Darmstädter Tagblatt 1929


29. September 1929

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Einzelnummer 1.5 Pfenrige

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 270 Sonntag, den 29. September 1929. 192. Jahrgang

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Finanz=Anzelgen 60 Reſchspfg. 92 mm breite Rellame=
zeiſe
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Ailferding verhandelt mit dem ſchwediſchen Zündholzkönig. Ein neuer Pumpverſuch. 600-Millionen=
Anleihe gegen Zündholzmonopol. Wozu ſoll die Schwedenanleihe verwendek werden?

Skreichholzmillionen.
Das Zündholzmonopol, die Grundlage der
Hilferdingſchen Finanzreform.
Herr Dr. Hilferding, der Reichsfinanzminiſter, iſt ſehr ver=
ſtimmt
, was bei ſeiner ſonſtigen Temperamentloſigkeit ſchon
letwas bedeuten will. Eine Zeitungsnachricht hat ſein ſeeliſches
Gleichgewicht erſchüttert, weil behauptet worden iſt, die Reichs=
regierungverhandle
mit dem ſchwediſchen Zünd=
holzkönig
Ivar Kreuger über ein Streichholzmono=
pol
wofür eine Anleihe von über einer halben
Milliarde zu günſtigen Zinsbedingungen gege=
ben
werden ſoll. Die Tatſache iſt offenbar richtig, daß ſie aber
bekannt geworden iſt, wird als eine ſchwere Schädigung der
Landesintereſſen bezeichnet, weil die Fortſetzung der Verhand=
lungen
mit den Schweden jetzt ſchwer gefährdet, ja wahrſchein=
lich
ſogar unmöglich gemacht ſei. Wir könnten dieſe Aufregung
nur verſtehen, wenn ſie irgendwie Ausfluß eines ſchlechten Ge=
wiſſens
wäre. Sonſt iſt eigentlich nicht einzuſehen, weshalb über
derartige Gedanken nicht auch in aller Ruhe öffentlich diskutiert
werden ſoll.
Zugegeben, es iſt peinlich, auf dieſer Grundlage Geld zu be=
kommen
. Man könnte ſich aber damit tröſten, daß andere Staaten
nicht beſſer daran ſind. Auch Frankreich hat einen ähnlichen Weg
gehen müſſen, und faſt im geſamten Oſteuropa, in Lettland,
Polen, Südſlawien, Griechenland und Rumänien, hat ſich der
Schwedentruſt reſtlos durchgeſetzt. Nirgendwo lann man ſich ein
Streichholz kaufen, ohne daß nicht Herr Kreuger ſeinen Ver=
dienſt
dabei macht. Auch in Deutſchland hat er ſeit Jahren An=
ſtrengungen
gemacht, in aller Heimlichkeit ein Privatmonopol
zu errichten. Und als man ſich die Dinge bei Licht beſah, hatte
er bereits 34 der deutſchen Zündholzinduſtrie
aufgekauft. Um wenigſten den Reſt der heimiſchen Induſtrie
zu retten, iſt dann vor einigen Jahren das Zündholzgeſetz er=
laſſen
worden, das unter Mitbeteiligung des Reiches ein Zünd=
holzkartell
errichtete, in dem die ſchwediſche Gruppe nur mit der
Hälfte aller Stimmen vertreten war und das Reich einen ſtarken
Einfluß auf die Preisfeſtſetzung und auch auf die Geſchäftsfüh=
rung
ſich ſicherte. Herr Kreuger hat alſo an dem deutſchen Ex=
periment
bisher wewig Freude gehabt, umſoweniger als die
Ruſſen gegen ihn auf dem europäiſchen Markt einen gewaltigen
Zündholzkampf ausfechten, ihn zu unterbieten ſuchen, und in
Deutſchland zielbewußt die Preiſe drücken. Sie können das,
weil ihre Staatswaldungen Holz in beliebigen Mengen und zu
beliebigen Preiſen zur Verfügung ſtellen. Sie treiben alſo auf
dem deutſchen Markt bewußt Dumping, um Herrn Kreuger zu
unterbieten, wahrſcheinlich mit dem weiteren Ziel, ſich mit einem
entſprechenden Einfluß in ſeinen Welttruſt einzuſchalten. Genug,
Herr Kreuger kommt in Deutſchland nicht auf ſeine Koſten, und
will am liebſten auf dem Wege der Geſetzgebung das ruſſiſche
Zündholz vom deutſchen Markt ausſchalten. Sein Angebot,
Deutſchland ebenfalls eine große Anleihe zu günſtigen Beding=
ungen
zur Verfügung zu ſtellen, wenn ihm dafür eine entſpre=
chende
Monopolſtellung eingeräumt wird, iſt alſo von ſeinem
Standpunkt aus gut zu verſtehen. Das Geſchäft würde ſich für
ihn lohnen. Wir glauben aber nicht, daß es in dieſer Form Aus=
ſicht
auf Annahme hat. Vermutlich wird ſich im Reichstag keine
Mehrheit finden, die ein ſtaatliches Hoheitsrecht an einen Aus=
länder
verhökern würde.
Etwas anderes iſt es aber, ob ſich nicht doch ein Weg finden
ließe, der irgendwie über das ſtaatliche Monopol führt. Das
Deutſche Reich muß irgendwie ſeine Schulden
konſolidieren. Vielleicht gibt es doch noch ein Mittel. Das
wird aber entſcheidend davon abhängen, wie das Geld verwen=
det
werden ſoll, das aus einer ſolchen ſchwediſchen Anleihe käme.
Wäre es nur ein Pump, der in das bodenloſe Faß des allge=
meinen
Defizites hineinflöße, dann wäre es ein Verbrechen, um
dieſen Preis den Ausverkauf der deutſchen Induſtrie weiter zu
betreiben. Würde aber das Geld im Zuſammenhang mit der
großen Finanzreform dazu benutzt, die übrigen Zweige der deut=
ſchen
Wirtſchaft anzukurbeln und für den Weltmarkt konkurrenz=
fähig
zu machen, dann ließe ſich unter den notwendigen Vorbe=
halten
wenigſtens darüber reden. Herr Dr. Hilferding hat
am Samstag dem Kabinett über ſeine Steuerpläne berichtet, ſo=
weit
ſie bisher fertig vorliegen. Er hat an dem, theoretiſch wenig=
ſtens
vertretkaren, Grundſatz feſtgehalten, daß es verfrüht wäre,
über dieſe Dinge zu ſprechen, ſolange nicht die Annahme des
Young=Plans geſichert ſei. Die Wirkung ſeines Schweigens wird
ihm aber gezeigt haben, wie gefährlich eine ſolche Methode unter
Umſtänden ſein kann. Es kann nichts ſchaden, daß rechtzeitig
die Möglichkeiten durchdacht werden, die ſich finanzpolitiſch er=
geben
, wenn die Ratifikation des Young=Plans erfolgt.
Betliger Slimenen zur geplanken Zündholzanleihe.
Berlin, 28. September.
Die am Samstag von einem Berliner Mittagsblatt ver=
öffentlichte
Nachricht, wonach in letzter Zeit die Reichsregierung
mit dem ſchwediſchen Streichholztruſt über eine Erweiterung des
Streichholzmonopols verhandelt habe, wofür gegebenenfalls der
ſchwediſche Truſt dem Reich eine 600 Millionen Mark=Anleihe
beſchaffen wolle, findet in der Berliner Abendpreſſe größte Be=
achtung
.
Die Deutſche Allgemeine Zeitung ſchreibt unter der Ueber=
ſchrift
Hilferdings neueſter Pumpberſuch u. a.:
Das Anſehen der jetzigen Regierung, deren unge=
nügende
Führung oft genug kritiſiert werden mußte, und zwar

Die Woche.

gerade in den dringendſten Fragen der Sozial=, Finanz= und
Steuerreform, hat einen neuen ſchweren Schlag er=
litten
. Die Deutſche Zeitung ſagt:
Der Schwedentruſt gewährt dem notleidenden Staatsſäckel
eine Anleihe und ſchluckt dafür die nationale Induſtrie.
Die deutſche Wirtſchaft muß ſich dagegen mit aller Entſchiedenheit
wehren. Die Nachtausgabe ſchreibt: Seit Tagen iſt in der
der Regierung naheſtehenden Preſſe angekündigt, daß der Reichs=
finanzminiſter
in der Lage ſein werde, den Konflikt zwiſchen den
Regierungsparteien über die Arbeitsloſenverſicherung und über
die Forderung der deutſchen Volkspartei nach weſentlichen
Steuererleichterungen durch die erſten Maßnahmen der ſoge=
nannten
Finanzreform zu überwinden. Jetzt ſtellt ſich plötzlich
heraus, daß dieſeſogenannte Finanzreform in einem
neuen Pumpverſuch der Reichsregierung bei dem
ſchwediſchen Zündholzkönig Jvar Kreuger beſtehen ſollte. Die
Reichsregierung wollte offenbar die Laſten, die durch eine mangel=
hafte
Löſung der Schwierigkeiten bei der Reichsanſtalt für Ar=
beitsloſenverſicherung
entſtehen und die Koſten einer Steuer=
erleichterung
aus der 600 Millionen=Anleihe nehmen. Der
Jungdeutſche ſchreibt unter der Ueberſchrift:
Hilferding verkauft Monopole Tabak und Streichhölzer
auch Bier?
u. a.: Es ſcheint, daß der Verkauf des Zündholz= und
Tabakmonopols das Kernſtück der ſogenannten
Finanzreform ſein ſoll, die der ſozialiſtiſche Finanzminiſter
Hilferding und ſein Staatsſekretär Popitz betreiben. Ja, es iſt
möglich, daß als drittes Monopol ein Biermonopol geplant wird,
das entſprechend, ſagen wir es offen, zu berhökern iſt. Wir ſind
der Meinung, daß dieſe Art der Finanzreform, die von Reichs
wegen den
Ausverkauf der deutſchen Wirtſchaft
begünſtigt, den deutſchen Nationalintereſſen außerordentlich ab=
träglich
iſt. Die Börſenzeitung ſchreibt: Wenn es ſich wieder
einmal nur darum handeln ſollte, daß durch die Mißwirt=
ſchaft
der Reichsregierung entſtandene Loch im Reichs=
haushalt
durch einen Pump im Ausland zu ſtopfen, ſo wäre na=
türlich
der Plan auf das ſchärfſte zu bekämpfen. Etwas anderes
wäre es, wenn die Anleihe zu produktiven Zwecken verwandt
würde. Daß dies aber tatſächlich geſchieht, dafür bilden die bis=
herigen
Taten des Herrn Reichsfinanzminiſters Dr. Hilferding
nicht gerade eine Garantie. Der Börſenkurier bezweifelt, daß
der Reichstag für eine Preisgabe deutſcher Hoheits=
rechte
zu haben ſein wird, zumal, da im Kabinett durchaus
keine einheitliche Meinung für die Annahme des ſchwediſchen An=
gebots
vorhanden ſei. Die Deutſche Tageszeitung betrachtet
nicht ohne Bedenken die Gefahr, daß wir dieſe
neue Abhängigkeit vom Auslande und die Einführung
eines Monopols, womit eine einſt blühende Induſtrie
gänzlich in Staatsabhängigkeit gebracht wird,
zu noch ungewiſſen Bedingungen übernehmen und erwähnt, daß
die Direktion der gegenwärtig beſtehenden deutſchen Zündholz=
verkaufs
=Akitengeſellſchaft geleitet werde von einem Schweden
und deutſcherſeits von dem früheren preußiſchen Finanzminiſter
und Sozialdemokraten Dr. Südekum.
Die Voſſiſche Zeitung wendet ſich vor allem gegen die
Auffaſſung der Reichsregierung, wonach die vorzeitige Veröffent=
lichung
durch das Berliner Blatt den Landesintereſſen ſchädlich
ſei. Es ſei nicht möglich geweſen, von der zuſtändigen Regie=
rungsſtelle
zu den bereits ſeit mehreren Tagen umlaufenden Ge=
rüchten
über die Schweden=Anleihe eine Beſtätigung oder eine
poſitive Erklärung zu bekommen. Es ſei Sache der Behörden,
dafür zu ſorgen, daß, wenn eine Nachricht nun einmal ſo weit
bekannt ſei, die Preſſe ſo gründlich unterrichtet würde, daß ſie
auch das veröffentlichen könne, was der Regierung wünſchens=
wert
erſcheine. Unmöglich aber iſt es, in ſolchen Fällen den
Kopf in den Sand zu ſtecken und womöglich die Veröffentlichung
verhindern zu wollen. Denn erſt daraus entſtehen Möglichkeiten
der Ausbeutung für die politiſchen und wirtſchaftlichen Intereſſen.
Es iſt jetzt immer ſoviel die Rede davon, daß die Miniſterien
lernen müſſen, auf der Klaviatur der Preſſe zu ſpielen. Davor
ſcheinen ſie eine Heidenangſt zu haben. Ihre Hauptſorge beſteht
darin, daß das Klavier geſchloſſen bleibt.
Das Berliner Tageblatt bezweifelt, ob die Lage der deut=
ſchen
Finanzen heute noch eine ſolche preſtigemäßig natürlich
keineswegs angenehme Operation fordert oder zweckmäßig er=
ſcheinen
läßt.
Das Acht=Uhr=Abendblatt weiſt, wie auch die meiſten an=
deren
Blätter, auf die zunehmende Einfuhr ruſſiſcher Zündhölzer
und die dadurch erſchwerte Lage der deutſchen Zündhölzer hin.
Auch der Abend die Spätausgabe des Vorwärts,
ſchreibt: Die Gegner des ruſſiſchen Zündholzimports haben
Kalkulationen aufgeſtellt, aus denen ſich ergibt, daß Rußland trotz
alledem ſeine Streichhölzer unter den Herſtellungskoſten verkauft,
alſo Dumping treibt, und ſie fordern Maßnahmen zur Be=
kämpfung
dieſes Dumpings. Dabei kommen auch inſofern Ar=
beiterintereſſen
in Frage, als der Schwedentruſt die von Deutſch=
land
gebrauchten Streichhölzer in Deutſchland ſelbſt produziert.
Das Blatt meint, die Anhänger dieſes gigantiſchen Planes wür=
den
vor allem in denjenigen Kreiſen zu ſuchen ſein, die eine
möglichſt weitgehende Steuerſenkung, beſonders für die Be=
ſitzenden
, als Folge der Erleichterungen aus dem Youngplan ſo

raſch wie möglich herbeiführen wollten.

Die 10. Vollverſammlung des Völkerbundes hat keine welt=
erſchütternden
Senſationen gebracht, wenn natürlich auch die
4 Wochen dauernde Tagung genügend Gelegenheit bot, alle mög=
lichen
Fragen anzuſchneiden. In zu kurzem Zeitabſtand folgte die
Völkerbundsverſammlung der Haager Konferenz, die, man mag
zu ihren Ergebniſſen ſtehen, wie man will, jedenfalls die euro=
bäiſche
Politik ſehr weitgehend beeinfluſſen wird. Verſtändlich,
daß man ſich in Genf noch nicht ſo ohne weiteres auf die Haager
Ergebniſſe einſtellen konnte, und ſo war trotz einiger kleiner
Zwiſchenfälle vorſichtige Zurückhaltung das Kriterium der dies=
jährigen
Genfer Herbſttagung. Trotzdem zeichneten ſich auch in
Genf künftige Entwicklungsmöglichkeiten mehr oder weniger deut=
lich
am politiſchen Horizont ab.
Der engliſch=franzöſiſche Konflikt, der ſchon im Haag ſo auf=
fällig
in Erſcheinung trat, hat in Genf nicht an Schärfe ver=
loren
. Im Gegenteil: Während es ſich im Haag faſt ausſchließ=
lich
um finanzielle Fragen handelte, zeigte die Völkerbunds=
tagung
, daß zwiſchen den beiden Großmächten und ehemaligen
Kriegsverbündeten politiſche Gegenſätze beſtehen, die nur ſchwer
zu überbrücken ſind. Das liegt ſelbſtverſtändlich nicht am eng=
liſchen
Regierungswechſel. Ganz abgeſehen davon, daß der
außenpolitiſche Kurs der Regierung Macdonald bisher ſelbſt die
Zuſtimmung der Oppoſition gefunden hat, iſt es ja ſtets beſte
engliſche Tradition geweſen, die außenpolitiſche Kontinuität unter
allen Umſtänden zu wahren. Es iſt alſo nicht eine grundſätzlich
andere Beurteilung der Lage, eine grundſätzlich andere Beurtei=
lung
der vorhandenen Kräfte, welche die Einſtellung des neuen
engliſchen Kabinetts beſtimmt, ſondern man zieht nur die Fol=
gerungen
aus der Entwicklung der letzten Jahre und iſt in dieſer
Beziehung natürlich weniger gehemmt, wie etwa die frühere
Regierung, die doch immerhin manche perſönlichen Bindungen
eingegangen war. Man wird ſich wohl auch in Paris allmählich
damit abfinden müſſen, daß die Entente cordiale nichts anderes
wie ein Zweckverband war, der ſeine innere Berechtigung ver=
loren
in dem Augenblick, in dem der Zweck erfüllt war. Anders
wie im Jahre 1904, anders auch wie im Jahre 1919 liegen heute
die Dinge, und ſo iſt es eigentlich nur natürlich, daß die alten
Kriegsbündniſſe allmählich eine Auflockerung erfahren. Das
wirkt ſelbſtverſtändlich auch auf den Völkerbund zurück, der ja
gegründet wurde ſeinerzeit als ein Zweckverband der Sieger zur
Sicherung der Beute. Es iſt nur eine logiſche Folgerung dieſer
Entwicklung, wenn unter dieſen Umſtänden die Völkerbunds=
begeiſterung
in Frankreich ſich mehr und mehr abkühlt. Der
Völkerbund verliert allmählich ſeine Bedeutung als Inſtrument
der alliierten Politik, und ganz andere Fragenkomplexe treten
in den Vordergrund. Der Zoll=Waffenſtillſtand, über den man
in Genf beraten, iſt faſt ſo etwas wie eine europäiſche Wirt=
ſchaftsidee
, deren wirtſchaftliche und politiſche Folgen noch
kaum zu überſehen ſind wenn ſie ſich verwirklichen läßt.
Man ſoll ſich bei der Beurteilung derartiger Dinge vor
Illuſionen hüten, man ſoll vor allem nicht vergeſſen, daß auch die
Mühlen der Weltgeſchichte langſam mahlen. Man darf die Idee
nicht mit der Utopie verwechſeln und muß ſtets daran denken,
daß es ſehr nüchterne Intereſſen ſind, welche die Einſtellung
der Völker zueinander beſtimmen. Wenn ſich auch das politiſche
Geſicht unſeres Erdteils ganz allmählich etwas zu verändern
beginnt, ſo dürfen wir nicht vergeſſen, daß wir noch längſt nicht
über den Berg ſind, und daß es erſt Anfänge einer Wandlung
ſind, die wir feſtſtellen können.
Das deutſche Volk hat vielfach eine ſonderbare Art, politiſche
Fragen zu betrachten. Es ſchwankt nur allzuoft hin und her
zwiſchen einem roſenroten Optimismus, der jedes Wort ſchon für
die Tat nehmen möchte, und einem uferloſen Peſſimismus, der
allein vom Schlag mit der gepanzerten Fauſt noch das Heil er=
wartet
. Die Illuſion iſt in beiden Fällen das Ausſchlaggebende.
Wir brauchen heute nicht zu ſprechen über die allgemeine Men=
ſchenliebe
, von der unſere Pazifiſten das Heil der Welt erwarten,
ernſthafter beſchäftigt uns heute die nationale Oppoſition, die
mit ihrem Volksbegehren die Ergebniſſe jahrelanger politiſcher
Arbeit gefährdet. Es iſt ſcheinbar eine dankbare Aufgabe, in
Volksverſammlungen gegen den Youna=Plan, gegen die Tribut=
Verſklavung zu wettern, zuwettern auch insbeſondere gegen die Un=
fähigen
und Verantwortungsloſen, die die Annahme des Young=
Planes und des Haager Abkommens für eine unbedingte Not=
wendigkeit
halten. Sehen denn die Gegner des Volksbegehrens
im Young=Plan wirklich die Patent=Löſung, die uns aller Sor=
gen
überhebt, oder ſehen nicht vielmehr die heftigſten Gegner des
Volksbegehrens mindeſtens ebenſo deutlich wie Herr Hugenberg
die ungeheure Belaſiung unſerer geſamten Volkswirtſchaft durch
dieſe Neuregelung unſerer Kriegstribute?! Mit allgemeinen
Redewendungen aber kommt man nicht weiter, ſondern man muß
ſich ganz nüchtern die Frage ſtellen: beſteht die Möglichkeit einer
anderen Politik für uns und welche Folgen würde eine Ableh=
nung
des Young=Planes und des Haager Abkommens für das
deutſche Volk haben? Man muß dieſe Frage ſtellen, wenn ſie
auch die Verfechter des Volksbegehrens, weil ſie ihnen unan=
genehm
iſt, für albern erklären. Es hat allerdings heute viel=
leicht
wenig Zweck, die Frage nochmals eingehend zu erörtern,
warum die Deutſchnationalen ſeinerzeit zu 50 Prozent für das
Dawes=Abkommen geſtimmt haben, und warum ſie während die=
ſer
ganzen Jahre nicht in der Lage waren, andere Wege der
deutſchen Außenpolitik ernſthaft in Vorſchlag zu bringen. Daß
auch von deutſchnationaler Seite eine deutſch=franzöſiſche Ver=
ſtändigung
zum mindeſten für ſehr wünſchenswert angeſehen
worden iſt, beweiſen ja die Beſprechungen Herrn Klönnes mit
franzöſiſchen Politikern. Sehr ernſthaft aber ſollte, ſich das
deutſche Volk doch die Frage vorlegen, wohin wir praktiſch mit
dem Volksbegehren ſteuern. Dieſe Frage aufwerfen, heißt ganz
gewiß nicht, wie von Anhängern des Volksbegehrens in geſchmack=
voller
Weiſe geſagt wird, an das ängſtliche Gemüt des deutſchen
Spießers appellieren. Jede vrantwortungsvolle Politik muß
ſich aber noch zunächſt einmal über alle möglichen Folgen jedes
einzelnen Schrittes ſorafältig Rechenſchaft ablegen. Daß eine
Ablehnung des Auung=Plans und des Haager Abkommens für
das deutſche Volk und die deutſche Wirtſchaft eine Kriſis von
kataſtrophalen Ausmaßen im Gefolge haben würde, ſteht feſt und

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Gonntag, den 29. September 1929

Nummer 270

wird auch von den Anhängern des Volksbegehrens zugegeben.
Die erſte Frage iſt alſo die ob das deutſche Volk in ſeiner gegen=
wärtigen
Verfaſſung im Stande wäre, eine ſolche Kriſis zu über=
leben
, und ſchon dieſe erſte Frage muß verneint werden, und es
hilft ſehr wenig, wenn man an die heroiſchen Inſtinkte‟
appellieren möchte. Die Generation, die Kriegs= und Nachkriegs=
zeit
mit allen ihren Begleiterſcheinungen erlebt, verfügt nicht
mehr über die robuſte Nervenkraft, die eine neue ſchickſalsſchwere
Kriſis von jedem Einzelnen erfordern würde. An dieſer Tatſache
ändern auch die großen Worte in Hunderten von Volksverſamm=
lungen
nichts. Oder haben wir ſchon vergeſſen, wie der Ruhr=
kampf
zuſammenbrach, trotz des wirklich heroiſchen Aushaltens
der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung der unmittelbar
betroffenen Gebiete? Jeder wirkliche Staatsmann muß die ſee=
liſchen
und materiellen Kräfte ſeines Volkes in jedem Augenblick
berückſichtigen, wenn er nicht ſein Volk ins Verderben führen
will. Die große Geſte allein tut es nicht. Mit ſeinem ſcharfen
Schwert zerhieb einſt Alexander der Große den gordiſchen Kno=
ten
, mit einem Pappſchwert wäre ihm das wohl kaum gelungen.
Werden uns nun wirklich Young=Plan und Haager Abkom=
men
die Herabſetzung unſerer Kriegstribute und die Rhein=
landräumung
für Generationen verſklaven? Eine Betrachtung
der Geſchichte der letzten zehn Jahre gibt auf dieſe Frage deut=
liche
Antwort. Schritt für Schritt haben wir uns den Aufſtieg
aus dem Abgrund, in den wir 1918 geſtürzt, erkämpft. Wir wer=
den
auch die Höhe wieder erreichen, wenn wir zielbewußt dieſen
II.
Weg weiterverfolgen.
Di. Hermes gehl.
Differenzen mit der Regierung. Er findet nicht
genügende Unkerſtühzung.
* Berlin, 28. September. (Priv.=Tel.)
Reichsfinanzminiſter a. D. Hermes, der bisherige
Führer der deutſchen Delegation für die Han=
delsvertragsverhandlungen
mit Polen, hat an
den Reichskanzler einen Brief gerichtet, in dem er ſein Man=
dat
niederlegt. Unſere Ankündigung hat ſich alſo raſch
erfüllt. Die Tatſache ſelbſt wird jetzt auch amtlich zugegeben mit
dem Zuſatz, daß der Rücktritt aus ſeiner agrarpolitiſchen Ueber=
laſtung
zu erklären ſei. Das dürfte allerdings nicht ganz ſtimmen.
Es kann kein Zweifel beſtehen, daß Herr Dr. Hermes einem
Druck gewichen iſt, der von der Regierung ausgeübt wurde und
der ihm zum mindeſten den Rücktritt nahelegte. Man ſpricht in
politiſchen Kreiſen, ſoweit wir unterrichtet ſind, von ſehr ernſten
Zerwürfniſſen, die im weſentlichen darauf zurückzuführen ſind, daß
Dr. Hermes als Verhandlungsführer die nötige Unterſtützung
durch die deutſche Regierung vermißt hat. Er hat es vor allem
für einen Fehler gehalten, daß auf deutſcher Seite nicht das Holz=
abkommen
mit Polen gekündigt wurde, was eine beſondere
Freundlichkeit gegen Polen darſtellte, obwohl die Polen zwiſchen=
zeitlich
zu einem geſetzlichen Boykott aller landwirtſchaftlichen
Erzeugniſſe aus Deutſchland eingeſetzt haben. Der Reichskanzler
hat die Abſicht, ſich in der kommenden Woche perſönlich mit Dr.
Hermes auszuſprechen. Die Hoffnung, daß es gelingt, die Gegen=
ſätze
zu beſeitigen, iſt aber ſehr gering, zumal die ſozialdemo=
kratiſchen
Mitglieder der Regierung ihrem Genoſſen Rauſcher den
Weg frei machen und auch zur Unterſtützung der deutſchen In=
duſtrie
die landwirtſchaftlichen Forderungen fallen laſſen wollen,
die bisher das Kabinett Müller von dem Reichsernährungs=
miniſter
Schiele übernommen hatte, da ſie auch von Reichsernäh=
rungsminiſter
Dr. Dietrich gebilligt wurden.
Zehn Jahre Techniſche Nothilfe.
Am 30. September blickt die Techniſche Nothilfe auf ihr zehnjähriges
Beſtehen zurück. In enger Verbundenheit mit dem Wevden des neuen
Staates und dem Wiederaufbau des deutſchem Wirtſchafts= und Volks=
lebens
hat die Techniſche Nothilfe in dieſem Zeitabſchnitt ſich für das
Wohl der Allgemeinheit durch die Tat eingeſetzt. Der im der Dechniſchen
Nothilfe dem Staate zur Verfügung ſtehende techniſche Reſerveapparat
iſt in ſchweren Notzeiten von der Regierung aufgerufen und zur Be=
ſeitigung
von öffentlichen Notſtänden wit Erfolg eingeſetzt worden.
Zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Betriebe waren in dieſen zehn
Jahren 90 927 Nothelfer mit einer Leiſtung von 5,8 Millionen Arbeits=
ſtunden
, im Kataſtrophenhilfsdienſt 15 350 Nothelfer mit einer Leiſtung
von 247 900 Arbeitsſtunden eingeſetzt. Ohne techniſche Vorbereitungen
und ohne eine dauernde innere Orgamiſations=Aufbquarbeit wäre es
nicht möglich geweſen, die umfangreichen und techniſch oft ſchwierigen
Einſätze durchzuführen. Die erſte Vervollkommnung des inneren Auf=
baus
war deshalb, gegenüber den Einſätzen eine nicht minder wichtige
Arbeit der zurückliegenden zehn Jahre. Ja, ſie war die unerläßliche
Vorbedingung für das praktiſche Wirken. Die Allgemeinheit dank: am
heutigen Tage den Männern, die ſich in dieſer Weiſe in langer, ziel=
bewußler
Tätigkeit für das Wohl von Sügat und Wirtſchaft eingeſetzt
haben.

Vom Tage.

Auf der Jahresverſammlung des Preußiſchen
Städtetages in Frankfurt a. M. ſprach Oberbürgermeiſter Dr.
Jarres über die Bedeutung der gemeindlichen Unter=
nehmungen
im Rahmen der deutſchen Volkswirt=
ſchaft
. Angeſichts der finanziellen Not der Städte ſeien die kommu=
nalen
Betriebe ein weſentliches Rückgrat im Haushalt der Gemeinden
geworden.
Im Februar 1930 wird das Flottenkommandv von
Wilhelmshaven nach Kiel verlegt. Hierdurch wird dem
Mangel abgeholfen, daß der Chef des Flottenkommandos vom Haupt=
ibungsgebiet
der Seeſtreitkräfte der weſtlichen Oſtſee räumlich ge=
trennt
iſt.
Für den Reichsausſchuß für das deutſche Volksbegehren haben am
Samstag Geheimrat Hugenberg und der Stahlhelmführer Seldte den
Zulaſſungsantrag für das Volksbegehren geſtellt.
Von der Politiſchen Polizei iſt jetzt Freiherr Otto v. Onken
verhaftet worden, da er an der Bombenleger=Affäre be=
teiligt
ſein ſoll. Seine Vernehmung durch den Unterſuchungsrichter
dauerte am Samstag bis in die ſpäten Abendſtunden.
Am heutigen Sonntag finden die angekündigten vier Aufmär=
ſche
der Heimwehren in der Umgebung Wiens, und
zwar in Mödling, Stockerau, Pöchlars und Zweddl ſtatt. Das Heeres=
miniſterium
hat für den Sicherheitsdienſt umfangreiche Vorkehrungen
getroffen. Sämtliche Kommandos und Truppen Wiens und Nieder=
öſterreichs
ſtehen unter verſtärkter Bereitſchaft.
Es beſtätigt ſich nunmehr, daß der Organſſſationsaus=
ſchuß
für die internationale Zahlungsbank am
3. Oktober in Baden=Baden zuſammentreten wird.
Der frühere Miniſterpräſident Baldwin begrüßte in einer Er=
klärung
die Aeußerung Macdonalds, wonach die Beziehungen zu
Nußland nicht ohne Sicherheiten gegen eine englandfeindliche
Propaganda wieder aufgenommen werden ſollen. Ueber die Innen=
politik
ſagte Baldwin, daß es Miniſter Thomas noch nicht gelun=
gen
ſei, neue Pläne zur Bekämpfung der Arbeits=
loſigkeit
vorzulegen.
In Waſhington iſt die offizielle Einladung der britiſchen Regie=
rung
zur Seeabrüſtungskonferenz eingetroffen, die im nächſten Januar
in London ſtattfinden und dem Zweck dienen ſoll, die Frage einer vor=
läufigen
Verminderung der Seerüſtungen durch Einlegung einer mehr=
jährigen
Ruhepauſe im Flottenbau zu beſprechen.

verſicherungsreform.
Raklos und führerlos. Ein Berlegenheitsausgang.
Die Finanzierung bis zur Behandlung der
Finanzreform zurückgeſtellkt.
* Berlin, 28. September. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett trat am Samstag vormittag erſtmalig
unter dem Vorſitz des wiedergeneſenen Reichskanzlers zuſammen.
Zur Erörterung ſtand die allgemeine politiſche Lage, wie ſie ſich
im Zuſammenhang mit dem bevorſtehenden Zuſammentritt des
Reichstages darſtellt.
* Die erſte Kabinettsſitzung nach der Rückkehr des Reichs=
kanzlers
war von beſonderer Bedeutung, da die innenpolitiſche
Lage, ſoweit ſie ſich allein um die Arbeitsloſenverſicherung grup=
piert
, zu einigen Betrachtungen Anlaß gab und gleichzeitig noch
die Erörterungen über die Verhandlungen des Reichs=
finanzminiſters
mit dem Schwedentruſt zu grö=
ßerer
Aktivität in Sachen der Reichsfinanzreform zwangen.
Umſo eigentümlicher wirkt es, wenn über das Ergebnis dieſer
mehrſtündigen Beratungen ein Communiqué ausgegeben wird,
in dem lediglich der eine Satz, daß die allgemeine politiſche Lage,
wie ſie ſich im Zuſammenhang mit dem bevorſtehenden Zuſam=
mentritt
des Reichstages darſtellt, zur Erörterung ſtand‟. Nichts=
ſagender
bann man ſich ſchon nicht gut ausdrücken, ein Beweis
offenbar von der völligen Ratloſigkeit, in der ſich das
ganze Reichskabinett befindet. Der Kanzler tappt noch völlig im
Dunkeln, wie er einer Niederlage in der Arbeitsloſenverſiche=
rungsreform
aus dem Wege gehen will. Er iſt offenbar bereits
ſo beſcheiden geworden, daß er mit einem parlamentariſch= tech=
niſchen
Verlegenheitsausgang ſchon ganz zufrieden iſt, wie ihn
jetzt die Demokraten anſtreben, indem ſie lediglich die Hauptvor=
age
über die Verſicherungsreform verabſchieden wollen, die eine
Reihe von unbeſtrittenen Mißſtänden beſeitigt. Die wichtigen
finanziellen Sanierungsfragen ſollen dann aber in dem Sonder=
geſetz
erſt im Spätherbſt behandelt werden im Zuſammenhang
mit der Finanzreform, wur zu dem Zwecke, einer Beſprechung im
Reichstage mit der völlig unvermeidlichen Niederlage der Regie=

rung aus dem Wege zu gehen. Weſentliches wird davon von der
am Sonntag ſtattfindenden Fraktionsſitzung des Zentrums ab=
hängen
. Am Montag vormittag tritt dann der Sozialpolitiſche
Ausſchuß des Reichstages noch einmal zuſammen, der ja das
Sondergeſetz bisher noch nicht erledigt hat. Auch die Partei=
führer
ſind zum Montag vormittag zum Reichskanzler gebeten
Bei der Gelegenheit ſoll die weitere Marſchroute feſtgelegt wer=
den
, ſo daß man vielleicht am Montag nachmittag bei Beginn des
Plenums einigermaßen überſehen kann, wie die Dinge gehen.
Der 9.H.J. gegen den Arbeiksloſenverſicherungs
Skandal.
Unter dieſer Ueberſchrift wird uns geſchrieben: Aus dem
Deutſchnationalen Handlungsgehilfen=Verband laufen zahlreiche
und energiſche Proteſte gegen die Behandlung der Arbeitsloſen=
verſicherungsreform
ein. Sie können als Gradmeſſer der ſteigen=
den
Erbitterung gewertet werden, die ſich in Angeſtelltenkreiſen
mehr und mehr breit macht. Sie richten ſich unterſchiedslos gegen
alle Inſtanzen, die die Arbeitsloſenverſicherungsreform nun ſchor
monatelang zum Spielball der Parteiintereſſen und der politiſchen
Spekulation herabwürdigen. Wirtſchaftliche und ſoziale Tatſachen
werden zum ſchweren Nachteil der Arbeitnehmer außer acht ge=
laſſen
. Die Regierung vernachläſſigt ihre Führeraufgabe, trotz
allem Drängen aus den verſchiedenſten Kreiſen in ſo auffälliger
Weiſe, daß die Mutmaßung gerechtfertigt iſt, ſie wolle keine bal=
dige
und brauchbare Löſung, ſondern einen Dauerzuſtand der Er=
regung
und der Konzentration der öffentlichen Aufmerkſamkeit auf
dieſen Punkt. Anders iſt dieſer völlige Mangel an einem Füh=
rungswillen
kaum mehr zu erklären.
Eine Einheitsverſicherung kann nun einmal der Verſchieden=
artigkeit
der vielen Berufe und ſozialen Pflichten, aus denen ſich
die 20=Millionen=Maſſe der Verſicherten zuſammenſetzt, nicht Rech=
nung
tragen. Keine Reform, die das überſieht, hat Beſtand. Das
ſagen nicht nur die kaufmänniſchen Angeſtellten, die Vorkampfer
des Erſatzkaſſengedankens. Die Einſicht iſt anderswo auch vorhan=
den
, aber Parteigebundenheit und falſch geſehene ſoziale Solidari=
tät
vereiteln ein freimütiges Bekenntnis. Die beſondere Regelung
für die Saiſonarbeiter iſt letzten Endes nichts anderes als eine
Auflockerung der Einheitsverſicherung nach dem Berufsbedürfnis.
Man will das nur nicht wahr haben.
Die lächerliche Abſtimmung im Reichsrat und das Mißergeb=
nis
der interfraktionellen Beſprechungen deckt den ganzen Unſinn
der Methode auf. Oder iſt jemand ernſtlich des Glaubens, eine
unmögliche Löſung werde dadurch brauchbar, daß ſie durch den
Zufall einer Mehrheit von einer Stimme zu einem Beſchluß der
Länder wird? Nein! Die Sache liegt anders. Jedermann, der
tiefer in die Dinge hineinſieht, weiß, daß keine Reform brauchbar
iſt, die das Problem lediglich von der finanziellen Seite anpackt.

ſozialen Betrachtungsweiſe, die die verſicherungsmäßig=finanzielle
erganzen muß.
Prinzipiell war die Ueberführung der Saiſonarbeit in die
Sonderfürſorge ein Weg ins Freie, heraus aus der Unnatürlichkeit
der Gleichmachung von Ungleichem. Stätt ihn weiter zu verfolgen,
die organiſierten Berufe zur wirklichen Selbſtverwaltung zu füh=
ren
, geht man ihn zurück. Vor lauter Gleichheitsduſel iſt man
blind gegen das tatſächliche Leiſtungsvermögen und die Grenze
vertretbarer Anſprüche der Berufe. Dieſen ſelbſt fehlt zum Teil
der Sinn für die in ihnen ſchlummernden ſozialpolitiſchen Ent=
wicklungsmöglichkeiten
. Sie ſchimpfen über burokratiſche Bevor=
mundung
, aber ſie finden nicht den Mut, ſich ihr zu entwinden
und die Entſcheidung über das Berufsſchickſal der Arbeitsloſigkeit
in die eigene Hand zu nehmen. Es könnte da ein Stein aus dem
geheiligten Tempel der Gleichheit herausfallen!
Die Angeſtellten wehren ſich bis zum äußer=
ſten
gegen höhere Beiträge! 3 Prozent iſt das Maxi=
mum
, mehr iſt die Verſicherung nicht wert. Der Vorteil des Rechts=
anſpruchs
, den die Arbeitsloſenverſicherung der Erwerbsloſenfür=
ſorge
gegenüber brachte, iſt damit voll abgegolten. Der Deutſch=
nationale
Handlungsgehilfen=Verband und ſeine parlamentariſchen
Vertreter, unterſtützt von wenigen, die ſich gegen den Strom zu
ſchwimmen getrauen, haben von Anfang an und neuerdings im
ſozialpolitiſchen Reichstagsausſchuß das einzige brauchbare Mittl
angeboten: die Berufserſatzkaſſe mit Ausgleichsbeteiligung an den
verbleibenden allgemeinen Koſten. Die Berufsgemeinſchaft fährt
dabei nicht billiger, weil etwa das Riſiko günſtiger iſt. Die Not
der älteren Angeſtellten iſt zu allgemein bekannt, als daß man im
Ernſt von einem günſtigen Riſiko dieſer Gruppe ſprechen könnte.
Es würde nur rationeller, weil berufsgerechter, gearbeitet werden
können. Die Angeſtellten erheben die Forderung nach der Berufs=
kaſſe
, nach Auflöſung des unnatürlichen, ſozialpolitiſch widerſinni=
gen
, falſch kalkulierten Getriebes der Einheitsverſicherung gerade
jetzt, ehe der Reichstag den vorläufigen Schlußſtrich ziehen wird,
laut und dringend. Sie weiſen die unerhörte Zumutung höherer
Gehaltsabzüge, dazu noch in= Verbindung mit Leiſtungskürzung,
ausgerechnet zu Laſten der verelendeten älteren Angeſtellten, die
ihre Beiträge in beſſeren Zeiten zu den hoheren Lohnklaſſen zahl=
ten
und ſich nun bei kurzfriſtigen Beſchäftigungen weder lange An=
wartſchaften
erwerben, noch durch lange Wartezeiten ſich durch=
hungern
können, mit Entrüſtung zurück.
Wenn Regierung und Parteien nichts Beſſeres vorſchlagen,
wenn ſie ſich unter dem Druck der nächſten Wahlen nicht von einer
vielleicht gut gemeinten, aber unrealiſierbaren Idee freimachen
können, ſo wird ihnen dieſer Verzicht auf politiſche Führermacht
nicht nur in Angeſtelltenkreiſen dauernden Kreditverluſt bringen.
Eine neue Idee tut auch dieſem Teilgebiet in der Sozialverſiche=
rung
not: Beruf ſtatt Maſſe und Leiſtung nach Vermögen!

Von Walther Scheunemann.
Es gibt ſeit einigen Jahren kaum eine politiſche Erörterung, mag
ſie ſich im knapp umreißenden Artikel der Tageszeitung oder in der
tiefſchürfenden Unterſuchung des wiſſenſchaftlichen Organs dar=
bieten
, die nicht einen Begriff in ihre Betrachtung mit einbezieht,
deſſen Umkreis durch die Beſtimmung: Geopolitik mehr annähernd
angedeutet als genau umſchrieben und fixiert wird. Wenn dieſe
Geopolitik, wie nachher nachzuweiſen ſein wird, in der Sache auch
keine durchaus neue Angelegenheit iſt, ſo übt doch der einpräg=
ſame
und kleidſame Name eine ſuggeſtive Kraft derart aus, daß
die Gefahr naheliegt, ihn auch um ſeiner Modernität willen
zu kolportieren. Es iſt die Befürchtung nicht von der Hand zu
weiſen, daß hier eine Sache nicht um ihrer ſelbſt, ſondern um
ihres glänzenden äußeren Habitus willen populariſiert wird, daß
man mit einem gewichtigen und ernſthaften Inſtrument leichtfer=
tig
und oberflächlich hantiert. Vestigia terrent. Schon einmal
haben wir in jüngſter Zeit erlebt, daß aus einer wiſſenſchaftlich=
ernſten
Angelegenheit eine Modeaffäre gemacht wurde, die ſich
im Weſen aber auch durch nichts von einfachſten Modedingen
unterſcheidet. Wir meinen die Pſychoanalyſe, die, urſprünglich
ein rein mediziniſch=pſychologiſches Unterſuchungsobjekt, durch
leichtfertige Interpreteure zu einer Cauſerie für Diners und Five=
o’clock
Teas verflacht wurde. Damit der Geopolitik ein ähnliches
Schickſal erſpart bleibe, iſt ernſte Beſchäftigung mit ihr unerläß=
lich
. Soweit im Rahmen eines kurzen Feuilletons über politiſch=
wiſſenſchaftliche
Dinge berichtet werden kann, ſoll hier verſucht
werden, die Leitlinien der Geopolitik aufzuzeigen. Es kann hier
nur angedeutet werden, da vor allem der Raum fehlt, um die
allgemeine Erkenntnis und das iſt doch ſchließlich das Weſent=
liche
und ein verbindliches Urteil erſt Ermöglichende am prak=
tiſchen
Einzelfall ſinnvoll zu erläutern. Es darf aber ruhig
darauf verwieſen werden, daß wir in Deutſchland ſeit dem Jahre
1924 eine Zeitſchrift beſitzen, die das Studium geopolitiſcher Fra=
gen
zu ihrer eigenſten Aufgabe gemacht hat. Wir meinen die
Zeitſchrift für Geopolitik, die in ihrer außerordentlichen geiſti=
gen
Spannweite und Elaſtizität zu den hervorragendſten Er=
ſcheinungen
auf dem Gebiet politiſch=wiſſenſchaftlicher Literatur
gehört.
Wenn zum erſten Mal in bewußt wiſſenſchaftlich=politiſcher
Abſicht das Inſtrument Geopolitik auch erſt von dem ſchwedi=
ſchen
Staatswiſſenſchaftler Rudolf Kjellen gehandhabt wurde,

ſo hat doch ſchon Friedrich Ratzel in ſeiner Politiſchen Geogra=
phie
ſehr weſentliches in dieſer Richtung geſagt, wobei allerdings
in der Wortzuſammenſtellung Geo=politik und Politiſche
Geographie eine Schwergewichtsverlagerung erblickt werden
kann, die ſich aus allgemein geiſtigen Umſchichtungen erklärt.
Dieſe Umſchichtungen der geiſtigen Struktur mögen vielleicht ge=
deutet
werden als ein Abwendung von abſtrahierend= intellek=
tueller
Denweiſe, der es mehr auf eine formale, zwar präziſe
aber darum keineswegs völlig wahrhafte Erklärung der Tat=
beſtände
ankam, und als eine Hinwendung zu einer organhaften
Zuſammenſchau, die der klar=prägnanten Einzelforſchung nicht
entraten kann und will, die aber darüber hinaus das Erarbeitete
in eine Geſamtheit der vielfältigen Wechſelbeziehungen der
Dinge untereinander und zum Menſchen einzuordnen verſteht.
Dieſe Wandlung der Denkart kann etwa auch beobachtet werden
in der Oekonomik, wo neuere Richtungen (wie die unter Führung
des Wiener Soziologen Othmar Spann) eine univerſaliſtiſche‟
Betrachtungsweiſe in das ſozialwiſſenſchaftliche Denken eingeführt
haben, die an die Stelle der theoretiſch=abſtrakten die hiſtoriſch=
politiſche
Seite der wirtſchaftlichen Zuſammenhänge ſetzt.
Der aufmerkſame Beobachter glaubt überhaupt erkennen zu
können, wie heute allenthalben Verſuche angeſtellt werden, aus
der Iſolierung in die ſich die abendländiſche Wiſſenſchaft gebracht
hat, herauszukommen. Es ſoll hier nicht, wie das nun fälſchlich
von radikaler Seite her geſchieht, dieſe Iſolierung, das Sich= von=
einander
=Abtrennen, in irgendeiner Weiſe als ein Fehlſchlag des
okzidentalen Geiſtes gebrandmarkt werden. Es wird vielmehr
in dieſer Iſolierung die Vorbedingung für die ſchlechthin mon=
archiſche
Stellung der abendländiſchen Wiſſenſchaft erblickt. Doch
ſcheint es für die Zukunft notwendig, neben dieſer weiterhin zu
betreibenden iſolierten Forſchungsweiſe an irgendeiner Stelle ein
Sammelbecken zu ſchaffen, wo die gewonnenen Einzelerkenntniſſe
zwar nicht durcheinander und verworren lagern ſollen, ſondern
wo aus ihrer Geſamtheit in gegenſeitigem Durchdringen ein
organiſch Neues entſteht. Dieſes Neue hat nur dann irgend=
einen
Wert, wenn es auf das Leben der Menſchen irgendeinen
Bezug hat. Nur aus dieſem Bezuge auf das menſchliche Sein
leitet die Wiſſenſchaft ihre Berechtigung ab, wenn anders ſie nicht
Zeitvergeudung ſein will.
Sammelbecken aller wiſſenſchaftlichen Erkenntniſſe ſoweit
es ſich nicht um rein mediziniſch=naturwiſſenſchaftliche Dinge
handelt (doch ſind die Grenzen fließend) iſt heute das politiſche
Kraftzentrum. Verſtehen wir unter Politik zunächſt einmal den
gegebenen Tatbeſtandéder wechſelſeitigen Beziehungen menſch=
lichen
Seins; beſonders ſoweit*es ſich in irgendeiner Weiſe um

organiſiertes Mehrheits= oder Maſſenſein (Gruppe oder Staat)
handelt, ſo iſt die Zwangsläufigkeit, mit der ſchließlich Geſchichte,
Sprachwiſſenſchaft, Religionwiſſenſchaft und Geographie ſobald
ſie ſich aus einer rein abſtrakten in eine angewandte‟ Sphäre
begeben in das politiſche Sammelbecken einfließen, klar er=
ſichtlich
. Verſtehen wir unter Politik aber darüber hinaus das
bewußte Einwirken auf den Tatbeſtand der menſchlichen = Be=
ziehungen
, ſo ergibt ſich die verpflichtende Notwendigkeit, dieſe
Beziehungen und ihre urſächlichen Zuſammenhänge möglichſt
eingehend zu unterſuchen. Dieſer Aufgabe unterzieht ſich für
das Gebiet der räumlichen Beeinfluſſung der menſchlichen
Wechſelbeziehungen die Geopolitik.
*
Man könnte ſo faſt die Geopolitik als eine Art praktiſcher
Geographie im Unterſchied von der theoretiſchen Geographie‟
bezeichnen, indem man ſich der aus dem Gebiet der Oekonomit
bekannten Analogie Theoretiſche und Praktiſche National=
ökonomie
bedient. Es fällt der Geopolitik die Aufgabe zu,
das von der theoretiſchen Geographie Erarbeitete in den poli=
tiſch
=lebendigen Bezug zum Menſchen zu bringen. Die Geopoliti
iſt ſo in einem gewiſſen Sinn eine Kunſtlehre. Zwar formie
ſich ſchon früher aus den vielfachen denn nirgends iſt ja das
monographiſche Material wohl reichhaltiger als auf dem Gebiel
der Länder= und Völkerkunde und zerſtreuten Daten eine
abgerundetes, umfaſſendes Bild einer Gegend, eines Landes,
eines Kontinents. Doch fehlte ihm eigentlich die Tiefenwirkunge
die Perſpektive. Es war eine treuliche und fleißige Wiedergabe
der Fläche, ohne die räumliche Wirkung mit zu erfaſſen. Die
Entdeckung, daß dem Raum eine das menſchliche Daſein im Ein=
zelnen
und beſonders in der Vielheit beeinfluſſende Kraft inne=
wohne
, iſt die Geburtsſtunde der Geopolitik. Aus dem vorhan=
denen
Raum ſchlechthin wurde der Lebensraum. Es zeigten
ſich dem tiefer Blickenden deutliche Wachstums= und Deſzendenz=
richtungen
dieſer Lebensräume. Es wurde erkannt, daß die
Völker in ihrem geſchichtlichen Handeln unter dem Zwang der
erdhaften Verbundenheit handelten. Dieſer Zwang, zwar in der
Einzelentſcheidung nicht oder nur unvollkommen zu Tage tretend,
offenbart ſich auf das Deutlichſte jeder Betrachtung, die ſich aul
langdauernde Zeiträume erſtreckt.
Dieſes ſchickſalhafte mit der Erde Verbundenſein weiſt in
letzter Konſequenz über geobolitiſche auf kosmiſche Verknühfungen
hin. Es iſt in ſchlichter und plaſtiſcher Weiſe von den Griechen
einer nicht abſtrakten, ſondern außerordentlich konkreten Nation
in der Sage vom Rieſen Antäus dargeſtellt worden. In dem
Kraftzuſtrom, den der Rieſe im Kampf mit dem Götterſohn

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 29. September 1929
Seite 3
Kabinettsſturz in Prag.

Nummer 270
Saarverhandlungen Mikke Okkeber?
Franzöfiſche Verſchleppungsabſichken.
EP. Paris, 28. Sept.
Ueber die deuiſch=franzöſiſchen Saarverhandlungen wurde
heute früh eine Verſtändigung dahin erzielt, daß dieſe am 16.
Oktober in Paris beginnen ſollen, falls nicht unvorhergeſehene
Ereigniſſe eintreten. Führer der franzöſiſchen Delegation iſt der
Generalgrubendirektor Arthur Fontaine. Der deutſchen Regie=
rung
iſt offiziell noch keine Mitteilung über den endgültigen Be=
ginn
der Verhandlungen gemacht worden, doch dürfte, wie wir
von maßgebender deutſcher Seite erfahren, die von franzöſiſcher
Seite ausgegebene Mitteilung ungefähr zutreffen. Deutſchland
hätte ſelbſtverſtändlich ein früheres Datum vorgezogen; die in=
zwiſchen
eingetretene Verzögerung rührt ausſchließlich von fran=
zöſiſcher
Seite her, deren vorbereitende Saar=Kommiſſion erſt
geſtern praktiſch mit ihren Arbeiten begann. Dieſe dürften ſich,
wie man hier annimmt, bis Mitte Oktober hinziehen. Wir glau=
ben
aber auch an dieſen Zeitpunkt noch nicht recht, weil ſich in den
ſieben Wochen ſeit der Haager Konferenz deutlich herausgeſtellt
hat, daß die Franzoſen erſt einmal das finanzielle Ergebnis des
Young=Planes einſtecken möchten, um uns dann das Saargebiet
ganz vorzuenthalten oder einen Vertrag aufzuzwingen, der nicht
allzuviel an den beſtehenden Verhältniſſen ändert. Das Zen=
trumsorgan
, die Germania, richtet erneut eine Warnung an die
franzöſiſche Adreſſe, die wörtlich lautet: Nach dem Koblenzer
Beſchluß des Zentrums wird man ſich auf franzöſiſcher Seite
jedenfalls vor Augen halten müſſen, daß die Möglichkeit der Rati=
fikation
der Haager Beſchlüſſe durch den Reichstag in engſtem
Zuſammenhang mit der Saarfrage ſteht, da dieſe wirtſchaftlich
und politiſch aufs engſte mit der Wiederherſtellung der deutſchen
Souveränität und der Annahme des neuen Zahlungsplanes ver=
knüpft
iſt.
Die Engländer verlaſſen endgülkig das Saargebiet.
Saarbrücken, 28. September.
Wie jetzt endgültig feſtſteht, werden die in Saarbrücken lie=
genden
engliſchen Bahnſchutztruppen am Montag, den 30. Sep=
tember
, das Saargebiet endgültig verlaſſen. Um 14.30 Uhr fin=
det
eine militäriſche Abſchiedsfeier ſtatt, bei der auch die Regie=
rungskommiſſion
vertreten ſein wird. Von dem noch in Wies=
baden
liegenden Stammregiment werden 60 engliſche Militär=
muſiker
eintreffen, um die Truppen zum Bahnhof zu bringen,
wo die franzöſiſchen und belgiſchen Bahnſchutztruppen Spalier
bilden werden.
Amneſtieverhandlungen,
aber neue Kriegsgerichksurkeile.
* Mainz, 28. Sept. (Priv.=Tel.)
Im Rheinland ſpricht alles von der bevorſtehenden Räu=
mung
. Nicht nur die deutſche, ſondern auch die ausländiſche
Preſſe beſchäftigt ſich mit der gleichen Angelegenheit. Dennoch
ſcheint bei den Beſatzungsbehörden ſelbſt nicht die geringſte Auf= ließ ſich ſeither nie mehr völlig verbergen. Die Katholiken
bruchsſtimmung zu herrſchen. Die Kriegsgerichte, die vom Augen=
blick
der Beſetzung des Rheinlandes an die Bevölkerung in Angſt
und Schrecken gehalten haben, arbeiten nach wie vor mit der
gleichen unverminderten Heftigkeit. In den letzten Wochen ſind
eine ganze Reihe auffallender Urteile gefällt worden. Ebem erſt
hat man ein Dienſtmädchen, weil es angeblich einen franzöſiſchen
Offizier beſtohlen haben ſoll, in Abweſenheit zu 5 Jahren Zucht=
haus
verurteilt. Das alles, obwohl im Haag Amneſtieverhand=
lungen
vereinbart worden ſind, die unter das Wüten der Kriegs=
gerichte
einem Strich ziehen und den Verurteilten die Freiheit
wiedergeben ſollten. Entſprechend der franzöſiſchen Verzöge=
rungstaktik
ſiehe Saarverhandlungen ſind dieſe Verhand=
ſie
ſoweit vorbereitet, daß vielleicht doch noch im Monat Oktober lichkeit der Fortführung des bisher geübten Syſtems nicht un=
die
Amneſtieverhandlungen beginnen können.

* Auflöſung des Parlamenks.
Ausſchreibung von Reuwahlen.
Von unſerem =Mitarbeiter.
Prag, Ende September.
Die verworrenen Verhältniſſe in der Prager Regierungs=
koalition
haben nunmehr dazu geführt, daß einem längſt als
unhaltbar erkannten Zuſtande durch Neuwahlen ein Ende be=
reitet
werden ſoll. Lange ſchon hatte die jetzt ins akute Stadium
getretene Kriſe ihre Schatten vorausgeworfen: nicht nur der
Hochverratsprozeß gegen den ſlowakiſchen Abgeordneten Tuka hat
die Feſtigkeit der bisherigen Regierungskoalition, der bekanntlich
auch die Gruppe Tukas, die ſlowakiſche Volkspartei, angehört, hef=
tiger
erſchüttert, als man in Prag erwartete auch das Verhältnis
zwiſchen den beiden ſtärkſten Regierungsparteien, den Agrariern
und den katholiſchen Volksparteilern, litt ſchon ſeit langem unter
erheblichen inneren Gegenſätzen, ſo daß es nur eines geringen
Anſtoßes beburfte, den bisherigen Regierungsblock wankend zu
machen und zum Sturze zu bringen. Dieſer Tage iſt es dazu gekom=
men
, als der Vorſitzende der tſchechiſchen Agrarpartei, Miniſterpräſi=
dent
und Landesverteidigungsminiſter Udrzal, über die Köpfe der
Mitglieder der anderen Koalitionsparteien hinweg dem agrariſchen
Abg. Viskovſky ſein Mandat als Landesverteidigungsminiſter
übertrug, und Präſident Maſaryk das Ernennungsdekret unter=
zeichnet
hatte, denn dadurch hatten die Agrarier in der Koalition
nach Anſicht der Volksparteiler einen dem wirklichen Kräftever=
hältnis
nicht entſprechenden Vorſprung gegenüber den anderen
Kabinettsgruppen gewonnen. Die Sorge um die weiteren Ent=
ſchließungen
der ſlowakiſchen Volkspartei in Auswirkung des
Tukaprozeſſes war mit einem Mal in den Hintergrund getreten,
als Schramek, der Führer der tſchechiſchen katholiſchen Volks=
partei
, gegen die Aenderung des politiſchen Gleichgewichts im
Kabinett zugunſten der Agrarier proteſtierte: die agrariſche Par=
tei
hätte, falls die Ernennung Viskovſkys zum Landesverteidi=
gungsminiſter
aufrecht erhalten worden wäre, im Miniſterrat über
vier Stimmen verfügt, obwohl ihr nach dem Rücktritt des frühe=
ren
Miniſterpräſidenten Schwehla nur drei Sitze zuſtanden; die
Forderung der katholiſchen Volkspartei, ihr als Gegenleiſtung
einen dritten Miniſterpoſten einzuräumen, ſtieß auf den Wider=
ſtand
der Agrarier, und ſo erhob ſich, da die zwiſchen den beiden
Lagern geführten Verhandlungen ohne Ergebnis blieben, endlich
der Ruf nach Neuwahlen. Miniſterpräſident Udrzal, der ſich zum
Präſidenten Maſaryk zur Berichterſtattung begeben hatte, kehrte
mit dem Auflöſungsdekret des Kabinetts in der Taſche nach Prag
zurück, und da auch alle bis zum letzten Augenblick andauernden
Vermittlungsbemühungen vergeblich waren, war das Schickſal
der bisherigen Koalition beſiegelt.
Damit hat der Verfallprozeß der bisher die Staatsgeſchäfte
beſorgenden deutſch=tſchechiſch=ſlowaliſchen Bürgerkoalition den
erwarteten kriſenhaften Ausgang genommen. Denn es iſt ſicher,
daß die jetzt zurückgetretene Koalition ſchon vor einem Jahre auf=
löſungsreif
geweſen iſt: damals ſchon hatte anläßlich der Landes=
wahlen
die Wählerſchaft ein nicht mißzuverſtehendes Mißtrauens=
votum
gegen ſie gefällt, und die Koalition vermochte ſich nur da=
durch
zu behaupten, daß ſie die politiſche Bedeutung der Landes=
wahlen
ſich anzuerkennen weigerte. Mit dem Vorwurf politiſcher
Falſchmünzerei belaſtet, konnten ihre Mitglieder durch eine faſt
grotesk wirkende Schändung demokratiſcher Grundſätze wohl die
Macht in Händen behalten, aber die innere Fäulnis des Blocks
tſchechiſche und deutſche konnten nicht immer und überall den
Agrariern Gefolgſchaft leiſten, wollten ſie nicht Gefahr laufen,
ihre Wählerſchaft zu verſtimmen; dazu kamen unerguickliche Strei=
tigkeiten
zwiſchen der Führerſchaft, und endlich erhielt der Block
eine ſo heftige Erſchütterung durch die unerwarteten Auswir=
kungen
des Prozeſſes gegen Tuka im Lager der ſlowakiſchen
Volkspartei, daß, wie erwähnt, der Verſuch, die Vormachtſtellung
der Agrarier gegenüber den übrigen Koalitionsparteien, vor allem
gegenüber der zweitſtärkſten Koalitionsgruppe (der katholiſchen
Volkspartei) noch weiter auszubauen, zum Sturze dieſes auf
wenig ideeller Grundlage aufgebauten Kabinetts führen mußte.
und die Ernennung des agrariſchen Abgeordneten Viskovſky zum
lungen ebenfalls noch nicht in Gang gekommen. Immerhin ſind, führt haben; dieſe Vorgänge verſchärften lediglich die Zuſtände
willkommen waren. An dieſer Tatſache ändern auch nichts die

Kombinationen über die tieferen Urſachen des plötzlich zum Aus=
bruch
gekommenen Konflikts. So wird von einer Seite behaup=
tet
, daß Viskovſky, der vom Miniſterpräſidenten Udrzal mit der
Geſte eines Diktators ernannte neue Landesverteidigungsminiſter,
ſeine Beförderung ſeiner Anhänglichkeit zur ſogenannten Burg=
politik
verdankt (damit bezeichnet man in Prag jene politiſche
Linie, die von Maſaryk und Beneſch beſtimmt wird), von einer
anderen wieder deutet man die ganze Ernennungsgeſchichte als
einen geſchickten Schachzug der Agrarier gegen die Katholiken in=
ſofern
, als ſie, mit den vorausſichtlichen Folgen der Ernennungs=
komödie
rechnend, einen Plan der katholiſchen Parteien durch=
kreuzten
. Dieſer Plan, von den deutſchen Chriſtlichſozialen aus=
gehend
, zielte auf eine Zuſammenfaſſung der katholiſchen Grup=
pen
innerhalb der Koalition hin, die unter dem Einfluß des
Vatikans hätte zuſtandegebracht werden ſollen. Die ſlowakiſche
Volkspartei, zu deren führenden Köpfen der angeklagte Profeſſor
Tuka gehört, zeigte ſich dieſem Projekt geneigt, und darin ſahen
die Agrarier offenſichtlich eine Gefahr für ihre Poſition. Der
Miniſterpräſident Udrzal begegnete ihr mit der Ernennung Vis=
kovſkys
, die tſchechiſchen Katholiken ſchlugen, weil ſie ſich über=
vorteilt
glaubten, Lärm und der Anlaß für das Auseinander=
gehen
der Koalition war gegeben.. Auf dieſe Weiſe hat man in
Prag zwei Fliegen mit einem Schlag getroffen: einmal iſt der
Anſchein erweckt worden, als ob die Zuerkennung eines vierten
Miniſtermandats an einen Agrarier und die daraus reſultierende
Unzufriedenheit der katholiſchen Volksparteiler die Auflöſung
des Kabinetts herbeigeführt hätte und zum zweiten erſcheint
der ſlowakiſchen Volkspartei die Möglichkeit genommen, als
Revanche für eine Verurteilung Tukas die Koalition zu zer=
trümmern
..
Nicht erläßlich bleibt bei der nunmehr gegebenen Sachlage
eine kurze Rückſchau auf die Tätigkeit des jetzt abtretenden ge=
miſchtnationalen
Kabinetts. Sie bietet, ſoweit die Intereſſen des
Deutſchtums berückſichtigt werden, wenig Erfreuliches, wenn auch
zugegeben ſein ſoll, daß die deutſchen Regierungsparteien redlich
bemüht geweſen ſind, ſich das Lob der tſchechiſchen Koalitions=
brüder
zu erwerben. Daß ſie in dieſem Beſtreben oft weit über
die Grenzen hinausgegangen ſind, die nationales Ehrgefühl ſich
ſelbſt zieht, hat ihr Anſehen hüben wie drüben nicht heben können.
Sie haben ihre Stimme häufig dann zugunſten des tſchechiſchen
Standpunktes in die Wagſchale geworfen, wenn es ſich um wich=
tige
, das Deutſchtum treffende Maßnahmen und Entſcheidungen
der Regierung handelte, ſie haben für ein Gemeindegeſetz ge=
ſtimmt
, das dazu mißbraucht wird, die Hilfstätigkeit für deutſche
Wohlfahrts= und Kulturſtätten abzudroſſeln, ſie haben nicht ver=
ſucht
, die Aufhebung der autonomen Bezirksverwaltungen, die
Errichtung von Landesvertretungen mit tſchechiſcher Diktatur über
die deutſchen Landesteile zu verhindern, und ſie waren es ſchließ=
lich
, die, der ungeheuren Belaſtung der Bevölkerung durch Steuern
und Abgaben ungeachtet, für den Staatsvoranſchlag ſtimmten,
der rieſige Summen für die militäriſchen Rüſtungen vorſieht. Ihr
Schuldkonto iſt in den dreieinhalb Jahren der Wirkſamkeit der
nuumehr abgetretenen Regierung ſo ſtark angewachſen, daß ſie
von dem ſie ſeltſamerweiſe ziemlich unvorbereitet treffenden Zer=
fall
des Blocks peinlich überraſcht ſind ganz im Gegenſatz zu
den Oppoſitionsparteien, die die Entwicklung der Dinge längſt
vorausgeſehen hatten und Neuwahlen ziemlich gerüſtet entgegen=
ſehen
können.
Noch zwei Jahre hätte die jetzt auseinandergebrochene
Koalition das Staatsſchiff durch die Geſchichte zu lenken gehabt.
Daß ſie es reichlich ungeſchickt angeſtellt hat, dafür liegen heute
deutliche Beweiſe vor; obwohl es ebenſo gerecht wie vernünftig
iſt, einen ſchlechten Steuermann abzuſetzen und ſeine Stelle einem
tüchtigeren einzuräumen, ſcheint es die Tſchechoſlowakei vorzu=
ziehen
, das Steuer ihres Staatsſchiffes nur vorübergehend in
zuverläſſige Hände zu geben. Glaubt ſie, an Klippen und Fähr=
lichkeiten
vorbei zu ſein, dann vertraut ſie ſich dem unzuverläſſigen
Lenker wieder an. Von langer Dauer kann ſolche Gondelei nicht
ſein. Nach elf Jahren ſtändiger Verſuche ſollte man dies, wie
anzunehmen wäre, in Prag eigentlich ſchon erkannt haben!
Korrupkionsfkandal in Japan.
Nach der Verhaftung des früheren Eiſenbahnminiſters im Kabinett
Damit iſt freilich nicht geſagt, daß der Tukaprozeß einerſeits Tanaka, Ogawa, der in einen aufſehenerregenden Korruptionsſkandal
verwickelt iſt, ſind bereits zwei neue Verhaftungen hoch=
Landesverteidigungsminiſter andererſeits den Zerfall des bis= ſtehender politiſcher Perſönlichkeiten unter ähnlichen
herigen gemiſchtnationalen Bürgerblocks unmittelbar herbeige= Anſchuldigungen erfolgt. Es handelt ſich in dieſem Falle um den Lei=
ter
des Amtes für Ordensauszeichnungen, der bei Empfehlungen von
Ordensverleihungen durch den Kaiſer von Japan anläßlich der Thron=
innerhalb
des Kabinetts, ſo daß ſie als Ausweg aus der Unmög= beſteigung ſich hatte beeinfluſſen laſſen, ſowie um den früheren Vize=
könig
von Korea, der in einen großen Korruptionsſkandal auf dieſer
Halbinſel verwickelt ſein ſoll.

Herakles jedesmal, wenn er die Erde berührt, empfängt, liegt die
tiefſte Sinndeutung geopolitiſcher Betrachtung.
Erſchöpfte ſich die Bedeutung der Geopolitik aber in dieſen
vergeiſtigten Beziehungen, ſo wäre damit der praktiſch=politiſchen
Betrachtungsweiſe wenig gedient. Und gerade darin ſucht ſie ja
als Kunſtlehre ihre vorwiegende Beſtimmung. Das reich=
lich
vorhandene geographiſche Material zu ſichten, aus ihm und
ſeiner Verbindung mit anderen weſentlichen politiſchen Faktoren
hier wäre vor allem der Wirtſchaft zu gedenken ein ſyn=
thetiſches
Bild zu entwerfen, iſt ihre Aufgabe.
Doch ſelbſt die Wirtſchaft kann ſich der geopolitiſchen Analyſe
nicht entziehen, denn auch ſie, und gerade ſie, iſt erdgebunden.
Ohne auf die ſchwierigen Induſtrieſtandortsprobleme eingehen zu
wollen es leuchtet ohne weiteres die Verbundenheit mit dem
erdentwachſenen Rohſtoff ein. Damit wird die Rohſtoffwirtſchaft
ein mächtiges und gerade in der neueſten Zeit am eheſten zu
beſtimmendes Symptom geopolitiſcher Strömungen. Nur auf die
Bedeutung etwa der Oelfelder für das politiſche Sein ſei in die=
ſem
Zuſammenhang hingewieſen. Dieſe Bedeutung erſchöpft ſich
nicht in einer rein wirtſchaftlichen, ſondern ſie weiſt außerdem
weſentliche geopolitiſche Einſchläge auf. Wie warde und wie iſt
der Britiſche Empire? Warum und wie wuchs der ruſſiſche
Staat? Die geopolitiſche Funktion der Meere und Meerengen.
Die geopolitiſche Schwergewichtsverſchiebung vom Atlantik zum
Pazifik die ſich deutlich vorbereitet und in einzelnen Dingen
bereits vollzogen iſt , das alles ſind Fragen und Probleme
geobolitiſcher Betrachtungsweiſe. Hier wird klar, wie ſehr die
Geoyolitik einerſeits aus dem unerſchöpflichen Brunnen der geo=
graphiſchen
Fachwiſſenſchaft ſchöpft und andererſeits die innige
Verbindung mit dem im politiſchen Leben Stehenden oder an
ihm nur Intereſſierten herſtellt und aufrecht erhält.
So iſt die Geopolitik ein außerordentlich ernſt zu nehmendes
und nützliches Werkzeug der Politik, der ſie dadurch einen beſon=
deren
Dienſt leiſtet, daß ſie die kleinen alltäglichen Diskuſſionen
und Kämpfe verſchwinden läßt und das ganze Zeitgeſchehen aus
einer erhabenen Vogelſchau betrachtet, die ihr einen Umblick in
teitem Rund geſtattet, ohne daß ſie ausgerüſtet mit ſcharfen
Gläſern di= wichtigen Einzelheiten überſehen müßte.
Maucher möchte vielleicht im Streben der Geopolitik ein
sacrifieium indiridui erblicken und das Anſinnen ablehnen,
eigener Entſchlüſſe nicht mehr fähig und nur unter einem erd=
haften
Zwang handelnd zu ſein. Niemand jedoch will ihm dieſe
Fähigkeit eigener Entſchließungsfreiheit rauben falls er ſie je
beſ ſſen hat. Ohne darauf hinzuweiſen, daß nicht einzuſehen iſt,
warum der mikrobenhaft der Erdoberfläche anhaftende Menſch

Zum 250. Todeskag des Philoſophen Thomas Hobbes

Thomas Hobbes.
Die philoſophiſche Welt feiert in dieſen Wochen den 250. Todestag
des großen engliſchen Philoſophen Thomas Hobbes. Hobbes der
1588 gehoren iſt, hat in erkenntnistheoretiſchen und ſtaatsphiloſo=
phiſchen
Schriften die engliſche Aufklärungsphiloſophie begründet.
Berühmt iſt neben ſeiner empiriſchen Erkenntnistheorie ſeine
Theorie vom urſprünglichen Krieg Aller gegen Alle, der durch den
Staatsvertrag beendet wurde.

nicht Vollſtrecker ihm durch dieſe Erde vorgezeichneter Tätigkeit
ſein ſoll . . ., es iſt ihm auch im Rahmen ſtrengſter geopolitiſcher
Betrachtung genügend Spielraum gelaſſen. Iſt etwa Bismarck
ein willenloſer Menſch darum geweſen, weil er der deutlich ſicht=
baren
damals aber von ihm allein erſchauten Tendenz des
preußiſchen Staates, immer mehr ins Reich hineinzuwachſen,
zum Siege verhalf?
Man möchte faſt meinen, daß es die Aufgabe der Geopolitik
ſei, was in früheren Zeiten nur ganz wenige inſtinktiv erfaßten,

einem weiteren Kreiſe dadurch zugänglich zu machen, daß ihm das
Rüſtzeug zur Hand gegeben wird, mit dem zu arbeiten dann
allerdings immer noch ſeine eigene Aufgabe ſein wird.

Heſſiſches Landeskheaker.
Großes Haus. Samstag, den 28. September.
Der fliegende Holländer.
Romantiſche Oper von Richard Wagner.
Als Holländer gaſtierte vorgeſtern und heute der württem=
bergiſche
Kammerſänger Wilhelm Faßbinder. In dem
ſehr geſchätzten Stuttgarter Heldenbariton, der unter Buſch,
Roſenſtock, Leonhardt gearbeitet, in München, Berlin, Dresden,
London erfolgreich gaſtiert hat, ſtand ein ausgereifter Künſtler
vor uns. Mit den gut geſchulten Mitteln eines ausgiebigen,
klangvollen Materials erfreute er durch eine geſanglich hoch=
ſtehende
Leiſtung.
Und dennoch enttäuſchte er unſere hier verwöhnten Augen
und Ohren. Die heutige Aufgabe, die nur aus myſtiſchem, dämo=
niſchem
Bereich zu geſtalten iſt, entſpricht nicht ſeiner Natur. Er
hat vorwiegend nicht dramatiſche Begabung; jedenfalls iſt er
kein Charakteriſtiker, wohl ein Schönſinger, doch ohne perſönliche
Note und ſo mußte er ſeiner Rolle das Weſentliche ſchuldig
bleiben.
Sylveſter Bunſel ſang den Steuermann zum erſten
Mal, und zwar ſehr ordentlich.
v. H.

Kunft, Wiſſenſchaft und Leben.
* Hermann Heiß im Rundfunk. Geſtern mittag
wurde die Kleine Suite Nr. 2 von H. Heiß in Berlin auf=
geführt
und im Rundfunkſender (Deutſche Welle) verbreitet. Im
Februar brachte Elſe C. Kraus (ebenfalls gebürtige Darm=
ſtädterin
) im Rahmen der modernen Abende des Berliner Ton=
künſtlervereins
als berufenſte Interpretin moderner Muſik die
Kompoſition E-Eis-D für Klavier von H. Heiß zur Urauffüh=
rung
. Sechsfacher Hervorruf bewies das Intereſſe, das man
dem Komponiſten bei ſeinem erſten Auftreten in Berlin entgegen=
brachte
. Ebenſo würdigte die Preſſe die Kompoſition mit loben=
der
Anerkennung. Im Laufe des kommenden Winters wird in
Berlin eine Kompoſition für Geige ſolo und in Breslau das im
Vorjahr in Darmſtadt uraufgeführte Klavierkonzert geſpielt
werden,

[ ][  ][ ]

Seite 4

Sonntag, den 29. September 1929

Nummer 270

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Rummer 270

Sonntag, den 29. September 1929

Seite 3

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, 29. September.

ᛋfnet eine ſo ungemein rege Beachtung, daß ſich der Veranſtalter, Dr.
Ifund, veranlaßt ſieht, trotz der Geläufigkeit, mit der alle Welt heute
fiografiert, die Beſonderheiten im Werk von van der Smiſſen, Coll=
inun
und Renger darzutun, die ehen niemals geläufig werden können.
Der erſte Vortrag im kleinen Saal des Muſeums am Freitag galt
ria der Smiſſen, dem einzigartigen Fachmann in der Wiedergabe von
2eken der bildenden Kunſt, und in der Tat, ſelbſt die Projektion von
Awvoſitiven auf die rauhe Leinwand konnte den Abbildungen die
=Brllanz, die genaue Zartheit und die fein verwobenen Töne nicht zer=
1förn.
Van der Smiſſen iſt der einzige, ſagt Dr. Freund, der Rembrandts
zbder ſo auf die fotografiſche Töneſkala überträgt, daß Rembrandt
Ulſbt, daß der Raum und die Bilddichte, die Maſſen, daß all die Arten
tio hell und dunkel ſich treulich erhalten finden.
Denn van der Smiſſen gibt und läßt jedem Werk das Seine; ſein
neignes Können und ſein Vorſatz gelten ihm nichts vor dem Kunſtwerk,
tug der Künſtlerberſönlichkeit und ihrer Ausdrucksweiſe. Er hat die
UEtaße der Malerei des letzten halben Jahrtauſends abgeſchritten, ganz
Soier des Kunſtwerks, feinnervig, behutſam und zurückhaltend.
In analytiſchen Ausſchnitten aus Bildern vermittelt er Erkenntnis
Ehnr Syntheſe, dient alſo damit auch der Forſchung und der Einfüh=
ug
des Laien. Darum läßt das Landesmuſeum v. d. Smiſſen dauernd
ſich arbeiten, ebenſo der Kochverlag, und die Reproduktionen im
ſialog der Ausſtellung Der ſchöne Menſch ſind ebenfalls ſein Werk.
Aber nicht nur Bilder verſteht v. d. Smiſſen aufrichtig und über=
Fielgzend in Fotografie wiederzugeben, ſondern auch körperliche Gegen=
fäde
des Kunſthandwerks und der Bildhauerei, Gläſer, Gewebe, Elfen=
ſen
= und Gußplaſtik, getriebene Edelmetallarbeiten. Ornament und
fam, Materialweſen und Erſichtlichkeit des Zwecks, am Gegendſtand
etennt wahrgenommen, gelangen im Lichtbild zu einer Zuſammenſicht,
w ſie unmittelbar mit den Sinnen garnicht herzuſtellen iſt, ſondern
ich ſekundär durch Nachdenken erreicht wird. Alles führt im Lichtbild
ich ſeine Lebensluft als ſein ureigenes Erzeugnis mit ſich.
Wirklich, man muß Dr. Freund beipflichten, wenn er Dankbarkeit
ſadert für den Lichtbildner, der auf den dürftigen Unterlagen von
Gsplatte und Glanzpapier dieſen Anhauch vermittelt.
Rit.
Ernannt wurde am 19. September der Notar Rudolf Wen=
dſcker
in Sprendlingen (Rheinheſſen) zum Notar mit dem Amtsſitz
nWöllſtein als Nachfolger des in den Ruheſtand getretenen Notars
Aſtizrat Richard Münch, mit Wirkung vom 10. Oktober 1929 ab.
80. Geburtstag. Von dem Herrn Reichspräſidenten von Hin=
dn
burg erhielt zu ſeinem 80. Geburtstag Herr Rechnungsrat
Andzettel ein Glückwunſchſchreiben mit dem Bildnis des Ge=
minten
. Herr Landzettel hat 1870/71 die Schlachten von Gravelotte,
Niſſeville, Beaume la Rolande und Orleans mitgemacht und war dabei
Adonnanz=Reiter bei dem Kommandeur des 1. Heſſ. Reiter=Regiments
Derſt von Grolman, bei Brigade=Kommandeur von Lynker und bei
8. Cxzellenz dem Kommandierenden General von Voigt=Rheetz. Nach
de Schlacht von Gravelotte erhielt er das Eiſerne Kreuz und wurde
vn Gemeinen zum Unteroffizier befördert. Als Mitgründer und
lagjähriger Kolonnenführer der Darmſtädter Freiwilligen Sanitäts=
clonne
vom Roten Kreuz, die er auch zu Beginn des Weltkrieges
nieder geführt hat, erhielt er die Rote=Kreuz=Medaille. Zu dem
fuhen Feſttag, den der Jubilar im Kreiſe ſeiner Angehörigen und
Arwandten beging, überbrachten die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz,
9 Turngemeinde Darmſtadt 1846, und die Stammtiſchrunde ihre
Ainſche und Gaben. Ein Ständchen der Kampfgenoſſenſchaft ſchloß die
ſön verlaufene Feier.
Geſchäftsjubiläum. Herr Schuhmachermeiſter Jakob Späth,
Rbigſtraße 7, feiert heute in voller körperlicher und geiſtiger Friſche
ſein fünfzigjähriges Geſchäftsjubiläum.
Heſſiſches Landestheater Darmſtadt. Heute Erſtauffüh=
ung
der Dreigroſchenoper. Zum erſten Male gelangt
hute Sonntag, 19.30 Uhr, im Großen Haus Die Dreigroſchen=
iwer
, ein Volksſtück mit Muſik von Bertolt Brecht und Kurt Weill.
ü der Inſzenierung Renato Mordos (Bühnenbilder: Lothar Schenck
zn Trabb) zur Aufführung. Die Hauptrollen des Stückes ſind mit
anz, Hoffart, Keßler, Gothe Maletzki, Conradi, Mosbacher beſetzt.
Tuſikaliſche Leitung: Erwin Palm. Die Erſtaufführung iſt der Miete C
fFrteilt.
Figaros Hochzeit, die volkstümliche Mozart=Oper, wird
ue Sonntag, 19 Uhr, im Kleinen Haus unter muſikaliſcher Leitung
17 Dr. Karl Böhm wiederholt. Mitwirkende: Herrmann, Stoſch,
(haldi, Walter, Harre, Jacobs, Kuhn, Vogt. (Miete K Tl, Bühnen=
4Usbund).
Erſtes Sinfoniekonzert im Landestheater. Am
Kontag, 7. Oktoher, findet im Landestheater unter Leitung von Gene=
UImuſikdirektor Dr. Karl Böhm das erſte Sinfoniekonzert der neuen
ſpielzeit ſtatt. Es gelangen Beethovens Klavier=Konzert G=Dur und
ruckners Sinfonie Nr. 5 B=Dur zur Aufführung. Soliſtin des Abends
1 die Pianiſtin Frieda gwaſt=Hodapp.
Theo Herrmann ſingt am 3. Oktober an ſeinem Liederabend
h Kleinen Haus u. a. von Hugo Wolf: Prometheus, von Nichard
ſtrauß: Am Ufer, Waldſeligkeit, von Schubert: Der Zwerg, Grenzen
r Menſchheit, von Löwe: Odins Meeresritt. Die Auswahl der Lieder
ſbt dem Publikum Gelegenheit, Herrmanns Vortragskunſt im Konzert=
ſal
hinreichend zu beurteilen. Beſonders ſei noch erwähnt, daß die
ſarten an der Tageskaſſe des Kleinen Hauſes zu Preiſen von 0,80 Mk.
fs zu 3,00 Mk. ausgegeben werden.

Zreie Linerariſch-kunnteriſche Geſeuſchaft.
Die Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft hat infolge der
Bekanntgabe ihres ausgezeichneten Winterprogramms wieder
eine große Zahl neuer Mitglieder gewonnen. Die Veranſtal=
tungen
werden am Donnerstag, den 10. Oktober, im Kleinen
Haus des Landestheaters mit einem Tanzabend von Vera
Skoronel=Berlin, der jungen Tanzkünſtlerin, die neuerdings
in den deutſchen Großſtädten außerordentliche Erfolge errungen
hat, eröffnet. Von beſonderem Reiz iſt es ſtets, bedeutende Dich=
ter
ſelbſt am Vortragspult begrüßen zu können: Felix Tim=
mermanns
, der vielverehrte Plame, und Marie Luiſe
Fleißer, eine Vertreterin modernſter Richtung, werden im
Laufe des Winters eigene Werke leſen. Die Literariſche Parodie
vertritt Robert Neumann=Wien, der Verfaſſer der köſtlichen
Dichter=Porträts. Ein Geſamtgaſtſpiel des Frankfurter
Schauſpielhauſes führt eine wertvolle dramatiſche Neu=
heit
in Darmſtadt ein; ein weiterer Abend wird der modernen
Muſik gewidmet ſein. Die heute überaus beſonderen Pro=
bleme
der Ehe behandelt der Dichter und Philoſoph Dr. Frank
Thieß. Unter dem Stichwort Das rote Zelt wird Pro=
feſſor
Dr. Behouneck=Prag mit Lichtbildern ſeine Erlebniſſe
auf der Expedition Nobiles nach dem Nordpol ſchildern. So
verſpricht das Programm acht hervorragende und genußvolle
Abende, zu deren unentgeltlichem Beſuch die Mitgliedſchaft
(numerierter Sperrſitz 10 Mk., Saal 6 Mk.) berechtigt. Neu=
anmeldungen
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50 Mufeier der Schufnacherinung Dumſtol.
Vor nunmehr 50 Jahren wurde in Darmſtadt die Schuhmacher=
Innung gegründet, die, auf den Traditionen der alten und längſt ver=
gangenen
Zünfte aufbauend, dieſe in modernem Geiſte fortſetzte. Mit
berechtigtem Stolz kann die Darmſtädter Innung am heutigen Tage
wenn er auch in eine für die geſamte Volkswirtſchaft und für das
Handwerk beſonders ſchwere Zeit fällt auf dieſe 50jährige Tradition
zurückblicken. Es war darum kein Wunder, den Fürſtenſaal an dem
geſtrigen Begrüßungsabend dicht beſetzt zu finden. Die Meiſter nebſt
ihren Angehörigen, Geſellen und Lehrlingen, ſowie eine Anzahl von
Gäſten hatten ſich eingefunden zu einer ſchlichten, aber eindrucksvollen
Feier, die den Auftakt zur hertigen Hauptverſammlung bildete. Die
Feier wurde eröffnet durch den Florentiner Marſch. Namens der
Schuhmacher=Innung begrüßte ſodann Obermeiſter E. Späth die
Verſammelten und gab ſeiner Freude über das zahlreiche Erſcheinen
Ausdruck. Wenn auch die ſchwere Zeit ein Feſtefeiern eigentlich ver=
biete
, ſo ſei doch für das Schumacher=Handwerk eine Beſinnung auf
die bisherige Tradition und damit eine Stärkung für die derzeitigen
und kommenden ſchweren Zeiten unerläßlich. Doch habe er die feſte
Ueberzeugung, daß ſich das Schuhmacherhandwerk, wenn es auch zur
Zeit ſchwer um ſeinen Stand zu kämpfen habe, ſchließlich doch eine wich=
tige
und geachtete Stellung erhalten werde. Seine Worte wurden mit
Beifall von den Verſammelten aufgenommen, zu denen dann namens
der Handelskammer Dr. Kollbach einige Begrüßungsworte ſprach.
Im Auftrag des Heſſiſchen Schuhmachermeiſterverbandes begrüßte deſſen
Vorſitzender Rohde die Erſchienenen, denen er die neuerworbene
Vereinsfahne, als ein Sinnbild der Einigkeit und des Selbſtbehaup=
tungswillens
hinſtellte. Auf die Anſprachen folgten turneriſche Dan
bietungen, die von vier Turnerinnen exakt und ſauber ausgeführt wur=
den
. Der Volkschor unter perſönlicher Leitung von Profeſſor Dr.
Noack ſang mehrere Lieder, die Schuhblattler=Abteilung des Bayern=
Vereins tanzte eine Reihe der heimiſchen Tänze und erntete damit
ebenſo wie der Volkschor mit ſeinen geſanglichen Darbietungen reichen
Beifall. Die Feier wurde umrahmt von muſikaliſchen Darbietungen
eines Trios, das mit ſeinen verſchiedenen volkstümlichen Stücken eben=
falls
auf lebhaftes Intereſſe ſtieß. Ein Potpourri Vom Rhein bis
zur Donau beſchloß die in allen Teilen wohlgelungene Veranſtaltung,
der heute die Hauptverſammlung folgt.

Orpheum. Heute Sonntag, 29. September, findet die vorletzte
Aufführung Das Abſteigequartier von Auguſte Aſchaume
mit der bekannten Film= und Bühnenſchauſpielerin Lilly Flohr als
Gaſt ſtatt. Es gelten auch heute Volkspreiſe von 0,802,00 Mk. Der
Beginn der heutigen Vorſtellung iſt auf 8 Uhr feſtgeſetzt. (S. Anz.)
Am 1. Oktober eröffnet das Enſemble des Wiener Bürger=
Theaters mit der großen Ausſtattungs=Revue=Operette Ohne
Kleid tut mir leid ein kurzes Gaſtſpiel im Orpheum. Mit
der großen internationalen RevueAttraktion Inge Rang vom
Moulin Rouge (Paris) in ihren Originalkoſtümen, wie ſie nur Miſtin=
guetto
(Paris) zeigt. In den Hauptrollen wirken mit die Damen
Senta Liberty, Ellen Pfitzner, Martha Salm; die Herren Willyz Schur,
Julius Aurich, Hans Müller=Berany. Otto Bloßfeld. Außerdem die
zwölf Liberty=Girls und das Wiener Chor de Ballett. Die muſikaliſche
Leitung liegt in den Händen von Kapellmeiſter Max Stein. Die
überaus prunkvolle Ausſtattung dieſer Revue=Operette, die überaus
humorvolle Handlung werden dem Wiener Enſemble auch anläßlich
ihres Darmſtädter Gaſtſpiels, wie überall, den vollen Erfolg ſichern.
Die Vorſtellungen beginnen um 8.15 Uhr. Der Vorverkauf hat be=
gonnen
.
Vortrag. Der zweite der von der Gemeinſchaft Porza ver=
anſtalteten
Vorträge Fotos und Fotografen von Dr.
Karl Freund findet am Dienstag, 1. Oktober, im Vortragsſaal des
Heſſiſchen Landesmuſeums (Eingang im Turm hinter dem Krieger=
Denkmal) um 20 Uhr 15 Min. ſtatt. Thema: Der Fotograf Albert
Renger=Patzſch‟ Der Vortrag iſt auch für Nichtmitglieder der Gemein=
ſchaft
Porza zugänglich.
Erſtes Akademie=Konzert. Es ſei hiermit nochmals auf den
morgen Montag ſtattſindenden Arien= und Lieder=Abend von Frau
Fohanna Heſſe mit Werken von Schubert und Wagner aufmerk=
ſam
gemacht. Die Mieter werden gebeten, die noch nicht abgeholten
Mietkarten im Sekretariat der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt
Eliſabethenſtraße 36 noch vor dem Konzert abzuholen, da abends
an der Kaſſe Mietkarten nicht abgegeben werden können. Nach dem
Konzert gehen Omnibuſſe der Heag nach den verſchiedenſten Richtungen.
HK. Geſchäftsſtenographen=Prüfung. Der Termin für die Geſchäfts=
ſtenographen
=Prüfung des Geſchäftsſtenographen=Prüfungsausſchuſſes
Starkenburg iſt auf Sonntag, den 3. November, vormittags
9 Uhr, in der Mittelſchule 2 zu Darmſtadt. Hermannſtraße, feſtgeſetzt
worden. Anmeldungen haben unter Angabe von Namen, Wohnort,
Straße und Hausnummer, Geburtstag und sort, Beruf, Silbenzahl und
Einſendung von 2 RM. Prüfungsgebühr an die Heſſiſche Induſtrie=
und Handelskammer, Darmſtadt, Rheinſtraße 14, I. (Eingang Grafen=
ſtraße
), bis ſpäteſtens Dienstag, den 29. Oktober 1929, zu erfolgen. Die
Prüfung kann nur in Einheitskurzſchrift, und zwar in den Geſchwindig=
keitsſtufen
von 150 Silben an, abgelegt werden. Im Zuſammenhang
mit dieſer Prüfung und mit Genehmigung des Stenographen=Prüfungs=
Ausſchuſſes Starkenburg findet gleichzeitig eine Vorprüfung, in
120 Silben ſeitens des Heſſiſch=Naſſauiſchen Kurzſchriftverbandes ſtatt,
um Anfängern in der Stenographie Möglichkeit zur Eingewöhnung an
öffentliche Prüfungen zu geben. Die Gebühr für die Vorprüfung be=
trägt
1 NM. Die erfolgreiche Teilnahme an der Vorprüfung wird von
einem Beauftragten des Heſſen=Naſſauiſchen Kurzſchriftverbandes be=
ſcheinigt
werden. Anmeldungen zu der Vorprüfung haben in der glei=
chen
Weiſe wie die zur Geſchäftsſtenographen=Prüfung bei der Heſſi=
ſchen
Induſtrie= und Handelskammer in Darmſtadt, Rheinſtraße 14, I.
(Eingang Grafenſtraße), zu erfolgen.

M
DleUN

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weil man weiß, daß HORCH keine Ex-
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CRt 6

Nummer 270

Af darnktadk. Vereinigung fir Orksgeſchichte
und Heimakkunde.
284. Veranſtaltung.
Zu einem Berichtsabend unter dem Leitwort Allerlei Altdarm=
ſtädtiſches
hatte man ſich zuſammengefunden. Zur Eröffnung des
Abends gedachte der Vorſitzende Herr Philipp Weber der Hundert=
jahrfeier
der ehemaligen Höheren Töchterſchule, heute Viktoriaſchule,
und betonte, daß es ein beſonderes Nuhmesblatt in der Geſchichte
unſerer Stadt iſt, daß man dem Schulweſen ſchon in früheſten Zeiten
ein gutes Verſtändnis entgegenbrachte. Mit beſonderem Stolz dürfen
wir auf unſere Altvorderen zurückblicken und es ihnen heute beſonders
danken, daß ſie allezeit Heger und Pfleger der Schulen geweſen ſind.
Alt=Darmſtadt, das an allem, was die Stadtgeſchichte angeht, regen
Anteil nimmt, wünſcht der feiernden Anſtalt auch weiter ein gutes Vor=
wärtsſchreiten
und eine gute Weiterentwicklung.
Zu dem Berichtsabend lieferte als erſter einen Bericht Herr Nu=
dolf
Anton. Er brachte einen kurzen Abriß aus dem Leben der
Zünfte in unſerer Stadt. Als älteſte Zunft in unſerer Stadt könnte
man die Zunft der Bender oder Küfer anſprechen, von denen ein
Zunftbrief aus dem Jahre 1627 vorliegt; es iſt aber anzunehmen, daß
dieſe Zunft ſchon früher beſtand. Von weiteren Zünften wurden er=
wähnt
die Glaſer, Zimmerleute, Schloſſer, Spengler Letzhendecker
(Dachdecker), Tapezierer, Schreiner, Schneider, Metzger, Bäcker uſw.
Es wurde dabei darauf hingewieſen, daß unſer Stadtmuſeum ein Zunft=
zimmer
mit Zunftladen, Fahnen, Zunftbriefen uſw. beſitzt. Jede Zunft
hatte ihre feſtgelegte Zunftordnung, die den genauen Werdegang vom
Lehrling zum Geſellen und Meiſter vorſchrieb. Ein Zunftzeugnis als
Beiſpiel aus dem Jahre 1730 lautet folgendermaßen:
Wir ſämtliche Meiſter des ehrſamen Metzger=Handwerks, in der
Hoch, Fürſtl. Heſſiſchen Reſidenzſtadt Darmſtadt, Thun kund und be=
kennen
hiermit Krafft dieſes Briefes, daß von 1798. von Faſtnacht bis
auff Bartholomeh 1730ten laufenden Jahres vorweiſer dieſes
Johann Burger von Frankenhauſen
bei Unſerem Mit=Meiſter und Bürgern allhier Lorentz Schober, Mit=
meiſter
vor einen Metzgerknecht gedient, und ſich nach Ausſag gedachten
Unſers Mit=Meiſters die Zeit über dergeſtalt fromm, ehrlich und wohl
verhalten habe, daß man Ihm anderſt nicht als alles liebes und
gutes nachſagen könne, alldieweilen Er aber nun ſeine Dimiſſion und
Zeugnis ehrlichen Verhaltens angeſucht, welches Wir Ihm nicht ab=
ſchlagen
dürfen, als hat man Ihm dieſe Atteſtaktion unter Beidruckung
allhieſigen kleinen Zunft=Inſiegels mitgetheilt.
Geben in der Hoch=Fürſtl. Heſſiſchen Reſidenz=Stadt Darmſtadt,
den 24. Auguſt 1730. Bekken ich wie obe ſteht;
Johann Kaſpar Enßlin als Zunftmeiſter
gez. Schober
(T. 8.) Joh. Leonh. Bachmeher der Jüngere.
Weiter ſprach der Redner über Zunftgebräuche, über Darmſtädter
Zunfthäuſer, und führte Wandergeleitsbriefe und Zunftzeugniſſe vor.
Der Ausſchnitt gab ein Bild von dem Handwerk und ſeiner engen Ver=
bindung
und ſeinem Streben in der guten alten Zeit. Die Ausführun=
gen
wurden mit dankbarem Beifall entgegengenommen.
Als zweiter Berichterſtatter brachte Herr Hugo Stieſi der
Aeltere Epiſoden aus der Zeit der Befreiungskriege. Aus Briefen vom
2. Oktober 1813 gab der Redner ein Bild von der Stimmung in
unſerer Stadt in jenen Tagen. Ferner, wie dann in einem Brief vom
2. November 1813 von der Ankunft zweier verbündeter Monarchen in
Darmſtadt erzählt wird. Wie am 31. Oktober Alexander I. von Ruß=
land
hier ankam und unter beſtändigem Vivatrufen vorm Palais emp=
fangen
wurde. Ihm folgte Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Be=
ſonders
intereſſant für die Bevölkerung waren damals die ruſſiſchen
Kutſcher, die Vorreiter und das buntfarbige Gefolge, Tſcherkeſſen uſw.
Aber nicht nur friedliche Bilder aus jenen Tagen zeichnete der Bericht=
erſtatter
. Er erzählte auch von Plünderungen, die da und dort beſon=
ders
auf den umliegnden Dörfern vorgekommen waren, ſo z. B. in
Nieder=Ramſtadt, wo einige tauſend Koſaken lagen, die den Dorfbewoh=
nern
das Leben ſehr ſchwer machten. Am 1. Dezember 1813 war Reſerve=
Artillerie mit 130 Kanonen durchgekommen, ebenſo hatten 100 Pon=
tons
die Stadt paſſiert. Der Platz vor dem Alten Palais war der
Sammel= und Tummelplatz des Militärs, und hinter dem Palais, nach
dem Riedeſelsberg zu, bivakierte die Oeſterreicher Kavallerie. Auf dem
Exerzierplatz war ein Barackenlazarett aufgeſchlagen. 150160 000
öſterreicher Truppen paſſierten die Stadt, und es war ein ſehr bewegtes
kriegeriſches Bild. Im April 1814 marſchierte das Jägerkorps nach
Baſel ab, und nie waren dem Briefſchreiber Krieger von ſolchem Geiſt
erſchienen. Ganz Darmſtadt zog aus, ſie zu begleiten. Das Land hatte
jetzt 8000 Mann im Felde ſtehen, ohne die Landwehr, die vor Mainz
ſtand. General Dalwigk hatte bort etwa 3500 Mann. Es waren immer
wieder neue Truppenbewegungen in und um unſere Stadt herum.
Ernſte und heitere Epiſoden aus jenen Tagen, die für unſere Väter
eine ſchwere Zeit der Not bedeuteten, gab der Redner zum beſten, und
gab ſo ein Bild von unſerer Stadt in jener großen ernſten Zeit. Die
Zuhörer waren auch dieſen Ausführungen mit Intereſſe gefolgt.
Als dritter Redner ſprach Herr Philipp Weber über Allerlei
aus dem Verkehr im alten Darmſtadt. An Hand eines Verkehrsplanes
zeigte er, wie die alte Verkehrsſtraße Bwingenberg als den Mittel= und
Durchgangspunkte hatte, und ging dann dazu über, wie damals unſere
Altvorderen ſchwierig reiſen mußten. Gab dann ein Bild vom Verkehr
in unſerer Stadt ſelbſt und zeigte, wie die Zeit noch gar nicht ſo ganz
ferne iſt, wo eine Frau die Briefe in Darmſtadt im Henkelkorb aus=
trug
. Als Mittel des Verkehrs und zur Verbreitung der Nachrichten
diente das im Jahre 1738 gegründete, allergnädigſt privilegierte Frag=
und Anzeigeblatt (heutiges Tagblatt). Der Redner gab einen kurzen
Abriß aus der Gründungszeit des Blattes mit allerlei originellen An=
zeigen
, wie z. B.: Bei Mr. Duboe, Hof Peruquenmacher allhier, iſt
friſch angekommener Burgunder=Wein, die Bouteille a 8 Batzen, in=
gleichen
Champagner a 10 Batzen, wie auch Moſelwein a 6 Batzen zu
haben uſw. Dann gab der Redner ein Bild von der Torſperre mit
ihren ſcharfen Verordnungen. Es beſtand eine Sonntagsſperre, eine
Nachtſperre. In der erſten Hälfte des Januar wurden die Tore um
halb 5 Uhr, in der letzten um 5 Uhr geſchloſſen vom 16. Mai bis
Ende Juli um 9 Uhr. Eine Viertelſtunde vor Torſchluß wurde geläutet.
Ein= und Auslaß koſtete für jeden Fußgänger 2 Kr. Wer beim Um=
gehen
der Sperre ertappt wurde, mußte ſoviel Gulden als Strafe zah=
len
, als er Pfennige ſparen wollte. Von der Fremdenpplizei, vom
Fremdenverkehr um 1740 und ſpäter wußte der Redner zu berichten,
wie die Fremden im Trauben, im Adler, im Engel, im Wilden Mann,
im Fröhlichen Mann, im Viehhof, im Ochſen, im Anker, im Löwen, im
Schwanen, im Storch, in der Dianaburg uſwp., lauter gut renommierte
Gaſthäuſer, logierten. Weiter berichtete er über die Reiſeſchwierigkei=
ten
der Fürſten, von einer ergötzlichen Reiſe von Landtagsabgeordneten
uſw. Der Redner ſchloß mit der Schilderung einer Studentenreiſe
nach Gießen und einer poetiſchen Schilderung einer Reiſe im Jahre
1741, betitelt: Die allerneuſte =euriöſe Reißebeſchreibung von Gedern
nach Mannheim Gedern den 20. Januarii Anno 1741.
Der Reiſende kam auf ſeiner Hinreiſe nachts in Darmſtadt an und
ein kurzer Aufenthalt hier veranlaßte ihn zu folgenden Verſen: Gantz
Darmſtadt war bereits im Bette. Und wann nur beſſre Pferde hätte
Der Herr Poſthalter Lobeſan. Wir kriegten da ſehr ſchlechte Gäule,
Doch kamen nur ohn große Eile In Heppenheim des morgens an.
An die Ausführungen ſchloß ſich eine angeregte Ausſprache an, an
der ſich die Herren Wilh. Kaminſty, Regierungsrat Reuter und Dr.
Diery beteiligten.
Nächſte Veranſtaltung am 10. Oktober: Vortrag von Herrn Prof.
Rouge über Darmſtädter Schulerinnerungen an den heſſiſchen
Dichter Stefan George‟.

Sonntag, den 29. September 1929

D Tagesordnung zur Sitzung des ProvinzialAusſchuffes am 5.
Oktober 1929, vorm. 9 Uhr: 1. Klage des Bezirksfürſorgeverbandes
Worms=Stadt gegen den Bezirksfürſorgeverband Bensheim wegen ver=
weigerter
Uebernahme der Familie Friedrich Schäfer zu Worms in
eigene Fürſorge; 2. Klage des Bezirksfürſorgeverbandes Düſſeldorf=
Stadt gegen den Bezirksfürſorgeverband Bensheim wegen Erſatz von
Fürſorgekoſten für die Roſalie Kröher; 3. Antrag der Gemeinde Win=
terkaſten
auf Enteignung von Gelände der Eheleute Heinrich Schmidt
zu Winterkaſten zur Anlegung einer neuen Straße Winterkaſten
Gumpener Kreuz; 4. Geſuch der Firma J. Dulſtein Nachf. A.=G., um
Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb eines Erfriſchungsraumes mit
Alkoholausſchenk in ihrem Kaufhauſe Frankfurter Straße 12/16 zu
Offenbach a. M.; 5. Geſuch des Wilhelm Stock zu Offenbach a. M. um
Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Erfriſchungshalle im Hauſe
Ecke Schäfer= und Hermannſtraße; 6. Geſuch des Friedrich Ehle zu
Darmſtadt um Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schank=
wirtſchaft
, mit Branntweinausſchank, im Hauſe., Barkhausſtraße 12;
7. Berufung des Heinrich Keller zu Reichenbach, Kreis Bensheim, gegen
den Beſchluß des Kreisausſchuſſes Bensheim vom 24. 5. 1999 wegen
Nichterteilung der Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtſchaft in
Reichenbach.

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Stenographie=Kurſe. Die Stenographen=Vereinigung, Hand=
werkerſchule
Ecke Karl= und Nieder=Ramſtädter Straße, macht darauf
aufmerkſam, daß am Dienstag, den 1., und Freitag, den 4. Oktober,
in ihren vorgenanten Unterrichtsräumen neue Kurſe in Reichs=
Kurzſchrift beginnen und lädt zum Beſuch derſelben ein. Dieſe
Kurſe ſtehen unter Leitung ſtaatlich geprüfter Lehrer der Stenographie,
die die Gewähr für eine gute Ausbildung geben. Das Unterrichtsgeld
iſt ſehr niedrig bemeſſen und kann, den Zeitverhältniſſen entſprechend,
in Raten bezahlt werden. Anmeldungen in der erſten Stunde.
(Siehe auch heutige Anzeige.)

Wochenmarkt=Kleinhandelspreiſe vom Samstag (pro Pfund bzw.
Stück in Pfg.): Gemüſe: Kohlrabi 810, Gelbe Rüben 810, Rote
Nüben 1215, Spinat 35, Römiſchkohl 1215, Rotkraut 1520, Weiß=
kraut
1215. Wirſing 1520, Stangenbohnen 4045, Buſchbohnen 25
bis 30, Wachsbohnen 45, Erbſen 50, Zwiebeln 1220, Knoblauch 80,
Tomaten 122), Endivienſalat 1015, Kopfſalat 1520, Salatgurken
1040, Einmachgurken 12, Blumenkohl 50120, Rettich 1015, Meer=
rettich
100120, Nadieschen 810; Kartoffeln 6 und 7: Obſt: Pfir=
ſiche
2045, Preißelbeeren 5060, Tafeläpfel 1520, Wirtſchaftsäpfel

Ehgoaffa: Schuhges. m. b. H.

Darmstadt, Rheinstr. 6 neben dem U. T.
FrankturtiMMain, Steinweg 8
9183 al

1015, Falläpfel 610, Tafelbirnen 1520, Wirtſchaftsbirnen 1015,
Zwetſchen 15, Quitten 25, Trauben 4550, Nüſſe 6070, Zitronen 10
bis 20, Bananen 4550; Eßwaren: Süßrahmbutter 240260, Land=
butter
200220, Weichkäſe 354, Handkäſe 515, Eier, friſche 16 und
18; Hühner 140180, Tauben 8090; Fleiſch= und Wurſt=
waren
: Rindfleiſch, friſch 90110, Kalbfleiſch 120, Schweinefleiſch 110
bis 126, Dörrfleiſch 160, Wurſt 70160, Wurſtfett 60, Schmalz, aus=
gelaſſen
110.

Elektr. Fauztounan, Uafan
für kUhle Tage, von 15. Mk. an
Ernst Ludwigstr. 10
Telephon saas (u52441 ssshinstastre

Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu rufen.
Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag, den 29. Sept.
1929, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Dr. med. Schiffer,
Theaterplatz 2, Telephon 1408: Dr. med. Stern II., Ernſt= Ludwigs=
ſiraße
19, Telephon 2587; Dr. med. Schmidt, Heinrichſtraße 38,
Telephon 3882.

* Ausklang der Jahrhunderkſeier.
Die Sportſchau der Viktoriaſchule.
Die Jahrhundertfeier der Viktoriaſchule fand ihren Abſchluß in
einer von den Schülerinnen der Viktoriaſchule veranſtalteten Sportſchau.
zu der ſich eine große Anzahl von Gäſten Angehörigen jetziger und
ehemaliger Schülerinnen der Anſtalt eingefunden hatten. Pracht,
volles Herbſtwetter begünſtigte die in allen Teilen wohlgelungene Ver=
anſtaltung
. Eingeleitet wurden die ſportlichen Darbietungen durch
egakt ausgeführte Freiübungen, die von den Sch rinnen der Ober=
klaſſen
01 und U1 muſtergültig vorgeführt wurden. Intereſſante Deh=
nungsübungen
gymnaſtiſcher Art leiteten über zu den Ballübungen,
die von Schülerinnen der mittleren Klaſſen mit großer Geſchicklichkeit
und Anteilnahme ausgeübt wurden. Ganz entzückend waren die Tier=
nachahmungen
der Kleinſten, die mit ihren drolligen Uebungen den
Zuſchauern viel Freude bereiteten. Lebhaften Beifall ernteten dann
insbeſondere die verſchiedenen Volkstänze, die von den Schülerinnen
getanzt wurden. Die Kapelle Weber unter der perſönlichen Leitung
von Obermuſikmeiſter Weber, die auch die übrigen turneriſchen und
gymnaſtiſchen Veranſtaltungen begleitete, unterſtützte dieſe Volkstänze
durch gefällige muſikaliſche Begleitung. Ein Frühlingsreigen und ein
Schleiertanz Loreletz leiteten dieſen Teil des reichhaltigen Programmz
ein. Darauf folgten drei Tänze: Schnittertanz, Elbkontra und Rhein=
länder
, der von fünf verſchiedenen Gruppen in gleichen Koſtümen mit
jeweils verſchiedener Farbenzuſammenſtellung getanzt wurde. Das
Ganze war ein außerordentlich farbiges, belebtes Bild, derart, daß die
Gäſte reichen Beifall immer erneut ſpendeten. Nach dieſem erſten Teik
des Programms wurden während längerer Zeit inzwiſchen war die
Sonne ſchon recht beträchtlich wärmend geworden von den Schüle,
rinnen in einer ganzen Anzahl verſchiedener Gruppen Spiele aufge=
führt
: Für die Kleineren Sackhüpfen, Topfſchlagen und ähnliches, wäh=
rend
die Größeren Medizinballwerfen übten. Ein Hindernislauf be=
ſchloß
die Veranſtaltung, die den wärmſten Beifall aller Anweſenden
fand.
Geſtern abend wurde der Bunte Abend, der lebhaften Anklang
bei ſeiner erſten Aufführung gefunden hatte, wiederholt.

Die Schlager der Saiſon werden für die kommenden Monate
des Tanzes eine gute Einleitung bilden, und kommen Lieder der be=
kannteſten
Berliner und Wiener Komponiſten, wie Nelſon, Mah, Stolz,
Naymond, Roſen und Gilbert zum Vortrag. Die Texte ſind in den
meiſten Fällen von dem erfolgreichſten Schlagerdichter Fritz Rotter ver=
faßt
. Das Tänzerpaar tritt mit großem Erfolg in der Tanzklauſe von
Groß=Frankfurt auf und wird die Tänze der Saiſon in vorbildlicher
Weiſe zeigen. Die Leiſtungen der Heliakapelle und ihres ausgezeichneten
Kapellmeiſters Ernſt ſind in Darmſtadt ſo bekannt, daß jedes Wort der
Empfehlung überflüſſig iſt. Auch im Schlager liegt oft ein tiefer Sim,
und Hanns Heinz Heberer weiß ſeine Lieder, in jener überzeugenden
Art vorzutragen, die ihm die Sympathien des hieſigen und des Rund=
funkpublikums
in der kurzen Zeit ſeiner Tätigkeit als Liederſänger
gewonnen hat. Der Vorverkauf an der Union=Kaſſe findet auch in der
Zeit zwiſchen 11 und 1 Uhr ſtatt.
Kunſtnokizen.
Ueber Werte, Künſtier oder Künſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden drwähntmz
geſchſebt, bebält ſich die Redakion ihr Urtell vor.
Die ſchönſte Stimme unter den enropäiſchen
Sängern wird nach vor dem beliebteſten deutſchen Geſangskünſtler,
Kammerſänger Heinrich Schlusnus, zugeſprochen. Der erſte Bari=
toniſt
der Berliner Staatsoper wird auf Veranlaſſung der Konzertagen=
tur
Wilhelm Heß am Sonntag, 6. Oktober, im großen Saale des Städti=
ſchen
Saalbaues einen einmaligen Lieder= und Arien=Abend geben.
Heinrich Schlusnus hat ein neues, ausgewähltes Programm vorge=
ſehen
und wird von ſeinem ſtändigen Pigniſten, Franz Rupp=Berlin,
am Flügel begleitet. Die Geſangskultur des Künſtlers hat die höchſte
Stufe der Entwicklung erreicht, und mit ihr erweckt der von echtem
muſikaliſchem Empfinden getragene Vortrag des deutſchen Sängerfürſten
berall Begeiſterung. Einlaßkarten zu dem bevorſtehenden geſellſchaft=
lichen
wie muſikaliſchen Ereignis ſind in verſchiedenen Preislagen in
der Muſikalienhandlung Wilhelm Heß. Eliſabethenſtraße 34, Feri=
ſprecher
815, zu haben. (Näheres durch die Anzeigen.)
Lefdle Berenſallungen.
mde Nochyn ſad esfchllreRich alt Himmeik e Ednnn msdreMien
M u Munt
Orangeriehaus bleibt heute, Sonntag geſchloſſen. Dad
nächſte große Konzert findet am Sonntag, den 6. Oktober, dort ſtatt,
Alles Nähere wird noch bekannt gegeben.
Saalbau=Gaſtſtätte. Die Reſtaurations=Räume Ein=
gang
Saalbauſtraße ſind wieder eröffnet. Siehe heutige Anzeige.
Ludwigshöhe. Wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich, findet
heute nachmittag 4 Uhr wieder ein Konzert, ausgeführt vom Stadt=
Orcheſter unter Leitung ſeines Kapellmeiſters W. Schlupp, auf der
Ludwigshöhe bei freiem Eintritt ſtatt.
Aus den Parkeien.
Deutſch=nationaler Frauen=Ausſchuß. Der deutſch=
nationale
Frauen=Ausſchuß in Jugenheim lädt unſere Mitglieder für
Dienstag, den 1. Oktober, nachm. von 36 Uhr, zu einer Abſchieds=
feien
ſeiner hochverehrten ſcheidenden Führerin, Frau Oberſt Kuſchel,
im Deutſchen Haus herzlichſt ein. Abfahrt Hauptbahnhof 14,23 Uhr.
Wir bitten, ſich recht zahlreich zu beteiligen.
Chriſtlicher Volksdienſt (Evang. Volksgemeinſchaft.)
Die Kommunalwahlen rücken in greifbare Nähe. Alle Parteien rüſten
und werben und rufen ihre Anhänger zur Wahlurne auf. Auch der
Chriſtliche Volksdienſt, eine neue Bewegung, keine neue
Partei im althergebrachten Sinne, möchte mit in die Wahlbewegung
eintreten und zu dieſem Zwecke alle gut chriſtlich und evangeliſch ge=
ſinnten
Männer und Frauen aller Parteien für ihre Ziele und Be=
ſtrebungen
aufrufen und gewinnen, die in erſter Linie ethiſche, ſittlich=
moraliſche
und religiös=kirchliche Belange wahren, ſchützen und vertreten
wollen. Alle diejenigen denen dieſe hohen und hehren Güter noch
etwas bedeuten, ſeien daher herzlich eingeladen zu einer Verſamm=
lung
und Ausſprache zwecks Informierung auf Montag, den 30.
I. M., in den Feierabend, Stiftsſtraße.
Mittwoch, den 2. Oktober, öffentliche Verſammlung
der Nat.=Soz. Deutſchen Arbeiterpartei in der Woogsplatzturnhalle.
Redner: Dr. Goebbels, M.d. R., Berlin. (Siehe morg. Anzeige.)

Tageskalender für Sonntag, den 29. September 1929.
Hefſ. Landestheater, Großes Haus 19.30 Uhr, C 3: Die
Dreigroſchenoper Kleines Haus, 11.30 Uhr: Morgenfeier der
Volksbühne. 19 Uhr. K 1, Zuſatzmiete Il: Figaros Hochzeit‟
Orpheum, 20,15 Uhr: Das Abſteige=Quartier. Konzertei
Schloßkaffee Kaffee Oper, Reichshof. Sportplatzkaffee. Alte Poſt,
Hotel zur Poſt, Darmſtädter Hof, Bismarckeck. Hotel Prinz Heinrich,
Waldſchlößchen, Kaffee Jöſt, Reichskrone, Stadt Malaga. Weiwe
ſtube Stolzenfels, Stadt Nürnberg, Haferkaſten. Ludwig?
höhe, 16 Uhr: Konzert Oberwaldhaus, 15.30 Uhr: Kou=
zert
. Städt. Saalbau, vorm. 11 und abends 7 Uhr: Siſſ
tungsfeſt der Schuhmacher=Innung. Mathildenhöhfaal,
20 Uhr: Herbſtball des Bäckemaehilfen=Vereins. Wiener
Kronenbräukeller. 20 Uhr: Oktobevfeſt. Rumnele
bräu , 16 und 20 Uhr: Konzert. Kinovorſtellungen:
Union=Theater, Helia.

V am it din Kancernnn
O
gwantaste!
bni Seelig’s Korn-Kaffee
Die hochwertigen Extraktstoffe, weiche das Roggenkorn besitzt und die
s0 außerordentlich dazu geeignet sind, Kornkaffee als gesunden Ersatz
für echten Kaffee zu verwenden, werden bei Seeligs Korn-Kaffee"
durch die wertvolle Kandierung konserviert.
1 Pfund 55 Pfennig
Oabunniten voin Lohnakasfen!
Daher nur Seelig’s kandierten Kornkaffee das gesunde deutsche Familiengetränk

h.St.18099)

[ ][  ][ ]

Nammer 220

Sonntag, den 29. September 1929

Seite 7

Aus Heſſen.
Sorkenwahl bei Winkerweizen.
Einem vorläufigen Bericht über die Sortenwahl bei Winter=
weizen
von Abteilungsvorſtand Dr. Finger in der Heſſiſchen Landwirt=
ſchaftlichen
Zeitſchrift entnehmen wir folgendes:
In der Verſuchsreihe III, Randgebiete des
Vogelsberges und Odenwald, werden die Sorten: Strubes
General v. Stocken, Odenwälder Not, Kraffts Siegerländer und Raeckes
Dickkopf geprüft. Verſuchsanſteller in dieſer Gruppe ſind: K. Loth,
Nieder=Ohmen, Karl Meiſinger=Kirchbrombach, Otto Müller, Henrietten=
hof
, Friedrich Reinheimer, Reiſen, Georg Schuchmann, Nieder=Modau,
und Weidegut Warthof.
Die Ergebniſſe der III. Verſuchsreihe, alſo die Randgebiete des
Vogelsberges, einſchließlich dem Büdinger Gebiet, dann der Odenwald
ſelbſt, ſoweit er für Weizenanbau in Frage kommt, zeigen in den
3 Verſuchsreihen, daß die beſten Leiſtungen in dieſen Gebieten im Durch=
ſchnitt
der Jahre Strubes General v. Stocken gebracht hat. Er
kommt für die Landwirte dieſer Bezirke in erſter Linie als Weizenſorte
in Frage. Soweit man einen Rotweizen anbauen will, iſt hier=
für
Kraffts Siegerländer Rotweizen zu empfehlen.

An. Arheilgen, 27. Sept. Vom Friedhof. Geſtern fand hier
die Beerdigung der Ehefrau Eliſabeth Büttner, geb. Hechler, ſtatt, und
zwar wurde dieſelbe auf dem älteſten Teile unſeres Gottesackers bei=
geſetzt
, da die Plätze für Familienbegräbniſſe auf dem bisherigen Fried=
hof
alle belegt ſind. Dieſer älteſte Teil wurde vor etwa 100 Jahren
geſchloſſen und umfaßt er den mittleren, an der Oſtſeite gelegenen Teil
unſerer Begräbnisſtätte. Für Einzelbegräbniſſe reicht der Platz auf
dem bisherigen Friedhof noch für etva ein Jahr aus, dann wird man
auch den mittleren Teil wieder mit Reihengräbern belegen. Herbſt.
Durch das ſommerliche Wetter begünſtigt, ſchreiten die Herbſtarbeiten
gut vorwärts. Die Zwetſchen gerieten vorzüglich und wurden dieſelben
reichlich, oft mit Moſt aus Birnen, zu Mus gekocht. Auch die Kern=
obſternte
ergab günſtigen Ertrag und wurden die Aepfel in großer
Menge, auch von Privaten, gekeltert, um als Haustrunk zu dienen.
Nun ſind unſere Landwirte beim Einheimſen der Kartoffeln und ver=
ſprechen
dieſe trotz der langanhaltenden Trockenheit eine verhältnis=
mäßig
gute Ernte. Der Geſangverein Sängerluſt hält die=
ſen
Sonntag, abends 8,30 Uhr, im Gaſthaus Zum weißen Schwanen
einen Humoriſtiſchen Abend ab. Die getroffenen Vorbereitungen ver=
ſprechen
einige Stunden fröhlicher Unterhaltung, und da der Gintritts=
preis
ein mäßiger iſt, kann der Beſuch der Veranſtaltung beſtens emp=
fohlen
werden.
E. Wixhauſen, N. Sept. Am Mittwoch bonnte der hieſige Schuh=
machermeiſter
Herr Georg Benz das ſeltene Feſt der Goldenen Hoch=
zeit
begehen. Aus dieſem Anlaß brachte ihm die Freiwillige Fewerwehr
ein Ständchen. Herr Benz iſt ein Mitbegründer der Freiwilligen
Feuerwehr und erfreut ſich allgemeiner Wertſchätzung. Unglücks=
fälle
. Ein in einer Frankfurter Baufirma beſchäftigter hieſiger jun=
ger
Mann ſtürzte am Donnerstag morgen von einem Gerüſt ab. Bei
dem etwa 5 Meter tiefen Fall zog er ſich Verletzungen an der Schulter
zu und mußte in ein Frankfurter Krankenhaus gebracht werden. In
Darmſtadt wurde eine hieſige junge Frau, die einen Milchwagen zog,
von einem Motorradfahrer geſtreift. Dabei kam ſie zu Fall und trug
ernſte Verletzungen am Kopfe davon. Man iſt jetzt in unſerer Ge=
markung
mit dem Ausmachen der Kartoffeln beſchäftigt. Wegen des
regenarmen Sommers ſind die Erträge ſehr dürftig, beſonders in höhe=
ren
Lagen. Die Obſternte iſt in dieſem Jahre ſehr zufriedenſtellend.
Es gibt viele Aepfel und Birnen, ebenſo gab es viele Zwetſchen, ſo
daß in vielen Haushaltungen Latwerge gekocht wurde.
Cp. Pfungſtadt, 28. Sept. Kartoffelverſteigerung. Am
kommenden Montag nachmittag werden die Kartoffeln vom Waldfeldbau
in der Klingsackertanne (Abteilung 1 und Abteilung 65b) in 25 Loſen
an Ort und Stelle öffentlich verſteigert. Die Zuſammenkunft der Stei=
gerer
erfolgt an der Holzbrücke in der Sandſchollenſchneiſſe. Daran
anſchließend werden die Kartoffeln vom Waldfeldbau in der Malcher
Tanne (Abteilung 27b und 45h) in 21 Loſen an Ort und Stelle öffent=
lich
verſteigert. Zuſammenkunft iſt am Bahnwärterhaus. Malcher
Weg. Auf Antrag können Ratenzahlungen gegen ſichere Bürgſchafts=
leiſtung
bewilligt werden. Ein Drittel der Steigſumme iſt vor der

Aberntung zu zahlen.

Cp. Pfungſtadt, 28. Sept. Hohes Alter. Die Witwe Katha=
rina
Schneider, wohnhaft Ebertſtraße 10, konnte am Samstag ihren
84. Geburtstag begehen. Die Unfall= und Invalidenren=
ten
für den Monat Oktober werden am Dienstag, vormittags und nach=
mittags
, in der bekannten Reihenfolge am Poſtſchalter ausgezahlt.
Die Schützenabteilung des Militärvereins hält wäh=
rend
der Wintermonate ihre Schießübungen nicht mehr Freitags abends,
ſondern Sonntags vormittags ab. Evgl. Jugendſonntag.
Der Feſtgottesdienſt beginnt am Sonntag vormittag um ½10 Uhr. Im
Gemeindehaus iſt eine Ausſtellung, die bis 6 Uhr abends geöffnet iſt.
Abends findet eine Aufführung des Bauernführers ſtatt.
Die Arb.=Samariterkolonne hat mit einem neuen Ausbildungskurſus
für erſte Hilfe bei Unglücksfällen begonnen.
Aa. Eberſtadt, 28. Sept. Oktoberveranſtaltungen. Der
Turnverein 1876 D.T. hält am 19. Oktober im Schwanenſaal inen
Turnabend, verbunden mit einem Schauturnen, ab. Das Herbſtfeſt
des Geſangvereins Germania 1894 findet am 13. Oktober im Berg=
ſträßer
Hof ſtatt. Am Montag findet wieder eine Beratungs=
ſtunde
für Säuglingspflege in der Schule ſtatt. Die Malcher Nach=
kirchweihe
findet am Sonntag ſtatt.

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G. Ober=Ramſtadt, 27. Sept. Für die am 17. November ſtattfin=
denden
Gemeinderats=, Kreistags= und Provinzialtagswahlen hat der
Gemeinderat beſchloſſen, die Einteilung der Wahlbezirke wie ſeither bei=
zubehalten
. Als Wahllokal für den 1. Bezirk bleibt ebenfalls wie ſeither
das Schulhaus Darmſtädter Straße 60, für den 2. Bezirk der untere
Rathausſaal. Die örtliche Wahlkommiſſion ſetzt ſich wie folgt zuſammen:
Bürgermeiſter Rückert als Vorſitzender, Beigeordneter Braband als
Stellvertreter, die Gemeinderäte Müller, Finger und Keller, Rektor
Lehr und Bäckermeiſter Phil. Krebs 2. als Beiſitzer, Bürgermeiſterei=
Sekr. Henkel als Schriftführer. Der Abſtimmungskommiſſion für den
1. Bezirk gehören Bürgermeiſter Rückert als Abſtimmungsvorſteher, Ge=
meinderat
Fornoff als Stellvertreter, Bürgermeiſterei=Sekr. Henkel als
Schriftführer und außerdem 6 Beiſitzer an Vorſteher der Abſtimmungs=
kommiſſion
2 iſt Beigeordneter Braband. Stellvertreter desſelben Rektor=
Lehr, Schriftführer Bürgerm.=Aſſ. Breitwieſer und die gleiche Anzahl
Beiſitzer.

Nieder=Ramſtadt, 2. Sept. Hohes Alter. Frau Ludwig
Bollmann Witwe begeht am 30. September in voller geiſtiger und
körperlicher Friſche ihren 79. Geburtstag. Mögen der Jubilarin noch
recht viele ſolcher Tage im Kreiſe ihrer Kinder beſchert ſein!
f. Roßdorf, 28. Sept. Offenlage der Urliſte. Die Liſte der=
jenigen
Perſonen, die zu dem Amte eines Schöffen oder Geſchworenen
berufen werden können, liegt gegenwärtig eine Woche lang zur Einſicht
der Intereſſenten während der Dienſtſtunden auf der Bürgermeiſterei
offen. Innerhalb der Offenlegungsfriſt können Einwendungen gegen
die Richtigkeit und Vollſtändigkeit der Liſte ſchriftlich oder mündlich vor=
gebracht
werden.
Cd. Michelſtadt, 28. Sept. Am 1. Oktober eröffnet die Bezirksſpar=
kaſſe
Erbach in Michelſtadt eine Zweigſtelle, und zwar in der Neutor=
ſtraße
. Der neuen Zweigſtelle wurden als Geſchäftsbereich zugeteilt die
Orte Steinbach mit Aſſelbrunn, Steinbuch, Rehbach, Weitengeſäß, Zell,
Momart, Langenbrombach und natürlich Michelſtadt ſelbſt. Die dies=
jährige
Geſellenprüfung ſoll im Oktober abgehalten werden. Anmel=
dungen
hierzu ſind an Schreinermeiſter Ihrig, Friedhofsweg, zu richten.
Der hieſige Turnverein E.V., der ſeinen Platz durch Hinzunahme
eines Nachbargeländes enorm vergrößert und auch durch Vornahme
größerer Erdbewegungen eine ſchöne Sportanlage geſchaffen hat, nimmt
am Sonntag den Spielbetrieb auf eigenem Platz wieder auf. Die Hand=
ballmannſchaft
des hieſigen Turnvereins E.V. ſtellt ſich der vom Turn=
verein
Niederklingen zu einem Wettſpiele. Das Spiel beginnt um 10.30
Uhr. Am Sonntag, 29. September, findet auch die Enthüllung des
auf dem alten Turnplatze errichteten Krieger=Ehrenmals ſtatt. Nach
einem Feſtgottesdienſt in der Stadtkirche erfolgt von ſeiten des Krieger=
vereins
eine Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal 1870/71. Nachmit=
tags
2 Uhr erfolgt dann vom Marktplatz der Abmarſch der Vereine nach
dem neuen Denkmal. Bei der Einweihung wirken mit die drei hieſigen
Geſangvereine und die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr.
Aus dem Lautertal, 27. Sept. Man ſchreibt uns: Seit einigen
Tagen halten die Kraftwagen der Reichspoſt erfreulicherweiſe am Haupt=
ausgang
des Bahnhofs Bensheim, wo auch die Privatomnibuſſe nach
ZellGronau und FehlheimSchwanheim ihre Aufſtellung haben. Her=
vorgerufen
wurde dieſe Maßnahme durch das Vorgehen der Taxameter=
beſitzer
, die der Kraftpoſt in geſetzwidriger Weiſe die Fahrgäſte entzogen,
ſo daß die Gefahr beſteht, daß die Fahrten der Kraftpoſt in Zukunft
ſtark eingeſchränkt werden. Die Bewohner des Lautertals aber haben
Intereſſe an einem geregelten, gut ausgebauten Fahrplan der Kraft=
poſt
, zumal die Verwirklichung der ſo dringend nötigen Bahn wieder
einmal in weite Ferne gerückt iſt. Um ſo mehr müſſen die Bewohner
des Lautertals die Kraftpoſt durch Benutzung fördern, damit der ſeit=
herige
Fahrplan auch im Winter einigermaßen beibehalten werden
kann. Durch Errichtung einer Wagenhalle in Reichenbach für einen
Wagen mit Anhänger werden auch die Fahrten für Wochenkarteninhaber
weſentlich verbeſſert und vorausſichtlich auch bilbiger. Sorge deshalb
jeder dafür, daß uns nichr auch noch dieſes Verkehrsmittel genommen
wird.
A. Albersbach, 28. Sept. Elektriſches Licht. Nun ſoll auch
in unſere Gemeinde elektriſches Licht kommen. Es liegen zurzeit die
Pläne zur Anlage der Hochſpannungsfreileitung von Rimbach nach
Albersbach auf der Bürgermeiſterei Rimbach zur Einſichtnahme offen.
Die Ausführung der Arbeit unternimmt die Heag,
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 28. Sept. Obſthandel. Faſt alle
Bahnſtationen unſerer Gegend bringen zahlreiche, mit Obſt beladene
Wagen zum Verſand nach dem Rheinland, Weſtfalen, Hannover, Sachſen
uſw. Die Preiſe erſcheinen meiſt ſehr niedrig, ſie betragen pro Zentner
für Kelterobſt 23 Mk., für Wirtſchaftsobſt je nach Qualität 55,50 Mk.,
Tafeläpfel werden beſſer bezahlt, bis 8 Mk. Manche Baumbeſitzer halten
mit dem Verkauf vorläufig noch zurück, da die Anfangspreiſe bei der
Benutzung von Hilfskräften bei der Ernte nicht viel mehr als die Koſten
ergeben. Das beſte Obſt hängt vielfach noch auf den Bäumen und reift
in der ſchönen Herbſtwitterung zu immer noch edlerem Gehalt heran.
Gernsheim, 28. Sept. Waſſerſtand des Rheins am
R7. September 0,75 Meter, am 28. September 0,80 Meter.
Hirſchhorn, 28. Sept. Waſſerſtand des Neckars am
D7. September 0,51 Meter, am 28. S.ptember 0,/49 Meter.
Cf. Birkenau, 27. Sept. Die Aufforderung zur Einreichung von
Wahlvorſchlägen zu der am 17. Nobember d. J. ſtatfindenden Gemeinde=
ratswahl
iſt erlaſſen. Die Wahlvorſchläge ſind bis zum 18. Oktober bei
der Bürgermeiſterei einzureichen, und muß jeder Wahlvorſchlag von
mindeſtens 30 wahlberechrigten Perſonen unterſchrieben ſein. Jeder
Wahlvorſchlag darf nur die doppelte Zahl der zu wählenden Gemeinde=
vertreter
enthalten.

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[ ][  ][ ]

Nummer 270

Eonntag, den 29. September 1929

Seite4

4. Offenbach, B. Sebt. Frauentagung der Deutſchen
Volkspartei. Den Auftalt zur Mitarbeit der hieſigen Frauen=
gruppe
der Deutſchen Volkspartei bildete eine ſehr gut beſuchte Ver=
ſammlung
, die durch einige ſtimmungsvolle Lieder, geſungen und be=
gleitet
von Parteifreundinnen, eingeleitet wurde. Frau Kloos= Darm=
ſtadt
, die 1. Vorſitzende des Landesfrauenausſchuſſes der Deutſchen P. Biſchofsheim, 28. Sept. Gemeinderatsſitzung. Auf der
Volkspartei Heſſens, ſprach zunächſt über die Tagung des Reichsfrauen=
ausſchuſſes
der Deutſchen Volkspartei, die im Bremen ſtattfand. In
überaus feſſelnder, formvollendeter Weiſe ließ ſie die auf geiſtiger Höhe
ſtehenden Vorträge und Verhandlungen in Bremen, die Kultur= und
Wirtſchaftsfragen zum Inhalt hatten, vor dem geiſtigen Auge ihrer
Zuhörerinnen vorüberziehen. Es war ein Genuß, die Rednerin nach=
ſchaffen
zu ſehen, was in Bremen an hohen Gedanken und ernſten
Zielen den etwa 1000 Anhängerinnen der Partei, die aus allen Teilen
des Reiches herbeigeeilt waren, geboten wurde. Als Aufgaben die
behandelt wurden, ſeien hier nur erwähnt: Deutſchland in der Welt=
wirtſchaft
und im Weltverkehr, Fragen deutſcher Auswanderung, Grund=
ſätzliches
zur Kulturpolitik, die neuen Arbeitsgeſetze in ihren Auswir=
kungen
auf das Frauenleben, die Beziehungen von Staat und Geſell=
ſchaft
zur Familie, die politiſche Zukunft der deutſchen Frau. Als
zweite Rednerin ſprach Fräulein Birnbaum, Mitglied des Heſſiſchen
Landtags, über politiſche Fragen der Gegenwart. In klaren und folge=
richtigen
Gedankengängen führte ſie aus, daß der Youngplan gewiß
nicht alle unſere Hoffnungen und Wünſche erfülle, daß er aber gegen=
über
dem Davesplan neben nennenswerten Erleichterungen in geld=
licher
Hinſicht uns die Räumung des Rheinlandes und damit die volle
Wiederherſtellung der deutſchen Staatshoheit im bisher beſetzten Gebiet
gewährleiſte. Die gegen die deutſche Abordnung im Haag und beſon=
ders
gegen unſeren Parteiführer und Außenminiſter Dr. Streſemann
gerichtete Angriffe ſeien deshalb ungerechtfertigt. Das geplante Volks=
begehren
, das gegen die Kriegsſhuldlüge und den Youngplan gerichtet
ſei, wverde nur die Wirkung haben, in unſerem Volke Verwirrung an=
zurichten
und es noch mehr auseinanderzureißen. Es drohe abeu auch
die Giefahr, daß nach ſeiner Ablehnung, die ſo gut wie ſicher ſei, unſere
Gläubigerſtaaten urteilen würden, die Mehrheit des deutſchen Volkes
ſei Schuld am Kriege und erkenne die ihm auferlegten Verpflichtungen
an. Zum Schluſſe ſtreifte Fräulein Abg. Birnbaum noch die nächſten
Aufgaben der inneren Politik. Die beiden Nednerinnen ernteten rei=
chen
Beifall. Es wurde auch Stellung zur bevorſtehenden Stadtrats=
wahl
genommen und beſchloſſen, die Aufſtellung des früheren Stadtver=
ordneten
Born an ausſichtsreicher Stelle auf der Liſte der bürgerlichen
Parteien und der Wirtſchaftsaruppen anzuregen.
a. Offenbach, 28 Sept. Aus der Wahlbewegung. Die
Wahlbewegung zur Stadtratswahl ſetzt diesmal hier frühe ein. Die
beiden kommuniſtiſchen Richtungen und das Zentrum haben bereits
ihre Liſtem aufgeſtellt, eingereicht und veröffentlicht. Der Kommuniſt
Galm bleibt Liſtenführer, dagegen hat die Richtung Thälmann einen
neuen Mann an führender Stelle. Die Meinungsverſchiedenheiten
beim Zentrum kommen darin zum Ausdruck, daß der bisherige Ver=
waltungsdirektor
Stadtv. Reinicke nicht mehr erſcheint. Es bleiben
außerdem Schulrat Martin und der Detailliſt Meher beim Zentrum
auf der Streche. Die Anregung der bisherigen Bürgerfraktion, alle
Kreiſe des Bürgertums auf eine Liſte zu einen, iſt damit vom Zentrum
abgelehnt, und auch die Demokraten werden, wie das bereits feſtſteht,
geſondert vorgehen. Die Demokraten haben nach den Ziffern der letz=
ten
Reichstagswahl noch Anſpruch auf zwei Sitze, die ſie mit einem
Rektor und einem Stadtdirektor, Vorſteher des Verſicherungsamts, be=
ſetzen
werden. Die Verhandlungen der Deutſchen und der Deutſch=
nationalen
Volkspartei mit den Wirtſchaftsgruppen ſtehen dicht vor
dem ergebnisloſen Ende. Die beiden Parteien haben dazu zum Aus=
druck
gebracht, daß ſie ſtark umſtrittene Perſönlichkeiten und Führer
der Wirtſchaftsgruppen an führender Stelle der Einigungsliſte nicht
wünſchen. Beſonders wird der Geſchäftsführer des Hausbeſitzervereins
als wenig angenehm empfunden. Die Wirtſchaftsgruppen belaſteten die
Einigungsliſte wirtſchaftlich zu einſeitig. Es muß ſich in den nächſten
Tagen entſcheiden, ob in den Kreiſen des Hausbeſitzes, des Handwerker=
kartells
und der Detailliſten die gemäßigtere Richrung obſiegt und wie=
der
die Aufſtellung einer gemeinſamen Stadtratswahlliſte ermöglicht.
Der lachende Dritte iſt bis jetzt die Sozialdemokratie.
K. Zellhaufen, 28. Sept. Am 18. Auguſt d. J. wurde der ſeitherige
Gemeinderechner Johann Konr. Reuter 1. zum Bürgermeiſter ge=
wählt
und am 6. September durch Herrn Regierungsrat Göbel vom
Kreisamt Offenbach in ſein Amt eingeführt. Die durch die Wahl frei=
gewordene
Rechnerſtelle erhielt unter 11 Mitbewerbern der Schwer=
kriegsbeſchädigte
Wendelin Friedrich. Nach vorheriger Prüfung am
Kreisamt wurde derſelbe am Freitag, den 27. Sept., vereidigt. Die
Amtsübernahme wird nunmehr in den nächſten Tagen erfolgen. In
ſeiner vorgeſtrigen Sitzung beſchloß der Gemeinderat auf Vorſchlag des
Kreisamts, die Sprunggelder für Rindvieh auf 5 Mark feſtzuſetzen.
Die Gemeinde beſitzt ſeit Jahren mehrere hundert Meter Feldbahngleis
und vier Muldenkipper. Bei vorkommenden größeren Erdarbeiten wer=
den
dieſe Transportmittel gern von Privtaen geliehen. Die Leihgebüh=
ren
wurden jetzt neu feſtgeſetzt. Die Gleisleihgebühr beträgt pro Meter
und Monat 28 Pfg., für Muldenkipper pro Stück und Monat 9 RM.

Die Eingemeindung von Biſchofsheim zu Groß=Mainz
beſchloſſen.
Tagesordnung der am Freitag abend abgehaltenen öffemtlichen Ge=
meinderatsſitzung
ſtand außer der Beſchlußfaſſung über den Gemeinde=
voranſchlag
für das Jahr 1929 die Entſcheidung über den Antrag der
Stadt Mainz, betr. Eingemeindung von Biſchofsheim zu Groß=Mainz.
Anweſend waren der Bürgermeiſter, der Beigeordnete und 17 Mit=
glieder
des Gemeinderats. Einleitend führte der Bürgermeiſter aus,
daß die Gemeinde Biſchofsheim jetzt an einem Markſtein ihrer Geſchichte
ſtehe. Zwiſchen zwei ſteuerkräftigen Induſtriegemeinden gelegen, ſei
die Gemeinde Biſchofsheim nicht mehr in der Lage, ohne Ueberlaſtung
ihrer Steuerzahler die Aufgaben auf wirtſchaftlichem, ſozialem und
kulturellem Gebiete zu erfüllen. Alle Verſuche, von außen finanzielle
Hilfe zu erhalten, ſeien fehlgeſchlagen. Nur der Anſchluß an Groß=
Mainz gewährleiſte den wierſchaftlichen Aufſchwung der Gemeinde. Die
Bevölkerung von Biſchofsheim ſei über das Für und Wider der Ein=
gemeindung
hinreichend unterrichtet. Die politiſchen Fraktionen hätten
hinreichend Gelegenheit gehabt, ſich über die wichtige Frage zu infor=
mieren
. Die Angelegenheit ſei reif zur endgültigen Entſcheidung.
Namens der Eingemeindungsgegner ſtellte Gemeinderatsmitglied Dam=
mel
(Landbund) den Antrag, die Abſtimmung über die Eingemeindung
zu vertagen, bis die für die Eingemeindung von Groß=Mainz in Be=
tracht
kommenden Nachbargemeinden Ginsheim=Guſtausburg die Entſchei=
dung
getroffen hätten. Der Vertreter der ſozialdemokratiſchen Frak=
tion
, Noktor Kilian, proteſtierte gegen die Verſchleppung der Ange=
legenheit
, die eine plumpe Obſtruktion ſei, und beantragte die ſofortige
Abſtimmung. Der Vertagungsantrag wurde mit 14 gegen 5 Stimmen
abgelehnt. In namentlicher Abſtimmung beſchloß der Gemeinderat mit
15 gegen 4 Stimmen die Eingemeindung Viſchofsheims zu Groß=Mginz
auf Grund des von der Gemeinde Biſchofsheim mit der Stadt Mainz
abgeſchloffſenen Vertragsentwurfs. Dafür ſtimmen geſchloſſen die neun
Mitglieder der ſozialdemokratiſchen Fraktion, vier Mitglieder der bür=
gerlichen
Parteien (Zentrum und Demokraten), der Bürgermeiſter und
der Beigeordnete, dagegen die vier Mitglieder des Landbundes.

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durch die konzentrierte Kraftnahrung Ovomaltine. Sie wird aus reinen
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P. Rüfſelsheim, 28. Sept. Leichenfunde. Am Freitag vor=
mittag
wurden auf dem rechten Mainufer, die zuſammengebundenen
Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden. Beide hatten Schuß=
wunden
. Der Grad der Verweſung wies darauf hin, daß die Leichen
bereits mehrere Tage an ihrem Fundort gelegen haben. Wie mitge=
teilt
wird, ſoll es ſich um einen verheirateten Mann und eine verhei=
ratete
Frau aus dem benachbarten Norbenſtadt handeln, die ein Liebes=
verhältnis
unterhielten. Die Umſtände weiſen darauf hin, daß die bei=
den
Perſonen gemeinſchaftlich in den Tod gegangen ſind. Die Leichen
wurden von der Staatsanwaltſchaft beſchlagnahmt. Näheres konnte
noch nicht ermittelt werden.
Rheinheſſen.
A. Worms, 27. September. Stadtratſitzung. Nach=
dem
vorgeſtern in der Sitzung des Finanzausſchuſſes eine Eini=
gung
zu Stande gekommen war, wurde geſtern in einer vier=
ſtündigen
Sitzung der Voranſchlag für 1929 (mit 5 monatiger
Verſpätung) doch verabſchiedet. In dem urſprünglichen Ent=
wurf
war ein Fehlbetrag von 1,2 Millionen RM geblieben, und
die Deutſche Volkspartei hatte gegen die Deckungspläne der Ver=
waltung
Einſpruch erhoben und die Berufung eines Organiſators
zur Ueberprüfung der ſtädtiſchen Verwaltung beantragt. Das
Ergebnis der volksparteilichen Oppoſition iſt nun, daß ſich jetzt
kein Einſpruch mehr gegen einen Organiſator erhebt und daß
ſich der Voranſchlag in einem weſentlich anderen Bilde zeigt.
Der Fehlbetrag hat ſich von 1,2 Millionen auf 395 000 verringert,
was durch Ausgabenabſtriche und Einnahmenerhöhungen und
Einſparung erzielt wurde. Andererſeits wurde eine Erhöhung
der Grund= und Gebäudeſteuer um 8 Pf. auf 29,86 Pf. beſchloſſen,
dagegen die beantragte Einführung der Erhebung der Straßen=
reinigungskoſten
abgelehnt. Es verbleibt nun noch ein Fehl=
betrag
von 275 000 RM., der aus Vermögensmitteln gedeclt wer=

den ſoll. In der Sitzung wurden teilweiſe ſehr ſcharfe Reden
gehalten und der Streit um die Schuld an der gegenwärtigen
Lage mit aller Schärfe ausgekämpft. Der Oberbürgermeiſter
betonte in einer ſehr matten Verteidigungsrede, daß keine Rede
davon ſein könne, daß die Stadt Worms bankerott wäre, daß
man ſich aber in ein paar Monaten ſchon wieder mit einem
neuen Voranſchlag beſchäftigen müſſe. Die Ausſprache ſelbſt
war von nur lokalem Intereſſe, ſo daß wir davon abſehen können,
hier Einzelheiten zu berichten. Bei der Abſtimmung ſtimmten
gegen die Erhöhung der Grund= und Gebäudeſteuer: Zentrum.
Deutſchnationale und Kommuniſten, während die Sozialdemo=
kraten
ſich der Stimme enthielten. Gegen die Ortsſatzung betr.
Wiedereinführung der Filialſteuer ſtimmten Sozialdemokraten,
Demokraten und Kommuniſten. Im Uebrigen wurden die an=
deren
Anträge der Verwaltung einſchl. des Organiſators ein=
ſtimmig
genehmigt.
Ac. Worms, 27. Sept. Tödlicher Unglücksfall. Geſtern
gegen 11 Uhr abends wurde ein fünfjähriges Kind in der Maimzer
Straße von einem durchfahrenden Perſonenauto überfahren und dabei
tödlich verletzt. An der Unglücksſtelle iſt die Straße wegen Erd=
arbeiten
zur Hälfte geſperrt, und das Kind wollte vor dem langſam
paſſierenden Auto die Straße noch überſchreiten, wurde aber von dem
Kotflügel erfaßt.
4c. Herrnsheim, 2. Sept. Heute früh um 6.30 Uhr geriet auf dem
hieſigen Bahnhof der Schaffner Horneff aus Worms, der auf dem Gund=
heimer
Zug kurz nach deſſen Abfahrt von dem Trittbrett des einen
Wagens auf das Trittbrett des anderen Wagens ſpringen wollte, durch
Ausgleiten unter den Wagen und wurde ſo ſchwer von den Rädern
verleßzt, daß der Tod ſofort eintrat.

Geſchäfliches.
Adler in Paris.
Zu den großen deutſchen Firmen, die auf dem diesjährigen Pariſer
Salon, der intermationalen Automobil=Ausſtellung, vertreten ſind, ge=
ſellen
ſich nun auch die Adler=Werke vorm. Heinrich Kleyer Aktiengeſell=
ſchaft
, Frantfurt a. M. mit ihren neuen Modellen Adler Faborit,
Adler Standard 6 und Adler Stondard 8
Die Adlevwerke entſandten zum Pariſer Salon 2 Fovorit= Innen=
ſteuer
=Limouſinen, 2 Adler Standard 6Innenſteuer=Luxus=Limouſinen
und die auf den letzten internationalen Schönheits=Konkurrenzen wieder=
holt
prämiierte Adler Standard 8 Pullmann=Limouſine Typ Wies=
baden
. Sämtliche 5 Wagen zeugen in Ausſtattung, Linienführung der
Aufbauten und Lackierung von erleſenem Geſchmack und ſcheinen be=
rufen
, die Blicke internationaler Intereſſenten erneut auf die große
deutſche Automobilfirma zu richten.

Neueſte techniſche Hilfe für Schwerhörige.
Zu den Anordnungen zwecks Gövverbeſſerung bei Schwerhörigen
gählt in erſter Livie der ſeit Jahren bekannte und ſich glänzend be=
währte
Siemens=Phonophor der auf elektriſchem Wege eine einwand=
freie
Uebertragung der Sprache bewirkt. Die unermüdlichen Verbeſſe=
rungsarbeiten
haben neuerdings zur Ausgobe bom qualitativ hochſtehen=
den
Apparaten mit regulierbarer Lautſtärke geführt, die micht nur eine
gute Schallintenſität haben, ſondern auch die Sprache navurgetreu über=
tragen
. (Siehe Inſerat in heutiger Nummer.)

Auch an dieſer Stelle wird auf Segligs kamdierten Kornlaſfe aufe=
merkſam
gemacht. Aus deutſchem Roggen nach einer beſonderen Fa=
brikationsart
hergeſtellt, wird durch eine werwolle Kandierung die
Vollkommenheit erreicht, wodurch Seeligs Kornkaffee zum beſten Erſatz
für echten Kaffee wird.
Das ärztlich empfohlene Produkt iſt für Keinder und Erwachſene für
Herz, Magen und Nerven das Geſündeſte, was es gibt.

Mittelmeer= und Orientfahrten 1930.
In den erſten Monaten des kommenden Jahres füührt der mit allem
Komfort ausgeſtattete Vergnügungsreiſendampfer Oceana der Hamburg
Amerika=Linie wiederum mehrere Mittelmeer und Orientreiſen durch.
Die Fahrten erfolgen in der Zeit von Ende Januar bis Ende Mai und
ſind daher eine vorzügliche Reiſegelegenheit für alle, die während des
Winters Erholung und Ausſpannung im wärmerem Süden ſuchen.
(Siehe heutige Anzeige.)

Einem Teil unſerer heutigen Stadtauflage liegt ein Proſpekt bck
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Nummer 270

Conntag, den 29. eptember 1929

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[ ][  ][ ]

Seite 10

Sonntag, den 29. September 1929

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ſtände
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ab, bei der unterzeichneten Stelle geltend
zu machen.
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[ ][  ][ ]

Nummer 270

Sonntag, den 29. Eept.

PAtung des Bankenzuſammen=

Der Preſſereferent der Deutſchen Bank, Dr. Müller=Jabuſch,
helt einen Vortrag über den Zuſammenſchluß der Deutſchen Bank und
der Diskonto=Geſellſchaft. Einleitend betonte er die Bedeutung dieſes
Rſammenſchluſſes, der ein deutſches Bankinſtitut ſchaffe, das ſich durch=
as
neben den großen Inſtituten des Auslandes ſehen laſſen könne.
Venn zwei Inſtitute wie die Deutſche Bank und die Diskonto= Geſell=
ſtaft
ſich zuſammenſchlöſſen, ſei es das Anſehen, kaufmänniſch geſagt,
dr Kredit, des gemeinſamen Unternehmens, nicht eine Addition des
aſten Anſehens, ſondern eine Multiplikation. Der Redner beſchäftigte ſich
ſdann mit den Folgen dieſer Fuſionierung, die auch Opfer erfordere.
de Opfer der Einzelnen beginnen ſo führte er aus an der höch=
ſun
Stelle. Drei Direktoren treten in den Ruheſtand, obwohl ihre
Shaffenskraft und Schaffensluſt noch ungebrochen iſt. Bei den anderen
ſerren in führender Poſition wird das eintreten, was ſchon in den
Kahren nach der Inflation der Fall war, nämlich die Verzögerung des
Aufrückens. Selbſtverſtändlich wird aber auch eine große Anzahl von
Ramten einfach überflüſſig werden, und hier erwächſt uns eine ſoziale
Aufgabe von größter Verantwortung. Das Perſonal, das die Banken
hute haben, iſt durchweg wieder erleſenes Perſonal. Wer alſo frei
urd, hat es verhältnismäßig leichter, Arbeit zu finden. Wir werden
ſtſtematiſch bei unſeren Geſchäftsfreunden und Kunden herumfragen:
Po ſind wichtige, bankmäßig ausgebildete Leute zu gebrauchen? Und
unn werden wir in vielen Fällen Beamte abgeben, die wir unter nor=
nalen
Umſtänden nur ungern gehen laſſen würden Und ſchließlich
dnken Sie an den natürlichen Abgang. Wir haben unſere Penſions=
iſſe
wieder aufgebaut, und wenn die Herren, die ſich zur Ruhe ſetzen
hollen, das in Zukunft ein bis zwei Jahre früher tun werden, ſo iſt
hs auch ſicher hart, aber das Beiſpiel dazu iſt von Vorſtandsmitgliedern
egeben worden.
Im weiteren Verlauf ſeiner Ausführungen beſchäftigte ſich Dr.
Nüller=Jabuſch mit den Hoffnungen, die an den Zuſammenſchluß ge=
hüpft
werden. Deutſchland habe nicht Raum genug für die gewinn=
kingende
Betätigung der jetzt exiſtierenden Bankunternehmungen. Die
ſonkurrenz und dazu die erhöhten ſteuerlichen und ſozialen Laſten
md Sonderleiſtungen, wie die Aufwertungsarbeiten hätten, die Koſten
bes Kredits, den die Wirtſchaft nötig habe, ſo verteuert, daß die Ent=
dicklung
nicht ſo weitergehen könne. Man hoffe, daß der Zuſammen=
ſhluß
dieſe unheilvolle Entwicklung verlangſame und vielleicht ſogar
ar Rückbildung bringe. Heute komme zu weſentlichen Teilen Geld für
mr kurzfriſtig aus dem Auslande. Die deutſche Kapitalbildung komme
dr Wirtſchaft nicht ſo zugute, wie es möglich wäre, wenn man auch
ſier rationell verführe. Es werde dafür Sorge getragen werden, daß
ider Kunde nach ſeinen Wünſchen individuell bedient werde. Deut=
ſhen
Banken müſſe deutſches Geld zugeführt werden. Auch in kleinen
ßeträgen. In dieſer Zeit wirtſchaftlicher Not müſſe jede geſparte Mark
n der Wirtſchaft arbeiten. Zum Schluß wies der Redner auf die Er=
barniſſe
der Fuſion hin, die im Laufe der Zeit außerordentlich groß
lin werden. Der Grundbeſitz ſtehe jetzt mit rund 97 Millionen zu
buch; daß er natürlich viel mehr wert ſei, ſei allgemein bekannt. Man
perde ihn nur langſam verwerten, aber er werde einen erheblichen
zuwachs der Reſerven bringen.
Der Eindruck der Fuſion in Paris.
Die unerwartete Fuſion der Deutſchen Bank und der Diskonto=
Geſellſchaft hat in Paris großes Aufſehen erregt. Man hält die Fuſion
fir den erſten Schritt zu einer neuen Umgruppierung in der deutſchen
Virtſchaft. Die Deutſchen verſuchten mehr und mehr, amerikaniſche
bdeen anzunehmen. Es ſei ſchwierig zu ſagen, ob das deutſche Beiſpiel
n Frankreich unter den großen Inſtituten Nachahmer finden werde.
die franzöſiſchen Banken hätten partikulariſtiſchere Grundſätze, und
ſies ſtelle ſich der Fuſion hindernd in den Weg. Auf jeden Fall würden
die Leiter der franzöſiſchen Großbanken zum Nachdenken über die
Porteile der Rationaliſierung gebracht werden.
Der Deutſche Bankbeamtenverein Gau Württemberg=Baden hatte
ſür geſtern abend eine öffentliche Kundgebung einberufen, in der zu
derr Entlaſſungen, die ſich aus der Fuſion der Deutſchen Bank und der
Diskonto=Geſellſchaft ergeben müſſen, Stellung genommen wurde. Es
wurde eine Entſchließung angenommen, die auf die Beunruhigung
inter den Sruttgarter Bankbeamten hinweiſt. Man müſſe mit der
Schließung von faſt 100 Niederlaſſungen rechnen. Die ſeit Jahren unter
dem fortgeſetzten Perſonalabbau in ſozialer und ſeeliſcher Hinſicht ſtart
hotleidende Bankangeſtelltenſchaft werde erneut den größten Sorgen
zusgeſetzt, da die gegenwärtige Wirtſchaftslage ein Unterkommen der
bgebauten Beamten in anderen Berufen ausſchließe.
Produkkenberichte.
Mainzer Produktenbericht. Großhandelseinſtandspreiſe pro 100
Rilo loko Mainz am Freitag, 27. September: Weizen 24,50, Roggen Dangtbonk
19,2519,50, Hafer 19,2519,50, Braugerſte 20,5021,50, Futtergerſte
1717,50, ſüddeutſches Weizenmehl Spezial Null 37,90, Roggenmehl
Null 1 287529,50, Weizenkleie fein 11,50, desgl. grob 12,25, Roggen=
ſleie
1112, Weizenfuttermehl 13,50, Biertreber 17,2518,75, Erdnuß=
ſuchen
22,7523,50, Kokoskuchen 20,5026, Palmkuchen 19,5020,75,
Rapskuchen 1920, Kleeheu loſe 1212,50, desgl. gebündelt 12,50 bis A. E. G.
12,75, Wieſenheu 11,5012, Maſchinenſtroh 55,50, Drahtpreßſtroh Bahr. Motorenw.
,506, Weiße Bohnen 47,00. Tendenz: ruhig.
Berliner Produktenbericht vom 28. September. Die Erholung an
den überſeeiſchen Märkten iſt nicht von langer Dauer geweſen, und im
Anſchluß daran lauteten auch die Liverpooler Notierungen wiederum
niedriger. An der hieſigen Produktenbörſe war die Stimmung heute / Deutſche Erdöl
kuhig. Das mäßige Angebot von Inlandsweizen fand zu wenig ver=
äinderten
Preiſen Unterkunft, Roggen war in Kahnware ausreichend
offeriert und wurde von den Mühlen eine Mark niedriger als geſtern
bezahlt. Am Lieferungsmarkte ſetzte Weizen bis eine Mark, Roggen
bis zwei Mark niedriger ein, wobei beſonders Septemberroggen ge=
drückt
lag. Weizen= und Roggenmehle haben zu unveränderten Preiſen
laufendes Konſumgeſchäft; für Roggenmehl zur baldigen Lieferung ſind
die Mühlen vereinzelt zu Preiskonzeſſionen bereit. Hafer mäßig an=
geboten
und im Preiſe etwa gehalten; die Unternehmungsluſt iſt je= 6% Dtſche. Reichs=
doch angeſichts des Wochenſchluſſes ebenſo wie für Gerſte nur gering.

Amerikaniſche Kabelnachrichken.

* New York, 28. Sept (Priv.=Tel.)
Baumwolle: Der Baumwollmarkt zeigte überwiegend feſtere Ten=
denz
, die Umſatztätigkeit war lebhaft. Abgaben für Rechnung ſüdlicher
Firmen ſtanden Kaufaufträge des Handels gegenüber. Wochenſchluß=
deckungen"
führten gegen Ende des Marktes zu einer weiteren Auf=
wärtsbewegung
der Preiſe.
Kaffee= und Zuckermarkt ſind geſchloſſen.
* Chikago, 28. September. (Priv.=Tel.)
Weizen unterlag heute wiederum ſtärkeren Preisrückgängen. Haupt=
baiſſemomente
waren Meldungen über Niederſchläge in Auſtralien und
Beſſerung des Saatenſtandes in Argentinien. Auf dem niedrigeren
Preisniveau zeigte ſich jedoch ſtärkere Nachfrage.
Mais: Abgaben für Rechnung lokaler Firmen ließen den Mais=
markt
ſchwächer tendieren; namentlich September=Mais war gedrückt.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 28. Sept.:
Getreide: Weizen, Sept. 127½, Dez. 133½4, März 13934, Mai
14334: Mais, Sept. 98½, Dez. 96½, März 100½, Mai 103½;
Hafer, Sept. 52, Dez. 53½8, März 56, Mai 57½; Roggen, Sept.
102½, Dez. 108½, März 114½.
Fleiſch: Rippen, Sept., Okt. 11,50; Speck loco 12; leichte
Schweine 10,1510,95, ſchwere Schweine 9,1010,55; Schweine=
zufuhr
Chicago 6000, im Weſten 35 000.
Schmalz: Sept. 11,05, Okt. 11,02½, Dez. 11,25, Jan. 11,77½.
Chicago Baumwolle: Dez. 18,53.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 28. Sept.:
Getreide: Weizen, Rotwinter 136¾, Hartwinter 133½: Mais
110½: Mehl 6.156,40; Getr. Fracht b. England 1,62,3 sh, nach
dem Kontinent 89 C.
Schmalz: Prima Weſtern loco 11,80.
Kakao: Geſchloſſen.

Eine vollaranleihe fur das deutſche Reich!
Wie verlautet, ſoll der ſchwediſche Zündholztrüſt Kreuger u. Toll
der Reichsregierung einen Kredit von 150 Millionen Dollar angeboten
haben, wogegen er das deutſche Zündholzmonopol übereignet haben will.
Die Reichsregierung ſoll aber noch entſcheidenden Einfluß im Monopol
beſonders bezüglich der Preisgeſtaltung eingeräumt bekommen. Offi=
zielle
Reichsſtellen haben zu dieſer Meldung bisher noch nicht Stel=
lung
genommen. (Siehe Seite 1.)
Wirtichaftliche nundſghau.
Die amtliche Großhandelsrichtzahl. Die auf den Stichtag des
25. September berechnete Großhandelsrichtzahl des Statiſtiſchen Reichs=
amtes
iſt mit 138,0 gegenüber der Vorwoche (138,3) um 0,2 v. H. zu=
rückgegangen
.
Geringe Zunahme der Arbeitsloſigkeit. Vom 31. Auguſt bis zum
15. September iſt die Zahl der Hauptunterſtützungsempfänger in der
Arbeitsloſenverſicherung von rund 726000 auf 735 000, alſo um 9000
oder um 1,3 v.H. geſtiegen. Dieſe Zunahme erſtreckt ſich allein auf die
männlichen Hauptunterſtützungsempfänger, die um 16 000 Perſonen an=
gewachſen
ſind, während die unterſtützten Frauen um 7000 abgenommen
haben. Dieſe verſchiedenartige Entwicklung bei den beiden Geſchlechtern
dürfte größtenteils auf die Belebung in denjenigen Induſtriezweigen
zurückzuführen ſein, die beſonders weibliche Arbeitskräfte beſchäftigen.
Die Hauptunterſtützungsempfänger in der Kriſenunterſtützung haben in
der erſten Septemberhälfte um rund 2000 Perſonen zugenommen, ihre
Zahl ſtieg daher Mitte des Monats auf rund 159 000.
Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., B. Sept.
Das Wochenſchlußgeſchäft der Börſe war zwar ſehr ruhig, zeigte
aber einen feſten Untergrund. Man hat ſich offenbar von der New
Yorker Börſenbewegung frei gemacht und erwartet von der Fuſion
Deutſche Bank=Diskonto=Geſellſchaft eine Ankurbelung des Börſengeſchäf=
tes
. Sämtliche Märkte lagen einheitlich freundlicher bis auf wenige
Ausnahmen, die durch Zufallsorders eher ſchwächer einſetzten. Dresdner
Bank 31. Diskonto und Deutſche 1½ Prozent leichter. Schiffahrts=
werte
bis ½ Prozent höher, trotz der geſtrigen Fuſionsdementis.
Elektrowerte weiter vernachläſſigt und kaum verändert. Siemens 1½,
Lieferungen 2 Prozent freundlicher, AEG. knapp gehalten. Der Far=
benmarkr
war gut gehalten, der Kurs ſchwankte um 214. Montanwerte
trotz der Lohnerhöhung im nordfranzöſiſchen Kohlenrevier umbeeinflußt
und nur wenig verändert. Die übrigen Märkte lagen außerordentlich
ſtill, man hörte aber gut behauptete Kurſe. Renten umfatzlos. Im
Verlaufe blieb die Haltung widerſtandsfähig. Tagesgeld zum Zahltag
geſucht und 8½ Prozent. Die Nachbörſe war feſt. London=New York
4,8530, Pfunde=Mark 20,36 %, Dollar=Ma=k 4,1967.
Berlin, 28. September.
Bei ſtillem Geſchäft hatte die geſtrige Frankfurter Abendbörſe keine
nennenswerten Kursveränderungen gebracht. Im heutigen Vormittags=
verkehr
hörte man dagegen eher ſchwächere Kurſe, wobei die unter
Schwankungen ſchwache geſtrige New Yorker Börſe als Hauptverſtim=
mungsmoment
genannt wurde. Außerdem fanden die anhaltenden
Goldabzüge aus England, eine Verſchlechterung der Arbeitsmarktlage
und die Erklärung der Hapag hinſichtlich der Freigabegerüchte Beach=
tung
. Nicht ganz ohne Einfluß auf die Stimmung blieb ferner die
Sklarek=Affäre. Einerſeits iſt ſie als pſychologiſches Moment zu werten,
andererſeits weiß man nicht, ob nicht noch Börſenengagements be=
ſtehen
, die zur Liquidierung kommen könnten. Bei faſt vollkommener
Geſchäftsloſigkeit zeigten dann die erſten offiziellen Notierungen der
heutigen Samstagsbörſe in der Tat abbröckelnde Tendenz. Die Banken
brauchten aber kaum zu intervenieren, da an keinem Markte nennens=
wert
Ware herauskam. Im Verlaufe wurde das Geſchäft, vom Ban=
kenmarkt
ausgehend, aber allgemein lebhafter. Außer Deckungen konnte
man in Elektro=, Schiffahrts=, Kali= und Bauaktien auch reelle Käufe
beobachten, die das Kursniveau um 13 Prozent hoben. Berliner
Handelsgeſellſchaft zogen um 5 Prozent an. Trotz zwiſchendurch vor=
genommener
Glattſtellungen ſeitens der Spekulation zum Wochenſchluß
blieb auch ſpäter die Stimmung freundlich, und das erreichte höhere
Kursniveau konnte ſich im allgemeinen behaupten. Zu Beginn der
zweiten Börſenſtunde machte ſich für Montanwerte etwas mehr Inter=
eſſe
geltend, vielleicht im Zuſammenhange mit den Lohnerhöhungen im
nordfranzöſiſchen Kohlenrevier. Aber auch Papiere wie Stöhr, Berlin=
Karlsruher Induſtriewerke, Elektriſche Lieferungen, R.W.E., Kunſt=
ſeideaktien
hatten mehrprozentige Gewinne aufzuweiſen.

Vom füddeutſchen Produkkenmarkk.
Die Nachrichten von den überſeeiſchen Getreidemärkten lauteten vom
letzten Freitag bis zum Dienstag dieſer Woche fortgeſetzt a la Baiſſe und
erſt am Mittwoch ſetzte eine kleine Feſtigkeit ein, die am Donnerstag
ſich noch ſtärker auswirkte. Damit zuſammenhängend war auch am
Mannheimer Platze eine etwas lebhaftere Tätigkeit zu konſtatieren und
es kamen beſonders in Weizen einige Umſätze zuſtande. Hierländiſcher
Weizen fand zu 2525,25 RM., und hier greifbarer Auslandsweizen
zu 27,2533 RM. frei Waggon Mannheim Aufnahme. Am Roggen=
markte
blieb der Verkehr ſtill, und die Preiſe haben ſeit unſerem letzten
Bericht keine nennenswerte Veränderung erfahren, man verlangte für
hierländiſchen Roggen 20. RM. franko Mannheim. Für Auslands=
roggen
beſtand kein Intereſſe. Hafer lag behauptet, bei mäßigen
Umſätzen. Neuer Inlandshafer blieb zu 18,5019,50, und Auslandshafer
zu 2021 RM. frei Waggon Mannheim erhältlich. In Gerſte zu
Brauzwecken hielt ſich das Geſchäft in ſehr engen Grenzen. Für badiſche,
württembergiſche und fränkiſche Braugerſte ſtellten ſich die Forderungen,
je nach Qualität, auf 21,5023,00, für pfälzer Braugerſte auf 2324
RM. und für Futtergerſte auf 18,2519,25 MM. franko Mannheim.
Mais war weniger ſtark gefragt, da die Landwirte bei den niederen
Preiſen für Gerſte und Noggen es vorziehen, ihrem Vieh geſchrotene
Gerſte und auch desgl. Roggen zur Fütterung zu verabreichen.
Der Preis für Mais iſt etwas zurückgegangen und ſtellt ſich heute auf
2020,25 RM., einſchließlich Säcken, waggonfrei Mannheim. Futter=
mittel
verkehrten in ruhiger Haltung, und die Preiſe gaben unter
demſelben Einfluß wie Mais nach. Für feine Weizenkleie verlangt man
heute 11,00, für grobe 11,75, für Sohaſchrot 20,2520,50, für Bier=
treber
1718, für Trockenſchnitzel 14,2514,50, und für Malzkeime
16,7517,50 RM. frei Waggon Mannheim. Für Hopfen zeigte ſich
in den letzten Tagen etwas mehr Nachfrage, doch vermochte dies auf
die Preisgeſtaltung keinen weſentlichen Einfluß auszuüben, zumal auch
die Zufuhren am Nürnberger Markte größer geworden ſind. Für
Hallertauer Siegelhopfen wurden Preiſe von 6080, für Württemberger
5570, für Badiſchen 4560, und für Gebirgshopfen 3055 RM. per
Zentner je nach Qualität, am Nürnberger Markte angelegt. Tabak
lag weiter ruhig. Die Einkaufstätigkeit iſt zwar, wie immer um dieſe
Jahreszeit, etwas ruhiger, doch tritt dies nur beim Einkauf von neuen
Tabaken in Erſcheinung, während die Marktlage im allgemeinen als
unverändert angeſprochen werden kann. In der badiſchen Haardtgegend,
in Wiesloch und Bruchſal wurden Grumpen zu 202225 RM. per
Zentner aufgekauft. In der Pfalz, in der Speherer Gegend erlöſten
Grumpen 2530 RM., doch wurde größtenteils noch ein Quglitätszu=
ſchlag
bis zu 2 Prozent bewilligt.
Biehmärkke.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am Samstag, den
28. September, waren 378 Schweine zugeführt. Verkauft wurden 308,
und zwar Milchſchweine das Stück von 230 Mark, Läufer das Stüch
von 3752 Mark.
Kleine Wirkſchaffsnachrichken.
Der Abſatz in vheiniſchen Bimsbauſtoffen hat ſich im dritten Vier=
teljahr
1929 gegenüber dem zweiten Jahresviertel nicht weiter beleben
können. Es zeigte ſich bereits vom Auguſt ab ein Rückgang im Ver=
ſand
, der auf die mangelhafte Finanzierung des Bauwarktes zurück=
zuführen
iſt. Die Verkaufspreiſe konnten ſich zum Teil behaupten.
Der AR. der Vaterländiſchen und Rhenania=Verſicherungsgeſellſchaft
hat das bekannte Fuſionsangebot der Nondſtern Allgemeine Verſiche=
rungs
=AG. in dem angekündigten Umtauſchverhältwis von 600 RM.
nom. Vaterländiſche gegen 300 RM. nom. Nordſternaktien angenom=
men
. A. o. G.V. am 30. Oktober, AR. von Nordſtern über den gleichen
Zweck am 5. Oktober.
Ueber das Vermögen der in Liquidation befindlichen Lederfabrik
Gebr. Hausmann in Bad Homburg wurde der Konkurs eröffnet. Wie
verlautet, ſoll der Paſſivſaldo 200250 000 RM. betragen. Ein genauer
Status liegt noch nicht vor.
Am kommenden Dienstag wird in Frankfurt in der neuen Börſe
der Getreidehandelstag abgehalten. Aus dieſem Anlaß findet in der
Frankfurter Gerreidebörſe um 4 Uhr eine Zuſamwenkunft der ſüddeut=
ſihen
Mehlhändlerverbände ſtatt mit der Tagesordnung: Die Ver=
einbarung
mit der Mühlenkonvention.
Der Generalrat der öſterreichiſchen Nationalbank hat in ſeiner
geſtrigen Sitzung beſchloſſen, den Zinsfuß von 7½ auf 8 Prozent zu
erhöhen.

Berliner Kursbericht
vom 28. September 1929

Deviſenmarkt
vom 28. September 1929

Verl. Handels=Geſ. Rerr
270.50 Mit ee
J. G. Farben 211.75
Gelſenk. Bergw. V Polnphonwerke.
Rütgerswerke ek
80.375 Helſingfors Währung Ri
100 finn. Mk. /10.535/ 10.555 Schweiz Währung
100 Franten Geld
80.85 Brief
81.01 Deutſche Bant 165.25 142. Salzbetfurth Kalt 383.25
Wien 00 Schilling 58.95 9.07 Spanien 1100 Peſetas 62.03 62.15 Disconto=Geſ. 16 5.25 Geſ. f.elektr. Untern. /203. Leonh. Tietz 193.75 Prag 100 Tſch. Kr. 12.41 12.43 Danzig 100 Gulden 81.34 81.50 Dresdner Bank 161.50 Harpener Bergbau 144.50 Verein. Glanzſtof 304.50 Budapeſt 100 Pengö 73. 14 73.28 Japan 1 Yen 2.008 2.012 Hapag 119.50 Hoeſch Eiſen 130. Verein. Stahlwerke 114.25 Sofig. 100 Leva. 3.035 3.047 Rio de Janeiro Milreis 0.497 0.499 Hanſa Dampfſch. 160.25 Phil. Holzmann 98. Weſteregeln Alkali 232.50 Holland 100 Gulden 168.24 168.5 Jugoſlawien
Portugal 100 Dinar 7.38* 7.389 Nordd. Llohyd 111.50 Kali Aſchersleben 229.75 Algsb.=Nrnb. Maſch. 80.50 Lslo" 100 Kronen 111.69 171.91 100 Escudos 18.73 18.77 188.75 Klöcknerwerke‟ 115.50 Baſalt Linz 41.75 Kopenhagen 100 Kronen 111.76 111.58 Athen 100 Drachm. 5.425 5.435 94.75 Köln=Neueſſ. Bgw. 125. Berl. Karlsr. Ind. 75.75 Stockholm 100 Kronen 1112.32 112.54 Konſtantinopel türk. 2 2.024/ 2.028 J. P. Bemberg 242. Ludw. Loewe 195.50 Hirſch Kupfer 138. London 1 2.Stg 20.343 20.39* Kairo 1ägypt. 2 20.865 20.905 Bergmann Elektr. 220. MMannesm. Röhr. 110.50 Hohenlohe=Werle 98. Buenos=Aires 1 Pap. Peſo 1.759 1.763 Kanado 1 canad. Doll. 4.158 4.167 Berl. Miaſch.=Bau 72. Maſch.=Bau=Untn. 50.375 Lindes Eismaſch. 158. New York 1 Dollar. 4.1920 1.200 Uruguag 1 Goldpeſo 4.098 4.104 Contt Gummi 162.25 Nordd. Wolle 128. Herm. Poege 38.25
Belgien 100 Belga 59.365 58.48! Island. 100 eſtl. Kr. 92.0. 92.20 Deutſche Cont. Gas 182.50 Oberſchleſ. Kofsw
Orenſtein & Koppel 102.50 Vogel Telegr. Drah= 74.
Italien 100 Lire 21.94 21.98 Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr. 111.6 11.91 113.25 81.50 Wanderer=Werke 68.50
Paris 100 Franes 16.43 6.47 MRiga
100 Lats 80,67 80.83

Frankfurter Kursbericht vom 28. September 1929.

anl. v. 27 ......
6% Baden Frei=
6% Bahern Frei=
ſtaat
v. 27.....
8% Heſſen Volks=
ſtaat
. . . . . . v. 28
v. 29
8".
6% Preuß, Staats=
anl
. v. 28 ......
6% Sachſen Frei=
ſtaat
v. 27 .....
7% Thüringer Frei=
ſtaat
v. 27 .....

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. +1
Ablöſungsanl. . / 53‟/, 18%
Dtſche. Anl. Ablö.
ſungsſch. (Neub.)
Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
..."
80 Bad.=Bad. v. 26
6% Berlin v. 24 ..
8% Darmſtadtv. 261
v. 28
% Frlf.a. M. 0. 26
6% Mainz v. 26 ..
8O Mannh. v. 26..
6% Nürnbergv. 26
8, beſſ. Landesbk.
Goldpfbr.
8‟/, Heſſ. Landesbl.
Goldoblig. .....
4.%. Heſſ. Lbs.-
Hyp.=Bk.=Liquid.
Pfbr. .... ...
I Preu ß. Lbs.=
Pfbr.=Anſt. Gold=
ufbr
.
hee Preuß. Lbs.,
Pfbr.-Anſt. Gold=
vbl
. ... . .. . ..

18 Darmſt. Komm.
87.5 Landesbk. Goldobl.
18‟/ KaſſelerLundes=
ſtaat
v. 27 ... . ./ 74.75) kredit Goldpfbr.
8‟/. Naſſ. Landesbk.
Goldpfbr. . . .

86.75 Dt. Komm. Sam=
91
mel=Ablöſ.=Anl.
* Ausl. Ser. 1
* Ausl. Ser. 11
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz)
8% Berl. Hyp.=Bk.
*/eo Liqu.=Pfbr.
18% Frti. Syp. Bk..
4:/,2 Lia. Pfbr.
Pfbr. Bk..
41,%0 Lig. Pfrb.,
10.05 18% Mein. Hyp. Bk.
4:/.% Lig. Pfbr..
8% Pfälz. Hyp. Bk.
4½,0. Lig. Pfbr.
82o Preuß. Boden=
cred
.=Bk.

Lig. Pfb
4:1.0
I. Preuß. Centrl.=
86
Bodencr.=Bk.
86
4/.0. Lig.Pfbr
83
8e/,Rhein. Hyp.=Bk.
4:/-), Lig. Pfbr.
87
18% Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit.. ...
8½ Südd. Bod.=
Cred.=Bank. . . . .
96:- 1870 Württ. Hyp.=B

51.75
68

21

94

71/.

98

95

6% Daimler Benz
von 27 ......."
8‟/, Dt. Linol. Werke
v. 26
8% Klöckner=Werke
Berlin v. 20..
7% Mainkrw. b.26.
2o Mitteld Stahl=
werke
v. 27 ..

97.5
84.5
77.05
96.5
97.5
OI25

86.25

82), Salzmann u. Co.
v. 26.
7% Ver. Stahlwerkel
mit Opt. v. 26
18% VoigtckHäffnerl
J. G. Farben Bonds
v. 28 ...."
5% Bosn. L.E.B./
v. 1914
41.% Sſt. Schatz=
anw
. v. 1914...
4% Oſt. Goldrentel
5%vereinh. Rumän.
4½%
40 Türk. Admin.
1. Bagdad
Zollan!

%0 Ungarn 1913/
1914
43%
Goldr.
42
Aktien
Accum.=Berlin.
Adlerw. (v. Kleher).
AEG. Stamm . . . /189
AndregeNoris Zahn!.
Baſt Nürnberg .. .
Beram. El. Werke 1220.5
Brown BoverickCie/!
Brüning & Sohn.
Buderus Eiſen ...
Cement Heidelberg
Chem. Werle Albert
Chade ...... . . . . . /436
Daimler=Benz ....
Dt. Atl. Telegr.. ..!4
Eiſenh. Berlin.
Erdöl ........ /1
Gold= u. Silb.-Anſtalt . /152.5
Linoleumwerr . 12
Dückerhoff u. Wid=

Elektr. Licht u. Kraftl202
Liefer=Geſ./172
Cſchw. Berowerf.
87), Eßlinger Maſchinen/ 37.10
Ettlinger Spinnereil215
von 26 .... . . / 91:25) J. G. Farbeninvuſtrl 212.25
Feinmech. (Jetter). 81
Felt. & Guilleaum.
110
Frkſt. Gas
40
Hof
32
Geiling & Cie..
32/, Gelſent. Berowerk 1141
Geſ. elektr. Unter=
nehmungen
.. . . 1204


Goldſchmidt Th. . . / 70
Gritzner Maſchinen! 58
5.85 Grün & Bilfinger1170
7:25 Hafenmühle Frkft.. /130
Hammerſen (Osn.)
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf. /169
Hilpert Armaturfbr /122.5
Hinderichs=Aufferm
Hirſch Aupfer... . . /137
Hochtief Eſſen ....! 90
41
Holzmann, Phil.. / 99.75
160 Holzverk.=Induſtriel 82.75
3lie Bergb. Stamm
Cenüſſe
126 Zunghaus Stamm
26.5 Kaligichersleben 1233

Salzdetfurth .. 1385

Weſteregeln . . 232.5
Karlſtadtl178 Kammgarn ſpinn..
E1
Karſtadt, 9. .... . 1747),
Klein, Eckanzl.
Contin. Eummiw. /462 Klöcnerwerte .. . . /114.5
gr Lahmeher & Co.. /177.25
Lech. Augsburg..
12,a5 Löwenbr. Münch. /274
Lüdenſcheid Metall/ 71
Lutz Gehr. Darmſt. 14
96 Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Aft.=Br. . . . /250
mann ... . . . . . . 87.5 Mannesm. Röhren

Mansfeld Vergb.
MarswerkeNürnbg.
Metallgeſ. Frankf.
Miag. Mühlenbau.
MontecatiniMaild
Motorenfb. Darmſt.
Neckarwerke Eßling.
Nicolay, Hofbr. ..
Oberbedarf. ..
Otavi Minen ....
Phön ix Bergbau
Reiniget, Gebb...
Rh. Braunkohlen..
Eleftr. Stamm.
Stahlwerke. . . .
Riebeck Montan.
Noeder Gb. Darmſt
Rütgerswerle
Sachtleben A. G
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr
Schriftg. Stempel
Schucker: Elektr. ..
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtrie
Siemens &. Halske
Strohſtoff. Ver....!"
Südd. Immobilien
Zudker=A. G...1157.25
Svensta Tändſtidsl376
Tellus Bergbau ..!"
Thür. Liefer.=Geſ.
Tucher=Brauerei..
Anterfr. Ars.- Elel-
tr
.=Verſ.
Beithmerte
Ver. 1.Chem. Ind.
Frantf.
Laurahütte. . ..
Stahlwerke .../1
Ultramarin. . . . !
Zellſt. Berlin
Vogtländ. Maſchin.
Poigt & Saeffner.

154
126

56.5

Af4
144
D
108.5
172
290
01
3
163
372.5
210
115

Bahß & Fretztae
Wegelin Rußfabr.
Werger Brauerei..
Zellſtoff. Aſchaffbg..
Memel .."
Waldhof
Allg. Dt. Creditanf
Bk. f. Brauinduſtr. .
Berl. Handelsgeſ..
Tomm. u. Privatbl.
Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank.. ..
Eff.-u. Wechſel=
bank

Diskonto=Geſellſch.
Dresdener Banz..
Frankf. Ban
I:
Hyp. Ban 1..
Pfdbr.=Bk. .!.
Gotha. Grundkr. Bk./:
Mein. Hyp.=Bank..!.
Nürnb. Vereinsbk. .
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Hyp.=Bank..
Reichsbank=Ant.
Rhein. Creditbl. ...
Hyp.=Bunt....
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiene=Bankverein

A.-G. f. Verlehten
Allg. Lokalb. Kraftw
Dt. Reichsbahn!
Borzge
Hapag. ..
Nordd. Lloyd ....!
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Ge
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung ...
Frkft. Allg. Verſ.=G
Sorankona Rück= u.
Mitv. . . . . .
Mannh. Verſich.

a
12g
155
aa
270.5
165.25
122.5
165.25
162.5
103
138.25
138.5
128
123
150

121
148

12.75
130

120
112
4.2
123

98

[ ][  ][ ]

Die glückliche Geburt eines
kräftigen Töchterchens zeigen
erfreut an
Sch. Eymann u. Frau
Luiſe, geb. Scheid.
Darmſtadt, 27. September 1929.
Erbacherſir. 59.
Lieſel Ehrhardt
Max Herfurth
grüßen als Verlobte.

Hannover
Albert Niemannstr. 8

Darmſtadt, den 29 Sept 1929.

Wienerſir. 55

Wienerſtr. 73

Dankſagung.
Allen Freunden, Bekannten und Ver=
wandten
, die uns anläßlich unſerer
goldenen Hochzeit mit Geſchenken,
Gratulationen und dergl, in ſo über=
aus
reichem Maße bedacht haben, be=
ſonders
der Freiw. Feuerwehr für die
dargebrachte Opation und ihr über=
ra
chendes Geſchenk, dem Herrn Pfarrer
Erkmann, dem Kirchenvorſtand und
dem Frauenverein ſagen wir auf dieſem
Wege unſeren innigſten Dank.
Georg Benz III. und Frau
Margarete, geb. Ewald.
Wixhauſen, den 27. Sept. 1929. (15166

Slat Karten.

Für die anläßlich des 30 jährigen
Geſchäftsſubiläums übermittelten
Glückwünſche, Blumen und Ge=
ſchenke
ſagen wir auf dieſem
Wege herzlichſten Dank.
Familie H. L. Schnebele.

Statt Karten.
Für die vielen herzlichen Teilnahme=
beweiſe
beim Ableben unſeres lieben
Kindes
Robert
innigen Dank. Beſonders danken wir
den Aerzten und Schweſtern des Städt.
Krankenhauſes für die aufopfernde
Pflege Herrn Pfarrer Köhler für ſeine
troſtreichen Worte, Herrn Lehrer Wil=
elm
Schäfer nebſt ſeinen lieben
Schulkameraden, für ihre große An=
hänglichkeit
und nicht zuletzt dem
Reichsbahn=Turn= und Sportverein
für ſeine innige Anteilnahme, (15174
Familie Wilhelm Pietzer
Lauteſchlägerſtr. 6.
Darmſtadt, den 28. Sept. 1929.

Uhre Vermählung geben bekannt!
Wilhelm Knau
Luise Rnau, geb. Hofmann
Vielbrunn i. Odw. 28. September 1929.
(15202)

Geſtern abend entſchlief ſanft nach mehrwöchigem
Krankenlager unſer inniggeliebter, älteſter Sohn,
unſer lieber Bruder und Enkel

im Alter von 21 Jahren.
Fritz Frhr. b. Schäffer=Bernſtein, General=
major
a. O
Carola Frfr. v Schäffer=Bernſtein,
geb. v. Paſſavant und ihre Kinder
Bettina, Arnold, Wera und Gerd
Tina Frfr. v. Schäffer=Bernſkein,
geb. Schuchard
Emma v. Paſſabant, geb. Gontard.
Berlin W. 15, den 26. September 1929
Kurfürſtendamm 199
Darmſtadt, Frankfurt a. M.
Die Beerdigung findet in aller Stille ſtatt,
Wir bitten von Blumenſpenden und Beileidsbeſuchen
freundlichſt abzuſehen. (15198

(15101b
Ludwigsplatz 10
Wittmannstraße 2 Wenckstraße 22

Kb
Der holbsteife Kragen,

der einzige aus Doppelgewebe
daher unerreicht haltber

Voh Heusen
DA.B

Deutsches Fabrikat
Nur echt mit Stempel van Herisen

Ca. 60 Zentner
Tafeläpfel
Goldparmaine, Rai=
nette
, Kaiſer= Fried=
rich
uſw., preiswert
in einzel. Zentnern
o. zuſammen abzug.
Näh. zu erfrag bei
K. Bechtel, Eber=
ſtadt
, Villenkolonie.
Neue Darmſtädter
Straße 104.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
und die ſo zahlreichen Kranz=
ſpenden
bei dem Hinſcheiden unſeres
lieben, guten
Hildegardchen
ſagen wir Allen auf dieſem Wege vielen
Dank, insbeſondere Herrn Pfarrer Munk
für ſeine troſtreichen Worte am Grabe.
Familie Sakob Siefert II.
Hofgut Fronhof b. Reichelsheim i. O.,
den 28. September 1929 (15283

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teil=
nahme
bei dem Heimgange unſerer lieben
Entſchlafenen
Luiſe Chevalier
geb. Tron
ſagen wir auf dieſem Wege herzl. Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſiadt, 28. September 1929. (15242

Dankſagung.
Für die uns beim Hinſcheiden unſeres
lieben Vaters und Großvaters bewieſene
Teilnahme ſprechen wir unſeren herzlichſien
Dank aus.
Familie Max Neupert.
Darmſtadt, im September 1929.
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Rummer 270

Sonntag, den 29. September 1929

Seite 13

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Nummer 270

Gonntag, den 29. Oeptember 1929

Seite 15

Die überſchwemmten Kaianlagen von Wilhelmshaven.

Eine gewaltige Sturmflut ſuchte in den letzten Tagen die ganze norddeutſche Küſte heim und richtete
werall großen Schaden an. Die Kaianlagen von Wilhelmshaven ſind vollkommen überſchwemmt
und ſtehen metertief unter Waſſer.

Beich und Ausland.
Neue Startverſuche Valiers in Eſſen.
Eſſen. Am Sonntag, den 29. September, zwi=
Gen 15 und 16 Uhr wird Max Valier einen erſten
kerſüch mit ſeinem neuen Rückſtoßantriebswagen
mternehmen. Im Gegenſatz zu den früheren Kon=
fruktionen
beruht der Antrieb auf dem Ausſtoß eines
lochdruckdampfſtrahles von verflüſſigtem Gas, wäh=
und bei den bisherigen Verſuchen Pulver und
Fprengſtoffe zur Anwendung gekommen ſind. Es
ſindelt ſich um den Beginn einer Verſuchsreihe, die
ur. Entwicklung des eigentlichen Raketenmotors
fhren ſoll. Die Veranſtaltung findet in Eſſen auf
er Norbertſtraße, auf dem zurzeit für den öffent=
ſchen
Verkehr abgeſperrten Straßenſtück bei Eſſener
Frater, ſtatt. Die Vorführung trägt den Charakter
iner wiſſenſchaftlichen Verfuchsfahrt vor Sachver=
ſändigen
, Preſſe und geladenen Gäſten, zu der auch
s Publikum Zutritt hat.
Graf Bethuſy Huc tödlich verunglückt.

Schuß auf den Schnellzug Baden=Baden
Berlin.
Ettlingen (Baden). Auf den D=Zug /Baden=
Baden-Berlin, der abends zwiſchen 7 und 8 Uhr Ett=
lingen
paſſiert, wurde am Freitag auf der Strecke
zwiſchen Bruchhauſen und Ettlingen von der Weſt=
ſeite
her ein ſcharfer Schuß abgegeben, der jedoch
glücklicherweiſe nur in die Wand eines Wagens ein=
ſchlug
. Von dem Täter fehlt jede Spur.
D. L.V.=Zuverläſſigkeitsflug 1929.
Berlin. Der erſte Tag des vom Deutſchen Luft=
fahrwverbande
veranſtalteten diesjährigen Zuver=
läſſigkeitsfluges
kann mit einem ſehr günſtigen Er=
gebnis
abſchließen. Trotzdem am Morgen auf faſt
allen in Frage kommenden Flugplätzen Bodennebel
den Start verhinderte, konnten im Laufe des Tages,
nachdem ſich das Wetter aufgeblärt hatte, alle zum
Wettbewerb zugelaſſenen 35 Teilnehmer bis auf zwei
programmäßig ſtarten. Von dieſen hatten bis zum
Beurkundungsſchluß der nachmittags 17,30 Uhr
war 29 Wettbewerber ihr von ihnen ſelbſt ge=
wähltes
Flugprogramm ohne Zwikchenfälle bewältigt.

Kreuzburg. Graf Bethuſy Huc in Pankau bei
kreuzburg iſt am Donnerstag nachmittag tödlich ver=
mglückt
. Graf Bethuſy Huc, der ſein Gut ſelbſt be=
birtſchaftete
, fuhr mit ſeinen Pferden aufs Feld.
Plötzlich ſcheuten die Pferde und der Wagen prallte
ſegen einen Baum. Dabei erlitt Graf Bethuſy Huc
b ſchwere Verletzungen, daß er dieſen nach wenigen
Stunden erlag.
Motorradunglück auf dem Nüxburg=Ning.
Adenau. Beim Training zu der am Sonntag
huf dem Nürburg=Ring ſtattfindenden Achtſtunden=
Langſtreckenfahrt ereignete ſich am Samstag ein be=
aerlicher
Unglücksfall. Der bekannte B.M.W.=
Fahrer Heine (Eſſen) hatte mehrfach verſucht, mit
ſeinem Wagen die Aprozentige Steigung zu nehmen.
Bei einem erſten Verſuch lief der Wagen rückwärts,
fberſchlug ſich, hatte aber außer einem Bruch des
Steuerrades keine Beſchädigungen erlitten. Heine
blieb dabei unverletzt. Obwohl er am Start und
Zielplatz von ſeinen Kollegen gewarnt wurde, mit
dem beſchädigten Steuerkad zu fahren, unternahm
Geine trotzdem einen nochmaligen Verſuch. Auch
hierbei lief der Wagen zurück, überſchlug ſich und
begrub den Führer unter ſich. Heine erlitt derartige
Quetſchungen und innere Verletzungen, daß der Tod
ßehn Minuten nach dem Unglücksfall eintrat. Er
wurde von einem Sanitätswagen nach dem Kran=
Venhaus in Adenau überführt.

Banditenüberfall in Breslau.
Breslau. In der Nacht zum Samstag er=
eignete
ſich in Breslau in der Antonienſtraße ein
ſchwerer Banditenüberfall. Zwei Männer drangen
mit Revolvern und Axt in die Wohnung des Händ=
lers
Silber ein, der vor einigen Tagen einen größe=
ren
Geſchäftsverkauf getätigt hatte. Das Mädchen,
das ihnen öffnete, ſchlugen ſie zu Boden und be=
drohten
die Frau des Händlers, die ihnen entgegen=
trat
, mit Revolver und Axt. Der herbeigeeilte Händ=
ler
ergriff eine Marmorplatte und ſtürzte ſich auf die
Banditen. Es kam zu einem Handgemenge. Die Ver=
brecher
mußten ſchließlich flüchten, da auf den Lärm
Hausbewohner herbeieilten, und konnten entkommen.
Die von der Polizei ſofort aufgneommenen Nachfor=
ſchungen
ſind bisher ohne Erfolg geblieben.
Schweres Grubenunglück.
Deutſch=Oth. In der Grube Montrouge
waren Sprengungen vorgenommen worden. Nach=
dem
die Schüſſe in ordnungsmäßiger Weiſe losge=
gangen
waren, zogen ſich die Bergleute zum Eſſen
zurück. Nach Wiederaufnahme der Arbeit löſte ſich
ein etwa 50 Zentner ſchwerer Block von der Decke
los und begrub drei Arbeiter. Zwei von ihnen, beide
Familienväter, wurden ſofort getötet, der dritte
lebensgefährlich verletzt.
Brandkataſtrophe.

Mit 110 000 Mark flüchtig geworden.
Münſter. Der Prokuriſt Franz Hüſter,
der bei der Parkettfabrik in Münſter angeſtellt
war, unterſchlug ſeiner Firma 110 000 Mark
und flüchtete mit dieſem Betrag. Am Donners=
tag
hatte er noch im Auftrag ſeiner Firma einen
Scheck in Höhe von 78 000 Mark, der auf die
Discontogeſellſchaft Berlin gezogen war, bei der
Filiale in Münſter eingelöſt und ſich dieſes Geld
ſangeeignet. Der Entflohene der nach den bis=
herigen
Ermittlungen wahrſcheinlich den Namen
Bannick angenommen hat, hat ſich in Richtung
Holland entfernt.
Ueberfall auf ein Auto vor den Toren Berlins.

Warſchau. Wie aus Lodz berichtet wird, iſt
eine Fabrik in Zgierz von einem Großfeuer verwüſtet
worden. Als die erſten Löſchzüge anrückten, war das
Gebäude bereits in Flammen gehüllt. Den im zwei=
ten
Stockwerk tätigen 50 Arbeitern war der Aus=
gang
über die Treppe verſperrt. Unter größter
Lebensgefahr gelang es den Feuerwehrleuten, im
letzten Augenblick, die die Fenſter verſperrenden
Gitterſtäbe zu entfernen und die bereits halb er=
ſtickten
und bewußtloſen Leute zu bergen. Bei einer
Arbeiterin kam die Rettung zu ſpät, da ſie vom
Feuer bereits erfaßt worden war und als eine
lebende Fackel im Innern des Raumes verſchwand.

Auf der Chauſſee Berlin-Lichterfelde wurde am
Freitag abend ein verwegener Raubüberfall auf ein
Automobil verübt. Um ½21 Uhr ſahen zwei Gärt=
iner
aus Lichtenrade ein zertrümmertes Auto im
Chauſſeegraben liegen. Auf dem Führerſitz, zwiſchen
Steuerrad und Rückwand hilflos eingeklemmt, hing
ein Mann, der halb bewußtlos war und leiſe Schmer=
zensrufe
von ſich gab. Die Gärtner alarmierten ſo=
fort
das Rettungsamt. Der Mann wurde als der
Fuhrunternehmer Willi Hegener aus Berlin feſt=
geſtellt
. Als der Verletzte nach längerer Behandlung
ſchließlich das Bewwußtſein zurückerlangte, gab er
folgende Schilderung: Ich fuhr die Lichtenrader
Chauſſee entlang, als plötzlich vor mir die Schein=
werfer
eines anderen Autos aufleuchteten. In dem
Augenblick, als der fremde Wagen an mir vorüber=
fuhr
fühlte ich plötzlich einen brennenden Schmerz in
den Augen. Es kam mir noch zum Bewußtſein, daß
mir irgend ein ätzendes Pulver, vielleicht auch Pfef=
fer
, ins Geſicht geſchleudert worden war; dann ver=
lor
ich die Gewalt über das Steuer, mein Wagen
prallte gegen einen Baum und rutſchte in den
Chauſſeegraben ab. In dieſem Augenblick fielen zwei
Männer über mich her, würgten mich, ſchlugen auf
mich ein und raubten mir meine Brieftaſche, in der
ſich 400 Mark befanden. Hegeners Zuſtand iſt ſo
ernſt, daß man ihn ins Krankenhaus transportieren
mußte. Die Nachforſchung nach den Tätern wurde
energiſch aufgenommen.
Unfall durch ein Flugzeug.
Blenheim (Ontario). Ein Flugzeug, deſſen
Führer die Gewält über den Apparat verloren hatte,
flog in eine ein Baſeballſpiel beobachtende Menſchen=
menge
. Zwei Perſonen wurde ſchwer verletzt.

Sieben ſxanzöſiſche Streckenarbeiter vom Zuge
überfahren.
Paris. Auf der Strecke Saint=Jeande Mau=
rienne
, öſtlich Greenoble, fuhr ein Zug in eine Rotte
Streckenarbeiter, die einer ins Rollen gekommenen
Lokomotive auf das Nebengeleis ausgewichen waren,
hinein. Fünf Arbeiter wurden getötet, einer erlitt
einen Schädelbruch, einem anderen Arbeiter wurden
Beine und Arme abgefahren.
Rieſenüberſchwemmungen im Staate Geeraia.
NewYork. Wie aus Atlanta (Georgia) ge=
meldet
wird, erreichte der Sawannafluß ſeinen höch=
ſten
Stand ſeit Menſchengedenken, ſo daß die Stadt
Auguſta durch Ueberſchwemmung ihrer Zugangs=
ſtraßen
und Eiſenbahnverbindungen infolge des vier=
undzwanzigſtündigen
ſchweren Sturmes von ihrer
Umgebung vollkommen abgeſchnitten war. Gleich=
zeitige
ſchwere Regenfälle vichteten großen Schaden an.
Große Sturmverheerungen in Miami. 30 Tote.
New York. Wie aus Miami gemeldet
wird, hat der geſtern über Naſſau hinweggegan=
gene
Sturm 30 Menſchenleben gefordert. Zahl=
reiche
Gebäude wurden beſchädigt. Einzelheiten
fehlen noch, da die Telephon= und Telegraphen=
verbindungen
geſtört ſind. Durch Unterbrechung
der Lichtleitung iſt die Stadt in völliges Dunkel
Dunkel gehüllt.
Der Orkan hat von den Bahama=Inſeln die
Richtung auf Key=Weſt und Havanna genom=
men
und überall ſchweren Schaden verurſacht
Vom Dampfer Princeß Montagu fehlen jede
Nachrichten. Man befürchtet, daß er in die
Sturmzone geraten iſt.

einn und ende de Savet Siidter.
Von Handlungsreiſenden zu Millionären. Kriegslieferanken und Inflakions=
gewinnler
. Die Könige der Spielklubs.

An den Millionengewinnen, die aus Kriegsliefe=
rungen
und Inflationsgeſchäften herrühren, ſcheint
kein Segen zu ſein, denn es iſt wohl kein Zufall, daß
ein großer Teil der Männer, die in den großen Um=
wälzungen
reich geworden ſind, die Oeffentlichkeit in
ziemlich peinlicher Form in den letzten Jahren be=
ſchäftigt
hat. Sie ſind faſt alle arm geworden oder
gar vor Gericht aufmarſchiert, denn ſie haben nicht
verſtanden, in ruhigen Zeiten das Vermögen zu er=
halten
, das ſie in aufgeregten erworben hatten. Zu
den bekannteſten Unternehmern während des Krieges
gehörten die Brüder Sklarek, die aus kleinſten An=
fängen
heraus ſich zu bedeutenden Heereslieferanten
entwickelt hatten. Vor dem Kriege waren ſie Ange=

Willi Sklarek.

ſtellte in kleineren Konfektionsgeſchäften der Provinz.
Als mit Ausbruch des Krieges das Heer an Uni=
formen
, Leder, Stoffen, Zeltbahnen, Helmen, Brot=
beuteln
uſw. einen ungeheuren Bedarf hatte, und
die Vorräte in Deutſchland knapp wurden, verſtan=
den
es die Brüder Sklarek, für die notwendige Er=
gänzung
der Heeresbeſtände durch Einfuhr aus dem
Auslande, z. T. aus dem damals noch neutralen
Italien zu ſorgen. Da die Preiſe in Deutſchland für
alle dieſe Dinge recht hoch waren, während ſie im
Ausland noch ziemlich niedrig gehalten wurden, ſo
ergab die Beſchaffung der Heeresgegenſtände unge=
heure
Zwiſchengewinne, durch die unternehmungs=
luſtige
Leute ſehr ſchnell reich werden konnten. Die
Shlareks hatten den notwendigen Unternehmungsgeiſt
und die erforderlichen geſchäftlichen Kenntniſſe, um
den Anforderungen gerecht zu werden, die die Heeres=
verwaltung
an die Güte der Waren und an Schnellig=
keit
der Lieferung ſtellte. Mit ihrem bei dieſen
Heereslieferungen erworbenen ungeheuren Vermögen
arbeiteten ſie in der Nachkriegszeit weiter. Beſonders
in den erſten Monaten nach Friedensſchluß waren
durch Auflöſung der Heeresbeſtände ſehr günſtige Ge=
legenheiten
zur Erwerbung neuer Reichtümer vor=
handen
, denn das Material wurde ſehr billig ver=
kauft
. Auch hier bei dieſen Verkäufen hatten die
Sklareks immer ihre Hände im Spiel und gehörten
bald zu den reichſten Männern Berlins. Das waren
die Jahre ihres Glanzes, denn ſie gewannen in geſell=
ſchaftlicher
und wirtſchaftlicher Beziehung großen
Einfluß. Es begann nunmehr ein Leben rauſchender
Vergnügungen, und in den großen Spielklubs waren
ſie bald als Könige des Spieles bekannt. Dabei ver=
nachläſſigten
ſie in keiner Weiſe ihr Geſchäft. Als
die Städtiſche Kleidervertriebsgeſellſchaft durch die
Mißwirtſchaft der Verwaltung, die zu gerichtlichen
Unterſuchungen führte, von der Stadt abgeſtoßen
wurde, übernahmen die Brüder Sklarek dieſes Unter=
nehmen
und erhielten dadurch die Lieferungen für
einen großen Teil des Bedarfs der ſtädtiſchen Wohl=
fahrtsämter
und anderer ſtädtiſcher Anſtalten. Be=
ſonders
die Textilien waren von den Brüdern
Sklarek für die ſtädtiſchen Unternehmungen in be=
deutenden
Mengen zu liefern, ſo daß für die Unter=
nehmer
ſich ſicherlich große Gewinne ergaben. Sie
waren dafür auch die geeigneten Perſönlichkeiten, da
ſie auf dem Gebiete des Textilweſens fachmänniſche
Kenntniſſe beſaßen. Den Höhepunkt ihres geſellſchaft=
lichen
Lebens bildete die Gründung des berühmten
Rennſtalles L. und W. Sblarek, der zuerſt unter
der Leitung des Trainers Cooter und ſpäter des
Trainers Oleynik ſtand. Hervorragende Pferde, wie
Famulus, der Derbyſieger Lupus und der Henkell=
ſieger
Wilfried gehörten dieſen glücklichen Stallbe=
ſitzern
, die vor einiger Zeit das dem bayeriſchen
Königshauſe gehörige Geſtür Leutſtätten zur Voll=
blutzucht
pachteten. Nun iſt alle dieſe Herrlichkeit,
dieſer Glanz und dieſer Reichtum verſchwunden, und
der Staatsanwalt hat wohl das Wort. . .
Wie die Bekrügereien der Gebrüder
Sklarek enkdeckt worden ſind.
Bei der Berliner Kriminalpolizei gehen zu der
Angelegenheit Sklarek fortwährend Anzeigen von
Privatperſonen ein, in denen der Behörde Finger=
zeige
gegeben werden, wo man Belaſtungsmaterial
gegen die drei Feſtgenommenen finden könnte. Die
Polizei prüft alle Angaben ſorgfältig nach.
Inzwiſchen hat ſich auch herausgeſtellt, auf welche
Art die Millionenbetrügereien der Gebrüder Sklarek
überhaupt ans Tageslicht gekommen ſind. Durch
eine halb private Unterhaltung zweier Reviſoren iſt
der Stein ins Rollen gebracht worden.
Die Stadtbank und die Sparkaſſe der Stadt Ber=
lin
, die durch die zuſtändigen ſtaatlichen Behörden
von Zeit zu Zeit kontrolliert werden, unterliegen der
Reviſion einer vom Magiſtrat eingeſetzten Dienſt=
ſtelle
. Einer dieſer Reviſoren, die für die Stadtbank
beſtellt waren, bekam vor einigen Wochen eine An=
zahl
Unterlagen für den Abſchluß des Monats Auguſt
zur Prüfung in die Hand und ſah darunter auch
eine Beſtellung der Stadt Spandau bei der Firma
Sklarek in Höhe von 69 000 Mark. Dieſer Betrag er=
ſchien
dem Reviſor mit Recht auffällig, denn das
Wohlfahrtsamt des relativ kleinen Bezirkes verfügt
nicht über ſo große Summen, daß man allein für

69 000 Mark Anzüge hätte kaufen können, die, neben=
bei
geſagt, für etwa 7000 Perſonen hätten beſtimmt
ſein müſſen.
Der Reviſor glaubte im erſten Augenblick an einen
Schreibfehler, erſah dann aber aus der Kaſſe der
Stadtbank, daß der Betrag an die Sklareks tatſächlich
ausgezahlt worden war. Da der Beamte zufällig mit
einem im Bezirksamt Spandau tätigen Reviſor be=
freundet
war, rief er dieſen an und fragte, ob. etwa
in Spandau ſelbſt bei der Anweiſung ein Schreib=
fehler
bei der Beſtellung in Höhe von 69 000 Mark
vorgekommen ſei. Der Spandauer Beamte erblärte
ſofort, daß ſeines Wiſſens in den letzten Monaten
keine Beſtellung erfolgt ſei, die auch nur die Höhe

Leo Sklarek.

des zehnten Teiles dieſer Summe erreicht hätte.
Beide Reviſoren begaben ſich darauf zum Bürger=
meiſter
von Spandau und trugen dieſem den Fall
vor. Der Bürgermeiſter ließ nunmehr auch andere
Unterlagen, die ſeinen Beziuk betrafen, prüfen, und
ſtellte feſt, daß die Aufträge faſt ſamt und ſonders
gefälſcht bzw. zugunſten der Firma Sklarer überholt
worden waren. Die Namenszüge der zuſtändigen Be=
amten
ſtimmten zwar anſcheinend, doch konnte man
ſehr ſchnell feſtſtellen, daß dieſe offenbar mit einem
Stahlſtift durchgepauſt und nachgezogen worden
waren. Bürgermeiſter Stritte von Spandau begab
ſich daraufhin zum Berliner Magiſtrat und veulangte
auf Grund ſeiner ſehr genauen Angaben eine ſo=
fortige
Unterſuchung, die dann auch eingeleitet wurde
umſomehr, als ja gegen die Gebrüder Sklarek ſchon
mancherlei bei den ſtädtiſchen Dienſtſtellen vorlag.
Immerhin iſt es beachtenswert, daß nicht die Stadt=
bank
die Schwindeleien entdeckte, ſondern daß eim
Außenſtehender, der zufälligerweiſe die Verhältniſſe
in Spandau kannte, den Schwindeleien auf die Spur
kommen konnte.
Die Beratungen bei der Stodtbauk.
Der Verwaltungsrat der Berliner Stadtbank beriet
Freitag nachmittag in mehrſtündiger Sitzung die
durch den Fall Sklarek geſchaffene Lage, ohne daß
es zu entſcheidenden Beſchlüſſen bezüglich der Vor=
ſtandsmtglieder
der Berliner Stadtbank gekommen
wäre. Die in der Oeffentlichkeit vielfach erwartete
Abberufung der zumindeſt der Fahrläſſigkeit verdäch=
tigen
Vorſtandsmitglieder iſt alſo vorläufig noch nicht
erfolgt. Hauptberatungsgegenſtand des Verwaltungs=
rates
war die Erörterung der Frage, wie es möglich
war, daß die von den Gebrüdern Sklarek immer er=
neut
beantragte Kredite ohne Rüchfrage bei den für
die Beſtellung verantwortlichen Bezirksverwaltungen
angewieſen wurden. Vor Jahren hat ſich das Ver=
fahren
ordnungsmäßig in der Form abgeſpielt, daß
auf jeden Antrag der Kleider=Vertriebs=Geſellſchaft
der Gebrüder Sklarek die Stadtbank ſich auf Grund
des eingereichten Beſtellungsdurchſchlages mit der be=
treffenden
Bezirksverwaltung ſchriftlich (durch einge=
ſchriebenen
Brief) in Verbindung ſetzte und ſich die
ergangene Beſtellung auf Warenlieferung durch die
Bezirksverwaltung ausdrücklich beſtätigen ließ.
Das Amtsgericht Berlin=Mitte hat am Freitag auf
Antrag der Berliner Stadtbank ein allgemeines Ver=
äußerungsverbot
gemäß Paragraph 106 Konkurs=
ordnung
an die verſchiedenen Firmen der Gebrüder
Sblarek erlaſſen.
Diſziplinarverfahren gegen drei Direktoren
der Berliner Stadtbank.
Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt
mit: Nach wie vor, verſtärkt ſich der Eindruck,
daß eine ſtrafbare Handlung ſeitens der Beam=
ten
nicht begangen worden iſt. Bürgermeiſter
Scholz hat daher von einer vorläufigen dienſt=
lichen
Beurlaubung der in Frage kommenden
Beamten Abſtand genommen. Dagegen hat er
ſich entſchloſſen, die Einleitung eines Diſziplinar=
verfahrens
zu betreiben gegen den Direktor der
Stadtbank Schmitt, den Direktor der Stadtbank
Hoffmann und den Abteilungsdirektor Schröder.
Der Syndikus der Stadtbank, Dr. Lehmann, hat
zur Klarſtellung der ihn betreffenden Tatſachen
ſelbſt das Diſziplinarverfahren bei dem Bürger=
meiſter
Scholz beantragt. Dem Antrag wird
ſtattgegeben werden. Im übrigen haben auch
die beiden Direktoren Schmitt und Hoffmann die
Einleitung des Diſziplinarverfahrens gegen ſich
beantragt.

Von der Strömung weggeriſſen.
Madrid. Am Fluß Alberche bei Madrid wur=
den
zwei Wäſcherinnen, als die Schleuſen unvermutet
geöffnet wurden, von der Strömung weggeriſſen und
ertranken.
Großfeuer in einem engliſchen Krankenhaus.
London. In Aberdare (Nord=England) brach
am Freitag in einem Krankenhaus ein Großfeuer
aus, ſo daß es vollſtändig niederbrannte. Die Kran=
ken
konnten gerettet werden. Bei den Löſcharbeiten
kamen zwei Feuerwehrleute in den Flammen um,
während ein dritter ſchwer verletzt wurde.
Feuertod von ſechs Geſchmiſtern.
Danforth (Maine). Bei einem Brande, der
ein Wohnhaus zerſtörte, kamen hier ſechs Geſchwiſter
im Alter von einem bis zu acht Jahren ums Leben.
Die Gltern waren auswärts auf Arbeit.

[ ][  ][ ]

Seite 16

Sonntag, den 29. Spetember 1929

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[ ][  ][ ]

Seite 18

Sonntag, den 29. Geptember 1929

Nummer 270

SOpog ehler und Tarnen.

Schwimmen.
3. Kreis=Jugendſchwimmen des 9. Kreiſes ( Mitkel=
rhein
) der Deutſchen Turnerſchaft.
300 Jugendliche und einige D. T.=Meiſter am Start.
Das am heutigen Sonntag, vormittags 10 Uhr und nachmittags
14.30 Uhr, im hieſigen Hallenbad ſtattfindende Treffen der mittelrhei=
niſchen
Schwimmerjugend darf ſich ruhig in die Reihe der bisher in
Darmſtadt ſtattgefundenen größeren Schwimmveranſtaltungen einreihen.
Es wird eine Begegnung jugendlicher Wettkämpfer von beſonderem Aus=
maß
werden. In den durchweg gutbeſetzten Wettbewerben finden wir
eine Anzahl ſehr gut veranlagter Jugendſchwimmer, in den Sonder=
kämpfen
einige D. T.=Meiſter, wie Weinig=Frankfurt, Witthauer=Neu=
Iſenburg, Backof=Offenbach, Gerhardt=Darmſtadt uſw. Die große Be=
teiligung
bei dieſem Jugendſchwimmen läßt ohne weiteres erkennen, daß
das Schwimmen im Mittelrheinkreis eine immer größere Verbreitung
annimmt. Die Turngemeinde 1846 mit ihrer Schwimmabteilung, der
die Durchführung der Veranſtaltung übertragen iſt, bietet Gewähr da=
für
, daß dieſe eine reibungsloſe Abwicklung findet. Die einzelnen Kämpfe
ſind ſo zuſammengeſtellt, daß das Publikum während des ganzen Pro=
gramms
in Spannung gehalten wird. Spannende Einzelkämpfe wechſeln
mit intereſſanten Staffeln ab. Sie werden eine Ueberſicht darüber
geben, wie das Schwimmen eine Pflegeſtätte auch in der Deutſchen
Turnerſchaft gefunden hat.
Wie im Vorjahre iſt auch diesmal wieder eine gut zuſammenge=
ſtellte
Feſtſchrift herausgegeben, die verſchiedene Aufſätze über Zweck
und Ziele des Turnerſchwimmens enthält. Die Waſſerballſpiele bringen
die Mannſchaften von Bad=Kreuznach, Frankfurt und Darmſtadt zuſam=
men
, ſo daß hiermit ein guter Abſchluß des Schwimmens geſichert er=
ſcheint
.
Es barf ſchließlich noch einmal hervorgehoben werden, daß der Be=
ſuch
des 3. Kreis=Jugendſchwimmens für alle Freunde des Schwimmens
durchaus lohnenswert iſt. Die Turngemeinde 1846 übernimmt mit der
Durchführung des Schwimmens ein großes Opfer, das einen guten Be=
ſuch
trotz des Opfertages anderer Verbände verdient.
Wie geſagt, ſind die Eintrittspreiſe gering. Sie betragen für Sitz=
platz
1 Mk. Stehvlatz 50 Pfg., Kinder 30 Pfg. (Siehe Anzeige.)
Rach Schluß der Wettkampffolge findet in der Turnhalle der Tgde.
1846 (Woogsplatz) die Siegerverkündigung ſtatt, zu der die Mitglieder
der Turngemeinde und deren Freunde ebenfalls eingeladen ſind.
Handball.
Tgde. D. 1846.
Heute Sonntag begibt ſich die 1. Handballmannſchaft der Tgde.
1846 zum fälligen Verbandsſpiel nach Nauheim. Nauheims Mannſchaft,
welche ſchon jahrelang in der Meiſterklaſſe ſpielt, wird einen ſehr ernſten
Gegner abgeben, zumal ſie bis jetzt noch ungeſchlagen iſt. Die Tade.
konnte dieſes Jahr mit Zuverſicht in die Verbandsſpielrunde gehen und
hatte auch einen guten Start zu verzeichnen. Doch ſchon das zweite
Spiel mußte ſie ihrem Gegner überlaſſen, zumal ein Schiedsrichter das
Spiel führte, der ſein Beſtes gab, um einen Erfolg der Darmſtädter
zu verhüten. So wollen wir hoffen, daß das Spiel am heutigen Sonn=
tag
, welches ſchon vormittags in Nauheim ſtattfindet, von einem Schieds=
richter
geleitet wird, der nur das Beſte im Auge hat und nicht ein Spiel
durch allzu vieles Pfeifen und unnötige Vorträge unterbricht, wie dies
am letzten Sonntag geſchehen iſt. Die 46er werden mit Erſatz in folgen=
der
Aufſtellung Nauheim gegenübertreten:
Steinmetz
Hechler
Joſt
Kappel
Fiſcher
Meher
Reichert Schnellbächer Bachmann Geduldig Foßhag.
Vormittags ſpielt die 1. Jugend in Wolfskehlen, die 2. Mann=
ſchaft
in Griesheim, und nachmittags ſpielt die 3. Mannſchaft gegen
die 1. Mannſchaft des Reichsbahn=Turn= und Sportvereins am Dorn=
heimer
Weg. Das Spiel findet 2.15 Uhr ſtatt.

Darmſtädter Sporikalender.
Sonntag, den 29. September.
Schwimmen.
10,00 Uhr: 3. Kreisjugendſchwimmen des Mittelrheinkreiſes D. T.
(Städtiſches Schwimmbad).
Handball.
1,30 Uhr: Sp.V. 98 Frankfurt=Offenbach (Stadion).
Fußball.
300 Uhr: Sp.V. 98 Neu=Iſenburg=Langen (Stadion).

1. Handballjugend Spp. Darmſtadt 1898 Werkſchule der Siemens=
Schuckertwerke, Nürnberg.
Am Sonntag vorm. 110 Uhr hat auf dem Stadion die 1. Hand=
balljugend
des Spo. Darmſtadt 98 eine Ausſvahlmannſchaft der Siemens=
Schuckertſchule in Nürnberg zu Gaſt. Das Handballſpiel wird einge=
rahmt
von leichtathletiſchen Jugendwettkämpfen und Staffeln, die um
9 Uhr beginnen und von der Handballjugend und den jugendlichen
Leichtathleten der Nürnberger ausgetragen werden.
Fußball.
Sp.V. 1898 (Jugend).
1. Jgd. 1. Jgd. Wiesbaden, dort, Abfahrt 7.45 Hauptbahnhof.
2. Jgd. 1. Jgd. Eberſtadt, dort, Abfahrt mit Rad 9.15 Beſſunger
Turnhalle. 3. Jgd. 1. Jgd. Meſſel, dort, Abfahrt mit Rad 7.30
von Hochſchule. 4. Jgd. 2. Jgd. Sprendlingen, dort, Abfahrt 7.45
Hauptbahnhof. 5. Jgd. 2. Jgd. Arheilgen, dort, 10.30 Uhr.
1. Schüler 1. Schüler Arheilgen, dort, 9.30 Uhr.
F.=C. Eintracht Lengeld.
Anläßlich der Opferſpiele muß Eintracht am kommenden Sonntag in
Lengfeld ſpielen. Da Eintracht in Lengfeld ſchon immer gut abgeſchnit=
ten
hat und zufrieden nach Hauſe gefahren iſt, erwarten wir auch in
dieſem Spiele von beiden Mannſchaften wieder ein ſchönes und beſon=
ders
faires Spiel, damit nicht nur finanziell, ſondern auch werbend
unſerem ſchönen Fußballſporr Rechnung getragen wird. Alle anderen
Mannſchaften ſind ſpielfrei.
Der zweite Teil des Schwimmländerkampfes DeutſchlandEngland
in London endete ebenfalls unentſchieden. Das Waſſerbalſſpiel gewann
England 1:0, während die 4mal 200 Yand=Freiſtil=Staffel imn 8:516
von Deutſchland gewonnen ging.
Die Kleeblättler der Turngemeinde Klein=Welzheim ſind bei der
1. Handballelf in Hösbach zu Gaſte da auch im Maintalgau nunmehr
im Handballager die Verbandsſaiſon ihren Anfang genommen hat, und
haben gleich bei dem erſten Spiel eine große Aufgabe zu löſen.
Freudig begrüßt und wohlbehalten iſt die deutſche Expedition zum
Leichtathletik=Länderkampf mit Japan am 5. und 6. Oktober am Freitag
abend in Tokio eingetroffen, allerdings ohne Molles und Dr. Peltzer,
die am Montag eintreffen.

Wekkerberichk.
Die warme Luft, die durch das neue isländiſche Fallgebiet zum
Vordringen kommt, hat das weſtliche Deutſchland erreicht und dort Tem=
veraturanſtieg
verurſacht. Während in Mittel= und Süddeutſchland ſich
die heutigen Morgentemperaturen noch zwiſchen 310 Grad bewegten,
zeigt der Weſten Temperaturen ſchon über 10 Grad. Aachen meldete
heute morgen ſogar 15 Grad Wärme. Die Warmluftwelle wird bei
ihrem weiteren öſtlichen Vordringen auch bei uns Erwärmung bringen,
die ſich in der kommenden Nacht bemerkbar machen wird. Dabei ſetzt
weiterer langſamer Barometerfall ein, und der hohe Druck wird ab=
gebaut
. Jedoch tritt durch die Störung noch kein Witterungsumſchlag
ein, ſondern nur Bewölkung tritt vorläufig auf.

Ausſichten für Sonntag, den 29. September: Aufkommende Bewölkung.
trocken, wärmer, beſonders nachts.
Ausſichten für Montag, den 30. September: Wolkiges Wetter, Tem=
veraturen
zwiſchen Tag und Nacht mehr ausgeglichen, meiſt trocken.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt
Sonntag, 29. Sept. 7: Hamburg: Die Glocken vom Großen
Michel 7.05: Hamburger Morgenruf. Anſchl.: Hafenkonzert
vom Dampfer Deutſchland. o 8.15: Morgenfeier der Evangel,
Landeskirche Frankfurt a. M. Ausf.: Pfarrer Heinz (Anſprache),
Evangel. Frauenchor, Schülerchor der evangel.=luth. Schule Frankfurt
a. M.=Bonames, Rud. Erhardt (Violine), Ad. Conrad (Orgel). o 11:
Bezirisjugendpflegerin Käte Schmidt: Ziele und Aufgaben der
weiblichen Jugendpflege auf dem Lande. o 11.30: Von Aſchaffen=
burg
: Konzert der Stadtkapelle Aſchaffenburg am Ludwigsbrunnen,
o 12.30: Elternſtunde, K. Hahn: Das Landerziehungsheim Schloß
Salem. o 13: Landwirtſchaftskammer Wiesbaden: Die Gewinnung
von Saatkartoffeln aus eigenen Beſtänden im Herbſt. Das Wein=
grünmachen
neuer Fäſſer. Das Lagern des Obſtes. o 14.
Jugendſtunde. Ein luſtiger bunter Nachmittag von Lieſel Simon,
0 15: Johanna Bopp: Was kann die Frau in der Landwirtſchaft
leiſten? Pfarrer: Chriſtmann: Heiminduſtrie als Nebeneinnahme=
quelle
in kleinbäuerlichen Betrieben. o 16.45: Stadion Frankfurt;
Fußball=Repräſentativſpiel Süddeutſchland=Weſtdeutſchland. Sprecher:
Dr. Ernſt und Dr. Laven. O 17.45: Konzert des Funkorch. Mitw.;
Franz Tibaldi (Bariton). S 19.05: Pater Stanislaus von Dunm=
Borkowſki S. J. lieſt aus ſeinen Miniaturen erzieheriſcher Kunſt.
O 19.35: Oberſpielleiter Dr. Graf: Das Frankfurter Opernhaus vom
29. September bis 5. Oktober. o 20: Stuttgart: Heitere Dialoge,
0 20.30: Stuttgart: Die Schweizer Hütte‟ 21.30: Stuttgart:
Unterhaltungskonzert. O 23: Tanzmuſik der Kapelle Pinkus Langer,
Königswuſterhaufen
Deutſche Welle. Sonntag, 29. Sept. 7: Gymnaſtik. o 8: Für
den Landwirt. O 8.30: Reg.=Baurat Baumgärtel: Wirtſchaftlichkeit
von Bodenverbeſſerungen zwei Beiſpiele. O 8.55: Glockenſpiel der
Potsdamer Garniſonkirche. O 9: Morgenfeier. Anſprache: Pfarrer
D. Stahl, Dahlem. D Anſchl.: Geläut des Berliner Doms. o 10:
Sonntagswetter. O 11: Studio. Was hören Sie? Leitung: W.
Gronoſtay. O 11.30: Briefe an die Elternſtunde. O 12: Konzert der
Kapelle Arkadi Flato. e 13.50: Bildfunk: Sfizze der Rennbahn
Karlshorſt. o 14: Märchen. Erzählt von Alice Fliegel. o 14.30:
Schallplatten=Konzert. O 15.30: Großer Preis von Karlshorſt,
Jagdrennen 6600 m. Am Mikrophon: Chefredakteur Lüdecke. 0 16.15:
Aktuelle Abteilung. Deutſches Volkstheater. Aus dem Senderaum der
Funkſtunde: Der arme Heinrich. Eine deutſche Sage von Gerhart
Hauptmann Bearbeitung: J. v. Oſtau. Perſ.: Heinrich von der
Aue; Hartmann; Pater Benedikt; Paſtor Gottfried; Brigitte;
Ottegebe: Ottacker. O 18.30: Ober=Stud.=Dir. Großer: Der Land=
ſchaftscharakter
Deutſchlands im Wandel der Jahrhunderte. O 19.20:
Dr. Heck: Die Hirſche ſchreien! Uebertragung aus dem Zoologiſchen
Garten Berlin. O 20: Orcheſterkonzert. Berliner Funkorcheſter. Dirig.:
G. Széll. Mendelsſohn: Ouv. zu Die Hebriden; Arie aus Elias,
Händel: Arioſo. Haydn: Sinfonie Maria Thereſia.
Liſzt: Klavierkonzert Es=dur. Smetana: Aus Böhmens Hain und
Flur. Donizetti: Arie aus. Die Favoritin Verdi: Arie aus
Don Carlos. Bizet: V’Arléſienne=Suite Nr. 2. Mitw.: Lucie
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[ ][  ][ ]

Manne 39

Wiedie Menſchheit den Win=
ter
bekampfte und bezwang.
Von Gerhard Stahl.
Als unſere Urväter das erſte Lagerfeuer entzündeten,
begann der heroiſche Kampf des Menſchen gegen den Winter,
begann das, was wir heute Heizungstechnik nennen, begann
die Geſchichte der Kultur und Siviliſation. Jener rätſelhafte
Vorgang, der das Feuer eines Blitzes oder das Feuer eines
Vulkanes zum erſten Male den Swecken eines Lebeweſens
dienſtbar werden ließ dieſer Urkeim der Prometheus=
Sage machte erſt aus einem Lebeweſen den Menſchen.
Hunger und Durſt bezwangen die erſten Menſchen ſo, wie
die Ciere ſie bezwangen, durch die Jagd ums tägliche Brot.,
Gegen die Kälte aber vermochten ſie erſt zu kämpfen, als ſie
ſich das himmliſche Feuer eingefangen hatten, als ſie gelernt
hatten, Feuer zu entfachen, Feuer zu unterhalten, Seuer
anzuwenden.
Die erſte Anwendung des Feuers galt dem Kampf gegen
die Kälte. Erſt viel ſpäter wurde es zum Kochen und
Braten benutzt. Man könnte ein Buch ſchreiben allein
über die Geburtsſtunde der Siviliſation, die ſich freilich
über Jahrtauſende dahinzog; denn unerhört vielgeſtaltig ſind
die Folgerungen, die die Entwicklung des Menſchengeſchlechts
aus der Himmelsgabe des Feuers gezogen hat. Erſt als der
Kampf gegen die Kälte möglich war, konnten die Menſchen
ſeßhaft werden, Sommers und Winters in einem Land, erſt
dann konnten ſie Ackerbau, Viehzucht betreiben, erſt dann
lernten ſie Wohnſtätten bauen. Erſt dann leben wie
Menſchen leben ....
Was iſt das ſchon für ein Winter, den der Menſch des
20. Jahrhunderts kennen lernt! Die Siviliſation hat es weit
gebracht, und ihre Mutter, die Heizungstechnik, nicht minder.
Das warme, behägliche Heim iſt kein Problem mehr.

Dieſes höchſt unpraktiſche Seitalter war zufrieden, wenn
dieſer Heizkörper nur recht ſchön und zierlich ausſah.
Die Freude darüber half offenbar über die grimmige
Kälte hinweg.
Anders, ganz anders wurden die Dinge, als der lebens=
bejahende
Biedermeier das Septer führte. Er iſt der eigent-
liche
Erfinder des wärmeſpendenden Ofens und damit auch
jeglicher Wohnkultur. Er ſchuf jene gigantiſchen run=
den
Cürme aus Kacheln, die noch jedem Winterſturm und
jedem Kältegrad getrotzt haben, er erfand auch den rieſigen
Eiſenofen, deſſen rieſiger Bauch als gieriger Moloch zum
erſten Male auch ſchwarze, glänzende Kohlen neben den
Buchenſcheiten fraß.
Und damit war der Winter eigentlich überwunden. Das
Heizen iſt durch die Erfindungen der Neuzeit, durch Sentral=
heizung
, Gasofen und elektriſchen Strahlofen nur billiger,
praktiſcher, ſauberer geworden.
Der Winter war ſchon überwunden, ehe ſie die Herr=
ſchaft
antraten.
Der Bewegungskrieg iſt zm Stellungskrieg erhärtet.
Jahr für Jahr werden neue Erfindungen, neue Verbeſſe=
rungen
gemacht. Und es iſt vor allem die Wirtſchaftlich=
keit
der Heizkörper, um die es heute geht.
Der modernſte Heizkörper, z. B. der elektriſche Ofen,
iſt in ſeinem Betriebe noch außerordentlich teuer, und es
wird kaum eine Haushaltung geben, die den Kampf gegen
den Winter nur mit dieſer Waffe beſorgt; oder nur mit
dem Gasofen, deſſen Betrieb auch noch immer teuer
genug iſt.
Man verſucht vielmehr, jeden Ofen ſeiner ſpezifiſchen
Eigenart entſprechend wirken zu laſſen, und man teilt die
Heizkörper in zwei große Gruppen, deren Aufgabe ver=
ſchieden
iſt.

Die Geburt der Heiztechnik war auf der Anfang jeglicher
Siviliſation.

Die Kamine des Mitkelalters wirken zwar ſehr romantiſch
aber ſie waren ſehr unvollkommene Wärmeſpender.

Auch die moderne Heiztechnik kennt den Begriff der Gemütlichkeit.
Aber es war nicht immer ſo. Die Menſchen konnten längſt Feuer machen
und Feuer unterhalten aber ſie verſtanden es viele Jahrtauſende hindurch
nicht, dem Feuer gerade das abzuringen, was ſie ſo notwendig brauchten:
die Wärme!
Wer einmal an einem Lagerfeuer geſeſſen hat, der kann ſich ja
eine ungefähre Vorſtellung davon machen, wie unſere Urväter den Winter
bekämpft haben, wenn ſie die rechte Hand wärmten, erfror ihnen die linke.
Denn es gehörte die Erfahrung eben von Jahrtauſenden dazu, um die
Wärme des Feuers ausnützen zu können. Der erſte Fortſchritt kam, als die
Menſchen gelernt hatten, Hütten zu bauen, in deren Inneres ſie das Lager=
feuer
verpflanzten. Nauch und Abgaſe ſuchten ſich ihre Wege ins Freie
durch die Nitzen des Daches. Die Luft im Innern war dementſprechend
entſetzlich. Aber es war auch ein bißchen warm, und um dieſen Preis wurde
die Stickluft und der beizende Nauch in Kauf genommen.
Auf dieſer Stufe der Heizungstechnik ſtanden noch die alten Germanen
zur Seit der römiſchen Kaiſer. Bei den Kulturvölkern des Altertums ver=
mochte
die Heizungstechnik nicht mit der übrigen Siviliſation Schritt zu
halten, denn die Agypter, Griechen und Nömer hatten das Heizen nicht ſo
bitter notwendig. Die Nömer zumal haben im Winter ſicherlich erbärmlich
gefroren, aber die Not war doch nicht ſo groß, als daß ſie über die Erfin=
uung
des Kohlenbeckens hinausgekommen wären. Das half ihnen über

[ ][  ][ ]

Cannt dut Mante, sin Jaussteß unt barlnn dar Naufen

Im Bologneſer Apennin waren wir eingeregnet. Es goß
was vom Himmel konnte, und wir machten uns darauf gefaßt,
von einem der ſich bildenden Sturzbäche in unſerem Selt über=
raſcht
zu werden. Was blieb nun weiter übrig, als in einer tiefer
gelegenen Oſteria Suflucht zu nehmen.
Das war ein Abbruch! Wir hatten Malgerät und ſonſtigen
Krimskrams dabei, denn wir waren auf einen acht- bis zehn=
tägigen
Aufenthalt eingerichtet. Pazienza, Geduld alſo. Das
Mittagsmahl nahmen wir im Kreiſe der Familie unſeres freund=
lichen
Wirtes ein, der uns verſicherte, es ſei ihm eine beſondere
Ehre. Wir waren wirklich vergnügt beiſammen und vergaßen
über mouſſierendem Notwein beinahe das Wetter.
Der höfliche Italiener wird dem Fremden nicht gerne jede
Hoffnung nehmen; was das Wetter anging, ſprach man ſich alſo
zuverſichtlich aus. Es goß inzwiſchen weiter nach Herzensluſt,
und die Bauern der kleinen Gemeinde wußten nichts beſſeres zu
tun, als ſich bei unſerem Wirt zu verſammeln. Wir mußten
ihnen erzählen, woher, wohin es war zum Schluß das reinſte
Verbrüderungsfeſt. Seit drei Monaten keinen Cropfen Waſſer
vom Himmel, da mußte man ſich doch wirklich freuen.
In uns reifte in dieſem Augenblick der Entſchluß, Oberita=
lien
zu verlaſſen. Unſere Freunde waren nicht wenig erſtaunt, als
wir uns kurz entſchloſſen zum Aufbruch rüſteten. Sie haben ganz
recht getan, meinte nun einer beim Abſchied, ſie werden ſehen,
dieſer Negen dauert mindeſtens eine Woche.
A rivederci, tante bella coſe! Alle ſchauten uns nach. So
kam es, daß wir am kommenden Vormittag in Foggia, der
Hauptſtadt Apuliens, zur Abwechſlung von der Sonne gebraten
wurden, bis der Sug Nichtung Coani einlief.
Crani.
Vom Boden hätte man hier eſſen können, ich ſpreche von
unſerem Hotelchen; Hafenſtädte zeichnen ſich gewöhnlich nicht
durch Sauberkeit aus. Reis mit Comaten, dazu dunkelgelben
Wein, gab es zum Empfang ein Gedicht das Ganze! Unſer
Simmer war ſo groß, wie ein Ballſaal, die Betten hatten ſich in
die Ecken verkrochen. In Anbetracht der heißen Mittagszeit be=
ſchloſſen
wir, zu ruhen. War es nun die lange Fahrt oder der
apuliſche Wein, erſt gegen Sonnenuntergang wurden wir munter.

Wir ſtiegen auf das Dach des Hauſes und hatten von da einen
prächtigen Nundblick.
Wer ſich zum erſtenmal in eine ſüditalieniſche Stadt verſetzt
ſieht, könnte glauben, er ſei in Jeruſalem. Die Häuſer faſt alle
weiß getüncht, mit flachen Dächern, da und dort eine Palme vor
dem Himmel. Ein Bild, das uns in ſeinen Farben unwirklich

erſcheint. Von der Cerraſſe eilten wir jetzt in die Stadt, um
vor dem Einbruch der Dunkelheit noch etwas zu ſehen.
Vielen Städten iſt es ſo ergangen, nicht nur in Italien. Das
alte, runzlige, vom Schickſal durchglühte Geſicht war eines Cages
nicht mehr genehm, und ſo griff man zur Schminke, um die
Falten darunter zu verbergen. Wie in Brindiſi, ſo führt auch
hier in Crani vom Bahnhof nach der Villa (einer kleinen An=
lage
mit Palmen und Bäumen) am Meer eine breite, charakter=
loſe
Straße, eine zweifrontige Kuliſſe, hinter der ſich die Stadt
verbirgt. Dieſe Stadt kann trotz neuer Viertel ihr wahres Ge=
ſicht
nicht verbergen, ſie iſt tot. Das moderne Leben hat ſich auf
andere Städte Apuliens konzentriert. Wichtige Behörden haben

ihren Sitz verlegt. Der Hafen iſt verſandet und nur noch Anker=
platz
für kleinere Segelſchiffe. Kein Fremder würde ſich wohl
in dieſe Stadt verirren, wenn ihr nicht ein letzter Glanz aus
großer Vergangenheit verblieben wäre.
Was uns anzog, war die Kathedrale und das Kaſtell. Ein
eindrucksvolleres Gegenüber kann man ſich kaum vorſtellen. Das
Kaſtell, breit und maſſig, mit ſeinen Mauern bis ans Meer
reichend, die Kathedrale auf einem natürlichen Landvorſprung
gelegen, weit über die Häuſer der Stadt hinausragend. Frei
blickt ſie nach drei Seiten über den Hafen nach dem Meer und
der Piazzetta. Campanilo und Haupteingang ſtoßen auf dieſem
kleinen Platz zuſammen, und die Cerraſſe vor dem erhöhten
Domportal, mit Blick auf das Meer und Kaſtell, iſt wohl der
ſchönſte Sleck in ganz Crani. Die architektoniſche Schönheit der
Kathedrale wird durch die ſeltene Lage noch unterſtrichen, ſo daß
ſie wohl mit Necht die ſchönſte romaniſche Kirche Apuliens
genannt werden kann. Das Kaſtell erinnert in ſeinen ſtrengen
kubiſchen Formen an ein modernes Bauwerk, dieſer Eindruck
wird noch erhöht durch die helle Cünche. Aus beiden Bauten
verſpürt man den Geiſt einer Seit, die in einem Kaiſer
Friedrich II. ihren Cräger fand, wenn ſie nicht in ihm gipfelte.
Etwas von ſeiner Klarheit und Nätſelhaftigkeit haben auch dieſe
Bauwerke.
Uns fiel am zweiten Abend ein alter Mann auf, der vor dem
Bronzeportal des Domes ſtand und zu den Fabeltieren hoch oben
am runden Fenſter aufzublicken ſchien. Als er uns bemerkte, zog
er ſich in eine Ecke der Cerraſſe zurück, ſpäter kamen wir aber
mit ihm in ein Geſpräch. Der Alte, ein Böttcher, hatte in den
vielen Jahren ſeines Lebens gut beobachtet und ſich über alles
Gedanken gemacht. So entwickelte er uns ein nicht alltägliches
Weltbild mit einer Rhetorik die überraſchte. Seine Stimme hatte
etwas bezwingendes, dazu kamen ein paar leuchtende Augen, mit
denen er uns förmlich gefangen hielt, bis er mit ſeinen Ausfüh=
rungen
am Ende war. Längſt war es dunkel geworden, als er
ſich faſt ſcheu verabſchiedete, mit einer Geſte, die einſamen Men=
ſchen
oft zu eigen iſt, als verabſchiede er ſich von ſich ſelbſt.
Das Innere des Domes ſahen wir ſpäter, es enttäuſcht. Ein
Biſchof von Crani hat unter Stuck und Malerei die alte Schön=
heit
verſchwinden laſſen. Die umfangreiche Unterkirche mit ihrem
Säulenwald entging glücklicherweiſe dieſem Schickſal.

Die Schul d.
Erzählung von Anny Bilz.
Im Privatarbeitszimmer von Harlem u. Bonecke, Getreide=
Exporthaus, ſaß Manfred Santen, der Jüngere der beiden Fir=
meninhaber
, und fuhr ſich nervös durch das dichte, blonde Haar.
Vor ihm auf dem Schreibtiſch ſtand in dunklem Nahmen die
Photographie eines jungen Mädchens, und davor lagen in wil=
der
Unordnung beſchriebene Bogen teils begonnen teils
vollendet, und einige davon zerriſſen. Nein dies alles konnte
gerade ſo gut ſehr viel, als auch nichts bedeuten. Er nahm alle
Bogen und zerriß ſie in kleine Fetzen. Mit raſchen Schritten
lief er einige Male im Simmer auf und ab. Schließlich ſetzte er
ſich wieder, ergriff von neuem den Süllfederhalter und ſchrieb:
Liebe Irene!
Sur ſofortigen Durchführung einer größeren Cransaktion
im Ausland bin ich gezungen, ſchon morgen abzureiſen. Da
meine Seit äußerſt knapp bemeſſen, kann ich Dich leider nicht
mehr ſehen. In Eile
Dein Fred.
Gerade als er den Brief kouvertieren wollte, meldete die
Sekretärin Herrn Nichard Bertelſen. Bertelſen war Beſitzer
einer großen Maſchinenfabrik und im gleichen Alter wie Santen.
Sie kannten ſich von Jugend auf.
Grüß Gott, alter Freund, rief er auf der Schwelle. Man
ſieht dich ja nirgends mehr du ſiehſt mitgenommen aus
fehlt dir eiwas? Er ſah den Brief auf dem Ciſch und
zwinkerte mit den Augen. Santen ignorierte die Anſpielung.
Allerdings fehlt mir heute ſehr viel, ſagte er mit eigen-
tümlichem
Lächeln und ſah an Bertelſen vorbei in das lichte Grün
der Bäume vorm Fenſter.
Du gefällſt mir nicht, offen geſtanden was iſt los?
Die hellen Augen in dem maſſigen Geſicht glitten von San=
ten
zu der Photographie auf dem Schreibtiſch. Ein Strahl der
Frühlingsſonne lag über dem lieblichen Mädchenbildnis, deſſen
große dunkle Augen zu leben ſchienen. Noch immer ſtarrte Santen
zum Fenſter hinaus. Plötzlich wandte er ſich um. Kennſt du
hier einen Spielklub?
Menſch, du wirſt doch nicht?! Biſt du in Geldver=
legenheit
?
Ich bin ruiniert.
Pahl , Nuiniert! Du übertreibſt.
Ich bin zu ſchlechten Scherzen heute nicht aufgelegt.
Erzähle bitte.
Santen bot Bertelſen das Sigarren=Etui und ſetzte ſich dem
Freunde gegenüber. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als das
Ausland.
Nanu auskneifen??
Ich muß wohl. Ich habe auf Grund gewagter Spekula=
tionen
im vorigen Jahre ohne Wiſſen Herberts Geſchäfte

abgeſchloſſen, die total mißglückten. Hätten wir nicht in letzter
Seit unter großen Konjunkturſchwankungen zu leiden gehabt
es wäre anders gekommen."
Wie hoch iſt der Verluſt?
Beinahe eine Million. Bertelſen pfiff durch die Sähne.
Und dein Privatvermögen?
Iſt ſchon einkalkuliert.
Weiß Herbert davon? Herbert war der um 20 Jahre
ältere Stiefbruder Santens, der andere Ceilhaber der Firma.
Nein. Ich konnte es bis jetzt verheimlichen. Er kam geſtern
erſt nach viermonatlicher Abweſenheit aus Bukareſt zurück.
Wollteſt du bei den Banken keinen Kredit aufnehmen?
Hierzu benötige ich Herberts Mitunterzeichnung.
Du glaubſt, er verweigere ſie?"
Unbedingt. Du weißt, daß ich mich mit dieſem maßloſen
Hitzkopf noch keine Minute vertragen habe. Ich möchte ver=
meiden
, daß er mich wie einen Schuljungen abkanzelt und über
meine eigenmächtigen Manipulationen Schreikrämpfe kriegt.
Und an meinem Austritt aus der Sirma würde dies doch
nichts ändern.
Wieder ſah Bertelſen hinüber nach der Photographie, die
ſetzt im Schatten ſtand. Lange Seit ſagte er nichts. Dann erhob
er ſich. Gut ich kenne einen Klub. Gehen wir heute abend
hin. Es wird allerdings nur mit hohen Einſätzen geſpielt. Doch
das brauch dich nicht zu kümmern ich ſtehe dir mit jedem ge=
wünſchten
Betrag zur Verfügung.
Als Bertelſen gegangen, zerriß Santen den kleinen Brief.
Der heutige abend bot eine letzte Chance. Vielleicht hatte er
Glück.
Um den großen Noulettetiſch ſtanden elegant gekleidete
Menſchen von verſchiedenartigſten Cypen. Keine Auskel ihrer
Geſichter zuckte. Niemand lah auf, als ſie eintraten. Das An=
ſagen
des Croupiers, das Nollen der Kugel, das Kniſtern von
Scheinen waren in der eintönigen Stille die einzigen Laute.
Eine Weile beobachteten ſie das Spiel. Bertelſen ſteckte
Santen zehn Swanzigtauſendmarkſcheine zu. Los, old boy!
ſagte er lächelnd und tippte ihn auf die Schulter. Santen konnte
ſich nur ſchwer entſchließen. Endlich ſetzte er gleichgültig
ohne Ueberlegung und gewann das Doppelte. Binnen einer
halben Stunde hatte er einen Gewinn von über 300 000 Mark.
Genug! ſagte Bertelſen, deſſen Scheine noch nicht angebrochen
waren, doch Santen hörte nicht. Der Spielteufel hatte ihn ge=
packt
. Fieberhaft glänzten ſeine Augen. Er ſetzte den ganzen
Gewinn auf eine Nummer und verlor. Sein Geſicht wurde
fahl. Nun begann er mit Bertelſens Geld zu ſpielen. Von neuem
häuften ſich Scheine vor ſeinem Platz. Aus irgendwelchen,
geheimnisvollen Gründen ſchien er direkt vom Glück verfolgt.
Aber als er die Hälfte ſeines vorigen Gewinnes erreicht hatte,
verlor er von neuem alles. Faſſungslos und wie vom Blitz
getroffen ſtarte er vor ſich hin. Er begann von neuem zu ſpielen,
diesmal wie toll, mit erbitterter Wut und Leidenſchaft. Doch das
Glück hätte ſich endgültig von ihm gewandt. Bertelſen ſteckte

ihm noch einige Scheine zu doch vergebens er verlor alles.
Gebrochen wankte er aus dem Saal. Eine ganze Welt von Hoff=
nungen
und Erwartungen ſtürzte hinter ihm zuſammen. Was
jetzt kam, war eine bodenloſe Ciefe ein Vakuum ein
ſchwarzes, gähnendes Loch, das ihn verſchlang. Haſtig ſtürzie
er einige Gläſer Sekt hinunter.
Eine ſchöne Sache haſt du dir eingebrockt, lieber Junge.
Nun bleibt dir tatſächlich nichts anderes übrig, als das Ausland.
Santen ſtarrte trübſinnig in ſein Glas. Nichard, wieviel.
ſchulde ich dir?
Laß das, Fred! Ich habe dir die Beträge freiwillig zur
Verfügung geſtellt. Du wirſt ſie mir ſpäter zurückzahlen, wenn
du in der Lage biſt.
Ein warmer Strahl glomm in Santens Augen auf. Aber
ſofort verdüſterten ſie ſich wieder. Bertelſen legte ihm die Hand
auf den Arm.
Beruhige dich! Eine Stunde, nachdem du die Stadt ver=
laſſen
haſt, bin ich bei Herbert und regele deine Angelegenheit.
Nichard iſt’s möglich du wollteſt?
Ja, natürlich will ich! Und verlaß dich drauf, ich werde
mit dem choleriſchen Cemperament des Brüderchens ſchon fertig
werden.
Santen wollte ihm aus übervollem Herzen Dank ſtammeln.
Doch Bertelſen unterbrach. Eine Kondition, mein Ceurer!
Ich verlange, daß du endgültig und für immer auf Orene
verzichteſt.
Irene? Was hat Irene mit dieſer Sache zu tun?
Sehr viel. Ich liebe Orene ganz einfach! Sch will ſie E
heiraten.
Sprachlos ſtarrte Santen den Freund an. Du liebſt
Orene??
Ich liebe ſie ſeit dem Augenblick, als du ſie mir vor=
geſtellt
haſt.
Immer größer und verwunderter wurden Santens Augen.
Das alſo war der ſpringende Punkt. Deshalb trat der
Freund für alles ein. Ein bitterer Geſchmack lag ihm auf der
Sunge.
Du erwiderſt nichts, ſagte Bertelſen, aber ich bedauere
ich kann davon nicht abgehen. Sie iſt die einzige Frau, die
mir etwas bedeutet. Du weißt, ich habe mir ſonſt aus den Wei=
bern
nie viel gemacht.
In dieſem Moment haßte Santen den Freund. Haßte ihn
tief und inbrünſtig. Ja, alles hat ſeine Kehrſeite im Leben!
dachte er bitter. Sorn erfaßte ihn gegen den bisherigen Freund,
der gierig nach fremdem Eigentum griff. Er darf Orene nicht
berühren ich will es nicht nein nein ſie iſt mir!
Und wenn ich deine Forderung verweigere?"
Bitte! Das ſteht dir frei. Dann haben wir uns ja nichts
mehr zu ſagen, entgegnete Bertelſen kühl.
Schuft! dachte Santen. Da nannte man ſich Freund,
kannte ſich von Kindesbeinen an und wußte doch nichts von
den wahren Geſinnungen des anderen. Beide ſchwiegen ſie. Dann

[ ][  ][ ]

T

Caſtel del Monte.
Weſtlich von Crani, parallel zum Meer, befindet ſich eine
Hügelkette Le Murgie, ein ödes und einförmiges Bergland,
bis auf kärglichen Eichenbeſtand baumlos und kahl. Hier treiben
ſeit uralten Seiten die Hirten ihre Herden, und die Murgie ſind
ein Lieblingsaufenthalt für Jäger. Aus dieſer flachen Bergkette
erhebt ſich ein baumlöſer, puramidenförmiger Hügel, den ein ein=
ſames
Schloß krönt, das Caſtel del Monte‟. Von weitem ge=
ſehen
, erſcheint es kreisrund, in Wirklichkeit ein ſtrenges Okto=
gon
mit ſtumpfen Cürmen an den Ecken. Kaiſer Friedrich II.
ließ es 1240 als Jagdſchloß errichten.
Wir machten den Ausflug nach dem Belvedere Apuliens,
wie es auch genannt wird, von Crani aus; fuhren mit dem Auto
bis Corato, von dort ging es dann zu Suß weiter.
Die weiße, ſtaubige Straße führt zunächſt durch fruchtbares
Ackerland. Oliven, Mandeln und Wein, der hier kurz gehalten
wird, wechſeln ab. Das Graugrün der Olive iſt vorherrſchend,
nur da und dort bei einem einſamen Gehöft ſtehen Palmen und
Sypreſſen. Seltſame Steinhütten, von denen es eine Unmenge
gibt, fielen uns auf, ſie erinnern an Kuppelgräber, und ihre Form
wird in der Gegend von Brindiſi noch ſeltſamer, ſo daß man ſie
für Bauten aus der merikaniſchen Vergangenheit halten könnte.
Ihr Urſprung dürfte ſehr weit zurückgehen. Heute dienen ſie als
Unterſchlupf in den heißen Stunden oder bei ſchlechtem Wetter.
Die Straße zog ſich endlos durch das wellige Land uns
ſchien es, als ſollten wir das Siel unſerer Wanderung nie er=
reichen
. Endlich, hinter einer Bodenwelle, tauchte das Schloß

auf. Von jetzt ab hatten wir es immer vor uns, eilten auch nicht
mehr, ſondern machten immer wieder Halt, um uns das Bild
dieſer eigenartigen Landſchaft recht einzuprägen. Das Kulturland
blieb immer mehr zurück, die Weiden hatten begonnen. Die ſpär=
liche
Vegetation, das verſengte Gras erhöhten den Eindruck von
großer Einſamkeit, und kargte die Sonne nur einen Augenblick
mit ihren Strahlen, ſo glaubte man ſich in den hohen Norden
verſetzt. Sinſter wie ein Gefängnisrundbau blickte dann das
Stauferſchloß auf das Land.
Es war ſchon ſpät am Nachmittag, als wir vor dem Kaſtell
ſtanden. Seitdem die italieniſche Negierung das Schloß im Jahre
1875 ankaufte und ſo vor weiteren Serſtörungen bewahrte (es
war eine Seitlang Näuberburg, ſpäter Steinbruch) befindet ſich
dort ſtändig ein Wächter. In dieſem Falle blieben wir von uner=
wünſchten
Erklärungen verſchont und konnten uns ganz unge=
ſtört
unſeren Betrachtungen hingeben.

Durch ein Marmorportal an der Oſtſeite betritt man das
Untergeſchoß von acht gleichmäßigen, finſteren Näumen; ſie emp=
fangen
ſpärliches Licht aus dem Hof. Ihr einziger Schmuck ſind
rote Marmorſäulen in den vier Ecken, auf denen die Nippen des
Kreuzgewölbes anſetzen, ſowie die Cüreinfaſſungen, die ebenfalls
aus rotem Marmor ſind. Letzte Spuren vermitteln einen Begriff
von der einſtigen Pracht dieſer Gemächer. Man muß ſie ſich
mit weißem und roſanem Marmor getäfelt denken, die Gewölbe
moſaiziert, an den Wänden entlang laufend einen Marmorſockel,
der als Sitzgelegenheit diente. Von hier aus betritt man den
düſteren achteckigen Hof, in dem urſprünglich eine Suſterne lag;
auch er mag ein freundlicheres Geſicht gehabt haben. In die
oberen acht Säle, die die Wohnung des Kaiſers bildeten, gelangt
man auf den Wendeltreppen der Cürme. Dieſe Säle überraſchen;
ſie ſind hell und feſtlich, auch weit prächtiger ausgeſtattet. An die
Stelle der roten Halbſäulen treten hier Büſchel von drei weißen
Marmorſäulen, von denen die Gewölberippen wie zarte helle
Stiele ausgehen, ſowie ein weißes Band in Höhe der Kapitelle,
das ſich über die trichterartige Kaminhaube um den ganzen Naum
fortſetzt.
Die Fenſter nach außen liegen in tiefen Niſchen, zu denen
ſechs Stufen emporführen. Hinausblickend hat man leider nicht
die erwartete Sicht, nur einen Ausſchnitt der Landſchaft laſſen
die weit vorſpringenden Cürme frei, ſo daß ein umfaſſender Blick
erſt von dem Dache des Schloſſes aus möglich wird.
Die Reihe der Näume ſchließt mit einem Saal über dem
Eingang, der als Prunkgemach des Kaiſers bezeichnet wird.
Möglich, daß der große Jäger an dieſem dem Meer zugekehrten
Fenſter einen Ceil ſeiner berühmten Beobachtungen über die
Vögel niederſchrieb. Oft haben ihn und ſein Gefolge die Näume
nicht geſehen er war ein ſeltener Gaſt. Das Schickſal hatte
es ſeinen Enkeln vorbehalten, hier länger zu verweilen. Die
Söhne Manfreds waren nachgewieſen über 30 Jahre unglück=
liche
Gefangene dieſer Mauern. Von dem plaſtiſchen Schmuck iſt
nur noch ein verſtümmeltes Reiterrelief im Hof erhalten, an=
geblich
zeigte es den Kaiſer, wie er zur Jagd ausreitet. Wenn
ich mir den Kaiſer vorſtelle, ſo verquickt ſich ſein Bild unwill=
kürlich
mit dem des Bamberger Neiters. Jugendlich, bartlos,
mit langem rötlichblondem Haar, ſo wäre er mir ſicher auch in
der Nacht, die wir auf dem Kaſtell zubrachten, im Craum er=
ſchienen
. Ich entſinne mich aber keines Craumes, auch eilten wir,
einmal erwacht, am nächſten Morgen auf das flache Dach, um
Apulien einen letzten Gruß zu ſenden.
Von hier aus kann man vom Vorgebirge Gaſparis über
Bori bis Brindiſi herunter den Küſtenſaum verfolgen. In der
Morgenſonne leuchteten die weißen Hafen= und Landſtädte auf,
vom Meer herüber grüßten ferne Segel. Landwärts ſah man dig
Gebirge der Baſilicata und die zerklüftete Kette der Murgie.
Verſtändlich wird hier des gefangenen Königs Enzios
Geſang:
Sieh’ hin, mein Lied, ins flache Land Apulien!
Grüß’ mir mein Land, wo Nacht und Cag mein Herz verweilt!
Hans=Günther Lehmann.

Oesk4dal No-G.

ließ ſich plötzlich wieder Bertelſens Stimme vernehmen. Nimm
Vernunft an, Fred! Wenn du im Auslande biſt, wirſt du
Irene ohnehin vergeſſen.
Niel, entgegnete Santen leidenſchaftlich. Ich gebe ſie
nicht frei.
Wie du wünſchſt. Gehen wir?"
Bitte!
Sie gingen zu Suß. Vom nahen Kirchturm ſchlug es 2 Uhr.
Keiner redete. Beim Abſchied ſagte Santen plötzlich: Ich möchte
Orene ein letztesmal ſehen. Ein letztesmal? Ja, ich
muß wohl. Dein Ehrenwort? Ich gebe es dir."
Wann fährſt du? Heute abend um 11." Gut! Lebe
wohl.
Santen rief bei Irene an. Sie freute ſich, als ſie ſeine Stimme
im Apparat hörte. Ja, gerne ſoupiere ſie am Abend mit ihm. Er
möge ſie um 6 Uhr abholen.
Sie gingen nach dem Park. Das treuherzige Switſchern der
Schwalben vermiſchte ſich mit dem Lockruf der Amſeln, die ihr
ſehnſüchtiges Lied in den Abend ſangen. Ein letztesmal dachte
Santen und proßte krampfhaft den weichen Arm des Mädchens.
Sie ſoupierten im Park=Reſtaurant. Henkersmahlzeit dachte
er und würgte verzweifelt an den Speiſen. Orene plauderte un=
befangen
und heiter. Ihre helle Stimme erquickte ihn. Er kam
ſich vor wie ein Verbrecher. Von morgen ab war ſie frei den
Wünſchen und Lüſten anderer preisgegeben. Ob ſie Bertelſens
Millionen ſtandhalten würde? Ob ſie um ihn weinen oder ihn
verachten und vergeſſen wird? Sie war Waiſe, die Cochter
eines Profeſſors, und ließ ſich im Geſang ausbilden.
Liebling würdeſt du einen anderen heiraten, wenn
wenn mir etwas zuſtoßen würde? Sie ſah ihn mit tiefen,
dunklen Augen ſeltſam und erſchrocken an. Nie, Fred, niel
wie kommſt du darauf? Ich meinte nur.
Der Abſchied war ſchrecklich. Er konnte ſich nicht von ihr
losreißen. Endlich ſtürmte er davon. Sie rief etwas doch das
hörte er nicht mehr. In einer Stunde ging ſein Sug.
Sehn Jahre ſpäter. Auf der Überfahrt von Amerika nach
Deutſchland. Manfred Santen kehrte von Nio de Janeiro zu=
rück
. Dort hatte er ſich in einem überſeeiſchen Geſchäftshaus eine
hervorragende Stellung errungen. Die Handelsherren großer
braſilianiſcher Unternehmen hätten nicht gezögert, dem hübſchen,
blonden und intelligenten Deutſchen ihre Cochter zur Frau zu
geben. Aber für Santen lebte nur eine. Orenes Bild ſtand
unauslöſchlich vor ſeine Seele, und keine noch ſo glutvolle und
raſſige Braſilianerin vermochte ſie zu verdrängen. Nun fieberte
er dem Cag entgegen, da er ſie wiederſehen ſollte. Wie würde
dieſe Begegnung ſein? War ſie Bertelſens Frau geworden?
Unaufhörlich quälte erſich mit ſolchen Fragen.
Als er im Auto durch die altbekannten Straßen der Stadt
fuhr, ſtürmte eine Flut von Empfindungen auf ihn ein. Bertelſen
war nicht zu Hauſe. Er gab dem Mädchen ſeine Karte. Mel=
den
Sie mich der gnädigen Frau.
Als er im Salon ſtand, war es ihm, als wirbelten alle

Gegenſtände in einem tollen, ſpukhaften Canz um ihn herum. Wie,
wenn Orene ihn nicht empfing? Er verſpürte ein plötzliches
Kältegefühl, das lähmend durch ſeine Glieder kroch. Irgendwo
im Hauſe dröhnte der Weſtminſterſchlag einer Uhr. Die Sekun=
den
wurden zu Ewigkeiten. Eine Cür ging. Er wandte ſich um.
Wie durch einen Nebel ſah er eine zur Fülle ausladende, kleine
Dame mit pompöſem Bubikopf auf ſich zuſchreiten. Ciefes Ver=
beugen
. Eine möllige Frauenhand lag in der ſeinen. Ich freue
mich, Herr Santen, Sie kennen zu lernen. Mein Mann erzählte
mir von Ihnen. Bitte! Sie rückte an einem Stuhl. Ich
danke, gnädige Frau. Ich bedauere unendlich, Sie bemüht zu
haben. Bitte, wollen Sie mich Ihrem Herrn Gemahl empfehlen?
Ich werde mir erlauben, morgen noch einmal vorzuſprechen.
Als er durch den Vorgarten ſchritt, ſah er mit einemal, daß
das Laub der Bäume jung und grün war daß eine goldene
Frühlingsſonne von lichtblauem Himmel herunterlachte daß
muntere Vögel ſich auf ſchwanken Blütenzweigen ſchaukelten.
Wie ſtrahlend lag die Welt plötzſlich vor ihm.
Mit Unruhe und Spannung ſah er dem anderen Nachmittag
entgegen. Bertelſen war noch dicker geworden noch plumper
und unförmiger. Nach der üblichen Unterhaltung lenkte Santen
das Geſpräch auf ſeine Frau.
Ach ſo, ja natürlich du wunderſt dich, daß deine
Orene nicht meine Frau ward? Ganz einfach, mein Lieber,
ſie wollte mich nicht. Du kannſt dir denken, daß ich nichts ſcheute,
um ſie mir gefügig zu machen. Die plötzliche Cennung von dir
mußte ihr jedoch ſehr nahe gegangen ſein. Sie beachtete mich

nicht.
Ja, dachte Santen, mit Schmuck, Blumen und ſchönen Villen
allein konnteſt du eine Orene nicht gewinnen. Was wußteſt du
von ihrer Seele?
Warum haſt du es mir nicht mitgeteilt, daß Irene dich
ausſchlug?"
Bertelſen überhörte die Frage. Nun vielleicht gönnte er
damals dem Freunde den Criumph über ſeine Niederlage nicht.
Und haſt du ſpäter nie etwas von ihr erfahren?
Ich hörte einmal, daß ſie ſich nach Schweden gewandt habe.
Nichtig! Santen erinnerte ſich dunkel, daß ſie dort Ver=
wandte
beſaß. Sie plauderten noch einige Minuten. Dann zahlte
Santen die Schuldſumme mit Sins und Sinſeszins zurück und ver=
abſchiedete
ſich raſch.
Nun kam eine Seit ruheloſer Cage und Wochen, in denen
Depreſſion, Suverſicht und quälende Sweifel einander ablöſten.
Ein Verſuch, ſich bei dem Stiefbruder zu rehabilitieren, mißlang.
Er wurde nicht empfangen. Er ſuchte Orenens früheren Geſangs=
profeſſor
auf, doch der lebte nicht mehr. Der amtliche Abmelde=
ſchein
lautete nach Stockholm. Kurzerhand fuhr er hin. Er
erfuhr, daß ſie wohl längere Seit in Stockholm geweilt habe, doch
ſeit etwa drei Jahren unbekannt verzogen ſei. Er kehrte nach
Deutſchland zurück. Ließ in allen größeren Städten Nachfor=
ſchungen
erheben. Doch umſonſt. Er reiſte nach Paris, London,
Italien, Einmal hoffte er ſie zu finden. Gab es nicht geheime,

ſeeliſche Verbindungen? Sie mußte es fühlen, daß er ſie ſuchte,
wenn ſie noch am Leben war. Eines Cages landete er wieder in
Stockholm. Etwas ließ ihn nicht von dort los.
Einmal beſuchte er abends ein Konzert. Im Hotel hatte er
gehört, daß ein deutſches Nequiem zur Aufführung gelangen
würde. Als er er hate ſich verſpätet den Saal betrat, hatte
das Konzert ſchon ſeinen Anfang genommen. lötzlich weiteten
ſich ſeine Augen. Starr ſah er auf die Bühne, beugte ſich vor,
ſchloß die Augen, öffnete ſie wieder nein es war kein Spuk
keine Halluzination dort ſtand in dunkler, fließender Seide
Orene! Und jetzt ſang ſie. Sang mit dem berückenden,
weichen Klang ihres ſilbernen, hellen Soprans. Wie hypnotiſiert
lauſchte er ihrer Stimme, hingen ſeine Augen an der ſchlanken
Geſtalt. Sie war reifer, voller geworden. Aber das oval ge=
ſchnittene
Geſicht mit den großen Augen, von dunklen Haar=
wellen
umrahmt, erſchien ihm das gleiche. Er entfaltete das
Programm und las: Unter Mitwirkung der Konzertſängerin
Irl. Irene Arnweiler, z. St. Göteborg. Unauffällig verließ
er den Saal, drückte einem Cürſchließer einen Geldſchein in die
Hand und ließ auf telephoniſchem Wege einen Korb weißer
Noſen beſtellen. Inzwiſchen ſchrieb er raſch einige Seilen. Kaum
daß er das Ende des Konzerts abwarten konnte. Er fieberte vor
Aufregung. Wie wenn Irene ſich kühl von ihm abwenden
würde??
Endlich ſtand er in dem kleinen, ſeparaten Naum und wartete
auf die Entſcheidung. Wie fahl ſchien das Licht! Wie dürftig
und abgenutzt war der Samt auf den Stühlen. Stimmen, Schritte,
Lachen vor der Cüre. Dann tiefe Nuhe. Jetzt ein nahes
Geräuſch. Sie ſtand auf der Schwelle. Wie gebannt! Ihre
Augen lagen ſekundenlang oder waren es Ewigkeiten in=
einander
. Fred! ſagte ſie plötzlich in die Stille hinein. Da
weitete ſich ſeine Bruſt in einem tiefen, erlöſenden Atemzug.
Orene! Sie trat einige Schritte näher ſtreckte zögernd
die Hand aus. Erſchüttert beugte er ſich nieder und küßte ſie in
einem langen, durſtigen Kuſſe. Irene ſag, daß es kein
Craum iſt daß ich dich endlich fand! Wie lange ſuchte ich dich!
Irene meine Irene, ſag, daß du es noch biſt! flehte er.
Sie ſah ihn an mit einem ſeligen Leuchten in den Augen. Fred,
ich wußte, daß es damals kein Abſchied für immer war. Er
riß ſie in ſeine Arme. Aber da wich ſie plötzlich zurück. In ihrem
Blick war etwas Feindſeliges. Fred welche Bewandtnis
hatte es damals mit Bertelſen? Er ſah ihr tief in die Augen.
Liebling laß mich dir morgen alles erzählen.
Sie ſaßen am Strand. Vor ihnen im Sonnengold lag das
Meer. Uber ihnen ſchwirrten die Möven.
Ihre Hand lag in der ſeinen. Nun wußte ſie alles. Cräu=
meriſch
glitten ihre Augen über die ſpiegelnde Waſſerfläche
über die in leuchtendem Grün ſchimmernden Schären. Sprich,
Irene, kannſt du mir verzeihen? Sie wandte ihm voll das
Geſicht zu. Fred hätte ich dich je geliebt, wenn ich es nicht
könnte?"

[ ][  ][ ]

Autologie, eine neue Wiſſenſchaft.
Von V. Gläſer.

Die Graphologie iſt zu einer exakten und erfolgreichen
Wiſſenſchaft ausgebaut worden. Aber auch nach anderen Merk=
malen
ſucht man das Weſen ſeines lieben Nächſten zu deuten,
und tückiſch in die tiefſten Charakterfalten einzudringen erlaubt
man ſich auf Grund von Schlüſſen nach Farbe der Haare und der
Augen, nach Confall und Vokal des Lachens, nach Gruß und
Gang, nach den Linien der Hand und der Sorm der Finger, auch
auch des Schädels, und vielen anderen Außerlichkeiten mehr.
Warum ſollte man alſo nicht auch mit Hilfe ſeines benzin=
getriebenen
Jortbewegungsmittels und der Art, wie er es hand=
habt
, des Menſchen Seele entziffern?. Warum ſollte das Auto
nicht auch zur Alusſage über den Menſchen herangezogen wer=
den
, ſo er eins har?
Mein Kollege Hervé Lauwick hat ein Buch geſchrieben, in
dem er jedoch von der wiſſenſchaftlich unhaltbaren Annahme
ausgeht, das Auto habe eine Soele. Ich muß dem ganz ent=
ſchieden
widerſprechen, denn das Auto bekommt nur jeweils ein
Stück von der Seele ſeines Beſitzers geliehen.
Aber zanken wir uns nicht über bläßliche Hypotheſen, ſon=
dern
begeben wir uns auf die Straße, um unſere Wiſſenſchaft
exakt und empiriſch zu betreiben. Denn die Mutter der Wiſſen=
ſchaft
iſt die Beobachtung, nach Hermes Crismegiſtos und
Philippus Aureolus Cheophraſtus Bombaſtus Paracelſus von
Hohenheim, Sigmund Freud und anderen unbezweifelbaren
Leuchten.
Wir haben übrigens Glück, denn dort ſteht ein großes, luxu-
riöſes
Cabriolet. Die Fahrerin hat es einen Augenblick ange=
halten
, um ſich mit Lippenſtift und Puderquaſte etwas zurecht=
zupuppen
. Auch der Wagen iſt blitzſauber lackiert und vernickelt.
Sind das nicht zwei wunderbare Sierſtücke, ſie und ihr Wagen?
Das Verdeck iſt mit Hirſchleder überzogen, das Bolant beſteht
aus Ebenholz und iſt mit Perlmutter eingelegt; man ſitzt in
Plüſchſeſſel geſchmiegt wie in einem Boudoir. Ich wette, der
Wagen wird nur mit Eau de Cologne gefahren, und nicht mit
ſolch banalem Stoff wie Dapolin, und die Wellenlager werden
mit Pomade geſchmiert. Solche Naſſen von Frauen und von
Autos werden nur gezüchtet, um ſie Wettkämpfe der Schönheit
austragen zu laſſen, und nicht dafür, daß ſie ſich auf den rauhen
und ſchmutzigen Straßen der Wirklichkeit vorwärtskämpfen
ſollen. Das wäre Entweihung. Dieſes Auto iſt nun einmal kein
Ding zum Gebrauch, es wird zur Schau getragen wie eine koſt=
bare
Abendtoilette. Man fährt weniger damit, als daß man ſich

damit bekleidet. Und Sie ſehen, die
junge Dame hat Sinn für Stil, denn
dieſes prächtige Fortbewegungskoftüm
ſteht ihr ausgezeichnet zu Geſichte.
Hoppla, mein Lieber, geben Sie
acht, daß Sie nicht durch dieſen raſen=
den
Herkules von Laſtauto zu einem
naſſen Fleck zerwalzt werden. Denn
die Ballonreifen ſind ſo hart und
ſtraff wie die Muskeln ſeines arbeits=
gewohnten
Fahrers. Beiden ſieht man
die Spuren dieſer Arbeit an, dem
Mann und dem Gefährt, und beide
bahnen ſich mit der Wucht ihren Weg,
die durch die Härte ihres Dienſtes
bedingt iſt.
Hier kommt ein richtiger Vereinsmeier. Sein Automobil iſt
mit fünf verſchiedenen Vereinsabzeichen bepflaſtert, er fehlt bei
keinem Feſteſſen und bei keiner Vereinsfahrt, wobei alle ſolida=
riſch
den Staub ſchlucken, den der Vordermann aufwirbelt. Er
kennt alle Straßen der Umgebung, die man in Karawane be=
fahren
hat, er kennt alle Wirtshäuſer, wo die Qualität der
Rippchen und des Kirſchwaſſers Vereinsraſt lohnend erſcheinen

läßt. Er fährt aufopfernd alle Fahrten vor und wird deshalb
dermaleinſt Vorſitzender werden. Er iſt ehrgeizig, energiſch und
gutmütig und zahlt fürchterliche Vereinsbeiträge. Hat er einen
Nichtautomobiliſten zum Fahrgaſt, ſo erzählt er ihm den Witz
von dem höfichſten Fahrer, nämlich dem Hanomagfahrer, der in
ſeiner ſtotternden Blechwanze dauernd zu freundlichem Kopfnicken
verurteilt iſt.
Betrachten Sie den großen, grauen Neiſewagen mit ſeinen
eleganten Formen!. Er iſt ſchön und einfach, ſo ſoigniert wie der
Herr, der am Steuer ſitzt und ſeinen Chauffeur, abgelöſt hat.
Wahrſcheinlich ein vielbeſchäftigter Herr, der ſich mit ein paar
Freunden auf Erholung begibt in ſeinem vornehmen, ernſthaften
Automobil, an dem nichts Spieleriſches, ſondern nur Sweck=
mäßiges
zu ſehen iſt. In dem Surren der Gummireifen auf dem
Pflaſter ſcheint es zu murmeln: Deauville, Paris, Nizza, Cannes,
eicleetzach
Noute Corniche. . ..
Jener junge Egoiſt dort hat ſich wohlweislich einen Swei=
ſitzer
zugelegt. Er drückt ſich um die Verbindlichkeiten herum,
die der Beſitz eines Autos einem den guten Freunden gegenüber
auferlegt, und genießt am liebſten in trauter Sweiſamkeit. Wer
wirklich trotz dieſer deutlichen Betonung der Abſichten aus Neid
oder Sudringlichkeit darauf beſteht, noch mitgenommen zu wer=
den
, wird in den Notſitz hineingezwängt und rocht gründlich in
die Annehmlichkeiten dieſer Beförderungsweiſe eingeweiht. Wenn
es regnet, ſchlägt man das Verdeck auf, iſt ſchön unter ſich und
hat den anderen in der Näſſe iſoliert.
Aber es gibt glücklicherweiſe noch freundliche Menſchen mit
ungeheuer großen, ſehr einfachen und gutmütigen Limouſinen, die
gaſtlich gleich eine ganze Geſellſchaft verfrachten und ſich nur
unter recht vielen und recht fröhlichen Leuten wohl fühlen. Sie

haben ihre Freude daran, anderen die Freude des Autoreiſens
zu bereiten, ein menſchenfreundlicher Genuß, worein ſich noch
ein ſtiller Stolz auf den Beſitz eines ſo großen, ſtarken Wagens
miſcht.
Hier ſteht übrigens ein winziger Kleinwagen: man ſieht noch
nicht recht, ob der Inſaſſe unter der feſchen Mütze Bub oder
Mädel iſt. Natürlich, ein Mädell Vergnügt, friſch, geſund und
ſo unkompliziert wie ihr Wägelchen, das ihr ganzes Glück aus=
macht
. Man kann das Ding zwar mit dem kleinen Finger fort=
ſchieben
, ich meine den Wagen, aber bitte, tun Sie es nicht, denn
Sie würden dem Mädchen die ganze Freude an dem beſcheidenen
Sahrzeug zerſtören.
Der Caxameterchauffeur im Dienſt iſt ordentlich, aber un=
perſönlich
, immer fahrtbereit, und ſein Wagen dementſprechend
auch. Doch an jenem Lieferauto können Sie ſchon mehr erkennen
und auf Sleiß und praktiſchen Sinn des Beſitzers ſchließen.
Werktags iſt der offene Wagen Geſchäftsauto des braven Flei=
ſchermeiſters
, der ſich ſechs Wochentage plagt, am Sonntag den
Fleiſchkaſten durch die Lederſitze erſetzt, leinen Sonntagsnach=
mittagsdreiuhrausgehanzug
anzieht und mit dem nunmehr kom=
pletten
Sonntagsnachmittagsdreiuhrausfahrauto lich und ſeine
Samilie ſpazieren fährt.
Donnerwetter, man muß doch die zähe Ausdauer und die
techniſche Fertigkeit der Jungens bewundern, die ſich dieſes Opti=
miſtenauto
zuſammengebaſtelt haben. Nur Motor, Fahrgeſtell
und eine Kiſte, auf der man vor dem Steuer ſitzt. Wenn der
Motor nicht ſo alt und das Ganze aus Einzelteilen verſchiedener
Herkunft ſo zuſammengeflickt wäre, könnte man glauben, der
Motor ſollte erſt ohne Karoſſerie eingefahren werden. Aber
wahrſcheinlich wird die Karoſſerie erſt gebaut, wenn wieder
etwas Geld da iſt, falls vorher nicht eine vom Himmel herunter=
fällt
. Vorläufig kann man ja mal ſo fahren.
Sehen Sie drüben am Marktplatz den Automobilurgroß=
papa
? Er macht einen ganz altertümlichen Eindruck mit ſeinen
ungelenken Formen. Das Motorgehäuſe litzt vorn angeklebt, ſo
gedrungen wie die Schnauze einer Bulldogge. Es koſtet erheb=
liches
Schnaufen, bis er einmal in Gang kommt, und er wird
ſicher dermaleinſt am Keuchhuſten ſterben. Aber vorläufig fährt
er noch, und nachdem ſeine Glanzzeit ſchon lange vorüber iſt, be=
ſchämt
er ganze Generationen von Autos, die er hat auftauchen
und ſterben ſehen, ebenſo wie lein Herr, ſicherlich ein ſolider,
ſparſamer alter Geſchäftsmann, der ſich von keinem Ding trennt,
das noch zu gebrauchen iſt, das Entſtehen und die Pleite ganzer
Reihen von Firmen erlebt hat.
Setzen wir uns einen Augenblick in das Straßenkaffee. Hui,
da ſurrt es aber heran, hochtourig, vielpferdig. Ein ſchnittiges
Fahrzeug, auffallend ſpartaniſch einfach, ohne Schutzſcheibe, ganz
ſportlich, mit imponierend langer Motorhaube, blankes Blech.
Es hat kaum Platz für wei Perſonen, ſchluckt unheimlich viele
Kilometer die Stunde. Da hält es übrigens, und der Jahrer tritt
zu uns ins Kaffee. Schauen Sie, wie er zu dem Wagen paßtl
Welche ſtraffe, männliche Erſcheinung! Die braune Lederkappe
umſchließt ein energiſch geſchnittenes Geſicht, das aus Bronze
gegoſſen zu ſein ſcheint.
Was, Sie wollen behaupten, mein Syſtem ſei erſchüttert,
weil dieſer anſcheinend ſo männliche Mann weibiſcherweiſe
Schlagſahne zu ſeinem Kaffee nimmt? Ja, liebſter Beſter, haben
Sie denn noch nie davon gehört, daß Extreme immer nach Aus=
gleich
ſtreben? Muß dieſer Mann nicht mit Naturnotwendigkeit
nach irgendwelcher Milderung ſuchen für ſeine Strenge?
Die Wiſſenſchaft behält immer recht.

Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl, für die Redaktion: Dr. H Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1, 23892392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.

Nummer 330.
Enbſpielſtudie 35.
Alexei Troitzky in Petersburg.
Eſtiſtung Kuriren 1918.)

Weiß zieht und gewinnt.
Prüfſtellung: Weiß: Kd8 Le5 Bf4 g6 (4);
Schwarz: Tas Ih2 Ba8 es (4): B. gew.
Wegen der verborgenen Feinheiten bringen wir ſofort die
Löſung:
1. g6g7 62e1 D 9. g788 D Ka8-b71 8. Dg8b341 Kb7o6 4. Db3
b6+ Ko6d5 5. Db8b5ll droht durch Lb44 oder Lt2+ die D zu gewinnen.
Merkwürdigerweiſe kann die D überhaupt nicht gerettet werden. Man ſehe: b. ...
Det (h1) 8. Db; 5.. . . Deß 8. DbBX: 5.. . . D41 8. Dd7+; 5.. .
Ket (86) 8. De8+: 5. . . . 43a8 6. Lre4z Ke4 7. Da4t Kk8 8. 1:e1.
Auf 1. 1k21 folgt 1.... Lg1 2. Lel 1441 1. Ib47 43a 2. Weiß kann nicht
gewinnen.

Kreuzworträtſel.

Die Wörter bedeuten von oben nach unten: 1 Edelſtein, 3 Aafturm,
4 Stadt in Nordamerika, 5 Drüſenabſonderung, 6 Gottheit, 8 Werc=
zeug
9 Türkiſcher Titel, 10 Kommando beim Schiffswenden, 11 Euro=
bäiſche
Hauptſtadt, 16 Rätſelhafte Kraft. 17 Faultier.
Von links nach rechts: 2 Auerochs, 4 Fluß in Frankreich und
Belgien, 6 Präpoſition, 7 Deutſcher Dichter, 9 Hundeart. 11 Tonſtufe,
12 Fluß in Rußland, 13 Reihe eiſerner Glieder, 14 Art Gattung, 15 jo
paniſches Nationalſpiel, 18 Kleinod.
Streichholz=Rätſel.

Durch Umlegung von 3 ſenkrechten Hölzchen und Verſchiebung des
Mittelbuchſtabens an erſte Stelle entſteht ein Frauenname.
Anflöſung der Rätſel aus Nr. 38:
Verſchiedenes.
Schwirren, Schwielen, ſchwinden, ſchwimmen, ſchwitzen.
Auszählrätſel.
Der Traum, ein Leben.

Löſung der Endſpielſtudie 34.
Fr. Lazard 2.3. Pr. i. 2. internat. Turn, der Italia Segechiſtiea, 1923, (F g5 Tr4
Lb5 Ba 7 h8; Ka8 Tg1 Ub7 Bg8; ſchlicht.)
1. Ib5t1 Ubf1s
z. 111-421 Pale2
3. 794Rg81 Tg2Rg94
4. Kg5h4. Weiß hat eine Battſtellung erreicht.
Schachliteratur. Richard Steinweg, Deutſches Schach=
liederbuch
. Leipzig 1929. 142 Seiten. Preis karton. RM. 2. Dieſes
Buch, in erſter Linie für geſellige Veranſtaltungen von Schachvereinen
beſtimmt, wird darüber hinaus jedem Schachfreund durch ſeinen teils
ernſten, teils heiteren Inhalt genußreiche Stunden bereiten und iſt ſchon
deswegen, weil hier über 100 auf das Schach bezogene Gedichte zu=
ſammengetragen
ſind, eine bemerkenswerte Erſcheinung. Zu beziehen
vom Verlag: Hans Hedewigs Nachf. Curt Ronniger, Leipzig C. 1.
Perthesſtraße 10. Poſtſcheckonto Leipzig 134 48.

Were
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11.

aacaaa cce ddd eeeeeeee hhh iiiiii Il m nnnnn rrrr 9233 ttt uu zz
An Stelle der Kreuze ſetze man die Selbſtlaute und an Stelle der
Punkte die Mitlaute, ſo daß die 11 ſenkrechten Reihen Wörter von
folgender Vedeutung enthalten: 1. Umſtandswort des Ortes; 2. Vogel;
3. Queckſilberbergwerk im früheren Krain; 4. Waſſerfahrzeug; 5. euro=
päiſche
Inſel; 6. Gegenteil von Ernſt; ſ. italieniſcher Maler; 8. Ver=
wandte
; 9. Laubbaum; 10. Nebenfluß der Donau; 11. nein im Dia=
lekt
. Die auf die fettgedruckten Zeichen fallenden Buchſtaben nennen
eine Zeile aus einem Lied von Franz Schubert.
Carl Deubel.

[ ][  ][ ]

Iwwrichens mecht ich in aller Unſchuld bemärke, daß ich’s
an letztemol vun de Dummheid im allgemeine gehatt hab;
hotr ſich alſo niemand als de Bezogene zu fiehle braiche
Tas annerſter weer däß gewäſe, wann ich’s mit de Dumm=
hid
im beſunnere zu dhu gehatt hett. Awwer do hett ich
aach vun de Einbildung ſchwätze miſſe, indem’s doch be=
inntlich
haaßt: Dummheid un Stolz, wext uff aam Holz! No
m dodegääche is bekanntlich kaa Gras gewaxe, dodegääche hilft
ta Eireiwe un kaa Einemme, dodegääche hott noch kaa Abbe=
dhker
e Salb gemiſcht, un kaa Scheemicker e Pill erfunne, was
ehendlich recht verwunnerlich is, dann heit gibt’s doch Pille for
Aes meechliche un unmeechliche, warum noch kaa gääche die
Lummheid un die Eibildung.
No, ich denk, do ſin ſe bis jetzt bloß noch net druff kumme,
u ſie ſin mer for den klagne Hieweis dankbar. Un valleicht, ſetzt
ſh jetzt ſofort ſo e gewitzter Scheemicker, vum Märk odder ſo,
uf die Hoſe, un ruht net ehnder, bis er ſo e Pill gääche die
Lummheid un Eibildung erfunne hott. Däß weer waaß Gott
edankbar Feld un e luggeradief Geſchäft, un wann=ſem an Ver=
ſichskanincher
in ſeim Bekanntekreis fehle ſoll, ich wißt’m
owelche, die wo ſich zu dem Zwäck gärn zur Verviechung ſtelle
ſete ..
Vorerſt nadierlich kenne mer wenichſtens froh ſei, daß die
kummheid net aach noch weh dhut, ſunſt kennte mer’s for Ge=
hiſch
net aushalte. Allmächdicher Strohſack, do weer der Radau
mm Bahnbedarf en Dreck degääche.
Iwwrichens hab ich mer ſage loſſe, daß die Umliecher vum
Bahnbedarf ſich zu=ere Indräſſegemeinſchaft zuſamme=
gſchloſſe
hawwe, mit=eme richdichgehende Engel an de Spitz,
ſer wo ſei Fiddiche driwwer hellt. Recht ſo, däß ewiche Geſchimbf
ſott kaan Zwäck, hannele muß mer!
Un do mecht ich gleich bemärke un druff hie weiſe, daß es
ſoch mehrere läſtiche, un dem Wohl un der Geſundheit der
Levölkerung ſchädliche Bedriewe midde in de Stadt gibt,
giäche die mer vor geh muß. Beiſpielsmeßich der Bedrieb in de
infandriekaſärn odder der uffm Märksblatz. Dann es wärd
ſoch im Ernſt niemand behaubte wolle, daß ’s Finanzamt net
ſſtich, un dem Wohl un der Geſundheit net ſchädlich weer, un
ſaß mer ſich driwwer krank ärchern kann, däß hott doch ſchun
der am eichene Leib un Geldbeidel erfahrn. Awwer nixdäſto=
venicherdrotz
, ſolche läſtiche Bedriewe, wie’s Finanzamt, die
btadtkaß un ſo, die funkzioniern ganz gemächtlich, un zwar
nidde in de Stadt, un eh mer ſich’s verſieht, un ſich driwwer
feid, daß mer mit ſeine Steiern gottlob pinktlich im Nickſtand
6, do ſchicke ſe aam en freundliche Mann in’s Haus, der wo im
Gtand is, un frankiert am im Handumdrehe ſemtliche Möwel,
m babbt aam de Guggug uff de Vochelskewig.

Un däßhalb, wann mer ſchun Indräſſegemeindſchafte gääche
lätiche Bedriewe grinde dhut, warum geht mer dann do net noch
n Schritt weider un grind aach e Indräſſegemeindſchaft gääche
die läſtiche un dem Wohl der Bevölkerung ſchädliche Bedriewe,
wie die in de Alexander= un in de Grafenſtroß un ſo?! Un

Der zeitgemäße Haushalt.

Wohin mit dem Kohlenabfall?. Bei der Eindek=
ſung
mit Winterkohlen die der vorſorgende Hausvater meiſt
ſchon zu Sommerpreiſen unter Dach und Fach hat bringen laſſen,
fällt immer ein mehr oder weniger großer Prozentſatz Kohlen=
grus
ab. Da dieſer nun wegen Feuergefahr nicht der Aſchen=
grube
einverleibt werden darf, ſo bleibt er oft jahrelang im
Keller liegen, denn die wenigſten Hausfrauen wiſſen, daß dieſer
ein wunderbares Brennmaterial abgibt, wenn er in Tüten ge=
füllt
, auf die Glut gelegt wird. Wird der Ofen dann zugeſchraubt,
ſo glimmt nach und nach der Kohlenſtaub durch und vermehrt die
Heizkraft. Wo man eine derartige Kohlentüte verbrennt, kann
man einen Stein weniger nehmen. Aus dieſem Grunde ſollte
jede Hausfrau die erhaltenen Tüten ſammeln und gefüllt im
Kohlenkaſten zum jeweiligen Verbrauch aufbewahren. Wenn
Mangel an Tüten iſt, ſo leiſten auch ſelbſtgedrehte von Zeitungs=
L.
papier die gleichen Dienſte.
Schon wieder iſt der Franſenbeſen ſchmutzig!
So ſehr die Hausfrau dieſes ſtaubtilgende, moderne Arbeits=
gerät
ſchon nach kurzem Gebrauch ſchätzen lernte, ſo unangenehm
empfindet ſie das raſche Schmutzigwerden desſelben. Oelt ſie ihn
nach Vorſchrift gut ein, damit er den Staub gründlich aufnimmt,
dann genügt das vorgeſchriebene kurze Schwenken in lauem
Seifenwaſſer nicht, ihn gründlich zu ſäubern, und es bedarf
längeren oder gar wiederholten Auskochens in Salmiak= und
Sodawaſſer, was Zeit und Heizung koſtet. Nimmt ſie aber ſtatt
dieſer Lauge 1 gehäuften Eßlöffel Imipulver ins Waſſer, läßt
es damit nur 10 Minuten kochen und bis zum Abkühlen nach=
ziehen
, ſo iſt der Franſenbeſen nach öfter wiederholtem Spülen
völlig fettfrei und wiedr faſt ſo hellfarbig, wie ein neuer. H.
Bläulich ſchillernde Fenſter wieder klar zu
putzen. Den bläulichen Anhauch kann man durch eine Be=
handlung
mit heißem Aetznatronwaſſer wozu man
auf je 3 Teile Waſſer 1 Teil Aetznatron beifügt, durchſichtig
putzen. Auch Salzſäurewaſſer (1 Eßlöffel Salzſäure auf
M.
1 Liter Waſſer) leiſtet die gleichen Dienſte.
Ein unſchädliches Putzmittel für Alfenide=
Sachen, wie Beſtecke uſw., die mit ſcharfen Putzmitteln nicht
in Berührung kommen dürfen, iſt eine Miſchung von Schlemm=
reide
, die man mit Spiritus zu einem Brei anrührt. Ein
Nachtolieren mit trockenmm weichen Lappen und gereinigter
Schlemmkreide verleiht den geputzten Gegenſtänden einen nickel=
L.
artigen Hochglanz.
Süße Pflaumenſoße für Süßſpeiſen. ½ Pfund
abgewaſchene Pflaumen ſetze man mit 1 Stückchen Zitronenſchale
und Zimt mit Waſſer zum Kochen auf, ſtreiche ſie durch ein
Sieb, verdünne das Durchgerührte noch mit Waſſer, bringe noch=
mals
zum Kochen und verrühre es mit 1 Teelöffel Kartoffel=
mehl
Mit Zucker, 1 Meſſerſpitze Salz, wenig Vanillin und einigen
Trotfen Zitronenſaft abgeſchmeckt, ſtelle man die Plqumenſoße

wann mer kann Engel find, der wo ſich an die Spitz ſtelle dhut,
dann mag’s meindwääche en Deiwel ſei, däß is mir perſeen=
lich
ganz worſcht, awwer die Bedriewe geheern äwenfalls de
Stadt enaus, meechlichſt weit ewäck.
Un weil ich nu grad emol am Verein=grinde bin, wie wer’s
mit=ere Indräſſegemeindſchaft der vereinichten Steierrick=
ſtendler
? Alſo, wann uns äbbes gefehlt hott, do is es däß.
Do kennt mer ſich doch allmonatlich emol zuſammefinne, kennt ſei
ſteierſchuldbeladenes Härz ausleern, un kennt ſich dorch e ausgie=
wiches
un maſſifes Schimbfe iwwer’s Finanzamt un die Stadt=
kaß
ſein bedrickte Bruſtkaſte erleichtern. Vun Zeit zu Zeit, un um
es bißche Abwexlung in die Vera’ſtaldunge zu bringe, da kennt
mer als emol e Brodäſtverſammlung abhalte, gääche die Steier=
laſte
, mit a’ſchließendem Danz un ſo; un ſälbſtredend dhet mer
aus Iwwerzeichung hinnenooch die Billjädd= un Danzſteier
ſchuldich bleiwe. Aaach kennt mer valleicht uff e Mitglied, däß
wo gepennd wärdd, jedesmal en Drauerſallemander reiwe, un
bei de fimfunzwanzichſte Penndung kennt merin zum Ehren=
Steierrickſtendler ernenne. Der Vergniechungswart vun däre ehr=
ſame
Vereinigung hett jedenfalls alle Hend voll zu dhu, dann
vermudlich gebt’s in dem Verein manchen Alaß zu=eme dröſtende
Mennerumdrunk.
Domit mecht ich nadierlich keinesfalls geſagt hawwe, daß ich
mit=em Alkohol liebaichele dhet, damit mer’s net edwa ſo geht,
wie dem Herr Nuntzius Parrazällſius, der wo neillich mol bei=
laifich
ſo e ehnlich Bemärkung beziechlich bedärffs im Alkohohl ge=
macht
hott, indem er gemaant hott, hie un do e Gläsche Wei‟
kennt aach dem glaiwichſte Chriſt nix ſchade, un wo ſich dewääche
Leit driwwer kinſtlich uffgerecht hawwe, obgleich mer do mit’m
Heinrich Heine ſage konnt:
Ich kenne die Weiſe und kenne den Text
Und kenn auch die Herren Verfaſſer,
Ich weiß, ſie trinken heimlich Wein,
Und predigen öffentlich Waſſer.
Ich bin jo net grad ſo, wie de Nuntzius Parrazällſius, daß
mer mich hinnenooch verklattſche un ausmache kennt, wie ſauer
Bier, un kennt im ganze Land erumverzehle, ich hett die Läwwer
uff de Sunneſeit. Naa, uff Ehr un Seelichkeid, ich bin ſtrickte un
dorchaus gääche de Alkohol in jeglicher Form, un bloß, wann
mer’s als emol net ganz äxdra is, dann nemm ich, ſozuſage als
Azzenei, e Schöbbche odder zwaa, odder ann’s ganz beſunners
bräſſiert, e Schnäbbsche. Awwer ſunſt halt ich mich ſtreng an
mein Kaffee, allerdings mit ziemlich viel Ziggovie drinn, damit
er nooch was ſchmeckt. Un wann ich manchmol, ſo bei Geläächen=
heit
, odder wann mich effenduäll ſo e ſeeliche Mageſchwäche
akimmt mer is halt net mehr däß! alſo wann ich mer bei
Geläächenheid emol e Fläſchje ſpenndier, ſo is do ganz gewiß
nix debei, un es geſchied eichentlich mehr dem Indräſſe un de
Wiſſenſchaft halwer, indem mer doch ſähe will, wos all in unſerm
liewe Heſſelendche wext. Awwer ſunſt, wie geſagt, bin ich for mei
Perſon gääche alle geiſtliche Gedrenke, un ich muß ſage, ich befind
mich ſoweit ganz wohl debei; abgeſähe nadierlich vun dem ſee=
liche
Magezwicke, daß aam adräde kann, un gääche däß mer mit
gewehnliche Hausmiddel, wie Kammille= un Päfferminztee, Hoff=
mann
= un Balldriandrobbe, odder kalde Umſchleg net albumme
kann, ſondern gääche däß mer, in de ſtille Hoffnung uff Beſſe=
rung
, nor mit ſo=eme Gläsche gefangene Sunneſchei tatkräfdich
ei’ſchreide kann.
Wie die Woch. Do hatt ich aach widder mol ſo mei Zu=
ſtend
. Un do hab ich halt in meine Verzweiflung zu=eme Fläſchje
ächte Niernſteiner gegriffe, un hab mer däß ſo ſchluckſeſiefe ei ge=
flößt
. Däß Dröbbche ſtammt vun=eme gude Freund, der waaß,
daß ich waaß, wie mer mit ſo Sache umzugeh hott.
No, was ſoll ich ſage, ich hatt die koſtbar Azzenei beinoh
ganz ei’genumme, do kimmt aaner zu mer in die Stubb erei' un
freecht, ob ich die Bimmbernellſen weer. Ob er en Zweifel
hett, ſagteich. Däß weerm recht, ſeecht er, daß er mich dräffe
dhet, nemlich er kemt vun de Städtiſche Sparkaß, un mißt mir
ſage, daß mer beſchloſſe hett, die Sparkaſſeguthawwe deffennedief
uff hunnerd Brozent uffzuwärde, indem daß es Reich die Staats=
babier
un die Kriegsaleih un derardiche ergötzliche Beſitzdiemer

kalt, die ausgezeichnet zu Grießflammeries, Aufläufen, Gelees uſw.
N.
ichmeckt.
Sehr gute Möhren=Gerichte, die wenig be=
kannt
ſind:
Möhren auf Schweizer Art. Zugeputzte, in Würfel
geſchnittene Möhren koche man in leichtem Salzwaſſer weich. Ab=
getropft
, gebe man ſie in eine Schüſſel, übergieße ſie mit zer=
laſſener
Butter und miſche ſie mit feingewiegter Peterſilie.
Möhrenſalat mit Mayonnaiſe. Dazu koche man
die Möhren in ganzer Form und ſchneide ſie mit dem Bunt=
meſſer
in Scheiben. Darauf ſchmecke man ſie mit Salz, Pfeffer
und Eſſig ab und miſche ſie mit Mayonnaiſe. Der Salat muß
vor dem Auftrage einige Stunden durchziehen
Möhren mit weißen Bohnen (Gold und Silber).
Gleiche Teile weichgekochte, kleingeſchnittene Möhren, miſche man
mit ebenſoviel weichgekochten weißen Bohnen, füge reichlich
friſche Butter bei und ſchmecke das Gemüſe mit Salz, wenig
Pfeffer und Zucker ab. Paſſende Fleiſchbeilagen: Bratwurſt,
gedünſtetes Hammelfleiſch, Leber, Gehirn.
Möhren mit Kohlrabi. ½ Pfund Möhren und ½
Pfund Kohlrabi, beide geſondert weichgekocht, miſche man und
füge dem Gemüſe entweder nur friſche Butter oder eine licht=
braune
Mehlſchwitze bei, um es mit Salz und 1 Priſe Zucker
abzuſchmecken.
Möhren mit Blumenkohl. Zugeputzte, in Scheiben
geſchnittene Möhren, miſche man mit in Salzwaſſer weichgekoch=
ten
Blumenkohlröschen, ſchmecke mit Salz und reichlich Butter
ab und richte das Gemüſe mit feingewiegter Peterſilie über=
ſtreut
an.
Arrak=Soße zu allerlei Süßſpeiſen. ½ Liter
Milch ſetze man mit ½ Teelöffel Salz zum Kochen auf, verquirle
ſie mit 12 Teelöffel Reis= oder Kartoffelmehl, füge ausgekühlt
1 verquirltes Ei bei und ſchmecke mit 12 Eßlöffel Süßſtoff=
löſung
, 1 Teelöffel friſcher Butter und 1 Likörgläschen Arrak ab.
Die Soße muß dickſämig ſein und wird entweder warm oder
kalt gereicht. Sie eignet ſich als Beiguß ſowohl zu Flammeries,
warmen Puddingen, wie Aufläufen.
Speiſen=Zettel.
Sonntag: Fliederbeerſuppe mit Schneeklößchen, Hammelkeule
mit Sahnenſoße, Vanille=Griesſpeiſe mit Arrak=Soße. Mon=
tag
: Fleiſchgefüllte Kohlrabi mit Butterſoße. Dienstag:
Möhren mit Blumenkohl und gedünſteter Rinderbruſt. Mitt=
woch
: Sauerkraut mit gekochtem Rauchfleiſch und Semmelklöß=
chen
. Donnerstag: Birnenkartoffeln mit gek. Schweine=
fleiſch
. Freitag: Tomatenſuppe, gek. Goldbarſch mit zerl.
Butter und Neerrettich. Samstag: Eierkuchen mit friſchem
Apfelmus.

äwenfalls uff hunnerd Brozent uffgewärt hett, un wann ich zu=
fellich
Hibbedhekeglaibicherin weer, ſo kennt er mir graddeliern,
dann die Hibbedheke dhete aach im Breis ſteiche, indem, wer
Hibbedheke hett, dem wärrn ſe erlaſſe, un wer kaa hett, dem
wärrn ſe ſogar uffgewärt; un ſchließlich un endlich dhet die Stadt
alle Steiern un Abgawe uff die Hälft ermäßiche, noochdem ihr de
Staat un’s Reich in däre Beziehung mit gudem Beiſpiel
vora gange weer. ...
Heilich Kanonerohr, hab ich dodruff gefagt, ſowas ſeecht mer
aam doch net ſo vor die Blatt, däß geheert aam doch ſchonend
beigebrocht, ſunſt kann aam jo de Schlag dräffe. Un richdich, in
dem Momend hott’s aach en Schlag gedha, awwer däß wor die
leer Flaſch, wo vum Diſch geborzzelt is. Un do hob ich gemärkt,
daß ich, iwwer däß, e bißche eigeduſſelt war, un all die ſcheene

Sache vun wääche däre Uffwärderei nor gedraamt hab. Nadier=
lich
, ſo äbbes Saudummes kann aam nor im Schloof eiffalle.
Bienche Bimmbernell.

Poſtſchkribbdumm: No jetzt miſſe mer bald die Johr=
hunnerdfeiern
vun unſere Darmſtädter Schule ſo zimmlich hin=
ner
uns hawwe; s fehlt bloß noch mei Inſtidud in de Runde=
tormſtroß
. Awwer alles was recht is, un wann ich aach bloß
in die gewehnlich Schul gange bin, ſo hawwe ſe mich bei de
Vikdoriaſchulfeier doch zum Wort kumme loſſe, wann aach val=
leicht
bloß ſo for baſſeladand. Awwer no, ich hab doch ſage
därfe was ich uffm Härz hatt, ſo gud wie die annern hoche
Härrſchafte, de Herr Adelung un de Herr Mueller un ſo Art
Leit. Iwwrichens hott unſer großer Herr Owwerowwer bei
ſeine Redd widder mit ſeine humoriſtiſche Bildung geprunkt un
hott mit ladeiniſche Zidade um ſich geſchmiſſe, un hott druffhie ge=
ſtichelt
, daß mir vum weibliche Geſchlecht frieher nix gegolde hette,
indem’s gehaaße hett: Muellier tazeat in eckleſia! was ſoviel
haaße ſoll, als wie: Das Weib ſchweiche in de Gemeinde!
Awwer die Zeide ſin vobei, gottſeidank mir gälde heit in de
Gemeinde ſoviel, wie die Mannsbilder aach, beſunners was es
Schwätze bedrifft. Unnerrockbolledick brauche mir alſo heit kaa
mehr zu dreiwe, was an ſich ſchun net meechlich weer, weil die
Unnerröck en iwwerwundener Standpunkt ſin. Frieher na=
dierlich
mußte mer uff die Art unſer Maanung gäldend mache,
un ich hett’s kaam Stadtrat gerode hawwe meeche, wann er
uffm Rodhaus was annerſter geſagt hett, als däß, wom
dehaam vorgeſchwätzt is worrn . Un iwwrichens, die
Wäld kennt wärklich net ſchläächter ausſähe, wann mir Weiwer
ſchun vun allem Afang a effentlich hette mitreſchiern därfe;
alſo, ich maan, die Mannsbilder ſollte ſich net immer bei jeder
Geläächenheit ſo an Lade leeche, die Großduhner, dann mer waaß
doch: was die mit de Hend uffſtelle, wärfe ſe hinnerſich widder
um . .
Fürs Niebergall=Denkmal: Ein paar fidele Kammermuſiker:
8. Mk.

Beſter Schutz. Habben Sſie Deteltive engagiert, um die Hochzeits=
geſchenke
Ihrer Tockter zu bewachen? Nein. Das iſt auch nicht nötig.
Die Abzahlluungsgeſchäfte werden ſchon darauf guſpaſſen, daß nichts
wegkonmmt."
Unter Freundinnen. Was, du haſt ſchon wieder eine neue Pgriſer
Toilette, meine Liebe?. Nein, du biſt doch zu geſchickt im Schneidern.
Der ſchlaue Schotte. Ein Schotte und ein Engländer angelten zu=
ſammen
und hatten ausgemacht, daß der, der zuerſt einen Fiſch fangen
würde, dem anderen einen Whisky ſpendieren müſſe. Schon nach wenigen
Minuten zog der Engländer ein jämmerliches Fiſchchen heraus, und
der Schotte ſchlürfte behaglich das feurige Naß. Dann ſagte er be=
friedigt
: Jetzt wird es wohl Zeit, daß ich auch an meine Angel einen
Köder anmache‟,
Auch eine Entſchuldigung. Warum haben Sie denn Ihre Hoſen
nicht gebügelt? fragte der Feldwebel ſtreng. Ich habe ſie heute die
ganze Nacht unter meine Matratze gelegt, entſchuldigte ſich der Rekrut,
aber ich habe ſo einen leichten Schlaf.
Der Vorteil. Sie: Glauben Sie, daß lange Verlobungen ſchön
ſind? Er: Aber ſicher; je länger die Verlobung, um ſo kürzer die
Ehe.
Ihre Diskretion. Oeffnet denn Ihre Frau Ihre Briefe? Fün
gewöhnlich nicht. Nur wenn perſönlich draufſteht.
Das Signal. Ein Auto mit einem Mann und einer Frau als In=
ſaſſen
kommt heran. Als ſie die Straßenecke erreichen, zieht der Mann
den Winker nach rechts, die Frau den Winker nach links. Der Ver=
kehrspoliziſt
hält den Wagen an und fragt: Was wollen Sie nun
eigentlich wollen Sie ſich ſcheiden laſſen?

[ ][  ][ ]

Ein Koſtüm muß
man haben,
denn kein anderes Kleidungsſtück
iſt ſo ganz der Inbegriff der neuen
Mode, die in ihren ſportlichen Ten=
denzen
, die ſich aber von jeder
Strenge und Härte der Linie fern=
halten
, ſicherlich nicht ganz leicht
zu erfaſſen iſt.
Das Koſtüm wird zwar ſowohl
für Trotteurzwecke und ſportliche
Gelegenheiten als auch für die
nachmittägliche Promenade heran=
gezogen
werden und erſcheint ſomit
in mannigfaltigen Varianten, doch
wollen wir heute nur von jenen
Stücken ſprechen, die für den Stra=
pazgebrauch
in Frage kommen.
Die großen Modehäuſer ſchei=
nen
ſich heuer ganz beſonders zu
beeilen, mit ihren herbſtlichen Kol=
lektionen
in den Vordergrund zu
treten, denn faſt in jedem Atelier
ſieht man ſchon eine ſehr beträcht=
liche
Anzahl neuer Schaffungen für
die Uebergangsſaiſon, und immer
wieder kann man feſtſtellen, daß
dem Koſtüm allenthalben eine füh=
rende
Rolle zugedacht iſt. Darum
wird auch verſucht, die Koſtüme
nicht in den althergebrachten, kon=
ſervativen
Formen zu zeigen, ſon=
dern
neuen Ideen Geltung zu ver=
ſchaffen
, kurzum in Material und
Farbe, Schnitt und Verbrämung
Neues zu bieten. Die phantaſie=
reichen
Formen der Koſtüme wer=
den
alſo vermutlich garnicht ſelten
ſein; beſonders hervorzuheben =
ren
ſchon jetzt die leicht=gebluſten
(mit einer Paſſe in der Taille
akzentuierten) ſowie die Paletot=
Koſtüme, mit ihren flotten, halb=
langen
Jacken.
Nach wie vor arbeitet man
die Trotteurſachen aus mehr oder
weniger neutral=ſchattiertem Mate=
riale
, das aber faſt niemals ganz
ungemuſtert, ſondern entweder in=
ſich
=deſſiniert oder aber in der Art
eines engliſchen Stoffes ornamen=
tiert
iſt. Neben grauen Stoffen
begegnet man hauptſächlich ver=
ſchiedenen
mittleren Beige=Tönen,
aber auch vielfach einem als aller=
letzte
Mode zu wertenden Braun,
das in vielen Abwandlungen zu ſehen ſein, und von den ton=
angebenden
Salons ausnahmslos gebracht werden wird. Einen
ſehr wichtigen Faktor der Strapazmode und beſonders des flot=
ten
Koſtüms ſtellt die Verbrämung dar, und auch hier ſcheint
die Mode eine große Veränderung mitgemacht zu haben, denn
während man ehemals faſt ausſchließlich Imitationsfelle ver=
arbeitete
, greift man jetzt nur mehr zu Edelpelzen, weil man
erkannt hat, daß ſie ſich bedeutend beſſer ſtrapazieren und darum
Iſt der Hut mit dem Schleier nicht reizend?
.. und doch wurde dieſe Mode, kaum, daß man von ihr munkeln
hörte, angefeindet, daß es nur ſo ſeine Art hatte! Ja, wollen denn
die Frauen wirklich an der Unoriginalität ihrer Mode ſelbſt
ſchuld, und ſollten ſie nicht vielmehr ſehr froh ſein, wenn einmal
etwas Neues entſteht, das imſtande iſt, der Mode eine intereſ=
ſante
neuartige Richtung zu geben? Schleier muten ja nur
darum ſo exotiſch an, weil ſie lange nicht in Mode waren; er=
innert
man ſich aber nicht noch ganz genau der Zeit, da unſere
Mütter und Großmütter ohne Schleier keinen Schritt aus dem

Hauſe wagten? Damals allerdings wurde als Grund für die
Schleiergarnierung des Hutes die Tatſache vorgeſchützt, daß nur
auf dieſe Weiſe die Friſur tadellos inſtandbleibe; jetzt iſt man
offener und geſteht ein, daß der Schleier nur der Verſchönerung
dienen ſoll. Und er erfüllt ſeinen Zweck reſtlos, iſt graziös,
pikant, neuartig, gleichviel ob es ſich um eine ſchmale Spitzen=
kante
(Skizze links) oder um einen langen Tüllſpitzenſchleier
(rechts oben) handelt. Tatſache iſt, daß die Schleiermode einen
ſtürmiſchen Erfolg hat und das Modebild zweifellos beherrſchen
wird.
W. U.

für die Trotteurmode das einzig Richtige ſind, ſo daß die Imita=
tionspelze
nur der nachmittäglichen Mode vorbehalten bleiben,
weil dieſe Schaffungen ja viel mehr geſchont werden, ſo daß die
geringere Haltbarkeit des Fells keine Rolle ſpielt.
Da aber Edelpelze ziemlich koſtſpielig ſind, verwendet man
ſie ſo ſparſam als möglich, meiſt nur als Verbrämung der Kragen=
partien
oder aber der Manſchetten, in welchem Falle die Revers
fret bleiben. Das Schneiderkoſtüm, das für den Herbſt als

Die Hemdbluſe
hat heuer wieder mehr Bedeutung denn je, denn in Verbindung
mit dem Trotteur= und Sportkoſtüm iſt ſie ſehr oft zu ſehen und
wird mit großer Begeiſterung getragen.
Wiewohl man bei ſolchen Stücken auf größte Einfachheit der
Wirkung Wert legt, ſind ſie doch in der Ausführung mitunter

nicht unkompliziert, weil beſonders die Säumchen= und Faden=
zugswirkungen
ſehr beliebt und elegant ſind.
Zwei gute Modelle mit ſportlichem Einſchlage zeigen wir in
unſerem Bilde und zwar links: die glatte Bluſe mit Bubenkragen
und durchgeknöpftem Fiſchü, die durch eine andersfarbige Rou=
lierung
eine lebhafte Wirkung erhalten. Rechts: eine jugend=
liche
Faſſon mit einfacher Knopfleiſte und einer außerordentlich
ſchicken Säumchenpartie, die aber auch durch Ajours vorteilhaft
wiederzugeben iſt.
W. U.

Die Halskette

ſpielt nach wie vor jene große Rolle, die ſie ſeitdem das Kunſt=
gewerbe
auf den Dekorationsſchmuck Einfluß nehmen konnte
innehat. Man bringt hier in letzter Zeit die verſchiedenſten Aus=
führungen
; wird doch faſt jedes Material herangezogen: Metall,
Kriſtall, Holz, Glas, Halbedelſteine uſw.

richtunggebend anzuſehen iſt, brin=
gen
wir im erſten Bilde. Es han=
delt
ſich hier um eine Standard=
Form, die keiner Modeſtrömung
unterworfen und darum als ge=
radezu
ideal zu bezeichnen iſt, weil
man ein ſolches Stück jahrelang
verwenden kann. Die Jacke iſt
auf einen Knopf verſchloſſen (die
Gürtelmode ſcheint nämlich nun
endgültig im Abflauen begriffen
zu ſein), der Rock übergeſchlagen
und mit drei Knöpfen verſehen, die
man bei Bergtouren öffnen kann,
ſo daß man beim Ausſchreiten nicht
behindert wird. Der Kragen iſt
mit Opoſſum oder Seewolf ver=
brämt
, beides ſportliche Fellarten,
die ſehr gut ſtrapazfähig ſind. Un=
ter
einem ſolchen Koſtüme trägt
man eine Hemdbluſe mit einer
geſtreiften Seidenbinde.
Eine große Rolle dürfte wohl
der Double=Stoff ſpielen,
denn ſeine Kontraſte, d. h. die ein=
farbige
Außen= und die deſſinierte
Innen=Seite, ſind bei der Verar=
beitung
ſehr gut zur Geltung zu
bringen. Ganz beſonders die ver=
ſchiedenen
, halblangen Paletotjak=
ken
werden ſich dieſes Materiales
bedienen, um ſo mehr, wenn man
hier anſtatt des Koſtüms das neu=
artige
Paletot=Complet
ſchafft, alſo das Kleid mit der ent=
ſprechenden
halblangen Umhülle
vereinigt. Bild 2 bringt den gera=
den
, mit einem Knopfe verſchloſſe=
nen
Paletot, der auf der in=ſich=
(und zwar ganz verſchwimmend)
karierten Seite des Materiales
verarbeitet iſt, ſo daß die einfarbige
Seite des Stoffes an den breiten
Revers ſichtbar wird. Der Rock
iſt in dieſem Falle des Kon=
traſtes
wegen ebenfalls einfar=
big
. Gerade umgekehrt iſt das
Material bei Figur 4 verwendet
hier iſt nämlich die lange Jacke mit
ihrem loſen, leicht glockigen Ra=
glan
=Schnitt außen glatt und innen
kariert. Das Kleid, das darunter
zu tragen wäre, iſt auf der karier=
ten
Seite des Materiales verarbei=
tet
. Um ſolche Kombinationen
ſchaffen zu können, bedarf es na=
türlich
eines nicht zu ſchweren,
aber doch warmen Stoffes, wes=
halb
die herbſtliche Mode ſehr
weiche, ſchmiegſame Flauſcharten
bringt. Ganz beſonders intereſſant und ihrer Neuartigkeit wegen
beachtenswert iſt unſere vorletzte Skizze, ein aus gemuſtertem
Modeſtoffe verfertigtes Trotteurkoſtüm, deſſen Jacke durch nach
innen genähte Längsſäumchen eingearbeitet erſcheint, ſo daß ſie
im Rücken überfällt und mit dem leicht glockigen Rocke vortreff=
lich
harmoniert. Der Kragen erſcheint hier mit Nutria verbrämt
und hat die neuartige, hohe Form, die den Kopf ausgezeichnet
umrahmt.
Willy Ungar.

Es gibt ſogar auf dieſem Gebiete eine kleine Senſation: die
Ketten aus gehacktem Reis, die auf verſchiedene Schattie=
rungen
eingefärbt ganz unvergleichlich intereſſant wirken und
matten Porzellanperlen ähneln. Viele Reihen ſolcher Reisperl=
chen
werden gewöhnlich zu dicken Schnüren verflochten und ſind
dann von ganz vortrefflicher Wirkung (Bild 1). Längliche Kriſtall=
ſtäbe
, von bunten Perlen (etwa Korallen oder Onyx) unter=
brochen
, wirken immer ſehr ſchick (Mittelbild). Aber auch die
Holzperlenſchnur, bei der buntbemalte, gedrechſelte Teile ſich zu
einer Kette fügen, gefallen außerordentlich gut (letzte Skizze)=

Der Netzſtrumpf
iſt eine intereſſante Neuheit des Herbſtes und unterſcheidet ſich
von den bisher bekannten Sorten dadurch, daß ſein Netz ein viel
weitmaſchigeres iſt als man es früher zu ſehen gewohnt war
und bienenwabenförmig gewebt erſcheint.*
Solche Strümpfe werden ſowohl zum eleganten Nachmittags=
als
auch zum Abendkleide getragen und zwar in erſterem Faue
in einer ſchönen Fleiſchfarbe, für Abend (beſonders zu den neulen
Brokatkleidern) in einem metalliſchen (ſilbernen, goldenen odet
kupferfarbenen) Netz.

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Seite 26

Sonntag, den 29. September 1929

Nummer 220

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Suppe. Ochſenfl iſch mit Meerrettich,
Kartoffeln, Jägerſchnitzel, garniert,
Eis=Waffel
Mark 2.50
Suppe, Salm=Mayonnaiſe, ½ junge
Hahne, Salat, Kompott, Röſtkartoffeln
Eis=Waffel.

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KARLSRUHE
AUSSTELLUNG

DIEGEBRAUCHSWOHNUNd
A
7

DAMMERSTOCK

vom 29. Sopt. bis zum 27.Okr. 1929
Oberleitung: Prof. Dr. W. Groplus

Ein- und Mohrfamilienhäuser

[ ][  ][ ]

Nummer 220

Sonntag, den 29. Eeptember 1929

Geite 27

der
Hert Voit

WoLFGANS MARKEN

Urheber=Rechtsſchutz durd Verlag Oskar Meiſter, Werdau i. Sa.
Nachdruck verboten
Katerink hatte ſich zwingen laſſen und mit hochgehobenen
Händen vor George geſtanden. Aber die Komplizen hatten das
triumphierende Lächeln auf Katerinks verwüſtetem Antlitz ge=
ſehen
und auf das Signal gewartet, das ſie zwang, ſich auf
George zu ſtürzen.
Aber George hatte es auch geſehen und wit raſchem Ent=
ſchluß
die Entſcheidung erzwungen.
Ehe ſich Katerink verſehen hatte, holte er mit ſeiner ſtarken
Rechten zum Schlage aus und Katerink war wie ein Sack zu=
ſammengebrochen
. Den Augenblick der Erſtarrung unter den
Verbrechern hatte Robert George benutzt. Blitzſchnell hatte
er Morgan untergefaßt und mit einem raſche Ruck ins Auto ge=
zerrt
, das ſein getreuer Helfer Benn geführt hatte.
Benn, der gute Junge, hatte gut aufgepaßt.
Im Augenblick, da der Bewußtloſe im Auto war, hatte er
Vollgas gegeben und der Wagen war bavongeſchoſſen.
Ein Huſarenſtückchen! Es hatte Robert George allen Reſpekt
und allen Haß der Chiéagoer Verbrecherwelt eingetragen.
Die Vorbereitung zur Hinrichtung Morgan Katerinks waren
im Gange. Der elektriſche Stuhl ſtand bereit in dem Raume,
der wie eine Kapelle wirkte.
Der Techniker hatte noch einmal alles genau geprüft.
Es klappte. Hunderttauſend Volt konnten ſich auf einen
Menſchen ſtürzen.
Der Beamte des Zuchthauſes, der ſich unweit Chicagos be=
fand
, Mr. Bellotony, war unruhig. Er wünſchte, daß die Sache
vorüber wäre; denn er befürchtete, daß ſich für ihn allerlei unan=
genehme
Begleiterſcheinungen zeigen könnten. Er dachte an die
zwei Dutzend Drohbriefe, die er erhalten hatte. Darin hatte man
ihm verſichert, daß man mit ihm ſo verfahren würde, wie er mit
Morgan Katevink.
Es hatte Momente in den letzten Tagen gegebenen, da er
wahe daran war, die Hinrichtung zu verweigern. Ein Gefühl

der Furcht war in ihm. Er dachte an ſeine Familie, ſeine beiden
Lockenköpfe, an denen er hing.
Aber er ſchämte ſich dann vor ſich ſelbſt und hielt ſich vor
Augen, daß es unverantwortlich wäre, ſich jetzt der Pflicht zu
entziehen.
Er wußte, wer Katerink war und welche Verbrechen er auf
ſich gehäuft hatte. Ganz Chicago würde aufatmen, wenn dieſe
Beſtie tot wäre
Die Gerichtsbeamten lamen einer nach dem anderen und
unterhielten ſich im Flüſtertone. Der Coroner geſellte ſich ihnen
bei und zuletzt kam der Geiſtliche, zuſammen mit dem Vertreter
des Gouverneurs.
Es wagte keiner ein lautes Wort.
Ein Druck laſtete auf ihnen, und dieſer Druck waren die
Hunderte von Drohbriefen, die das Polizeipräſidium erhalten

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hatte, in denen allen, die an der Hinrichtung Morgan Katerinks
teilnahmen, blutige Rache geſchworen war.
Beſonders unbehaglich ſchien ſich Mr. Bottlinn, der Direktor
des Zuchthauſes zu fühlen. Er war ſehr unruhig und ſah
dauernd nach der Tür. Er dachte aber da nicht daran, daß der
Befehl, den Delinquenten vorzuführen, noch nicht erteilt war.
Endlich raffte ſich der Generalſtaatsanwalt Garfield auf und
ſagte zu den beiden Zuchthausbeamten, die erwartungsvoll an
der Tür ſtanden: Der zum Tode verurteilte vielfache Mörder
Morgan Katerink iſt vorzuführen, damit er dem elektriſchen Stuhl
überantwortet wird.
Die beiben Zuchthausbeamten verließen das Zimmer. Der
Chef der Detektive, Mr. Bowens, ſchloß ſich ihnen an.
Die Zurückbleibenden flüſterten weiter.
Sie waren ſo unruhig, daß ſie das Bedürfnis verſpürten, zu
ſprechen, und damit die Unruhe des eigenen Herzeus zut ver=
bergen
.
Der Henker trat von einem Bein aufs andere.
*
Nobert George betrachtete lange den Krauken.
Ruhig ging ſein Atem. Er ſchien zu ſchlafen, faſt wie ein
Geneſender. Dicht beugte ſich George über ihn.
Nein ... . er ſchläft ſich in den Tod. Er ſah mit ſeinen adler=
ſcharfen
, ach ſo unbarmherzig klaren Augen, wie der Mann auf
dem Totenbette förmlich verfiel.
Plötzlich ſchreckte George auf.

Er mußte wieder an Morgan Katerink denken. Die vielen
hundert Drohbriefe, die die Organe der Polizei und des Zucht=
hauſes
, nicht zuletzt die Gerichtsbehörden, in den letzten Wochen
ſchwer beunruhigten, fielen ihm ein.
Für den Augenblick wollte es ihn wie Befriedigung über=
kommen
, daß alle Drohbriefe umſonſt waren; denn nun würde
Morgan Katerink ja ſeine verfluchte Seele aushauchen.
Doch wenn..."
Eiskalt ging es durch ihn. Er mochte den Gedanken nicht zu
Ende denken. Wenn ... wenn es der Verbrechergeſellſchaft ge=
lungen
wäre, einen anderen unterzuſchieben, einen anderen an
Katerinks Stelle zu ſchmuggeln? Wenn feige um ihr Leben zit=
ternde
Gefängnisbeamte mit im Spiele waren? Oh .. . es war
alles möglich! Dann hätte Tom Holender recht gehabt; dann
ſuar Katerink in Weißkopfs Lokal.
Dann ..
Es wird ihm plötzlich ſiedend heiß um den Kopf und ein Ge=
ſühl
der Angſt ſchüttelte ihn.
Er mußte fort, mußte dabei ſein um ſich Gewißheit zu ver=
ſchaffen
. Er mußte ſehen, wer auf dem elektriſchen Stuhl ſaß.
Er ſah auf den Sterbenden. Verzeih mir, ſo bat er aus
dem Herzen heraus, daß ich von deinem Lager weiche, daß ich
die letzte Stunde nicht bei dir bin! Verzeih mir, wenn ich nicht
rechtzeitig zu dir zurückkehre. Aber ich muß fort. Ich fühle, daß
vielleicht etwas Entſetzliches geſchieht, ſvenn ich Morgan Katerink
llicht noch einmal ins Geſicht ſehe.
Er verließ den Raum.
Auf den Zehenſpitzen, wie ein Dieb ſchlich er ſich forf.
Er bat in fliegender Eile den alten Tomme, daß er zu dem
Sterbenden gehen möge. Der alte Diener mit dem ſchlohweißen
Haupthaar ſagte es ihm zu.
Georges Auto ſtand vor der Tür.
Er ſtaunte. Wo kommſt du her, Benn?
Aber er ließ Benn keine Zeit, Antſport zu geben, er trieb
ihn an: Naſch, Benn, gib Gas! So raſch als möglich nach dem
Zuchthaus!
Benn gab Gas, und der ſchlanke, gutgefederte Morton=Wagen
zog weg und war davon wie der Wind.
Aber ſeine Ohren hörten, was ihm Robert George erzählte.
Er erſchrak; denn er hielt Tom Holenders Beobachtung für viel=
leicht
richtig, befürchtete, daß eine Schurkerei vorliege.
Sie raſten im Hundertkilometertempo die breite Autoſtraße
hinunter.
George ſah nach der Uhr. Noch ſieben Minuten Zeit, Benn.
Gib Gas!
Und eine Minute oder zwei vor der Zeit waren ſie vor dem
Zuchthaus
Fortſetzung folgt.

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