch die Uebertragung des Begebungs=
rechtes
der deutſchen Schuldverſchreibungen an
die B. J. Z. Die eigenartige Konſtruktion des Lauſanner Ab=
kommens
und die Frage, ob es überhaupt einmal in Kraft
treten wird, ſoll hier nicht erörtert werden. Es ſei nur darauf
hingeweiſen, daß die Rechtsgültigkeit des alten Haager Abkom=
mens
noch beſteht und daß die Lauſanner Konferenz vorläu=
fig
weiter nichts gebracht hat, als einen neuen Zahlungsauf=
ſchub
, der ſofort automatiſch aufgehoben wird, ſobald eines
der Hauptgläubigerländer erklärt, das neue Abkommen nicht zu
ratifizieren. In dieſem Falle wären die Lauſanner Verhano=
lungen
überflüſſig geweſen und müßten von neuem beginnen.
Vor dem Abſchluß der Schuldenverhandlungen mit Amerika wiro
ſelbſtverſtändlich dieſer Fall nicht eintreten. Trotz deſſen bleibt
die Ungewißheit der Ratifizierung durch alle beteiligten Staaten
beſtehen. Das Abkommen läßt allen freie Händ und alle politi=
ſchen
Einwirkungsmöglichkeiten offen. Tritt das Lauſanner Ab=
kommen
überhaupt in Kraft, dann beſtimmt erſt im Frühjahr
nächſten Jahres.
Die Rechte, die der B.J.3. übertragen worden ſind, werden
ſogar erſt nach 1935 wirkſam. Mit Ablauf der drei Schonjahre,
die ſich allerdings nur auf die Ansgabe der deutſchen Schuldver=
ſchreibungen
beziehen und nicht auf die anderen politiſchen Neben=
verpflichtungen
, kann die Bank in ihr geeignet erſcheinenden
Teilbeträgen die deutſchen Schuldverſchreibungen im Auslande
verkaufen, wenn und ſoweit ein Zeichnungspreis von 90 v. H.
zu erzielen iſt. Die Verzinſung und Tilgung wird vom Deut=
ſchen
Reiche mit 5 v. H. bzw. 1 v. H. getragen. Die Begrenzung
des Ausgaberechts wird leider in der ſehr dehnbaren
Beſtimmung aufgehoben, daß der Verwaltungsrat der Bank
mit Zweidrittelmehrheit beſchließen kann, deutſche Schuldver=
ſchreibungen
auch unter 90 v. H. auszugeben, ſofern
er den deutſchen Kredit als wiederhergeſtellt anſieht. Deutſchland
beſitzt gegen den Beſchluß einer Zweidrittelmehrheit kein Ein=
ſpruchsrecht
. Der Verwaltungsrat beſteht zurzeit aus neunzehn
ordentlichen Mitgliedern, nämlich aus drei Deutſchen, zwei
Neutralen, drei Amerikanern und 11 Alliierten. Es liegt alſo in
der Macht der Bank, zu erklären, der deutſche Kredit iſt wieder=
hergeſtellt
. Feſte Regeln für die Erkennung der Kreditfähigkeit
gibt es leider nicht. Der tiefere Sinn dieſer Beſtimmung liegt
darin, eine vollkommene und frühzeitigere Real=
belaſtung
Deutſchlands zu erreichen und die drei Milliarden
möglichſt ſchnell auf den Markt zu werfen. Im Sommer 1947,
würden ſolche Bonds, die die B. J. Z. nicht ausgeben konnte,
erlöſchen; das ſoll ſelbſtverſtändlich verhindert werden.
Dieſe Art der Zahlungsmethode hat für Deutſchland noch
eine andere wichtige Bedeutung. Bis zur vollſtändigen Ausgabe
der drei Milliarden Schuldverſchreibungen oder bis zum Som=
mer
1947 kann der Kapitalzins für Deutſchland nicht unter 5,5
v. H. fallen, das iſt nämlich die Verzinſung, die ein Käufer der
Reparationsbonds erzielen würde. Fällt der Kapitalzins für
uns auf dieſen Stand, dann fließen ſofort die Bonds in den
Markt. Es ſind Manipulationen der Gläubiger
denkbar, die es dem Verwaltungsrat der B. J. 3.
ermöglichen, ſchnell größere Beträge auf den
verſchiedenen Märkten unterzubringen und von
Deutſchland, ohne daß im entſprechenden Umfange ſein Kredit
wiederhergeſtellt iſt, Zins= und Tilgungszahlungen zu
erzwingen. Auf die Abwehr durch das Anrufen des Schieds=
gerichts
kann man in ſolchen Fällen nicht ſehr vertrauen.
Die Handhabung der Ausgabe der deutſchen Schuldver=
ſchreibungen
durch die B.J.3. iſt für die Geſtaltung der deut=
ſchen
Zahlungsbilanz von Bedeutung. Jene drei Milliarden
ſtellen nämlich je nach Art ihrer Begebung, d. h. zeitlich und
größenmäßig eine ſehr elaſtiſche Zahl dar. Ihr Gegenwartswert
läßt ſich in zahlreichen Varianten errechnen. Die Maximalver=
pflichtung
aus den Schuldverſchreibungen beläuft ſich für die
dreißigjährige Laufzeit auf 180 Millionen Reichsmark pro Jahr.
Wir ſind an große Zahlen ſo gewöhnt, daß wir ſolchen Summen
keine große Beachtung mehr ſchenken. Leider müſſen wir aber
noch andere politiſche Nebenverpflichtungen einhalten: den
Dienſt der Dawes=Anleihe, der Young=Anleihe, die belgiſchen
Markforderungen, die mixed dlaims und die amerikaniſchen
Beſatzungskoſten. Die jährliche Geſamtſumme dieſer Belaſtungen
beträgt auf Jahre hinaus rund 230 Millionen Reichsmark. Auc)
ohne dieſe Leiſtungen ſtehen auf der Paſſivſeite der deutſchen
Zahlungsbilanz jährlich 1 800 Millionen, die ſich aus dem Dienſt
für lang=, mittel= und kurzfriſtige Kredite uſw. zuſammenſetzen.
Die drei Milliarden Schuldverſchreibungen erhalten, wenn man
die Paſſivſeite der deutſchen Zahlungsbilanz betrachtet, ein ganz
beſonderes Gewicht. Allein die Möglichkeit, daß ſie ausgegeben
werden können, bildet eine ſtändige Bedrohung für den deutſchen
Kredit und macht Deutſchland von der internatio=
nalen
Zinsentwicklung abhängig. Die Schutzbeſtimmun=

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Seite 2 Nr. 207

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Mittwoch, 27. Jult

gen für Deutſchland ſind ſo auslegungsfähig, daß ſie keinen
Schutz darſtellen. Größte Bedenken löſt die deutſche Verpflichtung
aus, ein Drittel des Erlöſes von etwaigen Reichsanleihen oder
vom Reiche garantierter Anleihen zur Einlöſung der Schuld=
verſchreibungen
zum Parikurſe zu verwenden. Von der B.J.Z.
hängt es ab, dieſe Beſtimmung auch auf Konſolidierungs=
anleihen
auszudehnen. Damit würde die Hoffnung ſchwin=
den
, einen Teil der rund zwei Milliarden kurzfriſtigen Schwebe=
ſchulden
des Reiches im Auslande in langfriſtige Anleihen um=
zuwandeln
.
In Deutſchland und nicht nur in Deutſchland herrſchen
berechtigte Zweifel, ob die B. J.3. ihre Rechte nach rein objektiven
Geſichtspunkten ausüben wird. Selbſt wenn der Sitz der Bank
nach London verlegt werde und ein anderer Generaldirektor
die Leitung übernehmen ſollte, wäre es wünſchenswert, im
Falle der Ratifizierung des Lauſanner Abkommens, die noch ſehr
fraglich erſcheint, das Ausgaberecht für die deutſchen
Schuldverſchreibungen einem Sonderausſchuß
zu übertragen, in dem die deutſchen Stimmen
ein größeres Gewicht beſitzen als im heutigen
Verwaltungsrat.
Gorguloff vor ſeinen Richkern.
Der Prozeß gegen den Mörder des franzöſiſchen
Präſidenken Doumer.
Paris 26. Juli.
Im Pariſer Juſtizpalaſt begann am Montag, wie bereits kurz
von uns gemeldet, der Prozeß gegen Gorguloff, den Mörder des
Präſidenten der franzöſiſchen Republik. Die Anklage gegen Gor=
guloff
lautet bekanntlich auf vorſätzlichen Mord.
Gorguloff beginnt alsdann in unzuſammenhägenden Sätzen
über das Attentat und ſeine politiſche Auffaſſung zu ſprechen. In
Roſtow am Don ſei er unter dem Namen Koſkoi Schauſpieler ge=
weſen
, während er unter dem Pſeudonym Paul Brede Bücher
veröffentlicht habe. Niemals habe er Beziehungen zu den Bolſche=
wiſten
unterhalten. Er habe mit Bayern Verbindung geſucht; er
habe aber keine Politik getrieben. Er ſei niemals Anhänger der
Monarchie geweſen.
Der Vorſitzende des Gerichtshofes erklärt, ein Koſak na=
mens
Lazarew habe in der Vorunterſuchung ausgeſagt,
daß Gorguloff ein Agent der Tſcheka geweſen
ſei, und daß er von Gorguloff, der damals den Namen Mongoll
geführt habe, mißhandelt worden ſei.
Gorguloff: Das iſt gelogen!! Lazarew ſei ein Spitzel, ein
Agent der Monarchiſten. Auf ſeine Flucht aus Rußland hinge=
wieſen
, erklärt der Angeklagte: Jawohl, ich habe die Grenze wäh=
rend
einer Nacht überſchritten. Die Rotgardiſten haben auch auf
mich geſchoſſen, mich aber nicht getroffen. Ich bin dann nach War=
ſchau
gegangen und habe dort mit ruſſiſchen Demokraten verkehrt.
Ich habe in Polen meine Studien fortgeſetzt.
Als die Gründung von Gorguloſſs Grüner
Partei beſprochen wurde, verſuchte der Angeklagte, mit
einem Manuſkript in der Hand, eine Rede an das Publikum zu
halten, wird aber ſchon bei den Worten: Höre mir zu, Frank=
reich
! vom Vorſitzenden unterbrochen. Gorguloff erzählt dann,
er habe die Grüne Partei mit 30 Anhängern gegründet, alle 30
aber habe er ausſchließen müſſen, weil ſie ihn ſämtlich verraten
hätten. Weiter berichtet er über ſein Leben in Frankreich und
ſeine vierte Ehe mit einer Schweizerin, die ihm 40 000 Franken
Mitgift brachte. Einen Teil dieſes Vermögens, 10 000 Franken,
gibt er zu, im Kaſino von Monta Carlo verſpielt zu haben.
Ueber die Einzelheiten des Attentats ſelbſt will ſich der An=
geklagte
nicht mehr beſinnen können. Er verbreitet ſich dafür aus=
führlich
über die Motive, die ihn zu dem Attentat veranlaßt hät=
ten
, und beteuert, er habe nicht Doumer töten wollen, gegen den
er keinen Groll hege, ſonderen den Mann, der die verhängnisvolle
Politik gegen Rußland lenkte.
Die Zeugenvernehmungen. Gorguloff wird von
einem Koſaken als Tſchekiſtenführer wiedererkannk.
Nach ihm gab der erſte Zeuge, der frühere Miniſter Reynaud
eine ausführliche Schilderung des Attentats auf Doumer. Nach
der Vernehmung des Kriminalbeamten, der mit der Unterſuchung
der Affäre Gorguloff betraut war, und nach derjenigen des
früheren Kriegsminiſters Pietri, wurde ein ehemaliger Koſak
Lazarew verhört.
Um die Ausſagen dieſes Zeugen geht ſeit Beginn der
Unterſuchung ein heftiger Streit. Sagt er wahr aus? Iſt er ein
Lockſpitzel, ein Lügner? Lazarew behauptet nämlich, er habe
Gorguloff im Jahre 1920 in Roſtow unter dem Namen Der
mongoliſche Kamerad als einen Agenten der Tſcheka kennen
gelernt. Lazarew ſelbſt arbeitet gegenwärtig in Südfrankreich
und will Gorguloff auf Photographien wiedererkannt haben.

Vom Tage.

Der Reichspräſident hat den Geſandten in Reval Dr. Schroet=
ter
zum Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen Amt ( Ver=
einigte
Preſſeabteilung der Reichsregierung) und den Geſandt=
ſchaftsrat
1. Klaſſe Dr. Roediger zum Vortragenden Legationsrat
im Auswärtigen Amt ernannt.
Oberſtleutnant Röhm hat gegen Severing und Abegg wegen
Aktenbeſeitigung und anderer Amtsvergehen Strafanzeige er=
ſtattet
.
Das Reichsgericht hat über die Beſchwerde der Schriftleitung
der Bundeszeitung Das Reichsbanner entſchieden, daß der Be=
ſchwerde
nicht ſtattgegeben werden kann, hat jedoch die Verbots=
friſt
bis auf Donnerstag, 28. Juli, begrenzt.
Die ungariſche Delegation für die ungariſch=öſterreichiſchen
Handelsvertragsverhandlungen iſt unter Führung des Geſandten
v. Nickl zur Fortſetzung der Verhandlungen nach Wien abgereiſt.
Nachdem der deutſche Botſchafter am Montag die franzöſiſche
Regierung davon unterrichtet hat, daß die Reichsregierung den
Beitritt zum Konſultatippakt beſchloſſen habe, ſtatteten im Laufe
des Montag nachmittag der rumäniſche und griechiſche Geſandte
Herriot einen Beſuch ab, um ihn von der Beitrittserklärung der
Regierungen zu unterrichten.
In Südfrankreich iſt eine 31jährige Deutſche, deren Namen
nicht genannt wird, unter Spionageverdacht verhaftet worden.
Der vom Völkerbund eingeſetzte Ausſchuß von Sachverſtän=
digen
zur Prüfung der Ausnutzung des Danziger Hafens durch
Polen hat ſeine Arbeiten in Danzia abgeſchloſſen. Seine auswär=
tigen
Mitglieder verlaſſen nunmehr Danzig und ſollen am
28. Auguſt in Genf wieder zuſammentreten, um den Bericht an
den Völkerbundsrat fertigzuſtellen.
Der amerikaniſche Botſchafter in London, Mellon, iſt am
Dienstag in New York eingetroffen. Preſſevertretern gegenüber
beſtritt Mellon aufs entſchiedenſte die Gerüchte von ſeiner beab=
ſichtigten
Abdankung. Er gedenke, ſo erklärte er, zwei bis drei
Wochen in den Vereinigten Staaten zu verbringen und dann wie=
der
nach London zurückzukehren.
Das amerikaniſche Arbeitsminiſterium hat beſchloſſen, wäh=
rend
der Kriſenzeit, zunächſt einmal bis zum 19. Juli 1933, die
Fünf=Tage=Woche durchzuführen.

Aunonesfshlanfenſcher Amtaug

Er iſt dem Angeklagten bereits mehrere Male gegenübergeſtellt
worden und behauptet, daß er ihn ſogar an ſeiner Stimme
wiedererkannt habe. Als ihm aber die Polizei eine Photographie
Gorguloffs aus dem Jahre 1920 zeigte, erklärte er, das fei
nicht Gorguloff. Lazarew, der in der Wrangel=Armee gegen die
Roten gekämpft hat, erklärt weiter, daß man Gorguloff in der
Mediziniſchen Klinik in Roſtow für ſehr verdächtig gehalten
habe. Von den Profeſſoren der Klinik ſei übrigens einer
Georgier, der andere ein Deutſcher namens Fuchs geweſen. Es
habe den Anſchein gehabt, als ſei dieſe Mediziniſche Fakultät
eine Spionage=Schule geweſen. Nach den Erklärungen Laza=
rews
ſoll Gorguloff im Oktober 1920 zum Chef der Roſtower
Tſcheka ernannt worden ſein. Eines Tages habe Gorguloff ihn,
Lazarew, im Gefängnis beſucht, ein anderes Mal habe er ihn
mit dem Revolver bedroht, Ohrfeigen gegeben und ihn ſogar
mit dem Revolverſchaft auf den Kopf geſchlagen. Vom 9. Okto=
ber
1920 bis zum 3. April 1921 ſeien in Gegenwart Gorguloffs
19 Gefangene gemartert worden, indem man ihnen glühende
Nägel unter die Fingernägel geſtochen habe. Bei dieſen
Worten ſpringt Gorguloff erregt auf und ſchreit: Alles iſt Lüge,
verbrecheriſche Herausforderung! Wieviel Geld hat der Zeuge
von den Monarchiſten erhalten, um mich noch vor dem Tode
zu entehren? Niemals habe er der Tſcheka angehört. Ich habe
in Roſtow ſtudiert und dort mit meiner Frau zuſammen gelebt.
Lazarew ſagt nicht die Wahrheit; ich proteſtiere energiſch gegen
dieſe Lügen! Dann läßt ſich Gorguloff weinend auf die An=
klagebank
fallen.
Trotz eindringlicher Vorſtellungen des Gerichtsvorſitzenden
bleibt Lazarew bei dieſer Behauptung.
Die Gukachken der Gerichtsärzke.
Mun kommt nun zur Vernehmung der Gerichtsärzte, die den
Angeklagten auf ſeinen Geiſteszuſtand unterſucht und ihn für völlig
verantwortlich erklärt haben.
Der erſte dieſer Aerzte, Dr. Geil=Berrin, nennt Gorguloff
einen Literaten, d. h. einen Menſchen mit manchmal allzu ſtarker
Einbildungskraft. Man habe aber nichts finden können, was ge=
ſtatte
, ihn für nicht verantwortlich zu halten. Der Angeklagte
habe wohl geiſtige Beſonderheiten, aber keinerlei Geiſtes=
ſtörungen
gezeigt, er müſſe daher für verantwortlich erklärt wer=
den
. Gorguloff ruft dazu: Der Gerichtsarzt hat mich ja nicht
einmal unterſucht; dieſe Aerzte haben mich wie Gen=
darmen
behandelt. Zwiſchen ihren Fragen und
denen des Unterſuchungsrichters iſt kein Un=
terſchied
.
Die beiden anderen Gerichtsärzte ſind ungefähr zu dem
gleichen Ergebnis gelangt, daß Gorguloff wohl einen ſonder=
baren
Charakter habe, daß ſein Verbrechen ein Racheakt ſei,
daß er aber für voll verantwortlich zu erklären ſei.

im Geſekzgebungsausſchuß abgelehnt.
Der Geſetzgebungsausſchuß des Heſſiſchen Landtags her
delte geſtern nachmittag den nationalſozialiſtiſchen Antroa;.
Aenderung der heſſiſchen Verfaſſung dahingehend, daß
Staatsregierung auch aus dem Staatspri
denten allein beſtehen kann. Nach kurzer Ausſ
wurde der Antrag bei Stimmengleichheit gegen die Nato
ſozialiſten abgelehnt.
Da die Ermittlungen der Regierung noch nicht abgeſchin
ſind, wurde der nationalſozialiſtiſche Antrag auf Dienſtentlaſ
des Polizeihauptmanns Bellof und auf Beſtrafung von Schutzu
zeimannſchaften zurückgeſtellt.
Auf nationalſozialiſtiſchen Antrag, die Regierung möge
die weitere Strafvollſtreckung gegen den La.
tagsabgeordneten Hammann Auskunft ertes
wurde von dem Regierungsvertreter betont, der Abg. Hamm
ſei nicht anders behandelt worden, wie jeder Strafgefangenen
Vorlage wichtiger Umſtände. Nach dem nationalſozialiſtiſi=
Amneſtieantrag hätte der kommuniſtiſche Abgeordnete überhoo=
nicht
verurteilt und verhaftet werden dürfen. Der ſozialdema
tiſche Antrag, auf Grund der Regierungsantwort den Antragm;
erledigt zu erklären, wurde mit 6:6 Stimmen abgelehnt.
Drei nationalſozialiſtiſche Anträge die politiſchen Us
wachungsausſchüſſe des Rundfunks der neuen politiſi
Situation anzupaſſen; bei der Reichsregierung die Verhäng.
des Ausnahmezuſtandes über das ganze Reich zu
langen; die Außendienſtpolizeibeamten kennt
zu machen wurden mit 6:6 Stimmen abgelehnt.
Der nationalſozialiſtiſche Antrag, den Milcherhitzungszum=
für
Milch aus dem Rodgau aufzuheben, wurde bis Donnery=
zurückgeſtellt
.
Im 3. Ausſchuß wurde der Bericht des Landeswahlleß=
über
die Landtagswahl einſtimmig gebilligt.
Geheimdokumenke über einen kommuniſtiſche
Umſturzplan.
In einigen heſſiſchen Zeitungen iſt ein von nationalſozé.)
ſtiſcher Seite veröffentlichtes angebliches Geheimdokument :
ſten b
kommuniſtiſche Umſturzpläne vom 27. Oktober 1931 erſchiexn mis

Dieſe Information und Dienſtanweiſung für die Mitglieder79

Rotfrontkämpferbundes iſt in Hagen beſchlagnahmt worden
enthält Inſtruktionen zur Beſpitzelung der Polizei und politiſſt
eirn
Gegner, ſowie Schulungskurſe, in denen Sabotageakte gegen ..
Staatsmacht behandelt werden.
m Kraft
Dazu veröffentlicht die heſſiſche Regierung heute eine amiltſgnt ih
Mitteilung, in der ſie von einer gröblichen Irreführung der Lütz un
fentlichkeit ſpricht und u. a. betont: Es iſt deshalb eine Urlz
heuerlichkeit, dieſe Dinge, die aus außerheſſiſchem Gebiet ſtamma, zinem
der heſſiſchen Regierung in die Schuhe zu ſchieben und zu behoſ=g ihe
ten, dieſe Dinge ſeien ein Beweis dafür, daß unter den Augen MAypen
heſſiſchen Regierung der verbotene Rotfrontkämpferbund wef*g mich
exiſtiere und ſeine Rüſtungen zum Bürgerkrieg, fortſetzen körz noch al
daß weiterhin unter den Augen der heſſiſchen Regierung Azeit
R.F.B. ausgeſprochenen Hochverrat betreibe, Landesverrat Anacht
Spionage zugunſten einer auswärtigen Macht begehen könne, 27, au
daß die heſſiſche Regierung gegenüber dieſen bekannten Tatſaxlich
nicht eingegriffen habe. Dieſe Unterſtellung ſtellt eine böswillc,
Verleumdung und Verächtlichmachung der heſſiſchen Regiens,
dar. Nur mit Rückſicht auf den Wahlkampf hat die heſſiſche *
gierung von einem ſofortigen Verbot (der Zeitungen) aw
ſehen. . . .
Dieſes Material iſt vor Monaten ſchon im Heſſiſchfe ſtär
Landtag von den Nationalſozialiſten benutzt worden. 29ßalt
haben die ſeinerzeit aus der Boxheimer Angelegenheit bekanritiniſte
nationalſozialiſtiſchen Abgeordneten auf Grund dieſes Gehe zevom
berichts beim Oberreichsanwalt gegen die heſſiſſ, Brian
und die übrigen nichtnationalſozialiſtiſchen Ei=ſt,be
gierungen des Reiches und der Länder Str Iaſchlon
antrag wegen des Verdachts der Begünſtigung kommuniſtiſſinen. N
Hoch= und Landesverratspläne geſtellt.
Reichsverband deutſcher Kriegsopfer.
Die beiden bisher getrennten Kriegsopferorganiſationen,
Reichsverband deutſcher Kriegsbeſchädigter und Kriegshinterhll=en der
benen und der Zentralverband deutſcher Kriegsbeſchädigter: Fuus il
Kriegerhinterbliebenen haben ſich zuſammengeſchloſſen. Der nblyn f
gegründete Verband führt die Bezeichnung Reichsverband de= Die hi
ſcher Kriegsopfer, e. V., Sitz Berlin.

Zu Joſeph Schreyvogels hundertſtem Todestage am 28. Juli.
Von Dr. Johannes Günther=
Wiener Bürgerſohn im letzten Drittel des achtzehnten Jahr=
hunderts
. ." lernt leſen in einem Komödienbuch, lernt italie=
niſch
wegen der Oper, engliſch um Shakeſpeares willen. Ein
Kind ſeiner Zeit im Guten und Unguten: den Frauen auf Gnad'
und Ungnade verſchrieben, ein Leidensgenoſſe Werthers, geheilt
von der Philoſophie Kants, entflammt für die Revolution, ver=
dächtigt
als Jacobiner, er muß aus Wien fort. Student in
Jena, Wahrheitsſucher in vielen Wiſſenſchaften, ſchriftſtellert,
liebäugelt mit dem Theater, verzagt in Anſätzen und Halbheiten:
Es geht nicht, ſagt er zu Goethe. Und der große Zauberer
und heitere Weiſe antwortet: Man muß nur in die Hand
blaſen dann geht’s ſchon. Iſt das ein Spott des genialen
Menſchen, der mühlos, dem Hexenmeiſter gleich, aus dem Nichts
ſchafft, ein Spott des genialen Menſchen über den Ungenialen?
Oder ſpricht daraus Goethe, der poſitive Pädagoge, der den
Zaghaften ermuntert, es zu machen wie der Gärtner, der in die
Hand ſpuckt, bevor er zu graben beginnt mit andern Worten:
guten, fröhlichen Willen aufzubieten und ſich ſelbſt zu ver=
trauen
? Jedenfalls bemächtigt ſich Schreyvogels eine mächtige
Sehnſucht nach Wirkſamkeit im wahrſten Sinne des Wortes.
Aber: blieb er bisher mit ſeinen kleinen Abſichten und Er=
wartungen
in Halbheiten ſtecken, ſo erleidet er mit ſeinen großen
Verſuchen große Niederlagen: ſein Plan, eine große politiſche
Tageszeitung als Sprachrohr der Staatsverwaltung für das
Publikum zu ſchaffen, ſcheitert; mit einem großen Kunſtverlags=
unternehmen
verwirtſchaftet er ſich elend; ſein Sonntagsblatt
muß ſich ihm offenbaren als zweckloſer Kampf gegen eine Zeit=
ſtrömung
, der er ſelbſt wider Willen angehört; ſeine ſchrift=
ſtelleriſchen
Erfolge ſo muß er’s ſelbſt empfinden ſind nur
ſehr ſterbliche Zeiterfolge; der Zweiundvierzigjährige macht einen
ſeltſam demütigen Verſuch ſich zu ändern, und drei Jahre
ſpäter gerät er faſt in Geiſtesverwirrung.
Aber ſein Leben ſollte nicht verkümmern. Er
entdeckte noch ſeine Beſtimmung, ſeinen Beruf,
er leiſtete noch ſein Weſentliches: im Wiener
Burgtheater als Dramaturg. Er diente den Schau=
ſpielern
: zunächſt vom Worte her. Sein Glaube war dies: Auf
klaſſiſche Werke muß das Theater einer Nation gegründet wer=
den
, wenn es ſeiner Beſtimmung wert ſein ſoll. Ohne ein
bleibendes Repertoire ſolcher Stücke werden wir weder eine
tragiſche noch eine komiſche Schaubühne, noch ein Publikum, das
ſie zu würdigen verſtände, noch endlich darftellende Künſtler dafür

haben. Joſeph Schreyvogel wollte, daß die Schauſpieler ihre
Geſtaltungskraft nicht vergeudeten und verflachen und welken
ließen an niederwertigen Bühnendichtungen, ſondern gut an=
wandten
, ausbildeten, veredelten an inhaltlich und dichteriſch
hochwertigen dramatiſchen Werken. Feinfühlig und ſicher machte
Schreyvogel ſchauſpieleriſche Talente ausfindig; aber er züchtere
keine Virtuoſen ſondern zum Teil durch ſehr perſönliche
Beſetzungen verſuchte er den Dramen wirkliche Geſtalt zu geben.
Durch Schreyvogel kam Heinrich Anſchütz ans Burgtheater: An=
ſchütz
wurde ein vorbildlicher Muſikus Miller, ein vorbild=
licher
Meiſter Anton er hob den bürgerlichen Charakter . ..
nicht etwa ins Heldenhafte, aber mit Rauhheit, Wucht und Ver=
antwortung
auf einen ebenbürtigen Platz neben dem Helden.
Von den Schauſpielern, die das Burgtheater durch Schreyvogel
empfing, muß noch Sophie Müller, die früh Verſtorbene, er=
wähnt
werden: ſie ſpielte Kriemhild (in Raupachs Nibelungen=
drama
), Desdemona, Bertha (Die Ahnfrau) und war eine ſo
beſtrickend liebenswürdige und echt poetiſche Erſcheinung, daß ſie
geradezu wie ein Weſen aus einer beſſeren Welt verehrt wurde,
Trotz engherziger Zenſur, trotz Vorliebe des Wiener Publi=
kums
für franzöſiſche Novitäten und deutſche Eintagswerke, blieb
Joſeph Schreyvogel ſeinem Beſtreben, hochwertige Bühnenwerke
einzuführen und auf dem Spielplan zu halten, treu. So diente
er Calderon, Moreto, Shakeſpeare, Goethe, Schiller und vor
allem Grillparzer. Freilich empfand Grillparzer Schreyvogels
dramaturgiſche Erzieherarbeit eher als hindernde Nörgelei!
Schreyvogels Bühnenbearbeitungen klaſſiſcher Dramen ſind
ſelbſtverſtändlich zeitgebunden denn jede Zeit macht ſich die
Bühnenwerke nach ihren Bedürfniſſen und Möglichkeiten zu=
recht
aber ſie zeugen von ſtrenger und geſunder geiſtiger
Durchdringung, von künſtleriſchem Bühnenſinn und ſtets vom
Bewußtſein der Pflicht, dem Werk des Dichters zu dienen. Her=
mann
Bahr äußert ſich einmal über das Weſen des Burgtheaters
und über die Aufgaben einer rechten Burgtheater=Direktion ſo:
.. Dem Burgtheater, dieſem innerlich ganz ſicheren, doch ſich ſelbſt
oft genug mißverſtehenden, launiſchen, ſtörriſchen, aber in ſeinem
zuverläſſigen Inſtinkt urgeſunden Geſchöpf abzuhorchen, was es
eigentlich will, und ihm dann die dazu notwendige Tat aufzu=
zwingen
, darin beſteht die Direktion des Burgtheaters. Und
dieſe Aufgabe, meint Bahr, habe Schreyvogel
als erſter erfüllt. Er hat unerhörten Undank
geerntet. Er war alles andere als ein Schmeichler der Vor=
geſetzten
; und das verzieh man ihm nicht. Auch daß er ſein
Amt ſo heilig ernſt nahm, beunruhigte die vielen Oberflächlichen
um ihn und über ihm. Man duckte ihn, man machte ihn vor
den Schauſpielern lächerlich, man degradierte ihn, man war
danach freilich armſelig genug, ihn wieder heranzuziehen, weil
man ſeiner ja bedurfte. Als aber Schreyvogel einmal kraft ſeines
Amtes auftrumpfte, da erfolgte, wie der Chroniſt berichtet,

die Wirkung mit büreaukratiſcher Präziſion: am anderen
ſah ſich der Dramaturg den Eintritt in ſeine Kanzlei durch ein
Diener verwehrt, der ihm ſogar nicht erlaubte, ſeinen Reg‟
ſchirm aus dem Zimmer zu holen. Danach verſuchte Schiee
vogel ſich wieder als freier Schriftſteller durchzuſchlagen
raffte ihn nach wenigen Wochen die Cholera hin. Es gabe
anwürdig ſtilles Begräbnis: kein Schaufpiels WA
erwies ihm die letzte Ehre.
Schreyvogel kämpfte gegen die Romantik und doch; we.
man ſein Leben überblickt, ſo iſt es mit all ſeinen Verſtaoue e
und Enttäuſchungen, mit ſeinen Selbſtüberſchätzungen und RM Mer
ſchlägen, mit ſeinen Sehnſüchten und all ſeinem Unbefriedch! We=
ſein
doch ein bezeichnend romantiſches Leben geweſen. und mi.
ſeine eigentliche poſitive Leiſtung, ſeine dramaturgiſche May
angeht, ſo liegt ihr Wichtiges und Vorbildliches darin, .
nicht nach Eigenwert gierte; daß er nicht hervorſtechen M
ſondern daß er ſchlicht erfüllte und nur damit konnte
Burgtheater zu dem kulturellen Wert entwickeln helfen,
bis heute darſtellt. Joſeph Schreyvogel hat um das
ſchwer gelitten, und das iſt beſonders bedeutſam. Das 20
als Unterhaltungs=Inſtitut will Prominente, und von 9e

Prominenten weiß die nächſte Generation nichts mehr. Abe
Theater als Sammlung künſtleriſcher und ſittlicher Kraſſe,
Pflegeſtätte dieſer ſchweren und herrlichen Aufgabe, beſche
Menſchen, die ſich hingeben, verlangt Märtyrer.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Gießen: Der Ordinarius der Phyſik, Dr. Walter B9.
wurde zum koreſpondierenden Mitglied der mathematiſchephn
liſchen Klaſſe der Sächſiſchen Akademie der Wiſſenſchaften gec
Halle (Saale): Der durch die Emeritierung von Gehe!
Otto Kern erledigte Lehrſtuhl der klaſſiſchen Philologie
Ordinarius Dr. Paul Friedländer in Marburg ange
worden.
Leipzig: Der Volksſchullehrer Dr. Walter Frende
Bautzen, der ſich um die Geſchichte und Vorgeſchichte der Obet."
Niederlauſitz, insbeſondere durch ſeine Ausgrabungen vorgeſche. A
licher Gräberfelder, ſehr verdient gemacht hat, iſt zum Aſſe.
des Ethnologiſch=anthropologiſchen Forſchungsinſtituts der A0
ſität Leipzig ernannt worden.
Berlin: Der Juiſt Profeſſor Dr. Eduard Kohlraug
für das neue Rektoratsjahr zum Rektor der Friedrich=Wli h
Univerſität gewählt. An der Berliner Univerſität iſt der"
ordentliche Profeſſor für ungariſche Literatur und Sprachdl. Lmh
ſchaft, Dr. Julius von Farkas, zum ordentlichen Profeſſl.
nannt worden.
Breslau: In der philoſophiſchen Fakultät der Univerſie.
der Privatdozent für klaſſiſche Philologie, Dr. Hans Dk.
zum nichtbeamteten außerordentlichen Profeſſor ernannt D.
14

[ ][  ][ ]

Miſfthch, 27. Juli 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Deutſchlands Recht auf Sicherheit
genthlands iſolierke Lage inmitken wafſenſtarrender Nachbarn erfordert gebiekeriſch Sicherheik. Frank=
eichteſi
cherheitsgeſchrei nichts anderes als Heuchelei. Umbau der Wehrmacht im Salle Ablehnung der
eutſen Gleichberechkigungs= und Sicherheitsforderungen zum Schuß der deutſchen Grenzen. Nur eine
überparteiliche Wehrmachk ein zuverläſſiges Machkinſtrumenk des Skaakes.
zu überwinden waren. Mein zweiter Eindruck geht dahin,
daß dieſes Befeſtigungsnetz überhaupt nicht durchſtoßen wer=
ſichswehrminiſter
v. Schleicher
den kann. Die deutſche Armee, ſo mächtig, mutig und harr=
näckig
ſie ſein ſollte, (ſie iſt leider nur mutig und hartnäckig,
uue die Aufgaben der deutſchen Wehrmacht.
aber nicht mächtig!) würde an ſolchen Verteidigungsanlagen

Berlin, 26. Juli.
Der Reichswehrminiſter
General v. Schleicher hielt
am Dienstag im Rundfunk
eine Rede, die über alle
deutſchen Sender verbreitet
wurde. Der Miniſter führte
aus:
Ich bin kein Freund des
militäriſchen Ausnahmezu=
ſtandes
, und ich bin erſt
recht kein Freund von Mi=
litärdiktatur
, und das nicht
etwa trotzdem, ſondern weil
ich Miniſter für die Wehr=
macht
bin. Zwei. Dinge
ſind dem Soldaten beſon=
des
unſympathiſch: als Po=
liziſt
verwendet und in die
Politik hineingezogen zu
werden. Beides aber läßt
ſich beim militäriſchen Aus=
nahmezuſtand
nicht vermei=
den
. Deshalb habe ich mich
auch dafür eingeſetzt, daß
d er zu ſntem beſtimmten Zweck über Berlin und Brandenburg ver=
Mingtitz usnahmezuſtand ſo bald als möglich wieder aufgehoben
gürden Das iſt mit dem heutigen Tage geſchehen. In meiner
unſurzem Eklärung an die Armee beim Antritt meines Amtes als
un eichs vhrminiſter habe ich zum Ausdruck gebracht, daß ich
menn Kraft daran ſetzen werde, daß die Reichswehr in
Zuuuft ihre Berufsaufgabe, Deutſchlands Grenzen zu
ſchitm und ſeine nationale Sicherheit zu gewährleiſten,
erfüllen kann.
Vlueinem Teil der Linken iſt mir dieſer Hinweis auf die
den ukumit übelgenommen worden. Es wäre doch ſchon in den
ergamgnen Jahren alles geſchehen, um dieſes Ziel zu erreichen.
uas 10 mich ehrlich erſtaunt. Denn daß es in Deutſch=
and
uch all, den traurigen und bitteren Erfahrungen der
achkrünszeit noch Menſchen gibt, die unſere kleine
Fehſnacht allen Ernſtes zum Schutze der Gren=
en
ir ausreichend halten, hatte ich nicht für
1öglih gehalten. Es hat mir wieder gezeigt, wie gern und

uicht zr Deutſche ſich Illuſionen hingibt, zumal
ſenn 1/ ihm in ſeine Parteirichtung paßt. Die Tatſache iſt
och A/daß
keiut nderes europäiſches Land in ſo geringem Maße die
Siſſheheit beſitzt, nach der, ſo paradox es klingt, gerade
y ſtärkſte Militärmacht der Welt unaufhörlich ruft.
ſchiefſehaltung unſeres weſtlichen Nachbarn hat
hiler 27niſter Streſemann, dem man doch wirklich keine
ſoreirznommenheit gegen das Land ſeines Verhandlungs=
die
ſartnen Briand nachſagen kann, ſeinerzeit im Reichs=
ſiagmii
Heuchelei bezeichnet, und ich glaube, daß es
det Deuuchland nur wenige Menſchen geben wird, die dem nicht
imuſtimun. Nur
Nanchmal läßt man auch in Frankreich
die Kahe aus dem Sack.
o uen der Generalberichterſtatter des franzöſiſchen Staats=
aushüiul’s
über eine Beſichtigung der neuen franzöſiſchen Be=
ſtigupnen
folgendes ſagt:.
Die hier von Frankreich vollbrachte Arbeit ſteht in der
Gelächte der Völker ohne Beiſpiel da, ſowohl wegen ihrer
Gubſrtigkeit, als wegen der techniſchen Schwierigkeiten, die

zerſchellen. Dieſe Befeſtigungsanlagen können durch die wirk=
ſamſte
Artillerie nicht zerſtört werden. Die Feuerwirkung der
Maſchinengewehre und Kanonen iſt ſo gewaltig, daß kein
Gegner ihr widerſtehen könnte. Unſer Befeſtigungsnetz gibt
deshalb zweifellos eine völlige Sicherheit ich wiederhole,
völlige Sicherheit gegen einen ähnlichen Einbruch, wie er
im Jahre 1914 erfolgt iſt.
Man vergleiche dieſen Bericht mit dem Verhalten und An=
trägen
der franzöſiſchen Delegation in Genf. Eine treffende
Kennzeichnung dieſes Verhaltens verbietet mir meine internatio=
nale
Höflichkeit. Wohl aber fordern derartige Tatſachen immer
aufs neue den Vergleich mit der Sicherheit, oder beſſer geſagt,
der völligen Unſicherheit Deutſchlands heraus.
Wie könnke Deutſchland dieſe Sicherheit bekommen?
Theoretiſch auf zwei Wegen:
1. Indem die anderen Mächte ſich auf unſeren Rüſtungsſtand
abrüſten, wozu ſie rechtlich und moraliſch verpflichtet ſind. Nach
dem bisherigen Verlauf der Abrüſtungskonferenz wird es in der
Welt nicht mehr. viel Menſchen geben, die an ein ſolches Wun=
der
glauben. Es iſt doch recht lehrreich, wenn einer der Unter=
zeichner
des Verſailler Vertrages, der ehemalige britiſche Mini=
ſterpräſident
Lloyd George, ſich u. a. folgendermaßen zu
dem bisherigen Ergebnis der Abrüſtungskonfe=
renz
äußert: Die Heeres= und Flottenſachverſtändigen haben es
nur zu gut verſtanden, die Konferenz von den großen Zielen ab=
zulenken
und an die Stelle von mutigen Entſchlüſſen das Feil=
ſchen
und Formulieren zu ſetzen, mit der verſteckten Abſicht, einen
wirklichen Fortſchritt zu verhindern.
Wann iſt ein Schlachtſchiff eine Verteidi=
gungswaffe
? wurde gefragt. Die Antwort lautete: Wenn
es die britiſche oder amerikaniſche Flagge
führt. Ich glaube, dieſe ſpöttiſchen Worte ſagen
mehr wie die ſchönſten diplomatiſchen Formeln,
die den kataſtrophalen Mißerfolg der Abrü=
ſtungskonferenz
verdecken ſollen.
Wir können dieſe Sicherheit zweitens erreichen,
indem wir unſere Wehrmachk ſo organiſieren,
d. h. umbauen, daß ſie uns wenigſtens ein
gewiſſes Maß von Sicherheit gibt.
Ich möchte im Anſchluß an die deutſche Schlußerklärung in
Genf keinen Zweifel darüber aufkommen laſſen, daß wir
dieſen zweiten Weg gehen werden, wenn man uns in Zu=
kunft
volle Sicherheit und Gleichberechtigung weiter vor=
enthält
.
Ich weiß wohl, daß mir von ängſtlichen Gemütern ſofort un=
ſere
ſchlimme Finanzlage entgegengehalten wird. Ich kann dieſen
Kritikern ſagen, daß eine moderne, ihren Zweck wenigſtens einiger=
maßen
erfüllende Wehrmacht nicht teurer iſt als die Wehrmacht
des Verſailler Diktats, das durch ſeine zum Teil direkt ſinn=
loſen
Beſtimmungen uns gänzlich unnütze und unproduktive
Mehrkoſten aufzwingt. Ich bin der Anſicht, und mit mir, ſo
hoffe ich, jeder vernünftige Menſch in Deutſchland, daß
gerade in unſerer geſpannten Finanzlage jeder für die
Wehrmacht ausgegebene Pfennig den höchſten Nutzwert für
die Landesverteidigung haben muß.
In dieſer Landesverteidigung liegt die hohe und ideale Aufgabe
des Soldaten, und gerade deshälb haben wir uns ſeit dem In=
krafttreten
des Vertrages von Verſailles mit allen Kräften gegen
die franzöſiſche Auffaſſung gewehrt, die die Reichswehr zu einer
Polizeitruppe machen wollte. Richtig iſt natürlich, daß die Wehr=
macht
auch die ultima ratio des Staates darſtellt, und daß ihr

Gtrdirigenkenkagung anläßlich des
eutſchen Sängerbundesfeſtes.
Af Initiative des Heſſiſchen Chordirigentenverbandes
und dies rührigen Vorſitzenden, Rektor Simrock=Offenbach,
nchlatte küſer in Verbindung mit dem Reichsverband deutſcher
ekhormeter, dem Oeſterreichiſch=Süddeutſchen und dem Mittel=
eutſcſt
Chormeiſterverband, die in Frankfurt anweſenden
horhigenten in die Univerſität zu einer Tagung eingeladen,
ſutiem de Verſuch zu machen, durch eine ſtraffere Geſamtorgani=
Nationg te Intereſſen der Chormeiſter wirkſamer zu vertreten.
hells erſ Referenten hatte man den Komponiſten Georg Nellius
esemonsn;, von dem mehrere Werke während des Feſtes zu er=
orgrerſty
Uraufführung gekommen waren. Er ſprach über die
WGedenzug der Chormeiſterarbeit in der gegenwärtigen Kultur=
Ariſe, ſilderte zuerſt die Kulturbedeutung des Chorgeſangs
Beradeir Deutſchland, wo das Chorſingen geradezu ein natio=
ſineles
bezificum iſt, ſchilderte dann, wie das Seeliſche in der
muſichts in dem Nationalen begründet geweſen ſei, daß es eine
zelgenchl internationale Kunſt nicht gäbe, und daß die neue
Sächbſteit, die durch Motoriſches und Materielles einen Inter=
naticm
grnus der Kunſt herbeiführen wolle, deshalb zu ver=
werfecllei
, weil ſie Seele, Gemut, Ethos und Volkstum aus=
ſchalts
ir ſtellte feſt, daß die im Volke verwurzelte und wirk=
lich
1itzeüübte Kunſt zum überwiegend größten Teil auf reli=
Bieſelamd völkiſchem Boden ſtehe. Redner wandte ſich dann
owolllgegen die Auswüchſe im Muſikbetrieb des Geſangs=
weſenl’s
auch mit ſchärfſten Worten gegen die Verheerungen,
die 1MNuſikfunk dem lebendigen Muſikleben gegenüber ver=
urſachn
Er geißelte den Zuſtand, daß Muſikaufführungen ethi=
ſchen
5d religiöſen Gehalts, die Hunderten, ja Tauſenden tiefe
etbadag bringen, vergnügungsſteuerpflichtig ſeien, während
Fußhlchämpfe, bei denen nur ganz Wenige ſportlich tätig ſind,
Die Lhauer vor allem ſenſationslüſtern, von Steuern befreit.
Seingllusführungen über die Vorbildung der Chormeiſter
Apfent darin, daß es nötig ſei, den Muſikhochſchulen Chor=
meiſteſhulen
anzugliedern, damit der großen Sache genügeno
wirklsſhvorgebildete und der Perſönlichkeit wie dem Können
ach ſignete Kräfte zur Verfügung ſtünden. So ſehr man
mit AA wiedergegebenen Hauptinhalt des Vortrages vollinhalt=
lich
eſerſtanden ſein konnte, ſo oft ſchien uns der Redner in
einenn gitatoriſchen Eifer in Einzelheiten über das Ziel zu
cieß und Behauptungen ſehr einſeitiger Auffaſſung auszu=
ſprechon

2ch ihm ſprach Herr Damm=Kaſſel, der Vorſitzende des
Mittaſut ſchen Chormeiſterverbandes, hob die Notwendigkeit

des Zuſammenſchluſſes vor, und betonte, daß die Entwicklung
ſeit der großen Chorgeſangstagung in Eſſen 1929 nicht vorali,
ſondern eher zurückgeſchritten ſei. Er beleuchtete mit inter=
eſſanten
Belegen die heutige Stellung der Chorleiter, zeigte,
wie oft ſie die Organiſatoren der Chorarbeit, aber auch die
Opfernden ſeien, wie viele Landchormeiſter völlig unentgeltlich
arbeiten, und die in den Städten tätigen in weit ſtärkerem
Verhältnis in ihren Bezügen gekürzt ſeien als etwa die Be=
amten
in ihren Bezügen. Er warf dem Chordirigentenſtano
vor, daß er zu ſehr ſich der Organiſation entziehe, auf die
Kollegen neidiſch und mißgünſtig ſei, ſie mit Mißtrauen be=
obachte
, anſtatt in Gemeinſamkeit an den großen Aufgaben zu
arbeiten. Mit klugen Worten maß er die Bedeutung der Lehrer=
dirigenten
und der Berufsmuſiker gegeneinander ab, betoneno,
daß das rieſige Anwachſen der Chorgeſangbewegung im letzten
Jahrhundert vor allem den Lehrern zu danken ſei. Auch er for=
derte
dauernde Ausbildungsmöglichkeiten für Dirigenten, aber
auch ſolche für Chorſänger, denn es ſei ſehr zu beklagen, daß
die Singenden ſich ſo ſehr dagegen ſträuben, ſelbſt auch Arbeits=
opfer
nach der Richtung zu bringen, daß ſie ſich im Notenſingen
und in Stimmbildung ſachgemäß vorwärtsbringen ließen, denn
ohne eine ſolche Heranbildung ſei ein Eindringen in neuzeitliche
Chorliteratur geradezu unmöglich. Seine Forderung ging dahin,
daß ſich die kleinen Chormeiſterverbände zu einer großen, ſtoß=
kräftigen
Intereſſengemeinſchaft vereinigen müßten, und daß
ein Zuſammenarbeiten dieſer mit den großen Sängerorgani=
ſationen
in ſehr vielen Fragen unerläßlich ſei. Sodann ergriff
der Vorſitzende des Reichsverbands deutſcher Chormeiſter Herr
Heid=Berlin das Wort, ſchildert die allmähliche Entwicklung und
Bewegung der Chormeiſterorganiſationen, erklärte auch ſeiner=
ſeits
, daß er es verderblich finde, wenn die Berufschormeiſter
ſich grundſätzlich gegen die Lehrerdirigenten wenden wollten,
deren Mitarbeit nicht zu entbehren ſei, und empfahl, den Reichs=
verband
als Spitzenverband anzuerkennen. Aus der folgenden
Diskuſſion ergaben ſich zwei Anſchauungen, die einen wollten
unter Erhaltung der Selbſtändigkeit der beſtehenden Verbände
eine aus ihnen gebildete Intereſſengemeinſchaft, die anderen,
deren Stimmen offenſichtlich die Mehrheit bildeten, eine einheit=
liche
Intereſſenvertretung durch einen Verband, in dem be=
ſtehende
Verbände nur als Unterverbände weiterbeſtehen ſoll=
ten
. Man darf hoffen, daß der Zuſammenſchluß bald erfolgt,
damit die wichtigſten Fragen wie die der Chormeiſtererziehung
gemäß ihrer Wichtigkeit energiſch gefördert werden können. F.N.

Die oberen Zehntauſend, Roman von Edith Wharton.
(Paul Zſolnay Verlag.)
Wie Pauline Manford, eine Dame der upper ten, jener
exkluſiven mondänen Geſellſchaft New Yorks, alle Begebniſſe
ihres perſönlichen und offiziellen Lebens zu einem Erfolg ſchmie=

Nr. 207 Seite 3

Einſatz in kürzeſter Friſt Ruhe und Ordnung wiederherſtellen und
die Staatsautorität voll zur Geltung bringen muß. Daß die
Wehrmacht dazu in der Lage iſt, wird nach den Ereigniſſen der
letzten Tage wohl niemand mehr ernſtlich beſtreiten. Richtig
iſt, auch, daß ſich beim Einſatz der Wehrmacht ſcharfe Maß=
nahmen
nicht vermeiden laſſen. Aber derartig harte Maß=
nahmen
ſind meiſtens die mildeſten, weil ſie am ſchnellſten zum
Erfolg führen. Allerdings bin ich der Meinung, daß
das Vorhandenſein einer geſchloſſenen und überparteilichen
Wehrmacht allein ſchon genügen muß, um die Autorität
des Reiches vor jeder Erſchütterung zu bewahren. Das
Land hat die höchſte Staatsautorität, in dem nur ein ein=
zelner
Gendarm einen ganzen Kreis in Ordnung halten
kann.
Ich habe am Anfang meiner Ausführungen betont, daß es
dem Soldaten aufs höchſte zuwider iſt, wenn er in die Politik
hineingezogen wird. Ich möchte noch hinzufügen, daß mich in den
letzten Wochen nichts ſo ſehr geärgert hat und ich ärgere mich
nicht leicht wie die Behauptung, ich hätte die Reichswehr in
den politiſchen Meinungsſtreit eingeſpannt. Das iſt der ungerech=
teſte
Vorwurf, der einen Mann treffen kann, der ſeit der Revo=
lution
, die die Reichswehr politiſch vollſtändig verſeucht hatte, auf
allen Wegen und mit allen Mitteln einen zähen und verbiſſenen
Kampf um die Entpolitiſierung der Wehrmacht gekämpft hat, und
der in dieſem Kampfe oft gerade die Kreiſe zum Gegner hatte,
die heute mit großem Geſchrei vor der Politiſierung der Wehr=
macht
warnen, nachdem es ihnen zum Segen unſeres Vaterlandes
nicht gelungen iſt, aus der Reichswehr eine Parteigruppe zu
machen. Das Schlagwort Junker und Generäle hätten die Re=
gierung
Brüning geſtürzt, iſt eine glatte Lüge.
Solange ich an dieſer Stelle ſtehe, deſſen können alle Par=
teien
gewiß ſein, werde ich es niemals zulaſſen, daß die
Wehrmacht ihre überparteiliche, nur dem Volksganzen die=
nende
Haltung, ändern oder gar aufgeben wird. Und ein
zweites kann ich den Herren verſichern, die heute mit Kaſ=
ſandra
=Rufen ihre Wahlagitation betreiben: Ich werde nicht
dulden, daß die Wehrmacht die ihr im Staate zugewieſene
Stellung mit irgend jemand teilt, und daß ſich private Or=
ganiſationen
ihre geſetzlichen Funktionen anmaßen.
Ich begrüße daher beſonders die Ausführungen des Führers der
NSDAP. in Berchtesgaden vor ſeinen SA.=Führern, die ſich durch=
aus
mit meinen obigen Ausführungen über die Stellung der
Wehrmacht im Staate decken. In dieſem Zuſammenhang
einige Worke über die Verbände:
Ich müßte ein ſchlechter Wehrminiſter ſein, wenn ich mich
nicht über jeden jungen Deutſchen freuen würde, der durch körper=
liche
Uebungen, durch Ertragen von Strapazen und vor allen
Dingen auch durch freiwillige Diſziplin ſeinen Willen, ſeinen
Mut, mit einem Wort, ſeinen Charakter ſtählt. Mir wird ſo oft
geſagt, daß dieſe Paſſion, ſich drillen zu laſſen, doch eigentlich
unverſtändlich und beinahe unwürdig wäre. Darauf kann ich nur
antworten, daß Menſchen, die dafür kein Verſtändnis haben, nicht
das Hochgefühl von jungen Burſchen kennen, die ihrem Körper
etwas Außerordentliches abgewonnen und das erſte Mal ihren
inneren Schweinehund ganz beſiegt haben. Es iſt das Gefühl, das
man mit den Worten kennzeichnet: Und ſetzet ihr nicht das Leben
ein, nie wird euch das Leben gewonnen ſein. Nun weiß ich
natürlich ſehr genau, daß in den Verbänden auch mancherlei
Dummheiten und Uebertreibungen vorgekommen ſind, und noch
vorkommen.
Das zu tadeln und Anſtoß daran zu nehmen, haben aber die=
jenigen
am wenigſten Berechtigung, die uns im Vertrag von Ver=
ſailles
die allgemeine Wehrpflicht genommen und durch die Re=
parationen
und andere wirtſchaftliche Diktate die ungeheuere Ar=
beitsloſigkeit
verſchafft haben. Ohne Arbeitsloſigkeit und mit einer
allgemeinen Wehrpflicht hätten wir nicht dieſe Inflation der Ver=
bände
, deren vollſtändige Unbrauchbarkeit bei kriegeriſchen Ver=
wicklungen
jetzt ſogar, natürlich außer in Frankreich, von führenden
Perſönlichkeiten der ehemaligen Feindbundmächte anerkannt wird.
Man hört die franzöſiſche Frage:
Wie ſtehl es um die roke und braune Armee
Deutſchlands?
Man muß ſie dem ſtehenden Heere zurechnen. Dieſe ſog.
Armeen haben aber nur wenig Gewehre, wenn
überhaupt ſolche. Sie haben keine jeichten Ge=
ſchütze
und keine ſchweren. Sie könnten einer bis
an die Zähne bewaffneten franzöſiſchen Divi=
ſion
nicht einen einzigen Tag Widerſtand lei=
ſten
. Eine Armee ohne moderne Ausrüſtung iſt nicht beſſer als
ein zuſammengewürfelter Volkshaufen. Das iſt durchaus rich=
tig
. Bitter und beſchämend iſt es nur, daß Frank=
reich
ſeine Argumente zum größten Teil aus
Deutſchland ſelbſt von den Kreiſen bezieht,

det. erzählt die Autorin in ſcharmant=ironiſcher, pointenreicher
Weiſe und gibt ſo eine vollendete Satire jenes demokratiſchen
Ueberbürgertums, das ſich heute nicht ariſtokratiſch genug gebär=
den
kann, zeichnet ein für den denkenden Leſer faſt erſchüttern=
des
Bild vom Geſellſchafts=Leben des heutigen New York, viel=
leicht
des heutigen Amerika.
Ernſt Erich Noth: Die Mietskaſerne, Roman junger Menſchen
Preis: Ganzleinen 4,80 RM. (Societäts=Verlag, Frank=
furt
a. M.)
Die Mietskaſerne, dieſe zwangsweiſe Zuſammenſperrung pro=
letariſcher
und proletariſierter Schichten, iſt faſt ein Sinnbild un=
ſerer
Zeit. Einer Zeit, in der die Menſchen der Großſtadt einen
faſt vergeblichen Kampf gegen die Unentrinnbarkeit ihres Schick=
ſals
führen. Die Mietskaſerne iſt die Welt dieſes Buches, dieſe
grauſame, von Klatſch, Verleumdung, Haß und Lebensgier ver=
giftete
Welt. In ihr wächſt eine Jugend in Kriegs=, Revolu=
tions
= und Inflationsjahren heran, die heute Fabriken und Uni=
verſitäten
, Kontore und Stempelſtellen füllt. Die Inſtinkte ein=
zelner
Kinder ſind auf ein helleres und reineres Daſein gerichtet.
Aber die Zerrüttung der Familie in ihrer unaufhaltſamen
Zwangsläufigkeit, die brutale Wirklichkeit erſtickt jeden Anſatz,
jede Bemühung nach einem freien und ſinnvollen Leben. Geld=
ſorgen
, Wohnungsnot, Arbeitsmangel und Sexualelend heißen die
Dämonen dieſer Welt, und ſie drohen, Kinder und Halbwüchſige
von früh an zur Reſignation und Zynismus zu verdammen.
Der Roman dieſes jungen Autors iſt kein Schreibtiſchprodukt. In
jeder Zeile wirkt er erſchütternd lebensnah. Er iſt ein Dokument.
das alle angeht, die ſich mit dem Problem der großen Städte
und der heranwachſenden Generation beſchäftigen. Die Miets=
kaſerne
gewinnt durch die Tatſache an Intereſſe, daß ſich hinter
dem Pſeudonym Ernſt Erich Noth der aus dem Steglitzer Schü=
lerprozeß
bekannte Paul Krantz verbirgt.
Das Land ohne Sonntag. Sowjetrußland vom Auto aus. Von
L. und E. Kummer. Herausgegeben von F. Salis=Samaden.
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nach Europa heimkehrende Autotouriſten geben. Eindrücke über
das kulturelle wirtſchaftliche und politiſche Leben in Sowjet=
rußland
in Wort und Bild wieder. Die anregenden Schilde=
rungen
der ſchwierigen, wochenlangen Fahrten bieten ein Ge=
ſamtbild
über Rußland und hochaktuelle Fragen unſerer Zeit.
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E. G. Kolbenheyer: Unſer Befreiungskampf und die deutſche Dicht=
kunſt
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Die Rede, die dieſer Broſchüre zugrunde liegt, wurde am
3. März von Kolbenheyer in München gehalten und Ende April
und Anfang Mai in Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg und in
Nürnberg wiederholt. Der ſtarke Beifall, den Kolbenheyer mit
ſeiner Rede in den genannten Städten jeweils fand, beweiſt das
große Intereſſe, das der gebildete Deutſche Kolbenheyers Ge=
dankengängen
entgegenbringt.

[ ][  ][ ]

Seite 4 Nr. 207

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Mrnnf, n.ea

denen zur Bekämpfung ihrer politiſchen Gegner
jedes Mittel, ſelbſt das des Landesverrats,
recht iſt. Aber auch die Kreiſe dürfen ſich über Auswüchſe
der Verbände nicht beklagen, die nicht rechtzeitig dafür geſorgt
haben, daß ſich der Staat um die körperliche und geiſtige Er=
tüchtigung
der Jugend gekümmert hat, wie es faſt in allen ande=
ren
Ländern in großzügigſter Weiſe geſchehen iſt. Ich hoffe, daß
die von der jetzigen Reichsregierung eingeleiteten Maßnahmen,
zu denen ich auch den Arbeitsdienſt rechne, dieſes Verſäumnis
nachholen werden. Die für ſolche aufgebrachten Mittel werden
ſicher hundertfältig Frucht tragen.
Daß ich als Wehrminiſter den Siedlungs=
gedanken
auf das wärmſte begrüße liegt auf der
Hand. Für die Landesverteidigung iſt es eine Lebensfrage, daß
an der Oſtgrenze eine mit dem Boden verwurzelte Bevölkerung
ſteht, die, ſoweit es in derartiger Notzeit überhaupt möglich iſt,
kriſenfeſt iſt und zahlreiche Menſchen als ſelbſtändige Exiſtenzen
auf dem glatten Lande feſthält.
In dieſem Zuſammenhang noch einige Worte über den

die nakionale und ſoziale Aufgabe der Wehrmacht.

ſozialen Gedanken,

zu denen ich mich gerade als Wehrminiſter für durchaus berech=
tigt
halte. Eine der ſchönſten Soldatentugenden iſt die Kamerad=
ſchaft
. Was iſt dieſe Kameradſchaft dieſes Zuſammen=
ſtehen
in Freud und Leid, in Sieg und Tod, im Grunde an=
ders
als der Ausfluß des ſozialen Denkens und
Fühlens? Es war für mich eine der größten Freuden, daß
mir bei meiner Ernennung zum Reichswehrminiſter eine große
Zahl von Glückwünſchen ehemaliger Rekruten meines alten Re=
giments
zugingen, in denen der ſchöne Gedanke der Kameradſchaft
zum Ausdruck kam. Dieſer Gedanke der Kameradſchaft umſchließt

Die nationale Aufgabe: Das iſt die alle Volks=
kreiſe
umfaſſende und einigende Pflicht der Landesverteidi=
gung
. Die ſoziale Aufgabe: Das iſt die Verbun=
denheit
der Wehrmacht mit dem Schickſal aller Volksſchich=
ten
. So wenig die Reichswehr eine Parteitruppe iſt, ſo
wenig iſt ſie die Schutzmacht irgendwelcher Klaſſen oder In=
tereſſen
, ſo wenig wie ſie die überlebten Wirtſchaftsformen
oder unhaltbare Beſitzverhältniſſe deckt.
In dieſem Sinne des ſozialen Gedankens werde ich mein Amt
als Reichsminiſter und inſonderheit als Wehrminiſter führen, in=
ſem
ich die Armee immer wieder daran erinnern
werde, daß ſie dazu beitragen ſoll, die Nor ge=
rade
in den ärmſten Schichten zu lindern, und
Freund und Helfer aller Bevölkerungsſchichten
zu ſein.
Zum Schluß laſſen Sie mich noch einmal auf die ſogenannte

Milikärdikkakur

zurückkommen, von der ihre Anhänger das große Wunder erhof=
fen
, die für ihre Gegner aber den Inbegriff alles Scheußlichen be=
deutet
. Zunächſt glaube ich, daß ſich unter Militärdiktatur jeder
etwas anderes vorſtellt. Wenn man darunter verſteht, die diktato=
riſche
Regierung der Wehrmacht, ſo halte ich eine ſolche Regie=
rungsform
in Deutſchland für völlig ausgeſchloſſen, weil die Wehr=
macht
nie etwas anderes tun wird, als den Befehlen des Oberſten
Befehlshabers, des durch eine überwältigende Mehrheit des deut=
ſchen
Volkes gewählten Reichspräſidenten von Hindenburg zu fol=
gen
. Wenn man unter Militärdiktatur aber eine Regierung ver=

ſteht, die ſich nur auf die Bajonette der Reichswehr ſtützt-
ich
dazu nur ſagen, daß eine ſolche Regierung im luftleer=
ſich
ſchnell abnutzen und letzten Endes zum Mißerfolg füh v
In Deutſchland, vielleicht mehr noch als in anderen Ländeg
die Regierung von einer breiten Volksſtrömung getragen
glaube, ſagen zu dürfen, daß in dieſer Hinſicht gerade is
letzten Wochen klarer geſehen habe und weniger militar /
weſen bin wie mancher Politiker der ſich oft und gern zuu
kratie bekannt, aber ſofort zur Diktatur der Bajonette Ey
wenn ſeine perſönliche Machtpoſition oder die ſeiner Po
notwendig macht. Deshalb bin ich kein Freund der Militä-)
aber ich wünſche Deutſchland gerade jetzt in der ſchweren
Regierung, die die größten Soldatentugenden beſitzt:

Mut, Entſchlußkraft und Verantwortungsfreudigke.

Rückkrikt des Reichsſiedlungskommiſſars. Kleit
lung in Zukunfk nur noch Aufgabe der Gemell

* Berlin, 26. Juli. (Priw,
Der Reichskommiſſar für die vorſtädtiſche Kleinſiedlu=n
fach als Lauben=Kolonialminiſter angeſprochen, Reg
präſident Dr. Saaſſen, ſcheidet am 31. Juli aus ſeinem
begibt ſich wieder auf ſeinen Poſten nach Trier zurück. D
ſtädtiſche Kleinſiedlung wird in Zukunft direkt vom
arbeitsminiſterium betreut werden.
Wie verlautet, wird man jetzt die noch laufenden Pron
Vorſtadtſiedlung abwickeln und es in Zukunft den Gen
überlaſſen, dieſe Siedlung zu pflegen und zu fördern.

Herr Friedrich Hundsdorf und
ſeine Ehefrau, geb. Ramge, Rhön=
ring
62, feiern am Samstag, den
30. Juli das Feſt der
Silbernen Hochzeit.
Glückauf zur Goldenen!

Am Freitag, den 29. Juli begeht. Herr
Friedrich Hundsdorf, Rhönring 62
ſein.

2.5jähriges Dienſtiubiläum
bei der Firma G. Merck. (10626

Für die vielen Beweiſe der Liebe an meinem
80. Geburtstage
dankt Allen herzlichſt
Marie Henris Wwe.
Darmſtadt, den 26. Juli 1932.

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Darmſtadt, den 26. Juli 1932.
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Im Namen der trauernden Hiterbliebenen:

im vollendeten 54, Lebensjahre.
Philipp Herrmann.

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Darmſtadt, den 26. Juli 1932,
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Darmſtadt, den 26. Juli 1932.
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Die Beerdigung erfolgt in aller Stille zu Mainz.

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unſeren Verteilungsſtellen ermitteln, werden wir dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen.

[ ][  ][ ]

Aus der Landeshaupkftadk.

Darmſtadt, den 27. Juli 1932.
Veramlungen am Landkag polizeilich verboken.
Mit Rückſicht auf Mißhelligkeiten, die bei der letzten
des Landtags vorgekommen ſind, wird das Polizeiamt
der am kommenden Donnerstag, den 28. d. M., begin=
Tagung des Landtags keinerlei Anſammlungen inner=
es
ſogenannten Bannkreiſes um das Land=
ſi
ude dulden. Die Grenzen des Bannkreiſes verlaufen im
e Grafenſtraße und Luiſenſtraße.

Halkel den Wald ſauber!

Sommertage locken viele in das ſchattige Waldrevier, um
für kürzere oder längere Zeit Erholung zu ſuchen. Leider
ſisi immer wieder die Beobachtung gemacht werden, daß das
ſſum noch immer nicht das nötige Verſtändnis für Sauber=
ſity
der Wald= und Parkanlagen hat. So gut die Stullen im
ſEmecken, ſo wenig ſchön ſieht es aus, wenn das unumgäng=
twendige
Einwickelpapier einfach wild in die Gegend ge=
wwird
. Das Papier ſieht aber nicht nur unſchön aus, ſon=
ſiwet
auch gerade im Hochſommer ein Gefahrenmoment bei
ia dbränden, das nicht zu unterſchätzen iſt.
ſollte ſo wohlerzogen ſein, daß er ſein Papier nicht
aach auf den Boden wirft, ſondern es bis zum nächſten
Papierkorb mitnimmt.
gleiche gilt für die mitgenommenen Flaſchen, die leider
och von beſonders Mutwilligen an Baumſtämmen oder
ſ Berſchlagen werden und für den Spaziergänger eine ernſte
hilden. Deshalb, haltet Euren Wald ſauber! Es gibt übri=
unnanches
zu tun, um die Sünden des Menſchen an der
ſiemigermaßen wieder gut zu machen, und andererſeits auch,
Menſchen der Natur wieder näher zu bringen. Die betei=
srellen
klagen über den Mangel an Mitteln und Kräften.
weien aber Millionen von Händen brach. Nicht wenige wären
ereit, ſich für gemeinnützige Dinge zu rühren. Viele ge=
ſe
Sänger warten auf Niſtkäſten. Das Holz dazu wird gern
ſtrverden. Es fehlen nur die Hände, die die Säge in die
Fieomen.
zu hlreiche Vögel aber gehen nicht in die künſtlichen
B hauſungen. Für ſie iſt die Vogelſchutzhecke aus
Dorngeſtrüpp uſw. das Gegebene.
ſtlwbeſitzer werden gerne mit ſich reden laſſen, um geeignete
eizugeben. Anleitungen werden Tierſchutzvereine, Förſter
ſtige Vogelfreunde bereitwilligſt geben.
ta. mit den Wanderwegen ſieht es oft übel aus. Jede Weg=
eitumg
muß, um wanderſicher zu ſein, alljährlich nachgezeichnet
Selbſtredend kann da nicht jeder darauflos pinſeln. Die
ſtzäſten Gebirgs= und Wandervereine aber werden dankbar
dat er rüßen, der ſich ihnen hilfsbereit anbietet. Vielfach harrt
mit u le der Faſſung. Auch das iſt eine einfache und dankbare

Yruheſtandsverſetzung. Am 15. Juli 1932 wurde der För=
b
Weinheimer zu Schwanheim vom 1. September
isv auf Grund des 8 1 des Geſetzes über die Altersgrenze
ſaetsbeamten vom 2. Juli / 19. Dezember 1923 in Verbin=
uri
, Artikel 2 des Geſetzes über die Einſtellung des Perſo=
ſhates
in Heſſen und zur Aenderung des heſſiſchen Perſonal=
zerſetzes
vom 8. Oktober 1925 in den Ruheſtand verſetzt.
5lIdenes Doktor=Jubiläum. Herr Medizinalrat Dr. med.
rſcy, hier, früher Kreisarzt in Bingen, kann heute, am
Gil ſein goldenes Doktorjubiläum feiern. Von der medizi=
ſiſche
3akultät der Univerſität Würzburg wurde dem Jubi=
r/S
Doktor=Diplom erneuert und unter herz=
ſch
abläickwünſchen überſandt.
Jabiläum. Am Freitag, den 29. Juli, begeht Herr Fried=
um
dsdorf, Rhönring 62, ſein 25jähriges Dienſtjubi=
der
Firma E. Merck.
eſſiſches Landestheater. Das große muſikaliſche Ereignis
thnten Spielzeit wird die Feier von Richard Wagners
distag (13. Februar) ſein. Das Heſſiſche Landestheater
zbu. Anlaß dieſes Tages eine völlige Neuinſzenierung des
A0ss Nibelungen in Angriff nehmen und zunächſt Rhein=
Amſikaliſch und ſzeniſch von Grund aus neu einſtudieren.
en wird Triſtan und Iſolde neu in den Spielplan auf=
MirT.
Sommerſpielzeit Kleines Haus des Landestheaters. Heute,
A-EErſtaufführung: Kopf in der Schlinge‟
jühtzlmbenteuer von John von Bradley in der deutſchen Be=
ane
von Otto Baſtian. Eines der ſpannenden Kriminalſtücke,
cnan atemlos bis zum letzten Augenblick folgt. Auf der
Zſvallzieht ſich eine aufregende Jagd, bei der ein Menſch all=
ezwungen
wird, ſeinen Kopf in die Schlinge zu ſtecken,
enn er ein Staatsanwalt und garantiert unſchuldig iſt.
ziatire auf den Indizienbeweis. Ende 22 Uhr. Dritte Vor=
94 mm Mittwochabonnement. Die nächſte Wiederholung
nnenden Abenteuers iſt morgen, Donnerstag, 20 Uhr, als
MMürſtellung im Donnerstagabonnement.
eutſcher Rentnerbund, Ortsgruppe Darmſtadt. Auf die
timg, dem 29. Juli, nachmittags, im Kaiſerſaal, Grafen=
fſtettfindende
Monatsverſammlung, die als Proteſt gegen
tjangen für die Fürſorgeberechtigten gedacht iſt, wird noch
Uhrs aufmerkſam gemacht. Es wird von ſeiten des Deut=
1hlertnerbundes ausdrücklich betont, daß der Bund mit den
eſtſchtun gen eines Teiles der Rentner, die Verwirrungen in
ielhen zu tragen ſucht, nichts zu tun hat. Er wird nach
Den politiſchen Verhältniſſen Rechnung tragen und ſei=
4t liedern die nötige Aufklärung zuteil werden laſſen. Alle
119)r und Freunde ſind eingeladen. Eintritt frei. (Siehe

Aus den Darmftädker Lichtſpieltheakern.
Union=Theater.
ie Abenteurerin von Tunis mit einer ganzen
16 eſter deutſcher Filmkünſtler in den Hauptrollen, u. a.
am ning Theo Chall. Ellen Richter, Karl Hus=
uffy
, iſt eine ebenſo heitere, wie ſpannende Angele=
Die Abenteuer der ſchönen Tänzerin und des Neffen
Mmenbeſitzers führen über Paris nach Afrika in die Wüſte.
feſſen Kämpfe gegen Verbrecher und Hochſtapler und gegen
tieen Söhne der Wüſte. Araber, die auf Kamelen in gan=
aen
anreiten, von dem alles beſiegenden Kleeblatt aber

uwy end freimachend. Etwas verworren war die Hand=
hrr
wie geſagt, voller aufregender Abenteuer und abſpie=
s
Einer Fülle köſtlicher Landſchaftsbilder, die zum größten
½ einer Tunisexpedition übernommen wurden. Alles in
em Film, den man ſehen muß.
Helia.
I dem neuen Buſter=Keaton=Film Caſanova wider
ann man ohne Uebertreibung ſagen, daß er einer der
KäM4 Bacherfolge der ganzen Spielzeit iſt. Woran das liegt,
Naibei= ungewöhnlichen Lachſalven hervorruft, iſt nicht ſo leicht
22 In. Beſtimmt iſt es nicht die Tatſache, daß Buſter Keaton
ſericht, obwohl ſeine ſchwer verſtändliche amerikaniſche
uKhw e des Deutſchen nicht ohne Komik iſt. Beſtimmt iſt es
die pſychologiſche Feinheit, die Keatons Humor in frü=
Umen oft aufwies denn davon iſt diesmal wenig zu
da durchaus mit äußerlichſten derbſten Mitteln verrückter
0 skomik gearbeitet wird. Die ungewöhnliche Freudig=
der
Film hervorruft, iſt alſo wohl auf die draſtiſche
der Situationen zurückzuführen, in denen Buſter Keaton
drrwillig und mit ſeinem bekannten todernſten Geſicht
Aemann und Frauenjäger aufzutreten gezwungen iſt. *
In den Palaſt=Lichtſpielen ſieht man heute zum letzten
ger ſenſationellen Kriminal=Tonfilm Der Schuß im Ton=
er mit Gerda Maurus und Harry Frank in den Haupt=
Veſi=Theater. Das Reſi=Theater zeigt heute zum erſten
er herrlichen Ufa=Großfilm Der unſterbliche Lump mit
ſröhlich und Liane Haid. Ab morgen Die Mutter der
Aoie mit Weiß Ferdl. Erit Haid, Betty Bird und Paul
aren.

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 207 Seite 5
* Rätſelhafte Perteilung der Krebskrankheit.
Es gibt nicht nur Krebshäuſer, ſondern auch Krebsländer. Krebs durch Waſſerleikung?
Helkſame Abwehrmitkel.
Von Dr. med. Carl Ehlers.

Jüngſt wurde von Krebshäuſern berichtet, in denen die
furchtbare Krankheit erſchreckend häufig vorkommt, währeno
andere Häuſer von ihr verſchont bleiben. Es gibt, wie in der
gemeinſamen Sitzung des Zentralkomitees zur Erforſchung und
Bekämpfung der Krebskrankheit und des Vereins für innere
Medizin nach einleitenden Worten Profeſſor von Bergmanns
der amerikaniſche Forſcher Frederick Hoffmann ausführte, auch
in der Verteilung des Krebſes in einzelnen Ländern noch aller=
lei
Rätſelhaftes, das mit Hilfe der heutigen Wiſſenſchaft noch
nicht aufgeklärt werden kann.
In tropiſchen Ländern ſteigt z. B. der Magen=
krebs
bis zu 65 Prozent, während er in anderen heißen
Gegenden wie z. B. auf Manila nur 15 Prozent erreicht. Der
Bruſtkrebs der Frauen, der zu den häufigſten Erkrankungen
in vielen Ländern gehört, iſt in Japan faſt völlig unbekannt.
Warum er hier nicht vorkommt, das iſt noch zu klären. Liegt
es an der Konſtitution, an der Luft, am Waſſer, oder an irgend
etwas anderem? Der Mundkrebs ſteigt in manchen Ländern bis
zu 54 Prozent, ſeltſamerweiſe kommt er bei den Chineſen in
Amerika dagegen nur in 2,4 Prozent Fällen vor. Das ſind nicht
einzelne, zufällige Zahlen, ſondern Durchſchnittswerte, die in
langen Zeiträumen und bei vielen Menſchen errechnet worden
ſind.
Es gibt alſo offenbar Krebsländer und unter Umſtänden
ſogar Krebsvölker.
Noch rätſelhafter ſind Erſcheinungen, die plötzlich eintreten und
ziemlich krebsfreie Orte zu Krebsorten machen. Davon erzählt
Wilhelm Scheuermann in einer Sammlung Das Wunderbare.
Nach einem Bericht, den Dr. Simeray 1927 der franzöſiſchen
Akademie der Wiſſenſchaften vorgelegt hat, war die Bevölkerung
eines Dorfes vollkommen vom Krebs verſchont geblieben, ſo=
lange
ſie das Waſſer aus ihrem Dorfbrunnen benutzte. Kaum
war eine Waſſerleitung erbaut, die an ſich geſundes
Waſſer, aber aus entfernter Gegend herbeiführte, ſo ſtellten ſich
Krebserkrankungen ein. Man erkennt leicht, daß ſolche und
andere Erfahrungen (deren Stichhaltigkeit wir nicht nachprüfen
können) nicht damit zu verſtehen ſind, daß das Waſſer etwa ein
Krebsgift enthielte. Es kann vielmehr lediglich in jener Gegend
und von den dort Lebenden genoſſen, deren ſagen wir: biolo=
giſche
Harmonie ſtören. So etwas Aehnliches ſtellt man ſich offen=

bar vor, wenn man, wie es Gelehrte tun, formuliert, dieſes
neue Waſſer beſitze
nicht die gleichen Konſtanten wie der bewohnte Grund und
ruft infolgedeſſen eine Störung des Verhältniſſes der Zell=
ſchwingungen
zur kosmiſchen Strahlung hervor.
So erklärt man die niedrigen Krebsziffern für Genf und das
nordamerikaniſche Memphis ebenfalls damit, daß dort das
Waſſer mittels Pumpen oder arteſiſcher Brunnen großer Tiefe
entſtammt. Dadurch wurden die Einwohner, die es zum Trinken,
Waſchen und Baden benutzen, ſo beeinflußt, daß ihre Zellen
dieſelben chemiſchen und elektriſchen Konſtanten aufweiſen, wie
der Boden ihres Wohnortes, ſo daß ſie ſich infolgedeſſen mit
dem örtlichen Feld der kosmiſchen Strahlung in Reſonanz be=
finden
.
Wenn das Wiſſenſchaft iſt, ſind unzählige Bücher voll
Aberglauben auch Wiſſenſchaft. Und man bemüht ſich, es
Wiſſenſchaft werden zu laſſen. Man hat Pflanzen=Kieber er=
zeugt
und die zerſtörende Wirkung ſolcher Geſchwülſte angeblich
dadurch aufgehoben, daß man einen kreisrund gebogenen an
beiden Enden offenen Kupferdraht von 30 Zentimeter Durch=
meſſer
iſoliert um die Pflanze herum anbrachte: dieſer offene
metalliſche Schwingungskreis hält die Strahlung anſcheineno
fern, denn die Geranie, die er umſchließt, bleibt, ſo heißt es,
am Leben, überwindet als einzige ihre (bald vernarbende) Ge=
ſchwulſt
und entwickelt ſich, da man ihr weiter den Drahtſchuß
beläßt, doppelt ſo gut als die anderen, die man bloß nicht
infiziert hat.
In dieſem Zuſammenhang ſei auf ein ſoeben erſchienenes,
aktuelles Buch verwieſen, in dem Guſtav Frhr. von Pohl nach
neueſten Forſchungen auf Neuland die Frage der Erdſtrahlen
als Krankheitserreger behandelt.*) Pohls Forſchungen
umfaſſen die Erdſtrahlen als Urſache der Krebskrankheit und als
Erreger von Krankheiten überhaupt, dann ihre Wirkungen auf
Tiere und Pflanzen uſw. Bilder und Skizzen ergänzen den
Text, von dem ohne Möglichkeit wiſſenſchaftlicher Nach=
prüfung
geſagt werden darf, daß die Entdeckungen Perſpek=
tigen
eröffnen von noch unbegrenzten Ausmaßen. **

*) Erdſtrahlen als Krankheitserreger, von Guſtav Frhrn.
von Pohl. 71 Abbildungen. Joſ. C. Hubers Verlag, Dieſſen vor
München.)

Geheimnis der Jünger Dianas.
Ein Blick in die Gewohnheiken und das Leben unſeres Rehwildes. Für Nichkjäger etwas aus der Jägerel.

*
Diunt Muft
In normalen Zeiten bemerkt der Ziviliſt gegen Ende
Juli, Anfang Auguſt unter den ihm befreundeten Jägersleuten
eine gewiſſe Erregung‟ Es iſt ſo ähnlich, wie im Anfang
März, wenn die lateiniſchen Sonntage vor der Türe ſtehen
und die Weidgeſellen zum Schnepfenſtrich hinauseilen, um die
Erſte zu erbeuten.
An den Stammtiſchen werden die Plätze leer, deren In=
haber
ſonſt das klaſſiſchſte Jägerlatein zu ſprechen pflegten, und
mit Spannung wird am ſpäten Abend die Rückkehr der Jünger
Dianas erwartet, die dann nach des Tages Hitze den Kult der
leichtgegürteten Göttin mit dem Dienſt des Bachus zu vertau=
ſchen
pflegen, oder beſſer geſagt pflegten, denn in dieſer bitte=
ren
Notzeit heißt es überall ſparen.
Wohl dem Jäger, der zur Blattzeit hinaus zur Jagd
ziehen kann, um den roten Bock durch ſeinen Blatt=Ruf,
durch die Blatt=Muſik zu berücken und dann mit gutem
Blattſchuß im Feuer zur Strecke zu bringen.
Viele Laien werden fragen, was es mit dieſer Blattzeit,
und dieſer Blattkunſt eigentlich für eine Bewandtnis hat.
Die Blatt=Jagd oder die Jagd mit dem Blatt, mit dem
Reh=Ruf iſt eine Pürſchjagd zur Brunſtzeit des Rehwildes,
bei der man mittels eines Blattes oder einer künſtlichen Locke
den Bock anzureizen oder zu erlegen ſucht.
Die Jäger ſchleichen ſich bzw. pürſchen mit größter Vorſicht,
am beſten zu zweien, nach ſolchen Revierteilen, wo nach ihrer
Kenntnis gute Böcke, alte Herren ihren Stand haben. Vor=
ſichtig
ſetzen ſie ſich in Deckung, am beſten in einen Lauben=
ſchirm
, der mehrere Wochen vor Beginn der Blattzeit errichtet
worden iſt, oder in einer ſonſtigen natürlichen Deckung. Lautlos
verharren die Weidmänner auf ihrem Platze, nachdem ſie ſchon
bei Einnehmen ihrer Stellung beobachtet haben, daß der Wind
nicht nach der Richtung ſteht, aus der der ſchlaue Bock erwartet
wird. Die Blattkunſt iſt nicht leicht, und aller Anfang iſt
ſchwer. Man gehe bei einem alten, erfahrenen Weidmann, der
ein Meiſter iſt im Blatten, in die Schule aber mancher
lernt’s nie! Doch dieſe Zeilen ſind nicht für alte erfahrene Jäger
geſchrieben, ſondern für Anfänger und vor allem für unſere
Freunde aus der Laienwelt.
Zunächſt möchte ich einen weit verbreiteten Irrtum zu zer=
ſtreuen
ſuchen! Viele Naturfreunde glauben, daß nur die be=
gehrliche
Ricke bzw. das Schmalreh zur Brunftzeit den Lockruf
ausſtößt. Nein! Es fiept, es trenzt und ſchreit auch der Bock
in der Brunft! Wenn alſo der Bock zur Brunftzeit dem Rufe
folgt, ſo iſt es entweder ſeine Geſchlechtsbegierde, weil er glaubt,
eine Ricke fiepen zu hören, oder es iſt die helle Eiferſucht, weil
er glaubt, das Fiepen eines treibenden Bockes zu vernehmen.
Wenn der Blattruf erklingt, dann iſt das Verhalten des
Rehbockes ſehr verſchieden! Manchmal ſtürmt er ſcheinbar ohne
Beſinnen und ohne jede Vorſicht auf die Stelle los wo er das
Schmalreh oder den Nebenbuhler vermutet! Manchmal kommt
er, den Windfang am Boden, angeſchlichen wie ein Fuchs.
Zur Ausübung der Blattjagd gehört ein gutes Auge, eine
ſichere Hand, ein gewandter Büchſenſchütze. Welche Freude,
wenn der ſtolze Bock die Kugel in hoher Flucht quittiert
und im Feuer zuſammenſtürzt!
Die Blattmuſik beſteht aus den Fieptönen, etwa Fiep. Fiep
und den Schreitönen Piä, Piä, die letzteren läßt das Reh oft
30 mal hintereinander ertönen; zum Schluß folgen dann noch
einige Fiep=Laute‟.
Als ein Glück iſt es zu bezeichnen, daß das ſogenannte
Angſtgeſchrei im allgemeinen ziemlich ſchwer nachzuahmen iſt.
Selbſt die leichteſte ſeiner Variationen wird nur ſelten von
einem Jäger richtig wiedergegeben. Wer es in der Natur noch
nicht gehört und Erfolge mit ihm nicht erlebt hat, der wird es
ganz gewiß nicht begreifen können, wie auf ein ſo fürchterliches
Geſchrei der ſchlaue Rehbock reagieren kann! Mit dem Angſt=
geſchrei
kann viel Unheil angerichtet werden. Mit Maß und
Ziel und im geeigneten Moment verwendet, gewährt das Angſt=
geſchrei
in der Hand des weidgerechten Jägers unleugbar hohen
weidmänniſchen Genuß. Wie mancher Urbock hat mir mein
ſteter Blatt=Begleiter durch faſt dreißig Jahre Herr Förſter B.
in meinen ſchönen Revieren vor die Büchſe gezaubert, er
holte ſie mit Sicherheit in den Tagen zwiſchen dem 4. und 10.
Auguſt aus den verſteckteſten, verſchwiegenſten Dickungen heraus

wir haben es aber nur in Ausnahmefällen angewandt!
Andererſeits iſt der Wilderer in der Lage, binnen kürzeſter Zeit
ein ganzes Revier vom Rehwild zu ſäubern, weil das geſamte
Rehwild, ſowohl Bock wie Ricke bzw. Schmalreh darauf reagie=
ren
. Auch der Fiep=Ton kann zum Verhängnis werden. Mit
dem Fiepton ruft das zierliche Kitzlein ſeine Mutter herbei.
Die Wilddiebe benutzen daher mit Vorliebe den Fiep=
Nuf um auf dieſe Weiſe die alte Ricke herbeizulocken,
die ſie dann kalten Herzens abſchießen! Das treue Reh
wird ein Opfer ſeiner Mutterliebe; um die verwaiſten
Kitzchen kümmert ſich der Wildſchütz nicht.
Die Blattmuſik iſt uralt. Schon Wolfram von Eſchenbach er=
wähnt
in ſeinem Parzival den auf einem Blatt hervorge=
rufenen
Lockruf. Dann wurden Buchen= Birn= und Apfelbaum=
blätter
dazu verwandt. Auch ein Stückchen von der äußeren
Rinde der Birke oder ein breiter Grashalm dient dem gleichen
Zweck. Heute gibt es Blatt=Inſtrumente aller möglichen Kon=
ſtruktionen
. Am beſten iſt der Jäger daran, der mit dem bloßen
Munde die Blatt=Muſik veranſtalten kann. Das iſt wahrhaft
ein Meiſter im Blatten.
Du aber, lieber Leſer oder verehrte Leſerin, bitte einen
Freund aus der Jägerei, dir zu geſtatten, ihn einmal zur Blatt=
zeit
zu begleiten! Zieh’ ein grün Gewandt an, ſetze einen die
Augen überſchattenden grünen Strohhut auf das Wild äugt
nach den verräteriſchen Augen und ſetz dich ſtill an dem
Plätzchen nieder, das dir der Weidmann anweiſt. Wenn dann
die Blattmuſik ertönt, wirſt du ein Bild aus dem Leben unſeres
Rehwildes ſehen, um das dich viele beneiden und das dir eine
ſtete, ſchöne Erinnerung bleiben wird!
Dr. Ludwig Roth.

Aus den Parkeien.
Deutſche Volkspartei. Die Deutſche Volkspartei
macht die Wähler darauf aufmerkſam, daß heute, Mittwoch abend,
im deutſchen Sender der Parteiführer der DVP. Abg. Dingeldey,
ſpricht. Der Vortrag beginnt um 7.30 Uhr abends. (Siehe An=
zeige
.) Diejenigen Partei=Mitglieder die kein Radio
beſitzen, können den Vortrag auf dem Parteibüro, Zimmerſtr. 1,
anhören.
Deutſche Volkspartei, Frauengruppe. Wie
bereits mitgeteilt, treffen wir uns bei jedem Wetter am Don=
nerstag
, dem 28. Juli, nachmittags 4 Uhr, auf dem Jagdſchloß
Kranichſtein, um einige gemütliche Stunden zuſammen zu ver=
leben
.
Wir verweiſen nochmals auf die heute abend im Fürſten=
ſaal
ſtattfindende Wählerverſammlung der Volksrecht=
partei
. Juſtizrat Lindt wird über Die Intereſſen des Mittel=
ſtandes
und die Reichstagswahl ſprechen.
Lokale Veranſtalkungen.
Die hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchlleßlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu befrachtm,
in keinem Falle irgendwie ale Beſprechung oder Kritli.
Schuls Terraſſen=Keller. Heute großes Blas=
konzert
unter perſönlicher Leitung des Kapellmeiſters Willy
Schlupp. Eintritt frei. (Siehe Anzeige.)

Die Abteilung Stellenvermittlung des Vereins der Freun=
dinnen
junger Mädchen, Sandſtraße 24, iſt bis September ge=
ſchloſſen
.
Hausfrauenbund. Kleiderſtelle Woogsplatz 3, hat
ferienhalber vom 1. bis 14. Auguſt geſchloſſen.
Brieſkaſten.
Jeder. Anfrage iſt die letzte Bezugsgulttung behufügen. Anonyme Anfragen werden
nſcht beantiwortet. Die Beantwortung erfolgt ehne Rechtsverbindlſchkelt.
H. S. Die Vorſchriften, die für Bäume und Sträucher auf und
neben den Straßen die Abſtände von den Grenzen feſtſetzen, ſind in
Heſſen durch das Ausführungsgeſetz zum BGB. nicht berührt, be=
ſtehen
alſo weiter zu Recht. Der Mindeſtabſtand für ſolche Baum=
pflanzungen
iſt 3 Meter von der äußeren Grenze. Wenden Sie ſich
an die Stadtverwaltung wegen Abhilfe, gerade unter Hinweis auf
die ſeit 1920 bekannt gewordene Krankheit.

Tageskalender für Mittwoch, den 27. Juli 1932.
Union=Theater: Die Abenteurerin von Tunis. Helia= Licht=
ſpiele
: Caſanova wider Willen Palaſt=Lichtſpiele: Der
Schuß im Tonfilm=Atelier. Schuls Terraſſenkeller, 20 Uhrz
Konzert.

[ ][  ][ ]

Seite 6 Nr. 207

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Mittwoch, 27. Jul /

Aus Heſſen.
Staatshilfe und Riedenkwäſſerung.

Der Verbandsvorſitzende des Schwarzbachpumpwerk=Verbandes
ſchreibt uns zu dem diesbezüglichen Artikel in der Ausgabe vom
21. Juli 1932.
Der Aſtheim=Erfelder Entwäſſerungsverband wurde durch Ge=
ſetz
vom 16. 6. 1923 gegründet und fallen große Gebiete des
Schwarzbachpumpwerk=Verbandes in das Gebiet des Aſtheim= Er=
felder
Entwäſſerungsverbandes, ſomit eine Verkleinerung des
Schwarzbachpumpwerk=Verbandes eintritt und die geſamt entſtan=
denen
Koſten von dieſem verkleinerten Verband getragen werden
müſſen, die für die beiden ſchwerbelaſteten Gemeinden Trebur und
Aſtheim untragbar ſind.
Der Schwarzbachpumpwerkverband hat wiederholt im Inter=
eſſe
der Gemeinde Trebur und Aſtheim beim Miniſterium für
Arbeit und Wirtſchaft mündlich und ſchriftlich Stellung genom=
men
, um eine Umbildung des Verbandes auf ein größeres Gebiet
zu legen, damit endlich eine gerechte Koſtenverteilung ſtattfindet
und eine Regelung der Finanzfrage der Gemeinde Trebur und
Aſtheim ſeitens der Aufſichtsbehörden erreicht wird.
Es iſt mir klar, daß durch die ſich immer mehr verſchlechternden
Verhältniſſe in der Landwirtſchaft die Aufbringung der Koſten
für den Pumpbetrieb in Frage geſtellt iſt. Schon in den Jahren
1927/28 kam es zu erheblichen Schwierigkeiten und ſeitdem eine
ſtändig ſteigende Verſchuldung des Verbandes eintrat. Die Ver=
bandsgemeinden
waren notgedrungen mit den Beiträgen aus den
Jahren 1929/30 noch im Rückſtande, während das Kulturbauamt
im Hinblick auf einen im Jahre 1930 gefaßten Beſchluß des Land=
tages
keine Stromkoſten in ſeinen Etat aufgeſtellt hat, alſo nicht
in der Lage war, helfend einzugreifen.
Als in vergangener Woche die Unwetterkataſtrophe weite G= des Rieds und der Kreiſe Offenbach, Dieburg und Darmſtadt
unter Waſſer ſetzte, ſah ſich der Verband zu einem weiteren ganz
erheblichen Stromkoſtenaufwand gezwungen. Es iſt erfreulich und
findet allgemeine Anerkennung, daß das Ueberlandwerk Mainz,
trotz der völlig ungeklärten Lage, die Stromlieferung in dieſen
kritiſchen Tagen durchführte. Andererſeits iſt es verſtändlich, daß
mit einem derartigen Entgegenkommen nicht dauernd gerechnet
werden kann.
Da der Verband ſich außer Stand ſieht, ſeinen Verpflichtungen
nachzukommen und eine Stillegung des Pumpwerkes, wenn nicht
ein unermeßlicher Schaden angerichtet werden ſoll, nicht in Frage
kommt, muß von dem Heſſiſchen Staate bis zur erneuten Inbe=
triebnahme
des Pumpwerkes eine endgültige Löſung der Finanz=
und Stromkoſtenfrage gefunden werden.
Ich bitte daher dringend, da durch die ſchlechten Finanzver=
hältniſſe
der Gemeinden Trebur und Aſtheim keine Zahlungen
mehr geleiſtet werden können, die geſamten Stromkoſten auf den
Staat zu übernehmen und ſchnellſtens die Umbildung des Ver=
bandes
durchzuführen.

Griesheim, 26. Juli. Erneutes Unwetter Am Sams=
tag
nachmittag ging nach einem kurzen Gewitter wieder ein ſehr
ſtarker Regen über unſere Gemarkung nieder, der faſt eine Stunde
anhielt. Das auf den Feldern von dem fortwährenden Regen zu=
ſammengeſchlagene
Getreide nimmt auf dem Halm braun=ſchwarze
Farbe an und droht zu faulen. Wenn nicht bald beſſeres Ernte=
wetter
eintritt, beſteht für die Getreideernte ſchwere Gefahr. Durch
den ſtarken Regen brachte die Landwehr erneut gewaltige Waſſer=
maſſen
, wodurch die Koſakenbrücke abermals weggeſchwemmt
wurde. Da die Gefahr beſtand, daß die Landwehr wiederum aus=
bricht
, hatte die Gemeinde wieder eine Nachtwache dort aufgeſtellt.
Cp. Pfungſtadt, 26. Juli. Zuchtviehmarkt am 20. Auguſt.
Der Zuchtviehmarktausſchuß hat jetzt endgültig beſchloſſen, trotz
der ſchlechten wirtſchaftlichen Verhältniſſe auch in dieſem Jahre
einen Zuchtviehmarkt abzuhalten. Man war um ſo mehr für die
Abhaltung des diesjährigen Marktes, als der vorjährige Markt
wegen Maul= und Klauenſeuchengefahr in letzter Minute ausfal=
len
mußte. Selbſtverſtändlich wird ſich der Marktausſchuß in die=
ſem
Jahre hinſichtlich der Ausgeſtaltung des Marktes in anbe=
tracht
der ganzen Verhältniſſe mancherlei Beſchränkungen aufer=
legen
. So wird vor allem von der Durchführung einer Verloſung
abgeſehen, obwohl ſie bereits miniſteriell genehmigt iſt. Die
übliche Prämiierung ſoll jedoch ſtattfinden, zumal bereits die
Landwirtſchaftskammer in Darmſtadt hierfür einen Betrag zuge=
ſagt
hat. Der Markt ſoll am Samstag, den 20. Auguſt, auf dem
Viehmarktplatz abgehalten werden. Der Ausſchuß beſtimmte be=
reits
das Schiedsrichterkollegium und ſtellte für die Prämiierung
ein vorläufiges Programm auf. Der Wirtſchaftsbetrieb, welcher
während der Dauer des Marktes auf dem Viehmarktplatz abge=
halten
werden ſoll, wird zur Vergebung ausgeſchrieben werden.
Der Ausſchuß iſt überzeugt, daß der Markt mit Rindvieh. mit
Schweinen und Ziegen gut beſchickt wird, ſo daß alle Vorausſetzun=
gen
für einen guten Marktverlauf gegeben ſind.
G. Ober=Ramſtadt, 25. Juli. Ernte. Die Ausſichten auf
eine gute Getreideernte waren in unſerer Gemarkung in dieſem
Jahr recht günſtig. Alle Fruchtarten ſtanden ſehr ſchön, bis die
ſchweren Unwetter dieſen Hoffnungen einen ſtarken Dämpfer auf=
ſetzten
. Wie gewalzt ſehen die meiſten Getreideäcker aus. Die
erſten Anfänge zur Ernte ſind jetzt auch hier gemacht. Die Land=
wirte
müſſen in dieſem Jahre das meiſte Getreide mit der Senſe
ſchneiden, nur in den ſeltenſten Fällen können die Maſchinen be=
nutzt
werden. Rentenzahlung. Die Auszahlung der
Militärverſorgungs= und Hinterbliebenenrenten für den Monat
Auguſt erfolgt beim hieſigen Poſtamt am Freitag, dem 29. Juli,
während die übrigenRenten am Montag, dem 1. Auguſt, daſelbſt
gezahlt werden.

Sprechende Milch.

Hinker den Knliſſen der Nahrungsmitkelfälſchung. Borführung in der Tierärzklichen Hochſchule zu
Milch, die die Fälſchergeheimniſſe ausplauderi. Wie die Ernährung des Volkes konkrolliert wi
Das Trichinofkop. Quarzlampe enklarvk gefälſchte Bukker.

Profeſſor Dr. Neumann=Kleinpaul, der Rektor der Tier=
ärztlichen
Hochſchule zu Berlin, zeigte vor kurzer Zeit einige be=
deutſame
techniſche Errungenſchaften, die es ermöglichen, den Nah=
rungsmittelfälſchern
auf die Spur zu kommen. 80 Prozent aller
Tierärzte ſind heute damit befaßt, die Lebensmittel ſanitätspoli=
zeilich
zu unterſuchen. Ein genial konſtruierter Apparat zur Ent=
arvung
verfälſchter Milch erregte mit Recht das größte Aufſehen.

Er bewirkt nämlich, daß die Milch ſpricht und alle Tricks
des Fälſchers von ſelbſt erzählt, ohne daß man ſich beſonders
anſtrengen muß.
Die Milch iſt eines der wichtigſten Volksnahrungsmittel. Es wird
darum von den Behörden ſcharf darauf geachtet, daß ſie nicht
verwäſſert wird, bevor ſie in den Handel kommt. Es iſt gar zu
verlockend, den Ertrag des Milchhandels durch einige Liter Waſſer
zu erhöhen. Darum wurde für den Verkauf ein beſtimmter Fett=
gehalt
zugrunde gelegt, den Vollmilch haben muß. Die Milch=
ſendungen
, die täglich in den Städten ankommen, werden daraufhin
genau kontrolliert. Wenn auch Landwirtſchaft und Handel im all=
gemeinen
treu und ehrlich den Milchverkauf führen, ſo gibt es
doch hier wie überall ſchwarze Schafe. Die Kontrolle, ob die Milch
verwäſſert iſt oder nicht, war bisher recht umſtändlich. Der neue
Apparat ermöglicht eine Prüfung mit Hilfe des elektriſchen Stro=
mes
. Die Wirkung dieſes genialen Apparates beruht darauf, daß

durch die Milch ein elektriſcher Strom hindurchgeſchickt wird. Der
Widerſtand, den die Milch dieſem Strom entgegenſtellt, iſt ab=
hängig
von der Güte der Milch. Der verſchiedene Widerſtand hat
verſchiedene Höhen der Töne zur Folge, die in einem Radio=

apparat hörbar werden. Wenn der Strom durch eine ven
Milchprobe hindurchgeſchickt wird, erzeugt er einen anderr
als wenn er durch gute oder geſunde Milch geht.
Die Milch erzählt alſo ſelbſt, ob ſie gefälſcht iſt oder
Der Prüfer läßt jetzt durch die Milchproben für wenige S
elektriſche Ströme hindurchgehen und kann einwandfrei
ſchaffenheit des zu unterſuchenden Objekts in einem Au
feſtſtellen. Es gibt da eine ganze Scala von Tönen, und ror
geradezu von einer Melodie der Fälſchungen ſprechen. A
anderen Gebieten der Nahrungsmittelkontrolle ſind wich t
niſche Neuerungen zu verzeichnen. Das Trichinoſkop geſt
aus Fleiſchquerſchnitten im Lichtbild das Vorhanden ſiß

Trichinen feſtzuſtellen. Auch auf dieſem Gebiete ſind die ſcho
und langdauernden Unterſuchungsmethoden nicht mehr a
lich. Ein beſonderes Forſchungsinſtitut beſchäftigt ſich mt
Problemen. Hier wird auch die Quarzlampe in den Du
Kontrolle geſtellt, denn ſie ermöglicht es, ſchnell Fälſchury
Margarine und Butter zu erkennen. Chemiſche Analyſen
dadurch überflüſſig. So wirken Wiſſenſchaft und Technik zu./
um de: Menſchheit eine gute Ernährung gegen alle Fein
zuſtellen. Die Tierärztliche Hochſchule hat aber auch auf
biete der Heilbehandlung von Tieren in ihrer Klinik mu
tige Einrichtungen geſchaffen. Da gibt es beſondere",
Zellen, wenn ein Kätzchen operiert werden muß, und .
die kranken Zähne werden unſeren Tieren ſchon ſchmerse
zogen, denn es ſind Vorkehrungen vorhanden, die den Tän
dieſer peinlichen Behandlung durch Betäubung die Sur
erſpaten.

Aukonnfall öfterreichiſcher Hänger.

Groß=Gerau, 26. Juli.
Ein Kraftwagen, in dem ſich Teilnehmer am Sängerbundes=
feſt
aus Steiermark befanden, wollte geſtern morgen auf der
Strecke Mainz=Groß=Gerau einen vorausfahrenden Wagen über=
holen
, als dieſer in die Straße nach Nauheim einbog. Das öſter=
reichiſche
Auto fuhr mit großer Wucht von der Seite in das andere
Auto hinein, wodurch dieſes ſich mehrmals überſchlug und erheb=
lich
beſchädigt wurde. Es muß als ein großes Wunder bezeichnet
werden, daß bei dem Zuſammenſtoß kein Menſchenleben zu be=
klagen
iſt. Die Fahrtteilnehmer kamen mit unbedeutenden Ver=
letzungen
davon.

E. Wixhauſen, 26. Juli. Preisſchießen mit Stand=
weihe
. Trotz des regneriſchen Wetters hatten ſich ſehr viele
Schützen am Preisſchießen der Schützenabteilung des Krieger= und
Militärvereins beteiligt. Es herrſchte von morgens bis gegen
Abend dauernd reger Schießbetrieb. Nachmittags wurde die Ver=
anſtaltung
durch Feſtkonzert umrahmt, das der hieſige Muſikver=
ein
ausführte. Ehe der Vorſitzende. Herr Ludwig Melk, die
Preisverteilung vornahm, ſprach er ſeinen Dank aus allen denen,
die durch aufopferndes ſelbſtloſes Schaffen beigetragen haben, den
Schießplatz zu errichten. Herr Melk betonte, daß er die Schaffung
eines Schießplatzes als eine Hauptaufgabe betrachtet habe. Bei
der Preisverteilung erhielt Herr Hch. Hummel=Darmſtadt mit 34
Ringen den 1. Preis. Bei Schießſtand 2 erhielt Herr Jak. Emmel
(Walldorf) den 1. Preis mit 34 Ringen. Den Haſſia=Ehrenpreis
hat ſich Herr Link=Darmſtadt errungen.

An. Groß=Zimmern, 24. Juli. Wahlverſammlungen.
Geſtern abend ſtand Groß=Zimmern im Zeichen der bevorſtehenden
Reichstagswahl; wurden doch in nicht weniger als drei Lokalen
Wahlverſammlungen abgehalten. Im Rheingold tagte die Zen=
trumspartei
, die den Landtagsabgeordneten Hainſtadt als Redner
gewonnen hatte; im Saale Zur Harmonie fand eine Verſamm=
lung
der K.P.D. ſtatt, wobei der preußiſche Landtagsabgeordnete
Kuntze ſprach, und ſchließlich hatte ſich im Schwanen der Ein=
heitsverband
der EiſenbahnerDeutſchlands, Bezirksleitung Mainz,
zu einer großen Eiſenbahner=Kundgebung zuſammengefunden, wo=
bei
Becker=Mainz referierte. Alle Verſammlungen nahmen einen
ruhigen Verlauf.

Aus den Gemeinderatssitzungen-

Cp. Ober=Roden, 26. Juli. Der Gemeinderat führte in
ſeiner letzten Sitzung die Beratung des Gemeindevoranſchlages für
das Rechnungsjahr 1932 zu Ende Trotz erheblicher Abſtriche in
den einzelnen Ausgabepoſitionen ſtellte ſich ein ungedeckter Fehl=
betrag
von ungefähr 80 000 RM. heraus, der hauptſächlich durch
die Wohlfahrtslaſten entſteht Außerdem ſtand der Waldwirt=
ſchaftsplan
für 1932/33 zur Beratung. Jedoch konnte ſeine Be=
ratung
noch nicht abgeſchloſſen werden, da der Gemeinderat einige
Abänderungen wünſcht und der Voranſchlag noch einmal an die
Oberförſterei zurückgehen muß. Die Wiegegebühren für Großvieh
wurden von 2 RM. auf 1,40 RM. und bei Kleinvieh von 1 RM.
auf 70 Pfg. je Stück geſenkt. Als Sprunggelder ſollen für Ziegen
25 Pfg. und für ein Stück Rindvieh 2 RM. erhoben werden.
Cr. Fürth i. O., 25. Juli. Gemeinderatsſitzung.
Der Rat hat gegen die Gemeinderechnung nichts einzuwenden.
Die Gemarkungswege ſollen ſoweit als erforderlich von den Wohl=
fahrtserwerbsloſen
hergeſtellt werden. Dem Rat wurde von der
finanziellen Lage der Gemeinde Kenntnis gegeben. Es wurde
zum Ausdruck gebracht, daß die Gemeindekaſſe nicht mehr in der
Lage iſt, ohne Zuſchüſſe des Reiches oder des Landes die zur Aus=
zahlung
der Wohlfahrtsunterſtützungen notwendigen Mittel zu
beſchaffen.
Ck. Stockſtadt, 26. Juli. Gemeinderatsſitzung. Mit
dem Vorſchlag des Kreisamtes Groß=Gerau betr. Ermäßigung der
kommunalen Sondergebäudeſteuer iſt der Gemeinderat einverſtan=
den
. Die Bezüge der Gemeindebedienſteten ſollen bei der Auf=
ſtellung
des neuen Voranſchlags geregelt werden. Die Neuinſtand=
ſetzung
der Schulſäle ſowie des Rathausſaales wurden genehmigt.
Die Arbeiten ſollen von erwerbsloſen Handwerkern durch die Ge=
meinde
ausgeführt werden. Anträge der NSDAP. und KPD
worin der Gemeinderat erſucht wird, an zuſtändiger Stelle, die
Außerkraftſetzung der letzten Notverordnung zu beantragen, wur=
den
von dem geſamten Gemeinderat angenommen. Anſchließend
fand eine nichtöffentliche Sitzung ſtatt.
At Goddelau, 23. Juli. Gemeinderatsbericht. Nach=
dem
faſt vier Monate verfloſſen ſind, kommt endlich auch der hie=
ſige
Gemeindevoranſchlag zur Beratung. Danach können die Ge=
meindeſteuern
wie bisher verbleiben, wenn die doppelte Bürger=
ſteuer
, ferner Bier= und Getränkeſteuer erhoben werden, die etwa
10 000 RM. ausmachen. Der größte Ausgabepoſten iſt ſoziale Für=
ſorge
(auch für die Ausgeſteuerten) mit 35 000 Mk. Davon wird
vom Reich die Hälfte wieder zurückgezahlt. Der Voranſchlag iſt
mit 895 000 Mk. Einnahme und Ausgabe aufgeſtellt. An Gemeinde=
ſteuern
ſollen 35 500 Mk., an Reichsüberweiſungen 10 000 Mk. ein=
gehen
. Auch bei der beträchtlichen Mehreinnahme durch neue
Steuern wäre ohne größere Abſtriche der Voranſchlag nicht mög=
lich
geweſen; ſo ergeben ſich Minderausgaben für Gehälter 3167
Mark, für Armenpflege 1100 Mk., für Schulen 1000 Mk., für Land=

wirtſchaft 1000 Mk., für Straßen 2760 Mk., für Bäche und Gräben
2500 Mk. Die höchſte Steigerung erfährt der Pochen Soziale Für=
ſorge
um 19 000 Mk. Für die Kirche ſind 900 Mk. vorgeſehen.
Für Schuldenzinſen ſind bei 43 400 Mk. Schulden 2181 Mk. nötig.
An Vermögen hat die Gemeinde 238 000 Mk. unbewegliches und
33 000 Mk. bewegliches, die zuſammen 24 000 Mk. einbringen. Von
einer Seite des Gemeinderats wurde von den Gemeindebeamten
ein freiwilliger Verzicht auf 10 Prozent ihres Gehalts erwartet,
der jedoch abgewieſen wurde, da man in Goddelau doch in Gehalts=
fragen
nicht anders verfahren möchte wie in Land und Reich.
Außerdem würde auch das die Suppe nicht fett machen. Der Vor=
anſchlag
wird nach langer Debatte gegen die vier Stimmen der
einen Seite angenommen. Das evangeliſche Pfarramt hat ſich
wiederum mit einem Schreiben an den Gemeinderat gewandt, das
wegen der Form ſofort mit einer Beſchwerde an die oberſte Kir=
chenbehörde
weitergegeben wird. Es iſt alſo immer noch kein
Frieden. Bezüglich des Abfahrens von Sand und Kies am Hallen=
gelände
wird beſtimmt, daß nur abfahren darf, wer den bezahlten
Abfuhrſchein über 60 Pfg. für die Fuhre in der Hand hat, da lei=
der
Rückſtände für Sand und Kies mit 60 Pfg. eingetrieben wer=
den
müſſen. Für den Faſelſtall werden zwei neue Ziegenböcke an=
geſchafft
. Von gewiſſer Seite iſt bei dem Gemeinderat ein Be=
ſchwerdeſchrift
über den Dienſt eines Gemeindebeamten eingelau=
fen
. Da ſich der Gemeinderat dafür nicht zuſtändig glaubt, wird
dieſelbe dem Kreisamt zur Klarſtellung der Sache überſandt.
e Bad=Wimpfen, 24. Juli. Gemeinderat. Das Kreis=
wohlfahrtsamt
Heppenheim teilte der Gemeinde mit, daß Zuſchüſſe
aus der Reichshilfe zu den Wohlfahrtslaſten nur gewährt werden
können, wenn die Gemeinde die dreifache Bürgerſteuer und die 10
Prozent Getränkeſteuer erhebt. Die Verwaltungskommiſſion wird
beauftragt, mit dem Kreisamt und dem Miniſterium hierwegen
Verhandlungen zu führen, weil die Verhältniſſe in Bad=Wimpfen
doch anders gelagert ſind als in anderen Gemeinden des Heſſen=
landes
. Der Flaſchnermeiſter Albert Dallein=Bad Wimpfen hat
laut Teſtament vom 28. April 1932 gleich ein Drittel ſeines Ver=
mögens
der Stadt Bad=Wimpfen zu wohltätigen Zwecken ver=
macht
. Die Stiftung beträgt 5564,93 RM. und beſteht in Liegen=
ſchaften
. Der Rat nimmt die Stiftung dankend an. Der Ertrag
derſelben wird alljährlich im Sinne des Stifters verwendet wer=
den
. Freiwilliger Arbeitsdienſt. Der Rat beſchließt
die Einführung des freiwilligen Arbeitsdienſtes mit 30 Mann auf
zwei Monate. Es ſollen in der Hauptſache nur Jugendliche unter
20 Jahren beſchäftigt werden. Die Leute werden mit Abräumungs=
arbeiten
im Steinbruch täglich 6 Stunden beſchäftigt. Außerdem
ſollen ſie zwei Stunden ſportliche Betätigung treiben oder Unter=
richt
erhalten. Das Landesarbeitsamt Stuttgart hat die Arbeit
für den freiwilligen Arbeitsdienſt bereits anerkannt, ſo daß An=
fangs
Auguſt mit derſelben begonnen werden kann.

Das Liebig=Muſeum in Gießen

Seine Entwicklung von 19241932.
Gießen, 24
In dem einen der ſchönen klaſſiziſtiſchen Wachtgebäude=
alten
Kaſerne in der Liebigſtraße hatte der große Chem
Laboratorium. Hier iſt ihm im März 1920 ein würdiges 2
durch ein Muſeum erſtellt worden, das für die Geſch5u
chemiſchen Wiſſenſchaft wie für die heſſiſche Familiengeſchick
aufſchlußreich iſt und das durch die liebevolle und ſorgfäl,
ſeiner Anlage an Bedeutung von Jahr zu Jahr wächſt. Zu/
Ausbau iſt mit der Zeit fortgeſchritten. Darüber hand
legentlich der heutigen Jahresverſammlung der Geſellſchafzd
Muſeum, ein Bericht von Geheimrat Profeſſor Dr. Son
Er wurde in dem in ſeiner Ausſtattung noch aus Lieb=)
ſtammenden kleinen Hörſaal erſtattet
Als die Inflation alle Barmittel der Geſellſchaft verſ.
hatte wurden durch einen Aufruf die Mittel für die weite
wickelung des Muſeums beſchafft. Der Erwerb des Gebäu
durch eine reiche Spende des Induſtriellen Dr. Fritz 21
Darmſtadt ermöglicht, wie überhaupt die Familie Merck
Andenken des bahnbrechenden Chemikers ein reiches ./
tum entwickelte. Die Anlage des Muſeums zielt in den
lichen Erinnerungen feſthaltenden Teilen darauf ab, Lieb
Zeit und ſeine erſten Schüler zu verlebendigen. Stiche und
darunter einzelne prächtige Daguerrotypien (deren Schön)
entdecken der jüngſten Gegenwart vorbehalten blieb), ſind gu
weiſe angeordnet. Andere Muſeumsteile zeigen die Geſchrit
Chemie in ihrer Beziehung auch zur Medizin. Gerade die
ſtiſche Literatur iſt ſyſtematiſch geſammelt und bietet wesi
Rohmaterial für methodiſche Forſchungen. Neu hinzuge=
iſt
die erſte Pharmacopoe von Valerius Cordius,
Familiengeſchichtsforſchung der heſſiſchen Familie Soldamz
nen will. Die Pflanzenchemie iſt durch Dr. Hildebr.
rbeitet, wobei der Wunſch dahin geht, daß auch die große
niſationen der Liebig ſo ſehr verpflichteten Landwird
dem Muſeum ihre Förderung zuteil werden laſſen möchte
erworben wurden neben einer großen Zahl von Kollegheff!
einer Steinſammlung auch eine geſchloſſene Reihe von Juuß
briefen Juſtus von Liebigs, die wenn ihre Drucklegum
lich ſein wird eine wertvolle Ergänzung zu der von Ad
Berl=Darmſtadt bereits veröffentlichten Reihe der Fc
briefe darſtellen werden.
Von beſonderem Reiz iſt die, in ihrer Geſchloſſenh.
mit den Ergebniſſen der Goetheforſchung vergleichbare, ph.ft
miſche Sammlung. Aus der Reihe von Neuerwerbung/t

Spenden ſei noch hervorgehoben: Die Sammlungen Thien!
Trapp (letztere mit der Quellenanalyſe für Homburg), 3644

an Mitglieder der Familie Kekulé. Medaillen (u. a. Wöhle=
von
Humboldt, Adam Müller), Whiſt=Täfelchen (das Sp 10
Liebig beſonders liebte), Bilder aus der Familie Kna.o0
dann, das nun prächtigſte Stück des Muſeums,h
Totenmaske; eine ſelten feine Arbeit, die jede kleinsinl,
jede Runzel um Naſe und Mund und auf der Stirn e=
läßt
, und die zugleich als Ganzes von erſchütternd=ſchlichte
kung iſt. Sie iſt ein Geſchenk der Frau von Harnal
Witwe des großen Theologen. Ihr, der Nachkommin Liebig.
dieſem Jahre die eine Medaille der Geſellſchaft verliehen
während die zweite Amtsgerichtsrat Jöckel=Gießen erh
ſeine Unterſtützung der Arbeit des Liebig=Muſeums.
Der Bericht über die Neuerwerbungen der letzten Ze=
daß
der Ausbau des Muſeums namentlich im Blick auf di.
lebendigung der Zeit und Umgebung Liebigs geſchah. Do
ſeum ſpricht nunmehr immer ſtärker nicht nur zu dem, der 9
die Geſchichte der Chemie intereſſiert, ſondern auch zu dem
mein=hiſtoriſch und vor allem auch zu dem familien=geſct
Intereſſierten.

Ef. Meſſel, 25. Juli. Am Samstag hielt der Turm
Sportverein in der Gaſtwirtſchaft Johann Heinrick
mann 2, eine außerordentliche Hauptverſammlung ab.
ſelben wurden zum 2. Turnwart Wilhelm Laumann u
Spielausſchußvorſitzenden Georg Heberer gewählt. Ferner-)
beſchloſſen, die Verhandlungen wegen Umlegung des Spon)
durch den Freiwilligen Arbeitsdienſt einzuleiten, da ſich A
erfreulicherweiſe genügend Arbeitswillige gemeldet habem
Bz. Reinheim. 25. Juli. Jetzt läßt ſich ungefähr de
den der durch das Hochwaſſer entſtanden iſt, überſeh
in den tief gelegenen Fluren angepflanzten Kartoffelfel
vollſtändig vernichtet. In den Siedlungsgärten iſt alle
die verrichtet wurde, umſonſt geweſen. Bohnen, Gemüſe
haupt alles Angepflanzte iſt durch das Waſſer zugrunde g‟
Die Ernte hat hier ihren Anfang genommen. Auch dieſe
die ſchweren Regenfälle ſehr beſchwerlich. Sämtliche Frucd
liegen wie gewalzt, ſo daß mit Maſchinen faſt gar nicht zu.
ten iſt und faſt alles durch Mähen mit der Senſe gemac
den muß.
Az. Neuſtadt i. O.. mit Burg Breuberg (D. J. H.), 24
Der Kurbetrieb hat ſich erfreulicherweiſe nun ſehr. g2,
Die größeren Gaſthäuſer haben volle Beſetzung aufzuweil.
dere dagegen zeigen durchſchnittlichen Beſuch. Von unſe
landſchaftlich mit vielen Reizen ausgeſtatteten Fleckchen
laſſen ſich in die nahe und weitere Umgebung viele klet.
größere lohnende Spaziergänge ausführen. An geigneten
ten laden viele Bänke zum Ausruhen ein. Unſere Gaf)
ſelbſt haben anſchließend ſchöne ſchattige Gärten und Raſe
man ſie im ganzen Mümlingtal, von einigen Ausnahmer
ſehen, nicht leicht findet. Zugleich hat man vor hier a.
ſchönes Blickfeld auf die Burg. Unſere Jugendher
oben wird in der Ferienzeit gerne aufgeſucht. In den
Tagen war ſie evangel. Jugend aus Rüſſelsheim, Hitlen
einer größeren Stadt, Turnerjugend (D. T.) aus Bürge
und Raſtpunkt. Für die nächſten 13 Tage ſuchen 52 KinO
Darmſtadt unter Leitung des Wohlfahrtsamts Erholung 2
Burg. Sie wird von Jahr zu Jahr immer mehr zum 2.
erholungsheim.

[ ][  ][ ]

Zigarette hat sich in Deutschland gehalten,
wenn sie nicht mild war.
Daher kommt es, daß immer wieder führend
Ist5

0
diemdedHEAI OOn

FDas ist die
em-Fabr.

mrch, 27. Juli 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 207 Seite 7

(in neuer Rhön=Oauerrekord.
ine Leiſtungen im Rhön=Segelwektbewerb. Peter auf Aachen fliegt 10 Stunden 50 Miunken!
Wolf Hirth fliegk 140 Kilomeker Strecke.
Das Mekeor in der Pfalz aufgefunden?
4. Rhön-Segelflug=Wektbewerb.
Worms, 26. Juli.
Slarker und erſolgreicher Flugbekrieb.
In einem Walde, ungefähr drei Kilometer von Worms in

A.K. Waſſerkuppe, 26. Juli.
Wettergott hat es geſtern ausnahmsweiſe gut mit unſe=
ſuckfliegern
gemeint. Der Rhön=Dauerrekord, von Hem=
zwei
Jahren mit 9 Stunden 25 Minuten gehalten, wurde
ſeser auf Aachen um 1½ Stunde auf 10 Stun=
inuten
geſteigert. Auch die ſonſt durchgeführten Flüge,
ein 10=Stundenflug Hakenjos und der 8=Stundenflug
ſtrnar, ſind bewundernswert.
keeutigen Morgen jedoch befand ſich die Waſſerkuppe wie=
ue
in Nebel gehüllt. Doch der unermüdliche Darmſtädter
ſchurptmann Jans ſtartete bereits um 5.30 Uhr, mußte
inen Flug nach 2½ Stunden infolge des un=
ſgen
Wetters abbrechen.
wen. Mittag hatte ſich der Nebel wieder verzogen und die
Nung konnte den Start freigeben. Die meiſten Flieger
urn Streckenflug über. Im Uebungswettbewerb waren
im ter, im Leiſtungswettbewerb 25 bzw. 40 Kilometer ge=
Der ſtarke, allerdings auch ſehr böige Weſtwind ermög=
En Start am Weſthang der Waſſerkuppe. Einige Flug=
lrngten
in kurzer Zeit bereits auf große Höhe über
Die am Vortag erreichten großen Höhen wurden noch

ſüdweſtlicher Richtung entfernt, machten Holzarbeiter eine über=
raſchende
Entdeckung. Sie fanden ein mächtiges Loch von etwa
drei Meter Durchmeſſer vor; ringsum waren Bäume wie nach
einem Blitzſchlag zerſplittert und geknickt. Einer der Arbeiter ſtieg
in die Grube und ſtieß auf einen Stein. Aller Wahrſcheinlichkeit
nach handelt es ſich um das Meteor, das kürzlich in der Pfalz
niedergegangen iſt.

* Tokſchlag in Mainz=Mombach.
Eine ſchreckliche Bluttat aus nichtiger Urſache ereignete ſich
am Montag in Mainz=Mombach. Der arbeitsloſe 30jährige Karl
Wienen tötete nach kurzem Wortwechſel den 23jährigen Kupfer=
ſchmied
Jakob Wenz durch einen Stich in den Nacken, der die
Halsſchlagader traf und den alsbaldigen Tod des Wenz zur Folge
hatte. Der Anlaß zu der ſchrecklichen Bluttat war die Tatſache,
daß der Erſtochene den Wienen wegen Beſchädigung ſeines Fahr=
rades
zur Rede ſtellte. Als die Polizei kam, hatte ſich der Wienen,
der ſchon öfters die Familie Wenz beläſtigt hatte, verbarrikadiert.
Er wurde aber ſofort überwältigt und fortgeführt. Nur mit Mühe
gelang es der Polizei, den Täter vor dem Zorn der ſich anſam=
melnden
Menſchenmenge zu ſchützen. Wienen, der als geiſtig
minderwertig bezeichnet wird, war erſt kürzlich wieder im Städt.
Krankenhaus zur Unterſuchung auf ſeinen Geiſteszuſtand unter=
gebracht
und erſt am Freitag entlaſſen worden. Wie die Eltern
des erſtochenen Wenz mitteilen, hatten ſie bei der Polizei ſchon
wiederholt gegen die Beläſtigungen des Wienen Einſpruch er=
hoben
.

ſn. Nach den bisher vorliegenden Meſſungen ſind.
t von zirka 700 Meter über der Waſſerkuppe erreicht
6igen Piloten des Uebungswettbewerbes gelang es, Stun=
Euszuführen. Hier iſt beſonders der 4=Stunden= Segel=
taners
auf Herta Junkers zu erwähnen, der eine
Im 600 Metern erreichte. Leider war ein Teil der zum
lu g abgegangenen Flugzeuge gezwungen, nach kurzer
Landung zu ſchreiten. Peter Riedl, der als erſter das
ſig biet der Waſſerkuppe verlaſſen hatte, legte eine Ent=
von
25 Kilometern zurück. Röhm auf Württemberg
Airſt den Thüringer Wald und konnte mit 47 Kilometern
t ſchöne Leiſtung vollbringen. Glück hatte ſein Lands=
ſtnzer
, der noch im Uebungswettbewerb fliegt, mit
hch=ührung eines 30=Kilometer=Segelfluges, womit er den
suiß für den Uebungswettbewerb erringen konnte.
ehleiner Reihe anderer Flugzeuge war auch Wolf Hirth
ſem Muſterle geſtartet, der gleichfalls in kurzer Zeit
bie erreichte. Ein Vorſtoß in weſtlicher Richtung miß=
ſeHer
das Aufwindgebiet zurückgekehrt, erreichte Hirth
aidlichem, tadelloſem Kurvenflug wieder ſeine alte Höhe.
t 200 Metern über der Startſtelle verließ er gegen 3 Uhr
ſicicher Richtung die Waſſerkuppe. Erſt gegen 20 Uhr
ei ſeine glatte Landung in der Nähe Trambach an der
Er hatte eine Flugſtrecke von 140 Kilometern zurück=
) ſich neben Röhm den Tagespreis für den Leiſtungs=
uro
geſichert. Was viel wichtiger iſt, er errang da=
de
Anwartſchaft auf den Fernſegelflug=
er
Rhön=Ausſchreibung, die eine Flugſtrecke
md ſtens 120 Kilometern verlangt und mit 2500 Mark
heamt wurden am heutigen Tage 34 Flüge durchgeführt,
wch die Zahl der Wettbewerbsflüge auf 318 erhöht.

tönberg weiht ſein neues Schwimmbad.

h2/00 Beſucher trafen ſich auf der Hildmannswieſe, wo
est uillwaſſerbad eine knappe Viertelſtunde vom Ort ent=
wiſchen
ſanften Hängen in Waldesgrün eingebettet liegt.
Mſtandsarbeit im Sentember vorigen Jahres begonnen,
ſyeitauſend Tagewerke nötig, um es zu erſtellen.
ia ſich die Bedeutung des Unternehmens im Rahmen der
eiteſchaffungspläne. Als Grundförderung wurden durch das
ndussheitsamt 6000 Mark bewilligt; die doppelte Summe iſt
gaßtſſem Zinsſatz von der Deutſchen Geſellſchaft für öffent=
ſthe
ten gegeben worden. Die Geſamtkoſten belaufen ſich
340 Mark. Bleibt für die Gemeinde für Verzinſung und
unorzditisn jährlich 1200 Mark zu leiſten. Selbſt in dieſem
iſetyyi wird die Einnahme aber an 2600 Mark betragen, ſo
Ae6 gml /00 Mk. in einen Reſerveſtock abgeführt werden können.
an üt, das Schwimmbad Grünberg iſt jetzt ſchon ein werben=
BAiev. Da braucht es nicht wunder zu nehmen, daß Bürger=
ſiſttr
)r. Mildner der die vielen Gäſte begrüßte nun
Gſtinde und auch ihre anfangs widerſtrebenden Kreiſe hin=
ſe
hm Werke ſehen darf.
*9gröffnungsfeierlichkeit hielt Oberſchulrat Haſſinger
müAufmerkſamkeit und großem Beifall aufgenommene Feſt=
ſpumſ
. Er ſprach davon, wie auch in Gemeinden mit einer
pflh berechtigten konſervativen Einſtellung ſich der geſunde
Uhalſche Gedanke, der in dem Streben nach gehobener Kör=
rkunt
iegt, durchſetzt. Ein arbeitendes und lebenswilliges
di olk Ahucht in allen ſeinen Teilen Geſundheit und muß überall
nagbrachten, die günſtigſten Bedingungen für die Erhaltung
ſetxeſundheit zu ſchaffen. Zugleich iſt dieſe vorbeugende Ab=
ehrtz
greſundheitlichen Schäden ein Beweis verſtehender Liebe
mANk. Den leitenden Männern in Stadtverwaltung und
indeil emWseieat gebührt der Dank der Jugend und der mit ihnen
n hihleun Alten und der Dank der ganzen Gemeinde. Worte der
min Leoffrut ind des Glaubens an Sendung und Zukunft von Hei=
tat
Fu) Baterland ſchloſſen die Feſtrede.
Kolgten weitere Anſprachen, und dann wickelte ſich in dem
uem emeindeſchwimmbad es faßt 5000 Kubikmeter Waſſer
letzte i0 knwiächt auch techniſch und in den dazu gehörenden Baulich=
4Uitezklim Anforderungen ein reges Treiben ab, an dem die
eſtl chwtnabteilung des Turnvereins 1846 Gießen die ſportlichen
den arlätngen und der Grünberger Muſikverein die muſikaliſche
ch Unteſttung bot.
Sißen, 26. Juli. Ein Sohn Gießens in Amerika
Aen. Einer der hervorragendſten Deutſch=Amerikaner der
wklyn, Otto Wißner, iſt im Alter von 80 Jahren geſtor=
onr
der Seniorchef und Gründer der Pianofirma Wißner
SAbtto Wißner wurde in Gießen als Sohn eines Architek=
Krem und kam im 16. Lebensjahr nach Amerika. Er er=
Lant die Klavierſabrikation und machte ſich dann ſelb=
oDder
Verſtorbene nahm ſtets regen Anteil an allem, was
r Wge Kultur in Amerika von Intereſſe war.

Ein Brigantenſtückchen auf dem Balkan.
Wie eine Bank zu Geld komml. Die Million im Ofenrohr. Wenn Bankdirekkoren dem Kunden Geheim=
niſſe
anverkrauen. Die überraſchken Bandiken. Wie Bankeinlagen aus den Büchern verſchwanden.
Das konnte ihm keiner nachmachen. Jeder Amerikaner war ſtolz
Die 3u unſtanoigen Büntoſteiidreil. darauf, in ein Theater zu gehen, das einen ſo gewaltigen Auf=

Hinten weit auf dem Balkan ereignete ſich nach tſchechiſchen
Zeitungsberichten ein ungewöhnliches Brigantenſtückchen, deſſen
Helden zwei Bankdirektoren waren. Wenn bei uns in dem ge=
ſitteten
Europa, eine Bank ſchief liegt, dann erfahren das die
Kunden gewöhnlich erſt in dem Augenblick, wo in den Schalter=
räumen
der Bank Zettel mit der Aufſchrift aushängen: Die
Schalter ſind vorübergehend geſperrt. Auszahlungen finden nicht
ſtatt! Dann weiß der betrübte Kunde, daß ſein Geld hin iſt.
Die vorübergehende Schließung der Schalter dauert meiſt bis
zum Konkurs. So iſt es in Europas übertünchter Höflichkeit.
Die Wilden in den abgelegenen Städten Bulgariens denken
offenbar anders. Kam da der alte Gregor Popoff auf ſeinem
morgendlichen Spaziergang an ſeiner Bank vorbei und beſchloß,
mal nachzuſehen, was die Geſchäfte machen. Ein tägliches Ge=
ſchwätz
mit den beiden befreundeten Bankdirektoren man
darf da allerdings nicht an moderne Großbankleiter denken
brachte immer Nutzen, denn man erfuhr von allerhand kleinen
oder großen Geſchäften. Die beiden Direktoren waren ihre
eigenen Chefs, Lehrlinge, Buchhalter, Prokuriſten, denn außer
ihnen gab es hier kein Perſonal. An dieſem Tage waren ihre
Stirnen ſorgengefurcht, denn die Weltkriſe machte ſich auch in
ihrer Bank geltend, und ſie flüſterten ihm vertraulich zu, daß
ſie Konkurs machen müßten. Popoff war erſchrocken, denn er
fürchtete für ſein Geld. Es war eine kleine, aber runde Million
Leva, die er dabei zu verlieren hatte. Aber die Bankdirektoren
beruhigten ihn. Wo werden ſie einem ſo alten und treuen Freund
die Stütze ſeiner Greiſenjahre rauben?! Nein, die Million lag
in guten Scheinen fertig gebündelt da und wartete auf ihren
Beſitzer, der ſie nur mitzunehmen brauchte. Das ließ ſich der
alte Popoff nicht zweimal ſagen. Er nahm das Geld und ver=
ließ
ſo ſchnell die Bank, daß er es entgegen ſeiner Gewohnheit
und Vorſicht nicht einmal nachzählte. Jeder Leva, den er aus
der Pleite rettete, war gewonnenes Geld. Er wunderte ſich nur
über die allzu große Anſtändigkeit der Bankdirektoren, die das
Geld ebenſo gut in der Maſſe hätten verſchwinden laſſen
können. Als er freudeſtrahlend nach Haus kam, war ſein Sohn,
ein Offizier, aus ſeiner Garniſon zum Sommerurlaub zu
Beſuch angekommen. Der Schatz wurde vorſichtshalber im Ofen=
rohr
verſteckt. Dieſe Vorſicht erwies ſich als höchſt notwendig.
In der Nacht wurde nämlich der alte Mann in ſeinem einſamen
Haus von zwei maskierten Banditen überfallen, die Geld woll=
ten
. Der Sohn hörte in ſeinem Stübchen den Lärm, nahm ſeinen
Armeerevolver und ſtürzte in das Zimmer wo er mit ſeiner
drohenden Waffe die Banditen in Schach hielt und überwältigte.
Als er ihnen die Masken abnahm, ſtellte es ſich heraus, daß
es die beiden Bankdirektoren waren. Sie hatten dem alten
Popoff das Geld nur zu dem Zweck gegeben, um es ihm in der
Nacht wieder zu rauben. Dadurch wäre dieſe Bankeinlage‟
dauernd aus ihren Büchern verſchwunden, ohne jedoch aus ihrem
Geldſchrank zu verſchwinden. Der Plan war fein ausgeklügelt.
Nur mit dem Beſuch des Sohnes hatten die beiden Ehren=
männer
nicht gerechnet. Und das war beſonders bei den Bank=
direktoren
ein Fehler, die ihre eigenen Buchhalter ſind, denn
bei ihnen muß die Rechnung ſtimmen. Jetzt ging dem alten
Popoff auch ein Licht auf, warum ſeine beiden Freunde allzu
anſtändig waren. Im Unterſuchungsgefängnis haben ſie nun
Zeit, darüber nachzudenken, wohin zu große Ehrlichkeit und
Freundſchaft führen können.

Der Schöpfer der Ziegfeld=Revuen.
Von Charles B. Miller.
(Florence Ziegfeld, der größte Showman der Welt. Er ent=
deckte
die amerikaniſche Schönheit. Der Schöpfer des Girls.
Er kreierte eine Weltmode.)
Florence Ziegfeld, der nach Zeitungsnachrichten im Ster=
den
liegt, war in ſeiner Art auf dem Gebiete der Kunſt eine un=
gewöhnliche
Erſcheinung. Er war nicht nur der größte Show=
nan
der Welt, ſondern er war auch ein Bahnbrecher, der ganz
neue Gebiete der Schaubühne erſchloß. Er war der eigentliche
Schöpfer der Revuen, die von dem New Yorker Ziegfeld=Theater
aus ihren Siegeszug durch die ganze Welt antraten. Er war
der beſte Kenner des amerikaniſchen Publikums. Er wirkte näm=
lich
weniger durch künſtleriſche Leiſtungen, als durch eine unge=
wöhnliche
Pracht, die überwältigte und erdrückte.
Er ſchuf das Teuerſte, das Größte‟ Seine Revuen koſteten
im Laufe von 10 Jahren 20 Millionen Dollar.

wand trieb. Dieſe Geldverſchwendung, dieſes Verſchleudern von
Millionen gab dem Ziegfeld eine Sonderſtellung. Wie die ame=
rikaniſchen
Millionäre vor dem Geſetz eine Sonderſtellung ein=
nehmen
, ſo hatten die Millionen=Revuen, Ziegfelds, Sonder=
rechte
. In ihnen durften nackte Mädchen in Maſſen auftreten,
und kein Menſch in dem prüden Amerika wagte es, daran An=
ſtoß
zu nebmen. Millionen ſtanden auf dem Spiel. Zugleich
verſtand es Ziegfeld, dem Volke zu ſchmeicheln. Er war gewiſſer=
maßen
der Schöpfer der amerikaniſchen Frauenſchönheit. In den
Revuen traten die ſchönſten Mädchen der Welt auf und Ame=
rika
war erfreut, daß es die ſchönſten Frauen der Welt beſaß.
Das Mädchen, das bei Ziegfeld engagiert wurde, hatte ſein Glück
gemacht. Es war zu Großem auserſehen. Die Filmfabriken und
Tanzbars riſſen ſich um die Ziegfeld=Girls, denn ſie waren große
Anziehungskräfte. Durch eine ungeheure Propaganda, die Mil=
lionen
koſtete, wußte er den Ruhm ſeines Unternehmens der Welt
zu verkünden. Er verſtand aber auch die Zeichen der Zeit. Er
war es der das Girl ſchuf, das jahrelang Bühne Film und
Mode beherrſchte. Es war das moderne junge Mädchen, wie es
die Männer lieben, das ſüße Geſchöpf, zart, anmutig, ſchwach und
hilfsbedürftig
Die ſtarken amerikaniſchen Männer, die am Tage nach dem
Dollar jagen brauchen zu Haus oder bei Geſellſchaften dieſes zer=
brechliche
Geſchöpf, das allerdings oft unter den Sammetpfötchen
Krallen hatte.
Wie ſehr Ziegfeld ſeine Zeit verſtand, geht daraus hervor,
daß er mit ſeinen Revuen und ſeinen Girls eine Weltmode
ſchuf.
Es war nicht nur Nachahmungstrieb, der auch Europa veran=
laßte
die Kunſtgattung Ziegfelds zu pflegen, die dem ermüdeten
Geſchäftsmann kurze Zeit der Entſpannung bot. Nur in unſerer
Zeit, wo der Kampf ums Daſein ſo furchtbare Formen angenom=
men
hat, konnte Ziegfeld ſo gewaltige Triumphe feiern. Er
brachte Zeitgeſchäfte, aber nicht in ſchwerfälliger, realiſtiſcher
Form, wie manche Dramen, die erfolglos blieben, ſondern in
anmutiger, ſpöttiſcher, luſtiger und koſtbarer Geſtalt. So bot er
jedem etwas, ſowohl dem, der auf der Bühne den Zeitgeiſt ſucht,
wie dem, der Ablenkung will. Er war der amerikaniſchſte Ame=
rikaner
. Er hatte nur eine Ueberzeugung: Geld verdienen.
Ueber äſthetiſche Bedenken und künſtleriſche Einwendungen lachte
er. Davon kann man ſich kein Stück Brot kaufen. Er hatte
einen Etat von 5 Millionen Dollar im Jahre. Zuerſt übernahm
er als 25=Jähriger das Trocadero=Theater in Chicago von ſei=
nem
Vater. Schon damals zeigte er, daß er ein Geſchäftsmann
erſten Ranges war. Das Theater, das unter ſeinem Vater un=
bekannt
war, wurde unter ihm der Geſprächsſtoff Amerikas. Die
Einnahmen verzehnfachten ſich ſchon im erſten
Jahr. Dieſer Methode blieb er bis zum Schluß treu. So wurde
er der große Manager, der größte Showman der Welt. In
ſeiner Jugend war Ziegfeld berühmt als Vortänzer der Cotillons
in Chicago, auch leitete er Liebhaberaufführungen eines feinen
Ruderklubs. Vor zirka 25 Jahren hat Ziegfeld ſeine Follies,
gegründet: Anna Held. Grace la Rue, Jeſſica Brown waren ſeine
erſten Stars. Von 1907 bis 1928 iſt die Ziegfeld=Follies=
Revue ſtets die hervorragendſte Bühnenproduktion ihres Jahres
geweſen, richtunggebend für die Revue=Direktoren der Welt.
1926 baute Ziegfeld das Ziegfeld=Theater in New York.

Weikervorausſage

für Norddeutſchland weſtlich der Oder, Weſt=, Mittel= und Süd=
deutſchland
(ohne Alpenvorland) für die Zeit vom 26. Juli bis
4. Auguſt 1932.
Herausgegeben von der Staatlichen Forſchungsſtelle für lang=
friſtige
Witterungsvorausſage in Frankfurt am Main.
Bei vorwiegend maritimer Luftzufuhr wird die Witterung
auch in den nächſten 10 Tagen noch unbeſtändig ſein, jedoch im
großen und ganzen beſſer als in der letzten Woche. Es werden
heitere, warme, im weſentlichen trockene Tage mit kühleren, be=
wölkten
, zu Regenfällen geneigten wechſeln. Dabei wird die
Niederſchlagshäufigkeit in Norddeutſchland etwas größer ſein als
in Süddeutſchland.
Frankfurt a. M., den 23. Juli 1932.
Wetterbericht der Heſſiſchen Wetterdienſtſtelle Gießen.
Nachdem durch die Südſeite des Britiſchen Druckfallgebietes
über unſer Gebiet eine Warmluftſtaffel hinweggezogen iſt, unter
gleichzeitiger Herbeiführung einer Wetterverſchlechterung, bricht
jetzt von Weſten her kühlere Luft ein Sie wird zu wechſelhaftem
Wetter führen, dabei gleichzeitig Gewitterſtörungen und Schauer
verurſachen. Die Temperaturen gehen etwas zurück.
Ausſichten für Mittwoch, den 27. Juli: Wechſelnd wolkig, auch vor=
übergehend
etwas aufheiternd gewitterartige Schauer, etwas
kühler, weſtliche bis nordweſtliche Winde.
Ausſichten für Donnerstag, den 28. Juli; Bewölkt und aufheiternd,
etwas beſtändiger, aber noch nicht ſtörungsfrei.

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Seite 8 Nr. 207

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Mittwoch, 27.

Engliſche Auskauſchſchüler wollen Deutſchland kennen lernen

Dus rundelteit W anafdedten.

Ein Berliner Schupo begrüßt die Austauſchſchüler bei ihrer Ankunft.
In der Reichshauptſtadt trafen jetzt 50 engliſche Austauſchſchüler und =Schülerinnen zu einem
mehrwöchigen Aufenthalt ein, bei dem ſie ihre Kenntniſſe über Deutſchland erweitern wollen.
Bemerkenswert iſt, daß die jungen Bürger Großbritanniens auch in Deutſchland nicht auf ihren
Lieblingsſport, das Tennis, verzichten wollen und ſo faſt alle ihre Rackets mitgebracht haben.

Die jugendlichen Infanteriſten in altbayeriſcher Uniform von 1870 im Feſtzug.
In der bayeriſchen Stadt Kaufbeuren fand wiederum das alt=hiſtoriſche Tänzel=Fe
bei dem diesmal eine wohlausgerüſtete ganze Armee kleiner Knirpſe durch die
der Stadt zog.

Reich und Ausland.
Schwerer Ankonnfall
der Wilwe des Prinzen Heinrich.

Prinzeſſin Irene von Preußen,
Witwe des Bruders des Kaiſers Prinz Heinrich,
erlitt auf der Rückfahrt von Doorn, bei Quick=
born
in Holſtein, einen ſchweren Autounfall,
wobei die Prinzeſſin und ihre Begleiterin ernſte
Verletzungen davontrugen.

600 Jahre Skadt Elville.
Ab. Eltville (Rhg.) Einer kaiſerlichen Ur=
kunde
zufolge, deren Original ſich im Münchener
Muſeum befindet, ſind es am 23. Auguſt d. J.
600 Jahre, daß Eltville vom Kaiſer Ludwig
(dem Bayer) mit der Wohlfahrt der Freiheit
ausgezeichnet wurde, den Ort mit Mauern und
Gräben ſowie anderen Befeſtigungen nach dem
Muſter der Stadt Frankfurt, umgeben und
ſichern zu dürfen. So kann auch das ſchöne
Städtchen Eltville in dieſem Jahre ſeine 600 jäh=
rige
Stadtfeier begehen..

Im Nebel gegen einen Baum geraſt.
Ein Toter, ein Schwerverletzter.
Dillenburg. In der Nähe der Ortſchaft
Sterzhauſen, Kreis Biedenkopf, fuhr in der Nacht
zum Dinstag infolge dichten Nebels das Auto
des Arztes Dr. Borbeck, aus Steinbrücken ( Dill=
kreis
), gegen einen Baum. Dr. Borbeck, der den
Wagen ſteuerte, erlitt einen Schädelbruch und
ſchwere innere Verletzungen und ſtarb bald nach
der Einlieferung ins Krankenhaus. Sein
Schwager trug ſchwere innere und äußere Ver=
letzungen
davon, jedoch hofft man ihn am Leben
zu erhalten.
Der Mann, der zuerſt den Eiffel=Turm
umflog, geſtorben.

Santos=Dumont,
der franzöſiſche Luftſchiffpionier, iſt 59 Jahre alt
geſtorben. 1901 gelang ihm mit ſeinem lenkbaren
Ballon die erſte Umfliegung des Pariſer Eifel=
turms
, was ihm einen Preis von nicht weniger
als 100 000 Goldfranken einbrachte.

Segerſcralſchin gäider gerenier!
Von der über 100 Mann ſtarken Beſahung werden noch 69 vermißl.
Elwa 40 Gerekkete. In 3 Minuken unkergegangen.

V0-½.
Eine unerklärliche Schiffskakaſtrophe.
Kiel, 26. Juli.
Die Nachrichtenſtelle der Reichsmarine teilt
mit: Heute nachmittag, 14.30 Uhr, iſt das Segel=
ſchulſchiff
Niobe der Reichsmarine in einer
Gewitterböe bei Fehmarn=Belt=Feuerſchiff ge=
kentert
. Die Boote des Feuerſchiffs haben ſich
ſofort an die Unfallſtelle begeben.
Auch der Dampfer Thereſe Ruſt meldet
ſeine Ankunft an der Unfallſtelle und ferner,
daß er 40 Gerettete an Bord habe. Die Ret=
tungsarbeiten
der Reichsmarine
ſind im Gange.
Amtlich wird mitgeteilt: Segelſchulſchiff
Niobe der Reichsmarine iſt heute nachmittag
öſtlich Fehmarn=Feuerſchiff in Gewitterböen ge=
kentert
. An Bord befanden ſich etwa 100 Mann,
von denen 40 bis jetzt von einem Dampfer ge=
rettet
ſind. Weitere Rettungsdampfer ſind an
der Arbeit. Eine Anzahl Schnellboote und
Kreuzer Köln ſind an die Unglücksſtelle be=
ordert
.
Zu dem Unglück des Segelſchulſchiffs Niohe‟
erfahren wir weiter: Die Niobe kenterte (in
einem ſchweren Gewitter infolge einer Böe, kurz
nachdem Do. X auf ſeiner Fahrt von Trave=
münde
nach Kiel dem Schiff begegnet war.
Der Untergang vollzog ſich ſehr
raſch, in etwa 3 bis 4 Minuten.
Die Niobe war eine Dreimaſtſchoner=Bark
von 600 Tonnen Waſſerverdrängung. Sie hatte
einen Motor von 240 PS. Die Beſatzung be=
ſtand
meiſt aus 6 Offizieren, 50 Offiziersanwär=
tern
, 18 Unteroffiziersanwärtern und 25 Stamm=
unteroffizieren
und Mannſchaften, zuſammen
alſo rund 100 Mann. Die Niobe befand ſich
auf einer Ausbildungsreiſe und war geſtern mit
über 100 Mann (Kadetten und Schiffsjungen)
in See gegangen, mit dem Ziel Warnemünde.
Sie ſollte Mitte September in ihren Heimat=
hafen
Kiel= zurückkehren. Kommandant war
Kapitänleutnant Ruhfuß. Die Niobe, die erſt
nach dem Kriege, in Dienſt geſtellt worden war,
hatte als erſten Kommandanten den bekannten
Grafen Luckner.
Ueber den Untergang der Niobe liegen
nähere Nachrichten zurzeit nicht vor. Dies dürfte=

Furchlbare Blukkal.

Breslau. Am Dienstag früh gegen
3 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr in Groß=
Ellguth (Kreis Oels) alarmiert. Es brannte
bei dem Sattlermeiſter Wilhelm Lindner ein
Schuppen nebſt kleiner Stallung. Da niemand
von den Bewohnern zu finden war, wurde die
Wohnungstür gewaltſam geöffnet. Den Eintre=
tenden
bot ſich ein furchtbarer Anblick. In der
einen Stube fand man die Ehefrau Johanna
Lindner nebſt ihrer Tochter, Frau Alborn, in
ihrem Blute liegend tot vor. Im Nebenzimmer
lag die 80 Jahre alte Pflegemutter des Lindner,
Frau Pauline Lindner, ebenfalls tot. Die Suche
nach dem Mörder blieb zunächſt erfolglos. Im
oberen Stock qualmte es aus allen Zimmern, da
die Wohnung an 10 bis 15 Stellen gleichzeitig
angezündet worden war. Es gelang jedoch, den
Brand bald zu löſchen. Auf dem Boden fand
man ſchließlich den Sattlermeiſter erhängt auf.

Schweres Autobus=Unglück.
Zehn Verletzte.
Wilhelmshaven. Ein Düſſeldorfer
Autobus, der mit 25 Sportlern beſetzt war, fuhr
geſtern früh auf der Landſtraße zwiſchen Ellenſer=
damm
und Steinhauſen gegen einen Baum. Zehn
Sportler wurden verletzt.

darauf zurückzuführen ſein, daß die an den Ber=
gungsarbeiten
zunächſt beteiligten Schiffe zum
großen Teil eigene Funkanlagen nicht an Bord
haben.
Unter den bisher Geretteten befindet ſich der
Kommandant des Schiffes, Kapitänleutnant
Ruhfuß. Ueber das Schickſal der Vermißten
verlautet nichts; doch kann damit gerechnet wer=
den
, daß zahlreiche Mitglieder der Beſatzung
durch die Boote des Feuerſchiffs Fehmarn=Belt
gerettet wurden. Nach dem Abzug des Gewit=
ters
iſt eine Beruhigung des Wetters eingetre=
ten
, ſo daß die Ausſicht beſteht, daß ſich weitere
Schiffsangehörige durch Schwimmen längere Zeit
über Waſſer halten konnten, bis ihnen Hilfe zu=
teil
wurde.
Von der Seeflugſtation Holtenau ſind zwei
Flugzeuge an die Unfallſtelle abgegangen.
Den Hergang des Unglücks kann
man ſich in Marinekreiſen kaum
erklären. Es beſteht nur die eine Möglich=
keit
, daß eine plötzlich vom Lande her anrollende
Gewitterböe die Niobe erfaßt und niederge=
drückt
hat, ehe es gelungen war, die vollaufge=
brachte
Leinwand zu bergen. Nur ſo iſt das
Unglück des Schulſchiffes denkbar.
Das Schulſchiff Niobe iſt eine 650 Tonnen
große, dreimaſtige Schoner=Bark mit Motor, die
1899 auf der Weſerwerft in Bremen gebaut
wurde und nach gründlichem Umbau in den
Jahren 1922 und 1923 von der Reichsmarine als
Schulſchiff für Seekadetten und ſeemänniſche
Unteroffiziersſchüler in Dienſt geſtellt wurde. Es
iſt 46 Meter lang, 9,2 Meter breit und hat
4,8 Meter Tiefgang.
Der Dreimaſtſegler Niobe iſt das Schul=
ſchiff
der Reichsmarine, auf dem die Kadetten
undUnteroffizieranwärter ſeemänniſch ausgebildet
werden. Die Niobe kreuzte gewöhnlich in den
Gewäſſern der Oſtſee; ſie hat wiederholt ſkandi=
naviſche
Häfen, einmal auch den ſpaniſchen Ha=
fen
Santander beſucht.
Wir erhalten bei Redaktionsſchluß noch fol=
gende
Drahtnachricht: Der Kreuzer Köln hat
jetzt die von dem Dampfer Thereſe Ruſt geret=
teten
Ueberlebenden des untergegangenen Schul=
ſchiffs
Niobe an Bord genommen. Außer dem
Kommandanten iſt ein weiterer Offizier, Ober=
leutnant
zur See Lott, gerettet. 69 Schiffsange=
hörige
werden vermißt. Mit ihrem Tode muß
gerechnet werden.

Gronau auf Labrador.
London. Der deutſche Ozeanflieger Wolf=
gang
von Gronau traf, wie aus St. John ( Neu=
fundland
) gemeldet wird, am Montag, um
22.45 Uhr MEZ., in der Bucht von Cartwright,
an der Oſtküſte von Labrador, ein.

Helmut Hirth von einem Propeller
ſchwer verletzt.
Stuttgart. Der bekannte Flieger und
Flugmotorenkonſtrukteur Helmut Hirth erlitt
im Flughafen Böblingen am Montag abend
einen ſchweren Unfall. Beim Ausprobieren
eines neuen Flugzeugmotors, der beim Europa=
flug
verwendet und in ein Großflugzeug einge=
baut
werden ſollte, kam Hirth plötzlich dem an=
laufenden
Propeller zu nahe. Dabei wurde
Hirth ein Unterarm abgeſchlagen. Der Flieger
wurde ſchwer verletzt in das Böblinger Kranken=
haus
geſchafft. Nur dem Umſtand, daß er mit
dem Kopf außer Reichweite des Propellers war,
hat Hirth es zu verdanken, daß er am Leben
blieb.
Maſſenvergiftung durch Blauſäure.
Amſterdam. In der javaniſchen Regent=
ſchaft
Tjilatjap erkrankten 184 Eingeborene
nach dem Genuß von Sojabohnenkuchen infolge
von Blauſäurevergiftung. Bisher ſind 23 Per=
ſonen
geſtorben.

Geheimrat Hammerſchn
Plökliches Ableben des Vorſik.
des deutſchen Sängerbund
Frankfurt a. M. Nach glücklie
ſchluß des Frankfurter Sängerfeſtes iſt
dienſtvolle Vorſitzende des Deutſchen
bundes, Geheimrat Hammerſchmidt, a
Wohnſitz in München infolge eines Schl=
kurz
nach Vollendung ſeines 70. Lebe=
plötzlich
verſchieden. Vorgeſtern abend .
ſident Dr. Hammerſchmidt, der früher
Bayeriſchen Landtag angehörte, in
Laune vom Sängerfeſt in Frankfurt au
rückgekehrt. Die Beiſetzung von Dr.
ſchmidt erfolgt am Donnerstag auf de=
chener
Oſtfriedhof.
Eit Beinhom wieder in der 41

Elli Beinhorn,
die mutige deutſche Langſtreckenfliegerin.
von ihrer Weltreiſe nach Deutſchlande
gekehrt. Ihre viele Monate dauerndo.
führte ſie zuerſt nach Auſtralien und ſan
über die ſchwierigſten Strecken Süda
(Frühere Aufnahme.)
*
Elly Beinhorn beendigt ihren Welt.,
in Berlin.
Hannover. Nach mehr als ein.*
Abweſenheit traf die deutſche Weltfliege*
Beinhorn geſtern vormittag, von Brem-
mend
, mit ihrem Flugzeug in ihrer Val=
Hannover ein. Zu ihrem Empfang hatte
dem Flugplatz, neben den Spitzen der Bi
Vertretern der örtlichen Luftfahrt= undd=
verbände
, eine rieſige Menſchenmege er
den, die ihrer berühmten Landsmännl
jubelnden Empfang bereiteten.
Die deutſche Weltfliegerin Elly 2
iſt geſtern nachmittag 5 Uhr mit ihrem
Flugzeug, von Hannover kommend, aud
Tempelhofer Flugplatz eingetroffen, wo
vielen Vertretern der Behörden, zal
Sportfliegern und einer großen Menſche,
begeiſtert begrüßt und gefeiert wurde.
men des Aeroklubs ſprach Major a. D. .
der heimgekehrten Fliegerin die hee
Glückwünſche aus. Sie habe durch ihre
ragenden Flugleiſtungen mit dazu beig."
den deutſchen Namen in der Welt wie*
Achtung und Geltung zu bringen. Eun
horn erwiderte mit einigen kurzen Danl‟
ten, indem ſie immer wieder ihrer Fre‟
den herzlichen Empfang Ausdruck gab.

[ ][  ][ ]

Foch, 27. Juli 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 207 Seite 9

Ein Besuch ber Arthur tonath.
Glauben Sie, daß es gut iſt, daß Sie ſchon frühzeitig in
Unſer ſchnellſter Sprinker.
Hochform ſind? Wir befürchten, daß Sie im Auguſt übertrainiert
ſein werden.

Copyright 1932 by DSK.=Verlag. Kaſſel.
Unberechtigter Nachdruck verboten.
Jonath iſt heute unumſtritten Deutſchlands ſchnell=
nter
. In der Liſte ſeiner Erfolge ſtehen Siege über
Kurzſtreckenläufer der Welt. Er iſt augenblicklich in
gir und eine große Hoffnung Deutſchlands für die Olym=
zäele
in Los Angeles. Sein 100=Meter=Lauf in 10,3
ſHat in der Welt allgemeines Aufſehen erregt.
nicht leicht, Jonath zu einem Interview zu bewegen.
ſirgt, es iſt überhaupt nicht möglich wenn nicht ein
Zufall zu Hilfe kommt. Und darauf muß ein findiger
(bonniert haben. Was kann zurzeit mehr intereſſieren,
dem Munde Jonaths etwas über ſeine Ausſichten für
les und auch einiges über ſeine ſportliche Laufbahn zu
ſths Wirtin, ſichtlich erſtaunt über meine perfekte Vor=
wede
, führt mich in ein geräumiges, großes Zimmer. Ich
icht helfen, alle möblierten Zimmer haben ein Schema.
chich beginnt ſie zu ſprechen. So ruhige, ſolide Mieter
nderr Jonath fände man ſelten. Mir gefriert das Rücken=
uder
Stelle Vorſchußlorbeeren auf Anzahlung. In Jo=
aube
iſt nichts, was erkennen läßt, daß hier ein berühm=
mter
wohnt.
hgens um 7 Uhr fange ich an zu wecken, hörte ich die
tingeden. Der Herr Jonath habe einen geſunden Schlaf.
mulich dreimal klopfen Ich werde ſitzen bleiben. bis Jo=
hmt
. Bei meiner Seele, das werde ich. Und abends
fhr geht er meiſt zu Bett wurde mir mitgeteilt
Aölich, ſehr liebenswürdig iſt die Wirtin. Sie ſpricht ſehr
tramsvoll. Was haben wir ſchon für gemütliche Abende
lehſt Ter Herr Borchmeyer, der auch unerhört ſolide iſt (Ja=
6l. 4bagte ſie) kommt ſehr häufig, dann gibt es nette Unter=
turg
beſonders im Winter ſpielen der Herr Jonath und der
er röchmeyer, mein Mann und mein Neffe, der ein Arbeits=
Herrn Jonath iſt, oft den ganzen Abend Skat oder

Es iſt ein ganz nettes Sümmchen oft dann wird ein
llicſye Abend gemacht.
5ſingt die Ouvertüre.
Wgmich ſofort an Arthur Jonath beeindruckt, iſt die Ruhe.
eknäſein will ich es nennen. Er iſt, ich muß es ſagen, ein
z güncher Menſch im beſten Sinne des Wortes. Er iſt, was
ungpathiſch nennt, und ich kann mir vorſtellen, daß Jonath
vanglicher Kamerad ſein muß.
Aluur Jonath iſt am 9. September 1909 in Bentrop ( Weſt=
n
)uvuren. Die Jugendzeit verlebte er aber in Dortmund.
a er Krieg über Europa ſtand, war er in Swinemünde an
Huen Sie als Junge ſchon Sport getrieben?, frage ich
iatlg er mir gegenüberſitzt.
Boxer wollte ich werden.
Mit 14 Jahren fing ich gn. Ich hatte großen Spaß am
genn Ve oft habe ich in der Dortmunder Weſtfalenhalle den
käuznen mit großer Begeiſterung zugeſchaut. Ich meldete mich
indctmunder SC. 95 an. Boxen wollte ich lernen.
A0 auch die Dortmunder Leichtathleten, an ihrer Spitze
Laur Saß, hatten es mir angetan.
An Sie als Jugendlicher ſchon nennenswerte Leiſtungen
ſwar unter den jugendlichen Leichtathleten der ſchnellſte
M 16=Jähriger lief ich die 100 Meter in 11.4. Ein Jahr
ter tſichte ich es wiederholt auf 11 Sekunden. So viel ich
h eſenern kann, habe ich auch einmal die 200 Meter in 22
zpufen
hKlubkamerad Borchmeyer ſagte mir, Sie ſeien auch ein
Finger.
ſie nicht mehr ſo wie vor 6 Jahren. Damals habe ich
ſichrung 1,68 Meter und im Weitſprung 6,60 Meter be=
MſtSberſekundareife verließ Jonath die Schule und ging
dietEeindrucklehre. Buchdruckerei und Zeitungsweſen hatten
n igzen Eindruck auf ihn gemacht
Aſten trieben Sie intenſiv Sport?
S/ 1926 habe ich die Sache ernſt genommen. Immer ſtär=
zogl
e mich zur Leichtathletik. Später ſtellte ich meine ganze
zeyelttion auf das Laufen ein.
Len Sie gleich kurze Strecken?"
Erſt 1500 Meter, dann kurze Strecken.
Mein erſtes Rennen 1926 ging über 1500 Meter.
ün Waldlauf. Ich gewann mit großem Vorſprung in
nuen, hatte aber ſo ſtarke Wadenſchmerzen, daß ich be=
ᛋü wieder ſo lange Strecken zu laufen.
Sſchrben ſchon viele Erfolge gehabt, Herr Jonath. Welches
nMIhr ſchönſter Lauf?
Ahſt furchtbar ſchwer zu ſagen. Meine ſchwerſten Läufe
d debeſten. Ich möchte faſt ſagen: Der Endlauf über 200
eter40 den Deutſchen Meiſterſchaften voriges Jahr in Berlin
r miſt ſchönſtes Rennen.
A.Spürde mich intereſſieren, zu wiſſen, in welcher Stadt Sie
lielden ſtarten.
Rchuldigen Sie, aber das iſt mir ganz gleichgültig. Ob
noß oder klein, im In= oder Ausland iſt, iſt mir egal.
ech gar nichts. In den Städten, die den Vorzug haben,
Ahren zu beſitzen, gehe ich am liebſten an den Start.
Abem Sie ſonſt noch Sport?
4Boxen. Und wenn Sie es wiſſen wollen . . . Menſch
gere)ih nicht.
Wie trainieren Sie?
hWinter betreibe ich immer etwas Gymnaſtik. Methode
aitze ynd Boxen. Einmal in der Woche unternehme ich einen
5 Aldlauf. Ich laufe ganz leicht und achte hauptſächlich
Murnig.
Muie bringen Sie ſich in Form?"
Abenutze die erſten Wettkämpfe gewiſſermaßen als Trai=
eng
. 4 Ahr wie um den Sieg und Zeit iſt es mir erſt um rich=
Aſſung wieder zu tun Zwiſchenſpurts und Auspendeln
zngen ann wieder das Gleichgewicht, welches im langen Win=
veVlen
ging.
50 Frühjahr trainiere ich zweimal die Woche. Komme ich
Foſch nur noch einmal. Ich lege dann beſonderen Wert auf
il uclhaltung.
Wahs Training iſt ganz ſyſtematiſch aufgebaut: Ein 400 letepäuf zu Beginn in etwa 65 Sekunden macht mit der Wit=
fung
riraut. Lockerungs= und Atmungsübungen folgen. Ein
Neiggnigs lauf über 150 Meter wird eingelegt. Dann beginnt
onatzA iſt. Schreit=Gymnaſtik Traben, Hochreißen des Ober=
Weentekund Schwenken des Beines auf der Stelle. Etwa 10
W S Allarts bis 30 Meter dürfen nicht fehlen. Zum Abſchluß
ſemmiß hann einen Steigerungslauf bis 250 Meter vor Alles
Ilungsanzug. Ein Brauſebad beſchließt das Training.

Al Fauf erſcheint Jonaths Figur weder ſonderlich groß
ſch ſakallös. Bei einer Größe von 1,77 Metern fällt, die
ärkae yer Schenkel beſonders auf, die wie die Beine wohl=
forwang
proportioniert ſind. (Jonath wiegt 75 Kg.) Keine
nendert
Erregung verraten ſeine Geſichtszüge, wenn er läuft.
lällimmer aufgerichteten Körpers mit exakten, gleichmäßi=
T BRgungen. Vor allem iſt die abſolute Gleichmäßigkeit
g Grittlänge erſtaunlich. Hier offenbart ſich das Geheim=
ſeilty
Erfolge.
ShVhs Wirtin bringt Kaffee, und ich benutze dieſe Ge=

genhls mich nach ſeinen Mahlzeiten zu erkundigen. Jonath
Dorzgn zäel Milch= und Süßſpeiſen, hält friſches Gemüſe und
oſt 4Aür den Körper und verachtet vor allem Eier und
AuttenEiche.,
F Dir bedenken, daß Jonath erſt 23 Jahre alt iſt müſſen
ur ihlmie große Zukunft vorausſagen. Seine Moral iſt ebenſo
unda 1 ſein Körper. Beſtimmtheit und Wille leuchten aus
inen ägen, als ich frage:
Was halten Sie von Los Angeles?
Aglaube, daß wir mit unſerer kleinen Expedition ehren=
M bishen werden. In den Sprinterſtrecken jedenfalls werden
er eiAimſtes Wort mitreden. Rekordmeldungen von drüben
ufengit. Wenn die Amerikaner 10 4 und 20,6 laufen, dann
mers i: m Hauſe und ohne ausländiſche Beteiligung.

Ich habe nicht die Abſicht gehabt, ſchon ſo früh fit zu ſein.
Trotz der kurzen, kaum genügenden Trainingszeit bin ich erſtaun=
lich
ſchnell in Form gekommen. Ich freue mich, daß meine Lei=
ſtungskurve
ſo gleichmäßig zu den Vorjahren iſt. Ich habe keine
Befürchtung wegen Uebertraining. Die Fahrt über das große
Waſſer iſt eine gute Zwangspauſe und tut beſtimmt wohl.
Paddock ſchrieb einmal, die ſchweren, aufeinanderfolgenden
Starts machen hart. Was ſagen Sie dazu?
Schwerlich. Die Nerven leiden doch. Mzine Nerven ſind
wohl noch ſtark; aber es iſt falſch, zu glauben, daß man durch
viele ſchwere Starts olympiareif wird, wie Kern im Düſſeldor;
fer Mittag und im Hamburger Fremdenblatt behauptet hat.

Sie haben viele nervenaufreibende Vor= und Zwiſchenläufe
zu erledigen, Herr Jonath.
Schon recht. Aber die Läufe ſind gut verteilt. Und die
Konkurrenten müſſen ſie ja genau ſo gut durchmachen wie wir.
Sie ſtarten vor einem Publikum, das für die Amerikaner
große Rückendeckung ſein wird.
Das iſt mir gleich. Beim Laufen höre ich nichts. Es gibt
nur eine Konzentration für mich: du mußt!
Es wird natürlich auch viel darauf ankommen, wie Sie ſich
drüben akklimatiſieren werden.
Ja. natürlich. Ich hoffe und wünſche, daß ſich das Klima
dort nur günſtig für uns auswirkt.
Viel wird auch davon abhängen, wie die deutſche Expedition
die Ueberfahrt beſteht, meint Jonath. Doch müſſen die übrigen
europäiſchen Teilnehmer genau dieſelbe Reiſe mitmachen. Da
das Eſſen von einem deutſchen Koch hergerichtet wird, hat es
hierin keine Bedenken.
Was halten Sie von den Staffeln, Herr Jonath?"
Die 4X100=Meter=Staffel kann ſiegen, wenn ſie einiger=
maßen
gut eingelaufen iſt.
Platzſchancen hat ſie auf alle Fälle. Natürlich kann Unvorher=
geſehenes
alles über den Haufen werfen: Sturz. Stabverluſt,
Uebertreten der Wechſelmarke. Ganz einwandfreie Stabübergabe
halte ich für das Ausſchlaggebende.
Jetzt, nachdem Jonath Schlag auf Schlag die beſten Läufer
hinter ſich gelaſſen hate fängt er an, ſich über ſeinen eigenen
Wert Rechenſchaft abzulegen. Aber ſeinen Charakter kann dieſe
Notwendigkeit nie nachteilig beeinfluſſen. Im Gegenteil! Die ge=
waltige
Popularität, die Jonath zurzeit genießt, macht ihn nach=
denklich
. Er denkt viel in ſeinen ruhigen Stunden über die Hal=
tung
der Menge nach, und ſein Innerſtes ſträubt ſich dagegen,
alle Ovationen für bare Münze zu nehmen.
Am 30. Juli wird im Stadion zu Los Angeles die Flagge
mit den fünf Ringen gehißt. Die deutſchen Fahnen werden wehen.
und mit einer feierlichen Zeremonie, in deren Mittelpunkt die
Ablegung des olympiſchen Eides ſteht, werden die 10. Olympi=
ſchen
Spiele eröffnet. Dann werden auch die Augen Jonaths
leuchten. Er darf mit dabei ſein. Er darf für Deutſchland ſtrei=
ten
. Fragen Sie ihn, wann er der glücklichſte Menſch ſein wird.
und er wird Ihnen ſagen: Wenn am Siegesmaſt die deutſche
Fahne wehen wird und Tauſende das Deutſchlandlied ſingen.
Wir hoffen auf dich, Arthur Jonath. K. B. Wierſch.

Olympiſche Spiele.
Vorläufige Leichkathlekik Meldungen.
Unſer Berichterſtatter erfährt auf Grund einer Privat= Infor=
mation
, daß für die leichtathletiſchen Wettbewerbe der 10. Olym=
piſchen
Spiele 35 Nationen insgeſamt 586 Meldungen abgegeben
haben. Auf die Konkurrenzen der Männer entfallen 519, auf die
Wettbewerbe der Frauen 67 Nennungen. Die meiſten Meldungen
gab Amerika mit 81 ab; es folgen dann Braſilien mit 51, Japan
mit 49, Finnland mit 44, Deutſchland 42, Kanada 38, England
und Argentinien je 31, Frankreich 24, Mexiko 22, Griechenland 19,
Schweden 18, Italien 16, Auſtralien, Polen und Südafrika je 12,
Neuſeeland 11. Holland und Kuba je 8, Norwegen, Irland und
Ungarn je 7. Indien und Tſchechoſlowakei je 6, Schweiz 5, China,
Honolulu und Lettland je 3, Portugal, Dänemark und Eſtland mit
je 2 Meldungen, während Oeſterreich, Ecuador, die Philippinen
uad Columbien nur je einmal vertreten ſind.
Auf die einzelnen Wettbewerbe verteilen ſich die Meldungen
wie folgt: 100 Meter:36, 200 Meter: 40, 400 Meter: 35, 800
Meter: 23, 1500 Meték: 31, 5000 Meter: 29 10 000 Meter: 27,
Marathonlauf: 33. 3000 Meter=Hindernislaufen: 24, 110 Meter=
Hürden: 22, 400 Meter=Hürden: 17. 50 Klm.=Gehen: 16. Hoch=
ſprung
: 22, Weitſprung: 20, Dreiſprung: 7 Stabhochſprung: 9,
Speerwerfen: 16. Diskuswerfen: 24, Kugelſtoßen: 20, Hammer=
werfen
: 18, Zehnkampf: 20. 4X100 Meter und 4X400 Meter=
Staffel: je 10. Frauer: 100 Meter: 21. 80 Meter=Hürden: 10.
Hochſprung: 10. Diskuswerfen: 10. Speerwerfen: 10, 4mal100
Meter: 6.
Leichkakhletik.
SC. Viktoria Griesheim.
Der am Sonntag ausgetragene Leichtathletiſche Klubkampf
gegen Rot=Weiß Darmſtadt endete mit 40:40 Punkten
unentſchieden. Die leider nicht allzu zahlreich erſchienenen Zu=
ſchauer
wurden durch ſpannende Kämpfe gefeſſelt, die wohl ſicher
der ſchönen Leichtathletik neue Anhänger zuführten. In den
Läufen waren die Gäſte tonangebend, während in den Sprung=
und Wurfkonkourrenzen die Griesheimer ein kleines Plus zu
verzeichnen hatten. Die Reſultate (RW. Rot=Weiß. G.
Griesheim)
100 Meter: 1. Griesheimer=RW. 11,8 Sek.: 2. Förſter=G. 11.9
1500
Sek: 3. Heß=G. 12 Sek 4 Naumann=RW. 12,6 Sek.
Meter: 1. Kürſchner=RW. 4,568 Min.: 2. Borger=RW. 4,572 Min.;
3. Feldmann=G., 4. Happel=G. 4X100=Meter=Pendelſtaffel:
1. Viktoria=G. (Rot=Weiß diſtanziert). Olympiſche Staffel:
Rot=Weiß=D.; 2. Viktoria=G. Kugelſtoßen: 1. Wurzelmeier=
RW. 11,50 Meter; 2. Guttandin=RW. 10,70 Meter; 3. Höhl=G.
10,25 Meter; 4. Bannov=G. 9,25 Meter. Hochſprung: 1. Mayer=
RW. 1,58 Meter; 2. Schöneberg=RW. 1,53 Meter; 3. Bannov=G.
1,48 Meter: 4. Schick=G. 1.43 Meter. Weitſprung: 1. Höhl=G.

6.10 Meter: 2 Schecker=G. 602 Meter: 3. Weber=RW. 5,75 Meter:
4. Guttandin=RW. 5,55 Meter. Speerwerfen: 1. Schecker=G.
40,95 Meter: 2. Höhl=G. 34,47 Meter; 3. Guttandin=RW. 34,35
Meter; 4. Mayer=RW. 32,50 Meter Diskuswerfen: 1. Schecker=
G. 33,46 Meter: 2. Höhl=G. 28 78 Meter; 3. Guttandin=RW.
30,37 Meter; 4. Wurzelmaier=RW. 27,88 Meter.
DeutſcheLeichtathletinnen werden ſich am 7. Auguſt
in Brüſſel an einem inoffiziellen Fünfländerkampf zwiſchen Hol=
lan
,d Frankreich, England, Belgien und Deutſchland beteiligen.

handball im Odenwaldgan der 9.3.
Aufſtiegſpiel: Reinheim 1.Steinbuch 1. 7:2 (2:2).
Groß=Zimmern 2.Altheim 1. 6:4 (3:3). Lengfeld 1.Semd 1.
7:4. Groß=Bieberau 2.Klein=Zimmern 1. 1:8 (1:5). Spach=
brücken
1.Kirch=Brombach 2 14:3 (5:3). Schaafheim 1. Schlier=
bach
1. 11:4 (4:1). Böllſtein 1.Fränk.=Grumbach 1. 13:1 (5:1).
Ein harter Aufſtiegkampf in Reinheim, den der Platzverein
durch größere Schnelligkeit verdient gewinnt. Die körperlich ſtär=
keren
, aber langſameren Gäſte ſind im Nachteil. Die Hinter=
mannſchaft
ſpielt die Bälle nicht ab. Reinheim, in allen Reihen
gut beſetzt, liegt dauernd im Angriff und iſt überlegen. Aus=
dauer
und Schnelligkeit hinterlaſſen einen ſehr guten Eindruck.
Reinheim ſteigt damit zur Meiſterklaſſe auf.
Altheim lag bald 3:0 in Führung. Dann deckte Groß= Zim=
mern
gut ab und taute überraſchend auf. Die rechte Sturmſeite
lieferte ein großes Spiel und nutzte jede Gelegenheit. Altheim,
in der zweiten Hälfte planlos, verſchoß auch viel. In Lengfeld
ſtand das Spiel ganz im Zeichen des Platzvereins. Durch zu
weites Aufrücken kam Semd zu Erfolgen. Klein=Zimmern
ſpielte überlegen und ſchoß bald 4 Tore. Groß=Bieberau ver=
ſuchte
, durch Härte das Spiel zu halten. Rechter Verteidiger
und Spielführer!! taten ſich beſonders hervor. Das Treffen
in Spachbrücken verlief bei verteiltem Feldſpiel bis zur Pauſe
ſehr ſchön. Nach dem Wechſel hatten die Platzherren leichtes
Spiel und ſchoſſen nach Belieben Tore, zumal der Gegner leicht=
ſinnig
wurde und der Tormann ſchlecht hielt. In Schaafheim
waren die Gegner recht eifrig. Das Spiel war ſchnell, aber auch
hart, ſo daß Verwarnungen nötig waren, Schlierbachs Sturm
war nach der Pauſe beſſer. Das Abwehrtrio jedoch verſagte.
Kein beſonders ſchönes Spiel in Böllſtein. Bei verteiltem Spiel
entſpricht das Ergebnis nicht den gezeigten Leiſtungen. Frän=
kiſch
=Grumbach nützt noch nicht die Gelegenheiten vor dem Tor
und vergißt das Schießen. Einige Böllſteiner ſollten das Mund=
werk
beſſer im Zaume halten. Man kommt damit nicht zu Er=
folgen
.
Am kommenden Sonntag ſpielen: HeubachGundernhauſen,
3.30 Uhr. 2. Mſch 2.15 Uhr Groß=UmſtadtReinheim. 3.15
Uhr. 2. Mſch. 2 Uhr. Kirch=Brombach-Lengfeld 3 Uhr Semd
Reinheim 3.. 3,30 Uhr. Steinbach 2.Beerfelden, 2 Uhr.
SchaafheimMomart, 3,30 Uhr 2. Mſch. 2,15 Uhr. Groß= Zim=
mern
-Jahn Grün=Weiß Frankfurt, 4 Uhr. KönigPfungſtadt,
3.30 Uhr. 2. Mſch. 2 Uhr. Altheim-Klein=Umſtadt, 3,30 Uhr.
ZellSteinbuch, 2.45 Uhr. 2 Mſch. 1,30 Uhr. Fränk.=Grumbach
Privatſchule Singer Darmſtadt, 3 Uhr. Klein=ZimmernOber=
Roden, 3 Uhr.
Am Samstag, dem 30. Juli, abends 6.30 Uhr ſpielen
im Erbacher Sport= und Erholungspark Erbach Michel=
ſtadt
.
6. Nalionales Sporkfeſt der Sp.Bgg. Arheilgen
im Dienſte der Hochwaſſergeſchädigten.
Wieder iſt ſchweres Unglück hereingebrochen, und wieder gilt
es zu helfen. Noch iſt das gute Werk aller Sportvereine des
Süddeutſchen Verbandes, die fur die Winterhilfe Spiele austru=
gen
und große Geldbeträge zur Verfügung ſtellten, in angeneh=
mer
Erinnerung. Auch diesmal ſtellt ſich die Sportvereinigung
Arheilgen in den Dienſt der guten Sache und will helfen, um die
Not, die durch das Hochwaſſer, das gerade in Arheilgen beſonders
großen Schaden anrichtete, entſtanden iſt, zu lindern. Obwohl
auch die Sportvereinigung wie jeder andere Sportverein in finan=
zieller
Hinſicht ſchwer zu kämpfen hat und viele Wünſche zurück=
ſtellen
muß, faßte die Vereinsleitung einſtimmig den Beſchluß,
mit gutem Beiſpiel voranzugehen und die Einnahmen des Sport=
feſtes
für obige Zwecke zur Verfügung zu ſtellen. Es ſei deshalb
ſchon heute nicht nur an die Arheilger Bevölkerung, ſondern
auch beſonders an die Darmſtädter die herzliche Bitte gerich=
tet
, das Sportfeſt zu beſuchen. Auf den ſportlichen Teil des=
ſelben
kommen wir in den nächſten Tagen noch zurück. Es wäre
zu wünſchen und zu hoffen, daß wir am Montag nicht nur von
einem guten Verlauf des Feſtes ſondern auch von einem guten
finanziellen Ergebnis berichten können.

Deutſche Tennisſiege gäb es in Schweden. Hilde
Krahwinkel ſiegte zuſammen mit Miſter G in Baſtad über das
Ehepaar Petterſon 6:4, 6:2. während Dr. Deſſart mit der Schwe=
din
Eſſen über das Ehepaar Ramberg 6:2, 3:6, 9:7 ſiegreich blieb.
Spielerſpeſen ſind nach einer Entſcheidung des Reichsfinanz=
miniſteriums
ſteuerfrei. Ein diesbezügliches Verfahren gegen
Hertha=BSC. Berlin wurde deswegen eingeſtellt.
Das Feldberg=Tennisturnier im Schwarzwald
wurde am Montag mit dem Herreneinzel abgeſchloſſen. Im Finale
chlug der Schweizer Ellmer den Freiburger Weihe mit 6:2. 6:2, 6:2.

Geſchaftliches.

Neue Rekordfahrt des Ford=8=Zylinders.
Am 2. Juli fuhr ein Ford=8=Zylinder um 4.30 Uhr morgens
vom Nordeingang der Avus, Berlin, ab und nahm ſeinen Weg über
Leipzig, Hof, Nürnberg, Ingolſtadt nach München. Die zurückge=
legte
Strecke betrug 641 Kilometer. Der Ford=8=Zylinder brauchte
hierzu nur 7 Stunden 40 Minuten, legte dieſe Strecke alſo mit
einer Durchſchnittsgeſchwindigkeit von 84 Kilometern pro Stunde
zurück. Der FD=Zug benötigt zur Bewältigung derſelben Strecke
8 Stunden 52 Minuten. Abfahrt und Ankunft des Wagens wur=
den
amtlich beſtätigt. Dieſe Rekordfahrt zeigt wiederum die er=
ſtaunliche
Leiſtungsfähigkeit des neuen Ford=8=Zylinder=Modells.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 27. Juli
15.20: Stunde der Jugend: Jagdgeſchichten. Armer Aler! Eine
Reihe ſelbſtverbrochener Lausbubengeſchichten.
16.30; H. Neuert: Mit dem Rundfunkgerät auf Auslandsreiſen.
17.00: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Werke von Mozart,
Haydn. Soliſt: M. Meili (Tenor): anſchl.: Walzer aus
Operetten.
18.30: Dr. Sieburg: Robeſpierres Tiſch.
19.00: Freigehalten für politiſche Vorträge.
20.00: Mandolinenkonzert des 1. Stuttgarter Mandolinen=Orcheſters.
20.20: Die Gondoliere Burlesque=Operette von A. Sullivan,
22.20: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.45: Blasmuſik des Philharm. Orcheſters Stuttgart.

Königswuſterhaufen.

Deutſche Welle: Mittwoch, 27. Juli
9.30: Dr. Margot Rieß: Das ABC. des Kunſtverſtändniſſes.
15.00: St. Welcke: Im Wunderland der 1000 Seen. Reiſe durch
Finnland,
15.45: Dr. Aenne Sprengel: Aufgaben der Landfrauen= Organiſatio=
nen
für die Oſtſiedlung.
16.00: Prof. Dr. Großmann: Verwendung der Zelluloſe.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Prof. Dr. Aufhauſer: Warum lehnt Japan bis heute das
Chriſtentum ab?
17.55: Fr. Stöſſinger: Schallplatte und Muſik=Kultur.
18.15: Dr. Herrlich: Von Eingeborenen und Fiſchern in Oſtſibirien.
18.35: Dr. Richhardt: Die Rechtsſprechung zur beamtenrechtlichen
Notverordnungspraxis.
19.00: Reden zur Reichstagswahl.
20,00: Hamburg: Ausſchnitt aus dem Hörbild: Dörchläuchtings Volk
und Land.
20.35: Stuttgart: Die Gondoliere. Burlesque=Operette von Arthur
Sullivan.
21.45: Tages= und Sportnachrichten.
22.40: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten,
Anſchl. Stuttgart: Blasmuſik des Philharm. Orcheſters.

Haupiſchriſtleltung: Rudolf Manve
Verantwortlich für Polltik und Wiriſchaff: Rudolf Maupe; für Feullleion, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrſchten: Max Streeſe;, für Sport: Karl Böhmany;
ür den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neitei
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Wiliy Kuhlei
Druck und Verlag: C. C. Wittſch ſämilich in Darmſfadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht Übernommen.

Die heutige Nummer het 12 Geiten.

[ ][  ][ ]

Europäiſcher Zollkrieg.

Engliſcher Zoll auf ausländiſche Karkofeln. Die Vorläuſer einer Zcllverordnung für Garkenbauerzeugniſſe?
Die iriſchen Zollmaßnahmen gegen England. Die Danzig=polniſche Zollunion durch Polen durchbrochen.
Wirkſchaftliche Rundſchau.

Der Ausweis der Reichsbanf
Skeigerung des Gold= und Deviſenbeſtau

Neue Zoll=Liſten.
Englands Karkoffeltarif.

Das engliſche Schatzamt veröffentlicht eine neue Zollverord=
nung
für Kartoffeln, die in der Nacht zum Donnerstag in Kraft
tritt. Der Zoll auf ausländiſche Kartoffeln war bisher dem all=
gemeinen
Zolltarif von 10 v.H. unterworfen. Er iſt nunmehr auf
ein Pfund Sterling je Tonne feſtgeſetzt worden.
Neue Kartoffeln, die in der Zeit vom 1. November bis 30.
Juni eingeführt werden, unterliegen einem Zoll von 4 Schilling
8 Pence je Zentner.
Der beratende Zollausſchuß teilt mit, daß es ſich bei dieſer
gegen anormale Einfuhren gerichteten Verordnung um einen
Vorläufer für eine allgemeine neue Zollverordnung für Garten=
bauerzeugniſſe
handelt. Daily Telegraph ſchreibt, die anorma=
len
Einfuhren hauptſächlich dem deutſchen Dumping zu. Die
engliſchen Erzeuger ſeien infolge der weitgehenden Unterbietung
ihrer Preiſe durch deutſche Erzeuger ſchwer geſchädigt worden.

Irland gegen engliſche Einfuhr.

Die iriſche Zolliſte beſteht aus zwei Abteilungen. Die
erſte betrifft ausſchließlich die engliſche Einfuhr, während die
zweite ſich auf ausländiſche Einfuhr erſtreckt, wobei den Waren
aus England und den Dominions Vorzugsſätze gewährt werden.
Von den engliſchen Waren werden in erſter Linie Kohlen und
Koks betroffen, die mit einem Zoll von 5 Schill. je Tonne oder
30 v. H. vom Wert belegt werden. Ein Wertzoll von 20 v.H. wird
auf folgende Artikel erhoben: Zement, elektriſche Apparate, Ka=
bel
, Drähte, Iſolatoren, Eiſen und Stahl. Die Käſeeinfuhr aus
England unterliegt einem Prohibitivzoll von 100 v. H.: ebenſo Ma=
ſchinen
zur Käſeerzeugung. Ferner werden Zucker, Melaſſe, Sa=
charin
und andere Süßwaren einem geringen Zollſatz unterworfen.
Die Zölle für die Einfuhr aus ausländiſchen Staaten erſtreckt ſich
auf Schweinefleiſch, Schweinewürſte und Kartoffeln. Engliſche
Waren erhalten einen Zuſatzzoll. In einer amtlichen Verlaut=
barung
teilt de Valera mit, daß eine Erhöhung der Kohlenpreiſe
in Irland infolge des neuen Zolles nicht zu erwarten ſei. Kohle
zu noch kleineren Preiſen wie aus England könnten auch vom
Kontinent bezogen werden. Sollte trotzdem eine Preiserhöhung
ſtattfinden, ſo würde die Regierung eingreifen.

Polens Vorſtoß gegen die Zollunion mit Danzig.

Polen hat ſeit einigen Monaten im Zuſammenhang mit den
Maßnahmen gegen die Einfuhr von Danziger Waren nach Polen
eine Wirtſchaftsgrenze gegen Danzig errichtet, indem es ein Ein=
fuhr
=Bewilligungsſyſtem in der Weiſe durchgeführt hat, daß
Warenlieferungen von Danzig nach Polen nur nach Abſtempelung
der Fakturen durch die diplomatiſche Vertretung Polens in Dan=
zig
zugelaſſen und von der Beſchlagnahme in Polen verſchont wer=
den
. Bisher war mit dieſer Einfuhr=Erſchwerung eine beſondere
Gebühr nicht verbunden. Seit einigen Tagen jedoch erhebt die
volniſche Vertretung eine Gebühr von 1 v.H. des Warenwertes.
Das bedeutet, daß neben dem Einfuhrbewilligungsſyſtem nun auch
ein Wertzollſyſtem eingeführt iſt. Durch dieſes neue, gegen die
Verträge und den Sinn der Danzig=polniſchen Union verſtoßende
Syſtem hat Polen die Zollunion mit Danzig praktiſch aufgehoben.
In der Danziger Oeffentlichkeit wird die Frage aufgeworfen, ob
es nicht angebracht iſt angeſichts dieſer Entwicklung, auch von
Danziger Seite die notwendigen Schritte zur Löſung der Zollunion
mit Polen zu unternehmen.

Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.

Im Gegenſatz zu den Vortagen bot bei Beginn die Berliner
Börſe ein etwas lebhafteres Bild. An der freundlichen Grund=
ſtimmung
hat ſich nichts geändert, doch ſcheint das Intereſſe des
Publikums eher weiter im Zunehmen begriffen zu ſein. Wie im=
mer
, erſtreckt ſich dieſes zunächſt auf Renten und reine Kaſſawerte.
Aber auch zu den erſten variablen Kurſen war der Ordereingang
etwas größer als ſonſt, ſo daß die erſten Notierungen ziemlich all=
gemein
bis zu 1 Prozent und häufig auch bis zu 2 Prozent feſter
lagen. Philipp Holzmann waren mit plus 2,5 Proz., Chadeaktien
mit plus 3 Mk. und Allg. Lokal= und Kraft mit plus 3,75 Prozent
beſonders gebeſſert. Allerdings kam letztere Kursſteigerung durch
eine Beſtens=Kauforder von 3 Mille zuſtande, ein Beweis, wie eng
die Märkte, beſonders der Nebenwerte, immer noch ſind. Die Auf=
hebung
des Ausnahmezuſtandes wurde als ein Zeichen der Stärke
ſeitens der Regierung gewertet, und auch außenpolitiſch machte die
Beruhigung Fortſchritte. Ferner ging von der Geſchäftigkeit der
Auslandsbörſen ein kräftigerer Impuls aus. Für die Börſe ſelbſt
war ferner eine Beruhigung, daß die Abwicklung der Lombard=
Darlehen wahrſcheinlich nochmals um einen Monat herausgeſcho=
ben
wird, ſo daß man erſt Ende Auguſt an die allmähliche Abwick=
lung
zu denken braucht. Die Inſolvenz des Kölner Bankhauſes
Leopold Seligmann blieb auf die Tendenz zunächſt ohne Einfluß.
Auch am Rentenmarkt war das Geſchäft geſtern lebhafter. Das
Hauptintereſſe erſtreckte ſich auf Reichsſchuldbuchforderungen, die
11,25 Proz. gewannen; aber auch deutſche Anleihen und Reichs=
bahnvorzugsaktien
waren ebenſo wie Induſtrieobligationen bis
zu 0,5 Proz. gebeſſert. Im Verlaufe ließ das Geſchäft an den
Aktienmärkten nach, die Anfangskurſe konnten ſich im allgemeinen
aber gut behaupten.
Die Frankfurter Börſe lag weiterhin recht freundlich.
Naturgemäß iſt das Geſchäft vor den Wahlen durch Zurückhaltung
der Bankenkundſchaft und der Spekulation ziemlich gering. Ten=
denzmäßig
war eine Aufwärtsbewegung an ſämtlichen Märkten,
beſonders auch am Rentenmarkte, zu verzeichnen. Für die große
Beruhigung bezüglich der innerpolitiſchen Entwicklung gilt die
Aufhebung des Ausnahmezuſtandes in Groß=Berlin und Bran=
denburg
, die eine weitere Entſpannung auch für die übrige inner=
politiſche
Lage in Deutſchland erwarten läßt. Unter dieſem Ein=
druck
konnten auch einige wirtſchaftlich günſtige Momente Beach=
tung
finden, beſonders der feſte New Yorker Börſenſchluß, Mel=
dungen
über Schichtverdoppelung in der photographiſchen Abtei=
lung
der JG. Farbeninduſtrie. Am JG.=Markt wird übrigens auch
auf die Bedeutung des kürzlichen Stickſtoffabkommens hingewie=
ſen
. JG. Farben lagen 0,75 Proz. anfangs freundlicher, Erdöl
um 0,5 Proz. Reichsbankanteile um 1,25 Proz. gebeſſert. Gut
gehalten lagen Kunſtſeide. Der Stillegungsantrag für das Werk
Kelſterbach von Glanzſtoff, wo 1100 Mann Belegſchaft abgebaut
werden, blieb ohne Einfluß. Auch Zellſtoffwerte behauptet. Am
Schiffahrtsmarkt zogen Havag und Nordd, Lloyd je 0,25 Proz. an.
Reichsbahnvorzüge ebenfalls 0,.25 Proz. feſter. Am Elektromarkt
regte der Auslandsauftrag für Siemens etwas an. Siemens um
1 Proz., Schuckert 1,25, Licht u. Kraft 1. AEG. 0,5 Prozent höher.
Montanwerte wieder feſter, ſo Rheinſtahl umm ½. Stahlverein
0.25 Proz. höher. Kaliwerte feſter. Salzdetfurth 4 Prozent be=
feſtigt
. Einzelwerte teilweiſe feſt. Holzmann 2 Proz, höher. Am
Anleihemarkt war das Geſchäft etwas lebhafter und zu Beginn
recht freundlich.
Nach einem etwas lebhaften Geſchäft an der Mittagsbörſe
war die Abendbörſe wieder ruhig. Die Grundtendenz der Börſe
iſt weiterhin zuverſichtlich. Am Elektromarkt waren AEG. aller=
dings
etwas ſchwächer (minus 0.25 Proz.) JG. Farben eröffneten
auf Mittagsſchlußbaſis bei 88,75 Proz. Die übrigen Aktienwerte
waren gleichfalls kaum verändert. Am Rentenmarkt beſtand
etwas Nachfrage für Ungarn Gold bei 6 Proz. Alt= und Neubeſitz=
anleihe
, ſowie Pfandbriefe unverändert. Etwas lebhafter waren
ſpäte Schuldbuchforderungen, die jedoch 0,5 Proz, ſchwächer lagen.
Die Börſe ſchloß gut behauptet.

N. S.1I.D.=Rad. Zuſammenſchluß in der Motorradinduſtrie.
Die beiden bedeutenden deutſchen Motorradfabriken N.S.U.,
Neckarſulm, und D.=Rad, Spandau, haben beſchloſſen, ihre Fa=
brikation
und Verkaufsorganiſation unter der neuen Firma
N. S. U.D.=Rad, Vereinigte Fahrzeugwerke A.=G. Neckarſulm,
zuſammenzulegen. In Zukunft werden die N.S.U.R.=Rad=
Gemeinſchaftsmodelle in den Fabrikationswerkſtätten in Neckar=
ſulm
hergeſtellt. In der demnächſtigen G.V. ſoll Direktor Jaime
Vorſtand der Deutſchen Induſtriewerke A. G. Spandau zur
Zuwahl in den Aufſichtsrat der Neckarſulmer Geſellſchaft vorge=
ſchlagen
werden.
Die Getreidebörſe in Chicago. Der Präſident des Chicago
Board of Trade, Carey, hat eine Erklärung abgegeben, in welcher
die Zuverſicht ausgedrückt wird, daß ſich das Board of Trade gegen=
über
der geſtern veröffentlichten Entſcheidung der Bundeskommiſ=
ſion
zur Durchführung des Geſetzes über den Getreide= Termin=
handel
erfolgreich behaupten werde. In der erwähnten Entſcheidung
iſt bekanntlich eine Schließung des Chicago Board of Trade an=
geordnet
und ein Geſetzentwurf vorbereitet, in dem eine Bonds=
emiſſion
von 40 Millionen Dollar vorgeſehen iſt, deren Erlös zur
Errichtung von Getreideſilos an allen wichtigen Plätzen des Lan=
des
verwendet werden ſoll.

Produkkenmärkte.

Frankfurter Häuteauktion. Die Frankfurter Häuteauktion ver=
zeichnete
einen guten Beſuch, Kalbfelle waren etwas ſtärker ge=
ſucht
, während von Schaffellen nur die Blößen verkauft wurden.
Ochſenhäute konnten 1520 Prozent gegenüber der letzten Auk=
tion
anziehen. Es notierten: Kalbfelle rot o. K. bis 9 Pfd. 40 bis
45, 9.115 Pfd. 38,7545.75; dito bis 9 Pfd. ſchwarz 2732.
Kalbfelle Schuß 24,5: Freſſer 25,25: Schaffelle Blößen 2022:
Lammfelle 14, Ochſenhäute 2029 Pfd 24; 3049 Pfd. 21,75 bis
24; 5059 Pfund 3437,75: 6079 Pfund 3640,25; 8099 Pfd.
3437: 100 Pfund 33,5.
Berliner Produktenbericht vom 26. Juli. Am Produktenmarkt
ſteht gegenwärtig die Preisbewegung für Roggen im Mittelpunkt
des Intereſſes. Angeſichts der günſtigeren Witterungsverhältniſſe
der letzten Tage hat ſich das Angebot zur ſofortigen Lieferung
beträchtlich verſtärkt, und nachdem die Mühlen den notwendigſten
Bedarf nunmehr gedeckt haben, lauten die Gebote faſt ſämtlich
niedriger. Für bahnſtehende Ware wurden heute etwa 34 Mk.
niedrigere Preiſe als geſtern bezahlt. Spätere Verladung iſt
weniger reichlich offeriert und auch im Preiſe verhältnismäßig
beſſer gehalten. In Neuweizen zur kurzfriſtigen Lieferung zeigt
ſich auch wieder vereinzelt Offertenmaterial; allerdings ſind For=
derungen
und Gebote zunächſt ſchwer in Einklang zu bringen.
Herbſtweizen hat ruhiges Geſchäft bei 1 Mk. niedrigeren Preiſen.
Am Lieferungsmarkt eröffnete Juliweizen 3,75 Mk. niedriger, ob=
wohl
die offenen Engagements noch nicht voll ausgeglichen ſind.
Für Juliroggen kam eine Notiz wieder nicht zuſtande. Spätere
Lieferung war in beiden Brotgetreidearten um etwa 1 Mk. ab=
geſchwächt
. Weizenmehl hatte ruhiges Geſchäft bei wenig ver=
änderten
Preiſen. Roggenmehl war billiger offeriert, jedoch
werden für ſofortige Ware noch immer Aufgelder bewilligt. Hafer
liegt bei kleinem Angebot ſtetig. Wintergerſte hat ruhiges Ge=
ſchäft
bei wenig veränderten Preiſen.

Diehmärkke.

* Mainzer Viehhof=Marktbericht. Amtliche Notierung vom
25./26. Juli. Tatſächlich auf dem Markt zum Verkauf: 18 Ochſen,
21 Bullen, 413 Kühe oder Färſen, 350 Kälber, 725 Schweine. Es
wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht bezahlt in RM.: Ochſen a) 1.
3235 b) 2. 2027 Bullen c) 1925: Kühe a) 2028, b) 17
22, c) 1517; Färſen a) 3136; Kälber ) 2935, d) 2428;
Schweine b) und c) 4749. d) 4346. Marktverlauf: Bei
Schweinen ruhig, ausverkauft: bei Großvieh und Kälbern an=
fangs
lebhaft, ſpäter abflauend, langſam geräumt.

Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. Juli 19
in der verfloſſenen Bankwoche die geſamte Kapitalo
Bank in Wechſeln und Schecks. Lombards und Effekten
Millionen auf 3394,4 Mill. RM. verringert. Im einze
die Beſtände an Handelswechſeln und Schecks um 60,2
auf 2922,1 Mill. RM., die Lombardbeſtände um 43,7
auf 102,0 Mill. RM. abgenommen, die Beſtände an 9
wechſeln um 0,5 Millionen auf 5.1 Mill. RM. zugenonm
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſa
76.1 Mill. RM. in die Kaſſen der Reichsbank zurückgef!
zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 74,4
auf 3721,9 Mill. RM., derjenige an Rentenbankſcheinn
Millionen auf 403,3 Mill. RM. verringert. Deme
haben ſich die Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſoh
23,8 Mill. RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen
Mill. RM. eine Zunahme um 20,2 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen
um 0,3 Mill. RM. auf 891,9 Mill. RM. erhöht. Im
haben die Goldbeſtände um 28 000 RM. auf 754,1 Mill.
die Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um 237 000
137,8 Mill. RM. zugenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähre
beträgt 24 v. H. gegen 23,5 v.H. in der Vorwoche.

Mekallnokierungen.

Die Berliner Metalltermine vom 26. Juli ſtellten
Kupfer: Juli 33 (34), Auguſt 33.50 (33.75). Sep
(34.25), Oktober 34.50 (34.75). November 35 (35.50),
35.50 (36) Januar 36 (36.25). Februar 36,50 (37),
(37.75), April 37.75 (38.50), Mai 38.25 (39), Juni
Tendenz: befeſtigt. Für Blei: Juli bis Septer,
(14.25), Oktober 13.50 (14.50), November 13.75 (15),
14 (15.50), Januar 14.50 (16) Februar und März 15 C0
15 (16.50) Mai und Juni 15.50 (17). Tendenz: luſtlo,
Zink: Juli 16 (16.50), Auguſt 16.50 (16.75). Septer
(17), Oktober 17 (17.75) November 17.25 (18). Dezer
(18.50) Januar 17.75 (18.75), Februar 18.25 (19.50), D
(20), April 19.25 (20), Mai 19.50 (20), Juni 19.75 (20.5
denz: ſtetig. Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die
mern Brief.

Kleine Wirtſchaftsnachrichken.

Die Vereinigte Glanzſtoff=Fabriken A.=G., Elberfel
der heſſiſchen Regierung in Darmſtadt Antrag auf S
des Kelſterbacher Werkes geſtellt. Ueber den Antrag wir
zwiſchen Vertretern der heſſiſchen Regierung und der E
Generaldirektion in Kelſterbach verhandelt werden.
Die C. Bechſtein, Pjanofortefabrik A.=G., Berlin, m
nach der i V. erfolgten Sanierung durch Kapitalherabſs
3 auf 1 Mill. RM. wieder einen Verluſt von 474 691
nach 0,11 (0,68) Mill. RM. Abſchreibungen
Die allgemeinen Prüfungstermine im Konkursverfa
das Vermögen von G. Carl und Heinz Lahuſen, den
Vorſtandsmitgliedern der Nordwolle, wurden am geſtr
mittag fortgeſetzt. Sie konnten in beiden Fällen noch ni
zum Abſchluß gebracht werden. Für die Prüfung einige=
noch
unerledigter Anmeldungen wurden die Termine dich
malig auf den 27. September vertagt.
Die Auguſt Annathan A.=G. Frankfurt a. M., m
einen Verluſt von 82 289 (60 000) RM. aus. Bei 874
Aktienkapital und 226 000 RM. Reſerve erſcheinen Kredi
2,42 (2,43) Mill., während Immobilien mit 3,93 Mill O
gewieſen und mit unv. 2,6 Mill. RM. Hypotheken bel
Aktiphypotheken ſind mit 0,12, Effekten 1,6 (1,75) und
0.11 (0,28) Mill. RM. vorhanden.

Auf Vorſchlag des franzöſiſchen Landwirtſchaftsmin
die franzöſiſche Regierung einen Erlaß veröffentlicht,
Ueberproduktion von Wein verhindern ſoll. Nach dem
dieſes Erlaſſes ſind ſämtliche Weinbauern Frankreichs,
400 Hektoliter Wein herſtellen, verpflichtet, ein Drittel
ihren Kellern feſtzulegen und nicht zum Verkauf anzubi!
Einfuhr ausländiſcher Weine wird ebenfalls um ein Dru/
abgeſetzt werden.
In New Yorker induſtriellen Kreiſen ſpricht man un
bevorſtehenden Zuſammenſchluß der großen amerikaniſch
mobilfabriken Auburn, Willys, Overland, Naſh und viellit
Packard.

Berliner Kursbericht
vom 26. Juli 1932

Oeviſenman
vom 26. Zuli

Berl. Handels=Geſ.
Danatbank. ...
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordb. Llohd
A.E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg.
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummt
Deutſche Cont. Gas

Ae
18.50
75.

18.50
11.75
17.75
13.
27.75
40.50
30.50
20.875
12.25
84.375
84.,625

Me e
Flektr. Lieferung 66.375
60. Kee
Rütgerswerke. Aaf
32.875 Helſingfors WBährung /Ge: 9
100 finn. Mk. Brieſſ
6.374/ 6.386
Schweiz Währung
100 Frankenl
F. G. Farben 88.75 Salzdetfurth Kalt ſ 162.50
Wien 100 Schillingl51.25 52.05 Spanien 100 Peſetge Gelſ. Bergw. 34. Leonh. Tien 47.
Prag 100 Tſch. gr. 12.465 12.-85 Danzig 100 Gulden Geſ.f.elektr. Untern 59.625 Verein. Glanzſtoff. Budapeſt 100 Pengö
Savan 1 Yen Harpener Bergbau
boeſch Eiſen u.
Köin=Neueſſen 51. Verein. Stahlwerie 13. Sofig. 100 Leva 3.057 3.063 Rio de Janetrolz 1 Milrer? Beſteregeln Akali 100.
Holland 100 Gulden 169.6 770.02 Zigoſlawien. 100 Dinar 24. Agsb.=Nnrb. Maſch. Oslo. 1 100 Kr. onen 74.78 74 87 Portuga Phil. Holz Baſalt Lin 14.
13 Kopenha gen 11 00 Kro= onen 130.45 go. s1 Athen zmann 32.75 men 176 5.os IFſtambu (i4 Kali Aſchersleben 92.75 biſch aupfer
Hohenlohe=Werte 25
13. SndD0 2.Sta. 14.955 14,g9sl. Kairo.
ägypt. 2 Klöcknerwerke 22.25 Buenos=Aires 1 1 Pap. Peio 0.323 0.92: Konado
1 lcanad. Doll.,) Mannesm. Nöhr. 38. New Yorl. ſt Dollar 4.209 421 urugnah
Goldpeſo Maſch.=Bau=Uintn. 23. Lindes Eismaſch. 68.50
Belgien 100 Belgo 58-31 158.43
FSland. 100 isl. Kr. Oberſchleſ. Koksw. 30. VogelTelegr. Draht 12.50 Italien
100 Lire 21.46 21.50 : Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr. Orenſtein & Koppe 21.50 Wanderer=Werke 22.25
Paris 100 Franes 15.48 15.52 Rigu
* 100 Lats

Durmſtädter und Kariokatoant Bariftaut, omhate der Srescher
Frankfurter Kursbericht vom 26. Juli 1932.

O
6%
v.27
5½%Intern.
6%Baden ......
6% Bahern ......
6% Heſſen ......."
6% Preuß. Staat.
6% Sachſen ...

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. 4½/. Ab=
löſungsanl
.
Dtſche. Anl. Ablö.
ſungsſch. (Neub.)

Deutſche Schutge=
bietsanleihe
...

6% Baden=Baden.
6%Berlin. . .v.24
6% Darmſtadt ..
6% Dresden v. 260
8%Frankfurt a.M.
Schätze v. 29
v. 261
62Mainz
6% Mannheimv. 27
6%München v. 29
6% Wiesbaden v. 28

6% Heſl. Landesbl.
6% Golboblig
5½% Heſſ. Lds.=
Hyp.=Bk.=Liguid.
43% Kom.=Obl.
6% Preuß. 2bs.
pfbr.=Anſt. G. Pf.
62 Golboblig

Ru
62

60.75
63
45
72.5
54.5

4371.

5.7

44

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69.75
43

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K

69
5e.5

74.5

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55.5

A Laneu
Br. Girozentr. für
Heſſen, Goldobl.
6% Kaſſelek Land.
kredit Goldpfbr.
68 Naſſ. Landesbk.)
5½% Liqu. Obl

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.-Anl.
*AuslSer.
.. Ser. II
Di. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)..

6% Berl. Hyp. Bk.
5½%on Ligu.=Pfbr.
6% Frkf. Hyp.=Bk.
5½% Lig. Pfbr.
6% Goldoblig.
6%.
Pfbr.=Bk.
Liau.
8 Mein=Hhp=Bi.
5½% Lig. Pfbr..
6% Pfälz. Hyp.=Bk.
5½
Lig. Pfbr.
6%5 Rhein. Hyp. Bk.
51), Lig. Pfbr.,/
Goldoblig
6% Südd. Bod.
Cred.=Bank.
51/,% Lig.Pfbr.
6% Württ. Hyp.=B.

6%Daimler=Benz.

6% Dt. Linol. Werkel 62.5

68Mainkrw. v. 28/ 70
6%Mittelb. Stahl.
6%Ver. Stahlwerke 41.5

45

69
85
78.25

41.1
53.5

70

697I,
79

0
81.5
71
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71
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707.
81

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81.25
73

41.5

82 Voigtckbäffner

J. G. Farben Bonds

5% Bosn. 2.E.B.
58 2.Inveſt.
5% Bulg. Tab. v. 02
4/,% Oſt. Schätze
479 Oſt. Goldrentel
5% vereinh. Rumän
UI
Oſo
4% Türk. Admin.
4% 1. Bagdadl
Bollanl.
42
41ſ.% Ungarn 1913
1914
4=%
Goldr.
49o
1910
49

ktien

Aig. Kunſtzüide Unie
A. E. G. ......
AndregeNoris Zahn
Aſchaffba.Brauerei
Zeliſtoff)
Bemberg, J. P..
Bergm. El.=Werkel
BrownBoverickCie
Buderus Eiſen....
Fement Heidelbergl
Karlſtadt
J. G.Chemie, Baſel
Chem.Werke Albert
Chade .........."
Contin. Gummiw.
Linoleum

Daimler=Benz....
Dt. Atl. Telegr. .
Erböl ......

8371,

10.5
10.75

4
7.5
3.55
2.3

5.25
6.25

33.5
27.75

19
30.5

26.5
35.5
31

2

24.5
12
77.5
68

Dt. Gold=u. Silber=
ſcheide
=Anſtalt /135
Linoleumwerkel 30
Eiſenhandel...
Dhckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
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Hochtief Eſſen ....
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Knorr C. H. .1r-..4

40
60
72.5

26
882),
24
38
27
33.75

18
17.5

42

50.5

s

92.5
10.45
68.5

D
Laurahütte .....
Lech, Angsburg..
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9

247/.
17.25

174.5
65
47.5

32.25
162

50.25
63.75
45

124.9

53.5

13.75
91
25
3.76

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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Kriminalroman von Harold Effberg.

(Nachdruck verboten.)

apar des Lobes voll über Lerois Tätigkeit, dem es
e auch gelungen iſt, auf raffinierte Art der Commercial
ſue die Photographie der Formel abzujagen, bevor ſie
unheil ſtiften konnte, und er hatte auch anerkennende
für unſere Kriminalpolizei. Aber meine Rolle als Haus=
n
. die doch für ſeine Rettung entſcheidend war, fand er
meiner nicht ganz würdig.
spill die Möglichkeit nicht abſtreiten, daß ich mir das
u, eingeredet habe. Vielleicht ſchämte er ſich, ſeine Dank=
z
ſehr zum Ausdruck zu bringen. Und vielleicht bin ich
altmodiſch, wenn ich erwarte, daß man mir Dankbarkeit
der mindeſtens Verſtändnis für das, was ich für einen
getan habe.
93 war das Eine.

Zweite war weniger ſeine Schuld, als vielleicht die
Stern, die ein paar Tage darauf zu uns ſtießen. Der
uar genau ſo reizend und zuvorkommend wie damals,
Dich zu ihm ſchleppte. Aber die Mutter lernte ich doch
Eennen. Vielleicht wirſt Du lachen, wenn ich Dir ſage,
Dieſen Menſchen gegenüber das unbeſtimmte Gefühl
ſiicht für ganz vollwertig angeſehen zu werden. Das
ich beileibe nicht mir gegenüber. Es kam nur leider in
ſGegenwart zum Ausdruck und zwar, wenn ſie von ihrer
Familie ſprachen, von ihren Freunden und Bekannten,
cin der engliſchen Geſellſchaft mehr oder weniger eine
pielen. Von meiner Heimat hatten ſie natürlich kaum
huung. Alles, was ſie wußten, ſtammte aus Erzählungen
ſarlie. Daß unſereins im Meurice eine Suite haben
weind mit der Jungfer reiſte, ſchien ſie baß zu verwun=
euch
daß unſere Abendkleider den Vergleich mit fran=
ch
aushielten, obgleich Mutter in der Eile der Abreiſe
ernen noch nicht bekommen hatte! Das konnte ich aus ihren
caliſen, als wir zum erſtenmal zuſammen im Ritz ſaßen.
erſten Tage fiel mir das alles noch nicht ſo auf. Charlie
üifte mich mit Aufmerkſamkeiten und Geſchenken. Erſt als
gſſteſiede auf die Morningpoſt brachte, in der die Ankün=
Umunſerer Verbindung erſcheinen ſollte, bemerkte ich an
lutter ein gewiſſes Zögern, das mich ſtutzig machte.

Meine Mutter rettete die Situation. Sie erhob gegen die ſo
baldige Veröffentlichung Bedenken, meinte, erſt müſſe Gras über
die ganze Geſchichte, die uns zuſammengeführt hätte, gewachſen
ſein. Es wäre beſſer, man warte ab, bis ich meinen offiziellen
Beſuch in England gemacht und ihren Freunden vorgeſtellt wor=
den
wäre. Die Perkins ſtimmten ihr ſofort bei, und, wie ich
fund, zu ſchnell, und das gefiel mir nicht, obwohl Charlie Ein=
wendungen
erhob und dann wie gewöhnlich ſeinen Spott über
alles ausgoß, was er viktorianiſch nennt.
Natürlich hatten die Perkins unzählige Bekannte in Paris.
Zum Unglück gab Euer Botſchafter ihnen ein Diner, und obwohl
Charlie beſtritt, eine Einladung erhalten zu haben und mit uns
ins Theater ging, bin ich ſicher, daß er das nur tat, weil ſeine
Eltern nicht rechtzeitig für meine Mutter und mich eine Ein=
ladung
erwirkt hatten. Vielleicht tue ich ihnen auch unrecht, viel=
leicht
hätten ſie keine für uns bekommen können, aber da Charlie
früher im diplomatiſchen Dienſt geweſen iſt, hätte das wohl
nicht ſo ſchwer ſein können, beſonders, da es kein offizielles
Diner war.
Mutter ſagte zu alldem kein Wort, auch nicht, wenn wir
allein waren. Sie wartete nur darauf, daß ich etwas ſagen
wpürde.
Vormittags zogen Charlie und ich immer allein los, erſt
mittags trafen wir, uns alle zum Lunch. Es gibt ja ſo unendlic
viel zu ſehen. Es war eine dieſer Gelegenheiten wir waren
beide gerade im Louvre und vor den Bildern der Vigée=Lebrun
als ich ihn geradeheraus fragte, wie er ſich das Zuſammen=
leben
mit mir in England dächte. Weißt. Du, was er mir da
antwortet? Wenn ich mich erſt genügend aſſimiliert haben
würde, wenn England erſt ſo meine Heimat geworden wäre,
daß ich kein Verlangen mehr verſpürte, anderswo zu leben, dann
würde es mir doch nicht ſchwer fallen, mit ihm glücklich zu
werden! Er meinte es ſicherlich gut, und ich habe nicht den
geringſten Zweifel, daß er mich aufrichtig liebt, aber es iſt wohl
zuviel von einem Engländer verlangt, daß er noch andere
Nationen neben der ſeinen gelten läßt, Liebſte, wenn ich nicht
genau wüßte, wie Du darüber denkſt, könnte ich dir das alles ja

nicht ſchreiben. Aber gerade weil ich es kann und darf, biſt Du
mir die liebſte Freundin geworden.
Alſo ich ſagte erſt gar nichts, und er nahm das als Zu=
ſtimmung
, aber als ich dann damit herausrückte, er müßte mir
verſprechen, mich jedes Jahr auf mindeſtens ſechs Wochen nach
Hauſe fahren laſſen, zog er ein Geſicht.
Den nächſten Vormittag hatte ich keine Zeit für ihn und
widmete mich meine Mutter. Durch irgendein Verſehen war
auch keine Verabredung für den Lunch getroffen worden, ſo
daß ich mit Mutter allein blieb. Wir gingen zu Prunier und
amüſierten uns herrlich. Alle Herren flirteten mit uns, und wir
beide ſuchten zu raten, wen ſie meinten, Mutter oder mich. Sie
ſah ſo blendend aus, ich bin ſicher, auf mich hatten ſie es gar
nicht abgeſehen. Als wir in unſer Hotel zurückkamen, fiel ich
ihr dann um den Hals, und ſie ſagte mir meine Enttäuſchung
auf den Kopf zu.
Was ſoll ich noch viele Worte machen! Ich habe Charlie
den ſchönen Ring zurückgeſchickt und ihm geſchrieben, ich hätte
nicht das Zutrauen zu mir, daß ich ſo leicht und ſchnell mein
Vaterland vergeſſen könnte, wie er es hoffte, und daß es mir
nicht läge, in ſeinem Hauſe eine Stellung einzunehmen, die der
einer geborenen Engländerin ſo lange nicht gliche, wie ich es
nicht lernte, mich meiner Abkunft zu ſchämen. Ich gebe zu, es
war ein bißchen hart gegen ihn, aber ich mußte auch hart gegen
mich ſein, ſonſt hätte ich vielleicht noch ein Zurück geſucht. Denn
weh tat es mir doch.
Als ich aber auf unſerm geliebten Bahnhof Zoo den roten
Schopf meines Freundes Theo entdeckte, war ich heilfroh, wieder
zu Hauſe zu ſein und ſeine ehrlichen Augen zu ſehen, die mich
immer ſo anhimmeln! Weißt Du, es gibt ein Gedicht von
Goethe, Erinnerung, das fängt ſo an:
Willſt du immer weiter ſchweifen?
Sieh, das Gute liegt ſo nah!
Das fällt mir immer wieder ein, wenn ich an meine erſt
ſo heiße Liebe zu Charlie denke. Es war wohl, weil er ſo weit
her war, und weil wir Deutſchen meiſt geringſchätzen, was nicht
weit her iſt! Und dann der Gegenſatz zu Erwin Krauße!
Aber ich will Dich nicht auch noch damit langweilen.
Antworte mir ſofort, ob Du mich verſtehen kannſt! Ich lege
ſo großen Wert auf Dein Urteil!
Und ſei recht herzlich gegrüßt von Deiner
Antonia.
P. S. Faſt hätte ich das Wichtigſte vergeſſen! Ich habe
mich geſtern abend mit Theo verlobt!
En de.

mophon=
vaturen

t. Fachmann
ihrs Bund,
ihrd ſtraße 9.
Ga)

Etomen
Netallteile
vor Roſt
ürwerden zu
zeru Verchromen
ſe werig, ver=
mrenſt
Vertrau=
ath
Probieren
eis tie mal bei
Madzrobel
matzetraße 16.
iKtanlage,
euzer Betriel
Ycke- 1295a
m 26. Jult
e a. Pegel
Luftwärme
ſſſerwärme
Uhr 190C.
veistlizeiwache.
Ve
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h.* on toriſtin)
neimant Filiale
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V21 Geſch. (*

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Beginn: 3.45, 6.00 und 820 Uhr.

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