Darmstädter Tagblatt 1928


28. November 1928

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Nummer 331 Mittwoch, den 28. November 1928. 191. Jahrgang

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Perhandlangen über die Große Koglition.
Der Kanzler beim Reichspräfidenken. Die Parkeiführer beim Kanzler. Die erſte Ausſprache geſcheiterk.
Verſtimmung unker den Parkeien. Schwierigkeiken in Preußen. Gegenſähe auf ſozial= und finanz=
polikiſchem
Gebiel. Bedenken gegen das Konkordak.

Hermann Müllers Start.
Troßz Müllers Opkinismnus geringe Ausfichken
für das Zuſtandekommen der Koalikion.

Der Reichskanzler hat am Montag dem Reichs=
räſidenten
einen Vortrag über die politiſche
Tage gehalten, der als der offizielle Auftakt zu den
ieuen Verhandlungen über die Bildung der
Kroßen Koalition betrachtet werden darf. Herr Müller
ſat dem Reichspräſidenten ſeine Auffaſſung über die Entwicklung
ſer Dinge dargelegt und betont, daß die gegenwärtige
kegierung ja nur einen proviſoriſchen Charakter trage und
licht ſtark genug ſei, um die geſetzgeberiſche Arbeit des kom=
nenden
Winters zu bewältigen, daß er daher aus innen= und
ußenpolitiſchen Gründen um die Ermächtigung bitte, Verhand=
ungen
zur Bildung der Großen Kvalition zu führen. Der
reichspräſident hat dem Kanzler dieſe Ermäch=
igung
erteilt, was nach ſeiner grundſätzlichen Einſtellung
om Sommer dieſes Jahres zu erwarten war.

Der Kanzler hat alſo den Schein in der Hand, ſo daß er be=
innen
kann. Er ſelbſt ſcheint ſehr zuverſichtlich zu ſein. Er
laubt, die Verſtimmung wegen des Panzerkreu=
ers
bei der Volkspartei aus dem Wege räumen zu
innen mit der Zuſicherung, daß die Sozialdemokratie jetzt die
ntſcheidung des Reichstages reſpektiere und bei den folgenden
aten den Kampf nicht von neuem aufnehmen werde. Er glaubt
ich über die Schwierigkeiten, die ſich aus der Fi=
anzlage
und dem Streit um ein Konkordat er=
eben
, aus der Welt ſchaffen zu können, ſo daß er mit dem Ab=
hluß
der Verhandlungen noch vor Weihnachten rechnet. Wir
nd vorherhand ſkeptiſch, ob dieſes Exempel aufgehen wird, da
ich bei der Volkspartei gerade nach den Auseinanderſetzungen
r letzten Wochen eine ſehr ſtarke Verärgerung verblieben iſt, die
raſch nicht verlaufen wird. Auch die nach Preußen hinüberſpie=
uden
Konkordatsbedenken darf man nicht gering einſchätzen,
inz abgeſehen von den Gegenſätzen, die vorläufig noch aus der
ozialpolitik und auf finanzpolitiſchem Gebiet beſtehen, wozu
och die kulturpolitiſchen Wünſche des Zentrums kommen. Des=
ilb
wird der gemäßigte Optimismus, wie ihn der Kanzler in
einem Kreiſe zur Schau getragen hat, im Reichstag ſelbſt wenig=
ns
nicht überall geteilt.
Die Beſprechungen beim keichskanzler.
Der Reichskanzler huldigt der Theorie, das Eiſen zu
mieden, ſo lange es warm iſt. Er hat deshalb am Diens=
ig
nachmittag, während das Plenum des Reichstages den
itwurf über den endgültigen Reichswirtſchaftsrat beſprach und
ließlich an den Ausſchuß ſchickte, die Parteiführer zu
Ich gebeten und ihnen Mitteilung gemacht von der Ermäch=
ſung
, die er vom Reichspräſidenten erhalten hat, und eine
irze Beſprechung mit ihnen über die Möglich=
itder
Großen Koalition gehabt. Die Verhand=
ingen
ſind dann aber abgebrochen und auf Freitag
’rtagt worden. Schon bei dieſer Gelegenheit haben ſich die
hwierigkeiten, die ſich einer Koalitionsbildung entgegenſtellen,
ieder deutlich gezeigt, zumal da jetzt auch der Reichs=
nanzminiſter
mit ſeinem Finanzprogramm herausrücken
1ß. Es iſt ihm zwar gelungen, durch Abſtriche an dem Etat
er 100 Millionen zu erſparen, ſo daß die Summe, wofür er
ue Steuergelder braucht, auf 300 Millionen geſunken iſt. Aber
dürfte hier ohne ſcharfes Anziehen der Bierſteuer nicht ar=
iten
können, was für die Bayern kaum zu tragen iſt. Hier
rden ſich die Parteien wohl zunächſt die Zähne ausbeißen.
kzu kommen die Schwierigkeiten in Preußen: Die
olkspartei hält daran feſt, daß
die Umbildung der Regierung in Preußen
ichwie vor für ſie Vorausſetzung für den Ein=
itt
in die Große Koalition im Reiche bleibt.
e übrigen Parteien haben die Berechtigung dieſer Forderung
Ihl anerkannt. Im günſtigſten Falle werden die Dinge nun=
hr
ſo laufen, daß zunächſt im Reich die Verhandlungen über
Große Koalition zum Abſchluß geführt und gewiſſermaßen
kaphiert werden, daß dann aber in Preußen die Umgeſtaltung
r ſich geht und Hermann Müller ſein neues Koalitionskabinett
I dann bilden kann, alſo eine Politik auf weite Sicht und mit
Bewiſſen Ausſichten, zumal da die Schwierigkeiten im Reich
9 beinahe täglich ein anderes Geſicht annehmen. Wir berich=
en
bereits davon, daß der preußiſche Wohlfahrtsminiſter
Ekyſiefer in den Ausführungsbeſtimmungen, die er für die
kſorge der Gemeinden im Ruhrkampf ausgege=
* hat, über die Beſtimmungen des Fürſorgegeſetzes weit
lausgegangen iſt, ſo ſtark, daß in einzelnen Fällen Ausge=
rkte
eine Unterſtützung erhalten, die faſt an das Doppelte
er Lohnſumme herankommt. Das iſt ein untragbarer Zuſtand.
iſt aber zunächſt Sache des Kabinetts, ſich damit zu beſchäf=
en
, weil der Reichstag durch die Form ſeiner Entſchließung
le Rechte auf das Reichskabinett übertragen hat. Soweit wir
ſen, wird auch das Reichskabinett ſich am Dienstag mit dieſer
99e auf Anregung des Miniſters Curtius befaſſen. Auch in
-Aben, wo der Miniſter für Volkswohlfahrt ja dem Parlament

verantwortlich iſt, müſſen dieſe Dinge, die natürlich bei der
ſtarken Gereiztheit der Fraktionen unterein=
ander
für die Koalitionsbildung von Bedeutung ſind, bei näch=
ſter
Gelegenheit beſprochen werden. Das Zentrum droht ſchon
wieder damit, es wolle im Reichstag ein Notgeſetz einbringen,
wodurch die Unternehmer gezwungen werden ſollen, ihre Be=
triebe
wieder zu öffnen. Wir wären mit dieſem Antrag wieder
mitten in die Kriſis der vergangenen Woche zurückgeworfen, wo
Zentrum und Sozialdemokraten, ſich bereits über ſehr weit=
gehende
Anträge verſtändigt hatten, deren Annahme mit Hilfe
der Kommuniſten geſichert erſchien. Damals iſt es den volks=
parteilichen
Miniſtern gelungen, dieſe Mehrheitsbildung zu ver=
hindern
durch die Drohung mit ihrem Rücktritt. Jedenfalls kann
aber auch durch den Eiſenkampf in jedem Augenblick eine Lage
eintreten, die alle Verechnungen über den Haufen wirft.
Die Einigungsverhandlungen
im Eiſenkonflikt.
Die Verhandlungen gehen am Mitkeoch weiter.
Düſſeldorf, 27. November.
Beim Düſſeldorfer Regierungspräſidenten Bergemann be=
gannen
am Dienstag um 10 Uhr die gemeinſamen Verhand=
lungen
zwiſchen den Arbeitgebern der nordweſtlichen Gruppe und
den Vertretern der drei Metallarbeitergewerkſchaften. Der kleinen
Kommiſſion, die gegenwärtig Beſprechungen führt, gehören je
ein Vertrever der beteiligten Gewerkſchaften und drei Arbeit=
gebervertreter
an. In den Verhandlungen ergaben ſich nochmals
Schwierigkeiten, zu einer gemeinſamen Vergleichsbaſis zu
kommen. Die Arbeitgeber wollten die heutigen Verhandlungen
zu einer Einigung führen, jedoch erklärten die Gewerkſchaftsver=
treter
, an dem Vorſchlag des Regierungspräſidenten Bergemann
vom 19. November und an ihrem Ergänzungsvorſchlag hierzu
feſthalten zu müſſen. Sie baten die Arbeitgeber, im Laufe des
Mittwoch noch einmal hierzu mit ihren Mitgliedern beſonders
Stellung zu nehmen. Die Gewerkſchaften glauben, daß dieſer
Vorſchlag die beſte Grundlage iſt, beide Teile zu einer befrie=
digenden
Löſung zu führen. Die Verhandlungen, die den ganzen
Tag über von Regierungspräſident Bergemann geführt wurden,
ſind um 20.30 Uhr ſchließlich unterbrochen worden. Sie werden
am Mittwoch nachmittag 15 Uhr fortgeſetzt werden. Ueber den
Stand der Verhandlungen wird von allen Beteiligten ſtrengſtes
Stillſchweigen bewahrt.
Wiederzuſammenkritt des Reichskages.
* Berlin, 27. November. (Priv.=Tel.)
Nach kurzer Pauſe nahm der Reichstag am Dienstag ſeine
Vollſitzungen wieder auf. Er hat vor Weihnachten nur noch eine
Reihe von kleinen Vorlagen zu erledigen; denn der Haushalts=
plan
für 1929, der das Kernſtück der Winterarbeit des Reichstages
bildet, iſt wegen der ungeklärten politiſchen Lage vom Reichs=
kabinett
noch nicht erledigt worden.
Die Sitzung bekam gleich einen lebhaften Auftakt dadurch,
daß die Nationalſozialiſten die Beſchlußfähigkeit des Hauſes be=
zweifelten
. Es handelte ſich dabei um eine Entſcheidung über
einen Einſpruch, den der nationalſozialiſtiſche Abg. Dr. Göb=
bels
gegen zwei Ordnungsrufe erhoben hatte, die ihm in einer
früheren Sitzung erteilt worden waren. Aber das Haus füllte
ſich ſehr raſch, ſo daß der Einſpruch von der Mehrheit des Hauſes
verworfen wurde.
Es begann dann die erſte Beratung des Geſetzentwurfs über
den Reichswirtſchaftsrat.
Reichswirtſchaftsminiſter Dr. Curtius begründete kurz die
Vorlage, die bereits dem vorigen Reichstag vorgelegen hat. Der
Miniſter bat um Verabſchiedung des Geſetzentwurfs.
Trotzdem der Aelteſtenrat angeregt hatte, die Vorlage ohne
Ausſprache einem Ausſchuß zu überweiſen, entſpann ſich doch
eine lebhafte Debatte über die Art der Zuſammenſetzung des end=
gültigen
Reichswirtſchaftsrates. Schließlich wurde die Vorlage
dem Volkswirtſchaftlichen Ausſchuß überwieſen.
Ohne Debatte wurde darauf die Vorlage über die Hand=
werksnovelle
dem Volkswirtſchaftlichen Ausſchuß überwieſen.
Das Haus vertagte ſich dann auf Mittwoch 15 Uhr zur Be=
handlung
kleinerer Vorlagen.

Die Trauerfeier für Admiral Scheer.
Berlin, 27. November.
Die Trauerfeier findet am 30. November, 13.30 Uhr, in Wei=
mar
ſtatt. Die Vertretung des an der Teilnahme verhinderten
Reichswehrminiſters wird der Chef der Marineleitung, Admiral
Dr. e. h. Raeder, übernehmen. Von dem Linienſchiff Elſaß,
deſſen Kommandant der Verſtorbene in den Jahren 1907 bis
1909 war, wird der Kommandant und eine Abordnung der Be=
ſatzung
teilnehmen. Auf Befehl des Reichswehrminiſters ſetzen
am Tage der Beiſetzung die Schiffe und Fahrzeuge der Reichs=
marine
Halbmaſt. Der Marineattaché bei der Kgl. Britanniſchen
Botſchaft hat heute vormittag im Namen des Chefs der eng=
liſchen
Admiralität dem Chef der Marineleitung das Beileid
ausgeſprochen.

Heſſiſche Regierungsmethoden
Wenn zu Anfang der nächſten Woche der heſſiſche Landtag
zu ſeiner letzten Tagung in dieſem Jahre zuſammentritt, geht
das erſte Jahr der neuen heſſiſchen Regierung ſeinem Ende ent=
gegen
. Aus dieſem Anlaß liegt es nahe, in eine Prüfung der
bisherigen Tätigkeit des neuen Kabinetts einzutreten und daraus
Schlüſſe auf ſeine künftige Wirkſamkeit zu ziehen.
Sobald man an dieſe Prüfung herantritt, fällt es auf, daß
die neue Regierung mit ihren Plänen und Abſichten nur ſehr
ſparſam an die Oeffentlichkeit getreten iſt und daß ſie für die
nächſte Zeit beſtrebt ſcheint, in gleicher Weiſe den Angriffen der
Oppoſition möglichſt geringe Angriffsflächen zu bieten. Dieſe
kluge Zurückhaltung mag für neue Männer, die ſich zunächſt in
ihre Wirkungskreiſe einarbeiten müſſen, ehe ſie eine ſcharfe Stel=
lung
nach außen hin einnehmen, ſehr zweckmäßig ſein; ſie iſt
aber da nicht möglich, wo die Verhältniſſe ein raſches und ent=
ſchiedenes
Handeln erfordern. Wir werden unten noch darauf
zurückkommen, inwiefern die Lage des heſſiſchen Staates ein
Hinausſchieben entſcheidender Schritte verbietet. Hier wollen wir
zunächſt feſtſtellen, daß das bedächtige Vorgehen des neuen Kabi=
netts
ſeine Vorzüge gegenüber dem oft impulſiven und nicht
immer ſehr geſchickten Drauflosgehen der früheren Staatslenker
aufweiſt. Dieſe Wandlung in der Regierungsmethode iſt um ſo
bemerkenswerter, als die neuen Männer gewiſſermaßen nur eine
jüngere Generation der früheren darſtellen, da beide aus den=
ſelben
Parteifamilien herſtammen.
Man braucht nur Lie Perſönlichkeiten der früheren und der
heutigen Miniſter in ihren hervorſtechenden Eigenſchaften ins
Auge zu faſſen, um dieſen Wandel in der Art der Führung der
Geſchäfte ohne weiteres zu verſtehen. An die Stelle des früheren
Staatspräſidenten, der ſeine ſcharf ausgeſprochene Parteieinſtel=
lung
nie verleugnet hat oder auch nur in den Hintergrund ſtellen
wollte und der ſeine Kampfſtellung gegenüber ſeinen politiſchen
Gegnern auch im Alter keiner Reviſion unterzog, iſt in dem neuen
Staatspräſidenten ein Mann von ausgeſprochen diplomatiſcher
Befähigung getreten. Ebenſo iſt an die Stelle des hartnäckig an
ſeinen politiſchen und wirtſchaftlichen Auffaſſungen feſthaltenden
früheren Finanzminiſters ein Nachfolger getreten, der weniger
mit parteipolitiſcher Befangenheit behaftet iſt und ſich um eine
ruhige, ſachliche Behandlung der ihn beſchäftigenden Fragen be=
müht
. Gegenüber dieſen beiden Miniſterien, die dem früheren
Kabinett das Gepräge verliehen, traten das Innen= und Wirt=
ſchaftsminiſterium
weniger hervor; das lag ſowohl an den Per=
ſönlichkeiten
ihrer Leiter wie auch an deren Tätigkeit, die ſich in
den bewährten, hergebrachten Formen vollzog.
Das neue Kabinett wird, wie ſich jetzt ſchon mit Beſtimmt=
heit
ſagen läßt, ſein Gepräge durch das mit dem Kultusminiſte=
rium
verbundene Staatsminiſterium und durch das Innenmini=
ſterium
erhalten; namentlich wird das letztere aller Vorausſicht
nach der gegenwärtigen Regierung den Stempel aufprägen.
Die Sozialdemokratie hat nicht umſonſt mit großer Hart=
näckigkeit
bei der Neubildung der Regierung auf der Zuweiſung
des Innenminiſteriums an ihre Partei beſtanden, und man muß
zugeſtehen, daß ſie es auch verſtanden hat, den in ihrem Sinne
richtigen Mann mit dieſem Miniſterpoſten zu betrauen. Die auf
die ſogenannte Demokratiſierung der Verwaltung gerichtete Ab=
ſicht
dieſer Partei war durch ihren eigenen früheren Innen=
miniſter
Dr. Fulda vereitelt worden. Deſſen Nachfolger v. Bren=
tano
dachte nicht daran, in der Stellenbeſetzung ſozialiſtiſchen
Sonderwünſchen entgegenzukommen, wie auch Herr Kirnberger
als Innenminiſter jedenfalls nicht dafür zu haben geweſen wäre.
Die Sozialdemokratie mußte alſo darauf beſtehen, ſelbſt dieſes
Miniſterium zu beſetzen, wenn es ſeine immer wieder zurück=
geſtellten
Wünſche durchſetzen wollte, und ſie hat dieſes Ziel
erreicht, weil ſie bei den Verhandlungen über die Regierungs=
bildung
, die ſie gleichzeitig mit Zentrum und Deutſcher Volks=
partei
führte, jede von dieſen beiden Parteien gegen die andere
ausſpielen konnte. Sie hätte es nicht erreicht, wenn das Zentrum,
wie es die Deutſche Volkspartei angeregt hatte und wie es der
früheren Haltung des Zentrums bei Verhandlungen über die
Regierungsbildung entſprach, auf der Herbeiführung der Großen
Koalition beſtanden hätte. So iſt in der Hauptſache das Zentrum
an den Folgen ſchuld, die ſich aus ſeiner ablehnenden Haltung
der Deutſchen Volkspartei gegenüber ergeben.
Und dieſe Folgen werden nicht etwa lediglich darin beſtehen,
daß in einzelnen Fällen Perſönlichkeiten von beſonderer Eignung
auch ohne den vorgeſchriebenen Bildungsgang eine Stelle in der
inneren Verwaltung erhalten, wie es von der Deutſchen Volks=
partei
als Konſequenz unſerer parlamentariſchen Verhältniſſe bei
den Verhandlungen mit ihr zugeſtanden worden war, ſondern
es wird verſucht werden, alle der Regierung und namentlich der
Sozialdemokratie genehmen Perſönlichkeiten in der geſamten
Staatsverwaltung zu bevorzugen und den Beamtenapparat von
politiſch Andersdenkenden möglichſt zu befreien. Es iſt ſehr inter=
eſſant
, die Aeußerungen der ſozialdemokratiſchen Miniſter zu
dieſem Punkt unter die Lupe zu nehmen und den Unterſchied
feſtzuſtellen, der ſich zwiſchen ſolchen im Parlament und außer=
halb
desſelben findet. Als Herr Staatspräſident Adelung am
14. Februar 1928 das Regierungsprogramm vor der Kammer
entwickelte, ſprach er davon, daß, um das Vertrauensverhältnis
zwiſchen Bevölkerung und Behörde noch intenſiver zu geſtalten,
auch einzelne beſonders eng mit dem Volk verwurzelte Perſön=
lichkeiten
, die nicht dem eigentlichen Berufsbeamtentum entſtam=
men
, an für ſie geeignete Verwaltungsſtellen berufen werden
ſollten. In ähnlich vorſichtiger Weiſe äußerte ſich Herr Miniſter

Jaute bassinnt aater maune
e
MMsag!
Maß wurkorang Zurz.

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Oeite 2

Mittwoch, den 28. November 1926

Numer 331

Leuſchner bei der Beratung des Etats ſeines Miniſteriums am
26. April d. J. über ſeine Perſonalpolitik. Er meinte, ein Miniſter
müſſe das Recht haben, Männer ſeines Vertrauens in ſein Mini=
ſterium
zu nehmen; tüchtige Leute ſollten nicht etwa ausgeſchaltet
werden, namentlich nicht ſolche, die mit der Regierung arbeiten
wollten; die Mehrzahl der höheren Beamten bekenne ſich nicht zu
ſeinen politiſchen Auffaſſungen, er wolle aber dafür ſorgen, daß
die republikaniſch Geſinnten mindeſtens als gleichwertig geachtet
wurden; er werde alles daranſetzen, um den Gegenſatz zu über=
brücken
; die Perſonalpolitik ſei eine Frage der Ehrlichkeit.
Dieſe vor dem Parlament entwickelten Grundſätze laſſen ſich
hören. Es iſt nicht viel dagegen einzuwenden, wenn man die
Verhältniſſe berückſichtigt, in denen wir uns befinden. Und die
Abſicht, die innerhalb der Beamtenſchaft ſelbſt ſowie die zwiſchen
ihr und der Regierung beſtehenden Gegenſätze möglichſt auf dem
Boden der Ehrlichkeit auszugleichen, verrät ſtaatsmänniſche Klug=
heit
. Allein Herr Leuſchner verſteht es auch, andere Regiſter zu
ziehen und Töne zu entwickeln, aus denen man keinen Hauch
von dieſer ſtaatsmänniſchen Klugheit heraushört. Vor kurzem
hielt das Reichsbanner im Saalbau einen geſelligen Abend, bei
dem Herr Miniſter Leuſchner eine Anſprache hielt. Dabei kam er
bei Betrachtungen über die Ausbreitung des republikaniſchen
Gedankens auch auf die Beamtenſchaft zu ſprechen und äußerte,
die Regierung werde mit ganzer Kraft daran arbeiten, daß die
Zahl der republikaniſchen Beamten ſtets ſteigen werde; nicht nur
die oberen Beamtenſtellen ſollten mit Republikanern beſetzt wer=
den
, ſondern allmählich alle; monarchiſtiſche Beamte und Gegner
der Republik dürften auf keine Gegenliebe rechnen. Das ſind
recht unkluge Worte, die bei einer Reichsbannerverſammlung
großen Beifall finden mögen, aber nicht geeignet ſind, zur Ueber=
brückung
der beſtehenden Gegenſätze beizutragen. Herr Leuſchner
kann ſich hiernach nicht wundern, wenn man ſeinen Abſichten in
der Beamtenſchaft mit Mißtrauen begegnet.
Iſt unter dieſen Umſtänden das Innenminiſterium der aus
dem Geſamtkabinett beſonders hervortretende Faktor geworden,
ſo iſt das Finanzminiſterium gegenüber früher ſtark in den Hin=
tergrund
gedrängt. Der Finanzminiſter, der früher das Triebrad
der heſſiſchen Politik war, und auf den ſich deshalb auch die
ſchärfſten Angriffe der Oppoſition richteten, könnte auch heute
noch der Mittelpunkt der Regierung ſein, weil bei ihm alle Fäden
der Staatsverwaltung zuſammenlaufen, und er müßte es um ſo
mehr ſein, als die ſo dringend nötige Verwaltungsreform in
ihrem Endzweck eine reine Finanzfrage iſt. Seit Jahren haben
wir die Verwaltungsreform als äußerſt dringlich hingeſtellt, weil
wir der Auffaſſung waren und ſind, daß der heſſiſche Staat ſich
aus eigener Kraft aus ſeiner Finanzkriſe herausarbeiten muß
und ſich nicht auf Reichsunterſtützung verlaſſen darf. Dieſe
Reichsunterſtützung, deren Höhe wohl ſchon die Entſchädigung
überſteigen wird, die Heſſen aus der Verreichlichung der Eiſen=
bahn
von dem Reich zu erwarten hat, kann keine dauernde Ein=
richtung
bleiben und wird mit der Verſchlechterung der Reichs=
finanzen
von ſelbſt aufhören. Es wäre deshalb längſt Aufgabe
der heſſiſchen Regierung geweſen, rückſichtsloſe Erſparnismaß=
nahmen
in der Staatsverwaltung durchzuführen, wie der frühere
Finanzminiſter ſie ſchon vor dem Einſchreiten des Reichsſpar=
kommiſſars
beabſichtigte. Wir können es nicht als gerechtfertigt
anſehen, daß bisher nichts geſchehen iſt und auch weiter nichts
geſchehen ſoll, bis das Gutachten des Reichsſparkommiſſars vor=
liegt
. Es iſt dabei doch zu bedenken, daß nicht nur die Einigung
über das endgültige Sparprogramm, ſondern auch ſeine Durch=
führung
reichlich Zeit in Anſpruch nehmen wird und daß in=
zwiſchen
die heſſiſchen Finanzen immer tiefer in das Defizit
hinabwandern. Wir können hiernach die abwartende Haltung
des Finanzminiſters nicht billigen, deſſen Mangel an Initiative
ſich auch in der Abſicht zeigt, einen beſonderen Etat für 1929 gar
nicht herauszubringen, ſondern ſich mit der Verlängerung des
laufenden Etats zu begnügen. Die Gründe, die hierfür vorge=
bracht
werden, ſind nicht ſtichhaltig; es iſt insbeſondere ſehr zwei=
fekhaft
, ob das Steuervereinheitlichungsgeſetz ſo raſch von den
Inſtanzen des Reiches verabſchiedet werden wird, daß es auf die
Finanzlage Heſſens im Jahr 1929 Einfluß haben kann. Der
Landtag dürfte ſich jedenfalls nicht darauf einlaſſen, ſich von der
Mitwirkung bei der Feſtſtellung des Staatshaushalts für ein
Jahr einfach ausſchalten zu laſſen.
Das neue Kabinett hat alſo manches Neue in den Regie=
rungsmethoden
gebracht. Daß alles erfreulich wäre, kann leider
nicht geſagt werden.
Spectator.

Der Skellenplan vor dem Hefſiſchen Finanzausſchuß.
Der Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags ſetzte am Diens=
tag
die Beratungen des Stellenplanes zur Beſoldungsordnung
zum 30. März 1928 bei Kap. 42 (Landes=Heil= und Pflegeanſtal=
ten
) fort. Zu dieſem Kapitel, das angenommen wurde, lagen
eine Reihe von Anträgen vor. Annahme fand ein Antrag Storck
(Soz.), die Kaſſeninſpektoren in den Anſtalten Gießen und Alzey
in die Gruppe A 4 einzuſtufen, ferner ein Antrag Wiedmann
(Soz.) fünf Werkführern für ihre Perſon die Bezüge nach A 7
zu gewähren ſowie ein demokratiſcher Antrag, die Zahl der Ober=

Zur Wiederkehr des 30. Todestages am 28. November.
Von
Frank Lyskirchen.
Milde, ſanft und gütig war die Hand des Todes, die ſich am
28. November 1898 dem dreiundſiebzigjährigen Conrad Ferdinand
Meyer auf die Stirn legte; ſie erlöſte den Dichter von einem
halben Leben, das zwar die Hoffnung noch mit ihrem Grün be=
kränzte
, das aber in Wirklichkeit dem, was ihm alles war, ſeiner
Kunſt und künſtleriſchem Schaffen, ſeit ſechs Jahren ſchon, ſeit
1892 abgeſtorben war.
Heute ſind ſeit dieſem Todestage dreißig Jahre vergangen
und der Schutz, den ſeinen Werken das Geſetz gewährt, erliſcht.
Jeder Verleger kann jetzt die Dichtungen Conrad Ferdinand
Meyers in Einzeldrucken oder in Geſamtausgaben veröffent=
lichen
und, wie immer, wird aus dem Wettbewerb der Leſer den
Vorteil ziehen, der jetzt für wenige Groſchen erwerben kann, was
vorher ebenſoviele Mark koſtete. Wie vor acht Jahren Gottfried
Keller und vor kurzem Theodor Fontane, darf nun auch der Ver=
faſſer
des Jürg Jenatſch der Hochzeit des Mönchs, des Hei=
ligen
und der Angela Borgia ganz befreit den Weg ins Volk
antreten; er, der ſeine Jugend gleich jenem Unglücklichen, den
Goethes Harzreiſe ſchildert, in ungenügender Selbſtſucht ver=
brachte
, der ſich erſt nach dem vierzigſten Lebensjahre aus dem
Dickicht ſeiner gehemmten Perſönlichkeit herausentwickeln konnte,
dem erſt 1870 in Huttens letzte Tage der erſte große Wurf ge=
lang
, der dann in zweiundzwanzig Jahren das ſchaffen mußte,
was andere in einem langen gradlinigen Leben geſtalten können;
und der dann die letzten ſechs Lebensjahre wieder ſtumm ſein
mußte, von einem Atersleiden gefeſſelt, das ihn zwar noch pla=
nen
, aber nicht mehr darſtellen ließ.
Lieſt man, wie ſich das Jugendleben Conrad Ferdinand
Meyers abgeſponnen hat, ſo kann man verſtehen, daß er immer
wieder als Helden ſeiner Gedichte und Novellen Tatmenſchen
liebt, vor allem die Helden der Renaiſſancce, die bündigen Herr=
ſchernaturen
, die mächtigen, entſchloſſenen Frauen, man kann es
verſtehen aus dem Gegenſatze heraus. Denn der junge Meyer
hatte von ſeinen Vorfahren die hohe Bildung überfeinerter Bür=
gergeſchlechter
, von ſeiner Mutter aber eine nervöſe Belaſtung
geerbt, die ſich in einem ſeltſamen Hemmungszuſtande ausſprach.
Er entwickelte ſich nicht weiter; er wurde ein Sonderling. Seine
Schulzeit ſchloß nicht mit einer Berufswahl und einer entſpre=
chenden
Berufsvorbereitung ab, er verſchwand, einer krankhaften
Menſchenſcheu nachgebend, ſo ſehr aus dem Kreiſe der Geſell=

Vom Tage.

Das Reichskabinett hat beſchloſſen, in der Frage
des Steuervereinheitlichungsgeſetzes dem Reichs=
tag
eine Doppelvorlage zugehen zu laſſen, nachdem
im Reichsrat der dritte Teil des Entwurfs, das Gebäudeentſchuldungs=
geſetz
, nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit gefunden hat.
Die deutſch=ruſſiſchen Wirtſchaftsverhanblun=
gen
haben in Moskau begonnen.
Der Generalſekretär des Völkerbundes, Sir Erie
Drummond, wird Mittwoch vormittag auf der Durchreiſe von
Warſchau nach Genf zu einem zehnſtündigen Aufenthalt in Berlin
eintreffen. Reichsminiſter des Auswärtigen, Dr. Streſemann, hat Sir
Erie Drummond eingeladen, ihn zu beſuchen. Eine politiſche Bedeutung
kommt dieſem Beſuch nicht zu.
Der litauiſche Außenminiſter Woldemaras hat
dem Generalſekretariat des Völkerbundes mitgeteilt, daß er zur Ver=
tretung
des litauiſchen Standpunktes vor dem Völkerbundsrat
im Dezember ſelbſt an den Verhandlungen teilnehmen werde.
Die rumäniſche Regierung teilt in einem Schreiben mit,
daß der bisherige Außenminiſter Tituleseu auch unter
der neuen Regierung als ſtändiger Vertreter im Völker=
bundsrat
und als Delegierter bei der Vollverſammlung des Völker=
bundes
fungieren werde.
Nach dem um 9,30 Uhr M. E.Z. ausgegebenen ärztlichen Bericht, hat
der engliſche König geſtern einen beſſeren Tag ver=
bracht
. Der Kreuzer Entrepriſe in Aden hat ſich nach Dareſſalam
zur Verfügung des Prinzen von Wales begeben.
Nach mehr als einjährigem Sträuben hat ſich Perſien endlich
dem engliſchen Druck gefügt und ſeinen Widerſtand
gegen die Leitung der engliſchen Luftverkehrslinie
nach Indien über perſiſches Gebiet aufgegeben.
Man rechnet damit, daß der argentiniſche Präſident Irigoyen ſeine
Genehmigung für den Bau eines Luftſchiffhafens bei
Camp Mayo in der Nähe von Buenos=Aires erteilen wird. Dieſer
Flugplatz wird für den Zeppelinverkehr Sevilla Süd=
amerika
beſtimmt ſein.
Der britiſche Botſchafter in Tokio, Sir John Tilley,
hatte eine längere Unterredung mit dem japaniſchen
Unterſtaatsſekretär für auswärtige Angelegen=
heiten
Yoſhida. In dieſer Unterredung wurde der gegenwärtige
Stand der Verhandlungen mit der Nanking=Regierung erörtert.
Die Wahlen, zum Neuſeeländer Abgeordnaten=
haus
hatten folgendes endgültiges Ergebnis: Regierungspartei 39
(bisher 53 Nationalpartei 27 (bisher 11), Arbeiterpartei 19 (bisher 14)
und Unabhängige 5 (bisher 2).

pfleger in der Gruppe 7a von 26 auf 44 zu erhöhen und die
Zahl der Pfleger in Gruppe A 8 entſprechend von 100 auf 82
herabzuſetzen. Die Eingaben zu dem Kapitel wurden teils zurück=
geſtellt
, zum Teil durch die Annahme der Anträge für erledigt
erklärt. Zu dem Kapitel 53 (Miniſterium für Kultus und Bil=
dungsweſen
), das ſodann beraten wurde, liegt ein Antrag Rei=
ber
vor, die Stelle eines Miniſterialoberſekretärs zu ſtreichen
und dafür die Stellen der Miniſterialreviſoren um eine zu er=
höhen
. Der Antrag ſowie das Kapitel wurde angenommen. Zum
Kapitel 57 (Volksſchulen) hat Abg. Glas (Landbund) einen An=
trag
geſtellt, der die Zahl der beſonders gehobenen Stellen von
528 auf 720 und die Zahl der gehobenen Stellen von 126 auf
250 geſetzt ſehen möchte und an die Stelle der Ziffer 2525 für
Lehrer an Volksſchulen die Ziffer 2209. Dieſer Antrag, der wohl
die Forderung der Lehrer enthalten dürfte, wurde abgelehnt. An=
nahme
fanden dagegen die Anträge ReiberStorckHainſtadt:
1. die Zahl der gehobenen Stellen von 126 auf 201 zu erhöhen
und an die Stelle der Ziffer 2525 (Zahl der Lehrer an Volks=
ſchulen
) 2450 zu ſetzen: 2. in den Zahlen Berufsſchullehrer A 3b
iſt ſtatt 30, 36 zu ſetzen und in A 4a ſtatt 92 die Zahl 121, und
in A4b ſtatt 183 die Zahl 148: 3. in der Anmerkung zu den
beſonders gehobenen Stellen ſtatt 104 Stellen 87. Das Kapitel
ſelbſt wird, angenommen, die dazu gemachten Eingaben werden
durch die Beſchlußfaſſung für erledigt erklärt. Kapitel 59 und 60
(Taubſtummenanſtalt und Blindenanſtalt in Friedberg) werden
angenommen. Der Ausſchuß begann ſodann noch die Beratung
des Kap. 61 (höhere Schulen) und vertagte ſich dann auf
Mittwoch.
Ein Demenki.
Berlin, 27. November.
Gegenüber der in der Preſſe aufgetauchten Behauptung, die
Sowjetregierung fordere die Ernennung des Generaloberſten
v. Seeckt zum Botſchafter in Moskau und werde jeden anderen
Botſchafter zwar dulden, aber auch nicht mehr als dulden, wird
von zuſtändiger Stelle folgendes mitgeteilt: 1. Beide Behaup=
tungen
ſind vollkommen unwahr und frei erfunden; 2. die Be=
rufung
des Generaloberſten v. Seeckt auf den Botſchafterpoſten
in Moskau iſt in keiner wie immer gearteten Weiſe Gegenſtand
von Geſprächen, Verhandlungen oder Schriftwechſel zwiſchen
deutſchen und ruſſiſchen Stellen geweſen; 3. damit entfallen alle
an die unwahren Behauptungen geknüpften Kommentare und
Kombinationen.

Die internationale Konferenz
für Wirtſchafts=Statiſtik.
Japans Inkereſſe an ſtakiſtiſchen Angaben
anderer Länder.
EP. Genf, 27. November.
Die Internationale Konferenz für Wirtſchaftsſtatiſtik ha
heute ihre Generaldebatte fortgeſetzt. Je mehr die Konferenz au
die Einzelheiten eingeht, deſto offenſichtlicher wird es, welch
große praktiſche Schwierigkeiten und Verwicklungen einer ein
heitlichen Wirtſchaftsſtatiſtik noch im Wege ſtehen. Vor allem ſin)
es die außereuropäiſchen Staaten, die Bedenken gegen die Durch
führung der Prinzipien des Konventionsentwurfes erheben. S.
wies der Delegierte von Niederländiſch=Indien, de Buſſy, au
den Unterſchied in der intellektuellen und wirtſchaftlichen Ent
wicklung zwiſchen den Kolonialländern und den Induſtrieländert
Europas hin. Eine ähnliche Haltung nahm auch der ägyp
tiſche Vertreter, Craig, ein.
Japan dagegen, das durch den Delegiertem Ito und vie
eigens von Oſtaſien nach Genf gekommene Spezialſtatiſtike=
vertreten
wird, nahm dieſelbe Haltung wie die europäiſcher
Mächte ein. Ito ſprach die Hoffnung aus, daß die Konferenz dod
dazu führen würde, in einem gewiſſen Maß die ſtatiſtiſchen
Methoden zu vereinheitlichen. Die Geſchäftsleute Japan/
wünſchten lebhaft genaue ſtatiſtiſche Angaben aus den anderer
Ländern zu beſitzen, um ihren Handel mit dieſen logiſch ent
wickeln zu können.
Schwierigkeiken innereuropäiſcher Ark
behandelten die Ausführungen des Generalſekretärs der Inter
nationalen Vereinigung der Baumwollfabrikanten und =ſpinner
Pearſe. Die Vereinigung umfaßt 21 nationale Gruppen. Pearſe
ſtellte der Konferenz zwar die Mitarbeit der Vereinigung in Aus
ſicht, warnte aber davor, die Induſtrie mit über=
häuften
ſtatiſtiſchen Rundfragen, zu belaſten
Das Reſultat werde ſonſt ſein, daß die Indu
ſtriellen keine Auskünfte mehr geben.
Colſon=Frankreich glaubte, es werde immer Schwierigkeiten
machen, genaue ſtatiſtiſche Ziffern zu erhalten. Entweder ſeien
wie in der Landwirtſchaft die kleineren Betriebe überhaupt nich
erfaßbar, oder zutreffende Angaben würden, wie be
gewiſſen Gruppen induſtrieller Unternehmun
gen, aus Furcht vor der Konkurrenz oder mi
Rückſicht auf die Steuerbehörden verheimlicht
Wie viel Europa in der praktiſchen Ausgeſtaltung aber aud
in der Anwendung der Statiſtiken noch zu lernen hat, ging au=
dem
Beiſpiel hervor, das der amerikaniſche Delegierte Duran.
aus der amerikaniſchen Geſchäftswelt zitierte, wo der kleine Ge
ſchäftsmann ſo gut wie der Großinduſtrielle, ſein ganzes Ge
ſchäftsgebaren auf Grund der reichhaltigen und äußerſt genauer
Statiſtiken aufbaut. Um wirklich zutreffende Ziffern aus der
einzelnen Gewerbezweigen zu erhalten, hat man in Amerika da=
Verfahren gewählt, daß die Ziffern von den Berufsverbänder
geſammelt und ſchon verarbeitet an die amtlichen Stellen
Statiſtik weitergeleitet werden, ſo daß die Steuer= und anderet
ſtaatlichen Behörden keinerlei Rückſchlüſſe mehr auf die Wirt
ſchaftslage des einzelnen Zenſiten ziehen können. Außerdem ha
man aber auch durch Geſetz feſtgelegt, daß ſtatiſtiſche Auskünft
unter keinen Umſtänden zu anderen Zwecken mißbraucht werde:
dürfen.
Eine kleine Senſakion
in der ſonſt rein ſachlich verlaufenen Konferenz bildete die Red
des ruſſiſchen Vertreters Prof. Kritzmann, der zum erſten Mal
in einer Genfer Inſtitution ruſſiſch ſprach. Er trug eine politiſch
Note in die Debatte, als er die Konvention kritiſierte, weil ſi
keine Angaben über die Waffen= und Munitionsfabrikation ent
hält. Eine derartige Statiſtk wäre nicht notwendig geweſen
wenn man das ruſſiſche Abrüſtungsprofekt ſeinerzeit angenom
men hätte. Da dies aber noch nicht geſchehen ſei, müſſe man ver
langen, daß wenigſtens jetzt durch ſtatiſtiſche Veröffentlichungen
eine gewiſſe Kontrolle über die Waffenproduktion geſchaffer
werde. Seine Regierung habe auch den Eindruck, daß die ganz
Konvention darauf abgeſtellt ſei, für ſpätere evtl. wirtſchafts
imperialiſtiſche Sanktionsmaßnahmen, wie ſie der Artikel 16 de=
Völkerbundspaktes vorſehe, die nötigen Unterlagen zu ſchaffen.
Präſident Rappard wehrte dieſe Aeußerungen mit einer ſcherz
haften Bemerkung über die liebenswürdige ſlawiſche Phan
taſie ab.
Die Konferenz konſtituierte dann unter dem Präſidium des
deutſchen Delegierten Prof. Wagemann die Unterkommiſſion
Induſtrie=Statiſtik und unter dem Präſidium des amerikaniſchei
Delegierten Durand die Unterkommiſſion für Handelsſtatiſtil

ſchaft, daß er ſelbſt einmal belauſchen konnte, wie ein der Fa=
milie
Befreundeter ihn tot glaubte, weil man ihn nicht mehr
ſah. Er gewöhnte ſich eine Art ſeltſamen Nachtlebens an, am
Tage vergrub er ſich in ſeine Studierſtube, unfruchtbarem Ar=
beiten
und Ueberſetzungen hingegeben, nachts ſtrebte er nach

Conrad Ferdinand Meyer.
draußen, durchſtreifte mit ſeiner einzigen getreuen und opfer=
freudigen
Schweſter Betſy die Stadt und die Umgebung und
machte allein halbe Nächte lang Fahrten auf den Züricherſee
hinaus, oft ſtundenlang ſchwimmend und nach Mitternacht heim=
kehrend
, was Mutter und Tochter immer mit herzbanger Sorge
erfüllte, weil er nicht ſelten Lebensüberdruß äußerte. Und ſein
geiſtiges Leben in dieſen Jahren zwiſchen zwanzig und dreißig
war auch ſolch ein Dämmer= und Nachtleben. Alles, was er an=
fängt
, fördert er nicht, er bleibt in den Hemmungen, in der Ein=

leitung, in den Vorbereitungen ſtecken und reſigniert. Vergeblid
quälte die ſelbſt kranke Mutter den tatenloſen Sohn mit Bitter
und Vorwürfen, vergeblich ſucht die einſichtigere Schweſter ihr
mit leuchtender Hoffnung, unermüdlichem Vertrauen und tätige.
Anteilnahme aufzurichten. Die Geſellſchaft und er ſelbſt, ſagte
ſie, haben über meinen Bruder ein Leichentuch geworfen! E=
ſelbſt
mußte einmal als unfreiwilliger Zeuge hören, wie ſeine
Mutter, bekümmert über ſein Weſen, einer Bekannten über ihr
erklärte: Schonen Sie meiner, fragen Sie nicht, mein begabtes
Kind iſt für alle Zukunftshoffnungen einer Mutter verloren! E.
begräbt ſich ſelbſt, er iſt für dieſes Leben nicht mehr da! Und
er ſelbſt koſtet alle Nöte dieſes Zuſtandes aus; er ſchwankt zwi
ſchen den Künſten hin und her, möchte Maler, möchte Geſchichts
ſchreiber, möchte Dichter werden; ſehnt ſich dazwiſchen nach de
abgeſchloſſenen, beruhigenden Tätigkeit eines bürgerlichen Amtes
Er arbeitet wie ein Automat, ohne rechte Freude, ohne Wärme
ohne Genuß. Und ohne Erfolg, wie unter dem Druck von hun
dert Atmoſphären. Schließlich erkrankte er körperlich, brach aug
geiſtig ganz zuſammen und ſuchte Zuflucht in einer Heilanſtall
Bald entlaſſen, meidet er das elterliche Haus und führt in Laut=
ſanne
das kärgliche, auch in den Ergebniſſen ärmliche Leben einle?
beſcheidenen Privatgelehrten.
Da ſtarb 1856 die Mutter, eine Erbſchaft von anderer Seil
trat hinzu, die beiden Geſchwiſter konnten ſich freier bewegen
Ein Aufblick kam, noch keine Befreiung. Unruhige Wanderſa9t
folgen, Paris, Rom, München, Florenz wurden längere Zeit Le
ſucht. Die Stimmung beſſerte ſich, die Schweſter, die ſich lee
allein dem Bruder widmen konnte, wirkte Wunder; aber ſantz
ſam, ſehr langſam war der Fortſchritt. Lebensluſt, Unterne?
mungsfreude, Hoffnung ſtellen ſich ein, das gehemmte Bele=
löſt
ſich, die unterbundene Entwicklung beginnt wieder Me
Weg. Und als ein äußeres merkwürdiges Zeichen: zu einer De"
da anderen Männern die Haare auszufallen beginnen unh
Bart weiße Haare zeigt, wuchs im vierzigſten Jahre Nele
Zögernden ein richtiger Schnauzbart, deſſen zerzauſte Fränſe‟
Stauffer=Berns Radiermodell ſpäter, ſo andächtig feſtge net.
hat. Eine gewiſſe jugendlich=behagliche Fülle der Geſtel.
freier Blick, ein ſtandfeſtes Weſen treten auf. und das Lchr. L
der Dichter war damals fünfundvierzig Jahre alt vou.
dete die Erlöſung mit dem Balladenzyklus Huttens letzte Sc
Seitdem waren ihm zweiundzwanzig. Jahre des Glucs de
geben. Aus der Schattenpflanze machte das Schichſal pode.
einen nun nicht mehr ringenden, ſondern vollendeten Kuhl.
als ob in all den Jahren, der Strom der Geſtaltung in.
lebendig, aber nur nicht erreichbar geweſen wäre, ſchefft. . .
ſo, als ob er all die tauben Jahre vorher ſchon ſchaffend geiet.

[ ][  ][ ]

Nummer 331

Mittwoch, den 28. Rovenber 1928

Eeite 3

Ein neuer deutſcher Schritt in Paris
Durch die Einſchalkung der Repko die Verhandlungen erſchwerk. Deutſche Borbehalte gegenüber der
Repfo. Gegenſähe zwiſchen dem franzöſiſchen Finanz= und Außenmigiſterium?
Engliſcher Opkimismus in der Reparakionsfrage.
durchblicken, daß der Beſchluß der franzöſiſchen Regierung viel=
*Dte Einennung der Sach= leicht auf die Vorſtellungen der Sozialiſten bei Poincaré zurück=
zuführen
ſein könne, die mit der Ernennung Moreaus nicht zu=
frieden
ſeien. In dieſen Zuſammenhang gehört es zweifellos,
verfandigen durch die Repfo. wenn der ſozaliſtiſche Populaire berichtet, Noinears beabſch=
tige
, außer Moreau und Profeſſor Allix noch einen anderen Dele=
Rückfall zu Verſailles?
gierten zu ernennen, falls die Zahl der deutſchen Vertreter dies

Der Beſchluß des franzöſiſchen Miniſterrates, die Delegierten
für die neue Reparationskonferenz, deren Perſönlichkeit bereits
feſtſteht, nicht unmittelbar zu ernennen, ſondern ihre Ernennung
offiziell der Reparationskommiſſion zu überlaſſen, wird verſchie=
dentlich
als ein Verſuch Frankreichs ausgedeutet, die in
Genf zwiſchen den Mächten getroffenen Ab=
machungen
aus der Welt zu ſchaffen und das
ganze Reparationsproblem in Richtung auf
Verſailles zurückzudrehen. Dieſe Befürchtungen
können wir in vollem Umfange nicht teilen. Es iſt nun einmal
nicht zu vergeſſen, daß nach dem Verſailler Vertrag
die Neparationskommiſſion gewiſſe Rechte be=
ſitzt
, daß ſie ſeinerzeit auch England und Frankreich gezwun=
gen
hat, den Abſchluß des Dawesplanes mit Deutſchland ihr zu
überlaſſen. Sie kann einfach nicht ausgeſchaltet werden. Wenn
unſere Gläubigerſtaaten den Wunſch haben, die Kommiſſion in
ſtärkerem Maße einzuſchalten, ſo können wir das nicht verhin=
dern
, zumal die Reparationskommiſſion auch das Organ derjeni=
gen
Gläubigerſtaaten iſt, die bei den Verhandlungen des Exper=
tenkomitees
nicht vertreten ſind. Deutſchland hat deshalb
auch in Paris erklären laſſen, daß es den Um=
weg
der Ernennung der Experten durch die
Reparationskommiſſion nicht für zweckmäßig
halte, daß es aber keinen grundſätzlichen Ein=
ſpruch
dagegen erhebe, allerdings mit der
doppelten Einſchränkung, daß Deutſchland
ſeine Vertreter unmittelbar ernennt und daß
der Einfluß der Reparationskommiſſion auf
den formalen Akt der Ernennung der Sachver=
tändigen
beſchränkt bleibt. Sollte die Repko darüber
hinaus verſuchen, Einfluß zu gewinnen auf das Mandat der
Fommiſſion oder ſpäterhin auf den Gang der Verhandlungen,
dann wäre das allerdings ein Weg, den Deutſchland nicht mit=
jehen
könne und der für uns wohl gleichbedeutend, mit dem
Scheitern der ganzen Aktion wäre. Wenn wir recht unterrichtet
ind, iſt dieſe deutſche Auffaſſung den übrigen Mächten bereits
ur Kenntnis gebracht worden. Daß durch das Dazwiſchen=
chieben
der Repko die Verhandlungen erſchwert
verden, iſt unbeſtreitbar, ſchon allein durch die Komplizierung
ſes techniſchen Apparates, die von vornherein zwei Arten von
Sachverſtändigen gegenüberſtellt: die deutſchen und die Sachver=
ändigen
der Gläubigerſtaaten, wobei weiterhin noch geklärt wer=
en
muß, in welcher Form die Einladung an die amerikaniſchen
experten zu ergehen hat. Solange aber die Mitwirkung der
kepro rein formal bleibt, halten wir es verfrüht, aus dieſer Tat=
neße
irgendwelche politiſchen Rückſchlüſſe zu ziehen.
Die Auffaffung der Bariſer Preſſe.
EP. Paris, 27. November.
Der plötzliche Entſchluß der franzöſiſchen Regierung, die Er=
ennung
der Sachverſtändigen für die Reparationsverhandlun=
en
der Reparationskommiſſion zu überlaſſen, obwohl ſich die
kegierung bereits in mehreren Sitzungen des Miniſterrats mit
ieſer Frage beſchäftigt hatte, hat trotz dem noch geſtern abend
rfolgten offiziöſen Hinweis, daß es ſich bei dieſer Maßnahme
diglich um eine Formfrage handle, in der Preſſe eine gewiſſe
eberraſchung ausgelöſt. Wie immer, verteidigt die große Infor=
lationspreſſe
auch diesmal wieder den offiziellen Standpunkt.
die verweiſt dabei auf den Artikel 234 des Verſailler Vertrages,
er die Souveränitätsrechte der Reparationskommiſſion feſtlegt,
nd auf den Präzedenzfall des Dawes=Komitees, deſſen Mitglie=
er
gleichfalls von der Kommiſſion ernannt worden ſeien.
Der Petit Pariſien wendet ſich insbeſondere dagegen, daß
lan den überraſchenden Entſchluß der franzöſiſchen Regierung
Is ein Verſchleppungsmanöver auslege. Es fehlt jedoch anderer=
its
nicht an Stimmen, die die ſeit geſtern eingetretene Wendung
weniger harmloſem Lichte darſtellen. So läßt der Gaulois

ermögliche. Der Peuple ſpricht davon, daß die franzö=
ſiſche
Regierung das Geſpenſt der längſt über=
lebten
Reparationskommiſſion wieder herauf=
beſchworen
habe. Der Beſchluß des Miniſterrats ſei weni=
ger
auf die Treue gegenüber dem Verſailler Vertrag zurückzu=
führen
, als vielmehr auf den Wunſch, einen ſcharfen Gegen=
angrif
gegen die von Streſemann und in dem
deutſchen Memorandum entwickelte Theſe zu
führen. Sobald nämlich die Reparationskommiſſion
die Sachverſtändigen ernenne, hätten dieſe keine
andere Ziffer für die gegenwärtigen deutſchen
Verpflichtungen zu nennen als die 1921 von der
Kommiſſion feſtgeſetzten 132 Milliarden.
Die engliſche Aniwstk auf die deutſche Noke
vom 30. Skieber fertiggeſtellt.
EP. London, 27. November.
Zu dem gegenwärtigen Stand der Reparationsverhandlungen
berichtet die Times wie folgt: Die Anſichten des engliſchen
Kabinetts gehen dahin, daß die Zeit nunmehr gekommen ſei, ohne
Verzögerung die Entſcheidungen auszuführen, die in Genf am
16. September hinſichtlich der Bildung eines neuen Sachverſtän=
digenkomitees
erzielt worden ſeien. Das deutſche Memorandum,
das vergangenen Freitag dem Finanzminiſter Churchill über=
geben
wurde, binde die Alliierten ebenſowenig wie deren ver=
ſchiedene
Memoranden die deutſche Regierung. Man ſei in Lon=
don
der Anſicht, daß nunmehr Schritte unternommen werden
könnten, ſowohl hinſichtlich der Einladung an die amerikaniſchen
Sachverſtändigen in einer Form, die für Waſhington am beſten
annehmbar ſei, als auch zur Feſtſetzung der Zahl der Sachver=
ſtändigen
, ſowie deren Machtbeſugniſſe und für die Beſtimmung
der Zeit und des Ortes des erſten Zuſammentreffens. Die
Antwort der britiſchen Regierung auf die
deutſche Mitteilung vom 30. Oktober ſei nunmehr
fertig, und ſie werde überreicht werden, ſobald die
franzöſiſche Regierung und die übrigen Mächte
mitteilen, daß auch ſie bereit ſeien, das gleiche
in Berlin zutun. Die britiſche Anſicht über die Lage
ſei entſchieden optimiſtiſch. Zum Beweis wird ange=
führt
, daß die jährlichen Zahlungen, die man von Deutſchland
gemäß dem Dawesplan erwarte, die Verpflichtungen der Alliier=
ten
für Kriegsſchulden überſchreiten werden und außerdem noch
ein Reſtbetrag verbleibe, der für die Ausgaben des Wiederauf=
baues
der zerſtörten Gebiete uſw. verwendet werden könne. Es
ſei nötig, daß die deutſche Regierung gebeten werde,
die Initiative zu ergreifen und die Einladung
an die amerikaniſchen Sachverſtändigen durch
ihren Botſchafter in Waſhington ergehen zu
laſſen. Dieſer Schritt würde durch die Botſchafter der Mächte,
die die Genfer Entſcheidung vom 16. September unterzeichnet
haben, unterſtützt werden.
Der diplomatiſche Korreſpondent des Daily Telegraph be=
richtet
hierzu, daß hinſichtlich der Antworten der Alliierten ver=
ſchiedene
Entwürfe vorhanden ſeien. Soweit der Quai
d:Orſay in Frage käme, ſcheine es keine Schwierig=
keiten
zu machen, die endgültigen Verhandlungen zu be=
ſchleunigen
. Andere Departements der franzö=
ſiſchen
Regierung aber machten Schwierigkeiten
in bezug auf die wiederum betonte deutſche
Forderung, daß die Zahlungsfähigkeit des
Reiches von neuem geprüft werden ſolle. Tat=
ſache
ſei, daß das franzöſiſche Auswärtige Amt,
das franzöſiſche Finanzminiſterium und die
Leiter der Bank von Frankreich über die Ange=
legenheit
verſchiedene Anſichten hätten, und es
ſei notwendig, ſie in Uebereinſtimmung zu bringen, bevor Frank=
reich
ſeine endgültige Entſcheidung treffen könne.

Die Arbeitsloſigkeit in England.
Von unſerem (O=Korreſpondenten.
London, im November.
Die Arbeitsloſigkeit iſt bei weitem die wichtigſte und ſchwie=
rigſte
Aufgabe, welche England in nächſter Zukunft zu löſen haben
wird. Es iſt zur gleichen Zeit eine Frage wie wirtſchaftlicher, ſo
auch politiſcher Natur und eine Angelegenheit, die das Ausland
nicht weniger als England ſelbſt angeht. Die Arbeitsloſigkeit
wird in weitgehendſtem Maße den Ausgang der kommenden
Parlamentswahlen mitbeſtimmen, und die mit der Arbeitsloſig=
keit
zuſammenhängende Möglichkeit eines Uebertritts Englands
zum Protektionismus iſt eine Frage, welche in direkteſter Weiſe
den Handel der ganzen Welt in Mitleidenſchaft ziehen würde.
Die Erſcheinung an und für ſich iſt für England nichts
Neues: auch vor dem Kriege gab es hier mitunter eine halbe
Million und ſogar mehr Arbeitsloſer. Aber dieſes Uebel war
damals immer ein nur vorübergehendes. Jahre großer Arbeits=
loſigkeit
wechſelten mit ſolchen ab, in denen ſie faſt völlig ſchwand.
Nicht ſo heute. Heute, d. h. etwa ſeit 1921, iſt die Arbeitsloſig=
keit
in England eine abſolut chroniſche Erſcheinung, die Zahl der
Arbeitsloſen beträgt zurzeit etwa 1 400 000, und in keinem der
vorhergegangenen Jahre iſt ſie je weſentlich unter einer Million
geweſen. Dem Generalſtreik, der die Lage nur zeitweilig ver=
ſchlimmert
hatte, die alleinige Schuld am gegenwärtigen bedroh=
lichen
Stand der Arbeitsloſigkeit zuzuſchreiben wäre zweifele
los ſalſch. Das bedeutende Sinken der Zahl der Arbeitsloſen
Ende 1925 und Anfang 1926 war ausſchließlich eine Folge der
damals erfolgten ſtaatlichen Zuwendungen an die Kohlenindu=
ſtrie
, deren vorübergehende Belebung natürlich auch eine ent=
ſprechende
Rückwirkung auf die Stahl= und Eiſeninduſtrie hatte.
Aber dieſes war nur eine künſtliche Belebung des Wirtſchafts=
organismus
, und es wurde bald offenbar, daß die Urfachen der
andauernden Arbeitsloſigkeit viel tiefer liegen mußten.
Die Frage der engliſchen Arbeitsloſigkeit iſt zurzeit inſofern
beſonders aktuell, als der engliſche Arbeitsmarkt in dieſem Jahre
im Vergleich mit 1927 eine auffallende Verſchlechterung der Kon=
junktur
aufzuweiſen hat. Am ſchlimmſten iſt es natürlich in der
Kohleninduſtrie beſtellt. Hier ſind dauernd etwa 250 000 Mann
außer Arbeit, was im Vergleich mit dem Vorjahre eine Zunahme
von etwa 10 Prozent bedeutet. Doch wollte man die Arbeits=
loſigkeit
in England nur nach der Lage der Kohleninduſtrie be=
urteilen
, ſo würde man ſicherlich ein ungenügendes Bild erhalten.
In faſt allen anderen Induſtrien iſt die Arbeitsloſigkeit ebenfalls
ſehr beträchtlich und hat im Vergleich mit dem Vorjahre eben=
falls
erheblich zugenommen. Der Miniſter of Labour Gazette‟
gibt folgende Aufſtellung vom gegenwärtigen Stand der Dinge:
Stahl= und Eiſeninduſtrie Prozentſatz der Arbeitsloſen 23,2
im Vergleich mit 18,3 Prozent im Auguſt 1927; Schiffbau 27,2
Prozent Arbeitsloſe im Vergleich mit 22,5 Prozent in 1927;
Wollen=Textil=Induſtrie 14,9 Prozent im Vergleich mit 10
Prozent in 1927; Bauunternehmungen 10,5 Prozent im Ver=
gleich
mit 7,3 Prozent in 1927; Hafenarbeiter 31/4 Prozent im
Vergleich mit 22,9 Prozent in 1927 uſw.
Das Bemerkens:serteſte an der engliſchen Arbeitsloſigkeit iſt
die Tatſache, daß es ſich hier nicht um eine Erſcheinung handelt,
die auf abwechſelnde Beſſerungen und Verſchlechterungen des
Handels oder auf irgend welche temporäre Wirtſchaftsſchwankun=
gen
im Inneren Englands zurückgeführt werden könnte. Der
Handel im Inneren Englands gedeiht; es werden heuer im
eigenen Lande ſo viel Waren vertrieben und verkauft, wie ſeit
Jahren nicht; die Kaufkraft iſt eine ſehr große; in den meiſten
Städten tragen die Geſchäfte ein glänzendes Aeußeres zur Schau,
und die Inhaber beklagen ſich nicht über ſchlechten Gang des
Handels; die Zahl der Automobilbeſitzer nimmt mit jedem Tage
rapid zu uſw. Das alles ſind Anzeichen, die, wenn ſie auch nicht
erſchöpfend ſind, dennoch an einen Niedergang der engliſchen
Wirtſchaft nur ſchwer glauben laſſen. Auch ſind immerhin mehr
als 11 Millionen regiſtrierter Arbeiter dauernd beſchäftigt. Dieſe
Zahl, ebenſo wie die Zahl der engliſchen Geſamtbevölkerung, iſt
größer als die entſprechenden Vorkriegsziffern, ſo daß zurzeit in
England in der Tat mehr Menſchen mit Arbeit verſorgt ſind, als
dieſes vor dem Kriege der Fall war. Das Uebel der Arbeitsloſig=
keit
hat demnach ſeine Urſache faſt ausſchließlich im unbefrie=
digenden
Stand des engliſchen Außenhandels. Die unter der
Arbeitsloſigkeit am ſchwerſten leidenden Induſtrien ſind gerade
diejenigen, die hauptſächlich von der Ausfuhr engliſcher Waren
nach dem Auslande abhängen. Dieſe aber liegt noch immer hinter
der Vorkriegs=Ausfuhr weit zurück. Die Preiſe der engliſchen
Waren ſind noch immer zu hoch, um einem kontinentalen Wett=
bewerb
ſtandzuhalten. Uns ſind das alles längſt bekannte Tat=
ſachen
. Aber der Engländer beginnt erſt jetzt allmählich einzu=
ſehen
, daß, will er der Arbeitsloſigkeit Halt gebieten, er zunächſt
dafür zu ſorgen hätte, daß ſeine Waren wieder billiger, d. h. auf
dem Weltmarkt konkurrenzfähiger werden.
Die Maßnahmen, welche die Regierung zur Bekämpfung der
Arbeitsloſigkeit ergriffen hat, reſp. zu ergreifen plant, ſind von

nd gearbeitet hätte, reich, edelkernig, abgerundet. Sein Roman
nd ſeine köſtlichen Novellen erſcheinen, doppelte Arbeitsluſt
eibt den Dichter weiter, unermüdlich ſchafft er in ſeinem Land=
ute
Kilchberg, er hat das richtige Gefühl, allzuviel Zeit verloren
t haben und Jahre durch doppelte Mühe einholen zu müſſen.
da reißt ihn 1892, aus der Fülle der Entwürfe, eine neue Form
er alten Erkrankung nicht in den Tod vorläufig, ſondern in
itille und Schweigen. Seit 1892 hat er nichts mehr geſchafft.
Die goldene Ernte dieſes vollen Sommers zwiſchen zwei
Sintern, die reichen Garben dieſer in Triumph einem wider=
rebenden
, ſich ſperrenden Leben abgewonnenen Kunſtſchöpfung,
i unſere Scheunen zu fahren, iſt uns jetzt leicht gemacht. Und
ins bedauern wir nur, daß Conrad Ferdinand Meyer nicht
agebücher geſchrieben hat, daß er uns nicht dies Leben im
chatten, dieſe Qual ſchuldlos verlorener Jahre in reiner Wirk=
chkeit
geſchildert hat, zugleich mit dem Aufſchwung ſeiner
ſchöpferzeit. Das wäre ein Troſt der Menſchheit geworden;
enn beinahe möchte man ſagen, daß die Lebensgeſchichte dieſes
hemmten und erlöſten Dichters noch größer und tiefſinniger
als ſeine ſchönſten Dichtungen.
Ein Mekeor am Theakerhimmel.
Zu A. E. Brachvogels 50. Todestage am 27. November.
Ap. Einſtmals plötzlich zur Berühmtheit gelangt, iſt der Dichter des
Nareiß Albert Emil Brachvogel, heute faſt vergeſſen. Als
am 27. November 1878 ſtarb, hatte er ſeinen Ruhm ſchon überlebt.
nſtet wie ſein Leben war ſein Schaffen. Nur ein Wurf gelang ihm.
ein Drama Nareiß, das am 7. März 1856 am Berliner Königlichen
cauſpielhauſe zur Erſtaufführung gelangte, machte ihn plötzlich zum
feierteſten Theaterdichter und berühmten Mann. Das Drama wurde
faſt alle europäiſchen Sprachen überſetzt. Heute iſt uns dieſer faſt
iſbielloſe Erfolg des Stückes kaum noch verſtändlich. Es lehnt ſich
ifflich an Diderots, von Goethe überſetzten Dialog Nameaus Neffe‟
unter ſouveräner Verachtung der geſchichtlichen Ueberlieferung. Der
Aloſophierende geſchichtliche Nareiß Rameau iſt mit der ſpäteren Pom=
Odur gar nicht verheiratet geweſen, und alle Geſchehniſſe des merk=
üirdigen
Stückes, die Begegnung des Nareiß mit der Pompadour und
Tod, ſind frei erfunden. Im Gegenſatz zu dem durch hervorragende
hatakterdarſteller, wie Ldw. Deſſoir a. a. mit herbeigeführten Rieſen=
lolg
, den das auf den kraſſen Bühneneffekt gearbeitete Stück ſeinerzeit
Zielte, ſteht das Urteil der Literarhiſtoriker, die ihm jede literariſche
Sdeutung und literariſchen Wert abſprechen und ſchon zu des Dichters
eit abſprachen. Es tauchte wie ein Meteor plötzlich am Theaterhimmel
1I und erloſch, nachdem es eine Zeit lang geblendet hatte, wieder.
Eute iſt es wohl kaum noch auf einem Repertoire zu finden. Brach=
gel
lebte von dem Ruhme ſeines Narciß, ſein plötzlicher Erfolg war
m berhängnisvoll geworden. Was er nachher geſchaffen hat, iſt der
ergeſſenheit anheimgefallen.

Die letzte Aufführung des Narciß in Darmſtadt fand vor
25 Jahren, im Herbſt 1903, ſtatt. Die Titelrolle ſpielte Herr Lehr=
wann
, die Rolle der Pompadour Frl. Eichelsheim, die des Herzogs von
Choiſeul Herr Hacker und das philoſophiſche Dreigeſtirn die Herren
Knispel, Mickler und Wagner, die heute nicht mehr unter den Lebenden
weilen.

Literariſcher Abend.

In einer Veranſtaltung des Darmſtädter Journa=
liſten
= und Schriftſtellervereins las Herr Dr. Walter
Beſt eigene Dichtungen. Walter Beſt ſtammt aus Mainz, war
am dortigen Stadttheater tätig und wirkt als Schauſpieler und
Dramaturg am Bamberger Theater; es iſt keine leichte Sache,
in das ſtille, verſunkene Bamberg Leben zu bringen; aber die
Uraufführung von Leo Sternbergs Separatiſten hatte ſchönen
Erfolg, und eine weitere Uraufführung von Eulenberg ſteht be=
vor
. Zwiſchendurch geht Walter Beſt unter die Dichter: Er las
zunächſt eigene Lyrik, nicht himmelſtürzend, aber ſchön geformt
und von ſympathiſcher Empfindung erfüllt. Eine Geſchichte von
dem Mann, der ſich zwiſchen den Jahren verlaufen hat, zeigte,
daß Walter Beſt auch für die Form der beſinnlichen Novelle eine
ſchöne Begabung beſitzt. Im Anſchluß hieran berichtete Herr
Hans Walter Wohmann in formvollendetem, oft von Humor
gewürztem Vortrag über die Ausſtellung der Preſſa und be=
leuchtete
ihre kulturelle und publiziſtiſche Bedeutung in hoch=
intereſſanter
Weiſe.
X.
Aus den Darmſtädler Lichtſpieltheakern.
Union=Theater: Spione.
Fritz Lang und Thea von Harbou haben in dieſem
Film ein deutſches Meiſterwerk geſchaffen. Es intereſſiert nicht,
daß es ſich um die Verfilmung des gleichnamigen Nomans von
Thea von Harbou handelt. Dieſer Film iſt einfach Film. Objekt,
d. h. Vorwurf der Handlung, ſehr gute Darſteller, die Erſchöp=
fung
aller filmtechniſchen Möglichkeiten haben hier zuſammen=
gewirkt
und einfach einen Film geſchaffen. Jedes Bild, jede
Szene iſt packender, ſpannender Film. Selbſtverſtändlich wird mit
techniſchen, phantaſievoll erdachten Unmöglichkeiten gearbeitet. In
unſerer Zeit aber werden die kühnſten Phantaſien auf techniſchem
Gebiet in Erleben, zur Tat.
Spione haben ſelbſtverſtändlich immer irgendwie mit Ruß=
land
und ebenſo ſelbſtverſtändlich mit Japan zu tun. Auf Seiten
Rußlands und Japans kämpft die Verſchlagenheit, unerſchöpf=
licher
Ideenreichtum, Brutalität, jegliche Rückſichtsloſigkeit gegen

Menſchenleben Menſchen ſind nur Nummern, die ausgelöſcht
werden, ſobald ſie ihre Aufgabe erfüllt haben und kämpfen
unerſchöpfliche Geldmittel. Auf dieſer Seite aber auch werden
techniſche Unmöglichkeiten möglich gemacht. In dieſem Film wird
mit einem unglaublich fein geſponnenen Netz von elektriſchen
Drähten und Aetherwellen gearbeitet. In dieſem Film iſt es
möglich, daß ein Menſch, der allabendlich als Clown in einem
großen Varieté auftritt, im deutſchen Geheimdienſt arbeitet, der
dabei eine wundervolle und weitverzweigte Spionagezentrale ge=
rade
gegen dieſen Geheimdienſt unterhält. Dieſer Direktor Haghi
nach außen ein Bankdirektor iſt ein unglaublich vielſeitiger
Menſch. Er behält die eiſerne Ruhe bis zum Schluß. Er iſt in
der Lage, mit Menſchenleben zu ſpielen, und ſchließlich, als ſchon
ein ganzes Polizeiaufgebot ihm auf den Ferſen iſt, ſeine Feſtung,
ſein Bankgebäude, unter Gas zu ſetzen. Er bringt vor allem
fertig, ſich lachend als Clown auf der Bühne die Kugel in die
Schläfe zu jagen.
Gegen ihn kämpfen deutſche Beamte, die alles aufbringen,
auch letzten Opfermut, denen aber die Verſchlagenheit, die Tücke,
die Ausnützung letzter techniſcher Möglichkeiten fehlt. Dennoch
bleiben ſie Sieger.
An dieſem Film aber iſt das Beſte, daß er Film iſt. Ein jagendes
Tempo, eine ſpannende Folge von Bildern und Szenen, die einem
den Atem nehmen. Nicht eine einzige Länge, nicht eine einzige Szene
oder Bildfolge in dieſem Film, die nicht feſſelt, obwohl ſeine Vor=
führungsdauer
faſt 2½ Stunden dauert. Es ſchadet auch nicht,
daß ſelbſtverſtändlich auch eine Liebesaffäre in dieſen Spionen=
kampf
hineinſpielt. Im Gegenteil, ſie macht dieſen Film für uns
Deutſche genießbarer, erträglicher. Sentimentalität iſt reſtlos ver=
mieden
, und dennoch iſt es Film.
Die Darſtellung iſt glänzend. Rudolf Klein=Rogge iſt
der rielſeitige Haghi, gut in Maske und Spiel. Sehr lebendig
und ſehr temperamentvoll und ſehr ſchön in allen Situationen
Gerda Maurus als Sonja. Ihre weniger bedeutende Kol=
legin
ſtellt Lien Deyers ſehr gut dar. Willy Fritſch iſt der
offene, aber tüchtige, gewandte und ſchließlich auch ſiegende
Gegenſpieler. Seine hübſche Männlichkeit iſt ihm die beſte Kraft,
ſie zwingt die beſte Stütze Haghis, die Sonja, durch Bande der
Liebe in ſeinen Bann. Auch die übrigen, minder bedeutenden
Rollen ſind ſehr gut beſetzt. Fritz Lang hat ſich in der Regie
dieſes Films als ausgezeichneter Filmroutinier erwieſen. Für
die Bauten zeichnen Otto Hunte und Karl Vollbrecht.
Ihre fabelhafteſte Leiſtung iſt der Eiſenbahnzuſammenſtoß im
Tunnel. Techniſch das Beſte, was deutſche Filmkunſt je geleiſtet
*a4
hat,

[ ][  ][ ]

Mittwoch den 28 November 1923

Seite 4

zweierlei Art ſolche, die beſtimmt ſind, der momentaen Not
d raſch wie möglich Erleichterung zu bringen, und ſolche, die
der wirklichen Urſache der Arbeitsloſigkeit, dem Rückgang des
britiſchen Außenhandels, mit der Zeit abhelfen ſollen ( wirt=
ſchaftliche
Reformen). Die wichtigſte ſeitens der Regierung ge=
blante
Maßnahme der erſten Gattung (zeitweilige Hilfeleiſtung
an die Arbeitsloſen) iſt die ſtaatlich organiſierte Ueberſiedlung
von Arbeitern aus den notleidenden Gebieten nach anderen, von
der Arbeitsloſigkeit bisher verſchonten Induſtriebezirken und nach
den Kolonien und Dominien. Die Regierung betrachtet ſelbſt
die Ueberſiedlung einer ſo großen Menſchenmaſſe, wie 200 000
Arbeiter nebſt deren Familien, nicht als ein unmögliches Unter=
nehmen
. Doch es liegt auf der Hand, daß es ſich hier nur um
ein Palliativmittel handeln kann, und Garantien, daß die ſolcher=
art
übergeſiedelten Arbeiter in ihrem neuen Wohnſitz für dauernd
mit Arbeit verſorgt ſein werden, ſind nur ſehr geringe vorhanden.
Eine ganze Reihe von Vorſchlägen zur Behebung der Arbeits=
loſigkeit
wird dauernd von ſeiten der beiden Oppoſitionsparteien
vorgebracht. Hierzu gehört erſtens der Vorſchlag, daß das zum
Schulbeſuch obligätoriſche Alter höher angeſetzt werde, wodurch
die im Kindesalter ſtehenden Arbeitsloſen verſchwinden würden;
zweitens der Vorſchlag, das Alter der Zwangspenſionierung
von Arbeitern auf 60 Jahre herabzuſetzen; drittens gegen das
Übel der Elendsquartiere (slums) durch Maſſenbau von Arbeiter=
häuſern
vorzugehen, und viertens jenen Induſtrien, die dem
öffentlichen Nutzen dienen (Elektrizität, Gas, Telephon, Wege=
bau
uſw.) und faſt ausſchließlich vom Staate abhängig ſind, eine
reichlichere Kreditgewährung ſeitens der Regierung zu gewähren,
wodurch Erweiterungen vorgenommen und viele Tauſende von
Arbeitern mit neuen Verdienſtmöglichkeiten verſorgt werden
könnten. Seitens der Oppoſition (ſo Lloyd George in ſeiner
letzten Parlamentsrede) iſt ſchließlich wiederholt auf die nach=

Nummer 331

teiligen Folgen hingewieſen worden, welche die Rückkehr zum
Goldſtandard für den britiſchen Handel gehabt hat. Doch hier=
über
zu debattieren, dürfte zwecklos ſein, denn, gleichgültig, wer
in dieſem Falle Recht und wer Unrecht hat, liegt es auf der Hand,
daß England jetzt nicht mehr, ohne ſeiner Wirtſchaft erheblichen
Schaden zuzufügen, wieder vom Goldſtandard ablaſſen könnte.
Von den pppoſitionellen Angriffen wegen ihrer Tatenloſig=
keit
in der Frage der Arbeitsloſigkeit bedrängt, hat die Regie=
rung
im Laufe des letzten Jahres ihren eigenen Plan großer
organiſcher Wirtſchaftsreformen ausgearbeitet, welche in ihrer
Geſamtheit den Zweck verfolgen, den Außenhandel Englands mit
neuer Lebenskraft zu erfüllen. Die Hauptmaßnahmen. mit Hilfe
welcher die Regierung den wichtigſten Zweigen der Induſtrie
wieder auf die Beine verhelfen will, ſind folgende: Induſtrie=
ſchutz
, Reſorm der Kommunalverwaltungen, Senkung der ört=
lichen
Steuern und Ermäßigung der Inlandsfrachten. Der Indu=
ſtrieſchutz
, der bekanntlich in einigen Zweigen bereits beſteht,
würde ſich bei weiterer Ausdehnung dem Protektionismus be=
denklich
nähern und ſtößt daher bei vielen auf heftigen Wider=
ſtand
. Aber andere, vor allem die Konſervativen, hoffen, daß die
Einführung von Schutzzöllen die Produktionskoſten engliſcher
Waren ſo verbilligen würde, daß dieſe wieder auf dem Auslands=
markt
konkurrenzfähiger werden dürften. Ja, es beſteht gar der
Plan, dieſe Bedingung, d. h. Verbilligung der produzierten
Waren, als eine Vorausſetzung für Gewährung der Schutzzölle
aufzuſtellen. Die Erleichterung, die die Senkung der lokalen
Beſteuerung für die großen induſtriellen Unternehmungen haben
würde, iſt zum Teil eine ganz außerordentliche: die ſogenannten
produktiven Induſtrien würden um drei Viertel ihrer bisheri=
gen
Steuerverpflichtungen erleichtert werden. Die Geſamtſumme
der lokalen Steuern wird zurzeit auf 175 Millionen Pfund Ster=
ling
jährlich geſchätzt. Davon ſollen in Zukunft reichlich 100 Mil=

lionen Pfund Sterling in Fortfall kommen, was in der Tat .
die Induſtrie eine außerordentliche Erleichterung wäre. Hinz
kommt endlich, daß die Regierung den Eiſenbahngeſellſchafte
eine ähnliche Steuerentlaſtung zu gewähren beabſichtigt unte
der Bedingung, daß dieſe ihrerſeits den produktiven Induſtrie
eine entſprechende Herabſetzung der Frachten zubilligen.
Zu all dieſen geplanten Maßnahmen der Regierung mu
abſchließend allerdings hinzugefügt werden, daß es vorderban
eben Pläne ſind. An eine Ausweitung des Induſtrieſchutze
kann vor den Parlamentswahlen nicht gedacht werden. Und n
die Schutzzölle ſich dann in der gewünſchten Form auswirke
werden, iſt auch noch eine Frage. Nur allzu leicht könnte es au=
umgekehrt
kommen und eine nicht unweſentliche Verteuerung de
engliſchen Waren eintreten. Die Senkung der Lokalſteuern un
die Reform der Kommunalverwaltungen (vorausgeſetzt, daß d
betreffende Bill vom Parlament angenommen wird) werden er
im Oktober nächſten Jahres zu funktionieren anfangen. Nur d
Eiſenbahngeſellſchaften haben ſich bereit gefunden, bereits a
dieſen Dezember die Frachten auf landwirtſchaftliche Produrt
Kohle, Eiſen und einige Rohwaren zu ermäßigen. Hieraus ergil
ſich, daß ein völliges Funktionieren des vom Triumvirat Baldwi
ChurchillNevilleChamberlain ausgearbeiteten Induſtrie
Hilfsmechanismus erſt nach etwa einem Jahre einſetzen un
deren eventuelle Auswirkungen, d. h. das erhoffte Abebben de
Arbeitsloſigkeit, erſt nach etwa zwei Jahren erwartet werde
kann. Dazwiſchen liegen die Neuwahlen mit ihrem noch unge
wiſſen Ausgang. Sicher iſt zurzeit nur, daß ſämtliche Parteie
Englands ſich in der Tat des außerordentlichen Ernſtes der ar
dauernd hohen Arbeitsloſigkeit vollauf bewußt ſind und daß de
her in den kommenden Jahren der Bekämpfung dieſes engliſche
Hauptübels ſeitens jeder Regierung, einerlei, wie ſie geartet ſei
mag, vor allen anderen Fragen Beachtung geſchenkt werden wir)

Aus den Amtsverkändigungen des Kreisamts
Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Kinderregenſchirm. Eine
Kühlerſchutzdecke. 1 brauner Lederbeutel
mit Zugſtrippe. 1 Portemonnaie mit In=
halt
. 1 Brief. Inhalt 75 Pfg. in Brief=
marken
. 1 Paar Hausſchuhe. 1 Vorſteck=
nadel
. 1 Vereinsnadel. 1 Kinderſruh
1 Ventildeckel. 3 Schlüſſel. Zuselaufen:
1 weißer Schäferhund. 1 grauer Schäfer=
hund
1 Baſtard.
Wir ma hen wiederholt darauf auf=
merkſam
, daß auch noch Fundgegenſtände
vorhanden ind, die in früheren Bekannt=
machungen
verzeichn t waren. Inter=
eſſenten
können die Fundgegen ände wäh=
rend
den Büroſtunden auf Zimmer 1 be=
ſichtigen

Viehzählung am 1. Dezember
1040.
Am 1. Dezember 1928 findet eine
Viehzählung ſtatt. Sie erſtreckt ſich auf
Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine,
Ziegen, Federvieh und Bienenſtöcke.
Wer vorſätzlich die Angaben, zu
denen er bei dieſer Zählung durch be=
ſondere
Zähler aufgefordert wird,
nicht erſtattet, oder wer wiſſentlich un=
richtige
oder unvollſtändige Angaben
macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Mo=
naten
oder mit Geldſtrafe beſtraft. Auch
kann Vieh, deſſen Vorhandenſein ver=
ſchiiegen
worden iſt, im Urteil für den
Staat verfallen erklärt werden.
Darmſtadt, den 26. Nov. 1928. (st19177
Der Oberbürgermeiſter.

Der Plan über die Herſtellung einer
unkerirdiſchen Telegraphenlinie auf der
Oftſeite der Heidelbergerſtraße und von
da nach der Eſchollbrückerſtraße liegt bei
dem Telegraphenbauamt in Darmſtadt
auf die Dauer von 4 Wochen aus.
Darmſtadt, den 24. Nov. 1928. (19167
Telegraphenbauamt.

Am Freitag, den 30. November,
1928, vormittags 16 Uhr, verſteigere
ich Hokzhofallee 3 zwangsweiſe meiſt=
bietend
gegen Barzählung:
(19162
1 Schreibmaſchine, 3 Schreibtiſche
(Diplomat), 1 Glasſchaukaſten, 5 Tiſche,
1. Aktenrollſchränfchen, 5 Aftenroll=
ſchränke
, 1 Kaſſenſchrank, 2 Aktenge=
ſtelle
, 1 Wage mit Gewichten, 1 Schreib=
maſchinentiſch
, 1 doppelſeit. Schreib=
pult
, 1 einſeitiger Schreibſtehpult, eine
Wanduhr, 2 Stühle zum Schreibſteh=
pult
, 1 Winde von Eiſen.
Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 28. Nov. 1928.
Weinheimer,
Gerichtsvollzieher.

Bekanntmachung.
Grundſtüchsverſteigerung.
Im Auftrag der Erben des Leopold
von Werner werden, die nachbenannten
Grundſtücke:
Grundbuch für Bensheim BandXXIII
Blatt 1685, Wohnhaus (Villa),
Darmſtädterſtr. 57, beſtehend aus:
Flur XVII Nr. 104 Grabgarten 240 qw
Flur XVIk Nr. 105 Hofreite 305 qm
Flur X/II Nr. 106 Grabgarten 875 gn.
durch den unterzeichneten Notar am
Montag, den 3. Dezember 1928,
nachmittags 2" Uhr
im Rathaus zu Bensheim a. d. B.
im Wege der freiwilligen Verſteigerung
öffentlich verſteigert.
Die Verſteigerungsbedingungen, ſowie
die Unterlagen können in der Woche vor
dem Verſteigerungstermin in den Ge=
ſchäftsräumen
des unterzeichneten Notars
während der Dienſtſtunden eingeſehen
werden; auch kann durch Vermitilung
des Notars die Beſichtigung des An=
weſens
geſtattet werden.
Bensheim, den 8. Nevember 1928.
Hemmes
73
Notar in Bensheim a. d. B.

Unser

Beginn des-Ausſtoßes. ab 24. Dezember.
Um sicher zu sein, äuch wirklich Salvätor ünd nicht elwg eine der Hielfächen
Nachahmungen desselben zu erhalten, beachte man die nachstchend abge-
bildete
, auf jedem Easse und ieder Flasche angebrachte Schutzmarke.

Hünchen

Generalvertreter: Carl Gottschalk, Biergroßhandlung, Frankfurt a. M.,
Bockenheimerlandstraße 74, Fernsprecher: Amt Maingau 72623.
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Am Donnerstag, den 29. Novemk
1928, nachmittags 3 Uhr, verſteiger
ich in meinem Verſteigerungslokal Lu
iſenſtraße 32 zwangsweiſe meiſtbieten
gegen Barzahlung:
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1 Schreibmaſchine, 1 Schreibtiſch, ein
Geige, 1 Magnet, 1 Lichtmaſchine, für
Standuhren, 1 Grammophon, 1 Warer
ſchrank, 1 Ladentheke, 2 Ausſtellſchränk
1 Fahrrad, 1 Klavier, 1 Korbmöbe.
garnitur, verſchiedene Tabakwaren
Lederklubſeſſel, 1 Bild, verſchied. Büche
ſowie Möbel aller Art.
Darmſtadt, den 28. Nov. 1928.
Weinheimer,
Gerichtsvollzieher,

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Gerauerland ſollen nachſtehende Arbe=
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Los I: Ortsrohrnetz Nauheim; He=
ſtellen
von 8000 Meter Roh=
gräben
und Liefern und Ve=
legen
der Rohre v. 80 Mill.
meter bis 175 Millimeter
Weite ſowie der Hauszule
tungen.
Los II: Ortsrohrnetz Wallerſtädten
Rohrgräben 4900 Mtr. Rohy
v. 80 Millimeter175 Mill
meter I. Weite.
Los IIT: Ortsrohrnetz Büttelborn
uckei
Rohrgraben 7700 Mtr., Rol
re von 80 Millimeter17
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Los TN: Ortsrohrnetz Klein=Gerau
Rohrgräben 3100 Mete=
Rohre von 80 Millimeter=
150 Millimeter I. Weite.
Worfelden
Los V: Ortsrohrnetz
Rohrgräben 3850 Mete
Rohre von 80 Millimeter=
175 Millimeter I. Weite.
Los NT: Ortsrohrnetz Berkach u. Dort
berg; Rohrgräben 2450 Mtr
Rohre von 80 Millimeter=
150 Millimeter I. Weite.
Eröffnung der Angebote Mittwod
den 19. Dezember 1928, vorm. 10 Uh=
beim
Kulturbauamt Darmſtadt. Bleich
ſtraße 1.
Angebotsvordrucke ſind, ſoweit de
Vorrat reicht, zum Preiſe von 1.00 M.
Tatra= für je ein Los bei der unterzeichnete
Behörde erhältlich, woſelbſt auch di
Cabriolet Planunterlagen und die in Frag
kommenden Vorſchriften und Be
bedeutend, herabge ſtimmungen zur Einſichtnahme offen
Freie Auswahl unter den Bieter
bleibt vorbehalten.
Darmſtadt, den 24. November 1928
Heſſ. Kulturbauamt. (1919
Zwangsverſteigerung.
Das nachſtehend bezeichnete Grundſtück, das zur Ze
der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Name
des Heinrich Dörſam, Schreinermeiſter in Darmſtadt, i!
Grundbuch eingetragen war, ſoll
Dienstag, den 22. Januar 1929, nachmittags 3", Uhr
durch das unterzeichnete Gericht, Zimmer 219, verſteiger
werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvoll
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 19. Juli 1928 in da
Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſteig!
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich ware!
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der Auffor
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichnete
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſprich
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellun
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der Be
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Glat
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſteher
des Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung de
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung de
Verfahrens herbeizuſühren, widrigenfalls für das Recht De
Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten Gege‟,
(19164
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 19. November 1928.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung des Grundſtückhs:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk I, Band Xll, Blatt 9/2=
Betrag de
O.=Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann qm Schätzung

1 771 Wohnhaus Nr. 7 Dön=
gesborngaſſe

R. 97
100

[ ][  ][ ]

Nummer 331

Mittwoch ten 28 Nevember 1927

Seite 5

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 28. November.
Ernannt wurde: Am 28. Nobember: der Polizeihauptwachtmeiſter
auf Probe Alois Deißler zu Lampertheim zum Polizeihauptwackhſt=
meiſter
mi: Wirkung vom 1. November 1928.
Techniſche Hochſchule Darmſtadt. Herrn Dr. Georg Reutlin=
ger
zu Darmſtadt wurde die / nin legendi für Techniſche Phyſik an
der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt erteilt.
Ernennungen und Beförderungen. Nach dem Reichsanzeiger
ernannte der Re chspräſident an Stelle des Senatspräſidenten Dr. Mans=
feld
=Leipzig den Reichsgerichtsrat Dr. Nieland=Leiszig zum ſtellvertreten=
den
Präſidenten des Reichsdiſziplinarhofes in Leipzig. Ferner er=
nannte
der Reichspräſident nachſtehend bezeichnete
Beamten zu Mitgliedern folgender Reichsdiſzipli=
narbehörden
: Reichsdiſziplinarhof Leipzig: Präſident Dr. Simons,
Präſident des Reichsgerichts Leipzig, ſtellvertretendes Mitglied Dr.
Tittel, Reichsgerichtsrat, Leiszig. Reichsdiſziplinarkammer
Darmſtadt: Mitglied Dr. Fuchs, Landesgerichtsrat,
Darmſtadt, Mitglied Müller, Amtsgerichtsrat, Darm=
ſtadt
, ſtellvertretendes Mitglied Metz, Landesgarichtsrat,
Darmſtadt, ſtellvertreiendes Mitglied Raab, Landesgericht2, Darmſtadt. Reichsdifziplinarkammer Karlsruhe: Präſident
Dr. Kempff, Landesgerichtspräſident, Karlsruhe. Reichsdiſziplinarkam=
mer
Frankfurt a. M.: Präſident Dr. Aſchaffenburg, Landgerichtsdirektor,
Frankfurk a. M., ſtellvertretendes Mitglied Meſſerſhmidt, Landgerichts=
direktor
, Frankfurt a. M. Reichsdiſziplinarkamer Kaſſel: Mitglicd Dr.
Eiſenmann, Landgerichtsrar, Kaſſel, ſtellvertretendes Mitglied Uhlen=
dorf
, Landgerichtsdirektor, Kaſſel. Reichsdiſziplinarkammer Zweibrücken:
Mitglied Bahl, Oberlandesgerichtsrat, Zweibrücken, ſtellvertretendes
Mitglied Neich, Oberlandesgerichtsrat, Zizeibrücken.
Zu den Unregelmäßigkeiten beim Verbande der öffentlichen Feuer=
berſicherungsanſtalten
in Deutſchland wird uns von amtlicher Seite
mitgeteilt, daß die Heſſiſche Brandverſicherungsanſtalt dem Verbande
nicht angehört und in keiner Weiſe durch jene Unregelmäßigkeiten be=
rührt
iſt.
Emil Preetorius. Es wird noch einmal darauf aufmerkſam
gemacht, daß der von dem Heſſiſchen Gewerbemuſeum veranſtal=
tete
Vortrag von Profeſſor Dr. h. e. Emil Preetoriug über
Die chineſiſche Kunſt, gemeſſen an der abend=
ändiſchen
am Donnerstag, den 29. d. M., abends 8½ Uhr,
m Saal 326 der Techniſchen Hochſchule ſtattfindet. Ein=
rittskarten
ſind im Verkehrsbüro erhältlich.
Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Heute
abend 8 Uhr iſt im Fürſtenſaal bei Chriſt (Grafenſtraße) unſer großer
Lichtbildervortrag. Redner: Herr Syndikus Dr. Kollbach. Vei=
äume
niemand von unſeren Mitgliebern, dieſe Gelegenheit wahrzu=
nehmen
! Freunde des Handwerks ſind herzlich willkommen.
Heſſiſches Landestheater. In der heutigen Vorſtellung Car=
nen
ſingt Leo Husler vom Stadttheater in Eſſen als Gaſt die Partie
ſes Don Jeſé. In den übrigen Hauptrollen ſind, die Damen Roſe
Landwvehr, Anny von Stoſch. Marta Liebol, Maria Kienzl und die
öerren Hans Komregg, Ernſr Overlack, Hans Ney, Franz Tibaldi und
Fugen Vogt beſchiftigt. Muſikaliſ he Leitung: Carl Bamberger. Die
Auführung iſt den Mieten R und M (Darmſtädter Volksbühne) zugeteilt
und beginnt un 19½ Uhr.
Im Kleinen Haus geht heute Georg Kaiſers dreiaktiges Schauſpiel
Oktobertag mit den Damen Gothe, Stengel und den Herren
Zaumeiſter, Gallinger, Jungbauer, Jürgas in Szene. Die Vorſtellung
ſt der Zuſatzmiete II zugeteilt und beginnt um 20 Uhr.
Morgen findet eine Aufführung des Don Carlos in der Be=
ehung
der Erſtaufführung in der neuen Inſzenierung Carl Eberts
att. Die Aufführung iſt der Miete C zugeteilt und begimt um
G½Uhr. Traviata von Ve=5i in der neuen Einſtudierung
urch Carl Bamberger und in der neuen Inſzonierung durch Arthur
Naria Rabenalt wird morgen Donuerstag zum erſten Male wieder=
olt
. Die Vorſtellung iſt der Miete U (Bühnenvolksbund) zugeteilt und
cginnt um 19½ Uhr. Die Beſetzung iſt die der Erſtaufführung.
Die nächſte Aufführung des Senſationsſtückes Der Prozeß
Cary, Dugan findet Freitag, den 30. Novzember, pünktlich um
Uhr, ſtatt.
Fatme von Flotow ſird Freitag im Kleinen Haus wieder auf=
führt
.
Die nächſte Vorſtellung der Toten Tante und andere Be=
ebenheiten
findet Samstag, den 1. Dezember, im Kleinen
aus ſtatt.
Wilhelm Michel ſpricht am Sonntag, dem 2. Dezember, vor=
littags
11½ Uhr, im Kleinen Haus, über den Triumph des
degenſpiels.
Dritter Schubert=Abend des Drumm=Quartetts. Der dritte Schu=
ert
=Abend des Drumm=Quartetts findet Mittvoch, den 5. Dezember,
bends 8 Uhr, im Kleinen Haus ſtatt. Zum Vortrag gelangen die bei=
en
Klaviertrios Op. 99 und Op. 100. An bieſem Abend iſt dem Darm=
ädter
Publikum die ſeltene Gelegenheit gegeben, wieder Herrn General=
uſikdirektor
Joſeph Roſenſtock als Kanunermuſikſpieler begrüßen zu
innen.
Die Schöpfung von Jof. Haydn, zweites Konzert des Muſik=
ereins
am Dienstag, den 4. Dezember, im Großen Haus: öffent=
che
Hauptprobe am Montag. Der Kartenverkauf bei Klavier=Arnold
Sliſabethenſtraße 28) hat ſchon geſtern außerordentlich lebhaft eingeſetzt.
da mit einem ausverkauften Hauſe zu rechnen iſt, empfehlen wir, ſich
echtzeitig gute Plätze zu ſichern. Auch Anmeldungen zur aktiven und
taktiven Mitgliedſchaft werden noch jederzeit angenommen. Für aktive
Nitglieder iſt das erſte Jahr beitragsfrei; für inaktive Mitglieder
mäßigt ſich der Jahresbeitrag entſprechend dem vorgerückten Vereins=
ihr
. Die letzte Geſamtprobe läßt eine ausgezeichnete
horleiſtung erwarten. Auch die Auswahl anerkannt vorzüglicher So=
ſten
verbürgt eine Aufführung von großer künſtleriſcher Höhe.
Frankfurter Schauſpielhaus in Darmſtadt. Der Freien Lite=
ariſch
=Künſtleriſchen Geſellſchaft iſt es gelungen, das
rankfurter Schauſpielhaus zu einem Geſamtgaſtſpiel in Darmſtadt zu
elvinnen. Das Gaſtſpiel wiro am Samsrag, dem 8. Dezember, 8 Uhr,
n Kleinen Haus des Landestheaters die Erſtaufführung des reizvollen
uſtſpiels von Klabund=Woikow Die Liebe auf dem Lande‟
ringen und regſten Intereſſes ſüher ſein. Zu den Vorträgen von
rofeſſor Preetorins am Donnerstag und Herrn Wilhelm Michel am
konntag erhalten die Mitglieder der Geſellſchaft gegen Vorzeigen der
Litgliedskarte bei den zuſtändigen Verkaufsſtellen Karten zu ermäßigten
zreiſen.

Zur Naturſchutzausſtellug. Die Ausſtellung Naturſchutz uud
Schule im Landesmuſeum, über die ſchon mehrfnh berichtet wurde, er=
frent
ſich vegen Beſuches durch ſo zahlreiche Schulen aus Darmſtadt
und Umgebung, daß die urfprünglich vorgeſehene Dauer von 2 Wochen
nicht ansreichte und auf 3 Wochen verſängert werden mußte, was durch

eui Dfenbach Friedlerg. Lauterbachd Leluiß zurhe ber Diretor
S hüönichen ſeine Sammlungen entſprechend länger zur Verfügung ſtellen.
Dann aber wäre es zu bedauern, wenn die mit großer Mühe von der
Auſtellungsleitung zuſammengeſtellten Bilder uſw., die ſich auf Heſſen
beziehen, nach Schluß der Ausſtellung wieder unwiderbringlich zerſtreut
würden. Es gilt doch auch, die kommenden Geſhlechter uſeres Volkes,
beſonders unſere Volkserzieher, mit dem Gedenken des Naturſchutzes
vertraut zu machen, ihnen zu zeigen, weſche Naturdenkmäler und Natur=
ſchönheiten
unſere heſſiſche Heimat hirgt, die zu ſchonen und zu erhalten
eine wichtige Aufgabe iſt und bleiben wird. Dafür iſt das hier zuſam=
mengetragene
Material ein wertvolles Mittel. Gewiß würde es dem
Staat keine großen Koſten verurſachen, dieſes zu erwerben und dauernd
zuſammenzuhalten, etwva im Anſchluß an die ſtaatliche Bilsſteile, eine
unſerer Hochſchulen oder eine andere geeignete Zentrale, von der un=
ſere
Bildungsanſtalten es jederzeit zur Verfügung geſtellt bekommen
könnten. Angeſichts des tatbereiten Ve=ſtindniſſes, das die maßgebenden
Stellen der ganzen Ausſtellung entgegengebracht haben, iſt zu hoffen,
daß auch dieſe Anzegung ſich verwirklühen läßt.
Mozartverein. Es hat einen eigenen Reiz, einem neuen Bühnen=
ſänger
, der ſich in anſpruchsvollſten Rollen lauteſten Beifall erſungen hat,
im Konzertſaal wieder zu begegnen. Dieſe Gelegenheit bietet unſer
Heldentenor im Schubertkonzert des Vereins am 1. Dezember. Es iſt
auch von Intereſſe, nach einem Karl Bender unſeren Hans Grahl
als Schubertſänger zu bewundern. Sein Begleiter am Flügel iſt
Kapellmeiſter Friedrich Rehbock. Unter ſeiner Leitung wird der
Mozartchor die ſchönſten Schubert=Chöre zu Gehör bringen. Karten zu
dieſer Schuberthuldigung erhalten Mitglieder bei O. Titze, Nichkmitglie=
der
bei Konzert=Arnold und Arnold am weißen Turm.

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An den Adoenten nachmittags geöffnet.

Voiksbühne. Die Volksbühne erweitert ihren Aufgabenkreis.
Hat ſie ſich bisher ausſchließlich der Vermittlung von Theatervorſtellun=
gen
gewidmet, ſo wendet ſie ſich nunmehr auch der Vokal= und Inſtru=
mentalmuſik
zu. Sie will den minderbemittelten Volksſchichten Gelegen=
heit
geben, für wenig Geld gute Geſangs= und Inſtrumentalkonzerte
zu beſuchen, und errichtet deshalb eine Konzertgemeinde, der Nichtmit=
glieder
und Mitglieder der Volksbühne beitreten können. Die Nicht=
mitglieder
ertverben durch ihre Anmeldung zur Konzertgemeinde zu=
gleich
die Mitgliedſchaft zur Volksbühne und genießen dieſelben Vor=
züige
wie die Mitglieder, die bereits einer Theatergemeinde der Volks=
bühne
angehören. Die Volksbühne vermittelt den Mitgliedern der
Konzertgemeinde 5 Konzerte, und zwar als erſtes das Konzert des Muſik=
vereins
am 4. Dezember im Großen Haus des Landestheaters, Joſef
Haydn: Die Schöpfung‟. Dieſem Konzert werden dann die nachſtehen=
den
Konzerte folgen: Im Januar ein Schubertkonzert des Drumm=
Quartetts, im Februar ein Volkskonzert im Großen Haus vom Opern=
orcheſter
unter Leitung von Generalmuſikdirektor Dr. Böhm, im März
ein Liederabend von Theodor Heuſer und im April wiederum ein Volks=
konzert
im Großen Haus. Ammeldungen nehmen die Geſchäftsſtelle,
Eliſabethenſtraße 34 (Haus Alter) und alle Zahlſtellen der Volkskühne
eutgegen. Nur bis Samstag, den 1. Dezember, eingegangene Anieldun=
gen
können bei der Zuteilung zum Konzerr des Muſikvereins berück=
ſichtigt
werden.
Darmſtädter Vereinigung der aus Elſaß=Lothringen Vertriebenen.
Am Donnerstag, den 29. November, beginnen die Winterveranſtaltungen
im Fürſtenſaal (Grafenſtraße) mit einem äußerſt intereffanten und ſpan=
nenden
Lichtbilder=Vortrag, den Herr Dr. Auguſt Stolberg, Direk=
tor
der Städtiſchen Muſeen in Nordhauſen (Harz), über Dieweißen
Wüſten, Erlebniſſe bei den Eskimos halten wird. Der
Vortragende, der jahrzehntelang in Straßburg im Elſaß lebte, iſt als
Meteorologe auch an den erſten Verſuchen Graf Zeppelins und vielen
Freiballonfahrten beteiligt bekannt geworden und hat ſich dann vor
allem als Grönlandforſcher einen Namen gemacht und an drei großen
internationalen Grönlandexpeditionen teilgenommen. Der Vortrag, der
um 8 Uhr abends beginnt, dürfte daher auch in weiteren Kreiſen Be=
achtung
finden. Durch Mitglieder eingeführte Gäſte und Freunde der
Vereinigung ſind herzlich willkommen.

Volkshochſchule. Der Vertrag des Herrn Poſtaſſeſſors Dipl.=Ing.
Glitſch muß am Mittwoch, demr 28. Novomber, ausfallen. Der
zwveite Abend von Wilhelm Michel über Das Schauſpiel am Heſſi=
ſihen
Landestheater am Mittwoch, dem 28. November, bringt die Be=
ſprechung
von Toboggan. Beginn pünktlich 20 Uhr. Einzelkarten
auch am Saaleingang für Mitglieder 75 Pf., für Nichtmitglieder 1 Mk.
In der Blumen= und Kunſthandlung Schulenburg, Obere Wilhel=
minenſtraße
, ſind zurzeit einige neue Oelgemälde des Altmeiſters Pro=
feſſor
Kröh ausgeſtellt, die anzuſehen ein Genuß iſt und worauf wir
deshalb aufmerkſam machen möchten.
Tp. Große Strafkammer. Wegen Verrats militäriſcher Geheimniſſe
wird auf Berufung des Angeklagten Joſef Fuchs von Maltern bei
Luzern (Schweiz) verhandelt. Das Bezirksſchöffengericht hat ihn am
10. Oktober 1928 zu zwei Jahren Gefängnis abzüglich ſechs Monaten
der erlittenen Unterſuchungshaft verurteilt. Das Urteil verwirft die
Berufung.

Kauzer des Schurkbuſch Augkels.
Einen Mozart=Zyklus bringt uns in dieſem Winter
das Schnurrbuſch=Quartett. Die Viere begannen geſtern
mit dem D=Moll=Streichquartett (Köchel 421). Es iſt im Jahre
1783 in Wien komponiert. In der Form natürlich meiſterhaft, iſt
es ernſter gehalten und herber, als man bei Mozart im allge=
meinen
erwartet. Das Andante trägt mildere Züge, aber dann
das erſte Thema des Menuetts bringt wieder melancholiſches
D=Moll; es hat im Trio einen entzückenden Dur=Teil von echt
Mozartſcher Anmut. Der letzte Variationenſatz bringt zum Schluß
wenn die verſchiedenen Inſtrumente ſich die Triolen gegen=
ſeitig
wegſpielen eine köſtliche Probe Mozartſchen Humors.
Als zweite Nummer kam ein Duo für Violine und Viola. Es iſt
erſtaunlich: es ſind doch nur zwei Inſtrumente, und in dieſen
drei Sätzen iſt nirgends ein toter Punkt. Meiſterhaft iſt, wie im
letzten Andante con rariazioni die beiden Inſtrumente ſich ab=
löſen
, umſpielen und mit welcher Fülle von Klang und harmo=
niſchem
Reichtum dieſe entzückende Hausmuſik ausklingt. Eines
der populärſten Stücke Mozarts bildete den Schluß: das Diver=
timento
D=Dur für zwei Violinen, Viola, Baß und zwei Hörner.
Wie reizvoll iſt die Miſchung der Streichinſtrumente (ohne Cello,
dafür aber Baß) mit den Hörnern! Das berühmte Menuett, der
Geſang im Adagio und das ſonnige Rondo iſt immer Freude
zu hören, zumal, wenn es ſo geſpielt wird, wie es geſtern geſchah.
Das glänzend zuſammenſpielende Quartett brachte die drei Werke
in ganz prächtiger Weiſe, in tadelloſer Reine und in klanglich
erfreulichſter Differenzierung. Die Herren Schnurrbuſch,
Jäger, Horn, Klammer und im Divertimento die Herren
Fricke (Kontrabaß), der ſehr weich und diskret ſein Inſtrument
zu ſpielen verſtand, und die beiden bewährten Horniſten Sa=
witzky
und Manecke bereiteten den Werken eine würdige
Wiedergabe, wofür ihnen herzlicher Beifall der dankbaren Zu=
hörer
zuteil wurde.
O.
Gäſteabend der Jungdeutſchen Schweſternſchaft. Es wird uns
geſchrieben: Dieſer Tage veranſtaltete die Schweſternſchaft des Jung=
deutſchen
Ordens einen Gäſteabend, der in allen Teilen einen anregen=
den
Verlauf nahm. Im Mittelpunkt des Abends ſtand die Rede der
Landesmeiſterin Me hold aus Kaſſel, die umrahmt wurde von Gedicht=
und Geſangsvorirägen der Schw=ſtern. Dringen wir mit dem geſchicht=
lichen
Ueberblick, den die Rednerin ihren Ausführungen voranſtellte,
in den Werdegang der deutſchen Fcau ein, ſo ſehen wir zur Zeit der
alten Germanen, als die Gaugenoſſenſchaficn und Stammgemeinſchaften
beſtanden, die Frau als eine Heilige, verbunden mit dem Manne in un=
verbru
hli her Trene, ihn anſpornend zur höchſten Leiſtung und die
Söhne erziehend zu deutſchen Kämpfern. Es iſt dies die Zeit, da der
ſtärkſte und opferbereiteſte Mann als Führer an die Spitze geſtellt wurde.
In der Folgezeit ſehen wir das Wirken der Frau mehr und mehr be=
ſchränkt
, das verantwortungsvolle Frauentum geht verloren, etwas
Weſensfremdes findet Eingang, und aus der willensſtarken Gefährtin
des Mannes wird ein Spielzeug. Die Zeit der Lehnsherrſchaft iſt es,
da der heldiſche Geiſt für Volk und Staat verſchwindet, der Jch=Menſch
mißbraucht den Schwächeren zum perſönlichen Eigennutz, es tritt der
Untertan in Erſcheinung. Der Man baut ſeine geiſtige Welt auf ohne
die Frau, und wir ſehen, wie aus der Freiheit und Gleichheit ſich die
Frauenbewegung entwickeit, die die Frau zur Konkurrentin des Mannes
erzog. Heute ſehen wir wieder als Führerinnen der Frauenbewegung
mütterliche und ſtarke Frauengeſtalten. Welchem Typ der Frau aber
wird es gelingen, das neue Menſchengeſchlecht zu erziehen, das kommen
muß, um Deutſchland zur Geſundung zu führen? Es werden die Frauen
der fröhlichen Narurverbundenheit und der fraulichen Natürlichkeit ſein,
Frauen, denen es gelingt, die Jugend zur Volkskultur zu erziehen und
die Lebensarbeit des Mannes in der Familie zu ergänzen. So ſ=hen
wir heute deutſche Frauen und Männer, getrennt in jungdeutſchen
Schweſtern= und Bruderſchaſten, ſelbſtändig in ſich, aber vereint im Ziele
der Arbeit ein Menſchentum erziehen, das ſtark und verantwor=
tungsbewußt
heranwachſen muß. So ſuht jungdeutſches Frauentum am
neuen deutſ hen Staate mitzuarbeiten. Starker Beifall lohnte die Reo=
nerin
für ihre Ausführungen. Anſchließend fand eine längere Aus=
ſprache
ſtatt, die weitere Aufſchlüſſe über die Arbeit der Schweſtern=
ſchaft
gab.
Hfm.
Orpheum. Es ſei hierdurch nochmals beſonders darauf hinge=
wieſen
, daß das derzeitige glänzende Gaſtſpiel der Rolf=Röder= Prunk=
ſchau
Dies und Das umwiderruflich nur bis Freitag, 30. Novem=
ber
, währt. Das Enſemble iſt ab Samstag, 1. Dezember, nach Karls=
ruhe
verpflichtet. (Beachte heutige Anzoige.)
Bühnnevolksbund. Heute, 20,15 Uhr, hält in der Aula des Real=
gymnaſiums
Pater Dr. Expeditus Schmidt aus Wien ſeinen Vortrag
über brennende Fragen der chriſtlichen Theaterbewegung. Karten ſind
zu haben bei Chriſtian Arnold am weißen Turm. Der Eintritt iſt frei.
Gäſte ſind willkommen.
Evang Jugendgemeinſchaft. Wir machen unſere Mitglieder noch=
mals
aufmerkſam auf den Lichtbildervortrag, den Dr. Philipp Krämev
am Donnerstag, dem 29. November, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus,
Kiesſtraße 17, über Ein Jugendlager in den Tropen halten wird.
Ehemalige Städtiſche Handelsſchüler. Am Donnerstag, dem
29. November, findet im Fürſtenfagl (Weißer Saal), Grafenſtraße, ein
Vortrag des Herrn Direktors Dr. Zeiger über Reparationsproblem.
ſtatt. Freunde und Gönner des Vereins werden ergebenſt eingeladen.
Die Trauer=Ode von J. S. Bach wird am Freitag abend
8 Uhr in der Stadtkirche dunch den Kinchengeſangverein der Stadt=
kinche
zur Aufführung gebracht werden. Es wirken dobei mit die Damers
Aßmuth (Sopran) und Kuhn=Liebel (Alt) und die Herren
Landzettel (Tenor) und Biſchoff (Vaß). Orgel: stud. matll.
L. Borngäſſer. Das Oryeſter iſt gebildet aus Mitgliedern des
Landestheaterorcheſters und Freunden der Kirchenmuſik. Die Leitung
liegt in den Händen von Studienrat W. Borngäſſer. Der Ein=
tritt
in die unteren Näume der Hirche iſt frai, doch können beim
Ausgang freiwillige Gaben eingelegt werben.
245 Staaten und Länder ſind im geographiſch=ſtatiſtiſchen Teil
bes vom Darmſtädter Tagblate herausgegebenen Taſchenatlas der
ganzen Welt behandelt. Die Angaben erſtrecken ſich u. a. auf folgende
Punkte: Fläche und Bevölkerung, Wirtſchaft und Verkehr, höchſte Berge,
Währung, Staatshaushalt, größere Orte und Einwohnerzahlen, poli=
tiſcher
Machtbereich uſw. Preis des Leinenbandes 3,50 Mark in allen
Buhhandlungen und beim Verlag, Rheinſtraße 23. Beſtellungen wimmt
jeder Träger des Darmſtädter Tagblatt eutgegen.

IV110

je jedes Eewarten ssbertreffende Bekeiligung
an unsenem PPreisausschreißen m es sind weit uben
1o0000 Zelabsrnden ete
eingegangen Buoiggt das Preissenicht zu wesenthch
langenen Prufung als unspeunglich vongesehen. dem hale
ten uns fun venpflichtet, von diesen im Untenesse einen
Beuuissenhaften Behandlung eintvetenden Gerzögerung
den vevehnten Geilnehmenn engebenst Wéenntnas zu geben.
AMMLLLO Ta
Wicsbadcn-Bschrich -Scid kast 100 Jahrcn um ausscüiesslechen Besttz und unser Leitung der Pauneiic Hsnitch.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Mittwoch, den 26 November 1928

Nummer 331

Die Gründung einer Orksgruppe Darmſtadt des
Deutſchen Touring=Club
Die Gründungsverſcmmlung der Ortsgruppe Darmſtadt des Deut=
ſchen
Touring=Club fand geſtern abend in den oberen Räumen der
Vereinigten Geſellſchaft ſtatt. Es hatte ſich bereits eine ſtattliche Zahl
Darmſtädter Mitglieder eingefunden, die dem denkwürdigen Abend der
Ortsgruppengründung beiwohnten. Den Vorſitz führte zunächſt Dr.
Rees der 1. Vorſitzende der Landesgruppe Mainz, der die Ortsgruppe
Darmſtadt angegliedert wird. Er begrüßte die Anweſenden und gab
ſeiner Freude Ausdruck, daß Darmſtadt und Mainz in Zukunft im
Touring=Club eng zuſammenarbeiten werden. Er begrüßte beſonders
die Vertreter befreundeter Clubs, die Herren Dr. Bernet und Jakobi,
und übermittelte die Glüchrünſche des Landesverbandes Maing und des
Präſidiums München.
Anſchließend referierte Herr Dipl.=Ing. K. Kinkelin=München
über den Deutſchen Touring=Club, ſeinen Zweck und ſeine Ziele‟. Er
ſtreifte zunä lſt die Entwickelungsgeſchichte des Clubs, der heute in
England z. B. 300 000, im Italien faſt ebenſobfele und in der kleinen
Schweiz 70 000 Mitglieder zähle, und der ſich die Pflege jeglicher Touri=
ſrik
, alſo des Motorrad= und Auto=, des Rad=, Ski=, Berg=, Winter=,
Waſſer= und Luftſportes angelegen ſein laſſe. Man hoffe, zu Beginn
des Jahres 1929 wieder einen eigenen Ballon zu haben. Der Name des
Cluhs ſei international. Der Touring=Club habe überall die Führug
1bernommen. Im einzelnen habe der Club hervorragenden Anteil in
früheren Zeiten am Aufblihen des Radſportes, in neuerer Zeit an der
Entwickelung des Kanu= und Faltboosſportes und heute insbeſondere an
dem Automobilſport. Er laſſe ſeinen Mitgliedern weitgehenden Schutz
angedeihen im In= und Ausland, biet= ihnen zahlreiche Vergünſtigun=
gen
und Vorteile durch Belehrung, Vorträge, Filmvorführungen, außer=
dem
geſellige Veranſtaltungen. Die allgemeinen Belange, Straßenhilfs=
dienſt
, Markierungen uſw. werden vom Deutſchen Touring=Club wahr=
genomntelt
.
Das Referat wurde ſehr beifällig aufgenommen. Der Vorſitzende
ber Landesgruppe Main; ſtellte die Konſtituierung der Ortsgruppe feſt
und leitete die Wahl des Vo=ſtandes, die ſehr reibungslos vor ſich ging.
Einſtimmig wurde folgender Vorſtand gewählt: 1. Vorſitzender Ober=
ingenienr
G. Hoffmann, 2. Vorſitzender H. Hartoch=Darmſtadt,
1. Schriftführer und Geſchäftsſtelle Kurt Bode, Darmſtadt, Alexander=
ſtraße
2, 2. Schrifrführer Otto Bode, 1. Sportwart W. Zelder, 2. Sport=
wart
Friedel Ganß, Preſſeivart H. Asmus, Juriſtiſcher Beirat Rechts=
auſvalt
E. Sondheimer, Beiſitzer G. Nungeſſer=Gernsheim, M. Hoff=
1eiſter=Darmſtadt, 9. Kunkel=Darmſtadt.
Es ſikloß ſi.h eine Diskuſſion an, in der der Ortsgruppe von ver=
ſ
.biedenen Seiten, u. a. von Herrn Jakobi, Glück gewünſcht wurde. Nach
Erledigung der Tagesordnung blieben die Mitglieder der nunmehr neu=
gegründeten
Ortsgruppe Darmſtadt des Deutſchen Touring=Clubs noch
einige gemütlih: Stunden beifammen.

Frühzeitige Tages=, rechtzeitige Weihnachtseinkäufe. Das ſoll
Grundſatz des kaufenden Publikums werden. Es iſt im eigenen
Inrereſſe, Tageseinkäufe nicht erſt in der letzien
Stunde vor Ladenſchluß zu tätigen. Die Käufer können
dann raſcher und ſorgfältiger bedient werden; ſie laufen nicht Gefahr,
lange warten zu müſſen, und ſie verhindern auch, daß andere ihre Zeit
unnötig lang mit Warten verſchwenden müſſen. Gilt dies ſchon vom
Tages=, ſo noch meh.: vom Weihnachtseinkauf. Bei wenig Ueberlegung
muß jeder Käufer zur Erkenntnis kommen, daß Weihnachtsein=
käufe
am reichſortierten Lager, bei ruhiger Auswahl und ſorgſamer
Bedienung und Beratung eheſtens Anfang Dezember zu
machen ſind. Dieſe Erkenntnis dürfte ſich nicht nur bei Hausfrauen,
ihren Vereinen und Verbänden, ſondern ganz allgemein noch mehr ein=
bürgern
. Sie iſt auch die beſte Vorausſetzung zur Einführung für den
5=Uhr=Ladenſchluß am Weihnachtsheiligabend gewiß ein berechtigter
Wunſch der in den Verkaufsgeſchäften tätigen Kräfte. Arbeitgeber
wie Angeſtellte des Einzelhandels, können Anſpruch darauf erheben,
ihren Weihnachtsheiligabend ruhig und nicht abgehetzt im Kreiſe ihrer
Familie zu verbringen.
Das Heſſiſche Landesvermeffungsamt hat die Karte im Maßſtab
1:25 0½ von Darmſtadt und Umgebung neu erſcheinen laſſen.
Die Karte iſt jetzt auf den neueſten Stand gebracht und enthält jetzt auch
die anderlinien des Odenwaldklubs. Trotz des reicheren Inhalts iſt
der Verkaufspreis derſelbe wie ſeither.
Phlizeibericht. Naubüberfall in Lindtorf, Kreis
Oſterburg Am 23. November 1928, vormittags gegen 11 Uhr,
wurde die Gaſtwirrin Nahrſtedt in Lindtorf, Kreis Oſterburg, überfallen,
mit einem Beil niederneſ hlagen und beraubt. Am 24 Novemöer 1928
iſt die Gaſtwirtin Nahiſtedt ihien ſhweren Verlotzungen erlegen. Als der
Tak dringend ve dächtig iſt ein Mann im Alter von etwva 20 Jahren,
1,65 Dicter groß, ſ.Imales, blaſſes Geſicht, trug ſchmutziggrauen Anzug
und dunkle Schiffexmnite. Dieſer Mann iſt kurz vor der Tat auf dem
Nahrſtedtſchen Grundſtück geſehen worden, wo er ſich in einem Stall=
einhang
verſteckt haitte. Schwindelhafte Preisrätſel. In
Ten Tageszeitungen und Zeitſchriften erſcheinen oft Preisaufgaben von
Verſandhäuſern und derglei=ien aus den verſchiedenſten Städten Deutſch=
lands
. Fur die richrige Löſung der Rätſei werden unentgeltlich Preiſe
zugeſihert. Nah der Einſendung der Rätſellöſung geht den Einſen=
dern
ein S=hreiben zu. daß ſie einen Photoapparat oder andere Gegen=
ſtände
geonnen hätten und füir Verpackung, Selbſtkoſten pp. ein Bctrag
vyn 2./37,60 RM. einzuſenden ſei Iſt die Einſendung dieſes Betrages
erfolgt, dann kommt meiſtens kein Photoapparat und die Einſender
muſſen Anzeige bei der Polizei erſtatten. In den meiſten Fällen wur=
den
Sirechapparate al3 geionnen zugeſichert, und nachdem der ange=
forderi
= Be rag eingeſ hickt war, kam erneut ein Schreiben mit dem Be=
merken
, daiß der Sendung noch Nadeln und Platten beigefügt würden.
Hierfür ſeien jedoch wieder 12 RM. einzuſenden. In allen Fällen, in
denen bei der Kriminalpolizei Anzeige erſtattet worden iſt, wurde bei
den zuſtändigen Staatsanwaltſchaften und Polizeibehörden feſtgeſtellt,
daß gegen die Veranzeigten Verfahren wegen Betrugs, unlauteren Wett=
bcwerbs
und verbotener Ausſpielung anhängig ſind. Das Publikum
wird vor derartigen Schwindeleien gewarnt. Feſtnahmen. Ein
25 Jahre alte: Hilfsarbeiter wurde wegen Diebſtahls eines Motorrads
und ein 37 Jahre alter Pfandmeifteraſſiſtent wegen Unterſchlagung im
Amt feſtgenommen und in Unterſuchungshaft gebracht. Der Reiſende
Theodor Janſen aus Hamborn, der von der Amtsanwaltſchaft in Det=
mold
gefucht wurde, wurde hies aufgegriffen und dem Amtsgericht I
dorgeführt.
Lekale Veranſialtungen.
Die bierunter erſcheineaden Rolizen ſind an 4ſchlieſilich els Hinweiſe auf Arzeigen zu befradten.
in keinem Faſſie irgendwie als Beſdrechung oder Kritie.
Vogelsberger Höhen=Club Zweigverein
Darmſtadt. Am näcſten Sonntag, dem 2. Dezember, finde: die
letzte programmäßige Wanderung in dieſem Wanderjahre ſtatt. Der
Abmarſe iſt um 10 Uhr am Botaniſchen Garten in der Roßdörfer
Straße. Der Weg führt durch den Roßdörfer Wald nach Nieder= Ram=
fradt
, woſelbſt bei Gaſtwirt Breidert Einkehr gehalten wird. Für Unter=
haltung
iſt beſtens geſorgt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten.
(Näheres ſiehe Anzeige.)
Deutſchorden, Kommende Darmſtadt. Freitag,
den 30. November, abends 8,30 Uhr, Kommendeabend bei Sitte ( Karl=
ſtraße
), mit Feier des (0. Geburtstages des Großherzogs und Vortrag
des Herrn Profeſſors Martir: Becker über: Gang durch die heſ=
ſiſche
Geſchichte. Angehörige der Ordensbrüder und Gäſte will=
kommen

Baſtlerbund der Sendung E. V. Alexanderſtraße 18,
im Deutſchen Haus, 20,15 Uhr, Vortrag des Herrn Holdenreuter:
Eingangsſchaltungen für Zwiſchenfrequenzempfänger
Schloß=Café Auf die Sonderveranſtaltungen dieſer Woche
ſei hierdurck; beſonders hingewieſen. Das Programm des heutigen
Na=lmittags=Konzeries en hält Werke von Weber, Flotow und Lortzing.
Für das am Freitag abend ſtattfindende Sonderkonzert iſt ebenfalls ein
beſonders gewähltes Programm zuſammengeſtellt, welches verſchiedene
ſoliſtiſche Vorträge bringt. (Näheres ſiehe Anzeige.)

Jugendgruppe der Deutſchen Volkspartei. Heuie
abend 8 Uhr findet im Fürſtenſaal, Grafenſtraße 8, ein Lichtbildervor=
trag
über die Waſſerſtraßen Deutſchlands und ihren weiteren Ausbau
unter beſonderer Berüickſichtigung Darmſtides ſtatt. Zu dieſem Vortrag
ſtehen 150 Lichtbilder zur Be=fügung. Dieſer Vortrag dürfte ſehr Inter=
eſſantes
und Neues bieten. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten.

Tageskalender für Mittwoch, den 28. Npvember 1928.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 19.30 Uhr, Ende
22.50 Uhr, R 3, N 2: Carmen, Kleines Haus, Anfang 20 Uhr,
Ende gegen 22 Uhr Zuſatzmiete II: Oktobertag. Orpheum
abends 20 Uhr: Bühnen=Prunf=Schau Dies und Das. Kon=
zerte
: Schloßkaffee, Kaffe= Rheingold, Hotel Schmitz, Reſt. Ben=
der
, Spaniſche Bodeaa, Wein:aus Maxim, Sportplatzfaffee, Zur Stadt
Malaga, Kaffee Haſſia, Reichshof, Perkeo. Kinovorſtel=
lungen
: Union=Theater, Helia,

Aus Heſſen.
Die Biehzählung am 1. Dezember 1928.
Am 1. Dezember findet bekanntlich eine Viehzählung ſtatt. Die Er=
gebniſſe
der Zählung ſind lediglich beſtimmt für volkswirtſchaftliche
Zwecke, insbeſondere um genaue Kenntnis der Lage der Landwirtſchaft
und der Viehzucht zu erhalten. Mit dieſer Zählung iſt erſtmals gleich=
zeitig
eine Ermittlung der in den einzelnen Orten vorhandenen Hunde
aller Art verbunden. Die Ermittlung ſoll aber nicht im Wege der
Zählung ſtattfinden. Die Geſamtzahl der Hunde ſoll vielmehr auf der
Vorderſeite der Gemeindeliſte bei den Orten, wo ſie feſtſteht, auf Grund
der vorhandenen Unterlagen, ſonſt aber ſchätzungsweiſe angegeben wer=
den
. Im dringenden Intereſſe der Reichs= und Staatsverwaltungen
liegt es, durch die Viehzählung einen Aufſchluß über den wirklichen Stand
und den Entwicklungsgrad der Viehwirtſchaft in allen Teilen des Landes
im Vergleich mit den Vorjahren zu erlangen.

J. Griesheim, N. Nov. Der Totenſonntag, der dem Gedächt=
nis
unſerer lieben Heimgegangenen gewidmet war, war ein ſtürmiſcher,
regneriſcher Herbſttag. Bei dieſer Witterung war es nicht verwunder=
lich
, wenn der Beſuch der Friedhöfe diesmal recht ſpärlich war, und auch
die Gedenkfeier am Ehrenmal der Gefallenen und die Totenfeier auf
dem neuen Friedhof ſich im engſten Rahmen abſpielen mußten. Die Ge=
denkfeier
für die Gefallenen fand in der Turnhalle der Friedrich=Ebert=
Schule ſtatt. Sie war umrahmt von den Muſikvorträgen des Philhar=
moniſchen
Orcheſters und des Muſikvereins und den Geſangsvorträgen
des Arbeitergeſangvereins Laſſallia‟. Die Gedächtnisrede für die Ge=
fallenen
hielt der Vorſitzende der hieſigen Ortsgruppe der Kriegsbeſchä=
digten
und =hinterbliebenen, Herr Heinrich Feuerbach. Am Ehrenmal
waren auch diesmal wieder zahlreiche Kränze, beſonders von den Hinter=
bliebenen
der Gefallenen, niedergelegt worden. Die Totengedenkfeier auf
dem neuen Friedhof ſpielte ſich in der Leichenhalle unter Mitwirkung des
Poſcunenchors ab. Im Anſchluß an die Rede des Herrn Pfarrers
Mangold übergab Herr Beigeordneter Feldmann, den auf dem neuen
Friedhof errichteten Urnenhain ſeiner Beſtimmung. Am Donnerstag,
den 29. November, abends 8 Uhr, findet auf dem Rathaus eine öffent=
liche
Gemeinderatsſitzung ſtatt.
Aa. Eberſtadt, N7. Nob. Eberſtadt a. d. B. In Verfolg der
Werbemaßnahmen Eberſtadts trägt das Poſtamt Eberſtadt jetzt nicht
mehr die zuſätzliche Bezeichnung Kreis Darmſtadt ſondern Berg=
ſtraße‟
. Theaterabend. Der Geſangverein Laſſallia hält am
kommenden Sonntag im Schwanenſaal (Schmitt) einen Theaterabend ab.
Zur Aufführung gelangen zwei Singſpiele Der wilde Tomi und
Märchen vom Glück
Aa. Eberſtadt, N7. Nov. Selbſtmord. Auf dem Riedberg im
Mühltal hat ein in den 50er Jahren ſtehender Mann Selbſtmord durch
Erhängen verübt. Die Modaw war am Sonntag infolge der ſtarken
Regengüſſe ſtark angeſchwollen. Ihr Waſſerſtand fällt jedoch bereits
wieder.

Den Kindern
sollte man stets Panfavin-Pastillen mit-
geben
, vor allem auf den Schulweg; denn
die zarten Schleimhäute des Kindes sind
doppelt empfänglich für Krankheitskeime.
Panflavin desinfziert wirksam und bietet
dadurch sicheren Schutz vor Erkältungen
der Luftwege.

DASTTLLEN
(Acſcaſumchland.)
Erhältlich in Apotheken und Drogerien

Aa. Pfungſtadt, N. Nov. Totenfeſt. Am Totenfeſt waren die
Gottesdienſte gut beſucht. Im Vormittagsgottesdienſt, in dem der Kir=
chenchor
mitwirkte, ſprach Pfarrer Zinn über das Johanneswort Wir
ernten, was andere vor uns geſät und gearbeitet haben. Wohlan, laßt
auch uns arbeiten und ſäen, daß andere wach uns ernten und unſer An=
denken
ſegnen können. Die für nachmittags 2 Uhr vorgeſehene Ge=
denkfeier
zu Ehren der Toten und Gefallenen, die auf dem Friedhof
ſtattfinden ſollte, mußte des ſchlechten Wetters wegen ausfallen. Abends
fand eine liturgiſche Andacht zum Gedächtwis der Geſtorbenen in der
Kirche ſtatt. In dieſer Andachtsſtunde wirkten Bläſerchor und Kirchen=
chor
mit. Die gottesdienſtlichen Handlungen nahm Pfarrer Strack vor.
Ringerwettkampf. Die Kraftſportvereinigung 1914 Pfung=
ſtadt
trat am Sonndag im Ringkampf gegen Bürſtadt an und ſiegte 8:6.
Der Sportverein Siegfried Pfungſtadt gewann gegen den Polizei=
ſportverein
Darmſtadt im Vorkampf 15:6 und verlor im Rückkampf 9:11.
Die Arbeiter=Samariter=Kolonne Pfungſtadt hält am Mittwoch, den
B. November, in der Handwerkerſchule eine Mitgliederver=
ſammlung
ab, in der über den Bezirkstag geſprochen wird.
G. Ober=Ramſtadt, 26. Nov. Herbſtgewitter. Am Abend des
letzten Sonntags ging über der hieſigen Gegend ein heftiges Gewitter
nieder, das von ſtarkem Hagelſchlag begleitet war.
G. Ober=Ramſtadt, 26. Nov. Die feierliche Ueberreichung der
Geſellenbriefe und =Zeugniſſe an die geprüften Handwerks=
lehrlinge
fand letzten Samstag im Saale des Gaſthauſes Zum Löwen
ſtatt. Ueber ein halbes Hundert Lehrlinge hatten ſich der Prüfung
mit Erfolg unterzogen, und zwar: 13 Schreiner, 11 Mechaniker, 9
Schloſſer, 2 Zimmerer, 9 Maurer, 4 Weißbinder, 2 Schuhmacher, 1
Schuhzuſchneider, 2 Wagner, 1 Bürſtenmacher, 1 Schriftſetzer und 1
Kammacher. Wohl war die Ausſtellung der Geſellenſtücke mit Rückſicht
darauf, daß viele durch ihre Dimenſionen und Eigenart nicht aus=
geſtellt
werden konnten, unterblieben. Doch boten die von Herrn Fach=
lehrer
Jakob ausgeſtellten Zeichnungen mit der reichen Detaillierungs=
arbeit
dem Kenner einen guten Einblick in die gründliche Schulung und
den edlen Wetteifer der angehenden Geſellen. Zur Verſchönerung der
Feier hat der hieſige Mandolinenklub durch anſprechende muſikaliſche
Darbietungen weſentlich beigetragen. Der Vorſitzende des Geſellen=
prüfungsausſchuſſes
, Herr Dachdeckermeiſter Peter Müller 10., hier, er=
öffnete
dieſelbe kurz nach 3 Uhr nachmittags und hieß die zahlreichen
Anweſenden herzlich willkommen. Den jungen Handwerkern gab er
treffliche Mahnworte mit auf den Weg und legte ihnen beſonders ans
Herz, ſich ſtets in guter Geſellſchaft zu bewegen, andere Betriebe kennen
zu lernen und raſtlos die Vervollkommnung im Berufe anzuſtreben,
damit ſie tüchtige Handwerker werden und die Fähigkeit erhalten, trotz
des ſchweren Konkurrenzkampfes mit gutem Erfolg ſich ſelbſtändig zu
machen. Herr Rektor i. R. Hofmann betonte, daß heute die Geſellen=
prüfung
zum Zwecke der Ausbildungskontrolle im Berufe nicht mehr
ſo notwendig ſeien wie früher, da die Geſchäftskonkurrenz ſo groß ſez
daß jeder Meiſter dafür ſorge, daß die Lehrlinge ſo ſchnell wie möglich
zu guten fachlichen Leiſtungen gebracht werden. Die Geſellenprüfung
aber bilde die Vorbedingung für die Ablegung der ſpäteren Meiſter=
prüfung
, welche große Anforderungen an die Prüflinge ſtelle. Sich für
dieſe zu ertüchtigen und dieſelbe gleich nach der Erreichung des geſetz=
lichen
Alters abzulegen, ſollten alle eifrig beſtrebt ſein, da ein Hinaus=
ſchieben
ſie nur erſchwere. Auch übermittelte er die herzlichſten Glück=
wünſche
der Handwverkskammer. Herr Bürgermeiſter Rückert ermaynte
die Geſellen, durch gute Führung und eifriges Weiterſtreben, den Eltern,
Lehrern und Lehrmeiſtern für ihre Sorgen und Opfer ſich dankbar
zu erweiſen und ihnen Ehre zu bereiten. Nachdem die muſikaliſchen
Darbietungen eine heitere Stimmung gezeitigt hatten und die Ge=
ſellenbriefe
und =Zeugniſſe durch den Vorſitzenden überreicht waren, wies
Herr Rektor Hofmann die Geſellen noch einmal auf die Mihewaltung
der Lehrmeiſter, Lehrer und beſonders des Fachlehrers Herrn Jakob hin,
der auch heute wieder durch die Ausſtellung der Zeichnungen Erſatz für
die fehlenden Geſellenſtücke geſchaffen habe. Gegen 6 Uhr abends
war die denkwürdige Feier beendet. Möge es den neuen Geſellen be=
ſchieden
ſein, bei den Wiederaufbauarbeiten unſeres immer noch ge=
knebelten
Vaterlandes kräftig mitwirken zu können.
Le. Groß=Umſtadt, 26. Nov. Totenſonntag. Der Totenſonn=
tag
wurde auch in unſerer Stadt in den beiden Gottesdienſten in würdi=
ger
Weiſe, unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung der Gemeinde
und unter Mitwirkung des Kirchenchores begangen. Die Oberreal= und
Höhere Landwirtſchaftsſchule in Verbindung mit der Höheren Mädchen=
ſchule
hielt am Freitag eine Gedächtnisfeier für unſere im Weltkrieg Ge=
fallenen
ab. Herr Pfarrer Becker hielt die Anſprache, die auf alle An=
weſenden
einen tiefen Eindruck machte. Umrahmt war die erhebende
Feier von zwei ſtimmungsvollen Chören, die der Schülerſängerchor zum
Vortrag brachte. Auch in den Volksſchulen fand eine dem Tag entſpre=
chende
Feier ſtatt. Als eine Taktloſigkeit muß es jedoch betrachtet wer=
den
, daß in dem hieſigen Kino an dieſem ſo ernſten und für viele mit ſo
traurigen Erinnerungen verknüpften Tag ausgerechnet der Film Zu
Rüdesheim a. Rh. ſteht eine Linde laufen mußte.

Im Kampfe gegen den Krebs.
i. Von der Bergſtraße, 2. Nov. Ein bekannter Forſcher auf de
Gebiete der Krebsbekämpfung, Herr Dr. Wetterer aus Mannbei
hielt geſtern Sonntag nachmittag, ab 5 Uhr, in der Turnhalle des Re=
gymnaſiums
in Weinheim, einen ſehr lehrreichen, zweieinhalbſtündig
Lichtbildervortrag über das Thema Im Kampfe gegen den Kreb=
Der Redner hatte als erſter 1911/12 zur Antikrebs=Propaganda a.
gerufen. Seine Ausführungen galten in der Hauptſache der Bea=
wortung
der Fragen Wie entſteht die Krebskrankheit?, Wie kann
verhütet werden? Und welches ſind die Mittel, die uns die Wiſſenſch
zu ihrer Bekämpfung an die Hand gibt? Chirurgie, Röntgen= Tief=
beſtrahlung
und namentlich das wunderbare Radium haben in den letzt
Jahren infolge der Vervollkommnung ihrer Anwendungsart zu Erfolg
geführt, die ehedem als abſolut ausgeſchloſſen galten. Auch in Fäll=
denen
das operative Verfahren machtlos gegenüberſteht, könne vielf,
noch Hilfe gebracht werden. Selbſt in verzweifelten Fällen werde
noch Beſſerung und Linderung der Schmerzen, ja Heilung herbeigefüh
Der Vortrag, der mit großem Beifall aufgenommem wurde, war du
ſeine Klarheit und Gründlichkeit eine rechte Belehrung und bedeutete
mit eine Antikrebs=Propaganda im wahrſten Sinne des Wortes.
einem demnächſt für Mannheim beabſichtigten Frageabend will He
Dr. Wetterer über die Verhütung der Dispoſition zu Krebs durch a
dere Ernährung ſowie über das Kapitel Theorien der Krel
entſtehung weitere Aufklärung verbreiten.

Groß=Zimmern, 25. Nob. Aus Groß=Zimmern wird uns
ſchrieben. Die Zeit der angenehmen Winterabende das Theater
hat begonnen. Den Einwohnern werden in jeder Hinſicht künſtlerif
und heitere Theaterveranſtaltungen geboten. Die Vereine ſtehen ſich
Wettkampfe gegenüber. Am Sonntag, den 9. Dezember, bringt 1
Turnverein 1863 im ſeinem Vereinslokal Kaiſerſaal (Karl Pullman
am Bahnhof, die beliebte Schwankoperette Der Weg ins Paradies z
erſten Aufführung. Inhalt und Muſik bürgen für einen heiteren u
erbaulichen Abend. Die Theatergeſellſchaft des Vereins, unter der kür
leriſchen Leitung des Turners Jourdan, wird auch dieſes Jahr al
aufbieten, um ihrem guten Ruf die Ehre zu erhalten. In gleicher We
liegt auch das Orcheſter in den beſten Händen (Herr Hans Lortz, Schü
der Städt. Akademie für Tonkunſt in Darmſtadt). Der Kartenvorverke
hat bereits begonnen. Dieſelben ſind in den bekannten Geſchäften: D
gerie Eiſenach, L. Heim, Balth. Reitzel, Joh. Millmann, den Vorſtan.
mitgliedern und im Vereinslokal zu erhalten.
Ag. Lindenfels, 26. Nov. Verſetzungen. Herr Lehrer Stier
der ſeither an der hieſigen Volksſchule wirkte, wurde als hauptamilic
Fortbildungsſchullehrer an die hieſige Fortbildungsſchule verſetzt.
ſeine Stelle trat Herr Lehrer Schneider, ſeither in Schmal=Beerbach.
Die Rote=Kreuz=Sammlung ergab in hieſiger Gemeinde eit
Betrag von 161.30 Mk. Ein ſchöner Betrag im Intereſſe öffentlic
Wohlfahrt und Krankenpflege. Sparſinn. Sparen hat j
wieder Sinn, ſo denken auch die hieſigen Schulkinder die in 14 Tag
113. RM. mit 10=Pfg.=Einlagen geſpart haben. Eine ähnliche E
richtung hat auch die hieſige Volksbank für die Erwachſenen eingerich
indem wöchentlich Sparmarken ausgegeben werden. Den jungen S
rern rufen wir zu: Junges Blut, ſpar dein Gut, Nor im Alter w
tut! Ein Lindenfelſer zum Dr.=Ing. Der Wjähr
Sohn einer hieſigen Bürgersfamilie hat nach vorausgegangener Diple
arbeit nunmehr ſeinen Dr.=Ing. zugeſprochen bekommen. Wir gratu
ren Herrn Dr.=Ing. Ludwig Vogel zu ſeinem ſchönen Erfolg.
* Seeheim, 27. Nov. Totenſonntag. Am Totenſonntag f
ſich eine ſolch große Trauergemeinde im Gotteshauſe um 10 Uhr
ſawmen, daß der letzte Platz beſetzt war. Hatte doch im letzten Kirch
jahr die Totenglocke 20mal geläutet: 14 Aeltere, 2 Menſchenkinder
blühenden Jugendalter, 2 Kinder und 2 aus mittleren Jahren wa
zur letzten Ruhe gebettet worden. Anknüpfend an die vielfach übliche
zeichnung Totenfeſt führte der Ortsgeiſtliche, Herr Pfarrer Marguth,
gewohnter Gründlichkeit die Trauergemeinde hin auf die Frage: 2
finden wir Troſt und Freude auch im Leide? Die erhebende Prel
wurde durch Daubietungen des Kirchenchors würdig umrahmt. Er
3 Choräle von S. Bach und A. Mendelsſohn. Nach Beendigung
Gottesdienſtes ſuchte man die mit Blumen veichgefchmückten Gräber
währenddeſſen der Poſaunenchor weihevolle Choräle blies. Leider
hinderten Sturm und Regen ein längeres Verweilen und Sinnen an
Gräbern. Am Nachmittag fand, wie üblich, eine liturgiſche Feier
die Gefallenen ſtatt. Von der altteſtamentlichen Klage um die gefalle=
Helden ausgehend, wurde die Gemeinde hingelenkt auf den Gedar
der Ewigkeit und des ewigen Lebens. An die einzelnen Schriftleſun
ſchloſſen ſich jedesmal ſtimmungsvolle Einzelgeſänge des Herrn Ru=
Feh=Darmſtadt an, der in ergreifend inniger Weiſe Lieder von R
Hiller, Schubert und F. Mendelsſohn ſang. Frau Pfarrer Margt
Sehrt begieitete den Sänger mit zarten Regiſtern an der alten Or.
An den Gottesdienſt ſchloß ſich Grabgeläute an für diejenigen, für
einſt im fremden Lande keine Glocken geläutet hatten.
Bb. Bensheim, 2. Nov. Der Volksbund für Kriegsgr
berfürſorge, Ortsgruppe Bensheim, veranſtaltete am Sonn
vormittag im hieſigen neuerbauten, ganz modernen Lichtſpieltheg
We=Te=Ko=Li eine ſehr eindrucksvoll verlaufene Gefallenengedächtr
feier. Herr Juſtizoberinſpektor i. R. Schlörb eröffnete die Feierſtur
mit warmen Worten, torauf Herr Lehrer Goebel einen ſchlicht 1
ernſt gehaltenen, von vielen klaren, ſchönen Lichtbildern unterſtütz
Vortrag über die Ruheſtätden unſerer im Weltkrieg Gefallenen, die
früheren Feindesland begraben wurden, hielt. Rund eine Million de
ſcher Krieger, davom 442 000 als namenlos zu bezeichnende, da ihre Jd
tität nicht mehr feſtzuſtellen war, ruhen in fremder Erde, und iſt es
ſchöne, edle Aufgabe des Volksbundes, der ſeine Mitglieder in 43 de
ſchen Gauverbänden zählt, die Pflege und würdige Unterhaltung je
Kriegergräber durchzuführen, wozu er ſich mit 28 früheren feindlic.
Ländern unter Anwendung von 12 fremden Sprachen in Verbindt
geſetzt hat. Die Morgenfeier hier war ſo gut beſucht, daß die wei
Räume des ſchönen Lichtſpielhauſes, das deſſen Beſitzer, Herr W.
münſter, in uneigennütziger Weiſe zur Verfügung geſtellt hatte, der
beſetzt waren, daß viele keinen Eintritt mehr finden konnten.
für den Nachmittag geplante Totenfeier, die, wie alljährlich, von
evangeliſchen Gemeinde unter Mitwirkung des evangeliſchen Poſaun
chors auf dem Friedhofe abgehalten werden, ſollte, mußte des andaue
den Regens und Sturmes halber ausfallen, während im benachbar
Auerbach die Schulkinder in Begleitung ihrer Lehrer am Samstag *
mittag auf dem Heldenfriedhof und am Ehrenmal der Weltkrieger du
eine ſchlichte Gedenkfeier den Totenſonntag einleiteten, indeſſen vorn
tags der Kriegerverein nach dem Hauptgottesdienſt mit ſeiner Fahne
am Ehrenmal einfand, woſelbſt Herr Lehrer Adam Scherer, der zw
Vereinsvorſitzende, in einer ergreifenden Anſprache der Gefallenen
dachte und auf die Nor der heutigen Zeit hinwies. Mit einem Kr.
als Gruß an die Gefallenen ehrte der Verein ſeine Helden. Auch
Auerbach mußte der ſchlechten Witterung halber am Nachmittag
Totengedenkfeier auf dem Friedhofe ausfallen.
Hirſchhorn, 27. Nov. Waſſerſtand des Neckars
26. November 1,34 Meter, am N. November 2,16 Meter.
Gernsheim, 27. Nob. Waſſerſtand des Rheins
26. November 0,96 Meter, am 27. November 1,24 Meter.

Bingen, 26. November
Nachdem der Stadtrat von Bingen ſowie die Gemeindebertre
von Büdesheim ihre Zuſtimmung zu der Eingemeindung von Bul
heim nach Bingen bereits vor längerer Zeit erklärt hatten, war
Angelegenheit in der letzten Zeit ins Stocken geraten. Auf Betreiben
Verwaltung der Stadt Bingen ſoll die Eingemeindung von Büdes9
nunmehr beſchleunigt durchgeführt werden. Miniſterialrat Dr. Siet
von der heſſiſchen Regierung weilte in dieſer Angelegenheit in Diue
und Büdesheim, um die letzten Verhandlungen zu erledigen. Wie
geteilt wird, ſoll die endgültige Eingemeindung am 1. April 1929 b
zogen werden. Büdesheim hatte nach der letzten Volkszählung
Jahre 1925 rund 3594 und Bingen 10 331 Einwohner, ſo daß die S"
Bingen alsdann über eine Einwohnerzahl von rund 14000 het
verfügen würde. Neuerdings machen ſich auch, hauptſächlig
Bingberbrück aus, Beſtrebungen bemerkbar, um auch dieſe Geit
nach Bingen einzugemeinden. Hier ſind jedoch die Schwierit
größer, da Bingen heſſiſch und Bingerbrück preußiſch iſt. Die 2
handlungen mit den beiden Ländern Heſſen und Preußen ſind L."
aufgenommen, um auf dem Wege des Austauſches von ange.
bieten Bingerbrück zu Heſſen zu ſchlagen. Ob die Verhanol..
allerdings zu einem erfolgreichen Ende geführt werden können, ſe..
nicht feſt. Sollte die Eingemeindung von Bingerbrück ebenfals 2c.
werden, ſo würde Bingen auf eine Einwohnerzahl von rund 19
Perſonen anwachſen.
40. Nackenheim, 27. Nov. Bürgermeiſterwahl. de
am Sonntag dahier ſtattgehabten Bürgermeiſterwahl erhiell
Reoroneter A. Sans 643, Ortskrankenkaſſenrechner Lenz 244, Gemeinde
Hebling 154, und der frühere Beigeordnete Paul Bender 151 Srlt
Sans iſt ſomit mit einer Mehrheit von 85 Stimmen gewäst
Wahlbeteiligung betrug 91 Prozent. Der gewählte Kandiogt. O
ſteht dem Zentrum nahe.

[ ][  ][ ]

Rummer 431

Mittwoch den 28 November 1928

Seite 7

F. Eberſtadt, 27. November.
* Am 1. Nobember 1928 konnte die Provinzial=Pflegeanſtalt in Eber=
ſtadt
auf ihr 25jähriges Beſtehen zurückblicken. Die Anſtalt hat während
dieſer Zeit ihre Daſeinsberechtigung bewieſen, und die ſoziale Arbeit
des Provinzialausſchuſſes der Provinz Starkenburg, die mit der Errich=
tung
der Anſtalt in ein weithin ſichtbares Stadium getreten war, in
vollem Maße gerechtfertigt. Tauſende von Kranken und Siechen jeden
Alters haben in den 25 Jahren in der Anſtalt pflegliche Aufnahme und
ein Heim gefunden; viele durften genefen, andere ihren Lebensabend
in Ruhe und Frieden beſchließen. Letztere ruhen nun auf dem nahe=
gelegenen
Friedhof der Gemeinde. Die Anſtalt ſelbſt iſt ein unzertrenn=
liches
Glied der Gemeinde Eberſtadt geworden, ein Wahrzeichen am ſüd=
lichen
Ausgang des Ortes, mit ihren großen und wuchtigen Bauten,
am Waldesrande ſanft eingebettet; ein Bild der Abgeſchloſſenheit von
dem haſtenden Getriebe der Zeit darbietend.
Nichts liegt näher, als aus Anlaß des 25jährigen Beſtehens der
Anſtalt einen Blick zurückzuwerfen auf die Geſchichte ihrer Entſtehung
und die Entwicklung, die ſie innerhalb dieſer Zeit genommen hat.
Vor nun mehr als 50 Jahren, im Jahre 1877, wurden vom Pro=
vinzialausſchuß
Erhebungen darüber angeſtellt, wieviel hilfs= bzw. an=
ſtaltsbedürftige
Perſonen ſich damals in den einzelnen Kreiſen der Pro=
vinz
befanden. Das Ergebnis war folgendes:

Kreiſe Ein= einſchließl. wohner= Städte zahl Darmſtadt 73 561 Bensheim 45 398 Dieburg 52 222 Groß=Gerau 35 697 Erbach 47 583 Hexpenheim 41905 Offenbach 73 804

Zahl der

hilfloſen unterſtützten Perſonen 133 105 149 102 2: 212 3 160 18 162 141 138

Bezahlte
Unterſtützung
jährlich Mk.
8 720
6 463
15 746
8990
9575
11603
16 120

Daraus ergibt ſich, daß für einen damals in unmittelbarer Pflege
der Gemeinde ſtehenden unterſtützten Hilfloſen monatlich 7 Maxk oder
täglich 23 Pfennig aufgewendet worden ſind. Es iſt klar, daß man mit
ſolchen Mitteln auch zur damaligen Zeit keine gedeihliche Pflege ge=
währen
konnte. Kein Wunder, daß da und dort ſolche Bedauernswer=
ten
Menſchen als Opfer der ſozialen Rückſtändigkeit der Gemeindebehör=
den
in ihrem eigenen Elend zugrunde gingen oder zur Schande der
Gemeinde dem Spott der Jugend ausgeſetzt waren.

Durch Beſchluß des Provinzialtages vom 22. Juni 1878 wurde dann
auch der Provinzialausſchuß beauftragt, weitere Ermittelungen wegen
der Errichtung einer Provinzial=Pflegeanſtalt anzuſtellen und dem
ordentlichen Provinzialtage im nächſten Jahre Vorlage zu machen. Das
iſt auch am 29. Juni 1879 geſchehen. Es ſollte eine Anſtalt für etwa
300 Pfleglinge auf einem Gelände von 1015 Morgen für 320000 Mk.
errichtet werden. Als Vorbild diente die im Jahre 1877 errichtete Kreis=
Pflegeanſtalt in Freiburg i. Br. Aber trotz des allſeitig anerkannten
dringenden Bedürfniſſes wurde der Antrag des Provinzialausſchuſſes
vom Provinzialtag abgelehnt und die Sache zu weiteren Ermittelungen
zurückverwieſen. Dieſe Ermittelungen haben über 20 Jahre in An=
ſpruch
genommen, das heißt, die Angelegenheit hat ſo lange faſt voll=
kommen
geruht. Erſt am 23. Juni 1900 hat der Provinzialtag den Bau
einer Pflegeanſtalt beſchloſſen. Die Ausführung erfolgte im Jahre 1902
nach den Plänen des Bauinſpektors, Schneller=Offenbach a. M.
durch den Architekten Georg Scherer=Darmſtadt zur Zeit des Pro=
vinzialdirektors
von Grancy. Als Anſtaltsleiter wurde Direktor
Dr. Textor gewonnen, der bis dahin Oberarzt am Landeshoſpital
in Hofheim war. Der Betrieb in der neu errichteten Anſtalt wurde
am 1. November 1903 aufgenommen. Nach der dem Be=
ſchluß
des Provinzialtages zugrunde gelegten Vorlage ſollte die Anſtalt
für 500 Betten gebaut werden. Die Koſten für den Bau waren auf
640 000 Mark und für die erſte Einrichtung auf 100 000 Mark, zuſam=
men
auf 740000 Mark, veranſchlagt. Bei einer Geſamtausgabe von
145 000 Mark wäre ein jährlicher Zuſchuß der Provinz von 75 550 Mk.
erforderlich geworden. Die weitere Entwicklung wird durch nachſtehend
verzeichnete voranſchlagsmäßige Anſätze veranſchaulicht:

1905 1914 1918 1927 Geſamtkoſten: 155 052 Mk. 235 484 Mk. 380 044 Mk. 313397 Mk. Provinzzuſchuß: 102 784 37 091 132 611 638 . Staatszuſchuß: 10000 20 000 20000 Pflegekoſten: 62 064 90 000 134 810 126 029 Anzahl der Pfleglinge: 275 425 300 394 Perſonal, überhaupt: 30 40 31 62

Es hat ſich in der Praxis herausgeſtellt, daß es nicht möglich war,
die urſprünglich vorgeſehenen 500 Betten in der Anſtalt aufzuſtellen.
Sie iſt bei 400 Pfleglingen ſchon ſehr ſtark belegt.

Die jüngſte Entwicklung iſt gekennzeichnet durch die Aus=
wirkung
des Krieges und der Inflation. Es war eine der vornehmſten
Aufgaben des Provinzialausſchuſſes, den Ernährungsſtandard aus der
Kriegs= und Nachkriegszeit für die Pfleglinge und das Perſonal weſent=
lich
zu verbeſſern. Daneben mußte verſucht werden, die verhältnismäßig
hohen Provinzzuſchüſſe zu verringern, ohne daß der Pflegegeldſatz über
ein erträgliches Maß hinaus zu ſteigen brauchte. Das konnte nur er=
reicht
werden durch eine rationelle Bewirtſchaftung und einen planmäßi=
gen
Ausbau der Gartenkulturen bei der Anſtalt. Durch Umbau des
vorhandenen Treibhauſes und Anlage neuer Rieſelfelder wurde der
Gartenertrag nicht unweſentlich gehoben, während durch Verwertung
der Speiſeabfälle in einer rationellen Schweinemäſterei reichliche und
gute Fleiſch= und Wurſtwaren in eigener Hausſchlachtung gewonnen
wurden. Dazu war allerdings auch ein Umbau und Anbau der Oeko=
nomiegebäude
erforderlich. Unter der ſo geſchaffenen Wagenhalle wurde
ein den neuen Anſprüchen genügender Kartoffelkeller eingebaut, wo=
durch
einem dringenden Bedürfnis abgeholfen und größere Schäden ver=
mieden
wurden. Außerdem wurden eine Reihe Grundſtücke angekauft,
die teils, was das beſſere Feld angeht, zur Verbreiterung der Ernäh=
rungsbaſis
der Anſtalt, und zum anderen Teil zu deren ſpäteren Ver=
größerung
dienen ſoll. Zum An= und Abtransport der Pfleglinge ſteht
ein kleines Perſonenauto zur Verfügung und für den Gütertransport
hat ſich ein zweitonniger Schnellaſtwagen bewährt. Zur Vervollſtän=
digung
des Bildes ſei noch erwähnt, daß die Provinz auch zur Be=
hebung
der dringendſten Wohnungsnot dadurch beigetragen hat, daß ſie
für den Oberpfleger und Obergärtner zwei W.hnungen außerhalb, aber
unweit der Anſtalt, erbaut hat. Daneben mußten erhebliche Aufwen=
dungen
für die längſt fälligen Anſtriche im Innern und für den Außen=
putz
gemacht werden, wenn man die Gebäude nicht verwahrloſen laſſen

ſvöllte, wodurch für die nächſte Zukunft nur entſprechend höhere Koſten
entſtanden wären
Es darf bemerkt werden, daß in richtiger Erkenntnis der Aufgaben
und Bedürfniſſe der Anſtalt es der für die Angelegenheiten der Anſtalt
eingeſetzten Kommiſſion durch tatkräftige Unterſtützung des geſamten
Provinzialausſchuſſes ermöglicht wurde, die Anſtalt zu einem muſter=
gültigen
Betriebe auszubauen. Der derzeitige Direktor, Medizinalrat
Dr. Weiffenbach, hat gerade für den wirtſchaftlichen Ausbau der
Anſtalt ein beſonderes Intereſſe und Verſtändnis bewieſen. Die Kom=
miſſion
wurde in landwirtſchaftlichen Fragen durch das Ausſchußmitglied
Heid=Waldmichelbach und bei Perſonalfragen durch das Ausſchuß=
mitglied
Schmetzer=Offenbach ergänzt und beraten.
Die Zukunftsaufgaben ſind bedingt durch die Tatſache, daß
der Frauenbau in der Anſtalt ſchon ſeit geraumer Zeit überbelegt iſt,
ſo daß Aufnahmen neuer Pfleglinge wiederholt zurückgewieſen werden
mußten. Eine Abordnung des Provinzialtages hat ſich von der Un=
haltbarkeit
dieſes Zuſtandes überzeugt und ſich mit den notwendigen
Erweiterungen der Anſtalt bereits beſchäftigt. Es darf heute ſchon ge=
ſagt
werden, daß bei dem nenen Erweiterungsbau bei der Raumeintei=
lung
ein beſonderes Augenmerk darauf gerichtet werden muß, daß die
Pfleglinge mit ihren verſchiedenartigen Gebrechen nicht zuſammen in
größeren Sälen untergebracht werden, ſondern daß ſie nach Art ihres
Leidens bzw. ihres körperlichen und geiſtigen Zuſtandes nach Möglich=
keit
getrennt untergebracht werden können. Dem beſtehenden Bedürfnis
nach einer lichten und geräumigen, aber überdeckten Liegehalle wird da=
bei
Rechnung getragen werden müſſen.
Es iſt ſicherlich klar, daß die Ausführung eines ſolchen Planes, ins=
beſondere
bei der Berückſichtigung der derzeitigen Geldverhältniſſe, eine
nicht zu unierſchätzende Aufgabe für den Provinzialausſchuß darſtellt.
Aber dieſe Aufgabe muß gelöſt werden und kann nicht auf die lange
Bank geſchoben werden. Es dreht ſich hier um die Aermſten der Armen.
Es beſteht kein Anlaß, daran zu zweifeln, daß der Provinzialtag die
erforderlichen Mittel für die Löſung dieſer Aufgabe bewilligen wird.
Daß die Provinzial=Pflegeanſtalt ſich auch fernerhin ihrer hohen
und ſozialen Aufgabe gewachſen zeigen möge, zum Wohle und Segen
ihrer Pfleglinge, ſei ein Wunſch, der änläßlich des nun hinter ihr lie=
genden
Zeitabſchnittes ausgeſprochen ſei. Möge er in Erfüllung gehen!

Oberheſſen.
v. Friedberg, 25. Nov. Die Bad=Nauheimer Klär= An=
lage
vor dem Friedberger Stadtparlament. Die neue
Bad=Nauheimer Kläranlage, die die Abwäſſer der Badeſtadt nach mecha=
niſcher
und biologiſcher Reinigung der Uſa zuführt, hat bekanntlich im
vergangenen Sommer verſagt und dadurch der hieſigen Bevölkerung und
der Stadtverwaltung Anlaß zu Klagen wegen Veminreinigung des Us=
baches
gegeben. Die Angelegenheit, die inzwiſchen durch reſtloſe Be=
ſeitigung
der Störungen in der neuen Anlage aus der Welt geſchafft
worden iſt, hat bereits die Stadtparlamente von Friedberg und Bad=
Nauheim beſchäftigt, wie wir ſeinerzeit berichteten. Auch in der letzten
Sitzung der hieſigen Stadtverordneten war ſie nochmals Hauptpunkt der
Tagesordnung. Bürgermeiſter Dr. Seyd gab in einer längeren An=
ſprache
eine Erklärung ab, die das Verhalten der Stadtverwaltung in
der Sache rechtfertigen ſollte und zu dem Proteſt der Bad=Nauheimer
Stadtverordneten Stellung nahm. Scharf erwidern wollte Bürgermeiſter
Dr. Seyd nicht, um den neu angebahnten Verſtändigungsver=
handlungen
beider Städte kein Hindernis in den Weg zu legen.
Die Verſammlung billigte durch den Mund Geh. Juſtizrats Dr. Wind=
ecker
einſtimmig die Erklärung und das Verhalten der Stadtverwaltung,
nahm aber zu den von Bürgermeiſter Dr. Ahl=Bad=Nauheim in dem
Aufſatz Wille und Weg gemachten Anregungen zu einem Zuſammen=
arbeiten
beider Städte auf kommunalem Gebiete zunächſt noch keine
Stellung. Bürgermeiſter Dr. Seyd wird das aber in nächſter Zeit tun.
Die ſachlich verlaufene Sitzung kann ein Beweis dafür ſein, daß auch
der hieſigen Stadtverwaltung die Frage der gemeinſamen Arbeit durch=
aus
diskutabel iſt. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde in einer ein=
ſtimmig
angenommenen Entſchließung Stellung genommen gegen eine
etwa beabſichtigte Verlegung der Taubſtummenanſtalt von
hier. Von einem Gerücht, wonach auch die Exiſtenz des Prediger=
ſeminars
gefährdet ſein ſoll, iſt der Stadtverwaltung nichts bekannt.
r. Bad=Nauheim, 25. Nov. Die hieſige Singakademie hat ſich mit
dem Butzbacher Muſikvereinschor zu einem großen Chor zuſammenge=
ſchloſſen
, der über hundert Sängerkräfte zählt und von Muſikdirektor
Roſenmeier geleitet wird. Eine Hauptaufgabe ſieht der Geſamtchor u. a.
in der Pflege der kirchlichen Oratoriumsmuſik in Butzbach und Vad=
Nauheim. Mit einer Schubertfeier will der Geſamtchor im Januar erſt=
malig
vor die Oeffentlichkeit treten.

Geſchäftliches.
Paulaner Mönche waren es, die unter der Regierung des
Kurfürſten Ferdinand Maria 1657 in ihrem Bräuhaus ein zu großem
Ruf gelangtes gutes Bier brauten, das alle anderen übertraf.
Alljährlich am Feſte des Ordensſtifters der Paulaner Mönche ausge=
ſchenkt
, entſtand bald aus dem Namen Heilig Vaterbier auch
Sankt Vaterbier, der altbekannte Salvator. So alte
Tradition iſt mit dieſem guten Trunk verknüpft! Schon vor Weihnachten
beginnt von der alten Brauſtätte der Paulaner Mönche aus, wie all=
jährlich
, wieder von der Aktiengeſellſchaft Paulanerbräu, München, der
Verſand des Spezialbieres Salvator. Am 24. Dezember beginnt der
Ausſtoß.
Der gute Rat der unſerer Zeitng heute beiliegt, können
wir unſeren Leſern als gute Hilfe für das große Ueberlegen zum
IV 19037
Weihnachtsfeſt ſehr empfehlen.

Hauptſchriftleitu.ig: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudoif Maupe; für Feuilleten, Reich und
Ausland und Heſſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. cugen Buhlmann,
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; ſür
Die Gegenwart: Dr. Herbert Neite; für den Inſeratentell: Willp Kuhle; Druc
und Verlag: L. C. Wlitich ſämtlich in Darmſtadt
Fär unverlangte Manuſkripte wird Garantlie der Rückſendung nſch1 Abernommen.

Die heutige Nummer hat 16 Geiten.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Mittwoch, 28. Nov. 6.30: Gymnaſtik e 12.45: Schulfunk,
Roſ. Kleeberg: Neuere franzöſiſche Lyrik. O 13.15: Schallplatten.
O 15.05: Jugendſtunde. Rektor Wehrhan: Freiheitskämpfe deutſcher
Stäm..e: Der Bauernkrieg. O 16.35: Konzert des Funkorch. Neue
Tanzmuſik. 6 18.10: Bücherſtunde. 6 18.30: Kaſſel: Garteningenieur
Hinze: Ratſchläge für den Gartenfreund. O 18.45: Pfarrer Taesler=
Einführung in Goethes Fauſt. 19.15: Dr. Wülker: Neuere
Forſchungen über die Schmarotzer des Menſchen und der Haustiere.
O 19.30: Franzöſiſche Literatur. 6 19.45: Franzöſiſch. O 20.15:
Konzert des Funkorcheſters. Alte Tänze. O 21,115: C. Ebert; Aus
den Werken Conrad Ferdinand Meyers.

Stuttgart.

Mittwoch, 28. Rov. 10.30: Schallplatten. 12.30: Schall=
platten
. S 14: Nachrichten. 15: Kinderſtunde. Tante Gretle, E.
Stockinger. Funkorcheſter, 6 16: J. Ernſt: Briefmarkenkunde für die
Jugend. O 16.35: Frankfurt: Neue Tanzmuſik. 18.15: Dr. Kapps
Conrad Ferdinand Meyer (zu ſeinem 30. Todestag). O 18.45: Dr.
Heim: Reiſen und Studien in Neu=Caledonien. o 19.15: Engliſch,
20: Von Schiffern, Seefahrern und Abenteurern. Leitung: K.,
Köſtlin. Muſikal. Leitung: E. Kahn. Mitw.: Mila Kopp, Elzſabeth,
Gritſch, Elſa Pfeiffer, Th. Brandt, C. Elwenſpoek, E. Stockmger,
Philharmon. Orcheſter, Stuttgart. Mendelsſohn: Ouv. Die He=
briden
. Flibuſtier und Bukaniere. Brecht: Die Ballade von
den Seeleuten. Schallplatte. Freiligrath: Die Auswanderer.
Mörike: Der Zauberleuchtturm. Nietzſche: Nach neuen Meeren.
Meyerbeer: Arie aus Die Afrikanerin London: Der un=
vermeidliche
weiße Mann. Debuſſy: Aus Das Meer. Der
Untergang der Titanic. Wagner: Senta=Ballade aus Der
fliegende Holländer Geibel: Eine Seeräubergeſchichte. Ringel=
natz
: Seemannsgedanken übers Erſaufen. Offenbach: Oup. Ros
binſon Cruſoe‟. Anſchl.: Nachrichten.

Berlin.

Mittwoch, 28. Nov. 15.30: Prof. Dr. Lewandowſki: Der Arzt
als Erzieher in Schule und Haus. (Beſondere Kinder.) o 16:
Geh. Prof. Dr. Gluck: Die experimentelle und kliniſche Erforſchung
allgemeiner organiſcher Erſatzprobleme. 6 16.30: Jugendbühne. Szenen
aus Schillers Werken. O 18.30: Miniſterialrat Richert: Die ſtaat=
lichen
Bildungsanſtalten in Preußen. O 19: Prof. Dr. Wegener:
Die Polarforſchung. (Die nordweſtliche und nordöſtliche Durchfahrt,
O 19.30: Conrad Ferdinand Meyer (Zum 30. Todestag). Eml.
Worte: Otto Stoffregen=Stauffen. Aus den Werken. Geleſen von
L. Müthel. 20: Sendeſpiel: Die Perlenfiſcher. Oper in drei

Prieſterin: Nadir, ein Perlenfiſcher; Zurga, König der Perlenfiſcher
Nurabad, Oberprieſter: Indiſche Perlenfiſcher mit Frauen und
Kindern; Prieſter und Prieſterinnen des Brahma. Ort der Handlung:
Ceylon. O. Anſchl.: Tagesnachrichten. O. Anſchl.: Tanzmuſik. Kapelle
Marek Weber.

Deutſche Welle. Mittwoch, 28. Nov. 10.15: Berlin: Nachrichten.
S 12: Major a. D. Schlee: Ueber Deutſchland mit dem Luftſchiff
Graf Zeppelin. 13.30: Berlin: Nachrichten. S 14.30: Frhr. von
Autenried: Reiſen und Abenteuer: Meine Erlebniſſe im Urwald,
0 15: Rektor Wille: Heimatpflege und Schule. 6 15.30: Wetter und
Börſe. 8 15.40: Hildegard Margis: Weihnachtsgeſchenke für die
Hausfrau und ihre Angeſtellten. 16: Rektor Wille: Heimatpflege
und Schule. O 16.30: Hamburg: Jakobikirche Lübeck: Alte Weiſter
auf hiſtor, Orgel. O 17.30: Prof. Dr. Prion: Das Problem der;
jangfriſtigen Induſtriekredite. O 18: Dr. Münnich: Der unbekannts
Schubert. O 18.30: Franzöſiſch für Fortgeſchrittene. O 18.55: Ing.
Guttwein: Werkmeiſterlehrgang: Arbeitslehre. e 19.20: Prof. Dr.
Mersmann: Einführung in das Verſtehen von Muſik. O 20: Berlin:
Sendeſpiel: Die Perlenfiſcher, Oper in drei Teilen. Anſchl.;
Preſſenachrichten. 6 Danach: Tanzmuſik. Kapelle Marek Weber.

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einem Kein vor der Weſtküſte Norwegens und dem anderen über der
Oſtſee füllt ſich weiter auf. Obwohl der Luftdruck überall anſteigt, ſo
wird die Nordweſtluft noch zu ſtrichweiſen Regenſchauern führen. Die
Niederſchlagstätigkeit läßt aber doch mehr und mehr nach und die Wet=
terlage
dürfte ſich langſam beſſern.

Ausſichten für Mittwoch, den 28. November: Wolkig mit Aufheiterung,
Temperaturen wenig verändert, Nachlaſſen der Niederſchläge.
Ausſichten für Donnerstag, den 29. November: Teils wolkig, teils auf=
heiternd
, keine oder nur ganz vereinzelt geringe Niederſchläge.
Die Heſſ. Wetterdienſtſtelle.

Ort: Wetter: Temp.
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decke

in cm Gießen: wolkig N. 4,2 Aachen: wolkig WSN. 1,0 Hamburg: Regen W. 70 Berlin: Regen WNW. 2,0 München: wolkig W. 0,1 Königsberg: Regen SW. 4,0 Breslau: wolkig WNW. gef. Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen. Feldberg: Nebel NW. 0,2 Taunus
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Seite 8

Mittwoch den 28 November 1928

Nummer 331

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, unſere herzens=
gute
, treubeſorgte Mutter, Schwiegermutter, Schweſter, Schwägerin und Tante

geb. Maas
heute abend um 6 Uhr nach langem, ſchwerem, mit großer Geduld ertragenem
Leiden, wohlverſehen mit den hl. Sterbeſakramenten, im 69. Lebensjahre, zu ſich
in die Ewigkeit zu rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Georg Schäfer, Lehrer i. R.
und Kinder.
Darmſtadt, den 26. November 1928.
Annaſtraße 22.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. November, nachmittags 3 Uhr,
auf dem alten Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bittet man gütigſt abſehen zu wollen. (19176

Todes=Anzeige.
Goit dem Allmächtigen hat es gefallen, unſeren
lieben, guten Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder,
Schwager und Onkel

Straßenwart i. R.
nach kurzem Krankſein im 28. Lebensjahr heute morgen
5 Uhr zu ſich zu nehmen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Johann Schneider, Maurermeiſier
Familie Philipp Schneider, Straßenwärter
Eliſabeth Menges Wwe., geb. Schneider
und 6 Enkelkinder.
Semd, den 27. November 1928.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29. November,
nachmittags 1 Uhr ſtatt.
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Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
bei dem Heimgang unſerer
lieben Mutter

ſagen herzlichen Dank
Die Kinder.
Darmſtadt, 27. Nov. 1928. (19209

Familiennachrichten

Heine Praris
befindet ſich jetzt

Die Geburt ihres
dritten Töchterchens
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Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe innigſter Teilnahme bei
dem Hinſcheiden meines innigſtgeliebten Gatten und
Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, Schwagers
und Onkels
Herrn Jakob Emrich
ſowie für die zahlreichen Kranzſpenden ſagen wir
allen Verwandten, Freunden und Bekannten auf
dieſem Wege unſeren innigſten Dank. Insbeſondere
danken wir Herrn Pfarrer Weiß für die troſtreichen
Worte am Grabe, Herrn Dr. Bernet und den Brüdern
des Herz=Jefu=Hoſpitals für ihre liebevolle Pflege.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Marie Emrich, geb. Roth
Familie Heinrich Emrich.
Darmſtadt, Auerbach (Heſſen), 23. November 1928.
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Nummer 331

Mittwoch, den 28. November 1928

Geite‟)

Herbſtreiſen im Mitteimeer.

Crociera das heißt nicht etwa Kreuzzug, ſondern Kreuzer=
fahrt
, und ſo nennen die Italiener eine Vergnügungsreiſe, die
von einem beſtimmten Hafen ihren Ausgangspunkt nimmt und
nach allerlei Umwegen zu demſelben zurückkehrt.
Die Stella d’Italia, der ſchmucke 11000=Tonnen=
Dampfer der Coſulich Line in Trieſt, hat mit dieſer Herbſtreiſe
ihre vorletzte derartige Tour unternommen. Es wird im Früh=
jahr
noch eine Orient=Crociera veranſtaltet, die Ullſtein in Berlin
belegt hat, und dann wird die Stella in Zukunft den regel=
mäßigen
Dienſt zwiſchen Trieſt und Konſtantinopel vermitteln.
Eine ſolche Crociera ſoll aber auch eine Art Kreuzzug werden,
und zwar gegen den Alltag und die täglichen Sorgen der Berufs=
und häuslichen Arbeiten. Für uns war es ein ſehr erfolgreicher
Kreuzzug; nach wenigen Tagen intereſſiert man ſich nurmehr für
die Ereigniſſe der Reiſe ſelbſt, die Sehenswürdigkeiten der Städte,
die man beſuchte, Waſſer und Luft und last not least den Bord=
klatſch
, der in jedem Breitegrad üppig gedieh. Die Reiſe führte
dieſes Mal von Trieſt über Palermo nach Algier, Sevilla, Tanger,
Gibraltar, die Baleariſchen Inſeln, Barcelona und über Neapel
nach Trieſt zurück.
Ein ſonniger Herbſttag, und ich ſitze an den rauſchenden Waſ=
ern
Gaſteins am Fuße der Berge, die ſchon weit herunter mit
Schnee bedeckt ſind. In Gaſtein werden die Betten gelüftet, die
Saiſon iſt zu Ende und der Winter ſteht vor der Tür. Der Zug
tach Trieſt iſt bereits ganz mit Stella=Reiſenden beſetzt, die ſich
nuſtern. Nächſten Tages betritt man den Dampfer, der auf mehr
IIs drei Wochen zu Hauſe werden ſoll, und die erſten Bord=
orgen
werden wach. Kabine (jeder ſucht auf Schleichwegen, die
eder kennt, eine noch beſſere zu erobern), Platz bei Tiſch ( un=
ſeheuer
wichtig), geographiſche Beſtimmung des Liegeſtuhls (noch
vichtiger), die Mitreiſenden. Jeder Mitreiſende iſt nur mit ſich
elbſt beſchäftigt und zeigt deutliche Spuren von Weltflucht.
lußerdem bilden ſich bald Gruppen und Grüppchen, faſt wie in
inem Parlament. Es ſind Deutſche da aus Norden und Süden,
ind unſere deutſchen Frauen können durchaus neben den Aus=
änderinnen
beſtehen, die Zeit der Lodenfräcke und der Leder=
appen
iſt endgültig vorbei. Da iſt die öſterreichiſche Gruppe mit=
amt
den Nachfolgeſtaaten. Scharmante, ſehr elegante Frauen mit
Nännern von der natürlichen Liebenswürdigkeit des guten alten
Lien. Spricht man mit ihnen, ſo iſt Wien ihr geiſtiger und geſell=
haftlicher
Mittelpunkt, wenn ſie auch einen tſchechoſlowakiſchen,
olniſchen oder rumäniſchen Paß beſitzen (gibt es überhaupt
eute mit öſterreichiſchem Paß?). Eine ſehr bemerkenswerte
jruppe hat ihren Heimathafen wie unſer Schiff in Trieſt, oder
e ſtammt, wie ein Teil der Schiffsbeſatzung, von den kleinen
nſeln Iſtriens, deren Bewohner ſchon zu Zeiten der alten Repu=
lick
Venedig die beſten Seeleute und gefürchtetſten Seeräuber
eliefert haben. Es ſind auch einige Stockitaliener unter unſerer
feſatzung, die Schmidl und Bayer heißen und in der ehemaligen
terreichiſchen Kriegsmarine gedient haben. Sie ſprechen ebenſo
ut italieniſch wie deutſch. Der Kapitän iſt ein vorzüglicher Cock=
il
aus Seebär und Gentleman. Dieſe Geſellſchaft iſt trotz
eſagter Gruppen und Grüppchen innerhalb kurzer Zeit zuſam=
engeworfen
amalgamiert.
Wir fahren! Der Gott der Quernero iſt gnädig, die See iſt
jegelglatt, zwei Tage lang bis Palermo. Ich durchſtreife
rogrammlos die längſt vertrauten Straßen und Plätze und ver=
inge
eine köſtliche Stunde im verwilderten Garten von San
iovanni dei Eremiti. Sarazenentum und Normannentum ſind
tt in Palermo eine künſtleriſche Einheit von unſagbarem Zau=
r
geworden. Mit den Herrlichkeiten von Monreale und ſeinem
tzückenden Kloſterhof kann ſich nichts vergleichen, was wir
äter in Spanien noch ſehen ſollen. In dem Garten von San
fovanni halte ich zwei Amerikanerinnen einen kleinen Geſchichts=
rtrag
, ſie ſind der Meinung, daß Palermo noch zum Königreich
ider Sizilien gehört, über das Muſſolini eine Art Protektorat
1Sübt. Meine Widerlegung intereſſiert ſie nicht ſo ſtark wie ein
ſöner Baum der Grape fruit, die ſie zu Hauſe jeden Tag zum
rühſtück genießen. Dieſer Baum iſt faktiſch vor ein paar Jayren
n einem Gärtner einmal von drüben hierher verpflanzt wor=
n
, aber er iſt glücklicherweiſe das einzig wirklich Amerikaniſche
blieben, was ſich in Palermo befindet.
Algier, in deſſen ſchimmernder Bucht wir zwei Tage ſpä=
landen
, ſoll einen Vorgeſchmack von Afrika geben. Ich habe,
je alle anderen Bordgenoſſen, eine Reihe von Anſichtskarten
it Wüſte, Kamelen und Arabern nach Hauſe geſchickt, ich habe,
iter Eid, eine Taſſe türkiſchen Kaffees getrunken, wie man ihn
Berliner Kaffe am Zoo kaum beſſer und ſicherlich teurer er=
It. Ich habe auch arabiſche Kunſtgegenſtände gekauft, die teils
1s Pforzheim und teils aus Gablonz ſtammten und einem Herrn
iſerer Reiſegeſellſchaft, der ſie ſelbſt fabriziert, zum fünfzigfachen
erſtellungspreis angeboten wurden. Man veranlaßte mich, in
iem echt arabiſchen Reſtaurant zu Nacht zu eſſen, doch flüchtete
von dort in eine nette kleine Braſſerie, die ebenſo gut auf dem
oul Mich vorhanden ſein konnte, und wo ein vorzügliches, ſehr

Darnaliger, Zeit. in. die
Herkunftsgebiete unsere-
berühmter
Edeltabake.
Wieser unserer Lpoche
aufgedrückte Stempel der
SCHNELLEN HHST
kal aber an unserer von.
altersher überkommenen

billiges Pariſer Abendbrot gereicht wurde. Der Kellner ſtammte
aus Grenoble, wo ich einſt ein glückliches Studienſemeſter ver=
bracht
habe, und ſchimpfte auf Algier, das er heiß und teuer fand.
Mir hingegen gefiel Algier, es iſt eine ſehr hübſche, ſaubere fran=
zöſiſche
Provinzſtadt mit vielen Denkmälern franzöſiſcher Gene=
räle
und einem prachtvollen Botaniſchen Garten voll üppigſter
tropiſcher Vegetation. Uebrigens auch einer Anzahl von Arabern,
die auf jedem Münchener Faſchingsfeſt durch ihre ſtilechten
Koſtüme angenehm auffallen würden. Von Afrika habe ich leider
hier keinen Hauch verſpürt, die Juliſonne im Oktober erſchien mir
im Gegenſatz zu dem Kellner der Braſſerie recht angenehm.
Auf der nun folgenden Seefahrt paſſieren wir nachts
die Straße von Gibraltar, und am frühen Morgen
ankern wir an der Mündung des Guadalquivir. Wir
müſſen auf die Flut warten, welche uns den Fluß die
hundert Kilometer bis Sevilla hinaufträgt. O Poeſie der ſpani=
ſchen
Flüſſe, von denen wir ſchon in der Schule gelernt haben:
Wo im Schatten die Kaſtanien rauſchen an des Ebro Strand.
Es iſt allerdings nicht der Ebro, ſondern der Guadalquivir, von
Kaſtanien keine Spur, ganz gewöhnliche Pappeln und Weiden.
Der Guadalquivir ſelbſt trübe und ſtark übelriechend. Wir ge=
noſſen
ihn drei Tage lang im Flußhafen von Sevilla. Ich halte
nichts mehr auf die ſpaniſchen Flüſſe, und ich glaube übrigens
auch nicht mehr, daß am Ebro die Kaſtanien rauſchen. Niemals
würde ich an dieſem Strom mit meiner Dulzinea ſpäzieren gehen,
und kein Klang von Kaſtagnetten, für die ich ohnedies nicht
ſchwärme, könnte imſtande ſein, meinen gar nicht beſonders ent=
wickelten
Geruchsſinn zu übertäuben. Doch da iſt die Sil=
houette
von Sevilla, die ſchon an einer fernen Flußkrümmung
auftaucht, immer mehr an Geſtalt gewinnt, bis man ſchließlich
deutlich die Kathedrale, die Giralda und die Türme des Alkazars
unterſcheiden kann. Die folgenden Tage ſind der Betrachtung die=
ſer
Herrlichkeiten gewidmet. Allen Kunſtgeſchichten zum Trotz
macht die Ornamentik des Alkazars einen größeren Eindruck als
ein paar Tage ſpäter die Alhambra. In der Kathedrale von
Sebilla erleben wir einen Sonntagsgottesdienſt voll geheimnis=
voller
Schauer und vielen zum Gebet gebückten madonnenhaften
ſchönen Spanierinnen. Sonſt erleben wir die Mantillas und
Schals nur in den Geſchäften der Stadt zu horrenten Peſeten=
preiſen
, dieſelben Schals, koſten 2 Tage, ſpäter in Tanger die
Hälfte und am Nachmittag den dierten Teil in Gibraltar. In
Muſeen und anderwärts wird den vielen Murillos gehuldigt,
mir ſind ſie durch die heimatlichen Trauben= und Meloneneſſer
verleidet, und ich habe nach ſo viel genoſſener Süßigkeit, Orna=
mentik
und Dekoration Sehnſucht nach etwas Herbem und un=
mittelbar
Menſchlichem. Sie wird befriedigt durch ein Porträt
von Greco, das den Knaben des Künſtlers darſtellen ſoll und
deſſen brennende Augen uns noch in den Palaſthof der Herzöge
von Alba rerfolgen. Wir haben übrigens beſonderes Glück in
Sevilla, es iſt Columbustag, ein großer Feiertag. Nachmittags
ein Stierkampf und abends ein glänzender Ball im Hotel
Alfons XIII. mit wirkilchen Granden und Rittern vom goldenen
Vlies. Ich ſuche nach Marquis Poſa oder Primo de Rivera.
Erſterer war nachweislich nicht vorhanden, von Primo aber ſagt
man, daß er allgegenwärtig ſei. Die Damen unſerer Stella
haben auf dem Feſt ſehr gut abgeſchnitten. Ich würde mich
deſſen nicht rühmen, aber die ſpaniſchen Zeitungen anderen
Tages erzählten es, und in Spanien ſteht nur Wahres in den
Zeitungen. Und der Stierkampf? Nie hätte ich mich getraut, von
Spanien nach Teutſchland zurückzukehren, ohne einen Stierkamtf
geſehen zu haben. Da die Stierkämpfe im allgemeinen nur Sonn=
tags
ſind, ſo wäre ich faſt in der Lage geweſen, einen Stierkampf
mit allen ſeinen intereſſanten Phaſen zu erfinden, der Bericht
träre ſicher farbenprächtiger ausgefallen. So habe ich zwar an
einem Freitag, anläßlich des Columbusfeſttages war tatſächlich
ein Stierkampf, einen ſolchen mit angeſehen in einer Arena mit
1200) Zuſchauerr: Dieſe Arena und dieſe Menſchenmenge war
auch wirklich ſehenswert. 12 000 Berliner Börſianer, die in einer
einzigen Börſenſtunde Schwankungen von Kurſen der J.G. Far=
benaktien
von 310 auf 210 miterleben und umgekehrt, können ſich
nicht aufgeregter gebärden. Dieſes Volk mit ſeiner urſprüng=
lihen
Begeiſterung für einen Stierkampf war zweifellos das
Intereſſauteſte an dem für nichtſpaniſche Mägen überaus wid=
rigen
Sihauſpiel. Es ſind weniger die Pferde, die aufgeſpießt
werden, als die braden Siiere, die unſer Mitleid erregen. Den
Pferden, die auftraten, konnte man ohne Gefühlsroheit einen
baldigen, wenn auch etwas weniger grauſamen Tod wünſchen.
Jch nehme an, daß die Spanier die letzten Droſchkenpferde aus
aller Herren Länder zuſammenkaufen, um ſie zu dem Galopp
auf die Stiere in Sevilla zu derwenden. Aber die Stiere!
Harmloſe und friedfertige Tiere, deren pſychiſche Verfaſſung
zweifellos Aehnlichkeit hat mit der des Oberregierungsrates aus
dem bayeriſchen Miniſterium, der neben mir eifrig mit ſeinem
Feldſtecher die einzelnen Phaſen des Kampfes verfolgt. Eine
Unterdrückung auch nur unbedeutender bayeriſcher Belange und

DIE BESCHWERLCHRET
EINER.
OielEfetfEisn
Zu. iberwinden, dazu gehörte
noch vor kaum einem hal-
ber
Jahrbundert eir ge-
wisser
Abenterrersinn.,
Heute takrer unsere
labak-Einrkäuter begwern.
ire einem Briuchteil der

auch nur ein beſcheidenes Maß von Gehaltsreduktion könnten
ihn ſicher in ſehr viel echtere Wut verſetzen, als die verzweifelten
Verſuche der Bandarillos, die harmloſen Stiere zu reizen. Kein
einziger der ſechs Stiere, die an dieſem Nachmittag erledigt
wurden, war richtig wild und keinen haben die verſchiedenen
Eskamillos mit dem bekannten eleganten einzigen Degenſtoß
getötet: lind Du tateſt heißt es bei Shakeſpeare, wie wenn
Du in Deinem eigenen Schlachthaus wäreſt. Etwas anderes
war es nicht. Die aus vielen Wunden blutenden Stiere wur=
den
ſchließlich durch eine Reihe von Degenſtößen zur Strecke
gebracht und hinausgeſchleift.
Zwiſchen Sevilla und Malaga bildet vormittags Tanger
und nachmittags Gibraltar ein abwechſlungsreiches Inter=
mezzo
. Tanger iſt um viele Grade afrikaniſcher als Algier, auch
ſehr viel buntfarbiger in Geſichtern und Trachten. In der
Kasbah exerzieren franzöſiſche Soldaten, das heißt Marokkaner,
ſie tun es ſicher ebenſo ungern wie am Rhein, aber mich dünkt,
ſie ſind hier doch mehr am Platze. Ob die Araber, die dem un=
freiwilligen
Kriegsſpiel ihrer Landsleute zuſehen, nicht ihre be=
ſonderen
Gedanken haben, laſſe ich dahingeſtellt, man merkt ihnen
jedenfalls nichts an. Es iſt der bekannte Gleichmut, der dieſes
Volk auszeichnet, von dem jeder weiß, der ſich in ſeinem Karl
May auskennt. Tags darauf führt uns ein Buick, von einem
mutigen ſpaniſchen Burſchen gelenkt, in roſiger Morgenfrühe von
Malaga über die Berge nach Granada. Ich vermiſſe den
Reichtum ſüdlicher Landſchaft, es iſt ein recht wildes Gebirge mit
zackigen Formen, etwa wie die niedrigen Seealpen im Hinter=
grunde
der Niviera. Die Alhambra wirkt unendlich großartig
als Enſemble, in die Details während eines Aufenthalts von
wenigen Stunden eindringen zu wollen, wäre vermeſſen. Dort
vorgenommene Renovierungen wären beſſer unterblieben.
Barcelona iſt ein Klein=Paris, mit einer angenehmen
Seeluft. Man kann dort u. a. moderne Architektur ſtudieren,
wenn man ein reichliches ſpaniſches Diner zu ſich genommen
und auch ſonſt einen guten Magen hat. Die berühmte Kirche
des Architekten Gaudi iſt ein neugotiſches Machwerk ſchlimmſter
Sorte, das bekanntlich nur aus einer äußeren hohen Faſſade be=
ſteht
, während die eigentliche Kirche in einen Keller verlegt iſt,
Die Faſſade ſwird aus Almoſen der kleinen Leute weitergebaut,
es iſt zu wünſchen, daß die kleinen Leute in Spanien bald aus=
ſterben
. Im übrigen rüſtet ſich dieſe betriebſame Stadt, in der
es eine große deutſche Kolonie gibt, auf die Ausſtellung des
Jahres 1929. Die Beſucher werden dort wahrſcheinlich viel in=
tereſſante
Dinge zu ſehen bekommen, nicht zuletzt manche Artikel
made in Germanx. Sehr zu empfehlen iſt den Beſuchern der
kataloniſchen Hauptſtadt ein eingehendes Studium der Karhe=
drale
, ein Bauwerk edelſter Gothik, bei deren Anblick Herrn
Gaudi der Zeichenſtift hätte aus der Hand fallen müſſen. Es gibt
dort auch einen gotiſchen Kloſterhof, der in ſolcher Stilreinheit
tpohl nirgends mehr zu finden iſt. Auch das nächrlichhe Le en
auf den Ramblas, den herrlichen Boulevards von Barcelona,
wdäre zu würdigen, wo das ſüdliche Temperament noch auf=
flammt
und das Volk nach alten Weiſen und modernen Jazz auf
den Straßen tanzt. In dieſer Stadt ſind die Verkehrsſchutzleute
knallrot, es iſt nachweislich noch nie einer überfahren worden,
ſvas mir auch als nachahmungswert erſcheint.
Wir kehren der ſpaniſchen Küſte den Rücken und ſteuern im
immerblauen Meer zwiſchen Korſika und Sardinien hindurch
dem Golf der Parthenope zu. Nach faſt 2tägiger Seefahrt ankern
wir vor Capri, und es iſt höchſte Zeit für die Paſſagiere der
Stella, ſich in die blaue Grotte zu ſtürzen. Einer derſelben, ein
bekannter Fabrikant der Gablonzer Bijouteriewaren, fragt mich,
ob ſie ſehenswert ſei. Ich erkläre ihm, daß er ſie beſtimmt
nach Capri liefern würde, falls ſie nicht ſchon dort
exiſtierte, und merkwürdigerweiſe verzichtet er auf den Beſuch.
Wir laſſen uns ſtatt deſſen noch einmal auf Deck von der Sonne
braten und genießen das Bild des unbeſchreiblichen Golfes, der
ſich vor uns ausbreitet. Es iſt wie ein Hymnus auf des Südens
Fülle und auch die Eindrücke der ſpaniſchen Landſchaft treten in
der Seele zurück. Dort drüben liegt die Stadt mit ihrem Häuſer=
meer
und dem Volk, das kaum weniger buntbewegt iſt, als zu
den Zeiten Goethes. Da liegt Pompei am Fuße des heute fried=
lich
rauchenden Veſuvs mit den unerhörten Schätzen, die die
Neuausgrabungen zutage fördern, und die man glücklicherweiſe
jetzt an Ort und Stelle läßt. Da iſt Sorrent, das ſo gar nichts
von dem Kitſch hat, der ja mit ſeinem Namen verbunden wird.
In Neapel endet für mich und einen Teil der Paſſagiere
die Stellareiſe, während die anderen mit dem Dampfer nach
Trieſt zurückkehren. Es gibt Händedrücke, Abſchiedsgrüße und
wohl auch Abſchiedsküſſe. Bekauntſchaften, ja Freundſchaften,
haben ſich unter den Bordgenoſſen gebildet. Schon bei dem
Kapitäneſſen tags zuvor wurden große Reden gehalten. Ihre
Quinteſſenz iſt Erholtſein und Zufriedenſein: Wir waren
glückliche Menſchen auf dieſem Dampfer ſagte ein deutſcher
Redner. (lück iſt natürlich auch Kitſch, und überdies ein rela=
tiver
Vegriff, aber ich muß annehmen, daß es ein Bordglück gibt,
und daß uns dieſes in vollkommenſtem Maße zuteil geworden
iſt. Herrliches Wetter ſchöne Frauen eine Fülle des Neuen
und Intereſſanten eine vorzüigliche Verpflegung und eine
ausgeſucht höfliche, individuelle, liebenswürdige Behandlung.
Ave Stella! Es geht nordwärts, der Arbeit entgegen.
Dr. L., München, Nov. 28.

kursorge und bis ins Hleiste
gehender Liebevollen Mlege
des eslen labakgewachses
nichts zu andern vermockt.
Darir liest der diefste
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[ ][  ][ ]

Geite 10

Nummer 331

Reich und Austand.
1930 zwei Zepx-linfahrken nach dem
Nordpol.
Die am Dienstag unter Leitung des Reichsver=
Fehrsminiſters von Guérard zwiſchen dem Luftſchiff=
Dau Zeppelin und dem Vorſtand der Internationalen
Studiengeſellſchaft zur Erforſchung der Arktis mit
dem Luftſchiff Aero=Arktis) geführten Verhand=
lungen
haben zu einem Ergebnis geführt. Die Be=
ſprechung
ergab, daß der Luftſchiffbau Zeppelin der
Aero=Arktis das Luftſchiff Graf Zeppelin im Jahre
1930 zu zwei arktiſchen Forſchungsfahrten gegen an=
gemeſſene
Koſtenerſtattung zur Verfügung ſtellen
wird. Dr. Eckener wird nunmehr in den Vorſtand
der Internationalen Studiengeſellſchaft zur Erfor=
ſchung
der Arktis mit dem Luftſchiff eintreten.
Schwerer Automobilunfall.
Weinheim. Auf der Landſtraße zwiſchen
Weinheim und Sulzbach ereignete ſich ein ſchweres
Automobilunglück. Ein Kraftwagen der Strickhwaren=
firma
Stölt in Weinheim ſtieß auf einen Bauern=
wagen
, der mit Langeiſen beladen war. Bei dem
Unfall wurde der im Auto ſitzende 28 Jahre alte
Sohn des Weinheimer Stationsvorſtehers Eberle ſo
ſchwer verletzt, daß er noch an der Unglücksſtelle
ſeinen Verletzungen erlag. Eine zweite ſich im Auro
befindliche Perſon erlitt Verletzungen weniger
ſchwerer Natur.
Die Ratte im Mannheimer Theater.
Mannheim. Im Nationaltheater ereignete
ſich in der Pauſe nach dem erſten Akt im Frei=
ſchütz
, ein nicht alltäglicher Zwiſchenfall. In den
oberen Rängen ertönte ein fürchterlicher Schrei, denn
eine Ratte war über den Rücken einiger Zuſchauer
hinwegſpaziert, um dann in einem kühnen Sprung
im Parkett zu landen, wo ſie angeſichts der vielen
ſchönen Beine Angſt bekam und durch die geöffnete
Tür das Weite ſuchte. Zum Glück war das Haus
gerade hell beleuchtet.
Drei Falſchmünzer verhaftet.
Fulda. Die Poliz=ibehörde iſt einer Bande
von Falſchmünzern auf die Spur gekommen. Drei
polniſche Arbeiter ſind in der Umgegend von Fulda
verhaftet und dem Amtsgericht Fulda zugeführt wor=
den
. Es wurden bei ihnen Ein=, Zwei= und Drei=
Markſtücke in großer Menge gefunden. Sie beſitzen
jedoch keine techniſche Vorbildung, ſo daß man an=
nehmen
kann, daß ſie bei der Herſtellung des Falſch=
geldes
Stellvertreter beſeſſen haben. Die Behörden
haben Formen vorgefunden, die zur Herſtellung von
Falſchgeld verwendet wurden.
Das Autounglück von Königſtein.
Königſtein. Am 2. Juni ereignete ſich, wie
erinnerlich, hier ein ſchweres Autounglück, indem ein
mit ſechs Rennpferden beladener Laſtkraftwagen, der
von Köln kam, auf der abſchüſſigen Limburger
Straß trotz Bremſens in ein ſchnelles Tempo ge=
riet
, den Dachdeckermeiſter Kowald tödlich überfuhr
und äuch ſonſt mancherlei Schaden anrichtete. Das
gegen den Chauffeur Saal aus Köln eingeleitete
Verfahren iſt jetzt endgültig eingeſtellt worden, da
ihm ein ſchuldbares Verhalten nicht nachzuweiſen
war.
Zugentgleiſung.
Odernheim. Am Montag nachmittag, kurz
vor 15 Uhr, entgleiften auf der Glanbrücke vor Bahn=
hof
Odernheim vom Perſonenzug 874 Bad Münſter
a. St.Homburg die Lokomotibe und der Pack=
wagen
. Die Lokomotive ſtürzte über die Brücke und
lag auf dem linken Ufer der Glan. Der Packwagen
blieb an der Brücke hängen. Die Perſonenwagen
blieben im Gleis. Verletzt wurde der Lokomotiv=
führer
Gottfried Laienberger aus Kaiſerslautern, der
mittels Kraftwagen ins Krankenhaus nach Kaiſers=
lautern
gebracht wurde. Der Lokomotivführer Jakob
Püls aus Kaiſerslautern dürfte tödlich verunglückt
ſein, konnte jedoch bis geſtern noch nicht aufgefunden
werden. Die Entgleiſungsurſache iſt noch nicht feſt=
geſtellt
.
Die falſche Prinzeſſin vor Gericht.
Erfurt. Im überfüllten Schwurgericht begann
Martha Barth, das in der Maske einer angeblichen
Prinzeſſin Margarete von Preußen zahlreichern Be=
wöhnern
von Erfurt und Ilmnau Geldbeträge und
Waren herausgelockt hat. Es handelt ſich um 26 Fälle
des Betrugs und Urkundenfälſchung. Die Angeklngte
iſt bereits im Jahre 1921 mit einem Jahr Gefängnis
wegen Urhundenfälſchung und ſpäter zweimat megen Die Regierung in Schleswig habe B=amte nach Shlt
Betrugs und Diebſtahls beſtraft worden MathaVarih geſandt, die die Regierung über die zu treffenden
war zunächſt als Kindermädchen tätig und hat ſpäter Maßnahmen auf dem Laufenden halten. Die Be=
in
verſchiedenen adeligen Familien als Zofe gedient, ſchädigungen am Hindenburg=Damm ſind verhältnis=
Zwei Jahre Gefängnis für die angebliche

Prinzeſſin Margarethe‟.
Im Prozeß gegen die Prinzeſſin Margarethe‟,
die weiblich Konkurrentin Domelas, wurde die
Angeklagte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt,
von denen ein Jahr auf die Unterſuchungshaft ange=
rechnet
wird. Nach Verbüßung von ſechs Monaten
Gefängnis kann auf Strafausſetzung unter Zuhil=
ligung
einer dreijährigen Bewährungsfriſt erkannt
werden.
Zu dem Mord an Profeſſor Kurz.
Berlin. Wie das B. T. meldet, iſt der in
der Nähe der Villa des ermordeten Kunſtmalers Kurz
aufgefundene junge Mann, der eine Schußverletzung
aufwies, inzwiſchen an den Folgen ſeiner Ver=
letzungen
geſtorben. Wie die Feſtſtellungen der Kri=
minalpolizei
ergeben haben, kommt dieſer Fall bei
der Aufklärung des Verbrechens weiter nicht in
Frage, da inzwiſchen feſtgeſtellt wurde, daß der mit
Schußverletzungen eingelieferte Mann durch Leicht=
ſinn
eines anderen beim Entladen einer Waffe den
tödlichen Schuß erhielt.
Ein Räuber zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Trier. Vor dem Trierer Schwurgericht wurde
der Prozeß gegen den Kaufmann Erich Baltruſch
aus Oſtpreußen nach zweitägiger Verhandlung abge=
ſchloſſen
. Der Angeklagte hatte am 13. Oktober 1927
bei einem Raubüberfall auf eine Filiale der Fiuma
Gottlieb den Geſchäftsführer dieſer Filiale Dickles
erſchoſſen und auf einen Verkäufer mehrere Schüſſe
abgegeben. Das Urteil lautete auf 12 Jahre Zucht=
haus
und 10 Jahre Ehrverluſt. Das Gericht ſah als
erwieſen an, daß die Vorausſetzungen für den Para=
graphen
51 nicht gegeben waren, daß alſo kein Däm= ganze Beſatzung, darunter 80 junge Seekadetten, ge=
merzuſtand
vorlag. Baltruſch hatte behauptet, im rettet und vom deutſchen Dampfer Heros über=
Dümmerzuſtand die Tat beaangen zu haben.

Mttwoch den 28 November 1928

Die Auswirkungen der Sturiſiat.
Nachlafſen des Unwelkers. Zahlreiche Schiffsverluſte. Der ungeheure Sachſchaden noch nicht feftgeftellt.

Der Hafen von Munkmarſch auf Sylt.
Selbſt im Wattenmeer zwiſchen der Inſel und der Schleswig=Holſteiner Küſte gingen die Wellen
ſo hoch, daß die Landungsbrücke in Munkmarſch vom Meere vollſtändig überſpült wurde.

Das Strand=Café von Wenningſtedt auf Sylt
wurde von der Springflut völlig unterſpült. Die Hälfte des allen Sylter Sommergäſten bekannten
Kaffeehauſes hängt frei in der Luft.

Rückgang der Aeberſchwemmungen
an der Norzſee.
Nachdem in der Wetterlage ſeit Montagabend
eine ganz erhebliche Beruhigung eingetreten iſt,
liegen am Dienstag weitere Unwettermeldungen nicht
geſtern die Verhandlung gegen das Dienſtmädchen vor. Die Ueberſchwemmungen ſind überall im Nück=
gang
begriffen.
Der Hindenburg=Damm nicht gefährdet.
Berlin. Wie vom preußiſchen Innenminiſte=
rium
mitgeteilt wird, ſind die an der ſchleswigſchen
Küſte angerichteten Sturmſchäden nicht ſo gefähr=
lich
, daß Gefahr für Leben und Eigentum beſteht.
mäßig gering, ſo daß irgendwelche Befürchtungen
hinſichtlich einer Durchbrechung des Dammes nicht
vorliegen.

Schulſchiff Bommern im Kanal
gefugken.

XUnglücksstelle

Die Karte der Unglücksſtelle.
Vierzig Kilometer weſtlich von der Infel Guerneſey
iſt das deutſche Schulſchiff Pommern leck gewor=
den
und nach einigen Stunden Kampf gegen den
Sturm untergegangen. Glücklicherweiſe konnte die
nommen werden.

Die Siurmſchäden auf Helgeland.
Hamburg. Ueber die bereits kurz gemeldeten
Sturmſchäden auf Helgoland meldet die Helgolän=
der
Zeitung, daß der auf der Düne angerichtete
Schaden in ſeinem ganzen Umfange vorläufig noch
nicht zu überſehen iſt. Das Meer hat ganze Gelände=
ſtücke
und bewachſene Flächen verſetzt oder abgeriſſen.
Der Dünenſand bietet das gleiche Bild wie im Jahre
1926 nach der großen Sturmflut. Die Badekabinen,
die aus Sparſamkeitsrückſichten ſtehen geblieben
waren, wurden nunmehr fortgeſchwemmt oder ver=
nichtet
. Das Bollwerk nordöſtlich vom Kurhaus
wurde gänzlich aufgeriſſen und faſt vollkommen zer=
ſtört
. Auf dem Hafengelände konnte der Sturm
keinen Schaden anrichten, dagegen befindet ſich die
ungeſchützte Uferſtrecke an der Biologiſchen Anſtalt in
großer Gefahr. Zu einer Meldung, daß ein Ar=
beitskommando
, das auf der Düne Buſchbefeſtigungs=
arbeiten
verrichtete, infolge des hohen Seeganges
nach der Inſel nicht habe zurückkommen können, iſt
zu bemerken, daß ſich die Leute dort ſtändig aufhal=
ten
und nur gelegentlich am Wochenende ihre Fami=
lien
auf der Inſel beſuchen. Die Helgoländer Zei=
tung
erinnert daran, daß die Mehrheit der Gemein=
devertretung
ſeinerzeit die freigiebig angebotene Hilfe
des Staates abgelehnt habe. Wenn die Helgoländer
ihre Düne vor gänzlichem Verfall retten wollten und
wenn Preußen dann noch das bisher gezeigte In=
tereſſe
haben ſollte, ſo heiße es ſchnell handeln.
Dammbrüche und Verkehrsſtörungen in Belgien
Brüſſel. Zwiſchen Termonde und Grimbergen
ſind an drei Stellen die Dämme der Schelde durch=
brochen
und die Ortſchaften Grimbergen, Morſeke,
Hamme und die Antwerpener Vorſtadt St. Anna
überſchwemmt. Die Eiſenbahnverbindungen ſind un=
terbrochen
. Auch die Kais von Antwerpen ſind jetzt
vollkommen unter Waſſer geſetzt. Da auch die Methe
über ihre Ufer getreten iſt und die Waſſerwerke
überſchwemmt hat, iſt Antwerpen ohne Trinkwaſſer.
Das Sturmwetter in Italien.
Rom. Infolge des Sturmes, der in Süditalien
herrſcht, erleiden die Poſtverbindungen mit Calabrien
und Sizilien Verſpätungen. Es werden große An=
ſtrengungen
gemacht, um die Verbindungen wieder=
herzuſtellen
. Der Sturm hat auch Mittel=Italien
erreicht. Wie aus Iſchia gemeldet wird, hat die
Sturmflut die Provinzialſtraße erreicht. Mehrere
Häuſer ſind durch den ſtarken Sturm abgedeckt wor=
den
. Bei Seſtri Levante iſt die Provinzialſtraße Lot
der Sturmflut teilweiſe ſtark beſchädigt worden, ſo
daß der Auto= und Fußgängerverkehr nur mit größ=
ter
Vorſicht durchgeführt werden kann.

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Die Karte von Sylt.

Die Sturmflut hat durch einen 100 Meter breite
Flutſtrom die ſchmale Halbinſel Ellenbogen im No=
den
und die Halbinſel Hörnum im Süden von de
Mutterinſel Sylt abgetrennt. Weſterland, unſer b
deutendſtes Nordſeebad, ſowie die kleineren Bäde
Wennigſtedt und Kampen, ferner die beiden wichtige
Hafenorte Hörnum (Landungsplatz der Helgolände
Dampfer) und Munkmarſch (Hafen der Wattenmee
Linie) haben außerordentlich große Schäden genon
men. Auch die alten Frieſen=Ortſchaften Keitum ur
Morſum, ſowie Liſt ſind Opfer der gewaltigen Ve
heerungen geworden.

Die Schiffsverlufte.

Kiel. In dem Sturm der letzten Nacht iſt d.
Kieler Dampfer Käthe Grammerstorf, der gleie
namigen Reederei in Kiel=Holtenau, auff der Rei
von England nach Stettin in der Nordſee geſunke
Die 12 Mann ſtarke Beſatzung wurde durch de
deutſchen Dampfer Flora gerettet.
Amſterdam. Holland wurde zum zwaitz
Male innerhalb weniger Tage von heftigem Stur
heimgeſucht. An der Nordſeeküſte ſind zahlreie
Schiffe aller Ngtionalitäten, meiſt aber ſkandinabiſe
und deutſche, in Seenot geraten. Bei Hoek v=
Holland ſcheiterte der norwegiſche Dampfer Chriſtit
Michelſen. Von der Beſatzung ertranken drei M
troſen und der holländiſche Lotſe. Die übrigen bie
undzwanzig Mann wurden von einem holländiſch
Rettungsboot mach ſchwerem Kampf mit der hoe
gehenden See gerettet.
Paris. Nach einer Meldung aus Vigo iſt
der dortigen Bucht eine Fiſcherbarke bei einem 8
ſammenſtoß mit einer anderen geſunken. Drei Man
der Beſatzung ſind ertrunken. Wie aus San Seb
ſtian gemeldet wird, iſt der ſpaniſche Dampfer Am
bal=Mendy, der ſeir Samstag in Seenot war m
Hilferufe ausſandte, auf der Höhe von Saint Jea
de=Luz geſunken. Die aus 24 Mann beſtehende B!
ſatzung wurde von einem Kutter aufgenommen. J
Golf von Gascogne iſt ein Dreimaſter, der mit Bah
ſchwellen von Santander nach England unterwel
war, geſtrandet.: Die neun Mann ſtarke Beſatzu:
wurde gerettet. Auf der Höhe von Middlegate
der franzöſiſche Dampfer Sallandrouze de La
monais geſtrandet; er konnte aber nach mehrſtü
digen Bemühungen wieder flottgemacht werden.
Liſſabon. Der griechiſche Dampfer Vl
ginia, der von einem wportugieſiſchen Dampfer
den Hafen von Leixoes Eingeſchleppt wurde, nachde
er von ſeiner Beſatzung verlaſſen worden war,
nunmehr im Hafen geſutzken. Die Hafenbehörden
abſichtigen, den Schiffsrumpf mit Dynamit
ſprengen.
Im Rordſeeſturm auf den Skrand
aufgelaufen.

echiſche 8200=Tonnen=Dampfer Eugenil
dem entſetzlichen Sturm der letzten Tage
ung im Kanal völlig verloren und lief I
uf die holländiſche Küſte auf. Es iſt gerade
ich, wieſo das Schiff die gefährliche Zuide
ank paſſieren konnte, ohne ſchon dort &
Grund zu geraten.

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Nummer 331

Mttwoch den 28 November 1928

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Sefte 12

Mittwoch den 28 November 1928

Rummer 331

Sport, Spiel
Fußbalt.
Der dezember bringl die Gruppenmeiſter.
In fünf Wochem ſollen bereits die Endſpiele um die Süddeutſche
Fußballmeiſterſchaft und die Kämpfe in den Troſtrunden beginnen. In=
nerhalb
dieſer verhältnismäßig kurzen Friſt müſſen alſo die Entſcheidun=
gen
in den Gruppen gefallen ſein. Es wird das auch möglich ſein, denn
die Höchſtzahl der noch benötigten Spieltage iſt fünf. In einer Reihe
von Gruppen werden ſogar nur zwei und drei Spieltage für die Durch=
führung
der noch ausſtehenden Spiele benötigt. Vorausſetzung iſt aller=
Dings beſſeres Wetter, als wir es am letzten Novemberſonntag zu ver=
zeichnen
hatten. Kommen noch einige ſolcher Regenſonntage, dann drohen
allerdings arge Terminſchwierigkeiten, und es wird kaum möglich ſein,
die Endſpiele zum angeſetzten Termin beginnen zu laſſen.
Die erſte Entſcheidung dürfte wohl in der Gruppe Rhein zu erwar=
ten
ſein. Hier benötigt der V. f. L. Neckarau aus dier noch ausſtehenden
Spielen nur noch drei Punkte, um ſeinen Titel ſicherzuſtellen. Die zwei=
den
und dritten Plätze dürften an V. f. R. Mannheim und den vorjäh=
rigen
Meiſter, SV. Waldhof, fallen. Der nächſte Sonntag wird mit den
Spielen V. f. L. Neckarau gegen V. f. R. Mannheim und Waldhof gegen
Phönix Ludwigshafen vielleicht ſchon die Entſcheidung bringen. Eini=
germaßen
ſicher hat Bayern München die Meiſterſchaft don Südbayern.
Wenn die Bayern am kommenden Sonntag 1860 ſchlagen, dann wird
ihnen der Titel nicht mehr zu nehmen ſein. Sie behalten dann drei
Punkte Vorſprung vor Wacker München bei zwei noch ausſtehenden
Spielen. Verliert aber Wacker München in Regensburg gegen Jahn
was ja durchaus nicht unmöglich iſt, dann kann Südbayern ſchon am
2. Dezember die Bahern als Meiſter nennen. In Nordbayern wird
die Lage bis zum letzten Tage ungewiß bleiben. 1. FC. Nürnberg und
Sp.Vg. Fürth führen mit gleicher Punktzahl (je 20:4) und haben jeder
noch zwei Spiele auszutragen. Wer in dieſen beiden Spielen einen Punkt
einbüßt, hat den Meiſterſchaftstraum ausgeträumt. Es iſt aber anzu=
nehmen
, daß beide Mannſchaften keinen Punkt mehr derlieren, und daß
dann ein beſonderer Entſcheidungskampf notwendig wird. Am Main
erwartet man am 2. Dezember die Vorentſcheidung. Gelingt es der mit
fünf Punkten Vorſprung führenden Frankfurter Eintracht, im Lokal=
derby
gegen den alten Rivalen, Fußballſportverein, auch nur wenigſtens
einen Punkt zu retten, dann wird ihr der Titel nicht mehr ſtreitig zu
machen ſein. Der FSV. wird ſich dann, zuſammen mit Offenbacher
Kickers oder Rot=Weiß, mit der Teilnahme an der Troſtrunde beſcheiden
müſſen. Daß in Heſſen die Wormatia wieder Meiſter wird, iſt ja auch
Evangelium. Die vier Punkte Vorſprung vor Mainz 05 und Iſenburg
dürften genügen, zumal die Wormſer in den fünf noch ausſtehenden
Spielen verſchiedene leichte Gegner haben. Weſentlich ſchwieriger liegen
die Dinge in den drei übrigen Gruppen. In Württemberg hat es jetzt
allerdings den Anſchein, als ſollte der Neuling, Germania Brötzingen,
als Sieger durchs Ziel gehen. Den Brötzingern werden die Stuttgarter
Kickers in den drei noch ausſtehenden Spielen die beiden Punkte Vor=
ſprung
kaum noch abfagen können. Sehr zahlreich ſind hier noch die
Amärter auf den dritten Platz. Sehr ungewiß iſt auch die Situation
in der Gruppe Baden, wo jeder Verein insgeſamt 14 Spiele zu abſol=
vieren
hat. Zurzeit führt der Karlsruher FV. knapp mit 18:4 Punkten
vor Freiburger FC. mit 17:5 und Phönix Karlsruhe mit 14:6 Punkten.
Der KFV. ſteht noch vor einigen ſchwierigen Aufgaben, jedoch neigt man
allgemein dazu, ihm dech die beſten Chancen einzuräumen. Außer den
genannten Vereinen kommt für den zweiten und dritten Platz kein an=
derer
in Frage. In der Gruppe Saau muß jeder Verein 18 Spiele
austragei. Der Tabellenſtand iſt zurzeit folgender: Saar 05 16:6 Punkte,
FC. Virmaſens 15:9. FV. Saarbrücken 14:8. FC. Idar 14:10. Boruſſia
Neunkirchen 13:9. Man ſieht alſo, daß noch verſchiedene Möglichkeiten
offen ſtehen, daß die Lage noch völlig ungeklärt iſt.
Kreisligg-Hüdhefſen.
Durch den Totenſonntag iſt endlich eine willkommene Pauſe für alle
Vereine eingetreten. Die angeſetzten Spiele gelangten nicht zur Aus=
tragung
. Die ſehr erwünſchte Pauſe läßt die Mannſchaften noch einmal
vor der Nachrunde kurz aufatmen und gibt Anlaß zu einem kurzen Rück=
blick
. Olympia Worms als Tabellenerſter hat ſich bis dato recht gut ge=
ſchlagen
, mitunter aber auch mit großem Glück Punkte geholt. Immer=
hin
ſind hier die Meiſterausſichten am beſten. Bürſtadt, Olympia Lam=
pertheim
und Pfiffligheim ſtehen mit einem Punkt weniger gut in der
Tabelle, und man kann nicht wiſſen, was aus dieſen drei punktgleichen
Vereinen noch wird. Nimmt man ſich die Punkte gegeenſeitig nach aller
Regel der Kunſt ab, ſo wird Olympia Worms ſſchon der lachende Vierte
ſein. Lorſch, Biblis und Hespenheim bilden die Mittelgruppe und ſtehen
ſich auch in der Leiſtung eigentlich wenig nach. Man wird dieſes Klee=
blatt
in der Tabelle am Ende kaum ſvo anders zu ſuchen haben. Den

und" Tarnen.
Schluß bilden Horchheim, Pfeddersheim, V. f. L. Lampertheim und Hoch=
heim
, und wird es hier in der Nachrunde wohl noch ein heißes Ringen
wegen des Abſtiegs geben. Die Vorrunde verlief, ausgenommen gering=
fügiger
Bagatellen, allgemein recht gut und wäre zu wünſchen, daß auch
in der Nachrunde nicht über die Stränge gehauen wird.
Handbalt.
Zwei neue Handballmeiſter in Süddeulſchlans.
Sp. Bg. Fürth und Stuttgarter Kickers.
Bei den Gruppenkämpfen im ſüddeutſchen Handball ſallen jetzt die
Entſcheidungen Schlag auf Schlag. Nachdem bereits die beiden Abtei=
lungsmeiſter
der Gruppe Saar in SSV. Saarlouis und V.f.R. Kaiſers=
lautern
ermittelt wurden, brachte der letzte Novemberſonntag zwei neue
Meiſter. In Nordbayern ſchlug der Titelverteidiger Sp.Vg. Fürth
(Pfeil=Nürnberg) mit 8:0 Treffern und ſicherte ſich damit erneut die
Meiſterſchaft ſeiner Gruppe. Es ſtehen war noch einige Spiele aus,
die Fürther Kleeblättler können aber nicht mehr eingeholt werden, wie
aus dem folgenden Stand der Tabelle hervorgeht:
Sp. Vg. Fürth
10 Spiele 68:14 Tore D:0 Punkte.
16:6
1. F C. Nürnberg
93:33
11
15:7
Nürpberger SC.
77:50
11
Auch in Württemberg iſt die Lage geklärt. Die Stuttgarter
Kickers haben am Sonntag den Tabellenzweiten, Sportfreunde Tühingen,
mit 9:1 Treffern geſchlagen. Zwar könnten die Kickers von Tübingen
noch eingeholt werden, dann müßten die Stuttgarter aber in den drei
noch ausſtehenden Spielen noch 5 Punkte einbüßen. Da aber mit Be=
ſtimmtheit
anzunehmen iſt, daß die Kickers wenigſtens noch ein Spiel ge=
winnen
werden, iſt nicht daran zu zweifeln, daß ihnen der Meiſtertitel
erneut zufallen wird. Der Tabellenſtand iſt zurzeit folgender:
Stuttgarter Kickers 9 Spiele 60:10 Treffer 18:0 Punkte.
Sportfrde. Tübingen
11:5
31:B
7:7
2:2
V.f. B. Strttgart
Radfahren.
Der Auftakt zu dem Frankfurter Sechstagerennen.
Pünktlich um 22 Uhr wird am Freitag abend durch den mehrfachen
Deutſchen Meiſter im Fechten, Erwin Casmir, der Startſchuß zum Frank=
furter
Sechstagerennen abgegeben. Vorher beſtreiten ab 20 Uhr Ama=
teure
einige Rennen. Im Mittelpunkt dieſes Auftaktes ſtehen zwei
Halbſtunden=Einzelfahren, die eine ausgezeichnete Beſetzung
gefunden haben. Die beſten Frankfurter Amateure wie Rudolph, Müller,
Siemantel, Koch uſw. treffen mit guten auswärtigen Fahrern, u. a. auch
mit dem Hannoveraner Köther, zuſammen. Beim Sechstagerennen
ſelbſt werden täglich drei offizielle Wertungen ausgetragen. Die Nach=
mittagswertung
wird geteilt, und zwar kommen je 5 Spurts um 14.30
und um 16.30 Uhr zum Austrag. Die Abendwertung beginnt um
22 Uhr, die Nachtwertung um 2 Uhr. Ein großer Teil der Sechstage=
akteure
iſt bereits in Frankfurt eingetroffen, um auf der Sportpalaſt=
bahn
fleißig zu trainieren. Die Bahn ſelbſt iſt in den letzten Tagen
einer gründlichen Prüfung unterzogen worden, einige kleine Verbeſſe=
rungen
konnten vorgenommen werden.
Fechten.
Neue Lorbeeren Helene Mayers.
EP. Mailand, N. November.
In der großen Fechtveranſtaltung von Montag abend hat die deutſche
Weltmeiſterin Helene Maher die italieniſche Meiſterin Mariſa Cerani
leicht mit 10:3 beſiegt. Sie beherrſchte ihre Gegnerin vollſtändig, die
ihrer Klaſſe nicht gewachſen war. Helene Mayer wurde begeiſtert ge=
feiert
und die Zeitungen ſind voll Lobes über ihre Leiſtungen und ihre
gewinnende Erſcheinung. Da zugleich der Parteiſekretär Turati ein
Treffen mit dem Belgier Feherick austwg und mit 10:8 gewann, wohn=
ten
der Veranſtaltung die Spitzen der Behörden und der Mailänder Ge=
ſellſchaft
bei völlig ausverkauftem Hauſe bei. Ebenſo war der deutſche
Generalkonſul Schmitt mit mehreren Mitgliedern der deutſchen Kolonie
anweſend. Der Weltmeiſter Nedo Nadi beſiegte den franzöſiſchen Meiſter
Hauſſy mit 16:12.

Kraftſport.
Athletikſportvereinigung 1886 Frankfurt a. M.Kraftſportverein
Darmſtadt 1910 9:11.
Am Totenſonntag weilte die Ligamannſchaft des Kraftſportvereinz
in Frankfurt bei der Athl. Sp.Vgg. 1886, um den zweiten Verbands=
kampf
der Rückrunde zur Austragung zu bringen. Obwohl erſatz=
geſchwächt
, gelang es ihr trotzdem, der ſtarken Frankfurter Vertretung
obiges Reſultat abzuringen und die Punkte nach Darmſtidt zu ent=
führen
. Sämtliche Kämpfe, unter der korrekten Leitung des Herrn
Buxbaum (Groß=Zimmern) ſtehend, boten in jeder Hinſicht hervor=
ragenden
Kraftſport. Nur das Verhalten des in geringer Zahl er=
ſchienenen
Publikums ließ oft zu wünſchen übrig. Nachſtehend den
Verlauf der Kämpfe:
Fliegengewicht: Sendelbach=Frankfurt-Borowski=Darmſtadt. Da
der Frankfurter Uebergewicht brachte, fielen Darmſtadt die Punkte
kampflos zu. 0:3.
Bantamgewicht: Schweikert= FrankfurtSchwarz=Darmſtadt:
In temperamentvoller Weiſe griff der Darmſtädter ſofort an; in
der dritten Minute konnte er ſeinem Gegner durch Eindrücken der
Brücke das Nachſehen geben. 0:6.
Federgewicht: Berganski=FrankfurtSiegriſt=Darmſtadt. Dies
war wohl der ſchönſte Kampf des Tages. Beide Ringer techniſch
durchgebildet, hielten die Anweſenden dauernd in Spannung. In
der 12. Minute jedoch gelang es Siegriſt, durch Hamerlok und Ein=
drücken
der Brücke über ſeinen guten Gegner die Oberhand zu
behalten. 0:9.
Leichtgewicht: Flemening=Frankfurt-Keitel=Darmſtadt: Beide
führten einen lebhaften Kampf, bei dem der Darmſtädter ſtets der
Ueberlegene war. Nach Ablauf der 20. Minute, in denen der Frank=
furter
ein paarmal mit beiden Schultern touchierte, konnte Keitel
als hoher Punktſieger die Matte verlaſſen. 0:11.
Leichtmittelgewicht: Gerber=FrankfurtTrüber=Darmſtadt: Tru=
ber
, der ſich heute in guter Form befand, lieferte dem vorzüglichen
Frankfurter einen offenen Kampf. In der vierten Minute gelang
es Gerber durch verkehrten Hüftſchwung, zu überrumpeln, und Tru=
ber
mußte nach tapferſter Gegenwehr in der Brückenſtellung ſeinem
Gegner die Punkte überlaſſen. 3: 11.
Schwermittelgewicht: Buchholz=Frankfurt-Breymaier=Darmſt.:
Hier ſtand Technik gegen Kraft. Der von Kampf zu Kampf beſſer
werdende Breymaier mußte ſich ſeinem techniſch beſſeren Gegner
nach drei Minuten durch Ueberſtürzer am Boden beugen. 6: 11.
Schwergewicht: Kerber=Frankfurt-Ph. Groh=Darmſtadt: Der
Frankfurter konnte nach drei Minuten über den Darmſtädter Erſatz=
mann
durch verkehrten Hüftſchwung triumphieren. 9: 11.
Mit dieſem Sieg haben die Hieſigen weiterhin ihre derzeitige Stel=
lung
als Tabellenerſter befeſtigt. Nächſten Samstag, 1. Dezember,
ſteigt der dritte Retourkampf, und heißt der Gegner Neu=Iſenburg.
Näheres an dieſer Stelle im Laufe der Woche.
P. Sp.V. Darmſtadt=Babenhauſen (B=Mannſchaft) Kraftſportklub
Siegfried Pfungſtadt 6:15 und 11:9.
Die neu aufgeſtellte B=Mannſchaft trat am vergangenen Sonntag
in einem Vor= und Rückkampf gegen den Kraftſportklub Siegfried
Pfungſtadt zum erſten Male vor die Oeffentlichkeit. Der Vorkampf ging
zwar mit 6:15 an Pfungſtadt verloren, aber im ſofort anſchließenden
Rückkampf konnten ſich die Poliziſten mit dem Reſultat 11:9 bereits
revanchieren. Dieſer Erfolg iſt unter Berückſichtigung des Umſtandes,
daß er beim erſten Auftreten errungen wurde, als gur zu bezeichnen,
um ſo mehr, als 6 Punkte kampflos die Polizei konnte im Fliegen=
und Bantamgewicht keine Gegner ſtellen an Pfungſtadt fielen. Wenn
die Polizeimannſchaft noch fleißig trainiert, wird ſie bald einen achtbaren
Gegner abgeben.
Flugſporl.
Anerkannte deutſche Flug=Weltrckorde.
Die Rekordkommiſſion der F.A.J. hat drei Leiſtungen deutſcher
Flieger als Weltrekorde wie folgt anerkannt:
Höhen=Weltrekord für Wafferflugzeuge Klaſſe C: 500 Kg. Nutzlaſt,
7458 Meter, Pilot Chr. Harder auf Junkers=Eindecker W 34, 420 PS.
Briſtol=Jupiter VII=Motor, aufgeſtellt am 6. November 1928 in Deſſau;
mit 1000 Kg. Nutzlaſt, 6389 Meter, Pilot Franz Kneer auf Junkers=
Eindecher W 34, 420 PS. Briſtol=Jupiter III=Motor, aufgeſtellt am 7.
November 1928 in Deſſau.
Streckenrekord (gerade Linie) für Leichtflugzeuge Kategorie I ( zwei=
ſitzig
, Gewicht unter 400 Kg.): 1305,5 Km., Pilot Hans Wirth und Frl.
Naumann auf Klemm=Daimler=Eindecker, 20 PS Mercedes=Daimler=
Motor, aufgeſtellt am 16. Oktober 1928 in Mieſchkaczo (Polen).

Berichtigung, Herbſtwaldlauf der Techn. Hochſchule. Bei der Ver=
öffentlichung
der Reſultate des Herbſtwaldlaufs der Techn. Hochſchule
wurde als 1. Sieger Jerlich genannt. Die Veröffentlichung iſt dahin
zu berichtigen, daß der Sieger in dieſem Waldlauf Herr Hh. Habich,
Mitglied der Waldlauf=Meiſtermannſchaft des Darmſtädter Sportver=
eins
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Nummer 331

Mittwoch,den 28. Nobbr.

Der Ausweis der Reichsbank.
Berlin. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. November
hat die geſamte Kapitalanlage der Bank in Wechſeln und Schecks, Lom=
bards
und Effekten um 153,5 Mill. auf 1887,9 Mill. RM. abgenommen,
und zwar haben ſich die Beſtände an Wechſeln und Schecks um 120,1
Mill. RM. auf 1 759,1 Mill. RM. und die Lombardbeſtände um 33,4
Mill. RM. auf 36,6 Mill. RM. vermindert. Die Anlage in Effekten
weiſt mit 92,3 Mill. RM. annähernd den gleichen Beſtand auf wie am
Ende der Vorwoche.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 142,5
Mill. RM. in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen; im einzelnen hat
der Umlauf an Reichsbanknoten um 129,5 Mill. auf 4043.3 Mill. RM.
und der an Rentenbankſcheinen um 13,0 Mill. auf 501,3 Mill. RM.
abgenommen. Dementſprechend und unter Berückſichtigung, daß in der
Berichtswoche Rentenbankſcheine in Höhe von 20,9 Mill. RM. getilgt
wrden ſind, hat der Beſtand der Reichsbank an Rentenbankſcheinen
auf 36,0 Mill. RM. abgenommen. Die fremden Gelder zeigen mit
einem Beſtand von 588,7 Mill. RM. eine Zunahme um 19,3 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold= und deckungsfähigen Deviſen insgeſamt
haben ſich um 14,8 Mill. auf 2763,9 Mill. RM. erhöht. Im einzelnen
ſind die Goldbeſtände mit 2573,5 Mill. RM., die Beſtände an deckungs=
fähigen
Deviſen mit 190,4 Mill. RM. ausgewieſen. Die Deckung der
Noten durch Gold allein beſſerte ſich von 61,4 Prozent in der Vorwoche
auf 63,6 Prozent, diejenige durch Gold= und deckungsfähige Deviſen
von 65.9 Prozent auf 68.4 Prozent.
Von Holzmarki.
ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die Ausſperrung in der Eiſeninduſtrie,
die nachlaſſende Bautätigkeit und der unbefriedigende Geſchäftsgang in
der Möbelfabrikation üben auf die Lage am Holzmarkt einen ungünſti=
gen
Einfluß aus. Die Unſicherheit iſt groß, die Unternehmungsluſt iſt
zurückgegangen. Dazu kommt, daß die Verbraucher von Händlern, die
kein Vertrauen zu der Preisentwicklung haben, zum Teil zu billigen
Preiſen beliefert werden. Man ſtößt auf ſehr verſchiedenartige Preiſe
beim Verkauf des Schnittholzes. So werden z. B. polniſche Stamm=
kiefern
in guten Spezifikationen im Rheinland zu 145 Mark frei Ver=
wendungsſtationen
, aber auch ſchon zu 137 Mark angeboten. Daß die
Sägewerke, von denen billige Angebote ausgehen, bei ſolchen Preiſen ihr
Auskommen finden können, iſt ausgeſchloſſen. Unter dieſen Offerten
leidet vor allem der legale Zwiſchenhandel, der im Frühjahr eingekauſt
und das Material unter Aufwendung von Koſten eingelagert hat. Er
iſt genötigt, entweder die Ware zu behalten, oder ſie ohne Nutzen abzu=
ſtoßen
. Die Holzverkaufstermine in den Staats= und Privatforſten kön=
ven
ſich den Auswirkungen der flauen Geſchäftslage nicht entziehen.
Wenn auch bisher keine ſehr großen Verkäufe ſtattfanden, ſo haben doch
die bisherigen Submiſſionen gegenüber dem Vorjahre Preisrückgänge
von 10 bis 15 b. H. gebracht. Häufig zeigte ſich auch eine recht geringe
Beteiligung, die dafür ſpricht, daß die Sägewerksinduſtrie nicht geneigt
iſt, große Engagements einzugehen. Dicjenigen Stellen, die Avalkredite
zum Nohholzeinkauf zu gewähren pflegen, ſind zurückhaltend, man ver=
meidet
es unter dieſen Umſtänden, ſo ſtark wie ſonſt ins Zeug zu gehen,
zumal da es zweifelhaft iſt, ob in der kommenden Saiſon das Intereſſe
am vorzeitigen Einkauf zur ſpäteren Lieferung erheblich ſein wird. Vor
allem iſt wenig Neigung zur Hergabe von Anzahlungen zu finden. Die
Sägewerksinduſtrie kann aber im großen und ganzen ohne Bevor=
ſchußung
größerer Abſchlüſſe, wie bisher üblich, nicht auskommen. Die
Frage der Verlängreung des Holzproviſoriums iſt zum Bedauern der
Fackkreiſe und auch der holzverarbeitenden Induſtrien immer noch nicht
entſchieden, trotzdem die Friſt Ende November gbläuft. Lebhafter ge=
ſucht
junren Erlenbohlen, die knapp ſind.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Beu rheinhefſiſchen Weinbau. Im Weingeſchäft herrſcht in dem
rhlinheſſiſchen Weinbaugebiet ſeit dem Herbſt eine ſehr gute Stimmung.
Der nene Wein iſt bereits ſoweit, daß er probiert werden kann. Die
Qualität befriedigt durchaus und der 1928er iſt als ein guter Mittel=
wein
anzuſprechen. Es zeigt ſich, daß die gehegten Hoffnungen auf
einen neuen 122ler doch nich in Erfüllung gegangem ſind. Verſchie=
dentlich
kamen einige kleine Umſätz= zuſtande, auch in alten Jahrgängen.
So ſvurden in Nierſtein 3 Stüick 1927er zu 1600 und in Harxheim
8 Stück 1927er zu 14091500 Mark verkauft. Für 1928er konnte in
Wörrſtadt einiges abgeſetzt werder zu 930 Mk. Gaubickelheim erlöſte
für die 1290 Liter einen Preis von 1000 Mark. In Wöllſtein hielten
ſich die Preiſe ebenfalls etwa nuf dieſer Höhe mit Begrenzung nach oben
bis 1100 RM.
Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer, A.=G., Frankfurt a. M.
dividendenlos? An der Frankfurter Abendbörſe erfolgte ein ſtärkerer
Kursrückgang in den Kleyeraktien, der mit dem hohen Stand der Bank=
ſchulden
und vorausſichtlicher Dividendenloſigkeit für das am 31. Okto=
ber
abgelaufene Geſchäftsjahr 1927/28 begründet wurde. Tatſächlich be=
ſteht
, wie wir von Verwaltungsſeite erfahren, noch der hohe Schulden=
ſtand
von etwa 13,5 Mill. RM. Allerdings müſſe die Geſellſchaft, die
ohne Obligationenkapital arbeitet und ihren Jahresumſatz von 47 auf
etwa 60 Mill. RM. erhöhte, mit Bankkrediten arbeiten. Wenn man auch
zu der wohl zu erwartenden Dividendenloſigkeit wegen der erſt begon=
nenen
Bilanzarbeiten nicht Stellung nimmt, ſo dürften immerhin die
beabſichtigten Maßnahmen zur Konſolidierung der hohen Bankſchulden
ſich derzögern, wenn nicht ſchwieriger geſtalten.
Gebrüder Adt, A.=G., Wächtersbach. Wie mitgeteilt wird, hat für
die Erben Komm.=Rat Eduard Adt in Enzheim Frau Alfred Adt die
Nichtigkeitsklage und die Klage auf Ungültigkeitserklärung der Vor=
zugsaktien
(18 750 RM.) eingereicht.
Metallnokierungen.
Die Verliner Metalluotierungen vom 27. November ſtellten ſich für
Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam ( Notie=
rung
der Vereinigung für die deutſche Elektrolytkupfernotiz) 151.50
RM. Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner Metallbörſen=
vorſtandes
(die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte
Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium,
98 bis 99proz., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 190 RM., desgl.
in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 194 RM.; Reinnickel, 98= bis 99. 350 RM., Antimon Regulus 8487 RMM., Feinſilber (1 Kilogr.
fein) 790080.50 RM.
Die Berliner Metallnotierungen vom 27. November ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 138.50 (138.75), Februar 138.50 (138.50), März
138.25 (138.50), April 138.25 (138.25), Mai bis Auguſt 138.25 (138.50),
Sept. und Oktober 138.50 (138,75), November und Dezember 138.50
(139.00). Tendenz: ſtetig. Für Blei: Januar bis März 42.50
(43.00) April 42.50 (42.75), Mai 42.75 (42.75), Juni 4250 (42.75), Juli
42,75 (42.75), Auguſt bis Oktober 42.75 (43.00), November 43.00 (43.50),
Dezember 42.25 (42.50). Tendenz: ſtetig. Für Zink: Januar 50.50
(51.25), Februar 50.50 (51.0), März 51.00 (51.00), April 51.00 (51.50),
Mai 51.50 (51.50), Juni 51.25 (52.00), Juli bis September 51.75 (52.00),
Oktober 51.75 (52.25), November 50.50 (51.00), Drzember 50.00 (51.00),
Tendenz: feſt. Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern
Brief.
Diehmärkke.
Mainzer Viehhof=Marktbericht vom 27. November. Die Situation
auf dem Schlachtviehmarkt erfuhr gegen den Vormarkt eine Verände=
ung
inſoweit, als der Auftrieb erheblich geringer war. Es trat bei
Kuhen und Kälbern ein Preisrückgang ein. Bei regem Beſuch und
rühigem Handel verblieben bei Großvieh und Kälbern keine Reſtbeſtände.
Se: Großviehmarkt hatte einen Minderauftrieb von 117 Stück gegen
die Vorwoche. Die Preiſe blieben unverändert bis auf Kühe, die in
der oberen Grenze 1 Mark nachgaben. Der Markt wurde langſam ge=
amt
. Der Kälhermarkt brachte 94 Stück weniger zum Auftrieb wie
* der Vorwoche. Bei langſamem Geſchäft gingen die Preiſe 2 Mark
zurück. Es verblieb kein Ueberſtand. Auf dem Schweinemarkt waren
nur 5 Stück weniger angetrieben. Die Kaufluſt war gedrückt, doch
Lhnten die letzten Notierungen behauptet werden. Es verblieb ein klei=
* Ueberſtand Für 50 Ky. Lebendgewvicht wurden je nach Qualität
Aichende Preiſe erzielt: Ochſen 4854, 4448, Bullen 3243, Kühe 42
bis 44, 3540, 2934, 1829, Färſen 4557, Kälber 5663, 4356,
Schlueine 7378, 7678 und 7880 Mark.

Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 27. November.
Zum Prämienerklärungstag kam ziemlich Material an den Markt
und es machte ſich daher eine allgemeine Zurückhaltung bemerkbar. Das
Geſchäft blieb aus dieſem Grunde klein und beſchränkte ſich im weſent=
lichen
auf einige bevorzugte Werte. Bei uneinheitlicher Kursentwicke=
lung
war die Grundſtimmung nicht unfreundlſh, da der feſte Verlauf
der geſtrigen New Yorker Vörſe, die weitere Entlaſtung des heute er=
ſchienenen
Reichsbankausweiſes und der optimiſtiſch gehaltene Wirt=
ſchaftsbericht
der Deutſchen Bank günſtig aufgenommen wurden. Auch
der weiter ziemlich flüſſige Geldmarkt, trotz des heutigen Ultimos, gab
der Börſe eine Stütze. Trotzdem war aber eine gewiſſe Zurückhaltung
niht zu verkennen, ſo daß gegenüber der geſtrigen Abendbörſe zumeift
Kursabſchwächungen bis zu 1½ Prozent eintraten. Orders von
Publikumsſeite waren kaum vorhanden, nur das Ausland ſoll dagegen
als Käufer aufgetreten ſein, was nur am Elektromarkt für Schuckert
zur Auswirkung kam, und die darauſhin 3½ Prozent anziehen konn=
ten
. Ferner beſtand noch für Bergmann mit plus 2½ Prozent und
Siemens mit plus ¼ Prozent einige Nachfrage. Die übrigen Elektro=
werte
lagen vernachläſſigt und ſchwächer. Am Bankenmaukt hatten Merall=
bank
mit plus 2½ Prozent größeres Geſchäft aufzuweiſen. Dresdener
Bank und Danatbank konnten bis 1 Prozent anziehen. Reichsbank
lagen dagegen auf Realiſationen 1 Prozent ſchwächer.
Auch im Verlaufe blieb das Geſchäft klein und beſchränkte ſich nur
auf die ſchon anfangs bevorzugten Papiere, die gut behauptet blieben
und teilweiſe weiter anziehen konnten. A. E.G. lagen ½Prozent höher.
Reichsbank konnten auf einzelne Deckungen 1 Prozent zurückgeſinnen.
Die Grundſtimmung blieb freundlich, da ſich eine gewiſſe Widerſtands=
fähigkeit
bemerkbar machte. Am Geldmaukt machte ſich zum heutigen
Ultimo eine naturgemäße Verſteifung geltend und Tagesgeld wurde auf
6½ Prozent erhöht. Geld über Ultimo 8 bis 9 Prozent. Am Deviſen=
markt
nannte man Mark gegen Dollar 4,1982, gegen Pfunde 20,346,
London-Kabel 4,3520, Mailand 92,59, Madriß 30,09, Holland 12,07½.
Die Abendbörſe, die durch Sonderbewegungen gekennzeichnet war,
verlief allgemein freundlicher. Beſonders einige Spezialwerte, wie
Schuckert, Siemens, Farbeninduſtrie und ſpäter auch Lahmeher verzeich=
neten
Kursbeſſerungen von 1 bis 4 Prozent. Einem ſtärkeren Kursdruck
unterlagen Adlerwerke Kleyer auf vorausſichtliche Dividendenioſigkeit
und den hohen Stand der Bankſchulden. Renten ohne Umſatz. Im Ver=
lauf
blieb die Abendbörſe gut gehalten. Farben und Schuckert weiter
anziehend. Adlerwerke ſchließlich mit 198½ Proz. angeboten. Im ein=
zelnen
nannte man: Commerzbank 190½, Diskonto 162½, Dresdener
170 Reichsbank 335½, Mansfeld 116, AEG 187, Bergmann 229½,
Daimler 85, Licht u. Kraft 255½, Farbeninduſtrie 262½, Gef. f. El. 268,
Schuckert 252, Siemens 420, Dt. Linoleum 323, Adlerwerke 198½.
Berlin, 27. Novomber.
Die heutige Börſe ſtand undter dem Eindruck der heutigen Prämien=
erklärung
und Liquidation. Trotz des leuhten Geldſtandes übte einige
Prämienware doch einen Kursdruck aus, der ſich allerdings in engen
Grenzen hielt. Nach Feſrſetzung der erſten Kurſe wurde die Tendenz,
ausgehend vom Elektromarkt, allgemein etwas freundlicher. Nach Be=
endigung
der Ultimoberkäufe konnte die Befeſtigung unter einigen
Schwankungen weitere leichte Fortſchritte machen. Ihren Ausgang nahm
die Befeſtigung vom Elektronarkt. Die Börſe ſchlloß nicht ganz einheit=
lich
, doch überwiegend befeſtigt. Größeres Geſchäft hatten bis zum
Schluß des offiziollen Verkehrs Schuckert, Siemens und Bergmann,
Spritwerte und Farben. Auch Kaliwerte blieben gefragt. Die übrigen
Märkte blieben weiterhin ſtill. Nachbörslich blieb die Tendenz weiter
freundlich.

A. E. G.
Augsb.=Närnb. 9
Baſalt
Bergmann.
Berl. Karlsruhe
Berl. Hand.-Ge
Braunkohl.=Bri
Bremer Wolle
Danatbank.
Deutſche Bank
Distontogeſ.
Tresdner Bank..
Deutſche Maſchiner
Deutſche Erdöl ...
Deutſche Petroleum
Tynamit Nobel ..
Elektr. Lieferung .
J. G. Farben.
Gelſenk. Berg.
G. f. elektr. Untern. .
Han. Maſch.=Egeſt. .
Hanſa Dampfſch.
Hapag".
Harpner
Hemoor Zement. . . ."

Kelſingfors
Vien ...
Prag ......
Budapeſt ...
Sofia ....."
Kolland ..
Cslo ...
Kopenhagen
Stockholm ... !
London .....
Buenos Aires
Neu=Yor!
Belgien ..

26 11. 27. 11. 125. 11 127. 11. 1187. 186.75 Hirſch Kupfer .. 131.25 1132.5 98.875 100. Höſch Eiſen .. 132.5 132.25 67. 66.125 Hohenlohe Werke 70 71.5 226. 227. Kahla Porzellan . . 122 75 123. 75.625 75. Kali Aſchersleben 277. 278.5 282.25 282. Salzbetfurth 432.5 488 164.5 164.25 Weſteregeln le77.25 279. 228. 228.75 Lindes Eismaſch 171. 12925 292,5 L. Loewe & Co 247. 244. 168. 168. Lingel Schuh 40. 42.5 161.5 161.25 Mannesmann Röhre 127.75 128 5 168.5 169. Niederlauſitzer Kol 180. 160. 51.25 49.75 Nordd. Lloyd 142.5 143.25 138. 138. Orenſtein.. 105. 105.125 88.5 86.5-87 Bolyphon. 487. 1483. 122.5 120 25 Rütgerswerk 1o4. 104. 172. 171.75 Sachſenwerke 135. 135. 1262. 261.75 Siemens Gla 142.25 1123. 121 75 Ver. Glanzſt= 553. 563.75 268. 26 5.25 Ver. Stahlwe 93. 93. 43. 42,5 Volkſtedt 59.5 58.5 1180. 178.25 Wanderer 127. 127. 143.5 143.5 Wiſſner Me 154. 154. 133. 134.75 Wittener Gußſtahl 48. 48. 1279.5 287.5

Deviſenmarkk.

26. 11. Geld Brief Geid Brief 0.543 10.563 10.539 10.55 58.305 59.025 58.90 159.02 2.418 2.438 12.417 2.437 13 06 3.20 73.05 73.19 3.037/ 3.04. 3.027/ 3.03: 1168.25 68.59 168.30 168.64 11.70 111.92 111.72/111.947 11.74 11.96 111.74 111.96 11.9911 12.21 111.97 112 10 20.32: 20.363 20.323 20.36* 1.766/ 1.770 1.766 1.7704 1 1800 1.198( 4. 1890 4.1970 9.24 50.36 58.25 58.37

25. 11.
Geld Brief
21.945 21.985
16.375 16-415

89.72
67 52
1.26
1.936
3.5005
7.363 7.37

0.83
67.6
31.42
1.940
0.5025

8.71/18.75

27.
Geld
1.95
6.38
10 .69
7.51
1.28
1.931
0.5005
7.3 68
18.6 8
5.425
2.102
4.195
4.285

1.
Brief
21.99
16.4 2
80 .85
67.65
81 44
1.935
0.5025
7.3 82
18. 72
5.435
2.106
4.203
4.294

Produkkenberichke.
Frankfurter Produktenbericht vom 27. November. Die Frankfurter
Getreidehörſe war rnhig. Die Preiſe waren unverändert, nur Weizen=
kleie
wau um eine Kleinigkeit erhöht. Es notierten je 100 Kg.: Weizen
25, Roggen 22. Sonmergerſte 2424,25, Hafer 22,25B,75, Mais
22,25, Weizenmehl 33,2534, Roggenmehl 29,2530, Weizenkleie 13,60
bis 13,75, Roggenkleie 13,75.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
* Chicago, 27. Nob. (Eigene Meldung.)
Weizen: Der Markt nahm einen recht ſchwankenden Verlauf. An=
fangs
bewirkten die ſtetigen Lokomärkte und ungünſtige Wetterberichts
Preisſteigerungen. Dann aber gaben die Termine nach, als die ſtarke
Zunahme der kontraktlichen Vorräte bekannt wurde.
Mais: Auch hier zogen die Preiſe zunächſt an, wuf die Kauftätig=
keit
der Lokofirmen in Dezember= und März=Ware, die beſſeren Lwer=
pooler
Schlußkurſe und die ungünſügen Wetterberichte. Unter Realifa=
tionen
trat dann ein Tendenzwechſel ein, ſo daß die Kurſe anter geſt=
rigem
Niveau ſchloſſen.
Roggen: Einige europäiſche und Loko=Nachfragen, ließen anfangs
die Kurſe anziehen. Später wurde die Tendenz flau und die Kurſe
ſchloſſen bis 158 Cent unter geſtern.
Hafer: Hafer ſchloß ſich der anfangs feſten Haltung der übrigen
Märkte an, doch gingen guch hier die anfänglichen Gewinne wieder bis
zum Schluß verloren.
* New York, N7. Nov. (Eigene Meldung.)
Kaffee: Die Preisgeſtaltung war ſehr unvegelmäßig. Deckungen der
Spehulation bewirkten anfangs Preisſteigerungen im Einklang mit Käu=
fen
europäiſcher Häuſer. Später drückten Realiſationen und Liquida=
tionen
auf die Preiſe.
Zucker: Zunächſt waren die Preife gut beheuptet, auf Deckungen
des Handels und Anſchaffungen kubgniſcher Häuſer. Später drücktem
aber Liquidationen gurf die Preiſe.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 27. Nob.*
Getreide: Weizen: Dez. 115½, März 120½, Mai 123½; Maist
Dez. 84½8, März 87½, Mai 90½; Hafer: Dez. 46½, März 47,
Mai 47½: Roggen: Dez. 101½, März 105½, Mai 107½8.
Schmalz: Nov. 11,25, Dez. 11,25, Januar 1929 11,80, März
12,05.
Fleiſch. Rippen: Dez. 10,75. Januar 110: Speck, loko
10,75; leichte Schweine 8,008,70, ſchwere Schweine 8,/408,80;
Schweinezufuhren: Chicago 35 000, im Weſten 125 000.
Baumwolle: Dezember 19,95, Januar 20,00.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 27. Rob.?
Getreide. Weizen: Rotwinter 156½, Hartwinter 132½: Mais,
neu angek. Ernte 985; Mehl, ſpring wheat clears 5,756,00;
Fracht: nach England 3,04,0 Schilling, nach dem Kontinent
1617 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 12,00: Talg, extra, loſe 9½;
Kakao. Tendenz: feſt; Umſatz in Lots: 20: Loko: 10;
Dezember 9,63, Januar 9,72, Februar 9,86, März 9,99, April
10,11, Mai 10,27, Juni 10,38, Juli 10,49, Auguſt , Sept. 10,71.
Kleine Wiriſchaftsnachrichken.
Wie wir erfahren, trifft die Meldung eines rheiniſchen Blattes
über Vereinbarungen der Stadt Köln mit der Ruhrgas=A.=G. über die
Gasverſorgung der Stadt Köln nach keiner Richtung zu. Man hat
ſich an maßgebender Stelle bisher weder für eine Ablehnung des An=
gebotes
der Ruhrgas=A.=G. noch für deſſen Annahme entſchieden.
Wie wir erfahren, haben Vorarbeiten von Kommiſſionen über die
Einigung zu einem neuen Vertrage zwiſchen vereidigten und freien
Maklern an der Frankfurter Börſe gewiſſe Ausſichten auf Erfolg, ob=
wohl
noch nicht alle freien Makler ihre Zuſtimmung gaben,
In einer Verſammlung des chriſtlichen Holzarbeiterverbandes für
Rheinland und Weſtfalen wurde die Kündigung des Reichsmanteltarifs
für das deutſche Holzgewerbe zum 15. Februar 1929 gebilligt.
Vom 30. November 1928 ab ſind von den Aktien der früheren
Metallbank und metallurgiſchen Geſellſchaft nur noch die auf die neue
Firma: Metallgeſellſchaft Aktiengeſellſchaft abgeſtempelten Aktien an der
Frankfurter Börſe lieferbar.
Die deutſch=eſtländiſchen Handelsvertragsverhandlungen ſchreiten
nach Ueberwindung der erſten Schwierigkeiten erfolgreich vorwärts. Wie
Blätter melden, ſind die Fortſchritte ſo gut, daß die Unterzeichnung des
Handelsvertrages noch in dieſer Woche erwartet wird.
Unter der Firma Société de Vente des Charbons Lorraine wurdg
mit einem Kapital von 1 Mill. Fr., das auf 5 Mill. Fr. erhöht werden
kann, in Metz eine neue Geſellſchaft gegründet, die den Verkauf lothrin=
giſcher
Steinkohle an Frankreich und das Ausland zum Gegenſtand
hat.
Die polniſche Automobilfabrik des Grafen Stefan Tyſzkiewiſz foll
unter der Firma Stetyſz in eine Aktiengeſellſchaft mit einem Kapital
von 3 Mill. Zl. umgewandelt werden. Zu den Gründern gehören eing
Reihe von Mitgliedern des polniſchen Hochadels, ferner Bank Handlow
in Warſchau und Bank Ziemanſki. Die neue Geſellſchaft kauft gegen=
wärtig
eigene Fabrikgebäude und will in der nächſten Zeit mit der
normalen Produktion beginnen.
Nach der Finaza Italiana gab es im September 1928 in Italien
14 213 (13 279 im Januar 1928) Aktiengeſellſchaften mit einem Aktien=
kapital
von insgeſamt 44,1 (42,3) Milliarden Lire.

9% Dtſche. Reichs
anleihe von 1927
60 Baden Frei=
ſtaat
von 1927.
6% Bay. Freiſtaat
von 1927 ......
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927.
20 ThüringerFrei=
ſtaat
von 1927..
Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
.
Ablöſungsanleih
Dtſche. Anl. Ablö
ungsſch. (Neub.

bietäonleihe. .
80 Bad.=Bad.v. 26
60 Berlin v. 24..
8% Darmſtadt v. 26
Frkf. a. M. v. 20
70 Mainz v. 26...
8% Mannh. v. 26
8% Nürnberg v. 26

30 Berl. Hyp.;B1
8% Frkf. Hyp.Bk.
Pfbr.,
8%
8% Heſſ. Landesb!.
8%o Kom. Landes=
bank
Darmſtadt.
Mein. Hhv. B!
Pfälz. Hyp.Bk
Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft.

84

Ra

0
92
86.5
90.75
92.5
94

97.5
97.5
97.5
97.25
88
85
93.8
85
81.5
98
94.5
97

Nhein.Hhp.=Bk/ 97.75
Rhein.=Weſtf=
Bd.=Crebit . . . . . 97.5
Südd. Bod.
Cred.=Bank
98
8% Württ, Hyp.=B./ 94.25

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöf.=Anl.
+ Ausl. Ser. I
* . Ser,II

3% Daimler Benz
von 27..
0 Klöckner=Werke
Berlin v. 26....
70 Mainkrw.v. 26.
2o Ver. Stahlwke
mit Opt. v. 26..
8% Voigt&Häffner
von 26 ...

6% Bosn. 2. E. B.
v. 1914 ......
4:/,%0 Oſt. Schatz=
anw
. v. 1914
470 Oſt. Goldrente
41/,% Num Gold
von 1913 .... ..
40 Türk. Admin.
1. Badgad
Zollanl.
%0 1913 Ungarn
4/,% 1914
42a Ung. Goldr
Aktien

50
66

86.5

43.5
35.2

20

25

g. Dt. Creditanſt. 13:.
Brauinduſtr. 173
Berl. Handelsgeſ.
Comm. u. Privatb. /188

Darmſt. u. Nt.=Bk.
Deutſche Bank ..."
Eff.=u. Wechſel=
bank
.. . . . . ..
Vereinsbank ..
Diskonto=Geſellſch.
Dresdener Bank ..
Frankf. Bank... . .
Hhp.=B1. .. . . .
Pfdbr.=Bk.....
Gotha. Grundkr. B.
Mein. Hyp.=Bank.
Metallbank . . . . . . ."
Mitteld. Creditbk.
Nürnb. Vereinsbk
Oſt. Creditanſtalt.
Pfälz. Hyp.=Ban
Reichsbank=Ant. ..
Rhein. Creditbk. . .
Hyp.=Bank .
Südd. Bod.=Cr. Bi
Wiener Bankverein

A.=G. f. Verkehrswl
Dt. Eiſenb.=Geſ...
% Dt. Reichsbahn
Vorzge. .. ...."
Hapag ........."
Nordb. Lloyd ....
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.

176
165
91.25
143.5
143
121

Accum. Berlin,
Adlerw. (v. Kleher)/103.5
50 AEG. Vorzug! 88.25
87.5
AEG. Stamm. 185
Baſt Nürnberg . . . 236
Bergm. El. Werke 227.75
BrovnBroverickCiel152
Brüning & Sohn., 1124.251 Holzmann. Phil..

Buderus Eiſen

Cemen Heidelberg!
Karlſtadt!
Chem.Werke Albert
Fabrik Milch
Daimler=Benz..
Dt. Atl.=Telegr.. .
Eiſenh. Berlin.
Erdöl
..
Gold= u. Silb.=Anſtalt. 189
Linoleumwerk. /317
Eichbaum, Brauer
Elektr. Licht u. Kraftl251
Liefer.=Geſ.)
Eſchw. Bergwerk.
Eßlinger Maſchiner
Ettlinger Spinnereil
Faber, Joh., Bleiſt.
F. G. Farbenindſtr. /260.9
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Jetter)
Frkft. Gas .... . . . 143
Hof.
Geiling & Cie. ..
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f. elektr. Un=
ternehmungen
. . /264.75
Goldſchmidt Th. . .! 97.6
Gritzner Maſchinen /119.5
Grün & Bülfinger.
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.)
Harpener Vergbaul
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.!,
Hirſch Kupfer
Hochtief Eſſen ... .1104.25

Holzverk.=Induſtriel 95.25
Zlſe Bergb. Stamml233

85.5
80
138
315
200
54
225
38.5
122.75
86
90.5
121.5
169
134
134.5

183
87
68
34

Genüſſe
Junghans Stamm
Kali Aſchersleben
Salzdetfurth.
Weſteregeln
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R. . . . .".
Klein Schanzl. . . .
Klöcknerwerke ..
Kraftw. Alt=Württ.
Lahmeyer & Co..
Lech. Augsburg ...
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Maintr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br.. ..
Mannesm. Röhren /122.75
Mansfeld. Bergb.
Mars=Werke .....
Metallgeſ. Frankft. /199
Miag. Mühlenbau
Motorenfb. Darmſt.
Reckar). Fahrzeug..
Nicolay, Hofbr. . . . 157
Oberbedar;
Oſterr. AlpineMon.
Otavi Minen ..
Beters Union Frki
Phönix Bergbau../ 91.5
Reiniger, Gebb....
Rh. Braunkohlen
Elektr. Stamml
Stahlwerke . . /136.5
Riebeck Montan
Roeder Gb. Darmſt. 124 75
Rütgerswerke ....

89
275.5
490
279.5
256
108
89
173
110.75
99

264
115
105
134.75
65
21.75
109.5
14.5
102.5
111
59
10425

Schachtleben A. G.
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Elektr.. .
Schwarz Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske.
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Strohſtoff. Ver....
Tellus Bergbau...!.
Thür. Lief.=Geſ...
Tucher=Brauerei..
Nnterfr. Krs.= Elek=
tr
.=Verſ.
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind./ 85.25
Gummifabrik
Berlin=Frankf
Laurahütte . .
Stahlwerke
Ultramarin . .
Zellſt. Berlin. /129
Vogtländ. Maſchin
Voigt & Haeſfner.
Wanß & Frehtag.. 135.5
Wegelin Rußfabrik
Werger Brauerei..
Zellſtoff. Aſchaffbg.
Memel. . . . . 136
Waldho ... . /276

107.75
30

67.75
93
155
71.25
212
138
2723

Allianz u. Stuttg.
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Seite 14

Mittwoch, den 28. November 1928

Nummer 331

Oas sarlorann Jrz.
Roman von Paul Hain.
Copyright 1925 by Verlag Oskar Meiſter, Werdau.
1)
(Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
Hanni, nun iſt es höchſte Zeit, daß du ins Büro gehſt, ſagte
Frau Bergmann leiſe und zwang ein mattes Lächeln, um die
ſchmalen, faſt blutloſen Lippen. Mir iſt ja nun ſchon viel beſſer.
Ich ruhe noch eine Weile nachher wird ſchon Frau Eiſoldt von
drüben ein bißchen nach mir ſehen. Aber du darfſt dich nun nicht
länger verſpäten, Kind.
Ja, Mutter ich muß nun wohl gehen
Zögernd kamen die Worte aus dem Munde des jungen Mäd=
chens
, das in ſchlanker Anmut neben dem Bette ſtand und zärtlich
die müden Hände der Mutter ſtreichelte.
Ihr Blick ging durch das Zimmer. Sie hatte alles in Ord=
nung
gebracht auch die Stube nebenan, das Wohnzimmer der
kleinen Wohnung, zu dem die Tür offen ſtand, war ſchon lange
ſauber gemacht und gelüftet worden. Seit zwei Stunden war
Hanny Bergmann bereits auf den Beinen ſie hätte ſchon eine
Weile im Büro ſein müſſen. Aber da war wieder dieſer böſe
Schmerzanfall gekommen, der Frau Bergmann laut aufſchreien
ließ und ſie mußte bleiben, mußte die Kranke feſthalten und
ihr in den Qualen ihres zerrütteten Körpers beiſtehen, der nun
ſchon wieder ſeit Wochen heimgeſucht wurde.
Geh, Hanni
Leiſe ſagte es die Kranke.
Du darfſt nicht zu ſpät kommen. Herr Wittegaſt wartet auf
dich. Der Anfall iſt ja vorbei. Und zum Abend bin ich wie=
der
wohlauf. Da kommt ja dann auch der Arzt
Hanni nickte der Mutter freundlich zu.
Ich ſage Frau Eiſoldt Beſcheid ſie ſoll dir am Nachmit=
tag
Geſellſchaft leiſten.
Zärtlich ruhten die Augen Frau Bergmanns auf der jungen,
reizvollen Geſtalt ihrer Tochter, ihrer Einzigen, die nun wie ein
liebes Wunder mitten in dem Sonnenglanz ſtand, der durch die
Fenſter in das Zimmer ſtrömte. Das ovale, ebenmäßige Geſicht,
dem die großen braunen Augen einen beſonderen anziehenden
Reiz gaben, war von dem weichen Gekräuſel des dunklen Haares
umrahmt, das die Ohren faſt verdeckte. Frei und hell glänzte
die Stirn.
Hanni ſchlüpfte in die leichte Koſtümjacke. Alle ihre Bewe=
gungen
waren beſtimmt, ſchnell und zeugten von einer ſchönen,
klaren Sicherheit. Aber trotzdem war viel Weichheit und Schmieg=
ſamkeit
darin. Eine natürliche Anmut, die ſich ihrer ſelber kaum
bewußt war.

Auf Wiederſehen, Mama .
Auf Wiederſehen, mein Kind Und ängſtige dich nun nicht
mehr. Vorläufig habe ich Ruhe
Hanni küßte ihre Mutter auf die Stirn, dann huſchte ſie aus
dem Zimmer. Die Vorſaaltür fiel hinter ihr zu.
Auf der anderen Seite des Treppenflurs wohnte Frau
Eiſoldt, eine Rechnungsratswitwe, ſchon in den hohen Sieb=
zigern
, aber noch immer rüſtig und voll Humor. Hanni Berg=
mann
war auch ihr Stolz, und als dieſe nun an ihrer Tür klin=
gelte
, wurde mit verblüffender Schnelligkeit geöffnet.
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Liebe Frau Eiſoldt, wollen Sie bitte heute nicht wieder mal
ein bißchen nach Mama ſehen?. Sie hat eine ſehr ſchlechte Nacht
gehabt, vorhin erſt iſt wieder, ein furchtbarer Anfall vorüber=
gegangen

Das alte, gute Geſicht der alten Dame war voll Mitgefühls.
Dacht’ ich mir ſchon, Hanni, weil ich Sie noch nicht hatte
weggehen hören. Aber natürlich ich gehe gleich nachher rüber.
Und wenn wenn es ſchlimmer werden ſollte, Frau
Eiſoldt
F wer wird daran denken! Ich bin ja doch da paſſe
ſchon auf.
Gewiß aber Sie telephonieren mir dann, nicht wahr?
Sie wiſſen ja die Nummer? Es iſt nur, daß ich ruhiger bin.
Angſthäschen. Der Arzt gibt doch gute Hoffnung.
Ja doch. Aber ich habe Eile. Alſo vielen, ſchönen Dank,
Frau Eiſoldt. Auf Wiederſehen!
Sie eilte die Treppen nach unten.
Die Vormittagsſonne lag über der Straße. Hanni ſah flüch=
tig
nach der Uhr. Es ging auf neun. Um acht ſollte ſie im Büro
ſein. Sie ſchritt der nächſten Halteſtelle der elektriſchen Bahn zu
und wartete dort. In dieſer etwas abgelegenen Seitenſtraße des
Berliner Nordens ging es um dieſe Zeit etwas ruhiger als ſonſt
zu. Die Hauptmaſſe der Angeſtellten und Arbeiter war bereits
lange an ihrer Arbeitsſtätte nur wenige Glückliche, die ſpäter
ihren Dienſt anzutreten brauchten, ſtanden an der Halteſtelle.
Hanni atmete tief auf. Wie hell doch heute die Frühlings=
ſonne
ſchien! Und wie ſauber die grauen Mietshäuſer nun aus=
ſahen
unter dem freundlichen Sonnenglanz. Ja, alle Geſichter,
die ſonſt hier einen ſo mürriſchen Ausdruck hatten, ſchienen an
dieſem Vormittag heller und freundlicher in die Welt zu blicken.
Da kam die Bahn, die Hanni in das Zentrum brachte, dort=
hin
, wo die Arbeit, der Lärm, der raſſelnde Pulsſchlag emſigen
Geſchäftslebens unermüdlich wirkte.

Sie ſtieg ein. Blieb auf der hinteren Plattform ſtehen, und
während ſie durch die Straßen fuhr, in denen immer ſtärker täti=
ges
Leben brauſte, dachte ſie an die Mutter, die nun allein zu
Hauſe lag mit ihren Schmerzen, und deren Geſundheit allein
von ihrer Arbeitskraft, an der raſtloſen Tätigkeit ihrer Finger
auf der Schreibmaſchine, als Privatſekretärin des großen Kon=
fektionskönigs
Wittegaſt, abhing.
Ihr Blick war in ſich gekehrt. Sie ſah kaum, was rings um
ſie herum vorging. Sie fühlte nur, wie ſchwer die Laſt war, die
auf ihrem Herzen lag.
Vie viele Wochen und Monate war es nun ſchon her, daß
ihre Mutter litt. Eigentlich kränkelte ſie ſchon ſeit jener Zeit
vor Jahren , da der Vater ſtarb, der ſo heiß am Leben ge=
hangen
hatte. Ein Unglücksfall hatte ihn plötzlich hinweggeriſſen.
Und es war gut, daß Hanni ſchon zu jener Zeit die Handels=
ſchule
beſuchte und bald ſo weit war, um ſelbſt eine Stellung zu
ſuchen. Die kärgliche Penſion, die Frau Bergmann als Witwe
eines mittleren Beamten bekam, reichte auf die Dauer nicht ſo
weit, um damit auch nur den beſcheidenſten Haushalt zu beſtreiten.
Ja dieſen furchtbaren Schlag überwand Frau Bergmann
nicht ſo leicht. Sie haderte mit dem Schickſal, mit Gott, mit allem,
was gut in der Welt iſt, und es dauerte lange, bis die zärtliche
Fürſorge ihrer Tochter den Schmerz zu lindern begann. Aber
ihre Geſundheit, die Widerſtandskraft ihres ſonſt ſo robuſten
Organismus, hatte einen argen Stoß erhalten. Es kamen Perio=
den
, in denen ihr Herz ihr bedenklich zu ſchaffen machte, und
langſam fraß das Uebel weiter und zog auch anderes in Mit=
leidenſchaft
.
Nun war es ſo weit, daß ſie oft wochenlang das Bett hüten
mußte. Hanni verlor den Mut nicht. Ihre Jugend fühlte ſich
ſtark genug, um den finanziellen Nöten zu begegnen. Sie hatte
ſich eine hübſche Summe geſpart, die dazu dienen ſollte, eine
kleine Erholungsreiſe mit der Mutter im Sommer zu unterneh=
men
. Nun mußte ſie natürlich angegriffen werden, damit der
Arzt und die mancherlei Medikamente bezahlt werden konnten.
Hanni tat es gern und es mußte ja auch ſein. Es gab
da kein Zögern und Ueberlegen. Und zudem: einer war da, der
immer wieder neuen Mut und Troſt in ihre Seele ſprach, wenn
ſie daran dachte, wie die Länge der Krankheit ſo ſchnell an den
Erſparniſſen zehrte. Das war Hubert Wendler, ein Jugend= und
Spielkamerad, der früh verwaiſt ſich als Bankangeſtellter
wacker durch das Leben ſchlug und hoffen konnte, mit ſeinen
reichen Kenntniſſen einmal vorwärts zu kommen und, ehrgeiz=
beſeſſen
, etwas zu werden. Bei ſeinen Vorgeſetzten, war er
geachtet, trotz ſeiner Jugend, und es bedurfte vielleicht nur eines
glücklichen Zufalls, um ihn raſcher in die Höhe zu ſchieben.
Er war für Hanni die Erfüllung ihrer Mädchenſehnſucht, ſo
wie ſie für ihn das ſchöne, leuchtende Ziel ſeines Lebens bedeu=
tete
, für das der koſtbarſte Rahmen gerade nur gut genug war=
(Fortſetzung folgt.)

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Seite 16

Mittwoch den 28 November 1928

Nummer 331

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