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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentiche iAuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſfattet.
Nummer 283
Donnerstag, den 11. Oktober 1928. 191. Jahrgang
2 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
FinanzeAnzeſgen 40 Reſchspfg. Rellamezelſe (92 mm
breitl=ReiſchsmarkAnzeiſgen von auswärts 40 Reſchspfg.
FinanzAnzeſgen 60 Reſchspfg. 92 mm breilte
Relame=
zeile 3,00 Reſchomark. Alle Preiſe in Reſchsmark
(4 Dolſar — 420 Mark. — Im Falle höherer
Gewalt, wſe Krſeg, Aufruhr. Streit uſw. eriſcht
ſede Verpſſchtung auf Erfiüllung der
Anzeſgen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerſchtlicher Beſtrelbung fälli jeder
Rabat weg. Bankonto Deutſche Bank und Darme
ſtädter und Natſonalbank.
Konkordat und Regierungsbüldung
Von unſerer Berliner Redaktion.
Die preußiſche Regierung erlebt bei ihren Parteien und deren
haben das Thema Konkordat zuerſt angeſchnitten, vermutlich
vom Standpunkt der Regierung aus zur Unzeit, weil dadurch mit, daß Preußen bereits im Frühſommer dem vom
Reichsfinanz=
die Verhandlungen in ihrem vertraulichen Charakter geſtört
wur=
wie eine Bombe wirken müſſen. Sie behauptet, daß die Kurie die habe, die dem Luther=Bund auch mitgeteilt worden ſeien, die
Einrichtung von drei neuen Bistümern in Berlin, in Eſſen und
in Kammin in Pommern verlange, daß weiter die Biſchöfe künf= bisher nicht veröffentlicht werden konnten, jedoch mehreren
her=
tighin nicht mehr von ihren Domkapiteln gewählt, ſondern vom
Heiligen Stuhl in Rom ernannt werden ſollen, während die vorragenden Mitarbeitern des Bundes bekannt geweſen ſeien
rung vor der Ernennung beſchränkt bleiben ſoll. Hinſichtlich der
Schulen ſoll man zu einer Formulierung gekommen ſein, wonach
die Kurie von den Beſtimmungen des Artikels 146 Abſatz 2 der
Reichsverfaſſung Kenntnis nimmt, wofür die preußiſche
Regie=
rung ſich verpflichtet, nach Möglichkeiten für die Bereitſtellung
einer genügenden Zahl katholiſcher Bekenntnisſchulen Sorge zu Landtages und des Reichsrates, ſowie in der Vermeidung des
tragen. Amtliche Stellen zeigen ſich über dieſe Veröffentlichungen
beſtürzt und behaupten, daß hier Wahres mit Falſchem vermengt
ſei. Nach unſerer Kenntnis der Dinge entſprechen die Angaben
von der Errichtung der neuen Bistümer den Tatſachen. Ebenſo
iſt es zutreſfend, daß der Kultusminiſter ſich bereitgefunden hat, nächſt nur, daß die Vorſchläge Preußens, die es dem im Sommer
die ſtaatliche Mitwirkung bei der Ernennung der neuen Biſchöfe zuſammengetretenen Ausſchuß unterbreitet hat, ſehr ſtark
uni=
zum Teil preiszugeben. Auch die Erwähnung des Artikels 146
der Reichsverfaſſung in dem Konkordat und das Zugeſtändnis
der Errichtung von katholiſchen Bekenntnisſchulen ſcheinen uns
nicht abwegig zu ſein. Die „Voſſiſche Zeitung” weiſt ſchon darauf
hin, daß die letzten beiden Punkte für die Liberalen untragbar
ſeien, und für die Sozialdemokraten dürften vermutlich die Dinge
ähnlich liegen. Jedenfalls iſt aber jetzt eine Geheimhaltung nicht
mehr möglich. Das preußiſche Kabinett hatte aber eigentlich ſchon
am Dienstag, darüber beraten wollen, hat dann aber am Mitt= Vorſitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung, den Bericht des
woch beraten, allerdings wird uns dazu verſichert, daß das Thema
Konkordat nicht auf der Tagesordnung geſtanden habe.
Vermut=
lich dird aber der Kultusminiſter außerhalb der Tagesordnung
über den Stand der Verhandlungen berichtet haben, und für die
Beſprechung am Donnerstag wird ſich wohl eine eingehende
Be=
handlung dieſer Frage nicht mehr vermeiden laſſen.
Für die Erweiterung der Regierung wird ja auch das
Kon=
kordat von ausſchlaggebender Bedeutung ſein. Der Landtag hat
ſich inzwiſchen vertagt, und die Parteien der Weimarer Koalition
legen keinen großen Eifer an den Tag, mit der Volkspartei zu
einer Verſtändigung zu kommen. Wahrſcheinlich werden die
Ver=
handlungen bis anfangs November feſtliegen. Inzwiſchen ſoll
aber doch die Pauſe benutzt werden, um unter den
Regierungs=
parteien eine Baſis für die Ausſprache mit der Volkspartei zu
finden. Man hatte daran gedacht, der Volkspartei ein
Miniſte=
rium und einen Staatsſekretär anzubieten, worauf die Partei
ſich wohl nicht eingelaſſen hätte. Neuerdings verlautet nun aber,
daß ein großes Nevirement in Preußen bevorſtehe. Die
Demo=
kraten würden alle drei Miniſterien abgeben, während das
Zen=
trum auf das Landwirtſchaftsminiſterium verzichten und den
augenblicklichen Landwirtſchaftsminiſter Steiger im Reichskabinett
unterbringen werde. Dafür würden die Demokraten das
Land=
wirtſchaftsminiſterium erhalten, die Sozialdemokraten das
Han=
delsminiſterium, während die Volkspartei das Kultusminiſterium
und das Finanzminiſterium beſetzen würde. Dieſe Darſtellung
widerſpricht aber in dieſen Einzelheiten ſehr ſtark der bisherigen
Zentrumsauffaſſung. Vorläufig halten wir es für wenig
wahr=
ſcheinlich, daß das Zentrum ſo raſch ſeine Taktik von vor acht
Tagen geändert haben ſollte.
20 oder 40 Milliarden?
* Berlin, 10. Oktober. (Priv.=Tel.)
Auf einem etwas merkwürdigen Umweg äußert ſich das
Reichsfinanzminiſterium jetzt zu der Frage, wie hoch eigentlich
der Altbeſitz an Kriegsanleihe zu bewerten iſt. Die Rechnung
kommt zu dem Ergebnis, daß die Vorkriegsſchuld des Reiches
4,8 Milliarden betragen habe, dazu kämen die Kriegsſchulden in
Höhe von 51,25 Milliarden, die Sparprämienanleihe, mit 2,56
Milliarden und die vom Reich übernommenen Länderſchulden mit
144 Milliarden, das ſind insgeſamt 72 Milliarden, wozu ſpäter
rund 1 Milliarde hinzukamen. Die Geſamtſchuld läßt ſich alſo auf und der Gerichtsverfaſſung bezögen. Wenn ſich in dieſen Beratungen
75 Milliarden ſchätzen. Will man berechnen, wieviel Altbeſitz ſein
können, dann ſind davon zunächſt 15 Milliarden abzuziehen, die
nach dem 1. Juli 1920 von der Reichsanleihegeſellſchaft gekauft
und törichterweiſe ſpäter wieder verkauft worden ſind. Es
blei=
ben alſo 60 Milliarden, bei denen überhaupt die Möglichkeiten
des Anleihealtbeſitzes gegeben ſind. Das Reichsfinanzminiſterium
begnügt ſich auch jetzt wieder mit der Feſtſtellung, daß bisher
kein Anlaß zu der Annahme beſtehe, ein irgendwie erheblicher
Teil von Markanleihe ſei zu Unrecht als Altbeſitz angemeldet
worden.
daß die urſprüngliche Schätzung an vorhandenem Altbeſitz auf
kannt ſind. Das iſt alſo eine Fehlſchätzung von rund 100
Pro=
zent. Wie eine ſolche Verſchätzung möglich war, das iſt eine
tragen haben, ſtark intereſſiert ſind, und es wäre verdienſtlich
ge=
weſen, wenn das Reichsfinanzminiſterium ſeine Denkſchrift an
dungen über Entſchädigungen. Wir wollen hoffen, daß dieſe
ten Enthüllungen beſteht im ganzen Volke das Gefühl, daß mit
dem Alt= und Neubeſitz manches nicht in Ordnung iſt.
Preußens Antwort an Or. Luther.
Die preußiſche Regierung ſcheint einiges Mißbehagen
dar=
über zu empfinden, daß der Lutherſche Erneuerungsbund mit
Preſſe zurzeit wenig Freude. Sozialdemokraten und Demokraten ſeinen Plänen zur Reichsreform jetzt herausgetreten iſt. In einer
mit verſteckten Bosheiten geradezu gepflaſterten Notiz teilt ſie
den. Jetzt kommt die „Boſſiſche Zeitung” mit Einzelheiten, die miniſterium eingeſetzten Ausſchuß zwei Denkſchriften eingereicht
aber mit Rückſicht auf die Gemeinſchaftsarbeit des Ausſchuſſes
ſtaatliche Mitwirkung auf eine Anhörung der preußiſchen Regie= und — jetzt kommt die Pointe — es ſoll zwiſchen den Vorſchlägen
des Luther=Bundes und der Denkſchrift eine ſtarke Aehnlichkeit
beſtehen, eine ſo ſtarke Aehnlichkeit, daß die preußiſche Regierung
andeutet, der Luther=Bund habe die preußiſchen Vorſchläge in
großem Umfange nachempfunden. Nur in der Behandlung des
Begriffes „Reichsland” beſtänden Unterſchiede. Der Luther=
Bund wird ſich vermutlich gegen dieſen verkappten Vorwurf des
geiſtigen Diebſtahls ſelbſt wenden. Wir entnehmen daraus
zu=
tariſch eingeſtellt ſind, und warten mit einiger Spannung darauf,
was aus Bayern dazu geſagt werden wird.
Die Sitzung des Reichskabinetts.
Berlin, 10. Oktober. ..
Das Reichskabinett nahm in ſeiner heutigen, unter dem
Führers der deutſchen Delegation, des Reichsminiſters i. R.
Dr. Hermes über den Stand der deu =polniſchen
Handels=
vertragsverhandlungen entgegen. Beſchlüſſe wurden nicht
ge=
faßt. Die Beratungen werden fortgeſetzt. Das Reichskabinett
verabſchiedete neben andeven laufenden Angelegenheiten, den
Entwurf eines Geſetzes über die Prüfung der
Verfaſſungsmäßig=
keit von Vorſchriften des Reichsrechts, welcher dem Reichstag
überwieſen wurde.
Aus dem Reichstagsausſchuß für die
Straf=
rechisreſerm.
Verlin, 10. Oktober.
Bei den heute fortgeſetzten Beratungen des Reichstagsausſchuſſes
für die Strafrechtsreform verlangten die Kommuniſten, daß die
ver=
ſchiedenen Anträge über die Abſchaffung der Todesſtrafe vorweg
be=
raten würden. Die Sozialdemokraten ſprachen ſich gegen dieſen Wunſch gegenüber ſeinen Gegnern. An all dies ſoll nur noch einmal
Bayern erklärte auf Anfrage, daß ſeine Regierung zu der Anregung
des Reichsjuſtizminiſters, die Todesſtrafe abzuſchaffen, bisher keine
Stellung genommen habe.
Weitere kommuniſtiſche Anträge, die Beratung eines
Geſetzentwur=
fes über die Strafvollzugsreform mit der Strafrechtsreform zu
ver=
binden, wurden gleichfalls abgelehnt.
Andere Anträge der Kommuniſten erſuchten die Regierung um
Vorlegung einer vollſtändigen Ueberſicht über die ſtrafrechtlichen Neben= iſt, daß in Preußen ſtreng genommen bisher kein „
Vertragsver=
geſetze des Reichs und der Länder, ſowie um Vorlegung eines Ein= hältnis” beſtand; das war gerade vermieden worden. Freilich,
führungsgeſetzes zum Strafgeſetzbuch, das die durch die Reform des
Beratung des neuen Strafgeſetzbuches verbunden werden ſoll.
Miniſterialrat Bumke (Reichsjuſtizminiſterium) erklärt, es ſei
Aufgabe des Einführungsgeſetzes zum Strafgeſetzbuch, nicht aber des Die preußiſche Regierung hat alle Gegengründe unbeachtet ge=
Strafgeſetzbuches ſelbſt, die ſtrafrechtlichen Beſtimmungen der
Neben=
geſetze mit dem Strafgeſetzbuch in Einklang zu bringen.
Einem kommuniſtiſchen Antrag gegenüber, den Entwurf eines
Einführungsgeſetzes zum Strafgeſetzbuch vorzulegen und mit der Ve= geſprochen. Wenigſtens in der offiziöſen Erklärung nicht. Man
ratung des Strafgeſetzbuches zu verbinden, erklärt Miniſterialdirektor, hat freilich allerhand Vermutungen; und ſie ſind nicht ohne ern=
Bumke, daß man im Reichsjuſtizminiſterium ſchon lange an dem ſten Hintergrund. Aber die Beſprechung ſolcher Vermutungen
Entwurf eines Einführungsgeſetzes arbeite und daß in einigen Wochen unterbleibt beſſer, bis Sicheres bekannt iſt. In einem Satz aber
mit den Vertretern der Landesjuſtizverwaltungen gewiſſe Grundfragen
noch von Württemberg, Oldenburg und Waldeck Anleihen von durchberaten werden, die ſich vornehmlich auf Fragen des Strafprozeſſes
keine grundſätzlichen Meinungsverſchiedenheiten ergäben, dann könne, ſorgniſſen wird ausdrücklich erklärt, daß eine Vereinbarung
zwi=
der Entwurf vielleicht zu Weihnachten dem Reichsrat zugeleitet werden, ſchen Staat und Kirche, die die Staatshoheit auf dem Schulgebiet
Strafgeſetzes eingetreten.
Zuſätzliche Alters= und
Hinterbliebenen=
fürſorge für Reichsangeſiellte.
Im Reichsfinanzminiſterium wurde geſtern, wie eine Ber=
Dem ſteht aber doch die befremdende Tatſache gegenüber, liner Korreſpondenz berichtet, mit den am
Reichsangeſtelltentarif=
vertrag beteiligten Angeſtelltenorganiſationen ein Abkommen über
20 Milliarden ging, während jetzt bereits 39,5 Milliarden aner= eine zuſätzliche Alters= und Hinterbliebenenfürſorge der Reichs= ſamkeit werden wir lauſchen müſſen. Was wird das geben?
angeſtellten unterzeichnet. Nach dem Inhalt dieſes Abkommens
ſollen den berufsunfähigen Angeſtellten oder deren Hinterbliebe=
Frage, an der ſchließlich alle Steuerzahler, die ja die Koſten zu nen Zuſchüſſe zu den geſetzlichen Ruhegeldern oder
Hinterbliebe=
nenrente gewährt werden. Die Zuſatzverſorgung der Angeſtellten Sicherſtellung der evangeliſchen Kirche herangehen zu
erfolgt im Rahmen der Angeſtelltenverſicherung. Das Abkommen wollen. Von Rechts wegen dürfte eigentlich das eine gar nicht
den Reichstag beſchleunigt hätte. Das Miniſterium hat eine un= tritt mit dem 1. November 198 in Kraft. Für den zuſatzver= ohne das andere geſchehen. Die evangeliſche Lirche will natüirlich
abhängige Kommiſſion eingeſetzt zur Nachprüfung der Entſchei= ſicherten Angeſtellten werden entſprechend höhere Beträge an die
Angeſtelltenverſicherung abgeführt. Nicht nur öffentliche Körper= Staatsleiſtungen, unmöglich ſchlechter geſtellt werden als die
Unterſuchungen nicht Jahr und Tag dauern, denn nach den letz= ſchaften, ſondern auch private Unternehmungen können jederzeit katholiſche Kirche. Sie kann zum Beiſpiel hinſichtlich der
Staats=
ohne Schaffung neuer Verwaltungsorgane in ähnlicher Weiſe zuſchüſſe zur Pfarrerbeſoldung unmöglich auf jährlich neue
Be=
die Altersverſorgung ihres Perſonals ſicherſtellen.
* Konkordat in Sicht.
Von
D. Dr. M. Schian.
Zeitungen — ſoweit ich ſehen kann zuerſt der
ſozialdemo=
kratiſche „Vorwärts” — haben von dem bevorſtehenden Abſchluß
eines preußiſchen Konkordats berichtet. Die preußiſche Regierung
hat dazu eine Erklärung abgegeben, die ſehr der Deutung bedarf
(abgedruckt im Darmſtädter Tagblatt Nr. 277). Einige
Bemer=
kungen dazu dürften ſich lohnen.
Zunächſt: Es erſcheint als völlig ſicher, daß die zwiſchen der
preußiſchen Regierung und dem Vatikan ſeit lange ſchwebenden
Konkordatsverhandlungen nunmehr zu einem gewiſſen Ergebnis
gelangt ſind. Von einem „Abſchluß” darf aber natürlich nur
inſofern geſprochen werden, als zwiſchen Regierung und Kurie
Abmachungen zuſtande gekommen ſind, welchen beide Teile
zu=
ſtimmen, die Regierung aber ſelbſtverſtändlich nur
vorbehalt=
lich der Zuſtimmung des Landtags. Wir haben alſo,
wahrſcheinlich noch in dieſem Winter, mit der Bekanntgabe des
Textes, mit öffentlicher Diskuſſion und parlamentariſcher
Be=
ratung zu rechnen. War der vorige Winter der Winter des
Reichsſchulgeſetzes, ſo wird der kommende der
Konkordats=
winter ſein.
Sodann: Es war ſowohl von einem Reichskonkordat wie von
einem preußiſchen Staatskonkordat die Rede. Das
Reichskonkor=
dat iſt vorläufig aus der Erörterung verſchwunden; nur um ein
preußiſches Konkordat handelt es ſich. Kommt dies zuſtande,
ſo wird von einem Reichskonkordat kaum noch zu handeln ſein.
Welche Bedeutung hätte es noch, wenn Preußen und Bayern
Sonderregelungen getroffen haben? Die Kurie würde dann
wohl weiter mit den anderen Einzelſtaaten verhandeln, ſoweit
ihr das nötig ſcheint. — Da es jetzt nur um Preußen gehen wird,
können alſo Sachſen, Heſſen uſw. anſcheinend ruhig zuſehen.
Aber bei der überragenden Bedeutung des preußiſchen Staats
wird das preußiſche Konkordat auch auf die anderen Staaten
einwirken. Es wird ſich um eine Angelegenheit von allgemein
deutſchem Intereſſe handeln. Selbſt wenn andere deutſche
Staa=
ten ſich dem Vorbild Preußens endgültig entziehen würden, ſo
würde doch die Regelung des Verhältniſſes von Staat und Kirche
in Preußen in ganz Deutſchland allergrößtem Intereſſe begegnen.
Weiter. In den früheren Erörterungen zur Konkordatsfrage
iſt ausführlich das Weſen eines Konkordats klargelegt
worden; es handelt ſich um einen in feierlicher Form geſchloſſenen
Vertrag zwiſchen dem Staat und dem päpſtlichen Stuhl. Warum
gegen dieſe Form ſchwere Bedenken erhoben werden müſſen, iſt
damals geſagt worden; der Staat paktiert mit der Kurie
hinſicht=
lich der katholiſchen Kirche ſeines eigenen Gebiets; er
bindet ſich viel ſtärker, als die Kurie gebunden wird, weil dem
Staat angeſichts ſeiner Geſetzgebungsverhältniſſe eine Löſung
von den Feſtſetzungen des Konkordats kaum je möglich wird
(andernfalls: Kulturkampf!), während die Kurie viel leichter.
Aenderungen durchſetzen kann. Auch iſt der Staat in der
Aus=
legung der Beſtimmungen ſtets im Nachteil; er hat immer damit
zu rechnen, daß in ſeinem eigenen Parlament die Auslegung der
Kurie Vertretung findet. Hinſichtlich der Auslegung von
Kon=
kordatsbeſtimmungen iſt zumal eine parlamentariſch gebundene
Regierung gegenüber der Kurie immer in ähnlicher Lage wie
Deutſchland hinſichtlich der Auslegung des Verſailler „Vertrags”
aus, weil dadurch die Möglichkeit gefährdet werde, innerhalb der Be= erinnert werden, um nun feſtzuſtellen, daß alle dieſe
Be=
ratungen ſelbſt die Todesſtrafe zu Fall zu bringen. Der Vertreter von denken von der preußiſchen Regierung beiſeite
geſchoben worden ſind. Trotz allem ſchlägt ſie dem
Lande ein Konkordat vor. Zwar iſt in der offiziöſen Erklärung
nur von einer Neuregelung des „Vertragsverhältniſſes” zwiſchen
Staat und katholiſcher Kirche die Rede. Aber wenn damit eine
andere Form als die des Konkordats gemeint wäre, würde das
zweifellos ſehr ſcharf betont worden ſein. Wobei bemerkenswert
die beſtehende Regelung, der Form nach kein Vertrag, beruhte
Strafrechts notwendig werdenden Aenderungen der Gerichtsverfaſſung auf Abmachungen. Trotzdem iſt dieſe Wendung der offiziöſen
und der Strafprozeßordnung enthält und deſſen Beratung mit der Erklärung auffallend; ſcheint es doch, als ſollte ſie die öffentliche
Meinung unmerklich über die Wendung vom gegenwärtigen
Zu=
ſtand zum Konkordatszuſtand hinwegbringen. — Halten wir feſt:
laſſen. Sie ſchlägt ein Konkordat vor.
Weiter. Vom Inhalt des Konkordats wird noch nicht
äußert ſich die offiziöſe Verlautbarung doch zum Inhalt. „
Gegen=
über den auf dem Schulgebiet geäußerten beſonderen Be=
Nunmehr wurde in die Einzelberatung des allgemeinen Teiles des einſchränken könnte, nicht in Frage kommt. Wer
Regierungs=
erklärungen (die ja auch zuweilen etwas von Geheimdiplomatie
an ſich tragen) zu leſen verſteht, muß bei dieſem Satz erſchrecken.
Warum heißt es nicht: „Auf das Gebiet des Schulweſens wird
ſich das Konkordat nicht beziehen ? Dafür gibt es nur eine
Erklärung. Man muß folgern, daß im Konkordatsentwurf von
Berlin, 10. Oktober, der Schule die Rede ſein wird, wenn auch in einer
Form, die nach Anſicht der preußiſchen Regierung die
Staats=
hoheit nicht einſchränkt. Leſen wir das zwiſchen den Zeilen der
Regierungserklärung, ſo ſteigen ſchwere Beſorgniſſe in uns auf.
Die preußiſche Schule im Konkordat! Mit geſpannter Aufmerk=
Endlich. Es iſt ganz klar: der Staat bereinigt ſein
Verhält=
nis zur katholiſchen Kirche; aber er ſcheint nicht zugleich an eine
kein Konkordat; aber ſie kann, zum Beiſpiel hinſichtlich der
ſchlüſſe einer wechſelnden, unſicheren Parlamentsmehrheit geſtellt
Geite 2
bethen, Hährend die katholiſche Kirche das Ihre bertraglich
for=
dern kann. Noch ſchwieriger liegen die Dinge in anderen, mehr
inneren Fragen. Wir werden fragen müſſen: Wie denkt ſich die
preußiſche Regierung das Verhältnis des Staats zur
evange=
liſchen Kirche?
Wahrſcheinlich kommt die Veröffentlichung des
Konkordats=
entwurfs in nicht ferner Zeit. Immerhin kann bei ſolchen
Ver=
handlungen immer wieder einmal eine Verzögerung eintreten;
und die offiziöſe Erklärung ſagte, die Verhandlungen ſeien
„keineswegs abgeſchloſſen”. Aber der Abſchluß iſt wohl doch nahe,
Somit ſtehen wir vor einer Senſation. Wir ſind wahrlich nicht
ſenſationslüſtern. Aber wir ſehen der Entwicklung mit ſchwerem
Ernſt und nicht ohne Sorge entgegen.
Ein engliſches Weißbuch über das Floiten=
Kompromiß.
Donnerstag, den 11. Oktober 1928
Vom Tage.
Das Gemälde „Der Heilige Hieronimus in ſeiner
Zelle” von Albrecht Dürer, das von Nürnberg an eine Ausſtellung
in Liſſabon geſchickt worden iſt, traf geſtern in Paris ein. Auf
Grund einer Abmachung mit dem Nürnberger Muſeum wird es 14 Tage
lang im Loupre ausgeſtellt,
Das Auswärtige Amt hat ſich bei der Berliner tſchechiſchen
Geſandtſchaft nach dem Umfang des Prager Bauunglücks
er=
kundigt und ſein Beileid ausgeſprochen.
Im Laufe des Mittwochs ſind rund 2000 Delegierte von allen
libe=
ralen engliſchen Organiſationen zu der 45 Jahreskonferenz
der Liberalen Föderation in Yarmouth eingetroffen,
die offiziell am Donnerstag eröffnet wird. Lloyd George wird erſt
am Donnerstag abend erwartet. Am Mittwoch nachmittag traten
Ver=
treter aus den einzelnen Wahlbezirken bereits zu einer
vorberei=
tenden Beſprechung zuſammen, in der Berichte über den Stand
der liberalen Sache ausgetauſcht und vorbereitende Maßnahmen für die
Konferenz erörtert wurden.
EP. London, 10. Oktober.
Unter dem Vorſitz von Baldwin trat das engliſche Kabinett
heute zu einer Sitzung zuſammen, in der u. a. die Frage der
Veröffentlichung des engliſch=franzöſiſchen Marinekompromiſſes
und der damit in Zuſammenhang ſtehenden Dokumente erörtert
wwurde. Es wurde beſchloſſen, daß der Vorſchlag ſelbſt ſowie
gewiſſe andere Schriftſtücke in einer Form, die ſich für die
Ver=
öffentlichung eignet, als ein Weißbuch herausgegeben werden.
Dieſes wird nach den bisherigen Verlautbarungen auch die
Stellungnahme Amerikas und Italiens ſowie ebenfalls die
japa=
niſchen Mitteilungen enthalten. Die Veröffentlichung wird noch
im Laufe dieſer Woche erwartet.
Ein großer Teil der Kabinettſitzung war dem geſetzgeberiſchen
Programm für die nächſte Parlamentsperiode gewidmet.
Das Elſaß gegen die neuen franzöſiſchen und dem Generalſekretariat mitgeteilt hit.
Feſiungsbauten.
Straßburg 10. Oktober.
Nachdem bereits die elſäſſiſche Fortſchrittspartei in ihrem
Wahlaufruf gegen die geplanten umfaſſenden Feſtungsbauten an
der neuen deutſch=franzöſiſchen Grenze öffentlich Einſpruch
er=
hoben hatte, wendet ſich jetzt auch das elſäſſiſche Zentrum, die
größte Partei des Landes, gegen dieſen neuen Feſtungsgürtel,
der ſich von Baſel bis Luxemburg erſtrecken ſoll und etwa ſieben
Milliarden Franken verſchlingen wird. Im Intereſſe der
Steuer=
zahler und im Sinne der Abrüſtung der Geiſter wird allgemeine
materielle Abrüſtung gefordert. Das Elſaß wolle nicht länger
militäriſches Aufmarſchgebiet ſein.
Der weitergehende Gedanke einer Entmilitariſierung Elſaß=
Lothringens iſt im Anſchluß an die Genfer Verhandlungen über
die Rheinlandkontrolle in der elſäſſiſchen Preſſe lebhaft erörtert
worden. Das führende Blatt der Autonomiebewegung, die
men geheißen, auf franzöſiſcher Seite eine Zone zu ſchaffen, die
dem entwaffneten deutſchen Rheinland entſprechen würde,
„Preſſefreiheit” im Eiſaß.
EP. Paris, 10. Oktober,
zurzeit die Telephongeſpräche, die von den Redaktionen der behalt aufnehmen müſſen.
regionaliſtiſchen Blätter geführt werden, unter Polizeiaufſicht.
Sämtliche Verbindungen der Redaktionen und Korreſpondenten
tene Bürger würden wie Verbrecher belauſcht und beſpitzelt, weil
ſie regionale Ellenbogenfreiheit forderten und die Unterdrückungs=,
Sanktions= und Aſſimilationspolitik der Regierung bekämpften.
Unſimmigkeiten zwiſchen polniſchen
und franzöſiſchen Militärs.
W. Warſchau, 10, Okt.
Marſchall Foſh hat die Ausgabe des Buches, des ehemaligen
pol=
niſichen Kriegsminiſters, General Sikorſti, über den polniſch=ruſſiſchen
Feldzug im Jahre 1320 „An der Weichſel und an der Kra” mit einer
Vorrede verſehen, in den er u. a. die Titigkeit der polniſchen Heeres= die Juden 4, der Polen 2), der Bauernbund 16, die lettgalliſchen
leitung, alſo Pilſudſkis, kritiſiert. Marſchall Foch ſpriht von riskanten
Entſcheidungen und Improviſationen. Ueherdies hebt er die entſcheidende
Rolle hervor, die der franzöſiſche General Wehgand beim entſcheidenden
Sieg der Polen über die Bolſchewiſten geſpielt habe. Gegen dieſe
Dar=
ſtallung richtet ſich in ziemlich erregtem Tone der der Regierungspartei
naheſtehende „Kurjer Poyanny”, der ſich nach einigen höflichen
Verbeu=
gungen vor der Perſönlichkeit Fochs weniger gegen Foch ſellſt als gegen
die angeblichen polniſchen Inſpiratoren des franzöſiſchen Marſchalls
wendet. Dieſer Zwiſchenfall iſt ein neues Zeichen für die zwiſchen den
Folniſchen und den franzöſiſchen leitenden militäriſchen Kreiſen
beſtehen=
den perſönlichen Unſtimmigkeiten, die hauptſächlich in dem guten
Ver=
hältnis zwiſchen den in Fronkreich lebenden Gegner Pilſudſkis, General
Sikorfki, und der franzöſiſchen Generalität ſeine Urſache haben.
Nach einer Meldung der irakiſchen Zeitung El Irak” hat die
engliſche Regierung der irakiſchen Regierung die
ſämtlichen ſeit dem Kriege gebauten Eiſenbahnen
koſtenlos abgetreten. Es handelt ſich um 190 Meilen
Nor=
malſpur= und 620 Meilen Schmalſpur=Bahnen,
Bundespräſident Hainiſch empfing geſtern mittag
Maedonald, der ihm vom engliſchen Geſandten vorgeſtellt wurde.
Maedonald ſtattete dann in Begleitung des Geſandten dem
Bundes=
kanzler Seipel einen längeren Beſuch ab.
Der Textilarbeiterſtreik in Nordfrankreich iſt beendet.
Selbſt die Kommuniſten haben ihre Anhänger zur Wiederaufnahme der
Arbeit aufgefordert. Nur wenige Hundert Arbeiter ſetzen einſtweilen
den Streik noch fort,
Der neue Kaiſer von Abeſſinien, Ras Tafari, hat nunmehr
auch dem Vülkerbund gegenüber ſeine erſte Souveränitätshandlung
voll=
zogen, indem er den Beitritt Abeſſiniens zum Genfer
internationalen Eiſenbahnabkommen von 1923 erklärt
Die japaniſche Regierung hat beim Völkerbund=Sekretariat
die Ratifikationsurkunde des Opiumabkommens vom 11. Februax
1985 und der Opiumkonbention vom 19. Februar 1985 hinterlegt.
Nach einer Havasmeldung aus Schanghai haben die chineſiſchen
Behörden eine Volkszählung veranſtaltet, aus der ſich ergibt,
daß Schanghat die ſechſtgrößte Stadt der Welt iſt mit 2 726 000
Einwoh=
nern, die ſich wie folgt verteilen: 358 000 in der franzöſiſchen
Kon=
zeſſionszone, 855 000 in der internationalen Konzeſſionszone 1 513000
unter chineſiſcher Kontrolle. Die Zahl der Ausländer beträgt 48 000,
Großes Chineſen=Maſſaker?
EP. London, 10. Oktober.
Bei der amerikaniſchen Organiſation zur Bekämpfung der
Hungersnot in China iſt ein Brief aus dem Borden=Hoſpital in
Lanſchau=fu (Provinz Kanſu, Nordweſtchina) eingetroffen wonach
„Freie Zeitung” des Abgeordneten Dahlet, hat die Idee willkom= dort infolge eines Aufſtandes der Mohammedaner, die etwa ein
Drittel der dortigen Bevölkerung ausmachen, die chineſiſche
Ein=
wohnerſchaft — der Brief gibt die Zahl der Getöteten auf 200000
an — maſſakriert worden ſei. In dem Briefe finden ſich auch
noch weitere Einzelheiten über die Gründe und die Art des
Auf=
ſtandes. — Solange nicht anderweite Beſtätigungen über dieſe
Wie der in Straßburg erſcheinende „Elſäſſer” mitteilt, ſtehen Vorgänge vorliegen, wird man die Meldung mit großem Vor=
EP. London, 10. Oktober.
Die chineſiſche Geſandtſchaft in London hat bisher noch keine
würden über die polizeilichen Abhörtiſche geleitet, und unbeſchol= Informationen über das angebliche Maſſaber von 200 000
Chine=
ſen durch mohammedaniſche Fanatiker in der Kanſupropinz
er=
halten.
Ergebnis der lettiſchen Parlameniswahlen.
w. Riga, 10. Oktober.
Die Zählung der Stimmen, die bei den Parlamentswahlen
in Lettland abgegeben wurden, iſt jetzt abgeſchloſſen worden. In
ganz Lettland wurden rund 935 010 Stimmen abgegeben. Nach
einer vorläufigen Berechnung erhalten die Sozialdemokraten 26,
die Minderheiten 18 (und zwar die Deutſchen 6, die Ruſſen 6,
Bauern 9, die bürgerlichen Linksgruppen ebenfalls 9, die
letti=
ſchen Rechtsgruppen 8, die kommuniſtiſchen Gewerkſchaftler 5, die
Jungwirte 4, die unabhängigen Sozialiſten 3, die ſozialiſtiſchen
Minimaliſten 2 Mandate bei einer Geſamtzahl von 100
Man=
daten. Der Ausfall der Wahl bedeutet eine leichte Schwächung
des linken Flügels und der Mitte. Die Sozialdemokratie
verliert 7 Sitze an die Kommuniſten und Unabhängigen, die ſich
zum erſten Male an der Wahl beteiligten. Die Zeitungen ſehen
aus dem Wahlergebnis voraus, daß eine Mehrheit der Linken
unmöglich ſei, und erwarten eine bürgerliche Koglition von einer
gewiſſen Stabilität.
Nummer 283
Vom franzöſiſchen Kriegsgericht
zu Gefängnis verurteilt.
Der Fall Schuſchu.
Landau, 10. Oktober.
Das franzöſiſche Kriegsgericht verhandelte am Mittwoch die
Vorfälle auf der Sondernheimer Kirchweih, die am 20. Auguſt
ſtattfanden und bei denen zwei franzöſiſche Sergeanten von einer
Gruppe Deutſcher beläſtigt worden ſein ſollen. Angeklagt ſind der
18jährige Kaufmann Eugen Schuſchu und der 20jährige Franz
Nägele aus Philippsburg (Baden), von denen der erſte aus
Unterſuchungshaft, in der er ſich ſeit 24. Auguſt befindet,
vorge=
führt wird, und gegen den zweiten, der nicht erſchienen iſt, in
Abweſenheit verhandelt wird. Den Vorſitz führt ein franzöſiſcher
Oberſt; die Anklage vertritt Militärſtaatsanwalt Girot. Die
Ver=
teidigung hat Senatspräſident Dr. Führ übernommen. Nach
Verleſung der franzöſiſchen Anklageſchrift, die wir nachſtehend
wiedergeben, begann die Vernehmung des Schuſchu.
Die franzöſiſche Anklageſchrift ſchildert den Zwiſchenfall wie
folgt: Am 20. Auguſt dieſes Jahres gegen 10,30 Uhr abends
ſtanden zwei franzöſiſche Sergeanten mit Namen Belet und
Lon=
gatte des in Germersheim garniſonierten 171. franzöſiſchen
In=
fanterie=Regimentes vor einer Reitſchule auf der Kirchweihe in
Sondernheim. Da ſeien drei junge Deutſche, darunter Eugen
Schuſchu aus Germersheim und Franz Nagele aus Philippsburg
auf ſie zugekommen und hätten durch drohende Handbewegungen
und Worte die beiden franzöſiſchen Soldaten zum Weggehen
aufgefordert. Einer dieſer drei Deutſchen hätte dem Sergeanten
Longatte die Mütze vom Kopfe genommen und ſich ſelbſt
auf=
geſetzt, ohne daß es jedoch zu einem Austauſch der gegenſeitigen
Kopfbedeckungen gekommen ſei. Aus dieſem Vorfall ſei eine
Zu=
ſammenrottung entſtanden und Schuſchu hatte im weiteren
Ver=
lauf dieſes Zwiſchenfalles dem Sergeanten Belet wiederholt
Tritte ins Geſäß gegeben. Der Sergeant wollte ſich, wie es
weiter in der Anklageſchrift heißt, dieſes Angriffes wehren und
zu dieſem Zweck ſein Fahrrad, das er in einer Hand gehalten
hatte, ſeinem Kameraden Longatte übergeben, aber dieſer habe
abgeraten, in den Zwiſchenfall weiter einzugreifen, und beide
Unteroffiziere hätten darauf gemeinſam die Kirchweihe verlaſſen.
Zwiſchen dem Bahnhofsgebäude und dem Bahnübergang,
ungefähr 500 Meter nach dem Ortsausgang von Sondernheim,
ſollen die Unteroffiziere von einer ſie verfolgenden Gruppe
Deut=
ſcher, unter denen ſich Schuſchu und Nägele befunden hätten,
ein=
geholt worden ſein. Der Sergeant Longatte ergriff die Flucht
und dachte, daß ihm Sergeant Belet mit dem Rade folgen würde.
Belet aber kam nicht nach, ſondern ſei von Eugen Schuſchu ſamt
ſeinem Fahrrad zu Boden geworfen und mit Fauſtſchlägen und
Fußtritten mißhandelt worden. Nägele habe dem am Boden
liegenden Sergeanten ebenfalls Fauſtſchläge und Fußtritte
ver=
abreicht. Noch am gleichen Abend ſoll Schuſchu, auf das
Kirch=
weihfeſt zurückgekehrt, mehrere deutſche Mädchen beläſtigt und
durch den Ausdruck „Franzoſenhure” beleidigt haben,
In dem Tatbeſtand erblickt die Anklagebehörde der
franzö=
ſiſchen Militärjuſtiz: 1. aus den drohenden Handbewegungen und
der Aufforderung, das Kirchweihfeſt zu verlaſſen — eine
belei=
digende Haltung gegenüber der Beſatzungsmacht— und 2. in den
angeblichen Tätlichkeiten gegenüber dem Sergeanten Belet — ein
Verbrechen der Körperverletzung — und Eugen Schuſchu, der
aus Haft vorgeführt wurde und Franz Nägele, gegen den in
Ab=
weſenheit verhandelt wird, ſind dieſer beiden Vergehen oder
Ver=
brechen angeklagt.
Das Urteil lautet: Das Gericht erkennt Schuſchu ſchuldig der
beleidigenden Handlung und der Körperverletzung, die in zwei
Fußtritten beſteht und verurteilte ihn unter Anrechnung
mildern=
der Umſtände zu zwei Monaten Gefängnis. Der in Abweſenheit
angeklagte Nägele aus dem Rechtsrheiniſchen erhielt zwei Jahre
Gefängnis und 200 Franken Geldſtrafe.
Auch die Engländer gegen das Deutſchlandlied
Königſtein, 10. Oktober,
Bekanntlich hat die Interalliierte Rheinlandkommiſſion das
Spielen der Nationalhymne im beſetzten Gebiet geſtattet.
Trotz=
dem mußte ſich dieſer Tage der Dirigent der Kurkapelle in
König=
ſtein im Taunus bei der engliſchen Beſatzungsbehörde einfinden,
weil er gelegentlich einer Kurveranſtaltung das Deutſchlandlied
ſpielen ließ. Gegen Stellung einer Haution wurde er auf freiem
Fuß belaſſen, doch wird er ſich in Kürze zuſammen mit dem
Bür=
germeiſter von Königſtein vor dem engliſchen Militärgericht in
Wiesbaden wegen Spielens der Nationalhymne, das abſolut
keinen demonſtrativen Charakter trug, zu verantworten haben.
4Tiere — Pflanzen und Beduinen
in Paläſtina.
Von Kaſimir Edſchmid.
Die Landſchaft Paläſtinas hat faſt beſtürzende Kontraſte,
Eben noch hat man das Rauſchen der Orangenhaine bei Haifa
gehört — — eben noch hat man die jüdiſche Riviera zwiſchen
„affa und Akko in ihrem verſchwendiſchen Prunk an Farben, an
Silber, an Blau, an Dünen und Palmen geſehen —
—da
ſchreien ſchon am Rand der Bergwüſten Schakale, und kreiſen im
Morgendunſt Hunderte von weißen Geiern. Die Tiere Paläſtinas
haben nichts zu tun mit dem Paradies. In den paar Gärten
Jeruſalems niſten die Falken, genau ſo zahlreich aber nicht mit
derſelben Sanftmut, wie am Nil die heiligen Tauben. Sie geben
der Luft ein wildes Gepräge. Am Jordan laufen die
Stachel=
ſchweine durch das Mimoſengebüſch, das in ſchmaler, ängſtlicher
Gefolgſchaft des dünnen Fluſſes die furchtbare Wüſte
durch=
ſchneidet. Ueber dem Rieſenkeſſel in Verlaſſenheit aber, der den
Raum zwiſchen den judäiſchen und den Mogbiter=Bergen
aus=
füllt, hallt in der Nacht die ewige feige Muſik der Einöde, das
Kinder=Gekicher der Schakale, denen von Jericho her, vom
Ge=
birgsrand, die wütenden Stimmen der Hunde antworten.
Vier=
hundert Meter unter dem Meeresſpiegel, aber nur um ein
ge=
ringes tiefer und weiter, huſchen in der Tiefe der windloſen
tro=
diſchen Nacht die Hyänen um das weißgeſäumte Ufer des Toten
Meeres. In den Häuſern dagegen huſchen kleine nette Eidechſen
die Wände herauf und herunter, um die Inſekten zu fangen.
Wo Bäume ſind, findet ſich hin und wieder das Chamäleon.
Doch Bäume ſind reichlich ſelten in Paläſtina. Gewöhnlich ſieht
man Eukalyptus=Stämme, die von den Anſiedlungspionieren
ge=
pflanzt werden, weil ſie wie ein Schwamm die Malariaflüſſigkeit
aus der Erde ziehen. Das Leben der Bäume hat hier wirklich
ſymboliſchen Charakter. Ein Eukalyptus, der eine Gegend ſo raſch
wie möglich geſund machen ſoll, iſt mit ſechs Jahren ſchon ein dicker
Baum. Eine Zeder dagegen iſt mit ſechzig Jahren noch eine
dünne Staude. Deshalb ſind die berühmten Zederngruppen des
Libanon nachweislich aus der Zeit Abſaloms. Man kann an
ihren Jahreszeichen die Geſchichte unſerer ganzen Zeit ableſen.
Wenn aber von einem Paradies der Tiere die Rede iſt, ſo iſt
es das der Schlangen. Gerade bei den kleinen württembergiſchen
Siedlungen zwiſchen Jeruſalem und Haifa liegen kleine
Wal=
dungen, rührende Erinnerungsbilder der Heimat. Man kann ſie
zu beſtimmten Zeiten der Schlangen halber nicht betreten. Nicht
gerade tödlich, aber in hohem Maße ſchmerzhaft iſt auch der
Skorpionſtich. Das Tier mit ſeinem aufgeſtülpten blaſiert
getra=
genen Stachelſchwanz iſt ſo komiſch wie abſcheulich. Der Stich
macht entſetzliche Schwellungen. Ueber den Stich gibt es eine
Unzahl Legenden. So ſoll das Tier in letzter Bedrängnis ſich
ſelbſt ermorden. Man macht manchmal das Experiment, die
Beſtie auf Papier zu ſetzen (ſie iſt ſo groß wie eine halbe Hand)
und das Papier an allen Seiten anzuzünden, um die Wahrheit
der Legende zu prüfen. Aber alle Prüfungen der Wunder ſind
unvollkommen, denn in der Regel verbrennt der Skorpion ganz
ſchlicht. Wahrſcheinlich aber liegt die Sache ſo, daß das vor Angſt
und Wut verrückte Tier nach allen Seiten um ſich ſticht, wenn es
ſich gefährdet ſieht und bei dieſer Gelegenheit ſich ſelber
harpuniert.
Im Frühjahr ſtehen die Steinwüſten Paläſtinas in raſch
auf=
flammender grüner Elut. Kurz darauf ſetzt die Starre der
be=
wegungsloſen Felslandſchaft wieder ein, die das Erſchrecken der
flüchtigen Reiſenden darſtellt, die aber einen der höchſten Reize
der Natur überhaupt darſtellt. Die ſcheinbare Troſtloſigkeit hat
eine überwältigende Kraft, eine Reinheit der Konturen und eine
Klarheit der Formen, daß wirklich nirgendwo anders wie hier
die großen Gedanken gedacht werden konten, die hier aufgegangen
ſind. Da das Land ſehr waſſerarm iſt und Brunnen oft tagelang
voneinander liegen, ſo laſſen ſich die hiſtoriſch heiligen Stellen
genau feſtſtellen. Chriſtus konnte z. B. an keinem anderen als an
dem Mariabrunnen in Nazareth ſeine Jugend verſpielt haben,
genau wie es heute noch die Fellachenkinder tun, die mit ihren
Eſeln ankommen, um das tägliche Waſſer zu holen. Es gibt keine
anderen Brunnen, die in Frage kommen.
Im Norden Paläſtinas liegt der See Genezareth mit
merkwür=
digen Fiſchen in ſeinem Waſſer, die ungewöhnlich dicke Köpfe
haben und Petrusfiſche heißen. Wirft man ſie ins Tote Meer, in
deſſen Salzlache keine Kreatur leben kann, erhalten ſie eine
Gla=
ſur, die ſie in ſeltſamer Mumifizierung erhält. Auch dieſer See,
der heute See Tiberias oder See von Galiläa heißt, hat tropiſche
Temperatur. An dieſen Seen, von denen das Tote Meer größer
iſt als der Genfer See, kommen Pflanzen vor, die ſich auf der
ganzen Welt nicht wiederholen.
Noch nördlicher, nach der ſyriſchen Grenze zu, liegt der
Merom=See. Er liegt nur zwei Meter unter dem Meeresſpiegel,
hat aber eine ungeheuere Sumpfvegetation. Er trocknet ziemlich
aus und bildet ein richtiges Dſchungel. Ueber ihm, zwiſchen dem
Waſſergrün und dem Himmeltiefblau, ſteht eine flirrende roſa
und violette Mückenwolke. Im Schilf erheben ſich lange Züge von
Pelikanen. Das Payprus wuchert mit Wolluſt in den Horizont
hinein. Wildſchweine laufen durch das Dickicht und halbwilde
Büffel erſcheinen mit ihrem unruhvollen gewaltigen Kopf. Später
erſt, hinter den Oleandergebüſchen der Niederung, erſcheinen ſie
wieder, an der Baſaltwüſte der ſyriſchen Tſcherkeſſendörfer, die
rieſigen Mauern der Kakteenwände, deren feigenartige Früchte
man gerne ißt.
Die Straßen ſind bevölkert mit Eſeln und Kamelen, uralte
Karawanenſtraßen, auf denen nichts ſich ändert. Mehr nach
Transjordanien zu tauchen auch Reiter auf mit entzückenden
Pferden. Es gibt drei Sorten von Beduinen. Ackerbauende
(Fellachen), Halbfellachen (die nur zum Säen und Ernten
erſchei=
nen) und reine Nomaden. Die Typen ſind ziemlich verſchieden, je
nach dem Ort, wo ſie wohnen. Aber die Raſſe ſelbſt gehört zu den
paar ſchönen und ſtolzen Männerraſſen, welche die Erde kennt.
Das ganze Land Paläſtina iſt mit ihren ſchwarzen Zelten bedeckt.
Mit ſchwarzen Schafen und ſchwarzen Ziegen ziehen die Beduinen
unruhevoll zu hundterttauſenden herum.
Paläſtina iſt engliſches Mandat. Das Land auf der anderen
Jordanſeite, Transjordanien, ebenfalls. Während Paläſtina aber
einem engliſchen Hochkommiſſar unterſteht, hat Transjordanien
ſeinen von England kontrollierten Emir mit einer
Scheinverfaſ=
ſung. Hier ſind die Beduinen natürlich in Reinkultur, da ſie hier
am freieſten ſind. Tatſächlich ergeht es einem mit ihnen wie etwa
in Sevilla. Man hält, as man Romantiſches von ihnen geleſen
hat, für Romantik der Oper. Aber wenn man dieſe Romantik
ſelbſt geſehen hat, ſieht man daß ſie die reine Wahrheit der
Tat=
ſachen iſt. Die Beduinen ſind ſo, wie es in den Büchern ſteht, ein
einzigartiger Ausnahmefall. Man braucht ſie daher nicht zu
ſchildern.
Kunſi, Wiſfenſchaft und Leben.
Profeſſor Dr. Kaſel geſtorben. Am Mittwoch
iſt im 47, Lebensjahr der Berliner Univerſitätsprofeſſor und
Stu=
dienleiter der Verwaltungsakademie Dr. Walter Kaſel einem
Nierenleiden erlegen. Mit ihm iſt einer der beſten Kenner des
Arbeitsrechts dahingegangen. Er hat als Erſter dem
Arbeits=
recht eine ſyſtematiſche, die dogmatiſche Grundlage gegeben.
— Die frühere Königlich Preußiſche Hofopernſängerin Frau
Joſefine von Olſzewſki=Neinl hat der Penſionsanſtalt
der Genoſſenſchaft Deutſcher Bühnenangehörigen laut
Erbver=
trag ihr Haus in Berlin=Schöneberg, Heilbronnerſtraße 25,
ge=
ſtiftet und iſt in dankbarer Anerkennung für die von ihr zum
Wohle ihrer Kollegen errichtete Stiftung zum Ehrenmitglied der
Penſionsanſtalt ernannt worden.
Nummer 283
Donnerstag den 11. Oktober 1928
Seite 3
Indiſches Bomben=Attentat gegen die engliſche Herrſchaft.
Miniſter a. D. Sir John Simon (X) mit dem Blumenſchmuck, der ihm nach ſeiner Landung in
Indien überreicht wurde.
Die engliſche Kommiſſion, die
zur Vorbereitung von
Verwal=
tungsreformen nach Indien
kam, wurde zwar mit Blumen
empfangen, doch bald hat den
Blumengruß ein Bombenattentat
abgelöſt. Indiſche Nationaliſten
haben gegen den Zug, in dem
ſie die Freunde der engliſchen
Kommiſſion vermuteten,
Bom=
ben geworfen. Vier Perſonen
wurden dabei, wie wir bereits
berichteten, getötet, viele andere
verletzt.
EP. Kalkutta, 10. Okt.
Das Programm für den
Empfang der Simon=
Kommiſſion in Indien
iſt nunmehr fertiggeſtellt. Die
Kommiſſion wird bei ihrer
An=
kunft am Freitag, den 15.
Okto=
ber d. J. im Hafen von
Bom=
bay von zahlreichen Behörden,
einſchließlich dem Hauptſekretär
der Bombay=Regierung und
dem Sheriff von Bombay
emp=
fangen werden. Die
Kommiſ=
ſion begibt ſich alsdann noch
am ſelben Morgen nach Poona,
wo ein offizieller Empfang, an
dem Regierungsvertreter,
Mini=
ſter und Ratsmitglieder
teilneh=
men werden, vorbereitet wird.
Die Affäre Horan.
EP. Paris, 10. Oktober.
Die Kommentare aus Anlaß der Affäre Horan ſind heute
womöglich noch erregter als geſtern. Die Zeitungen fordern mit
Ungeſtüm die Ausweiſung des amerikaniſchen Journaliſten. Die
Entrüſtung hat ſich noch durch die geſtrigen Erklärungen Hearſts
geſteigert, die als eine Verhöhnung Frankreichs ausgelegt
wer=
den. Man weiſt darauf hin, daß Hearſt am 15. September in
Paris weilte und daß die Veröffentlichung des Geheimdokuments
am 17. September erfolgte. Die Erklärung Hearſts, daß er allein
für die Veröffentlichung verantwortlich ſei und daß Horan als
Untergebener lediglich ſeinen Befehl ausgeführt habe, dürfte
ſo=
mit zutreffen. Wahrſcheinlich war Horan ſchon ſeit einiger Zeit
im Beſitz des Dokumentes und hatte Hearſt veranlaßt, nach
Paris zu kommen, um ſich über die Opportunität der
Veröffent=
lichung zu äußern.
Die Zeitungen ſind beſonders empört über Hearſt, weil er
während ſeiner Anweſenheit in Paris von mehreren politiſchen
Perſönlichkeiten empfangen wurde, unter anderem von Briand
und Herriot. Dieſer letztere verlieh auf Wunſch Hearſts dem
Kinoſtar Davis Marion, der Maitreſſe Hearſts, das Offizierskreuz
der franzöſiſchen Ehrenlegion, obwohl dieſe das Ritterkreuz noch
nicht beſaß. Es verlautet, daß im Quai d’Orſay jetzt Verdacht
auf zwei Beamte falle, und daß die Angelegenheit nur deshalb
ſo hartnäckig betrieben werde, weil die beiden Beamten dem
„Lager der Alten” angehören, d. h. den Feinden der europäiſchen
Verſtändigungspolitik. Die Gelegenheit wird für günſtig
betrach=
tet, jetzt wenigſtens einen von ihnen an die Luft zu ſetzen.
Mehrere Zeitungen laſſen durchblicken, daß „Horan eine neue
Friſt gewährt werden dürfte, weil man doch noch hoffe, mit ſeiner
Hilfe dem „Verräter” auf den Leib zu rücken.
Das „Echo de Paris” wettert gegen die deutſche Preſſe, die
die Angelegenheit mit Freuden aufgegriffen habe, um Oel ins
Feuer zu gießen. Es erſcheint der Zeitung unverſtändlich, warum
die deutſche Preſſe die Angelegenheit ſo aufbauſche.
Der „Populaire” will vor allem den Schluß ziehen, daß das
franzöſiſch=engliſche Flottenkompromiß keine klare und aufrichtige
Sache ſein könne, wenigſtens nach der lächerlichen und
übertriebe=
nen Aufmachung der Affäre Horan zu ſchließen.
Der „Ami du Peuple” ſchreibt, es ſei kaum wahrſcheinlich,
daß Horan nachts in die Bureaus des Quai d’Orſay eingebrochen
ſei. Wahrſcheinlicher ſei, daß ein franzöſiſcher Beamter ihm das
Dokument verkauft habe; dieſer müſſe geſucht und beſtraft
wer=
den. Alles andere ſei nur Komödie.
Die franzöſiſchen Zeitungen veröffentlichen außerdem eine
Meldung aus Waſhington, wonach Coolidge und Kellogg zu der
Affäre Stellung genommen und das Vorgehen Horans verurteilt
hätten. Es iſt jedoch zu bemerken, daß weder der „New York
Herald” noch die „Chicago Tribune” eine Information über eine
derartige Aeußerung der beiden Staatsmänner enthalten.
Aufſchub der Ausweiſung?
Paris, 10. Oktober.
Havas berichtet: Miniſterpräſident Poincaré hat auf den
von der Vereinigung der angelſächſiſchem Preſſe ihm
unterbrei=
teten Antrag auf Einleitung einer neuen Unterſuchung des Falles
Horan erklärt, daß die gegenwärtig im Gang befindliche
Unter=
ſuchung vom Miniſterium für auswärtige Angelegenheiten
aus=
gehe, und daß er ſich ſeine Entſcheidung vorbehalte. Für den
von Paris abweſenden Miniſter des Aeußeren, Briand, an den
der gleiche Antrag gerichtet worden iſt, hat Generalſekretär
Ber=
thelot den Vorſitzenden der Vereinigung der angelſächſiſchen
Preſſe empfangen. In den diplomatiſchen Kreiſen Frankreichs,
ſo heißt es in der Havasaslaſſung weiter, iſt man der Anſicht,
daß die auf Donnerstag feſtgeſetzte Abreiſe des Vertreters der
Hearſtpreſſe aufgeſchoben werden wird angeſichts der Bedeutung,
die ſeine Zeugenausſagen bei den Nachforſchungen nach der
Her=
kunft des von ihm veröffentlichten Geheimdokumentes haben. Die
franzöſiſche Regierung könne in der Tat den Wunſch haben,
Horan aufs neue zu vernehmen, ſo daß der Zeitpunkt ſeiner
Ab=
reiſe im Zuſammenhang mit dem Fortſchreiten der Unterſuchung
ſtehen würde.
Der Fall Horan nimmt auch am Mittwoch das
Hauptinter=
eſſe der franzöſiſchen Oeffentlichkeit für ſich in Anſpruch.
Be=
merkenswert richten ſich die Vorwürfe der unerlaubten
Hand=
lungsweiſe mehr gegen Hearſt ſelbſt, als gegen ſeinen Pariſer
Vertreter, der den Text nur weitergegeben hat. Beſonders übel
vermerkt man Hearſt in Paris, daß er trotz der völlig
einwand=
frien Haltung der franzöſiſchen Regierung es für nötig befunden
habe, folgende überraſchende Erklärung zu machen:
„Ich denke, es wäre weiſe für Frankreich, ſich darüber
Rechen=
ſchaft abzulegen, daß, wenn ſeine Machenſchaften und geheime
Politik zu einem neuen Weltkrieg führen ſollten, es um nichts
in der Welt darauf rechnen könne, daß die Vereinigten Staaten
es aus ſeinem Unglück retten würden.”
* Heſſiſches Landestheater.
Kleines Haus. — Mittwoch, den 10. Oktober.
Zar und Zimmermann.
Komiſche Oper von A. Lortzing.
Die heutige Vorſtellung war in der Rollenbeſetzung der
vor=
jährigen faſt gleich, in der Negina Harre gaſtierte. Die flotte
Künſtlerin hat ſich gut in unſer Enſemble eingelebt und findet
gerade als „Zarmarie” eine ihrem Weſen gemäßeſte Verwendung.
Die geſangliche Behandlung iſt muſikaliſch ſehr ſauber und
an=
ſprechend, die Darſtellung fein und bewegter, perſönlicher als das
letztemal. Hans Komregg, der Zar. Seine glänzende
Erſchei=
nung, ſein Temperament und die ſchöne Stimme, ſollte man
glauben, müßten den Zar zu ſeiner dankbarſten Rolle machen.
Aber es beſtehen offenbar Hemmungen, die ihn nicht alles
heraus=
holen laſſen. Sicherlich iſt das Zarlied ein Schmarren. Lortzing
ſelbſt war der erſte, der dies einſah. Nur der ſtarke
Publikums=
erfolg gerade dieſes Liedes veranlaßte ihn, ſeine Abſicht, es nach
der erſten Aufführung zu ſtreichen, wieder aufzugeben. Komregg,
jeder Sentimentalität abhold, vermag nicht, ſich in Lortzings
Romantik hineinzuverſetzen. Er fühlt ſich wohl, wenn er Realiſt
ſein darf, und überall, wo es dramatiſches Leben zu geſtalten
gilt. So verſagte er im Lied, während er im erſten und zweiten
Akt ſtarke Wirkungen hatte.
Die beſten Leiſtungen des Abends waren Heinrich Kuhns
ban Bett und der Iwanow Eugen Vogts, beide in ihrer Art
unübertrefflich. Von den drei Geſandten war der Lefort Rudi
Wünzers lobenswert; den Chateauneuf ſang Adolf Jäger
mit warmer Lyrik und überlegen beherrſchter Geſangskunſt, den
Lord Syndham aushilfsweiſe Walter Schneider aus
Frank=
furt ſehr erfolgreich. Martha Liebel iſt eine vortreffliche Witwe
Brown.
Die Inſzenierung durch Rudolf Scheel und Schenck von
Trapp iſt ſehr hübſch. Das Ballett im letzten Akt hatte die
gute vorjährige Anordnung Manda von Kreibigs beibehalten,
legte aber in der Ausführung keine Ehre ein. Nur vier Paare
tanzten ohne Straffheit und Temperament. Mit Ausnahme
zweier zeigte ſich die neue Tanzgruppe, was äußeres Ausſehen,
geeignete Figuren und vor allem die Kunſt des Ballettanzes
be=
trifft, geringer, als wir es gewohnt waren. Die Chöre (Emil
Kaſelitz) wurden friſch und mit Humor geſungen. Die muſikaliſche
Leitung lag bei Max Rudolf in der richtigen Hand. v. H.
Das Problem der Luftrüſtung.
* Paris, 10. Okt. (Priv.=Tel.)
Der bekannte Politiber de Jouvenel, der als Kandidat für
den Friedensnobelpreis genannt wird, legt in einem Brief an
den „Quotidien” ſeine Anſicht zu dem Problem der Luftrüſtung
dar. Während der Völkerbund nichts in den letzten Jahren zur
Erhöhung der Sicherheit beigetragen habe und während ſich die
hauptſächlichſten politiſchen Verhandlungen, wie die von Locarno,
des Kelloggpaktes oder der Rheinlandräumung nach einem Plan
vollzogen haben, der nicht der des Völkerbundes iſt, während
Paul=Boncour bei der Einberufung der Vorbereitenden
Komiſ=
ſion zur Abrüſtungskonferenz auf mehr Widerſtand als je
ge=
ſtoßen iſt, entwickeln alle Länder ihre militäriſche Luftſchiffahrt
und im Zuſammenhang damit gliedern ſich den Kriegsminiſterien
trotz aller Abkommen und Verträge große chemiſche Dienſtſtellen
an. Man müſſe, ſo ſchreibt de Jouvenel, dennoch aus dem
Wider=
ſpruch herauskomen, in dem unſere Zeit eingeſchloſſen ſei, und
der darin beſtehe, unaufhörlich Friedensworte und
Kriegsrüſtun=
gen aneinanderzureihen. Wenn es offenſichtlich unmöglich ſei,
ein Volk der Rüſtung zu berauben, auf die es ſeine Sicherheit
baue, wäre es ebenſo ſchwierig, die Nationen dahin zu bringen,
auf Rüſtungen zu verzichten, die niewand ſchüützen und alle
Völder und beſonders die Zivilbevölkerung bedrohen? Soll man
aus den engliſchem Luftmanövern, die die Unmöglichkeit einer
Verteidigung Londons durch die britiſche Luftflotte erwieſen
haben, als Schlußfolgerung die Notwendigkeit einer Vermehrung
der Ausgaben für Luftfahrt ziehen, die Erhöhungen auch in
anderen Ländern zur Folge hätten, oder ſoll man auf den
Luft=
krieg überhaupt verzichten, der das notwendige Inſtrument eines
etwaigen Angreifers ſein wird, der eine ſchnelle Entſcheidung
ſucht? Die Unfähigkeit der europäiſchen Luftflotten, die Länder
zu verteidigen, ſei erwieſen. Im Kriege müßten alle Länder ihre
Luftſtreitkräfte dem Völkerbund zur Verfügung ſtellen, wie es
Leon Bourgeois fordert.
Man müſſe die Luftſchiffahrt entmilitariſieren, die Luftlinien
internationaliſieren und die Bedingungen eines wirklichen
Fort=
ſchrittes herbeiführen, die ſeit einigen Jahren allein in den
Ver=
einigten Staaten und Deutſchland zu finden ſeien, wo die
zivile Luftſchiffahrt die militäriſche Luftſchiffahrt überrage. Zur
Beſchleunigung der Völlerbundsarbeiten empfiehlt de Jouvenel
die Unterzeichnung der Schiedsgerichtsbarkeitsklauſel und die
Wiederaufnahme der ſeit 1924 aufgegebenen Beſtrebungen nach
einem allgemeinen Schiedsgerichtsſyſtem, die Wiederaufnahme
der Seeabrüſtungsverhandlungen, deren Erfolg notwendig ſei
für die Abrüſtung zu Lande, wobei die Verhandlungen nicht
mehr allein mit England geführt und die engliſchen und
ame=
rikamiſchen Anſichten einander näher gebracht werden müſſen.
*Aus den Darmſtädter Lichtſpieltheatern.
Palaſt=Lichtſpiele
bringen den phantaftiſchen Film „Der geheimnisvolle
Spiegel” in der Regie von Karl Hoffmann und Profeſſor
Teſchner. Ein Film, der eine ſehr gute Handlung flott und
lebendig abſpielt, mit ausgezeichneten Darſtellern, und der
tech=
niſch alle Möglichkeiten entrollt, die eben nur filmiſch zu erfaſſen
und lebendig darzuſtellen ſind.
In irgendeinem alten Schloß iſt ein Spiegel, der dem
Hineinſchauenden ſeine Zukunft verrät. Dieſes Schloß geht durch
Kauf in den Beſitz eines reichen Lebemannes über, und mit
deſſen Einzug beginnen die tragiſchen Ereigniſſe, die in
ſpannen=
der Folge den neuen Schloßbeſitzer, einen jungen Bildhauer, den
Schloßverwalter und die Tochter eines alten Dieners erfaſſen.
Szenen von Ueppigkeit, wie ſie nur gieriger Lebensgenuß
erden=
ken kann, machen ſich in den Mauern des alten Schloſſes breit,
bis dem neuen Beſitzer ein Blick in den Spiegel ſein Ende von
Mörderhand vorausſagt. Der Spiegel lügt nicht. Obwohl der
Schloßbeſitzer ſelbſt in der Abwehr ſeines Schickſals zum Mörder
wird, erreicht ihn doch die rächende Hand des Schickſals. Es
hieße die Spannung beeinträchtigen, mehr von dem Inhalt der
Handlung zu ſagen. Der Film entrollt eine reiche Fülle ebenſo
ſchöner wie auch phantaſtiſcher und unheimlicher Bilder und
Szenen. Geſpielt wird von den vier Hauptdarſtellern
ausgezeich=
net. E. v. Winterſtein als Schloßverwalter, eine Geſtalt wie
aus Stein gemeißelt, breit und groß über den Ereigniſſen ſtehend
und ſie meiſternd. Fritz Raſp, der reiche Schloßherr, elegant
und genießeriſch als Lebemann, packend in den Szenen
angſt=
gepeitſchter Verzweiflung. Rina Lignoro ein entzückend
naives, bildhübſches Bauernmädchen, rührend in zarten
Liebes=
ſzenen wie in der erſchütternden Tragödie ihres Geſchicks.
Feli=
citas Malten als Freundin des Schloßherrn, faſzinierend in
dem Kampf ihrer Schönheit gegen das kleine Bauernmädchen
und voll peitſchender Leidenſchaft in der Rache.
Weiter läuft ein großer Metro=Goldwyn=Mayer=Film:
„Mr. Wu”. In der Regie von William Nigh, in den
Haupt=
rollen Lon Chaney als Mr. Wu und René Adorée als ſeine
Tochter. Es iſt das Liebesſpiel und das tragiſche Geſchick eines
bildhübſchen kleinen Chineſenmädchens, deſſen Herz ſich einem
Europäer zuwendet, während nach Brauch und Sitte ihr der
Gatte ſchon in der Wiege angelobt wurde. Die Darſtellung iſt
gut und flott, mehr wie dieſe aber intereſſieren in dem Film die
Rom-Paris.
Nach der Antwort Muſſolinis.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 10. Oktober.
Der Kern der italieniſchen Antwort auf das engliſch=
franzö=
ſiſche Marineabkommen iſt die Forderung der gleichen
Flotten=
ſtärke mit Frankreich. Einer der ſtärkſten Gründe, weshalb man
in Frankreich die amerikaniſche Methode der
Rüſtungsbeſchrän=
kung ablehnte, war ja der Umſtand, daß man die praktiſche
Gleich=
ſtellung der franzöſiſchen Seemacht mit der italieniſchen zu
ver=
meiden ſuchte. Muſſolinis Antwortnote iſt ſo klar wie nur
mög=
lich. Ihm iſt jede Art der Rüſtungsbeſchränkung gut, wenn ſie
zu der Gleichſtellung der franzöſiſchen Flotte mit der italieniſchen
führt. Diplomatiſch wird das ſo ausgedrückt, daß keine Macht
auf dem Kontinent eine ſtärkere Flotte beſitzen ſoll als Italien.
Es wird hier höchſt unangenehm empfunden, daß das
Marineabkommen die Rivalität mit Italien ſo in den
Vorder=
grund gerückt hat. Man wünſcht in Paris alles zu vermeiden,
was eine Verſtimmung mit Italien herbeiführen könnte, aber
immer wieder finden ſich neue Komplikationen, welche das
Ver=
hältnis zwiſchen Paris und Rom trüben. Es gab mehrere in der
letzten Zeit. Man möchte hier aber hoffen, daß aus der Frage
der Seemacht nur ein theoretiſcher Gegenſatz entſteht.
Nach der franzöſiſchen Auffaſſung würde eine abſolute
Gleichheit der Seemacht mit Italien die italieniſche Suprematie
an der See über Frankreich bedeuten. Frankreich hat zwei Küſten
zu verteidigen, die am Mittelmeer und die am Atlantiſchen
Ozean. Daraus ergibt ſich ſchon zwangsläufig, daß bei einer
zahlenmäßig gleichen Stärke die franzöſiſche Flotte im Mittelmeer
ſchwächer ſein muß als die italieniſche, falls eben eine beſonders
günſtige Situation Frankreich nicht erlaubt, ſeine Küſte am
Atlantiſchen Ozean gänzlich unbewacht zu laſſen. Selbſt in
die=
ſem Falle wäre aber Italien Frankreich noch immer überlegen,
denn Frankreich iſt an allen Weltmeeren intereſſiert, ſein
kolonia=
ler Beſitz iſt ungleich größer und zerſtreuter als der Italiens,
und im Kriegsfalle iſt die Aufrechterhaltung der Verbindung
mit den wichtigſten Kolonien für Frankreich eine Lebensfrage.
Wer die neueſte Entwicklung Frankreichs kennt, der wird
tatſäch=
lich zugeben müſſen, daß die Bedeutung der Kolonien für
Frank=
reich jeden Tag größer wird und daß Frankreich nicht mehr als
ein nur europäiſches Land betrachtet werden kann.
Die italieniſche Argumentation ſtützt ſich wieder auf die
Tat=
ſache, daß Italien viele und volksreiche Städte an ſeiner langen
Küſte beſitzt, daß in Waſhington Italien und Frankreich die
gleiche Seemacht zugeſprochen wurde.
ſchönen, reichen und reizvollen Bilder, ſowohl die landſchaftlichen
wie prunkvollen und üppigen Innenaufnahmen.
Der geſtrigen Beſprechung des Helia=Programms ſei
nach=
getragen, daß die Emelka=Woche eine Reihe ausgezeichneter
Bilder der letzten Fahrt des neuen Zeppelin über Berlin bringt.
Filmtechniſche Leiſtungen, die bewundernswert ſind.
.
*Araufführung einer Oper in Bremen.
Von unſerem ſtändigen Mitarbeiter wird uns geſchrieben:
Der in Como geborene Italiener Renzo Boſſi, ein Schüler
Pem=
baurs und Nikiſchs, errang vor einem knappen Jahrzehnt mit
einer kleinen Oper „Paſſa la ronda” am Theatro lirico in
Mai=
land den ſtarken Beifall ſeiner Landsleute. Jetzt brachte das
Bremer Stadttheater die Uraufführung des Werkes in der
Ueber=
tragung von Wilhelm Weber heraus und erzielte damit
eben=
falls einen großen Erfolg. Es iſt aber kaum anzunehmen, daß
ſich das Werk bei unſeren deutſchen Bühnen durchſetzen wird,
denn die Muſik iſt trotz ihrer äußerlichen Gefälligkeit letzten Endes
nicht ſtark genug, um die reichlich dünne Handlung einigermaßen
auszugleichen oder durch ſtrenge dramatiſche Verknüpfung im
tieferen Sinne zu feſſeln. Das Textbuch gibt im Sinne eines
nun doch ſchon überlebten Verismus das rein epiſch dargeſtellte
Geſchick eines jungen Soldaten, der auf Wache im Gefängnis
von einer Gefangenen verführt wird. Von fern tönt eine
gefühls=
ſelige Serenade, dann der Schritt der Ronde. Das Mädchen will
in den Kerker zurück, das Seil, an dem ſie hochklettern will, reißt,
und der Soldat erſchießt ſie, um ſich zu retten, und wird wegen
ſeiner gewiſſenhaften Pflichterfüllung von dem Vorgeſetzten
be=
lobt. Wie dieſe Handlung, ſo iſt auch die Muſik.
Sie zeigt eine fröhlich ſtrömende Muſikalität und entbehrt
nicht der Gefälligkeit, bleibt dabei aber meiſt im Banne Buſonis
und iſt auch in der Inſtrumentation ohne beſonders
hervortre=
tende Erfindungsgabe. Zur Abwechſlung iſt das Stück den
Büh=
nen vielleicht willkommen, aber eine dauernde Bereicherung des
Spielplans wird es trotz des erheblichen Beifalls der Zuſchauer
kaum bedeuten. — Die hieſige Aufführung, die von Oberregiſſeur
Jan Heythekker eingerichtet war und unter der ſorgſamen
muſi=
kaliſchen Leitung von Adolf Kienzl ſtand, war ſehr ſorgfältig
vorbereitet und führte das Werk zu einem ſtarken Erfolg. Liane
Martiny als Margot und Lars Boelicke als Soldat Noel mußten
ſich zuſammen mit dem anweſenden Tondichter immer wieder
zeigen und wurden lebhaft gefeiert.
K. N.
Donnerstag den 11 Ok'ober 1929
Nummer 283
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Nummer 283
Donnerstag den 11. Oktober 1928
Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 11. Oktober.
Wer hat das Auto beobachtet?
Zu dem Ueberfall im Neuen Palais erfahren wir
von zuſtändiger Stelle:
Nach den neueſten Feſtſtellungen der Kriminalpolizei iſt am
Freitag, den 5. Oktober, gegen 1½ Uhr
nachmit=
tags am Eingang des Neuen Palais in der Sandſtraße ein
Automobil vorgefahren, das von zwei Perſonen, die allerdings
nur notdürftig wie folgt beſchrieben werden, beſetzt war: Der eine
Inſaſſe war 1,70 bis 1,75 Meter groß, hatte ſchmales, rötliches
Geſicht und war mit einem grünlichen Regenmantel bekleidet.
Die zweite Perſon war kleiner, unterſetzt und trug ſchwarze
Lederjoppe. Eine nähere Beſchreibung des Autos konnte nicht
gegeben werden. Der größere der beiden Männer frug einen
Paſſanten, wo ſich der Eingang zum Palais befinde, worauf ihm
der Paſſant erklärte, daß der ſüdliche Eingang von den
Herrſchaf=
ten und der nördliche Eingang von dem Perſonal, den
Lieferan=
ten uſw. benutzt würde. Da uach den getroffenen Feſtſtellungen
dieſe Männer im Palais nicht vorgeſprochen haben, iſt die
Ver=
mutung naheliegend, daß ſie mit dem Ueberfall in
Zuſammen=
hang zu bringen ſind. Diejenigen Perſonen, die das
Automobil und die Inſaſſen geſehen haben,
werden gebeten, bei der Kriminalpolizei,
Hügel=
ſtraße, Zimmer 19, vorzuſprechen.
Pertreterverſammlung
1D4
des Heſſiſchen Landes=Lehrervereins.
— Ernannt wurden: durch Entſchließung des Miniſteriums für
Kul=
tus und Bildungsweſen die Studienreferendare Franz Haas, Dr.
Heinrich Jhl, Dr. Heinrich Matthes und Karl Müller zu
Stuidenaſſeſſoren.
In den Ruheſtand tritt: am 1. November 1923 auf Grund des 8 1
des Geſetzes über die Altersgrenzen der Staatsbeamten vom 2. Juli 19.
Dezember 1923 in Verbindung mit Artikel 2 des Geſetzes über die
Ein=
ſtellung des Perſonalabbaues in Heſſen und zur Aenderung des heſſiſchen
Perſonalabbaugeſetzes vom 8. Oktober 1925 der Miniſtcrialrat bei dem
Miniſterium der Finanzen, Abteilung für Bauweſen, Adam Paul zu
Darmſtadt.
In den Ruheſtand verſetzt wurde: am 25. September 1928: der
Oberaſſiſtent bei dem Amtsgericht Worms Jakob Schilling auf
Nach=
ſuchen mit Wirkung vom 1. Januar 1929 ab.
— Simon= und Charlotte=Fulda=Stiftung. Aus vorſtehender
Stif=
tung werden auch in dieſem Jahre wieder Unterſtützungen in Geld und
Brennmaterialien vergeben. Alles Nähere iſt aus den Bebanntmachungen
in den ſtädtiſchen Anhängekäſten im Stadthaus, an den Polizeirevieren
uſw. erſichtlich.
Techniſche Hochſchule. Anſtelle des im Vorjahr verſt. Geh. Rat
Prof. Dr. Heinrich Schenck iſt jetzt der Tübinger außerordentliche
Pro=
feſſor Dr. Fr. Dehlkers als ordentlicher Profeſſor der Botanik und
Direktor des Botaniſchen Gartens an die hieſige Techniſche Hochſchule
berufen worden; er iſt 1890 zu Sievershauſen im Sa. geboren, wurde
1922 Privatdozent und iſt ſeit 1925 außerordentlicher Profeſſor. Er
bearbeitet ein ganz neues Forſchungsgebiet, die Erblichkeitsforſchung und
die Reizphyſiologie. Bisher hatten die botaniſchen Profeſſoren, der
Begründer des jetzigen Botaniſchen Gartens L. Dippel beſonders,
auf dem Gebiet der Lehre von dem Mikroſkop gearbeitet, ſein
ſyſtema=
tiſches Hauptwerk iſt das Zbändige „Handbuch der Laubholzkunde‟,
dann kam der Phyſiologe A. Hanſen, der Erneuer und Fortſetzer
des Pflanzenlebens von A. Korner von Marilaun, während H. Schenck
beſonders auf dem Gebiet der Pflanzengeographie tätig war.
— Heſſiſches Landestheater. Infolge Erkrankung von Käthe
Wal=
ter ſingt in der heutigen Aufführung von Flotows „Fatme‟ Thereſe
Müller=Reichel vom Staatstheater in Wiesbaden die
Titel=
partie. Die Aufführung beginnt um 20 Uhr.
Die für morgen Freitag angekündigte erſte Wiederholung der Oper
„Die ſchwarze Kammer”, die anläßlich des Tonkünſtlerfeſtes ihre
Uraufführung erlebte und deren Wiedergabe durch das Landestheater
einmütig größte Anerkennung fand, kann vorausſichtlich erſt Mittwoch,
den 17. Oktober, nach Wiederherſtellung von Käthe Walter in Szene
gehen. Anſtelle der „Schwarzen Kammer” wird morgen Freitag, um
20 Uhr, Honeggers „Judith”, für die Miete D, wiederholt.
Die für Sonntag vormittag angekündigte Tolſtoi=Feier iſt
auf Sonntag, 28. Oktober verſchoben worden.
Als Volksvorſtellung zu Einheitspreiſen geht am Samstag, den
13. Oktober, um 19.30 Uhr, die Operette „Der Zigeunerbaron”
von Johann Strauß in Szene. Die Aufführung leitet Herr
Kapell=
meiſter Bamberger. Die Hauptpartien ſind mit den Damen Roſe
Landwehr (Saffi), Martha Liebel (Czipra), Sitta Müller=Wiſchin als
Gaſt (Arſena), ſowie den Herren Guſtav Deharde (Barinkay), Heinr.
Kuhn (Zſupan), Eugen Vogt (Ottokar) und Richard Jürgas (Carnero)
beſetzt. Preiſe 1—4 Mark.
— Der „Rhein=Main=Verband vom Jugendbund für entſchiedenes
Chriſtentum” hielt in Darmſtadt ſeine 18. Verbandskonferenz ab. Der
Vorſtand und die Vertreter der angeſchloſſenen Jugendbünde erledigten
bereits am Samstag nachmittag in zwei Sitzungen unter Leitung des
Vorſitzenden, Herrn Lehrer Hild, Lich, die rein geſchäftlichen Fragen.
Samstag abend hielt dann der Direktor des Deutſchen Hauptverbandes,
Herr Pfr. Schürmann, Woltersdorf, einen Vortrag über das Thema:
„Der Jugendbund, eine Schule des Glaubens und Dienens”. Aus dem
reichen Schatz ſeiner Erfahrungew während jahrzehntelanger
Jugend=
bundarbeit gab er ernſte Gedanken und viel Anregung. — Im
Feſt=
gottesdienſt, der Sonntag vormittag in der überfüllten Martinskirche
ſtattfand, ſprach Herr Dir. Pfr. Schürmann an Hand von Phil. 1,
29 und 30 über Glauben an Chriſtus, Leiden für Chriſtus und
Kampf für Chriſtus, klare Gedanken, die die Hörer gewiß noch lange
bewegen werden. — Pünktlich 2,30 Uhr bewegte ſich vom Vereinshaus,
Mühlſtraße 24, der große Feſtzug in ſchöner Ordnung nach der
Mar=
tinskirche, und von da nach der Stadtkirche, weil erſtere die weit mehr
als tauſend Teilnehmer nicht faſſen konnte. Dieſer Feſtzug war ein
frohes Erlebnis für jeden Teilnehmer, doppelt froh für dem, der die
beſcheidenen Anfänge des Rhein=Main=Verbandes vom Jugendbund für
E. C. im Jahre 1914 mitgemacht hat; zeigten ihm doch die Scharen
junger Menſchen aus den verſchiedenſten Teilen des Verbandsgebietes,
daß treue Arbeit geleiſtet wurde, daß Ewigkeitsgedanken auch heute noch
die Seele des jungen Menſchen mit heiligem Streben erfüllen können,
und daß nicht zuletzt der ewige Gott ſich mit ſeinem Segen zur Arbeit
bekgnnte. „Furcht vor dieſem ewigen Gott, heilige Ehrfurcht, Frucht
für Gott”, das waren die tiefernſten Gedanken, die ſich durch die
Feſt=
ayſprache des Herrn Dir. Pfr. Schürmann zogen. Junge Menſchen
ſind mit dem Willen wieder in ihre Heimat zurückgegangen, voll
Ehr=
furcht vor Gott zu ſtehen, durch ſeine Gnade ihm zu dienen, und durch
ſeine Kraft fruchtbar für ihn zu ſein. — Grüße des Herrn Prälaten,
des Herrn Direktors Haſſinger, des Herrn Landesjugendpfarrers
v. d. Au, des Eliſabethenſtifts und des Heſſenbundes waren eingegangen, ſtatt und führt von Bensheim über Zell—Schlierbach nach Lindenfels.
Bünde, und die vereinigten gemiſchten und Poſaumen=Chöre verſchönten, mal die Turnerinnen Charl. Bender und Lina Wald übernommen. Die
durch ihre Darbietungen die verſchiedenen Feiern. — Der Abend brachte Teilnehmer kommen am Hauptbahnhof zuſammen, löſen
Sonntagsfahr=
noch die Aufführung eines Deklamatoriums „Stern, auf dem ich ſchaue”, karten nach Bensheim zum Preiſe von 1,10 RM., damit um 6.44 Uhr
durch Mitglieder des hieſigen Bundes im Saale der Stadtmiſſion; ein
enſchütterndes Bild aus dem Leben der Großſtadt. — An die Tagung wird nochmals darauf hingewieſen, daß die Teilnehmer ſich bei unſerem
ſchloß ſich ein Singkurs unter Leitung des Landesjugendpfarrers, Herrn Wanderwart Franz Schulz, Karlſtraße, umgehend einzeichnen müſſen.
Freundlichkeiten erwieſen, beſonders des Entgegenkommens der Vor= um in etwa 5ſtündigem Marſch Lindenfels zu erreichen. Die Rückfahrt
ſtände von Martins= und Stadtkirche und der Behörden.
mit Michael Raucheiſen als Begleiter ſoliſtiſch beſtreitet, findet am 22.
ds. Mts. im Saalbau ſtatt. Ueber die in allen Keriſen vielbeſprochene
Künſtlerin, die in Darmſtadt erſtmalig gehört wird, ſchreibt die „Neue
freie Preſſe” Wien: Neben dieſen immerhin bedeutenden Geigern hofft, daß recht viele Turnerinnen und Turner ſich an dieſer Herbſt=
(Kreisler und Manen) wächſt die Erſcheinung Erica Morinis ins Un= warderung beteiligen.
wahrſcheinliche. Der im Feuer echten Gefühls geglühte Ton der Morini
iſt von unmittelbarer Wirkung. Der Adel innerer Wahrhaftigkeit leuchtet
aus ihrem Spiel. „Berliner Tagblatt‟: Erica Morinis Abend in der
Philharmonie war ein Ereignis. Die junge Künſtlerin iſt heute
ſpiel=
techniſch und künſtleriſch auf einer Höhe, die jedes Wort des Lobes
über=
flüſſig macht. „Signale‟: Erica Morini iſt heute höchſte Klaſſe und nur
mit Kreisler, Buſch und Hubermann vergleichbar. Das Abonnement
für die 10 Konzerte liegt noch bis zum 13. ds. Mts. auf, ab 15. Oktober Beſſungen und Darmſtadt=Weſt (Jugendheim) finden im Winterhalbjahr
beginnt der Tageskartenverkauf im Sckretariat der Städt. Akademie=
Eliſabethenſtraße 36.
— Kaufmäuniſche Stenoaraphen=Geſellſchaft, e. V. Wanſerung. Von
Zwingenberg über dem Melibotus, Felſenmeer, Reichenbsch. Fürſtenlager
nach Auerbach führt am kommenden Sonntag unſere 10. Wanderung.
Abfahrt vorm. 802 Uhr von Darmſtadt Hauptbahnhof. Es ſind
Sonn=
tagsrückfahrkarten bis Auerbach zu löſe
Pertrauenserklärung
für die Leitung des Vereins.
Der Obmann des Heſſiſchen Landeslehrervereins, Rektor Reiber,
eröffnet die Vertreterverſammlung im Städtiſchen Saalbau um 10.15
Uhr mit einem herzlichen Willkommengruß an die Gäſte und Vertreter
des Vereins. Anweſend ſind 184 Lehrerinnen und Lehrer als
Ver=
treter von 88 Bezirksvereinen des Landes. Mit ehrenden und
danken=
den Worten gedenkt Herr Reiber, der Toten des Jahres, zu deren
Andenken ſich die Verſammlung von ihren Sitzen erhebt. Weiter
wer=
den Begrüßungstelegramme und Glückwunſchſchreiben bekanntgegeben,
darunter ein ſolches von dem Miniſter des Innern, Herrn
Leuſch=
ner, der bei dem Feſtakte nicht anweſend ſein konnte.
Herr Reiber erſtattete den Jahresbericht, worin er zunächſt
den verſchiedenen Ausſchüſſen des Vereins (Pädagogiſcher Ausſchuß,
Beſoldungsausſchuß uſw.), für die von ihnen in den letzten Jahren
geleiſtete Arbeit dankte. Er verweiſt ferner auf den Kampf um ein
beſonders für die Simultanſchulländer erträgliches Reichsſchulgeſetz
und hebt dabei das tatkräftige Eintreten des Herrn Miniſterialdirektors
Urſtadt und das mannhafte Auftreten des Prälaten der evangel.
Landeskirche, Herrn D. Dr. Diehl, im Kampfe um die Erhaltung
der Simultanſchule in Heſſen hervor. Des weiteren wandte ſich der
Redner unter dem lebhaften Beifall der Verſammlung gegen einen
drohenden weiteren Abbau an der Schule, die einen weiteren Abbau
nach dem, was bereits in dieſer Hinſicht in den letzten Jahren über
ſie gekommen iſt, einfach nicht mehr erträgt. Vielmehr iſt eine
Er=
höhung der Stellenzahl mit Rückſicht auf die wieder
an=
ſteigende Kinderzahl und die dadurch in einzelnen Landesteilen ſtark
überfüllten Klaſſen unbedingt erforderlich, wenn auch nur den
drin=
gendſten Forderungen der neueren Pädagogik
entſprochen werden ſoll. Auch die Beſoldungslage der
heſſi=
ſchen Lehrerſchaft ſpielt im Geſchäftsbericht eine Role. Große
Un=
zufriedenheit beſtehe bei der heſſiſchen Lehrerſchaft über die
unzuläng=
lichen Beſoldungsergebniſſe, und geſpannteſte Erwartung herrſche im
Hinblick auf den bald zur Erörterung ſtehenden Stellenplan, der manche
Mißſtimmung, die nach Verabſchiedung des Beſoldungsgeſetzes auftrat,
beſeitigen könnte. Eine Mahnung zur Einigkeit im weiteren Kampfe
für Schule und Lehrerſtand findet die begeiſterte Zuſtimmung der
Ver=
ſammlung. — In der Ausſprache wird lebhaft gefordert:
Feſt=
halten an den feitherigen kulturpolitiſchen
Wün=
ſchen des Heſſiſchen Landeslehrervereins. Eine
beſſere Bezahlung für den nebenamtlichen Fortbildungsſchulunterricht
wird dringend gewünſcht; ferner weiterer Ausbau der
Fortbil=
dungsſchule und weſentliche Verbeſſerung der Lehrerbezüge in
den mittleren Lebensjahren, in denen die Koſten für den Haushalt am
größten ſind, durch den kommenden Stellenplan. Mit einem herzlichen.
Dank an den Obmann für die zielbewußte Führung des Vereins, an
den Vorſtand und den Beſoldungsausſchuß für ihre opferreiche Arbeit
ſchließt die Ausſprache. Dem Hauptrechner, Herrn Wirthwein
aus Offenbach, wird für ſeine ſorgfältige Rechnungsführung Entlaſtung
erteilt. — Für die Vorbereitung einer notwendigen
Satzungs=
änderung wird, ein Ausſchuß eingeſetzt. Einen breiten Raum
nimmt bei der Verhandlung noch die Beratung von Anträgen in
An=
ſpruch, die vielfach innere Vereinsangelegenheiten betrafen.
Nach kurzer Mittagspauſe wird die Beratung der Anträge über
Berufsſchule und das Verhalten des neugegründeten
Berufsſchul=
vereins und dem Heſſiſchen Landeslehrerverein fortgeſetzt. Die
hauswirtſchaftlichen Klaſſen, ſollen bei der Klaſſenzahl, nach der die
nebenamtliche Leitung der Fortbildungsſchule bezahlt wird,
mit=
gezählt werden. Alle Lehrerſtellen an der Berufsſchule ſollen vor der
Beſetzung ausgeſchrieben werden. Die Ausſprache ergibt
weiter=
hin, daß eine Vermehrung der Lehrerſtellen an der
Berufsſchule notwendig iſt, um auch das flache Land den
größe=
ren Orten im Lande gleichzuſtellen. Die Berufsſchullehrerſtellen ſollen
nach den Wünſchen der Vertreterverſammlung Landesſtellen ſein;
ferner ſoll aller Unterricht an der Fortbildungsſchule, auch auf dem
Lande, von hauptamtlichen Fortbildungsſchullehrern erteilt
werden. Die Verſammlung bedauert Abſplitterungen vom
Hauptver=
ein, mißbilligt, daher die Gründung des
Berufsſchulver=
eins, macht aber ihre Stellungnahme gegenüber dem neuen Verein
von deſſen zukünftiger Haltung zum Landeslehrerverein abhängig.
Schwerkriegsbeſchädigte Lehrer, die infolge ihrer Beſchädigung
vor=
zeitig in den Ruheſtand treten müſſen, ſollen mit der Höchſtpenſion
bedacht werden. Das Verſorgungsdienſtalter der
Schwerkriegsbeſchä=
digten ſoll nicht nur verbeſſert werden können, wie es im Geſetz
vorgeſehen iſt, ſondern verbeſſert werden müſſen.
Das für 1929 vorgeſchlagene Verbandsthema: „Kollegiale
Schulleitung” wird den Kreis= und Bezirksvereinen als
Arbeits=
theua für 1929 überwieſen und ſoll auf der Vertreterverſammlung
1930 als Verbandsthema behandelt werden.
Am Schluſſe ſpricht Herr Lehrer Maus=Vilbel dem
Vorbereiten=
den Ausſchuß für die Jubiläumstagung und der Führung des
Landes=
lehrerrereins und ſeinem Geſchäftsführenden Ausſchuß den
allerherz=
lichſten Dank der Verſammlung aus, brachte doch die Tagung für alle
Gäſte und Teilnehmer erhebende Stunden, die noch lange in der
Er=
innerung nachklingen werden.
Mit einer herzlichen Mahnung zur vereinstreuen Weiterarbeit
im kommenden Jahr und mit der Bitte, viel von dem guten Geiſt, der
über den ſchönen Feſt= und Arbeitstagen lag, mit hinauszunehmen und
ihn auch auf alle diejenigen zu übertragen, die aus irgend welchen
Gründen nicht an der Tagung teilnehmen konnten, ſchloß Herr Reiber
um 16.15 Uhr die vom Geiſte wahrer Freundſchaft und echter
Berufs=
geſinnung getragene Vertreterverſammlung mit dem Abſchiedsgruß:
Auf Wiederſehen auf der Vertreterverſammlung 1929 in Gießen!
Zum geſtrigen Bericht über den Feſtabend, wäre nachzutragen,
daß der mitwirkende Männerchor (Darmſtädter Lehrer=Sängerchor,
ver=
ſtärkt durch Mitglieder des Mozartvereins), ſowohl als der gemiſchte
Chor unter der vorzüglichen Leitung von Studienrat Borngäſſer
ſtanden.
Die Vertreterverſammlung faßte einſtimmig folgende
Eniſchließungen.
„Der Heſſiſche Landeslehrerverein erkennt die durch die
Zeitum=
ſtände gebotene Notwendigkeit größter Sparſamkeit für die heſſiſche
Staatsverwaltung an. Er vertritt jedoch die Anſicht, daß dieſe Sparo
meßnahmen vor dem Gebiete der Kultuspolitik Halt machen
müſſen. Die Heſſiſche Volks= und Fortbildungsſchule hat Opfer in
außergewöhnlichem Ausmaß gebracht und erträgt weitere Eingriffe
dieſer Art nicht mehr.
Die in den Jahren 1930—33 einſetzende ſtärkſte Zunahme der
Geſamtſchülerzahl und der unbedingt notwendige Ausbau
der Fortbildungsſchule erfordert eine weſentliche
Vermeh=
rung der Klaſſen= und Stellenzahl wenn nicht die
Leiſtungs=
fähigkeit des heſſiſchen Schulweſens herabgeſetzt werden ſoll.
Der Heſſiſche Landeslehrerverein läßt darum keinen Zweifel
dar=
über beſtehen, daß er jedem Abbau auf kulturellem Gebiet mit allen ihm
zu Gebote ſtehenden Mitteln Widerſtand entgegenſetzen wird.”
„Die Vertreterverſammlung nimmt den Jahresbericht des Herrn
Obmann Reiber zur Kenntnis. Sie ſpricht dem Obmann, dem
Vor=
ſtand des Heſſiſchen Landeslehrervereins und dem Beſoldungsausſchuß
insbeſondere ihr Vertrauen aus und geht zur Tagesordnung über.”
„Die Rechnung des Heſſiſchen Landeslehrervereins e. V.
Nechnungsjahr 1937 und der zugehörige Urkundenband ſind
Bezirksverein Bensheim geprüft worden. Es haben, ſich
Beanſtandungen ergeben. Die Rechnung iſt richtig befunden
für das
von dem
keinerlei
worden.”
— Turngemeinde Darmſtadt 1846 — Wanderabteilung. Ein
pracht=
voller Herbſttag lockte am letzten Sonntag zahlreiche Wanderluſtige
hinaus zur erſten Oktoberwanderung. Der Zug 8.25 Uhr
morgens brachte die Teilnehmer nach Erfelden. Mit guter Zuverſicht
ging es auf Schuſters Rappen um den Altrhein, an der Schwedenſäule
vorbei nach dem Schuſterswörth. Hier wurde mit einem Motorboot
über den Rhein geſetzt. Mit fröhlicher Stimmung wurde Oppenheim,
woſelbſt Mittagsraſt gehalten wurde, erreicht. Nach 1ſtündigem
Aufent=
halt ging es neugeſtärkt über Dexheim dem Endziel Nierſtein entgegen,
wo bei einem guten Glaſe Wein, Humor und Tanz die ſchönen
Stun=
den nur zu ſchnell vergingen. Die Führer, Turner Becker und Schleidt,
haben es vortrefflich verſtanden, die Wanderung intereſſant und
ab=
wechſelnd zu geſtalten und wird ihnen der Dank nicht verſagt bleiben.
Der Zug 7.10 Uhr brachte die luſtige Schar wieder in die Heimat
zurück.
Hersäumen
Sie nicht, noch heute die Winterausgabe des
Barmstädten
Fahrpianpuck
16269)
zu kaufen. Erhältlich in den Buchhandlungen,
Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen, der
Geschäfts-
stelle Rheinstraße 23, und bei den Agenturen
des „Darmstädter Tagbiatt‟. Preis 75 Pfennig.
— Turngemeinde Beſſungen 1865. Darmſtadt e. V. — Wander=
Abteilung. Sonntag, den 14. Oktober, findet die 10. Wanderung
— Das Orcheſter, zuſammengeſtellt aus Mitgliedern der verſchiedenen. Der Fußmarſch beträgt etwa fünf Stunden. Die Führung haben
dies=
mit dem beſchleunigten Perſonenzug die Abfahrt erfolgen kann. Es
Lic. b. d. Au, an. Wir gedenken dankbar aller, die uns dienten und viele Wie oben bereits angedeutet, wird in Bensheim die Bahn verlaſſen,
erfolgt ab Lindenfels um 4.29 Uhr mit Poſtauto. Der Fahrpreis be=
— 10 Akademie=Konzerte. Das 1. Konzert, welches Erika Morini, trägt für die Strecke Lindenfels—Bensheim 1,50 RM. Ganz beſonders
wird auf die Mitnahme eines gutgefüllten Ruckſacks und die Mitnahme
der Liederbücher aufmerkſam gemacht. Der Wanderausſchuß glaubt,
daß gerade dieſe Wanderung eine beſondere Anziehungskraft het, und
Modewerkstätte Marie Babel
jetzt Schufstraße 8, II. Stock (15557a R
Mutter= und Säuglingsberatungsſtunden. Die
Beratungs=
ſtunden der ſtädtiſchen Mutter= und Säuglingsfürſorge der Bezirke
wie folgt ſtatt: Beratungsſtelle Beſſungen (Eichwieſenſtr.): v. 12. Oktober
1928 an Freitag vormittags v. 9—10,30 Uhr; Beratungsſtelle Darmſtadt=
Weſt (Jugendheim, Landgraf=Philipps=Anlage 7): v. 11. Oktober 1928
an Donnerstag vormittags von 11—13 Uhr.
— Reſtaurant Bender zeigt heute die Neueröffnung ſeiner
Bauern=
ſchänke und Künſtlerklauſe an. (Siehe Anz.)
— Deutſcher Offizierbund. Zum Rundſchreiben vom 3. Oktober
Theaterplätze für Offizierkriegswitwen uſw. — wird erneut darauf
hinge=
wieſen, daß zu Miete I. die Zuſatzmiete II ſtändig gehört. Vorzeigen
der Mitgliedskarten an der Kaſſe und beim Betreten des Zuſchauerraumes
notwendig. Samstag, den 13.: „Madame Kobold”, kommt bereits in
Betracht.
— Dr. Max Wauer beginnt ſeine diesjährigen Vorträge in dem
Räumem der Buchhandlung Müller u. Rühle am Donnerstag,
den 18. ds Mts., mit einer Würdigung Leo Tolſtois. Die Feier
des 100. Geburtstags dieſes großen Ruſſem hat ſein Werk und ſeine
Gedanken wieder lebendig, in dem geiſtigen Mittelpunkt des Intereſſes
der literariſchem Welt geſtellt. Seine genialen Dichtungen, die Größe
ſeiner Geſichte und die Tiefe ſeiner Anſchauungen überflügelten nicht
nur ſein Jahrhundert, nein, dieſer einzigartige Poet und Gottſucher,
dieſer „menſchliche Menſch” redet auch zu uns und dem kommenden
Ge=
ſchlechter mit eindringlicher Stimme. Dr. Wauer wird nach ſeinem
Vortrag über Leben und Werk Tolſtois aus verſchiedenen Werken dieſes
unvergleichlichen Erzählers leſen.
— Johonnesgemeinde. Die Konfirmandenſtunden in den
drei Bezirfen beginnen am Dienstag, den 16. Oktober, nachmittags um
3 Uhr, für die Mädchen. Die Bubew kommen um 145 Uhr, im
Süd=
bezirk erſt ½5 Uhr. — Die Konfirmanden des Südbezirks (Buben)
treffen ſich am Sonntag nachmittag 1.45 Uhr Ecke Neckarſtraße zu
einem Ausflug. (Fahrgeld, 25 Pfg., iſt mitzubringen.)
* Das Autounglück auf der Bickenbacher Chaufſee. Zu dem
ſchwe=
ren Automobilunglück, das ſich, wie wir an anderer Stelle berichteten,
auf der Strecke Bickenbach—Eberſtadt ereignete, erhalten wir von dem
unverletzten Führer des Bugattiwagens eine Darſtellung von dem
Un=
glücksfall, die von dem von uns mitgeteilten Bericht allerdings
weſent=
lich abweicht. Der Bugattiwagenführer behauptet, er habe zwiſchen
den beiden Fahrzeugen nicht mehr durchfahren wollen, ſondern ſei
hin=
ter dem Mathis, der ſein Tempo plötzlich verlangſamte, gefahren. Er
habe ſofort Hand= und Fußbremſe gezogen. Seines Erachtens ſei der
Mathis aus irgend einem Grunde ins Schleudern geraten und vielleicht
mit dem Laſtkraftwagen kollidiert. Er habe ſcharf rechts ausweichen
wollen, da er einem Zuſammenſtoß mit dem nicht ganz rechts fahrenden
Mathis habe vorbeugen wollen. Seine Geſchwindigkeit könne keine
100 Kilometer betragen haben, da der Bugattiwagen aus der
Repa=
ratur gekommen ſei und ein 100 Klm.=Tempo mit ihm zu fahren nicht
möglich war. Er könne keine Erklärung für den wirklichen Grund des
bedauerlichen Unfalls geben, da das Unglück in wenigen Sekunden
geſchehen war. Die Beſchädigungen des Bugattiwagens ſeien derart,
daß man aus ihnen ſchließen könne, daß er nicht unmittelbare Urſache
des Zuſammenſtoßes geweſen ſei. — Es iſt Sache der zuſtändigen
Be=
hörden, die Richtigkeit der einen oder anderen Darſtellung feſtzuſtellen.
— Preisausſchreiben der Heſſiſchen Spielgemeinſchaft. Die Beteiligung
an dem Preisausſchreibem der Heſſiſchen Spielgemeinſchaft war
erfreu=
licher Weiſe äußerſt rege. Es wurden 18 Stücke eingereicht. Das
Preisrichterkollegium, beſtehend aus den Herren: General=Intendant
Profeſſor Carl Ebert, Schauſpieler Eduard Göbel, Architekt Julius
Harres, Schriftſteller Wilhelm Michel und Mundart=Schriftſteller Robert
Schneider, hat einſtimmig nachſtehende Entſchließung getroffen: „Mit
dem erſten Preis in Höhe von Mk. 300,— wird ausgezeichmnet: „Die
verborgene Aehnlichkeit”, Volkskomödie von Rudi Wünzer und Dr.
Peter Wagner. Der zweite Preis in Höhe von Mk. 200,— Mk. wird
zu gleichen Teilen den Volksſtückem: „Wann ich. . ." (Verfaſſer noch
un=
bekannt) und „Liebesluſt oder die weißen Schuhe” von Heinrich Rüthlein
zugeſprochen. Ob und welches dieſer Stücke zur Aufführung gelangt,
unterliegt noch der Beratung der Heſſiſchen Spielgemeinſchaſt.
* Schlaganfall. An den alten Kartoffelkellern in der Waldkolonie
erlitt geſtern abend gegen 18.45 Uhr Herr Dr. med. Poth,
Anna=
ſtraße, einen Schlaganfall. Er wurde von der Rettungswache ſofort
nach dem Stadtkrankenhaus transportiert, wo aber nur noch der Tod
des ſchon ſeit längerer Zeit nicht mehr praktizierenden Arztes
feſtge=
ſtellt werden konnte.
* Selbſtmord wegen Erwerbsloſigkeit. Der ledige 24 Jahre alte
erwerbsloſe Bäcker Ernſt Hinnerichs Kiesſtraße 35, hat geſtern
in einem Garten in der Nähe des Böllenfalltors, den er beaufſichtigte,
mit einem Flobertſchuß in die Schläfe ſeinem Leben ein Ende gemacht.
Von der Rettungswvache nach dem Krankenhaus verbracht, konnte nur
noch der Tod des jungen Mannes feſtgeſtellt werden.
* unfall. In der Pankratzusſtraße kam geſtern vormittag eine
ältere Frau zu Fall und mußte mit Naſenbein= und Kopfverletzungen
nach dem Stadtkrankenhaus verbracht werden.
Seite 6‟
Donnerstag den 1u. Okzober 1928
Rummer 283
HeſſiſcheVerwaltungsaksdemie
in Darmſtadt.
Die ganz beſondere Aufgabe, die ſich die Deutſchen
Verwaltungs=
gkademien mit der wiſſenſchaftlichen ſtaatsbürgerlichen Erziehung der
deutſchen Beamten= und Lehrerſchaft geſtellt haben, iſt in hohem Maße
geeignet, über den Rahmen der Beamtenſchaft hinaus in allen
den=
jenigen Kreiſen ſtarke Anteilnahme zu erregen, denen es ſeeliſches
Bedürfnis iſt, ſich wiſſenſchaftlich erkenntnismäßig mit dem Staat und
ſeinen rechtlichen, wirtſchaftlichen und ſozialen Geſchehniſſen
ausein=
anderzuſetzen. Mit Rückſicht darauf hat auch die Heſſiſche
Verwaltungs=
akademie in Darmſtadt die ſeit vier Semeſtern erfolgreich arbeitet,
ihre wiſſenſchaftlichen Veranſtaltungen allgemein zugänglich gemacht.
Das ſoeben erſchienene Vorleſungsberzeichnis der Anſtalt für das
Winterſemeſter weiſt wiederum eine große Reihe von hochbedeutenden
Vorleſungen und Vorträgen hervorragender Wiſſenſchaftler unſerer
hieſigen Techniſchen Hochſchule wie der benachbarten Univerſitäten auf.
Im einzelnen ſind vorgeſehen:
Rechtswiſſenſchaft:
Prof. Dr. Hollatz: Grundbegriffe der Rechtswiſſenſchaft, 6 Stunden.
(3 Reichsmark.)
Prof. Dr. Roſenberg: Familien= und Erbrecht, 12 Stunden. (6,00.)
Prof. Dr. Sinzheimer: Arbeitsrecht, 4 Stunden. (2,00 RM.)
Prof. Dr. Hollatz: Deutſches Luftfahrtsrecht, 2 Stunden. (1,50 RM.)
Privatdozent Dr. Heyland: Heſſiſches Verwaltungsrecht, mit
Be=
ſprechung praktiſcher Fälle, 2. Teil, 8 Stunden. (4,00 RM.)
Prof. Dr. Hollatz: Die Entwicklung des deutſchen Staatsgedankens,
12 Stunden. (6,00 RM.)
Prof. Dr. Gieſe: Staat und Kirche, 2 Stunden. (1,50 RM.)
Prof. Dr. Roſenberg: Uebungen im bürgerlichen Recht, mit
ſchriftlichen Arbeiten, 1. Teil, 6 Stunden. (3,00 RM.)
Sozial= und Wirtſchaftswiſſenſchaft:
Prof. Dr. Gerloff: Praktiſche Nationalökonomie, 8 Stunden. (4,00.)
Prof. Dr. Muß: Die induſtriellen Konzerne in Deutſchland, 2 Stdn.
(1,50 RM.)
Direktor Dr. Zeiger: Die Finanzierung der großen
Kapitalgeſell=
ſchaften, 2 Stunden. (1,50 RM.)
Dr. Dr. Berger, Miniſterialrat a. D., Sektionschef im
Internatio=
nalen Arbeitsamt: Internationale Sozialpolitik, 2 Std. (frei.)
Regierungsrat von Beck: Die Deutſche Reichsbahn und der
inter=
nationale Eiſenbahnverkehr, 2 Stunden (frei).
Direktor Dr. Zeiger: Die Börſe, 2 Stunden (1,50 RM.)
Allgemeine Fächer:
Prof. Dr. Noack: Anleitung zur freien Rede, 6 Stunden. (3,00 RM.)
Prof. Dr. Pfannmüller: Die großen Religionsſtifter und ihre
Bedeutung für die Gegenwart; 1. Teil: Buddha und Chriſtus,
4 Stunden. (2,00 RM.)
Prof. Dr. Hollatz: Das Land Utopien, eine Geſchichte der politiſchen
Ideale, 6 Stunden (3,00 RM.) — Ferner an
Führungen und Beſichtigungen:
Führung durch den Frankfurter Erkennungsdienſt und das Frankfurter
Kriminalmuſeum.
Führung durch das Römiſch=Germaniſche Zentralmuſeum in Mainz.
Beſichtigung eines induſtriellen Großbetriebes.
Beſichtigung der Einrichtungen des Völkerbundes und des
Internatio=
nalen Arbeitsamtes in Genf.
Außerdem wird der zweite Teil des im Sommerſemeſter begonnenen
finanzwiſſenſchaftlichen Sonderlehrgangs
mit folgenden Vorleſungen ſtattfinden:
Finanzgerichtspräſident Kuhl: Ausgewählte Kapitel aus dem
Steuer=
recht, 2. Teil, 6 Stunden. (4,00 RM.)
Oberregierungsrat Bender: Das Steuerverfahren, 4 Std. (3 RM.)
Prof. Dr. Muß: Die induſtriellen Konzerne in Deutſchland, 2 Std.
(2,00 Reichsmark.)
Direktor Dr. Zeiger: Die Finanzierung der großen
Kapitalgeſell=
ſchaften, 2 Stunden. (2,00 RM.)
ſchließt am 1. März 1929. Die Vorleſungen finden in der Zeit von beuſammlung im Veueinslohal Brauerei z. goldenen Anker, Große
8—9.30 Uhr abends in Hörſälen der Techniſchen Hochſchule ſtatt, und Ochſengaſſe.
zwar im allgemeinen Dienstags, Mittwochs und Freitags.
Die Vorleſungsgebühr beträgt für nichtbeamtete Hörer für die
Teilnahme an ſämtlichen Vorleſungen, außer denen des
finanzwiſſen=
ſchaftlichen Sonderlehrganges, 27 RM., für die Teilnahme am
Sonder=
lehrgang 10 RM. Die Gebühr für die Teilnahme an einzelnen
Vor=
leſungen iſt hinter jeder Vorleſung angegeben.
Alles Nähere iſt aus dem Vorleſungsverzeichnis zu erſehen, das
koſtenlos von der Geſchäftsſtelle der Anſtalt, Darmſtadt, Kaupſtraße 43, Landestheater, Großes Haus: Keine Vorſtellung. — Kleines
bezogen werden kann.
Es ſei hier noch beſonders darauf hingewieſen, daß der
Studien=
leiter der Anſtalt, Herr Prof. Dr. Hollatz am Freitag, 12. Oktober,
abends 8 Uhr, im Hörſaal 138 der Techniſchen Hochſchule in einem
Vortrag ,Beamtenfortbildung” über die Aufgaben und
die Bedeutung insbeſondere der Heſſiſchen Verwaltungsakademie
ſpre=
chen, wird. Der Eintritt zu dieſem Vortrage iſt frei.
Afrikaverixag Hans Schomburgks.
W.S. Geſtern abend ſprach im dichtbeſetzten Konkordiaſaal —
ein=
geladen vom Gewerkſchaftsbund der Angeſtellten — der Afrikareiſende
Hans Schomburgk über ſeine Erlebniſſe im dunklen Erdteil.
Schomburgk wurde weiten Kreiſen in Deutſchland bekannt durch ſeine
berühmten Afrika=Großfilme. Wenn er nun geſtern abend ſtatt eines
Filns eine Lichtbilderreihe brachte, ſo bewirkte das eine momentane 9. Oktober dieſes Jahres feſtgeſetzt. Eine eventuelle Stichwahl foll
Enttäuſchung, die aber bald wieder wich. Denn ſtatt des Filmes, be= am 11. November ſtatfinden. Verſchiedene Vorrangseinräumungen
gleitet von einigen erläuternden Worten, wurde ein Vortrag, illuſtriert und Bürgſchaftsübernahmen wurden genehmigt. Einem Antrag des
von einer Reihe ſtehender, meiſt kolorierter Bilder, geboten. Ein Chr. Stroh um Verlegung der Baufluchtlinie in der Kirchgaſſe auf die
Wechſel, der ſicher nicht geſchadet hat. Denn es iſt eine große Freude, ſeitherige Linie wurde in der Weiſe entſprochen, daß die Straße ſtatt
in ſo friſcher, manchmal faſt jungshafter Art über tollkühne
Jagd=
abenteuer und Forſchungskunſtſtückchen ſich was erzählen zu laſſen. Und
dieſe Art zu erzählen hat Schomburgk. In aller Schlichtheit, gewürzt Uebernahme der Untererhebſtelle ſeitens der Gemeinde gelegen.
Deun=
ab und zu durch einen guten Spaß, ſpricht er von Situationen, die —
ſelbſt erlebt — dem intereſſiert Horchenden tödlichen Schrecken eingefagt auf der Bürgermeiſterei die Einzeichnungsliſten für das
Volks=
hätten.
Der Vortrag führte zunächſt in die Gegenden Zentral= und
Oſt=
faſt gänzlich unbekannte Gebiet der Maſchukulumbwe ging es über den
Bangueloſee und die Grenze des ehemaligen Deutſch=Oſtafrika. Von geübt. Man verſetzte ſich darüber in berechtigte Aufregung, zumal dies
da entlang dem Rufiji bis nach Daresſalam. Schomburgk iſt vor allem
auch Großwildjäger. Mit Büchſe und Falle und Kamera hat er dem 2 Hauſierer vermutet, die ſich auf der Straße um einen Koffer ſtrinen.
verſchiedenen Wild — von der zahmen und zierlichen Antilope zum Ihre Beute ſoll ein Geldbetrag ſein.
wilden Büffel, dem gefährlichen Nashorn und dem koloſſalen
Elefan=
ten nachgeſtellt. Hat auch ein oder das andere Tier gefangen und nach Samstag abend hielt im Schwanenſaale der hieſige Zweigverein vom
Europa gebracht. So den bekannten Elefanten Jumbo, der vor einiger
Zeit im Zoologiſchen Garten in Rom erſchoſſen werden mußte. Mit
erſtaunlicher Kühnheit hat er ſich bis dicht an das Wild herangepirſcht
und Nahaufnahmen gemacht; Aufnahmen die ihm leicht das Leben Muſikvereins „Edelweiß” des Geſangvereins „Liederkranz” und des
hätten koſten können. Wenn er davon erzählt — das wirkt ſpannend
und doch gruſelig.
Im zweiten Teil ſeines Vortrages führte Schomburgk die Zuhörer
nach der Guineaküſte, dorthin, wo amerikaniſche Philantropen in dem
vorigen Jahrhundert die Negerepublik Liberia gegründet haben, um
ſo — allerdings vergeblich — das amerikaniſche Negerproblem zu löſen.
Eine Republik der Schwarzen, nebſt Abeſſinien der einzige autonome
Staat Afrikas — vollſtändig nach amerikaniſchem Muſter zugeſchnitten,
bis auf die Freimaurerlogen und die ſtripes and ſtars. Allerdings iſt
es nur ein Stern. Aber immerhin — ſogar Autoſtraßen ſind vorhanden.
Wenigſtens breit ausgehauene Wege im ewigen Urwald, die nach der
nächſten Regenzeit wieder dicht überwuchert ſind; vermutlich, ohne daß
je ein Auto darauf gefahren iſt. Das Hinterland von Liberia iſt h
gut wie unbekannt. In ihm hat Schomburgk längere Fahrten
unter=
nommen. Zu Fuß, auf Flüſſen mit einer Motorbarkaſſe und mit dem
Fahrrad. Es handelte ſich ihm um die Entdeckung des
Zwergflußpfer=
des, das er als erſter Europäer denn auch erhalten konnte. Auch eine
neue Büffelart hat er in Liberia entdeckt, die nach ihm genannt
wurde (wie er ſelbſt in edlem Stolz erzählte: nur ein Ochſe könne nach
ihm benannt ſein.) Vieles von den Sitten und Gebräuchen der
Ein=
geborenen, die — obwohl Bürger einer freien Nepublik — dennoch
recht „hinterwäldleriſch” ſind, hat er im Bilde feſtgehalten und zeigte
es, nicht ohne die eine oder andere launige Anekdote daran anzuſchließen.
Schomburgk iſt weniger eigentlicher Forſchungsreiſender als
leiden=
ſchaftlicher Jäger. So war ſein Vortrag auch da am ſpannendſten, wo
er von tollen Jagderlebniſſen packend zu ſprechen wußte. Doch auch Unfallchronik. Ein hieſiger mit der Briefkaſtenleerung
beſchäftig=
das, was er ſonſt zu ſagen hatte, trug dazu bei, manches, ſogar vieles ter Poſtbote wurde im Mühltal in den Abendſtunden von einem
Laſt=
außerordentlich intereſſanten Ausführungen ſpendete dem
Vortragen=
den ein dankbares Pumblikum reichen Beifall.
Schadenfeuer. Geſtern abend gegen 11 Uhr wurde die
Feuer=
wehr auf verdächtigen Rauch in dem Anweſen Waldſtraße 22
auf=
merkſam gemacht. Gleich darauf kom auch ſchon die
Feuermel=
dung, denn in den Büro= und Packräumen und dem Lager der
Schokoladewarenhandlung Welker in einem Seitenbau war
ſwahrſcheinlich durch einen Ofen ein Brand ausgebrochen. Die
Berufsſeuerwehr griff ſofort ein und konnte das Lager mit
ſeinen Vorräten retten, während das Büro ziemlich
ausge=
brannt iſt.
Lokale Veranſtkaltungen.
Die hierunter erſcheinenden Nofizen ſind ausſchließlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu betrachten.
iun keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Verein der Hundefreunde von Darmſtadt und
Das Semeſter beginnt am Dienstag, den 23. Oktober d. Js., und Umgegend. Freitag, den 12. Oktober, abends 8 Uhr, Mitglieder=
Abeſeitigt üblen Mundgeruch u.
URIOTOTORLhäßlich gefärbten Zahnbelag
IV. 11861
Tageskalender für Donnerstag, den 11. Otober 198.
Haus, Anfang 30 Uhr, Ende 22 Uhr, Zuſatzmiete III (2): „Fatme‟.
Orpheum, abends 20,15 Uhr. Gaſtſpiel Peter Prang: „Krümels
Wochenende‟ — Konzerte: Schloß=Kaffee, Kaffee Rheinaold, Hotel
Schmitz, Weinhaus Maxim, Kaffee Haſſia, Reſtaurant Bender.
Fürſtenſaal, abends 20 Uhr, Vortrag Dr. Oberdörffer über:
Aſtrologie und Heilkunſt” — Kinovorſtellungen: Helia,
Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=Theater.
Aus Heſſen.
Starkenburg.
E. Wixhauſen, 9. Okt. Oeffentliche
Gemeinderats=
ſitzung. Der Wahltag für die Beigeordnetenwahl wurde auf den
3 nur 2 Meter verbreitert wird. Dem Heſſ. Finanzamt iſt an einer
gegenüber verhält ſich der Gemeinderat ablehnend. — Zurzeit liegen
begehren (Panzerkreuzerverbot) offen. — Am Sonntag fand hier der
Rotkreuztag ſtatt. In allen Familien ſpendete man je nach
afrikas. Beginnend am Sambeſifluß, nördlich durch Rhodeſien und das Kräften für die gute Sache. — Einbrecher am Werke. Hier
haben am Samstag Einbrecher in 2 Häuſern ihr „Handwerk”
aus=
am lichten Mittag geſchehen ſein foll. Es werden in den Einbrechern
Aa. Eberſtadt, 10. Okt. Waiſenſchutzveranſtaltung. Am
Heſſiſchen Fechtverein Waiſenſchutz einen Wohltätigkeitsabend ab. Der
Veranſtaltung war ein äußerſt guter Beſuch und ein voller Erfolg
be=
ſchieden. Im erſten Teil des Programms wechſelten Darbietungen des
Turnvereins 1876 miteinander ab. Im zweiten Teile gelangte der
dreiaktige Schwank „Die Ehefrau wider Willen” zur Aufführung. Die
mitwirkenden Damen und Herren waren voll und ganz bei der Sache
und erreichten, daß das Theaterſtück großen Beifall erzielte. Zum
Schluß des eigentlichen Programms wurde Tanzmuſik abgehalten.
Hof=
fentlich iſt der Erlös der Veranſtaltung gut, ſo daß der Kaſſe des
Ver=
eins zum Beſten der Halbwaiſen ein nennenswerter Betrag zugefloſſen
iſt. — Kaninchenzuchtverein. Der hieſige
Kaninchenzucht=
verein veranſtaltet demnächſt im Gaſthaus „Zum Bismarck”, einen
Familien=Unterhaltungsabend. — Vereinsausflug. Der „
Ober=
heſſenverein Darmſtadt” veranſtaltete am vergangenen Sonntag einen
vom Wetter begünſtigten Vereinsausflug nach Eberſtadt. Im Saal
„Zum Schwanen” wurde gaſtliche Einkehr gehalten. —
Perſonen=
ſtandsaufnahme. Auch hier wird nach dem Stand vom 10.
Ok=
tober eine Perſonenſtandsaufnahme durchgeführt. Die Hausbeſitzer ſind
gehalten, die Erhebungspapiere bis längſtens Montag, den 15. Oktober,
an die Bürgermeiſterei abzuliefern. —
Soldatenkamerad=
ſchaft. Am kommenden Samstag, den 13. Oktober, hält die
Soldaten=
kameradſchaft Eberſtadt (gegründet 1890) im Saalbau des Gaſthauſes
„Zum Schwanen” einen Familien=Unterhaltungsabend ab. Das
Pro=
gramm ſteht nunmehr feſt. Außer einem ſtarken Blasorcheſter des
Muſikvereins „Edelweiß” wirken der Geſangverein „Liederkranz” und
der Turnberein 1876 mit. Anſprachen werden der Vereinsvorſitzende
Ludwig Oſt und Heinz Hch. Roth halten. Zum erſtenmal wird ſich an
das Programm Tanz anſchließen. Auch iſt Tombola vorgeſehen.
Wiſſenswerte über den afrikaniſchen Erdteil mitzuteilen. Für ſeine ſo kraftwagen von hinten angefahren und verletzt. Das Rad wurde ſtark
mitgenommen. — In einem hieſigen Induſtrieunternehmen verunglückte
ein Hilfsarbeiter ſo ſchwer, daß er mittels Privatautos in ein
Kranken=
haus überführt werden mußte. Ein tragiſches Geſchick wollte es, daß
am Abend des gleichen Tages auch die Frau des Arbeiters
krankheits=
halber in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. — Die
Kar=
toffelernte iſt hier noch in vollem Gange. Vielfach wird über
Mangel an geeigneten Hilfskräften geklagt. Der Ernteertrag iſt je
nach den Bodenverhältniſſen verſchieden. In ſandigem Boden gibt es
nur wenig Kartoffeln, dagegen iſt der Ertrag auf beſſerem Felde
einigermaßen zufriedenſtellend.
Aa. Eberſtaßt, 9. Okt. Schnitzeliagd. Die Freie Turnerſchaft
Eberſtadt veranſtaltete am letzten Sonntag eine gut verlaufene
Scknitzel=
jagd. Damit verbunden war ein Vereinsſpaziergang, der unter
Voran=
tritt der Spielleute vor ſich ging. Allgemeiner Treffpunkt war
See=
heim, wo fröhliche Einkehr gehalten wurde. — Samariterkurſus.
Am Montag abend eröffneten die hieſigen Arbeiterſamariter unter
Lei=
tung eines Arztes einen neuen Ausbildungskurſus. — Der
Radfahrer=
verein „Friſch auf” unternahm am Sonntag ſeine letzte Ausfahrt für
dieſes Jahr. Das Ziel der Tour war Offenbach. —
Odenwald=
klub. Dem Odenwaldklub war am Sonntag mit ſeiner 11. Wanderung
nach der Juhöhe ſchönſtes Herbſtwetter beſchieden. Die Teilnahme war
gut. — Verſchobener Ausflug. Der vom Geſangverein „
Ger=
monia” Eberſtadt für den letzten Sonntag geplante Ausflug nach
See=
heim iſt auf den kommenden Sonntag (14. Oktober) verſchoben worden.
—Standesamtsregiſter. Das Standesamtsregiſter verzeichnet
für den abgelaufenen Monat September ſechs Geburtseintragungen. Es
kamen fünf Knaben und ein Mädchen zur Welt. Ferner wurden drei
Todesfälle regiſtriert. Die Zohl der Eheſchließungen im September
be=
trug ſieben.
4a. Eberſtadt, 8. Okt. Jugendherbergweſen. In
Eber=
ſtadt beſitzen nicht weniger als 25 Ortsvereine die körperſchaftliche
Mit=
gliedſchaft der Ortsgruppe Gberſtadt des Reichsverbandes Deutſcher
Jugendherbergen, was ohne Zweifel eine ſehr erfreuliche Tatſache iſt.
— Hirſchhorn, 10. Okt. Waſſerſtand des Neckars am
9. Oktober: 0,50 Meter, am 10. Oktober: 0,49 Meter.
— Gernsheim, 10. Okt. Waſſerſtand des Rheins am
9. Oktober: — 0,63 Meter; am 10. Oktober: — 0,70 Meter.
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Aa. Pfungſtadt, 10. Okt. Erweiterung der
Erwerbs=
loſenfürſorgeſtelle? Wie verlautet, ſind Beſtrebungen im
Gange, der Erwerbsloſenfürſorgeſtelle Pfungſtadt diejenigen der
Nach=
bargemeinden Hahn, Eich und Eſchollbrücken anzugliedern. —
Woh=
nungsbau. In der Ringſtraße ſollen zwei Flachbauten errichtet
werden. Dadurch entſtehen acht neue Wohnungen. Die Arbeiten für
die Neubauten ſind in verſchiedenen Loſen bereits vergeben worden.
Die Gemeindehäuſer in der Lindenſtraße ſollen übrigens an die
Kana=
liſation und die Gasleitung angeſchloſſen werden. Man hofft, daß
dieſem Beiſpiel die privaten Hausbeſitzer folgen. —
Straßen=
verbreiterung. Ecke Mainſtraße und Bornſtraße ſoll die
Eber=
ſtädterſtraße verbreitert werden. Die Abteilung Tiefbau der
Provinzial=
direktion Starkenburg hat eine Verbreiterung der Straße auf 15,60
Meter in Vorſchlag gebracht. Die Mainſtraße ſoll nicht verbreitert
werden. Errichtung einer Hühnerfarm. Auch hier wird
demnächſt eine größere Hühnerfarm errichtet werden. Die Gemeinde
hat acht Morgen Gelände pachtweiſe zur Verfügung geſtellt. Die
Pacht=
zeit ſoll 15 Jahre betragen, und zwar mit einem Pachtpreis von 10.—
RM. für den Morgen vom dritten Pachtjahr ab. Für das erſte und
zweite Pachtjahr ſollen Ermäßigungen zugeſtanden werden. — Zum
Abturnen des Turnvereins e. V. wird ergänzend gemeldet, daß die
Zahl der Teilnehmer rund 100 betrug. Im Elfkampf der Turner
er=
rang Karl Grünig den 1. Sieg, im Elfkampf der Turnerinnen ſteht
Käthe Geibel an 1. Stelle und im Elfkampf der Jugend Georg Fey.
Im Sechskampf der Turner errang Ludwig Gandenberger den 1. Platz,
im Sechskampf der Turnerinnen Käthe Geibel und im Sechskampf der
Jugend Heinrich Böttiger. Die weiteren erſten Sieger ſind: Fünfkampf
der Turner Karl Grünig, bei Gruppe 1 Heinrich Gräf und bei Gruppe 2
Fritz Gandenberger, bei der Jugend in Abteilung A Berthold Rühl,
in Abteilung B Adam Bär und in Abteilung C Fritz Germann. Im
Dreikampf der Turnerinnen ſteht Henny Schömer an erſter Stelle.
— Hausbaukoſten. Wie zuverläſſig verlautet, betragen die
Koſten für das von der Gemeinde Ecke Bahnhofſtraße und
Linden=
ſtraße erbaute Wohnhaus rund 21300 RM. In dem unteren
Stock=
werk des Hauſes wohnt der Friedhofsaufſeher. Der obere Stock iſt für
40 RM. Miete pro Monat ausſchließlich 5 RM. Waſſergeld pro Jahr
vermietet. — Riolarbeiten. In der Klingsackertanne ſind
in dieſem Jahre 44 815 Quadratmeter zu riolen. In der Malchertanne
ſollen 28 841 Quadratmeter riolt werden. Nach einem Vorſchlag des
Forſtamtes Eberſtadt ſollten für das Riolen 8 Pfg. für den
Quadrat=
meter gezahlt werden. Der Waldausſchuß des Gemeinderates hat jedoch
für dieſe Arbeit 9 Pfg. bewilligt. — Filtrierung der Modau?
Zwei auswärtige Ingenieure ſind dem Vernehmen nach an die
Ge=
meindeverwaltung zwecks Genehmigung herangetreten, in die Modau
einen Filter einbauen zu dürfen, wodurch das Waſſer vollſtändig klar
werde und die Möglichkeit gegeben ſei, daß in dem Modauwaſſer Fiſche
leben könnten. Der Gemeinderat hat ſich bereits mit der
Angelegen=
heit befaßt und beſchloſſen, ihr nur dann näher zu treten, wenn der
Gemeinde keine Koſten entſtünden.
F. Nieder=Ramſtadt, 9. Okt. Stenographentag. Im
Gaſt=
haus „Zum Römer” fand am Sonntag vormittag die Herbſt=
Vertreter=
verſammlung des Bezirks Darmſtadt Gabelsbergerſcher Stenograpben
ſtatt. Die Tagung beſchäftigte ſich in erſter Linie mit internen
Be=
zirksangelegenheiten und ſodann mit der Arbeit auf ſtenographiſchem
Gebiet im Bezirk und den Vereinen im kommenden Winter. Die
Handelskammer=Prüfung bildete den Gegenſtand einer lebhaften
Aus=
ſprache. Es wurde u. a. beſonders auf ihren Wert zur Erzielung guter
Mittelleiſtungen hingewieſen und betont, daß es immer mehr das
Be=
ſtreben jedes Stenographen werden müſſe, dieſe Prüfung abzulegen.
Aufgabe der Stenographenvereine ſei es, dieſes Ziel allen Mitgliedern
immer wieder vor Augen zu ſtellen. Auch die Notwendigkeit, in den
Vereinen zur Heranbildung tüchtiger Stenotypiſten und
Stenotypiſtin=
nen (Blindſchreiber) mehr wie ſeither das Maſchinenſchreiben in den
Unterricht mit einzubeziehen, wurde mehrfach hervorgehoben. Leider
ſcheitert die Einführung des Maſchinenſchreib=Unterrichts vielfach an
der Beſchaffung der Maſchinen, wozu den Vereinen meiſtens die
nöti=
gen Mittel fehlen. Die ſtenographiſchen Unterrichtsleiter=Kurſe wunſcht
man zur ſtändigen Einrichtung zu erheben, da ſie nach den bisherigen
Erfahrungen die Erfolge des ſtenographiſchen Unterrichts in den
Ver=
einen günſtig beeinfluſſen. Weiter ſollen künftig nach dem Vorbilde
im Verbande von Zeit zu Zeit allgemeine Unterrichtsleiter=
Beſprechun=
gen innerhalb des Bezirks veranſtaltet werden. Die Organiſation der
Wettſchreiben wurde ebenfalls lebhaft diskutiert und aus der
Verſamm=
lung heraus praktiſche Vorſchläge hierzu unterbreitet. Im Jahre 1930
kann der Bezirk auf ſein 25jähriges Beſtehen zurückblicken. Um die
Tagung, die in einem größeren Rahmen abgehalten werden ſoll, hatten
ſich die Vereine Langen und Eberſtadt beworben. Mit Nuckſicht darauf,
daß Eberſtadt der Sitz des Bezirkes iſt und der Eberſtädter Verein im
gleichen Jahre das Feſt ſeines 25jährigen Beſtehens feiert, zog der
Verein Langen zugunſten des Vereins Eberſtadt ſeinen Antrag
zu=
rlick. Die Umſtellung auf die Einheitskurzſchrift bedingte entſprechend
dem Vorgehen des Bundes und Verbandes eine Namensänderung des
Bezirks. Nach dem einſtimmigen Beſchluß heißt der Bezirk künftig:
„Kurzſchrift=Bezirk Darmſtadt‟. Den im Bezirk zuſammengeſchloſſenen
Gauen wurde empfohlen, ihre Bezeichnung in derſelben Weiſe zu
ändern. Auch den Vereinen wurde nahegelegt, ihre Namen
entſpre=
chend umzugeſtalten oder mit einem Zuſatze zu verſehen, der die
Tat=
ſache der Pflege der Einheitskurzſchrift nach außen hin erkennen läßt.
Den im Kriege gefallenen Stenographen des Heſſ.=Naſſ. Verbandes, zu
dem der Bezirk gehört, ſoll ein ſchlichtes Denkmal geſetzt werden. Die
Tagung erklärt ſich mit der vom Bezirk Bergſtraße vorgeſchlagenen
Errichtung im Orbistale bei Zwingenberg einverſtanden und
beauf=
tragte den Bezirksvorſitzenden, der am 21. Oktober vorgeſehenen
Orts=
beſichtigung anzuwohnen und dem Denkmalsausſchuß den Beſchluß der
Tagung zu unterbreiten. Nachmittags fand im „Darmſtädter Hof”
(Knapp) ein Stenographentreffen des Stenographenvereins „Einheit”
Nieder=Ramſtadt mit den Nieder=Ramſtadt benachbarten Vereinen ſtatt,
das viele Kunſtgenoſſen und Kunſtgenoſſinnen bei geſelliger
Unterhal=
tung und Tanz bis in die ſpäten Abendſtunden in ſchönſter Weiſe
zu=
fammenhielt.
f. Roßdorf, 9. Okr. Gemeinderatsbericht. Der von der
Bürgermeiſterei ausgearbeitete Vertragsentwurf über die Aufſtellung
von 5 Litfaßſäulen innerhalb des Gemeindebezirks findet Genehmigung.
Die Säulen werden aufgeſtellt: vor de Hofe des Gemeindehauſes,
Er=
bacher Straße 3 (Hirtenhaus), Ecke der Bahnhofſtraße und Holzgaſſe,
vor dem Anweſen des Heinvich Emig 3., Ecke Darmſtädter= und
Moltke=
ſtraße, vor dem Garten des Konrad Becker 2., Ecke Beunegaſſe, und vor
dem Seitengebäude des Peter Philipp Grünowald 3., Ecke Hinter= und
Schreinergaſſe. Die Neufeſtſetzung einer Verfügung für den Vorſitzenden
des Ortsausſchuſſes der Kriegsbeſchädigten und Kriegshinterbliebenen
wird zunächſt zurückgeſtellt. Die KinoeVergnügungsſteuer für die
1. Platzkarten wird auf 12 Prozent ermäßigt. Einem Bauluſtigen
wird ein Bauplatz im Gemann „Im Mummler” zu den üblichen
Ve=
dingungen zugeſprochen. Nach einer kreisamtlichen Verfügung ſind für
die Feue ehr eine Reihe Anſchaffungen dringend notwendig; dieſe
wer=
den genehmigt. Die Fuhrleiſtungen zur Neupflaſterung der
Löwen=
gaſſe werden neu vergeben. Dem Geſuche eines Mieters, in einem
Ge=
meindehaus einen Untermieter aufnehmen zu dürfen, wird nicht
ent=
ſprochen.
Al. Höchſt i. Odw., 9. Okt. Gemeinderatsbericht. In der
Setztem öffentlichem Gemeinderatsſitzung beſchäftigte ſich der
Gemeinde=
rat zunächſt mit der Beſchaffung von Arbeitsmöglichkeiten für die
Arbeitsloſen unſerer Gemeinde in dieſem Winter. Durch die
anhal=
tende Trockenheit dieſes Jahrers kam es vor, daß hochgelegene Ortsteile
nicht genügend mit Waſſer verſorgt wurden. Dieſes Uebel ſoll nun
beſeitigt werden, und zwar iſt eine Vergrößerung des Waſſerveſervoirs
beabſichtigt, deren Koſtenpunkt ſich nach Angaben des Bauaufſehers auf
über 8000 Mark belaufen würde. Einige kleine Mängel im Zufluß
der bisherigen Quellen, die jetzt wieder ziemlich beſeitigt ſind, mögen
alberdings auch nicht unweſentlich zu dem Waſſermangel beigetragen
haben. Der Ortsvorſtand beſchließt deshalb, das Kulturbauamt zur
Donnerstag, den 11. Oktober 1928
Beſeitigung dieſes Mißſtandes heranzuziehen und die Angelegenheit bis
zur nächſten Sitzung zurückzuſtellem. — Die nächſten Punkte waven ein
Antrag des Schwimmklubs ud einiger Unterzeichner zwecks Errichtung
einer öffendlichen Badeanſtalt, ſowie die Entwäſſerung im Annelsbacher
Bruch, deren evtl. Ausführung ebenfalls als Notſtandsarbeiten
vorge=
ſehen ſind. Der Antrag des Schwimmklubs bezeichnet die Errichtung
einer Badeanſtalt als unumgängliche Norwendigkeit und verweiſt dabei
auf Nachbargemeinden, welchen dieſe zeitgemäße Enrichtung nur zum
Vorteil gereichen wünde. Die Mehrheit der anweſenden
Gemeinderats=
mitglieder konnte ſich allerdings wegen der enormen Koſten mit der
Ausführung dieſes Profektes zu Laſten der Gemeindekaſſe nicht
befreun=
den, denm die Steuerlaſtem ſeien ſchon fetzt für die Bürgerſchaft faſt
un=
erträglich. Nach eingehender Beratung wurde ſchließlich eine Kommiſſion
gebildet, welche die erſten Vorbereitungsarbeiten leiſten und mit dem
Schwimmklub Rüchſprache nehmen ſoll über die Finanzierung dieſes
Vorhabens. Die Entwäſſerung im Annelsbacher Bruch, bei einem
Koſtenanteil der Gemeinde von ca. 1500,— Mk., ſoll dann zur
Aus=
führung kommen, wenn mit den anderen Notſtandsarbeiten die
erfor=
derlichen 2000 Tagewerke erreicht werden. Die betreffenden
Grundſtücks=
eigentümer haben ſich bei der Ausführung dieſes Profektes bereit
er=
klärt, die Koſten für das Material, wie Röhren uſw., zu übernehmen.
— Die beabſichtigte Kanaliſation im neuen Baugebiet rechts des
Brei=
ten=Wegs wurde zurückgeſtellt, da mit den Eigentümern des fraglichen
Geländes erſt Rückſprache genommen werden ſoll. — Die freiwerdende
Wohnung im Gemeindehaus wurde der Familie Liſt zugewieſen.
Ein Beitrag zum Reichsbäder=Adreßbuch wurde einſtimmig abgelehnt.
Ein Schreiben des Kreisamtes zwecks Uebernahme der Koſten für
An=
ſchaffung von Hebammeninſtrumenten verfiel ebenfalls der Ablehnung.
— Zu einer Aufhebumg der Wohnungszwangswirtſchaft auf Anraten
des Miniſteriums des Innern konnte ſich das Gemeindekollegium nicht
entſchließen, beabſichtigt vielmehr den Zuzug auswärtiger
Wohnungs=
ſuchenden zu umterbinden. — Wegen der Beſeitigung der Grenzſteine
auf dem Grumdſtück K. Geiſt am Breiten=Weg ſoll mit dem
Ver=
meſſungsamt Rückſprache genommen werden. — Eine Reihe weiterer
Punkte fand in der anſchließenden geheimen Beratung ihre Erledigung.
H. Aus dem Ueberwald, 10. Okt. Waſſermangel. In den
höher gelegenem Ortſchaften des Odenwaldes, z. B. in Gras=Ellenbach,
macht ſich nun auch der Waſſermangel bemerlbar. Beſonders in den
Abendſtunden berſiegen die Quellen der Waſſerleitungen. Jedenfalls iſt
der Grund der Waſſerabnahwe der Quellen auf die langanhaltende
Trockenheit zurückzuführen.
Mraflans Maudtat Ihr Jaa
im vollen Ppacht, waschen Sie os wegelmäßig
mit Lawanen. Hls eimspamafneles
Magmpasch-
mittel entzieht Davanen dem Maan mun das
Hberfiüssige Fett, so daß es weden swwöde
moch stumpf wvind. — Packung 30 Pfennig.
IV 16243
L. Michelſtadt, 10. Okt. Kirchweihe. Der Sonntag und
Mon=
tag ſtand im Zeiches des Kirchweihfeſtes. Wenngleich von einer „Kerb”
im Sinne des Wortes in unſerem, von zahlreichen Fabriken umgebenen
Städtchen nicht mehr die Rede ſein kann, woran nicht zuletzt auch das
in den letzten Jahren zu beobachtende Wachstum der Stadt ſeinen
An=
teil hat, ſo verlangt doch an dieſen Tagen die Jugend ihr Recht. Die
Jugend will tanzen und ſo den lang erſehnten Kirchweihtag feſtlich
begehen. Dieſer Forderung der Jugend wurde auch hier entſprochen;
fand doch in nicht weniger als 6 Lokalen Tanzvergnügen ſtatt. Nur
an dieſen Orten können wir feſtſtellen, daß Kirchweihe iſt, denn ſonſt
merkt man in unſerer Stadt nichts davon. Die vielen ſonſtigen
Ver=
anſtaltungen und Darbietungen bringen der Bevölkerung die nötige
Abwechſlung, ſo daß man immer mehr davon abkommt, die Kirchweihe
ſelbſt noch beſonders zu feiern. Ganz anders iſt dies natürlich auf den
größeren und kleineren, uns „Städter im Odenwald”, umgebenden
Landflecken. Dort freut ſich jung und alt auf die doch nur einmal im
Jahr wiederkehrenden Feſttage der Kirmes. Man amüſiert ſich auf
die verſchiedenſte Art und vergißt alle Schrullen und Sorgen des
All=
tags. In vielen Gemeinden wird die Kirchweihe ſogar bis zum
Diens=
tag ausgedehnt und erſt in der Mitte der Woche wieder die alltägliche
Arbeit aufgenommen. Hier dagegen ging bereits am Montag wieder
alles ſeiner gewohnten Arbeit nach, und nur der Abend gab nochmals
Gelegenheit, auf die eine oder andere Weiſe ſich zu amüſieren.
Wäh=
rend im Städtiſchen Saalbau von dem Enſemble des Kurtheaters
Er=
bach=Michelſtadt ein „Bunter Abend” mit Tanz, Vorträgen, Liebern
und dergleichen arrangiert wurde, fand in dem etwa ½ Stunde von
Michelſtadt entfernt liegenden Kurhaus „Zum Waldhorn” ein überaus
zahlreich beſuchter Feſtball ſtatt. Es herrſchte daſelbſt reger Betrieb,
der bei echter „Kerweſtimmung” bis in den frühen Morgen anhielt.
So nahm auch das Kirchweihfeſt in Michelſtadt einen ſchönen Verlauf,
der manchem fröhliche und noch lange in Erinnerung bleibende
Stun=
den brachte. — Vom Odenwaldklub Michelſtadt. Am
Sonntag, den 14. Oktober, wird die Ortsgruppe Michelſtadt des
Oden=
waldklubs ihre 12. Wanderung ausführen, die die Teilnehmer über
Vielbrunn nach Klingenberg bringt. Vormittags 7 Uhr treffen ſich
die Teilnehmer am Haus Schaufried zum Abmarſch. Die Rückfahrt
erfolgt mittels Kraftwagen, weshalb Anmeldungen zur Teilnahme an
der Wanderung umgehend an die Führer vorzunehmen ſind. —
Ar=
beitsvergebung. Die Gagfah, Gemeinützige Aktien=Geſellſchaft
für Angeſtellten=Heimſtätten, Zweigniederlaſſung Weſtdeutſchland in
Eſſen (Ruhr), hat nunmehr die Verdingung der in einer hier neu zu
errichtenden Straße beabſichtigten Erſtellung von 20 Heimſtätten
aus=
geſchrieben. Die Unterlagen zur Angebotsabgabe ſind von der
ge=
nannten Geſellſchaft zu beziehen und die Angebote bis zum 25. Oktober
ds. Js. vorzulegen. — Handelsregiſter=Eintrag. Das
Heſſiſche Amtsgericht Michelſtadt weiſt darauf hin, daß im
Handels=
regiſter, Abteilung A, die Löſchung der Firma Franz Joſef Burger in
Michelſtadt vorgenommen wurde.
b. Erbach i. O., 10. Okt. Feuerwehrübung. Eine
Bereit=
ſchaftsübung der Freiwilligen Feuerwehr fand am Sonntag im Beiſein
des Herrn Kreisfeuerwehrinſpektors Mayer=Erbach und mit
Unter=
ſtützung der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ſtatt. Nach
einigen Bewegungsübungen auf dem geräumigen Marktplatz ertönte
plötzlich das Alarmzeichen der Signalbläſer. Die Bekämpfung des
an=
genommenen Feuerherdes (das alte Schulhaus in der Hauptſtraße)
wurde ſofort energiſch in Angriff genommen, und von vier Seiten
fielen ſtarke Waſſerſtrahlen aus mehreren Schlauchleitungen auf das
Dach des Hauſes. Bei dieſer Uebung konnte man konſtatieren, daß die
im vorigen Jahre auf dem Wege der produktiven Erwerbsloſenfürſorge
erfolgte Erweiterungsanlage der ſtädtiſchen Waſſerſpeicher und die
Faſ=
ſung der Erlenbacher Quelle ein Unternehmen darſtellt, das von
größ=
tem Vorteil für die Allgemeinheit iſt. Denn nicht nur die
Waſſer=
verſorgung iſt ſelbſt für die höchſtliegendſten Häuſer unſeres Städtchens
ſichergeſtellt, ſondern auch ein warmer Sommer, wie der diesjährige,
findet an ſeinem Auslaufe noch ſoviel Waſſer vor, daß man ruhig die
Verwertung einer größeren Menge Leitungswaſſer für Uebungszwecke
der Feuerwehr verwenden kann. — Die Freiwillige Sanitätskolonne
hatte unter Leitung des Kolonnenarztes Dr. med. Beck in kürzeſter Zeit
die angenommenen Verletzten und Rauchvergifteten in ſachgemäße
Be=
handlung genommen und abtransportiert. Glieder= und Schädelbrüche,
Rauch= und Gasvergiftungen bzw. die erſten Hilfeleiſtungen bei
der=
artigen Unfällen, die ein Brandunglück häufig begleiten, wurden in
einwandfreier Weiſe behandelt und gaben eindrucksvollen Beweis von
dem Können unſerer Rettungsmannſchaften. Aeußerſt angenehm
fie=
len bei beiden Organiſationen die einwandfreien
Ausrüſtungsgegen=
ſtände auf.
Seite 2
Großes Eiſenbahnungläck
bei Dutenhofen unweit Gießen.
h. Dutenhofen, 10. Okt. Geſtern vormittag gegen 9 Uhr ſtieß in
der Abzweigſtelle der Verbindungsbahn Dutenhofen nach Gießen=
Berg=
wald ein Arbeitszug, der auf dem ſalſchen Gleiſe vom Gießener
Perſonenbahnhof kam, mit dem in voller Fahrt von Wetzlar unſere
Station durchfahrenden Güterzug Nr. 5826 zuſammen.
Sämt=
liche Hauptgleiſe der Strecken Gießen-Köln und Gießen-Koblenz umd
die der Verbindungsbahn wurden zerſtört. Der Perſonenverkehr mußte
durch Umſteigen, der Güterverkehr durch Umleitung aufrechterhalten
werden. Sämtliche Züge erlitten erhebliche Verſpätungen. An der
Unfallſtelle herrſchte ein wüſtes Durcheinander. Die ſchwere
Loko=
motive des Güterzugs 5826 iſt mit ſämtlichen Achſen entgleiſt. Der
Pack=
wagen des Güterzuges liegt zertrümmert um, mehrere mit Steinen,
Kohlen und Brettern beladene Wagen hängem faſt ineinander, ſind
teil=
weiſe umgeſtürzt. Ferner ſind etwa noch 12 Wagen des Güterzuges
ent=
gleiſt. Der Arbeitszug, der nur ſechs Wagen ſtark war, hatte im falſchen
Gleis Dutenhofen—Gießen Kleinſchlag und Brennſtoff auf der Strecke
verteilt und war mit Rottenarbeitern beſetzt, die ſich aber durch
Abſprin=
gen retten konnten. Die Lokomotive des Arbeitszuges blieb, da ſie die
Wagen geſchoben hatte, unbeſchädigt, während die
Güterzugsmaſchim=
ſchwer beſchädigt wurde. Der Lokomotivführer Hacke aus Dillenburg,
der den Güterzug begleitete, wurde durch den Anprall von der Maſchine
geſchleudert und mußte mit Kopfverletzungen und Quetſchungen durch
die Gießener Sanitätskolonne in die Chirurgiſche Klinik befördert
wer=
den. Die Verletzungen ſind nicht lebensgefährlich. Sonſtige
Menſchen=
leben kamen nicht zu Schaden. Der Heizer der Güterzugsmaſchine blieb
ebenfalls unverletzt. Der ſofort alarmierte Gießener Hilfsgerätezug traf
etwa 30 Minuten nach Eintreffen der Meldung in Gießen an der
Un=
fallſtelle ein. Sofort wurde Pendelverkehr zwiſchen Gießen und
Dutenhofen zur Aufrechterhaltung des Perſonenverkehrs eingerichtet.
Von Dutenhofen nach Wetzlar konnten die Züge richtig fohren. Der
Güterzugverkehr wurde teilweiſe über die Strecke Gießen-Lollaz—
Wetz=
lar umgeleitet. Bis gegem abend waren die Aufräumungsarbeiten noch
nicht beendet. Der Sachſchaden wird auf mehrere 100 000 Mark geſchätzt,
Die Vertreter der Gießener Aemter und der Reichsbahndirektion
Frank=
furt a. M. weilten an der Unſallſtelle, die mit einer rieſigen
Menſchen=
menge umlagert war. Die Urſache des Zuſammenſtoßes
dürfte vermutlich auf den äußerſt dichten Nebel, der die Sicht
des Führers vom Arbeitszug ſtark beeinflußte, und auf unzureichende
Verſtändigung zwiſchen dem Fahrdienſtleiter in Dutenhofen und dem
Führer des Arbeitszuges zurückzuführen ſein. Die Unfallſtelle befindet
ſich etwa 200 Meter von dem Befehlsſtellwerk Dutenhofen nach Gießen zu
und konnte bei dem dichten Nebel nicht überſehen werden.
Bn. Hirſchhorn, 10. Okt. Jagdverpachtung. Wie in einer der
letzten Nummern bereits vermutet, hat der Gemeinderat Neckargemünd
das Ergebnis der am 1. Oktober dortſelbſt ſtattgehabten
Jagdverſteige=
rung wicht genehmigt, da in keinem der drei ausgebotenen. Jagdbezirke
der Anſchlag des Gemeinderats geboten worden iſt. Es findet deshalb
in den nächſten Tagen eine nochmalige Verſteigerung der drei
Ncckar=
gemünder Jagdbezirke ſtatt. Ausſchreibung erfolgt baldigſt. —
Be=
werbung um eine Natſchreiberſtelle. Auf die
Ausſchrei=
bung der Stelle eines Ratſchreibers für die Gemeinde Eberbach am
Neckar an Stelle des als Bürgermeiſter der Stadt Neckargemünd
ge=
wähltem Verwaltungsdirektors Müßig ſind nicht weniger als 18
Bewer=
bungsgeſuche eingegangen, darunter vier aus Eberbach. In bezug auf
den Beruf der Bewerber verteilen ſich die Geſuche wie folgt: 5
Ver=
waltungsoberſekretäre, 1 Verwaltungsinſpektor, 1 Finanzinſpettor, 2
Ju=
ſtizoberſekretäre, 1 Reviſionsinſpektor, 3 Ratſchreiber, 1 ſtädtiſcher
Büro=
beamter, 1 Stadtrechner, 1 Fürſorgebeamter, 1 Buchhalter, 1
Ziegelei=
fabrikant und Stadtrat. — Sterbefall. Geſtern morgen gegen ½6
Uhr ſtarb der weit über Hirſchhorn himaus bekannte Kaufmann Emanuel
Bamberger aus Hirſchhorn, Mitinhaber des Kaufhauſes Simon
Bam=
berger=Hirſchhorn a. N., nach längerem ſchweren Leiden im Alter von
55 Jahren. Bamberger gehörte ſchon vor dem Kriege und auch in den
beiden letzten Wahlperioden dem hiefigen Stadtrat an und war ein
eif=
riger Anhänger der Demokratiſchen Partei, die in Herrn Bamberger
eines ihrer eifrigſten Mitglieder verliert.
Rheinheſſen.
Ad. Undenheim, 10. Okt. Schlappige Zuſtände. Nachdem
ſchon in zwei Fällen freigewordene Wohnungen ohne Genehmigung der
Wohnungskommiſſion bei Nacht und Nebel bezogen worden waren
und der Gemeinderat das eige mächtige Handeln durch Stillſchweigen
ſanktionierte, wurde auf dieſelbe Weiſe eine andere Wohnung ſogar
vor einem auswärtigen Mieter erworben. Weil dieſe aber
ordnungs=
mäßig einer ſiebenköpfigen Familie, die vorher in einem Zimmer hauſte,
zugewieſen worden war, ſtellte deren Hausherr ihr Mobiliar
kurzer=
hand auf die Straße in der Meinung, daß es erlaubt iſt, einen
unbe=
quemen Mieter hinauszuwerfen, nachdem ſogar auswärtige Perſonen
Wohnungen gewaltmäßig beziehen.
k. Nieder=Olm, 10. Okt. Unfall. Als ein Radfahrer in großer
Geſchwindigkeit den Ebersheimer Berg herunterfuhr, ſah er ſich
plötz=
lich vor einem Fuhrwerk. Er überholte dasſelbe, doch beim Ueberholen
fiel ihm die Kette herunter, ſo daß er nicht mehr bremſen konnte.
Geiſtesgegenwärtig fuhr er abſichtlich in einen ungepflügten Acker, wo
er zu Fall kam und ſich erhebliche Verletzungen im Geſicht und an den
Beinen zuzog. — Der Segen der Lebensverſicherung.
Dreitauſend Mark in bar zahlte die Nürnberger Lebensverſicherung
durch den Ortsvertreter J. Lohrum der Witwe Hofmann für den
tra=
giſchen Tod ihres Gatten, der einem Unfall bei der Dreſchmaſchine zum
Opfer fiel, aus.
Ad. Nierſtein, 10. Okt. Bei der Wahl der evangeliſchen
Kirchenvertreter wurden Adam Strub 3. und Fritz Strub 6.
wiedergewählt. Durch Neuwahl gehören auf 6 Jahre dem
Kirchenvor=
ſtande an: Gg. Fr. Mayer, Joh. Schmitt 5., Fritz Funk, Fritz
Born=
gäſſer, Heinr. Lerch 1. und Fritz Eller. Die wegen
Geſundheitsrückſich=
ten zurückgetretenen Vertreter Adam Dietewich, Wilh. Meyer 5., Wilh.
Schuch 2. und Georg Bittel 3. wurden zu Ehren=
Kirchenvorſtandsmit=
gliedern ernannt.
Oberheſſen.
r. Bad=Nauheim, 9. Okt. Praktiſche Arbeit, für das
Auslandsdeutſchtum. Zwecks Unterſtützung des Deutſchtums
in unſerer ehemaligen Kolonie Deutſch=Südweſtafrika wurde von der
hieſigen Ortsgruppe des V.D.A. gemeinſam mit der Abteilung der
Deutſchen Kolonialgeſellſchaft eine Bücherſammlung veranſtaltet, als
deren Ergebnis vor einigen Monaten eine ſtattliche Kiſte mit
wert=
vollſtem deutſchem Schriftgut die Reiſe übers Meer antreten konnte.
Die Sendung war für die deutſche Schule in Lüderitzbucht beſtimmt und
iſt auch wohlbehalten dort eingetroffen, wie der Deutſche Schulverein
in Lüderitzbucht nun in einem herzlichen Dankſchreiben durch den
Schul=
leiter Dr. Mahwald mitteilen läßt. Jugend und Erwachſene ſeien
gleichermaßen hocherfreut über die wertvolle Spende und über die
da=
durch zum Ausdruck gebrachten Sympathien des Mutterlandes für die
deutſchen Brüder und Schweſtern im fernen Afrika. Eine zweite
Bücherſammlung genannter Vereine iſt zurzeit im Gang und ſoll
bal=
digft abgeſchloſſen werden, damit noch zu Weihnachten eine andere
ſüd=
weſtafrikaniſche deutſche Schule durch eine größere Büchenſpende
er=
freut werden kann. — Bei einer Beteiligung von 25 Prozent der
Wahlberechtigten fand am Sonntag die Wahl zur evangeliſchen
Kir=
chengemeindevertretung ſtatt. Es wurden 52 Vertreter auf
den einen Wahlvorſchlag und 28 auf den der „neuen Männer” gewählt,
zuſammen alſo 80 Vertreter, darunter eine Frau.
Seite 8,
Donnerstag, den 11. Oktober 1928
EinnatsKaicſtteshe i Prag.
An der Unglücksſtätte. — Die Bergungsarbeiten. — Trauerfeier im
Genat. — Etwa hundert Vermißte. — Bisher 22 Tote aufgefunden.
Reich und Ausland.
Donnerstag Start des „Graf
Zeppelin” zur Amerikafahrt.
Friedrichshafen. Dr. Eckener hat den
Auf=
ſtieg zur Amerikafahrt für Donnerstag früh 8 Uhr
angeſetzt. Die Vorausſetzung iſt allerdings, daß es
gelingt, das Schiff ungefährdet aus der Halle
her=
auszubringen. Mittwoch herrſchten über dem
Boden=
ſeegebiet ſchwere Stürme. Dr. Eckener rechnet aber
damit, daß ſie ſich bis Donnerstag früh gelegt haben.
Die Wetterausſichten über dem Ozean ſind auch nicht
gerade ſehr günſtig. Das Schiff muß ſich dann eben
ſeinen Weg ſuchen und unter Umſtänden Tiefs
um=
fahren.
Die Fahrgäſie des Zeppelin.
Auf der Fahrt nach Amerika werden an Bord des
„Graf Zeppelin” nur 60 Perſonen ſein, davon 40
Mann Beſatzung und 20 Paſſagiere. Die Liſte
der Fahrgäſte umfaßt folgende Namen: Vom
Reichs=
verkehrsminiſterium Miniſterialdirigent Dr.
Bran=
denburg, der Leiter der Luftfahrtabteilung Dr.
Denkendorf als Meteorologe der Zentralſtelle für
Flugſicherung, Dr. Krüger von der Deutſchen
Ver=
ſuchsanſtalt für Luftfahrt, vom Reichsrat der
preu=
ßiſche Innenminiſter Grzeſinſki, als Vertreter
ausländiſcher Regierungen der ſpaniſche Oberſt
Her=
rera und der Führer der „Los Angeles”.
Com=
mander Roſendahl, ferner Graf Brandenſtein=
Zeppe=
lin, der Schwiegerſohn des Grafen Zeppelin, Herr
v. Tyßka von der Verſicherungsgeſellſchaft „Friedrich
Wilhelm” ſowie die Herren Gilfillan und Dr.
Ro=
bert Reiner. Weiter werden ſich unter den
Paſſa=
gieren zwei Ingenieure befinden, und zwar Bock
von Telefunken und Schirlitz von den Zeißwerken, der
optiſche Unterſuchungen und Arbeiten zur
Entwick=
lung neuer Inſtrumente ausführen wird. Es kommen
dann noch die Vertreter der drei Verlage, die das
Monopol für die Bordberichterſtattung erworben
haben, und zwar zwei Filmleute aus dem Scherl=
Verlag, Rolf Brandt und der bekannte Maler
Pro=
feſſor Dr. Ludwig Dettmann, für den Verlag
Ull=
ſtein Redakteur Walter Kleffel und der Zeichner Theo
Matejko, für den amerikaniſchen Hearſt=Konzern Karl
v. Wiegand und Lady Drummond=Hai; ſie iſt
übri=
gens die erſte Frau, die den Ozean in der Luft
über=
queren wird. Die Führung des Luftſchiffes liegt
natürlich in den Händen von Dr. Eckener, der von
den beiden ſtellvertretenden Führern, Diplomingenieur
Lehmann und Kapitänleutnant Flemming unterſtützt
wird.
Coplidges Wünſche für den Zeppelinflug.
New York. Anläßlich des bevorſtehenden
Amerikafluges des „Graf Zeppelin” erklärte
Prä=
ſident Coolidge, daß er dem Unternehmen einen
guten Erfolg wünſche, der zur Weiterentwicklung der
Luftſchiffahrt beitrage. Der Luftverkehr zwiſchen
Europa und Amerika werde die amerikaniſchen
Staaten Europa näherbringen.
Vereitelter Eiſenbahnanſchlag.
Magdeburg. Die Reichsbahndirektion teilt mit:
Am Mittwoch früh 5,28 Uhr wurde bei Kilometer
14,1 der Strecke Frohſe—Quedlinburg zwiſchen den
Bahnhöfen Ballenſtedt=Oſt und Ballenſtedt=Weſt eine
etwa eineinhalb Meter lange hölzerne Bank quer
über die Schienen gelegt vorgefunden. Die Bank
wurde rechtzeitig vom Eiſenbahnperſonal beſeitigt.
Der Betrieb wurde nicht geſtört.
Eine Münchener Faſchingstragödie.
München. Dienstag begann vor dem
Schwur=
gericht München I die Verhandlung gegen den
20jährigen Studierenden der Schauſpielkunſt Werner
Hinz aus Lübeck wegen Totſchlags, begangen an der
Frau eines Münchener Rechtsanwaltes in der Nacht
vom 14. zum 15. Februar in einer Münchener
Wein=
ſtube. Der Angeklagte hatte die Rechtsanwaltsgattin
während eines Künſtlerfeſtes in Schwabing
kennen=
gelernt und ein Liebesverhältnis mit ihr begonnen.
Nach einer mit der Frau verbrachten Nacht kaufte
er ſich einen Revolver und irrte am Tage planlos
umher. Am Abend erſchoß er die Frau in einer
Münchener Weinſtube. Nach dreiviertelſtündiger
Be=
ratung fällte das Gericht folgendes Urteil: Hinz iſt
ſchuldig eines Verbrechens des Totſchlags und wird
unter Zubilligung mildernder Umſtände zu vier
Jahren Gefängnis abzüglich ſieben Monate
Unter=
ſuchungshaft verurteilt. Wegen Fluchtverdachts wurde
Haftfortdauer angeordnet.
Indiens größte Dichterin inBerlin
Sarojini Naidu,
die ehemalige Präſidentin des indiſchen
National=
kongreſſes iſt in Berlin eingetroffen und wird in der
Reichshauptſtadt mehrere Vorträge halten. Sie gilt
als die größte Dichterin der modernen indiſchen
Generation und hat ihre Weltreiſe auf Veranlaſſung
Ghandis, des berühmten Führers der indiſchen
Nationgliſten unternommen.
Prag. Zu der furchtbaren Einſturzkataſtrophe
in Prag werden nunmehr noch folgende Einzelheiten
bekannt: Von den 87 auf dem Bau beſchäftigten
Perſonen ſoll ſich nur eine geringe Zahl während des
Unglücks haben retten können. Die anderen wurden
verſchüttet und konnten bis Mittwoch morgen mit
wenigen Ausnahmen noch nicht geborgen werden.
Auch Paſſanten wurden von dem Einſturz betroffen.
Zwar, konnte ſich der gerade im Augenblick der
Kataſtrophe vorbeifahrende Straßenbahnwagen noch
mit knapper Not in Sicherheit bringen, aber eine
Frau mit Kinderwagen, ein Geſpann mit Kutſcher
und Pferd und eine unbekannte Anzahl von
Paſſan=
ten fielen der Kataſtrophe zum Opfer. Die Zahl der
Toten ſteht noch nicht feſt; ſie wird auf 80—100
be=
ziffert. Die Stätte der Baukataſtrophe bildet ein
ſchreckliches Bild. Noch immer iſt eine große graue
Staubwolke über dem Unglücksort gelagert.
Infan=
terie= und Genietruppen arbeiten an der Beſeitigung
der Trümmer, andere Militärabteilungen haben die
ganze Umgebung abgeſperrt. Die Feuerwehr iſt mit
der Bergung der Verſchütteten beſchäftigt, die nur
ſehr langſam vor ſich geht. Die Urſache der
Kata=
ſtrophe wird darauf zurückgeführt, daß der Bau auf
Schwammſand errichtet war, der von der Moldau her
weit unter die Häuſer der Stadt reicht. Der Bau
war ein ſiebenſtöckiges Eiſenbetongebäude, das in der
Konſtruktion beinahe vollendet war. Der Chef der
Baufirma führt die Kataſtrophe auf die
minder=
wertige Qualität des Zements zurück. Der Einſturz
des Gebäudes erfolgte in 2—3 Sekunden mit einem
donnerähnlichen Getöſe. In der Stadt gehen viele
Gerüchte um, die nur ſehr ſchwer kontrolliert
wer=
den können. Es heißt u. a., daß ein Architekt und
ein Ingenieur der Baufirma Selbſtmord verübt
hätten. Der Inhaber der Baufirma wurde verhaftet.
Auch die Nebenhäuſer mußten geräumt werden, da
ſie einzuſtürzen drohten Bis in die frühen
Morgen=
ſtunden waren 13 Tote und 26 Verletzte geborgen.
Mehr als 50 Arbeiter werden noch vermißt. Die
Einzelheiten ſind grauenhaft. Ein aus dem Keller
geretteter Arbeiter mußte, da er vor Schreck
irr=
ſinnig geworden war, ins Krankenhaus verbracht
werden. Allgemeines Aufſehen erregte eine
Arbeiter=
frau, die den blutigen Kopf ihres Mannes in den
Händen hielt, und nach den anderen Ueberreſten des
Körpers in dem Trümmerhaufen ſuchte. Drei
zer=
malmte Kinderleichen und ein Rad eines
Kinder=
wagens wurden unter den Trümmern gefunden.
Die Aufräumungsarbeiten wurden die ganze Nacht
über fortgeſetzt. Außer der geſamten Feuerwehr
be=
teiligten ſich daran mehr als 2000 Mann Militär.
Im Abgeordnetenhaus wurde gerade eine Sitzung
des Finanzausſchuſſes abgehalten, die ſofort
unter=
brochen wurde. Im Senat widmete der
Vizepräſi=
dent den Toten einen Nachruf, den das Haus ſtehend
anhörte. Wie die Blätter melden, erklärte der
Präſident der Staatlichen Kommiſſion, daß die
Firma ſich nicht an die beſtehenden Vorſchriften
ge=
halten habe, da nur die Bewilligung für ein
fünf=
ſtöckiges Gebäude gegeben worden war. Der Prager
Oberbürgermeiſter hat angeordnet, daß innerhalb
24 Stunden in Prag ſämtliche Neubauten von
Fach=
männern geprüft werden.
Ein Sägewerk abgebrannt.
Schaden über 100 000 Mark.
Kaſſel. In dem Nachbarort Ober=Kaufungen
brannte in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch
das große Sägewerk von Otto vollſtändig nieder.
Das Großfeuer, das in dem Keſſelraum des Werkes
ausgebrochen war, hatte in kurzer Zeit drei
Arbeits=
hallen, den Maſchinenraum und einen großen
Spei=
cher ergriffen. Nach kaum einer Stunde dehnte ſich
das Feuer bereits über 1700 Quadratmeter aus. Der
Schaden dürfte ſich auf 100 000 Mark belaufen.
Bluttat in einem italieniſchen Gefängnis.
Rom. Im Gefängnis Foggia ereignete ſich ein
blutiger Vorfall, der vorausſichtlich mehrere
Todes=
opfer fordern wird. Ein wegen Mordes zu 30 Jahren
Gefängnis verurteilter Sizilianer geriet mit ſeinen
Mitgefangenen in Streit, weil er behauptete, ſie
hätten ihm ſeine Bettſtelle zerbrochen. Der Streit
endete damit, daß der Mörder mit einem Stilett,
über deſſen Herkunft noch Unklarheit herrſcht, auf
ſeine Mitgefangenen losſtieß und mehrere ſchwer
verwundete. Drei der Verletzten ringen mit dem
Tode.
Prag. Bis zwölf Uhr wurden keine weiteren
Leichen an der Unglücksſtätte geborgen, wohl aber
fortwährend, Leichenteile, Hände, Füße,
Kleidungs=
ſtücke und Handwerkszeug. Um 1 Uhr meldet die
Polizei 17 Tote. Da im Krankenhauſe unterdeſſen
vier Perſonen geſtorben ſind, erhöhen ſich die
Todes=
opfer auf 21. Insgeſamt wurden bisher 36
Per=
ſonen in die Krankenhäuſer gebracht, von denen 16
wieder entlaſſen werden konnten.
Weitere Rettungsarbeiten.
Aus den Trümmern des eingeſtürzten Neubaues,
unter denen noch eine große Anzahl Arbeiter
be=
graben liegt, wurden bis Dienstag abend 11 Uhr
weitere drei verletzte Arbeiter gerettet. Durch eine
Oeffnung im Keller des Nachbarhauſes gelangte man
dann zu einem vierten Arbeiter, der ebenfalls
ver=
letzt war und in Sicherheit gebracht wurde. Da man
in dieſem Keller noch weitere Stimmen hörte, wurde
die Oeffnung erweitert, ſo daß ſich ein fünfter
Ar=
beiter, der nur leicht verletzt war, befreien konnte.
Es wurden ferner drei Leichen gefunden. Man ſetzte
ſich in den Kellerräumen des Nachbarhauſes durch
Klopfen mit zwei weiteren Verſchütteten in
Ver=
bindung. Dieſe konnten die Stelle angeben, an der
ſich ſich befanden, und es gelang, ihnen Erfriſchungen
zu reichen. Die Aufräumungsarbeiten dürften noch
volle 24 Stunden in Anſpruch nehmen. Sie werden
von drei Seiten in Angriff genommen. Die über dem
Niveau der Straße aufgeſtapelten Betontrümmer
werden mit Hilfe von Schweißapparaten zerteilt.
Außerdem verſucht man, in die unterirdiſchen
Ge=
ſchoſſe von einer Querſtraße ſowie aus den
Keller=
räumen des benachbarten Hauſes einzudringen, das
von den Einwohnern geräumt werden mußte.
Wie=
viel Opfer ſich noch unter den Trümmern befinden,
kann noch nicht genau feſtgeſtellt werden. Die Zahl
ſchwankt zwiſchen 20 und 30.
Vernehmung des Bauingenieurs.
Gegen Mitternacht wurde der Bau=Ingenieur
Rudolf Mondl, der auf dem eingeſtürzten Neubau
die Arbeiten leitete, und für ſie verantwortlich war,
der Polizei vorgeführt. Er ſagte aus, er habe die
Abſicht gehabt, ſich in der Nacht zu erſchießen.
Ent=
ſchieden müſſe er in Abrede ſtellen, daß der Grund
des Unglücks eine ſchlechte Betondichtung war. Das
Fundament des Baues allerdings ſei aus
minder=
wertigem Zement hergeſtellt worden, aber in den
oberen Schichten ſei vollwertiger Zement verwendet
worden.
Furchtbare Erregung der Bevölkerung.
Wegen der in der ganzen Stadt herrſchenden
fieberhaften Aufregung iſt die Polizei in
Alarm=
bereitſchaft verſetzt worden. Ueberall ſtehen
Doppel=
poſten. — Die Erregung der Prager Bevölkerung
richtet ſich auch gegen die Regierung, da man ihr
einen Hauptteil der Schuld an der Serie der
Bau=
unglücksfälle in der letzten Zeit zuſchreibt, weil das
zeitig befriſtete Geſetz über die Steuererleichterungen
das Tempo der Bauausführungen unnatürlich
ver=
ſchärft und die Bauunternehmer zu ſchnellem Bauen
zwingt, damit ſie noch der Steuererleichterung
teil=
haftig werden können.
Feuersbrünſte in Italien.
Mailand. In Cadore hat Großfeuer den zur
Gemeinde Sappada gehörenden Weiler Granvilla
ein=
geäſchert. 35 Häuſer wurden ein Raub der Flammen,
41 Familien ſind obdachlos. Der ganze Weiler
be=
ſtand aus Holzhäuſern. Der Schaden wird auf 1½
Millionen Lire geſchätzt. — Eine heftige
Feuers=
brunſt hat in Patone bei Revereto vier Häuſer
ein=
geäſchert. Eine Anzahl Familien iſt obdachlos.
Schlammregen in Neuſeeland.
London. Aus Wellington in Neuſeeland wird
eine ungewöhnliche meteorologiſche Erſcheinung
be=
richtet. In verſchiedenen Gebieten des Landes
herrſchte am Montag ein ſchwerer Sturm, in deſſen
Verlauf ſich der Himmel mit ſchweren Wolken bezog.
Der fallende Regen war ſchlammartig und bedeckte
die Dächer der Häuſer und Automobile in kurzer
Zeit mit einer Schlammdecke. Der Direktor der
meteorologiſchen Station glaubt, daß der Schlamm
von den auſtraliſchen Wüſtengebieten über das
Tas=
maniſche Meer durch die zyklonartigen Winde nach
Weilington gebracht worden iſt. Ein ähnlicher
Jor=
gang war bereits im Jahre 1903 beobachtet worden.
Die erſie Hapag=Fahrt nach Amerika vor 80 Jahren.
Der Segler „Deutſchland”.
Vor 80 Jahren, am 15. Oktober 1848, begann die erſte Fahrt der Hamburg=Amerika=Linie über
den „großen Teich‟. Dem großen Segler „Deutſchland” fiel die Ehre zu, die Flagge der 1847
gegründeten Hamburg=Amerikaniſchen=Paketfahrt=A.G. (kurz „Hapag”) in New York zu zeigen.
Das Schiff faßte die für die damalige Zeit hohe Zahl von 20 Kajüten= und 200
Zwiſchendeck=
paſſagieren.
Nummer 283
Rieſen=Bergrutſch in der Schweiz.
Eine zu Tal ſtürzende Lawine am Monte Arbino.
Mehrere niedergehende Lawinen und ein gewaltigen
Bergrutſch haben am Monte Arbino im Teſſiner
Gebiet umfangreiche Verheerungen angerichtet.
Wich=
tige Verkehrsſtraßen ſind zerſtört und die Wirtſchaft
ſehr empfindlich geſchädigt worden.
Der Mord an dem Potsdamer Obergefreiten
vor der Aufklärung.
Berlin. Am Dienstag wurde von der
Mord=
kommiſſion in Zuſammenhang mit der Ermordung
des Obergefreiten Helfert der Gefreite Ludwig
Dum=
bert von der 1. Kompagnie der
Nachrichtenabtei=
lung 3 in Potsdam verhaftet. D. beſtreitet jedoch auf
das Entſchiedenſte, ſeinen Kameraden ermordet zu
haben. Die Mordkommiſſion hat nun eine Zeugin
ermittelt, die in der kritiſchen Zeit in der Nähe des
Fundortes der Leiche Holz ſammelte. Sie hat zwei
Militärperſonen geſehen und hörte auch, daß ſie
mit=
einander ſtritten. Die Beſchreibungen, die ſie von
beiden gab, treffen auf den ermordeten Helfert und
auf Dumbert genau zu. Bei der Gegenüberſtellung
bezeichnete ſie auch D. ſofort als einen von den
beiden. Dumbert blieb auch den Ausſagen dieſer
Zeugin gegenüber bei ſeinem Leugnen und behauptet,
daß er zur Zeit der Ausführung des Mordes in der
Kaſerne ſeines Truppenteils geweſen ſei. Es ſteht
feſt, daß Dumbert ſtark verſchuldet war, ſo daß ihm
ſein Kompagniechef ſchon abkommandierte, um ihm
die Möglichkeit zur Fortſetzung ſeines leichtſinnigen
Lebenswandels zu erſchweren. Nach ſeiner
Be=
hauptung hat er bereits während des Manövers einen
größeren Geldbetrag bei ſich gehabt.
Unfall des Fliegers Winterfeld.
Moskau. Der deutſche Flieger Winterfeld, der
in Anapa geſtartet war, erlitt einen Unfall bei
Noworoſſiiſk. — Die deutſchen Flieger Winterfeld
und Eichler berichteten nach ihrem Eintreffen in
Noworoſſiiſk Einzelheiten über ihren Flugzeugunfall.
Dreißig Minuten nach dem Start in Anapa ſtürzte
ein Teil des Propellers ab und der Motor ſetzte
aus. Die Flieger wollten nunmehr auf einer kleinen
Fläche in einem Walde landen, eine Tragfläche blieb
jedoch an einem Baume hängen und das Flugzeug
zerſchellte. Die Flieger trugen nur leichte
Verletzun=
gen davon. Sie beſchloſſen, mit einem Dampfer nach
Deutſchland abzureiſen und das Flugzeug
mitzu=
nehmen.
Eine Hungersnot in China fordert 200 000
Opfer.
London. In der Provinz Kanſu in China kam
es nach Berichten von Miſſionaren als Folge einer
Hungersnot zu ſchweren Unruhen.
Zweihundert=
tauſend Perſonen ſollen ein Opfer der Hungersnot
geworden ſein. Die chineſiſche Regierung entſandte
Truppen, um die Ordnung wiederherzuſtellen, doch
befürchtet man, daß dadurch die Unruhen nur
ver=
ſtärkt werden.
Schwere Sturmfahrt des „Albert Ballin”.
35 Perſonen verletzt.
NewYork. Infolge ſchwerer Stürme iſt der
Hapagdampfer „Albert Ballin” mit 24ſtündiger
Ver=
ſpätung in New York eingetroffen. Durch eine
Rieſenwelle, die über Deck hinwegging, wurden die
Bullaugen, Reelingſtangen uſw. eingedrückt und die
Geſellſchaftsräume arg mitgenommen. Dabei
wur=
den 35 Perſonen verletzt.
Ein ganzer Staat — wurde
verkauft.
Der Zwergſtaat Andorra
in den Pyrenäen wurde von franzöſiſchen
Finanz=
leuten reſtlos aufgekauft. Die Käufer haben die
Ab=
ſicht, in Andorra ein Spielkaſino nach dem Muſter
von Monte Carlo zu errichten. Andorra iſt ein
„neutraler Freiſtaat” zwiſchen Frankreich und Spo
nien, beſteht aus fünf kleinen Dörfern, hat 5300 Eim
wohner und eine Fläche von 452 Quadratkilometerm
Die „Republik” hat dem franzöſiſchen Staat einen
jährlichen Tribut von 960 Franken zu zahlen, fernet
460 Franken dem ſpaniſchen Biſchof von Urgal. Gel
richt und Verwaltung ſind unabhängig. Die Poll
iſt franzöſiſch.
n
zuf
zu
e des
hat zwei
nit=
ſert und
den
Nummer 283
Donnerstag, den 41. Oktober 1928
Seite 9
Opoln Shtel und Tarnen.
A d Sealichen Curneſtchaft
Handball.
Am kommenden Sonntag ſteigt die dritte Runde ſchon, und die
Meiſter=Klaſſe weiſt erſtmalig eine vollzählige Beſetzung auf.
Sprend=
ingem und Wolfskehlen werden endlich ihre diesjährige Spielſtärke
ſeigen. Ein bedeutungsvolles Spiel findet in Groß=Gerau ſtatt.
Arheil=
gen kommt! Zweifellos waren die beiden hohen Siege der Arheilger mit
:2 gegen Nauheim und 8:2 gegen Eberſtadt keine Zufallserfolge. Wenn
nan dazu noch bedenkt, daß Groß=Gerau 4:2 gegen Eberſtadt verloven
hatte, ſo müßte Arheilgen mindeſtens einen ebenſo hohen Sieg mit nach
Hauſe bringen. Gr.=Gerau iſt aber tatſächlich beſſer und es wäre nicht
ver=
vunderlich, wenn mindeſtens ein Punkt in Groß=Gevau bleibt.
Nau=
heim—Sprendlingen, zwei alte Bekannte in der Meiſterklaſſe, die ſich
mmer gut vertrugen, und ſo wird ihre diesjährige Begegnung auch in
Heſter Harmonie verlaufen. Der Spielausgang hängt vom Sprendlingen
ab, mit welcher Beſetzung es antreten wird. Ebenſo ungewiß iſt das
Spiel Eberſtadt—Wolfskehlen. Der Platzberein hatte ſich nach einem
zuten Anſatz gegen Groß=Gerau in Arheilgen kräftig hineinlegen laſſen,
und darf Wolfskehlen keinesfalls unterſchätzen. Obwohl die Gäſte
Neu=
linge in der Meiſterklaſſe ſind, hatten ſie ſich m dem letzten Jahren ſtets
bis zur Entſcheidung um den Aufſtieg durchgekämpft; dann aber hatte
das bißchen Glück gefehlt. Nun werden ſie ſich behaupten wollen. Die
beiden Darmſtädter Vereine ſpielen auf ihren Plätzen. Turngemeinde
1846—Bensheim. Beide verloren ihr erſtes Spiel, und ſo werden ſie mit
dem nötigen Ernſt bei der Sache ſei. Der eigene Platz gibt der
Turn=
gemeinde eine kleine Ueberlegenheit. Beſſungen hat durch ſeine beiden
Siege einen guten Anlauf genommen und ſollte bei Beſtändigkeit in
der Leiſtung einen dritten Sieg gegew Neu=Iſenburg erzielen können,
wenn nicht der Eifer der Gäſte, der gegen Schluß eher zunimmt, einen
Strich durch die Rechnung macht. Siegr Beſſungen, dann hat es eine
Vormachtſtellung inne, die von großer Bedeutung iſt. Bickenbach—
Wall=
dorf, ein ſcharfer Kampf. Wenn der Sieg der Gäſte am letzten Sonntag
über die Darmſtädter Turngemeinde nicht von ungefähr bam, wird ſich
Bickenbach in acht nehmen müſſen. Auch ſollte Zeunert als
Unpartei=
iſcher ſein Amt nicht allzu leicht nehmen. — Die A=Klaſſe: Seeheim
tritt eine weite Reife nach Egelsbach an und muß ſehr Gutes leiſten,
wenn nicht beide Punkte beim Platzverein bleiben ſollem. Die Begegnung
der beiden Neulinge Pfungſtadt 2.—Neu=Iſenburg 2. muß abgewartet
werden. Pfungſtadt ſpielt zum erſten Male auf ſſeinem neu hergerichteten
Platze, ſo daß dieſes gewöhnliche kleine Plus wegfällt. Von großer
Be=
deutung iſt das Spiel Erfelden gegen Büttelborn, ganz beſonders aber
für den Gaſt, der ſich eine gute Stellung durch den dritten Sieg
er=
ringen kann. Da aber auch Erfelden ſein erſtes Spiel überlegen gewann,
iſt man mit Recht in beiden Lagern äußerſt geſpannt. Griesheim 2.
tritt zum erſten Kampfe daheim gegem Ober=Ramſtadt an. Die
Oden=
wälder müſſen mit guter Beſetzung nach der Zwiebelſtadt fahren, wenn
ſie ihren erſten unglücklichem Verluſt gegen Erfelden ausmerzem wollen.
— Auch die B=Klaſſe zeichnet ſich durch intereſſante Spiele aus. Es
liegen da verſchiedene Pgarungen von Ortswachbarn vor, wie:
Hähn=
lein 1.—Zwingenberg 1., Heppenheim 1.—Bensheim 2., Beſſungen 2.—
Turngemeinde von 1846 2., Walldorf 2.—Erfelden 2. und Groß=Gerau 2.
—Wallerſtädten 1. Weiter ſpielt Langen 2. gegen Roßdorf 1. und
Gernsheim 2. gegen Nauheim 2. Faſt durchweg ſind zweite
Mannſchaf=
ten vertreten und das gereicht der B=Klaſſe zum Vorteil, inſofemn, als
ſie ſehr an Spielſtärke allgemein gewinnen wird, weil eben zweite
Mann=
ſchaften meiſtenteils ein Abglanz der „Erſten” ſind. Ein großer
Vor=
teil für die jungen Vereine, ſie werden lernen. In der C=Klaſſe
hält die Eiſenbahner=Erſte eine Vormachtſtellung inne, ſie wird das
Rennen machen. Folgende Spiele ſind angeſetzt: Eiſenbahn 1.—
Auer=
bach 1., Eſchollbrüchen—Heppenheim, Eſchollbrüchen 2.— Eiſenbahn 2.,
und Tgd. Darmſtadt 3——Urberach 1. In der Jugendklaſſe herrſcht
ein idealer Zuſtand. Hier braucht man keine Punkte zu hamſtern für
einem Aufſtieg; weil es keinen gibt. Man ſpielt, dem Spiele zuliebe,
und für die Jungen iſt das gut ſo.
Turnen.
Schauturnen der Turngeſellſchaft 1875.
Am Sonntag, dem 14. Oktober 1928, machmittags um 15 Uhr, tritt
die Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875 mit einem Schauturnen aller
Ab=
teilungen vor die Oeffentlichkeit. Die Ruhe noch den Wettkämpfen hat
es ermöglicht, ſchöne und exakte Vorführungen einzuüben. Daß bei
die=
ſen turneriſchen Darbietungen jedes Alter vertreten iſt, zeigt das
Pro=
gramm. Um nun einen Ausſchnitr aus der Vorführungsfolge zu geben,
ſei auf die folgenden Darbietungen hingewieſen.
Die Kleinſten des Vereins, die Schüler, werden mit einem Turnen
an zwei Barren antreten und wollen zeigen, daß man ſchon in früheſter
Jugend Leibesübung treißen kanm. Später werden die Turnſchüler
nochmals mit einem Springen am Querpferd aufwarten. Die weibliche
Jugend tritt mit Freiübungen auf und bringt ferner noch ein Turnen
am Stützbaren und einige Turnſpiele vor die Beſucher. Die
Turnerin=
nen=Abteilung kommt mit einigen ſehr ſchönen Frei= und Schrittübungen;
ferner turnen die Beſten am Hochbarren und zwei Volkstänze
vervoll=
ſtändigen das Programm. Die Altersturner wollen an dieſem
Nach=
mittag auch nicht fehlen und werden on Querpferd zeigen, daß man
auch noch im vorgeſchrittenen Alter Jahnſches Turnen betreiben kann.
Die Volksturn=Abteilung tritt mit gymnaſtiſchen Uebungen und mit
Boden=Uebungen im Program auf. Die Turner folgen wit einem
Barrenturnen, ferner ſehen wir ſie bei emem Springen am
hochgeſtell=
ten Querpfevd, und zum Schluß tritt die erſte Turnerriege am Hochreck
an, bei dem ſich wohl die einzelnen Niegenteilnehmer von ihrer beſten
Seite zeſigen werden. Nicht zu vergeſſen ſind noch die allgemeinen
Frei=
übungen der Turnmannſchaft und im Anfang der allgemeine Aufmarſch
aller Mitwirkenden.
Nach Schluß des turneriſchen Programms ſchließt ſich ei Feſtball,
beginnend um 8 Uhr, an. Das Tanzorcheſter wird von Obermuſikmeiſter
Weber geſtellt. Die Eintrittspreiſe ſind volkstümlich gehalten und
empfehlen wir allen Turnfreunden und Mitgliedern einen Beſuch
die=
ſer Veranſtaltung.
Fußball.
Fußball im Kreis Starkenburg.
Die Lage nach dem 5. Spielſonntag.
18:5 Pkte. Fußballverein Sprendlingen * 5 17:7 Sportverein 98 Darmſtadt. = 5 11:10 Viktoria Urberach 14:7 Polizei Darmſtadt 9:7 T.= u. S.V. Mörfelden . . 4:7 Sportverein Münſter . . 4 12:11 Union Wixhauſen . . . * 12:15 V.f.R. Daumſtadt .
* 5 9:16 Germania 03 Pfungſtadt. 5 12:17 Union Darmſtadt . . 4:13 Germania Ober=Roden . ." 2:8
Die vorſtehende Tabelle weiſt einige bemerkenswerte Aenderungen
auf. Der F.V. Sprendlingen vermochte wider Erwarten über den
Vf.R. Darmſtadt keinen Sieg herausholen und büßte einen Punkt ein.
Da Walldorf auf der anderen Seite einen ſicheren 5:0=Sieg über den
Ri=
palen aus Mörfelden herausholte, ſo liegen nnn die Walldörfer auf
Grund beſſeren Torſtaudes an der Spitze. Uebrigens iſt das
Sprend=
linger Ergebnis wirklich intereſſant. Sprendlingen ſchlug vor 14 Tagen
die Pfungſtädter in Pfungſtadt mit 7:2. Pfungſtadt legte acht Tage
ſpäter den V.f.R. Darmſtadt müt 7:1 hinein. Und nun holt derſelbe
V.f. R. in Sprendlingen ein 1:1 heraus! Beſſer kann wohl die
Unbe=
ſtändigkeit im Fußball nicht demonſtriert werden. Es ſcheint, als ob auch
Sprendlingen den Höhepunkt überſchritten hat, denn ſchon vor acht Tagen
gegen Ober=Roden konnte die Elf nicht recht befriedigen. Vorerſt iſt ja
Sprendlingen im Vexein mit Walldorf noch ungeſchlagen, aber wie lange
noch? In der Starkenburger Kreisliga ſchüägt für jeden einmal die
Stunde. — Sportverein Darmſtadt konnte ſich auf Grund ſeines Sieges
über die Polizei wieder an die dritte Stelle ſetzen, gefolgt von
Urbe=
rach, das die noch ſchwiſcher als gedacht antretenden Pfungſtädter ſicher
mit 5:2 hielt. Münſter ſteht ebenfalls ſchon recht günſtig, allerdings
dies =auf Konto von am Sonntag kampflos errungenen zwei Punkten.
Dagegen hat ſich Unvon Wixhauſen durch einen überraſchend hohen 3:0=
Sieg über die Darmſtädter Union aus eigener Kraft höher geſchafft.
Ganz ohne Punkt ſehen wir eigentlich nur noch Germania Ober=Roden.
Aber auch dieſe Tabellengeſtaltung dürfte nicht ohne Beſtand ſein. Die
am Schluß hängenden Vereine ſind beſſer als ihr Tabellenſtand und ſie
dürften nach einigen weiteren Sonntagen weſentlich beſſer placiert ſein.
Wetterbericht.
Gießen, 10. Oktober.
Das Tiefdruckgebilde iſt oſtwärts gewandert und liegt mit ſeinem
Kern heute morgen über Südſkandinavien. An ſeiner Rückſeite
drin=
gen wieder maritime Luftmaſſen bei uns ein, die die Temperaturen
etwas zum Sinken bringen. Niederſchläge werden höchſtens noch in
ganz leichten Schauern auftreten, denn da der Luftdruck im Weſten
wieder erheblich ſteigt, iſt mit einer Beſſerung der Wetterlage zu
rechnen.
Ausſichten für Donnerstag, den 11. Oktober: Wechſelnd wolkig mit
Auf=
heiterung, kühler, nur noch vereinzelt leichte Regenſchauer, weſtliche
bis nordweſtliche Winde.
Ausſichten für Freitag, ben 12. Oktober: Weitere Beſſerung der
Wet=
terlage.
Geſchäftliches.
Die weltbekannte Firma Georg Dvalle, Altona, ließ auf dem Bem
liner Ausſtellungs=Gelände in Witzleben gelegentlich der „Ila” einen
Feſſelballon ſteigen. Der Ballon entledigte ſich ſeiner Feſſeln, zog über
Berlin=Tempelhof ab und entſchwand in großer Höhe den Blicken;
vielleicht wollte er die Eröffnung der „Ila” einleiten und dieſes
Er=
eignis in weiteſter Ferne bekanntgeben! Ein witziger Zeitungsmann
improviſierte in launiger Weiſe einige Verſe auf dieſes Ereignis,
an=
fangend: „Der Ballon der Düfte — ſteigt vergnügt in die Lufte‟.
Die Firma Georg Dralle ſetzt eine Belohnung von 100 Mark aus
für die Wiederbringung des Deſerteurs oder demjenigen, der der
Firma mitteilt, wo ſie den Ballon abholen kann. Der Ballon hat eine
zylindriſche Form bei einer Höhe von zirka 10 Meter und einem
Um=
fange von zirka 7 Meter und trägt in weit ſichtbarer Weiſe die
Auf=
ſchrift: „Dr. Dralle’s Birken=Haarwaſſer” — Es wird uns freuen, wenn
einer unſerer Leſer der glückliche Finder ſein ſollte.
Eine intereſſante Bilder=Ausſtellung von Leica=Vergrößerungen, die
mit der einzigartigen Kleinkamera. Leica” aufgenommen ſind, iſt zurzeit
in dem Photo=Schaufenſter des bekannten Photo= und Kinohaus
Car=
tharius, Ludwigsplatz 8½ zu ſehen. Den Freunden der Leica ſei die
Beſichtigung der Bilder empfohlen, die ausſchließlich
Hauſes hergeſtellt wurden.
von Kunden dieſes
Der heutigen Nummer liegt ein Proſpekt des bekannten
Zeitſchriften=Großvertriebes Alfred Wagner, Deſſau,
bei, der den Hauptvertrieb für die Zeitſchrift „Im traulichen Heim” hat,
und mr an dieſe Firma ſind alle Beſtellungen zu richten. (TV 15748
in C‟ Wind: ee
ſchlag
in mm Ge
decke
in cm Wee Regen 11 26 Aachen: Regen 10 S. Hamburg: wolkig 13 Berlin: Regen 12 WSW. München: Regen 10 WSW Königsberg: bedeckt 10 SSW. gef. Breslau: wolkig 13 SSO, Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen. Nebel
Feldberg: W. Taunus
Waſſerkuppe Regen WSW. 6 Fild derg:
Regen WSW. 20 (Schwarzw.)
Zugſpitze: Schnee NNW. gef. Kahler Aſten: Regen SW. Fichtelberg: „Nebel WSW. Schneekoppe: wolkig W.
Hauptſchriftlettung: Rudolt Mauve
Verantwortlich für Pollitſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleten, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhlmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienff: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Willv Kuhle; Drud
und Verlag: L. C. Wlitich — ſämiſich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſtripie wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Donnerstag, 11. Okt. 6.30: Gymnaſtik. o 13: Stuttgart:
Mittagskonzert. O 15.05: Jugendſtunde. Berufsberater Burkhardt:
Die Berufe des Fein= und Elektrogewerbes. O 16.35: Stuttgart:
Konzert des Funkorch. o 18.10: Leſeſtunde. „Zwiſchen Himmel und
Erde” von O. Ludwig. 6 18.30: Garten=Ing. Hinze: Tee und
Gewürze aus eigenem Garten. O 18.45: Kaſſel: Prof. Sautter:
Stadtbaukunſt von heute, 2. Teil. 19.15: Eſperanto. O 20.15:
Hokuspokus. Komödie von Kurt Götz. O 22: Vortragsſtunde Willy
Buſchhoff. Tolſtoi: Herr und Knecht. — Balladen. — Cervantes:
Aus „Don Qurxote‟. — Anderſen: Zwei Märchen. O. Anſchl.=
Kaſſel: Konzert des Staatstheater=Quartetts.
Stuttgart.
Donnerstag, 11. Okt. 10.30: Schallplatten. O 11: Nachrichten.
O 12.30: Schallplattenkonzert. O 13: Frankfurt: Mittagsſtändchen.
O 14: Nachrichten. O 15.45: Plauderei über Blumenpflege. O 16.15:
Nachmittagskonzert. Funkorch. Mitw.: v. Wiſtinghauſen. O 18.15:
Freiburg: Reg.=Rat Dr. Hoffmann: Landſtreicherweſen und =unweſen.
O 18.45: Aerztevortrag: Fleiſchvergiftung. O 19.45: Dr. Poritzky:
Die Wonnen der Einſamkeit. O 20.15: Leonhardskirche Stuttgart:
Geiſtliche Abendmuſik des Madrigalkreiſes Hamburg=Tübingen. 921:
Freiburg: Peripherie, Schauſpiel von Fr. Langer. O Anſchl.:
Nach=
richten.
Berlin.
Donnerstag. 11. Okt. 12.30: Für den Landwirt. O 15.30:
Aſis Domet: Arabiſche Dicht= und Theaterkunſt der Gegenwart.
8 16: Rich. Girulatis: Das Fußballſpiel als Erziehungsfaktor.
O 16.30: Klaus Hermann: Franziska von Reventlow und die
Münchener Boheme. Leſeproben: Anna Höllerig. o 17: Konzert.
Edith Lorand (Violine), Edward Steinberger (Klavier), Helene
Elsner=Renner (Sopran). 18.30: Dr.=Ing. Arndt:
Beleuchtungs=
techniſches für jedermann. (Gute und ſchlechte Beleuchtung.) o 19:
H. Hirſchſtein: Mineraliſche Rohwaren. Ihr Einfluß auf das Werden
der Völker und der Gewerbe. (Das Erdöl.) 6 19.30: Direktor
Sachſenberg. M. d. R.: Deutſche Aufgaben in der
Welthandelsluft=
fahrt. O 20: Sendeſpiel: „Undine” romantiſche Zauberoper in drei
Teilen von Lortzing. Leitung; Bronsgeeſt. Dirig.: Manfr. Gurlitt.
Perſ.: Bertalda, Tochter Herzog Heinrichs; Ritter Hugo von
Ring=
ſtetten; Kühleborn, ein mächtiger Waſſerfürſt; Undine; Veit, Hugos
Schildknappe; Hans. Kellermeiſter; Edle des Reichs; Ritter und
Frauen, Herolde, Knappen, Fiſcher und Fiſcherinnen, Landleute,
Waſſergeiſter. Ort der Handlung: In einem Fiſcherdorfe auf dem
herzöglichen Schloſſe, dann auf Burg Ringſtetten. Zeit: Das
Jahr 1452. O Anſchl.: Tagesnachrichten. O Danach; Tanzmuſik.
Kapelle Marek Weber.
Deutſche Welle. Donnerstag, 11. OX. 4 15: Berlin:
Nach=
richten. O 12: Geh. Baurat Lerche: Waldhofet Plandereien (
Natur=
ſchönheit und Schutz). „Die Getreuen.” 13.X Berlin= Nachrichten.
O 14.30: Gert Hartenau=Thiel: Reiſen und Abenteuer: Eine
Elefantenjagd in Dſchafpur. O 15.35: Wetter und Börſe. O 15.40:
Meta Brix: Die Mutter und der große Sohn. O 16:
Berufs=
beratung. Min.=Rat Dr. Ottendorf: Der Turn= und Sportlehrer.
6 16.30: Vizepräſ. Geh. Reg.=Rat Hausmann: Was muß jeder
Staatsbürger von der Staatsverwaltung wiſſen? e 17: Berlin:
Geſangs= und Orcheſter=Konzerte. O 18: Reichsgerichtsrat Dr. Mende:
Die wohlerworbenen Rechte der Beamten. o 18.30: Spaniſch für
Fortgeſchrittene. O 18.55: Prof. Dr. Zorn: Herbſtbehandlung von
Wieſen und Weiden. o 19.20: Dipl. Hdl. Dr. Hans Wieg: Der
Kaufmann und die Banken. O 20: Redakteur Schwarz: Was geht
mich die Weltpolitik an? O 20.30: Landrat Egidi: Der Tag eines
Landrats. O 21: Staatspräſident Prof. Dr. Hellpach: Die deutſchen
Stämme. O 22: Berlin: Preſſenachrichten. O Danach: Tanzmuſik.
Kapelle Marek Weber.
Die heutige Nummer hat 14 Geiten.
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Donnerstag, den 11. Oktober
Der Ausweis derReichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 6. Oktober hat die geſamte
Kapitalanlage der Bank in Wechſeln und Schecks, Lombards und
Effek=
ten um 272,9 Mill. auf 2512,0 Mill. RM. abgenommen; im einzelnen
hat ſich der Beſtand an Wechſeln und Schecks um 230,3 Mill. RM. auf
2345,8 Mill. RM. und der Lombardbeſtand um 42,4 Mill. auf 59,2
Mill. RMM. verringert. Die Anlage in Effekten weiſt mit 93,5 Mill. RM.
eine Verringerung um 0,3 Mill. RM. auf.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 266,3
Mill. RM. in die Kaſſen der Bank zurückgefloſſen; und zwar hat der
Umlauf an Reichsbanknoten um 238,1 Mill. auf 4592,1 Mill. RM.,
der=
jenige an Rentenbankſcheinen um 28,3 Mill. auf 542,0 Mill. RM.
ab=
genommem. Dementſprechend und unter Berückſichtigung, daß in der
Berichtswoche 7,4 Mill. RM. an Rendenbankſcheinen getilgt worden ſind,
hat ſich der Beſtand der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 27,1 Mill.
RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 511,3 Mill. RM. eine
Zunahme um 8,2 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Debiſen insgeſamt haben
um 62,7 Mill. auf 2639,0 Mill. RM. zugenommen. Im einzelnen ſind
die Goldbeſtände mit 2487,1 Mill. RM., die Beſtände an deckungsfähigen
Deviſen mit 151,9 Mill. RM. ausgewieſen. Die Deckung der Noten
durch Gold beſſerte ſich von 49,6 Prozent in der Vorwoche auf 54,2 Proz.,
die durch Gold und deckungsfähige Deviſen von 53,3 Prozent auf
57,5 Prozent.
Stand der Reben im Deutſchen Reich.
Bayern: In den Weinbergen der Pfalz und Unterfranken geht
die Entwicklung der Trauben meiſt raſch vor ſich, weshalb hier
durch=
wegs mit einer guten, zum Teil ſogar ſehr guten Qualität gerechnet
werden darf. Nur in trockenen Lagen oder an Steilhängen nimmt
die Traubenreife einen langſameren Verlauf, ſo daß hier die Weinleſe
hinausgeſchoben werden muß, um eine wirklich gute Qualität ernten
zu können. Mengenmäßig wirft die kommende Traubenleſe nicht
über=
all befriedigende Erträge ab, da in den durch Froſt beſchädigten
Wein=
bergen nur ein ſchwacher Ertrag vorhanden iſt. — Heſſen: Die
Weinleſe verſpricht größtenteils einen Mittelertrag, ſofern die Reben
durch die Frühfröſte nicht zu ſtark gelitten haben. —
Württem=
berg: Den Weinbergen war die Witterung des Monats September
ſehr förderlich: namentlich ſind ihnen die ergiebigen Niederſchläge in
den letzten Septembertagen zuſtatten gekommen. Der 1928er
Wein=
herbſt wird der Qualität nach zu den beſten Jahrgängen gehören, und
der Mengenertrag wird, ſoweit nicht der Froſt im Mai ſehr geſchadet
hat, ein recht befriedigender ſein. — Vaden:Die Geſamtbeurteilung
des Standes der Reben und der Herbſtausſichten hat ſich gegenüber dem
Vormonat etwas gemindert. Die Minderung bezieht ſich jedoch nur
auf die Ertragsmenge, die ſich mancherorts infolge der großen
Trocken=
heit, ferner durch Hagelſchlag etwas verringert hat. Im allgemeinen
und insbeſondere aus den wichtigſten Weinbaugebieten (Seegegend,
Kaiſerſtuhl, Markgräfler=, Ortenauer= und Bühler Gegend, Kraichgau
und Bergſtraße) lauten die meiſten Meldungen nach wie vor
zuverſicht=
lich und hoffnungsvoll für Quantität und vorzügliche Qualität des
diesjährigen Herbſterträgniſſes.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die hefſiſchen Induſtrie= und Handelskammern zur Frage der
Ab=
haltung von Ausſtellungen durch die Städte. Der Heſſiſche Induſtrie=
und Handelskammertag hat in ſſeiner letzten Vertreterbeſprechung zur
Frage der Abhaltung von Ausſtellungen durch die Städte folgende
Ent=
ſchließung gefaßt: „Der Heſſiſche Induſtrie= und
Handelskammer=
tag iſt der Auffaſſung, daß aus Gründen der wirtſchaftlichen
Sparſam=
keit die Art der Werbung, wie ſie durch Ausſtellungen und Meſſen
betrieben wird, auf das Aeußerſte eingeſchränkt und von einer
ſachver=
ſtändigen Stelle, dem Deutſchen Ausſtellungs und Meſſeamt, aus
rationaliſiert werdem muß. Er mißbilligt das Beſtreben der Städte,
durch das Mittel von Meſſen und Ausſtellungen lokaler, wirtſchaftlich
nicht gerechtfertigter Art Maſſenbeſuch in ihre Mauern zu ziehen. Solche
Vevanſtaltungen nutzen der allgemeinen Volkswirtſchaft nichts, ſchaden
ihr vielmehr nur, indem ſie zu unnützen Ausgabem verleiten und der
ſo notwendigem Kapitalneubildung unheilvoll entgegenwirken.”
Dyckerhoff u. Widmann, A.=G., Wiesbaden. Wie angekündigt, wurde
numehr Antrag auf Wiederzulaſſung für das Aktienkapital von 8 Mill.
RM zuerſt an der Berliner Börſe geſtellt. Die Aktien ſſollen nach
er=
folgter Berliner Zulaſſung auch wieder an der Frankfurter Börſe
amt=
lich notiert werden.
Metallnotierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 10. Oktober ſtellten ſich für
Elektrolhtkupfer prompt eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam (
No=
tierung der Vereinigung für die D. Elektrolytkupfernotiz) 144,75 RM.
— Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner
Metallbörſenvorſtan=
des (die Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte
Lie=
ferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Original Hüttenaluminium,
98 bis 99 Prozent, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 190 RM.,
des=
gleichen in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, 194 MM., Reinnickel,
98 bis 99 Prozent, 350 RM. Antimon Regulus 85—30 RM., Feinſilber
(1 Kg. fein) 80,25—80,75 RM.
Die Berliner Metallnotierungen vom 10. Oktober ſtellten ſich für
Kupfer: Januar, Februar 131 (131,25), März, April, Mai, Juni,
Juli 131,25 (131,50), Auguſt 131,25 (131,75), September 131,25 (131,50),
Oktober 130,25 (131,50), November 130,75 (131), Dezember 131 (131,25).
Tendenz: ſtetig. Für Blei: Januar, Februar, März 43,75 (44), April
44 (44), Mai, Juni, Juli, Auguſt, September 43,75 (44), Oktober 44
44,75), Nobember 43,75 (44,25), Dezember 43,75 (44). Tendenz: ſtetig.
Für Zink: Januar, Februar, März, April 47,50 (48,50), Mai 48
48,50), Juni, Juli, Auguſt, September 48 (49), Oktober 47, (48,50),
November 47,2 (47,50), Dezember 47,50 (48). Tendenz: luſtlos. — Die
erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern beigefügten Brief.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 10. Oktober
ſtellten ſich für Kupfer (Tendenz: ruhig): Standard p. Kaſſe 6411/18
bis 641/e, 3 Monate 65½—/ue, Settl. Preis 64½, Elektrolyt 71½4—34
beſt ſelected 68—69½, Elektrowirebars 713: Zinn (Tendenz: feſt):
Standard p. Kaſſe 220½—221, 3 Monate 2173/ —217¾, Settl. Preis
203 Banka (inoff. Not.) 226½, Straits (inoff. Not.) 221½; Blei
Tendenz: ſtetig); ausländ, prompt 221 uo, entft. Sichten 211/us, Settl.
Preis 22418.
Produktenberichte.
Frankfurter Produktenbericht vom 10. Oktober. Auch heute bewegten
ſich die Umſätze am Frankfurter Produktenmarkt in engen Grenzen. Die
weiter etwas ſchwächeren Auslandsnotierungen verſtimmten, ſodaß die
Händler große Zurückhaltung zeigten. Am Futtermittelnarkt beſtand
für Weizen= und Roggenkleie weiter etwas Intereſſe. Mais ſür
Futter=
zwecke war ſtärker angeboten und nur bei nachgebenden Preiſen
unter=
zubringen. Das Angebot iſt im allgemeinen etwas reichlicher geworden.
Die Preiſe wurden wie folgt feſtgeſetzt: Weizen 24—23,90, Roggen 23
bis 23,25, Sommergerſte 25,50, Hafer inl. 23,25—23,50, Mais für
Futter=
zwecke 21,75, Weizenmehl 34—34,50, Roggenmehl 31,25—31,75,
Weizen=
kleie 14,50 und Roggenkleie 14,75—15.
Berliner Produktenbericht vom 10. Oktober 1928. Unter dem
Ein=
druck der ſchwachen Auslandsmeldungen ſetzte ſich heute die rückläufige
Preisbewegung am Markt für Brotgetreide fort. Die Cifofferten für
Auslandsbrotgetreide waren bedeutend ermäßigt, auch für
Inlands=
weizen und =Roggen zeigten ſich die Eigner in der Preisgeſtellung
ent=
gegenkommender, die Gebote der Mühlen und Händler liegen jedoch
etwa 2 Mark unter den Forderungen. An der Küſte wird Weizen zu
Deckungszwecken weiter gefragt, das Angebot hat ſich noch nicht
weſent=
lich vergrößert, dagegem wird Roggen, namentlich aus dem ſüdlich Berlin
gelegenen Gebieten vermehrt angeboten. Man rechnet damit, daß mit
dem Nachlaſſen der Feldarbeiten allgemein mehr Material an den Markt
kommen wird. Für Mehle haben die Mühlen ihre Offerten um etwa
25 Pfennig ermäßigt, das Geſchäft beſchränkt ſich jedoch auf dringendſte
Bedarfsdeckungen. Hafer lag etwas ruhiger, für vordere Ware zeigt der
Konſum weiter Intereſſe. Von Braugerſten werden von Brauereien
und Malzern vorläufig nur feinſte Qualitäten gefragt, vereinzelt zeigt
ſich auch etwas Begehr für dicke Futtergerſte. Am Lieſerungsmaukt
lagen beſonders die Oktoberſichten ſchwach. Weizen derlor 3½, Roggen
3 Mark, für die ſpäteren Liefermonate gaben die Preiſe um 134 bis
2½ Mark nach. Die heute beſichtigten 150 Tonnen Weizen wurden für
kontraktlich lieferbar erklärt.
Frankfurter und Berliner Effektenbörſe.
Fraukfurt a. M., 10. Okt.
Unte dem anhaltenden Druck des ſtarken Ordermangels war die
Haltung bei Eröffnung der heutigen Börſe unſicher und ſchwächer. Eine
ſtarke Verſtimmung ging von dem Kursrückgang der Harpeneraktie aus,
die auf hartnäckige Geruchte von einer wahrſcheinlichen
Dividendeloſig=
keit in größeren Poſten angeboten war und 6½ Prozent niedriger
eröffnete. Nach der erſten Kursfeſtſetzung hielt das Angebot an, und
der Kurs ging erneut um 3 Prozent auf 138½ Prozent zurück. Die
Kuliſſe ſchritt daraufhin auf den meiſten anderen Marktgebieten zu
Ab=
gaben, zumal auch der unſichere Verlauf der geſtrigen New Yorker Börſe
keine Anregung bieten konnte. Der Reichsbankausſveis mit ſeiner
be=
friedigenden Entlaſrung wurde bei der herrſchenden Luſtloſigkeit nur
wenig beachtet. Stärker im Angebot lagen namentlich die Elektroaktien,
von denen ACG. 2½ Prozent, Gesfürel 3 Prozent, Schuckert 3½ Proz.
und Siemens 2 Prozenk einbüßten. Nur Licht und Kraft konnten au
einige Schweizer Käufe weitere 2½ Prozent anziehen. Unter
erheb=
lichem Kursdruck ſtanden Deutſche Linoleum, die 7 Prozent verloren,
Am MMontanmaukt gaben außer Harpener noch Mannesmann 2½ Proz.
und Rheinſtahl 1½ Prozent nach, während ſich Gelſenkirchen behaupten
konnten. Von Chemiewerten eröffneten J. G. Farben 1½ Prozent
ſchwächer, Schcideanſtalt und Holzverkohlung je 1½ Prozent gedrückt.
Am Markte der Autoaktien verloren Daimler trotz der Neuregelung
hin=
ſichtlich des Schapiropaketes 2 Prozent, Ablerweike knapp behauptet.
Durch merklichere Kursrückgänge fielen noch auf: Danatbank mit minus
21/g Prozent, Kali Weſteregeln mit minus 3 Prozent und Zellſtoff
Wald=
hof, die 234 Proz. nachgaben. — Deutſche Anleihen lagen weiter ſchwach,
ausländiſche Nenten ſtill und faſt ohne Umſatz.
Im Verlaufe blieb die Tendenz ſchwach, und bei kleinſten Umſätzen
gaben die Kurſe meiſt weitere 1—2 Prozent nach. Stärker abgeſchwächt
waren Kaltaktien, die 3 bis 4 Prozent verloren, ferner Siemens mit
minus 3½ Prozent und Rheinſtahl mit minus 2½ Prozent. Harpener
nannte man mit ca. 139½ Prozent. Am Tagesgeldmarkt trat heute
ſtärkere Nachfrage hervor, ſodaß der Satz auf 6½ Prozent erhöht
wurde. Am Deviſenmarkt war die Mark leicht erholt. Mark gegen
Dollar 4.2016, gegen Pfunde 20.383. London=Kabel 4.8510, Paris 124.20,
Mailand 92.57, Madrid 29.92, Holland 12.097/
Die Abendbörſe war etwas lebhafter, da in den Mittag gedrückten
Werten Eindeckungem vorgenommen wurden. Die Berliner Schlußkurſe
waren zunächſt gut gehalten. Im Verlaufe traten Erholung bis zu
½ Prozent ein. Beſonders lebhaft wurden Harpener und
Mannes=
mann umgeſetzt. Ihre Aufwärtsbewegung ſetzten Deutſche Linoleum
und Licht u. Kraft, letztere auf Kapitalserhöhungsgerüchte ſowie ſchweizer
Käufe fort. Anleihen umſatzlos. Neubeſitz 15 Prozent. Im einzelnen
nannte man: CCommerzbank 187,25, Danat 291, Dresdener Bank 176,
Metallbank 136, Reichsbank 299,25, Gelſenkirchen 197,5 Linoleum 383,
Farben 259,5, Gesfürel 267, Holzmann 137, Lahmayer 174,
Main=
kraft 118.
* Berlin, 10. Oktober.
Die vorbörslich eingetretene leichte Erholung machte zu Beginn
des offiziellen Verbehrs einer erneuten Abſchwächung Platz. Die Börſe
eröffnete luſtlos und in durchweg ſchwacher Haltung. — Nach
Feſt=
ſetzung der erſten Kurſe blieb die Tendenz im Hinblick auf dem weiteren
Rückgang der Harpener Aktie ſchwach und die Kurſe gaben noch 1—2
Prozent durchſchnittlich nach. — Im weiteren Verlauf der Börſe blieb
die Tendenz luſtlos und die Kurſe glitten, verſtärkt durch ſpekulative
Abgaben, weiter ab. Gegen Schluß des offiziellen Verkehrs trat auf
Deckungskäufe eine allgemeine Erholung ein, doch konnten die
Schluß=
kurſe nur in vereinzelten Fällen die Anfangsnotierungen erreichen.
Nach=
börslich waren die Kurſe behquptet bei nur ganz vereinzeltem Umſätzen.
A. E. G..."
Augsb.=Nürnb. Maſ
Baſalt ..
Bergmann.
Berl. Karlsruhe
Berl. Hand.=Geſ.
Braunkohl.=Brike
Bremer Wolle.
Danatbank.
Deutſche Bank
Diskontogeſ
Dresdner Bank
Deutſche Maſchinen
Deutſche Erdöl ..
Deutſche Petroleum
Dynamit Nobel ..
Elektr. Lieferung
f. G. Farben.
Gelſenk. Berg.
G.f. elektr. Untern. . .
Han. Maſch.=Egeſt.
danſa Dampfſch. . . .
Hapag .."
Harpner. .
....:
Hemoor Zement. . . .
Helſingfors . . /10.57
Wien ....
Prag".
Budapeſt..
Sofia ....
Solland".
Lslo .....
Kopenhagen
Stockholm .
London ..
Buenys Aires
Neu=York
Belgien".
Deviſenmarkt.
9. 10. 10. 10. Geld/Brief! Geld Brief 10.592110.569 10.589 59.08 59.20 59.025 59.14: 12.45 12.47 112.439 12.459 73.25 3.39 73.19 73.33 3.030 3.03/ 3.027 3.033 168.44 168.78 168.29 168.6. ur1.98 112.20 111.88 112.1 112.0e 112.28 11.96 12.18 112.31 112 531112.22 12.44 20.375 20.415 0.36 20.40 1.766 1.770 1.76. 1.76 4.2010 4.2090 4. 1975 4.205: 58.37 58.49 58.335 58.4551 Italien.
Paris".
Schweiz.
Spanien.
Danzig.
Japan..
Rio de Janeir=
Jugoſlavien.
Portugal
Athen.
Konſtantinope
Kanada.
Uruguay
9.
Geld
22.005
16.41
80,84
67.89
81.40
1.922
9.5015
7.380
18.88
5.435
2.154
4.200
4.226
10.
Brie
22.045
6.45
81.00
68.03
81.56
1.926
o.5035
7.394
18.9.
5.445
2. 162
4.208
4.274
135.—
65.-
288.—
174.—
286.25
248.—
41.—
126 5
160.25
149.75
109.—
496. —
138.75
142.5
556.—
95.—
134.25 1132.25
160.5
54.—
10. v0.
Geld /Brief
21.98 22.02
16.335/16.425
80.755 80.915
68.0068 14
81.3
1.920
0.501!
7.376
18.88
5.425
2.15‟
4.196
4.266
81.53
1.924
0.5035
7.390
8.92
5.435
2.157
1.204
4.274
*Börſe und Wirtſchaftskage
im September.
Das Börſenbild hat ſich im bergangenen Monat kaum geänden,
das Kursniveau der Aktien iſt gegen den Vormonat nahezu
unverän=
dert, das Geſchäft ſtagniert nach wie vor. Dieſe Tatſache wird auch
nicht erſchüttert durch zeitweilige ſcharfe Steigerungen beſonderer
Spe=
zialpapiere. Die Widerſtandsfähigkeit der Börſe ſteht nach wie vor außer
allem Zweifel, jedoch konzentriert ſich das Intereſſe der Spekulation
zur=
zeit lediglich auf die Vorgänge an den internationalen Börſen. Die
internationale Rückſichtnahme hat ſich im vergangenen Monat noch
erheb=
lich geſteigert. Durch Einführung deutſcher Werte an der New Yorker
Börſe wurde ganz natürlich das eine oder andere auch in New York
notierte Papier beſonders ſcharf beachtet. Vom Ausland ausgehende
An=
regungen bewirkten dann vorübergehende Steigerungen einiger Werte,
die in Verbindung mit der günſtigen Beurteilung der
Geſamtbörſen=
verfaſſung zeitweiſe ſogar die Hoffnung aufkommen ließen, daß ſich eine
dauernde Belebung an den Börſen durchſetzen werde. Die Meldungen
des Abſchluſſes der R.W.E.=Anleihe in Amerika und deren ſtarke
Ueber=
zeichnung, die außerordentlich günſtigen Außenhandelsziffern und dann
die glatte Ueberwindung des Ultimo hatten eine allgemein günſtige
Be=
urteilung der Situation zur Folge. Daß eine anhaltende Belebung bei
der Börſe trotzdem nicht eingetreten iſt, und wohl auch in der nächſten
Zukunft nicht zu erwarten ſein wird, hat ſeinen Grund wohl darin,
daß nach den erſten Kursſteigerungen jedesmal Glattſtellungen und
Rea=
liſationen vorgenommen werden, durch die Kurseindrücke hervorgerufen
und die erreichten kleinen Gewinne wieder eingebüßt wurden. Das
Publi=
kum, das dieſe Vorgänge nach wie vor mit Intereſſe verfolgt, verharrt
natürlich weiter in ſeiner Reſerbeſtellung, hat auch keinen Anlaß, jetzt
Werte abzuſtoßen, die größtenteils ſchon ſeit Jahresfriſt in ſeiner Hand
ſind und ſich, wie die Beobachtung zeigt, zum mindeſten als gute
Kapi=
talsanlage erwieſen haben. Man will ſich nicht auf zweifelhafte
Experi=
mente einlaſſen und wird dieſen Standpunkt wohl auch ſo lange
beibe=
halten, bis ſich die augenblicklich recht undurchſichtige Wirtſchaftslage
etwas geklärt hat. Für die Börſe iſt alſo anzunehmen, daß, abgeſehen
von einzelnen freundlicheren Tagen, die latente Lage wie ſeither noch
anhalten wird.
Weit größere Beachtung verdient zurzeit die Wirtſchaftslage. Es
kann nicht abgeleugnet werden, daß dem noch vor wenigen Monaten
feſtgeſtellten Stillſtand in der Wirtſchaft ein, wenn auch kaum
merk=
licher, ſteter Konjunkturrückgang gefolgt iſt. Mit dem verfloſſenen Monat
September hat bekanntlich das erſte Normaljahr der Daweszahlungen
begonnen. Zwar waren ſeither ſchwere Kriſenerſcheinungen noch nicht
feſtzuſtellen, aber mit den kommenden Mehrlaſten ſteigen die Sorgen der
Induſtrie natürlich in erheblichem Maße. Die Frage der Löfung des
Reparationsproblems ſteht an erſter Stelle. Es erſcheint zunächſt kaum
tragbar, allmonatlich einen Betrag von 208,3 Millionen RM. an die
Reparationsgläubiger abzuführen. Die Reichsbahn, die ſchon für ihre
eigene Betriebsſicherheit dringend Geld bedarf, weiſt in ihren
Ausſchuß=
ſitzungen auf die Dringlichkeit des Problems der Geldbeſchaffung hin;
es gelingt ihr zwar, aus ihren Ueberſchüſſen und den Mitteln der
vor=
genommenen Tariferhöhung die Höchſtbelaſtung für die Daweszahlungen
aufzubringen, aber ihr Inveſtitionsbedürfnis iſt heute über das
Normal=
maß geſteigert, ſo daß die vorhandenen Mittel nicht ausreichen. Die
Steigerung von 750 Millionen RM., die auf den Anteil des
Reichshaus=
halts an der Annuität entfällt, wird zwar von dem Reparationsagenten
als durchaus tragbar bezeichnet, dabei wird aber überſehen, daß ein
weiteres Anſteigen der deutſchen Steuerkraft kaum erwartet werden
kann. Die Produktionstätigkeit hat ſich nach dem Bericht des Inſtituts
für Konjunkturforſchung weiter vermindert. Die Aufnahmefähigkeit des
Binnenmarktes hat auch im verfloſſenen Monat weiter abgenommen;
bei den einzelnen Induſtriezweigen iſt der Auftragseingang noch mehr
zurückgegangen. Insbeſondere tritt dieſer Rückgang im Maſchinenbau
und in der Eiſeninduſtrie in Erſcheinung. Wenn auch die
Textilpro=
duktion nicht in demſelben Tempo, wie zu Beginn des Jahres,
abze=
nommen hat, ſo iſt doch auch die erwartete Herbſtbelebung in der
Tex=
tilinduſtrie nur in geringem Umfang eingetreten. Ebenſo iſt eine
dauernde Verſchlechterung auf dem Baumarkte zu konſtatieren. Dieſe
Verſchlechterung hat ihren Grund darin, daß, abgeſehen davon, daß
der Bauindex wieder angezogen hat, tatfächlich die erhebliche Knappheit
an laufenden Geldmitteln auch hier hemmend wirkt. Der Realkredit
iſt weſentlich verteuert, außerdem werden die finanziellen
Schwierig=
keiten noch durch die Verteilung der Hauszinsſteuerhypotheken
ver=
ſchärft.
Durch ſolchen Rückgang des Beſchäftigungsgrades einzelner
In=
duſtriezweige werden natürlich die wirtſchaftlichen Kriſenmomente noch
erhöht. Die Arbeitsloſigkeit iſt früher wie im Vorjahre, wenn auch
vorerſt nur gering und zum Teil ſaiſonmäßig bedingt, geſtiegen. Daß
in ſolchen ſchweren Zeiten noch Erſchütterungen der Wirtſchaft durch
umfangreiche Tarifabkommen=Kündigungen, wie zum Beiſpiel die in
Weſtdeutſchland, wie der Streik der Werftarbeiter in den Seehäfen
und in dem niederſchleſiſchen Kohlenbergbau ſchwere Gefahren bringen,
liegt auf der Hand. Man ſollte ſich an allen verantwortlichen Stellen
darüber klar ſein, daß eine unbedachte Streikmaßnahme in irgend einem
Wirtſchaftszweig infolge der inneren Zuſammenhänge der deutſchen
Wirtſchaft immer wieder die Bemühungen der Wirtſchaftsführer
hem=
men, wenn nicht gar zerſtören, Bemühungen, die darauf gehen, die
unbedingt notwendige Rentabilitätsſteigerung unter Aufrechterhaltung
der Preisſtabilität zu erreichen. Wenn durch immerwährende Unregel
mäßigkeiten in lebenswichtigen Induſtriezweigen der Wiederaufbau des
einheimiſchen deutſchen Produktivkapitals auch nur vorübergehend
ge=
ſtört wird und dadurch namhafte Werte verloren gehen, ſo wird durch
Anſchaffung neuer Mittel aus dem Auslande die Abhängigkeit von
fremden Finanzmännern immer größer und letzten Endes die Schaffung
von Arbeit und Verdienſtmöglichkeit im Lande immer ſchwieriger
wer=
den. Die nächſte Folge wird ein weiterer wirtſchaftlicher Druck oder
ein ſcharfer Konjunkturrückgang und ſomit eine ungünſtige Beeinfluſ=
Frankfurter Kursbericht vom 10. Oktober 1928.
Wie Me ee
anleihe von 1927
6% Baden
Frei=
ſtaat von 1927..
6% Bah. Freiſtaat
von 1927 ....."
6% Sachſen
Frei=
ſtaat von 1927..
7% Thüringer
Frei=
ſtaat von 1927.
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. + *
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub
Dtſche.
Schutzge=
bietsanleihe
8% Bad.=Bad. v. 26
69Berlin v. 24
8% Darmſtst. v. 26
7% Frrf. 0. M.v. 26
2aMainz v. 26
8%Mannh. v. 26
8%Nürnberg v. 26
8% Berl. Hyp.=B!
8% Frkf. Hyp. Bk.
Pfbr.
8%0
80 Heſſ. Landeso:
3
3% Kom.
Landes=
bank. Darmſtadt
80 Mein. Hhp.B?
8% Pfälz. Hyp.Bk.
3% Preuß. Ctr.=
Stadtſchaft. . . . .
871.
77.1
79.5
84
50.8
15.1
94
Ge
87.5
93
98
97.5
97.5
96.75
89
88
93.8
86
81.5
98
98
97
8%Rhein. Hyp.=Bk.
30 Rhein.=Weſtf.=
Bd.Credit .....
8% Südd. Bod.,
Cred.=Bank ...
2o Württ. Hyp.=B.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
* Ausl. Ser. I
Ser. I
6% Daimler Benz
von 27
180 Klöckn=Werke
Berlin v. 26...
70 Mainkrw. v. 26
7%o Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 26
8%Voigt & Häffner
26
50 Bosn. L. E. B.v.
1914..
4½% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914
40 Oſt. Goldrent=
4½% Rum. Gold
von 1913 ..
4% Türk. Admin.
4
1. Bagd.
Zollanl.
40
4½% 1913 Ungarn
„ 1914
42 Ung. Godr.
Aßtien
Allg. Dt. Creditauſt.
Bk. f. Brauinduſtr
Berl. Handelsgeſ...
Eomm. u. Privatb.
97.75
97.5
98
95.25
52.5
68.5
75
92.5
85.25
85
33*),
32.25
23.95
11.25
Rie
27/,
Uhe
177.5
86.75
Darmſt. u. Nt.=B=.
Deutſche Bank .. . 167
Eff.=u.
Wechſel=
bank ..... ...."
Vereinsbank
Diskonto=Geſellſch.,
Frankf. Bank
Hhp.=Bk.. 1148.75
Pfdbr.=Bk.
Gotha. Grundkr. B.
Mein. Hyp.=Bank/133
Metallbank. . . . . . .
Mitteld. Creditbk.
Nürnb. Vereinsbk.
Oſt. Creditanſtalt . .
Pfälz. Hyp.=Bank/159.5
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Creditbank
Hyp.=Bank
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
Me
127
161
162
Dresdner Bank ... /169 Daimler=Benz
115
154.5
133
1.35.25
160
34‟.
297.5
125.5
134.5
15.25
A.=G.ſ. Verkehrsw
Dt. Eiſenb.=Geſ...
726 Dt. Reichsbahn=
Vorzge. .......
Hapag ..........
Nordd. Lloyd. . . . .
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Accum. Berlin.
Adlerw. (v. Kleher
6% AEG. Vorzug
AEG. Stamm
Baſt Nürnberg ...
Bergm. El. Werkel
BrownBoverickCie
Brüning & Sohn.
180
165
155.75
148
124
118
88.5
85
84.1
235
202
157
127
Buderus Eiſen.
Cement Heidelberg
Karlſtadt
Chem. WerkeAlbert.
Fabrik Milch
Dt. Atl.=Telegr.. .
Eiſenh. Berlit
Erdö. ... ..."
Gold= u. Siib.=Anſtalt
Linoleumwerk.
Eichbaum, Brauer.
Elektr. Licht u. Kraft
Liefer.=Geſ.
Eſchw. Bergwerk
Ezlinger Maſchinen
Ettlinger Spinnerei/225
Faber, Foy., Bleiſt.
J. G. Farbenindſtr.
Felt. & Guilleaum.
Feinmech. (Fetter)
Frkft. Gas .... . . . 145
Hof..
Geiling E Cie. ...! 72
Gelſenk. Bergwerk 126.5
Geſ. f. elektr.
Un=
ternehmungen
Goldſchmidt Th. 151.
Gritzner Maſchinen,
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm. 107
Hirſch Kupfer ...."
Hochtief Eſſen ...
Holzmann, Phil. . . 137.25
u
150
162
144
72.5
210.5
377
228.75
178
45.5
258.25
86
98.5
25
171
1a0
139.5
185.5
881
Holzverk.=Induſtrie
Iiſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm.
Kal Afchersleben.
Salzdetfurth.
Weſteregeln.
Kammgarnſpinn . .
Karſtadt, R... .."
Klein, Schanzl. . .
Klöcknerwerke .
Kraftw. Alt=Württ
Lahmeyer &Co ..
Lech, Augsburg
Löwenbr. Münch..
Lüdenſcheid Metall
Lutz Zens Darmſt.
Mainkr.,W. Höchſt
Main;. Akt.=Br...
Manne3n . Röhren
Nansfelb Bergb
Mars=Werke
Metallgef, Fran’ift.
Miag, Mühlenbau.
Motorenfb. Darmſt.
Necka=! Fahrzeug
NicNr). Hofbr
O)
Oſterr. Alpine Mo
Otavi Minen
UIaton Frrf.
Phönir Bergbau
Reiniger, Gebb.
K, Braunkohlen..
Elektr. Stamm 160
Stahlwerke ..
Riebeck Montan 148
RoederGb. Darmſt.
Rütgerswerke ....
Ne
115
288
288
245
105
174
114
317.5
*
118
267
128.25
107
190
32/
15
108
94.5
141
127
103
Schachtleben A. G.
Schöfferhof=Bind..
Schramm Lackfrb.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Eleltr.,.
Schwarz Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Südo. Immobilien
Zucker=AG.
Strohſtoff. Ver.
Tellus Bergbau..
Thür. Lief.=Geſ.
Tucher, Brauerei
Unterfr. Krs.=
Elei=
tr.=Ver).
Veithwerke
Ver. f. Chem. Ind
Gummifabrik
Berlin=Frankf
Laurahütte.
Stahlwerie
Ultramarin. . .
Zellſt., Berlin
Vgtländ. Maſchinen
Voigt & Haeffner.
Wahß & Frey 1ag.
Wege lin Rußfabrik
Werger Brauerei.
Sellſt. Aſchaffenbg.
Memel ....
Waldho ...
00
/41
114
206
177
392,5
95.5
147.5
280
118.5
107.5
32.5
91
87
95
171
143
216
137
159
17
210.5
138.5
289.5
Allt anz u. Sturu
Verſicherung
Frkft. Allg. Verſ.=G
Frankona Rück= u.
Mitv. .. . . . ..
Mannh. Verſich.
184.5
225
Nummer 283
Donnerstag den 11. Oktober 1928
Geite 41
ſung der Finanzlage ſein. Daran hat aber weder der deutſche Arbeiter
noch der Unternehmer ein Intereſſe. Es iſt alſo kein Wunder, wenn
die Unternehmer in klarer Erkenntnis der Folgen gegen ſolche
Diffe=
renzen entſchloſſene Gegenwehr anwenden.
Einzelne günſtige Momente verhindern zunächſt noch ein weiteres
Anwachſen der Arbeitsloſenziffer. Die chemiſche und die
Nahrungs=
mittelinduſtrie liegen verhältnismäßig günſtig, auch ſind in der
Koh=
lenwirtſchaft im Vergleich zum Vormonat keine weſentlichen
Aenderun=
gen eingetreten. Der Auftragseingang im Auslandsgeſchäft hat ſeine
Aufwärtsbewegung erfreulicherweiſe fortgeſetzt, und es ſteht zu hoffen,
daß dies keine vorübergehende Erſcheinung bleibt, da mit aller Energie
auf eine weitere Steigerung in dieſem Sinne hingearbeitet wird.
Gerade anläßlich der im vergangenen Monat ſtattgehabten
Wirt=
ſchaftstagungen großer Verbände, wie des Großhandelstages in
Mün=
chen und des 7. Allgemeinen Bankiertages wurden alle die akuten
volks=
wirtſchaftlichen Probleme eingehend ventiliert und insbeſondere
Deutſchlands Finanz= und Wirtſchaftslage zu Beginn des fünften
Jah=
res des Dawesplans erörtert. Ein helles Licht auf die Erforderniſſe
des Gegenwart, die ebenſo für den deutſchen Groß= und Ueberſeehandel
wie für die ganze deutſche Induſtrie gelten, wirft folgende
Entſchlie=
ßung, die auf der Münchener Tagung gefaßt wurde:
„„Der Groß= und Ueberſeehandel, in ſeinen Lebensbedingungen
aufs äußerſte bedroht, aber unerſchütterlich von der Notwendigkeit eines
ſelbſtändigen, mit ſeinem Vermögen voll verantwortlichen Handels für
ein dauerndes Gedeihen der Volkswirtſchaft überzeugt, fordert mit aller
Entſchiedenheit: eine Steuerpolitik, die die unerträgliche Ueberlaſtung
der Betriebe beſeitigt und einen Wiederaufbau der durch die ſtaatlichen
Maßnahmen in der Inflationszeit und die Wegnahme des deutſchen
Auslandsvermögens ſchwer getroffenen Kapitalkraft ermöglicht, eine
Sozialpolitik, die eine Wettbewerbsfähigkeit der deutſchen Erzeugniſſe
auf dem Weltmarkt ſicherſtellt und den Handelsbetrieben die notwendige
Anxaſſung an die wechſelnden Aufgaben ermöglicht; eine Reviſion der
Eiſenbahn= und insbeſondere der Poſttarife nach unten, eine
groß=
zügige Verfaſſungs= und Verwaltungsreform, die den
Geſamtſteuer=
bedarf, insbeſondere auch durch eine ſtarke Dezentraliſation, nach unten
weſentlich ſenkt; eine Einſchränkung der wirtſchaftlichen Betätigung
der bffentlichen Hand, insbeſondere völligen Verzicht auf wirtſchaftlichen
Wettbewerb ſteuer= und kapitalbegünſtigter öffentlicher Betriebe mit
den ſteuerzahlenden Betrieben der Bürger; unbedingte Neutralität der
öffentlichen Hand in dem natürlichen wirtſchaftlichen Kampf der
Wirt=
ſchaftsgruppen, insbeſondere des Großhandels und der Genoſſenſchaften,
jede mögliche Förderung einer gegenſeitigen weltwirtſchaftlichen
An=
näherung der Völker unter Beibehaltung des jetzigen, auf
ſelbſtver=
ſtändlicher Gewährung gegenſeitiger Meiſtbegünſtigung beruhenden
Handelsvertragsſyſtem. Der Groß= und Ueberſeehandel ſelbſt hat die
Aufgabe, mit größtem Nachdruck alles zu tun, um ſeine Betriebe ſo
rationell und ſo leiſtungsfähig zu geſtalten, daß ſie im freien
Wett=
bewerb das Beſte für die Erzeugung und für den Verbrauch leiſten.”
Dieſe Forderungen könnten ganz generell von allen deutſchen
Wirtſchaftszweigen geſtellt werden. Zuſammenfaſſend iſt zu ſagen, daß
in anbetracht der ungünſtigen Konjunktur alle Momente vermieden
werden müſſen, die die Konjunktur noch weiter verſchlechtern könnten.
Auch die kleinſten Erſchütterungen, die für eine Wirtſchaft mit ſtarken
Ausgleichsreſerven leicht tragbar ſind, können für eine kapitalſchwache
Wirtſchaft, die im Intereſſe Aller einen neuen Aufſchwung erſtrebt,
wie die deutfche, nicht zu überſehende Folgen haben und Erfolge von
monatelangen Bemühungen mit einem Schlage illuſoriſch machen.
Dr. O.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Chicago, 10. Oktober (Prib.=Tel.)
Weizen: Die geſtrige Abwärtsbewegung kam auch heute nicht zum
Stillſtand. Die verſtimmenden ausländiſchen Kabel, die recht ruhige
Exportnachfrage, die baiſſegünſtige Ernteſchätzung auf der ſüdlichen
Erd=
hälfte und der ebenfalls verſtimmende amtliche Wetterbericht bewirkten
Preisrückgänge bis zu 2½ Cts.
Mais: Nach ſtetiger Eröffnung nahm der Markt einen recht
ſchwa=
chen Verlauf auf geringe Exportnachfrage und Verkäufe der Spekulation
in Zuſammenhang mit dem Wetterbericht bewirkten Kursverluſte bis
134 Cts.
Roggen: Fehlende Exportnachfrage und Gewinnmitnahmen führten
auch hier zu Preisabgleitungen bis zu 2½ Cts.
Hafer ſchloß ſich der Schwäche der übrigen Getreidemärkte an und
notierte bis zu ¼ Cts. unter geſtern.
New York, 10. Oktober. (Priv.=Tel.)
Kaffee: Der Markt verlief in ſtetiger Haltung auf Deckungen und
Anſchaffungen der Kommiſſionäre bei verhältnismäßig geringem
An=
gebot.
Zucker: Anfangs konnten die Termine auf Deckungen und
Anfchaf=
fungen für kubaniſche Rechnung anziehen. Da der Handel eine
ab=
wartende Haltung einnahm, ſchloſſen die Kurſe etwas unter geſtern.
Baumwolle: Anfangs kam es zu Preiseinbußen auf Liquidationen
und Abgaben, ſowie verſtimmende Kabel. Später griff eine Erhöhung
Platz, als größeres Deckungsbedürfnis ſich geltend machte,
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 10. Okt.:
Getreide: Weizen, Dez. 116½, März 120½, Mai 123½: Mais,
Dez. 80, März 82½8, Mai 85½; Hafer, Dez. 4258, März 44½, Mai
45½1 Roggen, Dez. 103½, März 105, Mai 107.
Fette: Schmalz, Okt. 11,95, Nov. 11,975, Dez. 12,0, Jan. 1929
12,30; Rippen, Okt. 13,10, Dez. 12,05: Speck loco 14,25. — Leichte
Schweine 8,85—10,20, ſchwere Schweine 9,25—10,20;
Schweinezu=
fuhr Chicago 20 000, im Weſten 84000.
Baumwolle: Okt. 18,38, Dez. 18,44—18,45.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 10. Okt.:
Getreide: Weizen, Rotwinter 161½, Hartwinter 131½; Mais
neu angek. Ernte 93: Mehl ſpr. wheat clears 5,85—6,/25; Fracht
nach England 2,5—2,6, nach dem Kontinent 10—13.
Schmalz: Prima Weſtern loco 12,68: Talg extra loſe 9.
Kakav: Tendenz kaum ſtetig, Umſatz in lots 175, loco 10¾,
Oktober 10,32, November 10/48, Dezember 1067, Januar 1923
10,77, Febr. 10,80, März 10,87, April 10,92, Mai 10,98, Juli 11,0.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Der Haushaltungsausſchuß der Berliner
Stadtverordnetenverſamm=
lung ſtimte nach längerer Veratung und einem Vortrag des
Dezer=
nenten der Magiſcratsöorlage über das Bauprogramm für die
Städti=
ſchen Elektrizitätswerke grundfätzlich zu und bewilligte 12 Mill. RMM.
für 1928 aus Anleihemitteln.
Die Leipziger Meſſe= und Ausſtellungs=A.=G. wird demnächſt
zuſam=
men mit dem Meſſeamt einen öffentlichen Wettbewerb ausſchreiben für
den weiteren Ausbgu des Ausſtellungsgeländes und der Techniſchen
Meſſe, ſowie für die architektoniſche Geſtaltung der Hallenbauten, um
eine große Richtlinie zu gewinnen, die für die Errichtung künftiger
Bau=
ten maßgebend ſein ſoll.
Geſtern wurde in Anlehnung an den Drahtſeilverband in Eſſen eine
Drahtſeil=Ausfuhrkonvention in Düſſeldorf gegründet mit dem Zveck,
die Ausfuhrpreiſe nach Schweden, Norwegen. Dänemark, Finnland,
Litauen, Lettland und Eſtland einheitlich feſtzuſetzen.
Die Vertreter der Arbeiter des niederſchleſiſchen Steinkohlenreviers
faßten am Dienstag abend nach Kenntnisnahme des Schiedsſpruches eiue
Entſchließung, in der die Konferenz den Schiedsſpruh ablehnt und die
Belegſchaften auffordert, einheitlich und geſchloſſen den Kampf
weiter=
zuführen.
Nachdem, wie bereits geweldet, die im Aktionsausſchuß der
ſeemän=
niſchen Berufsverbände vereinigten Seeleute den Heuertarif zum 1. Okt.
gekündigt haben, wurden die erſten Verhandlungen zwiſchen den
Ver=
tretern der Reeder und Seeleute über den neuen Lohntarif auf den
12. Oktober vormittags angeſetzt.
Unter Haftung der Gemeinde Wien ſind nauerdings
Rußland=
geſchäfte in Höhe von 423 413 Dollar, davon 407 754 Dollar auf
zwei=
jährigen Kredit, zuſtandegekomwen. Die Geſamtheit der bisher unter
Gemeindehaftung zuſtandegekommenen Rußlandgeſchäfte beträgt 3 726 000
Dollar oder 26,1 Millionen Schilling.
Die 2,5 Mill. Dollar betragende holländiſche Tranche der 20 Mill.
Dollar=Anleihe der RWE., von der 500 000 Dollar bereits feſt placiert
waren, iſt bei den hieſigen Zeichnungsſtellen ſtark überzeichnet worden,
ſodaß Zuteilungen vorgenommen werden mußlen.
Der letzte Ultmotermin hat auf dem polniſchen Geldmarkt eine ſo
ſtarke Spannung gezeitigt, daß verſchiedene große Unternehmungen
Löhne und Gehälter nicht rechtzeitig auszahlen konnten. Die Urſachen
dieſer ſchlechten Liquidation werden von den polniſchen Wirtſchaftskreiſen
in dem raſchen Tempo der Produktionsentwicklung des letzten Jahres
geſucht, mit dem die Entwicklung der Krediteinrichtungen keineswegs
Schritt halten konnten.
Der große Ausſtand in der Textilinduſtrie von Lodz iſt geſtern in
ein kritiſches Stadiunu getreten. Die Vertreter der Arbeiterſchaft haben
des von der Regierung vorgeſchlagene Kompromiß einer Lohnerhöhung
um 5 Prozent als ungenügend abgelehnt. Gleichzeitig wurde beſchloſſen,
den Lohnkampf weiter zu führen.
Die nunmehr beendete Erforſchung der Eiſenerzvorkommen auf dem
Berge Blagodat und im Bezirk Lebfaſtin im Uralgebiet hat ergeben,
daß die Vorkommen über 573 800 Tonnen Eiſenerz enthalten, deſſen
Eiſengehalt 63—64 Prozent beträgt.
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differenziert ist . . . Man erfaßt dieses
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MITGLIED DER „RIRSGRUPPIERUNG FUHNENDER PROVHZVERLAGF:.
Seite 12‟
Schützenbrüdern n.Zeit mit eſſen, trink
Stimmung war ka
Bald begann
den Tanz auf der
ſtand. Schon glühte
Bürgerkapelle ordn
zogenen Orcheſterre
Die Nacht ſenk=
Fackeln leuchteten
Schimmer an den 1
Immer neue S
unerträglich, die
kreiſchten, Burſchen ach dem Anger, und dort vertrieb man ſich die
en und reden, wie das ſo Brauch iſt. Die gute
um noch zu ſteigern.
der Ball, worunter man etwas anſpruchsvoll
Bretterdiele inmitten des Rummelplatzes ver=
en dort die Lampions auf, die Quakenbrücker
iete in dem von einer dicken Girlande um=
aum die Noten und rückte ihre Stühle zurecht.
te ſich. Die vielen Lichter und der Schein der
heller und warfen einen unruhigen, rötlichen
dunkelnden Himmel.
ſcharen zogen heran, das Gedränge wurde faſt
Stimmung immer ausgelaſſener. Mädchen
riefen ihnen überlaut derbe Scherze zu. Die nau
der Original
unverbindlicl
Seifenhaus a u Malslte
D-cedar-Mop sind fertiggestellt und werden
h vorgetührt im
(16265
im Schiflerplatz Inh. Hans Knos
n uad ihean srsinn.
Roman von Walter Weilshaeuſer.
Nachdruck verboten
Langſam kroch der gelbe Wurm der Verleumdung weiter,
mit Andeutungen, feigem Antippen. Bis es der Frau
Amts=
richter Frank, die ſchweigend und unbehaglich zugehört hatte, zu
viel wurde. Sie wußte ſchon, wo hinaus die Mindler wollte,
und verſuchte, dem Geſpräch rechtzeitig die Spitze abzubrechen.
Wohl hatte ſie ſich in dieſem Kreiſe nie gefühlt. Aber ſie konnte
ſich nicht gut ausſchließen, ohne von der übrigen Geſellſchaft als
ſtolz verſchnattert zu werden.
„Lore bleibt trotz ihres Unglücks ein ſehr anſtändiges
Mädchen, Fräulein Mindler, das man beſtenfalls nur bedauern
kann.”
Die antwortete biſſig: „O, das will ich auch nicht beſtreiten.
Sie hat eben — Pech gehabt.”
Dann beſchäftigte ſie ſich ſüß lächelnd weiter mit ihrem
Streußelkuchen. Man wandte ſich etwas widerwillig dem
Schützen=
feſt zu, das in den nächſten Tagen gefeiert werden ſollte und die
Reihe der kleinſtädtiſchen Sommervergnügungen beſchloß.
Auf dem Anger, über den in der weichen, ſchon herbſtlich
herben Luft Hunderte von farbigen Fähnchen und Wimpeln
flatterten, ſchob ſich die Menge langſam durch die Reihen der
Zelte und Buden. Drehorgeln vermiſchten mißtönend die
Melan=
cholie ihrer dudelnden Melodien, Ausrufer ſchrien durch große
Blechtrichter plumpe Reklamen über den Platz, quäkende
Stim=
men billigen Spielzeugs plärrten, Glücksräder beſchrieben
ſchnar=
rende Kreiſe, rote und grüne Luftballons ſtanden über den Köpfen
des in vergnügter Beſchaulichkeit wimmelnden Schwarms.
Ein Dunſt von Staub, blauem, beizendem Rauch der
Brat=
wurſtröſtereien und ſchlechtem Tabak zog träge über die Wieſe.
Die Glocken der Karuſſells und Luftſchaukeln übertönten mit
ihrem gellenden, dringlich lockenden Ton den Lärm.
Die Menſchen aber, die ſich in dieſem Tohuwabohu lachend
und ſchwitzend bewegten und wohl fühlten, nannten das:
Ver=
gnügen.
Schließlich war nur einmal im Jahre Schützenfeſt, und das
Volk iſt anſpruchslos wie ein Kind.
Heute war der Schlußtag. Die Würde des Schützenkönigs
hatte ſich der Schreinermeiſter Niesland erſchoſſen, der es ſich
ja auch leiſten konnte. Als der Adler am Morgen gefallen war,
marſchierte der Zug mit den ſehr wichtig daherſchreitenden
In den Bierzelten ſaß man Schulter an Schulter. Es
herrſchte eine gewollte Herzlichkeit unter all' den Menſchen, die
ſich auf der Straße ſonſt nicht grüßten. Gemütlichkeit nannten
ſie dieſen ſatten Taumel, der ſie harmloſen Narren gleich machte.
Die rohen Holztiſche troffen vom Naß des Bieres und
Weines. Speiſenreſte lagen umher.
Die Kellnerinnen drückten ſich lachend und ſcheltend mit den
ſchweren Maßkrügen durch die Gäſte, die fortwährend kamen und
gingen.
Kleine Muſikbanden ließen ſich auf der Zither, der
Harmo=
nika oder mit Geſangsvorträgen hören. Stand man am Eingang
eines Zeltes, ſchienen ſie eine Pantomime zu ſpielen. Denn die
Vorträge zerſchwammen im Lärm. Nur hin und wieder tauchte
ein Akkord, das abgeriſſene Stückchen eines Liedes, von einer
ſchrillen Weiberſtimme geſungen, aus dem Meer der hunderterlei
Geräuſche von drinnen und draußen auf.
Eine ſchmetternde Fanfare vom Tanzplatz her überſchrie
alles. Der Ball begann.
Riesland eröffnete ihn als Hauptperſon mit Lore Meckler,
die er zu ſeiner Königin gewählt hatte. Es hatte ihn Mühe
ge=
koſtet, ſie zur Annahme der Würde zu bewegen. Aber ſchließlich
war es ihm doch gelungen.
Der alte Meckler hatte ſeiner Tochter gut zugeredet, da er
darin eine Rehabilitation Lores erblickte. Er kannte das Gerede.
Stand ſie in dieſen Tagen an der Spitze der ſogenannten
Geſell=
ſchaft in Lengfeld, würde ſich wohl auch die Schwätzerei legen.
Doch das hatte er ihr nicht geſagt, obwohl ſie den wahren
Grund der ungewohnten Beredſamkeit ihres ſonſt ſo
ſchweig=
ſamen Vaters wohl ahnte.
So hatte ſie ſchließlich eingewilligt, um ihm den Gefallen
zu tun.
Eine beſſere Wahl hätte Riesland nicht treffen können. Lore
in ihrem ſchlichten weißen Kleid übertraf alle an liebreizender
Mädchenhaftigkeit. Das hatten die alten und jungen Frauen
verſtimmt bald feſtgeſtellt, und ſie wetzten hier und da flüſternd
ihre ſcharfen Schnäbel.
Nach dem Ehrentanz führte Riesland das von Stolz und
Luſt erglühte Mädchen zum Tiſch der Eltern, wo auch der alte
Herr Fehrenberg ſaß.
Er fühlte ihren Arm voll und weich in ſeinem Arm ruhen.
Seine heimliche Neigung verband ſich überlegend und
unwillkür=
lich mit dem praktiſchen Geſchäftsſinn: das wäre eine Frau
Meiſterin, Theo! Aber er war viel zu ſchüchtern und beſcheiden,
der immer ſtärker werdenden Zuneigung irgendwie Ausdruck zu
geben.
Er kam ſich neben ihr ſo unbedeutend vor.
Fehrenbergs blanke Augen betrachteten hinter der Brille
Lore freundlich und doch beſorgt. Er wußte, wie man im Stillen
gegen ſie hetzte, eben weil ſie unangreifbar war. Wie ein treuer
Wächter ſtets darauf bedacht, von ſeinen Freunden Gefahr dort
abzuwenden, wo er ſie als Menſchenkenner vermutete, lag er
gut=
mütig immer auf der Lauer. Das war ſein kleiner Sport.
„Nun, Lorchen, das war ein Tanz, was? Du kommſt ja
daher, Mädli, als ſei die Zentifolie ſelbſt vom Stock geſprungen,
um mit der Droſte zu reden!“
So neckte er, ſeine ſiebzig Jahre hinderten ihn nicht,
ritter=
lich zu ſein.
„Ja, Herr Fehrenberg, es war ſehr ſchön.”
Ihre Gedanken waren nicht bei dem alten Kavalier an ihrer
Seite, der in ſeinem Gehrock übrigens keine üble Figur machte.
Suchend ſah ſie in das Gewimmel der tanzenden Paare.
Seit ihrem traurigen Erlebnis hatte ſie Fritz Frank nicht
mehr geſehen. Er war nicht mehr ins „Goldene Kreuz”
gekom=
men, ſo daß ſie ſchon an ſeine Abreiſe geglaubt hatte. Dann
hörte ſie, daß er doch noch zu Hauſe war und ſtudierte.
Ihr Herz war voll Hoffnung und Sehnſucht; ſie hütete ein
Geheimnis, das nur ihn und ſie anging.
(Fortſetzung folgt.)
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gegen Fixum und Speſen Führerſchein 3 b iſt
erforderlich. Ausführl, gehaltene. Ange ote mi
Andabe der bisherigen Tätigkeit, Alter Gehaltst
anſprüche, Zeugnis=Abſchriften erbeten unte
M 25 an die Geſchäftsſtelle ds, Blattes,
dien,
Fral=
Nummet 283
Donnerstag, den 11:Oktober 1928
Seite 43
Arbeitsvergebung.
Für die
Gruppenwaſſerverſor=
gung des Kreiſes Dieburg ſollen
nachſtehende Arbeiten vergeben werden:
Los 1: Fernleitungen von der
Pump=
ſtation Hergershauſen nach dem
Erdbehälter Groß=Zimmern und
von Dieburg nach Münſter;
Rohrgräben rd. 19 000 m, Liefern
und Verlegen der gußeiſernen
Rohre von 100—250 mm I. W.;
Los 2: Ortsrohrnetz Münſter;
Herſtel=
lung von 6000 m Rohrgräben
und Liefern und Verlegen der
Rohre von 80—125 mm l. W.
ſo=
wie der Hauszuleitungen:
Los 3: Ortsrohrnetz Dieburg;
Herſtel=
lung von 11 700 m Rohrgräben
und Liefern und Verlegen der
Rohre von 80—150 mm I. W.
ſo=
wie der Hauszuleitungen;
Los 4: Ortsrohrnetz Groß=Zimmern;
Herſtellung von 9400 m
Nohr=
gräben und Liefern und
Ver=
legen der Rohre von 80—150 mm
I. W. ſowie der Hauszuleitungen.
Eröffnung der Angebote Montag,
den 29. Oktober 1928, vorm. 10 Uhr,
beim Kulturbauamt Darmſtadt,
Bleich=
ſtraße 1.
Angebotsvordrucke ſind, ſoweit
Vor=
rat reicht, für Los 1 zum Preiſe von
2 RM., für die übrigen Loſe zum Preiſe
von je 1,50 RM. bei der unterzeichneten
Behörde erhältlich, woſelbſt auch die
Pläne und die in Frage kommenden
Vor=
ſchriften und Beſtimmungen zur
Einſicht=
nahme offen liegen und Auskunft erteilt
wird.
(16278a
Freie Auswahk unter den Bietern
bleibt vorbehalten. Die Zuſchlagsfriſt
läuft am 26. November 1928 ab.
Darmſtadt, den 8. Okt. 1928.
Heſſiſches Kulturbauamt.
Arbeitsvergebung.
Die Feldbereinigungsgefellſchaft
Semd hat die Ausführung von ca.
60000 Ifd. Drainage und ca. 2000 cbm
Grabenherſtellungsarbeiten zu
ver=
geben.
Pläne und Bedingungen ſind bei dem
unterzeichneten Amt (Bleichſtr. 21)
ein=
zuſehen. Angebote ſind bis Samstag,
den 20. Oktober, vormitt. 10 Uhr
einzureichen. Angebotsvordrucke werden,
ſoweit der Vorrat reicht, zum Preiſe von
1 Mk. für das Stück abgegeben.
Zu=
ſchlagsfriſt 3 Wochen.
(16276
Darmſtadt, den 8. Okt. 1928.
Heſſiſches Kulturbauamt.
Kartoffellieferung.
Die Lieferung des Kartoffelbedarfes
für das Stadtkrankenhaus Darmſtadt ſoll
im Wege der Verdingung vergeben
wer=
den. Es ſind zu liefern ca. 2500 Ztr.
Induſtrie=Speiſekartoffeln, alſo
gelbflei=
ſchig ung gelbſchalig. Sie ſind möglichſt
gleichmäßig groß, zu liefern, und zwar
300 Zentner nach erteiltem Zuſchlag, der
Reſt auf Abruf je nach Bedarf. Die
Preiſe ſind frei Keller Stadtkrankenhaus
Darmſtadt zu ſtellen. Die Angebote und
die zugehörigen Kartoffelproben ſind
ge=
trennt und verſchloſſen mit
entſprechen=
der Aufſchrift verſehen am
Freitag, den 18. Oktober 1928,
zwiſchen 10 und 12 Uhr,
im Verwaltungsbüro des
Stadtkranken=
hauſes, Grafenſtr. 9, abzugeben, (st16277
Darmſtadt, den 8, Okt. 1928.
Die Stadikrankenhausdirektion.
Das dem Alicehoſpital gehörige
Sei=
tengebäude Schollweg 2 ſoll auf den
Abbruch verkauft werden.
Die Bedingungen liegen auf dem Büro
der Frau Oberin, Schollweg 2,
vormit=
tags von 10—12 Uhr offen.
Die Angebote ſind verſchloſſen bis
18. ds. Mts., vormittags 10 Uhr,
an Herrn Dr. Willi Wilbrand,
Diebur=
gerſtraße 199, einzuſenden.
(16223
Darmſtadt, den 9. Okt. 1928.
Die Verwaltung des Alicehoſpitals.
Ausſchreibung von Bauarbeiten
für die Stadtkirche.
Die Herſtellung und Vorhaltung eines
Maurergerüſtes am Turm der
Stadt=
kirche, ferner Abbruch= Maurer=,
Beton=
arbeiten und Kunſtſteinlieferung zum
Umbau des ſüdweſtlichen Treppenhauſes
ſollen im Wege öffentlicher
Ausſchrei=
bung vergeben werden.
Angebotsunterlagen werden im
Pfarr=
hauſe der evang. Stadtgemeinde,
Kies=
ſtraße 60, ausgegeben. Daſelbſt können
Dienstags, Donnerstags und Freitags
von 9½ bis 11½ Uhr die Zeichnungen
eingeſehen werden. Angebote in
ver=
ſchloſſenem Umſchlag, mit der Aufſchriſt
„Angebot” ſind ebendahin einzureichen
bis Montag, den 22. Oktober,
vor=
mittags 10 Uhr.
(16183a
Der Kirchenvorſtand der evangel,
Stadtgemeinde.
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16173
Zwangsverſteigerung.
Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit der
Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den Namen
des Fabrikanten Ernſt Raiß in Darmſtadt im Grundbuch
eingetragen waren, ſollen
Dienstag, den 11. Dezember 1928, nachm. 31/, Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht an Gerichtsſtelle, Zimmer
Nr. 219, verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der
Zwangsvoll=
ſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 23. Februar 1928 in
das Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des
Verſteige=
rungsvermerks aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren,
ſind ſie ſpäteſtens im Verſteigerungstermin vor der
Auffor=
derung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten
Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerſpricht,
glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei der Feſtſtellung
des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Ver=
teilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des
Gläu=
bigers und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verkteigerung
entgegenſtehen=
des Recht haben, werden aufgeforderk, vor der Erteilung des
Zuſchlags die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des
Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls, für das Recht der
Verſteigerungserlös an die Stelle des perſteigerten
Gegen=
ſtandes tritt.
Darmſtadt, den 6. Oktober 1928.
(16267a
Heſſiſches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke:
Grundbuch für Darmſtadt, Bezirk V, Band XyII, Blatt 1812.
Betrag der
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Nr. Flur Nr. Kulturart u. Gewann
Schätzung
1 XVIII 6
2. XvIIr 6
Hofreite Nr. 10 Eſcholl=
336 15000 RM.
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(16282
Darmſtadt, den 11. Oktober 1928.
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Seite 14
Donnerstag, den 11. Oktober 1928
Nummer 283
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[ ← ][ ][ → ]Dr krautt
Das Unterhaltungsblatt für Haus und Familie
üiller und die Grafin
Originalroman von Aja Berg
Tn einem Maientage, der keineswegs blaugolden, ſondern graumieſepetrig
2 durch die vor vier bis ſechs Wochen zuletzt geputzten Fenſter eines
deut=
chen Poſtamtes blickte, ſtand eine Anzahl Wartender vor dem einzig geöffneten
Schalter; dahinter ſaß Herr Poſtſekretär Malbehm, der es nie im Leben eilig
jehabt hatte und auch jetzt der Anſicht war, es ſei vorzuziehen, die Kunden
der Reichspoſt ſtünden ſich Hühneraugen an die Füße, als daß er ſich dergleichen
Verunzierungen an ſeine Hände ſchriebe. Zu Herrn Malbohms Ehre ſei
ge=
agt, daß er ſich auch keine Spur mehr beeilt hätte, wenn ihm klar geweſen
väre, daß er einem der Wartenden einen großen Gefallen mit ſeiner die Nerven
inderer Leute zerrüttenden Langſamkeit tat, denn Herrn Malbohm war es
öllig gleichgültig, wer vor ſeinem Schalter ſtand, und über die Gefühle ſeines
Publikums inachte er ſich vollends keine Gedanken. Der Betreffende, der den
ebhaften Wunſch hegte, Herr Malbohm möge über der nächſten Beſtätigung
ines Einſchreibebriefes nicht nur ſcheinbar, ſondern wirklich einſchlafen und
vorderhand nicht wieder aufwachen, — ſtand hinter einer jungen Dame, von
der er nichts weiter ſah als einen außerordentlich einfachen, dunkelblauen
Matroſenhut, einen Knoten blonden Haares, einen Streifen Nacken und ein
Ohr, die Rückenteile eines ſehr abgetragenen blauen Jäckchens und einen
eben=
olchen Nock. Der Haarknoten war aber von einer ſolchen Appigkeit, der
Nacken war ſo weiß und das roſige Ohr ſo klein und ſchön geformt, daß das
eingehende und andächtige Studium, mit dem ſich der Herr in dieſe Gegenſtände
vertiefte, immerhin begreiflich war. Es war anerkennenswert, daß die
ein=
ache Kleidung des jungen Mädchens ihn in ſeinen Betrachtungen nicht
törte, denn ſein eigener Panama war ſicherlich mehr wert als alles, was die
Beſitzerin des ungewöhnlich ſchönen, lockigen Blondhaares auf ihrem Körper
hatte. Auf einmal wandte die junge Dame den Kopf, um einen Blick nach)
der Uhr zu tun, die an der anderen Ecke des Schalterraumes hing. Ihr
Hinter=
nann erſchrak ein wenig. Was er bisher von ihr geſehen hatte, war ſo
ceizend, daß er mit Sicherheit auf ein hübſches Geſicht gerechnet hatte. —
aber die Schönheit dieſes Antlitzes war ſo groß, daß ſie ihn geradezu
über=
wältigte, und er war mehr als zufrieden, als er, ſobald die Reihe, ſich mit
Herrn Malbohm zu beſchäftigen, an ſie gekommen war, die Schöne minuten=
Tang im Profil zu ſehen bekam. So hatte er, dank Herrn Malbohms ruhiger
Oienſtauffaſſung und der erfreulichen Tatſache, daß er ſelbſt groß genug war,
um dem Gegenſtand ſeiner Bewunderung über die Schulter zu ſehen, ſogar
Muße, die Namen zu leſen, die auf der Geldanweiſung ſtanden. Dieſe
Geld=
anweiſung lautete über hundert deutſche Reichsmark, ſie war an den Grafen
Haſſo Steinburg=Oderburg, Leutnant im 5. Huſarenregiment, gerichtet und
als Abſenderin war, wie die Falkenaugen des Leſers feſtſtellten, Gräfin
Berene Steinburg=Oderburg genannt. Herrn Malbohms Pflichttreue errang
ihm einen heißen Bewunderer. Da er die Geldanweiſung mit der Enurrigen
Bemerkung zurückſchob, es fehle auf ihr die nähere Wohnungsangabe des
Abſenders, fand der glückliche Nachbar Gelegenheit, der jungen Dane einen
Tintenſtift zur Verfügung zu ſtellen, — den ſie, da ein Blick auf das
Schreib=
pült ſie belehrte, daß dort bereits zwei Anwärter auf den einzig vorhandenen
tintenbekleckſten Poſtfederhalter warteten, mit leiſem Danke auch annahm.
Sie ſtreifte den Handſchuh ab — leider war die ſchöngeformte Hand zwar
ſehr ſorgfältig gepflegt, aber durch die Spüren harter Arbeit dennoch entſtellt;
ſie nahm den Crayon — es war ein goldener mit einem Namenszug in Eleinen
Brillanten — und ſchrieb unter den Namen: „Winterſtadt, Lange Str. I6‟
Dankend reichte ſie den Stift zurück, den der Beſitzer jetzt weit ſorgfältiger
als vorher in der linken inneren Bruſttaſche ſeines eleganten Sommerjacketts
verwahrte. Herr Malbohm nahm nunmehr die Geldanweiſung als Forrekt
an, die junge Dame zahlte ihre hundert Mark und das Porto, empfing die
Quictung und verließ den Schalterraum, während ihr Nachbar über die Köpfe
der Umſtehenden hinweg durch das Fenſter aufmerkſam zuſah, wie die
ſchlanke Mädchengeſtalt leicht und ſtolz aufgerichtet die Straße entlangſchritt.
Am ſelben Maientage wurde in einem guteingerichteten Konkorraum,
deſſen blitzblanke Fenſter auf einen ſchönen Garten führten, ein ziemlich
dick=
leibiges Kontobuch bei den Buchſtaben S—St aufgeſchlagen. Jemand fand
init geübtem Blick unter vielen Konten ſchnell dasjenige, das den gleichen
Namen wie die Geldanweiſung trug, die Herr Malbohm heute zurückgewieſen
hatte. Der goldene Taſchenſtift, der dabeigeweſen war, machte einen langen
Strich durch dieſes Konto, das ebenfalls von beträchtlicher Länge war, und
ſein Beſitzer ſchrieb lächelnd eine kurze Notiz und das Datum darunter.
Im Hauſe Lange Straße I6 war die dritte, aus drei Zimern, Küche
und Speiſekammer beſtehende Etage an die Gräfin Jſabella Steinburg=
Oder=
burg vermietet, die ſie mit ihren drei Töchtern bewohnte. Es war, wie ſich)
von ſelbſt verſteht, ein durchaus herrſchaftliches Haus und hatte als ſolches
natürlich auch einen Hinteraufgang für Dienſtboten, zu dem man über einen
Fleinen, ſchmutzigen Hof gelangte und in dem ſich nichts von der Pracht der
Vordertreppe befand. Die Wohnung der Gräfin Jſabella Steinburg=
Oder=
burg entſprach vortrefflich dieſem Hauſe. Ein großes, ſehr blank geputztes
MNeſſingſchild verkündete an der vorderen Korridortür den ſchönen, alten
Namen. Den wenigen, die Einlaß in dieſe Tür fanden, öffnete ſich ein
ſchitaler, dunkler, aber mit einem qoldgerahmten Barockſpiegel und einenn
wappengeſtickten Gobelin geſchmückter Korridor, von dem vier Türen
ab=
gingen. Eine davon führte in cinen Salon, den Barockmöbel mit vergoldetem
Holzwerk und rotdamaſtenen Bezügen, ein Luſtre und ein großer Teppich
ausſtatteten. Obwohl die Möbel wurmſtichig und die Bezüge verſchliſſen
waren, machte dies Gemach mit ſeinem halben Dutzend hochgräflicher
Ahnen=
bilder dennoch einen ſehr vornehmen Eindruck. Daneben lag das
Wohn=
zimmer — das einzige, das im Winter geheizt wurde — ein langer ſchmaler
Raum, deſſen Einrichtung zwar einfacher, aber doch immerhin noch ganz
an=
ſehnlich war. An dem einen Fenſter dieſes Zimmers ſaß auf einem Tritt in
einem hochlehnigen Seſſel die Gräfin=Mutter, ſehr Forrekt gekleidet und eine
äußerſt feine Weißſtickerei in den langen, ſchmalen Händen. Am anderen
Fenſter hatten die beiden älteren Komteſſen — Melitta und Sibylle — ihren
Platz. Sie ſtickten kunſtvolle Gobelins und Nadelmalereien mit ebenfalls ſehr
ſchönen Händen. Das Schlafzimmer, das die drei Damen gemeinſam
be=
mutzten, zeigte außerordentlich klar den Abſtieg, den der Wohlſtand der Familie
ſeit der Heirat der Gräfin=Mutter genommen hatte; ſie ſelbſt ſchlief in einem
großen, geſchnitzten Hiinmelbett, Gräfin Melitta hatte ein immerhin
aus=
reichendes Mahagonibett, und Gräfin Sibylle mußte ſich mit einer
Feldbett=
ſtelle begnügen. Gräfin Verene, die Jüngſte, ſchlief auf dem Plüſchſofa im
Wohnzimmer, denn für ein viertes Bett fand ſich beim beſten Willen Eein
Raum in dem Schlafzimmer. Ganz und gar zu kurz war bei der Ausſtattung
der Wohnung die Küche gekommen, die klein und häßlich nach dem Hof zu
gelegen war und nur die notdürftigſte Einrichtung an Möbeln und Geſchirr
zeigte. Eine Tür von der Küche aus führte auf die Hintertreppe.
Zwei Tage nach der Begebenheit auf dem Poſtamt ſtand Gräfin Verene
im Wohnzimmer und teilte den übrigen Mitgliedern der Familie mit, daß
die Kartoffeln zu Ende ſeien.
Die Gräfin=Mutter hob die Achſeln: „So müſſen wir vorläufig Brot
zu Mittag eſſen, mein Kind!”
„Kaun ich nicht lieber Kartoffeln kaufen, Mama, wir reichen ja init
dem Brot ſowieſo nicht aus.”
„Es iſt doch ierkwürdig, wieviel jetzt im Haushalt verbraucht wird!“
ließ ſich Gräfin Melitta vernehmen. „Solange ich die Vorräte verwaltete,
war inimer alles reichlich vorhanden, und wir haben nicht ſo viel Geld
ver=
braucht wie jetzt!“
„Es iſt eben alles teurer geivorden, Melitta!”
„Nein, es wird zuviel gegeſſen. Du haſt einen Appetit wie ein
Dienſt=
mädchen, Verene. Es iſt gauz plebeiiſch, ſoviel zu eſſen!“ — Dies ſagte
Gräfin Sibylle.
„Nun, ich bin ja auch euer Dienſtmädchen. Es iſt ganz
ſelbſtverſtänd=
lich, daß ich bei meiner vielen körperlichen Arbeit inehr Hiniger habe als ihr
beim Stillſitzen!” verteidigte ſich die Jüngſte heftig.
„Dunger — Hunger!” rügte die Gräfin=Mutter ernſt. „Welche
Bezeich=
nung, Verene! Leute von Stand haben Appetit, aber keinen Hunger. Ich
inuß deinen Schweſtern beipflichten: es iſt nicht nötig, ſo ſtark zu eſſen, wie
du es dir angewöhnt haſt. Du wirſt dir die Figur verderben!“
„Kartoffeln können wir vorläufig jedenfalls nicht kaufen. Unſere Kaſſe
iſt ſehr Enapp beſtellt! Du mußt alſo ſehen, wie du es mit den Mahlzeiten
einrichteſt, Verene!” Gräfin Melitta, die als Alteſte die Gelder verwalcete,
fädelte gleichmütig einen beilchenblauen Seidenfaden in die Nadel.
„Oh, Melitta, ich wär’ ſehr froh, wenn du den Haushalt wieder führen
möchteſt!” rief Verene zornig, „ich weiß nicht mehr, was ich kochen ſoll, wir
ſind beim Schlächter und Gemüſehändler und beim Kaufmann ſo in Schulden,
daß ich mich kaum noch in die Läden traue, um einzukaufen, und der
Brot=
mann iſt heute auch nicht gekominen — wir haben ihn ſeit länger als einem
halben Jahr nicht bezahlt, aber es wäre entſetzlich, wenn er uns kein Brot
mehr brächte, denn die Bäcker hier in der Nähe borgen uns ja längſt nicht
mehr!“
„Ich liebe dergleichen Vorträge nicht, Verene. Du erregſt dich ganz ohne
Grund. Deine Schweſtern haben ihre Tätigkeit, und dir, als der Jüngſten,
liegt die Haushaltführung ob; ich erwarte, daß du dieſer Pflicht eingedenk
biſt. Nun gehe und beſorge uns den Tee!”
Alfred Wagner
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A Er 71k 7Aeine ähnliche wie die des „3. R. 3‟.
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des Salons zurück. Von außen werden ihnen
noch Poſtkarten zum Abwurf zugereicht. Ein
Scherzwort fliegt herüber und hinüber. Der
Ruufunkſprecher, der ſein Mikrophon in der
Halle aufgebaut hat, verſucht Dr. Eckener zu
be=
wegen, daß er ſeinen Hörern ein Wort ſagt.
Dr. Eckener hat jetzt andere Dinge im Kopf.
Er geht noch einmal hinüber zu ſeiner Frau
und Tochter und ſpricht irgendwo mit ihnen
noch ein paar feſte, ruhige Worte. Er iſt Frieſe
und hat in ſolchen Dingen des Gefühls nicht
viel Worte zu machen. Etwas weiter abſeits
ſtehen die Frauen und ſonſtigen Verwandten
der übrigen Paſſagiere des Schiffes. Langſam
wird es ½8 Uhr. Alles muß an Bord ſein, und
alles ſteht da. nur die Lady fehlt. Dann kommt
auch ſie! Das klatſchende Geräuſch der
Sand=
ſäcke, die abgehängt werden, laſſen erkennen:
jetzt wird es ernſt! Es wird jetzt ausgewogen.
Kommando „Alles loslaſſen! Nur vier Mann
anlüften!“ Aber noch iſt das Schiff zu ſchwer.
Jemand ruft: „Achtung, Waſſerhoſe!‟ Die um
das Schiff herumſtehen, können eins, zwei, drei
Platz machen: man weiß, ſonſt gibt es eine kalte
Duſche. Und ſchon öffnet ſich auch ein Ventil,
und in großen Strömen ergießt ſich das Waſſer
aus dem Schiff in die Halle. Noch einmal wird
das Schiff angelüftet. Jetzt iſt es ausgewogen.
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So flog „3. R. 3” vor vier Jahren über den Ozean.
Rent
ſtillem Wetter in
Friedrichs=
die Zuſchauermaſſen in einen
ind dann die ſüdliche Route
Der Start.
Um 348 Uhr kommt das entſcheidende
Kom=
mando: „Luftſchiff marſch!‟ Dr. Eckener, der
bisher noch in der Halle ruhig auf und ab ging,
iſt als Letzter eingeſtiegen. Dann wird die
Treppe abgezogen, die Haltemannſchaften ſetzen
ſich mit langſamem Schritt in Bewegung und,
den Bug nach vorn, gleitet das Schiff ruhig
zum Oſttor der Halle hinaus. Alles geht mit
hinaus auf den Platz. Es iſt, als wenn plötzlich
eine Erregung, der Taumel des Augenblicks,
alles erfaßt habe. Unwillkürlich ſieht man auf
den Kommandoplatz, wo ruhig wie immer Dr.
Eckener ſeinen Poſten eingenommen hat. Er
ſcheint wirklich der Einzige zu ſein, der nicht
von der allgemeinen Erregung und Nervoſität
erfaßt iſt. Das Schiff iſt jetzt ganz draußen, mit
dem Heck nur wenige Meter von der Halle
ent=
fernt, als auch das Kommando „Hoch!” kommt.
Wie ein Freiballon ſteigt das Schiff 10 Meter,
20 Meter. Dann — Raſſeln der
Maſchinentele=
graphen. Ein Motor ſpringt an; die anderen
folgen nach. Der Bug des Schiffes hebt ſich
raſcher empor: der „Graf Zeppelin” hat ſeine
Fahrt angetreten! In dieſem Augenblick bricht
ein ungeheuerer Jubel los. Niemand iſt zu
hal=
ten. Tücherſchwenken, Winken mit Armen und
Händen, langſam entſchwindet das Luftſchiff
den Blicken, die zurückwandern in die große
Halle, die nun auf einmal leer und
ausgeſtor=
ben iſt.
„Graf Zeppelin” auf der Fahrt.
Das Luftſchiff „Graf Zeppelin” hat um 8.10.
Uhr Konſtanz paſſiert. Sämtliche Kirchenglocken
der Stadt läuteten ihm einen Abſchiedsgruß.
Dem über den Hafen hinwegfliegenden
Luft=
ſchiff winkten unzählige Perſonen begeiſtert zu.
Das Luftſchiff hat um 8.50 Uhr Schaffhauſen
und um 9.07 Uhr die Stadt Waldshut
über=
flogen. Auch hier läuteten die Kirchenglocken
und die begeiſterte Bevölkerung jubelte dem
Luftſchiff zu. Das Wetter war auf der Fahrt
durch das Oberrheintal leicht nebelig, doch
kommt die Sonne mehr und mehr durch.
In hellem Sonnenſchein überflog „Graf
Zeppelin” um 9.30 Uhr aus Richtung
Schaff=
hauſend kommend die Stadt Baſel. Das
Luft=
ſchiff flog ziemlich niedrig. Es wurde von einem
Flugzeug des Baſeler Flugplatzes, das ihm
entgegengeflogen war, begrüßt. Die Baſeler
Bevölkerung jubelte dem „Graf Zeppelin”
be=
geiſtert zu.
Leber franzöſiſchem Gebiet.
Nachdem „Graf Zeppelin” Baſel überflogen
hatte, nahm er ſcharfen Kurs nach Weſten auf
die Burgunder Pforte zu, begleitet von zwei
Flugzeugen aus dem Baſeler Flugplatz. Um
9.40 Uhr war das Luftſchiff bereits über
fran=
zöſiſchem Boden.
Nachdem das Luftſchiff um 9.35 Uhr Baſel
verlaſſen hatte, wandte es ſich ſofort nach St.
Ludwig und flog alsdann in der Richtung
ſüd=
lich Altmünſterol weiter. Später flog es dann
ſüdlich von Belfort nach Frankreich hinein.
Zurzeit hat das Luftſchiff etwas Rückenwind.
Das Luftſchiff wurde um 10.55 Uhr in
Be=
ſangon geſichtet und überflog gegen ½1 Uhr
Lyon in großer Höhe, worauf es in weſtlicher
Richtung abbog. Nach Meldungen aus
Bor=
deaux iſt
die Weiterlage
zwiſchen Bordeaux und den Azoren nicht
beſon=
ders gut, weſtlich der Azoren herrſche gutes
Wetter und Sonnenſchein. Nach Wetterberichten
aus Zürich hat die Sturmtätigkeit ſeit einigen
Tagen auf dem mittleren und nördlichen
Ge=
biet des Atlantiſchen Ozeans wieder erheblich
zugenommen, wo Depreſſionen einander folgen.
Der ſeit letzter Nacht über Großbritannien
lagernde tiefe Sturmwirbel dürfte auch die
Veranlaſſung geweſen ſein, daß das Luftſchiff
bedeutend ſüdlicheren Kurs genommen hat und
vorausſichtlich auch ſüdlich der Azoren fahren
wird. Das Luftſchiff dürfte aber immerhin in
der erſten, Hälfte ſeiner Fahrt über dem
Atlan=
tiſchen Ozean ſtarke Stürme antreffen.
Geite 14
Uff2feTenenESEESchSecn S
aulichen Heim Oooegoenoenoensenoenoensegeegee
Die Gräfin=Mutter ſprach in einem Ton, gegen den es k=
Zider=
ſpruch gab; ihre Jüngſte gehorchte denn auch ſchweigend. Sie
rauf
in der Küche und ſchälte, Handſchuhe an den Händen, unter bitteren Tränen
die letzten zwölf Kartoffeln für inorgen, die, mit einem Ragout von einenn
halben Pfunde Kalbfleiſch, das geſamte Mittagbrot für vier Perſonen
dar=
ſtellten. Gerade hatte die junge Dame die Kartoffeln und ihre Hände
ge=
waſchen, als es an die Hintertür klopfte. Sie trocknete haſtig die Hände
ab und öffnete erleichtert — denn das konnte nur der erſehnte Brotmann
fein. In der Tat ſtand ein mämliches Weſen in mehlbeſtaubter Joppe vor
der Tür und reichte ihr mit einem freundlichen „Guten Abend” ein Brot. Es
war ſchon ziemlich dämmerig in dem Treppenflur, aber ſie ſah doch, daß dies
nicht der alte Müllerknecht war, der ſonſt das Brot brachte. Dieſer war
jünger und erheblich größer und ſchlanker.
„Entſchuldigen Sie, daß das Brot heute ſpäter als ſonſt kommt!” ſagte
er. „Der alte Friedrich konnte nicht fahren, und ich habe früh Eeine Zeit,
in die Stadt zu kommen!“
Bitte ſehr, Eoinmen Sie nur, wann es Ihnen paßt!” erwiderte Verene.
Sie ſtand im vollen Licht des
packte in der Küche atemlos die Koſtbarkeiten aus. Dann holte ſie aus d
Salon eine alte Meißner Vaſe mit angekitteten Henkeln und ſtellte
Blumen hinein, die ſich ſchnell im friſchen Waſſer erholten. Als ſie ſpä
iit den anderen Damen bei der morgendlichen Mehlſuppe ſaß — Kaffee
ſtattete die Gräfin=Mutter aus Geſundheitsrückſichten nur nach dem Mitta
brot — ſagte Gräfin Verene beiläufig:
„Der Brotmann bot mir geſtern Gemüſe und Geflügel zu billigem Pre
an und hat heute auch ſchon Proben geſchickt. Geſtatteſt du, daß ich wer
bei ihm beſtelle, Mama?‟
„Warum nicht, wenn die Ware gut iſt!?” ſprach die Mutter her
laſſend.
Von den Blumen ſagte die junge Gräfin nichts, und da von den ander
Damen ſich keine in die Küche verirrte, erfuhren ſie auch nichts von
kleinen gelben Frühlingsboten, denn die junge Gräfin ließ ſie auf dem Küche
fenſter ſtehen und freute ſich bei ihrer Arbeit jedesmal, wenn ihr Blick de
auf fiel.
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auch ſehr verwaſchene Küchenſchürze
über das einfache Hauskleid gebunden;
das blonde Haar leuchtete förmlich),
aber die Tränenſpuren in ihrem
Ge=
ſicht blieben dem Draußenſtehenden ſo
wenig verborgen wie die leere Speiſe=
Eammer, deren Tür ihm gerade
gegen=
über offen war, ſo wie das winzige
Näpfchen mit Kartoffeln, das neben
Handſchuhen und Schälmeſſer auf
dem Küchentiſch ſtand. „Es iſt mir
ganz lieb, daß ich mal ſelbſt dazu
Eomme, die Kunden aufzuſuchen,”
ſprach er, ſich an den Türpfoſten
lehnend, als ſolle die Unterhaltung
noch lange dauern. „Der Friedrich
hat doch nicht ſo das richtige Intereſſe
für das Geſchäft!“
„Ach,” ſagte Verene ſehr
erſchrok=
ken, „ſind Sie der Beſitzer ſelbſt?”
„Ludwig Wilken, Müller meines
Zeichens!” beſtätigte er ernſthaft.
Vor Verene tauchte die
erſchrek=
kende Gewißheit auf, daß dieſer
Mann Eam, um an die Summe Geldes
zu mahnen, die ſie ihm für viele
Brote ſchuldeten. Ach, warum beſaß
ſie nicht die ſouveräne Hoheit von
Mutter und Schweſter, die es für
ſelbſtverſtändlich hielten, daß „das
Krämerpack” den hochgeborenen.
Da=
men die Forderungen für gelieferte
Waren auf unbeſtimmte Zeit
ſtun=
dete!? — Sie war ſehr rot und
ver=
legen, als ſie dem Müller ſein Brot
wieder reichte.
„Ich habe heute leider kein Geld
hier, Herr Wilken!”
„Aber das macht doch nichts!”
er=
widerte er verwundert. „Bei ſo
lang=
jährigen Kunden nimmt man es nicht ſo
genau. Ich möchte überhaupt fragen,
Die Blumen ſtanden noch an ihrem Platz, als der Müller das näch
Brot brachte. Die junge Grä
(Phot. Kieſel, Berlin)
Das iſt die Dollarprinzeſſin,
Ein Mädel ganz von Gold.
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ob Frau Gräfin Steinburg nicht auch Gemüſe, Butter und Geflügel von uns
beziehen will. Ich habe jetzt im Sommer mehr, als ich verbrauchen Eann, und
würde es billig berechnen!“
Er hatte vorher ſchon die Gedanken von dem Geſicht des jungen
Mäd=
chens abgeleſen, als ſtünden ſie in Zeitungslettern gedruckt. Nun war es noch
viel leichter zu erfahren, was ſie dachte, denn die junge Gräfin verſuchte gar
nicht, ihr freudiges Erſtaunen über dies überraſchende Angebot zu verbergen.
„Ach, das wäre ja herrlich!” rief ſie, die Hände zuſammenlegend. „
Na=
türlich, wir werden ſehr gern Eaufen, was Sie entbehren können!“
„Sehr ſchön!” ſagte er lächelnd. „Ich werde gleich morgen eine
Probe=
lieferung ſchicken!” Mit einem letzten Blick auf das ſchöne Mädchen zog er
die graubeſtaubte Mütze: „Guten Abend!”
„Auf Wiederſehen!” antwortete die junge Gräfin freundlich und ſchloß
die Tür hinter ihm. Als ſie, ſehr erleichterten Herzens am Küchenfenſter
die Kartoffeln in einem Kochtopf wuſch, ging unten der Brotmann über den
Hof. Eine hübſche, ſchlanke Figur von guter Haltung hatte er.
Wahrſchein=
lich Soldat geweſen! dachte ſie ſachverſtändig. Und ein netter, freundlicher
Menſch; ſie hätte nicht ſo zu erſchrecken brauchen, der alte Friedrich war viel
rummiger.
Als Gräfin Verene am nächſten Morgen zu ſehr früher Stunde die
Hintertür öffnete, um ungeſehen von den übrigen Mietern den Kehrichteimer
in den Hof zum Müllkaſten zu tragen, fand ſie einen weißen Baſtkorb der
mit einem wahren Stilleben appetitlicher Gemüſe, einem fetten Huhn, Eiern
und einem Pfund Butter gefüllt war. In einer Ecke aber, ganz unten im
Korbe und alſo ein wenig gedrückt, lag ein Strauß gelber Himmnelſchlüſſel.
Sie trug ſchnell den Eimer in den Hof, flog die Treppe förmlich hinauf und
dankte höflich für die Probeſendur
fragte nach dem Preiſe der einzeln
Waren, den er ohne Stocken ange
und beſtellte dann eine neue Lieferur
UImſtändlich notierte er ihre Wünſe
in ſein Notizbuch, wobei er allerdin
die Küche betreten mußte, weil
draußen zu dunkel war. Währe
er das Buch in die Joppentaſ
ſchob, fragte er, mit einem Blick a
die Blüten:
„Komteſſe haben ja die klein
Himmelſchlüſſel ſogar aufgehoben,
ich ſpaßeshalber mit in den Korb
legt hatte.”
„Ja,” ſagte ſie, „man kann" .
men doch nicht fortwerfen. Aber
nennen Sie ſie? Es ſind doch
mieln!“
„Im Volksmund heißen ſie Hi
nelſchlüſſel!” erwiderte er. „Es Enür
ſich allerlei Aberglaube daran; mei
Wieſen waren ganz bedeckt dam
aber dies ſind die letzten. Jetzt blüh
Vergißmeinnicht und Ranunkeln!
„Ach, das muß ſchön ſein!“
Verene ſehnſüchtig.
„Schöner als der Hof hier gau
gewiß!” meinte er lachend. „Kor
teſſe ſollten einmal einen Spazie
gang in den MNühlgrund machen.
iſt ſehr hübſch draußen.”
„Ich gehe nicht ſpazieren!“
widerte die junge Dame, in dieſe
Augenblick durchaus im gemeſſene
Ton der Komteſſe, die eine ungebüh
iche Zumutung zurückweiſt.
„Iberhaupt nicht ins Freie
fragte er verblüfft.
„Nein, meine Beſorgungswe
liegen nur innerhalb der Stadt!“
Der Müller ſagte nichts meh.
ſondern empfahl ſich ſchleunigſt.
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Es mochten etwa vier Wochen vergangen ſein, in denen die Komteſ
Verene ſehr gute Küche führen konnte und zweimal wöchentlich kurze Unte
haltungen mit ihrem Brotmann hatte, als wieder einmal an einem Som
abend der Müller das Brot brachte und die Beſtellungen für Lebensmitte
in ſein Notizbuch ſchrieb. Während er das halbe Dutzend Salatköpfe pünk
lich notierte, ſagte die junge Gräfin:
Jch muß Sie aber bitten, keine Blumen mehr in den Korb zu lege
Herr Wilken!”
Er ließ das Notizbuch ſinken und ſah ſie an. Die Komteſſe, für die de
Brotmann, eben nur der Brotmann geweſen war, das heißt, ein neutrale
Weſen, über deſſen Außeres und Inneres man in keiner Weiſe Betrachtunge
anzuſtellen hatte, bemerkte mit Erſtaunen, daß der Mann in der mehlbeſtaul
ken Joppe ein paar Fluge und hübſche graue Augen in einem gut geſchnittener
gebräunten Geſicht hatte.
„Komteſſe haben natürlich nur zu befehlen!” ſagte er. „Aber darf
nicht den Grund dieſes Verbotes erfahren?”
Verene dachte an die abſcheuliche Ezene, die ſich vor einer Stunde hie
an derſelben Stelle zwiſchen ihr und Sibylle abgeſpielt hatte, als di
Schweſter, ſeit Wochen zufällig einmal die Küche betretend, das Fenſterbrei
vollbeſetzt mit Vergißmeinnicht, Nelken, Stiefmütterchen und Flieder gefunde
hatte. Davon konnte ſie dem freundlichen Menſchen natürlich nichts ſage
„Ich Eann Ihnen den Grund nicht auseinanderſetzen!” ſprach ſie
freundlichem Ton, aber doch ein wenig überlegen. „Ich weiß, daß Sie es g
gemeint und ſich nichts dabei gedacht haben, aber es iſt nicht ganz gehörig.
Der Müller ſchob ſein Notizbuch in die Taſche und reckte ſich ein wenie
„Komteſſe irren!” erwiderte er beſtimmt. „Ich habe mir ſogar ſehr viel da
gocnoen Im trauliche
R.
gedacht!” Und ohne ihr, die wie erſtarrt ob dieſer Antwort vor ihm ſtand,
1y nur Zeit zu einer Entgegnung zu laſſen, fuhr er nachdrücklich fort: „Ich
e mir gedacht, daß dieſe Blumen den Wunſch in Ihnen wecken möchten,
e Umgebung hier und Ihr einförmiges und leeres Daſein mit einem
freund=
eren, hoffentlich ſogar glücklicheren Leben zu vertauſchen, einem Leben
der Natur und mit geſunder und ſchöner Zätigkeit an der Seite eines
unnes, der alles daranſetzen würde, Sie glücklich zu ſehen. Ihnen jede
rge fernzuhalten und jeden Wunſch zu erfüllen, ſoweit es in
Menſchen=
ften ſteht!“
Das junge Mädchen ſtand ſekundenlang wie gelähmt. War dies
Uner=
te möglich? Ihr, der Gräfin Verene Steinburg=Oderburg, wagte ein
Inn einen Heiratsantrag in aller Form zu machen — ein Mann, der
Iken hieß, Müller war und in mehlbeſtaubter Joppe vor ihr ſtand. Das
it ſtieg ihr zu Kopf, ſie wollte eine zornig=hochmütige Antwort auf
freche Zumutung geben — da begegnete ihr herriſcher Blick abermals den
gen des Mannes, und das Wort ſtockte ihr auf der Zunge; er ſah ſie mit
m Ausdruck an, den ſie nicht verſtand, der ſie aber zugleich erſchreckte
ſo bewegte, daß ſie die böſen Worte nicht ausſprechen, nicht einmal zu
de denken konnte — verhindert durch irgendeine ihr ganz fremde Gewalt.
war ſekundenlang ſtill. Dann ſagte er halblaut:
„Komteſſe, Sie ſollen ſich nicht jetzt entſcheiden. Es iſt ſelbſtverſtändlich,
Sie mich zunächſt für wahnſinnig halten. Aber bedenken Sie wohl, daß
ten, ſo ſchön Sie ſind, nie wieder ein Menſch die Liebe bieten wird, die
für Sie hege, und die ſo groß iſt, daß ſie Eeine Standesunterſchiede Eennt.
Herz iſt noch frei, Sie wiſſen nicht, was Liebe iſt, aber Sie wiſſen auch
t, wie Liebe das Leben eines andern Menſchen verſchönen und erhellen
n, und das würden Sie an meiner Seite bis an Ihr Lebensende erfahren,
in Sie einwilligten, mir als mein Weib in mein Heim zu folgen, in dem
alles finden, was Ihnen hier fehlt: Luft, Licht, Wärme und
Sonnen=
in! Ich hole mir heute in acht Tagen Ihre Antwort, Gräfin Verene!”
UInd ehe ſie es hindern konnte, hatte er ihre ſchlaff niederhängende Rechte
ommen, an die Lippen gedrückt und war gegangen. Die junge Gräfin
auf den Küchenſtuhl, ſie war halb betäubt.
(Fortſetzung folgt im erſten Heft unſeres reich illuſtrierten
Familien=
tes „Im traulichen Heim”.
Kefsenfenefenensen
Cf
Ferner gelangt darin an erſter (telle zum Abdruck:
Originalroman von H. Courths=Mahler
Miß Daiſy Haller, eine bildſchöne und millionenreiche Amerikanerin, die
t ihrer Geſellſchafterin und ihrer die deutſche Sprache nur ſehr
unvoll=
men beherrſchenden Zofe Mary für einige Tage inn einem Hamburger
ushotel Quartier genommen hat, ſteht im Begriff, ihrem ihr nach Berlin
aufgeeilten Vater per Auto zu folgen. Wie immer iſt ſie auch jetzt wegen
Transportes ihres koſtbaren Schmuckes in einer gewiſſen Sorge. Sie
bezüglich ſeiner überhaupt in ſtändiger Unruhe und läßt ſelbſt ihre nächſte
gebung ſtets im unklaren darüber, wo er ſich befindet, ja ſie gebraucht ſogar
Vorſicht, falſche Angaben über ſeinen jeweiligen Aufbewahrungsort zu
hen.
Die Zofe Mary hat einem Hotelkellner, den zunächſt ihr drolliges
Kauder=
ſch amüſierte, der ſich aber bald in ihr Vertrauen zu ſchleichen gewußt hat,
viel von den fabelhaften im Beſitz ihrer Herrin befindlichen Schätzen er=
*, daß deſſen Habgier erwacht, und er beſchließt, den Schmuck an ſich zu
gen. Zu dieſem Zweck verabredet er mit einigen Spießgeſellen, ſie ſollten
6 Oaiſys, Auto unterwegs überfallen und berauben.
Als die Damen einſteigen, wird vor ſeinen Augen ein Koffer auf den
rerſitz geſtellt, eben der, in dem ſich nach Marys Angaben die Pretioſen
uden. Er enthält dieſe aber keineswegs, ſondern ſie befinden ſich vielmehr
einem in die inneren Polſterſitze eingebauten Safe. — Die Fahrt beginnt.
das Auto einen Wald durchquert, fällt plötzlich ein Schuß; blutend
ht der Chauffeur zuſammen, einige Männer ſtürzen aus dem
Ge=
hervor, reißen den Handkoffer an ſich und ſind im Nu wieder im
Eicht verſchwunden. Die entſetzten Hilferufe Miß Daiſys vernimmt ein
ger Mann, Werner Straſſer, der ſich auf ſeinem Motorrad ebenfalls in
Walde befindet. Alles andere vergeſſend, eilt er herbei, ſieht die
ver=
ifelnden Damen, den zuſammengebrochenen Chauffeur, das ſteuerlos hin
her ſchwankende Auto und ſchwingt ſich, ſein Nad im Stiche laſſend,
erhand hinauf. Einige Worte werden gewechſelt, er ſtellt ſich vor und
ärt, die Damen befänden ſich in höchſter Gefahr, denn erkennten die
iber, der Schmuck ſei nicht in dem entwendeten Koffer vorhanden, dürften
einen neuen Iberfall wagen. Die Damen ſind entſetzt und nehmen Werners
jebot, ſie nach Berlin zu ſchaffen, dankbar an. Glücklich gelangt das Auto
zu dem Hotel, in dem Mr. Haller abgeſtiegen iſt. Ein Grauen erfaßt
en, als er vernimmt, was geſchehen, allein als er hinabeilt, dem Retter
er Tochter zu danken, iſt dieſer bereits verſchwunden.
Werner Straſſer hat ſich inzwiſchen in das Geſchäft begeben, zu deſſen
jeſtellten er zählt, um dort den Verluſt ſeines Motorrades und unter
Hen Umſtänden es ihm abhanden gekommen iſt, zu melden. Der Chef, der
jungen Ingenieur ſeit langem ſchon gram iſt, benutzt das Geſchehene, ihn
los zu entlaſſen, worauf Werner ſich bedrückt in ſeine Wohnung begibt,
er mit einer Schweſter teilt, und der er das ihm Widerfahrene ebenfalls
be=
cet. Düſter liegt die Zukunft vor ihm, aber während er noch mit Corgen
Alfred Wagner
Zeitschriften-Großvertrieb
ſt ſchon eine unerwartete Schickſalswendung für ihn eingetreten.
, den es drängt, ſich ſeiner Dankesſchuld dem Lebensretter ſeiner
über zu entledigen, hat deſſen Adreſſe mit Hilfe der Polizei aus=
* und bietet ihm an, als Privatſekretär in ſeine Dienſte zu
Währenddeſſen ſind auch die Räuber am Werk, ihre Scharte
auszu=
wetzen. Ihr Führer, jener Hamburger Kellner, von dem Wunſche geſtachelt,
die ihm einmal entgangene koſtbare Beute nicht fahren zu laſſen, macht ſich
abermals an die Zofe heran und weiß ſie zu einem Stelldichein in ein
ver=
ſchwiegenes Lokal zu locken. Ahnungslos, daß er im Komplott iſt, erzählt
ſie ihm von dem Iberfall und was auf ihn folgte. Er zeigt ſich ſehr beſtürzt,
verſichert ſie fort und fort ſeiner Liebe, weiß ſich erneut in ihr Vertrauen zu
ſtehlen und ſie ſogar zu bewegen, ihm im Hotel eine Zuſammenkunft zu
ge=
währen, ſobald ihre Herrſchaft einmal abweſend ſein würde. Sie ſagt ihm
das nicht nur zu, ſondern verabredet ſogar ein beſtimmtes Zeichen mit ihm,
falls die Gelegenheit da ſei, ihn zu empfangen. — Nun will es der Zufall,
daß die am Nebentiſch ſitzende Schweſter Werner Straſſers das Geſpräch
der beiden belauſcht hat. Sie ſchöpft Verdacht und berichtet ihrem Bruder
das Gehörte, der ſchnell einen Plan faßt, die Räuber zu fangen und Mr.
Haller davon unterrichtet, wie das ſeiner Meinung nach gelingen könne. Go
verreiſt dieſer mitſamt Daiſy angeblich für einen Tag, während der Zofe
auf=
gegeben wird, das Zimmer nicht zu verlaſſen, und den Schlüſſel zu dem
Schranke, in dem angeblich der Schmuck verwahrt wird, wohl zu hüten.
Werner ſelber verſteckt ſich im Nebenzimmer, und Krininalbeamte umſtellen
das Hotel, um im gegebenen Augenblick zur Hand zu ſein.
Geben wir jetzt der Verfaſſerin ſelber das Wort.
Werner ſaß inzwiſchen auf ſeinem Beobachtungspoſten und harrte der
Dinge, die da Eommen ſollten. Vorläufig verkrieb er ſich die Zeit damit,
ver=
ſtohlen hinter den Fenſtern verborgen auf die Straße hinabzuſpähen. Da
ſah er aber nichts Beſonderes. Die Beamten waren allerdings alle ſchon zur
Stelle, aber ſie miſchten ſich ſo harmlos unter die Paſſanten, daß Werner
ſie nicht herausfinden konnte, zumal er ja durch den dichten Store behindert
war und auch nur ganz verſtohlen von der Seite hinausſpähen Fonnte, um
nicht geſehen zu werden.
Faſt zwei Stunden mußte er warten, bis er endlich Wilhelm auf der
gegenüberliegenden Seite vorbeiflanieren ſah. Wilhelm hatte es vorgezogen,
noch eine Weile zu warten, ehe er ſich zu dem Stelldichein mit Mary begab.
Er ſah zu den Fenſtern herüber und mußte wohl das verabredete Zeichen
Marys ſogleich bemerkt haben, denn er ſteuerte ſofort über die Straße
her=
über nach der Ecke zu, um die er verſchwinden mußte, um den Hintereingang
zu erreichen. Werner ſpähte ihm nach, ſoweit es ging, und da bemerkte er,
daß Wilhelm einen Moment neben einem geſchloſſenen Auto den Schritt
verhielt. Dies Auto ſtand an der Straßenecke, und als Wilhelm nun
weiter=
ging, fuhr auch das Auto langſam noch ein Stück in die Straße hinein, ſo daß
es Werner nicht mehr ſehen konnte. Er ſah ſinnend vor ſich hin. Sollte
dieſes Auto irgendwie mit den Verbrechern im Zuſammenhang ſtehen, wurde
es vielleicht gar von dem vierten der Bande geführt, um die Beute mit dem
Räuber nach der Tak zu entführen? Gern hätte Werner nun dem
Kriminal=
beamten noch einen Wink gegeben, daß er auch auf das Auto achten ſollte,
aber das war nicht mehr möglich. Jetzt galt es, Wilhelm und ſein Tun und
Laſſen zu beobachten. Oenn ſicher würde dieſer nun gleich drüben im Salon
bei Mary auftauchen.
Werner begab ſich nun leiſe auf ſeinen Wachtpoſten an der Tür. Schon
am Tage vorher hatte er ſich neben dem Türſchloß ein kleines Loch in die
Türe gebohrt, durch welches er den Schrank an der gegenüberliegenden
Wand im Salon beobachten konnte. Leider konnte er außerdem nur noch
einen ganz ſchmalen Ausſchnitt des Zimmers überſehen. Aber hören konnte
er wenigſtens jedes Wort, was da drüben geſprochen wurde, und das mußte
ihm genügen.
Faſt atemlos ſtand er nun an der Tür und lauſchte hinüber. Er hörte
einen leiſen Schritt, der über den Teppich hin und her glitt. Das war ſicher
Mary, die wohl ſchon voll Ungeduld auf ihren Liebhaber wartete. Armes,
dummes Ding — das gab wahrſcheinlich ein böſes Erwachen aus einem
ſchönen Traum von Liebe und Glück.
Es dauerte nicht lange, da hörte er drüben ein leiſes Klopfen an der
Tür. Die leiſen Schritte eilten zu dieſer Tür, und drüben wurde nun die
Ein=
gangstür geöffnet. Mary hatte Wilhelm eingelaſſen. Werner hörte, wie
Mary ſagte:
„Oh, meine liebe Wilhelm, was bleiben du ſo lange?‟
„Ach, mein ſüßer Schatz, ich wollte doch erſt ſicher ſein, daß uns
nie=
mand ſtört. Ich habe immer noch auf dieſen Herrn Straſſer gewartet
wo ſteckt denn der? Er hat doch ſeine Herrſchaft nicht nach dem Bahnhof
gefahren. Sie iſt ja in einem Mietsauto gefahren.”
„Ja, meine liebe Wilhelm, Herr Straſſer haben genommen UIrlaub für
dieſe Tag, weil meine Lady und Miſter Haller doch nicht nehmen heute
Unterricht. Er kommen erſt morgen früh wieder in die Hotel.”
Das trifft ſich ſehr gut,” hörte Werner Wilhelm aufatmend ſagen.
Danach hörte er erſt einmal das leiſe Geräuſch vieler Küſſe, und dann
vernahm er Marys Stimme wieder, die fragte:
Warum ſchließen du die Türe zu, meine liebe Schatz?”
Wilhelm antwortete:
„Aber mein ſüßes dummes Mißchen, wir wollen uns doch nicht ſtören
laſſen. Hier hat jetzt niemand was zu ſuchen, und ich will mit meinem ſüßen
Schatz allein ſein, lange genug hab’ ich mich danach geſehnt.”
„Oh, meine liebe Wilhelm, wie glücklich ſein ich, daß wir ſein werden
die ganze Tag ungeſtört. Darauf folgte erſt wieder einmal ein herzhaftes
Abküſſen und ſtürmiſche Zärtlichkeitsbezeugungen, die Werner nur mit einem
EA.
E R 1Aeine ähnliche wie die des „3. R.3‟.
Dessau
Fapinen Inv Tomiten-vee
des Salons zurück. Von außen werden ihnen
noch Poſtkarten zum Abſurf zugereicht. Ein
Scherzwort fliegt herüber und hinüber. Der
Ruufunkſprecher, der ſein Mikrophon in der
Haille aufgebaut hat, verſucht Dr. Eckener zu
be=
wegen, daß er ſeinen Hörern ein Wort ſagt.
Dr. Eckener hat jetzt andere Dinge im Kopf.
Er geht noch einmal hinüber zu ſeiner Frau
und Tochter und ſpricht irgendwo mit ihnen
noch ein paar feſte, ruhige Worte. Er iſt Frieſe
und hat in ſolchen Dingen des Gefühls nicht
viel Worte zu machen. Etwas weiter abſeits
ſtehen die Frauen und ſonſtigen Verwandten
der übrigen Paſſagiere des Schiffes. Langſam
wird es ½8 Uhr. Alles muß an Bord ſein, und
alles ſteht da. nur die Lady fehlt. Dann kommt
auch ſie! Das klatſchende Geräuſch der
Sand=
ſäcke, die abgehängt werden, laſſen erkennen:
jetzt wird es ernſt! Es wird jetzt ausgewogen.
Kommando „Alles loslaſſen! Nur vier Mann
anlüften!“ Aber noch iſt das Schiff zu ſchwer.
Jemand ruft: „Achtung, Waſſerhoſe!‟ Die um
das Schiff herumſtehen, können eins, zwei, drei
Platz machen; man weiß, ſonſt gibt es eine kalte
Duſche. Und ſchon öffnet ſich auch ein Ventil,
und in großen Strömen ergießt ſich das Waſſer
aus dem Schiff in die Halle. Noch einmal wird
das Schiff angelüftet. Jetzt iſt es ausgewogen.
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TWeit
ſtillem Wetter in
Friedrichs=
die Zuſchauermaſſen in einen
ind dann die ſüdliche Route
Der Start.
Um 348 Uhr kommt das entſcheidende
Kom=
mando: „Luſtſchiff marſch!‟ Dr. Eckener, der
bisher noch in der Halle ruhig auf und ab ging,
iſt als Letzter eingeſtiegen. Dann wird die
Treppe abgezogen, die Haltemannſchaften ſetzen
ſich mit langſamem Schritt in Bewegung und,
den Bug nach vorn, gleitet das Schiff ruhig
zum Oſttor der Halle hinaus. Alles geht mit
hinaus auf den Platz. Es iſt, als wenn plötzlich
eine Erregung, der Taumel des Augenblicks,
alles erfaßt habe. Unwillkürlich ſieht man auf
den Kommandoplatz, wo ruhig wie immer Dr.
Eckener ſeinen Poſten eingenommen hat. Er
ſcheint wirklich der Einzige zu ſein, der nicht
von der allgemeinen Erregung und Nervoſität
erfaßt iſt. Das Schiff iſt jetzt ganz draußen, mit
dem Heck nur wenige Meter von der Halle
ent=
fernt, als auch das Kommando „Hoch!” kommt.
Wie ein Freiballon ſteigt das Schiff 10 Meter,
20 Meter. Dann — Raſſeln der
Maſchinentele=
graphen. Ein Motor ſpringt an; die anderen
folgen nach. Der Bug des Schiffes hebt ſich
raſcher empor: der „Graf Zeppelin” hat ſeine
Fahrt angetreten! In dieſem Augenblick bricht
ein ungeheuerer Jubel los. Niemand iſt zu
hal=
ten. Tücherſchwenken, Winken mit Armen und
Händen, langſam entſchwindet das Luftſchiff
den Blicken, die zurückwandern in die große
Halle, die nun auf einmal leer und
ausgeſtor=
ben iſt.
„Graf Zeppelin” auf der Fahrt.
Das Luftſchiff „Graf Zeppelin” hat um 8.10.
Uhr Konſtanz paſſiert. Sämtliche Kirchenglocken
der Stadt läuteten ihm einen Abſchiedsgruß.
Dem über den Hafen hinwegfliegenden
Luft=
ſchiff winkten unzählige Perſonen begeiſtert zu.
Das Luftſchiff hat um 8.50 Uhr Schaffhauſen
und um 9.07 Uhr die Stadt Waldshut
über=
flogen. Auch hier läuteten die Kirchenglocken
und die begeiſterte Bevölkerung jubelte dem
Luftſchiff zu. Das Wetter war auf der Fahrt
durch das Oberrheintal leicht nebelig, doch
kommt die Sonne mehr und mehr durch.
In hellem Sonnenſchein überflog „Graf
Zeppelin” um 9.30 Uhr aus Richtung
Schaff=
hauſend kommend die Stadt Baſel. Das
Luft=
ſchiff flog ziemlich niedrig. Es wurde von einem
Flugzeug des Baſeler Flugplatzes, das ihm
entgegengeflogen war, begrüßt. Die Baſeler
Bevölkerung jubelte dem „Graf Zeppelin”
be=
geiſtert zu.
Ueber franzöſiſchem Gebiet.
Nachdem „Graf Zeppelin” Baſel überflogen
hatte, nahm er ſcharfen Kurs nach Weſten auf
die Burgunder Pforte zu, begleitet von zwei
Flugzeugen aus dem Baſeler Flugplatz. Um
9.40 Uhr war das Luftſchiff bereits über
fran=
zöſiſchem Boden.
Nachdem das Luftſchiff um 9.35 Uhr Baſel
verlaſſen hatte, wandte es ſich ſofort nach St.
Ludwig und flog alsdann in der Richtung
ſüd=
lich Altmünſterol weiter. Später flog es dann
ſüdlich von Belfort nach Frankreich hinein.
Zurzeit hat das Luftſchiff etwas Rückenwind.
Das Luftſchiff wurde um 10.55 Uhr in
Be=
ſangon geſichtet und überflog gegen ½1 Uhr
Lyon in großer Höhe, worauf es in weſtlicher
Richtung abbog. Nach Meldungen aus
Bor=
deaux iſt
die Weiterlage
zwiſchen Bordeaux und den Azoren nicht
beſon=
ders gut, weſtlich der Azoren herrſche gutes
Wetter und Sonnenſchein. Nach Wetterberichten
aus Zürich hat die Sturmtätigkeit ſeit einigen
Tagen auf dem mittleren und nördlichen
Ge=
biet des Atlantiſchen Ozeans wieder erheblich
zugenommen, wo Depreſſionen einander folgen.
Der ſeit letzter Nacht über Großbritannien
lagernde tiefe Sturmwirbel dürfte auch die
Veranlaſſung geweſen ſein, daß das Luftſchiff
bedeutend ſüdlicheren Kurs genommen hat und
vorausſichtlich auch ſüdlich der Azoren fahren
wird. Das Luftſchiff dürfte aber immerhin in
der erſten, Hälfte ſeiner Fahrt über dem
Atlan=
tiſchen Ozean ſtarke Stürme antreffen.
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peinlichen Gefühl belauſchte, ohne es ändern zu können. Und dann merkte
er, daß die Klinke zu der Tür, hinter der er ſtand, niedergedrückt wurde.
„Ah, dieſe Tür iſt verſchloſſen, dahinter liegt wohl das Zimmer Miſter
Hallers?” hörte Werner Wilhelm fragen.
„Ja,” erwiderte Mary, „das ſein Miſter Hallers Arbeitszimmer.”
Jetzt ſah Werner durch das kleine Loch in der Tür, daß Wilhelm durch
den Salon nach der gegenüberliegenden Tür ging. Leiſe ſchlich er an das
Fenſter heran und klebte das bereitgehaltene Papier an die Fenſterſcheibe,
das verabredete Zeichen für die Kriminalbeamten. Schnell und vorſichtig
ſchlich er wieder nach ſeinem Lauſcherpoſten und hörte, wie Wilhelm ſagte:
„Und hier geht es in das Schlafzimmer deiner Lady, nicht wahr, Mary?”
„Tes, meine Schatz.”
„Iſt das auch abgeſchloſſen?”
„No, da muß ich doch heute abend zurechtmachen für meine Lady.”
„Aha! Nun komm mein Schatz, ſetze dich auf meinen Schoß. Wir
wollen uns was erzählen. Alſo du mußt heute den Schmuck deiner Lady
be=
wachen. Oder haſt du mir nur etwas vorgeflunkert, kleiner Schelm?”
„Oh no, meine Wilhelm, es ſein Wahrhaftigkeit, ich ſein ſehr ſtolz auf
die Vertrauen von meine Lady.”
„Kannſt du auch. Alſo ſie hat ihn dir wirklich anvertraut?”
„Well, meine liebe Schatz,” ſagte Mary ſtolz, „da in dieſe Schrank
ſein meine Lady ihre Juwelen.”
Es klangen erſt einmal wieder herzhaft Küſſe herüber, und dann ſagte
Wilhelm mit einem mißtönigen heiſeren Lachen:
„Das machſt du mir doch nicht weiß, mein ſüßer Schatz — das glaube
ich einfach nicht.”
„Oh, du muſſen mich glauben, ich lügen dich doch nichts vor, mnein
Schatz. Da, ſieh doch, hier um meine Hals an dieſe Schnur tragen ich die
Schlüſſel zu die Schrank, da ſein er gut verwahrt. UInd ich haben meine Lady
verſprochen, nicht zu gehen fort von die Schmuck.”
„Du biſt ein braves Mädchen, ſüße Mary. Komm, laß dich küſſen,
jeßt wollen wir gar nichts mehr reden, nur immer küſſen.”
UInd wieder mußte Werner mit anhören, wie ſich das ſeltſame Paar da
drüben herzte und Füßte, wie Marn zärtliche Worte flüſterte und ſtammelte.
Aber plötzlich hörte Werner, daß Mary ziemlich laut ausricf:
„Oh, oh, du tun imir ſo weh, nicht doch, meine liebe Cchatz, nichr
das andere erſtarb in einem dumpfen Laut.
„Ich bin ein bißchen zu feurig, mein Schatz, komm, gib mir einen Kuß
und ſchrei nicht ſo,” hörte Werner den ſeltſamen Liebhaber ſagen.
„No, no, nicht das — was wollen du mit die Schlüſſel, ich, ich
UInd nun verklangen Marys Worte plötzlich in einei dumpfen Röcheln.
Schon wollte Werner ihr zu Hilfe eilen, aber da hörte er Wilhelms Stimme
in ganz verändertem, hartem Ton ſagen:
„Ruhe, keinen Laut mehr, wenn dir dein Leben lieb iſt. Weun du dich
ruhig verhältſt, geſchieht dir nichts, aber noch einen Ton und ich mache dich
Falt. Dann Eannſt du nie wieder einen Mann küſſen. So, nur einen kleinen
Knebel, ſieh nich nicht ſo angſtvoll an, kleine dumme Miß. Nun noch Hände
und Füße binden, zu deiner eigenen Sicherheit, damit ſie nicht denken, daß du
gemeinſame Sache mit mir gemacht haſt. So, ſiehſt du, nun lieg ſtill, mein
Schätzchen. Den Schlüſſel her!“
Werner konnte aus dieſen Worten, wenn er auch nichts ſehen Eonnte,
ſehr wehl erkennen, was da drüben vorging, und er erſah daraus, daß Mary
vorläufig Eeine Lebensgefahr drohfe.
Angeſtrengt blickte er nun nach dem Schranke hinüber, und da ſah er auch
ſchon Wilhelm an denſelben herantreten und eine zerriſſene Schnur von
einem Schlüſſel löſen. Marys Stöhnen verſtummte, anſcheinend war ſie
ohnmächtig geworden vor Schreck über das veränderte Benehmen ihres
Ge=
liebten.
Wilhelm ſchloß nun leiſe drüben den Schrank auf und nahm den Eleinen
Lederkoffer heraus. In demſelben Augenblick ſchloß Werner mit einem Ruck
die Tür auf und ſtand, den Brownirig in der Hand ſchußbereit haltend, auf
der Schwelle.
„Hände hoch!”
Als ſei der Blitz neben ihm eingeſchlagen, ſo zuckte der Verbrecher
zu=
ſanmen und wandte ſich raſch nach Weruer um.
„Sie? Sie!” ziſchte er haßerfüllt und wollte ſich auf Werner ſtürzen.
Dieſer hob die Waffe.
„Hände hoch, oder ich ſchieße!”
Mit kalter Ruhe ſtand Werner dem Verbrecher gegenüber, ſeine Augen
feſt auf ihn gerichtet.
Wilhelm ließ den Lederkoffer fallen und ſtreckte mit häßlich verzerrtem
Geſicht die Hände hoch. Er überlegke, ob es ratſam ſei, ſeine Komplicen
herbeizurufen, aber er ſagte ſich, daß ſein Ruf auch von anderer Seite gehört
werden konnte.
„Hund — du Hund!” knirſchte er zwiſchen den Zähnen hervor in ſeiner
Wut über den vereitelten Raub. Hier zu ſeinen Füßen lag der
Millionen=
ſchmuck, wie er glaubte, und er kounte ihn nicht ergreifen und fliehen, weil
dieſer Menſch mit der Waffe in der Hand vor ihm ſtand.
Werner las ihm die Gedanken von der Stirn. Langſam, immer die
Waffe im Anſchlag, ging er Schritt für Schritt zu der Eingangstür,
natür=
lich rückwärts, ohne den Verbrecher aus den Augen zu laſſen.
Dieſer folgte ſeinem Tun mit ſtarrem Blick.
(Die Fortſetzung erhält regelmäßig zugeſtellt, wer die beigefügte
Beſtell=
karte ausfüllt und abſendet.)
„Im kraulichen Heim” nennt ſich unſer Blatt nicht n.
ſondern es iſt auch imſtande, Traulichkeit in jedem deutſchen Oeim
berbreiten, in dem es freundliche Aufnahme findet. Otellen wir
die Frage, warum es das bermag, ſo kann die Antwort nicht ſchn
fallen: weil es den denkbar beſten Unterhaltungsſtoff bietet, weil
Herz, Geiſt und Gemüt anxegt und befruchtet, weil ſein Inhalt
Sorgen des Alltags vergeſſen machen hilft, weil es Gamenkörner a
ſtrent, die tauſendfältige Frucht zu kragen vermögen. Ausſchließ
Originalromane aus der Feder der bekannkeſten und beliebteſten de
ſchen Erzähler gelangen zum Abdruck, Romane, die noch uirgend
ſonſt erſchienen ſind. Und eben dieſer Umſtand ſichert „Im tra
lichen Heim” einen Vorſprung und Vorrang vor faſt allen Tac
zeitſchriften, ſie mögen heißen, wie ſie wollen. — Wir ſind überzeu
daß die beiden großen Romane: „Der Müller und die Gr
fin” von Afa Berg, und H. Courths=Mahlers Meiſterwerk: „1
Diamanken und Perlen”, von denen vorliegender Proſp
Proben enthält, alle Leſer dermaßen in ihren Bann zwingen werd
daß ſie es bald kaum erwarten können, Fortſetzungen in Händen
haben.
Neben dieſen beiden führenden, von höchſter Cpannung erfüll
Romanen, werden aber noch weitere erſcheinen von ſo bewährken
zählern wie: N. von Eſchſtruth, Paul Hain, Hanna Cchnei
J. Voßberg uſw., ſo daß eine Vielſeitigkeit des Inhaltes ohnegleid
geſichert iſt und jedem Geſchmack Rechnung getragen werden wi
Aber damit nicht genug. Jede Nummer enthält außer den
laufenden großen Romanen auch noch anmutige kleine Nobell
denen ſich hauswirtſchaftliche Plaudereien und kleine wiſſenſchaftlt
Artikel anſchließen werden.
Auch auf die Erheiterung der Leſer wird Bedacht genommen du
eine Spielecke, durch Witze, Anekdoken u. dgl., und an einem ſinne
Gedicht ſoll es von Zeit zu Zeit ebenfalls nicht fehlen.
Aber nicht nur dem Geiſt allein will „Imtraulichen Hei
Gaben darbieten, auch das Auge ſoll genießen. Prachtvolle
ganz=
halbſeitige Illuſtrationen werden jede NTummer ſchmucken, Holzſchn
wviedergaben beruhmter Gemälde, deren Anmut und Schönheit
niemand berſchließen können dürfke. — Wir ſind uns ſomit bewu
eine IIberfülle des Cchönen, Erfreulichen und Genußreichen d
zubieten und hoffen um ſo mehr, den Beifall weiter Kreiſe zu find
als der Preis für fede Nummer dieſes wahrhaft vornehmen Familt
blattes bei freier Zuſtellung ins Haus nur 25 Pf. beträgt. D
Kleinigkeit für etwas aufzubringen, um feden zu einer Quelle daue
den reinſten Genuſſes zu führen, dürfte niemandem ſchwerfallen.
Wer ſich einmal zum Abonnement auf „Im kraulichen Hei
entſchloſſen hat, wird es nie mehr in ſeinem Hauſe miſſen wollen.
Um ſich den Bezug dieſes ſchönen Unterhaltungsblattes zu ſiche
genugt es, die beigefugte Beſtellkarte auszufüllen und ſie frankiert
den nächſtbeſten Poſtbriefkaſten zu werfen.
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Schließfach 38 — Eliſenſtraße 15
Verlag und Redaktion
von „Im traulichen Heim”
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Den Hauptvertrieb für die Zeitschrift „Im traulichen Heiin”
hat der bekannte Zeitschriften-Großuertrieb Alfred
Wagner, Dessau, der fast an allen Orten eigene
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turen unterhält, damit der Leser pünktlich in den Besitz seiner
Zeitschrift kommt. Außerdem beliefert die Firma durch die
Post sämtliche Orte des In- und Auslandes. Es ist somit den
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Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
191. Jahrgang
Freitag, den 12. Oktober 1928.
Nummer 284
Anzeigenpreis:
Zmm breie Zeile im Kreiſe Darmſtadi 25 Reichspfg.
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2Apellt:
* ahrt deu ſotat
Die Aineti
Das Luftſchiff „Graf Zeppelin” iſt Donnerstag früh 7.53 Uhr bei wolkigem, aber windſtillem Wetter in
Friedrichs=
hafen zur Fahrt nach Amerika aufgeſtiegen. Als das Schiff ſich in die Höhe hob, brachen die Zuſchauermaſſen in einen
ungeheueren Jubel aus. Dr. Eckener erklärte, daß er zunächſt Kurs auf Baſel nehmen und dann die ſüdliche Route
im Einzelnen beſtimmen werde.
Der Start.
Glückliche Fahrt
Um 348 Uhr kommt das entſcheidende
Kom=
mando: „Luſtſchiff marſch!” Dr. Eckener, der
„Graf Zeppelin”
bisher noch in der Halle ruhig auf und ab ging,
* Ueber Länder und Meere ſtrebt ein
deut=
ſches Luftſchiff fernem Ziele zu. Ein Werk
deutſchen Erfindergeiſtes, deutſcher Arbeit. Zum
zweiten Male will Dr. Eckener mit der neueſten
Schöpfung der Zeppelin=Werft den Ozean
über=
queren. Mit ſtaunender Bewunderung verfolgt
die ganze ziviliſierte Welt das kühne
Unterneh=
men. Mit Bewunderung und heißen Wünſchen
für ein gutes Gelingen begleiten die Gedanken
des deutſchen Volkes die kühnen Pioniere der
Luftfahrt. Wer wie wir den majeſtätiſchen Flug
des Rieſenluftſchiffes über unſerer Heimatſtadt
bewundern konnte, wird ſicherlich den Eindruck
uubedingter Sicherheit gewonnen haben, wird
davon überzeugt ſein, daß dieſes Luftſchiff wie
kein anderes vor ihm geeignet, den
Naturgewal=
ten Trotz zu bieten. Trotz ſchlechteſter
Wetter=
nachrichten hat man im Vertrauen auf ſeine.
Leiſtungsfähigkeit den gewaltigen Flug gewagt.
Um ſo eher darf man wohl ſagen, daß ſein
Ge=
lingen den Beginn einer neuen Epoche bedeutet.
Dann wird die Ueberquerung der Ozeane in der
Luft nicht mehr die glückbegünſtigte Heldentat
eines Einzelnen ſein, dann wird die Zeit nicht
„mehr fern ſein, in der regelmäßige Verbindun=
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kurz vor dem Start.
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des Salons zurück. Von außen werden ihnen
noch Poſtkarten zum Abwurf zugereicht. Ein
Scherzwort fliegt herüber und hinüber. Der
Ruufunkſprecher, der ſein Mikrophon in der
Halle aufgebaut hat, verſucht Dr. Eckener zu
be=
wegen, daß er ſeinen Hörern ein Wort ſagt.
Dr. Eckener hat jetzt andere Dinge im Kopf.
Er geht noch einmal hinüber zu ſeiner Frau
und Tochter und ſpricht irgendwo mit ihnen
noch ein paar feſte, ruhige Worte. Er iſt Frieſe
und hat in ſolchen Dingen des Gefühls nicht
viel Worte zu machen. Etwas weiter abſeits
ſtehen die Frauen und ſonſtigen Verwandten
der übrigen Paſſagiere des Schiffes. Langſam
wird es 1a8 Uhr. Alles muß an Bord ſein, und
alles ſteht da, nur die Lady fehlt. Dann kommt
auch ſie! Das klatſchende Geräuſch der
Sand=
ſäcke, die abgehängt werden, laſſen erkennen:
jetzt wird es ernſt! Es wird jetzt ausgewogen.
Kommando „Alles loslaſſen! Nur vier Mann
anlüften!” Aber noch iſt das Schiff zu ſchwer.
Jemand ruft: „Achtung, Waſſerhoſe!‟ Die um
das Schiff herumſtehen, können eins, zwei, drei
Platz machen; man weiß, ſonſt gibt es eine kalte
Duſche. Und ſchon öffnet ſich auch ein Ventil,
und in großen Strömen ergießt ſich das Waſſer
aus dem Schiff in die Halle. Noch einmal wird
das Schiff angelüftet. Jetzt iſt es ausgewogen.
So flog „3. R. 3” vor vier Jahren über den Ozean.
iſt als Letzter eingeſtiegen. Dann wird die
Treppe abgezogen, die Haltemannſchaften ſetzen
ſich mit langſamem Schritt in Bewegung und,
den Bug nach vorn, gleitet das Schiff ruhig
zum Oſttor der Halle hinaus. Alles geht mit
hinaus auf den Platz. Es iſt, als wenn plötzlich
eine Erregung, der Taumel des Augenblicks.
alles erfaßt habe. Unwillkürlich ſieht man auf
den Kommandoplatz, wo ruhig wie immer Dr.
Eckener ſeinen Poſten eingenommen hat. Er
ſcheint wirklich der Einzige zu ſein, der nicht
von der allgemeinen Erregung und Nervoſität
erfaßt iſt. Das Schiff iſt jetzt ganz draußen, mit
dem Heck nur wenige Meter von der Halle
ent=
fernt, als auch das Kommando „Hoch!” kommt.
Wie ein Freiballon ſteigt das Schiff 10 Meter,
20 Meter. Dann — Raſſeln der
Maſchinentele=
graphen. Ein Motor ſpringt an; die anderen
folgen nach. Der Bug des Schiffes hebt ſich
raſcher empor: der „Graf Zeppelin” hat ſeine
Fahrt angetreten! In dieſem Augenblick bricht.
ein ungeheuerer Jubel los. Niemand iſt zu
hal=
ten. Tücherſchwenken, Winken mit Armen und
Händen, langſam entſchwindet das Luftſchiff
den Blicken, die zurückwandern in die große
Halle, die nun auf einmal leer und
ausgeſtor=
ben iſt.
„Graf Zeppelin” auf der Fahrt.
Das Luftſchiff „Graf Zeppelin” hat um 8.10.
Uhr Konſtanz paſſiert. Sämtliche Kirchenglocken
der Stadt läuteten ihm einen Abſchiedsgruß.
Dem über den Hafen hinwegfliegenden
Luft=
ſchiff winkten unzählige Perſonen begeiſtert zu.
Das Luftſchiff hat um 8.50 Uhr Schaffhauſen
und um 907 Uhr die Stadt Waldshut
über=
flogen. Auch hier läuteten die Kirchenglocken
und die begeiſterte Bevölkerung jubelte dem
Luftſchiff zu. Das Wetter war auf der Fahrt
durch das Oberrheintal leicht nebelig, doch
kommt die Sonne mehr und mehr durch.
In hellem Sonnenſchein überflog „Graf
Zeppelin” um 9.30 Uhr aus Richtung
Schaff=
hauſend kommend die Stadt Baſel. Das
Luft=
ſchiff flog ziemlich niedrig. Es wurde von einem.
Flugzeug des Baſeler Flugplatzes, das ihm
entgegengeflogen war, begrüßt. Die Baſeler
Bevölkerung jubelte dem „Graf Zeppelin”
be=
geiſtert zu.
Ueber franzöſiſchem Gebiet.
Nachdem „Graf Zeppelin” Baſel überflogen
hatte, nahm er ſcharfen Kurs nach Weſten auf
die Burgunder Pforte zu, begleitet von zwei
Flugzeugen aus dem Baſeler Flugplatz. Um
9.40 Uhr war das Luftſchiff bereits über
fran=
zöſiſchem Boden.
Nachdem das Luftſchiff um 9.35 Uhr Baſel
verlaſſen hatte, wandte es ſich ſofort nach St.
Ludwig und flog alsdann in der Richtung
ſüd=
lich Altmünſterol weiter. Später flog es dann
ſüdlich von Belfort nach Frankreich hinein.
Zurzeit hat das Luftſchiff etwas Rückenwind.
Das Luftſchiff wurde um 10.55 Uhr in
Be=
fangon geſichtet und überflog gegen 11 Uhr
Lyon in großer Höhe, worauf es in weſtlicher
Richtung abbog. Nach Meldungen aus
Bor=
deaux iſt
die Weiterlage
zwiſchen Bordeaux und den Azoren nicht
beſon=
ders gut, weſtlich der Azoren herrſche gutes
Wetter und Sonnenſchein. Nach Wetterberichten
aus Zürich hat die Sturmtätigkeit ſeit einigen
Tagen auf dem mittleren und nördlichen
Ge=
biet des Atlantiſchen Ozeans wieder erheblich
zugenommen, wo Depreſſionen einander folgen.
Der ſeit letzter Nacht über Großbritannien
lagernde tiefe Sturmwirbel dürfte auch die
Veranlaſſung geweſen ſein, daß das Luftſchiff
bedeutend ſüdlicheren Kurs genommen hat und
vorausſichtlich auch ſüdlich der Azoren fahren
wird. Das Luftſchiff dürfte aber immerhin in
der erſten, Hälfte ſeiner Fahrt über dem
Atlan=
tiſchen Ozean ſtarke Stürme antreffen.
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peinlichen Gefühl belauſchte, ohne es ändern zu können. Und dann merkte
er, daß die Klinke zu der Tür, hinter der er ſtand, niedergedrückt wurde.
„Ah, dieſe Tür iſt verſchloſſen, dahinter liegt wohl das Zimmer Miſter
Hallers?” hörte Werner Wilhelm fragen.
„Ja,” erwiderte Mary, „das ſein Miſter Hallers Arbeitszimmer.”
Jetzt ſah Werner durch das kleine Loch in der Tür, daß Wilhelm durch
den Salon nach der gegenüberliegenden Tür ging. Leiſe ſchlich er an das
Fenſter heran und klebte das bereitgehaltene Papier an die Fenſterſcheibe,
das verabredete Zeichen für die Kriminalbeamten. Schnell und vorſichtig
ſchlich er wieder nach ſeinem Lauſcherpoſten und hörte, wie Wilhelm ſagte:
„Und hier geht es in das Schlafzimmer deiner Lady, nicht wahr, Mary?
„Tes, meine Schatz.”
„Iſt das auch abgeſchloſſen?”
„No, da muß ich doch heute abend zurechtmachen für meine Lady."
„Aha! Nun komm mein Schatz, ſetze dich auf meinen Schoß. Wir
wollen uns was erzählen. Alſo du mußt heute den Schmuck deiner Lady
be=
wachen. Oder haſt du mir nur etwas vorgeflunkert, Eleiner Schelm?”
„Oh no, meine Wilhelm, es ſein Wahrhaftigkeit, ich ſein ſehr ſtolz auf
die Vertrauen von meine Lady."
„Kannſt du auch. Alſo ſie hat ihn dir wirklich anvertraut?”
„Well, meine liebe Schatz,” ſagte Mary ſtolz, „da in dieſe Schrank
ſein meine Lady ihre Juwelen.”
Es klangen erſt einmal wieder herzhaft Küſſe herüber, und dann ſagte
Wilhelm mit einem mißtönigen heiſeren Lachen:
„Das machſt du mir doch nicht weiß, mein ſüßer Schatz — das glaube
ich einfach nicht.”
„Oh, du muſſen mich glauben, ich lügen dich doch nichts vor, mein
Schatz. Da, ſieh doch, hier um meine Hals an dieſe Schnur tragen ich die
Schlüſſel zu die Schrank, da ſein er gut verwahrt. UInd ich haben meine Lady
verſprochen, nicht zu gehen fort von die Schmuck.”
„Du biſt ein braves Mädchen, ſüße Mary. Komm, laß dich küſſen,
jeßt wollen wir gar nichts mehr reden, nur immer küſſen.”
UInd wieder mußte Werner mit anhören, wie ſich das ſeltſame Paar da
drüben herzte und Füßte, wie Marn zärtliche Worte flüſterte und ſtammelte.
Aber plötzlich hörte Werner, daß Mary ziemlich laut ausricf:
„Oh, oh, du tun imir ſo weh, nicht doch, meine liebe Cchatz, nichr
das andere erſtarb in einem dumpfen Laut.
„Ich bin ein bißchen zu feurig, mein Schatz, komm, gib mnir einen Kuß
und ſchrei nicht ſo,” hörte Werner den ſeltſamen Liebhaber ſagen.
„No, no, nicht das — was wollen du mit die Schlüſſel, ich, ich
UInd nun verklangen Marys Worte plötzlich in einein dumpfen Röcheln.
Schon wollte Werner ihr zu Hilfe eilen, aber da hörte er Wilhelms Stimme
in ganz verändertem, hartem Ton ſagen:
„Ruhe, keinen Laut mehr, wenn dir dein Leben lieb iſt. Weun du dich
ruhig verhältſt, geſchieht dir nichts, aber noch einen Ton, und ich mache dich
Falt. Dann kannſt du nie wieder einen Mann küſſen. So, nur einen kleinen
Knebel, ſieh nich nicht ſo angſtvoll an, kleine dumme Miß. Nun noch Hände
und Füße binden, zu deiner eigenen Sicherheit, damit ſie nicht denken, daß du
gemeinſame Sache mit mir gemacht haſt. So, ſiehſt du, nun lieg ſtill, mein
Schätzchen. Den Schlüſſel her!”
Werner konnte aus dieſen Worten, wenn er auch nichts ſehen Eonnte,
ſehr wohl erkennen, was da drüben vorging, und er erſah daraus, daß MNary
vorläufig Eeine Lebensgefahr drohte.
Angeſtrengt blickte er nun nach dem Schranke hinüber, und da ſah er auch
ſchon Wilhelm an denſelben herantreten und eine zerriſſene Schnur von
einem Schlüſſel löſen. Marys Stöhnen verſtummte, anſcheinend war ſie
ohnmächtig geworden vor Schreck über das veränderte Benehmen ihres
Ge=
liebten.
Wilhelm ſchloß nun leiſe drüben den Schrank auf und nahm den Eleinen
Lederkoffer heraus. In demſelben Augenblick ſchloß Werner mit einem Ruck
die Tür auf und ſtand, den Browuirg in der Hand ſchußbereit haltend, auf
der Schwelle.
Hände hoch!"
Als ſei der Blitz neben ihm eingeſchlagen, ſo zuckte der Verbrecher
zu=
ſammmen und wandte ſich raſch nach Weruer um.
„Sie? Sie!” ziſchte er haßerfüllt und wollte ſich auf Werner ſtürzen.
Dieſer hob die Waffe.
„Hände hoch, oder ich ſchieße!“
Mit kalter Nuhe ſtand Werner dem Verbrecher gegenüber, ſeine Augen
feſt auf ihn gerichtet.
Wilhelm ließ den Lederkoffer fallen und ſtreikte mit häßlich verzerrtem
Geſicht die Hände hoch. Er überlegte, ob es ratſam ſei, ſeine Komplicen
herbeizurufen, aber er ſagte ſich, daß ſein Ruf auch von anderer Seite gehört
werden Fonnte.
„Hund — du Hund!” Enirſchte er zwiſchen den Zähnen hervor in ſeiner
Wut über den vereitelten Raub. Hier zu ſeinen Füßen lag der
Millionen=
ſchmuck, wie er glaubte, und er kounte ihn nicht ergreifen und fliehen, weil
dieſer Menſch mit der Waffe in der Hand vor ihm ſtand.
Werner las ihm die Gedanken von der Stirn. Langſam, immer die
Waffe im Anſchlag, ging er Schritt für Schritt zu der Eingangstür,
natür=
lich rückwärts, ohne den Verbrecher aus den Augen zu laſſen.
Dieſer folgte ſeinem Tun mit ſtarrem Blick.
(Die Fortſetzung erhält regelmäßig zugeſtellt, wer die beigefigte
Beſtell=
karte ausfüllt und abſendet.)
„Im kraulichen Heim” nennt ſich unſer Blatt nichtr
ſondern es iſt auch imſtande, Traulichkeit in jedem deutſchen Oeim
Herbreiten, in dem es freundliche Aufnahme findert. Okellen wir
die Frage, warum es das vermag, ſo kann die Antwort nicht ſchr
fallen: weil es den denkbar beſten Unterhaltungsſtoff bietet, weil
Derz, Geiſt und Gemut anregt und befruchtet, weil ſein Inhalt
Gorgen des Alltags vergeſſen machen hilft, weil es Gamenkörner
ſtreut, die kauſendfältige Frucht zu tragen vermögen. Ausſchließ
Originalromane aus der Feder der bekannkeſten und beliebteſten d
ſchen Erzähler gelangen zum Abdruck, Romane, die noch nirgen
ſonſt erſchienen ſind. Und eben dieſer Umſtand ſichert „Im tre
lichen Heim” einen Vorſprung und Vorrang dor faſt allen Ta
zeitſchriften, ſie mögen heißen, wie ſie wollen. — Wir ſind überzer
daß die beiden großen Romane: „Der Müller und die
G=
fin” von Afa Berg, und H. Courths=Mahlers Meiſterwerk: „1
Oiamanken und Perlen”, von denen vorliegender Proſ
Proben enthält, alle Leſer dermaßen in ihren Bann zwingen, were
daß ſie es bald kaum erwarten können, Fortſetzungen in Händen
haben."
Neben dieſen beiden führenden, von höchſter Opannung erfül
Romanen, werden aber noch weitere erſcheinen bon ſo bewährten
zählern wie: N. von Eſchſtruth, Paul Hain, Hanna Cchnei
J. Voßberg uſw., ſo daß eine Vielſeitigkeit des Inhaltes ohnegleie
geſichert iſt und jedem Geſchmack Rechnung getragen werden w
Aber damit nicht genug. Jede Nummer enthält außer den
laufenden großen Romanen auch noch anmutige kleine Nobel
denen ſich hauswirtſchaftliche Plaudereien und kleine wiſſenſchaftl
Artikel anſchließen werden.
Auch auf die Erheiterung der Leſer wird Bedacht genommten di
eine Opielecke, durch Witze, Anekdoken u. dal., und an einem ſinmi
Gedicht ſoll es von Zeit zu Zeit ebenfalls nicht fehlen.
Aber nicht nur dem Geiſt allein will „Imtraulichen Hei
Gaben darbieten, auch das Auge ſoll genießen. Prachtvolle
ganz=
halbſeitige Illuſtrationen werden jede Nummer ſchmücken, Holzſchn
wviedergaben beruhmter Gemälde, deren Anmut und Cchönheit
niemand berſchließen können dürfte. — Wir ſind uns ſomit bewi
eine IIberfiille des Cchönen, Erfreulichen und Genußreichen
zubieken und hoffen um ſo mehr, den Beifall weiter Kreiſe zu fine
als der Preis für jede Nummer dieſes wahrhaft vornehmen Famil.
blattes bei freier Zuſtellung ins Haus nur 25 Pf. beträgt. D
Kleinigkeit für etwas aufzubringen, um feden zu einer Quelle daue
den reinſten Gennſſes zu führen, dürfte niemandem ſchwerfallen.
Wer ſich einmal zum Abonnement auf „Im traulichen Hei
entſchloſſen hat, wird es nie mehr in ſeinem Hauſe miſſen wollen.
Um ſich den Bezug dieſes ſchönen Unterhaltungsblattes zu ſiche
genugt es, die beigefugte Beſtellkarte auszufüllen und ſie frankiert
den nächſtbeſten Poſtbriefkaſten zu werfen.
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Schließfach 38 — Eliſenſtraße 15
Verlag und Redaktion
von „Im traulichen Heim”
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Den Hauptvertrieb für die Zeitschrift „Im traulichen Heimn”
hat der bekannte Zeitschriften-Großuertrieb Alfred
Wagner, Dessau, der fast an allen Orten eigene
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turen unterhält, damit der Leser pünktlich in den Besitz seiner
Zeitschrift kommt. Außerdem beliefert die Firma durch die
Post sämtliche Orte des In- und Auslandes. Es ist somit den
Bewohnern seibst, der entiegensten Forst- und Gutshäuser
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