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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 263
Freitag, den 21. September 1928.
191. Jahrgang
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ſtädter und Natſonalbank.
Genfer Nachklänge.
Die Abrüſtungsverhandlungen in Genf.
Der allmächtige Poincaré.
Vollſitzung des Völkerbundes.
Das Schickſal der deutſchen Vorſchläge zur
vorbeugenden Kriegsverhinderüng.
* Genf, 20. Sept. (Priv.=Tel.)
Die Vollſitzung der Bundesverſammlung am Donnerstag
ſermittag erledigte in geſchäftsmäßiger trockener Form vor den
tark gelichteten Reihen der Delegierten ihre Tagesordnung.
Sie hatte drei Berichte des Abrüſtungskomitees vorliegen, von
denen der wichtigſte derjenige von Rollin Jacquemine über die
deutſchen Vorſchläge zur vorbeugenden
Kriegs=
verhinderung war. Dieſe urſprünglich ſehr weitgehenden
Vorſchläge ſind bekanntlich nur teilweiſe in den vom
Sicher=
heitskomitee ausgearbeiteten Modellvertrag übernommen
wor=
den, und die Verſammlung fertigte denn auch den Torſo, zu
dim die deutſten Vorſchläge herabgeſunken ſind, mit einer
Eritſchließung ab, in der der Wert der deutſchen Vorſchläge
be=
ſrnders hervorgehoben wird. Der Berichterſtatter wies mit
Bedauern darauf hin, daß einer der Hauptgedanken
der deutſchen Vorſchläge, die
Wiederherſtel=
ſng des militäriſchen Status quo, wegen der
Eeinungsverſchiedenheiten unter den
Staa=
tenin das Modell nichthabe aufgenommen
wer=
den können.
Staatsſekretär von Schubert gab der Hoffnung Ausdruck,
d ß die deutſchen Anregungen mit dem Modellvertrag nicht
voll=
ſtändig aus der Debatte verſchwinden, ſondern Gegenſtand
ſpö=
tirer Veratungen bilden möchten.
Das Scheitern der Verhandlungen über die
Kontrolle der Rüſiungsinduſirie
hut heute vor der Vollverſammlung ein Nachſpiel gehabt. Es
wutrde beſchloſſen, nochmals die Spezialkommiſſion zur
Aufſtel=
lung einer allgemeinen Konvention über die Kontrolle der
Yaiſtungsinduſtrie einzuberufen und zu dieſem Zwecke vor der
na hſten Ratstagung die Spezialkommiſſion noch einmal
zuſam=
mentreten zu laſſen, damit der Text der Konvention
fertig=
orſtellt werde, mit dem ſich die endgültige Konferenz beſchäftigen
wird, die entweder vor der allgemeinen Abrüſtungskonferenz
ober gleich eitig mit ihr ſtattfindet.
Einen breiten Raum nahm auch die Berichterſtattung
Chodzkos=Polen über die Tätigkeit der Opiumkommiſſion ein.
Das wichtigſte Ergebnis iſt hier das Inkrafttreten der
Opium=
konvention von 1925, die am 23. September d. J. Gültigkeit
er=
hält und gegenwärtig von 29 Staaten unterzeichnet iſt. Die
Lage erfordere eine Unterdrückung der Fabrikation von Opium=
Terivaten entweder ducch eine Kontingentierung oder durch
Unterſtellung der Herſtellungsfabriken unter Staatsaufſicht.
Außerdem nahm die Verſammlung die Berichte über die
Flüchtlingsſiedlung in Bulgarien, über die
Stabiliſierungs=
arileihe von 5 Millionen Pfund, und den Bericht des deutſchen
Delegierten Breitſcheid über die Neuordnung des Verhältniſſes
zrwiſchen Völkerbund und ihm angeſchloſſenen internationalen
Püros an.
Die Verſammlung beauftragte den Rat, vor Wiederwahl
der Richter 2es Ständigen Internationalen Gerichtshofes im
Haag, die in der Bundesverſammlung von 1930 vorgenommen
leerden muß, das Statut des Internationalen Gerichtshofes
erner Prüfung auf ſeine formalen Abänderungen hin zu
unter=
ziehen. Mit dem nächſten Jahre wird zu den Mitgliedern des
Haager Gerichtshöfes vorausſichtlich ein deutſcher Richter
hinzu=
gezogen werden. Präſident Zahle ſchloß die Sitzung um 1 Uhr.
Der Völkerbund in Kriſenzeiten.
Im Abrüſtungsausſchüß der Bundesverſammlung wurde
heute die Frage der Errichtung einer Radioſtation für den
Völ=
kerbund in Kriſenzeiten behandelt. Die Angelegenheit iſt
inſo=
fern praktiſch heute ſchon gelöſt, als die ſchweizeriſche Regierung,
wie der Delegierte Motta mitteilte, bei Genf eine Station für
mittlere Wellen bauen wird, die dem Völkerbund nach einem
mit dem Sekretariat getroffenen Modus vivendi in Kriſenzeiten
unter ſchweizeriſcher Kontrolle zur Verfügung ſteht. Der
Völker=
bund hat ſich jedoch mit dieſem fait accompli noch nicht
abge=
funden, und ſo bleibt denn formell die Sache noch in der Schwebe,
da, wie der Berichterſtatter bemängelte, die Station für mittlere
Wellen den Anſprüchen des Völkerbundes nicht genügt. Die
Entſcheidung der ſchweizeriſchen Regierung iſt in der Hauptſache
deshalb erfolgt, um die vielen Nebeneinflüſſe, die auf die
Er=
richtung einer ſchweren Station für den Völkerbund
hinarbeite=
ten, die ſich mit der Neutralität und der Souveränität der
Schweiz nicht vereinbaren ließ, auszuſchalten.
Im übrigen behandelte der Ausſchuß die politiſche Seite
der Modellverträge über Nichtangriffe und die gegenſeitige
mili=
täriſche Hilfe, ohne ſie zu Ende zu bringen. Von polniſcher,
rumäniſcher und jugoſlawiſcher Seite wurde verlangt, in dieſe
Verträge die Locarnoklauſel über die Handlungsfreiheit der
Staaten in flagranten Ueberfällen hineinzuarbeiten, doch
warn=
en ſowohl Paul=Boncour als auch Politis vor einer
Generelli=
ſierung dieſer Formel, die unter Umſtänden recht gefährliche
Wirkung haben könnte.
Die Einberufung der Abrüſiungs=Konferenz
fraglich.
„Im Redaktionskomitee wurde heute abend ein Entwurf auf
Ser Grundlage des Voranſchlags von Paul Boncour
fertigge=
tellt. Darnach wird weder ein Datum für die Einberufung der
Vorbereitenden Abrüſtungskommiſſion, noch ein Zeitpunkt für
den Zuſammentritt der endgültigen Abrüſtungskonferenz
vorge=
dehen. Man macht im Gegenteil alles von dem Ausgang der
Verhandlungen zwiſchen den Marinemächten über das
engliſch=
franzöſiſche Flottenkompromiß abhängig und überläßt dem
Prä=
ſidenten der Vorbereitenden Kommiſſion, die Kommiſſion erſt
einzuberufen, wenn ihm dies erfolgverſprechend erſcheint. Durch
die Erklärungen Cuſhenduns, daß vor den amerikaniſchen
Prä=
ſidentſchaftswahlen kaum eine amerikaniſche Antwort erfolgen
wird und der Ausgang dieſer Beſprechungen angeſichts der
amerikaniſchen Haltung außerordentlich ungewiß erſcheint, iſt gar
nicht abzuſehen, wann endlich in der Vorbereitenden Kommiſſion
die zweite Leſung der Konvention über die
Rüſtungsverminde=
rung und wann überhaupt die Einberufung der eigentlichen
Konferenz erfolgen kann. Wie verlautet, wird Graf Bernſtorff
gegen dieſe neue Verſchleppung in der Vollverſammlung des
Bundes in einer ausführlichen deutſchen Erklärung Stellung
nehmen. Die Delegation wird die Entſchließung wahrſcheinlich
ablehnen oder ſich zum mindeſten der Stimme enthalten. Sollte
Deutſchland die Entſchließung ablehnen, dann muß ſich die
Voll=
verſammlung darauf beſchränken, einen „Wunſch” auszuſprechen,
da ſie Entſchließungen nur einſtimmig faſſen kann. Die
Abrü=
ſtungsarbeit des Völkerbundes ſtünde damit vor einer kritiſchen
Entſcheidung.
Ein Weltſchiedsgerichtsvertrag und
General=
paft des Völkerbundes.
* Genf, 20. Sept. (Priv.=Tel.)
Die juriſtiſche Kommiſſion der Bundesverſammlung hat einen
Weltſchiedsgerichtsvertrag ausgearbeitet, in dem die
drei vom Sicherheitskomitee ausgearbeiteten
Modellver=
träge über Vermittlungsverfahren,
Schieds=
gerichtsverfahren von juriſtiſchen Streitfällen
und Schiedsgerichtsverfahren für politiſche
Streitfälle zu einem Generalpakt zuſammengefaßt
werden. Dieſe Vereinheitlichung iſt erfolgt, um das Verfahren
zu vereinfachen und den Staaten den Beitritt zu erleichtern.
Der neue Pakt gliedert ſich in drei Teile. Das erſte Kabitel
über Vermittlungsverfahren, das zweite Kapitel über
Schieds=
gerichtsverfahren bei juriſtiſchen Streitfällen, das dritte Kapitel
über Schiedsgerichtsverfahren für ſämtliche als auch für politiſche
Differenzen. Ausgenommen ſind von dieſem Verfahren, wie
üb=
lich, Streitfälle über innere Schwierigkeiten, Streitfragen, die nach
dem internationalen Recht unter die eigene Souveränität des
Staates fallen, Streitfragen, die die ſtaatliche Verfaſſung berühren
und Streitfragen, deren Regelung die Staaten ſich ausdrücklich
vorbehalten. Es ſteht den Staaten frei, den einzelnen Teilen
des Generalpaktes beizutreten, ohne ſie insgeſamt anzunehmen.
Der Generaldakt tritt in Kraft, ſobald der Generalſekretär
des Völkerbundes di= Beitrittserklärung von zwei Parteien
er=
halten hat. Er gilt für fünf Jahre und wird ſämtlichen
Mit=
gliedsſtaaten des Völkerbundes und denjenigen
Nichtmitglieds=
ſtaaten vorgelegt werden, die vom Rat bezeichnet werden. Es
ſteht den Staaten dabei auch frei, falls ſie nicht an dem
allgemei=
nen Pakt teilnehmen wollen, untereinander durch einen einfachen
Notenaustauſch ähnliche Verträge zu ſchließen. Der Generalpakt
wird in einem Exemdlar, das mit der Unterſchrift des
Präſiden=
ten der Vollverſammlung, Zahle, und des Generalſekretärs des
Völkerbundsſekretariats, Erie Drummond, verſehen iſt, im
Völker=
bundsarchiv niedergelegt.
Noch im Laufe dieſer Bundesverſammlung werden die
Staaten aufgefordert werden, dieſem ſehr elaſtiſch gehaltenen
Generalpakt beizutreten, ſo daß, falls ſich die Bundesverſammlung
für ihn ausſericht, die diesjährige Völkerbundstagung mit der
Aufſtellung eines Weltſchiedsgerichtsvertrages abſchließen würde.
Formelle Einigung über die Behandlung
des rumäniſch=ungariſchen Optantenſtreites.
* Genf, 20. Sept. (Priv.=Tel.)
Heute nachmittag wurde in der Verhandlung, zwiſchen den
rumäniſchen und ungariſchen Delegierten, die im Beiſein des
Generalſekretärs des Völkerbundes ſtattfand, eine formelle
Eini=
gung über die Behandlung des rumäniſch=ungariſchen
Optanten=
ſtreites vor dem Rat gefunden. Nach dem Uebereinkommen wird
der Rat morgen in einer Sitzung feſtſtellen, daß ſich die beiden
Parteien unter Aufrechterhaltung ihrer bekannten
Rechtsſtand=
punkte bereit erklären, Delegierte zu direkten Verhandlungen zu
ernennen. Dieſe Verhandlungen ſollen vorausſichtlich in Paris
ſtattfinden. Der Rat ſpricht die Hoffnung aus, daß dieſe
Ver=
handlungen zu einem guten Ende führen. Für den Fall jedoch,
daß es nicht gelingt, zu einer Verſtändigung zu kommen, wird
die Streitfrage wieder auf der Tagesordnung der nächſten
Rats=
tagung im Dezember oder Januar erſcheinen.
Täglich wieder Vollſitzungen in Genf.
Die Kommiſſionsberatungen der Bundesverſammlung ſind
nun ſo weit fortgeſchritten, daß zur Erledigung der
ausgearbei=
teten Reſolutionen für die einzelnen Arbeitsgebiete des
Völker=
bundes von heute an regelmäßig Vollverſammlungen ſtattfinden.
Der Völkerbundsrat hat den griechiſch=bulgariſchen Konflikt
über die Entſchädigung der Flüchtlinge bis zur nächſten Seſſion
vertagt. Man will dadurch der neuen griechiſchen Regierung
Gelegenheit geben, das ſeinerzeit in Genf beſchloſſene
Arrange=
ment, das von Griechenland noch nicht ratifiziert worden iſt, zur
Ratifizierung vor das Parlament zu bringen.
Die Außenminiſter beginnen allmählich Genf zu verlaſſen.
Nach Briand, Marinkowitſch, Woldemaras u. a. hat jetzt auch der
polniſche Außenminiſter Zaleſki Genf verlaſſen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 20. September.
Die Genfer Reſultate wurden in Paris ziemlich günſtig
auf=
genommen. Man freut ſich ob des Erreichten und man freut ſich
noch mehr, daß es in Genf zu keinem Bruch gekommen iſt. Die
kommenden Verhandlungen ſollen zwar langwierig werden, wie
von allen Seiten prophezeit wird, aber die erſte und ſchwierigſte
Etappe iſt angeblich doch zurückgelegt.
Es iſt ſelbſtverſtändlich ſehr ſchwer, ſich jetzt ſchon über das
in Genf Erreichte ein abſchließendes Urteil zu bilden. Dafür
ſind noch zu wenig Einzelheiten bekannt, und was unter Hand
geſagt wird, wird von offiziöſer Seite nach Möglichkeit dementiert.
Das eine muß man leider konſtatieren, daß die
Genfer Verhandlungen zukeiner Beſſerung der
europäiſchen Atmoſphäre geführt haben. Schuld
daran war die unglückliche Rede Briands und die Haltung
ge=
wiſſer Mächte in Genf; die deutſch=franzöſiſche
An=
näherung, ſo beſcheiden ſie auch in ihren Ausmaßen ſtets blieb,
iſt geeignet, eine Reihe von Mächten in Europa
zu beunruhigen. Von gewiſſer franzöſiſcher Seite wurde
Briand ſogar noch vorgehalten, daß er die franzoſenfreundliche
Haltung Lord Cuſhenduns in Genf nicht genug gegen
Deutſch=
land ausgenützt habe. Nicht in allen Punkten war man aber in
Paris mit der engliſchen Politik zufrieden. Die Löſung gewiſſer
finanzpolitiſcher Fragen, bei der Frankreich ſtets auf engliſche
Hilfe angewieſen iſt, wird von engliſcher Seite jedenfalls nicht
gerade mit Eifer betrieben..
Neben der ungünſtigen Stimmung, welche die Genfer
Debat=
ten hinterließen „hat man in Frankreich noch mehr Grund, mit dem
Erreichten unzufrieden zu ſein. Das Problem der interalliierten
Schulden konnte mit der Regelung der Reparationsprobleme und
mit der Räumung des Rheinlandes nicht verkuppelt werden.
Amerikas Haltung iſt weiter ablehnend, vielleicht noch ſchroffer
als je. Es fehlte nicht an Verſuchsballonen auf franzöſiſcher Seite,
aber die amerikaniſchen Dementis waren noch früher da. So hat
man die Hoffnung auf die Teilnahme der
Ver=
einigten Staaten an den Verhandlungen bis auf weiteres
aufgegeben. In Waſhington iſt man der Meinung, daß
für jede Teilnahme bei der Regelung der europäiſchen
Probleme ein zu hoher „Preis” bezahlt werden müſſe, für den
man nichts Wertvolles eintauſche. Deſſenungeachtet wird ſich
Amerika einmal dazu entſchließen müſſen, auf die Behandlung
der Schuldenprobleme einzugehen, denn die gegenwärtige Lage
iſt wirklich unhaltbar. Das hat aber noch Zeit, denn vor den
Präſidentenwahlen ſollen keine von dieſer oder jener Seite
an=
fechtbare Konzeſſionen gemacht werden.
Von franzöſiſcher Seite wird England im ſtillen oft der
Vor=
wurf gemacht, daß es die Spannung der interalliierten Schulden
wegen ganz gerne ſähe. Der Kelloggpakt hat eben das
Verhältnis Amerikas zu Europa und vor allem
zu Frankreich nicht gebeſſert. Bei jeder „definitiven”
Behandlung des Reparationsproblems wird Frankreich darauf
ausgehen, auf eine früher oder ſpäter erfolgende Regelung der
interalliierten Schulden weitgehend Rückſicht zu nehmen. Es iſt
nun bezeichnend, daß Lord Cuſhendun als erſter erklärte, daß die
Reparationsfrage nicht mit der Frage der interalliierten Schulden
zuſammen verhandelt werden könne. In Frankreich beſteht aber
trotzdem die Hoffnung, daß eines Tages dieſe zwei Probleme
doch zuſammen gelöſt werden und erſt dann wird man ihre
Löſung für endgültig hälten. Vorläufig erlebt man aber von der
amerikaniſchen Seite her nur Enttäuſchungen.
In der franzöſiſchen Innenpolitik herrſcht während all dieſer
wichtigen Verhandlungen eine bemerkenswerte Stille. Man
ver=
ſucht zwar von zwei Seiten an den Ereigniſſen Kritik zu üben, aber
dieſe Kritik dringt nicht über enge politiſche Kreiſe hinaus. Die
Radikalſozialiſten und — ſelbſtverſtändlich — die Sozialiſten ſind
mit der gegenwärtigen Lage unzuſrieden. Man macht Briand den
Vorwurf, daß er ſich ganz von dem Geiſt der Union nationale
und ganz von innenpolitiſchen Rückſichten führen laſſe und
außer=
dem — wie üblich —, daß er die Innenpolitik erſticke. Dieſe
iſt jedoch ſo ruhig und ſtill, daß man ſelbſt dieſen Vorwurf kaum
noch zur Kenntnis nimmt, aber dennoch wird er in vielen
fran=
zöſiſchen Herzen gehegt.
Poincarés Autorität war, nie größer wie jetzt. Vor ihr
verſtummt alles! Das Kabinett der Union nationale iſt ſo
gehalt= und verdienſtvoll, daß es Frankreich mit ſeinem
morali=
ſchen Gewicht geradezu erdrückt. Wenigſtens fühlt man das in
den Kreiſen, die ſich im politiſchen Betrieb vergangener Zeiten
wohl gefühlt haben. Die Innenpolitik hat ſich aber durch ihre
übertriebene Aktivität ſelbſt ad absurdum geführt. Poincaré kam
und rettete die Lage durch eine proviforiſche Löſung und er hat
dieſe proviſoriſche Löſung künſtlich weiter aufrecht erhalten. Jeder
Verſuch einer Reform der Politik, wie ihn etwa Franklin Bouillon
unternahm — ſeine Perſönlichkeit war zwar für dieſe Aufgabe
nicht geeignet —, mußte an den Feindſeligkeiten der alten
Partei=
organiſationen und an der Teilnahmsloſigkeit der Regierung
ſcheitern. Poincaré hat aber die von der Notwendigkeit des
Augenblicks geſchaffene Diſziplin aufrecht erhalten und
weiter=
entwickelt, ohne ihr einen feſten politiſchen Gehalt zu geben. Er
hat ſeine Aufgabe, die Stabiliſierung, gelöſt, dabei aber die
Ge=
legenheit, in die franzöſiſche Innenpolitik einen neuen Geiſt zu
bringen, willkürlich verſäumt. Seine übergroße politiſche Praxis
und Vergangenheit haben ihm die Fähigkeit genommen, etwas
Neues zu ſchaffen.
Jetzt ſteht Poincaré auf der Höhe ſeiner Macht. Jede Kritik
verſtummt, wenn er mit ſeinem Rücktritt droht. Er will nicht
einmal Verbeſſerungsanträge an dem neuen Budget akzeptieren.
Von keiner Seite regt ſich eine wirkliche Oppoſition. Und doch
leidet das ganze gegenwärtige Syſtem gerade jetzt am ſchwerſten
an ſeinem Grundfehler; es vermochte nichts Neues zu ſchaffen,
s kann ſich nicht weiter entwickeln.
Seite 2
Freitag, den 21. Geptember 1928
Nummer 263
Breitſcheids Rolle in Genf.
Verſuch einer Einwirkung auf die offizielle
deutſche Politik.
* Berlin, 20. Sept. (Priv.=Tel.)
Der Reichskanzler Müller hat bei ſeiner Rückkehr nach Berlin
gerade auf das Drängen der Deutſchnationalen hin erklärt, daß
zunächſt irgendwelche weiteren Schritte in der Ankurbelung der
Ausſprache über die Feſtſtellungskommiſſion nicht geſchehen
wür=
den, daß er vielmehr erſt nach Rückkehr der geſamten Delegation
im Auswärtigen Ausſchuß Bericht erſtatten würde und die
wei=
teren Richtlinien feſtlegen laſſen werde. Umſo mehr muß es
überraſchen, wenn jetzt aus Genf die Meldung kommt, daß
zwiſchen deutſchen und franzöſiſchen
Dele=
gationsmitgliedern inoffizielle
Verhandlun=
gen über die Durchführung der neuen
Verein=
barungen bereits ſtattfinden, und zwar würde die Frage
er=
örtert, wie man am ſchnellſten zu den in der Vereinbarung
vor=
geſehenen offiziellen Verhandlungen gelangen könnte. Wenn es
ſich nur um mehr verhandlungstechniſche Dinge handelte, ſo wäre
dagegen kaum etwas zu ſagen. Es muß aber doch ein gewiſſes
Mißtrauen erregen, daß der Drehpunkt dieſer Verhandlungen
offenbar Herr Breitſcheid iſt, dem es zu verdanken iſt, wenn von
franzöſiſcher Seite die bereits längſt in Vergeſſenheit geratene
Sicherheitsfrage wieder hervorgeholt wurde. Die Rolle, die Herr
Breitſcheid im Gegenſatz zu ſeinem Parteifreund Müller geſpielt
hat, die Einſeitigkeit, wie er nach der franzöſiſchen Delegation
Fühlung genommen hat, iſt ja oft genug beſprochen worden.
Gerade deswegen die Beſorgnis, daß er jetzt ſeine Privatpolitik
fortſetzt und, wo der Kanzler nicht mehr anweſend iſt, zum
Er=
folg zu führen verſucht. Der „Vorwärts” behauptet, daß auf
Grund der Beſprechungen, an denen auch Staatsſekretär v.
Schu=
bert teilgenommen habe, Herr Loucheur neuerdings nach Paris
gefahren ſei und am Freitag nach Genf zurückkehren wolle, um
dann bereits feſtere Vereinbärungen zu treffen. Hält man dazu,
daß gleichzeitig auch die internationale Sozialdemokratie
mobili=
ſiert und für Anfang Oktober eine gemeinſame Beſprechung der
deutſchen, franzöſiſchen, engliſchen und belgiſchen Gruppe zu einer
„Prüfung der internationalen politiſchen Lage” einberufen hat,
ſo ergeben ſich ſtarke Bedenken, ob hier nicht der Verſuch einer
Einwirkung auf die offizielle deutſche Politik
gemacht wird, — ein Verſuch, der nach den Erfahrungen der
letzten Wochen ſicherlich nicht zu einem Vorteil für uns
aus=
ſchlagen würde.
Beratungen beim Zentrum.
* Berlin, 20. Sept. (Priv.=Tel.)
Der Vorſtand der Zentrumsfraktion des Reichstages hat am
Donnerstag unter dem Vorſitz des Verkehrsminiſters v. Guérard
getagt, wobei er ſich mit der außen= und innenpolitiſchen Lage
beſchäftigte. Beſchlüſſe wurden nicht gefaßt. Die Ausſprache ſoll
jedoch, wie wir hören, in der nächſten Zeit fortgeſetzt werden,
ſo daß es ſich nicht nur, wie aus Zentrumskreiſen verſichert wird,
um eine rein techniſche Vorbereitung der Tagung des
Partei=
vorſtandes handelt, der am 6. und 7. Oktober in Berlin
zu=
ſammentritt. Wenn man weiter aus dem Zentrum hört, daß
dem Problem der Umbildung der
Reichsregie=
rung keine aktuelle Bedeutung beigemeſſen
wird und daß auch der Fraktionsvorſtand ſich am Donnerstag auf
dieſen Standpunkt geſtellt hat, ſo iſt hierzu anzumerken, daß für
die Aktualität dieſer Frage das Zentrum allein nicht entſcheidend
iſt. In den Regierungsverhandlungen im Sommer war
ausdrücklich vereinbart worden, daß die
endgül=
tige Konſtituierung der Reichsregierung
zu=
ſammen mit der Einbeziehung der Deutſchen
Volkspartei in die preußiſche Koalition
erfol=
genſoll. Der preußiſche Landtag tritt aber bereits am 2.
Okto=
ber zuſammen, ſo daß hier die Frage der Neubildung
der Regierung auf alle Fälle aktuell wird. Auch die Deutſche
Volkspartei wird kaum geneigt ſein, dieſe für ihre endgültige
Hal=
tung gegenüber der Reichsregierung entſcheidende Frage
ver=
ſchleppen zu laſſen. Man weiß ſehr wohl, daß im preußiſchen
Zentrum die Neigung zur Wiederherſtellung der Großen
Koalition außerordentlich gering iſt. Sollte ſich aber das Zentrum
im Reich hierdurch bei ſeiner Haltung beeinfluſſen laſſen, ſo kann
ſchon jetzt kein Zweifel darüber aufkommen, daß die Deutſche
Volkspartei ſich mit einer Verſchleppung des Geſamtproblems
nicht einverſtanden erklären wird.
Vom Tage.
Der Reichspoſtminiſter hat dem Verwaltungsrat der Reichspoſt
ſo=
eben eine Vorlage auf Ermäßigung der Fernſprechgebühren für
Wenig=
ſprecher zugehen laſſen.
Der Geſundheitszuſtand des
Reichsaußenmini=
ſters hat ſich in den letzten Wochen ſoweit gebeſſert, daß man m
amtlichen Kreiſen ſpäteſtens Ende Oktober mit der
Wieder=
aufnahme der Geſchäfte durch Dr. Streſemann
rechnet.
Die nächſte Fahrt des „Graf Zeppelin” wirb nicht
vor Dienstag nächſter Woche erfolgen. Sie wird nur eine
kleine Fahrt ſein, die den Zweck hat, die Funkſtation auszuprobieren.
An der internationalen Wirtſchaftskonferenz,
die vom 4. bis 6. Oktober in Prag ſtattfinden wird, nehmen über 20
internationale Wirtſchaftsorganiſationen teil. Zweck der Konferenz iſt,
den Beſchlüſſen der Genfer Weltwirtſchaftskonferenz vom Mai 1927
in den einzelnen Ländern Geltung zu verſchaffen.
Der Quaid:Orſay veröffentlicht ein Blaubuch, das dreißig
Schriftſtücke über die Ausarbeitung und den Abſchluß des allgemeinen
Paktes zum Verzicht auf den Krieg enthält.
Havas erklärt, daß die Nachricht über ein zwiſchen
Frankreich und England abgeſchloſſenes
Luft=
fahrtsabkommen in den autoriſierten Kreiſen dementiert
wird.
Der britiſche Außenminiſter Chamberlain, der auf
ſeiner Erholungsreiſe in Panama angekommen iſt, beabſichtigt, am
Freitag mit dem Dampfer „Präſident Adams” ſeine Reiſe nach
San Franzisko fortzuſetzen.
Zu den Rücktrittsabſichten des Lord Birkenhead
verlautet, daß Premierminiſter Baldwin die Abſicht habe, ihn zu
er=
ſuchen, bis zur Auflöſung des Parlaments, alſo etwa bis Juni 1929,
noch im Amt zu bleiben.
Durch den Legationsrat der Schweizer Geſandtſchaft wurde am
Mittwoch die Schweizer Note zum Fall Roſſi im
italie=
niſchen Außenminiſterium überreicht.
Unterdrückung des Deutſchtums
in Südtirol.
Der deutſche Klerus im Kampf um die deutſche
Mutterſprache. — Einführung des
pfarramt=
lichen Religionsunterrichts.
Innsbruck, 20. September.
In dem ſoeben erſchienen Diözeſenblatt des Bistums Brixen
erläßt der biſchöfliche Kanzler in Form eines Hirtenbriefes einen
Aufruf an die Gläubigen der Diözeſe, in dem dieſen mitgeteilt
wird, daß es wegen des Verbots des Schulunterrichts in der
Mutterſprache den deutſchen Seelſorgern nicht mehr möglich ſei,
den Religionsunterricht in den Schulen ſo zu erteilen, wie es
von altersher Brauch war. Anſtelle des Religionsunterrichtes
in den Schulen trete nun der pfarramtliche Religionsunterricht,
der von den Seelſorgern im Pfarrhaus oder im Anſchluß an den
Gottesdienſt in der Kirche erteilt werden wird. Im Diözeſenblatt
wird ferner der ganze Schriftwechſel zwiſchen dem Ordinariat und
der italieniſchen Schulbehörde in der Frage des
Religionsunter=
richtes veröffentlicht. Daraus geht hervor, daß das deutſche
Bistum Brixen ſich gegen die Einführung des
Religionsunterrichtes in italieniſcher Sprache
energiſch verwahrt und ſich ſogar in einer Denkſchrift an
den Staat gewandt hat, von wo ihm die Antwort zuteil wurde,
daß in der Frage des Schulunterrichts der Vatikan keine
Abänderung der behördlichen Verfügung treffen
könne, daß aber vom Heiligen Stuhl die
Einfüh=
rung des pfarramtlichen Religionsunterrichts
in der Mutterfprache ſehr gern geſehen werde.
Die „Innsbrucker Nachrichten” ſchreiben dazu: Dem Inhalt
und der Sprache nach ſind die Verlautbarungen des biſchöflichen
Ordinariats in Brixen bedeutungsvolle Dokumente. Sie beweiſen,
daß der deutſche Klerus in Südtirol den Kampf
um die deutſche Mutterſprache mannhaft führt, und
daß die Geiſtlichkeit ſich ihrer hohen kulturellen Aufgaben voll
bewußt iſt. Bei all dem Traurigen, das wir aus Südtirol
ver=
nehmen, iſt dieſer Hirtenbrief ein erfreuliches Zeichen des
unge=
brochenen Kampfesmutes der von guten Seelenhirten geführten
Brüder jenſeits des Brenner.
Verhaftung des Bruders des Lehrers Riedl.
Innsbruck, 20. September
Der Bruder des Lehrers Riedl, der ſeiner Zeit auf eine
Inſel im Mittelmeer verbannt worden war, wurde am 15.
Sep=
tember von Carabinieri im Automobil abgeholt und weggeführt.
Der Bruder Riedls war früher Lehrer und lebte in Schlanders.
Ueber die Gründe ſeiner Verhaftung iſt nichts näheres bekannt.
Die Reform des Fascismus
Die ſiaatsrechtliche Stellung des Großen
Fasciſienrates.
EP. Rom, 20. September.
Das vom Großen Fasciſtenrat nach ausführlicher
Diskur=
ſion einmütig genehmigte Geſetz über ſeine Erhebung zu einem
verfaſſungsmäßigen Organ wird übereinſtimmend als die
wich=
tigſte und einſchneidenſte Reform des Fascismus betrachtet
Muſſolini regelt damit im voraus ſeine etwaige Nachfolgeſchaft
indem Artikel 8 des Geſetzes beſtimmt, daß der Große fasciſtiſche
Parteirat eine Liſte der Namen ausarbeitet und laufend
fort=
führt, die der Krone für die Ernennung des etwaigen
Nachfol=
gers des Regierungschefs unterbreitet wird, ſowie eine Liſte
von Perſonen, die er für Regierungsämter im Falle von
Va=
kanzen für tauglich hält. Falls der Regierungschef verhindert
iſt, wird der Große Parteirat vom Parteiſekretär einberufen
Seine Sitzungen ſind geheim und ohne Rückſicht auf die Zahl
der Teilnehmer beſchlußfähig. Die beſchließende Befugnis des
Eroßen Fasciſtenrates erſtreckt ſich ſowohl auf die Genehmigung
der Kandidatenliſten für die Kammerwahlen als auf die
Staatsverfaſſung überhaupt, ſowie auf die Organiſation und
die politiſchen Richtlinien der Partei und die Ernennung des
Parteiſekretärs und des Parteidirektoriums. Der fasciſtiſche
Große Rat muß nach dieſem Geſetzentwurf über alle
verfaſ=
ſungsmäßigen Probleme zu Rate gezogen werden. Als ſolche
werden in der Neformvorlage ausdrücklich angeführt: Die
Eeſetzentwürfe über die Thronfolge, die Befugniſſe und
Vor=
reihte des Königs, die Zuſammenſetzung und Funktionen des
Großen fasciſtiſchen Parteirats, des Senats und der Kammer.
die Ernennung und die Vorrechte des Regierungschefs, die
Be=
fugniſſe der Vollzugsgewalt zur Erlaſſung juriſtiſcher Normen
und zur Ordnung der Gewerkſchaften und Korporationen, die
Beziehungen zwiſchen dem Staat und der katholiſchen Kirche.
die internationalen Verträge, die Aenderungen des
Staats=
gebietes und der Kolonien oder Verzicht oder Zuwachs von
Staatsgebiet mit ſich bringen. Die Mitglieder des Großen
Parteirates erfullen ihre Aufgabe unentgeltlich, ſo daß die
Staatskaſſe von ſeiner Tätigkeit nicht belaſtet wird. Die
Er=
hebung des ſasciſtiſchen Großrates zum wichtigſten
beſchließen=
den und berafenden Verfaſſungsorgan des Staates läßt die
fas iſtiſchen Blätter über dieſe hiſtoriſche Reform zur dauernden
Sicherung des Fascismus
frohlocken. — Der „Impero” ſchreibt: „Wenn man die Reform
lieſt, kann man ſagen, daß man am heutigen Jahrestage der
Ein=
nahme von Rom durch die italieniſchen Truppen einem ebenſo
wichtigen Ereignis beiwohnt, wie am 20. September 1870. Für
die Beſtimmung der Nachfolgeſchaft der Regierung tritt jetzt der
Große ſasciſtiſche Parteirat an Stelle der Parteiführer, die den
König bei der Miniſterkriſe berieten. Die Mitglieder des Großen
Parteirates gewähren ſich die gleiche Immunität und Sicherung
vor Verhaftung, Strafverfahren und polizeilichen Maßnahmen
wie Männer des Parlaments. Die fasciſtiſche Revolution hätte
keine wirkſamere Sicherung des Regimes und ſeiner
Vervoll=
kommnung und Dauer erlangen können. Muſſolini hält die
Zu=
kunft noch immer in der Hand und formt ſie nach ſeinem Willen.
Der Duce hat mit ſeinem ſcharfen Blick das Geſetz geſchaffen, das
die hiſtoriſche Fortdauer des Fascismus gewährleiſtet. Was
immer ſich auch ereignen möge, die Fortdauer des Regimes wird
nicht leiden, welche Ereigniſſe auch immer eintreten mögen, das
Regime wird keine Unterbrechung erleiden. Wohl werden die
Männer wechſeln, aber der Generalſtab wird durch dieſes Geſetz
Muſſolinis bleiben.
Briands unbegreiflicher Optimismus.
* Berlin, 20. Sept. (Priv.=Tel.)
In einer Unterredung mit einem Preſſevertreter hat Briand
auch neuerdings wieder eine ſehr große Zuverſicht über die
weitere Entwicklung der Reparationsfrage an den Tag gelegt. Er hat
von der Möglichkeit einer Regelung „vielleicht in einigen Wochen,
viel=
leicht in zwei Monaten” geſprochen, auf die dann ſofort die
Total=
räumung folgen könnte. Wir haben bereits darauf hingewieſen, daß auf
deutſcher Seite dieſer Optimismus nicht geteilt wird, daß vielmehr auf
unſerer Seite die Schwierigkeiten erheblich höher eingeſchätzt werden.
Auch der „Vorwärts” ſpricht von „geradezu erſtaunlichem Optimismus”
Er iſt ebenfalls der Meinung, daß Briand die Schwierigkeiten erheblich
unterſchätzt, zumal was die Rolle Amerikas angeht. Briand hat
ſich auf den Standpunkt geſtellt, daß das Reparationsproblem
eine Frage für ſich ſei, die Amerika überhaupt nichts
angehe. Das gilt aber doch nur für die amerikaniſche Regierung.
Ohne das amerikaniſche Finanzkapital wird aber eine Mobiliſierung
der deutſchen Schuld kaum zu machen ſein, und die New=Yorker Bankiers
werden ſicher nichts ohne die Zuſtimmung des Weißen Hauſes
unter=
nehmen. Daran ſind doch ſchließlich vor zwei Jahren mit die Pläne
von Thoiry geſcheitert.
*Cocktail=Kunde.
Von Munkepunke.
Seitdem mein Freund Alfred Richard Meyer als den erſten
Teil meiner geheimen Mixologie mein „Bowlenbuch”, das zuerſt
„Das Kidronsquellchen und andere trinkſame Uebungen” hieß
und ja eigentlich gar kein Bowlenbuch iſt, in die Welt entſandte
— im ſchönen Jahre 1913 war es und in der herrlichen Semilaſſo=
Region des Fürſten Pückler im Schloßparke von Branitz bei
Cott=
bus, daß dieſe Dichtungen, die ſo viel Speſen koſteten,
entſtan=
den —, erhalten wir wöchentlich von ſo vielen durſtigen
Mitmen=
ſchen mehr oder weniger alkoholiſtiſche Anfragen und Anliegen,
daß es mir an der Zeit erſcheint, einiges Biographiſche
zuſam=
menzuſtellen, was an ſich trocken erſcheinen mag und doch ſo leicht,
wenn man nur etwas überflüſſiges Kleingeld hat, in eitel Naß zu
verwandeln iſt — vorläufig auf die Cocktails beſchränkt, die nun
auch in Deutſchland als Vortrunk nach alter ruſſiſcher und
ſchwe=
diſcher Sitte bei Diners und Soupers gereicht werden und die
vor allem dann willkommen ſein mögen, wenn die Mehrzahl der
Gäſte über das akademiſche Viertel hinaus auf ſich warten läßt.
Die Geſchichte, woher eigentlich das Wort Cocktail kommt,
verriet uns eben Frau Jeanne Zelle in dem Vorwort ihres
„Cocktail=Buches” (Otto Stellberg Verlag G. m. b. H.,
Ber=
lin SW. 68), des dem „Geſangs= und Lebenskünſtler
Kammer=
ſänger Richard Tauber” gewidmet iſt und neben dem Tauber=
Cocktail mit geſhakerten Flüſſigkeiten aufwartet, die Zeitgenoſſen
wie Dempſey (daher die Kraft!) und Fairbanks gewidmet ſind:
Während des amerikaniſchen Freiheitskrieges wohnte ein
Gaſtwirt mit bildſchöner junger Tochter in einem kleinen Dorf
unweit der feindlichen Linie. Die braunen Augen, die goldenen
Locken des Mädchens hatten ſchon ſo manches Soldatenherz in
Flammen geſetzt, aber der geſtrenge Vater wachte und wehrte
jeg=
licher Annäherung. Das Mädchen, dem die Hausarbeit und
beſon=
ders die Pflege des in der ganzen Umgebung berühmten
Hühner=
hofes oblag, verlor jedoch heimlich das Herz an einen jungen
ſchönen Hauptmann. Durch das ſtändige Gewehrfeuer geſchreckt,
verſchwanden eines Tages einige der ſchönſten Hühner. Alles
Suchen, an dem ſich auch die Offiziere beteiligten, war vergebens;
und eines Tages verſchwand auch der ſchönſte Hahn, der
Zucht=
hahn — zum größten Kummer des Gaſtwirtes. Der
Wieder=
bringer dieſes Hahnes ſollte den höchſten Preis erhalten: einen
Kuß von ſeiner Tochter, beſtimmte der verzweifelte Vater. Nach
Stunden und Aberſtunden kehrte einer der Offiziere nach dem
anderen mit müdem Pferd, aber ohne Hahn zurück. Nur der junge
ſchöne Hauptmann blieb noch aus. Spät, erſt nach
Sonnenunter=
gang, horte man den Hufſchlag ſeines Roſſes, ſah man den Reiter
ſtaubbedeckt, erhitzt aus dem Sattel ſpringen. Unter ſeinem
Man=
tel hielt er den erſehnten Hahn geborgen und wies deſſen ſchönen
Federſchweif farbig ſchimmernd ins Kerzenlicht. Verlegen war
das junge Mädchen hinter die Bar geflüchtet, dem Ermüdeten
einen Trank und ihre Lippen, wie es ausgemacht war, zu reichen.
Ja, ihre Verwirrung war ſo groß, daß ſie den Inhalt der
ver=
ſchiedenſten Flaſchen durcheinander ſchüttelte, die dennoch einen
Trunk ergaben, der ſo prachtvoll erfriſchte, daß man ihn bald in
den verſchiedenſten Zuſammenſtellungen immer gern wiederholte
und ihn „The Cocktail”, zur Erinnerung an die Ehegründung
zweier junger Menſchen, benannte. Leider verſchweigt uns das
Statiſtiſche Amt noch immer die Zahlen, wie viele Menſchen ſich
in Deutſchland alljährlich nach oder bei dem Genuſſe von einem
oder gar mehreren Cocktails finden und ob hier mehr der Mann
oder die Frau „Hahn im Korbe” iſt.
Für die fleißige kompilatoriſche Arbeit der Frau Jeanne Zelle
möge ſprechen, daß ſie u. a. mit Originalrezepten vom Pariſer
Künſtler=Club, Rue Pigalle 14, von Charley Mahoney (New
York), Harry Johnſon (New Orleans), vom Café de Paris
(Brodway New York), Plaza Hotel in New York (NB. vor der
Trockenlegung!), von William Pollack (Cecil=Bar, London),
Johnny Leopold (Grand Circle Aix=les=Bains), T. P. Weimann,
Paris, Al Oates=Savannah, vom Claridge Hotel, Champs
Ely=
ſees Paris, Phil. Groß (Cincinnati O.), Joſeph Rote of Murray
Bros. Café, Newark N., Fred Martin vom Caſino Deauville
auf=
warten kann. Außerdem gibt die Dame ihren 179 Rezepten noch
ein Stimmungsverzeichnis bei, welche Cocktails beſonders für
Verliebte, junge Mädchen, Eheleute, Feinſchmecker, Sportsleute,
Verkaterte, Antialkoholiker, Lebensmüde zu empfehlen ſeien —
was für mich leider die ſehr traurige Feſtſtellung ergab, daß ich
definitiv zu den Lebensmüden zu rechnen bin, was mir ſehr leid
tunt, da ich mich ſelbſt niemals in dieſe Abteilung von Menſchen
katalogiſiert hätte.
Aber — warum hat Otto Stollberg dieſes Buch nicht
halb=
wegs ſo geſchmackvoll und geſchmacklich anregend wie der Verlag
„Au sans parail” Paris, das Werk „Petits et grands Verres”
aus=
geſtattet, das Ph. Le Huby nach Nina Toye und A. H. Adair
übertrug und das J.=E. Laboureur mit ſehr modernen
Ornamen=
ten verſah? Beſonders ſympathiſch berührt hier die Tatſache, daß
nach den Rezepten einige Seiten für handſchriftliche Nachträge
freigelaſſen ſind, ſo daß ſich jeder verſtändnisvolle Cocktail=Trinker
— und wer hielte ſich nicht für einen ſolchen! — hier als Cocktail=
Kulturhiſtoriker herausbilden kann. Daß dieſes Buch über den
Cocktail=Rahmen hinausgeht, beſagt ſchon ſein Titel.
Mit 322 Rezepten ſerviert uns Harrys „ABC of Mixing
Cocktails” (London, Dean and Son, Limited), Laurence Hills,
Director Paris New York Herald and Tribune gewidmet — im
kleinſten Taſchenformat, Text in letzter, knappeſter Sachlichkeit,
Praktiſches Gegenſtück, ebenfalls aus London, und zwar vom
Embaſſay Club ſanktioniert, bietet uns Robert mit ſeinen
„Cocktails how to mix them” 5. Auflage in 25 300 Exemplaren
(Herbert Jenkins Limited, London SW. 1). Daß man aber auch
in den Vereinigten Staaten wenigſtens alkoholiſtiſch lieſt, beweiſt
der große Erfolg von „The Cocktail Book” a Sideboard
Manual for Gentlemen, New Reviſed Edition (For The St.
Bo=
tolph Society by L. C. Page and Company, Publiſhers, Boſton,
U. S. A.); vier große Auflagen in zwei Jahren. Ganz für den
ſchlichten Hausgebrauch möchte das Werkchen beſtimmt ſein, meimt
es beſcheiden; und dieſe Hoffnung mag ſich wohl auch „voll und
ganz” erfüllt haben.
Bleiben wir in unſerem Vaterlande. Paul Schober,
langjähriger Leiter und Mixer der Kempinſki=Bar in Hamburc,
veröffentlichte bereits im Herbſt 1912 ſein „Handbuch gemiſchter
Getränke”, zu beziehen durch Paul Schober, Hamburg,
Reis=
mühle 6. Wir müſſen heute leider ſagen, daß es ſich nur um den
Verſuch eines Handbuches gehandelt hat. Aber das Jahr 1912
iſt doch wichtig für die deutſche Cocktail=Literatur. Da ließ
Wilhelm Helmut Storrer das „Deutſche Getränkebuch
erſcheinen — „für Hotel=, Café=, Reſtaurant= und Konditorel
Inhaber und deren Perſonal unentbehrlich”, zu beziehen bone
Selbſtverleger Wilhelm Storrer, Oſtſeebad Brunshaupten i. Mu
früher in Roſtock i. M. Möglichſte Bemühung iſt feſtzuſtellen,
De=
engliſchen und franzöſiſchen Getränkenamen durch deutſche dr
erſetzen. Etwas reichhaltiger iſt das illuſtrierte internationale
Getränke=Buch „Der Mixologiſt” von Carl A. Seutter,
das 1913 in P. M. Blühers Verlag, Leipzig, erſchien und deie
ich viele Anregungen für meine Dichtungen verdanke.
Etwa=
mehr Beachtung fanden die 1640. Rezepte, die A. Brehme‟
unter dem Titel „Das Mixerbuch” herausgab,
Bereitungs=
vorſchriften für alle Pünſche, Bowlen, Miſch= und andere Getrcnie
(1924, Walter Krieg Verlag, Leipzig). Weniger bedeutungshon
iſt das „Buch der American Drinks” von Richard
Andeck, das mir in 3. Auflage aus dem Jahre 1924, Hugd
Steinitz Verlag, Berlin W. 35, in kümmerlichſter Ausſtattung
vorliegt.
Eine Cocktail=Mode braucht noch lange keine Cocktail=Kunde
zu ſein. Deutſchland iſt nie wie andere Länder ein Land der
Orinks geweſen. Nationalgerichte wie Nationalgetränke werden
nicht durch Zufall und noch weniger durch eine flüchtige Mode
heimiſch, vielmehr entſpringen ſie ſtets den Bedürfniſſen von
Menſchen in einer beſtimmten Landſchaft, helfen über ſchlechte
Witterung hinweg, bieten Lebensſteigerung aus typiſcher Veran=
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Nummer 263
Freitag den 21. September 1928
Seite 3
Großhandelstagung in München.
Zerufsfragendes Großhandels
„Haushalts= und Steuerſorgen von Siaat
und Wirtſchaft”.
München, 20. September.
Am 18. und 19. September 1928 begannen in München
Vorberatungen zum Großhandelstag in Geſtalt von Präſidial=
„d Vorſtandsſitzungen. Am 20. September fand eine Sitzung
d3 Reichsausſchuſſes des Deutſchen Groß= und Ueberſeehandels
ſitt, die eine umfangreiche Tagesordnung aufwies und auf der
d wichtigſten, den deutſchen Großhandel gegenwärtig
berühren=
m Sorgen behandelt wurden. Das Ziel der Ausſchußſitzung
ur, vor der öffentlichen Sitzung die brennendſten
Be=
ufsfragen des Großhandels zum Gegenſtand interner
körterungen zu machen. Ueber „Die kommenden
ſteuer=
lch en Geſetzentwürfe im neuen Reichstag,
ins=
hſondere das Finanzausgleichsgeſetz und
Ver=
nögenszuwachsſteuer” referierte Miniſterialdirektor vom
Nichsfinanzminiſterium, Prof. Dr. Dorn. In den einleitenden
lorten überbrachte er Grüße und Wünſche des
Reichsfinanz=
nniſters und des Staatsſekretärs Prof. Popitz, an deſſen Stelle
edas Wort ergreife. Er betonte den rein perſönlichen Charakter
ſner Ausführungen, die nur zur Klärung in Fragen beitragen
wllten, die das Parlament in nächſter Zeit beſchäftigen könnten.
zur Sache führte er etwa folgendes aus: Die Erkenntnis von der
(nheit des Haushalts der öffentlichen Wirtſchaften, der engen
Lrbundenheit der Ausgaben und Einnahmen und von der
Ein=
hit der Steuerlaſt für die Wirtſchaft ſei Ausgangspunkt aller
om einſamen Sorgen, aber auch aller gemeinſamen Bemühungen,
ſeer Herr zu werden. Im öffentlichen Haushalt hätten die
Aus=
oben den Vorrang, jedoch nur, ſoweit ſie das „Staatliche
Eiſtenzminimum” darſtellten. Im übrigen werde durch ihre
linderung ein ſicherer Weg für die Steuerſenkung frei. Um die
löglichkeiten, die ſich hier im Reiche bieten, näher zu beleuchten,
trrvies er auf einige Haushaltszahlen. Soweit nicht
ſtaats=
blitiſche Einſparungen, Verzicht auf Aufgaben, für den Staat
jöglich ſei, gelte es organiſatoriſche Einſparungen durchzuführen.
ſie Bemühung aller Beteiligten in Staat und Wirtſchaft müßten
zr Löſung zuſammenwirken. In der Linie dieſer Entwicklung
bge das Steuervereinheitlichungsgeſetz. Weitergehende Wünſche
fänden bei der Wirtſchaft für die Realbeſteuerung der Länder
nd Gemeinden, deren unmittelbare Senkung durch Reichsrecht
eſrebt werden. Hier gelte es eine allgemeinere Neuregelung.
Lemin es aber eine Möglichkeit einer Steuerſenkung für die
Real=
feuer gebe, ſo ſei dies Geſetz, das ſie vergleichbar mache, der beſte
Zeg. Es ſei ſchwer verſtändlich, wie man den Weg ablehnen
ume, weil er noch nicht das Ziel ſei. — Auf dem Gebiet der
ſachsſteuern ſpiele das Verlangen der Einkommenſteuerſenkung
„e beſondere Rolle. Für die Lohnſteuer ſei der Wunſch durch
Mdetz vom Juli 1928 erfüllt. Das Gegenſtück für die veranlagten
hätleren und kleineren Einkommen ſei noch umſtritten.
Aller=
ings müßten die Laſten in Deutſchland, anders als etwa in dem
incklicheren Amerika auf breiteſte Volksſchichten gelegt werden.
ern Wunſche, größere Gleichmäßigkeit in die Wirtſchaftsrechnung
Inv die Kavitalbildung hineinzutragen, diene auch der Ruf nach
eit dreijährigen Durchſchnitt bei der Einkommenſteuer. Die
rage, ob bei der Einführung des dreijährigen Durchſchnitts der
ferluſtvortrag in gewiſſem Umfange zugelaſſen werden, ſolle,
derde geprüft werden müſſen. Was die Abſchaffung des
Steuer=
bruges vom Kapitalertrag angehe, ſo ſeien auch hier Gründe
mo Gegengründe ſtark. Beachtet werden müſſe die
Verſchieden=
eit der Frage für feſtverzinsliche und für Dividenden=Werte,
fe unter Umſtänden eine abweichende Behandlung rechtfertige.
Was die Vermögensbeſteuerung angehe, ſo ſei in dem
Steuer=
nllderungsgeſetz eine Nachzahlung auf die Vermögensſteuer 1926
Höhe des an 400 Millionen fehlenden Betrages (40 Millionen)
orgeſehen. Der im Dezember 1927 demgemäß vorgelegte
Geſetz=
nrwurf ſei wegen der Bedenken nicht weiter gekommen, denen
iieſer Eingriff in Kapital und Kapitalbildung, namentlich auch
ngeſichts der Not der Landwirtſchaft begegne. Die Beſteuerung
es Vermögenszuwachſes werde in zwei Formen erörtert.
Ein=
nal denke man an die Inflationsgewinnſteuer, dann an die
lau=
ende Vermögenszuwachsſteuer. — Die laufende
Vermögens=
urwachsbeſteuerung iſt bis zum 31. Dezember 1928 ausgeſetzt. Das
feltende Geſetz iſt inhaltlich überholt. Ein neues ſoll vorgelegt
verden. Da Steuerſatz und Ausgeſtaltung der Steuer offen ſind,
arin nur einiges Grundſätzliche geſagt werden. Die ſchwierigſte
Einzelfrage iſt die des Stichtages, der Anfangs= und End=
Ver=
lagung. Je differenzierter Kulturelles iſt, und ſei es ſelbſt eine
von Vielen gewiß als eine ſolche Nebenſächlichkeit eingeſchätzte
Agelegenheit wie ein Cocktail, je primitiver packt uns oft das
Verlangen nach Selbſtverſtändlichkeit des Genießens. Und dann
nehme ich mir immer wieder das alte Buch von den „Bowlen und
Pünſchen” vor, anonym in der Verlagsbuchhandlung von J. J.
Weber, Leipzig, erſchienen, von Offizieren der alten Armee
ver=
faßt — einigen von ihnen begegnete ich im Kriege in Situationen,
da wir nur holde Erinnerung nach dieſem Rezeptbüchlein greifen
laſſen konnten. Hier iſt zuerſt der deutſche Durſt berückſichtigt und
wenn nebenbei auch die American=Drinks, darunter ganze neun
Cocktails, behandelt werden — ſo genügt das für den
Hausge=
brauch. Darüber hinaus möge meine kleine Bibliographie, die
ſich keineswegs einbildet, lückenlos zu ſein, Anregungen für
minu=
tiöſere Cocktail=Trinker bieten. Auf jeden Fall geneigtes Wohlſein!
In geziemenden Maßen, verſteht ſich. Miſchungen aus dem
Schüttelbecher können getroſt einſpännig fahren, ſchon weil ſie es
„n ſich” haben.
Gewerbemuſeum.
Am Sonntag, den 23. ds. Mts., wird im Gewerbemuſeum
eine Ausſtellung von kirchlichen Arbeiten eröffnet, die für die Muſik, Komponiſt und Muſikſchriftſteller in Wiesbaden, ſchreibt: Der
Eirche von Ober=Widdersheim beſtimmt ſind. Am
ſ. Oktober wird die Kirche nach Abſchluß größerer Bauarbeiten und Rat und Hilfe in allen Fragen der Atmung, des Tonanſatzes, der
wieder eröffnet und begeht gleichzeitig die Erinnerung an die
Einführung der Reformation im Jahre 1528. Als erſter
evan=
geliſcher Geiſtlicher amtierte damals der Magiſter Chelius
und die Angehörigen der noch jetzt in Heſſen verbreiteten Familie
haben ſich aus dieſem Anlaß entſchloſſen, zur Ausſtattung der i=Tippelchen durchdacht hat, in Vielem auch eigene und neue Wege; aber
Nirche und für den liturgiſchen Gebrauch eine Reihe von Arbeiten
zu ſtiften. Der Wert der Stiftung und ihre Bedeutung für die
Familie wird noch dadurch erhöht, daß die Ausführung der
Ar=
beiten ſoweit irgend möglich durch Familienmitglieder erfolgt iſt. leiten; doch ſein pädagogiſcher Idealismus hat etwas Herzbezwingen=
So ſind die Altardecke, ein Antependium und ein
Teppich nach Entwürfen von Profeſſor Rudolf Koch durch
An=
gehörige der Familie ausgeführt. Ebenſo wurde ein Leſepult
von ihnen geſchnitzt und die Urkunde von einem Mitglied der
Familie geſchrieben. Sechs gemalte Fenſter in Bleifaſſung
ſind nach Entwurf des Malers Fahrenbruch in Frankfurt
aus=
geführt. Zwei weitere Antependien wurden von den Frauen
der Gemeinde Ober=Widdersheim geſtiftet und in der Werkſtatt
von Rudolf Koch hergeſtellt. Der Kruzifixus für den Altar,
der von Profeſſor Stock in Frankfurt modelliert und in
Geiß=
lingen in Bronze gegoſſen wurde, iſt gleichfalls ein Geſchenk der
Pamilie. Im ganzen ſind 10 Mitglieder der Familie an der
mögen beſtimmen ſoll. Den Stand von 1924 oder 1925 dem von
1928 gegenüberzuſtellen, dürfte ſich verbieten, weil die Erhöhung
des Vermögens zumeiſt auf dem Hineinwachſen des alten
Ver=
mögens in ſeinem wahren Wert, nicht aber auf Vermehrung des
Vermögens beruht. Allgemein wird zu prüfen ſein, inwieweit
die Notwendigkeit, den Sparbetrieb zu fördern und die
Kapital=
bildung zu beſchleunigen, ſchon jetzt eine Entſcheidung geſtattet. —
Mit der Frage der Kapitalbildung und des Wiederaufbaues
wirt=
ſchaftlich zureichenden Kapitals hängt das Verlangen nach einer
Verlängerung der Steuerbegünſtigungen zuſammen, die das
Steuermilderungsgeſetz bis zum 1. Oktober 1928 gewährt. Dieſe
Begünſtigungen dienen der Rationaliſierung der Wirtſchaft; nach
dem parlamentariſchen Stande der Dinge dürſte ihre Erſtreckung
auf ein weiteres Jahr geſichert ſein. — Zur Erleichterung von
Kreditbeſchaffungen wird vielfach eine Herabſetzung der
Wert=
papierſteuer gefordert. Um gleichmäßigere Bedingungen für
In=
lands= und Auslandsmarkt zu bieten, wird an eine einheitliche
zeitweiſe Senkung des Satzes auf 1 Prozent gedacht werden
können.
Der Redner behandelte noch kurz die für die Herabſetzung
der Wechſelſteuer bei Imporwechſeln, die Hinausſchiebung der
Grunderwerbſteuer der toten Hand, ſprechenden Erwägungen
und wies auf die Beſtrebungen hin, die Getränkeſteuer
auszu=
bauen und die Luſtbarkeitsſteuer für Filmvorführungen
herab=
zuſetzen. Er fügte ſodann einige Worte über die Frage des
Finanzausgleichs hinzu, die mit den Haushalts= und den
Steuer=
ſorgen gleichermaßen verbunden ſei. Unter Hervorhebung der
gerade in dieſem Punkte für ihn gebotenen Zurückhaltung erwog
er die Möglichkeit, die Zuſchlagsfrage bei der gegebenen
Wirt=
ſchaftslage zu löſen, die Einführung der Zuſchläge mit der
Be=
ſteuerung des Exiſtenzminimums zu verbinden und darüber
hin=
aus endgültige Formeln für die finanziellen Beziehungen
zwi=
ſchen Reich und Ländern zu ſinden, während die
organiſatori=
ſchen Reformen noch der Klärung harren.
Der Vortragende ſtreifte noch die Fragen des
internationa=
len Steuerrechts, die den Handel beſonders berühren, wie die
Beſteuerung internationaler Häuſer und ihrer ſtändigen
Ver=
treter. Er ſchloß mit einem Hinweis auf die nodwendige
Mit=
arbeit der im Groß= und Ueberſeehandel zuſammengeſchloſſenen
Berufskreiſe an der Löſung der erörterten Probleme.
An das Reſerat ſchloß ſich eine Diskuſſion an, in der u. a.
Ge=
heimrat Tetzſche die wichtigſten ſteuerlichen Forderungen des
Großhandels erörterte. Ueber das Thema „Wege zur
Lei=
ſtungsſteigerung im deutſchen Großhandel”
be=
richteten drei Referenten: Wilhelm, Herrmann, Berlin, über:
Gemeinſamer Einkauf im deutſchen
Großhan=
del vom Standpunkt des
Nahrungsmittelhan=
dels aus”; anſchließend berichtete der Geſchäftsführer der
Bezirksgruppe Eſſen des Reichsverbandes, Direktor Dr. Enke,
Eſſen, über: „Praktiſche Erfahrungen innerhalb
der Einkaufskartelle des
Nahrungsmittel=
großhandels‟. Der Geſchäftsführer des Reichsverbandes,
Dr. Engel, berichtete über:
„Der Stand der Unkoſien= und Umſatzſiatiſtik
im Großhandel”,
indem er unter Hinweis auf die großen Erfolge der
amerikani=
ſchen Großhandelsſtatiſtik, an Hand einer ausführlichen
ſtatiſti=
ſchen Zuſammenſtellung der bisherigen Anfänge der ſtanſtiſchen
Beobachtung eines Großhandelszweiges die Forderung aufſtellte,
daß die Branchenverbände des Großhandels in ſtärkerem Maße
als bisher ſich der Betriebsſtatiſtik bedienten und ſich gegen die
natürliche Endwicklung der privatwirtſchaftlichen
Rentabilitäts=
forſchungen nicht ablehnend verhalten. Nach den bisher
feſtge=
ſtellten Ergebniſſen ſeien die Unkoſten, mit denen der deutſche
Großhandel arbeitet, weit geringer, als die des amerikaniſchen
Großhandels, und daher geeignet, die in der Oeffentlichkeit
vor=
handenen ſchiefen Auffaſſungen über die Exiſtenzberechtigung des
Großhandels endlich an Hand von einwandfreiem Material zu
widerlegen. Es ergäbe ſich aus den Zahlen, daß der Großhandel
noch immer billiger den Verbrauch bediene, als unter gleichen
Bedingungen arbeitende andere Wirtſchaftsgruppen dieſes je
vermochten.
An dieſe Referate ſchloß ſich eine Diskuſſion an, in der Dr.
Birnbaum, Aſſeſſor Lippert und Rechtsanwalt Stern über ihre
praktiſchen Erfahrungen auf dem Gebiete der Umſatz= und
Un=
koſtenſtatiſtik Mitteilungen machten. Zum Thema „Der
Groß=
handel und die Arbeiten für eine neue
Kartell=
verordnung” ſprach das Mitglied des Kartellausſchuſſes des
Reichsverbandes des deutſchen Groß= und Ueberſeehandels,
Rechtsanwalt Dr. Friedländer. Direktor Nehrkorn=Hamburg be=
Ausführung der Arbeiten beteiligt, während zur Aufbringung der
Mittel wohl über 70 Angehörige aus allen Teilen Deutſchlands
beigetragen haben.
Die ganze Schenkung iſt in ihrer Entſtehung und Ausführung
getragen von einer ſelbſtloſen Pietät, die nicht dem Stolz der
Familie, ſondern der dankbaren Erinnerung an die Vorfahren
Ausdruck gibt. Es wäre zu wünſchen, daß das hier gegebene
Vorbild auch an anderer Stelle Nachahmung finden möchte. Die
Ausſtellung bleibt bis zum 3. Oktober geöffnet.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
München: Der nichtplanmäßige a. v. Profeſſor Dr. Max Hirmer
iſt vom 1. Oktober 1928 an zum etatsmäßigen a. o. Profeſſor für
Bota=
nik ernannt worden. — Der Privatdozent für Baubetriebs= und
Bau=
wirtſchaftslehre an der Techniſchen Hochſchule, Dipl.=Ing. Dr.=Ing.
Heinrich Leitz, iſt zum ordentl. Profeſſor für Baumechanik an der
Techniſchen Hochſchule in Graz berufen worden. Seine Ernennung iſt
bereits erfolgt.
— „Wegweiſer zum Kunſtgeſang”, und als Anhang: „Die ſchöne
Stimme‟. Von Müller=Söllner, Lehrer des Kunſtgeſangs zu Darmſtadt.
(Verlag: Müller=Söllner, Darmſtadt.) Herr Otto Dorn, Profeſſor der
Verfaſſer iſt auch in Wiesbadener Sangeskreiſen ſchon wohlbekannt, und
wer ſeinen Unterricht genießt, wird dieſen „Wegweiſer” freudig begrüßt
Ausſprache uſw. daraus geſchöpft haben. Die Methode folgt etwa den
Prinzipien der einſt hochangeſehenen Geſangsmeiſterin Luiſe Reß (geſt.
1907), die viele der bedeutendſten Opernſänger und =ſängerinnen
aus=
gebildet hat. Selbſtredend geht Müller=Söllner, der alles bis aufs
auch bei ihm beruht alles auf natürlicher Grundlage ohne „
halsbreche=
riſche” Künſteleien. Der Verfaſſer kann ſich nicht genug darin tun, den
Studierenden alles ſo dringend und deutlich als möglich darzulegen: er
läßt ſich dabei zu manchen vielleicht überflüſſigen Wiederholungem
ver=
des! Die Lehrbücher bietem auch ohne Müller=Söllners perſönlichen
Ein=
fluß für bereits ſtimmfähige Geſangsbefliſſene, für Lehrende und
Ler=
nende viel Anregendes; und wenn ein Zweifelnder angeſichts dieſes
neuen „Wegweiſers” fragt: „Iſt das denn meine Straße?”, ſo kann
die Antwort nur lauten: Viele Wege führen nach Rom, und dies iſt auch
0.D.
einer, und ein ganz ſicherer.
„Die Induſtrigliſierung Darmſtadts im 19. Jahrhundert.” Ein
Beitrag zur Wirtſchaftsgeſchielte Darmſtadts. Unter dieſem Titel hat
der Diblom=Volkswirt Dr. Arthur Uecker eine 191 Seiten ſtarke
Schrift im Kommiſſionsverlag, der Buchhandlung Müller u. Rühle,
Darmſtadt, erſcheinen laſſen. An Hand ven dankbar
zuſammengetrage=
nem Material, macht der Verfaſſer den Verſuch, eine eingehende
Ueber=
ſicht und Dacſtellung über die Entwicklung von Darmſtadts Induſtrie,
Saudel und Gewerbe zu geben. Er zeigt an Hand eines Verkehrsplaus
richtete über den Stand der Entſchädigungsfrage
der Geſchäftsführer des Reichsverbandes, F. Hildebrandt, über
die Einwärkungen von
Verwaltungsmaßnah=
men auf die Handelsverträge. Der preußiſche
Finanz=
miniſter Dr. Höpker=Aſchoff ſprach über „Einheitsſtaat und
Ra=
tionaliſierung der Verwaltung”. Reichsminiſter a. D. Schiffer
behandelte das Thema
„Reform der Rechtspflege‟
Er führte u. a. aus, die Wirtſchaft ſei intereſſiert an der
Sammlung und Sichtung des vorhandenen Rechts, an der
Be=
ſeitigung des veralteten Rechts und verlange eine Einſchränkung
der Lebensdauer der Polizeiverordnung, Vereinheitlichung des
Rechts und Uebertragung der Juſtiz auf das Reich. Zwecks
Ver=
einfachung der Gerichtsorganiſationen für die Wirtſchaft ſchlägt
der Redner eine Dreigliederung der Gerichte in folgender Form
vor: Bezirksgericht, Obergericht, Reichsgericht. Im
Zuſammen=
hang damit wird eine Herabminderung der Zahl der Richter, die
materielle und ideelle Hebung des Standes, ſowie ſeine
wirt=
ſchaftliche Aus= und Fortbildung gefordert. Schließlich wird die
Freizügigkeit der Rechtsanwälte empfohlen und eine Beteiligung
der Wirtſchaft an der Rechtsſprechung gefordert.
An die einzelnen Referate ſchloſſen ſich Diskuſſionen an. Ein
Münchener Abend, veranſtaltet von der Bezirksgruppe Bayern
des Reichsverbandes, vereinigte die Tagungsteilnehmer.
Der neue Etat. / Neue Steuern unvermeidlich.
* Berlin, 20. September.
Auf der Tagung des Deutſchen Groß= und Ueberſeehandels
hat der Miniſterialdirektor Dorn vom Reichsfinanzminiſterium
über die kommenden Steuergeſetzentwürfe geſprochen. Poſitive
Angaben über das, was wir zu erwarten haben, hat er dabei
allerdings nicht gemacht. Ein Beweis, daß die Beratungen im
Finanzminiſterium noch nicht zum Abſchluß gekommen ſind. Nur
um die Tatſache, daß wir neue Steuern brauchen, werden
wir nicht herumkommen. Wir müſſen 300 Millionen neue
Re=
parationsausgaben einſetzen, denen ein entſprechender Verluſt an
einmaligen Einnahmen und Ueberſchüſſen gegenüberſteht, ſo daß
ſich alſo mindeſtens ein Mehrbedarf von 600 Millionen ergibt.
Dazu kommen Wünſche nach einer weiteren Senkung
der Einkommenſteuer zugunſten der mittleren
undkleinen Einkommen, ſowie zur Einführung des
drei=
jährigen Durchſchnittes, worüber bereits Zuſagen des
Reichs=
fiwanzminiſteriums vorliegen. Auch das bedeutet Ausfälle, die
gedeckt werden müſſen und die ſicher durch eine neue
Wertzu=
wachsſteuer nicht einzubringen ſind. Dagegen ſcheint man eine
Erhöhung der Tabakſteuer und im Zuſammenhang
mit der Umgeſtaltung des Spritmonopols eine Erhöhung der
Einnahmen aus dem Schnapsverkauf zu erwägen, vielleicht in
Verbindung mit der Wiedereinführung der Weinſteuer. Es
zeigt ſich alſo, daß wir unſere vierjährige Schonzeit ſchlecht
aus=
genutzt haben. Gewiß iſt es richtig, daß von den 10 Milliarden
des Etats 3½ Milliarden einſach Ueberweiſungen an die Länder
darſtellen, und 5½ Milliarden feſtgelegt ſind durch
Kriegsſchul=
den und Sozialverſicherung, Beſoldung der Polizei uſw., ſo daß
nur ein beweglicher Faktor von wenig über 1 Milliarde
ver=
bleibt. Um ſo notwendiger aber wäre es, daß die
Reichsregie=
rung rechtzeitig auf größere Sparſamkeit und auf
Vereinheit=
lichung des Steuerapparats gedrängt hätte. Statt deſſen liegt
das Steuervereinheitlichungsgeſetz noch vollkommen feſt und der
endgülige Finanzausgleich, der am 1. April des kommenden
Jah=
res fertig ſein ſollte, iſt noch ein ſchöner Trcm. Er wird
ver=
mutlich durch Verlängerung des gegenwärtigen Proviſoriums
um ein Jahr erſetzt werden, wobei freilich das Reich den
Ver=
ſuch machen wird, ſeinen Anteil an den jährlichen Steuern zu
erhöhen, indem es die auszuzahlenden Beträge an die Länder
kontingentiert oder den Ueberſchuß reſtlos erhält, oder indem es
wenigſtens für den Ueberſchuß die ſchlüſſelmäßige Beteiligung
ſich ſichert. Aehnlich wird man dann auch bei der Umſatzſteuer
vorgehen müſſen. Alerdings ſpielen gerade hier finanzielle und
politiſche Bedenken mit hinein. Aber irgendwie muß das Reich
ſeinen Haushalt ins Gleichgewicht bringen, weil das die
Voraus=
ſetzung für das Vertrauen des Auslandes iſt, ohne das wir an
eine Löſung der Reparationsfrage nicht denken können.
vom 18. Jahrhundert, und unter Zugrundelegung von reichem
ſtatiſti=
ſchen und Tabellennmterial, wie die Induſtrialiſierung Darmſtadts
ihren Weg ging und Handwerk, Handel und Induſtrie und Gewerbe
immer wieder von Etappe zu Etappe ihren Aufſtieg machten, und wie
mit dem Wachſen der Stadt und mit der Erweiterung und Ausdehnung
derſelben auch die Induſtrialiſierung ihren Weg gingen. Unter
Voraus=
ſetzung der verkehrsmäßigen und geographiſchen Lage und unter
Be=
rückſichtigung der ſozialen und wirtſchaftlichen Struktur Darmſtadts zu
Beginn des 19. Jahrhunderts, die ein werwolles volkswirtſchaftliches
Bild aus jener Zeit geben, zeigt der Verfaſſer den Ausgangspunkt
der Induſtrialiſierung. Einen größeren Abſchnitt widmet er der Epoche
bis zum Jahre 1850 als Zeitalter der Darmſtädter Induſtrie und gibt
hierbei einen Ueberblick über die Darmſtädter Betriebe in den 30er
Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es wird dabei die Gründung der
„Induſtriehalle” (die erſten Anſätze zur heutigen Zentralſtelle für die
Gewerbe), die Begründung der heſſiſchen Eiſenbahn berückſichtigt. Einen
beſonders wertvollen Abſckhmitt bildet „Das Zeitalter des Aufbaues von
Darmſtadts Induſtrie‟. Hier zieht der Verfaſſer eine Linie bis zur
Neicksgründung und gibt von da aus einen Ueberblick über wichtige
induſtrielle Betriebe Darmſtadts bis 1900. Ein beſonderer Abſchnitt iſt
der „Entſtehung und Entwicklung der kommunalen Betriebe” gewidmet,
worin Gaswerk, Waſſerverſorgung, Kanaliſation, Elektrizitätswerk und
Straßenbahn in ihrer Entwicklung gewürdigt werden. Mit der
Eiſen=
bahn und dem Bankweſen, die weſentliche Beiträge zur
Induſtrialiſie=
rung Darmſtadts bieten, ſchließt das Werk, das durch reiches
Tabellen=
material einen guten Anſchauungsunterricht gibt und damit. für
jedor=
mann verſtändlich iſt, ab. Es iſt ein Büchlein, das jeder
Gewerbetrei=
bende, jeder volkswirtſchaftlich Intereſſierte und jeder Freund der
Orts=
geſchichte beſitzen ſoll. Es zeigt, wie Induſtrie, Handel und Gewerbe
zur anſehnlichen Bedeutung gewouden ſind und wie das wirtſchaftliche
Leben im Vorwärtsſchreiten hier ſeinen Platz behauptet.
W. 8. Die Europäiſchen Geſpräche (Hamburger Monatshefte für
auswärtige Politik) bringen in ihrer Auguſtnummer Beiträge zur
Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes. Außer einem Aufſatz des
Herausgebers, Dr. Mendelsſohn Bartholdy, der ſich vor allem mit der
Frage des engliſchen Vorbehalts bezüglich Aegypten und Aſien
aus=
einanderſetzt, und die engliſche Monroedoktrin als moraliſche Belaſtung
des engliſchen Volkes aufgefaßt haben will, ſind im gleichen Heft
Aus=
führungen des Genfer Staatswiſſenſchaftlers Rappard, des engliſchen
Labourabgeordneten Trebelhan, des Franzoſen Graf dOrmeſſon, ſowie
des bekannten amerikaniſchen Hiſtorikers. James Shotwell,
Heraus=
gebers der in der Carnegieſtiftung erſchienenen Bücher für Wirtſchafts=
und Sozialgeſchichte des Weltkriegs. Die verſchiedene Nationalität und
Einſtellung der Berichterſtattenden macht die Lektüre anregend und
ge=
nußreich, wenn auh — bei der insgeſamt gleichen Grundeinſtellung
— zu ſehr optimiſtiſch=ideale Beu=teilung einer poſitiv=ſachlichen Kritik
und Wertung des Kelloggpaktes etwas aus dem Wege geht. Werwvoller
als die Betrachtungen iſt wohl das angefügte — faſt die Hälfte des
Heftes ausmachende — Akrenmaterial. In ihm wird zunächſt der
Wort=
laut der Urkunde mitgeteilt (in der Note des amerikaniſchen
Botſchaf=
ters an die deutſhe Regierung), ſodann folgen die Antworten der
ein=
zelnen urſprünglichen Signatarmächte. Ein= Literaturangabe (etwa
ſechzig bereiis erſchienene Studien zum Kelloggpakt enthaltend), ſowie
eine ausführliche Zeittafel runden das gewonnene Bild ab.
Nummer 263
Hindenburgs Schleſien=Reiſe
An der Stätte ſeiner Jugend. / Vor 20 Jahren.
Liegnitz, 20. September.
Seit den frühen Morgenſtunden bewegte ſich in den feſtlich
geſchmückten Straßen der Stadt eine erwartungsvolle Menge,
Am frühen Vormittag nahmen die Vereine zur Spalierbildung
Aufſtellung. Pünktlich 9.12 Uhr traf der Schnellzug mit dem
Salonwagen des Reichspräſidenten aus Breslau ein. Der
Reichspräſident wurde vom Regierungspräſidenten Dr. Pöſchel,
Oberbürgermeiſter Dr. Charbonnier und dem Landrat des
Krei=
ſes Liegnitz, Ott, begrüßt. Auf dem Bahnhofsvorplatz ſchritt der
Reichspräſident die Front der Ehrenkompagnie ab. Er fuhr dann
unter dem Jubel der Bevölkerung durch die geſchmückten Straßen
der Stadt nach Wahlſtatt. Auf ſeiner Fahrt wurde der
Reichs=
präſident in den feftlich geſchmückten Ortſchaften von der
Bevöl=
kerung herzlich begrüßt. Gegen 3410 Uhr traf der Reichspräſident
in Wahlſtatt ein und wurde dort von dem Leiter der Anſtalt,
Oberſtudiendirektor Daniel, mit einer Anſprache begrüßt, in der
er u. a. ausführte: „Seit Jahren iſt es unſer aller Wunſch, daß
Sie, Herr Reichspräſident, noch einmal dieſe Anſtalt im neuen
Gewand ſehen möchten, die Ihnen in Ihrer Jugend ſo viel war
und die auf Ihr Leben einen ſo entſcheidenden Einfluß ausgeübt
hat. Seit Monaten fiebern unſere Jungen in Erwartung der
Erfüllung ihres Wunſches. Nun iſt der große Tag wirklich
erſchienen. Haben Sie tiefen Dank. „Wir alten Wahlſtätter
wiſ=
ſen, was preußiſche Treue iſt” ſchrieben Sie under ein Bild, das
unſere Anſtalt von der Plane her zeigt. Wir jungen Wahlſtätter
wollen verſuchen, uns Ihrer Treue würdig zu erweiſen. Voll
jubelnder Freude und tiefer Ehrfurcht rufen wir: „Herr
Reichs=
präſident lebe hoch!“
Darauf nahm der Reichspräſident das Schauturnen der
Zöglinge der Anſtalt entgegen und richtete an ſie folgende Worte:
„Liebe Jungens! Es iſt mir eine große Freude, in dieſen
Räu=
wen und auf dieſen Plätzen, wo ich vor 70 Jahren mich einſt
tummelte, euch und eure turneriſchen Vorführungen geſehen zu
haben. Was ich hier ſah, iſt mir ein Beweis, daß die
vaterlän=
diſche Geſinnung, der Geiſt der Pflichttreue und der Wille auch
zur körperlichen Ertüchtigung in dem alten Hauſe auch in ſeiner
neuen Form und Geſtalt noch weiterleben. Haltet an dieſer alten
Ueberlieferung feſt; das wird euch helfen, im Leben tüchtige
Männer zu werden und für das Vaterland von Nutzen zu ſein.
Ich wünſche euch allen recht erfolgreiche Arbeit und eine
glück=
liche Zukunft. Nochmals meinen beſten Dank.”
„Auch Ihnen, meine Herren von der Anſtaltsleitung und
dem Provinzialſchulkollegium, danke ich für die freundliche
Be=
grüßung, die Sie mir an dieſer ſo vertrauten Stätte bereitet
haben, und für alle Mühewaltung, der Sie ſich unterzogen haben.
Ich wünſche der von Ihnen geleiteten Anſtalt gutes Gedeihen
und reichen Erfolg.”
Kundgebungen für Hindenburg in Liegnitz.
Gegen 11 Uhr fuhr der Reichspräſident von Wahlſtatt nach
Liegnitz zurück und traf gegen 11½ Uhr an der Kreisgrenze ein.
In den Straßen der Stadt bildeten rund 20 000 Mitglieder von
Vereinen und anderen Organiſationen Spalier. Der
Reichs=
präſident war auch hier der Gegenſtand zahlreicher Ovationen.
Er durchfuhr die Neu= und Altſtadt von Liegnitz. Während der
Fahrt kreiſten Flugzeuge über der Stadt. Vor dem feſtlich
ge=
ſchmückten Schießhaus hatte eine nach vielen Tauſenden
zäh=
lende Menge Aufſtellung genommen. Fanfarenbläſer ſtanden am
Hauptportal, um den Reichspräſidenten zu empfangen. Gegen
12 Uhr traf der Reichspräſident unter dem Jubel der
Bevölke=
rung, nach der Fahrt durch die ſogenannten Bergerwieſen, vor
dem Schießhaus ein. Er zog ſich in das Palmenhaus zurück, um
dort etwas auszuruhen. Um 12.20 Uhr begann der offizielle
Feſtakt im Schießhaus. Die Feier war umrahmt von muſikali=
ſchen Vorträgen des Liegnitzer Städtiſchen Orcheſters.
Ober=
bürgermeiſter Charbonnier=Liegnitz begrüßte den
Reichspräſiden=
ten und betonte, daß dieſe Huldigung dem Reichspräſidenten,
dem Generalfeldmarſchall, dem Retter unſeres Vaterlandes aus
tiefſter Not und nicht minder dem Ehrenbürger von Liegnitz und
dem Manne gelte, der aus früheſter Jugendzeit mit Schleſien,
und beſonders mit Liegnitz verbunden iſt.
Oberbürgermeiſter Charbonnier führte des weiteren aus:
„Wir Liegnitzer denken noch heute zurück an die ſchweren Jahre,
die hinter uns liegen, als die Fachel des Krieges ſich über
Europa ſenkte, und an die Zeit, die es uns gebot, aus einem
Trümmerhaufen ein neues Staatsgefüge zu machen. Wir haben
uns nie dem Rufe des Vaterlandes verſagt und dürfen die hohe
Genugtuung haben, daß wohl jeder der deutſch fühlt,
unbeſchadet ſeiner Parteiſtellung, zu Ih.nen
voll Ehrfurcht aufſieht, mit dem heißen Wunſch
im Herzen, daß Sie dem deutſchen Volke noch
recht lange erhalten bleiben‟ Der Oberbürgermeiſter
ließ ſeine Wünſche ausklingen in ein Hoch auf das deutſche
Va=
terland und ſein Oberhaupt, den Herrn Reichspräſidenten von
Hindenburg, den Ehrenbürger von Liegnitz.
Der Herr Reichspräſident erwiderte mit einer Anſprache, in
der er u. a. ſagte: „Es iſt mir eine ganz beſondere Freude, heute
wieder in der Gegend zu weilen, wo ich meine Jugend verlebte,
wo ich meine erſte militäriſche Erziehung gefunden habe, und bei
dieſer Gelegenheit auch die Stadt Liegnitz wiederzuſehen, der ich
mich als Ehrenbürger zugehörig fühlen darf. Ich habe mit
leb=
haftem Intereſſe wahrgenommen, welch neue Endwicklung
Lieg=
nitz inzwiſchen genommen hat, und daß aus der alten
Piaſten=
ſtadt in den letzten Jahren die Gartenſtadt im deutſchen Oſten
geworden iſt. Die ſchleſiſchen Städte ſind als die Mittelpunkte
und Vermittler von Handel und Verkehr von alters her die
Träger der Wirtſchaft, wie auch des kulturellen und des geiſtigen
Lebens in Schleſien geweſen. Ich darf nach allem, was ich heute
hier ſah und hörte, mit Genugtuung feſtſtellen, daß die Stadt
Liegnitz ſich dieſer Aufgabe, der Wirtſchaft in allen ihren
Zwei=
gen, Induſtrie wie Landwirtſchaft, Handwerk und Gewerbe,
Förderer zu ſein, bewußt und im feſten Vertrauen auf die
Zu=
kunft beſtrebt iſt, mit allen Kräften die ſchweren Schäden, die der
Krieg und die Nachkriegszeit auch hier geſchlagen haben, zu
über=
winden. Mit nochmaligem Dank für die freundliche Aufnahme,
die ich bei der Stadt, wie bei der Bevölkerung gefunden habe,
ſpreche ich Ihnen meine beſten Wünſche für das weitere
Ge=
deihen der Stadt und das Wohlergehen all ihrer Bewohner aus.
Ich erhebe mein Glas auf die Zukunft der Stadt Liegnitz!”
Die deutſch=öſierreichiſchen
Wirſchafts=
vexHandlungen
Beſuch des Reichspräſidenten in Glogau
und Frauſiadt.
Frauſtadt, 20. September.
Von Liegnitz auts begab ſich der Reichspräſident im
Sonder=
zug in Begleitung von Oberpräſident Lüdemann,
Regierungs=
präſident Pöſchel=Liegnitz und Landeshauptmann v. Thaer nach
Glogau, wo der Reichspräſident auf dem Bahnſteig vom
Ober=
bürgermeiſter und vom Landrat des Kreiſes Glogau empfangen
wurde. Vor dem Bahnhof hatte eine Ehrenkompagnie der
Reichswehr Aufſtellung genommen. Beim Erſcheinen des
Reichs=
räſidenten ſpielte die Muſik das Deutſchlandlied, in das die
Menge begeiſtert einſtimmte. Während der Fahrt durch die
Stadt, die reichen Flaggenſchmuck zeigte, wurden dem
Reichs=
präſidenten überall ſtürmiſche Huldigungen dargebracht. Der
Reichspräſident zeigte beſonderes Intereſſe," für das ſtädtiſche
Muſeum, in dem früher eine Schule untergebracht war, die er
beſucht hatte. Am Denbmal der im Weltkrieg gefallenen 58er
ließ der Reichspräſident einen Kranz niederlegen. Dann ging
die Fahrt weiter nach Frauſtadt. Im Rathauſe zu Frauſtadt
fand ein Empfang durch den Magiſtrat ſtatt.
EP. Wien, 10. September.
Heute beginnen in der Wiener Handelskammer die
Beſhro=
chungen zwiſchen den Vertretern des Deutſchen Induſtrie= und
Handelstages, unter der Führung des Präſidenten von
Men=
delsſohn, and des Oeſterreichiſchen Handelskammertages, unter
der Führung des Päſidenten Tilgner. Die Verhandlungen ſind
für drei Tage in Ausſicht genommen und werden vorausſichtlich
in mehreren Kommiſſionen durchgeführt werden. Auf der
Ta=
gesordnung ſtehen fünf Hauptpunkte.
Der erſte Komplex umfaßt die handelspolitiſchen
Fragen. Auf der einen Seite ſoll eine gemeinſame Baſis für
Oeſterreich und Deutſchland bei den internationalen
Verhand=
lungen gefunden werden, um in der Frage der Vereinheitlichung
der Zollnomenklatur, der Feſtſetzung gemeinſamer Tarifterte
der internationalen Kollektivverträge ſowie der
Meiſtbegünſti=
gung einheitlich vorgehen zu können. Daneben werden aber auch
noch ſpezielle öſterreichiſch=deutſche Fragen von der
handelspoli=
tiſchen Sektion durchbeſprochen werden, wobei eine vorbereitende
Ausſprache über die Fortführung der öſterreichiſch=deutſchen
Hau=
delsvertragsverhandlungen im Mittelpunkt ſtehen dürften. Um
die Möglichkeit zu geben, die in den Wiener Beratungen
gege=
benen Anregungen für die Verhandlungen zu verwerten und die
auch ſonſt noch beſtehenden Schwierigkeiten eventuell aus dem
Wege zu räumen, dürften die öſterreichiſch=deutſchen
Handelsver=
tragsverhandlungen erſt im November wieder aufgenommen
werden. Eine weitere Frage, die in der handelspolitiſchen
Sek=
tion angeſchnitten werden dürfte, bezieht ſich auf die Angleichung
des öſterreichiſchen und deutſchen Zollrechts.
Der zweite Punkt der Tagesordnung iſt das
Steuer=
recht. Um eine ungleiche Belaſtung analoger Betriebe in
Oeſter=
reich und Deutſchland nach Möglichkeit zu verringern, ſoll der
Verſuch gemacht werden, ſowohl in den indirekten, als auch evtl.
in den Umſatzſteuern eine gemeinſame Baſis für die beiden
Län=
der zu ſinden.
Der dvitte Punkt der Tagesordnung iſt die
Rechtsan=
gleichung. Im Vordergrunde der Verhandlungen wird
zu=
nächſt die Frage der Vereinheitlichung des Handelsrechts ſtehen.
Daneben dürfte aber auch wegen einer möglichſt weitgehenden
Angleichung des Verwaltungsrechts geſprochen werden.
Der vierte Punkt der Tagesordnung, die Frage der
Elektrizitätswirtſchaft, gewinnt konkretere
Bedeu=
tung. Hier beſtehen bereits ſeit einigen Jahren große
gemein=
ſame Intereſſen zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich, da
Oeſter=
reich bekanntlich ziemlich viel Strom nach Deutſchland exportiert
und die öſterreichiſchen Waſſerkraftwerke die deutſchen ſehr
gün=
ſtig ergänzen. Es wird bei den nunmehr beginnenden
Berg=
tungen nicht nur die Frage des Stromexports in Erörterung
ge=
zogen werden, ſondern auch die Frage einer gemeinſamen
Rege=
lung des geſamten Elektrizitätsrechts, jedoch unter Wahrung der
ſpeziellen wirtſchaftlichen Intereſſen, der beiden Länder, wobei
insbeſondere darauf Bedacht genommen werden ſoll, daß vor
dem Stromexport der eigene Bedarf vollſtändig gedeckt werden
ſoll.
Schließlich iſt als fünfter Hauptpunkt das
Fremdenver=
tkehrsproblem auf die Tagesordnung geſetzt worden. Mo
wird verſuchen, Erhebungen darüber anzuſtellen, inwieweit das
deutſche Kapital für den Ausbau der öſterreichiſchen
Fremden=
verkehrszentven und Kurorte, insbeſondere für Hotel= und
Apen=
bahnbauten mobiliſiert werden kann. Weiter dürfte auch über
den gegenſeitigen Reiſeverkehr, über gemeinſame Propaganda,
über Kongreſſe und Austauſchreiſen geſprochen werden. Neben
dieſen Hauptpunkten werden noch zahlreiche andere Fragen, ſo
die des Waſſerrechts, des Verkehrsweſens uſw. in den Kreis
der Beratungen gezogen werden.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 263
Freitag, den 21. September 1928
Sette 5
Aus der Landeshaupkladt.
Darmſtadt, 21. September.
de Deutſche Dichter=Gedächtnis=Stiftung
wirbt.
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert iſt ſie Schirmherr und
gold des guten Buches. Heute gilt es, den deutſchen Brüdern
de deutſchen Schulen in den Grenzlanden und im Ausland deutſche
ghereien einzurichten, nach denen ſie ſo dringend verlangen, die
ſen das wertvollſte geiſtige Bindemittel mit der Heimat bedeuten.
uer 500 000 Bände hat die Stiftung 1926/27 im Inland verteilt und
iu Ausland geſandt — ein Tropſen war’s auf einen heißen Stein.
Flich bringt die Poſt neue Briefe und Wünſche. — Durchgreifende
gie tut not.
Fünfhundert Auslandsbüchereien im Werte von je 100 RM. ſollen
nächſt eingerichtet werden! Das deutſche Buch iſt der Träger des
deiſchen Gedankens in der Welt. In der nächſten Zeit werden
Mit=
gteiter und Freunde der Stiftung allenthalben werben. Ein
geſtem=
ger Ausweis iſt ihre Legitimation. Beiträge werden auf die Konten
ge Stiftung: Poſtſcheckkonto Hamburg 737: Deutſche Bank, Filiale
6anburg, Depoſitenkaſſe H.: Hamburger Sparkaſſe von 1827 erbeten.
9 Spender werden über das Ergebnis der Sammlung unterrichtet;
ABücher gehen mit den Namen der Spender hinaus.
— Ernannt wurden: Am 29. Auguſt: der Kanzleigehilfe bei der
Aenſtrafanſtalt Butzbaih Karl Ratz zum Kanzliſten; am 12.
Sep=
eber: der Kanzleigehilfe des Kulturbauamis zu Gießen Lorenz
Ziug zu Alsfeld mit Wirkung vom 15 Sedtember 1928 an zum
ſuzliſten; am 14. September: der Kanzleigehilfe bei dem Forſtant
Aupertheim Engelbert Ruhl aus Herbſtein und der Kanzleigehilfe
Ahelm Schmidt aus Darmſtadt — beid= vom 1. September 1928
g— zu Kanzliſten; am 17. September: der Diplomingenieur Ernſt
gehler aus Darmſtadt mit Wirkung vom 1. Oktober an zum
Ge=
mbeamtmanu beim Bewerbeaufſichtsamt zu Gieſen mit der
Amts=
heichnung „Gewerberat”.
— Zeitungsverbod. Auf Grund der 8§ 8 und 21 des Geſetzes zum
Sütze der Republik vom 21. Juli 11922 hat der Miniſter des Innern
Au ſchner die in Worus erſcheinende Wochenſchrift „Die Fauſt” mit
Aikung vom 20. September ab auf die Dauer von dier Wochen
ver=
ben. Das Verbot iſt erlaſſen wegen des in Nr. 58 des 2. Jahrgangs
de „Fauſt” erſchienenen Artikels „Ein Traum, ein Geſpenſt — und die
Afaſſung”, der nach Form und Inhalt eine öffentlich erfolgte grohe
Achimpfung der verfaſſungsmäßig feſtgeſtellten republikaniſchen
Staats=
ſon darſtellt.
— Heſſiſches Landestheater. Wagners Lohengrin” wird in
d neuen Inſzenierung Renato Mordos mit Anny von Stoſch, Elia
Anna. Hans Grahl, Johannes Biſchoff, Theo Hermann und Carl
(at=Beher in den Hauptpartien am Sonntag, dem 23. September,
zu erſten Male wiederholt. Muſikaliſche Leitung: Generalmuſikdirek=
Dr. Karl Böhm. — Die Spielzeit des Kleinen Hauſes wird am
Emitag, de: 23. September, mit der Erſtaufführung der Komödie
„t. Knock” oder „Der Triumph der Medizin” von Jules Romains
afner. Die Inſzenierung leitet Renatv Mordo; das Bühnenbild
auirft Lothar Schenck von Trapp. Titelrolle: Hermann Gallinger.
25 Aufführung fällt der Zuſatzmiete V als erſte Vorſtellung zu.
— Darmſtädter Künſtler auswärts. Man ſchreibt uns: Margarete
Adrecht (Schülerin von der hier mit großem Erfolg tätigen
Ge=
ſa)smeiſterin Maria Franke), iſt nach ſiebenjähriger Tätigkeit am
2ndestheater in Darmſtadt, wo ſie viele Bewunderer ihrer hohen
Kut und Freunde zurückgelaſſen hat, das erſtemal in ihrer neuen
Arsungsſtätte, an der Oper in Königsberg (Oſtpreußen), in Mozarts
on Giovanni” aufgetreten. Sie fand, wie Auszüge aus Kritiken
ey=gsberger Zeitungen ergeben, auch dort großen Beifäll: Es
ſchrei=
bi' „Königsberger Zeitung”: Margarete Albrecht blieb der
Alls der Elvira kaum etwas ſchuldig; ihr feinkultivierter, ſchmiegſamer
eſt ngsvortrag, ihr ſinnvoll zurückhaltendes Spiel nahmen für ſie ein.
ſ=Oſtpreußiſche Zeitung”: Als einen unbedingten Gewinn
Einen wir die Verpflichtung der Sopraniſtin Margarete Albrecht
Conna Elvira) buchen. Auch bei ihr fällt eine hohe Stimmkultur und
eé weitgehende geſangliche Ausgeglichenheit auf. — „
Königsber=
g: Allgemeine‟: Als Donna Elvira lernte man in Margarete
Abrecht eine ſympathiſche Sängerin kennen. Wenn auch ihre
Aus=
ſrarhe zu wünſchen übrig laßt und die Tiefe nicht ſonderlich ergiebig
ſo entſchädigt doch erheblich die ſehr angnehme weiche Höhe. —
,inigsberger Tageblatt‟: Eine ſtimmlich gut begabte
Sän=
grüt lernten wir in Margarete Albrecht kennen.
— Deutſch=Evangeliſcher Frauenbund, Ortsgruppe Darmſtadt. Es
nrochmals auf die Tagung des Mitteldeutſchen Verbandes des
Lutſch=evangeliſchen Frauenbundes hingewieſen, die heute mit einem
Lrrüßungsabend in der Loge, Sandſtraße, ihren Anfang nimmt. Der
Giſtand hofft auf zahlreiches Erſcheinen der Mitglieder. Samstag
wigen 9 Uhr beginne die Arbeitstagung im Saale des Muſikvereins
r1 einer gemeinſamen Andacht, gehalten von Prälat D. Dr. Diehl.
(rnz beſonders ſei nochmals an den öffentlichen Vortrag erinnert, der
(yrstag abend im Saale des Muſirvereius ſtattfindet. (Näheres ſiehe
Ereige in dieſer Nummer.)
— Eine ſeltene Naturerſcheinung kann man zur Zeit auf der
Krafts=
the beobachten. In dem Obſtgarten links von dem langſam
anſteigen=
in Fußweg ſteht ein Apfelbaum in voller Blüte, während
a den gleichen Zweigen auch kleine Aepfel hängen; eine
Merkwürdig=
tit, die man ſonſt nur in wärmeren Gegenden antrifft! Nur iſt es
khauerlich, daß wir nicht auch ein zweites Mal ernten können.
— Der Brieftaubenklub „Darmſtadt Sport” war auch am Sonntag,
im 16. September, an dem letzten diesjährigen Preisflug für
Jung=
tuben innerhalb des Bundes Heſſiſcher Reiſevereinigungen (Sitz
Darn=
fot) beteiligt. Er beſchickte dieſen Flug mit insgeſamt 19 Tauben
nd errang 6 Konkurrenzpreiſe. Die Tauben wurden, am 16.
Sep=
mber, vormittags 7.20 Uhr in Neumark, Bayzern (Entfernung 200
8 220 Km. Luftlinie) geworfen und erreichten die erſten Tauben nach
tasp 2½ſtündigem Flug mit einer durchſchnittlichen Fluggeſchwindigkeit
on 1400 Metern in der Minute ihren Heimatſchlag. Die einzelnen
la ſevereinigungen teilten ſich wie folgt in den Einſatz und die
Preis=
rteilung: 1. Reiſevereinigung Bensheim und Umg.: Einſatz 18
Tau=
en. 7 Preiſe, 2. Neiſebereinigung Bürſtrdt und Umg.: Einſatz 374
ſasben, 100 Preife, 3. Heſſ. Reiſevereinigung Darmſtadt: Einſatz 459
ſaaben, 64 Preiſe. Bei der am Sonntag, dem 16. September,
über=
ſiegend weſtlichen Luftſtrömung und Windrihtung haben auch
dem=
emäß die ſüdlich gelegenſten Liebhabervereine mit ihren Tieren die
eſten Leiſtungen und Preiſe erzielt, ſo daß die Liebhaber für das
vor=
elgegangene ſchlaltere Reiſen ihrer Tiere am 9. September vollauf
mtſchädigt wurden. Mit dieſem Fluge haben die planmäßigen
Preis=
düren für das Jahr 1938 ihren endgültigen Abſchluß erlangt, und
wer=
en nun in Kürze ſ hon die neuen Flugtouren für 1929 feſtgelegt. Aus
em Einſatz an Jungtauben, der am 9. September die enorme Zahl von
6 Tauben erreicht hat, folgery man, daß auch im kommenden Jahre
ie Anzahl der reiſenden Tiere eine ſtark auſwärts neigende Tendenz
eigen wird. Ueberhaupt muß allgemein feſtgeſtellt werden, daß die
kaubenliebhaberei auch im letzten Flugjahre einen erheblichen Zuwachs
rhalten hat
— Promenadenkonzert. Am Freitag, dem 21. September, von 4.30
ſis 5,30 Uhr, konzertiert das Stadtorcheſter im Herrngarten (Pergola)
lach folgendem Programm: 1. Gruß an Deutſchlands Heldenföhne,
Narſch von Verndt. 2. Duvertüre zur Oper „Martha” von Friedrich
jort Flototv. 3. Adam=Walzer aus der Operette „Der Vogelhändle.”
dorr Zeller, 4. Broße Fantaſie aus der Oper „Rigolekto” von Verdi.
Paraphraſe über Albert Lortzings Lied „Es war eine köſtliche Zeit”
ſorr Wiodecke, 6. Regensburger Turnermarſch von Kleiber.
Tasan aau
Ltr. 1.20 und 150
Mit friſchen Kräften an die Arbeit.
Neuerungen in der Gasbelieferung. — Durchführungsverzögerung im Wohnungsbau.
„Sabotage” des Bauprogramms. — Energiſche Bekämpfung der Wohnungsnot.
Original-Seifenspender, Stück nur 3—
am weißen Turm.
O Der Menschheitserhöher o
Im Weinhaus Frederich sitzt der unnahbare Adolf Menzel. Derf
Meister bemerkt einen Fremden und fragt seinen Nachbar, den
Schriftsteller Viktor Blüthgen. „Wer ist der Mann? Was will er?"
— „Anstoßen mit Eurer Excellenz.‟ Der Premde fügt hinzu:
„Zu deutschem Gruß mit deutschem Sekt.” In Menzels
Augen zuckt es: „Burgeſ?"
*Die Stadtverordneten=Perſammlung
Aller Anfang iſt ſchwer. So ſchien es zunächſt, als Bürgermeiſter
Mueller geſtern dem Direktor der Städt. Betriebe zu ſeinem Vortrag,
betr. Einführung eines Gas=Wohnungstarifs, vor Beginn der
öffent=
lichen Sitzung das Wort erteilte. Das Haus war kaum beſchlußfähig,
denn die Hälfte der Herren Stadwerordneten waren zunächſt noch nicht
erſchienen.
Direktor Nuß von den Städtiſchen Betrieben führte zu dem
Vor=
ſchlag über
die Einführung eines Gas=Wohnungs=
Tarifes
u. a aus: Die Gastechnik iſt ſeit dem Kriege und durch die damit
ver=
bundene Wirkſchaftslage in eine neue Entwicklung eingetreten. Dieſe
Entwicklung iſt ſorrohl techniſcher, aber auch beſonders kaufmänniſcher
Art. Sie gibt ſich am deutlichſten in den umwälzenden Aenderungen
der Gastarife zu erkennen. Verhandlungen über die
Gaspreisgeſtal=
tung, wie ſie ſeit Kriegsende des öfteren ſtattgefunden haben, waren
vor dem Kriege äußerſt ſelten. Das Ziel dieſer Tarifmaßnahmen iſt,
dem Gas, das das Gebiet der Beleuchtung mehr und mehr. an die
Elektrizität abgibt, ein neues Verwendungsfeld zu erſchließen. Zuar iſt
die Gasbeleuctung nach wvie vor billiger als die elektriſche Beleuchtung.
Wenn auch heute die Elektrizitätsfirmen, um ihre Geräte abzuſetzen,
eine ſehr ſtarke Werbearbeit für elektriſches Kochen und Heizen
be=
treiben, ſo dürfen wir darin die Auswirkung eines gewiſſen
Ueber=
eifers erkennen, bei welchem trotz allesgrößter Anſtrengung uur ein
ſehr geringer Erfolg übrig bleibt.
Nicht nur das Alltagsleben, ſondern auch die Technik unterliegt
Modeanſchanungen. Eine ſolche iſt heute das Streben nach einſeitiger
Euergie= oder Wärmewirtſchaft. Wenn ſchon die Elektrizitalswerke
glauben, ſich als Wärmequelle der Volks=virtſchaft dienſtbar machen zu
können, ſo müſſen dies die Gaswerke erſt recht tun können, nur mit
dem Unte ſchied eines vierfach geößeren Vorſprunges, und die
Gas=
wverke ſino mit aller Macht daran, in der kaufmänniſchen Geſtaltung
ſich dieſen neuen Aufgaben anzupaſſen.
Auch wir in Darmſtadt ſind auf dieſem Gebiete nicht ſtehen
geblie=
ben. Nicht weniger wie ciermal ſino bereits
Preisſenkungen im Gas
ſeit 1924 vorgenommen ſvorden. Während wir früher einen
allgemei=
nen Gaspreis von 23 Pf. und eine Grundgebühr von 50 Pf. hatten,
und nur die Firma Merck einen Gaspreis von 17 Pf. bezahlte, geben
wir heufe ein Driltel unſerer geſamten erzeugten Gasmenge zu einem
Preiſe ab, der bei 10 Pf. und darunter liegt. Dies geſchieht für
In=
duſtrie und Gewerbe und Raumhe zung. Die durchſchnittlichen
Ein=
nahmen aus dem Gas haben ſich dieſerart von 23 05 Pf. auf 18,5 Pf.
pro Kubikmeter Gas, alſo um rund 4,5 Pf. geſenkt. In Verfolg
die=
ſer Preisſenkungen haben wir eine Mindereinnahme von rund ½
Mil=
lion Mark zu verzeichnen, welche durch ſtreuge
Rotionierungsmaß=
nahmen im Gaswerk, durch Verbeſſerung der techniſchen Einrichtungen
und der Erhöhung der Kokserzeugung und Gasabgabe nahezu
voll=
kommen herausgewirtſchaftet werden konnte. Es iſt dabei gelungen, betreffend, wurde von Stadwerordneten Schneider berichtet.
Gelegent=
gleiſchzeitig die techniſche Erneuerung des Gaswerks ohne beſondere Ver= lich einer Beſichtigung der umgebauten Räume des ſtädtiſchen Saalbaues
ſchuldung durchzuführen. Wir beſitzen in dieſer Tatſache einen Stütz= durch den Bauausſchuß und den Ausſchuß für die Verwaltung der
punkt für die weiter erforderliche Entwicklung.
Mit Ende des letzten und Beginn dieſes Rechnungsjahres haben
wir leider einen ſtarken Widerſacher erhalten durch eine erhebliche
Kohlenpreisſteigerung, verbunden mit einer Kokspreisſenkung.
Gleich=
zeitig haben ſich die Löhne und Gehälter ab Herbſt vorigen Jahres
weſenklich erhöht. Für Kohlen erwachſen uns Mehrausgaben von
109 000 Mark, für Löhne und Gehälter von 288000 Mark, für
Straßen=
beleuchtung ven 83 000 Mark, zuſammen 480 000 Mark Mehrausgaben,
twpofür wir zunächſt Mehreinnahmen nicht beſitzen. Die Lohnerhöhungen,
die insgeſamt 63 Prozent ſei. 1925 betragen, ſind durch Verminderung
an Perſonal nur mit 43 Prozent fühlbar geworden. Die weſtere
tech=
niſche Verbeſſerung der Betriebe kann ſich nur noch auf wenige Teiſe
erſtrecken, ſo daß wir, um die Mehrausgaben auszugleichen, eigentlich
eine Erhöhung des Gaspreiſes um 3 bis 4 Pf. vornehmen wüßten. Dieſe
Crhöhung düirfte die bisher mühſam durchgeführte Arbeit wieder
voll=
kommen hinfällig machen. Darunn haben wir anläßlich der
Voranſchlags=
beratung, bei welcher uns noch erhöhte Ablieferungsverpflichtungen fung der Tiſche und Stühle einverſtanden erklärt, will dagegen die
Ein=
auferlegt wurden, um eine Erhöhung der Grundgebühren nachgeſucht.
Der Gaspreis als ſolcher hätte dabei bleiben können. Unſer Antrag
wurde jedoch von den Körperſchaften abgelehnt. Dies verhindert nicht
daß wir nach wie vor Mehrausgaben in Höhe von ½9 Million Mark
gegenüberſtehen, die nur zum geringſten Teil durch
Betriebsmaß=
nahmen abzudecken ſind. So verblzibtz uns nur ein beſonders groß
angelegter Verſuch, die vermehrten Ausgaben durch vermehrten
Gas=
verkauf auszugleichen. Das kann natürlich nur dann gelingen, wenn
durch entſprechende Tarifgeſtaltung der tote Punkt für die vollkommene
„Umſtellung der Haushaltungen auf Gas klar und energiſch überſchritten In andeven Städten hat man die Wohnungsnot in vier Jahren
be=
wird.
Wir ſtreben nunmehr darauf hin, daß zum mindeſten die Küchen
mit Gas beheizt werden, wodurch wir auch das Kochgas für die
käl=
teren Jahreszeiten liefern können. Gleihzeitig hoffen wir, die
Warm=
waſſerbereitung auf Gas mittels Warmwaſſer=Automaten für Küche und
Bad fövdern zu können. Die reichen Erfahrungen, die wir in den
letz=
ten Jahren mit der Raumheizung gewonnen haben, zeigen, daß die
Gasheizung in den gut gebauten Wohnungen, beſonders in den
ge=
ſchloſſen gebauten Straßenzügen, bereits bei einem Gaspreis
von 10 Pf. wirtſchaftlich durchführbar iſt, ſoſern die
Heizung als Einzelzimmer= oder Etagenheizung eingerichtet wird. Bei
Zentralheizungen, insbeſondere in freiſtehenden Villen, ſind die
Wärme=
verluſte ſo groß, daß die Gasheizung nur als Zuſatzheizung für die
Uebergangszeit in Frage kommt. Dieſe freiwillige Beſchränkung
unſe=
rer Werbung auf die wirtſchaftlich lösbaren Fälle gibt uns ein
Arbeits=
feld, das von uns klar überſehen werden kann, um den neuen, ganz brauche kleinere Wohnungen für Beamte und Arbeiter. Er verweiſe auf
außergenöhnlichen Schritt in der Tariſgeſtaltung, den wir Ihnen heute
vorſchlagen, vorzunehmen. Wir haben im vergangenen Jahre bereits
eine Million Kubikmeter Gas für Raumheizung abgegeben. Mit der
Emführung der Küchhenheizung mit Gas und der damit erzielten
Mebrabgabe für Kochgas und Warmwaſſerbereitung müiſſen wir, wenin
nicht alle Erwartungen täuſchen, in wenigen Jahren eine Verdoppelung
der Gasabgabe erreichen können.
Der neue Tarif iſt ein Wahltarif mit einer Grundgebühr von
1,20 Mark pro Zinmer einſchließlich Küiche und einer Verbrauchsgebühr
von 7 Pf. für jeden Kubikmeter Gas. Die höheren Zimmerzahlen ſind rungen mit Zahlen. Insbeſondere betonte er, daß man die
Hauszins=
zuſammengezogen, ſo daß auch die größeren Wohnungen ſich mit
Vor=
teil auf Caas umſtellen können. Einen Vorteil aus dieſem Tarif wird
niemand beſitzen, der nicht gewillt iſt, ſeine Küche und
Warmwaſſerberei=
tung vollkommen auf Gas umzuſtellen, ſo daß
der Kohlenherd Sommer und Winter gänzlich außer Betrieb
geſetzt
wird. Allen dieſem Gaskunden, die hierzu den Willen haben und
dieſerart über ihren ſeitherigen Verbrauch hinauskommen, gewähren
wir das Gas über den derzeitigen durchſchnittlichen Normalverbrauch Etwa angelegt habe, weil die Stadt das angebotene Geld nicht
ange=
hinaus zu einem Preis von 7 Pf. Mit dieſem 7=Pf=Preis kann die nommen habe, ſondern ſie müſſe auch Rückſicht auf die Allgemeinheit
künftige Heizung und Warmwaſſerbereitung ungleich vorteilhafter
durchgeführt werden als auf dem Kohlenherö. Weil alſo dieſer Tarif
nur für diejenigen Gaskunden Vorteil bringt, die dieſen Fortſchritt in
ihren Haushaltungen mitmahen wollen, iſt er als Wahltarif
ge=
dacht. Die übrigen Gaskunden werden durch ihn nicht berührt. Der
in dem neuen Tarif zugrunde gelegte Gaspreis von 7 Pf. ſtellt einen
ganz außergewöhnlichen Schritt in unſerer Tarifgeſtaltung dar.
Außer=
gewöhnliche wirtſchaftliche Verhältniſſe und Aufgaben müſſen, natur=
Sparsamster Seifenverbrauch t. Tolletten u. Waschräume uotwendig auch entſprechend beantwortet werden. Die Staffelung der
Grundgebühr nach Wohnungsgröße erfolgt auf Grund im ganzen Reich
rFümerie Müller, Rheinstr. 6 und Fillale Grodhaus geſammelter Erfahrungen über die Höhe des Gasberbrauchs in den
141584 Haushaltungen.
Wir haben die Hoffnung, daß der vorgeſchlagene Verſuch zum
Er=
folg führt zur Zufriedenheit der Bevölkerung, und damit auch
grund=
legend wird für die weitere wirtſchaftliche Entwicklung unſerer
Be=
triebe und der ſtädtiſchen Finanzen.
Der lehrreiche Vortrag wurde mit Intereſſe angehört. —
An=
ſchließend eröffnete in Vertretung des abweſenden Oberbürgermeiſters
Bürgermeiſter Mueller
Die öffentliche Sitzung.
Inzwiſchen hatte ſich das Haus gefüllt, die Stadtverordneten waren
faſt vollzählig erſchienen. Von der Stadtwerwaltung fehlte noch
Bür=
germeiſter Buxbaum. Bürgermeiſter Mueller begrüßte herzlich die
Verſammlung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß man nach den
Sommerferien mit neuen Kräften friſch an die Arbeit gehen möge, ein
Wunſch, der ſchon im Verlaufe der erſten Sitzung in Erfüllung ging.
Anſchließend verlas er folgendes Telegramm, das anläßlich der
Ueber=
fliegung unſerer Stadt durch das neue Zeppelin=Luftſchif an Dr.
Ecke=
ner in Friedrihshafen abgeſandt worden iſt: Die Stadt Darmſtadt
dankt herzlichſt für die heutige Ueberfliegung unſerer Stadt, die große
Begeiſterung und Bewuderung ausgelöſt hat, und wünſcht glückliche
Fahrt bei der Durchführung der großen völkerverbindenden Aufgabe
des prächtigen Schiffes, gez. Bürgermeiſter Mueller.”
Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Birgermeiſter „Mueller
eine Erklärung zu der in der letzten Finanzausſchußſitzung geführten
Beſchwerde wegen der Durchführungsverzögerung des
Wohnungsbau=
programms ab. Die Verwaltung bedauere dieſe Verzögerung, aber
mit der Beſchlußfaſſung hätten die Mittel noch nicht zur Verfügung
ge=
ſtanden. Erſt jetzt habe min Ausſichr, zu einem günſtigen Abſchluß
ausſichtsreicher Verhandlungen zu kommen, ſo daß ſogar ein Betrag
für die Baupläne des Schlachthofes zur Verfügung ſtände. Zu den
Kreditverhandlungen wolle er ſich in der öffentlichen Sitzung noch nicht
näher äußern. Er wolle nicht unterlaſſen, darauf hinzuweiſen, daß
andere Städte viel beſſere Kreditbeſchaffungsmöglichkeiten hätten als
Darmſtadt, da ſie zum Teil Reichszuſchüſſe und zu lächerlich geringem
Zinsſatze Kapital erhielten. In Darmſtadt müſſe man auf günſtige
Geldbeſchaffung größten Wert legen. Auch die Verwaltung ſehe
die Wohnungsfrage als das brennendſte Problem
an, das zu löſen ſei. — Nach dieſen Ausführungen wurde in die
Tagesordnung eingetreten, von der Punkt 1 und 2 abgeſetzt wurden.
Die Neuanlage des Turn= und Sportplatzes der Turngemeinde
Darm=
ſtadt auf der Wieſe vor dem Oſtbahnhof, der Ausbau der
Schießhaus=
ſtraße (Südſeite) zwifchen Hobrechtsſtraße und Haus Nr. 103, die
Aus=
führung der Reichsverdingungsordnung und Beitritt zur Frankfurter
Bauwirtſchaftsſtelle, die Abänderung der Polizeiverordnung für den
Fluglandeplatz, der Erlaß eine= Polizeiverordnung über die Sperrung
von Teilen der Dieburger= Stifts= und Lichtenbergſtraße für den
Ver=
kehr mit Motorrädern und die Neufeſtſetzung des Vermietungstarifs
ſur den Saalbau betr., wurden einſtimmig genehmigt.
Ueber den Antrag der Stadtverwaltung, die
Mobiliarneubeſchaffung für den Saalbau
ſtädtiſchen Wirtſchaftsbetriebe, hat das ſtädtiſche Hochbauamt
nachgewie=
ſen, daß die im Saalbau vorhandenen Tiſche und Stühle infolge ihres
jahrzehnvelangen Gebrauchs und ihrer häufigen Reparatur ſtark
ab=
genutzt und daher in den neu hergeſtellten Näumen kaum verwendbar
ſind. Weiter wird auf einen Mißſtand hingewieſen, der ſich daraus
er=
gibt, daß die Tunnelküche an der Saalbauſtraße für die Bewirtſchaſtung
kleinerer Veranſtaltungen im Gartenſaal und auf der Terraſſe zu weit
entfernt liegt. Das Hochbauamt ſchlägt daher vov, neue Tiſche und
Stühle zu beſchaffen und den Büfettraum hinter dem Gartenſaal in
ein=
facher Weiſe zur Sommerküche umzugeſtalten. Für die Durchführung
dieſer Maßnahmen werden folgende Mittel benötigt: 1. für die
Beſchaf=
fung der Stühle zirka 24 000 Mark, 2. für die Beſchaffung der Tiſche
ca. 5000 Mark, 3. für die Errichtung der Sommerküche ca. 4000 Mark,
zuſammem 33 000 Mark. Die erforderlichen Mittel von 33 000 Mark
ſollen durch ein weiteres Darlehen von der Städtiſchen Sparkaſſe
auf=
gebracht werden. Der Ausſchuß hat ſich mit der alsbaldigen
Beſchaf=
richtung der Sommerküche vorerſt noch zurückſtellen.
An dieſen Antrag ſchloß ſich eine zeitweiſe
ſehr lebhafte und erregte Debatte, insbeſondere über das
Wohnungsbauproblem in Darmſtadt.
Stadtv. Ziegs (Soz.) betonte, ſeine Fraktion müſſe unter allen
Umſtänden den Antuag ablehnen, ſolange die Wohnungsbaufrage nicht
geregelt ſei. Seiner Anſicht nach werde überhaupt der
Wohnungs=
bau, um es ſcharf auszudrücken, von der Stadtverwaltung ſabotiert.
hoben. In Darmſtadt ſei in dieſem Jahre noch nichts geſchehen. Die
Wohnungsnot habe in unſerer Stadt noch nicht abgenommen. Der
„Milchmädchenrechnung” des Wohnungsdezernenten könne man nicht
zuſtimmen, denn eine ganze Reihe von Altſtadtquartieven z. B. könne
man nicht als „Wohnung” anſprechen. In Darmſtadt werde
man noch in zehn Jahren an chroniſcher
Wohnungs=
notleiden. Die Städt. Sparkaſſe habe 500 000 Mark anlegen müſſen,
da ſie die Stadt Darmſtadt nicht zu Wohnungsbauten benötigt hätte.
Weiter ſprach Stadtv. Ziegs von einem namhaften Anleiheprojekt mit
einer Großbank. (Bürgermeiſter Ritzert ruft ſehr erregt, daß durch
weitere Auslaſſungen die Verhandlungen zum Scheitern gebracht werden
könnten.) Stadtv. Ziegs erklärt in aller Oeſſientlichkeit, daß man das
Vertrauen zur Verwaltung in der Wohnugsbauangelegenheit verloren
habe. Ferner baue man in Darmſtadt viel zu groß und zu teuer. Man
die Bautätigkeit in Mainz. Er werde der Verwaltung ſchärfſtem Kampf
anſagen, wenn der Wohnungsnot nicht geſteuert werde, und man werde
vor Regelung dieſer Frage keine neuen Ausgaben belsilligen.
Bürgermeiſter Mueller verwahrt ſich im Namem der
Stadtver=
waltung gegen die Unterſtellung, man ſabotiere den Wohnungsbau.
Er betonte, daß auch die Verwaltung alles zur Behebug der
Woh=
nungsnot tue.
Stadtv. Aßmuth (Soz.) iſt ebenfalls der Anſicht, daß zu wenig
für Neubeſchaffung von Wohnungen geſchehe, und belegt ſeine
Ausfüh=
ſteuer und Sonderſteuer nicht verwandt hätte. Seine Fraktion werde
ein Programm vorlegen, nach dem wenigſtens die dringende
Wohnungs=
not in 3—4 Jahren behoben ſein müſſe. Es fehlten nun noch 1000 bis
1200 (vielleicht auch 1500) Wohnungen. Die Stadtverordneten hätten
mbedingt die Pflicht, energiſch nach dem Rechten zu ſehen.
Bürgermeiſter Mueller erklärt, die Hauszinsſteuer vom vorigen
Jahre wäre ganz verwendet worden, in dieſem Jahre ſeien von 500 000
Mark bis jetzt etwa 100 000 Mark eingegangen.
Stadtv. Krug erklärt, daß die Sparkaſſe die 500 000 Mark nicht
nehmen und biete der Stadt nur Geld in den Grenzen des Möglichen.
Stadtv. Heß (Dnt.) kann im Namen ſeiner Fraktion den
Mehr=
ausgaben, die etwa ein Drittel der bewilligten Umbauſumme mehr
er=
fordern, nicht zuſtimmen. Bei der ſchweren allgemeinen Wirtſchaftslage
müſſe man den Mut zu Sparſamkeit haben.
Stadtv. Schneider (Dnt.) erklärt, die Wohnungsnot liege allen
gleich am Herzen. Die Stadtverwaltung ſabbotiere keinesfalls, aber ſie
ſehe darauf, billiges Geld zu erhalten. Allerdings habe man manchmal
bei Beſchaffung von Geld keine glückliche Hand gehabt. Den Bedarf von
1700 Wohnungen kann die Stadt nicht allein dechken, man müſſe auch
andere Stellen, z. B. größere Firmen, die Induſtrie, die
Genoſſenſchaf=
den und den heſſiſchen Staat anregen, Wohnungen zu erſtellen. Die
Der Meister sagt:
A.Dies ist auch mein
r und Preund hier."
WDer Frende wac
Münchener Dichter
ichael Georg Conrad.
Seite 6‟
Freitag, den 21. September 1928
Nummer 263
Butirsteuer in Eeſe Berste ur 59 Paurit gegen 2a Baust
in Preußen.
Stadw. Altendorff (D.V.P.) hätte es für richtig gehalten,
wenn man ſeinerzeit bei Vorlegung des Umbauprojektes bereits den
Betrag für Neubeſchaffung von Mobiliar mitangegeben hätte. Eine
ſolche Nachforderung ſei natürlich peinlich und unangenehm, aber man
müſſe zuletzt einſehen, daß die alten, knarrenden Stühle im Saalbau
unbedingt erſetzt werden müßten. Der Vorſchlag, wonach man ſich
Stühle aus der Feſthalle ausleihen ſolle, ſei unhaltbar. Auch müſſe man
wohl der Schaffung einer Sommerküche zuſtimmen. Die Anſchaffung
des Mobiliars habe mit dem Wohnungsbau nichts zu tun. Natürlich
ſei man in der Wohnungsfrage einig, es ſei nur die Frage der
Finan=
zierung offen. Geldbeſchaffung ſei ſehr ſchwer, auch für andere Städte.
Bürgermeiſter Mueller unterſtreicht, im Saalbau könne mit der
alten Beſtuhlung kein gutes Konzert ohne Störung gegeben werden.
Stadw. Goſenheimer erklärt, daß man den Kredit für den
Saalbauumbau genehmigt habe, man habe a geſagt, alſo müüe man
uch b ſagen, aber eine Sommerküche ſei nicht nötig. In Zukunft ſei
man aber beim a=Sagen ſchon ſehr vorſichtig. Auch er erklärt, daß man
keine Neubewilligungen abgebe, wenn nicht ein großzügiges
Wohnungs=
bauprogramm endlich feſtgelegt werde. Alle Not komme vom
Wohnungs=
elend, das zu beheben ſei. Die Verwaltung habe zum mindeſten nur
wenig ſtarke Initiative gezeigt. Man müſſe tiefer in das
Wohnungs=
elend in Darmſtadt ſehen lernen.
Stadtv. Metzler (Soz.) fordert von der Stadtverwaltung mehr
einheitliches Arbeiten, mehr Solidarität und kollegiale Arbeit. Das Hin
und Her, das Zickzack der Arbeit ſei nicht förderlich. Nur ein einmütiger
Wille könne auch etwas erreichen. Zum Beiſpiel höre man von dem
„Krankenhausprojekt” überhaupt nichts mehr. Man müſſe endlich auch
Vorſorge treffen, mehr Menſchen unterzubringen. Die Verwlatung
müſſe in ihrer Geſamtheit das Wohnungsbauproiekt fördern und
bear=
beiten und ebenſo den Krankenhausplan bearbeiten.
Stadtv Geißner (8tr.) findet es erklärlich, daß man mit dem
Wohnungsbaufortſchritt in Darmſtadt nicht zufrieden ſei, die
Verwal=
tung habe die Zügel erheblich ſchleifen laſſen. Auch er ſei der Anſicht,
daß zur Behebung der Wohnungsnot die Genoſſenſchaften helfen
müß=
ten. Dem vorliegenden Antrag müſſe man ſchon zuſtimmen, da die
Stühle unbedingt nötig ſeien. Der Betrag für eine Sommerküche falle
ja nicht ſehr ins Gewicht, deshalb unterſtütze ſeine Partei den Antrag.
Bürgermeiſter Ritzert: Der Unmut, der ſich anſammle, müſſe
ſich nicht auf die Verwaltung entladen, da die Stadtverordneten
Ein=
blick in die Lage hätten. Man habe bereits 10 Millionen für
Woh=
nungsbau aufgewendet, die Steuern könne man nicht zu hoch ſchrauben,
nur um die Zinſen bezahlen zu können. Man dürfe die wirtſchaftliche
Kraft nicht überſpannen.
Stadtv. Hütſch (Soz.) glaubt, daß die neuen Stühle bereits
be=
ſtellt ſeien.
Stadtv Nöllner (D. V. P.) weiſt auf den großen Fehler hin,
daß man den jetzt geforderten Betrag nicht gleich im Voranſchlag
be=
rückſichtigt habe. Es ſei nicht ſehr vornehm, abweſende Herren der
Ver=
waltung anzugreifen. Andeve Städte hätten es leichter. Geld zu
be=
kommen. Man müſſe ſehen, daß die Genoſſenſchaften beim
Wohnungs=
bau helfen.
Stadtv. Tempel (Soz.) meint, die Stühle ſeien ſchon beſtellt,
ſwas Beigeordneter Ritzert verneint). Auch er äußert, ſich zu der
Wohnungsfrage, macht darauf aufmerkſam, daß zu teuer gebaut werde,
mamentlich durch die Vergebungsart der Arbeiten.
Stadtv. Haury wunſcht klare Auskunft, ob die Stühle ſchon
be=
ſtellt ſind, was Beigeordneter Ritzert vermeint. Ferner unterſtreicht
Stadtv. Haury, daß die Verdienſtmöglichkeit in den verſchiedenen
Städ=
ten ungefähr auf demſelben Niveau ſtehe.
Nach weiterer Ausſprache, in der Stadw. Ziegs beantragt, den
An=
trag zurückzuſtellen, wird von der Stadwerwaltung der Antrag
zu=
rückgezogen.
Die Anträge, die Herſtellung des Kellers unter der Küche im
Kran=
kenhaus, ſowie die Einführung eines Gas=Wohnungstarifs, werden
ge=
nehmigt.
Stadtv. Schneider ſchlägt auch eine Gasverbilligung für
Klein=
abnehmer von 2—40 Kubikmeter vor. Weiter wünſcht er eime
Abän=
derung der Grundgebührforderungen.
Die Zuſchußleiſtung an Kleinkinderſchulen, Horte und Krippen wird
genehmigt, ebenſo die Uebernahme der Koſten für die Gasfüllungen des
Freiballons. Bartſch von Sigsfeld” durch die Stadt.
Stadtv. Haury macht under Punkt Mitteilungen darauf
aufmerk=
ſam, daß dem Willen der Stadtverordneten, die Schießhausſtraße in
Jahnſtraße umzutaufen, nicht voll entſprochen ſei. Man habe ein
unbebautes Gelände als Jahnſtraße bezeichnet; offenbar liege ein
Miß=
verſtändnis vor. Er ſtellte den Antrag, die ganze Schießhausſtraße in
Jahnſtraße umzubenennen. Der Antrag ſindet allgemeine Zuſtimmung
und kommt nochmals zur Verhandlung.
Stadtv. Kircher erſucht, das Wohnungsamt zu unterſtützen, um
ein zu langes Leerſtehen von Wohnungen zu vermeiden.
Auf Antrag werden für 18 zu bauende Vierzimmerwohnungen einer
Siedlungsgenoſſenſchaft die Zuſchüſſe von 3000 auf 3500 Mk. erhöht.
Nachdem noch einige Wünſche die Hega ſowie die Sicherung der
Schulkindeß vor dem ſtarken Verkehr durch Autos uſw. an den Schulen
betreffend vorgebracht waren, ſchließt Bürgermeiſter Mueller die
öffent=
liche Sitzung mit der Feſtſtellung, daß eine allgemeine
Arbeitsfreudig=
keit nach den Sommerferien feſtgeſtellt werden könne.
Freie landeskirchliche Vereinigung.
Am Mittwoch, dem 19. September, hatte die Freie landeskirchliche
Vereimignng eine außerordentliche Mitgliederverſammlung nach
Frank=
furt a. M. einberufen, die gut beſuht war. Man verhandelte unter
der bewährten Leitung des Vorſitzenden, Pfarrers Dr. Müller=
Müſſelsheim, bauprſächlich uber die neuen Leitſätze, in denen die
Ver=
einigung ihr Weſen und ihre Ziele neu formuliert hat. Dieſe Leitſätze
Die Kehrer=Ausſiellung im Erbacher Schloß.
Ein Rückblick und ein Ausblick.
Nach vierwöchiger Dauer in den prächtigen Räumen des Schloſſes,
nachdem ſie von 1700 Perſonen beſucht, iſt die Ausſtellung geſchloſſen
worden, Trotzden konnten vielleicht ebenſoviele aus irgend einem
Grunde ſie nicht beſuchen. Um dieſen nun einen Einblick zu verſchaffen.
wollen wir kurz noch einmal darauf eingehen und ſehen, was ſie uns
Neues gelehrt hat.*)
Dank der allſeitigen Beſchickung können wir das Werk der Künſtler
Kehrer jetzt viel beſſer überſehen. Der Vater Chriſtian (1775—1869)
ſtellt ſich als Maler des Edelhiuſchs und anderer Jagdtiere wohl als
der bedeutendſte Wildmaler aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts
uns vor. Dabei ſtellt ſich noch heraus, daß ſein Sohn Eduard K.
ein bedeutenderes Talent und Können aufweiſt. Von dieſem war
bis=
her nur ein großes Blatt Feiſthirſche in Steindruck in Jagdkreiſen
ſehr geſchätzt. Es wurde noch feſtgeſtellt, daß auf der rechten Seite Graf
Cberhard zu ſchen iſt. Eine Urenkelin, Frl. Andreas Ghier,
Witt=
mannſtraße 35), hat noch eine Anzahl abzugeben (zu je 4 Mk.). Eduard
2uD Nin Grund der neuen bolſärcichen Einſeling vurdgen woke.
Name geändert in „Freie volkslirchliche Vereinigung für Heſſen‟. Die
auf der Verſammlung einſtimmig angenommenen Leitſätze erhielten
fol=
gende Faſſung:
1. Die Freie volkskirchliche Vereinigung iſt eine religiöſe
Geſinnungs=
gemeinſchaft auf dem Boden unſerer evangeliſchen Landeskirche.
Gegenüber den politiſchen Parteien verhält ſie ſich völlig neutral.
2. Als Glieder unſerer Kirche glauben wir an Gottes Offenbarung
in Jeſus Chriſtus und bekennen uns damit zu dem Evangelium,
das in Gottes Wort bezeugt und durch die Reformation neu
er=
ſchloſſen iſt. Dieſer Glaube muß frei ſein von allem dogmatiſchen
Zwang und ſich beweiſen im Leben aus Gott und wahrer
Bruder=
lieb:.
8. Darum erſtreben wir die Volkskinche, in der der Glaube den
Zu=
ſammenſchluß aller lebenden Kräfte bewirkt, eine Kirche, die ſich in
tatkräſtiger Liebe dem ganzen Volke verbunden und für das ganze
Volk veranwortlich fühlt. Insbeſondere fordern wir, daß die Kirche
als das Gewiſſen des Volkes ihre ſoziale Aufgabe allen Ständen
gogenüber ernſt nimt, für die Ueberbrückung der ſozialen
Gegen=
ſätze eintritt und ſich ſo für die Erneuerung unſeres Volkes aus den
Kräften des Gpangeliums einſetzt.
4. In der Volkskinhe erſtreben wir lebendige Gemeinden, deren
Glie=
der zur Mitarbeit am Bau der Gemeinde und Kirche bereit ſind
und das Necht auf Mitbeſtimmng in der Einzelgemeinde und
Geſamtkirche haben ſollen. (Neuregelung des Patronatsweſens;
Ur=
wahlen zum Landeskirchentag.
5 Wir treten ein für das Recht der freien Forſchung auf dem
Ge=
biete der theologiſchen Wiſſenſchaft, für die Erhaltung der
theo=
logiſchen Fakultäten und eine wiſſenſchaftlich und praktiſch
gründ=
liche Ausbildung der Geiſtlichen.
& Wir erwarten vom Staatz volle Würdigung der Bedeutung und
Eigenart unſerer Kirche. Wir halten feſt am konfeſſionellen
Reli=
gionsnnterricht in der ſelbſtändigen ſtagtlichen Gemeinſchaftsſchule
auf chriſtlicher Grundlage und fordern zeitgemäße Ausgeſtaltung
des ebangeliſchen Religionsunterrichts.
Weiter verhandelte man über die kinchlichen Wahlen nach emnem
einleitenden Referat des Vorſitzenden, über die
Verhandlungsgegen=
ſtände des Landeskinchentags und über den Wahlaufruf, den die Freie
volkskirchliche Vereinigung für Heſſen jetzt herauszugeben gedenkt.
war hauptſächlich Pferdemaler, ein Schüler von dem berühmten A.
Adam. Aus dem Beſitze der Frau Dr. Mülberger waren 7 der
ſchönſten Bilder ausgeſtellt, darunter eine Manöverſzene bei Fürſtenau.
im Vordergrund der Chebauxlegerleutnant Wider, ein Freund von
ihm. Leider konnten außer Pferdeſkiezen nur ein Selbſtbildnis von
ihm, ein Pferd zeichnend in einem Rennſtall des Grafen von
Traut=
mansdorf in Böhmen, ausgeſtellt werden. Die hervorragenden Bilder
von Nennpferden von böhmſchen und ungariſchen (Fürſt Eſterhazy)
Großen konnten nicht herbeigeſchafft werden. Seine künſtleriſche
Lauf=
bahn in Wien, wo er zuletzt der Enkelin Goethes, der fruh
verſtorbenen Alma von G., Malſtunden gegeben, wurde jäh
unter=
brochen durch ein ausbrochendes Gemütsleiden. Er zog ſich nach Erbach
zu ſeinem Vater zurück. Lange Jahre war ſein Schaffen gelähmt. Als
er wieder arbeitsfähig wurde, ging er teilweiſe zu anderen
Stoffgebie=
ten über, zu Trachtenbildern und volkstümlichen Ge=
Geſtalten des Odenwaldes. Unter ihnen ragt der in der oben
erwähnten Einführungsſchrift, Seite 14, abgebüldete Obermoſſauer
Schäfer in ſeinen wuchtigen Auffaſſung hervor. Ein hervorragender
Künſtler äußerlich, er erinnert in ſeiner Art an Rembrandt.
Völlig neu waren die Arbeiten des jüngſten Sohnes Feodor R.
(1819—1846), urſprünglich Girtner. Als Zeichen ſeiner Anlagen war
ein Heſt über die Eulbach er Anlagen ausgeſtellt, das er
ſei=
nem Vater zu Weihnachten gezeichnet. In England, wohin er ſich zu
ſeiner Ausbildung begeben, wurde er mit der damals wieder
aufleben=
den Glasſchmelzmalerei bekannt. Er beſchäftigte ſich nun in
der Folge ſehr eifrig damit. Nach Erbach zurückgekehrt, glückte ihm
eine Erfindung, eine neue Art von in Glas gebrannten Farben. Er
wandte ſich nun ganz der Glas= und Porzellanmalerei zu. Die auf der
Berliner Gewepbe=Ausſtellung 1844 ausgeſtellten Gläſer wurden mit
einem hohen Preis ausgezeichnet. Die in Erbach ausgeſtellten Humpen
und Becher zeugen von ſeinem Können. Mitten in Plänen — er
unter=
handelte wegen Wiederherſtellung der Fenſter der Oppenheimer
Katha=
rinenkirche — ſtarb er allzufrüh am 10. Januar 1846 an Typhus. Wenn
er länger gelebt hätte, würde Erbach neben der Elfenbeinſchnitzerei auch
noch eine Anſtalt für Glas= und Porzellanmalerei beſitzen.
Zum Schluß ſei auch an dieſer Stelle allen denen gedankt, die ihre
Bilder liebenswürdig hergeliehen haben. Ein ganz beſonderes
Ver=
dienſt hat ſich aber der regienende Graf Konrad zu Erbach=
Erbach erworben, daß er den Plan der Ausſtellung mit friſchem Mut
aufgriff, die Näume ſeines Schloſſes dazu hergab und durch den
Erb=
grafen Alexander für die Ausſtellung herwichten ließ.
K. Noack.
*) Von der Schrift „Zur Geſchichteder Künſtlerkamilie
gehrer” können noch Exemplare von mir (Darmſtadt,
Orangerie=
ſtraße 13) bezogen werden (zu 20 Pf., nach auswärts 5 Pf. zum
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machen).
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Grotd 2 Pfg., beim Einkaut van 1 Pakel Lux=
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Regelung des Straßenverkehrs während der Herbſtmefſe 1928.
Auf Grund des 8 27 der Polizeiverordnung, die Abhaltung der
Früh=
jahrs= und Herbſtmeſſe betreffend, vom 6. Dezember 1924, wird während
der Herbſtmeſſe, für die Zeit vom 21. September bis 3. Okt.,
morgens angeordnet: 1. Der zwiſchen Mühl= und Stiftſtraße liegende
Teil der Lindenhofſtraße, der zwiſchen Soder= und Lindenhofſtraße
lie=
gende Teil der Teichhausſtraße, der zwiſchen Lindenhof= und
Land=
graf=Georgſtraße liegende Teil vor dem Hallenſchwimmbad, die
Land=
graf=Georgſtraße zwiſchen Mühlſtraße und dem alten Schlachthofplatz
werden, für, den Fuhrwerks=, Auto= und Radfahrverkehr geſperrt. —
2. Auf den das Meßgelände angrenzenden Straßenteilen darf nur im
Schritt gefahren werden.
— Ein Laternenjäger. Geſtern nachmittag raſte ein Auto vom
Luiſenplatz kommend, die Rheinſtraße entlang, um an der
Grafen=
ſtraße einzubiegen. Der Fahrer, der anſcheinend reichlich angetrunken
und nicht mehr in der Lage war, das Fahrzeug zu ſteuern, fuhr auf
den Vürgerſteig und gegen die dort ſtehende Laterne mit ſolcher Wucht,
daß ſowohl Glasſplitter als auch eiſerne Brocken herumflogen. Er
ver=
ſuchte dann, dunh die Grafenſtraße zu entwiſchen, wobei er in der Nähe
des Cafés Barth eine zweite Latern= demolierte. Als man ihn
foſt=
halten wollte, raſte er — beide Wagentüren ſtanden offen — in
Zickzak=
kurben durch die Grafenſtraße und Eliſabethenſtraße. Der kühne
La=
ternenjäger konnte ſchließlic) feſtgenommen werden.
Verwaltungsgerichtshof (Zeughausſtraße 2). Oeffentliche Sitzung
am Samstag, 22. Sept., vorm. 9 Uhr: Antrag der Gemeinde
Wall=
dorf auf Uebereignung von Gelände aus der Gemeinde Mörfelden;
vorm. 11 Uhr: Antrag der Gemeinde Viernheim auf Enteignung
von Gelände zur Durchführung des Ortsbauplans.
Aus den Parteien.
— Deutſche Volkspartei Ortsgruppe Darmſtadt.
Der für heute Freitag vorgeſehene „Politiſche Abend” im Jagdzimmer
des Städtiſchen Saalbaues findet nicht ſtatt. Vorausſichtlich wird
An=
fang Oktober eine Mitgliederverſammlung angeſetzt werden, im der
eine Ausſprahe über die politiſchen Tagesfragen ſtattfinden ſoll.
Tagung des Heſſiſchen Chordirigenten=
Verbandes.
Nächſten Samstag, den 22. September, und Sonntag, den 23.
Seh=
tember, wird im goldenen Mainz die erſte Tagung des Heſſiſchen
Chordirigenten=Verbandes abgehalten, zu der ſämtliche heſſiſchen
Cbon=
dirigenten — auch die nicht angeſchloſſenen — herzlich eingeladen ſind
Die bis jetzt erfolgten Anmeldungen laſſen einen ſtarken Beſuch aus
allen Teilen des Heſſenlandes erwarten. — Folgende Veranſtaltungen
ſind vorgeſehen:
Am Samstag, 22. Sept., vormittags 11 Uhr,
Eröffnungsverſamm=
lung (Akademiſche Feier), zu der Vertreter der Zentralſtelle fün
Volksbildung und Jugendpflege in Darmſtadt, der ſtaatlichen und
ſtädti=
ſchen Behörden, des Heſſiſchen Sängerbundes und des
Arbeiterſänger=
bundes, der Preſſe und verſchiedener Bruderorganiſationen, ihr
Er=
ſcheinen zugeſagt haben. Im Mittelpunkt der Feier, die von geſanglichen
und muſikaliſchen Darbietungen des ausgezeichneten Tenors Leo
Ma=
gido=Frankfurt a. M., des Pianiſten W. Görtz=Mainz und des
Mainzer Lehrerſängerchors unter Leitung des
Kabellmei=
ſters Naumann umrahmt wird, ſteht der Vortrag des
Hauptſchrif=
leiters Franz F. Geis=Frankfurt a. M. über „Ziele und Zwecke des
Heſſiſchen Chordirigentenverbandes‟. Nachmittags 3 Uhr iſt für
Mit=
glieder die erſte Hauptverſammlung, in der organiſatoriſche
Fragen behandelt werden, und abends 8 Uhr findet ein „
Rheini=
ſcher Abend” ſtatt, der den Teilnehmern genußreiche Stunden
brin=
gen wird.
Der Sonntag, 23. Sept., iſt ernſter Berufsarbeit gewidmet, und
bietet um 9 Uhr einen Vortrag des Muſikdirektors Rud. Werner=
Frankfurt a. M., um 10 Uhr einen Vortrag des Prof. Dr. Friedrich
Noack=Darmſtadt und um 11 Uhr „Eine Chorgeſangsſtunde‟
womit Kapellmeiſter Naumann in die Praxis einführen wird. Um 1230
Uhr verſammeln ſich die Teilnehmer zum gemeinſchaftlichen Mittagstiſch.
Um 3 Uhr iſt dann in dem großen Saal der Feſthalle eine Schubertz,
Feier der Mainzer Sängerſchaft. Die anderen Veranſtaltungen
wer=
den im Rheingoldſaal abgehalten. Der Heſſiſche Miniſter für Kultus
und Bildungsweſen hat angeordnet, daß den Lehrerdirigenten Urlauß
zu der Tagung erteilt wird. So iſt alles geſchehen, um die Tagung
glanzvoll und erfolgreich zu geſtalten. Möge ſie reiche Früchte tragen!
*Bezirksſchöffengericht.
p. 1. Man wird ſich noch des Vorfalls erinnern, der ſich am
10. Juli d. J. in der Rheinſtraße gelegentlich der Vorführung eines
Unterſichungsgefangenen zur ärztlichen Unterſuchung ereignete. Der
Angeklagte, Kaufmann Eugen Reiland aus Ars an der Moſel, warf
dem begleitenden Oberwachtmeiſter Seiſenpulver in die Augen,
augen=
ſcheinlich in der Abſicht, zu entweichen. Mit Hilfe eines Paſſanten
ge=
lang es, den Ausreißer an der Merckſchen Apotheke wieder zu faſſen,
der dem Beamten und der zur Unterſtützung desſelben zugezogenen
„Perſon Widerſtand leiſtete. Die Anklage geht auf Widerſtand und
Körperverletzung. Das Seifenpulver hatte ſich Reiland zurecht gemacht,
wohl, um es zu einem Fluchtverſuch bei geeigneter Gelegenheit zu
be=
nutzen. Anſcheinend war eine Flucht nach Mainz geplant, um ſo den
Weg in die Heimat zu finden. Der Strafantag geht auf 1 Monat
Gefängnis. Auf dieſe Strafe wird erkannt.
2. Wegen Beleidigung des Bürgermeiſters von Hähnlein, ſtehen
zwei dortige Einwohner unter Anklage. Es handelt ſich um Vorgänge
in der öffentlichen Gemeinderatsſitzung vom 10. Februar 1998.
Der Anwalt des Nebenklägers, Bürgermeiſter Seib, beantragt
Ver=
tagung und Vernehmung weiterer Zeugen; dem Antrag der
Ver=
tagung ſchließt ſich der Staatsanwalt an. Der Ausſetzung widerſpricht
der Verteidiger. Auf Grund des 8 191 St.G.B. wird die Sache bi
auf weiteres ausgeſetzt.
3. Wegen fahrläſſiger Körperverletzung wird gegen den Kraffahrer
Joh. Marguardt von Steinbuch i. O. verhandelt. Den Führerſchein
hat er ſeit 3 Jahren. Der Zuſammenſtoß mit dem Motorrad der
Ver=
letzten hat am 29. Mai d. J. auf der Straße Groß=Umſtadt—Höchſt 1,9.
ſtattgefunden. Marquardt fuhr im Laſtauto leere Fäſſer von
Franl=
furt a. M. nach Erbach. Das Anfahren des Motorrads erfolgte in
der Nähe des Rondells in der Richtung bergab nach Höchſt. Die
An=
klage legt dem Autolenker zur Laſt, daß er die rechte Seite der Straße
nicht eingehalten und die Verletzten in hilfloſer Lage verlaſſen habe,
Der ſog. Höchſter Berg iſt kurvenreich und ſorgfältig und vorſichtig zu
befahren. Der Motorradfahrer gab, um das Laſtauto zu überholsn,
wiederholt und laut Hupenſianal; er bekundet dabei, daß der
Ange=
klagte in dem Momente des Ueberholens direkt hinter einem
überholen=
den Auto her nach links gefahren ſei. So entſtand der Zuſammenſtoß.
Der verletzte Chemann war 12 Tage arbeitsunfähig und hatte
Ver=
letzungen am linken Bein, die Ehefrau auf dem Soziusſitz empfand
inner=
liche Bruſtſchmerzen. Der Beifahrer des Laſtautos nahm durch deſſen
Rückſpiegel wahr, daß etwas raſſiert war, er hielt aber, wie er ſpäter
in Höchſt erklärte, die Sache für nicht ſo ſchlimm; als er kurz nach
dem Unfall aus dem Wagen herausſah, ſoll er zudem noch höhniſch
gelacht haben; dieſer Zeuge bleibt nach Gerichtsbeſchluß unbeeidigt.
Das Gutachten des Sachverſtändigen ſtellt eine Schuld des
Ange=
klagten feſt. Letzterer muß den Rückſpiegel gehörig einſtellen und iſhn
beobachten. Mit den Eigenheiten des Wagens war er vertraut.
Der Staalsanwalt beautragt Freiſprechung des Angeklagten von
einem Vergehen nach 8 22 Abſ. 2 des Kraftfahrzeuggeſetzes GVerlaſſen
des Verletzten in hilfloſer Lag=), im übrigen wogen fahrläſſiger
Körper=
verletzung eine Geldſtrafe von 100 Mark.
Das Urteil ſpricht wegen des Verlaſſens der Verletzten, in
hilf=
loſer Lage frei, wegen fahrläſſiger Körververletzung werden 60 Marl
Geldſtrafe ausgeſprochen.
Lokale Veranſtaltungen.
— Der Wanderklub „Adler” E. V. 1912 hält am
Sams=
tag, den 22. Sept, abends 8 Uhr, auf dem Heiligen Kreuz eine Tanz=
Unterhaltung ab. Freunde und Gönner des Vereins, die einige
ver=
gnügte Stunden verleben möchten, ſind freundlichſt eingeladen.
Viener Kronenbräukeller. Heute Freitag, den
21. September, abends 8 Uhr, findet im Wiener Kronenbräukeller
wie=
der ein Stceichkonzert des Stadtoncheſters unter Leitung ſeines Kapelle
meiſters W. Schlupp ſtatt. Die vorhergegangenen Streichkonzerte haben
guten Anklang gefunden, ſo daß in der Folge dieſe Konzerte in den
in=
zwiſchen ſchön renovierten Lokalitäten bei freiem Eintritt wiederholt
werden.
e Hegeneche
Hauptſynagdge (Friedrichſtraße)
Freitag, den 21. September: Vorabend vottesdienſt 6 Uhr 15 Min=
Samstag, den 22. Sept.: Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Mit
— Sabbatausgang 7 Uhr 10 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen:
Morgens 6 Uhr 30 Minuten. — Abends 6 Uhr.
Gebetszeiten in der Synagoge der Fſraelitiſchen Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 22. Sept.: Vorabend 5 Uhr 50 Min. — Morgens
8 Uhr. — Nachm. 4 Uhr: Sabbatausgang 7 Uhr 10 Min
Sonntag, den 23. Sept: Erew Jaum gippur, Morgens
4 Uhr 30 Min. — Nachm. 2 Uhr.
Montag, den 24. Sept.: Jaum Kippur. Vorabend: Atifas
Tallis 6 Uhr 15 Min. — Kol Nidre 6 Uhr 30 Mm. — Morgens6 Uhr
35 Min — Krias Hatauroh 11 Uhr — Muſſaf 11 Uhr 05 Min. —
Krias Hatauroh 2 Uhr ,5 Min. — Minchoh 3 Uhr 20 Min. — Neiloh
5 Uhr 35 Min. — Schsmaus 7 Uhr.
Wochengottesdienſt: Morgens 6 Uhr. — Abends 5 Uhr 45 Min,
Mee H eh
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Keine Vorſtellunng. —
gleines Haus: Keine Vorſtellung. — Orpheum abends 20.15 Uhr:
Revue „Große Kleinigkeiten”. — Konzerte: Schloßkaffee, Kaffe
Rheingold, Hotel Schmitz. — Wiener
Kronenbräukeller=
abends 20 Uhr: Streichkonzert. — Kinovorſtellungen: Helia,
Palaſt=Lichtſpiele, Reſidenz=Pcheater.
MAMTLeTOder leite Sotntelkätiee
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Beendigung
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ent 2. Porſtel
und Kaſſenwart
faufen und A. b
Eir us Arheilgen.
tn Bürgermeiſte. 4
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4n. Arheilgen, 2.
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E ends 8 Uhr ein 2.
gkroffenen Vorbereit!
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wirklung zugeſagt h
reſenden, genußreick
jährigen ſinde
Ponne ſtat.
Nummer 263
Aus Heſſen.
Perkehrsverband Darmſiadt — Frankfurt.
Aa. Langen, 20. September.
Der Verkehrsverband der Strecke Darmſtadt—Frankfurt hielt dieſer
ge in Erzhauſen eine Hauptverſammlung ab, die ſich eines guten
ſuches erfreute. Dem Verband gehören in der Hauptſache Gemeinden
w Verkehrsvereine der in Betracht kommenden Orte an. Der
Ver=
ſd ſetzt ſich wie folgt zuſammen: Gemeinde Arheilgen, Gemeinde
ſzhauſen, Gewerkſchaftskartell Erzhauſen, Gemeinde
Egels=
ſich. Gewerkſchaftskartell Egelsbach, Gemeinde Langen, Verkehrs=
„ſchuß Langen, Gemeinde Sprendlingen, Gemeinde
Buch=
ſſlag, Gemeinde Neu=Iſenburg und Verkehrs= und
Verſchöne=
nosverein Neu=Iſenburg. Der Sitz des Verbandes iſt in Langen,
der Vorſitzende Georg Philipp Werner wohnt.
Wie aus den Berichten des Vorſtandes und der daran ſich
anſchlie=
nden Debatte hervorging, läßt der Vorortverkehr zwiſchen Darmſtadt
Frankfurt und umgekehrt für die an der Strecke liegenden heſſiſchen
Le ſehr viel zu wünſchen übrig. Zwar ſind ſchon viele
Verbeſſerun=
eingetreten, aber längſt ſind noch nicht alle dringlichen Wünſche
er=
ſet. Sehr bedauert wird nach wie vor, daß der Vorortverkehr und
ſgte Pünktlichkeit durch das Ueberholen durch oft Verſpätung habende
enell= und D=Züge ſtark beeinträchtigt werde. Leider könne ſich die
ſichsbahn immer noch nicht dazu verſtehen, das dritte Gleis zwiſchen
ſirnkfurt und Darmſtadt endlich auszubauen. Die gegen die
Ausfüh=
mg des dritten Gleiſes von der Reichsbahn erhobenen Bedenken
ſen, für die Orte und ihren ſtarken Arbeiterverkehr nicht ſtichhaltig.
ſgrüßt wurde dagegen, daß jetzt endlich die Unterführung der
Bahn=
tgr in Neu=Iſenburg erfolgt, was als ein großer Fortſchritt gebucht
neden müſſe. Sehr ſchlechte Fahrplanverhältniſſe beſtünden für die
ſte Wixhauſen, Erzhauſen, Egelsbach und Langen. Es wurde die
Eſetzung einer Kommiſſion beſchloſſen, die alle Wünſche der
Bevölke=
ma nachprüfen, die erforderlichen Unterlagen beſchaffen und ſich
da=
m zur Reichsbahndirektion nach Mainz begeben ſoll, um die Wünſche
0 Forderungen an Ort und Stelle perſönlich vorzutragen. Alle
linſche und Beſchwerden wurden in einer Entſchließung
zuſammen=
naßt.
Nach Beendigung dieſer Beratungen, die geraume Zeit in Anſpruch
ahmen fand eine Vorſtandswahl ſtatt, die folgendes Ergebnis
ſite: Wiedergewählt als 1. Vorſitzender wurde Georg Ph. Werner=
(ngen; 2. Vorſitzender Herr Emmerich=Neu=Iſenburg,
Schrift=
hrer und Kaſſenwart Wilh. Herth=Langen, Beiſitzer Vollrath=
(zhauſen und A. Hahn=Egelsbach und ein noch zu beſtimmender
ſere aus Arheilgen. Zum Schluß der Tagung fand unter Führung
in Bürgermeiſter Lorenz=Erzheuſen eine Beſichtigung der
Bahn=
iſsanlagen von Erzhauſen ſtatt.
Freitag, den 21. September 1928
Seite 7
An. Arheilgen, 20. Sept. Oktoberfeſt. Der Geſangverein
Lie=
urzweig wird am 13. Oktober im Gaſthaus „Zum weißen Schwanen”,
cends 8 Uhr ein Oktoberfeſt nach Münchener Art veranſtalten. Die
gtroffenen Vorbereitungen verſprechen mancherlei Überraſchungen, und
Harum jetzt ſchon auf die Veranſtaltung hingewieſen. — Da für die
ſahl zur Kirchengemeindevertretung nur ein
Wahlvor=
ſlng eingereicht wurde, wird die Friſt zur Einreichung bis 23. Sept.
trlängert. Werden bis dahin keine weiteren Vorſchläge gemacht, ſo
elien die auf dem einzigen Wahlvorſchlag Verzeichneten als gewählt.
lieſer iſt im Gemeindehauſe angeſchlagen. — Der in verſchiedenen
Erien der Nachbarſchaft auftretende Zirkus Haupt wird in den
üchſten Tagen auch hier in der Hofreite des Gaſthauſes „Zum goldenen
öwen” eintreffen und mit einem erſtklaſſigen Gaſtſpiel aufwarten. Die
eitungen ſind aus früheren Jahren bekannt, und iſt ein Beſuch
emp=
chenswert. — Wie ſchon mitgeteilt, veranſtaltet die hieſige Ortsgruppe
18 Reichsbundes der Kriegsbeſchädigten und Hinterbliebenen am 29. 9.
m Wohltätigkeitskonzert, wozu in anerkennenswerteſter
Fa ſe die hieſige Orcheſtervereinigung und das Adlerquartett ihre
Mit=
ſickung zugeſagt haben. Beide Mitwirkenden verſprechen einen
hervor=
eeenden, genußreichen Abend. — Die Geburtstagsfeier der Vierzig=
1ärigen findet dieſen Samstag, abends 8 Uhr, im Gaſthaus „Zur
1u—nne” ſtatt.
J. Griesheim, 2. Sept. Am Sonntag vormittag wunde im Hofe
Gaſthauſes „Zum Darmſtädter Hof”, hier, ein faſt neues Damenrad
ſefwhlen und an deſſen Stelle ein altes Damenrad hingeſtellt. Das ge=
ſtohlene Rad iſt ein „Nanna=Original” Nr. B505, hat gelbe Felgen,
ſchwarzen Rahmen, das Netz iſt gelb und blau. Das alte Rad iſt Marke
„Matador” und trägt die Nummer 57 632. Zweckdienliche Mitteilungen
bittet man an die hieſige Bürgermeiſterei zu machen. — Ein völlig
mit=
telloſes 1Sjähriges Bürſchchen aus Langen wurde von der Polizei hier
aufgegriffen und in Gewahrſam genommen. Er gab an, von zu Hauſe
fortgegangen zu ſein, weil ihn ſein Vater mit Mißhandlung bedroht
habe, weil er keine Arbeit habe. Da ſich ſein Vater trotz telephoniſcher
Benachrichtigung nicht bewogen fühlte, ſeinen Jungen abzuholen, verſah
man ihn am Samstag mit Fahrgeld für die Heimreiſe. Dort iſt er aber
nicht eingetroffen, denn am Montag vormittag kam ſein Vater, um ihn
abzuholen. Wahrſcheinlich hat er ſich nach Oppenheim gewandt, das er
als ſein urſprüngliches Reiſeziel angegeben hatte. — Dieſer Tage
kolli=
dierte das von Griesheim kommende Auto des Bäckermeiſters Jöſt aus
Darmſtadt oberhalb der Groß=Gevauer Chauſſee mit einem von
Büttel=
born kommenden Fuhrwerk, das Gemüſe und Kartoffeln nach Darmſtadt
bringen wollte. Der Anprall war derart heftig, daß ſich das Auto
überſchlug und die Inſaſſen herausgeſchleudert wurden. Während
Bäckermeiſter Jöſt und ſeine Frau mit dem Schrechen davonkamen, wurde
das Auto ſtark demoliert und ſpäter von der Feuerwehr abgeſchleppt.
Das Fuhrwerk wurde ebenfalls beſchädigt, und ein Pferd leicht verletzt.
Der Tatbeſtand wurde von der hieſigen Gendarmerie aufgenommen,
und wird die weitere Unterſuchung ergeben, wenn die Schuld an dem
Unfall trifft.
Aa. Eberſtadt, 19. Sept. Vereinsjubiläum. Der erſte und
älteſte Muſikverein Eberſtadts, der „Zitherkranz”, kann in dieſem Jahre
auf ein 35jähriges Beſtehen zurückblicken. Gegründet wurde der Verein
am 15. Januar 1893 im Gaſthaus „Zum Dutſchen Hof‟. Der Verein
hatte im Laufe der Zeit nicht nur eine Zitherabteilung, ſondern auch
ein Streich= und Blasorcheſter und ſtellte jahrelang für alle Vereine
Eberſtadts die Muſik. Im Juli 1925 verſchmolz er ſich mit dem viel
jüngeren Zither= und Mandolinenklub Eberſtadt zu einem großen
Ver=
ein, der Zither= und Mandolinenmuſik, die alte ſchöng deutſche
Haus=
muſik, nach jeder Richtung hin pflegen und lernen will. Aus Anlaß des
Jubiläums findet am kommenden Sonntag im „Bergſträßer Hof”, ein
Jubiläumskonzert ſtatt. Aus Darmſtadt wirkt dabei der Zitherklub
Beſ=
ſungen mit. Als Soliſtin iſt Frau Aßmus (Violine)
ge=
wonnen. — Außerdem wirkt ein Streichorcheſter mit. —
Burg Frankenſtein. Auf der Burg Frankenſtein und den damit
verbundenen Lokalitäten iſt jetzt ein kleiner Saal errichtet wonden, der
dieſer Tage mit Konzert und Tanz f.ierlich eingeweiht wurde.
Aa. Pfungſtadt, 20. Sept. Hohes Alter. Frau Katharina
Becker Witwe, wohnhaft Eſchollbrückerſtraße 26, beging zu Beginn dieſer
Woche ihren 83. Geburtstag. Außerdem konnte Chriſtian Gunkel II
ſeinen 80 Geburts=ag feiern — 50Jahre Feuerwehr. Die
Frei=
willige Feuerwehr Pfungſtadt, die im kommenden Jahre auf ein 50jähr.
ſegensreiches Beſtehen zurückblicken kann, hat in dieſen Tagen beſchloſſen,
das nächſtjährige Jubiläum in großer Form zu feiern. Als Zeitpunkt
des Jubiläumsfeſtes iſt die Zeit vom 15. bis 17. Juni in Ausſicht
ge=
nommen. Die Wehr iſt am 29. März 1879 ins Leben gerufen worden,
die eigentliche Gründungsverſammlung war am 8. Jumi des gleichen
Jahres.
G. Ober=Ramſtadt, 19. Sept. In jedem Staate, jeder Gemeinde
gibt es Dinge, die ihrem Werte nach nicht geſchätzt werden können, die
aber, der Geſamtheit dienſtbar gemacht, den Wohlſtand des Volkes
för=
dern, alſo mit zur Gefundung der wirtſchaftlichen Verhältniſſe beitragen.
Dieſe Werte produktiv zu geſtalten, ſollte auch imn unſerer Gemeinde
nicht unterlaſſen werden. Ihre Lage, ihre landſchaftlichen Schönheiten,
ihre gegebenen Ruhe und Frieden atmenden Plätze und nicht zuletzt ihre
anfſteigende Induſtrie bieten doch hinreichend Gelegenheit, einem
Ver=
kehrs= und Verſchönerungsverein, ein Arbeitsfeld zu ſchaffen, wie es
lohnender nichſt gedacht werden kann. Darum heraus aus den
engen=
den, bedrückenden Verhiltniſſen und die helfende Hand einem zu
grün=
denden Vreine geboten, der in uneigennütziger Abſicht das Beſte für
das Geſamtnohl erſtreben muß. Welcher Segen auf einer wirklich
er=
ſprießlichen Tätigkeit einer ſolchen Körperſchaft ruht, bezeugen
hinrei=
chend die Kurorte des Odenwaldes. Vor zwei Jahrzehnten noch ſtille,
dem Fremdenverkehr nicht erſchloſſene Orte, ſind ſie heute zu teilweiſe
wohlhabenden G=meinden erblüht, immer eifrig beſtrebt, durch Schrift
und Bild ihren Bannkreis zu erweitern. Wir haben heute nicht nur
„Perlen”, ſondern auh „Kronen” des Odenwaldes, die ihrer Vorzüge
halber woh: geſtchätzt und von Tauſenden beſucht werden. Sind bei uns
niecht auch ſolihe Schätze vergraben? Sie zu heben gilt es. Und das
muß um ſo mehr möglich fein, da hier in verkehrswirtſchaftlicher
Hin=
ſiht weit beſſere Verhältniſſe beſtehen, als in den tiefer im Gebirge
gelegenen Orten. Drum friſch anz Werk und nicht geſäumi! Eine
Ausſprache nächſten Donnerstag, abends 9 Uhr, bei Gaſtwirt Diehl
wird manches Material zur Klärung der Sache liefern und dem
er=
ſtrebten Ziele ſiche= entgegenführen.
r. Babenhauſen, 19. Sept. An den Mannſchaftskämpfen
der Odenwälder Schützenvereinigung, die aus Anlaß
des Heubſtpreisſchießens der Priv. Schützengeſellſchaft von Auerbach
a. d. B. dort ſtattfanden, nahm auch eine ſtattliche Zahl unſeres
Schützenvereins teil. Die Mannſchaftskämpfe wurdem eröffnet durch eine
markige Anſprache des Vorſitzenden der Odenwälder Schützenvereinigung,
des Herrn Studienrats UIlmann, der den edlen Schießſport in
be=
geiſterten Worten feierte und mit einem „Heil” auf den Deutſchen
Schützenbund ſeine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen ſchloß.
Sieger der Mannſchaftskämpfe wurden die Mannſchaften der
Schützen=
gsſellſchaften Sprendlingen und Darmſtadt. Ihnen wurden vom
Vor=
ſitzenden Ehrendiplome und eine Erinnerungsmünze ausgehändigt. Die
Mannſchaftskämpfe 1928 ſowie die vielen Preisſchießen der einzelnen
Vereine im vergangenen Sommer haben den Beweis erbracht, daß reges
Leben und Treiben innerhalb der Odemwälder Schützenvereinigung
herrſcht. Erfreulich iſt, daß ſämtliche angeſchloſſenen Vereine über
neuzeitlich eingerichtete Schießſtände verfügen.
I. Michelſtadt, 18. Sept. Ein künſtleriſches Ereignis.
Die rührige Kurverwaltung hat, nachdem die erſte Vorſtellung im
Wald=
theater des Stadions gut eingeſchlagen hat, eine große Opernvorſtellung
vorgefehen, die unter der Mitwirkung hervorvagender auswärtiger
Kräfte durch das hieſige Kurtheater under der Direktion des Herrn
Vik=
tor Bachmann=Pipping vorgetragen werden ſoll. Leider verhindert die
bereits eingetretene Abkühlung die Wiedergabe der neu einſtudierten
Oper „Der Waffenſchmied” von Lortzing im Freien, ſo daß die
Vorſtel=
lung am kommenden Samstag und Sonntag im ſtädtiſchen Saalbau
vor ſich gehen muß. Für den erſten Abend iſt die Mitwirkung eines
großen Teils des Orcheſters des heſſiſchen Landestheaters Darmſtadt
ge=
ſichert, das auf dieſe Weiſe ſeine anerkannte Kunſt ebenfalls einmal in
den Odenwald trägt. Herr Opernſänger Werner Sprenger vom
Stadt=
theater in Plauen ſingt die Titelrolle des Stadinger, als Chor wirkt der
gemiſchte Chor und der Männerchor des hieſigen Geſangvereins.
Ein=
tracht” mit. Die beiden Chöve haben in wochenlanger, mühevoller Arbeit
eine ſehr beachtenswerte Höhe einfühlenden Könnens errungen. Die
künſtleriſche Leitung und Regie des ganzen unterſteht dem Direktor des
hieſigen Kurtheaters, Herrn Viktor Bachmann=Pipping, als muſikaliſcher
Leiter zeichnet Herr Emil Winternitz vom Wilhelm=Theater in
Magde=
burg. Als Auftakt für weitere große, künſtleriſche Veranſtaltngen
dürfte die Aufführung des Waffenſchmieds eine ganz beſondere
Beach=
tung in Anſpruch nehmen.
Bn. Hirſchhorn, 20. Sept. Turnererfolge. Bei der am
Sonntag in Sinsheim abgehaltenen Austragung der Gaumeiſterſchaften
konnte der Turnverein mit ſeinen ſechs Teilnehmern ſechs
Gaumeiſter=
ſchaften ſowie ſieben 2. Preiſe erringen und iſt ſomit an führender Stelle
innerhalb des Neckar=Elſenz=Gaues. Gaumeiſter wurden:
Heinz=
mann, Gg., im Weitſprung, Hochſprung und 200=Meterlauf;
Bret=
tel, Karl, im Speerwurf und Stabweitſprung; Beiſel, Karl, im
Kugelſchocken. Zweite Sieger wurden: Heinzmann, Georg, im
Hundert=
meterlauf und Speerwerfen, Brettel, Karl, im Weithochſprung,
Diskuswerfen beſt= und beidarmig, Brettel, Herm., im Weitſprung
und Kugelſtoßen beidarmig.
— Hirſchhorn, 20. Sept. Waſſerſtand des Neckars am
19. September 0,46 Meter, am 20. September 0,48 Meter.
H. Aus dem Neckartal, 20. Sept. Straßenſperre. Die
Pro=
vinzialſtraße von Hirſchhorn bis Eberbach iſt wegen Herſtellungsarbeiten
bis zum 4. Oktober auf der heſſiſchen Strecke für Kraftfahrzeuge und
jegliches Fuhrwerk geſperrt. Der Durchgangsverkehr für
Perſonen=
wagen geht über Moosbrunn—Schönbrunn-Pleutersbach—Eberbach,
für Laſtwagen über Neckargemünd—Wieſenbach-Waldwimmersbach—
Haag—Unter=Schönbrunn- Pleutersbach—Eberbach.
H. Birkenau, 2. Sept. Bautätigkeit. In dieſem Jahre war
die Bautätigkeit in unſerem Orte eine ſehr flaue; es wurden im ganzen
nur zwei Neubauten ervichtet. Bauluſt wäre ja ſchon vorhanden, aber es
fehlt zum Bauen das nötige Kleingeld. Von der Siedlung wurde dieſes
Jahr kein Wohnhaus erſtellt, da auch an dieſer Stelle Geldknappheit
herrſcht. Die Gemeinde hat ſich deswegen entſchloſſen, den Bau zweier
Doppelhäuſer dieſen Herbſt noch in Angriff zu nehmen, wodurch acht
Wohnungen gewonnen werden ſollen. Als die Wohnungsnot dahier ſehr
groß war, ſtellte nämlich Herr Baron von Wambolt das von ihm
ange=
kaufte frühere Gaſthaus „zum Birkenauer Tal” der Gemeinde zur
Ver=
fügung und dieſe ließ ſieben Familienwohmungen in dem Anweſen
her=
richten. Da auf Wunſch des Beſitzers das Haus nun wieder geräumt
werden ſoll, iſt der Bau der zwei Doppelhäuſer nötig geworden.
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IV 13781
[ ← ][ ][ → ]Seite 8
Freitag den 21. Ceptember 1928
Nummer 263
2. Gau=Gängertag des Gaues Bergſiraße
im Heſſiſchen Sängerbund.
Lorſch, 20. Sept. Den rechten Sängergeiſt eines Gaues muß man
ſpüren, ſobald deutſche Sänger zuſammenkommen. Und man ſpürte ihn
auch am letzten Sonntag hier in Lorſch. Die beidem Ortsvereine hatten
mit viel Liebe den Tag in ſchönſter Weiſe vorbereitet. Mit ihren
Fahnen hatten ſie vor dem Bahnhof Aufſtellung genommem und
be=
grüßten mit dem deutſchen Sängergruß den Gaworſtand, ſobald er
1.30 Uhr erſchien. Das machte ſofort Eindruck. Sodann begab man
ſich auf den Friedhof an das Grab des verdienſtwvollen Gründers unſeres
Gaues, Nik. Volk, wo der jetzige Gauvorſitzende, Herr Lehrer Beltz=
Seeheim, einen Kranz mit blauen Blumen niederlegte. Seine kurze,
warmherzige Anſprache — deutſch ſein, heiße treu ſein — wurde durch
Grabgeſänge der beiden Lorſcher Vereine, „Liederkranz” und „
Ger=
mania”, ſtimmungsvoll umrahmt. Außer den Angehörigen des vor vier
Jahren Verſtorbenen hatde ſich eine ſtattliche Anzahl Lorſcher Bürger
zu dieſer ſchlichten Gedenkfeier eingefunden. Die Sänger begaben ſich
dann in ſtattlichem Zuge, die Fahnen vornweg, unter den Klängen
friſcher Marſchmuſik auf den Marktplatz, wo die Fahne vom
ehrwür=
digen alten Rathauſe die Gäſte aus nah und fern grüßte. Schnell
grup=
pieven ſich die Lorſcher zu einem eindrucksvollen Geſamtchor, den Herr
Lehver Nau ſtabſicher leitete, ein ganz kurzes, markiges Wort der
Be=
grüßung des Gauvorſitzenden an die Sänger ſowohl wie an die in
großer Zahl anweſenden Bürger, und der Gau=Chormeiſter, Herr Muf.=
Dir. Döbert=Bensheim, beſteigt das Podium, und mit friſchem Schwung
erklingt der Geſamtchor aller: Sonnets „Morgenwanderung”. Hinauf
gehts in den Saal des „Weißen Kreuzes”, Punkt 2.30 Uhr ertönt die
Gloche des Vorſitzenden, der in temperamentvoller Weiſe die ſo zahlreich
erſchienenen Sänger, dem Orts= und dem Schulvorſtand und dem
Vor=
ſitzenden des Nachſargaues Weſchnitz begrüßt. Herr Bürgermeiſter Huba
erwidert in herzlichſter Weiſe und heißt alle herzlicht willkommen. Es
folgt die Totenehrung. Liebevoll gedenkt der Gauvorſitzende der vier
alten Sänger, die der Gau im letzten Jahre verloven. Man pries die
Treue dieſer Alten, die jahrzehntelang dem deutſchen Liede gedient, und
bat, ihrem Vorbilde nachzueifern. Stehend hörte die Verſammlung den
Trauergeſang des „Liederkranz” Klein=Hauſen. — Nun folgt der
ge=
ſchäftliche Teil. Der ſehr eingehende Jahresbericht des Gauvorſitzenden
gab „mit photographiſcher Treue” die Arbeit und dem Geiſt im Gau
wieder, Gaurechner Biſcher=Bürſtadt erſtatdet den allerdings weniger
er=
freulichen Kaſſenbericht, Gauvorſtand Lorenz=Zwingenberg beantragt
i. A. der Rechnungsprüfer Entlaſtung für ihn. Zur allgemeinen Freude
kann der Gauvorſitzende ſeinen Jahresbericht inſofern „berichtigen”, als
in letzter Stunde einer der angeſehenſten Vereine der Bergſtraße, der
„Männergeſangverein” Jugenheim, einſtimmig den Beitritt zum Heſſ.
Sängerbund beſchloſſen hat. Die Beratung der Anträge zeugte von
einer erfreulichen Friſche und Offenheit, beſonders auch die Beſprechung
des Kampfes gegen die Feſtſeuche. Nach Beendigung des geſchäftlichem
Teiles ſprach Vereinsohmann Diehl=Lorſch unter lebhaftem Beifall dem
Gauvorſtand Dank und Anerkennung für die geleiſtete Arbeit aus, und
ein geradezu ſpontaner Beifall löſte ſich aus, als ſich der Gauvorſitzende
zur Entgegnung erhob. Den erhebenden Schluß der Tagung bildete
der Bericht des Gau=Chormeiſters, des Herrn Muſ.=Dir. Döhert, über
die Wiener Tage, dem die Anweſenden mit aufmerkſamer Stille folgten.
5.45 Uhr ſchloß der Vorſitzende die Tagung. Mit bewegtem Herzen
forderte er die Sänger auf, den im Gau zweifellos wachſenden Geiſt
echt deutſcher Sangesbrüderlickkeit zu pflegen und ihn in die Vereine
zu tragen. Die deutſche Volksgemeinſchaft ſei unſer hohes Ziel für
Heimat, Volk und Vaterland, denen ein begeiſtertes Hoch erklang.
In=
dem die Sänger einander die Hände reichten, ſangen ſie mit
zuverſicht=
licher Begeiſterung die 3. Strophe des Deutſchlandliedes.
Bb. Bensheim, 19. Sept. Der hieſige, im Intereſſe eines rationellen
Obſtbaues ſehr rührige Obſt= und Gartenbauverein hielt im
Gartenſaal des Bahnhofhotels ſeine Jahreshauptverſammlung ab, die
der Vorſitzende, Rektor Michel, mit einer kurzen Anſprache eröffnete. Der
Bericht des Kaſſenwarts ergab im abgelaufenen Vereinsjahr eine
Ein=
nahme von 1049,99 Mk., der Ausgaben von zuſammen 989,67 Mk.
gegen=
überſtanden, ſo daß der Vortrag auf neute Jahresrechnung 60,32 Mk.
beträgt. Der Wert des Inventars beträgt nach 20 Prozent
Amortiſa=
tionsabſchreibung 165 Mk. Aus dem Bericht über die Vereinstätigkeit
iſt erſichtlich, daß im letzten Jahre 4002 Bäume in Verfolg der
Schäd=
lingsbekämpfung beſpritzt worden ſind. An Stelle der beiden durch Tod
ausgeſchiedenen Vorſtandsmitglieder, Gärtnereibeſitzer Hartmann=
Bens=
heim und Helfrich=Zell, deren die Anweſenden durch Erheben von den
Sitzen ehrend gedachten, wurden gewählt: Gärtnermeiſter Wilhelm
Pitzſch=Bensheim und Adam Helfrich=Zell. Obſtbauinſpektor Behne=
Darmſtadt von der Landwirtſchaftskammer gab unter Zurückſtellung
ſeines eigentlichen Vortrages, der auf die Herbſt= und Winterzeit
ver=
ſchoben wurde, auf verſchiedene Anfragen Aufklärung und befürwortete
die zwangsweiſe Einführung vationeller Schädlingsbekämpfung, er
ver=
breitete ſich auch über die Anbaufähigkeit verſchiedener Obſtſorten im
Intereſſe rationeller und gewinnbringender Obſterzeugung unter
Be=
rückſichtigung der örtlichen Bodenverhältniſſe.
Bm. Bürſtadt, 18. Sept. Verſchiedenes. Im hieſigen
Trans=
formatorenhaus an der Lampertheimer Straße brach infolge
Kurzſchluſ=
ſes Feuer aus, das ein ſofortiges Verſagen des elektriſchen Stromes
zur Folge hatte. Von einigen Feuerwehrleuten konnte der Brand
als=
bald gelöſcht werden. Das ſofort benachrichtigte Elektrizitätswerk ſorgte
für alsbaldige Behebung des Schadens, und brannte nach ungefähr 1½
Stunden Unterbrechung des Licht wieder. — Die Pilzſammler gehen
dieſes Jahr von ihrem Suchen meiſt leer aus. Unſer Wald, der ſonſt
immer eine Maſſe aller Arten Pilze aufwies, birgt dieſes Jahr kaum
einen Speiſepilz. Jedenfalls iſt die große Bodentrockenheit ſchuld, daß
ſich das Pilz=Myzelium nicht ernähren kann. — Das hieſige
Kirch=
weihfeſt, das gewöhnlich am erſten Sonntag im Oktober gefeiert
wird, fällt dieſes Jahr ausnahmsweiſe auf den 30. September, da dies
der erſte Sonntag nach „Michaelis” iſt und nach dieſem Tag ſich die
hieſige Kirchweihe richtet. — In letzter Zeit mehrt ſich hier die Unſitte,
daß ſich Kinder nach Feierabend in den Neubauten ſpielend und
zerſtörend herumtreiben. Falls die Eltern nicht ihre Kinder davon
ab=
halten, müßte evtl. polizeilich vorgegangen werden. — In einer
hieſi=
gen Zeitung wurden dieſer Tage alle ſäumigen Mieter der
Ge=
meindewohnhäuſer unter Hinzuſetzung des rückſtändigen Mietzinſes
öffentlich bekannt gemacht. Es waren dabei Summen bis über 300 Mk.
zu leſen, und hat die Gemeinde insgeſamt über 2000 Mark ausſtehen.
Wahrhaft traurige Zuſtände.
— Gernsheim, 20. Sept. Wafſerſtand des Rheins am
19. September 0.40 Meter, am 20. September 0,42 Meter.
z. Müfſelsheim, 19. Okt. Die Gemeinnützige
Baugenoſ=
ſenſchaft beſchloß die Vergebung von 14 Häuſern an ihre
Mitglie=
der. Ein Fünftel der Bauſumme muß angezahlt werden. Zwei Häuſer
mit 4 Wohnungen erhielt die Reichspoſt für hieſige Beamte, die
Zu=
ſchüſſe leiſten können. Es handelt ſich im ganzen um 14 Doppelhäuſer
mit 28 Drei= und Zwei=Zimmerwohnungen in der Siedlung an der
Haß=
locherſtraße.
Das Drnng don Badenhent.
Die Tat eines Wahnſinnigen oder eines Verbrechers? — Feueralarm. — Das
Waſſer geht aus. — 4000 Meter Schlauchleitung müſſen gelegt werden. — Ueber
eine Viertelmillion Sachſchaden.
*Nächtliche Kataſtropke.
Der Brandſiifter auf friſcher Tat ertappt.
(Nach dem Bericht eines Augenzeugen.)
Auf weitragender Höhe liegt in der ſchönem Pfalz, umgebem von
Weinbergen und Feldern, das Dorf Dackenheim, ein kleiner Ort, in der
Hauptſache beſtehend aus dem großen Gutsanweſem des Oekonomierats
Winkels=Herding, an das ſich eine Anzahl kleiner und
mitt=
lerer Bauernhöfe anſchließt. Die Ernte iſt geborgen, die Scheuern bis
zum Firſt mit Stroh und Heu gefüllt, man rüſtet auf den Herbſt, der
in einigen Tagen beginnen ſoll. Die Menſchen auf dem Gut ſind zur
Nuhe gegangen. Nichts beſonderes hat ſich ereignet in den letzten Tagen,
und man wartet nur auf ſchönes, klares Herbſtwetten, das die Trauben
zur letzten Reife bringen ſoll. Da — kurz vor Mitternacht — ſchlägt
die Sturmglocke an, wilde Schreie — Feueralarm. Die große Scheune
des Gutshofs, vom Herrſchaftsgebäude durch einen Park getrennt, ſteht
in hellem Flammen. Dunch die Gewalt des Feuers werdem die
Stroh=
bündel hoch in die Luft geſchleudert und zerſtieben in Feuerregen. Das
Vieh in den Ställen brüllt ängſtlich, die Kinder und Frauen ſchreien,
alles eilt, zur Hilfe bereit. Das Feuer greift, trotz eifrigſter Bemühung,
auf Stallungen und Maſchinenhaus über. Nur mit Mühe gelingt es,
das verängſtigte Vieh zu retten. Die raſch herbeigeeilte Feuerwehr
ar=
beitet mit Anſtrengung bis zum letzten, um den löſchenden Waſſerſtrahl
auf den Brandherd zu richten.
Da — mitten in der Arbeit, der ſchon Erfolg beſchieden zu fein
ſcheint, geht das Waſſer aus. Langſam verſiegt der Strahl, und wehrlos
muß man dem Wüten der Flammen zuſchauen. Das Waſſerreſervoir,
4000 Kubikmeter enthaltend, iſt bis zur Neige leergepumpt. Aber ſchon
eilen von allen umliegenden Dörfern die Bauern mit Wagen und
Büt=
ten, Laſtautos und Fäſſern herbei, angelockt durch die Brandfackel, die
weithin zur Nachtzeit das pfälziſche Land grauſig erleuchtet. Mit
fri=
ſchem Mut wird weitergearbeitet, ſchon glaubt man, nun endgültig des
Feuers Herr zu ſein — ein neuer Schrechensruf: im Nücken der
Arbei=
tenden— etwa 200 Meter von der brennenden Scheuer entfernt —
zün=
geln aus einem anderen Anweſen die Flammen auf. Eine kleine
Löſch=
mannſchaft nur kann an der erſten Brandſtätte zurückbleiben, alles
andere eilt zu dem Haus Kaup, um dort zu retten, vas zu retten iſt.
Nur mit Mühe gelingt es, die wertvollen Dinge aus dem qualmenden,
rauchenden Feuermeer herauszureißen und über die Straße in ein
an=
deres ungefährdetes Beſitztum zu retten. Das Kaupſche Anweſen brennt
bis auf den Grund nieder, die Flammen haben auch das an der Seite
ſtehende Nachbarhaus ergriffen, um auch hier alles, alles zu vernichten.
Endlich gelingt es, dem Wütem ein wenig Einhalt zu tun, die Flammen
werden nach und nach ſchwächer, nachdem ihnen alles zum Opfer gefallen
iſt, was in erreichbarer Nähe war. In Verwirrung und Angſt eilen
die Menſchen verſtört umher, von der brennenden Scheune des
Guts=
hofs zu den beiden andern vernichteten Baulichkeiten. Aber noch nicht
gemg: Aus dem auf der anderen Seite der Straße liegenden Haus, in
das man die Möbel der Kaupſchen Wohnung gerettet hat, ſchlagen auf
einmal die Flammen jäh auf. Das ſehen und ſchreien: „
Brandſtif=
tung” rette jeder ſein Anweſen: iſt eins. Alles eilt nach Hauſe, um
ſein Eigenes zu beſchützen, und jenes Haus brennt ebenfalls mieder bis
zum letzten. Mittlerweile iſt auf dem Gutshof noch immer lebhaftes
Treiben, alles eilt umher, um hier und da zu helfen. Auch die Tochter
des Beſitzers tritt aus der Haustüre. Sie ſieht, wie im Dunkeln ſich
eine Geſtalt an der Garage zu ſchaffen macht, ruft
Alarm, will ihn feſthalten, aber ſchon iſt er im Trubel entwiſcht. Ihr
Bruder geht auf die Suche, durchſtreift die Wirtſchaftsgebäude, die noch
unverſehrt daſtehen, öffnet die Tür der zweiten großen Vorratsſcheune
— da ſtürzt vor ihm ein Mann von der eiſernen Leiter auf die Tenne
und ſucht zu entfliehen. Doch er kann ihn feſthalten umd trotz allen
Widerſtandes mitſchleifen, um ihn verhaften zu laſſen. Noch immer aber
iſt keine Zeit zu verlieven, die bedrohten Gebäude gilt es erſt ſoweit zu
ſichern, daß weiteres Uebergreifen des Feuers ausgeſchloſſen bleibt.
Mittlerweile ſind die Feuerwehren der umliegendem Ortſchaften
voll=
ſtändig verſammelt, auch die Betriebsfeuerwehr der Frankenthaler
Zuckerfabrik iſt mit drei Motorſpritzen angerückt. Zu ihrer Verſorgung
muß man eine vier Kilometer lange Schlauchleitung
vom Ort Freinsheim bis zur Brandſtätte legen. Jetzt
erſt gelingt es den vereinten Kräften — die Bewohner, die von der
Ver=
haftung des Täters gehört haben, ſind beruhigt und kommen ihrerſeits
auch wieder zu Hilfe das Feuer endgültig auf ſeine vier Herde zu
beſchränken. Als der Morgen grau hereinbricht, ſtehen von den vier
gnoßen Baulichkeiten, die am Tage vorher noch Reichtümer bargen, nur
die ſchwarzverbrannten Grundmauern, zwiſchen ihnen verkohlte Balken
a. Offenbach, 2. Sept. Sozialdemokratiſcher Vorſtoß
gegen die chriſtliche Simultanſchule? Man ſchreibt uns:
Die Arbeitsgemeinſchaft ſozialdemokratiſcher Lehrer und Lehrerinnen
Heſſens beſchloß am 10. Juni, es möge bei der Beſetzung von
Schulauf=
ſichtsſtellen jede ſachlich geeignete Lehrkraft, ohne Rückſicht auf
konfeſſio=
nelle Zugehörigkeit befördert werden. Nun ſind hier zwei Rektorenſtellen,
eine evangeliſche und eine katholiſche, neu zu beſetzen. Der
Lehreraus=
ausſchuß, die gewählte Vertretung der Geſamtlehrerſchaft, wird dazu
ge=
hört. In der Sitzung dieſes Ausſchuſſes gab ein ſozialdemokratiſcher
Lehrer unverhofft die Anregung, der Ausſchuß möge ſeine Vorſchläge
zur Beſetzung der Rektorenſtellen, ohne Rückſicht auf das Bekenntnis
machen. Obwohl dem Antrag von evangeliſcher Seite ſofort und
ent=
ſchieden widerſprochen wurde, da er an den Grundlagen der chriſtlichen
Simultanſchule rüttele, gelangte er mit acht gegen drei Stimmen zur
Annahme. Die Mitglieder des Kath. Lehrervereins ſtimmten nicht
gegen den Antrag. Der Beſchluß iſt geeignet, ſich gegen das evangeliſche
Bekenntnis auszuwirken. Unter dem Vorſchlag des Lehverausſchuſſes
befinden ſich nämlich drei katholiſche Lehrer, darunter der Vorſitzende
des Kath. Lehrervereins, und zwei evangeliſche Lehrer, die mit einem
freireligiöſen, Lehrer und ſozialdemokratiſchen Stadtverordneten gleiche
Stimmenzahl erhielten. Bezeichnend iſt auch, daß von den 50
abge=
gebenen Stimmen 21 auf Mitglieder des Ausſchuſſes fielen.
in wirrem Durcheinander liegend, aus denen noch immer hie und da
Flammen aufzügeln. Erſt am Abend des Mittwochs iſt das Feuer
end=
gültig erloſchen und die letzten Wachmannſchaftew können abziehen.
Der bisher feſtgeſtellte Sachſchaden beläuft ſich
ſchätzungs=
weiſe auf etwa 250 000 Mark, die zum Teil durch Verſicherung
gedeckt ſind. Dazu kommt noch der Gebäudeſchaden, der ebenfalls ſehr
erheblich iſt.
Vernehmung und Geſtändnis des Täters.
Auf friſcher Tat wurde der Brandſtifter ertappt, als er gerade
wei=
teres Unheil anſtiften wollte. Noch in der Nacht ſchaffte die Gendarmerie
ihn in das Dürckheimer Gefängnis, nicht ohne daß die erbitterte
Be=
völkerung verſuchte, ſich des Täters zu bemächtigen und Standrecht an
ihm auszuüben. Beim erſten Verhör geſtand der
Ver=
brecher bereits die Tat unumwunden ein. Die weitenn
Verhöre ergeben bis zur Stunde etwa folgendes Bild, wie es
ſchauer=
licher kaum in ſchlimmſter Film= und Kolportageromantik vorkommen
kann: Der Täter, Martin Kaup, iſt der Sohn ordentlicher, angeſehener
Eldern, die zuſammen mit zwei anderem tüchtigen Söhnen ihre Felder
bewirtſchaften. Kaup ſelbſt war im Krieg und erlitt ſchwere
Verwun=
dungen, vor allem mußte ihm ein Bein amputiert werden. Außerdem
war er einmal verſchüttet geweſen, jedoch war an ſeinem Verhalten bis
zur Stunde nichts bemerkt worden, was etwa auf geiſtige Geſtörtheit
hingewieſen hätte. Er iſt ein arbeitsſcheuer Burſche, der ſich großenteils
in den Schenken herumtrieb, Händel anfing, um ſein auf Grund der
Rente, die er als Schwerkriegsbeſchädigter bezog, erworbenes Geld ſo
zu verleben, da er ja noch immer — trotz ſeiner 30 Jahre — bei den
Eltern Unterkunft gefunden hat. Vor etwa einem halben Jahr habe er
— wie er geſtand — einen Selbſtmordberſuch unternommen — ob aus
einem Anfall von Schwermut oder aus Verbitterung ſteht noch nicht feſt.
Durch ſeine unfveundliche Art und ſeine Faulenzerei geriet er mit ſeinen
Eltern, wie überhaupt mit dem ganzem Dorf in dauernde Konflikte,
ohne daß er irgendwie wirklich benachteiligt wurde. Wie er behauptet,
hätten ſeine Eltern verſucht, ihn zu vergiften, und auch das habe ihn
in ſeinem Entſchluß beſtärkt, ganz Dackenheim zu vernichten,
Wie er bei der Feſtnahme äußerte ſei erbetrübt, daß man ihn
verhindert habe, ganz Dackenheim dem Erdboden
gleich zu machen. Aus dieſer allgemeinen Verbitterung heraus —
es ſcheint nach den Ergebniſſen der bisherigen Unterſuchungen nichts
hervorzugehei, was etwa auf eine beſtimmte Beleidigung hinwieſe,
die ihn zu einem Racheakt veranlaßte — beſchloß er, das Dorf und den
Gutshof in Brand zu ſtechen. Dabei ging er mit einem Raffinement
vor, das funchtbar und erſchreckend iſt. Nachdem er ſich im Laufe des
Dienstags Benzin verſchafft hatte, ging er zunächſt zur Ruhe, völlig
nüchtern, und ohne daß man ihm etwas beſonderes angemerkt hätte,
Gegen elf Uhr ſtand er auf, eilte nach der Scheuer des großen
Guts=
hofes, leerte das Benzin aus, und ſteckte ſie in Brand. Er wartete dam,
bis das geſamte Dorf an der Brandſtelle war, um das Haus ſeiner
Eltern anzuſtecken, wie er ſagt: um den Verdacht abzulenken,
An der Rettungsarbeit beteiligte er ſich, half die Möbel in das
gegen=
überliegende Haus ſchaffen, um ſich in der allgemeinem Verwirrung auf
deſſen Rückſeite zu ſchleichen und ebenfalls Feuer anzulegen. Dann eilte
er auf den Gutshof zurück, weil ihm das Benzin ausgegangen war, und
verſuchte, in die Garage einzudringen, einmal, um dieſe ſelbſt und damit
das Her=ſchaftshaus, das in unmittelbaver Nähe liegt, in Brand zu
ſtechen, zum andern, um Material zu haben, auch die übrigen Gebäude
noch zu vernichten. Dabei wurde er nun von der Tochter des
Gufg=
beſitzers geſehen. Er konnte jedoch noch einmal entwiſchen und verſuchte,
wie wir wiſſen — die zweite Scheuer des Winkels=Herdingſchen
Gutz=
hofes in Brand zu ſtechen. Als ſich hier Schritte näherten, ſuchte er ſich
zu verſtechen und zu entfliehen, wurde jedoch dabei gefaßt. Die bereits
alarmierte Polizei konnte ihn dann ſofort verhaften und nach Dürckheim
ins Gefängnis führen. Der Täter zeigte nicht die geringſte Reue,
ſon=
dern bedquerte eher im Gegenteil, an ſeiner „Arbeit” zu früh behindert
worden zu ſein. Es ſcheint bei der Funchtbarkeit des Verbrechens auf
den erſten Blick undenkbar, daß die Tat mit Ueberlegung ausgeführt
wurde, auch glaubt man zuächſt, aus der einſtigen Verſchüttung im
Krieg eine geiſtige Geſtörtheit ableiten zu können, oder aber man
be=
hauptet, daß die Tat im Rauſch vollbracht ſei. Weder das eine, noch
das andere trifft zu, denn es iſt feſtgeſtellt, daß er am Abend vorher
nüchtern war, und zum andern ſpricht die entſetzliche Klarheit und der
ſtvategiſch klug berechnete Plan, nach dem das ganze Verbrechen
ausge=
führt wurde, für alles andere als für geiſtige Geſtörtheit.
Der Schaden der ſchwer geprüften Einwohnerſchaft, insbeſondere
der unmittelbar Betroffenen, iſt um ſo ſchwerwiegender, als man bereits
alles für dem in der nächſten Woche beginnenden Herbſt hergerichtet
ſatte, und nun alle Geräte, Keltern, Fäſſer, Bottiche und Sonſtiges ein
Raub der Flammen wurden.
Aa. Götzenhain, 20. Sept. Feuer am Kirchweihſonntag.
Am Kirchweihſonntag brach hier plötzlich in einem Wohnhaus Feuer aus.
Das Feuer entſtand in einem Dachſtock, in dem vier kleine Kinder
ſchlie=
fen. Auswärtige Kirchweihgäſte, die des Weges daherkamen, bemerkten
zuerſt die aus dem Dachſtock ſchlagenden Flammen und retteten die
Kin=
der unter eigener Lebensgefahr. Trotz ſofortiger Alarmierung der
Feuerwehr und trotz ihres ſchnellen Eingreifens am Brandplatz brannte
der Dachſtuhl faſt vollſtändig aus. Der Materialſchaden iſt bedeutend.
Die Brandurſache konnte zweifelsfrei noch nicht feſtgeſtellt werden. —
In dem durch die Alarmierung der Wehr entſtandenen Trubel wurde
auf dem Marktplatz ein Kirchweihgaſt aus Dietzenbach von einem Auto
überfahren und ſo ſchwer verletzt, daß er in das Krankenhaus nach
Langen übergeführt werden mußte.
Ah. Wöllſtein (Rheinheſſen), 18. Sept. „Und das edle Naß
verſchwand in den Kanälen der Straße...‟ Von einem
Laſtauto einer Neu=Bamberger Firma zerriß die Antriebskette des
Wagens, wodurch vier volle Fäſſer, je ein halbes Stück Obſtwein
ent=
haltend, auf die Straße fielen und der Wein ſich in Strömen durch die
Straße ergoß, um in den Kanälen der Entwäſſerungsanlagen zu
ver=
ſchwinden.
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Ihnen, daß unsere Leistungen über der Durchschnitt stehen.
15083
Familiennachrichten
Unſere Buben haben ein
Schweſterchen bekommen.
Dies zeigen in dankbarer
Freude an
Moritz Hirſch und Frau
Bela, geb. Roſenbaum.
Darmſiadt, Kaſinoſtraße 14. (24568
Uhre am Samstag, den 22. September
1928, nachmittags 3½ Uhr, in der
Stadtkapelle stattfindende Trauung
beehren sich anzuzeigen
Das ſeltene Feſt der
Goldenen Hochzeit
Oretel Krapp
Theo Denecke
feiern morgen Samstag,
22. Septbr., die Eheleute
Adolf Thienemann und
Frau Marie, geb. Schüler
Rhönring 30.
Darmstadt, Schloßgartenstraße 51.
(*24550)
Todes=Anzeige.
Nach langer, ſchwerer, mit großer Geduld ertragener
Krankheit iſt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag
mein innigſigeliebter Mann, unſer guter Vater,
Schwieger=
pater, Großvater, Schwager und Onkel
Herr Peter Sauerburger
Statt beſonderer Anzeige.
im 68, Cebensjahre ſanft entſchlafen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marg. Sauerburger
Familie Gg. Sauerburger
Familie J. Nieder.
Darmſtadt, Tannenſtr. 21, den 20. Sept. 1928.
Glückauf zur Diamantenen!
Gfn /
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen
lieben Mann, unſeren treuſorgenden Vater,
Schwie=
gerſohn, Schwager und Onkel
Für die zahlreichen Glückwünſche,
Blumenſpenden und Geſchenke anläßlich
unſerer Silbernen Hochzeit ſagen wir
auf dieſem Wege unſeren herzlichſten
Dank.
Kluska und Frau.
24560)
Herrn
Georg Gunkel
nach langem, ſchwerem Leiden zu ſich zu rufen.
Im Namen der krauernden Hinterbliebenen:
Die Beerdigung findet Samstag, den 22. September, vormittags 11 Uhr,
von der Kapelle des Waldfriedhofes aus ſiat.
15010
Statt beſonderer Oankſagung.
gebr. Betiſtell. mit
Matr abzug. 2455s
Schießhausſtr. 27.
Zur ſorgfältigſten
Fußbſlege
empfiehlt ſich 1470a
Fr. Hartmann
appr. Heilgehilfe
uud Maſſeur.
Grafenſtr. 20, II, IB.
Telephon 1454.
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Gebiſſe, Goldkrwen
u. Brücken. — Rep.
in eintgen Stunden,
Frau Foſeph denuſtich,
F. Foſeph, Dentiſt.
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B 149301
Am 22. September begeht Herr
Obergärtner Nörpel in ſeltener
Räſſig=
keſt ſeinen
(24546
Babette Gunkel
Unmöglich, allen zu danken, die dem lieben
Verſtiorbenen die letzte Ehre erwieſen, und
der reichen Blumenfülle für den Heimgang
unſeres lieben Entſchlafenen
Todes=Anzeige.
Heute Mittag entſchlief ſanft
un=
ſere liebe Mutter, Großmutter und
geb. Rückert.
20. Geburtstag.
Darmſtadt, den 20. September 1928.
Grafenſtraße 37.
Herrn
Die Beerdigung findet am Samstag nachmittag
2 Uhr auf dem Friedhof an der Nieder=
Ramſtädter=
ſtraße ſtatt.
(4ess
Eduard Schmidt
Urgroßmutter
Margarethe Schäfer
im 25. Lebensjahre,
Dankſagung.
Nachruf.
Wir erfüllen hiermit die traurige
Pflicht, unſereMitglieder von dem
Ableben unſeres lieben
Regiments=
jameraden und langjährigen
Ver=
einsmitgliedes
Herrn Wilhelm Wagner
Metzgermeiſter
in Kenntnis zu ſetzen.
Wir verſieren in dem
Dahin=
geſchiedenen einen guten u. treuen
Kameraden, deſſen Andenken wir
ſtets in Ehren halien werden.
Auf Wunſch des Entſchlafenen
hat die Beerdigung in aller Stille
ſtattgefunden.
Verein ehemal. Angehöriger
des Großh. Artilleriekorps.
15014)
Der Vorſtand.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Anteilnahme an der Erkrankung und an
dem Heimgang unſeres unvergeßlichen
lieben
Fritz
ſagen wir auf dieſem Weg autrichtigſten
Dank.
Guſtel Heß, geb. Kling
Philipp Heß und Familie
Adolf Kling und Familie
Dr. Avemarie und Familie
Georg Menger und Familie.
ſprechen wir hiermit unſeren aufrichtigen Dank
aus, und allen, die ihm hilfreich zur Seite
ſtanden am Krankenlager. Insbeſondere den
Herren Aerzten und Schweſtern für die
wirk=
lich aufopfernde Tätigkeit und liebevolle
Be=
handlung am Krankenlager im Städtiſchen
Krankenhaufe iſt es uns ein Herzensbedürfnis
und Genugtuung, zu danken. Herrn Stadt=
Pfarrer Kleebergers troſtreiche Worte an der
Bahre ſind im Geiſie des Verſiorbenen und
uns ein ewig wohltuendes Vermächtnis.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Schäfer
Familie Wilhelm Petry
Familie Heinrich Schäfer,
Darmſtadt, den 19. Sept. 1928.
(24579
Geiſtberg 8.
Die Beerdigung findet Freitag,
21. Sept., nachm. 3½ Uhr, auf dem
Frtedhof Nd.=Ramſtädterſtr. ſtatt.
Die tieftrauernden Hinierbliebenen:
Creszenz Schmidt
nebſt Kindern.
Darmſiadt, Liebfrauenſir. 81.
Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen, meinen lieben Bruder,
Onkel, Vater und Großvater
Herrn
Georg Kundsdorf
Gaswerkarbeiter i. 3.
Mitglied vom Kriegerverein
Kampf=
genoſſenſchaft 1893
im 80. Lebensjahr, mit großer
Ge=
duld ertragenem Leiden und dem
heilgen Abendmahl geſegnet, am
19. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, in
die ewige Eeimat abzurufen.
Darmſiadt, den 21. September 1928.
gen. Mediaingkrat Dr. Happel
verreist.
Von der Reiſe
zurück!
Die trauernden Hinterbliebenen:
Philipp Hundsdorf
Babette Hundsdorf, geb Niederß
Georg Hundsdorf und Fran.
(15060
Vertretung die Herren:
Sanf äisral Dr. Birnbaun, Georpenskrale 9
del. Saniäisrat Dr. J-inan, Uungskrale zu
Dr. N. Shäfer, Jarslraſle 90
De 60. 24543g
Sanläisrgl Di.
Darmſtadt, Schloßgartenſtr. 23
Sanitätsrat
Dr. Duelschl
Die Beerdigung findet Freitag
nachmittag 3½ Uhr von de Kapelle
des Waldfriedhofs aus ſtatt.
345
.
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EMdefiand eig
Seie Fill. Dnr
ien erhartet
DiMt d
[ ← ][ ][ → ]Nuummer 263
Freitag, den 21. September 1928
Geite 12
der Sport des Sonntags.
Auch im Sportprogramm des 23. September dominiert der Fuß=
. Neben den immer mehr an Intereſſe gewinnenden
Meiſterſchafts=
ſivſen in den Bezirken gibt es wieder einige Repräſentativſpiele, die
MAufmerkſamkeit der ganzen Sportgemeinde auf ſich ziehen werden.
9c dem ſchönen Siege über das ſpielſtarke Dänemark rüſtet ſich die
ſſche Nationalmannſchaft diesmal zum
Fußball=Länderkampf gegen Norwegen in Oslo.
cwegen zählte bislang zu den ſchwächſten Gegnern der deutſchen
Re=
wentativen. Dreimal traten wir ſeit 1924 gegen Norwegen an, und
Adrei Spiele wurden gewonnen: 1924 in Oslo 2:0, 1925 in Hamburg
uund 1927 in Altona 6:2. In dieſem Jahre aber ſchien Norwegen
er Nationalmannſchaft zuſammen zu haben, die mit prächtigen
Lei=
ſrgen Finnland ſchlagen und gegen die ſtarken Repräſentativen von
Sveden und Dänemark faſt ebenbürtig ſpielen konnte. Nach einer
urtellung iſt aber die Elf nur unweſentlich ſchwächer, und nichts
ſinte für uns ſchädlicher ſein, als wenn wir nun unſeren Gegner
mrſchätzen wollten. Er hat ohnedies das Plus, auf heimiſchem Boden
ſplen zu können. Aber die deutſche Elf iſt noch einmal umgeſtellt
wden, und zwar zu ihrem Vorteil, denn ſie iſt jetzt in der
Hinter=
manſchaft weſentlich vertrauenswürdiger als vorher. Die deutſchen
ſiehen werden tragen: Stuhlfauth (1. F. C. Nürnberg), Müller (Vikt.
hab urg), Weber (Kurheſſen Kaſſel), Knöpfle (F. S.V. Frankfurt),
haiberger (Sp.Vg. Fürth), Heidkamp (Bayern München), Allbrecht
ſGetung Düſſeldorf), Winkler (Wormatia Worms), Schmidt II (1. F. C.
Aenberg), Kuzorra (Schalke 04), Kießling (Sp.Vg. Fürth). Dieſe
Mnnſchaft iſt ſo ſtark, daß ſie auch kräftigen Widerſtand der Norweger
vid überwinden können. Ohne grundlos optimiſtiſch zu ſein, darf man
eien deutſchen Sieg erwarten. — Weſentlich ſchwerer werden es die
ſiſchen Vertreter im Städtekampf Budapeſt-Berlin haben, der in der
mariſchen Hauptſtadt zum Austrag kommt. — Im Reich gehen
inzwi=
ſahn die Meiſterſchaftsſpiele in faſt allen Verbänden weiter. Auch
Weſt=
ſeiſchland beginnt jetzt mit den Punktekämpfen.
Die ſüddeutſchen Fußballverbandsſpiele
mſert diesmal eine Reihe von Großkämpfen auf. In der Gruppe
Süd=
ſuern treffen am Samstag Bayern und Wacker=München aufeinander.
Ee in dieſem Spiele das beſſere Ende für ſich haben wird, iſt ſehr
ſcher vorauszuſagen. 1860=München geht gegen Jahn=Regensburg.
Etzdem Regensburg an der Spitze der Tabelle ſteht und 1860 am
Sluß rangiert, ſollte doch diesmal 1860 ein Erfolg blühen. Teutonia
Mychen dürfte im Kampfe gegen die Ulmer Schwaben zu einem Sieg
hamen. Schwaben=Augsburg kann auf eigenem Platze gegen den
D.V. München ebenfalls einen Sieg landen. — Die Gruppe
Nord=
beern mußte von ihren vier urſprünglich angeſetzten Spielen zwei
ſtrichen, da Leute des 1. F.C. und der Sp.Vg. Fürth in Oslo den
ſasadler tragen. Von den beiden zum Austrag kommenden Spielen
ſote Bayern=Hof zu Hauſe das gegen den F. V. 04 Würzburg gewinnen,
nuend Franken=Nürnberg auch auf eigenem Platze gegen F. C.
Bay=
et) nur die Chance eines Remis hat. — In der Gruppe Baden wird
e Sarlsruher F.V. nach ſeinem verlorenen Spiel gegen Phönix nichts
werſucht laſſen, um auf eigenem Gelände gegen den Freiburger F. C.
guſt ig abzuſchneiden. In Freiburg hat Phönix=Karlsruhe gegen die
SAg. Freiburg anzutreten. F. V. Raſtatt hat ſich endgültig die
Be=
zs iga erkämpft; diesmal empfängt er den F. C. Villingen, wird
die=
ſe aber wohl kaum gefährlich werden. In Offenburg wird der
Frei=
iger S.C. auf großen Widerſtand ſtoßen, müßte aber knapper Sieger
hühen. — In der Gruppe Württemberg hat Germania=Brötzingen
Gegenheit, weiter den Vorſprung zu vergrößern. Wir glauben nicht,
5/ſſich Germania in Brötzingen vom Stuttgarter S. C. einen Punkt
cren läßt. Union Böckingen müßte es ein leichtes ſein, die
Sport=
ſru de Stuttgart in Böckingen zu beſiegen. — Die Gruppe Rhein mel=
D: W.f. R. Mannheim-Ludwigshafen 03, Mannheim 08—S.V.
Wald=
h Pfalz Ludwigshafen—Phönix Ludwigshafen, Sp.Vg. Sandhofen—
F.P. Neckarau. Im zweiten Spiel wird Waldhof Sieger bleiben, gilt
gdoch, weiterhin die führende Poſition zu feſtigen. Einen harten
Ampf wird es im Lokalkampf Ludwigshafen geben. Wenn wir Phönix
g lriappen Sieger erwarten, ſo nur auf Grund ſeines größeren
Steh=
hnögens. In Sandhofen hat der V. f. L. Neckarau eine gefährliche
4pe zu umſchiffen. Wir glauben aber an ein Unentſchieden. — In
)e Gruppe Saar ließ ſich der F.V. Saarbrücken von dem Ortsrivalen
Evetfreunde ſchlagen. Auf eigenem Platze müßte es aber zu einem
Eege gegen den nachlaſſenden F. C. Idar reichen. Der V.f.R.
Pirma=
s liegt an zweiter Stelle und müßte auch zu Hauſe gegen S.V. 05
easb rücken Sieger bleiben können. Boruſſia Neunkirchen, wenig vom
eück begünſtigt, empfängt Kreuznach 02. Beide zieren das Ende der
Tbelle. Neunkirchen kann in dieſem Treffen zu zwei wertvollen
Punk=
ſe kommen. Die Lokalbegegnung Saar 05 Saarbrücken—Sprotfreunde
Earbrücken iſt in ihrem Ausgang offen. — Großkampf wird auch in der
Euppe Main gemeldet. Im Frankfurter Stadion ſteigt „das Spiel”
8 Tages: F. S.V. Frankfurt—Eintracht Frankfurt. Der F. S.V. macht
z= Zeit eine bedenkliche Kriſe durch. Bei Eintracht kriſelts ebenfalls.
ud zwar leiden beide an demſelben Uebel. Die Verteidigung genügt
rhil. Alſo müſſen Stürmerleiſtungen entſcheiden. Wer hat aber den
btem Angriff? Greifen wir nicht vor. Union Niederrad hat auf
eeriem Platze Viktoria Aſchaffenburg zu Gaſt. Die Viktoria wird ſich
phe nach dieſem Treffen weiter am Tabellenende ſehen. Offenbacher
ſchers—Rot=Weiß Frankfurt. Rotweiß weiſt nicht die Leiſtungen auf,
4 ſeine Tabellenführung rechtfertigten, beſitzt aber eine gute Deckung
ud im Sturm in Stroh einen Ausreißer und Torſchützen, der die
Giele entſcheidend zu beeinfluſſen verſteht. In Hanau ſteigt das Spiel
694—Germania Bieber. Bieber wird in dieſem Spiel wohl knapp
uterliegen. Hanau 93 wird gegen Fechenheim in Hanau zu zwei
wei=
uer wichtigen Punkten kommen. — Vier Spiele ſind in der Gruppe
tſſen angeſetzt. Höchſt 01 wird in Worms gegen die Alemannia
unter=
bgen, Arheilgen auf eigenem Platze der Wormatia Worms nicht
m Widerſtand entgegenſetzen können, daß es zu einem
Ueberraſchungs=
ge reicht. Langen 03 hat den V.f.L. Neu=Iſenburg als Gaſt. Auch
ſer erwartet man den Platzbeſitzer als Unterlegenen. F. S.V. Mainz05
ſdlich hat das Zeug in ſich, mit einer Haſſia Bingen fertig zu werden.
Handball.
Die Terminliſte der Verbandsſpiele im Süden ſieht wieder reichlich
ſiele vor. In der Gruppe A des Bezirks Main=Heſſen dürfte die
ſetegnung Darmſtadt 98—F. S.V. Frankfurt interefſieren. Das Spiel
irs der SV. 98 Darmſtadt für ſich entſcheiden. Offen iſt der Ausgang
Treffen H. S.V. Frankfurt—Rot=Weiß Darmſtadt und Arheilgen
4—Poſt=S. V. Frankfurt. Die Offenbacher Kickers werden ſich
Offenbach dem V.f. R. Schwanheim beugen müſſen. In der Gruppe B
ſird Mainz 05 durch einen Sieg über Hakogh Wiesbaden ſeinen
Vor=
ſrang weiter vergrößern, Polizei Wiesbaden den verſtärkten Kollegen
us Worms unterliegen. In den Treffen S.V.—S.C. Wiesbaden und
llernannia Werms—Mainz=Kaſtel 06 erwartet man die Platzbeſitzer in
nont, während Wormatia Worms ſich in Wiesbaden gegen die dortige
der mania durchſetzen müßte. — In dem einen Spiel der Gruppe Rhein,
udwigshafen 03—Polizeiſportverein Mannheim, darf man den
Poli=
ſſten größere Chancen einräumen. In der Abteilung I der Gruppe
öaar werden in den Treffen F.V. Saarbrücken Sp.Vg. 08 Bous und
.P. Trier 05—Saarlouis die Platzbeſitzer zu den Punkten kommen. In
ei Abteilung II iſt für die beiden Lokalbegegnungen: Phönix
Kai=
uslautern—F. V. Kaiſerslautern und V.f.R.—D.H.V. Kaiſerslautern
er eine Vorausſage zu geben, während man im Spiel Kreuznach 02
Eſen Boruſſia Neunkirchen mit einem knappen Sieg der Kreuznacher
ehnen kann. — In der Gruppe Nordbayern müßte ſich Sp.Vg. Fürth
n Nürnberg gegen den Pol. Sp.V. Nürnberg durchſetzen, während der
eF.C. Nürnbergs knapp gegen den A.S. 27 Nürnberg ſiegen dürfte.
thentſchieden könnten ſich Nürnberger S.C. und Bar Kochba Nürnberg
kerinen. — In der Gruppe Südbayern kann man Siege der
Platz=
ſeſctzer in nachſtehenden vier Spielen erwarten: Ulm 94—DSV.
Mün=
dr7, Schwaben Augsburg—Jahn München, ASV. München—V.f.R.
derdenhäim, SV. 1860 München—Schwaben Ulm. — Von den zwei
„ielen der Gruppe Nordbaden müßte ſich im erſten Phönix Karls=
MHe—Graben durchſetzen. Dem KFV. wird es ſchwer gelingen, in
BOrzheim den ASV. ſo glatt zu ſchlagen, wie die breite Maſſe
anzu=
neHmen bereit iſt.
Rugb y.
Die Verbandsſpiele in Süddeutſchland finden ihre Fortſetzung: Tv.
ha0 Frankfurt—Offenbacher Kickers, Eintracht Frankfurt—Offenbacher
P. 74, Heidelberger Tv.—Heidelberger B. C., Heidelberger N.G.—
SL. Neuenheim, Wacker München—DSV. München; Bahern München
gegen Tgeſ. München.
Hockey.
Von den zahlreichen Privatſpielen des Sonntags ſeien das Städte.
ſpiel Berlin—Stettin, das Treffen Heidelberger H.C.—Krefelder H.C.
und das Spiel des Berliner H.C. gegen die holländiſche Mannſchaft
Musſchen erwähnt.
Tenni s.
In München ſchließt am Sonntag der Tennis=Länderkampf
Deutfch=
land—Oeſterreich ab, den unſere Vertreter hoch gewinnen dürften. —
In Baden=Baden bringt das recht gut beſetzte Turnier des T. C. Rot=
Weiß den Saiſonſchluß für Süddeutſchland.
Leichtathletik.
Heilbronn iſt am Sonntag der Schauplatz der Süddeutſchen
Meiſter=
ſchaften im 25 Klm.=Laufen und 50 Klm.=Gehen. Die vom V.f.R.
Heil=
bronn durchgeführten Kämpfe werden von weiteren Wettbewerben
um=
rahmt. In Ulm tragen am Samstag Schwaben Augsburg und Ulmer
F. S. 94 einen Klubkampf aus. — In Lauſanne ſoll ein größeres
Mee=
ting mit dem Zweikampf Engelhardt—Dr. Paul Martin über 800 Meter
als Hauptnummer des Programms zum Austrag kommen. Wien ſieht
am Sonntag Paovo Nurmi am Start.
Rabſport.
Bahnrennen: Frankfurt a. M. (mit Bréau, Aerts, Chriſtmann,
Junghanns, Schindler); Nürnberg (mit Krewer, Linart, Roſellen,
Leddy); Breslau (mit Sawall, Möller, Thollembeck, Maronnier,
Suter, Graſſin); Magdeburg, Dresden. — Straßenrennen:
Großer Preis der Straße in Paris (Wolberpreis).
Pferbeſport.
Der Sonntag bringt Galopprennen in Hamburg=Großborſtel,
Dres=
den, Krefeld und Paris.
*Kreisliga — Südheſſen.
Auch der letzte Sonntag brachte wieder Ueberraſchungen. Noch
immer führt „Normannia” Pfiffligheim, wenn auch die
Tabelle ſonſt im allgemeinen heute etwas anders ausſieht. Allmählich
ſchieben ſich die Favoriten aus dem vorigen Jahre wieder nach oben; ob
es aber vorläufig gelingt, den derzeitigen Spitzenreiter ohne weiteres
aus dem Sattel zu heben, iſt ſehr fraglich, zumal der Tabellenführer bis
jetzt noch nicht enttäuſchte. Die Tabelle zeigt folgendes Bild:
Spiele gew. unentſch. verl. Punkte.
Normannia Pfiffligheim
Olympia Lorſch
Olympia Worms
F.V. Biblis
Olympia Lampertheim
V. f. R. Bürſtadt
Spv. Horchheim
Spb. Hochheim
Starkenburgia Heppenheim
Spv. Pfeddersheim
V. f. L. Lampertheim
Unſer Tabellenerſter hat ſich auch in Lampertheim wieder ganz
vor=
züglich geſchlagen und unterlag nur mit einem 3:2 dem alten
Ligakäm=
pen. Die Gäſte mußten für ihren verunglückten Verteidiger Müller
Er=
ſatz einſtellen, doch war die Geſamtleiſtung eine vorzügliche, und hätte
ein Unentſchieden eher dem Spielverlauf entſprochen. Unſer Meiſter
konnte den Neuling aus Lampertheim nur mit dem knappeſten aller
Re=
ſultate (1:0) abfertigen. Die Lorſcher Olympialeute hatten alle Mühe,
den Sieg bis zum Schlußpfiff zu halten. Die V. f. L.=Mannſchaft ſpielt
ſich gut ein und wird ſich ſicher ſchon in Kürze Achtung verſchaffen. In
Bürſtadt war man wieder einmal torhungrig. Die Leute vom
Heppen=
heimer „Galgen” mußten eine ganz gehörige Packung einſtechen und
ver=
loren 7:1, doch hätte es unter Umſtänden auch ein „Dutzend” geben
kön=
nen. In Pfeddersheim ſchenkte man den Gäſten aus Worms die Punkte
und trat zum Freundſchaftsſpiel an. Dieſes endete bei ſchöner und
fairer Spielweiſe mit einem 2:1=Sieg für Olympia Worms. Die
bei=
den Rivalen Horchheim und Hochheim liefertem ein recht mäßiges Sviel,
das reich an Toren war. Letzten Endes mußten die Gäſte aus Hochheim
eine 5:3=Niederlage einſtechen. Im allgemeinen verliefen die Spiele ſonſt
ſehr ruhig, was auch vor allem auf das ziemlich gute amtieren der
Schiedsrichter zurückzuführen ſein dürfte.
F. C. Eintracht—Germania=Eberſtadt.
Nachdem am vergangenen Sonntag Eintrachts 1. und 2. Mannſchaft
in Geinsheim 6:3 und 2:0 etwas überraſchend verloren haben, ſtehen
am kommenden Sonntag, vormittags ab 9.30 Uhr, beide Mannſchaften
zum dritten Verbandsſpiel am Sportplatz beim Finanzamt gegen
Eber=
ſtadt. Was bei dieſen Spielen an Spannung und Spielweiſe geboten
wird, braucht an dieſer Stelle nicht mehr beſonders erwähnt zu werden,
denn beide Mannſchaften trennten ſich ſchon von jeher im Kampfe um
die Punkte immer ſehr hartnäckig mit wechſelnden Erfolgen. Ferner iſt
nicht zu vergeſſen, daß ein Sieg bei beiden Spielen für die nächſten
Kämpfe dieſer Mannſchaften ſehr ausſchlaggebend iſt.
Sportverein 1920 Höchſt i. Odw.—F. Cl. Kickers Hergershauſen 6:1 (3:1).
Zum erſten Spiel der diesjährigen Verbandsſpielſaiſon hatte der
Sportverein 1920 Höchſt den F. Cl. Kickers Hergershauſen zu Gaſt. Mit
einer gewiſſen Spannung erwartete man die Gäſte, da dieſelben, noch in
keinerlei ſportlichen Beziehungen mit Höchſt ſtanden. Es entwickelte ſich
unter der korrekten Leitung von Herrn Keller=Griesheim ein
anſtändi=
ges Spiel, das den äußeren Rahmen eines Freundſchaftsſpieles trug.
Hergershauſen konnte, dank ſeines Eifers, einen Fehler der
gegenſeiti=
gen Verteidigung ausnützen und in Führung gehen, mußte ſich aber
bald den Ausgleich und zwei weitere Tore bis Halbzeit gefallen laſſen.
Die zweite Halbzeit iſt Höchſt dauernd in Front und konnte durch noch
drei Tore das Endreſultat herſtellen. Allgemeine Anerkennung fand
der Anſtand der Gäſte, mit dem ſie die Niederlage hinnahmen, und die
ſchon oben erwähnte Spielweiſe, die ſie zu einem weiter gern geſehenen
Gegner machte.
Pferdeſport.
Rennen zu Hoppegarten am Donnerstag.
1. Anklang=Rennen. Lehrlingsreiten, 2800 Mark, 1600 Meter.
1. Alfons Teskes Hurone (H. Kreuz), 2. Parade, 3. Freier Wille; ferner
Siegeszug, Deutſcher Michel, Ratibor, Parmenides, Colibri, Praſüra.
Tot.: 40, Pl.: 16, 15, 22:10. 2—2½ Lg.
2. Marabou=Rennen. Für Zweijährige, 2800 Mark, 1200 Meter.
1. Stall Halmas Pale (O. Schmidt), 2. Shalimar, 3. Mongole; ferner
Hebräer, Mithridates, Orry, Georg Reimers, Falſtaff, Satrap,
Mond=
ſichel. Tot.: 17, Pl.: 11, 20, 18:10. ½—½ Lg.
3. Hüon=Rennen. Für Dreijährige, 3900 Mark, 1800 Meter. 1. L.
und W. Sklareks Gero (E. Haynes), 2. Ferne, 3. Offenſive; ferner St.
Nobert, Gervida, Kaiſertag, Bernhard. Tot.: 17, Pl.: 13, 17, 24:10.
2 Lg.—Kopf.
4. St. Florian=Rennen. Für Zweijährige, 5200 Mark, 1000 Meter.
1. Freiherr S. A. v. Oppenheims Markgraf (L. Varga), 2. Dixi, 3.
Tar=
quinia; ferner Dominica, Staub, Faretra, Sturluſon, Stilicho. Tot.:
44, Pl. 20, 21, 57:10. 3—½ Lg.
5. Ard Patrick=Rennen. 10 400 Mark, 3000 Meter. 1. R. Haniels
Ferro (A. Bleuler), 2. Gute Sitte (E. Haynes), 3. Impreſſioniſt und
3. Avec Dieux. Tot.: 13, Pl.: 10, 10:10. 4—1 Lg.
6. Goldgulden=Rennen. Für Dreijährige, 2800 Mark, 1200 Meter
1. C. Fellers Ordensſchweſter (O. Schmidt), 2. Faulpelz, 3. Lilienfee;
ferner Mumm, Eisbraut, Sturmbraut, Cäſarea, Takata. Tot.: 17,
Pl.: 13, 20, 32:10. 4—3 Lg.
7. Morganette=Rennen. 2800 Mark, 1600 Meter. 1. L. Janſens
Lieſerer (A. Saidik), 2. Sonnenlicht, 3. Herzog Chriſtoph; ferner Pers,
Sennow, Pagode, Frintrop, Thalyſia, Gerald, Leichte, Iſabel,
Streit=
frage, Tarnhelm, Arndt, Fenja. Tot.: 26, Pl.: 15, 19, 25:10. 2—4 Lg.
In der deutſchen Länderelf gegen Schweden am 30. September in
Stockholm wird anſtelle des verletzten Duisburger Mittelläufers Gruber
der Dresdener Köhler ſpielen.
Dr. Peltzer ſtartet am 26. September beim Meeting der Slavia
Prag.
Der ASV. Nürnberg ſpielt am Sonntag im Kölner Stadion gegen
den weſtdeutſchen Meiſter Köln/Sülz 07.
Neue deutſche Turner=Beſtleiſtungen. Schaumburg (Tv. Hünxe),
der 5000 Meter=Meiſter der D.T., konnte zwei neue deutſche Turner=
Höchſtleiſtungen aufſtellen, die ſein hohes Können erneut unter Beweis
ſtellen: So lief er am 11. September in Düſſeldorf die 3000 Meter in
der neuen Beſtzeit von 8:43,2 und am 12. September in Bochum 5000
Meter in 15:05,8, hinter Nurmi einlaufend, der 14:47 benötigte.
Waſſerball=Weltturnier in Budapeſt. In Verbindung mit dem
Waſſerball=Länderkampf Ungarn-Deutſchland plant der Ungariſche
Schwimmverband im Auguſt nächſten Jahres ein großes
internationa=
les Waſſerballturnier, zu dem alle ſpielſtarken Länder der Welt
er=
ſcheinen ſollen. Das Turnier iſt für die Zeit vom 14.—20. Auguſt 1929
in Budapeſt vorgeſehen. Bisher haben ſchon Schweden, England,
Bel=
gien, Frankreich, Italien und Amerika feſt zugeſagt, und auch
Deutſch=
land als Olympiaſieger wird wohl nicht fehlen.
Baſel erhält jetzt ebenfalls eine Winterbahn, die Ende November
eröffnet werden ſoll.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt.
Freitag, 21. Sept. 13: Schallplatten. Märſche und Wakzer.
O 15.05: Frankfurt: Rektor Hürtgen: Quer durch den Odenwald. —
Kaſſel: Mittelſchullehrer Hansli: Rotenburg. O 15.55:
Hausfrauen=
dienſt. O 16.05: Hausfrauen=Nachmittag. Jenny Pleimes: Flüſſiges
Obſt. — Kochtante: Was man vom Reis wiſſen muß. o 1705:
Stuttgart: Konzerk des Funkorch. — In der Pauſe:
Vereinsnach=
richten. O 18.10: Aus Briefen Napoleons. o 18.30:
Südweſt=
deutſcher Radio=Club. O 19: Fortſchritte in Wiſſenſchaft und Technik.
O 19.20: Film=Wochenſchau. O 19.30: Stadthalle Kaſſel: Kantaken=
Abend anläßlich des 16. Deutſchen Bachfeſtes. „Brich den Hungrigen
dein Brot” für Sopran, Alt, Baß und Chor. — „Wie ſchön leuchtet
der Morgenſtern”, für Sopran, Tenor, Baß und Chor. — „Herr,
gehe nicht ins Gericht” für Sopran, Baß und Chor. — „Der
Himmel lacht, die Erde jubiliert”, für Sopran, Tenor, Baß und
Chor. Ausf.: Ria Ginſter, Maria Philippi Louis von Tulder,
Rud. Bockelmann, Heinr. Möller (Orgel), Günther Ramin (Cembalo),
Konzertchor des Kaſſeler Lehrergeſangvereins. Orcheſter: Staatliche
Kapelle. Leitung: Kapellm. Dr. Laugs. O 21: Engliſche Muſik.
Ausf.: George Parker (Bariton), Streicherchor des Funkorch., Leitung:
Konzertm. Caſpar.
Stuttgart.
Freitag, 21. Sept. 10.30: Schallplatten. O 16.15:
Nachmittags=
konzert. Mitw.: Ilſe Seeliger, Funkorch. o 18:
Landwirtſchafts=
nachrichten. O 18.15: Landgerichtsrat L. Leibfried: Die Rüge der
Mänger der Kaufſache. (Der Viehkauf.) o 18.45: Joſ. Eberle:
Traktat vom Buch. O 19.15: Eſperantokurs. O 19.45: Die
Haupt=
veranſtaltungen der kommenden Woche in Eſperanto. O 20.15:
„Der getröſtete Orpheus” oder „Heiter um jeden Preis‟. Heiteres
Spiel mit Muſik von K. Eichhorn. Perſ.: Herzog Karl Eugen von
Württemberg; Franziska von Hohenheim; „Cavallo, herzoglicher
Kammerſänger; Antonia, ſeine Tochter; Nepomuk Staberl, herzogl.
Kapellmeiſter; Xaver Staberl, ſein Sohn; Hagedorn, Kunſtmaler;
Ludwig Roland, Schauſpieler; Anaſtaſius Blümlem; Erasmus
cand. theol.; Hofmarſchall; Diener; Schließer. Damen und Herren
des herzöglichen Hofes. Hofkapelle. Ort der Handlung: Schloß
Solitüde bei Stuttgart. O Anſchl.: Nachrichten. O Anſchl.: Gaſtſpiel
Conſtantin Sadko. Am Flügel: A. Haagen. Monüſchko: Arie des
Jontek aus der Oper „Halka”. — Rubinſtein: Asra. —
Gret=
ſchaninow: Wiegenlied. — Leoncavallo; Arioſo aus „Bajazzo‟”
22.30: Orcheſterkonzert des Philharm. Orch. Stuttgart. Dirigent:
Dirigent: E. Kahn.
Berlin.
Freitag, 21. Sept. 16: Charlotte Mühſam=Werther:
Wärme=
wirtſchaftliche Wünſche beim Hausbau. O 16.30: Prof. Dr. Ludwigs:
Schädigungen an Gartenpflanzen durch äußere Einflüſſe. o 17:
Unterhaltungsmuſik. Orcheſter Schmidt=Gentner. o 19: Italieniſch.
O 19.30: Dr. Cohn=Wiener: Das Kunſthandwerk. (Keramik.) o 20:
Dr. Heyde: Der Weltverkehr und ſeine Mittel. (Allgemeiner
Ueber=
blick.) O 20.30: Konzert. Funkorch. Leitung: Seidler=Winkler.
Mendelsſohn: Ouv. „Meeresſtille und glückliche Fahrt”, — Schubert:
Zwiſchenakt=Muſik aus „Roſamunde‟. — Koch: Deutſche Rhapſodie,
Konzert für Violine. — Borodin: Tänze und Marſch aus „Prinz
Jgor”. o. Anſchl.: Tagesnachrichten.
Stettin. 15: Sonderkonzert. Kapelle Jaro Michalek. O 16.30:
Prof. Dr. Leick: Wie die Pflanzendecke Pommerns entſtanden iſt.
O 22.30: Tanzmuſik. Tanz=Sport=Kapelle „Dixiboys”.
Deutſche Welle. Freitag, 21. Sept. 10.15: Berlin: Nachrichten.
O 12: Prof. Dr. Lampe und Reg.=Rat Hylla: Geographiſches
Zwiegeſpräch. o 13.30: Berlin: Nachrichten. 14.30: Kinderlieder.
15: Frau Dr. M. Jahr: Peter Waſſerſcheu (ei hygieniſches
Märchen). O 15.35: Wetter und Börſe. O 16: Rektor Spielhagen:
Von der Lernſchulklaſſe zur freitätigen Arbeitsgemeinſchaft. o 16.30:
C. Meißner: Ludwig Richter und Rudolf Schäfer. o. 17: Leipzig:
Dresdner Funkkapelle. Hausmuſik von Beethoven. 18:
Volks=
wirtſchaftlicher Vortrag. o 18.30: Engliſch für Fortgeſchrittene.
18.55: Techn. Lehrgang: Ing. Behr: Kalkulation. o 19.20:
Wiſſenſchaftlicher Vortrag für Aerzte. O 20: Prof. Dr. Reichenbach:
Naturphiloſophiſche Denker: Ernſt Mach, der phyſikaliſche
Natur=
philoſoph. O 20.30: Min.=Dir. von Hagenow: Ein Tag des
Reichs=
kanzlers. O 21: Oſtaſienreiſe: Von Port Said nach Singavore.
O Anſchl.: Schallplatten. O 22: Berlin: Preſſenachrichten. O 22.30:
Stuttgart: Nachtmuſik.
Wetterbericht.
Maritime Polarlufomaſſen, die durch die gegenwärtige
Luftdruck=
verteilung zum Vordringen gelangen, verurſachten ein Sinken der
Temperaturen und führten im Küſtengebiet zu vereinzelten geringen
Niederſchlägen. Da ſie gleichzeitig den hohen Luftdruck, der über den
britiſchen Inſeln lagert, oſtwärts verfrachten werden, ſo ſteht weiterhin
beſtändiges und trockenes Wetter bevor. Die Luftwärme erfährt
vor=
läuſig keme weſentlühe Aenderung.
Ausſichten für Freitag, den 21. September: Zeitweiſe etwas bewölkt,
ſonſt aufbeiternd, trocken, ohne ſtärkere Tempevaturänderung.
trocken, etavas wärmer. September: Heiter bis wolkig, Ort: Wetter: Temp.
in Ce Wind: Miee
ſchlag
in mm Schnee=
decke
in em Gießen: wolkig 10. W. Aachen: wolkenlos 9 Windſtill Hamburg: wolkenlos 9 W. Berlin: wolkig 13 NW. — — München: wolkig 12 Widſtill Königsberg: wolkig 15 W 0,3 Breslau: wolkenlos 16 W.
Witterungsverhältniſſe der deutſchen Bergſtationen.
Feldberg:Taunus wolkig 10 Windſtill Waſſerkuppe Nebel 9 NNO, Feldberg:
(Schwarzw.) wolkenlos 8 NO. Zugſpitze: heiter WSW. Kahler Aſten: wolkig 8 NNW. Fichtelberg: heiter WSW. Schneekoppe wolkig
Hauptſchriftleitunig: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleten, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Dr. Eugen Buhimann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”: Dr. Herbert Nette; für den Inſeratentell: Willp Kuble: Druc
und Verlag: . C. Wittſch — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht Übernommen.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
[ ← ][ ][ → ]Wirtſchaftliche Rundſchau.
Gebrüber Lutz A.=G., Maſchinenfabrik und Keſſelſchmiede, Darmſtadt.
Laut Bericht ſür 1927/28 war der Abſatz beſonders landwirtſchaftlicher
Lokomobilen erſchwert, einmal durch die Notlage der Landwirtſchaft, und
dann durch den Uebergang zu dem Antrieb durch Elektrizität oder
Roh=
ölmotore. Der Export war gleichfalls behindert. Der Verkauf in
land=
wirtſchaftlichen Maſchinen und Geräten ließ zu wünſchen übrig. Zur
Erweiterung des Arbeitsgebietes wurde im November 1927 eine
Auto=
mobilreparaturwerkſtatt angegliedert, die gut beſchäftigt iſt. Zu
An=
fang 1928 übernahm die Geſellſchaft die Vertretung der Firma Henſchel
u. Sohn, Kaſſel. An Betriebseinnahmen werden 30 504 (85 495) RM.
ausgewieſen, ſo daß ſich nach Abzug der Steuern und Unkoſten und
16 351 (13 996) RM. Abſchreibungen ein Verluſt von 75 616 (im
Vor=
jahre 2491 RM. Reingewinn) ergibt, der durch die Auflöſung der 36 944
RM. betragenden Reſerve gedeckt und reſtlich mit 38 672 RM.
vorge=
tragen wird. Die Bilanz verzeichnet bei 575 000 RM. Aktienkapital
14 263 (20 156) RM. Verpflichtungen, 11 423 (10 000) RM. Bankſchulden,
andererſeits Grundſtücke 318 053 (321 746) RM., 26 179 (50 207) RM.
Wechſel, 18 956 (33 913) RM. Außenſtände und 213 000 (240 000) RM.
Verräte und Vermietepark. Ueber die Ausſichten könne noch keine
Ausſage gemacht werden. Man ſuche nach neuen
Beſchäftigungsmög=
lichkeiten.
Die Zuſammenſchlußbeſtrebungen in der Fahrradinduſtrie. Zu den
Zuſammenſchlußbeſtrebungen in der Fahrradinduſtrie erfahren wir aus
durchaus ſicherer Quelle, daß Kommerzienrat Hanau=Düſſeldorf, der
die Zuſammenſchlußbeſtrebungen ſeinerzeit angeregt hat, dem Verband
mitteilte, daß er von ſeiner weiteren Mitarbeit vorläufig abſehe. Der
Grund zu dieſem Schritt Kommerzienrats Hanau liegt darin, daß es
un=
möglich iſt, bei ſo vielen Verhandlungspartnern zu einem Ergebnis zu
kemmen. Die Beſtrebungen des Kommerzienrats Hanau gingen dahin,
einen Truſt zu ſchaffen, in dem die kleinen und unrentablen Betriebe
aufgenommen werden ſollten. Die leiſtungsfähigen Betriebe ſollten
dann beſtehen bleiben, während die kleineren Betriebe im Laufe der
Zeit ſtillgelegt werden ſollten. Gegen dieſen Plan ſträubten ſich jedoch
die Vertreter gerade der kleinen Werke, und ſo kam es, daß
Kommer=
zienrat Hanau ſchließlich überſtimmt wurde. Sein Antrag ſoll erſt in
drei Monaten behandelt werden. Kommt es zu einem Kampf, dann
werden die ſchwachen, verſchuldeten und mit hohen Bankzinſen
belaſte=
ten Unternehmungen wahrſcheinlich unterliegen. Wie wir weiter
er=
fahren, dürfte den zuſammengeſchloſſenen 17 Markenfabriken ein
Er=
folg wegen der vielen Außenſeiter und der Ueberproduktion verſagt
bleiben. Ein Bandſyſtem in der Fabrikation kommt wegen des zu
engen Abſatzmarktes für Deutſchland kaum in Frage.
Die Produktion der deutſchen papiererzeugenden Induſtrie hatte
ſich im erſten Vierteljahr 1928 gut behauptet und iſt im zweiten
Vier=
teljahr 1928, obwohl die Auftragsbeſtände zurückgingen, noch leicht
ge=
ſtiegen. Die Entwicklung des Exportes läßt laut Inſtitut für
Kon=
junkturforſchung erkennen, daß der innerdeutſche Markt nicht mehr in
der Lage iſt, die wachſende Produktion in gleichem Umfang wie im
Vor=
jahre aufzunehmen und daß daher die Papierinduſtrie in zunehmendem
Grade die ausländiſchen Märkte zur Abnahme der erhöhten Produktion
aufſucht. — Aehnlich wie beim Papier liegen die Verhältniſſe in der
Pappenproduktion. Auch hier hat ſich im letzten Vierteljahr die
arbeitstägliche Erzeugung erhöht, was teilweiſe mit der im Juni
er=
folgten Erhöhung der Verkaufspreiſe um 4—6 Prozent zuſammenhängt.
Gleicszeitig iſt auch die Ausfuhr von Pappe geſtiegen.
Der Poſtſcheckverkehr im Monat Auguſt. Die Zahl der
Poſtſcheck=
konten betrug Ende Auguſt 940 811 gegen 938 563 Ende Juli. Der
Zu=
gang beträgt mithin im Auguſt 2248 gegenüber einem Zugang im
Vor=
monat von 1682. Der Umſatz iſt wertmäßig geſtiegen und belief ſich
auf 56 982 000 Buchungen über 12 208,9 Mill. RM. Es wurden
aus=
geführt 36 564 000 Gutſchriften über 6094,3 Mill. RM. und 20 418000
Laſtſchriften über 6114,6 Mill. RM. Bargeldlos beglichen wurden von
dem Geſamtumſatz 9790,5 Mill. RM. Die Guthaben auf den
Poſtſcheck=
konten betrugen Ende Auguſt 552,4 Mill. RM. und im
Monatsdurch=
ſchnitt 595,8 Mill. RM. Im Ueberweiſungsverkehr mit dem Auslande
wurden 11,3 Mill. umgeſetzt.
Franzöſiſche Außenhandelsbilanz. Die franzöſiſche
Außenhandels=
ſtatiſtik gibt den Wert der eingeführten Waren in den erſten acht
Mona=
ten des laufenden Jahres mit 34 539 707000 Franken an im Gewicht
von 32 063 649 Tonnen. Das bedeutet gegenüber der gleichen Zeit des
Vorjahres einen Rückgang um 244 987 000 Franken und einen Rückgang
um 1794305 Tonnen. Der Wert der Ausfuhr beläuft ſich auf
33 360 704 000 Franken im Gewicht von 27 289 671 Tonnen. Gegenüber
dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ſtellt dies einen Rückgang um
217 167 000 Franken dar, dagegen eine Steigerung um 2 627 033
Ton=
nen. Die Statiſtik für den Monat Auguſt allein weiſt einen
Ausfuhr=
überſchuß von 5 969 000 Franken aus.
Metallnotierungen.
Die Berlimer Metallnotierungen vom 20. September ſtellten ſich für
Elektrolytkupfer prompt eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam (Not.
der Vereinigung f. d. d. Elektrolytkupfernotziz) auf 142.25 RM. — Die
Notierungen der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die
Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung
und Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium, 98= bis 99, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 190 RM., desgl. in
Walz= oder Drahtbarven 99proz. 194 MM.; Reinnickel, 98= bis 99=proz.
350 RM., Antimon Regulus 85—92 RM., Feinſilber (1 Kilogr. fein)
78.00—79.50 RM.
Die Berliner Metallnotierungen vom 20. September ſtellten ſich für
Kupfer: Januar 130.25 (130.50), Februar und März 130.00 (130.75),
April bis Juni 130.00 (130.50), Juli und Auguſt 130.25 (130.50), Sept.
129.50 (131.00), Oktober 130.75 (131.00), November 130.25 (130.50),
Dezember 130.25 (130,75). Tendenz: feſt. — Für Blei: Januar bis
Auguſt 43.75 (44.00), September 44.00 (44.50), Oktober 43.50 (43.75),
November 43.50 (44.00), Dezember 43.75 (44.00). Tendenz: kaum
be=
hauptet. — Für Zink: Januar und Februar 48.00 (48.75), März
48.00 (49.00), April und Mai 48.50 (49.00), Juni bis Auguſt 48.50
(49.25), September 48.00 (49.75), Oktober 48.25 (49.00), November 48.00
(49 00), Dezember 48.00 (48.75). Tendenz; ruhig. — Die erſten Zahlen
bedeuten Geld, die in Klammern Brief.
Die Metallnotierungen an der Londoner Börſe vom 20. September
ſtellten ſich für Kupfer: (Tendenz: feſt) Standard per Kaſſe 64:/1
bis 64½, drei Monate 64½—64½, Settl. Preis 64½, Elektrolyt 70½
bis 70¾, beſt ſelected 671 —68½, Elektrowirebars 70¾; für Zinn:
(Tendenz: unregelmäßig) Standard per Kaſſe 216½4—217, drei Monate
213½—213¾, Settl. Preis 2163, Banka (inoff.) 224¾, Straits (inoff.)
220½; für Blei: (Tendenz: ſtetig) ausländ, prompt und Settl.
Preis 22½, entf. Sichten 21½/½; für Zink: (Tendenz: ſtetig)
ge=
wöhnl. prompt und Settl. Preis 24½, entf. Sichten 24½. —
Inoffi=
zielle Notierungen: Antimon Reg., chineſ. per 38½, Queckſilber 24½
bis 24½, Wolframerz 1578.
Viehmärkte.
* Darmſtädter Schlachtviehmarkt vom 20. September. Aufgetrieben
waren 162 Kälber, 12 Schafe, 12 Ochfen. Es wurden bezahlt pro Pfd.
Lebendgewicht: Kälber a) 66—70, b) 58—65, c) 52—57; Schafe 38—42
Pfg. Marktverlauf ſchleppend, Ueberſtand.
Mannheimer Viehmarkt vom 20. September. Zum heutigen
Klein=
viehmarkt waren zugetrieben und wurden die 50 Kg. Lebendgewicht je
nach Klaſſe gehandelt: 172 Kälber 44—75, 24 Schafe 42—46, 166
Schweine 67—78, 689 Ferkel und Läufer, Ferkel bis 4 Wochen 10—14,
über 4 Wochen 14—22, Läufer 22—30. Marktverlauf: Mit Kälbern
ruhig, langſam geräumt; mit Schveinen ruhig, Ueberſtand; mit
Fer=
keln und Läufern ruhig.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 20. September. Der Auftrieb
des heutigen Nebenmarktes beſtand aus 71 Rindern, 926 Kälbern, 340
Schafen und 507 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb des
Neben=
marktes der Vorwoche waren 340 Kälber, 100 Schafe und 275 Schweine
weniger angetrieben. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht:
Käl=
ber b 78—81, c 73—77, d 63—72; Schafe a 48—52, b 40—47, c 30—39:
Schweine b 73—76, c 72—76, d 70—75, e 67—72. Im Vergleich zu den
Notierungen vom Montag, den 17. ds. Mts., waren Kälber und
Schweine je 1 Mark billiger, Schafe gaben 2—4 Mark nach.
Markt=
verlauf: Schweine ſchleppend, Ueberſtand. Kälber rege, ausverkauft.
Schafe ruhig, ausverkauft. Fleiſchgroßmarkt: Ochſen= und Rindfleiſch I
90—95, II 80—90, Bullenfleiſch 80—85, Kuhfleiſch II 50—60, III 30—50
Kalbfleiſch I 100—110, II 90—100, Schweinefleiſch 88—95; Gefrierfleiſch,
Rindfleiſch, Vorderviertel zollfrei 54, verzollt 70, Hinterviertel 62
hzw. 80.
Frankfurter und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 20. Sept.
Die Börſe ſtand heute im Zeichen einer erheblichen Unſicherheit, die
hervorgerufen wurde durch die ſtarke Anſpannung der internationalen
Geldmärkte. (Namentlich in New=York war Tagesgeld ſcharf, ſo däß
der Satz ſehließlich eine Erhöhung bis 8½ Prozent erfuhr.) Dazu
kamen die unverändert große Intereſſeloſigkeit des privaten Publikums
und die Vorbereitungen zum Ultimo. Die Kuliſſe ſchritt weiter zu
Ab=
gaben, die auf einen weniger aufnahmefähigen Markt trafen. Es
tra=
ten daher zu den erſten Notierungen überwiegend neue Kursabſchläge
von etwa 1—2 Prozent ein. Eine ſtärkere Einbuße erlitten wieder die
Reichsbankanteile, die 4 Prozent niedriger einſetzten. J. G. Farben
waren 1¾ Prozent ſchwächer, auch Scheideanſtalt angeboten mit minus
1½ Prozent. Am Elektromarkt gaben die geſtern abend etwas
gefrag=
ten Feltenaktien 2 Prozent nach, A. E. G. und Licht u. Kraft verloren
je 1½ Prozent, Gesfürel minus 1¾ Prozent. Stärker abgeſchwächt
waren Chadeaktien mit minus 7 Mark und Siemens mit minus 3
Pro=
zent. Von den Autoaktien büßten Adlerwerke 1 Prozent und Daimler
1½ Prozent ein, während N. S.U. gut behauptet blieben. Montanwerte
waren meiſt wenig verändert, Rheinſtahl 1 Prozent ſchwächer. Gut
behauptet eröffneten Metallgeſellſchaft, Junghans, Cement Heidelberg
und Wayß u. Freytag. Die Umſatztätigkeit war im allgemeinen wieder
auf ein Minimum beſchränkt. — Deutſche Anleihen waren vernachläſſigt,
von Auslandsrenten Rumänen etwas ſchwächer. Im Verlaufe kam das
Geſchäft ganz zum Stillſtand. Die Kurſe neigten weiter zur Schwäche.
Tagesgeld war zu 5¾ Prozent ziemlich flüſſig infolge frühzeitiger
UII=
timovorbereitungen. Am Deviſenmarkt nannte man Mark gegen
Dol=
lar 4.1959, gegen Pfunde 20.350. London=Kabel 4.8512½, Mailand
92.78, Paris 124.23.
Die Abendbörſe war überwiegend befeſtigt. Die Spekulation nahm
in einzelnen Werten Deckungen vor. Auch regte die feſtere
Kursmel=
dung an der Pariſer Börſe an. Beſondores Intereſſe beſtand für
Kaliwerte, Felten und J. G. Farben. Der Rentenmarkt lag
vollkom=
men umſatzlos Im weiterm Verlaufe wurde die Börſe ſehr ſtill,
brachte aber kaum noch Veränderungen. An der Nachbörſe nannte
man A. E. G. 186. Im eizelnen nannte man: Commerzbank 188,
Metall=
bank 136,5, Reichsbank 305, Buderus 84, Gelſenkirchen 126, Hapag
160,5, Adlerwerke 131,75, A. E.G. 183,25, Holzmann 140, N. S.U. 51,
Rütgerswerke 103, Wauß u. Freytag 142.
Berlin, 20. Sept.
Im Gegenſatz zum vorbörslichen Freiverkehr, der bei zwar größter
Zurückhaltung gegenüber den geſtrigen Schlußnotierungen noch gehaltene
Kurſe zeigte, eröffnete die Börſe in einheitlich ſchwächerer Tendenz.
Trotz der leichten Entſpannung am Geldmarkt und der Ermäßigung
des Tagesgeldſatzes hinterließ der ſchwache Verlauf der geſtrigen New=
Yorker Börſe und das ſcharfe Anziehen des dortigen Geldſatzes eine
nachhaltende Verſtimmung, die noch durch die Meldungen von der
un=
ſicheren Tendenz der übrigen weſtlichen Börſenplätze verſtärkt wurde.
Die Spekulation und auch die Provinz nahmen Poſitionslöſungen vor,
die aber bei der allgemeinen Geſchäftsſtille trotz ihres begrenzten
Um=
fanges empfindliche Kursabſchläge zur Folge hatten. Nach Feſtſetzung
der erſten Kurſe blieb die Tendenz weiter ſchwach. Die Spekulation
ſchritt teilweiſe zu Leerabgaben. Ausgehend vom Montanmarkt, an dem
größere Käufe von erſten Firmen getätigt wurden — man verwies auch
auf die internationale Kupferhauſſe — konnte ſich die Tendenz gegen
Schluß des offiziellen Verkehrs allgemein leicht befeſtigen. Die
Speku=
lation ſchritt teilweiſe zu umfangreichen Deckungskäufen. Die Börſe
ſchloß in feſter Haltung. Auch nachbörslich blieb die Tendenz freundlich.
A. E. G
Augsb.=Nürnb. Maſch.
Baſalt.
Bergmann. .
Berl. Karlsruhe Ind.
Berl. Hand.=Geſ..
Braunkohl. Briketts
Bremer Wolle.
Danatbank. .
Deutſche Bank. . .
Diskontogeſ. .
Dresdner Bank. . .
Deutſche Maſchinen.
Deutſche Erdöl .....
Deutſche Petroleum.
Tynamit Nobel ...
Elektr. Lieferung ..
F. G. Farben..
Gelſenk. Berg. .
G. f. elektr. Untern. . .
Han. Maſch.=Egeſt. . .
Hanſa Dampfſch. . .
Hapag ..........."
Harpner... . . . . . .."
Hemoor Zement. . .
Deviſenmarkt.
Selſingfors".
Wien .......
Prag .......
Budapeſt ..."
Sofia ......"
Kolland .....
Lslo ...... .."
Kopenhagen".
Stockholm .. .
London ....."
Buenos Aires
Neu=York
Belgien ..
Paris".
Schweiz
Spanien.
Danzig
Japan..
Rio de Janeiro
Vortugal...
Athen ....
Konſtantinopel
Kanada. .
Uruguay..
Produktenberichte.
Mannheimer Produktenmarkt vom 20. September. Trotz etwas
en=
höhter Auslandsforderungen (man verlangte für Manitoba III 1125
Baruſſo, 78 Kg., 11,40, Kanſas 12, Auſtralweizen 12,40 Fl.) blieben
die Preiſe im Waggongeſchäf: bei ruhiger Tendenz ziemlich
unverän=
dert. Man verlangte für die 100 Kg. waggonfrei Mannheim ohn=
Sack: Weizen inl. 23, ausl. 25—28, Roggen inl. 22,25—22,50, ausl. 2u
bis 23, Braugerſte, budifhe, heſſiſche und würitembergiſche 26,50—250
Pfälziſche 27.50—28,25. Futtergerſte 20,50—20,75, Mais mit Sack 2025
his 20,75, ſuddeutſches Weizenmehl, Spezial Null, 33,50, ſüddeutiches
Roggenmehl, je nach Ausmahlung, 29—32, Weizenkleie 12,75—13,
Bier=
treber mi: Sack 13—18,50.
Frankfurter Produktenbericht vom 20. September. Der Markt zeigte
heute auf Grund der etwas feſteren Auslandsmeldungen eine
freund=
lichere Haltung. Nach dem matten Verlauf des geſtrigen Hauptmarktes
konnte ſich aber nur ſchwer einiges Geſchäft entwickeln. Das Angebot
blieb groß. Die Preiſe waren unverändert. Weizen 22.25, Roggen B.
Hafer inl. 21.75—22.25, Mais 20, Weizenmehl 33—33.50, Roggenmehl
30, 25—31, Weizenkleie 12.90, Roggenkleie 13.25.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
* Chicago, 2. Sept. (Priv.=Tel.)
Weizen: Auf ungünſtiges Wetter ka es am heutigen Weizenmarkt
zu einem Anziehen der Preiſe. Als ſpäter beſſere Wetterprognoſen
herauskamen, erfolgte ein teilweifer Rückgang.
Mais: Lebhafte Deckungen in September=Ware und Meldungen
über kleinere Maisvorräte in Argentinien ließen die Preiſe anziehen,
unterſtützt durch die beſſere Liverpooler Nachfrage. Auf baiſſelautende
Beuichte aus Kanſas trat im Verlaufe eine teilweiſe Reak=ion ein.
Roggen: Deckungskäufe in September=Ware und die beſſere Ven
faſſung des Lokomarktes bewirkten eine Erhöhung ber Preiſe. Die
gün=
ſtige Auslandsnachfrage und Käufe öſtlicher Firmen ſtimulierten
ebenfalls.
Hafer konnte ſich ebenfalls befeſtigen auf geringes Angebot und
ungünſtige Wetterberichne.
* New York, 20. Sept. (Priv.=Tel.)
Kaffee: Anfang3 verkehrte der Markt bei ruhigem Geſchäft in
ſchvächerer Haltung. Später zogen die Preiſe an, als ſich
Deckungs=
bedürfnis des Handels zeigte.
Zucker: Auf Poſitionslöſungen der Spekulation und Abgaben des
Handels ſetzten die Preife ermäßigt ein. Der ſchleppende Abſatz von
Raffinadezucker verſtimmte ebemfalls. Gegen Schluß wurden dann
inige Deckungen auf dem ermäßigten Preisniveau vorgewommen.
269.— 269.— 148.75 Wittener Gußſtahl ... 55.5 55.5 19. 9. 2 9. Geld Brie Geld Brief 21.915 21.955 21.92 1.96 16.36 6.40 16.36 6.40 80.65 80.81 80.665 80.825 69.26 69.42 69.20 69 34 81.27 81-4: 81. 26 81.42 1.925 1.92 1.921 1.925 10.4995 1.5015 .500 0.502 7.370 7.384 7.368 7.382 18.85 18.89 18.88 18.92 5.425 5.435 5-425 5.435 2. 168 2.172 2.173 2.177 4.192 4.20 4.192 4.200 4.266 4.274 4.266 4.274
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 20. Sept.:
Getreide. Weizen: Sept. 110½, Dez. 114½, März 119½;
Mais: Sept. 102½, Dez. 76½, März 78½; Hafer: Sept. 427,
Dez. 42½, März 43½; Roggen: Sept. 99½, Dez. 97½, März
100½.
Schmalz: Sept. 12,35, Okt. 12,37½, Dez. 12,62½, Jan. 1929
12,85.
Fleiſch. Rippen: Sept. 14,05, Okt. 13,87½, Dez. 13,62½;
Speck, loko 14,50; leichte Schweine 11,10—12,90; ſchwere Schweine
12,00—12,75; Schweinezufuhren: Chicago 17000, im Weſten
55 000.
Baumwolle: Oktober 17,05, Dezember 17,17.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 20. Sept.:
Getreide. Weizen: Rotwinter 160½, Hartwinter 127½: Mais,
neu angek. Ernte 91½; Mehl, ſpring wheat clears 5,60—6,00;
Fracht: nach England 1,3—2,0 Schilling, nach dem Kontinent
3—13 Cents.
Schmalz: Prima Weſtern, loko 13,10; Talg, extra, loſe 87.
Kakav. Tendenz: ſtetig; Umſatz in Lots: 114: Loko: 1094;
September 10,38, Oktober 10,46, November 10,60, Dezember
10,82, Januar 1929 10,95, Februar 10,99, März 11,10, April
11.16, Mai 11,24.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Verwaltung der Aquila A.=G., Frankfurt a. M., ſchlägt für das
am 31. März 1928 abgelaufene Geſchäftsjahr wieder 6 Prozent Dividende
auf 6 Mill. RM. Aktienkapital vor.
Wie wir erfahren, beſteht beim Rheiniſchen Braunkohlenſyndikat
nicht die Abſicht, zu der am 27. September ſtattfindenden Sitzung des
Reichskohlenrates einen Antrag auf Preiserhöhung zu ſtellen.
Infolge der am 8. Oktober ſtattfindenden Ausloſung wird die
Alt=
beſitzanleihe des Reiches Nr. 1—90 000 vom 5.—8. Oktober einſchließlich
nicht notiert. Alle bis zum 4. Oktober getätigten Geſchäfte müſſen bis
am 6. Oktober erfüllt ſein.
Der Roheiſenverband hat beſchloſſen, für den Monat Oktober die
Preiſe unverändert beizubehalten. Ebenſo erfahren auch die Zahlungs=
und Lieferungsbedingungen keine Veränderungen.
Am 17. ds. Mts. begannen im Prager Finanzminiſterium die
Ver=
handlungen der Tſchechoſlowakei mit dem jugoſlawiſchen Delegierten
bezüglich der Regelung der auf alte öſterreichiſch=ungariſche Kronen
lautenden Forderungen. Die Beratungen ſtellen eine Fortſetzung der
bereits im Jahre 1921 begonnenen Verhandlungen dar.
Die polniſche Handelsbilanz für den Monat Auguſt ſchließt
wie=
derum mit einem Defizit von 62 441000 Zloty. Das Defizit iſt diesmal
um 24 232 000 Zloty niedriger als im Juli. Der Import hat ſich um
29 421 000 Zloty erniedrigt. Gleichzeitig iſt aber der Export auch um
5 189 000 Zloty zurückgegangen.
Arienalsant, Kommanontgefesſchäfe
Frankfurter Kursbericht vom 20. September 1928.
6% Dtſche.
Reichs=
anleihe von 1927
6% Baden
Frei=
ſtaat von 1927..
6% Bay. Freiſtaat
von 1927 ...."
6% Sachſen
Frei=
ſtaat von 1927..
7% Thüringer
Frei=
ſtaat von 1927.
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. + 1,
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub
Dtſche. Schutzge
bietsanleihe
8% Bad.=Bad. v. 26
5%Berlin v. 24
3½ Darmſtdt. v. 26
7% Frkf. a. M. v. 26
8%Mainz v. 26.
8½Mannh. v. 26
8%Nürnberg v. 26
25 Berl. Hyp.=Bf.
3% Frkf. Hyp.Bk.
Pfbr. „
8% Heſſ. Landesol
89 Kom.
Landes=
bank. Darmſtadt
53
8½ Mein. Hyp.B!
8% Pfälz. Hyp.Bk.
8% Preuß. Ctr.
Stadtſchaft. . . . .
87.4
79.5
84
52.5
16.85
93
88.5
92‟,
8%Rhein. Hyp.=Bk.)
8% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit..
80 Südd. Bod.-
Cred.=Bank
8% Wßürtt. Hyp.=B.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
* Ausl. Ser. I
Ser. I
6% Daimler Benz
von 27 ...
80 Klöckhn=Werke
Berlin v. 26..
% Mcinkrw. v. 26.
7% Ver. Stahlw.
mit Opt. v. 20
8% Voigt & Häffner
v 26 ........
98
97.5
97.5
97.5
5% Bosn. L. E. B.v.
1914 ........"
4½% Oſt.
Schatz=
anw. v. 1914
4% Oſt. Göldrente
4½% Rum. Gold
von 1913 ..
40 Türk. Admin.
4%
1. Bagd.
4% „ Zollanl.
4½% 1913 Ungarn
„ 1914
4% Ung. Godr.
Aktien
Allg. Dt. Creditanſt
Bk. f. Brauinduſtr
Berl. Handelsgeſ..
Tomm. u. Privatb.
M.75
97.75
98
52.25
68.75
76
93
85.25
86
92.5
39.25
31.05
24.5
11.75
138.4
188.5
Darmſt. u. Nt.=Bk.,
Deutſche Bank ...
Eff.=u.
Wechſel=
bank .. . . . . ...
Vereinsbank".
Diskonto=Geſellſch..
Dresdner Bant ...
Frankf. Bank ... . .
Hyp.=Bk..
Pfdbr.=Bk. 153.5
Gotha. Grundkr. B./137
Mein. Hyp.=Ban
Metallbank. . . . . . .
Mitteld. Creditbk.
Nürnb. Vereinsb
Oſt. Creditanſtalt . .
Pfälz. Hyp.=Ban
Reichsbank=Ant. . . 304.5
Rhein. Creditbanl
Hyp.=Ban
Südd. Bod.-Cr. Bk
Wiener Bankverein
2a6
167.25
A.-G./. Verkehrswi.
Dt. Eiſenb.=Geſ...
70 Dt. Reichsbahn=
Vorzge.
Hapag.
Nordd. Lloyd.
Schantung=Eiſenb.
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Accum. Berlin
Adlerw. (v. Kleyer)
6% AEG. Vorzug
AEG. Stamm.
Baſt Nürnberg ..
Bergm. El. Werke
BrownBoverickCie
Brüning & Sohn
126.5
101
164.25
170
113
148.25
139.5
137.25
195
169
35
160
125.5
197.5
84
15.25
183
166.5
92.5
160
R.
124.5
132.25
84
82
182.25
Mfed He
Cement Heibelberg/1.35.25
Karlſtadt /172
Chem.WerkeAlbert. / 85
Fabrik Milch
Dalmler=Benz ... /103.25
Dt. Atl.=Telegr.. /143
Eiſenh. Berlin
Erdöl
Gold= u. Stib.=Anſtalt /217
Linoleumwerk . /360.25
Eichbaum, Brauer.
Elektr. Licht u. Kraft /217
Liefer.-Geſ./178.75
Eſchw. Bergwerk ./222
Eßlinger Maſchinen 46‟
Ettlinger Spinnerei/225
Faber, Fo)., Bleiſt. 351
F. G. Farbenindſtr. 260.5
Felt. & Guilleaum. /154.75
Feinmech. (Fetter)/ 80
Freft. Ga3".
146.75
Hof".
99.5
Geiling & Cie.
74
Gelſenk. Bergwerk/125‟,
Geſ. elektr.
Un=
ternehmungen ..
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen, 127
Grün E Bilfinger. 1170.5
Hafenmihle Frrft. /140
Hammerſen (Osn.)
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf, 187
Hilpert Armaturfb. 89
Hindrichs=Aufferm. 107
Hirſch Kupfer .. . . 1136
Hochtief Eſſen .../ 78.75
Holzmann, Phil. . .
Holzverk.=Induſtrie
Ilſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans Stamm.
Krl. Aſchersleben.
Salzdetfurth
Weſteregeln
Kammgarnſpinn
Karſtadt, R..
Klein, Schan z.
Klöcknerwerke
Kraftw. Alt=Württ
Lahmeye:& Co..
Lech, Augsburg ...
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Main: .=W. Höchſt
Main;. Akt.=Br.
Mannesm . Röhre
Mansfeld. Bergb.
Mars=Werke
Metallgeſ. Franlft.
Miag, Mühlenbau".
Motorenfb. Darmſt
Neckar,. Fahrzeug.
Nicblay. Hofbr
Dyerbedar:
Oſterr. Alpine Mon
Otavi Minen
Pe=
nion Frrf. /105.75
Phönix Bergbe
Reiriter. Gebb...
R. Braunkohlen..
(Elektr. Stamm
Stahlwerke ..!
Riebeck Montan .. .
Roeder Gb. Darmſt. 1
Rütgerswerke ...."
251
114.5
278
455
280
240
105
119
90
114
325
117.5
264
135.05
109
190
141.5
55.25
52
136
15.25
53.1
92
105.25
Schachtleben A. G.
Schöfferhof=Bind.
Schramm Lackfrb.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Eleitr.,
Schwarz Storchen
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Südd. Immobilien
Zucker=AG.
Strohſtoff. Ber.
Tellus Bergbau".
Thür. Lief.=Geſ...
Tucher, Brauerei.
Unterfr. Kr 4.-
Elel=
gir.=Verſ. .....
Ve ithwer!“
Ver. f. Chem. Ind.
Gummifabrik
Berlin=Fran1”.
Laurahütte..
Stahlwerte
Ultramarin. . .
„ Zellſt., Berlin
Vgtländ. Maſchinen
Voig & Haeffner./
Wanß & Freh tag. 142.25
Wege lin Rußfabrii
Werger Brauerei. /207
Bellſt. Aſchaffenbg.
Memel .. ..!.
Waldho
Allianz u. Stuttg.
Verſicherung ..
Frkft. Allg. Berſ.=G
Frankona Rück= u.
Mitv. . . . . . . . . .
Mannh. Verſich.
205.25
342
128.5
115
200.5
181
Mi
93.5
147.5
19
125
108.5
24.5
84.25
17.
144
86.5
16
40
260.75
185
war
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ent der Schölle
Blauer Himm
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Es gab keine
Eten. Palmbeagh
nrmpſte ſo ganz
echeit 2ſelde.
Palmbeach wat
brteliers blinzelte
m vor und war
noßen und ganzen
hiCle Freude habe
fe üigen Angeleger
Jawohl.
Girgis trat in
de ſechſten Stock
Avette de la 7
Es war ſieben
gegruhen. — —
Erneſt Gould
neun Uhr morgen
Sie ſtellte die
„Da biſt du je
Er ließ ſich ar
„Da bin ich 1.
ſs an die Lippen
Sie ſtrich mi
„Du tuſt mit
liebt zu ſein —
Er hatte die
Grückte ſeinen K.
miſches Liedchen z
„Giſela”, dach
Aoie Per on, welch
SSonntag zw. 5u
Thr die Armdand=
Wsmarckſtr. aufg
ſoben hat, iſt erlann
7 wird gebet, die
feu dbüro, Hügelſt
(Dzug, andernf. At
z ige erſtattet i
(*246101
Nute
erden gut u. preis
wert gebunden
Urn,
krife 4,
wie neu.
z. verk
Nummer 263
Freitag, den 21. September 1928
Seite 13
eörau zwötſchen zwbei Bellen.
Roman von Ludwig von Wohl.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin 1927.
Amerika war groß —
Sie waren zuerſt in New York geweſen.
Aber nur zwei Tage. New York iſt keine Stadt für
Geheim=
me. Es ſei denn, man lebt im Chineſenviertel.
Man muß irgendtvohin gehen, wo man das Leben hatte, das
un brauchte und wo man ſich doch abſchließen konnte.
Wo man ſie verſtecken konnte — abſchneiden von der
Außen=
mlt — — wie in einem Harem — — bis ſie ſich ergab.
Der Agent hatte ihm die kleine Villa in Palmbeach verſchafft,
außerhalb des Ortes lag — verſteckt unter den Rieſenbäumen
63 Parks. Sie war mit einem hohen Eiſengitter umgeben —
ztight. Gerade das richtige für eine gemütskranke Frau, hatte
v Agent gemeint.
Kairo wäre ihm natürlich lieber geweſen — tauſendmal lieber.
ger das bedeutete Seereiſe — Verkehr mit der Außenwelt.
Es ging nicht. Erſt wenn ſie ſeinen Namen trug. Dann frei=
— keine Stunde länger.
Elegante Automobile, deren friſcher Lack ſtreng und
ange=
uhmi in der warmen Sonne roch, rollten über die knirſchenden
bge braungelben Kieſes zwiſchen blühenden
Rhododendron=
gbüſchen hindurch. Unbekümmerte Mädchenhände hielten in
vergiſcher Fröhlichkeit das Steuer. Es war ein Bild wie auf
eern erſtklaſſigen Plakat für eine Badereiſe. —
Es war eine Muſterkollektion aus dem Koffer eines Gottes,
de mit der Schönheit ſeiner Schöpfung auf die Tour ging.
Blauer Himmel, weiße Häuſer, grüne Palmen, bunte
Koli=
hs — die beſte Jazzband der Welt — die reichſten Leute der
ſelt — das eleganteſte Hotel der Welt — —
Es gab keine Superlative, die vor Palmbeach ſtandgehalten
Itten. Palmbeach war einfach der Superlativ an ſich und
über=
mnipfte ſo ganz nebenbei in ein paar Ecken und Winkeln die
ehrweiz, Oſtende, Brighton, Biarritz, Trouville und Colombo.
Palmbeach war die Schatzkammer der Welt, und jeder ſeiner
bteliers blinzelte mit einem Auge zum Schöpfer aller Dinge
npor und war der Anſicht, daß der alte Herr ſeine Sache im
goßen und ganzen ganz nett gemacht hätte — daß er aber ſeine
ille Freude haben müſſe an dem, was ſie erſt aus der
halb=
frügen Angelegenheit gemacht hätten.
Jawohl.
Girgis trat in einen der Marmorkoloſſe ein und ließ ſich in
in ſechſten Stock fahren. Zimmer 181 —
Yvette de la Fayere lag im Bett.
Es war ſieben Uhr abends — einmal mußte der Menſch doch
asruhen. — — Sie war um neun Morgens aufgeſtanden, weil
ſ Erneſt Gould zu einem Segel=Trip eingeladen hatte. Um
run Uhr morgens! Eine Barbarei.
Sie ſtellte die Pralinés weg und lachte.
„Da biſt du ja wieder, kleiner Grieche.”
Er ließ ſich an ihrem Bettrand nieder.
„Da bin ich wieder”, ſagte er, erfaßte ihre Hand und führte
an die Lippen. Dabei hatte er die Augen geſchloſſen.
Sie ſtrich mitleidig über ſein Haar.
„Du tuſt mir leid, kleiner Grieche — es iſt ſchlimm, ſo
ver=
lext zu ſein — — ich kenne das.”
Er hatte die Arme um ihre ſchlanken Hüften geſchlungen. Sie
ſtürckte ſeinen Kopf an ſich und begann halblaut ein altes
breto=
ſiſches Liedchen zu ſummen.
„Giſela”, dachte Iskander Girgis.
Als Girgis die Hoteltreppe herunterkam, fühlte er, daß der
Blick eines Mannes in der Halle feſt auf ihn gerichtet war.
Er hörte auch eine Stimme ſagen:
„Das iſt Mr. Girgis, mein Herr.”
Erbittert und zerfallen mit ſich ſelbſt, hätte er ihm trotzdem
keine Beachtung geſchenkt, wenn ihm nicht plötzlich eingefallen
wäre, daß er den Mann kannte. Das mußte Tancred J. Moran
ſein! Die Dutzende von Zeitungen, in denen ſein Bild erſchienen
war, hatten ihn ſeinem Gedächtnis nicht ſo ſcharf eingeprägt wie
der eine Moment damals im Shepheard!
Die Blicke der Männer bohrten ſich ineinander.
„Mr. Girgis?”
„Der bin ich. Mit wem habe ich die Ehre?”
„Ich bin Tancred Cecil Moran. Würden Sie mir ein paar
Minuten das Vergnügen machen —
„Ich bin ganz zu Ihrer Verfügung, Mr. Moran.”
Schweigend verbeugte ſich der Amerikaner.
Sie gingen in einen der zahlreichen kleinen Rauchſalons und
ſetzten ſich. Moran bot eine Zigarette an.
Girgis dankte.
Eine lange Pauſe.
Die Augen des Griechen wurden fragend.
„Ich bin ſoeben hier angelangt” begann Moran. „Ich komme
von Detroit, wo ich meinen Prozeß in Ordnung gebracht habe.
Sie kennen ja die unangenehme Geſchichte —”
Er ſprach leicht, faſt oberflächlich, wie von einer läſtigen, aber
bedeutungsloſen Angelegenheit.
„Der Tod meiner Frau verhinderte nicht, daß die Ehe für
un=
gültig erklärt wurde. Damit war die ganze Sache erledigt. Das
einzige, was mich beunruhigt, iſt, daß ich ſeit faſt zwei Monaten
nichts von der Prinzeſſin Thraun gehört habe."
Der Grieche zuckte ganz leicht zuſammen.
Er hatte ſich ſehr in der Gewalt. Aber es war Moran doch
nicht entgangen.
„Ich fühle mich in gewiſſem Sinne verantwortlich für die
Prinzeſſin”, fuhr er fort. „Ich habe die Dame durch eine einfache
Dummheit — einen ganz unſinnigen Zufall — in eine äußerſt
prekäre Lage gebracht. Es iſt mir wohl gelungen, die öffentliche
Meinung umzuſtimmen — ihren Ruf ſozuſagen
wiederherzuſtel=
len —, aber ich weiß nicht, was aus ihr ſelbſt geworden iſt. Alle
meine Verſuche, ſie zu finden — ſeit langer Zeit —, ſchlugen fehl.”
Girgis rückte auf ſeinem Stuhle hin und her.
„Ich ſprach nun darüber mit meinem Anwalt, Mr.
Bur=
roughs, den ich aufſuchte, ſobald ich drüben in Texas ſein Kabel
erhalten hatte. Wenn ich das nicht bekommen hätte, ſäße ich
wahrſcheinlich heute noch in Texas. Mr. Bourroughs war ſeinen
Akten nach der Meinung, daß Sie über den Verbleib der
Prin=
zeſſin etwas wiſſen müßten. Ich erfuhr von Ihrem Aufenthalt in
Palmbeach, und — hier bin ich.”
Girgis lehnte ſich zurück.
Seine Stimme war voll erleſener Höflichkeit, als er fragte:
„Darf ich mich erkundigen, Mr. Moran, ob Sie eine — hm —
Berechtigung haben, ſich für die Prinzeſſin verantwortlich zu
fühlen?”
Tancred C. Moran ſchüttelte erſtaunt den Kopf.
„Ich ſagte Ihnen doch — durch meine Dummheit —
„Pardon, Mr. Moran — ich kenne dieſe Ihre Dummheit, wie
Sie es zu nennen belieben, aus zweierlei Quellen. Die erſte iſt
jede beliebige amerikaniſche Zeitung. Danach erklären Sie
angeb=
lich, daß Ihre ganze Bekanntſchaft mit der Prinzeſſin auf einer
Zimmerverwechſlung Ihrerſeits beruhe — erklären Sie Ihre
ganze Schuld, wenn man von einer ſolchen ſprechen könne, als
nur darin beſtehend, daß Sie durch — Sie verzeihen — zu ſtarken
Alkoholgenuß beeinträchtigt waren, wodurch die erwähnte
Zim=
merverwechſlung entſtanden ſei. Nun ſind Zeitungen etwas
reichlich unſicheres, und ich halte mich deshalb lieber an die zweite
Quelle
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Moran fühlte die eiskalte Ironie ſeines Gegners und kämpfte
mit einer wachſenden Erbitterung.
Was wollte dieſer Grieche! Worauf wollte er hinaus?
„Dieſe zweite Quelle — bin ich ſelbſt. Ich habe Sie im
Shepheard aus dem Zimmer der Prinzeſſin kommen ſehen. Uind
die Prinzeſſin iſt meine Verlobte und wird in kurzer Zeit meine
Frau ſein. Darum meine Frage.”
Heiße und kalte Wellen ſchlugen durch Morans Hirn.
Alles in ihm rang gegen unſichtbare Gegner.
Am liebſten hätte er — er wußte ſelbſt nicht warum — dieſem
eingebildeten Laffen eins auf den Kürbis gegeben. Aber dieſer
eingebildete Laffe war der Verlobte der Prinzeſſin Thraun. Und
im Anfang war der Gentleman —
„Mr. Girgis”, ſagte er und ſah dem Griechen voll und offen
ins Geſicht. „Ich gebe Ihnen beim Andenken meiner Mutter
mein Ehrenwort, daß ich im Prozeß hierüber nur die Wahrheit
und die ganze Wahrheit ausgeſagt habe. Ich hatte die
Prin=
zeſſin nie geſehen und —
Eine Handbewegung des Griechen unterbrach ihn.
Hochmütig ſchob Girgis das Kinn vor.
„Es bedarf Ihrer — Verſicherung in keiner Weiſe, Mr.
Mo=
ran. Durch den Umſtand, daß ich der Prinzeſſin meinen Namen
zu geben beabſichtige, erübrigt ſich wohl jede — Feſtſtellung
Ihrerſeits.”
Dabei hatte er Mühe, ſeine raſende Freude zu unterdrücken.
Er glaubte dem Amcrikaner. Und ein Geſpenſt, das ihn immer
wieder gequält hatte, war verſchwunden.
Moran aber war völlig verwirrt.
„Weshalb wollen Sie denn dann wiſſen, ob ich eine
Berech=
tigung habe, mich für die Prinzeſſin verantwortlich zu fühlen?”
fragte er verwundert.
Girgis zuckte die Achſeln.
(Fortſetzung folgt.)
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Der„Graf Zeppelin” nach Verlaſſen der Halle kurz vor dem Kommando: „Schiff voran! Fertig hoch!”
Das Rieſenluftſchiff gleitet aus der Halle.
„Graf Zeppelin”
über Süddeutſchland.
Fahrtbericht von Bord des Luftſchiffes.
Friedrichshafen, 20. Sept.
„Graf Zeppelin” iſt um 8 Uhr zu ſeiner zweiten Fahrt aufgeſtiegen.
ae Luftſchiff iſt auch diesmal ordnungsmäßig und glatt aus der Halle
cbracht worden. Bald darauf ſetzten die Motoren ein. Ihr Geräuſch
nicht ſtärker zu hören, als das Rattern der Eiſenbahnräder im
ſchniellzug. Nur fehlt jede Erſchütterung, und Seekrankheit iſt nicht zu
lfierchten. Nach einer Schleife über Friedrichshafen iſt das Schiff in
en igen Augenblicken über dem Bodenſee. Schon ſind wir ſo hoch, daß
zu von Romanshorn kommende Dampfer nur noch wie ein
Kinder=
ſilzeug ausſieht. Jetzt gibt uns einer der Steuerleute, von Schiller,
14 Fahrtziel an. Zugleich die erſte Ueberraſchung Zürich-Baſel. Schon
pefahren wir das wellige Hügelland zwiſchen dem Bodenſee und dem
üi icher See. Bald wird Zürich erreicht ſein, Ausſicht auf die Alpen.
Au Uhr wird Winterthur überflogen. Im Speiſeſagl und in den
ſaſſagierkabinen wird faſt ebenſo eifrig gearbeitet wie im übrigen
ſgäff. Preſſevertreter, Filmleute, Zeichner und Photographen ſind
m Werke, die denkwürdige Fahrt in Wort und Bild feſtzuhalten. 10
Nimuten ſpäter ſind wir ſchon über Zürich, der erſten großen Stadt
ui unſerer Reiſe. Nach einer Schleife über dem Züricher See geht es
ber Waldshut den Rhein entlang nach Baſel. Um 9.45 Uhr iſt.
ſafel erreicht. In der Nähe der franzöſiſchen Grenze geht es ganz
abe am Rhein entlang auf deutſcher Seite nach Norden. Ueber allen
eißeren Städten wird Poſt abgeworfen. Dieſe Gelegenheit wird von
en Paſſagiergäſten jedesmal eifrig benutzt. Bei der gleichmäßigen
Ge=
hwindigkeit von 120 Kilometer geht es raſch vorwärts. Um 10.30 Uhr
urd Freiburg erreicht. Auf dem Platz vor dem Münſter iſt alles
Bewegung und julllt dem Luftrieſen zu. Baden=Baden, die
ächſte Etappe!. Die an Bord befindlichen Journaliſten benutzen die
deregenheit, um dem hier zur Kur weilenden Reichsaußenminiſter Dr.
itreſemann einen Kartengruß abwerfen zu laſſen. Zehn Minuten lang,
is 1130 Uhr, kreiſt das Luftſchiff über Baden=Baden und umfährt
gbei den Morkur in weitem Bogen. Ein Verkehrsflugzeug war vom
ſluagplatz aus aufgeſtiegen, als das Schiff in Sicht kam, und nähert ſich
itzt dem Luftſchiff auf wenige hundert Meter. Jetzt, um 11 Uhr, gönnt
ch Dr. Eckener eine Ruhepauſe, und im Speiſeſaal erfahren die
Preſſe=
eute, daß ſie in 6—700 Meter Höhe fahren, wobei eine mäßige
Ge=
chvindigkeit von 110 Kilometer eingehalten wird. Als nächſtes Ziel
ezeichnet Dr. Eckener Karlsruhe, Mannheim und Frankfurt.
Zwiſchen Karlsruhe und Mannheim ſteigt das Schiff wieder etwas
iFer. Jetzt iſt es etwas dunſtiger und ſcheinbar auch etwas böiger
ſeworden; trotzdem ſpürt man im Schiff kaum mehr Schwankungen
Is in einen Dampfer bei leichtem Seegana. Aus dem Induſtriegebiet
an Mannheim grüßen die Pfeifen und Sirenen das Schiff; es iſt
215 Uhr.
„Graf Zeppelin” auf der Rückreiſe.
Von Worms kommend, flog „Graf Zeppelin” die Rheinebene
ent=
ag, ſtreifte um 1,20 Uhr Mainz. Nachdem der „Graf Zeppelin” kurz
rach 1 Uhr Mainz überflogen hatte, erſchien er um 1.15 Uhr, aus
weſt=
ſicher Richtung kommend, don zwei Flugzeugen des Frankfurter
Flug=
hafens begleitet, im Weichbilde der Stadt Frankfurt. Er flog ziemlich
Dr. Eckener.
„Graf Zeppelin” in Fahrt. (Im Kreiſe: Kapitän Lehmann.)
niedrig, aber mit großer Geſchwindigkeit. Er wurde von der
Bevölke=
rung mit großem Jubel empfangen. Als er den Börſenplatz
über=
flog, ſtockte der Verkehr für eine kurze Zeit, da die Börſenbeſucher ſich
den Anblick des gigantiſchen Luftrieſen nicht entgehen laſſen wollten.
Kurz vor 122 Uhr verließ er in ſüdlicher Richtung die Stadt. Um 135
Uhr wurde er bereits wieder über Darmſtadt, um 1,50 Uhr über
Pfung=
ſtadt und um 2,.10 Uhr über Heidelberg geſichtet, von wo aus er in
ſüdöſtlicher Richtung verſchwand.
Von den alten ſchwäbiſchen Neckarſtädtchen Lauffen und Marbach
ging es dann über Hoheneck nach der Landeshauptſtadt Stuttgar, die
kurz vor 3 Uhr erreicht wurde und eines der herrlichſten Bilder der
ganzen Reiſe bot. Dunn überquerte das Schiff den Prag=Friedhof,
wo Graf Zeppelin begraben liegt, um den kühnen Deutſchen mit dem
Schiff ſeines Namens zu ehren. In Stutgart war alles auf den
Bei=
nen und die meiſten Häuſer trugen Flaggenſchmuck. In 3—400 Meter
Höhe über der Stadt zog das Schiff mehrere Schleifen und flog dann
nach Eßlingen weiter. Es beſuchte Reutlingen und Tübingen und
er=
reichte bald, langſam höher gehend, den Donaudurchbruch von Beuren.
Um 4.10 Uhr kam der erſte Bodenſee=Zipfel in Sicht. Um 4.15 Uhr war
der Bodenſee bei Radolfzell ereicht, doch ſollte noch nicht gelandet
wer=
den, vielmehr begannen jetzt die
Geſchwindigkeitsmeſſungen über der 50 km
langen SireckeswiſchenKonſanzundSlockachl.
10 Minuten ſpäter begann bereits die Dauerfahrt über dem
Boden=
ſee. Die Soune ſtand ſchon ziemlich tief und tauchte die Voralpen und
das Bodenſeeland in eine herrliche Beleuhtung. Um 4,25 Uhr wird die
Inſelſtadt Lindau überflogen. Vor Bregen; ſtoppt das Schiff die Fahrt
ziemlich ab. bis es beinahe ſtillſteht. Das Schiff wendet ud es
be=
ginnt bezeits die Verſviegunn. Da das Schiff während der Fahrt ſehr
viel Benzol verbrauct hat, hat es mtürlich einen ſehr großen
Auf=
trieb, was bei Verwendung von Triebgas nicht der Fall wäre. Wie jetzt
bekannt wird, ergaben die Bodenſsemeſſungen eine abſolute
Marſchgeſchwindigkeit von 128 Kilometern pro
Stunde. Um 5 Uhr ſetzte „Graf Zeppelin” zur
Landung
an, und in langſamer Fahrt geht es gegen die Werft in immer tiefer
werdendem Abſtieg Friedrichshafen zu. Das Schiff ſetzt die
Landungs=
flagge. Während die Landemannſchaften unten ſich fertig machen, zieht
das Schiff noch einmal nach See zurück. Um 5.25 Uhr fallen die beiden
60 Meter langen Haltetaue vom Bug des Schiffes zu Boden, und nun
beginnt das intereſſanteſte Moment des Tages, das Niederholen des
Luft=
ſchiffes. Noch ſträubt ſich der Rieſe, aus ſeinem Element auf die Erde
herabzuſteigen. Aber Hunderte von Händen klammern ſich an die Taue,
und er muß nachgeben. Als Erſter verläßt Dr. Eckener das Schiff. Um
das Schiff nicht zu ſehr zu erleichtern, bleiben die Gäſte noch an Bord,
bis das Schiff nach dem hinteren Eingang der Luftſchiffhalle gezogen
iſt. 20 Minuten ſpäter können auch ſie die Kabine verlaſſen.
Dr. Eckener hat die Einladung der Saarbrückener
Flughafengeſell=
ſchaft zu einem Beſuch angenommen. Zurzeit befaßt ſich die
Regierungs=
kommiſſion mit dem vorliegenden Antrag, wird aber wohl keine
Schwie=
rigkeiten bereiten.
In 9ſtündiger Fahrt hat das Schiff 76 Menſchen über eine Strecke
von etwa 1000 Kilometer durch die Luft geführt. Alle, Laien und
Sach=
verſtändige, ſind von dem Flug begeiſtert, vor allem auch Kommandant
Roſental. Es gibt nur eine Ueberzeugung: „Graf Zeppelin” iſt das
beſte Luftſchiff, das je geſchaffen worden iſt.”
„Graf Zeppelin” über Darmſtadt.
Auf ſeiner erſten großen Rundfahrt überflog das neueſte und
größte Zeppelinluftſchiff geſtern auch Darmſtadt. Von Mannheim
war das Luftſchiff gegen 12,30 Uhr ſignaliſiert worden mit dem
Bemerken, es ſei in Richtung Darmſtadt—Frankfurt
weiterge=
flogen. Sehr ſchnell wurde der Darmſtädter Bevölkerung die
wahrſcheinliche Ankunft bekannt und wie ehedem vor vielen
Jahren, als wir zum erſten Male das wundervolle Schauſpiel
erlebten, waren ſehr ſchnell zahlreiche Dächer beſetzt. Von
über=
all wurde Ausſchau gehalten. Fabrikſirenen waren in
Bereit=
ſchaft um das Herannahen des Zeppelin durch ihr Geheul bekannt
zu geben und die Kirchenglocken ſollten ihm den Gruß Darmſtadts
entgegenhämmern.
Aber es blieb eine Enttäuſchung. Nach etwa einſtündigem
vergeblichen Warten, kam die Meldung, daß „Graf Zeppelin” in
Richtung auf das beſetzte Gebiet abgeſchwenkt ſei. Er war über
Worms und Mainz nach Frankfurt geflogen. Ganz überraſchend
tauchte dann das Luftſchiff um 1,45 Uhr aus Nichtung Frankfurt
kommend auf und blieb etwa 15 Minuten über Darmſtadt in
wundervoller Sicht. Im Gegenſatz zu Karlsruhe flog der „Graf
Zeppelin” über unſere Stadt verhältnismäßig niedrig, ſodaß die
Aufſchriften auch mit bloßem Auge zu erkennen waren. In
pracht=
voll majeſtätiſcher Fahrt zog das ſtolze Luftſchiff dahin, den
ſilberſchimmernden Rieſenleib im Gold der Sonne badend. Es
war ein kurzer, aber herrlicher Anblick. Ueber Darmſtadts
Gemar=
kung hinweg machte „Graf Zeppelin”, eine leichte Schwenkung
nach rechts und flog wieder der Bergſtraße entgegen.
Aa. Das Erſcheinen des neuen Zeppelinluftſchiffes über
Darmſtadt rief geſtern auch die Erinnerung an den Tag wieder
wach, an dem zum erſten Male ein Zeppelinluftſchiff
über Darmſtadt geſehen wurde. Es war am Samstag, den
31. Juli 1909, als das Luſtſchiff „A. II” unter der perſönlichen
Führung des Grafen Zeppelin auf ſeiner dritten großen Fahrt
zur „Ila” (Intern. Luftſchiffausſtellung) in Frankfurt unſere
Stadt paſſierte. Um ½12 Uhr nachmittags war es, als das
Luft=
ſchiff bei ſchönem Wetter unter dem Jubel von Zehntauſenden
über Darmſtadt in kaum hundert Meter Höhe erſchien und in
raſcher, ſicherer Fahrt nach Norden enteilte. Anderthalb Monate
ſpäter konnte Darmſtadt als erſte der deutſchen Städte das
ſeltfame Schauſpiel erleben, zwei Luftſchiffe zu gleicher
Zeit über ſeinen Dächern zu ſehen. Am 15. September, vorm.
½10 Uhr, erſchienen, von Frankfurt kommend, in gemeinſamer
Fahrt „2. III” und „Parſeval III” über Darmſtadt, ebenfalls
von einer tauſendköpfigen Menge erwartet. Der „Parſeval”
landete damals auf dem Exerzierplatz.
Nummer 263
Freitag, den 21. September 1928
Seite 15
Die Toene bodefahrt dasſotelet
der Triumphflug über Süddeutſchland. — Ein Kartengruß an Dr. Streſemann aus 6—700 m Höhe in Baden=Baden.
uf der Rückfohrt Geſchwindigkeitemeſſungen. — 42s Stunden Kilometer.— In 9 Stunden 41000 fm zurückgelegt.
Der Luftrieſe kreuzt über ſeinem Geburtsort Friedrichshafen.
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gungsordnung auf dem
Submiſſions=
wege vergeben werden.
Angebotsvordrucke ſind auf dem Büro
des bauleitenden Architekten zu erhalten,
wo auch Zeichnungen zur Einſichtnahme
offen liegen.
Die Angeboke ſind bis Donnerstag,
den 27. September 1928, nachmit=
(*24608
tags 5 Uhr, einzureichen.
Der bauleitende Architekt:
Architekt B. D.A. W. Pfuhl, Dipl.=Ing.
Nieder=Ramſtädterſtraße 75.
Bekanntmachung.
Die Verſteigerung in der
Heidelber=
gerſtraße 59 findet nicht ſtatt. (15048
Saß
ſtellvertretender Gerichtsvollzieher.
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Cnthüllung ei
für Afrika
zmmer 263
ſeich und Ausland.
Der Fall Brückner.
Schwerin, 20. September.
Miniſterialräte Dr. Barfurth, Dr. Jehs und
zerz hweriner Bürgermeiſter Dr. Wepel geben
ge=
gevgur der Darſtellung des jungen Täters folgendes
beltlotk!. „Die unterzeichneten perſönlichen Freunde
deszz urrn Miniſterialdivektors Dr. Brückner erklären,
da ß ihnen nicht richtig erſcheint, eine interne
Fami=
lieſwelegenheit in der Oeffentlichkeit zu behandeln.
Siteelären weiter, daß nach ihrer Kenntnis der
Dirmein Grund zur ſtrafrechtlichen Verfolgung des
Hehm Or. Brückner nicht vorliegt. Nur eine
unpar=
teürliſt Sachdarſtellung kann die Grundlage für ein
unüber eine moraliſche Schuld geben. Den
Unter=
geieöhen ſind Dinge bekannt geworden, welche Herrn
Barzter weitgehend entlaſten. Der Täter iſt, ebenfalls
wieeLniſterialdirektor Dr. Brückner aus Schwerin
ve swanden. Oberſtaatsanwalt Hennings, der auf
Gw der Strafanzeige gegen Dr. Brückner die
Un=
tevzrung in der Angelegenheit in die Hand nahm,
„u auch den Miniſterialdirektor Dr. Brückner
ſo=
fols anommen hat, erklärt, entgegen anders
lauten=
dein ſerüchten, daß ein Haftbefehl gegen Dr. Brückner
wedt erlaſſen ſei, noch in nächſter Zeit erlaſſen
wum). Das rätſelhafte Verſchwinden Dr. Brückners
beſdee alſo nicht, daß er ſich einer gerichtlichen
Be=
ſtyrgfix entziehen wolle. Der Oberſtaatsanwalt iſt
gu ieſem Grunde feſt überzeugt, daß Dr. Brüchner
ſioh utbegeben hat in der Abſicht, Selbſtmord zu
Bewier
laftentlaſſung von Stinnes?
Berlin, 20. September.
die Unterſuchungsbehörden haben beſchloſſen, erſt
ang vrmenden Dienstag in die Prüfung der Frage
eim Haftentlaſſung Hugo Stinnes” einzutreten, weil
bisu dieſem Zeitpunkt in der geſamten
Kriegsan=
lelchfäre die Ermittlungen abgeſchloſſen ſein
wer=
dem Nachdem bereits vor längerer Zeit das
ſoge=
nime Pariſer Kriegsanleihegeſchäft in ſeinen
Grund=
zu w völlig klargeſtellt war, haben nunmehr auch die
Airer Ermittlungen zu einer völligen Klärung der
ſo geannten rurmäniſchen Geſchäfte geführt.
Infolge=
diiſſt wird am Dienstag bei Hugo Stinnes eine
Ver=
d/mlangsgefahr nicht mehr vorliegen, ſo daß die
zu=
ſtinigen Stellen keine Bedenken haben dürften, der
Hafntlaſſung von Hugo Stinnes gegen eine
beträcht=
li chSicherheitsleiſtung zur Abwendung einer
Flucht=
geſer zuzuſtimmen. Ueber den Stand des
Verfah=
wmit noch zu berichten, daß die Ermittlungen ſich
iür er Hautf ache um die Frage drehen, wann
Scünes von der Ungeſetzlichkeit der Geſchäfte
er=
fſchen hat und was er getan hat, um die bereits
ein=
geteken Geſchäfte rückgängig zu machen. Stinnes
eAr”, daß er niemals dieſe Geſchäfto gemacht hätte,
Aen ihm bekannt geweſen wäre, daß ſie ungeſetzlich
ſ. Das habe er aber erſt ſpäter erfahren. Die
Unr uchungsbehörden ſind dagegen der Anſicht und
ſſun es nachzuweiſen, daß Stinnes ſehr bald von
G=Ungeſetzlichkeit der Kriegsanleihekäufe erfahren
Aü, jedenfalls ſchon zu einem Zeitpunkt, als es ihm
mit ſehr wohl möglich geweſen wäre, von den
Ge=
ſimter zurückzutreten.
Großfeuer in Heigenbrücken.
Aſchaffenburg. In dem Dampfſägewerk
mm Ficdler brach in dem Maſchinenhaus Feuer
au durch das das Gebäude vollſtändig eingeäſchert
md— Ein Uebergreifen des Feuers auf die großen
ſvorräte und den nahen Wald konnte verhindert
rſeei, ſonſt wäre infolge der langanhaltenden
akenheit eine Kataſtrophe unvermeidlich geweſen.
ſchwerer Unfall eines Gerichtsvorſitzenden.
Berlin. Der langjährige Vorſitzende der
Strafkammer des Landgerichts 2 Berlin,
Land=
gich-srat Siegmann, ſtürzte Donnerstag früh, auf
Wege zum neuen Kriminalgerichtsgebäude, von
mm. dicht beſetzten Autobus, der ins Schleudern
ge=
an war und blieb auf dem Pflaſter in einer
Blut=
ge bewußtlos liegen. Er wurde zur
Rettungs=
uche gebracht, wo man ſchwere Kopfverletzungen,
en Bruch des Unterkiefers und eine ſchwere
Ver=
ſrung des linken Armes, möglicherweiſe Gelenkbruch,
frtillte. Nach einer Stunde erlangte der Richter,
Fizwiſchen nach ſeiner Wohnung gebracht worden
v=) das Bewußtſein wieder.
(nthüllung eines Grabdenkmals
für Afrikaforſcher Peiers.
8 Grabmal für Dr. Carl Peters,
zehn Jahren verſtorbenen Begründer der
Deutſch=Oſtafrika, wurde auf dem
Engeſoh=
dhof in Hannover enthüllt. Das ſchlichte
trägt die Inſchrift: „Er erwarb
Deutſch=
ür ſein Vaterland”. — Bekanntlich war es
eugſamen Energie von Dr. Peters zu
ver=
aß die von ihm ins Leben gerufene „
Geſell=
deutſche Koloniſavion” 1884 die erſten
Ver=
träge in Oſtafrika ſchloß.
Freitag den 21 Seetembe. 1928
Schiff über Berg,
Das Motorſchiff „Konrad” paſſiert den Rollberg bei Buchwalde.
Unſer Bild zeigt nicht Noahs Arche auf dem Berge Ararat, ſondern das deutſche Motorſchiff
„Konrad” auf dem fahrplanmäßigen Wege von Oſterode nach Elbing. Der Waſſerſpiegel von
Oſterode liegt nämlich 96 Meter höher als der von Elbing. Der Waſſerſpiegel von Liebemühl,
das zwiſchen beiden Städten liegt, iſt ſogar 100 Meter höher als der Elbinger. Um dieſen
Unterſchied zu überwinden, baute man 5 ſogenannte Rollberge, auf denen die Schiffe auf Wagen
über Land gezogen werden. Es werden Motorſchiffe, von denen das größte 185 Perſonen faßt,
wie auch Laſtſchiffe bis zu 80. Tonnen auf dieſem Wege befördert. Das Heraufziehen und das
Herunterlaſſen der Schiffe auf den Rollbergen beſorgt das Waſſer ſelbſt. Hierzu hat man das
Gefälle an den Rollbergen benutzt, indem man in einem ſchmalen Graben das Waſſer umleitet
und dieſes dann ein Werk betreibt, das den Aufzug bewerkſtelligt. Die noch 1845 gefaßte Idee,
den Höhenunterſchied von 100 Meter auf dieſe Art zu bewältigen, iſt als genial zu bezeichnen,
da man ſonſt mindeſtens 10 Schleuſen von je 10 Meter Tiefe hätte bauen müſſen, die natürlich
rieſige Koſten verurſacht hätten, während ſo der Bau des geſamten Kanals und der
Rollberg=
anlagen nur 600 000 Reichsmark koſtete.
Erſter Streckenflug eines Schrauben=Flugzeugs.
Vorzüglich gelungene ſenkrechte Landung.
Das Schrauben=Flugzeug „Autogiro”
hat nach ſeinem erſten großen Streckenflug London—St. Inglevert-Paris in Le Bourget eine
vielbewunderte Landung vorgenommen. Der Erfinder La Cierva ſtellte in 2000 Meter Höhe den
Motor ab und ließ den Apparat mit Hilfe eines von ihm konſtruierten Flügelrades langſam
ſenk=
recht zu Boden niedergehen. Erſt drei Meter über der Landungsſtelle ließ La Cierva den Motor
wieder laufen. Das Flugzeug rollte nach dem Berühren des Bodens nur vier Meter weiter. —
Die ſenkrechte Landung bedeutet eine gewaltige Umwälzung im Flugverkehr. Anſtelle der zur Zeit
weit ausgedehnten Rollfelder wären nur kleine Flugplätze nötig.
Selbſtmordverſuch eines Berliner Stadtinſpektors
Berlin. Die Ermittlungen zur vollſtändigen
Aufklärung der Unterſchlagungen, die der Kaſſier
Rowolt von der Girokaſſe 53 der Berliner
Stadt=
bank beging, führten zu der Feſtſtellung, daß auch der
51 Jahre alte Stadtinſpektor Auguſt Storch in
dieſer Angelegenheit unkorrekt handelte. Es ergab
ſich, daß Storch ſchon 1926 um Unterſchlagungen
Ro=
wolts in Höhe von 28000 Mark gewußt, und daß er
ihm bei der Beſchaffung der Deckung geholfen hat.
Auch nachdem er jetzt die Unterſchlagung von 135 000
Mark aufgedecht hatte, hat Storch nicht ſofort Anzeige
gemacht, ſondern Rowolt auf deſſen Bitte eine
Schon=
friſt bewilligt. Storch war in dieſer Angelegenheit
auch ſchon vernommen worden und ſollte noch
ein=
mal gehört werden. Donnerstag morgen erſchien er
nicht auf der Dienſtſtelle. Gegen mittag fand man ihn
ſchwerverletzt im Keller liegen. Mit einem
Raſier=
meſſer hatte er ſich die Kehle durchzuſchneiden
ver=
ſucht. Storch wurde nach dem Krankenhaus gebracht,
wo er lebensgefährlich verletzt darniederliegt.
Ein außergewöhnlicher Verkehrsunfall.
Breslau. In der Bohrauer Straße verfing
ſich am Mittwoch ein Motorradfahrer in den Spiralen
eines Kupferdrahtes, der von Elektrizitätsarbeitern
quer über den Fahrdamm gelegt worden war. Der
Motorradfahrer zog den Draht etwa 40 Meter mit
ſich fort, wobei dieſer ſich ſtraff ſpannte und alles auf
dam Fahrdamm und Bürgerſteig mit ſich riß. Außer
einem Radfahrer wurden drei Kinder im Alter von
ſechs bis acht Jahren mitgenſchleift; ſie erlitten
ſchwere Quetſchungen und Hautabſchürfungen. Der
Motorradfahrer kam mit dem Schrecken davon.
Ein Kraftwagen von einer Lokomotive
über=
fahren.
Breslau. Am Mittwoch abend fuhr auf einem
unbewachten Wegübergang der Strecke Oppeln—-Neiße
ein Kraftwagen aus Neiße gegen die Lokomotive eines
Perſonenzuges. Perſonen wurden nicht verletzt. Das
Auto wurde ſchwer, die Lokomotive leicht beſchädigt.
Der Wagenführer erklärte, er habe das
Warnungs=
ſignal nicht gehört.
Hünefeld in Angora gelandet.
Konſtantinopel. Wie aus Angora
gemel=
det wird, iſt Freiherr von Hünefeld am Mittwoch
nachmittag auf dem dortigen Flugplatz glatt gelandet.
Das Opfer betrunkener Autofahrer.
Koblenz. Ein 19 Jahre altes Mädchen, das
in der Auguſtaſtraße vorſchriftsmäßig auf der rechten
Straßenſeite fuhr, wurde von einem Auto angerannt,
vom Rade geworfen und eine Strecke mitgeſchleift.
Das unglückliche Mädchen erlitt ſo ſchwere
Ver=
letzungen am ganzen Körper, daß es in
beſorgnis=
erregemdem Zuſtande ins Krankenhaus überführt
werden mußte. Die Autofahrer, die betrunken waren,
wurden von der Polizei verhaftet.
Ein Rieſenbrand im lothringiſchen Grenzgebiet.
Saarbrücken. Die große Remſinger
Ziegel=
hütte iſt durch ein Großfeuer vollſtänndig vernichtet
worden. Der Schaden wird auf mindeſtens eine
Mil=
lion Franken geſchätzt. Der größte Teil der etwa
500 Arbeiter iſt beſchäftigungslos. Die Löſcharbeiten
geſtalteten ſich bei der abgeſchloſſenen Lage des Werks
recht ſchwierig, um ſo mehr, als keine Waſſerleitung
vorhanden war und das Waſſer aus einem Bach
her=
beigeſchafft werden mußte. Außer der Feuerwehr von
Forbach und Merlenbach, war auch Militär zur
Hil=
feleiſtung herangezogen worden.
Aus Furcht vor Strafe in den Tod.
Saarbrücken. Bei dem Brand der Scheune
eines Landwirtes in Wiesbach wurde die verkohlte
Leiche eines achtjährigen Knaben aus den Trümmern
gezogen. Der Junge hatte ſich etwas zu Schulden
kommen laſſen und ſprang aus Furcht vor der Strafe
in das brennende Gebäude. Trotzdem ſofortige Hilfe
zur Stelle war, konnte er nur als Leiche aus den
Trümmern geborgen werden.
Mißerfolg der italieniſchen Ozeanflieger.
Mailand. Wie der „Corriere della Sera” aus
New York meldet, hat der Flieger Sabelli kurz nach
ſeinem Start nach Rom in Old Orchard wieder
um=
kehren müſſen, weil der Motor infolge eines
Ver=
gaſerfehlers zeitweiſe ausſetzte. Vor der Landung,
die glatt vor ſich ging, wurden 1200 Liter Benzin
abgelaſſen, um den Apparat zu erleichtern. An Bord
befanden ſich außer den Piloten Sabelli und
Wil=
liams zwei Italiener als Paſſagiere. Mit einem neuen
Start iſt erſt nach einiger Zeit zu rechnen
Geite 17
Die Sturmkataſtrophe
in Amerika.
Ausläufer des Tornados an der
nordamerikaniſchen Küſie.
New York, 20. September.
Die Ausläufer des weſtindiſchen Tropenſturmes
peitſchten geſtern die ganze atlantiſche Küſte bis
Bo=
ſton auf. In dem bekannten Badeort Atlantic City
erreichte der Sturm zeitweiſe eine Geſchwindigkeit von
72 Stundenmeilen. Die nach dem Meere zu gelegenen
Stadtteile von Atlantic City wurden überſchwemmt.
Die Seegiſcht ſpritzte 50 Fuß hoch über die
Strand=
promenade, doch iſt der angerichtete Schaden
verhält=
nismäßig gering. Die Ausläufer des Tornados
machen ſich durch Stürme bis in Neuengland und in
dem Seengebiet Nordamerikas bemerkbar, und aus
dieſen Gegenden werden vereinzelte Todesfälle und
erheblicher Sachſchaden gemeldet. Trotz der Schäden,
die die Stürme unter den Luxusjachten und den
klei=
neren Schiffen anrichteten, ſcheinen ſämtliche
Trans=
ozeandampfer fahrplanmäßig einzutreffen. Die
To=
tenliſte in Portorico und in Florida ſteigt noch
im=
mer, da in den abgelegenen Ortsgegenden ſtets neu?
Opfer feſtgeſtellt werden. Nach den letzten Meldungen
haben in dem Bergtal von San Sebaſtian auf
Por=
torico allein 46 Perſonen den Tod gefunden. Des
Rote Kreuz der Sowjetunion und das mexikaniſche
Rote Kreuz haben in Telegrammen dem amerikan: Roten Kreuz ihre Teilnahme ausgeſprochen.
Die Verbeerungen im Gebiet
des Okeeſchobee=Sees.
Weſt=Palmbeach (Florida), 20. Sept.
Der Orkan richtete die größten Verheerungen i.
dem Gebiet des Okeeſchobee,Sees an, wo die Zahl de
Toten auf über 400 geſchätzt wird. 200 Leichen, da
von die Hälfte Neger, wurden bereits beerdigt. 15 00
Menſchen ſind obdachlos, und leiden große Not. Hie
eingetroffene Flüchtlinge geben ergreifende
Schilde=
rungen von dem Zerſtörungswerk und den
Rettung=
verſuchen. Der Orkan wühlte den Okeeſchobee=See z.
Rieſenwellen auf, und gegen 11 Uhr in der Nacht zum
Sonntag brach der Seedeich. Ein rieſenhafter
Waſ=
ſerſchwall ergoß ſich in die Niederungen des öſtlichen
Ufers und überſchwemmte das Gebiet zwiſchen
Okee=
ſchobee=City im Norden und Belleglad im Süden. Das
Waſſer ſtand ſtellenweiſe neun Fuß hoch in den
Straßen. Die Bewohner der einſtürzenden Häuſer
flüchteten ſich in andere Wohnungen, die gleichfalls
von den Fluten fortgeſchwemmt wurden. Ein Farmer,
der ſich mit Frau und fünf Kindern retten konnte.
flüchrete nach dem Einſturz ſeines Hauſes auf ein
Hausboot, auf dem ſich bereits 150 andere Perſoner
befanden. Zahlreiche Menſchen trieben auf
Holz=
ſtücken in den Fluten umher und konnten das
Haus=
boot nicht erreichen. Andere hatten ſich auf die
ab=
gedeckten Hausdächer geflüchtet, die auf dem See
ſchwammen und verbrachten ſo die ganze Nacht. Di
ſanitären Verhältniſſe des Okeeſchobee=Sees ſind
furchtbar. Miliztruppen verſehenn einen
Patrouillen=
dienſt.
Ein blutiges Familiendrama.
Wien. Am Donnerstag früh ſpielte ſich in dem
Wiener Vorort Hietzing ein blutiges Familiendrama
ab. Nach heftigen Auseinanderſetzungen über Geld=
Angelegenheiten ſtürzte ſich die 49jährige Gattin des
um 10 Jahre älteren Regierungsrates und geweſenen
Verwaltungsrates der Zentralbank deutſcher
Spar=
kaſſen, Dr. Ferdinand Artmann, Frau Marie
Art=
mann, mit einem Waidmeſſer auf ihren Gatten und
verſetzte ihm 5. Stiche in die Bruſt. Der 16jährige
Sohn ſtürzte auf die Hilferufe des Vaters herbei und
ſuchte die Streitenden zu trennen. Frau Artmann riß
ſich los, zog einen Revolver und feuerte auf ihren
ſchon auf dem Boden liegenden Gatten einen Schuß
ab, der ihn in den Mund traf. Sie flüchtete dann in
das Badezimmer und jagte ſich ſelbſt eine Kugel in
die Schläfe. Als die Polizei erſchien, fand ſie den
Regierungsrat Artmann und ſeine Gattin als Leichen
vor. Wie verlautet, nahmen die Zwiſtigkeiten
zwi=
ſchen dem Ehepaar davon ihren Ausgang, daß
Divek=
tor Artmann, vor dem Kriege ein reicher
Großindu=
ſtrieller, ohne Wiſſen ſeiner Gattin deren ganzes
Ver=
mögen verſpekuliert und bei dem Zuſammenbruch der
Zentralbank deutſcher Sparkaſſen vor einigen Jahren
eingebüßt hat. Seither lebte das Ehepaar in
küm=
merlichen Verhältniſſen.
Die „Eiſerne Schwedin”
in Berlin.
Von Saßnitz nach Rom hoch zu Roß.
Baroneſſe Linde v. Klinckowſtröm
befindet ſich auf einem Diſtanzritt von Saßnitz nach
Rom und iſt auf ihrem Falben „Caſtor” in Berlin
eingetroffen. Die 26jährige mutige Reiterin will in
Tages=Etappen von 40 bis 60 Kilometern nach
München, ſodann über den Brenner nach Bologna
und Rom. Sie trägt ihr ganzes Gepäck in den
Satteltaſchen. Die ſporttüchtige Baroneſſe hat bereits
durch einen erfolgreichen Diſtanzritt Stockholm-Paxis
von ſich reden gemacht
Seite 18
Freitag, den 21: September 1928
Nummer 263
Palast- Lichtspiele, Grafenstrade
Paul Wegener „Der Dämon:
Aloma, die Blumedersüdsee
Freitag letzter Tag!
Ab Samstag:
„Das gefährliche Alter‟
Als „künstlerisch” anerkannter Großfilm mit Asta Nielsen,
Bernhard Goetzke, Walter Billa, Maria Paudler, Ernst
Rückert, Resel Orla, Hermann Vallentin
Mitglieder der Kulturfilmgemeinde mit Bühnenvolksbund,
der Volksbühne und Volkshochschule haben
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Platzvergunstigung.
Vorher: 1 Lustspieli Blaue Jungens und 1 Kulturfilm:
Ein moderner Druckerel-Betrleb
Zeginn 3½ Uhr
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Beginn täglich 3if Uhr
Residenz-Theater am weißen Turm
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Herbstzeit am Rhein
ein echter und rechter Rheinfilm in 6 Akten
mit Albert Steinrück, Grete Reinwald, Leo
Peukert, Sophie Pagay, Ika Grüning. Fritz
Kampers und Hermann Picha
Dazu:
Die Abenteder
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abends 8.15 Uhr
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Stadt=Orcheſiter.
Leitung Kapellmeiſter W. Schlupp
Eintritt frei.
Eintritt frei.
Reichhaltige Speiſenkarte.
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E. V.
Samstag, den 22. Septbr.,
abends 8 Uhr,
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Münchner Weißwürstchen.
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Eintritt Frel!
Eintritt Frei!
Deutſch=ebangeliſcher Frauenbund
Ortsgruppe Darmſiadt
Tagung des mitteldeutſchen Verbandes
Sffentlicher Vortrag
von Frl. von Werthern=Hannover
„Unser Dienst am
Gemeinschafts-
leben der Gegenwart”
Samsiag, den 22. September, abends 8 Uhr,
im Saale des Muſik=Vereins, Steinſtraße 24.
(15002) Eintritt frei!
Eintritt frei!
Sonntag, 23. Sept. und Montag, 24. Sept.
Kirehweihe
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